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BioLex

In der Kategorie BioLex finden Sie drei biografische Lexika mit über 5500 Personeneinträgen.

 

Das Handbuch "Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945" wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam. Kurzbiografien zu Personen des poltischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 vor. Zudem ist das Onlinlexikon www.dissidenten.eu komplett in dieser  Rubrik recherchierbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Inforamtionen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Handbuch Deutsche Kommunisten

Henke, Hugo

* 9.6.1888 – ✝ 3.5.1945

Geboren am 9. Juni 1888 in Jever; lernte Schmied. Er arbeitete in Rüstringen in seinem Beruf und war seit 1920 in der KPD aktiv. 1932 zog er für die Partei als Abgeordneter in den Oldenburger Landtag ein. 1933 in »Schutzhaft«, danach war er arbeitslos. Henke wurde von der Gestapo überwacht, doch eine politische Betätigung wurde ihm nicht nachgewiesen. Im August 1944 in der Aktion »Gewitter« verhaftet, er kam in das KZ Neuengamme. Während der Evakuierung des Lagers ist Henke bei der Bombardierung des mit 7000 KZ-Häftlingen überladenen Schiffes »Cap Arcona« am 3. Mai 1945 umgekommen.

Wer war wer in DDR

Hennecke, Adolf

* 25.3.1905 – ✝ 22.2.1975

Geb. in Meggen (Krs. Olpe, Westf.) in einer Bergarbeiterfamilie; nach dem Volksschulabschl. 1919 – 22 kfm. Lehre; anschl. beschäftigt als Lohnbuchhalter; dann arbeitslos; 1924/ 25 als Landarb. in Dreesch (b. Prenzlau); ab 1925 im westf. u. ab 1926 im sächs. Bergbau; 1928 Bergarbeiterverb.; 1931 RGO. 1946 SPD/SED; 1947 Besuch der SED-Parteischule in Meerane; 1948 Mitgl. der BGL der Steinkohlegrube »Karl Liebknecht« in Oelsnitz sowie des Verw.-Rats der VVB Kohle; H. begründete am 13.10.1948 auf Veranlassung von SMAD-Vertretern u. in Anlehnung an die sowj. »Stachanow-Methode« mit einer Normerfüllung von 387 Prozent die »Aktivisten-« bzw. »Hennecke-Bew.«; 1948 – 55 Mitgl. des Bundesvorst. u. der zentr. Wettbewerbskommission des FDGB; 1949 NP; 1949 – 67 Abg. der Volkskammer; Qualifizierung in Lehrgängen an der Wirtschaftsschule Mittweida (1949) u. an der Bergakad. Freiberg (1950); danach Hauptinstrukteur im Zwickau-Oelsnitzer Steinkohlenrevier u. Mitgl. der Kohlekommission der sächs. Landesreg.; 1951 – 53 Abt.-Ltr. für Rationalisierung im Min. für Schwerindustrie; ab 1953 wiss. Mitarb. im Min. für Kohle u. Energie, später im Min. für Grundstoffindustrie; außerdem ab 1954 Mitarb. in der SPK u. ab 1961 im Volkswirtschaftsrat; bis 1975 Mitgl. des ZK der SED; 1963 VVO; 1964 KMO; gest. in Berlin.Satjukow, S.: Der Arbeiterheld A. H. In: Satjukow, S., Gries, R.: Soz. Helden. Berlin 2002.Anette Leo / Jan Wielgohs

Wer war wer in DDR

Hennig, Werner

* 23.8.1928 – ✝ 9.2.1999

Geb. in Kleinforst (Krs. Oschatz); Vater Arbeiter; Volksschule; 1943/44 kfm. Lehre; 1944 RAD, 1945 Wehrmacht, tschech. u. sowj. Gefangenschaft. 1946 KPD/SED; techn. Mitarb. beim Ortsvorst. bzw. Krs.-Vorst. der KPD, dann KL der SED Oschatz; 1949 Einstellung bei der Verw. zum Schutz der Volkswirtschaft Sachsen (ab 1950 LV Sachsen des MfS), Dienststelle Oschatz; 1951 Versetzung zur Abt. Verw. u. Wirtschaft des MfS Berlin, 1952 Abt. Finanzen; 1954 stellv. Ltr.; 1957 – 60 Fernstudium an der Finanzabendschule beim Magistrat von Groß-Berlin; 1961 – 65 Fernstudium an der FS für Finanzwirtsch. Gotha; 1974 Ltr. der Abt. Finanzen; 1983 Gen.-Major; 1988 VVO; 1990 Entlassung; gest. in Berlin.Jens Gieseke

Handbuch Deutsche Kommunisten

Henning, Marie Henriette

* 26.12.1895 – ✝ 5.1.1948

(* 1895 – † 1948) Geboren am 26. Dezember 1895 in Hamburg. Sie war die Frau von Ernst Henning. Marie Henning war seit 1920 in der KPD, in der Frauenarbeit der BL aktiv. Nach der Ermordung von Ernst Henning entsandte die KPD sie in die Hamburger Bürgerschaft, der sie bis 1933 angehörte. Nach 1933 mehrmals inhaftiert, arbeitete sie 1945 aktiv im Komitee ehemaliger politischer Gefangener in Hamburg-Bergedorf mit. Marie Henning starb am 5. Januar 1948 in Hamburg.

Wer war wer in DDR

Henschke, Axel

* 15.5.1952

Geb. in Frankfurt (Oder); Vater Angest.; POS; 1968 – 71 Lehre als BMSR-Mechaniker mit Abitur; 1973 SED; 1971 – 73 Wehrdienst in der BV des MfS Frankfurt (Oder); 1973 – 75 Klimatechniker im VEB Halbleiterwerk Frankfurt (Oder); 1975 / 76 Lehrgang an der Jugend-HS »Wilhelm Pieck« beim ZR der FDJ; 1976 / 77 FDJ-Sekr. im VEB Halbleiterwerk Frankfurt (Oder); 1977 / 78 Sekr. der FDJ-KL Frankfurt (Oder); 1978 – 81 Studium an der PHS der SED, Dipl.-Gesellschaftswiss.; 1981 – 84 Sekr. für Arbeiterjugend, 1984 / 85 2. Sekr., 1985 – 89 1. Sekr. der FDJ-BL Frankfurt (Oder); 1985 – 89 Mitgl. des FDJ-ZR; 15.11. – 8.12.1989 2. Sekr. der SED-BL Frankfurt (Oder). Nach 1990 Funktionär u. Wahlkreismitarb. der PDS in Frankfurt (Oder); 2003 Kand. des Wahlbündnisses »Gruppe 2002« zur Wahl des OB von Frankfurt (Oder); Vors. der Frakt. der Linkspartei in der Stadtverordnetenversammlung von Frankfurt (Oder); 2009 MdL Brandenb.Mario Niemann

Wer war wer in DDR

Henselmann, Hermann

* 3.2.1905 – ✝ 19.1.1995

Geb. in Roßla (Harz); Vater akadem. gebildeter Holzbildhauer; 1919 – 22 Tischlerlehre; 1922 – 25 Studium an der Handwerker- u. Kunstschule Berlin; ab 1927 Tätigkeit in versch. Berliner Architektenbüros; 1930/31 Hausbauten in Montreux (Schweiz), 1931 – 35 in Kleinmachnow u. Berlin-Gatow (alle unter Denkmalschutz); nach 1933 bei Auftragsvergaben berücksichtigt; 1937 Entwürfe für Neusiedler-Bauernhöfe in Hohensalza (Wartheland, heute Polen), beteiligt am Wiederaufbau von Bauerngehöften von »Volksdt.« in Polen, später Prag (Industrie- u. Rüstungsbauten); März 1945 Flucht nach Gotha. 1945 Krs.-Baurat in Gotha; 1946 SED; 1945 – 49 Dir. der Staatl. HS für Baukunst u. Bildende Kunst Weimar; Projekte für Neubauernhöfe u. Kulturhäuser; seit 1949 in Berlin; Mitarb. im Inst. für Bauwesen der DAW; 1950 Wandel des Formkonzepts: 1950 Wohngebiet u. Hochhaus Weberwiese (mit Rolf Göpfert u. Emil Leibold) in Berlin-Friedrichshain, dieses Wohnensemble wurde Leitbild für die Stilphase der »nat. Traditionen«; 1951 Mitgl. der DBA; 1952 NP; Dir. des Inst. für Theorie u. Geschichte der Baukunst, Ltr. der Mstr.-Werkstatt I; leitete seitdem große Entwurfskollektive, so an der Stalinallee die Turmbauten am Strausberger Platz (1952/53) u. am Frankfurter Tor (1955/56), 1952 Bauten in Frankfurt (Oder) u. Saßnitz; 1954 – 59 Chefarchitekt von Berlin, nach 1956 maßgebl. beteiligt an den Neubauplänen für das Berliner Stadtzentrum, dabei Formenvorschläge zum Bau eines Fernsehturms (Ausführung der Grundidee dann von  Fritz Dieter u.  Günter Franke 1969); 1961 – 64 Haus des Lehrers u. Kongreßhalle; 1964 – 66 Chefarchitekt im VEB Typenprojektierung; 1966 – 70 Chefarchitekt im Inst. für Städtebau u. Architektur der DBA; 1970 Dr.-Ing. h. c. der HAB Weimar; ab 1966 versch. Hochhausprojekte, 1968 – 70 Leninplatz Berlin (heute: Platz der Vereinten Nationen), 1968 – 75 Neubau der KMU Leipzig, 1970 – 72 Zeiss-Hochhaus Jena, 1972/73 FDGB-Heim »Rennsteig« Oberhof. H. H. erlangte ein hohes internat. Renommee u. galt als »Chefarchitekt der DDR«; gest. in Berlin. Zu seinen Ehren wurde 2005 die H.-H.-Stiftung gegründet.Gedanken, Ideen, Bauten, Projekte. Mit Beiträgen von W. Heise u. B. Flierl. Berlin 1978; Drei Reisen nach Berlin (Autobiogr.). Berlin 1981; Vom Himmel an das Reißbrett ziehen. Berlin 1982; Briefwechsel. B. Reimann – H. H. Berlin 1994. Schäche, W.: Ich habe Vorschläge gemacht. Berlin 1995; Schäche, W.: Berlin Karl-Marx-Allee. Hamburg 1996; Scholz, G.: H. H. Architekt, Jg. 1905. DEFA-Dok.-Film 1986.Simone Hain / Volker Wagner

Wer war wer in DDR

Hentschke, Herbert

* 20.12.1919 – ✝ 28.10.1991

Geb. in Oberseifersdorf (Krs. Zittau); Vater Arbeiter; Volksschule; illeg. Arbeit für die KPD; 1934 mit dem Vater Emigr. in die ČSR, dann in die UdSSR; Dez. 1934/35 Ausb. zum Schlosser im Werkzeugmaschinenwerk in Moskau, danach im Beruf tätig; Apr. 1937 Aberkennung der dt. Staatsbürgerschaft; Juli – Nov. 1937 u. Febr. – März 1938 in NKWD-Haft, wurde rehabilitiert, arb. danach erneut im Werkzeugmaschinenwerk in Moskau; 1942 – 53 Kursant an der KI-Schule in Kuschnarenkowo, danach Ausb. zum Fallschirmspringer; März – Juni 1944 Propagandaeinsatz bei beloruss. Partisanen im Raum Minsk-Baranowitschi, danach zum Einsatz an der Front. 1945 als Mitgl. der KPD-Initiativgr.  Gustav Sobottka Rückkehr nach Dtl.; in der LV Mecklenb. tätig; dann Instrukteur der KPD-Landesltg. Mecklenb.; kurzz. Stadtrat in Schwerin; 1946 Ref./Hauptref. beim ZK der KPD bzw. SED; 1950 Einstellung bei der VP; Stellv. für Politkultur der VP Thür.; 1951 Einstellung beim APN (ab 1953 HA XV, ab 1956 HV A des MfS), Ltr. der HA I (pol. Spionage); 1959 stellv. Ltr. der HV B (Rückwärtiger Dienst); 1960 gleichz. u. ab 1963 ausschließl. Ltr. des Operativ-techn. Sektors; 1965/66 PHS der KPdSU in Moskau; 1966 – 68 Externstudium an der JHS Potsdam-Eiche, Dipl.-Jur.; 1968 für Sonderaufgaben zum 1. stellv. Min. kommandiert; 1970 hauptamtl. Vors. des DSF-Krs.-Vorst. im MfS; 1971 Versetzung zur HV A, Verbindungsoffizier zu den Sicherheitsorganen Kubas in Havanna; 1975 Offz. für Sonderaufgaben beim Ltr., dann Ltr. der Objektverw. Wismut; 1980 Gen.-Major; 1981 Entlassung, Rentner.Im Hinterland des Feindes. In: In den Wäldern Belorußlands. Erinnerungen sowj. Partisanen und dt. Antifaschisten. Berlin 1976 (hrsg. vom Inst. für Parteigeschichte beim ZK der KP Belorußlands u. dem IML).Peter Erler / Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Herbig, Werner

* 15.4.1919 – ✝ 11.12.2008

Geb. in Gersdorf (Lausitz); Vater Angest.; Volksschule bis zur 8. Klasse, anschl. dreijährige Kellnerlehre in Berlin; RAD, 1939 Wehrmacht, Mai 1942 Fronteinsatz, 1942 verwundet bei Alexandrowka, anschl. bis Mai 1945 Lazarett in Görlitz. Ab 1945 zunächst Angest. der Stadtverwaltung Görlitz; 1946 LDP, 1951 DSF, 1951 VdgB; 1946 – 48 Inh. eines Cafés in Görlitz, anschl. tätig bei der Gewerkschaft Nahrung u. Genuss sowie ab Aug. 1949 als Pflanzenschutztechniker beim Kreis Görlitz; nach Weigerung, einen Zeitungsartikel zu schreiben, in dem die Verbreitung von Kartoffelkäfern als Ergebnis gezielter Sabotage durch die USA dargestellt werden sollte, im Apr. 1953 fristlose Kündigung; am Vormittag des 17. Juni 1953 Beteiligung an einer Demonstration in der Görlitzer Innenstadt, öff. Wahl in das spontan gebildete Streikkomitee der Stadt; das eine neue Verwaltung organisierte u. die Aufständischen, die die Stadt stundenlang in der Hand hielten, zur Besonnenheit u. Gewaltlosigkeit mahnte; nach Einmarsch sowj. Truppen am Abend des 17. Juni verhaftet, U-Haft zunächst in Görlitz, dann nach einer Woche in Dresden, am 9.7. 1953 verurteilt zu 5 Jahren Zuchthaus, Haft im Zuchthaus Waldheim; während der Haft im Jan. 1954 Verpflichtung als GI des MfS, um Hafterleichterungen oder Haftverschonung zu erhalten, Rücknahme der Verpflichtungserklärung nach zwei Wochen; März 1958 Entlassung u. sofortige Flucht nach West-Berlin. Arbeit im West-Berliner Botan. Garten, 1959 – 80 Verwaltungsangest. beim Landesarchiv Berlin (West); zunächst engagiert in der »Vereinigung 17. Juni«, dann im Juni 1962 Mitbegr. u. Vors. des »Arbeitskreises 17. Juni«, der sich für die Erinnerung an den 17. Juni und für soziale Belange von Aufstandsteilnehmern einsetzte; 2000 Bundesverdienstkreuz; gest. in Berlin.Templin, W.: W. H. In: Kowalczuk, I.-S., Sello, T. (Hrsg.): Für ein freies Land mit freien Menschen. Opposition u. Widerstand in Biographien u. Fotos. Berlin 2006; Roth, H.: Der 17. Juni 1953 in Sachsen. Köln u. a 1999; Dies.: Der 17. Juni 1953 in Görlitz. Bautzen 2003.Ilko-Sascha Kowalczuk

Wer war wer in DDR

Herder, Gerhard

* 13.8.1928

Geb. in Althöfen (Krs. Sensburg, Ostpr./Bagienice, Polen); Vater Tischler; OS; Abitur; Flakhelfer, sowj. Kriegsgefangenschaft. Rückkehr nach Dtl; FDJ, SED; 1949 – 56 hauptamtl. FDJ-Funktionär, zul. Ltr. der Abt. Internat. Verbindungen im ZR; Studium an der DASR Potsdam; 1953 St.-Ex.; 1956 – 62 Doz.; 1961 Prom. zum Dr. jur.; ab 1962 Mitarb. des MfAA, 1965 – 68 dort Ltr. der Grundsatzabt. (Nachf. von  Michael Kohl); 1968 – 72 Ltr. der Handelsvertr. (Nachf. von Fritz Helbig) u. März – Nov. 1973 Botschafter im Libanon; 1975 DDR-Vertreter im Genfer Abrüstungsaussch.; 1979 – 83 Ständ. Vertreter am UNO-Sitz in Genf (Nachf. von  Gerd Höhne); 1983 Botschafter in den USA u. Kanada (Nachf. von  Horst Grunert).Der Komsomol – Die Vorhut der Sowjetjugend. Berlin 1950.Helmut Müller-Enbergs

Hering, Manfred

* 3.6.1939

Geb. in Burgstädt; seit Anfang der 1970er Jahre Mitgl. versch. Gruppen von Manfred Schulze (Praxis II, Schulze-Bläserquintett, Schulze-Formation); mehrmals in der  Ulrich-Gumpert-Workshop-Band (1972 Live-LP »Jazz in der Kammer« auf Amiga, 1978 Live-LP vom Konzert in West-Berlin auf FMP u. Amiga, 1979 Mitschnitt beim Festival »Jazz now – Jazz aus der DDR« in West-Berlin auf FMP); 1973 mit dem Duo Gumpert – Sommer Amiga-LP »The Old Song«; 1980 Mitgl. des  Petrowsky-Saxophon-Workshop (Live-Mitschnitt von der »Jazzbühne Berlin« auf Amiga-LP); seit 1976 Zusammenarb. mit dem Gitarristen  [linkintern=?ID=2955]Helmut »Joe« Sachse[/linkintern]: zuerst im Quartett, 1977 – 79 im Quintett »Osiris« (mit Pianist Hannes Zerbe, Bassist Christoph Winckel u. Schlagzeuger Wolfram Dix), 1980/81 im Duo mit Sachse, dann im Quartett, zu dem auch Helmut Forsthoff gehört (1981 Amiga-LP des Sachse-Sextetts mit H.); 1984 Auftritt des Duos Sachse – H. mit Wolfram Dix beim Jazzfestival in Bratislava (Mitschnitt auf Opus-LP); 1984 mit Werner Pfüller u. a. in der »Big City Blues Band« (Amiga-LP) u. der Hannes-Zerbe-Blechband (Amiga-LP); ab 1985 eigenes Trio mit Rainer Kühn u. W. Dix u. im Schulze-Bläserquintett (Mitschnitte aus Wuppertal u. West-Berlin 1985 u. 1986 auf FMP, 1988 Studio-LP bei Amiga von Schulzes »Choral-Konzert«); Jazz-Schülerkonzerte; 1987 Mitwirkung bei der in Frankreich aufgenommenen Evidence-LP »Günter Sommer Reunion«; 1988 Mitgl. des Jazzorchesters der DDR unter der Ltg. von  Konrad Bauer u. des Jazzorchesters der DDR unter seiner Ltg. (Live-Mitschnitte auf Amiga-Doppel-LP); Zusammenarb. mit internat. Jazzgrößen (John Tchicai, Charlie Mariano, Irène Schweizer, Peter Kowald, Rüdiger Carl, Paul Rutherford); 1989 Mitwirkung bei der Prod. »Die Engel – Vier Kurzopern« von U. Gumpert u. Jochen Berg (2 CDs beim Steidl Verlag Göttingen). Seit 1990 Auftritte mit eigenem Trio, dem Schulze-Bläserquintett, in einem Saxophon-Trio mit Matthias Schubert u. Gert Anklam, mit der Gruppe »Süd-Ost-Express«; bei Zusammentreffen der führenden Musiker des DDR-Free-Jazz u. der Gumpert-Workshop-Band 1995 (CD »Smell A Rat« bei aho-recording) ist H. noch immer ein gefragter Solist.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Herm, Max

* 11.12.1899 – ✝ 7.4.1982

Geboren am 11. Dezember 1899 in Brandenburg/Havel, Sohn eines Arbeiters; Lehre und Arbeit als Elektromonteur und Schlosser. 1917/18 Soldat im Weltkrieg. 1918 schloß sich Herm dem Spartakusbund, 1919 der KPD an. Von 1926 bis 1933 Stadtverordneter in Brandenburg/Havel. 1932 Mitglied der BL Berlin-Brandenburg und Leiter der Provinzialabtei- lung der BL. Im November 1932 im Wahlkreis Potsdam II als Abgeordneter in den Reichstag gewählt. Am 4. April 1933 in Berlin verhaftet, saß er bis 1939 in den KZs Sonnenburg, Lichtenburg und Buchenwald, danach Arbeit als Elektriker. Herm wurde im August 1944 er- neut inhaftiert, kam bis April 1945 ins KZ Sachsenhausen. Im Mai 1945 durch die sowjetische Kommandantur zum Oberbürgermeister von Brandenburg/Havel berufen, gehörte er 1945/46 der KPD-BL Brandenburg an. Im September 1945 wurde Herm in der SBZ 2. Vizepräsident der Deutschen Verwaltung für Arbeit und Sozialfürsorge, 1948/49 Hauptabteilungsleiter in der DWK. Ab 1950 Leiter der Abteilung für Arbeit und Sozialfürsoge des ZK der SED, dann nach seiner Genesung von einem schweren Verkehrsunfall im August 1952 Direktor für Arbeit im VEB Stahl- und Walzwerk Brandenburg. Von Juli 1957 bis Oktober 1965 er- neut Oberbürgermeister der Stadt Brandenburg, er erhielt 1974 den Karl-Marx-Orden. Max Herm starb am 7.April 1982 in Brandenburg/Havel.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Herold, Claus

* 23.10.1929 – ✝ 9.12.2003

Geb. in Halle; Vater Prokurist; 1940 – 47 OS in Halle. 1947 Flucht aus der SBZ nach Verhör durch die SMAD wegen Kontakten zur westdt. kath. Jugend; 1947 – 49 Gymnasium u. Abitur in Warburg (Westf.); 1949 – 52 Studium der Theol. in Paderborn u. München; 1952 Übersiedl. in die DDR; 1954 Priesterweihe auf der Huysburg bei Halberstadt; 1954 – 57 Kuratus in Bad Schmiedeberg u. Jugendseelsorger im Dekanat Wittenberg; 1957 – 61 Vikar in Magdeburg; 1961 – 68 Diözesanjugendseelsorger für das Erzbischöfl. Kommissariat Magdeburg; Ltr. der Arbeitsgemeinschaft der kath. Jugendseelsorger in der DDR; 1968 Absetzung von beiden Funktionen nach Konflikt mit  Alfred Bengsch; 1968 – 95 Pfarrer der Gemeinde Hl. Kreuz in Halle; 1978 Prom. an der ev. Theolog. Sekt. der MLU Halle; 1985 – 91 Dechant des Dekanats Halle-Merseburg; 1969 Mitbegr. u. bis 1995 führendes Mitgl. des kirchen- u. gesellschaftskrit. »Aktionskrs. Halle« (AKH), Bereitstellung kirchl. Räume für dessen Veranstaltungen; 1963 – 86 durch das MfS bearbeitet in ZOV »Schleuse«, OV »Tabernakel« u. OV »Academica«; nach dem 9.10.1989 zus. mit ev. Amtsträgern aktive Beteiligung an Protesten u. Gottesdiensten in Halle; Gastgeber der Vers. der neuen pol. Bew. in Halle; Moderator des Runden Tisches im Bez. Halle, Mitgl. des parlament. Untersuchungsaussch. der Stadt Halle; 1995 Ruhestand, gest. in Halle.Gemeinde der Zugezogenen. Die kath. Kirche in u. um Halle im 18. u. in der ersten Hälfte des 19. Jh. Leipzig 1983; Als kath. Seelsorger in der DDR. Magdeburg 1999; Der Aktionskrs. Halle (jeweils hrsg. vom Landesbeauftr. für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehem. DDR Sachsen-Anh.). Magdeburg 1999.Bernd Schäfer

Henkels, Kurt

* 17.12.1910 – ✝ 12.7.1986

Geb. in Solingen; Studium in Solingen, Wuppertal u. Köln (Violine); Arbeit als Violinist u. Militärmusiker; ab Sept. 1945 mit eigenem Orchester mit zwölf Solisten im »Dt. Haus« in Leipzig; ab 1. Dez. 1945 Engagement mit einer Acht-Mann-Band, darunter der später internat. erfolgr. Klarinettist Rolf Kühn, im Leipziger »Tivoli«; ab Mai 1946 erfolgr. Konzerte u. Bühnenshows des erweiterten Orchesters im »Elstertal« u. im Filmtheater »Capitol« in Leipzig, in der Folge Engagement der Band als Tanzorchester des Rundfunksenders Leipzig unter Beteiligung u. a. von Walter Eichenberg, Horst Fischer, Helmut Henne, Rolf Kühn, Werner Baumgart, Horst Reipsch, Henri Passage, Günther Oppenheimer,  Hanns-Joachim »Fips« Fleischer u. Günther Kiesant sowie den Gesangssolisten Irma Baltuttis u.  [linkintern=?ID=898]Fred Frohberg[/linkintern]; ab 1948 zahlr. Jazz-, Swing-, Tanzmusik- u. Schlageraufnahmen des Orchesters für Amiga sowie Aufnahmen für die westdt. Plattenfirmen Teldec u. Polydor; mit »Cherokee« (Arrangement: Werner Baumgart) u. »Chiribiribin« (Trompetensolo von Horst Fischer) Erfolg auch in Frankreich u. den USA; Mitwirkung in den DEFA-Filmen »Musik, Musik, Musik« (ein Henkels-Dokumentarfilm) u. »Spielbankaffäre«; zahlr. Konzerte in der DDR, der Bundesrep. Dtl. sowie in Prag u. Warschau; nach wiederholten Konflikten mit Kulturfunktionären 1959 Übersiedl. in die Bundesrep. Dtl.; dort ab 1961 Ltr. eines Studio-Orchesters beim Fernsehen, 1963 Gründung eines eigenen Orchesters beim ZDF; gest. in Hamburg.

Wer war wer in DDR

Hennig, Günter

* 27.3.1928

Geb. in Markranstädt (b. Leipzig); Vater Arbeiter; OS; 1944/45 RAD, April/Mai 1945 Wehrmacht, bis Dez. 1945 amerik. u. brit. Gefangenschaft. 1946 Arbeiter bei der Reichsbahndirektion u. Abiturientenkurs in Leipzig; SPD/SED; Fahrradschlosser u. Montagehelfer; 1947 – 49 Red. der »Leipziger Volksztg.«; 1948 – 51 Studium der Journalistik in Leipzig; 1951 – 55 Assistent u. Oberassistent mit Lehrauftrag an der KMU Leipzig; 1955 – 61 Aspirant am IfG; Prom. zum Dr. phil. mit einer Diss. zur Geschichte der Arbeiterbew. im 19. Jh.; 1961/62 pol. Mitarb. der Abt. Prop. beim ZK der SED; 1962 – 90 Ltr. des Dietz Verlags Berlin (Nachf. von  Fritz Schälike); 1964 – 89 Mitgl. des Vorst. des Börsenvereins der Dt. Buchhändler zu Leipzig; 1981 Kand., 1986 – 90 Mitgl. der ZRK der SED; 1985 VVO; 1988 Dr. h. c. (IML) u. Ehrenspange zum VVO; 1990 Vorruhestand.Carsten Wurm / Elke Reuter

Handbuch Deutsche Kommunisten

Hennig, Rudolf

* 11.3.1895 – ✝ 11.10.1944

Geboren am 11. März 1895 in Danzig; seit frühester Jugend in Düsseldorf lebend, von Beruf Zimmermann. 1920 Mitglied der KPD und 1924 Stadtverordneter in Düsseldorf. Er wurde 1926 in den Rheinischen Provinziallandtag und im September 1930 im Wahlkreis Düsseldorf-West als Abgeordneter in den Reichstag gewählt, dem er bis März 1933 angehörte. Hennig war von 1929 bis 1931 UB-Leiter von Krefeld und später von Siegen. 1932/33 Orgleiter der BL Niederrhein, er wurde im Juni 1933 in Wuppertal verhaftet. Nach eineinhalbjähriger U-Haft in Essen und Berlin am 26. November 1934 durch den VGH zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt und nach Strafverbüßung zunächst in das KZ Esterwegen, anschließend nach Sachsenhausen gebracht. Mit Ernst Schneller und mehr als 20 weiteren Häftlingen wurde Rudolf Hennig dort am 11. Oktober 1944 von der SS erschossen. 2005 veröffentlichte Eulogio Fuentes Garcia eine biographische Skizze über Rudolf Hennig.

Wer war wer in DDR

Henrich, Rolf

* 24.2.1944

Geb. in Magdeburg; 1964 SED; nach dem Abitur Studium der Rechtswiss. an der HU Berlin; im Kontext von Diskussionen um den »Prager Frühling« 1968 Vorwurf des »Revisionismus« wegen »Psychologisierung des Rechts« u. Abbruch eines Forschungsstudiums; Abschl. als Dipl.-Jur.; anschl. Wehrdienst in der NVA; danach wiss. Mitarb. an der ASR Potsdam; 1964 – 69 als IM »Streit« des MfS erf.; ab 1973 Rechtsanwalt im Bez.-Kolleg. Frankfurt (Oder); dort mehrere Jahre SED-Parteisekr.; seit der Verurteilung  Rudolf Bahros 1978 zunehmend krit. Auseinandersetzung mit dem Soz. sowj. Typs, versch. unveröff. Essays, April 1989 Veröff. des Buchs »Der vormundschaftl. Staat. Vom Versagen des real existierenden Soz.« in der Bundesrep. Dtl., in dem der Staatssoz. als Ausdruck eines selbständigen, von der »asiat. Produktionsweise« ausgehenden Entwicklungspfads der »östl. Welt« interpretiert, der vormundschaftl. Herrschaftsanspruch des Parteistaats kritisiert u. Reformvorstellungen entworfen werden; anschl. Ausschl. aus der SED u. dem Rechtsanwaltskolleg., Berufsverbot; Sept. 1989 Mitunterz. des Gründungsaufrufs des Neuen Forums (NF), ab Dez. 1989 NF-Vertreter am Zentr. Runden Tisch; 1990 SPD; Veröff. des o. g. Buchs in der DDR. Seit 1990 Rechtsanwalt in Eisenhüttenstadt; 2000 Nationalpreis der Dt. National-Stiftung.Gewalt u. Form in einer vulkan. Welt. Berlin 1996; Die Schlinge. Frankfurt (Main) 2001.Helmut Müller-Enbergs / Jan Wielgohs

Wer war wer in DDR

Henschke, Erich

* 23.1.1907 – ✝ 22.12.1988

Geb. in Danzig (Gdańsk, Polen) in einer jüd.-orthodoxen Fam.; Vater Kfm.; Volksschule u. Realgymnasium in Berlin; kfm. Lehre in Berlin; 1926 – 32 kfm. Angest. der Fa. Glaser in Berlin; 1926 ZdA; 1926 Mitgl. des KJVD u. ab 1928 der KPD; 1932/33 Handelsangest. der Fa. Favorit in Berlin; ab 1933 illeg. Arbeit in Berlin für die GRU in der KPD (»Erwin Hegel«); 1934 Emigration in die UdSSR; 1934 – 36 Schüler der Internat. Lenin-Schule (»Erich-Erwin Krautter«); Okt. 1936 im Auftrag der GRU nach Spanien (»Karl Schober«); Interbrigadist in Spanien, Thälmann-Bat., Nov. 1936 am Casa de Campo verwundet, Kommissar, an den Fronten Madrid, Aragon u. Ebro; Anfang 1939 Ltr. der dt.-spr. Abt. beim Radiosender der span. Rep. (»Karl Castro«) (Nachf. von  Georg Stibi); März 1939 nach Frankreich, dort interniert in den Lagern Argelés u. Gurs; von der Gestapo zur Festnahme ausgeschrieben, Aug. 1939 mit sowj. Hilfe Ausreise nach Großbritannien; in London Mitgl. der Ltg. der KPD-Emigr.-Gruppe; nahm im Herbst 1944 im Auftrag des sowj. Nachrichtendienstes GRU Kontakt zum OSS auf, um dt. Kommunisten ( Anton Ruh, Paul Lindner,  Adolf Buchholz u. a.) hinter den dt. Frontlinien als OSS-Fallschirmagenten einsetzen zu lassen (Operation »Hammer«). Nov. 1946 Rückkehr nach Dtl.; 1946 KPD/ SED; zunächst Mitarb. der Presseabt. beim BV des FDGB, Aufträge für den N-Apparat in den Berliner Westsektoren; später Ltr. des Internat. Büros des FDGB; Juli 1949 – Apr. 1950 Ltr. der Presseabt. der DWK; 1950 – 55 stellv. Chefred. der »Berliner Ztg.« (Nachf. von  Günter Kertzscher); 1954 Stadtverordn. von Berlin; zeitw. Korrespondent für die »Berliner Ztg.« bzw. für ADN in Peking; 1955 – 57 Chefred. der »Berliner Ztg.«; März 1958 Mitarb. bei ADN; Juni 1958 – Juli 1961 Korrespondent für die »Berliner Ztg.« u. ADN in Peking; 1962 – 77 Mitarb. des DDR-Fernsehens; 1977 VVO; 1982 Ehrenspange zum VVO; 1986 KMO; gest. in Berlin.Bungert, H.: The OSS and its cooperation with the Free Germany Committees, 1944 – 45. In: Intelligence and National Security (1997) 3; Gould, J. S.: Strange Bedfellows. The OSS and the London »Free Germans«. In: Studies in Intelligence (2002) 2; Werner, R.: Sonjas Rapport. Erste vollst. Ausgabe. Berlin 2006.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Hentig, Hans von

* 9.6.1887 – ✝ 6.7.1974

(* 1887 – † 1974) Geboren am 9. Juni 1887 in Berlin, Sohn des bekannten Rechtsanwalts Otto von Hentig, der u. a. Bismarck, Moltke und die Brüder Mannesmann vertrat und Staats- und Hausminister im Hause Sachsen-Coburg war. Nach dem Gymnasium 1906/07 Militärdienst, anschließend Studium der Rechtswissenschaften in Paris, Berlin und München, 1912 Promotion zum Dr. jur. Ein in München begonnenes Medizinstudium brach von Hentig 1914 ab, während des Weltkrieges Frontoffizier im Westen, auf dem Balkan und in Palästina. Nach 1918 Privatgelehrter und politischer Publizist bei München, avancierte von Hentig zu einem der führenden deutschen Nationalbolschewisten. Er war aktiv an den militärischen Vorbereitungen des »deutschen Oktober« der KPD 1923 beteiligt, unter dem Pseudonym Heller einer der Leiter des geplanten Aufstands. Am 9. November 1923 wollte er mit bewaffneten Arbeitertruppen von Thüringen und Sachsen nach München einrücken, um den Hitler-Putsch niederzuschlagen. Deswegen 1925 Ermittlungsverfahren wegen »Hochverrats«, das aber später eingestellt wurde. Hans von Hentig, der enge Beziehungen zu Karl Radek hatte, floh in die Sowjetunion, schlug dort ein Angebot Lenins für einen Posten im Eisenbahnwesen aus. Nach Deutschland zurückgekehrt, wandte er sich der Kriminologie und dem Strafrecht zu. Bis 1933 redigierte er die Monatsschrift für Kriminologie und Strafrechtsform. 1929 habilitierte er sich und erhielt 1930 einen Ruf als Ordinarius nach Kiel. Als Vertreter einer modernen Kriminologie Gegner der Todesstrafe sowie aufgrund seiner Vergangenheit sahen die NS-Machthaber in ihm einen Feind, er wurde 1934 seiner Professur enthoben. Dann noch Professor in Bonn, aber auch dort zwangspensioniert. 1935 emigrierte von Hentig in die USA, lehrte an verschiedenen Universitäten, galt als einer der Väter der neueren amerikanischen Kriminologie und begründete den als »Viktimologie« bezeichneten Wissenschaftszweig (der auf einer Theorie der Beziehungen zwischen Opfer und Täter beruht). Nach Kriegsende bot ihm der US-General Eisenhower das Rektorat der Universität Heidelberg an, was von Hentig jedoch ausschlug. 1951 kehrte er auf seinen Lehrstuhl nach Bonn zurück, 1955 emeritiert. Hans von Hentig wohnte bis zu seinem Tode am 6.Juli 1974 in Bad Tölz.

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Henze, Volker

* 1950

Geb. in Halle; 1965 – 69 Lehre als Betriebsschlosser, Abitur; 1969 – 70 Grundstudium an der HS für industrielle Formgestaltung Burg Giebichenstein in Halle bei Lothar Zitzmann, 1972 – 77 Studium der Malerei an der HS für Bildende Kunst Dresden bei Gerhard Kettner u. Paul Michaelis, Dipl.; ab 1977 freiberufl. Maler u. Grafiker in Dresden; 1978 mit Reinhard Stangl u. Hans Scheib Gestaltung des Bildes »Wunder der Kunst« im Foyer des Theaters der Freundschaft Berlin; von 1978 – 81 mit Eberhard Göschel, Peter Herrmann, Helge Leiberg, Michael Freudenberg u. a. Organisation von Ausstellungen, Kunstaktionen u. -auktionen im Leonhardi-Museum Dresden, Veranstaltung von Künstlerfesten in Dresden u. Pfaffroda; 1979 VBK; wegen der »Türenausstellung« im Rahmen des Ausstellungszyklus’ Dezennien, die das Ein- u. Ausgeschlossensein symbolisierte u. dadurch bes. Brisanz erlangte, Bearbeitung der beteiligten Künstler im OV »Grund« des MfS; seit 1981 Organisation von Ausstellungen, Konzerten, Lesungen u. Festen im Atelier Sredzkistr. 64 in Berlin-Prenzlauer Berg (gem. mit Ursula u. Hans Scheib, bis zu deren Ausreise 1985); 1983 mit Karla Woisnitza zweiteiliges Wandbild »Strukturen des Lebens u. der Materie« für einen Schulneubau in Berlin; 1984 – 87 Ltr. von Mal- u. Zeichenkursen sowie Kunstseminaren in Berlin-Weißensee. 1990 Ltr. eines Kunstcamps in Fignano (Italien); 1992 Stipendiat der Stiftung Kulturfonds Berlin; 1992 – 96 Projekt- u. Kursltr. für Zeichnen u. Gestalten in der »Offenen Kunstwerkstatt« in Berlin-Prenzlauer Berg, Lehrer für Malerei u. Skulptur in mehreren Sommerkursen; 1995 Drehscheiben – kinet. Objekte für den Theaterraum von K.I.E.T.Z. in Dessau; ab 1998 Lehrauftrag am Lernpsychotherapeut. Inst. Schultz-Hencke Haus Berlin; Lehrer für Malerei u. Skulptur an der Thüring. Sommerakad., Seminarreihe Übungen zur Bildfindung; seit 1998 versch. Lehrtätigkeiten, 1999 – 2004 an der VHS Berlin-Hohenschönhausen, 2001 –04 an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, 2004 – 06 an der Univ. Dortmund; lebt in Berlin. [i]Ausstellungen[/i]: Bunte Stube. Ahrenshoop, 1983; Galerie Rotunde im Alten Museum Berlin, 1987; (Beteilig.) Der eigene Blick. Berliner Kritiker zeigen Kunst ihrer Wahl. Ephraim-Palais Berlin, 1988; (Beteilig.) Konturen, Nationalgalerie Berlin, 1989; (Beteilig.) L’autre Allemagne sur le Mur. Grand Halle de la Villette Paris, 1990; (Beteilig.) Hauptsache Berlin. Kunstförderverein Weinheim, 1991; Malerei auf Papier. Galerie Mitte, Berlin, 1995; Grund – Sammlung u. Objekte. Galerie im Turm Berlin, 1995; Galerie parterre, Berlin 1997; Quellen der Freiheit. Wrocław, 1997.Blume, E.: Abstrakte Poeten. In: Kunst in der DDR. Köln 1990 (Hrsg. E. Gillen u. R. Haarmann); Lang, L.: Ateliers zwischen Sredzkistr. u. Immanuelkirchstr. In: Ders.: Berliner Montmartre. Künstler vom Prenzlauer Berg. Berlin 1991; Kaiser, P., Petzold, C.: Bohéme u. Diktatur in der DDR. Berlin 1997.Anke Scharnhorst / Ingrid Kirschey-Feix

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Herbrich, Karl-Heinz

* 28.2.1937

Geb. in Leipzig; Vater Arbeiter, dann MfS-Mitarb., Mutter Arbeiterin. 1953 SED; 1955 mittlere Reife; 1955 Einstellung beim MfS Berlin, Abt., später HA II; 1955/56 Kursant an der JHS Potsdam-Eiche; 1974 – 79 Fernstudium an der JHS, Dipl.-Jur.; 1980 – 84 OibE als Ltr. der Operativgr. Warschau des MfS; 1984 Stellv. des Ltr., 1989 Ltr. der Arbeitsgr. Bereich Kommerzielle Koord.; 1986 Oberst; Jan. 1990 Entlassung.Jens Gieseke

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Herforth, Lieselotte

* 13.9.1916 – ✝ 30.11.2010

Geb. in Altenburg (Thür.); Vater Verleger; 1936 – 40 Studium der Physik an der TH Berlin, Abschl. als Dipl.-Ing. bei Hans Geiger; anschl. wiss. Assistentin in Berlin, Leipzig, Freiburg i. Br. u. Schwarzenfeld (Oberpfalz). 1946 Mitarb. im Kabelwerk Berlin-Oberspree; 1947 wiss. Mitarb. am Kaiser-Wilhelm- bzw. Max-Planck-Inst. für Physikal. Chemie u. Elektrochemie in Berlin-Dahlem; 1948 Prom. an der TU Berlin; 1949 Mitarb. am Inst. für Med. u. Biol. der DAW in Berlin-Buch u. Leipzig; 1953 Habil. an der Univ. Leipzig; 1955 Mitarb. am Inst. für Angewandte Radioaktivität der KMU Leipzig; ab 1957 zugl. Prof. an der TH für Chemie Leuna-Merseburg; 1960 ord. Prof. an der TH (ab 1961 TU) Dresden; 1962 dort Dir. des Inst. für Anwendung radioaktiver Isotope; 1963 SED; bis 1981 Abg. der Volkskammer u. Mitgl. des Staatsrats; 1965 – 68 Rektorin der TU Dresden (Nachf. von  Kurt Schwabe); 1969 Ord. Mitgl. der DAW; 1971 NP; 1964 u. 1981 VVO; 1976 em.; gest. in Dresden. Forschung auf den Gebieten Lumineszenzphysik, Markieren mit radioaktiven Stoffen, Strahlungsmeßtechnik.Praktikum der angewandten Radioaktivität. 3. Aufl. 1975 (mit H. Koch). Niese, S., Voss, W.: Dtl.s erste Uni-Rektorin. Zum 85. Geburtstag von L. H. Dresdner Universitätsjournal (2001) 9.Horst Kant

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Herlinghaus, Hermann

* 30.4.1931 – ✝ 19.5.1989

Geb. in Rostow am Don (UdSSR); Vater Schlosser; Grund- u. Oberschule; 1949 – 51 ABF, Abitur; 1951 SED; 1951 – 55 Studium der Gesch. an der HU Berlin, Dipl.-Historiker; 1955 – 60 wiss. Ass. bzw. Oberass. an der HU Berlin bzw. der Filmhochschule Potsdam-Babelsberg; 1960 – 63 wiss. Sekr. der Dt. Zentralstelle für Filmforschung; 1963 – 68 Abt.-Ltr. des Inst. für Filmwiss. u. Ltr. bzw. Dir. für Information u. Dokumentation, Chefred. der »Beiträge zur Film- u. Fernsehwiss.« der HS für Film u. Fernsehen »Konrad Wolf«; 1968 Mitbegr. u. Sekr., 1971 – 80 1. Sekr. des Verb. der Film- u. Fernsehschaffenden (VFF); 1969 – 71 wiss. Aspirant an der HU Berlin; 1977 – 80 wiss. Aspirant an der AfG, Beendigung der Aspirantur u. Entbindung als 1. Sekr. des VFF aus gesundheitl. Gründen; Banner der Arbeit.Kirsten Nies

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Hermes, Andreas

* 16.7.1878 – ✝ 4.1.1964

Geb. in Köln; Vater Packmeister; 1896 – 1901 Studium der Landw.-Wiss. u. Philos. in Bonn-Poppelsdorf, Jena u. Berlin; 1901 Landw.-Lehrer in Cloppenburg; 1902 – 04 wiss. Assistent (Berater eines Tierzüchters) in Bonn-Poppelsdorf u. Jena; 1906 Prom. in Jena (Staatswiss.) über Optimierung der Fruchtfolge; 1905 – 11 wiss. Mitarb. der Dt. Landw.-Ges. in Berlin; 1911 – 14 Abt.-Dir. im Internat. Landw.-Inst. Rom; 1914 – 18 in der Pressestelle u. Fachberater für Ölfruchtanbau im Bodenseegebiet des Gen.-Stabs u. a. Reichsbehörden tätig; 1919/20 Ministerialdir. im Reichswirtschaftsmin.; 1920 – 22 im Reichsmin. für Ernährung u. Landw.; 1922/23 im Reichsfinanzmin.; 1924 – 28 für das Zentrum Abg. des Preuß. Landtags, 1928 – 33 Mitgl. des Reichstags; 1930 – 33 Präs. des Reichsverb. der dt. landw. Genossenschaften – Raiffeisen; Präs. der Vereinigung der christl. dt. Bauernvereine; März 1933 verhaftet, 1934 zu vier Mon. Gefängnis verurteilt; 1936 – 39 Landw.-Berater der Reg. Kolumbiens in Bogotá; Aug. 1939 Rückkehr; ab 1942 Angeh. des Widerstandskrs. um Carl Goerdeler, nach dem 20. Juli 1944 verhaftet u. am 11.1.1945 zum Tode verurteilt; von sowj. Truppen befreit. 7.5.1945 Ltr. des zentr. Ernährungsamts der Stadt Berlin u. Beauftr. für das Ernährungswesen; 19.5.1945 Stellv. des OB von Berlin, Arthur Werner; 26.6.1945 Mitbegr. u. 1. Vors. der CDU in der SBZ; 19.12.1945 als CDU-Vors. von der SMAD wegen »Widerstands gegen Bodenreformmaßn.« zum Rücktritt gezwungen; Übersiedl. nach Bad Godesberg; Febr. 1946 Mitgl. der CDU Neheim-Hüsten (Sauerland); 1947 – 49 Mitgl. des Bizonen-Wirtschaftsrats in Frankfurt (Main) u. Vors. seines Ernährungsaussch.; 1948 – 55 Präs. des Dt. Bauernverb. u. 1948 – 61 des Dt. Raiffeisen-Verb. in den Westzonen bzw. der Bundesrep. Dtl.; 1949 Gründer des ZA der Dt. Landw.; 1950 Dr. h. c. der Univ. Bonn; 1954 – 58 Präsident des Verb. der Europ. Landw.; Vizepräs. des Internat. Verb. der landw. Erzeuger; gest. in Krälingen (Eifel).Der Teilbau in Frankreich. Jena 1906; Zur Kenntnis der argentin. Landw. Berlin 1913; Um die Rettung der dt. Landw. Berlin 1929. Fs. A. H. Neuwied 1948; Fs. für A. H. zum 80. Geburtstag. Neuwied 1958; John, A.: A. H. u. der Dt. Bauernverb. Bonn 1978.Helmut Müller-Enbergs

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Herr, Willi

* 2.3.1912 – ✝ 28.2.1970

Geb. in Heilbronn; Vater Arbeiter; 1918 – 20 Volksschule in Kornwestheim, 1920 – 26 Realschule in Ludwigsburg, wegen »pol. Prop.« Entfernung von der Schule; 1926 KJVD; 1926 – 29 Mechanikerlehre in Stuttgart; 1929 – 31 erwerbslos; 1929 KPD; Jan.-Dez 1931 U-Haft, nach Flucht illeg. Aufenthalt in Stuttgart u. Berlin; März 1932 Emigr. in die UdSSR; 1932 Fräser im Betrieb »Barrikade« in Stalingrad; in Dtl. in Abwesenheit wegen »Hochverrats« zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt; 1932 Komsomol; 1932 – 36 Student der KUNMS; Okt. 1936 – Febr. 1939 Teiln. am span. Bürgerkrieg, u. a. Kommissar in der XI. Internat. Brigade, Erblindung auf einem Auge; Febr. – März 1939 im frz. Internierungslager Argelés-sur-Mer; April 1939 mit einem sowj. Schiff nach Leningrad; anschl. Aufenthalt in Sanatorien; bis 1941 Betreuer u. Übersetzer span. Emigranten in Rostow am Don; 1941 in der Sonderfahndungsliste »UdSSR« der Gestapo erfaßt; Evakuierung in den Kaukasus; 1941/ 42 Metallhobler u. Dreher in einem evakuierten Betrieb; bis 1945 in Kriegsgefangenenlagern pol. Instrukteur, u. a. in Borowitschi; nach krankheitsbedingter Arbeitsunfähigkeit 1946 – 49 Lektor, Sektorltr. u. ab Juli 1943 stellv. Ltr. der Kriegsgefangenenschule in Taliza. 4.11.1949 Ankunft in der DDR; bis 1951 im ZK der SED Ref. der Abt. Parteischulung für die ideolog. Arbeit u. die Ltg. des Schulsystems der KPD; 1951/52 Mitarb. in der Red. der »Einheit«; 1952 – 55 Red. beim Berliner Rundfunk; 1952 – 54 Mitgl. der Zentr. BPO der SED im Staatl. Rundfunkkomitee; 1955/56 Red. im Zentralorgan der GST »Das Banner« u. wiss. Mitarb. im Museum für Dt. Geschichte; 1956/57 Offizierslehrgang in Berlin-Treptow, Major; 1957 – 60 Krankheit / Rentner; 1960/61 Sekr. der Kommission für wiss.-techn. Nachwuchs beim Berliner Magistrat; 1961 pensioniert; 1962 VVO.Peter Erler

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Henkes, Klaus

* 29.7.1929 – ✝ 7.3.2003

Geb. in Görlitz in einer Arbeiterfamilie; 1945 sowj. Gefangenschaft. 1946 – 49 Ausbildung zum Chemielaboranten im Braunkohlenkombinat Espenhain; 1948 SED; 1949/50 Lehrgang am Bergtechnikum Freiberg; 1950 – 52 Hauerbrigadier im Uranbergbau der SDAG Wismut in Johanngeorgenstadt; 1952 Besuch der FDJ-HS am Bogensee; danach Eintritt in die Luftstreitkräfte der KVP/ NVA u. Ausbildung zum Militärpiloten in der UdSSR; 1953 Abschluß als Flugzeugführer-Ing. u. Ernennung zum Ltn.; 1953/ 54 Einsatz im Jagdfliegergeschwader Bautzen; 1954/55 Hauptnavigator der Verw. des Aeroklubs; 1955 – 59 Besuch der Militärakad. der sowj. Luftstreitkräfte, Abschluß als Dipl.-Navigator; 1959 – 61 Chefnavigator u. 1961 – 75 Stellv. Chef des Stabes für Flugsicherheit u. Gefechtsstände im Kdo. Luftstreitkräfte/Luftverteidigung der NVA; nach externer Aspirantur 1967 Prom. zum Dr. rer. mil. an der Militärakad. Dresden; 1975 Gen.-Major; 1975 – 90 stellv. Verkehrsminister u. Ltr. der HA für Zivile Luftfahrt (Nachf. von Paul Wilpert); seit 1978 zugl. GD der Interflug (Nachf. von  Kurt Diedrich); 1982 Gen.-Ltn.; 1989 NP; ab 1990 Invalidenrentner.Handbuch der Luftnavigation. 1961 (Mitautor).Hagen Schwärzel

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Hennig, Horst

* 6.6.1937

Geb. in Leipzig; Vater Schlosser; 1943 – 55 Schulbesuch in Leipzig, Abitur; 1955 – 60 Studium der Chemie an der KMU Leipzig, dort 1960 – 64 wiss. Ass. am Inst. für Anorgan. Chemie, 1964 Prom. zum Dr. rer. nat., anschl. Wiss. Oberass., 1969 Doz. für Anorgan. Chemie; 1971 Prom. zum Dr. sc. nat. (Habil.) u. facultas docendi für das Fachgebiet Anorgan. Chemie, 1977 ord. Prof.; 1980 – 87 Prorektor für Naturwiss., 1987 – 90 Rektor der KMU (Nachf. von  Lothar Rathmann); 1987 Gustav-Hertz-Preis der KMU, ord. Mitgl. der Sächs. AdW, korr. Mitgl. der AdW der DDR. 2002 em.; seit 2003 wiss. Dir. des Chemie-Park-Inst. Bitterfeld (bis 2006) u. wiss. Berater am Technologie- u. Gründerzentrum Bitterfeld-Wolfen; 2003 Wilhelm-Ostwald-Med. Arbeitsgebiete: Anorgan. Chemie, Koordinationschemie, Photochemie; insg. 290 wiss. Veröff. u. 63 Patente.Grundlagen der Chemie für Mediziner u. Studierende anderer biolog. orientierter Naturwiss. Leipzig, 1972; Berühmte Leipziger Studenten. Leipzig 1990 (Hrsg.); Photochem. u. photokatalyt. Reaktionen von Koordinationsverbindungen. Berlin 1987; Einführung in die bioanorgan. Chemie. Berlin 1980 (Hrsg. u. Übers.).Stefanie Müller

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Henniger, Gerhard

* 5.5.1928 – ✝ 20.7.1997

Geb. in Großkamsdorf (Thüringen); Vater kfm. Angest.; OS in Saalfeld (Saale); Jan. – April 1945 Kriegsdienst; April 1945 – Jan. 1946 amerik. Kriegsgefangenschaft. 1946 SED; 1947 Abitur in Saalfeld; 1947 – 50 Studium der Germanistik u. Publizistik an den Univ. Jena u. Leipzig; 1950/51 Sekr. der HS-Gruppe des KB Leipzig; 1951/52 Krs.-Sekr. des KB in Leipzig; 1952 – 57 1. Sekr. der BL des KB Leipzig; 1957 – 66 Bundessekr. des KB in Berlin, zuständig für Wiss., Kunst u. Lit. sowie Fotografie; in den 50er Jahren Red. beim »Börsenblatt für den Dt. Buchhandel zu Leipzig«; 1966 – 90 geschäftsf. (1. Sekr.) des DSV bzw. SV; fungierte als Schaltstelle zwischen SV, ZK-Kulturabt., Zensurbehörde u. MfS u. lieferte umfgr. Berichte über Schriftst. u. Verb.-Interna; mehrere Auszeichnungen durch das MfS; seit 1963 Mitgl. des Präs. des KB; seit 1969 Mitgl. des Präs. des DSV; 1983 VVO; zahlr. Veröff. zur Kulturpol., Lit.-Kritik u. Fotografie. 1990 Vorruhestand; gest. in Berlin.Walther, J.: Sicherungsber. Lit. Berlin 1996.Bernd-Rainer Barth

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Henrion, Henri

* 27.9.1907 – ✝ 11.3.1987

Geb. u. aufgewachsen in Berlin; Vater Feintäschner, Mutter Hausfrau; mittl. Reife; Feinmechanikerlehre u. Arbeit in versch. Berliner Betrieben; 1925 – 30 Abendstudium, Abschluß als Ing. für allg. Maschinenbau; Roter Jungsturm u. Mitbegr. des RFB in Berlin; Mitgl. im Arbeitersportverein Freie Turnerschaft Lichtenberg-Friedrichsfelde, 1928 Teiln. an der Arbeiterspartakiade in Moskau; nach der Rückkehr arbeitslos; 1929 KPD; 1930 – 33 als Spezialist in der UdSSR, Elektroapparatewerke Moskau u. Leningrad, Kraftwerksbau Dnepropetrowsk, Rückkehr aus fam. Gründen; Arbeit in versch. Berliner Firmen, während des Krieges dienstverpflichtet bei der Ges. für Elektroakust. u. Mechan. Apparate (GEMA) Berlin (dem späteren Funkwerk Köpenick), Verlagerung des Werks zunächst nach Laubahn (Schles.), dann nach Bayern. Okt. 1945 Rückkehr nach Berlin, Haupttechnologe im Funkwerk Köpenick, dann stellv. Dir. in einem SAG-Betrieb in Berlin-Friedrichshagen; im Jan. 1947 vom sowj. GD W. Semjonow zum Werkdir. des SAG-Betriebs Siemens-Plania (des späteren VEB Elektrokohle Berlin-Lichtenberg) ernannt; 1954 Deleg. u. Mitgl. des Präs. des IV. Parteitags der SED; dann Ing. im »Amt für Materialwirtschaft« (real: Flugzeugwerke) Pirna; Werkltr. des Funkwerks Köpenick; zuletzt Werkltr. des VEB Meßelektronik Berlin; 1970 Ruhestand; VVO; gest. in Berlin. H. wurde mit der Einführung von Planzielen u. der Durchsetzung leistungsabh. Entlohnung bei Siemens-Plania lange vor den ersten Wirtschaftsplänen u. der  »Hennecke-Bew.« zu einem legendären Repräsentanten der ersten Generation ostdt. Werkdir. mit sozialem Hintergrund in der Arbeiterschaft. Er bildete das reale Vorbild für die Figur des engagierten Werkleiters »Heinrich« in  Eduard Claudius’ Aktivisten-Roman »Menschen an unserer Seite« (1951), die später in  Heiner Müllers Theaterstück »Der Lohndrücker« (Uraufführung 1958) als »Henrion« wieder auftaucht.Mehls, H.: H. H. oder: »Sie machen die Arbeit u. ich stelle mich daneben«. Magazin (1984) 10.Jan Wielgohs

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Henschke, Klaus-Peter

* 30.6.1949

Geb. in Guben; Vater Angest.; Grund- u. Oberschule; 1964 – 68 Lehre u. Arbeit im Chemiefaserkombinat Wilhelm-Pieck-Stadt Guben; 1968 SED; 1968 – 72 Stud. an der TH für Chemie Leuna-Merseburg, Dipl.-Ingenieurök.; 1972 – 74 wiss. Ass. an der THC Leuna-Merseburg; 1974 – 76 wiss. Mitarb., 1976 – 78 Dir. für Prod., 1978 – 83 1. Stellv. des Betriebsdir. u. Dir. für Prod. im TKC; 1980 Prom. zum Dr. oec.; 1984 stellv. GD u. Dir. für Planung u. Ök., 1985 – 90 GD des VEB Textilkombinat Cottbus (Nachf. von  Siegfried Bauch). Nach 1990 Mitarb. im Naturfaserbund Brandenburg e. V. u. im Centrum für Innovation u. Technol. GmbH Guben.Andreas Herbst

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Hentschel, Paul

* 26.10.1913 – ✝ 20.11.1959

Geb. in Breslau (Wrocław, Polen); Vater Schiffsbauer, Mutter Arbeiterin; Volksschule; 1928 – 31 Lehre als Steinsetzer; 1930 KJVD; 1931 – 34 erwerbslos; 1934/35 RAD; 1935 – 40 Arbeit als Steinsetzer in Breslau; 1940 – 42 Wehrmacht, Gefr.; 1942 übergelaufen, sowj. Kriegsgefangenschaft; Gründungsmitgl. des NKFD, Lagerältester; Zentr. Antifa-Schule Krasnogorsk; Jan. 1945 Besuch der KPD-Parteischule (Objekt 12 u. 3) b. Moskau. Mai 1945 Rückkehr nach Dtl.; KPD; Mai – Juli 1945 Personalltr. beim Magistrat von Groß-Berlin; Juli 1945 – 49 Ministerialdir. u. Ltr. der Personalabt. der Landesreg. Brandenb.; 1946 SED; Juli 1949 – 51 stellv. Ltr. der Abt. Staatl. Verw. beim ZK der SED; Okt. 1951 – Juni 1953 Stadtrat u. Sekr. des Magistrats von Groß-Berlin; Juni 1953 – 59 Vors. des Rats des Bez. Magdeburg (Nachf. von  Josef Hegen); Mitgl. des Bez.-Tags u. des Büros der SED-BL Magdeburg; 1956/57 »C«-Lehrgang an der PHS der KPdSU in Moskau; 1955 u. 1959 VVO; 1958 Medaille für Kämpfer gegen den Fasch.; gest. in Magdeburg.Andreas Herbst

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Herber, Richard

* 20.12.1911 – ✝ 19.6.1968

Geb. in Leipzig; Vater Zimmermann; Volksschule; 1926 – 29 Ausbildung zum Buchdrukker u. Buchbinder; 1926 – 29 SAJ; 1929 SPD; 1930 – 35 Gelegenheitsarb., meist arbeitslos; 1931 KPD; Agitprop.-Ltr. im Stadtteil Thekla; 1933 – 35 illeg. pol. Arbeit (Kassierung, Lit.-Vertrieb), später auch Kurier; 1935/36 Arbeiter beim Autobahnbau; 1936 – 42 Rundschleifer in Leipzig; 1942 – 45 Wehrmacht (Gefr.); Mai – Aug. 1945 amerik. Kriegsgefangenschaft (Munsterlager). 1945/46 Mitarb. der Justizorgane in Leipzig, Verw.-Obersekr. im Gefängnis Meusdorf; 1947 Lehrer, dann Schulltr. an der KPS Hartmannsdorf; 1948/49 PHS; anschl. Hauptref. der Abt. Parteischulung, später Abt. Prop. des ZS bzw. ZK der SED; seit 1949 ltd. Funktionen im Apparat des ZK der SED; 1950/51 Mitgl. der zentr. Sonderkommission zur Überprüfung der Mitgl. u. Kand. der SED; Mai 1949 – 52 Hauptref., Sektorenltr. (Parteischulen), ab Jan. 1953 stellv. Ltr. der ZK-Abt. Prop., hier Ltr. des Kadersektors; Aug. 1953 – Juni 1968 persönl. Mitarb.  Walter Ulbrichts; 1958 – 68 1. Sekr. der PO des ZK der SED u. Abt.-Ltr. im ZK, Ltr. des Büros von Walter Ulbricht; 1963 Prom. zum Dr. rer. pol. an der DASR Potsdam; 1963 – 67 Kand., 1967/ 68 Mitgl. des ZK der SED; 1964 VVO; gest. in Berlin.Wissenschaft, Ltg. u. Entw. der Kader. Berlin 1964 (mit H. Jung).Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

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Herbst, Wolfgang

* 21.1.1928 – ✝ 1.7.1995

Geb. in Halberstadt; Vater Arbeiter; 1934 – 44 OS; 1944/45 Wehrmacht, Marinehelfer. 1946 – 49 Studium der Geschichte, Philos., Kunst- u. Musikgeschichte sowie des Verfassungs- u. Strafrechts an der MLU Halle, Dipl.-Hist.; 1946 SED; Assistent von  Leo Stern; 1949 – 51 Doz. an der ABF Halle; 1952 – 56 wiss. Mitarb., 1956 – 61 Ltr. der Abt. »1871 – 1945«, 1961 stellv. Dir., 1968 Dir. (Nachf. von Walter Nimtz) des Museums für Dt. Geschichte (MfDG); 1968 NP (im Koll.); 1971 Prom. zum Dr. phil. u. 1972 Honorarprof. an der HU Berlin; 1975 VVO; ab 1980 Präs. des Nat. Museumsrats; 1981 – 85 Präs. des Internat. Komitees für archäolog. u. hist. Museen des Internat. Museumsrats (ICOM); 1982 u. 1985 Banner der Arbeit; 1984 Obermuseumsrat; 1985 GD des MfDG; Vors. des Beirats für wiss. Museen beim Min. für HFS-Wesen; Mitgl. des Vorst. des Rats für Museumswesen beim Min. für Kultur; Mitgl. des Präs. der Historikerges.; 1990 Vorruhestand; gest. in Berlin.Die Dt. Geschichte von 1789 bis 1949. Berlin 1963 ff.; Kampf der Internat. Brigaden im span. Bürgerkrieg. Berlin 1966; Soz. Vaterland DDR. Berlin 1984.Helmut Müller-Enbergs

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Herger, Wolfgang

* 10.8.1935

Geb. in Rudolstadt (Thür.); Vater Arbeiter; OS, Abitur; 1949 FDJ; 1953 – 58 Studium an der FSU Jena, Dipl.-Phil.; 1957 SED; 1958 FDGB; 1958 – 62 Assistent am Inst. für Philos. der FSU; 1959/60 Sekr. der FDJ-GO im VEB Jenaer Glaswerk Schott & Genossen; 1961/62 Mitgl. der Inst.-Parteiltg. der SED; 1963 2. Sekr. der FDJ-GO an der FSU; 1963/64 1. Sekr. der FDJ-KL Jena-Stadt; 1963 Prom. zum Dr. phil. über eth. Fragen an der FSU Jena; 1964 – 71 Sekr. u. 1971 – 76 2. Sekr. des ZR der FDJ (Nachf. von  Dieter Itzerott); 1971 – 18.3.1990 Abg. der Volkskammer, 1976 – 85 Vors. des Jugendaussch.; 1973 VVO; 1976 – 85 Ltr. der Abt. Jugend des ZK der SED (Nachf. von  Siegfried Lorenz); 1976 – 89 Mitgl. des ZK der SED; 1971 – 76 Mitgl. des Aussch. für Nat. Verteidigung der Volkskammer; 1976 – 86 Vors. des Jugendaussch.; 1986/87 1. Stellv. des Vors. des Aussch. für Nat. Verteidigung u. 1987 – 18.3. 1990 dessen Vors. (Nachf. von  Paul Verner); seit 1979 Mitgl. des Red.-Kolleg. der Ztschr. »Neuer Weg«; 1985 – 89 Ltr. der Abt. Sicherheitsfragen des ZK der SED (Nachf. von  Herbert Scheibe); 8.11. – 3.12.1989 Mitgl. des PB des ZK der SED u. Sekr. des ZK der SED für Recht u. Sicherheit; 4.12.1989 – 15.1.1990 Mitarb. im PV der SED-PDS. 1990 erwerbslos, dann Pförtner, anschl. Mitarb. in versch. Handelsges.; Nov. 1992 Freizeitbetreuer in der Zivildienstschule Kablow-Ziegelei (b. Berlin); April 1998 Anklage u. Prozeß, 24.7.1998 Verurteilung wegen »Beihilfe zum Totschlag« (politische Verantwortung für die Opfer an der Mauer) durch das LG Berlin zu einer Bewährungsstrafe.Zur Dialektik von gesell. Notwendigkeit u. sittl. Freiheit in unserer Epoche. Jena 1963.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

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Herlt, Günter

* 18.6.1933

Geb. in Berlin; Vater Arbeiter; Volksschule; 1947 – 50 Ausbildung zum Maurer u. Zimmermann; 1950 – 54 Studium an der HS für Architektur in Weimar; 1954 – 57 Reporter u. Red. im Rundfunkstudio Neubrandenb.; 1955 SED; 1957 – 61 Reporter bzw. Dir. des Senders Schwerin; 1959 – 90 Mitgl. des VDJ; 1961 – 63 Doz. am Inst. für Nachwuchsentw. für Rundfunk u. Fernsehen Berlin; 1964/65 persönl. Ref. von  Albert Norden im ZK der SED; 1966 – 90 ltd. journalist. Tätigkeit im DFF; in dieser Zeit auch Autor von Fernsehfilmen sowie Doz. für Theorie u. Praxis der journalist. Arbeit; 1968 VVO; 1968 – 71 Mitgl. der Kommentatorengr., 1971 – 73 stellv. Chefred. der »Aktuellen Kamera«; 1973 – 77 Chefred. für außenpol. Publizistik; 1977 – 79 Korrespondent des DFF in der Bundesrep. Dtl.; Mitwirkung an der Sendung »Der schwarze Kanal« von  Karl-Eduard von Schnitzler; 1979 – 90 Chefred. für Auslandsreportagen im Ber. Publizistik des DFF; Ltr. der Fernsehreihe »Alltag im Westen«; Vorstandsmitgl. im Verb. der Film- u. Fernsehschaffenden; 1991 Vorruhestand; Publizist.Sendeschluß. Ein Insider des DDR-Fernsehens berichtet. Berlin 2001; Lach dich gesund. Berlin 2004; Wenn der Opa mit der Oma. Berlin 2005. Sekt oder Selters? Berlin 2005.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Hermlin, Stephan

* 13.4.1915 – ✝ 6.4.1997

Geb. in Chemnitz, aufgew. in großbürgerl. Elternhaus in Berlin; Vater (David L.) Textilhändler, Kfm., Kunstsammler; 1925 Kinderspital u. Schule »Bellaria« in Zuoz (Schweiz), anschl. bis 1930 Staatsgymnasium in Chemnitz, 1930 – 32 Gymnasium in Berlin, Relegation wegen »unerlaubter pol. Betätigung« in einem Artikel der Ztschr. »Schulkampf«; 1931 Soz. Schülerbund Berlin u. KJVD; erste Gedichtveröff. unter dem Ps. »S. H.«; 1933 – 35 Druckerlehre; nach eigenen Angaben antifa. Arbeit; 1936 Emigr.; Aufenthalte in Ägypten, Palästina, England, 1937 – 40 Paris; Arbeit für die Freie Dt. Jugend u. den span. Freiheitssender 29,8; Mai 1940 – 43 Hilfssoldat, Arbeitskomp., Kurzinternierung, Gärtner; April 1943 – 45 Exil in der Schweiz, zeitw. interniert, Veröff. in Ztschr. der Résistance; Hrsg. der Ztschr. u. Schriftenreihe »Über die Grenzen« (mit  Hans Mayer u.  Michael Tschesno-Hell); Mitarb. BFD; 1945 erster Lyrikband »Zwölf Balladen von den Großen Städten«. Sept. 1945 Rückkehr nach Dtl.; Rundfunkred. in Frankfurt (Main); 1946 Veröff. der ersten Erzählung »Der Ltn. Yorck von Wartenburg«; 1947 Übersiedl. nach Berlin; SED; Mitarb. der Ztschr. »Ulenspiegel« u. »Aufbau«; Mitgl. des DSV; seit 1947 freischaff. Schriftst. (bis 1958 Lyrik, ansonsten Prosa, Essays, Reportagen, bedeutender Nachdichter mod. frz., latein- u. nordamerik. sowie ungar. Lyrik, u. a. Paul Eluard, Pablo Neruda, Attila József); Engagement in der Weltfriedensbew.; 1948 Mitgl. des PEN-Zentrums Dtl.; Mitgl. der DAK; 1950 – 63 Vizepräs. des DSV; 1952 erschien der Lyrikband »Der Flug der Taube« mit ungewohnt elegischen Gedichten, aber auch Stalin-Elogen; 1952 – 63 Sekr. der Sekt. Dichtkunst u. Sprachpflege der AdK; 1953/54 Mitgl. des Präs. des PEN-Zentrums Dtl.; 1955 Société Euro- péenne de Culture (Venedig); 1956 auf dem 4. Schriftst.-Kongreß Forderung nach Veröff. der Gesamtwerke von Jean-Paul Sartre, Ernest Hemingway, William Faulkner u. John Steinbeck; die Kritik der verengten Kulturpol. bleibt fortan essayist. Hauptthema (»Lektüre 1960 – 71«, 1973 u. a.); Organisator des Lyrikabends der AdK am 12.12.1962 mit Gedichten der neuen Dichter-Generation (u. a.  Wolf Biermann,  Volker Braun,  Uwe Greßmann,  Sarah Kirsch u.  Rainer Kirsch,  Bernd Jentzsch); nach scharfer Partei- u. Selbstkritik Niederlegung der Ämter in der AdK u. im DSV; 1962 – 90 Mitgl. des Präs. des PEN-Zentrums der DDR; 1972 Verf. eines Memorandums für  Erich Honecker mit scharfer Kritik der Zensurpraxis; ab 1975 Vizepräs. des Internat. PEN-Zentrums; 1976 Hauptinitiator u. Verf. der Wolf-Biermann-Resolution, Übergabe an die frz. Nachrichtenagentur AFP, strenge Parteirüge, seither zeitw. vom MfS im OV »Leder« überwacht; Mitgl. der AdK Berlin (West); 1978 aufsehenerregende Selbstbezeichnung als »spätbürgerl. Schriftst.« u. Einforderung der Vorbildfunktion auch der »Ära des Spätbürgertums«; 1981 Initiator des Berliner Treffens »Schriftst. für den Frieden«; 1984 Dr. phil. h. c. der FSU Jena; 1987 Teiln. am Internat. Forum »Für eine kernwaffenfreie Welt, für das Überleben der Menschheit« in Moskau; 1948 u. 1972 Heinrich-Heine-Preis; 1950 u. 1954 u. 1975 NP; 1958 F.-C.-Weiskopf-Preis; 1980 VVO; 1985 Großer Stern der Völkerfreundschaft. 1990 PDS; Vizepräs. der AdK Berlin (Ost); Ehrenpräs. des Dt. PEN-Zentrums (Ost); Mitbegr. des Komitees für Gerechtigkeit; gest. in Berlin. Der anfängl. Versuch, die eigene Kunst in einer Nähe sowohl zur offiz. Kulturpol. wie auch zu feinsinnigen Vorbildern der frz. Lit. zu halten, wurde mit zunehmender Selbständigkeit hinfällig; S. H.s Werk – v. a. dem antifa. Widerstand gewidmet – blieb immer der kommunist. Utopie u. der DDR verpflichtet u. wurde daher in der Bundesrep. Dtl. eher krit. wahrgenommen; den Höhepunkt des erzähler. Werks bildet »Abendlicht« (1979), ein hochartifizielles Gewebe aus Erinnerungen, Träumen, Phantasien u. Erfahrungen autobiogr. Gehalts, das lange Zeit als authent. Lebenszeugnis verstanden wurde; S. H.s Sonderrolle als »homme de lettres« im Kulturleben der DDR zeigte sich u. a. in der persönl. Nähe sowohl zu  Hermann Kant u. Erich Honecker als auch zu vielen krit. Schriftst. des Landes.Die Zeit der Gemeinsamkeit. Erzählungen. Berlin 1949; Die erste Reihe. Biogr. Skizzen. Berlin 1951; Die Kommandeuse. Erzählung. Berlin 1954; Gesammelte Gedichte. München, Wien 1979; Äußerungen Schlenstedt, S.: S. H. Berlin 1985; Rost, M., Geist, R. (Hrsg.): S. H. – Bibl./ Texte, Materialien, Bilder. Leipzig 1985; Corino, K.: »Außen Marmor, innen Gips«. Die Legenden des S. H. Düsseldorf 1996.Leonore Krenzlin / Andreas Kölling

Wer war wer in DDR

Herricht, Rolf

* 5.10.1927 – ✝ 23.8.1981

Geb. in Magdeburg; Schauspielstudium am Schauspielstudio Magdeburg; Engagements in Salzwedel, Stendal, Staßfurt, Güstrow, Frankfurt (Oder) u. Magdeburg; 1959 erste komische Filmrolle bei der DEFA in »Musterknabe«; Profilierung als Filmkomiker (u. a. »Geliebte weiße Maus«, »Der Reserveheld«) bei der DEFA u. in Fernsehprod.; über 25 Jahre Zusammenarb. m.  Hans-Joachim Preil als Bühnenkomiker; Tournee-, Rundfunk- u. Fernsehprogramme sowie Auftritte im Friedrichstadtpalast Berlin; mehrere Schallplatten mit komischen Dialog-Szenen; gest. in Berlin.Preil, H.-J.: Aber, Herr Preil! Erinnerungen. Berlin 1994; Ders.: Das Beste von H. u. Preil. Berlin 2008.Gisela Winkler

Wer war wer in DDR

Henkler, Klaus-Dieter

* 19.1.1944

Geb. in Seebenau; Klavier- u. Gitarrenunterricht; Besuch des Konservatoriums in Halle; 1968 im Studio für Unterhaltungskunst; Hauptrolle in »Du u. ich u. Klein-Paris«, Musik für »Dach überm Kopf« (beide DEFA). Bildete 1968 mit  Monika Hauff das Gesangsduo »Hauff & Henkler«; Repertoire: Schlager, Stimmungslieder, internat. Folklore, Country-Songs; ca. 300 Titel in 22 Spra- chen; meistgespielter DDR-Schlager »Das war ein Meisterschuß« ( Siebholz/Brandenstein); Mitwirkung oder mit eigener Show an allen großen Häusern des Landes sowie in fast allen europ., mehreren afrik. u. südostasiat. Ländern, in Mexiko, Kuba, den USA u. Kanada; Teiln. u. a. am Schlagerwettbewerb der DDR 1968 (2. Preis) u. 1970 (3. Preis), am Folklorefestival zu den Olymp. Spielen 1968 in Mexiko; 1975 »Grand Prix de la Chanson de Paris« (Siegertitel: »Als ich dich heute wiedersah« von  Reinhard Lakomy/Fred Gertz); Teiln. am »Coup d’Europe musicale« 1976 in Villach; 1976 NP; Teiln. am German Heritage Festival 1990 in New Jersey u. gem. mit Heino Tournee durch die USA; 1990 Hermann-Löns-Medaille. Im DFF zahlr. Shows, Moderator im »Kessel Buntes«, 1976 – 91 Co-Moderator in »Zwischen Frühstück u. Gänsebraten«; eigene Shows: »Notenkarussell« (1968 – 72), »Ziehn zwei Musikanten« (1977 – 79), »Musikanten sind da« (1981 – 91); 1973 – 75 Fernsehliebling; seit 1978 auch in ARD u. ZDF (»Zum Blauen Bock«, »Musikladen«, »Kein schöner Land«, »ZDF-Hitparade« u. a.); bei Amiga bis 1988 14 LP, zahlr. Singles, 1990 LP »Heimat«, »Es blühen wieder die Rosen«; 1996 CD »Monika Hauff & K.-D. H. – Unsere größten Erfolge«, »Bouzoukimann« (Hit 1998); Veröff. von mehr als 400 Titeln.Bernhard Hönig

Wer war wer in DDR

Hennig, Reinhold

* 24.5.1919 – ✝ 27.10.2003

Geb. in Zerbst; Vater Lehrer; Volksschule u. Realgymn.; 1937 Wehrmacht; 1944 sowj. Kriegsgef., Antifaschule. 1950 Rückkehr nach Dtl.; Eintritt in die NDPD, 1951 – 55 Mitgl. des NDPD-HV bzw. NDPD-Hauptaussch.; zeitw. pers. Referent von  Vincenz Müller; 1951 – 58 Abg. der Volkskammer; 1953 – 55 Mitgl. des NDPD-PV u. Chefred. des NDPD-Zentralorgans »National-Zeitung« (Nachf. von  Heinrich Hohmann); Aug. 1955 Ausschluß aus dem NDPD-Hauptaussch.; anschl. Mitarb. im URANIA-Verlag in Leipzig; 1957 Wirtschaftsredakteur bei der Zeitung »BZ am Abend« in Berlin, bis Mai 1984 stellv. Chefred.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Henning, Ernst Robert

* 12.10.1892 – ✝ 14.3.1931

(* 1892 – † 1931) Geboren am 12. Oktober 1892 in Magdeburg; lernte Former und arbeitete in verschiedenen Gießereien. Vor 1914 Mitglied der SPD, während des Krieges als Soldat an der Front. 1918 der USPD beigetreten, in Hamburg in den Arbeiter- und Soldatenrat gewählt, ging 1920 mit der linken USPD zur KPD. Wegen seiner aktiven Teilnahme am Oktoberaufstand 1923 in Hamburg verurteilte ihn das Landgericht zu vier Jahren Festung. 1927 aus der Haft entlassen, zog Henning im gleichen Jahr als Nachrücker in die Hamburger Bürgerschaft ein. Aktiv im RFB, gehörte zur KPD-BL Wasserkante und konnte bei den Doppelwahlen vom Oktober 1927 und vom Februar 1928 sein Mandat behaupten. Ernst Henning wurde am 14. März 1931 ermordet. An diesem Tag war er mit dem Kommunisten Louis Cahnbley in einem Bus von Vierlanden, wo beide eine KPD-Versammlung geleitet hatten, nach Hamburg unterwegs. Ein Trupp SA-Leute besetzte den Bus. Sie sagten zu Henning: »Du bist der Kommunist André, du wirst jetzt totgeschossen.« Als Henning erklärte, er sei nicht André, sondern Henning, erwiderte ein SA-Mann: »Jawohl, du bist Henning, du wirst auch erschossen, dich suchen wir schon lange.« Die SA-Leute gaben dann zwölf bis fünfzehn Schüsse ab, Ernst Henning war sofort tot; er hinterließ Frau und zwei Kinder. Cahnbley und eine im Bus mitfahrende Berufsschullehrerin wurden verletzt. Offiziell distanzierte sich die SA zunächst von der Mordtat, da diese große Empörung hervorrief. Es stellte sich aber dann heraus, daß der SA-Sturm 14 den Mord verübt hatte. Die Täter erhielten sieben bzw. acht Jahre Zuchthaus, kamen allerdings 1933 wieder frei. Der anstelle von Edgar André angeschossene Landarbeiter Louis Cahnbley starb am 17. Juli 1970 in Hamburg.

Wer war wer in DDR

Henschel, Bruno

* 12.2.1900 – ✝ 2.10.1976

Geb. bei Greifswald; Vater Arbeiter; Gemeindeschule; Berufsausbildung; 1918 Mitgl. des Metallarbeiterverb., SAJ u. ab 1920 des Landesgemeindehauses Berlin (einer der freidt. Jugendbew. nahestehenden gemeinnützigen Bildungseinrichtung); 1924 – 33 Mitarb., seit 1928 Geschäftsf. des Volksbühnenverlags Berlin; 1933 – 45 Dreher, zeitw. dienstverpflichtet; Inhaber eines Milchgeschäfts in Berlin-Schöneberg. 1945/46 KPD/SED; 1945 Mitarb. in der Dt. Verw. für Arbeit u. Sozialfürsorge in Berlin; 1946 Mitbegr. (zus. mit  Fritz Erpenbeck) von Bühnenvertrieb u. Verlag Henschel & Sohn (ab 1952 SED-Eigentum); Hrsg. von »Theater der Zeit«; 1951/52 unter seiner Ltg. Vereinigung des Henschel Verlags mit dem Dt. Filmverlag u. dem Dt. Funkverlag zum Henschelverlag Kunst u. Ges., dem »henschel-SCHAUSPIEL« u. die »henschel-MUSIKBÜHNE« als Bühnenvertriebe angeschlossen sind; 1967 Rentner; 1960, 1965 u. 1975 VVO; gest. in Berlin.Carsten Wurm / Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Henselmann, Andreas

* 20.1.1941

Geb. in Potsdam; Vater Architekt  Hermann H., Mutter Innenarchitektin; 1960 Abitur; 1960 – 62 NVA; 1962 – 67 Jura-Studium an der HU Berlin u. MLU Halle, Dipl.-Jurist; 1967 Justitiar im Außenhandel (AHB Union); 1968 Ass. am Berliner Vertragsgericht; 1968 – 69 Studium an der Law School der Univ. von Chicago, 1969 – 77 wiss. Ass. u. Oberass. am Inst. für ausländ. Recht u. Rechtsvergleichung der ASR Potsdam-Babelsberg, 1977 Dr. jur.; 1977 – 79 dort pers. Mitarb. des Prorektors für Forschung; 1980 – 82 pers. Mitarb. des 1. stellv. OB des Magistrats von Berlin; 1983 – 85 wiss. Mitarb. beim Generalsekr. der AdW, Abt. Intern. Beziehungen; 1986 – 90 Dir. des Büros für Urheberrechte beim Ministerium für Kultur. 1.8.1990 Rechtsanwalt in Berlin (DDR) und am 12.12.1990 im Land Berlin; 2000 – 04 Geschäftsf. des Verlags Neues Leben, Berlin; 2005 Stifter der »Hermann Henselmann Stiftung«, Vorstandsmitgl. der Peter Hacks Stiftung; lebt in Berlin.Ihr gutes Recht. Ein Ratgeber für viele Fälle, Berlin 2008.Christoph Links

Handbuch Deutsche Kommunisten

Hentschel, Alwin

* 14.3.1860 – ✝ 16.12.1932

Geboren am 14. März 1860 in Paunsdorf bei Leipzig; Markthelfer. Mitglied der SPD, bereits vor dem Weltkrieg Bezirksvertreter von Leipzig Nord und des 13. Sächsischen Wahlkreises. Er nahm an der Vorkonferenz der Spartakusgruppe zur SPD-Reichskonferenz im September 1916 und an der Oppositionskonferenz im Januar 1917 in Berlin teil. Über eine Deckadresse erhielt Hentschel Flugblätter der Spartakusgruppe, deshalb 1917 einige Zeit in Untersuchungshaft. Da er nicht mehr zum Militär eingezogen wurde, Organisator der Leipziger Spartakusgruppe. Zusammen mit Max Schenkenberger war Hentschel auf dem Gründungsparteitag der KPD Ende 1918 Delegierter Leipzigs, für die Programmkommission vorgeschlagen, aber nicht gewählt. Er wurde Mitglied der KPD-BL Mitteldeutschland und vom VI. Parteitag (Vereinigungsparteitag) im Dezember 1920 für Westsachsen in den Zentralausschuß berufen, danach in der KPD Leipzig aktiv. Alwin Hentschel starb am 16. Dezember 1932 in Leipzig-Eutritzsch.

dissidenten.eu

Herbig, Werner

* 1919 – ✝ 2008

Werner Herbig erlebte die Entstehungsphase der SBZ/DDR und die Auseinandersetzungen um die Machtdurchsetzung der Kommunisten als exponierter Zeitzeuge und Gegner des Ulbricht-Regimes. Er wurde in den Wochen vor dem 17. Juni 1953 zur politischen Integrationsfigur in Görlitz und stand während der entscheidenden Ereignisse mit an der Spitze der Demokratiebewegung. Nach Verhaftung, Haft und späterer Flucht in den Westen trug er maßgeblich dazu bei, die Erinnerung an den Volksaufstand von 1953 wachzuhalten und die Interessen der Widerstandskämpfer zu vertreten.Am 15. April 1919 wurde Werner Herbig in Gersdorf in der Lausitz als einziger Sohn eines Angestellten geboren. Er besuchte die Volksschule bis zur 8. Klasse und absolvierte anschließend eine Kellnerlehre. Dem freiwilligen Arbeitsdienst folgte die Einberufung zur Wehrmacht. Unter anderem war er beim Wachbataillon Berlin und in einer Fliegerkurierstaffel eingesetzt. Zur Frontbewährung an die Ostfront, nach Charkiw in die Ukraine kommandiert, wurde er im September 1942 in Alexandrowka verwundet. Er kam zunächst in ein Frontlazarett, wurde dann nach Deutschland zurücktransportiert und erlebte das Kriegsende in Görlitz. Obwohl er sich schon bald mit Fluchtabsichten trug, blieb er in seiner ostdeutschen Heimat und gründete dort eine Familie. Zunächst war Herbig als parteiloser Angestellter in der Stadtverwaltung tätig, konnte aber Maßnahmen, die auf politische Gleichschaltung hinausliefen, nicht akzeptieren und versuchte sich selbstständig zu machen. Er führte in den späten 40er Jahren ein Café in der Innenstadt von Görlitz, hatte selbst Angestellte, konnte aber angesichts der gegen Privatinitiative gerichteten kommunalen Wirtschaftspolitik damit nicht überdauern. Einer Tätigkeit bei der Gewerkschaft Nahrung und Genuss folgte die Arbeit im Pflanzenschutzdienst des Kreises. Zu Herbigs Aufgaben gehörte dabei die Aufklärung der Landwirte über den Einsatz von Schädlingsbekämpfungsmitteln. In dieser Funktion verlangte man von ihm, einen Zeitungsartikel zu verfassen, in dem er das Auftreten der Kartoffelkäfer als Ergebnis von gezielten Abwürfen der Amerikaner begründen sollte. Als er sich weigerte, solchen Hirngespinsten stattzugeben, wurde ihm als „unzuverlässiges“ und „feindliches Element“ fristlos gekündigt. Arbeitslos geworden, erlebte und verfolgte er die sich anstauende Unzufriedenheit und Verbitterung der Bevölkerung in den letzten Wochen vor den Juni-Ereignissen 1953. Gerüchte und Informationen über Unruhen, Streiks und Demonstrationen in Berlin und anderen Städten drangen sehr schnell auch nach Görlitz. Herbig hielt sich am Vormittag des 17. Juni 1953 in der Görlitzer Innenstadt auf und wurde von Arbeitern des Lokomotiv- und Waggonbau-Betriebes (Lowa), die sich in der Berliner Straße zum Marschblock formiert hatten, erkannt. Sie wussten von seiner Gesinnung und riefen ihm zu: „Werner komm mit, Du gehörst doch zu uns.“ Arbeiter und Angestellte verschiedener Betriebe und Einrichtungen strömten zusammen. Ihre Sprechchöre schallten zwischen den Häuserwänden. Spontan wurde ein Streikkomitee gebildet, dem neben Herbig unter anderem ein Schlosser, ein Architekt und ein Maler angehörten. Eine der ersten Entscheidungen des Komitees war die Besetzung der Kreisdienststelle der Volkspolizei, die Entwaffnung der Polizisten und das Beschlagnahmen der Akten und Karteien. Bald waren alle wichtigen Gebäude der Stadt, einschließlich der Kreisverwaltung des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS), in der Hand der Aufständischen. Durch Görlitz patrouillierte eine Bürgerwehr, die an weißen Armbinden erkennbar war. Die Revolution schien in Görlitz fast ohne Gegenwehr siegreich zu verlaufen. Gegen 15 Uhr kam es zur zweiten Großkundgebung auf dem Obermarkt. Die Mitglieder des Streikkomitees appellierten an die Streikenden und Demonstranten, Ruhe zu bewahren und kein Blutvergießen zuzulassen. Ab 17 Uhr rückten sowjetische Panzer aus Richtung Weißwasser an, eine Stunde zuvor waren bereits Einheiten der Kasernierten Volkspolizei (KVP) zögerlich in die Stadt eingerollt. Der vom abgesetzten SED-Bürgermeister denunzierte Herbig und andere Mitglieder des Streikkomitees wurden noch am Abend des 17. Juni verhaftet. Obwohl sich die einzelnen Mitglieder des Komitees untereinander zum Teil kaum kannten, waren sie in dieser Situation schicksalhaft miteinander verbunden. In der ersten Woche blieben die Verhafteten aus Görlitz im Gewahrsam der sowjetischen Streitkräfte. Von den zu ihrer Bewachung eingeteilten einfachen sowjetischen Soldaten wurden Herbig und seine Haftgefährten menschlich behandelt und erhielten Zeichen verstohlener Sympathie. Mit den Worten „Du 17. Juni Spezialist, gutt ...“ steckte ihm ein sowjetischer Wachsoldat heimlich Sauerkraut und Sonnenblumenkerne zu. Die Hölle begann für die Inhaftierten nach einer Woche, als sie nach Dresden verlegt und dort dem DDR-Staatssicherheitsdienst übergeben wurden. Tages- und Nachtverhöre, Schläge und Geständnisdruck, dazu entsetzliche Haftbedingungen sollten jeden Widerstand brechen. Herbig, der zu Verrat und Denunziation nicht bereit war, wurde von Verhörspezialisten bearbeitet, die ihr Handwerk bei den Nationalsozialisten gelernt hatten. Ihm und den anderen Mitgefangenen wurde der Beistand von Rechtsanwälten verweigert, sie erhielten keine Anklageschrift. Bei den Verurteilungen reichte das Strafmaß für angebliche „Rädelsführerschaft“ von 18 Jahren Zuchthaus bis zur „Mindeststrafe“ von fünf Jahren. Im Zuchthaus Waldheim teilte Herbig eine Zelle mit 180 anderen Inhaftierten, die alle aus Sachsen kamen. Der Staatssicherheitsdienst versuchte 1954, ihn in der Haft als „Geheimen Informator“ (GI) anzuwerben. Herbig ging Ende Januar 1954 zum Schein darauf ein (GI „Kittler“). Offenbar hatte er sich Hafterleichterungen oder gar eine Haftentlassung erhofft, um schneller in die Bundesrepublik flüchten zu können. Solche Scheinverpflichtungen mit der Staatssicherheit gingen in Folge des 17. Juni 1953 sehr viele Verhaftete und Verurteilte aus taktischen Gründen ein, ohne je für die Geheimpolizei tätig gewesen zu sein. Als Herbig bemerkte, dass die Verpflichtung keinerlei Vergünstigungen für ihn bewirkte, nahm er sie nicht einmal zwei Wochen später zurück und erklärte: „Ich habe Ihnen gegenüber jetzt den Mut zu erklären, dass ich ein Gegner der DDR bin. Bisher hatte ich Angst vor Schlägen, wenn ich so etwas zugebe.“ Er erklärte zudem standhaft, dass er alle Haftverschärfungen bis hin zur Isolationshaft in Kauf nehmen werde, bis die Verpflichtung zurückgenommen sei. Der Staatssicherheit blieb letztlich nichts anderes übrig, als die Verpflichtung für nichtig zu erklären. Herbigs Mut und Aufrichtigkeit zeigen, dass letztlich die Macht der Staatssicherheit selbst hinter Kerkermauern ihre Grenzen hatte. Nach seiner Freilassung Mitte 1958 entschied sich Herbig, um der Sicherheit seiner Familie willen, zur Flucht in den Westen. Über die noch halboffene Grenze zu West-Berlin gelang es ihm, mit Frau und Kindern zu entkommen. Die Erfahrungen im Flüchtlingslager in Berlin-Zehlendorf und die Konfrontation mit anderen Verfolgtenschicksalen trieben ihn dazu an, sich für die Situation der am 17. Juni Beteiligten, der Verhafteten und Verfolgten einzusetzen. Neben seiner Tätigkeit im Botanischen Garten in Berlin-Steglitz und der späteren Arbeit als Personalrat, engagierte er sich unermüdlich für die Verwirklichung der Ziele, die den Aufstand von 1953 bestimmten. Mit anderen Gefährten bereitete er die Gründung des „Arbeitskreises 17. Juni“ vor, der im Juni 1962 ins Leben trat und dessen Vorsitzender er wurde. Der Arbeitskreis war im Rahmen des „Kuratoriums unteilbares Deutschland“ tätig. Neben den Tagungen des Kuratoriums, die der Arbeitskreis mit eigenen Treffen verband, gab es zahlreiche weitere Arbeitsschwerpunkte. Das Wachhalten der Erinnerung an die Ereignisse und das Schicksal der Beteiligten, die politische Bildungsarbeit und die Interessenvertretung der Widerständler gehörten zu den wichtigsten Aufgaben in der jahrzehntelangen Aktivität des Arbeitskreises. Waren zu Beginn noch 2.100 Beteiligte aktiv, so sind es heute nur noch wenige Dutzend. Nach dem Ende der DDR setzten die Mitglieder des Arbeitskreises ihr Engagement fort und erstritten ein Denkmal für den 17. Juni 1953 in der Berliner Leipziger Straße, am historischen Ort der Geschehnisse. Herbig wurde für seine Verdienste um die deutsche Einheit mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Werner Herbig starb 2008 in Berlin.Wolfgang Templin Letzte Aktualisierung: 08/16

Handbuch Deutsche Kommunisten

Herbst, Eugen

* 4.7.1903 – ✝ 20.7.1934

Geboren am 4. Juli 1903 in Ludwigshafen/ Rhein; kaufmännischer Angestellter. Er trat 1919 der FSJ (deren Jugendleiter er im Bezirk Pfalz wurde) und 1920 der KPD bei, 1922 kurzfristig Parteiausschluß wegen »Disziplinbruchs«. 1923 Jugendleiter der kommunistischen Jugend Bezirk Rhein-Saar, 1925 Wahl zum Mitglied des ZK des KJVD. Angestellter des Konsumvereins Ludwigshafen. Dort entlassen wegen Verbreitung von Interna in der kommunistischen Presse, wurde dann Buchhalter der deutsch-sowjetischen Naphta-Gesellschaft und 1928 schließlich hauptamtliches Mitglied der BL Pfalz. Von 1930 bis Dezember 1932 Sekretär für Agitation und Propaganda der BL Baden-Pfalz. Von April bis Dezember 1931 wegen Verdachtes der Beihilfe zur Werkspionage inhaftiert – Herbst hatte deutsche Chemiearbeiter für die Sowjetunion geworben. Die Untersuchungshaft wurde bei der abschließenden Verurteilung zu vier Monaten Gefängnis anerkannt. Im Juli 1932 im Wahlkreis Pfalz als Abgeordneter in den Reichstag gewählt, dem er bis November 1932 angehörte. Ende 1932 hatte er zwar alle Funktionen verloren, beteiligte sich aber ab Februar 1933 dennoch an der illegalen Arbeit der KPD. Vom 30. Juli bis 19. Dezember 1933 »Schutzhaft« im KZ Kislau. Herbst, gegen den ein Ermittlungsverfahren wegen »Vorbereitung zum Hochverrat« lief, galt nach Gestapounterlagen seit dem 20. Juli 1934 als »flüchtig«. Sein Schicksal ist bis heute ungeklärt. Er soll nach einem kurzen Aufenthalt in der Schweiz im Juni 1934 auf einer Instruktionsreise nach München erneut verhaftet und im Juli 1934 im KZ Dachau umgekommen sein. Ebenso nicht gesichert sind Gerüchte, Herbst sei ein Opfer des Stalinschen Terrors geworden. Im Mai 1939 wurde er noch offiziell vom NS-Regime ausgebürgert. Auf Antrag seiner Witwe Lina Herbst wurde Eugen Herbst im November 1951 vom Amtsgericht Mannheim mit Datum 31. Dezember 1939 für tot erklärt. Das Oberlandesgericht Neustadt an der Weinstraße hielt es am 18. November 1955 als erwiesen, daß Herbst im Sommer 1934 wegen seiner politischen Überzeugung durch nationalsozialistische Gewaltmaßnahmen ums Leben gekommen sei. Lina Herbst, geborene Michel (* 4. 9. 1901 – †18. 11. 1979), war kaufmännische Angestellte, Mitglied der FSJ und seit 1920 der KPD. Sie arbeitete später als Angestellte der KPD-BL Pfalz. 1945 gehörte sie zu den Mitbegründern der pfälzischen KPD, war bis 1950 Mitglied des LV Rheinland-Pfalz und für Frauenarbeit verantwortlich. Von 1946 bis 1950 war Lina Herbst Mitglied des Stadtrates von Ludwigshafen/ Rhein. 1954/55 half ihr der ehemalige SPD-Reichstags- und spätere Bundestagsabgeordnete, Vizepräsident des Bundesverfassungsgerichts, Friedrich Wilhelm Wagner (*1894 – † 1971), ihre Witwenrente durch mehrere Instanzen einzuklagen. Seit 1968 gehörte Lina Herbst der DKP an. Klaus Jürgen Becker veröffentlichte 2007 im Zusammenhang mit der »Stolperstein-Aktion« in Ludwigshafen eine biographische Skizze über Eugen Herbst.

Wer war wer in DDR

Hering, Werner

* 20.3.1930 – ✝ 17.10.2012

Geb. in Königstein (Sachsen); Vater Arbeiter; Volks- u. Oberschule, Abitur; 1945 Streckenarb. u. Telegraphist in Pirna; 1946 SED; Neulehrer in Leipzig; 1948 – 52 Studium der Rechtswiss. an der Univ. Leipzig; 1952/53 wiss. Aspirant; ab März 1953 Mitarb. im ZK der SED; 1955/56 Sektorenltr., 1956 stellv. Ltr. der Abt. Wiss.; 1960 Prom. zum Dr. jur. an der KMU Leipzig; 1959 – 81 Ltr. der Abt. Gesundheitspol. des ZK der SED (Nachf. von  Fritz Schellhorn); 1967 Kand., 1976 – 86 Mitgl. des ZK; 1963 u. 1974 VVO; 1980 Banner der Arbeit; Mitgl. des Kolleg. des Min. für Gesundheitswesen; ab 1986 Ltr. des Lehrstuhls für Staatsrecht an der Akad. für Ärztl. Fortbildung in Berlin. Gest. in Weixdorf.Das Wesen, die Entw. u. die gegenw. Hauptaufgabe der staatl. Leitung von Wiss. u. Hochschulwesen. Leipzig 1960.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Herm, Max

* 11.12.1899 – ✝ 7.4.1982

Geb. in Brandenburg; Vater Arbeiter; Volksschule; Lehre u. Arbeit als Elektromonteur u. Schlosser u. a. in der Brandenb. Firma Spingat & Seelig, 1922 – 24 in den Berlin-Burger Eisenwerken in Burg, ab 1927 im Elektrizitätswerk Brandenb.; 1917/18 Militärdienst; 1918 Spartakusbund; 1919 KPD; 1926 – 33 Stadtverordn. in Brandenb.; ab 1926 Organisationsltr., ab 1932 Pol.-Ltr. des KPD-UB Brandenb.; 1932 Mitgl. der KPD-BL Berlin-Brandenb., Ltr. der Provinzialabt. der BL; 1932/33 MdR; ab Febr. 1933 illeg. Arbeit; April 1933 Verhaftung in Berlin, bis 1939 Inhaftierung in den KZ Sonnenburg, Lichtenburg u. Buchenwald; 1939 Entlassung; Arbeit bei den Brandenb. Elektrizitätswerken, Polizei-aufsicht; Aug. 1944 erneut Inhaftierung u. bis April 1945 Haft im KZ Sachsenhausen. Juni 1945 OB von Brandenb.; 1945/46 Mitgl. der KPD-BL Brandenb.; 1946 SED; 1945 – 48 2. Vizepräs. der Dt. Verw. für Arbeit u. Sozialfürsorge; 1948/49 HA-Ltr. in der DWK; 1949 – 51 Ltr. der Abt. für Arbeit u. Sozialfürsorge des ZS des SED-PV bzw. des ZK der SED; 1951 Lehrgang an der LPS Schmerwitz; 1952 – 57 Dir. für Arbeit im VEB Stahl- u. Walzwerk Brandenb.; 1957 – 65 erneut OB von Brandenb.; 1955 u. 1970 VVO; 1974 KMO.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Herneck, Friedrich

* 16.2.1909 – ✝ 18.9.1993

Geb. in Brüx (Nordböhmen/Most, Tschechien); Vater Lehrer; 1928 Abitur; anschl. Studium der Naturwiss. u. Philos. an der Dt. Univ. Prag; 1934 – 38 freiberufl. Theatertätigkeit; 1941 Prom. an der Univ. Erlangen; 1940 – 45 Wehrmacht, Desertion; 1945/46 Agitator des NKFD; Mitbegr. der SED Frankfurt (Oder). 1946 – 52 Lehrer an der LPS der SED Brandenb.; 1952 – 54 Doz. für dial. Materialismus an der PH Potsdam, ab 1954 HU Berlin; 1958 Entlassung, die in einen Entzug der Lehrbefugnis umgewandelt wurde, Vorwurf des Revisionismus auf der II. HS-Konferenz u. a. wegen seiner quellenbezogenen Arbeiten über Ernst Mach u. der Unterstützung der ideolog. Positionen von  Robert Havemann; 1961 Habil.; 1964 Wiederaufn. der Lehrtätigkeit als Doz. u. 1967 Prof. für Geschichte der Naturwiss.; 1974 em.; gest. in Berlin. Verf. von über 20 Monographien, die H. zu einem der Nestoren u. bekanntesten Forscher auf dem Gebiet der Geschichte der Naturwiss. in der DDR machten; als Mach- u. Einstein-Forscher sowie mit den Studien über die »Bahnbrecher des Atomzeitalters« u. die naturwiss. Traditionen Berlins fand H. auch internat. Anerkennung.Albert Einstein. Berlin 1963; Bahnbrecher des Atomzeitalters. Berlin 1965; Wissenschaftsgeschichte. Berlin 1984. Hoffmann, D.: F. H. (1909 – 1993). In: Nachrichtenblatt der Dt. Ges. für Geschichte der Med., Naturwiss. u. Technik (1996) 46.Dieter Hoffmann

Wer war wer in DDR

Herrmann, Dieter B.

* 3.1.1939

Geb. in Berlin in einer Arb.-Familie; 1957 – 63 Studium der Physik an der HU Berlin; 1963 – 69 Mitarb. in der Staatl. Zentr. für Strahlenschutz; 1969 Prom. mit einer Arbeit zur Geschichte der astronom. Fachztschr. in Dtl.; seit 1956 freier Mitarb. der Archenhold-Sternwarte Berlin; dort 1970 Ltr. der Abt. Astronomiegeschichte, 1976 – 2004 Dir.; ab 1987 zugl. Dir. des Zeiss-Großplanetariums Berlin; 1977 – 90 Moderation von rund 150 Folgen der populärwiss. TV-Reihe »AHA«, zahlr. weitere TV- u. Rundfunksendungen; Mitgl. der Internat. Astronom. Union; 1981 – 90 Mitgl. des Präs. der Urania; 1986 Habil. mit der Arbeit »Astrophysikal. Studien zur Genesis einer wiss. Disziplin« u. Honorarprof. für Geschichte der Astronomie u. Astrophysik an der HU Berlin; seit 1990 Verf. mehrerer Schullehrbücher zur Astronomie; 2004 Ruhestand; seit 2006 Präs. der Leibniz-Sozietät (Nachf. von  Herbert Hörz); lebt in Berlin. Hauptarbeitsgebiete: Geschichte der astronom. Fachztschr., Entstehung u. Frühgeschichte der Astrophysik, Geschichte der mod. Astronomie; rund 1.500 populärwiss. u. 100 wiss. Veröff., darunter 18 Bücher, manche mit mehreren Aufl. u. Übersetzungen.Astronomiegeschichte. Berlin 2004; Bibliogr. In: Mitteilungen der Archenhold-Sternwarte Berlin-Treptow (1989) 163. Rothenberg, E., Fürst, D. (Hrsg.): Wege der Erkenntnis. Fs. zum 65. Geburtstag. Frankfurt (Main) 2004 (mit Bibliogr.).Jürgen Hamel