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BioLex

In der Kategorie BioLex sind drei wichtige Lexika mit über 5500 Biografien von überzeugten Kommunistinnen und Kommunisten, Renegatinnen und Dissidenten im Volltext recherchierbar.

 

Das Handbuch „Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945“ wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam.

Kurzbiografien zu Personen des politischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 bereit.

Zudem ist das Online-Lexikon www.dissdenten.eu ebenfalls auf unserer Seite aufrufbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Informationen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Hertz, Gustav

* 22.7.1887 – ✝ 30.10.1975

Geb. in Hamburg; Vater Rechtsanwalt; 1906 Abitur; Studium der Mathematik u. Physik in Göttingen, München u. Berlin, 1911 Prom.; danach Assistent an der Univ. Berlin; gem. Arbeiten mit James Franck führten 1913 zu den Elektronenstoßexperimenten, die sich später als experiment. Beweis für die Bohrsche Atomtheorie u. die Quantentheorie erwiesen (für diesen Franck-Hertz-Versuch Physik-Nobelpreis 1925); 1920 Philips-Laboratorien, dort 1922 Trennung von Gasgemischen durch Diffusion; 1926 ord. Prof. für Physik an der Univ. Halle; 1927 Dir. des Physikal. Inst. der TH Berlin; 1932 Trennkaskade für gasförmige Isotopengemische; 1935 Rücktritt vom Ordinariat aus pol. Gründen u. Übernahme d. Ltg. des Siemens-Forschungslaboratoriums in Berlin. 1945 – 54 im Rahmen des sowj. Atombombenprojekts Ltr. eines Forschungsinst. bei Suchumi, Entw. des Gasdiffusionsverfahrens für die Uran-Isotopentrennung; 1951 Stalin-Preis der UdSSR; 1954 – 61 ord. Prof. u. Dir. des Physikal. Inst. der KMU Leipzig, Einsatz bes. für den Aufbau von Kernphysik u. -technik in der DDR; 1954 Ord. Mitgl. der DAW, 1963 – 68 Sekretar der Kl. Mathematik, Physik u. Technik (Nachf. von  Robert Rompe); 1955 NP; Mitgl. des Forschungsrats u. des Rats für die friedl. Anwendung der Atomenergie beim Min.-Rat; Vors. bzw. Ehrenvors. der Physikal. Ges.; Mitgl. vieler Akad., so in Halle, Göttingen, Leipzig, Moskau; Dr. h. c. mult.; gest. in Berlin. Sek.-Lit.: Wiss. Ztschr. der KMU Leipzig. Mathemat.-Naturwiss. (1987) Reihe 6 (Themat. Heft zum 100. Geb., mit Biogr./Bibl.); Kuczera, J.: G. H. Leipzig 1985.Die Elektronenstoßversuche. München 1967 (mit J. Franck, Hrsg. A. Hermann); Grundlagen u. Arbeitsmethoden der Kernphysik. Berlin 1957 (Hrsg.).Horst Kant

Wer war wer in DDR

Herwegen, Leo

* 25.2.1886 – ✝ 9.5.1972

Geb. in Köln; dort Volksschule u. Realgymnasium; Studium der Montanwiss. in Clausthal u. Aachen, 1909 Dipl.-Berging.; Assistent an der TH Aachen, Prom. zum Dr.-Ing.; ab 1913 Betriebsltr. von Bergwerken, u. a. in den Riebeckschen Montanwerken Halle; 1919 Zentrums-Partei; seitdem Vors. des Provinzialvorst. Sachsen; nach 1933 pol. verfolgt; bis 1944 Abt.-Ltr. der Bergwerke der IG Farben; 1944 verhaftet. Juli 1945 Mitbegr. der CDU in Sachsen-Anh., bis Mai 1948 1. Vors. des Landesvorst.; Sept. 1945 – Dez. 1946 Präsidialdir. in der Provinzialverw. Sachsen, Ltr. des Amts für Brennstoffindustrie u. Energiewirtschaft; 1945 – 49 Mitgl. des CDU-Hauptvorst. in der SBZ, Dez. 1945 – Sept. 1947 ihr 4. Vors., Sept. – Dez. 1947 Mitgl. ihres geschäftsf. Vorst., Nov./Dez. 1947 des Pol. Aussch.; Mitgl. der Arbeitsgemeinschaft CDU/CSU; Mai 1948 – Nov. 1949 stellv. Vors. der CDU Sachsen-Anh.; Okt. 1946 – Nov. 1949 Abg. des Landtags Sachsen-Anh.; Dez. 1946 – Nov. 1949 Landesmin. für Arbeit u. Sozialpol.; 1948/49 Mitgl. des Dt. Volksrats; 1949 Abg. der Prov. Volkskammer; Okt. 1949 verhaftet; Nov. 1949 aller Ämter enthoben wegen angebl. Verwicklung in den Fall »Verschiebung von Vermögenswerten« der 1946 enteigneten Dt. Continental-Gas-Ges., April 1950 im Dessauer Schauprozeß mit  Willi Brundert zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt; Febr. – März 1956 Verlegung in die zentrale U-Haftanstalt in Berlin-Hohenschönhausen; Sept. 1956 Entlassung aus der Haft; 1958 Flucht in die Bundesrep. Dtl.Zusammenfassende Darstellung der Kokereitechnik. Gelsenkirchen 1911; Das Tiefbohrwesen. Berlin 1912; Gewinnungsmaschinen. Berlin 1912; Der Streckenausbau im Braunkohlenbergbau. Halle 1918. Prozeß H. u. Brundert u. Komplicen. Berlin 1950; Eik, J., Mittmann, W.: Der Dessauer Prozeß. DDR 1950: Ein Stück Justizgeschichte im Originalton. Radio-Feature 1997.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Herzberg, Guntolf

* 9.6.1940

Geb. in Berlin; 1958 Abitur; nach Ablehnung der Bewerbung zum Journalistikstudium Lehre als Schriftsetzer u. Korrektor, dann als Korrektor tätig; 1961 – 65 Studium der Philos., Physik u. Geschichte an der HU Berlin, u. a. bei  Wolfgang Heise; 1964 SED; kurzz. wiss. Sekr. des Dekans der Philosoph. Fak.; ab 1966 Assistent am Inst. bzw. ZI für Philos. der DAW/AdW; zugl. Lehrtätigkeit an der HU Berlin u. einer Kunst-FS; 1972 Gründer der »Freitagsrunde«, die 1989 in die Initiativgr. für das Neue Forum überging; Observierung durch das MfS (OPK u. OV »Korrektor«); 1973 wegen des »nichtgenehmigten« Diskussionskrs. Parteiausschluß, Entlassung, Berufs- u. Publ.-Verbot; danach freiberufl. Red. u. Übersetzer für die Ztschr. »Sowjetwiss.«; 1974 Reservistendienst; 1976 Prom. an der HU Berlin mit der Diss. »Wilhelm Dilthey u. das Problem des Historismus«; 1976 freiberufl. Lektor für den Akad.-Verlag; Okt. 1976 Protestbrief gegen die Ausbürgerung  Wolf Biermanns; Zusammenarbeit mit  Rudolf Bahro; Mitbegr. u. Teilnehmer informeller Zirkel in Berlin, Naumburg (Saale) u. Leipzig (OV »Platon«); 1980 Vorträge zur Menschenrechtsproblematik in kirchl. Krs.; 1981 Mitbegr. des interdisz. »Wittenberger Arbeitskrs. Wiss.-Ethik« u. Mitautor des Papiers »Wiss.-Ethik – heute« (veröff. 1984); ab 1983 in der unabh. Friedensbew. engagiert; 1984 arbeitslos; 1985 Ausreise nach Berlin (West); Mitgl. der Grünen (AL); Mitarb. in der Initiative Ost-West-Dialog; 1986 Mitbegr. der Bundesarbeitsgemeinschaft Menschenrechte der Grünen; 1987 wiss. Mitarb. am Inst. für Philos. der FU Berlin; Sept. 1989 Mitautor des Aufrufs »Für ein Berlin ohne Mauern – in einem Dtl. ohne Panzer – in einem Europa ohne Grenzen«; Mitbegr. des »Demokrat. Forums West« zur Unterstützung der ostdt. Bürgerbew.; 1990 Mitarb. in versch. wiss.-pol. Gremien, u. a. am Zentr. Runden Tisch Wiss.; Mitarb. im Unabh. Historikerverb. 1990/91 beteiligt am Verfassungsentwurf des »Kuratoriums für einen demokrat. verfaßten Bund Dt. Länder«; 1991 Gründungsmitgl. der Partei Bündnis 90; 1993/94 Mitarb. der Abt. Bildung u. Forschung des Bundesbeauftr. für die Unterlagen des MfS; 1994 – 2005 Mitarb. am Inst. für Philos. der HU; lebt in Berlin.Überwindungen. Schubladentexte 1975 – 1980. Berlin 1990; Einen eigenen Weg gehen. Texte aus Ost u. West 1981 – 90. Berlin 1991; Abhängigkeit u. Verstrickung. Studien zur DDR-Philos. Berlin 1996; Aufbruch u. Abwicklung. Neue Studien zur Philos. in der DDR. Berlin 2000; Rudolf Bahro. Glaube an das Veränderbare. Berlin 2002; Anpassung u. Aufbegehren. Berlin 2006.Jan Wielgohs

Wer war wer in DDR

Herzig, Werner

* 16.12.1928

Geb. in Gutenswegen (Krs.Wolmirstedt); Vater Schmied; Volksschule; Lehre u. Arbeit als Handlungsgehilfe; 1950 – 53 Kulturdir. des VEB »7. Oktober« in Magdeburg; 1953 / 54 Kaderltr. im VEB »Karl-Marx-Werk« Magdeburg; 1954 – 58 Sekr. der SED-BPO im VEB »Fahlberg-List« Magdeburg; 1952 – 57 Fernstud. der Industrieök. an der KMU Leipzig, Dipl.-Wirtsch.; 1958 Stellv. bzw. ab 1963 1. Sekr. der SED-Stadtbezirksltg. Magdeburg-Südost; 1960 / 61 Stud. an der PHS des ZK der KPdSU in Moskau; 1963 – 65 Sekr. u. Ltr. des Büros für Ind. u. Bauwesen der SED-Stadtltg. Magdeburg; 1965 Studium an der Ingenieurschule für Maschinenbau u. Elektrotechnik, Ingenieurök.; 1965 – 89 OB von Magdeburg, (Nachf. von  Friedrich Sonnemann); Abg. des Bezirkstags u. Mitgl. der SED-BL Magdeburg.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Hespers, Theodor

* 12.12.1903 – ✝ 22.7.1943

Geboren am 12. Dezember 1903 in München-Gladbach, Sohn eines Kaufmanns; kaufmännische Ausbildung. Seit seinem vierzehnten Lebensjahr war Hespers im katholischen Jugendbund Quickborn. 1925 trat er der Christlich Sozialen Jugend und später der Christlich Sozialen Reichspartei unter Vitus Heller bei. Er wirkte in der Pfadfinderschaft Westmark unter Hans Ebeling aktiv gegen den aufkommenden Nationalsozialismus. Seit 1926 war Hespers inoffiziell auch Mitglied der KPD und gehörte dem AM-Apparat an. 1927 Mitglied der IAH, 1929 besuchte Hespers mit einer Jugenddelegation die Sowjetunion und war 1931 Kursant an der M-Schule der Komintern. Im April 1933 emigrierte Hespers in die Niederlande und unterstützte den Transport kommunistischer Schriften nach Deutschland, dann trennte er sich von der KPD. Gemeinsam mit Hans Ebeling, Karl O. Paetel, Eberhard Koebel und Walter Hammer gründete Hespers den »Arbeitskreis bündische Jugend«, war Mitherausgeber deren Zeitschrift »Rundbriefe«. Besonders bemühte er sich um den Zusammenschluß bündischer und katholischer Jugendverbände im Exil in der »Deutschen Jungfront« und gab die »Sonderinformationen für die deutsche Jugend« heraus. Später an der Beschaffung militärischer Nachrichten für den britischen Geheimdienst beteiligt, plante Hespers 1939 Sabotageaktionen im holländischen Grenzgebiet. Bis zu seiner Verhaftung im Februar 1942 lebte er versteckt in den Niederlanden. Am 22.Juli 1943 wurde Theodor Hespers vom VGH zum Tode verurteilt und am 9. September 1943 in Berlin-Plötzensee hingerichtet.

Wer war wer in DDR

Hetterle, Albert (Alfred)

* 31.10.1918 – ✝ 17.2.2006

Geb. in Peterstal (b. Odessa/Ukraine); Vater Landwirt; Volksschule in Peterstal; 1936 – 38 Eleve, dann Schauspieler am Dt. Kollektivistentheater in Odessa; 1937 – 41 Mitgl. des Komsomol; 1944 nach Dtl. zurückgeführt, zur Wehrmacht eingezogen, nach schwerer Erkrankung 1945 aus dem Lazarett entlassen. Ab 1947 Engagements in Sondershausen, Greifswald, Altenburg, Erfurt u. Halle; 1949 SED; ab 1955 am Maxim-Gorki-Theater Berlin; zahlr. Bühnenrollen u. a. in Friedrich Schillers »Die Räuber«, Friedrich Wolfs »Die Matrosen von Cattaro«, Maxim Gorkis »Nachtasyl«, in weiteren Stücken von Maxim Gorki sowie sowj. Autoren wie Wiktor Rosow, Schatrow, Alexander Gelman; 1965 – 69 Vors. der Gewerkschaft Kunst in Berlin; seit 1966 Mitgl. des Vorst. des Verb. der Theaterschaffenden; 1967 – 86 Mitgl. der SED-BL Berlin; 1967/68 stellv. Intendant, ab 1968 Intendant des Maxim-Gorki-Theaters; dort ab 1971 Inszenierungen vor allem klass. u. zeitgenöss. Bühnenwerke, weiter auch als Schauspieler tätig, u. a. 1988 in  Volker Brauns »Die Übergangsgesellschaft«; 1962 (im Koll.) u. 1977 NP; 1978 VVO. Bis zur Spielzeit 1993/94 Intendant des Maxim-Gorki-Theaters, danach weiterhin Schauspieler; gest. in Berlin.Gaus, G.: Zur Person. Berlin 1993.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Heucke, Alwin

* 19.10.1890 – ✝ 15.3.1962

Geboren am 19. Oktober 1890 in Rodkendorf/ Sachsen; wuchs in Leipzig auf, wo er 1910 der SPD beitrat, gelernter Schneider. Vor dem Weltkrieg lebte er in Offenbach/Main als Bauarbeiter. Am Krieg nahm Heucke als Matrose teil und gehörte 1918 zur Führung der Kieler revolutionären Matrosen. Seit Gründung der KPD Mitglied, übte verschiedene Funktionen aus, war 1922/23 Bezirkssekretär der KPD Groß-Leipzig. 1924 wurde er wegen seiner Beteiligung an den Oktoberereignissen 1923 verhaftet und am 26. Februar 1925 in Leipzig zu einem Jahr und neun Monaten Gefängnis verurteilt. Ende August 1925 amnestiert und aus dem Zentralgefängnis Potsdam entlassen. Im September 1925 schickte ihn das ZK als Polleiter nach Hessen. In Frankfurt/M. blieb Heucke bis 1928 Polleiter. Als Anhänger der Rechten am 26.Oktober 1928 seiner Funktion enthoben. Aus der KPD ausgeschlossen, wurde Heucke Mitbegründer der KPO und deren Sekretär für Hessen in Offenbach. Nach der Spaltung der KPO blieb er in dieser Organisation, verlor aber seinen Sekretärsposten, da in Offenbach die Mehrheit mit Heinrich Galm zur SAP ging. 1933 flüchtete Heucke nach Frankreich und von da aus kurze Zeit später nach Paraguay, wo er bis 1958 als Siedler lebte. Nach Deutschland zurückgekehrt, schloß er sich der Gruppe Arbeiterpolitik an. Alwin Heucke starb am 15. März 1962 in Fulda.

Wer war wer in DDR

Heussi, Karl

* 16.6.1877 – ✝ 25.1.1961

Geb. u. aufgew. in Leipzig; Vater Kfm.; ab 1897 Studium der Theol. an den Univ. Leipzig, Berlin u. Marburg, u. a. bei Albert Hauck, Heinrich Böhmer, Adolf von Harnack, Adolf Jülicher u. Wilhelm Herrmann; 1903 Prom. bei Karl Lamprecht mit einer Arbeit über die Kirchengeschichtsschreibung Johann Lorenz Mosheims; 1904 – 24 Lehrer für Geschichte u. Religion am König-Albert-Gymnasium in Leipzig; ab 1924 ord. Prof. für Kirchengeschichte an der Univ. Jena; widersetzte sich als Rektor der Univ. 1930 dem Vordringen der Nationalsoz. in Thür. 1945 nach Wiedereröffnung der Univ. amt. Dekan der Theolog. Fak.; 1953 em.; K. H. gilt als Nestor der dt. Kirchengeschichtsschreibung; bereits als Gymnasiallehrer verfaßte er mit seinem »Kompendium der Kirchengeschichte« (Tübingen 1907/08, zul. 1913) ein Lehrbuch, das mehr als zehn akt. Aufl. erfuhr u. bis heute als Standardwerk gilt; schulbildend wirkte v. a. seine Behandlung der Kirchengeschichte in ihren Bezügen zur gesellsch. Gesamtentwicklung einschließl. der Kultur- u. Sozialgeschichte; zu eigenen Forschungen hat K. H. insbes. Hanna Jursch,  Erich Hertzsch, Herbert von Hintzenstern u. Eberhard H. Pältz angeregt; Schwerpunkte seiner Forschungen waren Patristik, Geschichte des Mönchtums, Historiographie u. Geschichtstheorie.J. L. Mosheim. Biogr. Tübingen 1906; Die Krisis des Historismus. Tübingen 1932; Der Ursprung des Mönchtums. Aalen 1936; Geschichte der Theolog. Fak. zu Jena. Weimar 1954. Pältz, E.: Geschichte als Selbstorientierung in der Zeit. Zum Vermächtnis K. H. In: Mosaiksteine. 22 Beiträge zur thür. Kirchengeschichte. Berlin 1981; Bibl. In: Theolog. Lit.-Ztg. (1952) 77 u. (1961) 86.Ehrhart Neubert

Wer war wer in DDR

Heyden, Rudolf

* 16.1.1920

Geb. in Stettin (Szczecin, Polen); Volks- u. Mittelschule; 1937 – 39 Lehre als Export-Import-Kaufm. in Stettin; 1939 / 40 techn. Angest. bei der Fa. »Julius Böhm« in Stettin; 1940 – 45 Wehrmacht, 1944 Verwundung, Lazarett Rostock. Juni – Okt. 1945 Bilanzbuchhalter beim Wohnungsbauunternehmen »Neue Heimat« Rostock; 1945 KPD; ab Okt. 1945 stellv. Vors. der KPD-Ortsgr. Rostock; Nov. / Dez. 1945 Lehrgang an der KPD-LPS Mecklenb. in Kühlungsborn; ab Nov. 1945 1. Sekr. der KPD Rostock; 1946 SED, April 1946 – April 1947 Vors. der SED Rostock; Mai 1947 Stadtrat für Handel u. Versorgung in Rostock; Stadtverordn. u. Vors. der SED-Frakt.; 1950 Studium an der DVA in Forst Zinna, Dipl.-Staatswiss.; Mai 1952 Stadtrat für Inneres; Juli 1952 Wahl zum OB von Rostock (Nachf. von  Max Burwitz); Aug. 1953 Umzug nach Berlin; kommissar. Ltr. der Haupt-Abt. Örtl. Organe des Staates beim Ministerpräs.; später Hauptreferent im Staatssekretariat für Innere Angelegenh. bzw. Stellv. des Staatssekretärs für Angelegenh. der Örtl. Räte; Mitgl. des Hauptaussch. des Dt. Städte- u. Gemeindetags.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Heym, Guido

* 1.5.1882 – ✝ 16.1.1945

Geboren am 1. Mai 1882 in Suhl, entstammte einer alten Suhler Sozialistenfamilie, sein Vater war Porzellandreher. Guido lernte Werkzeugschlosser und war bis 1913 in seinem Beruf. 1897 Mitglied des DMV, 1901 Eintritt in die SPD, seit 1910 Mitarbeiter sozialdemokratischer Zeitungen. 1913 Übernahme der sozialdemokratischen Partei-Buchhandlung und Lokalredakteur der Erfurter »Tribüne« in Suhl. Heym wurde auch in die Suhler Stadtverordnetenversammlung gewählt. Februar 1915 Einberufung als Landsturmmann, bis 1918 Soldat. 1917 trat Heym zur USPD über, die von seinem Vater in Suhl gegründet wurde, und kam mit deren linkem Flügel 1920 zur KPD. Er war Delegierter auf dem Spaltungsparteitag der USPD und dem Vereinigungsparteitag mit der KPD, seit 1920 Chefredakteur des Suhler KPD-Organs »Volkswille«. 1919 Mitglied des Kreistages und des Kreisausschusses Schleusingen sowie bis 1920 Abgeordneter des Provinziallandtages der preußischen Provinz Sachsen. In Suhl war er als Parteivorsitzender und Stadtverordnetenvorsteher der »ungekrönte König«, da die KPD dort die stärkste Kraft war. Heym zählte zum linken Flügel der KPD, er wurde im Mai 1924 Abgeordneter des Reichstags, im Dezember 1924 Abgeordneter des Preußischen Landtags. 1926 stand er mit der Mehrheit des UB Suhl und der fast geschlossen hinter ihm stehenden Ortsgruppe auf seiten der linken Opposition. 1927 war seine Gruppe nur noch formal in der KPD, in der Praxis unterstützte sie die Opposition Fischer-Scholem-Urbahns. Da die KP Suhl mehrheitlich noch immer zu Heym hielt, schloß das ZK ihn zunächst nicht aus. Als er jedoch ankündigte, die Zeitung »Volkswille« werde ab 1928 im Reichsmaßstab als Organ der linken Opposition erscheinen, erfolgte am 24.Dezember 1927 sein offizieller Ausschluß aus der KPD. Die Mehrheit der Ortsgruppe sowie elf von zwölf Stadtverordneten gingen mit ihm in den Leninbund, der »Volkswille« wurde das Reichsorgan des Leninbundes. Kurz vor der Wahl im Mai 1928 trat Heym mit vielen seiner Anhänger und dem Organ »Volkswille« zur SPD über. Bis 1933 blieb er für die SPD Redakteur und Abgeordneter im Kreistag, Fraktionsführer und Vorsitzender der SPD in Suhl. Nach 1933 ständig unter Polizeiaufsicht, war er zunächst Versicherungsvertreter, später Heimarbeiter. In Suhl bildete sich um Heym eine antifaschistische Gruppe, deren Aktivitäten nach Kriegsausbruch zunahmen. Anfang September 1943 verhaftet, verurteilte ihn der 2. Senat des VGH am 16. Januar 1945 zum Tode. Heym befand sich unter den Insassen des Weimarer Gestapogefängnisses, die am späten Nachmittag des 4. April 1945 mit Häftlingen des Landgerichtsgefängnisses in nordöstliche Richtung aus der Stadt getrieben wurden. Im Webicht, einem Waldstück, das von der Landstraße nach Tiefurt durchquert wird, haben die SS-Begleitmannschaften in der Nacht zum 5.April 1945 alle Häftlinge (147 Männer und zwei Frauen), darunter Guido Heym, ermordet. Sein Sohn Karl Heym (* 24. 12. 1902 – † 7. 7. 1981) leitete ab 1921 den KJVD-Unterbezirk Suhl und folgte dem Vater 1927 in den Leninbund, ein Jahr später in die SPD. Ab 1933 unterstützte er ihn im Widerstand gegen das NS-Regime. Am 8. Juni 1944 wurde er verhaftet, Anfang April 1945 gelang ihm die Flucht. Karl Heym wurde am 15. April 1945 vom amerikanischen Ortskommandanten zum Landrat des Kreises Schleusingen/Suhl ernannt und blieb dies auch nach Besetzung Suhls durch die Rote Armee. Er gehörte dem SED-Landesvorstand Thüringen an, wurde aber im Zuge der Stalinisierung der SED 1950 als Landrat abgelöst und aus allen Parteigremien entfernt. Gedemütigt und verfolgt verließ er 1951 die DDR, kehrte aber schon bald nach Suhl zurück. Karl Heym wurde nach Meuselwitz bzw. Rudolstadt verbannt und durfte erst 1956 wieder nach Suhl, wo er als Geschäftsführer der Sozialversicherung arbeitete. Die 1946 nach Guido Heym benannten Straßen und Plätze in Thüringen wurden ab 1949 stillschweigend umbenannt. Erst nach dem Ende der DDR wird Guido Heym auf einer Gedenktafel für die Opfer der NS-Diktatur im Roten Rathaus in Suhl ehrenvoll erwähnt.

Wer war wer in DDR

Heynowski, Walter

* 20.11.1927

Geb. in Ingolstadt; Vater ltd. Angest.; OS, Abitur; 1944 Wehrmacht, Luftwaffenhelfer; 1945 amerik. Kriegsgefangenschaft, Lager Bad Kreuznach. 1945/46 Studium der Volkswirtschaft an der Univ. Tübingen; 1946 – 48 Red. der Jugendztschr. »Die Zukunft«, Reutlingen; Ende 1947 Verhaftung durch die frz. Sicherheitspolizei, ohne Urteil sechs Mon. Haft; 1948 nach Haftentlassung Übersiedl. nach Berlin; kurze Zeit Red. der »Berliner Ztg.«; 1948 – 56 Red. bzw. Chefred. der satir. Wochenztg. »Frischer Wind« bzw. »Eulenspiegel«, gründete 1954 den Eulenspiegel-Verlag; 1951 SED; 1956 – 59 Autor u. Regisseur der Dok.-Filme »Mord in Lwow« (Fall Oberländer) u. »Aktion J« (Fall Globke); 1959 – 63 Programmdir. u. stellv. Intendant des DFF; 1963 – 69 Autor u. Regisseur von Dok.-Filmen bei der DEFA; 1965 Beginn der Zusammenarbeit mit  Gerhard Scheumann, 1969 mit ihm Gründung des »Studios H & S«; Prod. von Dok.-Filmen für Kino u. Fernsehen, u. a. »Der lachende Mann« (1966), »Piloten im Pyjama« (1968), »Phönix. Inside CIA« (1979), »Kampuchea – Sterben u. Auferstehen« (1980), »Der Dschungelkrieg« (1983), »Die Generale« (1986); den Filmen folgten meist Buchveröff.; 1979 Auszeichnung des »Studios H & S« beim Dok.-Filmfestival Oberhausen; 1967 – 89 Mitgl. des Präs. des Verb. der Film- u. Fernsehschaffenden; 1969 – 91 Mitgl. der AdK; 1982 Auflösung des »Studios H & S« nach Kritik an der Medienpol. der SED, die AdK sicherte die Überführung der Filmemacher in das DEFA-Studio für Dok.-Filme; seit 1982 hier Autor u. Regisseur; 1966, 1969, 1980 u. 1989 NP (jeweils im Koll.); 1984 VVO; 1989 Prof.; lebt in Berlin. Das film. Werk von H & S 1965 – 91 umfaßt 66 weltweit verbreitete Dok.- u. Kurzfilme.Die Kugelweste. Berlin 1980 (zus. mit G. Scheumann); Phoenix: inside CIA. Berlin 1980 (zus. mit G. Scheumann); Die Generale. Berlin 1986 (zus. mit G. Scheumann u. G. Kade); Der Film meines Lebens. Zerschossene Jugend. Berlin 2007. Abgeschossen. Die Geschichte von den »Piloten im Pyjama«. Ein DDR-Dok.-Film als Waffe im Kampf der Systeme. (R: Hasso Bräuer) SFB/ORB 1996; Böttcher, C. u. a.: W. H. u. Gerhard Scheumann – Dokumentarfilmer im Klassenkampf. Leipzig 2002; Steinmetz, R. u. a.: Dokumentarfilm zwischen Beweis u. Pamphlet. Leipzig 2002.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Hilbig, Wolfgang

* 31.8.1941 – ✝ 2.6.2007

Geb. u. aufgew. in Meuselwitz (Thür.); Vater bei Stalingrad vermißt, Mutter Verkäuferin, der miterziehende Großvater war Bergmann; Grundschule; Lehre als Bohrwerksdreher; nach der Wehrpflicht überwiegend als Erdbauarb., Monteur u. Heizer tätig; schon als Jugendl. erste Schreibversuche; lebt bis 1978 sowohl bei der Mutter als auch in Wohnlagern von Außenmontagefirmen; seit Ende der 60er Jahre befreundet mit DDR-krit. Autoren u. Künstlern; nach Scheitern der Einbindung als »schreibender Arbeiter« systemat. Bearbeitung durch das MfS, kurzz. Inhaftierung u. versuchte Erpressung zur Mitarbeit; nach illeg. Veröff. sowie Preisverleihungen in der Bundesrep. Dtl. u. der Fürsprache  Franz Fühmanns u.  Stephan Hermlins erste u. einzige Veröff. in der DDR – »Stimme, Stimme. Gedichte u. Prosa« (Leipzig 1983); 1985 mit Visum Ausreise in die Bundesrep. Dtl.; gest. in Berlin. W. H. gilt als einer der wichtigsten Gegenwartsautoren der dt. Sprache; Brüder-Grimm-Preis der Stadt Hanau; 1987 Kranichsteiner Lit.-Preis, 1989 Ingeborg-Bachmann-Preis; 1992 Berliner Lit.-Preis der Stiftung Preuß. Seehandlung; Mitgl. der Akad. für Sprache u. Dichtung in Darmstadt, der Sächs. AdK, der Bayer. Akad. der Schönen Künste u. im PEN-Zentrum; 1997 Fontane-Preis (Berlin); 1998 Lessing-Preis (Kamenz); 1999 Hans-Erich-Nossack-Preis (Köln); 2002 Georg-Büchner-Preis u. Peter-Huchel-Preis, 2007 Erwin-Strittmatter-Preis.abwesenheit. Gedichte. Frankfurt (Main) 1979; Die Versprengung. Frankfurt (Main) 1986; Die Weiber. Frankfurt (Main) 1987; Eine Übertragung. Frankfurt (Main) 1989; Über den Tonfall. Berlin 1990; Zwischen den Paradiesen. Lyrik u. Prosa. Leipzig 1992; Ich. Frankfurt (Main) 1993; Die Kunde von den Bäumen. Frankfurt (Main) 1994; Grünes, grünes Grab. Frankfurt (Main) 1996; Das Provisorium. Frankfurt (Main) 1999; Der Schlaf der Gerechten. Erzählungen. Frankfurt (Main) 2002. Wittstock, U. (Hrsg.): W. H. Materialien zu Leben u. Werk. Frankfurt (Main) 1994; Text u. Kritik (Hrsg. H. L. Arnold). (1999) 123; Buselmaier, M. (Hrsg.): Erinnerungen an W. H. Heidelberg 2008; Lohse, K.: W. H.: Eine motivische Biogr. Leipzig 2008.Siegmar Faust / Ingrid Kirschey-Feix

Wer war wer in DDR

Hertzfeldt, Gustav

* 4.6.1928 – ✝ 13.3.2005

Geb. in Berlin; Mutter Maschinenbuchhal- terin; Volks- u. Mittelschule; Lehre u. Beruf als Zimmermann, Hilfsarb.; nach 1933 aus »rass. Gründen« verfolgt, zeitw. illeg. lebend; 1942 – 44 inhaftiert, Zwangsarbeit, Flucht vor Transport in das KZ Auschwitz. 1945 Mitbegr. des antifa. Jugendaussch. Berlin-Prenzlauer Berg; KPD; 1946 SED; Mitbegr. der Berliner FDJ; 1947 Hilfsred. bzw. Red. beim »Berliner Rundfunk«; 1950 – 62 Red. der Ztschr. »Einheit«; 1954 – 57 Studium an der PHS der KPdSU in Moskau, Dipl.-Ges.-Wiss.; 1962 – 65 Gen.-Konsul in Indonesien; 1966 – 69 stellv. Außenminister; 1969 – 73 Botschafter in der VR China; 1973 – 83 Chefred. der Ztschr. »Dt. Außenpol.«; 1978 VVO; 1988 Stern der Völkerfreundschaft. Nach 1990 aktiv in der Kommunist. Plattform der PDS, in der VVN u. der Gesell. für Bürgerrechte u. Menschenwürde.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Herz, Joachim

* 15.6.1924 – ✝ 18.10.2010

Geb. in Dresden; Vater Kfm.; 1942 Reifeprüfung an der Kreuzschule; Beginn der Ausbildung für das Höhere Lehramt an der Staatl. HS für Musik in Leipzig; 1944/45 Militärdienst. 1946 Forts. des Studiums an der Staatl. Akad. für Musik u. Theater in Dresden, 1948 St.-Ex. als Fachlehrer für Musik; 1948 – 51 Studium der Regie u. Musikwiss. in Dresden u. an der HU Berlin; 1950 Regie »Die Bremer Stadtmusikanten« (HS u.  Palucca Schule Dresden); 1951 – 53 Regisseur an den Landesbühnen Sachsen in Radebeul; 1953 – 56 Assistent an der Komischen Oper Berlin bei  Walter Felsenstein; hier 1954 »Die Zauberflöte«, 1955 »Manon Lescaut«; 1956/57 Regisseur an den Bühnen der Stadt Köln; 1957 – 59 Oberspielltr. der Städt. Oper Leipzig; 1959 – 76 Dir. der Oper Leipzig; hier 1960 »Die Meistersinger von Nürnberg« (Eröffnungsinszenierung); 1961 NP (im Koll.); seit 1963 Arbeiten für Funk, Film (1964 »Der fliegende Holländer« bei der DEFA), Fernsehen, Schallplatte; 1969 Mitgl. der DAK; seit 1971 zahlr. Inszenierungen im Ausland; 1972 »Ring des Nibelungen« (Oper Leipzig); 1976 – 81 Intendant der Komischen Oper Berlin (Nachf. von  Walter Felsenstein), »Bumbum« (UA), »Lulu«, »Peter Gri«; 1976 – 81 Lehrauftrag an der KMU Leipzig; seit 1981 Ltr. der Abt. Musiktheater-Regie an der HS für Musik Dresden; Lehraufträge, Gastseminare u. -vorlesungen in Europa u. Übersee; 1981 – 91 Chefregisseur an der Staatsoper Dresden; 1985 »Der Freischütz« (Eröffnungsinszenierung der Semper-Oper Dresden), 1986/87 »Die Nase«, »Falstaff« (Dresden); Ehrenmitgl. des Bolschoi-Theaters Moskau u. der Ges. für Musiktheater Wien; 1974 VVO; NP 1961 (im Koll.), 1970, 1977 u. 1985; 2005 Ehrenmitgl. der Kom. Oper Berlin; lebte zuletzt in Dresden; gest. in Leipzig.Und Figaro läßt sich scheiden. München 1985.Aune Renk

Handbuch Deutsche Kommunisten

Herzfeld, Joseph

* 18.12.1853 – ✝ 27.7.1939

(* 1853 – † 1939) Geboren am 18. Dezember 1853 in Neuß/Rheinland, Sohn eines Fabrikanten. Sein Vater war Demokrat und Republikaner, in dessen Haus auch Karl Marx als Gast verkehrte. Die Erziehung der vier Söhne erfolgte im Geist der Aufklärung (Joseph war der älteste, der jüngste, Franz, wurde als Dichter unter dem Pseudonym Franz Held – Vater von John Heartfield und Wieland Herzfelde bekannt). Joseph Herzfeld besuchte von 1862 bis 1871 das Gymnasium in Düsseldorf. Nach dem Abitur in der Fabrik des Vaters beschäftigt, ab 1872 Volontär in einem Düsseldorfer Bankinstitut. 1874 ging er nach New York, arbeitete in der Versicherungsbank eines nahen Verwandten und absolvierte dort an einer Abendschule, danach von 1878 bis 1880 am Columbia College, ein Jurastudium. 1881 bis 1885 Attorney and Counselor of Law, L. B. B. Nach ausgedehnten Reisen durch die USA, Kanada und Kuba kehrte er 1885 nach Deutschland zurück, 1887 beendete er hier das Jurastudium mit der Promotion und ließ sich 1892 als Rechtsanwalt in Berlin nieder. Er wurde Atheist und trat 1898 aus der jüdischen Gemeinde aus. Herzfeld war schon unter dem Sozialistengesetz 1887 Mitglied der SPD geworden und zog 1898 für die SPD (Mecklenburg) in den Reichstag ein, dem er bis 1906 und dann wieder 1912 bis 1918 angehörte. Auf dem linken Flügel der Partei stehend, war er 1914 ein Gegner der Kriegskreditbewilligung. Aus Parteidisziplin stimmte er zwar anfangs den Krediten im Reichstag noch zu, 1915 lehnte er sie aber ab. Herzfeld, der schon Delegierter auf den SPD-Parteitagen 1903 (Dresden) und 1906 (Mannheim) gewesen war, wurde 1917 einer der Mitbegründer der USPD. Nach der Revolution 1918 USPD-Beigeordneter im Reichsministerium des Innern, trat aber schon Ende 1918 zurück. Auch in der USPD gehörte Herzfeld zum linken Flügel, er polemisierte auf dem USPD-Parteitag im März 1919 gegen Karl Kautsky, wurde vom USPD-Parteitag im Dezember 1919 in den Beirat der Partei berufen. Auf dem Parteitag in Halle zählte Herzfeld zu den Befürwortern des Anschlusses an die Komintern und ging 1920 mit der linken USPD zur KPD. Zusammen mit Clara Zetkin und Emil Eichhorn war er der einzige alte SPD-Führer, der auch nach der KAG-Krise in der KPD blieb. 1920 war Herzfeld für die USPD in den Reichstag eingezogen und gehörte dem Auswärtigen Ausschuß an. Von Mai bis Dezember 1924 für die KPD wieder in den Reichstag gewählt, blieb bis 1933 für die KPD aktiv. Vor allem in der Roten Hilfe trat er in vielen Prozessen als Verteidiger angeklagter Kommunisten auf. 1927 nahm er als Ehrengast an den Feiern zum 10. Jahrestag der Oktoberrevolution in Moskau teil. Auf Vorschlag der KPD-Reichstagsfraktion vom Reichstag 1928 als Beisitzer im Staatsgerichtshof gewählt. In den innerparteilichen Auseinandersetzungen hatte er sich zurückgehalten, sympathisierte jedoch 1924 mit der Mittelgruppe und später mit den Versöhnlern. Joseph Herzfeld wurde von seinem Neffen Wieland Herzfelde beschrieben als »ein uneitler, spartanischer, um nicht zu sagen puritanischer Mensch, der weder wohlhabend noch irgendwie bedeutend aussah ... Wichtigtun und Theatralik waren ihm fremd.« Trotz seines hohen Alters mußte Herzfeld 1933 aus Deutschland flüchten, er emigrierte im September 1933 zunächst in die Schweiz, dort verteidigte der über 80jährige noch Emigranten vor Gericht in Zürich. 1934 übersiedelte er nach Südtirol. Joseph Herzfeld starb am 27. Juli 1939 in Ritten (Collalbo) bei Bozen (Bolzano).

Handbuch Deutsche Kommunisten

Herzog, Wilhelm

* 12.1.1884 – ✝ 18.4.1960

Geboren am 12. Januar 1884 in Berlin. Nach dem Besuch des Gymnasiums Studium der Nationalökonomie, Germanistik und Literatur sowie Kunstgeschichte an der Universität Berlin. Schriftsteller, Kritiker und Essayist, (Pseudonym Julian Sorel). 1910/11 gemeinsam mit Paul Cassirer Mitbegründer der Zeitschrift »PAN« sowie später Redakteur der Zeitschrift »März« in München. Herzog war Herausgeber der Zeitschrift »Das Forum«, die 1915 wegen ihrer antimilitaristischen Haltung verboten wurde. 1918/19 Redakteur der »Hamburger Volkszeitung«, 1919 Chefredakteur der Zeitung »Die Republik« in Köln. Seit 1919 in der KPD, reiste 1920 nach Moskau, wo er als Gast am II. Weltkongreß der Komintern teilnahm und Gespräche mit Lenin und Trotzki führte. Von Februar bis Mai 1921 war Herzog Abgeordneter der Hamburger Bürgerschaft. Im Januar 1925 gab ihm Stalin (auf Bitten von Ottomar Geschke) ein Interview, in dem dieser sich auch zur Lage in der deutschen Partei äußerte. Das Interview, das im Wortlaut in der »Prawda« am 3. Februar 1925 veröffentlicht wurde, rief die Kritik Arkadi Maslows hervor. Für ihn war Herzog ein Rechter. Stalin antwortete Maslow am 28. Februar 1925 mit einem konziliant gehaltenen Schreiben (in den Schriften Stalins aufgeführt als »Brief an Genossen Me-rt«, der Name Maslow war später tabu!). Herzog, der sich in den folgenden Jahren von der KPD abwandte, wurde im Dezember 1928 aus der Partei ausgeschlossen, er gehörte in Berlin noch zum Autorenkreis von Erwin Piscator. Im Februar 1933 emigrierte er in die Schweiz, 1939 nach Südfrankreich, wo er zeitweilig in Les Milles interniert war. 1941 gelang Herzog die Flucht nach Trinidad, 1945 konnte er in die USA einreisen. 1947 kehrte Herzog nach Europa zurück, lebte zunächst in der Schweiz und kam 1952 in die Bundesrepublik. Hier arbeitete er als Literatur- und Kulturhistoriker. 1959 veröffentlichte er sein Buch: »Menschen, denen ich begegnete«, in dem er u. a. auf sein Treffen mit Lenin, Trotzki und Stalin einging. Wilhelm Herzog starb am 18.April 1960.

Wer war wer in DDR

Hesse, Horst

* 12.5.1922 – ✝ 16.12.2006

Geb. in Magdeburg; Vater Maschinenmonteur; Volksschule; Lehre als Feinmechaniker; 1939 Soldat; 1943 engl. Gefangenschaft. 1945 Rückkehr nach Magdeburg; wegen Krankheit nicht berufstätig; 1946 Schlosser im VEB Schwermaschinenbau »Ernst Thälmann«; 1947 VP-Mstr.; 1948 SED; 1951 Instrukteur der NF, dann Dispatcher im o. g. VEB; in dieser Zeit Anwerbung durch den US-Geheimdienst Military Intelligence Department (MID), H. informierte darüber das MfS, dort dann ab Jan. 1954 als IM »Jürgen« bzw. »Lux« des MfS erf.; 1954 Instrukteur der GST-BL Magdeburg; dann nach Berlin (West); Spionage für das MfS in der MID-Zentr. in Würzburg; Abt.-Ltr. für Agentenwerbung, später Stellv. des Chefs für Sicherheitsfragen; 20.5.1956 Flucht in die DDR, unter Mitnahme eines Tresors mit Unterlagen; von einem US-Gericht in Abwesenheit zum Tode verurteilt; 1956 Ltn. der Bereitschaftspolizei im Brigadestab Karl-Marx-Stadt; 1957 Einstellung beim MfS, BV Karl-Marx-Stadt, Abt. II (Spionageabwehr); 1959/ 60 Invalidenrentner; 1960 Wiederaufn. des Dienstes bei der HA II, MfS Berlin; 1962 Kontrollpunkt-Ltr. in Eberswalde; 1963 Vorbild für den DEFA-Film »For eyes only«; 1964 Versetzung zur Krs.-Dienststelle Eberswal- de; Major; 1966 Invalidenrentner; gest. in Schwedt.Schramm, G. (Hrsg.): Der Botschaftsflüchtling u. andere Agentengeschichten. Berlin 2006; Scherer, F. M.: H. H. In: Intelligence and Nat. Security (2006) 21.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Hettler, Wolfgang

* 3.4.1945

Geb. in Bad Elster; Vater Gärtner; Grund- u. Oberschule; 1961 – 64 Lehre im VEB Schwermaschinenbau »Heinrich Rau« in Wildau; 1964 – 69 Studium an der TH »Otto v. Guericke« Magdeburg, Dipl.-Ing.; 1969 – 75 wiss. Mitarb. an der TH Magdeburg, 1976 Prom. zum Dr.-Ing.; ab 1975 wiss. Mitarb., später Abt.-Ltr. im VEB Kombinat Binnenschiffahrt u. Wasserstraßen; 1977 SED; 1979 Stellv. des GD, 1980 – 90 GD des VEB Kombinat Binnenschiffahrt u. Wasserstraßen (Nachf. von Gerhard Müller).Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Heuer, Uwe-Jens

* 11.7.1927 – ✝ 22.10.2011

Geb. in Essen als Sohn eines Juristen; Schulbesuch in Berlin, 1945 Abitur in Kiel; 1946 – 51 Studium der Rechtswiss. an den Univ. Kiel u. Berlin; 1946 SED; ab 1951 Lehrtätigkeit an der HU Berlin; 1956 Prom. mit einer Arbeit zu einem rechtshist. Thema; 1958 – 60 Richter an den Staatl. Vertragsgerichten Berlin u. Karl-Marx-Stadt; Mitarb. am Inst. für Staatsrecht der HU Berlin, 1961 Ltr. der dortigen Arbeitsgr. für Wirtschaftsrecht; 1961 – 64 zugl. Fernstudium an der HfÖ Berlin mit Abschluß als Dipl.-Wirtsch.; 1963 Dir. des o. g. Inst.; 1964 Habil., 1965 Prof. für Rechtswiss.; 1968 Ltr. der Arbeitsgr. Wirtschaftsrecht am ZI für Soz. Wirtschaftsführung beim ZK der SED in Berlin-Rahnsdorf; 1979 Korr. Mitgl. der AdW; ab 1982 Mitarb. am Inst. für Theorie des Staats u. des Rechts der AdW, Bereichsltr. für staats- u. rechtstheoret. Fragen der Wirtschaftsltg.; März – Okt. 1990 Mitgl. der PDS-Fraktion der Volkskammer u. stellv. Vors. des Rechtsaussch.; Mitgl. der dt.-dt. Juristenvereinig.; Mitbegr. u. Präs. der Vereinig. für Pol. Wiss. Berlin (Auflösung 1991). 1990 – 98 Abg. des Dt. Bundestags, Gruppe Linke Liste/PDS; Mitgl. des Sprecherrats des Marxist. Forums; Vizepräs. des Ostdt. Kuratoriums von Verbänden e. V., Mitgl. des Kuratoriums der Rosa-Luxemburg-Stiftung; Mitgl. der Leibniz-Sozietät; lebte zuletzt in Berlin. J.-U. H. galt in der DDR als reformorientierter Theoretiker; seine wiss. Arbeiten zielten auf eine Erhöhung der Selbständigkeit der Wirtschaftssubjekte sowie die erhöhte Geltung des Rechts in den Beziehungen zwischen Wirtschaftseinheiten u. wirtschaftslenkenden Organen.Allgemeines Landrecht u. Klassenkampf. Berlin 1960; Demokratie u. Recht im Neuen Ökon. System der Volkswirtschaft. Berlin 1965; Recht u. Wirtschaftsltg. im Soz. Berlin 1982; Marx. u. Demokratie. Berlin, Baden-Baden 1989; Die Rechtsordnung der DDR. Baden-Baden 1995 (Hrsg.); Marxismus u. Politik. Hamburg 2004; Marxismus u. Glauben. Hamburg 2006.Jan Wielgohs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Hey, August

* 10.5.1897 – ✝ 5.2.1978

Geboren am 10. Mai 1897 in Dudweiler, Sohn einer Bergarbeiterfamilie. Als Handlanger, Laufbursche, Bergmann tätig. 1917 Militärdienst bei der II. Matrosendivision Kiel, im Januar 1918 am Aufstand der Matrosen von Cattaro beteiligt. Im Dezember 1918 Rückkehr in das Saargebiet, 1919 Mitglied der USPD, mit deren linkem Flügel 1920 zur KPD. Von der französischen Besatzungsmacht zeitweilig verhaftet. Von 1928 bis 1935 gehörte Hey dem Landesrat Saar und dem Kreistag Saarbrücken an. 1930 Leiter der RGO Saar, aktiv im Abstimmungskampf. Im Februar 1935 emigrierte er nach Frankreich, war Bergarbeiter und wurde nach Kriegsausbruch zeitweise interniert. Am 4. März 1941 verhaftet und am 24. Oktober 1941 durch das OLG Stuttgart zu zwei Jahren und vier Monaten Zuchthaus verurteilt, saß bis 1943 im Zuchthaus Ludwigsburg, anschließend bis 1945 im KZ Dachau. Im Juli 1945 wurde Hey hauptamtlicher Bürgermeister von Dudweiler und bis 1947 Mitglied des KPD-LV Saar. Im Juni 1947 wegen seiner politischen Aktivitäten aus dem Saargebiet ausgewiesen, bis 1949 Mitglied des Sekretariats der KPD Baden, dann Betriebsarbeiter. Von 1956 bis 1960 war er Abgeordneter des Kreistages Saarbrücken-Land. Wegen seiner »Kandidatur als Unabhängiger zu den Bundestagswahlen 1961« verurteilte ihn das Landgericht Saarbrücken 1964 zu sechs Monaten Gefängnis auf Bewährung. Bei Gründung 1968 Mitglied der DKP in Dudweiler. August Hey starb dort am 5. Februar 1978.

Wer war wer in DDR

Heyl, Erich

* 22.9.1909 – ✝ 9.2.1981

Geb. in Sömmerda; Vater Schlosser; Volks- u. Mittelschule; 1923 – 26 Lehre als kaufm. Angest.; 1926 – 33 Arbeit als Vertreter, zeitw. arbeitslos; 1930 KPD, ab 1932 Vors. der KPD-Ortsgr. Sömmerda u. Mitgl. der erweiterten KPD-BL Großthür.; 1933 – 35 Bauarb.; ab 1933 illeg. Arbeit, für drei Monate in »Schutzhaft«; 1935 – 41 kaufm. Angest. u. Buchhalter; 1941 – 45 Wehrmacht; 1945 / 46 sowj. Kriegsgef. 1946 SED; 1946 – 48 Sekr. der SED-Ortsgr. Sömmerda; 1948 Vors. des SED-KV Erfurt-Weißensee; 1948 / 49 1. Sekr. der SED-KL Erfurt; 1950 – 54 1. Sekr. der SED-KL Sondershausen; 1950 – 53 Fernstudium an der SED-PHS; 1954 – 56 1. Sekr. der SED-KL Nordhausen; 1956 – 60 2. Sekretär der SED-BL Frankfurt (Oder); anschl. Vors. des Kreiskomitees der Antifasch. Widerstandskämpfer Frankfurt (Oder).Mario Niemann

Wer war wer in DDR

Heymann, Stefan

* 14.3.1896 – ✝ 4.5.1967

Geb. in Mannheim in einer jüd. Familie; Vater kfm. Vertreter für Rohtabak; Volksschule, Gymnasium; Ausbildung in einer Bank; 1913 SAJ; 1914 – 18 Militärdienst; 1918 – 23 Bankangest., dort Betriebsratsvors.; Vors. der Mannheimer Betriebsrätezentr.; 2. Vors. der Bankangestelltengewerkschaft des AFA-Bunds; gemaßregelt; 1919 KPD; dort Pol.-Ltr. der Jugend u. Agit./Prop.-Ltr. der BL Baden; ab 1923 Tätigkeiten im M-Apparat (KPD-Nachrichtendienst); Dez. 1923 verhaftet, Sept. 1924 vom Staatsgerichtshof in Leipzig zu dreieinhalb Jahren Gefängnis wegen »Vorber. zum Hochverrat« verurteilt; 1926 – 30 Red. der »Arbeiterztg.« (Mannheim), 1931/32 der »Roten Fahne« (Berlin); danach beim KPD-Pressedienst; 1933 Chefred. der »Arbeiterztg.« (Breslau); acht Mon. Gefängnis wegen »Pressevergehens«; 1928 – 30 Abg. des Bad. Landtags u. des Mannheimer Krs.-Tags; Jan. – Mai 1933 illeg. pol. Tätigkeit, verhaftet, Sept. 1934 wegen »Vorber. zum Hochverrat« zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt; 1934 – 36 Haft im Zuchthaus Wohlau; dann erneut verhaftet, KZ Kislau, März 1938 KZ Dachau, ab Sept. 1938 KZ Buchenwald, ab Okt. 1942 KZ Auschwitz u. ab Jan. 1945 wieder KZ Buchenwald; im Auftrag der Ltg. der KPD im KZ Buchenwald Mitarb. beim amerik. Intelligence Service zur Abfassung des offiz. Buchenwald-Berichts für das amerik. Hauptquartier (mit Eugen Kogon). Mai – Juli 1945 Arbeit für einen sowj. Nachrichtendienst; Juli – Okt. 1945 Sekr. des KPD-Bez. Thür.; dann Mitgl. der KPD-Landesltg.; Okt. 1945 – Jan. 1946 Lehrer der KPD-Schule Camburg; Jan. – April 1946 pol. Mitarb. im Sekr. der KPD Thür., danach bis Sept. 1948 Sekr. für Agit./Prop., SED-LL; Mitgl. des Landes- u. des Zentralvorst. der VVN; 1948 – 50 stellv. Ltr. der Abt. Parteischulung, Kultur u. Erziehung des ZK der SED; 1950/51 Mitarb. des Min. für Ausw. Angelegenh.; 1951 – 53 Ltr. der Diplomat. Mission in Ungarn (Nachf. von Erich Kops); 1953 – 56 Botschafter in Warschau (Nachf. von  Aenne Kundermann); 1957 – 59 Ltr. der HA Presse u. Information im MfAA; 1960 – 64 Prof. am Inst. für Internat. Beziehungen der DASR Potsdam; 1963 em.; gest. in Berlin.Marxismus u. Rassenfrage. Berlin 1948; Wirtschaft, Horatio! Wirtschaft! Weimar 1949; Konzentrationslager Buchenwald. Bd. 1: Bericht des Internationalen Lagerkomitees. Weimar 1949 (Mithrsg.). Hartewig, K.: Zurückgekehrt. Die Geschichte der jüd. Kommunisten in der DDR 1945 – 1990. Köln, Weimar 2000.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Hickmann, Hugo

* 3.9.1877 – ✝ 30.5.1955

Geb. in Dessau; Gymnasium; Studium der ev. Theol.; stand dem Nationalsozialen Verein nahe; ab 1903 im höheren Schuldienst als Religionslehrer tätig; ab 1908 Prof. für Religionswiss. an der Univ. Leipzig; 1919 – 33 DVP; Vizepräses der Landessynode der ev.-luth. Kirche Sachsens; 1922 – 33 Abg. des Sächs. Landtags, 1926 – 33 dessen Vizepräs.; Vors. des Aussch. der Dt. Bibelges. u. des Dt. Ev. Gemeindetags; 1933 Domherr des Hochstifts Meißen; 1933 vorz. Versetzung in den Ruhestand, Berufsverbot; Vors. kirchl. Verb. u. Vortragstätigkeit. Juli 1945 in Dresden Mitbegr. der CDU; 1945 – 50 1. Vors. ihres Landesverb. Sachsen; Dez. 1945 – Sept. 1947 Mitgl. des geschäftsf. CDU-Vorst. in der SBZ, Sept. – Dez. ihr 4. stellv. Vors.; Dez. 1947 – Sept. 1948 kommissar. Ltr. der CDU, Sept. 1948 – Jan. 1950 ihr 2. Vors.; 1948 – 50 Mitgl. des Pol. Aussch. der CDU; 1946 Vorstandsmitgl. der Beratenden Landesvers. Sachsen; Okt. 1946 – Febr. 1950 Vizepräs. des Sächs. Landtags; 1946/47 Mitgl. seines Verfassungsaussch.; 1948/49 Mitgl. des Dt. Volksrats u. seines Verfassungsaussch.; Okt. 1949 – Jan. 1950 Abg. u. Vizepräs. der Prov. Volkskammer; Ende Jan. 1950 Niederlegung aller öffentl. Ämter durch SED-Angriffe erzwungen; Parteiausschl.Aus der Arbeit für die dt. Kriegsgefangenen. Bad Nassau 1917; Der soziale Krieg. Dresden 1920; Wegweiser zu Dtl.s Aufstieg. Berlin 1921; Das Elternrecht in der neuen Schulverfassung. Berlin 1926.Helmut Müller-Enbergs

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Hildebrand, Gerold

* 19.5.1955

Geb. in Lauchhammer; Vater Lehrer, Mutter Sachbearb.; 1961 – 69 POS in Ruhland, 1968 beteiligt am Schülerprotest gegen die Abschaffung des Ostermontags als Feiertag; EOS in Lauchhammer, 1973 Abitur; Nov. 1973 – April 1975 NVA, wg. Ablehnung des Schußwaffeneinsatzes im Grenzdienst beim Vorgespräch zum Wehrdienst Annullierung der Vorimmatrikulation für das Studium der Stomatol. durch die Charité Berlin, Begründung: fehlende sozialist. Wehrmoral; 1975 / 76 Hilfspfleger im kirchl. Waldhof (b. Templin), ab Okt. 1976 im Universitätsklinikum Jena, hier 1977 – 81 Ausbildung zum Krankenpfleger; in Jena Kontakt zur Offenen Arbeit der Jungen Gemeinde Stadtmitte u. Besuch systemkrit. Lesekreise; 1982 Umzug nach Berlin, ab Jan. 1982 im dortigen St.-Joseph-Krankenhaus tätig; Sept. 1984 bis Nov. 1989 Organisation der Veranstaltungsreihe »Künstler in Aktion gegen den Hunger in Afrika« in der ev. Kirche Berlin-Friedrichsfelde; ab 1986 Mitarbeit in der Berliner Umweltbibliothek; engagiert in der Wehrdienstverweigererarbeit u. a. ab 1985 im Arbeitskreis Wehrpflichtprobleme des Netzwerks »Frieden Konkret«, in diesem Zusammenhang ab 1987 beteiligt am Zustandekommen der kirchl. Ztschr. »BeKenntnis«; Kontakt zu einer holländ. Wehrdienstverweigerungsgr. u. 1984 symbol. Abschluß eines blockübergreifenden Friedensvertrags; ab Frühjahr 1989 Mitarbeit in der Berliner Kontakttelefongr., Sept. / Okt. 1989 Mitwirkung am Zustandekommen der Fürbittengottesdienste für die in Leipzig Inhaftierten u. der Mahnwache an der Berliner Gethsemanekirche; vom MfS erfaßt in den OV »Entwurf« u. »Fanatiker«. 1990 beschäftigt in einem besetzten Haus in Ost-Berlin (Schönhauser Allee Nr. 20), danach im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme als Mitarbeiter der Umweltbibliothek; 1993 Pressereferent beim Neuen Forum; ab 1995 Mitarbeiter des Matthias-Domaschk-Archivs; 1997 – 2005 Studium der Sozialwiss. an der HU Berlin; Mitorg. des Bausoldatenkongresses 2004 in Berlin, lebt in Berlin-Prenzlauer Berg.Christian Halbrock; Jg. 1963; ab 1993 Studium der Neueren/Neuesten Geschichte, Mittelalterlichen Geschichte und Europäischen Ethnologie an der HU Berlin, 2003 Promotion; seitdem wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Bildung und Forschung bei der BStU in Berlin.

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Hertzsch, Erich

* 31.3.1902 – ✝ 28.10.1995

Geb. in Unterbodnitz (b. Kahla, Thür.); 1921 Abitur am Gymnasium in Rudolstadt; anschl. Studium der Theol. u. Jura an den Univ. Tübingen u. Jena, 1924 Erstes theolog. Examen; 1924/25 Werkstudium im Ruhrgeb., erste Kontakte zur soz. Arbeiterbew.; 1925 Vikar in Leutenberg (Thür.); 1926 – 29 Pfarrer in Hartroda; anschl. bis 1932 Pfarrer in Bucha; 1931 SPD; Beitritt zum Bund religiöser Sozialisten; 1932 Prom. mit einer Arbeit über den radikalen Reformator Karstadt alias Andreas Bodenstein; 1932 – 45 als Nachf. des ihm persönl. u. theolog. nahestehenden  Emil Fuchs Pfarrer in der Arbeitergemeinde Eisenach-West; Einsatz zur Rettung von Juden, u. a. des späteren Priesters der anglikan. Kirche in Coventry, Paul Östreicher. 1945 SPD; ab 1946 Mitgl. der SED-Fraktion des Thür. Landtags; 1950 Austritt aus der SED wegen der weltanschaul. Intoleranz der Partei; 1945 – 47 Oberkirchenrat in der Thür. Kirchenltg. unter  Moritz Mitzenheim, u. a. zuständig für die Entnazifizierung der vom NS stark abhängig gewesenen Landeskirche; 1946 Mitbegr. u. Mitgl. des Beratenden Aussch. der CFK in Prag; 1947 Berufung zum Prof. u. ab März 1948 Prof. mit Lehrstuhl für prakt. Theol. an der FSU Jena; Dir. der prakt.-theolog. Abt. des Inst. für Theol.; 1. Vors. des Wiss. Beirats für die Theolog. Fak. beim Staatssekr. für HFS-Wesen; zeitw. Mitgl. des Präs. des Friedensrats der DDR; 1962 VVO; in den 60er Jahren allmähl. Rückzug aus pol. Ämtern; 1969 em. Forschungen u. zahlr. Aufsätze insbes. zur Liturgiewiss., Homiletik, Seelsorge sowie zur Stellung der Kirche in der Kultur u. zur pol. Verantw. der Kirche, Einführung psycholog. Methoden in der Seelsorge.Die Wirklichkeit der Kirche. Kompendium der praktischen Theol. Bd. 1. Berlin 1962.Ehrhart Neubert

Wer war wer in DDR

Herz, Monika

* 12.7.1951

Geb. u. aufgewachsen in Letschin im Oderbruch; nach der POS Lehre als Gebrauchsgrafikerin; Mitgl. im Volkskunstensemble des EKO Eisenhüttenstadt; musikal. Ausbildung beim Nachwuchsstudio für Unterhaltungskunst Berlin, seit 1972 professionelle Schlagersängerin, durchgehende Zusammenarb. mit  Arndt Bause (Komposition) u. Dieter Schneider (Texte); 1975 Debüt-LP »Melodie Poesie«, 1978 LP »Bitte tanz mit mir«, 1979 LP »Mit besten Wünschen«, 1986 LP »Komm, wir müßten mal reden«; regelmäßige Auftritte in DFF-Unterhaltungssendungen, u. a. in »Schlagerstudio«, »Oberhofer Bauernmarkt«, »Mit Lutz u. Liebe«; Erfolgstitel: »Kleiner Vogel«, »Als die Sonne kam«, »Ich wünsch mir Rosen im Schnee«; 1989 Rückzug ins Privatleben. Seit 2002 im Duett mit Sohn David auf Tour, erster gemeinsamer Rundfunktitel »Ich bin stark durch die Liebe«; 2003 TV-Auftritt in der MDR-Sendung »Wiedersehen macht Freude«, 2004 Gast beim »Rügen Talk« in Binz. CDs: »M. H. Herzlichst – Meine schönsten Lieder« (1995), »Für die Seele 2« (2007), »Kleiner Vogel« (2008).Jan Wielgohs

Wer war wer in DDR

Herzfelde, Wieland

* 11.4.1896 – ✝ 23.11.1988

Geb. in Weggis (Schweiz); Vater Schriftst. Franz Held, Mutter Textilarb.; nach dem frühen Tod der Eltern teilw. vom Bruder  John Heartfield erzogen; aufgew. bei Pflegeeltern in der Schweiz; 1913 Übersiedl. nach Berlin; »Kriegsabitur«; Studium der Germanistik u. Med.; 1914 Freiw. im Sanitätsdienst der Reichswehr; 1916 Gründung der Antikriegs-Ztschr. »Neue Jugend«; 1917 mit seinem Bruder Helmut ( John Heartfield) Gründung des Malik-Verlags, den er bis 1933 in Berlin leitete; Mitinitiator des Dadaismus; 1918 KPD; 1924 wird dem Verlag die Grosz-Galerie u. die Malik-Buchhandlung angeschlossen; 1928 BPRS; März 1933 Emigr. nach Prag, später Frankreich, Großbritannien u. 1939 in die USA; dort ebenfalls Mitgl. des BPRS; Mitunterz. des Aufrufs des Pariser Volksfrontkongresses vom April 1937; 1933 – 38 Ltg. des Malik-Verlags als Exilverlag in Prag; 1933 – 35 Mithrsg. der »Neuen Dt. Blätter« in Prag; 1939 – 48 Buchhändler in den USA; 1945 – 47 Initiator u. Gründer des Aurora-Verlags in New York zus. mit  Anna Seghers u. Oskar Maria Graf. 1949 Rückkehr nach Dtl.; Prof. für Soziol. der neueren Lit. an der Sekt. Journalistik der Univ. Leipzig; Dir. des Franz-Mehring-Inst.; Mitgl. der Pirckheimer Ges., 1951 des PEN-Zentrums Dtl., dann PEN-Zentrum Ost u. West, PEN-Zentrum DDR (1959 – 70 Präs., ab 1972 Ehrenpräs.); März 1951 wegen Kontakten zu Hermann u. Noel H. Field als SED-Kand. gestrichen, 1956 SED-intern rehabil.; Mitgl. des Vorst. des DSV; 1960 Heinrich-Heine-Preis; 1961 Mitgl. der DAK (zeitw. deren Vizepräs.); 1967 – 70 Sekr. der Sekt. Dichtkunst u. Sprachpflege der DAK; 1966 VVO; 1971 Stern der Völkerfreundschaft; 1973 NP; 1979 Goethe-Preis; 1976 Ehrenspange zum VVO; 1981 KMO; 1986 Ehrenbürger von Berlin; gest. in Berlin.Immergrün. Merkwürdige Erlebnisse u. Erfahrungen eines fröhlichen Waisenknaben. Berlin 1949 (erw. 1966/76); Unterwegs. Blätter aus fünfzig Jahren. Berlin 1961 (Autobiogr.); John Heartfield. Leben u. Werk meines Bruders. Leipzig 1962; Der Malik-Verlag 1916 – 1947. Berlin 1966 (Kat. zur Ausstellung); Anna Seghers / W. H. Ein Briefwechsel 1939 – 1946. Berlin, Weimar 1985; Zum Klagen hatt’ ich nie Talent. Kiel 1996 (Hrsg. von E. Trepte); Ernst Bloch/W. H.: Briefwechsel 1938 – 1949. Frankfurt (Main) 1997. Der Malik-Verlag 1916 – 1947. Chronik eines Verlages. Kiel 1986; Faure, U.: Im Knotenpunkt des Weltverkehrs. H., Heartfield, Grosz u. der Malik-Verlag 1916 – 1947. Berlin 1992; Grünzweig, W., Schulz, S. (Hrsg.): Werter Genosse, die Maliks haben beschlossen ? Upton Sinclair, Hermynia Zur Mühlen, W. H.: Briefe 1919 – 1950. Bonn 2001; Wyland-Herzfelde, G.: Glück gehabt. Erinnerungen 1926 – 1949. München 2003.Karin Hartewig / Bernd-Rainer Barth

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Herzog, Wilhelm

* 22.5.1901 – ✝ 2.11.1970

Geboren am 22. Mai 1901 in Hörde/Westfalen. Mitglied der KPD. Bis 1931 Kunsterzieher und Lehrer; anschließend Redakteur und Chefredakteur der Zeitung »Echo des Westens«. Bis zu seiner Verhaftung am 29. April 1933 hauptamtlicher Funktionär der legalen bzw. illegalen BL Ruhrgebiet, dort zuletzt Agitpropleiter. Als Häftling in den KZs Brauweiler und Börgermoor gelang Herzog Ende April 1934 die Flucht in die Niederlande, im Juni 1934 Abschiebung über Belgien ins Saargebiet. Von September 1934 bis April 1935 illegale Aktivitäten in Berlin, anschließend Grenzarbeit in der âSR, Schweiz und Frankreich. Dort war Herzog von September 1939 bis zur Flucht im Mai 1940 interniert. Ab 1940 Mitarbeiter der sogenannten Toulouser Leitung der KPD in Frankreich und unter dem Decknamen Pierre Mansuy Angehöriger der Résistance. Seit der Rückkehr nach Deutschland im Juli 1948 aktiver KPD- und VVN-Funktionär sowie Generalsekretär des Internationalen Romberg-Park-Komitees. 1968 erschien sein Buch »Von Potempa bis zum Romberg-Park«. Wilhelm Herzog starb am 2. November 1970 in Dortmund.

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Hesse, Martin

* 4.5.1933

Geb. in Magdeburg; Vater Kaufm., Mutter Kindergärtnerin; Volksschule; 1947 / 48 Landarbeiter, 1948 – 50 Maurer; 1949 FDJ; 1950 – 52 Instrukteur der FDJ-KL Wernigerode, 1952 – 57 Sekr. der FDJ-Stadtltg. Magdeburg, 1954 / 55 1. Sekr. der FDJ-KL Magdeburg; 1954 SED; 1958 / 59 Schmelzer im VEB SKET Magdeburg, 1960 – 62 Meister, 1962 – 64 Obermeister; Abendstudium u. Fernstudium an den Ingenieurschulen Leipzig u. Riesa, Ing.-Ökonom; 1964 / 65 stellv. Stahlwerksltr., 1965/ 66 stellv. Betriebsltr., 1966 – 69 Sekr. der SED-BPO des SKET; 1969 – 73 polit. Mitarb. der SED-BL Magdeburg; 1973 Parteisekr. im SKET; Fernstudium an der SED-PHS, 1973 Dipl.-Gesellschaftswiss.; 1974 – 79 Parteiorganisator des ZK im SKET; 1979 – 90 GD des VEB Schwermaschinenbaukombinat »Ernst Thälmann« Magdeburg (Nachf. von Eckhard Netzmann).Andreas Herbst

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Heubner, Wolfgang

* 18.6.1877 – ✝ 26.2.1957

Geb. in Leipzig; Vater Prof., Kinderarzt; Bürger- u. Thomasschule; 1894 Übersiedl. nach Berlin; 1896 hier Abitur; Med.-Studium in Göttingen, Marburg u. Straßburg; 1902 – 05 am Pharmakolog. Inst. der Univ. Straßburg tätig, 1903 Prom., 1907 Habil.; 1908 etatmäß. a. o. Prof. für Pharmakol. an der Univ. Göttingen u. Dir. des Pharmakolog. Inst.; 1910 ord. Prof.; 1914 – 18 Stabsarzt, pharmakolog.-toxikolog. Fachmann in der therapeut. Versuchsabt. des Kriegsmin.; ab 1918 Wiederausübung der Professur; 1927/28 Rektor der Univ. Göttingen; 1929 Prof. an der Med. Akad. Düsseldorf, 1930 in Heidelberg, 1932 – 52 in Berlin; Kritiker der NS-Wissenschaftspol. 1946 – 50 Ord. Mitgl. der DAW; bis 1949 Mitgl. der Med. Fak. der HU Berlin, u. a. Dir. des Hygien. Inst., Prodekan; 1950 – 52 Prof. für Pharmakol. an der FU Berlin; gest. in Heidelberg. Arbeiten zur Eiweißchemie (Spaltung des Fibrinogens bei Blutgerinnung), zu Vergiftungen durch Metalle u. Kampfgase, hämolyt. Wirkungen von Alkaloiden u. Terpenen, Analyse von Reizstoffen, Mineralstoffwechsel; zahlr. Veröff.Petra Werner

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Heukrodt, Olaf (Fritze)

* 23.1.1962

Geb. in Magdeburg; Vater Busfahrer; Schwimmer u. Leichtathlet; 1976 Wechsel zum Kanu-Rennsport beim SC Magdeburg (Trainer: Jürgen Harpke); 1981 – 92 13 WM-Medaillen, darunter sieben WM-Titel; 1980 Olymp. Spiele: 3. Platz (C 1), 2. Platz (C 2); 1988 Olymp. Spiele: Sieger (500 m im C 1), 2. Platz (1.000 m im C 2); VVO; 1981 – 90 SED; Ausbildung zum Maschinen-u.-Anlagenmonteur; ab 1985 Kapitän der DDR-Auswahl; seit 1986 verh. mit der Schwimmerin Birgit Meineke; Studium; anschl. wiss. Mitarb. 1991 Vize-WM (1.000 m im C 4), 3. Platz (500 m im C 1); 1992 Olymp. Spiele: 3. Platz (im C 1); beendete die sportl. Laufbahn; Ausbildung zum Bankkfm.; lebt in Berlin.Olaf W. Reimann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Heydemann, Max

* 3.2.1884 – ✝ 27.10.1956

Geboren am 3. Februar 1884 in Güstrow; besuchte das Gymnasium in Güstrow, Rostock und Waren. Nach dem Abitur studierte er Volkswirtschaft und Geschichte in Freiburg, München und Jena. Im Januar 1907 Mitglied der SPD, von 1910 an journalistisch für die SPD tätig und einige Jahre als Korrespondent im Ausland (Paris, Wien). Bei Kriegsausbruch kam er nach Deutschland zurück und war von 1915 bis 1918 Soldat. Im November 1918 Mitglied des Soldatenrates sowie anschließend im Vollzugsrat des 1. Artillerie-Regiments in Königsberg. Heydemann trat zur USPD über, war Delegierter des USPD-Parteitags im März 1919 und von 1919 an auch Stadtverordneter in Königsberg. Als Provinziallandtagsabgeordneter in Ostpreußen war er dort einer der Wortführer der USPD. Er war religiös (in einer Versammlung 1919 hatte er Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht und Kurt Eisner mit Christus verglichen – sie alle seien verkannte Märtyrer gewesen), kam aber 1920 mit dem linken Flügel der USPD zur KPD. Auf dem Vereinigungsparteitag im Dezember 1920 in den ZA der VKPD gewählt, zog er 1921 bei der Nachwahl für die KPD in den Reichstag ein. Während der KAG-Krise unterschrieb er im Dezember 1921 den Protest gegen die Zentrale, blieb aber in der KPD. Auch im Mai 1924 erneut in den Reichstag gewählt, im Dezember 1924 in den Preußischen Landtag. Ende 1924 wurde er verhaftet, jedoch im Januar 1925 wieder freigelassen. Im April 1925 schied Heydemann aus der KPD aus, weil die Partei alle Abgeordneten aufgefordert hatte, aus der Kirche auszutreten. Er ging zur SPD und vertrat diese Partei bis 1928 im Landtag und wurde dann 1932 wieder SPD-Abgeordneter im Preußischen Landtag. Nach 1933 in verschiedenen KZs inhaftiert. Im Frühjahr 1945 aus dem Gestapogefängnis in Karlsbad befreit, ging er nach Bayern, wo er sich wieder der SPD anschloß. Max Heydemann starb am 27. Oktober 1956 in Alt-Ötting.

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Heyl, Wolfgang

* 21.8.1921 – ✝ 14.5.2014

Geb. in Borna (b. Leipzig); Vater Kfm.; dort Volks- u. Oberschule; Ausbildung zum Zimmermann; 1939 NSDAP; 1941 – 45 Wehrdienst, zul. Obltn.; 1945 kurzz. sowj. u. amerik. Gefangenschaft. 1945 – 47 Zimmermann; 1945 FDGB; 1947 – 52 Mitarb. der IHK Borna, zul. Geschäftsf.; 1949 CDU; 1949 – 53 Mitgl. der Stadtverordnetenvers. Borna; 1952 – 54 Organisationssekr. bzw. stellv. Vors. des CDU-Bez.-Verb. Leipzig; 1953 – 58 dort Abg. des Bez.-Tags; 1954 – 58 Vors. des CDU-Bez.-Verb., Mitgl. des Jugendaussch.; 1958 – 66 stellv. CDU-Gen.-Sekr.; 1958 – März 1990 Abg. der Volkskammer; 1963 – 67 Schriftführer des Aussch. für Industrie, Bauwesen u. Verkehr; 1967 1. stellv. Vors. des Aussch. für Haushalt u. Finanzen; 1963 – 89 Vors. der CDU-Fraktion; seit 1971 Vors. des Aussch. für Ausw. Angelegenh.; ab 1966 Mitgl. des Präs. des NR der NF; 1972 –70 Mitgl. im Zentralvorst. der DSF; 1966 – 71 Mitgl. des Präs. u. des Sekr. des CDU-Hauptvorst.; 1971 – 89 stellv. CDU-Vors.; 1973 VVO; ab 1974 Mitgl. des Präs. des Friedensrats; ab 1975 Mitgl. des Präs. der Liga für Völkerfreundschaft; stellv. Vors. der Freundschaftsges. DDR – Österreich; 1976 – Nov. 1989 Mitgl. des Präs. der Volkskammer; 2. – 10.11.1989 amt. CDU-Vors. (Nachf. von  Gerald Götting), Rücktritt aus gesundheitl. Gründen.Glanz u. Elend der Adenauer-CDU. Berlin 1963; Christ im Soz. – Freiheit u. Dienst. Aus Reden u. Aufsätzen 1958 – 1980. Berlin 1981; Chancen des Friedens. Berlin 1982.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Heymann, Stefan

* 14.3.1896 – ✝ 4.5.1967

Geboren am 14. März 1896 in Mannheim, entstammte einer gutsituierten jüdischen Angestelltenfamilie. Nach dem Besuch des Gymnasiums zunächst Möbelzeichner, ab 1913 Lehre bei einer Bank in Mannheim. Sehr nationalistisch eingestellt, meldete er sich 1914 als Kriegsfreiwilliger, an der Westfront verwundet, 1917 bei den Fliegern, gegen Kriegsende nochmals verwundet. Die Kriegserlebnisse änderten Heymanns Anschauungen, er wurde – nach dem Krieg in einem Lazarett im Spessart liegend – Anarchist. Anfang 1919 versuchte er – nach Mannheim zurückgekehrt – eine »Partei der Jugend« zu gründen und stand in enger Verbindung zu den Anarchisten Ernst Toller und Erich Mühsam. Als Mühsam im Februar 1919 (nach der Ermordung Kurt Eisners) in Mannheim die wenige Tage existierende »Räterepublik Kurpfalz« ausrief, gehörte Heymann zu den führenden jungen Köpfen dieser Aktion. Im Juni 1919 trat er der KPD bei, war in der FSJ (später KJD) zunächst Ortsgruppenleiter in Mannheim und von 1920 bis 1922 Bezirksleiter für Baden. Bis zum Herbst 1923 in einem Betrieb beschäftigt, dort Betriebsratsvorsitzender und gleichzeitig zweiter Vorsitzender der Mannheimer Betriebsrätezentrale. Bei den Aufstandsvorbereitungen im Oktober 1923 wurde Heymann mit seinen militärischen Erfahrungen in den AM-Apparat aufgenommen und Kampfleiter für Unterbaden (Pseudonym Dietrich). Nach dem Verbot der KPD während einer Sitzung in Stuttgart im Dezember 1923 verhaftet und im September 1924 (im Prozeß gegen Karl Schneck u.a.) vom Staatsgerichtshof in Leipzig zu dreieinhalb Jahren verurteilt. Nach der Entlassung trat er am 1. Januar 1926 in die Redaktion der Mannheimer »Arbeiter-Zeitung« ein, wurde 1929 ihr Chefredakteur. Heymann, der von 1926 bis 1928 Gauvorsitzender des RFB Baden-Pfalz war, gehörte zum stalinistischen Flügel der Partei in Baden. 1928 zog er für den in den Reichstag gewählten Abgeordneten Paul Schreck auch in den badischen Landtag ein, wurde aber 1929 nicht wiedergewählt. Als verantwortlicher Redakteur vom Reichsgericht im Oktober 1930 zu einem Jahr Gefängnis verurteilt, seine Strafe wurde wegen Haftunfähigkeit im Mai 1930 unterbrochen. Von Juni 1930 bis September 1932 war er politischer Redakteur der »Roten Fahne« in Berlin, dann vom September 1932 bis Januar 1933 politischer Redakteur im KPD-Pressedienst. Ab 15.Februar 1933 Chefredakteur der Breslauer »Arbeiter-Zeitung« und mit Beginn der Illegalität Sekretär für Agitation bzw. Polleiter der BL Schlesien. Am 12. Mai 1933 verhaftet und im September 1934 zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt. Da Heymann im Zuchthaus Wohlau erklärte, aus Deutschland auswandern zu wollen, wurde er nach Verbüßung der Strafe am 8. Mai 1936 freigelassen, aber bereits wenige Tage später von der Gestapo wieder festgenommen. Er kam im März 1938 zunächst ins KZ Dachau, im September nach Buchenwald und im Oktober 1942 nach Auschwitz, in das Nebenlager der IG-Farben in Monowitz. Er wurde Schreiber im Krankenblock, in der illegalen KPD-Gruppe leitete er die rechte Fraktion; bei Auflösung des Lagers wurde er zurück nach Buchenwald transportiert. Nach der Befreiung gehörte er mit Eugen Kogon und Erich Römhild einer Kommission an, die für den US-General Eisenhower einen Bericht über das KZ Buchenwald verfaßte. Mit seiner zweiten Frau Liesel Martin, geborene Lapper (* 23. 3. 1907 – †Juli/ Aug. 1961), bildete er das Antifa-Komitee in Thüringen, schloß sich der KPD an und war bis Oktober 1945 im Sekretariat der BL Thüringen. Ab April 1946 Sekretär für Agitation und Propaganda des SED-LV Thüringen, ab September 1948 Leiter der Abteilung Kultur und Erziehung des PV in Berlin. 1951 wurde Heymann Gesandter der DDR in Budapest, von November 1953 bis 1957 DDR-Botschafter in Warschau, danach von 1957 bis 1959 Abteilungsleiter Presse und Information im Außenministerium. Im Juli 1960 attackierte ihn die SED, weil er die Mao-These verbreitet hatte, die Amerikaner seien »Papiertiger«. Anschließend Professor an der Akademie für Staats- und Rechtswissenschaft in Potsdam, 1963 emeritiert, bekam 1966 von dieser Akademie die Ehrendoktorwürde verliehen und 1965 das Banner der Arbeit. Stefan Heymann starb am 3. Februar 1967 in Ost-Berlin.Bernd-Rainer Barth

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Hiebsch, Hans

* 10.8.1922 – ✝ 6.3.1990

Geb. in Bodenbach (Böhmen, ČSR / Děčín, Tschechien); Vater Schlosser; Gymnasium in Tetschen, dort 1942 Abitur; anschl. Wehrmacht; ab 1943 Studium der Psychol. an der Dt. Univ. Prag. 1945 Umsiedl. u. Neulehrer im Landkrs. Wittenberg; 1947 SED; 1951 – 54 Aspirantur an der Univ. Leipzig, dort 1952 Dipl.-Psychologe, 1954 Prom. mit der Arbeit »Zur Phänomenologie des Sprachgeschehens. Eine experimentelle Untersuchung der Struktur u. Dynamik des Sprechvorgangs«, anschl. Ass. u. 1956 Wahrnehmungdoz. für Psychol., 1960 Habil. mit der Schrift »Grundlagen für eine Psychol. der Erziehung«, Doz.; 1962 Prof. mit Lehrauftrag für Psychol. u. Dir. des Inst. für Psychol. der FSU Jena, 1969 ord. Prof., 1971 – 73 u. 1975 – 79 Dir. der neu gegr. Sekt. Psychol.; 1971 Mitgl. Sächs. AdW; 1975 Humboldt-Med.; 1982 NP; Gründungsmitgl. der European Association of Experimental Social Psychology u. Mitgl. in deren Exekutivkomitee; 1987 em.; gest. in Jena. H.s Entw. ist eng mit dem Neubeginn der Psychol. in Dtl. nach dem 2. Weltkrieg verbunden; wesentl. Beiträge zur Entw. der empir. Sozial- u. Persönlichkeitspsychol. der DDR sowohl in Rezeption des (empir.) Entwicklungsstandes, der Methodol. u. Methodik der sowj. u. westl. Entwicklungs-, Persönlichkeits- u. Sozialpsychol. als auch in Abgrenzung davon; führender u. schulbildender Sozialpsychologe der DDR.Die sprachl. Gestaltung des Unterrichts (mit G. Clauß). Berlin 1956; Kinderpsychol. (mit G. Clauß, unter Mitarb. von H.). Berlin 1961; Sozialpsycholog. Grundlagen der Persönlichkeitsformung. Berlin 1966; Einführung in die marxist. Sozialpsychol. Berlin 1966 – 1979 (8. Aufl.) (Ltr. des Autorenkollektivs, mit M. Vorwerg); Wissenschaftspsychol.: psycholog. Fragen der Wissenschaftsorg. Berlin 1977; Sozialpsychologie. Berlin 1979 (Ltr. des Autorenkollektivs, mit M. Vorwerg). Nachruf H. H. In: Ztschr. f. Psychol. (1991) 1/2; Frindte, W.: H. H. – Nachruf. In: Jahrbuch der Sächs. AdW. Leipzig 1991; Böttcher, H.-R.: Verstrickt ins 20. Jh. Zeitzeugnisse eines Jenaer Psychologen. Bucha 2001.Dieter Hoffmann / Ulrich Jahnke

Wer war wer in DDR

Hildebrandt, Regine

* 26.4.1941 – ✝ 26.11.2001

Geb. in Berlin; Vater Pianist, Korrepetitor an der Staatl. Ballettschule; Max-Planck-OS in Berlin-Mitte; 1959 Abitur; Mitgl. der Jungen Gemeinde; 1959 – 64 Biologiestudium an der HU Berlin, Dipl.-Biol.; seit 1961 Mitgl. der Berliner Domkantorei; 1964 – 78 stellv. Ltr. der Pharmakolog. Abt. im VEB Berlin-Chemie; 1978 Prom. auf dem Gebiet der Arzneimittelforschung an der HU, Dr. rer. nat.; 1978 – 90 Bereichsltr. in der Zentralstelle für Diabetes u. Stoffwechselkrankheiten Berlin, Schwerpunkt Diabetesforschung; Mitgl. der Ges. für Endokrinol. u. Stoffwechselkrankheiten sowie der Biolog. Ges. Sept. 1989 Engagement in der Bürgerbew. »Demokratie Jetzt«; Okt. 1989 SDP; März – Okt. 1990 Abg. der Volkskammer; April – Aug. 1990 Min. für Arbeit u. Soziales der Reg.  Lothar de Maizière; Sept. 1990 Mitgl. des PV der (gesamtdt.) SPD; ab Okt. 1990 MdL Brandenb. u. ab Nov. 1990 Min. für Arbeit u. Soziales im Land Brandenb.; 1993 Gustav-Heinemann-Bürgerpreis; 1993 Hamm-Brücher-Medaille; 1997 »Goldene Henne«; Okt. 1999 nach Beschluß des SPD-Landesparteitags über die Bildung einer Koalitionsreg. mit der CDU Niederlegung des Landtagsmandats u. Verzicht auf ein erneutes Regierungsamt; Dez. 1999 u. Nov. 2001 erneut in den SPD-Parteivorst. gewählt; 2000 Fritz-Brauer-Preis; 2001 Großes Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrep. Dtl.; galt als populärste Politikerin in Brandenb.; gest. in Woltersdorf (b. Berlin).Schaden begrenzen oder auf die Füße treten. Berlin 1993 (Mitautorin); Wer sich nicht bewegt, hat schon verloren. Bonn 1996; Herz mit Schnauze. Düsseldorf 1997; Im Schatten der Mauer. München 1999 (mit A. Gebert); Regine erzählt. Schöneiche 2002 (mit R. Müller, Hrsg.: K. Dammasch). Schult, H.-D.: R. H. »Bloß nicht aufgeben«. Berlin 1992; Müller, R.: R. H. – Eine ungewöhnliche Frau. Schwedt 1994; Schütt, H.-D.: R. H. Ich seh doch, was hier los ist. Berlin 2005; Hildebrandt, J.: R. H., erinnern tut gut. Berlin 2008.Helmut Müller-Enbergs

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Hertzsch, Klaus-Peter

* 23.9.1930 – ✝ 25.11.2015

Geb. in Jena als Sohn des ev. Theologen  Erich Hertzsch; 1949 Abitur am Luther-Gymnasium in Eisenach; anschl. bis 1957 Studium der Theol. u. Germanistik in Jena u. Zürich; 1957 – 59 Vikar in Cospeda (b. Jena) u. Inspektor des Theologenkonvikts in Jena; 1959 – 66 Studentenpfarrer in Jena; danach bis 1966 Gen.-Sekr. u. Ltr. der Geschäftsstelle der Ev. Studentengemeinden der DDR in Berlin; 1957 Prom. mit einer Arbeit zu Ethik u. Anthropologie  Bertolt Brechts u. ihrer Bedeutung für die Hermeneutik der Rechtfertigungslehre; 1968 Doz. u. seit 1974 Prof. für prakt. Theol. an der FSU Jena; seit 1977 Mitgl. der Synode der Ev.-Luth. Kirche in Thür.; 1978 – 90 Mitgl. der Synode des Bundes der Ev. Kirchen in der DDR; K.-P. H. wurde durch zahlr. Synodenvorträge u. die Rede »Christus, Hoffnung für die Welt« vor der Vollvers. des Ökumen. Rats der Kirchen 1984 in Budapest als Fürsprecher eines eigenständigen Engagements der Kirchen im Soz. bekannt. 1995 em.; Vors. der Stiftung Ev. Studentenhaus »Karl von Hase« Jena; 2008 Martin-Luther-Med. des Rats der EKD; lebt in Jena. Forschungen v. a. zur Situation christl. Gemeinden in der Ges. sowie zu den Beziehungen zwischen Theol., Sprachwiss. u. Belletristik; entwarf von daher ein Konzept für eine erzählende Homiletik; trat als Schriftst. v. a. durch lyr. Arbeiten, Nachdichtungen bibl. Texte u. liturg. Gebrauchstexte hervor.Wie schön war die Stadt Ninive. Berlin 1967; Vertraut den neuen Wegen. Leipzig 1990. Nachdenken über den Fisch. Texte u. Predigten aus drei Jahrzehnten. Stuttgart 1994; Laß uns vorwärts in die Weite sehen. Stuttgart 2004 (Autobiogr.); Chancen des Alters – sieben Thesen. Stuttgart 2008. Raschzok, K., Petzold, K. (Hrsg.): Vertraut den neuen Wegen. Fs. für K.-P. H. Leipzig 2000.Ehrhart Neubert

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Herzberg, André

* 28.12.1955

Geb. in Berlin; Mutter Staatsanwältin, Vater Rundfunkred., Übersetzer; 1961 – 71 POS, anschl. Berufsausb. zum Baufacharb. mit Abitur; 1973 Sänger in der Berliner Band »Bodyhall« u. Gesangsunterricht an der Musikschule Berlin-Friedrichshain; Grundwehrdienst bei der NVA in Torgelow; anschl. Studium an der HS für Musik »Hanns Eisler« in Berlin; 1979 Mitbegr. der »Gaukler Rock Band« (Ltr. Joachim Kielpinski), erste Rundfunkproduktionen; 1981 – 90 Sänger der Berliner Band »Pankow«, die in den 1980er Jahren zu einer der führenden Rockgruppen der DDR avancierte; 1982 Uraufführung des Konzeptprogramms »Paule Panke« (Text: H.s Bruder Wolfgang H., Ps. Frauke Klauke), das wegen Einwänden von Kulturfunktionären gegen die ungeschminkte Darstellung des sozialist. Alltags erst 1989 als LP veröffentlicht wurde; 1983 LP »Kille, Kille«, 1984 Konzeptprogramm u. LP »Hans im Glück«, ab 1986 Konzerte in der Bundesrep. Dtl. u. Westeuropa, LP »Keine Stars«, 1988 LP »Aufruhr in den Augen« mit dem zeitw. für den DDR-Rundfunk gesperrten Titel »Langeweile«, DDR-Tournee mit der Big Band der GSSD; ab 1987 auch Theaterarbeit, Musical »Paule Panke« am Theater Schwedt, 1989 Tourneetheater mit »Tagebuch eines Wahnsinnigen« (Gogol); Mitunterz. der Resolution der Rockmusiker vom 18.9. zur Unterstützung des Neuen Forums. 1991 Soloalbum »A. H.«, 1994 Soloalbum »Tohuwabohu«, gleichnamige Theatershow an der Berliner Volksbühne; 1996 Rückkehr zu »Pankow«, LP »Am Rande vom Wahnsinn«, 1998 Tournee mit »Pankow« (Brecht-Songs); Dez. 1998 Auflösung von »Pankow«; 2000 Lieder für »Das kalte Herz« (Hauff) am Hans-Otto-Theater Potsdam; 2004 Solo-CD »Losgelöst«; seit 2006 erneute Auftritte und Tourneen mit der wiederbelebten Band »Pankow«; 2008 CD »Das kalte Herz«.Geschichten aus dem Bett. Berlin 2000; Mosaik. Berlin 2004 (fiktives Tagebuch).Jan Wielgohs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Herzfelde, Wieland

* 11.4.1896 – ✝ 23.11.1988

Geboren am 11. April 1896 in Weggis in der Schweiz, Sohn des Dichters und Schriftstellers Franz Herzfeld (Pseudonym Franz Held). 1913 übersiedelte er nach Berlin und studierte dort Germanistik und Medizin. Zu Beginn des Weltkriegs Freiwilliger im Sanitätsdienst, wurde zum Kriegsgegner, nannte sich Herzfelde und publizierte 1916 in Berlin die Zeitschrift »Neue Jugend«, die nach wenigen Wochen verboten wurde. 1917 zwangsweise wieder zum Kriegsdienst eingezogen, desertierte er und wurde daraufhin unehrenhaft aus der Armee entlassen. Gemeinsam mit seinem Bruder John Heartfield und mit George Grosz gründete er den Malik-Verlag, den er bis 1933 leitete und der zunächst zu einem Sprachrohr der linksrevolutionären Literatur und des Dadaismus wurde. Er gab etliche Zeitschriften heraus, mit Grosz 1916/17 »Jedermann sein eigener Fußball« oder 1919 »Die Pleite«. Unmittelbar nach Gründung der KPD trat er mit Grosz und Heartfield der Partei bei. 1928 wurde er Mitglied im Bund proletarisch-revolutionärer Schriftsteller (BPRS), 1933 emigrierte er nach Prag und führte von dort aus den Verlag weiter. Gemeinsam mit Oskar Maria Graf und Anna Seghers gab er die Exilzeitschrift »Neue deutsche Blätter« heraus. 1938 floh er nach London, erhielt 1939 ein Visum für die USA und emigrierte nach New York, wo er sich als Buchhändler und Publizist betätigte und 1944 mit Bert Brecht, Heinrich Mann, Ernst Bloch und anderen deutschen Exilanten den antifaschistischen Aurora-Verlag gründete. Herzfelde kehrte 1949 nach Deutschland zurück, wurde Professor für Literatur an der Universität Leipzig. Sein Erinnerungsbuch »Immergrün« erschien 1949 im Aufbau-Verlag. Nach der Rückkehr seines Bruders arbeiteten beide in der DDR gemeinsam an Bühnenbildern und Buchausstattungen. Wegen der Westemigration und vor allem wegen Kontakten zu Noel und Hermann Field wurde Herzfelde 1951 aus der SED ausgeschlossen, später wieder aufgenommen, von 1959 bis 1970 war er Präsident des PEN-Zentrums der DDR, 1961 Mitglied der AdK der DDR. Er veröffentlichte u. a. 1962 das Buch »John Heartfield. Leben und Werk« und publizierte 1976 den Sammelband »Zur Sache geschrieben und gesprochen zwischen 18 und 80«. 1981 erhielt er den Karl-Marx-Orden und wurde 1986 Ehrenbürger von (Ost-)Berlin, was er auch nach dem Ende der DDR 1989 blieb. Am 23. November 1988 starb Wieland Herzfelde in Ost-Berlin. Sein Sohn George Wyland-Herzfelde (* 14. 10. 1925) wurde professioneller Eiskunstläufer, lebte von 1939 bis 1968 in den USA, seither in der Schweiz. 2003 erschienen in München seine Erinnerungen: »Glück gehabt«.Karin Hartewig / Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Heßlich, Lutz

* 17.1.1959

Geb. in Tettau (b. Glauchau); Vater Bäckermstr.; 1965 – 77 POS, KJS, Abitur; ab 1977 Studium an der DHfK Leipzig; ab 1972 sportl. aktiv als Radrennfahrer (Sprint) beim SC Cottbus (Trainer: Gerd Müller); 1976 u. 1977 Junioren-WM; 1979, 1983, 1985 u. 1987 WM; 1980 u. 1988 Olympiasieger; 1988 Weltradsportler des Jahres; Europacup-Sieger; Fußballspieler bei der BSG Tettau; 1985 – 88 SED; Mitgl. des ZR der FDJ; Inhaber eines Fahrradgeschäfts in Cottbus.Klaus Gallinat / Olaf W. Reimann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Hesse, Max

* 21.2.1895 – ✝ 7.6.1964

Geboren am 21. Februar 1895 in Berlin. Sein Vater war Metallarbeiter und Mitbegründer des Berliner DMV. 1908 aus Preußen ausgewiesen, weshalb seinem Sohn Max (einer der 20 besten Volksschüler) 1909 ein Freistipendium zur Erlangung der Reifeprüfung verweigert wurde. Max Hesse lernte Mechaniker und trat 1910 der Arbeiterjugend und 1912 der Gewerkschaft bei. Nach der Lehre ging er auf Wanderschaft nach Skandinavien und war später Monteur bei Siemens. 1914 eingezogen, kam an die Westfront und wurde dreimal verwundet. 1916 nach Berlin zurückgekehrt, wurde er Mitglied der Berliner Revolutionären Obleute. Im Herbst 1917 aktiv am »Brotkarten«-Streik beteiligt, deswegen wieder eingezogen, kam er (als Vizefeldwebel) an die Front nach Mazedonien. Im Oktober 1917 desertiert, im Dezember verhaftet, degradiert und zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt. Im Februar 1918 Frontbewährung. Nach Kriegsende kam Hesse als Mitglied des Soldatenrates nach Spandau, wurde Mitglied des Spartakusbundes und der KPD. Er saß von März bis September 1919 im Gefängnis. Nach der Vereinigung der KPD mit der linken USPD Vorsitzender der KPD in Charlottenburg; von 1920 bis 1923 Betriebsratsvorsitzender; Mitglied der KPD-BL Berlin. Er war Anhänger des linken Parteiflügels und wurde zu den Verhandlungen über die Vorbereitung der deutschen Revolution, die 1923 in Moskau stattfanden, hinzugezogen. Im Auftrag des Berliner Bezirks fuhr er nach Sachsen, um die Arbeit der dortigen KP zu begutachten. 1924 als Vertreter der KPD ins Orgbüro des EKKI entsandt, in dieser Funktion blieb er bis 1926. Da in Deutschland das gegen ihn laufende Gerichtsverfahren unter Amnestie gefallen war, kehrte er 1926 nach Berlin zurück. Er trat für die Opposition auf und unterschrieb den »Brief der 700«, deshalb wurden ihm im November 1927 für ein Jahr alle Funktionen entzogen. Im Dezember 1927 aus der KPD ausgeschlossen, wurde Hesse einer der Mitbegründer des Leninbundes. Im Frühjahr 1929 trat er zur SPD über und war bis 1933 Vorsitzender der SPD Charlottenburg. Im größten Berliner Taxiunternehmen beschäftigt, dort Betriebsratsvorsitzender. Am 1.März 1933 verhaftete ihn die Gestapo und brachte ihn ins KZ Oranienburg, aus dem er im Juli 1933 flüchtete. Hesse ging nach Amsterdam und wurde Mitarbeiter der Internationalen Transportarbeiter-Föderation unter Edu Fimmen. Nach der Besetzung Hollands lebte er illegal, war dort in einer Widerstandsgruppe aktiv. Im Oktober 1941 von der Gestapo verhaftet, kam er – mit falschen Papieren als Holländer getarnt – ins KZ Verght. Auch dort gelang ihm im September 1944 die Flucht und er hielt sich in Amsterdam auf. Hesse kehrte 1947 nach Deutschland zurück, war von 1947 bis 1960 Sekretär der ÖTV in Emden und Mitglied der SPD, wohnte dann mit seiner Frau in Hamburg. Max Hesse starb am 7. Juni 1964.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Heuck, Christian

* 18.3.1892 – ✝ 18.3.1934

Geboren am 18. März 1892 in Heuwisch/Holstein; arbeitete nach der Schulentlassung zwei Jahre in der Landwirtschaft, von 1909 bis 1911 Versandleiter eines Gemüsegeschäfts. 1912 aktiver Soldat. Während des Krieges an der Front, dreimal verwundet und mit dem EK 1. Klasse ausgezeichnet. Als Vizefeldwebel aus dem Krieg zurückgekehrt, war er von 1918 bis 1920 Pferdehändler, dann Inhaber eines Gemüseversandgeschäfts. Während der Revolution Soldatenrat in Wesselburen/Holstein, gründete dort eine SPD-Ortsgruppe. Ende 1919 Austritt aus der SPD, ein halbes Jahr parteilos, 1920 Mitglied der KPD und seit 1923 hauptamtlicher Parteifunktionär. Bis 1923 Vorsitzender der KPD in Wesselburen. Ab 1922 Mitglied des Provinziallandtages von Schleswig-Holstein, 1922 mußte er aus nichtpolitischen Gründen vier Monate ins Gefängnis. 1923 Übersiedlung nach Berlin, dann als Sekretär für Landfragen (Pseudonym Kurt Anders) nach Mecklenburg. Im Herbst 1923 AM-Leiter der KPD Mecklenburg, er organisierte die Bewaffnung der KPD in Norddeutschland. Im März 1924 als AM-Leiter nach Schlesien versetzt, dort schon am 21. Mai 1924 in Breslau verhaftet. Aus dem Gefängnis wehrte er sich gegen Vorwürfe, er habe Unterschlagungen begangen, diktatorisch gehandelt, Mitarbeiter geschlagen usw. Am 20. März 1926 zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt, kam er durch die Amnestie im August 1928 wieder frei. Heuck, ein Freund Ernst Thälmanns, war kurze Zeit Orgleiter des KPD-Bezirks Wasserkante und übernahm dann andere hauptamtliche Aufgaben. 1929 erneut verhaftet und nach sechsmonatiger Untersuchungshaft zu einem Jahr neun Monaten Gefängnis verurteilt. 1930 als Reichstagsabgeordneter gewählt, blieb er bis 1933 MdR und hatte leitende Funktionen in Hamburg und Schleswig-Holstein. Als einer der RFB-Führer in Schleswig-Holstein bei der SA besonders verhaßt, wurde Christian Heuck (ein Hüne von Gestalt) nach dem Reichstagsbrand verhaftet und am 18. März 1934 im Gefängnis ermordet.

Wer war wer in DDR

Heusinger, Hans-Joachim

* 7.4.1925

Geb. in Leipzig; Vater Arbeiter; Volksschule; 1939 – 42 Ausbildung zum Elektromechaniker; 1942 – 45 Wehrmacht. 1945 – 51 Elektromechaniker u. Kabelmonteur; 1946 FDGB, 1947 LDPD; 1951/52 Verw.-Bez.-Angest. u. stellv. Vors. des Rats des Stadtbez. II in Leipzig; 1952 – 57 Sekr. des Bez.-Vorst. Leipzig der LDPD u. Mitgl. des Rats des Bez.; ab 1957 Mitgl. des Zentralvorst. der LDPD u. seines Pol. Aussch.; 1955 – 60 Fernstudium an der DASR Potsdam, Dipl.-Jur.; 1955 – 62 als IM »Knebel« des MfS erf.; 1957 – 59 Dir. der IHK des Bez. Cottbus; Vors. des Bez.-Verb. Cottbus der LDPD u. ehrenamtl. Mitgl. des Rats des Bez.; 1959 – 73 Sekr. des PV; 1972 – 80 stellv. Vors. der LDPD; ab 1961 Abg. der Volkskammer; 1961 – 63 Mitgl. des Rechtsaussch.; 1963 – 67 Mitgl. u. 1967 – 73 stellv. Vors. des Aussch. für Industrie, Bauwesen u. Verkehr; Okt. 1972 – Nov. 1989 stellv. Vors. des Min.-Rats u. bis 11.1.1990 Minister für Justiz der DDR (Nachf. von  Kurt Wünsche); 1974 – 89 Mitgl. des Präs. des NR der NF; 1975 VVO; 1990 Ruhestand; März 1990 Bund Freier Demokraten, April 1990 Austritt; Mitgl. der Ges. für rechtl. u. humanitäre Unterstützung (GRH), Arbeitsgr. Königs Wusterhausen; Aug. 2007 Rede auf einer Veranstaltung der DKP Brandenburg in der Thälmann-Gedenkstätte Ziegenhals.Rechtssicherheit, garantiert für jeden. Berlin 1985.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Heyden, Günter

* 16.2.1921 – ✝ 21.1.2002

Geb. in Stargard (Hinterpommern / Stargard Szczeciński, Polen); Vater Ofensetzermstr.; Volksschule; Ausbildung zum Ofensetzer, danach im Beruf tätig; Febr. 1941 – März 1945 Kriegsdienst, Flak; 1945 – 49 zunächst amerik., bis Dez. 1949 sowj. Gefangenschaft; Juli – Dez. 1949 Besuch der Zentr. Antifa-Schule. 1950 Rückkehr nach Dtl; SED; 1950/51 Lehrtätigkeit an der FDGB-Schule Beesenstedt, zul. stellv. Schulltr.; 1952 – 56 Studium u. 1956 Prom. zum Dr. phil. am IfG; kommissar. Ltr. des Lehrstuhls Philos.; 1956 – 87 Mitgl. des Red.-Kolleg. der »Dt. Ztschr. für Philos.«; 1959 Doz. u. Lehrstuhlltr., 1962 Prof. für Hist. Materialismus am IfG; 1965 – 67 stellv. Dir. des Inst. für Meinungsforschung u. Mitgl. der Agit.-Kommission beim PB; 1966 Prof. mit Lehrstuhl für Philos. am IfG; 1969 ord. Prof. u. bis Dez. 1989 Dir. des IML (Nachf. von  Lothar Berthold); Ltr. der MEGA-Red.-Kommission von dt. Seite; Hrsg. u. Mitautor philos. u. geschichtswiss. Werke; 1976 – 89 Mitgl. des Red.-Kolleg. der Ztschr. »Einheit«; 1981 VVO u. NP; 1981 – 89 Mitgl. der ZRK der SED; 1986 KMO; gest. in Berlin.Kritik der dt. Geopol. Berlin 1958; Vom Jenseits zum Diesseits. Leipzig 1959; Gesellschaftsprognostik. Berlin 1968; KPdSU u. SED. Internat. Zusammenarbeit in Geschichte u. Gegenwart. Berlin 1987.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Heym, Stefan

* 10.4.1913 – ✝ 16.12.2001

Geb. in Chemnitz; Vater Kfm. (wegen jüd. Herkunft später zus. mit weiteren Angeh. von den Nazis ermordet); Verweisung vom Gymnasium nach Veröff. eines antimilitar. Gedichts; 1932 Abitur in Berlin; erste Veröff. u. a. in der Ztschr. »Weltbühne«; Studium der Philos., Germanistik u. Ztgs.-Wiss. in Berlin; 1933 Emigr. in die ČSR; zum Schutz der Familie Annahme des Ps. S. H., Journalist u. a. für die Ztschr. »Das Wort«, »Neue Dt. Blätter«, »Internat. Lit.«; ab 1935 Studium in Chicago, Magisterarbeit zu Heinrich Heine; danach Tellerwäscher, Vertreter, Kellner, Verkäufer, Korrektor; 1937 – 39 Chefred. der Wochenztg. »Dt. Volksecho« in New York, Arbeit für »Die Tribüne«; 1938 – 40 Mitgl. der German-American-Writers-Association; 1942 erster USA-Romanbestseller »Hostages« (dt. »Der Fall Glasenapp«, 1958); 1943 US-Army, Sergeant (später Ltn.) in einer »Psychological Warfare«-Komp.; Red. der »Frontpost« des Senders Luxemburg; dort zus. mit Hans Habe u. a. antifa. publizist. Arbeit (veröff. in: »Reden an den Feind«, 1980; »Stalin verläßt den Raum«, 1990). 1945 journalist. Arbeit für die »Ruhr-Ztg.«; Mitbegr. der Ztg. »Neue Zeit« in München; wegen »prokommunist.« Haltung in die USA zurückversetzt u. aus der Armee entlassen; 1948 Welterfolg mit dem Roman »The Crusaders« (dt. »Kreuzfahrer von heute«, 1950); wegen Bedrohung durch den J.-R.-McCarthy-Aussch. u. aus Protest gegen den Korea-Krieg Ausreise aus den USA; 1951 über Warschau zunächst nach Prag; Jan. 1952 Übersiedl. in die DDR; 1953 Mitgl. des PEN-Zentrums Ost u. West; 1953 – 56 Kolumnist der »Berliner Ztg.«; nach dem 17.6.1953 publizist. Einsatz für einen krit. ges. Dialog, insbes. in der Kolumne »Offen gesagt« (Buchveröff. »Im Kopf – sauber«, 1954; »Offen gesagt. Neue Schriften zum Tage«, 1958); 1954 Heinrich-Mann-Preis; Mitgl. des Vorst. des DSV; 1956 Kontroverse mit  Walter Ulbricht auf dem IV. Schriftst.-Kongreß; Lit.-Preis des FDGB; 1959 NP; Dez. 1965 Angriff  Erich Honeckers (11. Tagung des ZK der SED) gegen das Manuskript »5 Tage im Juni« (veröff. 1974 in der Bundesrep. Dtl.); 1969 Geldstrafe wegen der Veröff. des Romans »Lassalle« im Westen (1974 in der DDR veröff.); 1973 Thematisierung der Stellung der Intellektuellen zw. Macht u. Wahrheit im Roman »König David Bericht«, spektakuläre Kritik stalinist. Geschichtsschreibung (während der kurzz. kulturpol. Öffnung nach der 6. Tagung des ZK der SED); Nov. 1976 Mitunterz. der Protesterklärung gegen die Ausbürgerung von  Wolf Biermann; fortlaufende Überwachung durch das MfS (u. a. OV »Diversant«); 1978 Ausschl. vom VIII. Kongreß des SV; 1979 nach Drucklegung des antistalinist. Romans »Collin« in der Bundesrep. Dtl. wegen »Devisenvergehens« Verurteilung zu einer Geldstrafe; Juni 1979 »wegen groben Verstoßes gegen das Statut« zus. mit acht weiteren Schriftst. Ausschl. aus dem SV; Erstveröff. neuer Romane fortan in der Bundesrep. Dtl. (»Ahashver«, 1981; »Schwarzenberg«, 1984); 1982 nennt S. H. in einer Rede beim dt.-dt. Schriftst.-Treffen im niederländ. Scheveningen die Wiedervereinigung »möglich u. naturgegeben«; 1988 Veröff. der Autobiogr. »Nachruf« (1990 in der DDR); 4.11.1989 gefeierter Redner auf der Berliner Protestkundgebung der Bürgerbew. am Alexanderplatz; nach der Maueröffnung Kritik am »Kaufrausch der Massen« u. Mitinitiator des Aufrufs »Für unser Land«; Wiederaufn. in den SV; Veröff. aller ehem. verbotenen Bücher. 1990 u. 1991 Dr. h. c. der Univ. Bern bzw. Univ. Cambridge; 1992 Kunst- u. Kulturpreis »Chemnitzer Ernst«; 1993 Ehrenpräs. des Dt. PEN-Zentrums Ost; Jerusalem-Preis; 1994 als parteiloser Direktkand. (Berlin-Mitte / Prenzlauer Berg) auf der Offenen PDS-Liste Wahl in den Dt. Bundestag, Alterspräs. des 13. Bundestags; 1995 Mandatsniederlegung aus Protest gegen geplante Diätenerhöhung; 1996 Mitunterz. der »Erfurter Erklärung«; 1998 Bestätigung als Ehrenpräs. des vereinigten PEN-Zentrums Dtl.; gest. in Jerusalem. S. H.s liter. Verfahren, hist. Stoffe auf ihre gegenwärtige Bedeutung für gesellsch. Utopien u. deren Deformationen zu befragen, machte ihn im geteilten Dtl. zu einem der wichtigsten zeitgenöss. Schriftst.Die Augen der Vernunft. Berlin 1955 (»The Eyes of Reason«, Boston 1951); Die Papiere des Andreas Lenz. Leipzig 1963; Wege u. Umwege. Streitbare Schriften aus fünf Jahrzehnten. München 1980; Werkausgabe; 14 Bde. München 1988; Einmischung. Gespräche, Reden, Interviews 1982 – 1989. München 1990; Gedanken über das neueste Dtl. Essays. München 1990; Filz. München 1992; Radek. München 1995; Der Winter unsers Mißvergnügens. Aus den Aufzeichnungen des OV Diversant. München 1996; Pargfrider. 1998; Immer sind die Weiber weg und andere Weisheiten. Leipzig 1998; Offene Worte in eigener Sache. München 2003 (Autobiogr.). Zachau, R.: St. H. München 1982; Töteberg, M.: St. H. In: Krit. Lexikon der dt.-spr. Gegenwartslit. München 1978 ff. (mit Bibl. zu Primär- u- Sekundärlit.); General, R., Sabath, W.: St. H. Berlin 1994; Hutchinson, P.: St. H.: Dissident auf Lebenszeit. Würzburg 1999; Krämer, H.: Ein dreißigjähriger Krieg gegen ein Buch. Tübingen 1999.Bernd-Rainer Barth / Andreas Kölling

Wer war wer in DDR

Heynisch, Werner

* 27.2.1924 – ✝ 5.4.1977

Geb. in Plauen (Vogtl.); Vater Milchhändler u. Schlosser; Volksschule; 1938 – 40 Ausbildung zum Schlosser in Plauen, gleichz. Abschl. mittlere Reife (Fernlehrgang); 1941/42 Ing.-Schule Zwickau; 1942/43 RAD; 1943 – 45 Wehrmacht, Wachtmstr.; April/Mai 1945 amerik. Gefangenschaft. 1945/46 Techniker im Straßenwasserbauamt Plauen; Abitur an der Wirtschafts-OS; 1946 SPD/SED; 1946 – 51 Student an der TH Dresden, Fachrichtung Konstruktiver Ing.-Bau, Dipl.-Ing.; 1951 Ing., 1957 Techn. Dir. des VEB Bau-Union in Magdeburg; 1953 Mitgl. des Präs. des Dt. Schwimmsportverb., sechsfacher DDR-Mstr. im Wasserball; 1957 – 60 ehrenamtl. Stadtrat für Bauwesen in Magdeburg; 1960 – 63 Techn. Dir. im Ing.-Hochbau Brandenb., bekannteste Ing.-Bauten: Schwimmhalle Magdeburg, AKW Rheinsberg, Zementwerk Bernburg, Gleitfertiger Güsen, Sprungschanze Oberhof; 1961 Mitgl. des Kolleg. des Min. für Bauwesen; Ord. Mitgl. u. Mitgl. des Präs. der DBA; 1962 deren Vizepräs. u. Ltr. des Inst. für Industrie- u. Ing.-Bau; 1963 – 65 Stellv. Vors. für Investitionen u. Bauwesen der SPK; 1965 – 77 Präs. der DBA (Nachf. von  Gerhard Kosel); 1966 Vorstandsmitgl. des Forschungsrats; 1963 Kand., 1967 – 76 Mitgl. des ZK der SED; 1969 Ltr. der ständ. Prognosegr. Bauen des Min.-Rats; 1968 NP; 1974 VVO.Elke Reuter

Wer war wer in DDR

Hilbig, Klaus

* 10.2.1930 – ✝ 16.3.1986

Geb. in Leipzig; Vater Hufschmied u. E-Schweißer, Mutter Arbeiterin; Volksschule in Leipzig, 1940 OS; 1941 nach Bad Warmbrunn (Niederschles.). Aussiedl. nach Ronneburg (Thür.); 1946 SED; 1948 Abitur in Gera; 1948 – 51 Studium an der Ges.-Wiss. Fak. der Univ. Jena; 1950 1. Sekr. der FDJ-GO der FSU Jena; 1951 – 60 Chefred. der Wochenztg. »Der Junge Pionier«, später »Die Trommel«; Mitgl. der ZL der Pionierorg. »Ernst Thälmann«; 1954 Abschl. eines Fernstudiums am IfL; 1960/61 Aspirant am IfG beim ZK der SED; 1961 Fw. der Reserve; 1962 – 65 Aspirant an der AfG des ZK der KPdSU in Moskau; Prom. zum Dr. phil. über »Das sittliche Ideal in der marxist.-leninist. Ethik«; 1965 – 72 Chefred. des »FORUM« (Nachf. von Horst Nahke); 1969 – 72 Mitgl. der ZPL im Verlag Junge Welt; pol. Mentor der FDJ-Singebew., Ltr. der Beratergr. der FDJ-Singebew. im ZR der FDJ; Juni 1972 Ltr. des Bereichs Kulturpol. beim Fernsehen der DDR; dort ab 1974 Chefred. Kulturpol.; Gründer der Sendung »Kulturmagazin«; 1975 Kunstpreis der FDJ; 1975/76 Mitgl. der ZPL des DDR-Fernsehens; 1976 Erkrankung; 1979 VVO; Mitgl. des Staatl. Komitees für Fernsehen der DDR; Aug. 1984 Ltr. der Publikationsabt. der PHS; Nov. 1985 Abberufung aus gesundheitl. Gründen; weiterhin Doz. an der PHS; gest. in Berlin.Bernd-Rainer Barth / Ulrike Schuster

Handbuch Deutsche Kommunisten

Hildebrandt, Wilhelm Friedrich

* 5.10.1887 – ✝ 14.10.1942

(* 1887 – † 1942) Geboren am 5. Oktober 1887 in Westen/Hannover als Sohn eines Landarbeiters. Lernte vier Jahre Schlosser und Maschinenbauer, siedelte nach Hamburg über und war im Weltkrieg Soldat. 1918 Mitglied der USPD, 1920 mit der linken USPD Übertritt zur KPD; in der KPD gehörte Hildebrandt dem linken Flügel an. 1925 zum Mitglied der BL Wasserkante berufen, im gleichen Jahr als Nachfolger Hans Gostomskis in die Hamburger Bürgerschaft nachgerückt, 1927 und 1928 dann zum Abgeordneten in die Bürgerschaft gewählt. Hildebrandt stellte sich in der Wittorf-Affäre gegen Ernst Thälmann und wurde im Mai 1929 aus der KPD ausgeschlossen. Er legte sein Mandat in der Bürgerschaft nicht nieder, sondern blieb bis zur Neuwahl 1931 unabhängiger Abgeordneter. Später trat er politisch nicht mehr hervor, war wieder als Schlosser beschäftigt. Wilhelm Hildebrandt starb am 14. Oktober 1942 in Hamburg.