...

 

BioLex

In der Kategorie BioLex sind drei wichtige Lexika mit über 5500 Biografien von überzeugten Kommunistinnen und Kommunisten, Renegatinnen und Dissidenten im Volltext recherchierbar.

 

Das Handbuch „Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945“ wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam.

Kurzbiografien zu Personen des politischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 bereit.

Zudem ist das Online-Lexikon www.dissdenten.eu ebenfalls auf unserer Seite aufrufbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Informationen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Hillebrand, August

* 17.12.1888 – ✝ 17.4.1953

Geb. in Hennersdorf (Krs. Grottkau, Oberschl./ Sidzina, Polen); Vater Bauer; Volksschule u. Gymnasium; zeitw. im Staatsdienst; seit 1919 selbst. Bauer; Abg. des Krs.-Tags sowie des Provinziallandtags; 1928 – 32 Abg. des Dt. Reichstags (Dt. Bauernpartei); Mitgl. des Dt. Landw.-Rats u. der Oberschles. Landw.-Kammer; nach 1933 aus allen Ämtern entfernt; Umsiedl. 1945 Neubauer; 1945 Mitbegr. der CDU in Lommatzsch u. Sachsen; 1946 Abg. des Sächs. Landtags; 1947 u. 1948 – 52 Mitgl. des Hauptvorst. der CDU; 1948 – 50 Krs.-Rat für Landw. im Krs. Meißen; 1948 – 53 Abg. des Volksrats bzw. der Volkskammer; 1950 – 52 Mitgl. des Landesvorst. der CDU Sachsen; 1950 – 53 Ausschußvors. Land- u. Forstw. des Hauptvorst. der CDU; 1951/52 stellv. Landesvors. Sachsen der VdgB; 1951 – 53 Mitgl. des Zentralvorst. der VdgB.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Hilsenbeck, Romuald

* 7.3.1897 – ✝ 25.12.1961

Geboren am 7. März 1897 in Hinteruhlberg/ Crailsheim; von Beruf Postschaffner. Im Oktober 1932 wurde Hilsenbeck für die KPD in den Württembergischen Landtag gewählt. Am 11.März 1933 wurde er inhaftiert und befand sich bis Mai 1934 in »Schutzhaft«. Hilsenbeck setzte auch nach seiner Entlassung die illegale Arbeit gegen das NS-Regime fort. Anfang 1935 erneut verhaftet, kam er in das KZ Heuberg und wurde dann im August 1944 nochmals für einen Monat in Ulm festgehalten. Nach der Befreiung gehörte Hilsenbeck ab Sommer 1945 zum engeren Führungskreis der neugegründeten KPD in Nordwürttemberg. Ab Mai 1946 Mitglied des Stuttgarter Gemeinderats, kandidierte er noch 1950 in Stuttgart für den Landtag Württemberg-Baden. Romuald Hilsenbeck starb am 25.Dezember 1961 in Stuttgart.

Wer war wer in DDR

Hindemith, Harry

* 16.6.1906 – ✝ 21.1.1973

Geb. in Brüssel-Anderlacht; Vater Böttcher, Mutter Waschfrau; bis 1914 aufgew. in Brüssel; 1914 Übersiedl. der Fam. nach Mannheim; Realschule; 1921 – 28 Laufbursche / Angest. der Süddt. Disconto Gesell. in Mannheim; 1925 KJV, 1928 KPD; 1928 – 30 Studium an der Musikhochschule Mannheim; 1930 – 37 Schauspieler am Stadttheater Würzburg; 1937 NSDAP (Versuch illeg. Arbeit für die KPD innerhalb der NSDAP); 1937 – 40 Schauspieler am Landestheater Allenstein; 1940 / 41 Schauspieler am Stadttheater Wuppertal; 1941 – 44 Schauspieler am Stadttheater Rostock; 1944 – Apr. 1945 Funker bei der Wehrmacht in Stettin. 1945 – 53 Schauspieler am Dt. Theater in Berlin (Rolle in der Eröffnungsinsz. »Nathan der Waise«, R.  Fritz Wisten); nach Überprüfung durch die Parteikontrollorgane 1946 KPD / SED; ab 1946 auch Schauspieler bei der DEFA (»Irgendwo in Berlin«, R. Gerhard Lamprecht, 1946), Rollen in weit mehr als 70 DEFA- und Fernseh-Filmen, u. a. »Unser täglich Brot« (1949, R.  Slátan Dudow), »Schlösser u. Katen« (1957, R.  Kurt Maetzig), »Mord an Rathenau« (1961, R. Max Jaap), »Die Fahne von Kriwoj Rog« (1967, R. K. Maetzig); 1954 – 73 Schauspieler im Ensemble der Volksbühne Berlin, u. a. Rollen als »Wilhelm Tell«, in »Kabale u. Liebe«, »Maria Stuart« u. zunehmend in Gegenwartsstücken; ab 1965 Vorstandsmitgl. des Verbands der Filmschaff., Erster Vors. des Clubs der Filmschaffenden u. Vors. der Gewerkschaft Kunst in Berlin; 1950 u. 1951 NP; gest. in Berlin.CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film. München.Bernd-Rainer Barth / Ingrid Kirschey-Feix

Wer war wer in DDR

Hinze, Erwin

* 8.8.1909 – ✝ 18.2.1972

Geb. in Nowawes (Krs. Teltow); Volksschule; Lehre u. Arbeit als Bootsbauer; 1932 SPD; 1940 Wehrmacht; 1945 kurzzeitige sowj. Kriegsgef. 1945 zunächst Mitarb. bei der Konsumgenossensch. Potsdam-Babelsberg; ab Dez. 1945 Sekr. des SPD-KV Potsdam; 1946 SED, Mitgl. des SED-KV Potsdam, 1947 – 49 Mitgl. des Sekr. (Kommunalpolitik) des SED-LV Brandenb., 1949 / 50 Abt.-Ltr. im SED-LV Brandenb.; Juli 1950 Bürgermstr., ab Sept. 1952 OB von Frankfurt (Oder) (Nachf. von  Willy Jentsch); 1953 zusätzl. Vors. des Rats der Stadt Frankfurt (Oder); Dez. 1954 »strenge Rüge« wg. »parteischädigenden Verhaltens«, März 1955 Entbindung als OB; Einsatz als Bezirksbeauftragter für den MTS-Bereich Altlandsberg, 1958 – 61 1. Stellv. des Vors. des Rates des Krs. Strausberg.Targiel, R.-R. (Hrsg.): Die Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt (Oder) vom Beginn des 18. Jahrhunderts bis zur Wiedererlangung der kommunalen Selbstverwaltung im Jahr 1990. Frankfurt (Oder) 2000.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Hirsch, Rudolf

* 17.11.1907 – ✝ 7.6.1998

Geb. in Krefeld in einer jüd. Familie; Vater Schuhhändler; Realgymnasium; 1924 – 28 Ausbildung zum Kfm.; 1928 – 31 kfm. Angest.; 1931 Übernahme des väterl. Schuhgeschäfts in Krefeld; 1931 KPD; 1933 Emigr. in die Niederlande, abgeschoben nach Belgien; 1934 – 37 illeg. in Dtl., Mitgl. der Widerstandsgr. »Neu Beginnen«; 1937 Emigr. nach Palästina; 1938/ 39 in Stockholm, illeg. Arbeit für »Neu Beginnen«, ausgewiesen; 1939 – 49 in Palästina, dort Schuhfräser; zus. mit  Arnold Zweig Mitbegr. einer Gruppe »Komitee Freies Dtl.«. Nov. 1949 über Italien u. Österreich Übersiedlung in die DDR (Berlin); ab 1950 Gerichtsreporter der »Tägl. Rundschau«; seit 1954 ständ. Gerichtsreporter der »Wochenpost« mit der wöchentl. Kolumne »Als Zeuge in dieser Sache« (1953 – 81); zahlr. Gerichtsreportagen; 1956 »Das gefälschte Logbuch« (in der Emigr. begonnener pol. Kriminalroman); zwei Romane über Ägypten u. die brit. Mandatsmacht im Nahen Osten; Hörspiele, Kinderbücher u. dokumentar.-schriftsteller. Arbeiten zum Judentum; 1980 Heinrich-Heine-Preis; 1987 Mitgl. des PEN-Zentrums DDR, dann Dt. PEN-Zentrum (Ost); 1987 Goethe-Preis; 1988 NP (im Koll.); seit 1958 verh. mit d. Schriftst.  Rosemarie Schuder; gest. in Berlin.Als Zeuge in dieser Sache. Report. Berlin 1958; Um die Endlösung: Prozeßberichte über den Lischka-Prozeß in Köln u. den Auschwitz-Prozeß in Frankfurt am Main. Rudolstadt 1982; Patria Israel. Roman. Berlin 1983; Der gelbe Fleck. Wurzeln u. Wirkungen des Judenhasses in der dt. Geschichte. Berlin 1987 (mit R. Schuder); Das Leben – was sonst. Gesamtausgabe der Gerichtsberichte. Berlin 1990/91; Die arische Jüdin. Autobiogr. Berlin 1993; Der Markus-Wolf-Prozeß. Berlin 1996; »Judenkönig«: Das Leben des Kurt Julius Goldstein. Berlin 1996/2009; Ausgesuchte Sündenfälle. Der Reporter in eigener Sache. Berlin 1997. Polkehn, K.: Das war die Wochenpost. Berlin 1997; Otto, J.: Chuzpe hieß sein Geheimnis. R. H. war der berühmteste Gerichtsreporter der DDR. In: Die Zeit, 5.2.1998.Karin Hartewig / Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Hochmuth, Walter

* 14.02.1904 – ✝ 28.12.1979

Geb. in Reichenbach / Vogtl.; Vater Bahnbeamter; Volks-, Bürger- u. Handelsschule; kfm. Lehre u. Arbeit; 1925 KJVD u. KPD; 1931 – 33 Abg. der Hamburger Bürgerschaft; 1933 Volontär bei der »Hamburger Volksztg.«; ab März 1933 illeg. Arbeit in Hamburg; Aug. 1934 Emigr. nach Dänemark; ab 1935 pol. Arbeit für die KPD in den Niederl., Belgien, Luxemburg u. Frankreich; März – Juni 1938 in den Niederl. interniert, 1938 Abschiebung nach Belgien, ab Sept. 1939 dort interniert; 1940 – 42 im Lager Gurs / Südfrankreich; Dez. 1942 Auslieferung nach Dtl., bis Jan. 1944 Haft in Trier, Köln u. Hamburg; Juni 1944 Verurteilung durch den VGH in Potsdam zu fünf Jahren Zuchthaus, bis 1945 Zuchthaus Brandenb. 1945 – 49 Ltr. der Personalabt. in der Dt. Verw. für Post- u. Fernmeldewesen bzw. der DWK; 1946 SED; 1949/50 Prokurist der Dt. Handelsges. Berlin mbH; 1950 zeitw. stellv. Ltr. der DHZ Innere Reserven; 1950 – 55 stellv. Ltr. des Verw.-Amtes der Regierungskanzlei; 1955/56 Ltr. einer Außenstelle der KfA; ab April 1956 stellv. Ltr. bzw. ab 1957 Ltr. der DDR-Handelsvertr. in Djakarta (Indonesien); ab 1959 Legationsrat, ab 1962 Gen.-Konsul u. Ltr. der DDR-Vertr. im Irak; ab 1963 pol. Mitarb. des MfAA; 1965 – 68 Ltr. der Staatl. Archivverw. beim MdI; 1960 u. 1974 VVO; 1979 Ehrenspange zum VVO; gest. in Berlin.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Hockenholz, Willi

* 27.2.1898 – ✝ 29.12.1950

Geb. in Brandenb. (Havel); Vater Malermstr.; Volksschule, Präparandenanstalt u. Lehrerseminar; 1917/18 Militärdienst; Erste u. Zweite Lehrerprüfung; 1920 – 33 Lehrer in Berlin-Neukölln; 1922/23 Studium an der Handel-HS Berlin; 1924 SPD; 1924 – 33 Ltr. der SPD-Abt. 97 in Berlin-Neukölln; 1933 Entlassung aus dem Schuldienst; selbst. Kfm. u. Handelsvertreter für Industrie-Lacke; Mitgl. einer sozialdemokrat. Widerstandsgr.; 1939 u. 1943 – 45 Wehrmacht; 1945 sowj. Kriegsgefangenschaft im Lager Stalino. Nov. 1945 Rückkehr nach Berlin; 1946 – 50 Hauptref. im Hauptschulamt für Lehrerbildung Groß-Berlin; SED; ab Mai 1946 parität. bzw. stellv. Ltr. der Abt. Wirtschaft u. Verkehr im ZS des SED-PV (gem. mit  Willi Stoph); März 1950 Hauptdir. der Mitropa; am 27.11.1950 wegen angebl. Wirtschaftsverbrechen inhaftiert, Suizid. 1991 pol. Rehabil. durch Bundesschiedskommission der PDS, 1994 jurist. Rehabil. durch das LG Berlin.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Hoerning, Hanskarl

* 28.12.1931

Geb. in Leipzig; Schauspielstudium in Leipzig; Debüt 1954 am Hallenser Theater der Jungen Garde; danach Halberstadt, Eisleben; in dieser Zeit schon versch. Kabarettversuche; 1957 / 58 Funkkabarett Tandaradei; 1958 – 97 Mitgl. der Leipziger »Pfeffermühle«, einer ihrer profiliertesten Darsteller; einige Jahre Standardszene »Straßenbauarb.« (mit  Manfred Stephan); auch Texter u. Stückautor (Fernsehmusical »Zimmerkomödie« 1963); 1976 – 79 Soloprogramm »Brettldoz.«. Nach 1990 vor allem Buchautor; lebt in Leipzig.Geh hin, wo der Pfeffer wächst. Berlin 1984; Keinen Pfifferling wert. Jena 1989; Harlekin im Stasiland. Gerlingen 1994; Im Zeichen des Pilzes. Leipzig 2000; Die Leipziger Pfeffermühle. Leipzig 2004; Im Zeichen des Pilzes. Erinnerungen eines »Pfeffermüllers«. Leipzig 2000; Aufgewachsen in Ruinen. Kindheit u. Jugend eines Leipziger Pfeffermüllers. Leipzig 2008; Werter Herr Abgeordneter! – Ein vertraul. Briefwechsel. Berlin 2009 (mit Wolfgang Eckart). Unterhaltungskunst A – Z. Berlin 1975; Otto, R., Rösler, W.: Kabarettgeschichte. Berlin 1977; Klasen, M.: Kabarett unter Hammer u. Sichel – Kann polit. Kabarett unter einer Diktatur existieren? München 2007.Gisela Winkler

Wer war wer in DDR

Hoffmann, André

* 11.8.1961

Geb. in Berlin; 1970 mit dem Eisschnellauftraining bei der BSG Einheit Berliner Bär begonnen, anschl. bei der SG Dynamo Hohenschönhausen; ab 1974 KJS u. Mitgl. des SC Dynamo Berlin (Trainer: Joachim Franke); 1979 u. 1981 Spartakiadesieger; 1988 Olymp. Spiele: Sieger über 1.500 m mit WR (1.52,06 min); neunmaliger DDR-Mstr.; 1980 – 90 SED. Studium der Rechtswissenschaft; seit 1990 Mitgl. des Sportclub Berlin; 2003 – 06 Studium an der Trainerakademie Köln; 2006 Trainer-Diplom; Sprint-Trainer der Dt. Eisschnelllauf Gemeinschaft e. V. am Olympiastützpunkt Berlin-Hohenschönhausen; VVO.Olaf W. Reimann

Wer war wer in DDR

Hoffmann, Falk

* 29.8.1952

Geb. in Chemnitz; Fußballspieler bei Aufbau Bruckdorf; 1962 Trainingsbeginn im Wasserspringen, Mitgl. des SC Chemie Halle (Trainer: Heiner Rothe); 1966 Spartakiadesieger im Turmspringen; 1972 – 89 SED; Abg. der Stadtverordnetenvers. Halle-Neustadt, dort Mitgl. der Ständ. Kommission für Jugendfragen, Körperkultur u. Sport; 1977 EM im Kunstspringen; 1978 Vize-WM im Kunst- u. im Turmspringen; 1980 Olymp. Spiele: Sieger im Turmspringen; Chemie- dann Sportstudium an der DHfK Leipzig, Dipl.-Sportlehrer; 1983 endete die sportl. Laufbahn; Lehrer im HS-Dienst an der MLU Halle. 1990/91 Bundestrainer für Wasserspringen; internat. Kampfrichter im Wasserspringen; Verkaufsgebietsltr. eines niederländ. Sportartikelherstellers in Halle (Saale); lebt in Leipzig.Olaf W. Reimann

Wer war wer in DDR

Hoffmann, Heinz

* 28.11.1910 – ✝ 2.12.1985

Geb. in Mannheim; Vater Schlosser; 1917 – 25 Volksschule in Mannheim; 1925 – 28 Ausbildung zum u. 1928/29 Arbeit als Maschinenschlosser in Mannheim; 1925 – 30 Mitgl. des DMV, 1926 – 30 des KJVD, der RH, der Roten Sportgemeinschaft u. Naturfreunde; mehrere kurze Haftstrafen wegen »Teiln. an Demonstrationen u. Handgreiflichkeiten«; 1929 – 33 arbeitslos bzw. Gelegenheitsarbeiten; 1930 KPD; ab 1933 illeg. pol. Tätigkeit; Org.- bzw. Pol.-Ltr. der KPD-BL Baden-Pfalz; Jan./Febr. 1935 in der Schweiz; Juli 1935 Emigr. in die UdSSR; 1935/36 Internat. Lenin-Schule; 1936/ 37 Sonderlehrgang an der Offiziersschule Rjasan, Ltn.; 1937 – 39 Interbrigadist in Spanien, 11. Internat. Brigade, Ltn., dann Bat.-Kommissar des »Hans-Beimler-Bat.« (»Heinz Roth«); 1937 verwundet, 1937/38 Lazarett in Madrid, 1938/39 in Frankreich (Eaubone); April 1939 –Nov. 1940 Erholungsheim in der UdSSR; 1941 Stud. der Schule der KI (EKKI); 1941 – 44 Mitarb. des NKWD, Partisanenausbildung; 1942 pol. Arbeit in einem Kriegsgefangenenlager; 1942 – 44 Lehrer in einer Antifa-Schule im Gebiet Gorki, dann in Krasnogorsk; 1945 Ltr. einer Spezial-Polit-Schule bei Moskau (Objekt 12). Jan. 1946 Rückkehr nach Dtl. (Berlin); Mit- arb. im ZK der KPD bzw. PV der SED; Jan. 1946 persönl. Mitarb. von  Wilhelm Pieck, dann bis Sept. 1947 von  Walter Ulbricht; 1947 – 49 Org.-Sekr. der SED-Landesltg. Groß-Berlin; 1949/50 Vizepräs. der DVdI u. Ltr. der HA Polit-Kultur, Gen.-Inspekteur; 1950 – 55 Stellv. des Min. des Innern, 1950 – 52 Ltr. der HV für Ausbildung (HVA), 1952 – 55 Chef der KVP, 1.10.1952 Gen.-Ltn.; ab 1950 Abg. der Volkskammer; 1950 Kand., ab 1952 Mitgl. des ZK der SED; 1955 – 57 sowj. Gen.-Stabsakad., Dipl. rer. mil.; 1.12.1957 – 1.7.1960 1. Stellv. des Min. für Nat. Verteidigung; 1.3.1958 – 1.7.1960 zugl. Chef des Hauptstabs; 1958 Teiln. an der Außenministerkonferenz in Genf; 7.10.1959 Gen.-Oberst; 1960 – 85 Min. für Nat. Verteidigung (Nachf. von  Willi Stoph); 1.3.1961 Armee-Gen.; ab 1969 Mitgl. des Komitees der Verteidigungsmin. der Warschauer Vertragsstaaten; 1970, 1980 u. 1985 KMO; 1973 – 85 Mitgl. des PB des ZK der SED; 1973 Studium an der Gen.-Stabsakad.; 1954 VVO, 1965 Rotbannerorden (UdSSR); 1974 u. 1980 Lenin-Orden; 1974 Scharnhorst-Orden; Dez. 1975 Dr. h. c. der SED-PHS; 1975 u. 1980 Held der DDR; gest. in Berlin.Die marxist.-leninist. Lehre vom Krieg u. von den Streitkräften. Berlin 1960; Soz. Landesverteidigung. Aus Reden u. Aufsätzen. 5 Bde. Berlin 1971 – 1983; Mannheim, Madrid, Moskau. Erlebtes aus drei Jahrzehnten. Berlin 1981; Moskau, Berlin. Erinnerungen. Berlin 1989. Heider, P.: H. H. – Parteifunktionär, Armeegeneral u. Verteidigungsminister. In: Ehlert, H., Wagner, A. (Hrsg.): Genosse General! Die Militärelite der DDR in biogr. Skizzen. Berlin 2003.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Hoffmann, Siegfried

* 28.9.1922 – ✝ 14.7.1999

Geb. in Mölkau (b. Leipzig), Vater Angest.; 1934 – 41 Buchhändlerlehre u. Gehilfenzeit bei der Leipziger Verlags- u. Kommissionsbuchhandlung Dörffling & Franke; 1941 RAD, danach Wehrmacht (Ostfront); 1945 – 47 amerik. Kriegsgefangenschaft. Seit 1947 bei Koehler & Volckmar (ab 1953 Dt. Buch-Export u. -Import GmbH) Leipzig tätig; dort ab 1953 zweiter Geschäftsf.; 1952 SED; ab 1955 HS-Fernstudium, Fachrichtung Außenhandel; ab 1957 im Fachbuchverlag Leipzig; dort zunächst Mitarb. der Verlagsltg. für Vertrieb/Werbung/Statistik, 1960 – 83 Verlagsltr.; 1961 – 89 Mitgl. des Vorst. des Börsenvereins der Dt. Buchhändler zu Leipzig; 1967 Vors. des Verlegeraussch. u. stellv. Vorsteher, 1971 – 83 Vorsteher (Nachf. von  Heinz Köhler); 1983 – 87 GD Buch-Export; 1988 Ruhestand; gest. in Leipzig.Bücher – meine Wegbegleiter. Erinnerungen eines Verlegers. Taucha 1998.Frank Wagner

Handbuch Deutsche Kommunisten

Hiller, Alfred Oskar

* 12.8.1903 – ✝ 2.10.1934

Geboren am 12. August 1903 in Kiel-Gaarden; von Beruf Schiffbauer, Mitglied des KJVD und der KPD, Mitte der zwanziger Jahre Sekretär der KJD in Württemberg und dort dem linken Flügel zugehörig. Hiller wurde auf dem 9. Reichskongreß des KJVD im Oktober 1925 in Halle in dessen ZK gewählt und kam im April 1927 auf dem 10. Reichskongreß in Hamburg in das Sekretariat des ZK, dort für das Ressort »Wirtschaftskampf« zuständig. Er nahm am V. Weltkongreß der KJI im August/September 1928 in Moskau teil und wurde zum Kandidaten des Exekutivkomitees der KJI gewählt. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland 1929 leitete er den KJVD-Bezirk Berlin-Brandenburg und gehörte dem Sekretariat des ZK des KJVD unter Kurt Müller an. Im Februar 1932 wurde Hiller als Nachfolger Artur Beckers Vorsitzender des ZK des KJVD. Im April 1932 im Wahlkreis Berlin zum Abgeordneten des Preußischen Landtages gewählt. In der KJVD-Führung arbeitete Hiller eng mit Kurt Müller zusammen und unterstützte Heinz Neumann und Hermann Remmele gegen Ernst Thälmann. Deshalb im Herbst 1932 aus der Führung des KJVD ausgeschaltet, mußte er auf Weisung des ZK am 5. Dezember 1932 sein Mandat im Preußischen Landtag niederlegen. Alfred Hiller starb am 2.Oktober 1934 in Hamburg. Seit April 1927 mit Johanna Hakendahl (* 8. 6. 1906 – † 27. 6. 1976) verheiratet, die von 1924 bis 1928 Agitpropleiterin des KJVD-Bezirks Wasserkante war. Sie lebte 1928/29 mit ihrem Mann in Moskau und arbeitete als Stenographin im Sekretariat des EKKI. Von 1934 bis 1937 Stenotypistin, emigrierte sie 1938 über die âSR nach Großbritannien. 1946 kehrte Johanna Hiller mit ihrem neuen Lebensgefährten Alexander Starck über Jugoslawien nach Deutschland zurück, wurde Mitglied der SED und arbeitete in der SED-Landesleitung Groß-Berlin.

Wer war wer in DDR

Hilzheimer, Ernst

* 8.4.1901 – ✝ 9.4.1986

Geb. in Stralsund; Chemiestudium in Greifswald u. Berlin; 1928 Prom. zum Dr. phil.; bis 1933 Ltr. eines Kalibetriebs; 1933 Verlust des Arbeitsplatzes (»Mischling 1. Grades«); danach bis 1945 in versch. Arbeitslagern u. KZ (Rothenförde, Volkmirsleben, Neustaßfurt). 1945 Mitbegr. der LDPD in Mecklenb.; Krs.-Vors. der LDPD in Rostock; 1947 Stadtkämmerer, Stadtrat für Finanzen in Rostock; Abg. u. Fraktionsführer der LDPD im Landtag Mecklenb.; 1951 2. Vors. des Landesverb. Mecklenb. der LDPD; 1951 vom MfS für vier Tage verhaftet; seitdem Arbeit als Chemiker; seit 1952 Betriebsltr. des Bereichs Chlor-Alkali-Elektrolyse des VEB Chem. Werke Buna-Schkopau; 1966 wiss. Mitarb. im VEB Buna; seit 1969 wieder in Rostock; Mitgl. des NR der NF; 1971 – 74 stellv. Vors. des Krs.-Aussch. Rostock der NF; 1971 – 76 Mitgl. des Sekr. des Krs.-Vorst. Rostock der LDPD.Über komplexe Verbindungen des dreiwertigen Vanadiums. Berlin 1928.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Hinkel, Friedrich W.

* 28.12.1925 – ✝ 12.6.2007

Geb. in Berlin; Vater Kfm.; nach Besuch der Oberrealschule 1943 – 45 RAD u. Wehrmacht. 1945 – 47 Ausbildung zum Maurer u. Zimmermann; 1947 – 50 Studium an der Ing.-Schule Magdeburg, Abschl. als Hochbauing.; nach Tätigkeiten als Baultr. u. Statiker 1952 Architekt zunächst beim FDGB-Bundesvorst., anschl. bis 1959 an der DBA; Teiln. am Wiederaufbau der Dt. Staatsoper Berlin u. der Entw. der Großplattenbauweise in Hoyerswerda; 1960 – 90 wiss. Mitarb. am Inst. für Alte Geschichte u. Archäol. der DAW bzw. AdW; 1960 – 62 Teiln. an zwei Grabungskampagnen im Sudan; 1962 – 64 im Auftrag der Suda- nes. Altertumsverw. u. a. Abbau von vier ägypt. Tempeln u. Transport nach Khartoum; 1965 – 73 Architekt des Sudan Antiquities Service; 1973 – 75 Berlin; 1976 – 85 tätig für die GD der Altertümer u. Nat. Museen im Sudan, Restaurations- u. Rekonstruktionsarbeiten an den Pyramiden von Meroë, Ltg. der Ausgrabung u. Dokumentation des Sonnentempels von Meroë u. a.; 1980 Prom. an der AdW; 1981 Konsultationen für die UNESCO am Museum in Tripolis (Libyen); 1986 Wahl in den Vorst. der Internat. Society for Nubian Studies; 1985 – 88 Konsultant beim Directorate General of Antiquities and Museums im Sudan. Seit 1995 erneute archäolog. Tätigkeit im Sudan; 1992 Bundesverdienstkreuz; 1998 Order of the Two Niles (höchste Auszeichnung der Rep. Sudan); gest. in Berlin.Tempel ziehen um. Leipzig 1966; The Archaeological Map of Sudan. 3 Teile. Berlin 1977 – 92; Auszug aus Nubien. Berlin 1978.Hans-Georg Bartel / Ilko-Sascha Kowalczuk

Handbuch Deutsche Kommunisten

Hippe, Oskar

* 1.4.1900 – ✝ 13.3.1990

Geboren am 1. April 1900 in Lützendorf/Krs. Querfurt, jüngstes von elf Kindern einer Eisenbahnerfamilie. Tischlerlehre, dann Metallarbeiter (Rohrleger) in Berlin. 1918 Soldat, Anschluß an den Spartakusbund, Mitglied der KPD. Hippe war an den Kämpfen in Berlin im Januar und März 1919 beteiligt und flüchtete anschließend nach Mitteldeutschland. 1924 Rückkehr nach Berlin, im Oktober 1926 wegen »Widerstandes gegen die Staatsgewalt« zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. In der linken Opposition der KPD aktiv, wurde Hippe 1928 aus der KPD ausgeschlossen und 1927 Mitbegründer des Leninbundes. Mit der trotzkistischen Minderheit ging er 1930 zur LO und wurde 1931 als Mitglied der Reichsleitung führender Funktionär der deutschen Trotzkisten. Als Roman Well und Adolf Senin Anfang 1933 versuchten, durch eine gefälschte Ausgabe der »Permanenten Revolution« den Zusammenbruch des deutschen Trotzkismus vorzutäuschen, wurde Hippe (gemeinsam mit Erwin Ackerknecht) ins Internationale Sekretariat der Trotzkisten gewählt. Während der ständigen inneren Auseinandersetzungen, auch Spaltungen der Trotzkisten, blieb er treuer Anhänger Trotzkis. Er baute in Berlin nach 1933 eine Widerstandsgruppe auf. Anfang Januar 1934 verhaftet, fand im November der Prozeß gegen Hippe und weitere zehn Angeklagte statt, darunter Alexander Müller, Walter Haas und andere Trotzkisten, sowie Walter Czolleck, der als Sympathisant noch KPD-Mitglied war und nach der Haft als »Halbjude« ins KZ verschleppt wurde. Hippe erhielt zwei Jahre Zuchthaus. Nach seiner Freilassung trat er wieder in Verbindung zur Reichsleitung der Trotzkisten, deren konspirative Tätigkeit in Fünfergruppen fortgesetzt wurde. Nach der Ermordung Leo Trotzkis durch einen Stalin-Agenten 1940 organisierte er eine Trauerfeier für den toten Revolutionär. Hippes Frau Gertrud, geborene Mankowski (* 4. 11. 1901), war an der illegalen Arbeit beteiligt. Bereits im Sommer 1945 gründete Hippe eine »Arbeitsgemeinschaft Neues Beginnen« in Berlin, baute 1946/47 in Halle, Merseburg und Weißenfels trotzkistische Gruppen auf und gab antistalinistische hektographierte Flugschriften, u. a. »Der Marxist«, heraus. Daraufhin wurde er im September 1948 vom NKWD verhaftet und 1949 von einem sowjetischen Militärtribunal zu zweimal 25 Jahren Arbeitslager verurteilt. Er mußte acht Jahre, u. a. in Bautzen, in Haft verbringen (wie auch sein Freund Walter Haas). Im Juli 1956 wurde er nach West-Berlin entlassen, blieb Trotzkist, war von 1956 bis 1968 Mitglied der SPD und hielt Kontakt zur IV. Internationale. 1979 erschienen seine Erinnerungen: »...und unsere Fahn’ ist rot.« Oskar Hippe starb am 13. März 1990 in West-Berlin.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Hirsch, Werner Daniel

* 7.12.1899 – ✝ 10.6.1941

Geboren am 7. Dezember 1899 in Deutsch-Wilmersdorf. Sein Vater war ein jüdischer Landgerichtsrat, seine Mutter entstammte dem Adel von Bismarck. Hirsch, der sich mit 16 Jahren von seiner Familie trennte, agitierte bereits im Gymnasium gegen den Krieg und für die USPD. Während des Weltkrieges Bekanntschaft mit Pazifisten im »Bund Neues Vaterland« und mit Hugo Haase von der USPD. 1917 Mitglied der USPD und der Spartakusgruppe. Im Januar 1918 erstmals kurzfristig verhaftet, er hatte für den Apparat von Leo Jogiches gearbeitet. Vor Kriegsende zur Marine eingezogen, an der Revolution in Kiel beteiligt. Während der Novemberrevolution Mitglied des Arbeiter- und Soldatenrates in Hamburg, Mitbegründer der Volksmarinedivision in Cuxhaven, er nahm als Vertreter Cuxhavens am Gründungsparteitag der KPD teil. Hirsch trat zusammen mit Leo Jogiches und Karl Minster in der Vorbereitungssitzung des Spartakusbundes gegen die Schaffung der neuen Partei auf. Nach dem Gründungsparteitag von der Zentrale nach Hamburg entsandt, kam er noch im Januar 1919 nach Berlin zurück, wo er kurz vor der Ermordung Karl Liebknechts und Rosa Luxemburgs verhaftet wurde. Anfang 1920 Funktionär in Schleswig-Holstein, dort während des Kapp-Putsches im März 1920 Mitglied der BL, zeitweilig auch Mitglied des ZA. Nach der März-Aktion und dem Ausschluß Paul Levis 1921 schied Hirsch aus der KPD aus. Bis 1924 Seifenstanzer, dann freier Schriftsteller, ging als Korrespondent der »Vossischen Zeitung« nach Wien. 1924 erfolgte seine Wiederaufnahme in die KPD. Von September 1924 bis Juni 1925 leitete er als Chefredakteur die »Rote Fahne« in Wien. Aus Österreich ausgewiesen, wurde Hirsch Redakteur der »Roten Fahne« in Berlin bzw. der »Sächsischen Arbeiterzeitung« in Leipzig. Von 1926 bis 1928 Redakteur bzw. Chefredakteur der KPD-Zeitung »Der Kämpfer« in Chemnitz. 1927 kurze Zeit im Gefängnis, anschließend wieder in Berlin Redakteur der »Roten Fahne«. Von 1928 bis 1930 zweiter Chefredakteur der »Roten Fahne« (neben Heinz Neumann), ab Ende 1930 Chefredakteur der »Roten Fahne«. 1932 wurde Hirsch einer der Sekretäre Ernst Thälmanns und bekam damit großen Einfluß auf die Parteipolitik. Zusammen mit Thälmann am 3. März 1933 festgenommen, ist während seiner Haft u. a. im Columbiahaus, in den KZs Oranienburg und Lichtenburg schwer mißhandelt worden. Im Reichstagsbrandprozeß mußte er als Zeuge aussagen und gab zu, ein guter Freund Thälmanns gewesen zu sein. Der »Völkische Beobachter« nannte Hirsch »den Typ jener Juden, die vom Redaktionstisch der ?Roten Fahne? aus die Arbeiterschaft ... aufhetzten«. Im Zuchthaus Brandenburg wurde er, von der SS gehaßt, brutal gefoltert, insbesondere weil er sich – wie später Heinz Altmann berichtete – als mutig und standhaft erwies. Nach Intervention seiner Mutter beim NS-Minister Hermann Göring (sie war mit Emmy Göring gut bekannt) wurde Werner Hirsch nach anderthalb Jahren aus der Haft entlassen. Er flüchtete nach Prag und anschließend in die UdSSR. Hier war er zunächst persönlicher Mitarbeiter von Wilhelm Pieck. Hirsch verfaßte eine Broschüre über die NS-Verbrechen in den KZs, die 1934 von der KPD verbreitet wurde. Er bekam in Prag und dann in Moskau enge Verbindung zu Kreszentia (Zensl) Mühsam, der Witwe des von den Nazis im Juli 1934 ermordeten Anarchisten Erich Mühsam. Auch sie geriet in die Stalinschen Säuberungen und wurde als angebliches Mitglied der »trotzkistischen« und »terroristischen« Organisation von Max Hoelz und Erich Wollenberg verhaftet. Hirsch wurde nicht nur wegen dieser Beziehung beschuldigt, sondern ihm wurde auch vorgeworfen, im Reichstagsbrandprozeß wie ein »Agent Hitlers« aufgetreten zu sein. Vom Politbüro der KPD bekam er deswegen am 15. April 1935 eine »scharfe Rüge«. Seine Situation verschlimmerte sich so sehr, daß er im Juli 1936 bei der Komintern den Antrag stellte, aus dem Parteidienst entlassen zu werden und nach Paris ausreisen zu dürfen. Das machte ihn noch verdächtiger, obwohl er immer wieder seine Parteiergebenheit betonte und sich gegen die Anschuldigungen von Hans Kippenberger und anderen verwahrte, statt dessen beschuldigte er nun seinerseits diesen und weitere führende Kommunisten des »Verrats«. Sofort nach dem Schauprozeß gegen Grigori Sinowjew im August 1936 ging Hirsch mit einem »Memorandum« in die Offensive. Darin griff er Kippenberger, aber auch Leo Flieg, Heinz Neumann und Hermann Remmele als »prinzipielle Parteischädlinge« an. Am 4. November 1936 wurde Hirsch vom NKWD verhaftet. Ihm wurde vorgeworfen, »konterrevolutionären trotzkistischen« Gruppen anzugehören und »terroristische Anschläge« vorbereitet zu haben. Hirsch weigerte sich trotz der Folterungen, ein »Geständnis« abzulegen und beschwor seine Treue gegenüber der Partei. Bei den Verhören am 23.November 1936 und selbst noch am 17.Juni 1937 beharrte er darauf, die Anschuldigungen widersprächen »vollkommen den Tatsachen«. (Vgl. die ausführlichen Belege bei R. Müller, »Menschenfalle Moskau«, 2001.) In der Anklageschrift gegen Hirsch hieß es darüber hinaus, »daß er Agent des Abwehrdienstes der Reichswehr ist und Gen. Thälmann der Polizei auslieferte«. Trotz Haft und Folter bestritt er in der kurzen Verhandlung vor dem Obersten Gericht der UdSSR am 10. November 1937 jede Schuld, dennoch zu zehn Jahren Lagerhaft verurteilt und auf die berüchtigte Gefängnisinsel Solowezki transportiert. Dort hat er (nach dem Bericht des Mithäftlings Karlo Stainer) »heldenhaft« gekämpft, mehrere Hungerstreiks geführt und mußte 105 Tage in Einzelhaft im Karzer verbringen. Unter den Schikanen der NKWD-Wachmannschaften hatte er ganz besonders zu leiden, war 1941 so schwach, daß er sich kaum noch bewegen konnte. Hirsch wurde noch ins Moskauer Butyrka-Gefängnis überführt. Ob er nach NS-Deutschland ausgeliefert werden sollte, ist unbekannt, denn der kranke Werner Hirsch starb am 10.Juni 1941 in der Moskauer Haft, angeblich an Herzversagen.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Hochmuth, Walter

* 14.02.1904 – ✝ 28.12.1979

Geboren am 14. Februar 1904 in Reichenbach/ Vogtland, Sohn eines Bahnbeamten; kaufmännische Lehre. 1925 Mitglied des KJVD und der KPD. Von 1931 bis 1933 Abgeordneter der Hamburger Bürgerschaft. 1933 Volontär bei der »Hamburger Volkszeitung«, übernahm im März die Leitung der Zeitung. Hochmuth gehörte bis zu seiner Emigration nach Dänemark im August 1934 zur illegalen Leitung der Hamburger KPD. Von März bis Juni 1938 war er in den Niederlanden inhaftiert, im Juni 1938 nach Belgien abgeschoben, bei Kriegsausbruch im September 1939 bis 1942 im südfranzösischen Lager Gurs interniert. Ende 1942 Auslieferung nach Deutschland, hier bis Januar 1944 in Untersuchungshaft. Am 21. Juli 1944 verurteilte ihn der VGH in Potsdam zu fünf Jahren Zuchthaus. Im April 1945 aus dem Zuchthaus Brandenburg befreit, wurde Hochmuth im Sommer d. J. Leiter der Personalabteilung in der Deutschen Verwaltung für Post- und Fernmeldewesen bzw. der DWK. Hochmuth bekam wegen seiner Westemigration zeitweise »Schwierigkeiten« und wurde Ende 1949 als Prokurist in die Deutsche Handelsgesellschaft abgeschoben. Ab April 1956 stellvertretender, ab 1957 Leiter der DDR-Handelsvertretung in Djakarta/Indonesien. Von 1959 bis 1963 Legationsrat bzw. ab Juni 1962 Generalkonsul und Leiter der DDR-Vertretung in Bagdad/Irak. 1965 Nachfolger Karl Schirdewans als Leiter der Staatlichen Archivverwaltung der DDR in Potsdam, er erhielt 1974 den VVO in Gold. Walter Hochmuth starb am 28. Dezember 1979 in Ost-Berlin.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Höcker, Wilhelm

* 29.6.1886 – ✝ 15.11.1955

Geb. in Holzendorf (Krs. Neubrandenb.); Vater Zimmermann; 1893 – 01 Volksschule in Woldegk; 1901 – 04 Ausbildung zum Kfm. in Brüssow; 1905 Verkäufer in Penzlin; 1905 – 08 Militärdienst in Rostock; 1909/10 Bürogehilfe in Hamburg; 1911 tätig im elterl. Geschäft; 1911 – 14 u. 1918/19 Lagerhalter der Konsumgenossenschaft in Güstrow; 1911 SPD; 1914 – 18 Wehrdienst, Gefr.; 1919/20 Vors. der Krs.-Behörde für Volksernährung in Güstrow; 1920 – 32 Amtshauptmann (Landrat) des Krs. Güstrow, entlassen; 1920 – 33 Abg. des Mecklenb. Landtags; ab 1926 Präs. bzw. I. Vizepräs. u. zeitw. Vors. des Hauptaussch.; 1933 – 45 selbst. Tabakwarenhändler in Güstrow; 1940 – 45 Zivilang. der Luftwaffe; nach dem 20.7.1944 drei Wochen inhaftiert. 1945/46 SPD/SED; 1945 Stellv. OB von Güstrow; 1945/46 Präs. der Landesverw. Mecklenb.; Dez. 1946 – Juli 1951 Min.-Präs., Rücktritt aus gesundheitl. Gründen; 1945/46 SPD-Landesvorst.; 1946 Mitgl. der SED-LL, ab 1949 des kleinen Sekr.; 1947 Ehrenpräs. der DSF Mecklenb.; 1948/49 Mitgl. des Dt. Volksrats, 1949/50 der Prov. Volkskammer; 1951/52 Ruhestand; Fernstudium an der DASR Potsdam; 1952/53 1. Stellv. Vors. des DRK Rostock; 1953 Bez.-Vors. der DSF in Güstrow; 1954/55 Abg. der Länderkammer der DDR sowie des Bez.-Tags Schwerin; gest. in Güstrow.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Hoernle, Edwin

* 11.12.1883 – ✝ 21.7.1952

Geb. in Cannstatt (Württemberg); Vater Pfarrer u. Missionar; 1889 Rückkehr aus Indien nach Beimbach; 1890 – 96 Privatunterricht, 1896 – 02 Lateinschule in Schorndorf, Gymnasium in Ludwigsburg u. Stuttgart; 1903 Militärdienst; 1904 – 09 Studium der Theol., Philos. u. Geschichte in Tübingen u. Berlin, kurzz. Vikar; 1909 Bruch mit Kirche u. Familie; 1909 – 11 Privatlehrer u. freier Schriftst. in Berlin; 1910 – 15 SPD; 1912 – 14 stellv. Chefred. der SPD-Ztg. »Schwäb. Tageswacht«; nach Maßregelung durch den SPD-Landesvorst. Entlassung; Teiln. am Aufbau der Freien Jugend; Engagement in der Abstinenzlerbew.; 1914 Chefred. der Stuttgarter Ztg. »Sozialdemokrat«; Chefred. der Jugend-Ztg. »Morgenrot«; ab März 1915 Ltr. des Druckschriftenvertriebs der Gruppe »Internationale« u. stellv. Chefred. der Frauenztschr. »Gleichheit«; 1915 Veröff. von Fabeln in der Ztschr. »Lichtstrahlen« (Ps. Oculi); 1916 Spartakusbund; 23./24. April 1916 Delegierter der Stuttgarter Jungsozialisten zur illeg. Konferenz der opp. soz. Jugend in Jena; Juni 1916 Verhaftung; Aug. 1916 strafweise Verschickung an die Front; April 1917 Verhaftung u. Strafkdo. wegen Verbreitung der »Spartakusbriefe«; Okt. 1918 Lazarettaufenthalt in Stuttgart; 1918/19 Mitgl. des Stuttgarter Arbeiter- u. Soldatenrats u. Chefred. der »Roten Fahne«; Jan. – Juni 1919 Haft auf der Festung Ulm u. Hauptangeklagter im sog. Stuttgarter Kommunistenprozeß, Freispruch; 1919/20 Mitbegr. u. Ltr. der KPD in Württemberg u. Chefred. der Ztg. »Kommunist« u. »Der Pflug«; ab 1920 Ltr. der Abt. Land des ZK der KPD; 1920 Mitbegr. der Kommunist. Kindergr., redigierte im Auftrag der KJI die Kinderztg. »Der junge Genosse« u. das theoret. Organ »Das proletar. Kind«; schrieb 1921 den Liedtext »Brüder, seht die rote Fahne ...«; 1921 – 24 Mitgl. der Zentr. der KPD; 1921/22 außerdem Ltr. der Abt. Bildung (Prop.); 1922/23 Vertreter der KPD beim EKKI in Moskau, dann wieder Ltr. der Abt. Land; Anhänger der von Ernst Meyer geführten »Mittelgr.«; 1924 – 33 MdR; 1925 als Instrukteur der KI in Norwegen, Niederlanden u. Großbritannien; 1925 Mitgl. des Kinderbüros der KJI; 1926 führend beteiligt an der Ausarbeitung des agrarpol. Aktionsprogramms der KPD »Das Gesicht dem Dorfe zu«; 1927/ 28 Chefred. der »Süddt. Ztg.« in Stuttgart; ab 1928 für die agrar- u. schulpol. Arbeit der KPD-Reichstagsfraktion von der hauptamtl. Parteitätigkeit freigestellt; 1931 Mitautor des Bauernhilfsprogramms der KPD; ab April 1933 für die KPD in der Schweiz tätig; Dez. 1933 – Nov. 1940 Mitarb. im Internat. Agrarinst. in Moskau; bis 1935 stellv. Dir., dann Ltr. der Abt. Zentraleuropa u. Skandinav. Länder; nach Kritik durch das Parteikomitee des Inst. ab 1936 Ref. für Dtl.; 1938 Aberkennung der dt. Staatsbürgerschaft; 1938 wirtschaftswiss. Prom. an der AdW der UdSSR; 1940 wiss. Mitarb. am Inst. für Weltwirtschaft u. Weltpol. der AdW; 1941 in der Sonderfahndungsliste »UdSSR« der Gestapo erfaßt; Okt. 1941 Evakuierung nach Taschkent; Arbeiten zur nat. Frage u. zur dt. Geschichte; 1942 Versetzung zur KI, dann Lehrer an der Kriegsgefangenenschule in Oranki; 1943 Mitgl. einer von der KPD-Ltg. initiierten Arbeitsgr. über Bauernfragen; Juli 1943 Gründungsmitgl. des NKFD; vom RKG wg. »Hochverrats« in Abwesenheit zum Tode verurteilt; 1944 Mitarb. am Nachkriegsprogramm d. KPD, inbes. f. Agrarfragen. Mai 1945 Rückkehr nach Dtl.; 1. Stellv. des Ltr. der Abt. Ernährung des Senats von Groß-Berlin; Mitunterz. des Aufrufs der KPD vom 11.6.1945; Juli 1945 2. Vizepräs. der Provinzialverw. Brandenb. für Ernährung, Landw. u. Forsten; Aug. 1945 – 49 Präs. der Dt. ZV bzw. HV Land- u. Forstw. der DWK; maßgebl. beteiligt an Konzeption u. Durchführung der Bodenreform; 1945 Mitbegr. der Wochenztg. »Der freie Bauer«; 1949 auf eigene Bitte Entbindung von den staatl. Funktionen; Sept. 1945 Vizepräs. für Forschung der DVA; Prof. u. Dekan der Agrarpol. Fak.; 1951 Ord. Mitgl. der DAL; gest. in Bad Liebenstein.Ocull-Fabeln. Stuttgart 1920; Die Industrialisierung der dt. Landw. Berlin o. J. (1928); Grundfragen der proletar. Erziehung. Berlin 1929; Die Bodenreform – ein Weg zu Demokratie und Frieden. Berlin 1946; Rote Lieder. Berlin 1968; Edwin Hoernle zum Bündnis zwischen Arbeitern und Bauern. Auswahl seiner agrarpol. Reden und Schriften 1928 – 1951. Berlin 1972. Mehnert, W.: Der Beitrag E. H. zum schulpol. u. pädagog. Kampf der KPD in der Zeit der Weimarer Rep. (1919 – 1929). Berlin 1958; E. H. – ein Leben für die Bauernbefreiung. Mit einem Vorwort von W. Ulbricht und einer Auswahl seiner agrarpol. Schriften. Berlin 1965 (mit Bibl.).Peter Erler / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Hoffmann, Ernst

* 19.9.1909 – ✝ 1.10.1984

Geb. in Berlin; Vater Gürtler u. Metallarb., Mutter Dienstmädchen u. Fabrikarb.; Volksschule in Berlin; 1924 – 28 SAJ; 1924 – 26 Ausbildung zum Kesselschmied im RAW Berlin-Tempelhof; 1928 – 30 im Beruf u. als Rohrleger tätig; 1928 SPD; 1928 – 30 SAJ-Werbebez.-Ltr. in Berlin-Neukölln; 1930 – 33 arbeitslos; 1930/31 Besuch der Staatl. FS für Wirtsch. u. Verw. in Berlin; ab 1933 illeg. Arbeit, Mitgl. der Gruppe Helmut Bock/Rudolf Zimmermann in Berlin-Neukölln (»Fritz Körner«); 1933 – 34 Straßenbuchhändler; Mitarb. einer Buchhandlung; 21.9.1934 Verhaftung wegen »Vorber. zum Hochverrat«, U-Haft in Moabit, bis 20.10.1937 Haft im Zuchthaus Brandenb.-Görden; anschl. Ausbildung zum Rohrleger; in dieser Zeit illeg. pol. Arbeit in der Gruppe Emil Wölk/Harry Wachtel; ab Okt. 1942 Strafbat. 999; 1943 – 46 amerik. Kriegsgefangenschaft; zul. Camp Butner in North Carolina (USA), dort zeitw. Lehrer. März 1946 Rückkehr nach Dtl.; SPD/SED; Jugend-Sekr. im SPD-ZA; 1946 – 54 Mitgl. des PV bzw. des ZK der SED; 1946 – 50 Mitgl. des ZR der FDJ; 1946 – 48 Jugendsekr. u. stellv. Ltr., ab Okt. 1947 neben  Paul Verner gleichber. Ltr. der Abt. Jugend im ZS der SED; Mitgl. des SED-KV Berlin-Neukölln; 1948 – 52 2. Sekr. der SED-Landesltg. Groß-Berlin u. 2. Vors. des Landesaussch. der NF; ab 1949 Abg. der (Prov.) Volkskammer; 1950 – 67 Berliner Vertreter in der Volkskammer; Juni 1952 – 54 Ltr. der HA Bildende Kunst in der Staatl. Kommission für Kunstangelegenh.; 1954 – 59 Ltr. der HA Kulturelle Massenarbeit bzw. der HA Örtl. Organe, Inspektion u. Grundsatzfragen des Min. für Kultur; 1959 – 63 Hauptdir. der VVB Film Berlin; 1962/63 Ltr. der HA Film im Min. für Kultur; ab 1963 Abg. der Volkskammer; 1963 – 67 Stadtrat für Kultur, Körperkultur u. Sport im Berliner Magistrat, Ltr. der Abt. Kultur; 1967 – 71 HA-Ltr. für kulturelle Beziehungen im Min. für Kultur; 1971 Rentner; ab 1976 Mitgl. der Zentr. Kommission zur Betreuung alter verdienter Parteimitgl. beim PB des ZK der SED; 1974 VVO; 1979 Ehrenspange zum VVO.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Hoffmann, Günter

* 8.12.1932

Geb. in Frankleben; Vater Chemiewerker; Grundschule; 1949 – 52 Ausbildung zum Elektromotorenschlosser; 1953 – 55 Studium an der FS Velten-Hohenschöpping, Ing.; ab 1955 im VEB Lokomotivbau Elektrotechnische Werke (LEW) »Hans Beimler« Hennigsdorf, 1955 – 59 Produktionsplaner, 1959 – 63 Abt.-Ltr., 1963 – 68 Absatzltr.; 1965 SED; 1969 Dir. für Absatz, 1970 – 73 Dir. für Absatz u. Außenhandel im LEW Hennigsdorf; 1973 1. Stellv. des GD, 1975 1. Stellv. des GD u. Dir. für Absatz u. Außenhandel, 1983 – 90 GD des Kombinats VEB Lokomotivbau Elektrotechnische Werke Hennigsdorf.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Hoffmann, Jan

* 26.10.1955

Geb. in Dresden; begann mit dem Eiskunstlauf bei der BSG Einheit Verkehrsbetriebe Dresden; 1963 Wechsel zum SC Einheit Dresden (Trainerin Annemarie Halbach); 1966 Spartakiade-Zweiter (Schüler B), danach Wechsel zum SC Karl-Marx-Stadt (Trainerin  Jutta Müller); achtmal DDR-Mstr. (1971, 74, 1976 – 80); Olympia-Teiln.: 1968 (26. Pl., mit 12 Jahren u. 110 Tagen jüngster Teiln. Olymp. Winterspiele aller Zeiten), 1972 (6. Pl.), 1976 (4. Pl.), 1980 (Silber); 1974 u. 1980 WM, 1977 u. 1978 Vize-WM, 1973, 1976 u. 1979 WM-Bronze; EM 1974 u. 1977 – 79; Abitur an der KJS Karl-Marx-Stadt; ab 1978 Studium der Medizin an der HU Berlin, der Med. Akad. Dresden u. in Moskau; ab 1980 Preisrichter, 1987 Intern. Preisrichter. Seit 1992 niedergelassener Facharzt für Orthopädie in Radeberg; 2000 – 02 2. Stellv. Vors. der Dt. Eislauf-Union (vorzeitiger Rücktritt); lebt in Dresden-Langebrück.Volker Kluge

Wer war wer in DDR

Hoffmann, Theodor

* 27.2.1935

Geb. in Gustävel (Krs. Wismar); Vater Landarb.; Grundschule; 1949/50 Landarb.; 1950/51 Landw.-Lehre; 1951/52 hauptamtl. Pionierltr.; 12.5.1952 als Matrose zur Seepolizei, Offiziersschule der VP-See; 1955 Unter-ltn. z. S.; 1956 SED; bis 1959 Kommandant eines Schul- bzw. Torpedoschnellboots u. Chef einer TS-Bootsgr.; 1960 – 63 Seekriegsakad. der UdSSR, Dipl. rer. mil.; 1964 Stabschef, dann Chef einer Raketenschnellbootsbrigade, Korv.-Kapitän; 1968 Stabschef, anschl. Chef einer Flottille, Kapitän z. S.; 1974 Stellv. des Chefs des Stabs der Volksmarine für operative Arbeit; 1977 Konteradmiral; 1985 Stellv. des Chefs der Volksmarine, zuerst als Chef für Ausbildung, dann des Stabs; 1987 Stellv. des Min. u. Chef der Volksmarine (Nachf. von  Wilhelm Ehm), 1987 Vizeadmiral; 16.11. 1989 Admiral; 18.11.1989 – 18.4.1990 Min. bzw. (ab 19.3.1990) amt. Min. für Nat. Verteidigung (Nachf. von  Heinz Keßler); 20.11. 1989 Durchführung einer Kdr.-Tagung zur Einleitung der Militärreform; 18.4. – 15.9.1990 Chef der NVA; 24.9.1990 Vorruhestand. 1990 – 2003 als Unternehmensberater tätig.Das letzte Kdo. – Ein Min. erinnert sich. Herford 1993; Kdo. Ostsee. Vom Matrosen zum Admiral. Berlin 1995. Ehlert, H.: T. H. – Mecklenburger, Marineoffizier, Minister. In: Ehlert, H., Wagner, A. (Hrsg.): Genosse General! Die Militärelite der DDR in biogr. Skizzen. Berlin 2003.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Hilmer, Richard

* 26.5.1885

Geboren am 26. Mai 1885 in Halle/Saale; lernte Dreher, später Expedient. Ab 1906 Mitglied der SPD, seit 1920 in der KPD. Er war von 1921 bis 1929 in der Berliner Bezirksversammlung Prenzlauer Berg und dann 1929 bis 1933 in der Stadtverordnetenversammlung von Groß-Berlin. Hilmer unterschrieb im Februar 1930 den kritischen »Brief der 60« oppositionellen Berliner Funktionäre und wurde aus der KPD ausgeschlossen. Er arbeitete am Organ »Mitteilungsblatt der Gruppe Unabhängiger Kommunisten Deutschlands (60 Ausgeschlossene)« mit. Im Februar 1931 gehörte er zu jenen 30 Funktionären, die im SPD-Organ »Vorwärts« (s. Hermann Letz, Erich Raddatz, Frieda Rosenthal) aus Protest gegen die ultralinke Politik der KPD ihren Eintritt in die SPD bekannt gaben. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten stand er unter Beobachtung der Gestapo. Der weitere Lebensweg von Richard Hilmer konnte nicht ermittelt werden.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Himmelheber, Else

* 30.1.1905 – ✝ 27.11.1944

Geboren am 30. Januar 1905 in Stuttgart-Ostheim, bei Kriegsende schloss sie sich der FSJ an und leitete den Jungspartakusbund in Stuttgart. Seit 1926 in der KPD, hielt sie beim XI. Reichsparteitag im Jahre 1927 in Essen ein Referat über die Frauenarbeit und zog Ende 1928 nach Berlin. Nach einem längeren Aufenthalt in der Sowjetunion hauptamtliche Mitarbeiterin im ZK der KPD, Abteilung Frauen. Sie war Hauptrednerin auf dem Kampfkongreß der Frauen von Rhein und Ruhr im Herbst 1931 in Düsseldorf. Anfang September 1932 beendete sie ihre hauptamtliche Tätigkeit im ZK, meldete sich erwerbslos und leistete 1933 illegale Arbeit mit Karl Fischer bei der Reorganisation der KPD in Kassel. Am 20. November 1933 wurde Else Himmelheber festgenommen und am 29. Juni 1934 vom OLG Kassel zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt, anschließend in das KZ Moringen überführt. Dort 1938 freigelassen durch einen Befehl des SS-Reichsführers Heinrich Himmler, der jedes Jahr nach Moringen kam und scheinbar willkürlich entschied, welchen Häftlingen er die Freiheit schenkte. Ein Kriterium allerdings traf auf alle Amnestierten zu: Himmler begnadigte nur Blondinen. Else Himmelheber färbte sich nach ihrer Freilassung die Haare schwarz, weil sie dem Rasse-Ideal der Nazis nicht entsprechen wollte. In die elterliche Wohnung nach Stuttgart zurückgekehrt, traf sie 1943 Friedrich Schlotterbeck wieder, mit dem sie seit der KJVD-Zeit befreundet war. Im Mai 1944 – eine Woche vor dem geplanten Hochzeitstermin – mußten beide auf getrennten Wegen wegen ihrer illegalen Arbeit vor der Gestapo fliehen. Friedrich Schlotterbeck gelang die Flucht in die Schweiz, Else Himmelheber wurde im Zug verhaftet und in der Stuttgarter Gestapozentrale monatelang verhört und gefoltert, weil sie Angaben über ihre Verbindungen und Untergrundtätigkeit verweigerte. Am 27. November 1944 wurde sie von Stuttgart nach Dachau transportiert. Dort wurde Else Himmelheber am 30. November 1944 ermordet. Die Eltern ihres Verlobten Friedrich Schlotterbeck und dessen Schwester wurden in Stuttgart hingerichtet.

Wer war wer in DDR

Hintze, Fritz

* 18.4.1915 – ✝ 30.3.1993

Geb. in Berlin; Vater Reichsbahninspektor; Reformgymnasium, Abitur; 1935 bis 1940 Studium der Ägyptol., semit. Sprachen u. allg. Sprachwiss. an der Univ. Berlin; 1936 – 40 wiss. Hilfsarb. beim ägypt. Wörterbuch an der Preuß. AdW; 1940 – 45 Militärdienst, Ltn.; 1944 Prom. an der Univ. Berlin. 1945 – 47 wiss. Mitarb. beim ägypt. Wörterbuch an der DAW; 1947 Habil. an der Univ. Berlin; 1947 – 54 wiss. Mitarb. am Inst. für Orientforschung der DAW; 1947 Doz., 1951 Prof. mit Lehrauftrag, 1953 Prof. mit vollem Lehrauftrag u. Dir. des Inst. für afrikan. Sprachen; 1956 Prof. mit Lehrstuhl für Ägyptol.; 1957 Dir. des Inst. für Ägyptol.; 1960 NP; 1963 Dir. des Inst. für Afrikanistik an der HU Berlin; 1968 Dir. des Bereichs für Ägyptol. u. Sudanarchäol.; 1959 Korr., 1961 Ord. Mitgl. der DAW; 1965 – 69 Dir. des Inst. für Orientforschung der DAW (Nachf. von  Walter Ruben); 1957 Ord. Mitgl. des Dt. Archäolog. Inst. München; 1959 der Soc. Française d’Egyptologie Paris; 1958 – 69 wiss. Expeditionen nach Afrika, u. a. 1960 – 65 Ltr. der Ausgrabungen in Musawwarat es Sufra (Sudan); 1961 – 63 Nubien-Expeditionen der DAW; Vizepräs. der Urania; gest. in Berlin. Veröff. über die ägypt. Sprache u. zur allg. Sprachwiss., Neubelebung der Erforschung der meroit. Sprachen; Hrsg. versch. Ztschr. u. wiss. Reihen.Alte Kulturen im Sudan. Berlin 1966; Musawwarat es Sufra. 2 Bde. Berlin 1971.Ilko-Sascha Kowalczuk

Wer war wer in DDR

Hirsch, Karl-Georg

* 13.5.1938

Geb. in Breslau (Wrocław, Polen); 1945 Umsiedl. nach Leipzig; 1952 – 60 Ausbildung u. Tätigkeit als Stukkateur; 1960 – 65 Studium an der HS für Grafik u. Buchkunst Leipzig bei  Gerhard Kurt Müller; 1965 – 67 freischaff. in Leipzig, Beginn einer umfgr. Illustrationsarbeit vorwiegend im Holzstich, den K.-G. H. zu seinem spezif. Ausdrucksmittel entwickelte, seit den 70er Jahren auch verstärkte Hinwendung zu freier Grafik; ab 1967 Ass. an der HS für Grafik u. Buchkunst Leipzig; seit 1970 Ltr. der Holzschnittwerkstatt; ab 1976 Lehrtätigkeit u. 1989 Prof.; 1978 – 87 Vors. der Zentr. Grafikgr. des VBK; 1976 Kunstpreis der DDR; 1980 Hauptpreis der Intergrafik Berlin; 1981 Hauptpreis der Biennale Brno u. der Graphica Creativa Jyväskylä (Finnland); 1981 / 82 Gastdoz. für Holzschnitt u. Holzstich in Jyväskylä; 1982 Hauptpreis der IBA Leipzig; 1983 NP; 1985 Hauptpreis der Internat. Grafik-Biennale in Łódź. Nach 1990 Forts. seiner Lehrtätigkeit an der HS für Grafik u. Buchkunst in Leipzig, 1990 – 94 Prorektor u. 1997 – 2000 Dekan des Fachbereichs Buchkunst / Grafik-Design; 1993 Mitgl. der Königl. Akad. der Wiss., Lit. u. schönen Künste Belgiens; zahlr. Ausstellungen (u. a. Kunsthaus Lübeck, 1995; »ExLibris«, Bartaus Pettenbach, 2008; »Verschlüsselte Botschaften – K.-G. H. zum 70. Geb.«, Museum für Kommunikation Berlin, 2008), u. Buchillustrationen (u. a. Kerstin Hensel: Totentänze. Leipzig 1998; Neue Totentänze. Frankfurt (Main) 2002; 2003 em.; lebt in Leipzig.Hütt, W.: K.-G. H. In: Künstler der DDR. Dresden 1981; Kat. Buchgrafik von K.-G. H. Schloß Burgk 1987; Kat. K.-G. H. Druckgrafik u. Zeichnungen. Coburg 1988; Lauer, B. (Hrsg.): K.-G. H.: Zeichnungen u. Graphik. Kassel 1990; Kästner, H., Lübbert, H.: K.-G. H. Das buchgraph. Werk 1996 – 2007. Rudolstadt 2008.Dieter Gleisberg / Ingrid Kirschey-Feix

Wer war wer in DDR

Hirschmeier, Alfred

* 19.3.1931 – ✝ 27.3.1996

Geb. in Berlin-Pankow; Vater Schuhmacher; Grund- u. Mittelschule; 1947 Beginn des Studiums an der HS für bildende u. angewandte Kunst in Berlin-Weißensee; 1952 Abschl. als Bühnen- u. Kostümbildner an der Mstr.-Schule für Kunsthandwerk Berlin; 1953 – 55 Assistent bei den Filmarchitekten Willi Schiller u. Otto Erdmann sowie 1953 – 89 Szenograph im DEFA-Studio für Spielfilme Potsdam-Babelsberg; 1986 – 90 Mitgl. der AdK; seit 1989 Lehrauftrag an der HS für Film- u. Fernsehkunst »Konrad Wolf« in Potsdam-Babelsberg. 1990 – 94 Chefszenenbildner u. Ltr. des Ausstattungszentrums des Studios Babelsberg GmbH; 1992 durch Neuwahl Mitgl. der AdK Berlin-Brandenb.; 1994 Ord. Prof. an der HS für Film u. Fernsehen »Konrad Wolf«, Ltr. der Fachrichtung Szenographie. Filmszenograph u. a. von  Kurt Maetzig (1956 »Schlösser u. Katen«),  Frank Beyer (1963 »Karbid u. Sauerampfer«, 1982 »Der Aufenthalt«, 1992 »Das große Fest«, 1994 »Wenn alle Dt. schlafen«),  Konrad Wolf (1964 »Der geteilte Himmel«, 1965 »Der kleine Prinz«, 1967 »Ich war neunzehn«, 1970 »Goya«, 1973 »Der nackte Mann auf dem Sportplatz«, 1976 »Mama, ich lebe«, 1979 »Solo Sunny«), Peter Schamoni (1986 »Der Wanderer über dem Nebelmeer«), Bernhard Wicki (1984 »Die Grünstein-Variante«),  Rainer Simon (1986 »Wengler & Söhne«, 1988 »Die Besteigung des Chimborazo«),  Lothar Warneke (1988 »Einer trage des anderen Last«); 1995 »Nikolaikirche« (Ausstattung); gest. in Babelsberg. Ausstellungen: 1962 Prag, 1963 Belgrad, 1971 Moskau, 1982 Dresden (IX. Kunstausstellung), 1989 Berlin (AdK), 1990 Hamburg; NP 1963, 1971 (im Koll.) u. 1978; 1996 Filmband in Gold posthum.Spielräume. Aus der Werkstatt des Filmszenographen A. H. Berlin 1989 (hrsg. von der AdK der DDR).Aune Renk

Wer war wer in DDR

Hockarth, Paul

* 21.6.1902 – ✝ 7.1.1974

Geb. in Langensalza (Thür.); Vater Arbeiter; Volksschule; Lehre u. Arbeit als Schriftsetzer; 1917 USPD; 1919 UB-Ltr. der FSJ in Gotha; 1920 KPD; Instrukteur der KJI in Österreich; zeitw. Bez.-Ltr. des KJV in Tirol-Vorarlberg; ab Nov. 1920 Pol.-Ltr. des KJV-UB Gotha, 1923 Mitgl. der KJVD-BL Thür.; 1924 sechs Wochen Haft wegen Herstellung der illeg. Ztg. »Rev.«; 1924 – 33 Mitgl. der KPD-BL (Groß-) Thür., zeitw. Agit./Prop.- bzw. Pol.-Ltr. des UB Weimar; 1925 – 30 techn. Ltr. der »Neuen Ztg.« in Jena; 1928 – 31 techn. Ltr. der Peuvag (Papiererzeugungs- u. Verwertungs-AG) in Jena; 1931 – 33 Geschäftsf. der Druckerei Fortschritt in Erfurt; ab Febr. 1933 illeg. Arbeit; März – Juli 1933 sowie Nov. 1933 – Mai 1934 »Schutzhaft« in Erfurt u. KZ Bad Sulza; 25.5.1934 Verurteilung durch das OLG Jena wegen »Vorber. zum Hochverrat« zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus, Haft im Zuchthaus Untermaßfeld u. im KZ Bad Sulza; 1938 – 42 Schriftsetzer in Weimar, 1942 Wehrmacht, Strafbat.; 1945 amerik. Kriegsgefangenschaft. 1945 – 49 Mitbegr. u. Ltr. des Thür. Volk-Verlags; 1946 SED; 1949 Ltr. der Abt. Verw. der Parteibetriebe (Druckereien u. Verlage des SED-PV); 1950 – 51 Geschäftsf. der Zentrag; dann bis 1967 stellv. Ltr. der Abt. Finanzverw. u. Parteibetriebe des ZK der SED; 1963 – 67 zugl. Hauptdir. bzw. GD der Zentrag; 1959 u. 1967 VVO.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Hoefer, Hermann Martin

* 21.8.1868 – ✝ 23.4.1945

(* 1868 – † 1945) Geboren am 21. August 1868 in Hamburg. Sein Vater, ein katholischer Schuhmacher, war vom Rheinland nach Hamburg ausgewandert. Er trennte sich von der Kirche; seine Schusterstube schmückten Bilder von Marx und Engels. In dieser Atmosphäre wuchs Hermann Martin Hoefer auf und besuchte von 1884 bis 1887 die Präparandenschule. Von 1887 bis 1890 am Lehrerseminar, seit 1890 Volksschullehrer in Hamburg. Hoefer trat 1892 der SPD bei, als aktiver Sozialist mehrfach gemaßregelt, war er in der Armen- und Wohlfahrtspflege in Hamburg tätig. Er ging wegen ihrer Burgfriedenspolitk 1917 von der SPD zur USPD, 1920 zur KPD und übernahm verschiedene Funktionen. Von 1928 bis 1930 war er Mitglied der Hamburger Bürgerschaft und der KPD-BL. 1933 wurde ihm die Lehrerpension gestrichen, seine Tochter wurde fristlos aus dem Schuldienst, sein Sohn aus dem Jugendamt entlassen. Von 1933 bis 1935 war Hoefer mehrmals im KZ. Durch Zimmervermietung und einen kleinen Kaffeehandel schlug sich die Familie mühsam durchs Leben. 1944 wurde er im Krankenhaus, wo er gegen Magengeschwüre behandelt wurde, verhaftet. In einem Prozeß gegen Hermann Hoefer und seine Tochter Grete erhielten beide längere Haftstrafen. Hoefer wurde am 23. April 1945 schwerkrank aus dem Zuchthaus Coswig und seine Tochter aus dem KZ Gribow befreit. Völlig geschwächt mußte er in einem Rollstuhl von seiner Tochter nach Hamburg befördert werden. Von mehreren Aufenthalten in verschiedenen Krankenhäusern unterbrochen, erreichten sie am 23. November 1945 Hamburg. Dort starb Hermann Hoefer in einem Krankenhaus am 13.Dezember 1945 an den Folgen der Haft.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Hoernle, Edwin

* 11.12.1883 – ✝ 21.7.1952

Am 11. Dezember 1883 in Cannstatt/Württemberg als Sohn des Missionars und späteren Landpfarrers Hermann Hoernle und seiner Ehefrau Marie, der Tochter eines Orgelfabrikanten, geboren. Er verbrachte die ersten Lebensjahre in Mirat (Ostindien) und seine Kindheit in dem württembergischen Bauerndorf Beimbach. Schon als 10jähriger schrieb er Gedichte und entwickelte Widerspruchsgeist gegen seine protestantisch-pietistische Umgebung. Mit dreizehn Jahren kam er in verschiedene Knabenpensionate und löste sich dabei langsam von Elternhaus und Religion. 1902 Abitur, 1903 Militärdienst bei der Infanterie. Hoernle studierte von 1904 bis 1909 Theologie in Tübingen und Berlin, wo er mit der SPD in Berührung kam. Er lernte seine erste Frau Helene Hoernle, geb. Hess, (*14. 11. 1886 – † 24. 10. 1956), in Berlin kennen, trotz aller Anfeindungen lebten sie zunächst ohne Eheschließung zusammen. 1906 wurde ihr Sohn Alfred geboren, und sie heirateten nach der theologischen Dienstprüfung im Frühjahr 1909. Drei Monate Vikar, dann endgültige Trennung von der Kirche, Privatlehrer in Berlin, Mitarbeiter der SPD-Presse, u. a. der »Neuen Zeit«. 1910 Mitglied der SPD, Anhänger von Franz Mehring und Rosa Luxemburg, mit denen er und seine Frau bald befreundet waren. Ab 1912 zweiter politischer Feuilletonredakteur an der »Schwäbischen Tagwacht« in Stuttgart. Zusammen mit Arthur Crispien und Jacob Walcher vom württembergischen SPD-Vorstand nach Kriegsausbruch gemaßregelt, weil sie eine internationalistische linke Haltung vertraten. Hoernle wurde 1915 zweiter Redakteur der Frauenzeitschrift »Gleichheit«. Während des Krieges mehrfach verhaftet, dann an die Front geschickt und dort im September 1918 schwer verwundet. Mitbegründer des Spartakusbundes und später der KPD. In Stuttgart gehörte er dem Arbeiter- und Soldatenrat an, war von Januar bis Juni 1919 auf der Festung Ulm inhaftiert. 1919/20 Leiter der KPD in Württemberg, ab Oktober 1920 bei der Zentrale in Berlin mit dem Aufbau der Landabteilung betraut. Bis Ende 1922 zugleich für die Bildungsabteilung (später Agitprop) verantwortlich, leitete Hoernle lange Jahre auch die kommunistische Kinderarbeit. Auf dem VII. Parteitag 1921 und wieder auf dem VIII. Parteitag 1923 in die Zentrale der KPD gewählt, gehörte er in dieser Periode der rechten Politik zu den maßgebenden KPD-Führern. 1922 auf dem IV.Weltkongreß der Komintern als deutscher Vertreter ins EKKI berufen, blieb Hoernle bis Ende 1923 in Moskau. Seine bis dahin veröffentlichten Gedichtbände nannte er »Nebenprodukte kommunistischer Parteiarbeit«. Nach der Oktoberniederlage 1923 kehrte er nach Deutschland zurück und wurde einer der Wortführer der Mittelgruppe. Die linke Mehrheit des IX. Parteitags verhinderte im Mai 1924 seine Kandidatur für den Reichstag. Von der Polizei gesucht, mußte Hoernle bis Dezember 1924 illegal leben, laut Steckbrief war er 1,72 Meter groß, dunkelblond und sprach schwäbische Mundart. Im Dezember 1924 dann doch in den Reichstag gewählt, dem er bis 1933 angehörte. Nach dem »Offenen Brief« 1925 übernahm er in der Zentrale wieder die Landabteilung. Vom ZK Mitte 1927 als Chefredakteur der »Süddeutschen Arbeiterzeitung« nach Stuttgart entsandt. Das geschah nicht nur wegen des Funktionärmangels in Stuttgart, sondern auch, weil Hoernle – obwohl er nie auf dem linken Flügel gestanden hatte – energisch gegen die Methoden protestierte, mit denen die Linken ausgeschlossen wurden. 1928 kam er nach Berlin zurück und arbeitete bis 1933 in der Landabteilung des ZK. In der Wittorf-Affäre schwankte er nach eigenem Bekunden, war gegen Ernst Thälmann und distanzierte sich erst nach Stalins Eingreifen von den Versöhnlern. In der ultralinken Periode nach 1929 trat er nicht mehr besonders hervor. Hoernle entkam in der Nacht des Reichstagsbrandes der Verhaftung durch einen glücklichen Zufall, seine zweite Frau Hedda, geborene Ickert (* 24. 7. 1902 – † 27. 9. 1989), mit der er seit Anfang der dreißiger Jahre verheiratet war, hatte ihn versteckt. Ende 1933 emigrierte Hoernle in die Sowjetunion und wurde in Moskau Leiter der Abteilung Mitteleuropa im Agrarinstitut. Während des Krieges Mitglied des NKFD und Mitarbeiter des Weltwirtschaftsinstituts in Moskau. Im Mai 1945 Rückkehr nach Deutschland, in Berlin Mitunterzeichner des Aufrufs der KPD vom 11. Juni 1945. Ab 15.August 1945 Präsident der Deutschen Zentralverwaltung für Land- und Forstwirtschaft in der SBZ, bereits im Frühjahr 1948 bat Hoernle um seine Abberufung, trat dann aber erst im September 1949 zurück. Hoernle leitete als Dekan die agrarpolitische Fakultät der Deutschen Verwaltungsakademie in Forst Zinna. Er war Verfasser vieler Schriften, u.a. »Grundfragen der proletarischen Pädagogik« (1927), »Die Industrialisierung der deutschen Landwirtschaft« (1928) und der Gedichtbände »Aus Krieg und Kerker« (1919), »Okulifabeln« (1920) und »Die roten Lieder« (1924). Nach längerer Krankheit starb Edwin Hoernle am 21.Juli 1952 an einem Herzleiden in einem Sanatorium in Bad Liebenstein. Seine erste Frau Helene lebte seit 1923 mit Heinrich Rau zusammen. Sie emigrierte ebenfalls in die Sowjetunion und kehrte im März 1946 nach Deutschland zurück, arbeitete in der SED-BL Schwerin. Ihr beider Sohn Alfred Hoernle war Schlosser, nach 1933 illegal UB-Leiter in Berlin-Reinickendorf. 1936 verhaftet, am 4. November 1937 zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach Aussagen von Mithäftlingen soll Alfred Hoernle wegen angeblicher umfangreicher Aussagen bei der Gestapo im KZ Sachsenhausen von seinen Genossen »abgehängt worden« und 1942 buchstäblich verhungert sein.Peter Erler / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Hoffmann, Ernst

* 2.8.1912 – ✝ 23.8.2003

Geb. in Elberfeld; Vater Red. u. SPD-Landtagsabg.; Realgymnasium u. Abitur; 1930 KJVD; 1932 Studium der Mathematik u. Naturwiss. an der Univ. Köln, 1933 abgebrochen wegen illeg. antifa. Widerstandstätigkeit in Berlin (mit Rudi Arndt); Okt. 1933 verhaftet u. mißhandelt, 1934 angeklagt u. vom VGH wegen »Vorber. zum Hochverrat« verurteilt; 1936 entlassen, Bauarb. u. fortgesetzte illeg. Arbeit; wegen erneut drohender Verhaftung Flucht nach Prag; dort Gründung der FDJ u. deren Sekr.; 1937 KPD; 1938 Emigr. nach England u. in Manchester Weiteraufbau der FDJ; Studium der Chemie u. 1940 erneuter Abbruch wegen Internierung; 1941 Betriebsstatistiker u. in der brit. Gewerkschaft aktiv; 1942 Funktionär der Landesgr. Dt. Gewerkschafter in Großbritannien. Okt. 1946 Rückkehr nach Berlin; SED; persönl. Mitarb. von  Paul Wandel; 1948 Teiln. am 1. Doz.-Lehrgang Philos. der SED-PHS; danach stellv. Abt.-Ltr. für Philos. am Forschungsinst. für wiss. Soz. beim PV der SED (ab Sept. 1949 Marx-Engels-Lenin-Inst.) u. dessen stellv. Ltr.; 1950 Ltr. des Sektors Hochschulen u. Wiss. der ZK-Abt. Prop. (Ltr.  Kurt Hager) u. verantw. für die 2. DDR-HS-Reform; zugl. Doz. für Philos. des dial. u. hist. Materialismus an der HS für Planökon. in Berlin-Karlshorst; 1950/51 philosoph. Arbeit, u. a. 2. Hauptreferat der Jenenser Logik-Konferenz im Nov. 1951; 1952 auf Beschluß des ZK der SED Prof.-Titel für Philos., verliehen durch das neue Staatssekr. für Hochschulwesen; stellv. Ltr. des Lehrstuhls Geschichte Dtl. u. der dt. Arbeiterbew. (Ltr.  Hermann Matern) am IfG beim ZK der SED; 1958 – 62 stellv. bzw. amt. Dir. des IfG; nach Ablösung 1962 Prof. für Theorie u. Methode der Geschichtswiss. an der HU Berlin, 1977 em.; 1972 VVO; 1982 KMO; gest. in Berlin.zahlr. Artikel u. a. in »Einheit«, »Neue Welt« u. Ztschr. für Geschichtswiss.; anläßl. des 70. Geburtstags Artikelsammlungen mit Lebenslauf u. Bibl.: Rev. u. proletar. Partei in der dt. Geschichte. Berlin 1982 (hrsg. von der AfG); Gesellschaftsformation in Theorie u. Geschichte. Berlin 1983 (hrsg. von der HU Berlin).Hans-Christoph Rauh

Wer war wer in DDR

Hoffmann, Hans-Joachim

* 10.10.1929 – ✝ 19.7.1994

Geb. in Bunzlau (Niederschl./Bolesławiec, Polen); Vater Arbeiter; Volksschule; 1943 – 45 Ausbildung u. 1945 – 48 Arbeit als Elektromonteur; 1945/46 KPD/SED; ab 1948 versch. Funktionen in FDJ u. SED auf Krs.- u. Bez.-Ebene; 1. Sekr. der FDJ-KL Leipzig, Sekr. für Agit. u. Prop. der FDJ-BL u. SED-Stadtltg. Leipzig; 1953 – 55 PHS, Dipl.-Ges.-Wiss.; 1960 – 62 1. Sekr. der SED-KL Eilenburg; 1966 – 71 zunächst Sekr. für Agit./Prop. (Nachf. von  Hans Lauter), dann für Wiss., Volksbildung u. Kultur (Nachf. von Hans Lauter), schließl. 2. Sekr. der SED-BL Leipzig (Nachf. von  Horst Schumann); 1972/73 Ltr. der Abt. Kultur des ZK der SED (Nachf. von  Arno Hochmuth); ab 1973 Min. für Kultur (Nachf. von  Klaus Gysi); 1974 VVO; ab 1976 Mitgl. des ZK der SED; 1976 – März 1990 Abg. der Volkskammer; 1977 Präs. des KB (Nachf. von  Max Burghardt); seit 1978 Mitgl. des ZV der DSF; 1980 Vors. des Nat. Rats zur Pflege u. Verbreitung des dt. Kulturerbes; 1982 Prom. zum Dr. phil. über die Entw. der marxist.-leninist. Kulturpol. u. ihre wichtigsten Ergebnisse seit dem VIII. Parteitag; Nov./Dez. 1989 Rücktritt mit der Reg.  Willi Stoph u. dem ZK der SED; Rentner; gest. in Berlin.Martin Luther u. seine Zeit. Berlin 1980 (Mitautor). Höpcke, K., Hoffmann, G. (Hrsg.): Das Sicherste ist die Veränderung. H.-J. H. Kulturminister der DDR u. häufig verdächtigter Demokrat. Berlin 2003.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Hoffmann, Jutta

* 3.3.1941

Geb. in Halle; OS; während der Schulzeit Mitgl. einer Laienspielgr. der Buna-Werke; 1959 Abitur; ab 1959 Besuch der HS für Film u. Fernsehen Potsdam-Babelsberg, 1962 Abschluß; 1961 – 67 u. 1969 – 73 Engagements am Maxim-Gorki-Theater Berlin, u. a. 1965 in Claus Hammels »Um neun an der Achterbahn« (R.  Horst Schönemann) u. 1972 in Lessings »Minna von Barnhelm« (R.  Albert Hetterle); 1965 – 67 Engagement am Dt. Theater unter  Benno Besson, u. a. 1967 in Molières »Don Juan«; erste Filmrolle: 1960 in »Das Rabaukenkabarett«, erste Hauptrolle bei der DEFA 1963 in »Julia lebt« (R. Frank Vogel); 1964 – 66 in den vom 11. ZK-Plenum verbotenen Filmen »Denk bloß nicht, ich heule« (R. F. Vogel), »Wenn du groß bist, lieber Adam« (R.  Egon Günther) sowie »Karla« (R. Herrmann Zschoche); erfolgr. in Film- u. Fernsehrollen: 1967 »Kleiner Mann, was nun?« (R. Hans-Joachim Kasprzik), 1969 »Zeit zu leben« (R.  Horst Seemann) u. »Weite Straßen – stille Liebe« (R. H. Zschoche), dann vor allem unter E. Günther: 1969 »Junge Frau von 1914«, 1971 »Der Dritte« (1972 Beste Darstellerin auf der Biennale in Venedig), 1974 »Die Schlüssel«, 1975 »Lotte in Weimar«; 1972 NP; 1973 DDR-Fernsehkünstlerin des Jahres; 1973 – 78 Engagement am Berliner Ensemble unter Ruth Berghaus, u. a. 1975 in Strindbergs »Fräulein Julie« (Insz.  B. K. Tragelehn /  Einar Schleef, nach 10 Aufführungen abgesetzt); im Film unter  Frank Beyer 1977 mit  Manfred Krug in »Das Versteck«, bei der DEFA letztmalig nach Unterzeichn. der Protestresolution gegen die Ausbürgerung  Wolf Biermanns in dem Indianerfilm »Blauvogel« (R.  Ulrich Weiß); dann in der DDR nur noch in Fernsehrollen: 1978 mit  Armin Mueller-Stahl in »Geschlossene Gesellschaft« (wird nur einmal spätabends ausgestrahlt), 1982 »Stella« (R.  Thomas Langhoff), 1983 »Zeit der Einsamkeit« (R. Peter Vogel); ab. 1978 Theatergastspiele im Westen, u. a. an der Freien Volksbühne Berlin (West) unter Luc Bondy; ab 1983 ständiger Aufenthalt in der Bundesrep. Dtl., Gastspiele 1983 / 84 in Salzburg u. ab 1984 unter Peter Zadek an den Münchner Kammerspielen (Schauspielerin des Jahres) u. am Dt. Schauspielhaus Hamburg, mehrfach auch am Berliner Schiller-Theater; lebt seit 1986 in Hamburg. Nach 1990 wieder Gastrollen am Dt. Theater Berlin u. am Berliner Ensemble; 1992 – 2006 Prof. für darstellende Kunst an der HS für Musik u. Theater in Hamburg; 1993 Hauptrolle in der TV-Reihe »Motzki« von Wolfgang Menge; 1998 Caroline-Neuber-Preis der Stadt Leipzig; 1998 – 2002 als TV-Kommissarin in »Polizeiruf 110«; Spielfilmrollen in »Bandits« (1997), »Der alte Affe Angst« (2003); 2005 Preis der DEFA-Stiftung; 2007 Rundfunkregie von Heinrich Zilles »Hurengespräche« (MDR).Poss, I., Warnecke, P. (Hrsg.): Spur der Filme. Berlin 2006.Ingrid Kirschey-Feix

Handbuch Deutsche Kommunisten

Hoffmann, Adolph

* 22.3.1858 – ✝ 1.12.1930

Geboren am 22. März 1858 in Berlin, aufgewachsen als Pflegesohn in einer Tuchmacherfamilie; er konnte nur drei Jahre die Volks- bzw. Armenschule besuchen. Hoffmann, der sich autodidaktisch weiterbildete, arbeitete in den siebziger Jahren bei Binnenschiffern, Holzfällern und Korbmachern, anschließend nahm er eine Lehre als Graveur auf und war dann Vergolder, Buchhändlergehilfe und Maler. Über die Freireligiöse Gemeinde kam Hoffmann mit der Sozialdemokratie in Berührung und wurde 1876 ihr Mitglied. In den folgenden Jahren war er der populärste und anerkannteste Berliner SPD-Funktionär. Er nahm am Gründungskongreß der II. Internationale sowie an fast allen SPD-Parteitagen bis zum Ausbruch des Weltkrieges teil. Er erhielt mehrmals Gefängnisstrafen, war von 1890 bis 1893 Redakteur am »Volksboten« in Zeitz bzw. am »Volksblatt« in Halle. In seiner (1891 gedruckten) Rede »Die zehn Gebote und die besitzende Klasse«, die ihm den Beinamen »Zehn-Gebote-Hoffmann« einbrachte, attackierte er die bürgerliche Gesellschaft. Seine 1892 veröffentlichte Broschüre »Vorsicht! Hütet Euch! Die Sozialdemokraten kommen!«, die bis Mitte 1893 in über 100 000 Exemplaren verbreitet wurde, half der deutschen Sozialdemokratie wesentlich bei der Landagitation. Schließlich gab er später biographische Skizzen heraus (»Adolph Hoffmanns Erzählungen« und »Episoden und Zwischenrufe aus der Parlaments- und Ministerzeit«). 1893 kehrte Hoffmann nach Berlin zurück, lebte und arbeitete fortan als Buchhändler und Verleger. Von 1900 bis 1921 und erneut ab 1925 war Hoffmann Mitglied der Berliner Stadtverordnetenversammlung, von Januar 1904 bis Januar 1907 Abgeordneter des Reichstages (Wahlkreis: Sachsen 22) und von 1908 bis 1918 mit kurzer Unterbrechung des Preußischen Abgeordnetenhauses. In den Parlamenten war Hoffmann wegen seiner scharfen Zwischenrufe und seines Mutterwitzes berühmt. Er kritisierte 1914 die Burgfriedenspolitik des Parteivorstandes und nahm an den internationalen Konferenzen in Zimmerwald und Kienthal in der Schweiz teil. Von Juni 1916 bis Ende 1918 war er Vorsitzender des Zentralvorstandes des Verbandes der sozialdemokratischen Wahlvereine Berlin und Umgegend. Wegen seiner antimilitaristischen Haltung und seiner Kritik an der SPD-Führung schloß ihn die Mehrheit der SPD-Abgeordnetenhausfraktion (zusammen mit Adolf Hofer, Paul Hoffmann und Heinrich Ströbel) im Januar 1917 aus der Fraktion aus. Adolph Hoffmann gehörte zu den Begründern der USPD, war Delegierter ihrer Parteitage und wurde im April 1919 in Leipzig in das ZK der USPD gewählt. Vom 12. November 1918 bis Anfang Januar 1919 leitete er gemeinsam mit Konrad Haenisch das Preußische Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung, kam im Januar 1919 in die Preußische Landesversammlung, in der er bis April 1921 als USPD bzw. VKPD-Abgeordneter blieb. Im Juni 1920 wurde er im Wahlkreis Berlin in den Reichstag gewählt, dem er bis Mai 1924 angehörte. Hoffmann setzte sich 1920 entschieden für den Anschluß an die Kommunistische Internationale und die Vereinigung mit der KPD ein und wurde auf dem Spaltungsparteitag in Halle im Oktober 1920 neben Ernst Däumig Vorsitzender der USPD (Linke). Der Vereinigungsparteitag im Dezember 1920 berief ihn zum Beisitzer der Zentrale in die Führung der VKPD. Im Februar 1921 gehörte Hoffmann zu der Gruppe von Zentralausschußmitgliedern, die den Kurs Paul Levis unterstützten. Berühmt wurde sein Ausspruch bei einer Berliner Funktionärskonferenz der KPD, wo ihn in der Diskussion Ruth Fischer, leicht bekleidet, temperamentvoll angriff und ihr dabei ein Träger des Kleides verrutschte. Dagegen »berlinerte« Hoffman (wie immer): »Jenossen, gegen so viel nackte Tatsachen komme ick nicht an, ick verzichte aufs Schlußwort.« Hoffmann trat mit Ernst Däumig, Clara Zetkin und Otto Brass aus der Zentrale aus und verließ im September 1921 die KPD-Fraktion. Er bildete mit anderen ausgeschlossenen und ausgetretenen ZA-Mitgliedern die KAG. Da er sich weigerte, sein Reichstagsmandat zurückzugeben, wurde er im Januar 1922 aus der KPD ausgeschlossen. Daraufhin ging er im Februar 1922 wieder zur USPD und kehrte mit ihr im September 1922 zur SPD zurück. Hoffmann stand auf dem linken Flügel der SPD, setzte sich 1926 für die Fürstenenteignung ein und wurde im Mai 1928 für die SPD wieder in den Preußischen Landtag gewählt, dem er bis zu seinem Tode angehörte. Adolph Hoffmann starb am 1. Dezember 1930 in Berlin.

Wer war wer in DDR

Hilsberg, Stephan

* 17.2.1956

Geb. in Müncheberg (Krs. Strausberg), aufgewachsen in Berlin; Vater Pfarrer, Mutter Katechetin; 1962 – 72 POS, keine Zulassung zur EOS; 1972 – 74 Lehre als Facharb. für Datenverarbeitung; 1976 – 79 als Programmierer im Biochem. Inst. der Charité Berlin tätig; Klavierunterricht, nicht zum Musikstudium zugelassen; 1974 – 76 NVA-Grundwehrdienst; 1985 Aufn. eines Fernstudiums, Berufsziel Ing. für Informationsverarbeitung; seit 1988 Engagement in kirchl. Friedenskrs.; Ltr. des Arbeitskrs. Theol. u. Philos. beim Bund der Ev. Kirchen; 1989 Mitgl. der IFM; Mitarb. in Kontrollgr. zur Kommunalwahl am 7. Mai, stellte Strafanzeige wegen Wahlfälschung; 7.10.1989 Gründungsmitgl. der SDP in Schwante (b. Oranienb.), Wahl zum 1. Sprecher; Febr. – Juli 1990 Geschäftsf. der SPD (DDR); Mitgl. des Redaktionsbeirats »Sozialdemokrat. Pressedienst«, Leipzig; März – Okt. 1990 Abg. der Volkskammer. Seit Okt. 1990 Abg. des Dt. Bundestags; Vors. der AG Bildung u. Forschung der SPD-Fraktion; ab 1992 Mitgl. im Landesvorst. der SPD Brandenb. u. bis 1998 der Enquete-Kommission »Aufarbeitung der SED-Diktatur in Dtl.«; Nov. 2000 – Okt. 2002 Parl. Staatssekr. im Bundesmin. für Verkehr, Bau- u. Wohnungswesen; Jan. 2004 – Nov. 2006 Sprecher der Landesgr. Ost sowie Mitgl. des erw. SPD-Fraktionsvorst. im Bundestag; Nov. 2005 – Apr. 2007 stellv. Vors. der SPD-Fraktion im Bundestag; seit Apr. 2007 Mitgl. des Aussch. für wirtsch. Zusammenarb. u. Entw. sowie Mitgl. der Landesgr. Brandenb.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Himmler, Johanna

* 20.9.1894 – ✝ 13.10.1972

Geboren am 20. September 1894 in Chemnitz als Johanna Mildner, Tochter eines Bürodieners; Lehre als kaufmännische Angestellte, anschließend in der Konfektionsbranche und im Handel tätig. 1917 trat sie der Spartakusgruppe und 1918 der KPD bei. Im Sommer 1921 fuhr sie als Delegierte zum 2. Internationalen Frauenweltkongreß nach Moskau, dann Übersiedlung nach Nordhausen, wo sie bis 1923 lebte und arbeitete. Danach in Chemnitz Telefonistin, heiratete den Redakteur der KPD-Zeitung »Der Kämpfer« Hans Himmler (* 18. 11. 1890 – † 31. 3. 1970). Johanna Himmler wurde im Januar 1927 in Chemnitz in die Stadtverordnetenversammlung und im September 1930 im Wahlkreis Chemnitz-Zwickau in den Reichstag gewählt, dem sie bis 1933 angehörte. Bis zum Sommer 1933 als Reichsinstrukteurin der IAH im Einsatz, am 4. Juli 1933 wurde Hanna Himmler verhaftet und bis 1934 in »Schutzhaft« gehalten. Nach ihrer Entlassung zunächst erwerbslos, dann Büroangestellte. Am 14. Juli 1939 erneut verhaftet und vom OLG Dresden im November d. J. zu einem Jahr und vier Monaten Gefängnis verurteilt. Im August 1944 wieder festgenommen, kam sie bis April 1945 ins KZ Ravensbrück. Von Juli 1945 bis 1953 unbesoldete Stadträtin in Nordhausen (ihr Mann war dort Oberbürgermeister), außerdem Vorsitzende des Antifa-Frauenausschusses sowie 1. Vorsitzende der VVN Nordhausen. Für die SED war sie von 1946 bis 1952 Abgeordnete im Thüringer Landtag. Als Parteiveteranin starb Johanna Himmler am 13.Oktober 1972 in Nordhausen.

Wer war wer in DDR

Hintzenstern, Herbert von

* 24.10.1916 – ✝ 22.1.1996

Geb. in Magdeburg; Vater Textilkfm., Mutter Kunsthandwerkerin; 1936 Abitur am Dom- u. Klostergymnasium Magdeburg; 1936 – 40 Studium der Theol., Kunst- u. Musikwiss. an den Univ. Halle u. Jena, dort Konviktinspektor u. Sprecher der Theologiestudenten; 1940 Prom. mit der Arbeit »Houston St. Chamberlains Darstellung des Urchristentums« an der Theolog. Fak. der Univ. Jena, die gedruckte Buchfassung wurde 1941 auf Anweisung des Amtes Rosenberg eingestampft; 1940 Ordination; anschl. Vikar in Jena u. Eisenach; 1943 – 45 Kriegsteiln. im Sanitätsdienst. 1945 – 51 Pfarrer in Lauscha (Thür.); 1952 – 56 Landesjugendpfarrer der Ev.-Luth. Kirche Thür.; Auseinandersetzungen im Zusammenhang mit der Einführung der Jugendweihe u. staatl. Angriffe auf die Jungen Gemeinden; 1956 – 81 Chefred. des Thür. Sonntagsblatts »Glaube u. Heimat« sowie Lektor des Wartburg Verlags, einer Unterabt. der Ev. Verlagsanstalt Berlin; seit 1958 Mitgl. im Vorst. der Ges. für Thür. Kirchengeschichte; 1968 – 86 wiss. Ltr. des Pfarrhausarchivs im Eisenacher Lutherhaus. 1991 Mitgl. der Hist. Kommission für Thür. Verf. zahlr. kunstwiss. sowie biogr. Artikel u. Aufsätze zur Thür. Kirchengeschichte, u. a. Beiträge über Martin Luther; Mitarb. an der Fs. zum 70. Geburtstag des Landesbischofs  Moritz Mitzenheim (1961) u. an sechs Bänden der Thür. kirchl. Studien (1963 – 94); Autor mehrerer Broschüren der Reihe »Kostbarkeiten aus Thür. Kirchen«.Altäre aus der Reformationszeit. Jena 1972; Dorfkirchen in Thür. Berlin 1979; Vom Geist des Christentums (eine kommentierte Auswahl von Johann Gottfried Herders »Christlichen Schriften« 1793 – 98). Weimar 1994.Ehrhart Neubert

Wer war wer in DDR

Hirsch, Ralf

* 25.7.1960

Geb. in Berlin; POS in Berlin; 1974 Austritt aus der FDJ; erste Kontakte zur kirchl. Jugendarbeit; 1977 wegen »fehlgeleiteter pol. Anschauungen« auf Beschluß des Rats des Stadtbez. Einweisung in das Jugendhaus Hummelshain; Abschl. der Schlosserlehre; 1979 Entlassung mit Auflagen für drei Jahre (Meldepflicht, Umgangsverbot, Reiseverbot); Schlosser im Transformatorenwerk Berlin; ab 1980 Mitarb. in einem Kirchhofsbüro bei der Auferstehungsgemeinde; org. Ltg. von Blues-Messen in ev. Kirchen; Mitgl. des Friedenskrs. der Samaritergemeinde; 1982 – 84 NVA, nach Verweigerung des Dienstes mit der Waffe Bausoldat; 1984 Sachbearb. bei der Ev. Kirche, Org. von Veranstaltungen der kirchl. Jugendarbeit, der Friedenswerkstatt u. a.; 1986 Gründungsmitgl. u. Sprecher der IFM; org. Arbeit für die Samizdat-Ztschr. »Grenzfall«; 25.1. 1988 Verhaftung nach der Liebknecht-Luxemburg-Demonstration, zentrale U-Haftanstalt des MfS in Berlin-Hohenschönhausen, 5.2. Ausweisung ohne Rückkehrrecht. Seit Mai 1988 Angest. im Landesamt für zentr. soziale Aufgaben Berlin (West); 1990/91 Mitarb. im Büro des Reg. Bürgermstr. von Berlin, Walter Momper, mit Zuständigkeit für Ost-West-Kontakte; seit 1992 Angest. beim Berliner Senat, Verw. Bau, Wohnen, Verkehr; Mitgl. des Fachbeirats der Bundesstiftung Aufarbeitung der SED-Diktatur; lebt in Berlin-Prenzlauer Berg.Grenzfall. Menschenrechte in der DDR. Bonn 1988 (Hrsg. mit Lew Kopelew); 40 Jahre DDR – u. die Bürger melden sich zu Wort. Bonn 1989 (Hrsg.). Kowalczuk, I.-S.: Für ein freies Land mit freien Menschen. Berlin 2006.

Wer war wer in DDR

Hochmuth, Arno

* 27.2.1930 – ✝ 16.6.2012

Geb. in Berlin; Vater Arbeiter; Volkschule, OS in Berlin, 1948 Abitur; 1948 – 51 Lehrerstudium Dt. / Geschichte an der PHS Berlin; 1951 – 57 Doz. am IfL Berlin; 1952 SED; 1958 – 62 Aspirant, 1962 – 66 Doz. am IfG, Lehrstuhl für Lit. u. Kunstwiss.; 1962 Prom. zum Thema »Lit. u. Dekadenz«; 1963 – 90 Mitgl. des Präsidialrats des KB; 1966 – 72 Ltr. der Abt. Kultur des ZK der SED (Nachf. von  Siegfried Wagner); 1972 – Sept. 1990 ord. Prof. an der Sekt. Ästhetik-Kunstwiss. der HU Berlin; 1977 – 90 Vors. der KB-BL Berlin (Nachf. von  Hans Pischner); 1979 – 81 Chefred. der liter. Ztschr. »Temperamente«; 1987 Prom. B an der HU Berlin mit einer Arbeit über die Entwickl. von Sichtweisen der DDR-Lit.-Wiss. auf zeitgenöss. nichtsoz. Lit. 1990 PDS; Okt. 1990 Vorruhestand; gest. in Berlin.Lit. u. Dekadenz. Berlin 1963; Lit. im Blickpunkt. Berlin 1965 (Hrsg.); Ulle, D. u. a.: Imp. u. Kultur. Berlin 1975 (Mitautor).Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Hockauf, Frida

* 24.9.1903 – ✝ 30.1.1974

Geb. in Reichenau (b. Zittau, Sachsen/Bogatynia, Polen) in einer Weberfamilie; nach dem Volksschulabschl. 1918 – 21 als Hausmädchen u. ab 1921 als Weberin beschäftigt; 1922 Textilarbeiterverb.; 1929 – 35 arbeitslos. 1945 – 51 Sozialhelferin in der Zittauer Stadtverw.; 1946 SED; ab 1951 Weberin im VEB Mechan. Weberei Zittau; begr. im Nov. 1953 anläßl. einer Selbstverpfl. zu erhebl. Planübererfüllung die Losung »So wie wir heute arbeiten, werden wir morgen leben«, mit der eini- ge Mon. nach den Arbeiterprotesten vom 17.6.1953 die sog. Wettbewerbsbew. wiederbelebt werden sollte; 1954 Held der Ar- beit; 1954 – 63 Abg. der Volkskammer, Mitgl. im Ständ. Aussch. für Allg. Angelegenh.; 1955 – 63 Sachbearb. u. Wettbewerbsbeauftr. im o. g. Zittauer Textilbetrieb; ab 1963 Rentnerin.Jan Wielgohs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Hoelz, Max

* 14.10.1889 – ✝ 15.9.1933

Geboren am 14. Oktober 1889 in Moritz bei Riesa als zweites von sechs Kindern einer Landarbeiterfamilie; nach schwerer Jugend als Ackerknecht, dann als Hausdiener in Pensionen, u. a. in Baden-Baden tätig. 1908 übersiedelte er nach London, war Küchenjunge und Wagenwäscher und studierte gleichzeitig am Polytechnikum in Chelsea. 1910 nach Deutschland zurückge- kehrt, schloß sich Hoelz dem CVJM und der evangelischen Organisation »Weißes Kreuz« an. In Falkenstein im Vogtland wurde er Gehilfe eines Landvermessers. 1914 meldete er sich freiwillig, war bis 1918 an der Front und wurde mit dem EK II ausgezeichnet. Zur Arbeiterbewegung hatte der unpolitische Hoelz zunächst keinerlei Verbindung, erst nachdem er im November 1918 in den Soldatenrat von Falkenstein gewählt worden war, schloß er sich der USPD an. Dort gründete er schließlich im Frühjahr 1919 eine Gruppe der KPD. Der hervorragende Organisator wurde Vorsitzender des Arbeitslosenrates, seine Entschlossenheit und seine aktionistischen Bravourstücke machten ihn überall rasch bekannt. Hoelz setzte sich vehement für die unteren Schichten ein, organisierte jedoch auch anarchistische Aktionen. Dabei terrorisierte der Rebell das Besitzbürgertum, erpreßte von den Fabrikanten Abgaben und verteilte das Geld an die Armen. Von der Polizei gesucht, flüchtete Hoelz 1919 und wirkte für die KPD als Agitator in Sachsen und Bayern. Während des Kapp-Putsches kehrte er nach Falkenstein zurück, baute im Vogtland eine »Rote Armee« auf, nach deren Niederlage emigrierte er in die Tschechoslowakei. Wegen seiner disziplinlosen Haltung im Frühjahr 1920 aus der KPD ausgeschlossen, trat er Ende 1920 der linksradikalen KAPD bei. Nach Ausbruch der Kämpfe im März 1921 in Mitteldeutschland leitete er die »Roten Garden« und war durch seine Taten in aller Munde. Er ging nach der Niederschlagung der März-Aktion nach Berlin, wo er im April 1921 verhaftet wurde. Ein Sondergericht verurteilte Hoelz im Juni 1921 zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe. Immer wieder wurde die Nachprüfung des Urteils verlangt (er war angeblich für einen Mord verantwortlich) – etwa im April 1927 von Bert Brecht, Albert Einstein, Heinrich George, Heinrich und Thomas Mann und vielen anderen Persönlichkeiten. Im Juli 1928 durch eine Amnestie wieder frei, übersiedelte Hoelz 1929 in die Sowjetunion. 1933 lebte er in Gorki, war aber zunehmend in Gegensatz zur stalinistischen Praxis geraten, obwohl er gerade in der UdSSR als revolutionärer Führer groß herausgestellt wurde. Max Hoelz zählte zu den populärsten deutschen Kommunisten der Weimarer Republik, von seinen Zeitgenossen als »Tatmensch« gelobt, gehaßt oder verachtet. Er spielte in den Aufständen der frühen zwanziger Jahre eine bedeutende Rolle, übte allerdings innerhalb der kommunistischen Parteiorganisation selbst keine wichtigen Funktionen aus. Bekannt wurden seine Memoiren »Vom ?weißen Kreuz? zur roten Fahne«. In der UdSSR ist Max Hoelz am 15.September 1933 in der Oka ertrunken, sofort verbreiteten die Parteikommunisten, es sei ein Unglücksfall gewesen. Doch schon bald wurde vermutet, die sowjetische Geheimpolizei habe den sehr guten Schwimmer Hoelz ermordet. Inzwischen steht fest, daß er ein frühes Opfer der stalinistischen Säuberung war. Denn 1936/37 konstruierte das NKWD sogar eine »konterrevolutionäre, terroristische, trotzkistische Verschwörung«, der neben Erich Wollenberg und Zensl Mühsam angeblich auch der zu diesem Zeitpunkt bereits über drei Jahre tote Max Hoelz angehört haben soll.

Wer war wer in DDR

Hofé, Günter

* 17.3.1914 – ✝ 27.12.1988

Geb. in Berlin; Vater Kunstschlosser; Oberrealschule, Abitur; 1934 – 39 Mitarb. der Dt. Bank, Lehrzeit; Bankkfm., Direktionsassistent; Studien an der Bank-HS Berlin, außerdem in England u. Frankreich; 1936 – 38 u. 1939 – 45 Wehrmacht, zul. Major; 1945 brit. Gefangenschaft. 1945 Transportarb.; 1946 – 48 Mitarb. im Volksbildungsamt Berlin-Köpenick; Doz. u. Ltr. der VHS; 1948/49 Lektor im Kulturellen Beirat für das Verlagswesen; 1948 NDPD; 1949 Cheflektor, ab 1950 Ltr. des Verlags der Nation (Verlag der NDPD mit breitem themat. Spektrum: aktuell-pol. Lit., Biogr., Belletristik); 1951 – 54 Fernstudium an der DVA u. der DASR Potsdam, Dipl.-Jur.; 1952 – 82 stellv. Vorsteher des Börsenvereins der Dt. Buchhändler zu Leipzig; 1953 PEN; 1955 DSV; 1956 Mitgl. des Präsidiums des Büros für Urheberrechte; ab 1956 vom MfS als offizielle Verbindung zum MfS-HA V/6, ab 1958 als inoff. Verbindung zur HV A erf.; Okt. 1963 auf der Frankfurter Buchmesse unter dem Verdacht verhaftet, seit 15 Jahren für den sowj. Nachrichtendienst KGB u. das MfS gearbeitet zu haben, nach einem Jahr U-Haft Entlassung in die DDR; 1979 VVO; zeitw. Mitgl. der Stadtverordnetenvers. Berlin; 1982 Ruhestand; Autor erfolgr. Kriegsromane; 1984 NP; gest. in Königs Wusterhausen.Roter Schnee. Berlin 1962; Merci Kamerad. Berlin 1970; Schlußakkord. Berlin 1974. Posser, D.: Anwalt im Kalten Krieg. Ein Stück dt. Geschichte in polit. Prozessen 1951 – 1968. München 1991; Walther, J.: Sicherungsbereich Literatur. Berlin 1996; Dunkel, M.: Verlegerpersönlichkeit u. Zensur. G. H. u. der Verlag der Nation. In: Leipziger Jahrbuch zur Buchgeschichte (2003) 12.Carsten Wurm / Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Hoffmann, Eugen

* 27.9.1892 – ✝ 1.7.1955

Geb. in Dresden; Vater Schuhmacher; 1906 – 10 Lehre als Musterzeichner in einer Dresdner Tapetenfabrik; Abendkurse an der Dresdner Kunstakad. bei C. Rade; 1915 – 17 Kriegsdienst, Kriegsgefangenschaft in der Ukraine; 1918 – 23 Studium der Bildhauerei an der Dresdner Kunstakad., dort Mstr.-Schüler von Karl Albiker; 1919/20 erste Personalausstellung in der Galerie Emil Richter, Dresden; 1919 Mitgl. der Dresdner Sezession; 1923 KPD; IAH; 1925 Mitbegr. der Dresdner Sekt. der Ges. der Freunde des neuen Rußlands; 1929 Mitbegr. der ASSO in Dresden, Ltg. von Zirkeln der Arbeiterzeichner; 1933 sechs Wochen Gefängnishaft, Beschlagnahme des Ateliers, ab 1936 Arbeits-u. Ausstellungsverbot; vom nationalsoz. Regime als »entartet« diffamiert, 1937 Aufnahme seiner Werke in die Ausstellung »Entartete Kunst« in München; 1938 Emigr. nach Prag; 1939 über Polen nach England, Aufenthalt in London; Mitgl. des Freien Dt. KB. 1946 Rückkehr nach Dresden; 1947 Prof. an der HS für Bildende Künste Dresden; 1954 vorz. em. Werke: Mutter mit Kind. Plastik 1921 (zerstört); Otto Dix. Porträtplastik 1925; Pol Cassel. Porträtplastik 1926; Das Leben. Plastik 1949; Die Partisanin. Plastik 1949/51.Kat. E. H. Staatl. Kunstsammlungen Dresden 1973; Förster, A. In: Wegbereiter. Dresden 1976; E. H. – Lebensbild, Dokumente – Zeugnisse. Wiss. Beiträge der HS für Bildende Künste Dresden (1985) 27; Schätzke, A.: Rückkehr aus dem Exil. Zur Remigration Bildender Künstler in die SBZ/DDR. In: Kunstdokumentation SBZ/DDR. Köln 1996 (Hrsg. G. Feist u. a.).Anke Scharnhorst

Wer war wer in DDR

Hoffmann, Heinrich

* 8.1.1899 – ✝ 23.12.1979

Geb. in Schleswig; Vater selbst. Handwerker; Volksschule; Ausbildung zum Friseur; 1917 Soldat, 1918 schwere Verwundung, brit. Kriegsgefangenschaft; 1919/20 Angest. in der Schleswiger Betreuungsstelle für Kriegsgefangenenheimkehrer; 1920 Mitbegr. der SAJ u. bis 1927 Vors. des SAJ-UB Schlesw.-Hol- stein; 1920 SPD; 1924 – 33 Mitgl. des Bundesvorst. des Reichsbanners; ab 1927 Red. des Thür. SPD-Landesorgans »Das Volk«; Red. u. 1930 – 33 Mitgl. des Bundesvorst. des Reichsbunds der Kriegsbeschädigten in Berlin; Mitgl. der Kriegsopferinternationale Ciamag in Genf; 1933 – 35 antifa. Tätigkeit in der Thür. SPD; 1936 – 45 Arbeit als Reiseinspektor der Victoria-Versicherung bzw. Bez.-Inspektor im Bestattungswesen in Gera u. Erfurt. Sommer 1945 Regierungsrat u. Ltr. der Pressestelle in der Präsidialkanzlei der Landesverw. Thür.; Mitarb. am Wiederaufbau der SPD in Thür.; Mitgl. des Landesvorst.; Jan. – April 1946 Landesvors. der SPD; April 1946 –  Dez. 1948 Parität. Landesvors., bis Dez. 1949 1. Landesvors. der SED in Thür.; 1946 – 50 Abg. des Thür. Landtags u. Vors. der SED-Fraktion; April 1946 – Juli 1950 Mitgl. des PV der SED; 1948 – 50 Mitgl. des Dt. Volks- rats bzw. der Prov. Volkskammer; Jan. 1950 Wahl zum Gen.-Staatsanwalt in Mecklenb., Sept. 1950 Rücktritt aus persönl. Gründen, 21.10.1950 strenge Rüge u. Funktionsentzug für zwei Jahre für alle Nomenklaturpositio- nen, 28.10.1950 Ausschl. aus der SED wegen »pol. Fehler« u. »großer moral. Schwächen«; 1951/52 Sachbearb. in der Filiale der Dt. Notenbank Schwerin; 1952 – 54 Sachbearb. in der BV der Auto-Transport-Genossenschaft Neubrandenb.; 1954 Sachbearb. in der Filiale Anklam der Dt. Versicherungsanstalt; 1954/55 Hauptsachbearb. in der HO-BV Schwerin; Okt. 1955 Rehabil., Wiederaufn. in die SED; 1955/56 Vertragssachbearb. im Großhandelskontor Textilwaren Rostock; 1956 Ver- kaufssachbearb. im VEB Damenbekleidungswerk Glauchau; 1956 – 66 Vertragssachbearb. im VEB »Apollo-Werke« in Gößnitz (Krs. Schmölln); KMO; VVO; Stern der Völkerfreundschaft.Simowitsch, S.: »?Werden als Wortbrüchige in die Geschichte der SPD eingehen?« Sozialdemokrat. Konvertiten. Wilhelm Höcker, Carl Moltmann, Otto Buchwitz u. J. H. berlin 2006.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Hoffmann, Oskar

* 27.5.1904 – ✝ 24.8.1984

Geb. in Iserlohn (Westf.); Vater Schriftsetzer; Volksschule in Wuppertal; 1922 – 24 Ausbildung u. Arbeit in einer Privatbank in Wuppertal; 1925 Laborant bei den Bayer-Farbwerken in Wuppertal; 1926 Hauslehrer; 1927 – 30 Wanderschaft; ab 1930 in Berlin; 1930 KPD; 1930/31 arbeitslos; 1931 Landinstrukteur der KPD-BL Berlin-Brandenb.; 1931 – 34 Buchhalter in der sowj. Handelsvertr. in Berlin; 1933/34 Mitgl. der zentr. Ztg.-Kommission der KPD-BL Berlin-Brandenb.; 1934/35 Agit./ Prop.-Ltr. u. Pol.-Ltr. des KPD-UB Berlin-Schöneberg; 1935/36 Pol.-Ltr. des KPD-UB Berlin-Pankow; 1935/36 Buchhalter bei einer Großhandelsfirma in Berlin; April 1936 verhaftet; 1936 – 45 Haft im Gefängnis Berlin-Moabit, Zuchthaus Brandenb., KZ Sachsenhausen, zul. im KZ Mauthausen; dort Mitgl. illeg. KPD-Gruppen. 1945/46 Ltr. der Personalabt. in der ZV für Volksbildung; 1946 Ltr. der Rundfunkschule in Berlin u. 1946/47 Ref.-Ltr. für Rundfunksendungen im Inst. für Publizistik; 1947/48 Chefred. bzw. Intendant des Berliner Rundfunks im Funkhaus Grünau; 1948 – 50 Red. der theoret. SED-Ztschr. »Einheit«; 1950 pol. Betreuer in der ZK-Abt. (Büro) für Internat. Verbindungen; 1950/51 Einjahreslehrgang an der PHS; 1951 – 56 Ltr. der Abt. Begutachtung im Amt für Lit. u. Verlagswesen; 1956 – 58 Ltr. der HV Verlage im Min. für Kultur (Zensurbehörde); 1958/59 kommissar. Ltr. bzw. stellv. Ltr. der Abt. Lit. u. Buchwesen im Min. für Kultur; 1959 – 77 wiss. Mitarb. des IML beim ZK der SED, Abt. Geschichte bis 1945; 1977 Rentner; VVO; gest. in Berlin.Barck, S. u. a.: »Jedes Buch ein Abenteuer«. Zensur-System u. liter. Öffentlichkeit(en) in der DDR bis Anfang der 60er Jahre. Berlin 1997.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Hoffmann, Erich

* 13.2.1906 – ✝ 14.2.1959

Geboren am 13. Februar 1906 in Zerbst, Sohn einer Arbeiterfamilie; Lehre und Arbeit als Kernmacher in Kiel, ab 1927 in Hamburg. 1922 Mitglied der kommunistischen Jugend, 1927/28 UB-Leiter des KJVD in Hamburg, dann Gausekretär (»Gauführer«) der Roten Jungfront im RFB, zunächst ehrenamtlich, dann als Parteiangestellter. 1929 bis 1932 Volontär bzw. Redakteur an der »Hamburger Volkszeitung«, 1930 »Sitzredakteur« der HVZ, Verurteilung durch das Reichsgericht zu Festungshaft, die er von Januar bis November 1931 auf der Festung Gollnow verbüßte. Von 1931 bis 1933 gehörte Erich Hoffmann der Hamburger Bürgerschaft an. Er wurde 1933 in Lübeck verhaftet und im KZ Fuhlsbüttel schwer mißhandelt. Nach der Freilassung im Juni 1933 zunächst Leiter des illegalen RFB in Hamburg, flüchtete dann nach Dänemark. Dort als Instrukteur der Roten Hilfe im März 1934 ausgewiesen, ging er ins Saargebiet, Ende Februar 1935 nach Paris, im Mai 1937 nach Spanien und kämpfte als Angehöriger der Internationalen Brigaden (Panzerfahrer). Im Juli 1937 bei der Brunete-Offensive schwere Kopfverwundung, danach Politkommissar im Service Sanitär. Ab Mai 1939 Internierung in französischen Lagern, im Sommer 1942 mit der Gruppe jüdischer Kommunisten (u. a. Kurt Goldstein und Hermann Axen) nach Auschwitz deportiert. Bis Anfang 1945 Haft im KZ Auschwitz, von Januar bis April 1945 im KZ Buchenwald. Im Mai 1945 Rückkehr nach Hamburg, Hoffmann wurde dort einer der führenden KPD-Funktionäre. Zunächst Agitpropleiter, im Mai 1946 Chefredakteur der »Hamburger Volkszeitung«, im Februar 1950 Orgleiter der KPD-Landesleitung Hamburg. Von 1951 bis 1953 gehörte er der Hamburger Bürgerschaft an, Vorsitzender der KPD-Fraktion. Nach dem KPD-Verbot 1956 freier Journalist. Wegen einer schweren Erkrankung übersiedelte er 1958 in die DDR. Erich Hoffmann starb am 14.Februar 1959.