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BioLex

In der Kategorie BioLex sind drei wichtige Lexika mit über 5500 Biografien von überzeugten Kommunistinnen und Kommunisten, Renegatinnen und Dissidenten im Volltext recherchierbar.

 

Das Handbuch „Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945“ wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam.

Kurzbiografien zu Personen des politischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 bereit.

Zudem ist das Online-Lexikon www.dissdenten.eu ebenfalls auf unserer Seite aufrufbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Informationen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Handbuch Deutsche Kommunisten

Hoffmann, Gotthard

* 26.4.1905 – ✝ 2.8.1941

Geboren am 26. April 1905 in Warnsdorf/Böhmen; Arbeiter. Seit 1920 in der KJD, Orgleiter im Bezirk Schlesien, 1922/23 Mitglied des Erwerbslosenausschusses Breslau. Im Herbst 1923 verhaftet. Seit 1925 in der KPD, zog er 1928 nach Berlin, war dort später Polleiter im UB Prenzlauer Berg bzw. Nordost. Im März 1933 in die Berliner Stadtverordnetenversammlung gewählt, sein Mandat konnte er jedoch nicht mehr wahrnehmen. Bereits in der Nacht des Reichstagsbrandes verhaftet, blieb Hoffmann bis zum 9. März 1933 in »Schutzhaft«. Bis zu seiner erneuten Festnahme am 30. Januar 1934 organisierte er als Polleiter für Neukölln bzw. Kreuzberg unter dem Decknamen Walter die illegale Arbeit gegen das NS-Regime. Im Juni 1934 zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt, die er in Luckau verbüßte, wurde er schon nach wenigen Wochen in Freiheit, am 24. März 1937, erneut festgenommen und in das KZ Sachsenhausen verschleppt. Gotthard Hoffmann kam dort am 2. August 1941 durch einen Unfall beim Entschärfen von Munition ums Leben.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Hoffmann-Gwinner, Margarete

* 27.3.1888 – ✝ 30.9.1980

(* 1888 – † 1980) Geboren am 27. März 1888 in Polnisch Neukirch als Tochter des Güterdirektors Max Gwinner. Sie besuchte das Lyzeum und wollte Lehrerin werden, was ihr jedoch von der Familie verwehrt wurde, sie arbeitete als Hausgehilfin und Erzieherin. 1909 heiratete sie den Postobersekretär Wilhelm Hoffmann und war wie ihr Ehemann nach dem Weltkrieg in der USPD aktiv. Während sich ihr Mann jedoch 1922 der SPD anschloß, ging sie mit dem linken Flügel der USPD zur KPD, war 1920/21 und von 1923 bis 1925 Bezirksverordnete in Wilmersdorf. Von 1925 bis 1929 war sie KPD-Stadtverordnete in Berlin und führend in der ARSO aktiv. 1930 trat sie aus der KPD aus. Sie hatte sich 1929 scheiden lassen und heiratete im Mai 1931 den Stadtsyndikus im Magistrat und Bürgermeister von Berlin, Friedrich Lange. Zusammen mit ihrem zweiten Ehemann, der 1933 entlassen wurde, zog sie aufs Land. 1936/37 stand sie unter Beobachtung der Gestapo. Nach 1945 nicht mehr politisch aktiv, sie lebte in Westdeutschland. Margarete Hoffmann-Gwinner starb am 30. September 1980 in Murrhardt/Württemberg.

Wer war wer in DDR

Hofmann, Ulrich

* 26.6.1931

Geb. in Dolsthaida/Lauchhammer; 1945 – 48 Schlosserlehre; 1951 Abitur an der ABF in Halle; anschl. Beginn des Physikstudiums in Dresden; 1953 – 58 Forts. an der Lomonossow-Univ. Moskau, Dipl.; 1966 Prom. an der TU Dresden; dort 1969 Honorarprof. für Festkörperphysik; 1958 – 65 Assistent am Inst. für metall. Spezialwerkstoffe der AdW in Dresden, dort 1965 – 67 Bereichsltr., 1967 – 69 stellv. Dir., 1968 – 70 Ltr. des Forschungsbereichs Werkstoffwiss. der AdW; 1970 – 82 Vizepräs. für Forschung; 1980 – 90 1. Vizepräs. der AdW; 1970 Ord. Mitgl. der AdW; 1984 – 92 Sekretar der Kl. Informatik, Kybernetik u. Automatisierung; 1981 VVO. Nach Abwicklung der AdW-Inst. seit 1992 als Firmenberater tätig. Forschungsschwerpunkte: Festkörpermagnetismus, allg. Fragen der Werkstoffphysik u. -kunde, Tieftemperaturphysik.Dieter Hoffmann

Wer war wer in DDR

Hohmann, Charlotte

* 19.5.1900 – ✝ 8.12.1971

Geb. in Gera; Vater Maler, Mutter Näherin; 1906 – 14 Mittelschule in Gera; 1914 – 16 Schneiderlehre; 1917 – 19 Hilfsbeamtin im Rathaus Gera; 1919 – 21 Haushaltshilfe; 1921 – 23 Kontoristin im Kalksyndikat Gera (Entlassung wg. kommunist. Betätigung); 1922 KJV, KPD; 1924 / 25 Sekretärin bei der Sozialen Bauhüttengenossenschaft; 1925 – 30 Chefsekretärin Architekturbüro Schraps bzw. Bauhüttenbetrieb Ostthüringen in Gera; 1926 Heirat mit dem KPD-Fkt.  Paul Hohmann; nebenberufl. Arbeiterkorresp.; 1931 Umzug nach Berlin, Schulung an der Reichsparteischule der KPD in Berlin-Fichtenau, anschl. Referentin in der Frauenabt. des ZK der KPD; Ende 1931 – 33 Volontärin u. Red. der KPD-Frauenztschr. »Die Kämpferin« (Zeitschriftenverlag »Roter Stern«); 1933 – 35 Mitarb. in einem privaten Feinkost- u. Milchgeschäft; ihre Wohnung wurde Anlaufstelle für illeg. KP-Widerstandskämpfer u. Kuriere, Vertrieb illeg. Druckschriften u. Post, Vermittlung von Unterkünften für illeg. KP-Aktivisten (»Iffland-Apparat«); Mai 1933 Verhaftung des Ehemanns; weiter illeg. Arbeit in den Widerstandsgruppen Saefkow, Seelenbinder, Rudolf Scheffel / Felix Tucholla; 1936 – 42 Kontoristin d. Wirtschaftsgruppe Elektro-Ind. (aus Krankheitsgründen ausgeschieden); 1942 – 45 Hausfrau; Aug. 1942 Verhaftung u. Sept. 1943 Hinrichtung des Bruders Rudolf Scheffel; zwischen 1933 u. 1944 mehrfach von der Gestapo verhört. Mai – Nov. 1945 Sachbearbeiterin beim Magistrat (Finanzabt. in Berlin-Schöneberg); 1946 – 57 Chefred. der Ztschr. »Frau von Heute« (Organ des Zentralen Frauenaussch., ab 1948 des DFD); 1948 – 50 stellv. Chefred. der Ztschr. »Für Dich« (unter Chefred. Willi Karsch), 1950 – 55 Hauptgeschäftsf. des VDJ; ab 1955 Rentnerin, weiterhin ehrenamtl. Parteiarbeit; 1958 Med. für Kämpfer gegen den Fasch. 1933 – 45; gest. in Berlin.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Höhn, Wilhelm

* 10.9.1892 – ✝ 8.6.1938

Geboren am 10. September 1892 in Enzheim bei Alzey, Sohn einer kinderreichen Tagelöhnerfamilie. Er lernte Schuhmacher und wurde später Funktionär im Ortsverband der Schuhmacher in Frankfurt am Main. 1920 Mitglied der USPD, seit 1921 der KPD, gehörte er früh der BL Hessen-Frankfurt an, arbeitete im Ressort Landwirtschaft und war führend im AM-Apparat der BL tätig. Im März 1933 festgenommen und durch SA-Leute schwer mißhandelt, kam er in das KZ Osthofen bei Worms, aus dem er im Juli 1933 flüchten konnte. Zunächst lebte er in Frankreich, konnte im Oktober 1935 in die Sowjetunion reisen. Im März 1938 verhaftet und am 8. Juni 1938 von der Sonderberatung des NKWD zu acht Jahren Lager verurteilt. Wilhelm Höhn wurde am 15. November 1938 im Gulag ermordet, am 12. Februar 1959 juristisch rehabilitiert. Verheiratet war er von 1915 bis 1932 mit Eva Höhn, geborene Grösch (* 15. 2. 1893 in Gichenbach/Rhön), Tochter eines Holzarbeiters, Hausangestellte und Weberin. Seit 1923 in der KPD, Mitbegründerin und Gauleiterin des RFMB in Hessen-Frankfurt, dort ab Juni 1928 Stadtverordnete. Mitglied der BL Hessen-Frankfurt, ab März 1933 in der »Emigranten-Kommission« der illegalen BL, wurde sie am 15. März 1935 festgenommen. Aus »Mangel an Beweisen« entlassen, erneut am 1. September 1939 verhaftet und am 12. Oktober 1940 vom OLG Kassel zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach 1945 wieder Mitglied und Funktionärin der KPD Hessen. Eva Höhn starb am 14. Oktober 1966 in Frankfurt am Main. Der Sohn Willi Höhn (* 3. 4. 1915 – † 4. 7. 1980) gehörte seit 1929 dem KJVD und seit 1933 der KPD an. Er emigrierte Ende 1933 nach Frankreich. Dort war er im Juni 1936 Mitbegründer der Freien Deutschen Jugend in Paris. Interbrigadist im Spanischen Bürgerkrieg, Betreuer und Übersetzer von Hans Beimler. 1939 in Paris interniert, 1941 der Gestapo übergeben und vom Sondergericht zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach 1945 hauptamtlicher Funktionär der KPD, ab 1969 der DKP, Sprecher der Gemeinschaft der Spanienkämpfer in der Bundesrepublik. Sein Bruder Erich (* 25. 8. 1921 – † 15. 3. 2000) übersiedelte im November 1931 in die Sowjetunion, war später Sportlehrer. Ab März 1949 in Berlin Redakteur der »Täglichen Rundschau«, kehrte er 1950 zurück in die UdSSR. Lehrer an einer Mittelschule. Ab 1959 lebte er mit seiner Familie in Schwerin. Michael Bermejo veröffentlichte 2006 eine biographische Skizze über Eva Höhn.

Wer war wer in DDR

Holland-Moritz, Renate

* 29.3.1935 – ✝ 14.6.2017

Geb. in Berlin; Vater selbst. Kaufm., Mutter Artistin, später Buchhalterin; Ober- u. Handelsschule; ab 1952 Volontariat in versch. Ztschr. des Verlags Kultur & Fortschritt; Redaktionsass. der »BZ am Abend«, Red. der »National-Zeitung«, freiberufl. Gerichtsreporterin; seit 1956 ständige Mitarb. der Satireztschr. »Eulenspiegel«, seit 1960 dort Filmkritikerin; 1972 Kunstpreis des FDGB; 1973 Heinrich-Greif-Preis; 1978 Goethe-Preis der Stadt Berlin; 1984 Heinrich-Heine-Preis. Seit 1998 auch Filmkritikerin des MDR-Hörfunks Sachsen-Anh.; gest. in Berlin. Autorin von 20 Büchern (die meisten illustriert von  Manfred Bofinger), darunter die heiter-satir. Erzählungen: 1967 »Das Durchgangszimmer« (1972 vom DFF verfilmt unter dem Titel »Florentiner 73«), 1969 »Graffunda räumt auf« (1972 von der DEFA verfilmt unter dem Titel »Der Mann, der nach der Oma kam«), 1973 »An einem ganz gewöhnl. Abend« (1974 vom DFF verfilmt unter dem Titel »Eine Stunde Aufenthalt«), 1980 »Klingenschmidts Witwen«; die Kurzgeschichten-Sammlungen: 1967 »Guten Morgen, Fröhlichkeit« (zus. mit ihrem damaligen Mann  Lothar Kusche), »Ein Vogel wie du und ich«, 1971 (mit L. Kusche), 1975 »Der Ausflug der alten Damen«, 1978 »Bei Lehmanns hat’s geklingelt«, 1980 »Die schwatzhaften Sachsen«; 1986 »Die tote Else. Ein wahrhaftiges Klatschbuch«, 1993 »Ossis, rettet die Bundesrepublik«, 1997 »Die tote Else lebt. Wahrhaftige Klatschgeschichten aus fünf Jahrzehnten« u. drei Bände »Die Eule im Kino« (Filmkritiken 1960 – 2005).Ingrid Kirschey-Feix

Handbuch Deutsche Kommunisten

Hollmann, Oskar

* 13.9.1897 – ✝ 2.5.1956

Geboren am 13. September 1897 in Gevelsberg/ Schwelm, zehntes Kind eines österreichischen Porzellan- und Glasmalers; Lehre als Schriftenmaler, bis 1917 in der Rüstungsindustrie beschäftigt, dann Kriegsdienst in der österreichisch-ungarischen Armee. 1918 Kohlenarbeiter bei der Reichsbahn, 1919 in den Betriebsrat gewählt, USPD-Mitglied. Er trat 1923 in die KPD ein, war zunächst Zellenleiter, später Mitglied der BL Berlin-Brandenburg. Er gehörte zeitweise der Berliner und der Reichsleitung der RGO an. Im November 1929 erstmals zum Berliner Stadtverordneten gewählt, im März 1933 wiedergewählt. Anfang März 1933 festgenommen, kam aber nach vier Monaten wieder frei. Als Hollmanns Einbürgerung, die 1924 erfolgt war, widerrufen wurde, hatte er als Staatenloser Schwierigkeiten, eine Aufenthaltserlaubnis zu erlangen. Da seine Frau Margarete (* 14. 8. 1902 – † 5. 5. 1987) 1937 eine Stelle als Buchhalterin bekam, konnte er deren Heimarbeit übernehmen. Ab 1941 war Hollmann Angestellter bei einer Ersatzkasse, im Zuge der Aktion »Gewitter« wurde er im August 1944 noch einmal kurz verhaftet, Ende 1944 zur Wehrmacht einberufen. Ende April 1945 vom sowjetischen Kommandanten als stellvertretender Bezirksbürgermeister von Neukölln eingesetzt, er trat wieder in die KPD ein. Später arbeitete er im FDGB-Bundesvorstand, war Mitglied des Sekretariats des ZV der IG Eisenbahn bzw. stellvertretender Leiter der Abteilung Finanzen. Dann im Ministerium für Arbeit und Berufsausbildung der DDR beschäftigt. Oskar Hollmann starb am 2.Mai 1956 in Ost-Berlin.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Holm, Johannes (Hans)

* 3.1.1895 – ✝ 31.10.1981

Geboren am 3. Januar 1895 in Hamburg, Sohn einer Arbeiterfamilie; Dekorationsmaler, trat 1911 der Arbeiterjugend, 1914 der SPD bei. Weltkriegsteilnehmer, während der Novemberrevolution gehörte er dem Hamburger Arbeiter- und Soldatenrat an und arbeitete mit Rudolf Lindau in der Presseabteilung. 1918/19 Mitglied des Spartakusbundes und der KPD, zeitweise Orgleiter der KPD in Hamburg, wechselte aber dann in das Verlagswesen der jungen Partei. Seit April 1921 Leiter der Berliner Außenstelle des Verlages Carl Hoym Nachf. Hamburg, baute 1923 eine illegale Druckerei auf. Nach Differenzen mit Ruth Fischer in der Gewerkschaftsfrage im April 1924 aus der KPD ausgeschlossen. Im April 1926 wurde der Beschluß aufgehoben, Holm wurde in Berlin als Nachfolger von Robert Siewert Leiter der VIVA (Vereinigung Internationaler Verlagsanstalten). Er gehörte auch der ZK-Abteilung für Agitation und Propaganda an. Im Juni 1929 als Versöhnler von allen Funktionen entbunden, begann er bei Willi Münzenberg als Leiter der Buchabteilung des Neuen Deutschen Verlags, der späteren »Universumbücherei für alle«. Als erfahrener Verlagsspezialist unterstützte Holm auf Empfehlung von Hugo Eberlein für die Komintern ausländische, kommunistische Verlage, u. a. ab April 1933 in Dänemark. Im März 1939 flüchtete er gemeinsam mit Sepp Miller und Willi Langrock nach Norwegen, sie beteiligten sich nach der deutschen Besetzung am illegalen Kampf der KP Norwegens. Im Januar 1943 in Oslo verhaftet, kam Holm in das KZ Sachsenhausen, von dort im April 1945 als »Norweger« im Zusammenhang mit der Rot-Kreuz-Aktion des schwedischen Gesandten Bernadotte nach Schweden evakuiert. Im August 1945 Übersiedlung nach Norwegen, Leiter des Parteiverlages der KP Norwegens. Im Februar 1948 Rückkehr nach Berlin, Holm begann als Hauptreferent für Buchwesen im PV der SED und wurde Anfang 1952 noch Abteilungsleiter in der Zentrag. Bereits im April 1952 wegen seiner Westemigration aus der SED ausgeschlossen und als Leiter der Presseabteilung in den Mitteldeutschen Verlag nach Leipzig abgeschoben. Im Oktober 1956 »rehabilitiert«, arbeitete er von 1957 bis 1960 in der Leitung des URANIA-Verlages. Da sich Holm nach 1956 ablehnend zur dogmatischen Politik Walter Ulbrichts äußerte, im Sommer 1960 offen die Verhaftung des einstigen VVN-Generalsekretärs Karl Raddatz kritisierte, wurde gegen ihn durch das MfS ein operativer Vorgang »Verschwörer« angelegt. Hans Holm starb am 31.Oktober 1981 in Berlin.Michael F. Scholz

Wer war wer in DDR

Holtz-Baumert, Gerhard

* 25.12.1927 – ✝ 17.10.1996

Geb. in Berlin; Vater Arbeiter; aufgew. bei Pflegeeltern; Volksschule, ab 1938 Realgymnasium in Berlin; 1943/44 Flakhelfer, 1944 RAD, 1945 Soldat, April 1945 Desertion; amerik. Kriegsgefangenschaft bis Juli 1945, Flucht. 1947 Abitur in Berlin; Org.-Sekr. im Jugendaussch. Berlin-Friedrichshain; 1947 – 49 Funktionär im FDJ-Stadtvorst. Berlin; 1947 SED; KB; 1948 Ltr. der FDJ-Schule Berlin-Rahnsdorf; 1948 – 51 stellv. Dir. im Haus der Kinder, dem späteren Zentralhaus der Jungen Pioniere; 1951 – 58 Chefred. der »ABC-Ztg.« u. der »Schulpost«; 1951 – 54 Fernstudium der Pädagogik; 1953 – 55 Abenduniv. Marx.-Lenin.; 1958/59 Studium am Inst. für Lit. »Johannes R. Becher« in Leipzig u. Fernstudium der Journalistik (Abschl. 1966); seit 1959 DSV; 1959 – 61 Sekr. für Nachwuchsarbeit des DSV; ab 1961 freier Schriftst.; 1963 – 92 Chefred. der Reihe »Beiträge zur Kinder- u. Jugendlit.«; 1969 – März 1990 Mitgl. des Vorst. des SV; seit 1971 Mitgl. der Volkskammer, Aussch. für Kultur; 1972 Mitgl. des Präs. des SV; 1973 Heinrich-Heine-Preis; seit 1977 Vizepräs. des SV; seit 1976 Mitgl. der Jugendkommission beim PB; 1975 u. 1987 NP; 1981 – 89 Mitgl. des ZK der SED; 1987 Dr. h. c. der PH »Karl F. W. Wander«; vom MfS seit 1957 als IM »François Villon« erf.; gest. in Heinrichsfelde (b. Gransee).Alfons Zitterbacke. Berlin 1958; Der kleine Trompeter. Berlin 1959; Alfons Zitterbacke hat wieder Ärger. Berlin 1962; Trampen nach Norden. Berlin 1975; Die pucklige Verwandtschaft. Berlin 1985; Heinz Keßler u. a. (Hrsg.): Briefe aus Moabit. Berlin 1993; Alfons Zitterbackes neuer Ärger. Leipzig 1995; Berlin, wie es im Buche steht. Lit. Spaziergänge. Berlin 1996; Berlin, wie es im Buche steht. Neue liter. Spaziergänge. Berlin 1999.Carsten Wurm

Handbuch Deutsche Kommunisten

Holzfäller, Karl

* 5.2.1884 – ✝ 29.1.1945

Geboren am 5. Februar 1884 in Köslin; Steinmetz, Soldat im Ersten Weltkrieg. Gegen Ende des Krieges fand er Anschluß an den Spartakusbund, gehörte einem Arbeiter- und Soldatenrat an und war seit Anfang 1919 in der KPD. Von 1921 bis 1929 Mitglied der Berliner Stadtverordnetenversammlung, 1931 zog er nach Woltersdorf bei Berlin, arbeitete dort in seinem Beruf und bildete Lehrlinge aus. Mit einem ehemaligen Steinmetz, der als Soldat in der Sowjetunion war, führte er einen Briefwechsel über dortige Zustände und die Schwierigkeiten der deutschen Soldaten. Einer seiner Söhne war bereits in der Sowjetunion gefallen. Als ein Freund dieses Sohnes ihn 1943 besuchte, begrüßte er diesen: »Schämst du dich nicht, hier in Uniform hinzukommen, wo wir doch unseren Sohn verloren haben?« Er beklagte auch, der Sohn sei gefallen, weil »ein Wahnsinniger sich gegen das wehrt, was kommt«. Um den jungen Mann zu überzeugen, schaltete er den Radiosender Moskau ein und lud weitere Bekannte dazu. Daraufhin wurde Holzfäller denunziert, am 11. November 1943 festgenommen und am 5. Januar 1945 vom VGH in Potsdam wegen »Wehrkraftzersetzung, Feindbegünstigung und Vorbereitung zum Hochverrat« zum Tode verurteilt. Karl Holzfäller wurde am 29. Januar 1945 im Zuchthaus Brandenburg-Görden durch das Fallbeil ermordet.

Wer war wer in DDR

Homuth, Willi

* 30.12.1922 – ✝ 19.2.1988

Geb. in Nebelin (Krs. Perleberg); Vater Landarb.; Volks- u. Berufsschule; Lehre u. Arbeit als Schmied u. Maschinenbauer; 1941 Wehrmacht; 1945 – 49 sowj. Kriegsgefangenschaft, 1949 Antifa-Schule Ogre (b. Riga). 1950 Rückkehr in die DDR; SED; Ltr. der Abt. Prop. der SED-KL Perleberg; Okt. 1950 Kaderinstrukteur der SED-LL Brandenb.; 1951/52 Studium an der PHS; 1953 – 56 Instrukteur in der Abt. Prop.; 1956 – 58 Instrukteur im Arbeitsbüro, 1958 – 62 Instrukteur in der Abt. Org. bzw. Parteiorgane des ZK der SED; ab Juni 1962 hauptamtl. pol. Mitarb. in der Ltg. der PO beim ZK der SED; 1962 – 68 stellv. Sekr. u. 1968 – 76 1. Sekr. der PO beim ZK im Range eines ZK-Abt.-Ltr. (Nachf. von  Richard Herber); 1969 u. 1982 VVO; 1976 – 88 Mitgl. des Sekr. des NR der NF.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Hönisch, Erich

* 26.1.1921 – ✝ 3.9.1971

Geb. in Röllingshain (b. Chemnitz); Vater Tischler; Volksschule; 1935 – 38 Berufsschule u. Lehre als Zimmerer; 1938 – 40 Zimmerer; 1940 RAD; 1941/42 Wehrmacht; 1942 – 46 sowj. Kriegsgef., Besuch von Antifaschulen. 1946 Rückkehr nach Dtl.; SED, FDJ; 1947 Jugendsekr. im SED-KV Rochlitz; 1948 / 49 Jugendsekr. im SED-LV Sachsen; 1949 / 50 Jugendsekr. im SED-PV, zeitw. Ltr. der Abt. Jugend des ZS des SED-PV; 1949 / 50 Mitgl. des Büros des ZR der FDJ; 1950 / 51 Politoffizier u. Kommandeur in der HV für Ausbildung der KVP in Berlin; 1951 / 52 Studium an der PHS der KPdSU in Moskau; 1952 – 59 Mitgl. des Sekr. des Bezirksaussch. Berlin der NF; 1952 Sekr. für Prop. der SED-LL Berlin; 1952 / 53 2. Sekr. der SED-BL Berlin, 1953 – 59 dort Sekr. für Agit. u. Prop.; 1956 – 58 Mitgl. des NR der NF; 1959 – 61 1. Sekr. der SED-Stadtbezirksltg. IV in Karl-Marx-Stadt, aus »parteierzieherischen Gründen« von der Funktion entbunden; 1961 / 62 Zimmerer im VEB Bau Karl-Marx-Stadt; ab 1963 Ltr. der Abt. Arbeitsökon. im VE Wohnungskombinat Karl-Marx-Stadt; Studium der Ingenieurökon. an der Ingenieurschule für Bauwesen in Leipzig, 1970 Abschl. als Ing.-Ökonom.Mario Niemann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Hoffmann, Martin

* 18.10.1901 – ✝ 1945

Geboren als Sohn eines Volksschullehrers am 18.Oktober 1901 in Hohensalza; besuchte die Realschule und dann ein Realgymnasium bis zur Reifeprüfung und war anderthalb Jahre kaufmännischer Lehrling. 1918 wegen seiner Antikriegshaltung zu einem Jahr Festung verurteilt. Martin Hoffmann wurde Mitbegründer des Spartakusbundes und 1919 der KPD in Königsberg, er arbeitete zunächst als Volontär dann bis 1926 als Redakteur an der »Roten Fahne des Ostens«. 1923 Chefredakteur des »Echos des Ostens«, als Anhänger der Rechten vom ZK 1924 wieder abgelöst. Für einige Zeit Bezirkssekretär in Danzig, dort von Frühjahr bis Herbst 1925 in »Schutzhaft«. Anfang 1926 bis Ende 1928 ging er nach Jena an die »Neue Zeitung«, anschließend bis April 1929 Redakteur beim Pressedienst in Berlin. Bei den Auseinandersetzungen 1928/29 aktiver Anhänger der Versöhnler, deshalb als Redakteur entlassen, Hoffmann kehrte nach Ostpreußen zurück. Da er zunächst nicht kapitulierte, zusammen mit anderen führenden Versöhnlern Ostpreußens (Glagau u. a.) am 23.August 1929 aus der Partei ausgeschlossen. Nach einer Reueerklärung 1930 wieder in die KPD aufgenommen, war zunächst in der Erwerbslosenbewegung im Rheinland tätig, danach Redakteur am »Ruhr-Echo« in Essen. Bis 1933 Gewerkschaftsredakteur dieser Zeitung, zeitweise (unter Alexander Abusch) stellvertretender Chefredakteur. Am 13. April 1933 in Duisburg verhaftet, kam Hoffmann in das KZ Brauweiler, im Oktober nach Essen in Untersuchungshaft. Am 17. Mai 1934 entlassen, er flüchtete nach Holland, kehrte aber im gleichen Jahr nach Deutschland zurück. Gemeinsam mit Wilhelm Firl leitete Hoffmann in Berlin die illegale Reichsarbeit der KPD und wurde am 19. Februar 1936 in Berlin erneut festgenommen. Im Mai 1937 stand er mit Firl vor dem VGH, der ihn am 22. Mai 1937 zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilte (Firl erhielt die Todesstrafe). In der Komintern-Zeitschrift »Rundschau« Nr. 28/1938 machte Ernst Weber ( Albert Norden) auf Martin Hoffmanns Schicksal aufmerksam. Zunächst war er im Zuchthaus Münster, vom Februar bis Dezember 1941 in der Strafanstalt Kassel-Wehlheiden inhaftiert. Am 1. Dezember 1942 wurde Hoffmann auf Anordnung des Reichsjustizministers der Gestapo übergeben. Hier verliert sich seine Spur. Martin Hoffmann ist vermutlich noch vor Kriegsende umgekommen oder ermordet worden.

Wer war wer in DDR

Hoffmeister, Cuno

* 2.2.1892 – ✝ 2.1.1968

Geb. in Sonneberg (Thür.); Vater Lederpuppenfabrikant; mittlere Reife; Handelsschule u. Lehre im väterl. Betrieb; autodidakt. Bildung in Astronomie; 1911/12 Geschäftspraktikum in den USA; 1915 – 18 Hilfsassistent an der Sternwarte Bamberg; 1920 Reifeprüfung; danach Student u. Hilfsassistent an der Univ.-Sternwarte Jena; 1925 Dir. der neugegr. Sternwarte Sonneberg, seit 1937 Abt. der Univ.-Sternwarte Berlin in Babelsberg. Seit 1947 Einrichtung der Sternwarte der DAW/AdW; betrieb bes. nach 1950 deren Modernisierung mit neuen Instrumenten u. physikal. Laboratorien; 1951 – 67 Schriftltr. bzw. Hrsg. der Ztschr. »Die Sterne«; 1951 NP; Mitgl. der Internat. Astronom. Union, der DAW, der Leopoldina u. der Sächs. AdW Leipzig; Prof.; nach C. H. wurde der Planetoid Nr. 1726 benannt; gest. in Sonnenberg. Hauptarbeitsgebiete: Meteore u. veränderl. Sterne (hierzu anerkannte Standardwerke), Zodiakallicht; Begründer der Sonneberger Himmelsüberwachung (zweitgrößtes Plattenarchiv der Erde); Förderer vielfältiger Amateurarbeiten auf astronom. Gebiet; zahlr. wiss. u. populärwiss. Publ.Hoffmeister, W.: Die Anfänge der Sternwarte Sonneberg. Sonneberg 1969 (Schriftenreihe des Dt. Spielzeugmuseums Sonneberg); Richter, N.: C. H. Sein Werk u. seine Persönlichkeit. In: Die Sterne (1968) 44.Jürgen Hamel

Handbuch Deutsche Kommunisten

Hofmann, Theodor Lothar

* 16.2.1903 – ✝ 2.4.1989

(* 1903 – † 1989) Geboren am 16. Februar 1903 in Leipzig, Sohn eines Oberlehrers. Nach dem Gymnasium Banklehre, ab 1925 Angestellter, kam 1929 zur sowjetischen Handelsvertretung in Hamburg. 1929 Mitglied der KPD, Lehrer an der MASCH und bereits 1930 im AM-Apparat der KPD tätig. 1931/32 wegen versuchten Verrats von militärischen Geheimnissen inhaftiert und zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt, im Dezember 1932 amnestiert. Er floh 1933 nach Dänemark, dort in der Grenzarbeit eingesetzt, dann Instrukteur im Saargebiet. Von November 1934 bis August 1935 war Hofmann Kursant an der M-Schule in Moskau, dort anschließend Betriebsarbeiter. Er ging 1938 als Soldat der Internationalen Brigaden nach Spanien. Im Mai 1939 schickte ihn das ZK wieder nach Kopenhagen, er wurde zunächst Instrukteur, dann ab November 1939 »zweiter Mann« der Emigrationsleitung hinter Heinrich Wiatrek in der AL Nord. Im Mai 1941 verhaftet, verurteilte ihn der VGH am 5.Januar 1943 zum Tode. Als sogenannte Auskunftsperson beantragte die Hamburger Gestapo mehrmals den Aufschub der Vollstreckung des Todesurteils. Trotz einer am 13.Februar 1945 ausgesprochenen Vollstreckungsanordnung überlebte Hofmann und meldete sich nach der Befreiung bei der KPD Hamburg, die ihn als »Verräter« zurückwies. Er übersiedelte später nach Dänemark und war dort Mitarbeiter in einem Reisebüro. Theodor Hofmann starb am 2.April 1989 in Kopenhagen.

Hohmann, Ruth

* 19.8.1931

Geb. in Eisenach; 1949 Schauspielausbildung am Landeskonservatorium Erfurt; 1951 Heirat und Umzug nach Berlin; 1961 erster Auftritt als Jazz-Sängerin mit den Jazz-Optimisten Berlin; bis 1966 ständig Konzerte mit den Jazz-Optimisten und den Dresdner Tanzsinfonikern (mit beiden Ensembles Amiga-Aufnahmen), dem Harry-Seeger-Trio, dem Weißensee-Sextett, dem Bernd-Wefelmeyer-Quartett, dem Sextett und der Big Band von  [linkintern=?ID=2073]Klaus Lenz[/linkintern]; 1964 und 1965 mehrfache Mitwirkung in den Veranstaltungen »Jazz und Lyrik«, »Lyrik – Jazz – Prosa« und »Bücher – Songs – Balladen« des Verlags »Volk und Welt«; 1964 mit  Ernst-Ludwig Petrowsky Auftritt beim Prager Jazz Festival; 1965 Titel-Partie in der Fernseh-Oper »Hete« von  [linkintern=?ID=2960]Helmut Sakowski[/linkintern] und  [linkintern=?ID=852]Jean Kurt Forest[/linkintern] unter der Regie von  [linkintern=?ID=1974]Harry Kupfer[/linkintern] (die aus »kulturpolitischen Gründen« nicht gesendet, viel später aber »wiederentdeckt« wurde), Veröffentlichung von französischen Chansons mit Studioorchester auf der Amiga-LP »Die Mädchen von La Rochelle« und Lieder auf der Litera-LP »Die Söhne der großen Bärin«; 1966 – 72 gleichfalls aus »kulturpolitischen Gründen« keine Auftritte; danach Fortsetzung der Konzerttätigkeit mit dem Jazz Collegium Berlin, das bis heute ihre »Stammband« blieb (mit dem Jazz Collegium 1975 beim Jazz Festival Lublin, 1978 und 1979 Aufnahmen auf Amiga-LPs); 1975 Goldmed. bei der Leistungsschau Unterhaltungskunst in Leipzig mit dem Programm »Jazz oder nie«; 1976 Berufung als Gesangsdozentin an die Hochschule für Musik »[linkintern=?ID=706]Hanns Eisler[/linkintern]« Berlin (die Lehrtätigkeit dauerte bis 1996 und wurde dann auf ihren eigenen Wunsch beendet); 1976 Veröffentlichung von französischen Chansons mit Studioorchester auf Amiga und Begründung der (bis heute existierenden) Veranstaltungsreihe »Jazz für Sie« im Kulturhaus Berlin-Karlshorst; mehrfache Mitwirkung beim Internationalen Dixieland Festival Dresden (1977 – 90, 2001); 1984 Chansons im Hörspiel »Der arme Heinrich« von  [linkintern=?ID=925]Louis Fürnberg[/linkintern] und Peter Gotthardt und – zusammen mit Wolfgang Dehler – Gesang auf der Litera-LP »Ströme« zu Texten von Langston Hughes; 1985 Schlager-Parodien auf der von Joachim Dannenberg arrangierten Amiga-LP »Unter der Blechpalme«; 1995 CD »Swingin’ Compliments« mit dem Jazz Collegium Berlin, mit dem sie auch ständig an der Reihe »Jazz in town« im Köpenicker Rathaus teilnahm und 2003 ein Mitschnitt vom Ahrenshooper Jazz-Fest auf CD veröffentlicht wurde; seit 1997 bis heute ständige Mitwirkung in der Veranstaltungsreihe »Jazz – Lyrik – Prosa«, begleitet von der Hermann-Anders-Band, dem Macky-Gäbler-Quartett, dem Jazz Collegium und dem Swing-Duo Berlin, speziell auch im Sonderprogramm »Love and Blues« mit  Walfriede Schmitt,  [linkintern=?ID=1162]Ulrich Gumpert[/linkintern] und  Konrad Bauer; Veröffentlichung von Hohmann-Mitschnitten bei »Jazz – Lyrik – Prosa« 1999 auf der CD »Jazz – Lyrik – Prosa II« (dabei ein Duo-Titel mit  [linkintern=?ID=441]Uschi Brüning[/linkintern]) und 2000 auf der Ohr-Eule-CD »Kalauer Doppelsalto« mit  [linkintern=?ID=3404]Hansgeorg Stengel[/linkintern] und dem Macky-Gäbler-Quartett; seit 2003 alljährlich im Januar Mitwirkung in Konzerten »Jazz – Lyrik – Prosa« im großen Saal der Komischen Oper Berlin; 2005 Porträt-CD »Ruth seventy5«; 2006 Ehrenmitgl. des Jazzclub Eisenach.

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Höhne, Christoph

* 12.2.1941

Geb. in Borsdorf (b. Leipzig); seit 1956 Leichtathlet zunächst in Machern, dann bei der SG Dynamo Leipzig, beim ASK Berlin u. beim SC Dynamo Berlin (Trainer: Max Weber); Spezialdisz.: Gehen; 1965, 1967 u. 1970 Sieger beim Lugano-Cup (Weltcup der Geher), 1968 Olympiasieger, 1969 EM, 1971 Vize-EM, 1974 EM; zwischen 1965 u. 1971 drei WR; nach dem Schulabschl. Ausbildung zum Werkzeugmacher; Tätigkeit als Sportinstrukteur; arbeitet als Fotograf.Klaus Gallinat

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Höllein, Emil

* 8.2.1880 – ✝ 18.8.1929

Geboren am 8. Februar 1880 in Eisfeld/Thüringen, Sohn eines Textilarbeiters. 1885 wanderten die Eltern nach Löwen in Belgien aus. Er besuchte von 1885 bis 1895 die Mittelschule und das Athenäum in Löwen und bildete sich später selbst weiter. 1895 starben die Eltern; mit vier Geschwistern wurde Höllein nach Deutschland abgeschoben. Von 1895 bis 1898 Schlosserlehre, arbeitete bis 1904 als Werkzeugmacher, dazwischen von 1900 bis 1902 im Militärdienst. Von 1904 bis 1915 war Höllein als Privatsprachlehrer in Jena tätig. 1905 Mitglied der SPD, 1907 Vorsitzender der SPD in Jena, 1912/13 SPD-Gemeinderat. Von 1915 bis 1918 an der Front. 1917 Übertritt zur USPD, Mitbegründer des USPD- (später KPD-)Organs »Neue Zeitung« und deren politischer Redakteur. 1919/20 Abgeordneter des Landtags von Sachsen-Weimar und im Juni 1920 im Wahlkreis Thüringen für die USPD in den Reichstag gewählt. Bei der Spaltung der USPD schwankte Höllein, ehe er sich mit deren linkem Flügel der KPD anschloß. Im Oktober 1921 übersiedelte er – ein populärer Redner – als Redakteur an die »Inprekorr« nach Berlin. Im März 1923 von der KPD nach Paris geschickt, dort verhaftet und bis Juli festgehalten, dann aus Frankreich ausgewiesen, kam er wieder nach Thüringen zurück. Bis 1923 Anhänger Heinrich Brandlers, schloß er sich 1924 der Mittelgruppe an und ging dann – wohl nicht zuletzt unter dem Einfluß seiner Lebensgefährtin Gertrud Morgner, die in der KPD auf dem linken Flügel stand – zu den Linken. Im Mai 1924 im Wahlkreis Thüringen für die KPD in den Reichstag gewählt, dem er bis zu seinem Tode angehörte. Seit Mitte 1924 in Haft und erst nach dem Einspruch des Reichstags im Januar 1925 freigelassen. Im ZK war er dann für die Abteilung Sozialpolitik verantwortlich. Höllein veröffentlichte 1927 sein Buch »Gegen den Gebärzwang! Der Kampf um die bewußte Kleinhaltung der Familie«. Nach der Wittorf-Affäre vertrat er als Anhänger Ernst Thälmanns die Linie des ZK im Kampf gegen die Rechten. Emil Höllein starb überraschend am 18. August 1929. Das ZK ehrte ihn durch öffentliche Aufbahrung, die Gedenkrede hielt Ottomar Geschke.

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Hollweg, Günther

* 24.5.1902 – ✝ 7.6.1963

Geb. in Hütte (b. Lanken, Kreis Flatow, Westpr. / Łąkie, Polen); Vater Landwirt; 1911 – 20 Realgymnasium Nordhausen, Abitur; 1920 – 25 Bergbau-Studium an der TH Berlin u. der Bergakad. Clausthal, Dipl.; 1926 – 29 Betriebsltr. im Flußspatbergbau in Schwarzenfeld (Oberpfalz) sowie ab 1928 in Sulzbach an der Donau; 1929 – 45 im Braunkohlenbergbau, zunächst Betriebsing. bei der Fa. Gebrüder Fielitz in Klettwitz (Niederlausitz), ab 1936 Betriebsdir. der Beutersitzer Kohlenwerke GmbH in Wildgrube, Krs. Liebenwerda; 1933 NSDAP. 1945 CDU; 1945 – 47 Werkltr. der Gewerkschaft Leonhardt in Neumark (Geiseltal); 1947 / 48 Techn. Ltr. des Reviers Merseburg; 1948 / 49 Referent für Tagebau in der neugebildeten Braunkohlenverwaltung Merseburg; 1949 – 1952 Leiter der Produktionsabteilung der Braunkohlenverw. Senftenberg; 1952 / 53 Techn. Ltr. der VVB der Kohlenindustrie Senftenberg sowie kurzzeitig komm. Techn. Ltr. der HV Kohle in Berlin; 1953 – 56 Techn. Ltr. des Reviers Halle; 1956 Berufung als Prof. für Org. des Bergbaubetriebes an die Bergakad. Freiberg, dort Dir. des Inst. für Ökon. der Montanind.; ab 1956 auch Abt.-Ltr. Betriebs- u. Arbeitsökon. am Dt. Brennstoffinst. Freiberg; 1957 Dir. des neugegr. Inst. für Ökon., Org. u. Planung des Bergbaus, 1957 – 61 Dekan der Fak. für Ingenieurökon.; 1961 – 63 Rektor der Bergakad. Freiberg (Nachf. von  Oskar Oelsner); 1956 Verdienter Bergmann der DDR; 1959 VVO; gest. in Freiberg. Hauptarbeitsgebiete: Begutachtung von Investvorhaben der Braunkohlenindustrie, u. a. dritte Ausbaustufe des Kombinats »Schwarze Pumpe«; Arbeiten zur Perspektivplanung der Kohleindustrie u. Energiewirtschaft; Nestor der Ingenieurökon. an der Bergakad. Freiberg; ca. 40 Veröffentlichungen.Arnold, W.: Zum 30. Todestage von Prof. Dr.-Ing. G. H. In: Ztschr. für Freunde u. Förderer der TU Bergakad. Freiberg (1992 / 93) 2; Gallenmüller, O.: Prof. Dr.-Ing. G. H. – 100 Jahre. In: Ztschr. für Freunde u. Förderer der TU Bergakad. Freiberg (2002) 9.Roland Volkmer

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Holstein, Ernst

* 14.5.1901 – ✝ 30.8.1985

Geb. in Berlin; Vater Tischlermstr.; Gymnasium u. Med.-Studium in Berlin, 1926 Prom.; 1925 – 28 Assistenzarzt an der klin. Abt. für Gewerbekrankheiten am Auguste-Viktoria-Krankenhaus in Berlin-Lichtenberg (b. Ernst W. Baader); 1928 Gewerbemedizinalrat in Frankfurt (Oder); 1940 Habil. an der Med. Akad. Danzig; 1942 hier Doz. für Gewerbehygiene. 1946/47 Stadtarzt u. Ltr. des Gesundheitsamts in Frankfurt (Oder); 1947 – 50 Referats- u. Abt.-Ltr. für Arbeitsmed. in der Dt. ZV für Gesundheitswesen u. Ltr. der HA Arbeitsschutz bei der Dt. ZV für Arbeit u. Soziales; 1946 Doz. für Hygiene u. Berufskrankheiten an der HU Berlin; 1947 Prof. mit Lehrauftrag; 1951 – 61 stellv. Dir. des ZI für Sozial- u. Gewerbehygiene; 1961 – 66 Ltr. des ZI für Arbeitsmed., Prorektor der Akad. für ärztl. Fortbildung; 1957 – 83 Nat. Sekr. der DDR bei der Ständ. Kommission u. Internat. Vereinigung für Arbeitsmed., 1961 – 64 Präs. der Ges. für die gesamte Hygiene (Nachf. von Paul Oesterle); 1956 VVO, 1984 Dr. h. c. der Akad. für ärztl. Fortbildung; gest. in Berlin. Forschungsgebiete: Intoxikationen durch Quecksilber, Blei, Nitro- u. Aminoverbindungen sowie Silikoseerkrankungen.Grundriß der Arbeitsmed. Berlin 1949 (5. Aufl. 1969); Mithrsg. der »Ztschr. für die gesamte Hygiene u. ihre Grenzgeb.«, des »Internat. Archivs für Gewerbepathologie u. Gewerbehygiene« u. der Schriftenreihe »Arbeitshygiene«.Ralf Schenk

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Holtzhauer, Helmut

* 2.12.1912 – ✝ 16.12.1973

Geb. in Leipzig; Vater Justizobersekr.; Grundschule, bis 1931 OS in Leipzig, 1932 Abitur; 1928 SAJ; 1930 KJVD; 1933 KPD; 1932 – 34 Ausbildung zum Buchhändler, abgebrochen; Juli 1934 verhaftet u. wegen »Vorber. zum Hochverrat« zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt; 1934 – 39 Haft im Zuchthaus Waldheim; 1939 – 41 Arbeit als Verlagsbuchhändler beim Albatroß-Verlag in Leipzig; 1941 erneut verhaftet u. vom VGH zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt, 1941 – 43 Haft im Gefängnis Zwickau; 1943 – 45 Angest. in Leipzig u. Meuselwitz; ab 1944 illeg. pol. Tätigkeit in der Leipziger Gruppe des NKFD. 1945/46 KPD-Sekr. in Leipzig, Stadtrat für Volksbildung; 1946 SED; 1946 – 48 Bürgermstr. von Leipzig (für Wirtschaft); 1948 – 51 Min. für Volksbildung in Sachsen (Nachf. von Erwin Hartsch); 1951 – 53 Mitgl. des Min.-Rats, Staatssekr. u. 1951 – 54 Vors. der Staatl. Kommission für Kunstangelegenh.; 1954 – 71 Dir. bzw. GD der Nat. Forschungs- u. Gedenkstätten der klass. dt. Lit. in Weimar, Mitbegr. der »Bibliothek Dt. Klassiker«, ab 1955 zunächst im Volksverlag Weimar, dann im Aufbau-Verlag Berlin, Mithrsg. der »Beiträge zur Dt. Klassik«; Abg. des Bez.-Tags Erfurt; 1960 Prof.; Präs. des Museumsrats der DDR, Vertreter der DDR beim International Council of Museums; seit 1955 Vizepräs., 1971 – 73 Präs. der Goethe-Ges.; 1968 – 71 Mitgl. des Präsidialrats des KB; 1956 u. 1964 VVO; 1969 NP (im Koll.); gest. in Bad Berka.Arbeiterbew. u. Klassik. Berlin, Weimar 1964; Das Goethe-Museum in Weimar. Weimar 1969; Literar. Rev. Weimar 1971. Cleve, I.: Zwischen Ideal u. Wirklichkeit. Klassik in Weimar in der Ära H. (1954 – 1973). Köln 2000; Holtzhauer, M. (Hrsg.): Biographisches zu H. H. Berlin 2002.Bernd-Rainer Barth

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Homann, Heinrich

* 6.3.1911 – ✝ 4.5.1994

Geb. in Bremerhaven; Vater Reedereidir.; Gymnasium, 1929 Abitur; danach Jurastudium an den Univ. Tübingen, Jena, Göttingen u. Hamburg, ohne Abschl.; Mitgl. eines Studentenkorps; 1933 NSDAP; ab 1934 Berufssoldat, 1934 Fahnenjunker, 1937 Ltn., 1940 Batteriechef an der Westfront, Abt.-Kdr.; gerät 1943 als Major in Stalingrad in sowj. Gefangenschaft; Mitbegr. des NKFD; Mitarb. an dessen Sender »Freies Dtl.« u. der gleichn. Ztg.; Besuch der Zentr. Antifa-Schule in Krasnogorsk. 1948 Rückkehr nach Dtl.; zunächst tätig für die Landesreg. Mecklenb.; Beitritt zur im Aufbau begriffenen NDPD; Abt.-Ltr. beim PV in Berlin; 1949 – 52 Pol. Geschäftsf.; ab 1949 Mitgl., 1952 – 54 Vizepräs. u. 1954 – 63 stellv. Präs. der (Prov.) Volkskammer; 1952 – 67 stellv. Vors. der NDPD; seit 1957 Mitgl. des Präs. des NR der NF; 1960 – 86 stellv. Vors. des Volkskammeraussch. für Nat. Verteidigung; ab 1960 stellv. Vors. des Staatsrats; 1964 Prom. zum Dr. phil. an der MLU Halle; 1964 VVO; 1971 Honorar-Prof. an der DASR Potsdam; 1967 – 72 geschäftsf. Vors. u. ab 1972 Vors. der NDPD (Nachf. von  Lothar Bolz); 1986 KMO; 2.11.1989 Rücktritt, 17.11.1989 Abberufung aus dem Staatsrat, 10.12.1989 Parteiausschl. nach pol. u. rechtl. Untersuchung des Finanzgebarens durch das Präs. des Hauptaussch., Entlastung durch Verlautbarungen des DDR-Gen.-Staatsanwalts.Das zweite Jahr der NDPD. Berlin 1950; Das dritte Jahr der NDPD. Berlin 1951; Auf Ehre u. Gewissen. Vom Sinn einer Wandlung. Berlin 1963; Die NDPD – Mitgestaltung der entwickelten soz. Gesellschaft. Aus Reden u. Beiträgen (1971 – 1985). Berlin 1986.Helmut Müller-Enbergs

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Honecker, Erich

* 25.8.1912 – ✝ 29.5.1994

Geb. in Neunkirchen (Saargeb.); Vater Bergarbeiter (SPD/USPD/KPD); 1918 – 26 Volksschule; 1922 – 26 Mitgl. der kommunist. Kindergr., des Jung-Spartakus bzw. Pionierverb. in Wiebelskirchen; 1926 KJVD; 1926 – 28 Landarb. in Pommern; 1928 – 30 zunächst Dachdeckerhelfer, dann Dachdeckerlehre in Neunkirchen, Abruch der Lehre ohne Abschl., um sich ganz der pol. Arbeit zu widmen; während der Lehrzeit Eintritt in den Holzarbeiterverb. des ADGB; 1929 ehrenamtl. Pol.-Ltr. der KJVD-Ortsgr.; Besuch einer Bez.-Schule des KJVD; seit 1930 KPD; RFB u. RH, später RGO; ab 1930 hauptamtl. Funktionär im KJVD; 1930/31 Internat. Lenin-Schule in Moskau (»Fritz Malter«); anschl. Sekr. für Agit./Prop. in der BL Saar u. seit Ende 1931 Pol.-Ltr. der BL des KJVD im Saargeb.; zugl. Mitgl. des Sekr. der KPD-BL u. Gauführer der Roten Jungfront; Juli 1933 Teiln. an der Sitzung des ZK des KJVD in Amsterdam; von Aug. 1933 bis Frühjahr 1934 im Auftrag des ZK des KJVD u. des ZK der KPD illeg. Instrukteur für den Wiederaufbau der kommunist. Jugendorg. im Ruhrgeb. (»Herbert«); 15.2.1934 kurzz. Festnahme durch die Kriminalpolizei in Essen, zur Beobachtung entlassen, Flucht in die Niederl.; später verantw. Bearbeiter des ZK des KJVD für die Bez. Hessen, Baden-Württemberg u. Pfalz; im Herbst 1934 Rückkehr ins Saarl., um die pol. Arbeit gegen den Anschluß des Saargeb. an das Dt. Reich zu unterstützen; im Dez. 1934 in Abwesenheit in das ZK des KJVD koopt.; nach dem Anschluß des Saargeb. Flucht vor drohender Verhaftung; lebte ab Febr. 1935 mit Unterstützung der RH als Saarflüchtling in Paris; ab 28.8.1935 unter dem Deckn. »Marten Tjaden« illeg. Tätigkeit in Berlin; Kurier u. Instrukteur der von  Bruno Baum geleiteten KJVD-Org.; am 4. Dez. 1935 verhaftet, beim Verhör durch die Gestapo zuerst belastende Aussagen gegen einige Mitkämpfer, die E. H. später z. T. widerruft, am 7./8. Juni 1937 vom 2. Senat des VGH zu zehn Jahren Haft verurteilt, ab 1937 im Zuchthaus Brandenb.; dort Kalfaktor, 1943 einer Baukolonne zugeteilt u. im Berliner Frauengefängnis (Magdalenenstr.) untergebracht; am 6.3.1945 Flucht vom Arbeitskdo. u. Unterschlupf bei der Gefängnisaufseherin Lotte Grund, die Mitte April 1945 seine unbeschadete Rückkehr in die Baukolonne organisiert; Rückkehr mit dem Arbeitskdo. nach Brandenb. u. Befreiung durch die Rote Armee. Mai 1945 – 46 als Jugendsekr. des ZK der KPD mit dem Aufbau einer antifa. Jugendorg. betraut; 1945/46 Vors. des Zentr. Antifa. Jugendaussch.; 1946 Mitbegr. u. bis Mai 1955 erster Vors. der FDJ; 1946/47 verh. mit Charlotte Schanuel (geb. Dorst); 1947 – 53 Ehe mit der aus der SPD kommenden Jugendfunktionärin  Edith Baumann; 1949 – 55 Mitgl. des EK des WBDJ; 1946 Mitgl. des PV u. ab 1949 des ZK der SED; 1948/49 Mitgl. des Präs. des Dt. Volksrats; 1949 – 89 Abg. der (Prov.) Volkskammer; 1950 – 58 Kand. des PB; nach der Scheidung von Edith Baumann 1953 Heirat mit Margot Feist ( Margot Honecker), mit der E. H. seit 1952 eine gem. Tochter hat; 1955/56 Besuch der PHS des ZK der KPdSU in Moskau; dann Sekr. der  Walter Ulbricht unterstellten »Sicherheitskommission«, führend an der »Entlarvung« u. Unterdrückung tatsächl. u. vermeintl. innerparteil. Opp. ( Wolfgang Harich,  Walter Janka,  Karl Schirdewan,  Ernst Wollweber,  Erich Selbmann,  Gerhart Ziller u. a.) beteiligt; seit dem VI. SED-Parteitag 1958 Mitgl. des PB, seit Febr. 1958 Sekr. des ZK der SED, verantw. für Sicherheitsfragen, Kaderfragen u. »Leitende PO« u. damit zweitwichtigster Funktionär nach Walter Ulbricht; 1960 – 71 Sekr. des NVR; da die von Walter Ulbricht in den 60er Jahren initiierten Reformversuche die Entscheidungskompetenzen des Parteiapparats u. auch E. H.s persönl. Machtposition zugunsten von Fachleuten beschneiden, geht E. H. zunehmend auf Distanz zu seinem pol. Ziehvater u. untergräbt seit 1965/66 mit Unterstützung anderer Funktionäre die innenpol. Reformversuche sowie die dtl.-pol. Annäherungsversuche; 1971 maßgebl. beteiligt am Sturz von Walter Ulbricht; auf dem 16. Plenum am 3.5.1971 in Nachf. von Walter Ulbricht Wahl zum Ersten Sekr. des ZK der SED, ab 1976 Gen.-Sekr.; seit 24.6.1971 Vors. des Nat. Verteidigungsrats; ab 1971 Mitgl. u. 29.10.1976 – 18.10.1989 Vors. des Staatsrats (Nachf. von  Willi Stoph); 1955 VVO; 1969, 1972, 1977, 1982 u. 1987 KMO; 1972, 1982 u. 1987 Lenin-Orden; 1981 Dr. h. c. Univ. Tokio. 18.10.1989 Rücktritt von allen Ämtern; 8.11. 1989 Einleitung eines Ermittlungsverfahrens wegen Amtsmißbrauch u. Korruption durch den Gen.-Staatsanwalt; 3.12.1989 Ausschl. aus der SED; danach Mitgl. der wiedergegr. KPD; 29./30.1.1990 U-Haft, Entlassung wegen Haftunfähigkeit, anschl. Unterkunft im Pfarrhaus der ev. Pflegeanstalt in Lobetal; ab 3.4.1990 im Spital der Westgr. der Sowjetarmee in Beelitz-Heilstätten; 30.11.1990 Haftbefehl; 13.3.1991 Flucht nach Moskau, ab 11.12.1991 dort in der chilen. Botschaft; 29.7.1992 Rückführung nach Berlin, bis 13.1.1993 U-Haft in Berlin-Moabit; Anklage vor der 27. Großen Strafkammer des Berliner LG; nach Aufhebung des Haftbefehls am 13.1.1993 Ausreise nach Santiago de Chile (da Tochter mit einem Chilenen verheiratet); dort gest.Aus meinem Leben. Berlin 1980; Reden u. Aufsätze. Bde. 1 – 12. Berlin 1975 – 88; Moabiter Notizen. Berlin 1994. Lippmann, H.: H. Porträt eines Nachfolgers. Köln 1971; E. H. Skizze seines pol. Lebens. Berlin 1977 (hrsg. vom IML); Borkowski, D.: E. H. Statthalter Moskaus oder dt. Patriot? Eine Biogr. München 1987; Andert, R., Herzberg, W.: Der Sturz: E. H. im Kreuzverhör. Berlin, Wien 1990; Przybylski, P.: Tatort Politbüro. Die Akte H. Berlin 1991; Deutz-Schroeder, M., Staadt, J. (Hrsg.): Teurer Genosse! Briefe an E. H. Berlin 1994; Staadt, J. (Hrsg.): Auf höchster Stufe. Gespräche mit E. H. Berlin 1995; Kaiser, M.: Machtwechsel von Ulbricht zu H. Funktionsmechanismen der SED in Konfliktsituationen 1962 – 1972. Berlin 1997; Kunze, Th.: Staatschef a. D. – Die letzten Jahre des E. H. Berlin 2001; Pötzl, N. F.: Eine dt. Biogr. Stuttgart 2002; Völklein, U.: H. Eine Biogr. Berlin 2003; Hertle, H.-H.: Risse im Bruderbund. Berlin 2006.Monika Kaiser / Helmut Müller-Enbergs

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Hoop, Martin

* 14.4.1892 – ✝ 6.5.1933

Geboren am 14. April 1892 in Lägersdorf/ Schleswig-Holstein; lernte Schmied und ging auf Wanderschaft. Über seine Kindheit und Jugend ist nichts bekannt, nach dem Weltkrieg verschlug es ihn nach Sachsen. Als Mitglied der USPD kam er mit deren linkem Flügel 1920 zur KPD. Hoop arbeitete als Elektriker in Bautzen und wurde dort 1923 in die UBL gewählt, auch Mitglied des Stadtrats. Ab 1925 Leiter des UB Bautzen. 1925 gehörte Hoop zu den Ultralinken, doch trennte er sich 1926 von ihnen und ging zur Thälmann-Fraktion über. Anfang 1927 als Orgleiter in die BL Ostsachsen nach Dresden berufen, blieb er bis 1929 in dieser Funktion. Nach der Zusammenlegung der drei sächsischen Bezirke wurde Hoop Redakteur an der »Arbeiterstimme« in Dresden, 1932 Leiter des KPD-UB Zwickau. Am 6. Mai 1933 verhaftet und ins KZ Oberstein verschleppt, dort schwer mißhandelt. Im Prozeß gegen seine Mörder im April 1948 in Zwickau sagte ein Zeuge aus: »Ich lag in der 00 (der berüchtigten Vernehmungszelle), mir gegenüber lag der Unterbezirkssekretär der KPD Martin Hoop. Ich habe des öfteren gehört, daß die Wachmannschaften die Zelle von Hoop betraten und denselben schwer mißhandelten...« Und ein anderer Zeuge: »Ich lag neben der Zelle von Martin Hoop und habe im Unterbewußtsein nachts nebenan Geräusche gehört. Als ich am nächsten Morgen zum Austreten geführt wurde, stand die Zellentür von Martin Hoop offen und auf dem Fußboden sah ich eine Lache Blut, auf der Pritsche und an den Wänden Blutspuren. Martin Hoop war verschwunden.« Martin Hoop wurde in der Nacht zum 11. Mai 1933 in der NS-Haft ermordet.

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Hoffmann, Otto Karl

* 14.10.1882 – ✝ 14.9.1955

Geboren am 14. Oktober 1882 in Hamburg, trat vor dem Weltkrieg der SPD bei. Im Krieg Mitglied der Hamburger Linksradikalen, mit denen er bei Gründung der KPD in die neue Partei kam. Auf dem Jenaer Parteitag 1921 in die Statutenkommission gewählt. Von 1926 bis 1932 Mitglied der Hamburger Bürgerschaft und in den Jahren 1926/27 auch Mitglied der KPD-BL. Otto Hoffmann galt als Spezialist für Landwirtschaftsfragen. 1926 hauptamtlicher Sekretär für Kommunales in der BL Wasserkante und in den folgenden Jahren Redakteur der »Hamburger Volkszeitung«. Nach 1933 mehrmals inhaftiert, trat er nach 1945 politisch nicht mehr hervor. Otto Hoffmann starb am 14. September 1955 in Hamburg.

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Höflich, Karl (Höft)

* 1896 – ✝ 1.11.1937

Geboren 1896 in Budapest; Mechaniker. Während der Revolution 1919 in Ungarn Vorsitzender des Revolutionären Militärtribunals, nach der Niederschlagung der Räterepublik Ausreise nach Deutschland. Zunächst Mitglied und Funktionär der KPD in Solingen, später Mitarbeiter in der Juristischen Zentralstelle der KPD-Reichs- und Landtagsfraktion in Berlin. Im März 1933 in die Sowjetunion emigriert, Technologieingenieur im Werk »KIM« im Moskauer Gebiet. Dort im Frühjahr 1937 vom NKWD verhaftet und am 1. November 1937 zum Tode verurteilt, Karl Höflich wurde am 3. November 1937 in Butowo erschossen. Seine 1911 in Berlin geborene Frau Gertrud arbeitete bis zu ihrer Festnahme in der Sowjetunion als Lehrerin. Am 20. Juni 1937 ebenfalls verhaftet und der »Spionage« beschuldigt, wurde Gertrud Höflich am 1.November 1937 zum Tode verurteilt und wie ihr Mann am 3. November 1937 erschossen. Beide wurden als Opfer des stalinistischen Terrors am 15. September 1989 juristisch rehabilitiert.

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Höfner, Ernst

* 1.10.1929 – ✝ 24.11.2009

Geb. in Liebenstein (Thür.); Vater Dreher; Grundschule; Lehre u. Arbeit als Glas- bläser, kaufm. Lehre, Industriekaufm.; 1948 SED; 1948 / 49 Finanzbuchhalter; 1949 / 50 Fachschulstudium; 1950 / 51 Hauptbuchhalter, 1951 / 52 Hauptreferent im Min. der Finanzen; 1952 – 55 Studium an HS für Finanzwirtschaft, Dipl.-Wirtschaftler; 1955 – 62 Fachgebiets- bzw. Abt.-Ltr. im Min. der Finanzen; 1962 – 65 Studium an der PHS des ZK der KPdSU in Moskau, Dipl.-Gesellschaftswiss.; 1965 – 70 Arbeitsgruppenltr. bzw. Ltr. der Abt. Grundsatzfragen u. Perspektivplan im Min. der Finanzen, 1970 – 76 Stellv. des Min. der Finanzen; 1976 – 79 1. Sekr. der SED-KL Zentrale Bank- u. Finanzorgane (Nachf. von Walter Schindler), 1979 – 81 1. Sekr. der SED-KL SPK (Nachf. von  Wolfram Krause); 1981 –89 Minister für Finanzen der DDR (Nachf. von  Werner Schmieder); Mitgl. des Präs. des Min.-Rats; gest. in Berlin.Andreas Herbst

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Hohn, Uwe

* 16.7.1962

Geb. in Neuruppin; begann 1971 in Rheinsberg mit der Leichtathletik; 1975 KJS Brandenburg; 1981 Wechsel zum ASK Vorwärts Potsdam (Trainer Wolfgang Skibba); 1977 u. 1979 Spartakiadesieger im Speerwerfen; 1980 DDR-Juniorenmstr.; 1981 Junioren-EM; 1982 – 85 sieben Länderkämpfe; 1982 Europamstr. (91,34 m); 1984 u. 1985 DDR-Mstr.; 1985 Sieger beim Europa- u. Weltpokal; 25.5.1984 ER in Potsdam (99,52 m); 20.7.1984 spektakulärer WR in Berlin (104,80 m) (daraufhin Einführung eines neuen Speers mit schlechteren Flugeigenschaften durch den Intern. Leichtathletikverb. ab 1.4.1986); 1984 DDR-Sportler des Jahres; 1984 SED; 1986 Bandscheibenschaden; nach erfolgloser Operation in der Charité Sportinvalide; 1982 Studium an der Außenstelle Potsdam der DHfK. 1990 Abschied als Hptm. der NVA; danach Zivilbeschäftigter der Bundeswehr; Honorartrainer beim SC Potsdam; lebt in Potsdam.Volker Kluge

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Höhne, Gerd

* 13.8.1929

Geb. in Dautzschen (Krs. Torgau); Vater Arbeiter; Volks- u. Handelsschule, 1949 – 52 ABF; 1952 – 55 Studium an der DASR Potsdam, Dipl.-Staatswiss.; ab 1955 Angeh. des MfAA; 1961 – 63 Botschaftssekr. in Prag; 1963 – 65 Sektionschef, 1965/66 u. 1968 – 76 stellv. Ltr. der Abt. Internat. Organisationen des MfAA; 1966 – 68 Studium an der ASR Potsdam, Prom. zum Dr. rer. pol.; 1976 – 79 Botschafter u. Ständiger Vertreter der DDR bei den Vereinten Nationen u. anderen internat. Organisationen in Genf, 1982 – 86 Botschafter u. Ständiger Vertreter der DDR bei den Vereinten Nationen u. anderen internat. Organisationen in Wien.Handbuch der internat. Organisationen. Berlin 1969.Andreas Herbst

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Höllerzeder, Michael

* 15.8.1898 – ✝ 28.9.1938

Geboren am 15. August 1898 in Untergrießbach/Bayern. Maschinenarbeiter in Deggendorf, 1921 Mitglied der KPD und aktiver Funktionär in Bayern. Im November 1932 wurde Höllerzeder im Wahlkreis Oberbayern-Schwaben in den Reichstag gewählt. Von Februar 1933 bis April 1934 war er in »Schutzhaft« im KZ Dachau. Danach lebte er als Arbeiter in Deggendorf. Höllerzeder starb am 28. September 1938 in Deggendorf.

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Holm, Andreas

* 22.10.1942

Geb. in Berlin; Vater Friseur; Lehre u. Meisterabschluß als Friseur u. bis 1967 Mitarb. im väterl. Geschäft; mit 12 Jahren Aufnahme in den Kinderchor der Staatsoper Berlin, später Mitgl. der Laiengr. »Akadia Combo«, anschl. im Manfred-Lindenberg-Sextett; 1962 Bekanntschaft mit  Thomas Lück bei einem Talentewettbewerb, 1964 erfolgr. Mikrophonprobe beim Rundfunk, erste Rundfunkprod. »Mein Herz ist ein Kompaß der Liebe« u. »Ein kleines Bild von Dir«; 1964 – 67 Gesangsausb. an der Musikschule Berlin-Friedrichshain, Zulassung als Berufsmusiker; 1967 erste eigene TV-Sendung »Holm im Heim«, Tourneen mit der Berliner Band »Fontanas«, 1969 erstes Duett mit Thomas Lück »Am Märchenbrunnen«; ab 1971 Mitwirkung im Tourneeprogramm »Musikexpreß«, zahlr. Rundfunkaufnahmen u. Fernsehauftritte; erfolgreichste Titel: »Morgenrot – Abendrot«, »Varadero«, »Ein Mädchen wie dich«; LPs »A. H.« (1974), »exclusiv« (1976), »Disco mit A. H.« (1977), »Die großen Erfolge« (1978), »non stop« (1979), insg. 31 Singles bei Amiga. 1990 Einbruch der Karriere, Betreiber eines Imbißstands; 1997 zus. mit Thomas Lück erster Nachwende-Auftritt in der MDR-Sendung »Wiedersehen macht Freude«, musikal. Neuanfang im Duo Holm & Lück, einige TV-Auftritte, 2004 gemeinsame Moderation des »Langen Samstags« im MDR-Fernsehen, 2001 Gründung eines Fanclubs des Duos; 2009 mit Th. Lück Tournee zum 45. Bühnenjubiläum; CDs »Das Beste von Holm u. Lück« (2000), »Jubiläumsparty« (2002, anläßl. des 40. Bühnenjubiläums).Jan Wielgohs

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Holter, Helmut

* 22.5.1953

Geb. in Ludwigslust; 1971 Abitur an der ABF der MLU Halle (Saale), 1971 – 76 Studium an der Bauingenieur-HS Moskau, Dipl.-Ing. für Betontechnologie; 1973 SED; 1976 – 79 Technologe, 1979 – 81 Prod.-Ltr. u. 1981 – 85 Sekr. der SED-BPL im VEB Beton Nord Milmersdorf; 1985 – 87 Studium an der PHS der KPdSU in Moskau, Dipl.-Gesellschaftswiss.; anschl. bis 1989 Mitarb. in der Abt. Bau-Verkehr-Energie der SED-BL Neubrandenb.; 1990 Ref. des PDS-LV Mecklenb.-Vorpomm. 1991 – 2001 Landesvors. der PDS Mecklenb.-Vorpomm.; 1994 – 2002 u. seit 2006 MdL Mecklenb.-Vorpomm.; 1998 – 2002 Min. für Arbeit u. Bau u. stellv. Ministerpräs. des Landes Mecklenb.-Vorpomm. sowie Mitgl. des Bundesrats; 2000 – 02 Mitgl. des PDS-Bundesvorst.; Nov. 2002 – Nov. 2006 Min. für Arbeit, Bau u. Landesentw. in Mecklenb.-Vorpomm.; 2006 – 09 Stellv., ab Apr. 2009 Vors. der Fraktion Die Linke u. deren Sprecher für Wirtschaftspolitik, Tourismus, Gewerkschaften u. Kirchen im Landtag Mecklenb.-Vorpomm.Helmut Müller-Enbergs

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Holweger, Erhardt

* 14.9.1911 – ✝ 3.2.1976

Geb. in Herrnstadt (Krs. Guhrau (Schles. / Wasosz, Polen); Vater Bergarbeiter; 1918 – 25 / 26 Volks- u. Fortbildungsschule in Recklinghausen; 1926 – 30 Gewerbe- u. Handelsschule u. Lehre, anschl. Arbeit als Werkzeug- u. Maschinenschlosser in Recklinghausen; 1928 SAJ; 1930 – 36 arbeitslos, anschl. Bauschlosser im Heinkel-Werk in Rostock bzw. bei den Norddt. Dornierwerken in Wismar, zuletzt als Kalkulator tätig. 1945 Angest. im Rat der Gemeinde, 1945 / 46 Bürgermstr. der Gemeinde Bad Kleinen; 1945 SPD, 1946 SED; 1946 – 49 Bürgermstr. von Neubukow; 1948 Lehrgang an der SED-LPS Mecklenb. in Wiligrad; 1949 / 50 Teiln. am 2. Zweijahreslehrgang der PHS »Karl Marx«; 1951 / 52 OB von Wismar; 1951 – 54 Fernstudium an der DVA bzw. der DASR, Dipl.-Staatswiss; 1952 Landrat des Krs. Hagenow.; 29.7.1952 – 6.8.1952 Vors. des Rats des Bez. Rostock, am 6.8.1952 von dieser Funktion abberufen, 19.8.1952 Rüge wg. »parteischädigenden Verhaltens«; 1952 / 53 Sonderbeauftragter des Rats des Bez. Rostock für Sondermaßnahmen im Krs. Bergen u. in Glowe (Rügen); 1953 / 54 Vors. des Rats des Krs. Bergen; 1954 – 57 OB von Stralsund; Okt. 1957 Rüge wg. »nicht parteimäßigen Verhaltens« u. Abberufung als OB; 1957 / 58 Dir. für Arbeit im VEB Bau Stralsund; 1958 – 75 Ltr. der Abt. für Innere Angelegenh. beim Rat des Krs. Stralsund-Land bzw. Ltr. des Abgeordnetenkabinetts.Andreas Herbst

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Hommes, Edith

* 10.2.1891 – ✝ 2.12.1935

Geboren am 10. Februar 1891 in Breslau als Edith Stillmann; besuchte die Mädchen-Mittelschule, dann die Handelsschule. Das Studium an der Handelshochschule in Berlin schloß sie mit der Diplom-Handelslehrerinnen-Prüfung ab und machte nach einem eineinhalbjährigen Studienaufenthalt in Amerika das Sprachlehrerinnen-Examen. Nach dem Weltkrieg ging sie nach Hamburg, heiratete dort Gerhard Hommes. Seit 1919 leitete sie die weibliche Abteilung der Berufsberatung des Hamburgischen Arbeitsamtes. Edith Hommes trat 1918 der USPD bei und kam mit deren linkem Flügel 1920 in die KPD. 1921 Abgeordnete der Hamburger Bürgerschaft, der sie bis 1927 angehörte. Bis 1927 auch Mitglied der KPD-BL Wasserkante. Da sie zum oppositionellen linken Flügel der Partei zählte, wurde sie 1927 nicht mehr als Kandidatin für die Bürgerschaft aufgestellt. Sie zog sich aus der aktiven Politik zurück. Von Gerhard Hommes geschieden, heiratete sie 1928 Andreas Knack (*12.9. 1886 – †3.5. 1956), der von 1919 bis 1933 als SPD-Abgeordneter in der Hamburger Bürgerschaft war. Das Ehepaar wohnte in Hamburg-Barmbek. Beide wurden 1933 aus dem Staatsdienst entlassen und emigrierten nach China. Dort wurde Andreas Knack durch Vermittlung des Völkerbundes stellvertretender Direktor des Zentralkrankenhauses in Nanking und 1935 Leiter des belgischen Missionshospitals in Kweisu (südliche Mongolei). Hier soll Edith Hommes am 2.Dezember 1935 verstorben sein. Laut anderen Quellen kehrte das Ehepaar Knack 1948 nach Deutschland zurück. Andreas Knack wurde (bis 1952) Präsident der Hamburgischen Gesundheitsbehörde.

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Honecker, Margot

* 17.4.1927 – ✝ 6.5.2016

Geb. in Halle, Vater Gotthard F., Schuhmacher, Mutter Helene F., Arbeiterin, 1940 gest.; Volksschule in Halle; 1938 – 45 JM/BDM; kfm. Lehre, danach 1943 – 45 Telefonistin im Fernsprechamt Hirschberg. 1945/46 KPD/SED, FDGB, DSF, DFD, 1945/ 46 Mitbegr. u. Mitgl. des antifa. Jugendaussch. in Halle u. der FDJ; 1945/46 Stenotypistin beim FDGB-Landesvorst. Sachsen-Anh. in Halle; 1945/46 Lehrgang zum Studium der marxist.-leninist. Pädagogik u. Psychologie bei der KPD/SED-KL Halle-Süd; 1946 – 48 Mitgl. des FDJ-Krs.-Vorst. Halle u. Sekr. für Agit./ Prop.; 1946 Lehrgang an der Landesgewerkschaftsschule; 1947 Ltr. der Abt. Kultur u. Erziehung des FDJ-Krs.-Vorst. Halle; Mai 1948 Sonderlehrgang des ZS der SED für Jugendfunktionäre in Bad Liebenwalde; 1948/49 Mitgl. des FDJ-Landesvorst. Sachsen-Anh.; dort ab Juli 1948 Sekr. für Kultur u. Erziehung u. Ltr. der Kindervereinigung; 1948/49 Mitgl. des Dt. Volksrats; 1949 – 54 Abg. der (Prov.) Volkskammer; 1949 – 54 Mitgl. des ZR der FDJ u. dessen Sekr. sowie der SED-BPO-Ltg. im ZR der FDJ; 1949 – 53 Mitgl. der ZL u. Vors. der Pionierorg. »Ernst Thälmann«; ab Juli 1950 Kand. u. seit dem VI. Parteitag der SED 1963 Mitgl. des ZK der SED; 1953 Heirat mit  Erich Honecker; 1953/54 Besuch der HS des Komsomol in Moskau; 1954 – 58 Abt.-Ltr. in der HA Lehrerbildung des Volksbildungsmin.; 1958 stellv. Min. u. ab 1963 Min. für Volksbildung (Nachf. von  Alfred Lemmnitz); 1960 – 65 Mitgl. der Ideolog. Kommission u. 1960 – 63 Mitgl. der Frauenkommission beim PB des ZK der SED; 1960 –89 Mitgl. der Kommission u. des Präs. der Kommission für UNESCO-Arbeit der DDR; 1963 – 89 Mitgl. des Min.-Rats; 1967 –März 1990 erneut Abg. der Volkskammer; 1970 – 89 Mitgl. der APW; 1974 Dr. h. c.; 1964 VVO; 1977 u. 1987 KMO. Nov./Dez. 1989 Rücktritt mit der Reg.  Willi Stoph u. dem ZK der SED; 4.2.1990 Austritt aus der SED/PDS; 1991 Ausreise in die UdSSR; seit 1992 Aufenthalt in Santiago de Chile; 2008 nicaraguanischer Orden »Ruben Dario«; gest. in Santiago de Chile.Ausgewählte Reden u. Schriften. Berlin 1986; Corvalan, L.: Gespräche mit M. H. über das andere Dtl. Berlin 2001. Stuhler, E.: M. H. Eine Biogr. Wien 2003; Ders.: Die Honeckers privat. Berlin 2005; Huhn, K.: M. H., die rote First Lady. Berlin 2005.Monika Kaiser / Helmut Müller-Enbergs

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Höpcke, Klaus

* 27.11.1933

Geb. in Cuxhaven; Vater Steuerinspektor, Stiefvater Lehrer, Mutter Lehrerin; Grund- u. OS, 1951 Abitur; 1943 ausgebombt u. Evakuierung nach Burg Stargard u. Neubrandenb. 1947 FDJ, örtl. Funktionen; 1951 – 55 Journalistikstudium an der KMU Leipzig, Dipl.-Journalist; 1953 SED; 1953/54 Praktikum bei der Ztg. »Freiheit« in Halle; 1955 – 58 wiss. Assistent, 1958 – 60 wiss. Oberassistent an der Fak. für Journalistik der KMU Leipzig; 1960 – 62 stellv. Sekr. der Univ.-Parteiltg. an der KMU; 1962/63 1. Sekr. der FDJ-BL Leipzig (Nachf. von Kurt Knobloch); 1962 – 64 Mitgl. der SED-BL Leipzig; Mitgl. des Büros des ZR der FDJ; 1964 – 73 Mitgl. des Red.-Kolleg. des »Neuen Dtl.«, zuständig für Kultur, Kunst, Lit.; 1968 Mitgl. des Präsidialrats des KB; 1973 – 89 stellv. Min. für Kultur, Ltr. der HV Verlage und Buchhandel, (Nachf. von  Bruno Haid); 1985 Disziplinarverfahren wegen der Druckerlaubnis für  Volker Brauns »Hinze-Kunze-Roman«; seit 1987 Mitgl. des PEN (DDR); März 1989 Maßregelung wegen Zustimmung zur PEN-Resolution für die Freilassung von Václav Havel; 1.11.1989 Ltr. der Kulturkommission beim PB des ZK der SED; 3.12. Mitgl. des Arbeitsaussch. zur Vorber. des a. o. Parteitags der SED; 9.12.1989 Mitgl. des Präs. des PV der SED-PDS bzw. PDS, Ltr. der Kommission Kultur-, Wiss.- u. Bildungspol.; März – Okt. 1990 Abg. der Volkskammer; Mai 1990 Ltr. der Grundsatzkommission des PV der PDS. 1990 – 99 MdL Thür., zunächst Vors. der PDS-Fraktion, ab 1994 wiss.- u. hochschulpol. Sprecher; danach weiterhin publizistisch aktiv; Mitgl. des Kuratoriums der Stiftung Archiv der Parteien u. Massenorg. der DDR im Bundesarchiv (SAPMO).Kultur in deinem Leben. Berlin 1967; Probe für das Leben. Halle 1982; Chancen Nakath, D., Stephan, G.-R.: Entweder es geht demokratisch – oder es geht nicht. K. H. – »Bücherminister« der DDR. Schkeuditz 2004.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Hoffmann, Paul

* 4.11.1867 – ✝ 17.6.1945

Geboren am 4. November 1867 in Borschen/ Krs. Steinau/Oder; lernte Maurer, kam in jungen Jahren nach Berlin und arbeitete später als Krankenkassenangestellter. Hier schloß er sich der SPD an, als aktiver Funktionär mehrmals gemaßregelt, eröffnete Paul Hoffmann 1911 eine Gastwirtschaft. 1913 wurde er für die SPD ins Preußische Abgeordnetenhaus gewählt. Im Krieg trat er zur USPD über. Von November 1918 bis Januar 1919 war Paul Hoffmann Beigeordneter für öffentliche Arbeiten in der Preußischen Regierung und wurde für die USPD 1919 in die Preußische Landesversammlung gewählt. Delegierter des USPD-Parteitages im März 1919, Anhänger der linken Strömung in der USPD. Mit der linken USPD kam er Ende 1920 zur KPD. Er vertrat die KPD ununterbrochen von 1921 bis 1933 im Preußischen Landtag. Ungeachtet seines hohen Alters war er während der NS-Diktatur längere Zeit inhaftiert. Paul Hoffmann starb am 17. Juni 1945 in Berlin.

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Hofmann, Artur

* 24.6.1907 – ✝ 4.5.1987

Geb. in Plauen; Vater Bauschlosser; Mutter Fabrikarb., 1918 gest.; Volksschule; 1920 Markthelfer in Plauen; 1921 – 27 Ausbildung u. Arbeit als Maschinen- bzw. Reparaturschlosser in Thür., Bayern u. im Ruhrgeb.; 1927 – 29 Wanderschaft in die Niederlande, dann über Österr., die Slowakei, Ungarn u. Jugosl. nach Bulgarien; 1928 Arbeiter-Esperantobund; 1929/30 Schlosser bei Blohm & Voß in Hamburg, dann arbeitslos; 1931 KPD; März 1931 als Deleg. zum Kongreß der opp. Esperantisten, Faltbootfahrt von Kiel über Dänemark, Schweden u. Finnland nach Kronstadt (UdSSR), sowj. Aufenthaltsgenehmigung; 1931 Brigadier im Hüttenwerk Nadeschinsk (Ural), dann Mstr. im Werk für Schwermaschinenbau in Swerdlowsk; bis Anf. 1933 in Serow; dann bis Aug. 1937 im Werk für Schwermaschinenbau in Swerdlowsk; ab 1937 Montageltr. im Hüttenkombinat Nishnij Tagil u. Tagilstroi; Febr. 1938 vom NKWD verhaftet, elf Mon. U-Haft in Moskau, Verfahren eingestellt, 15.1.1939 entlassen; Wiederaufn. in die KPD; Anf. 1942 in der Arbeitsarmee in Nishnij Tagil; Apr. – Juni 1943 Kursant an der KI-Schule in Kuschnarenko, dann Ausb. als Fallschirmspringer in Puschkino (b. Moskau); Apr. – Mai 1944 Propagandist im Kriegsgefangenenlager Uman (Ukraine); 22./23.4.1944 Fallschirmabsprung im Raum Częstochowa (Polen), kann Auftrag nicht erfüllen, versteckt sich bis März 1945; danach Aufenthalt in Moskau. Mai 1945 Rückkehr nach Dtl. mit der KPD-Initiativgr.  Anton Ackermann; bis Juli. 1945 stellv. Landrat bzw. 2. Bürgermstr. in Görlitz, dann Chef der VP Sachsen; Juli 1949 sächs. Innenmin. (Nachf. von  Wilhelm Zaisser); 1950 Einjahreslehrgang an der SED-PHS; 1952 stellv. Vors. des Rats des Bez. Dresden; 1952/53 Abg. des Bez.-Tags Dresden; Juli 1953 Einstellung beim Staatssekr. für Staatssicherheit, Ltr. der HA III (Volkswirtschaft), Oberst (Nachf. von  Reinhold Knoppe); 1954 Dipl. in Gesellschaftswiss. an der SED-PHS; Apr. 1957 – 60 OibE als Mitarb. der Abt. Sicherheit des ZK der SED, Ltr. des Sektors MfS; 1958 Med. Kämpfer gegen den Fasch.; 1960 Banner der Arbeit; 1960 schwere Erkrankung; Okt. 1960 – 70 stellv. Operativ des Ltr. der BV Dresden; 1967 VVO; sowj. Jubiläumsmed. »50 Jahre Tscheka«; 1970 Entlassung, Rentner; 1977 Ehrenspange zum VVO; 1982 KMO; gest. in Berlin.Die Partei ruft. In: Beiträge zur Geschichte der Arbeiterbew. (1962) 1; Gemeinsam gegen den Feind. In: Doernberg, St. (Hrsg.): Im Bunde mit dem Feind. Deutsche auf alliierter Seite. Berlin 1995.Jens Gieseke / Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Höft, Otto

* 31.3.1907 – ✝ 23.3.1973

Geboren am 31. März 1907 in Plagow/Neumark als Sohn eines Schneidermeisters. Nach dem Abitur von 1927 bis 1930 kaufmännische Lehre, trat der KPD bei und war in der Berliner Opposition, der Gruppe 60 ( Erich Raddatz), aktiv. Von Willi Münzenberg in der IHA als Sekretär für Ostdeutschland angestellt, emigrierte Höft 1933. Die KPD-Führung schickte ihn 1934 als Chef der illegalen Reichsleitung der Roten Hilfe nach Berlin zurück. Nach erneuter Emigration 1935 arbeitete er in verschiedenen Organen des »Münzenberg-Konzerns«. Höft war 1938 Redakteur der von Münzenberg publizierten Zeitschrift »Die Zukunft« und wurde deswegen aus der KPD ausgeschlossen. 1939 interniert, floh Höft 1941 ins unbesetzte Frankreich und kam in den französischen Alpen zum Maquis, wurde verantwortlich für den Grenzverkehr in die Schweiz. Zusammen mit Hans Schulz u. a. Mitgliedern der Münzenberg-Gruppe in Frankreich fand er Anschluß an die SPD. Nach 1945 versuchte Höft zunächst noch, oppositionelle Kommunisten zu organisieren, war dann in der SPD aktiv. Ab 1948 arbeitete er als freier Journalist, wurde 1950 Redakteur im Hauptvorstand der Gewerkschaft ÖTV in Stuttgart. Otto Höft starb am 23. März 1973 in Stuttgart.

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Höhn, Kurt

* 21.5.1907 – ✝ 26.9.1991

Geb. in Wiesbaden; Vater Steuersekretär; Volksschule u. Realreformgymnasium, 1926 Abitur; 1926 – 33 Studium der Gesch., Germanistik u. Anglistik an den Univ. Marburg, Wien u. Halle; Tätigkeit als Journalist; 1933 NSDAP; 1934 – 39 Red. u. a. bei der »Saale-Zeitung« in Halle; 1939 – 45 Wehrmacht, sowj. Kriegsgef. Nach 1945 Haft im sowj. Internierungslager in Sachsenhausen; 1947 – 51 Angest. bei der Landesreg. Sachsen-Anh. in Halle; 1948 CDU, 1951 / 52 Red. u. stellv. Chefred. der CDU-Ztg. »Der neue Weg« in Halle, ab 1952 zunächst Mitarb., später bis 1977 Ltr. der Hauptabt. Presse u. des Büros des CDU-HV; 1954 – 82 Mitgl. des CDU-HV; 1952 – 71 Sekr. des CDU-HV; 1972 VVO; 1982 Ruhestand; 1966 Mitgl. des Präs., 1970 – 82 Stellv. des Vors. des ZA der Volkssolidarität.Kirsten Nies

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Hölder, Ernst Otto

* 2.4.1901 – ✝ 30.6.1990

Geb. in Leipzig als Sohn des Mathematikers Otto Hölder; Schulbesuch in Leipzig, dort 1920 Abitur; anschl. Studium der Math. u. Physik an der Univ. Leipzig, 1926 dort Prom. mit der Arbeit »Gleichgewichtsfiguren rotierender Flüssigkeiten mit Oberflächenspannung« bei Leon Lichtenstein; 1926 – 39 an der Univ. Leipzig, zunächst Ass., 1929 Habil. mit »Mathematischen Untersuchungen zur Himmelsmechanik«, anschl. Privatdoz. bzw. Doz.; 1939 – 45 Mitarb. der Luftfahrt-Forschungsanstalt Braunschweig. 1945 apl. Prof., 1946 – 58 ord. Prof. für Math. an der Univ. Leipzig u. Dir. des Mathemat. Inst.; 1948 ord. Mitgl. der Sächs. AdW zu Leipzig, 1952 Mitglied der Leopoldina; 1955 ord. Mitgl. der DAW zu Berlin, ab 1969 Ausw. Mitgl.; 1958 Prof. für Math. an der Univ. Mainz, 1966 em.; gest. in Mainz. Arbeitsgebiete: Variationsrechnung u. Theorie partieller Differentialgleichungen u. deren Anwendungen; wichtige Arbeiten zur Gestaltung u. Bewegung der Himmelskörper, zur Aero- u. Hydrodynamik sowie zur mathemat. Physik; setzte in Leipzig die Schule der mathemat. Physik von L. Lichtenstein fort.Die Verzweigungsgleichungen für die krit. Kreise des restringierten Dreikörperproblems. Leipzig 1931; Poissonsche Wellenformel in nichteuklidischen Räumen. Leipzig 1938; Über die Variationsprinzipien der Mechanik der Kontinua. Berlin 1950; Fortsetzung Abelscher Differentiale 1. Gattung ins Nichtlineare. Helsinki 1958; Mit harmonischen Feldern verwandte Differentialformen unter Rand- u. Anfangsbedingungen. Helsinki 1964. Beckert, H.: Nachruf auf E. H. In: Jahrbuch der Sächs. AdW 1989 – 90; Beckert, H.: E. H. u. die mathemat. Physik. In: Beckert, H. / Schumann, H. (Hrsg.): 100 Jahre Mathematisches Seminar der Karl-Marx-Universität Leipzig. Berlin 1981 (mit Schriftenverz.).Annette Vogt

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Hollitscher, Walter

* 16.5.1911 – ✝ 6.7.1986

Geb. in Wien, Vater Baumwollgroßhändler, später verarmt; Oberschule in Arnau (Hostinné, Tschechien), 1929 Abitur; Jugendgruppe der KPČ, später KPÖ; 1929 – 38 Studium der Med. u. Philos. in Wien, Schüler von Otto Neurath u. Moritz Schlick; 1934 philosoph. Prom. bei Schlick u. Robert Reininger mit der Diss. »Gründe u. Ursachen des Streites um das Kausalprinzip in der Quantenphysik«; Ausbildung in Psychoanalyse; 1938 nach der Annexion Österreichs Emigr. über die Schweiz nach Engl., Arbeit als Psychoanalytiker in London; zugl. Lehre an der Freien Dt. HS, Vizepräs. des Austrian Centre u. Sekretär der Free Austrian Movement. Febr. 1946 Rückkehr nach Wien; Wissenschaftskonsulent des Amts für Kultur u. Volksbildung der Gemeinde Wien; Ltr. der Abt. Wissenschaftstheorie u. Psychologie des städt. Inst. für Wiss. u. Kunst; Mitgl. der österr. UNESCO-Kommission; 1949 Übersiedl. in die DDR, Prof. mit vollem Lehrauftrag für Philos., ab 1951 ord. Prof. für Logik u. Erkenntnistheorie am Inst. für Philos. der HU Berlin; Frühjahr 1953 kurzzeitige Verhaftung, Auflösung des Arbeitsvertrags; Rückkehr nach Wien; Tätigkeit als freier Wissenschaftspublizist, Wissenschaftskonsulent; Mitgl. des ZK der KPÖ; Ltr. der Wissenschaftsrubrik der »Volksstimme« Wien, Mitgl. der Red. von »Weg u. Ziel«; 1966 Gastprof. für philosoph. Probleme der mod. Naturwiss. an der KMU Leipzig, bis zum Lebensende jährl. mehrere Wochen Lehre in Leipzig, 1971 Ehrendoktor der KMU; 1976 Stern der Völkerfreundschaft; Vizepräs. der Gesell. »Österreich – DDR«. H. war in der DDR der wichtigste Vertreter der Auffassung, wonach die zentrale Funktion der (marxist.) Philosophie in einer offenen Synthese des jeweils aktuellen Gesamtwissens der Menschheit im Rahmen der Kategorien Struktur (mat. Einheit der Welt) u. Evolution (Entw.) besteht.Sigmund Freud. An Introduction. London 1947; Die Entw. im Universum. Berlin 1951; ... wissenschaftlich betrachtet. Berlin 1951; Horstmann, H. (Hrsg.): Natur u. Mensch im Weltbild der Wiss. 6 Bde. Wien 1983 – 1985 (Mitautor); Vorlesungen über Dialektik der Natur. Erstveröff. der 1949 / 50 an der HU gehaltenen Vorlesungsreihe. Marburg 1991. Zwischen Wiener Kreis u. Marx. W. H. (1911 – 1988). Hrsgb. von der Alfred Klahr Gesellschaft. Wien 2003.Hubert Laitko

Wer war wer in DDR

Holm, Johannes (Hans)

* 3.1.1895 – ✝ 31.10.1981

Geb. in Hamburg; Vater Arbeiter (SPD); Dekorationsmaler; 1911 SAJ; 1914 SPD in Hamburg-Altona; Weltkriegsteilnehmer/Westfront; Arbeiter- u. Soldatenrat (Presseabt. unter  Rudolf Lindau); 1918/19 Spartakusbund; KPD; KPD-Org.-Ltr. in Hamburg; ab 1919 für die KPD im Buchwesen; April 1921 Ltr. des Verlags Carl Hoym Nachf. Hamburg (Außenstelle Berlin); 1923 Auftrag zur Org. einer illeg. Druckerei; April 1924 wegen Differenzen in der Gewerkschaftsfrage mit Ruth Fischer Parteiausschl.; April 1926 Aufhebung des Ausschlusses; vom ZK nach Berlin gerufen; Ltr. des Parteiverlags Viva (Vereinigung Internat. Verlagsanstalten); Mitgl. der Abt. Agit.-Prop. beim ZK; 1927 mit Arbeiterdelegation sechs Wochen in der UdSSR; Juni 1929 wegen Meinungsverschiedenh. als »Versöhnler« von allen Funktionen entbunden; Mitarbeit bei Willi Münzenberg als Ltr. des Neuen Dt. Verlags, später auch der Universumbücherei für Alle; mehrfach in Moskau; April 1932 Kontrolle u. Beratung der KI-Verlage der einzelnen Sekt. (unterstand dem Ltr. der Abt. Internat. Verbindungen der KI, Ossip Pjanitzki, vermittelt durch Hugo Eberlein); April 1933 auf Parteiweisung nach Kopenhagen, Juni illeg. in Berlin, Juli 1933 Zürich, Nov. 1934 nach Paris (Edition sociales internationales); Reisen nach Amsterdam, Rotterdam, Kopenhagen, Oslo, Stockholm, Brüssel, Zürich, Basel, Wien; Jan. 1936 bis Herbst 1938 in Prag, legaler Vertrieb dt. Lit.; Juni 1936 zur Berichterstattung in Moskau; März 1939 mit  Willi Langrock u.  Sepp Miller über Polen mit der Nansen-Hilfe nach Norwegen; nach dt. Okkupation mit der illeg. KP Norwegens Kontakt; Hrsg. illeg. Schriften, Ltr. eines Grenztransportapparats, Bau kleiner Radiogeräte; 8.1.1943 in Oslo verhaftet; Juni 1943 ohne Prozeß ins KZ Sachsenhausen, Verbindungsmann zwischen dt. u. norweg. Parteigr.; April 1945 nach Evakuierung aus Sachsenhausen, aus dem Waldlager Wittstock (Mecklenb.) als »Norweger« mit den »Weißen Bussen« nach Schweden. Aug. 1945 Übersiedl. nach Norwegen; auf Wunsch der KP Norwegens Ltr. ihres Parteiverlags, trotz Anforderung aus Berlin auf eigenen Wunsch Tätigkeit in Norw. verlängert; Febr. 1948 Rückkehr in die SBZ; Hauptref. für Buchwesen beim ZK; April – Mai 1948 u. Jan./ Febr. 1949 im Parteiauftrag nach Prag, Wien, Zürich, Basel, Paris, Kopenhagen, Oslo; 1949 in Basel verhaftet, vier Wochen U-Haft (Deligentia-Affäre); Jan. 1950 Abt.-Ltr. bei Zentrag; April 1952 Opfer der »Säuberungen«, Parteiausschl.; Aug. 1952 im Mitteldt. Verlag Halle, Leipzig Ltr. der Abt. Presse u. Werbung; Okt. 1956 Parteiausschl. aufgehoben; 1957 – Okt. 1960 in der Verlagsltg. des Urania-Verlags in Leipzig tätig; Dez. 1961 –  Nov. 1962 als Kopf einer »parteifeindl. Gruppierung« innerhalb des Verlagswesens Gegenstand des Operativ-Gruppen-Vorlaufs »Verschwörer«; gest. in Berlin.Petrick, F.: Der dt. Kommunist H. H. u. der antifa. Widerstand in Norwegen. In: Ders., »Ruhestörung«. Studien zur Nordeuropapol. Hitlerdtl. Berlin 1998.Michael F. Scholz

Wer war wer in DDR

Holtz, Jürgen

* 10.8.1932

Geb. in Berlin; Vater Kaufm. u. Kunsthandwerker; 1939 – 47 Volks- u. OS in Berlin bzw. 1943 – 45 in Coburg (Evakuierung); 1948 – 52 Schulfarm Scharfenberg zunächst in Berlin-Tegel, dann in Dölln u. Himmelpfort, Abitur; 1952 / 53 Schauspielstudium am Theaterinst. in Weimar, 1953 – 55 an der Theaterhochschule in Leipzig; 1955 – 57 Engagements am Theater in Erfurt, 1957 – 60 in Brandenburg (Havel), 1960 – 64 in Greifswald, 1964 – 66 an der Berliner Volksbühne, 1966 – 74 am Dt. Theater Berlin u. 1974 – 77 am Berliner Ensemble, 1977 – 83 wieder an der Volksbühne; Rollen in vielen Klassiker-Stücken von Shakespeare bis  Heiner Müller, u. a. Titelrolle in der Maßstäbe setzenden Uraufführung »Moritz Tassow« von  Peter Hacks in der Insz. von  Benno Besson in Greifswald, arbeitete un- ter  A. Dresen,  F. Solter,  W. Heinz,  R. Berghaus,  B. Tragelehn,  F. Marquardt,  E. Schleef u. a.; 1964 – 74 nebenbei Doz. an der Schauspielschule Berlin; außerdem in Film- u. Fernsehrollen, z. B. in DEFA-Filmen: »Das zweite Leben des Friedrich Wilhelm Georg Platow«, 1968, Regie:  Siegfried Kühn), u. »Das Licht auf dem Galgen«, 1976, (R: Helmut Nitzschke); zahlr. Hörspielaufnahmen beim Rundfunk der DDR u. der ARD; Gastengagements 1978 am Schauspielhaus Hamburg (Titelrolle in dem Brecht-Stück »Fatzer«) u. 1981 / 82 am Schauspielhaus Bochum (in H. Müllers »Der Auftrag«); blieb 1983 in der Bundesrep. Dtl.; Engagement am Münchner Residenztheater; 1985 – 90 u. 1992 –95 am Schauspielhaus Frankfurt (Main). 1990 Adolf-Grimme-Preis; nebenbei auch Filmarbeit, u. a. als Karl Kautsky in »Rosa Luxemburg« (1986, Regie Margarethe von Trotta); 1991 Gastrolle am Schauspielhaus Zürich; 1993 große Popularität in der Titelrolle der Fernsehserie »Motzki« (von Wolfgang Menge); 1995 – 2000 wieder Engagement am Dt. Theater Berlin; seit 2000 Gast im Berliner Ensemble, u. a. in »Katarakt« von Rainald Goetz (1993 Gertrud-Eysoldt-Ring für die Darstellung des Alten), außerdem Gast am Nationaltheater Mannheim; weiterhin Filmrollen (»Good bye, Lenin!«, 2003, Regie Wolfgang Becker) u. zahlr. Hörbücher.Ingrid Kirschey-Feix

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Holz, Otto

* 25.7.1902 – ✝ 30.8.1963

Geb. in Roßlau (Krs. Zerbst); Vater Arbeiter; Volksschule; Lehre u. Arbeit als Maler; 1919 SAJ; 1921 KJVD u. KPD; 1923 – 28 Ltr. des KJVD-UB Dessau; 1928/29 Techn. Ltr. u. Kassierer des RFB-Gau Magdeburg-Anh.; 1929 Pol.-Ltr. des KPD-UB Dessau; 1930/31 Kursant an der Internat. Lenin-Schule; nach Rückkehr erneut Pol.-Ltr. des KPD-UB Dessau, 1931 – 33 Abg. des Dessauer Gemeinderats; ab Febr. 1933 illeg. Arbeit, 7.3.1933 inhaftiert, bis April »Schutzhaft«; Nov. 1934 erneut inhaftiert, Verurteilung durch das Berliner Kammergericht zu dreieinhalb Jahren Zuchthaus, Haft im Zuchthaus Coswig, Lager Börgermoor u. 1938 – 45 im KZ Sachsenhausen. 1945 Vors. der KPD-Ortsgr. in Roßlau; 1945 – 47 Stadtrat in Roßlau; 1946 SED; 1947 – 50 1. Sekr. der SED-KL Zerbst; 1950 Hauptref. in der ZPKK; 1950 – 63 Mitgl. der ZPKK u. dort Abt.-Ltr. des ZK der SED; 1956 VVO.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Hommes, Gerhard Rudolf

* 28.3.1894 – ✝ 6.10.1955

(* 1894 – † 1955) Am 28. März 1894 in Hannover geboren; besuchte das Gymnasium und studierte Germanistik und Geschichte. Er machte das Examen für das Lehramt an höheren Schulen und war nach dem Weltkrieg drei Jahre im Schuldienst tätig. 1917 Mitglied der USPD, Delegierter auf dem Spaltungsparteitag der USPD und auf dem Vereinigungsparteitag mit der KPD im Dezember 1920. Von 1921 bis 1926 Abgeordneter der Hamburger Bürgerschaft, er vertrat die KPD auch im Bürgerausschuß und war 1923 während des Hamburger Aufstandes in der Militärleitung der KPD. Delegierter des VIII. Parteitags 1923, als Kandidat in den ZA der KPD gewählt. Von 1921 bis 1926 Redakteur der »Hamburger Volkszeitung«, dann an die »Sächsische Arbeiterzeitung« nach Leipzig versetzt. Da er zur linken Opposition zählte, kam er 1927 nicht mehr in die Bürgerschaft. Ende der zwanziger Jahre trat Hommes der SPD bei, zog sich aber in der Folgezeit von der Politik zurück. Nach 1933 emigriert, kam während des Krieges nach Südamerika. Gerhard Hommes starb am 6.Oktober 1955 in Bogota/Kolumbien.

Wer war wer in DDR

Honigmann, Georg Friedrich Wolfgang

* 6.10.1903 – ✝ 4.11.1984

Geb. in Wiesbaden in einer jüd. Familie; Vater Internist u. Medizinhistoriker; Gymnasium, 1923 Abitur; 1923 – 27 Studium der Philos. u. Germanistik an den Univ. Berlin, Breslau, Prag u. Gießen, 1929 Prom. mit der Arbeit »Die sozialen u. polit. Ideen im Weltbild Georg Büchners«; Journalist in Frankfurt (Main) u. Düsseldorf, Ende der 20er Jahre bis 1933 Korrespondent der »Vossischen Ztg.« (Außenpol. u. Wirtschaft) in Berlin; nach 1933 Emigr. nach Großbritannien; Journalist u. Red. für die Agenturen Exchange Telegraph, Reuter u. Extel; arbeitete in England zus. mit seiner Frau Alice »Lizzy« Kohlmann für einen sowj. Nachrichtendienst; zul. Chefkorrespondent der Agentur Reuter. Mai 1946 Rückkehr nach Dtl.; SED; Mitarb. im Sowj. Nachrichtenbüro (SNB) in Berlin-Weißensee; 1946 – Febr. 1948 Chefred. u. Lizenzträger der Ztg. »Berlin am Mittag«; 1948/ 49 stellv. Chefred. der »Berliner Ztg.«; 1949 – 53 Chefred. der »BZ am Abend«; danach für die DEFA tätig (Chefdramaturg der »Stacheltier«-Prod.); 1963 Autor der TV-Dokumentation »Die Geschäfte des Axel Caesar Springer«; Sept. 1963 – 68 Dir. des Berliner Kabaretts »Die Distel« (Nachf. von Hans Krause); »Silberner Lorbeer« des DDR-Fernsehfunks; in zweiter Ehe verh. mit  Gisela May, in dritter Ehe mit der Kunshistorikerin Liselotte Honigmann-Zinserling; gest. in Weimar.Vom Stacheltier gepieckt. Berlin 1960 (Mitautor); Chef weist an oder Der Fall des William Randolph Hearst. Berlin 1972; Kapitalverbrechen oder Der Fall des Geheimrats Hugenberg. Berlin 1976. Ash, T. G.: Die Akte »Romeo«. München, Wien 1997.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Hopffe, Günther

* 19.7.1896 – ✝ 9.4.1940

Geboren am 19. Juli 1896 in Berlin; Handlungsgehilfe, Büroangestellter, später Redakteur. 1914 Mitglied der SPD, im April 1916 Teilnehmer der Jenaer »Osterkonferenz« oppositioneller junger Sozialdemokraten und am 1. Mai 1916 der Antikriegsdemonstration mit Karl Liebknecht auf dem Potsdamer Platz in Berlin. Als Anhänger des Spartakusbundes gehörte er im Oktober 1918 mit Leo Flieg, Fritz Globig u. a. der ersten Zentrale der FSJ an. Seit 1919 in der KPD, wurde Hopffe letztmalig auf dem 8. KJD-Reichskongreß im Mai 1924 in Leipzig in die Zentrale gewählt. Er galt als theoretischer Kopf im Jugendverband. 1921 forderte er in einem Artikel in der »Roten Fahne« unter dem Titel »Neuen Stürmen entgegen« den Rücktritt aller Verantwortlichen der KPD-Zentrale. 1928 aus Protest gegen die ultralinke Politik aus der KPD ausgeschlossen, trat er der KPO bei. Hopffe schrieb in deren Zeitschriften »Gegen den Strom« und in der »Arbeiterpolitik«. 1932 verließ er mit der Minderheit die KPO und ging zur SAP, war zeitweise Polleiter für den Bezirk Berlin-Brandenburg und Mitglied der erweiterten SAP-Reichsleitung. Ende 1933 emigrierte er nach Dänemark und gehörte der Kopenhagener SAP-Gruppe an. Hopffe kritisierte die enge Zusammenarbeit von Teilen der SAP-Auslandsleitung um Jacob Walcher mit der KPD, die Distanzierung von der befreundeten POUM während des Spanischen Bürgerkrieges und die unkritische Haltung zu den Schauprozessen in Moskau. Deshalb wurde er Ende 1937 aus der SAP ausgeschlossen. Die in Prag erscheinende kommunistische »Deutsche Volkszeitung« meldete am 8. Januar 1938, Günther Hopffe sei wegen »trotzkistischer Umtriebe« aus der SAP ausgeschlossen worden. Die Mehrheit der SAP-Gruppe in Kopenhagen stand jedoch zu ihm und unterstützte die von Walter Fabian geführte Gruppe »Neuer Weg«. Im April 1939 von den NS-Behörden ausgebürgert, versuchte er nach der deutschen Besetzung Dänemarks am 9. April 1940 zusammen mit zwei Genossen in einem Ruderboot über den Belt nach Schweden zu gelangen. Günther Hopffe soll in der Ostsee ertrunken sein.