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BioLex

In der Kategorie BioLex sind drei wichtige Lexika mit über 5500 Biografien von überzeugten Kommunistinnen und Kommunisten, Renegatinnen und Dissidenten im Volltext recherchierbar.

 

Das Handbuch „Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945“ wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam.

Kurzbiografien zu Personen des politischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 bereit.

Zudem ist das Online-Lexikon www.dissdenten.eu ebenfalls auf unserer Seite aufrufbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Informationen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Hutsky, Heinz

* 13.5.1916 – ✝ 19.1.1980

Geb. in Zittau; Vater Weber; Volksschule sowie Berufs- u. Meisterschule; 1930 – 39 Lehre u. Arbeit als Maler; 1939 – 45 Wehrmacht. 1945 / 46 KPD / SED; 1945 – 50 Instrukteur bzw. Sekr. der KPD- bzw. SED-KL Zittau; 1951 Lehrgang an der SED-PHS; 1951 / 52 Instrukteur der SED-LL Sachsen; 1952 Kaderltr., anschl. Kulturdir. im Materialamt Pirna; 1953 – 58 Sekr. für Wirtschaft, 1958 – 60 2. Sekr. der SED-BL Dresden; 1960 – 62 Dir. des VEB Waggonbau Görlitz; 1962 Sekr., 1963 – 71 1. Sekr. der SED-KL Görlitz; 1971 – 80 Vors. der SED-BPKK Dresden; 1976 VVO.Mario Niemann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Idel, Otto

* 13.7.1886 – ✝ 2.2.1944

Geboren am 13. Juli 1886 in Hübender bei Gummersbach; lernte Dreher. Vor dem Weltkrieg Mitglied der SPD. Mit der linken USPD 1920 zur KPD, in der er verschiedene Funktionen übernahm. Nach dem Krieg als kaufmännischer Angestellter beschäftigt. Idel gehörte in der KPD zum linken Flügel, er wurde Mitte 1924 Sekretär für Gewerkschaftsfragen in der BL Ruhr. Delegierter des IX. Parteitags 1924 und des XI. Parteitags 1927. 1929 Geschäftsführer des »Ruhr-Echos«, er kam 1931 in gleicher Funktion nach Hannover. 1933 illegale Arbeit für die KPD; verhaftet und am 10.Juni 1933 zu einem Jahr und drei Monaten Zuchthaus verurteilt. Im September 1934 aus der Haft entlassen, arbeitete er im »Bochumer Verein« als Dreher, wieder illegal tätig. Am 31.Juli 1936 vom VGH in Berlin wegen Spionage für die Sowjetunion zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt. In verschiedenen Zuchthäusern inhaftiert, dann 1944 im KZ Mauthausen. Dort kam Otto Idel am 2.Februar 1944 ums Leben.

Wer war wer in DDR

Illner, Maybrit

* 12.1.1965

Geb. in Berlin; Mutter Lehrerin, Vater Wissenschaftler; 1984 – 88 Journalistikstudium an der KMU Leipzig; 1986 SED; 1988 / 89 Mitarb. der Sportred. des DFF, 1989 – 91 in der Auslandsred. sowie Moderatorin des Reisejournals »azur« u. des »Abendjournals«; 1988 – 2007 verh. mit dem Drehbuchautor Michael Illner. 1992 polit. Red. beim ORB; 1992 – 98 Moderation u. 1998 Ltr. des ZDF-»Morgenmagazins«; seit 1999 Moderation der ZDF-Politsendung »Berlin-Mitte«, ab 2007 »Maybrit Illner«; 2000 Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis, 2002 u. 2007 Bambi; 2003 Bayer. Fernsehpreis; 2004 Dt. Fernsehpreis; 2005 TV-Journalistin des Jahres; 2006 Hildegard-von-Bingen-Preis für Publizistik; 2009 Goldene Kamera; seit 2003 engagiert als Botschafterin beim Dt. Roten Kreuz, z. B. in Irak, Pakistan u. Lesotho; lebt in Berlin.Ente auf Sendung – Von Medien u. ihren Machern. München 2003 (mit I. Brodersen); Frauen an der Macht. 22 einflussreiche Frauen berichten aus der Wirklichkeit. München 2005; Langenscheidt – Politiker-Deutsch / Deutsch-Politiker. Politiker verstehen – leicht gemacht. Berlin u. a. 2007; Schmierfinken: Politiker über Journalisten. München 2009 (mit H. Schumacher).Ingrid Kirschey-Feix

Wer war wer in DDR

Irmler, Werner

* 15.4.1930

Geb. in Kühnau (Krs. Grünberg, Niederschles./ Chynow, Polen); Vater Maschinenformer, Mutter Hausfrau; Volksschule; 1944/45 Ausbildung zum Industriekfm. 1945 Umsiedl.; 1946 – 48 Lehre als Forstfacharb.; 1948 SED; 1948/49 Hilfsförster; 1950/51 Forst-FS, Förster; 1951 Mitarb. im Min. für Land u. Forst Brandenb., dann Forstinstrukteur in Zehdenick; 1952 Einstellung beim MfS, Abt. Volkswirtschaft der BV Potsdam; 1953 Versetzung zur HA IX (Untersuchungsorgan) des MfS Berlin; 1955/56 Einjahreslehrgang an der SED-BPS Berlin; 1957 – 59 Ltr. der Abt. Information des MfS; 1959 stellv. Ltr. der Zentr. Informationsgr., 1965 Ltr. der Zentr. Auswertungs- u. Informationsgr. (ZAIG); 1960 – 65 Fernstudium an der HS des MfS Potsdam-Eiche, Dipl.-Jur.; 1970 Prom. an der JHS; 1982 VVO; 1987 Gen.-Ltn.; Dez. 1989 von seiner Funktion entbunden; Jan. 1990 Entlassung; Rentner.Grimmer, R. u. a. (Hrsg.): Die Sicherheit. Berlin 2002 (Mitautor).Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Isbaner, Werner

* 22.2.1930 – ✝ 23.12.2008

Geb. in Velten (Krs. Oranienburg); Volksschule, 1945 – 48 landw. Lehre, anschl. Studium an der Landw.-Schule Oranienburg; SED; 1951 – 60 Ltr. der VdgB-Zentralschule in Teutschenthal; 1954/59 Fernstudium an der Landw. Fak. der KMU Leipzig u. MLU Halle, Dipl.-Landwirt, ab 1960 wiss. Assistent u. Oberassistent an der MLU, 1968 Prom. zum Dr. agrar., Ernennung zum Doz.; 1970 Prof. für Ökon. der Landwirtw.; 1971 Dir. der Sektion Pflanzenprod.; 1978 Kand. der AdL; 1980 – 88 Rektor der MLU (Nachf. von  Dieter Bergner); Mitgl. der SED-BL Halle; 1990 Abberufung u. Vorruhestand. Als Mitgl. der PDS/Linkspartei aktiv in der Hallenser Lokalpolitik; gest. in Halle.Andreas Herbst / Dieter Hoffmann

Wer war wer in DDR

Jacob, Günter

* 8.2.1906 – ✝ 29.9.1993

Geb. in Berlin; Vater Lehrer; Gymnasium in Sorau u. Cottbus; nach dem Abitur 1924 – 29 Studium der Theol. in Tübingen, Berlin u. Marburg; dort 1929 Lic. theol., anschl. Vikariat u. Predigerseminar in Berlin; 1931/32 Hilfsprediger in Körlin (Schles.); 1932 – 39 Pfarrer in Forst-Noßdorf; 1933 Mitbegr. des Pfarrernotbunds; Mitgl. des Provinzialbruderrats der Bekennenden Kirche; ab 1935 mehrmals verhaftet, Auftrittsverbot, Gerichtsverfahren; 1939 – 45 Kriegsteilnehmer, zul. Uffz., Gefangenschaft. Juli 1945 Pfarrer der Kirchl. Nothilfe in Marburg; ab 1946 Gen.-Superintendent der Neumark u. der Niederlausitz in Lübben, ab 1949 in Cottbus; 1952 – 68 Mitgl. der Kommission für Glauben u. Kirchenverfassung des Ökumen. Rats der Kirchen; 1953 Ehrenprom. in Tübingen; 1963 – 67 nebenamtl. Verwalter des Bischofsamts der Ostregion der Ev. Kirche Berlin-Brandenb.; 1972 Ruhestand. Trotz zeitw. Bestrebungen nach einem Übereinkommen mit den Interessen der DDR war G. J. scharfen ideolog. Angriffen der SED-Führung ausgesetzt, da er auf der Unabhängigkeit der Kirche bestand.Das Licht scheint in der Finsternis. Stuttgart 1954; Kirche auf Wegen der Erneuerung. Berlin 1966; Der Christ in der soz. Ges. Stuttgart 1975; Umkehr in Bedrängnis. Stationen auf dem Weg der Kirche von 1936 bis 1985. München 1985; Gericht u. Gnade. Berlin 1986.Ehrhart Neubert

Wer war wer in DDR

Jacobeit, Wolfgang

* 13.5.1921

Geb. in Naumburg (Saale); Vater Studien- rat, Mutter Konzertsängerin; 1939 Abitur; 1939 – 41 Studium der Geschichte u. Volkskunde an den Univ. Leipzig u. Königsberg; 1941 – 45 Soldat, 1945 englische Gefangenschaft. 1945 – 48 Studium der Geschichte, Volks- u. Völkerkunde sowie Ur- u. Frühgeschichte an der Univ. Göttingen; 1948 Prom. mit einer ethnograph. Studie über das Joch; anschl. Arbeit in einem Aluminiumwerk; Stipendium der Dt. Forschungsgem., danach bis 1955 bei der Mission française des Recherches; 1956 Übersiedl. in die DDR; bis 1972 tätig am Inst. für Dt. Volkskunde der DAW; 1961 Habil. mit einer Arbeit über »Schafhaltung u. Schäfer in Zentraleuropa bis zum Beginn des 20. Jh.«; 1962 Gastdoz. an der HU Berlin, 1970 Honorarprof.; 1972 – 80 Dir. des Museums für Volkskunde der Staatl. Museen zu Berlin; 1980 ord. Prof. an der HU Berlin; 1986 em. J. galt als einer der wichtigsten Vertreter der Volkskunde in der DDR; zeitw. Präsident der Association Internat. des Musées d’Agriculture u. Mitgl. des Präs. der Société Internat. d’Ethnologie et de Folklore.Bäuerliche Arbeit u. Wirtschaft. Berlin 1965; Illustrierte Geschichte des Alltags des dt. Volkes. 2 Bde. Leipzig, Jena, Berlin 1985/ 87 (mit S. Jacobeit); Illustrierte Alltags- u. Sozialgeschichte Deutschlands 1900 – 1945. Münster 1995 (mit S. Jacobeit); Von West nach Ost u. zurück. Münster 2000 (Autobiogr.). Bibliogr. In: EAZ (1986) 27; Kaschuba W. u. a. (Hrsg.): Alltagskultur im Umbruch. Fs. zum 75. Geburtstag. Weimar 1996.Ilko-Sascha Kowalczuk

Wer war wer in DDR

Jacobus, Hans

* 6.8.1923 – ✝ 13.3.2003

Geb. in Berlin in einer jüd. Fam.; Vater Angest., Mutter Vertreterin; Ende 1938 Emigr. mit einem jüd. Kindertransport nach Großbritannien; Lehre als Schlosser; 1940/41 Internierung in Australien; 1941 Eintritt in die in London gegr. FDJ; 1941 – 45 Arbeit als Schlosser; 1945 KPD; 1945 – 47 Lehrer für aus KZ entlassene Kinder in London. 1947 Rückkehr nach Dtl.; SED; zunächst bis 1948 Mitgl. des FDJ-Landessekr. Brandenb. in Potsdam; 1948/49 Red. der Ztg. »Junge Welt«; 1949 – 53 Chefred. des »Sportechos«; 1953 7 Mon. U-Haft im Kontext der Repressionen u. der Vorber. eines antizionist. Schauprozesses gegen (jüd.) Westemigranten; 1954 nach Rückkehr seiner ersten Frau in ihre österr. Heimat Ablösung als Chefred. u. »Bewährung« als Kontrolleur im VEB Secura Berlin; 1954/ 55 Abt.-Ltr. für Kultur im Rat des Stadtbez. Berlin-Mitte; 1955 – 76 zunächst stellv., dann Red.-Ltr. u. pol. Kommentator des Berliner Rundfunks; Ltr. der Sendung »Das Professorenkolleg.« des Berliner Rundfunks u. des DFF; ab 1965 Mitgl. des Friedensrats; ab 1969 Mitgl. des NR der NF; 1976 – 85 Chefred. des »Sonntags« (Nachf. von  Bernt von Kügelgen), Ausscheiden aus der Chefred. auf eigenen Wunsch; 1987 Rentner. 1990 PDS; gest. in Berlin.Die Urkunde. Halle 1988; Hinter meinen Augenlidern. Berlin 1995 (gem. mit W. Sitte); Sohn, Mutter, Staub. Berlin 1998; Befindlichkeiten. Interviews. Dresden 1998; Skizzen der Gezeiten. Erlebtes u. Erträumtes. Schkeuditz 1998; Die Spuren der Familie. Berlin 2001; Beim Betreten des Hauses. Erinnerungen an Momente u. Jahrzehnte. Berlin 2002.Carsten Wurm

Handbuch Deutsche Kommunisten

Jaedicke, Alfred

* 13.4.1891

Geboren am 13. April 1891 in Berlinchen, Sohn eines Schuhmachers; wurde Schmied und Schlosser. Er trat 1912 in die SPD ein, bei der AEG beschäftigt, wurde er als Arbeiter in der Rüstungsindustrie im Ersten Weltkrieg nicht Soldat. 1917 trat er zur USPD über, ging 1920 mit dem linken Flügel zur KPD. Für die KPD war er zeitweilig Mitglied der BL Berlin-Brandenburg. Im Oktober 1925 als Abgeordneter in die Stadtverordnetenversammlung von Berlin gewählt, 1929 nicht mehr nominiert. Als Kommunist von der AEG entlassen, kam er auf eine »Schwarze Liste«. Deshalb machte er ab 1929 eine Lehre im Rohrlegerfach und im autogenen Schweißen und begann als Heizungsrohrleger zu arbeiten. In den Jahren 1936 und 1937 stand er unter Beobachtung der Gestapo, wurde dann nach 1945 in den Vorstand des FDGB in Kreuzberg gewählt. Weitere Lebensdaten von Alfred Jaedicke waren nicht zu ermitteln.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Jäger, Rudolf

* 20.5.1907 – ✝ 18.11.1974

Geboren am 20. Mai 1907 in Halle. Maurer, Transport- und Bergarbeiter; seit 1926 im KJVD, 1927 Mitglied der KPD. Orgleiter der KJVD-BL Halle-Merseburg, vom Sommer 1929 bis Mai 1931 Mitglied des ZK des KJVD. 1930/31 Gauleiter der illegalen Roten Jungfront Bezirk Halle-Merseburg. Anfang 1931 begann er im Deutschen Baugewerksbund die kommunistischen Mitglieder zu organisieren und wurde anschließend Vorsitzender des Einheitsverbandes der Bauarbeiter in der RGO. Ab November 1931 Orgleiter des Bezirkskomitees der RGO Halle-Merseburg. Im Februar 1933 übernahm Jäger die Leitung des illegalen Bezirkskomitees, wurde aber bereits am 8.August 1933 festgenommen und war bis April 1934 in den KZs Lichtenburg und Esterwegen. Er setzte seine illegale Arbeit fort und wurde 1934 Kandidat des ZK des KJVD. Im Januar 1935 erneut verhaftet, bis 1938 in den KZs Lichtenburg und Buchenwald. 1939 bis 1941 Maurer und Fliesenleger, anschließend zur Wehrmacht eingezogen, im Mai 1945 kam er für einige Wochen in sowjetische Kriegsgefangenschaft. 1945/46 1. Vorsitzender des FDGB-Ortsausschusses Halle, 1949 Vorsitzender des ZV der IG Energie. Dann von 1955 bis 1957 Botschaftsrat an der DDR-Botschaft in Prag, später Leiter der Kaderabteilung des Stahl- und Walzwerks in Hennigsdorf. Rudolf Jäger starb am 18. November 1974 in Basdorf.

Wer war wer in DDR

Jahn, Günther

* 9.1.1930 – ✝ 29.10.2015

Geb. in Erfurt; Vater Hermann Jahn, KPD-Funktionär; 1936 – 46 Grund- u. Mittelschule in Erfurt; 1940 – 45 Dt. Jugend; HJ; 1946 FDJ; 1946 KPD; 1964 – April 1990 SED; Mitbegr. der Antifa-Jugend u. FDJ in Erfurt; 1946 – 48 Humboldtschule in Erfurt, Abitur; 1948 KPS Erfurt u. Luisenthal (Gotha); 1948 – 50 Ökon.-Studium an der FSU Jena u. 1950 – 52 HfÖ Berlin, Dipl.-Wirtsch.; 1948 Praktikant bei VEB Carl Zeiss Jena; 1949 FDGB-Bundesschule in Berlin-Buch; 1954 – 56 u. 1962 – 64 pol. Mitarb. im Sektor Planung der Abt. Planung u. Finanzen des ZK der SED; 1956 – 61 Aspirantur im IfG beim ZK der SED, Dr. rer. oec., Diss. zu Wirtschaftsräten u. soz. Rekonstruktion in der DDR-Industrie, Wahrnehmungsdoz.; Juni/Juli 1961 NVA; 1964/65 stellv. Ltr. der Abt. für ideolog. Arbeit beim Büro für Industrie u. Bauwesen beim PB des ZK der SED; 1965/66 Ltr. der Arbeitsgr. Soz. Wirtschaftsführung beim ZK der SED; 1966/ 67 2. Sekr. (Nachf. von  Konrad Naumann), 1967 – 73 1. Sekr. des ZR der FDJ (Nachf. von  Horst Schumann); 1967 – 90 Abg. der Volkskammer; bis 1976 Mitgl. des Jugendaussch.; ab 1976 1. Stellv Vors. des Geschäftsordnungsaussch.; 1974 – 76 2. Sekr. (Nachf. von  Werner Eidner), 1976 – 89 1. Sekr. der SED-BL Potsdam (Nachf. von  Werner Wittig); 1976 – 89 Abg. des Bez.-Tags Potsdam; 1973 u. 1980 KMO; 1980 VVO; Nov. 1989 Rücktritt als 1. Sekr. der SED-BL Potsdam; Dez. 1989 Rücktritt mit dem ZK der SED; Rentner; gest. in Fichtenwalde (Beelitz).Soz. Arbeitsweise contra Managertum. Berlin 1959; Die Analysen der Planerfüllung und die staatl. Organe. Berlin 1961. Mählert, U., Stephan, G.-R.: Blaue Hemden – rote Fahnen. Opladen 1996.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Jahn, Rudolf (Rudi)

* 4.11.1906 – ✝ 30.9.1990

Geboren am 4. November 1906 in Leipzig-Paunsdorf, Sohn eines Metallarbeiters; lernte Bau- und Möbeltischler. 1921 Mitglied der Arbeiterjugend, 1922 des Holzarbeiterverbandes, aus dem er 1930 wegen Organisierung eines wilden Streiks ausgeschlossen wurde. 1923 trat er der KJD, 1928 der KPD bei. Jahn wurde 1928 Orgleiter des KJVD-Bezirks Westsachsen und war von Januar bis August 1929 Kursant an der Internationalen Leninschule in Moskau. Danach Polleiter der KPD-Stadtorganisation Leipzig, von Juni 1931 bis Anfang 1933 Agitpropsekretär der BL Sachsen. Von April bis November 1933 im KZ Colditz, am 24. Februar 1934 erneut verhaftet und am 13. April 1934 vom OLG Dresden zu 18 Monaten Zuchthaus verurteilt, die er in Waldheim verbüßte. Im September 1935 freigelassen, Bauarbeiter bei der Reichsautobahn sowie Parkettleger und Betriebstischler. Bei Kriegsausbruch am 1. September 1939 erneut festgenommen und bis 1945 im KZ-Buchenwald. 1945 Polleiter der KPD in Leipzig. Von September 1945 bis Frühjahr 1946 1. Landessekretär der Volkssolidarität Sachsen, 1946 bis 1948 Sekretär für Schulung und Bildung des FDGB Sachsen, ab Mitte August 1948 1. Vorsitzender des FDGB Brandenburg. Im Dezember 1949 wurde Jahn als Nachfolger von Carl Steinhoff Ministerpräsident des Landes Brandenburg. Nach Auflösung der Länder 1952 Vorsitzender des Rates des Bezirks Dresden, von Februar 1959 bis Januar 1963 DDR-Botschafter in Bulgarien, anschließend Leiter der 6. Europäischen Abteilung im Außenministerium. Er erhielt 1966 den VVO in Gold. Rudi Jahn starb am 30. September 1990.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Hütte, Alfred

* 22.1.1927 – ✝ 2.10.1999

Geb. in Grevesmühlen (Mecklenb.); Vater Maurer; Volks- u. Berufsschule, Lehre u. Arbeit als Klempner; 1944 RAD; 1944 / 45 Wehrmacht; 1945 acht Monate sowj. Kriegsgef. in Riga. 1945 / 46 Klempner in Grevesmühlen; 1946 – 49 Landmaschinenschlosser bei den Städt. Landmaschinenwerken Grevesmühlen; 1949 – 52 Schiffsmaschinenschlosser beim VEB Neptunwerft Rostock; 1952 – 59 Bereichstechnologe; Studium an den Ingenieurschulen Warnemünde u. Wismar, 1953 Maschinenbautechniker, nach Fern- u. Abendstudium 1954 Ing. für Schiffsmaschinenbau; 1958 SED; 1959 – 62 Abt.-Ltr. u. stellv. Haupttechnologe; 1962 – 66 Ltr. der Gruppe Technik bzw. Stellv. des Vors. des Bezirkswirtschaftsrats Rostock; 1966 – 70 Werkdir. im VEB Starkstromanlagenbau Rostock; 1970 – 72 Dir. für Technik bzw. 1. Stellv. des GD der VVB Hochseefischerei Rostock; 1973 – 82 GD des VEB Fischkombinat Rostock (Nachf. von  Fritz Dettmann), 1976 / 77 Lehrgang an der SED-PHS; zuletzt Ltr. des Fischereiaufsichtsamts der DDR.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Igelbrink, Sibylla

* 2.2.1883 – ✝ 1.3.1945

Geboren am 2. Februar 1883 in Norrköping/ Schweden als Maria Sibylla Cariot. Sie erhielt Privatunterricht. Nach längeren Auslandsaufenthalten übersiedelte sie nach Hamburg. Hier wurde Sibylla Igelbrink Mitglied der KPD, war für die Partei aktiv und gehörte von 1931 bis 1933 der Hamburger Bürgerschaft an. Von August bis Oktober 1933 war sie in »Schutzhaft«. Sibylla Igelbrink starb am 1. März 1945 in Hamburg-Ottensen.

Wer war wer in DDR

Iltgen, Erich

* 10.7.1940

Geb. in Köln; 1954 – 57 Ausbildung zum Landmaschinen- u. Motorenschlosser; 1958 – 64 Studium an der Ing.-Schule für Landtechnik u. am ZI für Schweißtechnik in Halle, Ing. für Landtechnik u. Dipl.-Ing. für Heizung, Lüftung u. Sanitär; 1964 – 79 Gruppenltr. im Anlagenbau Radebeul; 1979 – 85 Abt.-Ltr. Investitionen/Neubau im Serumwerk Dresden; 1985 – 88 Ltr. der Dombauhütte Kathedrale u. 1988 – 90 Bauamtsltr. des Bistums Dresden-Meißen; Moderator des Runden Tisches des Bez. Dresden; Landesstrukturbeauftragter der Arbeitsgr. Landtag; Ltr. des Sächs. Forums; Juni 1990 CDU u. seitdem Mitgl. des Präs. des CDU-LV Sachsen. Seit Okt. 1990 Mitgl. u. Präs. des Sächs. Landtags; Präs. des Landesfremdenverkehrsvereins Sachsen, des Kuratoriums »Tag der Sachsen« u. der Europ. Bew. Sachsen; 1. Vors. des Kolping-Bildungswerks Sachsen; 1. Vors. des Neuen Sächs. Kunstvereins; Mitgl. des ZK der Dt. Katholiken.Eine Stadt braucht eine Seele. Dresden 1997.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Irmscher, Johannes

* 14.9.1920 – ✝ 23.5.2000

Geb. in Dresden; Vater Kunstmaler; 1938 NSDAP; 1939 Abitur an der Kreuzschule; anschl. Aufnahme eines Studiums der Klass. Philol., Byzantinistik, Neogräzistik u. Religionswiss. an der Univ. Leipzig; 1940 – 45 Kriegsdienst, u. a. 1941 – 44 in der Auslandstelegrammprüfstelle Berlin. 1945/46 Ltr. der Bibliothek der Kammer der Kunstschaffenden in Berlin; 1947 Prom. mit der Arbeit »Götterzorn bei Homer« (veröff. 1950); 1947 wiss. Mitarb. in der Kommission für spätantike Religionsgeschichte der DAW; 1949 wiss. Ref. der Kl. für Philos., Geschichte, Staats-, Rechts- u. Wirtschaftswiss. der DAW; nach der Habil. ab 1951 zugl. Doz., ab 1953 Honorarprof. für Byzantinistik u. Neogräzistik an der HU Berlin; ab 1950 Mitgl. des Präsidialrats des KB; 1953 Mitbegr. u. Präsidiumsmitgl. der Gewerkschaft Wiss; 1955 – 59 Mitgl. des Bundesvorst. des FDGB; 1955 Geschäftsf. Dir., ab 1964 Dir. des Inst. für Griech.-Röm. Altertumskunde der DAW; 1958 – 68 zugl. Dir. des Inst. für Byzantinistik der MLU Halle; 1969 – 85 Bereichsltr. am ZI für Alte Geschichte u. Archäologie der DAW/ AdW; 1973 Korr. Mitgl., 1990 Ord. Mitgl. der AdW; Ausw. Mitgl. der Akad. von Chieti, Kairo u. Palermo; Vors. des Nat.-Komitees der Byzantinisten; Präs. der Winckelmann-Ges. in der DDR; Mitgl. des Friedensrats der DDR; 1966 VVO; 1985 NP; langj. Red. der Reihe »Schriften u. Quellen der Alten Welt«; gest. in Rom.Lexikon der Antike (Hrsg. u. Mitautor). Leipzig 1971, 10. Aufl. 1990; Sokrates. Versuch einer Biogr. Leipzig 1982; Das große Lexikon der Antike. München 1987; Der Begriff der Kultur-Ursprünge u. Entw. Velten 1996; Kulturgeschichte des griech. Volkes. Amsterdam 1996. Dummer, J. (Hrsg.): Bibl. J. I. 1945 – 70. Berlin 1970.Ulrich Jahnke / Jan Wielgohs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Israel, Hans

* 9.9.1905 – ✝ 12.7.1968

Geboren am 9. September 1905 in Berlin, Sohn des Kranführers Oskar Israel. Ungelernter Arbeiter, Hausdiener, Kassenbote und Laborhilfskraft. 1927 Mitglied des KJVD, 1928 der KPD. Zunächst engagierte er sich in der kommunistischen Sportbewegung, war u. a. Sportlehrer und Trainer in mehreren Berliner Sportvereinen. Seit 1930 im AM-Apparat tätig, war Israel im BB-Apparat eingesetzt. Nach dem Reichstagsbrand illegal, absolvierte er 1933/34 einen Lehrgang an der M-Schule der Komintern in Moskau, Schuldeckname: Otto. Nach seiner Rückkehr wirkten er und seine Freundin Helene Berner (* 13. 12. 1904 – †22.12. 1992) als enge Mitarbeiter von Wilhelm Bahnik. Israel wurde im Frühjahr 1935 Nachfolger von Johann Wenzel als Instrukteur des BB-Apparats für die Bezirke Ober-, Mittel- und Niederrhein. Am 27. Mai 1935 wurde er in Düsseldorf unter dem Namen Josef Schrade verhaftet und am 7. September 1936 vom VGH zu lebenslanger Haft verurteilt. Israel war bis Kriegsende im Zuchthaus Remscheid-Lüttringhausen inhaftiert. Nach 1945 Regierungsrat bzw. Oberregierungsrat im Sozial-, später im Innenministerium der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen. Hans Israel starb am 12.Juli 1968 in Hochdahl/Nordrhein-Westfalen.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Jacob, Franz

* 9.8.1906 – ✝ 22.6.1944

Geboren am 9. August 1906 in Hamburg als Sohn eines Dienstmädchens und eines Hausknechts. Nach dem frühen Tod des Vaters wuchs er in der Familie des Großvaters auf, nach der Eheschließung seiner Mutter mit Gustav Jacob kam er 1917 in die neue Familie; Maschinenschlosserlehre auf einer Hamburger Werft. 1921 schloß er sich der Arbeiterjugend an, 1922 der SPD. 1925 Mitglied des KJVD, 1928 der KPD. Von April 1928 bis März 1929 Orgleiter des KJVD-Bezirks Wasserkante. Jacob wurde der Aufbau des Kampfbundes gegen den Faschismus, der Nachfolgeorganisation des 1929 verbotenen RFB, übertragen. Im März 1931 Sekretär für Agitation und Propaganda der BL Wasserkante. Im April 1932 in die Hamburger Bürgerschaft gewählt, richtete er in seiner letzten Rede am 8. Februar 1933 noch scharfe Angriffe gegen die SPD, weil diese sich weigere, am »antifaschistischen Freiheitskampf« unter kommunistischer Führung teilzunehmen. Jacob verließ Ende März 1933 Hamburg und übernahm unter dem Decknamen Robert Giese die Leitung des Bezirks Bremen-Nordwest. Im Juli 1933 wurde er auf Vorschlag Hermann Schuberts Leiter des Technischen Sekretariats beim Politbüro. Bereits im August verhaftet, wurde Jacob 1934 vom VGH zu einer dreijährigen Zuchthausstrafe verurteilt. Nach sieben Jahren Haft 1940 nach Hamburg entlassen, arbeitete er als Betriebsschlosser und heiratete die Kontoristin und spätere Pädagogin Katharina Hochmuth, geborene Emmermann (* 6. 3. 1907 – † 23. 8. 1989). Jacob knüpfte Kontakte zu den einstigen KPD-Funktionären und Mithäftlingen aus Sachsenhausen Bernhard Bästlein und Robert Abshagen. Die Gruppe versuchte, in über 30 Hamburger Werften und Rüstungsbetrieben Produktionssabotage zu initiieren. Jacob gehörte dem sogenannten Dreierkopf an und entwarf Flugblätter. Seine Frau Katharina transportierte dann die Flugblätter und besorgte illegale Quartiere. Nach der Verhaftung Bästleins im Oktober 1942 lebte Jacob illegal unter dem Namen Martin Puls in Berlin, wo er zusammen mit Anton Saefkow versuchte, die Führungsstruktur der KPD reichsweit zu reorganisieren. Bästlein konnte Ende Januar 1944 aus der Haftanstalt Berlin-Plötzensse fliehen, er bekam Anfang Mai 1944 wieder Verbindung zu Jacob. Durch Kontakte zu Sozialdemokraten wie Adolf Reichwein und Julius Leber trafen Jacob und Bästlein mit diesen am Abend des 22. Juni 1944 in der Wohnung des Chirurgen Dr. Rudolf Schmid in Berlin zusammen. An diesem Gespräch nahmen außerdem die Kommunisten Ferdinand Thomas (* 30. 4. 1913 – † 20. 11. 1944) und Hermann Rambow (* 8. 4. 1887 – † 10. 11. 1945) teil. Da letzterer V-Mann des Reichsicherheitshauptamtes war, sind Reichwein, Saefkow und Jacob am 4. Juli 1944, Julius Leber einen Tag später verhaftet worden. Franz Jacob wurde am 5. September 1944 zusammen mit anderen Mitgliedern der Saefkow-Gruppe zum Tode verurteilt und am 18. September 1944 im Zuchthaus Brandenburg hingerichtet.

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Jacobi, Erwin

* 15.1.1884 – ✝ 5.4.1965

Geb. in Zittau; Vater Kaufmann; 1894 – 1903 Gymnasium Zittau; 1903 – 07 Studium der Rechte an den Univ. München u. Leipzig, 1907 Prom. in Leipzig; 1907 – 11 Referendar u. 2. Jurist. Staatsprüfung; 1912 Habil. an der Univ. Leipzig, dort anschl. Privatdoz.; 1916 außerord. Prof. in Leipzig; 1916 – 18 Landsturmmann in Leipzig, 1918 Kriegsverdienstkreuz; 1920 ord. Prof. in Greifswald, 1920 Rückberufung nach Leipzig; 1921 Gründung des Inst. für Arbeitsrecht an der Univ. Leipzig; 1933 als »Halbjude« em.; 1933 – 45 freiberufl. Gutachter in Leipzig. 1945 erneut Prof. mit Lehrstuhl für Staatsrecht, Kirchenrecht, öff. Recht u. Arbeitsrecht an der Univ. Leipzig, Dir. des Inst. für Arbeitsrecht; 1947 / 48 Rektor der Univ. Leipzig (Nachf. von  Hans-Georg Gadamer); 1949 – 58 Dekan der Jurist. Fak.; 1948 Mitgl. des Verfassungsaussch.; 1948 – 59 nebenberufl. Mitgl. der Synode der ev.-luth. Landeskirche Sachsens, Mitgl. des Rechtsausschusses; 1954 Ehrendoktorwürde der Theolog. Fak. Leipzig; 1958 em.; gest. in Leipzig. Arbeitsgebiete: Staatsrecht, Kirchenrecht, öff. Recht u. Arbeitsrecht; Hrsg. des »Archivs des öffentlichen Rechts«; einziger Kirchenrechtsprof. in der DDR.Grundlehren des Arbeitsrechts. Leipzig 1927; Staat u. Kirche nach der Verfassung der DDR. In: Ztschr. für ev. Kirchenrecht 1951; Die Bekämpfung der Fluktuation in der volkseigenen Wirtschaft. In: Neue Justiz 1953; Staat u. Kirche in der Sowjetunion. In: Wiss. Ztschr. der KMU Leipzig, 1954 / 55. Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Bd. XIX, Nordhausen 2001.Stefanie Müller

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Jacoby, Günther

* 21.4.1881 – ✝ 4.1.1969

Geb. in Königsberg (Kaliningrad, Rußland); Vater Theologe u. Prof. an der Albertina; 1900 – 03 Studium der Theol., Germanistik u. Philos. in Königsberg u. Tübingen mit Abschl. als Lizentiat (theolog. Dr.); 1903 – 06 fortführendes Studium der Philos. in Berlin u. Prom. über Johann G. Herders u. Immanuel Kants Ästhetik (publ. Leipzig 1907); 1909 Habil. über weitere Herderforschung in Greifswald (»Herder als Faust«. Leipzig 1911); danach ausgedehnte Studien- u. Vortragsreisen sowie Gastprof. in den USA u. Japan; 1914/15 Kriegsteiln. als Offz., schwer verwundet u. lebenslange Schwerhörigkeit; 1915 – 18 an der Dt. Univ. Istanbul; 1919 a. o. Prof. u. 1928 ord. Prof. für Philos. an der Univ. Greifswald; 1937 wegen ungeklärter Abstammung seines Großvaters durch den NS-Staat zwangspensioniert, Lehrverbot. 1945/46 vollständige Rehabil.; Wiederaufn. der Lehrtätigkeit u. 1946 – 48 erster Dekan der philosoph.-naturwiss. Fak. der EMAU Greifswald; danach mehrfach wechselnd bis 1956 Dir. des Philosoph. Seminars bzw. des Inst. für Philos. dieser Univ.; seit 1950 alleiniges ostdt. Mitgl. des Vorst. der (westdt.) Allg. Ges. für Philos. in Dtl.; zugl. Mitarb. im 1953 gebildeten wiss. Beirat für Philos. beim Staatssekr. für HS-Wesen der DDR; anläßl. seiner krit. »Denkschrift über die gegenwärtige Univ.-Philos. in der DDR« mit Forderungen nach grundsätzl. Reformen ab 1955 Auseinandersetzungen mit dem Staats- u. Parteiapparat der SED; danach endgültig em.; 1969 als letzter in der DDR verbliebener »spätbürgerl. Philosoph« in Greifswald gest. Forschungen zu Johann G. Herder, zur Geistesgeschichte des 19. Jh. sowie zur amerik. u. chin. Philos.; neben N. Hartmann wichtigster Mitbegr. u. Vertreter der gegen den Neukantianismus u. dessen bes. Spezialisierung auf die Erkenntnistheorie gerichteten sog. Neuen bzw. Krit. Ontologie; Beiträge zur Logik als bleibender philosoph. Diziplin.Der Pragmatismus. Leipzig 1909; Allg. Ontologie der Wirklichkeit. Bd. I – II. Halle 1925 – 55; Die Ansprüche der Logistiker auf die Logik u. ihre Geschichtsschreibung. Stuttgart 1962. G. J. (1881 – 1969) – Zu Werk u. Wirkung. Univ. Greifswald 1993; Rauh, H.-C.: Der Greifswalder Universitätsphilosoph G. J. u. die DDR-Philos. In: Dt. Ztschr. f. Philos. (1994) 3; Rauh, H.-C., Frank, H. (Hrsg.): G. J. Lehre, Werk u. Wirkung. Greifswald 2003.Hans-Christoph Rauh

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Jaeger, Brunhild

* 23.10.1937

Geb. in Goldap (Ostpr./Gołdap, Polen); Vater Angest.; Abitur; 1955 – 59 Studium der Wirtschaftswiss. an der KMU Leipzig, Dipl.-Wirtsch.; 1957 SED; wiss. Assistentin bzw. pers. Referentin des Werkdir. u. Arbeitsökonomin des VEB Elektrochemisches Kombinat Bitterfeld; 1963 Dir. für Arbeit im VEB Kunstseidewerk »Clara Zetkin« in Elsterwerda; 1964 Sonderstudium an der THC Leuna-Merseburg, anschl. Dir. des VEB Kunstseidewerks »Clara Zetkin«; 1964 – 76 Mitgl. der SED-BL Gera; 1970 – 74 GD des VEB Chemiefaserwerk »Wilhelm Pieck« Guben; 1974 Prom. an der FSU Jena; 1976 – 90 GD des VEB Fotochemisches Kombinat Wolfen; 1976 – 89 Mitgl. der SED-BL Halle; 1981 – März 1990 Abg. der Volkskammer.Die Ltg. u. Planung sozialer Prozesse bei der sozialist. Rationalisierung im Industriebetrieb. Jena 1974.Andreas Herbst

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Jäger, Horst

* 23.8.1940

Geb. in Seebach (b. Eisenach); Vater Sattler; Grund- u. Oberschule; 1957 – 60 Lehre als Industriekaufm. mit Abitur im VEB Uhrenkombinat Ruhla; 1960 – 62 Studium am Päd. Inst. Erfurt; 1962 Lehrer in Wasungen, 1964 – 70 Lehramtsanwärter, Fachlehrer, stellv. Dir. an der 14. bzw. 16. POS, 1970 – 73 Dir. der 14. POS in Gera; 1970 SED; 1973 – 80 1. Stellv. des Stadtschulrats von Gera; 1980 – 85 u. 1986/87 Sekr. für Wiss., Volksbildung u. Kultur der SED-KL Gera-Stadt, 1980 – 89 Mitgl. des Sekr. der SED-KL Gera-Stadt; 1985 – 87 Studium an der PHS der SED, Dipl.-Gesellschaftswiss.; 1987 Oberstudienrat; 1987 / 88 wiss. Mitarb. beim OB der Stadt Gera; März 1988 – Frühjahr 1990 OB von Gera (Nachf. von  Horst Pohl).Domkowsky, G. / Rüdiger, F.: Oberbürgermstr. der Stadt Gera – Begebenheiten, Anekdoten, Wissenswertes. Gera 2007.Andreas Herbst

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Jahn, Ilse

* 2.2.1922 – ✝ 8.5.2010

Geb. in Chemnitz; Vater Großhandelskaufm.; Höhere Mädchenbildungsanstalt in Chemnitz, 1940 Abitur; 1940 – 41 Haushaltsschule u. RAD; 1941 – 42 Studium der Biol. an der FSU Jena, daneben künstler. Studien, 1942 Studienabbruch. 1945 – 52 freischaffende Kunstmalerin u. Grafikerin in Chemnitz, 1949 VBK; 1952 – 56 Fortsetzung des Studiums der Biol. an der FSU Jena, 1956 Dipl.; 1954 Hilfsassistentin, 1956 – 62 wiss. Assistentin bei  Georg Schneider u.  Georg Uschmann am Ernst-Haeckel-Haus, dem Inst. für Geschichte der Zool. der FSU; 1963 Prom.; 1962 wiss. Mitarb., 1965 – 67 Oberassistentin bei der Humboldt-Kommission der DAW in Berlin, zugl. Lehrbeauftragte für Geschichte der Biol. an der HU Berlin; 1967 wiss. Mitarb. u. Hauptabt.-Ltr. der Schausamml. am Zool. Museum, 1968 – 80 Kustodin, 1971 – 74 zugl. stellv. Dir. für Bildungsarb. des Museums für Naturkunde der HU; 1969 – 73 Mitgl. des Vorst. der Ges. für Geschichte der Medizin der DDR; 1971 – 78 Vors. der Fachsektion Biolog. Museen des Rats für Museumswesen der DDR; 1979 Habil.; 1980 – 82 Doz. für naturhistor. Museol. am Museum für Naturkunde der HU; 1986 Mitgl. der Leopoldina; 1987 Mitbegr. u. 2. Vors. der Sektion Geschichte u. Theorie der Biol. in der Biolog. Ges. der DDR. 1991 – 93 Gründungsvors. der Dt. Ges. für Geschichte u. Theorie der Biol.; 2002 Dr. h. c. der FSU Jena; Wegbereiterin der Biologiegeschichtsschreibung u. naturhistor. Museol. in Dtl.; umfassende Quellenstudien, insbes. zur Biol. des 16. bis 19. Jh.; wiss. Fundierung der prakt. Museumsarbeit durch Aufbau einer Weiterbildungsrichtung Museol.; mehr als 250 Schriften, darunter grundlegende Lehrwerke. Gest. in Berlin.Dem Leben auf der Spur. Die biol. Forschungen A. v. Humboldts. Leipzig 1969; Zur Gestaltung von Ausstellungen in naturhistor. Museen. Teil 1 – 2. Berlin 1977 (mit W. Freydank u. U. Creutz); Carl v. Linné. Leipzig 1978 (mit K. Senglaub); Charles Darwin. Leipzig 1982; Geschichte der Biologie. Jena 1982 (Mithrsg.); Grundzüge der Biologiegeschichte. Jena 1990; Darwin & Co. Bd. 1 – 2 München 2001 (Mithrsg.); Von d. Entomologie zur Biologiegeschichte. Preprint, Berlin 2001. Höxtermann, E., Landsberg, H.: I. J. 75 Jahre. In: Nachrichtenblatt der Dt. Ges. für Geschichte der Medizin, Naturwiss. u. Technik (1997) 1; Wessel, K.-F. et al. (Hrsg.): Ein Leben für die Biologie(geschichte). Bielefeld 2000; Müller-Wille, S. (Hrsg.): Sammeln – Ordnen – Wissen. Preprint MPI für Wissenschaftsgeschichte Berlin (2002) 215.Ekkehard Höxtermann

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Jähn, Sigmund

* 13.2.1937

Geb. in Morgenröthe-Rautenkranz (b. Klingenthal, Vogtl.); Vater Sägewerkarb.; Grundschule; Sekr. der FDJ-Gruppe in Rautenkranz; 1951 – 54 Ausbildung zum Buchdrucker im VEB Buchdruckerei Falkenstein; 1955 Pionierltr. an der Zentralschule Hammerbrücke; 1955 – 58 KVP bzw. NVA, Offiziersschule der Luftstreitkräfte/Luftverteidigung (LSK/LV), Ltn.; 1956 SED; 1958 – 60 Flugzeugführer; 1961 – 63 Politstellv. einer Staffel des Fliegergeschwaders Marxwalde (heute Hardenberg); 1963 – 65 Ltr. für Lufttaktik u. -schießen im Jagdfliegergeschwader Marxwalde; 1965 Abitur; 1966 – 70 Militärakad. der Luftstreitkräfte der UdSSR, Dipl. rer. mil., Major; 1970 – 76 Inspekteur für Jagdfliegerausbildung/Flugsicherheit im Kdo. LSK/LV; 1976 – 78 Ausbildung im sowj. Kosmonautenzentrum; 26.8. – 3.9.1978 als erster Dt. im Weltraum (Partner von Valeri Bykowski); 1978 – 89 stellv. Ltr. bzw. Ltr. des Zentrums für Kosmonautenausbildung im Kdo. LSK/LV, Oberst; 1979 Held der DDR; seit 1980 als GMS »Falke« bzw. IM »Tanja« beim MfS erf.; 1983 Prom. zum Dr. rer. nat. über die Entw. method. Grundlagen für Auswertung u. Nutzung von Fernerkundungsdaten in der DDR; 1986 Gen.-Major; 1990 Ehrenbürger von Berlin; seit 1989 Berater zur Vorber. von Weltraumflügen bei der Dt. Forschungsanstalt für Luft- u. Raumfahrt in Köln-Porz u. freiberufl. Wissenschaftler, tätig im Projektbüro Euromir der europ. Raumfahrtorg.; 1999 »Goldene Henne«; 2001 wurde ein Asteroid nach J. benannt; Ehrenbürger v. Neuhardenberg.Erlebnis Weltraum. Berlin 1982; 25 Jahre dt. Beiträge zur bemannten Raumfahrt. Berlin 2004. Hoffmann, H.: S. J., der fliegende Vogtländer. Berlin 1999; Horchler, A.: S. J. u. Ulf Merbold. Berlin 2004 (Tonträger); Hoffmann, H.: S. J. – Rückblick ins All. Berlin 2008.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Hüttenrauch, Willy

* 10.3.1909 – ✝ 23.2.1996

Geb. in Weimar; Volksschule; Lehre u. Arbeit als kfm. Angest.; Abt.-Ltr. in einer Druckerei; 1925 SAJ; 1927 SPD; nach 1933 illeg. Arbeit, inhaftiert. 1945 Ref. im Landesamt für Sozialwesen, später Ltr. des Landesamts für Handel- u. Versorgung; 1945/46 KPD/SED; Okt. 1947 – Nov. 1950 Min. für Wirtschaft, Arbeit u. Verkehr in der Thür. Landesreg.; zugl. Mitgl. der DWK; ab 1951 im Min. für Außen- u. Innerdt. Handel, zeitw. Staatssekr. bzw. 1. Stellv. des Min.; 1962 – 68 Stellv. des Min., zeitw. stellv. Ltr. der DDR-Delegation beim RGW in Moskau; 1968 – 72 Botschafter der DDR in der Mongol. VR (Nachf. von Klaus Willerding); 1972 Ruhestand; 1969 u. 1979 VVO. AnH I

Wer war wer in DDR

Ilberg, Werner

* 20.7.1896 – ✝ 30.12.1978

Geb. in Wolfenbüttel in einer dt.-jüd. Fam.; Vater Kfm.; Realschule; Ausbildung zum Textilkfm.; 1915 – 18 Frontsoldat, Vizefw., Offiziersanwärter, EK; 1919 Teilhaber der väterl. Firma, Bankrott während der großen Inflation; danach arbeitslos, ambulanter Buchhändler; 1922 – 29 Mitgl. der Zionist. Vereinigung für Dtl. (zeitw. im Landesvorst.); 1924 – 29 SPD, Parteiausschl.; 1932 BPRS; 1932 – 33 Beiträge in kommunist. Ztg. u. Ztschr.; ab Jan. 1933 illeg. Arbeit in Schriftst.-Gruppe, Juni 1933 verhaftet, Haft im SA-Gefängnis Papestr.; Dez. 1933 Emigr. in die ČSR; 1935 Preis der Büchergilde Gutenberg für den Roman »Die Fahne der Witwe Grasbach«; 1937 KPD; 1938 – 47 Emigr. nach England; Veröff. in versch. Exilztschr. (u. a. »Das Wort«, »Der Gegenangriff«, »Freie Dt. Kultur«). 1947 Rückkehr nach Wolfenbüttel; SPD (nach Absprache mit der KPD-Landesltg.); 1948 Publikation seines in der Prager Emigration entstandenen Romans »Die Fahne der Witwe Grasbach« (Berlin); Ausschl. aus der SPD wegen Tätigkeit im Vorst. der VVN u. »gesamtdt. Betätigung«; Eintritt in die KPD; 1951 Mitgl. des PEN-Zentrums Dtl.; 1956 Übersiedl. in die DDR; freischaff. Schriftst. (Prosa, Schriftst.-Biogr.); 1957 Ausschl. aus der KPD wegen »nichterlaubter Übersiedl.«; 1959 SED; 1968 Geschäftsf. u. 1970 – 74 Gen.-Sekr. des PEN-Zentrums DDR (Nachf. von Herbert Burgmüller); 1971 VVO; gest. in Berlin.Der schwere Weg: Leben u. Werk Romain Rollands. Schwerin 1955; Bernhard Kellermann in seinen Werken. Berlin 1959; Hans Marchwitza. Leipzig 1971. Falin, V.: Pol. Erinnerungen. München 1993; Bailey, G., Kondraschow, S. A., Murphy, D. E.: Die unsichtbare Front. Berlin 1997; Scherstjanoi, E.: Das SKK-Statut. Zur Geschichte der Sowj. Kontrollkommission in Dtl. 1949 bis 1953. München 1998; Foitzik, J.: Sowj. Militäradministration in Dtl. (SMAD) 1945 – 1949. Berlin 1999.Jan Foitzik

Handbuch Deutsche Kommunisten

Iltis, Lucian

* 15.5.1903 – ✝ 29.9.1967

Geboren am 15. Mai 1903 in Mannheim, Vater Metallarbeiter, Mutter Bekleidungsarbeiterin. Schlosser, seit 1919 Mitglied der FSJ, seit 1923 der KPD. Redakteur der Mannheimer »Arbeiterzeitung«. Ende der zwanziger Jahre Mitarbeiter des AM-Apparates der KPD, absolvierte 1930 unter dem Decknamen Otto den 1. Kurs an der M-Schule der Komintern in Moskau. Zurückgekehrt, wurde er mit Aufgaben im zentralen AM-Apparat betraut, so leitete er unter dem Decknamen Willy das Ressort Republikanische Organisationen, dessen wichtigste Aufgabe in der Nachrichtensammlung und Zersetzung der SPD, des Reichsbanners, der Gewerkschaften sowie mit der SPD sympathisierender Organisationen bestand. Später Nachfolger von Rudolf Schwarz als Reichsleiter »Zersetzung der Polizei«. Im August 1933 Emigration in die Sowjetunion, dort Hilfslehrer und Aspirant an der M-Schule bzw. Lehrer an der Leninschule. Vom EKKI als Instrukteur eingesetzt, operierte er unter verschiedenen Namen in Österreich und Frankreich. Er konnte im Elsaß die französische Staatsbürgerschaft erlangen, gehörte seit 1935 der KP Frankreichs an, war zeitweise Redakteur an der KP-Zeitung »Humanité« und wurde im September 1939 zur französischen Armee eingezogen. Er geriet in deutsche Kriegsgefangenschaft, aus der er im Juni 1940 freigelassen wurde. Iltis soll später von der Gestapo als Agent in die unbesetzte Zone geschickt worden sein und bis 1944 sowohl für die Résistance als auch für die Gestapo gearbeitet haben. Im November 1946 wegen »Zusammenarbeit mit dem Feind« in Frankreich festgenommen; es ist lediglich überliefert, daß Lucian Iltis am 29.September 1967 in Frankfurt am Main starb.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Irrgang, Arthur

* 15.8.1884 – ✝ 29.3.1962

Irrgang, Arthur (* 1884 – † 1962) Geboren am 15. August 1884 in Freienwalde/Oberbarnim, Sohn eines Buchhändlers; lernte Buchdrucker. Er zog 1903 nach Berlin, wurde Schriftsetzer und Korrektor, Eintritt in die SPD. Von 1914 bis 1918 Soldat im Ersten Weltkrieg, 1917 Mitglied der USPD, 1918/19 ein Sprecher des Tempelhofer Arbeiter- und Soldatenrates. Irrgang wurde Anfang 1919 in den Tempelhofer Gemeinderat gewählt, kam im Juni 1920 für die USPD in die Berliner Stadtverordnetenversammlung und gehörte ihr von 1925 bis 1929 für die KPD erneut an. Im März 1921 auf zwölf Jahre zum besoldeten Stadtrat in Berlin-Tempelhof gewählt, dort Dezernent des Wohlfahrts- und Gesundheitswesens. Irrgang kam Ende 1920 mit dem linken Flügel der USPD zur KPD, die er jedoch 1929 aus Protest gegen den ultralinken Kurs der Parteiführung verließ, er blieb danach parteilos. Am 12. März 1933 »beurlaubt«, wurden die ihm zustehenden Ruhestandsbezüge gestrichen. Erst 1935 erhielt er eine »jederzeit widerrufliche« Rente von 15 Prozent seines letzten Gehalts. Von Verfolgungen durch das NS-Regime blieb er verschont. Im Mai 1945 setzte die sowjetische Besatzungsmacht Irrgang als stellvertretenden Stadtrat mit der Zuständigkeit für das Wohlfahrts- und Arbeitsamt ein. Wieder Mitglied der KPD und 1946 der SED. Nach der Spaltung der Stadtverwaltung blieb er noch für ein Jahr Verwaltungsreferent im Bezirksamt Mitte im sowjetischen Sektor und ging im August 1950 in den Ruhestand. Im Zusammenhang mit den Parteisäuberungen Anfang der fünfziger Jahre lehnte Irrgang eine Befragung über sein Verhalten in der NS-Zeit ab. Er trat aus der SED aus, wurde 1954 Mitglied der SPD. Arthur Irrgang starb am 29. März 1962 in Berlin-Mariendorf. 1991 veröffentlichten Christoph Hamann und Stephan Krautschik in »100 Jahre Arbeiterbewegung in Tempelhof« über Arthur Irrgang den biographischen Beitrag »Biedermann und Kommunist«.

Wer war wer in DDR

Itzerott, Dieter

* 12.11.1931

Geb. in Neunheiligen (Krs. Langensalza); Volksschule, 1946 / 47 Wirtschaftsschule; 1947 – 49 Hilfswerker in den Chem. Werken Buna; 1949 – 51 Lehre u. Arbeit als Maschinenschlosser in den Buna-Werken; 1949 FDJ, 1953 SED; 1951 / 52 Seminarlehrer an der Betriebsjugendschule Buna; 1952 / 53 Abt.-Ltr., 1953 2. Sekr. der FDJ-KL Buna; 1953 / 54 FDJ-Sekr. der Lehrwerkstatt Buna; 1954 / 55 erneut 2. Sekr., 1955 / 56 1. Sekr. der FDJ-KL Buna; 1956 / 57 Besuch der SED-BPS Halle; 1957 – 59 2. bzw. 1. Sekr. der FDJ-KL der VEB Leuna-Werke »Walter Ulbricht«; 1959 – 65 1. Sekr. der FDJ-BL Halle; 1959 – 71 Mitgl. des FDJ-ZR, 1961 Teiln. der ersten FDJ-Delegationsreise nach Kuba; 1963 – 67 Abg. der Volkskammer; 1965 – 67 Studium an der TH Leuna-Merseburg, Abschluß als Dipl.-Ing.-Ökonom; 1967 – 71 2. Sekr. des FDJ-ZR; 1969 VVO; 1971 – 74 2. Sekr. der SED-BL Halle; 1974 – 76 Studium an der SED-PHS, Dipl.-Gesellschaftswiss.; 1976 – 89 1. Sekr. der SED-KL Torgau. Nach 1990 aktiv in der linken Szene, 2001 Mitbegr. u. Vorstandsmitgl. des Fördervereins »RotFuchs« e. V.; gelegentl. Veröff., u. a. in der Ztg. »Junge Welt«; lebt in Torgau.Die Entw. der SED. In: Verein zur Förderung demokrat. Publizistik e. V. (Hrsg.): Unter Feuer. Die Konterrev. in der DDR. Hannover 2009 (mit K. Gossweiler). MaN

Wer war wer in DDR

Jacob, Wolfgang

* 7.4.1930 – ✝ 29.7.1996

Geb. in Falkenstein (Krs. Auerbach), Vater Sattler; Grund- u. Berufsschule; Lehre u. Arbeit als Elektromechaniker im VEB Elektroschaltgeräte Auerbach; 1958 – 60 NVA; 1959 SED; 1960 – 65 Fernstudium an der Ingenieurschule für Maschinenbau u. Technik in Leipzig, Ing. für Elektrotechnik; 1960 – 65 Technologe, 1965 Haupttechnologe im VEB Elektroschaltgeräte Auerbach; 1965 – 69 Techn. Dir.; 1969 – 71 Dir. für Wiss. u. Technik, 1971 – 73 1. Stellv. des GD u. 1973 – 78 GD des VEB Kombinat Schaltelektronik Oppach; 1978 – 81 1. Stellv. des GD, 1981 – 89 GD des VEB EAW »Friedrich Ebert« in Berlin-Treptow; 1984/85 Studium an der AfG beim ZK der KPdSU in Moskau; 1986 – 89 Kand. des ZK der SED; 1987 Prom. zum Dr. oec.; 1989 1. Stellv. des Vors. des Bezirkswirtschaftsrats Berlin; gest. in Berlin.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Jacobs, Hermann

* 28.3.1901 – ✝ 5.6.1975

Geboren am 28. März 1901 in Gotha, stammte aus bürgerlichem Hause und studierte nach der Reifeprüfung in Leipzig und Berlin. 1921 Mitglied der KJD und der KPD, Anhänger der linken Opposition in Berlin. Er übernahm verschiedene Funktionen (Pseudonym Adolf und Lothar) und war Mitglied der Führung der KJD Berlin. 1923 Redakteur der »Jungen Garde«, des Zentralorgans der Kommunistischen Jugend. Ab 1. Januar 1924 politischer Sekretär der KJD Berlin-Brandenburg. Jacobs wurde ab März 1924 von Ruth Fischer zum Vorsitzenden der Kommunistischen Jugend eingesetzt. Dessen 8.Reichskongreß im Mai 1924 in Leipzig bestätigte Jacobs als Polleiter der KJD. Mit ihm bildeten Friedrich Reinhardt (Org.), Heinrich Pütz (Agitprop.), Konrad Blenkle (Presse) u. a. die Führung des KJVD. Bereits Ende April 1925 stand aber Konrad Blenkle neben Hermann Jacobs faktisch an der Spitze der Kommunistischen Jugend. Am 6.Mai 1925 schlug das Sekretariat des ZK der KPD dem ZK des Jugendverbandes vor, auf seiner nächsten Tagung am 22. Mai 1925 Blenkle mit der politischen Leitung des KJVD zu betrauen. Zum IV. Weltkongreß der KJI im Juli 1925 reiste Jacobs mit einer KJVD-Delegation, bestehend u. a. aus Erich Auer, Blenkle, Willi Kress, Grete Wilde sowie Richard Gyptner und Otto Unger, nach Moskau. Mit Blenkle und Gyptner wurde Jacobs noch ins EK der Jugendinternationale gewählt, aber auf der Reichsausschuß-Sitzung Ende Mai für den Bereich Presse in das Sekretariat unter Blenkle abgeschoben. Bis 1925 eifriger Anhänger Ruth Fischers, schwenkte Jacobs nach dem »Offenen Brief« zur neuen KPD-Leitung über. Von 1926 bis Ende 1927 Redakteur an der Münchener »Neuen Zeitung«. 1928 Redakteur in Pommern und im Januar 1930 Nachfolger Paul Böttchers als Chefredakteur der Leipziger SAZ, dann des »Kämpfers« in Chemnitz bzw. der »Hamburger Volkszeitung«. 1933 war Jacobs ein enger Vertrauter Hermann Schuberts in den Auseinandersetzungen um die Nachfolge Ernst Thälmanns. Ende 1933 ging Jacobs in die Emigration, zunächst in die Schweiz, dann nach Frankreich, wo er Mitarbeiter Erich Birkenhauers im »Thälmann-Komitee« war. Später emigrierte er nach London, kurz vor Kriegsausbruch entsandte ihn die KPD in die USA, um als Martin Hall Gelder für die Partei zu sammeln. Er blieb auch nach dem Krieg in den USA. Jacobs starb am 5. Juni 1975 in Los Angeles, »Neues Deutschland« veröffentlichte am 19./20. Juli 1975 die Todesanzeige seiner Frau. »Nach langer schwerer Krankheit starb am 5. Juni 1975 in Los Angeles, USA, unser geliebter Mann und Vater Hermann Jacobs, der seit 1918 an der Seite der Werktätigen gekämpft hatte. Nach seiner Auswanderung in die Vereinigten Staaten, änderte er gesetzlicher Weise seinen Namen. Als Martin Hall hat er aktiv an allen Phasen der Friedensbewegung bis zum letzten Tage seines Lebens teilgenommen.«

Wer war wer in DDR

Jadasch, Anton

* 25.5.1888 – ✝ 17.5.1964

Geb. in Kreppitz (Oberschles./Krapkowice, Polen); Vater Berg- u. Hüttenarb.; Volksschule; Hütten- u. Bergarb.; 1904 DMV; 1907 SPD; 1915 zeitw. inhaftiert u. Kriegsdienst bis 1917; 1918 Mitgl. des Arbeiter- u. Soldatenrats in Beuthen; Mitbegr. u. bis 1921 Vors. der KPD in Oberschles.; Juli 1921 Teiln. am Gründungskongreß der RGI in Moskau; 1922 – 24 Pol.-Sekr. des KPD-Bez. Oberschles.; ab 1922 Gewerkschaftssekr. der ultralinken »Union der Hand- u. Kopfarb.«; 1924 – 28 Stadtverordn. in Gleiwitz; Juni 1924 – März 1933 Abg. des Dt. Reichstags; 1928 – 33 Instrukteur des ZK der KPD; 1929 – 33 RGO-Sekr.; 1932 wegen »Vorber. zum Hochverrat« Verurteilung zu 15 Mon. Festung; (Strafaussetzung aufgrund des MdR-Status); als ZK-Instrukteur für Ostpr. u. Danzig am 25.2.1933 im Freistaat Danzig verhaftet, 7.3.1933 Auslieferung u. Transport nach Berlin, ab 5.5.1933 Festung Groß Strehlitz, ab Ende Dez. 1933 Zuchthaus Bergedorf (b. Hamburg), anschl. KZ Fuhlsbüttel, Ende Okt. 1934 Entlassung; zwei Jahre erwerbslos, anschl. Arbeit als Platzarb. in einem Sägewerk, 1937/38 Lagerarb. bei der Firma »Tengelmann«, 1938/39 Platzmstr. in »Frankes Sägewerk«, vom 24.4.1939 – 20.4. 1945 Holzwerk Wittenau; Juli/Aug. 1944 erneut inhaftiert; ab 2.4. – Okt. 1945 Bürgermstr. bzw. Bez.-Vorst. in Berlin-Wittenau. 1946 SED; VdgB; Okt. 1945 – April 1946 Kontrolleur bei der Dt. Verw. für Umsiedl.; ab April 1946 Aufbau der VdgB; Juni 1946 – Nov. 1947 Gen.-Sekr. des Zentral-Bauernsekr.; 1947 – 49 geschäftsf. Vorstandsmitgl. der VdgB; 1946 – 50 Abg. u. Mitgl. des Präs. des Brandenb. Landtags; Aug. 1949 – Jan. 1950 erster Vors. des ZV u. ab Febr. stellv. Vors. der Gewerkschaft Land u. Forst; maßgebl. beteiligt an der Durchsetzung des Landarbeiterschutzgesetzes vom 7.12.1949; 1951/52 Mitarb. beim FDGB-Bundesvorst.; ab 1953 Vors. eines Arbeitskrs. Verdienter Gewerkschaftsveteranen beim Bundesvorst. u. beim Zentralvorst. der IG Land u. Forst; später ehrenamtl. Vors. der Geschichtskommission der Gewerkschaft Land u. Forst; Nov. 1954 Kand. der SED zu den Abgeordnetenhauswahlen; 1954 VVO.Weber, H., Herbst, A.: Dt. Kommunisten. Biogr. Handbuch. Berlin 2004.Siegfried Kuntsche / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Jagenow, Hans

* 17.6.1938

Geb. in Bublitz (Landkrs. Köslin, Pommern / Bobolice, Polen); Vater Rohrschlosser; Grundschule; 1952 FDJ; 1952 – 55 Lehre als Rohrschlosser, Facharbeiter; 1955 – 58 Abiturausbildung an der ABF Greifswald; 1958 – 62 Studium an der HfÖ Berlin-Karlshorst, Dipl.-Wirtsch., 1959 – 61 zusätzlich 1. Sekr. der FDJ-GO an der HfÖ Berlin-Karlshorst; 1960 SED; 1961 / 62 Praktikant beim Rat des Bez. Dresden; 1963 / 64 1. Sekr. der FDJ-GO im VEB Werkzeugmaschinenfabrik Berlin-Marzahn; 1964 / 65 Abt.-Ltr., 1965 Sekr., 1966 – 69 2. Sekr. der FDJ-BL Berlin; 1969 – 72 Ltr. der Zentralen Arbeitsgruppe im FDJ-ZR, 1972 – 75 Sekr. des FDJ-ZR, bis 1981 Mitgl. des FDJ-ZR u. seines Büros; 1975 – 81 Ltr. des Amts für Jugendfragen beim Ministerrat der DDR; 1982/ 83 Lehrgang an der SED-PHS; 1983 – 87 Botsch. der DDR in Äthiopien; 1987 – 90 polit. Mitarb. im MfAA; 1990 im Diplomatenclub in Zeuthen beschäftigt. Nach 1990 zeitw. Angest. im Immobilienunternehmen des palästinensischen Geschäftsmanns Abdel Majid Younes.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Jahl, Evelin

* 28.3.1956

Geb. in Annaberg (Sachsen); Vater Bergmann; 1964 Umzug nach Neuseddin (b. Potsdam); KJS, Abitur; begann als Schwimmerin; seit 1969 Leichtathletin, Diskuswerferin; 1969 – 75 KJS Brandenburg; ASK Vorwärts Potsdam (Trainer: Hartmut Wolter, Lothar Hillebrand); 1973 Junioren-EM; 1973 – 75 Bronze bei DDR-Meisterschaften; 1976 u. 1980 Olympiasiegerin; 1977 u. 1979 Weltpokalsiegerin; 1978 EM; WR 1978 (70,72 m) u. 1980 (71,50 m); 1979 Silber bei der Universiade; 1976 – 80 DDR-Mstr.; 18 Länderkämpfe (1975 – 81); 1982 Rücktritt nach Verletzung; 1974 – 90 NVA, zuletzt Hptm.; 1976 Heirat mit dem Leipziger Kugelstoßer Norbert J.; 1975 – 82 Studium der Rechtswiss. an der HU Berlin, Dipl.-Juristin; Sportinstrukteurin; 1984 – 89 Vors. der Kommission Rechtswesen des DDR-Leichtathletikverb.; 1984 – 90 Präs.-Mitgl. des Dt. Verb. für Leichtathletik; 1984 – 91 Mitgl. des Arbitration Panel der IAAF (Rechtskommission des internat. Leichtathletik-Verb.) Ab 1990 selbst. Wirtschaftsberaterin; danach bis 2004 Geschäftsf. der Trading & Expertise Havelland GmbH; Unternehmensberaterin u. Personaltrainerin; lebt in Neuseddin (b. Potsdam).Olaf W. Reimann / Volker Kluge

Wer war wer in DDR

Jahn, Roland

* 14.7.1953

Geb. u. aufgew. in Jena; Vater Konstrukteur für wiss. Gerätebau, Mutter Buchhalterin; 1972 Abitur; anschl. bis 1974 Grundwehrdienst bei der Bereitschaftspolizei in Rudolstadt; seit 1974 Mitarb. in versch. opp. Gruppen u. Lesekrs. in Jena; erste publizist. Beiträge für westl. Medien; 1975 Aufnahme eines Studiums der Wirtschaftswiss. in Jena, Feb. 1977 Exmatrikulation nach Protest gegen die Ausbürgerung  Wolf Biermanns; ab März 1977 »Bewährung« als Transportarb. im VEB Carl Zeiss Jena; ab 1980 öffentl. Unterstützung für die poln. Gewerkschaft Solidarność, Protest gegen das Kriegsrecht in Polen; nach Protestaktion gegen die Militärparade am 1.5.1982 mehrmalige Festnahmen u. Verhöre durch VP u. MfS; Sept. 1982 Verhaftung wegen Mitführens der poln. Nationalfahne mit der Aufschrift »Solidarität« am Fahrrad, nach sechs Mon. U-Haft u. totaler Aussageverweigerung im Jan. 1983 nach § 220 StGB (öffentl. Herabwürdigung der staatl. Ordnung) u. § 222 StGB (Mißachtung staatl. Symbole) Verurteilung zu 18 Mon. Freiheitsstrafe; Feb. 1983 vorz. Haftentlassung aufgrund internat. Proteste; März 1983 Mitbegr. der außerkirchl. opp. Gruppe »Friedensgemeinschaft Jena«, dort zuständig für Öffentlichkeitsarbeit; März 1983 Teiln. an offiz. Demonstrationen mit eigenen Plakaten, u. a. »Schwerter zu Pflugscharen«; Übermittlung von Informationen opp. Gruppen an westl. Medien; 8.6.1983 Ausbürgerung u. Zwangsabschiebung in die Bundesrep. Dtl.; seitdem einer der wichtigsten Organisatoren der Veröff. von Informationen über die DDR-Opp. in der Bundesrep. Dtl. 1985 – 87 Studienprojekt »Opp. in der DDR« am Hamburger Inst. für Sozialforschung; dann freier Journalist, u. a. für »Radio Glasnost« u. »die tagesztg.«; ab 1991 angestellter Red. beim SFB-Magazin »Kontraste«; 1996 Mitgl. im Beirat der Robert-Havemann-Ges. u. ab 1999 des Fachbeirats der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur; 1998 Bundesverdienstkreuz; 2005 Einheitspreis der Bundeszentr. für pol. Bildung; seit 2011 Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR (Nachf. von Marianne Birthler).Wendezeiten 1990/91. »Kontraste« auf den Spuren einer Diktatur. Dok. der Zeitgeschichte (Videokassette, 2000). Jahn, W.: »Du bist wie Gift«. Erinnerungen eines Vaters. Erfurt 1996; Kowalczuk, I.-S.: Für ein freies Land mit freien Menschen. Berlin 2006; G. Praschl: R.J. - Ein Rebell als Behördenchef. Berlin 2011 (Biogr.).Silvia Müller / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Jahnen, Ewald

* 1901 – ✝ 6.3.1936

Geboren 1901 in Kupferdreh bei Essen, Sohn einer Arbeiterfamilie; Schlosser. Mitglied der USPD, 1920 der KPD. 1925 Mitbegründer des RFB in Essen, er gehörte der Gauführung für das Ruhrgebiet an. 1929 Angestellter der RGO, seit 1930 Mitarbeiter des AM-Apparates der KPD. 1932/33 unter dem Decknamen Egon Kursant an der M-Schule der Komintern in Moskau. Nach Rückkehr stellvertretender Reichsleiter im BB-Ressort des AM-Apparates der KPD, arbeitete eng mit Wilhelm Bahnik und Hans Israel zusammen. Über Jahnen liefen wichtige Informationen aus dem Heereswaffenamt und aus der bei Osram agierenden Gruppe um den Ingenieur Dr. Felix Bobek und Gerhard Diehl zusammen. Diese Nachrichten gelangten über die Tschechoslowakei zur Auslandsleitung der KPD und in die Sowjetunion. Durch Verrat flog die Gruppe auf, Jahnen wurde am 16. Mai 1935 verhaftet. Schwer mißhandelt, unternahm er einen Selbstmordversuch, als die Gestapo versuchte, ihn zum Verrat zu bewegen. Ewald Jahnen starb am 6. März 1936 im Gefängnis Moabit an den Folgen der Folterungen im KZ Columbiahaus. Jahnens Frau Helene, geborene Linde (* 17. 12. 1907 – † 29. 12. 2001), war Verkäuferin und seit 1929 in der KPD, bis 1935 technische Mitarbeiterin im AM-Apparat. Wenige Tage vor der Verhaftung Jahnens konnte sie mit ihrem Sohn Ewald (* 24. 8. 1931) in die Sowjetunion emigrieren. In Moskau unter dem Namen Else Krause Deutschlehrerin, lernte den österreichischen Schutzbündler und Kursanten der Leninschule Eduard Lange, Parteiname Hans Ricker (*1906), kennen. Dieser war bis zu seiner Flucht Schutzbundkommandant von Stadl Paura (Oberösterreich). Ende 1936 als »feindliches Element« von der Leninschule und aus der KPÖ ausgeschlossen, wurde er am 10. Februar 1937 vom NKWD verhaftet und acht Monate später wegen »antisowjetischer Agitation und Propaganda« zu zehn Jahren Lager verurteilt. Lange kam Ende 1942 nach zwei weiteren Verurteilungen im Gulag ums Leben. Als Helene Jahnen die Verurteilung ihres Lebensgefährten dem Leiter der Überführungskommission Walter Dittbender mitteilte, wurde ihre Parteimitgliedschaft aufgehoben. Mit ihren Söhnen Ewald und Heinz Dieter (* 24. 8. 1937 in Moskau) kam sie erst im Juni 1954 in die DDR. 2008 veröffentlichte Siegfried Grundmann über Ewald Jahnen eine Monographie.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Ichenhäuser, Z. Ernst

* 3.6.1910 – ✝ 21.1.1998

Geboren am 3. Juni 1910 in München, Sohn einer jüdischen Kunstmalerin, er wurde katholisch getauft. Von 1929 bis 1933 Studium der Nationalökonomie in München und Berlin. Seit März 1929 Mitglied des KJVD und der KPD, zunächst ehrenamtlich tätig, dann bis Februar 1933 Orgleiter der Reichspionierleitung innerhalb des ZK des KJVD, wo er u. a. mit Erich Jungmann und Kurt Müller zusammenarbeitete, illegal aktiv. Anfang August 1933 festgenommen, im August 1934 vom Kammergericht Berlin zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt, saß er bis 1935 im Gefängnis Berlin-Tegel. Seine Mutter kam in Theresienstadt ums Leben. Im August 1936 Emigration in die âSR, Instrukteur im Sudetengebiet. Er floh im März 1939 nach Großbritannien, Volontär bei der Hotelkette Ballygally Castle in Nordirland. Von 1940 bis 1942 in Kanada interniert, anschließend Schlosser bzw. Instrumentenmacher in London. 1946 Rückkehr nach Deutschland, SED-Mitglied. Chefredakteur im Verlag Volk und Wissen. Als »Westemigrant« geriet Ichenhäuser Anfang der fünfziger Jahre in die Säuberungskampagne der SED. Ein Druckfehler führte zu seiner sofortigen Entlassung als Chefredakteur. Nach Stalins Tod partiell rehabilitiert, er kam als Dozent an die PH Potsdam, ab 1954 Chefredakteur der »Deutschen Lehrerzeitung«, später der Zeitschrift »Elternhaus und Schule«. 1998 erschienen seine Erinnerungen: »Wenn möglich, ehrlich. Lebensbericht von einem der auszog, Revolution zu machen«. Ernst Zeno Ichenhäuser starb am 21. Januar 1998 in Berlin.

Wer war wer in DDR

Illert, Willi

* 27.5.1916 – ✝ 4.3.1984

Geb. in Kassel; Vater Arbeiter; Volksschule; 1931 – 33 Transportarb., zeitw. arbeitslos; 1933 Wanderschaft; 1933 – 35 Feldarb. in der Jugenderziehungsanstalt in Börgermoor u. Klausheide; 1935 Erdarb. in Kassel; 1935 / 36 als Artist auf Reisen; 1936 / 37 RAD; 1937 erneut als Artist unterwegs; 1937 – 40 Kraftfahrer; 1940 – 45 Wehrmacht. 1945 / 46 KPD / SED; 1945 Artist; 1945 – 46 Agit.-Prop.-Ltr. der KPD-Arbeitsgebietsltg. in Bad Salzungen bzw. Sekr. für Agit. u. Prop. der KPD-KL Meiningen; 1946 – 48 Sekr. für Kultur, Schulung u. Org., 1948 – 1952 1. Sekr. der SED-KL Meiningen; 1947 Besuch eines Kurzlehrgangs der SED-PHS; 1948 – 52 Mitglied, 1952 Ltr. der Abt. Leitende Organe in der SED-LL Thür.; 1952 – 57 2. Sekr. der SED-BL Gera, anschl. dort Mitarb.; 1960 – 72 Fachgebietsltr. Versorgungsinspektion der Abt. Handel u. Versorgung beim Rat des Bez. Gera.Mario Niemann

Wer war wer in DDR

Imig, Werner

* 20.3.1920 – ✝ 30.7.1988

Geb. in Wülfrath (Krs. Mettmann/Rheinland); Vater Schuldir.; 1926 – 35 Volks- u. Mittelschule, anschl. OS u. Reifeprüfung; 1938 von der HJ als Anwärter für die NSDAP gemeldet; Kriegsdienst als Ltn. der Wehrmacht; Teiln. an der Schlacht um Stalingrad, 1943 – 48 sowjet. Kriegsgefangenschaft, Besuch versch. Antifa-Schulen, Entnazifizierung. Dez. 1948 Rückkehr nach Dtl.; Febr. 1949 SED; Doz. für wiss. Sozialismus an der Landesverwaltungs-Akad. Dessau; Aug. 1949 Doz. an der DVA in Potsdam für Theorie des Staates u. Geschichte der Arbeiterbewegung; 1951 Staatsexamen an der Fak. für Staats- u. Rechtswiss. der DVA; 1952 Ltr. des Fernstudiums u. 1953 – 63 Prorektor für das gesellschaftswiss. Grundstudium der ASR in Potsdam; 1956 dort Prom. mit der Diss. »Arbeiterstreik bei Mansfeld 1930«, anschl. dort Ltr. des Lehrstuhls für Geschichte der KPdSU; 1963/65 Doz. u. Ltr. der Fachrichtung Geschichte der Arbeiterbewegung am Inst. für Marxismus-Leninismus der EMAU Greifswald, 1965 – 69 Dir. der Sektion Marxismus-Leninismus; 1969 ord. Prof. für Geschichte der dt. Arbeiterbewegung, 1970 Habil. mit der Schrift »Die Hilfe W. I. Lenins bei der Herausbildung der KPD«; 1970 – 79 Rektor der EMAU (Nachf. von  Werner Scheler); 1970 u. 1977 VVO; ab 1979 personengebundener Lehrstuhl für »Geschichte der Univ.«, Ltr. einer entsprechenden Arbeitsgr. an der Sektion Geschichtswiss. der EMAU; 1985 em.; gest. in Greifswald.Der Streik der Mansfelder Arbeiter im Jahre 1930. Berlin 1957; Streik bei Mansfeld 1930. Berlin 1958.Hans-Christoph Rauh

Wer war wer in DDR

Irrlitz, Gerd

* 3.6.1935

Geb. in Leipzig, Vater Lehrer u. Schulrat, von 1935 – 39 wg. antifasch. Tätigkeit als Funktionär der SAP inhaftiert; Mutter Angest.; 1941 – 49 Grundschule; danach Herder-OS in Leipzig, dort 1953 Abitur; ab 1953 Studium der Philos. u. Psych. an der Univ. Leipzig; 1954 SED; 1958 Studienabschluß zunächst nur in Psych., polit. Disziplinarstrafe aufgrund der Beteiligung an den Auseinandersetzungen um die Zwangsemeritierung von  Ernst Bloch; Dipl. in Philos. erst 1960; 1958 – 59 wiss. Ass. an der MLU Halle-Wittenberg, 1959 Entlassung aus dem Hochschuldienst u. »Bewährung in der Praxis« als Ltr. der Bildungsstätte der VEB Chem. Werke Buna; 1961 – 72 wiss. Mitarb. der Arbeitsgr. zur Edition philosophiehist. Texte am späteren Inst. für Philos. der DAW in Berlin; 1968 Prom. mit einer Arbeit über Probleme der Dialektik des Geschichtsprozesses im Denken Rosa Luxemburgs; nach Aufhebung des Lehrverbots seit 1976 wiss. Oberass. am Inst. für marx.-len. Philos. der HU Berlin; 1976 / 77 Zusatzstudium an der Lomonossow-Univ. Moskau; 1976 Habil. mit der Schrift »Über den Ursprung der Moral«, 1977 Doz. u. 1983 ord. Prof. für Gesch. der antiken u. mittelalterl. Philos. an der HU Berlin; 1986 erneute polit. Disziplinarstrafe, Sommer 1989 Austritt aus der SED. 1991 Fellow am Wissenschaftskolleg Berlin; 1992 / 93 Gastprof. an der Univ. Konstanz; 1993 Neuberufung als C4-Professor für das Lehrgebiet Philosoph. Propädeutik u. Gesch. der Philos. am Inst. für Philos. der HU Berlin; 2000 em.; lebt in Berlin. Ir. vertrat in der DDR ein problemgeschichtl. orintiertes u. undogmat. Philosophiekonzept u. widmete sich intensiv der Betreuung der Studierenden; zahlr. Editionen, u. a. Herausgabe von Schriften Hegels; Aufsätze zur Philosophiegesch., zur Gesch. der Ethik, zu Marx, Bloch,  Hans Mayer u. a.Der Anspruch der Vernunft. Berlin 1968 (mit -> Manfred Buhr); Versuch über Descartes. Leipzig 1980; Hegels Philosophiegesch. in der Gesch. der Philosophiegeschichtsschreibung. Leipzig 1982; Kurze Gesch. der Ethik. Moskau 1987 (mit A. Gusseinow); Moral u. Methode. Die Struktur in Kants Moralphilos. u. die Diskursethik. Baden-Baden 1995; Das Bild des Weges in der Philos. Berlin 2000; Kant-Handbuch. Stuttgart 2002; Rechtsordnung u. Ethik der Solidarität. Der Strafrechtler u. Philosoph A. Baumgarten. Berlin 2008. Phänomenol. u. Gesch. Fs. für G. I. Berlin 2000.Christoph Links

Wer war wer in DDR

Jäckel, Hans

* 31.5.1923 – ✝ 18.2.1994

Geb. in Colmnitz (Sachsen); Vater Eisenbahner; Volksschule, Gymnasium; 1941 NSDAP; Wehrmacht. 1948 SED; 1948 Abitur, anschl. bis 1954 Studium der Mathematik an der Univ. Leipzig, Dipl.-Mathematiker; Doz. an der ABF Freiberg; Assistent bzw. Oberassistent an der Bergakad. Freiberg; 1956 Prom. zum Dr. rer. nat.; Mitarb. im Staatssekr. für Hoch- u. Fachschulwesen; 1960 Berufung zum Prof. u. Dir. des Math. Inst. der TH Karl-Marx-Stadt; 1963 Kand., 1964 – 67 Mitgl. des ZK der SED; 1963 – 69 Rektor der TH Karl-Marx-Stadt (Nachf. von Willi Nebel); zeitw. Vors. des BV der »Urania«; 1983 Vors. des Bezirkskomitees der Liga für Völkerfreundschaft Karl-Marx-Stadt, 1988 em.; gest. in Chemnitz.Nichtlineare Theorie der Wärmeleitung in festen Körpern. In: Wiss. Ztschr. der HS für Maschinenbau (1961) 2; Mathematik heute. Jena 1972; Mathemat. Grundlagen zu Warmbehandlungstechnologien von Industriestählen. Karl-Marx-Stadt 1982.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Jacob, Mathilde

* 8.3.1873 – ✝ 14.4.1943

Mathilde Jacob wurde am 8. März 1873 in Berlin als älteste Tochter des jüdischen Fleischwarenhändlers Julius Jacob und seiner Frau Emilie geboren. Sie betrieb seit 1907 im Berliner Stadtteil Moabit als selbständige Stenotypistin zeitweise mit einer Angestellten und einem Lehrmädchen ein kleines Schreib- und Übersetzungsbüro. Dort ließen Rosa Luxemburg, Julian Marchlewski und Franz Mehring ihre Manuskripte abschreiben. Besonders Rosa Luxemburg schätzte Mathilde Jacob als zuverlässige und bescheidene sowie stets hilfsbereite Frau. Im Weltkrieg wurde sie Rosa Luxemburgs engste Vertraute, wie deren Zuchthausbriefe beweisen. Sie schmuggelte sowohl Rosa Luxemburgs »Spartakusbriefe« als auch die berühmte »Junius«-Broschüre aus dem Gefängnis. Die intensive Zusammenarbeit Mathilde Jacobs auch mit Leo Jogiches seit 1917 dauerte in der Revolution weiter an. Mathilde Jacob war auf dem Gründungsparteitag der KPD zumindest anwesend, vermutlich dort sogar aktiv beteiligt. Nach der Ermordung Rosa Luxemburgs und Karl Liebknechts sowie Jogiches im Januar bzw. März 1919 war Mathilde Jacob, die zunächst weniger gefährdet schien, einige Zeit für die Finanzen der jungen Partei zuständig, von Juni bis September 1919 aber selbst inhaftiert. Nach ihrer Entlassung reiste sie nach Stuttgart zu Clara Zetkin und arbeitete in der Redaktion der Zeitschrift »Kommunistin«. Mit Paul Levi eng verbunden, teilte sie seine politischen Ansichten und verließ mit ihm 1921 die KPD. 1921/22 war sie dann verantwortliche Redakteurin der KAG-Zeitschrift »Unser Weg« und später für die von Levi herausgegebene Pressekorrespondenz »Sozialistische Politik und Wirtschaft« (SPW) tätig. Seit 1922 Mitglied der SPD, unterhielt sie in Berlin weiter ihr kleines Schreibbüro. Die sich stets im Hintergrund haltende Mathilde Jacob trat ein einziges Mal an die Öffentlichkeit. Der VII. Jenaer KPD-Parteitag im August 1921 hatte die Zentrale aufgefordert, alsbald die Herausgabe der Schriften Rosa Luxemburgs vorzunehmen. Im Zusammenhang mit der Realisierung dieses Antrages kam es zu einer böswilligen und verletzenden Bemerkung gegenüber Mathilde Jacob. Aus der Zentrale der KPD wurde verlautet: »... die praktische Ausführung wird wahrscheinlich daran scheitern, daß der Nachlaß Rosa Luxemburgs sich in den Händen eines Fräuleins befindet, das durch den Bruch der Parteidisziplin nicht mehr zur Partei gehört. Es ist fraglich, ob sie das Material an uns herausgibt.« Daraufhin veröffentlichte Mathilde Jacob Anfang September 1921 im USPD-Organ »Freiheit« einen Leserbrief, in dem sie in scharfer Form die Polemik der VKPD-Zentrale abwehrte und über ihre Tätigkeit berichtete. »Viele Proletarier werden wohl verwundert gefragt haben, wer wohl das ?Fräulein? sein mag, die Rosa Luxemburgs Vertrauen in so hohem Maße besaß, daß sie sogar zur Hüterin ihrer politischen Hinterlassenschaft bestellt wurde. Es widerstrebt mir, von mir selbst zu sprechen. Ist es doch so selbstverständlich, daß man seine Schuldigkeit tat und sie weiter tut. Ich marschierte als einfacher Soldat im Spartakusbund, aber ich habe nie den Kampfesmut verloren, ich habe nie die Arbeit im Stich gelassen, wie so manche der Offensivhelden, die heute in der Zentrale der V. K. P. D. sitzen. Ich arbeitete vor dem Kriege lange Jahre hindurch mit Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg, Franz Mehring und vielen anderen. Ich leistete in der schwierigsten Zeit während des Krieges Leo Jogiches freiwillige Sekretärdienste. Denn der Spartakusbund hatte keine Mittel, und wir alle, die wir in ihm kämpften und arbeiteten, opferten unseren letzten Pfennig und unsere äußerste Kraft. Es war eine erheblich aufreibendere Arbeit als heute. Wir kamen nicht auf Festung! Wir wanderten in die Gefängnisse, in die Zuchthäuser. Wie schwierig war es, die Beiträge für die Spartakusbriefe zu bekommen! Wer schrieb außer Rosa Luxemburg für die Spartakusbriefe? Alle Mitteilungen hierfür gingen durch meine Hände, und neben ganz winzigen Beiträgen von anderer Seite schrieb außer Rosa Luxemburg nur – der ?Opportunist? Paul Levi ... Heute haben ungeheuer viele ihr revolutionäres Herz entdeckt und sprechen von mir als ?Fräulein?. Aber weshalb ist sie für diese Fräulein und nicht mehr Genossin? Wahrscheinlich, weil ich [für] die Zeitschrift Paul Levis ?Unser Weg? verantwortlich zeichne. Ja, ich bekenne mich ganz offen zur Richtung Levi ...« Mathilde Jacob blieb bis 1933 in Berlin, lebte zurückgezogen, so daß aus dieser Zeit wenig über sie bekannt ist. Sie versuchte nach 1936 vergebens, Nazi-Deutschland zu verlassen. Es gelang ihr noch 1939, einige von und an Rosa Luxemburg gerichtete Briefe in die USA bringen zu lassen. Am 28. Juli 1942 wurde Mathilde Jacob in das KZ Theresienstadt deportiert, wo sie am 14.April 1943 ums Leben kam. Rosa Luxemburgs Briefe an sie wurden 1972 von Nahiriko Ito in Japan herausgegeben, 1980 (»Ich umarme Sie in großer Sehnsucht«) in Berlin und Bonn. 1985 erschien »Meine liebste Mathilde« von Heinz Knobloch in Ost-Berlin. Ottokar Luban veröffentlichte 1993 in der IWK eine biographische Skizze über Mathilde Jacob.

Wer war wer in DDR

Jacobs, Hans-Jürgen

* 6.4.1936

Geb. in Parchim (Mecklenb.); 1955 Abitur an der Großen Stadtschule in Rostock; 1955 Studium des Maschinenbaus an der TH Dresden, dort 1961 Diplom, anschl. Ass., 1966 – 69 Oberass. am Inst. für Fertigungstechnik; 1966 Prom. zum Dr.-Ing. bei Alfred Richter, 1970 Prom. B. zum Dr. sc. techn. an der TU Dresden; 1969 / 70 wiss. Mitarb. im Kombinat Carl Zeiss Jena; 1970 / 71 Ltr. der Forschungsgr. Verfahrensoptimierung im Forschungszentrum des Werkzeugmaschinenkombinats »Fritz Heckert« Karl-Marx-Stadt; 1971 – 91 ord. Prof. für Fertigungstechnik / Fertigungsgestaltung an der TU Dresden; Arbeiten zur Verfahrens- u. Prozeßgestaltung; 1975 – 79 Dir. der Sektion Fertigungstechnik u. Werkzeugmaschinenbau der TU Dresden; seit 1975 Aufbau des Lehr- u. Forschungsgebiets Technolog. Optimierung von Fertigungsverfahren u. Fertigungsprozessen innerhalb des Wissenschaftsbereiches Fertigungsprozeßgestaltung; 1979 – 82 Dekan der Fak. Maschinenwesen der TU Dresden; 1982 Prorektor für Naturwiss. u. techn. Wiss.; 1986 – 90 Rektor der TU Dresden (Nachf. von  Rudolf Knöner); 1989 Prom. B zum Dr. sc. oec. an der TU Karl-Marx-Stadt; 1989 korr. Mitglied der AdW der DDR. 1990 – 2000 Gesellschafter u. Projektberater der PRO DV Software GmbH Dresden; 1993 – 2001 Gesellschafter u. Projektberater des Inst. für Produktions- u. Umwelttechnik Dresden GbR; 2001 Ruhestand; lebt in Dresden.Spanungsoptimierung: Verfahrensgestaltung durch technolog. Optimierung in der Spanungstechnik. Berlin 1977 (mit E. Jacob und D. Kochan); Entw. der Formgebungsverfahren im Maschinenbau. Berlin 1981 (mit L. Eberlein und D. Kochan); Interdisziplinäre Ansätze zur rechnerintegrierten Fertigung im Sozialismus. Dresden 1989; Die Universitäten u. Hochschulen in der Erneuerung des Sozialismus – Vorschläge u. Überlegungen zu einer grundlegenden Hochschulreform. Berlin 1989 (Mitautor); Entwurf u. Gestaltung von Fertigungsprozessen: Planung u. Steuerung der spanenden Teilefertigung. Leipzig 2002 (mit H. Dürr); Mathemat. Basismodelle für die technolog. Optimierung spanender Fertigungsprozesse. Dresden 2006. Petschel, D.: Die Professoren der TU Dresden 1828 – 2003. Köln u. a. 2003.Uwe Fraunholz

Handbuch Deutsche Kommunisten

Jadasch, Anton

* 25.5.1888 – ✝ 17.5.1964

Geboren am 25. Mai 1888 in Kreppitz/Krs. Oppeln als Sohn eines Maschinenwärters; Lehre als Kessel- und Dreschmaschinenheizer. 1902 zunächst Mitglied im Hirsch-Dunckerschen Gewerkverein Deutscher Maschinenbau- und Metallarbeiter, anschließend im DMV. Von 1906 bis 1914 Hüttenarbeiter, danach bis 1919 Bergarbeiter. 1907 Eintritt in die SPD. Bei Ausbruch der Revolution in den Beuthener Arbeiterrat gewählt und Bürgermeister von Lipine/Oberschlesien. Jadasch gehörte zu den Mitbegründern des Spartakusbundes (am 20. Dezember 1918) und der KP Oberschlesien. Im Dezember 1920 schloß sich dieser Bezirk mit der Kommunistischen Partei Oberschlesien (die aus der Sozialistischen Partei Polen – PPS – entstanden war) und der USPD zur Kommunistischen Partei Oberschlesiens zusammen. Sekretär dieser Organisation wurde Jadasch, der auch nach der Rückkehr des Bezirks zur KPD ihr Leiter blieb. Vom VII. Parteitag 1921 für Oberschlesien in den ZA gewählt. 1922 Gewerkschaftssekretär der ultralinken Union der Hand- und Kopfarbeiter. Da diese Organisation ihren Hauptsitz im Ruhrgebiet hatte, siedelte er vorübergehend nach Oberhausen. Im Mai 1924 zog Jadasch als Abgeordneter in den Reichstag ein (Wahlkreis Oppeln), dem er bis 1933 angehörte. Innerhalb der Fraktion bearbeitete er vornehmlich die Bereiche Oberschlesien, Bergbau und Umsiedlerwesen. Im Juni 1924 erneut in den Vorstand der Union der Hand- und Kopfarbeiter gewählt, ging Jadasch aber als Polleiter des KPD-Bezirks wieder nach Oberschlesien. Schon im September 1924 Rückkehr ins Ruhrgebiet, vollzog er gemeinsam mit Gustav Sobottka im folgenden Jahr die Auflösung der Union und überführte die Gruppe Bergbau in den Freien Bergarbeiterverband. Danach leitete Jadasch in Berlin die kommunistische Erwerbslosen- und Landarbeiterbewegung, ab 1929 führend in der RGO tätig. Wegen »Vorbereitung zum Hochverrat« 1932 zu 15 Monaten Festung verurteilt, erhielt er als Reichstagsabgeordneter Strafaussetzung und ging als ZK-Instrukteur nach Ostpreußen und Danzig. Am 25. Februar 1933 im Freistaat Danzig verhaftet, am 7. März 1933 nach Berlin überstellt, wurde er im Mai 1933 in die Festung Groß Strehlitz eingeliefert. Dann kam Jadasch nach Bergedorf bei Hamburg und anschließend in das KZ Fuhlsbüttel. Ende Oktober 1934 frei, zwei Jahre erwerbslos, 1936 wurde er Lagerarbeiter in Berlin-Wittenau. Bei Kriegsausbruch 1939 festgenommen und bis Mitte April 1944 Häftling im KZ Sachsenhausen, dann im Juli 1944 erneut inhaftiert, im August aber wieder entlassen. Er war von Anfang April bis Oktober 1945 Bürgermeister in Berlin-Wittenau und von Oktober 1945 bis April 1946 Kontrolleur bei der Deutschen Verwaltung für Umsiedler. Im Auftrag des SED-PV ab April 1946 Mitbegründer der Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe. Er leitete die VdgB als Generalsekretär vom 1. Januar 1947 bis 15.August 1949. Für die VdgB war er auch Abgeordneter des Landtags von Brandenburg. Von August 1949 bis Januar 1950 Erster Vorsitzender der Gewerkschaft Land und Forst, ab Februar 1950 stellvertretender Vorsitzender. In den fünfziger Jahren spielte Jadasch politisch keine Rolle mehr, er lebte als Rentner in West-Berlin, kandidierte im November 1954 für die SED bei den Wahlen zum West-Berliner Abgeordnetenhaus. Er erhielt 1958 anläßlich seines 70. Geburtstages den Orden »Banner der Arbeit«. Anton Jadasch starb am 17.Mai 1964 in Ost-Berlin. Marc Erath veröffentlichte 2003 eine biographische Skizze über Anton Jadasch.Siegfried Kuntsche / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Jäger, Hans

* 10.2.1899 – ✝ 12.10.1975

Geboren am 10. Februar 1899 in Berlin, Sohn eines Bildhauers. Nach dem Abitur 1917 Soldat, von 1919 bis 1922 Studium der Geschichte. Danach Publizist und Redakteur. Ab 1919 Mitglied der KPD (1920 kurzfristig in der KAPD), Funktionär in verschiedenen KPD-Organisationen und Mitarbeiter an Parteizeitungen. Jäger engagierte sich besonders in der Liga gegen Imperialismus und im Bund proletarisch-revolutionärer Schriftsteller. Ab 1925 Mitglied des Instituts für Sozialforschung in Frankfurt/M. und Leiter des Marx-Engels-Verlages. 1929 Organisator des 2. Kongresses der Liga gegen Imperialismus und 1932 deren Reichsleiter. Zeitweilig Abteilungsleiter in der Agitpropabteilung des ZK der KPD, führend bei den Aktivitäten unter Intellektuellen und in nationalrevolutionären Kreisen. Jäger galt als einer der Ideologen der KPD. Er emigrierte im März 1933 nach Prag. Hier erschien 1933 sein Buch »Das wahre Gesicht der NSDAP«. Bei einem Moskau-Aufenthalt lehnte er es ab, den Marx-Engels-Verlag in Leningrad zu übernehmen. Im Juni 1935 trat er aus der KPD aus und wurde von der IKK der Komintern ausgeschlossen. Von Prag aus über Polen und Kopenhagen nach London emigriert, hatte Jäger Verbindungen zu unterschiedlichsten Anti-Hitler-Gruppen und war in vielen davon aktiv. Von Juni 1940 bis März 1941 in England interniert, gehörte er dann in London dem Kulturforum an, einer Gegenorganisation zum kommunistisch dominierten Freien Deutschen Kulturbund. Gegen Kriegsende näherte er sich der SPD an. Jäger wurde 1944 britischer Staatsbürger und trat nach dem Krieg vor allem für die deutsch-britische Verständigung ein. Er wurde durch zahlreiche Vorträge und Publikationen bekannt und erhielt 1969 das Große Bundesverdienstkreuz. Hans Jäger starb am 12.Oktober 1975 in London.

Wer war wer in DDR

Jahn, Franz

* 19.5.1909 – ✝ 21.1.1989

Geb. in Leipzig; Vater Arbeiter; Volksschule; 1923 – 26 Berufs-FS, Ausbildung zum Zimmermann; 1923 Zentralverb. der Zimmerer; 1923 – 29 SAJ; 1925 – 31 SPD; 1923 – 33 ehrenamtl. Gewerkschafts- u. Parteiarbeit, u. a. Vors. der Zimmerer-Jugend, Landesvors. der Jungsoz. Vereinigung, Org.-Sekr. der SAJ; 1931 Gründungsmitgl. der SAP; 1932 – 34 Jurastudium an der Univ. Leipzig, aus pol. Gründen nicht beendet; 1933 – 40 illeg. Tätigkeit in Leipzig; 1934 – 40 Zimmerpolier in versch. Baufirmen; 1940 – 45 Wehrdienst, zul. Sanitäts-Uffz., Febr. 1945 desertiert, amerik. Kriegsgefangenschaft. 1945 FDGB; KPD; Sekr. für Gewerkschaftsarbeit der Parteiltg. Leipzig; 1945/46 Abt.-Ltr. im Amt für Arbeit der Landesverw. Sachsen; 1946 Schulungssekr. im FDGB-Landesvorst. u. Vors. der IG Bau Sachsen; 1946 – 53 1. Vors. des Zentralvorst. der IG Bau bzw. Bau-Holz; 1949 – 53 Mitgl. des geschäftsf. FDGB-Bundesvorst., 1949 – 53 des Bundesvorst., 1952/53 seines Präs.; 1950 – 53 Fernstudium an der PHS; nach dem 17.6.1953 wegen »grober pol. Fehler u. ungenügender Wachsamkeit« aller Funktionen enthoben; danach Krs.-Sekr. der IG Bau-Holz in Leipzig; 1953 – 58 Dir. der Bau-Union Neubrandenb.; tätig auch im Bauwesen in Berlin; 1972 invalidisiert; gest. in Berlin.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Jahn, Rudolf (Rudi)

* 4.11.1906 – ✝ 30.9.1990

Geb. in Paunsdorf b. Leipzig; Vater Metallarb.; 1913 – 21 Volksschule; 1921 – 25 Ausbildung zum Bau- u. Möbeltischler; 1921 SAJ; 1922 Dt. Holzarbeiterverb.; 1923 KJVD; 1924 Teiln. am »Kongreß der Werktätigen« in Eisenach u. an den bewaffn. Kämpfen um den »Hallenser Blutsonntag«, zwei Ermittl.-Verf. wg. »Hochverrats«; 1924/25 Ltr. der Jugendsekt. im Dt. Holzarbeiterverb.; 1925 – 28 Wanderschaft (Dänemark, Schweden, Schweiz u. Jugosl.); 1928 KPD; Org.-Ltr. KJVD-Bez. Westsachs.; Jan. – Aug. 1929 Internat. Lenin-Schule in Moskau; danach Pol.-Ltr. einer Stadtteilltg. der KPD in Leipzig; dort 1929 Mitbegr. der Ges. der Freunde der UdSSR; 1931 – 33 Sekr. für Agit. u. Prop. in der Landesltg. Sachsen der KPD in Dresden, dann Leipzig; 24.5.1933 verhaftet, »Schutzhaft« im KZ Colditz u. U-Haft Dresden wg. »Vorbereitung zum Hochverrat« zu eineinhalb Jahren Zuchthaus in Waldheim verurteilt; Sept. 1935 entlassen, Polizeiaufsicht; Arbeit u. a. als Parkettleger u. Betriebstischler, illeg. Arbeit; 1.9. 1939 erneut verhaftet, 1939 – 45 KZ Buchenwald. 1945 Mitgl. der Ltg. des KPD-UB Leipzig; Okt. 1945 Mitgl. der KPD-BL Sachsen; Sept. 1945 Landessekr. der Volkssolidarität; Mitbegr. u. Vors. des Antifa-Komitees Sachsen; 1946 Landessekr. der Volkssolidarität in Sachsen; 1946 – 48 Mitgl. des Landesvorst. Sachsen des FDGB, Ltr. des Sekr. für Schulung u. Bildung; 1948 1. Vors. des Landesvorst. Brandenb. (Nachf. von  Franz Moericke) u. Mitgl. des Bundesvorst. des FDGB; Mitgl. der Landesltg. der SED u. ihres Sekr.; 1949 – 52 Min.-Präs. des Landes Brandenb. (Nachf. von  Karl Steinhoff); 1949 Mitgl. des Dt. Volksrats, 1949 – 54 Abg. der (Prov.) Volkskammer; 1952 – 58 1. Vors. des Rats des Bez. Dresden; 1958 MfAA; Febr. 1959 – Jan. 1963 Botschafter in Bulgarien (Nachf. von  Oskar Fischer); ab 1963 Abt.-Ltr. im MfAA (6. Europa-Abt.); 1968 aus gesundheitl. Gründen ausgeschieden; danach ehrenamtl. Tätigkeit auf außenpol. Gebiet u. in der Arbeitsgemeinschaft Buchenwald-Dora beim Komitee der Antifa. Widerstandskämpfer der DDR; 1966 VVO. Das war Buchenwald. Leipzig 1945.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Jähner, Horst

* 14.10.1918 – ✝ 30.12.2006

Geb. in Berlin; Vater Industriekfm.; 1929 – 38 Gymnasium; 1938 – 40 Volontär in einem Versicherungsunternehmen; 1940 – 45 Wehrmacht, Ltn.; 1945 – 47 brit. Gefangenschaft. 1947 – 49 Jura- u. Volkswirtschaftsstudium, 1949 – 52 Studium der Kunst- u. Theatergeschichte, Archäologie u. Philos.; 1947 – 63 Kunstkritiker für Presse u. Rundfunk; 1963 – 87 Ltr. des VEB Verlag der Kunst Dresden (u. nach 1990 unter neuen Besitzern bis 1996); 1978 Prom.; 1978 – 85 Honorarprof. für Kunstgeschichte an der HS für bildende Kunst in Dresden; zahlr. Monogr., u. a. zu Franz Marc, Max Beckmann, Otto Mueller, Erich Heckel; Bert Heller; gest. in Berlin.Künstlergr. Brücke. Geschichte einer Gemeinschaft u. das Lebenswerk ihrer Repräsentanten. Berlin 1984 (2005).Carsten Wurm / Astrid Volpert, Jg. 1952; 1971 – 78 Studium der Kultur- und Kunstwissenschaften sowie Journalistik an der KMU Leipzig; bis 1991 Redakteurin für Kultur, Literatur und bildende Kunst in Berliner Verlagen (Junge Welt, Neues Leben, Henschelverlag); 2001 – 04 wissenschaftliche Mitarbeiterin und Mitherausgeberin der Kopelew-Studien »Russen und Deutsche im 20. Jahrhundert« am Lotman-Institut der Ruhr-Universität Bochum; seit 2004 freiberufliche Lektorin, Kuratorin und Kunstkritikerin in Berlin bzw. Russland.