...

 

BioLex

In der Kategorie BioLex finden Sie drei biografische Lexika mit über 5500 Personeneinträgen.

 

Das Handbuch "Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945" wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam. Kurzbiografien zu Personen des poltischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 vor. Zudem ist das Onlinlexikon www.dissidenten.eu komplett in dieser  Rubrik recherchierbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Inforamtionen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Hübner, Siegfried

* 9.1.1923

Geb. in Oelsnitz (Erzgeb.); 1952 Priesterweihe in Leipzig; Oratorianer in Leipzig; 1958 Lokalkaplan in Naundorf; 1965 Studentenpfarrer in Erfurt u. Weimar; 1966 – 75 Pfarradministrator in Pirna; Dr. theol.; seit 1972 Lehraufträge für Dogmatik am Regional-Priesterseminar/Studium Erfurt; dort 1976 Doz. für Dogmatik u. Ökumen. Theol.; 1987 em.; lebt in Berggießhübel (Sachs.). Publ. v. a. zu dogmat. Fragestellungen, u. a.: Cyprian von Karthago. Briefe aus dem Exil (eingeleitet u. übersetzt). Leipzig 1965; Henri de Lubac. Mysterium Ecclesiae. Auswahl aus den Werken über die Kirche (ausgewählt u. eingeleitet). Leipzig 1981.Clemens Brodkorb

Handbuch Deutsche Kommunisten

Hübschmann, Oskar

* 12.4.1908 – ✝ 23.1.1942

Geboren am 12. April 1908 in Frankfurt am Main als sechstes Kind eines Oberpostschaffners. Bis 1931 kaufmännischer Angestellter, anschließend erwerbslos. Seit 1929 Mitglied der IAH, trat er 1932 in die KPD ein und war Funktionär der IAH im Bezirk Hessen-Frankfurt, im Sommer 1933 übernahm er illegal deren Leitung. Er emigrierte im September 1934 in das Saargebiet, wurde Organisationsleiter der IAH für das Saargebiet und Mitglied des ZK der IAH. Im Januar 1935 Flucht nach Frankreich, dort nach zeitweiliger Festnahme und Internierung wieder ausgewiesen. Hübschmann lebte dann illegal in Deutschland, floh nach Belgien und arbeitete für die RH in Brüssel und Antwerpen. Ende 1936 ging er nach Spanien, war Angehöriger der XI. Internationalen Brigade, und kam als Schreibkraft und Übersetzer beim Brigadekassierer und Kapitän Herbert Müller an den Fronten Cordoba, Madrid, Jarama und Guadalajara zum Einsatz. Anfang Februar 1939 zurück nach Frankreich, interniert in St. Cyprien und Gurs. Anfang April 1940 von der französischen Polizei festgenommen und an Deutschland ausgeliefert. Trotz umfangreicher Aussagen bei der Gestapo in Frankfurt am Main über deutsche Spanienkämpfer verurteilte ihn der VGH am 20. Oktober 1941 zum Tode. Oskar Hübschmann wurde am 23. Januar 1942 in Berlin-Plötzensee hingerichtet.

Wer war wer in DDR

Hülsenberg, Dagmar

* 2.12.1940

Geb. in Sonneberg (Thür.); Vater 1943 gefallen, Mutter Putzmacherin; Abitur; Facharb. für Techn. Keramik; ab 1960 Studium der Silikathüttenkunde an der Bergakad. Freiberg, 1965 Dipl.-Ing.; Assistentin u. Oberassistentin; 1969 Prom. zum Dr. rer. oec. (Kostenrechnung) u. 1970 Dr.-Ing. (Feuerfestkeramik); anschl. im Min. für Glas- u. Keramikindustrie; 1975 ord. Prof. an der TH Ilmenau; 1976 Vors. des Fachverb. Silikattechn. der KdT, 1978 Mitgl. des Präs., 1987 – 92 Präs. der KdT (Nachf. von Manfred Schubert); Mitgl. des Forschungsrats der DDR; 1986 Mitgl. der Sächs. AdW; 1989 Korr. Mitgl. der AdW. Seit 1992 Mitgl. der Dt. Keram. Gesell.; 1995 Umberufung zur Prof. für Glas- u. Keramiktechnol. an der TU Ilmenau; 2005 Mitgl. der technikwiss. Vereinigung »Akatec«; 2006 em.; lebt in Ilmenau.Neue Glas- u. Keramikwerkstoffe – Werkstoffe der Zukunft. Berlin 1989; Keramikformgebung. Leipzig 1987 (mit H.-G. Krüger u. W. Steiner); Mikrostrukturierung von Gläsern. Berlin 1996; Glastechnologien für Recyclingaufgaben. Leipzig 1998.Andreas Kahlow

Wer war wer in DDR

Hunger, Daniela

* 23.3.1972

Geb. in Berlin; Suche-Bator-OS; Schwimmtraining im TZ Berlin-Lichtenberg, ab 1982 KJS; ab 1984 beim SC Dynamo Berlin (Trainer: Volker Frischke); Spezialdisz.: Lagen; 1987 Vize-EM über 200 m Lagen; 1988 Olympische Spiele: Siegerin (200 m u. mit der 4 x 100-m-Lagenstaffel); 1989 EM (200 m u. 400 m Lagen, 4 x 100-m-Freistilstaffel); VVO. Nach 1990 beim SV Preußen Berlin; 1991 EM; 1991 bei den Weltmeisterschaften: 3. Platz (200 m); 1991 Schwimmerin des Jahres; 1992 Olymp. Spiele: 3. Platz (200 m Lagen), 2. Platz (4 x 100-m-Lagenstaffel), 3. Platz (4 x 100-m-Freistilstaffel); Studium; 1994 EM; Ausbildung zur Industriekauffrau bei Mercedes Benz; Sprecherin des Frauen-Nationalteams; 1995 bei den Europameisterschaften: Siegerin (4 x 100-m-Freistilstaffel); 1995 Fair-Play-Preis des Dt. Sparkassen- u. Giroverb.Olaf W. Reimann

Wer war wer in DDR

Hussel, Horst

* 28.4.1934 – ✝ 18.11.2017

Geb. in Greifswald; Vater Lehrer; 1940 – 53 Volksschule in Sternberg u. Gymnasium in Wismar; Ausbildung an der FS für angewandte Kunst in Wismar bei Heinz Dubois; 1953/54 Studium an der HS für bildende Künste Dresden bei Erich Fraaß; 1954 – 58 Studium der Malerei an der HS für bildende u. angewandte Kunst in Berlin-Weißensee, Exmatrikulation während der Diplomarbeit aus pol. Gründen; 1958 Beginn eines Grafikstudiums an der HS für bildende Künste Berlin-Charlottenburg bei Friedrich Stabenau, Abbruch des Studiums durch den Bau der Mauer; seit 1957 Beteiligung an zahlr. Ausstellungen im In- u. Ausland; 1959 3. Preis des BDI; VBK; freischaff. Grafiker u. Buchillustrator; 1987 Präs. der Kurt-Schwitters-Gesell. der DDR; Arbeiten mit skurril hintergründigem Charakter. 1990 nachträgl. Zuerkennung des Dipl. durch die Kunst-HS Berlin-Weißensee; seit 1990 Mitgl. des PEN-Zentrums; 1993 Jule-Hammer-Preis; 1994 Gründung der Dronte-Presse; gest. in Berlin.Briviéra. Berlin 1982; Calmen. Leipzig 1985; Abendglühn. Gespräche, Briefe, Geschichten. München 1986; Gouachen u. Zeichnungen 2006 – 2008. Berlin 2009; Aprilwetter. Geschichten u. Dramolette. Berlin 2009. Kat. H. H. Bücher u. Buchgrafik. Staatl. Museum Schloß Burgk 1987; H. H. Werkverz. der Druckgrafik u. Bücher (mit Bibl.). Berlin 1993; Briefe an H. H. Leipzig 2005.Anke Scharnhorst

Wer war wer in DDR

Hüttenrauch, Willy

* 10.3.1909 – ✝ 23.2.1996

Geb. in Weimar; Volksschule; Lehre u. Arbeit als kfm. Angest.; Abt.-Ltr. in einer Druckerei; 1925 SAJ; 1927 SPD; nach 1933 illeg. Arbeit, inhaftiert. 1945 Ref. im Landesamt für Sozialwesen, später Ltr. des Landesamts für Handel- u. Versorgung; 1945/46 KPD/SED; Okt. 1947 – Nov. 1950 Min. für Wirtschaft, Arbeit u. Verkehr in der Thür. Landesreg.; zugl. Mitgl. der DWK; ab 1951 im Min. für Außen- u. Innerdt. Handel, zeitw. Staatssekr. bzw. 1. Stellv. des Min.; 1962 – 68 Stellv. des Min., zeitw. stellv. Ltr. der DDR-Delegation beim RGW in Moskau; 1968 – 72 Botschafter der DDR in der Mongol. VR (Nachf. von Klaus Willerding); 1972 Ruhestand; 1969 u. 1979 VVO. AnH I

Wer war wer in DDR

Ilberg, Werner

* 20.7.1896 – ✝ 30.12.1978

Geb. in Wolfenbüttel in einer dt.-jüd. Fam.; Vater Kfm.; Realschule; Ausbildung zum Textilkfm.; 1915 – 18 Frontsoldat, Vizefw., Offiziersanwärter, EK; 1919 Teilhaber der väterl. Firma, Bankrott während der großen Inflation; danach arbeitslos, ambulanter Buchhändler; 1922 – 29 Mitgl. der Zionist. Vereinigung für Dtl. (zeitw. im Landesvorst.); 1924 – 29 SPD, Parteiausschl.; 1932 BPRS; 1932 – 33 Beiträge in kommunist. Ztg. u. Ztschr.; ab Jan. 1933 illeg. Arbeit in Schriftst.-Gruppe, Juni 1933 verhaftet, Haft im SA-Gefängnis Papestr.; Dez. 1933 Emigr. in die ČSR; 1935 Preis der Büchergilde Gutenberg für den Roman »Die Fahne der Witwe Grasbach«; 1937 KPD; 1938 – 47 Emigr. nach England; Veröff. in versch. Exilztschr. (u. a. »Das Wort«, »Der Gegenangriff«, »Freie Dt. Kultur«). 1947 Rückkehr nach Wolfenbüttel; SPD (nach Absprache mit der KPD-Landesltg.); 1948 Publikation seines in der Prager Emigration entstandenen Romans »Die Fahne der Witwe Grasbach« (Berlin); Ausschl. aus der SPD wegen Tätigkeit im Vorst. der VVN u. »gesamtdt. Betätigung«; Eintritt in die KPD; 1951 Mitgl. des PEN-Zentrums Dtl.; 1956 Übersiedl. in die DDR; freischaff. Schriftst. (Prosa, Schriftst.-Biogr.); 1957 Ausschl. aus der KPD wegen »nichterlaubter Übersiedl.«; 1959 SED; 1968 Geschäftsf. u. 1970 – 74 Gen.-Sekr. des PEN-Zentrums DDR (Nachf. von Herbert Burgmüller); 1971 VVO; gest. in Berlin.Der schwere Weg: Leben u. Werk Romain Rollands. Schwerin 1955; Bernhard Kellermann in seinen Werken. Berlin 1959; Hans Marchwitza. Leipzig 1971. Falin, V.: Pol. Erinnerungen. München 1993; Bailey, G., Kondraschow, S. A., Murphy, D. E.: Die unsichtbare Front. Berlin 1997; Scherstjanoi, E.: Das SKK-Statut. Zur Geschichte der Sowj. Kontrollkommission in Dtl. 1949 bis 1953. München 1998; Foitzik, J.: Sowj. Militäradministration in Dtl. (SMAD) 1945 – 1949. Berlin 1999.Jan Foitzik

Handbuch Deutsche Kommunisten

Iltis, Lucian

* 15.5.1903 – ✝ 29.9.1967

Geboren am 15. Mai 1903 in Mannheim, Vater Metallarbeiter, Mutter Bekleidungsarbeiterin. Schlosser, seit 1919 Mitglied der FSJ, seit 1923 der KPD. Redakteur der Mannheimer »Arbeiterzeitung«. Ende der zwanziger Jahre Mitarbeiter des AM-Apparates der KPD, absolvierte 1930 unter dem Decknamen Otto den 1. Kurs an der M-Schule der Komintern in Moskau. Zurückgekehrt, wurde er mit Aufgaben im zentralen AM-Apparat betraut, so leitete er unter dem Decknamen Willy das Ressort Republikanische Organisationen, dessen wichtigste Aufgabe in der Nachrichtensammlung und Zersetzung der SPD, des Reichsbanners, der Gewerkschaften sowie mit der SPD sympathisierender Organisationen bestand. Später Nachfolger von Rudolf Schwarz als Reichsleiter »Zersetzung der Polizei«. Im August 1933 Emigration in die Sowjetunion, dort Hilfslehrer und Aspirant an der M-Schule bzw. Lehrer an der Leninschule. Vom EKKI als Instrukteur eingesetzt, operierte er unter verschiedenen Namen in Österreich und Frankreich. Er konnte im Elsaß die französische Staatsbürgerschaft erlangen, gehörte seit 1935 der KP Frankreichs an, war zeitweise Redakteur an der KP-Zeitung »Humanité« und wurde im September 1939 zur französischen Armee eingezogen. Er geriet in deutsche Kriegsgefangenschaft, aus der er im Juni 1940 freigelassen wurde. Iltis soll später von der Gestapo als Agent in die unbesetzte Zone geschickt worden sein und bis 1944 sowohl für die Résistance als auch für die Gestapo gearbeitet haben. Im November 1946 wegen »Zusammenarbeit mit dem Feind« in Frankreich festgenommen; es ist lediglich überliefert, daß Lucian Iltis am 29.September 1967 in Frankfurt am Main starb.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Irrgang, Arthur

* 15.8.1884 – ✝ 29.3.1962

Irrgang, Arthur (* 1884 – † 1962) Geboren am 15. August 1884 in Freienwalde/Oberbarnim, Sohn eines Buchhändlers; lernte Buchdrucker. Er zog 1903 nach Berlin, wurde Schriftsetzer und Korrektor, Eintritt in die SPD. Von 1914 bis 1918 Soldat im Ersten Weltkrieg, 1917 Mitglied der USPD, 1918/19 ein Sprecher des Tempelhofer Arbeiter- und Soldatenrates. Irrgang wurde Anfang 1919 in den Tempelhofer Gemeinderat gewählt, kam im Juni 1920 für die USPD in die Berliner Stadtverordnetenversammlung und gehörte ihr von 1925 bis 1929 für die KPD erneut an. Im März 1921 auf zwölf Jahre zum besoldeten Stadtrat in Berlin-Tempelhof gewählt, dort Dezernent des Wohlfahrts- und Gesundheitswesens. Irrgang kam Ende 1920 mit dem linken Flügel der USPD zur KPD, die er jedoch 1929 aus Protest gegen den ultralinken Kurs der Parteiführung verließ, er blieb danach parteilos. Am 12. März 1933 »beurlaubt«, wurden die ihm zustehenden Ruhestandsbezüge gestrichen. Erst 1935 erhielt er eine »jederzeit widerrufliche« Rente von 15 Prozent seines letzten Gehalts. Von Verfolgungen durch das NS-Regime blieb er verschont. Im Mai 1945 setzte die sowjetische Besatzungsmacht Irrgang als stellvertretenden Stadtrat mit der Zuständigkeit für das Wohlfahrts- und Arbeitsamt ein. Wieder Mitglied der KPD und 1946 der SED. Nach der Spaltung der Stadtverwaltung blieb er noch für ein Jahr Verwaltungsreferent im Bezirksamt Mitte im sowjetischen Sektor und ging im August 1950 in den Ruhestand. Im Zusammenhang mit den Parteisäuberungen Anfang der fünfziger Jahre lehnte Irrgang eine Befragung über sein Verhalten in der NS-Zeit ab. Er trat aus der SED aus, wurde 1954 Mitglied der SPD. Arthur Irrgang starb am 29. März 1962 in Berlin-Mariendorf. 1991 veröffentlichten Christoph Hamann und Stephan Krautschik in »100 Jahre Arbeiterbewegung in Tempelhof« über Arthur Irrgang den biographischen Beitrag »Biedermann und Kommunist«.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Israel, Hans

* 9.9.1905 – ✝ 12.7.1968

Geboren am 9. September 1905 in Berlin, Sohn des Kranführers Oskar Israel. Ungelernter Arbeiter, Hausdiener, Kassenbote und Laborhilfskraft. 1927 Mitglied des KJVD, 1928 der KPD. Zunächst engagierte er sich in der kommunistischen Sportbewegung, war u. a. Sportlehrer und Trainer in mehreren Berliner Sportvereinen. Seit 1930 im AM-Apparat tätig, war Israel im BB-Apparat eingesetzt. Nach dem Reichstagsbrand illegal, absolvierte er 1933/34 einen Lehrgang an der M-Schule der Komintern in Moskau, Schuldeckname: Otto. Nach seiner Rückkehr wirkten er und seine Freundin Helene Berner (* 13. 12. 1904 – †22.12. 1992) als enge Mitarbeiter von Wilhelm Bahnik. Israel wurde im Frühjahr 1935 Nachfolger von Johann Wenzel als Instrukteur des BB-Apparats für die Bezirke Ober-, Mittel- und Niederrhein. Am 27. Mai 1935 wurde er in Düsseldorf unter dem Namen Josef Schrade verhaftet und am 7. September 1936 vom VGH zu lebenslanger Haft verurteilt. Israel war bis Kriegsende im Zuchthaus Remscheid-Lüttringhausen inhaftiert. Nach 1945 Regierungsrat bzw. Oberregierungsrat im Sozial-, später im Innenministerium der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen. Hans Israel starb am 12.Juli 1968 in Hochdahl/Nordrhein-Westfalen.

Wer war wer in DDR

Jacob, Günter

* 8.2.1906 – ✝ 29.9.1993

Geb. in Berlin; Vater Lehrer; Gymnasium in Sorau u. Cottbus; nach dem Abitur 1924 – 29 Studium der Theol. in Tübingen, Berlin u. Marburg; dort 1929 Lic. theol., anschl. Vikariat u. Predigerseminar in Berlin; 1931/32 Hilfsprediger in Körlin (Schles.); 1932 – 39 Pfarrer in Forst-Noßdorf; 1933 Mitbegr. des Pfarrernotbunds; Mitgl. des Provinzialbruderrats der Bekennenden Kirche; ab 1935 mehrmals verhaftet, Auftrittsverbot, Gerichtsverfahren; 1939 – 45 Kriegsteilnehmer, zul. Uffz., Gefangenschaft. Juli 1945 Pfarrer der Kirchl. Nothilfe in Marburg; ab 1946 Gen.-Superintendent der Neumark u. der Niederlausitz in Lübben, ab 1949 in Cottbus; 1952 – 68 Mitgl. der Kommission für Glauben u. Kirchenverfassung des Ökumen. Rats der Kirchen; 1953 Ehrenprom. in Tübingen; 1963 – 67 nebenamtl. Verwalter des Bischofsamts der Ostregion der Ev. Kirche Berlin-Brandenb.; 1972 Ruhestand. Trotz zeitw. Bestrebungen nach einem Übereinkommen mit den Interessen der DDR war G. J. scharfen ideolog. Angriffen der SED-Führung ausgesetzt, da er auf der Unabhängigkeit der Kirche bestand.Das Licht scheint in der Finsternis. Stuttgart 1954; Kirche auf Wegen der Erneuerung. Berlin 1966; Der Christ in der soz. Ges. Stuttgart 1975; Umkehr in Bedrängnis. Stationen auf dem Weg der Kirche von 1936 bis 1985. München 1985; Gericht u. Gnade. Berlin 1986.Ehrhart Neubert

Wer war wer in DDR

Jacobeit, Wolfgang

* 13.5.1921

Geb. in Naumburg (Saale); Vater Studien- rat, Mutter Konzertsängerin; 1939 Abitur; 1939 – 41 Studium der Geschichte u. Volkskunde an den Univ. Leipzig u. Königsberg; 1941 – 45 Soldat, 1945 englische Gefangenschaft. 1945 – 48 Studium der Geschichte, Volks- u. Völkerkunde sowie Ur- u. Frühgeschichte an der Univ. Göttingen; 1948 Prom. mit einer ethnograph. Studie über das Joch; anschl. Arbeit in einem Aluminiumwerk; Stipendium der Dt. Forschungsgem., danach bis 1955 bei der Mission française des Recherches; 1956 Übersiedl. in die DDR; bis 1972 tätig am Inst. für Dt. Volkskunde der DAW; 1961 Habil. mit einer Arbeit über »Schafhaltung u. Schäfer in Zentraleuropa bis zum Beginn des 20. Jh.«; 1962 Gastdoz. an der HU Berlin, 1970 Honorarprof.; 1972 – 80 Dir. des Museums für Volkskunde der Staatl. Museen zu Berlin; 1980 ord. Prof. an der HU Berlin; 1986 em. J. galt als einer der wichtigsten Vertreter der Volkskunde in der DDR; zeitw. Präsident der Association Internat. des Musées d’Agriculture u. Mitgl. des Präs. der Société Internat. d’Ethnologie et de Folklore.Bäuerliche Arbeit u. Wirtschaft. Berlin 1965; Illustrierte Geschichte des Alltags des dt. Volkes. 2 Bde. Leipzig, Jena, Berlin 1985/ 87 (mit S. Jacobeit); Illustrierte Alltags- u. Sozialgeschichte Deutschlands 1900 – 1945. Münster 1995 (mit S. Jacobeit); Von West nach Ost u. zurück. Münster 2000 (Autobiogr.). Bibliogr. In: EAZ (1986) 27; Kaschuba W. u. a. (Hrsg.): Alltagskultur im Umbruch. Fs. zum 75. Geburtstag. Weimar 1996.Ilko-Sascha Kowalczuk

Wer war wer in DDR

Hübner, Werner

* 17.7.1931

Geb. in Jauer (Niederschles./Jawor, Polen); Vater Arbeiter; Grund- u. Oberschule; 1946 FDJ u. SED; Lehre u. Arbeit als Maschinenschlosser; 1949 – 51 ABF, Abitur; 1951 – 55 Studium an der HU Berlin, Abschl. als Oberstufenlehrer für Geschichte; 1955 – 64 Instrukteur in der Abt. S (Sicherheit) des ZK der SED; 1959 Lehrgang an der Politschule der NVA in Berlin-Treptow; 1965 Oberst; 1964 – 79 Ltr. der Arbeitsgr. Soz. Wehrerziehung; 1960 – 64 Aspirantur an der KMU Leipzig, Prom. zum Dr. phil.; 1973 – 77 Aspirantur am Militärgeschichtl. Inst., Habil., Dr. sc. phil.; 1979 – 90 Sektorenltr. in der Abt. für Sicherheitsfragen des ZK der SED; 1987 Gen.-Major; 1974 u. 1987 VVO.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Huchel, Peter

* 3.4.1903 – ✝ 30.4.1981

Geb. in Lichterfelde (b. Berlin) als Hellmut Huchel (1930 Annahme des Namens Peter); Vater Berufssoldat, Beamter im preuß. Staatsdienst; 1923 Abitur; ab 1918 erste Gedichtversuche; 1923 – 26 Studium der Lit. u. Philos. in Berlin, Freiburg i. Br. u. Wien; 1927 – 30 Reisen nach Frankreich, Rumänien, Ungarn u. in die Türkei; 1928 längerer Parisaufenthalt; 1930 – 36 Publ. in »Die Liter. Welt«, »Das Innere Reich«, »Die Kolonne«, »Vossische Ztg.«; die frühe Lyrik ist stark von der märk. Landschaft geprägt; 1931 gem. Wohnung mit  Alfred Kantorowicz; 1932 Preis der Ztschr. »Kolonne« für den Lyrikband »Der Knabenteich«; 1934 – 40 Rückzug nach Michendorf (b. Berlin); Arbeit als Hörspielautor (14 Hörspieltexte) u. a. für den Reichssender Berlin u. den Dt. Kurzwellensender, dort Adaption der Reportage »Die Greuel von Denshawai« von George B. Shaw (1940); 1941 – 45 Soldat bei der Luftwaffe, sowj. Gefangenschaft. Aug./Sept. 1945 Lehrgang an der Antifa-Schule Rüdersdorf; danach Dramaturg u. persönl. Ref. des Sendeltr. des Berliner Rundfunks; 1946 Chefdramaturg, dann Sendeltr., 1947/48 Künstler. Dir.; 1949 Mitgl. im PEN-Zentrum Dtl., später im PEN-Zentrum Bundesrep. Dtl.; 1949 – 62 erster Chefred. der Ztschr. »Sinn u. Form«, als erstes Heft erscheint das berühmte »1. Sonderheft  Bertolt Brecht«; Veröff. eines breiten Spektrums der Weltlit. u. Lit.-Theorie (u. a. frz. Existenzialisten, russ. Formalisten, Franz Kafka, Walter Benjamin,  Ernst Bloch, Theodor W. Adorno u. v. m.); 1951 NP für den Band »Gedichte«; 1952 – 71 Mitgl. der DAK/AdK; 1952 anläßl. der Formalismusdebatte Veröff. von Bertolt Brechts Verteidigung des Werks von Ernst Barlach, Veröff. eines Ausschnitts von  Hanns Eislers »Doktor Faustus« in »Sinn u. Form«; 1953 Versuch  Alexander Abuschs, P. H. als Chefred. abzusetzen; 1955 Fontane-Preis des Bez. Potsdam; 1957 Korr. Mitgl. der Hamburger AdK; nach heftigen Anfeindungen gegen P. H.s parteiunabh. künstler.-verleger. Konzeption 1962 Rücktritt als Chefred. (letztes Heft: 5/6 mit Texten u. a. von  Hans Mayer, Isaak Babel, Paul Celan, P. H.); 1963 Theodor-Fontane-Preis Berlin (West) für den Lyrikband »Chausseen Chausseen«, Annahme trotz der Forderung  Alfred Kurellas, den Preis zu verweigern; 1963 – 65 Ermittlungen des MfS im Operativen Vorlauf (VAO) »Ahornkrs.« wegen der krit. Positionen zum Kunstprogramm der SED (»Bitterfelder Weg«); 1963 – 71 fakt. Publikationsverbot in der DDR, Reiseverbot; 1965 nach Berufung an den Lehrstuhl für Poetik an die Univ. Frankfurt (Main) Verweigerung der Ausreisegenehmigung durch DDR-Behörden; 1965 Preis der jungen Generation Hamburg u. 1968 Großer Kunstpreis des Landes NRW, wegen Reiseverbots jeweils Verleihung in Abwesenheit; ab 1968 völlige Isolierung in Wilhelmshorst (b. Potsdam), Konfiszierung der Post, Überwachung der Familie durch das MfS; nach Interventionen der AdK Berlin (West), Hamburg u. Bayern, des Präs. des Internat. PEN, David Carrer, u. Heinrich Bölls im April 1971 Ausreise aus der DDR zunächst nach Italien (Ehrengast der Villa Massimo), dann Übersiedl. in die Bundesrep. Dtl.; Johann-Heinrich-Merck-Preis der Akad. für Sprache u. Dichtung Darmstadt; ab 1972 zahlr. Reisen in westeurop. Länder; 1976 Mitgl. des Ordens »Pour le mérite« (Bonn); 1979 Mitgl. der Bayr. Akad. der schönen Künste, der Dt. Akad. für Sprache u. Dichtung Darmstadt, der Societé Européenne (Venedig) u. der Comes (Rom); zahlr. in- u. ausländ. Lit.-Preise; gest. in Staufen (b. Freiburg i. Br.); 1982 u. 1988 erschienen erstmals wieder Gedichte von P. H. in »Sinn u. Form« (1982) 1 u. (1988) 6; 1984 Stiftung des Peter-Huchel-Preises durch das Land Baden-Württemberg u. den Südwestfunk Baden-Baden. Mit seiner freirhythmischen, astrophischen u. unpathetischen Lyrik trug P. H. maßgebl. dazu bei, den aufklärerischen u. didaktischen Poesiekanon der DDR-Lyrik (Bertolt Brecht,  Johannes R. Becher) zur Moderne hin zu öffnen.Gedichte. Berlin 1948; Die Sternenreuse. Gedichte 1925 – 1947. München 1967; Gezählte Tage. Frankfurt (Main) 1972; Die Neunte Stunde. Frankfurt (Main) 1979; Gesammelte Werke in zwei Bänden. Frankfurt (Main) 1984 (Hrsg. A. Vieregg); Die Gedichte. Frankfurt (Main) 1997. Vieregg, A. (Hrsg.): P. H. Materialienbd. Frankfurt (Main) 1986; Schoor, U.: Das geheime Journal der Nation. Die Ztschr. »Sinn u. Form«. Chefred.: P. H. 1949 – 1962. Berlin u. a. 1992; Nijssen, H.: Der heimliche König: Leben u. Werk von P. H. Würzburg 1998; Die brüchige Idylle: P. H.s Lyrik zwischen Magie u. Entzauberung. Frankfurt (Main) 1998; Wieczorek, S.: Erich Arendt u. P. H. Kleine Duographie sowie vergleichende Lektüre der lyr. Werke. Marburg 2001; Seiler, L., Walther, P. (Hrsg.): P. H. Text u. Kritik. München 2003.Andreas Kölling

Wer war wer in DDR

Hummeltenberg, Max

* 8.10.1913 – ✝ 25.3.2004

Geb. in Remscheid; Volksschule u. Gymnasium, Abitur; Studium der Kunstgeschichte u. Psychol. an der Univ. Marburg, Prom. zum Dr. phil.; 1937 NSDAP; Wehrmacht, sowj. Kriegsgefangenschaft, Antifa-Schule, Angeh. des NKFD. 1950 Rückkehr nach Dtl.; NDPD; Dir. der Schule des NDPD-Landesvorst. Sachsen-Anh.; 1951 Abt.-Ltr. im NDPD-PV; persönl. Ref. des Pol. Geschäftsf. der NDPD; 1952/53 Stellv. des Vors. des Rats des Bez. Leipzig; 1953 – 55 Vors. des NDPD-Bez.-Vorst. Potsdam; 1955/56 stellv. Chef u. 1956 – 59 Chef des Protokolls im MfAA; 1958 Vorstandsmitgl. der Arbeitsgemeinschaft ehem. Offiziere (AeO) u. 1958 – 71 Chefred. des Mitteilungsblatts der AeO; anschl. bis 1978 wiss. Mitarb. am Inst. für Militärgeschichte in Potsdam; Übersetzer zahlr. Kinderbücher aus dem Russ., u. a. von Arkadi Gaidars »Timur u. sein Trupp«, »Die Feuertaufe« u. »Das Schicksal des Trommlers«; 1965 u. 1978 VVO.Vorstellungstypus, Gedächtnis u. Gesamtpersönlichkeit. Leipzig 1939.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Huniat, Günther

* 23.9.1939

Geb. in Thammühl (b. Hirschberg) (Böhmen / Stare Splavny, Tschechien); Vater Kunstschlosser, Mutter Hausfrau; 1946 Umsiedl. nach Dtl.; Lehre als Möbeltischler; 1958 – 61 Besuch des Päd. Inst. in Leipzig; 1965 – 68 Studium der Sozialpäd. in Ludwigsfelde, bis 1970 Arbeit in diesem Beruf in Leipzig; autodidakt. Arbeit als Künstler, seit 1973 freischaff. in Leipzig, Arbeitsgebiete Malerei, Skulptur, Objekte, Grafik, Zeichnung, baugebundene Kunst; 1971 VBK; 1980 mit  Frieder Heinze Gründung der Freiluftgalerie Stötteritz; zus. mit  L. Dammbeck,  G. Firit,  H.-H. Grimmling,  F. Heinze u.  O. Wegewitz; seit Ende der 1970er Jahre Arbeit an den intermedialen Ausstellungskonzepten »Tangente I« u. »Tangente II«; 1984 Mit-Initiator des »1. Leipziger Herbstsalons«, einer außerhalb des VBK org. Ausstellung im Leipziger Messehaus am Markt. Seit 1990 Mitgl. des Bundes Bildender Künstler Leipzig; 1994 Mitbegr. der 1. Leipziger Autorengalerie; lebt und arbeitet in Leipzig. Werke: Serie »Schwarzer Engel« (Malerei Acryl 1984 – 94), Serie »Spontane Physiognomien« (Mischtechnik, 1985 – 95 u. seit 2005), Serie »Physiognomien eines Vogelfluges« (1985 – 98).Meißner, G.: Leipziger Künstler der Gegenwart. Leipzig 1997; Thomas, K.: Die Malerei in der DDR 1949 – 79. Köln 1980; Die Einübung der Außenspur. Die andere Kultur in Leipzig 1971 – 90, hrsg. von Grundmann, U., Michael, K. u. Seufert, S. Leipzig 1996; Boheme und Diktatur in der DDR. Gruppen, Konflikte, Quartiere, hrsg. von Kaiser, P. u. Petzold, C., Berlin 1997.Doris Liebermann

Wer war wer in DDR

Huth, Karl

* 27.7.1894 – ✝ 8.10.1957

Geb. in Bad Frankenhausen (Kyffhäuser); Vater Weißgerber; 1901 – 09 Knabenbürgerschule in Frankenhausen; 1909 – 12 Ausbildung zum Schriftsetzer, danach Gehilfe; 1911 Mitgl. im Verb. dt. Buchdrucker; 1912 – 19 SPD; ab 1913 Wanderschaft, 1914 Buchdruckergehilfe in Hannover; Okt. 1914 – 18 Militärdienst, Uffz., 1917 EK; 1919 Schriftsetzer in Frankenhausen; Jan. 1920 KPD; 1920 – 22 Betriebsltr. der Genossensch. Braunschweig; 1922 – 25 Geschäftsf. der »Niedersächs. Arbeiterztg.« der KPD; 1925 – 33 Geschäftsf. des »Ruhrechos« (Essen); 1927 Mstr.; 1928 – 30 mit Parteiauftrag in die Schweiz u. Niederlande; März 1933 – Okt. 1934 wegen »Vorber. zum Hochverrat« verhafet, Haft in Bochum; 1935 – 45 Mstr. in Leipzig, Hannover, Altenburg; 1936 arbeitslos. 1945/46 KPD/SED; Ltr. der SPD-Druckerei in Altenburg, ab Aug. 1945 der Druckereien u. Verlage beim ZK der KPD; Mitbegr. der Zentrag, dann Geschäftsf.; 1946 VVN; Druckerei des »Neuen Dtl.«; 1947 mit Parteiauftrag in Österreich; ab 1949 »Sonderaufg.«; bis Febr. 1951 Ltr. der »Phönix-Druckerei« in Berlin; 1957 Genesungskur in der UdSSR; gest. in Berlin.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Ichenhäuser, Z. Ernst

* 3.6.1910 – ✝ 21.1.1998

Geboren am 3. Juni 1910 in München, Sohn einer jüdischen Kunstmalerin, er wurde katholisch getauft. Von 1929 bis 1933 Studium der Nationalökonomie in München und Berlin. Seit März 1929 Mitglied des KJVD und der KPD, zunächst ehrenamtlich tätig, dann bis Februar 1933 Orgleiter der Reichspionierleitung innerhalb des ZK des KJVD, wo er u. a. mit Erich Jungmann und Kurt Müller zusammenarbeitete, illegal aktiv. Anfang August 1933 festgenommen, im August 1934 vom Kammergericht Berlin zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt, saß er bis 1935 im Gefängnis Berlin-Tegel. Seine Mutter kam in Theresienstadt ums Leben. Im August 1936 Emigration in die âSR, Instrukteur im Sudetengebiet. Er floh im März 1939 nach Großbritannien, Volontär bei der Hotelkette Ballygally Castle in Nordirland. Von 1940 bis 1942 in Kanada interniert, anschließend Schlosser bzw. Instrumentenmacher in London. 1946 Rückkehr nach Deutschland, SED-Mitglied. Chefredakteur im Verlag Volk und Wissen. Als »Westemigrant« geriet Ichenhäuser Anfang der fünfziger Jahre in die Säuberungskampagne der SED. Ein Druckfehler führte zu seiner sofortigen Entlassung als Chefredakteur. Nach Stalins Tod partiell rehabilitiert, er kam als Dozent an die PH Potsdam, ab 1954 Chefredakteur der »Deutschen Lehrerzeitung«, später der Zeitschrift »Elternhaus und Schule«. 1998 erschienen seine Erinnerungen: »Wenn möglich, ehrlich. Lebensbericht von einem der auszog, Revolution zu machen«. Ernst Zeno Ichenhäuser starb am 21. Januar 1998 in Berlin.

Wer war wer in DDR

Illert, Willi

* 27.5.1916 – ✝ 4.3.1984

Geb. in Kassel; Vater Arbeiter; Volksschule; 1931 – 33 Transportarb., zeitw. arbeitslos; 1933 Wanderschaft; 1933 – 35 Feldarb. in der Jugenderziehungsanstalt in Börgermoor u. Klausheide; 1935 Erdarb. in Kassel; 1935 / 36 als Artist auf Reisen; 1936 / 37 RAD; 1937 erneut als Artist unterwegs; 1937 – 40 Kraftfahrer; 1940 – 45 Wehrmacht. 1945 / 46 KPD / SED; 1945 Artist; 1945 – 46 Agit.-Prop.-Ltr. der KPD-Arbeitsgebietsltg. in Bad Salzungen bzw. Sekr. für Agit. u. Prop. der KPD-KL Meiningen; 1946 – 48 Sekr. für Kultur, Schulung u. Org., 1948 – 1952 1. Sekr. der SED-KL Meiningen; 1947 Besuch eines Kurzlehrgangs der SED-PHS; 1948 – 52 Mitglied, 1952 Ltr. der Abt. Leitende Organe in der SED-LL Thür.; 1952 – 57 2. Sekr. der SED-BL Gera, anschl. dort Mitarb.; 1960 – 72 Fachgebietsltr. Versorgungsinspektion der Abt. Handel u. Versorgung beim Rat des Bez. Gera.Mario Niemann

Wer war wer in DDR

Imig, Werner

* 20.3.1920 – ✝ 30.7.1988

Geb. in Wülfrath (Krs. Mettmann/Rheinland); Vater Schuldir.; 1926 – 35 Volks- u. Mittelschule, anschl. OS u. Reifeprüfung; 1938 von der HJ als Anwärter für die NSDAP gemeldet; Kriegsdienst als Ltn. der Wehrmacht; Teiln. an der Schlacht um Stalingrad, 1943 – 48 sowjet. Kriegsgefangenschaft, Besuch versch. Antifa-Schulen, Entnazifizierung. Dez. 1948 Rückkehr nach Dtl.; Febr. 1949 SED; Doz. für wiss. Sozialismus an der Landesverwaltungs-Akad. Dessau; Aug. 1949 Doz. an der DVA in Potsdam für Theorie des Staates u. Geschichte der Arbeiterbewegung; 1951 Staatsexamen an der Fak. für Staats- u. Rechtswiss. der DVA; 1952 Ltr. des Fernstudiums u. 1953 – 63 Prorektor für das gesellschaftswiss. Grundstudium der ASR in Potsdam; 1956 dort Prom. mit der Diss. »Arbeiterstreik bei Mansfeld 1930«, anschl. dort Ltr. des Lehrstuhls für Geschichte der KPdSU; 1963/65 Doz. u. Ltr. der Fachrichtung Geschichte der Arbeiterbewegung am Inst. für Marxismus-Leninismus der EMAU Greifswald, 1965 – 69 Dir. der Sektion Marxismus-Leninismus; 1969 ord. Prof. für Geschichte der dt. Arbeiterbewegung, 1970 Habil. mit der Schrift »Die Hilfe W. I. Lenins bei der Herausbildung der KPD«; 1970 – 79 Rektor der EMAU (Nachf. von  Werner Scheler); 1970 u. 1977 VVO; ab 1979 personengebundener Lehrstuhl für »Geschichte der Univ.«, Ltr. einer entsprechenden Arbeitsgr. an der Sektion Geschichtswiss. der EMAU; 1985 em.; gest. in Greifswald.Der Streik der Mansfelder Arbeiter im Jahre 1930. Berlin 1957; Streik bei Mansfeld 1930. Berlin 1958.Hans-Christoph Rauh

Wer war wer in DDR

Irrlitz, Gerd

* 3.6.1935

Geb. in Leipzig, Vater Lehrer u. Schulrat, von 1935 – 39 wg. antifasch. Tätigkeit als Funktionär der SAP inhaftiert; Mutter Angest.; 1941 – 49 Grundschule; danach Herder-OS in Leipzig, dort 1953 Abitur; ab 1953 Studium der Philos. u. Psych. an der Univ. Leipzig; 1954 SED; 1958 Studienabschluß zunächst nur in Psych., polit. Disziplinarstrafe aufgrund der Beteiligung an den Auseinandersetzungen um die Zwangsemeritierung von  Ernst Bloch; Dipl. in Philos. erst 1960; 1958 – 59 wiss. Ass. an der MLU Halle-Wittenberg, 1959 Entlassung aus dem Hochschuldienst u. »Bewährung in der Praxis« als Ltr. der Bildungsstätte der VEB Chem. Werke Buna; 1961 – 72 wiss. Mitarb. der Arbeitsgr. zur Edition philosophiehist. Texte am späteren Inst. für Philos. der DAW in Berlin; 1968 Prom. mit einer Arbeit über Probleme der Dialektik des Geschichtsprozesses im Denken Rosa Luxemburgs; nach Aufhebung des Lehrverbots seit 1976 wiss. Oberass. am Inst. für marx.-len. Philos. der HU Berlin; 1976 / 77 Zusatzstudium an der Lomonossow-Univ. Moskau; 1976 Habil. mit der Schrift »Über den Ursprung der Moral«, 1977 Doz. u. 1983 ord. Prof. für Gesch. der antiken u. mittelalterl. Philos. an der HU Berlin; 1986 erneute polit. Disziplinarstrafe, Sommer 1989 Austritt aus der SED. 1991 Fellow am Wissenschaftskolleg Berlin; 1992 / 93 Gastprof. an der Univ. Konstanz; 1993 Neuberufung als C4-Professor für das Lehrgebiet Philosoph. Propädeutik u. Gesch. der Philos. am Inst. für Philos. der HU Berlin; 2000 em.; lebt in Berlin. Ir. vertrat in der DDR ein problemgeschichtl. orintiertes u. undogmat. Philosophiekonzept u. widmete sich intensiv der Betreuung der Studierenden; zahlr. Editionen, u. a. Herausgabe von Schriften Hegels; Aufsätze zur Philosophiegesch., zur Gesch. der Ethik, zu Marx, Bloch,  Hans Mayer u. a.Der Anspruch der Vernunft. Berlin 1968 (mit -> Manfred Buhr); Versuch über Descartes. Leipzig 1980; Hegels Philosophiegesch. in der Gesch. der Philosophiegeschichtsschreibung. Leipzig 1982; Kurze Gesch. der Ethik. Moskau 1987 (mit A. Gusseinow); Moral u. Methode. Die Struktur in Kants Moralphilos. u. die Diskursethik. Baden-Baden 1995; Das Bild des Weges in der Philos. Berlin 2000; Kant-Handbuch. Stuttgart 2002; Rechtsordnung u. Ethik der Solidarität. Der Strafrechtler u. Philosoph A. Baumgarten. Berlin 2008. Phänomenol. u. Gesch. Fs. für G. I. Berlin 2000.Christoph Links

Wer war wer in DDR

Itzerott, Dieter

* 12.11.1931

Geb. in Neunheiligen (Krs. Langensalza); Volksschule, 1946 / 47 Wirtschaftsschule; 1947 – 49 Hilfswerker in den Chem. Werken Buna; 1949 – 51 Lehre u. Arbeit als Maschinenschlosser in den Buna-Werken; 1949 FDJ, 1953 SED; 1951 / 52 Seminarlehrer an der Betriebsjugendschule Buna; 1952 / 53 Abt.-Ltr., 1953 2. Sekr. der FDJ-KL Buna; 1953 / 54 FDJ-Sekr. der Lehrwerkstatt Buna; 1954 / 55 erneut 2. Sekr., 1955 / 56 1. Sekr. der FDJ-KL Buna; 1956 / 57 Besuch der SED-BPS Halle; 1957 – 59 2. bzw. 1. Sekr. der FDJ-KL der VEB Leuna-Werke »Walter Ulbricht«; 1959 – 65 1. Sekr. der FDJ-BL Halle; 1959 – 71 Mitgl. des FDJ-ZR, 1961 Teiln. der ersten FDJ-Delegationsreise nach Kuba; 1963 – 67 Abg. der Volkskammer; 1965 – 67 Studium an der TH Leuna-Merseburg, Abschluß als Dipl.-Ing.-Ökonom; 1967 – 71 2. Sekr. des FDJ-ZR; 1969 VVO; 1971 – 74 2. Sekr. der SED-BL Halle; 1974 – 76 Studium an der SED-PHS, Dipl.-Gesellschaftswiss.; 1976 – 89 1. Sekr. der SED-KL Torgau. Nach 1990 aktiv in der linken Szene, 2001 Mitbegr. u. Vorstandsmitgl. des Fördervereins »RotFuchs« e. V.; gelegentl. Veröff., u. a. in der Ztg. »Junge Welt«; lebt in Torgau.Die Entw. der SED. In: Verein zur Förderung demokrat. Publizistik e. V. (Hrsg.): Unter Feuer. Die Konterrev. in der DDR. Hannover 2009 (mit K. Gossweiler). MaN

Handbuch Deutsche Kommunisten

Jacob, Franz

* 9.8.1906 – ✝ 22.6.1944

Geboren am 9. August 1906 in Hamburg als Sohn eines Dienstmädchens und eines Hausknechts. Nach dem frühen Tod des Vaters wuchs er in der Familie des Großvaters auf, nach der Eheschließung seiner Mutter mit Gustav Jacob kam er 1917 in die neue Familie; Maschinenschlosserlehre auf einer Hamburger Werft. 1921 schloß er sich der Arbeiterjugend an, 1922 der SPD. 1925 Mitglied des KJVD, 1928 der KPD. Von April 1928 bis März 1929 Orgleiter des KJVD-Bezirks Wasserkante. Jacob wurde der Aufbau des Kampfbundes gegen den Faschismus, der Nachfolgeorganisation des 1929 verbotenen RFB, übertragen. Im März 1931 Sekretär für Agitation und Propaganda der BL Wasserkante. Im April 1932 in die Hamburger Bürgerschaft gewählt, richtete er in seiner letzten Rede am 8. Februar 1933 noch scharfe Angriffe gegen die SPD, weil diese sich weigere, am »antifaschistischen Freiheitskampf« unter kommunistischer Führung teilzunehmen. Jacob verließ Ende März 1933 Hamburg und übernahm unter dem Decknamen Robert Giese die Leitung des Bezirks Bremen-Nordwest. Im Juli 1933 wurde er auf Vorschlag Hermann Schuberts Leiter des Technischen Sekretariats beim Politbüro. Bereits im August verhaftet, wurde Jacob 1934 vom VGH zu einer dreijährigen Zuchthausstrafe verurteilt. Nach sieben Jahren Haft 1940 nach Hamburg entlassen, arbeitete er als Betriebsschlosser und heiratete die Kontoristin und spätere Pädagogin Katharina Hochmuth, geborene Emmermann (* 6. 3. 1907 – † 23. 8. 1989). Jacob knüpfte Kontakte zu den einstigen KPD-Funktionären und Mithäftlingen aus Sachsenhausen Bernhard Bästlein und Robert Abshagen. Die Gruppe versuchte, in über 30 Hamburger Werften und Rüstungsbetrieben Produktionssabotage zu initiieren. Jacob gehörte dem sogenannten Dreierkopf an und entwarf Flugblätter. Seine Frau Katharina transportierte dann die Flugblätter und besorgte illegale Quartiere. Nach der Verhaftung Bästleins im Oktober 1942 lebte Jacob illegal unter dem Namen Martin Puls in Berlin, wo er zusammen mit Anton Saefkow versuchte, die Führungsstruktur der KPD reichsweit zu reorganisieren. Bästlein konnte Ende Januar 1944 aus der Haftanstalt Berlin-Plötzensse fliehen, er bekam Anfang Mai 1944 wieder Verbindung zu Jacob. Durch Kontakte zu Sozialdemokraten wie Adolf Reichwein und Julius Leber trafen Jacob und Bästlein mit diesen am Abend des 22. Juni 1944 in der Wohnung des Chirurgen Dr. Rudolf Schmid in Berlin zusammen. An diesem Gespräch nahmen außerdem die Kommunisten Ferdinand Thomas (* 30. 4. 1913 – † 20. 11. 1944) und Hermann Rambow (* 8. 4. 1887 – † 10. 11. 1945) teil. Da letzterer V-Mann des Reichsicherheitshauptamtes war, sind Reichwein, Saefkow und Jacob am 4. Juli 1944, Julius Leber einen Tag später verhaftet worden. Franz Jacob wurde am 5. September 1944 zusammen mit anderen Mitgliedern der Saefkow-Gruppe zum Tode verurteilt und am 18. September 1944 im Zuchthaus Brandenburg hingerichtet.

Wer war wer in DDR

Jacobi, Erwin

* 15.1.1884 – ✝ 5.4.1965

Geb. in Zittau; Vater Kaufmann; 1894 – 1903 Gymnasium Zittau; 1903 – 07 Studium der Rechte an den Univ. München u. Leipzig, 1907 Prom. in Leipzig; 1907 – 11 Referendar u. 2. Jurist. Staatsprüfung; 1912 Habil. an der Univ. Leipzig, dort anschl. Privatdoz.; 1916 außerord. Prof. in Leipzig; 1916 – 18 Landsturmmann in Leipzig, 1918 Kriegsverdienstkreuz; 1920 ord. Prof. in Greifswald, 1920 Rückberufung nach Leipzig; 1921 Gründung des Inst. für Arbeitsrecht an der Univ. Leipzig; 1933 als »Halbjude« em.; 1933 – 45 freiberufl. Gutachter in Leipzig. 1945 erneut Prof. mit Lehrstuhl für Staatsrecht, Kirchenrecht, öff. Recht u. Arbeitsrecht an der Univ. Leipzig, Dir. des Inst. für Arbeitsrecht; 1947 / 48 Rektor der Univ. Leipzig (Nachf. von  Hans-Georg Gadamer); 1949 – 58 Dekan der Jurist. Fak.; 1948 Mitgl. des Verfassungsaussch.; 1948 – 59 nebenberufl. Mitgl. der Synode der ev.-luth. Landeskirche Sachsens, Mitgl. des Rechtsausschusses; 1954 Ehrendoktorwürde der Theolog. Fak. Leipzig; 1958 em.; gest. in Leipzig. Arbeitsgebiete: Staatsrecht, Kirchenrecht, öff. Recht u. Arbeitsrecht; Hrsg. des »Archivs des öffentlichen Rechts«; einziger Kirchenrechtsprof. in der DDR.Grundlehren des Arbeitsrechts. Leipzig 1927; Staat u. Kirche nach der Verfassung der DDR. In: Ztschr. für ev. Kirchenrecht 1951; Die Bekämpfung der Fluktuation in der volkseigenen Wirtschaft. In: Neue Justiz 1953; Staat u. Kirche in der Sowjetunion. In: Wiss. Ztschr. der KMU Leipzig, 1954 / 55. Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Bd. XIX, Nordhausen 2001.Stefanie Müller

Handbuch Deutsche Kommunisten

Hübner, Arthur

* 13.6.1899 – ✝ 13.10.1962

Geboren am 13. Juni 1899 in Sommerfeld bei Frankfurt/Oder, Sohn einer Arbeiterfamilie, 1905 Übersiedlung nach Berlin. Von 1913 bis 1917 Besuch der Kunstgewerbeschule und Lehre als Plakatzeichner. 1917/18 Soldat im Weltkrieg, Hübner desertierte im Oktober 1918. Er wurde gefaßt und von einem Hamburger Militärgericht verurteilt. Bei Ausbruch der Revolution am 6.November 1918 befreit und Kommandant des Hamburger Hauptbahnhofes, er beteiligte sich später an den bewaffneten Kämpfen in Berlin. Der FSJ beigetreten, nahm er am Gründungskongreß der KJI in Weimar teil und war 1920 Delegierter zum II. Weltkongreß der Komintern. Von 1920 bis 1922 folgten Auslandseinsätze im Auftrag der KJI. Von 1922 bis 1924 offiziell Korrespondent der Deutsch-Russischen Export-Gesellschaft, leitete Hübner im Auftrag des ZK der KJI, dessen Mitglied er war, 1923 den KJVD Berlin. Zur Tarnung nachrichtendienstlicher Arbeit für die Sowjetunion war er von 1924 bis 1928 kaufmännischer Leiter eines Elektro-Versandgeschäftes. Von 1928 bis 1939 führten ihn Auslandseinsätze vornehmlich für die 4. Verwaltung des Generalstabes der Roten Armee unter diversen Decknamen wie Ali, Hertz, Klein und Hansel nach Schweden, Dänemark, Norwegen und Rumänien. 1939 kam Hübner in die UdSSR und wurde hier zunächst Mitarbeiter der 4. Verwaltung. 1941 Evakuierung nach Kuibyschew, dort am 13. November 1941 verhaftet und zu acht Jahren Arbeitslager verurteilt, 1949 Verbannung nach Sibirien. Diese wurde erst im Mai 1956 aufgehoben, im Juli 1957 erfolgte seine Rehabilitierung durch das Militärkollegium des Obersten Gerichts der UdSSR. Hübner durfte in die DDR ausreisen, wurde Mitglied der SED und ab Oktober 1957 Hauptsachbearbeiter und Parteisekretär im Außenhandelsbetrieb DIA Elektrotechnik. Er erhielt 1959 den VVO in Silber. Arthur Hübner starb am 13. Oktober 1962 in Ost-Berlin. Seine Ehefrau, eine Sowjetbürgerin, kehrte nach dem Tod ihres Mannes in die UdSSR zurück. Zahlreiche Familienangehörige Hübners hatten im Krieg zur Schulze-Boysen-Harnack-Widerstandsgruppe gehört. Sein Vater Emil Hübner (*26. 3. 1861), seine Schwester Frieda Hübner, verheiratete Wesolek (* 2. 9. 1887) und sein Schwager Stanislaus Wesolek (*10. 9. 1878) sind am 5.August 1943 mit dem Fallbeil in Berlin-Plötzensee hingerichtet worden.

Wer war wer in DDR

Huhn, Bernhard

* 4.8.1921 – ✝ 14.9.2007

Geb. in Liegnitz (Niederschles. / Legnica, Polen); 1953 Priesterweihe in Neuzelle; 1954 Kaplan in Görlitz; 1955 – 59 Diözesanjugendseelsorger im Diözesanber. Görlitz-Cottbus; 1959 – 63 Rektor des Katechetenseminars in Görlitz; 1964 – 70 Ordinariatsrat in Görlitz, 1968 Domkapitular; 1970 Gen.-Vikar im Erzbischöfl. Amt Görlitz, 1971 Weihbischof; 1972 – 94 Apostol. Administrator u. Bischof der Administratur Görlitz (Nachf. von  Gerhard Schaffran). 1994 Ruhestand; Ehrenbürger von Görlitz; gest. in Görlitz.Bernd Schäfer

Wer war wer in DDR

Hummitzsch, Manfred

* 7.7.1929 – ✝ 23.12.2015

Geb. in Limbach; Vater Lagerarb., Mutter Näherin; Volksschule; 1944 – 47 kfm. Lehre; 1947 kfm. Angest.; 1948 Postarb.; 1949 Stadtjugendltr. beim FDJ Krs.-Vorst. Chemnitz; 1949 SED; 1950 Einstellung beim MfS, Dienststelle Flöha; 1951 Länderverw. Sachsen, Abt. III (Wirtschaft), dann HA III des MfS Berlin; 1955/56 Einjahreslehrgang an der SED-BPS Berlin; 1957 Ltr. der Abt. III, BV Leipzig; 1958 1. Sekr. der SED-BPO der BV Leipzig; 1960 – 65 Fernstudium an der JHS Potsdam-Eiche, Dipl.-Jur.; 1962 stellv. Operativ des Ltr. der BV Leipzig; 1966 Ltr. der BV Leipzig (Nachf. von  Hans Schneider); 1967 Mitgl. der SED-BL Leipzig; 1975 Prom. zum Dr. jur. an der JHS; 1989 Gen.-Ltn.; Febr. 1990 Entlassung, Rentner. Mitgl. der »Gesellsch. zur rechtl. u. humanitären Unterstützung« (GRH), bis 1994 Mitgl. des Vorstandes.Jens Gieseke

Handbuch Deutsche Kommunisten

Husemann, Walter

* 2.12.1909 – ✝ 26.1.1943

Geboren am 2. Dezember 1909 in Ellerbeck bei Kiel als Sohn von Wilhelm und Luise Husemann (* 4. 4. 1884 – † 3. 8. 1964). Dreher; 1924 Mitglied der KJD, Arbeiterkorrespondent der »Roten Fahne«, Mitorganisator der »Antifaschistischen Jungen Garden« Berlin-Brandenburg, der Jugendorganisation des Kampfbundes gegen den Faschismus. Husemann ging nach einem Überfall der SA als Volontär zum »Ruhr-Echo« nach Essen, war anschließend Lokalredakteur bei der »Sozialistischen Republik« in Köln, 1932 2. politischer Redakteur bei der Mannheimer »Arbeiterzeitung«. Im Februar 1933 Rückkehr nach Berlin, dort illegale Arbeit mit seinem Vater und seiner Lebensgefährtin. Am 26.November 1936 festgenommen, in das KZ Sachsenhausen, später in das KZ Buchenwald verschleppt. Im September 1938 Freilassung, als Werkzeugmacher tätig, Mitarbeit in der Widerstandsgruppe »Rote Kapelle«. Am 19. September 1942 verhaftet, unternahm er einen Selbstmordversuch. Am 26. Januar 1943 wegen »Vorbereitung zum Hochverrat und Beihilfe zur Spionage« vom Reichskriegsgericht zum Tode verurteilt, Walter Husemann wurde am 13. Mai 1943 in Berlin-Plötzensee hingerichtet. Husemanns spätere Frau Marta, geborene Wolter (* 20. 8. 1913 – † 30. 6. 1960), war Schneiderin, seit 1928 im KJVD und seit 1931 in der KPD. Im November 1936 festgenommen, in das KZ Moringen eingeliefert, dort 1937 freigelassen. Bis 1942 Telefonistin, sie fand Anschluß an die Widerstandsgruppe um Harro Schulze-Boysen, Ende 1942 verhaftet und zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. Sie wurde 1945/46 Sekretärin in der Kaderabteilung der KPD-BL Berlin. Seit 1947 mit Hans Jendretzky verheiratet und ab April 1951 Personalleiterin der SPK, später 2.Vorsitzende der Gesellschaft zur Verbreitung wissenschaftlicher Kenntnisse in Ost-Berlin.

Wer war wer in DDR

Hutsky, Heinz

* 13.5.1916 – ✝ 19.1.1980

Geb. in Zittau; Vater Weber; Volksschule sowie Berufs- u. Meisterschule; 1930 – 39 Lehre u. Arbeit als Maler; 1939 – 45 Wehrmacht. 1945 / 46 KPD / SED; 1945 – 50 Instrukteur bzw. Sekr. der KPD- bzw. SED-KL Zittau; 1951 Lehrgang an der SED-PHS; 1951 / 52 Instrukteur der SED-LL Sachsen; 1952 Kaderltr., anschl. Kulturdir. im Materialamt Pirna; 1953 – 58 Sekr. für Wirtschaft, 1958 – 60 2. Sekr. der SED-BL Dresden; 1960 – 62 Dir. des VEB Waggonbau Görlitz; 1962 Sekr., 1963 – 71 1. Sekr. der SED-KL Görlitz; 1971 – 80 Vors. der SED-BPKK Dresden; 1976 VVO.Mario Niemann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Idel, Otto

* 13.7.1886 – ✝ 2.2.1944

Geboren am 13. Juli 1886 in Hübender bei Gummersbach; lernte Dreher. Vor dem Weltkrieg Mitglied der SPD. Mit der linken USPD 1920 zur KPD, in der er verschiedene Funktionen übernahm. Nach dem Krieg als kaufmännischer Angestellter beschäftigt. Idel gehörte in der KPD zum linken Flügel, er wurde Mitte 1924 Sekretär für Gewerkschaftsfragen in der BL Ruhr. Delegierter des IX. Parteitags 1924 und des XI. Parteitags 1927. 1929 Geschäftsführer des »Ruhr-Echos«, er kam 1931 in gleicher Funktion nach Hannover. 1933 illegale Arbeit für die KPD; verhaftet und am 10.Juni 1933 zu einem Jahr und drei Monaten Zuchthaus verurteilt. Im September 1934 aus der Haft entlassen, arbeitete er im »Bochumer Verein« als Dreher, wieder illegal tätig. Am 31.Juli 1936 vom VGH in Berlin wegen Spionage für die Sowjetunion zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt. In verschiedenen Zuchthäusern inhaftiert, dann 1944 im KZ Mauthausen. Dort kam Otto Idel am 2.Februar 1944 ums Leben.

Wer war wer in DDR

Illner, Maybrit

* 12.1.1965

Geb. in Berlin; Mutter Lehrerin, Vater Wissenschaftler; 1984 – 88 Journalistikstudium an der KMU Leipzig; 1986 SED; 1988 / 89 Mitarb. der Sportred. des DFF, 1989 – 91 in der Auslandsred. sowie Moderatorin des Reisejournals »azur« u. des »Abendjournals«; 1988 – 2007 verh. mit dem Drehbuchautor Michael Illner. 1992 polit. Red. beim ORB; 1992 – 98 Moderation u. 1998 Ltr. des ZDF-»Morgenmagazins«; seit 1999 Moderation der ZDF-Politsendung »Berlin-Mitte«, ab 2007 »Maybrit Illner«; 2000 Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis, 2002 u. 2007 Bambi; 2003 Bayer. Fernsehpreis; 2004 Dt. Fernsehpreis; 2005 TV-Journalistin des Jahres; 2006 Hildegard-von-Bingen-Preis für Publizistik; 2009 Goldene Kamera; seit 2003 engagiert als Botschafterin beim Dt. Roten Kreuz, z. B. in Irak, Pakistan u. Lesotho; lebt in Berlin.Ente auf Sendung – Von Medien u. ihren Machern. München 2003 (mit I. Brodersen); Frauen an der Macht. 22 einflussreiche Frauen berichten aus der Wirklichkeit. München 2005; Langenscheidt – Politiker-Deutsch / Deutsch-Politiker. Politiker verstehen – leicht gemacht. Berlin u. a. 2007; Schmierfinken: Politiker über Journalisten. München 2009 (mit H. Schumacher).Ingrid Kirschey-Feix

Wer war wer in DDR

Irmler, Werner

* 15.4.1930

Geb. in Kühnau (Krs. Grünberg, Niederschles./ Chynow, Polen); Vater Maschinenformer, Mutter Hausfrau; Volksschule; 1944/45 Ausbildung zum Industriekfm. 1945 Umsiedl.; 1946 – 48 Lehre als Forstfacharb.; 1948 SED; 1948/49 Hilfsförster; 1950/51 Forst-FS, Förster; 1951 Mitarb. im Min. für Land u. Forst Brandenb., dann Forstinstrukteur in Zehdenick; 1952 Einstellung beim MfS, Abt. Volkswirtschaft der BV Potsdam; 1953 Versetzung zur HA IX (Untersuchungsorgan) des MfS Berlin; 1955/56 Einjahreslehrgang an der SED-BPS Berlin; 1957 – 59 Ltr. der Abt. Information des MfS; 1959 stellv. Ltr. der Zentr. Informationsgr., 1965 Ltr. der Zentr. Auswertungs- u. Informationsgr. (ZAIG); 1960 – 65 Fernstudium an der HS des MfS Potsdam-Eiche, Dipl.-Jur.; 1970 Prom. an der JHS; 1982 VVO; 1987 Gen.-Ltn.; Dez. 1989 von seiner Funktion entbunden; Jan. 1990 Entlassung; Rentner.Grimmer, R. u. a. (Hrsg.): Die Sicherheit. Berlin 2002 (Mitautor).Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Isbaner, Werner

* 22.2.1930 – ✝ 23.12.2008

Geb. in Velten (Krs. Oranienburg); Volksschule, 1945 – 48 landw. Lehre, anschl. Studium an der Landw.-Schule Oranienburg; SED; 1951 – 60 Ltr. der VdgB-Zentralschule in Teutschenthal; 1954/59 Fernstudium an der Landw. Fak. der KMU Leipzig u. MLU Halle, Dipl.-Landwirt, ab 1960 wiss. Assistent u. Oberassistent an der MLU, 1968 Prom. zum Dr. agrar., Ernennung zum Doz.; 1970 Prof. für Ökon. der Landwirtw.; 1971 Dir. der Sektion Pflanzenprod.; 1978 Kand. der AdL; 1980 – 88 Rektor der MLU (Nachf. von  Dieter Bergner); Mitgl. der SED-BL Halle; 1990 Abberufung u. Vorruhestand. Als Mitgl. der PDS/Linkspartei aktiv in der Hallenser Lokalpolitik; gest. in Halle.Andreas Herbst / Dieter Hoffmann

dissidenten.eu

Iványi, Gábor

* 1953

Methodistischer Pastor, einer der Gründer des *Armenhilfefonds und der Untergrundzeitschrift *„Beszélő“.Gábor Iványi wurde 1953 in Szolnok in eine methodistische Pfarrersfamilie geboren. Das Gymnasium absolvierte er in Nyíregyháza, wo die Familie 1957 ihren Wohnsitz genommen hatte. 1968 wurde er der Schule verwiesen – wegen eines Aufsatzes, in dem er seinen religiösen Ansichten Ausdruck gegeben hatte. 1970 durfte er dennoch sein Abitur ablegen und begann ein Studium am Budapester Institut zur Ausbildung Freikirchlicher Pastoren. Im Jahre 1974 wurde er exmatrikuliert, denn er hatte in einem Streit über die Prinzipien der Kirchenpolitik die Haltung seines Vaters Tibor Iványi verteidigt, gegen den sowohl die Staatsmacht als auch die ihr untergeordnete Kirche vorgingen. Grund war dessen Weigerung, die Einmischung des Staatlichen Amtes für Religionsfragen in Gemeindeangelegenheiten zu akzeptieren. Gábor Iványi wurde 1973 ordiniert, musste aber sein Theologiestudium als Autodidakt fortsetzen. Ab 1976 organisierte er in seiner Wohnung einen privaten theologischen Studienkreis für ein gutes Dutzend Teilnehmer. Zu den Referenten im Bereich der Philosophie gehörten auch spätere Bürgerrechtler wie zum Beispiel Gáspár Miklós Tamás, Ottilia Solt, Ágnes Erdélyi und Katalin Vidrányi. 1981 gelang es – nach acht Jahre währenden Bemühungen –, die von Gábor Iványi und seinem Vater gegründete Abspaltung der ungarischen Methodisten als eigene Kirche unter dem Namen „Evangelische Brüdergemeinschaft Ungarns“ zu registrieren. Im Zuge der Bemühungen um die Registrierung der Kirche kam Iványi in Kontakt mit Vertretern der demokratischen Opposition, so auch mit Miklós Haraszti, dem er unter anderem von der schwierigen Situation seiner Kirche berichtete: dass die Kapelle von der Polizei geschlossen worden war. Die Gemeinde Iványis versammelte sich fortan außerhalb der Kapelle auf der Straße, um dort den Gottesdienst zu feiern. Dank Miklós Haraszti wurden diese Schikanen bald international bekannt. So erschien 1977 in der französischen Tageszeitung „Le Monde“ ein detaillierter Beitrag zu diesem Thema. An den Aktivitäten von Pastor Iványi waren auch andere Oppositionelle wie György Bence und János Kis interessiert. Letzterer unterstützte Iványi bei der Herausgabe der kirchlichen Samisdat-Schrift „Nyitott ajtó“ (Offene Tür). Iványi war auch in der karitativen Armenhilfe aktiv. Dadurch kam er mit Schülern von István Kemény in Kontakt: mit den Soziologen Ottilia Solt, Gábor Havas und Gabriella Lengyel, die das Problem der ärmsten Schichten der ungarischen Gesellschaft wissenschaftlich bearbeiteten. Gemeinsam mit ihnen gründete er 1979 den *Armenhilfefonds (Szegényeket Támogató Alap; SZETA). Im Rahmen der *Freien Montagsuniversität hielt er im Herbst 1980 fünf Vorträge über die Geschichte des Kampfes der kleinen Kirchen um die eigene Autonomie und ihre Konflikte mit der Staatsmacht. Die Texte der Vorträge wurden 1989 in der Zeitschrift *„Beszélő“ (Sprecher) abgedruckt. Dank seiner Kontakte zur Opposition wurde Iványi zu einem der Mitgründer von *„Beszélő“. Der Name der Zeitschrift geht auf ihn zurück. Seine Beiträge für *„Beszélő“, die alle die Thematik Kirche betrafen, verfasste er unter dem Pseudonym Daniel Fehér. Wichtigste Botschaft dieser eher kurzen Texte, die eines gewissen Humors nicht entbehrten, war die Überzeugung, dass man sich auch um den Preis der Verfolgung für die Gewissensfreiheit einsetzen müsse. Die Leser dieser Samisdat-Beiträge erfuhren darin etwas über die Repressionen gegen die ungarischen Kirchen, so zum Beispiel über die Zerstörung einer Adventisten-Kapelle durch Planierraupen. 1989 wurde Iványi Mitglied des Rates im Netz Freier Initiativen (1988/89 als Vorstandsmitglied). Von 1990 bis 1994 war er Parlamentsabgeordneter des *Bundes Freier Demokraten (Szabad Demokraták Szövetsége; SZDSZ). Seit 1994 ist er Rektor der Theologischen Hochschule „John Wesley“ und engagiert sich als methodistischer Geistlicher bis heute in der Verteidigung von Bürger- und Minderheitenrechten in Ungarn.Sándor Szilágyi Aus dem Polnischen von Gero Lietz Letzte Aktualisierung: 06/15

Wer war wer in DDR

Jacob, Wolfgang

* 7.4.1930 – ✝ 29.7.1996

Geb. in Falkenstein (Krs. Auerbach), Vater Sattler; Grund- u. Berufsschule; Lehre u. Arbeit als Elektromechaniker im VEB Elektroschaltgeräte Auerbach; 1958 – 60 NVA; 1959 SED; 1960 – 65 Fernstudium an der Ingenieurschule für Maschinenbau u. Technik in Leipzig, Ing. für Elektrotechnik; 1960 – 65 Technologe, 1965 Haupttechnologe im VEB Elektroschaltgeräte Auerbach; 1965 – 69 Techn. Dir.; 1969 – 71 Dir. für Wiss. u. Technik, 1971 – 73 1. Stellv. des GD u. 1973 – 78 GD des VEB Kombinat Schaltelektronik Oppach; 1978 – 81 1. Stellv. des GD, 1981 – 89 GD des VEB EAW »Friedrich Ebert« in Berlin-Treptow; 1984/85 Studium an der AfG beim ZK der KPdSU in Moskau; 1986 – 89 Kand. des ZK der SED; 1987 Prom. zum Dr. oec.; 1989 1. Stellv. des Vors. des Bezirkswirtschaftsrats Berlin; gest. in Berlin.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Jacobs, Hermann

* 28.3.1901 – ✝ 5.6.1975

Geboren am 28. März 1901 in Gotha, stammte aus bürgerlichem Hause und studierte nach der Reifeprüfung in Leipzig und Berlin. 1921 Mitglied der KJD und der KPD, Anhänger der linken Opposition in Berlin. Er übernahm verschiedene Funktionen (Pseudonym Adolf und Lothar) und war Mitglied der Führung der KJD Berlin. 1923 Redakteur der »Jungen Garde«, des Zentralorgans der Kommunistischen Jugend. Ab 1. Januar 1924 politischer Sekretär der KJD Berlin-Brandenburg. Jacobs wurde ab März 1924 von Ruth Fischer zum Vorsitzenden der Kommunistischen Jugend eingesetzt. Dessen 8.Reichskongreß im Mai 1924 in Leipzig bestätigte Jacobs als Polleiter der KJD. Mit ihm bildeten Friedrich Reinhardt (Org.), Heinrich Pütz (Agitprop.), Konrad Blenkle (Presse) u. a. die Führung des KJVD. Bereits Ende April 1925 stand aber Konrad Blenkle neben Hermann Jacobs faktisch an der Spitze der Kommunistischen Jugend. Am 6.Mai 1925 schlug das Sekretariat des ZK der KPD dem ZK des Jugendverbandes vor, auf seiner nächsten Tagung am 22. Mai 1925 Blenkle mit der politischen Leitung des KJVD zu betrauen. Zum IV. Weltkongreß der KJI im Juli 1925 reiste Jacobs mit einer KJVD-Delegation, bestehend u. a. aus Erich Auer, Blenkle, Willi Kress, Grete Wilde sowie Richard Gyptner und Otto Unger, nach Moskau. Mit Blenkle und Gyptner wurde Jacobs noch ins EK der Jugendinternationale gewählt, aber auf der Reichsausschuß-Sitzung Ende Mai für den Bereich Presse in das Sekretariat unter Blenkle abgeschoben. Bis 1925 eifriger Anhänger Ruth Fischers, schwenkte Jacobs nach dem »Offenen Brief« zur neuen KPD-Leitung über. Von 1926 bis Ende 1927 Redakteur an der Münchener »Neuen Zeitung«. 1928 Redakteur in Pommern und im Januar 1930 Nachfolger Paul Böttchers als Chefredakteur der Leipziger SAZ, dann des »Kämpfers« in Chemnitz bzw. der »Hamburger Volkszeitung«. 1933 war Jacobs ein enger Vertrauter Hermann Schuberts in den Auseinandersetzungen um die Nachfolge Ernst Thälmanns. Ende 1933 ging Jacobs in die Emigration, zunächst in die Schweiz, dann nach Frankreich, wo er Mitarbeiter Erich Birkenhauers im »Thälmann-Komitee« war. Später emigrierte er nach London, kurz vor Kriegsausbruch entsandte ihn die KPD in die USA, um als Martin Hall Gelder für die Partei zu sammeln. Er blieb auch nach dem Krieg in den USA. Jacobs starb am 5. Juni 1975 in Los Angeles, »Neues Deutschland« veröffentlichte am 19./20. Juli 1975 die Todesanzeige seiner Frau. »Nach langer schwerer Krankheit starb am 5. Juni 1975 in Los Angeles, USA, unser geliebter Mann und Vater Hermann Jacobs, der seit 1918 an der Seite der Werktätigen gekämpft hatte. Nach seiner Auswanderung in die Vereinigten Staaten, änderte er gesetzlicher Weise seinen Namen. Als Martin Hall hat er aktiv an allen Phasen der Friedensbewegung bis zum letzten Tage seines Lebens teilgenommen.«

Wer war wer in DDR

Hubrich, Theodor

* 13.5.1919 – ✝ 27.3.1992

Geb. in Glatz (Niederschles./Kłodzko, Polen); 1940 – 44 Studium der Theol. in Breslau. 1945 – 48 Studium der Theol. in Tübingen, Königstein (Taunus) u. Freiburg i. Br.; 1948 Priesterweihe in Freiburg; Übersiedl. in die SBZ; 1948 – 54 Vikar in Delitzsch, 1954 – 57 Vikar in Burg, 1957 – 59 Vikar in Magdeburg-Sudenburg; 1959 – 64 Caritasdir. im Erzbischöfl. Kommissariat Magdeburg; 1964 – 68 Caritasdir. im Dt. Caritasverb. Berlin (Ost); 1968 – 72 Ltr. der Zentralstelle Berlin (Ost) des Dt. Caritasverb. (Nachf. von  Johannes Zinke); Beauftr. zu Verhandlungen mit dem Min. für Gesundheitswesen u. ab 1969 mit dem MfS, von letzterem 1970 – 89 als IM »Theodor« geführt; 1972 – 85 Gen.-Vikar im Bischöfl. Amt Magdeburg; Beauftr. zu Verhandlungen mit den Räten der Bez. Magdeburg u. Halle u. dem MfS, 1975 – 87 Weihbischof; verantw. für Seelsorge an poln. Arbeitern in der DDR, Kontakte zur kath. Kirche in Polen; 1986 Absetzung als Gen.-Vikar durch Bischof  Johannes Braun u. Ernennung zum Caritasdir. in Magdeburg; Dez. 1987 Ernennung zum Apostol. Administrator in Schwerin, Jan. 1988 Amtseinführung in Schwerin (Nachf. von  Heinrich Theissing); gest. in Schwerin.Schäfer, B.: Staat u. kath. Kirche in der DDR. Köln, Weimar 1998.Bernd Schäfer

Wer war wer in DDR

Huhn, Reinhold

* 8.3.1942 – ✝ 18.6.1962

Geb. in Braunsberg (b. Elbing, Westpr./Braniewo, Polen); 1945 Übersiedl. der Fam. in die SBZ; Grundschule bis zur 7. Kl. in Niederdorf im Erzgeb.; Ausbildung zum Melker; 1957 FDJ; 1960 Eintritt in die VP; Ausbildung bei der Bereitschaftspolizei des MdI, 1961 Gefr. in der 1. Grenzbrigade; Einsatz als Grenzposten in Berlin; bei einer Personenkontrolle des Fluchthelfers Rudolf Müller wurde er am 18.6. 1962 von diesem erschossen; posthum Beförderung zum Uffz.; nach ihm wurden Straßen u. Schulen benannt; zahlr. Ehrungen im Rahmen der Traditionspflege der Grenztruppen der DDR. 1996 nach Übergabe von DDR-Akten an die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen den Fluchthelfer Rudolf Müller, der im April 1999 zu einem Jahr Haft auf Bewährung wegen »Totschlags« verurteilt wurde, 2001 wurde die Tat vom Bundesgerichtshof bei gleicher Strafhöhe als »heimtück. Mord« bewertet.Kirschey, P.: Der Tod des Gefreiten R. H. Berlin 1999; Der Todesstreifen – Tödl. Schüsse, MDR-Dok.-Film 2001; Frotscher, K., Liebig, H.: Opfer deutscher Teilung – Beim Grenzschutz getötet. Schkeuditz 2005.Christoph Links

Wer war wer in DDR

Hund, Friedrich

* 4.2.1896 – ✝ 31.3.1997

Geb. in Karlsruhe; Vater Inhaber eines Eisenwarengeschäfts; Abitur; 1915 – 22 Studium der Math. u. Physik in Marburg u. Göttingen, 1922 dort Prom. bei Max Born; 1925 Privatdoz., 1922 – 27 wiss. Assistent an der Univ. Göttingen; 1926/27 bei Niels Bohr in Kopenhagen; 1927/28 außerord. Prof. u. 1928/29 ord. Prof. für Physik an der Univ. Rostock; 1929 – 46 ord. Prof. für math. Physik an der Univ. Leipzig. 1945/46 Prorektor der Univ. Leipzig; 1946 – 51 ord. Prof. für Physik u. Dir. des Inst. für Theoret. Physik an der FSU Jena; 1948 Rektor der FSU, Rücktritt nach einem halben Jahr aus polit. Gründen; 1949 ord. Mitgl. (ab 1969 ausw. Mitgl.) der DAW/AdW; 1949 NP; 1951 – 56 Prof. für theoret. Physik an der Univ. Frankfurt (Main); 1956 – 64 ord. Prof. an der Univ. Göttingen; 1958 Mitgl. der Göttinger Akad.; 1964 em., bis 1991 Vorlesungstätigkeit; 1966 Dr. h. c. der Univ. Frankfurt (Main) u. 1973 der Univ. Uppsala u. Köln; 1970 Ehrenmitgl. der Dt. Bunsenges. u. 1977 der Dt. Physikal. Ges.; Mithrsg. der Ztschr. »Ergebnisse der exakten Naturwiss.«; gest. in Göttingen. Arbeitsgebiete: Quantenmechanik, insb. Theorie chem. Bindungen u. Theorie der Kernkräfte; Physikgeschichte.Linienspektrum u. Period. System der Elemente. Berlin 1928; Einführung in die theoret. Physik. 5 Bde. Leipzig 1945 – 51; Geschichte der Quantentheorie. Mannheim 1967. M. Schröder (Hrsg.): Hundert Jahre F. H. Göttingen 1996; Rechenberg, H., Wiemers, G.: F. H. In: Sächsische Lebensbilder (2003) 5.Horst Kant

Handbuch Deutsche Kommunisten

Husemann, Wilhelm

* 8.12.1882 – ✝ 24.11.1966

Geboren am 8. Dezember 1882 in Böken/Krs. Rendsburg, Sohn eines Landwirts; Dreherlehre auf der Howaldts-Werft in Kiel, Wanderschaft, 1904 Militärdienst, 1907 Eintritt in die SPD, 1919 Übertritt zur USPD, seit August 1923 in der KPD. Neben ehrenamtlichen Funktionen innerhalb der KPD gehörte Husemann zum AM-Apparat, er war u. a. für die illegale Quartierbeschaffung zuständig und unterstützte den Paßfälscherapparat. Ende 1925 festgenommen und im Juli 1926 vom Reichsgericht wegen »Vorbereitung zum Hochverrat« zu zwei Jahren und neun Monaten Gefängnis verurteilt. Später Mitarbeiter der sowjetischen Handelsvertretung. Nach 1933 leistete er zusammen mit seinem Sohn Walter Husemann illegale Arbeit, wurde Ende 1936 verhaftet und bis September 1938 in den KZs Sachsenhausen und Buchenwald festgehalten. 1945 Polleiter der KPD in Berlin-Blankenfelde, 1946 Mitglied der SED, arbeitete Wilhelm Husemann beim Wachschutz des ZS des SED-PV. Wilhelm Husemann starb am 24.November 1966 in Ost-Berlin. Sein ältester Sohn Wilhelm Heinrich-Christian (* 5. 7. 1908 in Wellingdorf bei Kiel) lernte Werkzeugmacher. 1928 Mitglied der KPD, ging Anfang der dreißiger Jahre als Facharbeiter in die Sowjetunion. 1936 in Lugansk bei Charkow vom NKWD verhaftet, wurde Wilhelm Husemann jr. mit der stalinistischen Verleumdung »Zugehörigkeit zu einer faschistischen Organisation« zum Tode verurteilt und erschossen.

Wer war wer in DDR

Hütte, Alfred

* 22.1.1927 – ✝ 2.10.1999

Geb. in Grevesmühlen (Mecklenb.); Vater Maurer; Volks- u. Berufsschule, Lehre u. Arbeit als Klempner; 1944 RAD; 1944 / 45 Wehrmacht; 1945 acht Monate sowj. Kriegsgef. in Riga. 1945 / 46 Klempner in Grevesmühlen; 1946 – 49 Landmaschinenschlosser bei den Städt. Landmaschinenwerken Grevesmühlen; 1949 – 52 Schiffsmaschinenschlosser beim VEB Neptunwerft Rostock; 1952 – 59 Bereichstechnologe; Studium an den Ingenieurschulen Warnemünde u. Wismar, 1953 Maschinenbautechniker, nach Fern- u. Abendstudium 1954 Ing. für Schiffsmaschinenbau; 1958 SED; 1959 – 62 Abt.-Ltr. u. stellv. Haupttechnologe; 1962 – 66 Ltr. der Gruppe Technik bzw. Stellv. des Vors. des Bezirkswirtschaftsrats Rostock; 1966 – 70 Werkdir. im VEB Starkstromanlagenbau Rostock; 1970 – 72 Dir. für Technik bzw. 1. Stellv. des GD der VVB Hochseefischerei Rostock; 1973 – 82 GD des VEB Fischkombinat Rostock (Nachf. von  Fritz Dettmann), 1976 / 77 Lehrgang an der SED-PHS; zuletzt Ltr. des Fischereiaufsichtsamts der DDR.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Igelbrink, Sibylla

* 2.2.1883 – ✝ 1.3.1945

Geboren am 2. Februar 1883 in Norrköping/ Schweden als Maria Sibylla Cariot. Sie erhielt Privatunterricht. Nach längeren Auslandsaufenthalten übersiedelte sie nach Hamburg. Hier wurde Sibylla Igelbrink Mitglied der KPD, war für die Partei aktiv und gehörte von 1931 bis 1933 der Hamburger Bürgerschaft an. Von August bis Oktober 1933 war sie in »Schutzhaft«. Sibylla Igelbrink starb am 1. März 1945 in Hamburg-Ottensen.

Wer war wer in DDR

Iltgen, Erich

* 10.7.1940

Geb. in Köln; 1954 – 57 Ausbildung zum Landmaschinen- u. Motorenschlosser; 1958 – 64 Studium an der Ing.-Schule für Landtechnik u. am ZI für Schweißtechnik in Halle, Ing. für Landtechnik u. Dipl.-Ing. für Heizung, Lüftung u. Sanitär; 1964 – 79 Gruppenltr. im Anlagenbau Radebeul; 1979 – 85 Abt.-Ltr. Investitionen/Neubau im Serumwerk Dresden; 1985 – 88 Ltr. der Dombauhütte Kathedrale u. 1988 – 90 Bauamtsltr. des Bistums Dresden-Meißen; Moderator des Runden Tisches des Bez. Dresden; Landesstrukturbeauftragter der Arbeitsgr. Landtag; Ltr. des Sächs. Forums; Juni 1990 CDU u. seitdem Mitgl. des Präs. des CDU-LV Sachsen. Seit Okt. 1990 Mitgl. u. Präs. des Sächs. Landtags; Präs. des Landesfremdenverkehrsvereins Sachsen, des Kuratoriums »Tag der Sachsen« u. der Europ. Bew. Sachsen; 1. Vors. des Kolping-Bildungswerks Sachsen; 1. Vors. des Neuen Sächs. Kunstvereins; Mitgl. des ZK der Dt. Katholiken.Eine Stadt braucht eine Seele. Dresden 1997.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Irmscher, Johannes

* 14.9.1920 – ✝ 23.5.2000

Geb. in Dresden; Vater Kunstmaler; 1938 NSDAP; 1939 Abitur an der Kreuzschule; anschl. Aufnahme eines Studiums der Klass. Philol., Byzantinistik, Neogräzistik u. Religionswiss. an der Univ. Leipzig; 1940 – 45 Kriegsdienst, u. a. 1941 – 44 in der Auslandstelegrammprüfstelle Berlin. 1945/46 Ltr. der Bibliothek der Kammer der Kunstschaffenden in Berlin; 1947 Prom. mit der Arbeit »Götterzorn bei Homer« (veröff. 1950); 1947 wiss. Mitarb. in der Kommission für spätantike Religionsgeschichte der DAW; 1949 wiss. Ref. der Kl. für Philos., Geschichte, Staats-, Rechts- u. Wirtschaftswiss. der DAW; nach der Habil. ab 1951 zugl. Doz., ab 1953 Honorarprof. für Byzantinistik u. Neogräzistik an der HU Berlin; ab 1950 Mitgl. des Präsidialrats des KB; 1953 Mitbegr. u. Präsidiumsmitgl. der Gewerkschaft Wiss; 1955 – 59 Mitgl. des Bundesvorst. des FDGB; 1955 Geschäftsf. Dir., ab 1964 Dir. des Inst. für Griech.-Röm. Altertumskunde der DAW; 1958 – 68 zugl. Dir. des Inst. für Byzantinistik der MLU Halle; 1969 – 85 Bereichsltr. am ZI für Alte Geschichte u. Archäologie der DAW/ AdW; 1973 Korr. Mitgl., 1990 Ord. Mitgl. der AdW; Ausw. Mitgl. der Akad. von Chieti, Kairo u. Palermo; Vors. des Nat.-Komitees der Byzantinisten; Präs. der Winckelmann-Ges. in der DDR; Mitgl. des Friedensrats der DDR; 1966 VVO; 1985 NP; langj. Red. der Reihe »Schriften u. Quellen der Alten Welt«; gest. in Rom.Lexikon der Antike (Hrsg. u. Mitautor). Leipzig 1971, 10. Aufl. 1990; Sokrates. Versuch einer Biogr. Leipzig 1982; Das große Lexikon der Antike. München 1987; Der Begriff der Kultur-Ursprünge u. Entw. Velten 1996; Kulturgeschichte des griech. Volkes. Amsterdam 1996. Dummer, J. (Hrsg.): Bibl. J. I. 1945 – 70. Berlin 1970.Ulrich Jahnke / Jan Wielgohs

dissidenten.eu

Isotamm, Jaan

* 1939 – ✝ 2014

Dichter und Journalist, Mitgründer der konspirativen Gruppe „Estnische Jugendmannschaft“; Autor und Verbreiter des Samisdat, politischer Häftling.Der 1939 in Tartu (Dorpat) geborene Isotamm gründete 1956 zusammen mit Freunden die „Estnische Jugendmannschaft“, eine Widerstandsgruppe im Untergrund. Ihre bekannteste Aktion war die Verbreitung von Flugblättern gegen die Niederschlagung der *Ungarische Revolution von 1956 durch sowjetische Truppen. Am 25. Dezember 1956 wurde er zusammen mit Enn Tarto und anderen Mitgliedern der Gruppe verhaftet. Ihr Prozess fand am 12. und 13. März 1957 vor dem Obersten Gericht der Estnischen SSR statt. Alle Angeklagten wurden für schuldig befunden und nach *Artikel 58, Paragraf 10 Strafgesetzbuch der RSFSR sowie Artikel 58, Paragraf 11 Strafgesetzbuch der RSFSR (siehe *Artikel 72 Strafgesetzbuch der RSFSR) zu Freiheitsstrafen von zwei bis sechs Jahren verurteilt. Isotamms Urteil lautete auf sieben Jahre Freiheitsentzug und fünf Jahre Verlust der staatsbürgerlichen Rechte. Seine Strafe musste er in den *mordwinischen Lagern verbüßen. Nach seiner Freilassung lebte er erneut in Tartu und verdiente seinen Lebensunterhalt als Hilfsarbeiter und Nachtwächter. Gleichzeitig widmete er sich der Vervielfältigung und Verbreitung illegaler Literatur. Zusammen mit Jüri Adams und Enn Tarto gab er eine Übersicht über den Samisdat heraus und war an der Herausgabe zweier unabhängiger Literaturalmanache, „Marm“ und „Nees“ (1968), beteiligt. Im Juni 1979 erhielt er vom KGB eine offizielle Verwarnung im Zusammenhang mit der Herausgabe der Samisdat-Zeitschrift „Poolpäevaleht“ (Samstagszeitung).Unter dem Pseudonym „Johnny B.“ schrieb Isotamm seit Mitte der 60er Jahre auch Kurzprosa und vor allem Gedichte, die ins Russische, Lettische, Finnische, Kasachische, Georgische, Slowakische, Italienische und Dänische übersetzt wurden. In seiner Dichtung brachte der Nonkonformist seine Gesellschaftskritik zum Ausdruck. 1988–2003 arbeitete er als Redakteur bei der wissenschaftlichen Zeitschrift „Akadeemia“. 2000 erhielt er als Lyriker den Kulturpreis der Republik Estland. Isotamm starb 2014 in Tartu.Viktor Niitsoo Aus dem Polnischen von Beata Kosmala und Markus Pieper Letzte Aktualisierung: 07/15

Wer war wer in DDR

Jäckel, Hans

* 31.5.1923 – ✝ 18.2.1994

Geb. in Colmnitz (Sachsen); Vater Eisenbahner; Volksschule, Gymnasium; 1941 NSDAP; Wehrmacht. 1948 SED; 1948 Abitur, anschl. bis 1954 Studium der Mathematik an der Univ. Leipzig, Dipl.-Mathematiker; Doz. an der ABF Freiberg; Assistent bzw. Oberassistent an der Bergakad. Freiberg; 1956 Prom. zum Dr. rer. nat.; Mitarb. im Staatssekr. für Hoch- u. Fachschulwesen; 1960 Berufung zum Prof. u. Dir. des Math. Inst. der TH Karl-Marx-Stadt; 1963 Kand., 1964 – 67 Mitgl. des ZK der SED; 1963 – 69 Rektor der TH Karl-Marx-Stadt (Nachf. von Willi Nebel); zeitw. Vors. des BV der »Urania«; 1983 Vors. des Bezirkskomitees der Liga für Völkerfreundschaft Karl-Marx-Stadt, 1988 em.; gest. in Chemnitz.Nichtlineare Theorie der Wärmeleitung in festen Körpern. In: Wiss. Ztschr. der HS für Maschinenbau (1961) 2; Mathematik heute. Jena 1972; Mathemat. Grundlagen zu Warmbehandlungstechnologien von Industriestählen. Karl-Marx-Stadt 1982.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Jacob, Mathilde

* 8.3.1873 – ✝ 14.4.1943

Mathilde Jacob wurde am 8. März 1873 in Berlin als älteste Tochter des jüdischen Fleischwarenhändlers Julius Jacob und seiner Frau Emilie geboren. Sie betrieb seit 1907 im Berliner Stadtteil Moabit als selbständige Stenotypistin zeitweise mit einer Angestellten und einem Lehrmädchen ein kleines Schreib- und Übersetzungsbüro. Dort ließen Rosa Luxemburg, Julian Marchlewski und Franz Mehring ihre Manuskripte abschreiben. Besonders Rosa Luxemburg schätzte Mathilde Jacob als zuverlässige und bescheidene sowie stets hilfsbereite Frau. Im Weltkrieg wurde sie Rosa Luxemburgs engste Vertraute, wie deren Zuchthausbriefe beweisen. Sie schmuggelte sowohl Rosa Luxemburgs »Spartakusbriefe« als auch die berühmte »Junius«-Broschüre aus dem Gefängnis. Die intensive Zusammenarbeit Mathilde Jacobs auch mit Leo Jogiches seit 1917 dauerte in der Revolution weiter an. Mathilde Jacob war auf dem Gründungsparteitag der KPD zumindest anwesend, vermutlich dort sogar aktiv beteiligt. Nach der Ermordung Rosa Luxemburgs und Karl Liebknechts sowie Jogiches im Januar bzw. März 1919 war Mathilde Jacob, die zunächst weniger gefährdet schien, einige Zeit für die Finanzen der jungen Partei zuständig, von Juni bis September 1919 aber selbst inhaftiert. Nach ihrer Entlassung reiste sie nach Stuttgart zu Clara Zetkin und arbeitete in der Redaktion der Zeitschrift »Kommunistin«. Mit Paul Levi eng verbunden, teilte sie seine politischen Ansichten und verließ mit ihm 1921 die KPD. 1921/22 war sie dann verantwortliche Redakteurin der KAG-Zeitschrift »Unser Weg« und später für die von Levi herausgegebene Pressekorrespondenz »Sozialistische Politik und Wirtschaft« (SPW) tätig. Seit 1922 Mitglied der SPD, unterhielt sie in Berlin weiter ihr kleines Schreibbüro. Die sich stets im Hintergrund haltende Mathilde Jacob trat ein einziges Mal an die Öffentlichkeit. Der VII. Jenaer KPD-Parteitag im August 1921 hatte die Zentrale aufgefordert, alsbald die Herausgabe der Schriften Rosa Luxemburgs vorzunehmen. Im Zusammenhang mit der Realisierung dieses Antrages kam es zu einer böswilligen und verletzenden Bemerkung gegenüber Mathilde Jacob. Aus der Zentrale der KPD wurde verlautet: »... die praktische Ausführung wird wahrscheinlich daran scheitern, daß der Nachlaß Rosa Luxemburgs sich in den Händen eines Fräuleins befindet, das durch den Bruch der Parteidisziplin nicht mehr zur Partei gehört. Es ist fraglich, ob sie das Material an uns herausgibt.« Daraufhin veröffentlichte Mathilde Jacob Anfang September 1921 im USPD-Organ »Freiheit« einen Leserbrief, in dem sie in scharfer Form die Polemik der VKPD-Zentrale abwehrte und über ihre Tätigkeit berichtete. »Viele Proletarier werden wohl verwundert gefragt haben, wer wohl das ?Fräulein? sein mag, die Rosa Luxemburgs Vertrauen in so hohem Maße besaß, daß sie sogar zur Hüterin ihrer politischen Hinterlassenschaft bestellt wurde. Es widerstrebt mir, von mir selbst zu sprechen. Ist es doch so selbstverständlich, daß man seine Schuldigkeit tat und sie weiter tut. Ich marschierte als einfacher Soldat im Spartakusbund, aber ich habe nie den Kampfesmut verloren, ich habe nie die Arbeit im Stich gelassen, wie so manche der Offensivhelden, die heute in der Zentrale der V. K. P. D. sitzen. Ich arbeitete vor dem Kriege lange Jahre hindurch mit Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg, Franz Mehring und vielen anderen. Ich leistete in der schwierigsten Zeit während des Krieges Leo Jogiches freiwillige Sekretärdienste. Denn der Spartakusbund hatte keine Mittel, und wir alle, die wir in ihm kämpften und arbeiteten, opferten unseren letzten Pfennig und unsere äußerste Kraft. Es war eine erheblich aufreibendere Arbeit als heute. Wir kamen nicht auf Festung! Wir wanderten in die Gefängnisse, in die Zuchthäuser. Wie schwierig war es, die Beiträge für die Spartakusbriefe zu bekommen! Wer schrieb außer Rosa Luxemburg für die Spartakusbriefe? Alle Mitteilungen hierfür gingen durch meine Hände, und neben ganz winzigen Beiträgen von anderer Seite schrieb außer Rosa Luxemburg nur – der ?Opportunist? Paul Levi ... Heute haben ungeheuer viele ihr revolutionäres Herz entdeckt und sprechen von mir als ?Fräulein?. Aber weshalb ist sie für diese Fräulein und nicht mehr Genossin? Wahrscheinlich, weil ich [für] die Zeitschrift Paul Levis ?Unser Weg? verantwortlich zeichne. Ja, ich bekenne mich ganz offen zur Richtung Levi ...« Mathilde Jacob blieb bis 1933 in Berlin, lebte zurückgezogen, so daß aus dieser Zeit wenig über sie bekannt ist. Sie versuchte nach 1936 vergebens, Nazi-Deutschland zu verlassen. Es gelang ihr noch 1939, einige von und an Rosa Luxemburg gerichtete Briefe in die USA bringen zu lassen. Am 28. Juli 1942 wurde Mathilde Jacob in das KZ Theresienstadt deportiert, wo sie am 14.April 1943 ums Leben kam. Rosa Luxemburgs Briefe an sie wurden 1972 von Nahiriko Ito in Japan herausgegeben, 1980 (»Ich umarme Sie in großer Sehnsucht«) in Berlin und Bonn. 1985 erschien »Meine liebste Mathilde« von Heinz Knobloch in Ost-Berlin. Ottokar Luban veröffentlichte 1993 in der IWK eine biographische Skizze über Mathilde Jacob.

Wer war wer in DDR

Jacobs, Hans-Jürgen

* 6.4.1936

Geb. in Parchim (Mecklenb.); 1955 Abitur an der Großen Stadtschule in Rostock; 1955 Studium des Maschinenbaus an der TH Dresden, dort 1961 Diplom, anschl. Ass., 1966 – 69 Oberass. am Inst. für Fertigungstechnik; 1966 Prom. zum Dr.-Ing. bei Alfred Richter, 1970 Prom. B. zum Dr. sc. techn. an der TU Dresden; 1969 / 70 wiss. Mitarb. im Kombinat Carl Zeiss Jena; 1970 / 71 Ltr. der Forschungsgr. Verfahrensoptimierung im Forschungszentrum des Werkzeugmaschinenkombinats »Fritz Heckert« Karl-Marx-Stadt; 1971 – 91 ord. Prof. für Fertigungstechnik / Fertigungsgestaltung an der TU Dresden; Arbeiten zur Verfahrens- u. Prozeßgestaltung; 1975 – 79 Dir. der Sektion Fertigungstechnik u. Werkzeugmaschinenbau der TU Dresden; seit 1975 Aufbau des Lehr- u. Forschungsgebiets Technolog. Optimierung von Fertigungsverfahren u. Fertigungsprozessen innerhalb des Wissenschaftsbereiches Fertigungsprozeßgestaltung; 1979 – 82 Dekan der Fak. Maschinenwesen der TU Dresden; 1982 Prorektor für Naturwiss. u. techn. Wiss.; 1986 – 90 Rektor der TU Dresden (Nachf. von  Rudolf Knöner); 1989 Prom. B zum Dr. sc. oec. an der TU Karl-Marx-Stadt; 1989 korr. Mitglied der AdW der DDR. 1990 – 2000 Gesellschafter u. Projektberater der PRO DV Software GmbH Dresden; 1993 – 2001 Gesellschafter u. Projektberater des Inst. für Produktions- u. Umwelttechnik Dresden GbR; 2001 Ruhestand; lebt in Dresden.Spanungsoptimierung: Verfahrensgestaltung durch technolog. Optimierung in der Spanungstechnik. Berlin 1977 (mit E. Jacob und D. Kochan); Entw. der Formgebungsverfahren im Maschinenbau. Berlin 1981 (mit L. Eberlein und D. Kochan); Interdisziplinäre Ansätze zur rechnerintegrierten Fertigung im Sozialismus. Dresden 1989; Die Universitäten u. Hochschulen in der Erneuerung des Sozialismus – Vorschläge u. Überlegungen zu einer grundlegenden Hochschulreform. Berlin 1989 (Mitautor); Entwurf u. Gestaltung von Fertigungsprozessen: Planung u. Steuerung der spanenden Teilefertigung. Leipzig 2002 (mit H. Dürr); Mathemat. Basismodelle für die technolog. Optimierung spanender Fertigungsprozesse. Dresden 2006. Petschel, D.: Die Professoren der TU Dresden 1828 – 2003. Köln u. a. 2003.Uwe Fraunholz