...

 

BioLex

In der Kategorie BioLex sind drei wichtige Lexika mit über 5500 Biografien von überzeugten Kommunistinnen und Kommunisten, Renegatinnen und Dissidenten im Volltext recherchierbar.

 

Das Handbuch „Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945“ wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam.

Kurzbiografien zu Personen des politischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 bereit.

Zudem ist das Online-Lexikon www.dissdenten.eu ebenfalls auf unserer Seite aufrufbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Informationen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Jähnichen, Rolf

* 11.5.1939

Geb. in Helmsdorf; OS in Grimma u. Leipzig; 1957 – 63 Studium der Landwirtschaft in Leipzig, Dipl.-Landwirt, Dr. agr.; 1964 – 70 Mitarb. beim Rat des Bez. Leipzig, Abt. Landw., zuständig für Bergbau; 1970 – 90 Prod.-Ltr. u. stellv. Vors. der LPG Neukirchen (Krs. Borna); 1981 CDU; 1984 – 89 Mitgl. des Gemeinderats in Zedtlitz; 1989 / 90 Mitgl. des CDU-Vorst. Zedtlitz; Mai – Nov. 1990 Landrat in Borna. 1990 – 94 Vors. des CDU-KV Borna; 1990 – 98 Minister für Landw., Ernährung u. Forsten des Freistaats Sachsen; seit Okt. 1994 MdL Sachsen; 1998 / 99 Minister für Umwelt u. Landesentw. des Freistaats Sachsen; seit 2000 Mitgl. des CDU-Landesvorst. Sachsen; seit 2000 Landesvors., 2000 – 04 Mitgl. des Bundesvorst. der Senioren-Union; seit 2004 Stadtrat in Borna; lebt in Borna-Zedtlitz.Agrarmeteorol. Bodenfeuchteuntersuchungen. Leizpig 1970; Die Privatisierung der sächsischen Landwirtschaft. Dresden 1998.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Jahoda, Lutz

* 18.6.1927

Geb. in Brno (ČSR/Tschechien); Vater kaufm. Angest. der Wiener Reifenfirma Semperit; Ausbildung zum Einzelhandelskaufm.; 1943 Entdeckung durch den Operettensänger u. Regisseur Erich Elstner, anschl. Aufnahme als Pflegekind durch die Familie Elstner. 1946 erste kleine Rollen in Berlin, 1947 – 50 festes Engagement am Theater Stendal, ab 1952 Engagement am Operettentheater in Leipzig, dort auch erste Rundfunkaufnahmen, z. T. mit eigenen Liedern u. Texten; 1960 erste Filmrolle in »Der Doppelsänger«; 1972 Durchbruch als Showmaster mit der TV-Sendereihe »Mit Lutz u. Liebe«, seitdem einer der populärsten Entertainer des DDR-Fernsehens, insb. als Moderator der Unterhaltungssendungen »Spiel mir eine alte Melodie« u. »Wunschbriefkasten«; mehrere DEFA-Filmrollen, u. a. in »Abschied vom Frieden« (1976) u. »Drei reizende Schwestern« (1988), Sprecher in zahlr. Hörspielen, erfolgr. Volksmusiktitel: »Die Blasmusik von Kickritzpotschen«, »Powidtatschkerln«, »Karthäuser Knickebein-Shake«. Nach 1990 Einbruch der Karriere im Showgeschäft; erfolgloser Versuch des Aufbaus einer Kette von Jeans-Läden; seit Ende der 1990er Jahre wieder gelegentl. Auftritte, 2002 Moderator der MDR-Sendung »Showtalk« zum 50. Jubiläum des Fernsehens in Dtl., zeitw. Engagement an der Dresdner Komödie mit einer Rolle in der »Feuerzangenbowle«; mit Siegfried Böhme Hrsg. der elektron. Episodenbücher »immer volks-populär« (2001) u. »Patzer u. Spratzer« (2008) mit Beiträgen von ehem. Mitarbeitern des DDR-Fernsehens; lebt seit 1964 in Wolzig (Brandenb.).Lutz im Glück u. was sonst noch schieflief. Berlin 2001; »Ich starte noch mal durch«, Schule des Humors. L. H. liest Jarsolaw Hašek (Hörbuch). Berlin 2002.Jan Wielgohs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Jakobi, Karl

* 31.8.1904 – ✝ 3.4.1974

Geboren am 31. August 1904 in Straßburg/ Elsaß, Sohn eines Fleischers; Hilfsarbeiter. 1926 wurde Jakobi Mitglied der KPD, 1928 Agitpropleiter in Karlsruhe. 1930/31 Kursant an der Internationalen Leninschule in Moskau, nach seiner Rückkehr wieder Agitpropsekretär in Karlsruhe. Von Februar 1932 bis März 1933 politischer Redakteur der »Arbeiter-Zeitung« in Mannheim. Am 2. April 1933 verhaftet und in das KZ Kislau eingeliefert, anschließend Untersuchungshaft in Mannheim. Im Oktober 1933 entlassen, übernahm Jakobi die Leitung der illegalen KPD im Bezirk Hessen/Frankfurt. Ende 1934 nahm er an der Reichskonferenz des KJVD in Moskau teil. Jakobi emigrierte in die Schweiz und nach Frankreich, ab 1936 war er als Angehöriger der Internationalen Brigaden in Spanien. Dort erlitt er schwere Verwundungen, wurde in Frankreich interniert und später nach Deutschland ausgeliefert. Am 21. August 1941 verurteilte ihn der VGH zu lebenslanger Haft. Zunächst im Zuchthaus Brandenburg, ab Dezember 1943 im KZ Sachsenhausen, wo er auf dem Todesmarsch im April 1945 befreit wurde. Ab Juni 1945 Redakteur u. a. der Mecklenburger »Volkszeitung« und der »Landeszeitung« in Schwerin, Von 1949 bis 1951 Chefredakteur dieser Zeitung. Von 1951 bis April 1953 Professor am Institut für Publizistik an der Universität Leipzig. Ab Mai 1953 Chefredakteur der »Volksstimme« Magdeburg, 1958 ADN-Korrespondent in Belgrad, dann ab 1961 Redakteur der Zeitschrift »Dokumentation der Zeit«. Karl Jakobi starb am 3. April 1974.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Jänicke, Horst

* 4.1.1923 – ✝ 1.1.2006

Geb. in Strausberg; Vater selbst. Kfm.; Volksschule; 1937 – 40 Lehre u. Arbeit als Bäcker; 1940 – 45 Wehrmacht, Uffz. 1945 – 49 sowj. Gefangenschaft, Antifa-Schüler; 1949 SED; Lehrer an den KPS Briesen u. Schiffmühle; 1950 Ltr. der KPS Treuenbrietzen; 1951 Ltr. der Landesverw.-Schule Königs Wusterhausen; zugl. 1951 – 52 Fernstudium an der DVA; 1952 Einstellung beim APN (ab 1953 HA XV, ab 1956 HV A des MfS), HA I (Staatsapparat der Bundesrep. Dtl.), dann stellv. Abt.-Ltr.; 1953 Abt.-Ltr. in der HVA-HA II (Militärspionage); 1956 stellv. Ltr. der HVA-HA II; 1958 Ltr. der HVA-Abt. 3 (pol. Hauptzentren, legal abgedeckte Residenturen); 1966 – 68 Fernstudium an der DASR Pots- dam, Dipl.-Staatswiss.; 1971 2. stellv. Ltr. der HV A; 1973 VVO; 1986 1. stellv. Ltr. der HV A (Nachf. von  Werner Großmann); 1987 Gen.-Ltn.; bis 1989 Mitgl. der Außenpol. Kommission beim PB des ZK der SED; Febr. 1989 Entlassung, danach Rentner.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Jankofsky, Heinz

* 28.9.1935 – ✝ 2.5.2002

Geb. in Berlin; Schlosserlehre; 1951 – 68 Lokomotivschlosser bei der DR; 1959 erste Zeichnung für den »Eulenspiegel«; seit 1968 freiberufl. Pressezeichner; illustrierte Kinderbücher, Gestaltung von Kalendern u. Kartenspielen; Karikaturen u. Comics (»Rolf u. Rudi« u. a.) für den »Eulenspiegel«, die »Wochenpost«, »NBI«, »Ostsee-Ztg.«, »Berliner Ztg.« u. a.; Lieblingsthemen: Hochzeiten, Hunde, Katzen, Bürokraten, Banker; gest. in Bebersee (Uckermark).Schnitzler S. (Hrsg.): Das dicke Jankofsky-Buch. Berlin 1994. Tzschichhold, H.-W.: Lokomotiefsinnigkeiten. In: Fotomagazin (1980) 10.Michael F. Scholz

Handbuch Deutsche Kommunisten

Janus, Richard

* 16.6.1891 – ✝ 5.5.1972

Geboren am 16. Juni 1891 in Berlin; Metallarbeiter. 1909 Mitglied der Sozialistischen Jugend, 1911 der SPD, auf deren linkem Flügel er stand. Seit 1912 arbeitete er als Flugzeugmonteur in Stuttgart. Im Krieg Soldat, trat er 1918 der USPD bei. In Stuttgart im Aktionsausschuß des Spartakusbundes aktiv, kam er von Januar bis Juni 1919 in »Schutzhaft«. Als Mitglied der KPD wurde Janus politischer Redakteur (kurze Zeit auch Chefredakteur) der »Süddeutschen Arbeiterzeitung«. Nach 1923 als Rechter entlassen, aber 1925 wieder Redakteur. Nach seinem Ausschluß aus der KPD 1928 wurde er in der KPO aktiv und war Redakteur von deren »Arbeitertribüne«. 1933 Emigration in die Schweiz, dort 1937 ausgewiesen, kam er über Frankreich nach Schweden. In Stockholm wieder Metallarbeiter und Leiter einer kleinen KPO-Gruppe. Richard Janus starb am 5. Mai 1972 in Solna bei Stockholm.

Wer war wer in DDR

Jastram, Jo (Joachim)

* 4.9.1928 – ✝ 7.1.2011

Geb. in Rostock; Vater Lehrer; Volksschule, Gymnasium; 1944 Wehrmacht, Gefangenschaft. 1947 – 49 Waldarb. u. Brunnenbauer in Aumühle (Sachsenwald); 1949 NDPD; Lehre als Holzbildhauer; bis 1951 Studium an der FS für angewandte Kunst in Empfertshausen (Rhön), 1951 – 54 Studium an der HS für bildende Künste in Dresden (b.  Walter Arnold), 1954 – 56 Studium an der HS für bildende u. angewandte Kunst in Berlin-Weißensee (b.  Heinrich Drake); 1956 freischaff. in Rostock; 1961 Studienreise in die UdSSR (Usbekistan); 1964/65 Lehrauftrag für plast. Gestalten am Inst. für Kunsterziehung der EMAU Greifswald; 1965 Studienreise in die Mongolei, 1966 Studienreise in die UdSSR (Sibirien), 1967 Studienreise durch Skandinavien, nach Polen u. in die ČSR; 1973 NP; 1974 Mitgl. des Zentralvorst. des VBK; Studienreise nach Kuba; 1975 Präs. des Internat. Komitees der Biennale der Ostseestaaten; Mitgl. des Präs. des VBK; 1976 Studienreise nach Tallin u. Leningrad, 1979 nach Italien; 1980 – 86 Lehrauftrag u. Prof. für Plastik an der Kunst-HS Berlin-Weißensee; 1981 u. 1983 Arbeitsaufenthalte in Äthiopien; 1983 Vors. des Arbeitskrs. Ernst Barlach im KB; Mitgl. der AdK; 1984 NP; 1985 Studienreise nach Schweden u. Großbritannien. Seit 1990 Mitgl. des Künstlerbunds Mecklenb.-Vorpomm. u. des Bundesverb. Bildender Künstler; 1999 Kulturpreisträger der Stadt Wernigerode; zahlr. Ausstellungen im In- u. Ausland, u. a. in Oslo, Kopenhagen, Helsinki, Damaskus u. Warschau, Beteiligung an der 6. Dokumenta in Kassel; 2003 Werkausstellung anläßl. seines 75. Geburtstags in Rostock; 2008 Ausstellung Plastik u. Zeichn. im Kunstkaten Ahrenshoop; lebte zuletzt in Knese (b. Rostock); gest. in Ribnitz-Damgarten. Werke: 1962 Brunnen auf der Langen Straße u. 1978 Brunnen der Lebensfreude am Universitätsplatz in Rostock; Lob des Kommunismus (Foyer der Volkskammer); Karl-Marx-Denkmal in Addis Abeba (1984); 2009 Artisten im Hafen von Ribnitz.Palme, P.: J. J. In: Weggefährten. 25 Künstler der DDR. Dresden 1970; J. J. Selbstzeugnisse von Bildhauern der DDR. (Ausstellungskat.) Bildhauerkunst aus der DDR. Bonn, München, Mannheim 1987/88; J. J. Plastik (mit Bibl.). AdK Berlin u. Kunsthalle Rostock 1988 (mit Bibl.); J. J. Plastik. Figur u. Zeichen. Brauweiler 1989 (mit Bibl.); Roese, G. (Hrsg.): J. J. – Wegzeichen. Berlin 2008.Anke Scharnhorst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Jendrosch, Friedrich

* 22.5.1890 – ✝ 24.7.1944

Geboren am 22. Mai 1890 in Lomnitz/Krs. Rosenberg/Oberschlesien. Besuchte die Fortbildungsschule in Rosenberg und begann nach einer abgebrochenen Bäckerlehre 1908 eine Lehre als Schlosser und arbeitete anschließend bei der Eisenbahn in Hindenburg. Vor dem Weltkrieg Mitglied der SPD, 1919 Übertritt zur KPD. 1920 Stadtverordneter in Hindenburg/ Oberschlesien und Abgeordneter des Provinziallandtages Schlesien. Im Mai 1924 im Wahlkreis Oppeln in den Reichstag gewählt, aus dem er aber Ende Juni 1924 wegen Neuwahl in seinem Wahlkreis ausschied. Im Dezember 1924 zog Jendrosch für den Wahlkreis Oppeln in den Preußischen Landtag ein, dem er bis 1932 angehörte. Von 1925 bis 1929 Polleiter des KPD-Bezirks Oberschlesien, anschließend übte er nur kleine Funktionen aus. 1932 nicht mehr als Landtagskandidat aufgestellt, er übersiedelte nach Berlin. Nach 1933 arbeitete er als Markthändler und betätigte sich für die illegale KPD. Im Zuge der Gestapo-Aktion »Gewitter« nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler am 24. Juli 1944 verhaftet und in das KZ Sachsenhausen eingeliefert. Seiner Frau Hedwig Jendrosch, geborene Kroll (* 6. 10. 1894 – † 12. 7. 1991), wurde Ende 1944 mitgeteilt, ihr Mann sei am 28. November 1944 an einer eitrigen Hirnhautentzündung verstorben, er wurde vermutlich ermordet. Frank Wollin veröffentlichte 2005 eine biographische Skizze über Friedrich Jendrosch.

Wer war wer in DDR

Jentsch, Otto

* 16.5.1898 – ✝ 24.10.1978

Geb. in Seifhennersdorf; Vater Angest.; 1904 –10 Volksschule, danach Oberrealschule Warnsdorf, dort 1917 Abitur; 1917 / 18 Studium der Math. u. Physik an der Univ. München; 1918 / 19 Kriegsdienst als Flieger; 1919 / 20 Schlosserlehre in Neugersdorf; 1920 – 24 Maschinenbaustudium an der TH Dresden, Dipl.-Ing.; 1924 – 27 wiss. Ass. an der TH Braunschweig; ab 1927 Ing. bei der Wasser-, Gas- u. Elektrizitätswerke AG in Dresden; 1933 an der TH Braunschweig externe Prom. bei Carl Pfleiderer mit einer Studie über Rohrbruchsicherungsanlagen in Wasserrohrnetzen; 1937 NSDAP. 1945 Werksltr. der Wasserwerke u. Entwässerungsbetriebe in Dresden; 1946 SED; 1952 Prof. für Maschinenelemente (später auch Strömungsmaschinen) der HS für Verkehrswesen Dresden, dort 1952 – 56 Gründungsrektor, 1956 – 60 Dekan der Fak. für Verkehrstechnik, 1964 – 78 Ehrensenator; 1964 em.; 1968 VVO; gest. in Radebeul. J. Forschungs- u. Lehrgebiet Maschinenelemente u. Strömungsmaschinen betraf vor allem deren wasserbautechn. (Pumpen) u. verkehrstyp. Einsatzgebiete (Strömungskupplungen, -wandler u. -getriebe). Darüber hinaus beschäftigte er sich mit Problemen der Wasserversorgung u. -entwässerung, insb. im Straßenbau.Aufbereitung des Trinkwassers. Berlin 1956.Roland Schmidt / Dieter Hoffmann

Wer war wer in DDR

Jesse, Siegfried

* 1.11.1937

Geb. in Weimar; Vater Tischler; 1954 SED; 1955 Abitur; 1955 Einstellung beim MfS, Abt. KuSch der BV Suhl; 1955 – 57 Zweijahreslehrgang an der JHS Potsdam-Eiche; 1957 AG Suhl der BV Suhl; 1958 Abt. II (Spionageabwehr); 1965 – 71 Fernstudium an der HU Berlin, Dipl.-Jur.; 1967 stellv. Ltr. der Abt. II; 1973 Offz. für Sonderaufg. bei der HVA-Abt. III (legal abgedeckte Residenturen), MfS Berlin; 1974 bei der HVA-Abt. IX (Gegenspionage), 1980 dort Ref.-Ltr.; 1981 stellv. Ltr., 1983 Ltr. der HVA-Abt. XIII (Atom- u. Kosmosspionage), 1985 Oberst; 1989/90 Entlassung.Jens Gieseke

Handbuch Deutsche Kommunisten

Jogiches, Leo

* 17.7.1867 – ✝ 15.1.1919

Geboren am 17. Juli 1867 in Wilna, stammte aus einer sehr reichen jüdischen Familie. Er war knapp drei Jahre älter als Lenin, begann aber sechs Jahre vor diesem 1885 seine revolutionäre Tätigkeit in der russischen Arbeiterbewegung. In verschiedenen russisch-polnisch-jüdischen Arbeiterorganisationen aktiv, blieb Jogiches zeitlebens für sein konspiratives Geschick bekannt. Er gehörte der Volkstümler-Gruppe an, die 1887 ein Attentat auf den Zaren plante (weswegen Lenins Bruder Alexander hingerichtet wurde). Jogiches selbst war innerhalb der Arbeiterbewegung stets ein Gegner Lenins, er lehnte vor allem dessen Zentralismus-Theorie ab, ebenso die Agrarkonzeption und die Ansichten zur nationalen Frage. In Wilna war Jogiches in der ersten marxistischen Gruppe der russischen Arbeiterbewegung, wurde 1889 verhaftet und zu vier Monaten Gefängnis verurteilt, danach floh er im Juni 1890 in die Schweiz. Dort trat er in Verbindung zu Georgi Plechanow, dem Nestor des russischen Marxismus. Um (gemeinsam mit Alexander Parvus-Helphand und David Rjasanow) die »Sozialdemokratische Bibliothek« herauszugeben, brachte er bedeutende Finanzmittel in einen Verlag ein. In Zürich lernte Jogiches Rosa Luxemburg kennen, mit der ihn bald ein Liebesverhältnis verband. Von Zürich aus gehörte Jogiches 1894 (er hatte die verschiedensten Pseudonyme, das bekannteste war Tyszka) zu den Gründern und Führern der Sozialdemokratie des Königreichs Polen. Seit 1899 Schweizer Staatsbürger, übersiedelte er auf Wunsch Rosa Luxemburgs, die seit 1898 in Deutschland lebte und ihn dazu gedrängt hatte, 1900 nach Berlin. Beide wirkten nun aktiv in der polnisch-russischen Sozialdemokratie, Rosa Luxemburg aber besonders in der SPD. Nach Ausbruch der russischen Revolution 1905 ging Jogiches zusammen mit Rosa Luxemburg nach Warschau, um dort die Revolution gegen den Zarismus zu unterstützen. Beide wurden am 6. März 1906 inhaftiert, aber während Luxemburg im Sommer entkommen konnte, wurde Tyszka im Dezember 1906 zu acht Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Ihm gelang dann im April 1907 die Flucht und Rückkehr nach Deutschland. Im Jahr 1907 war die Lebensgemeinschaft zwischen Jogiches und Luxemburg beendet, sie lösten zwar ihre Liebesbeziehungen, aber keineswegs ihre engen politischen Bindungen. Über das schwierige persönliche Verhältnis geben vor allem ihre Briefe Auskunft. Beider Wohnung in Berlin-Friedenau mit Bibliothek, Archiv und Arbeitsplatz blieb zunächst gemeinsames Zuhause, bis Rosa Luxemburg 1911 nach Berlin-Südende umzog. Im Mai 1907 nahm Jogiches am Parteitag der russischen Sozialdemokratie in London teil und wurde dort in das ZK der SDAPR gewählt. Von Berlin aus leitete er die inzwischen Sozialdemokratische Partei des Königreichs Polen und Litauens genannte Partei (SDKPiL) und ihre illegalen Zeitungen, er wurde aber wegen seines autokratischen Führungsstils in der illegalen Organisation isoliert, die Auseinandersetzungen mit Lenin und dessen Anhängern verschärften sich. In Berlin lebte Jogiches zurückgezogen. Bei Ausbruch des Weltkrieges zählte er als Internationalist sofort zu den linken Kriegsgegnern in der SPD. Er wurde zum eigentlichen Organisator und nach der Inhaftierung Rosa Luxemburgs und Karl Liebknechts 1915/16 Führer der Gruppe Internationale bzw. der Spartakusgruppe. Jogiches’ große Organisationsfähigkeit und die Kenntnisse in der konspirativen Tätigkeit ermöglichten es ihm, die kleine illegale Gruppe zu leiten sowie den Druck und Vertrieb ihrer Schriften – vor allem der »Spartakusbriefe« – zu organisieren. Im »Neudruck« der »Spartakusbriefe«, 1920 von der KPD herausgegeben, hieß es: »Genosse Leo Jogiches hatte die redaktionelle und technische Zusammenstellung bis zu seiner Verhaftung im Frühjahr 1918 in Händen«, er habe sein »außergewöhnliches Talent als Organisator und Redakteur« bewiesen. Unter den Pseudonymen Krumbiegel und Kraft war er der Motor der Spartakusgruppe, unterstützt von Mathilde Jacob und anderen. Er führte die Spartakusgruppe zentralistisch, um sie auf feste, internationalistische Positionen zu bringen. Dabei verfolgte er rabiat seine eigenen politischen Überzeugungen und änderte als Redakteur der »Spartakusbriefe« sogar Artikel von Genossen in seinem Sinne. Er setzte sich auch mit seiner Vorstellung durch, nicht Spaltung der SPD sei die »Parole«, sondern »Zurückerobern der Partei von unten«. Da er gegen die Spaltung der Arbeiterbewegung auftrat, ging die Spartakusgruppe 1917 auch in die USPD und lehnte das Streben der Bremer Linksradikalen ab, eine eigene Partei zu bilden. Während des Berliner Munitionsarbeiterstreiks im März 1918 konnte die Polizei Jogiches, den sie schon lange fieberhaft suchte, in Berlin verhaften, er saß bis zur Novemberrevolution im Gefängnis. Sofort nach der Revolution wurde Jogiches zum Organisator des Spartakusbundes, als Mitglied der Zentrale hatte er maßgeblichen Anteil sowohl an den programmatischen Aussagen als auch am organisatorischen Zusammenhalt und Ausbau der Gruppe. Jogiches’ überragende Rolle im Spartakusbund umschrieb sein innerparteilicher Gegner Karl Radek so: »Durch sein Zimmer im Büro des Spartakusbundes marschierte tagtäglich die ganze Partei durch. Jeder Delegierte von der Provinz wurde in diese Retorte gebracht und kam mit der Meinung je nach seinem Temperament heraus, daß entweder die Parteiorganisation sich in ausgezeichneten Händen befinde oder daß sie unter einer Diktatur ächze.« Freilich waren inzwischen im Gegensatz zu Jogiches viele Spartakusführer und vor allem -anhänger von der Politik Lenins und der Bolschewiki überzeugt und drängten auf die Bildung einer selbständigen Partei. Jogiches war sich mit Rosa Luxemburg nicht nur in der Kritik an der Russischen Revolution sowie der Strategie von Lenin und Trotzki einig, sondern wandte sich auch gegen den Austritt des Spartakusbundes aus der USPD. Mit seinen Organisationsvorstellungen scheiterte er jedoch auf der Vorkonferenz des Bundes am 29. Dezember 1918 in Berlin. Dort wurde gegen drei Stimmen (Leo Jogiches, Karl Minster und Werner Hirsch) die sofortige Bildung einer eigenen Partei beschlossen. Auch bei der Namensgebung auf ihrem Gründungsparteitag konnte sich Jogiches nicht durchsetzen. Gemeinsam mit Rosa Luxemburg hatte er in der Sitzung der Zentrale des Spartakusbundes vorgeschlagen, sie »Sozialistische Partei« zu nennen, um damit die Verbindung zu den Massen wie auch die Abgrenzung von Lenin zu demonstrieren. Für »Sozialistische Partei« votierten nur drei Spartakusführer, aber vier waren für »Kommunistische Partei« ( Paul Levi enthielt sich der Stimme mit der Begründung, ihm sei es gleichgültig, wie die Partei sich nenne). Der Gründungsparteitag der KPD wählte Jogiches zwar in die Zentrale, doch der Kongreß war für ihn eine Niederlage und intern kritisierte er dessen Ergebnisse heftig. Aber nach der Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht am 15. Januar 1919 trat er sofort wieder an, um die KPD zu leiten. Bereits am 10. März 1919 wurde auch Leo Jogiches verhaftet und am gleichen Tag in einer Zelle im Untersuchungsgefängnis Berlin-Moabit ermordet.

Wer war wer in DDR

John, Joachim

* 20.1.1933

Geb. in Tetschen (ČSR/Děčín, Tschechien); 1945 Ausweisung u. Umsiedl. der Fam. nach Zerbst; 1952 Abitur in Köthen, anschl. Lehre als Chemiewerker in Rodleben; 1954 Bühnenhandwerker am Staatl. Operettentheater Dresden; 1955 – 59 Studium an der EMAU Greifswald, Inst. für Kunsterziehung, Schüler von  Otto Niemeyer-Holstein; 1963 – 65 Mstr.-Schüler in der DAK bei  Hans Theo Richter, wichtige Anregungen auch durch  Fritz Cremer; anschl. freischaff. in Berlin; ab 1977 in Neu-Frauenmark (Mecklenb.); 1985 Käthe-Kollwitz-Preis der AdK; 1986 Mitgl. der AdK; Studienreisen u. a. nach Kolumbien u. in die UdSSR. 1990 Gastprof. an der Univ. Kassel; 1991 – 93 Sekr. der Sektion Bildende Kunst der AdK Berlin (Ost), Mitgl. des »Zwanziger-Gremiums« zur Vorbereitung der Vereinigung der beiden Berliner AdK; 1993 Ehrengast in der Villa Massimo in Rom; 1995 Mitgl. der AdK Berlin; 1996 Helen-Abbott-Förderpreis (USA), 1998 Kulturpreis des Landes Mecklenb.-Vorpomm.; 2003 Ausstellung »Der Freiheit Licht u. Schatten« der Staatl. Kunstsamml. Schwerin anläßl. seines 70. Geburtstags; zahlr. Ausstellungen im In- u. Ausland. Werke: Radierungen: Glanz der Wunden, 1976; Auferstehung u. Exekution des Friedens, 1978; Winterschlacht (zu  Johannes R. Becher), 1980; Zuschauer, 1980; Armes Andalusien, 1981; Los Desaparecidos (Die Vermißten), 1985; Die Invasion, 1986.Der Stubenreiter. Neubrandenburg 2000; Bube John. Berlin 2009. Kat. J. J. Galerie Arkade. Berlin 1976; Zeichnungen/Druckgrafik. Galerie am Boulevard. Rostock 1981; J. J. sieht die Frz. Rev. Staatl. Museum Schloß Burgk 1989; J. J. Zeichnungen u. Radierungen. Oldenburg 1998; Kat. J. J. Zeichnungen u. Druckgrafik. Halle 2004.Anke Scharnhorst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Jahnke, Karl Hans Heinrich

* 3.2.1898 – ✝ 13.8.1961

(* 1898 – † 1961) Geboren am 3. Februar 1898 in Hamburg; besuchte die Mittelschule, anschließend kaufmännische Lehre. 1919 aktiv in der Kommunistischen Jugend und der KPD, auf deren linkem Flügel er stand. Nach der Spaltung 1920 Übertritt zur KAP, 1921 wieder zur KPD zurück. 1923 aktiv am Hamburger Aufstand beteiligt. 1924 kurze Zeit Agitpropleiter des Bezirks Wasserkante, im selben Jahr Mitglied der Hamburger Bürgerschaft. 1924 wegen Beteiligung am Hamburger Aufstand zu mehrjähriger Festungshaft verurteilt, Anfang 1926 amnestiert. 1926 Mitarbeiter der deutsch-sowjetischen Handelsgesellschaft. Als im Februar 1926 in der Bürgerschaft der Justizsenator erklärte, Hugo Urbahns sei ein »Politischer Verbrecher«, griff Jahnke ihn tätlich an, warf ihm Aktenbündel ins Gesicht und schied danach aus dem Hamburger Parlament aus. Bei den Diskussionen von 1926 bis 1928 stand Jahnke auf dem linken Parteiflügel. Da er in der Wittorf-Affäre 1928 gegen Ernst Thälmann auftrat, wurde er Ende 1928 fristlos von der deutsch-sowjetischen Handelsgesellschaft entlassen und aus der KPD ausgeschlossen. Nach der Abspaltung der Trotzki-Gruppe vom Leninbund schloß sich Jahnke 1929 den Trotzkisten an und gehörte zur Leitung der Hamburger Gruppe. 1931 – nach einer Reise seiner Frau in die Sowjetunion – trennte er sich wieder von den Trotzkisten und kapitulierte vor der KPD, die ihn wieder aufnahm. 1932 Angestellter der RGO in Berlin. Nach 1933 mehrmals inhaftiert, trug er von den schweren Mißhandlungen einen Hörfehler davon. 1945 Mitglied der KPD, Betriebsrat in einer Hamburger Firma. Zunächst Mitglied der DAG, dann Mitglied der Ortsverwaltung HBV des DGB in Hamburg. Karl Jahnke starb am 13.August 1961 in Hamburg.

Wer war wer in DDR

Jahsnowsky, Franz

* 29.9.1930

Geb. in Joudreville (Frankreich); Vater Bergmann u. Schmied; aufgew. in Neusiß (Thür.); Internatsschule Neudietendorf, 1947 – 49 Vorstudienanstalt Jena, Abitur; danach Studium der Romanistik u. Sinologie an der FSU Jena; SED; ab 1955 Dolmetscher im diplomat. Dienst; 1956/57 Presseref. der DDR-Botschaft in Vietnam; ab 1957 Mitarb., 1961 stellv. Ltr. der Dolmetscherabt. im MfAA; 1962 – 73 im diplomat. Dienst in Kambodscha, Guinea u. Kongo-Brazzaville; 1967/68 Sektionsltr. Zentralafrika im MfAA; 1973 – 90 Botschafter u. Ltr. der Protokollabt. im MfAA (Nachf. von Horst Hain); Frührentner. Nach 1990 Betreuer von Gruppenreisen; Dolmetscher für Wirtschaftsunternehmen; lebt in Alt-Glienicke.Honeckers Zeremonienmstr. Filmdokumentation von Wolfgang Büning. DEFA/ SFB 1991.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Jakobs, Karl-Heinz

* 20.4.1929 – ✝ 4.11.2015

Geb. in Kiauken (Ostpr.); Mittelschule; 1945 Flakhelfer. 1946 – 48 Gelegenheitsarbeiten (Bauhilfsarb., Bergmann, Hausdiener); Besuch einer Handelsschule; 1948 Maurerlehre; Abendstudium an einer Ing.-Schule; 1950 – 56 Maurer, Sachbearb., Red.-Assistent, Bautechniker, Journalist, Wirtschaftsfunktionär; 1956 Delegierung an das Inst. für Lit. »Johannes R. Becher« in Leipzig; 1958 SED; seit 1958 freischaff. Journalist u. Schriftst. (Prosa, Reportagen, Essays, Lyrik, Funk- u. Fernseharbeiten); 1959 erster Gedichtband »Guten Morgen, Vaterlandsverräter«; 1962 »Beschreibung eines Sommers«, Bestseller mit einer Aufl. von knapp 500.000 Expl., frühes unsentimentales Beispiel der sog. Ankunftslit.; 1963 – 78 häufige Reportagereisen in die UdSSR; 1967/68 zehn Mon. Maurer in einer FDJ-Brigade in Mali; 1972 Heinrich-Mann-Preis; 1973 – 78 Mitgl. im Vorst. d. SV; 1976/77 Hrsg. der Ztschr. »Temperamente«, Ablösung als Hrsg. wegen der Mitunterz. der »Wolf-Biermann-Resolution«; 1977 Ausschl. aus der SED; Mai 1979 Mitunterz. eines Protestbriefs an  Erich Honecker gegen die Verurteilung  Stefan Heyms wegen »Devisenvergehens«, Protest gegen die Kulturpol. u. die Knebelung krit. DDR-Autoren; Juni 1979 Ausschl. aus dem SV (zus. mit acht weiteren Autoren), u. a. wegen krit. Interviews in der Bundesrep. Dtl.; Veröff. des vom Verlag »Neues Leben« abgelehnten Romans »Wilhelmsburg« in Düsseldorf; nach 1979 Publikationsverbot; 1981 Dreijahresvisum für die Bundesrep. Dtl., lebt seitdem in Velbert (b. Essen); 1982 PEN-Zentrum Bundesrep. Dtl.; 1983 Veröff. des autobiogr. Romans »Das endlose Jahr« in der Bundesrep. Dtl.; erste liter. Verarbeitung der Vorgeschichte der »Biermann-Resolution« u. der anschl. Parteiverfahren; Montage mit Erinnerungen einer Überlebenden des sowj. GULAG; 1986 Writer in Residence am Oberlin-College (Ohio); 1986 – 87 Gastvorlesungen an versch. Univ. der USA, Kanadas u. Englands. 1990 – 97 Betreuung einer multikulturellen Sonderseite für dt.-spr. Autoren in der Ztg. »Neues Dtl.«; dokumentar.-fiktionale, alltagsnahe, teilw. iron. Texte mit Themen wie Anpassung, Selbstaufgabe oder Idealverlusten; gest. in Velbert.Eine Pyramide für mich. Berlin 1971; Die Interviewer. Berlin 1973; Tanja, Taschka u. so weiter. Berlin 1975; Wilhelmsburg. Düsseldorf 1979; Die Frau im Strom. München 1982; Leben u. Sterben der Rubina. Roman. Berlin 1999.Andreas Kölling

Wer war wer in DDR

Jänicke, Johannes

* 23.10.1900 – ✝ 30.3.1979

Geb. in Berlin; Vater Stadtmissionar; Gymnasium zum Grauen Kloster in Berlin; Soldat im 1. Weltkrieg; Studium der Theol. an den Univ. Berlin u. Basel; 1925 Ordination u. Stadtvikar in Berlin; 1926 Pfarrer in Luckenwalde, ab 1929 in Halle; 1930 – 33 zugl. Hrsg. der Kirchenztg. »Mut u. Kraft«; ab 1934 Mitgl. des Pfarrernotbunds u. der Bekennenden Kirche; ab 1935 in Palmnicken (Ostpr.); im 2. Weltkrieg Dienst als Sanitäter. 1947 kommissar. Pfarrer u. 1948/49 Dir. des Burkhardthauses in Berlin; 1949 – 55 Propst für Halle u. Merseburg; 13.6.1955 Wahl zum Bischof der Kirchenprovinz Sachsen (Nachf. von Ludolf Müller) u. Domprediger in Magdeburg; stellv. Vors. des Rats der Ev. Kirche der Union; trotz Dialogbereitschaft gegenüber dem Staat aufgrund krit. Engagements wiederholten Angriffen der DDR-Führung ausgesetzt, so nach der Abfassung eines Rechtsgutachtens zu den Kommunalwahlen 1957, das vom SED-PB als »aggressive Hetzschrift« (FAZ 15.7.57) diffamiert wurde; 1956 Dr. h. c. der Univ. Göttingen; 1959 Wladimir-Orden der Russ.-Orthodoxen Kirche; vor der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht in der DDR 1962 Initiator einer Studie mit der Forderung nach einem Ersatzdienst für Wehrdienstverweigerer aus Gewissensgründen; 1967 aus Protest gegen staatl. Vereinnahmung Austritt aus dem staatl. Komitee zur Vorber. der Reformationsfeiern; 1968 Rücktritt aus gesundheitl. Gründen; gest. in Halle. In der Amtszeit J. J.s kam es in der Kirchenprovinz Sachsen zu einer Neuordnung des kirchl. Dienstes, die nichttheolog. kirchl. Mitarb. u. den gewählten Vertretern der Kirchengemeinden deutlich erweiterte Mitwirkungsmöglichkeiten einräumte.Ich konnte dabei sein. Autobiogr. Berlin 1984. Die Aufzeichnungen der Pfarrfrau Eva Jänicke. In: Bergau, M. (Hrsg.): Todesmarsch zur Bernsteinküste. Heidelberg 2006.Roger Sitter / Ehrhart Neubert

Handbuch Deutsche Kommunisten

Jannack, Karl

* 23.1.1891 – ✝ 27.5.1968

Als uneheliches Kind am 23. Januar 1891 in Cölln bei Bautzen geboren, auf dem Dorf aufgewachsen, durchlebte eine schwere Jugend. Einige Zeit als Knecht tätig, dann Schuhmacherlehre, anschließend 1909 auf Wanderschaft. 1909 Mitglied der SPD in Bremen, Anhänger der Bremer Linken. 1913 Soldat, 1915 mit dem EK II ausgezeichnet, im Frühjahr 1916 verschüttet, dann Rückkehr nach Bremen. Mitkämpfer der Bremer Linksradikalen und der Gruppe Arbeiterpolitik, deswegen festgenommen. Jannack entzog sich der »Schutzhaft« durch Freiwilligmeldung. Wieder Soldat und bis zur Revolution 1918 in Saarburg/Lothringen. Am 11. November 1918 kam Jannack nach Bremen zurück, auf Vorschlag des USPD-Führers Alfred Henke zum Leiter des Soldatenrates gewählt. Er schloß sich den Internationalen Kommunisten an und nahm als deren Vertreter am Gründungsparteitag der KPD teil. Im Januar 1919 nach Berlin geschickt, um Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht nach Bremen, einem für sie sicheren Ort, zu holen, doch die KPD-Führer blieben in Berlin. Jannack gehörte zu den Leitern der im Februar 1919 in Bremen proklamierten Räterepublik; nach deren Auflösung Sekretär des KPD-Bezirks Nordwest. Da dieser Bezirk auf dem II. Parteitag 1919 zur ultralinken Opposition zählte, wurde auch ihr Delegierter Jannack aus der KPD ausgeschlossen. Im Oktober 1919 Mitunterzeichner eines Briefes von Heinrich Laufenberg, in dem es hieß: »Fordert die Zentrale auf, sich bei Euch in Bremen zu verantworten. Der brutalen Vergewaltigung gegen Eure Beauftragten setzt Eure Fäuste entgegen.« Jannack schloß sich aber nicht der KAPD an, sondern kam nach einigen Monaten zur KPD zurück. 1920 Mitglied der Bremer Bürgerschaft und Vorsitzender des KPD-Bezirks Nordwest. Auf allen Parteitagen – von 1920 bis 1923 – in den ZA der KPD gewählt. 1922 als Redakteur zum »Ruhr-Echo« in Essen, anschließend Redakteur in Düsseldorf und Köln. Im August 1923 nach Remscheid berufen, wo ihn die KPD-Mehrheit des ADGB zum Gewerkschaftssekretär wählte. Jannack galt als eifriger Anhänger Heinrich Brandlers, deshalb wurde er Mitte 1924 nach dem Sieg der Linken seiner Funktion enthoben. Weil er die Fraktionsarbeit der Brandler-Anhänger leitete und deren Rundbriefe versandte, schloß ihn die KPD am 10. Oktober 1924 aus. Nach dem »Offenen Brief« und der Überprüfung der Ausschlüsse wurde auch Jannack im Oktober 1925 wieder in die KPD aufgenommen. In den folgenden Jahren als Instrukteur bzw. Sekretär in verschiedenen Organisationen wie der Roten Hilfe, der IAH und dem RFB tätig. Er war für die RGI in Schweden, Norwegen, den Niederlanden und Frankreich im Einsatz, kam 1927 wieder nach Deutschland zurück, war kurze Zeit Redakteur an der »Sozialistischen Republik«, dann an der »Welt am Abend« in Essen, wo er Bernhard Menne ablöste. Bei den Auseinandersetzungen mit den Rechten 1928/29 blieb Jannack auf der ZK-Linie. Von 1930 bis Anfang 1933 Bezirksleiter der Roten Hilfe Niederrhein in Düsseldorf. Jannack arbeitete nach 1933 noch kurze Zeit illegal, emigrierte Ende Mai 1933 nach Lothringen/Frankreich, lebte in Saarburg und arbeitete in der Roten Hilfe und an der Zeitung »Humanité«. Seine Frau, die er im Weltkrieg in Saarburg kennengelernt hatte, flüchtete ebenfalls aus Deutschland (sie starb 1940). Von Januar bis Juni 1940 in Frankreich interniert, wurde er im Oktober 1940 von der Gestapo festgenommen und nach Deutschland transportiert. Um einer Verurteilung durch die NS-Justiz zu entgehen bzw. ein möglichst mildes Urteil zu erreichen, bat Jannack in einem Schreiben an das Reichssicherheitshauptamt vom 8. Februar 1942 (HStA Düsseldorf, Gestapo Akte 3594), ihm »die Gelegenheit zu geben, als Soldat des Führers im deutschen Freiheitskampf mitzuarbeiten«. Er führte weiter aus: »Daß ich vor, während und nach der Internierung für nationalsozialistische Ziele tätig war, wird durch zahlreiche deutschgesinnte Lothringer bestätigt. Mit zugehörig zu den Gründern der Deutschen Volksgemeinschaft in Saarburg stellte ich mich sofort in den Dienst der Organisation, zuerst als Zellenleiter, später als Organisationsleiter der Ortsgruppe.« Ungeachtet dieses Briefes wurde Jannack nach sieben Monaten Gestapohaft in Düsseldorf vom OLG Hamm zu 14 Monaten Gefängnis verurteilt, die er in Hamm und Wolfenbüttel verbüßte. Anschließend erfolgte die Überführung in das KZ Buchenwald, wo er bis Kriegsende blieb. Im April 1945 ging Jannack zunächst nach Lothringen, kehrte aber im September 1945 nach Deutschland zurück. Mitglied der KPD, ab Oktober 1945 Sekretär der Kreisbodenkommission in Bautzen, 1946 Vorsitzender der SED Lausitz und er gehörte dem LV Sachsen an. Von Dezember 1946 bis April 1949 war er stellvertretender Landrat des Kreises Bautzen. Am 23.November 1949 erhielt Jannack eine »Rüge« wegen »Fehler und Schwächen«. Als Landrat abgelöst, wurde er 1950 Leiter der Kaderabteilung des Bundesvorstandes der Domowina bzw. der Filiale der Deutschen Notenbank in Bautzen. Von Ende 1952 bis Anfang 1955 leitete Jannack die Abteilung Inneres in der Hauptabteilung Sorbische Volksbildung beim Ministerium für Volksbildung der DDR. In seinen Lebenserinnerungen, »Wir mit der roten Nelke«, die Jannack 1959 in Bautzen veröffentlichte, verdammte er seine früheren Freunde von der Opposition. Im April 1966 erhielt er den VVO in Gold. Karl Jannack starb am 27. Mai 1968.

Wer war wer in DDR

Janz, Karin

* 17.2.1952

Geb. in Hartmannsdorf (b. Lübben); Eltern Lehrer; POS, KJS, Abitur; 1960 – 73 sportl. aktiv als Turnerin beim SC Dynamo Berlin (Trainer: Ellen Bergler, Werner Pöhland); 1974 – 84 Präs.-Mitgl. des DTSB; zweimal Teiln. an Europameisterschaften: 1967 2. Platz (Stufenbarren), 3. Platz (Sprung), 1969 EM im Mehrkampf, beim Sprung, am Stufenbarren u. Schwebebalken, 2. Platz am Boden; bei den Weltmeisterschaften 1970 WM am Stufenbarren, 2. Platz mit der Mannschaft u. beim Sprung, 4. Platz im Mehrkampf; zweimal Teiln. an Olymp. Spielen: 1968 2. Platz (Sprung), 3. Platz mit der Mannschaft u. 4. Platz im Mehrkampf, 1972 Siegerin beim Sprung u. am Stufenbarren, 2. Platz mit der Mannschaft u. im Mehrkampf, 3. Platz am Schwebebalken u. 4. Platz am Boden; Angeh. der DVP, Wachtmstr.; 1973 beendete sie ihre sportl. Laufbahn; zweimal DDR-Sportlerin des Jahres; 1971 – 78 Studium der Med. an der HU Berlin, Dipl.-Med.; 1978 – 81 Assistenz-, dann Stations-, 1987 – 90 Oberärztin in der Orthopädie der Charité Berlin; 1982 Prom. zum Dr. med. mit Diss. über Kniegelenkdiagnose; 1983 Fachärztin; 1989 Habil. zum Dr. sc. med. über künstl. Bandscheiben; Prof. an der HU Berlin; 1990 Chefärztin für Orthopädie im Vivantes-Klinikum in Berlin-Friedrichshain; seit 2008 Präs. Spine Arthroplasty Society.Klaus Gallinat / Olaf W. Reimann

Wer war wer in DDR

Jazdzewski, Ernst

* 14.8.1907 – ✝ 29.5.1995

Geb. in Berlin; Vater Arbeiter; Volksschule; Ausbildung zum Elfenbeinschnitzer u. Zeichner; 1921 Mitgl. u. Funktionär des KJV; 1922 – 28 Studium (Abendkurse) an der Kunstgewerbeschule Berlin; ab 1923 Mitarb. an kommunist. Kinder- u. Jugendztschr. (»Die Trommel«, »Die Junge Garde«); Plakatgestalter u. Buchillustrator für die Verlage Jugend internat. u. Junge Garde, sowie für den Universum-Verlag; 1928 Mitgl. der ASSO; 1932 KPD; arbeitete bis 1933 im Graf. Atelier des ZK der KPD; 1933 Verhaftung, 18 Mon. Gefängnis, danach unter Polizeiaufsicht. 1946 KPD/SED; ständ. pol. Zeichner für das »Neue Dtl.«; ab 1947 Doz. an der Kunst-HS Berlin-Weißensee, 1956 Prof. für Illustrationen u. figürl. Zeichnen; 1959 Kunstpreis der DDR; 1962 VVO; Vors. des Bez.-Verb. Berlin des VBK; 1971 NP; gest. in Berlin.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Jennrich, Ernst

* 15.11.1911 – ✝ 20.3.1954

Geb. in Wedringen (b. Haldensleben); Vater Töpfer, acht Geschwister; Volksschule; anschl. Gärtnerlehre, ab 1940 dienstverpflichtet in den Junkerswerken; 1942 Wehrmacht, durch mehrere Granatsplitter schwer versehrt, 1945 Desertion, amerikan. Kriegsgefangenschaft. 1945/46 SPD/SED, 1947 Austritt; ab 1952 Gärtner in einer LPG in Magdeburg; erfährt am 17.6.1953 auf dem Weg zur LPG-Verwaltung von Demonstrationen, zieht danach mit seinem Sohn durch die Stadt bis zur Haftanstalt Sudenburg, nimmt dort einem Jugendl. einen Karabiner ab, schießt in die Luft u. zerstört anschl. das Gewehr; in der Nacht zum 20.6.1953 verhaftet, Verhör durch sowj. Vernehmer, dann Übergabe an DDR-Behörden; obwohl eine Mordabsicht nicht nachzuweisen ist, am 25.8. Verurteilung zu lebenslängl. Zuchthausstrafe, nach Protest des Staatsanwalts am 8.9. Aufhebung des Urteils durch das OG, am 6.10.1953 in einem 15-minütigen Prozeß ohne neue Beweisaufnahme durch das BG Magdeburg in zweiter Instanz zum Tode verurteilt; der Schöffe Fritz Ringenberg legt aus Gewissensgründen sein Amt nieder; nach Ablehnung der Berufung u. eines Gnadengesuchs am 20.3.1954 Hinrichtung durch Enthauptung in Dresden. Aug. 1991 vollständige posthume Rehabilitierung durch das BG Magdeburg.Fricke, K. W.: Todesstrafe für Magdeburger »Provokateur«. In: Deutschland Archiv (1993) 5.Ilko-Sascha Kowalczuk

Wer war wer in DDR

Jentsch, Willy

* 22.4.1892 – ✝ 26.5.1966

Geb. in Barschdorf (Krs. Liegnitz, Schles. / Bartoszov, Polen); Vater Maurer; Volksschule; Lehre u. Arbeit als Fleischer; Wanderschaft; 1911 Mitgl. des Zentralverb. der Fleischer; 1912 SPD; 1914 – 18 Militärdienst; ab 1919 Arbeiter im RAW Berlin; Betriebsrat u. Mitgl. der ADGB-Ortsverwaltung Groß-Berlin; 1923 Bezirkssekr. des Dt. Eisenbahnerverb. für den Osten; Umzug nach Frankfurt (Oder); 1924 – 33 Sekr. des SPD-Unterbez. Frankfurt-Lebus, Ost- u. Weststernberg; 1926 – 33 Stadtverordn. in Frankfurt (Oder); Abg. des Provinziallandtags Brandenburg; April – Juli 1933 stellv. Mitgl. des Preuß. Staatsrats; 1926 Mitbegr. der gemeinnützigen Wohnungsbaugenossenschaft »Gewoba«; am 21.5.1933 im Gewerkschaftshaus Frankfurt (Oder) verhaftet, »Schutzhaft« bis Sept. 1933 im KZ Sonnenburg, nach der Entlassung antifasch. Arbeit in der Widerstandsgr. »Max«; 1935 erneut inhaftiert, 1936 Verurteilung durch das Kammergericht Berlin zu zweieinhalb Jahren Haft, 1938 – 45 Haft in den Zuchthäusern Frankfurt (Oder), Moabit, Luckau u. Zwickau sowie im KZ Buchenwald. Juni 1945 Organisierung der Entlassung der ehem. Häftlinge aus dem KZ Buchenwald; anschl. Org.-Ltr. der KPD des Stadtkrs. Frankfurt (Oder), 1946 SED, 1946 – 50 Mitgl. des SED-KV Frankfurt (Oder); 1946 – 48 Vors. des VdgB-KV Frankfurt (Oder); ab Okt. 1946 Bürgermstr. u. Stellv. des OB, 1948 – 50 OB von Frankfurt (Oder) (Nachf. von  Oskar Wegener); anschl. Abt.-Ltr. im LV Brandenburg der landw. Genossenschaften in Potsdam; 1952 / 53 Landessekr. der VVN Brandenburg bzw. des Bez. Potsdam; 1953 – 56 Ltr. der Abt. Arbeit u. Berufsausbildung beim Rat des Bez. Potsdam.Targiel, R.-R.: Die Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt (Oder) vom Beginn des 18. Jahrhunderts bis zur Wiedererlangung der kommunalen Selbstverwaltung im Jahr 1990. Frankfurt (Oder) 2000.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Jesse, Willi

* 14.12.1897 – ✝ 17.8.1971

Geb. in Rostock; Vater Arbeiter; Volksschule; Ausbildung zum Maschinenbauer; Wanderschaft; 1912 SAJ, 1915 SPD; 1915 – 18 Militärdienst; 1920 Schriftltr. des Mitteilungsblatts der SAJ Mecklenb.; ab 1927 hauptamtl. SPD-Funktionär; ab 1931 Sekr. des SPD-Bez. Mecklenb.-Lübeck in Rostock; Mitgl. des Zentr. Parteiaussch. der SPD; 1927 – 33 Mitgl. der Stadtverordnetenvers. in Rostock; 1932/33 Abg. des Landtags Mecklenb.-Schwerin; 1933 mehrere Wochen »Schutzhaft«; Lebensmittelhändler; Kontakte zu Wilhelm Leuschner u. Julius Leber; 1939 Wehrmacht, aus Altersgründen von der Front zurückgestellt; 1944 Flucht nach Schweden. Sept. 1945 Rückkehr nach Rostock; Landessekr. u. stellv. Vors. der SPD Mecklenb., dann parität. Landessekr. der SED Mecklenb.; Juli 1946 vom NKWD verhaftet u. bis 1950 in der zentralen U-Haftanstalt des MFS in Berlin-Hohenschönhausen ohne Anklage u. Urteil in Haft; 1950 per Fernurteil in der UdSSR zu zehn Jahren Zwangsarbeit verurteilt u. bei absoluter Kontaktsperre in das Strafgefangenenlager Taischet (Baikalsee) deportiert; 1953 amnestiert u. in die Bundesrep. Dtl. entlassen; bis 1964 Ltr. der Abt. Betriebsgr.-Arbeit beim SPD-PV in Bonn u. Red. der Ztschr. »Arbeit u. Freiheit«; Suizid. Das Schicksal von W. J. blieb über mehrere Jahre ungeklärt; er war der erste prominente SED-Funktionär, der auf diese Weise »verschwand«;  Wilhelm Pieck rechtfertigte seine Verhaftung später mit dem Vorwurf angebl. Spionage für einen brit. Geheimdienst.Bouvier, B.: Ausgeschaltet! Sozialdemokraten in der SBZ u. in der DDR 1945 – 1953. Bonn 1996.Beatrix Bouvier

Handbuch Deutsche Kommunisten

Johansen, Henry (Salter

* 8.5.1905 – ✝ 5.12.1967

(* 1905 – † 1967) Geboren am 8. Mai 1905 in Waren/Mecklenburg, Sohn einer Arbeiterfamilie; lernte Kaufmann. Johansen trat 1921 als Sechzehnjähri- ger in die KPD ein, ging als Bürogehilfe zur BL Mecklenburg und war dort Bezirksleiter der KJD. Ende 1922 übersiedelte er nach Berlin und wurde Mitarbeiter der KPD-Zentrale (Abteilung Kasse). Im Frühjahr 1923 nach Nürnberg geschickt, in der BL Nordbayern war er für die Jugendarbeit verantwortlich. Der vorzügliche und radikale Redner war bald bekannt. Von November 1923 bis 30. April 1924 kam Johansen in »Schutzhaft«. Von der Polizei als »besonders radikal« eingestuft, sind 1924 alle Veranstaltungen verboten worden, auf denen er sprechen sollte. Da er als »geistiges Haupt der kommunistischen Jugend in Nordbayern« galt, wurde er aus Bayern ausgewiesen. Nach der Übernahme der KPD-Führung durch die Linken stieg der noch nicht zwanzigjährige Johansen in der Zentrale 1924 als junger Theoretiker rasch auf, er wurde im AM-Apparat eingesetzt. 1925 schloß er sich den Ultralinken an und war bald einer der Wortführer der Opposition von Karl Korsch. Johansen ging nach Mecklenburg, wo die Ultralinken unter seiner und Hans Ambs Führung Einfluß besaßen. 1926 aus der KPD ausgeschlossen, blieb er bei der Spaltung der »Entschiedenen Linken« auf ihrer Reichskonferenz im September 1926 bei der Korsch-Gruppe und bekämpfte die Anhänger von Ernst Schwarz. Er begann ein Studium und war noch einige Zeit in kleinen linken Gruppen aktiv. 1928 Sekretär des Verbandes der ausgeschlossenen Bauarbeiter in Mönchen-Gladbach, von 1929 bis 1933 freier Schriftsteller, ständiger Mitarbeiter beim »Aufwärts«, Organ des ADGB u. a. Gewerkschaftsblätter. Nach 1933 arbeitslos, lebte er zeitweise illegal, emigrierte in die âSR, kehrte 1934 zunächst nach Mecklenburg und anschließend nach Berlin zurück, wo er zuletzt Schreiber beim Hauptversorgungsamt war. 1943 zu Wehrmacht eingezogen, geriet er im Mai 1945 in sowjetische Kriegsgefangenschaft und leitete das Antifa-Aktiv in Brünn, später in Kischinjow. Im August 1946 in Berlin SED-Mitglied, trat aber wieder aus, schloß sich der SPD an und wurde durch Vermittlung von Ernst Reuter 1948 Leiter der Ost-Redaktion der amerikanischen »Neuen Zeitung«. Unter dem Pseudonym Ernest J. Salter trat er als Kritiker der Sowjetunion und des Stalinismus in Erscheinung. Seine zahlreichen Publikationen und Artikel (u. a. im »Monat«) machten ihn in den fünfziger und sechziger Jahren als Sowjetologen bekannt, er analysierte vor allem die sowjetische Außen- und Deutschlandpolitik. Eine öffentliche Polemik zwischen ihm und dem Sowjetideologen Eugen Varga fand 1956 das Interesse der Medien. Er gehörte dem »Deutsch-Russischen Freiheitsbund« an. 1959 wegen Mitgliedschaft im regierungsnahen Komitee »Rettet die Freiheit« aus der SPD ausgeschlossen, arbeitete Salter für den »Deutschlandfunk« und für die »Deutsche Welle«. Henry Johansen-Salter starb am 5.Dezember 1967 in West-Berlin.

Wer war wer in DDR

John, Wilhelm

* 29.7.1885 – ✝ 24.8.1953

Geb. in Berlin; Studium der Volkswirtschaft u. Sozialpolitik; seit 1909 journalist. Tätigkeit im Ullstein-Verlag, im Scherl-Haus, beim »Börsen-Courier« u. bei der »Charlottenburger Ztg.«; 1910 Eintritt in die Demokrat. Vereinigung, ehrenamtl. Funktionär im Berliner Norden u. später 2. Vors. des LV Berlin-Brandenburg; 1914 – 18 Soldat; 1918 – 33 Mitgl. der DDP; 1920 – 1.2.1923 Chef vom Dienst beim »Berliner Lokalanzeiger«; 1.2.1923 – 1.11. 1924 Chef v. Dienst beim »Berliner Börsen-Courier«, anschl. bis 1.4.1936 erneut beim »Berliner Lokalanzeiger«; 1936 Mitgliedschaft in der NSDAP verweigert; aus der Red. entlassen; Nov. 1938 – 1.6.1939 Chefred. der »Charlottenburger Ztg.«. 1945 LDPD, 1945 – 51 erster Chefred. des LDPD-Zentralorgans »Der Morgen«; 1950 – 53 Vors. des LV des Verbandes der Dt. Presse Groß-Berlin.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Jahnke, Paul

* 13.8.1893 – ✝ 27.10.1951

Geboren am 13. August 1893 in Pasewalk; Maschinenbaulehre. 1916 Einberufung zum Militär, aus dem er 50 Prozent kriegsbeschädigt entlassen wurde. Jahnke wurde 1917 Mitglied der USPD, 1919 der KPD und ging 1920 zur KAP. 1922 wieder KPD, Sekretär im UB Berlin-Nordost. Im Mai 1933 Polleiter in der illegalen KPD Bremen. Da Jahnke in dieser Funktion »versagte«, 1934 nach Frankreich in die Emigration abgeschoben. Die Nazi-Justiz verurteilte ihn 1936 in Abwesenheit zum Tode. Von November 1936 bis Februar 1939 kämpfte Jahnke als Angehöriger der Internationalen Brigaden. Er war Politkommissar in Albacete und anschließend technischer Leiter einer Parteischule. 1939 emigrierte er nach Norwegen und kam mit Unterstützung der »Nansen-Hilfe« 1940 nach Schweden. Dort interniert, wurde er zeitweise von der KPD-Gruppe in Schweden »abgehängt«. Während der Internierung begann Jahnke mit Hanna Sandtner eine Lebensgemeinschaft. Beide kehrten im März 1946 nach Deutschland zurück. Er wurde Funktionär in der SED Berlin Prenzlauer Berg. Anschließend Personalchef beim Berliner Verlag, nach Auseinandersetzungen mit dem Chefredakteur Rudolf Herrnstadt schied Jahnke aus dem Verlag aus und trat in die Volkspolizei ein. Er war Innendienstleiter Berlin-Prenzlauer Berg, anschließend Leiter der Pressestelle im VP-Präsidium von Ost-Berlin. 1951 wurde er wegen seiner Westemigration aus dem aktiven Dienst entlassen, war dann Werkleiter des VEB Berliner Aufzugbau. Paul Jahnke starb am 27. Oktober 1951 im Polizeikrankenhaus von Ost-Berlin.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Jäkel, Paul

* 7.4.1890 – ✝ 12.2.1943

Geboren am 7. April 1890 in Kleinhelmsdorf bei Liegnitz/Schlesien, Sohn einer Heimarbeiterfamilie. Lehre und Arbeit als Maurer und Waldarbeiter, ab 1907 Wandergeselle, 1908 Mitglied der SPD. Von 1912 bis 1918 Militärdienst und Weltkriegsteilnehmer. Jäkel war als Angehöriger der Kriegsmarine bei der Küstenartillerie in Belgien stationiert. Anfang November 1918 war er Mitglied des Arbeiter- und Soldatenrates in Belgien, ging Ende des Monats nach Chemnitz, wo er sich der USPD anschloß, 1919 Übertritt zur KPD. Er arbeitete nach dem Krieg als Maurer in Dresden. 1921 hauptamtlicher Funktionär, zuerst in der Gewerkschaft, dann in der KPD. 1920 2. Vorsitzender des Verbandes der ausgeschlossenen Bauarbeiter in Chemnitz, nahm Ende 1922 als Delegierter am II. RGI-Kongreß in Moskau teil. Nach Auflösung des Verbandes der ausgeschlossenen Bauarbeiter und der Rückführung der Mitglieder in die Freien Gewerkschaften wurde Jäkel 1924 Leiter der KPD-Gewerkschaftsabteilung und Mitglied des Sekretariats der BL Erzgebirge-Vogtland. Im Frühjahr 1930 Leiter der neugebildeten RGO-BL Sachsen in Leipzig, er gehörte auch der KPD-BL Sachsen an. Im Februar 1931 wurde Jäkel Sekretär für Gewerkschaftsfragen der BL Sachsen. 1932 vom ZK nach Berlin geholt, nahm er in der RGO eine führende Position ein. Im November 1932 im Wahlkreis Leipzig in den Reichstag gewählt. Er blieb 1933 zunächst Leiter der RGO in Sachsen, im Juli Emigration in die Tschechoslowakei. Dort leitete er unter dem Decknamen Jan Dietrich die RGO-Grenzarbeit. Im Januar 1934 ging Jäkel in die Sowjetunion und war bis 1937 als Sekretär in der RGI und anschließend in der deutschen Sektion der Komintern. Im Oktober 1941 nach Ufa evakuiert, war er dort für die Betreuung von Emigranten verantwortlich. Jäkel arbeitete als Politinstrukteur unter deutschen Kriegsgefangenen und starb am 12.Februar 1943 in einem Kriegsgefangenenlager in Mitschurinsk an Typhus.

Wer war wer in DDR

Jaldati, Lin

* 13.12.1912 – ✝ 31.8.1988

Geb. in Amsterdam; Vater Obst- u. Gemüsehändler; Grundschule; 1926 – 32 Arbeiterin in einem Textilbetrieb; daneben Tanzstudium; 1932/33 Tänzerin im Niederländ. Ballett, 1934 – 38 in der Revue von Bob Peters u. der Bouwmeesterrevue; 1936 KP der Niederl.; seit 1938 Zusammenarbeit mit dem aus Dtl. emigrierten Pianisten u. Musikwiss.  Eberhard Rebling; 1939/40 eigene Programme mit Solotänzen u. jidd. Liedern; daneben Tanzstudium bei Olga Preobrashenskaja in Paris u. Gesangsunterricht bei Erhard E. Wechselmann in Den Haag, jüd. Theaterarbeit in Amsterdam; 1940 – 44 Teiln. am antifa. Widerstandskampf in den Niederlanden u. illeg. Hauskonzerte mit jidd. Liedern; 1944 Verhaftung, KZ Westerbork, Auschwitz, 1945 Befreiung in Bergen-Belsen. 1945 – 51 Konzerte mit jüd. Programmen in den Niederl., Gastspiele in skandinav. Ländern, Zürich, Warschau, Łódź, Prag u. Berlin; zahlr. Rundfunkaufn. mit jidd. Liedern; daneben weiter Gesangsstudium bei Paula Lindberg in Amsterdam; 1949 Teiln. am 1. Weltfriedenskongreß in Paris; 1952 Übersiedl. in die DDR; bis 1988 Verbreitung des jidd. Lieds in der DDR; Erweiterung des Repertoires mit Liedern von  Hanns Eisler,  Louis Fürnberg,  Paul Dessau sowie Volks-, Partisanen- u. Friedensliedern vieler Völker; Gastspiele in beinahe allen Ländern Europas, in Indien sowie Ost- u. Südostasien; zahlr. Hörfunk- u. Fernsehprod. sowie Schallplattenaufnahmen; nach dem Sechs-Tage-Krieg 1967 in Israel nur noch sehr vereinzelt Konzerte in der DDR; 1975 Comeback; seit 1979 Zusammenarbeit mit Tochter Jalda Rebling als Schauspielerin u. seit 1982 mit Tochter Kathinka Rebling als Geigerin; als Familienensemble Konzertreisen mit jidd. Liedern in mehrere Länder Westeuropas, nach Israel u. in die USA; in den 60er Jahren Mitw. als Beraterin in der Singebew.; aktives Mitgl. der Lagergem. Auschwitz, des Friedensrats u. des Komitees für Menschenrechte der DDR. Nach dem Tod zahlr. CD-Veröff. mit jidd. Liedern in Dtl. u. der Schweiz, z.T. Aufnahmen mit Eberhard Rebling u. dem Familienensemble.Es brennt, Brüder, es brennt. Jidd. Lieder. Berlin 1966, erw. Neuausgabe 1985 (mit Eberhard Rebling); Sag nie, du gehst den letzten Weg. Berlin 1986; erw. Neuausgabe Marburg 1995 (Autobiogr., mit Eberhard Rebling).  Heimlich, D.: L. J. Berlin 1964.Christoph Links

Handbuch Deutsche Kommunisten

Janka, Albert

* 17.5.1907 – ✝ 7.3.1933

Geboren am 17. Mai 1907 in Chemnitz, Sohn eines Werkzeugmachers; lernte Schlosser. Janka, der mit an der Spitze der Chemnitzer Arbeiterjugend stand, trat dem KJVD und der KPD bei und wurde nach Ausübung mehrerer Funktionen im Jugendverband und in der Partei an die Internationale Leninschule nach Moskau delegiert. Zurückgekehrt nach Deutschland wurde Janka 1930 Sekretär der KPD für den UB Erzgebirge-Vogtland. Als sehr guter Redner erhielt er bei Massenversammlungen viel Beifall, er wurde im Juli 1932 im Wahlkreis Chemnitz als Abgeordneter in den Reichstag gewählt. Am 7. März 1933 verhaftet, in das KZ Reichenbach gebracht und dort gefoltert. Die NS-Presse behauptete fälschlicherweise, er habe sich zur NSDAP bekannt. Wenige Tage vor seinem 26. Geburtstag wurde Albert Janka am 13. April 1933 von der SS erschlagen und zur Vertuschung an einem Kronleuchter im ehemaligen Volkshaus aufgehängt. Walter Janka (*29. 4. 1914 – † 17. 3. 1994), sein jüngerer Bruder, berichtete 1991 in seinen Erinnerungen »Spuren eines Lebens« über den Mord an Albert Janka und dessen Beisetzung in Reichenbach.

Wer war wer in DDR

Janßen, Horst

* 10.7.1929

Geb. in Marburg (Lahn); Vater kfm. Angest.; 1936 – 44 Volksschule in Magdeburg; 1944/45 Reichsbahnjunghelfer. 1945 – 48 Tischlerlehre; 1948 – 50 Geselle; 1949 SED; 1950/51 Schulungsltr. bei der Bauunion Magdeburg; 1951 Lehrgang an der DVA; 1951 Lehrer für Ges.-Wiss. an der FS für Bauwesen Glauchau; 1952 in der Kaderabt. des Min. für Aufbau tätig; 1955 Eintritt in das MfS, HA III (Sicherung der Volkswirtschaft); 1960 – 65 Fernstudium an der JHS Potsdam-Eiche, Dipl.-Jur.; 1972 Ltr. der Arbeitsgr. XVII (Besucherbüro Berlin-West), 1973 Oberst; 1986 VVO; 1990 Entlassung.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Jarowinsky, Werner

* 25.4.1927 – ✝ 22.10.1990

Geb. in Leningrad; Vater Arbeiter; in den 30er Jahren nach Dtl. übergesiedelt; Volksschule; 1941 – 43 Ausbildung zum Industriekfm.; 1943 – 45 Wehrdienst. 1945/46 KPD/SED; Jugendfunktionär in Zeitz; Angest. bei der VP; 1945 – 47 Vorstudienanstalt Halle, Abitur; 1948 – 51 Studium der Wirtschafts- u. Rechtswiss. an der MLU Halle u. der HU Berlin, Dipl.-Wirtsch.; 1951 – 56 Doz. an der HU; Diss. über die Planung des soz. Handels, Juni 1956 Dr. rer. oec. an der KMU Leipzig; 1956/57 Ltr. des Forschungsinst. für den Binnenhandel; 1957/58 Ltr. der HV u. 1959 – 63 Staatssekr. im Min. für Handel u. Versorgung; 1963 – 89 Mitgl. des ZK der SED, Kand. des PB u. Sekr. des ZK, verantw. für Handel u. Versorgung, später auch für Kirchenfragen; 1963 – 11.1.1990 Abg. der Volkskammer, 1971 Vors. des Aussch. für Handel u. Versorgung; 1977 u. 1987 KMO; ab 1984 Mitgl. des PB des ZK der SED; Nov. 1989 Stellv. des Präs. der Volkskammer; Nov. 1989 – 10.1.1990 Fraktionsvors. der SED bzw. SED-PDS in der Volkskammer; Dez. 1989 mit dem PB zurückgetreten; 20.1.1990 Ausschl. aus der SED-PDS.Wesen, Funktionen u. Hauptaufgaben des Binnenhandels in der DDR. Berlin 1955; Die Funktion der Planung des sozialist. Handels der DDR. Leipzig 1959; Alles für das Wohl des Volkes. Ausgewählte Reden u. Aufsätze. Berlin 1987.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Jendretzky, Hans

* 20.7.1897 – ✝ 2.7.1992

Geb. in Berlin; Vater Buchdrucker; Volksschule; Ausbildung zum Metallarb.; bis 1926 Arbeiter; 1912 – 16 Mitgl. der Metallarbeiterjugend; 1916 DMV; 1919 USPD; 1920 KPD; 1923 Dt. Verkehrsbund; 1919 – 27 gewerkschaftl. Funktionen auf regionaler u. betriebl. Ebene; 1927 – 29 Gauführer des RFB Berlin-Brandenb.; 1929 – 32 Sekr. der KPD-UB-Ltg. der KPD Frankfurt/Cottbus; 1928 – 32 Abg. des Preuß. Landtags; 1933/34 Mitgl. KPD-BL Berlin; 1934 verhaftet, wegen »Vorber. zum Hochverrat« zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt, 1934 – 37 Haft im Zuchthaus Luckau, 1937/38 KZ Sachsenhausen; ab 1938 Schlosser u. Lagerverwalter in Berlin; 1943/44 Mitarb. in der Widerstandsgr. Anton Saefkow; Aug. 1944 verhaftet, Okt. 1944 vom VGH zu drei Jahren Gefängnis verurteilt, 1944/45 Haft im Zuchthaus Brandenb.-Görden u. Nürnberg, April 1945 geflohen. 11.6.1945 Mitunterz. des Aufrufs der KPD; Mitgl. des ZK der KPD; 15.6.1945 Mitunterz. des Aufrufs des Vorber. Gewerkschaftsaussch. u. Mitgl. des Aussch. für Groß-Berlin; 1945/46 Stadtrat für Arbeit in Berlin; 1946 – 48 Mitbegr. u. 1. Vors. des FDGB sowie Mitgl. des Bez.-Vorst. Berlin; 1946 – 53 Mitgl. des PV bzw. ZK der SED; 1948/49 Mitgl. des Dt. Volksrats, 1949 – 54 Mitgl. der (Prov.) Volkskammer; 1948 – 53 Vors. der SED-LL bzw. BL Groß-Berlin (Nachf. von  Hermann Matern); 1950 – 53 Kand. des PB des ZK der SED, Juli 1953 wegen angebl. Unterstützung von  Rudolf Herrnstadt u.  Wilhelm Zaisser Ausschl. aus dem PB u. Jan. 1954 Parteirüge; 1953 – 57 Abg. des Bez.-Tags u. Vors. des Rats des Bez. Neubrandenb. (Nachf. von Wilhelm Staudte); ab 1954 Mitgl. des NR der NF; Juli 1956 Rehabil. u. Aufhebung der Parteistrafe; 1957 – 89 erneut Mitgl. des ZK der SED; 1957 – 59 Stellv. des Min. des Innern u. Staatssekr. für Angelegenh. der örtl. Räte; 1959/60 Ltr. des Sekr. des Min.-Rats; 1960 – 62 Min. u. Ltr. der ZKSK (Nachf. von  Ernst Wabra); 1959 – Nov. 1989 Mitgl. des Bez.-Vorst. Berlin des FDGB sowie 1963 – 65 seines Präs. u. Sekr.; 1958 – März 1990 Abg. der Volkskammer, amt. Alterspräs.; 1965 – 90 Vors. der FDGB-Fraktion (Nachf. von  Rudolf Kirchner); ab 1976 stellv. Vors. der Interparl. Gruppe; 1987 Ruhestand; 1955, 1959, 1965 u. 1987 VVO; 1962 KMO; 1970 Ehrenspange zum VVO; 1972 Stern der Völkerfreundschaft; 1977 Großer Stern der Völkerfreundschaft; 1990 PDS u. Mitgl. des IVVdN; gest. in Berlin.Die neuen dt. Gewerkschaften u. der 9. Nov. 1918. Berlin 1948; Der gewerkschaftl. Kampf um Frieden, Freiheit u. Soz. Berlin 1961; Die Einheit ist der Fels, auf dem die Zukunft der Arbeiterklasse ruht. Erinnerungen. Berlin 1987. Hochmuth, U.: Illeg. KPD u. Bew. »Freies Dtl.« in Berlin u. Brandenb. 1942 – 1945. Biogr. u. Zeugnisse aus der Widerstandsorg. um Saefkow, Jacob u. Bästlein. Berlin 1998.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Jensen, Hermann

* 22.10.1898 – ✝ 6.11.1974

Geboren am 22. Oktober 1898 in Hamburg; Vulkaniseur. Seit 1913 Mitglied der Arbeiterjugend, trat 1919 in die USPD und 1923 in die KPD ein. Wegen Teilnahme am Hamburger Aufstand Verhaftung und Verurteilung zu vier Jahren Festung. Nach zwei Jahren freigelassen (Hindenburg-Amnestie), besuchte er von Oktober 1930 bis April 1931 unter dem Schuldecknamen Max die M-Schule der Komintern in Moskau. Nach Rückkehr Mitarbeiter im zentralen AM-Apparat, ab 1932 Kurieraufträge in die âSR, nach Rumänien, Griechenland und Frankreich. Ab Mai 1933 in Moskau, kam er später als Kurier des ZK nach Deutschland. Am 7. Februar 1934 in Nürnberg festgenommen, vom OLG München im Juni 1934 zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt, zuletzt noch zehn Tage im Gestapogefängnis in der Prinz-Albrecht-Straße in Berlin. Nach Freilassung im Juni 1938 Mitarbeiter einer Vulkanisierwerkstatt in Berlin-Charlottenburg. 1945 trat er in Berlin zunächst wieder in die KPD ein, war seit Anfang der fünfziger Jahre parteilos. Angestellter in einem Lichtenberger Baubetrieb, zog 1967 nach Rostock. Dort starb Hermann Jensen am 6.November 1974.

Wer war wer in DDR

Jentzsch, Bernd

* 27.1.1940

Geb. in Plauen (Vogtl.), aufgew. in Chemnitz; Abitur in Chemnitz; NVA; 1960 – 65 Studium der Germanistik u. Kunstgeschichte in Leipzig u. Jena; 1961 erster Lyrikband (»Alphabet des Morgens«); 1962 Aufn. in den DSV; 1965 – 74 Lektor im Verlag Neues Leben; Gründer der Lyrikreihe »Poesiealbum«; Initiator gesamtdt. Schriftst.-Treffen; 1968 Bobrowski-Medaille; 1976 Dienstreise als freier Verlagsmitarb. in die Schweiz, von dort Protest gegen die Ausbürgerung  Wolf Biermanns u. den Ausschl.  Reiner Kunzes aus dem DSV (offener Brief an  Erich Honecker); blieb wegen Strafandrohung im Westen; Schikanen des MfS gegen B. J.s Familie. 1977 – 84 Lektor im Walter-Verlag, Olten; 1978 Werkpreise der Kantone Zürich; 1979 zweiter Offener Brief an Erich Honecker; 1982 Gastprof. in den USA; Förderpreis der dt. Industrie; 1985 Solothurn; 1987 – 89 freier Verlagsmitarb. u. Hrsg. der Reihe »Rowohlt Jahrhundert«; 1987 Stipendium der Märk. Kulturkonferenz; ab 1988 wiss. Mitarb. der Konrad-Adenauer-Stiftung; 1991 Vizepräs. des PEN-Zentrums (West); 1992 Gründungsdir. (Prof.) u. bis 1999 Ltr. des Inst. für Lit. in Leipzig; seitdem wieder freischaff.; 1994 Eichendorff-Literaturpreis; Mitgl. der Sächs. AdK; lebt in Euskirchen.Quartiermachen. München 1978; Prosa. Berlin 1978; Irrwisch. Ein Gedicht. Pfaffenweiler 1980; Von der visuellen Wohlhabenheit. Tübingen 1991; Die alte Lust, sich aufzubäumen. Leipzig 1992; Flöze. Schriften u. Archive 1954 – 1992. Leipzig 1993.Siegmar Faust / Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Jetzschmann, Frieda

* 2.10.1937

Geb. in Brandenburg; Vater Arbeiter; Grund- u. OS; Lehre als Postbetriebsfacharbeiterin mit Abitur; 1954 – 57 ABF Potsdam; 1957 Praktikantin bei der Ztg. »Freie Erde« in Neubrandenburg; 1958 – 60 Journalistikstudium an der KMU Leipzig (Abbruch); 1960 / 61 Arbeit bei der »Berliner Zeitung«, 1961 – 62 Fortsetzung des Studiums als Fernstudium; ab 1962 Mitarb. u. Red. bei der illustrierten Wochenztg. »Für Dich«; 1964 SED; 1965 – 71 stellv. Abt.-Ltr., 1971 – 74 Abt.-Ltr. (Wirtschaft) bei der »Für Dich«; 1974 – 78 Aspirantin an der AfG, Prom. zum Dr. phil.; 1978 – 86 Chefreporterin, 1986 stellv. Chefred., 1988 – 91 Chefred. der »Für Dich« (Nachf. von  Marie-Luise Allendorf); lebt in Brandenburg (Havel).Kirsten Nies

Wer war wer in DDR

John, Erich

* 6.2.1932

Geb. in Kartitz (Krs. Tetschen, ČSR/Choratice, Tschechien); 1947 – 50 Lehre als Bauschlosser; 1950 – 53 Studium an der FS für angewandte Kunst Heiligendamm, 1953 – 58 an der HS für bildende u. angewandte Kunst Berlin-Weißensee; 1958 – 60 künstler. Mitarb. am Inst. für angewandte Kunst Berlin; 1960/61 Aufbau u. Ltg. des ersten Industrieateliers der VVB Eisen-Blech-Metallwaren Karl-Marx-Stadt; 1961 – 66 künstler.-wiss. Mitarb. am Inst. für angewandte Kunst Berlin bzw. am ZI für Formgestaltung; seit 1966 Doz.; seit 1972 Fachgebietsltr. Formgestaltung an der Kunst-HS Berlin; 1973 Prof.; 1970 – 74 Vizepräs. des VBK; 1978 – 82 dort Vors. der Zentr. Sektionsltg. Formgestaltung/Kunsthandwerk u. Mitgl. des Präs.; 1982 Gastprof. an der Ohio University (USA). Gestaltungen: 1955 Rundfunkempfänger Undine II, 1958 ein Ultraschallgerät, 1961 – 63 Mikroskope, 1962 Anschliffmaschine minosupan, 1962 Elektrowerkzeug, 1963 Variationsschleifgerät metapolan, Bodenstaubsauger Omega, 1964 Theaterglaskombination Unistar, 1965 eine Baureihe von Dampfglas u. Heißluftmaschinen, 1969 Urania-Weltzeituhr auf dem Alexanderplatz in Berlin; 1974 Schachfiguren für Freiraumschachspiel, 1975 Edelstahl- u. kombiniertes Edelstahl-Holz-Besteck u. Elektrorasierapparat »Bebosher Favorit«, 1986 Ausstellungssystem, 1989 Mikroskope für Askania Rathenow; Mitgestalter der Brandenburg. Landesgartenschau 2006 in Rathenow.Gerd Dietrich

Wer war wer in DDR

Johne, Friedrich (Fritz)

* 14.6.1911 – ✝ 14.9.1989

Geb. in Ketten (Krs. Reichenberg, Nordböhmen / Chetyn, Tschechien); Vater Arbeiter; Volks- u. Bürgerschule; 1926 – 29 Ausbildung zum Kfm.; 1935/36 Angest. der Konsumgenossensch. in Katzau (Reichenberg); 1926 Mitgl., dann Funktionär des KJV der ČSR; 1930 Haft wegen antimilitar. Prop.; 1931 – 33 arbeitslos; 1933 – 35 Wehrdienst; 1936 KPČ; 1937 – 39 in Spanien, zunächst Sergeant, dann Politkommissar eines Bat. der Internat. Brigaden; 1939 – 41 Internierung in Frankreich, Auslieferung nach Dtl.; 1941 – 45 Haft in Polizeigefängnissen u. im KZ Sachsenhausen. 1945 Rückkehr in die ČSR; 1945/46 Funktionär der KPČ-KL in Reichenbach u. des Antifa-Aussch. in Prag; 1946 Umsiedl. nach Dtl.; 1947 Jugendsekr. des SED-Landesvorst. Sachsen-Anh.; 1947 SED; 1948 Pol.-Kultur-Ltr. der VP-Landesbehörde in Halle; VP-Inspekteur; 1949/50 Militärsonderlehrgang in Privolsk (UdSSR); 1950 – 54 Ltr. der Abt. Ausbildung im Stab der HV für Ausbildung bzw. Chef der Verw. Lehranstalten in der KVP, 1953 Gen.-Major; 1954 – 56 Chef der Territorialverw. der KVP bzw. des Militärbez. Leipzig; 1957 – 59 Gen.-Stabsakad. der UdSSR, Dipl. rer. mil.; 1959 – 63 Kdr. der Militärakad. »Friedrich Engels« in Dresden (Nachf. von  Heinrich Dollwetzel); 1971 Ruhestand; 1963 Ausscheiden aus dem aktiven Dienst; 1963 – 67 Botschafter in der Rep. Kuba (Nachf. von Karl Lösch); danach Mitgl. der ZL des Komitees der Antifa. Widerstandskämpfer u. 1974 – 89 Vors. des Bez.-Komitees Dresden.Kurswechsel. Berlin 1973 (zus. mit I. H. de Cisneros).Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Jahny, Margarete

* 25.5.1923

Geb. in Mittenwalde; 1948 – 53 Studium an der HS für bildende Künste Dresden; 1954 – 63 künstler. Mitarb. am Inst. für angewandte Kunst Berlin; 1963 – 72 wiss. Mitarb. im ZI für Gestaltung, 1972 – 79 im Amt für industrielle Formgestaltung Berlin; 1979 – 83 Lehrtätigkeit an der Kunst-HS Berlin, Fachgeb. Keramik/ Gefäßgestaltung. Umfgr. Werk in Glas, Keramik u. Metall im Spannungsfeld zwischen Unikat u. Serie, u. a. 1958 Entwürfe von Töpfen u. Isolierkannen, 1961 Preßglassatz »Luzern«, 1964 Entw. von Hotelgeschirr des stapelbaren Preßglassortiments »Europa« (zus.  mit Erich Müller), 1970 Hotelporzellan »Rationell« u. Wirtegläser; freie Gefäßgestaltung; 2006 Ausst. des gestalter. Lebenswerks in der Berliner Kulturbrauerei.Die Anmut des Rationalen. Dessau 1998. Die Anmut des Rationalen – M. J. Design für die Serie Metall – Glas – Keramik 1951 – 1990. Dessau 1998 (Hrsg. Designzentrum Sachsen-Anh.); Höhne, G.: Penti, Erika u. Bebo Sher – Klassiker des DDR-Designs. Berlin 2001.Gerd Dietrich

Wer war wer in DDR

Jakobi, Karl

* 31.8.1904 – ✝ 3.4.1974

Geb. in Straßburg (Elsaß); Vater Fleischer; Volks- u. Bürgerschule; Hilfsarbeiter; 1926 KPD, Mitgl. u. Funktionär der KPD-Unterbezirksltg. Karlsruhe; 1930 / 31 Kursant der Internat. Leninschule in Moskau; nach Rückkehr erneut KPD-Funktionär für Agit. u. Prop.; Febr. – Aug. 1932 Ltr. des Bezirkserwerbslosenaussch. u. bis März 1933 Red. der »Arbeiter-Zeitung« in Mannheim, zuletzt Sekr. der KPD-BL Baden-Pfalz; April – Okt. 1933 inhaftiert im KZ Kislau; später Politltr. der illeg. KPD-BL Hessen in Frankfurt (Main); 1937 Angeh. der Internat. Brigaden in Spanien, schwere Verwundung, interniert in Frankr., Auslieferung nach Dtl; 1941 durch den VGH wg. »Vorbereitung zum Hochverrat« zu lebenslanger Haft verurteilt, Zuchthaus Brandenburg, ab 1943 KZ Sachsenhausen. 1945 Red. der »Volkszeitung« Schwerin; 1946 SED; Red. u. Chefreporter der »Landesztg.« Schwerin, 1949 – 51 Chefred.; ab 1951 Mitarb. des »Neuen Deutschlands«; 1951 – 53 Prof. am Inst. für Publizistik der Univ. Leipzig; 1953 – 58 Chefred. des SED-Bezirksorgans »Volksstimme« Magdeburg (Nachf. von  Arno Gropp); 1958 – 61 Korresp. des ADN u. des »Neuen Deutschlands« in Belgrad; 1961 – 68 Red. der Ztschr. »Dokumentation der Zeit« am Dt. Inst. für Zeitgesch.; gest. in Berlin.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Jamin, Erich

* 20.3.1907 – ✝ 29.12.1976

Geb. in Witten (Ruhr); Vater Schlosser; Volksschule; 1917 – 21 Laufbursche; 1921 – 23 kfm. Lehre; 1923 – 28 Lehre u. Arbeit als Bäcker; 1927 – 29 Abendgymnasium; 1928 kurzfr. Bauarb.; 1928 – 33 arbeitslos; 1929 KPD; Juli– Dez. 1933 KZ Brandenb. (Havel); 1934/35 Arbeit als Bauarb. u. Bäcker; 1935/36 arbeitslos; 1936 – 42 Zuchthaus Brandenb. wegen »Vorber. zum Hochverrat«; 1942 – 44 KZ Sachsenhausen, 1944 Strafeinheit Dirlewanger der Wehrmacht; 1944 – 47 sowj. Gefangenschaft. 1947 Einstellung bei der DVdI, Referat K 5 (pol. Polizei), 1948 Ltr.; 1949 Einstellung bei der HV zum Schutz der Volkswirtschaft (ab Febr. 1950 MfS), Abt. VI (Staatsapparat, Parteien), zul. Ltr. der Abt. VIb (Sicherheitsüberprüfungen), 1953 Oberst; 1953 Abt.-Ltr. in der HA V (Staatsapparat, Untergrund); 1955 stellv. Ltr. der HA V; 1959 Ltr. der HA VII (MdI/ VP); 1965 Entlassung, Rentner.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Janka, Walter

* 29.4.1914 – ✝ 17.3.1994

Geb. in Chemnitz; Vater Werkzeugmacher; 1920 – 28 kath. Schule, dann Humboldtschule in Chemnitz; 1928 – 32 Ausbildung zum Schriftsetzer; 1932 KPD; 1933 Pol.-Ltr. des KJVD im Erzgeb.; 1933 – 35 Haft in Bautzen u. KZ Sachsenburg (Frankenberg); während der Haft Ausbürgerung; Aug. 1935 Entlassung u. Ausweisung als Staatenloser in die ČSR; 1935/36 Exil in Prag; Mitgl. im KJV der ČSR; Gelegenheitsarbeiten, später Arbeit als Typograph u. Grafiker in Prag: enge Kontakte mit Hugo Gräf u.  Wilhelm Koenen; Frühjahr 1936 illeg. Reise nach Königsberg (Ostpr.); Nov. 1936 als »Johann Krause« aus Prag über Frankreich nach Spanien; 1936 – 39 Freiw. im span. Bürgerkrieg, XI. Intern. Brigade, Thälmann-Btl., dreimal verwundet; zul. Major u. Bat.-Kdr. der span. Volksarmee; Teiln. am zweiten Einsatz (Jan./Feb. 1939); 1939 – 41 Internierung in Frankreich in den Lagern St. Cyprien, Gurs, Le Vernet u. dem Auswanderungslager Les Milles; Flucht (mit  Paul Merker,  Georg Stibi u. Otto Börner) aus dem Lager Les Milles nach Marseille; Dez. 1941 Ausreise nach Mexiko (zus. mit seiner späteren Frau Charlotte Scholz); 1941 – 47 Exil in Mexiko; ab 1942 Berichterstatter für den KPD-Pressedienst »Alemania Libre – Boletín Semanal de Información Antinazi«; Mitbegr. der BFD, Mitgl. im Ausschuß der BFD Mexiko u. im Heinrich-Heine-Klub, ab Juni 1944 dessen Vorst.-Mitgl.; Ltr. des im Mai 1942 gegr. Verlags El Libro Libre; zul. auch Pol.-Ltr. der KPD-Exil-Gruppe; Juni 1946 Mitbegr. des Komitees für Mexikan.-Dt. Kulturaustausch. Apr. 1947 Rückkehr nach Dtl.; persönl. Mitarb. Paul Merkers beim PV der SED; Juni 1948 – 50 Vorstandsvors. der AG DEFA (Nachf. von  Rudolf Engel); 1950 – 52 Stellv. Ltr., 1952 – 54 de facto, 1954 – 56 de jure Ltr. des Aufbau-Verlags Berlin (Nachf. von  Erich Wendt); 6.12.1956 Verhaftung, Dez. 1956 – Aug. 1957 in der zentralen U-Haftanstalt des MfS in Berlin-Hohenschönhausen; 26.7.1957 Verurteilung zu fünf Jahren Zuchthaus wegen »Bildung einer konterrev. Gruppe« um den Verlag u. die hauseigene Ztg. »Sonntag«, Aberkennung des VdN-Status (beim Prozeß waren als Zuschauer anwesend  Anna Seghers,  Bodo Uhse,  Ludwig Renn u. a.); 1957 – 60 Zuchthaus Bautzen, zeitw. verschärfte Einzelhaft, schwere Erkrankung; durch anhaltende internat. Proteste, u. a. von Halldor Laxness, Lion Feuchtwanger, Leonhard Frank u. der Familie Thomas Manns, entlassen; 1960 – 62 arbeitslos; 1962 – 72 Dramaturg bei der DEFA; danach Rentner; 1972 Wiederanerkennung als Verfolgter des Naziregimes, Wiederaufnahme in die SED; trotz Wiederherstellung der Parteimitgliedschaft u. der Verleihung des VVO am 1.5.1989 unversöhnl. Gegner der SED-Führung; im Okt. 1989 führte die Veröff. eines Auszugs aus seinen Memoiren u. vor allem die medienwirksame Lesung im Dt. Theater Berlin zu einer Welle der Empörung gegen die SED; 5.1.1990 Aufhebung des Urteils von 1957; 1990 zunächst Mitgl. des Rats der Alten beim PV der PDS, dann Austritt aus der PDS; gest. in Kleinmachnow.Schwierigkeiten mit der Wahrheit. Reinbek 1989; Spuren eines Lebens. Berlin 1991; »... bis zur Verhaftung«. Berlin, Weimar 1993; Die Unterwerfung. Eine Kriminalgeschichte aus der Nachkriegszeit. München 1994. Hoeft, B. (Hrsg.): Der Prozeß gegen W. J. u. a. Eine Dokumentation. Berlin 1990; Eichhorn, A., Reinhardt., A. (Hrsg.): Nach langem Schweigen endlich sprechen. Briefe an W. J. Berlin, Weimar 1990; Marschall, J.: Aufrechter Gang im DDR-Soz. W. J. u. der Aufbau-Verlag. München 1994; Wurm, C.: Jeden Tag ein Buch. 50 Jahre Aufbau-Verlag. Berlin 1995; Ders.: Der frühe Aufbau-Verlag 1945 – 1961: Konzepte u. Kontroversen. Wiesbaden 1996; Sieber, S.: W. J. u. Wolfgang Harich. Zwei DDR-Intellektuelle im Konflikt mit der Macht. Berlin 2008.Carsten Wurm / Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Janson, Carl-Heinz

* 13.12.1931 – ✝ 23.9.2015

Geb. in Waltershausen (Krs. Eisenach); Vater Arbeiter; Volks- u. Oberschule, 1950 Abitur; 1948 Mitgl. der FDJ; 1949 SED; ab 1950 Parteisekr. u. Besuch der PHS; 1952 – 58 Studium an der HfÖ Berlin; 1952 – 54 Sekr. der ZPL an der HfÖ Berlin, Dipl.-Wirtsch.; anschl. Ökonom in einem Betrieb der Buntmetallurgie in Aue (Erzgeb.); 1961 – 89 Mitarb. im Apparat des ZK der SED; in der 1958 neugebildeten u. von  Erich Apel geleiteten Wirtschaftskommission beim PB des ZK der SED tätig; ab 1962 Sektorenltr. in der Abt. Planung u. Finanzen, die  Gerhard Schürer leitete; seit 1966/67 Ltr. der Arbeitsgr. bzw. Abt. soz. Wirtschaftsführung (Nachf. von  Günther Jahn), die  Günter Mittag unterstand, hier insb. mit Maßnahmen zur Durchsetzung des »Neuen ökon. Systems« in der Chemieind. beauftragt; 1976 – 89 Mitgl. der Wirtschaftskommission beim PB des ZK der SED; 1982 VVO; nach 1989 Pappenpresser, Pförtner, Kassierer u. Verkäufer; 1993 Rentner; gest. in Berlin.Totengräber der DDR. Wie Günter Mittag den SED-Staat ruinierte. Düsseldorf 1991.Wilfriede Otto

Wer war wer in DDR

Jäschke, Martina

* 6.5.1960

Geb. in Merseburg; zuerst Turnerin bei der BSG TZ Merseburg, 1970 Wechsel zum Wasserspringen beim SC Chemie Halle (Trainer: Ingrid Krämer-Gulbin, dann Werner Bänsch); 1978 bei den Weltmeisterschaften: 2. Platz (Turmspringen); 1980 Olymp. Spiele: Siegerin (Turmspringen); danach DHfK Leipzig; lebt bei Braunschweig.Olaf W. Reimann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Jendretzky, Hans

* 20.7.1897 – ✝ 2.7.1992

Geboren am 20.Juli 1897 in Berlin, Sohn eines Buchdruckers; lernte Schlosser. 1912 Mitglied der Metallarbeiterjugend, 1916 des DMV und 1923 des Deutschen Verkehrsbundes. 1919 USPD, mit deren linkem Flügel 1920 zur KPD. Bis 1926 Schlosser, dann hauptamtlicher Funktionär und Leiter des RFB Berlin-Brandenburg. Im Dezember 1927 durch Karl Olbrysch abgelöst, da er »versagt« hatte (vor allem, weil er gegenüber der Opposition nicht genügend »durchgriff«). Anfang 1928 übernahm Jendretzky erneut die Leitung des Berliner RFB und zog im selben Jahr auch in den Preußischen Landtag ein (1932 nicht mehr als Kandidat aufgestellt). 1930 aus der RFB-Arbeit entfernt, weil er zusammen mit Olbrysch eine Untersuchung gegen den RFB-Führer Willy Leow und dessen finanzielle Manipulationen gefordert hatte. 1929 bis 1932 UB-Sekretär der KPD in Frankfurt/Oder und bis 1933 Mitglied der BL Berlin-Brandenburg und hier 1932/33 Leiter der Erwerbslosenbewegung. Nach 1933 illegale Arbeit, im Frühjahr 1934 verhaftet, im September 1934 vom Kammergericht Berlin zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt, die er bis 1937 im Zuchthaus Luckau verbüßte. 1937/38 »Schutzhaft« im KZ Sachsenhausen. Freigekommen, arbeitete er von 1938 bis 1944 als Schlosser in einer Berliner Heizungsfirma. Jendretzky nahm im Frühjahr 1944 Verbindung zu Anton Saefkow auf, wurde am 2.August 1944 erneut festgenommen und am 10. Oktober 1944 vom VGH zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Er kam in das Zuchthaus Brandenburg-Görden und anschließend in das Nürnberger Gefängnis, aus dem er am 17. April 1945 fliehen konnte. Zurückgekehrt nach Berlin, wurde er im Mai 1945 Stadtrat für Arbeit des Magistrats von Groß-Berlin. Er war Mitunterzeichner des »Aufrufs der KPD« vom 11. Juni 1945 und wurde durch Kooptierung Mitglied des ZK der KPD. Er gehörte auch zu den Mitunterzeichnern des Gründungsaufrufes des vorbereitenden Gewerkschaftsausschusses für Groß-Berlin und war provisorischer 1. Vorsitzender des Berliner FDGB. Von Februar 1946 bis Oktober 1948 1. Vorsitzender des FDGB-Bundesvorstandes der SBZ und von 1946 bis 1954 Mitglied des SED-PV. Ab November 1948 1. Vorsitzender der SED-Landesorganisation Groß-Berlin, 1950 Kandidat des Politbüro. Zusammen mit Wilhelm Zaisser, Rudolf Herrnstadt u. a. am 26. Juli 1953 aus dem Politbüro ausgeschlossen und seiner Funktion in Berlin enthoben. Jendretzky wurde im Januar 1954 mit einer »Parteirüge« bestraft und auf dem IV. Parteitag im April 1954 nicht mehr ins ZK gewählt. Am 29. Juli 1956 »rehabilitiert« und wieder ins ZK kooptiert. 1950 bis 1954 und von 1958 bis März 1990 Abgeordneter, von 1965 bis 1990 Vorsitzender der FDGB-Fraktion und im Dezember 1989 Alterspräsident der Volkskammer. 1957 bis 1960 Stellvertreter des Ministers des Innern und von 1960 bis 1962 Minister und Leiter der Zentralen Kommission für Staatliche Kontrolle. Auf den SED-Parteitagen von 1963 bis 1986 wieder ins ZK gewählt, er erhielt 1962 den Karl-Marx-Orden. 1990 Mitglied der PDS. Hans Jendretzky starb am 2.Juli 1992 in Berlin.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Jentsch, Karl-Heinz

* 6.12.1921 – ✝ 16.6.2004

Geb. in Lauterbach (Erzgeb.); Vater Holzhändler; Realgymnasium u. Wirtschafts-OS in Leipzig, Abitur; 1940 NSDAP; Kriegsteiln. u. schwere Verwundung; 1942 – 44 Studium der Wirtschaftswiss. an der Univ. Leipzig. 1946 LDPD; 1947 Forts. des Studiums u. Abschl. als Dipl.-Betriebswirt, Dr. rer. pol.; 1947/48 Mitarb. der Chefdirektion der Landeseigenen Betriebe Sachsen-Anh.; 1948/49 Mitgl. der Revisions- u. Treuhandges. der VEB; ab 1950 in Mansfeld; bis 1951 Ltr. der Finanzabt., 1951 – 55 kfm. Dir., 1955 – 57 Hauptbuchhalter, 1957 – 67 Werkdir., 1967 – 88 Dir. des Stammbetriebs u. GD des VEB Mansfeld Kombinat »Wilhelm Pieck« Eisleben, dem buntmetallurg. Zentrum der DDR, das 1989 in zwölf Betrieben, Gruben u. Hüttenwerken zur Förderung u. Verhüttung von Kupfererz sowie zur Herstellung von Halbzeugen u. Zwischenprodukten ca. 48.000 Mitarb. beschäftigte; 1958 – 90 Mitgl. des Zentralvorst. der DSF, 1958 – 62 DSF-Krs.-Vors. in Eisleben, 1963 – 90 DSF-Bez.-Vors. in Halle; seit 1963 Lehrtätigkeit; 1967 Habil.; 1968 Prof. an der Bergakad. Freiberg; 1963 – 67 Abg. der Volkskammer; 1977 VVO; 1979 Stern der Völkerfreundschaft; 1988 Ruhestand.Hagen Schwärzel

Wer war wer in DDR

Jeschke, Hans-Joachim

* 23.4.1935

Geb. in Forst; Vater Weber; Grund- u. Oberschule, 1950 FDJ; 1953 Abitur; 1953 / 54 Praktikant im VEB Zuckerfabrik Reitzsch; 1954 Prüfer beim Konsum Forst; 1954 – 59 Studium an der TH für Chemie Leuna-Merseburg, Dipl.-Chemiker; 1960 – 65 Ass. / Technologe, Stellv. u. 1966 – 76 Abt.-Ltr. im VEB Synthesewerk Schwarzheide; 1967 SED; 1976 – 78 Dir. Polyurethane im Synthesewerk Schwarzheide; 1970 Prom. zum Dr. rer. nat.; 1979 – 85 1. Stellv. des GD u. Dir. für Prod. bzw. Plandurchführung, 1985 – 90 GD des VEB Synthesewerk Schwarzheide (Nachf. von Albert Meyer); 1979 VVO.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Jezierska, Fanny

* 7.10.1887 – ✝ 22.11.1945

Geboren am 7. Oktober 1887 in Grajewo/Russisch-Polen, Tochter eines jüdischen Kaufmanns. Von 1905 bis 1909 in der Sozialrevolutionären Partei Rußlands aktiv, kam dann nach Deutschland und wurde Mitglied der SPD. Nach dem Studium an einem polytechnischen Institut wurde sie – damals für eine Frau ganz außergewöhnlich – Ingenieur der Elektrotechnik. Im Weltkrieg war sie mit der Gruppe Internationale und insbesondere mit Rosa Luxemburg politisch und persönlich verbunden, ebenso mit Käte und Hermann Duncker. Sie betätigte sich illegal, schmuggelte z. B. Arbeiten von Karl Liebknecht aus dem Zuchthaus. Seit Frühjahr 1918 arbeitete sie in Berlin in der russischen Botschaft und hatte dort ein eigenes Büro. Nach der Novemberrevolution war sie Sekretärin Rosa Luxemburgs an der »Roten Fahne«, dann geheime Mitarbeiterin der Komintern sowie für Paul Levi und schließlich Jakob Reich (Thomas) tätig. Von 1921 bis 1924 im Einsatz für die Komintern und wohl auch für die russische Spionage in Italien, offenbar auch Mitglied des ZK der KP Italiens, Ende 1924 dort ausgewiesen. Fanny Jezierska blieb dann bis 1928 bei der Komintern in Moskau tätig, vor allem in der Informationsabteilung eingesetzt. In einigen Bänden der Lenin-Werke ist sie als Übersetzerin genannt. Ende 1928 nach Deutschland zurückgekehrt, schloß sie sich mit ihren alten Freunden, etwa Rosi Wolfstein und Paul Frölich, der KPO an. Sie behielt außerdem engen Kontakt zu Clara Zetkin. Bei der Spaltung der KPO 1932 trennte sie sich von der Gruppe, blieb aber weiterhin den internationalen Rechtskommunisten verbunden. 1933 emigrierte sie nach Frankreich, wo es ihr sehr schlecht ging. Sie konnte aber 1940 noch aus Paris fliehen und gelangte zu Verwandten nach Kalifornien. Hier fand sie Arbeit in einem Krankenhaus, später in einer Wohlfahrtsorganisation. Mit ihren ehemaligen kommunistischen Genossen hielt sie Briefkontakt. Fanny Jezierska starb am 22. November 1945 in den USA. Eine ausführliche Skizze über Jezierska hat Ottokar Luban 2003 im Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung veröffentlicht.

Wer war wer in DDR

John, Horst

* 2.6.1922

Geb. in Chemnitz; Volksschule; 1936 – 41 Lehre u. Arbeit als kfm. Angest.; 1941 – 43 RAD; 1943 – 45 Wehrmacht; 1945 sowj. Gefangenschaft, Antifa-Schüler. 1949 kfm. Angest., Planungsltr. in der HO; 1950 SED; 1952 Einstellung beim MfS, Krs.-Dienststelle Schwarzenberg; 1953 Versetzung zur Abt. VI (Staatsapparat, Parteien) der BV Chemnitz; 1953 Bez.-Parteischule; 1954 HA V (Staatsapparat, Untergrund), MfS Berlin; 1956 Ltr. des Sekr. der HA V; 1960 – 65 Fernstudium an der KMU Leipzig, Dipl.-Journalist; 1962 Ltr. der AG Information der HA V; 1964 – 71 Ltr. der AG beim Stellv. des Min.  Bruno Beater; 1971 MfS-OibE; Ltr. der AG zur Sicherung des Leistungssports (HA XX/3); pol. Mitarb. im Büro zur Förderung des Sports beim Staatssekr. für Körperkultur; 1977 Oberst-Ltn.; 1987 Entlassung, Rentner.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Johnson, Uwe

* 20.7.1934 – ✝ 23.2.1984

Geb. in Cammin (Hinterpommern / Camień Pomorski, Polen); Vater Landwirt u. Ministerialbeamter; aufgew. in Anklam; 1944/45 Schüler einer nationalsoz. »Dt. Heimschule« in Köslin. 1946 Tod des Vaters in einem sowj. Internierungslager in Kowel (Ukraine); 1946 – 51 OS in Güstrow; ab 1952 Studium der Germanistik zunächst in Rostock, 1953 exmatrikuliert wegen Kritik an der Diffamierung der Jungen Gemeinde, Austritt aus der FDJ; Wiederzulassung zum Studium im Zuge der Schadensbegrenzung nach dem 17.6.1953; 1953 – 56 Studium in Leipzig, u. a. bei  Hans Mayer; der 1956 vollendete erste Roman »Ingrid Babendererde« bleibt in beiden dt. Staaten lange ungedruckt (posthum 1985 veröff.); 1956 – 59 schriftsteller. Gelegenheitsarbeiten (u. a. Übersetzung des Nibelungenlieds ins Hochdt.) u. Arbeit an »Mutmaßungen über Jakob«; 10.7.1959 während der Drucklegung dieses Romans in der Bundesrep. Dtl. Übersiedl. nach Berlin (West); 1960 Theodor-Fontane-Preis (Berlin (West)); 1961 pol. Angriffe wegen angebl. Rechtfertigung des Mauerbaus in Berlin, die U. J. später widerlegen kann; 1962 Stipendiat der Villa Massimo in Rom (gegen Proteste des bundesdt. Außenmin.); Prix International de la Littérature; 1964 Rezensionen zu Sendungen des DFF im Berliner »Tagesspiegel« (Buchveröff.: »Der fünfte Kanal« 1987); 1966 – 68 in den USA (New York); Schulbuchlektor; 1967 Ernennung zum »Knight of Mark Twain« u. Stipendiat der »Rockefeller-Foundation«; 1969 Mitgl. des PEN-Zentrums Bundesrep. Dtl. u. der AdK Berlin (West); 1971 Georg-Büchner-Preis; 1972 Vizepräs. der AdK Berlin (West); 1973 Vortragsreisen durch Italien, England u. Frankreich; 1974 Umzug nach Sheerness on Sea (England); hier mutmaßl. am 23. oder 24.2.1984 gest.; 1975 Wilhelm-Raabe-Preis (Braunschweig); 1977 Mitgl. der Darmstädter Akad. für Sprache u. Dichtung (Austritt 1979); 1979 Poetikdoz. an der Univ. Frankfurt (Main) (Veröff. 1980 »Begleitumstände. Frankfurter Vorlesungen«); Thomas-Mann-Preis (Lübeck); 1983 Austritt aus dem Verb. dt. Schriftst. wegen der Auseinandersetzungen um den Schriftst. Franz Xaver Kroetz; Kölner Lit.-Preis; bis zu seinem Tod vom MfS operativ bearbeitet. U. J. gilt als »Dichter der beiden Dtl.«; der vierbändige Roman »Jahrestage« (entstanden 1968 – 83, veröff. ab 1970) erörtert am Schicksal u. an den Erinnerungen seiner Heldin Gesine die Problematik dt. Geschichte von den frühen 30er Jahren in Mecklenb. bis zum Vietnamkrieg u. dem Prager Frühling.Das dritte Buch über Achim. Frankfurt (Main) 1961; Karsch u. andere Prosa. Erzählungen. Frankfurt (Main) 1964; Berliner Sachen. Frankfurt (Main) 1975; Skizze eines Verunglückten. Autobiogr. Erzählungen. Frankfurt (Main) 1982; Eine Reise wegwohin u. andere kurze Prosa. Berlin (DDR) 1989; Heute Neunzig Jahr. Aus dem Nachlaß. Frankfurt (Main) 1996 (Hrsg. Norbert Mecklenburg). U. J. Es ist eines Welt gegen die Welt zu halten. Texte u. Bilder einer Ausstellung. Frankfurt (Main) 1991; Berbig, R. (Hrsg.): U. J. Materialien. Frankfurt (Main) 1993; Berbig, R., Wizisla, E. (Hrsg.): »Wo ich her bin ...« U. J. in der DDR. Berlin 1993; Schriften des U.-J.-Archivs 1991 ff., 4 Bde.; Neumann, B.: U. J. Frankfurt (Main) 1994; Riedel, N.: U. J. Bibliogr. 1959 – 1999. Stuttgart 1999; Fried, U. u. a.: U. J. München 2001; Berbig, R.: U. J. Befreundungen. Berlin 2002.Bernd-Rainer Barth / Andreas Kölling