...

 

BioLex

In der Kategorie BioLex finden Sie drei biografische Lexika mit über 5500 Personeneinträgen.

 

Das Handbuch "Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945" wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam. Kurzbiografien zu Personen des poltischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 vor. Zudem ist das Onlinlexikon www.dissidenten.eu komplett in dieser  Rubrik recherchierbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Inforamtionen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Jacobus, Hans

* 6.8.1923 – ✝ 13.3.2003

Geb. in Berlin in einer jüd. Fam.; Vater Angest., Mutter Vertreterin; Ende 1938 Emigr. mit einem jüd. Kindertransport nach Großbritannien; Lehre als Schlosser; 1940/41 Internierung in Australien; 1941 Eintritt in die in London gegr. FDJ; 1941 – 45 Arbeit als Schlosser; 1945 KPD; 1945 – 47 Lehrer für aus KZ entlassene Kinder in London. 1947 Rückkehr nach Dtl.; SED; zunächst bis 1948 Mitgl. des FDJ-Landessekr. Brandenb. in Potsdam; 1948/49 Red. der Ztg. »Junge Welt«; 1949 – 53 Chefred. des »Sportechos«; 1953 7 Mon. U-Haft im Kontext der Repressionen u. der Vorber. eines antizionist. Schauprozesses gegen (jüd.) Westemigranten; 1954 nach Rückkehr seiner ersten Frau in ihre österr. Heimat Ablösung als Chefred. u. »Bewährung« als Kontrolleur im VEB Secura Berlin; 1954/ 55 Abt.-Ltr. für Kultur im Rat des Stadtbez. Berlin-Mitte; 1955 – 76 zunächst stellv., dann Red.-Ltr. u. pol. Kommentator des Berliner Rundfunks; Ltr. der Sendung »Das Professorenkolleg.« des Berliner Rundfunks u. des DFF; ab 1965 Mitgl. des Friedensrats; ab 1969 Mitgl. des NR der NF; 1976 – 85 Chefred. des »Sonntags« (Nachf. von  Bernt von Kügelgen), Ausscheiden aus der Chefred. auf eigenen Wunsch; 1987 Rentner. 1990 PDS; gest. in Berlin.Die Urkunde. Halle 1988; Hinter meinen Augenlidern. Berlin 1995 (gem. mit W. Sitte); Sohn, Mutter, Staub. Berlin 1998; Befindlichkeiten. Interviews. Dresden 1998; Skizzen der Gezeiten. Erlebtes u. Erträumtes. Schkeuditz 1998; Die Spuren der Familie. Berlin 2001; Beim Betreten des Hauses. Erinnerungen an Momente u. Jahrzehnte. Berlin 2002.Carsten Wurm

Handbuch Deutsche Kommunisten

Jaedicke, Alfred

* 13.4.1891

Geboren am 13. April 1891 in Berlinchen, Sohn eines Schuhmachers; wurde Schmied und Schlosser. Er trat 1912 in die SPD ein, bei der AEG beschäftigt, wurde er als Arbeiter in der Rüstungsindustrie im Ersten Weltkrieg nicht Soldat. 1917 trat er zur USPD über, ging 1920 mit dem linken Flügel zur KPD. Für die KPD war er zeitweilig Mitglied der BL Berlin-Brandenburg. Im Oktober 1925 als Abgeordneter in die Stadtverordnetenversammlung von Berlin gewählt, 1929 nicht mehr nominiert. Als Kommunist von der AEG entlassen, kam er auf eine »Schwarze Liste«. Deshalb machte er ab 1929 eine Lehre im Rohrlegerfach und im autogenen Schweißen und begann als Heizungsrohrleger zu arbeiten. In den Jahren 1936 und 1937 stand er unter Beobachtung der Gestapo, wurde dann nach 1945 in den Vorstand des FDGB in Kreuzberg gewählt. Weitere Lebensdaten von Alfred Jaedicke waren nicht zu ermitteln.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Jäger, Rudolf

* 20.5.1907 – ✝ 18.11.1974

Geboren am 20. Mai 1907 in Halle. Maurer, Transport- und Bergarbeiter; seit 1926 im KJVD, 1927 Mitglied der KPD. Orgleiter der KJVD-BL Halle-Merseburg, vom Sommer 1929 bis Mai 1931 Mitglied des ZK des KJVD. 1930/31 Gauleiter der illegalen Roten Jungfront Bezirk Halle-Merseburg. Anfang 1931 begann er im Deutschen Baugewerksbund die kommunistischen Mitglieder zu organisieren und wurde anschließend Vorsitzender des Einheitsverbandes der Bauarbeiter in der RGO. Ab November 1931 Orgleiter des Bezirkskomitees der RGO Halle-Merseburg. Im Februar 1933 übernahm Jäger die Leitung des illegalen Bezirkskomitees, wurde aber bereits am 8.August 1933 festgenommen und war bis April 1934 in den KZs Lichtenburg und Esterwegen. Er setzte seine illegale Arbeit fort und wurde 1934 Kandidat des ZK des KJVD. Im Januar 1935 erneut verhaftet, bis 1938 in den KZs Lichtenburg und Buchenwald. 1939 bis 1941 Maurer und Fliesenleger, anschließend zur Wehrmacht eingezogen, im Mai 1945 kam er für einige Wochen in sowjetische Kriegsgefangenschaft. 1945/46 1. Vorsitzender des FDGB-Ortsausschusses Halle, 1949 Vorsitzender des ZV der IG Energie. Dann von 1955 bis 1957 Botschaftsrat an der DDR-Botschaft in Prag, später Leiter der Kaderabteilung des Stahl- und Walzwerks in Hennigsdorf. Rudolf Jäger starb am 18. November 1974 in Basdorf.

Wer war wer in DDR

Jahn, Franz

* 19.5.1909 – ✝ 21.1.1989

Geb. in Leipzig; Vater Arbeiter; Volksschule; 1923 – 26 Berufs-FS, Ausbildung zum Zimmermann; 1923 Zentralverb. der Zimmerer; 1923 – 29 SAJ; 1925 – 31 SPD; 1923 – 33 ehrenamtl. Gewerkschafts- u. Parteiarbeit, u. a. Vors. der Zimmerer-Jugend, Landesvors. der Jungsoz. Vereinigung, Org.-Sekr. der SAJ; 1931 Gründungsmitgl. der SAP; 1932 – 34 Jurastudium an der Univ. Leipzig, aus pol. Gründen nicht beendet; 1933 – 40 illeg. Tätigkeit in Leipzig; 1934 – 40 Zimmerpolier in versch. Baufirmen; 1940 – 45 Wehrdienst, zul. Sanitäts-Uffz., Febr. 1945 desertiert, amerik. Kriegsgefangenschaft. 1945 FDGB; KPD; Sekr. für Gewerkschaftsarbeit der Parteiltg. Leipzig; 1945/46 Abt.-Ltr. im Amt für Arbeit der Landesverw. Sachsen; 1946 Schulungssekr. im FDGB-Landesvorst. u. Vors. der IG Bau Sachsen; 1946 – 53 1. Vors. des Zentralvorst. der IG Bau bzw. Bau-Holz; 1949 – 53 Mitgl. des geschäftsf. FDGB-Bundesvorst., 1949 – 53 des Bundesvorst., 1952/53 seines Präs.; 1950 – 53 Fernstudium an der PHS; nach dem 17.6.1953 wegen »grober pol. Fehler u. ungenügender Wachsamkeit« aller Funktionen enthoben; danach Krs.-Sekr. der IG Bau-Holz in Leipzig; 1953 – 58 Dir. der Bau-Union Neubrandenb.; tätig auch im Bauwesen in Berlin; 1972 invalidisiert; gest. in Berlin.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Jahn, Rudolf (Rudi)

* 4.11.1906 – ✝ 30.9.1990

Geb. in Paunsdorf b. Leipzig; Vater Metallarb.; 1913 – 21 Volksschule; 1921 – 25 Ausbildung zum Bau- u. Möbeltischler; 1921 SAJ; 1922 Dt. Holzarbeiterverb.; 1923 KJVD; 1924 Teiln. am »Kongreß der Werktätigen« in Eisenach u. an den bewaffn. Kämpfen um den »Hallenser Blutsonntag«, zwei Ermittl.-Verf. wg. »Hochverrats«; 1924/25 Ltr. der Jugendsekt. im Dt. Holzarbeiterverb.; 1925 – 28 Wanderschaft (Dänemark, Schweden, Schweiz u. Jugosl.); 1928 KPD; Org.-Ltr. KJVD-Bez. Westsachs.; Jan. – Aug. 1929 Internat. Lenin-Schule in Moskau; danach Pol.-Ltr. einer Stadtteilltg. der KPD in Leipzig; dort 1929 Mitbegr. der Ges. der Freunde der UdSSR; 1931 – 33 Sekr. für Agit. u. Prop. in der Landesltg. Sachsen der KPD in Dresden, dann Leipzig; 24.5.1933 verhaftet, »Schutzhaft« im KZ Colditz u. U-Haft Dresden wg. »Vorbereitung zum Hochverrat« zu eineinhalb Jahren Zuchthaus in Waldheim verurteilt; Sept. 1935 entlassen, Polizeiaufsicht; Arbeit u. a. als Parkettleger u. Betriebstischler, illeg. Arbeit; 1.9. 1939 erneut verhaftet, 1939 – 45 KZ Buchenwald. 1945 Mitgl. der Ltg. des KPD-UB Leipzig; Okt. 1945 Mitgl. der KPD-BL Sachsen; Sept. 1945 Landessekr. der Volkssolidarität; Mitbegr. u. Vors. des Antifa-Komitees Sachsen; 1946 Landessekr. der Volkssolidarität in Sachsen; 1946 – 48 Mitgl. des Landesvorst. Sachsen des FDGB, Ltr. des Sekr. für Schulung u. Bildung; 1948 1. Vors. des Landesvorst. Brandenb. (Nachf. von  Franz Moericke) u. Mitgl. des Bundesvorst. des FDGB; Mitgl. der Landesltg. der SED u. ihres Sekr.; 1949 – 52 Min.-Präs. des Landes Brandenb. (Nachf. von  Karl Steinhoff); 1949 Mitgl. des Dt. Volksrats, 1949 – 54 Abg. der (Prov.) Volkskammer; 1952 – 58 1. Vors. des Rats des Bez. Dresden; 1958 MfAA; Febr. 1959 – Jan. 1963 Botschafter in Bulgarien (Nachf. von  Oskar Fischer); ab 1963 Abt.-Ltr. im MfAA (6. Europa-Abt.); 1968 aus gesundheitl. Gründen ausgeschieden; danach ehrenamtl. Tätigkeit auf außenpol. Gebiet u. in der Arbeitsgemeinschaft Buchenwald-Dora beim Komitee der Antifa. Widerstandskämpfer der DDR; 1966 VVO. Das war Buchenwald. Leipzig 1945.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Jähner, Horst

* 14.10.1918 – ✝ 30.12.2006

Geb. in Berlin; Vater Industriekfm.; 1929 – 38 Gymnasium; 1938 – 40 Volontär in einem Versicherungsunternehmen; 1940 – 45 Wehrmacht, Ltn.; 1945 – 47 brit. Gefangenschaft. 1947 – 49 Jura- u. Volkswirtschaftsstudium, 1949 – 52 Studium der Kunst- u. Theatergeschichte, Archäologie u. Philos.; 1947 – 63 Kunstkritiker für Presse u. Rundfunk; 1963 – 87 Ltr. des VEB Verlag der Kunst Dresden (u. nach 1990 unter neuen Besitzern bis 1996); 1978 Prom.; 1978 – 85 Honorarprof. für Kunstgeschichte an der HS für bildende Kunst in Dresden; zahlr. Monogr., u. a. zu Franz Marc, Max Beckmann, Otto Mueller, Erich Heckel; Bert Heller; gest. in Berlin.Künstlergr. Brücke. Geschichte einer Gemeinschaft u. das Lebenswerk ihrer Repräsentanten. Berlin 1984 (2005).Carsten Wurm / Astrid Volpert, Jg. 1952; 1971 – 78 Studium der Kultur- und Kunstwissenschaften sowie Journalistik an der KMU Leipzig; bis 1991 Redakteurin für Kultur, Literatur und bildende Kunst in Berliner Verlagen (Junge Welt, Neues Leben, Henschelverlag); 2001 – 04 wissenschaftliche Mitarbeiterin und Mitherausgeberin der Kopelew-Studien »Russen und Deutsche im 20. Jahrhundert« am Lotman-Institut der Ruhr-Universität Bochum; seit 2004 freiberufliche Lektorin, Kuratorin und Kunstkritikerin in Berlin bzw. Russland.

Wer war wer in DDR

Jahny, Margarete

* 25.5.1923

Geb. in Mittenwalde; 1948 – 53 Studium an der HS für bildende Künste Dresden; 1954 – 63 künstler. Mitarb. am Inst. für angewandte Kunst Berlin; 1963 – 72 wiss. Mitarb. im ZI für Gestaltung, 1972 – 79 im Amt für industrielle Formgestaltung Berlin; 1979 – 83 Lehrtätigkeit an der Kunst-HS Berlin, Fachgeb. Keramik/ Gefäßgestaltung. Umfgr. Werk in Glas, Keramik u. Metall im Spannungsfeld zwischen Unikat u. Serie, u. a. 1958 Entwürfe von Töpfen u. Isolierkannen, 1961 Preßglassatz »Luzern«, 1964 Entw. von Hotelgeschirr des stapelbaren Preßglassortiments »Europa« (zus.  mit Erich Müller), 1970 Hotelporzellan »Rationell« u. Wirtegläser; freie Gefäßgestaltung; 2006 Ausst. des gestalter. Lebenswerks in der Berliner Kulturbrauerei.Die Anmut des Rationalen. Dessau 1998. Die Anmut des Rationalen – M. J. Design für die Serie Metall – Glas – Keramik 1951 – 1990. Dessau 1998 (Hrsg. Designzentrum Sachsen-Anh.); Höhne, G.: Penti, Erika u. Bebo Sher – Klassiker des DDR-Designs. Berlin 2001.Gerd Dietrich

Wer war wer in DDR

Jakobi, Karl

* 31.8.1904 – ✝ 3.4.1974

Geb. in Straßburg (Elsaß); Vater Fleischer; Volks- u. Bürgerschule; Hilfsarbeiter; 1926 KPD, Mitgl. u. Funktionär der KPD-Unterbezirksltg. Karlsruhe; 1930 / 31 Kursant der Internat. Leninschule in Moskau; nach Rückkehr erneut KPD-Funktionär für Agit. u. Prop.; Febr. – Aug. 1932 Ltr. des Bezirkserwerbslosenaussch. u. bis März 1933 Red. der »Arbeiter-Zeitung« in Mannheim, zuletzt Sekr. der KPD-BL Baden-Pfalz; April – Okt. 1933 inhaftiert im KZ Kislau; später Politltr. der illeg. KPD-BL Hessen in Frankfurt (Main); 1937 Angeh. der Internat. Brigaden in Spanien, schwere Verwundung, interniert in Frankr., Auslieferung nach Dtl; 1941 durch den VGH wg. »Vorbereitung zum Hochverrat« zu lebenslanger Haft verurteilt, Zuchthaus Brandenburg, ab 1943 KZ Sachsenhausen. 1945 Red. der »Volkszeitung« Schwerin; 1946 SED; Red. u. Chefreporter der »Landesztg.« Schwerin, 1949 – 51 Chefred.; ab 1951 Mitarb. des »Neuen Deutschlands«; 1951 – 53 Prof. am Inst. für Publizistik der Univ. Leipzig; 1953 – 58 Chefred. des SED-Bezirksorgans »Volksstimme« Magdeburg (Nachf. von  Arno Gropp); 1958 – 61 Korresp. des ADN u. des »Neuen Deutschlands« in Belgrad; 1961 – 68 Red. der Ztschr. »Dokumentation der Zeit« am Dt. Inst. für Zeitgesch.; gest. in Berlin.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Jamin, Erich

* 20.3.1907 – ✝ 29.12.1976

Geb. in Witten (Ruhr); Vater Schlosser; Volksschule; 1917 – 21 Laufbursche; 1921 – 23 kfm. Lehre; 1923 – 28 Lehre u. Arbeit als Bäcker; 1927 – 29 Abendgymnasium; 1928 kurzfr. Bauarb.; 1928 – 33 arbeitslos; 1929 KPD; Juli– Dez. 1933 KZ Brandenb. (Havel); 1934/35 Arbeit als Bauarb. u. Bäcker; 1935/36 arbeitslos; 1936 – 42 Zuchthaus Brandenb. wegen »Vorber. zum Hochverrat«; 1942 – 44 KZ Sachsenhausen, 1944 Strafeinheit Dirlewanger der Wehrmacht; 1944 – 47 sowj. Gefangenschaft. 1947 Einstellung bei der DVdI, Referat K 5 (pol. Polizei), 1948 Ltr.; 1949 Einstellung bei der HV zum Schutz der Volkswirtschaft (ab Febr. 1950 MfS), Abt. VI (Staatsapparat, Parteien), zul. Ltr. der Abt. VIb (Sicherheitsüberprüfungen), 1953 Oberst; 1953 Abt.-Ltr. in der HA V (Staatsapparat, Untergrund); 1955 stellv. Ltr. der HA V; 1959 Ltr. der HA VII (MdI/ VP); 1965 Entlassung, Rentner.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Janka, Walter

* 29.4.1914 – ✝ 17.3.1994

Geb. in Chemnitz; Vater Werkzeugmacher; 1920 – 28 kath. Schule, dann Humboldtschule in Chemnitz; 1928 – 32 Ausbildung zum Schriftsetzer; 1932 KPD; 1933 Pol.-Ltr. des KJVD im Erzgeb.; 1933 – 35 Haft in Bautzen u. KZ Sachsenburg (Frankenberg); während der Haft Ausbürgerung; Aug. 1935 Entlassung u. Ausweisung als Staatenloser in die ČSR; 1935/36 Exil in Prag; Mitgl. im KJV der ČSR; Gelegenheitsarbeiten, später Arbeit als Typograph u. Grafiker in Prag: enge Kontakte mit Hugo Gräf u.  Wilhelm Koenen; Frühjahr 1936 illeg. Reise nach Königsberg (Ostpr.); Nov. 1936 als »Johann Krause« aus Prag über Frankreich nach Spanien; 1936 – 39 Freiw. im span. Bürgerkrieg, XI. Intern. Brigade, Thälmann-Btl., dreimal verwundet; zul. Major u. Bat.-Kdr. der span. Volksarmee; Teiln. am zweiten Einsatz (Jan./Feb. 1939); 1939 – 41 Internierung in Frankreich in den Lagern St. Cyprien, Gurs, Le Vernet u. dem Auswanderungslager Les Milles; Flucht (mit  Paul Merker,  Georg Stibi u. Otto Börner) aus dem Lager Les Milles nach Marseille; Dez. 1941 Ausreise nach Mexiko (zus. mit seiner späteren Frau Charlotte Scholz); 1941 – 47 Exil in Mexiko; ab 1942 Berichterstatter für den KPD-Pressedienst »Alemania Libre – Boletín Semanal de Información Antinazi«; Mitbegr. der BFD, Mitgl. im Ausschuß der BFD Mexiko u. im Heinrich-Heine-Klub, ab Juni 1944 dessen Vorst.-Mitgl.; Ltr. des im Mai 1942 gegr. Verlags El Libro Libre; zul. auch Pol.-Ltr. der KPD-Exil-Gruppe; Juni 1946 Mitbegr. des Komitees für Mexikan.-Dt. Kulturaustausch. Apr. 1947 Rückkehr nach Dtl.; persönl. Mitarb. Paul Merkers beim PV der SED; Juni 1948 – 50 Vorstandsvors. der AG DEFA (Nachf. von  Rudolf Engel); 1950 – 52 Stellv. Ltr., 1952 – 54 de facto, 1954 – 56 de jure Ltr. des Aufbau-Verlags Berlin (Nachf. von  Erich Wendt); 6.12.1956 Verhaftung, Dez. 1956 – Aug. 1957 in der zentralen U-Haftanstalt des MfS in Berlin-Hohenschönhausen; 26.7.1957 Verurteilung zu fünf Jahren Zuchthaus wegen »Bildung einer konterrev. Gruppe« um den Verlag u. die hauseigene Ztg. »Sonntag«, Aberkennung des VdN-Status (beim Prozeß waren als Zuschauer anwesend  Anna Seghers,  Bodo Uhse,  Ludwig Renn u. a.); 1957 – 60 Zuchthaus Bautzen, zeitw. verschärfte Einzelhaft, schwere Erkrankung; durch anhaltende internat. Proteste, u. a. von Halldor Laxness, Lion Feuchtwanger, Leonhard Frank u. der Familie Thomas Manns, entlassen; 1960 – 62 arbeitslos; 1962 – 72 Dramaturg bei der DEFA; danach Rentner; 1972 Wiederanerkennung als Verfolgter des Naziregimes, Wiederaufnahme in die SED; trotz Wiederherstellung der Parteimitgliedschaft u. der Verleihung des VVO am 1.5.1989 unversöhnl. Gegner der SED-Führung; im Okt. 1989 führte die Veröff. eines Auszugs aus seinen Memoiren u. vor allem die medienwirksame Lesung im Dt. Theater Berlin zu einer Welle der Empörung gegen die SED; 5.1.1990 Aufhebung des Urteils von 1957; 1990 zunächst Mitgl. des Rats der Alten beim PV der PDS, dann Austritt aus der PDS; gest. in Kleinmachnow.Schwierigkeiten mit der Wahrheit. Reinbek 1989; Spuren eines Lebens. Berlin 1991; »... bis zur Verhaftung«. Berlin, Weimar 1993; Die Unterwerfung. Eine Kriminalgeschichte aus der Nachkriegszeit. München 1994. Hoeft, B. (Hrsg.): Der Prozeß gegen W. J. u. a. Eine Dokumentation. Berlin 1990; Eichhorn, A., Reinhardt., A. (Hrsg.): Nach langem Schweigen endlich sprechen. Briefe an W. J. Berlin, Weimar 1990; Marschall, J.: Aufrechter Gang im DDR-Soz. W. J. u. der Aufbau-Verlag. München 1994; Wurm, C.: Jeden Tag ein Buch. 50 Jahre Aufbau-Verlag. Berlin 1995; Ders.: Der frühe Aufbau-Verlag 1945 – 1961: Konzepte u. Kontroversen. Wiesbaden 1996; Sieber, S.: W. J. u. Wolfgang Harich. Zwei DDR-Intellektuelle im Konflikt mit der Macht. Berlin 2008.Carsten Wurm / Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Janson, Carl-Heinz

* 13.12.1931 – ✝ 23.9.2015

Geb. in Waltershausen (Krs. Eisenach); Vater Arbeiter; Volks- u. Oberschule, 1950 Abitur; 1948 Mitgl. der FDJ; 1949 SED; ab 1950 Parteisekr. u. Besuch der PHS; 1952 – 58 Studium an der HfÖ Berlin; 1952 – 54 Sekr. der ZPL an der HfÖ Berlin, Dipl.-Wirtsch.; anschl. Ökonom in einem Betrieb der Buntmetallurgie in Aue (Erzgeb.); 1961 – 89 Mitarb. im Apparat des ZK der SED; in der 1958 neugebildeten u. von  Erich Apel geleiteten Wirtschaftskommission beim PB des ZK der SED tätig; ab 1962 Sektorenltr. in der Abt. Planung u. Finanzen, die  Gerhard Schürer leitete; seit 1966/67 Ltr. der Arbeitsgr. bzw. Abt. soz. Wirtschaftsführung (Nachf. von  Günther Jahn), die  Günter Mittag unterstand, hier insb. mit Maßnahmen zur Durchsetzung des »Neuen ökon. Systems« in der Chemieind. beauftragt; 1976 – 89 Mitgl. der Wirtschaftskommission beim PB des ZK der SED; 1982 VVO; nach 1989 Pappenpresser, Pförtner, Kassierer u. Verkäufer; 1993 Rentner; gest. in Berlin.Totengräber der DDR. Wie Günter Mittag den SED-Staat ruinierte. Düsseldorf 1991.Wilfriede Otto

Wer war wer in DDR

Jäschke, Martina

* 6.5.1960

Geb. in Merseburg; zuerst Turnerin bei der BSG TZ Merseburg, 1970 Wechsel zum Wasserspringen beim SC Chemie Halle (Trainer: Ingrid Krämer-Gulbin, dann Werner Bänsch); 1978 bei den Weltmeisterschaften: 2. Platz (Turmspringen); 1980 Olymp. Spiele: Siegerin (Turmspringen); danach DHfK Leipzig; lebt bei Braunschweig.Olaf W. Reimann

Wer war wer in DDR

Jacoby, Günther

* 21.4.1881 – ✝ 4.1.1969

Geb. in Königsberg (Kaliningrad, Rußland); Vater Theologe u. Prof. an der Albertina; 1900 – 03 Studium der Theol., Germanistik u. Philos. in Königsberg u. Tübingen mit Abschl. als Lizentiat (theolog. Dr.); 1903 – 06 fortführendes Studium der Philos. in Berlin u. Prom. über Johann G. Herders u. Immanuel Kants Ästhetik (publ. Leipzig 1907); 1909 Habil. über weitere Herderforschung in Greifswald (»Herder als Faust«. Leipzig 1911); danach ausgedehnte Studien- u. Vortragsreisen sowie Gastprof. in den USA u. Japan; 1914/15 Kriegsteiln. als Offz., schwer verwundet u. lebenslange Schwerhörigkeit; 1915 – 18 an der Dt. Univ. Istanbul; 1919 a. o. Prof. u. 1928 ord. Prof. für Philos. an der Univ. Greifswald; 1937 wegen ungeklärter Abstammung seines Großvaters durch den NS-Staat zwangspensioniert, Lehrverbot. 1945/46 vollständige Rehabil.; Wiederaufn. der Lehrtätigkeit u. 1946 – 48 erster Dekan der philosoph.-naturwiss. Fak. der EMAU Greifswald; danach mehrfach wechselnd bis 1956 Dir. des Philosoph. Seminars bzw. des Inst. für Philos. dieser Univ.; seit 1950 alleiniges ostdt. Mitgl. des Vorst. der (westdt.) Allg. Ges. für Philos. in Dtl.; zugl. Mitarb. im 1953 gebildeten wiss. Beirat für Philos. beim Staatssekr. für HS-Wesen der DDR; anläßl. seiner krit. »Denkschrift über die gegenwärtige Univ.-Philos. in der DDR« mit Forderungen nach grundsätzl. Reformen ab 1955 Auseinandersetzungen mit dem Staats- u. Parteiapparat der SED; danach endgültig em.; 1969 als letzter in der DDR verbliebener »spätbürgerl. Philosoph« in Greifswald gest. Forschungen zu Johann G. Herder, zur Geistesgeschichte des 19. Jh. sowie zur amerik. u. chin. Philos.; neben N. Hartmann wichtigster Mitbegr. u. Vertreter der gegen den Neukantianismus u. dessen bes. Spezialisierung auf die Erkenntnistheorie gerichteten sog. Neuen bzw. Krit. Ontologie; Beiträge zur Logik als bleibender philosoph. Diziplin.Der Pragmatismus. Leipzig 1909; Allg. Ontologie der Wirklichkeit. Bd. I – II. Halle 1925 – 55; Die Ansprüche der Logistiker auf die Logik u. ihre Geschichtsschreibung. Stuttgart 1962. G. J. (1881 – 1969) – Zu Werk u. Wirkung. Univ. Greifswald 1993; Rauh, H.-C.: Der Greifswalder Universitätsphilosoph G. J. u. die DDR-Philos. In: Dt. Ztschr. f. Philos. (1994) 3; Rauh, H.-C., Frank, H. (Hrsg.): G. J. Lehre, Werk u. Wirkung. Greifswald 2003.Hans-Christoph Rauh

Wer war wer in DDR

Jaeger, Brunhild

* 23.10.1937

Geb. in Goldap (Ostpr./Gołdap, Polen); Vater Angest.; Abitur; 1955 – 59 Studium der Wirtschaftswiss. an der KMU Leipzig, Dipl.-Wirtsch.; 1957 SED; wiss. Assistentin bzw. pers. Referentin des Werkdir. u. Arbeitsökonomin des VEB Elektrochemisches Kombinat Bitterfeld; 1963 Dir. für Arbeit im VEB Kunstseidewerk »Clara Zetkin« in Elsterwerda; 1964 Sonderstudium an der THC Leuna-Merseburg, anschl. Dir. des VEB Kunstseidewerks »Clara Zetkin«; 1964 – 76 Mitgl. der SED-BL Gera; 1970 – 74 GD des VEB Chemiefaserwerk »Wilhelm Pieck« Guben; 1974 Prom. an der FSU Jena; 1976 – 90 GD des VEB Fotochemisches Kombinat Wolfen; 1976 – 89 Mitgl. der SED-BL Halle; 1981 – März 1990 Abg. der Volkskammer.Die Ltg. u. Planung sozialer Prozesse bei der sozialist. Rationalisierung im Industriebetrieb. Jena 1974.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Jäger, Horst

* 23.8.1940

Geb. in Seebach (b. Eisenach); Vater Sattler; Grund- u. Oberschule; 1957 – 60 Lehre als Industriekaufm. mit Abitur im VEB Uhrenkombinat Ruhla; 1960 – 62 Studium am Päd. Inst. Erfurt; 1962 Lehrer in Wasungen, 1964 – 70 Lehramtsanwärter, Fachlehrer, stellv. Dir. an der 14. bzw. 16. POS, 1970 – 73 Dir. der 14. POS in Gera; 1970 SED; 1973 – 80 1. Stellv. des Stadtschulrats von Gera; 1980 – 85 u. 1986/87 Sekr. für Wiss., Volksbildung u. Kultur der SED-KL Gera-Stadt, 1980 – 89 Mitgl. des Sekr. der SED-KL Gera-Stadt; 1985 – 87 Studium an der PHS der SED, Dipl.-Gesellschaftswiss.; 1987 Oberstudienrat; 1987 / 88 wiss. Mitarb. beim OB der Stadt Gera; März 1988 – Frühjahr 1990 OB von Gera (Nachf. von  Horst Pohl).Domkowsky, G. / Rüdiger, F.: Oberbürgermstr. der Stadt Gera – Begebenheiten, Anekdoten, Wissenswertes. Gera 2007.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Jahn, Günther

* 9.1.1930 – ✝ 29.10.2015

Geb. in Erfurt; Vater Hermann Jahn, KPD-Funktionär; 1936 – 46 Grund- u. Mittelschule in Erfurt; 1940 – 45 Dt. Jugend; HJ; 1946 FDJ; 1946 KPD; 1964 – April 1990 SED; Mitbegr. der Antifa-Jugend u. FDJ in Erfurt; 1946 – 48 Humboldtschule in Erfurt, Abitur; 1948 KPS Erfurt u. Luisenthal (Gotha); 1948 – 50 Ökon.-Studium an der FSU Jena u. 1950 – 52 HfÖ Berlin, Dipl.-Wirtsch.; 1948 Praktikant bei VEB Carl Zeiss Jena; 1949 FDGB-Bundesschule in Berlin-Buch; 1954 – 56 u. 1962 – 64 pol. Mitarb. im Sektor Planung der Abt. Planung u. Finanzen des ZK der SED; 1956 – 61 Aspirantur im IfG beim ZK der SED, Dr. rer. oec., Diss. zu Wirtschaftsräten u. soz. Rekonstruktion in der DDR-Industrie, Wahrnehmungsdoz.; Juni/Juli 1961 NVA; 1964/65 stellv. Ltr. der Abt. für ideolog. Arbeit beim Büro für Industrie u. Bauwesen beim PB des ZK der SED; 1965/66 Ltr. der Arbeitsgr. Soz. Wirtschaftsführung beim ZK der SED; 1966/ 67 2. Sekr. (Nachf. von  Konrad Naumann), 1967 – 73 1. Sekr. des ZR der FDJ (Nachf. von  Horst Schumann); 1967 – 90 Abg. der Volkskammer; bis 1976 Mitgl. des Jugendaussch.; ab 1976 1. Stellv Vors. des Geschäftsordnungsaussch.; 1974 – 76 2. Sekr. (Nachf. von  Werner Eidner), 1976 – 89 1. Sekr. der SED-BL Potsdam (Nachf. von  Werner Wittig); 1976 – 89 Abg. des Bez.-Tags Potsdam; 1973 u. 1980 KMO; 1980 VVO; Nov. 1989 Rücktritt als 1. Sekr. der SED-BL Potsdam; Dez. 1989 Rücktritt mit dem ZK der SED; Rentner; gest. in Fichtenwalde (Beelitz).Soz. Arbeitsweise contra Managertum. Berlin 1959; Die Analysen der Planerfüllung und die staatl. Organe. Berlin 1961. Mählert, U., Stephan, G.-R.: Blaue Hemden – rote Fahnen. Opladen 1996.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Jahn, Rudolf (Rudi)

* 4.11.1906 – ✝ 30.9.1990

Geboren am 4. November 1906 in Leipzig-Paunsdorf, Sohn eines Metallarbeiters; lernte Bau- und Möbeltischler. 1921 Mitglied der Arbeiterjugend, 1922 des Holzarbeiterverbandes, aus dem er 1930 wegen Organisierung eines wilden Streiks ausgeschlossen wurde. 1923 trat er der KJD, 1928 der KPD bei. Jahn wurde 1928 Orgleiter des KJVD-Bezirks Westsachsen und war von Januar bis August 1929 Kursant an der Internationalen Leninschule in Moskau. Danach Polleiter der KPD-Stadtorganisation Leipzig, von Juni 1931 bis Anfang 1933 Agitpropsekretär der BL Sachsen. Von April bis November 1933 im KZ Colditz, am 24. Februar 1934 erneut verhaftet und am 13. April 1934 vom OLG Dresden zu 18 Monaten Zuchthaus verurteilt, die er in Waldheim verbüßte. Im September 1935 freigelassen, Bauarbeiter bei der Reichsautobahn sowie Parkettleger und Betriebstischler. Bei Kriegsausbruch am 1. September 1939 erneut festgenommen und bis 1945 im KZ-Buchenwald. 1945 Polleiter der KPD in Leipzig. Von September 1945 bis Frühjahr 1946 1. Landessekretär der Volkssolidarität Sachsen, 1946 bis 1948 Sekretär für Schulung und Bildung des FDGB Sachsen, ab Mitte August 1948 1. Vorsitzender des FDGB Brandenburg. Im Dezember 1949 wurde Jahn als Nachfolger von Carl Steinhoff Ministerpräsident des Landes Brandenburg. Nach Auflösung der Länder 1952 Vorsitzender des Rates des Bezirks Dresden, von Februar 1959 bis Januar 1963 DDR-Botschafter in Bulgarien, anschließend Leiter der 6. Europäischen Abteilung im Außenministerium. Er erhielt 1966 den VVO in Gold. Rudi Jahn starb am 30. September 1990.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Jähnichen, Rolf

* 11.5.1939

Geb. in Helmsdorf; OS in Grimma u. Leipzig; 1957 – 63 Studium der Landwirtschaft in Leipzig, Dipl.-Landwirt, Dr. agr.; 1964 – 70 Mitarb. beim Rat des Bez. Leipzig, Abt. Landw., zuständig für Bergbau; 1970 – 90 Prod.-Ltr. u. stellv. Vors. der LPG Neukirchen (Krs. Borna); 1981 CDU; 1984 – 89 Mitgl. des Gemeinderats in Zedtlitz; 1989 / 90 Mitgl. des CDU-Vorst. Zedtlitz; Mai – Nov. 1990 Landrat in Borna. 1990 – 94 Vors. des CDU-KV Borna; 1990 – 98 Minister für Landw., Ernährung u. Forsten des Freistaats Sachsen; seit Okt. 1994 MdL Sachsen; 1998 / 99 Minister für Umwelt u. Landesentw. des Freistaats Sachsen; seit 2000 Mitgl. des CDU-Landesvorst. Sachsen; seit 2000 Landesvors., 2000 – 04 Mitgl. des Bundesvorst. der Senioren-Union; seit 2004 Stadtrat in Borna; lebt in Borna-Zedtlitz.Agrarmeteorol. Bodenfeuchteuntersuchungen. Leizpig 1970; Die Privatisierung der sächsischen Landwirtschaft. Dresden 1998.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Jahoda, Lutz

* 18.6.1927

Geb. in Brno (ČSR/Tschechien); Vater kaufm. Angest. der Wiener Reifenfirma Semperit; Ausbildung zum Einzelhandelskaufm.; 1943 Entdeckung durch den Operettensänger u. Regisseur Erich Elstner, anschl. Aufnahme als Pflegekind durch die Familie Elstner. 1946 erste kleine Rollen in Berlin, 1947 – 50 festes Engagement am Theater Stendal, ab 1952 Engagement am Operettentheater in Leipzig, dort auch erste Rundfunkaufnahmen, z. T. mit eigenen Liedern u. Texten; 1960 erste Filmrolle in »Der Doppelsänger«; 1972 Durchbruch als Showmaster mit der TV-Sendereihe »Mit Lutz u. Liebe«, seitdem einer der populärsten Entertainer des DDR-Fernsehens, insb. als Moderator der Unterhaltungssendungen »Spiel mir eine alte Melodie« u. »Wunschbriefkasten«; mehrere DEFA-Filmrollen, u. a. in »Abschied vom Frieden« (1976) u. »Drei reizende Schwestern« (1988), Sprecher in zahlr. Hörspielen, erfolgr. Volksmusiktitel: »Die Blasmusik von Kickritzpotschen«, »Powidtatschkerln«, »Karthäuser Knickebein-Shake«. Nach 1990 Einbruch der Karriere im Showgeschäft; erfolgloser Versuch des Aufbaus einer Kette von Jeans-Läden; seit Ende der 1990er Jahre wieder gelegentl. Auftritte, 2002 Moderator der MDR-Sendung »Showtalk« zum 50. Jubiläum des Fernsehens in Dtl., zeitw. Engagement an der Dresdner Komödie mit einer Rolle in der »Feuerzangenbowle«; mit Siegfried Böhme Hrsg. der elektron. Episodenbücher »immer volks-populär« (2001) u. »Patzer u. Spratzer« (2008) mit Beiträgen von ehem. Mitarbeitern des DDR-Fernsehens; lebt seit 1964 in Wolzig (Brandenb.).Lutz im Glück u. was sonst noch schieflief. Berlin 2001; »Ich starte noch mal durch«, Schule des Humors. L. H. liest Jarsolaw Hašek (Hörbuch). Berlin 2002.Jan Wielgohs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Jakobi, Karl

* 31.8.1904 – ✝ 3.4.1974

Geboren am 31. August 1904 in Straßburg/ Elsaß, Sohn eines Fleischers; Hilfsarbeiter. 1926 wurde Jakobi Mitglied der KPD, 1928 Agitpropleiter in Karlsruhe. 1930/31 Kursant an der Internationalen Leninschule in Moskau, nach seiner Rückkehr wieder Agitpropsekretär in Karlsruhe. Von Februar 1932 bis März 1933 politischer Redakteur der »Arbeiter-Zeitung« in Mannheim. Am 2. April 1933 verhaftet und in das KZ Kislau eingeliefert, anschließend Untersuchungshaft in Mannheim. Im Oktober 1933 entlassen, übernahm Jakobi die Leitung der illegalen KPD im Bezirk Hessen/Frankfurt. Ende 1934 nahm er an der Reichskonferenz des KJVD in Moskau teil. Jakobi emigrierte in die Schweiz und nach Frankreich, ab 1936 war er als Angehöriger der Internationalen Brigaden in Spanien. Dort erlitt er schwere Verwundungen, wurde in Frankreich interniert und später nach Deutschland ausgeliefert. Am 21. August 1941 verurteilte ihn der VGH zu lebenslanger Haft. Zunächst im Zuchthaus Brandenburg, ab Dezember 1943 im KZ Sachsenhausen, wo er auf dem Todesmarsch im April 1945 befreit wurde. Ab Juni 1945 Redakteur u. a. der Mecklenburger »Volkszeitung« und der »Landeszeitung« in Schwerin, Von 1949 bis 1951 Chefredakteur dieser Zeitung. Von 1951 bis April 1953 Professor am Institut für Publizistik an der Universität Leipzig. Ab Mai 1953 Chefredakteur der »Volksstimme« Magdeburg, 1958 ADN-Korrespondent in Belgrad, dann ab 1961 Redakteur der Zeitschrift »Dokumentation der Zeit«. Karl Jakobi starb am 3. April 1974.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Jänicke, Horst

* 4.1.1923 – ✝ 1.1.2006

Geb. in Strausberg; Vater selbst. Kfm.; Volksschule; 1937 – 40 Lehre u. Arbeit als Bäcker; 1940 – 45 Wehrmacht, Uffz. 1945 – 49 sowj. Gefangenschaft, Antifa-Schüler; 1949 SED; Lehrer an den KPS Briesen u. Schiffmühle; 1950 Ltr. der KPS Treuenbrietzen; 1951 Ltr. der Landesverw.-Schule Königs Wusterhausen; zugl. 1951 – 52 Fernstudium an der DVA; 1952 Einstellung beim APN (ab 1953 HA XV, ab 1956 HV A des MfS), HA I (Staatsapparat der Bundesrep. Dtl.), dann stellv. Abt.-Ltr.; 1953 Abt.-Ltr. in der HVA-HA II (Militärspionage); 1956 stellv. Ltr. der HVA-HA II; 1958 Ltr. der HVA-Abt. 3 (pol. Hauptzentren, legal abgedeckte Residenturen); 1966 – 68 Fernstudium an der DASR Pots- dam, Dipl.-Staatswiss.; 1971 2. stellv. Ltr. der HV A; 1973 VVO; 1986 1. stellv. Ltr. der HV A (Nachf. von  Werner Großmann); 1987 Gen.-Ltn.; bis 1989 Mitgl. der Außenpol. Kommission beim PB des ZK der SED; Febr. 1989 Entlassung, danach Rentner.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Jankofsky, Heinz

* 28.9.1935 – ✝ 2.5.2002

Geb. in Berlin; Schlosserlehre; 1951 – 68 Lokomotivschlosser bei der DR; 1959 erste Zeichnung für den »Eulenspiegel«; seit 1968 freiberufl. Pressezeichner; illustrierte Kinderbücher, Gestaltung von Kalendern u. Kartenspielen; Karikaturen u. Comics (»Rolf u. Rudi« u. a.) für den »Eulenspiegel«, die »Wochenpost«, »NBI«, »Ostsee-Ztg.«, »Berliner Ztg.« u. a.; Lieblingsthemen: Hochzeiten, Hunde, Katzen, Bürokraten, Banker; gest. in Bebersee (Uckermark).Schnitzler S. (Hrsg.): Das dicke Jankofsky-Buch. Berlin 1994. Tzschichhold, H.-W.: Lokomotiefsinnigkeiten. In: Fotomagazin (1980) 10.Michael F. Scholz

Handbuch Deutsche Kommunisten

Janus, Richard

* 16.6.1891 – ✝ 5.5.1972

Geboren am 16. Juni 1891 in Berlin; Metallarbeiter. 1909 Mitglied der Sozialistischen Jugend, 1911 der SPD, auf deren linkem Flügel er stand. Seit 1912 arbeitete er als Flugzeugmonteur in Stuttgart. Im Krieg Soldat, trat er 1918 der USPD bei. In Stuttgart im Aktionsausschuß des Spartakusbundes aktiv, kam er von Januar bis Juni 1919 in »Schutzhaft«. Als Mitglied der KPD wurde Janus politischer Redakteur (kurze Zeit auch Chefredakteur) der »Süddeutschen Arbeiterzeitung«. Nach 1923 als Rechter entlassen, aber 1925 wieder Redakteur. Nach seinem Ausschluß aus der KPD 1928 wurde er in der KPO aktiv und war Redakteur von deren »Arbeitertribüne«. 1933 Emigration in die Schweiz, dort 1937 ausgewiesen, kam er über Frankreich nach Schweden. In Stockholm wieder Metallarbeiter und Leiter einer kleinen KPO-Gruppe. Richard Janus starb am 5. Mai 1972 in Solna bei Stockholm.

Wer war wer in DDR

Jastram, Jo (Joachim)

* 4.9.1928 – ✝ 7.1.2011

Geb. in Rostock; Vater Lehrer; Volksschule, Gymnasium; 1944 Wehrmacht, Gefangenschaft. 1947 – 49 Waldarb. u. Brunnenbauer in Aumühle (Sachsenwald); 1949 NDPD; Lehre als Holzbildhauer; bis 1951 Studium an der FS für angewandte Kunst in Empfertshausen (Rhön), 1951 – 54 Studium an der HS für bildende Künste in Dresden (b.  Walter Arnold), 1954 – 56 Studium an der HS für bildende u. angewandte Kunst in Berlin-Weißensee (b.  Heinrich Drake); 1956 freischaff. in Rostock; 1961 Studienreise in die UdSSR (Usbekistan); 1964/65 Lehrauftrag für plast. Gestalten am Inst. für Kunsterziehung der EMAU Greifswald; 1965 Studienreise in die Mongolei, 1966 Studienreise in die UdSSR (Sibirien), 1967 Studienreise durch Skandinavien, nach Polen u. in die ČSR; 1973 NP; 1974 Mitgl. des Zentralvorst. des VBK; Studienreise nach Kuba; 1975 Präs. des Internat. Komitees der Biennale der Ostseestaaten; Mitgl. des Präs. des VBK; 1976 Studienreise nach Tallin u. Leningrad, 1979 nach Italien; 1980 – 86 Lehrauftrag u. Prof. für Plastik an der Kunst-HS Berlin-Weißensee; 1981 u. 1983 Arbeitsaufenthalte in Äthiopien; 1983 Vors. des Arbeitskrs. Ernst Barlach im KB; Mitgl. der AdK; 1984 NP; 1985 Studienreise nach Schweden u. Großbritannien. Seit 1990 Mitgl. des Künstlerbunds Mecklenb.-Vorpomm. u. des Bundesverb. Bildender Künstler; 1999 Kulturpreisträger der Stadt Wernigerode; zahlr. Ausstellungen im In- u. Ausland, u. a. in Oslo, Kopenhagen, Helsinki, Damaskus u. Warschau, Beteiligung an der 6. Dokumenta in Kassel; 2003 Werkausstellung anläßl. seines 75. Geburtstags in Rostock; 2008 Ausstellung Plastik u. Zeichn. im Kunstkaten Ahrenshoop; lebte zuletzt in Knese (b. Rostock); gest. in Ribnitz-Damgarten. Werke: 1962 Brunnen auf der Langen Straße u. 1978 Brunnen der Lebensfreude am Universitätsplatz in Rostock; Lob des Kommunismus (Foyer der Volkskammer); Karl-Marx-Denkmal in Addis Abeba (1984); 2009 Artisten im Hafen von Ribnitz.Palme, P.: J. J. In: Weggefährten. 25 Künstler der DDR. Dresden 1970; J. J. Selbstzeugnisse von Bildhauern der DDR. (Ausstellungskat.) Bildhauerkunst aus der DDR. Bonn, München, Mannheim 1987/88; J. J. Plastik (mit Bibl.). AdK Berlin u. Kunsthalle Rostock 1988 (mit Bibl.); J. J. Plastik. Figur u. Zeichen. Brauweiler 1989 (mit Bibl.); Roese, G. (Hrsg.): J. J. – Wegzeichen. Berlin 2008.Anke Scharnhorst

Wer war wer in DDR

Jadasch, Anton

* 25.5.1888 – ✝ 17.5.1964

Geb. in Kreppitz (Oberschles./Krapkowice, Polen); Vater Berg- u. Hüttenarb.; Volksschule; Hütten- u. Bergarb.; 1904 DMV; 1907 SPD; 1915 zeitw. inhaftiert u. Kriegsdienst bis 1917; 1918 Mitgl. des Arbeiter- u. Soldatenrats in Beuthen; Mitbegr. u. bis 1921 Vors. der KPD in Oberschles.; Juli 1921 Teiln. am Gründungskongreß der RGI in Moskau; 1922 – 24 Pol.-Sekr. des KPD-Bez. Oberschles.; ab 1922 Gewerkschaftssekr. der ultralinken »Union der Hand- u. Kopfarb.«; 1924 – 28 Stadtverordn. in Gleiwitz; Juni 1924 – März 1933 Abg. des Dt. Reichstags; 1928 – 33 Instrukteur des ZK der KPD; 1929 – 33 RGO-Sekr.; 1932 wegen »Vorber. zum Hochverrat« Verurteilung zu 15 Mon. Festung; (Strafaussetzung aufgrund des MdR-Status); als ZK-Instrukteur für Ostpr. u. Danzig am 25.2.1933 im Freistaat Danzig verhaftet, 7.3.1933 Auslieferung u. Transport nach Berlin, ab 5.5.1933 Festung Groß Strehlitz, ab Ende Dez. 1933 Zuchthaus Bergedorf (b. Hamburg), anschl. KZ Fuhlsbüttel, Ende Okt. 1934 Entlassung; zwei Jahre erwerbslos, anschl. Arbeit als Platzarb. in einem Sägewerk, 1937/38 Lagerarb. bei der Firma »Tengelmann«, 1938/39 Platzmstr. in »Frankes Sägewerk«, vom 24.4.1939 – 20.4. 1945 Holzwerk Wittenau; Juli/Aug. 1944 erneut inhaftiert; ab 2.4. – Okt. 1945 Bürgermstr. bzw. Bez.-Vorst. in Berlin-Wittenau. 1946 SED; VdgB; Okt. 1945 – April 1946 Kontrolleur bei der Dt. Verw. für Umsiedl.; ab April 1946 Aufbau der VdgB; Juni 1946 – Nov. 1947 Gen.-Sekr. des Zentral-Bauernsekr.; 1947 – 49 geschäftsf. Vorstandsmitgl. der VdgB; 1946 – 50 Abg. u. Mitgl. des Präs. des Brandenb. Landtags; Aug. 1949 – Jan. 1950 erster Vors. des ZV u. ab Febr. stellv. Vors. der Gewerkschaft Land u. Forst; maßgebl. beteiligt an der Durchsetzung des Landarbeiterschutzgesetzes vom 7.12.1949; 1951/52 Mitarb. beim FDGB-Bundesvorst.; ab 1953 Vors. eines Arbeitskrs. Verdienter Gewerkschaftsveteranen beim Bundesvorst. u. beim Zentralvorst. der IG Land u. Forst; später ehrenamtl. Vors. der Geschichtskommission der Gewerkschaft Land u. Forst; Nov. 1954 Kand. der SED zu den Abgeordnetenhauswahlen; 1954 VVO.Weber, H., Herbst, A.: Dt. Kommunisten. Biogr. Handbuch. Berlin 2004.Siegfried Kuntsche / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Jagenow, Hans

* 17.6.1938

Geb. in Bublitz (Landkrs. Köslin, Pommern / Bobolice, Polen); Vater Rohrschlosser; Grundschule; 1952 FDJ; 1952 – 55 Lehre als Rohrschlosser, Facharbeiter; 1955 – 58 Abiturausbildung an der ABF Greifswald; 1958 – 62 Studium an der HfÖ Berlin-Karlshorst, Dipl.-Wirtsch., 1959 – 61 zusätzlich 1. Sekr. der FDJ-GO an der HfÖ Berlin-Karlshorst; 1960 SED; 1961 / 62 Praktikant beim Rat des Bez. Dresden; 1963 / 64 1. Sekr. der FDJ-GO im VEB Werkzeugmaschinenfabrik Berlin-Marzahn; 1964 / 65 Abt.-Ltr., 1965 Sekr., 1966 – 69 2. Sekr. der FDJ-BL Berlin; 1969 – 72 Ltr. der Zentralen Arbeitsgruppe im FDJ-ZR, 1972 – 75 Sekr. des FDJ-ZR, bis 1981 Mitgl. des FDJ-ZR u. seines Büros; 1975 – 81 Ltr. des Amts für Jugendfragen beim Ministerrat der DDR; 1982/ 83 Lehrgang an der SED-PHS; 1983 – 87 Botsch. der DDR in Äthiopien; 1987 – 90 polit. Mitarb. im MfAA; 1990 im Diplomatenclub in Zeuthen beschäftigt. Nach 1990 zeitw. Angest. im Immobilienunternehmen des palästinensischen Geschäftsmanns Abdel Majid Younes.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Jahl, Evelin

* 28.3.1956

Geb. in Annaberg (Sachsen); Vater Bergmann; 1964 Umzug nach Neuseddin (b. Potsdam); KJS, Abitur; begann als Schwimmerin; seit 1969 Leichtathletin, Diskuswerferin; 1969 – 75 KJS Brandenburg; ASK Vorwärts Potsdam (Trainer: Hartmut Wolter, Lothar Hillebrand); 1973 Junioren-EM; 1973 – 75 Bronze bei DDR-Meisterschaften; 1976 u. 1980 Olympiasiegerin; 1977 u. 1979 Weltpokalsiegerin; 1978 EM; WR 1978 (70,72 m) u. 1980 (71,50 m); 1979 Silber bei der Universiade; 1976 – 80 DDR-Mstr.; 18 Länderkämpfe (1975 – 81); 1982 Rücktritt nach Verletzung; 1974 – 90 NVA, zuletzt Hptm.; 1976 Heirat mit dem Leipziger Kugelstoßer Norbert J.; 1975 – 82 Studium der Rechtswiss. an der HU Berlin, Dipl.-Juristin; Sportinstrukteurin; 1984 – 89 Vors. der Kommission Rechtswesen des DDR-Leichtathletikverb.; 1984 – 90 Präs.-Mitgl. des Dt. Verb. für Leichtathletik; 1984 – 91 Mitgl. des Arbitration Panel der IAAF (Rechtskommission des internat. Leichtathletik-Verb.) Ab 1990 selbst. Wirtschaftsberaterin; danach bis 2004 Geschäftsf. der Trading & Expertise Havelland GmbH; Unternehmensberaterin u. Personaltrainerin; lebt in Neuseddin (b. Potsdam).Olaf W. Reimann / Volker Kluge

Wer war wer in DDR

Jahn, Ilse

* 2.2.1922 – ✝ 8.5.2010

Geb. in Chemnitz; Vater Großhandelskaufm.; Höhere Mädchenbildungsanstalt in Chemnitz, 1940 Abitur; 1940 – 41 Haushaltsschule u. RAD; 1941 – 42 Studium der Biol. an der FSU Jena, daneben künstler. Studien, 1942 Studienabbruch. 1945 – 52 freischaffende Kunstmalerin u. Grafikerin in Chemnitz, 1949 VBK; 1952 – 56 Fortsetzung des Studiums der Biol. an der FSU Jena, 1956 Dipl.; 1954 Hilfsassistentin, 1956 – 62 wiss. Assistentin bei  Georg Schneider u.  Georg Uschmann am Ernst-Haeckel-Haus, dem Inst. für Geschichte der Zool. der FSU; 1963 Prom.; 1962 wiss. Mitarb., 1965 – 67 Oberassistentin bei der Humboldt-Kommission der DAW in Berlin, zugl. Lehrbeauftragte für Geschichte der Biol. an der HU Berlin; 1967 wiss. Mitarb. u. Hauptabt.-Ltr. der Schausamml. am Zool. Museum, 1968 – 80 Kustodin, 1971 – 74 zugl. stellv. Dir. für Bildungsarb. des Museums für Naturkunde der HU; 1969 – 73 Mitgl. des Vorst. der Ges. für Geschichte der Medizin der DDR; 1971 – 78 Vors. der Fachsektion Biolog. Museen des Rats für Museumswesen der DDR; 1979 Habil.; 1980 – 82 Doz. für naturhistor. Museol. am Museum für Naturkunde der HU; 1986 Mitgl. der Leopoldina; 1987 Mitbegr. u. 2. Vors. der Sektion Geschichte u. Theorie der Biol. in der Biolog. Ges. der DDR. 1991 – 93 Gründungsvors. der Dt. Ges. für Geschichte u. Theorie der Biol.; 2002 Dr. h. c. der FSU Jena; Wegbereiterin der Biologiegeschichtsschreibung u. naturhistor. Museol. in Dtl.; umfassende Quellenstudien, insbes. zur Biol. des 16. bis 19. Jh.; wiss. Fundierung der prakt. Museumsarbeit durch Aufbau einer Weiterbildungsrichtung Museol.; mehr als 250 Schriften, darunter grundlegende Lehrwerke. Gest. in Berlin.Dem Leben auf der Spur. Die biol. Forschungen A. v. Humboldts. Leipzig 1969; Zur Gestaltung von Ausstellungen in naturhistor. Museen. Teil 1 – 2. Berlin 1977 (mit W. Freydank u. U. Creutz); Carl v. Linné. Leipzig 1978 (mit K. Senglaub); Charles Darwin. Leipzig 1982; Geschichte der Biologie. Jena 1982 (Mithrsg.); Grundzüge der Biologiegeschichte. Jena 1990; Darwin & Co. Bd. 1 – 2 München 2001 (Mithrsg.); Von d. Entomologie zur Biologiegeschichte. Preprint, Berlin 2001. Höxtermann, E., Landsberg, H.: I. J. 75 Jahre. In: Nachrichtenblatt der Dt. Ges. für Geschichte der Medizin, Naturwiss. u. Technik (1997) 1; Wessel, K.-F. et al. (Hrsg.): Ein Leben für die Biologie(geschichte). Bielefeld 2000; Müller-Wille, S. (Hrsg.): Sammeln – Ordnen – Wissen. Preprint MPI für Wissenschaftsgeschichte Berlin (2002) 215.Ekkehard Höxtermann

Wer war wer in DDR

Jähn, Sigmund

* 13.2.1937

Geb. in Morgenröthe-Rautenkranz (b. Klingenthal, Vogtl.); Vater Sägewerkarb.; Grundschule; Sekr. der FDJ-Gruppe in Rautenkranz; 1951 – 54 Ausbildung zum Buchdrucker im VEB Buchdruckerei Falkenstein; 1955 Pionierltr. an der Zentralschule Hammerbrücke; 1955 – 58 KVP bzw. NVA, Offiziersschule der Luftstreitkräfte/Luftverteidigung (LSK/LV), Ltn.; 1956 SED; 1958 – 60 Flugzeugführer; 1961 – 63 Politstellv. einer Staffel des Fliegergeschwaders Marxwalde (heute Hardenberg); 1963 – 65 Ltr. für Lufttaktik u. -schießen im Jagdfliegergeschwader Marxwalde; 1965 Abitur; 1966 – 70 Militärakad. der Luftstreitkräfte der UdSSR, Dipl. rer. mil., Major; 1970 – 76 Inspekteur für Jagdfliegerausbildung/Flugsicherheit im Kdo. LSK/LV; 1976 – 78 Ausbildung im sowj. Kosmonautenzentrum; 26.8. – 3.9.1978 als erster Dt. im Weltraum (Partner von Valeri Bykowski); 1978 – 89 stellv. Ltr. bzw. Ltr. des Zentrums für Kosmonautenausbildung im Kdo. LSK/LV, Oberst; 1979 Held der DDR; seit 1980 als GMS »Falke« bzw. IM »Tanja« beim MfS erf.; 1983 Prom. zum Dr. rer. nat. über die Entw. method. Grundlagen für Auswertung u. Nutzung von Fernerkundungsdaten in der DDR; 1986 Gen.-Major; 1990 Ehrenbürger von Berlin; seit 1989 Berater zur Vorber. von Weltraumflügen bei der Dt. Forschungsanstalt für Luft- u. Raumfahrt in Köln-Porz u. freiberufl. Wissenschaftler, tätig im Projektbüro Euromir der europ. Raumfahrtorg.; 1999 »Goldene Henne«; 2001 wurde ein Asteroid nach J. benannt; Ehrenbürger v. Neuhardenberg.Erlebnis Weltraum. Berlin 1982; 25 Jahre dt. Beiträge zur bemannten Raumfahrt. Berlin 2004. Hoffmann, H.: S. J., der fliegende Vogtländer. Berlin 1999; Horchler, A.: S. J. u. Ulf Merbold. Berlin 2004 (Tonträger); Hoffmann, H.: S. J. – Rückblick ins All. Berlin 2008.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Jahnke, Karl Hans Heinrich

* 3.2.1898 – ✝ 13.8.1961

(* 1898 – † 1961) Geboren am 3. Februar 1898 in Hamburg; besuchte die Mittelschule, anschließend kaufmännische Lehre. 1919 aktiv in der Kommunistischen Jugend und der KPD, auf deren linkem Flügel er stand. Nach der Spaltung 1920 Übertritt zur KAP, 1921 wieder zur KPD zurück. 1923 aktiv am Hamburger Aufstand beteiligt. 1924 kurze Zeit Agitpropleiter des Bezirks Wasserkante, im selben Jahr Mitglied der Hamburger Bürgerschaft. 1924 wegen Beteiligung am Hamburger Aufstand zu mehrjähriger Festungshaft verurteilt, Anfang 1926 amnestiert. 1926 Mitarbeiter der deutsch-sowjetischen Handelsgesellschaft. Als im Februar 1926 in der Bürgerschaft der Justizsenator erklärte, Hugo Urbahns sei ein »Politischer Verbrecher«, griff Jahnke ihn tätlich an, warf ihm Aktenbündel ins Gesicht und schied danach aus dem Hamburger Parlament aus. Bei den Diskussionen von 1926 bis 1928 stand Jahnke auf dem linken Parteiflügel. Da er in der Wittorf-Affäre 1928 gegen Ernst Thälmann auftrat, wurde er Ende 1928 fristlos von der deutsch-sowjetischen Handelsgesellschaft entlassen und aus der KPD ausgeschlossen. Nach der Abspaltung der Trotzki-Gruppe vom Leninbund schloß sich Jahnke 1929 den Trotzkisten an und gehörte zur Leitung der Hamburger Gruppe. 1931 – nach einer Reise seiner Frau in die Sowjetunion – trennte er sich wieder von den Trotzkisten und kapitulierte vor der KPD, die ihn wieder aufnahm. 1932 Angestellter der RGO in Berlin. Nach 1933 mehrmals inhaftiert, trug er von den schweren Mißhandlungen einen Hörfehler davon. 1945 Mitglied der KPD, Betriebsrat in einer Hamburger Firma. Zunächst Mitglied der DAG, dann Mitglied der Ortsverwaltung HBV des DGB in Hamburg. Karl Jahnke starb am 13.August 1961 in Hamburg.

Wer war wer in DDR

Jahsnowsky, Franz

* 29.9.1930

Geb. in Joudreville (Frankreich); Vater Bergmann u. Schmied; aufgew. in Neusiß (Thür.); Internatsschule Neudietendorf, 1947 – 49 Vorstudienanstalt Jena, Abitur; danach Studium der Romanistik u. Sinologie an der FSU Jena; SED; ab 1955 Dolmetscher im diplomat. Dienst; 1956/57 Presseref. der DDR-Botschaft in Vietnam; ab 1957 Mitarb., 1961 stellv. Ltr. der Dolmetscherabt. im MfAA; 1962 – 73 im diplomat. Dienst in Kambodscha, Guinea u. Kongo-Brazzaville; 1967/68 Sektionsltr. Zentralafrika im MfAA; 1973 – 90 Botschafter u. Ltr. der Protokollabt. im MfAA (Nachf. von Horst Hain); Frührentner. Nach 1990 Betreuer von Gruppenreisen; Dolmetscher für Wirtschaftsunternehmen; lebt in Alt-Glienicke.Honeckers Zeremonienmstr. Filmdokumentation von Wolfgang Büning. DEFA/ SFB 1991.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Jakobs, Karl-Heinz

* 20.4.1929 – ✝ 4.11.2015

Geb. in Kiauken (Ostpr.); Mittelschule; 1945 Flakhelfer. 1946 – 48 Gelegenheitsarbeiten (Bauhilfsarb., Bergmann, Hausdiener); Besuch einer Handelsschule; 1948 Maurerlehre; Abendstudium an einer Ing.-Schule; 1950 – 56 Maurer, Sachbearb., Red.-Assistent, Bautechniker, Journalist, Wirtschaftsfunktionär; 1956 Delegierung an das Inst. für Lit. »Johannes R. Becher« in Leipzig; 1958 SED; seit 1958 freischaff. Journalist u. Schriftst. (Prosa, Reportagen, Essays, Lyrik, Funk- u. Fernseharbeiten); 1959 erster Gedichtband »Guten Morgen, Vaterlandsverräter«; 1962 »Beschreibung eines Sommers«, Bestseller mit einer Aufl. von knapp 500.000 Expl., frühes unsentimentales Beispiel der sog. Ankunftslit.; 1963 – 78 häufige Reportagereisen in die UdSSR; 1967/68 zehn Mon. Maurer in einer FDJ-Brigade in Mali; 1972 Heinrich-Mann-Preis; 1973 – 78 Mitgl. im Vorst. d. SV; 1976/77 Hrsg. der Ztschr. »Temperamente«, Ablösung als Hrsg. wegen der Mitunterz. der »Wolf-Biermann-Resolution«; 1977 Ausschl. aus der SED; Mai 1979 Mitunterz. eines Protestbriefs an  Erich Honecker gegen die Verurteilung  Stefan Heyms wegen »Devisenvergehens«, Protest gegen die Kulturpol. u. die Knebelung krit. DDR-Autoren; Juni 1979 Ausschl. aus dem SV (zus. mit acht weiteren Autoren), u. a. wegen krit. Interviews in der Bundesrep. Dtl.; Veröff. des vom Verlag »Neues Leben« abgelehnten Romans »Wilhelmsburg« in Düsseldorf; nach 1979 Publikationsverbot; 1981 Dreijahresvisum für die Bundesrep. Dtl., lebt seitdem in Velbert (b. Essen); 1982 PEN-Zentrum Bundesrep. Dtl.; 1983 Veröff. des autobiogr. Romans »Das endlose Jahr« in der Bundesrep. Dtl.; erste liter. Verarbeitung der Vorgeschichte der »Biermann-Resolution« u. der anschl. Parteiverfahren; Montage mit Erinnerungen einer Überlebenden des sowj. GULAG; 1986 Writer in Residence am Oberlin-College (Ohio); 1986 – 87 Gastvorlesungen an versch. Univ. der USA, Kanadas u. Englands. 1990 – 97 Betreuung einer multikulturellen Sonderseite für dt.-spr. Autoren in der Ztg. »Neues Dtl.«; dokumentar.-fiktionale, alltagsnahe, teilw. iron. Texte mit Themen wie Anpassung, Selbstaufgabe oder Idealverlusten; gest. in Velbert.Eine Pyramide für mich. Berlin 1971; Die Interviewer. Berlin 1973; Tanja, Taschka u. so weiter. Berlin 1975; Wilhelmsburg. Düsseldorf 1979; Die Frau im Strom. München 1982; Leben u. Sterben der Rubina. Roman. Berlin 1999.Andreas Kölling

Wer war wer in DDR

Jänicke, Johannes

* 23.10.1900 – ✝ 30.3.1979

Geb. in Berlin; Vater Stadtmissionar; Gymnasium zum Grauen Kloster in Berlin; Soldat im 1. Weltkrieg; Studium der Theol. an den Univ. Berlin u. Basel; 1925 Ordination u. Stadtvikar in Berlin; 1926 Pfarrer in Luckenwalde, ab 1929 in Halle; 1930 – 33 zugl. Hrsg. der Kirchenztg. »Mut u. Kraft«; ab 1934 Mitgl. des Pfarrernotbunds u. der Bekennenden Kirche; ab 1935 in Palmnicken (Ostpr.); im 2. Weltkrieg Dienst als Sanitäter. 1947 kommissar. Pfarrer u. 1948/49 Dir. des Burkhardthauses in Berlin; 1949 – 55 Propst für Halle u. Merseburg; 13.6.1955 Wahl zum Bischof der Kirchenprovinz Sachsen (Nachf. von Ludolf Müller) u. Domprediger in Magdeburg; stellv. Vors. des Rats der Ev. Kirche der Union; trotz Dialogbereitschaft gegenüber dem Staat aufgrund krit. Engagements wiederholten Angriffen der DDR-Führung ausgesetzt, so nach der Abfassung eines Rechtsgutachtens zu den Kommunalwahlen 1957, das vom SED-PB als »aggressive Hetzschrift« (FAZ 15.7.57) diffamiert wurde; 1956 Dr. h. c. der Univ. Göttingen; 1959 Wladimir-Orden der Russ.-Orthodoxen Kirche; vor der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht in der DDR 1962 Initiator einer Studie mit der Forderung nach einem Ersatzdienst für Wehrdienstverweigerer aus Gewissensgründen; 1967 aus Protest gegen staatl. Vereinnahmung Austritt aus dem staatl. Komitee zur Vorber. der Reformationsfeiern; 1968 Rücktritt aus gesundheitl. Gründen; gest. in Halle. In der Amtszeit J. J.s kam es in der Kirchenprovinz Sachsen zu einer Neuordnung des kirchl. Dienstes, die nichttheolog. kirchl. Mitarb. u. den gewählten Vertretern der Kirchengemeinden deutlich erweiterte Mitwirkungsmöglichkeiten einräumte.Ich konnte dabei sein. Autobiogr. Berlin 1984. Die Aufzeichnungen der Pfarrfrau Eva Jänicke. In: Bergau, M. (Hrsg.): Todesmarsch zur Bernsteinküste. Heidelberg 2006.Roger Sitter / Ehrhart Neubert

Handbuch Deutsche Kommunisten

Jannack, Karl

* 23.1.1891 – ✝ 27.5.1968

Als uneheliches Kind am 23. Januar 1891 in Cölln bei Bautzen geboren, auf dem Dorf aufgewachsen, durchlebte eine schwere Jugend. Einige Zeit als Knecht tätig, dann Schuhmacherlehre, anschließend 1909 auf Wanderschaft. 1909 Mitglied der SPD in Bremen, Anhänger der Bremer Linken. 1913 Soldat, 1915 mit dem EK II ausgezeichnet, im Frühjahr 1916 verschüttet, dann Rückkehr nach Bremen. Mitkämpfer der Bremer Linksradikalen und der Gruppe Arbeiterpolitik, deswegen festgenommen. Jannack entzog sich der »Schutzhaft« durch Freiwilligmeldung. Wieder Soldat und bis zur Revolution 1918 in Saarburg/Lothringen. Am 11. November 1918 kam Jannack nach Bremen zurück, auf Vorschlag des USPD-Führers Alfred Henke zum Leiter des Soldatenrates gewählt. Er schloß sich den Internationalen Kommunisten an und nahm als deren Vertreter am Gründungsparteitag der KPD teil. Im Januar 1919 nach Berlin geschickt, um Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht nach Bremen, einem für sie sicheren Ort, zu holen, doch die KPD-Führer blieben in Berlin. Jannack gehörte zu den Leitern der im Februar 1919 in Bremen proklamierten Räterepublik; nach deren Auflösung Sekretär des KPD-Bezirks Nordwest. Da dieser Bezirk auf dem II. Parteitag 1919 zur ultralinken Opposition zählte, wurde auch ihr Delegierter Jannack aus der KPD ausgeschlossen. Im Oktober 1919 Mitunterzeichner eines Briefes von Heinrich Laufenberg, in dem es hieß: »Fordert die Zentrale auf, sich bei Euch in Bremen zu verantworten. Der brutalen Vergewaltigung gegen Eure Beauftragten setzt Eure Fäuste entgegen.« Jannack schloß sich aber nicht der KAPD an, sondern kam nach einigen Monaten zur KPD zurück. 1920 Mitglied der Bremer Bürgerschaft und Vorsitzender des KPD-Bezirks Nordwest. Auf allen Parteitagen – von 1920 bis 1923 – in den ZA der KPD gewählt. 1922 als Redakteur zum »Ruhr-Echo« in Essen, anschließend Redakteur in Düsseldorf und Köln. Im August 1923 nach Remscheid berufen, wo ihn die KPD-Mehrheit des ADGB zum Gewerkschaftssekretär wählte. Jannack galt als eifriger Anhänger Heinrich Brandlers, deshalb wurde er Mitte 1924 nach dem Sieg der Linken seiner Funktion enthoben. Weil er die Fraktionsarbeit der Brandler-Anhänger leitete und deren Rundbriefe versandte, schloß ihn die KPD am 10. Oktober 1924 aus. Nach dem »Offenen Brief« und der Überprüfung der Ausschlüsse wurde auch Jannack im Oktober 1925 wieder in die KPD aufgenommen. In den folgenden Jahren als Instrukteur bzw. Sekretär in verschiedenen Organisationen wie der Roten Hilfe, der IAH und dem RFB tätig. Er war für die RGI in Schweden, Norwegen, den Niederlanden und Frankreich im Einsatz, kam 1927 wieder nach Deutschland zurück, war kurze Zeit Redakteur an der »Sozialistischen Republik«, dann an der »Welt am Abend« in Essen, wo er Bernhard Menne ablöste. Bei den Auseinandersetzungen mit den Rechten 1928/29 blieb Jannack auf der ZK-Linie. Von 1930 bis Anfang 1933 Bezirksleiter der Roten Hilfe Niederrhein in Düsseldorf. Jannack arbeitete nach 1933 noch kurze Zeit illegal, emigrierte Ende Mai 1933 nach Lothringen/Frankreich, lebte in Saarburg und arbeitete in der Roten Hilfe und an der Zeitung »Humanité«. Seine Frau, die er im Weltkrieg in Saarburg kennengelernt hatte, flüchtete ebenfalls aus Deutschland (sie starb 1940). Von Januar bis Juni 1940 in Frankreich interniert, wurde er im Oktober 1940 von der Gestapo festgenommen und nach Deutschland transportiert. Um einer Verurteilung durch die NS-Justiz zu entgehen bzw. ein möglichst mildes Urteil zu erreichen, bat Jannack in einem Schreiben an das Reichssicherheitshauptamt vom 8. Februar 1942 (HStA Düsseldorf, Gestapo Akte 3594), ihm »die Gelegenheit zu geben, als Soldat des Führers im deutschen Freiheitskampf mitzuarbeiten«. Er führte weiter aus: »Daß ich vor, während und nach der Internierung für nationalsozialistische Ziele tätig war, wird durch zahlreiche deutschgesinnte Lothringer bestätigt. Mit zugehörig zu den Gründern der Deutschen Volksgemeinschaft in Saarburg stellte ich mich sofort in den Dienst der Organisation, zuerst als Zellenleiter, später als Organisationsleiter der Ortsgruppe.« Ungeachtet dieses Briefes wurde Jannack nach sieben Monaten Gestapohaft in Düsseldorf vom OLG Hamm zu 14 Monaten Gefängnis verurteilt, die er in Hamm und Wolfenbüttel verbüßte. Anschließend erfolgte die Überführung in das KZ Buchenwald, wo er bis Kriegsende blieb. Im April 1945 ging Jannack zunächst nach Lothringen, kehrte aber im September 1945 nach Deutschland zurück. Mitglied der KPD, ab Oktober 1945 Sekretär der Kreisbodenkommission in Bautzen, 1946 Vorsitzender der SED Lausitz und er gehörte dem LV Sachsen an. Von Dezember 1946 bis April 1949 war er stellvertretender Landrat des Kreises Bautzen. Am 23.November 1949 erhielt Jannack eine »Rüge« wegen »Fehler und Schwächen«. Als Landrat abgelöst, wurde er 1950 Leiter der Kaderabteilung des Bundesvorstandes der Domowina bzw. der Filiale der Deutschen Notenbank in Bautzen. Von Ende 1952 bis Anfang 1955 leitete Jannack die Abteilung Inneres in der Hauptabteilung Sorbische Volksbildung beim Ministerium für Volksbildung der DDR. In seinen Lebenserinnerungen, »Wir mit der roten Nelke«, die Jannack 1959 in Bautzen veröffentlichte, verdammte er seine früheren Freunde von der Opposition. Im April 1966 erhielt er den VVO in Gold. Karl Jannack starb am 27. Mai 1968.

Wer war wer in DDR

Janz, Karin

* 17.2.1952

Geb. in Hartmannsdorf (b. Lübben); Eltern Lehrer; POS, KJS, Abitur; 1960 – 73 sportl. aktiv als Turnerin beim SC Dynamo Berlin (Trainer: Ellen Bergler, Werner Pöhland); 1974 – 84 Präs.-Mitgl. des DTSB; zweimal Teiln. an Europameisterschaften: 1967 2. Platz (Stufenbarren), 3. Platz (Sprung), 1969 EM im Mehrkampf, beim Sprung, am Stufenbarren u. Schwebebalken, 2. Platz am Boden; bei den Weltmeisterschaften 1970 WM am Stufenbarren, 2. Platz mit der Mannschaft u. beim Sprung, 4. Platz im Mehrkampf; zweimal Teiln. an Olymp. Spielen: 1968 2. Platz (Sprung), 3. Platz mit der Mannschaft u. 4. Platz im Mehrkampf, 1972 Siegerin beim Sprung u. am Stufenbarren, 2. Platz mit der Mannschaft u. im Mehrkampf, 3. Platz am Schwebebalken u. 4. Platz am Boden; Angeh. der DVP, Wachtmstr.; 1973 beendete sie ihre sportl. Laufbahn; zweimal DDR-Sportlerin des Jahres; 1971 – 78 Studium der Med. an der HU Berlin, Dipl.-Med.; 1978 – 81 Assistenz-, dann Stations-, 1987 – 90 Oberärztin in der Orthopädie der Charité Berlin; 1982 Prom. zum Dr. med. mit Diss. über Kniegelenkdiagnose; 1983 Fachärztin; 1989 Habil. zum Dr. sc. med. über künstl. Bandscheiben; Prof. an der HU Berlin; 1990 Chefärztin für Orthopädie im Vivantes-Klinikum in Berlin-Friedrichshain; seit 2008 Präs. Spine Arthroplasty Society.Klaus Gallinat / Olaf W. Reimann

Wer war wer in DDR

Jazdzewski, Ernst

* 14.8.1907 – ✝ 29.5.1995

Geb. in Berlin; Vater Arbeiter; Volksschule; Ausbildung zum Elfenbeinschnitzer u. Zeichner; 1921 Mitgl. u. Funktionär des KJV; 1922 – 28 Studium (Abendkurse) an der Kunstgewerbeschule Berlin; ab 1923 Mitarb. an kommunist. Kinder- u. Jugendztschr. (»Die Trommel«, »Die Junge Garde«); Plakatgestalter u. Buchillustrator für die Verlage Jugend internat. u. Junge Garde, sowie für den Universum-Verlag; 1928 Mitgl. der ASSO; 1932 KPD; arbeitete bis 1933 im Graf. Atelier des ZK der KPD; 1933 Verhaftung, 18 Mon. Gefängnis, danach unter Polizeiaufsicht. 1946 KPD/SED; ständ. pol. Zeichner für das »Neue Dtl.«; ab 1947 Doz. an der Kunst-HS Berlin-Weißensee, 1956 Prof. für Illustrationen u. figürl. Zeichnen; 1959 Kunstpreis der DDR; 1962 VVO; Vors. des Bez.-Verb. Berlin des VBK; 1971 NP; gest. in Berlin.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Jadasch, Anton

* 25.5.1888 – ✝ 17.5.1964

Geboren am 25. Mai 1888 in Kreppitz/Krs. Oppeln als Sohn eines Maschinenwärters; Lehre als Kessel- und Dreschmaschinenheizer. 1902 zunächst Mitglied im Hirsch-Dunckerschen Gewerkverein Deutscher Maschinenbau- und Metallarbeiter, anschließend im DMV. Von 1906 bis 1914 Hüttenarbeiter, danach bis 1919 Bergarbeiter. 1907 Eintritt in die SPD. Bei Ausbruch der Revolution in den Beuthener Arbeiterrat gewählt und Bürgermeister von Lipine/Oberschlesien. Jadasch gehörte zu den Mitbegründern des Spartakusbundes (am 20. Dezember 1918) und der KP Oberschlesien. Im Dezember 1920 schloß sich dieser Bezirk mit der Kommunistischen Partei Oberschlesien (die aus der Sozialistischen Partei Polen – PPS – entstanden war) und der USPD zur Kommunistischen Partei Oberschlesiens zusammen. Sekretär dieser Organisation wurde Jadasch, der auch nach der Rückkehr des Bezirks zur KPD ihr Leiter blieb. Vom VII. Parteitag 1921 für Oberschlesien in den ZA gewählt. 1922 Gewerkschaftssekretär der ultralinken Union der Hand- und Kopfarbeiter. Da diese Organisation ihren Hauptsitz im Ruhrgebiet hatte, siedelte er vorübergehend nach Oberhausen. Im Mai 1924 zog Jadasch als Abgeordneter in den Reichstag ein (Wahlkreis Oppeln), dem er bis 1933 angehörte. Innerhalb der Fraktion bearbeitete er vornehmlich die Bereiche Oberschlesien, Bergbau und Umsiedlerwesen. Im Juni 1924 erneut in den Vorstand der Union der Hand- und Kopfarbeiter gewählt, ging Jadasch aber als Polleiter des KPD-Bezirks wieder nach Oberschlesien. Schon im September 1924 Rückkehr ins Ruhrgebiet, vollzog er gemeinsam mit Gustav Sobottka im folgenden Jahr die Auflösung der Union und überführte die Gruppe Bergbau in den Freien Bergarbeiterverband. Danach leitete Jadasch in Berlin die kommunistische Erwerbslosen- und Landarbeiterbewegung, ab 1929 führend in der RGO tätig. Wegen »Vorbereitung zum Hochverrat« 1932 zu 15 Monaten Festung verurteilt, erhielt er als Reichstagsabgeordneter Strafaussetzung und ging als ZK-Instrukteur nach Ostpreußen und Danzig. Am 25. Februar 1933 im Freistaat Danzig verhaftet, am 7. März 1933 nach Berlin überstellt, wurde er im Mai 1933 in die Festung Groß Strehlitz eingeliefert. Dann kam Jadasch nach Bergedorf bei Hamburg und anschließend in das KZ Fuhlsbüttel. Ende Oktober 1934 frei, zwei Jahre erwerbslos, 1936 wurde er Lagerarbeiter in Berlin-Wittenau. Bei Kriegsausbruch 1939 festgenommen und bis Mitte April 1944 Häftling im KZ Sachsenhausen, dann im Juli 1944 erneut inhaftiert, im August aber wieder entlassen. Er war von Anfang April bis Oktober 1945 Bürgermeister in Berlin-Wittenau und von Oktober 1945 bis April 1946 Kontrolleur bei der Deutschen Verwaltung für Umsiedler. Im Auftrag des SED-PV ab April 1946 Mitbegründer der Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe. Er leitete die VdgB als Generalsekretär vom 1. Januar 1947 bis 15.August 1949. Für die VdgB war er auch Abgeordneter des Landtags von Brandenburg. Von August 1949 bis Januar 1950 Erster Vorsitzender der Gewerkschaft Land und Forst, ab Februar 1950 stellvertretender Vorsitzender. In den fünfziger Jahren spielte Jadasch politisch keine Rolle mehr, er lebte als Rentner in West-Berlin, kandidierte im November 1954 für die SED bei den Wahlen zum West-Berliner Abgeordnetenhaus. Er erhielt 1958 anläßlich seines 70. Geburtstages den Orden »Banner der Arbeit«. Anton Jadasch starb am 17.Mai 1964 in Ost-Berlin. Marc Erath veröffentlichte 2003 eine biographische Skizze über Anton Jadasch.Siegfried Kuntsche / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Jäger, Hans

* 10.2.1899 – ✝ 12.10.1975

Geboren am 10. Februar 1899 in Berlin, Sohn eines Bildhauers. Nach dem Abitur 1917 Soldat, von 1919 bis 1922 Studium der Geschichte. Danach Publizist und Redakteur. Ab 1919 Mitglied der KPD (1920 kurzfristig in der KAPD), Funktionär in verschiedenen KPD-Organisationen und Mitarbeiter an Parteizeitungen. Jäger engagierte sich besonders in der Liga gegen Imperialismus und im Bund proletarisch-revolutionärer Schriftsteller. Ab 1925 Mitglied des Instituts für Sozialforschung in Frankfurt/M. und Leiter des Marx-Engels-Verlages. 1929 Organisator des 2. Kongresses der Liga gegen Imperialismus und 1932 deren Reichsleiter. Zeitweilig Abteilungsleiter in der Agitpropabteilung des ZK der KPD, führend bei den Aktivitäten unter Intellektuellen und in nationalrevolutionären Kreisen. Jäger galt als einer der Ideologen der KPD. Er emigrierte im März 1933 nach Prag. Hier erschien 1933 sein Buch »Das wahre Gesicht der NSDAP«. Bei einem Moskau-Aufenthalt lehnte er es ab, den Marx-Engels-Verlag in Leningrad zu übernehmen. Im Juni 1935 trat er aus der KPD aus und wurde von der IKK der Komintern ausgeschlossen. Von Prag aus über Polen und Kopenhagen nach London emigriert, hatte Jäger Verbindungen zu unterschiedlichsten Anti-Hitler-Gruppen und war in vielen davon aktiv. Von Juni 1940 bis März 1941 in England interniert, gehörte er dann in London dem Kulturforum an, einer Gegenorganisation zum kommunistisch dominierten Freien Deutschen Kulturbund. Gegen Kriegsende näherte er sich der SPD an. Jäger wurde 1944 britischer Staatsbürger und trat nach dem Krieg vor allem für die deutsch-britische Verständigung ein. Er wurde durch zahlreiche Vorträge und Publikationen bekannt und erhielt 1969 das Große Bundesverdienstkreuz. Hans Jäger starb am 12.Oktober 1975 in London.

dissidenten.eu

Jahn, Roland

Roland Jahn ist einer der markantesten DDR-Regimekritiker. Er stand stellvertretend für die Jenaer Friedensbewegung, die ihren Höhepunkt in den Aktivitäten der Friedensgemeinschaft Jena fand. Bedeutungsvoll war ebenso sein Engagement, mit dem er nach seiner Zwangsausbürgerung 1983 von West-Berlin aus die DDR-Opposition unterstützte.Roland Jahn wurde am 14. Juli 1953 in Jena geboren. Seine Mutter war als Buchhalterin an der Universität in Jena tätig, sein Vater als Konstrukteur im VEB Carl Zeiss Jena. Als ehrenamtlicher Sportfunktionär beim traditionsreichen Fußballklub Carl Zeiss Jena infizierte er auch Roland Jahn mit seiner Fußballbegeisterung, sodass dieser sich einige Jahre später als Nachwuchstalent beim 1. FC Carl Zeiss erfolgreich bis hin zur DDR-Junioren-Oberliga kickte. Nach der Mittleren Reife an einer Schule mit Russisch-Spezialunterricht legte Roland Jahn 1972 das Abitur ab. Anschließend musste er als Wehrpflichtiger zur Kasernierten Bereitschaftspolizei nach Rudolstadt (Thüringen). Er wertete später die Militärzeit als schwersten Bruch in seiner Jugend. In Gewissenskonflikte stürzen ihn Übungen für Einsätze bei imaginären Studentenunruhen in seiner Heimatstadt und die Erkenntnis, dass er selbst der zu bekämpfende Feind sein könnte. Nach seiner Entlassung kehrte Jahn 1974 nach Jena zurück. Dort opponierten immer mehr Jugendliche mit ihrer individuellen Lebensweise gegen die vom Staat verordnete Lebenseinstellung. Man traf sich privat, in den Räumen der Jungen Gemeinde, bei Wanderungen, in Lyrik- und Lesekreisen, organisierte kleine Kunstausstellungen und eigene Feste. Einige hatten Kontakte zu oppositionellen Persönlichkeiten wie *Robert Havemann, *Wolf Biermann und Jürgen Fuchs. Langsam entstand in Jena eine feste Solidargemeinschaft. 1975 begann Jahn ein Studium der Wirtschaftswissenschaften in Jena. Als er die Ausbürgerung *Wolf Biermanns 1976 kritisierte, wurde er exmatrikuliert. Er musste zur „Bewährung in die Produktion“ und arbeitete als Transportarbeiter im VEB Carl Zeiss Jena. 1978 lernte er Petra Falkenberg kennen. Gemeinsam beteiligten sie sich an der Betreuung von inhaftierten Freunden. Ihre Tochter Lina kam 1979 zur Welt. In kleinen Diskussionskreisen diskutierten sie über „Die Alternative“ von *Rudolf Bahro und andere theoretische Schriften. Am 12. April 1981 kam Jahns zwei Tage zuvor verhafteter Freund Matthias Domaschk in der Stasi-Untersuchungshaftanstalt Gera unter bis heute nicht geklärten Umständen ums Leben. Das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) verbreitete, er habe sich mit dem eigenen Hemd erhängt. Der Tod von Matthias Domaschk wirkte wie ein Fanal für oppositionelle Aktivitäten. Zum ersten Todestag von Domaschk schaltete Jahn eine Anzeige in der Thüringer SED-Zeitung. Bewusst doppeldeutig formulierte er: „Wir gedenken unseres Freundes Matthias Domaschk, der im 24. Lebensjahr aus dem Leben gerissen wurde.“ Unterschrift: „Seine Freunde“. Jahn schnitt die Annonce aus den Zeitungen aus und klebte diese in der darauffolgenden Nacht im Zentrum von Jena an vielen Stellen an. Ein enger Freund, der Bildhauer Michael Blumhagen, fertigte zudem eine Skulptur zum Gedenken an Domaschk und stellte diese zu Ostern 1982 auf dem Friedhof auf. Heimlich will das MfS die Plastik verschwinden lassen, doch Jahn kann den Abtransport fotografieren. Die Bilder gingen über den Schriftsteller Lutz Rathenow, den Jahn schon seit seiner Schulzeit kannte und der inzwischen in Ost-Berlin wohnte, und einen in der DDR akkreditierten westdeutschen Journalisten über die Grenze zu Jürgen Fuchs nach West-Berlin. Sie wurden wie andere Fotos aus Jena in westdeutschen Magazinen veröffentlicht. In den Jahren 1982/83 wuchs auch in Jena der Protest gegen die zunehmende Militarisierung der DDR und die Atomraketenstationierung in Ost und West. Die Jugendlichen versuchten, ihre Forderungen öffentlich zu machen. Postkarten wurden als Flugblätter genutzt und im ganzen Land verbreitet. Man gab Informationen an Jenenser, die in West-Berlin lebten, oder direkt an Westkorrespondenten weiter: „Wir schaffen Öffentlichkeit. Von Jena direkt in die Tagesschau und wieder zurück nach Jena und in die ganze DDR.“ Bei einem der zahlreichen Verhöre durch Polizei und MfS wurde Jahn zu verstehen gegeben: „Du bist wie Gift! Gift gehört in den Giftschrank, und der muss abgeschlossen werden.“ Neben dem Berliner Appell von *Rainer Eppelmann und *Robert Havemann und dem Friedensforum an der Dresdener Frauenkirche erzielten die Jenaer Aktivitäten die größte öffentliche Aufmerksamkeit in der DDR. Am 1. Mai 1982 ging Roland Jahn zur alljährlich stattfindenden offiziellen Maiparade. Er hatte die eine Gesichtshälfte als Hitler und die andere als Stalin geschminkt und frisiert und nahm so neben der SED-Tribüne stehend die Parade mit ab. Sein Freund Manfred Hildebrandt fotografierte ihn in dieser Maskerade. Das Foto wurde als Postkarte verbreitet. Monatelang fuhr Jahn mit einem polnischen Nationalfähnchen am Fahrrad durch Jena. Als Reaktion auf das *Kriegsrecht in Polen trug das Fähnchen die polnische Aufschrift „Solidarität mit dem polnischen Volk“. Am 1. September 1982 wurde er wegen „Missachtung staatlicher Symbole“ verhaftet. Nach fünf Monaten Isolationshaft folgte im Januar 1983 die Verurteilung zu 22 Monaten Freiheitsstrafe wegen „öffentlicher Herabwürdigung der staatlichen Ordnung“ und „Missachtung staatlicher Symbole“. Unter dem Druck der Gefängnissituation gelang es seinem Anwalt, ihn zu überreden, die Ausreise in den Westen zu beantragen. Hintergrund für diese Entscheidung war zugleich die Entwicklung in Jena. Im Januar und Februar 1983 fand dort eine Verhaftungswelle statt, von der auch Petra Falkenberg betroffen war. Allen drohte eine mehrjährige Haftstrafe. Freunde, besonders Lutz Rathenow, organisierten Solidaritätsaktionen und Proteste im In-und Ausland. Amnesty International und Vertreter der westdeutschen Grünen und der bundesdeutschen Friedensbewegung meldeten sich zu Wort. Im ARD-Magazin „Report“ wurde ein Beitrag über die sich zuspitzende Situation in Jena gesendet. Im Februar 1983 sah sich die SED-Führung gezwungen, fast alle aus der Haft in die DDR zu entlassen. Die unverhoffte Freilassung gab Jahn wieder Auftrieb. Er widerrief den Ausreiseantrag mit der Erklärung, dieser sei ihm unter Druck abgenötigt worden.Im März 1983 gründete Jahn mit Thea und Michael Rost, Andreas Friedrich, Ute Hinkeldey und anderen die „Friedensgemeinschaft Jena“. Sie war außerkirchlich organisiert und trat als erste Oppositionsgruppe demonstrativ in der Öffentlichkeit auf. In einer christlich-pazifistisch geprägten Konzeption wurde in der Tradition der französischen bürgerlichen Revolution formuliert: „Was wollen wir: Frieden zwischen den Menschen als Voraussetzung zum Leben, als Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ mit dem Zusatz „unter Verzicht auf Gewalt“. Am 18. März 1983 ging die Friedensgemeinschaft mit eigenen Plakaten zu einer offiziellen Demonstration, die an den Bombenangriff auf Jena 1945 erinnerte. Wiederholt wurde diese Aktion bei der offiziellen Friedensdemonstration der Freien Deutschen Jugend (FDJ) am 19. Mai 1983, die ausschließlich gegen die Stationierung der NATO-Raketen gerichtet sein soll. Jahn und seine Freunde trugen Transparente mit Aufschriften wie „Abrüstung in Ost und West“, „Militarisierung raus aus unserem Leben“, „Schwerter zu Pflugscharen“, „Verzichtet auf Gewalt“, „Ohne Frieden keine Zukunft“. Die Staatssicherheit organisierte vermeintlichen Volkszorn: Die Demonstranten wurden von Staatsdienern geschlagen, Jahn das Transparent entrissen und zerstört. Aber es konnte nicht verhindert werden, dass Fotos von diesen Demonstrationen und dem Vorgehen des MfS im Westen veröffentlicht und im Osten verteilt wurden. Von Jena aus gingen Impulse in die wachsende unabhängige Friedensbewegung im ganzen Land. Am 22. Mai 1983 ging Jahn mit dem Plakat „Schwerter zu Pflugscharen“ zur zentralen Kundgebung der FDJ in Potsdam. Das Plakat wurde ihm entrissen, er wurde geschlagen und festgenommen. Wenige Tage später, am 8. Juni, wollten ihn die Häscher endgültig loswerden. Es gelang ihm jedoch, noch einmal zu fliehen und Freunde zu benachrichtigen. Daraufhin wurden ihm Knebelketten angelegt. Am Grenzbahnhof zur Bundesrepublik wurde er in einem Zug Richtung Westdeutschland angekettet und so zwangsweise in den Westen abgeschoben. Dies war der spektakulärste Rausschmiss seit der Ausbürgerung von Wolf Biermann. Jahn wollte zurück in die DDR. Doch seine Proteste halfen nichts, weder ein Schreiben an DDR-Staatschef Honecker, noch die persönliche Intervention beim Uno-Generalsekretär. Was ihm die erste Zeit im Westen erleichterte, war das Wiedersehen mit seiner Tochter und seinen Freunden. Erst eine illegale Reise 1985 nach Jena relativierte seinen verklärten Blick auf die DDR. Ost-Berliner Oppositionelle, mit denen er sich auf der Rückreise traf, ermunterten ihn, im Westen zu bleiben, da er für ihre Sache dort hilfreicher sei. Roland Jahn wurde neben Jürgen Fuchs, auch als dessen Partner, zum wichtigsten Unterstützer der DDR-Opposition im Westen. Beide drängten immer wieder auf die Beschäftigung mit der Menschenrechtsfrage: In den westdeutschen Auseinandersetzungen um das Verhältnis zur DDR wies Jahn wiederholt darauf hin, dass es nicht um menschliche Erleichterungen für DDR-Bürger, sondern um deren Menschenrechte gehe. Er besorgte Vervielfältigungsgeräte und Druckmatrizen, Videokameras, Computer, Bücher und Zeitungen und sorgte dafür, dass sie in der DDR auch an die richtigen Leute gelangten. Jahn vermittelte der DDR-Opposition Kontakte zu westlichen Politikern, Journalisten und Diplomaten. Er sammelte systematisch Informationen über den Widerstand in der DDR und wirkte aufklärend im Westen. Als freier Journalist arbeitete er für die Ost-Berlin-Seite der West-Berliner „tageszeitung“, für das Fernsehmagazin „Kontraste“ und richtete mit „Radio Glasnost“ im West-Berliner Privatsender „Radio 100“ eine eigene Rundfunksendung für die ostdeutschen Gesellschaftskritiker ein. Jahn betrieb quasi privat eine erfolgreiche Nachrichtenagentur, seit Mitte 1987 unterstützt von Rüdiger Rosenthal. Bei allen wichtigen Ereignissen bis zum Herbst 1989 war er vom Westen aus beteiligt. Er erkannte und förderte als einer der wenigen das revolutionäre Potenzial der Ausreisebewegung und im Sommer 1989 der neuen Bürgerbewegungen und Parteien. In unzähligen Telefongesprächen mit ostdeutschen Regimekritikern diskutierte er die politische Lage und entwarf Handlungsstrategien. In den Medien berichtete er meistens unter dem Pseudonym „Jan Falkenberg“ und erreichte so auch die ostdeutschen Wohnzimmer. Die DDR-Machthaber erkannten in Jahn ihren „Hauptfeind“ und planten seine Verfolgung auch im Westen. Spitzel wurden angesetzt, sein Telefon rund um die Uhr abgehört. Mit „Zersetzungsmaßnahmen“ versuchte das MfS, Jahns Ruf zu schädigen und seinen Einfluss zu schmälern. Er wurde unter anderem der Mitarbeit im westlichen Geheimdienst verleumdet. Obwohl er in West-Berlin lebte, wurde am 22. Dezember 1987 von der DDR-Justiz ein Haftbefehl gegen ihn erlassen wegen „landesverräterischer Nachrichtenübermittlung“. Die Verfolgung wurde erst am 12. Dezember 1989 eingestellt.Nach dem Mauerfall beteiligte sich Jahn an der Auflösung der MfS-Bezirksverwaltung Gera. Er begleitete die Auflösung der Staatssicherheit in Berlin und die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit der SED-Diktatur journalistisch auch nach der deutschen Einheit. Ab 1991 war Jahn beim Politmagazin „Kontraste“ des Senders Freies Berlin fest angestellt. 2011 wählte der Deutsche Bundestag Roland Jahn in Nachfolge von Joachim Gauck und Marianne Birthler zum dritten Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen.

Wer war wer in DDR

Jahn, Roland

* 14.7.1953

Geb. u. aufgew. in Jena; Vater Konstrukteur für wiss. Gerätebau, Mutter Buchhalterin; 1972 Abitur; anschl. bis 1974 Grundwehrdienst bei der Bereitschaftspolizei in Rudolstadt; seit 1974 Mitarb. in versch. opp. Gruppen u. Lesekrs. in Jena; erste publizist. Beiträge für westl. Medien; 1975 Aufnahme eines Studiums der Wirtschaftswiss. in Jena, Feb. 1977 Exmatrikulation nach Protest gegen die Ausbürgerung  Wolf Biermanns; ab März 1977 »Bewährung« als Transportarb. im VEB Carl Zeiss Jena; ab 1980 öffentl. Unterstützung für die poln. Gewerkschaft Solidarność, Protest gegen das Kriegsrecht in Polen; nach Protestaktion gegen die Militärparade am 1.5.1982 mehrmalige Festnahmen u. Verhöre durch VP u. MfS; Sept. 1982 Verhaftung wegen Mitführens der poln. Nationalfahne mit der Aufschrift »Solidarität« am Fahrrad, nach sechs Mon. U-Haft u. totaler Aussageverweigerung im Jan. 1983 nach § 220 StGB (öffentl. Herabwürdigung der staatl. Ordnung) u. § 222 StGB (Mißachtung staatl. Symbole) Verurteilung zu 18 Mon. Freiheitsstrafe; Feb. 1983 vorz. Haftentlassung aufgrund internat. Proteste; März 1983 Mitbegr. der außerkirchl. opp. Gruppe »Friedensgemeinschaft Jena«, dort zuständig für Öffentlichkeitsarbeit; März 1983 Teiln. an offiz. Demonstrationen mit eigenen Plakaten, u. a. »Schwerter zu Pflugscharen«; Übermittlung von Informationen opp. Gruppen an westl. Medien; 8.6.1983 Ausbürgerung u. Zwangsabschiebung in die Bundesrep. Dtl.; seitdem einer der wichtigsten Organisatoren der Veröff. von Informationen über die DDR-Opp. in der Bundesrep. Dtl. 1985 – 87 Studienprojekt »Opp. in der DDR« am Hamburger Inst. für Sozialforschung; dann freier Journalist, u. a. für »Radio Glasnost« u. »die tagesztg.«; ab 1991 angestellter Red. beim SFB-Magazin »Kontraste«; 1996 Mitgl. im Beirat der Robert-Havemann-Ges. u. ab 1999 des Fachbeirats der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur; 1998 Bundesverdienstkreuz; 2005 Einheitspreis der Bundeszentr. für pol. Bildung; seit 2011 Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR (Nachf. von Marianne Birthler).Wendezeiten 1990/91. »Kontraste« auf den Spuren einer Diktatur. Dok. der Zeitgeschichte (Videokassette, 2000). Jahn, W.: »Du bist wie Gift«. Erinnerungen eines Vaters. Erfurt 1996; Kowalczuk, I.-S.: Für ein freies Land mit freien Menschen. Berlin 2006; G. Praschl: R.J. - Ein Rebell als Behördenchef. Berlin 2011 (Biogr.).Silvia Müller / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Jahnen, Ewald

* 1901 – ✝ 6.3.1936

Geboren 1901 in Kupferdreh bei Essen, Sohn einer Arbeiterfamilie; Schlosser. Mitglied der USPD, 1920 der KPD. 1925 Mitbegründer des RFB in Essen, er gehörte der Gauführung für das Ruhrgebiet an. 1929 Angestellter der RGO, seit 1930 Mitarbeiter des AM-Apparates der KPD. 1932/33 unter dem Decknamen Egon Kursant an der M-Schule der Komintern in Moskau. Nach Rückkehr stellvertretender Reichsleiter im BB-Ressort des AM-Apparates der KPD, arbeitete eng mit Wilhelm Bahnik und Hans Israel zusammen. Über Jahnen liefen wichtige Informationen aus dem Heereswaffenamt und aus der bei Osram agierenden Gruppe um den Ingenieur Dr. Felix Bobek und Gerhard Diehl zusammen. Diese Nachrichten gelangten über die Tschechoslowakei zur Auslandsleitung der KPD und in die Sowjetunion. Durch Verrat flog die Gruppe auf, Jahnen wurde am 16. Mai 1935 verhaftet. Schwer mißhandelt, unternahm er einen Selbstmordversuch, als die Gestapo versuchte, ihn zum Verrat zu bewegen. Ewald Jahnen starb am 6. März 1936 im Gefängnis Moabit an den Folgen der Folterungen im KZ Columbiahaus. Jahnens Frau Helene, geborene Linde (* 17. 12. 1907 – † 29. 12. 2001), war Verkäuferin und seit 1929 in der KPD, bis 1935 technische Mitarbeiterin im AM-Apparat. Wenige Tage vor der Verhaftung Jahnens konnte sie mit ihrem Sohn Ewald (* 24. 8. 1931) in die Sowjetunion emigrieren. In Moskau unter dem Namen Else Krause Deutschlehrerin, lernte den österreichischen Schutzbündler und Kursanten der Leninschule Eduard Lange, Parteiname Hans Ricker (*1906), kennen. Dieser war bis zu seiner Flucht Schutzbundkommandant von Stadl Paura (Oberösterreich). Ende 1936 als »feindliches Element« von der Leninschule und aus der KPÖ ausgeschlossen, wurde er am 10. Februar 1937 vom NKWD verhaftet und acht Monate später wegen »antisowjetischer Agitation und Propaganda« zu zehn Jahren Lager verurteilt. Lange kam Ende 1942 nach zwei weiteren Verurteilungen im Gulag ums Leben. Als Helene Jahnen die Verurteilung ihres Lebensgefährten dem Leiter der Überführungskommission Walter Dittbender mitteilte, wurde ihre Parteimitgliedschaft aufgehoben. Mit ihren Söhnen Ewald und Heinz Dieter (* 24. 8. 1937 in Moskau) kam sie erst im Juni 1954 in die DDR. 2008 veröffentlichte Siegfried Grundmann über Ewald Jahnen eine Monographie.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Jahnke, Paul

* 13.8.1893 – ✝ 27.10.1951

Geboren am 13. August 1893 in Pasewalk; Maschinenbaulehre. 1916 Einberufung zum Militär, aus dem er 50 Prozent kriegsbeschädigt entlassen wurde. Jahnke wurde 1917 Mitglied der USPD, 1919 der KPD und ging 1920 zur KAP. 1922 wieder KPD, Sekretär im UB Berlin-Nordost. Im Mai 1933 Polleiter in der illegalen KPD Bremen. Da Jahnke in dieser Funktion »versagte«, 1934 nach Frankreich in die Emigration abgeschoben. Die Nazi-Justiz verurteilte ihn 1936 in Abwesenheit zum Tode. Von November 1936 bis Februar 1939 kämpfte Jahnke als Angehöriger der Internationalen Brigaden. Er war Politkommissar in Albacete und anschließend technischer Leiter einer Parteischule. 1939 emigrierte er nach Norwegen und kam mit Unterstützung der »Nansen-Hilfe« 1940 nach Schweden. Dort interniert, wurde er zeitweise von der KPD-Gruppe in Schweden »abgehängt«. Während der Internierung begann Jahnke mit Hanna Sandtner eine Lebensgemeinschaft. Beide kehrten im März 1946 nach Deutschland zurück. Er wurde Funktionär in der SED Berlin Prenzlauer Berg. Anschließend Personalchef beim Berliner Verlag, nach Auseinandersetzungen mit dem Chefredakteur Rudolf Herrnstadt schied Jahnke aus dem Verlag aus und trat in die Volkspolizei ein. Er war Innendienstleiter Berlin-Prenzlauer Berg, anschließend Leiter der Pressestelle im VP-Präsidium von Ost-Berlin. 1951 wurde er wegen seiner Westemigration aus dem aktiven Dienst entlassen, war dann Werkleiter des VEB Berliner Aufzugbau. Paul Jahnke starb am 27. Oktober 1951 im Polizeikrankenhaus von Ost-Berlin.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Jäkel, Paul

* 7.4.1890 – ✝ 12.2.1943

Geboren am 7. April 1890 in Kleinhelmsdorf bei Liegnitz/Schlesien, Sohn einer Heimarbeiterfamilie. Lehre und Arbeit als Maurer und Waldarbeiter, ab 1907 Wandergeselle, 1908 Mitglied der SPD. Von 1912 bis 1918 Militärdienst und Weltkriegsteilnehmer. Jäkel war als Angehöriger der Kriegsmarine bei der Küstenartillerie in Belgien stationiert. Anfang November 1918 war er Mitglied des Arbeiter- und Soldatenrates in Belgien, ging Ende des Monats nach Chemnitz, wo er sich der USPD anschloß, 1919 Übertritt zur KPD. Er arbeitete nach dem Krieg als Maurer in Dresden. 1921 hauptamtlicher Funktionär, zuerst in der Gewerkschaft, dann in der KPD. 1920 2. Vorsitzender des Verbandes der ausgeschlossenen Bauarbeiter in Chemnitz, nahm Ende 1922 als Delegierter am II. RGI-Kongreß in Moskau teil. Nach Auflösung des Verbandes der ausgeschlossenen Bauarbeiter und der Rückführung der Mitglieder in die Freien Gewerkschaften wurde Jäkel 1924 Leiter der KPD-Gewerkschaftsabteilung und Mitglied des Sekretariats der BL Erzgebirge-Vogtland. Im Frühjahr 1930 Leiter der neugebildeten RGO-BL Sachsen in Leipzig, er gehörte auch der KPD-BL Sachsen an. Im Februar 1931 wurde Jäkel Sekretär für Gewerkschaftsfragen der BL Sachsen. 1932 vom ZK nach Berlin geholt, nahm er in der RGO eine führende Position ein. Im November 1932 im Wahlkreis Leipzig in den Reichstag gewählt. Er blieb 1933 zunächst Leiter der RGO in Sachsen, im Juli Emigration in die Tschechoslowakei. Dort leitete er unter dem Decknamen Jan Dietrich die RGO-Grenzarbeit. Im Januar 1934 ging Jäkel in die Sowjetunion und war bis 1937 als Sekretär in der RGI und anschließend in der deutschen Sektion der Komintern. Im Oktober 1941 nach Ufa evakuiert, war er dort für die Betreuung von Emigranten verantwortlich. Jäkel arbeitete als Politinstrukteur unter deutschen Kriegsgefangenen und starb am 12.Februar 1943 in einem Kriegsgefangenenlager in Mitschurinsk an Typhus.

Wer war wer in DDR

Jaldati, Lin

* 13.12.1912 – ✝ 31.8.1988

Geb. in Amsterdam; Vater Obst- u. Gemüsehändler; Grundschule; 1926 – 32 Arbeiterin in einem Textilbetrieb; daneben Tanzstudium; 1932/33 Tänzerin im Niederländ. Ballett, 1934 – 38 in der Revue von Bob Peters u. der Bouwmeesterrevue; 1936 KP der Niederl.; seit 1938 Zusammenarbeit mit dem aus Dtl. emigrierten Pianisten u. Musikwiss.  Eberhard Rebling; 1939/40 eigene Programme mit Solotänzen u. jidd. Liedern; daneben Tanzstudium bei Olga Preobrashenskaja in Paris u. Gesangsunterricht bei Erhard E. Wechselmann in Den Haag, jüd. Theaterarbeit in Amsterdam; 1940 – 44 Teiln. am antifa. Widerstandskampf in den Niederlanden u. illeg. Hauskonzerte mit jidd. Liedern; 1944 Verhaftung, KZ Westerbork, Auschwitz, 1945 Befreiung in Bergen-Belsen. 1945 – 51 Konzerte mit jüd. Programmen in den Niederl., Gastspiele in skandinav. Ländern, Zürich, Warschau, Łódź, Prag u. Berlin; zahlr. Rundfunkaufn. mit jidd. Liedern; daneben weiter Gesangsstudium bei Paula Lindberg in Amsterdam; 1949 Teiln. am 1. Weltfriedenskongreß in Paris; 1952 Übersiedl. in die DDR; bis 1988 Verbreitung des jidd. Lieds in der DDR; Erweiterung des Repertoires mit Liedern von  Hanns Eisler,  Louis Fürnberg,  Paul Dessau sowie Volks-, Partisanen- u. Friedensliedern vieler Völker; Gastspiele in beinahe allen Ländern Europas, in Indien sowie Ost- u. Südostasien; zahlr. Hörfunk- u. Fernsehprod. sowie Schallplattenaufnahmen; nach dem Sechs-Tage-Krieg 1967 in Israel nur noch sehr vereinzelt Konzerte in der DDR; 1975 Comeback; seit 1979 Zusammenarbeit mit Tochter Jalda Rebling als Schauspielerin u. seit 1982 mit Tochter Kathinka Rebling als Geigerin; als Familienensemble Konzertreisen mit jidd. Liedern in mehrere Länder Westeuropas, nach Israel u. in die USA; in den 60er Jahren Mitw. als Beraterin in der Singebew.; aktives Mitgl. der Lagergem. Auschwitz, des Friedensrats u. des Komitees für Menschenrechte der DDR. Nach dem Tod zahlr. CD-Veröff. mit jidd. Liedern in Dtl. u. der Schweiz, z.T. Aufnahmen mit Eberhard Rebling u. dem Familienensemble.Es brennt, Brüder, es brennt. Jidd. Lieder. Berlin 1966, erw. Neuausgabe 1985 (mit Eberhard Rebling); Sag nie, du gehst den letzten Weg. Berlin 1986; erw. Neuausgabe Marburg 1995 (Autobiogr., mit Eberhard Rebling).  Heimlich, D.: L. J. Berlin 1964.Christoph Links

Handbuch Deutsche Kommunisten

Janka, Albert

* 17.5.1907 – ✝ 7.3.1933

Geboren am 17. Mai 1907 in Chemnitz, Sohn eines Werkzeugmachers; lernte Schlosser. Janka, der mit an der Spitze der Chemnitzer Arbeiterjugend stand, trat dem KJVD und der KPD bei und wurde nach Ausübung mehrerer Funktionen im Jugendverband und in der Partei an die Internationale Leninschule nach Moskau delegiert. Zurückgekehrt nach Deutschland wurde Janka 1930 Sekretär der KPD für den UB Erzgebirge-Vogtland. Als sehr guter Redner erhielt er bei Massenversammlungen viel Beifall, er wurde im Juli 1932 im Wahlkreis Chemnitz als Abgeordneter in den Reichstag gewählt. Am 7. März 1933 verhaftet, in das KZ Reichenbach gebracht und dort gefoltert. Die NS-Presse behauptete fälschlicherweise, er habe sich zur NSDAP bekannt. Wenige Tage vor seinem 26. Geburtstag wurde Albert Janka am 13. April 1933 von der SS erschlagen und zur Vertuschung an einem Kronleuchter im ehemaligen Volkshaus aufgehängt. Walter Janka (*29. 4. 1914 – † 17. 3. 1994), sein jüngerer Bruder, berichtete 1991 in seinen Erinnerungen »Spuren eines Lebens« über den Mord an Albert Janka und dessen Beisetzung in Reichenbach.

Wer war wer in DDR

Janßen, Horst

* 10.7.1929

Geb. in Marburg (Lahn); Vater kfm. Angest.; 1936 – 44 Volksschule in Magdeburg; 1944/45 Reichsbahnjunghelfer. 1945 – 48 Tischlerlehre; 1948 – 50 Geselle; 1949 SED; 1950/51 Schulungsltr. bei der Bauunion Magdeburg; 1951 Lehrgang an der DVA; 1951 Lehrer für Ges.-Wiss. an der FS für Bauwesen Glauchau; 1952 in der Kaderabt. des Min. für Aufbau tätig; 1955 Eintritt in das MfS, HA III (Sicherung der Volkswirtschaft); 1960 – 65 Fernstudium an der JHS Potsdam-Eiche, Dipl.-Jur.; 1972 Ltr. der Arbeitsgr. XVII (Besucherbüro Berlin-West), 1973 Oberst; 1986 VVO; 1990 Entlassung.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Jarowinsky, Werner

* 25.4.1927 – ✝ 22.10.1990

Geb. in Leningrad; Vater Arbeiter; in den 30er Jahren nach Dtl. übergesiedelt; Volksschule; 1941 – 43 Ausbildung zum Industriekfm.; 1943 – 45 Wehrdienst. 1945/46 KPD/SED; Jugendfunktionär in Zeitz; Angest. bei der VP; 1945 – 47 Vorstudienanstalt Halle, Abitur; 1948 – 51 Studium der Wirtschafts- u. Rechtswiss. an der MLU Halle u. der HU Berlin, Dipl.-Wirtsch.; 1951 – 56 Doz. an der HU; Diss. über die Planung des soz. Handels, Juni 1956 Dr. rer. oec. an der KMU Leipzig; 1956/57 Ltr. des Forschungsinst. für den Binnenhandel; 1957/58 Ltr. der HV u. 1959 – 63 Staatssekr. im Min. für Handel u. Versorgung; 1963 – 89 Mitgl. des ZK der SED, Kand. des PB u. Sekr. des ZK, verantw. für Handel u. Versorgung, später auch für Kirchenfragen; 1963 – 11.1.1990 Abg. der Volkskammer, 1971 Vors. des Aussch. für Handel u. Versorgung; 1977 u. 1987 KMO; ab 1984 Mitgl. des PB des ZK der SED; Nov. 1989 Stellv. des Präs. der Volkskammer; Nov. 1989 – 10.1.1990 Fraktionsvors. der SED bzw. SED-PDS in der Volkskammer; Dez. 1989 mit dem PB zurückgetreten; 20.1.1990 Ausschl. aus der SED-PDS.Wesen, Funktionen u. Hauptaufgaben des Binnenhandels in der DDR. Berlin 1955; Die Funktion der Planung des sozialist. Handels der DDR. Leipzig 1959; Alles für das Wohl des Volkes. Ausgewählte Reden u. Aufsätze. Berlin 1987.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Jendretzky, Hans

* 20.7.1897 – ✝ 2.7.1992

Geb. in Berlin; Vater Buchdrucker; Volksschule; Ausbildung zum Metallarb.; bis 1926 Arbeiter; 1912 – 16 Mitgl. der Metallarbeiterjugend; 1916 DMV; 1919 USPD; 1920 KPD; 1923 Dt. Verkehrsbund; 1919 – 27 gewerkschaftl. Funktionen auf regionaler u. betriebl. Ebene; 1927 – 29 Gauführer des RFB Berlin-Brandenb.; 1929 – 32 Sekr. der KPD-UB-Ltg. der KPD Frankfurt/Cottbus; 1928 – 32 Abg. des Preuß. Landtags; 1933/34 Mitgl. KPD-BL Berlin; 1934 verhaftet, wegen »Vorber. zum Hochverrat« zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt, 1934 – 37 Haft im Zuchthaus Luckau, 1937/38 KZ Sachsenhausen; ab 1938 Schlosser u. Lagerverwalter in Berlin; 1943/44 Mitarb. in der Widerstandsgr. Anton Saefkow; Aug. 1944 verhaftet, Okt. 1944 vom VGH zu drei Jahren Gefängnis verurteilt, 1944/45 Haft im Zuchthaus Brandenb.-Görden u. Nürnberg, April 1945 geflohen. 11.6.1945 Mitunterz. des Aufrufs der KPD; Mitgl. des ZK der KPD; 15.6.1945 Mitunterz. des Aufrufs des Vorber. Gewerkschaftsaussch. u. Mitgl. des Aussch. für Groß-Berlin; 1945/46 Stadtrat für Arbeit in Berlin; 1946 – 48 Mitbegr. u. 1. Vors. des FDGB sowie Mitgl. des Bez.-Vorst. Berlin; 1946 – 53 Mitgl. des PV bzw. ZK der SED; 1948/49 Mitgl. des Dt. Volksrats, 1949 – 54 Mitgl. der (Prov.) Volkskammer; 1948 – 53 Vors. der SED-LL bzw. BL Groß-Berlin (Nachf. von  Hermann Matern); 1950 – 53 Kand. des PB des ZK der SED, Juli 1953 wegen angebl. Unterstützung von  Rudolf Herrnstadt u.  Wilhelm Zaisser Ausschl. aus dem PB u. Jan. 1954 Parteirüge; 1953 – 57 Abg. des Bez.-Tags u. Vors. des Rats des Bez. Neubrandenb. (Nachf. von Wilhelm Staudte); ab 1954 Mitgl. des NR der NF; Juli 1956 Rehabil. u. Aufhebung der Parteistrafe; 1957 – 89 erneut Mitgl. des ZK der SED; 1957 – 59 Stellv. des Min. des Innern u. Staatssekr. für Angelegenh. der örtl. Räte; 1959/60 Ltr. des Sekr. des Min.-Rats; 1960 – 62 Min. u. Ltr. der ZKSK (Nachf. von  Ernst Wabra); 1959 – Nov. 1989 Mitgl. des Bez.-Vorst. Berlin des FDGB sowie 1963 – 65 seines Präs. u. Sekr.; 1958 – März 1990 Abg. der Volkskammer, amt. Alterspräs.; 1965 – 90 Vors. der FDGB-Fraktion (Nachf. von  Rudolf Kirchner); ab 1976 stellv. Vors. der Interparl. Gruppe; 1987 Ruhestand; 1955, 1959, 1965 u. 1987 VVO; 1962 KMO; 1970 Ehrenspange zum VVO; 1972 Stern der Völkerfreundschaft; 1977 Großer Stern der Völkerfreundschaft; 1990 PDS u. Mitgl. des IVVdN; gest. in Berlin.Die neuen dt. Gewerkschaften u. der 9. Nov. 1918. Berlin 1948; Der gewerkschaftl. Kampf um Frieden, Freiheit u. Soz. Berlin 1961; Die Einheit ist der Fels, auf dem die Zukunft der Arbeiterklasse ruht. Erinnerungen. Berlin 1987. Hochmuth, U.: Illeg. KPD u. Bew. »Freies Dtl.« in Berlin u. Brandenb. 1942 – 1945. Biogr. u. Zeugnisse aus der Widerstandsorg. um Saefkow, Jacob u. Bästlein. Berlin 1998.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs