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BioLex

In der Kategorie BioLex sind drei wichtige Lexika mit über 5500 Biografien von überzeugten Kommunistinnen und Kommunisten, Renegatinnen und Dissidenten im Volltext recherchierbar.

 

Das Handbuch „Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945“ wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam.

Kurzbiografien zu Personen des politischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 bereit.

Zudem ist das Online-Lexikon www.dissdenten.eu ebenfalls auf unserer Seite aufrufbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Informationen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Joho, Wolfgang

* 6.3.1908 – ✝ 13.2.1991

Geb. in Karlsruhe; Vater Red.; Gymnasium, Abitur; 1926 – 31 Studium der Med., Geschichte u. Staatswiss. in Freiburg i. Br., Heidelberg u. Berlin, Prom. zum Dr. phil.; 1928 – 37 Mitgl. des Roten Studentenbunds in Heidelberg u. Berlin; 1929 – 37 KPD; 1931/32 Volontär bei der »Württemberg. Ztg.«; 1933 – 35 Feuilleton-Red. im »Zentralbüro für die dt. Presse«; ständ. Mitarb. der »Frankfurter Ztg.« u. der »Kölln. Ztg.«; Juni 1937 wegen illeg. Tätigkeit von der Gestapo verhaftet u. zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt, Haft im Zuchthaus Lukkau, in versch. Moorlagern (Emsland-Moor); anschl. Berufsverbot; 1940 – 42 kfm. Angest.; 1943 – 45 Bewährungsdienst im Strafbat. 999; 1945/46 engl. Gefangenschaft in Ägypten u. England. 1947 – 54 Red. der Ztg. »Sonntag« in Ber- lin; 1952 SED; ab 1956 Mitgl. des Vorst. des DSV, zeitw. Vors. des Berliner Verb.; 1960 – 66 Chefred. der Ztschr. »Neue Dt. Lit.«, 1965 abgelöst nach dem 11. Plenum wegen des Vorabdrucks aus  Werner Bräunigs »Rummelplatz«; seitdem freier Schriftst.; 1962 NP; 1969 Heinrich-Mann-Preis; 1977 VVO; 1978 Mitgl. des PEN-Zentrums der DDR; ab 1987 Ehrenmitgl. des Vorst. des SV; gest. in Kleinmachnow (b. Berlin).Jeanne Peyrouton. Berlin 1949; Das Klassentreffen. Berlin 1968; Die Kastanie. Berlin 1972.Carsten Wurm

Wer war wer in DDR

Joseph, Hans-Jürgen

* 28.10.1950

Geb. in Riesa; Vater Arbeiter; 1965 – 69 Ausbildung zum Maschinenbauer mit Abitur; 1969 – 72 DVP; 1970 SED; 1972 – 76 Studium der Staats- u. Rechtswiss. an der FSU Jena; dort bis 1981 wiss. Assistent; 1982 Dr. jur.; 1981 – 85 Staatsanwalt im Bez. Cottbus; 1985 – 89 Staatsanwalt beim Gen.-Staatsanwalt der DDR, Abt. Internat. Verbindungen auf dem Gebiet des Rechtshilfeverkehrs; Jan. – Juni 1990 Gen.-Staatsanwalt der DDR (Nachf. von  Günter Wendland); leitete Ermittlungsverfahren gegen  Erich Honecker,  Erich Mielke,  Günter Mittag u. a. ein, abberufen; bis Okt. Mitarb. in der Rechtsabt. des Mdl. Okt. – Dez. 1990 Mitarb. in der Rechtsabt. des Bundesinnenmin.; 1994 Zulassung als Rechtsanwalt; seit Jan. 1995 Sozius in einer Rechtsanwaltskanzlei in Erkner.Einheitlichkeit u. Differenzierung des Strafprozesses. Jena 1982.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Judin, Pawel Fjodorowitsch

* 5.9.1899 – ✝ 11.4.1968

Geb. in Gorki; Philosoph; seit den 30er Jahren Ltr. der KPdSU-Org. am Inst. der Roten Professur in Moskau; Mitarb. der Ztg. »Prawda«; ab 1939 Kand. des ZK der KPdSU u. Dir. des Inst. für Philos. der AdW der UdSSR; 1947 – 50 Chefred. der Kominform-Ztschr. »Für dauerhaften Frieden, für Volksdemokratie!« Ab April 1953 Pol. Berater des Vors. der SKK (Nachf. von  Wladimir S. Semjonow); kurzz. Hoher Kommissar der UdSSR in Dtl.; 1953 Mitgl. der AdW der UdSSR; 1953 – 59 Botschafter in der VR China; danach Prof. für Marx.-Lenin.; gest. in Moskau.Marksism-leninism o kulture i kulturnoi revoluzii. Moskwa 1933; G. W. Plechanow. Moskwa 1943; Ot sozialisma k kommunismu. Moskwa 1962. Scherstjanoi, E.: Das SKK-Statut. Zur Geschichte der Sowj. Kontrollkommission in Dtl. 1949 – 1953. München 1998.Jan Foitzik

Wer war wer in DDR

Jung, Paul

* 16.4.1939 – ✝ 8.4.2006

Geb. in Oesterbehringen (Thür.); 1950 – 53 Berufsausbild. an der Gewerbeschule Gotha, Facharbeiterabschluß als Schmied; 1953 – 56 Stud. an den FS für angewandte Kunst Erfurt u. Heiligendamm, Metallgestaltung, FS-Abschluß; 1956 – 61 Stud. an der HS für bildende u. angewandte Kunst Berlin-Weißensee; Dipl.-Designer; 1961 – 64 Industriedesigner in der zentralen Entwicklungsstelle f. Haushaltsgeräte u. -technik in Karl-Marx-Stadt; 1964 – 68 Industriedesigner im Kombinat Robotron, Systementw. f. Schreib-, Druck- u. Rechentechnik; 1965 – 68 Ltr. des Designateliers f. Gerätetechnik im VVB Datenverarbeitung; 1964 – 68 Lehrauftrag an der TH Karl-Marx-Stadt, 1966 – 68 an der HS f. industrielle Formgestaltung Halle, Burg Giebichenstein, 1968 / 69 künstl. Mitarb., Doz. f. Arbeitsmittel u. Arbeitsumweltgestaltung in den Werkstätten der Burg G., 1969 – 71 Sektionsdir. f. Design, 1970 Prof. f. Arbeitsmittel u. Arbeitsumweltgestaltung, 1973 Ord. Prof. f. Industrieformgestaltung; 1971 – 87 u. 1980 – 92 Rektor d. HS für industrielle Formgestaltung Halle, Burg G. (ab 2000 Burg Giebichenstein – HS f. Kunst u. Design); 1983 – 89 Chefgestalter des Kombinats Robotron u. Fachberater des Kombinats Elektrogeräte-Werk Suhl. 2001 em., danach freiberufl. Designberater in Halle; gest. in Halle.Kunstdokumentation SBZ / DDR 1945 – 1990, Köln 1996.Astrid Volpert, Jg. 1952; 1971 – 78 Studium der Kultur- und Kunstwissenschaften sowie Journalistik an der KMU Leipzig; bis 1991 Redakteurin für Kultur, Literatur und bildende Kunst in Berliner Verlagen (Junge Welt, Neues Leben, Henschelverlag); 2001 – 04 wissenschaftliche Mitarbeiterin und Mitherausgeberin der Kopelew-Studien »Russen und Deutsche im 20. Jahrhundert« am Lotman-Institut der Ruhr-Universität Bochum; seit 2004 freiberufliche Lektorin, Kuratorin und Kunstkritikerin in Berlin bzw. Russland.

Wer war wer in DDR

Junge, Barbara

* 14.11.1943

Geb. in Neunhofen (Thüringen); Vater Kfz-Meister, Mutter Näherin; 1958 – 62 OS; 1962/ 63 Lehre als Schriftsetzerin an der BBS »Heinz Kapelle« Pößneck; 1963 – 67 Studium am Dolmetscher-Inst. der KMU Leipzig, Dipl.-Dolmetscherin u. Übersetzerin für Engl. u. Russ.; 1969 – 82 Synchron-Regie im VEB DEFA-Studio für Dok.-Filme, Gruppe »Camera DDR« /Auslandsinformation; seit 1978 Erfassung der Archivmaterialien für »Die Kinder von Golzow« (R:  Winfried J.), seit 1983 Schnitt aller Filme dieser Langzeitdok. bis zum Abschluß des Projekts 2008 u. fünf anderer Filme; seit 1992 auch Co-Regie. Mitgl. der AdK Berlin-Brandenburg; 1995 2. Preis u. Publikumspreis für das Drehbuch: »Die Zeiten« beim Festival in Yamagata; 2007 Preis der DEFA-Stiftung für Verdienste um den dt. Film; 2008 Roter Adler Orden für Verdienste um das Land Brandenb. (zus. mit Winfried Junge); 2009 Ehrenpreis des Verb. der dt. Kritiker für ihr Lebenswerk.Lebensläufe – Die Kinder von Golzow. Marburg 2004 (mit W. Junge; hrsg. von D. Wolf).Günter Agde

Wer war wer in DDR

Jungmann, Erich

* 31.7.1907 – ✝ 29.3.1986

Geb. in Reichenberg (Sachsen); Vater Fabrikarb., Mutter Gartenarb.; 1914 – 22 Volksschule; 1922 – 25 kfm. Ausbildung in Radebeul (Sachsen), 1925 – 27 im Beruf tätig; 1922 Mitgl. des ZdA; 1927/28 Expedient in Dresden; 1928 KJVD; 1929 Angest. der sächs. Landesversicherungsanstalt in Dresden; 1929/ 30 erwerbslos; 1929 KPD; 1930/31 zunächst Mitarb., dann Sekr. der Reichspionierltg. beim ZK des KJVD in Berlin; 1931/32 Jugendsekr. (1. Sekr.) u. ab 1932 Org.-Ltr. der KJVD-BL Niederrh., Düsseldorf; 1932/33 Org.-Ltr. des ZK des KJVD; Nov. 1932 – März 1933 Reichstagsabg. für die KPD; 1933/34 Mitgl. der illeg. Ltg. des KJVD in Berlin, kurzz. KJVD-Inlandsltr.; Herbst 1934 zur Vorber. der sog. Berliner Reichskonferenz des KJVD nach Moskau; Dez. 1934 – Ende 1935 Mitarb. im Westeurop. Ländersekr. der KJI in Moskau; 1935 Teiln. am 7. Weltkongreß der KI u. der Brüsseler Parteikonferenz; 1935 – 37 Mitarb. der Abschnittsltg. West der KPD in Amsterdam; Grenzarbeit für den KJVD in den Niederlanden (»Felix«), verantw. für Jugendarbeit an Rhein u. Ruhr; 1937 – 39 Mitarb. für Jugendfragen (»Kommission für Jugendarbeit«) der KPD-Auslandsltg. in Paris; Aug. – Nov. 1938 als dt. Delegierter Teiln. am Weltkongreß der Jugend für den Frieden in den USA; Jan. 1939 Teiln. an der Berner Konferenz der KPD als Jugendvertreter; Sept. 1939 Verhaftung in Paris, 1939 – 42 Haft in Paris u. versch. Internierungslagern; im Lager Le Vernet Sekr. von  Franz Dahlem; 1942 – 46 Emigr. nach Mexiko; dort Sekr. der BFD u. Mitgl. des Lateinamerik. Komitees der Freien Dt.; Mithrsg. der Ztschr. »Freies Dtl.« (mit  Paul Merker u.  Alexander Abusch) u. der »Demokrat. Post«; neben Paul Merker u. Alexander Abusch zentr. Figur der KPD-Gruppe in Mexiko. Juli 1946 Rückkehr nach Dtl. über Hawaii u. die UdSSR; bis Dez. 1946 im Auftrag des PV der SED verantw. Ltr. der Rückführung von Heimkehrern u. Kriegsgefangenen aus der UdSSR in Cronenfelde (b. Frankfurt (Oder)); VVN; 1947 2., dann 1. Sekr. der KPD-Landesltg. Niedersachsen in Hannover; 1949/50 Mitgl. des Sekr. des PV der KPD in Frankfurt (Main) u. 1950/51 in Düsseldorf, Sekr. für Massenorg.; Jan. 1951 Entführung in die DDR u. Verhaftung durch das MfS, Jan. – Apr. 1951 ohne Haftbefehl in einem MfS-Objekt bei Berlin, verschärfte Verhöre, Entlassung erst nach Bereitschaft, als GI »Felix« auf der Linie »Mexiko-Emigranten« zu arbeiten; im März 1951 »zur Sicherheit seiner Person u. der Partei« Entfernung aus dem Sekr. des PV der KPD u. Abberufung in die DDR (Hintergrund war die Verbindung zu Noel H. Field u. Paul Merker); 1951/52 Red. bzw. stellv. Chefred. der Ztg. »Märk. Volksstimme« (Potsdam); Aug. 1952 Chefred. der SED-Ztg. »Volkswacht« (Gera); Jan. 1953 im Kontext des Schauprozesses gegen Rudolf Slánský in Prag Absetzung u. erneute Parteiüberprüfung u. a. wegen angebl. prozionist. Haltung in der Emigr.; ab Sept. 1953 »Bewährung« als Kontrolleur bei der HO in Karl-Marx-Stadt; 1954 Instrukteur, dann Ltr. der Abt. Arbeit der HO in Berlin; 1955 vom BGH in Abwesenheit zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt; 1955/56 Oberref. im Amt für Lit. u. Verlagswesen; ab 1955 Journalistik-Fernstudium an der KMU Leipzig; 1956 interne Rehabil. durch die ZPKK; 1956 – 59 stellv. Chefred. der »Berliner Ztg.«; auf Veranlassung von  Hermann Matern 1959 – 71 Kand. des PB u. Mitgl. des Sekr. des ZK der (illeg.) KPD (»Uwe«) mit Sitz in Berlin (Ost); 1971 formelle Übernahme der Parteimitgliedschaft durch die SED; Dez. 1971 – Juli 1976 Intendant von Radio Berlin Internal (RBI) (Nachf. von  Christof Kirschnek) u. Mitgl. des Staatl. Komitees für Rundfunk; 1976 Rentner; 1959 u. 1972 VVO; 1977 KMO; 1982 Stern der Völkerfreundschaft; gest. in Berlin.Welchen Beitrag muß die dt. Jugend zur Erhaltung des Weltfriedens leisten? Tarnschrift 1938; Willkommen in der Heimat. Ein Blick ins neue Dtl. Berlin 1946.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Jurk, Thomas

* 19.6.1962

Geb. in Görlitz; 1969 – 79 POS in Weißkeißel u. Sagar (b. Krauschwitz); 1979 – 82 Ausbildung zum Funkmechaniker in Weißwasser; seit 1979 Mitgl. der Handwerkskammer; 1982 – 90 Funkmechaniker bzw. Trafowickler bei der PGH Elektro-Rundfunk-Fernsehen Weißwasser; 1986 – 88 NVA; Dez. 1989 SDP. Seit Febr. 1990 Mitgl. des SPD-KV Weißwasser; seit Okt. 1990 Mitgl. des Sächs. Landtags; 1991 – 95 stellv. Vors. des SPD-Unterbez. Lausitz; seit 1994 Gemeinderat in Weißkeißel; 1994 – 99 stellv. Vors. der SPD-Landtagsfraktion, Sprecher für Landwirtschaftspolitik; 1995 – 2003 stellv. Vors. u. 2003 – 05 Vors. des SPD-Unterbez. Neiße; seit 1998 Mitgl. des SPD-LV Sachsen; 1999 – 2004 Vors. der SPD-Fraktion u. Mitgl. des Präs. des Sächs. Landtags (Nachf. von Martin Gillo); 2004 – 09 Staatsmin. für Wirtsch. u. Arbeit u. stellv. Ministerpräs. des Freistaats Sachsen; 2004 – 31.8.2009 Vors. der SPD Sachsen (Nachf. von Constanze Krehl); am 6.1.2009 Aufhebung der parlamentar. Immunität.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Just, Helmut

* 2.7.1933 – ✝ 30.12.1952

Geb. in Berlin als Sohn eines Arbeiters; 1940 – 49 Volksschule; 1949 – 52 Lehre als Maler im VEB Ausbau Berlin-Pankow; Sommer 1952 VP-Angeh. in Berlin; FDJ; am 30.12.1952 während des Grenzdienstes an der Behm-Brücke in Berlin-Prenzlauer Berg von zwei West-Berlinern aus nächster Nähe erschossen; posthum Ehrung durch Namensgebung für Straßen, Stadien, Klubhäuser, Schulen u. Produktionsgenossenschaften in der DDR. Nach 1990 wurde das Denkmal für ihn in Berlin abgebaut, die Ehrennamen sind teilweise erhalten geblieben.Christoph Links

Wer war wer in DDR

Kahane, Max Leon

* 31.1.1910 – ✝ 21.8.2004

Geb. in Hannover in einer jüd. Familie aus der Gegend von Lemberg; Vater Kfm.; ab 1911 in Berlin aufgew.; Volksschule; 1925 KJVD; Lehre als Goldschmied; Abitur am Karl-Marx-Gym.; 1931 Studium der Rechtswiss. an der Berliner Univ.; 1932 KPD; illeg. polit. Arbeit; Juli 1933 Ausschluß vom Studium; 1933 Emigr. in die ČSR (Prag); Jan. 1938 – Febr. 1939 auf Seiten der Interbrigaden Teiln. am span. Bürgerkrieg, Soldat der 14. D.C.A.; interniert in versch. Lagern in Frankreich (u. a. Gurs, le Vernet), 1942 Flucht aus dem Deportationslager Valery August, erneut Lager u. Flucht aus Uriage; illeg. Arbeit in Marseille; 1944 als commissaire aux effectifs der Region Bouche du Rhône im Grade eines Capitaines bei der MOI, später FFI; 1944/45 Beauftr. des NKFD für den Westen (CALPO) in dt. Kriegsgefangenenlagern. Juni 1945 Rückkehr nach Berlin; Tätigkeit als Journalist; Mitarb. des SNB in Berlin-Weißensee; als Berichterstatter beim Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozeß; ab 1946 Mitbegr. u. Chefred. des ADN; 1948 kurzz. ADN-Korresp. in Prag; 1950 stellv. Dir. von ADN; 1952 im Kontext des Slánsky-Prozesses wg. Kontakten zu Otto Katz denunziert u. abgelöst; 1952/53 PHS; 1953 – 55 Mitgl. des VDP-Vorst.; 1955 – 57 stellv. Chefred. »Berliner Ztg.«; 1957 – 64 Korrespondent des »Neuen Dtl.« in Indien u. Brasilien; 1965 – 68 Chefkommentator des »Neuen Dtl.«; 1968 – 80 Chefkommentator der außenpol. Wochenztg. »horizont«; 1970 VVO; 1987 Rentner, gest. in Berlin.M. K. wird Chef des ADN. In: Zeitungs-Verlag (1950) 17/18; Minholz, M.; Stirnberg, U.: Der Allgem. Dt. Nachrichtendienst (ADN). München 1995.Anette Leo / Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Kahn, Siegbert (Sieke)

* 23.9.1909 – ✝ 15.10.1976

Geb. in Berlin in einer jüd. Familie; Vater Angest.; Volksschule, OS in Berlin; 1925 – 29 Ausbildung zum Goldschmied in Berlin; 1926 KJVD; 1928 KPD; ab 1929 Mitarb. im M-Apparat der KPD; 1929 Funktionär der Roten Jungfront des Bez. Berlin; 1929 – 31 Schlosser u. Transportarb. in Berlin; 1930 – 32 Funktionär des KJVD Berlin, 1932 Mitgl. der BL, zuständig für Polizeizersetzung (Ref. 63); 1931/32 Arbeiter bei einem Anzeigen-Verlag in Berlin; 1932/33 Bote der sowj. Derop AG; ab 1933 illeg. Arbeit für den techn. KPD-Reichsapparat; 1933 mehrmals verhaftet, Nov. 1933 wegen »Vorber. zum Hochverrat« zu 31 Mon. Haftstrafe verurteilt, 1934 – 36 Zuchthaus Brandenb.-Görden; 1936 – 38 Vervielfältiger bei der Jüd. Gemeinde bzw. der Jüd. Winterhilfe Berlin; Kontakte zur Bildung einer illeg. Widerstandsgr. (mit  Hans Fruck); 1938 Emigr. in die ČSR (Prag); Mitarb. beim Jüd. Flüchtlingskomitee; KPD-Kaderschule in Prag; Mitbegr. der FDJ in der ČSR, dann deren 2. Vors.; 1939 über Schweden Emigr. nach England; dort KPD-Org.-Ltr. in London; Mithrsg. der Zeitschrift »Inside Nazi Germany«; 1939 – 46 Mitgl. der Gesamtltg. der KPD-Auslandsorg. in Großbritannien; 1943 – 45 Mitgl. der BFD; 1940/41 auf der Isle of Man interniert; 1942 – 44 Pol.-Sekr. der KPD in Großbritannien. Aug. 1946 Rückkehr nach Dtl.; KPD/SED; persönl. Ref. des Präs. der Dt. ZV der Brennstoffindustrie,  Gustav Sobottka; 1947/48 Hauptref. der Abt. Wirtschaft des ZS der SED; 1949 Ltr. der Presseabt. der DWK; ab Mai 1949 Aufbau des Dt. Wirtschaftsinst. (mit  Jürgen Kuczynski); 1949 – 65 Dir. des Dt. Wirtschaftsinst.; 1952 Prof. für Pol. Ökon.; ab 1963 Mitgl. der Westkommission beim PB des ZK der SED; 1965 Rentner; freiberufl. Publizist für die »Weltbühne«; 1951 NP; 1969 VVO; gest. in Berlin. Verf. von Untersuchungen über den amerik. u. engl. Imp., zur wirtschaftl. Entw. der Bundesrep. Dtl. u. zahlr. interner Gutachten über die Bundesrep. Dtl.Antisemitismus u. Rassenhetze. Berlin 1948; Struktur u. Entw. der Wirtschaft in Westdtl. seit dem Zweiten Weltkrieg. Berlin 1956. Hartewig, K.: Zurückgekehrt. Köln, Weimar 2000.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Kaiser, Hans

* 19.2.1919 – ✝ 25.7.1998

Geb. in Magdeburg; Vater Arbeiter; Volksschule; Lehre u. Arbeit als Mechaniker; 1937 RAD, 1938 – 45 Wehrmacht. 1945 – 47 Mechaniker; 1946 SED; 1947/48 ABF an der TH Dresden; 1948 – 51 Studium der Berufspädagogik, Fachrichtung Maschinenbau; 1951 – 59 wiss. Assistent an der TH Dresden, 1954 Prom. zum Dr. paed.; 1958 Habil., Dr. paed. habil.; 1955 – 59 Doz. für Berufspädagogik an der TH Dresden, 1959 Prof.; 1959 – 61 Dir. des DPZI; 1961 – 70 stellv. Min. für Volksbildung; 1969 VVO; 1970 – 85 Vizepräs. der APW.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Kaiser, Ewald

* 23.5.1905 – ✝ 10.12.1992

Geboren am 23. Mai 1905 in Dessau, Sohn eines Buchbinders; nach der Mittelschule Schriftsetzerlehre, Bote und Bürohilfe, Wanderschaft durch halb Europa, 1926 kam er ins Ruhrgebiet, dort Bergmann, ab 1928 Müllfahrer in Herne. 1920 Mitglied der Kommunistischen Jugend, 1923 der KPD. Leiter des KJVD in Bochum, Mitglied der KJVD- und der KPD-BL Ruhrgebiet, 1932 UB-Sekretär der KPD in Rheine. Im April 1932 in den Preußischen Landtag gewählt, im August 1932 Sekretär des KJVD Ruhrgebiet. Kaiser wurde im April 1933 Leiter der KJVD-Inlandsleitung, am 17. Februar 1934 in Berlin verhaftet. Da er bei seiner Festnahme geheimes Material bei sich hatte, wurde er von der Gestapo massiv unter Druck gesetzt. Er mußte Karl Schirdewan (Mitglied des sogenannten Dreierkopfes der KJVD-Inlandsleitung) zu einem Treffen zum Hamburger Hauptbahnhof bestellen, wo dieser von der Gestapo festgenommen wurde. Am 10.Mai 1935 wurde Kaiser vom VGH zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt, danach im KZ Sachsenhausen. Nach der Befreiung wurde Kaiser einer internen Untersuchung durch das ZK unterzogen. Ins Ruhrgebiet geschickt, übernahm er die Kaderarbeit der KPD-BL Ruhr, ab 1946 Orgsekretär bzw. Propagandasekretär der Landesleitung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Von 1946 bis 1951 war Kaiser MdL von Nordrhein-Westfalen, 1947/48 Landtags-Vizepräsident. Ende der vierziger Jahre geriet er in die Mühlen der stalinistischen Säuberungen. In der Parteipresse wurde er des Titoismus bezichtigt, da er die Verurteilung der KP Jugoslawiens durch die Sowjetunion kritisierte. Angeblich soll er enge Kontakte zu Vertretern der jugoslawischen Militärmission in Düsseldorf gehabt haben. Im Mai 1951 in die DDR beordert, dort am 6. Juni 1951 festgenommen, er kam in Untersuchungshaft. Im August 1952 wurde Ewald Kaiser vom Landgericht Greifswald wegen »Verstoßes gegen das Kontrollratsgesetz 10, Direktive 38« zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt, bis September 1954 im Zuchthaus Brandenburg, danach Arbeiter im VEB Textil in Burg, später Haupttechnologe im VEB Damenbekleidungswerk Leipzig. Kaisers Antrag auf Wiederaufnahme in die SED wurde von der ZPKK im Juni 1956 stattgegeben, außerdem seine Strafe aus dem Register getilgt. Ab November 1958 Redakteur am Deutschlandsender und später in der Agitations- und Westarbeit des ZK tätig, 1968/69 war er zum Prager Rundfunk delegiert, um von dort aus die deutschsprachigen Sendungen in die Bundesrepublik zu leiten. Ewald Kaiser starb am 10.Dezember 1992. Annette Leo veröffentlichte 1999 eine biographische Skizze über ihn.

Wer war wer in DDR

Jonas, Horst

* 24.6.1914 – ✝ 22.6.1967

Geb. in Bremerhaven; Vater Angest.; Volksschule u. Realgymn.; Ausbildung zum Maschinenstricker; 1929 SAJ u. SPD; ab 1933 antifasch. Arbeit; 1934 KJVD, Org.-Ltr. des illegal. KJVD in Leipzig; Mai 1935 Verhaftung, 1936 durch das OLG Dresden wg. »Vorbereitung zum Hochverrat« zu vier Jahren u. drei Monaten Zuchthaus verurteilt, Haft im Zuchthaus Zwickau, Elbregulierungslager Dessau / Rosslau, KZ Sachsenhausen, Auschwitz u. ab Nov. 1944 Buchenwald. 1945 Org.-Sekr. der KPD-KL Erfurt, 1946 SED u. Eintritt in die DVP; 1946 Inspekteur der Polizei Ost-Thüringen, stellv. Chef der Landespolizeibehörde Thüringens; zeitw. Mitgl. der SED-KL Gera, 1947 / 48 Mitgl. der SED-LL Thüringen; 1947 – 49 Chef der Landespolizeibehörde Mecklenburg; 1949 Berufung zum Ltr. der HA Schulung der DWK; 1950 – 53 Kulturdir. an der MLU Halle-Wittenberg bzw. der VEB Leuna Werke in Bitterfeld; 1952 / 53 Mitgl. der SED-KL Leuna; im Zusammenhang mit den Ereignissen um den 17.6.1953 Parteistrafe (Rüge) wg. »Kapitulantentums«, anschl. »Bewährungseinsatz« in der Produktion bzw. Redakteur in der Kreisred. der »Freiheit« in Halle; 1956 – 61 Chefred. des SED-Bezirksorgans »Freie Erde« Neubrandenburg (Nachf. von  Karl-Heinz Karge) u. Mitgl. der SED-BL Neubrandenburg; Ende 1961 als Chefred. abberufen; 1961 – 63 Arbeitsdir. bei der Bau-Union Neubrandenburg; 1963 – 67 OB von Neubrandenburg; gest. in Neubrandenburg.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Juch, Heinz

* 3.4.1920 – ✝ 15.8.2013

Geb. in Weißenfels (Prov. Sachsen); Vater Arbeiter; Volksschule; Ausbildung u. Arbeit als Maschinenschlosser; 1942 – 44 Kriegsdienst, 1944 – 47 sowj. Kriegsgefangenschaft, Besuch einer Antifa-Schule. Aug. 1947 Rückkehr nach Dtl.; SED; Sept. 1947 – Febr. 1949 Jugend- u. Org.-Sekr. des FDGB-Krs.-Vorst. Weißenfels; 1949/50 Schüler u. Lehrer an der FDGB-Bundesschule in Bernau; 1950 Studium an der PHS; 1951 – 57 persönl. Referent des PB-Mitgl. u. ZPKK-Vors.  Hermann Matern; 1957 – 60 Studium an der PHS der KPdSU in Moskau, Dipl.-Ges.-Wiss.; 1960/61 pol. Mitarb. der ZPKK, 1961 – 86 Mitgl. der ZPKK beim ZK der SED, seit 1971 deren stellv. Vors.; 1963 – 86 Mitgl. des ZK; 1986 – 89 Mitgl. der ZRK der SED; 1964 u. 1973 VVO.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Jung, Cläre (Clara)

* 23.02.1892 – ✝ 25.3.1981

Geb. in Berlin; Vater Fouragekfm.; Realschule, 1906 – 08 Höhere Töchterschule; 1911 Mitarb. an »Aktion. Ztschr. für freiheitl. Pol. u. Lit.«; danach journalist. tätig; 1915/16 wiss. Hilfsarb. im Krankenhaus Berlin-Moabit; 1916 – 21 Sekr. im Pressedienst für Ztg. in Berlin; Beiträge für die »Russ. Korrespondenz«; Sekr. im Zentralbüro der KAPD; Aug. 1921 Übersiedl. nach Sowjetrußland (mit Ehemann Franz Jung); 1921/22 Sekr. im EKKI in Moskau; 1922/23 Mitarb. der IAH in Perm u. Jekaterinenburg; bis Nov. 1923 Tätigkeit in der Maschinenfabrik »Ressora« in Petrograd; 1924 – 27 Mitarb. im Verlag für Lit. u. Pol. in Berlin; 1927 – 44 (zunächst mit Franz Jung) Hrsg. des Dt. Feuilleton-Dienstes in Berlin; ab 1933 illeg. Tätigkeit; Zusammenarbeit mit der Org. »Schulze-Boysen«, Hilfe für jüd. u. pol. Verfolgte, Presseinformationen für illeg. Nachrichtendienste (»Grüne Berichte«). 1945 – 52 Red. des Berliner Rundfunks in Berlin-Charlottenburg (Lit., Kulturpol., Volksbildung); Beiträge für versch. Ztgn.; 1945 KPD; 1946 SED; 1952 – 55 BGL-Vors., Parteisekr., Pädagogin u. Internatsltr. an der Staatl. Ballettschule in Berlin; ab 1955 freischaff. Schriftst., u. a. Erzählungen, dramat. Szenen u. Liedtexte; Mitgl. der BL Berlin des KB; Mitgl. der Veteranenkommission des VDJ; 1979 VVO; Goldene Feder des VDJ; Ehrennadel der DSF.Aus der Tiefe rufe ich. 1946 (2004); Unvollendete Liebe. Szenenfolge (Uraufführung 1965); Paradiesvögel. Erinnerungen 1911 – 1945. Hamburg 1987.Peter Erler

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Jung, Franz

* 26.11.1888 – ✝ 21.1.1963

Geboren am 26. November 1888 in Neiße/ Schlesien, Sohn eines Uhrmachers. Jung führte ein abenteuerliches Leben, er war Börsenjournalist, Bohémien, Wirtschaftsanalytiker und revolutionärer Aktivist. Er studierte von 1907 bis 1911 Jura und Nationalökonomie in Breslau und Berlin, war dann freischaffender Schriftsteller, auch Herausgeber von Zeitschriften (»Die freie Straße«). Von 1912 bis 1921 Mitarbeiter der »Aktion« von Franz Pfemfert und später des Malik-Verlags. Autor von expressionistischen und sozialkritischen Romanen und Erzählungen, verfaßte auch Theaterstücke u. a. für Piscator und war Mitinitiator der Dada-Bewegung. Zuerst Freiwilliger, als Soldat dann Deserteur im Weltkrieg. Am 9. November 1918 besetzte er an der Spitze bewaffneter Arbeiter in Berlin das Wolffsche Telegraphenbüro, wurde Mitglied des Arbeiter- und Soldatenrates und 1919 der KPD, 1920 Gründungsmitglied der KAPD. Jung organisierte die Entführung des Schiffes »Senator Schröder« nach Murmansk, nahm 1921 an den März-Kämpfen in Mitteldeutschland teil und kam mehrere Monate ins Gefängnis. Nach einer Reise in die Sowjetunion war er Mitorganisator der Hungerhilfe, der IAH. Ab 1923 im kommunistischen Verlag für Literatur und Politik tätig, erhielt Jung nach 1933 Schreibverbot und wurde 1936 von den Nazis verhaftet. Danach aktiv bei den »Roten Kämpfern«, 1938 Emigration über Wien nach Budapest. Dort 1945 zum Tode verurteilt, er konnte flüchten, wurde aber erneut festgenommen und kam ins KZ Bozen. Nach der Befreiung blieb Jung zunächst in Italien. 1947 Emigration in die USA, arbeitete in New York und San Francisco als Wirtschaftsjournalist. 1960 Rückkehr nach Europa, hier erschien 1961 erstmals seine Autobiographie »Der Weg nach unten«. Franz Jung starb am 21. Januar 1963 in Stuttgart. Jungs zweite Frau Clara Maria Henriette, geb. Otto (* 23. 2. 1892 – † 25. 3. 1981), kam schon als Neunzehnjährige mit dem Kreis um die »Aktion« in Verbindung. Hier lernte sie Franz Jung kennen und heiratete ihn, folgte ihm 1921 in die Sowjetunion und arbeitete für die Komintern und die IAH. Anschließend Pressearbeit in Berlin, gründete 1927 mit Franz Jung den Deutschen Feuilleton Dienst, den sie bis 1944 leitete. Nach 1933 hatte sie Kontakte zur Widerstandsgruppe um Harro Schulze-Boysen. 1945 Mitglied der KPD, 1946 der SED, bis 1952 beim »Berliner Rundfunk«, ab 1955 freischaffende Schriftstellerin. Ihre Lebenserinnerungen erschienen erst Anfang der achtziger Jahre im Hamburger Nautilus-Verlag.

Wer war wer in DDR

Junge, Winfried

* 19.7.1935

Geb. in Berlin; Vater kfm. Angest.; 1941 Volksschule in Dahlwitz-Hoppegarten, Łódz u. Berlin-Friedrichshagen, ab 1947 Gerhart-Hauptmann-OS in Berlin, 1953 Abitur; 1953 Studium der Germanistik an der HU Berlin, 1954 – 58 Studium der Filmdramaturgie an der Dt. HS für Filmkunst Potsdam-Babelsberg, Dipl. als Filmdramaturg; 1955 – 61 Filmkritiken in der Ztg. »Forum«; 1961 – 91 Regisseur im DEFA-Studio für Dok.-Filme; 1961 Beginn einer Dok.-Filmreihe über eine Schulkl. in Golzow (Krs. Seelow), der längsten Filmdokumentation (Langzeitbeobachtung) der Filmgeschichte: »Wenn ich erst zur Schule ge ...«; weitere Kurzfilme dieser Reihe: 1962 »Nach einem Jahr«, 1966 »Elf Jahre alt«, 1969 »Wenn man vierzehn ist«, 1971 »Die Prüfung«, 1975 »Ich sprach mit einem Mädchen«; ab 1979 lange Filme der Golzow-Reihe unter Verwendung vorhandenen u. neuen Materials: »Anmut sparet nicht noch Mühe«; 1981 NP; 1981 »Lebensläufe«; 1982 Kunstpreis des FDGB; 1984 »Diese Golzower«; weitere Filme u. a.: 1965 »Studentinnen«, 1968 »Mit beiden Beinen im Himmel – Begegnungen mit einem Flugkapitän«, 1971 »Syrien auf den zweiten Blick«, 1974 »Keine Pause für Löffler«; 1985 – 87 Präs. des Nat. Festivals Dok.- u. Kurzfilm der DDR für Kino u. Fernsehen in Neubrandenb.; 1988 »Diese Briten – diese Dt.«; drei Filme über den Bau des Pumpspeicherwerks Markersbach; drei Filme über Somalia; 1967 einziger DEFA-Spielfilm »Der tapfere Schulschwänzer«; zahlr. Preise auf internat. Filmfestivals. Nach 1991 freischaff.; Forts. der Golzow-Reihe (mit Ehefrau  Barbara J.); 1993 »Drehbuch: Die Zeiten«, 1994 »Das Leben des Jürgen von Golzow«; 1995 – 97 »Was geht euch mein Leben an. Elke – Kind von Golzow«; 1995 – 97 Da habt ihr mein Leben. Marieluise – Kind von Golzow«; 1998 – 2000 »Ein Mensch wie Dieter – Golzower«; 1998 – 2002 »Jochen – ein Golzower aus Philadelphia« (jeweils Regie u. Drehbuch); 2002/03 »Eigentlich wollte ich Förster werden – Bernd aus Golzow« (jeweils Regie); 2005/06 »Und wenn sie nicht gestorben sind ? die Kinder von Golzow« (Regie, Drehbuch); 2008 Abschluß der Dokumentation; Mitgl. der AdK Berlin-Brandenburg; zus. mit B. Junge 1995 2. Preis u. Publikumspreis für das Drehbuch: »Die Zeiten« beim Festival in Yamagata; 2007 Preis der DEFA-Stiftung für Verdienste um den dt. Film; 2008 Peter-Adler-Orden für Verdienste um das Land Brandenburg; 2009 Ehrenpreis des Verb. der dt. Kritiker für sein Lebenswerk.Lebensläufe – die Kinder von Golzow. Marburg 2004 (mit B. Junge, hrsg. von D. Wolf).Ralf Schenk / Helmut Müller-Enbergs

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Jungmann, Erich

* 31.7.1907 – ✝ 29.3.1986

Geboren am 31. Juli 1907 in Reichenberg/Sachsen, Sohn eines Fabrikarbeiters; kaufmännische Lehre, dann Angestellter in Radebeul und Dresden. 1928 trat er dem KJVD, 1929 der KPD bei. 1930 reiste er in die Sowjetunion und wurde nach seiner Rückkehr Sekretär der Pionierleitung beim ZK des KJVD und Mitglied des ZK des KJVD. Anfang 1932 Jugendsekretär der KJVD-BL Niederrhein. Nach der Ausschaltung der Neumann-Remmele Anhänger um Kurt Müller und Alfred Hiller im August 1932 Orgleiter des ZK des KJVD. Im November 1932 auf dem Reichswahlvorschlag der KPD als Abgeordneter in den Reichstag gewählt. Er gehörte 1933/34 der illegalen KJVD-Leitung in Deutschland an. Im Juni 1934 emigrierte er in die Sowjetunion und wurde Referent im westeuropäischen Ländersekretariat der KJI, dann von 1935 bis 1937 Jugendleiter der KPD-AL West in Amsterdam, 1935 Teilnahme am VII. Weltkongreß der Komintern, am VI. Weltkongreß der KJI sowie der »Brüsseler« (1935) und »Berner« (1939) Konferenz der KPD. Jungmann war Mitvorsitzender des KJVD und Mitglied des KJVD-Sekretariats in Paris. Bei Kriegsausbruch im September 1939 verhaftet und interniert. Im März 1942 konnte er nach Mexiko ausreisen, seine Entlassung aus dem Internierungslager und seine Ausreise verdankte er einer Intervention von Eleanor Roosevelt, die er als KJVD-Vertreter auf der Weltjugendkonferenz 1938 für den Frieden in New York kennengelernt hatte. In Mexiko war Jungmann Mitglied und Sekretär der KPD-Landesgruppe sowie Sekretär der Bewegung Freies Deutschland. Er gehörte neben Paul Merker und Alexander Abusch zu den wichtigsten Funktionären der deutschen kommunistischen Emigration in Mexiko. Im Juli 1946 nach Berlin zurückgekehrt, übersiedelte er im Dezember 1946 in die Westzonen und wurde zunächst 2., dann 1. Sekretär der KPD-Landesleitung Niedersachsen. Von 1949 bis 1951 im Sekretariat des KPD-PV für das Ressort Massenorganisationen verantwortlich. Wegen seiner Westemigration mußte Jungmann in die DDR zurückkehren. Er wurde stellvertretender Chefredakteur der »Märkischen Volksstimme«, dann 1952/53 Chefredakteur der »Volkswacht« in Gera. Im Zusammenhang mit dem Slánsky-Prozeß in Prag wurde er im Dezember 1952 »zionistischer Abweichungen im mexikanischen Exil« beschuldigt und Anfang 1953 von allen Parteifunktionen entbunden. Er kam zur »Bewährung« in die Produktion«, zuletzt Leiter der Abteilung Arbeit in der Ostberliner HO-Verwaltung. 1956 nichtöffentliche »Rehabilitierung« durch die SED und von 1956 bis 1959 stellvertretender Chefredakteur der »Berliner Zeitung«, wechselte Jungmann ab September 1959 wieder in die Westarbeit der SED. Er wurde Mitglied des ZK, Kandidat des Politbüros und Sekretär des ZK der von der DDR aus agierenden illegalen bundesdeutschen KPD. Mit der Konstituierung der DKP 1968 endete diese Arbeit. Im November 1971 wieder in die SED übernommen, wurde er Leiter des Auslandsenders Radio Berlin International und blieb bis 1976 Intendant des Senders. Er erhielt 1977 den Karl-Marx-Orden. Erich Jungmann starb am 29. März 1986 in Ost-Berlin. Jungmanns Frau Rosel, geborene Liner (*19.12. 1905 – † 21. 5. 1974), Tochter eines jüdischen Kleingewerbetreibenden, war Schneiderin. Sie flüchtete nach der Annexion Österreichs nach Frankreich, später nach Mexiko. Dort trat sie in die KPD ein, kehrte 1946 nach Deutschland zurück, ab Ende der fünfziger Jahre wissenschaftliche Mitarbeiterin am IML in Ost-Berlin.Bernd-Rainer Barth

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Jurr, Werner

* 20.9.1906 – ✝ 14.4.1947

Geboren am 20. September 1906 in Berlin, Sohn eines Schneidermeisters, hatte neun Geschwister. Klempnerlehre, 1922 Mitglied der Sozialistischen Proletarierjugend, 1923 der Kommunistischen Jugend (der auch mehrere Brüder und seine Schwester angehörten) und 1924 der KPD. Auf dem 9. Reichskongreß im Herbst 1925 in Halle ins ZK des KJVD gewählt, wurde Jurr Ende 1925 Gauführer der Roten Jungfront Berlin-Brandenburg und Mitte 1927 Vorsitzender der Roten Jungfront für das ganze Reich, hauptamtlicher Sekretär. 1928 Kursant eines Lehrgangs in der Sowjetunion. Anfang 1929 wandte er sich öffentlich gegen die Korruptionsmethoden im RFB und wurde wegen dieser Kritik am 15. März 1929 aus der KPD sowie aus dem RFB und der Kommunistischen Jugend ausgeschlossen. Übertritt zur KPO und Führer der Kommunistischen Jugend-Opposition. Im Januar 1930 aufgrund eines Artikels, den er noch in seiner KPD-Zeit geschrieben hatte, zu einem Jahr Festung verurteilt. Die KPD und die Rote Hilfe verschwiegen diese Tatsache und unterstützten ihn nicht. Während der Haft in Gollnow bekam er Verbindung zu Richard Scheringer. Nach der Entlassung näherte sich Jurr mit Albert Schreiner wieder der KPD an und trat Ende 1932 erneut in die Partei ein. Er wurde hauptamtlicher RHD-Funktionär und arbeitete als Instrukteur der Zentralleitung bzw. als Orgleiter der RHD Berlin-Brandenburg. Von November 1933 bis Februar 1934 illegale Arbeit als RHD-Instrukteur in Stuttgart, dort am 2.Februar 1934 verhaftet und im September 1934 vom VGH zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Im Zuchthaus Brandenburg, anschließend bis April 1939 im KZ inhaftiert. Nach Kriegsausbruch wurde Jurr erneut festgenommen und bis 1940 in das KZ Sachsenhausen gebracht. Danach arbeitete er als technischer Angestellter und gehörte zur Widerstandsgruppe um Anton Saefkow. Im Juni 1943 zum Strafbataillon 999 eingezogen und nach Griechenland verschickt, dort nach dem 20. Juli 1944 wieder verhaftet. Vom VGH zu sieben Jahren Zuchthaus verurteilt. 1945 schwerkrank aus dem Zuchthaus Brandenburg befreit, schloß er sich wieder der KPD bzw. SED an. Zunächst stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Berlin-Schöneberg, dann ab Sommer Leiter der Personalabteilung der Zentralverwaltung für Inneres. Jurr, der wegen seiner schweren Krebserkrankung im Frühjahr 1947 zu einem Kuraufenthalt im Schwarzwald weilte, hatte die Absicht, in die Schweiz zu reisen. Er wurde aber am 14. April 1947 in der Nähe Stuttgarts von der amerikanischen Geheimpolizei CIC wegen eines angeblich nicht mehr gültigen Visums verhaftet, nach 14 Tagen jedoch wieder freigelassen. Jurr wurde vorgeworfen, er sei ein internationaler Agent des Kommunismus, der mit Sonderaufträgen in die Schweiz gehen wollte. Werner Jurr starb am 6.Dezember 1947 in Berlin an Magenkrebs. Seine ehemalige Frau, Herta Jurr-Tempi, geb. Sommerfeld, (* 1907), wurde wegen der Verbindung zu Field mehrfach angegriffen. Sie lebte in Frankreich und wurde aus der KP Frankreich ausgeschlossen. Sein Bruder Gerhard Jurr (* 1. 7. 1905 – †29.11. 1971) war ab 1931 Branchenleiter der Post- und Telegraphenarbeiter in der RGO Berlin bzw. 1932 RGO-Reichsleiter für diese Branche. 1934/35 Kursant an der Internationalen Leninschule in Moskau. Gerhard Jurr wurde am 11.Mai 1936 verhaftet und Ende Dezember 1936 vom VGH zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. 1945/46 Sekretär der KPD bzw. SED Berlin-Schöneberg. Am 25. Februar 1946 von US-Militärbehörden verhaftet, mit fünf Jahren Gefängnis bestraft, aber bereits am 1. Juni 1946 durch General Clay entlassen. Später Personalleiter bzw. Kaderleiter verschiedener Institutionen in der SBZ/DDR. Er erhielt am 7. Mai 1955 vom Ostberliner Magistrat die Ehrenbürgerschaft und 1970 den VVO in Gold.

Wer war wer in DDR

Justi, Ludwig

* 14.3.1876 – ✝ 19.10.1957

Geb. in Marburg in der Familie eines Prof.; nach dem Abitur Studium der Kunstgeschichte an den Univ. Bonn u. Berlin, hier 1898 Prom.; 1900 Hilfsarb. in den Staatl. Museen in Berlin; 1901 Privatdoz. u. 1902 Habil. an der Univ. Berlin; 1903 Prof. für Kunstgeschichte an der Univ. Halle; 1904 Dir. des Städelschen Kunstinst. in Frankfurt (Main); 1905 – 09 Erster ständ. Sekr. der Preuß. AdK zu Berlin; 1909 Dir. der Nationalgalerie in Berlin, 1933 aus pol. Gründen beurlaubt u. an die Bibliothek der Staatl. Museen strafversetzt; 1933 – 45 schriftsteller. Tätigkeit. 1946 – 57 GD der Staatl. Museen Berlin; 1949 Ord. Mitgl. der DAW; 1950 Dr. h. c. der HU; NP; 1957 Ehrenmitgl. der Ernst-Barlach-Ges. in Hamburg. L. J. gilt als Mitbegr. der mod. Kunstgeschichtsschreibung; zahlr. Veröff., u. a. Kunstführer u. Museumskataloge.Die Nationalgalerie u. die mod. Kunst. 1919; Dt. Malkunst im 19. Jh. Berlin 1920; Meisterwerke der Dresdner Galerie. Berlin 1955; Leben, Wirken, Wissen. Lebenserinnerungen aus fünf Jahrzehnten. Hrsg. von Th. W. Gaehtgens u. K. Winkler. Berlin 2000. Winkler, K.: L. J. – Der konservative Revolutionär. In: Junge, H. (Hrsg.): Avantgarde u. Publikum. Köln u. a. 1992; Ders.: L. J.s Konzept des Gegenwartsmuseums zwischen Avantgarde u. nat. Repräsentation. In: Rückert, C., Kuhrau, S. (Hrsg.): Die deutsche Kunst? Amsterdam 1998. JaW

Wer war wer in DDR

Kahlau, Heinz

* 6.2.1931 – ✝ 6.4.2012

Geb. in Drewitz (b. Potsdam); Vater Arbeiter; 1937 – 45 Volksschule; 1945 – 48 ungelernter Arbeiter (u. a. Elektriker, Holzdrechsler); 1948 Traktorist u. FDJ-Funktionär; 1948 – 50 SED, Ausschl.; ab 1950 Veröff. von Gedichten, Agit.-Prop.-Liedern u. Songs; 1953 – 56 Mstr.-Schüler  Bertolt Brechts an der DAK; 1954 erster Gedichtband »Hoffnung lebt in den Zweigen der Caiba«; ab 1956 freischaff. Schriftst. (Lyrik, Nachdichtungen, Dramatik, Funk- u. Filmautor, Prosa); H. K.s Rede gegen Dogmatismus löste im Juni 1956 auf dem 2. Kongreß Junger Künstler in Karl-Marx-Stadt heftige Kontroversen aus; im Herbst 1956 aktiv im sog. Donnerstags-Krs. (lt. MfS der »Dt. Petöfi-Club«); 1957 – 64 vom MfS als GI »Hochschulz« erf. (1990 freiw. Offenlegung); 1962 Heinrich-Greif-Preis; 1963 Heinrich-Heine-Preis; zeitw. Szenarist bei der DEFA; 1964 Kunstpreis der FDJ; 1965 Mitgl. des Dt. PEN-Zentrums Ost u. West, dann PEN-Zentrum DDR u. Dt. PEN-Zentrum (Ost); 1972 Lessing-Preis; Wiedereintritt in die SED; 1979 Verdienstorden der Arbeit des Präsidialrats der Ungar. VR; 1979 – 87 Mitgl. im Bez.-Vorst. Berlin des SV; 1981 Johannes-R.-Becher-Preis; 1984 u. 1985 NP; 1984 u. 1987 Hörspielpreis; 1987 – 90 Mitgl. im Zentralvorst. des SV; 1989 VVO. 1990 – 92 Bez.-Verordn. der PDS in Berlin-Pankow; 1991 – 93 Vorstandsmitgl. im Berliner Verband Dt. Schriftsteller; lebte seit 2006 auf der Insel Usedom; gest. in Greifswald. H. K. gehörte – auch wegen seiner staatl. geförderten Präsenz – zu den meistgelesenen Lyrikern der DDR; anfängl. v. a. pol. Gebrauchslyriker, fand er seit Mitte der 60er Jahre zu einem lakon., subjektiv-privaten (Liebeslyrik) u. subjektiv-pol. Ton; erfolgr. Kindertheaterautor u. Nachdichter.Der Fluß der Dinge. Ausgew. Gedichte. Berlin, Weimar 1964; Du. Berlin, Weimar 1970; Galoschenoper. Berlin 1978; Bögen. Ausgew. Gedichte. Berlin 1981; Kaspers Waage. Ausgew. Gedichte. Berlin 1992; Zweisam. Berlin 1999; Sämtl. Gedichte u. andere Werke (1950 – 2005). Hrsg. von L. Gömer. Berlin 2005. Matthies, F.-W.: Porträt H. K. In: Frankfurter Rundschau 2.12.1989.Andreas Kölling

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Kain, Hans

* 30.6.1887 – ✝ 1926

Geboren am 30. Juni 1887 in München; Schriftsetzer, vor dem Krieg in der Gewerkschaft tätig und Mitglied der SPD. Aktiver Kriegsgegner in München, hatte im Weltkrieg Verbindung zu den Bremer Linksradikalen. Im Dezember 1918 war Kain Gründungsmitglied des Spartakusbundes in München, Vertreter Bayerns auf dem Gründungsparteitag der KPD in Berlin Ende 1918. 1919 Sekretär und Redakteur der KPD in Bayern. Wegen seiner Beteiligung an der Münchner Räterepublik wurde er zu sechs Jahren Festungshaft verurteilt. Nach der Freilassung lebte er im Ruhrgebiet, trat politisch kaum noch hervor. Hans Kain starb 1926.

Wer war wer in DDR

Kaiser, Jakob

* 8.2.1888 – ✝ 7.5.1961

Geb. in Hammelburg (Unterfr.); Vater Buchbindermstr. u. Papierwarenhändler; Volksschule; Ausbildung u. Arbeit als Buchbinder; 1912 Zentrum; 1912 – 21 Kartellsekr. (Geschäftsf.) der Christl. Gewerkschaften Dtl. (CGD) in Köln; 1914 – 17 Kriegsdienst, Uffz.; 1921 – 24 hauptamtl. CGD-Arbeit in Berlin; 1924 – 33 Landesgeschäftsf. für Westdtl. im Gesamtverb. der CGD; 1928 – 33 Mitgl. des Zentrum-Reichsvorst.; 1932/33 Abg. des Reichstags; ab 1933 illeg. Widerstand, 1936 acht Mon. Haft, 1938 wieder verhaftet; lebte nach dem 20. Juli 1944 rund zehn Mon. illeg. in Potsdam-Babelsberg. 1945 Mitbegr. der CDU für Berlin u. die SBZ; Juli – Aug. im PV, dann bis Dez. 3. Vors., ab Ende 1945 1. Vors. (Nachf. von  Andreas Hermes); 1945 Mitgl. des Vorbereitenden Gewerkschaftsaussch. Groß-Berlin; 1946/47 Mitgl. des FDGB-Bundesvorst. u. des Landesvorst. Groß-Berlin; 1946 – 49 Stadtverordn.; Dez. 1947 von der SMAD abgesetzt (u. a. nach Ablehnung der Teiln. am 1. Dt. Volkskongreß vom CDU-Hauptvorst.); ab Jan. in Berlin (West); 1948/49 (West-)Berliner Vertreter im Parlamentar. Rat in Bonn; 1949 – 57 Abg. des Dt. Bundestags; Bundesmin. für Ge- samtdt. Fragen; 1950 – 61 Vors. der Exil-CDU; 1950 – 58 stellv. CDU-Vors. in der Bundesrep. Dtl., 1958 – 61 Ehrenvors; gest. in Berlin.J. K. – Gewerkschafter u. Patriot. Eine Werkauswahl. Köln 1988 (Hrsg. T. Mayer). Conze, W., Kosthorst, E., Nebgen, E.: J. K. 4 Bde. Stuttgart u. a. 1967 – 72; J. K. 1888 – 1961. St. Augustin 1991; Marschall-Reiser, H., Loenartz, M.: Nachlaß J. K. Bestand N 1018. Koblenz 1993.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Kaiser, Paul

* 1884 – ✝ 12.4.1950

Geboren 1884; Maurer. 1903 Mitglied der Gewerkschaft und der SPD. 1917 in Berlin Übertritt zur USPD. Mit der linken USPD kam Kaiser 1920 zur KPD, Anhänger des linken Flügels der Partei. Von 1923 an Vorsitzender des kommunistischen Industrieverbandes für das Baugewerbe. Zusammen mit Wilhelm Schumacher und Paul Weyer wandte sich Kaiser 1924 als Ultralinker gegen die Gewerkschaftspolitik der KPD und weigerte sich, den Industrieverband für das Baugewerbe mit den Freien Gewerkschaften zu fusionieren. Ebenso wie Schumacher und Weyer wurde Kaiser im September 1924 aus der KPD ausgeschlossen. Er führte auch in den folgenden Jahren den Industrieverband. 1926/27 war er eng mit der Korsch-Gruppe verbunden. Im Herbst 1931 spaltete sich der Industrieverband. Die Mehrheit schloß Kaiser aus, da er sich gegen den »Roten Volksentscheid« ausgesprochen hatte und mit Hugo Urbahns zusammenarbeitete; doch er konnte die Minderheit des Verbandes weiterführen. Während der NS-Zeit wieder Maurer, wurde Kaiser wegen seiner politischen Einstellung mehrmals verfolgt. Nach 1945 trat er der KPD bzw. der SED bei, übte jedoch keine Funktion mehr aus und geriet bald in Opposition zur Parteilinie. Paul Kaiser starb am 12. April 1950 in Berlin.

Wer war wer in DDR

Joos, Anton

* 8.3.1900 – ✝ 30.3.1999

Geb. in Gutach (Schwarzw.); Vater Schlosser, Mutter Landarb.; Volksschule; 1919 Mitgl. der KPD Waldshut (Baden); 1919/20 u. ab 1921 Bergarb. in Bottrop; 1931/32 Betriebsratsvors.; 1919 – 31 Mitgl. im Bergarbeiterverb.; 1920 Angeh. der Roten-Ruhr-Armee, verhaftet u. kurzz. in Köln interniert; 1920/21 Betriebsrat in Titisee-Feldberg (Baden); 1922/23 Ltr. der Proletar. Hundertschaft; 1923/23 Haft; Pol.-Ltr. des KPD-UB Hamborn, 1924 des RFB in Oberhausen-Osterfeld; 1928/29 Besuch der Arbeiter-HS; 1930 – 33 Pol.-Ltr. KPD-UB Oberhausen; 1932/33 Mitgl. im Stadtrat in Oberhausen; 1932/33 illeg. Arbeit für den KPD-Abwehrapparat in Oberhausen (»Tony«); 1933 – 37 Emigr. in die Niederlande (Amsterdam); Kassierer u. Kursltr. der KPD in Amsterdam, Instrukteur der Emigr.-Ltg.; seit Mitte der 1930er Jahre für einen sowj. Nachrichtendienst tätig; 1935/ 36 Pol. Ltr. der KPD für Süd-Niederlande in Rotterdam; danach Mitarb. des KPD-Nachrichtendienstes in Amsterdam u. Mitgl. der KPD-LL; ab Juli 1937 Mitarb. des KPD-Abwehrapparats in Paris (»Julius«, »Richard«), dort 1937 – 39 Sekr. von  Paul Bertz; Aug. 1939 verhaftet u. in versch. Lagern interniert, April 1941 Flucht; ab 1942 im frz. Widerstand; bis März 1943 Verbindung zur KPD-Ltg. in Toulouse; März 1945 Mitgl. der BFD in Toulouse, Propaganda-Arbeit in Kriegsgefangenenlagern; zeitw. Parteiname »Julius«. Juli 1945 nach Düsseldorf; dort Ltr. der PPA in der KPD-LL NRW u. 1946 Mitgl. der KPD-BL Ruhrgeb.-Westf.; Mai 1947 Ref. in der Personalpol. Abt. der SED; ab Aug. 1950 Ltr. des Sektors Allg. Angelegenh. der Abt. Kader des ZK der SED; 1949/50 Mitgl. der ZPKK der SED, u. a. mit der Angelegenh. Noel H. Field befaßt; bis Aug. 1950 maßgebl. an der Vorber. der ersten großen Parteisäuberung beteiligt; Jan. 1953 – Apr. 1956 Mitarb. der Zentr. Kaderregistr. des ZK der SED; galt als Vertrauter von  Walter Ulbricht u. »graue Eminenz der Kaderabt.« u. war dort vornehml. für sicherheitsrelevante Angelegenh. zuständig; nach dem XX. Parteitag der KPdSU 1956 von Ulbricht in den polit. Apparat des MfNV versetzt; 1962 – 66 stellv. Ltr. der DDR-Handelsvertr. in Stockholm; 1966 Rentner; gest. in Frankfurt (Oder).Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Jüchen, Aurel von

* 20.5.1902 – ✝ 11.1.1991

Geb. in Gelsenkirchen; Vater Ltr. einer Handelsschule; Gymnasium, 1922 Abitur; Studium (Werkstudent) der Germanistik u. Theol. an den Univ. Münster, Tübingen u. Jena; 1926 1. theolog. Examen, Lehrvikar in Meuselwitz; als Vikar 1928 Eintritt in die SPD u. in den »Bund der Religiösen Sozialisten Deutschlands« (BRSD); 2. theologisches Examen; 1929 – 32 Pfarrstelle in Mohrenbach (b. Arnstadt) (Thür.); 1932 Amtsenthebung durch die thür. Landeskirche wg. aktiven Engagements für die SPD; 1932 Mitgl. des Reichsvorstands des BRSD u. Aufbau des BRSD-Landesverb. in Westfalen; 1935 Pfarrstelle in Mecklenburg, Mitgl. des Bundes der national-sozialist. Pastoren Mecklenburgs; 1938 Anschluß an die Bekennende Kirche; Pfarrer in Rossow bei Netzeband; Hilfe für verfolgte Juden; 1939 – 45 Wehrmacht. 1945 Landesjugendpfarrer in Mecklenburg, Vertreter der ev. Jugend im FDJ-LV Mecklenburg; 1945 / 46 SPD / SED; Vors. des KB in Schwerin; vertrat ausdrücklich sozialdemokrat. Positionen u. geriet zunehmend in die Kritik der SED u. der sowj. Besatzungsbehörden; Dez. 1949 Ausschluß aus der SED; März 1950 Festnahme durch das NKWD in Schwerin, von einem sowj. Militärtribunal wg. »Spionage« zu 15 Jahren Zwangsarbeit verurteilt, 1950 – 55 Haft im Lager Workuta, erkrankte schwer u. erlitt an den Stimmbändern irreparable Schäden; Ende 1955 Entlassung, Rückkehr nach Dtl.; lebte in West-Berlin; bis 1972 Tätigkeit als Strafanstaltspfarrer in Berlin-Plötzensee und am West-Berliner Frauengefängnis; gest. in Berlin.Wie die Hunde heulen. Die sowj. Wirklichkeit von unten betrachtet. Stuttgart 1958. Peter, U.: Möhrenbach – Schwerin – Workuta – Berlin: A. v. J. (1902 – 1991). Ein Pfarrerleben im Jahrhundert der Diktaturen. Schwerin 2008.Andreas Herbst

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Jung, Ferdinand

* 24.1.1905 – ✝ 2.12.1973

Geb. in Waltershausen (Krs. Gotha); Vater Arbeiter; 1911 – 19 Volksschule; 1919 – 22 Puppen- u. Gummiarb.; 1920 – 29 KJVD; 1922 – 24 arbeitslos; 1924 KPD; RFB; 1924 – 27 erneut Gummiarb.; 1924 – 29 polit. Ltr. im KJVD; 1927 – 29 Kali-, Bahn- u. Gummiarb.; 1929 – 33 arbeitslos; 1930 / 31 Ltr. der KPD-Ortsgr. in Waltershausen; 1931 – 33 Ltr. des KPD-Unterbez. Waltershausen; polit. Ltr. des Kampfbundes gegen den Fasch.; 1933 Mitgl. der illeg. KPD-BL Erfurt u. antifasch. Tätigkeit; im Jan. 1934 verhaftet, im Juni 1934 in Jena wg. »Hochverrats« zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt; 1934 – 39 Haft im Zuchthaus Untermaßfeld sowie in den KZ Sulza, Lichtenburg u. Buchenwald; 1939 – 45 Bau- u. Ziegelarb., Eisenflechter, Beifahrer u. Kraftfahrer. 1945 Mitgl. der KPD-BL Erfurt; 1945 Dienststellenltr. im Arbeitsamt Waltershausen; 1945 / 46 stellv. Landrat in Gotha; 1946 – 48 1. Sekr. der Volkssolidarität Weimar-Erfurt; 1946 SED; Mitgl. der SED-LL Weimar-Erfurt; 1948 – 52 Ltr. der Geschäftsabt. der SED-LL Thür.; 1952 / 53 1. Sekr. der SED-KL Meiningen; 1953 Lehrgang an der SED-PHS; 1954 / 55 Instrukteur im ZK der SED; 1955 – 64 2. Sekr. der SED-BL Suhl; 1964 – 69 Ltr. der »Kommission zur Erforschung der Gesch. der örtl. Arbeiterbew.« der SED-BL Suhl; 1965 VVO; 1966 – 71 Ltr. der Abt. Wirtschaftspolitik der SED-BL Suhl; Mitarb. u. Ltr. des Bezirksparteiarchivs Suhl.Mario Niemann

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Jungbluth, Karl

* 18.3.1901 – ✝ 1987

Geboren am 18. März 1901 in Schwerin; lernte Schriftsetzer und ging dann auf Wanderschaft. 1919/20 war er Bezirksleiter der Kommunistischen Jugend in Bremen, kehrte 1920 nach Mecklenburg zurück und war dort bis 1922 Polleiter der KJD für den Bezirk Mecklenburg. Jungbluth leitete von 1923 bis 1925 die KPD in Schwerin und war Mitglied der BL. Im Februar 1924 wurde er als Abgeordneter der KPD in den Landtag von Mecklenburg-Schwerin gewählt, trat aber im Januar 1925 aus der KPD aus und blieb bis Juni 1925 fraktionslos im Landtag. Er ging dann zur SPD-Fraktion und war dort bis Ende der Landtagsperiode Mitte 1926. Noch kurze Zeit in der SPD aktiv, zog er sich dann ganz aus der Politik zurück und arbeitete wieder als Schriftsetzer. Karl Jungbluth starb 1987.

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Junghähnel, Gerhard

* 15.3.1926 – ✝ 2.6.2004

Geb. in Wünschendorf; Vater Eisenbahnarb.; Volksschule; Arbeiter bei der Reichsbahn; 1946 SED; Besuch der Pädagog. FS Gera, anschl. Vorstudienanstalt (ABF) Jena, 1947 Abitur; 1947 – 53 Physikstudium an der FSU Jena, 1953 Dipl., 1955 Prom.; ab 1956 Wahrnehmung einer Prof. für Experimentalphysik an der HS für Maschinenbau in Karl-Marx-Stadt; 1957 – 60 Prorektor für Studienangelegenh., 1959 – 61 amt. Rektor (Nachf. von Edgar Pietsch); 1959 – 65 Vors. des Bez.-Vorst. der Gewerkschaft Wiss. Karl-Marx-Stadt; 1964 Prof. für Experimentalphysik an der PH Potsdam, 1965 – 73 deren Rektor (Nachf. von Günter Scheele); 1969 – 88 Dir. der Sekt. Mathematik / Physik; 1968 – 72 Vors. des Zentralvorst. der Gewerkschaft Wiss. 1991 em.; 1991 – 93 Präs. des Landessportbunds Brandenb., Rücktritt nach öffentl. Vorwürfen früherer MfS-Zusammenarbeit; gest. in Potsdam. Hauptarbeitsgebiete: Spektroskopie u. Synergetik (nichtlineare Systeme).Horst Kant

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Junker, Wolfgang

* 23.2.1929 – ✝ 9.4.1990

Geb. in Quedlinburg; Vater Kraftfahrer; 1935 – 45 Volks- u. Mittelschule in Weddersleben u. Thale; 1939 – 45 Dt. Jugend, HJ, Jungzugführer; 1945 Ausbildung zum Maurer in Westerhausen. 1948/49 Maurer in Quedlinburg; 1948 FDGB; 1949 SED; 1949 – 52 Studium an der Ingenieurschule für Bauwirtschaft in Osterwiek (b. Blankenburg); 1952/53 Baultr. im Baustab Stalinallee in Berlin; 1953/54 Baultr. der Bau-Union Nord in Glowe (Rügen); 1954/55 stellv. Ltr. der KJ Gruppe Strausberg NVA; 1955 – 57 Betriebsdir. der VEB Bagger- u. Förderarbeiten in Berlin; 1958 – 61 Betriebsdir. der VEB Industriebau in Brandenb.; 1961 – 63 Stellv. bzw. 1. Stellv. des Min. u. 1963 – 89 Min. für Bauwesen (Nachf. von  Ernst Scholz); 1967 Kand., 1971 – 89 Mitgl. des ZK der SED; 1968 Mitgl. der DBA; 1972 – 89 Ltr. der DDR-Delegation u. ab 1973 Vors. der Ständ. Kommission des RGW für Zusammenarbeit im Bauwesen; 1976 – 89 Abg. der Volkskammer; 1969 VVO; 1976 KMO; Okt. 1979 erstes Reg.-Mitgl., das in der Bundesrep. Dtl. zu offiz. Gesprächen mit Bundesbaumin. Dieter Haack u. Staatsmin. Hans-Jürgen Wischnewski zusammentraf; 1984 Stern der Völkerfreundschaft; 7.11.1989 Rücktritt als Min. mit der Reg.  Willi Stoph; Jan./Febr. 1990 U-Haft im Gefängnis Berlin-Hohenschönhausen wegen des Verdachts auf »Amtsmißbrauch«; Suizid in Berlin.Neues ökon. System im Bauwesen u. Durchführung der Investitionspol. Berlin 1965; Das Wohnungsbauprogramm der DDR für die Jahre 1976 – 90. Berlin 1973; Aktuelle Entwicklungsprobleme des Bauwesens in der DDR. Berlin 1976.Helmut Müller-Enbergs

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Jürschik, Rudolf

* 15.11.1935

Geb. in Böhmisch Leipa (ČSR/Česká Lípa, Tschechien) in einer Arbeiterfamilie; 1946 Umsiedl. nach Eilsleben (Börde); Volksschule bis 1950, OS Haldensleben, 1954 Abitur; 1953 SED; 1954/55 Studium an der Univ. Rostock, Schiffbautechn. Fak.; 1955/56 Bühnenarbeiter u. Aufnahmeltr.-Assistent im VEB DEFA-Studio für Spielfilme Potsdam-Babelsberg; 1956 – 60 Studium an der Dt. HS für Filmkunst Potsdam-Babelsberg, Fachrichtung Filmprod., 1960 Dipl.; 1960 – 63 dort Assistent/Oberassistent, Lehrgebiet Ästhetik/Filmwiss.; 1963 – 66 Studium der Ges.-Wiss. an der PHS, 1966 Dipl.; 1966 – 69 Aspirantur an der PHS, Prom. zum Dr. phil. mit einer Diss. zur Spezifik der Filmkunst unter dem philosoph. Aspekt der Subjekt-Objekt-Dialektik; 1969 Berufung zum HS-Doz. für das Fachgeb. Kulturtheorie, Ästhetik u. Filmtheorie; 1974 Prof.; stellv. Lehrstuhlltr. für Kulturpol. an der PHS; Mai 1977 Berufung zum Chefdramaturgen des DEFA-Studios für Spielfilme (Nachf. von Günter Schröder); Herbst 1989 – März 1991 künstler. Ltr. Seit der Abwicklung des gesamten künstler. Bereichs des DEFA-Studios arbeitslos bzw. befristet in ABM-Projekten tätig; zahlr. Veröff. in Fachztschr. zu ästhet. u. filmwiss. Fragen.Wirklichkeit u. Filmkunst. Diss. Berlin 1970; Ästhetische Beziehungen. Berlin 1976.Peter Hoff

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Kaasch, Wienand

* 30.1.1890 – ✝ 19.1.1945

Am 30. Januar 1890 in Stolp/Pommern geboren; organisierte sich nach der Schlosserlehre in der Gewerkschaft, 1912 Mitglied der SPD. Über die USPD kam er 1920 zur KPD, für die er in Berlin verschiedene Funktionen ausübte. 1923 von der Zentrale in die KPD-BL Ruhr entsandt, 1924 Mitarbeiter der Orgabteilung der Zentrale. Im Oktober 1924 kurze Zeit inhaftiert; festgenommen, als er (im Auftrag der Zentrale) die Organisation des Ruhrgebiets inspizierte. Anfang 1925 berief ihn das ZK zum Polleiter der neugebildeten KPD-BL Saar. In den folgenden Jahren arbeitete Kaasch in der Orgabteilung des ZK und war zeitweilig Abteilungsleiter. Hier war er mitverantwortlich für die sogenannten Reichskontrollen, d.h. statistischen Erhebungen in der Partei 1927 und 1929 über ihre Struktur und Zusammensetzung. 1928 Abgeordneter des Preußischen Landtags, dem er bis 1932 angehörte. 1931 wurde er aus der Arbeit in Deutschland abgezogen, dann als Instrukteur für die Komintern tätig. Im März 1933 emigrierte er in die Sowjetunion und war dort Mitarbeiter am Internationalen Agrarinstitut in Moskau. Anfang 1935 stand er wieder für die illegale Arbeit in Deutschland zur Verfügung, gemeinsam mit Erich Glückauf reiste er im Mai 1935 illegal nach Deutschland. Hier schon nach wenigen Wochen, am 7. August, verhaftet und im Mai 1936 zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt. Am 19. Januar 1945 starb Wienand Kaasch im Zuchthaus Luckau. Er war von 1922 bis 1928 mit Herta Geffke verheiratet gewesen.

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Kähler, Christoph

* 10.5.1944

Geb. in Freiberg; Vater Theol.-Prof., Eltern Mitgl. der »Bekennenden Kirche«; 1952 Abitur; anschl. Berufsausbild. zum Elektromonteur; 1964 – 69 Studium der Theol. an der FSU Jena u. der EMAU Greifswald; Mitarb. in den ESG; 1968 Teiln. u. Ltg. von Diskussionskrs. zur Studienreform u. zur Verfassung; 1969 – 73 Forschungsstudium an der Theolog. Fak. der FSU; 1970 Stipendium »providentiae memor« Zürich, Wahrnehmung durch staatl. Organe verhindert; 1973 – 77 Assistent an der Theolog. Fak. der FSU, 1974 Prom. mit »Studien zur Form- u. Traditionsgeschichte der bibl. Makarismen«; 1977 Pfarrer in Leipzig u. gleichz. Lehrbeauftr. für Neues Testament am Theolog. Seminar (Kirchl. HS) Leipzig; ab 1981 dort Doz. für Neues Testament u. 1986 – 88 Rektor; 1984 – 89 berufenes Mitgl. der Synode der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsen; 1988/89 Prediger bei Friedensgebeten in der Leipziger Nikolaikirche; Mai 1989 Gastdoz. in Bern; Okt. 1989 bis Jan. 1990 Mitgl. des DA u. Mitautor des Parteiprogramms; Mitgl. der Arbeitsgr. Wahlen des Runden Tisches Leipzig; 1990/91 Mitgl. der letzten Synode des Bunds der Ev. Kirchen der DDR. 1991 – 93 Mitgl. der Sächs. HS-Kommission; 1992 Habil. an der FSU Jena mit der Arbeit »Gleichnisse als Poesie u. Therapie« (Veröff. Tübingen 1994); im Zuge der Zusammenführung der Kirchl. HS mit der Theolog. Fak. 1992 – 2001 Prof. der Univ. Leipzig, 1994 Dekan der Theolog. Fak., 1997 – 2000 Prorektor; seit 1993 Mitgl. im Vorermittlungsaussch. der EKD; 2001 – 08 Landesbischof der Ev.-Luth. Kirche in Thüringen; Jan. – Mai 2009 nach deren Fusion mit der Ev. Kirche der Kirchenprovinz Sachsen Bischof der neuen Ev. Kirche in Mitteldtl. (neben  Axel Noak); stellv. Vors. des Rats der EKD; seit 2008 Mitgl. des Dt. Ethikrats; lebt in Eisenach. Autor zahlr. Aufsätze v. a. zur kirchl. Jugendarbeit, zur kommunikationstheoret. Interpretation der Gleichnisse Jesu sowie zu Themen des pol. Umbruchs in der DDR; Beiträge zur Umsetzung sozialeth. Theorie in die theolog. Praxis.Ehrhart Neubert

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Kaiser, Bruno

* 5.2.1911 – ✝ 27.1.1982

Geb. in Berlin; Vater Lehrer; Gymnasium, Abitur; ab 1929 Studium der Germanistik u. Kunstgeschichte an der Univ. Berlin; zugl. Volontär, dann Red. bei der »Vossischen Ztg.«; Abbruch des Studiums; 1938 Emigr. nach Belgien, Frankreich u. in die Schweiz; im Krieg zeitw. Zivilinternierung; wiss. u. pol. tätig; Entdecker des Nachlasses von Georg Herwegh; ab 1943 Mitgl. der BFD in der Schweiz; 1943 – 46 Bibliothekar in Liestal; hier Aufbau des Georg-Herwegh-Museums. 1946/47 wiss. Arbeit in Belgien; 1947 Rückkehr nach Dtl.; 1947 – 49 Abt.-Dir. an der Dt. Staatsbibliothek Berlin; Prom. zum Dr. phil.; 1948 SED; ab 1949 Ltr. der Bibliothek des IML; 1956 Mitbegr. u. Vors. der Pirckheimer-Ges. im KB; 1958 Heinrich-Heine-Preis; 1961 Prof.; bedeutender Büchersammler u. Marx-Engels-Forscher; Hrsg. von Werken von Georg Herwegh sowie Georg Weerths »Sämtl. Werke in fünf Bänden« (1956/57); Mitbegr. der Marx-Engels-Gesamtausgabe; 1969 Gutenberg-Preis der Stadt Leipzig; ab 1967 Erwerb der Privatbibliothek mit ca. 40.000 Drucken durch die Dt. Staatsbibliothek Berlin; 1971 NP; gest. in Berlin.Das Wort der Verfolgten. Berlin 1948; Die Pariser Kommune im dt. Gedicht. Berlin 1958; Ex libris. Berlin 1967; Vom glückl. Finden. Berlin 1985. Fs. für B. K. Berlin 1981 (mit Bibl.); Die Bibliothek B. K. Berlin 1988.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

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Kaiser, Josef

* 1.5.1910 – ✝ 5.10.1991

Geb. in Celje (Slowenien); 1929 – 35 Studium an der Dt. TH Prag, Dipl.-Ing.; 1935 – 40 in Architektenbüros Ernst Flemming u. Otto Kohtz in Weimar u. Berlin u. im Projektierungsbüro der DAF bei Schulte-Frohlinde tätig; 1941 – 45 Ltr. der Grundrißtypenplanung der Dt. Akad. für Wohnungswesen in Berlin. 1945 Erkrankung; 1946 Gesangsstudium an der Musik-HS Dresden; 1948 Tenor am Theater am Nollendorfplatz in Berlin; 1950 – 55 Mitarb. der DBA in der Mstr.-Werkstatt II von  Hanns Hopp, hier Bearbeitung von Entwürfen für das Kulturhaus der Maxhütte Unterwellenborn u. Kinos an der Stalinallee in Berlin, Wettbewerbsentwurf Stalinallee u. Zentrum Stalinstadt (Eisenhüttenstadt); Chefarchitekt für den Aufbau von Stalinstadt, Projekt für den zweiten Wohnkomplex; Typenvorschläge für Gesellschaftsbauten, u. a. Filmtheater »Kosmos« (Ideenentwurf 1956, gebaut 1962); 1956 – 58 Wohnbauten in Mannheim, Berlin (West) u. Essen; ab 1958 Tätigkeit im VEB Berlin-Projekt; Bemühung um Klärung ästhet. Verhältnisse beim industriellen Bauen, Anwendung versch. Proportionslehren in mod. Rasterarchitektur; 1962 NP; 1962 Ltr. des Entwurfskoll. für das Ensemble zw. Strausberger Platz u. Alexanderplatz der Karl-Marx-Allee in Berlin, 1963 Hotel »Berolina« u. Filmtheater »International«, 1964 Restaurant »Moskau«, 1967 Projekt für das Gebäude des MfAA, 1970 Centrum-Warenhaus, 1971 Wohnhochhäuser in 5-Mp-Plattenbauweise als Erstentwicklung; 1969 Prof. für Allg. Hochbau an der HAB Weimar; 1973 em.; seit 1973 Chefarchitekt u. persönl. Berater beim Dir. der Aufbaultg. für Sondervorhaben Berlin; gest. in Altenberg. J. K. war neben Rolf Göpfert einer der profiliertesten Entwerfer, der im Hintergrund der namhaften Mstr.-Architekten arbeitete; er prägte architekton. maßgebl. das Berlin (Ost) der 60er Jahre.Die Forts. der Stalinallee vom Strausberger Platz bis zum Alexanderplatz. In: Verner, P.: Großbaustelle Zentrum Berlin. Berlin 1960.Simone Hain

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Kalb, Hermann

* 20.10.1924

Geb. in Jena; Vater Angest.; Volks- u. Oberrealschule in Jena u. Frankfurt (Main), Abitur; 1941 – 45 Wehrdienst, Ltn. 1946 Jurastudium an der FSU Jena; 1946 CDU; 1947 – 50 Sekr. u. Vors. des CDU-Krs.-Vorst. Meiningen; 1948 – 50 tätig in der staatl. Verw.; stellv. Landrat im Krs. Meiningen; 1950 – 52 CDU-Landessekr. in Thür. u. Abg. des Landtags; 1950 – März 1990 Abg. der Volkskammer; 1950 – 54 Mitgl. des Justizaussch.; 1950 – 57 u. ab 1960 als IM »Hugo«, »Hermann« bzw. »Schütz« des MfS erf.; 1954 – 63 Mitgl. des Ständ. Aussch. für Allg. Angelegenh.; 1963 – 67 Schriftführer des Aussch. für Kultur; 1966 – 69 Mitgl. des Präs. der Volkskammer; 1969 – 86 Vors. des Aussch. für Eingaben der Bürger; 1952 – 61 Vors. des CDU-Bez.-Verb. Erfurt; 1960 – 89 Mitgl. des Präs. des CDU-Hauptvorst.; 1961 – 71 Chefred. des CDU-Zentralorgans »Neue Zeit«; 1961 – 70 Mitgl. des Präs. des VDJ; seit 1963 Mitgl. der UNESCO-Kommission der DDR; 1971 – Okt. 1982 Sekr. des CDU-Hauptvorst.; seit 1972 Mitgl. des NR der NF; 1977 VVO; 1977 – 89 Stellv. des Staatssekr. für Kirchenfragen (Nachf. von  Fritz Flint); 1.1. – 30.9. 1990 Staatssekr. u. Ltr. des Amts für Kirchenfragen.Weg u. Ziel der Adenauer-CDU. Burgscheidungen 1961 (zus. mit A. Wiggemeier u. K.-H. Puff). Vollnhals, C. (Hrsg.): Die Kirchenpol. von SED u. Staatssicherheit. Berlin 1996; Nassner, W. (Bearb.): Staatssekretär für Kirchenfragen. Bremerhaven 2007.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Jordan, Carlo

* 5.2.1951

Geb. in Berlin; Vater Bäcker, Mutter Verkäuferin; POS; 1965 – 68 Zimmererlehre; 1969 – 72 Bauing.-Studium in Berlin; 1972 Rücktritt aus der FDJ-Ltg. des Kombinats Ingenieurhochbau aus Protest gegen das neue Absolventengesetz; 1970 – 81 Teiln. an konspirativen Zirkeln; 1971 Mitorg. kulturopp. Veranstaltungen im Berliner Arbeiter- u. Studentenklub (Schließung 1974); anschl. Veranstaltungen u. a. zur Arbeiterselbstverw. in Jugosl. im Berliner Klub »Box« (Verbot 1975), im »Kramladen« (Verbot 1976); ab 1973 alternative Landhausprojekte in der Uckermark (1984 Zwangsräumung durch das MfS); 1972 – 79 Baultr. bei versch. Berliner Betrieben; 1976 Festnahme wegen einer Eingabe betr. den Suizid des Pfarrers  Oskar Brüsewitz; 1978 Fernstudium der Philos. u. Geschichte an der HU Berlin, Relegierung 1982 wegen »ungenügender gesellschaftl. Einbindung«; 1978 – 83 UdSSR-Reisen, insbes. ins Baltikum; 1980 – 89 künstler. u. kirchl. Bauprojekte; 1985 – 89 Doz. für Philos. u. Lit. an Bildungsstätten der Ev. Kirche Potsdam; 1982 – 86 Mitarb. in versch. Öko-Krs. (ESG, Berlin-Friedrichsfelde, Vipperow); Mitorg. der Berliner Ökoseminare; 1986 Mitbegr. der Berliner Umweltbibliothek u. Mitarb. der »Umweltblätter«; 1987 – 90 DDR-Koordinator im Osteurop. Netzwerk Greenway; 1988 Mitbegr. des Grünen Netzwerks Arche u. dessen Samizdat-Ztschr. »Arche Nova«; Nov. 1989 Mitbegr. der GP, Dez. 1989 – März 1990 GP-Sprecher am Zentr. Runden Tisch; Jan. 1990 Mitinitiator der Gedenk- u. Forschungsstätte für die Opfer des Stalinismus ASTAK Berlin-Normannenstr.; Mai – Dez. 1990 Abg. der GP in der Berliner Stadtverordnetenvers. 1994 – 95 MdA Berlin, Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen (AL); danach Beginn eines Forschungsprojekts zur Nachkriegsgesch. der HU an der FU Berlin, 2000 Prom.; seit 2000 stellv. Vors. der Forschungs- u. Gedenkstätte Berlin-Normannenstr.ARCHE NOVA – Opp. in der DDR. Berlin 1995; Kaderschmiede HU zu Berlin. 1945 – 1989. Berlin 2001.Silvia Müller

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Jüchser, Hans

* 14.7.1894 – ✝ 13.8.1977

Geb. in Chemnitz; Vater Lehrer; 1915 – 18 Soldat; 1919 – 23 Studium der Kunsterziehung u. Grafik bei Arno Drescher u. G. Erler an der Dresdner Kunstgewerbeschule, 1923 – 28 Mstr.-Schüler bei O. Hettner u. L. von Hoffmann an der Dresdner Kunstakad.; 1928 – 39 freischaff. in Dresden; 1929 KPD; 1930 – 32 Mitgl. der ASSO in Dresden, 1932 – 34 der Neuen Dresdner Sezession u. der Künstlervereinigung Dresden; 1935 erste Personalausstellung in der Städt. Kunstsammlung Duisburg; Reisen nach Italien u. Schweden; während des Nationalsoz. als »entarteter Künstler« diffamiert u. isoliert; 1940 – 49 Kriegsdienst u. Gefangenschaft. Nach der Rückkehr wieder freischaff. in Dresden; zahlr. Personalausstellungen, u. a. 1960 in Karl-Marx-Stadt u. 1977 in Weimar; 1960 Grafikpreis der CDU; nach Einflüssen des Verismus in seinem Frühwerk nun Hinwendung zu einer in der Nachf. Cézannes u. der kolorist. Malweise der ersten Hälfte des 20. Jh. stehenden Gestaltung; gest. in Dresden. Werke: In der Mansarde, 1923; Mutter mit krankem Kind, 1932; Bildnis Kolbe, 1955; Auferstehung. Glasfenster für die Friedenskirche in Radebeul, 1952; Luft u. Wasser. Glasfenster für das Inst. für Luftfahrt Dresden, 1957; Joseph u. Potiphars Weib, 1959.Löffler, F.: H. J. Berlin 1964; Kat. H. J. Kunstsammlungen Weimar 1977; Kühnel, A.: H. J. In: Kat. Rev. u. Realismus. Staatl. Museen zu Berlin 1978; Kat. H. J. Malerei u. Grafik. Chemnitz 2005.Anke Scharnhorst

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Jung, Friedrich

* 21.4.1915 – ✝ 5.8.1997

Geb. in Friedrichshafen (Bodensee); Vater Studienrat; Schulbesuch in Ellwangen u. Stuttgart; 1934 – 39 Med.-Studium in Tübingen, Königsberg u. Berlin, hier 1939 Approbation; wiss. Assistent am Pharmakolog. Inst.; 1940 Prom.; 1940/41 Kriegsdienst als Unterarzt in einer Sanitätseinheit; 1941/42 Unterarzt in einer Forschungsgr. an der Militärärztl. Akad. Berlin; 1942 – 44 Sanitätsoffz. (Truppenarzt); 1944 Habil. u. Doz. an der Univ. Berlin; 1945 beratender Pharmakologe in der Heeresgr. West; Parlamentär bei Übergabe eines Depots chem. Kampfstoffe. 1945 Doz.; 1946 – 49 Ltr. des Pharmakolog. Inst. der Univ. Würzburg; 1949 – 72 Prof. für Pharmakol. u. Toxikol. sowie Dir. des Pharmakolog. Inst. der HU Berlin; seit 1956 zugl. Dir. des Arbeitsber. (1961 Inst.) für Pharmakol. der Inst. für Med. u. Biol. der DAW in Berlin-Buch; 1961 Korr., 1964 Ord. Mitgl. der DAW; Mitgl. der Leopoldina; 1964 SED; 1972 – 81 Dir. des ZI für Molekularbiol. der AdW; NP 1957, 1965 (im Koll.) u. 1987 (im Koll.); 1980 em.; gest. in Berlin. Arbeitsgebiete: Physiol., Pathophysiol. u. Biochemie des roten Blutfarbstoffs u. der roten Blutzelle; ab 1941 erste elektronenopt. Studien an Erythrozyten; Arbeiten über Netzmittel, entzündungshemmende Wirkstoffe u. physiolog. aktive Peptide; systemat. Bearbeitung der Toxikol. aromat. Nitro- u. Aminoverbindungen u. a. Blutgifte, Toxikol. von Petroprotein; Mitw. am Arzneibuch der DDR u. im Zentr. Gutachteraussch. für den Arzneimittelverkehr; Mithrsg. der »Acta biologica et medica germanica«, der Ztschr. »Dt. Gesundheitswesen«, der »Ztschr. für ärztl. Fortbildung« u. a.; Mitautor mehrerer HS-Lehrbücher zu Pharmakol. u. Innerer Medizin.Zur physikal. Chemie des Hämoglobins. Berlin 1955; Arzneimittel u. Ges. Berlin 1971 (zus. mit P. Oehme u. H. Rein); VI. Internat. Symposium über Struktur u. Funktion der Erythrozyten. Berlin 1972 (zus. mit M. Rapoport). Oehme, P., Scheler, W.: (Hrsg.): Zwischen Arznei u. Gesell. Zum Leben u. Wirken des F. J. Berlin 2002; F. J. In: Pasternak, L. (Hrsg.): Wissenschaftler im biomedizin. Forschungszentrum: Berlin-Buch 1930 – 2004. Frankfurt (Main) 2004.Jochen Richter

Handbuch Deutsche Kommunisten

Jungclas, Georg

* 22.2.1902 – ✝ 11.9.1975

Geboren am 22. Februar 1902 in Halberstadt, aufgewachsen in einer sozialdemokratischen Familie, die 1904 nach Hamburg übersiedelte. Er lernte Buchhändler, trat 1915 noch als Schüler der Freidenker-Jugend bei, wurde 1919 Mitglied der KPD. Bei der Spaltung 1920 blieb er mit einer Minderheit in der Partei, während die übergroße Mehrheit der Hamburger Kommunisten zur KAPD wechselte. Als Arbeiter bei Blohm und Voß 1921 an der März-Aktion der KPD beteiligt, die rasch zusammenbrach. Jungclas war bis 1922 Wanderlehrer der KPD in Thüringen und hielt Kurse zur Geschichte der Arbeiterbewegung. Danach war er in Worpswede beim Ausbau von Heinrich Vogelers Kinderheim für die Rote Hilfe tätig. 1923 Mitglied des Militärapparates der KPD, im Hamburger Aufstand aktiv. Bis 1926 Angestellter der kommunistischen Buchhandlung Carl Hoym, dann bei anderen Buchhandlungen beschäftigt. Jungclas schloß sich 1926 der linken Opposition an, unterschrieb im September 1926 den »Brief der 700« und gehörte seit Gründung 1928 zum Leninbund. In Hamburg bildeten er und Karl Jahnke einen trotzkistischen »Stützpunkt«. Er hatte gute Verbindungen auch zu rechten Kommunisten und konnte denen brisantes Material zur Unterschlagungsaffäre in der Hamburger KPD übergeben, die er von Parteifunktionären heimlich erhalten hatte. Dadurch half er, die Wittorf-Affäre im September 1928 bekannt zu machen, die zur vorübergehenden Absetzung Ernst Thälmanns führte. Bei Spaltung des Leninbundes 1930 ging er zur Opposition, die sich im März 1930 mit Teilen der Weddinger Opposition zur trotzkistischen linken Opposition (LO) zusammenschloß. Er zählte nun zu den führenden deutschen Trotzkisten, mit der Hamburger Gruppe gelang es ihm, trotzkistisches Material auf Schiffen illegal in die Sowjetunion einzuschleusen. Jungclas stand in enger Verbindung zu Trotzkis Sohn Leo Sedow und im regen Briefwechsel mit Trotzki, den er im November 1932 in Kopenhagen traf. Kurze Zeit später flüchtete Jungclas aus Hitler-Deutschland nach Dänemark, wo er mit den dänischen Trotzkisten zusammenarbeitete. Nach der deutschen Besetzung 1940 gehörte er zur illegalen Widerstandsgruppe, wurde im Mai 1944 von der Gestapo verhaftet, nach Hamburg, Anfang 1945 nach Berlin transportiert. Vor Kriegsende noch ins Zuchthaus Bayreuth eingeliefert. Im April 1945 von den US-Truppen befreit, konnte Jungclas über seinen Mithäftling Eugen Gerstenmaier (den späteren Bundestagspräsidenten) Kontakt zur Zentrale der IV. Internationale in Paris aufnehmen. Ab 1946 hauptamtlicher Sekretär der IV. Internationale in Deutschland, er baute die trotzkistische Organisation der Internationalen Kommunisten Deutschlands (IKD) auf. Im Frühjahr 1951 Mitinitiator der Unabhängigen Arbeiterpartei Deutschlands, dann Mitglied ihres Sekretariats, wurden er und die Trotzkisten bereits im August 1951 aus der kurzlebigen UAPD ausgeschlossen. Jungclas arbeitete in verschiedenen Organen mit, etwa der »Sozialistischen Politik«. Von den Stalinisten als »Agent« verleumdet und bekämpft, blieb er bis 1967 Sekretär der deutschen Trotzkisten und Mitglied des Internationalen Sekretariats der IV. Internationale. Georg Jungclas starb am 11. September 1975 in Köln.

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Junghanns, Ulrich

* 25.5.1956

Geb. in Gera; POS; 1972 – 74 Ausb. zum Pferdewirt im Hengstdepot Moritzburg; 1974 – 90 Mitgl. des DBD; Nov. 1974 – Apr. 1976 NVA; 1976 – 79 Studium der öffentl. Verw. an der FS für Staatswissenschaft »Edwin Hoernle« in Weimar, Staatswiss.; 1979 – 81 Ang. beim Rat des Krs. Greiz; 1981 – 86 Fernstudium an der DASR in Potsdam-Babelsberg, Dipl.-Staatswiss.; 1981 – 90 Mitarb. der DBD, 1. Sekr. der DBD Greiz; 1983 pol. Mitarb. des DBD-Parteivorst.; Bez.-Vors. des DBD Berlin; 1988 Verdienstmedaille der DDR; Febr. – Sept. 1990 1. stellv. Vors. des DBD; Ende Juni – Sept. 1990 (kommissar.) Vors. der DBD (Nachf. von  Günther Maleuda); seit Sept. 1990 Mitgl. der CDU. Seit Nov. 1990 Mitgl. des CDU-LV Brandenburg; 1990 – 98 Mitgl. des Dt. Bundestages; Okt. 1990 – 92 Mitgl. des CDU-Bundesvorst.; 1991 – 98 Mitgl. der Parlamentar. Versammlung des Europarats u. der Westeurop. Union; 1993 Kand. als Oberbürgermstr. der Stadt Frankfurt (Oder); 1994 – Nov. 2002 Stadtverordn. u. Vors. der CDU-Fraktion in Frankfurt (Oder); Okt. 1998 – Nov. 2002 Geschäftsf. der Firma GreenWay Systeme GmbH in Frankfurt (Oder); Jan. 1999 – Jan. 2007 stellv. CDU-Landesvors.; Nov. 2002-Nov. 2009 Wirtschaftmin. des Landes Brandenburg; Okt. 2004 – Sept. 2009 Mitgl. des Landtags Brandenburg; 20.2.2007 – 20.10.2008 stellv. Min.-Präs. des Landes Brandenburg u. zugl. Vors. der CDU Brandenburg (Nachf. von Jörg Schönbohm).Helmut Müller-Enbergs

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Jürgensen, Reinhold

* 18.3.1898 – ✝ 19.12.1934

Geboren am 18. März 1898 in Elmshorn; Lehre und Arbeit als Elektriker, Mitglied der KPD und Funktionär der BL Wasserkante. Im November 1932 im Wahlkreis Schleswig-Holstein als Abgeordneter in den Reichstag gewählt. Jürgensen wurde im April 1933 verhaftet und kam für fünf Monate in »Schutzhaft«. Er wurde in den KZs Fuhlsbüttel, Glückstadt und Kuhlen gefoltert. Im September 1934 freigelassen, baute er mit Dutzenden Kommunisten in Elmshorn eine illegale Gruppe auf und soll auch ein Waffenlager angelegt haben. Am 19. Dezember 1934 erneut verhaftet, wurde Reinhold Jürgensen am 20.Dezember 1934 im KZ Fuhlsbüttel ermordet.

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Just, Gustav

* 16.6.1921 – ✝ 23.2.2011

Geb. in Reinowitz (Krs. Gablonz, ČSR/Rynovice, Tschechien); Vater Schlosser; 1927 – 32 Volksschule, 1932 – 40 Gymnasium in Gablonz; 1938 – 40 HJ; 1940 RAD; 1940 – 45 Wehrmacht, Freiw., zul. Ltn, EK. Mai 1945 – Mai 1946 Steinschleifer in Jablonec; Mai 1946 Aussiedl. nach Dtl.; Steinschleifer in Bad Schmiedeberg; Juni 1946 SED; 1946 Neulehrerkurs in Quedlinburg; 1947 Lehrer an der Volksschule in Westerhausen (Krs. Quedlinburg); 1948 wegen Tbc aus dem Dienst geschieden; 1948/49 Sekr. für Werbung u. Schulung bei u. Mitgl. der SED-KL Quedlinburg; 1950 Ltr. der Abt. Kultur u. Erziehung der SED-LL Halle; 1951 LPS Ballenstedt; 1952 – Febr. 1954 Sektorenltr. für Kunst u. Lit. im ZK der SED; März 1954 – Jan. 1955 1. Sekr. des Vorst. des DSV (Nachf. von  Kurt Barthel); Jan. 1955 Parteirüge, nachdem G. J. im Dez. 1954 offenbart hatte, daß er in der Wehrmacht nicht Uffz., sondern zul. Ltn. gewesen war; März 1955 – 20.1.1957 stellv. Chefred. des »Sonntags«, dann beurlaubt u. aus der Red. entlassen; März – Aug. 1957 in der zentralen U-Haftanstalt des MfS in Berlin-Hohenschönhausen; am 8.3.1957, dem zweiten Tag der Hauptverhandlung im Prozeß gegen  Wolfgang Harich, nach seiner Zeugenaussage im Gerichtssaal verhaftet; am 26.7. 1957 zus. mit  Walter Janka,  Heinz Zöger u. Richard Wolf Verurteilung zu vier Jahren Zuchthaus wegen »Verbrechens gemäß Art. 6 der Verfassung der DDR« (Boykotthetze); verbüßt von der Gesamthaftzeit zwei Jahre in Einzelhaft (Zuchthaus Bautzen II); 1960 – 86 freischaff. liter. Übersetzer (aus dem Tschech. u. Slowak.); 1986 Rentner; im Herbst 1989 wurden Lesungen aus den Memoiren »Zeuge in eigener Sache« zu einem wichtigen Impuls für die Demokratiebew.; 1989 SDP/SPD. 1990 – 92 Alterspräs. des Brandenb. Landtags u. Vors. der Verfassungskommission; zum Rücktritt genötigt durch eine öffentl. Kampagne, die sich auf die seit 1957 bekannte Beteiligung G. J.s an einem Erschießungskdo. in einem ukrain. Dorf im Jahr 1941 bezog; gest. in Prenden (Landkrs. Barnim).Zeuge in eigener Sache. Die 50er Jahre in der DDR. Berlin 1990; Deutsch, Jahrgang 1921. Ein Lebensbericht. Potsdam 2001. Interview mit G. J. In: Gaus, G.: Porträts 4. Berlin 1993; Prokop, S.: 1956 – DDR am Scheideweg. Berlin 2006; Herzberg, G.: Anpassung u. Aufbegehren. Berlin 2006.Carsten Wurm

Handbuch Deutsche Kommunisten

Kaczmierczak, Michael

* 18.9.1898 – ✝ 18.11.1933

(* 1898 – † 1933) Geboren am 18. September 1898 in Sukolowo/ Posen; ungelernter Arbeiter. Bereits 1924 wegen Sprengstoffvergehens verhaftet, trat Kaczmierczak 1928 in die KPD ein und wurde 1931 Mitarbeiter des Waffenressorts der KPD. Er besuchte 1932/33 unter dem Decknamen Rudolf den V. Kurs der M-Schule in Moskau. Danach leitete er unter dem Decknamen Vox den illegalen Kurierapparat und war neben Wilhelm Reimers Reichstechniker. Kaczmierczak wurde am 18. November 1933 in Berlin verhaftet. Bei seiner Festnahme gab er sich zunächst als Edmund Weiler aus, da er eine auf diesem Namen ausgefertigte Geburtsurkunde besaß. Die Gestapo fand bei ihm sowohl einen auf den Namen Arnold Niegisch ausgestellten deutschen Reisepaß, der aber für den KPD-Funktionär Erich Glückauf vorgesehen war, und einen tschechischen Paß sowie einen Lichtbildausweis auf den Namen Norbert Toller, der mit dem Paßbild des KPD-Funktionärs Albert Hotopp gefälscht war. Michael Kaczmierczak wurde in das berüchtigte KZ Columbiahaus in Berlin eingeliefert und am Morgen des 20.November 1933 »in seiner Zelle tot aufgefunden«.

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Kahmann, Fritz

* 13.3.1896 – ✝ 17.5.1978

Geboren am 13. März 1896 in Girschunen/Krs. Tilsit (Ostpreußen), Sohn eines Eisenbahners und späteren Kleinbauern; Maurer. Er war von 1910 bis 1912 mithelfendes Familienmitglied in der fünf Hektar großen Landwirtschaft des Vaters und ging bei Kriegsausbruch 1914 freiwillig zur Kriegsmarine. Von 1919 bis 1933 selbständiger Landwirt in Girschunen, er trat 1923 der KPD bei. 1924 Abgeordneter des Kreistages Tilsit-Ragnit, 1925 des Provinziallandtages Ostpreußen, übte in den folgenden Jahren als »Landwirtschaftsspezialist« verschiedene Funktionen aus. Er war 1927 Teilnehmer der »2. Deutschen Bauerndelegation«, die in die Sowjetunion reiste. 1927 Mitglied der KPD-BL Ostpreußen, im September 1928 anstelle des zurückgetretenen Abgeordneten Franz Moericke auch Abgeordneter des Preußischen Landtags. Von 1929 an im kommunistischen Bauernbund führend tätig. Bis 1932 Landtagsabgeordneter, dann im November 1932 auf dem Reichswahlvorschlag in den Reichstag gewählt. Ab Februar 1933 mit Haftbefehl gesucht, lebte Kahmann bis Oktober 1933 illegal und reiste auf Vorschlag des sowjetischen Konsuls über Riga im November 1933 in die Sowjetunion. Dort von März 1934 bis Februar 1937 Angestellter in Halbstadt/Westsibirien. Ab Mai 1937 kämpfte Kahmann unter dem Namen Willi Berger auf seiten der Spanischen Republik, war zeitweise Politkommissar der XI. Internationalen Brigade und zuletzt Zugführer einer Maschinengewehrabteilung. Im Februar 1939 in Frankreich interniert, kam er nach Djelfa/Nordafrika, dort von April bis Oktober 1943 Zivilangehöriger eines britischen Pionierbataillons. Er konnte im November 1943 in die Sowjetunion ausreisen und wurde ab Mai 1944 Lehrer an der Antifaschule im Lager 965 in Gorki. Mit Edwin Hoernle arbeitete er am Agrarprogramm der KPD. Am 6. Mai 1945 kam Kahmann mit der Gruppe Sobottka nach Deutschland, die in Stettin und Mecklenburg mit der gleichen Aufgabenstellung arbeitete wie die Gruppe Ulbricht in Berlin. Er übte in Mecklenburg verschiedene kleinere Funktionen aus. Ab 1952 Hauptabteilungsleiter beim Rat des Bezirkes Schwerin, 1968 Personalreferent des 1. Stellvertreters des Vorsitzenden des Rates im Bezirk Schwerin. Er erhielt 1971 den Karl-Marx-Orden. Fritz Kahmann starb am 17. Mai 1978.

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Kaiser, Ewald

* 25.9.1905 – ✝ 10.12.1992

Geb. in Dessau; Vater Buchbinder; Volks- u. Mittelschule in Dessau; ab 1919 Ausbildung zum Schriftsetzer; 1919 – 22 Mitgl. im Dt. Buchdruckerverb.; 1920 Mitgl. der SAJ; dann des KJV Dessau; ab 1921 Hilfsarb.; 1922 acht Mon. Haft wg. krimineller Vergehen in der Strafanstalt Coswig (Sachsen); 1923 Mitgl. im ZdA; Okt. 1924 Mitgl. der KPD in Dessau; ab 1924 Mitgl. der UB-Ltg. Dessau; 1925/26 Mitgl. der KJVD-BL Magdeburg-Anh., 1927 der BL Bochum, 1929 BL Ruhr; 1926 – 33 Müllfahrer in Herne; 1929 Mitgl. der erw. KPD-BL Ruhr; 1930 – 32 Betriebsrat in Herne; 1932 KPD-UB-Sekr. in Rheine; ab 1932 Abg. des Preuß. Landtags; ab Aug. 1932 Sekr. der KJVD-BL Ruhr u. Mitgl. des ZK des KJVD; ab Mai 1933 Sekr. im ZK des illeg. KJVD; Febr. 1934 verhaftet, U-Haft in Berliner Gefängnissen, gefoltert; 1935 vom VGH zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt wegen »Vorber. zum Hochverrat« u. schwerer Urkundenfälschung; 1935 – 44 Haft in Berlin, Münster u. Gelsenkirchen, 1940 Strafgefangenenlager Oberems, 1944/45 KZ Sachsenhausen, auf dem Todesmarsch nach Schwerin von US-Truppen befreit. 1945/46 KPD-Org.-Sekr. der KPD-BL Ruhrgeb. in Herne; 1946 – 49 im KPD-LV NRW in Düsseldorf, dort 1949 – 51 Sekr. für Prop.; Juni 1951 Verhaftung durch das MfS in Berlin, U-Haft in Berlin-Hohenschönhausen; Aug. 1952 vom LG wegen »Verbrechens u. Vergehens gegen das Kontrollratsgesetz 10« zu fünf Jahren Haft verurteilt, 1954 vorzeitig entlassen; Arbeiter im VEB Textil in Burg (b. Magdeburg) u. ab 1955 Materialverbrauchsnormer im VEB Damenbekleidungswerk Leipzig; 1956 SED; 1958 Mitarb. des Dtl.-Senders; 1963 VVO; Sommer 1968 Mitarb. des in Dresden stationierten Propaganda-Senders »Moldau«, der vor allem in die Tschechoslowakei sendete; später Rentner; gest. in Berlin.Leo, A.; Reif-Spirek, P.: Helden, Täter u. Verräter. Berlin 1999.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Kaiser, Wolf

* 26.10.1916 – ✝ 22.10.1992

Geb. in Frankfurt (Main); Vater Gießer u. Galvaniseur; aufgew. in der Schweiz; Hilfsarb.; Studium der Physiologie; nebenbei Kellner; 1937 nach Dtl. zurückgeholt; RAD u. Wehrdienst, 1939 nach einem Sportunfall entlassen, vom Wehrdienst befreit; Schauspielunterricht; 1941 Debüt in Iglau; 1942 – 45 Schauspieler an der Berliner Volksbühne. Nach 1945 Engagements in Bayreuth, München u. Leipzig; seit 1950 am Dt. Theater, Berliner Ensemble (BE) u. an der Volksbühne in Berlin; ab 1960 im BE Bühnenrollen in  Bertolt Brechts »Dreigroschenoper« (R:  Erich Engel), »Die Tage der Commune« (R:  Manfred Wekwerth, Jochen Tenschert), »Coriolan« u. a.; ab 1969 Mitgl. des Schauspielensembles des DFF; Film- u. Fernsehrollen in »Kabale u. Liebe«, »Thomas Müntzer«, »Die Geduld der Kühnen« (TV-Serie von  Benito Wogatzki, R:  Lothar Bellag, 1969), »Ich – Axel Caesar Springer« (R: Helmut Krätzig, TV), »Casanova auf Schloß Dux« (TV) u. a.; 1984 Gastspiele in Schwäbisch-Hall, Chur u. Bad Hersfeld; 1965 NP, 1967 u. 1968 NP (im Koll.); 1977 u. 1981 VVO; über 25 Jahre Präs. des Klubs der Gewerkschaft Kunst »Die Möwe« in Berlin; Suizid in Berlin.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Kalex, Johanna

* 8.7.1964

Geb. in Dresden; Mutter Chemielaborantin, Vater Lehrer; POS in Dresden; Besuch der Jungen Gemeinde der Erlöser-Andreas-Kirche in Dresden-Striessen; 1981 nach polit. Konflikten Abbruch der Ausbildung zur Unterstufenlehrerin; 1981 / 82 Hilfspflegerin u. anschl. Ausbildung zur Krankenschwester im Friedrichstädter Krankenhaus Dresden, 1982 Exmatrikulation nach Protest gegen die vormilitär. Ausbildung; zählte zunächst zur Dresdner Hippieszene, rief in einem Flugblatt unter dem Eindruck der Ereignisse in Polen zum 13.2. 1982, dem Jahrestag der Bombardierung Dresdens, dazu auf, sich mit Kerzen vor der Ruine der Frauenkirche zu versammeln u. gegen die Militarisierung der DDR-Gesell. zu protestieren, vom MfS festgenommen u. verhört; Engagement in der Friedensarbeit in versch. Dresdner Kirchgemeinden, 1982 Mitbegr. eines Friedenskreises, der u. a. Friedenswerkstätten in der Weinbergs-, Petri- u. der Matthäusgemeinde veranstaltete; Mitarbeit an Wanderausstellungen über die Militarisierung des Bildungswesens in der DDR, an einem Hörspiel u. Vorträgen zur Militarisierung sowie zur Neonaziszene in Dresden; ab 1985 orientierte sich die Gruppe zunehmend anarchistisch, erklärte ihre Unabhängigkeit von der Kirche u. organisierte sich unter dem Namen »Wolfspelz« (in Anlehnung an die Äußerung von Bischof  Johannes Hempel, sie seien Wölfe im Schafspelz) in die Untergruppen Anti-Nazi-Liga, Menschenrechte u. Ökologie, die sich hauptsächl. in K.s Wohnung trafen; 1985 Protestbrief gegen den undemokrat. Charakter der Volkskammerwahl, Verteilung von Flugblättern am Rande des Olof-Palme-Marsches in Dresden, 1988 / 89 Proteste gegen den Bau des Reinsiliziumwerks Gittersee bei Dresden u. 1989 gegen das Massaker in Peking; Hrsg. der Samizdat-Ztschr. »Die Ahnungslosen«; 5.12. 1989 Beteiligung an der Besetzung der MfS-BV Dresden; 19.12.1989 Flugblätter u. Graffitis gegen den Besuch von Helmut Kohl in Dresden. Nach 1990 Betreiberin der Szene-Kneipe »Trotzdem« in Dresden-Neustadt; Engagement in der Initiative »Mensch braucht Toleranz«; lebt in Dresden.Kowalczuk, I.-S., Sello, T. (Hrsg.): Für eine freies Land mit freien Menschen. Opposition u. Widerstand in Biographien u. Fotos. Berlin 2006.Christian Halbrock; Jg. 1963; ab 1993 Studium der Neueren/Neuesten Geschichte, Mittelalterlichen Geschichte und Europäischen Ethnologie an der HU Berlin, 2003 Promotion; seitdem wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Bildung und Forschung bei der BStU in Berlin.