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BioLex

In der Kategorie BioLex sind drei wichtige Lexika mit über 5500 Biografien von überzeugten Kommunistinnen und Kommunisten, Renegatinnen und Dissidenten im Volltext recherchierbar.

 

Das Handbuch „Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945“ wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam.

Kurzbiografien zu Personen des politischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 bereit.

Zudem ist das Online-Lexikon www.dissdenten.eu ebenfalls auf unserer Seite aufrufbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Informationen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Kalweit, Werner

* 27.7.1926

Geb. in Madrid; Vater Arbeiter; Abitur; 1946 SED; 1946 – 49 Praktikum u. Teilstudium; 1950 – 52 Studium mit der Spezialisierung Finanzw. an der DVA, Dipl.-Wirtsch.; 1952/53 wiss. Mitarb. u. Lehrer an der DVA bzw. an der 1953 daraus hervorgegangenen DASR Potsdam; 1953/54 Doz. für Finanzw. u. kommissar. Rektor an der HS für Finanzw. in Potsdam; nach deren Fusion mit der HS für Planökon. 1955 – 62 Dekan der Finanzökon. Fak. u. Prorektor der HfÖ Berlin; 1956 Prom. zum Dr. rer. oec. mit einer Diss. zur Monopolpreistheorie; 1962 Habil. mit einer Arbeit zur Entw. des Finanzsystems in der DDR; Berufung zum Prof. u. Lehrstuhlltr. für pol. Ökon. des Soz.; Mitgl. des Beirats für ökon. Forschung der SPK u. des Red.-Kolleg. der Ztschr. »Wirtschaftswiss.«; 1967 – 71 stellv. Dir. des IfG; ab 1967 – 90 Abg. der Volkskammer u. bis 1986 Mitgl. des Aussch. für Haushalt u. Finanzen; 1970 NP; ab 1970 Mitgl. der APW; 1971 – 90 Ltr. des Forschungsber. Ges.-Wiss. der AdW, verantw. für Koord., interdisz. Kooperation sowie wiss.-pol. Kontrolle der ges.-wiss. Forschung; ab 1972 Vizepräs. u. Mitgl. des Präs. der AdW; 1973 Ord. Mitgl. der AdW; auswärtiges Mitgl. der tschechoslowak. AdW; ab 1974 Mitgl. des Präs. der UNESCO-Kommission der DDR; Mitgl. der Leibniz-Sozietät; lebt in Königs Wusterhausen (b. Berlin). Arbeitsthemen: Wert- u. Finanztheorie; Charakter u. Wirkungsweise ökon. Gesetze im Soz.Über die Ursachen der Preissteigerungen im mod. Kap. Berlin 1958; Das Finanzsystem der DDR. Berlin 1962; Marx u. die Technik heute. Berlin 1973; Gesetzmäßigkeiten des entwickelten Soz. Berlin 1986.Hagen Schwärzel

Wer war wer in DDR

Kamnitzer, Heinz

* 10.5.1917 – ✝ 21.5.2001

Geb. in Berlin in einer jüd. Fam.; Vater Drogist; 1927 – 33 Askan. Gymnasium; 1931 Soz. Schülerbund; Herbst 1933 wegen illeg. pol. Tätigkeit verhaftet, anschl. Flucht nach England; 1933 – 35 Polytechnikum in London; 1935/36 Hilfsarb. u. Tischlerlehrling in Palästina; 1936 Rückkehr nach London; Gasthörer an der London School of Economics u journalist. Tätigkeit; 1938 KPD; 1939 Geschäftsf. des Verlags I.N.G. in London; wg. Belastung von KPD-Mitgliedern bei einer Überprüfung des Verlags durch Scotland Yard 1940 aus der KPD ausgeschl., 1945 wieder aufgenommen; 1939/40 Chefred. von »Inside Nazi Germany«; 1940/41 Internierung in Kanada; 1942 – 46 in London Red. der Wirtschaftsztg. »Petroleum Press Service«; Mitgl. der Ltg. des Freien Dt. KB; Mitarb. im Jüd. Hilfskomitee für die UdSSR. 1946 Rückkehr nach Dtl.; SED; Studium der Philos. an der HU Berlin; 1947 dort Lehrauftrag; 1949/50 Prof. an der Landes-HS Brandenb. in Potsdam; 1950 Prom. zum Dr. phil. an der HU Berlin mit einer Diss. über die Rev. von 1848; 1950 – 54 Prof. für Geschichte; Heirat mit der Schauspielerin Irene Eisermann 1952 – 54 Dir. des Inst. für Geschichte des dt. Volkes u. Dekan an der HU; 1953 – 55 mit  Alfred Meusel u.  Leo Stern Hrsg. der »Ztschr. für Geschichtswiss.«; seit 1955 freischaff. Schriftst.; Arbeiten insbes. zur Beziehung zw. Lit. u. Ges. u. über  Arnold Zweig, Hrsg. der Zweig-Werkausg., auch TV-Bearbeitungen von dessen Werken (»Der Streit um den Sergeanten Grischa«, 1968); ab 1958 Mitgl. des Dt. PEN-Zentrums Ost u. West; 1965 Carl-von-Ossietzky-Medaille; ab 1967 Vizepräs. u. 1970 Präs. des PEN-Zentrums DDR (Nachf. von  Arnold Zweig); 1971 Lessing-Preis; 1977 VVO; 1978 – 89 als IM »Georg« vom MfS erf.; rechtfertigte 1988 staatl. Repressionen gegen Bürgerrechtler während der Karl-Liebknecht-u.-Rosa-Luxemburg-Demonstration; Okt. 1989 Rücktritt als Präs. des PEN-Zentrums DDR; 1995 Austritt aus dem PEN-Zentrum (Ost); gest. in Berlin.Öl u. Außenpolitik. London 1947; Zur Vorgeschichte des Dt. Bauernkrieges. Berlin 1953; Wider die Fremdherrschaft. Berlin 1956; Das Testament des letzten Bürgers. Essays u. Aufsätze. Leipzig 1973; Der Tod des Dichters. Berlin 1974; Heimsuchung u. Testament. Leipzig 1981; Abgesang mit Herzschmerzen. Berlin 1993; Die Rückwende: neue Geschichte – neue Gedichte. Berlin 1994; Der Preis der Wende: Ein Poesiealbum. Schkeuditz 1995. Keßler, M.: Die SED u. die Juden – zwischen Repression u. Toleranz. Berlin 1995.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Kann,  Charlotte

* 23.7.1909 – ✝ 4.1.1974

Geb. in Erfurt; Vater Kfm.; 1915 – 25 Lyzeum in Erfurt; 1925 – 28 Ausbildung zur Kontoristin; 1926 Gewerkschaft der Angest.; 1928 – 33 im Beruf u. als Direktionsassistentin in Apolda u. Erfurt tätig; 1930/31 Mitgl. des Bundes der Freunde der Sowjetunion u. ab 1932 der KPD; Mai 1933 Emigr. nach England u. Dänemark; 1933 – 35 Mitarb. im ISA-Büro in Kopenhagen; 1935 dän. Staatsbürgerschaft; 1935 – 37 Stenotypistin des ZK der KPD in Prag u. Paris; 1937 – 39 Sekr. beim Dt. Freiheitssender 29.8 in Spanien, (Ps. »Erika«); ab Mai 1940 Hausangest.; illeg. Arbeit; Mai 1941 Verhaftung in Kopenhagen, U-Haft, 1941 – 43 KZ Horserod-Nordseeland (Dänemark), 1943 – 45 KZ Stutthof (b. Danzig); Mai – Dez. 1945 Mitarb. der KPD in Dänemark. Dez. 1945 Rückkehr nach Dtl.; 1946 Sekr. bei der KPD-LL Mecklenb.; 1946 LPS Mecklenb.; Spionageaufträge für den sowj. Nachrichtendienst GRU in Dänemark; 1946/47 Sekr. beim ZS der SED; 1947/48 PHS; 1948/49 Ref. in der Abt. Werbung-Presse-Rundfunk des ZS der SED; 1949 Heirat mit  Max Spangenberg; 1949 – 56 Pol.-Sekr., ab 1950 Ref. der Abt. Westkommission des ZK der SED; 1951 – 56 Instrukt. im »Arbeitsbüro der KPD« des ZK der SED; ab 1956 Mitarb. des Min. für Außen- u. Innerdt. Handel; gehörte zu den wichtigsten Beratern  Walter Ulbrichts in Nordeuropa-Angelegenh.; gest. in Berlin.von Flocken, J., Scholz, M. F.: Ernst Wollweber: Saboteur, Minister, Unperson. Berlin 1994; Scholz, M. F.: Skandinav. Erfahrungen erwünscht? Nachexil u. Remigration. Stuttgart 2000.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Kantorowicz, Alfred

* 12.8.1899 – ✝ 27.3.1979

(* 1899 – † 1979) Geboren am 12. August 1899 in Berlin, Sohn eines Kaufmanns. 1917 Militärdienst als Freiwilliger, 1918 Abitur und von 1919 bis 1923 Studium (Jura und Germanistik) in Berlin und Freiburg i. Br. In Erlangen 1923 Promotion zum Dr. jur., ab 1924 Kulturredakteur in Mannheim, dazwischen 1928/29 als Korrespondent in Paris, später Redakteur der »Vossischen Zeitung« in Berlin. Kantorowicz machte sich einen Namen als Theaterkritiker, er war u. a. mit Ernst Bloch und Bertolt Brecht befreundet und trat 1931 offiziell in die KPD ein. Tatsächlich arbeitete er bereits vorher für die Partei, kurze Zeit auch für den Nachrichtendienst der Berliner Zentrale. Im März 1933 emigrierte er nach Paris, wurde dort Generalsekretär des Schutzverbandes Deutscher Schriftsteller (SDS) im Exil, Leiter der deutschen Freiheitsbibliothek und war für die KPD-Leitung aktiv. Kantorowicz arbeitete mit am »Braunbuch über Reichstagsbrand und Hitler-Terror« von Willi Münzenberg. Von Dezember 1936 bis April 1938 war er Offizier der Interbrigaden im Spanischen Bürgerkrieg, verwundet; berühmt wurden seine Dokumentation »Tschapajew« (1938) und später sein »Spanisches Tagebuch«. Im September 1939 interniert, floh er im Juni 1940 nach Marseille und konnte 1941 mit Hilfe von Verwandten, reichen jüdischen Tuchhändlern, in die USA entkommen, dort Nachrichtenredakteur. Ende 1946 kehrte Kantorowicz nach Deutschland zurück, wurde Herausgeber der von den Alliierten in Berlin bis 1949 lizenzierten Zeitschrift »Ost und West« und veröffentlichte zahlreiche Broschüren, darunter 1947 »Verboten und verbrannt«. 1947 Mitglied der SED und 1950 Professor für Neue Deutsche Literatur an der Berliner Humboldt-Universität. Leiter des Heinrich-Mann-Archivs (mit Mann stand er in enger Verbindung). Kantorowicz weigerte sich 1956, eine Resolution gegen den ungarischen Aufstand zu unterschreiben und flüchtete 1957 vor drohender Verhaftung in die Bundesrepublik. Er lebte bis 1962 in München, dann in Hamburg, publizierte zahlreiche Werke, darunter sein »Deutsches Tagebuch« (1959 und 1961). In der Bundesrepublik wurde er öfter wegen seiner SED-Zugehörigkeit angegriffen, von der DDR als Renegat und Verräter beschimpft. Er fühlte sich als Kämpfer zwischen den Fronten. 1969 erhielt er den Thomas-Dehler-Preis. Alfred Kantorowicz starb am 27. März 1979 in Hamburg. Kantorowicz erste Frau Frieda, geborene Ebenhoech (* 18. 6. 1905 – †20.8. 1969), war Schauspielerin, bis 1932 Engagements an verschiedenen Bühnen in Deutschland. Ende März 1933 emigrierte sie nach Frankreich, war an der »Deutschen Freiheitsbibliothek« und 1937/38 in Spanien Mitarbeiterin an der deutschen Sendung von Radio Madrid und Übersetzerin im Generalkommissariat der Internationalen Brigaden. Im März 1941 folgte sie ihrem Mann in die USA, im Januar 1947 Rückkehr nach Deutschland, Mitglied der SED, von August 1947 bis Oktober 1949 Redakteurin an der Zeitschrift »Ost und West«, ab Oktober 1949 beim Amt für Information, später beim ADN tätig. Sie erhielt 1965 den VVO in Silber.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Karge, Karl-Heinz

* 26.2.1927

Geb. in Berlin-Wilmersdorf; Vater Angest.; Grundschule; kaufm. Lehre u. Arbeit; Wehrmacht; 1945 amerik. Kriegsgef. 1945 SPD, 1946 SED; 1946 / 47 Studium an der SED-LPS Brandenburg in Schmerwitz, 1948 / 49 an der PHS der SED; Fernstud. an der Fak. für Journalistik der Univ. Leipzig, Dipl.-Journalist; 1952 – 56 erster Chefred. des SED-Bezirksorgans »Freie Erde« Neubrandenburg; 1957 – 77 stellv. Chefred. der SED-Bezirksztg. »Märkische Volksstimme« Potsdam; 1959 – 61 Vors. des VDJ-BV Potsdam, Mitgl. des VDJ-ZV; später Verlagsdir. der »Märkischen Volksstimme« Potsdam.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Karsten, August

* 20.12.1888 – ✝ 8.5.1981

Geb. in Peine; Vater Bierkutscher; 1895 – 1905 Volksschule; 1905 Mitgl. im Transportarb.-Verb.; 1906 Wanderschaft, Land- u. Transportarb.; 1907 Hochofenarb. bei Hoesch in Dortmund, Betriebsunfall (Verbrennung, Amputation des linken Beins), Arbeitsinvalide; 1908 SPD; Ltr. der Arbeiterjugend in Peine; Ltr. der Rechtsauskunft des Gewerkschaftskartells u. Kassierer im Konsum Peine; ab Juli 1914 Arbeitersekr. u. 1914 – 17 Stadtverordn. in Aschaffenburg; 1917 USPD; 1917 Metallarb.-Verb. in Schweinfurt; Febr. 1918 wg. der Führung der Januarstreiks in Schweinfurt nach Brückenau verbannt; bis 1918 Vors. der BL u. Mitgl. der Kontrollkommission Nordbayern u. Abg. des Bayr. Landtags; 1918/19 Vors. des Arbeiterrats in Peine u. Demobilisierungskommissar in Braunschweig; 1919 – 23 Arbeitersekr. in Peine; 1919 – 21 Mitgl. des Krs.-Tags von Peine; 1920 – 33 Abg. des Dt. Reichstags, USPD, ab 1922 SPD-Fraktion; 1921 Mitgl. im Provinziallandtag Hannover; 1924 – 33 Vors. des Zentralverb. der Arbeitsinvaliden; Mitgl. der Red. »Dt. Invalidenztg.«; ab 1933 illeg. Widerstand, Dez. 1933 – Febr. 1934 inhaftiert; lebte u. bewirtschaftete einen Bauernhof in Oderberg; 1937 – 45 Angest. in der Holzhandlung »Hempel« in Berlin-Neukölln; 1944 verhaftet. 1945/46 SPD/SED; führender Funktionär der SPD (u. a. Kassenwart) bei der Fusion von SPD u. KPD zur SED; ab Juni 1945 Beisitzer, Nov. 1945 – Apr. 1946 Mitgl. des ZA der SPD; Apr. 1946 in Oranienbaum kurzzeitig von der örtl. sowj. Kommandantur festgenommen; 1946 – Juli 1950 Mitgl. des PV der SED u. bis Jan. 1949 des ZS, aus gesundheitl. Gründen ausgeschieden; 1948 tätig in der Fundamentum AG; ab 1.2.1949 Dir. der Landesgüterverw. Brandenb.; ab 1.7.1949 Gebietsdir. der Vereinigung volkseigener Güter Potsdam; 1963 VVO; KMO; gest. in Berlin.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Kasper, Wilhelm

* 8.8.1892 – ✝ 10.1.1985

Geboren am 8. August 1892 in Neustadt/ Schwarzwald als Sohn eines Landarbeiters; wurde kaufmännischer Angestellter. Später in Berlin als Kaufmann beschäftigt. 1916 schloß er sich der SPD an, trat 1917 zur USPD über und kam mit deren linkem Flügel 1920 zur KPD. Seit 1919 Gewerkschaftssekretär im Zentralverband der Angestellten, 1923 in die KPD-BL Berlin-Brandenburg gewählt, wo er für Gewerkschaftsfragen zuständig war. Nach dem IX. Frankfurter Parteitag 1924 auch in die Gewerkschaftsabteilung der Zentrale berufen. Von 1924 bis zur Annullierung der kommunistischen Mandate nach der Märzwahl 1933 Abgeordneter des Preußischen Landtages. Ab 1928 Geschäftsführer der KPD-Fraktion, 1932 stellvertretender Vorsitzender des Beamtenausschusses des Parlaments, bearbeitete er speziell Angestellten- und Beamtenfragen, insbesondere auch die der Polizei (Preußisches Polizeibeamtengesetz, Polizeietat). Kasper nahm an verschiedenen Parteitagen teil. Auf dem XII. Weddinger Parteitag 1929 wurde er Mitglied des ZK und Kandidat des Polbüros, er gehörte bis 1933 zur Spitzenführung. Sofort nach dem Reichstagsbrand am 28. Februar 1933 verhaftet und im KZ Sonnenburg schwer mißhandelt. Beim Reichstagsbrandprozeß wurde er als Entlastungszeuge für seinen Freund Ernst Torgler aus dem KZ geholt. Vor Gericht erklärte er, Behauptungen, nach denen Torgler mit »Sprengstoff zu tun gehabt hätte« als »von A bis Z erlogen«. Am 28. Juni 1935 verurteilte ihn der VGH zu drei Jahren Zuchthaus (damalige Höchststrafe). Nach der Entlassung aus dem Zuchthaus Luckau am 28. Juni 1937 bis Januar 1938 arbeitslos, fand Kasper dann eine Anstellung bei der Zentralverwaltung der Berliner Stadtgüter. Im Juli 1938 heiratete er zum zweiten Mal in Berlin, er stand bis 28. Juli 1939 unter Polizeiaufsicht. Kasper trat 1945 in Berlin-Neukölln wieder der KPD bei und arbeitete als Angestellter bei den Stadtgütern des Magistrats von Groß-Berlin, zuletzt als Personalleiter. Gegen Kasper wurde im Frühjahr 1947 seitens des SED-Landesvorstandes wegen seines Verhaltens während der Nazizeit ermittelt. Hans Jendretzky und Karl Fugger hatten noch im Februar 1946 seine antifaschistische Haltung bestätigt, doch am 6. Juni 1947 veröffentlichte »Neues Deutschland« einen Beschluß des ZS der SED vom 29. April 1947: »Ausschluß aus der Partei. Der frühere Landtagsabgeordnete der KPD, Willi Kasper, wurde durch Beschluß des Zentralsekretariats aus der SED ausgeschlossen. In dem seit längerer Zeit gegen ihn schwebenden Untersuchungsverfahren wurden nunmehr Unterlagen dafür beigebracht, daß er in der Zeit der Hitler-Diktatur zusammen mit Torgler und Maria Reese, die bereits im Jahre 1934 aus der KPD ausgeschlossen worden waren, bestimmte Arbeiten im Dienste der Goebbels-Propaganda geleistet hat.« Kasper legte Widerspruch ein, weil der abgelehnt wurde und er mit seiner Verhaftung rechnete, flüchtete er Anfang September 1947 nach Hamburg. Dort Gärtner und bis zur Rente 1957 Büroangestellter bei der Stadt Hamburg. Seit 1954 gehörte er dem Landesfriedenskomitee Hamburg an und wurde 1969 Mitglied der DKP. Wilhelm Kasper starb am 10.Januar 1985 in Hamburg.

Wer war wer in DDR

Kastner, Hermann

* 25.10.1886 – ✝ 4.9.1957

Geb. in Berlin; Vater Lehrer; 1904 Abitur am Gymnasium Zum Grauen Kloster; 1904 – 08 Jura- u. Volkswirtschaftsstudium an der Univ. Berlin; 1908 Referendar u. Prom. zum Dr. jur.; danach Assessor in den Stadtverw. von Berlin-Lichtenberg u. -Neukölln u. beim Berliner Magistrat; 1917 Prof. an der Leopold-Akad. Lippe-Detmold; 1918 DDP, ab 1930 Dt. Staatspartei, Vors. von Ostsachsen; ab 1919 Rechtsanwalt in Dresden; ab 1921 zugl. Geschäftsf. des sächs. Wirtschaftsverb.; 1922 – 33 Abg. des Sächs. Landtags; nach 1933 Verbindung zur Widerstandsgr. um Rainer Fetcher, mehrmals in Haft; 1933 – 45 Rechtsanwalt in Dresden. 6.7.1945 Mitbegr. u. bis Okt. 1947 Vors. des Landesverb. Sachsen der »Demokr. Partei Dtl.« (ab 15.8.1945 LDPD); 1947 – 49 stellv. Vors. u. 1949/50 mit  Karl Hamann Vors. der LDPD; Juni 1945 Präs. der Anwalts- u. Notarkammer Sachsen; 1946 Präsidiumsmitgl. der Beratenden Versammlung Sachsen (Vorläufer des sächs. Landtags); 1946 – 50 Abg. des Sächs. Landtags u. bis 1948 dessen Vizepräs. u. Mitgl. des Ältestenrats; Dez. 1946 – März 1948 Justizmin. u. stellv. Min.-Präs. des Landes Sachsen; 1948 Ltr. des Fachsekr. Finanzen, Post u. Fernmeldewesen u. bis 1949 stellv. Vors. der DWK u. Kovors. des Präs. des Dt. Volksrats; 1948 2. Vors. der VVN; 1949/50 Abg. der (Prov.) Volkskammer; Okt. 1949 bis 1950 stellv. Min.-Präs. der DDR; am 20.7. 1950 wegen Konflikten über die gem. Kand.-Liste der NF für die Wahlen im Okt. aus der LDPD ausgeschl., im Mai 1951 wiederaufgenommen, rehabil.; 1951 – 56 Vors. des Förderungsaussch. für die Intelligenz beim Vors. des Min.-Rats; Sept. 1956 Flucht in die Bundesrep. Dtl., 1949 – 53 Tätigkeit für die »Org. Gehlen« bzw. den BND als »Helwig«; lebte in München; gest. in Frankfurt (Main).Der Impfzwang u. das Reichs-Impfgesetz vom 8. April 1874. Berlin 1909; Das Geschichtsbild der LDPD. Weimar 1949. Leuschner, U.: Die Geschichte der FDP. Münster 2005.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Katz, Iwan

* 1.2.1889 – ✝ 20.9.1956

Als Sohn des Kaufmanns Gustav Katz und dessen Ehefrau Johanna, geb. Magnus, am 1.Februar 1889 in Hannover geboren. Nach dem Gymnasium Studium der Rechts- und Staatswissenschaften, der Volkswirtschaft und der Medizin an den Universitäten Berlin und Würzburg sowie an der Technischen Hochschule in Hannover. Er schloß sich 1906 der Arbeiterbewegung an, 1907 Vorsitzender der Arbeiterjugend für Nordwestdeutschland. 1909 ein Jahr als Arbeiter in Metallbetrieben tätig, anschließend Assistent im Juristisch-Wirtschaftswissenschaftlichen Seminar der TH Hannover, 1911 wissenschaftlicher Hilfsarbeiter im Statistischen Amt der Stadt Hannover. Die von Iwan Katz in seinen Lebensläufen erwähnten Doktorgrade konnten nicht belegt werden. 1913 heiratete er Anna Kerwel, Tochter eines Offiziers, der wegen sozialdemokratischer Betätigung verabschiedet worden war, die ebenfalls der SPD angehörte. Während des Weltkrieges war Katz, der 1912 seinen Militärdienst leistete, als Leutnant Kompaniechef der 2. Maschinengewehrkompanie bzw. Offizier im Stab. Ab September 1918 Geschäftsführer des Demobilmachungsausschusses Hannover, Katz blieb in der SPD, wurde im Februar 1919 Bürgervorsteher (Stadtverordneter) in Hannover. Delegierter des SPD-Parteitags im Juni 1919, aber Ende 1919 Übertritt zur USPD. Er gehörte zum linken Flügel der USPD, der sich 1920 mit der KPD vereinigte und war wie seine Frau Delegierter des USPD-Spaltungs- und des Vereinigungsparteitages USPD-KPD. Im Februar 1921 zog Katz in den Preußischen Landtag ein, war in den folgenden Jahren vor allem als Redner für die KPD unterwegs. Er trat besonders radikal auf, wurde im August 1923 verhaftet, weil es im Anschluß an seine Rede in Hannover zu Unruhen gekommen war. In der KPD auf dem linken Flügel, wurde er 1922 dennoch als Leiter der Kommunalabteilung in die Zentrale berufen. Auf dem VIII. Parteitag 1923 berichtete er über die Kommunalarbeit. Nach der Oktoberniederlage 1923 einer der Wortführer der linken Opposition, wurde Katz vom IX. Parteitag im April 1924 in die Zentrale und ins Polbüro und im Mai 1924 sowie im Dezember 1924 im Wahlkreis Südhannover-Braunschweig in den Reichstag gewählt. Als Mitglied der Ruth-Fischer-Zentrale ins EKKI-Präsidium nach Moskau geschickt, wo er bis Mitte 1925 blieb. Dort spielte er als Vertrauensmann der deutschen linken Führung eine bedeutende Rolle. Während der Auseinandersetzungen 1925 in der Ruth-Fischer-Leitung wurde Katz einer der Führer der Ultralinken. Deswegen als Vertreter beim EKKI abgelöst, organisierte er im Sommer 1925 die ultralinke Opposition in Deutschland und fand vor allem in seiner Heimatstadt Hannover große Unterstützung. Nach dem »Offenen Brief« der Komintern, den die Ultralinken ablehnten, verstärkte Katz seine Aktivität. Gemeinsam mit seinen Freunden Theodor Gohr und Berthold Karwahne konnte er in Hannover die Mehrheit der Partei erobern. Er beschimpfte seine Gegner wüst, den ZK-treuen Orgleiter Paul Grobis nannte er »ein verkommenes Subjekt«. Katz erreichte als mitreißender Redner, der die Gefühle der Zuhörer anzusprechen wußte, daß seine Anhänger am 11. Januar 1926 die Redaktion der »Niedersächsischen Arbeiterzeitung« besetzten. Nach schweren Schlägereien und erst mit Hilfe der Polizei konnten die ZK-treuen Kommunisten die Zeitung wieder zurückgewinnen. Daraufhin wurde Katz am 12.Januar 1926 aus der KPD ausgeschlossen. Für seine Anhänger gab er in Hannover ein »Mitteilungsblatt« heraus, in dem er manche Interna der KPD publizierte. Das Blatt erschien von März bis Dezember 1926 in einer Auflage von 3000 Stück. Im Juni 1926 gründete Katz zusammen mit der AAU Franz Pfemferts den »Spartakusbund der linkskommunistischen Organisationen«, der den äußersten linken Flügel der kommunistischen Bewegung bildete. Katz, von Clara Zetkin als »Schurke oder Psychopath« und als »Iwan der Schreckliche« bezeichnet, geriet aber bald auch mit dieser Organisation in Konflikt, da er nicht – wie gefordert – sein Reichstagsmandat niederlegte. Nachdem der neue Spartakusbund im Frühjahr 1927 aufgelöst wurde, trat Katz in der Politik kaum noch hervor. Er engagierte sich in der Gesellschaft der Freunde des neuen Rußlands und unter antifaschistischen Intellektuellen, bekam eine leitende Stelle im Sozialamt Berlin-Wedding. Am 16. März 1933 aus dem Amt entfernt, zwei Tage später verhaftet und kurze Zeit im KZ. Die Freilassung verdankte er seiner früheren Bekanntschaft mit dem NSDAP-Innenminister Frick. Beide hatten 1924/25 im Reichstag der Amnestie-Kommission angehört, welche die Amnestie der politischen Häftlinge von KPD und NSDAP aushandelte. Doch diese Protektion war nicht von Dauer. Als Jude wurde Katz Anfang 1941 erneut verhaftet und in ein Berliner Arbeitslager eingesperrt, aus dem er fliehen konnte. Er lebte illegal, bis ihn die Gestapo 1944 nach Auschwitz und zuletzt ins KZ Mauthausen brachte. Seine Frau protestierte gegen die unmenschliche Behandlung ihres Mannes auf dem Transport, sie wurde selbst festgenommen und kam in das KZ Ravensbrück. Anfang April 1945 wurde Katz aus dem KZ Mauthausen als Kompaniearzt zur Wehrmacht eingezogen und am 20. April zum Chefarzt der in der Festung Mauthausen stationierten deutschen Einheiten befördert. Durch sein Geschick gelang es, die Festung den US-Truppen kampflos zu übergeben, und Katz blieb vom 6. Mai bis 7. Juni 1945 im Auftrag der US-Armee als Arzt im Lager Mauthausen. Zurückgekehrt nach Berlin, schloß er sich der KPD und 1946 der SED an. Seine Anstellung in die Berliner Stadtverwaltung (aufgrund der Bestimmung über die Wiedereinstellung der von den Nazis gemaßregelten Beamten) konnte Walter Ulbricht nicht verhindern. Katz wollte in Berlin eine wichtige Rolle bei der Aussöhnung zwischen der sowjetischen und der amerikanischen Besatzungsmacht übernehmen und wurde gelegentlich von beiden Seiten als Vermittler herangezogen. Beispielsweise verhandelte er nach der Wahl Ernst Reuters zum Oberbürgermeister im Einvernehmen mit Hermann Matern mit den sozialdemokratischen Spitzenfunktionären Franz Neumann und Kurt Mattick über eine eventuelle nachträgliche Anerkennung Reuters als Oberbürgermeister durch beide Parteien. Als seine Frau am 10. Januar 1947 an den Folgen der KZ-Haft starb, veröffentlichte er im »Neuen Deutschland« noch eine Todesanzeige. Schließlich liefen gegen Iwan Katz, der ständig opponierte, Parteiuntersuchungen. Seine öffentliche Kritik auf der SED-Kreisdelegiertenkonferenz in Zehlendorf Ende 1948 gegen die Blockade und den Zweijahrplan führte am 21.Dezember 1948 zu seiner Entlassung aus dem Ostberliner Magistrat. Am 14. März 1949 trat Katz aus der SED aus und am 12. Mai 1949, dem Tage der Aufhebung der Blockade, in die SPD ein. Die 1950 in Worms gegründete »Unabhängige Arbeiterpartei« (UAP), die Tito nahestand, hat Katz emphatisch begrüßt. Wegen eines schweren Herzleidens übersiedelte er 1954 in die Schweiz und ließ sich in Castagnola bei Lugano nieder. Dort starb Iwan Katz am 20.September 1956.

Wer war wer in DDR

Kaufmann, Bernd

* 6.7.1941

Geb. in Zella-Mehlis; 1959 Abitur; 1959 – 61 NVA; 1960 SED; 1961 – 65 Studium an der KMU Leipzig, Dipl.-Jur.; 1963 IM; 1965 Einstellung beim MfS, HVA-Abt. III (legal abgedeckte Residenturen); 1969 Prom. zum Dr. jur. an der KMU Leipzig; 1978 Prom. B zum Dr. sc. phil. an der KMU; 1981 HVA-Abt. VII (Auswertung); 1982 stellv. Ltr. der HVA-Abt. VII; 1986 Ltr. der HVA-Schule; 1990 Entlassung.China – USA: zur außenpol. Strategie u. Taktik der chines. Führung. Berlin 1980; Der Nachrichtendienst der KPD 1919 – 1937. Berlin 1993 (Mitautor).Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Kautzleben, Heinz

* 31.3.1934

Geb. in Kelbra (Kyffhäuser); Vater Bäckermstr.; 1940 – 52 Volks- u. Oberschule in Kelbra u. Sangerhausen; 1952 – 57 Geophysikstudium in Leipzig, Dipl.; ab 1957 Mitarb. der DAW; 1957 – 67 wiss. Assistent, dann wiss. Mitarb., Abt.-Ltr. u. stellv. Dir. des Geomagnet. Inst. Potsdam; 1962 Prom. u. 1966 Habil. an der KMU Leipzig; 1964 – 69 nebenamtl. Lehrtätigkeit an der HU Berlin; 1968 amt. Dir. des Geodät. Inst. Potsdam; 1969 Prof. für Geophysik; 1969 – 73 nebenamtl. Lehrtätigkeit an der KMU; 1969 – 88 stellv. Dir. bzw. Dir. des ZI für Physik der Erde der DAW/AdW in Potsdam (Nachf. von  Heinz Stiller); 1972 – 85 Vors. der Gewerkschaft Wiss. im Bez. Potsdam; 1976 – 86 Abg. des Bez.-Tags; 1978 NP; 1979 Korr., 1987 Ord. Mitgl. der AdW; 1984 – 90 Ltr. des Forschungsber. Geo- u. Kosmoswiss. der AdW; 1984 – 89 Mitgl. der SED-BL Potsdam; 1989 – 91 Dir. des Inst. für Kosmosforschung Berlin (Nachf. von Robert Knuth); Vorruhestand. Forschungen u. Publ. insbes. zu Geomagnetismus, mathemat. Geophysik, Geodynamik, Satellitengeodäsie, Fernerkundung der ErdeKlaus-Harro Tiemann

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Keil, Ludwig

* 1.8.1896 – ✝ 8.1.1952

Geboren am 1. August 1896 in Bickenbach/ Bergstraße, Sohn eines Bahnarbeiters; lernte Metallarbeiter. Während des Weltkrieges schwer verwundet, 1917 Mitglied der SPD, 1920 der KPD. In den zwanziger Jahren Kommunalpolitischer Leiter der KPD-BL Hessen. Mitglied des Stadtrates von Offenbach. Im Dezember 1931 als Nachrücker in den Landtag des Volksstaates Hessen eingezogen, dem er bis April 1933 als Vorsitzender der KPD-Fraktion angehörte. Nach 1933 mehrfach für längere Zeit inhaftiert, zuletzt im KZ Dachau. 1945 Ministerialdirektor im Hessischen Ministerium für Wirtschaft und Verkehr. Vom 1. Dezember 1946 bis 30. November 1950 Abgeordneter des Hessischen Landtages, dort zuerst stellvertretender Fraktionsvorsitzender, ab 1. Juli 1949 als Nachfolger von Leo Bauer Vorsitzender der KPD-Fraktion. Ludwig Keil starb am 8. Januar 1952 in Darmstadt.

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Kamilli, Karl-August

* 5.1.1945

Geb. in Hagenow (Mecklenb.); Vater Kfm.; Grundschule u. 1959 – 63 EOS in Hagenow; 1963 – 65 Ausbildung zum Facharb. für Tiefbohrungen in Gommern, anschl. im Beruf tätig; 1965 – 70 Studium der Geophysik an der KMU Leipzig, Dipl.-Geophysiker; 1970 – 90 Mitarb. im VEB Kombinat Geophysik Leipzig; 1970 – 72 NVA, Bausoldat; Engagement in kirchl. Friedens- u. Umweltgr., durch das MfS überwacht; Okt. 1989 Mitbegr. der SDP in Leipzig; Vors. des prov. Krs.- bzw. Bez.-Vorst., Febr. 1990 stellv. Vors. der SPD; März – Okt. Abg. der Volkskammer, Vors. des Abrüstungs- u. Verteidigungsaussch. u. der Arbeitsgr. Sicherheitspolizei. Seit 1990 Vors. des Bez.-Verb. der Arbeiterwohlfahrt Sachsen/West e. V. u. Vors. der Landesarbeitsgemeinschaft; Sept. 1990 – 93 Mitgl. des PV der SPD; Okt. – Dez. 1990 Abg. des Dt. Bundestags; anschl. bis Sept. 1992 Landesbeauftr. für Aufenthalt u. Abzug der GUS-Streitkräfte; zugl. Ref.-Ltr. in der Staatskanzlei Sachsen für Streitkräfteangelegenh. / Konversion; seitdem beim Sächs. Rechnungshof tätig; 1994 Austritt aus der SPD u. unabh. Kand. für die Wahl zum Bundestag; Bürgerbeauftr. der Sächs. Staatskanzlei in Dresden; Mitgl. der Rechtsstaatl. Offensive (Schill-Partei) in Sachsen; Veröff. u. a. zu zukünftigen Strategien u. Strukturen der Landesverteidigung.Helmut Müller-Enbergs

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Kämpf, Siegfried

* 9.12.1929 – ✝ 12.1.2005

Geb. in Lugau (Sachsen); Vater Fabrikarb.; Grundschule, 1944/45 Lehrerbildungsanstalt Frankenberg; 1945 Landarb., 1946 – 48 OS Chemnitz, Abitur; 1948 – 52 Studium der Geschichte, Germanistik u. des Sports an den Univ. Leipzig u. Halle, Oberstufenlehrer; 1950 SED; 1952 – 60 Mitarb. im Staatl. Komitee für Körperkultur u. Sport, Referent, Hauptreferent, ab 1954 zeitw. pers. Referent des Vors.; 1956 – 60 Fernstudium der Außenpolitik an der DASR Potsdam, ab März 1960 Mitarb. des MfAA, Hauptreferent, Sektionsltr., ab Nov. 1961 Mitarb. des Min. für Außen- u. Innerdt. Handel, 1962 – 64 amt. Ltr. der DDR-Handelsvertretung in Marokko, 1964 – 66 Ltr. der DDR-Handelsvertretung in Guinea (Nachf. von Helmut Gürke), 1966 – 70 Ltr. der Abt. Arab. Staaten im MfAA (Nachf. von  Martin Bierbach), 1970 – 74 Botschafter der DDR in Algerien (Nachf. von Bruno Sedlaczek), anschl. stellv. Ltr. der Abt. Westeuropa im MfAA, 1979 – 81 Ständiger Deleg. der DDR bei der UNESCO in Paris, 1982 – 86 Botschafter der DDR in Portugal (Nachf. von Erich Butzke).Andreas Herbst

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Kant, Hermann

* 14.6.1926 – ✝ 14.8.2016

Geb. in Hamburg; Vater Gärtner, Mutter Fabrikarbeiterin; Mittelschule; Elektrikerlehre in Parchim; gegen Ende des 2. Weltkriegs Soldat, 1945 – 49 zuerst sowj., dann poln. Gefangenschaft, Mitbegr. des Antifa-Komitees im Arbeitslager Warschau, Antifa-Zentralschule. 1949 Rückkehr; kurzz. Elektriker u. Angest. beim Rat des Krs. Parchim; SED; 1949 – 52 Student u. Doz. an der ABF Greifswald, Abitur; 1952 – 56 Studium der Germanistik u. Philos. an der HU Berlin; Mitgl. der SED-Parteiltg. der HU; Prom. mit der Diss. »Die Darstellung der ideolog.-pol. Struktur des faschistisch dt. Heeres in Plieviers Roman ?Stalingrad?«; 1956 – 57 wiss. Assistent am germanist. Inst. der HU Berlin bei  Alfred Kantorowicz, von dem sich H. K. nach dessen Flucht 1957 öffentl. distanziert; 1957 – 59 Chefred. der Studentenztg. »tua res«, die der SED-BL Mitte untersteht u. sich an Studenten West-Berliner Univ. richtet; 5.3.1963 – 9.4.1976 als IM »Martin« vom MfS erf.; beteiligt an der Verhinderung der Autorenanthologie »Berliner Geschichten« (1974/76 von  Ulrich Plenzdorf,  Klaus Schlesinger u.  Martin Stade geplant); 1959 Verpflichtung an die DEFA, um dort an einem »wichtigen Auftrag des ZK zu arbeiten«; seit 1959 freischaff. Schriftst.; DSV; 1959 – 62 zugl. Mitarb. der Ztschr. »Neue Dt. Lit.«; ab 1960 zeitw. freiberufl. Mitarb. des DSV; 1962 Debüt mit dem Erzählungsband »Ein bißchen Südsee«; 1963 Heinrich-Heine-Preis; Lit.-Preis des FDGB; 1964 Mitgl. des PEN-Zentrums Ost u. West; 1965 erfolgr. Romanerstling »Die Aula« mit einer krit.-humorist. Bilanz der ABF-Zeit im Kontext der DDR-Geschichte, das Buch wurde zur Schullektüre in der DDR u. einigen bundesdt. Ländern; 1967 Heinrich-Mann-Preis; 1967 – 82 Mitgl. des Präs. des PEN-Zentrums DDR; 1969 Mitgl. der AdK, 1969 – 78 deren Vizepräs.; 1972 Roman »Das Impressum«, parteiinterne Auseinandersetzungen wegen der in Ansätzen krit. Darstellung einer DDR-Karriere vom Boten zum Min.; 1974 – 79 Mitgl. der SED-BL Berlin; 1976 wichtigster Roman »Der Aufenthalt«, der am Bsp. eines jungen, irrtüml. als Kriegsverbrecher behandelten Dt. das Spannungsfeld koll. Schuld u. individueller Unschuld thematisiert; 1978 – März 1990 Präs. des SV (Nachf. von  Anna Seghers); Juni 1979 wesentl. Mitw. am Ausschl. von neun Autoren aus dem SV im Kontext der Verurteilung  Stefan Heyms wegen »Devisenvergehens« u. anschl. Protesten gegen die Kulturpol. u. die Unterdrückung krit. DDR-Autoren; 1980 Dr. h. c. der Univ. Greifswald; 1981 – 90 Abg. der Volkskammer; wg. parteiinterner Kritik an H. K.s Amtsführung durch dogmat. Schriftst. (u. a.  Gerhard Holtz-Baumert,  Günter Görlich) in den 80er Jahren wiederholte Angebote, als SV-Präs. zurückzutreten, die jedoch von d. SED-Führung abgelehnt werden; 1986 – 89 Mitgl. des ZK der SED; 1973 u. 1983 NP; 1976 u. 1986 VVO; 1986 Orden der Völkerfreundschaft (UdSSR); 1987 Goethe-Preis. 1991 nach öffentl. Druck aus dem Dt. PEN-Zentrum (Ost) ausgeschieden; 1992 nach öffentl. Druck Aufgabe der Mitgliedschaft in der AdK Berlin; lebte in Prälank (b. Neustrelitz); gest. in Neustrelitz. H. K.s Rolle als SV-Funktionär u. Vermittler zw. SED-Führung u. Autoren ist umstritten; einerseits unterstützte er im Einzelfall krit. Mitgl. des SV, andererseits exekutierte er in scharfen Konfliktsituationen die kulturpol. Repressionen der SED-Führung.Eine Übertretung. Erzählungen. Berlin 1975; Zu den Unterlagen. Publizistik 1957 – 80. Berlin, Weimar 1981; Der dritte Nagel. Berlin 1981; Bronzezeit. Geschichten aus dem Leben des Buchhalters Farßmann. Berlin 1986; Die Summe. Berlin 1987; Abspann. Autobiogr. Berlin 1991; Kormoran. Berlin 1994; Escape. Ein WORD-Spiel. Berlin 1995; Okarina. Berlin 2003; Kino. Berlin 2005. Krenzlin, L.: H. K. Leben u. Werk. 3., erw. Aufl. Berlin 1988; Corino, K. (Hrsg.): Die Akte K. IM »Martin«, die Stasi u. die Lit. in Ost u. West. Hamburg 1995; Walther, J.: Sicherungsber. Lit. Schriftst. u. Staatssicherheit in der DDR. Berlin 1996 L. Brandt: Der Schriftst. H. K. Dok.-Film, MDR 2001; Gutschke, K.: H. K. – Die Sache u. die Sachen. Berlin 2007.Andreas Kölling

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Kapr, Albert

* 20.6.1918 – ✝ 13.3.1995

Geb. in Hedelfingen (b. Stuttgart); Vater Arbeiter; Volksschule; 1933 – 37 Lehre als Schriftsetzer in der Dt. Verlagsanstalt Stuttgart; ein Jahr Haft als Mitgl. einer Widerstandsgr. des KJVD; seit 1937 Studium an der Akad. für bildende Künste Stuttgart b. Ernst Scheidler; 1939 – 45 Kriegsdienst. 1945 – 47 Forts. des Studiums; 1947 Assistent an der TH Stuttgart u. Ltr. einer Kl. für Gebrauchsgrafik an einer Kunstschule; 1948 – 51 Doz. an der HS für Architektur u. bildende Kunst Weimar; 1951 – 82 Prof. an der HS für Grafik u. Buchkunst in Leipzig; 1955 Begründer u. bis 1978 Ltr. des Inst. für Buchgestaltung; 1959 – 61 (Nachf. von  Kurt Massloff) u. 1965 – 73 Rektor der HS für Grafik u. Buchkunst Leipzig (Nachf. von  Gerhard Kurt Müller); 1963 – 74 Künstler. Ltr. der Schriftgießerei Typoart Dresden; entwirft hier die »Faust Antiqua« (erstmals 1961 u. 1963 verwendet) u. die »Leipziger Antiqua« für Hand- u. Lichtsatz, modernisiert die »Clarendon Neutra« u. die »Prillwitz-Antiqua«; 1975 Prom. zum Dr. phil.; 1983 em.; 1961 NP; 1980 VVO. A. K.s Werk umfaßt die Gestaltung von mehr als 200 Büchern, u. a. Wilhelm Fraenger: Jörg Ratgeb (1972), Pablo Neruda: Aufenthalt auf Erden (1973), Zerbster Prunkbibel »Cranachbibel« (1973), Marx-Engels-Gesamtausgabe (1975), sowie graf. Arbeiten u. Plakate.Dt. Schriftkunst. Dresden 1955; Buchgestaltung. Dresden 1963; Schriftkunst. Dresden 1971; Schrift- u. Buchkunst. Leipzig 1982; Fraktur, Form u. Geschichte der gebrochenen Schrift. Mainz 1993. Bunke, H.: A. K. Schrift- u. Buchkünstler. Leipzig 1989.Gerd Dietrich

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Karge, Manfred

* 1.3.1938

Geb. in Brandenburg (Havel); Vater Putzmacher, Mutter starb im Wochenbett, mit sieben Jahren Vollwaise; Volontariat bei versch. Provinzztg.; 1958 – 61 Studium an der Staatl. Schauspielschule Berlin-Schöneweide; 1961 von  Helene Weigel am Berliner Ensemble engagiert; 1963 Beginn der Regiearb. mit Brecht-Texten (»Messingkauf« u. »Der Brotladen«) zus. mit  Matthias Langhoff, mit dem K. viele Jahre lang ein Regieduo bildete; 1968 Theatereklat um die gemeinsame Bearb. von Aischylos »Sieben gegen Theben«, die als Kritik am Einmarsch sowj. Panzer in Prag gedacht war; danach zus. mit Langhoff Beendigung der Arbeit am Berliner Ensemble; 1969 – 78 an der von  Benno Besson geleiteten Berliner Volksbühne, furioser Einstand als Karl Moor in Schillers »Räuber« (1969); Beginn einer langj. Zusammenarb. mit  Heiner Müller, 1975 Uraufführung von »Die Schlacht/Traktor«; spielte u. a. den Hamlet u. Othello; 1975 Kunstpreis der DDR (zus. mit Langhoff); neben der Theaterarb. Filmrollen bei DFF u. DEFA, u. a. 1964 als Hitlerjunge Wolzow in »Die Abenteuer des Werner Holt« u. 1971 als Hans Coppi in »KLK an PTX – Die Rote Kapelle«; 1976 im Kontext der Ausbürgerung von  Wolf Biermann Ausreise in die Bundesrep. Dtl. Inszenierungen in Paris, Zürich, Wien, am Kölner Schauspielhaus u. insb. am Schauspielhaus Bochum, dort zus. mit Langhoff Oberspielltr. sowie Autor der Stücke »Jacke wie Hose« (Uraufführung 1982); »Claire« (Musical 1985); »Die Eroberung des Südpols« (1986 auf drei Kontinenten nachgespielt u. 1990 als Spielfilm in Edinburgh präsentiert), »Lieber Nimbsch« (1989); 1986 – 93 als Autor, Regisseur u. Schauspieler hauptsächl. am Wiener Burgtheater, neben Dramen von Horváth u. Brecht Uraufführung von  Franz Fühmanns »Der Sturz des Engels« u. Elfriede Jelineks »Totenauberg«; 1993 – 2005 Prof. am Regie-Inst. der Berliner HS für Schauspielkunst »Ernst Busch«; in den letzten Jahren wieder verstärkt Arbeit als Schauspieler am Maxim-Gorki-Theater u. am Berliner Ensemble unter den Regisseuren Peymann u. Tabori.»Die Eroberung des Südpols«. Sieben Stücke u. ein Gespräch mit M. K. Berlin 1996.Matthias Braun / Christian Krause

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Karusseit, Ursula

* 2.8.1939

Geb. in Elbing (Westpr./Elbląg, Polen); Vater Stellmacher u. Neulehrer; Wirtschaftsschule; Arbeit als Stenotypistin u. Sachbearb., 1960 – 62 Staatl. Schauspielschule Berlin; 1962 von  Wolfgang Heinz für die Volksbühne Berlin entdeckt u. gefördert; 1966 – 68 Dt. Theater Berlin u. 1969 – 86 wieder Volksbühne; 1968 NP (im Koll.); 1969 – 95 verh. mit dem Regisseur  Benno Besson; 1984 Debüt als Regisseurin mit John M. Synges »Held der westlichen Welt«; nach Diskussionen um die Inszenierung von Joachim Knauths »Der Prinz von Portugal« 1986 Kündigung u. Übersiedlung nach Köln, 1987 – 90 Engagement Schauspielhaus Köln, 1990 – 94 Schiller-Theater Berlin, 1994 – 95 Bremen, 1996 – 97 Renaissance-Theater, seitdem freischaffend als Schauspielerin und Regisseurin für Film und Fernsehen. Theaterrollen: 1964 Rote Rosa in der UA von  Peter Hacks’ »Moritz Tassow«, 1965 Elsa in Jewgeni Schwarz’ »Der Drache« (beide R: Benno Besson), 1966 Isabella in Shakespeares »Maß für Maß«, 1970 Shen Te/Shui Ta in  Bertolt Brechts »Der gute Mensch zu Sezuan«, 1973 Peter Hacks’ »Margarete in Aix« (R: Benno Besson), 1974 Bertolt Brechts »Die heilige Johanna der Schlachthöfe«, Kammerspiele München (R: Benno Besson), 1980 Amtsdiener Mitteldorf in Gerhart Hauptmanns »Der Biberpelz« u. Dreier in der Uraufführung von  Heiner Müllers »Der Bau«, 1982 Hexe/ Mörder/Soldat in Heiner Müllers »Macbeth«-Bearbeitung, 1984 Faust in Grabbes »Don Juan u. Faust« u. Adelutz in Gerhart Hauptmanns »Schluck u. Jau«, 1985 Kommissarin in  Klaus Wischnewskis »Die optimistische Tragödie«, 1987 Courage (Traumrolle) in Manfred Karges Inszenierung von Brechts »Mutter Courage u. ihre Kinder«, 1992 Mutter in Colin Serreaus »Hase Hase«, Schiller-Theater Berlin (R: Benno Besson); Filmrollen: 1968 Gertrud Habersaat in  Helmut Sakowskis Fernsehfilm »Wege übers Land«, Hausmann in der Brechtverfilmung »Tod u. Auferstehung des Wilhelm Hausmann«, Hilde Coppi im DEFA-Film »Die Rote Kapelle«, 1974 Gisi in  Konrad Wolfs Film »Der nackte Mann auf dem Sportplatz«, 1984 Marie-Antoinette im Fernsehfilm »Die Witwe Capet«, später versch. Rollen in TV-Serien. Regiearbeit: 1992 Coline Serreaus »Hase Hase« in Schwerin, 1994 Bertolt Brechts »Der gute Mensch von Sezuan« in Dresden; Rollen in versch. TV-Serien, u. a. seit 1998 »In aller Freundschaft« (ARD); zahlr. Hörbuchaufnahmen; lebt in Königs Wusterhausen (b. Berlin). Schauspielerin, die sich durch Komik, Spontanität u. große Verwandlungsfähigkeit auszeichnet.Schwarz-Stötzer, H.: Mit Leib u. Seele. Berlin 1990; Schütt, H.-D.: U. K.: Wege übers Land durch die Zeiten. Berlin 2009.Renate Rätz

Handbuch Deutsche Kommunisten

Kassler, Georg

* 8.4.1887 – ✝ 8.10.1962

Geboren am 8. April 1887 in Berlin, Sohn eines Tischlers, der nach 1890 Hauptkassierer des Deutschen Transportarbeiter-Verbandes war. Georg Kassler absolvierte die Fortbildungsschule, wo er als 15jähriger 1902 einen Schulstreik gegen die »Prügelpädagogen« organisierte und von der Schule verwiesen wurde. Er lernte Schriftsetzer, arbeitete als Setzer und Drucker in Berlin, Ludwigshafen und Heidelberg. Seit 1904 Mitglied der SPD, übte in Berlin bis zum Ausbruch des Weltkrieges verschiedene ehrenamtliche Parteifunktionen aus. Im Kriege stand er in Opposition zum Parteivorstand und nahm Verbindung zur Gruppe Lichtstrahlen um Julian Borchardt auf, über die er eine Anstellung als Expedient in der Druckerei des Hilfsvereins Deutscher Frauen bekam. Unter diesem unverdächtigen Firmennamen konnte er bis zum Sommer 1918 revolutionäre und Antikriegsschriften an die Front verschicken. Seit 1915 Mitglied der Gruppe Internationale und später des Spartakusbundes. Ab Sommer 1918 als Tischlerei-Hilfsarbeiter mit seiner Familie (Frau und drei Kinder) nach Trebbin übergesiedelt. Dort gehörte er zu den Organisatoren der Novemberrevolution und wurde Vorsitzender des Arbeiter- und Soldatenrates und Gründer der örtlichen KPD. Danach kehrte Kassler nach Berlin zurück und wurde Lastträger in der Berliner Konsumgenossenschaft. Ende 1921 Sekretär des KPD-UB Süd in Luckenwalde. Während des Parteiverbots 1923/24 lebte er illegal. Zusammen mit Edwin Hoernle und Heinrich Rau gründete er 1925 die Bauerngenossenschaft »Pflug und Amboß«, die weder ein organisatorisches noch materielles Fundament hatte und eingestellt werden mußte. 1926 Polleiter in Berlin-Köpenick und Bezirksverordneter, er gehörte der BL Berlin-Brandenburg an und wurde 1928 Polleiter im darniederliegenden UB Lausitz. Im Mai 1928 im Wahlkreis Potsdam I in den Reichstag gewählt, wurde er, da Versöhnler, 1930 nicht mehr als Reichstagskandidat aufgestellt und als UB-Leiter abgelöst. Kassler arbeitete ab 1931 in der sowjetischen Handelsvertretung und war Mitglied des dortigen Betriebsrates. Von einem schweren Nervenzusammenbruch 1932 erholte er sich nur langsam. Im August 1933 emigrierte Kassler mit seiner Frau Margarete nach Prag und kam im Dezember 1933 in die Sowjetunion, wo er von April 1934 bis April 1935 das Erholungsheim der Komintern leitete. Im Juli 1935 wurde er Redakteur der deutschsprachigen Zeitung »Das neue Dorf« in Charkow. Er kehrte 1936 nach Moskau zurück, Anfang 1937 Hilfsredakteur in der VAA und ab Januar 1938 Korrektor an der »Deutschen Zentral-Zeitung«. Georg Kassler wurde am 28. Juni 1938 festgenommen und befand sich bis 29.Februar 1940 in NKWD-Haft, auf Anordnung des Volkskommissars für Inneres, Berija, war sein Verfahren eingestellt worden. Er bekam über die Komintern vom ZK der KPdSU eine Pension zugesprochen und wurde Hilfskraft bei der deutschen Sektion der Komintern. Während des Krieges wurde Kassler nach Karaganda evakuiert, dort Politinstrukteur in Kriegsgefangenenlagern. 1943 erkrankte er an Flecktyphus und Malaria, nach seiner Genesung Lehrer an Anifa-Schulen. Im Oktober 1946 kehrte er nach Deutschland zurück, wurde Mitglied der SED und Referent in der Personalabteilung der Deutschen Zentralverwaltung für Industrie. Ab Februar 1947 Personalchef in der Zentralverwaltung für Brennstoffindustrie bzw. nach der Reorganisation im April 1948 der Hauptverwaltung Kohle der DWK, im Oktober 1949 Leiter der Personalabteilung im Ministerium für Aufbau und 1952 Verwaltungsdirektor des Regierungskrankenhauses in Ost-Berlin. 1957 erhielt er den Karl-Marx-Orden. Seit 1957 schwer krank, starb Georg Kassler am 8. Oktober 1962 in Ost-Berlin. Sein Sohn Alfred Kassler, 1934 in die Sowjetunion emigriert, meldete sich im Juli 1941 freiwillig zur Roten Armee. Im Februar 1943 vom NKWD verhaftet, kam er als Angehöriger der »Arbeitsarmee« ums Leben. Sohn Berthold Kassler (* 13. 10. 1912 – † 19. 1. 1978), 1932 Mitglied der KPD, emigrierte 1933 in die Tschechoslowakei und in die Schweiz, 1934 kehrte er nach Deutschland zurück. 1942 Einberufung zur Wehrmacht, desertierte zur Roten Armee, schloß sich dem NKFD an und kam zum Fronteinsatz in Pommern. 1946 Mitglied der SED, viele Jahre Produktionsleiter im DEFA-Kopierwerk Berlin-Johannisthal, von 1958 bis 1963 Mitglied des ZK der SED.

Wer war wer in DDR

Katsch, Gerhardt

* 14.5.1887 – ✝ 7.3.1961

Geb. in Berlin; Vater Kunstmaler; Gymnasium in Berlin; 1905 Studium der Biol. an der Sorbonne in Paris, 1906 – 11 Med.-Studium in Marburg u. Berlin, hier 1912 Prom.; 1912 – 14 Assistenzarzt u. 1914 – 17 Oberarzt in Hamburg-Altona; im 1. Weltkrieg Militärarzt; 1917 – 20 Oberarzt an der Med. Univ.-Klinik Marburg (b. Gustav v. Bergmann), hier 1917 Habil.; 1918 Titularprof.; 1920 – 26 Oberarzt an der Med. Univ.-Klinik in Frankfurt (Main); 1921 a. o. Prof.; 1926 – 28 Chefarzt der Inneren Klinik des Heilig-Geist-Hospitals in Frankfurt (Main); 1928 – 57 Ordinarius für Innere Med. u. Dir. der Med. Univ.-Klinik Greifswald; 1930 Gründung des ersten dt. Diabetikerheims in Garz (Rügen); NSDAP; im 2. Weltkrieg zeitw. beratender Internist im Militärsanitätsdienst. Im April 1945 an der Übergabe der Stadt Greifswald an die Rote Armee beteiligt; 1945 Dekan der Med. Fak. der EMAU Greifswald; 1947 Gründung des ZI für Diabetes in Karlsburg (b. Greifswald); 1951 Verdienter Arzt des Volkes; 1952 Mitgl. des wiss. Beirats für Med. beim Staatssekr. für HS-Wesen; 1953 Ord. Mitgl. der DAW; 1955 Mitgl. der Leopoldina; 1955/56 Rektor der EMAU Greifswald (500-Jahr-Feier der Greifswalder Univ.) (Nachf. von  Hans Beyer); wiss. Forschungen bes. auf dem Gebiet der Gastroenterol. u. Diabetol.; 1957 em.; Weiterführung der Ltg. des ZI für Diabetes; 1952 NP; gest. in Greifswald.G.-K.-Ehrung 1987. Greifswald 1988 (Greifswalder Universitätsreden, Neue Folge Nr. 51).Peter Schneck

Handbuch Deutsche Kommunisten

Katz, Otto (Simone

* 27.5.1895 – ✝ 27.11.1952

(* 1895 – † 1952) Geboren am 27. Mai 1895 in Prag, Sohn eines jüdischen Kaufmanns; Handelsschule, ab 1922 in Berlin im Verlagswesen tätig, zeitweise Verlagsleiter beim Verlagsunternehmen von Leopold Schwarzschild. 1922 trat Otto Katz in die KPD ein und wurde 1927 Verwaltungsdirektor der Piscator-Bühnen in Berlin. Ende 1929 Mitarbeiter der zum IAH-Konzern gehörenden Universum-Bücherei, wirkte Otto Katz als Verbindungsmann Willi Münzenbergs zu zahlreichen Film- und Theaterschaffenden. Ende 1930 verließ er wegen eines bevorstehenden Prozesses wegen Steuerhinterziehung (im Zusammenhang mit seiner früheren Tätigkeit bei Piscator) Deutschland und reiste nach Moskau, dort Direktor des Filmunternehmens »Mezrabpom«. Im Frühjahr 1933 kam er nach Paris und wurde erneut ein enger Mitarbeiter Münzenbergs, Sekretär des Komitees zur Untersuchung des Reichstagsbrandes. Katz war Chefredakteur und Verfasser des »Braunbuches über Reichstagsbrand und Hitler-Terror« und organisierte den Londoner Gegenprozeß. Er wirkte während des Bürgerkrieges in Spanien im Auftrag der Volksfrontregierung als Leiter der Agence d’Espagne und führte nun das Pseudonym André Simone. Nach zeitweiligem Aufenthalt in den USA lebte er ab Sommer 1940 in Mexiko, wo er zur engeren Leitung der KPD-Exilgruppe gehörte und Sekretär der Bewegung Freies Deutschland wurde. Ab April 1942 außenpolitischer Berater des Präsidenten des mexikanischen Gewerkschaftsbundes Lombardo Toledano. Anfang 1946 kehrte Otto Katz/André Simone in die Tschechoslowakei zurück, wurde Mitglied der KPâ und außenpolitischer Redakteur und Kommentator des Zentralorgans »Rudé právo«. In Prag Anfang 1952 verhaftet, wurde André Simone/Katz im Slánsk´y-Prozeß mit anderen hochrangigen tschechischen Kommunisten als angeblicher britischer und zionistischer Agent am 27. November 1952 zum Tode verurteilt. Die Urteile wurden am 3. Dezember 1952 vollstreckt, die Asche der verbrannten Leichen in Säcke gefüllt und auf einer eisglatten Landstraße vor den Toren Prags ausgestreut.

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Kaufmann, Hans

* 31.3.1926 – ✝ 15.1.2000

Geb. in Berlin; Vater Textilzeichner; Gymnasium; 1943/44 Luftwaffenhelfer, RAD, 1944/ 45 Wehrmacht, 1945 – 47 frz. Gefangenschaft. 1948 Abitur an der Vorstudienanstalt Berlin; 1948 – 52 Studium der Germanistik u. Geschichte an der HU Berlin; anschl. hier Assistent, Aspirant; 1956 Dr. phil. mit einer Diss. über Heinrich Heines »Wintermärchen«; danach Habilaspirantur u. Wahrnehmung einer Dozentur; 1959 – 61 Prof. an der HU; 1962 Habil. mit »Bertolt Brecht. Geschichtsdrama u. Parabelstück«; 1962 – 68 Prof. an der FSU Jena; 1963 – 69 Mitgl. des Vorst. des DSV; 1968 – 91 an der DAW/AdW; 1973 – 76 stellv. Dir. des ZI für Lit.-Geschichte der AdW; 1975 Mitgl. im PEN-Zentrum DDR; 1964 Lessing-Preis; 1972 Heinrich-Heine-Preis; 1976 NP; 1991 em.; gest. in Berlin. Forschungsarbeiten zur neueren u. neuesten dt. Lit., insbes. zu dt. Klassik, Vormärz, Expressionismus, DDR-Lit.; ab 1959 zus. mit  Hans-Günther Thalheim Hrsg. der »Germanist. Studien«; Hauptautor u. Ltr. versch. Autorenkoll., so der »Geschichte der dt. Lit.« Bde. 9 u. 10 (1973 ff.), »Krisen u. Wandlungen. Aufsätze zur dt. Lit. von Wedekind bis Feuchtwanger« (1966), »Tendenzen u. Beispiele. Zur DDR-Lit. in den 70er Jahren« (1981); Aufsätze u. Kritiken zur DDR-Lit.Heinrich Heine. Geistige Entw. u. künstler. Werk. 4., überarb. Aufl. Berlin, Weimar 1983; Erwartung u. Angebot (mit E. Kaufmann). Berlin 1976; Über DDR-Lit. Berlin, Weimar 1986; Goethes »Faust« oder Stirb u. werde. Berlin 1991; Trilogie der Leidenschaft: Texte u. Dok. Joh. W. v. Goethe. Rudolstadt 1995; Der Januskopf des Utopischen. Texte, Gespräche, Erinnerungen. Hrsg. v. I. Pergande-Kaufmann. Berlin 2002. Boden, P., Böck, D. (Hrsg.): Modernisierung ohne Moderne. Das ZI für Lit.-Geschichte an der AdW der DDR. Heidelberg 2004.Bernd-Rainer Barth / Andreas Kölling

Handbuch Deutsche Kommunisten

Kayser, Albert

* 28.11.1898 – ✝ 18.10.1944

Geboren am 28. November 1898 in Stettin, in Berlin aufgewachsen; wurde dort Arbeiter im Gaswerk. Über die USPD fand er den Weg in die KPD. Mitglied des Betriebsrates in den Berliner Siemenswerken, 1923 gemaßregelt, später bei der BVG angestellt. Im Juli 1932 im Wahlkreis Berlin in den Reichstag gewählt. Kayser gehörte zu den Organisatoren des BVG-Streiks vom November 1932. Am 28. Februar 1933 verhaftet und in das KZ Sonnenburg gebracht, wo er sich bis Dezember 1933 in »Schutzhaft« befand. Nach seiner Entlassung illegale Arbeit und Instrukteur in den Bezirken Erfurt, Hannover und Magdeburg. Albert Kayser wurde Ende Januar 1935 erneut festgenommen und am 2.August 1935 vom 1. Senat des VGH zum Tode verurteilt. Dieses Urteil wurde dann aufgrund internationaler Proteste in eine lebenslange Zuchthausstrafe umgewandelt. Er saß zunächst in Berlin-Plötzensee, dann im Zuchthaus Brandenburg-Görden. Ende 1943 in das KZ Buchenwald überführt, wo Albert Kayser am 18.Oktober 1944 an Flecktyphus umgekommen ist.

Wer war wer in DDR

Keil, Gerhard

* 15.3.1922 – ✝ 12.9.1997

Geb. in Leipzig; Mittelschule, 1936 – 39 Buchhändlerlehre b. Franz Volckmar, Leipzig; 1941 – 43 Wehrmacht, Afrikakorps; 1943 – 47 amerik. u. brit. Gefangenschaft. 1947 – 49 Buchhändler, zunächst wieder bei Franz Volckmar, dann beim SWA-Verlag Leipzig; SED; 1953 – 55 Ltr. des Verlags Philipp Reclam jun. Leipzig; 1954/55 kommissar. Ltr., 1955 – 87 Ltr. des E. A. Seemann Buch- u. Kunstverlags Leipzig; 1960 – 63 zusätzl. Geschäftsf. des Insel Verlags Anton Kippenberg Leipzig u. 1967 – 72 Kommanditist des Postreiter-Verlags Halle; 1954 – 57 Gasthörer der Kunstgeschichte an der KMU Leipzig; 1970 NP; 1983 Dr. h. c. der KMU; Einsatz für die Hrsg. großer wiss. Publ., u. a. des Allg. Künstlerlexikons für zeitgenöss. Kunst; langj. Mitgl. im Verlegeraussch. des Börsenvereins der Dt. Buchhändler; Gründer u. Vors. des Jugendweiheaussch. in Leipzig; Abg. des Bez.-Tags Leipzig; seit 1987 Ruhestand in Leipzig; Ehrenmitgl. des Kuratoriums »Haus des Buches« in Leipzig; gest. in Leipzig.Carsten Wurm / Frank Wagner

Wer war wer in DDR

Kaminsky, Horst

* 20.3.1927

Geb. in Markranstädt (b. Leipzig); Volksschule; Wehrmacht; 1944 NSDAP. Nach 1945 Ausbildung zum Industriekfm.; Studium der Wirtschaft u. Rechtswiss. an der HU Berlin, Dipl.-Wirtsch.; Hauptbuchhalter in verschiedenen VEB; 1953/54 Ltr. des VEB Askania in Teterow; Mitarb. einer VVB; Ltr. der HA Buchhaltung u. Revision im Min. für Allg. Maschinenbau; Mitarb. der SPK u. im VWR; 1964 – 74 Staatssekr. u. 1. stellv. Min. für Finanzen; 1974 – 90 Präs. der Staatsbank (Nachf. von  Margarete Wittkowski); Abg. der Volkskammer; ab 19.12.1974 von Gesetzes wegen Mitgl. des Min.-Rats u. Vors. des Vorst. der SDAG Wismut; 1977 VVO.Preise u. Finanzen im neuen ökon. System. Berlin 1965; Das Finanzwesen im ökon. System u. Grundprobleme seiner weiteren Entw. Berlin 1968. Karlsch, R.: Uran für Moskau. Berlin 2007.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Kanehl, Oskar

* 5.10.1888 – ✝ 28.5.1929

Geboren am 5. Oktober 1888 in Berlin. Der Sohn eines Lehrers studierte in Berlin und Greifswald Sprachen und Philosophie, promovierte über Goethe im Urteil des Jungen Deutschland. Er gab 1912/13 den »Wiecker Boten« heraus, eine wichtige frühexpressionistische Zeitschrift. Als scharfer Kriegsgegner wurde er in der Weimarer Republik ein bekannter linksradikaler Dichter und Politiker (war u. a. in der AAU-E und dann im »Spartakusbund II« aktiv). Schon ab 1913 veröffentlichte er in der »Aktion« von Franz Pfemfert. Nachgedruckt wurden seine Antikriegsdichtungen 1922 unter dem Titel »Die Schande«, den Umschlag zeichnete George Grosz. Kanehls aufrührerischer Gedichtband »Die Straße frei« wurde 1924 verboten. Seine radikalen, oft zur Gewalt aufrufenden revolutionären Arbeiten wurden (ebenso wie seine politischen Artikel, etwa gegen Otto Rühle) immer wieder in Pfemferts »Aktion« publiziert. Bemerkenswert z. B., daß dort im November 1919 expressionistische Verse von ihm endeten: »Wacher, wilder, roter Freudenrausch. Revolution.« Im gleichen Heft beendete hingegen Johannes R. Becher, der damals ebenfalls noch für die »Aktion« schrieb, sein Gedicht »Weltrevolution« mit: »Taifun und Lawa – Christus – und winkt! und winkt!!« Oskar Kanehl starb am 28. Mai 1929 nach dem Sturz aus seinem Wohnungsfenster. Grabreden für ihren Freund hielten Erich Mühsam und Franz Pfemfert, der betonte: »Ja, er hat nie mit dem Feinde parliert, sondern ihm im Namen des Proletariats offen zugerufen: Wer nicht für uns ist, ist uns zuwider... Tritt ab und stirb, verkrachte Bourgeoisie.«

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Kant, Fritz

* 12.5.1896 – ✝ 30.12.1970

Geboren am 12. Mai 1896 in Berlin, Sohn eines Gastwirts; Lehre und Arbeit als Dreher und Uhrmacher. Von 1915 bis 1918 Soldat im Weltkrieg, schloß sich dem Spartakusbund an, seit Gründung KPD-Mitglied, war von 1919 bis 1922 Polleiter des UB Berlin-Spandau. Im März 1921 Mitarbeiter im Sekretariat des ZA der KPD, vornehmlich mit illegalen Aufgaben betraut. Ab August 1921 Bezirkssekretär in der BL Hessen-Frankfurt und im Januar 1922 der BL Thüringen. Im Mai 1923 wurde er Orgleiter im Bezirk Halle-Merseburg, von Oktober 1923 bis März 1925 Mitarbeiter im Apparat der Zentrale in Berlin, 1925/26 Leiter der Orgabteilung des RFB. Anschließend war Kant Sekretär für verschiedene UB in der Provinz Brandenburg. Ab März 1930 Bezirkssekretär der Roten Hilfe im Ruhrgebiet, danach Leiter der RHD im Bezirk Mitteldeutschland. Im Juni 1933 in Nordhausen verhaftet, saß er bis 1934 im KZ Lichtenburg. Nach der Freilassung bekam er (durch Vermittlung von Wilhelm Leuschner) Arbeit als Tankwart in einer Großgarage in Berlin-Halensee, dann war er Chauffeur und Geschäftsführer eines Restaurants. Er mußte von August bis Dezember 1939 zur Wehrmacht, wurde ab 1941 Einkäufer bei einer Luftfahrtgesellschaft und hielt Kontakt zur Widerstandsgruppe von Wilhelm Leuschner. Kant wurde 1945 Leiter der Antifa in Siemensstadt, 1946 Sekretär der KPD Berlin-Spandau, dort Bezirksvorsteher im Bezirksamt. Bis zu seiner Suspendierung im Oktober 1948 (Spaltung des Magistrats) war er Bezirksrat für Arbeit und Leiter des Arbeitsamtes Spandau und gehörte bis 1950 der SED-KL an, später Landessekretär des Kulturbundes Berlin und Verwaltungsdirektor der Volksbühne Ost-Berlin. Von 1955 bis 1957 leitete er den VEB Berliner Filmtheater und von 1957 bis 1960 war er Abteilungsleiter beim Staatlichen Komitee für Rundfunk der DDR. Er erhielt 1959 den VVO in Bronze. Fritz Kant starb am 30. Dezember 1970 in Ost-Berlin.

Wer war wer in DDR

Karau, Gisela

* 28.3.1932 – ✝ 9.4.2010

Geb. in einer Berliner Arbeiterfamilie; 1938 – 50 OS, Abitur am Pestalozzi-Lyzeum in Berlin; 1950 – 54 Redakteurausb. bei der »BZ am Abend«; seit 1954 freiberufl. Journalistin u. Schriftst. (Kinderbücher, Drehbücher); 1952 – 90 VdJ; 1963 – 89 SED; 1975 – 90 Mitgl. des SV; 1980 – 90 stellv. Vors. im Bez.-Verb. Berlin des SV; 1979 VVO; 1980 Kunstpreis des FDGB; 1980 – 84 Mitgl. der Stadtverordnetenvers. Berlin; bis März 1990 Kolumnistin der »BZ am Abend«. 1994 Autorenstipendium der Stiftung Preuß. Seehandlung; weiterhin Veröff. von Romanen (u. a. »Buschzulage« 1996; »Go West. Go Ost« 1998), Kinderbüchern (u. a. »Bolle, der freundliche Hund« 1994) u. zeitgeschichtl. Abhandlungen (u. a. »Gauck-Opfer« 1995); gest. in Berlin.Der gute Stern des Janusz K. Berlin 1972; Dann werde ich ein Kranich sein. Berlin 1975; Darf ich Wilhelm zu Dir sagen. Berlin 1979; Stasi-Protokolle. Gespräche mit ehem. Mitarb. des MfS. Frankfurt (Main) 1992; Grenzerprotokolle. Gespräche mit ehem. DDR-Offz. Frankfurt (Main) 1992; Die »Affäre« Heinrich Fink. Berlin 1992; Der Kugelfisch oder wie man einen Vater erzieht. Hamburg 2004; Franzi, ganz cool. Eine Liebesgeschichte. Hamburg 2005.Bernd-Rainer Barth / Andreas Kölling

Handbuch Deutsche Kommunisten

Karl, Georg

* 21.7.1882 – ✝ 16.1.1964

Geboren am 21. Juli 1882 in München; lernte Mechaniker, trat vor dem Weltkrieg der SPD bei. Im Juli 1918 Übersiedlung nach Nürnberg. Dort Mitglied der USPD, Delegierter auf dem Vereinigungsparteitag mit der KPD 1920. 1923 Parteisekretär der nordbayerischen KPD. Im Oktober 1923 in »Schutzhaft« genommen; im Mai 1924 wieder freigelassen, übernahm Karl die Orgleitung der KPD in Nordbayern, wurde aber schon 1925 wieder für einige Zeit inhaftiert. Im Mai 1927 rückte er für Joseph Götz in den Bayerischen Landtag nach, dem er bis 1928 angehörte. Nachdem er in verschiedenen Funktionen tätig war, wurde Georg Karl Anfang 1928 nochmals vorübergehend Orgleiter in Bayern. Danach schied er aus dem hauptamtlichen Funktionärskorps aus und trat politisch wenig hervor. Nach 1933 saß Karl längere Zeit im KZ Dachau. 1945 schloß er sich wieder der KPD an, übte aber keine Funktionen mehr aus und trennte sich 1949 von der Partei. In Nürnberg hatte er sich eine Existenz als Kartoffel- und Lebensmittelgroßhändler geschaffen. Georg Karl starb am 16.Januar 1964 in Nürnberg.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Karwahne, Berthold

* 3.10.1887 – ✝ 14.11.1957

Geboren am 3. Oktober 1887 in Koberwitz/Krs. Breslau; Arbeiter. 1919 Mitglied der USPD, kam 1920 mit deren linkem Flügel zur KPD. Aktiver Funktionär in Hannover, dort eng mit Iwan Katz und Theodor Gohr verbunden. Als Stadtverordneter von Hannover gehörte er der linken Opposition an und unterstützte ab 1925 den ultralinken Kurs von Katz. Im Januar 1926 aktiv an der gewaltsamen Besetzung des KPD-Organs »Niedersächsische Arbeiterzeitung« beteiligt, wurde er noch im gleichen Monat aus der KPD ausgeschlossen. Gemeinsam mit Katz gab Karwahne das oppositionelle »Mitteilungsblatt« heraus und gehörte im Juni 1926 zu den Gründern des »Spartakusbundes der linkskommunistischen Organisationen«, zu deren Führung er zunächst zählte. Gemeinsam mit Gohr legte er Ende 1926 sein Stadtverordnetenamt nieder. Da Katz es ablehnte, aus dem Reichstag auszuscheiden, kam es zum Bruch. Karwahne wurde rasch erbitterter Antikommunist und trat schon 1927 der NSDAP bei. Er lief als einziger wichtiger kommunistischer Funktionär zur NSDAP über und wurde ein prominenter Nazi. 1930 für die NSDAP in den Reichstag gewählt (Wahlkreis Südhannover-Braunschweig), blieb er bis 1945 NS-MdR. Nach 1933 leitete er den ehemaligen Fabrikarbeiterverband, und wurde 1936 Gauobmann der DAF Südhannover-Braunschweig. Der grobschlächtige Funktionär trat dann in den Hintergrund, wohnte nach 1945 in Hannover. Berthold Karwahne starb am 14. November 1957 in Krainhagen/ Bückeburg.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Kassner, Walter

* 6.6.1894 – ✝ 17.11.1970

Geboren am 6. Juni 1894 in Prenzlau, Sohn einer Arbeiterfamilie, der Vater starb schon 1896. Er lernte Dreher, schloß sich 1911 der Gewerkschaft und 1913 der SPD an. Seit Frühjahr 1915 Soldat, nach schwerer Verschüttung in Flandern 1916 abkommandiert als Arbeiter zu Krupp-Gruson nach Magdeburg, später in Mittel- und Kleinbetrieben der Magdeburger Metallindustrie tätig. 1917 Übertritt zur USPD, aktiver Funktionär dieser Partei in Magdeburg. 1918 Mitglied des Magdeburger Arbeiter- und Soldatenrates. Mit dem linken Flügel der USPD 1920 zur KPD, wurde 1921 Vorsitzender der KPD in Magdeburg, dort 1924 Stadtverordneter, 1926 Leiter des RFB Gau Magdeburg-Anhalt. Kassner war 1927 hauptamtlicher Parteiangestellter, bis 1930 Orgleiter des KPD-Bezirks Magdeburg, Abgeordneter des Provinziallandtages der Provinz Sachsen und von 1928 bis 1933 Abgeordneter des Preußischen Landtages. Vom XII. Parteitag 1929 zum Kandidaten des ZK gewählt und von 1930 bis 1933 in der BL Magdeburg Polleiter bzw. Sekretär für Agitation. Illegale Arbeit bis Juni 1933 in Magdeburg, Brandenburg, Berlin und Frankfurt/M. Ab August 1934 hielt Kassner sich im Saargebiet, anschließend in der Schweiz und in Frankreich auf. Im Oktober 1934 Rückkehr nach Deutschland, hier gemeinsam mit Maria Krollmann und Käthe Lübeck Instrukteur und Polleiter der illegalen KPD im Bezirk Hessen. Am 26. März 1935 in Frankfurt/M. festgenommen, nach zwei Jahren und drei Monaten U-Haft im Mai 1937 durch den 1. Senat des VGH zu lebenslanger Zuchthausstrafe verurteilt, saß er in Kassel, Coswig und Halle. Während des Evakuierungsmarsches von Halle in die Tschechoslowakei im März/ April 1945 befreit. 1945 schloß er sich wieder der KPD an, war von Juli 1945 bis Dezember 1950 Bürgermeister von Magdeburg. Im Juni 1950 wurde Kassner als Nachfolger von Fritz Beyling Vorsitzender der VVN Sachsen-Anhalt. 1951 in Ost-Berlin Abteilungsleiter im Staatssekretariat für Innere Angelegenheiten und 1953 Hauptreferent im Büro des Förderungsausschusses beim DDR-Ministerpräsidenten. Seit 1956 hauptamtlicher Sekretär der SED-Parteiorganisation im Büro des Präsidiums des Ministerrates der DDR. 1962 Parteiveteran, er erhielt 1969 den Karl-Marx-Orden. Walter Kassner starb am 17. November 1970 in Ost-Berlin.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Kattner, Alfred

* 23.9.1896 – ✝ 1.2.1934

Geboren am 23. September 1896 in Schwiebus, Sohn einer Arbeiterfamilie; Tischler, von 1916 bis 1918 Militärdienst. Mitglied der USPD, 1920 der KPD. Ab 1925 hauptamtlicher Mitarbeiter zunächst in der Poststelle bzw. in der Orgabteilung des ZK der KPD. Unter dem Decknamen Alfred führte Kattner Sonderaufträge und Kurierarbeiten aus, kannte viele KPD-Funktionäre, denn über ihn lief der gesamte Posteingang. Im Februar 1933 war Kattner einer der wichtigsten Kuriere, die mit Ernst Thälmann Kontakt hielten. Am 3. März 1933 wurde er zusammen mit Ernst Thälmann und Werner Hirsch im illegalen Quartier in der Lützowstraße 9 verhaftet, saß von April bis Juni 1933 im Polizeigefängnis Berlin-Spandau, anschließend im KZ Sonnenburg. Ende August zu erneuten Verhören in der Gestapozentrale, weil Kattner »weitgehenden Einblick in interne Vorgänge des ZK besaß und natürlich auch die Rolle führender kommunistischer Persönlichkeiten, insbesondere die des Parteiführers Thälmann kannte«. Mit brutalen Verhörmethoden, Drohungen und Versprechungen gelang es der Gestapo, Kattner »umzudrehen«. Am 15. November 1933 wurde er überraschend entlassen und als Polizei-Lockvogel gegen den AM-Apparat eingesetzt. Obwohl sich die Hinweise verdichteten, daß Kattner zum Verräter geworden war, wiesen Mitarbeiter des AM-Apparates, z. B. Herbert Wehners Warnungen als unbegründet zurück. Erst als am 18. Dezember 1933 Hermann Dünow, der »Reichsnachrichtenleiter«, bei einem mit Kattner vereinbarten Treff von der Gestapo verhaftet wurde, reagierte das Abwehrressort. In der illegalen »Roten Fahne« wurde Kattner Ende Januar 1934 als Spitzel der Gestapo genannt: »Wir enthüllen bereits heute, daß ein paar gekaufte Subjekte, mit schwerem Geld bestochene ehemalige kommunistische Funktionäre, nach dem Diktat von Goebbels Propagandaministerium ihre Aussagen machen sollen. Unter diesen Kreaturen und gekauften Achtgroschenjungen befinden sich die ehemals technische Hilfskraft aus dem Karl-Liebknecht-Haus, Alfred Kattner, ferner der ehemalige Redakteur Helmuth Lass und außerdem die ehemaligen Funktionäre Krauss, Grobis und Nickel.« Kattner wurde am 1. Februar 1934 Opfer eines »kommunistischen Fememordes«, ausgeführt von Hans Schwarz. Die Nazibehörden beantworteten diesen Fememord am 1.Februar 1934 mit der Erschießung der in Haft befindlichen KPD-Spitzenfunktionäre John Schehr, Eugen Schönhaar, Rudolf Schwarz und Erich Steinfurth. 1999 veröffentlichte Ronald Sassning: Die Verhaftung Ernst Thälmanns und der »Fall Kattner«.

Wer war wer in DDR

Katzer, Georg

* 10.1.1935

Geb. in Habelschwerdt (Niederschles./Bystrica Kłodzka, Polen); Vater Konditor; 1953 Abitur; 1954 – 60 Kompositionsstudium an der HS für Musik Berlin u. 1957/58 an der Musikakad. Prag; 1961 – 63 Mstr.-Schüler an der DAK bei  Hanns Eisler u.  Leo Spies; seit 1963 freischaff.; 1977 Mitgl. des Zentralvorst. des VDK; 1978 AdK; dort Ausbildung von Mstr.-Schülern bis 1991; 1981 NP; 1982 – 89 Vizepräs. des VDK; 1986 künstler. Ltr. des Studios für elektroakust. Musik an der AdK; 1987 a. o. Prof. für Komposition an der AdK; 1989 Präs. der Sekt. DDR u. Mitgl. des Präs. der Internat. Ges. für elektroakust. Musik; Juni 1990 Präs. des Musikrats der DDR u. an der Vereinigung der beiden dt. Musikräte maßgeblich beteiligt. Seit 1993 Mitgl. der AdK Berlin-Brandenb.; NP (1981), mehrere internat. Preise für elektroakust. Kompositionen, u. a. 1978 Reine-Marie-Jose-Preis, Genf; 1992 Kulturpreis Schlesien; 1998 Johann-Wenzel-Stamitz-Preis, 1999 Musikpreis des Landes Brandenb.; 2003 Bundesverdienstkreuz; lebt in Berlin. Werke u. a.: Ballette: Schwarze Vögel, 1975; Ein neuer Sommernachtstraum, 1979/80; Opern: Das Land Bum-Bum, 1974; Gastmahl oder Über die Liebe, 1987; Antigone oder Die Stadt, 1989/90; L’homme machine, 1999; Vokalmusiken: De musica, 1977; Stimmen der toten Dichter, 1977; Abgebrochene Sätze, 1993; Ophelia, 1994; La fabbrica abbandonata, 2005; Instrumentalmusiken: Baukasten für Orchester, 1973; D-Dur-Musikmaschine, 1974; Kommen u. Gehen, 1982; Konfrontation, 1986; La Mettrie, 1986 u. 1988; Nänie für J. Bobrowski, 1998; Wiedergänge, 2003; Die Leier drehen, 2005; elektroakust. Musiken: Sound-House, 1979; Musikmaschine Nr. 2, 1980; Aide-mémoire, 1983; Hörspiel: Ich bin ein anderer, 1990.Christiane Niklew

Wer war wer in DDR

Kaufmann, Walter

* 19.1.1924

Geb. in Berlin; Mutter Verkäuferin; 1926 Übernahme der Pflegschaft von der arbeitslosen Mutter durch ein vermögendes Ehepaar in Duisburg; 1938 nach Verhaftung der jüd. Pflegeeltern in der »Reichskristallnacht« (die später im KZ ermordet wurden) Flucht über die Niederl. nach Großbritannien; 1939 Internierung u. 1940 Evakuierung nach Australien; zunächst Arbeit als Obstpflücker; 1941 – 45 Kriegsfreiw. in der austral. Fremdenlegion. Nach 1945 Gelegenheitsarbeiten als Straßenfotograf, Hafen- u. Schlachthausarb. sowie als Seemann; 1955 Rückkehr nach Europa; nach Reisen durch Polen, die Bundesrep. Dtl. u. die UdSSR 1956 Ansiedl. in der DDR; zunächst wieder Seemann, dann freier Schriftst.; 1961 u. 1964 Fontane-Preis Potsdam; 1967 Heinrich-Mann-Preis; 1975 Mitgl. des PEN; 1985 – 93 Gen.-Sekr. des PEN-Zentrums DDR bzw. Ost (Nachf. von  Henryk Keisch). 1993 Ruhrgebiets-Lit.-Preis; lebt in Berlin.Feuer am Suvastrand. Berlin 1961; Gerücht vom Ende der Welt. Berlin 1969; Am Kai der Hoffnung. Berlin 1974; Jenseits der Kindheit. Berlin 1985; Tod in Fremantle. Berlin 1986; Die Zeit berühren – Mosaik eines Lebens auf drei Kontinenten. Berlin 1992; Ein jegliches hat seine Zeit. Wiederbegegnung auf drei Kontinenten. Berlin 1994; Gelebtes Leben. Berlin 2000.Carsten Wurm

Wer war wer in DDR

Kayser, Karl

* 14.5.1914 – ✝ 27.1.1995

Geb. in Leipzig; Vater Arbeiter; 1928 – 32 Malerlehre in Leipzig; SAJ; 1932/33 Ausbildung als Schauspieler u. Volontär am Schauspielhaus Leipzig; 1933/34 Engagement am Staatstheater Stuttgart, 1934 – 36 Staatstheater Oldenburg, 1936/37 Stadttheater Halle, 1937/38 Stadttheater Plauen; 1939 – 46 Kriegsdienst u. amerik. Gefangenschaft. 1946 SED; 1946 – 50 Schauspieler u. Regisseur in Leipzig; Mitbegr. des Theaters der Jungen Welt; 1950 – 58 Gen.-Intendant des Dt. Nationaltheaters Weimar; 1954 – 89 Mitgl. der Volkskammer; 1958 – 90 Gen.-Intendant der Städt. Theater Leipzig; Mitw. als Schauspieler in eigenen Inszenierungen; 1963 – 89 Mitgl. des ZK der SED; 1977 – 89 Mitgl. der Kulturkommission beim PB des ZK der SED; 1964 Titularprof.; ab 1965 Mitgl. u. 1966 – 75 Vizepräs. der DAK; 1975 – 89 Präs. des Internat. Theaterinst., Zentrum DDR; 1976 – 85 Präs.-Mitgl. des Verb. der Theaterschaffenden; NP 1952, 1959 u. 1966 (im Koll.); 1974 VVO; 1979 KMO; 1984 Ehrenspange zum VVO; 1985 Dr. h. c. der KMU Leipzig; gest. in Leipzig. Inszenierungen: u. a. Optimistische Tragödie, 1951; Wallenstein-Trilogie, 1953, 1974; Die Winterschlacht, 1955; Die Ermittlung, 1966; Faust I u. II, 1963, 1965; Großer Frieden, 1979.Besessen sein von der Idee des Theaters. Briefe u. Reden. Berlin 1989.Aune Renk

Handbuch Deutsche Kommunisten

Keilson, Max

* 7.11.1900 – ✝ 9.11.1953

Geboren am 7. November 1900 in Halle/Saale, Sohn eines jüdischen Kleingewerbetreibenden. Seine Mutter kam im KZ Theresienstadt ums Leben. Er lernte Dekorationsmaler, trat 1919 der Gewerkschaft und der USPD, 1920 der KPD bei. Von 1920 bis 1924 studierte er an der städtischen und an der staatlichen Kunstgewerbeschule in Berlin und arbeitete dann als freischaffender Graphiker und Journalist. Im Frühjahr 1926 gehörte Keilson zeitweise zur Gruppe um Karl Korsch. Ab 1928 Graphiker in der Agitpropabteilung des ZK der KPD, verantwortlich für die gesamte Bildpropaganda der Partei, von 1927 bis 1929 Mitglied der BL Berlin-Brandenburg. Ab 1928 war er Vorsitzender der kommunistischen Assoziation revolutionärer bildender Künstler (ABRKD) und lehrte 1931/32 an der MASCH. Im März 1933 wurde Keilson im Zusammenhang mit der Verhaftung Georgi Dimitroffs – seine Frau Margarete war dessen Sekretärin – zeitweise inhaftiert. Ende Juli 1933 emigrierte er nach Frankreich, arbeitete später in Prag, kam Ende März 1939 in die Sowjetunion. Mitarbeiter der Presseabteilung der Komintern, später Redakteur beim Radioabhördienst bzw. Rundfunkredakteur des NKFD in Moskau. Max Keilson kehrte im Juni 1945 nach Deutschland zurück und war bis April 1946 stellvertretender Chefredakteur der »Deutschen Volkszeitung«. Nach Gründung der SED im April 1946 Chefredakteur des »Vorwärts«, der Zeitung der SED Groß-Berlin, im November 1949 wechselte er in das DDR-Außenministerium als Leiter der Presseabteilung. Nach Spaltung des einheitlichen Berliner Landesverbandes der Deutschen Presse im Herbst 1948 wurde Keilson 1. Vorsitzender des Verbandes für Ost-Berlin. Gerüchte, er und seine Frau Margarete seien im Zusammenhang mit der Verhaftung von DDR-Außenminister Georg Dertinger ebenfalls inhaftiert worden, ließen sich nicht verifizieren. Max Keilson starb am 9.November 1953 in Berlin. Seine Frau Margarete (Grete) Keilson, geborene Schnate, mit der er seit 1927 verheiratet war, wurde am 21. Dezember 1905 in Berlin geboren. Seit 1925 Mitglied der KPD, war sie bis Anfang 1933 Sekretärin von Georgi Dimitroff im WEB (Deckname Marianne) und emigrierte im März nach Frankreich. Zunächst im Weltkomitee gegen Faschismus und Krieg, gehörte sie später in Prag bzw. Paris zu den wichtigsten Mitarbeiterinnen des Auslandssekretariats des ZK der KPD. Sie kam 1939 in die Sowjetunion und war wie ihr Mann Max bei der Komintern. Im Juli 1945 kehrte Grete Keilson nach Deutschland zurück und wurde Sachbearbeiterin im ZK der KPD. Nach SED-Gründung leitete sie (offiziell paritätisch mit dem aus der SPD kommenden Alexander Lösche) die Personalpolitische Abteilung des ZS der SED. Ab 1948 zunächst Leiterin des Büros für Internationale Verbindungen im ZK, wurde sie 1953 Stellvertreterin von Peter Florin, dem Chef der Abteilung. Nach ihrer Heirat 1959 mit dem aus britischer Haft zurückgekehrten »Atomspion« Klaus Fuchs wechselte sie in die Presseabteilung des Außenministeriums. Sie erhielt 1985 den Stern der Völkerfreundschaft. Margarete Fuchs/Keilson starb am 4.Januar 1999 in Dresden.

Wer war wer in DDR

Kämmerer, Wilhelm

* 23.7.1905 – ✝ 15.8.1994

Geb. in Büdingen (Oberhessen); 1923 – 27 Studium der Mathematik u. Physik an den Univ. Gießen u. Göttingen; 1927 wiss. St.-Ex. u. Prom. mit einer Arbeit aus der Algebra in Gießen; 1929 pädagog. St.-Ex.; ab 1930 im höheren Schuldienst in Naumburg (Saale) tätig; 1943 Zeiss-Werke Jena. 1945 zu Reparationsarbeiten herangezogen; 1946 – 53 in der UdSSR; 1954 – 62 wiederum bei Zeiss, Entwicklungsgr. für Datenverarbeitungsanlagen; 1955 NP; 1958 Habil. an der FSU Jena; 1960 Prof. für Kybernetik; 1962 – 70 am ZI für Kybernetik u. Informationsprozesse der DAW, Emeritierung; 1991 Konrad-Zuse-Medaille. W. K. war wesentl. beteiligt an der Entw. des ersten programmgesteuerten Rechenautomaten OPREMA (OPtik REchenMAschine) der DDR im VEB Carl Zeiss Jena (ab Dez. 1954 Probebetrieb, Aug. 1955 Anlage in Betrieb), desgleichen an der Entw. des Digitalrechners ZRA 1 (»Zeiss RechenAutomat«) 1956 – 61, des ersten bei Zeiss in Serie hergestellten Rechenautomaten, einzuordnen zw. den Rechnern der 1. u. 2. Generation; weitere Entwicklungsarbeiten in Jena abgebrochen; Verf. mehrerer Bücher über Rechenautomaten u. mathemat. Methoden der Kybernetik.Die trilineare alternierende homogene Form in acht Veränderungen. Gießen 1927; Einführung in mathematische Methoden der Kybernetik. Berlin 1971; Digitale Automaten. Berlin 1973.Annette Vogt

Wer war wer in DDR

Kania, Karin

* 20.6.1961

Geb. in Dresden; Mutter Lehrerin, Vater Ing.; ab 1965 zunächst Eiskunstläuferin, 1977 Teiln. an den Europameisterschaften; KJS in Dresden; Febr. 1978 Wechsel zum Eisschnellauf beim SC Einheit Dresden (Trainer:  Rainer Mundt); 1980 Sprint-WM; 1980 Olymp. Spiele: Siegerin (500 m); 1981 Sprint-WM, 2. Platz (Mehrkampf); 1982 WM (Mehrkampf), Vize-WM (Sprint); 1983 Sprint-WM u. Vize-WM (Mehrkampf); 1984 Olymp. Spiele: Siegerin (1.000 m u. 1.500 m), 2. Platz (500 m u. 3.000 m); 1986 u. 1987 jeweils Sprint- und Mehrkampf-WM; 1988 Olymp. Spiele: 2. Platz (1.000 m u. 1.500 m), 3. Platz (500 m); bis 1985 Studium der Kunstgeschichte an der KMU Leipzig, abgebrochen; 1985 – 88 Erwachsenenqualifizierung zur Kosmetikerin; 1998 beendete sie ihre sportl. Laufbahn. 1991 Jacques-Favart-Trophäe der ISU (als erste Eisläuferin); verh. mit dem Fußballspieler Rudi Kania; lebt in Liegau-Augustusbad.Volker Kluge / Olaf W. Reimann

Wer war wer in DDR

Kantorowicz, Alfred

* 12.8.1899 – ✝ 27.3.1979

Geb. in Berlin in einer jüd. Fam.; Vater Kfm.; Volksschule, ab 1910 Hauslehrerschule, später Oberrealschule in Berlin; 1917/18 Militärdienst als Freiwilliger, Einsatz an der Westfront; 1919 Mitgl. einer Bürgerwehr in Berlin; 1919 Abitur; 1920 – 23 Jura- u. Germanistik-Studium in Berlin, Freiburg i. Br. u. Erlangen; 1924 in Erlangen Prom. zum Dr. jur. mit einer Diss. über die »Völkerrechtl. Grundlagen des nationaljüd. Heims in Palästina«; 1924 – 33 Kulturred. bzw. Feuilletonchef der »Westfälischen Neuesten Nachrichten« in Bielefeld (Ps. Dr. Alfred Kant); 1928/29 Korrespondent der »Vossischen Ztg.« in Paris; Lit.- u. Theaterkritiker für versch. Ztgn.; Veröff. in »Liter. Welt« u. »Die Tat«; Herbst 1931 Mitgl. der KPD, bereits zuvor für den illeg. Nachrichtenapparat der KPD tätig; Freundschaft mit  Ernst Bloch u.  Bertolt Brecht; März 1933 Emigr. nach Paris; Mitbegr. u. Gen.-Sekr. des SDS im Exil; Initiator u. Ltr. der Dt. Freiheitsbibliothek in Paris; Veröff. in »die aktion«, »Unsere Zeit«; 1934 u. 1936 Reisen nach Moskau; Dez. 1936 – April 1938 Teiln. am span. Bürgerkrieg als Offz.; Jan. – April 1937 Informationsoffz., Red. bzw. Ltr. der Interbrigadenztg. »Le Volontaire de la Liberté« (dt. Ausg.); Hrsg. der Dokumentation »Tschapajew, das Bat. der 21 Nationen« (Madrid 1938/Rudolstadt 1948); Apr. 1938 Rückkehr nach Paris; 1939 Arbeit am »Span. Tagebuch« (Berlin 1948; erw. als »Span. Kriegstagebuch«, Köln 1979); Sept. 1939 Internierung in Süd-Frankreich, u. a. in Les Milles; Juni 1940 Flucht nach Marseille, Illegalität; 1941 in die USA; Red. der Abt. Auslandsnachrichten beim Rundfunkkonzern CBS in New York; Arbeit für versch. Exilblätter u. amerikan. Ztschr. Dez. 1946 Rückkehr nach Dtl.; 1947 – 49 Hrsg. der von drei Besatzungsmächten lizensierten Ztschr. »Ost u. West«; mit Richard Drews Veröff. eines ersten Überblicks über die Lit. des Widerstands (»Verboten u. verbrannt. Dt. Lit. 12 Jahre unterdrückt. München 1947); 1949 Thematisierung der Erfahrungen von Emigranten im Sammelband »Vom moral. Gewinn der Niederlage« (Berlin); 1949 Mitgl. des PEN-Zentrums Dtl.; 1950 SED; ab Winter 1949 Prof. für neueste dt. Lit. an der HU Berlin; 1955 Dir. des Germanist. Inst.; 1950 – 57 Ltr. des Heinrich-Mann-Archivs der DAK u. Hrsg. der Ausgew. Werke Heinrich Manns (1951 – 56); Ltr. des Thomas-Mann-Archivs der DAW; 1956 Verweigerung der Unterschrift unter die Ungarn-Resolution des DSV; Aug. 1957 Flucht vor drohender Verhaftung nach Berlin (West); 1957 – 61 in München u. ab 1962 in Hamburg als Publizist tätig; trotz seiner antikommunist. Haltung wird A. K. auch in der Bundesrep. wiederholt öffentl. angegriffen; 1965 Mitgl. der Freien AdK Hamburg; 1969 Thomas-Dehler-Preis; gest. in Hamburg. Zahlr. Veröff. zum Werk der Gebrüder Mann, zur dt. Exillit. u. zum geistigen Widerstand in der DDR; die Bände »Dt. Tagebuch« (1959 u. 1961) legen subjektives Zeugnis vom Lebensgefühl in der DDR der 50er Jahre ab.Dt. Schicksale. Neue Porträts. Berlin 1949; Dt. Schicksale. Intellektuelle unter Hitler u. Stalin. Wien u. a. 1964; Exil in Frankreich. Merkwürdigkeiten u. Denkwürdigkeiten. Bremen 1971; Pol. u. Lit. im Exil. Hamburg 1978; Nachtbücher: Aufzeichnungen im frz. Exil 1935 bis 1939. Hamburg 1995. Heydorn, H. J. (Hrsg.): Wache im Niemandsland. A. K. zum 70. Geburtstag. Köln 1969; Mytze, A. W. (Hrsg.): In memoriam A. K. In Europ. Ideen (1979) 44; A. K. 100 Texte, Zeugnisse, Dokumente, Briefe, Gedichte. In: Europ. Ideen (1999) 1; McLellan, J.: The Politics of Communist Biography: A. K. and the Spanish Civil War. In: German History (2004) 4; Gruner, W.: »Ein Schicksal, das ich mit sehr vielen anderen geteilt habe«. A. K. – sein Leben u. seine Zeit von 1899 bis 1935. Kassel 2006.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Karg, Carola Berta

* 16.10.1910 – ✝ 12.8.1985

Geboren am 16. Oktober 1910 in Wolfratshausen als neuntes Kind eines Kutschers; lernte Verkäuferin. 1926 Mitglied des KJVD und 1928 der KPD. Ab 1929 Stenotypistin in der BL Halle-Merseburg, 1931 Kursantin eines Jugendlehrgangs an der Leninschule in Moskau. Im Sommer 1932 zunächst Mitarbeiterin, im Herbst in das ZK des KJVD kooptiert. 1933 leitete sie unter dem Decknamen Klara Mathies den KJVD in Thüringen, ab Mitte Juli 1933 den illegalen KJVD in den Bezirken Baden-Pfalz und Niederrhein. Dort arbeitete sie eng mit der katholischen Widerstandsgruppe um Kaplan Joseph Rossaint zusammen. Berta Karg wurde am 31. Januar 1934 in Düsseldorf verhaftet und schwer gefoltert. Nach sechs Wochen ununterbrochener Gestapoverhöre, am ganzen Körper zerschlagen, nur noch 43 Kilo wiegend, kam sie in Untersuchungshaft. Am 25. Juni 1935 vom VGH zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. Von Jauer in Schlesien nach fünfeinhalb Jahren strenger Isolierhaft in einer halbdunklen, modrigen Zelle nach Waldheim überstellt. In dieser Zeit bekannte sie sich selbst zum Katholizismus. Am 6. Mai 1945 durch die Rote Armee befreit, wurde Berta Karg zunächst KPD-Funktionärin in Chemnitz und Dresden, kehrte Anfang 1946 nach Bayern zurück, hier Sekretärin für Frauenarbeit der KPD-Landesleitung. Nach parteiinternen Auseinandersetzungen über »ungeklärte Fragen« während ihrer Haftzeit schied sie 1947 aus der hauptamtlichen Parteiarbeit aus, wurde Geschäftsführerin des »Bundes christlicher Sozialisten« und dann von 1950 bis 1952 Landessekretärin der VVN Bayern. 1952 hat die KPD Berta Karg wegen angeblichen Verrats während der Haft in der NS-Zeit aus der Partei ausgeschlossen. Sie arbeitete bis 1970 als Angestellte in der Münchner Stadtverwaltung, sie war 1969 der DKP beigetreten. Berta Carola Karg erlag während eines Urlaubsaufenthaltes in der DDR am 12. August 1985 einem Herzinfarkt.

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Karsch, Willi

* 14.4.1904 – ✝ 26.11.1963

Geb. in Dresden; Vater Angest.; aufgewachsen in Berlin; Volks- u. Realschule, 1920 Reifezeugnis für Obersekunda; kaufm. Lehre u. Arbeit bei der Polyhonwerke AG Berlin; 1929 Arbeiter-Abiturientenkurs an der Karl-Marx-Schule in Berlin-Neukölln; Aufbau einer Wanderpuppenbühne u. aktive Mitarbeit im Arbeiter-Theater-Bund; 1929 KPD; freier Journalist für den Neuen Dt. Verlag (für die Ztschr. »Weg der Frau« u. »Roter Pfeffer«); 1931 – 33 Volontär bzw. Red. bei der AIZ; 1933 entlassen, Haussuchungen, Beschlagnahme von Lit.; 1935 – 37 Arbeiter bzw. Angest. bei der Fa. Cramm-Mühlen GmbH; anschl. bis 1943 freier Journalist, Tätigkeit für versch. kleine Filmfirmen bzw. 1939 / 40 Werbefachmann u. Korresp. in der Lackfabrik A. Beseler & Co Berlin; 1941 / 42 Mitarb. der Ztschr. »Die junge Dame« im Verlag »Hans Jahr«; 1943 – 45 Wehrmacht u. Kriegsgef., Okt. 1945 Entlassung. 1945 KPD, 1946 SED; 1946 – 50 Chefred. der Ztschr. »Für Dich« in Berlin, anschl. Red. der Ztschr. »Deutschlands Stimme«, dann Red. bzw. stellv. Chefred. der »NBI« (Neue Berliner Illustrierte); später Red. bzw. stellv. Chefred. der Ztschr. »Magazin« (Ps. Peter Purzel u. ika); gest. in Rüdersdorf (b. Berlin).Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Käseberg, Karl

* 5.9.1890 – ✝ 8.1.1940

Geboren am 5. September 1890 in Hannover; Dreher bei der Weser AG in Bremen, von 1910 bis 1913 Militärdienst, von 1914 bis 1916 Soldat im Weltkrieg, anschließend Dreher bei der Firma Krupp in Essen. Seit 1917 in der USPD, ab 1919 in der KPD. 1923 Angestellter im Ruhr-Echo Verlag und zunächst unter Wilhelm Florin, dann unter Max Opitz führender Leiter des Emi-Apparates der BL Ruhrgebiet. Käseberg organisierte nach einer kommunistischen Sportveranstaltung im Sommer 1932 in Essen die Flucht des von der Polizei gesuchten Josef Staudinger in die Sowjetunion. Dieser hatte bei Auseinandersetzungen den Polizeiwachtmeister Josef Hommer erschossen. Am 1. März 1933 festgenommen, saß Käseberg bis 20. April 1933 in »Schutzhaft«. Nach zweijähriger Arbeitslosigkeit Angestellter einer Versicherung, am 21. September 1936 wurde er erneut verhaftet und am 5.November 1937 vom Schwurgericht Essen (zusammen mit Max Opitz) wegen »Beihilfe zum Totschlag« zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt. Diese Strafe erhöhte das OLG Hamm am 24. Juni 1938 auf drei Jahre Zuchthaus. Am 24.September 1939 freigelassen, wurde Käseberg schon einen Tag später in »Schutzhaft« genommen und in das KZ Sachsenhausen eingeliefert. Dort ist er am 8. Januar 1940 an »Lungenentzündung« gestorben, tatsächlich wurde Karl Käseberg ermordet.

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Kasten, Karl

* 7.1.1909 – ✝ 19.1.1981

Geb. in Mertschütz (Krs. Liegnitz, Niederschles. / Mierczyce, Polen); Vater Landwirtschaftsangest.; Grund- u. Mittelschule; Lehre u. Arbeit als Schlosser, Schachtarb., Dreher, Fräser u. Papierhändler; 1932 / 33 Angest. bei der RH; 1930 KPD; 1931 Mitgl. der RGO-BL Schles., Agitprop- bzw. Org.-Ltr. der Betriebszelle der Donnermarkhütte; zuletzt Ltr. der RGO-Jugend bzw. Ltr. der Industriegr. Metall RGO-Bez. Oberschles.; 1932 stellv. Org.-Ltr. der KPD-BL Oberschles.; Febr. 1933 Verhaftung, bis Aug. »Schutzhaft«; nach der Entlassung Übernahme eines Papiervervielfältigungsgeschäfts in Breslau; antifasch. Arbeit zus. mit  Wolfgang Steinitz; nach Aufdeckung der Gruppe Umzug nach München, dort illeg. Arbeit; 1937 Rückkehr nach Berlin, Mitarb. in der Widerstandsgr. um Anton Saefkow. 1945 / 46 Vorsteher des Polizeireviers Berlin-Wedding; 1945 KPD, 1946 SED; 1946 / 47 Angest. bei der Landesreg. Mecklenb.; 1947 / 48 Werkltr. der Torfbetriebe Schwerin; 1949 Oberreferent für Maschinenbau in der Landesreg. Mecklenb.; 1949 / 50 Techn. Dir. der VVB Maschinenbau Rostock, 1950 Hauptdir.; 1951 / 52 HA-Ltr. Wirtschaftsplanung der Landesreg. Mecklenb.; 1952 / 53 Arbeitsdir. im VEB Warnowwerft Rostock; 1953 Staatsexamen, Maschinenbau-Ing.; 1953 / 54 OB von Rostock (Nachf. von  Rudolf Heyden); 1954 – 58 Staatssekr. für örtl. Wirtschaft bzw. örtl. Angelegenheiten; 1958 – 60 Vors. des Bezirkswirtschaftsrats Suhl, zeitw. Mitgl. der SED-BL Suhl u. ihres Büros; ab 1961 Ltr. des Sekr. der SPK; 1969 VVO.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Katukow, Michail Jefimowitsch

* 4.9.1900 – ✝ 8.6.1976

Geb. in Bolschoje Uworowo (Osjorskowo b. Moskau); ab 1919 Berufssoldat; 1932 Mitgl. der KPdSU; fachmilitär. Ausbildung; ab 1941 hoher Frontkdr. der Panzertruppen; ab Jan. 1943 Befehlshaber der 1. Panzerarmee, die dann als 1. Garde-Panzerarmee der 1. Weißruss. Front an der Einnahme Berlins beteiligt war; 1944 u. 1945 Held der Sowjetunion. Ab 1945 hohe Kdo.-Stellungen in der Gruppe der sowj. Besatzungstruppen in Dtl.; Chef der SMA Sachsen; ab 1955 Gen.-Inspekteur im Verteidigungsmin. der UdSSR; stellv. Chef der HV Infanterie; ab 1963 Inspektor-Berater in der Gruppe der Gen.-Inspekteure des sowj. Verteidigungsmin.; 1959 Marschall der Panzertruppen; viermal Lenin-, dreimal Rotbannerorden; gest. in Moskau.Jan Foitzik

Wer war wer in DDR

Kauffold, Peter

* 19.8.1937 – ✝ 28.4.2014

Geb. in Magdeburg; Vater Schmied; OS, 1954 Abitur; 1954 – 60 Biologiestudium in Rostock, Dipl.-Biol.; 1960 – 86 wiss. Mitarb. des AdL-Forschungszentrums für Tierprod. Dummerstorf-Rostock; 1966 Prom. zum Dr. rer. nat. mit vitalzytolog. u. zytochem. Untersuchungen an intakten u. degenerierten Eizellen als Grundlage für die Oozytendiagnostik; 1966 – 74 (nach Abbruch der zytolog. Forschung am o. g. Inst.) Mitarb. am Forschungsprogr. »Ernährung von Hochleistungskühen«; 1969 – 86 Mitgl. des Bez.-Vorst. der Gewerkschaft Wiss. der Nordbez.; 1975 Prom. zum Dr. sc. nat. mit einer Arbeit über Pansenphysiol.; 1974 – 82 Ltr. einer Arbeitsgr. Zytolog. Grundlagen des Embryotransfers (nach Wiederaufn. des Forschungsthemas im o. g. Inst.) u. Mitgl. des zeitw. RGW-Forschungskoll. »Eitransplantation Rind«; ab 1983 Ltr. des gem. Forschungsprojekts von AdL u. AdW »Biol. der Reifung u. Befruchtung bei Säugetieren«; 1986 – 90 Ltr. der Abt. Angew. Embryol. des o. g. Inst.; Sept. 1989 Prof. der AdL; Jan. 1990 SPD; März – 2.10.1990 Abg. der Volkskammer, ab April Parl. Staatssekr. im Min. für Ernährung, Land- u. Forstw.; 1. Stellv. des Ministers, verantw. für Gesetzesvorlagen insbes. zur Strukturanpassung u. zu Grund u. Boden; Verhandlungsführer der DDR zum Komplex Agrar- u. Ernährungswirtsch. des Staatsvertrags DDR-Bundesrep. Dtl. über die Währungs-, Wirtschafts- u. Sozialunion; 16.8. – 20.8.1990 amt. Minister (Nachf. von  Peter Pollack). Okt. 1990 – Febr. 1993 MdL Mecklenb.-Vorp.; Vors. des Landw.-Aussch. u. stellv. Vors. der SPD-Fraktion; stellv. Landesvors. der SPD; 1993 Vorstandsmitgl. der Stiftung Forschungsinst. für die Biol. landw. Nutztiere Dummerstorf-Rostock u. Dir. des Inst.; 1998 – 2002 Minister für Bildung, Wiss. u. Kultur der Landesreg. Mecklenb.-Vorp. (Nachf. von Regine Marquardt); seit 1993 Mitgl. des SPD-LV Mecklenb.-Vorp.; seit 2004 Kreistagsabg. in Bad Doberan.Nährstoffverwertung beim Wiederkäuer. Jena 1974 (Mitautor); über 100 weitere wiss. Veröff.Siegfried Kuntsche

Wer war wer in DDR

Kaul, Friedrich Karl

* 21.2.1906 – ✝ 16.4.1981

Geb. in Posen (Poznań, Polen) in einer jüd. Familie; Vater Kfm.; Realgymnasium in Posen u. Berlin; 1925 Studium der Rechtswiss. in Berlin u. Heidelberg; Mitgl. einer schlagenden Verbindung; 1929 Referendarexamen in Berlin; danach Assistent an der jurist. Fak. der Berliner Univ., 1931 Prom.; 1931/32 im Anwaltsbüro von Justizrat Ludwig Pinner in Berlin tätig; 1933 Entlassung aus dem Justizdienst wegen jüd. Abstammung, danach Versicherungsvertreter u. Rechtskonsulent; 1935 von der Gestapo verhaftet, KZ Lichtenburg u. Dachau, Entlassung mit der Bedingung sofortiger Auswanderung; Juli 1937 Emigr. nach Kolumbien, später Panama, Honduras u. Nicaragua; Büroangest. u. Bauarb.; 1939 Aberkennung der dt. Staatsbürgerschaft; 1941/42 in Nicaragua als feindl. Ausländer interniert u. an die USA ausgeliefert, bis 1945 im Antinazi-Camp Kennedy (Texas) interniert. Sept. 1945 Rückkehr nach Dtl.; 1946 Referendar u. Hilfsrichter am LG Berlin; 1946 KPD/ SED; seit Juli 1946 Justitiar beim Berliner Rundfunk, Ltr. der Rechtsabt.; 1947/48 nebenamtl. Ltr. der Rechtsabt. bei der Dt. Verw. für Volksbildung; Nov. 1947 Assessorexamen; Juni 1948 vorläufige, 1949 endgültige Zulassung als Rechtsanwalt bei den Berliner Gerichten; 1954 – 56 Hauptprozeßbevollm. der KPD im Verbotsprozeß vor dem BVG der Bundesrep. Dtl.; Verteidiger von KPD- u. FDJ-Mitgl.; Nebenkläger in Prozessen gegen NS-Gewaltverbrecher, u. a. 1963 – 66 Frankfurter Auschwitz-Prozeß, 1970 Düsseldorfer Treblinka-Prozeß; 1960 Prof., 1965 Lehrbeauftr. u. Dir. des neugegr. Inst. für zeitgenöss. Rechtsgeschichte an der HU Berlin; 1962 Vizepräs. der Vereinigung Demokrat. Juristen; 1965 Banner der Arbeit für das Auftreten im Auschwitz-Prozeß u. das »Wirken für die Nichtverjährung von Nazi- u. Kriegsverbrechen«; Chefjustitiar der Staatl. Komitees für Rundfunk u. Fernsehen; 1975 stellv. Vors. der internat. Chile-Kommission; Autor von Kriminalromanen, Tatsachenerz. sowie zahlr. Hör- u. Fernsehspielen; Moderator der Fernsehsendung »Prof. Dr. Kaul antwortet«; 1960 NP (im Koll.); 1970 Verdienstmedaille der NVA; 1971 VVO; 1976 Ehrenspange zum VVO; 1981 KMO; gest. in Berlin.Ankläger auf der Anklagebank. Berlin 1952; Der Pitaval der Weimarer Rep. 2 Bde. Berlin 1953 u. 1961; Der Fall des Herschel Grynszpan. Berlin 1965; Watergate. Ein Menetekel für die USA. Berlin 1975. Hartewig, K.: Zurückgekehrt. Die Gesch. d. jüd. Kommunisten in der DDR. Köln, Weimar 2000; Rosskopf, A.: F. K. K. Anwalt im geteilten Dtschl. (1906 – 81). Berlin 2001.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Kegel, Gerhard

* 16.11.1907 – ✝ 16.11.1989

Geb. in Preußisch-Herby (Krs. Lublinitz, Oberschles. / Herby Šląnskie, Polen); Vater Eisenbahner; Oberrealschulen in Kattowitz, Oppeln u. Breslau, 1926 Abitur; 1926 – 28 Ausbildung zum Bankkfm. in Breslau; 1928 – 31 Studium der Staats- u. Rechtswiss. an der Univ. Breslau; Referendar; gleichz. journalist. Ausbildung bei den »Neuesten Nachrichten« (Breslau); 1929/30 Mitbegr. u. Mitgl. der »Soz. Studentenschaft« an der Univ. Breslau; Nov. 1931 KPD; 1931/32 Gerichtsreferendar am Amtsgericht Bolkenhayn (Schles.); 1932 Mitarb. der KPD-KL Breslau; April 1932 Austritt aus dem Justizdienst u. zunächst Hilfsred., dann Wirtschaftsred. der »Neuesten Nachrichten«; Okt. 1933 mit  Lothar Bolz nach Warschau; dort freiberufl. Auslandskorrespondent für die »Neuesten Nachrichten«; Agent des sowj. militär. Nachrichtendienstes GRU (»Kurt«); Mai 1934 im sowj. Auftrag Eintritt in die NSDAP; 1935 – 39 wiss. Hilfsarb. bzw. Ref. für Wirtschaftsfragen in der handelspol. Abt. der dt. Botschaft in Warschau; 1939 Mitarb. des Auswärtigen Amts in Berlin; Herbst 1939 – 41 stellv. Ltr. der handelspol. Abt. der dt. Botschaft in Moskau; Juni/Juli 1941 mit anderen dt. Diplomaten in Kostroma (UdSSR) interniert, Juli Rückreise nach Berlin; 1941 – 43 Legationssekr. der handelspol. Abt. im Ausw. Amt Berlin, zul. Ref. im Länderreferat Westeuropa; 1943 – 45 Wehrmacht, Uffz.; Jan. 1945 Übertritt zur Roten Armee; Jan. – März 1945 sowj. Kriegsgefangenschaft in Polen u. Moskau in der Ljubjanka. Juni 1945 Rückkehr nach Dtl. (Berlin); 1945 – 49 stellv. Chefred., ab April 1949 Chefred. der »Berliner Ztg.« (Nachf. von  Rudolf Herrnstadt) u. Ltr. des Berliner Verlags; 1946 SED; bis Okt. 1949 kurzz. persönl. Ref. von  Wilhelm Pieck; Nov. 1949 – Mitte 1950 Ltr. der HA Pol. Angelegenh. im MfAA; 1950/51 stellv. Chefred. des »Neuen Dtl.«; Mitgl. des Sekr. des VDP; 1951/52 Chefred. der Wochenztschr. »Die Wirtschaft«; ab Aug. 1952 Dir. des Verlags Die Wirtschaft; 1952 – 57 Mitgl. VDJ-ZV; ab 1953 – 56 Fernstudium an der PHS; 1955 – 72 ltd. Mitarb. des ZK der SED auf dem Gebiet der Außenpol., seit 1955 persönl. Mitarb. u. außenpol. Berater  Walter Ulbrichts; Mitgl. der Agit.-Kommission beim PB des ZK der SED; 1959 Gesandter, Sprecher der DDR-Regierungsdelegation auf der Genfer Außenministerkonferenz der Großmächte; 1967 Mitgl. der Westkommission u. der Außenpol. Kommission beim PB des ZK der SED, Ltr. des Strateg. Arbeitskrs. Außenpol.; 1967 – 71 Kand. des ZK der SED; Juli 1973 – Mai 1976 Botschafter u. Ltr. der Ständ. Vertr. der DDR am Sitz der UNO in Genf (Nachf. von  Siegfried Zachmann); 1967 VVO; 1977 KMO; 1982 Ehrenspange zum VVO; gest. in Berlin.Notizen von einer großen Reise. Mit Walter Ulbricht in der Sowjetunion. Berlin 1964; Ein Vierteljahrhundert danach. Das Potsdamer Abkommen u. was aus ihm geworden ist. Berlin 1970; In den Stürmen unseres Jh. Berlin 1984. Müller-Enbergs, H.: Nationalkomitee Freies Dtl. In: Ueberschähr, G.: Das Nationalkomitee Freies Dtl. u. der Bund der Dt. Offz. Frankfurt (Main) 1995.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Keilson, Max

* 7.9.1900 – ✝ 9.11.1953

Geb. in Halle in einer jüd. Fam.; Vater Kleingewerbetreibender; 1906 – 14 Volksschule in Berlin; 1914 – 20 Ausbildung zum Dekorationsmaler u. Gebrauchsgrafiker, dann im Beruf tätig; Sept. – Dez. 1918 Militärdienst; 1919/ 20 USPD; 1919 – 21 ZdA; 1920 KPD; 1920 – 24 Schüler an der Städt. Kunstgewerbeschule, dann an der staatl. Kunstgewerbeschule in Berlin; 1921 Reichsverb. Dt. Künstler; 1924 – 27 selbst. Gebrauchsgrafiker, Arbeiten für linke Verlage u. Ztgn.; Frühjahr 1926 Mitgl. der »opp. Gruppierung Karl Korsch«; ab 1926 Ltr. des Zentr. Ateliers für Bildprop.; 1927 Heirat mit Margarete Schnate ( Grete Fuchs-Keilson); 1927 – 29 Mitgl. der BL der KPD; 1928 Mitbegr. u. geschäftsf. Vors. der ASSO; 1928 – 33 Mitarb. im ZK der KPD, Abt. Agit./ Prop., Ltr. der Abt. Presse- u. Plakatprop. (verantw. für die Bildprop. der KPD); Mitgl. im Reichsverb. Bildender Künstler Dtl.; 1928/ 29 u. 1936/37 Kurier der KPD in die UdSSR; Sekr. von Georgi Dimitroff; Mai – Juli 1933 Haft in Berlin-Spandau; 1935 u. 1936 – 39 Emigr. nach Paris, 1935/36 nach Prag; ab April 1939 UdSSR; Mitarb. im EKKI, zunächst in der Presseabt., dann Mitgl. der inoffiz. Ltg. des NKFD (»Inst. 99«) in Moskau; ab 1941 Red. des Radioabhördienstes, 1942/43 Red. für dt. Radiosendungen des INO-Radios; 1943/44 Mitarb. in der inoffiz. Nachfolgeorg. der KI, dem »Inst. 205«; 1943 – 45 Mitarb. der Rundfunkabt. im NKFD; 1944/45 Teiln. an Schulungen für die Rückkehr nach Dtl. an der KPD-Schule bei Moskau; 1945 stellv. Chefred. 10.6.1945 Rückkehr nach Dtl.; Mitbegr. der »Dt. Volksztg.«; 1945 – 49 stellv. Chefred., danach Chefred. des »Vorwärts«; 1946 – 49 Mitgl. des SED-Landesvorst. Groß-Berlin; ab 1949 1. Vors., später Präs. des VDJ Berlin; 1949/50 Ltr. der Abt. Presse u. Information im MfAA; schwere Erkrankung; Nov. 1950 Ltr. der Abt. UdSSR in der HA Pol. Angelegenh. u. 1951 – 53 Ltr. der Abt. UdSSR u. Volksdemokratien im MfAA; gest. in Berlin.Jendretzky, H.: Pionier der demokr. Presse. In: Vorwärts, 24.10.1949.Bernd-Rainer Barth