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BioLex

In der Kategorie BioLex sind drei wichtige Lexika mit über 5500 Biografien von überzeugten Kommunistinnen und Kommunisten, Renegatinnen und Dissidenten im Volltext recherchierbar.

 

Das Handbuch „Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945“ wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam.

Kurzbiografien zu Personen des politischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 bereit.

Zudem ist das Online-Lexikon www.dissdenten.eu ebenfalls auf unserer Seite aufrufbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Informationen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Handbuch Deutsche Kommunisten

Keim, Karl

* 23.7.1899 – ✝ 13.4.1988

Geboren am 23. Juli 1899 in Stuttgart; Maschinenarbeiter. Er war in der KPD aktiv und wurde im April 1932 als Abgeordneter in den Württembergischen Landtag gewählt. 1933 flüchtete er in die Schweiz, dann nach Frankreich abgeschoben, kehrte aber später nach Deutschland zurück. Keim war mehrfach inhaftiert, u. a. in den KZs Heuberg und Kuhberg bei Ulm. Von 1934 bis 1939 wieder Arbeiter bei Bosch in Stuttgart, er betätigte sich gegen das NS-Regime. Nach erneuter Verhaftung wurde Keim in das KZ Buchenwald überführt, war hier Kapo des Lagerschutzes. 1945 aus dem KZ befreit, kam er als Angestellter der Rückführungsstelle für politische Gefangene nach Stuttgart und stand von Mai 1947 bis 1948 an der Spitze der VVN Württemberg-Baden. Später trat er politisch nicht mehr hervor. Karl Keim starb am 13. April 1988 in Ulm.

Wer war wer in DDR

Keler, Sigrid

* 26.5.1942

Geb. in Herrnstadt (Krs. Guhrau, Schlesien / Wasosz, Polen); Grund- u. OS, 1960 Abitur; 1960/61 prakt. Jahr; 1961 – 65 Studium der Volkswirtsch. an der KMU Leipzig, Dipl.-Wirtsch.; 1965 – 71 wiss. Mitarb. in der Abt. Marktforsch. der Chem. Werke Buna; 1971 – 90 wiss. Mitarb. der Absatzabt. im Faserplattenwerk Ribnitz-Damgarten; Jan. 1990 SDP, stellv. Vors. des SPD-KV Ribnitz-Damgarten; 1990/91 Schatzmeisterin u. ab März 1990 stellv. Vors. des SPD-LV Mecklenb.-Vorpomm. Seit Okt. 1990 MdL Mecklenb.-Vorpomm., 1990 – 96 Vors. des Finanzaussch.; 7.5.1996 – 3.11.2008 Finanzmin. des Landes Mecklenb.-Vorpomm. (Nachf. von Bärbel Kleedehn).Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Keller, Hermann

* 30.3.1945

Geb. in Zeitz; 1963 – 68 Kompositions- u. Klavierstudium an der HS für Musik Weimar; 1968 – 76 Aspirantur u. Lehrtätigkeit an der HS für Musik Berlin; ab 1976 freiberufl.; als Mitgl. des Berliner Improvisations-Quintetts, ab 1979 Berliner Improvisations-Trio, Auftritte bei Jazz-Konzerten u. internat. Jazzfestivals sowie Schallplattenaufn., auch Auftritte als Solopianist u. Schallplattenaufn. mit Kammermusik. Seit 1990 Lehrer für Improvisation an der Freien Musikschule »Musikhaus e. V.« Berlin; Komposition zahlr. Kammermusiken u. Orchesterwerke; Entwurf von Improvisationsmodellen (oft in Zusammenarbeit mit Jazz-Musikern); Ltg. von Improvisationskonzerten mit Laien. Werke: u. a. dreiteilige Sammlung von Klavierstücken »Von der Herkunft der Rhythmen« (1990 ff.

Wer war wer in DDR

Kelm, Martin

* 9.10.1930

Geb. in Neuhof (Poel); 1947 – 50 Lehre als Elektrotechniker u. Elektroinstallateur; 1950 – 53 Studium an der FS für angewandte Kunst Wismar, 1953 – 58 an der HS für bildende u. angewandte Kunst Berlin-Weißensee; SED; 1956 Gestaltung des Fernsehgeräts Atelier, 1958 eines dreipunktgestützten Portalkrans; 1959 – 62 Doz. für Gestaltungslehre u. Mitarb. des Inst. für Entwurf u. Entw. an der HS für industrielle Formgestaltung Burg Giebichenstein; ab 1962 Dir. des Inst. für angewandte Kunst Berlin (ab 1963 ZI für Formgestaltung, ab 1965 ZI für Gestaltung); ab 1966 Vizepräs. des Dt. Amts für Material- u. Warenprüfung (DAMW); 1969 Prom. am IfG zum Dr. phil. mit der Arbeit »Die Bedeutung der Gestaltung industrieller Erzeugnisse im entwickelten ges. System des Soz.«; 1972 – 89 Staatssekr. u. Ltr. des Amts für industrielle Formgestaltung beim Min.-Rat; 1980 Prof.; Vors. des Bauhaus-Kuratoriums; 1980 VVO. 1990 freier Unternehmensberater, Ruhestand.Produktionsgestaltung im Sozialismus. Berlin 1971.Gerd Dietrich

Handbuch Deutsche Kommunisten

Kerff, Aenne Christina

* 1.10.1906 – ✝ 12.8.1984

Geboren am 1. Oktober 1906 in Jestädt/Krs. Eschwege als Anna Christina Lenderoth, Tochter einer Bäuerin und eines Stellmachers. Nach kaufmännischer Lehre Stenotypistin. Seit Mai 1921 Mitglied der KJD, 1922 Vorsitzende der KJD-Ortsgruppe in Kassel, 1922 Angestellte in der KPD-BL Pfalz in Ludwigshafen/Rh., 1923 in der BL Mittelrhein in Köln tätig, gehörte sie dem AM-Apparat der BL an. 1924 heiratete sie Willi Kerff, im gleichen Jahr wurde der Sohn Wolfgang geboren. Sie wurde 1925 Mitglied der KJVD-BL Mittelrhein, 1929 Sekretärin in der militärpolitischen Abteilung des ZK der KPD in Berlin und enge Mitarbeiterin, später auch Lebensgefährtin von Hans Kippenberger. Seit 1933 illegal tätig für den AM-Apparat in Berlin, Paris und Prag. Ende 1935 emigrierte sie in die Sowjetunion und war unter dem Parteinamen Christine Brunner am Internationalen Agrarinstitut in Moskau, anschließend bei der DZZ beschäftigt. Am 5. November 1936 wurde Aenne Kerff gemeinsam mit Hans Kippenberger im Hotel Sojusnaja vom NKWD festgenommen. Im September 1937 zu acht Jahren Arbeitslager verurteilt, blieb sie bis September 1946 im Lager Elgen Mylge bei Magadan und wurde anschließend an der Kolyma zwangsangesiedelt. 1947 lernte sie den bulgarischen Kommunisten Dino Kjossew (* 16. 9. 1901 - † 3. 1. 1977) kennen, beide heirateten und konnten im Sommer 1948 nach Bulgarien ausreisen. Von 1956 bis 1958 Korrespondentin der bulgarischen Parteizeitung »Rabotnitscheskoje delo« in Ost-Berlin, beantragte sie bei der SED ihre Rehabilitierung, im September 1956 wurde nur ihre Parteimitgliedschaft seit 1928 anerkannt. Bei der Abgabe ihrer persönlichen Erinnerungen an das IML in Ost-Berlin wandte sich Aenne Kerff-Kjossewa im November 1972 direkt an SED-Parteichef Erich Honecker. Sie bat im Zusammenhang mit dem bevorstehenden 50. Jahrestag der Wiederkehr des Hamburger Aufstandes vergebens um eine öffentliche Würdigung Hans Kippenbergers. 1980 übersiedelte sie in die DDR. Aenne Kerff-Kjossewa starb am 12. August 1984 in Ost-Berlin. Auszüge ihrer Erinnerungen wurden erst 1989/90 in der Zeitschrift BzG publiziert.

Wer war wer in DDR

Kerndl, Rainer

* 27.11.1928

Geb. in Bad Frankenhausen (Kyffhäuser); Vater kfm. Angest., Mutter Bibliothekarin; Volks- u. Oberschule in Bad Frankenhausen, dazw. 1942 – 45 in Bydgoszcz u. Szubin (Polen); 1945 RAD, Wehrmacht, kurzz. Waffen-SS (ab März 1945 Sold. im SS-Panzergrenadierbat. Ellwangen in Württemberg); bis Sept. 1945 amerik. Kriegsgef. 1946 FDJ; 1948 Abitur; 1949/50 SED, Ausschl. nach Offenlegung der Zugehörigkeit zur Waffen-SS, 1954 rückwirkende Wiederaufn.; 1949 Kurzlehrgang für Kulturredakteure an der SED-PHS; 1949 – 51 Volontär u. Red. bei der Saalfelder SED-Krs.-Ztg. »Das Volk«; seit Aug. 1951 freischaff. Journalist für die Ztg. »Tägl. Rundschau«; 1949 – 51 u. 1953/54 hauptamtl. FDJ-Sekr. an der Internats-OS Wickersdorf; ab 1955 freiberufl. journalist. Arbeiten für die Ztgn. »Junge Welt«, »Die Wahrheit« (West-Berlin); seit 1955 Vorstandsmitgl. im DSV-Bezirksverb. Berlin; seit Jan. 1963 ständ. Theaterkritiker der Ztgn. »Neues Dtl.« u. »Junge Welt«; 1961 erste Dramen, »Schatten eines Mädchens«, »Plädoyer für die Suchenden« (1966); 1965 Lessing-Preis; 1969 Mitgl. des Vorst., ab 1973 des Präs. des DSV, später SV; 1972 NP; 1975 VVO; 1978 – 89 Vizepräs. des SV; 1980 – 89 beim MfS als GMS »Rita« erf.; Febr. 1984 Absetzung seines Stücks »Der Georgsberg« am Maxim-Gorki-Theater wegen »parteischädigenden Verhaltens«; lebt als Rentner in Berlin.Ein ausgebranntes Leben. Berlin 1983; Ein heimatloser Typ. Halle (Saale) 1990; Bimbo Hubert. Berlin 1993.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Kersten, Rolf

* 31.7.1935 – ✝ 29.6.1986

Geb. in Leipzig; Vater Arbeiter; Grund- u. Oberschule, Abitur; 1950 FDJ; 1953 Schiffbaustudium an der Ingenieurschule Wismar; 1953 – 55 Kursant an der Offiziersschule VP-See; 1955 – 57 Schiffbauer im VEB Warnowwerft Warnemünde; Fernstudium an der Ingenieurschule Wismar, 1958 Ing.; 1957 SED; 1957 – 60 1. Sekr. der FDJ-GO im VEB Warnowwerft u. Sekr. der FDJ-Stadtltg. Rostock; 1960 Konstrukteur im VEB Warnowwerft; 1960 / 61 Direktstudium, später Fernstudium an der Univ. Rostock, 1969 Dipl.-Ingenieurökon.; 1961 – 63 Hauptreferent in der VVB Schiffbau; 1963 – 67 Sektorenltr. am Inst. für Schiffbau Rostock; 1967 / 68 Lehrgang an der Zentralstelle zur Herausbildung von Führungskadern des Min. für Schwermaschinen- u. Anlagenbau; 1968 – 71 Abt.-Ltr. Prognose u. Strukturpolitik im Min. für Schwermaschinen- u. Anlagenbau, 1971 – 75 Abt.-Ltr. Prognose u. wiss.-techn. Entw., 1975 – 79 Stellv. des Ministers, 1979 – 81 1. Staatssekr., 1981 – 86 Minister für Schwermaschinen- u. Anlagenbau (Nachf. von  Gerhard Zimmermann) u. Mitgl. des Min.-Rats; 1985 VVO; gest. in Berlin.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Keßler, Heinz

* 26.1.1920 – ✝ 2.5.2017

Geb. in Lauban (Niederschles. / Lubań, Polen); Vater Metallarb.; Volksschule in Chemnitz; Mitgl. des Jung-Spartakus-Bundes; 1934 – 40 Ausbildung u. Arbeit als Maschinenschlosser; 1940/41 Wehrmacht; Juli 1941 Übertritt zur Roten Armee, Antifa-Schule; Mitbegr. des NKFD u. Frontbevollm. 1945 Rückkehr nach Dtl.; KPD; Ltr. des Hauptjugendaussch. von Groß-Berlin; 1946 Mitbegr. der FDJ; Vors. des Landesvorst. Berlin, später Sekr. für Arbeit u. Soziales, ab 1950 für Org. des ZR der FDJ; ab 1946 Mitgl. des PV bzw. ZK der SED; 1949/50 des BV des FDGB; 1950 – 52 Chef der VP-Luft, dann Chef der Verw. Aeroklubs der KVP, 1952 Gen.-Inspekteur bzw. Gen.-Major; 1950 – 89 Abg. der Volkskammer; 1955/56 sowj. Luftkriegsakad., Dipl. rer. mil.; 1957 – 67 Stellv. des Ministers für Nat. Verteidigung u. Chef der Luftstreitkräfte u. Luftverteidigung, 1959 Gen.-Ltn.; 1967 – 78 Stellv. des Ministers u. Chef des Hauptstabs der NVA (Nachf. von  Sigfried Riedel), 1966 Gen.-Oberst, 1979 – 85 Stellv. des Ministers u. Chef der Pol. HV der NVA (Nachf. von  Waldemar Verner); Mitgl. des Nat. Verteidigungsrats; 1965 VVO; 1970 Orden des Vaterländ. Krieges (UdSSR); 1979 KMO; 1985 Min. für Nat. Verteidigung (Nachf. von  Heinz Hoffmann), 3.12.1985 Armee-Gen.; ab 1986 Mitgl. des PB des ZK der SED. Nov./Dez. 1989 Rücktritt von allen Ämtern mit der Reg.  Willi Stoph u. dem ZK der SED; Überprüfung durch den Volkskammer-Aussch. zur Untersuchung von Amtsmißbrauch, Korruption u. persönl. Bereicherung, vorübergehende U-Haft wegen Verdunklungsgefahr, keine strafrechtl. Konsequenzen; Jan. 1990 Ausschl. aus der SED/PDS; 1991/92 U-Haft im Zusammenhang mit dem Schießbefehl-Prozeß, Haftverschonung; am 16.9.1993 vom Berliner LG zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt, Bestätigung des Urteils durch den BGH wegen »mittelbarer Täterschaft«; Haft in Berlin-Hakenfelde, am 29.10.1998 aus gesundheitl. Gründen auf Bewährung entlassen.Für Frieden u. Sozialismus. Berlin 1989; Die Sache aufgeben, heißt sich selbst aufgeben. Hamburg 1993; Zur Sache u. zur Person. Berlin 1996; Die Verbrechen der NATO. Berlin 2000. Uhl, M.: H. K. – Honeckers polit. General. In: Ehlert, H., Wagner, A. (Hrsg.): Genosse General! Die Militärelite der DDR in biogr. Skizzen. Berlin 2003.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Kettig, Alfred

* 23.9.1903 – ✝ 3.12.1951

Geboren am 23. September 1903 in Staßfurt/ Krs. Calbe, Sohn eines Schmieds; Lehre und Arbeit als Maschinenschlosser. Mitglied des DMV, 1920 zunächst Mitglied der SPJ, anschließend der KJD, Funktionär im UB Staßfurt. 1923 trat er der KPD bei, war zwei Jahre später bereits Vorsitzender des UB Staßfurt. 1929 kam er als Nachrücker in den Landtag von Anhalt, 1932 nicht mehr als Kandidat aufgestellt. Er arbeitete als Sekretär des UB Halberstadt, 1932 hauptamtlich beim Kampfbund gegen den Faschismus. Am 10. März 1933 in Aschersleben verhaftet, kam er in mehrere KZs, Ende Dezember 1935 entlassen. Kettig schloß sich in Magdeburg der Widerstandsgruppe »Bund Freies Deutschland« an, zu der u. a. Ernst Brandt und Erich Besser gehörten. Von 1940 bis 1942 erneut inhaftiert, wurde er Anfang 1944 zum Strafbataillon 999 einberufen und im Balkan eingesetzt. Am 17. Februar 1945 in Sarajewo festgenommen, noch aus der Wehrmacht »ausgestoßen« und nach Magdeburg in »Schutzhaft« gebracht. Durch amerikanische Truppen am 13.April 1945 befreit, organisierte Kettig in Magdeburg, anschließend in Staßfurt den Wiederaufbau der KPD. Er wurde Orgsekretär des UB Magdeburg, anschließend Instrukteur in Zerbst, zeitweilig Gewerkschaftssekretär, dann Instrukteur der SED in Dessau. Er kam 1948 als Schulungsleiter zur Konsumgenossenschaft, war ab Oktober 1949 hauptamtlicher Sekretär der SED im VEB Filmfabrik Wolfen. Alfred Kettig starb am 3.Dezember 1951.

Wer war wer in DDR

Kiefer, Marianne

* 3.9.1928 – ✝ 4.1.2008

Geb. in Dresden als Tochter eines Künstlerehepaars; Schauspiel- u. Ballettunterricht; 1945 Beginn der Karriere als Tanzsoubrette in Dresden, danach Engagements an Provinzbühnen in Köthen, Eisleben u. a. Stationen; 1968 Mitgl. des Ensembles des Friedrichstadtpalastes, später des Schauspielerensembles des DFF; erlangte v. a. durch komödiant. Rollen Popularität, die sie seit Ende der 1960er Jahre in zahlr. Fernsehlustspielen u. Theaterstücken verkörperte, so in der »Maxe Baumann«-Reihe (1981 – 87) oder in der TV-Serie »Drei reizende Schwestern« (1984 – 91) an der Seite von  H. Göring u.  I. Krabbe; moderierte die Unterhaltungsshow »Ein Kessel Buntes«. Nach 1990 u. der Abwickl. des DFF zunächst ohne Anstellung; moderierte ab 1992 die NDR-Show »Freut euch des Nordens«; stand zuletzt in Programmen der Komödie Dresden u. in Berlin auf der Bühne; verbrachte die letzten Lebensjahre in einem Seniorenstift in Zeuthen; gest. im sächs. Kreischa. Das wäre doch gelacht. Berlin 1996.Christian Krause

Wer war wer in DDR

Kienberg, Paul

* 15.10.1926 – ✝ 5.10.2013

Geb. in Mühlberg (Elbe); Vater Arbeiter; Volksschule; 1941 – 44 Schlosserlehre, Verweigerung der Facharbeiterprüfung wegen jüd. Herkunft des Vaters; 1944 Arbeitslager. 1945 KPD; 1945 – 49 Volontär, dann techn. Ltr. im städt. Elektro-Werk Mühlberg; Dez. 1949 Eintritt in die VP; 1950 MfS Berlin, Abt. VI (Staatsapparat, Parteien, Kirchen); 1953 HA V (ab 1965: HA XX-Staatsapparat, Kultur, Kirchen, Untergrund); 1956 Ltr. der Abt. V/1 (Staatsapparat); 1959 stellv. Ltr., 1964 Ltr. der HA XX; 1963 – 65 u. 1966 – 68 Fernstudium an der JHS Potsdam-Eiche, Dipl.-Jur.; 1973 VVO; 1989 Gen.-Ltn.; Dez. 1989 von allen Aufgaben entbunden; Jan. 1990 Entlassung, Rentner, gest. in Erfurt.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Kiesler, Bruno

* 22.12.1925 – ✝ 10.06.2011

Geb. in Ebenrode (Ostpr./Nestorov, Rußland); Vater Telegrafenarb.; Volksschule; 1940 – 42 Lehre als Kfz-Schlosser; 1942 – 45 RAD u. Wehrmacht, engl. Gefangenschaft in Eutin (Schlesw.-Holst.). 1945 Gutsarb. in der Altmark; FDGB; 1946 FDJ; KPD/SED; 1946 – 51 Traktorist eines VdgB-Maschinenhofs bzw. (in der Aktion »FDJler auf die Traktoren«) der MAS Köckte (Krs. Stendal), erzielte hier Höchstleistun- gen durch Gerätekoppelung nach sowj. Vorbild, 1949 Jungaktivist (» Hennecke der Landw.«); 1950 NP; 1950 – 55 Mitgl. des Bundesvorst. des FDGB; 1950 – 86 Abg. der Volkskammer; 1950 bis zur Auflösung Mitgl. des Gesamtdt. Arbeitskrs. für Land- u. Forstw.; 1951 SED-LPS Ballenstedt; 1957 Vors. des LV Sachsen-Anh. der IG Land u. Forst; 1952/53 Ltr. der MTS-BV Magdeburg; 1953 – 58 stellv. Vors., 1957/58 amt. Vors. des Rats des Bez. Magdeburg (zeitw. für  Paul Hentschel); Abg. des Bez.-Tags; 1954 Ltr. der gesamtdt. Delegation zum 1. Weltkongreß der Landjugend in Wien; 1955 – 59 Mitgl. des ZR der FDJ; 1953 – 57 Fernstudium an der DASR Potsdam u. dem Inst. für Agrarökon. Bern-burg, Dipl.-Agrarökon.; 1959 – 81 Ltr. der Abt. Landw. des ZK der SED (Nachf. von  Fritz Mellenthin); 1967 Kand., 1971 – 86 Mitgl. des ZK, maßgebl. beteiligt an der Einführung industriemäßiger Produktionsmethoden in der Landw. u. der betriebl. Trennung von Pflanzen- u. Tierprod.; 1963 – 82 stellv. Vors. des Volkskammeraussch. für Land-, Forst- u. Nahrungsgüterwirtschaft; 1965 VVO; 1968 – 83 Ord. Mitgl. der DAL bzw. AdL; Jan. 1982 als Abt.-Ltr. des ZK der SED wegen Konflikten mit der Wirtschaftspol. ausgeschieden; 1981/82 Dir. des neugeschaffenen projekttechnolog. AdL-Inst. für rationelle Energieanwendung; 1982 Sekr., 1986 Vors. der Revisionskommission der Liga für Völkerfreundschaft; seit 1.12.1990 Rentner.Modrow, H., Watzek, H.: Junkerland in Bauernhand. Berlin 2005; Schöne, J.: Frühling auf dem Lande. Berlin 2007.Siegfried Kuntsche / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Keisch, Henryk

* 24.2.1913 – ✝ 2.7.1986

Geb. in Moers (Rheinl.) in einer jüd. Fam.; Vater Gewerbetreibender; Volksschule, Realgymnasium in Duisburg-Ruhrort, 1932 Abitur; 1932/33 Studium der Lit.-Geschichte u. Theaterwiss. an der Univ. Köln; 1933 Emigr. nach Frankreich; dort Sprachlehrer, Übersetzer, Gelegenheitsarb., Mitarb. der antifa. Presse; ab 1937 Mitarb. an dt.-spr. Ztgn. (u. a. »Dt. Volksztg.«, »Die neue Weltbühne«, »Das Wort«) u. der antifa. Emigrantenpresse in der Schweiz; 1938 Heinrich-Heine-Preis; Freiw. in der frz. Armee, Teiln. an der Résistance (»Claude Chaillet«); 1944 Verhaftung, Flucht aus dem Deportationszug in das KZ Auschwitz; danach Red. frz. Ztgn. in Paris. Apr. 1946 Rückkehr nach Berlin; Anerkennung als VdN; 1946 – 50 Dtl.-Korrespondent der frz. Ztgn. »Libération« u. »Ce Soir«; Chefred. der Ztschr. »Friedenswacht«; 1950 – 53 Red. u. zeitw. Chefred. der Ztschr. des DSV »Neue Dt. Lit.«; Theaterkritiker des »Neuen Dtl.«; 1953 Mitgl. des DSV; 1953 im Kontext der antisemit. Kampagne Aberkennung des VdN-Status; 1953/54 staatenlos, dann DDR-Staatsbürgerschaft; 1957 NP; 1959 SED; seit 1959 freischaff. Autor in Berlin, auch Drehbuchautor (»Der Hauptmann von Köln« 1956) u. Übersetzer (vor allem Louis Aragon); Mitgl. des Vorst. des DSV, später SV; 1965 Mitgl. des PEN-Zentrums Ost u. West; 1970 Mitgl. des Präs. u. 1974 – 85 Gen.-Sekr. des PEN-Zentrums DDR (Nachf. von  Werner Ilberg); 1968 Carl von Ossietzky-Medaille; 1978 Banner der Arbeit; 1983 VVO; gest. in Berlin.Epigramme. Rostock 1965; Meinungen, Verneinungen. Epigramme. Berlin 1967; Gehauen u. gestichelt. Epigramme. Berlin 1972; Die Vier-Zeilen-Muse: Epigramme zur Lit. u. zu den Künsten. Rostock 1984; Erkenne dich selbst: Geschichten vom Kollegen X. Berlin 1989.Bernd-Rainer Barth / Andreas Kölling

Wer war wer in DDR

Kelle, Herbert

* 14.2.1930 – ✝ 29.5.2012

Geb. in Halberstadt; Vater Schmied u. Schlosser; Volksschule; 1944 – 47 Ausbildung zum Vermessungstechniker, bis 1949 im Beruf tätig; 1945 FDGB; 1946 FDJ; 1947/48 Krs.-Jugendsekr. des FDGB; 1948 SED; 1949 Sekr. des Krs.-Vorst. der FDJ; 1950 – 52 Stadtverordn. u. Stadtrat bzw. amt. OB von Halberstadt; 1953 – 58 Krs.-Tagsabg. u. Mitgl. des Rats des Krs. Köthen; 1958 – 60 Studium an der ASR Potsdam, Dipl.-Staatswiss.; 1960 – 68 Abg. des Bez.-Tags Halle; 1960 – 63 Sekr. des Rats des Bez.; 1963 – 74 Abt.-Ltr. (verantw. für die Volkskammer) im Staatsrat; 1967 – 69 Fernstudium der Org.-Wiss. u. Kybernetik an der HU Berlin; 1974 – März 1990 Ltr. des Sekr. der Volkskammer (Nachf. von  Josef Stadler), März – Aug. 1990 Dir. der Volkskammer; 1974 – 90 Mitgl. der Vereinigung der Gen.-Sekr. der Parl. der Welt bei der Interparl. Union, 1981 – 85 in deren Exekutive; Sept. 1990 Vorruhestand; Mitgl. der PDS u. des Berliner Alternativen Geschichtsforums; Mitgl. des Arbeitsausch. des »Solidaritätskomitees für die Opfer der polit. Verfolgung in Dtl.« u. der »Gesell. zur rechtl. u. humanit. Unterstützung« e.V. (GRH); gest. in Berlin.Die Volkskammer – wie sie arbeitet. Berlin 1989 (zus. mit T. Riemann).Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Keller, Inge (Ingeborg)

* 15.12.1923 – ✝ 6.2.2017

Geb. in Berlin; Studium an der Berliner Schauspielschule; 1942 Engagement beim Theater am Kurfürstendamm Berlin, danach in Freiberg u. Chemnitz, 1949 beim Theater am Kurfürstendamm, Hebbel-Theater u. Schloßpark-Theater Berlin-Steglitz; seit 1950 Mitgl. des Ensembles des Dt. Theaters Berlin; SED; seit 1956 Mitgl. des NR der NF; ab 1959 Mitgl. des ZV der Gewerkschaft Kunst; 1960 Kunstpreis der DDR; NP 1961 (im Koll.) u. 1977; zeitw. verh. mit  Karl-Eduard von Schnitzler. 2000 Ehrenmitgl. des Dt. Theaters; 2004 aus dem Ensemble ausgeschieden. Tragende Bühnenrollen am Dt. Theater in George B. Shaws »Pygmalion« u. »Haus Herzenstod«, Johann W. v. Goethes »Iphigenie«, Henrik Ibsens »Gespenster«, Georg Büchners »Dantons Tod« u. v. a. sowie Lesungen in Matineen u. Soireen. Film- u. Fernsehrollen in: »Rat der Götter« (R:  Kurt Maetzig, 1950), »Die Verlobte« (1980), »Ärztinnen« (R: Horst Seemann, 1984), »Gewissen in Aufruhr« (R: Hans-Joachim Kasprzik, 1961, TV), »Wolf unter Wölfen« (R: Hans-Joachim Kasprzik, 1965, TV), »Effi Briest« (TV), »Kleiner Mann – was nun?« (TV); »Aimée u. Jaguar« (R: Max Färberböcks); 2004 »Die Zofen« u. 2005 »Faust II« am Dt. Theater (R: Konstanze Lauterbach); 2009 als Shakespeare in »Shakespeares Sonette« (R: Robert Wilson u. Rufus Wainwright). Gest. in Berlin.I. K. Porträt einer Schauspielerin. Berlin 1979; Schütt, H.-D.: I. K. – Alles aufs Spiel gesetzt. Berlin 1998; Gaus, G.: Zur Person Bd. 5. Berlin 2001.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Kempe, Volker

* 1.7.1939

Geb. in Berlin, aufgew. im Vogtl.; OS in Chemnitz, 1957 Abitur an der ABF der MLU Halle; anschl. Studium der Physik u. Nachrichtentechnik am Energet. Inst. in Moskau; 1968 Prom. mit einer Arbeit über fastperiod. Systeme; 1976 Habil.; wiss. Mitarb. am Heinrich-Hertz-Inst. der AdW, ab 1973 am Inst. für Elektronik; 1977 – 90 Dir. des ZI für Kybernetik u. Informationsprozesse der AdW (Nachf. von Horst Völz); 1976 u. 1982 NP; 1984 Korr. u. 1986 Ord. Mitgl. der AdW. 1991 als Industrieforscher und Manager bei der Austria Mikro Systeme International, 1992 Manager des Jahres in Österreich. Arbeitsgebiete: Theorie stochast. Systeme, Bildverarbeitung u. Informationstechnik.Analyse stochast. Systeme. Berlin 1976; Nichtlineare dynam. Systeme. Berlin 1984 (mit N. Ahlberendt).Annette Vogt

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Kerff, Willi

* 1.5.1897 – ✝ 19.4.1979

Geboren am 1. Mai 1897 in Vaalser Quartier an der deutsch-holländischen Grenze unweit von Aachen, Sohn eines Berg- und Eisenbahnarbeiters und späteren Gastwirts. Nach dem Gymnasium besuchte er während des Weltkrieges ein Lehrerseminar und nahm Verbindung zur sozialistischen Bewegung auf. 1916 mußte er den Militärdienst wegen einer Typhuserkrankung unterbrechen, danach bei einer Feldartillerieeinheit bei Sedan. Im November 1918 gehörte er in Aachen dem Arbeiter- und Soldatenrat an und wurde Mitglied der SPD, 1920 der USPD. Ende Dezember 1920 ging er mit der linken USPD zur VKPD. 1919/20 war er Volksschulhilfslehrer in Aachen. Nach dem Ausscheiden aus dem Schuldienst hauptamtlicher Sekretär der VKPD in Köln, 1923 zunächst Orgleiter, nach Eugen Eppsteins Versetzung Mitte 1924 dessen Nachfolger als Polleiter des Bezirks Mittelrhein. Der VIII. Parteitag 1923 wählte Kerff in die Gewerkschaftskommission, er gehörte zum linken Flügel der Partei, wurde als Spitzenkandidat aufgestellt und zog im Dezember 1924 im Wahlkreis Köln-Aachen, später auch Wahlkreis Koblenz-Trier in den Preußischen Landtag ein, dem er ununterbrochen bis 1933 angehörte. 1924 heirateten er und Aenne Christina Kerff, geb. Lenderoth. Im September/Oktober 1925 Polleiter des Bezirks Thüringen, dann als Mitarbeiter ins ZK berufen, dort bis 1933 Sekretär der Landabteilung sowie im kommunistischen Bauernbund tätig. Im März 1933 verhaftet, kam er im Juni 1933 in das KZ Sonnenburg, im Frühjahr 1934 in das KZ Lichtenburg. Beim Reichstagsbrandprozeß im Oktober 1933 als Zeuge aus dem KZ vorgeführt, erklärte Kerff entgegen der Anklage, er kenne van der Lubbe nicht. Nach der Freilassung im September 1934 blieb er im Winter 1934/35 in Berlin, emigrierte im Juni 1935 in die Tschechoslowakei, im August 1935 in die Sowjetunion, wo er in ein Sanatorium kam. 1936 wurde Kerff unter dem Namen Kleist Mitarbeiter bei der EKKI-Vertretung der KPD, zusätzlich schrieb er am Moskauer Marx-Engels-Institut an einer Karl-Liebknecht-Biographie. Am 24.März 1938 wurden er und Emil Linke als die letzten beiden Bewohner des Emigrantenheims vom NKWD verhaftet. Der während der Säuberung festgenommene deutsche Kommunist Walter Dittbender hatte Kerff belastet. Das NKWD wollte von Kerff die Bestätigung erpressen, er habe für die Gestapo gearbeitet, doch er weigerte sich trotz aller Folterungen, ein Geständnis abzulegen. Wilhelm Pieck hatte sich am 20.April 1938 in einem Brief an Dimitroff zwar für Kerffs Freilassung eingesetzt, aber die Untersuchungshaft endete erst 1939. Im September 1939 freigelassen, durfte er die Arbeiten an der Liebknecht-Biographie fortsetzen. Im Oktober 1941 wurde er mit anderen Emigranten nach Ufa evakuiert, dann von 1943 bis 1947 Politinstrukteur der Roten Armee. Im Juni 1947 kehrte Kerff nach Deutschland zurück, Mitglied der SED, ab September 1947 Referent für Schulung im Wirtschaftsministerium der Landesregierung Brandenburg. Ende April 1949 leitete er das Informationsamt bzw. die Informationsverwaltung des Brandenburgischen Innenministeriums. Von 1952 bis 1960 war Kerff stellvertretender Direktor des Instituts für Zeitgeschichte in Ost-Berlin, 1972 erhielt er den VVO in Gold. 1967 erschien sein Buch: »Karl Liebknecht 1914-1916. Fragment einer Biographie«. Willi Kerff war in zweiter Ehe mit Antonia Kerff-Kleist, geborene Schulkina, einer Russin verheiratet (*1903 – †1979). Nur wenige Wochen nach dem Tod seiner Frau starb Willi Kerff am 19. April 1979 in Ost-Berlin.

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Kerschek, Dieter

* 13.12.1928 – ✝ 20.5.2003

Geb. in Berlin; Vater Elektromonteur, Mutter Schneiderin; Volks- u. bis 1944 Mittelschule; 1944/45 Luftwaffenhelfer; bis Aug. 1945 sowj. Kriegsgefangenschaft. Übersiedl. nach Templin; landw. Gehilfe; 1946 FDJ u. SED; 1947/48 Jugendsekr. im SED-KV Templin; 1948 – 50 Sekr. für Presse, dann für Pionierorg. im FDJ-LV Brandenb.; 1950 verantw. Red. für die Ztschr. »Der Pionierltr.« im Verlag Junge Welt; 1952/53 Studium der Ges.-Wiss. an der HS des Komsomol in Moskau; 1953 stellv. Chefred., 1960 – 66 Chefred. der Ztg. »Junge Welt«; 1961 – 67 Mitgl. des ZR der FDJ; 1966 Chefred. der »Wochenpost«; Jan. 1967 – April 1968 stellv. Ltr. der Westabt. des ZK der SED, Ltr. der Arbeitsbereiche Berlin (West) u. Koord.; 1968 – 72 stellv. Chefred., 1972 – Nov. 1989 Chefred. der »Berliner Ztg.« (Nachf. von  Rolf Lehnert); 1974 – Nov. 1989 Mitgl. der SED-BL Berlin; Mitgl. des ZV des VDJ; 1980 u. 1985 VVO; 1988 Ehrenspange zum VVO. 1990 PDS; Juni 1990 Invalidenrentner; gest. in Berlin.Bernd-Rainer Barth

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Kerth, Jürgen

* 19.7.1948

Geb. in Erfurt; KJS, Spezialisierung Turnen; Feinwerktechnikerlehre; autodidakt. Gitarrenausb. u. Proben mit Heinz-Jürgen »Gotte« Gottschalk u. Roland Michi; 1965 Gründung der »Rampenlichter«, der ersten Beatgruppe in Erfurt, 1966 Auftritt in Esztergom (Ungarn), anschl. Auftrittsverbot wegen »zu vieler amerikan. Titel im Programm«; bis 1970 versch. Bands, die alle verboten wurden, 1970 Gründung der »Gruppe Jürgen Kerth« (mit Eberhard Meyerdirks, Roland Michi u. Lothar Wilke), Bandleader, Gesang u. Gitarre; 1971 Musikschule Erfurt, Einstufung als Berufsmusiker, erste Rundfunkaufnahme; 1978 LP »Jürgen Kerth«, 1980 LP »Komm herein«, 1982 LP »Gloriosa«, eine Hommage an die Glocke des Erfurter Doms, Beendigung der Zusammenarbeit durch Amiga wegen ideolog. Kritik an den Texten; danach ausschließl. Live-Konzerte, nach dem Tod von R. Michi ab 1979 im Trio. 1991 CD »Jürgen Kerth« (Reihe Rock aus Dtl., Vol. 6); 1991 – 93 zahlr. Konzerte in Ostdtl. mit den Söhnen Stefan u. Christoph, 1.11.1993 Gast im Konzert von B. B. King in der Weimarhalle, danach bis 1999 jährl. Konzerte in Klubs u. bei Open Air Festivals in Florida (USA); 1999 Kulturpreis der Stadt Erfurt; 2000 CD »Best of Blues«; 2006 CD »Blues-Anthologie«; lebt in Erfurt.Keller, M: Glorioser Blues. In: Rauhut, M., Kochan, Th. (Hrsg.): Bye Bye, Lübben City. Berlin 2004.Jan Wielgohs

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Kessel, Franziska

* 6.1.1906 – ✝ 17.4.1934

Geboren am 6. Januar 1906 in Köln, Tochter eines Maurers und SPD-Funktionärs. Sie arbeitete als Verkäuferin in Frankfurt/M. Mitglied der SAJ, 1926 Anschluß an den Internationalen Sozialistischen Kampfbund (ISK), 1928 Mitglied der KPD. Franziska Kessel wurde 1930 wegen KPD-Propaganda in der Polizei vom Reichsgericht zu einem Jahr Festungshaft verurteilt. Nach ihrer Freilassung Frauenleiterin der BL Hessen-Frankfurt, sie wurde im Juli 1932 im Wahlkreis Hessen-Nassau in den Reichstag gewählt, dem sie bis März 1933 angehörte. Im März 1933 aktiv bei der Organisierung des KPD-Widerstands in Bad Nauheim, am 4. April 1933 verhaftet, am 17. November 1933 vom OLG Darmstadt wegen »Verbrechens gegen §86 des StGB« zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Franziska Kessel wurde am 17. April 1934 in ihrer Gefängniszelle im Landgerichtsgefängnis Mainz »erhängt aufgefunden«. Angeblich war es Selbstmord, doch Mord ist nicht auszuschließen. Ihr dreizehn Jahre älterer Bruder Nikolaus Kessel (* 13. 1. 1893), von Beruf Plattenleger, war zeitweise Kölner Stadtverordneter, Polleiter des UB Köln und Redakteur an der »Sozialistischen Republik«. Nikolaus Kessel wurde am 9. Mai 1945 in Pulheim bei Köln von Plünderern erschossen.

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Kettler, Louis-Heinz

* 13.12.1910 – ✝ 21.10.1976

Geb. in Halle, Vater kfm. Angest.; 1922 – 29 Gymnasium; 1929 – 34 Med.-Studium in Halle, 1935 Prom.; 1936 Militärdienst bei der Marine; 1936/37 Volontärarzt an der Berliner Charité; 1937 NSDAP; 1937 – 43 Assistenzarzt; 1943 – 48 Doz. u. Oberarzt an der Univ.-Klinik Halle; 1939 – 44 Marinestabsarzt. 1948 Prof., 1951 ord. Prof. für Pathologie; 1953 – 76 Dir. des Patholog. Inst., 1958 – 60 Dekan der Med. Fak. der HU Berlin; 1964 NP; Ord. Mitgl. der DAW; Ehrenmitgl. der Société anatomique in Paris; gest. in Berlin. Arbeitsgebiete: spezielle Pathologie von Leber, Niere u. Lymphknoten; allg. Pathologie der Stoffwechselstörungen; Organkonservierung u. Aufbau einer Gewebebank; Hrsg. u. Autor des Lehrbuchs der speziellen Pathologie (1965); Mitautor von Lehrbüchern der speziellen u. allg. Pathologie; Mithrsg. der »Acta biologica et medica germanica« u. a. med. Ztschr.Submikroskopische Ortho- u. Pathomorphologie der Leber. Berlin 1964 (zus. mit H. David, H. G. Epstein u. F. Hieke); Lehrbuch u. Atlas der laparoskopischen Diagnostik. Jena 1966 (zus. mit F. Renger).Jochen Richter

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Kiefert, Hans

* 1.6.1905 – ✝ 29.12.1966

Geb. in Berlin; Vater Angest.; Volks- u. Fortbildungsschule; 1919 – 25 Ausbildung u. Arbeit als Tischler; 1919 – 28 Mitgl. des Dt. Holzarbeiterverb.; 1920 KJVD, Funktionen auf regionaler Ebene; 1923 KPD; 1925 Mitgl. der ersten dt. Jugenddelegation in die UdSSR; 1926 – 29 Mitgl. des ZK des KJVD; 1926/27 Sekr. des KJVD-Bez. Oberschles. in Gleiwitz; 1927/28 Sekr. des KJVD in Berlin; April – Sept. 1928 Sekr. des KJVD in Hamburg; Okt. 1928 – Nov. 1929 2. Vors. des ZK des KJVD; 1929/30 Org.-Sekr. der KPD-BL Pfalz, 1930/ 31 der KPD-BL Hessen-Frankfurt, 1932/33 der KPD-BL Halle-Merseburg; ab März 1933 Ltr. der illeg. KPD Mittelrhein in Köln; am 5.5.1933 in Köln inhaftiert, Haft in Köln u. im KZ Brauweiler, Juni 1935 entlassen; bis 1937 arbeitslos; 1937 Tischler bei der Mitropa in Berlin; Mai – Juli 1938 inhaftiert in den Lagern Esterwegen u. Börgermoor; anschl. bis 1943 erneut Tischler bei der Mitropa in Berlin; Verbindung zur Widerstandsgr. um Anton Saefkow; 1943 – 45 Wehrmacht, 1945/46 sowj. Kriegsgefangenschaft in Polen. Dez. 1946 Rückkehr nach Dtl.; SED; ab Jan. 1947 zunächst Abt.-Ltr., dann Sekr. u. ab Sept. 1947 parität. Krs.-Vors. der SED Berlin-Friedrichshain, Jan. 1949 – Okt. 1950 Ltr. der Org.-Instruktionsabt. in der SED-LL Groß-Berlin; 1950/51 Studium an der PHS; 1951 – 53 Vors. der Landes- bzw. Bez.-PKK der SED Groß-Berlin; 1953 – 57 1. Sekr. der BL der SED Erfurt (Nachf. von  Erich Mückenberger); 1954 – 66 Mitgl. des ZK der SED; 1954 – 66 Abg. der Volkskammer (seit 1958 als Berliner Vertreter); 1958 – 66 Stadtverordn. von Berlin; 1957 – 59 1. Sekr. der SED-BL Berlin (Nachf. von  Alfred Neumann), Febr. 1959 – 63 2. Sekr. der SED-BL Berlin; 1963 – 66 Mitgl. des Magistrats von Groß-Berlin u. Stadtrat für Arb. u. staatl. Organe; 1955, 1959, 1965 VVO; gest. in Berlin.Am Vorabend des 50. Jahrestages der Gründung der Arbeiterjugendbew. Dtls. Erfurt 1954.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

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Kieß, Kurt

* 28.5.1914 – ✝ 30.12.1970

Geb. in Griesbach (Erzgeb.); Vater Schlos- ser; Volksschule; 1928 – 31 Ausbildung zum Klempner; dann arbeitslos; 1928 KJVD, Vorstandsmitgl. in Lauter; 1932 – 36 Arbeit als Klempner, Fräser u. Stanzer; 1932 KPD; 1936 – 38 Wehrdienst; Arbeit als Stanzer; 1939 – 45 Wehrdienst, Ofw.; 1945 – 48 sowj. Kriegsgefangenschaft, Lager Tula; Mitgl. im Antifaaktiv u. Propagandist. Juni 1948 Rückkehr nach Dtl.; SED; Arbeit als Klempner; ab 1949 Maschinenschlosser bei der Wismut in Oberschlema; 1951 Gebietsparteischule, dann 1951 Kaderfunktionär; 1951/52 2. Sekr. der SED-Ltg. des Wismut-Objekts 11; 1952/53 1. Sekr. der SED-KL Wismut-Breitenbach, danach bis 1957 der SED-KL Wismut-Oberschlema; 1957 Sekr. für Wirtschaft in der Gebietsltg. Wismut; 1957/58 PHS; 1958 2. Sekr. u. 1960 – 70 1. Sekr. der SED-Gebietsltg. Wismut (Nachf. von  Rolf Weihs); ab 1963 Abg. der Volkskammer; 1967 Kand. des ZK der SED; 1964 VVO; 1966 Lenin-Orden; 1970 Kampforden für Verdienste um Volk u. Vaterland.Elke Reuter

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Kilger, Heinrich

* 8.3.1907 – ✝ 19.1.1970

Geb. in Heidelberg; Vater Bierbrauer; 1921 Lehre als Laborant in Heidelberg; 1924 Volontär als Lithograph u. Dekorationsmaler; 1928/29 Studium an der Städt. Kunstgewerbeschule München; 1929 Übersiedl. nach Berlin; Besuch von Abendkursen der Riemann-Schule, der Akad. für bildende Künste u. der VHS; Mitarb. der Malerhütte Berlin; 1933 Entlassung, arbeitslos, Stubenmaler; 1936 Bühnenmaler am Dt. Theater Berlin (DT); 1941 – 43 Kriegsdienst, nach einer Verwundung in der Wachmannschaft des Wehrmacht-Untersuchungsgefängnisses in Berlin-Tegel; antifa. Widerstandskampf; 1945 sowj. Gefangenschaft. Sept. 1945 Maler am DT; Zeichner für die Ztschr. »Ulenspiegel«; 1948 Ernennung zum Chefbühnenbildner des DT; Lehrtätigkeit an der HS für bildende u. angewandte Kunst in Berlin-Weißensee; 1961 DAK; 1966 – 70 Mitgl. des Präs. des Verb. der Theaterschaffenden der DDR; SED; 1953 u. 1966 NP (im Koll.). Ausstattung der Inszenierungen u. a. von: Boleslaw Barlog (1947 »Dr. med. Hiob Prätorius« am Schloßparktheater), Jürgen Fehling (1948 »Die Fliegen« am Hebbel-Theater),  Bertolt Brecht u.  Erich Engel (1949 »Mutter Courage u. ihre Kinder« am DT/Berliner Ensemble),  Ernst Legal (1950 »Euryanthe« an der Dt. Staatsoper Berlin),  Wolfgang Langhoff (1948 »Optimist. Tragödie«, 1949 u. 1954 »Faust I«, 1951 »Egmont«, 1957 »König Lear«, 1962 »Die Sorgen u. die Macht« von  Peter Hacks, 1963 »Iphigenie auf Tauris« am DT),  Wolfgang Heinz (1961 »Der Kirschgarten«, 1964 »Hamlet«),  Benno Besson (1962 »Der Frieden«),  Friedo Solter (1966 »Nathan der Weise«),  Joachim Herz (1961 »Krieg u. Frieden« an den Städt. Theatern Leipzig).Im Dienste des Gesamtkunstwerkes. In: Bildende Kunst (1969) 2. Kunst-HS: H. K. Berlin 1987.Aune Renk

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Keitel, Klaus

* 5.2.1939

Geb. in Naumburg; 1953 – 57 Abitur an der OS Franckesche Stiftungen Halle (Saale); Studium an der FS für Finanzwirtsch. Gotha; Studium an der MLU Halle; Dipl.-Wirtsch.; Dr. rer. oec; 1963 – 67 Mitarb. bei der Dt. Notenbank Halle, danach bis 1990 in der Zucker- u. Stärkeind. Halle; Jan. 1990 journalist. Tätigkeit beim Reformhaus Halle; Runder Tisch des Bez. Halle; März – Nov. 1990 Mitgl. im Rat des Bez. bzw. der Bezirksverwaltungsbehörde Halle i. A. des Runden Tisches Halle; Mai – Okt. 1990 Regierungsbevollm. für den Bez. Halle; Mai – Okt. 1990 stellv. Landesbeauftragter für Sachsen-Anh.; Mai 1990 CDU. Okt. 1990 – 2002 MdL u. bis 1998 Präs. des Landtags von Sachsen-Anh., Vors. des Aussch. für Finanzen, Vors. des Unteraussch. für Rechnungsprüfung; 2007 Verdienstorden des Landes Sachsen-Anh.Helmut Müller-Enbergs

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Keller, Rudolf

* 9.6.1901 – ✝ 1944

Geboren am 9. Juni 1901 in Werdau in Sachsen. Arbeitersohn; Tischler, seit 1919 Mitglied und Funktionär der FSJ bzw. der KJD in Sachsen und Mitglied der KPD. Sekretär der BL der KJD Erzgebirge-Vogtland, gehörte seit 1924 dem ZK des KJD an und kam Ende 1924 ins Sekretariat des ZK der KJD in Berlin. Anschließend bis 1932 Schriftleiter der KPD-Zeitungen »Der Kämpfer« in Chemnitz bzw. »Sächsische Arbeiterstimme« in Dresden. 1929 vom Reichsgericht zu einem Jahr Festungshaft verurteilt. Ende 1932 Leiter des Sekretariats der BL Sachsen, wurde Keller im April 1933 in Leipzig zusammen mit Rudolf Renner festgenommen. Am 11. Januar 1934 vom OLG Dresden zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt, anschließend in den KZs Sachsenburg und Buchenwald. Ende 1938 freigelassen, im Februar 1943 zur Wehrmacht eingezogen, kam Rudolf Keller mit dem Strafbataillon 999 nach Griechenland, wo er im September 1944 auf der Insel Skarpento fiel. Kellers Frau Gertrud, geborene Glück (* 6. 10. 1902 – † 14. 11. 1982), kaufmännische Angestellte, 1921 in der KJD, 1923 der KPD, folgte 1924 ihrem Mann nach Berlin, wurde Stenotypistin im ZK der KJD, ab Ende 1926 in der Informationsabteilung der KJI in Moskau. Hier lernte sie Karl Ferlemann kennen und kehrte mit ihm 1928 als seine Lebensgefährtin nach Deutschland zurück. Sie wurde KPD-Bezirksfrauenleiterin und kam ins Sekretariat der BL Niederrhein. 1930 Kursantin der Reichsparteischule, danach Redakteurin an den Bezirkszeitungen in Leipzig und Dresden. Im Juni 1933 festgenommen, Ende des Jahres aus »Mangel an Beweisen« freigesprochen. Im September 1935 wieder verhaftet und am 17. Juni 1936 vom OLG Dresden zu zwei Jahren und zwei Monaten Zuchthaus verurteilt, im Dezember 1938 aus dem KZ Lichtenburg entlassen. Ab Juli 1944 lebte sie in der âSR (Böhmen-Mähren). Mitte Mai 1945 Rückkehr nach Sachsen, hauptamtliche Funktionärin der KPD, im September 1947 Vorsitzende des SED-KV Löbau, ab 1950 Redakteurin der »Einheit«. Später Mitglied des Präsidiums der Gesellschaft für kulturelle Verbindungen mit dem Ausland.

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Keller, Robert

* 12.6.1901 – ✝ 6.12.1972

Geb. in Trebbin (b. Teltow); Volksschule, Andreas-Realgymnasium in Berlin; kfm. Ausbildung; Red.; 1920 SPD; 1921 – 25 Mitgl. des Reichsaussch. der Jungsozialisten; 1927/28 Sekr. des SPD-Bez.-Vorst. Schlesw.-Holstein in Kiel; 1928 – 32 Sekr. des SPD-UB Mansfeld (Eisleben); 1928 Sekr. im Sekr. der SPD-Reichtstagsfraktion; 1929 – 33 Stadverordn. in Eisleben, Fraktionsvors., stellv. Stadtverordnetenvorsteher; 1929 Zentralgewerkschaft der Angest.; 1932/33 Sekr. des SPD-Bez.-Vorst. Halle-Merseburg; ab 1933 illeg. in Berlin; Mitbegr. einer Widerstandsgr.; Sept. 1933 Emigr. nach Röhrsdorf (ČSR), ab 1934 Bensen (Bodenbach); Mitgl. der Rev. Sozialisten; Sommer 1938 Emigr. nach Frankreich; Aug. 1939 Sprachdiplom der Alliance Française in Paris; 1942 Emigr. in die USA; Mitgl. des Council for a Democracy in Germany; Speditionsbuchhalter. Febr. 1947 Rückkehr nach Berlin; SED; 1947 – 49 Chefred. des »Vorwärts«; 1949 – 52 stellv. Chefred. der »Berliner Ztg.«; Febr. 1953 Flucht in die Bundesrep. Dtl.; Ltr. der Presseabt. des Polizeipräs. in Frankfurt (Main); gest. in Frankfurt (Main).Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Kennecke, Karl

* 18.12.1891 – ✝ 18.10.1972

Geboren am 18. Dezember 1891 in Aschersleben, Sohn eines Zimmerers; Lehre und Arbeit als Maschinenschlosser, Wanderschaft, Mitglied des DMV und der Arbeiterjugend, 1913 der SPD. 1914 bis 1918 Soldat, Heizer bei der Werftdivision in Emden und dort im November 1918 Vorsitzender des Arbeiter- und Soldatenrates. Im November 1918 wurde er Mitglied des Spartakusbundes und nahm Ende Dezember 1918 am Gründungsparteitag der KPD teil. Ab April 1919 Schlosser im Gaswerk Leipzig-Süd, dort ab 1926 Mitglied des Betriebsrates und zeitweilig Betriebsratsvorsitzender. 1920 trat Kennecke der KAPD bei, kehrte aber 1925 wieder zur KPD zurück. Von 1930 bis 1933 war er unbesoldeter Stadtrat in Leipzig und Mitglied der BL Sachsen. Von Dezember 1934 bis Februar 1935 inhaftiert, im Februar 1936 zu eineinhalb Jahren Gefängnis verurteilt, dann von Ende 1937 bis 1945 wieder Schlosser. Ende 1945 im Gaswerk Leipzig-Süd Leiter der Personalabteilung, dann Kultursachbearbeiter, von 1953 bis 1957 war er Treuhänder des Rates des Bezirks Leipzig. Er erhielt 1961 den VVO in Bronze. Karl Kennecke starb am 18.Oktober 1972 in Leipzig.

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Kern, Karl-Heinz

* 18.2.1930

Geb. in Dresden; Vater Angest., Grund- u. OS; 1946 FDJ u. SED; 1946/47 Hilfsarb.; 1947 – 49 Lehre u. Arbeit als Chemotechniker; 1949 – 52 Sachbearb. bzw. Referent in der Landesreg. Sachsen, 1952 – 54 Abt.-Ltr. beim Rat des Bez. Dresden, 1954 – 59 stellv. Vors. u. zeitw. auch Sekr. des Rates des Kreises Sebnitz; Fernstudium an der DASR Potsdam, 1958 Dipl.-Jurist; ab 1959 Mitarb. des MfAA, 1959 – 61 Hauptreferent in der Abt. Afrika, 1961/62 Sektionsltr.; 1962 – 66 stellv. bzw. Ltr. der DDR-Handelsvertretung in Ghana, 1966 – 69 Ltr. der Abt. Afrika im MfAA; 1969/70 Studium an der PHS; 1970/71 erneut Ltr. der Abt. Afrika im MfAA; 1971 – 74 Ltr. der Handelsvertretung der DDR in Großbritannien, 1974 – 80 Botschafter der DDR in Großbritannien u. der Rep. Irland, 1982 – 86 Botschafter in Nordkorea (Nachf. von Hermann Schwiesau).Andreas Herbst

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Kerstan, Johannes

* 31.8.1926 – ✝ 21.1.1997

Geb. in Chemnitz; nach dem Abitur 1946 – 51 Studium der Mathematik u. Physik an der KMU Leipzig, hier 1951 Dipl.; 1955 Prom. zum Thema »Ein mengenalgebraisches Prinzip u. seine Anwendung auf Funktionsanalysis u. Topologie« an der HU Berlin; 1960 Habil. an der HU Berlin; 1961 Assistent am Inst. für Angewandte Mathematik u. Mechanik der DAW in der neugegr. Arbeitsgr. Wahrscheinlichkeitstheorie; ord. Prof. an der FSU Jena u. ab 1974 Ltr. des Wiss.-Bereichs »Stochastik u. ihre Anwendungen«; lange Jahre Dir. der Sekt. Mathematik der FSU Jena u. Ltr. der Arbeitsgr. Forschung des wiss. Beirats für Mathematik beim Min. für HFS-Wesen; 1971 NP; 1976 KMO; 1977 Korr. Mitgl., 1981 Ord. Mitgl. der AdW der DDR. Hauptarbeitsgebiete: anfangs Algebra, Ideal- u. Verbandstheorie, dann Maßtheorie, Wahrscheinlichkeitstheorie u. mathemat. Statistik; J. K. gehörte zu den Pionieren einer eigenen wahrscheinlichkeitstheoret. Forschung in der DDR; bildete eine wiss. Schule u. erzielte internat. anerkannte Ergebnisse.Unbegrenzte teilbare Punktprozesse. Berlin 1974 (mit K. Matthes u. J. Mecke; ins Engl. u. Russ. übersetzt).Annette Vogt

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Kertscher, Norbert

* 21.1.1954

Geb. in Saalfeld; Vater Arbeiter; POS; Abitur mit Berufsausb. zum Elektronikfacharb.; Studium an der KMU Leipzig, Dipl.-Lehrer für Dt. u. Geschichte; 1973 SED; Lehrer an der BPS »Ernst Schneller« in Mittweida; 1982 – 86 Aspirant an der AfG beim ZK der SED, Dipl.-Gesellschaftswiss.; Prom zum Dr. oec; 1986 – 88 Sekr. der SED-KL Brand-Erbisdorf; 1988/ 89 1. Sekr. der SED-KL Hohenstein-Ernstthal; Nov. 1989/ 90 1. Sekr. der SED-BL Karl-Marx-Stadt (Nachf. von  Siegfried Lorenz); Dez. 1989 Mitgl. des Arbeitsaussch. zur Vorber. des außerord. SED-Parteitags; März – Okt. 1990 Mitgl. der Volkskammer. Okt. – Dez. 1990 MdB; 1991 – 94 für die PDS Beobachter im Europ. Parlament in Brüssel.Sozialökonom. Stellung u. Entwicklungstendenzen von Beschäftigten im zentralen Staatsapp. der BRD. Berlin 1986.Helmut Müller-Enbergs

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Kessel, Werner

* 19.7.1931 – ✝ 22.9.1992

Geb. in Zwickau; Vater Arbeiter; Grund- u. Oberschule, Abitur; 1950 / 51 Mitarb. u. Sekr. der FDJ-KL Zwickau; 1951 – 54 Journalistikstudium an der Univ. Leipzig, Dipl.-Journalist; 1952 SED; 1954 – 56 Red. u. Abt.-Ltr., 1956 – 58 Mitgl. des Red.-Koll., 1958 – 60 stellv. Chefred., 1960 – 62 Chefred. der in Zwickau erscheinenden Ztg. »Freie Presse«; 1962 – 76 Chefred. der »Volksstimme« bzw. der »Freien Presse« (seit Fusion mit der »Volksstimme« ab Jan. 1963 Organ der SED-BL Karl-Marx-Stadt) (Nachf. von  Heinz Friedrich); 1960 – 76 Mitgl. der SED-BL Karl-Marx-Stadt; 1967 – 77 Mitgl. des VDJ-ZV, 1963 – 77 Vors. des VDJ-BV Karl-Marx-Stadt; 1965 Prom. zum Dr. rer. pol.; 1976 – 90 Doz. für Journal. Allgemeinbildung an der Sektion für Journalistik der KMU Leipzig.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Kettner, Gerhard

* 10.8.1928 – ✝ 14.6.1993

Geb. in Mumsdorf (Thür.); Vater Schlosser, Bergarb.; 1943 Lithographenlehre in Altenburg; 1944 – 47 Kriegsdienst u. Gefangenschaft. 1948 Lindenau-Museumsschule Altenburg, Lehrer Heinrich Burkhardt; 1949 – 51 Studium an der Kunst-HS Weimar, 1951 – 53 an der HS für bildende Künste Dresden bei  Hans Grundig,  Max Schwimmer,  Hans Theo Richter; 1953 bis 1955 Assistent bei Hans Theo Richter; 1956 Aspirant für Grafik bei Max Schwimmer; 1961 Doz., 1968 Prof., 1970 – 74 (Nachf. von  Gerhard Bondzin) u. 1979 – 82 Rektor an der HS für bildende Künste Dresden (Nachf. von  Friedrich Eisel); 1970 Goldmedaille auf der II. Biennale für Grafik in Florenz; 1974 – 77 Vizepräs. des VBK; ab 1974 Ltr. einer Mstr.-Kl. an der HS für bildende Künste; 1978 AdK; 1972 u. 1987 NP; Studienreisen u. a. nach China, Österreich, Bundesrep. Dtl., UdSSR, Ungarn, Finnland, Frankreich, Italien u. in die Niederl. 1992 Niederlegung der Professur. Werke: Lithographien: Aus der Geschichte der dt. Arbeiterbew. (1956), Demonstrationen (1961 – 70), Zum Gedenken an die Geburt meines Sohnes am 13.10.1965 (1965); Porträts (zumeist Graphitzeichnungen): Rotraut (1962),  Werner Stötzer (1962), Hans Theo Richter (1969), Die kranke Mutter (1977),  Sigmund Jähn (1980), Gitta (1985).Kat. G. K. Staatl. Museen zu Berlin 1977; G. K. Galerie Rähnitzgasse u. Kupferstichkabinett 1989; Schaub, M.: Der Zeichner G. K., die HS für bildende Künste Dresden u. die Staatssicherheit. In: Kunstdok. SBZ/DDR (Hrsg. G. Feist u. a.). Köln 1996.Anke Scharnhorst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Kiefert, Hans

* 1.6.1905 – ✝ 29.12.1966

Geboren am 1. Juni 1905 in Berlin, Sohn eines Angestellten; Tischler. 1920 wurde er Mitglied der KJD, 1923 der KPD. Auf dem 9. Reichskongreß im Oktober 1925 in Halle wurde Kiefert in das ZK des KJVD gewählt, dann im Herbst 1926 für einige Monate Bezirkssekretär des KJVD in Gleiwitz. Der 10. Reichskongreß im April 1927 wählte ihn und Grete Wilde als Vertreter Berlin-Brandenburgs in das Sekretariat des KJVD. Von April bis September 1928 Sekretär des KJVD in Hamburg. Während der Wittorf-Affäre stand Kiefert voll hinter Ernst Thälmann und wurde deshalb auf der KJVD-Reichskonferenz im November 1929 neben Walter Häbich 2. Vorsitzender des ZK des KJVD. Ein Jahr später schied er aus der Jugendarbeit aus, kam als Orgleiter in die BL Pfalz, ab August 1930 bis Ende 1931 in gleicher Funktion in die BL Hessen-Frankfurt. Ab Januar 1932 gehörte Kiefert dem Sekretariat der BL Halle-Merseburg an. Im März 1933 schickte ihn das ZK als neuen Leiter der KPD Mittelrhein nach Köln, wo er am 5. Mai 1933 verhaftet wurde. Er blieb bis Juni 1935 in »Schutzhaft«, war anschließend erwerbslos und ab 1937 Tischler bei der Mitropa in Berlin. Hier hatte Kiefert Verbindung zur Widerstandsgruppe um Anton Saefkow. 1943 zur Wehrmacht eingezogen, geriet er von Mai 1945 bis Dezember 1946 in sowjetische Kriegsgefangenschaft in Polen. Im Dezember 1946 Rückkehr nach Berlin und Mitglied der SED. Zunächst im Kreis Friedrichshain tätig, ab Anfang 1949 Leiter der Orginstrukteur-Abteilung der SED-Landesleitung Groß-Berlin. Nach einem Einjahreslehrgang an der PHS wurde Kiefert im November 1951 Vorsitzender der LPKK Berlin. Im August 1953 1. Sekretär der SED-BL Erfurt, im Februar 1957 1. Sekretär der BL Berlin. Mit dem robusten Kiefert hoffte Walter Ulbricht eine Stärkung des Einflusses der SED, vor allem in den Westsektoren von Berlin, zu erreichen. Doch die Abgeordnetenhauswahlen 1958 waren ein Debakel. Deshalb wurde Kiefert im Februar 1959 abgelöst, blieb aber noch bis November 1963 2. Sekretär. Seit November 1963 war er Stadtrat für Arbeit in Ost-Berlin und gehörte von 1954 bis 1966 dem ZK der SED an, 1965 mit dem VVO in Gold ausgezeichnet. Hans Kiefert starb am 29.Dezember 1966 in Ost-Berlin.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Kieser, Jürgen (JüK)

* 20.8.1921

Geb. in Erkner (b. Berlin); Vater Bankangest.; Besuch der Ing.-HS Beuth in Berlin; 1940 zur Luftwaffe, Fluglehrer; 1945 Landarb. in Westdtl. 1946 Rückkehr nach Berlin; freischaff. Gebrauchsgrafiker; 1949 Dekorationszeichner u. Dekorateur bei der Handelskette HO, Atelierltr.; 1952 als Pressezeichner zum Verlag Junge Welt; erste Bildergeschichten für die Pionierztg. »Die Trommel«; freier Mitarb. beim Kindermagazin »Fröhlich sein u. singen« (später »Frösi«), dessen Profil er in den 50er Jahren wesentl. bestimmte; Bildergeschichten für die »Wochenpost« u. a. Ztschr.; kreierte 1955 für das Comic-Magazin »Atze« die Figur des Berliner Jungen Atze; nach versch. Comics erscheinen ab 1958 die Mäuseabenteuer von Fix u. Fax, den langlebigsten Comic-Helden der DDR, der teilw. Buchnachdruck erreichte bis 1990 eine Aufl. von 800.000. Seit 1994 erscheint eine aufwendige Reprintausg. aller Fix-u.-Fax-Geschichten; 1999 Premiere des ersten, in Dresden animierten, Zeichentrickfilms mit Fix u. Fax.Fix u. Fax Sammelbände. Berlin Scholz, M.: J. K. In: Lexikon der Comics. Hrsg. M. Czerwionka. Meitingen 1994.Michael F. Scholz

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Kilian, Liddy

* 10.12.1895 – ✝ 9.4.1972

Geboren am 10. Dezember 1895 in Dresden als Liddy Deuerling, Tochter eines Schuhmachers. Nach zwei Jahren Kunstschule kaufmännische Angestellte und Fürsorgerin. 1919 Mitglied der KPD, war sie von 1920 bis 1924 Instrukteurin für Frauenarbeit bei der Berliner Zentrale der KPD. Liddy Kilian war von 1927 bis 1933 Bezirksverordnete in Köpenick. Mitglied im BPRS. Im März 1933 in die Berliner Stadtverordnetenversammlung gewählt, durfte sie ihr Mandat jedoch nicht mehr wahrnehmen. Seit 1923 war sie in zweiter Ehe mit dem Verlagsbuchhändler Götz Kilian (* 7. 10. 1891 – †1940) verheiratet. Dieser gründete mit Edwin Hoernle und anderen den Verlag Neues Dorf. 1925 wurde er wegen der Veröffentlichung einer von Heinrich Rau zum 400. Jahrestag des Bauernkrieges herausgegebenen Broschüre wegen Hochverrats verhaftet und angeklagt, aber nicht verurteilt. Später leitete er den Verlag für russische Agrarwissenschaften. Liddy Kilian kämpfte mit ihrem Ehemann gegen das NS-Regime, er war von März 1933 bis zum Juni 1933 in Haft, wurde während der »Köpenicker Blutwoche« von der SA schwer mißhandelt. Nach seiner Entlassung übersiedelte die Familie nach Hamburg. Er wurde1938 erneut inhaftiert, in die Gestapo-Zentrale in Berlin gebracht, verhört und gefoltert. Götz Kilian starb 1940 an den Folgen der Haft. 1945 ging Liddy Kilian zurück nach Berlin, wurde Mitglied der KPD und im Oktober 1946 für die SED in Köpenick zur Bezirksverordneten gewählt. Seit 1948 war sie mit dem Schuldirektor Johannes Adamiak bekannt, sie konnten aber erst 1956 heiraten, weil er vier Jahre lang unter dem Verdacht der »Sabotage« in Bautzen in Haft war. Liddy Kilian hatte für seine Freilassung und Rehabilitierung gekämpft. Sie war dann bis 1957 als Dozentin für Philosophie und Ökonomie tätig. Liddy Kilian starb am 9. April 1972 in Ost-Berlin.

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Kelch, Heinrich

* 11.8.1897

Geboren am 11. August 1897, 1918 Soldat im Weltkrieg, seit 1919 in der KPD in Dortmund aktiv. Er wurde 1924 als Linker in das Dortmunder Stadtparlament gewählt und war einer der Funktionäre, die ab 1925 in der linken Opposition wirkten. Kelch unterschrieb 1926 den »Brief der 700«, die Solidarisierung mit der russischen Opposition gegen Stalin, ebenso den Brief der Opposition 1927 an den XI. Parteitag der KPD, er wurde aus der Partei ausgeschlossen. Im April 1928 bei Gründung des Leninbundes Schriftführer des Gründungskongresses, dann führend im Leninbund im Ruhrgebiet tätig. Das weitere Schicksal von Heinrich Kelch war nicht zu ermitteln.

Wer war wer in DDR

Keller, Dietmar

* 17.3.1942

Geb. in Chemnitz; Vater Mechaniker, Mutter Verkäuferin; Grund- u. 1956 – 60 Oberschule, Abitur; 1960 – 62 NVA; 1962 Red. der »Freien Presse« Karl-Marx-Stadt; 1962 – 66 Studium an der KMU Leipzig, Dipl.-Lehrer für Marx.-Lenin.; 1963 SED; 1966 – 70 Assistent bzw. Oberassistent an der KMU, 1969 Prom. zum Dr. phil.; 1970 – 77 Sekr. für Wiss. u. Kultur der SED-KL der KMU; 1976 Habil. zum Dr. sc. phil.; 1977 – 84 Sekr. für Wiss., Volksbildung u. Kultur der SED-BL Leipzig; 1982/ 83 Studium an der AfG beim ZK der KPdSU in Moskau; 1984 – 88 stellv. Kulturminister; 1988/89 Staatssekr. im Kulturmin.; 17.11. 1989 – April 1990 Kulturminister (Nachf. von  Hans-Joachim Hoffmann); März – Okt. 1990 Abg. der Volkskammer (PDS-Fraktion), Mitgl. des Aussch. für dt. Einheit u. Vors. des Aussch. für Kultur. Okt. 1990 – 94 Abg. des Dt. Bundestags, Mitgl. der Enquete-Kommission »Aufarbeitung von Geschichte u. Folgen der SED-Diktatur in Dtl.«; danach Mitarb. der PDS-Fraktion im Dt. Bundestag; 2002 Austritt aus der PDS; verh. mit  Marlies Deneke.Lebendige Demokratie. Berlin 1971; Min. auf Abruf. Berlin 1990; Nachdenken über Dtl. 5 Bde. Berlin 1990/91 (Hrsg.); Zwischen den Stühlen. Berlin 1993; Zwei dt. Sichten. Bad Honnef 2002.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Kellermann, Hermann

* 14.8.1887 – ✝ 22.4.1954

(* 1887 – † 1954) Geboren am 14. August 1887 in Gehofen bei Sangerhausen, Sohn eines Bergmanns; lernte Schlosser und Schmied. Wanderschaft, ab 1909 als Geselle in Erfurt bzw. in Magdeburg tätig. 1906 trat er der Gewerkschaft und 1909 der SPD bei. 1915 zum Militärdienst einberufen, wurde aber bereits 1916 von seiner Firma reklamiert. Kellermann gehörte 1917 zu den Mitbegründern der USPD in Erfurt und nahm in Berlin an den Januarkämpfen teil. Ende Januar 1919 kam er nach Erfurt zurück und gehörte dort der Volkswehr an. Mit dem linken Flügel der USPD 1920 Übertritt zur KPD, bis 1924 war er Leiter der Ortsgruppe und Vorsitzender des KPD-UB Erfurt. Im Dezember 1924 im Wahlkreis Erfurt in den Preußischen Landtag gewählt, kam 1925 nach Berlin und arbeitete in der ZK-Abteilung Landwirtschaft. 1928 schied er aus dem Landtag aus. Beim Zusammenschluß der drei sächsischen Bezirke im Herbst 1929 wurde Kellermann für wenige Wochen Orgleiter der KPD in Sachsen und übte bis 1933 hauptamtliche Parteifunktionen aus. Von Februar bis Juni 1933 und von 1935 bis Mai 1939 saß er im Gefängnis Erfurt und in den KZs Esterwegen und Sachsenhausen. Nach der Freilassung wieder Schlosser. 1945 trat er der KPD bei, von Juni 1945 bis Januar 1948 geschäftsführendes Vorstandsmitglied bei der Thüringischen Hauptgenossenschaft Raiffeisen in Erfurt, dann ab Februar 1948 Betriebsleiter des VEB Pumpenfabrik Erfurt. Hermann Kellermann starb am 22. April 1954 in Erfurt.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Kenzler, Georg

* 20.10.1884 – ✝ 1.1.1959

Am 20. Oktober 1884 in Mannheim geboren; sein Vater, ein Schmied, wurde 1893 wegen seiner gewerkschaftlichen Tätigkeit bei der Mannheimer Firma Lanz gemaßregelt, so daß die Familie nach Frankenthal in der Pfalz übersiedelte. Er lernte Schlosser und war aktiv in der sozialistischen Jugend, ging auf Wanderschaft durch Deutschland, die Schweiz und Österreich. 1908 schloß er sich der SPD an und kam 1917 bei Gründung zur USPD. 1918 noch zu den Pionieren eingezogen, kehrte er nach Ausbruch der Revolution nach Mannheim zurück und war an den Revolutionskämpfen beteiligt. Er stand auf dem linken Flügel der USPD, kam mit diesem 1920 zur KPD. 1921 Leiter der KPD in Mannheim, arbeitete weiter in seinem Beruf als Schlosser. 1922 Stadtverordneter und hauptamtlicher Sekretär der KPD Mannheim. Auch in der KPD gehörte Kenzler dem linken Flügel an, er wurde Anfang 1924 Polleiter des KPD-Bezirks Baden. Im Mai 1924 (bis 1928) als Abgeordneter in den Reichstag gewählt. 1924/25 einige Male verhaftet, mußte er aber als MdR wieder freigelassen werden. Bis 1926 Polleiter in Baden, trat zunächst noch für das ZK auf, schloß sich aber 1926 immer enger an die Ruth-Fischer-Gruppe an. Ende 1926 abgelöst und einer der Führer der linken Opposition in Baden, die hier erst 1927 in Aktion trat. Da Kenzler am 16. Juli 1927 an einer Versammlung mit Hugo Urbahns in Mannheim teilgenommen hatte, wurde er zur Bezirksleitung vorgeladen, lehnte aber sein Erscheinen schriftlich ab: »Die jetzige BL gleicht einem Inquisitionstribunal, Ketzer (Oppositionelle) müssen um jeden Preis verbrannt werden. Ihr braucht noch Holz zum Scheiterhaufen.« Als solches »Holz« legte er ein Schreiben der russischen Opposition bei und solidarisierte sich damit. Daraufhin am 27. Juli 1927 aus der KPD ausgeschlossen. Mitglied des Leninbundes. Nach der Auflösung des Reichstages am 18. April 1928 verhaftet; obwohl das Verfahren ja wegen seiner KPD-Tätigkeit lief, gewährte ihm die Partei keine Rechtshilfe. Kenzler kandidierte für den Leninbund, kam aber nicht mehr in den Reichstag. Nach der Haftentlassung 1928 eröffnete er in Mannheim eine Gastwirtschaft. Am 10. Januar 1929 trat er in die SPD ein und zog nach Berlin, wo er mit mehreren anderen früheren linken KPD-Abgeordneten bei der Volkshilfe-Versicherung beschäftigt war. Nach 1933 einige Male kurz inhaftiert, blieb er bis 1945 als Arbeiter in Berlin. 1945 wieder bei der Versicherung tätig, wurde zwar Mitglied der SED, übernahm aber keine Funktion, sondern stand in Opposition zur Parteilinie. Er wohnte in Ost-Berlin (Köpenick) und hatte sich von der Politik zurückgezogen. Georg Kenzler starb am 1. Januar 1959 in Ost-Berlin.

Wer war wer in DDR

Kern, Käthe (Katharina)

* 22.7.1900 – ✝ 16.4.1985

Geb. in Darmstadt; Vater Arbeiter; Mittelschule; 1917/18 kfm. Angest.; 1919 SAJ; 1920 SPD; 1921 – 24 Sekr. beim Präs. der Landesversicherungsanstalt Hessen in Darmstadt; 1925 – 28 Sekr. der wirtschaftspol. Abt. beim Allg. Freien Angest.-Bund; 1928 – 33 Mitgl. des SPD-Bez.-Vorst. Groß-Berlin u. Ltr. des Frauensekr.; Juni/Juli 1933 zeitw. inhaftiert; bis 1944 Kontakt zur Widerstandsgr. um Wilhelm Leuschner; 1933 – 35 Stenosekr. im Saar-Verein in Berlin; 1935 – 45 Stenotypistin bei der Preuß. Bergwerks- u. Hütten AG in Berlin. 1945/46 SPD/SED u. FDGB; ab Juni 1945 Mitgl. des ZA der SPD, des Bez.-Vorst. u. Frauensekr. der SPD für Berlin; ab 1945 Mitgl. u. 1946/47 Vors. des Zentr. Frauenaussch.; ab 1946 Mitgl. des PV bzw. ZK der SED, 1946 – 49 Mitgl. des ZS des PV; 1946 – 50 MdL Sachsen-Anh.; 1947 Mitbegr. des DFD, bis 1951 stellv. Vors. u. bis 1985 Mitgl. des Präs. des Bundesvorst.; 1948/49 Mitgl. des Dt. Volksrats, 1949 – 85 Abg. der (Prov.) Volkskammer; ab 1957 Vors. der DFD-Fraktion; 1954 – 58 Vors. des Aussch. für Eingaben der Bürger; 1958 – 63 Mitgl. des Verfassungsaussch.; 1963 – 67 Mitgl. des Aussch. für Gesundheitswesen; 1949 – 70 Ltr. der HA Mutter u. Kind bzw. Sozialwesen im Min. für Arbeit u. Gesundheitswesen bzw. Min. für Gesundheitswesen; danach Rentnerin; 1958 – 62 Mitgl. des Präs. der DSF; ab 1958 Mitgl. des ZA der Volkssolidarität; 1955, 1958 u. 1960 VVO; 1970 Ehrenspange zum VVO; 1975 KMO; 1980 Stern der Völkerfreundschaft.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Kersten, Kurt

* 19.4.1891 – ✝ 18.5.1962

(* 1891 – † 1962) Geboren am 19. April 1891 in Welheiden bei Kassel, Sohn eines Grundbesitzers. Er studierte Germanistik und Philosophie in München und Berlin, promovierte 1914 zum Dr. phil. Im Weltkrieg von 1915 bis 1918 Soldat, mit dem EK I. Klasse ausgezeichnet. Im Krieg radikalisiert, wurde Mitarbeiter an der Zeitschrift »Aktion« von Franz Pfemfert. Er stand in der Weimarer Republik der KPD nahe und galt als kommunistischer Schriftsteller. Kersten veröffentlichte 1920 eine Biographie Lenins, gab 1923 den Band »Das heutige Rußland 1917 bis 1923« heraus und schrieb 1924 nach seiner Rußlandreise »Moskau – Leningrad. Eine Winterfahrt«. Er war Mitarbeiter kommunistischer Zeitungen, u. a. der »Roten Fahne«, ab 1928 aktiv im Bund proletarisch-revolutionärer Schriftsteller. Kersten publizierte vor allem in den Presse-Organen von Willi Münzenberg. 1933 flüchtete er über Prag nach Paris. In der Emigration publizistisch gegen die Nazis tätig, gehörte er zu den Initiatoren und Mitgliedern der Deutschen Volksfront. Eng mit Münzenberg verbunden, unterstützte er diesen bei der Arbeit am Buch »Propaganda als Waffe«. Nach Münzenbergs Bruch mit Stalin wandte sich auch Kersten von der KPD ab, er schrieb nun in der »Zukunft«. Nach der Internierung in Frankreich 1939 gelangte er über Martinique nach New York. Auch als Emigrant blieb Kersten Schriftsteller und Historiker, er war 1955 Herausgeber von Arthur Rosenbergs Standardwerk »Entstehung und Geschichte der Weimarer Republik«. 1957 erschien in der »Deutschen Rundschau« der Artikel »Das Ende Willi Münzenbergs«. Darin vertrat er die These, ein »stalinistischer Fememord« an seinem Freund sei wahrscheinlich. Kurt Kersten starb am 18.Mai 1962 in New York.

Wer war wer in DDR

Kertzscher, Günter

* 16.11.1913 – ✝ 16.3.1995

Geb. in Leipzig; Vater Bankangest.; Realgymnasium, Abitur; 1933 – 38 Studium der Germanistik u. Geschichte an der Univ. Leipzig; 1934 SA; 1937 NSDAP; 1939 Eintritt in den höheren Schuldienst, Studienassessor; 1939 Wehrmacht, Gefr.; 1941 Prom. an der Univ. Leipzig zum Dr. phil. mit der Diss. »Der Cursus in der altdt. Prosa«; 1941 – 45 sowj. Kriegsgefangenschaft; 1943 Gründungsmitgl. des NKFD; Mitgl. der Red.-Kommission der NKFD-Ztg. »Freies Dtl.«; Anfang 1944 von einem dt. Militärgericht in Abwesenheit zum Tode verurteilt. 1945 Rückkehr nach Dtl.; 1945/46 KPD/SED; Red. u. 1949 – 55 Chefred. der »Berliner Ztg.« (Nachf. von  Georg Stibi); 1954 – 58 Berliner Vertreter in der Volkskammer; 1955 – 83 Mitgl. des Red.-Kolleg. u. stellv. Chefred. des »Neuen Dtl.« (Kürzel als Kommentator: »Dr. K.«); 1957 Mitgl. des Präs. u. 1977 – 89 stellv. Vors. der VDJ; Vors. des Red.-Beirats der Ztschr. »Neue Dt. Presse«; 1965 Banner der Arbeit; 1973 VVO; 1978 Ehrenspange zum VVO; 1983 KMO; Dr. h. c. (KMU Leipzig); seit März 1983 Rentner; Publizist; 1990 PDS; tödlich verunglückt bei einem Autounfall.Die journalist. Sprache. In: Bertsch, H.: Journalist. Handbuch der Dt. Demokr. Rep. Leipzig 1960; Unser Standpunkt in der dt. Frage. Berlin 1968; Ist Potsdam noch aktuell? Berlin 1970.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Kesting, Edmund

* 27.7.1892 – ✝ 21.10.1970

Geb. in Dresden; Vater Gemeindepolizeisekr.; 1911 Studium der Malerei u. Bildhauerei an der Kunstgewerbeschule Dresden bei Friedrich Kleinhempel, Ermenegildo Antonio Donadini u. Richard Guhr; 1915 Studium an der Kunstakad. Dresden bei Richard Müller; 1915 – 18 Militärdienst; 1919 – 22 Abschl. des Studiums u. Mstr.-Schüler bei Otto Gußmann; 1919 Gründung der priv. Kunstschule »Der Weg«; 1920 Beginn der experiment. Phase, Bilder mit verschränkter Leinwand, Schnittcollagen, Fotografie mit Doppel- u. Mehrfachbelichtung; 1923 Mitgl. der Künstlergr. »Der Sturm«; 1927 Studienaufenthalte in Italien u. Jugosl.; 1931 Mitbegr. der Dresdener Sezession; zeitw. Aufenthalt in Berlin als Ltr. der »Weg«-Schule; 1933 Ausstellungs- u. Malverbot; 1935 – 41 fotograf. Dokumentation der Werke des Grünen Gewölbes in Dresden. 1945 Mitbegr. der Künstlergr. »der ruf« in Dresden; 1946 Organisator u. Jury-Mitgl. der Ersten Allg. Dt. Kunstausstellung in Dresden; Prof.; Ltr. der Fachkl. Fotografie an der Staatl. HS für Werkkunst Dresden; 1948 Ltr. der Fachkl. für Fotografie an der HS für angewandte Kunst Berlin-Weißensee; Umzug nach Birkenwerder (b. Berlin); 1953 fristlose Kündigung durch die HS mit der Begründung von Strukturveränderungen; 1955 – 60 Lehrbeauftr. für Kamera an der HS für Film u. Fernsehen Potsdam-Babelsberg.Werner, K. (Hrsg.): E. K. Ein Maler fotografiert. Leipzig 1987; E. K.: Gemälde. Zeichnungen u. farb. Bilder. Graphik. Photographien. (Staatl. Kunstsamml.) Dresden 1988/ 89; Roese, G. (Hrsg.): E. K. – Im Licht des Nordens. Berlin 2003.Anke Scharnhorst

Wer war wer in DDR

Kiefel, Josef

* 2.10.1909 – ✝ 11.3.1988

Geb. in Gotzing (Oberbayern); Vater Arbeiter; Volksschule; dann Laufbursche; 1923 – 26 Ausbildung zum Schlosser; arbeitslos, dann Bergmann, Straßenbauarb. u. Maschinist; 1927 Mitgl. des Fabrikarbeiterverb. u. der RH; 1928 RFB; 1929 KPD; 1931 Emigr. in die UdSSR; Maschinist, dann Mstr. bzw. Obermstr. im Pelzkombinat Kasan; 1942 – 44 Einberufung zur Roten Armee, 1942/43 Besuch der KI-Schule in Kuschnarenkowo, dann Ausb. als Funker; Apr. – Mai 1944 Einsatz im Frontlager 22 in Isaslawl (b. Schepetowka), 22./23.8.1944 Fallschirmabsprung im Raum Częstochowa in Polen, kann seinen Auftrag nicht ausführen u. versteckt sich bis zum Eintreffen der Roten Armee; Entlassung ins Lazarett Kasan. Juli 1946 Rückkehr nach Dtl.; SED; 1946/47 Instrukteur des SED-Landesvorst. Sachsen-Anh. in Halle bzw. Seminarlehrer an der LPS Wettin; 1947 – 49 Angeh. der DVP, Ltr. des Dezernats K 5 (Pol. Polizei) im Landeskriminalamt Sachsen-Anh.; 1949/50 Stellv. des Chefs der Verw. zum Schutz der Volkswirtschaft des Landes Brandenb. in Potsdam (ab Feb. 1950 Verw. für Staatssicherheit Brandenb.); Aug. 1950 stellv. Ltr. der Abt. IVa (Spionage/Westarbeit) des MfS Berlin; 1953 – 60 Ltr. der HA II (Spionageabwehr), 1953 Oberst; 1960 Ltr. der Abt. 21 (Innere Sicherheit im MfS); 1969 VVO; 1970 Ruhestand; 1984 KMO.Erinnerungen an ein Kämpferleben. Dok.-Film, Filmstudio der NVA 1988.Peter Erler / Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Kieling, Wolfgang

* 16.3.1924 – ✝ 7.10.1985

Geb. in Berlin; 1932 erste Filmrolle; sowj. Kriegsgef.; danach Theaterschauspieler in Hamburg, München, Berlin (West) sowie in der Schweiz u. in Österreich; 1954 aus privaten Gründen Flucht mit der Schauspielerin Gisela Uhlen über Wien u. Prag nach Berlin (Ost); Zweijahresvertrag mit der DEFA, u. a. in »Genesung« (1956,  R: Konrad Wolf), »Damals in Paris« (1956, R: Carl Balhaus), »Betrogen bis zum jüngsten Tag« (1957, R: Kurt Jung-Alsen); 1956 Rückkehr nach Berlin (West); 1965 in Hollywood unter Alfred Hitchcock in »Der zerrissene Vorhang«; 1967 Goldene Kamera (1968 aus Protest gegen die Springer-Presse zurückgegeben); 1965 Bundesfilmpreis (Filmband in Gold); 18. März 1968 erneute Übersiedl. mit seiner Tochter in die DDR (lernt seinen Sohn Florian Martens, später ebenfalls Schauspieler, kennen); Rollen in den DEFA-Filmen »Das siebente Jahr« (1968, R:  Frank Vogel) u. »Jungfer, Sie gefällt mir« (1968, R:  Günter Reisch), lernt die Schauspielerin Monika Gabriel kennen, »Jeder stirbt für sich allein« (1970, Regie Hans-Joachim Kasprzik), »Goya« (1971 R: K. Wolf); Gastauftritt im Dt. Theater Berlin; Nov. 1968 folgt ihm seine Frau, die Bühnenbildnerin Johanna K., in die DDR; Unzufriedenheit über mangelnde Arbeitsmöglichkeiten in der DDR; 1969 Dreh für den Bayerischen Rundfunk in Brasilien (»Hunger 2000«); Juli 1970 Rückkehr in die Bundesrep. Dtl. (M. Gabriel folgt ihm Juni 1971); dort Darsteller in mehr als 50 TV- u. Kinofilmen; gest. in Hamburg.Ingrid Kirschey-Feix

Wer war wer in DDR

Kiesewetter, Wolfgang

* 2.12.1924 – ✝ 9.5.1991

Geb. in Scheibe-Alsbach (Thür.); Vater Angest.; Abitur; Wehrmacht (Marineartillerie), Ltn.; 1944 – 49 sowj. Gefangenschaft, Antifa-Schule. 1949 Rückkehr nach Dtl.; 1949 SED; seit 1950 Tätigkeit im MfAA; 1951 Ref., 1952 Ltr. der Betriebsparteiorg.; 1954 – 57 Ltr. der Presseabt.; 1957 – 59 Ltr. der HA Außereurop. Länder, speziell Afrika; 1959 – 61 GD des MfAA; 1961 – 63 Sonder- bzw. Botschafter in der Vereinigten Arab. Rep. (Nachf. von  Richard Gyptner); 1963 – 71 stellv. Außenminister; 1964 Prom. zum Dr. rer. pol.; 1971/72 PHS; 1972 – 74 stellv. Chefred. der außenpol. Wochenztg. »horizont«; 1974 – 82 Botschafter in Schweden (Nachf. von Peter Steglich), 1985 – 90 in Italien u. Malta (Nachf. von Hans Voss); 1985 VVO; 1990 Ruhestand.Die polit. Auslandsarbeit der DDR in Schweden. Münster 2007.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Kilian, Otto

* 27.11.1879 – ✝ 1945

Am 27. November 1879 in Atzendorf/Krs. Calbe geboren; lernte Schriftsetzer, anschließend in diesem Beruf tätig. 1902 Mitglied der SPD, für die er ab 1906 als hauptamtlicher Funktionär arbeitete. Kilian war Redakteur in Solingen, 1907 in Kassel, dann ab 1. November 1913 in Halle am »Volksblatt«. Von 1914 bis 1918 Soldat an der Front. Als Kriegsgegner schloß er sich der USPD an. 1918 nach Halle zurückgekehrt, wurde Kilian, ein populärer Volksredner, dort am 8.November zum Vorsitzenden des Arbeiter- und Soldatenrates gewählt. Der »rote General von Halle« übernahm außerdem die Redaktion des »Volksblattes«, seit 1917 (als die große Mehrheit der Halleschen SPD übergetreten war) Organ der USPD. Im März 1919 verhaftet, saß er bis November in Untersuchungshaft, dann wegen der revolutionären Tätigkeit des Arbeiterrates zu drei Jahren Gefängnis verurteilt, aber vorzeitig amnestiert. Mit der linken USPD kam Kilian im Dezember 1920 zur KPD. In dieser Zeit entstand seine Schrift »Der singende Kerker. Dichtungen aus der Haft«, in der Folge veröffentlichte er, allgemein als großer Idealist geachtet, verschiedene Gedichtbände und versuchte sich außerdem auch als Musiker. 1921 geriet er in Konflikt mit der Partei, da er die März-Aktion ablehnte. Kilian blieb jedoch in der KPD und wurde 1921 für sie in den Preußischen Landtag gewählt, nachdem ihn schon die USPD in die Preußische Landesversammlung (1919) entsandt hatte. Vor allem als Redakteur tätig, gehörte er dem linken Parteiflügel um Arkadi Maslow und Ruth Fischer an und wurde 1924 kurze Zeit Agitpropleiter im Bezirk Halle-Merseburg. 1924 wieder in den Preußischen Landtag gewählt. Nach dem »Offenen Brief« der Komintern in Halle für die linke Opposition aktiv, unterschrieb Kilian 1926 den »Brief der 700« und wurde Leiter der Opposition in Halle-Merseburg. Mitte 1927 schloß ihn die KPD aus, da er seine Verbindung zur linken Opposition beibehielt. Nach einer Loyalitätserklärung im November 1927 wieder in die Partei aufgenommen, doch am 27.Januar 1928 trennte er sich endgültig von der KPD, wurde Mitgründer des Leninbundes, den er auch in den folgenden Jahren im Bezirk Halle-Merseburg leitete. Im Januar 1933 verbreitete Kilian ein in eigener Druckerei hergestelltes Flugblatt, das zum Sturz der »Hitler-Papen-Hugenberg-Diktatur« aufrief. Mitte September 1933 wurde er verhaftet und zu 16 Monaten Zuchthaus verurteilt. Nach der Strafverbüßung kam er in »Schutzhaft«. Im Februar 1945 vom KZ Sachsenhausen nach Bergen-Belsen gebracht, starb Otto Kilian hier nach wenigen Wochen an Typhus.