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BioLex

In der Kategorie BioLex sind drei wichtige Lexika mit über 5500 Biografien von überzeugten Kommunistinnen und Kommunisten, Renegatinnen und Dissidenten im Volltext recherchierbar.

 

Das Handbuch „Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945“ wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam.

Kurzbiografien zu Personen des politischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 bereit.

Zudem ist das Online-Lexikon www.dissdenten.eu ebenfalls auf unserer Seite aufrufbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Informationen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Kilian, Martin

* 21.5.1928 – ✝ 2.7.2014

Geb. in Strehlitz (Krs. Namslau, Schles. / Strzelce, Polen); Vater Bergmann; 1945 Aussiedl. nach Nachterstadt; Bergmann; 1948 SED; Leichtathlet (Mittelstreckenläufer), Skisportler; 1950 – 57 Bobsportler bei Chemie Rübeland / Harz (Anschieber im Zweier von Herbert Homann); 1956 Teiln. an gesamtdt. Ausscheidungswettkämpfen für die Olymp. Winterspiele, 1957 Teiln. an den letzten gesamtdt. Meisterschaften; 1951 – 59 Lehrer; 1959 – 62 Dir. der OS Wernigerode; 1962 – 90 Bürgermstr. von Wernigerode; 1962 Vizepräs., 1978 – 90 Präs. des Dt. Bob- u. Schlittensportverbandes (DSBV); 1974 VVO; 1978 – 90 Mitgl. des DTSB-Bundesvorst.; 1979 Mitgl. des NOK; 1985 – 90 NOK-Präsidiumsmitgl.; 1983 – 91 Vizepräs. der Internat. Bobsport-Föderation (FIBT); 4.3.1990 letzter Präs. des DTSB (Nachf. von  Klaus Eichler). 1990 Rentner; 15.12.1990 Vizepräs. des Dt. Sportbundes; 18.10.1991 Rücktritt aus gesundheitl. Gründen; 2008 Goldene Ehrennadel des Dt. Bob- u. Schlittensportverb.; gest. in Wernigerode.Volker Kluge

Wer war wer in DDR

Kindler, Heinrich

* 29.11.1909 – ✝ 23.2.1985

Geb. in Breslau (Wrocław, Polen); dort 1928 Abitur am Realgymnasium; 1928 – 34 Studium der Physik, Mathematik u. Chemie in Breslau u. Münster, 1934 Prom. zum Dr. phil. nat. in Breslau, danach Forschungstätigkeit an der Univ. Breslau u. am Heinrich-Hertz-Inst. der TH Berlin-Charlottenburg; ab 1936 Tätigkeit bei Telefunken u. Askania, dort erste Arbeiten zur Regelungstechnik (Kreiselgeräte, Folgeregler u. elektromechan. Rechengeräte zur Flugkörpersteuerung). 1946 – 53 Fortführung dieser Arbeiten in der UdSSR; 1953 – 57 wiss. Mitarb. am Inst. für Strahlenquellen der DAW; ab 1954 zugl. Lehrbeauftragter für Grundlagen der Regelungstechnik an der TH Dresden, 1955 dort ord. Prof.; ab 1955 Aufbau u. 1957 Gründung des Inst. für Regelungstechnik an der TH/TU Dresden, des ersten Inst. dieser Art in Dtl. nach dem 2. Weltkrieg; 1961 – 75 Prof. für Regelungstechnik an der Fak. für Elektrotechnik bzw. der Sektion Informationstechnik, 1958 – 60 Dekan; 1957 Gründer u. bis 1970 nebenamtl. Ltr. der Arbeitsstelle bzw. des Inst. für Regelungs- u. Steuerungstechnik der DAW/ AdW in Dresden; 1956 Gründungsmitgl. der International Federation for Automatic Control (IFAC), Vors. des Nat. Komitees der DDR in der IFAC, zeitw. Vors. des TC Education der IFAC; 1957 – 67 Mitgl. des Forschungsrats u. Vors. des Zentralen Arbeitskreises BMSR-Technik; 1963/64 Vors. der Dt. Ges. für Meß- u. Automatisierungstechnik der DDR; 1964 NP; 1968 Ehrendoktor der TH Darmstadt, Mitgl. der Dt. Akad. der Naturforscher (Leopoldina).Regelungstechnik. In: Philippow, E. (Hrsg.): Taschenbuch Elektrotechnik. Berlin 1963 (mit K. Reinisch); Aufgabensammlung zur Regelungstechnik. Berlin 1964 (mit H. Buchta u. H.-H. Wilfert); Der Regelkreis – Eine Einführung. Berlin 1972.Günter Dörfel

Wer war wer in DDR

Kipping, Herwig

* 31.3.1948

Geb. in Mayen (Krs. Naumburg); Vater Bauer, LPG-Vors.; 1954 – 64 Oberschule, Lehre als Betriebsschlosser, Abitur; 1967 – 72 Mathematikstudium an der HU Berlin, Abbruch, weil er nicht im Zentralamt für Statistik arbeiten will; 1972 – 75 NVA; Hilfsarbeiten; schreibt Gedichte, die nicht veröffentlicht werden; 1977 Volontär beim DFF; 1978 – 82 Regiestudium an der HFF in Potsdam-Babelsberg, 1982 Dipl.-Film »Hommage à Hölderlin«; SED; ab 1982 beim DFF im Bereich Publizistik, u. a. 1983 Filmporträt über eine Dachdeckerbrigade (»Sechs auf dem Dach«), weigert sich, geforderte Änderungen vorzunehmen, u. übt Kritik an der Informationspolitik, Kündigung u. Ausschluß aus der SED; 1984 – 89 freiberufl. Autor beim DEFA-Studio für Spielfilme; 1986 Meisterschüler bei  Heiner Carow; darf keinen seiner Filmstoffe in der DDR realisieren. Erst 1990 / 91 wird der Spielfilm »Das Land hinter dem Regenbogen«, eine Abrechnung mit der DDR, realisiert, 1992 dafür Bundesfilmpreis (Filmband in Silber), 1993 »Novalis – die blaue Blume« (letzter Film der DEFA); 1994 Akteur in dem Dok.-Film »Die DEFA – Zwischen Utopie u. Wirklichkeit«; danach bisher wg. fehlender Finanzierung keine weiteren Filme; lebt in Berlin.Ein Akt der Liebe (Werkstattgespräch). In: Film u. Fernsehen. Berlin 1991; DEFA NOVA – nach wie vor? Versuch einer Spurensicherung. Berlin 1993 (hrsg. von »Freunde der Deutschen Kinemathek e. V.«); Das zweite Leben der Filmstadt Babelsberg 1946 – 92. Berlin 1994 (hrsg. vom Filmmuseum Potsdam); Poss, I., Warnecke, P. (Hrsg.): Spur der Filme. Zeitzeugen über die DEFA. Berlin 2006.Elke Schieber / Ingrid Kirschey-Feix

Wer war wer in DDR

Kirchner, Franz

* 20.4.1919

Geb. in Mährisch-Trübau (ČSR/Moravská Trebová, Tschechien); Vater Angest.; Volks- u. Oberschule, 1939 Abitur; Studium der Wirtschaftswiss. an der HS in Prag (ein Semester); danach Soldat; Umsiedl. 1945 CDU; 1945 – 50 Ltr. der Preisstelle der Krs.-Verw. Schönberg (Mecklenb.); 1948 Studium an der Finanzschule Königs Wusterhausen; 1950/51 Studium an der ASR Potsdam; 1951/52 Ref. bei der Landesfinanzdir. Schwerin; 1952 – 57 stellv. Vors. des Rats des Krs. u. Abg. des Krs.-Tags Bad Salzungen; seit 1952 Mitgl. des CDU-Hauptvorst. u. 1970 – 82 des Präs.; 1960 St.-Ex. an der HfÖ Berlin, Dipl.-Staatswirtsch.; 1954 – 63 u. 1967 – 86 Abg. der Volkskammer; 1957 – 61 Stellv. des Vors. des Ständ. Aussch. für die örtl. Volksvertr.; seit 1971 Mitgl. des Aussch. für Ausw. Angelegenh.; 1961 – 70 Vors. der CDU im Bez. Erfurt (Nachf. von  Hermann Kalb); 1962 – 71 Abg. des Bez.-Tags Erfurt; 1970 – 82 OB von Weimar (Nachf. von Paul Ullmann); 1984 VVO; 1989 Ehrenmitgl. des Hauptvorst. u. Mitgl. des Ehrenrats der CDU.Weimar. Leipzig 1975.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Kirchner, Rudolf

* 20.6.1919 – ✝ 5.5.1984

Geb. in Hirschberg (Niederschles./Jelenia Góra, Polen); Vater Schmied u. Lokführer; Volksschule; 1933 – 37 Ausbildung zum Schriftsetzer, anschl. im Beruf tätig; 1937/38 RAD, 1939 – 45 Militärdienst (Luftwaffe); März 1945 – Juni 1949 sowj. Gefangenschaft, Besuch der Zentr. Antifa-Schule in Krasnogorsk. 1949 Rückkehr nach Dtl.; SED u. FDGB; 1949/50 Abt.-Ltr. u. 1950 – 68 Mitgl. im Bundesvorst. des FDGB; 1950 – 52 Stellv. des Vors. u. Mitgl. des Sekr.; 1952 – 68 Mitgl. des Präs. u. des Sekr. des Bundesvorst., bis 1955 zuständig für Arbeit u. Löhne sowie Wirtsch., dann bis 1959 für Westarbeit u. Internat. Verbind., 1963 – 65 für Feriendienst u. Recht u. 1965 – 68 wieder für Westarbeit; 1950 – 63 Kand. des ZK der SED; 1954 – 59 Mitgl. des NR der NF; 1960 – 63 Studium an der PHS der KPdSU in Moskau, Dipl.-Ges.-Wiss.; 1957 – 59 u. 1965 – 67 Mitgl. des Gen.-Rats u. Kand. des EK des WGB; 1950 – 71 Abg. der Volkskammer; 1953 – 59 (Nachf. von  Herbert Warnke) u. 1963 – 67 Vors. der FDGB-Fraktion (Nachf. von  Grete Groh-Kummerlöw) u. Vors. des Aussch. für Arbeit u. Sozialpol.; 1968 – 82 Mitarb. im Min. für Leichtindustrie bzw. Glas/Keramik; anschl. Invalidenrentner.Der Aktivistenplan im Kampf gegen alle Produktionsverluste. Berlin 1951; Die Tätigkeiten der Gewerkschaften im neuen Kurs. Berlin 1953; Friedensvertrag u. Gewerkschaften. Berlin 1959; Handbuch für den Gewerkschaftsfunktionär. Berlin 1965; Einige inhaltliche Probleme der Tätigkeit des FDGB zur Verständigung der Gewerkschaften in beiden dt. Staaten. Berlin 1967.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Kirsch, Rainer

* 17.7.1934 – ✝ 4.9.2015

Geb. in Döbeln; Vater Lehrer; 1953 – 57 Studium der Geschichte u. Philos. in Halle u. Jena, 1957 Relegation wegen Mitarb. in der lt. MfS »staatsfeindl. Gruppierung« der »Jenaer Philosoph. Studentenges.« im Zusammenhang mit Studien zu  Ernst Bloch, vorübergehender Ausschl. aus der SED, »Bewährung in der Prod.«, so in einer Druckerei, einem Chemiewerk u. in der Landw.; seit 1960 freischaff. Schriftst.; erste Gedichte in Anthologien u. Ztschr.; 1962 Ablehnung einer IM-Werbung durch das MfS, danach operative Bearbeitung u. Überwachung u. a. in der OPK »Atelier-krs.« (ab 1973) u. im OV »Lyrik« (1978 – 82); 1963 – 65 Studium am Lit.-Inst. »Johannes R. Becher« in Leipzig, Verweigerung des Abschlußdiploms; anschl. freischaffender Schriftst. in Halle u. Berlin; kurze Zeit mit  Sarah Kirsch verh.; 1965 erster Gedichtband »Gespräch mit dem Saurier« (mit Sarah K.; Erich-Weinert-Medaille); 1966 Anfeindungen im Rahmen der sog. Forum-Lyrikdebatte, anschl. starke Hinwendung zur Nachdichtung; 1972 Übertragung von Wladimir Majakowskis »Schwitzbad«; 1973 Ausschl. aus der SED nach Auseinandersetzungen um die Gegenwartskomödie »Heinrich Schlaghands Höllenfahrt«; 1975 Mitgl. des PEN-Zentrums DDR; 1978 erscheinen mit »Auszug das Fürchten zu Lernen« (Hamburg) erstmals wieder Gedichte; erst 1980 erscheint mit »Ausflug machen« ein zweiter Gedichtband in der DDR; 1983 Franz-Carl-Weiskopf-Preis; umfgr. Nachdichtungen aus dem Russ. (Anna Achmatowa, Sergej A. Jessenin, Ossip Mandelstam), Engl. (Percy B. Shelley, John Keats), Ital. (Francesco Petrarca) u. Georg.; Essays zur Dichtungstheorie (»Das Wort u. seine Strahlung«. 1976; »Amt des Dichters«. 1979; »Ordnung im Spiegel«. 1985); Kinderbücher (»Es war ein Hahn«. 1975; »Vom Räuberchen, dem Rock u. dem Ziegenbock«. 1978; »Der Storch Langbein«. 1986); Texte für Theater u. Oper (»Das Feuerzeug«. »Märchenkomödie«, 1975; »Das Land Bum-Bum«. Oper, 1980, Musik  Georg Katzer) u. Porträts (»Kopien nach Originalen«. 1974). 1990 von März bis Dez. Präs. des SV (Nachf. von  Hermann Kant), seit Juli Mitgl. der AdK; seit 1993 Mitgl. der AdK Berlin-Brandenb.; 1999 Mitgl. der sächs. AdK; gest. in Berlin.Sauna oder die fernherwirkende Trübung. Erzählungen. Rostock 1987; Kunst in der Mark Brandenb. Gedichte. Rostock 1988; Die Talare der Gottesgelehrten. Kleine Schriften. Halle 1999; Werke in 4 Bd. Berlin 2004. Bock, H.-M.: R. K. In: Krit. Lexikon zur dt.-spr. Gegenwartslit. München 1978 ff.; Berendse, G.-J.: Die sächs. Dichterschule. Frankfurt (Main) 1990.Andreas Kölling

Wer war wer in DDR

Kirschnek, Christof

* 29.11.1912 – ✝ 15.3.1971

Geb. in Haslau (Krs. Asch, Nordböhmen/Hazlov, Tschechien); Vater Arbeiter; Volks- u. Bürgerschule; Lehre u. Arbeit als Handlungsgehilfe; 1929 KPČ; 1931 – 33 Pol.-Ltr. der KPČ in Haslau; 1933 – 35 Org.-Sekr. der KPČ-BL Asch; 1935/36 illeg. Arbeit in Dtl.; 1936 – 38 Mitgl. der KPČ-Provinzialltg. für Westböhmen; 1938 Sekr. der KPČ-BL Westböhmen in Karlsbad; Hrsg. der westböhm. Ztg. »Rote Fahne«; Sept. 1938 Flucht nach Prag; Febr. 1939 Emigr. nach Großbritannien; 1940 – 44 Hilfsarb. in Manchester; 1944 Assistent, 1945/ 46 stellv. Sekr. des Czechoslovak.-British-Friendship-Club in London. Juni 1946 über die ČSR nach Dtl.; 1946 SED; kurzz. Lehrer an der LPS Ottendorf (Sachsen); ab Sept. 1946 Regierungsrat der Landesreg. Mecklenb. (Umsiedlerabt.); anschl. Red., ab März 1947 Chefred. am Landessender Schwerin; 1948/49 Studium an der PHS; 1949 – 52 Intendant des Landessenders Schwerin; 1949 – 52 Vors. des VDP-Landesvorst. Mecklenb.; 1952/53 Ltr. der Nachrichtenred. im Staatl. Rundfunkkomitee; 1953 – 57 Ltr. bzw. Chefred. des Senders Leipzig; 1957/58 Red. der dt.-spr. Red. des Moskauer Rundfunks; 1958 – 62 1. Sekr. der SED-BPO im Staatl. Rundfunkkomitee; 1962 – 68 Stellv. des Vors., dann bis 1971 Mitgl. des Staatl. Rundfunkkomitees; 1962 – 71 Intendant von Radio Berlin International; 1959 VVO.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Kitzing, Walter

* 30.11.1928

Geb. in Vockerode (Krs. Wittenberg); Vater Schlosser; 1935 – 43 Volksschule; 1943 – 45 Lehre als Vulkaniseur; 1945 Wehrmacht; 1945 / 46 amerikan. Kriegsgef. 1946 / 47 Arbeit als Vulkaniseur; 1947 SED; 1947 – 49 Wachtmeister der DVP; 1949 – 53 Planungsltr. im VEB Rohtabak Dessau; 1953 – 60 Ltr. der Abt. für Arbeit im VEB Stahlbau Dessau; 1960 – 62 Vors. der Plankommission beim Rat der Stadt Dessau; 1962 – 65 Sekr. der SED-GO im VEB Waggonbau Dessau; 1965 – 67 Sekr. für Wirtschaft, 1967 / 68 amt. 1. Sekr. der SED-KL Dessau; 1968 – 71 Studium an der PHS der KPdSU in Moskau, Dipl.-Gesellschaftswiss.; 1971 – 77 1. Sekr. der SED-KL Zeitz; 1973 VVO; 1977 – 81 1. Sekr. der SED-KL VEB Chem. Werke Buna; 1981 – 89 2. Sekr. der SED-BL Halle.Mario Niemann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Klann, Erich

* 16.1.1896 – ✝ 6.12.1948

Geboren am 16. Januar 1896 in Zerrehne bei Rostock, Sohn einer Arbeiterfamilie; Schlosserlehre und bis 1919 im Beruf tätig, zeitweise auch Betriebsratsvorsitzender. Seit der Gründung in der KPD, leitete Anfang der zwanziger Jahre die kommunalpolitische Abteilung der BL Mecklenburg-Lübeck. Klann war Mitbegründer der IAH Lübeck und von Ende 1928 bis 1932 Orgleiter der BL Wasserkante. Von November 1921 bis 1933 gehörte er der Lübecker Bürgerschaft an und war Vorsitzender der zuletzt (1932) neun Abgeordnete umfassenden Fraktion. 1933 Sekretär der illegalen KPD in Groß-Hamburg. Am 29. April 1933 verhaftet und am 23. Oktober 1934 durch das Hanseatische OLG zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt, kam bis 23. Dezember 1938 in »Schutzhaft« in das KZ Sachsenhausen. Nach seiner Freilassung arbeitete er als Schlosser, wurde am 23. August 1939 erneut festgenommen und war bis April 1945 wieder im KZ Sachsenhausen. Nach der Befreiung kehrte Klann nach Lübeck zurück, trat der KPD bei, wurde Präsident des Lübecker Arbeitsamtes und war zuletzt Regierungsrat und Stadtpräsident von Lübeck. Erich Klann starb an den Folgen der jahrelangen Haft am 6. Dezember 1948. Er war in erster Ehe mit Minna Klann (* 2. 3. 1900), geborene Koll, verheiratet, sie war nach 1933 in der Leitung der illegalen KPD in Lübeck, wurde im Oktober 1935 verhaftet und am 15. Dezember 1936 zusammen mit Ernst Puchmüller vom VGH zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt. Minna Klann starb während der Haft am 18.April 1940 im Zuchthaus Lübeck-Lauerhof. Nach 1945 hat Erich Klann Maria Krollmann geheiratet.

Wer war wer in DDR

Klaue, Wolfgang

* 6.8.1935

Geb. in Oelsnitz (Erzgeb.); Vater Volksschullehrer, Mutter Hausfrau; 1941 – 52 Grund- u. Oberschule; SED; 1952 – 57 Stud. der Philos. an der HU Berlin; ab 1957 am Staatl. Filmarchiv der DDR (SFA) zunächst als wiss. Mitarb., dann als Ltr. der wiss. Abt.; ab 1969 Dir. des SFA (in der Folge erlangt das SFA großes internat. Ansehen, neu errichtete techn. Anlagen in Berlin-Wilhelmshagen gewährleisten die dauerhafte Erhaltung film. Archivgutes); seit 1968 Mitgl. der Ltg. der Fédération International des Archives du Film (FIAF), 1969 – 74 Vors. der Katalogisierungskomm. der FIAF, 1979 – 89 Präsident; VVO; 1987 Silbermed. der Unesco für Verdienste um die Erhaltung des Weltfilmerbes. 1990 Ablösung als Dir. des SFA (Übernahme des SFA durch das Bundesarchiv); 1991 Versetzung ins Bundesarchiv Koblenz; ab 1992 freischaff. Rechercheur für Fernsehprojekte u. Ausstellungen, Erschließung von hist. Dokumentarfilmmaterial im Bundesarchiv / Filmarchiv; ab 1993 Vorbereitung der DEFA-Stiftung, 1999 – 2003 Gründungsvorstand der DEFA-Stiftung; ab 2003 Rentner; 2005 Reinhold-Schünzel-Preis; lebt in Erkner (b. Berlin).Dokumentarfilm in Polen (mit M. Lichtenstein, E. Jahnke). Berlin 1968; Taschenbuch der Künste. Film A – Z. (Hrsg. mit C. Mückenberger). Berlin 1984; Dokumentarfilm in Indien. Berlin 1988.Günter Agde

Handbuch Deutsche Kommunisten

Klausmann, Robert

* 1.5.1896 – ✝ 27.12.1972

Geboren am 1. Mai 1896 in Essen, ursprünglich Christian, später in Robert abgeändert. Nach der Schulentlassung 1910 Lederarbeiter in Weinheim/Bergstraße. Von 1915 bis 1918 Frontsoldat, dann wieder Arbeiter in Weinheim. Im Mai 1920 Eintritt in die KPD, ab 1922 Mitglied des Bürgerausschusses in Weinheim, 1926 des Kreistages Mannheim. 1929 zog er als Abgeordneter in den Badischen Landtag ein und wurde im gleichen Jahr auf dem XII. Weddinger Parteitag als Mitglied ins ZK gewählt. Klausmann nahm 1930 an einer Gewerkschaftsschulung der KPD in Berlin teil, war anschließend Sekretär für Gewerkschaftsfragen in der KPD-BL Baden, im April 1932 Polleiter des Bezirks Baden-Pfalz, dort bereits im Dezember 1932 wieder abgelöst. 1933 verhaftet, konnte Klausmann im Oktober 1933 aus dem KZ Kislau flüchten und emigrierte nach Frankreich. Bis 1939 leistete er Grenzarbeit für die KPD, setzte sich dann nach Südfrankreich ab. 1945 über Paris nach Deutschland zurückgekehrt, trat er wieder der KPD bei. Er wurde 1946 Landesdirektor für Arbeit und soziale Fürsorge in Karlsruhe. 1946 für die KPD in den Landtag von Württemberg-Baden gewählt, dem er bis 1950 angehörte. 1948 wurde Klausmann aus seiner Position in Karlsruhe entlassen. Kurze Zeit Direktor für Sozialversicherung in Stuttgart, dann längere Zeit Parteisekretär der KPD in Stuttgart und Karlsruhe. Er zog sich später von der Politik zurück, Robert Klausmann starb am 27. Dezember 1972 in Karlsruhe.

Wer war wer in DDR

Kleiber, Günther

* 16.9.1931 – ✝ 29.3.2013

Geb. in Eula (Krs. Borna); Vater Elektriker, Mutter Köchin; 1938 – 46 Volksschule in Borna; 1942 – 45 Dt. Jungvolk der HJ, Jungzugführer. 1946 – 49 Ausbildung zum Elektriker im VEB Braunkohlenkraftwerk in Großzössen-Witznitz, bis 1950 im Beruf tätig; 1946 FDGB; 1947 FDJ; 1949 Landesjugendaktivistenschule; 1950 SED; 1950 Bez.-Gewerkschaftsschule in Zwickau; 1950 – 52 ABF Dresden; 1952 – 58 Studium an der Fak. für Luftfahrtwesen an der Univ. Rostock, 1952/53 Mitgl. der Ltg. der Rostocker Univ.; ab 1953 an der TU Dresden, Dipl.-Ing.; 1958 – 62 wiss. Assistent am Inst. für Luftfahrtgeräte der Fak. für Luftfahrtwesen; ab Sept. 1961 Inst. für Fernmeß- u. Fernwirktechnik an der Fak. für Elektrotechnik der TU Dresden; 1962/63 dort hauptamtl. Sekr. der Fak.-PO der SED; 1963 – 66 Mitarb., ab 1965 Ltr. der Abt. Elektronik der SED-BL Dresden; 1966 – 71 stellv. Min. für Elektrotechnik u. Elektronik; 1966 – 71 Staatssekr. für die Koordinierung des Einsatzes u. der Nutzung der EDV beim Vors. des Min.-Rats der DDR; 1967 – 89 Abg. der Volkskammer; April 1967 Mitgl. des ZK der SED u. Kand. des PB; 1971 – 89 Mitgl. des Min.-Rats u. dessen Präs.; 1971 stellv. Vors., 1988/89 1. Stellv. Vors. des Min.-Rats (Nachf. von  Werner Krolikowski); 1973 – 86 Min. für Allg. Maschinen-, Landmaschinen- u. Fahrzeugbau; 1984 – 10.11.89 Mitgl. des PB des ZK der SED; Febr. 1986 – 88 Ständ. Vertreter der DDR beim RGW (Nachf. von  Gerhard Weiss), Ltr. der DDR-Delegation im Aussch. für wirtschaftl.-techn. Zusammenarbeit mit dem Irak u. Syrien; 7.11.1989 Niederlegung des Regierungsamts im Zuge des Rücktritts der Reg.  Willi Stoph, 8.11.1989 Rücktritt als Mitgl. des PB des ZK der SED, 3.12.1989 Ausschl. aus der SED; 8.12.1989 Einleitung eines Ermittlungsverfahrens wegen Amtsmißbrauchs u. Korruption, U-Haft, Mai 1990 Einstellung des Verfahrens u. Entlassung aus der Haft; danach arbeitslos. Jan. 1995 Anklage u. ab Aug. 1995 Prozeß vor dem Berliner LG wegen »Totschlags u. Mitverantwortung für das Grenzregime der DDR«, 25.8.1997 Verurteilung zu drei Jahren Gefängnis, Antrag auf Revision; Nov. 1999 bestätigt der BGH das Urteil; 18.1. – 30.9.2000 Haft in der JVA Hakenfelde in Berlin; gest. in Berlin.Elektrische Ausrüstung im Flugzeug. Dresden 1959 (zus. mit H. Guenther).Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Kilimann, Klaus

* 11.10.1938

Geb. in Ortelsburg (Ostpr. / Szczytno, Polen); Vater Eisenbahner, Mutter Hausfrau; 1944 / 45 Grundschule in Ortelsburg, 1945 – 52 Neukloster (Krs. Wismar); 1952 – 56 EOS in Neukloster, Abitur; 1956 – 61 Studium der Physik an Univers. Rostock, Dipl.-Phys.; 1961 – 63 postgrad. Studium an der Lomonossow-Univ. Moskau; 1963 / 64 Ass. am Math. Inst. der Univ. Rostock, 1964 – 70 dort Ass. am Phys. Inst., März 1966 Prom. mit einer Arbeit über Eigenschaften zylindr. Plasmoide, 1970 – 79 Oberass., 1978 Prom. B (Habil.) über Zweiteilchen-Zustände in wechselwirkenden Culombsystemen; 1980 – Mai 1990 dort außerord. Doz.; Okt.-Dez. 1989 Neues Forum Rostock, Mitarb. im Gerechtigkeitsaussch. des Runden Tisches Rostock. Jan. 1990 Mitgl. der SDP / SPD; 31.5.1990 –3.12.1993 OB von Rostock (Nachf. von Christoph Kleemann), Rücktritt anläßl. fremdenfeindl. Unruhen in Rostock-Lichtenhagen; Jan.–Sept. 1994 arbeitslos; 1994 – 2001 in St. Petersburg; 2001 Mitarb. in Consultingprojekten der EU in Moskau u. in Kirgistan 2005 (Dt. Gesell. für Techn. Zusammenarb. – GTZ); 2005 Ruhestand; lebt in Rostock.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Kipp, Siegfried

* 28.4.1939

Geb. in Ober-Hartmannsdorf; Vater Arbeiter; Grund- u. Berufsschule; Lehre u. Arbeit als Versicherungskaufm.; 1954 FDJ; 1957 – 59 Studium an der FS für Finanzwirtschaft, Finanzwirtschaftler; 1959 – 61 Sachbearbeiter; 1960 – 65 Studium an der MLU Halle-Wittenberg, Dipl.-Wirtschaftler; 1961 – 69 Finanzwirtschaftler u. Gruppenltr. im VEB Elektrochem. Kombinat Bitterfeld; 1964 SED; 1969 / 70 Stabsltr. u. stellv. Ökon. Dir. im VEB Chemiekombinat Bitterfeld; 1970 Ökon. Dir., 1971 – 81 Dir. für Ökonomie u. 1. Stellv. des GD des VEB Petrolchem. Kombinat Schwedt; 1973 / 74 Lehrgang an der SED-PHS; 1981 – 90 GD des VEB Reifenkombinat Fürstenwalde (Nachf. von Gerhard Wirtz).Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Kirchberg, Helmut

* 31.1.1906 – ✝ 23.5.1983

Geb. in Mainz; Vater Schulrektor; 1915 – 1924 Gymnasium Zum Kloster Unser Lieben Frauen in Magdeburg, Abitur; 1924 – 29 Bergbaustudium an der Bergakad. Freiberg, der TH Aachen u. der TH Berlin, Dipl. als Berging.; 1929 – 38 Ass., Oberass. u. Obering. am Lehrstuhl für Bergbau, Aufbereitungs- u. Brikettierkunde der TH Berlin, dort 1937 Prom.; 1938 – 43 erster wiss. Ass. an der Erzabt. des Kaiser-Wilhelm-Inst. für Eisenforschung Düsseldorf; 1943 Habil. an der TH Aachen; 1943 – 45 Prof. u. Dir. des Inst. für Bergbaukunde u. Aufbereitung an der TH Breslau. 1945 Evakuierung des Inst. nach Freiberg; 1946 / 47 Oberreferent für Ausbildungsfragen bei der Dt. Zentralverw. für Brennstoffind. in der SBZ in Berlin; 1947 – 60 Prof. für Aufbereitung u. Bergbaukunde sowie Institutsdir. an der Bergakad. Freiberg, 1948 – 50 Dekan der Fak. für Bergbau u. Hüttenwesen, 1953 – 55 Rektor der Bergakad. Freiberg (Nachf. von  Friedrich Leutwein); 1954 – 1971 Gründungsdir. des Forschungsinst. für Aufbereitung in Freiberg; 1956 korr. u. 1957 ord. Mitgl. der DAW; 1959 VVO; 1969 Banner der Arbeit; gest. in Freiberg. Hauptarbeitsgebiete: Erzaufbereitung, Aufbereitungstechnol., Aufbereitungsanlagen; fast 100 Veröff.Aufbereitung bergbaulicher Rohstoffe. Jena 1953 (Lehrbuch). Rotter, D.: Ehrenkolloquium zum 70. Geburtstag von Prof. Dr.-Ing. habil. H. K. (Laudatio). In: Freiberger Forschungshefte (1977) A 571; Lauterbach, W.: H. K. In: Mitteilungen des Freiberger Altertumsvereins (2003) 92.Roland Volkmer

Wer war wer in DDR

Kirchner, Mark

* 4.4.1970

Geb. in Neuhaus am Rennweg; begann 1976 in Scheibe-Alsbach mit Wintersport, Fußball u. Leichtathletik; 1982 KJS, ASK Vorwärts Oberhof; 1986 zweifacher DDR-Jugendmstr.; Junioren-WM 1988 15 km u. Staffel, 1989 in der Mannschaft; 1989 Europacup-Sieger 10 km u. 20 km; 1990 Abitur. 1990 – 93 beim WSV Oberhof, ab 1993 beim WSV Scheibe-Alsbach (Trainer  Frank Ullrich); ab 1991 Bundeswehr, Oberhofer Sportkompanie (zuletzt Ofw.); 1992 Olympiasieger 10 km u. Staffel, Silber 20 km, 1994 Olympiasieger Staffel; acht WM-Titel: 1990 10 km u. Mannschaft, 1991 10 km, 20 km u. Staffel, 1993 10 km, 1994 Staffel, 1995 Staffel; 1998 EM Staffel; danach Wechsel zum Skilanglauf: 1999 3. Platz bei den Dt. Meisterschaften 30 km, 4. Platz bei der WM 4 x 10 km; 1999 Rücktritt; danach Co-Kommentator für die ARD u. Nachwuchstrainer im Dt. Skiverband; seit 2007 Assistenztrainer von Bundestrainer  Frank Ullrich; lebt in Scheibe-Alsbach.Volker Kluge

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Kiriasis, Sandra

* 4.1.1975

Geb. in Dresden; begann als Fünfjährige in Geising mit Skilanglauf; ab 1984 Rennrodlerin im TZ Dynamo Altenberg; 1985 KJS Altenberg, SG Dynamo Altenberg; 1991 zum BSC Winterberg; Sportfördergruppe der Bundeswehr Warendorf (Oberfeldwebel) u. Ausbildung zur Bürokauffrau; 1993: Junioren-WM Einzel (Bronze), Mannschaft (Gold); Dt. Mstr.: 1995 3. Pl., 1996 6. Pl.; 1997 Abschied vom Rennrodeln; drei Jahre Zivilangest. der Bundeswehr in Köln; Sommer 2000 Wechsel zum Bobsport (Trainer Bernhard Lehmann); zweimal Olymp. Spiele: 2002: mit Ulrike Holzer (Silber), 2006 mit Anja Schneiderheinze (Gold); WM 2005; zweimal WM-Zweite (2003/04), einmal WM-Sechste (2001); 2003 – 06 viermal Gesamt-Weltcup-Siegerin, 2001 u. 2002 Zweite im Gesamt-Weltcup; 2003 – 06 viermal Dt. Mstr.; lebt in Winterberg.Volker Kluge

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Kirsch, Sarah

* 16.04.1935 – ✝ 5.5.2013

Geb. in Limlingerode (Südharz), aufgew. in Halberstadt; Vater Fernmeldemechaniker; Abitur; Forstarbeiterlehre, abgebrochen; Arbeit in einer Zuckerfabrik; 1954 – 58 Studium der Biol. in Halle u. Arbeit in Zuckerfabrik, Kinderheim, LPG; 12.12.1962 Teiln. am Lyrikabend der AdK (organisiert von  Stephan Hermlin); 1963 – 65 Studium am Lit.-Inst. »Johannes R. Becher« in Leipzig bei  Georg Maurer; ab 1965 freischaff. Schriftst., Mitgl. des DSV; erster Lyrikband »Gespräch mit dem Saurier« (mit Rainer K., Erich-Weinert-Medaille); 1966 im Rahmen der »Forum-Lyrikdebatte« heftige Anfeindungen wegen einer offenen Bekundung von Desinteresse an ökon. Problemen u. techn. Fortschritt; 1968 Umzug nach Berlin; weitere Lyrikbände (u. a. »Landaufenthalt«, 1967; »Zaubersprüche«, 1973; »Rückenwind«, 1976) u. Erzählungen (»Die ungeheuren bergehohen Wellen auf See«, 1973; »Die Pantherfrau«, 1973, gilt als frühes Zeugnis dokumentierender Frauenlit.); 1973 Heinrich-Heine-Preis; Mitgl. des Vorst. des SV; seit 1976 vom MfS im OV »Milan« überwacht (schon zuvor »operativ bearbeitet«); 1976 Petrarca-Preis; Nov. 1976 Mitunterz. der Protest-Resolution prominenter Künstler gegen die Ausbürgerung von  Wolf Biermann; Ausschl. aus der SED u. dem Vorst. des SV, starke Pressionen; Aug. 1977 Ausreise nach Berlin (West); 1978 Villa-Massimo-Stipendium; 1980 Unterstützung der bundesdt. Friedensbew.; 1981 Österreich. Staatspreis für Lit.; 1983 Distanzierung vom 2. Friedensgespräch der AdK Berlin (West) wegen der Einladung von »DDR-Schriftst.-Funktionären«; Roswitha-Preis der Stadt Gandersheim; lebt seit 1983 in Tielenhenne (Schlesw.-Holstein); 1984 Friedrich-Hölderlin-Preis; 1988 Stadtschreiber-Lit.-Preis der Stadt Mainz; Mitgl. des PEN-Zentrums Bundesrep. Dtl., der Dt. Akad. für Sprache u. Dichtung Darmstadt, der Freien AdK Mannheim u. der Freien AdK Hamburg; Veröff. hochangesehener naturnaher Lyrikbände in der Bundesrep. Dtl. (u. a. »Wintergedicht«, 1978; »Katzenkopfpflaster«, 1978; »Katzenleben«, 1984) u. des teilw. autobiogr. Textes »Allerlei-Rauh. Eine Chronik«, 1988. Seit 1990 Beteiligung an öffentl. Debatten um das Wirken des MfS, insbes. Warnung vor einer Verdrängung dieser Thematik; 1992 Ablehnung der Wahl in die AdK Berlin wegen der Mitgliedschaft ostdt. »Staatsdichter u. Stasizuträger«; 1993 Peter-Huchel-Preis; Lit.-Preis der Konrad-Adenauer-Stiftung; 1994 öffentl. Distanzierung vom Dt. PEN-Zentrum (Ost); 1995 – 96 Brüder-Grimm-Prof. an der Univ. (Gesamthochschule) Kassel; 1996 Büchner-Preis; Austritt aus dem PEN-Zentrum der Bundesrep. Dtl. anläßl. der anstehenden Vereinigung mit dem Dt. PEN-Zentrum (Ost); 1996/97 Frankfurter Poetikvorlesungen; 1997 Droste-Hülshoff-Preis; weitere Literaturpreise; gest. in Heide (Holstein).La Pagerie. Stuttgart 1980; Landwege. Ausgew. Gedichte 1980 – 85. Stuttgart 1985; Schneewärme. Gedichte. Stuttgart 1989; Erlkönigs Tochter. Gedichte. Stuttgart 1992; Bodenlos. Gedichte. Stuttgart 1996; Luftspringerin. Gesammelte Gedichte u. Prosa. Stuttgart 1997; Kommt der Schnee im Sturm geflogen. München 2005; Sämtl. Gedichte. 2005; Regenkatze. München 2007. Arnold, H. L. (Hrsg.): S. K. München 1991; Heidenreich, W. (Hrsg.): S. K. Texte, Dokumente, Materialien. Baden-Baden 1993.Bernd-Rainer Barth / Andreas Kölling

Wer war wer in DDR

Kirst, Klaus Dieter

* 14.9.1940

Geb. in Meiningen; Vater Pfarrer; OS, Abitur; 1961 – 64 Studium der Theaterwiss. an der Theater-HS »Hans Otto« in Leipzig; 1964 – 70 Schauspieler u. Regieassistent am Staatsschauspiel Dresden; dort seit 1970 Regisseur; seit 1977 zahlr. Gastinszenierungen im In- u. Ausland; 1978 Kunstpreis der DDR. Inszenierungen: »Egmont« (1968, Theater der Stadt Cottbus, erste selbst. Inszenierung); in Dresden u. a.: von  Peter Hacks »Adam u. Eva« (UA 1973), »Prexaspes« (UA 1976), »Nathan der Weise« (1978), »Senecas Tod« (1980), »Lulu« (»Erdgeist«/»Die Büchse der Pandora«, Fassung des Staatsschauspiels Dresden, 1983); »Der Kaufmann von Venedig« (1985); von  Christoph Hein »Passage« (1987), »Die Ritter der Tafelrunde« (1989); »Wer hat Angst vor Virginia Woolf ...?« (1989), »Die Zauberflöte« (Oper Dresden, 1990), »Der Prinz von Homburg« (1992), »Dreigroschenoper« (1992), »Schau heimwärts, Engel« von Ketti Frings (1992), »The Rocky Horror Picture Show« von Richard O’Brien (Kuppeltheater, 1993), »Die Entführung aus dem Serail« (Oper Essen, 1993); 1993/94 als Gast am Aalto Theater Essen Beginn »Der Ring des Nibelungen« (1993/94 »Rheingold« / »Walküre«); »Biogr.: Ein Spiel« (1994), »Der zerbrochene Krug« (1996), »Die heilige Johanna der Schlachthöfe« (1998), »Iphigenie auf Tauris« (1999), »Die Nashörner« (2000); Gastinszenierungen in Graz: »Lulu« (1978) u. »Yerma« (1982), am Thalia Theater Hamburg (»Traumulus« von Arno Holz/ Oskar Jerschke); »Judith« von Hebbel (2001); »Republik Vineta« von Rinke (2003); »Der Menschenfeind« von Molière (2004); »Richard III.« von Shakespeare (2005).Aune Renk

Wer war wer in DDR

Klaar, Norbert

* 12.10.1954

Geb. in Wittenberge (Elbe); 1966 mit dem Schießsport beim SC Dynamo Perleberg begonnen; erst Sportpistole, dann spez. auf die Schnellfeuerpistole; 1972 Wechsel zum SC Dynamo Hoppegarten (Trainer: Reiner Göthel); 1973 – 90 SED; Ausbildung zum Schienenfahrzeugschlosser; Studium der Staatswiss., Angest. im MdI; 1976 Olymp. Spiele: Sieger (Schnellfeuerpistole); 1977 EM (mit der Mannschaft im Luftpistolenschießen); VVO. 1990 Wechsel zum SV Adlershofer Füchse; arbeitet als Schießlehrer.Olaf W. Reimann

Wer war wer in DDR

Klapproth, Helmut

* 9.3.1928

Geb. in Dessau; Vater Zimmermann, Mutter Hausfrau; Volks- u. Mittelschule; 1945 – 47 Maurer-Umschüler in Dessau; 1947 SED; 1947 – 49 Student an der ABF in Halle; 1949 – 53 Studium der Wirtschaftswiss. u. wiss. Ass. an der Univ. Halle u. der HfÖ Berlin, Dipl.-Wirtschaftler; 1953 / 54 Stellv. Planungs-Ltr. im VEB Polysius Dessau; 1954 – 56 Sekr. für Wirtschaft der SED-KL Dessau; 1956 – 58 Dir. für Arbeit im VEB Waggonbau Dessau; 1958 – 61 Vors. der Plankommission im Rat der Stadt Dessau u. Stellv. des OB, 1961 – 63 OB von Dessau; 1963 – 66 1. Stellv. des Vors., 1966 – 84 Vors. des Rats des Bez. Halle (Nachf. von  Otto Leopold); 1974 Studium an der PHS der KPdSU in Moskau; 1984 – 11.11.1989 Vors. der BPKK der SED-BL Halle; 1990 Ausschluß aus der SED-PDS.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Klaus, Georg

* 28.12.1912 – ✝ 29.7.1974

Geb. in Nürnberg; Vater Eisenformer; 1919 – 32 Volks- u. Oberrealschule, 1932 Abitur; schon mit 16 Jahren kommunist. Parteiarbeit; KPD; ab 1932 Studium der Mathematik, Philos. u. Physik in Erlangen, nach drei Semestern im Okt. 1933 Verhaftung wegen illeg. Aktivitäten (»Vorber. zum Hochverrat«), gerichtl. verurteilt u. nach Abbüßung einer zweijährigen Strafe im Zuchthaus Nürnberg für weitere drei Jahre ins KZ Dachau überführt; 1939 Haftentlassung bei Studienverbot; 1939 – 42 Arbeit bei der Fa. Faber-Castell bzw. Schwan-Bleistift; 1942 Wehrmacht, an der Ostfront schwer verwundet, Desertion, bis Sept. 1945 Gefangenschaft in Belgien. 1945/46 Ltr. des Verlags Thür. Volk in Sonneberg; Sept. 1945 Vors. der KPD-, dann SED-KL Sonneberg; 1946/47 Besuch der PHS u. prakt. Parteiarbeit; 1947 Sekr. der SED-Landesltg. Thür.; 1947/48 Forts. des Studiums (viertes bis sechstes Semester) an der Sozialpädagog. Fak. der Univ. Jena im Fach Erziehungswiss.; 1948 Abschl. mit Doktordipl. (Dr. paed.) zum Thema »Die erkenntnistheoret. Isomorphierelation«; anschl. Lehrbeauftr. für dial. u. hist. Materialismus an der Ges.-Wiss. Fak. der FSU Jena; scharfe philosoph.-ideolog. Auseinandersetzungen mit Hans Leisegang, der 1949 zur FU Berlin ging; 1948 persönl. Ref. beim thüring. Min.-Präs.; anschl. Lehrbeauftr. an der FSU Jena; 1950 Habil. zum Thema »Dialektik u. Materialismus in Kantschen Frühschriften« an der HU Berlin; seit 1952 Prof. für marxist. Philos., Dekan der Ges.-Wiss. Fak. u. Prorektor für wiss. Aspirantur der Univ. Jena; 1953 – 57 Dir. des Philosoph. Inst. der HU Berlin, Lehrstuhlinhaber für Logik u. Erkenntnistheorie sowie Prorektor für wiss. Nachwuchs; 1959 Ltr. der Arbeitsgr. Philos. an der DAW; 1961 Mitgl. der DAW; 1962 – 69 Dir. des Inst., 1969 – 74 ZI für Philos. der DAW; 1959 u. 1964 NP; 1967 VVO; gest. in Berlin. Veröff. von mehr als zehn größeren philosoph. Buchpubl. mit z. T. mehrfachen Aufl. in der DDR; Mithrsg. des »Philosoph. Wörterbuchs«, Leipzig 1964 ff. (mit  Manfred Buhr) u. des »Wörterbuchs der Kybernetik«, 1967 ff. (mit Heinz Liebscher); hauptsächl. Forschungsgebiete: philosoph. Fragen der Mathematik, Kybernetik u. Semiotik, Geschichte der Philos., Logik, Erkenntnistheorie u. Methodol. der Wiss.Jesuiten – Gott – Materie (Anti-Wetter). Berlin 1957; Kybernetik in philosoph. Sicht. Berlin 1961; Moderne Logik. Berlin 1964; Kybernetik u. Erkenntnistheorie. Berlin 1966; Sprache der Pol. Berlin 1971; Kybernetik u. Gesellschaft. Berlin 1973. Dorn, C.: Das kybernetische Gesellschafts- u. Kommunikationsmodell G. K.s. Münster 1979; Liebscher, H.: G. K. zu philosoph. Problemen von Mathematik u. Kybernetik. Berlin 1982 (mit Bibl.); Scheel, H. (Hrsg.): Philos. – Wiss. Zum Wirken von G. K. Berlin 1984; Fuchs-Kittowski, K. u. a. (Hrsg.): Kybernetik u. Interdisziplinarität in den Wiss. Berlin 2004.Hans-Christoph Rauh / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Klebba, Franz

* 8.5.1891 – ✝ 26.5.1970

Geboren am 8. Mai 1891 in Zoppot bei Danzig, zwölftes Kind einer Arbeiterfamilie. Er heuerte als 14jähriger 1905 als Matrose auf deutschen und ausländischen Handelsschiffen an. Von 1909 bis 1912 Militärdienst bei der kaiserlichen Marine, bis Kriegsausbruch Werftarbeiter in Hamburg und anderen deutschen Hafenstädten. Im Weltkrieg von 1914 bis 1918 Kriegsdienst als Heizer bei der 1. Werftdivision in Kiel, 1918 Mitglied des Kieler Arbeiter- und Soldatenrates, der ihn Anfang 1919 zum Arbeiter- und Soldatenrat nach Danzig delegierte. Nach dessen Auflösung Angestellter im Landratsamt Neustadt, danach übersiedelte er nach Mecklenburg und arbeitete auf verschiedenen Gütern. Anfang 1920 trat er in die KPD ein, organisierte während des Kapp-Putsches die Landarbeiter in Strelitz-Land. 1924 kam er als Nachrücker in den Landtag von Mecklenburg-Strelitz, dem er bis 1928 angehörte. Von 1926 bis 1928 war er hauptamtlicher UB-Sekretär des RFB in Mecklenburg-Strelitz. 1928 wurde Klebba wegen politischer und persönlicher Differenzen mit dem Fraktionsvorsitzenden Erich Schmidt aus der KPD-Fraktion des Landtages ausgeschlossen. Er war dann bis 1933 im Landarbeiterverband tätig. Nach 1933 stand er zeitweise unter Polizeiaufsicht und kam 1944 für sechs Wochen in »Schutzhaft«. Im April 1945 rettete Klebba 60 weibliche, vorwiegend tschechische Häftlinge des KZ Ravensbrück, die während des Evakuierungsmarsches in die Wälder geflohen waren. Er war 1945 bis 1948 Bürgermeister von Groß-Trebbow in Mecklenburg. 1948 eröffnete die SED-Kreisparteikontrollkommission Neustrelitz gegen ihn ein Parteiverfahren wegen »Fragebogenfälschung«, das 1949 mit seinem Ausschluß endete. Resigniert übersiedelte er nach Weimar, wurde nach mehreren Anträgen 1959 rehabilitiert und wieder in die SED aufgenommen. Franz Klebba starb am 26. Mai 1970.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Klein, Arnold (Kolossa

* 30.3.1900 – ✝ 25.1.1942

(* 1900 – † 1942) Geboren am 30. März 1900 in Budapest, Sohn des Arbeiters Wilhelm Klein. Mit einem städtischen Stipendium zur Handelsschule. 1919 Mitglied des Kommunistischen Jugendverbandes Ungarns, nach der Niederschlagung der Räterepublik 1920 Übersiedlung nach Wien, dort 1922 Mitglied der KP Ungarns. Anfang 1924 Umzug nach Berlin, später nach Essen, Mitglied der KPD. 1925 mit Unterstützung der Roten Hilfe polizeiliche Anmeldung unter dem Namen Edwin Kolossa, geboren am 15. Mai 1898 in Michowitz/Oberschlesien. Archivar und Buchhändler, später Wirtschafts- bzw. Auslandsredakteur am »Ruhr-Echo«. Klein-Kolossa war von 1929 bis Januar 1933 Mitglied der KPD-BL Ruhrgebiet, 1932 wurde er Nachfolger von Erich Birkenhauer als Agitpropsekretär. Er leitete von 1930 bis 1932 den AM-Apparat der BL Ruhr. Kolossas Deckname Heinrich wurde in Parteikreisen bald erweitert zu »Peitschenheinrich« oder auch »Leichenheinrich«, weil er, so ein ehemaliger Mitarbeiter in einem Gestapoverhör, »brutal und rücksichtslos war und über Leichen ging«. Im März und April 1933 illegale Arbeit in Deutschland, anschließend Emigration in die Niederlande, wo er Grenz-Kuriere organisierte. Ab Februar 1934 in Frankreich, hielt er sich im Sommer 1934 im Saargebiet auf und kam im September 1934 nach Moskau. Dort bekam er den Parteinamen Hans Bloch und wurde im Februar 1935 Redakteur der »Inprekorr«. Ab September 1936 Redakteur in der Auslandsabteilung der »Deutschen Zentral-Zeitung«. Zuletzt als Arbeiter ins Autowerk »Gorki« in Nischni-Nowgorod versetzt. Am 8. März 1938 wurde Hans Bloch (Klein-Kolossa) vom NKWD verhaftet und zunächst in das berüchtigte Taganka- bzw. Butyrka-Gefängnis gesperrt. Er wurde wie damals üblich beschuldigt, Mitglied und Organisator einer »faschistisch-trotzkistischen Gruppe« zu sein sowie Spionage für Nazideutschland getrieben zu haben. Die sowjetischen Behörden übergaben ihn am 5. Februar 1940 als »unerwünschten Ausländer« der Gestapo, die Klein in das Gefängnis Lublin brachte. Später nach Berlin bzw. nach Essen überführt und dort wegen »Vorbereitung zum Hochverrat« angeklagt. Der an offener Tbc leidende Häftling Klein wurde im Dezember 1940 zu einem Lokaltermin nach Holland geschleppt. Ab Oktober 1941 lag er in der Krankenabteilung des Gerichtsgefängnisses in Düsseldorf, wo Arnold Klein-Kolossa am 25.Januar 1942 starb.

Wer war wer in DDR

Kimmel, Annelies

* 7.7.1934

Geb. in Hausdorf (Sachsen); Vater Arbeiter; Volksschule; 1949 – 52 Ausbildung zum Mechaniker; 1949 FDGB; FDJ; 1952 – 61 versch. FDJ-Funktionen; 1953/54 Studium an der Jugend-HS Bogensee; 1954 SED; 1958/59 Studium an der HS des Komsomol in Moskau; 1962 – 64 Ltr. des Referats Jugendfragen beim Berliner Magistrat; 1964 – 66 Studium an der Ing.-Schule Berlin-Lichtenberg, Maschinenbauing.; 1966/67 stellv. Sekr. der SED-GO im Glühlampenwerk Berlin; 1967 – 69 Mitarb., 1969 – 73 Sekr. der SED-KL Berlin-Treptow; 1973 – 76 Studium an der PHS, Dipl.-Ges.-Wiss.; 1977 – 79 Sekr. der SED-GO im Berliner Glühlampenwerk u. Parteiorganisatorin des ZK für das Kombinat NARVA; 1979 – 89 Vors. des FDGB-Bez.-Vorst. Berlin (Nachf. von Rudi Höppner); Mitgl. des FDGB-Bundesvorst. u. seines Präs.; Mitgl. des Sekr. der SED-BL Berlin; 1981 – März 1990 Abg. der Volkskammer, 1. stellv. Vors. des Aussch. für Handel u. Versorgung; 2.11.1989 Wahl zur Vors. des FDGB-Bundesvorst. (Nachf. von  Harry Tisch), 9.12. Rücktritt des Vorst. nach Protesten der Mitgl. gegen Verzögerung der Erneuerung des FDGB. 1990 Vorruhestand, dann Rentnerin; gelegentl. Auftritte als Referentin in soz. u. kommunist. Zirkeln.»Wir haben gedacht, daß wir länger dran sind«. Berlin 1990 (Hrsg. von H.-H. Hertle u. R. Weinert).Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Kippenberger, Hans

* 15.1.1898 – ✝ 3.10.1937

Am 15. Januar 1898 in Leipzig geboren, besuchte der Sohn eines freireligiösen Predigers die Oberrealschule, war Volontär in einer Schnellpressenfabrik und meldete sich Anfang 1915 als Freiwilliger zum Kriegsdienst. Er nahm als Offizier am Weltkrieg teil, wurde mehrmals verwundet und schied im Januar 1919 als Oberleutnant aus. Ab Frühjahr 1919 kaufmännische Lehre, anschließend Angestellter in Leipzig, ab Juni 1921 in Hamburg als Korrespondent bei verschiedenen Firmen (für englische, französische, italienische und spanische Sprache). Er schloß sich in Leipzig der USPD an und kam mit deren linkem Flügel 1920 zur KPD. Kippenberger studierte ab Anfang 1922 als Werkstudent in Hamburg Nationalökonomie. Seit 1922 im Apparat der KPD, spielte er beim Hamburger Aufstand 1923 eine führende Rolle. Es war vor allem seiner Umsicht und militärischen Erfahrung zuzuschreiben, daß die Kommunisten einen geordneten Rückzug antreten konnten. Nach dem Aufstand lebte er, schwerverwundet, bis März 1924 illegal in Leipzig, floh dann in die Sowjetunion. In Moskau besuchte er sowohl eine Militärschule als auch die Kommunistische Universität der nationalen Minderheiten des Westens. Ende 1924 kehrte Kippenberger zurück und lebte illegal (bis 1928) in Deutschland, von der Komintern mit dem Aufbau des AM-Apparates der KPD betraut. Obwohl er 1924/25 Mitglied der Hamburger Bürgerschaft war, wurde er noch immer wegen des Hamburger Aufstandes polizeilich gesucht. 1928 kandidierte er für den Reichstag, während des Wahlkampfes zwar verhaftet, doch dann zum Abgeordneten gewählt, mußte er freigelassen werden. Auf dem XII. Weddinger Parteitag 1929 als Kandidat ins ZK aufgenommen, leitete er auch weiterhin den AM-Apparat und blieb bis 1933 Reichstagsabgeordneter. Nach 1933, beim illegalen Aufbau der zerschlagenen KPD, übernahm der AM-Apparat wichtige Aufgaben, doch der Gestapo gelang es, das Informations- und Verteilersystem der KPD zu sprengen. Kippenberger, der als Leo wirkte, wurde fieberhaft von der Gestapo gesucht. Weil Kippenberger mit seinem Apparat die Widersacher Walter Ulbrichts im Machtkampf um die Führung der KPD unterstützte, wurde er von diesem scharf attackiert. Aufgrund der ständigen Angriffe Ulbrichts und Wilhelm Piecks, setzte das Politbüro am 12. Februar 1935 eine Kommission zur Untersuchung der Beschwerden gegen Kippenberger ein. Mit der Niederlage Hermann Schuberts und Fritz Schultes auf der »Brüsseler Konferenz« 1935 wurde Kippenberger entmachtet und nicht mehr in das neue ZK gewählt. Aus Paris in die Sowjetunion beordert, wurde er hier als Industriearbeiter in einen Moskauer Betrieb geschickt. Vom NKWD am 5.November 1936 mit seiner Lebensgefährtin Christina (Aenne) Kerff, geborene Lenderoth im Moskauer Hotel Sojusnaja verhaftet. In einem Geheimprozeß wurde er der »Spionage und Teilnahme an einer konterrevolutionären terroristischen Organisation beschuldigt«. Hans Kippenberger wurde am 3. Oktober 1937 erschossen. Hans Kippenbergers erste Frau, Thea Kippenberger, geborene Niemand (* 10. 10. 1901), Mitglied der KPD, war von 1923 bis 1930 mit Hans Kippenberger verheiratet, emigrierte mit den Töchtern Margot (*7. 5. 1924 – † 2005) und Jeanette (* 23. 7. 1928) im Juli 1933 in die Sowjetunion. Thea Kippenberger arbeitete als Lehrerin und wurde im Februar 1938 verhaftet, durch ein NKWD-Sondertribunal zu mehrjähriger Lagerhaft verurteilt und kam 1939 in Sibirien ums Leben. Am 30. Mai 1957 wurden Hans und Thea Kippenberger durch das Militärtribunal des Moskauer Militärbezirks posthum rehabilitiert, was die SED aber geheim hielt. Ihre beiden Töchter Margot und Jeanette wurden im November 1937 nach Tschistopol, in die Tatarische ASSR in ein Heim für obdachlose Straßenkinder gebracht, in das mehr und mehr Kinder von »Volksfeinden« eingeliefert wurden. Margot Kippenberger heiratete 1948 den russischen Staatsbürger Igor Tschnernawin, konnte mit ihrer Familie im Mai 1958 in die DDR übersiedeln. Sie arbeitete zunächst als Wicklerin im VEB Elektro-Apparate-Werke »J.W. Stalin« in Berlin-Treptow. Da sie sich nicht in das verordnete Schweigen einbinden ließ, kam es zu ständigen Auseinandersetzungen mit dem SED-Parteiapparat. Ihr empörter Leserbrief an das SED-Zentralorgan »Neues Deutschland«, das im Dezember 1979 den 100. Geburtstag Stalins feierte, wurde natürlich nicht veröffentlicht. Sie blieb bis zu ihrer Ausreise nach West-Berlin im März 1981 unter ständiger Beobachtung des MfS. Die jüngere Tochter, Jeanette Kippenberger, arbeitete von 1956 bis 1973 in Ost-Berlin bei ADN als Schreibkraft für Russisch, ab September 1973 bei der SED-eigenen Übersetzerfirma Intertext. Am 14. Juli 1978 übersiedelte sie in die Bundesrepublik Deutschland.

Wer war wer in DDR

Kirchhoff, Werner

* 11.11.1926

Geb. in Berlin; Vater u. Mutter Künstler; 1933 – 43 Volks- u. Mittelschule; 1943 Landw.-Lehre; 1943 – 45 Wehrmacht (Pionier) u. Gefangenschaft. 1946 KPD/SED; FDGB; FDJ; 1946 Neulehrer; 1947 – 52 Ltr. des Schulamts bzw. Schulrat des Krs. Dippoldiswalde; 1949 Erste u. Zweite Lehrerprüfung; 1953 Zentralschule des ZK der SED in Erfurt; 1954 – 62 Abt.-Ltr. im Aussch. für Dt. Einheit; 1956 – 60 Fernstudium der Geschichte an der HU Berlin, Dipl.-Hist.; 1962 – 64 Arbeitsgr.-Ltr. beim Büro des Präs., 1964 – 66 Mitgl. des Sekr., 1966 – 89 Vizepräs. u. Vors. des Sekr. des NR der NF (Nachf. von  Horst Brasch); 1967 – 89 Kand. des ZK der SED; 1972/73 Besuch der PHS der KPdSU in Moskau; 1976 – März 1990 Abg. der Volkskammer; 1981 – 90 Präs. des DDR-Komitees für Freundschaft mit dem palästinens. Volk; VVO; 1990 Ruhestand.Unser Programm siegt. Schoenebeck 1966 (zus. mit E. Lindner u. W. Blumenthal); Grundlegende Aufgaben der Ausschüsse der NF im Jahre 1971. o. O. 1971.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Kirchner, Martin

* 9.8.1949

Geb. in Weimar; Vater Inh. eines Haus- u. Küchengerätegeschäftes; EOS, Abitur; 1967 CDU; Studium der Rechtswiss. an der MLU Halle, 1973 Dipl.-Jur. u. Dipl.-Volksw.; 1973 – 75 Mitarb. beim Sekr. des CDU-Hauptvorst.; ab 25.8.1973 als IM »Küster«, »Franz Körner« bzw. »Hesselbarth« des MfS erf.; 1975 – 86 jurist. Mitarb. bzw. Ltr. des Krs.-Kirchenamts Gera; 1986 jurist. Oberkirchenrat; 1987 – 89 stellv. Vors. des Landeskirchenrats der Ev.-Luth. Kirche in Thür. (Sitz Eisenach; Nachf. von Hartmut Mitzenheim); Mitgl. der Konferenz der Ev. Kirchenltg. in der DDR; Sept. 1989 Mitunterz. des »Weimarer Briefes«, darin die Aufforderung an die CDU, drängende Probleme der DDR »endlich realist. u. unbeschönigt wahrzunehmen«; Dez. 1989 CDU-Gen.-Sekr. (Nachf. von  Gerald Götting); März – Okt. 1990 Abg. der Volkskammer; Aug. 1990 Entbindung vom Amt des CDU-Gen.-Sekr., nachdem am 2.2.1990 seine IM-Tätigkeit bekanntgeworden war. Seit Okt. 1990 in der thür. Wirtschaft tätig, u. a. Aufbau einer Supermarktkette, Gesellschafter einer Bauträgerges.; Austritt aus der CDU; arbeitet als Rechtsanwalt in Ruhla (Krs. Eisenach).Helmut Müller-Enbergs

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Kirnich, Walter

* 12.7.1928 – ✝ 8.8.2012

Geb. in Morgenthau (Rousínov, Böhmen, ČSR); Vater Glasschleifer; 1934 – 38 Volks¬schule, 1938 – 43 Bürgerschule, 1943 / 44 Be¬rufsschule; 1943 – 45 Lehre als Installateur u. Heizungsmonteur; 1945 RAD u. Wehrmacht; 1945 / 46 engl. Kriegsgef. 1946 – 49 Lehre u. Arbeit als Installateur u. Heizungsmonteur; 1947 SED; 1949 – 51 Ltr. der Abt. Schulung, Kultur u. Presse im Landes¬vorst. der IG Energie Sachsen-Anh.; 1951 / 52 stellv. Ltr. der Abt. Schulung, Kultur u. Presse im ZV der IG Energie; 1952 – 55 Instrukteur der SED-KL Wernigerode; 1954 / 55 Besuch der BPS Magdeburg; 1955 – 59 2. Sekr. der SED-KL Schönebeck; 1959 – 62 Studium an der PHS der KPdSU in Moskau, Dipl.-Gesell¬schaftswiss.; 1962 – 64 1. Sekr. der SED-KL Gardelegen; 1964 – 71 1. Sekr. der SED-KL Halberstadt; 1971 – 89 2. Sekr. der SED-BL Magdeburg; 1981 – 89 Mitgl. der ZRK der SED, gest. in Wernigerode.Mario Niemann

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Kirsch (Fredrich), Helene

* 18.7.1906 – ✝ 15.8.1999

(* 1906 – † 1999) Geboren am 18. Juli 1906 als Helene Kirsch in Berlin-Johannisthal, Tochter einer Arbeiterfamilie; Montiererin und Justiererin in Zigaretten- und Metallwarenfabriken. Mit vierzehn Jahren trat sie 1920 in den KJVD, 1925 in die KPD ein. Als Frauenleiterin des Berliner UB Ost bzw. des UB Lichtenberg gehörte sie der Frauenabteilung der BL Berlin-Brandenburg an. 1930/31 arbeitete sie als Küchenhilfe und Serviererin in der sowjetischen Handelsvertretung und im Karl-Liebknecht-Haus, dem Sitz des ZK der KPD. Danach Instrukteurin der Provinzabteilung der BL Berlin-Brandenburg, im November 1932 wurde Helene Kirsch im Wahlkreis Berlin als Abgeordnete in den Reichstag gewählt, dem sie bis März 1933 angehörte. Nach dem Reichstagsbrand illegal, wurde sie am 24. Juli 1933 verhaftet und im April 1934 vom Kammergericht Berlin zu zwei Jahren und neun Monaten Zuchthaus verurteilt. Wegen eines von ihr im Zuchthaus Jauer mitinitiierten Streiks wurde sie im September 1935 wegen »Meuterei« angeklagt, aber freigesprochen. Nach der Entlassung bis Kriegsende Hilfsarbeiterin in einer Metallwarenfabrik in Berlin-Wedding. 1939 für kurze Zeit erneut in »Schutzhaft«. Ihr Mann Bruno Fredrich (*11.6. 1903), von Beruf Buchdrucker und vor 1933 Mitglied der KPD, zur Wehrmacht eingezogen, galt seit 1943 als vermißt. Im Juni 1945 war Helene Fredrich zunächst Kreisfrauenleiterin der KPD in Berlin-Wedding, dann Frauenleiterin der KPD-Provinzialleitung Brandenburg in Potsdam. 1947 wieder nach Berlin, Referentin im ZS. Später arbeitete sie in der Westabteilung des ZK der SED, saß von 1946 bis 1950 im Brandenburgischen Landtag. Sie wohnte in Berlin-Johannisthal und erhielt 1971 den VVO in Gold. Helene Kirsch-Fredrich starb am 15.August 1999.

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Kirsten, Ulf

* 4.12.1965

Geb. u. aufgew. in Riesa; gelernter Maschinenanlagenmonteur; 1972 – 78 Fußballspieler bei der BSG Chemie Riesa, 1978/79 BSG Stahl Riesa; 1979 – 90 bei Dynamo Dresden, ab 1983 in der Erstligamannschaft, 1984, 1985 u. 1990 FDGB-Pokalsieger, 1989 u. 1990 DDR-Mstr., 1989 Halbfinalist im UEFA-Pokal, 57 Tore in 154 Oberligaspielen u. acht Treffer in 21 Europapokalspielen; 1985 – 90 49 Einsätze in der DDR-Nationalmannschaft, 14 Länderspieltore; 1990 DDR-Fußballer des Jahres; 1984 – 88 beim MfS als IM »Knut Krüger« erf. 1990 – 2003 Stürmer bei Bayer 04 Leverkusen, 1993 DFB-Pokalsieger, 1997, 1999, 2000 u. 2002 Dt. Vizemstr., 2002 2. Platz in der Europ. Champions League, 182 Tore in 349 Bundesligaeinsätzen (Rang 5 der ewigen Torschützenliste der Bundesliga); 1993, 1997 u. 1998 Torschützenkönig der Bundesliga; 1992 – 2000 Mitgl. der dt. Nationalmannschaft, 1996 EM, 20 Länderspieltore in 51 Einsätzen; 16.11.2003 Abschiedsspiel in Dresden; 2003 Trainerabschluß; 2004 Co-Trainer der Erstligamannschaft, seit 2005 Trainer der 2. Mannschaft von Bayer 04 Leverkusen (Regionalliga); Gründer der U.-K.-Stiftung, die vornehml. sportl. Nachwuchsarbeit in Dresden fördert; 2005 Schirmherr der Initiative »Volltreffer – Hilfe für Bam«, einer Aktion der Dresdener Hilfsorg. arche noVa e. V. zur Unterstützung des Wiederaufbaus der 2003 von einem Erdbeben zerstörten iran. Kulturstadt Bam; Sohn Benjamin K. Berufsfußballer, Torwart bei Dynamo Dresden.Weskamp, H.-J., Dost, U.: Der Torgarant: Eine dt.-dt. Fußballkarriere. Leverkusen 1998.Jan Wielgohs

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Kläber, Kurt

* 4.11.1897 – ✝ 9.12.1959

Geboren am 4. November 1897 in Jena, Sohn eines Werkmeisters; er verließ das Gymnasium, lernte Schlosser und zog als Wandergeselle durch Europa. Im Weltkrieg Soldat, kämpfte er 1918/19 in Berlin mit dem Spartakusbund und wurde Mitglied der KPD. Bergarbeiter im Ruhrgebiet, dann Redakteur in Bochum, bald war er ein bekannter Autor und später (unter dem Pseudonym Kurt Held) ein berühmter Jugendbuch-Schriftsteller (»Die rote Zora und ihre Bande«, 1941). Kläber war aktiv an der Gründung des Bundes proletarisch-revolutionärer Schriftsteller beteiligt und gab zusammen mit Johannes R. Becher, mit dem er befreundet war, und anderen die kommunistische Zeitschrift »Die Linkskurve« heraus. Kläber edierte 1929 das bekannte Werk »Der Krieg. Das erste Volksbuch vom großen Krieg«. Umstritten waren einige seiner sozialkritischen Schriften, z.B. »Passagiere der III. Klasse« (1927), eine Arbeit, die Thomas Mann »recht gewagt, begabt und merkwürdig« nannte. Weiterhin für die KPD-Presse tätig, mußte Kläber 1933 nach kurzer Inhaftierung emigrieren, floh über die âSR in die Schweiz. 1938 wandte er sich vom Kommunismus ab und wurde 1948 Schweizer Staatsbürger. Kurt Kläber starb am 9.Dezember 1959 in Carona (Schweiz).

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Klare, Hermann

* 12.5.1909 – ✝ 22.08.2003

Geb. in Hameln (Weser) in einer Lehrerfamilie; nach dem Abitur Studium der Chemie in Heidelberg u. Kiel, Prom.; 1933 – 45 Chemiker in versch. Industriebetrieben, u. a. als Ltr. der Kunstseidenfabrik in Wolfen u. Ltr. der Perlonfabrik in Landsberg; 1937 NSDAP. 1945 Betriebsltr. in der Kunstseidenfabrik Premnitz; 1946 Ltr. des »Thür. Zellwollwerks« in Schwarza; 1947 – 49 Forschungs- u. Beratertätigkeit in Klin (UdSSR); 1949 zunächst Betriebsltr., ab 1951 Dir. des VEB Kunstfaserwerk »Wilhelm Pieck« Schwarza; 1951 NP; 1953 – 61 Abt.-Ltr., dann bis 1969 Dir. des Inst. für Faserstoff-Forschung der DAW in Teltow; 1954 – 61 zugl. Prof. an der TH für Chemie Leuna-Merseburg; 1961 Ord. Mitgl. der DAW u. bis 1968 Vors. der Forschungsgem. der naturwiss., techn. u. med. Inst. der DAW (Nachf. von  Hans Frühauf); 1962 – 64 Prof. an der HU Berlin; 1963 NP; 1963 – 68 u. 1979 – 84 Vizepräs. der DAW; 1966 Mitgl. des Präs. des Forschungsrats beim Min.-Rat; 1968 – 79 Präs. der DAW bzw. AdW (Nachf. von  Werner Hartke); 1973 VVO; 1978 Dr. h. c. der Univ. Sofia; 1979 Dr. h. c. der TU Dresden; 1980 – 88 Vors. der Kl. »Chemie« der AdW (Nachf. von Gerhard Keil); Mitgl. der Leopoldina u. der AdW der UdSSR; 1983 Präs. des DDR-Komitees für wiss. Fragen der Sicherung des Friedens u. der Abrüstung; gest. in Kleinmachnow (b. Berlin).Technol. u. Chemie der synthet. Fasern aus Polyamid. Berlin 1954; Geschichte der Chemiefaserforschung. Berlin 1985.Hubert Laitko

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Klauß, Gerhard

* 9.10.1944

Geb. in Bad Suderode in einer Angest.-Familie; Zehn-Klassen-Abschl.; 1961 – 63 Schriftsetzerlehre; bis 1964 Schriftsetzer im Diagramm-Druck Quedlinburg; Pädagogikstudium, Abschl. am Inst. für Lehrerbildung Quedlinburg; SED; 1966 – 69 versch. Funktionen in der Volksbildung; 1970 – 72 Ltr. der Abt. Veranstaltungen im Kulturzentrum Frankfurt (Oder); 1972 – 73 Ltr. Öffentlichkeitsarbeit am Kleist-Theater Frankfurt (Oder); 1973 – 85 Abt.-Ltr. bzw. Dir. für Internat. Beziehungen u. Agentur im VEB Zentral-Zirkus/Staatszirkus der DDR; 1986 1. Stellv., 1987 – 90 GD des Staatszirkus der DDR. 1990 – 92 Geschäftsf. der Berliner Circus Union GmbH; ab 1992 freiberufl. in der Showbranche; betreibt die Fa. Show & Media Consulting in Frankfurt (O.).Dietmar Winkler

Wer war wer in DDR

Kleber, Wilhelm (Will)

* 15.12.1906 – ✝ 27.8.1970

Geb. in Karlsruhe; Vater Kfm.; 1927 Abitur in Karlsruhe; 1927 – 31 Studium der Physik u. Mineralogie an der Univ. Heidelberg, dort 1931 Prom. bei Victor Goldschmidt; 1933 NSDAP; 1934 – 39 Assistent am Mineralog.-Kristallograph. Inst. der Univ. Heidelberg, 1936 Habil.; 1938 Doz.; 1940 Versetzung an die Univ. Bonn; 1943 Ernennung zum appl. Prof. für Mineralogie, Kristallographie u. Petrographie; 1941/45 Kriegsdienst im Wetterdienst der Luftwaffe. 1953 Berufung an die HU Berlin als Prof. für Mineralogie u. Dir. des Mineralog. Museums; 1955 Mitgl. der Leopoldina Halle; 1960 NP; 1961 Mitgl. der DAW; gest. in Berlin. Internat. anerkannte Forschungen zur Kristallphysik u. -chemie, Kristallmorphologie u. Kristallwachstum; maßgebl. Beitrag zum Aufbau des Fachgeb. Kristallographie in der DDR.Einführung in die Kristallographie. Berlin 1956.Dieter Hoffmann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Klein, Karl

* 7.12.1886 – ✝ 20.8.1960

Geboren am 7. Dezember 1886 in Erfurt, Sohn eines Schuhfabrikarbeiterehepaars; kaufmännische Lehre. 1904 Mitglied der SPD, Funktionär der Arbeiterjugend in Höchst und in Frankfurt/M. 1907 Militärdienst, 1909 Rückkehr nach Erfurt, Arbeit als Handlungsgehilfe, 1914 Einberufung zum Militär, Klein war Soldat im 5. Garderegiment in Berlin-Spandau. Zeitweilig gehörte er als Soldatenvertreter zum Kopf der Revolutionären Obleute (Emil Barth, Richard Müller, Ernst Däumig, u. a.), knüpfte Verbindung zur Spartakusgruppe und fuhr Mitte Dezember 1918 nach Erfurt, um die Spartakusgruppe zu organisieren, die er dort am 26.Dezember auch schuf. Als Erfurter Delegierter auf dem Gründungsparteitag der KPD wurde Klein in die Programmkommission berufen. Nach seiner Rückkehr aus Berlin wurde er Vorsitzender der KPD Thüringen in Erfurt. Von 1920 bis Mitte 1922 im Auftrag der Zentrale Polleiter der BL Ostpreußen in Königsberg, 1922/23 Sekretär der KPD in Bremen, anschließend bis Mitte 1924 Redakteur des »Roten Echos« in Erfurt, Delegierter des II. (1920) und VII. Parteitags 1921. Ab 1924 war Klein Mitarbeiter im Münzenberg-Apparat bzw. Leiter der Inseraten-Expedition der AIZ in Berlin. Nach 1933 weiter im Inseratengeschäft tätig. 1938 verhaftet, kam er in das Zuchthaus Luckau. Wegen Flecktyphus haftunfähig, im Dezember 1941 entlassen. 1945 beteiligte sich Klein am Aufbau der Gewerkschaft in Langensalza und war bis 1948 Vorsitzender des FDGB-Kreisvorstandes Langensalza, danach Sekretär des FDGB-Landesvorstandes Thüringen bzw. Referent des Bundesvorstandes. Zuletzt war er Kaderleiter der DHZ-Bürobedarf, Niederlassung Erfurt. Er erhielt den VVO in Bronze. Karl Klein starb am 20. August 1960 in Erfurt.

Wer war wer in DDR

Kind, Friedrich

* 20.12.1928 – ✝ 5.2.2000

Geb. in Leipzig; Vater Ing.; Volks- u. Mittelschule in Leipzig u. Limbach (b. Chemnitz), 1943/44 Ausbildung zum Mechaniker; 1944/ 45 notdienstverpflichtet. 1945 – 47 Forts. der Schul- u. Berufsausbildung; 1946 FDJ u. FDGB; 1947 – 49 FDJ-Arbeitsgebietsltr. in Chemnitz; 1948 CDU; 1949 CDU-Krs.-Außensekr. u. 1950 Krs.-Sekr. in Hoyerswerda; 1950 – 52 CDU-Landessekr. Brandenb.; 1952 – 90 Vors. des Bez.-Verb. Potsdam; 1952 – 54 Abg. der Volkskammer, 1954 – 58 der Länderkammer u. des Bez.-Tags Potsdam; 1956 Vors. des Bez.-Verb. Potsdam der DSF; 1958 – März 1990 wieder Abg. der Volkskammer, 1969 – 71 Mitgl. des Aussch. für Nat. Verteidigung; Sept. 1960 – 29.1.1990 Mitgl. des Staatsrats; 1960 – 77 Mitgl. des Präs. des CDU-Hauptvorst.; 1966 – 72 Fernstudium an der PH Potsdam, Dipl.-Lehrer für Geschichte; 1982 dort Prom. zum Dr. phil. mit einer Diss. zur Geschichte des CDU-Landesverb. Brandenb.; 1990 Vertriebs- u. Anzeigenltr. der Wochenztg. »Die Märkische«; gest. in Geeste, Krs. Emsland.Christl. Demokraten im Ringen um eine neue Demokratie. Berlin 1984.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Kipphardt, Heinar

* 8.3.1922 – ✝ 18.11.1982

Geb. in Heidersdorf (Schles.); Vater Zahnarzt (1933 – 37 im KZ u. später ermordet); 1940 Abitur in Krefeld; Arbeitsdienst; 1941 – 42 Studium der Med. in Bonn, Köln u. Düsseldorf; 1942 Soldat an der Ostfront. Jan. 1945 Desertion; Studium der Med. in Düsseldorf; 1947 – 49 Assistenzarzt in Krefeld; 1949 Übersiedl. nach Berlin (Ost); 1949/50 Assistenzarzt an der Univ.-Nervenklinik der Charité; 1950 Prom. zum Dr. med. in Düsseldorf; 1950 – 59 Dramaturg u. Chefdramaturg am Dt. Theater Berlin (DT); 1952 UA der Szenen »Entscheidungen« (R: H. K.); 1953 Mitgl. der SED; UA »Shakespeare dringend gesucht« (R:  Herwart Grosse), erstes Beispiel des kurzlebigen »Neuen Kurses« der SED nach dem 17. Juni; NP; 1956 UA »Der Aufstieg des Alois Piontek« (DT, R: H. K.); 1959 nach öffentl. Angriffen wegen »revisionist. Tendenzen« Vorladung vor die Kulturkommission beim PB des ZK der SED, Kündigung beim DT; sechs Mon. Arbeitsaufenthalt als Dramaturg in Düsseldorf; 1960 Übersiedl. in die Bundesrep. Dtl.; 1960 – 69 freier Schriftst.; 1961 Dramaturg bei der Bertelsmann Fernseh-Prod.; Umzug nach München; 1962 UA »Der Hund des Generals« (Theaterstück u. 1964 Fernsehspiel); 1964 »In der Sache J. Robert Oppenheimer« (Fernsehspiel u. Theaterstück), wichtiges Dok. des bundesdt. Dok-Theaters, Welterfolg; Gerhart-Hauptmann-Preis; 1965 Adolf-Grimme-Preis; 1969 Dramaturg an den Münchener Kammerspielen; 1970 Chefdramaturg; 1971 Rücktritt wegen Auseinandersetzungen um H. K.s Programmheft zu  Wolf Biermanns »Der Dra-Dra«; 1975 »Leben des schizophrenen Dichters Alexander März« (Fernsehfilm); 1976 »März« (Roman); Prix Italia; 1977 Mithrsg. der »Autorenedition«; Bremer Lit.-Preis; 1981 Teiln. an der »Berliner Begegnung zur Friedensförderung«; Mitgl. der Akad. der darst. Künste Darmstadt u. des PEN-Zentrums der Bundesrep. Dtl.; 1983 posthum UA von »Bruder Eichmann«. Trotz seines Weggangs wurden Stücke von H. K., der fortan als »bürgerl.-humanist. Schriftst.« galt, weiterhin häufig an Theatern der DDR gespielt.Gesammelte Werke in Einzelausg. 10 Bde. Reinbek b. Hamburg 1986 – 1990. Stock, A.: H. K. Reinbek 1987; Naumann, U., Töteberg, M.: In der Sache H. K. Marbach 1992 (mit einer Bibl. v. N. Riedel); Hanuschek, S.: H. K. Berlin 1996; Hanuschek, S.: H. K.s Bibliothek: ein Verzeichnis. Bielefeld 1997.Andreas Kölling

Wer war wer in DDR

Kirchmeier, Emil

* 10.7.1895 – ✝ 7.4.1975

Geb. in Daber (Krs. Randow, Pommern / Dobra, Polen); Vater Arbeiter; Lehre u. Arbeit als Handlungsgehilfe; 1913 ZdA u. SAJ, 1918 USPD, 1922 SPD; 1924 – 33 Sekr. des ZdA-Gau Brandenburg / Mecklenburg / Grenzmark; 1933 – 37 arbeitslos; 1937 – 45 Vertriebskaufm. bei der Askania-Werke AG Berlin; nach 1933 illeg. antifasch. Arbeit in der Widerstandsgr. um Wilhelm Leuschner u.  Bernhard Göring. 1945 – 48 1. Vors. des engeren Vorstands der Gewerkschaft der kaufm. u. Büro-Angestellten; 1946 SED; 1948 – 54 Mitgl. des FDGB-BV Groß-Berlin; 1950 – 55 stellv. Dir. der Berliner Handelszentrale bzw. Ltr. der Berliner Niederlassung der Handelszentrale Lederwaren; zeitw. Vorstandsmitgl. der Dt. Volksbühne; bis 1958 Vors. des Besucherrats; 1955 – 63 Geschäftsf. des KB u. Mitgl. des Sekr. der Bundesltg. des KB; 1960 VVO; 1963 – 70 Gruppenltr. in der IHK Berlin.Kirsten Nies

Wer war wer in DDR

Kirchner, Peter

* 20.2.1935

Geb. in Berlin; Vater Bäcker, Mutter Lagerarb.; 1941 bis zur Schließung 1942 Besuch der Volksschule der Jüd. Kultusvereinigung in Berlin; 1943 zus. mit der Mutter Zwangseinweisung in das Berliner Durchgangslager Große Hamburger Straße; anschl. bis Kriegsende illeg. Aufenthalt in Neustadt/Dosse. Ab 1945 Schulbesuch in Berlin, 1954 Abitur; anschl. Studium der Med. an der HU Berlin; 1959 – 61 wiss. Assistent am Anatom. Inst. der HU, 1961 Prom.; danach Facharztausbildung u. Arzt in Berlin; ab 1967 Facharzt für Neurologie u. Psychiatrie im Krankenhaus Berlin-Lichtenberg (Herzberge); 1985 – 91 Bereichsltr. in der Zentralstelle für ärztl. Begutachtungswesen Berlin; 1971 – 90 Vors. der Jüd. Gemeinde von Berlin (Nachf. von Heinz Schenk); 1985 – 90 zugl. Vizepräs. des Verb. der Jüd. Gemeinden in der DDR; ab 1988 Präs. der Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum; Teiln. an zahlr. Tagungen u. Kongressen internat. jüd. Org.; zahlr. publizist. Beiträge über jüd. Geschichte u. Kultur, insbes. in Berlin; Mithrsg. des Nachrichtenblatts der Jüd. Gemeinden in der DDR; 1977 – 89 beim MfS als IMV/IMB »Burg« erf. 1992 – 98 ärztl. Gutachter bei der Bundesversicherungsanstalt für Angest.; lebt in Berlin.Jüd. Friedhöfe in Berlin. Berlin 1987 (mit A. Etzold, J. Fait u. H. Knobloch). P. K. In: Herzberg, W. (Hrsg.): Überleben heißt Erinnern. Biogr. Berlin 1990.Jan Wielgohs

Wer war wer in DDR

Kirsanow, Alexander Wladimirowitsch (auch: Wassilewitsch

* 1903 – ✝ 05.03.1985

Chefredakteur der »Berliner Zeitung« und der »Täglichen Rundschau« Vater Bauer; Studium der Volkswirtschaft; 1920 Mitgl. der KPdSU; Doz. für Pol. Ökon. an der Internat. Lenin-Schule der KI in Moskau; ab 1942 Mitarb. der 7. Abt. der GlavPURKKA, pol. Arbeit unter dt. Kriegsgefangenen; Oberst. 18.5.1945 Einzug mit der Roten Armee in Berlin; 21.5.1945 Gründung der »Berliner Ztg.«, bis Juli 1945 ihr Chefred.; 1945 – 50 Chefred. des dt.-spr. SMAD-Organs »Tägl. Rundschau«; 1945 – 50 u. 1946 – 50 Chefred. von »Neue Welt«; A. K. hatte erhebl. Anteil an der Gestaltung der sowj. Besatzungspol. in der SBZ; ab 1950 Hist. an der HS für Weltwirtsch. u. Internat. Beziehungen in Moskau; zul. an der AdW der UdSSR; Vizepräs. der Sowj. Ges. für Freundschaft mit der DDR.Leinkauf, T.: Der Bär bleibt! In: Berliner Ztg. v. 20.5.2005.Jan Foitzik / Ingrid Kirschey-Feix

Handbuch Deutsche Kommunisten

Kirschey, Walter

* 5.5.1908 – ✝ 7.5.1978

Geboren am 5. Mai 1908 in Elberfeld-Barmen, Sohn eines Maurers, der bald starb und seiner Witwe sechs Kinder hinterließ. Maurerlehre, 1921 Mitglied der KJD, 1925 der KPD. Mit seinem älteren Bruder Wilhelm machte Walter Kirschey schnell »Karriere« im Apparat des KJVD. Er gehörte der BL Niederrhein und ab 1929 dem ZK des KJVD an. Im selben Jahr für ein Jahr nach Moskau delegiert, wo er das Jugendsekretariat der RGI leitete und als stellvertretender Chef der Gewerkschaftsabteilung im Exekutivkomitee der KJI tätig war. 1930 kehrte er zurück und wurde in Berlin Mitglied des Sekretariats des ZK des KJVD. Im Sommer 1932 geriet Kirschey in die Auseinandersetzungen zwischen Heinz Neumann, Hermann Remmele und Ernst Thälmann und wurde als Anhänger Kurt Müllers »kaltgestellt« und als Sekretär der KJVD-BL nach Halle-Merseburg geschickt, dann UB-Sekretär der KPD in Wittenberg und Mitglied des Sekretariats der BL Halle-Merseburg. Er ging 1933 zunächst ins Saargebiet, dort Leiter des Emigrantenausschusses. Zur illegalen Arbeit nach Deutschland zurück, leitete Kirschey 1934 die Rote Hilfe im Bezirk Niederrhein. Am 25. April 1934 in Köln verhaftet und am 1. Juli 1935 durch das OLG Hamm zu sechs Jahren und drei Monaten Zuchthaus verurteilt. Nach der Entlassung im August 1940 arbeitete er bis 1944 als Maurer in Wuppertal. 1944 zur Wehrmacht eingezogen, kam er in das Strafbataillon 999. Kirschey desertierte Mitte Februar 1945 zu den jugoslawischen Partisanen. In der Kriegsgefangenschaft gehörte er dem Antifa-Ausschuß an und arbeitete als Maurer in Sarajewo. Im Mai 1946 nach Deutschland zurück, in einem Lager für heimkehrende deutsche Kriegsgefangene eingesetzt. Ab Herbst 1946 Orgsekretär der SED Halle/Saale, von 1948 bis 1952 Hauptabteilungsleiter in der Landesregierung Sachsen-Anhalt, dann bis 1957 im Ministerium für Verkehrswesen. Wegen offener Sympathie für das jugoslawische Modell und seinen persönlichen Kontakten zu Tito gemaßregelt. 1958 als Generalkonsul nach Wroc?aw/Polen abgeschoben, später war er Mitarbeiter in der SPK. 1964 im Ruhestand, zog er sich aus der Politik zurück. Walter Kirschey starb am 7. Mai 1978, kurz nach der Flucht seiner Tochter Katia nach West-Berlin. Sein Bruder Wilhelm (* 27. 3. 1906 in Elberfeld-Barmen) war Buchhalter und Revisor, gehörte seit 1920 der FSJ, seit 1923 der KPD an. Von 1924 bis 1927 Orgleiter der KJVD-Gruppe Elberfeld, anschließend Buchhalter in der Parteidruckerei und Literaturobmann der KJVD-BL Niederrhein in Düsseldorf, im Frühjahr 1931 stieg er zum Hauptbuchhalter der Peuwag auf. 1933 emigrierte er in die Schweiz und wurde Mitarbeiter der Komintern für die Verwaltung der Druckereien und Verlage der Kommunistischen Parteien in Westeuropa. Im Januar 1934 übernahm er die Geschäftsleitung der »Arbeiterzeitung« in Saarbrücken, 1935 flüchtete er nach Frankreich und wurde Mitarbeiter der Auslandsvertretung des ZK der KPD in Paris und arbeitete u. a. mit Willi Langrock und Grete Keilson zusammen. Ende 1939 Internierung, danach bis 1944 unter Polizeiaufsicht, wurde dann festgenommen, an die Gestapo übergeben und in das KZ Buchenwald verschleppt. Im Juni 1945 Rückkehr nach Wuppertal, übernahm im Februar 1946 die Geschäftsleitung des kommunistischen Freien Verlages in Düsseldorf. Ende 1946 Übersiedlung in die SBZ, Mitglied der SED. Zunächst kaufmännischer Leiter des Sachsenverlages in Plauen, später Leiter der Revisionsabteilung im SED-PV. 1950 bis 1959 Abteilungsleiter in der Zentrag. 1959 bis 1963 Generalkonsul der DDR-Handelsvertretung in Guinea, anschließend Leiter der Kaderabteilung im MfAA. 1976 erhielt er den Stern der Völkerfreundschaft in Gold. Wilhelm Kirschey starb am 13. Mai 2006 in Berlin.

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Kistowski, Erich

* 6.11.1909 – ✝ 13.8.1984

Geb. in Danzig (Gdańsk, Polen); Vater Arbeiter; Volksschule; 1923 – 29 Arb.; 1929 KPD; 1929 – 32 Mitarb. der KPD-BL Danzig; 1932/ 33 Besuch der Militärpol. Schule in Moskau; dann in Dtl. Gelegenheitsarb.; zeitw. in Haft wegen »versuchten Hochverrats« u. Weiterführung illeg. KPD-Arbeit; 1938 – 41 Arb.; 1941 – 45 Wehrmacht (Marine), 1945 – 48 Gefangenschaft. 1949 Mitarb. des SED-Landesvorst. Mecklenb.; dann Landessekr. der VVN Mecklenb.; 1949 Einstellung bei der Verw. zum Schutz der Volkswirtschaft Mecklenb. (ab Febr. 1950 LV Mecklenb. des MfS), Krs.-Dienststelle Greifswald; 1950 Ltr. der Krs.-Dienststelle Rostock; 1952 Ltr. der Abt. VIIc (VP-Luft), MfS Berlin; 1953 Abt.-Ltr., dann stellv. Ltr. der HA I (KVP, ab 1956 NVA); 1958 Oberst; 1959 MfS-OibE als stellv. Chef der Dt. Grenzpolizei u. Ltr. der Grenzaufklärung; 1961 stellv. Ltr., 1965 Ltr. der HA VII (MdI/DVP); 1970 Entlassung, Rentner; 1974 VVO.Jens Gieseke

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Klabuhn, Irina

* 17.6.1954

Geb. in Berlin; KJS; Studium der Rechtswiss.; Wasserspringerin beim TSC Berlin; 1971 – 82 Fallschirmspringerin beim SC Dynamo Hoppegarten; 1974 WM im Gruppenzielspringen; 1976 u. 1982 WM im Figurenspringen; 1980 dreifache WM im Gruppenziel-, Figurenspringen u. in der Kombination; 1982 beendete sie ihre sportl. Laufbahn. Dipl.-Juristin, im Obst- und Gemüsehandel in Chemnitz tätig.Klaus Gallinat / Olaf W. Reimann

Wer war wer in DDR

Klaubert, Birgit

* 28.9.1954

Geb. in Schöneck (Krs. Klingenthal); 1961 – 69 POS, 1969 – 73 EOS, Abitur; 1973 – 77 Lehrerstudium Geschichte u. Deutsch an der KMU Leipzig, Dipl.; 1983 – 86 Aspirantur an der PH Leipzig, Sekt. Gesch., Dr. phil.; 1977 – 80 Lehrerin an der POS in Altenburg; SED; 1980 – 83 u. 1986 – 94 Lehrerin am IfL bzw. der FS für Sozialpädagogik Altenburg; seit 1990 Vors. der PDS-Frakt. im Stadtrat Altenburg. Seit 1994 Mitgl. des Thür. Landtags; 1994 – 99 Vors. der PDS-Frakt.; Mitgl. im Ältestenrat des Thür. Landtags; seit Okt. 1999 Vizepräs. des Thür. Landtags; seit 2007 Mitgl. im Präsidium des Bundesaussch. der Linkspartei.Das Ringen der freien Gewerk. Dtlds. Leipzig 1986.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Klause, Michael

* 29.9.1895 – ✝ 7.2.1942

Geboren am 29. September 1895 in Mischana in Rußland. 1899 zogen seine Eltern nach Deutschland und ließen sich in der Provinz Posen als Landwirte nieder. Er wurde Arbeiter in verschiedenen Betrieben, 1914 Kriegsfreiwilliger, mehrfach verwundet und zum Unteroffizier befördert. Nach dem Krieg Metallarbeiter und Hilfsmonteur, 1922 trat er in die KPD ein und gehörte ab 1923 zum AM-Apparat. Als Kurier im Herbst 1923 festgenommen, saß er bis September 1925 in Untersuchungshaft. Das Verfahren wurde aufgrund einer Amnestie eingestellt. Seit 1926 im RFB, Leiter im Berliner Bezirk Wedding. 1930/31 Kursant an der M-Schule der Komintern in Moskau, nach der Rückkehr Mitarbeiter des KPD-Ordnerdienstes, des späteren Partei-Selbstschutzes (PSS). Klause leitete 1931 den PSS für ganz Berlin, offiziell bei der Sowjetischen Handelsvertretung angestellt. Im Zusammenhang mit den Ermittlungen zum Polizistenmord am 9. August 1931 (Fall Paul Anlauf und Franz Lenck) aus der Handelsvertretung ausgeschieden, kam er als Mitarbeiter zum Verlag Die Rote Fahne. Er wurde am 16. Juli 1933 in Berlin festgenommen und im (zweiten) Prozeß wegen des Mordes an Anlauf und Lenck am 19.Juni 1934 vom Schwurgericht I beim Landgericht Berlin wegen »gemeinschaftlichen Mordes und Begünstigung« zum Tode verurteilt. Weil er als Kronzeuge gegen Albert Kuntz umfangreiche Aussagen gemacht hatte, wurde er von Hitler am 2.Mai 1935 zu lebenslanger Zuchthausstrafe begnadigt, kam in das Zuchthaus Luckau und von dort im Februar 1939 nach Brandenburg-Görden. Am 13. November 1941 zu weiteren Verhören vor der Staatsanwaltschaft nach Berlin geholt, beging Michael Klause am 7. Februar 1942 in seiner Zelle im Gefängnis Plötzensee Selbstmord.

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Kleditzsch, Jürgen

* 26.1.1944

Geb. in Bad Schandau; Grund- u. Oberschule, 1962 Abitur; 1962 Pflegepraktikum im Kreiskrankenhaus Sebnitz; 1963 – 69 Medizinstudium an der KMU Leipzig, 1969 Prom.; 1969 – 74 Facharztausbildung, Facharzt für Orthopädie; 1974 Abt.-Ltr. Physiotherapie an der orthopäd. Klinik der Med. Akad. Dresden; 1975 Facultas docendi; 1977 CDU, 1984 – 90 Mitgl. des CDU-BV Dresden; 1978 Oberarzt, 1980 Prom. B, 1985 Berufung zum außerord. Doz., 1987 zum außerord. Prof. an der Med. Akad. Dresden; Dez. 1989 Bezirksarzt von Dresden; März – Okt. 1990 Abg. der Volkskammer; April – Okt. 1990 Minister für Gesundheitswesen; später Tätigkeit als Orthopäde in Neu-Ulm.Andreas Herbst

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Klein, Dieter

* 15.10.1931

Geb. in Berlin; Eltern kfm. Angest.; wegen jüd. Abstammung unter dem NS-Regime vom Gymnasium relegiert, anschl. Besuch einer einklassigen Dorfschule. 1951 Abitur; anschl. bis 1954 Studium der Wirtschaftswiss. an der HU Berlin; danach Assistent an der dortigen Wirtschaftswiss. Fak.; 1954 SED; 1961 Prom. mit der Diss. »Integration des Finanzkapitals in Westeuropa«; 1962 Doz.; 1964 Habil. mit einer Arbeit zu Planifikation u. anderen strateg. Ansätzen in der EWG; Mai 1965 wegen der Betonung von Entw.-Potentialen des Kap. als »Reformist« angegriffen; 1965 Prof. für pol. Ökon. u. bis 1977 Dir. des Inst. für pol. Ökon. an der HU; hier Förderung einer Arbeitsgr. Soziol. bis zur Gründung eines eigenständigen soziolog. Inst. an der HU Berlin sowie der Etablierung des Lehrfachs Demographie trotz offiz. Vorwürfe des »Biologismus«; ab 1978 Prorektor der HU Berlin für Ges.-Wiss.; 1979 NP (im Koll.); 1983 Mitgl. der SED-BL Berlin; erneute Vorwürfe des »Revisionismus« durch den Rektor der SED-PHS u. a. wegen Kritik am PB-Beschluß zur Errichtung des umweltgefährdenden Trichlorsilanwerks in Dresden-Gittersee; in den 80er Jahren hauptverantw. für den Aufbau einer multidisz. Friedensforschung an der HU Berlin u. den Austausch von Vorlesungszyklen mit dem Hamburger Inst. für Friedensforschung u. Sicherheitspol., wiederum gegen die Kritik mehrerer SED-PB-Mitgl.; 1989 beteiligt an der Org. der Protestkundgebung krit. SED-Mitgl. am 8.11.89 vor dem ZK-Gebäude in Berlin; Mitautor eines Programmvorschlags für die SED/PDS im Sinne des »Dritten Wegs«, Referat auf dem Sonderparteitag der SED/PDS im Dez. 1989; 1990 Gründungsdir. des Inst. für Interdisz. Zivilisationsforschung an der HU Berlin. 1992 – 96 Überhang-Professur für ökon. Grundlagen der Pol. am Fachber. Sozialwiss. der HU; 1997/98 Mitgl. des PDS-Bundesvorst.; 1998 Mitgl. der Grundsatzkommission der PDS; Mitgl. des Vorst. u. Vors. der Zukunftskommission der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Hrsg. u. Mitautor des Lehrbuchs »Pol. Ökon. des Kap.« (Berlin 1986); D. K. galt als reformorientierter Politökonom u. Wiss.-Funktionär; sein Buch »Chancen für einen friedensfähigen Kap.« (Berlin 1988) markiert einen Bruch mit dem offiz. Dogma vom »aggressiven Wesen des Kap.«; als Prorektor förderte er bis dato tabuisierte Forschungsrichtungen, u. a. den Aufbau einer interdisz. Forschung zur Homosexualität sowie eine Reihe reformorientierter Nachwuchswissenschaftler, u. a. die Mitarb. des Projekts »Konzeption eines mod. Soz.«; D. K.s eigene Forschungen betrafen insbes. Entwicklungspotentiale u. -probleme des mod. Kap., seit 1990 die Rückwirkungen der Transformationsprozesse in Osteuropa auf die westl. Welt.Ökon. Widersprüche des Kap. Moskau 1979 (russ.); Krisen des Kap. Berlin 1987; Zwischen den Zeiten. Hamburg 1992 (Hrsg. mit M. Brie); Der Engel der Geschichte. Befreiende Erfahrungen einer Niederlage. Berlin 1993 (mit M. Brie); Leben statt gelebt zu werden. Berlin 2004 (Hrsg.); Krisenkapitalismus. Berlin 2008. Dokumentation (anläßl. der Em. von K.) in Berliner Debatte Initial (1997) 4.Jan Wielgohs