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BioLex

In der Kategorie BioLex finden Sie drei biografische Lexika mit über 5500 Personeneinträgen.

 

Das Handbuch "Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945" wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam. Kurzbiografien zu Personen des poltischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 vor. Zudem ist das Onlinlexikon www.dissidenten.eu komplett in dieser  Rubrik recherchierbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Inforamtionen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Karsten, August

* 20.12.1888 – ✝ 8.5.1981

Geb. in Peine; Vater Bierkutscher; 1895 – 1905 Volksschule; 1905 Mitgl. im Transportarb.-Verb.; 1906 Wanderschaft, Land- u. Transportarb.; 1907 Hochofenarb. bei Hoesch in Dortmund, Betriebsunfall (Verbrennung, Amputation des linken Beins), Arbeitsinvalide; 1908 SPD; Ltr. der Arbeiterjugend in Peine; Ltr. der Rechtsauskunft des Gewerkschaftskartells u. Kassierer im Konsum Peine; ab Juli 1914 Arbeitersekr. u. 1914 – 17 Stadtverordn. in Aschaffenburg; 1917 USPD; 1917 Metallarb.-Verb. in Schweinfurt; Febr. 1918 wg. der Führung der Januarstreiks in Schweinfurt nach Brückenau verbannt; bis 1918 Vors. der BL u. Mitgl. der Kontrollkommission Nordbayern u. Abg. des Bayr. Landtags; 1918/19 Vors. des Arbeiterrats in Peine u. Demobilisierungskommissar in Braunschweig; 1919 – 23 Arbeitersekr. in Peine; 1919 – 21 Mitgl. des Krs.-Tags von Peine; 1920 – 33 Abg. des Dt. Reichstags, USPD, ab 1922 SPD-Fraktion; 1921 Mitgl. im Provinziallandtag Hannover; 1924 – 33 Vors. des Zentralverb. der Arbeitsinvaliden; Mitgl. der Red. »Dt. Invalidenztg.«; ab 1933 illeg. Widerstand, Dez. 1933 – Febr. 1934 inhaftiert; lebte u. bewirtschaftete einen Bauernhof in Oderberg; 1937 – 45 Angest. in der Holzhandlung »Hempel« in Berlin-Neukölln; 1944 verhaftet. 1945/46 SPD/SED; führender Funktionär der SPD (u. a. Kassenwart) bei der Fusion von SPD u. KPD zur SED; ab Juni 1945 Beisitzer, Nov. 1945 – Apr. 1946 Mitgl. des ZA der SPD; Apr. 1946 in Oranienbaum kurzzeitig von der örtl. sowj. Kommandantur festgenommen; 1946 – Juli 1950 Mitgl. des PV der SED u. bis Jan. 1949 des ZS, aus gesundheitl. Gründen ausgeschieden; 1948 tätig in der Fundamentum AG; ab 1.2.1949 Dir. der Landesgüterverw. Brandenb.; ab 1.7.1949 Gebietsdir. der Vereinigung volkseigener Güter Potsdam; 1963 VVO; KMO; gest. in Berlin.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Kasper, Wilhelm

* 8.8.1892 – ✝ 10.1.1985

Geboren am 8. August 1892 in Neustadt/ Schwarzwald als Sohn eines Landarbeiters; wurde kaufmännischer Angestellter. Später in Berlin als Kaufmann beschäftigt. 1916 schloß er sich der SPD an, trat 1917 zur USPD über und kam mit deren linkem Flügel 1920 zur KPD. Seit 1919 Gewerkschaftssekretär im Zentralverband der Angestellten, 1923 in die KPD-BL Berlin-Brandenburg gewählt, wo er für Gewerkschaftsfragen zuständig war. Nach dem IX. Frankfurter Parteitag 1924 auch in die Gewerkschaftsabteilung der Zentrale berufen. Von 1924 bis zur Annullierung der kommunistischen Mandate nach der Märzwahl 1933 Abgeordneter des Preußischen Landtages. Ab 1928 Geschäftsführer der KPD-Fraktion, 1932 stellvertretender Vorsitzender des Beamtenausschusses des Parlaments, bearbeitete er speziell Angestellten- und Beamtenfragen, insbesondere auch die der Polizei (Preußisches Polizeibeamtengesetz, Polizeietat). Kasper nahm an verschiedenen Parteitagen teil. Auf dem XII. Weddinger Parteitag 1929 wurde er Mitglied des ZK und Kandidat des Polbüros, er gehörte bis 1933 zur Spitzenführung. Sofort nach dem Reichstagsbrand am 28. Februar 1933 verhaftet und im KZ Sonnenburg schwer mißhandelt. Beim Reichstagsbrandprozeß wurde er als Entlastungszeuge für seinen Freund Ernst Torgler aus dem KZ geholt. Vor Gericht erklärte er, Behauptungen, nach denen Torgler mit »Sprengstoff zu tun gehabt hätte« als »von A bis Z erlogen«. Am 28. Juni 1935 verurteilte ihn der VGH zu drei Jahren Zuchthaus (damalige Höchststrafe). Nach der Entlassung aus dem Zuchthaus Luckau am 28. Juni 1937 bis Januar 1938 arbeitslos, fand Kasper dann eine Anstellung bei der Zentralverwaltung der Berliner Stadtgüter. Im Juli 1938 heiratete er zum zweiten Mal in Berlin, er stand bis 28. Juli 1939 unter Polizeiaufsicht. Kasper trat 1945 in Berlin-Neukölln wieder der KPD bei und arbeitete als Angestellter bei den Stadtgütern des Magistrats von Groß-Berlin, zuletzt als Personalleiter. Gegen Kasper wurde im Frühjahr 1947 seitens des SED-Landesvorstandes wegen seines Verhaltens während der Nazizeit ermittelt. Hans Jendretzky und Karl Fugger hatten noch im Februar 1946 seine antifaschistische Haltung bestätigt, doch am 6. Juni 1947 veröffentlichte »Neues Deutschland« einen Beschluß des ZS der SED vom 29. April 1947: »Ausschluß aus der Partei. Der frühere Landtagsabgeordnete der KPD, Willi Kasper, wurde durch Beschluß des Zentralsekretariats aus der SED ausgeschlossen. In dem seit längerer Zeit gegen ihn schwebenden Untersuchungsverfahren wurden nunmehr Unterlagen dafür beigebracht, daß er in der Zeit der Hitler-Diktatur zusammen mit Torgler und Maria Reese, die bereits im Jahre 1934 aus der KPD ausgeschlossen worden waren, bestimmte Arbeiten im Dienste der Goebbels-Propaganda geleistet hat.« Kasper legte Widerspruch ein, weil der abgelehnt wurde und er mit seiner Verhaftung rechnete, flüchtete er Anfang September 1947 nach Hamburg. Dort Gärtner und bis zur Rente 1957 Büroangestellter bei der Stadt Hamburg. Seit 1954 gehörte er dem Landesfriedenskomitee Hamburg an und wurde 1969 Mitglied der DKP. Wilhelm Kasper starb am 10.Januar 1985 in Hamburg.

Wer war wer in DDR

Kastner, Hermann

* 25.10.1886 – ✝ 4.9.1957

Geb. in Berlin; Vater Lehrer; 1904 Abitur am Gymnasium Zum Grauen Kloster; 1904 – 08 Jura- u. Volkswirtschaftsstudium an der Univ. Berlin; 1908 Referendar u. Prom. zum Dr. jur.; danach Assessor in den Stadtverw. von Berlin-Lichtenberg u. -Neukölln u. beim Berliner Magistrat; 1917 Prof. an der Leopold-Akad. Lippe-Detmold; 1918 DDP, ab 1930 Dt. Staatspartei, Vors. von Ostsachsen; ab 1919 Rechtsanwalt in Dresden; ab 1921 zugl. Geschäftsf. des sächs. Wirtschaftsverb.; 1922 – 33 Abg. des Sächs. Landtags; nach 1933 Verbindung zur Widerstandsgr. um Rainer Fetcher, mehrmals in Haft; 1933 – 45 Rechtsanwalt in Dresden. 6.7.1945 Mitbegr. u. bis Okt. 1947 Vors. des Landesverb. Sachsen der »Demokr. Partei Dtl.« (ab 15.8.1945 LDPD); 1947 – 49 stellv. Vors. u. 1949/50 mit  Karl Hamann Vors. der LDPD; Juni 1945 Präs. der Anwalts- u. Notarkammer Sachsen; 1946 Präsidiumsmitgl. der Beratenden Versammlung Sachsen (Vorläufer des sächs. Landtags); 1946 – 50 Abg. des Sächs. Landtags u. bis 1948 dessen Vizepräs. u. Mitgl. des Ältestenrats; Dez. 1946 – März 1948 Justizmin. u. stellv. Min.-Präs. des Landes Sachsen; 1948 Ltr. des Fachsekr. Finanzen, Post u. Fernmeldewesen u. bis 1949 stellv. Vors. der DWK u. Kovors. des Präs. des Dt. Volksrats; 1948 2. Vors. der VVN; 1949/50 Abg. der (Prov.) Volkskammer; Okt. 1949 bis 1950 stellv. Min.-Präs. der DDR; am 20.7. 1950 wegen Konflikten über die gem. Kand.-Liste der NF für die Wahlen im Okt. aus der LDPD ausgeschl., im Mai 1951 wiederaufgenommen, rehabil.; 1951 – 56 Vors. des Förderungsaussch. für die Intelligenz beim Vors. des Min.-Rats; Sept. 1956 Flucht in die Bundesrep. Dtl., 1949 – 53 Tätigkeit für die »Org. Gehlen« bzw. den BND als »Helwig«; lebte in München; gest. in Frankfurt (Main).Der Impfzwang u. das Reichs-Impfgesetz vom 8. April 1874. Berlin 1909; Das Geschichtsbild der LDPD. Weimar 1949. Leuschner, U.: Die Geschichte der FDP. Münster 2005.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Katz, Iwan

* 1.2.1889 – ✝ 20.9.1956

Als Sohn des Kaufmanns Gustav Katz und dessen Ehefrau Johanna, geb. Magnus, am 1.Februar 1889 in Hannover geboren. Nach dem Gymnasium Studium der Rechts- und Staatswissenschaften, der Volkswirtschaft und der Medizin an den Universitäten Berlin und Würzburg sowie an der Technischen Hochschule in Hannover. Er schloß sich 1906 der Arbeiterbewegung an, 1907 Vorsitzender der Arbeiterjugend für Nordwestdeutschland. 1909 ein Jahr als Arbeiter in Metallbetrieben tätig, anschließend Assistent im Juristisch-Wirtschaftswissenschaftlichen Seminar der TH Hannover, 1911 wissenschaftlicher Hilfsarbeiter im Statistischen Amt der Stadt Hannover. Die von Iwan Katz in seinen Lebensläufen erwähnten Doktorgrade konnten nicht belegt werden. 1913 heiratete er Anna Kerwel, Tochter eines Offiziers, der wegen sozialdemokratischer Betätigung verabschiedet worden war, die ebenfalls der SPD angehörte. Während des Weltkrieges war Katz, der 1912 seinen Militärdienst leistete, als Leutnant Kompaniechef der 2. Maschinengewehrkompanie bzw. Offizier im Stab. Ab September 1918 Geschäftsführer des Demobilmachungsausschusses Hannover, Katz blieb in der SPD, wurde im Februar 1919 Bürgervorsteher (Stadtverordneter) in Hannover. Delegierter des SPD-Parteitags im Juni 1919, aber Ende 1919 Übertritt zur USPD. Er gehörte zum linken Flügel der USPD, der sich 1920 mit der KPD vereinigte und war wie seine Frau Delegierter des USPD-Spaltungs- und des Vereinigungsparteitages USPD-KPD. Im Februar 1921 zog Katz in den Preußischen Landtag ein, war in den folgenden Jahren vor allem als Redner für die KPD unterwegs. Er trat besonders radikal auf, wurde im August 1923 verhaftet, weil es im Anschluß an seine Rede in Hannover zu Unruhen gekommen war. In der KPD auf dem linken Flügel, wurde er 1922 dennoch als Leiter der Kommunalabteilung in die Zentrale berufen. Auf dem VIII. Parteitag 1923 berichtete er über die Kommunalarbeit. Nach der Oktoberniederlage 1923 einer der Wortführer der linken Opposition, wurde Katz vom IX. Parteitag im April 1924 in die Zentrale und ins Polbüro und im Mai 1924 sowie im Dezember 1924 im Wahlkreis Südhannover-Braunschweig in den Reichstag gewählt. Als Mitglied der Ruth-Fischer-Zentrale ins EKKI-Präsidium nach Moskau geschickt, wo er bis Mitte 1925 blieb. Dort spielte er als Vertrauensmann der deutschen linken Führung eine bedeutende Rolle. Während der Auseinandersetzungen 1925 in der Ruth-Fischer-Leitung wurde Katz einer der Führer der Ultralinken. Deswegen als Vertreter beim EKKI abgelöst, organisierte er im Sommer 1925 die ultralinke Opposition in Deutschland und fand vor allem in seiner Heimatstadt Hannover große Unterstützung. Nach dem »Offenen Brief« der Komintern, den die Ultralinken ablehnten, verstärkte Katz seine Aktivität. Gemeinsam mit seinen Freunden Theodor Gohr und Berthold Karwahne konnte er in Hannover die Mehrheit der Partei erobern. Er beschimpfte seine Gegner wüst, den ZK-treuen Orgleiter Paul Grobis nannte er »ein verkommenes Subjekt«. Katz erreichte als mitreißender Redner, der die Gefühle der Zuhörer anzusprechen wußte, daß seine Anhänger am 11. Januar 1926 die Redaktion der »Niedersächsischen Arbeiterzeitung« besetzten. Nach schweren Schlägereien und erst mit Hilfe der Polizei konnten die ZK-treuen Kommunisten die Zeitung wieder zurückgewinnen. Daraufhin wurde Katz am 12.Januar 1926 aus der KPD ausgeschlossen. Für seine Anhänger gab er in Hannover ein »Mitteilungsblatt« heraus, in dem er manche Interna der KPD publizierte. Das Blatt erschien von März bis Dezember 1926 in einer Auflage von 3000 Stück. Im Juni 1926 gründete Katz zusammen mit der AAU Franz Pfemferts den »Spartakusbund der linkskommunistischen Organisationen«, der den äußersten linken Flügel der kommunistischen Bewegung bildete. Katz, von Clara Zetkin als »Schurke oder Psychopath« und als »Iwan der Schreckliche« bezeichnet, geriet aber bald auch mit dieser Organisation in Konflikt, da er nicht – wie gefordert – sein Reichstagsmandat niederlegte. Nachdem der neue Spartakusbund im Frühjahr 1927 aufgelöst wurde, trat Katz in der Politik kaum noch hervor. Er engagierte sich in der Gesellschaft der Freunde des neuen Rußlands und unter antifaschistischen Intellektuellen, bekam eine leitende Stelle im Sozialamt Berlin-Wedding. Am 16. März 1933 aus dem Amt entfernt, zwei Tage später verhaftet und kurze Zeit im KZ. Die Freilassung verdankte er seiner früheren Bekanntschaft mit dem NSDAP-Innenminister Frick. Beide hatten 1924/25 im Reichstag der Amnestie-Kommission angehört, welche die Amnestie der politischen Häftlinge von KPD und NSDAP aushandelte. Doch diese Protektion war nicht von Dauer. Als Jude wurde Katz Anfang 1941 erneut verhaftet und in ein Berliner Arbeitslager eingesperrt, aus dem er fliehen konnte. Er lebte illegal, bis ihn die Gestapo 1944 nach Auschwitz und zuletzt ins KZ Mauthausen brachte. Seine Frau protestierte gegen die unmenschliche Behandlung ihres Mannes auf dem Transport, sie wurde selbst festgenommen und kam in das KZ Ravensbrück. Anfang April 1945 wurde Katz aus dem KZ Mauthausen als Kompaniearzt zur Wehrmacht eingezogen und am 20. April zum Chefarzt der in der Festung Mauthausen stationierten deutschen Einheiten befördert. Durch sein Geschick gelang es, die Festung den US-Truppen kampflos zu übergeben, und Katz blieb vom 6. Mai bis 7. Juni 1945 im Auftrag der US-Armee als Arzt im Lager Mauthausen. Zurückgekehrt nach Berlin, schloß er sich der KPD und 1946 der SED an. Seine Anstellung in die Berliner Stadtverwaltung (aufgrund der Bestimmung über die Wiedereinstellung der von den Nazis gemaßregelten Beamten) konnte Walter Ulbricht nicht verhindern. Katz wollte in Berlin eine wichtige Rolle bei der Aussöhnung zwischen der sowjetischen und der amerikanischen Besatzungsmacht übernehmen und wurde gelegentlich von beiden Seiten als Vermittler herangezogen. Beispielsweise verhandelte er nach der Wahl Ernst Reuters zum Oberbürgermeister im Einvernehmen mit Hermann Matern mit den sozialdemokratischen Spitzenfunktionären Franz Neumann und Kurt Mattick über eine eventuelle nachträgliche Anerkennung Reuters als Oberbürgermeister durch beide Parteien. Als seine Frau am 10. Januar 1947 an den Folgen der KZ-Haft starb, veröffentlichte er im »Neuen Deutschland« noch eine Todesanzeige. Schließlich liefen gegen Iwan Katz, der ständig opponierte, Parteiuntersuchungen. Seine öffentliche Kritik auf der SED-Kreisdelegiertenkonferenz in Zehlendorf Ende 1948 gegen die Blockade und den Zweijahrplan führte am 21.Dezember 1948 zu seiner Entlassung aus dem Ostberliner Magistrat. Am 14. März 1949 trat Katz aus der SED aus und am 12. Mai 1949, dem Tage der Aufhebung der Blockade, in die SPD ein. Die 1950 in Worms gegründete »Unabhängige Arbeiterpartei« (UAP), die Tito nahestand, hat Katz emphatisch begrüßt. Wegen eines schweren Herzleidens übersiedelte er 1954 in die Schweiz und ließ sich in Castagnola bei Lugano nieder. Dort starb Iwan Katz am 20.September 1956.

Wer war wer in DDR

Kaufmann, Bernd

* 6.7.1941

Geb. in Zella-Mehlis; 1959 Abitur; 1959 – 61 NVA; 1960 SED; 1961 – 65 Studium an der KMU Leipzig, Dipl.-Jur.; 1963 IM; 1965 Einstellung beim MfS, HVA-Abt. III (legal abgedeckte Residenturen); 1969 Prom. zum Dr. jur. an der KMU Leipzig; 1978 Prom. B zum Dr. sc. phil. an der KMU; 1981 HVA-Abt. VII (Auswertung); 1982 stellv. Ltr. der HVA-Abt. VII; 1986 Ltr. der HVA-Schule; 1990 Entlassung.China – USA: zur außenpol. Strategie u. Taktik der chines. Führung. Berlin 1980; Der Nachrichtendienst der KPD 1919 – 1937. Berlin 1993 (Mitautor).Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Kautzleben, Heinz

* 31.3.1934

Geb. in Kelbra (Kyffhäuser); Vater Bäckermstr.; 1940 – 52 Volks- u. Oberschule in Kelbra u. Sangerhausen; 1952 – 57 Geophysikstudium in Leipzig, Dipl.; ab 1957 Mitarb. der DAW; 1957 – 67 wiss. Assistent, dann wiss. Mitarb., Abt.-Ltr. u. stellv. Dir. des Geomagnet. Inst. Potsdam; 1962 Prom. u. 1966 Habil. an der KMU Leipzig; 1964 – 69 nebenamtl. Lehrtätigkeit an der HU Berlin; 1968 amt. Dir. des Geodät. Inst. Potsdam; 1969 Prof. für Geophysik; 1969 – 73 nebenamtl. Lehrtätigkeit an der KMU; 1969 – 88 stellv. Dir. bzw. Dir. des ZI für Physik der Erde der DAW/AdW in Potsdam (Nachf. von  Heinz Stiller); 1972 – 85 Vors. der Gewerkschaft Wiss. im Bez. Potsdam; 1976 – 86 Abg. des Bez.-Tags; 1978 NP; 1979 Korr., 1987 Ord. Mitgl. der AdW; 1984 – 90 Ltr. des Forschungsber. Geo- u. Kosmoswiss. der AdW; 1984 – 89 Mitgl. der SED-BL Potsdam; 1989 – 91 Dir. des Inst. für Kosmosforschung Berlin (Nachf. von Robert Knuth); Vorruhestand. Forschungen u. Publ. insbes. zu Geomagnetismus, mathemat. Geophysik, Geodynamik, Satellitengeodäsie, Fernerkundung der ErdeKlaus-Harro Tiemann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Keil, Ludwig

* 1.8.1896 – ✝ 8.1.1952

Geboren am 1. August 1896 in Bickenbach/ Bergstraße, Sohn eines Bahnarbeiters; lernte Metallarbeiter. Während des Weltkrieges schwer verwundet, 1917 Mitglied der SPD, 1920 der KPD. In den zwanziger Jahren Kommunalpolitischer Leiter der KPD-BL Hessen. Mitglied des Stadtrates von Offenbach. Im Dezember 1931 als Nachrücker in den Landtag des Volksstaates Hessen eingezogen, dem er bis April 1933 als Vorsitzender der KPD-Fraktion angehörte. Nach 1933 mehrfach für längere Zeit inhaftiert, zuletzt im KZ Dachau. 1945 Ministerialdirektor im Hessischen Ministerium für Wirtschaft und Verkehr. Vom 1. Dezember 1946 bis 30. November 1950 Abgeordneter des Hessischen Landtages, dort zuerst stellvertretender Fraktionsvorsitzender, ab 1. Juli 1949 als Nachfolger von Leo Bauer Vorsitzender der KPD-Fraktion. Ludwig Keil starb am 8. Januar 1952 in Darmstadt.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Keim, Karl

* 23.7.1899 – ✝ 13.4.1988

Geboren am 23. Juli 1899 in Stuttgart; Maschinenarbeiter. Er war in der KPD aktiv und wurde im April 1932 als Abgeordneter in den Württembergischen Landtag gewählt. 1933 flüchtete er in die Schweiz, dann nach Frankreich abgeschoben, kehrte aber später nach Deutschland zurück. Keim war mehrfach inhaftiert, u. a. in den KZs Heuberg und Kuhberg bei Ulm. Von 1934 bis 1939 wieder Arbeiter bei Bosch in Stuttgart, er betätigte sich gegen das NS-Regime. Nach erneuter Verhaftung wurde Keim in das KZ Buchenwald überführt, war hier Kapo des Lagerschutzes. 1945 aus dem KZ befreit, kam er als Angestellter der Rückführungsstelle für politische Gefangene nach Stuttgart und stand von Mai 1947 bis 1948 an der Spitze der VVN Württemberg-Baden. Später trat er politisch nicht mehr hervor. Karl Keim starb am 13. April 1988 in Ulm.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Kelch, Heinrich

* 11.8.1897

Geboren am 11. August 1897, 1918 Soldat im Weltkrieg, seit 1919 in der KPD in Dortmund aktiv. Er wurde 1924 als Linker in das Dortmunder Stadtparlament gewählt und war einer der Funktionäre, die ab 1925 in der linken Opposition wirkten. Kelch unterschrieb 1926 den »Brief der 700«, die Solidarisierung mit der russischen Opposition gegen Stalin, ebenso den Brief der Opposition 1927 an den XI. Parteitag der KPD, er wurde aus der Partei ausgeschlossen. Im April 1928 bei Gründung des Leninbundes Schriftführer des Gründungskongresses, dann führend im Leninbund im Ruhrgebiet tätig. Das weitere Schicksal von Heinrich Kelch war nicht zu ermitteln.

Wer war wer in DDR

Keller, Dietmar

* 17.3.1942

Geb. in Chemnitz; Vater Mechaniker, Mutter Verkäuferin; Grund- u. 1956 – 60 Oberschule, Abitur; 1960 – 62 NVA; 1962 Red. der »Freien Presse« Karl-Marx-Stadt; 1962 – 66 Studium an der KMU Leipzig, Dipl.-Lehrer für Marx.-Lenin.; 1963 SED; 1966 – 70 Assistent bzw. Oberassistent an der KMU, 1969 Prom. zum Dr. phil.; 1970 – 77 Sekr. für Wiss. u. Kultur der SED-KL der KMU; 1976 Habil. zum Dr. sc. phil.; 1977 – 84 Sekr. für Wiss., Volksbildung u. Kultur der SED-BL Leipzig; 1982/ 83 Studium an der AfG beim ZK der KPdSU in Moskau; 1984 – 88 stellv. Kulturminister; 1988/89 Staatssekr. im Kulturmin.; 17.11. 1989 – April 1990 Kulturminister (Nachf. von  Hans-Joachim Hoffmann); März – Okt. 1990 Abg. der Volkskammer (PDS-Fraktion), Mitgl. des Aussch. für dt. Einheit u. Vors. des Aussch. für Kultur. Okt. 1990 – 94 Abg. des Dt. Bundestags, Mitgl. der Enquete-Kommission »Aufarbeitung von Geschichte u. Folgen der SED-Diktatur in Dtl.«; danach Mitarb. der PDS-Fraktion im Dt. Bundestag; 2002 Austritt aus der PDS; verh. mit  Marlies Deneke.Lebendige Demokratie. Berlin 1971; Min. auf Abruf. Berlin 1990; Nachdenken über Dtl. 5 Bde. Berlin 1990/91 (Hrsg.); Zwischen den Stühlen. Berlin 1993; Zwei dt. Sichten. Bad Honnef 2002.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Kellermann, Hermann

* 14.8.1887 – ✝ 22.4.1954

(* 1887 – † 1954) Geboren am 14. August 1887 in Gehofen bei Sangerhausen, Sohn eines Bergmanns; lernte Schlosser und Schmied. Wanderschaft, ab 1909 als Geselle in Erfurt bzw. in Magdeburg tätig. 1906 trat er der Gewerkschaft und 1909 der SPD bei. 1915 zum Militärdienst einberufen, wurde aber bereits 1916 von seiner Firma reklamiert. Kellermann gehörte 1917 zu den Mitbegründern der USPD in Erfurt und nahm in Berlin an den Januarkämpfen teil. Ende Januar 1919 kam er nach Erfurt zurück und gehörte dort der Volkswehr an. Mit dem linken Flügel der USPD 1920 Übertritt zur KPD, bis 1924 war er Leiter der Ortsgruppe und Vorsitzender des KPD-UB Erfurt. Im Dezember 1924 im Wahlkreis Erfurt in den Preußischen Landtag gewählt, kam 1925 nach Berlin und arbeitete in der ZK-Abteilung Landwirtschaft. 1928 schied er aus dem Landtag aus. Beim Zusammenschluß der drei sächsischen Bezirke im Herbst 1929 wurde Kellermann für wenige Wochen Orgleiter der KPD in Sachsen und übte bis 1933 hauptamtliche Parteifunktionen aus. Von Februar bis Juni 1933 und von 1935 bis Mai 1939 saß er im Gefängnis Erfurt und in den KZs Esterwegen und Sachsenhausen. Nach der Freilassung wieder Schlosser. 1945 trat er der KPD bei, von Juni 1945 bis Januar 1948 geschäftsführendes Vorstandsmitglied bei der Thüringischen Hauptgenossenschaft Raiffeisen in Erfurt, dann ab Februar 1948 Betriebsleiter des VEB Pumpenfabrik Erfurt. Hermann Kellermann starb am 22. April 1954 in Erfurt.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Kennecke, Karl

* 18.12.1891 – ✝ 18.10.1972

Geboren am 18. Dezember 1891 in Aschersleben, Sohn eines Zimmerers; Lehre und Arbeit als Maschinenschlosser, Wanderschaft, Mitglied des DMV und der Arbeiterjugend, 1913 der SPD. 1914 bis 1918 Soldat, Heizer bei der Werftdivision in Emden und dort im November 1918 Vorsitzender des Arbeiter- und Soldatenrates. Im November 1918 wurde er Mitglied des Spartakusbundes und nahm Ende Dezember 1918 am Gründungsparteitag der KPD teil. Ab April 1919 Schlosser im Gaswerk Leipzig-Süd, dort ab 1926 Mitglied des Betriebsrates und zeitweilig Betriebsratsvorsitzender. 1920 trat Kennecke der KAPD bei, kehrte aber 1925 wieder zur KPD zurück. Von 1930 bis 1933 war er unbesoldeter Stadtrat in Leipzig und Mitglied der BL Sachsen. Von Dezember 1934 bis Februar 1935 inhaftiert, im Februar 1936 zu eineinhalb Jahren Gefängnis verurteilt, dann von Ende 1937 bis 1945 wieder Schlosser. Ende 1945 im Gaswerk Leipzig-Süd Leiter der Personalabteilung, dann Kultursachbearbeiter, von 1953 bis 1957 war er Treuhänder des Rates des Bezirks Leipzig. Er erhielt 1961 den VVO in Bronze. Karl Kennecke starb am 18.Oktober 1972 in Leipzig.

Wer war wer in DDR

Karusseit, Ursula

* 2.8.1939

Geb. in Elbing (Westpr./Elbląg, Polen); Vater Stellmacher u. Neulehrer; Wirtschaftsschule; Arbeit als Stenotypistin u. Sachbearb., 1960 – 62 Staatl. Schauspielschule Berlin; 1962 von  Wolfgang Heinz für die Volksbühne Berlin entdeckt u. gefördert; 1966 – 68 Dt. Theater Berlin u. 1969 – 86 wieder Volksbühne; 1968 NP (im Koll.); 1969 – 95 verh. mit dem Regisseur  Benno Besson; 1984 Debüt als Regisseurin mit John M. Synges »Held der westlichen Welt«; nach Diskussionen um die Inszenierung von Joachim Knauths »Der Prinz von Portugal« 1986 Kündigung u. Übersiedlung nach Köln, 1987 – 90 Engagement Schauspielhaus Köln, 1990 – 94 Schiller-Theater Berlin, 1994 – 95 Bremen, 1996 – 97 Renaissance-Theater, seitdem freischaffend als Schauspielerin und Regisseurin für Film und Fernsehen. Theaterrollen: 1964 Rote Rosa in der UA von  Peter Hacks’ »Moritz Tassow«, 1965 Elsa in Jewgeni Schwarz’ »Der Drache« (beide R: Benno Besson), 1966 Isabella in Shakespeares »Maß für Maß«, 1970 Shen Te/Shui Ta in  Bertolt Brechts »Der gute Mensch zu Sezuan«, 1973 Peter Hacks’ »Margarete in Aix« (R: Benno Besson), 1974 Bertolt Brechts »Die heilige Johanna der Schlachthöfe«, Kammerspiele München (R: Benno Besson), 1980 Amtsdiener Mitteldorf in Gerhart Hauptmanns »Der Biberpelz« u. Dreier in der Uraufführung von  Heiner Müllers »Der Bau«, 1982 Hexe/ Mörder/Soldat in Heiner Müllers »Macbeth«-Bearbeitung, 1984 Faust in Grabbes »Don Juan u. Faust« u. Adelutz in Gerhart Hauptmanns »Schluck u. Jau«, 1985 Kommissarin in  Klaus Wischnewskis »Die optimistische Tragödie«, 1987 Courage (Traumrolle) in Manfred Karges Inszenierung von Brechts »Mutter Courage u. ihre Kinder«, 1992 Mutter in Colin Serreaus »Hase Hase«, Schiller-Theater Berlin (R: Benno Besson); Filmrollen: 1968 Gertrud Habersaat in  Helmut Sakowskis Fernsehfilm »Wege übers Land«, Hausmann in der Brechtverfilmung »Tod u. Auferstehung des Wilhelm Hausmann«, Hilde Coppi im DEFA-Film »Die Rote Kapelle«, 1974 Gisi in  Konrad Wolfs Film »Der nackte Mann auf dem Sportplatz«, 1984 Marie-Antoinette im Fernsehfilm »Die Witwe Capet«, später versch. Rollen in TV-Serien. Regiearbeit: 1992 Coline Serreaus »Hase Hase« in Schwerin, 1994 Bertolt Brechts »Der gute Mensch von Sezuan« in Dresden; Rollen in versch. TV-Serien, u. a. seit 1998 »In aller Freundschaft« (ARD); zahlr. Hörbuchaufnahmen; lebt in Königs Wusterhausen (b. Berlin). Schauspielerin, die sich durch Komik, Spontanität u. große Verwandlungsfähigkeit auszeichnet.Schwarz-Stötzer, H.: Mit Leib u. Seele. Berlin 1990; Schütt, H.-D.: U. K.: Wege übers Land durch die Zeiten. Berlin 2009.Renate Rätz

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Kassler, Georg

* 8.4.1887 – ✝ 8.10.1962

Geboren am 8. April 1887 in Berlin, Sohn eines Tischlers, der nach 1890 Hauptkassierer des Deutschen Transportarbeiter-Verbandes war. Georg Kassler absolvierte die Fortbildungsschule, wo er als 15jähriger 1902 einen Schulstreik gegen die »Prügelpädagogen« organisierte und von der Schule verwiesen wurde. Er lernte Schriftsetzer, arbeitete als Setzer und Drucker in Berlin, Ludwigshafen und Heidelberg. Seit 1904 Mitglied der SPD, übte in Berlin bis zum Ausbruch des Weltkrieges verschiedene ehrenamtliche Parteifunktionen aus. Im Kriege stand er in Opposition zum Parteivorstand und nahm Verbindung zur Gruppe Lichtstrahlen um Julian Borchardt auf, über die er eine Anstellung als Expedient in der Druckerei des Hilfsvereins Deutscher Frauen bekam. Unter diesem unverdächtigen Firmennamen konnte er bis zum Sommer 1918 revolutionäre und Antikriegsschriften an die Front verschicken. Seit 1915 Mitglied der Gruppe Internationale und später des Spartakusbundes. Ab Sommer 1918 als Tischlerei-Hilfsarbeiter mit seiner Familie (Frau und drei Kinder) nach Trebbin übergesiedelt. Dort gehörte er zu den Organisatoren der Novemberrevolution und wurde Vorsitzender des Arbeiter- und Soldatenrates und Gründer der örtlichen KPD. Danach kehrte Kassler nach Berlin zurück und wurde Lastträger in der Berliner Konsumgenossenschaft. Ende 1921 Sekretär des KPD-UB Süd in Luckenwalde. Während des Parteiverbots 1923/24 lebte er illegal. Zusammen mit Edwin Hoernle und Heinrich Rau gründete er 1925 die Bauerngenossenschaft »Pflug und Amboß«, die weder ein organisatorisches noch materielles Fundament hatte und eingestellt werden mußte. 1926 Polleiter in Berlin-Köpenick und Bezirksverordneter, er gehörte der BL Berlin-Brandenburg an und wurde 1928 Polleiter im darniederliegenden UB Lausitz. Im Mai 1928 im Wahlkreis Potsdam I in den Reichstag gewählt, wurde er, da Versöhnler, 1930 nicht mehr als Reichstagskandidat aufgestellt und als UB-Leiter abgelöst. Kassler arbeitete ab 1931 in der sowjetischen Handelsvertretung und war Mitglied des dortigen Betriebsrates. Von einem schweren Nervenzusammenbruch 1932 erholte er sich nur langsam. Im August 1933 emigrierte Kassler mit seiner Frau Margarete nach Prag und kam im Dezember 1933 in die Sowjetunion, wo er von April 1934 bis April 1935 das Erholungsheim der Komintern leitete. Im Juli 1935 wurde er Redakteur der deutschsprachigen Zeitung »Das neue Dorf« in Charkow. Er kehrte 1936 nach Moskau zurück, Anfang 1937 Hilfsredakteur in der VAA und ab Januar 1938 Korrektor an der »Deutschen Zentral-Zeitung«. Georg Kassler wurde am 28. Juni 1938 festgenommen und befand sich bis 29.Februar 1940 in NKWD-Haft, auf Anordnung des Volkskommissars für Inneres, Berija, war sein Verfahren eingestellt worden. Er bekam über die Komintern vom ZK der KPdSU eine Pension zugesprochen und wurde Hilfskraft bei der deutschen Sektion der Komintern. Während des Krieges wurde Kassler nach Karaganda evakuiert, dort Politinstrukteur in Kriegsgefangenenlagern. 1943 erkrankte er an Flecktyphus und Malaria, nach seiner Genesung Lehrer an Anifa-Schulen. Im Oktober 1946 kehrte er nach Deutschland zurück, wurde Mitglied der SED und Referent in der Personalabteilung der Deutschen Zentralverwaltung für Industrie. Ab Februar 1947 Personalchef in der Zentralverwaltung für Brennstoffindustrie bzw. nach der Reorganisation im April 1948 der Hauptverwaltung Kohle der DWK, im Oktober 1949 Leiter der Personalabteilung im Ministerium für Aufbau und 1952 Verwaltungsdirektor des Regierungskrankenhauses in Ost-Berlin. 1957 erhielt er den Karl-Marx-Orden. Seit 1957 schwer krank, starb Georg Kassler am 8. Oktober 1962 in Ost-Berlin. Sein Sohn Alfred Kassler, 1934 in die Sowjetunion emigriert, meldete sich im Juli 1941 freiwillig zur Roten Armee. Im Februar 1943 vom NKWD verhaftet, kam er als Angehöriger der »Arbeitsarmee« ums Leben. Sohn Berthold Kassler (* 13. 10. 1912 – † 19. 1. 1978), 1932 Mitglied der KPD, emigrierte 1933 in die Tschechoslowakei und in die Schweiz, 1934 kehrte er nach Deutschland zurück. 1942 Einberufung zur Wehrmacht, desertierte zur Roten Armee, schloß sich dem NKFD an und kam zum Fronteinsatz in Pommern. 1946 Mitglied der SED, viele Jahre Produktionsleiter im DEFA-Kopierwerk Berlin-Johannisthal, von 1958 bis 1963 Mitglied des ZK der SED.

Wer war wer in DDR

Katsch, Gerhardt

* 14.5.1887 – ✝ 7.3.1961

Geb. in Berlin; Vater Kunstmaler; Gymnasium in Berlin; 1905 Studium der Biol. an der Sorbonne in Paris, 1906 – 11 Med.-Studium in Marburg u. Berlin, hier 1912 Prom.; 1912 – 14 Assistenzarzt u. 1914 – 17 Oberarzt in Hamburg-Altona; im 1. Weltkrieg Militärarzt; 1917 – 20 Oberarzt an der Med. Univ.-Klinik Marburg (b. Gustav v. Bergmann), hier 1917 Habil.; 1918 Titularprof.; 1920 – 26 Oberarzt an der Med. Univ.-Klinik in Frankfurt (Main); 1921 a. o. Prof.; 1926 – 28 Chefarzt der Inneren Klinik des Heilig-Geist-Hospitals in Frankfurt (Main); 1928 – 57 Ordinarius für Innere Med. u. Dir. der Med. Univ.-Klinik Greifswald; 1930 Gründung des ersten dt. Diabetikerheims in Garz (Rügen); NSDAP; im 2. Weltkrieg zeitw. beratender Internist im Militärsanitätsdienst. Im April 1945 an der Übergabe der Stadt Greifswald an die Rote Armee beteiligt; 1945 Dekan der Med. Fak. der EMAU Greifswald; 1947 Gründung des ZI für Diabetes in Karlsburg (b. Greifswald); 1951 Verdienter Arzt des Volkes; 1952 Mitgl. des wiss. Beirats für Med. beim Staatssekr. für HS-Wesen; 1953 Ord. Mitgl. der DAW; 1955 Mitgl. der Leopoldina; 1955/56 Rektor der EMAU Greifswald (500-Jahr-Feier der Greifswalder Univ.) (Nachf. von  Hans Beyer); wiss. Forschungen bes. auf dem Gebiet der Gastroenterol. u. Diabetol.; 1957 em.; Weiterführung der Ltg. des ZI für Diabetes; 1952 NP; gest. in Greifswald.G.-K.-Ehrung 1987. Greifswald 1988 (Greifswalder Universitätsreden, Neue Folge Nr. 51).Peter Schneck

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Katz, Otto (Simone

* 27.5.1895 – ✝ 27.11.1952

(* 1895 – † 1952) Geboren am 27. Mai 1895 in Prag, Sohn eines jüdischen Kaufmanns; Handelsschule, ab 1922 in Berlin im Verlagswesen tätig, zeitweise Verlagsleiter beim Verlagsunternehmen von Leopold Schwarzschild. 1922 trat Otto Katz in die KPD ein und wurde 1927 Verwaltungsdirektor der Piscator-Bühnen in Berlin. Ende 1929 Mitarbeiter der zum IAH-Konzern gehörenden Universum-Bücherei, wirkte Otto Katz als Verbindungsmann Willi Münzenbergs zu zahlreichen Film- und Theaterschaffenden. Ende 1930 verließ er wegen eines bevorstehenden Prozesses wegen Steuerhinterziehung (im Zusammenhang mit seiner früheren Tätigkeit bei Piscator) Deutschland und reiste nach Moskau, dort Direktor des Filmunternehmens »Mezrabpom«. Im Frühjahr 1933 kam er nach Paris und wurde erneut ein enger Mitarbeiter Münzenbergs, Sekretär des Komitees zur Untersuchung des Reichstagsbrandes. Katz war Chefredakteur und Verfasser des »Braunbuches über Reichstagsbrand und Hitler-Terror« und organisierte den Londoner Gegenprozeß. Er wirkte während des Bürgerkrieges in Spanien im Auftrag der Volksfrontregierung als Leiter der Agence d’Espagne und führte nun das Pseudonym André Simone. Nach zeitweiligem Aufenthalt in den USA lebte er ab Sommer 1940 in Mexiko, wo er zur engeren Leitung der KPD-Exilgruppe gehörte und Sekretär der Bewegung Freies Deutschland wurde. Ab April 1942 außenpolitischer Berater des Präsidenten des mexikanischen Gewerkschaftsbundes Lombardo Toledano. Anfang 1946 kehrte Otto Katz/André Simone in die Tschechoslowakei zurück, wurde Mitglied der KPâ und außenpolitischer Redakteur und Kommentator des Zentralorgans »Rudé právo«. In Prag Anfang 1952 verhaftet, wurde André Simone/Katz im Slánsk´y-Prozeß mit anderen hochrangigen tschechischen Kommunisten als angeblicher britischer und zionistischer Agent am 27. November 1952 zum Tode verurteilt. Die Urteile wurden am 3. Dezember 1952 vollstreckt, die Asche der verbrannten Leichen in Säcke gefüllt und auf einer eisglatten Landstraße vor den Toren Prags ausgestreut.

Wer war wer in DDR

Kaufmann, Hans

* 31.3.1926 – ✝ 15.1.2000

Geb. in Berlin; Vater Textilzeichner; Gymnasium; 1943/44 Luftwaffenhelfer, RAD, 1944/ 45 Wehrmacht, 1945 – 47 frz. Gefangenschaft. 1948 Abitur an der Vorstudienanstalt Berlin; 1948 – 52 Studium der Germanistik u. Geschichte an der HU Berlin; anschl. hier Assistent, Aspirant; 1956 Dr. phil. mit einer Diss. über Heinrich Heines »Wintermärchen«; danach Habilaspirantur u. Wahrnehmung einer Dozentur; 1959 – 61 Prof. an der HU; 1962 Habil. mit »Bertolt Brecht. Geschichtsdrama u. Parabelstück«; 1962 – 68 Prof. an der FSU Jena; 1963 – 69 Mitgl. des Vorst. des DSV; 1968 – 91 an der DAW/AdW; 1973 – 76 stellv. Dir. des ZI für Lit.-Geschichte der AdW; 1975 Mitgl. im PEN-Zentrum DDR; 1964 Lessing-Preis; 1972 Heinrich-Heine-Preis; 1976 NP; 1991 em.; gest. in Berlin. Forschungsarbeiten zur neueren u. neuesten dt. Lit., insbes. zu dt. Klassik, Vormärz, Expressionismus, DDR-Lit.; ab 1959 zus. mit  Hans-Günther Thalheim Hrsg. der »Germanist. Studien«; Hauptautor u. Ltr. versch. Autorenkoll., so der »Geschichte der dt. Lit.« Bde. 9 u. 10 (1973 ff.), »Krisen u. Wandlungen. Aufsätze zur dt. Lit. von Wedekind bis Feuchtwanger« (1966), »Tendenzen u. Beispiele. Zur DDR-Lit. in den 70er Jahren« (1981); Aufsätze u. Kritiken zur DDR-Lit.Heinrich Heine. Geistige Entw. u. künstler. Werk. 4., überarb. Aufl. Berlin, Weimar 1983; Erwartung u. Angebot (mit E. Kaufmann). Berlin 1976; Über DDR-Lit. Berlin, Weimar 1986; Goethes »Faust« oder Stirb u. werde. Berlin 1991; Trilogie der Leidenschaft: Texte u. Dok. Joh. W. v. Goethe. Rudolstadt 1995; Der Januskopf des Utopischen. Texte, Gespräche, Erinnerungen. Hrsg. v. I. Pergande-Kaufmann. Berlin 2002. Boden, P., Böck, D. (Hrsg.): Modernisierung ohne Moderne. Das ZI für Lit.-Geschichte an der AdW der DDR. Heidelberg 2004.Bernd-Rainer Barth / Andreas Kölling

Handbuch Deutsche Kommunisten

Kayser, Albert

* 28.11.1898 – ✝ 18.10.1944

Geboren am 28. November 1898 in Stettin, in Berlin aufgewachsen; wurde dort Arbeiter im Gaswerk. Über die USPD fand er den Weg in die KPD. Mitglied des Betriebsrates in den Berliner Siemenswerken, 1923 gemaßregelt, später bei der BVG angestellt. Im Juli 1932 im Wahlkreis Berlin in den Reichstag gewählt. Kayser gehörte zu den Organisatoren des BVG-Streiks vom November 1932. Am 28. Februar 1933 verhaftet und in das KZ Sonnenburg gebracht, wo er sich bis Dezember 1933 in »Schutzhaft« befand. Nach seiner Entlassung illegale Arbeit und Instrukteur in den Bezirken Erfurt, Hannover und Magdeburg. Albert Kayser wurde Ende Januar 1935 erneut festgenommen und am 2.August 1935 vom 1. Senat des VGH zum Tode verurteilt. Dieses Urteil wurde dann aufgrund internationaler Proteste in eine lebenslange Zuchthausstrafe umgewandelt. Er saß zunächst in Berlin-Plötzensee, dann im Zuchthaus Brandenburg-Görden. Ende 1943 in das KZ Buchenwald überführt, wo Albert Kayser am 18.Oktober 1944 an Flecktyphus umgekommen ist.

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Keil, Gerhard

* 15.3.1922 – ✝ 12.9.1997

Geb. in Leipzig; Mittelschule, 1936 – 39 Buchhändlerlehre b. Franz Volckmar, Leipzig; 1941 – 43 Wehrmacht, Afrikakorps; 1943 – 47 amerik. u. brit. Gefangenschaft. 1947 – 49 Buchhändler, zunächst wieder bei Franz Volckmar, dann beim SWA-Verlag Leipzig; SED; 1953 – 55 Ltr. des Verlags Philipp Reclam jun. Leipzig; 1954/55 kommissar. Ltr., 1955 – 87 Ltr. des E. A. Seemann Buch- u. Kunstverlags Leipzig; 1960 – 63 zusätzl. Geschäftsf. des Insel Verlags Anton Kippenberg Leipzig u. 1967 – 72 Kommanditist des Postreiter-Verlags Halle; 1954 – 57 Gasthörer der Kunstgeschichte an der KMU Leipzig; 1970 NP; 1983 Dr. h. c. der KMU; Einsatz für die Hrsg. großer wiss. Publ., u. a. des Allg. Künstlerlexikons für zeitgenöss. Kunst; langj. Mitgl. im Verlegeraussch. des Börsenvereins der Dt. Buchhändler; Gründer u. Vors. des Jugendweiheaussch. in Leipzig; Abg. des Bez.-Tags Leipzig; seit 1987 Ruhestand in Leipzig; Ehrenmitgl. des Kuratoriums »Haus des Buches« in Leipzig; gest. in Leipzig.Carsten Wurm / Frank Wagner

Wer war wer in DDR

Keisch, Henryk

* 24.2.1913 – ✝ 2.7.1986

Geb. in Moers (Rheinl.) in einer jüd. Fam.; Vater Gewerbetreibender; Volksschule, Realgymnasium in Duisburg-Ruhrort, 1932 Abitur; 1932/33 Studium der Lit.-Geschichte u. Theaterwiss. an der Univ. Köln; 1933 Emigr. nach Frankreich; dort Sprachlehrer, Übersetzer, Gelegenheitsarb., Mitarb. der antifa. Presse; ab 1937 Mitarb. an dt.-spr. Ztgn. (u. a. »Dt. Volksztg.«, »Die neue Weltbühne«, »Das Wort«) u. der antifa. Emigrantenpresse in der Schweiz; 1938 Heinrich-Heine-Preis; Freiw. in der frz. Armee, Teiln. an der Résistance (»Claude Chaillet«); 1944 Verhaftung, Flucht aus dem Deportationszug in das KZ Auschwitz; danach Red. frz. Ztgn. in Paris. Apr. 1946 Rückkehr nach Berlin; Anerkennung als VdN; 1946 – 50 Dtl.-Korrespondent der frz. Ztgn. »Libération« u. »Ce Soir«; Chefred. der Ztschr. »Friedenswacht«; 1950 – 53 Red. u. zeitw. Chefred. der Ztschr. des DSV »Neue Dt. Lit.«; Theaterkritiker des »Neuen Dtl.«; 1953 Mitgl. des DSV; 1953 im Kontext der antisemit. Kampagne Aberkennung des VdN-Status; 1953/54 staatenlos, dann DDR-Staatsbürgerschaft; 1957 NP; 1959 SED; seit 1959 freischaff. Autor in Berlin, auch Drehbuchautor (»Der Hauptmann von Köln« 1956) u. Übersetzer (vor allem Louis Aragon); Mitgl. des Vorst. des DSV, später SV; 1965 Mitgl. des PEN-Zentrums Ost u. West; 1970 Mitgl. des Präs. u. 1974 – 85 Gen.-Sekr. des PEN-Zentrums DDR (Nachf. von  Werner Ilberg); 1968 Carl von Ossietzky-Medaille; 1978 Banner der Arbeit; 1983 VVO; gest. in Berlin.Epigramme. Rostock 1965; Meinungen, Verneinungen. Epigramme. Berlin 1967; Gehauen u. gestichelt. Epigramme. Berlin 1972; Die Vier-Zeilen-Muse: Epigramme zur Lit. u. zu den Künsten. Rostock 1984; Erkenne dich selbst: Geschichten vom Kollegen X. Berlin 1989.Bernd-Rainer Barth / Andreas Kölling

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Keler, Sigrid

* 26.5.1942

Geb. in Herrnstadt (Krs. Guhrau, Schlesien / Wasosz, Polen); Grund- u. OS, 1960 Abitur; 1960/61 prakt. Jahr; 1961 – 65 Studium der Volkswirtsch. an der KMU Leipzig, Dipl.-Wirtsch.; 1965 – 71 wiss. Mitarb. in der Abt. Marktforsch. der Chem. Werke Buna; 1971 – 90 wiss. Mitarb. der Absatzabt. im Faserplattenwerk Ribnitz-Damgarten; Jan. 1990 SDP, stellv. Vors. des SPD-KV Ribnitz-Damgarten; 1990/91 Schatzmeisterin u. ab März 1990 stellv. Vors. des SPD-LV Mecklenb.-Vorpomm. Seit Okt. 1990 MdL Mecklenb.-Vorpomm., 1990 – 96 Vors. des Finanzaussch.; 7.5.1996 – 3.11.2008 Finanzmin. des Landes Mecklenb.-Vorpomm. (Nachf. von Bärbel Kleedehn).Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Keller, Hermann

* 30.3.1945

Geb. in Zeitz; 1963 – 68 Kompositions- u. Klavierstudium an der HS für Musik Weimar; 1968 – 76 Aspirantur u. Lehrtätigkeit an der HS für Musik Berlin; ab 1976 freiberufl.; als Mitgl. des Berliner Improvisations-Quintetts, ab 1979 Berliner Improvisations-Trio, Auftritte bei Jazz-Konzerten u. internat. Jazzfestivals sowie Schallplattenaufn., auch Auftritte als Solopianist u. Schallplattenaufn. mit Kammermusik. Seit 1990 Lehrer für Improvisation an der Freien Musikschule »Musikhaus e. V.« Berlin; Komposition zahlr. Kammermusiken u. Orchesterwerke; Entwurf von Improvisationsmodellen (oft in Zusammenarbeit mit Jazz-Musikern); Ltg. von Improvisationskonzerten mit Laien. Werke: u. a. dreiteilige Sammlung von Klavierstücken »Von der Herkunft der Rhythmen« (1990 ff.

Wer war wer in DDR

Kelm, Martin

* 9.10.1930

Geb. in Neuhof (Poel); 1947 – 50 Lehre als Elektrotechniker u. Elektroinstallateur; 1950 – 53 Studium an der FS für angewandte Kunst Wismar, 1953 – 58 an der HS für bildende u. angewandte Kunst Berlin-Weißensee; SED; 1956 Gestaltung des Fernsehgeräts Atelier, 1958 eines dreipunktgestützten Portalkrans; 1959 – 62 Doz. für Gestaltungslehre u. Mitarb. des Inst. für Entwurf u. Entw. an der HS für industrielle Formgestaltung Burg Giebichenstein; ab 1962 Dir. des Inst. für angewandte Kunst Berlin (ab 1963 ZI für Formgestaltung, ab 1965 ZI für Gestaltung); ab 1966 Vizepräs. des Dt. Amts für Material- u. Warenprüfung (DAMW); 1969 Prom. am IfG zum Dr. phil. mit der Arbeit »Die Bedeutung der Gestaltung industrieller Erzeugnisse im entwickelten ges. System des Soz.«; 1972 – 89 Staatssekr. u. Ltr. des Amts für industrielle Formgestaltung beim Min.-Rat; 1980 Prof.; Vors. des Bauhaus-Kuratoriums; 1980 VVO. 1990 freier Unternehmensberater, Ruhestand.Produktionsgestaltung im Sozialismus. Berlin 1971.Gerd Dietrich

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Kenzler, Georg

* 20.10.1884 – ✝ 1.1.1959

Am 20. Oktober 1884 in Mannheim geboren; sein Vater, ein Schmied, wurde 1893 wegen seiner gewerkschaftlichen Tätigkeit bei der Mannheimer Firma Lanz gemaßregelt, so daß die Familie nach Frankenthal in der Pfalz übersiedelte. Er lernte Schlosser und war aktiv in der sozialistischen Jugend, ging auf Wanderschaft durch Deutschland, die Schweiz und Österreich. 1908 schloß er sich der SPD an und kam 1917 bei Gründung zur USPD. 1918 noch zu den Pionieren eingezogen, kehrte er nach Ausbruch der Revolution nach Mannheim zurück und war an den Revolutionskämpfen beteiligt. Er stand auf dem linken Flügel der USPD, kam mit diesem 1920 zur KPD. 1921 Leiter der KPD in Mannheim, arbeitete weiter in seinem Beruf als Schlosser. 1922 Stadtverordneter und hauptamtlicher Sekretär der KPD Mannheim. Auch in der KPD gehörte Kenzler dem linken Flügel an, er wurde Anfang 1924 Polleiter des KPD-Bezirks Baden. Im Mai 1924 (bis 1928) als Abgeordneter in den Reichstag gewählt. 1924/25 einige Male verhaftet, mußte er aber als MdR wieder freigelassen werden. Bis 1926 Polleiter in Baden, trat zunächst noch für das ZK auf, schloß sich aber 1926 immer enger an die Ruth-Fischer-Gruppe an. Ende 1926 abgelöst und einer der Führer der linken Opposition in Baden, die hier erst 1927 in Aktion trat. Da Kenzler am 16. Juli 1927 an einer Versammlung mit Hugo Urbahns in Mannheim teilgenommen hatte, wurde er zur Bezirksleitung vorgeladen, lehnte aber sein Erscheinen schriftlich ab: »Die jetzige BL gleicht einem Inquisitionstribunal, Ketzer (Oppositionelle) müssen um jeden Preis verbrannt werden. Ihr braucht noch Holz zum Scheiterhaufen.« Als solches »Holz« legte er ein Schreiben der russischen Opposition bei und solidarisierte sich damit. Daraufhin am 27. Juli 1927 aus der KPD ausgeschlossen. Mitglied des Leninbundes. Nach der Auflösung des Reichstages am 18. April 1928 verhaftet; obwohl das Verfahren ja wegen seiner KPD-Tätigkeit lief, gewährte ihm die Partei keine Rechtshilfe. Kenzler kandidierte für den Leninbund, kam aber nicht mehr in den Reichstag. Nach der Haftentlassung 1928 eröffnete er in Mannheim eine Gastwirtschaft. Am 10. Januar 1929 trat er in die SPD ein und zog nach Berlin, wo er mit mehreren anderen früheren linken KPD-Abgeordneten bei der Volkshilfe-Versicherung beschäftigt war. Nach 1933 einige Male kurz inhaftiert, blieb er bis 1945 als Arbeiter in Berlin. 1945 wieder bei der Versicherung tätig, wurde zwar Mitglied der SED, übernahm aber keine Funktion, sondern stand in Opposition zur Parteilinie. Er wohnte in Ost-Berlin (Köpenick) und hatte sich von der Politik zurückgezogen. Georg Kenzler starb am 1. Januar 1959 in Ost-Berlin.

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Karwahne, Berthold

* 3.10.1887 – ✝ 14.11.1957

Geboren am 3. Oktober 1887 in Koberwitz/Krs. Breslau; Arbeiter. 1919 Mitglied der USPD, kam 1920 mit deren linkem Flügel zur KPD. Aktiver Funktionär in Hannover, dort eng mit Iwan Katz und Theodor Gohr verbunden. Als Stadtverordneter von Hannover gehörte er der linken Opposition an und unterstützte ab 1925 den ultralinken Kurs von Katz. Im Januar 1926 aktiv an der gewaltsamen Besetzung des KPD-Organs »Niedersächsische Arbeiterzeitung« beteiligt, wurde er noch im gleichen Monat aus der KPD ausgeschlossen. Gemeinsam mit Katz gab Karwahne das oppositionelle »Mitteilungsblatt« heraus und gehörte im Juni 1926 zu den Gründern des »Spartakusbundes der linkskommunistischen Organisationen«, zu deren Führung er zunächst zählte. Gemeinsam mit Gohr legte er Ende 1926 sein Stadtverordnetenamt nieder. Da Katz es ablehnte, aus dem Reichstag auszuscheiden, kam es zum Bruch. Karwahne wurde rasch erbitterter Antikommunist und trat schon 1927 der NSDAP bei. Er lief als einziger wichtiger kommunistischer Funktionär zur NSDAP über und wurde ein prominenter Nazi. 1930 für die NSDAP in den Reichstag gewählt (Wahlkreis Südhannover-Braunschweig), blieb er bis 1945 NS-MdR. Nach 1933 leitete er den ehemaligen Fabrikarbeiterverband, und wurde 1936 Gauobmann der DAF Südhannover-Braunschweig. Der grobschlächtige Funktionär trat dann in den Hintergrund, wohnte nach 1945 in Hannover. Berthold Karwahne starb am 14. November 1957 in Krainhagen/ Bückeburg.

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Kassner, Walter

* 6.6.1894 – ✝ 17.11.1970

Geboren am 6. Juni 1894 in Prenzlau, Sohn einer Arbeiterfamilie, der Vater starb schon 1896. Er lernte Dreher, schloß sich 1911 der Gewerkschaft und 1913 der SPD an. Seit Frühjahr 1915 Soldat, nach schwerer Verschüttung in Flandern 1916 abkommandiert als Arbeiter zu Krupp-Gruson nach Magdeburg, später in Mittel- und Kleinbetrieben der Magdeburger Metallindustrie tätig. 1917 Übertritt zur USPD, aktiver Funktionär dieser Partei in Magdeburg. 1918 Mitglied des Magdeburger Arbeiter- und Soldatenrates. Mit dem linken Flügel der USPD 1920 zur KPD, wurde 1921 Vorsitzender der KPD in Magdeburg, dort 1924 Stadtverordneter, 1926 Leiter des RFB Gau Magdeburg-Anhalt. Kassner war 1927 hauptamtlicher Parteiangestellter, bis 1930 Orgleiter des KPD-Bezirks Magdeburg, Abgeordneter des Provinziallandtages der Provinz Sachsen und von 1928 bis 1933 Abgeordneter des Preußischen Landtages. Vom XII. Parteitag 1929 zum Kandidaten des ZK gewählt und von 1930 bis 1933 in der BL Magdeburg Polleiter bzw. Sekretär für Agitation. Illegale Arbeit bis Juni 1933 in Magdeburg, Brandenburg, Berlin und Frankfurt/M. Ab August 1934 hielt Kassner sich im Saargebiet, anschließend in der Schweiz und in Frankreich auf. Im Oktober 1934 Rückkehr nach Deutschland, hier gemeinsam mit Maria Krollmann und Käthe Lübeck Instrukteur und Polleiter der illegalen KPD im Bezirk Hessen. Am 26. März 1935 in Frankfurt/M. festgenommen, nach zwei Jahren und drei Monaten U-Haft im Mai 1937 durch den 1. Senat des VGH zu lebenslanger Zuchthausstrafe verurteilt, saß er in Kassel, Coswig und Halle. Während des Evakuierungsmarsches von Halle in die Tschechoslowakei im März/ April 1945 befreit. 1945 schloß er sich wieder der KPD an, war von Juli 1945 bis Dezember 1950 Bürgermeister von Magdeburg. Im Juni 1950 wurde Kassner als Nachfolger von Fritz Beyling Vorsitzender der VVN Sachsen-Anhalt. 1951 in Ost-Berlin Abteilungsleiter im Staatssekretariat für Innere Angelegenheiten und 1953 Hauptreferent im Büro des Förderungsausschusses beim DDR-Ministerpräsidenten. Seit 1956 hauptamtlicher Sekretär der SED-Parteiorganisation im Büro des Präsidiums des Ministerrates der DDR. 1962 Parteiveteran, er erhielt 1969 den Karl-Marx-Orden. Walter Kassner starb am 17. November 1970 in Ost-Berlin.

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Kattner, Alfred

* 23.9.1896 – ✝ 1.2.1934

Geboren am 23. September 1896 in Schwiebus, Sohn einer Arbeiterfamilie; Tischler, von 1916 bis 1918 Militärdienst. Mitglied der USPD, 1920 der KPD. Ab 1925 hauptamtlicher Mitarbeiter zunächst in der Poststelle bzw. in der Orgabteilung des ZK der KPD. Unter dem Decknamen Alfred führte Kattner Sonderaufträge und Kurierarbeiten aus, kannte viele KPD-Funktionäre, denn über ihn lief der gesamte Posteingang. Im Februar 1933 war Kattner einer der wichtigsten Kuriere, die mit Ernst Thälmann Kontakt hielten. Am 3. März 1933 wurde er zusammen mit Ernst Thälmann und Werner Hirsch im illegalen Quartier in der Lützowstraße 9 verhaftet, saß von April bis Juni 1933 im Polizeigefängnis Berlin-Spandau, anschließend im KZ Sonnenburg. Ende August zu erneuten Verhören in der Gestapozentrale, weil Kattner »weitgehenden Einblick in interne Vorgänge des ZK besaß und natürlich auch die Rolle führender kommunistischer Persönlichkeiten, insbesondere die des Parteiführers Thälmann kannte«. Mit brutalen Verhörmethoden, Drohungen und Versprechungen gelang es der Gestapo, Kattner »umzudrehen«. Am 15. November 1933 wurde er überraschend entlassen und als Polizei-Lockvogel gegen den AM-Apparat eingesetzt. Obwohl sich die Hinweise verdichteten, daß Kattner zum Verräter geworden war, wiesen Mitarbeiter des AM-Apparates, z. B. Herbert Wehners Warnungen als unbegründet zurück. Erst als am 18. Dezember 1933 Hermann Dünow, der »Reichsnachrichtenleiter«, bei einem mit Kattner vereinbarten Treff von der Gestapo verhaftet wurde, reagierte das Abwehrressort. In der illegalen »Roten Fahne« wurde Kattner Ende Januar 1934 als Spitzel der Gestapo genannt: »Wir enthüllen bereits heute, daß ein paar gekaufte Subjekte, mit schwerem Geld bestochene ehemalige kommunistische Funktionäre, nach dem Diktat von Goebbels Propagandaministerium ihre Aussagen machen sollen. Unter diesen Kreaturen und gekauften Achtgroschenjungen befinden sich die ehemals technische Hilfskraft aus dem Karl-Liebknecht-Haus, Alfred Kattner, ferner der ehemalige Redakteur Helmuth Lass und außerdem die ehemaligen Funktionäre Krauss, Grobis und Nickel.« Kattner wurde am 1. Februar 1934 Opfer eines »kommunistischen Fememordes«, ausgeführt von Hans Schwarz. Die Nazibehörden beantworteten diesen Fememord am 1.Februar 1934 mit der Erschießung der in Haft befindlichen KPD-Spitzenfunktionäre John Schehr, Eugen Schönhaar, Rudolf Schwarz und Erich Steinfurth. 1999 veröffentlichte Ronald Sassning: Die Verhaftung Ernst Thälmanns und der »Fall Kattner«.

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Katzer, Georg

* 10.1.1935

Geb. in Habelschwerdt (Niederschles./Bystrica Kłodzka, Polen); Vater Konditor; 1953 Abitur; 1954 – 60 Kompositionsstudium an der HS für Musik Berlin u. 1957/58 an der Musikakad. Prag; 1961 – 63 Mstr.-Schüler an der DAK bei  Hanns Eisler u.  Leo Spies; seit 1963 freischaff.; 1977 Mitgl. des Zentralvorst. des VDK; 1978 AdK; dort Ausbildung von Mstr.-Schülern bis 1991; 1981 NP; 1982 – 89 Vizepräs. des VDK; 1986 künstler. Ltr. des Studios für elektroakust. Musik an der AdK; 1987 a. o. Prof. für Komposition an der AdK; 1989 Präs. der Sekt. DDR u. Mitgl. des Präs. der Internat. Ges. für elektroakust. Musik; Juni 1990 Präs. des Musikrats der DDR u. an der Vereinigung der beiden dt. Musikräte maßgeblich beteiligt. Seit 1993 Mitgl. der AdK Berlin-Brandenb.; NP (1981), mehrere internat. Preise für elektroakust. Kompositionen, u. a. 1978 Reine-Marie-Jose-Preis, Genf; 1992 Kulturpreis Schlesien; 1998 Johann-Wenzel-Stamitz-Preis, 1999 Musikpreis des Landes Brandenb.; 2003 Bundesverdienstkreuz; lebt in Berlin. Werke u. a.: Ballette: Schwarze Vögel, 1975; Ein neuer Sommernachtstraum, 1979/80; Opern: Das Land Bum-Bum, 1974; Gastmahl oder Über die Liebe, 1987; Antigone oder Die Stadt, 1989/90; L’homme machine, 1999; Vokalmusiken: De musica, 1977; Stimmen der toten Dichter, 1977; Abgebrochene Sätze, 1993; Ophelia, 1994; La fabbrica abbandonata, 2005; Instrumentalmusiken: Baukasten für Orchester, 1973; D-Dur-Musikmaschine, 1974; Kommen u. Gehen, 1982; Konfrontation, 1986; La Mettrie, 1986 u. 1988; Nänie für J. Bobrowski, 1998; Wiedergänge, 2003; Die Leier drehen, 2005; elektroakust. Musiken: Sound-House, 1979; Musikmaschine Nr. 2, 1980; Aide-mémoire, 1983; Hörspiel: Ich bin ein anderer, 1990.Christiane Niklew

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Kaufmann, Walter

* 19.1.1924

Geb. in Berlin; Mutter Verkäuferin; 1926 Übernahme der Pflegschaft von der arbeitslosen Mutter durch ein vermögendes Ehepaar in Duisburg; 1938 nach Verhaftung der jüd. Pflegeeltern in der »Reichskristallnacht« (die später im KZ ermordet wurden) Flucht über die Niederl. nach Großbritannien; 1939 Internierung u. 1940 Evakuierung nach Australien; zunächst Arbeit als Obstpflücker; 1941 – 45 Kriegsfreiw. in der austral. Fremdenlegion. Nach 1945 Gelegenheitsarbeiten als Straßenfotograf, Hafen- u. Schlachthausarb. sowie als Seemann; 1955 Rückkehr nach Europa; nach Reisen durch Polen, die Bundesrep. Dtl. u. die UdSSR 1956 Ansiedl. in der DDR; zunächst wieder Seemann, dann freier Schriftst.; 1961 u. 1964 Fontane-Preis Potsdam; 1967 Heinrich-Mann-Preis; 1975 Mitgl. des PEN; 1985 – 93 Gen.-Sekr. des PEN-Zentrums DDR bzw. Ost (Nachf. von  Henryk Keisch). 1993 Ruhrgebiets-Lit.-Preis; lebt in Berlin.Feuer am Suvastrand. Berlin 1961; Gerücht vom Ende der Welt. Berlin 1969; Am Kai der Hoffnung. Berlin 1974; Jenseits der Kindheit. Berlin 1985; Tod in Fremantle. Berlin 1986; Die Zeit berühren – Mosaik eines Lebens auf drei Kontinenten. Berlin 1992; Ein jegliches hat seine Zeit. Wiederbegegnung auf drei Kontinenten. Berlin 1994; Gelebtes Leben. Berlin 2000.Carsten Wurm

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Kayser, Karl

* 14.5.1914 – ✝ 27.1.1995

Geb. in Leipzig; Vater Arbeiter; 1928 – 32 Malerlehre in Leipzig; SAJ; 1932/33 Ausbildung als Schauspieler u. Volontär am Schauspielhaus Leipzig; 1933/34 Engagement am Staatstheater Stuttgart, 1934 – 36 Staatstheater Oldenburg, 1936/37 Stadttheater Halle, 1937/38 Stadttheater Plauen; 1939 – 46 Kriegsdienst u. amerik. Gefangenschaft. 1946 SED; 1946 – 50 Schauspieler u. Regisseur in Leipzig; Mitbegr. des Theaters der Jungen Welt; 1950 – 58 Gen.-Intendant des Dt. Nationaltheaters Weimar; 1954 – 89 Mitgl. der Volkskammer; 1958 – 90 Gen.-Intendant der Städt. Theater Leipzig; Mitw. als Schauspieler in eigenen Inszenierungen; 1963 – 89 Mitgl. des ZK der SED; 1977 – 89 Mitgl. der Kulturkommission beim PB des ZK der SED; 1964 Titularprof.; ab 1965 Mitgl. u. 1966 – 75 Vizepräs. der DAK; 1975 – 89 Präs. des Internat. Theaterinst., Zentrum DDR; 1976 – 85 Präs.-Mitgl. des Verb. der Theaterschaffenden; NP 1952, 1959 u. 1966 (im Koll.); 1974 VVO; 1979 KMO; 1984 Ehrenspange zum VVO; 1985 Dr. h. c. der KMU Leipzig; gest. in Leipzig. Inszenierungen: u. a. Optimistische Tragödie, 1951; Wallenstein-Trilogie, 1953, 1974; Die Winterschlacht, 1955; Die Ermittlung, 1966; Faust I u. II, 1963, 1965; Großer Frieden, 1979.Besessen sein von der Idee des Theaters. Briefe u. Reden. Berlin 1989.Aune Renk

Handbuch Deutsche Kommunisten

Keilson, Max

* 7.11.1900 – ✝ 9.11.1953

Geboren am 7. November 1900 in Halle/Saale, Sohn eines jüdischen Kleingewerbetreibenden. Seine Mutter kam im KZ Theresienstadt ums Leben. Er lernte Dekorationsmaler, trat 1919 der Gewerkschaft und der USPD, 1920 der KPD bei. Von 1920 bis 1924 studierte er an der städtischen und an der staatlichen Kunstgewerbeschule in Berlin und arbeitete dann als freischaffender Graphiker und Journalist. Im Frühjahr 1926 gehörte Keilson zeitweise zur Gruppe um Karl Korsch. Ab 1928 Graphiker in der Agitpropabteilung des ZK der KPD, verantwortlich für die gesamte Bildpropaganda der Partei, von 1927 bis 1929 Mitglied der BL Berlin-Brandenburg. Ab 1928 war er Vorsitzender der kommunistischen Assoziation revolutionärer bildender Künstler (ABRKD) und lehrte 1931/32 an der MASCH. Im März 1933 wurde Keilson im Zusammenhang mit der Verhaftung Georgi Dimitroffs – seine Frau Margarete war dessen Sekretärin – zeitweise inhaftiert. Ende Juli 1933 emigrierte er nach Frankreich, arbeitete später in Prag, kam Ende März 1939 in die Sowjetunion. Mitarbeiter der Presseabteilung der Komintern, später Redakteur beim Radioabhördienst bzw. Rundfunkredakteur des NKFD in Moskau. Max Keilson kehrte im Juni 1945 nach Deutschland zurück und war bis April 1946 stellvertretender Chefredakteur der »Deutschen Volkszeitung«. Nach Gründung der SED im April 1946 Chefredakteur des »Vorwärts«, der Zeitung der SED Groß-Berlin, im November 1949 wechselte er in das DDR-Außenministerium als Leiter der Presseabteilung. Nach Spaltung des einheitlichen Berliner Landesverbandes der Deutschen Presse im Herbst 1948 wurde Keilson 1. Vorsitzender des Verbandes für Ost-Berlin. Gerüchte, er und seine Frau Margarete seien im Zusammenhang mit der Verhaftung von DDR-Außenminister Georg Dertinger ebenfalls inhaftiert worden, ließen sich nicht verifizieren. Max Keilson starb am 9.November 1953 in Berlin. Seine Frau Margarete (Grete) Keilson, geborene Schnate, mit der er seit 1927 verheiratet war, wurde am 21. Dezember 1905 in Berlin geboren. Seit 1925 Mitglied der KPD, war sie bis Anfang 1933 Sekretärin von Georgi Dimitroff im WEB (Deckname Marianne) und emigrierte im März nach Frankreich. Zunächst im Weltkomitee gegen Faschismus und Krieg, gehörte sie später in Prag bzw. Paris zu den wichtigsten Mitarbeiterinnen des Auslandssekretariats des ZK der KPD. Sie kam 1939 in die Sowjetunion und war wie ihr Mann Max bei der Komintern. Im Juli 1945 kehrte Grete Keilson nach Deutschland zurück und wurde Sachbearbeiterin im ZK der KPD. Nach SED-Gründung leitete sie (offiziell paritätisch mit dem aus der SPD kommenden Alexander Lösche) die Personalpolitische Abteilung des ZS der SED. Ab 1948 zunächst Leiterin des Büros für Internationale Verbindungen im ZK, wurde sie 1953 Stellvertreterin von Peter Florin, dem Chef der Abteilung. Nach ihrer Heirat 1959 mit dem aus britischer Haft zurückgekehrten »Atomspion« Klaus Fuchs wechselte sie in die Presseabteilung des Außenministeriums. Sie erhielt 1985 den Stern der Völkerfreundschaft. Margarete Fuchs/Keilson starb am 4.Januar 1999 in Dresden.

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Keitel, Klaus

* 5.2.1939

Geb. in Naumburg; 1953 – 57 Abitur an der OS Franckesche Stiftungen Halle (Saale); Studium an der FS für Finanzwirtsch. Gotha; Studium an der MLU Halle; Dipl.-Wirtsch.; Dr. rer. oec; 1963 – 67 Mitarb. bei der Dt. Notenbank Halle, danach bis 1990 in der Zucker- u. Stärkeind. Halle; Jan. 1990 journalist. Tätigkeit beim Reformhaus Halle; Runder Tisch des Bez. Halle; März – Nov. 1990 Mitgl. im Rat des Bez. bzw. der Bezirksverwaltungsbehörde Halle i. A. des Runden Tisches Halle; Mai – Okt. 1990 Regierungsbevollm. für den Bez. Halle; Mai – Okt. 1990 stellv. Landesbeauftragter für Sachsen-Anh.; Mai 1990 CDU. Okt. 1990 – 2002 MdL u. bis 1998 Präs. des Landtags von Sachsen-Anh., Vors. des Aussch. für Finanzen, Vors. des Unteraussch. für Rechnungsprüfung; 2007 Verdienstorden des Landes Sachsen-Anh.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Kelle, Herbert

* 14.2.1930 – ✝ 29.5.2012

Geb. in Halberstadt; Vater Schmied u. Schlosser; Volksschule; 1944 – 47 Ausbildung zum Vermessungstechniker, bis 1949 im Beruf tätig; 1945 FDGB; 1946 FDJ; 1947/48 Krs.-Jugendsekr. des FDGB; 1948 SED; 1949 Sekr. des Krs.-Vorst. der FDJ; 1950 – 52 Stadtverordn. u. Stadtrat bzw. amt. OB von Halberstadt; 1953 – 58 Krs.-Tagsabg. u. Mitgl. des Rats des Krs. Köthen; 1958 – 60 Studium an der ASR Potsdam, Dipl.-Staatswiss.; 1960 – 68 Abg. des Bez.-Tags Halle; 1960 – 63 Sekr. des Rats des Bez.; 1963 – 74 Abt.-Ltr. (verantw. für die Volkskammer) im Staatsrat; 1967 – 69 Fernstudium der Org.-Wiss. u. Kybernetik an der HU Berlin; 1974 – März 1990 Ltr. des Sekr. der Volkskammer (Nachf. von  Josef Stadler), März – Aug. 1990 Dir. der Volkskammer; 1974 – 90 Mitgl. der Vereinigung der Gen.-Sekr. der Parl. der Welt bei der Interparl. Union, 1981 – 85 in deren Exekutive; Sept. 1990 Vorruhestand; Mitgl. der PDS u. des Berliner Alternativen Geschichtsforums; Mitgl. des Arbeitsausch. des »Solidaritätskomitees für die Opfer der polit. Verfolgung in Dtl.« u. der »Gesell. zur rechtl. u. humanit. Unterstützung« e.V. (GRH); gest. in Berlin.Die Volkskammer – wie sie arbeitet. Berlin 1989 (zus. mit T. Riemann).Helmut Müller-Enbergs

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Keller, Inge (Ingeborg)

* 15.12.1923 – ✝ 6.2.2017

Geb. in Berlin; Studium an der Berliner Schauspielschule; 1942 Engagement beim Theater am Kurfürstendamm Berlin, danach in Freiberg u. Chemnitz, 1949 beim Theater am Kurfürstendamm, Hebbel-Theater u. Schloßpark-Theater Berlin-Steglitz; seit 1950 Mitgl. des Ensembles des Dt. Theaters Berlin; SED; seit 1956 Mitgl. des NR der NF; ab 1959 Mitgl. des ZV der Gewerkschaft Kunst; 1960 Kunstpreis der DDR; NP 1961 (im Koll.) u. 1977; zeitw. verh. mit  Karl-Eduard von Schnitzler. 2000 Ehrenmitgl. des Dt. Theaters; 2004 aus dem Ensemble ausgeschieden. Tragende Bühnenrollen am Dt. Theater in George B. Shaws »Pygmalion« u. »Haus Herzenstod«, Johann W. v. Goethes »Iphigenie«, Henrik Ibsens »Gespenster«, Georg Büchners »Dantons Tod« u. v. a. sowie Lesungen in Matineen u. Soireen. Film- u. Fernsehrollen in: »Rat der Götter« (R:  Kurt Maetzig, 1950), »Die Verlobte« (1980), »Ärztinnen« (R: Horst Seemann, 1984), »Gewissen in Aufruhr« (R: Hans-Joachim Kasprzik, 1961, TV), »Wolf unter Wölfen« (R: Hans-Joachim Kasprzik, 1965, TV), »Effi Briest« (TV), »Kleiner Mann – was nun?« (TV); »Aimée u. Jaguar« (R: Max Färberböcks); 2004 »Die Zofen« u. 2005 »Faust II« am Dt. Theater (R: Konstanze Lauterbach); 2009 als Shakespeare in »Shakespeares Sonette« (R: Robert Wilson u. Rufus Wainwright). Gest. in Berlin.I. K. Porträt einer Schauspielerin. Berlin 1979; Schütt, H.-D.: I. K. – Alles aufs Spiel gesetzt. Berlin 1998; Gaus, G.: Zur Person Bd. 5. Berlin 2001.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Kempe, Volker

* 1.7.1939

Geb. in Berlin, aufgew. im Vogtl.; OS in Chemnitz, 1957 Abitur an der ABF der MLU Halle; anschl. Studium der Physik u. Nachrichtentechnik am Energet. Inst. in Moskau; 1968 Prom. mit einer Arbeit über fastperiod. Systeme; 1976 Habil.; wiss. Mitarb. am Heinrich-Hertz-Inst. der AdW, ab 1973 am Inst. für Elektronik; 1977 – 90 Dir. des ZI für Kybernetik u. Informationsprozesse der AdW (Nachf. von Horst Völz); 1976 u. 1982 NP; 1984 Korr. u. 1986 Ord. Mitgl. der AdW. 1991 als Industrieforscher und Manager bei der Austria Mikro Systeme International, 1992 Manager des Jahres in Österreich. Arbeitsgebiete: Theorie stochast. Systeme, Bildverarbeitung u. Informationstechnik.Analyse stochast. Systeme. Berlin 1976; Nichtlineare dynam. Systeme. Berlin 1984 (mit N. Ahlberendt).Annette Vogt

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Kerff, Aenne Christina

* 1.10.1906 – ✝ 12.8.1984

Geboren am 1. Oktober 1906 in Jestädt/Krs. Eschwege als Anna Christina Lenderoth, Tochter einer Bäuerin und eines Stellmachers. Nach kaufmännischer Lehre Stenotypistin. Seit Mai 1921 Mitglied der KJD, 1922 Vorsitzende der KJD-Ortsgruppe in Kassel, 1922 Angestellte in der KPD-BL Pfalz in Ludwigshafen/Rh., 1923 in der BL Mittelrhein in Köln tätig, gehörte sie dem AM-Apparat der BL an. 1924 heiratete sie Willi Kerff, im gleichen Jahr wurde der Sohn Wolfgang geboren. Sie wurde 1925 Mitglied der KJVD-BL Mittelrhein, 1929 Sekretärin in der militärpolitischen Abteilung des ZK der KPD in Berlin und enge Mitarbeiterin, später auch Lebensgefährtin von Hans Kippenberger. Seit 1933 illegal tätig für den AM-Apparat in Berlin, Paris und Prag. Ende 1935 emigrierte sie in die Sowjetunion und war unter dem Parteinamen Christine Brunner am Internationalen Agrarinstitut in Moskau, anschließend bei der DZZ beschäftigt. Am 5. November 1936 wurde Aenne Kerff gemeinsam mit Hans Kippenberger im Hotel Sojusnaja vom NKWD festgenommen. Im September 1937 zu acht Jahren Arbeitslager verurteilt, blieb sie bis September 1946 im Lager Elgen Mylge bei Magadan und wurde anschließend an der Kolyma zwangsangesiedelt. 1947 lernte sie den bulgarischen Kommunisten Dino Kjossew (* 16. 9. 1901 - † 3. 1. 1977) kennen, beide heirateten und konnten im Sommer 1948 nach Bulgarien ausreisen. Von 1956 bis 1958 Korrespondentin der bulgarischen Parteizeitung »Rabotnitscheskoje delo« in Ost-Berlin, beantragte sie bei der SED ihre Rehabilitierung, im September 1956 wurde nur ihre Parteimitgliedschaft seit 1928 anerkannt. Bei der Abgabe ihrer persönlichen Erinnerungen an das IML in Ost-Berlin wandte sich Aenne Kerff-Kjossewa im November 1972 direkt an SED-Parteichef Erich Honecker. Sie bat im Zusammenhang mit dem bevorstehenden 50. Jahrestag der Wiederkehr des Hamburger Aufstandes vergebens um eine öffentliche Würdigung Hans Kippenbergers. 1980 übersiedelte sie in die DDR. Aenne Kerff-Kjossewa starb am 12. August 1984 in Ost-Berlin. Auszüge ihrer Erinnerungen wurden erst 1989/90 in der Zeitschrift BzG publiziert.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Käseberg, Karl

* 5.9.1890 – ✝ 8.1.1940

Geboren am 5. September 1890 in Hannover; Dreher bei der Weser AG in Bremen, von 1910 bis 1913 Militärdienst, von 1914 bis 1916 Soldat im Weltkrieg, anschließend Dreher bei der Firma Krupp in Essen. Seit 1917 in der USPD, ab 1919 in der KPD. 1923 Angestellter im Ruhr-Echo Verlag und zunächst unter Wilhelm Florin, dann unter Max Opitz führender Leiter des Emi-Apparates der BL Ruhrgebiet. Käseberg organisierte nach einer kommunistischen Sportveranstaltung im Sommer 1932 in Essen die Flucht des von der Polizei gesuchten Josef Staudinger in die Sowjetunion. Dieser hatte bei Auseinandersetzungen den Polizeiwachtmeister Josef Hommer erschossen. Am 1. März 1933 festgenommen, saß Käseberg bis 20. April 1933 in »Schutzhaft«. Nach zweijähriger Arbeitslosigkeit Angestellter einer Versicherung, am 21. September 1936 wurde er erneut verhaftet und am 5.November 1937 vom Schwurgericht Essen (zusammen mit Max Opitz) wegen »Beihilfe zum Totschlag« zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt. Diese Strafe erhöhte das OLG Hamm am 24. Juni 1938 auf drei Jahre Zuchthaus. Am 24.September 1939 freigelassen, wurde Käseberg schon einen Tag später in »Schutzhaft« genommen und in das KZ Sachsenhausen eingeliefert. Dort ist er am 8. Januar 1940 an »Lungenentzündung« gestorben, tatsächlich wurde Karl Käseberg ermordet.

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Kasten, Karl

* 7.1.1909 – ✝ 19.1.1981

Geb. in Mertschütz (Krs. Liegnitz, Niederschles. / Mierczyce, Polen); Vater Landwirtschaftsangest.; Grund- u. Mittelschule; Lehre u. Arbeit als Schlosser, Schachtarb., Dreher, Fräser u. Papierhändler; 1932 / 33 Angest. bei der RH; 1930 KPD; 1931 Mitgl. der RGO-BL Schles., Agitprop- bzw. Org.-Ltr. der Betriebszelle der Donnermarkhütte; zuletzt Ltr. der RGO-Jugend bzw. Ltr. der Industriegr. Metall RGO-Bez. Oberschles.; 1932 stellv. Org.-Ltr. der KPD-BL Oberschles.; Febr. 1933 Verhaftung, bis Aug. »Schutzhaft«; nach der Entlassung Übernahme eines Papiervervielfältigungsgeschäfts in Breslau; antifasch. Arbeit zus. mit  Wolfgang Steinitz; nach Aufdeckung der Gruppe Umzug nach München, dort illeg. Arbeit; 1937 Rückkehr nach Berlin, Mitarb. in der Widerstandsgr. um Anton Saefkow. 1945 / 46 Vorsteher des Polizeireviers Berlin-Wedding; 1945 KPD, 1946 SED; 1946 / 47 Angest. bei der Landesreg. Mecklenb.; 1947 / 48 Werkltr. der Torfbetriebe Schwerin; 1949 Oberreferent für Maschinenbau in der Landesreg. Mecklenb.; 1949 / 50 Techn. Dir. der VVB Maschinenbau Rostock, 1950 Hauptdir.; 1951 / 52 HA-Ltr. Wirtschaftsplanung der Landesreg. Mecklenb.; 1952 / 53 Arbeitsdir. im VEB Warnowwerft Rostock; 1953 Staatsexamen, Maschinenbau-Ing.; 1953 / 54 OB von Rostock (Nachf. von  Rudolf Heyden); 1954 – 58 Staatssekr. für örtl. Wirtschaft bzw. örtl. Angelegenheiten; 1958 – 60 Vors. des Bezirkswirtschaftsrats Suhl, zeitw. Mitgl. der SED-BL Suhl u. ihres Büros; ab 1961 Ltr. des Sekr. der SPK; 1969 VVO.Andreas Herbst

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Katukow, Michail Jefimowitsch

* 4.9.1900 – ✝ 8.6.1976

Geb. in Bolschoje Uworowo (Osjorskowo b. Moskau); ab 1919 Berufssoldat; 1932 Mitgl. der KPdSU; fachmilitär. Ausbildung; ab 1941 hoher Frontkdr. der Panzertruppen; ab Jan. 1943 Befehlshaber der 1. Panzerarmee, die dann als 1. Garde-Panzerarmee der 1. Weißruss. Front an der Einnahme Berlins beteiligt war; 1944 u. 1945 Held der Sowjetunion. Ab 1945 hohe Kdo.-Stellungen in der Gruppe der sowj. Besatzungstruppen in Dtl.; Chef der SMA Sachsen; ab 1955 Gen.-Inspekteur im Verteidigungsmin. der UdSSR; stellv. Chef der HV Infanterie; ab 1963 Inspektor-Berater in der Gruppe der Gen.-Inspekteure des sowj. Verteidigungsmin.; 1959 Marschall der Panzertruppen; viermal Lenin-, dreimal Rotbannerorden; gest. in Moskau.Jan Foitzik

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Kauffold, Peter

* 19.8.1937 – ✝ 28.4.2014

Geb. in Magdeburg; Vater Schmied; OS, 1954 Abitur; 1954 – 60 Biologiestudium in Rostock, Dipl.-Biol.; 1960 – 86 wiss. Mitarb. des AdL-Forschungszentrums für Tierprod. Dummerstorf-Rostock; 1966 Prom. zum Dr. rer. nat. mit vitalzytolog. u. zytochem. Untersuchungen an intakten u. degenerierten Eizellen als Grundlage für die Oozytendiagnostik; 1966 – 74 (nach Abbruch der zytolog. Forschung am o. g. Inst.) Mitarb. am Forschungsprogr. »Ernährung von Hochleistungskühen«; 1969 – 86 Mitgl. des Bez.-Vorst. der Gewerkschaft Wiss. der Nordbez.; 1975 Prom. zum Dr. sc. nat. mit einer Arbeit über Pansenphysiol.; 1974 – 82 Ltr. einer Arbeitsgr. Zytolog. Grundlagen des Embryotransfers (nach Wiederaufn. des Forschungsthemas im o. g. Inst.) u. Mitgl. des zeitw. RGW-Forschungskoll. »Eitransplantation Rind«; ab 1983 Ltr. des gem. Forschungsprojekts von AdL u. AdW »Biol. der Reifung u. Befruchtung bei Säugetieren«; 1986 – 90 Ltr. der Abt. Angew. Embryol. des o. g. Inst.; Sept. 1989 Prof. der AdL; Jan. 1990 SPD; März – 2.10.1990 Abg. der Volkskammer, ab April Parl. Staatssekr. im Min. für Ernährung, Land- u. Forstw.; 1. Stellv. des Ministers, verantw. für Gesetzesvorlagen insbes. zur Strukturanpassung u. zu Grund u. Boden; Verhandlungsführer der DDR zum Komplex Agrar- u. Ernährungswirtsch. des Staatsvertrags DDR-Bundesrep. Dtl. über die Währungs-, Wirtschafts- u. Sozialunion; 16.8. – 20.8.1990 amt. Minister (Nachf. von  Peter Pollack). Okt. 1990 – Febr. 1993 MdL Mecklenb.-Vorp.; Vors. des Landw.-Aussch. u. stellv. Vors. der SPD-Fraktion; stellv. Landesvors. der SPD; 1993 Vorstandsmitgl. der Stiftung Forschungsinst. für die Biol. landw. Nutztiere Dummerstorf-Rostock u. Dir. des Inst.; 1998 – 2002 Minister für Bildung, Wiss. u. Kultur der Landesreg. Mecklenb.-Vorp. (Nachf. von Regine Marquardt); seit 1993 Mitgl. des SPD-LV Mecklenb.-Vorp.; seit 2004 Kreistagsabg. in Bad Doberan.Nährstoffverwertung beim Wiederkäuer. Jena 1974 (Mitautor); über 100 weitere wiss. Veröff.Siegfried Kuntsche

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Kaul, Friedrich Karl

* 21.2.1906 – ✝ 16.4.1981

Geb. in Posen (Poznań, Polen) in einer jüd. Familie; Vater Kfm.; Realgymnasium in Posen u. Berlin; 1925 Studium der Rechtswiss. in Berlin u. Heidelberg; Mitgl. einer schlagenden Verbindung; 1929 Referendarexamen in Berlin; danach Assistent an der jurist. Fak. der Berliner Univ., 1931 Prom.; 1931/32 im Anwaltsbüro von Justizrat Ludwig Pinner in Berlin tätig; 1933 Entlassung aus dem Justizdienst wegen jüd. Abstammung, danach Versicherungsvertreter u. Rechtskonsulent; 1935 von der Gestapo verhaftet, KZ Lichtenburg u. Dachau, Entlassung mit der Bedingung sofortiger Auswanderung; Juli 1937 Emigr. nach Kolumbien, später Panama, Honduras u. Nicaragua; Büroangest. u. Bauarb.; 1939 Aberkennung der dt. Staatsbürgerschaft; 1941/42 in Nicaragua als feindl. Ausländer interniert u. an die USA ausgeliefert, bis 1945 im Antinazi-Camp Kennedy (Texas) interniert. Sept. 1945 Rückkehr nach Dtl.; 1946 Referendar u. Hilfsrichter am LG Berlin; 1946 KPD/ SED; seit Juli 1946 Justitiar beim Berliner Rundfunk, Ltr. der Rechtsabt.; 1947/48 nebenamtl. Ltr. der Rechtsabt. bei der Dt. Verw. für Volksbildung; Nov. 1947 Assessorexamen; Juni 1948 vorläufige, 1949 endgültige Zulassung als Rechtsanwalt bei den Berliner Gerichten; 1954 – 56 Hauptprozeßbevollm. der KPD im Verbotsprozeß vor dem BVG der Bundesrep. Dtl.; Verteidiger von KPD- u. FDJ-Mitgl.; Nebenkläger in Prozessen gegen NS-Gewaltverbrecher, u. a. 1963 – 66 Frankfurter Auschwitz-Prozeß, 1970 Düsseldorfer Treblinka-Prozeß; 1960 Prof., 1965 Lehrbeauftr. u. Dir. des neugegr. Inst. für zeitgenöss. Rechtsgeschichte an der HU Berlin; 1962 Vizepräs. der Vereinigung Demokrat. Juristen; 1965 Banner der Arbeit für das Auftreten im Auschwitz-Prozeß u. das »Wirken für die Nichtverjährung von Nazi- u. Kriegsverbrechen«; Chefjustitiar der Staatl. Komitees für Rundfunk u. Fernsehen; 1975 stellv. Vors. der internat. Chile-Kommission; Autor von Kriminalromanen, Tatsachenerz. sowie zahlr. Hör- u. Fernsehspielen; Moderator der Fernsehsendung »Prof. Dr. Kaul antwortet«; 1960 NP (im Koll.); 1970 Verdienstmedaille der NVA; 1971 VVO; 1976 Ehrenspange zum VVO; 1981 KMO; gest. in Berlin.Ankläger auf der Anklagebank. Berlin 1952; Der Pitaval der Weimarer Rep. 2 Bde. Berlin 1953 u. 1961; Der Fall des Herschel Grynszpan. Berlin 1965; Watergate. Ein Menetekel für die USA. Berlin 1975. Hartewig, K.: Zurückgekehrt. Die Gesch. d. jüd. Kommunisten in der DDR. Köln, Weimar 2000; Rosskopf, A.: F. K. K. Anwalt im geteilten Dtschl. (1906 – 81). Berlin 2001.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

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Kegel, Gerhard

* 16.11.1907 – ✝ 16.11.1989

Geb. in Preußisch-Herby (Krs. Lublinitz, Oberschles. / Herby Šląnskie, Polen); Vater Eisenbahner; Oberrealschulen in Kattowitz, Oppeln u. Breslau, 1926 Abitur; 1926 – 28 Ausbildung zum Bankkfm. in Breslau; 1928 – 31 Studium der Staats- u. Rechtswiss. an der Univ. Breslau; Referendar; gleichz. journalist. Ausbildung bei den »Neuesten Nachrichten« (Breslau); 1929/30 Mitbegr. u. Mitgl. der »Soz. Studentenschaft« an der Univ. Breslau; Nov. 1931 KPD; 1931/32 Gerichtsreferendar am Amtsgericht Bolkenhayn (Schles.); 1932 Mitarb. der KPD-KL Breslau; April 1932 Austritt aus dem Justizdienst u. zunächst Hilfsred., dann Wirtschaftsred. der »Neuesten Nachrichten«; Okt. 1933 mit  Lothar Bolz nach Warschau; dort freiberufl. Auslandskorrespondent für die »Neuesten Nachrichten«; Agent des sowj. militär. Nachrichtendienstes GRU (»Kurt«); Mai 1934 im sowj. Auftrag Eintritt in die NSDAP; 1935 – 39 wiss. Hilfsarb. bzw. Ref. für Wirtschaftsfragen in der handelspol. Abt. der dt. Botschaft in Warschau; 1939 Mitarb. des Auswärtigen Amts in Berlin; Herbst 1939 – 41 stellv. Ltr. der handelspol. Abt. der dt. Botschaft in Moskau; Juni/Juli 1941 mit anderen dt. Diplomaten in Kostroma (UdSSR) interniert, Juli Rückreise nach Berlin; 1941 – 43 Legationssekr. der handelspol. Abt. im Ausw. Amt Berlin, zul. Ref. im Länderreferat Westeuropa; 1943 – 45 Wehrmacht, Uffz.; Jan. 1945 Übertritt zur Roten Armee; Jan. – März 1945 sowj. Kriegsgefangenschaft in Polen u. Moskau in der Ljubjanka. Juni 1945 Rückkehr nach Dtl. (Berlin); 1945 – 49 stellv. Chefred., ab April 1949 Chefred. der »Berliner Ztg.« (Nachf. von  Rudolf Herrnstadt) u. Ltr. des Berliner Verlags; 1946 SED; bis Okt. 1949 kurzz. persönl. Ref. von  Wilhelm Pieck; Nov. 1949 – Mitte 1950 Ltr. der HA Pol. Angelegenh. im MfAA; 1950/51 stellv. Chefred. des »Neuen Dtl.«; Mitgl. des Sekr. des VDP; 1951/52 Chefred. der Wochenztschr. »Die Wirtschaft«; ab Aug. 1952 Dir. des Verlags Die Wirtschaft; 1952 – 57 Mitgl. VDJ-ZV; ab 1953 – 56 Fernstudium an der PHS; 1955 – 72 ltd. Mitarb. des ZK der SED auf dem Gebiet der Außenpol., seit 1955 persönl. Mitarb. u. außenpol. Berater  Walter Ulbrichts; Mitgl. der Agit.-Kommission beim PB des ZK der SED; 1959 Gesandter, Sprecher der DDR-Regierungsdelegation auf der Genfer Außenministerkonferenz der Großmächte; 1967 Mitgl. der Westkommission u. der Außenpol. Kommission beim PB des ZK der SED, Ltr. des Strateg. Arbeitskrs. Außenpol.; 1967 – 71 Kand. des ZK der SED; Juli 1973 – Mai 1976 Botschafter u. Ltr. der Ständ. Vertr. der DDR am Sitz der UNO in Genf (Nachf. von  Siegfried Zachmann); 1967 VVO; 1977 KMO; 1982 Ehrenspange zum VVO; gest. in Berlin.Notizen von einer großen Reise. Mit Walter Ulbricht in der Sowjetunion. Berlin 1964; Ein Vierteljahrhundert danach. Das Potsdamer Abkommen u. was aus ihm geworden ist. Berlin 1970; In den Stürmen unseres Jh. Berlin 1984. Müller-Enbergs, H.: Nationalkomitee Freies Dtl. In: Ueberschähr, G.: Das Nationalkomitee Freies Dtl. u. der Bund der Dt. Offz. Frankfurt (Main) 1995.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Keilson, Max

* 7.9.1900 – ✝ 9.11.1953

Geb. in Halle in einer jüd. Fam.; Vater Kleingewerbetreibender; 1906 – 14 Volksschule in Berlin; 1914 – 20 Ausbildung zum Dekorationsmaler u. Gebrauchsgrafiker, dann im Beruf tätig; Sept. – Dez. 1918 Militärdienst; 1919/ 20 USPD; 1919 – 21 ZdA; 1920 KPD; 1920 – 24 Schüler an der Städt. Kunstgewerbeschule, dann an der staatl. Kunstgewerbeschule in Berlin; 1921 Reichsverb. Dt. Künstler; 1924 – 27 selbst. Gebrauchsgrafiker, Arbeiten für linke Verlage u. Ztgn.; Frühjahr 1926 Mitgl. der »opp. Gruppierung Karl Korsch«; ab 1926 Ltr. des Zentr. Ateliers für Bildprop.; 1927 Heirat mit Margarete Schnate ( Grete Fuchs-Keilson); 1927 – 29 Mitgl. der BL der KPD; 1928 Mitbegr. u. geschäftsf. Vors. der ASSO; 1928 – 33 Mitarb. im ZK der KPD, Abt. Agit./ Prop., Ltr. der Abt. Presse- u. Plakatprop. (verantw. für die Bildprop. der KPD); Mitgl. im Reichsverb. Bildender Künstler Dtl.; 1928/ 29 u. 1936/37 Kurier der KPD in die UdSSR; Sekr. von Georgi Dimitroff; Mai – Juli 1933 Haft in Berlin-Spandau; 1935 u. 1936 – 39 Emigr. nach Paris, 1935/36 nach Prag; ab April 1939 UdSSR; Mitarb. im EKKI, zunächst in der Presseabt., dann Mitgl. der inoffiz. Ltg. des NKFD (»Inst. 99«) in Moskau; ab 1941 Red. des Radioabhördienstes, 1942/43 Red. für dt. Radiosendungen des INO-Radios; 1943/44 Mitarb. in der inoffiz. Nachfolgeorg. der KI, dem »Inst. 205«; 1943 – 45 Mitarb. der Rundfunkabt. im NKFD; 1944/45 Teiln. an Schulungen für die Rückkehr nach Dtl. an der KPD-Schule bei Moskau; 1945 stellv. Chefred. 10.6.1945 Rückkehr nach Dtl.; Mitbegr. der »Dt. Volksztg.«; 1945 – 49 stellv. Chefred., danach Chefred. des »Vorwärts«; 1946 – 49 Mitgl. des SED-Landesvorst. Groß-Berlin; ab 1949 1. Vors., später Präs. des VDJ Berlin; 1949/50 Ltr. der Abt. Presse u. Information im MfAA; schwere Erkrankung; Nov. 1950 Ltr. der Abt. UdSSR in der HA Pol. Angelegenh. u. 1951 – 53 Ltr. der Abt. UdSSR u. Volksdemokratien im MfAA; gest. in Berlin.Jendretzky, H.: Pionier der demokr. Presse. In: Vorwärts, 24.10.1949.Bernd-Rainer Barth

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Kelam, Tunne

* 1936

Historiker, Publizist, Autor und Verbreiter des Samisdat, Mitgründer und Vorsitzender der „Estnischen Partei der nationalen Unabhängigkeit“.Tunne Kelam wurde 1936 in Taheva in der südestnischen Region Valga geboren. Nach Abschluss der Höheren Schule 1954 in Tallinn studierte er bis 1959 Geschichte an der Universität Tartu. Seit 1957 war er im Rahmen der Gesellschaft „Teadus“ (Wissenschaft) als Dozent für internationale Beziehungen tätig. In den Spalten des „Edasi“ (Vorwärts), einer Tartuer Zeitung, schrieb er Kommentare zu internationalen Ereignissen. In den Jahren 1965–75 war er Redakteur der Estnischen Sowjetenzyklopädie (Eesti Noukogude Entsuklopeedia). Ende der 60er Jahre schloss er sich der nationalen Widerstandsbewegung an. 1972 war er an der Ausarbeitung des *Memorandums der Estnischen Demokratischen Bewegung und der Estnischen Volksfront beteiligt, ohne diesen Organisationen anzugehören. Im Zusammenhang mit den Verhaftungen Ende 1974 von Mitgliedern der „Estnischen Demokratischen Bewegung“ und der *Estnischen Volksfront wie Sergei Soldatow, Kalju Mätik, Artem Juskevitš, Mati Kirend und Arved Varat wurde Kelams Wohnung durchsucht und er selbst vom KGB verhört. Aber auch dies hielt ihn nicht davon ab, weiter unabhängige Informationen zu verbreiten, womit er sich weiteren Repressionen aussetzte. 1975 wurde er auf Druck des KGB aus der Redaktion der Enzyklopädie entlassen und erhielt ein Vorlesungsverbot. 1975–79 arbeitete er als Bibliograf in der Kreutzwald-Bibliothek in Tallinn, und von 1980–88 als Nachtwächter in einer Sowchose. 1985 erhielt Kelam vom KGB eine offizielle Verwarnung wegen „der Organisation nationalistischer Versammlungen“ und sogenannter „antisowjetischer Propaganda“. 1988–89 war er in der Redaktion der wissenschaftlichen Zeitschrift „Akadeemia“ beschäftigt, widmete sich ab 1989 ausschließlich der Politik und wurde Mitgründer der „Estnischen Nationalen Partei der Unabhängigkeit“, ihr stellvertretender Vorsitzender und schließlich Vorsitzender (1993–95). Kelam wurde in den *Kongress Estlands delegiert und war von 1990–92 Vorsitzender des *Estnischen Komitees. Im August 1991 nahm er an den Verhandlungen über die Verständigung des *Kongresses Estlands mit dem Obersten Rat der Estnischen Sowjetrepublik über die Wiederherstellung der Unabhängigkeit teil. Von 1991–92 war er Mitglied der Verfassunggebenden Versammlung und von 1992–2003 Vizevorsitzender des Estnischen Parlaments in der Fraktionsführung der „Vaterlandsunion“. Kelam ist außerdem Vorstandsmitglied der Kistler-Ritso-Stiftung (Kistler-Ritso Eesti Sihtasutus) und seit 2004 Abgeordneter des Europäischen Parlaments.Viktor Niitsoo Aus dem Polnischen von Beata Kosmala Letzte Aktualisierung: 06/15

Handbuch Deutsche Kommunisten

Keller, Rudolf

* 9.6.1901 – ✝ 1944

Geboren am 9. Juni 1901 in Werdau in Sachsen. Arbeitersohn; Tischler, seit 1919 Mitglied und Funktionär der FSJ bzw. der KJD in Sachsen und Mitglied der KPD. Sekretär der BL der KJD Erzgebirge-Vogtland, gehörte seit 1924 dem ZK des KJD an und kam Ende 1924 ins Sekretariat des ZK der KJD in Berlin. Anschließend bis 1932 Schriftleiter der KPD-Zeitungen »Der Kämpfer« in Chemnitz bzw. »Sächsische Arbeiterstimme« in Dresden. 1929 vom Reichsgericht zu einem Jahr Festungshaft verurteilt. Ende 1932 Leiter des Sekretariats der BL Sachsen, wurde Keller im April 1933 in Leipzig zusammen mit Rudolf Renner festgenommen. Am 11. Januar 1934 vom OLG Dresden zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt, anschließend in den KZs Sachsenburg und Buchenwald. Ende 1938 freigelassen, im Februar 1943 zur Wehrmacht eingezogen, kam Rudolf Keller mit dem Strafbataillon 999 nach Griechenland, wo er im September 1944 auf der Insel Skarpento fiel. Kellers Frau Gertrud, geborene Glück (* 6. 10. 1902 – † 14. 11. 1982), kaufmännische Angestellte, 1921 in der KJD, 1923 der KPD, folgte 1924 ihrem Mann nach Berlin, wurde Stenotypistin im ZK der KJD, ab Ende 1926 in der Informationsabteilung der KJI in Moskau. Hier lernte sie Karl Ferlemann kennen und kehrte mit ihm 1928 als seine Lebensgefährtin nach Deutschland zurück. Sie wurde KPD-Bezirksfrauenleiterin und kam ins Sekretariat der BL Niederrhein. 1930 Kursantin der Reichsparteischule, danach Redakteurin an den Bezirkszeitungen in Leipzig und Dresden. Im Juni 1933 festgenommen, Ende des Jahres aus »Mangel an Beweisen« freigesprochen. Im September 1935 wieder verhaftet und am 17. Juni 1936 vom OLG Dresden zu zwei Jahren und zwei Monaten Zuchthaus verurteilt, im Dezember 1938 aus dem KZ Lichtenburg entlassen. Ab Juli 1944 lebte sie in der âSR (Böhmen-Mähren). Mitte Mai 1945 Rückkehr nach Sachsen, hauptamtliche Funktionärin der KPD, im September 1947 Vorsitzende des SED-KV Löbau, ab 1950 Redakteurin der »Einheit«. Später Mitglied des Präsidiums der Gesellschaft für kulturelle Verbindungen mit dem Ausland.

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Keller, Robert

* 12.6.1901 – ✝ 6.12.1972

Geb. in Trebbin (b. Teltow); Volksschule, Andreas-Realgymnasium in Berlin; kfm. Ausbildung; Red.; 1920 SPD; 1921 – 25 Mitgl. des Reichsaussch. der Jungsozialisten; 1927/28 Sekr. des SPD-Bez.-Vorst. Schlesw.-Holstein in Kiel; 1928 – 32 Sekr. des SPD-UB Mansfeld (Eisleben); 1928 Sekr. im Sekr. der SPD-Reichtstagsfraktion; 1929 – 33 Stadverordn. in Eisleben, Fraktionsvors., stellv. Stadtverordnetenvorsteher; 1929 Zentralgewerkschaft der Angest.; 1932/33 Sekr. des SPD-Bez.-Vorst. Halle-Merseburg; ab 1933 illeg. in Berlin; Mitbegr. einer Widerstandsgr.; Sept. 1933 Emigr. nach Röhrsdorf (ČSR), ab 1934 Bensen (Bodenbach); Mitgl. der Rev. Sozialisten; Sommer 1938 Emigr. nach Frankreich; Aug. 1939 Sprachdiplom der Alliance Française in Paris; 1942 Emigr. in die USA; Mitgl. des Council for a Democracy in Germany; Speditionsbuchhalter. Febr. 1947 Rückkehr nach Berlin; SED; 1947 – 49 Chefred. des »Vorwärts«; 1949 – 52 stellv. Chefred. der »Berliner Ztg.«; Febr. 1953 Flucht in die Bundesrep. Dtl.; Ltr. der Presseabt. des Polizeipräs. in Frankfurt (Main); gest. in Frankfurt (Main).Helmut Müller-Enbergs

dissidenten.eu

Kenedi, János

* 1947

Journalist, Redakteur und Herausgeber des unabhängigen Almanachs *„Profil“, Mitgründer der Untergrundzeitschriften „Kelet Európai Figyelő“ und „Máshonnan Beszélő“.János Kenedi wurde 1947 in Budapest geboren und hat die Journalistenschule des Ungarischen Journalistenverbandes absolviert. Von 1966 bis 1970 arbeitete er als Journalist und Redakteur. Er schrieb für die Zeitungen „Esti Hírlap“ (Abendzeitung), „Új Írás“ (Neue Schrift) und für die deutschsprachige „Budapester Rundschau“, bevor er Redakteur im Buchverlag Magvető wurde. In den 60er Jahren faszinierte ihn die alternative ungarische Underground-Kulturszene und er schloss sich der sogenannten Hooligan-Bewegung an. Das waren an den Rand der Gesellschaft gedrängte junge Leute, die nach Prag oder nach Polen fuhren, um sich dort Theaterstücke auf Kellerbühnen anzuschauen, auf eigene Faust Studentenclubs zu besuchen und Kontakte zu westlichen Künstlern und Studenten zu knüpfen. Oder um andere Leute kennenzulernen, die sich für Rock, Pop-Art und alle Arten von Happenings interessierten. 1968 lernte er György Bence und János Kis, junge Vertreter der Lukács-Schule kennen, mit denen ihn, wie er später bekannte, der politische Radikalismus verband. Nach dem *Einmarsch von Truppen des Warschauer Paktes in die Tschechoslowakei (21. August 1968) sah Kenedi die Zeit für ungarische Samisdat-Publikationen gekommen, György Bence und János Kis jedoch hielten diese Idee für verfrüht. Er machte sich an die redaktionelle Bearbeitung bisher unveröffentlichter und breiten Leserkreisen unbekannter Texte von István Bibó und vom Schriftsteller und Soziologen Zoltán Szabó. Kenedi nahm persönlich Kontakt sowohl zu István Bibó als auch (nachdem ihm ein Reisepass ausgestellt wurde) zum seit 1949 im Exil lebenden Zoltán Szabó auf. Beide Persönlichkeiten können als Meister und Lehrer Kenedis betrachtet werden. 1970 verlor er aufgrund polizeilicher Ermittlungen gegen ihn seine Arbeit. Zur Last gelegt wurde ihm die Kontaktpflege zu Vertretern des sich herausbildenden oppositionellen Untergrunds. Eine berufliche Tätigkeit in offiziellen staatlichen Institutionen war fortan nicht mehr möglich. Seine Wohnung wurde zum Schauplatz der ersten Versuche, in Ungarn ein öffentliches Leben im Untergrund zu schaffen. Bereits Ende der 60er Jahre fanden dort illegale Treffen, Vorlesungen, Lesungen statt. Im Jahre 1977 gab Kenedi den ersten unabhängigen Almanach *„Profil“ heraus – als Antwort auf die in Ungarn praktizierte „anonyme“, entinstitutionalisierte Zensur (in Kádárs Ungarn war es der Leiter eines Verlages, einer Galerie oder einer Filmproduktionsgesellschaft, der sich zugleich als Zensor betätigte). So wurden etwa für Anthologien vorgesehene Texte den Autoren unter dem Vorwand zurückgegeben, sie „passten nicht zum Verlagsprofil“. Bereits in den 70er Jahren versuchte er die Samisdat-Zeitschrift „Keleti Európai Figyelő“ (Westeuropäischer Beobachter) zu etablieren, kam aber über die Herausgabe einer ersten Nummer nicht hinaus. Erst später brachte er gemeinsam mit János Kis die Zeitschrift „Máshonnan Beszélő“ (Der Sprecher von anderswo) in Umlauf, von der in den Jahren 1985–88 insgesamt sieben Nummern erschienen – mit Beiträgen, die zuvor in benachbarten Ostblockländern im Untergrund gedruckt worden waren. Kenedi war auch an der in den Jahren 1978–80 von Mihály Kornis organisierten Verlagsaktion „Napló“ (Tagebuch) beteiligt. Diese Tagebücher wurden gemeinsam von Vertretern der politischen Opposition verfasst und dann an verschiedenen Orten auf illegalen Zusammenkünften verlesen. Der unabhängige Verlag *ABC publizierte zudem 1984 einen Aufsatz von Kenedi zur Krise der demokratischen Opposition in Ungarn – ein Beitrag zur Diskussion über die Rolle der Opposition, wie sie damals in der Zeitschrift *„Beszélő“ geführt wurde. Kenedi versuchte in seiner Darstellung, die inneren Konflikte der Opposition einmal tiefgründig und soziologisch zu analysieren, was ihm viel Kritik und zahlreiche Vorwürfe einbrachte. Ab 1988 war er Sprecher des Forum-Klubs, einer zivilgesellschaftlichen Organisation, die die Einhaltung der Pressefreiheit überwachte, ab 1989 war er Mitglied des Redaktionsteams der kulturellen und sozialen Fragen gewidmeten Monatsschrift „Holmi“ (Klamotten). Nach dem Ende des Kommunismus war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut der Geschichte der Ungarischen Revolution 1956. Seit vielen Jahren engagiert er sich im Bereich der Offenlegung der Akten des Staatssicherheitsdienstes und war 2007–10 Vorsitzender einer Kommission, die sich mit der Archivierung, der Akteneinsicht und der Veröffentlichung von Unterlagen des ehemaligen Staatssicherheitsdienstes beschäftigte (sogenannte Kenedi-Kommission).András Pályi Aus dem Polnischen von Gero Lietz Letzte Aktualisierung: 06/15

Handbuch Deutsche Kommunisten

Kerff, Willi

* 1.5.1897 – ✝ 19.4.1979

Geboren am 1. Mai 1897 in Vaalser Quartier an der deutsch-holländischen Grenze unweit von Aachen, Sohn eines Berg- und Eisenbahnarbeiters und späteren Gastwirts. Nach dem Gymnasium besuchte er während des Weltkrieges ein Lehrerseminar und nahm Verbindung zur sozialistischen Bewegung auf. 1916 mußte er den Militärdienst wegen einer Typhuserkrankung unterbrechen, danach bei einer Feldartillerieeinheit bei Sedan. Im November 1918 gehörte er in Aachen dem Arbeiter- und Soldatenrat an und wurde Mitglied der SPD, 1920 der USPD. Ende Dezember 1920 ging er mit der linken USPD zur VKPD. 1919/20 war er Volksschulhilfslehrer in Aachen. Nach dem Ausscheiden aus dem Schuldienst hauptamtlicher Sekretär der VKPD in Köln, 1923 zunächst Orgleiter, nach Eugen Eppsteins Versetzung Mitte 1924 dessen Nachfolger als Polleiter des Bezirks Mittelrhein. Der VIII. Parteitag 1923 wählte Kerff in die Gewerkschaftskommission, er gehörte zum linken Flügel der Partei, wurde als Spitzenkandidat aufgestellt und zog im Dezember 1924 im Wahlkreis Köln-Aachen, später auch Wahlkreis Koblenz-Trier in den Preußischen Landtag ein, dem er ununterbrochen bis 1933 angehörte. 1924 heirateten er und Aenne Christina Kerff, geb. Lenderoth. Im September/Oktober 1925 Polleiter des Bezirks Thüringen, dann als Mitarbeiter ins ZK berufen, dort bis 1933 Sekretär der Landabteilung sowie im kommunistischen Bauernbund tätig. Im März 1933 verhaftet, kam er im Juni 1933 in das KZ Sonnenburg, im Frühjahr 1934 in das KZ Lichtenburg. Beim Reichstagsbrandprozeß im Oktober 1933 als Zeuge aus dem KZ vorgeführt, erklärte Kerff entgegen der Anklage, er kenne van der Lubbe nicht. Nach der Freilassung im September 1934 blieb er im Winter 1934/35 in Berlin, emigrierte im Juni 1935 in die Tschechoslowakei, im August 1935 in die Sowjetunion, wo er in ein Sanatorium kam. 1936 wurde Kerff unter dem Namen Kleist Mitarbeiter bei der EKKI-Vertretung der KPD, zusätzlich schrieb er am Moskauer Marx-Engels-Institut an einer Karl-Liebknecht-Biographie. Am 24.März 1938 wurden er und Emil Linke als die letzten beiden Bewohner des Emigrantenheims vom NKWD verhaftet. Der während der Säuberung festgenommene deutsche Kommunist Walter Dittbender hatte Kerff belastet. Das NKWD wollte von Kerff die Bestätigung erpressen, er habe für die Gestapo gearbeitet, doch er weigerte sich trotz aller Folterungen, ein Geständnis abzulegen. Wilhelm Pieck hatte sich am 20.April 1938 in einem Brief an Dimitroff zwar für Kerffs Freilassung eingesetzt, aber die Untersuchungshaft endete erst 1939. Im September 1939 freigelassen, durfte er die Arbeiten an der Liebknecht-Biographie fortsetzen. Im Oktober 1941 wurde er mit anderen Emigranten nach Ufa evakuiert, dann von 1943 bis 1947 Politinstrukteur der Roten Armee. Im Juni 1947 kehrte Kerff nach Deutschland zurück, Mitglied der SED, ab September 1947 Referent für Schulung im Wirtschaftsministerium der Landesregierung Brandenburg. Ende April 1949 leitete er das Informationsamt bzw. die Informationsverwaltung des Brandenburgischen Innenministeriums. Von 1952 bis 1960 war Kerff stellvertretender Direktor des Instituts für Zeitgeschichte in Ost-Berlin, 1972 erhielt er den VVO in Gold. 1967 erschien sein Buch: »Karl Liebknecht 1914-1916. Fragment einer Biographie«. Willi Kerff war in zweiter Ehe mit Antonia Kerff-Kleist, geborene Schulkina, einer Russin verheiratet (*1903 – †1979). Nur wenige Wochen nach dem Tod seiner Frau starb Willi Kerff am 19. April 1979 in Ost-Berlin.