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BioLex

In der Kategorie BioLex sind drei wichtige Lexika mit über 5500 Biografien von überzeugten Kommunistinnen und Kommunisten, Renegatinnen und Dissidenten im Volltext recherchierbar.

 

Das Handbuch „Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945“ wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam.

Kurzbiografien zu Personen des politischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 bereit.

Zudem ist das Online-Lexikon www.dissdenten.eu ebenfalls auf unserer Seite aufrufbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Informationen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Knepler, Georg

* 21.12.1906 – ✝ 14.1.2003

Geb. in Wien in einer jüd. Fam.; Vater Komponist Paul K.; Volksschule u. Gymnasium in Wien; seit 1926 Studium des Klavierspiels u. der Musikwiss. in Wien; ab 1929 Korrepetitor u. Kapellmstr. der Wiener Volksoper, des Wiener Stadttheaters sowie an Theatern in Mannheim u. Wiesbaden; 1928 – 31 pianist. Begleiter von Karl Kraus; 1931 Prom. zum Dr. phil. an der Univ. Wien mit einer Arbeit über Johannes Brahms; Kapellmeister u. Dirigent der Wiener Volksoper, Dirigent versch. Arbeiterchöre in Wien; 1931 – 33 in Berlin, Zusammenarb. mit  Bertolt Brecht,  Hanns Eisler u.  Helene Weigel, Anf. 1933 Rückkehr nach Wien; 1934 KPÖ; zeitw. inhaftiert; 1934 Emigr. nach England; in London u. a. Ltr. des österr. Exil-Theaters »Laterndl«. Febr. 1946 Rückkehr nach Österreich; Kulturref. der KPÖ in Wien; 1949 Übersiedl. in die DDR; SED; 1950 – 59 Gründer u. Rektor der HS für Musik in Berlin; 1959 – 70 Prof. mit vollem Lehrauftrag u. Dir. des Musikwiss. Inst. der HU Berlin; 1960 VVO; 1962 NP; 1964 Ord. Mitgl. der DAK u. der DAW; 1965 Prof. mit Lehrstuhl an der HU Berlin; 1971 em.; Forschungs- u. Lehrtätigkeit insbes. zur Musikgeschichte seit dem 18. Jh.; gest. in Berlin. Sek.-Lit.: Barck, K. (Hrsg.): Ästhetik u. Urgeschichte. Kolloquium der Leibniz-Sozietät zum 90. Geb. von G. K. Berlin 1998; Göllner, R., Scheit, G.: »? bestünde Lieb’ u. Bruderbunde« – G. K. zum Gedächtnis. In: Zwischenwelten (Wien) (2003) 4; Shreffler, A. C.: Berlin Walls. Dahlhaus, Knepler, and Ideologies of Music History. In: The Journal of Musicology (2003) 4.Five Years of the Austrian Center. London 1944; Musikgeschichte des 19. Jahrhunderts. 2 Bde. Berlin 1960; Geschichte als Weg zum Musikverständnis. Zur Theorie, Methode u. Geschichte der Musikgeschichts-Schreibung. Leipzig 1977; Gedanken über Musik. Berlin 1980; W. A. Mozart. Annäherungen. Berlin 1991; Macht ohne Herrschaft. Berlin 2004.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Knigge, Wilhelm

* 16.12.1906 – ✝ 20.12.1995

Geb. in Bremen; Vater Hafenarb.; Volksschule; Ausbildung zum Maurer; 1921 Mitgl. des Dt. Baugewerksbunds; 1924 RFB; 1927 KPD u. RHD; Ltr. der RJ im RFB; 1928 Besuch der Reichsführer-Schule in Einsiedel (b. Chemnitz); 1928 – 32 Maurer u. Hafenarb. in Bremen; ab 1930 Ltr. der wehrpol. Ausbildung im Kampfbund gegen den Fasch.; Mitgl. der Baugewerkschaft, 1931 Ausschl.; 1932 Pol.-Ltr. der IAH-LL Gau Nord-West; 1932/33 arbeitslos; 1933 Mitgl. der Bremer Bürgerschaft; 1933 illeg. Arbeit in Bremen (»Max«); Sept. 1933 Emigr. in die Niederlande; Mitgl. der KPD-Emigr.-Ltg.; 1933/34 Instrukteur für Land- u. Grenzarbeit in Belgien, 1935 ausgewiesen; 1935 nach Paris; dort ab 1936 zuständig für Kaderfragen der Interbrigadisten; 1937 aus Dtl. ausgebürgert; ab 1937 Sonderkurier für das PB der KPD in Paris; 1938/39 Org.-Ltr. u. 1938 Mitgl. der Kaderkommission der Emigr.-Ltg. der KPD in Frankreich; Mitgl. der KPD-Ltg. in Toulouse u. der Résistance (»Schiller«, »Robert Vautier«); Mitarb. der Ztschr. »Soldat im Westen«; mit  Walter Vesper an der Einschleusung von KPD-Kadern nach Dtl. beteiligt. Sept. 1945 Rückkehr nach Bremen; 1945 – 51 stellv. Bez.-Sekr. u. stellv. Vors. der KPD- LL Bremen; 1946 frz. Befreiungsmedaille; 1946 – 51 Abg. der Bremer Bürgerschaft; Juni 1951 Übersiedl. in die DDR; Lebensgemeinschaft mit  Hanna Wolf; 1951 SED-Instrukteur bei der Bau-Union in Dresden; 1951/52 Studium an der PHS; 1953 – 59 1. Sekr. der SED-Stadtltg. Potsdam (Nachf. von  Werner Wittig) u. Abg. des Bez.-Tags Potsdam; 1954 – 59 Mitgl. des Zentralvorst. der DSF; 1959 – 63 Sekr. des Bundesvorst. u. Mitgl. im Präs. des FDGB; ab 1962 Mitgl. des Präs. der Dt.-Frz. Ges.; 1964/65 Sektorenltr. im Min. für Bauwesen; 1966 – 71 Ltr. der Abt. Kader im Staatssekr. für gesamtdt. (bzw. ab 1967 für westdt.) Fragen; ab 1968 Mitgl. der Westkommission beim Komitee der Antifa. Widerstandskämpfer; Mitarb. der Kaderabt. des IPW; 1971 – 87 stellv. Ltr. der Abt. Verkehr des ZK, zuständig für Kuriere, Geld u. Transporte für illeg. KP u. Befreiungsbew.; 1980 Mitgl. der ZL des Komitees der Antifa. Widerstandskämpfer; ab 1982 Mitgl. der Zentr. Kommission zur Betreuung alter verdienter Parteimitgl. beim PB des ZK der SED; 1971 VVO; 1975 Verdienstmedaille der NVA; 1976 KMO; 1982 Ehrenspange zum VVO; 1986 Stern der Völkerfreundschaft; 1988 Rentner; anschl. Parteiveteran; 1990 PDS; gest. in Berlin.Schaul, D.: Résistance. Berlin 1973; Pech, K.: An der Seite der Résistance. Zum Kampf der Bew. »Freies Dtl.« für den Westen in Frankreich (1943 – 1945). Berlin 1974; Brandt, P.: Antifasch. u. Arbeiterbew. Aufbau – Ausprägung – Pol. in Bremen. 1976.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Knobloch, Günther

* 10.5.1926 – ✝ 27.1.2014

Geb. in Ebersbach (Sachsen); Vater Lokführer; 1944 Abitur; Luftwaffenhelfer, RAD, Kriegsteiln. als Panzergrenadier, zul. Uffz. 1945/46 SPD/SED; Reichsbahn-Inspektorenanwärter; 1947 Reichsbahninspektor; 1948 – 50 Sachbearb. im Reichsbahnamt (RBA) Bautzen; 1950 – 52 Abt.-Ltr. im RBA Riesa; 1952 – 55 Dezernent u. Abt.-Ltr. in der Reichsbahndirektion (RBD) Cottbus u. in der RBD Halle; dann Amtsvorstand des RBA Cottbus u. 1955/ 56 Vizepräs. der RBD Cottbus; 1956 – 63 Präs. der RBD Dresden; anschl. bis 1965 Studium an der HS für Verkehrswesen in Dresden, Dipl.-Ing.-Ökon.; 1965/66 Betriebsltr. der DR u. danach bis 1972 Ltr. der HA Betrieb u. Verkehr im Min. für Verkehrswesen; 1972/73 Besuch der PHS; 1973 – 75 u. 1976 – 80 stellv. GD der DR für Eisenbahnbetrieb u. Vorhaltung von Transportmitteln; 1975/76 u. 1980 – 86 stellv. Min. für Verkehrswesen u. 1. stellv. GD der DR, d. h. fakt. Chef der DR (da der Verkehrsmin. in Personalunion zugl. formal als GD der DR fungierte); 1987 invalidisiert; gest. in Berlin.Hagen Schwärzel

Handbuch Deutsche Kommunisten

Knodt, Hans

* 21.3.1900 – ✝ 7.4.1941

Geboren am 21. März 1900 in Essen, stammte aus einem bürgerlich-katholischen Elternhaus, der Vater war Gewerbetreibender und Inhaber eines Restaurants. Knodt besuchte das katholische Lehrerseminar. 1918 legte er das Abitur ab und wurde noch im selben Jahr zum Kriegsdienst einberufen. Er hatte sich 1918 der »Entschiedenen bürgerlichen Jugendbewegung« angeschlossen, wurde 1919 Mitglied der USPD und ein Jahr später der KPD. Seit 1921 als Redakteur für die KPD tätig, zunächst bei der Frankfurter »Arbeiter-Zeitung«, wechselte er Ende 1921 zur »Hamburger Volkszeitung«, 1922/23 nach Thüringen. Während der Ruhrbesetzung war Knodt Redakteur in Duisburg und Parteisekretär in Münster. Ende 1923 für kurze Zeit aus der hauptamtlichen Funktion entlassen, führte er während des Parteiverbots Anfang 1924 die KPD in Hamborn/Oberhausen. 1924 Chefredakteur der Frankfurter »Arbeiter-Zeitung«, dann in gleicher Funktion bei der »Sächsischen Arbeiterzeitung« in Leipzig. Da in Sachsen ein Haftbefehl gegen ihn lief, tauchte er 1925 unter, bis das Verfahren wegen Landesverrats 1926 eingestellt wurde. Anfang 1927 übernahm Knodt zunächst die Chefredaktion der »Niederrheinischen Arbeiterzeitung« in Duisburg, als diese ein Kopfblatt wurde, kam er im Mai 1927 als politischer Redakteur ans »Ruhr-Echo« nach Essen, zusätzlich war er Agitpropleiter des UB Essen. Wegen seiner Verbindung zu den Versöhnlern im Ruhrgebiet im Dezember 1928 nach Köln versetzt, Chefredakteur der »Sozialistischen Republik«. Knodt, der seit langem mit Ernst Thälmann befreundet war, wurde Ende Mai 1932 (anläßlich der Auseinandersetzung mit der Neumann-Gruppe) nach Berlin geholt, anstelle von Alexander Abusch Chefredakteur der »Roten Fahne«. Mitte 1933 ging er ins Saargebiet und war dort bis 1934 Chefredakteur der illegalen »Roten Fahne«. Zusammen mit seiner Frau, Elisabeth Gill (*10.5. 1905), lebte er in Paris. 1935 in die Sowjetunion abkommandiert, wurde Knodt unter dem Pseudonym Horn Mitarbeiter bei der Abteilung Massenorganisationen der Komintern. Vom NKWD 1937 verhaftet, wurde er am 7.April 1941 durch ein Sondertribunal beim NKWD zu acht Jahren Arbeitslager verurteilt. Hans Knodt kam im Gulag ums Leben. Das Militärtribunal des Moskauer Militärbezirks rehabilitierte ihn posthum am 26. März 1956. Elisabeth Gill heiratete nach der Verhaftung ihres Mannes einen amerikanischen Staatsbürger und entkam so der drohenden Verhaftung. Sie lebte Anfang der neunziger Jahre in den Vereinigten Staaten.

Wer war wer in DDR

Knolle, Rainer

* 3.10.1918 – ✝ 6.8.1986

Geb. in Reichardtsdorf (Krs. Stadtroda); Vater Maurer; Volksschule; 1933 – 38 Lehre u. Arbeit als Maschinenschlosser; 1938 / 39 RAD; 1939 – 41 Schlosser; 1941 – 45 Wehrmacht; 1945 – 48 sowj. Kriegsgef., Besuch von Antifa-Schulen. 1948 Rückkehr nach Dtl.; SED; 1948 – 50 Instrukteur, 1950 / 51 Abt.-Ltr., 1951 / 52 2. Sekr. der SED-KL Gera-Stadt; 1952 – 56 1. Sekr. der SED-KL Gera-Land; 1956 / 57 Lehrgang an der SED-PHS; 1957 Instrukteur der SED-BL Gera; 1957 – 59 1. Sekr. der SED-KL Jena-Land; 1958 – 86 Mitgl. des ZK der SED; 1959 – 86 2. Sekr. der SED-BL Gera; Besuch der FS für Landw., 1965 Abschluß als staatl. geprüfter Landwirt, 1969 Abschluß als Agrar-Ing.; 1978 VVO.Mario Niemann

Wer war wer in DDR

Knorr, Erich

* 24.10.1912 – ✝ 23.9.2012

Geb. in Claußnitz (Sachsen); Vater Arbeiter; Volksschule; 1927 – 31 Schlosserlehre; 1927 SAJ; 1928 SPD; 1931 KJVD u. KPD; 1931 fünf Mon. Lehrgang an der Heim-VHS Leipzig; 1934/35 Pol.-Ltr. des illeg. KPD-UB Burgstädt-Rochlitz; 1935 Verhaftung u. Verurteilung, bis 1940 Zuchthaushaft in Zwickau u. Waldheim; 1943 – 45 Strafbat. 999 (ab April 1944 Mitgl. der Widerstandsgr. Karl König), nach Lazarettaufenthalt in eine Wehrmachtseinheit an der Neißefront, Ende April 1945 Flucht. Mai 1945 Heimkehr nach Claußnitz; dort Mitgl. des Antifakomitees u. Bürgermstr.; 1945/46 KPD/SED; ab Sept. 1945 Ltr. des Referats Landw. im Landratsamt Rochlitz; 1946 – 48 Landrat; 1946 SED; 1948/49 PHS; 1949/ 50 kurzz. Kulturltr. der MAS-Landesverw. in Sachsen; dann Kulturdir. bzw. Betriebsltr. der Saatzuchtbetriebe Quedlinburg; ab Juli 1950 stellv. Gen.-Sekr. der VdgB; als Ltr. der Westabt. an der Konstituierung u. Arbeit des Gesamtdt. Arbeitskrs. für Land- u. Forstw. beteiligt; Versuche des MfS, E. K. als IM zur Überwachung von  Kurt Vieweg anzuwerben, infolge ausweichender Haltung selbst überwacht, bes. intensiv nach der Funktionsbeurlaubung; Mai 1952 Mitgl. einer Delegation unter  Walter Ulbricht zum Studium der Erfahrungen bei der Bildung von Produktionsgenossenschaften in Ungarn; 4.6.1953 (als Nachf. von Kurt Vieweg) Gen.-Sekr. bzw. 1. Sekr. des Zentralvorst. der VdgB; Nov. 1957 beurlaubt, Juli 1958 wegen »revisionist.« Auffassungen abgesetzt; 1954 – 58 Mitgl. des NR der NF; 1958/59 Studium an der LPG-HS Meißen, Dipl.-Agronom; 1959 – 62 Vors. des Rats des Krs. Güstrow, Absetzung wegen »Liberalismus in der Ltg.-Tätigkeit«; 1962 – 72 Lehrer an den SED-Bez.-Parteischulen Güstrow u. Mittweida; 1973 Frührentner; geschichtspublizist. Betätigung; Dez. 1989 Delegierter zum a. o. Parteitag der SED/PDS; Mitgl. des Rats der Alten beim PV der PDS; Jan. 2007 Eintragung in das Goldene Buch der Stadt Chemnitz.Große Tage der kleinen Bauern. Tagebuchblätter aus der demokrat. Bodenreform. Berlin 1956; »Wenn schon eine LPG, dann die beste des Kreises«. In: Wie wir angefangen haben. Erinnerungen. Berlin 1985. Vesper, K.: E. K. In: Neues Dtl. 1.3. 1995; Scherstjanoi, E.: SED-Agrarpol. unter sowj. Kontrolle. Berlin 2007.Siegfried Kuntsche

Wer war wer in DDR

Kober, Rudolf

* 22.11.1928

Geb. in Prag; Vater ltd. Angestellter in der Industrie, Mutter Schneiderin; aufgewachsen in Prag bis 1944; Wehrdienst u. Kriegsgefangenschaft. 1946 Ankunft als Vertriebener in Rörshain (Hessen); 1947 nach Neudietendorf (b. Erfurt); 1948 Abitur in Erfurt; Tätigkeit als Hilfsarb.; 1949 Kurzlehrgang als Neulehrer, bis 1954 Lehrer in Großbreitenbach (Thür.), 1. u. 2. Lehrerprüfung sowie externes Fachlehrerstudium für Mathematik; 1954 Examen; 1954 – 57 Studium an der KMU Leipzig als Oberstufenfachlehrer für Kunsterziehung; 1957 – 61 Fachlehrer an der Leibniz-OS Schkeuditz; 1961 – 88 Assistent, Oberassistent u. Doz. für Kunstgeschichte am Pädagog. Inst. (der späteren PH) Erfurt; 1970 Prom. zum Dr. phil. an der KMU; 1974 – 90 Mitgl. der ZL der Sekt. Kunstwiss. des VBK, 1974 – 90 Mitgl. der Zentr. Kommission Bildende Kunst des KB; 1978 Prom. B zum Dr. sc. phil. an der KMU; 1982 Prof. für Kunsttheorie an der PH Erfurt; 1988 – 92 Prof. für Gegenwartskunst an der Univ. Leipzig. Ab 1992 freiberufl.; zahlr. Veröff. zur Kunst des Mittelalters u. der Gegenwart; lebt in Erfurt.Tafelmalerei 1350 – 1420. In: Geschichte der dt. Kunst 1350 – 1470. Leipzig 1981; Zum Verhältnis von künstler. u. geistesgeschichtl. Entw. in Erfurt im späten Mittelalter. In: Wiss. Ztschr. der PH Erfurt (1988) 2; Gestaltetes Glas. Werke der Familie Precht aus Lauscha/Thür. Wald. Nienburg (Weser) 1989; Zur bildenden Kunst Thür. in den Jahren Parrish, M.: The Lesser Terror. Soviet State Security, 1939 – 1953. London 1996; Scherstjanoi, E.: Das SKK-Statut. Zur Geschichte der Sowj. Kontrollkommission in Dtl. 1949 – 1953. München 1998.Jan Foitzik

Wer war wer in DDR

Koch, Helmut

* 5.10.1932

Geb. in Potsdam; 1952 – 57 Mathematikstudium an der HU Berlin; danach als Mathematiker im Halbleiterwerk Teltow; 1959 – 91 Angeh. des Inst. für reine Mathematik bzw. ZI für Mathematik der DAW/AdW; Schüler bzw. Mitarb. von  Hans Reichardt, zunächst Assistent, später Forschungsgr.-Ltr.; 1964 Prom. mit einer Diss. zur Galois-Theorie p-adischer Zahlkörper u. 1965 Habil. mit einer Arbeit zu p-Erweiterungen mit vorgegebenen Verzweigungsstellen, jeweils an der HU; Prof. der DAW u. Lehrtätigkeit an der HU; 1976 Korr. u. 1989 Ord. Mitgl. der AdW; 1984 NP; 1985 Mitgl. der Leopoldina; 1990 Korr. Mitgl. der Heidelberger AdW. 1992 – 97 Ltr. der Arbeitsgr. »Algebraische Geometrie u. Zahlentheorie« der Max-Planck-Ges. in Berlin; 1994 Ord. Mitgl. der Berlin-Brandenburgischen AdW; 1997 em. Arbeitsgebiete: Algebra, Zahlentheorie; Galois-Theorie von Zahlkörpern u. Darstellungstheorie von Galois-Gruppen u. einfachen Algebren; Fragen der Codierungs- u. Gittertheorie; Mathematikgeschichte.Einführung in die klass. Mathematik. Berlin 1986 (engl. 1991).Annette Vogt

Wer war wer in DDR

Koch-Gotha, Fritz

* 5.1.1877 – ✝ 16.6.1956

Geb. in Eberstädt (b. Gotha); Vater Offz. u. Landwirt, später Versicherungsbeamter; 1880 – 84 mit der Familie in Breslau; Gymnasium in Gotha; Abschluß einer kfm. Berufsschule; Studium an den Kunstakad. in Leipzig (1895 – 97 bei den Prof. Mohn u. Dietrich) u. Karlsruhe (1897 – 99 bei Prof. Schnurth); anschl. bis 1902 freiberufl. in Leipzig; ab 1902 in Berlin; intensives Studium der Handzeichnungen Adolph v. Menzels; erste humorist. Pressezeichnungen, Mitarbeit an den »Lustigen Blättern«; ab 1904 ständ. Mitarb. der »Berliner Illustrierten Ztg.« (BIZ); 1905 für die »BIZ« in Moskau u. Petersburg; 1908/09 Studienreise nach Paris u. 1910 in die Türkei; 1910 Menzel-Preis; 1922 Lösung vom Ullstein-Verlag, nur noch vereinzelt Pressezeichnungen; vorwiegend als Buchillustrator insbes. von Kinderbüchern tätig; insgesamt erscheinen ca. 30 von F. K.-G. illustrierte Bücher; 1927 Gesamtausstellung in Berlin; 1933 Ende der Pressearbeit; 1937 Jubiläumsausstellung in der Gothaer Kunsthalle; 1944 Vernichtung der Berliner Wohnung durch Luftangriff; der bisherige Sommersitz in Althagen-Ahrenshoop wird fortan zum ständ. Wohnsitz. Nach dem Mai 1945 Wiederaufn. der Pressearbeit, Arbeit im KB; ab 1946 im Red.-Kolleg. des »Frischen Winds«; später Arbeiten für den »Eulenspiegel«; 1947 Ehrenbürger der Stadt Rostock; gest. in Hohen Neuendorf.K.-G.-Album. Berlin 1914; Gezeichnetes Leben. Berlin 1956. F. K-G. Berlin 1971 (Klassiker der Karikatur 6); F. K.-G.: Ausstellung in der Kunsthalle Rostock. Rostock 1977.Michael F. Scholz

Handbuch Deutsche Kommunisten

Koegler, Theodor

* 29.1.1901 – ✝ 23.9.1968

Als Sohn eines bayerischen Gemeindebeamten am 29. Januar 1901 in Aichach bei Augsburg geboren. Bis 1920 absolvierte er die katholische Lehrerbildungsanstalt in Pasing, gründete 1919 einen »Revolutionären Schülerrat« und trat 1920 der KPD bei. Nach einem Presseduell zwischen dem nationalistischen »Miesbacher Anzeiger« und dem »Tegernseer Landboten« um die Person Koeglers wurde er im Februar 1921 vom Schuldienst suspendiert. Er kam als hauptamtlicher Funktionär der KPD nach Berlin-Brandenburg, dort bis Ende 1923 Sekretär des BL-Orgleiters Hans Pfeiffer. 1924 wurde Koegler Orgleiter der BL Berlin-Brandenburg, Anfang 1925 Sekretär im Orgbüro der Zentrale und schließlich Polleiter des KPD-Bezirks Berlin-Brandenburg. Er gehörte nach dem »Offenen Brief« zur linken Opposition, wurde deshalb im November 1925 als Polleiter des wichtigsten KPD-Bezirks abgelöst und 1926 als einer der Organisatoren der Opposition zunächst nach Halle und dann nach Jena abgeschoben. Koegler unterzeichnete 1926 den »Brief der 700«, deswegen am 14. Dezember 1926 aus der KPD ausgeschlossen, er war Mitbegründer des Leninbundes, für den er auch nach dem Austritt seines Vorbilds Ruth Fischer tätig blieb. 1931 verließ er den Leninbund und ging zur SAP, Kandidat bei den Preußischen Landtagswahlen 1932. Koegler entfernte sich von der aktiven sozialistischen Politik und beantwortete eine Umfrage, wie man sich die tiefe Krise der Arbeiterbewegung erklären könne, mit dem Stichwort »Untergangskrise«. Nach 1933 wurde er nicht verfolgt, im Gegenteil, die NSDAP versuchte, ihn zu gewinnen. Als die Gauleitung des NS-Studentenbundes Berlin ihn im Sommer 1933 zum Leiter der Fortbildungsschulen von Berlin machen wollte, lehnte er ab und tauchte im Herbst 1933 als kleiner Angestellter im Unilever-Konzern unter. 1945 mit 90 Prozent der Stimmen in den Betriebsrat gewählt, er übersiedelte jedoch nach Hamburg. Dort erhob Koegler seit 1946 die Forderung nach einer deutschen Neutralität und verbreitete 1949 einen »Neutralitätsausweis«, womit er in der deutschen Presse ziemlich großes Aufsehen hervorrief. Als kritischer Anhänger des Kreises um die »Neue Politik« in Hamburg veröffentlichte Koegler 1963 eine Broschüre: »Das neue Weltbild« und vertrat die Ansicht, die moderne Industriegesellschaft werde mehr und mehr in eine ständische, dem Mittelalter strukturell verwandte Gesellschaft hinüberwachsen. Theodor Koegler starb am 23. September 1968 in Hamburg.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Koenen, Bernard (Johann Heinrich)

* 17.2.1889 – ✝ 30.4.1964

Am 17. Februar 1889 in Hamburg als Sohn des Tischlers Heinrich Koenen geboren. Der Vater war Sozialist und Teilnehmer des Gründungskongresses der II. Internationale in Paris. Wie sein Bruder Wilhelm Koenen kam Bernard früh zur sozialistischen Bewegung. Noch als Mechanikerlehrling trat er 1906 der Gewerkschaft, 1907 der SPD bei und ging 1907 auf Wanderschaft. Nach längerem Aufenthalt in Lausanne kam er bis nach Afrika, wo er in einer Ziegelei in Biserta und danach in Ägypten arbeitete. 1914 lebte er in Plauen, bei Kriegsausbruch in Hamburg, er wurde als Soldat eingezogen und 1916 zum Bau der Leuna-Werke nach Mitteldeutschland abkommandiert. Der Kriegsgegner Koenen trat 1917 zur USPD über. Er war in den Leuna-Werken politisch aktiv, ging 1920 mit der linken USPD zur KPD. 1921/22 war er für die Komintern in Belgien und Frankreich. Auf dem VIII. KPD-Parteitag 1923 in die Orgkommission und für Halle-Merseburg in den ZA gewählt. Redakteur der Halleschen KPD-Zeitung »Klassenkampf«, Mitglied der KPD-BL Halle-Merseburg. Ende 1927 Chefredakteur des »Klassenkampfes«. Koenen gehörte von 1922 dem Provinziallandtag und von 1924 bis 1932 dem Preußischen Staatsrat an. Er war ein Vertreter der Mittelgruppe und später ein führender Versöhnler in Halle-Merseburg. Nach der Wittorf-Affäre leitete er zusammen mit Johannes Schröter u. a. die BL Halle-Merseburg, in der die Versöhnler die überwältigende Mehrheit besaßen. 1929 kapitulierte er vor der Parteimehrheit, wurde trotzdem seiner Funktionen enthoben und in die Genossenschaftsarbeit abgeschoben. Von 1931 bis 1933 Leiter des UB Mansfeld der KPD. Beim sogenannten Blutsonntag in Eisleben am 13. Februar 1933 von der SA zusammengeschlagen, verlor er ein Auge, wurde für tot gehalten und konnte entkommen. Danach emigrierte er im Mai 1933 in das Saargebiet und anschließend in die Sowjetunion. Dort arbeitete er unter seinem Parteinamen Heinrich Stafford als Orgsekretär in der Leitung der MOPR. Koenen wurde 1937 vom NKWD verhaftet. Wilhelm Pieck setzte sich im April 1938 bei Dimitroff für Koenen und andere Häftlinge ein, bezweifelte aber zwei Jahre später selbst, daß seine Initative dazu geführt hätte, daß Koenen und Paul Schwenk Anfang 1939 freigelassen wurden. Dies war vielmehr dem Engagement zweier sowjetischer Staatsanwälte zuzuschreiben. Koenen erhob konkrete Beschuldigungen gegen das NKWD und seine Torturverhöre, was ihm abermals einige Monate Inhaftierung einbrachte. Ab 1940 wieder zur KPD-Arbeit herangezogen und 1942 noch ins ZK kooptiert. 1945 nach Deutschland zurückgekehrt, einer der Unterzeichner des Aufrufs der KPD vom 11. Juni 1945. Er wurde Vorsitzender bzw. 1. Sekretär der KPD- bzw. SED Sachsen-Anhalt, gehörte ununterbrochen dem PV bzw. dem ZK der SED an, war von 1952 bis 1958 Botschafter der DDR in Prag, danach wieder 1. Sekretär des SED-Bezirks Halle. Nach dem Tode Piecks im September 1960 in den neugeschaffenen Staatsrat der DDR unter Walter Ulbricht aufgenommen. Er erhielt 1959 den Karl-Marx-Orden. Bernard Koenen starb am 30. April 1964 in Ost-Berlin. Seine Frau Frieda Koenen, geborene Bockentien (* 18. 4. 1890 in Flensburg), die er während des Ersten Weltkrieges geheiratet hatte, von Beruf Schneiderin, schloß sich 1913 der SPD an, ging 1917 zur USPD und Ende 1920 zur KPD. In der zwanziger Jahren war sie Funktionärin der Roten Hilfe, emigrierte ebenfalls in die Sowjetunion, war u. a. Lehrerin an der Komintern-Schule in Kuschnarenkowo und Mitarbeiterin des NKFD. 1945 nach Deutschland zurückgekehrt, wurde sie Frauensekretärin der KPD-Landesleitung Sachsen-Anhalt. Bis 1952 Hauptabteilungsleiterin für Schulung im Innenministerium des Landes Sachsen-Anhalt, ab 1952 beim Rat des Bezirks Halle. Frieda Koenen starb am 17.November 1968.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Koennecke, Günther

* 3.6.1924 – ✝ 13.11.2003

Geb. in Magdeburg; Kriegsdienst, frz. Gefangenschaft. Ausbildung zum Maurermstr., Dipl.-Wirtsch. u. Ing.; 1959 Übernahme der seit 1887 im Besitz der Familie befindl. Baufirma u. Entw. des Unternehmens zum größten privaten Baubetrieb im Bez. Magdeburg (ca. 300 Beschäftigte); nach der Enteignung 1972 – 76 Ltr. des nunmehr staatl. Betriebs; danach Baultr. eines städt. Projekts; 1990 Sprecher der »72er« (der 1972 enteigneten Unternehmer). Seit der Reprivatisierung 1990 Inhaber der W. Liebscher Nachf. GmbH Magdeburg; Präs. des Unternehmerverb. Mittelständ. Bauen Sachsen-Anh.; gest. in Magdeburg.Jan Wielgohs

Wer war wer in DDR

Kneschke, Karl

* 28.1.1898 – ✝ 16.2.1959

Geb. in Kratzau (Krs. Reichenberg, Nordböhmen / Chrastava, Tschechien); Vater Arbeiter; Volks- u. Bürgerschule; Former, Gießer, Tuchweber; 1915 Sozialdemokrat. Arbeiterpartei Österreichs; 1916 – 18 k. u. k. Armee; 1920 Mitbegr. des KJV; 1921 der KP der ČSR; 1921 – 29 Krs.-Sekr. der KPČ in Tetschen-Bodenbach, dann in Reichenberg; 1929 – 33 dort Bez.-Sekr.; 1929/30 inhaftiert wegen »Geheimbündelei«; 1930 Verb.-Sekr. des Arbeitersport- u. Kulturverb.; 1938 Emigr. nach England; Red. der Kulturztschr. »Einheit«; 1945 Rückkehr in die ČSR. 1946 Übersiedl. in die SBZ; KPD/SED; Febr. 1946 – 51 Sächs. Landessekr. des KB; 1949 – 51 Präsidialrat, 1950 – 57 Bundessekr. bzw. 1. Bundessekr. des KB (Nachf. von  Erich Wendt); 1951 – 57 Mitgl. des Präsidialrats; 1953 – 59 Chefred. der KB-Ztschr. »Natur u. Heimat«; 1949 – 58 Abg. der Volkskammer, begründete dort 1954 das Naturschutzgesetz der DDR; 1954 – 59 Mitgl. der dt. Liga für die Vereinten Nationen.Die Kulturarbeit in kleinen Orten. Leipzig 1954; Die Aufgaben des KB im neuen Kurs. Berlin 1954; Zehn Jahre KB zur demokrat. Erneuerung Dtl. Berlin 1955; Vom Leben erzogen. Berlin 1960.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Knippschild, Heinrich

* 1.9.1894 – ✝ 6.5.1953

Geboren am 1. September 1894 in Elberfeld, Sohn eines Tischlers; Ausbildung an der Fachschule für Textilzeichner, Arbeit als Musterzeichner. Von 1914 bis 1918 Soldat im Weltkrieg. 1921 Mitglied der KPD, ab 1921 Angestellter im Verlag der KPD in Berlin, 1928 im KPD-Verlag in Essen, dann in Köln. Von Februar 1931 bis Januar 1932 Leiter des Zeitschriftenverlages der KPD in Berlin, anschließend des Verlags Beck & Co, einem Tarnverlag für den Zentralen Literaturvertrieb der KPD. Ab März 1933 organisierte Knippschild die Einlagerung und den Versand von illegalen Parteimaterialien, anschließend technischer Instrukteur der illegalen Landesleitung in Berlin. Anfang 1934 emigrierte er nach Prag, im Oktober 1934 in die Sowjetunion. Er lebte von September 1935 bis September 1936 in Zürich und Paris, war in den Befreiungskomitees für Ernst Thälmann und Edgar André aktiv. Ab 1937 wieder in der Sowjetunion, wurde er im Oktober 1941 aus Moskau evakuiert. Von Juli 1942 bis 1948 Politinstrukteur unter deutschen Kriegsgefangenen. Nach einer schweren Tbc-Erkrankung kam er im Oktober 1950 in die DDR, arbeitete beim Verband der Journalisten. Heinrich Knippschild starb am 6. Mai 1953 in Ost-Berlin.

Wer war wer in DDR

Knobloch, Heinz

* 3.3.1926 – ✝ 24.7.2003

Geb. in Dresden; Vater Fotograf; 1937 – 42 OS, 1942 Lehre als Verlagskfm.; 1935 Umzug der Fam. nach Berlin; 1943 Soldat, Einsatz in Frankreich; 1944 Desertion; 1944 – 48 Kriegsgef. in den USA u. in Schottland. 1948 Rückkehr nach Dtl.; seit 1948 Volontär der »Berliner Ztg.«, Bild- u. Textred. der Bildagentur »Illus« im Berliner Verlag; 1949 SED; ab 1953 bei der Ztschr. »Wochenpost«; dort 1957 – 65 Kulturred. (Feuilletonchef) u. 1968 – 88 wöchentl. Feuilletonrubrik »Mit beiden Augen«; 1954 – 60 Fernstudium der Journalistik an der KMU Leipzig, 1960 Dipl.-Journalist; 1962 Mitgl. des DSV; seit 1962 Buchveröff.; 1965 Heinrich-Heine-Preis; 1969 fehlgeschlagener IM-Anwerbeversuch durch das MfS; 1978 Mitgl. des Vorst. des SV; 1979 Goethe-Preis; 1980 Mitgl. des PEN-Zentrums der DDR; 1986 Lion-Feuchtwanger-Preis u. NP; Jan. – Aug. 1990 Präs. des PEN-Zentrums DDR (Nachf. von  Heinz Kamnitzer), Rücktritt nach Ehrenerklärung für  Klaus Höpcke; 1990 Austritt aus der SED/PDS. 1994 Moses-Mendelssohn-Preis v. a. für die seit den 70er Jahren regelmäßigen Veröff. zur jüd. Kultur u. Geschichte Berlins; 1998 Verdienstorden des Landes Berlin; gest. in Berlin; 2005 wurde nach ihm ein Platz in Berlin-Pankow benannt. K. veröff. anfangs meist Sammlungen von Feuilletons, ein Genre, das er für die DDR-Lit. wiederbelebte, u. a. »Herztöne u. Zimmermannssplitter« (1962), »Du liebe Zeit« (1966); später Kurzgeschichten, Geschichts-Essays u. Biogr., u. a. »Herr Moses in Berlin« (1979), »Stadtmitte umsteigen« (1981), »Meine liebste Mathilde« (1985), außerdem zur (jüd.) Stadtgeschichte Berlins, u. a. »Berliner Grabsteine« (1987), »Der beherzte Reviervorsteher« (1990; 2003), »Die jüd. Friedhöfe Berlins« (1991, Mitautor).Geisterbahnhöfe. Westlinien unter Ostberlin. Berlin 1992/2008; Der arme Epstein. Wie der Tod zu Horst Wessel kam. Berlin 1993; Nase im Wind. Berlin 1994; »Mit beiden Augen«. Mein Leben zwischen den Zeilen. Autobiogr. Berlin 1997; Eine Berliner Kindheit. Zw. Olympia u. Luftschutzkeller. Berlin 1999; »Lässt sich das drucken?« Feuilletons gegen den Strich. Konstanz 2002. Erdle, B. R.: H. K. In: Krit. Lexikon zur dt-spr. Gegenwartslit. München 1978 ff.; H. K. In: Berliner Lesezeichen 1994 (2).Bernd-Rainer Barth / Andreas Kölling

Wer war wer in DDR

Knoener, Rudolf

* 4.1.1929 – ✝ 25.2.1990

Geb. in Leipe (Krs. Lübbenau); Volksschule; nach 1945 Traktorist; ab 1950 Abiturlehrgang an der ABF; 1953 – 58 Studium der Physik an der TH Dresden, Dipl.-Physiker; SED; 1963 Prom. zum Dr. rer. nat., 1963 – 70 Oberassistent an der TU Dresden, 1969 Habil., 1970 ord. Prof. für Ökon., Org. u. Planung der Bauindustrie an der TU Dresden; 1971 – 86 Kand. bzw. Mitgl. der SED-BL Dresden; 1973 – 79 Dir. der Sektion Physik, 1980 – 86 Rektor der TU Dresden (Nachf. von  Fritz Liebscher). K. baute dort die Tieftemperaturphysik auf u. trug maßgebl. zur Etablierung dieses Fachgebiets in der DDR bei.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Knöpfel, Walter

* 30.9.1903 – ✝ 15.3.1945

Geboren am 30. September 1903 in Hamburg; Maschinenbauer, trat 1919 in die SAJ ein, ging 1920 zur KJD, im Februar 1921 Mitglied der KPD. Wegen Beteiligung am Hamburger Aufstand wurde Knöpfel am 20. Februar 1925 vom Landgericht Hamburg zu einem Jahr und neun Monaten Festungshaft verurteilt, durch Amnestie vorzeitig entlassen. Übersiedlung nach Berlin, zunächst Redakteur der Zeitung »Junge Garde«, dann bei der KPD-Zeitung »Klassenkampf« in Halle. Ab Oktober 1926 Mitarbeiter in der Agitpropabteilung des ZK, im Juli 1927 Sekretär für Gewerkschaftsfragen der BL Halle-Merseburg. Er kam Anfang 1928 als Kursant an die Internationale Leninschule in Moskau, während dieser Zeit zur Unterstützung der kommunistischen Gewerkschaftsbewegung nach Großbritannien geschickt. Er wurde nach seiner Rückkehr Volontär im MEB der RGI. Im Februar 1932 zeitweise RGI-Instrukteur in der âSR, anschließend Mitarbeiter im Reichserwerbslosenausschuß und Mitglied der RGO-Reichsleitung. Im April 1933 kam er als RGO-Instrukteur nach Hamburg und Kiel und gehörte zuletzt der illegalen Hamburger BL an. Knöpfel wurde am 12. Dezember 1933 festgenommen und vom Hanseatischen OLG am 16. November 1934 zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt. Am 9.November 1939 bedingt begnadigt, er zog nach Warschau, dann nach Lemberg und war ab Juli 1944 wieder in Hamburg. Walter Knöpfel starb am 15.März 1945 in Hamburg.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Knoth, Johannes

* 20.11.1891 – ✝ 27.6.1930

Geboren am 20. November 1891 in Solz/Krs. Rotenburg an der Fulda. Eisenbahnschaffner in Frankfurt/M., 1917 Mitglied der USPD, Ende 1920 der KPD. Knoth wurde am 20. Februar 1921 im Wahlkreis Hessen-Nassau als Abgeordneter für die KPD in den Preußischen Landtag gewählt. Bei den Wahlen zum Preußischen Landtag am 7. Dezember 1924 wurde Knoth nicht mehr aufgestellt, in der KPD spielte er keine Rolle mehr. Über sein weiteres politisches Leben ist nichts bekannt. Johannes Knoth starb am 27. Juni 1930 in Frankfurt/M.

Wer war wer in DDR

Koch, Hans

* 17.5.1927 – ✝ 18.11.1986

Geb. in Liebschwitz (Krs. Gera); Vater Schlosser u. Polizeioberwachtmstr., Mutter Spinnereiarb.; Volks- u. Aufbauschule, 1944 Notabitur; 1944/45 Dreher; März – April 1945 RAD. 1945/46 KPD/SED; Mitgl. der KPD-Stadtteilltg. Gera; Sekr. des Antifa-Jugendaussch. Gera; 1946 FDJ; Sommer 1946 LPS in Bad Berka; 1946 – 50 Sekr. der FDJ-KL Gera bzw. Sekr. für Kultur u. Erziehung der FDJ-LL Thür., Zusammenarbeit mit  Heinz Lippmann; 1950 Erster Einjahreslehrgang der PHS; 1951 Instrukteur für kulturelle Massenarbeit in der Abt. Kultur des ZK der SED; 1951 – 56 Aspirant am IfG; 1956 Prom. zum Dr. phil. mit einer Diss. über Franz Mehring als Lit.-Theoretiker; 1956 – 63 stellv., dann Lehrstuhlltr. für marxist. Kultur- u. Kunstwiss. am IfG; 1959 Ernennung zum Doz.; 1961 Habil. mit einer Arbeit über Marx. u. Ästhetik; Mithrsg. der Schriften von Franz Mehring (15 Bde. 1960 – 67); 1961 Prof.; seit 1961 Vorstandsmitgl. des DSV; 1963 – 66 1. Sekr. u. stellv. Vors. des DSV; ab 1963 Abg. der Volkskammer (KB-Fraktion); 1967 – 71 Mitgl. des Mandatsprüfungsaussch., ab 1971 Aussch. für Kultur; 1966 – 69 erster wiss. Mitarb. des Kulturministers  Klaus Gysi; 1969 – 73 Mitgl. des Präs. u. des Vorst. des DSV; Vors. des wiss. Rats für kultur- u. kunstwiss. Forschungen; 1969 Lehrstuhlltr. am IfG; 1974 NP; ab 1977 Dir. des Inst. für Kultur- u. Kunstwiss. der AfG; 1970 Mitgl. der APW; 1976 Kand. u. ab 1981 Mitgl. des ZK der SED; 1982 Mitgl. des Präs. des KB; Mai 1986 Mitgl. der Kulturkommission beim PB des ZK der SED; Herbst 1986 Suizid – erstmalig in der DDR-Geschichte wird der Suizid eines Spitzenfunktionärs in den Medien erwähnt.Theoret. Probleme der soz. Kulturrev. Berlin 1959; Unsere Literaturges. Berlin 1965; Kulturfortschritt im Soz. Berlin 1988.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Koch, Peter

* 19.7.1929 – ✝ 3.5.1990

Geb. in Stettin (Szczecin, Polen); Vater Lehrer, Mutter Bankangest.; 1944 Mittlere Reife; 1945 Landarb.; 1945 – 48 Ausbildung zum Schlosser; 1946 SED; 1949/50 Schlosserbrigadier u. Kulturltr. in einer MTS; 1950 Studium an der DVA; 1950 wegen Verfehlung »Bewährung in der Prod.«; 1951 Wiederaufn. des Studiums, Dipl.-Wirtsch.; 1952 Hauptref. beim Rat des Bez. Neubrandenb.; 1952 Ltr. der Pol.-Abt. der MTS-BV Neubrandenb.; 1953 Lehrer an der Pol.-HS der KVP in Potsdam; 1953 Eintritt in das MfS, BV Potsdam, Abt. III (Sicherung der Volkswirtschaft); 1960 – 65 Fernstudium an der JHS Potsdam-Eiche, Dipl.-Jur.; 1962 – 75 stellv. Operativ des Ltr. der BV Potsdam; 1972 Prom. zum Dr. jur. an der JHS, Thema: Vorgangsbearbeitung des MfS; 1976 stellv. Operativ, ab 1977 Ltr. der BV Neubrandenb. (Nachf. von  Alfred Böhm), Mitgl. der SED-BL Neubrandenb.; 1980 Gen.-Major; 1986 VVO; Jan. 1990 Entlassung, zeitw. U-Haft wegen Verdachts der »Untreue zum Nachteil soz. Eigentums«; Mai 1990 Suizid.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Kochan, Günter

* 2.10.1930 – ✝ 22.2.2009

Geb. in Luckau; OS; 1946 – 50 Studium an der HS für Musik Berlin-Charlottenburg; 1948 – 51 freier Mitarb. des Berliner Rundfunks; 1950 Übersiedl. nach Berlin (Ost); 1950 – 53 Mstr.-Schüler bei  Hanns Eisler; seit 1950 Doz. für Musiktheorie an der HS für Musik »Hanns Eisler«; 1953 SED; 1955 – 63 Kand. des ZR der FDJ; ab 1962 Mitgl. des »Freundschaftskomitees DDR – Japan«; 1965 Mitgl. der AdK; 1967 Prof.; 1971/72 Sekretär der Sekt. Musik der AdK; 1972 Ltr. der Mstr.-Kl. für Komposition an der HS für Musik; Mitgl. des Zentral- u. des Bez.-Vorst. Berlin des VDK; 1977 – 82 Vizepräs. des VDK; 1959, 1964, 1979 u. 1987 NP; gest. in Hohen Neuendorf (Landkrs. Oberhavel). Komponierte fünf Sinfonien, Orchestermusik, Kantaten u. Lieder sowie Musik zu Hörspielen u. Filmen. Werke u. a.: Konzert für Klavier u. Orchester (1957/58); Fröhliche Ouvertüre (1961); II. Sinfonie für gr. Orchester (1968); IV. Sinfonie (1983/84); V. Sinfonie (1989); Vokalwerke u. a.: Die Asche von Birkenau. Kantate für Alt-Solo u. Orchester (Text:  Stephan Hermlin; 1967); Der große Friede (1986); Musiktheater u. a.: Karin Lenz. Oper in neun Bildern (Libretto:  Erik Neutsch; 1968 – 70); Jugendlieder u. a.: Signale der Jugend; Wir lieben unsere Heimat; Schützt diese Welt.Neef, S., Neef, H.: Dt. Oper im 20. Jahrhundert. DDR 1949 – 1989. Berlin 1992.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Koehler, Günther

* 31.8.1923

Geb. in Wildfurt/Loben; Vater Angest.; nach dem Abitur 1942 – 45 Wehrdienst, Ltn. der Reserve; bis 1946 brit. Kriegsgefangenschaft. 1946 – 48 gärtner. u. landw. Lehre; anschl. bis 1951 Studium der Landw. an der HU Berlin, Dipl.-Landwirt; 1949 SED; 1951/52 Ltr. eines Saatzuchtguts; dann bis 1955 Agronom bzw. Abt.-Ltr. in der Vereinigung volkseigener Güter (VVG) Halle u. Unterabt.-Ltr. beim Rat des Bez. Halle; 1955 – 58 Abt.-Ltr. im Min. für Land- u. Forstw.; 1958 – 88 Hauptdir. bzw. GD der VVB Saat- u. Pflanzgut Berlin bzw. Quedlinburg, Entw. des Saatgutwesens zu einem der leistungs- u. exportstärksten zentralgeleit. Wirtschaftszweige; 1966 Prom. an der HS für Land- u. Nahrungsgüterwirtschaft Bernburg zur Entw. des Saatgutwesens der DDR zum Dr. agr.; 1972 ord. Mitgl. der AdL; 1988 em., Rentner.Untersuchungen über die Entw. des Saatgutwesens. Berlin 1969. Gäde, H.: Beiträge zur Geschichte der Pflanzenzüchtung u. Saatgutwirtschaft in den fünf neuen Bundesländern Dtl. Berlin, Hamburg 1993.Siegfried Kuntsche

Wer war wer in DDR

Koenen, Wilhelm

* 7.4.1886 – ✝ 19.10.1963

Geb. in Hamburg; Vater Tischler, Mutter Köchin, Bruder  Bernhard K.; 1892 – 1900 Volksschule; 1900 – 04 Ausbildung zum Kfm. u. zum Buchhändler; 1903 SPD; 1907 Berichterstatter für die »Volksztg.« in Kiel u. 1908 – 10 in Königsberg; 1907 – 17 Kartellvorst. u. Jugendbez.-Ltr. in Kiel, Königsberg u. Halle; 1910/11 Besuch der Parteischule in Berlin; 1911 – 19 Red. beim »Volksblatt« (Halle); 1913 Mitgl. der SPD-BL Halle; 1917 USPD, Vors. des Bez. Halle; Landsturm; in der Novemberrev. 1918 Kommissar des Arbeiter- u.-Soldatenrats des Bez. Halle-Merseburg; 1919/ 20 Stadtverordn. in Halle; 1919/20 Mitgl. der Nationalvers. u. 1920 – 32 Abg. des Dt. Reichtags; 1919/20 Mitgl. u. Sekr. des ZK der USPD; 1920 Übertritt zur KPD; bis 1924 mit Unterbrechungen Mitgl. der Zentr., ab 1929 Mitgl. des ZK der KPD; 1921 – 24 Mitgl. der IKK der KI; 1926 – 32 Mitgl. des Preuß. Staatsrats, Stadtverordn. von Berlin; von der NSDAP beschuldigt, den Reichstagsbrand angestiftet zu haben; Febr. – Juni 1933 illeg. in Berlin (»Koppel«); 1933/34 Exil im Saargeb. bzw. in Frankreich (»Bernhard Schulz«); 1936 – 38 in der ČSR (»Wenzel«), als Vertreter des ZK der KPD an der Grenzarbeit beteiligt; Mitarb. an der »Neuen Weltbühne«, »Dt. Volksztg.«, der KPČ-Ztg. »Rote Fahne« (»Kopp«, »Heinz Wilhelm«); 1937 Ltg. der Auswahl dt. Spanienkämpfer aus der ČSR-Emigr.; ab Nov. 1938 in Großbritannien; dort 1939/40 Mitgl. der Fünferltg. der KPD-Auslandsorg.; 1940 – 42 dort u. in Kanada interniert; 1942 Mitarb. der Ztschr. »Freie Tribüne«; Mithrsg. der Presseinformation »Inside Nazi Germany«; ab 1943 Ltr. der Freien Dt. Bew.; 1944 Mitarb. am Soldatensender Calais. Dez. 1945 Rückkehr nach Dtl.; Jan. – März 1946 Red. der »Mitteldt. Ztg.« (Halle); SED; 1946 – Dez. 1948 Vors. der SED Sachsen (zus. mit  Otto Buchwitz); seit 1946 Mitgl. des PV bzw. ZK der SED; 1948 Mitgl. u. 1949 Sekr. des Dt. Volksrats; 1949/50 Mitgl. des ZS des PV der SED; seit 1950 Mitgl. des Präs. des NR der NF; 1949 – 63 Abg. der (Prov.) Volkskammer; 1949 – 58 Ltr. des Sekr. der Volks- u. Länderkammer u. seit 1956 Ltr. der Interparlamentar. Gruppe der Volkskammer; Mai 1953 strenge Rüge wegen »mangelnder pol. Wachsamkeit«, 1956 gelöscht; 1956 KMO; 1959 Vors. der Kommission zur Erforschung der Berliner Arbeiterbew.; gest. in Berlin.Meine Begegnungen mit Lenin. Berlin 1957; Zur Entw. der Demokratie in Dtl. Berlin 1957; Über meine pol. Arbeit in Prag 1935 bis 1939. Aufzeichnungen. In: Beiderseits der Grenze. Berlin 1965; Einheit des Volkes – Garant des Sieges. Reden u. Artikel. Mit einem biogr. Abriß. Berlin 1986. Pfefferkorn, O.: W. K. – im Schatten der Säuberung. In: SBZ-Archiv (1953) 4; Naumann, H.: W. K. Leipzig 1973.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Koepp, Volker

* 22.6.1944

Geb. in Stettin (Szczecin, Polen); POS bis 1958, 1962 Abitur u. Facharbeiterabschl. als Maschinenschlosser; Studium an der TU Dresden, 1966 – 69 an der Dt. HS für Filmkunst Potsdam-Babelsberg in der Kl. von  Claus Küchenmeister u. Ralf Kirsten, Dipl. als Regisseur u. Szenarist; SED; 1969 – 90 festangest. als Regisseur im DEFA-Studio für Dok.-Filme in der Gruppe »dokument«, in der u. a.  Jürgen Böttcher,  Winfried Junge u. Karlheinz Mund arbeiten. Seit 1990 freier Regisseur; 2005 Georg-Dehio-Kulturpreis für das künstler. Gesamtwerk. Werke: Essays über Personen, die in Verbindung zur Arbeiterbew. u. zum Antifa. zu sehen sind: »Teddy« (1973),  »Slátan Dudow« (1974), »Er könnte ja heute nicht schweigen« (1975), »Ich erinnere mich noch« (1977); zum Thema Mensch u. Landschaft: »Das weite Feld« (1976), »Hütes-Film« (1977), »Am Fluß« (1978), »In Rheinsberg« (1982), »An der Unstrut« (1986); über Konflikte u. Probleme im Alltag, vor allem im Leben von Arbeiterinnen: Zyklus von Filmen über das Obertrikotagenwerk »Ernst Lück« in Wittstock: »Mädchen in Wittstock« (1974/75), »Wieder in Wittstock« (1976), »Wittstock III« (1978), »Leben in Wittstock« (1984), »Neues in Wittstock« (1992), »Märkische Ziegel« (1989); zum Leben u. Arbeiten in der DDR im Rückblick: »Die Wismut« (1993), »Kalte Heimat« (1995), »Fremde Ufer« (1996), »Wittstock, Wittstock« (1997), »Herr Zwilling u. Frau Zuckermann« (1999), »Kurische Nehrung« (2001), »Uckermark« (2002), »Pommerland« (2005); »Söhne« (2007, Hauptpreis beim Internat. Dok.-Filmfestival Nyon), »Holunderblüte« (2007, 2008 Großer Preis beim Dok.-Filmfestival in Paris), »Memelland« (2008).Schwarzweiß u. Farbe. DEFA-Dokumentarfilme 1946 – 92. Berlin 1996 (Hrsg. vom Filmmuseum Potsdam).Elke Schieber

Handbuch Deutsche Kommunisten

Knief, Johann

* 23.4.1880 – ✝ 6.4.1919

Geboren am 23. April 1880 in Bremen; wurde nach dem Besuch des Lehrerseminars 1901 Volksschullehrer. Als Mitglied des Vereins junger Lehrer kam er in Kontakt zur Sozialdemokratie, schloß sich aber erst 1906 der SPD an, nachdem er vorher weitgehend unpolitisch war. Bis 1911 Lehrer, dann arbeitete Knief von November 1911 bis Dezember 1916 als Redakteur an der sozialdemokratischen »Bremer Bürgerzeitung« und wurde der führende Kopf der Bremer Linken. Seit Anfang August 1914 Soldat, kam Knief nach den Kämpfen an der Westfront schon im Oktober 1914 mit schwerem Nervenleiden nach Bremen zurück. Nach seiner Gesundung 1915 Führer der Bremer Linksradikalen, der neben dem Spartakusbund wichtigsten Gruppe der radikalen Linken in Deutschland. Im Januar 1916 nahm Knief an der ersten Reichskonferenz der Gruppe Internationale in Berlin teil. Von Juni 1916 bis März 1919 gab er zusammen mit Paul Frölich in Bremen die »Arbeiterpolitik« heraus, das einzige legale Blatt der radikalen Linken im Krieg. Knief stand in enger Verbindung zu Lenin und den Bolschewiki und begrüßte deren Oktoberrevolution. In seiner Parteikonzeption unterschied er sich aber völlig von Lenin und gehörte zu den Anhängern eines radikal-revolutionären Kommunismus. Im Januar 1918 wegen illegaler Arbeit festgenommen, blieb Knief bis zur Novemberrevolution in »Schutzhaft«. Seine »Briefe aus dem Gefängnis« wurden 1920 publiziert. Er trat für die Schaffung einer eigenen linksradikalen Partei ein. Daher stand Knief während des Krieges im Gegensatz zu Rosa Luxemburg und Leo Jogiches, die eine selbständige Partei der äußersten Linken ablehnten und die Spartakusgruppe zum Eintritt in die USPD veranlaßt hatten. Als Wortführer der Bremer Linksradikalen, die sich im November 1918 in Internationale Kommunisten Deutschlands (IKD) umbenannt hatten, wandte sich Knief zunächst gegen die Verschmelzung der IKD mit dem Spartakusbund. Er stimmte unter dem Druck seines Freundes Karl Radek dann doch zu, so daß die KPD Ende 1918 gegründet werden konnte. Obwohl der schwerkranke Knief kaum noch Anteil an den politischen Ereignissen nehmen konnte, wurde er in Abwesenheit im Januar 1919 zum Volksbeauftragten der Bremer Räterepublik gewählt. Johann Knief starb nach einer Blinddarmoperation am 6.April 1919 in Bremen.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Knittel, Fritz

* 5.6.1905 – ✝ 8.12.1980

Geboren am 5. Juni 1905 in Halle, Sohn eines Transportarbeiters; lernte Bäcker, anschließend Gießereiarbeiter. Er trat im Mai 1921 in die KJD ein, wurde Vorsitzender der KJD in Halle, im Oktober 1925 Sekretär der KJVD-BL Halle-Merseburg. 1925 Mitglied der KPD, im April 1926 Kursant der Internationalen Leninschule in Moskau, danach Sekretär der KJVD-BL Niederrhein. Auf dem Hamburger KJVD-Kongreß 1927 in das ZK des Jugendverbandes gewählt. Bis zum RFB-Verbot im Mai 1929 leiteten er und Emil Paffrath als Nachfolger des im Februar 1929 ausgeschlossenen Werner Jurr die Rote Jungfront, die Jugendorganisation des RFB. Ab 1929 gehörte Knittel dann dem Büro bzw. dem Sekretariat des ZK des KJVD an. Er war gemeinsam mit Rudolf Mießner zunächst unter den KJVD-Vorsitzenden Kurt Müller, dann Artur Becker für das Ressort Agitation und Propaganda zuständig. Als Kandidat des EK der KJI hielt er sich in den Fraktionskämpfen in der KPD bzw. KJVD-Führung zurück. Ab April 1932 in Moskau, in der Abteilung Agitprop des EK der KJI, im April 1934 als KJI-Vertreter in Österreich. Dort im August 1934 verhaftet, kehrte er nach achtmonatiger Polizei- und Gefängnisstrafe im Mai 1935 nach Moskau zurück, lehrte hier an der Internationalen Leninschule, später wirkte er vornehmlich auf dem Gebiet der Presse- und Rundfunkpropaganda. 1936 erhielt Knittel eine Rüge von der IKK »wegen Verletzung der Regeln der Konspiration«, weil er 1934 beim Verhör in Wien seine richtige Wohnung angegeben hatte. Dort fand die Polizei ein Buch mit dem Namen eines illegal lebenden Genossen, der dann verhaftet wurde. Von 1942 bis 1946 war Knittel Angehöriger des Ministeriums des Innern der UdSSR, Instrukteur in deutschen Kriegsgefangenenlagern und 1946/47 an der Zentralen Antifaschule in Taliza. Ende September 1947 Rückkehr nach Deutschland, er wurde Hauptreferent für Schulung in der Deutschen Verwaltung des Innern der SBZ, dann von 1948 bis 1950 Leiter der SED-Landesparteischule Wettin/Sachsen-Anhalt. Nach längerer Krankheit leitete Knittel ab November 1951 bei der Landesregierung Sachsen-Anhalt das Sekretariat des Ministerpräsidenten Werner Bruschke. Von 1952 bis 1954 Stellvertretender Vorsitzender des Rates des Bezirks Halle, dann bis 1962 stellvertretender Direktor des IML. Er erhielt 1980 den Karl-Marx-Orden. Fritz Knittel starb am 8.Dezember 1980 in Ost-Berlin.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Knöchel, Johann

* 25.12.1903 – ✝ 14.1.1986

Geboren am 25. Dezember 1903 in Obernsee/ Bayern, Sohn eines Bergarbeiters; wurde Gemeindearbeiter in der Stadtverwaltung Oelsnitz/Erzgebirge. 1920 Mitglied der KPD, ab Januar 1929 Leiter des UB Oelsnitz und dort 1927 Stadtverordneter, im Juni 1929 Delegierter zum XII. Weddinger Parteitag in Berlin. Im September 1930 wurde Johann Knöchel im Wahlkreis Chemnitz-Zwickau als Abgeordneter in den Reichstag gewählt, dem er bis 1932 angehörte. Nach 1933 im KZ Colditz, von 1940 bis 1945 mußte er zur Wehrmacht. 1945 wieder Mitglied der KPD, 1946 der SED. Bürgermeister in Hartenstein, später Landrat des Kreises Zittau. Ab 1951 Leiter der Hauptabteilung Forstwirtschaft im Ministerium für Land- und Forstwirtschaft der Landesregierung Sachsen, später Vorsitzender des Rates des Kreises Dresden bzw. Kaderleiter im VEB »Planeta«, dann Parteiveteran. Johann Knöchel starb am 14. Januar 1986 in Radebeul.

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Knoll, Josef

* 20.3.1909 – ✝ 24.1.1971

Geboren am 20. März 1909 in Griesbäckerzell/ Oberbayern; Sattler und Polsterer. Nach der Wanderschaft arbeitete er von 1928 bis 1932 in Lörrach als Lokomotivheizer. Knoll trat 1930 der KPD bei, nach »Schutzhaft« im März/April 1933 leitete er von Lörrach und Haltingen aus die Grenz- und Kurierarbeit in Südbaden. Im Frühsommer 1935 absolvierte er in Moskau einen Schulungskurs des AM-Apparates. Er nahm unter dem Parteinamen Erwin Dirks bzw. Boxer am VII. Weltkongreß der Komintern teil und war Delegierter Südbadens auf der »Brüsseler Konferenz« in Moskau, wo er für die Taktik des »Trojanischen Pferdes« eintrat. In Deutschland Anfang Mai 1936 verhaftet, wurde Knoll am 5.November 1936 durch das OLG Karlsruhe zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt, saß bis 1939 im Zuchthaus Ludwigsburg und Lager Aschendorfer Moor, danach bis Kriegsende in München Hausmeister und Kraftfahrer. 1945 kehrte er nach Lörrach zurück und war bis 1971 Angestellter der Stadt. Wieder Mitglied der KPD und 1968 der DKP, baute er in Lörrach die Betreuungstelle für die Opfer des Faschismus auf und gehörte zu den Mitbegründern der VVN Südbadens. Als geachtete Persönlichkeit war er u.a. Vorsitzender des Südbadischen Schwerathletikverbandes. Josef Knoll starb am 24. Januar 1971 in der Universitätsklinik Freiburg im Breisgau.

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Knoppe, Reinhold

* 6.4.1908 – ✝ 30.5.1983

Geb. in Bernstein (Bayern); Vater Schmied; Volksschule; 1922 – 24 Ausbildung zum Glaser; 1924 – 27 Gelegenheitsarb.; 1927 Redaktionsbote, dann Zeitungsfahrer; 1929 KPD; 1932 arbeitslos; 1933 Emigr. in die ČSR; 1937 – 39 Interbrigadist im span. Bürgerkrieg; 1939 – 41 Internierung in Frankreich; 1941 Übergabe an die Gestapo, dann KZ Sachsenhausen. 1945 Ltr. des OdF-Heims in Lehnitz; dann VP; 1950 Einstellung beim MfS, ltd. Mitarb. beim personellen Aufbau des MfS, Ltr. der HA III (Sicherung der Volkswirtschaft); 1953 Ltr. der BV Magdeburg (Nachf. von  Franz Schkopik), Oberst; 1962 Versetzung zur Abt. XII (Zentr. Auskunft/Speicher) des MfS Berlin; 1964 deren Ltr.; 1968 Entlassung, Rentner; 1983 VVO.Jens Gieseke

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Knye, Otto

* 13.1.1920 – ✝ 18.12.1993

Geb. in Steinach (Krs. Sonneberg); Vater Arbeiter; Volksschule; 1934 – 39 Lehre u. Arbeit als Fleischer; 1939 – 45 Wehrmacht, Fw.; 1945 – 49 sowj. Gefangenschaft, Antifa-Schüler. 1949 SED; Instrukteur bei der SED-KL Sonneberg; Einstellung bei der VP; Lehrer an der VP-Schule Prora; 1950 Einstellung beim MfS; kommissar. Ltr. der Krs.-Dienststelle Grevesmühlen, dann stellv. Ltr. der Abt. V (Untergrund) der LV Mecklenb.; 1951 stellv. Ltr. der Abt. V (Untergrund) des MfS Berlin; 1953 Abt.-Ltr. in der HA V (Staatsapparat, Kirchen, Untergrund), MfS Berlin; 1956 Abt.-Ltr. in der HVA-HA II (Militärspionage), MfS Berlin; 1959 Ltr. der HVA-Abt. IV (Militärspionage); 1962 – 66 für Sonderaufg. freigestellt; 1964 Oberst; 1966 Versetzung zum Operativstab (ab 1971 AG) beim 1. Stellv. des Ministers; 1976 VVO; 1982 Entlassung, Rentner; gest. in Berlin.Jens Gieseke

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Koch, Helmut

* 5.4.1908 – ✝ 26.1.1975

Geb. in Barmen; Vater Schriftsetzer; Mutter Seidenwicklerin; Volksschule u. bis 1925 Realgymnasium in Barmen u. Essen; 1926 Studium an der Rhein. Musikschule Köln u. an der Folkwangschule Essen; 1928 Staatl. Prüfung als Privatmusiklehrer in Düsseldorf; Teiln. an Dirigierkursen bei Hermann Scherchen; Tonmstr. u. Assistent mit Dirigierverpflichtung beim Ostmarken-Rundfunk Königsberg; 1931 – 38 Dirigent von Arbeiterchören in Berlin; 1938 – 45 Aufnahmeltr. bei der Schallplatten AG Carl Lindström; Febr. 1945 Volkssturm in Berlin. 1945 Aufnahmeltr. beim Berliner Rundfunk; Gründer u. Ltr. der Solistenvereinigung, des Kammerorchesters u. des Großen Chors des Berliner Rundfunks; 1950 Kand., 1954 Mitgl. der SED; Prof. an der HS für Musik Berlin; 1956 Mitgl. der DAK; seit 1960 ständ. Gastdirigent an der Dt. Staatsoper Berlin; seit 1963 auch Dirigent der Berliner Singakad.; Aufführungen Händelscher Oratorien, vor allem mit den Rundfunkklangkörpern, auch im Ausland; 1949 u. 1959 NP; 1973 VVO. H. K.s Schallplattenaufn. umfassen Werke von Johann S. Bach, Ludwig van Beethoven, Johannes Brahms, Christoph W. Gluck, Georg F. Händel, Joseph Haydn, Paul Hindemith, Claudio Monteverdi, Wolfgang A. Mozart, Giovanni B. Pergolesi, Alessandro Scarlatti, Georg Ph. Telemann,  Ruth Zechlin u. a.; Bearbeitungen von dt. u. internat. Volksliedern.Bernd-Rainer Barth

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Koch, Waldemar

* 25.9.1880 – ✝ 15.5.1963

Geb. in Harzburg; Vater Schiffsing.; 1897 Primareife am Realgymnasium Bremerhaven; 1897 – 1900 Praktikant; 1900 – 03 Abitur (extern); Militärdienst in der kaiserl. Marine; 1903/04 Studium des industriellen Verw.-Wesens an der TH Berlin, Dipl.-Ing.; 1905 – 07 Mitarb. der AEG u. Studium der Volkswirtschaft, Philos. u. Geschichte an der Univ. Berlin; Diss. zur Konzentration in der dt. Elektroindustrie, 1907 Dr. phil.; 1907 – 09 Studienreisen, u. a. USA, China, Rußland; 1910 – 14 Dir. eines AEG-Betriebs in London; 1914/15 Militärdienst; 1915 – 18 stellv. Dir. des Inst. für Seeverkehr u. Weltwirtschaft der Univ. Kiel; 1918 DDP; 1918/19 Vors. des Bürgeraussch. von Groß-Berlin; 1919 – 30 in der Wirtchaft tätig; 1930 habil. an der TH Berlin; 1930 – 34 Doz. für Betriebswirtschaftslehre an der TH Berlin, vom NS-Regime entlassen; 1934 – 45 Wirtschaftsprüfer; 1942/43 Lehrauftrag an der Univ. Halle. Juni 1945 Mitbegr. der DDP u. LDPD u. Juli – Nov. 1945 1. Vors. der LDPD, Rücktritt wegen Meinungsverschiedenh. im PV, u. a. Ablehnung der Bodenreform; bis Febr. 1946 Mitgl. des PV, Febr. 1948 Ausschl. aus der LDPD, danach FDP; 1948/49 Übersiedl. nach Berlin (West); 1949 – 53 Prof. für Betriebswirtschaftslehre an der TU Berlin; 1955 Dr. oec. h. c. der HS für Wirtschafts- u. Sozialwiss. Nürnberg; Juli 1956 Austritt aus der FDP; gest. in Berlin.Die Konzentrationsbew. in der dt. Elektroindustrie. München 1907; Die Industrialisierung Chinas. Berlin 1910; Grundlagen u. Techniken des Vertriebs. 2 Bde. Berlin 1950; Der Beruf des Wirtschaftsing. Berlin 1957; Aus den Lebenserinnerungen eines Wirtschaftsing. Köln, Opladen 1962.Helmut Müller-Enbergs

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Kochs, Heinz

* 11.8.1929

Geb. in Röbel / Müritz; Vater selbst. Handwerker; Volksschule; Lehre u. Arbeit als Elektriker; 1948 SED, 1951 – 54 Stud. an den Ingenieurschulen Wismar u. Mittweida, Elektroing.; 1954 – 58 Mitarb. bzw. Techn. Dir. des VEB Starkstromanlagenbau Rostock; 1959 – 62 Sekr. für Wirtschaft der SED-KL Rostock-Stadt; 1962 – 65 Stud. an der PHS der KPdSU in Moskau, Dipl.-Gesellschaftswiss.; 1965 – 68 Abt.-Ltr. Wirtschaftspolitik der SED-BL Rostock; 1968 – 75 OB von Rostock (Nachf. von  Rudi Fleck); 1975 – 88 1. Sekr. der SED-KL Rostock-Stadt; Mitgl. des Sekr. der SED-BL Rostock.Andreas Herbst

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Koelle, Fritz

* 10.3.1895 – ✝ 4.8.1953

Geb. in Augsburg; Vater Schlossermstr.; ab 1906 Staatl. Realschule; 1909 – 12 Lehre als Spengler, Schulen in Augsburg, Schwäbisch Gmünd u. Berlin; 1913 – 14 Studium an der Münchner Kunstgewerbeschule bei Friedrich Wanderé; 1914 – 18 Kriegsfreiw.; danach bis 1924 Studium der Bildhauerei bei Hermann Hahn an der Münchner Akad. der bildenden Künste; 1923 Mitgl. der Münchner Neuen Sezession; mehrere Reisen ins Saargeb., der dortige Kontakt zu Arbeitern wird zur Grundlage für das spätere Sujet des Bergarb. im Werk von F. K.; 1927 Ausstellung (mit Max Liebermann u. Käthe Kollwitz) in der Preuß. AdK Berlin; 1932 Reise in die UdSSR; Konflikt mit der NSDAP-Stadtratsfraktion München wegen angebl. »bolschewist. Kunstauffassung«, Fürsprache u. a. durch Wilhelm Pinder; seit 1937 mit an die Ästhetik der NS-Zeit angepaßten Skulpturen auf den Großen Dt. Kunstausstell. in München vertreten; Teiln. an Ausstellungen im In- u. Ausland; 1937 Westmark Preis; größere Auftragsarbeiten. 1946 von amerik. Besatzungsmacht als »pol. Verfolgter« anerkannt; bis 1948 ansässig in München-Geiselgasteig; KPD; 1947 Atelierbesuch von  Wilhelm Pieck u.  Otto Grotewohl, Erwerb der Figur »Hüttenarb.« 1947 für den Sitzungssaal des Parteihauses, weitere Erwerbungen wegen der Teiln. an Ausstellungen u. Auftragsarbeiten in der NS-Zeit zurückgestellt; parallele Bemühungen um eine Professur in München bzw. Berlin; 1949 von  Helmut Holtzhauer zum Ltr. der Abt. Plastik an die HS für bildende Kunst Dresden berufen; ab 1950 dort Dekan; 1950 Prof. an der HS für angewandte Kunst in Berlin-Weißensee; 1950 u. 1952 jeweils erfolglose Teiln. am Wettbewerb um ein Thälmann- bzw. ein Marx-Engels-Denkmal; 1952 mit einer Bildhauerdelegation Reise in die UdSSR; 1953 Beteiligung an der 3. Dt. Kunstausstellung in Dresden; gest. im Zug von München nach Berlin. Werke: Bergarb. 1931; Hüttenarb. 1928; Blockwalzer. 1929; Inferno. 1946; Konzentrationär. (Denkmal des unbekannten Häftlings, aufgestellt vor dem Krematorium des KZ Dachau) 1950; Der Friedenskämpfer. 1951; Karl-Marx-Büste 1952.Dokumente zu Leben u. Werk des Bildhauers F. K. (1895 – 1953). Germanisches Nationalmuseum Nürnberg 1978; Schirmbeck, P.: Adel der Arbeit. Der Arbeiter in der Kunst der NS-Zeit. Marburg 1984; Davidson, M. G.: Kunst in Dtl. 1933 – 45. Eine wiss. Enzyklopädie der Kunst im Dritten Reich. Tübingen 1988; Vierneisel, B.: F. K. – »Der Gestalter des dt. Berg- u. Hüttenarbeiters«. In: Kunstdokumentation SBZ/DDR. Hrsg. E. Gillen, G. Feist u. B. Vierneisel. Köln 1996.Anke Scharnhorst

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Koenen, Wilhelm

* 7.4.1886 – ✝ 19.10.1963

Als Sohn des Tischlers und aktiven Sozialisten Heinrich Koenen am 7. April 1886 in Hamburg geboren; Bruder von Bernard Koenen; kaufmännische Lehre, 1904 Angesteller der SPD-Buchhandlung in Kiel. Im gleichen Jahr Mitglied der SPD, im Februar 1907 hauptamtlicher Funktionär, zunächst Zeitungsberichterstatter in Kiel, 1909 in Königsberg. 1910 Kursant an der SPD-Parteischule in Berlin, anschließend Redakteur. Von April 1911 bis 1919 am »Volksblatt« in Halle, dort 1913 Mitglied der SPD-Bezirksleitung. Da die Hallesche SPD 1917 fast geschlossen zur USPD ging und das »Volksblatt« zum USPD-Organ wurde, war Wilhelm Koenen einer der führenden Köpfe der USPD (die in Halle eine ihrer wichtigsten Ortsgruppen hatte). Nach der Revolution 1918 Kommissar der Arbeiter- und Soldatenräte im Bezirk Halle-Merseburg, im August 1919 wurde er Vorsitzender der provisorischen Reichszentrale der Betriebsräte Deutschlands, 1919/20 Stadtverordneter in Halle. Koenen zog im Januar 1919 (Wahlkreis Merseburg) als Abgeordneter der USPD in die Nationalversammlung ein, im Juni 1920 in den Reichstag, dem er bis 1932 angehörte. Im August 1919 Vorstandsmitglied der USPD, in deren ZK gewählt. Vorsitzender des USPD-Bezirks Halle, war Anhänger des linken Flügels der Partei. Gemeinsam mit Walter Stoecker trat er auf dem II. Weltkongreß der Komintern 1920 für den Anschluß der USPD an die Komintern ein und warb auf dem Spaltungsparteitag der USPD in Halle 1920 aktiv für die Linke. Nach der Spaltung im ZK der linken USPD war Koenen einer der Hauptorganisatoren des Zusammenschlusses von linker USPD und KPD, im Dezember 1920 in die Zentrale der VKPD aufgenommen. Koenen leitete als Vorsitzender den III. Weltkongreß der Komintern 1921. Auf dem Jenaer Parteitag 1921 nicht in die Zentrale berufen, jedoch 1922 in die Zentrale kooptiert und seit dem VIII. Parteitag 1923 wieder Zentrale-Mitglied. Beim Auseinanderfallen der Brandler-Führung (November 1923) gehörte Koenen zu den Führern der Mittelgruppe. Als Zentrale-Mitglied polizeilich gesucht, war er laut seinem Steckbrief »1,68 groß, linkes Bein etwas nachziehend (etwas gelähmt)«. Seit der Übernahme der Führung durch die Linken 1924 nicht mehr in der Zentrale, nur noch parlamentarische Tätigkeit und erst nach dem »Offenen Brief« 1925 wieder in wichtigen Funktionen. Von 1926 bis 1932 war er auch Mitglied des Preußischen Staatsrates und gehörte der Berliner Stadtverordnetenversammlung an. Koenen war 1929 am Rande in den Sklarek-Skandal (eine Bestechungsaffäre in der Berliner Stadtverwaltung, in die damals viele Politiker verwickelt waren, vgl. Gustav Degner und Otto Gäbel) verstrickt, da er von Sklarek Geld geliehen hatte. Bei den Auseinandersetzungen mit den Rechten und Versöhnlern schloß er sich aktiv der Parteimehrheit an, löste im April 1929 den Versöhnler Johannes Schröter als Polleiter in Halle-Merseburg ab. Schon zuvor war er als »Kommissar« des ZK gegen die KPO und die Versöhnler in der BL Thüringen eingesetzt. Auf dem XII. Weddinger Parteitag im Juni 1929 wurde er als Mitglied ins ZK gewählt, aber 1931 seiner Funktion in Halle enthoben. In den Hintergrund gedrängt und 1932 nicht mehr in den Reichstag gewählt, blieb er jedoch von April 1932 an Abgeordneter des Preußischen Landtages. Anfang Juni 1933 emigrierte er unter dem Parteinamen Bernhard Schulz über das Saargebiet nach Frankreich, dann in die Tschechoslowakei, dort ab Januar 1935 Leiter der kommunistischen Emigration. Teilnehmer des VII. Weltkongresses und der »Brüsseler Parteikonferenz« 1935 in Moskau, wurde Kandidat der IKK und Mitglied der Kontrollkommission des ZK der KPD. Koenen unterzeichnete im Dezember 1936 den »Aufruf für eine deutsche Volksfront«. Seit November 1938 in Großbritannien, war dort nach Kriegsausbruch Leiter der KPD-Landesgruppe. Von 1940 bis 1942 auf der Isle of Man bzw. in Kanada interniert. Er führte mit Vertretern des SPD-Emigrationsvorstandes Verhandlungen und war in der »Freien deutschen Bewegung« in Großbritannien aktiv. 1944 Mitarbeit an Sefton Delmers englischem Soldatensender in Calais. Im Dezember 1945 über Prag Rückkehr nach Deutschland, zunächst Redakteur der Halleschen KPD-Zeitung »Freiheit«, dann von 1946 bis 1949 1. Landesvorsitzender der SED in Sachsen. Von 1946 bis 1958 und dann wieder von Januar 1963 bis zu seinem Tode gehörte er dem PV bzw. dem ZK der SED an. Im Januar 1949 wählte der PV Koenen in das ZS, wegen seiner Westemigration aber bald aus dem Sekretariat entfernt. Ab Mai 1949 Sekretär des Deutschen Volksrates bzw. ab Oktober 1949 Leiter des Sekretariats der Volks- und Länderkammer, danach Vorsitzender der »Interparlamentarischen Gruppe der DDR«. Wegen »mangelnder Wachsamkeit« bekam Koenen im Mai 1953 eine Rüge, weil er 1952 nicht verhindert hatte, daß eine in der Zeitschrift des Nationalrats »Deutschlands Simme« abgedruckte Losung in albanischer Sprache in Wirklichkeit eine »amerikanische Provokation« darstellte. Er spielte keine politisch wichtige Rolle mehr, erhielt 1956 den Karl-Marx-Orden. Wilhelm Koenen starb am 19. Oktober 1963 in Ost-Berlin. Sein Sohn Heinrich Koenen (* 12. 5. 1910 in Königsberg) emigrierte 1933 in die Sowjetunion und absolvierte verschiedene militärische und nachrichtendienstliche Ausbildungen. Am 23.Oktober 1942 sprang er mit dem Fallschirm über Ostpreußen ab, gelangte auch nach Berlin und wurde dort in der Wohnung der bereits verhafteten Ilse Stöbe von der Gestapo »empfangen«. Ohne Prozeß in das KZ Sachsenhausen eingeliefert, wo er wahrscheinlich im Februar 1945 erschossen wurde. Wilhelm Koenens zweite Ehefrau war Emmy Damerius-Koenen.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

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Koering, Josef

* 8.9.1879 – ✝ 1933

Geboren am 8. September 1879 in Hembsen (heute Ortsteil von Brakel), Sohn eines Sattlers; Lehre und Arbeit als Sattler, später Inhaber eines Lederwarengeschäfts in Brüssel. Bereits vor 1914 Mitglied der SPD. Nach Kriegsausbruch in Belgien zeitweise interniert, anschließend Soldat im Weltkrieg; 1917 Mitglied der USPD, 1919 der KPD, während der Revolution Polizeipräsident von Neukölln. Auf dem II.Parteitag 1919 zum Ersatzmitglied der Zentrale gewählt, auf dem III.Parteitag erneut gewählt und auf dem VI.Parteitag im Dezember 1920 Wahl zum Mitglied des Zentralausschusses der KPD (für den Bezirk Braunschweig-Niedersachsen), dann auf dem VII. Parteitag 1921 in Jena zum Ersatzmitglied des ZA gewählt, und zwar für den Bezirk Rheinland-Westfalen-Süd. Josef Koering starb 1933 oder kurz danach in Berlin.

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Kniepert, Andreas

* 11.4.1950

Geb. in Löbau; Grund- u. EOS in Löbau, 1968 Abitur u. Abschluß als Mechaniker, im Beruf tätig; 1970 – 74 Studium der Verfahrenstechnik an der TU Dresden, Dipl.-Ing.; 1974 – 91 u. 1995 wiss. Ass. an der HAB in Weimar, Prom. zum Dr.-Ing., 1985 Habil.; NDPD; Eintritt in die FDP; Juli 1990 – 94 Landesvors. der FDP Thür., Mitgl. im FDP-Bundesvorst. 1990 – 94 MdL u. Vors. der FDP-Fraktion im Thür. Landtag; 1995 wiss. Ass. an der HAB in Weimar; 1999 – 2002 Landesvors. der FDP Thür.; akad. Mitarb. in der Fak. für Bauing.-Wesen an der Bauhaus-Univ. Weimar.Modellsystem zur Optimierung der Schotter- u. Splittprod. Weimar 1978; Zur Beschreibung phänomenolog. erfaßbarer, mehrdimensionaler, nichtlinearer Abhängigkeiten durch mathemat. Funktionen. Weimar 1984.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Knoblich, Herbert

* 11.6.1939

Geb. in Alt Jauer (Krs. Jauer, Niederschles./ Stary Jawor, Polen); OS in Cottbus, 1957 Abitur; 1957 – 61 Studium der Math. u. Physik an der TH Dresden; Fernstudium an der PH Dresden, Dipl.-Lehrer; 1961 – 70 Lehrer; 1970 – 90 Assistent, Oberassistent u. Doz. für Festkörperphysik. an der PH Potsdam; 1985 Prom., 1986 Habil. mit einer Arbeit über Generation u. Transport elektr. Ladungsträger; Aufenthalt an der Univ. Riga (Lett. SSR); Ltr. des Bereichs Techn. Systeme der Sektion Polytechnik an der PH Potsdam; Mitgl. der Dt. Physikal. Ges.; Jan. 1990 SPD, Mitgl. des SPD-KV Potsdam-Stadt; Juni – Okt. 1990 Ltr. des Ressorts Bildung, Wiss. u. Kultur der Bezirksverw.-Behörde Potsdam. Okt. 1990 – Okt. 2004 MdL u. Präs. des Landtags Brandenb.; Rentner; 2004 Bundesverdienstkreuz.Helmut Müller-Enbergs

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Knöchel, Wilhelm

* 8.11.1899 – ✝ 12.6.1944

Geboren am 8. November 1899 in Offenbach/Main; Dreher, Grubenschlosser, 1919 Mitglied der SPD, 1923 der KPD, Funktionär der KPD in Dortmund-Brunninghausen, Von 1924 bis 1930 Mitglied der Leitung des UB Dortmund, ab 1930 Funktionär in Offenbach. Von 1932 bis 1934 Kursant an der Internationalen Leninschule in Moskau, danach ab 1934 Oberberater für den illegalen KPD-Bezirk Wasserkante in Hamburg. Auf der »Brüsseler Konferenz« im Oktober 1935 wurde Knöchel zum Kandidaten des ZK gewählt und 1936 zum Aufbau der Abschnittsleitung West nach Amsterdam geschickt. Er war Mitbegründer und Sekretär des kommunistischen Ausschusses freigewerkschaftlicher Bergarbeiter Deutschlands, 1938 Wahl zum Mitglied der Exekutive der Bergarbeiterinternationale. Knöchel nahm im Januar 1939 an der »Berner Konferenz« teil und wurde Vollmitglied des ZK der KPD. Infolge des Hitler-Stalin-Paktes und der Auflösung aller Abschnittsleitungen Beauftragter der KPD für die Niederlande, Belgien und die Schweiz. Im Januar 1942 reiste er illegal über das Ruhrgebiet nach Berlin und bemühte sich, die sogenannte operative Leitung der KPD aufzubauen. Knöchel hatte, wenn auch eingeschränkt, Verbindungen zum in Moskau sitzenden ZK der KPD, stand aber dessen Direktiven immer kritischer und zuletzt ablehnend gegenüber. An seine Lebensgefährtin Cilly Hansmann (* 15 6. 1908 – † 1. 10. 1984), die für ihn Kurierdienste leistete, schrieb er: »Sitzen die in Moskau auf dem Mond?« Am 30. Januar 1943 wurde Knöchel in Berlin verhaftet. Damit gelang der Gestapo ein entscheidender Schlag gegen den kommunistischen Widerstand. Der Gruppe um Knöchel war es als einziger gelungen (entsprechend einem Beschluß der KPD-Führung vom Ende 1939), aus der Emigration zurückzukehren und in Deutschland ein Widerstandszentrum, gewissermaßen eine »Reichsleitung« unter Anleitung des ZK in Moskau, zu organisieren. Deswegen wurde Knöchel später von der DDR-Geschichtsschreibung lange Zeit besonders positiv hervorgehoben und gewürdigt, um die erfolgreiche Anleitung des Widerstandes durch die Moskauer Exilführung zu »beweisen«. Seit den achtziger Jahren wurde sein Name verschwiegen, und zwar wegen seines (auch vorher bekannten!) Anteils an der Zerschlagung der Gruppe, die die Tragödie kommunistischer Widerstandskämpfer im Nazi-Deutschland während des Krieges zeigt. Aufgrund von Hinweisen des Gruppeninstrukteurs Alfons Kaps, der Anfang 1943 festgenommen worden war, konnte die Gestapo am 20. Januar 1943 den wichtigen Funktionär Willi Seng verhaften. Nach »verschärfter Vernehmung« – also fürchterlicher Mißhandlung – gab Seng nicht nur seine Kenntnisse preis, sondern war bereit, die Gestapo zu einem Treffen mit Knöchel in Berlin zu führen. Dies mißlang, weil der schwerkrank im Bett lag und nicht zu dem Termin kam. Als Knöchel schließlich am 30. Januar festgenommen wurde und wohl ähnlichen Torturen unterworfen war, bot auch er am 17. Februar der Gestapo die Zusammenarbeit als V-Mann an. Er ging diesen Schritt, obwohl er an schwerer Tbc litt, also ohnehin nur noch eine geringe Lebenserwartung hatte. Was ihn zum Verräter machte, ist kaum zu beurteilen. Waren es die Torturen oder der inzwischen gebrochene Glaube an Moskau oder ein verzweifelter Versuch, Zeit zu gewinnen, um freizukommen und zu fliehen? Der Fall Knöchel beweist, daß die einzigen Funktionäre, die den Widerstandsgruppen im Krieg »Weisungen« des ZK hätten überbringen sollen, das gar nicht konnten. Es war eine SED-Legende, die ab 1961 verbreitet wurde und Walter Ulbricht zum Führer des Widerstandes gegen Hitler machen sollte. Knöchel wurde zunächst im KZ Scheveningen festgehalten, dann nach Berlin überführt und am 12. Juni 1944 vom VGH zum Tode verurteilt. Auch die übrigen Mitglieder der Gruppe (Seng, Kaps, Alfred Kowalke und Wilhelm Beuttel) erhielten die Todesstrafe. Die Verteidigung der Angeklagten, sie hätten mitgeholfen, einen Spionagering unschädlich zu machen, wies der Vorsitzende des VGH, Roland Freisler, zynisch zurück: Das »wissen wir nicht«. Auch ein Gnadengesuch Sengs wurde abgelehnt, dieser hatte darin nochmals betont, seine Aussagen seien »der Schlüssel« zur Aushebung der Gruppe gewesen. Wilhelm Knöchel wurde am 24. Juli 1944 im Zuchthaus Brandenburg hingerichtet.

Wer war wer in DDR

Knöll, Hans

* 7.1.1913 – ✝ 26.6.1978

Geb. in Wiesbaden; Vater Telegraphenoberinstrukteur; 1931 – 35 Med.-Studium in Frankfurt (Main); 1932 NSDAP; 1932 – 35 SA; 1935 – 38 wiss. Assistent am Paul-Ehrlich-Inst. für Experiment. Therapie in Frankfurt (Main), 1938 Prom.; 1938 – 50 am Bakteriolog. Laboratorium (1944 Inst. für Mikrobiol. u. experiment. Therapie) des Jenaer Glaswerks Schott & Gen. 1950 Habil.; Prof. für Bakteriol. an der FSU Jena; 1950 – 53 zugl. Werkltr. des VEB Jenapharm; 1949 u. 1952 NP; 1955 Ord. Mitgl. der DAW; 1956 – 76 Dir. des Inst./ZI für Mikrobiol. u. Experiment. Therapie der DAW/ AdW in Jena; 1976 em.; gest. in Jena. Arbeitsgebiete: Tuberkuloseforschung; Entw. der Penicillinprod. in der DDR u. Aufbau eines Inst. zur Herstellung von BCG-Impfstoff gegen Tuberkulose; Untersuchungen zur Gewinnung u. therapeut. Wirkung von Antibiotika u. Zytostatika; Entw. eines patentierten Bakterienfilters; Mithrsg. der Ztschr. »Zentralblatt für Bakteriol.«, »Protistenkunde«, »Infektionskrankheiten u. Hygiene«, »Archiv für Mikrobiol.«, »Antibiotici« (UdSSR), »Antibiotics« (Japan) u. a.Jochen Richter

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Knorr, Friedrich

* 17.9.1904 – ✝ 6.5.1995

Geboren am 17. September 1904 in Fürth/Bayern als Sohn eines Schuhmachers; Metalldrücker, Bauarbeiter und in der Möbelbranche beschäftigt. 1921 Mitglied der KJD und der KPD, Leiter des KJD-UB Nürnberg/Fürth, Angehöriger des Ordner-Dienstes (OD – d. i. der Parteiselbstschutz). Von Ende 1923 bis Mitte August 1924 Untersuchungshaft auf der Festung Niederschönenfeld, nach Entlassung erneut Leiter des KJD-UB Nürnberg/Fürth. Flucht und illegaler Aufenthalt bis März 1925 in Berlin. Zeitungsverkäufer, Arbeiter bei Siemens und anderen Firmen. Bis 1927 KJVD-Funktionär in Berlin-Spandau, anschließend Geschäftsführer der Arbeiter-Buchhandlung und Herausgeber der »Spandauer Volkszeitung«. Von Januar bis März 1931 Lehrgang an der Reichsparteischule Berlin-Fichtenau, danach Orgsekretär des UB Berlin Nord-West. 1932 Propagandasekretär der BL Berlin-Brandenburg, ab August 1932 Kursant der Internationalen Leninschule in Moskau, danach kehrte er illegal nach Deutschland zurück und wurde Instrukteur des ZK in Frankfurt/M. Im März 1934 zeitweise festgenommen, arbeitete Knorr dann als Angestellter in einem von seiner Frau geführten Lebensmittelgeschäft. Er war im November 1939 und von Juli bis September 1944 im KZ Sachsenhausen eingesperrt. Seit Mai 1945 war Knorr Leiter der Polizei-Inspektion in Berlin-Spandau, anschließend Angehöriger der Kriminalpolizei in der Provinz Brandenburg, später Dozent an der Verwaltungsschule in Beelitz bzw. Bürgermeister von Beelitz. Ab 1949 Mitarbeiter beim SNB, dann beim Staatlichen Rundfunkkomitee der DDR. Er erhielt 1964 den VVO in Bronze. Friedrich Knorr starb am 6.Mai 1995 in Berlin.

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Kober, Karl Max

* 26.12.1930 – ✝ 14.12.1987

Geb. in Prag; 1945 Umsiedl. nach Thüringen; Abitur in Erfurt; 1949 – 52 Studium der Kunsterziehung u. Psychol. an der EMAU Greifswald; 1950 NDPD; ab 1953 Ass., dann Oberass. am Inst. für Kunsterziehung u. Kunstgesch. der KMU Leipzig; 1962 Prom.; 1966 Habil. über »Die Wandmalerei des späten Mittelalters in Sachsen«; 1967 – 81 Abg. des Bezirkstags Leipzig; seit 1967 Mitgl. des Hauptaussch. der NDPD u. Mitgl. des VBK; ab 1974 Mitgl. der AICA; 1969 – 76 Doz. am Inst. für Kunstgesch., 1976 Prof. für Theorie der bild. Kunst u. Kunstkritik an der KMU Leipzig; 1977 VVO; 1978 – 87 Vizepräs. des VBK; 1980 – 82 Lehrbeauftragter an der HS für Grafik u. Buchkunst Leipzig; 1974 – 87 als IMS »Dr. Werner« für das MfS tätig, u. a. Berichte über VBK-Präsidiums- u. ZV-Sitzungen, einzelne Leipziger Künstler sowie über bundesdt. Sammler u. Kunstwissenschaftler.Der Künstler u. seine Werkstatt: ein Kunstbuch für Kinder. Leipzig 1973 (mit R. Behrends); Die Anfänge der Kunst in der DDR. In: Kat. Weggefährten – Zeitgenossen. Berlin 1979; Stichel, Nadel, Druckpresse: eine Einführung in die Kunst der Druckgrafik. Leipzig 1981; Bernhard Heisig. Dresden 1981; Einleitung. In: Reformation – Rev. Panorama Frankenhausen. Monumentalbild von Werner Tübke. Dresden 1988; Die Kunst der frühen Jahre 1945 – 49. Malerei, Zeichnungen, Grafiken aus der SBZ. (1986), posthum Leipzig 1989. Feist, P. H.: Nachruf. In: Bildende Kunst (1988) 2.Doris Liebermann

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Koch, Helmut

* 30.4.1922

Geb. in Gera; Vater Former; Volks- u. Höhere Handelsschule, Verhinderung des Oberschulbesuchs durch die HJ; 1936 – 39 kfm. Ausbildung; 1940 kfm. Angest.; 1941 – 45 Wehrmacht, Ltn. der Reserve. 1945/46 SPD/SED; 1945 – 49 Mitarb. bzw. Abt.-Ltr. in der Krs.-Verw. Gera; 1949 – 51 Org.- bzw. Kontorltr. des Landeskontors Thür. der VVEAB; 1951/52 SED-LPS in Bad Blankenburg; 1952 HA-Ltr. im Staatssekr. für Erfassung u. Aufkauf landw. Erzeugnisse, 1958 – 63 Staatssekr. (Nachf. von  Hermann Streit); 1949 u. 1959 NP; 1962 nach einem Fernstudium an der HfÖ Berlin Dipl.-Wirtsch.; 1965 Prom. zum Dr. agr. an der HU Berlin mit einer Diss. zur Preisgestaltung für landw. Erzeugnisse; 1963 – 74 Vors. der Staatl. Kommission für Erfassung u. Aufkauf bzw. für Aufkauf u. Verarbeitung landw. Erzeugnisse, maßgebl. beteiligt an der Agrarpreisreform der 60er Jahre, insbes. der Aufhebung der »doppelten Agrarpreise«; bis 1976 stellv. Min. für Landw., Erfassung u. Forstw. (Abberufung wegen Konflikten um die Wirtschafts- u. Landw.-Pol.); 1968 Kand., 1972 Ord. Mitgl. der AdL; 1987 em.; 1976 Aufbaultr., später Kombinatsdir. des Schlacht- u. Verarbeitungskombinats Eberswalde/Britz; 1987 VVO.Handbuch über Agrarpreise, Qualitätsbestimmungen, Vertragsbezeichnungen. 2 Bde. Berlin 1966; Neue agrarökon. Maßn. für die Jahre 1967/68. Berlin 1966.Siegfried Kuntsche / Helmut Müller-Enbergs

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Koch, Marita

* 18.2.1957

Geb. in Wismar; dort 1964 – 76 EOS; 1976 – 89 Studium der Med. an der WPU Rostock, abgebrochen; 1972 – 87 Leichtathletin, Spezialdisz.: 400-m- u. 200-m-Lauf; anfangs in der Turn- u. Sportgemeinschaft Wismar, ab 1975 beim SC Empor Rostock (Trainer u. Ehemann: Wolfgang Meier); 1978, 1982 u. 1986 EM (400 m u. in der 4 x 400-m-Staffel); 1980 Olympiasiegerin (400 m u. 4 x 400-m-Staffel); 1983 dreifache WM (200 m, 4 x 100-m- u. 4 x 400-m-Staffel); 16 WR; fünfmal populärste Sportlerin der DDR (»Junge-Welt«-Umfrage); dreimal Weltsportlerin des Jahres. Seit Herbst 1990 Inhaberin von zwei Sportartikelgeschäften in Rostock, Ehrenpräs. des Rostocker Leichtathletikvereins.Klaus Gallinat

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Köckert, Christian

* 13.10.1957

Geb. in Dölzig (Krs. Leipzig); 1965 – 74 POS; 1976 kirchl. Abitur in Moritzburg; 1976 – 81 Studium der ev. Theol. an der MLU Halle-Wittenberg; 1971 – 87 Assistent für systemat. Theol.; 1987 – 91 Pfarrer in Stedtfeld (Krs. Eisenach) u. Doz. am Predigerseminar der Ev.-Luth. Kirche Thür. in Eisenach. 1991 – 94 Bürgermeister in Stedtfeld (b. Eisenach); 1994 – 2009 Mitgl. u. Vors. der CDU-Frakt. im Stadtrat Eisenach; stellv. Vors., dann Vors. des CDU-KV Wartburgkreis; seit 1994 MdL u. 1995 – 99 Vors. der CDU-Frakt. im Thür. Landtag; 1999 – 2002 Min. des Innern des Freistaats Thür. (Nachf. von Richard Dewes); Mitgl. des CDU-LV Thür.; 2004 – 06 stellv. Vors. der CDU-Fraktion u. Mitgl. im Ältestenrat des Thür. Landtags; lebt in Eisenach.Bekämpfung von Extremismus u. polit. motivierter Gewalt in Thüringen. Erfurt 2000.Helmut Müller-Enbergs

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Koenen, Bernard (Johann Heinrich)

* 17.2.1889 – ✝ 30.4.1964

Geb. in Hamburg; Vater Tischler, Mutter Köchin, Bruder  Wilhelm K.; 1895 – 1903 Volksschule, 1903 – 07 Ausbildung zum Maschinenschlosser u. Dreher; 1906 Mitgl. der Gewerkschaft (DMV); 1907 SPD; auf Wanderschaft in Lausanne, Brüssel, Lille u. Tunis; Mitbegr. der Soz. Partei Frankreichs in Bizerta; 1910 – 12 Militärdienst, danach Elektromonteur im Ausland; 1914 – 16 Militärdienst, wegen »antimilitär. Tätigkeit« entlassen; anschl. Elektriker in Leuna; 1917 USPD, 1920 KPD; Mitarb. im Leunaer Arbeiterrat; 1921 – 33 Red. der KPD-Ztg. »Klassenkampf« u. Sekr. der KPD-BL Halle-Merseburg; Stadtverordn. in Merseburg, maßgebl. an der Märzrev. in Mitteldtl. beteiligt; 1922 – 33 Abg. des Landtags der Provinz Sachsen u. 1924 – 29 Mitgl. des Preuß. Staatsrats; 12.2.1933 von der SS in Eisleben schwer verletzt; illeg. pol. Tätigkeit; Mai 1933 Emigr. in die UdSSR; Org.-Sekr. der IRH u. Lehrer an einer KL-Schule; Mitgl. des EK der MOPR; 1935 Teiln. am VII. Weltkongreß der KI; 1937 u. 1939 vom sowj. Sicherheitsdienst NKWD verhaftet; 1941 – 45 Arbeit für den Dt. Volkssender, im NKFD, 1942/43 Lehrer an der KI-Schule in Kuschnarenkowo (b. Ufa), dann Lektor u. ab 1944 Sektorenltr. an der Antifa-Schule für Kriegsgefangene Nr. 165 in Juscha (b. Ivanowo). 1945 Rückkehr nach Dtl.; Mitunterz. des Aufrufs der KPD vom 11.6.1945; Juni 1945 – April 1946 Mitgl. des ZK der KPD; 1945/46 1. Sekr. der KPD-BL Sachsen-Anh.; 1946 – 49 Vors., 1949 – 52 1. Sekr. der SED-LL Sachsen-Anh.; 1946 – 52 MdL, SED-Fraktionsvors.; 1946 – 64 Mitgl. des PV bzw. ZK der SED; 1948/49 Mitgl. des Dt. Volksrats u. der DWK; 1949 – 64 Abg. der (Prov.) Volkskammer; 1952/53 u. 1958 – 63 1. Sekr. des SED-BL Halle (Nachf. von  Franz Bruk); 1953 – 58 Botschafter in der ČSSR (Nachf. von  Fritz Große); 1958 KMO; 1960 – 64 Mitgl. des Staatsrats; gest. in Berlin.Zu einigen Problemen des Grundrisses der Gesch. der dt. Arbeiterbew. Halle 1962.  Reinowski, W.: B. K. Halle 1962.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

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Koenen-Damerius, Emmi (auch: Damerius-Koenen)

* 15.3.1903 – ✝ 21.5.1987

Geb. in Berlin-Rosenthal; Vater Arbeiter; Volksschule; 1918 – 20 kfm. Handelsschule; 1918 Freie Gewerkschaft; Werkstattschreiberin in einer Kunstdruckerei; Abendhandelsschule; arbeitslos; 1928 – 33 Angest. bei der Berliner Abendztg. »Die Welt am Abend«; 1923 Naturfreunde u. KJVD; 1924 KPD; 1924 – 33 Ltr. der Frauenabt. der KPD Berlin-Brandenb.; 1932/33 KPD-Reichsschule; 1933 Mitgl. des Preuß. Landtags (KPD); 1933/34 illeg. Arbeit als pol. Instrukteurin der KPD; 1934 Emigr. in die UdSSR; 1934/35 Internat. Frauensekr. der KI; 1935/36 Studium an der KUNMS; 1936 – 39 Ltg. der illeg. Arbeit der KPD in Süddtl. bzw. Berlin (von Zürich, Paris bzw. Prag aus); seit 1937 verh. mit  Wilhelm K.; 1939 Emigr. nach Großbritannien, dort 1940 – Febr. 1941 Internierung auf der Insel Man. Dez. 1945 Rückkehr nach Dtl.; KPD; 1946 SED; Red. der »Mitteldt. Ztg.« in Halle bzw. der »Sächs. Ztg.« (Dresden); 1947 Mit- begr. des DFD; stellv., Mai 1948 – Mai 1949 1. Vors. des DFD (gleichberechtigt mit, dann Nachf. von  Anne-Marie Durand-Wever), zum Rücktritt veranlaßt; 1947/48 erst Landes-, dann 2. Landesvors. des DFD Sachsen; 1947 – 49 Mitgl. des SED-LV Sachsen; 1947 – 50 im PV der SED; 1948/49 Abg. der Volkskammer; 1948/49 DWK; 1949 wegen Krankheit zurückgetreten; 1950 – 58 Red. im Verlag Die Wirtschaft; seit 1958 freiberufl. Journalistin; Mitgl. der Arbeitsgr. zur Erforschung der Frauenbew. bei der SED-BL Berlin; in zweiter Ehe mit dem Kulturwiss.  Helmut Damerius verh.; 1983 VVO; gest. in Berlin-Friedrichshagen.Neue Weltbew. der Frauen für Frieden u. sozialen Fortschritt. Dresden 1946.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

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Koerting, Otto

* 20.5.1884 – ✝ 3.7.1959

Geb. in Jessnitz (Anh.); Vater Kleinbauer; Volksschule in Bobbau; Ausb. zum Schlosser in der Agfa-Filmfabrik Wolfen, dort bis 1933 tätig; Landwirt; 1902 SPD u. DMV; 1902 – 08 im Beruf; 1909 – 26 Gemeindevertreter in Bobbau (b. Bitterfeld); dort 1926 – 33 Amts- u. Gemeindevorst.; 1919 – 32 Abg. des Anhaltin. Provinziallandtags; 1920 – 26 Betriebsratsvors. der Agfa-Filmfabrik; in der NS-Zeit illeg. Arbeit; 1933 acht Mon. Haft im KZ Oranienburg; 1934 Landarb., später Wirtschaftsführer eines landw. Betriebs; 1944 Landw. in Bobbau; mehrfach inhaftiert, Juli 1944 – 1945 KZ Buchenwald. 1945 SPD; 1945 Mitbegr. der VdgB in der Provinz Sachsen; 1946 SED; 1946/47 1. Landesvors. der VdgB Sachsen-Anh.; 1947 – 50 1. Vors. der VdgB; 1946 – 50 Abg. u. Vizepräs. des Landtags Sachsen-Anh.; 2.10.1948 Mitgl. des Volkskongresses; 1948 – 50 Mitgl. des Dt. Volksrats, nachf. der Prov. Volkskammer u. dort Mitgl. des Präsidiums; März 1950 als VdgB-Vors. abgelöst wegen »verständnisloser Einstellung zu den Fragen der Demokratisierung des Dorfes«; 12.7.1950 Ausschl. aus dem VdgB-Hauptaussch.; 15.7.1950 Ausschl. aus der SED; 1952 verhaftet, nach einem Jahr U-Haft entlassen, später nicht mehr pol. tätig; gest. in Dessau.Bauernkämpfer für Deutschland. Berlin 1949.Siegfried Kuntsche / Helmut Müller-Enbergs