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BioLex

In der Kategorie BioLex finden Sie drei biografische Lexika mit über 5500 Personeneinträgen.

 

Das Handbuch "Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945" wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam. Kurzbiografien zu Personen des poltischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 vor. Zudem ist das Onlinlexikon www.dissidenten.eu komplett in dieser  Rubrik recherchierbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Inforamtionen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Kirnich, Walter

* 12.7.1928 – ✝ 8.8.2012

Geb. in Morgenthau (Rousínov, Böhmen, ČSR); Vater Glasschleifer; 1934 – 38 Volks¬schule, 1938 – 43 Bürgerschule, 1943 / 44 Be¬rufsschule; 1943 – 45 Lehre als Installateur u. Heizungsmonteur; 1945 RAD u. Wehrmacht; 1945 / 46 engl. Kriegsgef. 1946 – 49 Lehre u. Arbeit als Installateur u. Heizungsmonteur; 1947 SED; 1949 – 51 Ltr. der Abt. Schulung, Kultur u. Presse im Landes¬vorst. der IG Energie Sachsen-Anh.; 1951 / 52 stellv. Ltr. der Abt. Schulung, Kultur u. Presse im ZV der IG Energie; 1952 – 55 Instrukteur der SED-KL Wernigerode; 1954 / 55 Besuch der BPS Magdeburg; 1955 – 59 2. Sekr. der SED-KL Schönebeck; 1959 – 62 Studium an der PHS der KPdSU in Moskau, Dipl.-Gesell¬schaftswiss.; 1962 – 64 1. Sekr. der SED-KL Gardelegen; 1964 – 71 1. Sekr. der SED-KL Halberstadt; 1971 – 89 2. Sekr. der SED-BL Magdeburg; 1981 – 89 Mitgl. der ZRK der SED, gest. in Wernigerode.Mario Niemann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Kirsch (Fredrich), Helene

* 18.7.1906 – ✝ 15.8.1999

(* 1906 – † 1999) Geboren am 18. Juli 1906 als Helene Kirsch in Berlin-Johannisthal, Tochter einer Arbeiterfamilie; Montiererin und Justiererin in Zigaretten- und Metallwarenfabriken. Mit vierzehn Jahren trat sie 1920 in den KJVD, 1925 in die KPD ein. Als Frauenleiterin des Berliner UB Ost bzw. des UB Lichtenberg gehörte sie der Frauenabteilung der BL Berlin-Brandenburg an. 1930/31 arbeitete sie als Küchenhilfe und Serviererin in der sowjetischen Handelsvertretung und im Karl-Liebknecht-Haus, dem Sitz des ZK der KPD. Danach Instrukteurin der Provinzabteilung der BL Berlin-Brandenburg, im November 1932 wurde Helene Kirsch im Wahlkreis Berlin als Abgeordnete in den Reichstag gewählt, dem sie bis März 1933 angehörte. Nach dem Reichstagsbrand illegal, wurde sie am 24. Juli 1933 verhaftet und im April 1934 vom Kammergericht Berlin zu zwei Jahren und neun Monaten Zuchthaus verurteilt. Wegen eines von ihr im Zuchthaus Jauer mitinitiierten Streiks wurde sie im September 1935 wegen »Meuterei« angeklagt, aber freigesprochen. Nach der Entlassung bis Kriegsende Hilfsarbeiterin in einer Metallwarenfabrik in Berlin-Wedding. 1939 für kurze Zeit erneut in »Schutzhaft«. Ihr Mann Bruno Fredrich (*11.6. 1903), von Beruf Buchdrucker und vor 1933 Mitglied der KPD, zur Wehrmacht eingezogen, galt seit 1943 als vermißt. Im Juni 1945 war Helene Fredrich zunächst Kreisfrauenleiterin der KPD in Berlin-Wedding, dann Frauenleiterin der KPD-Provinzialleitung Brandenburg in Potsdam. 1947 wieder nach Berlin, Referentin im ZS. Später arbeitete sie in der Westabteilung des ZK der SED, saß von 1946 bis 1950 im Brandenburgischen Landtag. Sie wohnte in Berlin-Johannisthal und erhielt 1971 den VVO in Gold. Helene Kirsch-Fredrich starb am 15.August 1999.

Wer war wer in DDR

Kirsten, Ulf

* 4.12.1965

Geb. u. aufgew. in Riesa; gelernter Maschinenanlagenmonteur; 1972 – 78 Fußballspieler bei der BSG Chemie Riesa, 1978/79 BSG Stahl Riesa; 1979 – 90 bei Dynamo Dresden, ab 1983 in der Erstligamannschaft, 1984, 1985 u. 1990 FDGB-Pokalsieger, 1989 u. 1990 DDR-Mstr., 1989 Halbfinalist im UEFA-Pokal, 57 Tore in 154 Oberligaspielen u. acht Treffer in 21 Europapokalspielen; 1985 – 90 49 Einsätze in der DDR-Nationalmannschaft, 14 Länderspieltore; 1990 DDR-Fußballer des Jahres; 1984 – 88 beim MfS als IM »Knut Krüger« erf. 1990 – 2003 Stürmer bei Bayer 04 Leverkusen, 1993 DFB-Pokalsieger, 1997, 1999, 2000 u. 2002 Dt. Vizemstr., 2002 2. Platz in der Europ. Champions League, 182 Tore in 349 Bundesligaeinsätzen (Rang 5 der ewigen Torschützenliste der Bundesliga); 1993, 1997 u. 1998 Torschützenkönig der Bundesliga; 1992 – 2000 Mitgl. der dt. Nationalmannschaft, 1996 EM, 20 Länderspieltore in 51 Einsätzen; 16.11.2003 Abschiedsspiel in Dresden; 2003 Trainerabschluß; 2004 Co-Trainer der Erstligamannschaft, seit 2005 Trainer der 2. Mannschaft von Bayer 04 Leverkusen (Regionalliga); Gründer der U.-K.-Stiftung, die vornehml. sportl. Nachwuchsarbeit in Dresden fördert; 2005 Schirmherr der Initiative »Volltreffer – Hilfe für Bam«, einer Aktion der Dresdener Hilfsorg. arche noVa e. V. zur Unterstützung des Wiederaufbaus der 2003 von einem Erdbeben zerstörten iran. Kulturstadt Bam; Sohn Benjamin K. Berufsfußballer, Torwart bei Dynamo Dresden.Weskamp, H.-J., Dost, U.: Der Torgarant: Eine dt.-dt. Fußballkarriere. Leverkusen 1998.Jan Wielgohs

Wer war wer in DDR

Kitzing, Walter

* 30.11.1928

Geb. in Vockerode (Krs. Wittenberg); Vater Schlosser; 1935 – 43 Volksschule; 1943 – 45 Lehre als Vulkaniseur; 1945 Wehrmacht; 1945 / 46 amerikan. Kriegsgef. 1946 / 47 Arbeit als Vulkaniseur; 1947 SED; 1947 – 49 Wachtmeister der DVP; 1949 – 53 Planungsltr. im VEB Rohtabak Dessau; 1953 – 60 Ltr. der Abt. für Arbeit im VEB Stahlbau Dessau; 1960 – 62 Vors. der Plankommission beim Rat der Stadt Dessau; 1962 – 65 Sekr. der SED-GO im VEB Waggonbau Dessau; 1965 – 67 Sekr. für Wirtschaft, 1967 / 68 amt. 1. Sekr. der SED-KL Dessau; 1968 – 71 Studium an der PHS der KPdSU in Moskau, Dipl.-Gesellschaftswiss.; 1971 – 77 1. Sekr. der SED-KL Zeitz; 1973 VVO; 1977 – 81 1. Sekr. der SED-KL VEB Chem. Werke Buna; 1981 – 89 2. Sekr. der SED-BL Halle.Mario Niemann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Klann, Erich

* 16.1.1896 – ✝ 6.12.1948

Geboren am 16. Januar 1896 in Zerrehne bei Rostock, Sohn einer Arbeiterfamilie; Schlosserlehre und bis 1919 im Beruf tätig, zeitweise auch Betriebsratsvorsitzender. Seit der Gründung in der KPD, leitete Anfang der zwanziger Jahre die kommunalpolitische Abteilung der BL Mecklenburg-Lübeck. Klann war Mitbegründer der IAH Lübeck und von Ende 1928 bis 1932 Orgleiter der BL Wasserkante. Von November 1921 bis 1933 gehörte er der Lübecker Bürgerschaft an und war Vorsitzender der zuletzt (1932) neun Abgeordnete umfassenden Fraktion. 1933 Sekretär der illegalen KPD in Groß-Hamburg. Am 29. April 1933 verhaftet und am 23. Oktober 1934 durch das Hanseatische OLG zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt, kam bis 23. Dezember 1938 in »Schutzhaft« in das KZ Sachsenhausen. Nach seiner Freilassung arbeitete er als Schlosser, wurde am 23. August 1939 erneut festgenommen und war bis April 1945 wieder im KZ Sachsenhausen. Nach der Befreiung kehrte Klann nach Lübeck zurück, trat der KPD bei, wurde Präsident des Lübecker Arbeitsamtes und war zuletzt Regierungsrat und Stadtpräsident von Lübeck. Erich Klann starb an den Folgen der jahrelangen Haft am 6. Dezember 1948. Er war in erster Ehe mit Minna Klann (* 2. 3. 1900), geborene Koll, verheiratet, sie war nach 1933 in der Leitung der illegalen KPD in Lübeck, wurde im Oktober 1935 verhaftet und am 15. Dezember 1936 zusammen mit Ernst Puchmüller vom VGH zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt. Minna Klann starb während der Haft am 18.April 1940 im Zuchthaus Lübeck-Lauerhof. Nach 1945 hat Erich Klann Maria Krollmann geheiratet.

Wer war wer in DDR

Klaue, Wolfgang

* 6.8.1935

Geb. in Oelsnitz (Erzgeb.); Vater Volksschullehrer, Mutter Hausfrau; 1941 – 52 Grund- u. Oberschule; SED; 1952 – 57 Stud. der Philos. an der HU Berlin; ab 1957 am Staatl. Filmarchiv der DDR (SFA) zunächst als wiss. Mitarb., dann als Ltr. der wiss. Abt.; ab 1969 Dir. des SFA (in der Folge erlangt das SFA großes internat. Ansehen, neu errichtete techn. Anlagen in Berlin-Wilhelmshagen gewährleisten die dauerhafte Erhaltung film. Archivgutes); seit 1968 Mitgl. der Ltg. der Fédération International des Archives du Film (FIAF), 1969 – 74 Vors. der Katalogisierungskomm. der FIAF, 1979 – 89 Präsident; VVO; 1987 Silbermed. der Unesco für Verdienste um die Erhaltung des Weltfilmerbes. 1990 Ablösung als Dir. des SFA (Übernahme des SFA durch das Bundesarchiv); 1991 Versetzung ins Bundesarchiv Koblenz; ab 1992 freischaff. Rechercheur für Fernsehprojekte u. Ausstellungen, Erschließung von hist. Dokumentarfilmmaterial im Bundesarchiv / Filmarchiv; ab 1993 Vorbereitung der DEFA-Stiftung, 1999 – 2003 Gründungsvorstand der DEFA-Stiftung; ab 2003 Rentner; 2005 Reinhold-Schünzel-Preis; lebt in Erkner (b. Berlin).Dokumentarfilm in Polen (mit M. Lichtenstein, E. Jahnke). Berlin 1968; Taschenbuch der Künste. Film A – Z. (Hrsg. mit C. Mückenberger). Berlin 1984; Dokumentarfilm in Indien. Berlin 1988.Günter Agde

Handbuch Deutsche Kommunisten

Klausmann, Robert

* 1.5.1896 – ✝ 27.12.1972

Geboren am 1. Mai 1896 in Essen, ursprünglich Christian, später in Robert abgeändert. Nach der Schulentlassung 1910 Lederarbeiter in Weinheim/Bergstraße. Von 1915 bis 1918 Frontsoldat, dann wieder Arbeiter in Weinheim. Im Mai 1920 Eintritt in die KPD, ab 1922 Mitglied des Bürgerausschusses in Weinheim, 1926 des Kreistages Mannheim. 1929 zog er als Abgeordneter in den Badischen Landtag ein und wurde im gleichen Jahr auf dem XII. Weddinger Parteitag als Mitglied ins ZK gewählt. Klausmann nahm 1930 an einer Gewerkschaftsschulung der KPD in Berlin teil, war anschließend Sekretär für Gewerkschaftsfragen in der KPD-BL Baden, im April 1932 Polleiter des Bezirks Baden-Pfalz, dort bereits im Dezember 1932 wieder abgelöst. 1933 verhaftet, konnte Klausmann im Oktober 1933 aus dem KZ Kislau flüchten und emigrierte nach Frankreich. Bis 1939 leistete er Grenzarbeit für die KPD, setzte sich dann nach Südfrankreich ab. 1945 über Paris nach Deutschland zurückgekehrt, trat er wieder der KPD bei. Er wurde 1946 Landesdirektor für Arbeit und soziale Fürsorge in Karlsruhe. 1946 für die KPD in den Landtag von Württemberg-Baden gewählt, dem er bis 1950 angehörte. 1948 wurde Klausmann aus seiner Position in Karlsruhe entlassen. Kurze Zeit Direktor für Sozialversicherung in Stuttgart, dann längere Zeit Parteisekretär der KPD in Stuttgart und Karlsruhe. Er zog sich später von der Politik zurück, Robert Klausmann starb am 27. Dezember 1972 in Karlsruhe.

Wer war wer in DDR

Kleiber, Günther

* 16.9.1931 – ✝ 29.3.2013

Geb. in Eula (Krs. Borna); Vater Elektriker, Mutter Köchin; 1938 – 46 Volksschule in Borna; 1942 – 45 Dt. Jungvolk der HJ, Jungzugführer. 1946 – 49 Ausbildung zum Elektriker im VEB Braunkohlenkraftwerk in Großzössen-Witznitz, bis 1950 im Beruf tätig; 1946 FDGB; 1947 FDJ; 1949 Landesjugendaktivistenschule; 1950 SED; 1950 Bez.-Gewerkschaftsschule in Zwickau; 1950 – 52 ABF Dresden; 1952 – 58 Studium an der Fak. für Luftfahrtwesen an der Univ. Rostock, 1952/53 Mitgl. der Ltg. der Rostocker Univ.; ab 1953 an der TU Dresden, Dipl.-Ing.; 1958 – 62 wiss. Assistent am Inst. für Luftfahrtgeräte der Fak. für Luftfahrtwesen; ab Sept. 1961 Inst. für Fernmeß- u. Fernwirktechnik an der Fak. für Elektrotechnik der TU Dresden; 1962/63 dort hauptamtl. Sekr. der Fak.-PO der SED; 1963 – 66 Mitarb., ab 1965 Ltr. der Abt. Elektronik der SED-BL Dresden; 1966 – 71 stellv. Min. für Elektrotechnik u. Elektronik; 1966 – 71 Staatssekr. für die Koordinierung des Einsatzes u. der Nutzung der EDV beim Vors. des Min.-Rats der DDR; 1967 – 89 Abg. der Volkskammer; April 1967 Mitgl. des ZK der SED u. Kand. des PB; 1971 – 89 Mitgl. des Min.-Rats u. dessen Präs.; 1971 stellv. Vors., 1988/89 1. Stellv. Vors. des Min.-Rats (Nachf. von  Werner Krolikowski); 1973 – 86 Min. für Allg. Maschinen-, Landmaschinen- u. Fahrzeugbau; 1984 – 10.11.89 Mitgl. des PB des ZK der SED; Febr. 1986 – 88 Ständ. Vertreter der DDR beim RGW (Nachf. von  Gerhard Weiss), Ltr. der DDR-Delegation im Aussch. für wirtschaftl.-techn. Zusammenarbeit mit dem Irak u. Syrien; 7.11.1989 Niederlegung des Regierungsamts im Zuge des Rücktritts der Reg.  Willi Stoph, 8.11.1989 Rücktritt als Mitgl. des PB des ZK der SED, 3.12.1989 Ausschl. aus der SED; 8.12.1989 Einleitung eines Ermittlungsverfahrens wegen Amtsmißbrauchs u. Korruption, U-Haft, Mai 1990 Einstellung des Verfahrens u. Entlassung aus der Haft; danach arbeitslos. Jan. 1995 Anklage u. ab Aug. 1995 Prozeß vor dem Berliner LG wegen »Totschlags u. Mitverantwortung für das Grenzregime der DDR«, 25.8.1997 Verurteilung zu drei Jahren Gefängnis, Antrag auf Revision; Nov. 1999 bestätigt der BGH das Urteil; 18.1. – 30.9.2000 Haft in der JVA Hakenfelde in Berlin; gest. in Berlin.Elektrische Ausrüstung im Flugzeug. Dresden 1959 (zus. mit H. Guenther).Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Klein, Fritz

* 11.7.1924 – ✝ 26.5.2011

Geb. in Berlin; Vater Journalist; wuchs nach dem frühen Tod seiner Eltern in den 30er Jahren bei  Heinrich Deiters auf; 1942 Abitur; anschl. Uffz. in der Wehrmacht. 1945 KPD; 1945/46 tätig in der Dt. ZV für Volksbildung; 1946 – 52 Studium der Geschichte an der Univ. Berlin; 1947 Vors. der Kommission Studenten des KB; 1952 Prom. über die dt.-sowj. Beziehungen während der Weimarer Rep.; 1952 – 53 stellv. Abt.-Ltr. am Museum für Dt. Geschichte; 1953 – 56 Mitbegr. u. Red.-Sekr. der »Ztschr. für Geschichtswiss.« (ZfG), 1956/57 Chefred. der ZfG; 1957 Absetzung wegen des Vorwurfs »objektivist. u. revisionist. Tendenzen« in der Ztschr.; 1957 wiss. Mitarb. am Inst. für Geschichte der DAW, 1958 Ltr. der Arbeitsgr. »1. Weltkrieg«; 1968 Habil. an der KMU Leipzig mit einer Arbeit über den dt. Imp. u. die Entstehung des 1. Weltkriegs; 1970 Ernennung zum Prof.; 1973 – 86 Ltr. des Bereichs »Allg. Geschichte« am ZI für Geschichte der AdW; 1982 Mitgl. des Büros der Association Internat. d’Histoire Contemporaine de l’Europe; 1979 – 89 als IM »Wilhelm« vom MfS erf.; 1986 – 89 Ltr. des Bereichs Kap. Hauptländer am Inst. für Allg. Geschichte der AdW; 1989 em.; Mitgl. des Präsidialrats des KB, des Friedensrats der DDR u. des DDR-Komitees für wiss. Fragen der Sicherung des Friedens u. der Abrüstung; Ltg.-Mitgl. des Rats für Geschichtswiss.; Ltr. des Rats für Allg. Geschichte. 1990/91 Wahl zum Dir. des Inst. für Allg. Geschichte der AdW; 1991 Mitgl. der Struktur- u. Berufungskommission Geschichte der HU Berlin; 1992 vorz. ausgeschieden; 1999 Dr. h. c. der Univ. Lüneburg; gest. in Berlin. F. K.s wiss. Interesse galt v. a. der dt. Geschichte 1900 – 18 u. der Problematik von Krieg u. Frieden im 20. Jh.; seit 1990 Engagement im Umstrukturierungsprozeß der hist. Forschung u. Lehre sowie in der Debatte um die DDR-Geschichtswiss.Die diplomat. Beziehungen Dtl. zur Sowjetunion 1917 – 33. Berlin 1952; Dtl. von 1897/98 bis 1917. Berlin 1961; Dtl. im Ersten Weltkrieg. (Ltr.) 3. Bde. Berlin 1968/69; Drinnen und Draußen. Ein Historiker in der DDR. Erinnerungen. Frankfurt (Main) 2000; Vierzig Jahre Weltkriegsforschung. Springe 2000.Ilko-Sascha Kowalczuk

Wer war wer in DDR

Klein, Helmut

* 2.3.1930 – ✝ 26.6.2004

Geb. in Berlin-Lichterfelde, Vater Arbeiter; Volks- u. Oberschule, 1945/46 Lehre als Rundfunkmechaniker; 1946/47 Vorstudienanstalt Berlin, Abitur, 1947 – 50 Studium der Mathematik, Physik u. Pädagogik an der HU Berlin; 1952 Prom. zum Dr. paed., 1959 Habil.; anschl. Assistent bzw. Oberassistent an der HU Berlin; zeitw. Lehrer; 1961 Prof. für Systemat. Pädagogik an der HU Berlin; ab 1963 Mitgl. des ZV u. 1972 – 77 Mitgl. des Präs. der Gewerkschaft Unterricht u. Erziehung; 1969 – 76 Dir. der Sektion Pädagogik der HU Berlin; 1969 SED; 1970 Mitgl. der APW; 1976 – 88 Rektor der HU Berlin (Nachf. von  Karl-Heinz Wirzberger); 1976 – 88 Mitgl. der SED-KL der HU Berlin; 1976 – März 1990 Abg. der Volkskammer; 1979 korr. Mitgl. der AdW; 1989/90 Präs. des Verbandes der Freidenker der DDR. 1992 Vorruhestand; gest. in Berlin. Arbeitsfelder: Didaktik, DDR-Bildungspol., Ende der 1980er Jahre auch Konflikt- u. Friedensforschung.Didakt. Prinzipien u. Regeln. Berlin 1959; Polytechn. Erziehung in der DDR. Reinbeck 1961; Intensives Lernen. Berlin 1968.Andreas Herbst / Dieter Hoffmann

Wer war wer in DDR

Klein, Thomas

* 14.4.1948

Geb. in Berlin; Vater Mitarb. im Kulturmin., Mutter Sachbearb.; 1966 Abitur; 1966 – 73 Mathematikstudium/Forschungsstudium an der HU Berlin; nach Rücknahme eines Einstellungsversprechens der Univ. wegen seiner »pol. negativen« Einflüsse auf die Studenten 1973 – 79 wiss. Assistent am ZI für Wirtschaftswiss. der AdW; 1975 Prom. auf dem Gebiet der Kybernetik; seit 1973 in versch. opp. Zirkeln; ab 1976 Initiativen gegen Berufsverbote in beiden dt. Staaten nach der Ausbürgerung  Wolf Biermanns; 1979 Initiator von Protestbriefen gegen den Ausschl. krit. Autoren aus dem SV (mit  Jutta Braband u. Stefan Fechner); Sept. 1979 – Dez. 1980 Haftstrafe in der zentralen U-Haftanstalt des MfS in Berlin-Hohenschönhausen u. Bautzen II wegen »ungesetzl. Verbindungsaufn.« (§ 219 StGB); anschl. Berufsverbot in der Wiss. u. Zuweisung einer Stelle als Preisbearb. im Möbelkombinat Berlin; seit 1981 Mitarb. im Friedenskrs. der ESG, ab 1983 Friedrichsfelder Friedenskrs.; Veranstaltungen im kirchl. Raum u. a. zu Militärgeschichte der Warschauer Vertragsstaaten, amerik. Weltraumrüstung (SDI), Atomkraftwerken, Herrschaftstechn. im Realsoz., KPD-, DDR-Geschichte, osteurop. Wirtschaftsgeschichte; illeg. Fragebogenuntersuchung zum Charakter der Arbeit im Realsoz.; 1986 Mitinitiator des ersten Menschenrechtsseminars (Berlin-Friedrichsfelde); Mitarb. in der Gruppe »Gegenstimmen« u. an den Samizdat-Ztschr. »Umweltblätter«, »Friedrichsfelder Feuermelder«, »Kontext«; Sept. 1989 Mitautor des Gründungsaufrufs der Vereinigten Linken (VL) »Böhlener Plattform«; Dez. 1989 – März 1990 VL-Vertreter am Zentr. Runden Tisch; April – Okt. 1990 Volkskammerabg. der VL. Okt. – Dez. 1990 Abg. des Dt. Bundestags für die VL, Abgeordnetengr. PDS; danach arbeitslos; seit 1995 wiss. Mitarb. am Zentrum für Zeithist. Forschung Potsdam; zahlr. Zeitschriftenaufsätze insbes. zur Geschichte der DDR, zur Opp. im Staatssoz. sowie zur Situation der Linken nach der dt. Vereinigung; lebt in Berlin.Keine Opp. Nirgends? Berlin 1991; Visionen. Repression u. Opp. in der SED. Frankfurt (Oder) 1996 (Mithrsg.); »Für die Einheit u. Reinheit der Partei« – Die innerparteil. Kontrollorgane der SED in der Ära Ulbricht. Köln 2002; »Frieden u. Gerechtigkeit«. Köln, Weimar 2007; SEW – Die Westberliner Einheitssozialisten. Berlin 2009.Silvia Müller

Wer war wer in DDR

Kleine, Alfred

* 13.11.1930

Geb. in Leipzig; Vater Kraftfahrer; 1947 Mittlere Reife; 1947 – 50 Lehre u. Arbeit als Verw.-Angest.; 1950 SED; Wirtschaftsltr. des Krankenhauses Leipzig-Dösen; 1952 Verw.-Ltr. eines Betriebs; 1953 Einstellung beim MfS, HA III (Sicherung der Volkswirtschaft); 1955 stellv. Abt.-Ltr., dann Abt.-Ltr., 1956 stellv. Ltr. der HA III (ab 1964 HA XVIII); 1956 – 62 Fernstudium an der HfÖ Berlin, Dipl.-Wirtsch.; 1967/68 Freistell., Prom. zum Dr. jur. an der JHS Potsdam-Eiche; 1974 Ltr. der HA XVIII; 1985 VVO; 1989 Gen.-Ltn.; Dez. 1989 von der Funktion entbunden u. 1990 entlassen. Seit 1992 Mitbetr. einer Dienstleistungsfirma.Grimmer, R. u. a. (Hrsg.): Die Sicherheit. Berlin 2002 (Mitautor).Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Kirsanow, Alexander Wladimirowitsch (auch: Wassilewitsch

* 1903 – ✝ 05.03.1985

Chefredakteur der »Berliner Zeitung« und der »Täglichen Rundschau« Vater Bauer; Studium der Volkswirtschaft; 1920 Mitgl. der KPdSU; Doz. für Pol. Ökon. an der Internat. Lenin-Schule der KI in Moskau; ab 1942 Mitarb. der 7. Abt. der GlavPURKKA, pol. Arbeit unter dt. Kriegsgefangenen; Oberst. 18.5.1945 Einzug mit der Roten Armee in Berlin; 21.5.1945 Gründung der »Berliner Ztg.«, bis Juli 1945 ihr Chefred.; 1945 – 50 Chefred. des dt.-spr. SMAD-Organs »Tägl. Rundschau«; 1945 – 50 u. 1946 – 50 Chefred. von »Neue Welt«; A. K. hatte erhebl. Anteil an der Gestaltung der sowj. Besatzungspol. in der SBZ; ab 1950 Hist. an der HS für Weltwirtsch. u. Internat. Beziehungen in Moskau; zul. an der AdW der UdSSR; Vizepräs. der Sowj. Ges. für Freundschaft mit der DDR.Leinkauf, T.: Der Bär bleibt! In: Berliner Ztg. v. 20.5.2005.Jan Foitzik / Ingrid Kirschey-Feix

Handbuch Deutsche Kommunisten

Kirschey, Walter

* 5.5.1908 – ✝ 7.5.1978

Geboren am 5. Mai 1908 in Elberfeld-Barmen, Sohn eines Maurers, der bald starb und seiner Witwe sechs Kinder hinterließ. Maurerlehre, 1921 Mitglied der KJD, 1925 der KPD. Mit seinem älteren Bruder Wilhelm machte Walter Kirschey schnell »Karriere« im Apparat des KJVD. Er gehörte der BL Niederrhein und ab 1929 dem ZK des KJVD an. Im selben Jahr für ein Jahr nach Moskau delegiert, wo er das Jugendsekretariat der RGI leitete und als stellvertretender Chef der Gewerkschaftsabteilung im Exekutivkomitee der KJI tätig war. 1930 kehrte er zurück und wurde in Berlin Mitglied des Sekretariats des ZK des KJVD. Im Sommer 1932 geriet Kirschey in die Auseinandersetzungen zwischen Heinz Neumann, Hermann Remmele und Ernst Thälmann und wurde als Anhänger Kurt Müllers »kaltgestellt« und als Sekretär der KJVD-BL nach Halle-Merseburg geschickt, dann UB-Sekretär der KPD in Wittenberg und Mitglied des Sekretariats der BL Halle-Merseburg. Er ging 1933 zunächst ins Saargebiet, dort Leiter des Emigrantenausschusses. Zur illegalen Arbeit nach Deutschland zurück, leitete Kirschey 1934 die Rote Hilfe im Bezirk Niederrhein. Am 25. April 1934 in Köln verhaftet und am 1. Juli 1935 durch das OLG Hamm zu sechs Jahren und drei Monaten Zuchthaus verurteilt. Nach der Entlassung im August 1940 arbeitete er bis 1944 als Maurer in Wuppertal. 1944 zur Wehrmacht eingezogen, kam er in das Strafbataillon 999. Kirschey desertierte Mitte Februar 1945 zu den jugoslawischen Partisanen. In der Kriegsgefangenschaft gehörte er dem Antifa-Ausschuß an und arbeitete als Maurer in Sarajewo. Im Mai 1946 nach Deutschland zurück, in einem Lager für heimkehrende deutsche Kriegsgefangene eingesetzt. Ab Herbst 1946 Orgsekretär der SED Halle/Saale, von 1948 bis 1952 Hauptabteilungsleiter in der Landesregierung Sachsen-Anhalt, dann bis 1957 im Ministerium für Verkehrswesen. Wegen offener Sympathie für das jugoslawische Modell und seinen persönlichen Kontakten zu Tito gemaßregelt. 1958 als Generalkonsul nach Wroc?aw/Polen abgeschoben, später war er Mitarbeiter in der SPK. 1964 im Ruhestand, zog er sich aus der Politik zurück. Walter Kirschey starb am 7. Mai 1978, kurz nach der Flucht seiner Tochter Katia nach West-Berlin. Sein Bruder Wilhelm (* 27. 3. 1906 in Elberfeld-Barmen) war Buchhalter und Revisor, gehörte seit 1920 der FSJ, seit 1923 der KPD an. Von 1924 bis 1927 Orgleiter der KJVD-Gruppe Elberfeld, anschließend Buchhalter in der Parteidruckerei und Literaturobmann der KJVD-BL Niederrhein in Düsseldorf, im Frühjahr 1931 stieg er zum Hauptbuchhalter der Peuwag auf. 1933 emigrierte er in die Schweiz und wurde Mitarbeiter der Komintern für die Verwaltung der Druckereien und Verlage der Kommunistischen Parteien in Westeuropa. Im Januar 1934 übernahm er die Geschäftsleitung der »Arbeiterzeitung« in Saarbrücken, 1935 flüchtete er nach Frankreich und wurde Mitarbeiter der Auslandsvertretung des ZK der KPD in Paris und arbeitete u. a. mit Willi Langrock und Grete Keilson zusammen. Ende 1939 Internierung, danach bis 1944 unter Polizeiaufsicht, wurde dann festgenommen, an die Gestapo übergeben und in das KZ Buchenwald verschleppt. Im Juni 1945 Rückkehr nach Wuppertal, übernahm im Februar 1946 die Geschäftsleitung des kommunistischen Freien Verlages in Düsseldorf. Ende 1946 Übersiedlung in die SBZ, Mitglied der SED. Zunächst kaufmännischer Leiter des Sachsenverlages in Plauen, später Leiter der Revisionsabteilung im SED-PV. 1950 bis 1959 Abteilungsleiter in der Zentrag. 1959 bis 1963 Generalkonsul der DDR-Handelsvertretung in Guinea, anschließend Leiter der Kaderabteilung im MfAA. 1976 erhielt er den Stern der Völkerfreundschaft in Gold. Wilhelm Kirschey starb am 13. Mai 2006 in Berlin.

dissidenten.eu

Kis, János

* 1943

Philosoph, einer der Gründer der Untergrundzeitschrift *„Beszélő“, gemeinsames Pseudonym mit György Bence: Marc Rakovski, 1990/91 Vorsitzender des *Bundes Freier Demokraten.János Kis wurde 1943 in Budapest geboren. Er besuchte bis Oktober 1956 die Gorki-Schule, eine Bildungseinrichtung für Kinder von Parteifunktionären, auf der der Unterricht in russischer Sprache stattfand. 1962 begann er, an der Loránd-Eötvös-Universität Budapest ungarische Philologie und Philosophie zu studieren. Während des Studiums fand er Kontakt zu György Bence und anderen Schülern von György Márkus (der selbst aus der Schule des Philosophen Georg Lukács kam), und schloss sich ihnen an. Nach dem Abschluss des Studiums wurde Kis Mitarbeiter des Instituts für Philosophie der Ungarischen Akademie der Wissenschaften. Unter dem Eindruck der Ereignisse des *Prager Frühlings begann er gemeinsam mit György Bence und György Márkus die Arbeit an dem theoretisch-philosophischen Werk „Wie ist eine kritische Wirtschaftslehre möglich?“ (Hogyan lehetséges kritikai gazdaságtan?; Manuskript 1970–72) und legte darin die sozialen und ökonomischen Widersprüche der Marxʼschen Theorie offen. Es folgte ein weiteres Buch, das er zusammen mit György Bence verfasste: „Die Gesellschaft sowjetischen Typus mit marxistischen Augen betrachtet“ (A szovjet típusú társadalom marxista szemmel). Die Autoren verglichen darin die grundlegenden Prämissen des Marxismus mit der sozialen und politischen Praxis des „real existierenden Sozialismus“. Das Manuskript entstand zwischen 1973 und 1975, das Buch erschien auf Ungarisch in Paris, ein Reprint wurde 1985 vom Verlag Áramlat Független Kiadó in Ungarn herausgebracht. 1971 vollzogen Kis und György Bence eine Abkehr von den anderen in ihrem Umfeld, die sich in der Tradition des Lukács-Denkens befanden. 1971 schließlich wurden beide von der Staatsmacht als antimarxistische Vertreter der Lukács-Schule eingestuft, verloren ihre Anstellungen und erhielten Publikationsverbot. Unmittelbarer Anlass für diese Repressionen war die Teilnahme beider an einer Protestveranstaltung auf der kroatischen Insel Korčula. Dort demonstrierten im August 1968 Vertreter der Lukács-Schule (unter anderen György Márkus, Ágnes Heller) gemeinsam mit weiteren Teilnehmern eines philosophischen Sommerseminars gegen den *Einmarsch von Truppen des Warschauer Paktes in die Tschechoslowakei, den sie als Gefahr für den Sozialismus und den Aufbau der Demokratie ansahen. Aktiv begann sich Kis in der Opposition dank seiner Kontakte zu János Kenedi zu betätigen, der ihn unter anderem mit Wirken und Werk von István Bibó bekannt machte. Prägend für seine Haltung war auch die Entstehung des „Komitees zur Verteidigung der Arbeiter“ (Komitet Obrony Robotników, *KOR) in Polen. 1976 ergriffen Kis, János Kenedi und György Bence die Initiative, eine Untergrundzeitschrift herauszugeben, und setzten sich damit von der Haltung der ungarischen Intelligenz ab, die sich mit dem herrschenden Status quo abgefunden hatte. Im Januar 1977 folgte eine Protestaktion gegen die Verhaftung von Anhängern der *Charta 77 in der Tschechoslowakei. In den Jahren 1979/80 waren sie an der Entstehung der *Bibó-Festschrift (Bibó Emlékkönyv) beteiligt. 1980/81 war Kis bereits eine in Oppositionskreisen bekannte Persönlichkeit. Er gehörte zu den Gründern der Untergrundzeitschrift *„Beszélő“ (Sprecher), für die er eine Reihe politischer Analysen verfasste. Kis initiierte auch eine Diskussion zum möglichen Handlungsradius der ungarischen Opposition angesichts der politischen Situation, wie sie sich in den Ländern des Sowjetblocks nach der Einführung des *Kriegsrechts in Polen darstellte. In den Jahren 1980–82 hielt er im Rahmen der *Freien Montagsuniversität eine Vorlesungsreihe zum Thema Sowjetologie, die einen wichtigen Beitrag zur Herausbildung der politischen Kultur in Ungarn leistete. Eine vergleichbare Rolle spielte sein Buch „Haben wir Menschenrechte?“ (Vannak-e emberi jogaink?), das 1986 von dem unabhängigen Verlag *AB (AB Független Kiadó) herausgegeben wurde. Kis war außerdem gemeinsam mit Ferenc Kőszeg und Ottilia Solt Autor der Programmschrift der ungarischen demokratischen Opposition *Gesellschaftsvertrag (Társadalmi Szerződés), die im Juni 1987 in einem Sonderheft der Zeitschrift *„Beszélő“ erschien. Er galt als eine der hervorragendsten Persönlichkeiten der demokratischen Opposition und verfügte über ausgeprägte Führungsqualitäten. 1988 wurde er Sprecher des Netzes Freier Initiativen, 1990/91 war er Vorsitzender des daraus hervorgegangenen *Bundes Freier Demokraten (Szabad Demokraták Szövetsége; SZDSZ). 1991 verzichtete er auf die Funktion des Vorsitzenden, war aber bis 1999 Mitglied des SZDSZ-Landesrates. 2002 trat er aus der Partei aus. Bis heute ist er Professor an der Central European University in Budapest.Sándor Szilágyi Aus dem Polnischen von Gero Lietz Letzte Aktualisierung: 06/15

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Klaar, Norbert

* 12.10.1954

Geb. in Wittenberge (Elbe); 1966 mit dem Schießsport beim SC Dynamo Perleberg begonnen; erst Sportpistole, dann spez. auf die Schnellfeuerpistole; 1972 Wechsel zum SC Dynamo Hoppegarten (Trainer: Reiner Göthel); 1973 – 90 SED; Ausbildung zum Schienenfahrzeugschlosser; Studium der Staatswiss., Angest. im MdI; 1976 Olymp. Spiele: Sieger (Schnellfeuerpistole); 1977 EM (mit der Mannschaft im Luftpistolenschießen); VVO. 1990 Wechsel zum SV Adlershofer Füchse; arbeitet als Schießlehrer.Olaf W. Reimann

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Klapproth, Helmut

* 9.3.1928

Geb. in Dessau; Vater Zimmermann, Mutter Hausfrau; Volks- u. Mittelschule; 1945 – 47 Maurer-Umschüler in Dessau; 1947 SED; 1947 – 49 Student an der ABF in Halle; 1949 – 53 Studium der Wirtschaftswiss. u. wiss. Ass. an der Univ. Halle u. der HfÖ Berlin, Dipl.-Wirtschaftler; 1953 / 54 Stellv. Planungs-Ltr. im VEB Polysius Dessau; 1954 – 56 Sekr. für Wirtschaft der SED-KL Dessau; 1956 – 58 Dir. für Arbeit im VEB Waggonbau Dessau; 1958 – 61 Vors. der Plankommission im Rat der Stadt Dessau u. Stellv. des OB, 1961 – 63 OB von Dessau; 1963 – 66 1. Stellv. des Vors., 1966 – 84 Vors. des Rats des Bez. Halle (Nachf. von  Otto Leopold); 1974 Studium an der PHS der KPdSU in Moskau; 1984 – 11.11.1989 Vors. der BPKK der SED-BL Halle; 1990 Ausschluß aus der SED-PDS.Andreas Herbst

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Klaus, Georg

* 28.12.1912 – ✝ 29.7.1974

Geb. in Nürnberg; Vater Eisenformer; 1919 – 32 Volks- u. Oberrealschule, 1932 Abitur; schon mit 16 Jahren kommunist. Parteiarbeit; KPD; ab 1932 Studium der Mathematik, Philos. u. Physik in Erlangen, nach drei Semestern im Okt. 1933 Verhaftung wegen illeg. Aktivitäten (»Vorber. zum Hochverrat«), gerichtl. verurteilt u. nach Abbüßung einer zweijährigen Strafe im Zuchthaus Nürnberg für weitere drei Jahre ins KZ Dachau überführt; 1939 Haftentlassung bei Studienverbot; 1939 – 42 Arbeit bei der Fa. Faber-Castell bzw. Schwan-Bleistift; 1942 Wehrmacht, an der Ostfront schwer verwundet, Desertion, bis Sept. 1945 Gefangenschaft in Belgien. 1945/46 Ltr. des Verlags Thür. Volk in Sonneberg; Sept. 1945 Vors. der KPD-, dann SED-KL Sonneberg; 1946/47 Besuch der PHS u. prakt. Parteiarbeit; 1947 Sekr. der SED-Landesltg. Thür.; 1947/48 Forts. des Studiums (viertes bis sechstes Semester) an der Sozialpädagog. Fak. der Univ. Jena im Fach Erziehungswiss.; 1948 Abschl. mit Doktordipl. (Dr. paed.) zum Thema »Die erkenntnistheoret. Isomorphierelation«; anschl. Lehrbeauftr. für dial. u. hist. Materialismus an der Ges.-Wiss. Fak. der FSU Jena; scharfe philosoph.-ideolog. Auseinandersetzungen mit Hans Leisegang, der 1949 zur FU Berlin ging; 1948 persönl. Ref. beim thüring. Min.-Präs.; anschl. Lehrbeauftr. an der FSU Jena; 1950 Habil. zum Thema »Dialektik u. Materialismus in Kantschen Frühschriften« an der HU Berlin; seit 1952 Prof. für marxist. Philos., Dekan der Ges.-Wiss. Fak. u. Prorektor für wiss. Aspirantur der Univ. Jena; 1953 – 57 Dir. des Philosoph. Inst. der HU Berlin, Lehrstuhlinhaber für Logik u. Erkenntnistheorie sowie Prorektor für wiss. Nachwuchs; 1959 Ltr. der Arbeitsgr. Philos. an der DAW; 1961 Mitgl. der DAW; 1962 – 69 Dir. des Inst., 1969 – 74 ZI für Philos. der DAW; 1959 u. 1964 NP; 1967 VVO; gest. in Berlin. Veröff. von mehr als zehn größeren philosoph. Buchpubl. mit z. T. mehrfachen Aufl. in der DDR; Mithrsg. des »Philosoph. Wörterbuchs«, Leipzig 1964 ff. (mit  Manfred Buhr) u. des »Wörterbuchs der Kybernetik«, 1967 ff. (mit Heinz Liebscher); hauptsächl. Forschungsgebiete: philosoph. Fragen der Mathematik, Kybernetik u. Semiotik, Geschichte der Philos., Logik, Erkenntnistheorie u. Methodol. der Wiss.Jesuiten – Gott – Materie (Anti-Wetter). Berlin 1957; Kybernetik in philosoph. Sicht. Berlin 1961; Moderne Logik. Berlin 1964; Kybernetik u. Erkenntnistheorie. Berlin 1966; Sprache der Pol. Berlin 1971; Kybernetik u. Gesellschaft. Berlin 1973. Dorn, C.: Das kybernetische Gesellschafts- u. Kommunikationsmodell G. K.s. Münster 1979; Liebscher, H.: G. K. zu philosoph. Problemen von Mathematik u. Kybernetik. Berlin 1982 (mit Bibl.); Scheel, H. (Hrsg.): Philos. – Wiss. Zum Wirken von G. K. Berlin 1984; Fuchs-Kittowski, K. u. a. (Hrsg.): Kybernetik u. Interdisziplinarität in den Wiss. Berlin 2004.Hans-Christoph Rauh / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Klebba, Franz

* 8.5.1891 – ✝ 26.5.1970

Geboren am 8. Mai 1891 in Zoppot bei Danzig, zwölftes Kind einer Arbeiterfamilie. Er heuerte als 14jähriger 1905 als Matrose auf deutschen und ausländischen Handelsschiffen an. Von 1909 bis 1912 Militärdienst bei der kaiserlichen Marine, bis Kriegsausbruch Werftarbeiter in Hamburg und anderen deutschen Hafenstädten. Im Weltkrieg von 1914 bis 1918 Kriegsdienst als Heizer bei der 1. Werftdivision in Kiel, 1918 Mitglied des Kieler Arbeiter- und Soldatenrates, der ihn Anfang 1919 zum Arbeiter- und Soldatenrat nach Danzig delegierte. Nach dessen Auflösung Angestellter im Landratsamt Neustadt, danach übersiedelte er nach Mecklenburg und arbeitete auf verschiedenen Gütern. Anfang 1920 trat er in die KPD ein, organisierte während des Kapp-Putsches die Landarbeiter in Strelitz-Land. 1924 kam er als Nachrücker in den Landtag von Mecklenburg-Strelitz, dem er bis 1928 angehörte. Von 1926 bis 1928 war er hauptamtlicher UB-Sekretär des RFB in Mecklenburg-Strelitz. 1928 wurde Klebba wegen politischer und persönlicher Differenzen mit dem Fraktionsvorsitzenden Erich Schmidt aus der KPD-Fraktion des Landtages ausgeschlossen. Er war dann bis 1933 im Landarbeiterverband tätig. Nach 1933 stand er zeitweise unter Polizeiaufsicht und kam 1944 für sechs Wochen in »Schutzhaft«. Im April 1945 rettete Klebba 60 weibliche, vorwiegend tschechische Häftlinge des KZ Ravensbrück, die während des Evakuierungsmarsches in die Wälder geflohen waren. Er war 1945 bis 1948 Bürgermeister von Groß-Trebbow in Mecklenburg. 1948 eröffnete die SED-Kreisparteikontrollkommission Neustrelitz gegen ihn ein Parteiverfahren wegen »Fragebogenfälschung«, das 1949 mit seinem Ausschluß endete. Resigniert übersiedelte er nach Weimar, wurde nach mehreren Anträgen 1959 rehabilitiert und wieder in die SED aufgenommen. Franz Klebba starb am 26. Mai 1970.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Klein, Arnold (Kolossa

* 30.3.1900 – ✝ 25.1.1942

(* 1900 – † 1942) Geboren am 30. März 1900 in Budapest, Sohn des Arbeiters Wilhelm Klein. Mit einem städtischen Stipendium zur Handelsschule. 1919 Mitglied des Kommunistischen Jugendverbandes Ungarns, nach der Niederschlagung der Räterepublik 1920 Übersiedlung nach Wien, dort 1922 Mitglied der KP Ungarns. Anfang 1924 Umzug nach Berlin, später nach Essen, Mitglied der KPD. 1925 mit Unterstützung der Roten Hilfe polizeiliche Anmeldung unter dem Namen Edwin Kolossa, geboren am 15. Mai 1898 in Michowitz/Oberschlesien. Archivar und Buchhändler, später Wirtschafts- bzw. Auslandsredakteur am »Ruhr-Echo«. Klein-Kolossa war von 1929 bis Januar 1933 Mitglied der KPD-BL Ruhrgebiet, 1932 wurde er Nachfolger von Erich Birkenhauer als Agitpropsekretär. Er leitete von 1930 bis 1932 den AM-Apparat der BL Ruhr. Kolossas Deckname Heinrich wurde in Parteikreisen bald erweitert zu »Peitschenheinrich« oder auch »Leichenheinrich«, weil er, so ein ehemaliger Mitarbeiter in einem Gestapoverhör, »brutal und rücksichtslos war und über Leichen ging«. Im März und April 1933 illegale Arbeit in Deutschland, anschließend Emigration in die Niederlande, wo er Grenz-Kuriere organisierte. Ab Februar 1934 in Frankreich, hielt er sich im Sommer 1934 im Saargebiet auf und kam im September 1934 nach Moskau. Dort bekam er den Parteinamen Hans Bloch und wurde im Februar 1935 Redakteur der »Inprekorr«. Ab September 1936 Redakteur in der Auslandsabteilung der »Deutschen Zentral-Zeitung«. Zuletzt als Arbeiter ins Autowerk »Gorki« in Nischni-Nowgorod versetzt. Am 8. März 1938 wurde Hans Bloch (Klein-Kolossa) vom NKWD verhaftet und zunächst in das berüchtigte Taganka- bzw. Butyrka-Gefängnis gesperrt. Er wurde wie damals üblich beschuldigt, Mitglied und Organisator einer »faschistisch-trotzkistischen Gruppe« zu sein sowie Spionage für Nazideutschland getrieben zu haben. Die sowjetischen Behörden übergaben ihn am 5. Februar 1940 als »unerwünschten Ausländer« der Gestapo, die Klein in das Gefängnis Lublin brachte. Später nach Berlin bzw. nach Essen überführt und dort wegen »Vorbereitung zum Hochverrat« angeklagt. Der an offener Tbc leidende Häftling Klein wurde im Dezember 1940 zu einem Lokaltermin nach Holland geschleppt. Ab Oktober 1941 lag er in der Krankenabteilung des Gerichtsgefängnisses in Düsseldorf, wo Arnold Klein-Kolossa am 25.Januar 1942 starb.

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Klein, Gerhard

* 1.5.1920 – ✝ 21.5.1970

Geb. in Berlin; Vater Dreher; im Jugendalter wegen Beteiligung an illeg. Tätigkeit für die KPD-Org. zweimal verhaftet; Trickfilm u. Werbezeichner der Tolirag; Wehrmacht; Hrsg. einer illeg. Soldatenztg.; engl. Kriegsgefangenschaft. 1945 Tätigkeit im Hauptjugendaussch. der KPD u. beim Jugendamt des Berliner Magistrats; 1946 KPD/SED; ab 1946 Mitab. der DEFA; Drehbuchautor u. Regieassistent; Regiedebüt 1950 mit dem Propagandafilm »Für ein einiges, glückl. Vaterland«; 1952 Wechsel zum Spielfilm; 1954 Jugendkrimi »Alarm im Zirkus«; 1954 NP; weitere gem. Berlin-Filme mit  Wolfgang Kohlhaase: 1956 »Eine Berliner Romanze«, 1957 »Berlin – Ecke Schönhauser«, 1966 »Berlin um die Ecke« (Verbot infolge der Beschlüsse des 11. Plenums des ZK der SED vom Nov. 1965, Erstaufführung 1987); 1963 – 70 Abg. der Volkskammer, KB-Fraktion; 1970 »Leichensache Zernik« (abgebrochen wegen Krankheit u. Tod). Weitere Filme: 1961 »Der Fall Gleiwitz« über den Beginn des 2. Weltkriegs, 1963 »Sonntagsfahrer«; gest. in Berlin.Ralf Schenk / Bernd-Rainer Barth

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Klein, Klaus-Wolfgang

* 23.11.1933 – ✝ 12.6.1993

Geb. in Königsberg (Ostpr./Kaliningrad, Rußland); Vater Buchhändler; Abitur; 1952 – 57 Med.-Studium an den Univ. in Leipzig u. Greifswald (Militärmed. Sekt.); 1957 Pflichtassistent im Armeelazarett Bad Saarow; 1958 Truppenarzt; 1960 Facharztausbildung; dann Oberarzt u. Lehrstuhlltr. in der Univ.-Klinik Greifswald; 1962 SED; 1967 Einstellung beim Med. Dienst des MfS als Facharzt für innere Med.; 1970 – 73 2. Stellv. des Ltr. des Zentr. Med. Dienstes (ZMD); 1974 stellv. Ltr., 1986 Ltr. des ZMD; 1987 Gen.-Major; 1990 Entlassung; gest. in Bad Pyrmont.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Klein-Reckard, Walter

* 28.3.1890 – ✝ 10.11.1984

Geb. in Oberstein an der Nahe; Vater Kaufmann; seit 1902 in Berlin; Gymnasium, 1910 Abitur; 1910 – 14 Studium der Geschichte, Philologie und Philosophie an der Univ. Berlin; 1913 Prom. zum Dr. phil.; ab 1914 Volontär, später Redakteur bei der Ztg. »Die Post« sowie Berliner Korrespondent der »Rheinisch-Westfälischen Zeitung«, der »Norddeutschen Allgemeinen Zeitung« bzw. der »Deutschen Allgemeinen Zeitung«; 1924 – 34 Berliner Redakteur der »Köllnischen Zeitung«; ab 1934 Berliner Korrespondent der »Leipziger Neuesten Nachrichten«. 1945 CDU; Ltr. der außenpolitischen Redaktion des Zentralorgans der CDU »Neue Zeit«, 20.12.1947 – Febr. 1950 Chefred. (Nachf. von  Wilhelm Gries), Febr. 1950 Absetzung; anschl. Redakteur bzw. Ltr. des Archivs der Ztg. »Der Tag« in West-Berlin bzw. Mitarb. im Bundeshaus in West-Berlin; gest. in Wesel.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Kleineidam, Erich

* 3.1.1905 – ✝ 21.4.2005

Geb. in Bielschowitz (Krs. Hindenburg, Oberschles./Bielszowice, Polen); 1915 – 24 humanist. Gymnasium in Brieg (Schles.), 1924 Abitur; Studium der Philos. u. Theol. an den Univ. Breslau, Freiburg i. Br. u. Innsbruck; 1929 Priesterweihe in Breslau; Alumnatssenior in Breslau; 1930 Dr. phil. an der Philosoph. Fak. der Univ. Breslau; 1930 Ltr. des Schülerkonvikts der staatl. Aufbauschule in Liebenthal; 1934 Repetitor u. 1935 stellv. Dir. des Erzbischöfl. Theologenkonvikts Breslau; 1939 Prof. für Philos. am Erzbischöfl. Priesterseminar Weidenau (Schles.); zugl. Vizerektor. 1946 Vertreibung; 1946 Administrator der Pfarrei Oberhausen (Krs. Neuburg/Donau) in der Diözese Augsburg; 1947 Prof. für Philos. am neugegr. Priesterseminar für Flüchtlingstheologen in Königstein (Taunus); 1948 zusätzl. Regens; später zugl. erster Rektor der neugegr. Philosoph.-Theolog. HS Königstein (Taunus); 1952 Berufung durch die Berliner Ordinarienkonferenz als Rektor, Regens u. ord. Prof. für Philos. an das neu zu errichtende Regionalpriesterseminar in Berlin-Biesdorf bzw. Erfurt, dort bis 1954 Rektor, bis 1959 Regens; 1954 Päpstl. Hausprälat; 1970 em. als Prof.; 1978 Apostol. Protonotar; Dr. h. c. der Univ. Münster u. München; zahlr. Aufsätze zu philosoph. u. hist. Themen; bis 1972 Mithrsg. der »Erfurter Theolog. Studien«, bis 1973 der »Erfurter Theolog. Schriften«. 1992 Bundesverdienstkreuz; gest. in Erfurt.Die Kirche u. die Welt. Salzburg, Leipzig 1938; Wissen, Wissenschaft, Theol. bei Bernhard von Clairvaux. Leipzig 1955; Die Kath. Theolog. Fak. der Univ. Breslau 1811 – 1945. Köln 1961; Universitas Studii Erfordensis. Geschichte der Univ. Erfurt im Mittelalter I – IV. Leipzig 1964 – 1981.Clemens Brodkorb

Wer war wer in DDR

Kirsch, Rainer

* 17.7.1934 – ✝ 4.9.2015

Geb. in Döbeln; Vater Lehrer; 1953 – 57 Studium der Geschichte u. Philos. in Halle u. Jena, 1957 Relegation wegen Mitarb. in der lt. MfS »staatsfeindl. Gruppierung« der »Jenaer Philosoph. Studentenges.« im Zusammenhang mit Studien zu  Ernst Bloch, vorübergehender Ausschl. aus der SED, »Bewährung in der Prod.«, so in einer Druckerei, einem Chemiewerk u. in der Landw.; seit 1960 freischaff. Schriftst.; erste Gedichte in Anthologien u. Ztschr.; 1962 Ablehnung einer IM-Werbung durch das MfS, danach operative Bearbeitung u. Überwachung u. a. in der OPK »Atelier-krs.« (ab 1973) u. im OV »Lyrik« (1978 – 82); 1963 – 65 Studium am Lit.-Inst. »Johannes R. Becher« in Leipzig, Verweigerung des Abschlußdiploms; anschl. freischaffender Schriftst. in Halle u. Berlin; kurze Zeit mit  Sarah Kirsch verh.; 1965 erster Gedichtband »Gespräch mit dem Saurier« (mit Sarah K.; Erich-Weinert-Medaille); 1966 Anfeindungen im Rahmen der sog. Forum-Lyrikdebatte, anschl. starke Hinwendung zur Nachdichtung; 1972 Übertragung von Wladimir Majakowskis »Schwitzbad«; 1973 Ausschl. aus der SED nach Auseinandersetzungen um die Gegenwartskomödie »Heinrich Schlaghands Höllenfahrt«; 1975 Mitgl. des PEN-Zentrums DDR; 1978 erscheinen mit »Auszug das Fürchten zu Lernen« (Hamburg) erstmals wieder Gedichte; erst 1980 erscheint mit »Ausflug machen« ein zweiter Gedichtband in der DDR; 1983 Franz-Carl-Weiskopf-Preis; umfgr. Nachdichtungen aus dem Russ. (Anna Achmatowa, Sergej A. Jessenin, Ossip Mandelstam), Engl. (Percy B. Shelley, John Keats), Ital. (Francesco Petrarca) u. Georg.; Essays zur Dichtungstheorie (»Das Wort u. seine Strahlung«. 1976; »Amt des Dichters«. 1979; »Ordnung im Spiegel«. 1985); Kinderbücher (»Es war ein Hahn«. 1975; »Vom Räuberchen, dem Rock u. dem Ziegenbock«. 1978; »Der Storch Langbein«. 1986); Texte für Theater u. Oper (»Das Feuerzeug«. »Märchenkomödie«, 1975; »Das Land Bum-Bum«. Oper, 1980, Musik  Georg Katzer) u. Porträts (»Kopien nach Originalen«. 1974). 1990 von März bis Dez. Präs. des SV (Nachf. von  Hermann Kant), seit Juli Mitgl. der AdK; seit 1993 Mitgl. der AdK Berlin-Brandenb.; 1999 Mitgl. der sächs. AdK; gest. in Berlin.Sauna oder die fernherwirkende Trübung. Erzählungen. Rostock 1987; Kunst in der Mark Brandenb. Gedichte. Rostock 1988; Die Talare der Gottesgelehrten. Kleine Schriften. Halle 1999; Werke in 4 Bd. Berlin 2004. Bock, H.-M.: R. K. In: Krit. Lexikon zur dt.-spr. Gegenwartslit. München 1978 ff.; Berendse, G.-J.: Die sächs. Dichterschule. Frankfurt (Main) 1990.Andreas Kölling

Wer war wer in DDR

Kirschnek, Christof

* 29.11.1912 – ✝ 15.3.1971

Geb. in Haslau (Krs. Asch, Nordböhmen/Hazlov, Tschechien); Vater Arbeiter; Volks- u. Bürgerschule; Lehre u. Arbeit als Handlungsgehilfe; 1929 KPČ; 1931 – 33 Pol.-Ltr. der KPČ in Haslau; 1933 – 35 Org.-Sekr. der KPČ-BL Asch; 1935/36 illeg. Arbeit in Dtl.; 1936 – 38 Mitgl. der KPČ-Provinzialltg. für Westböhmen; 1938 Sekr. der KPČ-BL Westböhmen in Karlsbad; Hrsg. der westböhm. Ztg. »Rote Fahne«; Sept. 1938 Flucht nach Prag; Febr. 1939 Emigr. nach Großbritannien; 1940 – 44 Hilfsarb. in Manchester; 1944 Assistent, 1945/ 46 stellv. Sekr. des Czechoslovak.-British-Friendship-Club in London. Juni 1946 über die ČSR nach Dtl.; 1946 SED; kurzz. Lehrer an der LPS Ottendorf (Sachsen); ab Sept. 1946 Regierungsrat der Landesreg. Mecklenb. (Umsiedlerabt.); anschl. Red., ab März 1947 Chefred. am Landessender Schwerin; 1948/49 Studium an der PHS; 1949 – 52 Intendant des Landessenders Schwerin; 1949 – 52 Vors. des VDP-Landesvorst. Mecklenb.; 1952/53 Ltr. der Nachrichtenred. im Staatl. Rundfunkkomitee; 1953 – 57 Ltr. bzw. Chefred. des Senders Leipzig; 1957/58 Red. der dt.-spr. Red. des Moskauer Rundfunks; 1958 – 62 1. Sekr. der SED-BPO im Staatl. Rundfunkkomitee; 1962 – 68 Stellv. des Vors., dann bis 1971 Mitgl. des Staatl. Rundfunkkomitees; 1962 – 71 Intendant von Radio Berlin International; 1959 VVO.Andreas Herbst

dissidenten.eu

Kisielewski, Stefan

* 1911 – ✝ 1991

Politischer Publizist, langjähriger Feuilletonist und Redakteur des *„Tygodnik Powszechny“; Schriftsteller; Musiker, Musikkritiker, Komponist; 1957–65 Sejm-Abgeordneter für die Bewegung „Znak“; nach 1976 einer der populärsten Autoren des Samisdat; Pseudonyme: „Julia Hołyńska“, „Kisiel“, „SK“, „Teodor Klon“, „Tomasz Staliński“.Stefan Kisielewski wurde 1911 in Warschau in eine Intellektuellenfamilie geboren. 1937 beendete er das Musikkonservatorium und studierte Polonistik und Philosophie an der Warschauer Universität. 1935–37 war er Sekretär der Monatszeitschrift „Muzyka Polska“ (Polnische Musik). Im September 1939 kämpfte er zur Verteidigung Polens gegen die Deutschen, während der Okkupation im Zweiten Weltkrieg arbeitete er für die Vertretung der Polnischen Exilregierung im Inland und kämpfte 1944 im Warschauer Aufstand. 1945 gab er die vierzehntägig erscheinende Zeitschrift „Ruch Muzyczny“ (Musikalische Bewegung) heraus, die er bis 1948 leitete. Ab 1946 war er Mitglied des Polnischen Schriftstellerverbandes, des Komponistenverbandes und ab 1976 auch des Polnischen P.E.N.-Clubs. 1945–49 hielt er Vorlesungen an der Staatlichen Hochschule für Musik in Krakau. Er war Komponist, gefragter Literaturkritiker und auch selbst schriftstellerisch tätig. Mit Gründung des *„Tygodnik Powszechny“ (Allgemeines Wochenblatt) wurde Kisielewski dessen Redaktionsmitglied, was er (mit einer Pause von 1953 bis 1956) bis 1989 blieb. Seine mit „Kisiel“ unterschriebenen Feuilletons im *„Tygodnik Powszechny“ waren persönliche Kommentare zum aktuellen Geschehen im Land und zeichneten sich durch die Unabhängigkeit seiner Meinung aus (Kisielewski war zum Beispiel ein entschiedener Kritiker des Warschauer Aufstandes). Er glaubte nicht an den Sinn des Untergrundkampfes gegen die Kommunisten, weil er die Hoffnung hatte, dass es auch im Nachkriegspolen noch Freiheitsräume gebe. In seinen Feuilletons brandmarkte er die Lügen der kommunistischen Presse und entblößte die Hohlheit der marxistischen Ideologie. Als seine Redaktionskollegen vom *„Tygodnik Powszechny“ ihn mahnten, die Zensur nicht zu reizen, entgegnete er, dass es angesichts der Aussicht auf weiter fortschreitende Einschränkungen der Meinungsfreiheit „notwendig sei, so viel an Höhe wie möglich zu gewinnen“. Kisielewski kämpfte um das Recht, eine kritische Haltung einnehmen zu können, auch innerhalb der eigenen Reihen. Auf einem Komponistenkongress 1949 in Posen (Poznań) stellte er sich gegen die Einführung des sozialistischen Realismus in der Musik, woraufhin er seine Arbeit an der Staatlichen Hochschule für Musik in Krakau verlor. Eine in diesem Jahr erschienene Auswahl seiner bereits zuvor publizierten Essays mit dem Titel „Politik und Kunst“ (Polityka i sztuka) wurde wieder aus den Buchhandlungen entfernt. Als die Redaktionskollegen um Jerzy Turowicz zwischen März 1953 und Dezember 1956 aus der Redaktion des *„Tygodnik Powszechny“ ausgeschlossen waren, verdiente dich Kisielewski seinen Lebensunterhalt durch Gelegenheitsarbeiten und Musikstunden. 1957–65 war Kisielewski zwei Legislaturperioden lang Sejm-Abgeordneter für die katholische Bewegung „Znak“ (Zeichen). Gemeinsam mit Stanisław Stomma formulierte er die politische Konzeption des sogenannten Neopositivismus, der die geopolitischen Realitäten und das politische System Volkspolens zwar anerkannte, aber mit einer Kritik an der sozialistischen Ideologie verbunden war. Im Sejm kämpfte Kisielewski für eine Liberalisierung des Systems auf politischem und ökonomischem Gebiet und für die Meinungsfreiheit. Seine Parlamentsreden, in denen er auf die Absurditäten der sozialistischen Wirtschaft und die Einschränkungen der bürgerlichen Freiheit hinwies, hatten vor allem symbolischen Charakter. Die Zensur verhinderte in der Regel, dass sie der Öffentlichkeit bekannt wurden. 1958 schlug Kisielewski auf dem Schriftstellerkongress in Breslau (Wrocław) vor, eine Kommission einzuberufen, die rechtliche Kriterien für die Zensur erarbeiten sollte. Er war einer der Unterzeichner des *Briefes der 34 vom 14. März 1964 an Ministerpräsident Józef Cyrankiewicz, in dem die Unterzeichner die Verschärfung der Zensur und die staatliche Kulturpolitik kritisierten. Seine Texte wurden zu dieser Zeit von der Zensur verboten und er durfte Polen nicht mehr verlassen.1968 war er Vertrauensmann im Prozess gegen den Poeten Janusz Szpotański, der die politisch-satirische Oper „Die Stillen und die Plappernden“ (Cisi i gęgacze) geschrieben hatte. Am 29. Februar 1968 trat Kisielewski auf einer Versammlung der Warschauer Sektion des Schriftstellerverbandes auf, die anlässlich des Aufführungsverbots des Dramas „Totenfeier“ (Dziady) von Adam Mickiewicz in der Regie von Kazimierz Dejmek im Warschauer Nationaltheater stattfand. Er sprach über die Verfälschung der polnischen Kultur und Geschichte und über die Allmacht der Zensur. Die Machtausübung der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei bezeichnete er als „Diktatur von Dunkelmännern“. Am 11. März wurde er – vermutlich als Reaktion auf seine Rede – auf der Straße brutal zusammengeschlagen. Kisielewskis Erzählungen, in denen er die Mechanismen der Machtausübung, die Unterdrückung und das volkspolnische Alltagsleben beschrieb, erschienen im Literarischen Institut (Instytut Literacki) in Paris unter dem Pseudonym „Tomasz Staliński“; dies waren: 1967 „Von oben gesehen“ (Widziane z góry), 1971 „Schatten in der Höhle“ (Cienie w pieczarze), 1972 „Winterromanze“ (Romans zimowy), 1974 „Untersuchung“ (Śledstwo), 1976 „Menschen im Aquarium“ (Ludzie w akwarium) und andere. Ab 1971 publizierte Kisielewski erneut Feuilletons im *„Tygodnik Powszechny“, in denen er die Paradoxien des Sozialismus beschrieb. Als er von den staatlichen Massenmedien verunglimpft wurde und keine Möglichkeit hatte, sich direkt gegen die Angriffe der Presse zu wehren, veröffentlichte Kisielewski im *„Tygodnik Powszechny“ unter der Überschrift „Meine Typen“ (Moje typy) Namenslisten derjenigen Journalisten, die sich besonders um die Parteipropaganda verdient gemacht hatten. Er war Unterzeichner des *Briefes der 59 an den Sejm vom Dezember 1975, der gegen geplante Verfassungsänderungen protestierte und die Ziele der Opposition beschrieb. Im Juni 1976 unterschrieb er eine Erklärung von 14 Intellektuellen zu den gegen die Preiserhöhungen gerichteten Arbeiterproteste. 1977 wurde er zusammen mit dem Parteirenegaten Władysław Bieńkowski und dem Schriftsteller Andrzej Kijowski Mitglied einer dreiköpfigen Bürgerkommission beim Komitee zur Verteidigung der Arbeiter (Komitet Obrony Robotników; *KOR), die die Finanzen des Komitees kontrollieren sollte. Ab der zweiten Hälfte der 70er Jahre publizierte Kisielewski in verschiedenen unabhängigen Zeitungen, unter anderem in *„Zapis“ (Aufzeichnung), *„Biuletyn Informacyjny“ (Informationsbulletin), „Res Publica“, „Głos“ (Stimme), „Spotkania“ (Begegnungen), *„Krytyka“ (Kritik), „Bratniak“ (Brüderbund). Seine von der Zensur verbotenen Feuilleton-Artikel veröffentlichte er unter seinem richtigen Namen auch in der Pariser Exilzeitschrift *„Kultura“ (Kultur). 1978 gab er in der Schweiz auf Deutsch die Broschüre „Polen – oder die Herrschaft der Dilettanten“ heraus. Die Entstehung der *Solidarność betrachtete Kisielewski mit großer Hoffnung, war aber kein kritikloser Anhänger dieser unabhängigen und selbstverwalteten Gewerkschaft. Er schrieb einmal, dass man hier den Marxismus „rieche“ und kritisierte die *Solidarność dafür, dass sie statt die Wirtschaft zu reformieren zu viel Gewicht auf ihre inneren Probleme lege.Als in Polen am 13. Dezember 1981 das *Kriegsrecht ausgerufen wurde, befand sich Kisielewski in Australien. Anfang 1982 schrieb er in Paris den Artikel „Schlagen oder reden“ (Bić się czy rozmawiać), der sich eines Mottos von Henryk Sienkiewicz bediente: „Wehe den Völkern, die die Freiheit mehr lieben als das Vaterland!“ Kisielewski griff seine Idee aus den 70er Jahren auf und schlug vor, man solle sich über die Köpfe der kommunistischen Machthaber hinweg direkt mit den Russen verständigen. Jerzy Giedroyc lehnte die Veröffentlichung dieses Textes in der *„Kultura“ jedoch ab; er erschien erst 1983 in „Zeszyty Literackie“ (Literarische Hefte). Nach seiner Rückkehr nach Polen im Juli 1982 wollte Kisielewski keine Feuilletons mehr schreiben. Sein Schweigen brach er im November 1983, als er im *„Tygodnik Powszechny“ den Artikel „Befreit uns der Herrgott?“ (Czy Pan Bóg nas wyzwoli?) veröffentlichte, in dem er die vorherrschende patriotische Religiosität kritisierte: „Bei Gott werden wir nach dem Tode sein, hier und heute müssen wir jedoch unsere irdischen Probleme lösen und uns dabei von der Rationalität und dem gesunden Menschenverstand leiten lassen. [...] Das wird uns Gott nicht abnehmen, es hilft, weder Kreuze aufzustellen, noch in den Kirchen Bittgesänge anzustimmen.“ Kisielewski betrachtete als Anhänger von Privateigentum und freiem Markt die Durchführung von marktwirtschaftlichen Reformen als entscheidend. 1984 schrieb er in der „Einführung in das Oppositionsprogramm“ (Wstęp do programu opozycji) über die Notwendigkeit, eine neue Opposition zu schaffen, die frei von antirussischen Phobien und der Arbeiterphraseologie ist und sich der Liberalisierung von Staat und Wirtschaft zuwenden müsse. Im November 1987 unterschrieb er eine von Janusz Korwiń-Mikke initiierte Erklärung der konservativ-liberalen Bewegung für Realpolitik (Ruch Polityki Realnej). Stefan Kisielewski starb 1991 in Warschau. Seit 1990 trägt ein Journalistenpreis, der von der Wochenzeitung „Wprost“ für herausragenden Journalismus verliehen wird, seinen Namen.Zbigniew Romek Aus dem Polnischen von Markus Pieper und Wolfgang Templin Letzte Aktualisierung: 11/15

Handbuch Deutsche Kommunisten

Kläber, Kurt

* 4.11.1897 – ✝ 9.12.1959

Geboren am 4. November 1897 in Jena, Sohn eines Werkmeisters; er verließ das Gymnasium, lernte Schlosser und zog als Wandergeselle durch Europa. Im Weltkrieg Soldat, kämpfte er 1918/19 in Berlin mit dem Spartakusbund und wurde Mitglied der KPD. Bergarbeiter im Ruhrgebiet, dann Redakteur in Bochum, bald war er ein bekannter Autor und später (unter dem Pseudonym Kurt Held) ein berühmter Jugendbuch-Schriftsteller (»Die rote Zora und ihre Bande«, 1941). Kläber war aktiv an der Gründung des Bundes proletarisch-revolutionärer Schriftsteller beteiligt und gab zusammen mit Johannes R. Becher, mit dem er befreundet war, und anderen die kommunistische Zeitschrift »Die Linkskurve« heraus. Kläber edierte 1929 das bekannte Werk »Der Krieg. Das erste Volksbuch vom großen Krieg«. Umstritten waren einige seiner sozialkritischen Schriften, z.B. »Passagiere der III. Klasse« (1927), eine Arbeit, die Thomas Mann »recht gewagt, begabt und merkwürdig« nannte. Weiterhin für die KPD-Presse tätig, mußte Kläber 1933 nach kurzer Inhaftierung emigrieren, floh über die âSR in die Schweiz. 1938 wandte er sich vom Kommunismus ab und wurde 1948 Schweizer Staatsbürger. Kurt Kläber starb am 9.Dezember 1959 in Carona (Schweiz).

Wer war wer in DDR

Klare, Hermann

* 12.5.1909 – ✝ 22.08.2003

Geb. in Hameln (Weser) in einer Lehrerfamilie; nach dem Abitur Studium der Chemie in Heidelberg u. Kiel, Prom.; 1933 – 45 Chemiker in versch. Industriebetrieben, u. a. als Ltr. der Kunstseidenfabrik in Wolfen u. Ltr. der Perlonfabrik in Landsberg; 1937 NSDAP. 1945 Betriebsltr. in der Kunstseidenfabrik Premnitz; 1946 Ltr. des »Thür. Zellwollwerks« in Schwarza; 1947 – 49 Forschungs- u. Beratertätigkeit in Klin (UdSSR); 1949 zunächst Betriebsltr., ab 1951 Dir. des VEB Kunstfaserwerk »Wilhelm Pieck« Schwarza; 1951 NP; 1953 – 61 Abt.-Ltr., dann bis 1969 Dir. des Inst. für Faserstoff-Forschung der DAW in Teltow; 1954 – 61 zugl. Prof. an der TH für Chemie Leuna-Merseburg; 1961 Ord. Mitgl. der DAW u. bis 1968 Vors. der Forschungsgem. der naturwiss., techn. u. med. Inst. der DAW (Nachf. von  Hans Frühauf); 1962 – 64 Prof. an der HU Berlin; 1963 NP; 1963 – 68 u. 1979 – 84 Vizepräs. der DAW; 1966 Mitgl. des Präs. des Forschungsrats beim Min.-Rat; 1968 – 79 Präs. der DAW bzw. AdW (Nachf. von  Werner Hartke); 1973 VVO; 1978 Dr. h. c. der Univ. Sofia; 1979 Dr. h. c. der TU Dresden; 1980 – 88 Vors. der Kl. »Chemie« der AdW (Nachf. von Gerhard Keil); Mitgl. der Leopoldina u. der AdW der UdSSR; 1983 Präs. des DDR-Komitees für wiss. Fragen der Sicherung des Friedens u. der Abrüstung; gest. in Kleinmachnow (b. Berlin).Technol. u. Chemie der synthet. Fasern aus Polyamid. Berlin 1954; Geschichte der Chemiefaserforschung. Berlin 1985.Hubert Laitko

Wer war wer in DDR

Klauß, Gerhard

* 9.10.1944

Geb. in Bad Suderode in einer Angest.-Familie; Zehn-Klassen-Abschl.; 1961 – 63 Schriftsetzerlehre; bis 1964 Schriftsetzer im Diagramm-Druck Quedlinburg; Pädagogikstudium, Abschl. am Inst. für Lehrerbildung Quedlinburg; SED; 1966 – 69 versch. Funktionen in der Volksbildung; 1970 – 72 Ltr. der Abt. Veranstaltungen im Kulturzentrum Frankfurt (Oder); 1972 – 73 Ltr. Öffentlichkeitsarbeit am Kleist-Theater Frankfurt (Oder); 1973 – 85 Abt.-Ltr. bzw. Dir. für Internat. Beziehungen u. Agentur im VEB Zentral-Zirkus/Staatszirkus der DDR; 1986 1. Stellv., 1987 – 90 GD des Staatszirkus der DDR. 1990 – 92 Geschäftsf. der Berliner Circus Union GmbH; ab 1992 freiberufl. in der Showbranche; betreibt die Fa. Show & Media Consulting in Frankfurt (O.).Dietmar Winkler

Wer war wer in DDR

Kleber, Wilhelm (Will)

* 15.12.1906 – ✝ 27.8.1970

Geb. in Karlsruhe; Vater Kfm.; 1927 Abitur in Karlsruhe; 1927 – 31 Studium der Physik u. Mineralogie an der Univ. Heidelberg, dort 1931 Prom. bei Victor Goldschmidt; 1933 NSDAP; 1934 – 39 Assistent am Mineralog.-Kristallograph. Inst. der Univ. Heidelberg, 1936 Habil.; 1938 Doz.; 1940 Versetzung an die Univ. Bonn; 1943 Ernennung zum appl. Prof. für Mineralogie, Kristallographie u. Petrographie; 1941/45 Kriegsdienst im Wetterdienst der Luftwaffe. 1953 Berufung an die HU Berlin als Prof. für Mineralogie u. Dir. des Mineralog. Museums; 1955 Mitgl. der Leopoldina Halle; 1960 NP; 1961 Mitgl. der DAW; gest. in Berlin. Internat. anerkannte Forschungen zur Kristallphysik u. -chemie, Kristallmorphologie u. Kristallwachstum; maßgebl. Beitrag zum Aufbau des Fachgeb. Kristallographie in der DDR.Einführung in die Kristallographie. Berlin 1956.Dieter Hoffmann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Klein, Karl

* 7.12.1886 – ✝ 20.8.1960

Geboren am 7. Dezember 1886 in Erfurt, Sohn eines Schuhfabrikarbeiterehepaars; kaufmännische Lehre. 1904 Mitglied der SPD, Funktionär der Arbeiterjugend in Höchst und in Frankfurt/M. 1907 Militärdienst, 1909 Rückkehr nach Erfurt, Arbeit als Handlungsgehilfe, 1914 Einberufung zum Militär, Klein war Soldat im 5. Garderegiment in Berlin-Spandau. Zeitweilig gehörte er als Soldatenvertreter zum Kopf der Revolutionären Obleute (Emil Barth, Richard Müller, Ernst Däumig, u. a.), knüpfte Verbindung zur Spartakusgruppe und fuhr Mitte Dezember 1918 nach Erfurt, um die Spartakusgruppe zu organisieren, die er dort am 26.Dezember auch schuf. Als Erfurter Delegierter auf dem Gründungsparteitag der KPD wurde Klein in die Programmkommission berufen. Nach seiner Rückkehr aus Berlin wurde er Vorsitzender der KPD Thüringen in Erfurt. Von 1920 bis Mitte 1922 im Auftrag der Zentrale Polleiter der BL Ostpreußen in Königsberg, 1922/23 Sekretär der KPD in Bremen, anschließend bis Mitte 1924 Redakteur des »Roten Echos« in Erfurt, Delegierter des II. (1920) und VII. Parteitags 1921. Ab 1924 war Klein Mitarbeiter im Münzenberg-Apparat bzw. Leiter der Inseraten-Expedition der AIZ in Berlin. Nach 1933 weiter im Inseratengeschäft tätig. 1938 verhaftet, kam er in das Zuchthaus Luckau. Wegen Flecktyphus haftunfähig, im Dezember 1941 entlassen. 1945 beteiligte sich Klein am Aufbau der Gewerkschaft in Langensalza und war bis 1948 Vorsitzender des FDGB-Kreisvorstandes Langensalza, danach Sekretär des FDGB-Landesvorstandes Thüringen bzw. Referent des Bundesvorstandes. Zuletzt war er Kaderleiter der DHZ-Bürobedarf, Niederlassung Erfurt. Er erhielt den VVO in Bronze. Karl Klein starb am 20. August 1960 in Erfurt.

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Klein, Günter

* 12.1.1922 – ✝ 23.8.1982

Geb. in Breckerfeld (Westfalen); Vater Graveurmeister; Volksschule u. Gymnasium, 1940 Abitur; 1940 Wehrmacht; 1941 – 45 sowj. Kriegsgef., Kursant u. Lehrer an der Antifa-Schule; 1944 / 45 Frontbevollmächtigter des NKFD. Mai 1945 – Febr. 1946 Lehrer an der Antifa-Schule der SMAD in Rüdersdorf; 1945 / 46 KPD / SED; Febr. 1946 – Jan. 1949 Korresp. des SNB; 1947 / 48 1. Vors. der SED-Betriebsgr. beim SNB; 1949 Mitgl. des Red.-Koll. u. stellv. Chefred. der »Berliner Zeitung«; Okt. 1949 – Jan. 1953 Chefred. der DEFA-Wochenschau »Der Augenzeuge«; Jan. 1953 – 60 Dir. des DEFA-Studios für Wochenschau u. Dokumentarfilme; 1951 – 54 Fernstudium an der SED-PHS; 1960 beauftragt mit der Vorbereitung des Aufbaus eines II. Programms des DFF, 1960 – 69 stellv. Intendant des DFF; Ltr. des Operativstabs II. Fernsehprogramm; 1969 – 74 Stellv. des Min. für Kultur (verantw. für Filmwesen) u. Ltr. der HV Film im MfK (Nachf. von  Siegfried Wagner); ab 1974 stellv. Dir. u. Ltr. des Bereichs Informationslit. bei der Auslandspresseagentur »Panorama DDR«.Ingrid Kirschey-Feix

Wer war wer in DDR

Klein, Manfred

* 20.7.1935 – ✝ 15.1.1981

Geb. in Berlin; Vater Angest.; wg. Aktivität in der Kath. Jugend 1942 für kurze Zeit von der Gestapo verhaftet; August 1943 Wehrmacht, 1944 bei Sewastopol schwer verletzt, ca. ein Jahr lang in versch. Lazaretten; gleichzeitig Germanistikstudium an der Univ. Breslau; Apr. 1945 sowj. Kriegsgef. Aug. 1945 Besuch der Antifa-Schule des NKFD in Rüdersdorf (b. Berlin); ab Sept. 1945 auf Anregung von Bischof  Konrad Graf von Preysing Vertreter der kath. Jugend im zentralen Jugendaussch. der SBZ, Dezernent für Kulturarb. im Zentraljugendaussch.; Nov. 1945 CDU u. Vors. der Jungen Union Berlin-Prenzlauer Berg; Febr. 1946 Redner der Jugend auf der ersten zentralen KPD-Kulturtagung, sprach sich für freiwilligen Religionsunterricht aus u. würdigte den Widerstand von Katholiken u. Protestanten gegen das NS-System; 1946 Stud. an der HU Berlin; Gründungsmitgl. der FDJ, Mitgl. u. bis 8.10.1946 Sekr. des ersten FDJ-Zentralrats; zus. mit  Georg Wrazidlo Aufbau der CDU-Hochschulgr. an der HU Berlin; Mitgl. des Studentenrats u. dessen Pressereferent; 1946 Gründung einer kath. Presseagentur; nach wiederholter Kritik am monopolist. Machtanspruch der Kommunisten am 13.3.1947 von der sowj. Besatzungsmacht zus. mit G. Wrazidlo u. a. wg. »Spionage« verhaftet; U-Haft im GPU-Keller Berlin-Prenzlauer Berg so- wie in Potsdam u. Berlin-Hohenschönhausen; 13.12.1948 vom Sowj. Militärtribunal Berlin-Lichtenberg zu 25 Jahren »Besserungs- u. Arbeitslager« verurteilt; anschl. Haft in Bautzen I (»Gelbes Elend«), dort im März 1950 beteiligt an Hungerstreiks u. Unruhen, anschl. als angebl. Rädelsführer nach Torgau verlegt; 27.6. 1955 Bestätigung des Urteils durch sowj. Organe; nach Einsatz von Probst  Heinrich Grüber Verringerung der Strafe auf 15 Jahre; 19.10.1956 Entlassung in Folge des XX. KPdSU-Parteitags, im Gegenzug für K.s Begnadigung Entlassung des komm. Funktionärs Jupp Angenfurth aus einem westdt. Gefängnis. Nov. 1956 Flucht nach West-Berlin; Jura-Studium an der FU Berlin; 1959 – 63 für die CDU MdA Berlin (West); anschl. Referent bei der Bundeszentrale für polit. Bildung, gest. in Bonn.Jugend zwischen den Diktaturen 1945 – 1956. Mainz 1956. Kowalczuk, I.-S.: M. K. In: Ders., Sello, T. (Hrsg.): Für ein freies Land mit freien Menschen. Opposition u. Widerstand in Biographien u. Fotos. Berlin 2006.Ilko-Sascha Kowalczuk

Handbuch Deutsche Kommunisten

Kleine, August (Guralski

* 10.4.1890 – ✝ 1960

(* 1890 – † 1960?) August Kleine-Guralski wurde am 10. April 1890 als Abram Jakowlewitsch Heifetz, Sohn einer kinderreichen jüdischen Familie in Riga geboren. Sein Vater war dort Lehrer an der jüdischen Schule. Er besuchte von 1902 bis 1910 die Handelsschule in Riga, schloß sich der jüdischen Arbeiterorganisation »Bund« an, trat in die lettische Sozialdemokratie ein und wurde als Samuel Guralski Funktionär in deren Kulturzentrum. 1908 erste Verhaftung wegen seiner Aktivitäten im Rigaer »Bund«. Als Abgesandter des »Bundes« hielt er sich in Lettland und in Weißrußland auf, wurde mehrmals inhaftiert und erhielt Aufenthaltsbeschränkungen. 1912 emigrierte er aus Rußland und nahm im selben Jahr an der 9. Konferenz des »Bundes« in Wien teil. 1913 wurde Guralski in ¸ódê festgenommen, nach Rußland überführt, floh dann erneut nach Wien, wo er sein Universitätsstudium durch Gelegenheitsarbeiten finanzierte. 1914 setzte er sein Studium in Lausanne fort, lernte 1916 Leo Trotzki und Grigori Sinowjew kennen und reiste im Mai 1917 im zweiten »verplombten Eisenbahnzug« nach Rußland. Im Oktober 1917 gehörte Guralski als Vertreter der Internationalisten im »Bund« in Odessa zusammen mit den Bolschewiki dem Revolutionären Komitee an und wurde unter seinem Familiennamen Heifetz verhaftet. Nach dem Einmarsch der Roten Armee in Kiew übernahm er verschiedene staatliche Funktionen in der Ukraine. Im September 1919 schickte ihn das EKKI als Vertreter (Pseudonym Kleine) nach Deutschland, er wurde zwar ausgewiesen, kam aber 1921 zusammen mit Bela Kun wieder zurück, um hier den März-Aufstand vorzubereiten. Kleine-Guralski nahm am III. Komintern-Kongreß teil und wurde dann Mitglied der Zentrale der KPD. Zusammen mit seiner Frau Käthe Pohl spielte er bald eine führende Rolle in der KPD. Käthe Pohl war ab 1922 Sekretärin des Polbüros der KPD, sie hatte 1922 bis 1924 in der KPD wie Kleine erheblichen Einfluß, wurde 1924 von den Linken abgelöst. Die Ehe August Kleines mit Käthe Pohl wurde 1923 geschieden, danach heiratete er R. Jezerskaja. Auf dem VIII. Parteitag im Januar 1923 in Leipzig wurde er als August Kleine offiziell in die Zentrale der KPD gewählt, von dieser in das Polbüro aufgenommen, er beteiligte sich führend an den Aufstandsvorbereitungen im Herbst 1923. Nach der Oktoberniederlage war Kleine einer der Hauptorganisatoren der Mittelgruppe und gehörte nach deren Übernahme der Parteiführung im Januar 1924 wieder zur Spitze der KPD. Da die Mittelgruppe auf dem IX. Frankfurter Parteitag scheiterte, verließ Kleine Deutschland. Auf dem V. Komintern-Kongreß im Sommer 1924 wandte er sich gegen Karl Radek und Heinrich Brandler, kritisierte deren Rückzugspolitik. Ab Sommer 1924 war Guralski-Kleine offizieller EKKI-Vertreter bei der französischen KP. Er forcierte den Kurs der Bolschewisierung der FKP mit der neuen Führung um Thorez-Cachin-Semard. In Frankreich lebte er unter dem Decknamen Auguste Lepetit, wurde im Juli 1925 verhaftet, ausgewiesen und ging nach Rußland zurück. Da er hier aktiv für die »Neue Opposition« unter Sinowjew/Kamenew wirkte, aus der Komintern-Arbeit entlassen. Abteilungsleiter im Marx-Engels-Institut. Er war weiter führend in der Opposition, unterzeichnete im Mai 1927 die »Plattform der 83«. Daraufhin im Dezember 1927 zusammen mit Trotzki, Sinowjew, Radek und zahlreichen anderen Oppositionellen aus der KPdSU ausgeschlossen und Anfang 1928 nach Frunse (Kirgisien) verbannt. Nach einer Unterwerfungserklärung im Mai 1928 durfte Kleine-Guralski nach Taschkent übersiedeln und kam als Lehrstuhlleiter an die Kommunistische Universität. Er soll sich bereit erklärt haben, für die GPU/NKWD zu arbeiten, im Juni 1928 wieder KPdSU-Mitglied. Ab August 1929 erneut im Komintern-Apparat, zuerst im Mitteleuropäischen Ländersekretariat, dann von 1930 bis 1934 unter dem Decknamen Rustico als EKKI-Vertreter in Südamerika zusammen mit seiner dritten Ehefrau Nadeshda Tultschinskaja, die als Chiffreurin für die OMS arbeitete. Im August 1936 wurde Guralski wiederum aus der Partei ausgeschlossen, verhaftet und im August 1937 zu acht Jahren Lager verurteilt. Im Mai 1938 freigelassen, war er nach Aufhebung des Urteils als Mitarbeiter des NKWD eingesetzt und soll in Berichten Bela Kun, Poganyi-Pepper, Ossip Pjatnitzki und Hugo Eberlein »entlarvt« haben. Später Dozent an der historischen Fakultät der Moskauer Universität, promovierte im April 1941 über »Französische Geschichte 1919-1924«. Wieder in die KPdSU aufgenommen, wirkte Kleine-Guralski bis 1948 unter dem Namen Professor Arnold als Propagandist unter deutschen Kriegsgefangenen und wurde Mitarbeiter der Akademie der Wissenschaften. Dort entlassen, im November 1950 im Rahmen der antijüdischen Verfolgungen festgenommen und im März 1952 zu zehn Jahren Lager verurteilt. Versuche, ihn 1956 zu amnestieren, scheiterten. Er wurde erst 1958 wegen Invalidität vorzeitig freigelassen. August Guralski-Kleine soll im Sommer 1960 in Moskau gestorben sein.

Wer war wer in DDR

Kleinert, Fritz

* 21.3.1920 – ✝ 10.6.2007

Geb. in Koitz-Überschau (Krs. Liegnitz, Niederschles. / Kawice Cichoborz, Polen); Vater Bauer; Volksschule; Lehre u. Arbeit als Schlosser; 1941 Wehrmacht, 1944 sowj. Kriegsgefangenschaft, Antifa-Schule, Angeh. des NKFD. 1946 Rückkehr nach Dtl.; SED; Arbeit als Schlosser in Halle; ab 1948 hauptamtl. SED-Funktionär, u. a. 1949 1. Sekr. der SED-KL Wittenberg, 1950 1. Sekr. der SED-KL Quedlinburg, 1951 Ltr. für Organisationsfragen der SED-Landesltg. Sachsen-Anh.; 1952/53 Studium an der PHS der KPdSU in Moskau; 1954 – Dez. 1956 Ltr. der Abt. Leitende Organe des ZK der SED (Nachf. von Willi Elstner); März 1958 im Zusammenhang mit den innerparteil. Auseinandersetzungen um die » Ernst Wollweber- Karl Schirdewan-Fraktion« Ablösung von der Funktion als Ltr. der ZK-Abt.; 1958 – 61 1. Sekr. der SED-KL Oranienb.; Juli 1961 erneute Kritik, strenge Rüge u. Ablösung als 1. Sekr. der SED-KL; anschl. Arbeit als Schlosser im VEB LEW Henningsdorf; 1962 – 86 dort Ltr. der HA für Neuerer- u. Patentwesen; Ruhestand. Mitgl. der Linkspartei; lebt in Birkenwerder.Andreas Herbst

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Kirsch, Sarah

* 16.04.1935 – ✝ 5.5.2013

Geb. in Limlingerode (Südharz), aufgew. in Halberstadt; Vater Fernmeldemechaniker; Abitur; Forstarbeiterlehre, abgebrochen; Arbeit in einer Zuckerfabrik; 1954 – 58 Studium der Biol. in Halle u. Arbeit in Zuckerfabrik, Kinderheim, LPG; 12.12.1962 Teiln. am Lyrikabend der AdK (organisiert von  Stephan Hermlin); 1963 – 65 Studium am Lit.-Inst. »Johannes R. Becher« in Leipzig bei  Georg Maurer; ab 1965 freischaff. Schriftst., Mitgl. des DSV; erster Lyrikband »Gespräch mit dem Saurier« (mit Rainer K., Erich-Weinert-Medaille); 1966 im Rahmen der »Forum-Lyrikdebatte« heftige Anfeindungen wegen einer offenen Bekundung von Desinteresse an ökon. Problemen u. techn. Fortschritt; 1968 Umzug nach Berlin; weitere Lyrikbände (u. a. »Landaufenthalt«, 1967; »Zaubersprüche«, 1973; »Rückenwind«, 1976) u. Erzählungen (»Die ungeheuren bergehohen Wellen auf See«, 1973; »Die Pantherfrau«, 1973, gilt als frühes Zeugnis dokumentierender Frauenlit.); 1973 Heinrich-Heine-Preis; Mitgl. des Vorst. des SV; seit 1976 vom MfS im OV »Milan« überwacht (schon zuvor »operativ bearbeitet«); 1976 Petrarca-Preis; Nov. 1976 Mitunterz. der Protest-Resolution prominenter Künstler gegen die Ausbürgerung von  Wolf Biermann; Ausschl. aus der SED u. dem Vorst. des SV, starke Pressionen; Aug. 1977 Ausreise nach Berlin (West); 1978 Villa-Massimo-Stipendium; 1980 Unterstützung der bundesdt. Friedensbew.; 1981 Österreich. Staatspreis für Lit.; 1983 Distanzierung vom 2. Friedensgespräch der AdK Berlin (West) wegen der Einladung von »DDR-Schriftst.-Funktionären«; Roswitha-Preis der Stadt Gandersheim; lebt seit 1983 in Tielenhenne (Schlesw.-Holstein); 1984 Friedrich-Hölderlin-Preis; 1988 Stadtschreiber-Lit.-Preis der Stadt Mainz; Mitgl. des PEN-Zentrums Bundesrep. Dtl., der Dt. Akad. für Sprache u. Dichtung Darmstadt, der Freien AdK Mannheim u. der Freien AdK Hamburg; Veröff. hochangesehener naturnaher Lyrikbände in der Bundesrep. Dtl. (u. a. »Wintergedicht«, 1978; »Katzenkopfpflaster«, 1978; »Katzenleben«, 1984) u. des teilw. autobiogr. Textes »Allerlei-Rauh. Eine Chronik«, 1988. Seit 1990 Beteiligung an öffentl. Debatten um das Wirken des MfS, insbes. Warnung vor einer Verdrängung dieser Thematik; 1992 Ablehnung der Wahl in die AdK Berlin wegen der Mitgliedschaft ostdt. »Staatsdichter u. Stasizuträger«; 1993 Peter-Huchel-Preis; Lit.-Preis der Konrad-Adenauer-Stiftung; 1994 öffentl. Distanzierung vom Dt. PEN-Zentrum (Ost); 1995 – 96 Brüder-Grimm-Prof. an der Univ. (Gesamthochschule) Kassel; 1996 Büchner-Preis; Austritt aus dem PEN-Zentrum der Bundesrep. Dtl. anläßl. der anstehenden Vereinigung mit dem Dt. PEN-Zentrum (Ost); 1996/97 Frankfurter Poetikvorlesungen; 1997 Droste-Hülshoff-Preis; weitere Literaturpreise; gest. in Heide (Holstein).La Pagerie. Stuttgart 1980; Landwege. Ausgew. Gedichte 1980 – 85. Stuttgart 1985; Schneewärme. Gedichte. Stuttgart 1989; Erlkönigs Tochter. Gedichte. Stuttgart 1992; Bodenlos. Gedichte. Stuttgart 1996; Luftspringerin. Gesammelte Gedichte u. Prosa. Stuttgart 1997; Kommt der Schnee im Sturm geflogen. München 2005; Sämtl. Gedichte. 2005; Regenkatze. München 2007. Arnold, H. L. (Hrsg.): S. K. München 1991; Heidenreich, W. (Hrsg.): S. K. Texte, Dokumente, Materialien. Baden-Baden 1993.Bernd-Rainer Barth / Andreas Kölling

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Kirst, Klaus Dieter

* 14.9.1940

Geb. in Meiningen; Vater Pfarrer; OS, Abitur; 1961 – 64 Studium der Theaterwiss. an der Theater-HS »Hans Otto« in Leipzig; 1964 – 70 Schauspieler u. Regieassistent am Staatsschauspiel Dresden; dort seit 1970 Regisseur; seit 1977 zahlr. Gastinszenierungen im In- u. Ausland; 1978 Kunstpreis der DDR. Inszenierungen: »Egmont« (1968, Theater der Stadt Cottbus, erste selbst. Inszenierung); in Dresden u. a.: von  Peter Hacks »Adam u. Eva« (UA 1973), »Prexaspes« (UA 1976), »Nathan der Weise« (1978), »Senecas Tod« (1980), »Lulu« (»Erdgeist«/»Die Büchse der Pandora«, Fassung des Staatsschauspiels Dresden, 1983); »Der Kaufmann von Venedig« (1985); von  Christoph Hein »Passage« (1987), »Die Ritter der Tafelrunde« (1989); »Wer hat Angst vor Virginia Woolf ...?« (1989), »Die Zauberflöte« (Oper Dresden, 1990), »Der Prinz von Homburg« (1992), »Dreigroschenoper« (1992), »Schau heimwärts, Engel« von Ketti Frings (1992), »The Rocky Horror Picture Show« von Richard O’Brien (Kuppeltheater, 1993), »Die Entführung aus dem Serail« (Oper Essen, 1993); 1993/94 als Gast am Aalto Theater Essen Beginn »Der Ring des Nibelungen« (1993/94 »Rheingold« / »Walküre«); »Biogr.: Ein Spiel« (1994), »Der zerbrochene Krug« (1996), »Die heilige Johanna der Schlachthöfe« (1998), »Iphigenie auf Tauris« (1999), »Die Nashörner« (2000); Gastinszenierungen in Graz: »Lulu« (1978) u. »Yerma« (1982), am Thalia Theater Hamburg (»Traumulus« von Arno Holz/ Oskar Jerschke); »Judith« von Hebbel (2001); »Republik Vineta« von Rinke (2003); »Der Menschenfeind« von Molière (2004); »Richard III.« von Shakespeare (2005).Aune Renk

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Kistowski, Erich

* 6.11.1909 – ✝ 13.8.1984

Geb. in Danzig (Gdańsk, Polen); Vater Arbeiter; Volksschule; 1923 – 29 Arb.; 1929 KPD; 1929 – 32 Mitarb. der KPD-BL Danzig; 1932/ 33 Besuch der Militärpol. Schule in Moskau; dann in Dtl. Gelegenheitsarb.; zeitw. in Haft wegen »versuchten Hochverrats« u. Weiterführung illeg. KPD-Arbeit; 1938 – 41 Arb.; 1941 – 45 Wehrmacht (Marine), 1945 – 48 Gefangenschaft. 1949 Mitarb. des SED-Landesvorst. Mecklenb.; dann Landessekr. der VVN Mecklenb.; 1949 Einstellung bei der Verw. zum Schutz der Volkswirtschaft Mecklenb. (ab Febr. 1950 LV Mecklenb. des MfS), Krs.-Dienststelle Greifswald; 1950 Ltr. der Krs.-Dienststelle Rostock; 1952 Ltr. der Abt. VIIc (VP-Luft), MfS Berlin; 1953 Abt.-Ltr., dann stellv. Ltr. der HA I (KVP, ab 1956 NVA); 1958 Oberst; 1959 MfS-OibE als stellv. Chef der Dt. Grenzpolizei u. Ltr. der Grenzaufklärung; 1961 stellv. Ltr., 1965 Ltr. der HA VII (MdI/DVP); 1970 Entlassung, Rentner; 1974 VVO.Jens Gieseke

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Klabuhn, Irina

* 17.6.1954

Geb. in Berlin; KJS; Studium der Rechtswiss.; Wasserspringerin beim TSC Berlin; 1971 – 82 Fallschirmspringerin beim SC Dynamo Hoppegarten; 1974 WM im Gruppenzielspringen; 1976 u. 1982 WM im Figurenspringen; 1980 dreifache WM im Gruppenziel-, Figurenspringen u. in der Kombination; 1982 beendete sie ihre sportl. Laufbahn. Dipl.-Juristin, im Obst- und Gemüsehandel in Chemnitz tätig.Klaus Gallinat / Olaf W. Reimann

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Klaubert, Birgit

* 28.9.1954

Geb. in Schöneck (Krs. Klingenthal); 1961 – 69 POS, 1969 – 73 EOS, Abitur; 1973 – 77 Lehrerstudium Geschichte u. Deutsch an der KMU Leipzig, Dipl.; 1983 – 86 Aspirantur an der PH Leipzig, Sekt. Gesch., Dr. phil.; 1977 – 80 Lehrerin an der POS in Altenburg; SED; 1980 – 83 u. 1986 – 94 Lehrerin am IfL bzw. der FS für Sozialpädagogik Altenburg; seit 1990 Vors. der PDS-Frakt. im Stadtrat Altenburg. Seit 1994 Mitgl. des Thür. Landtags; 1994 – 99 Vors. der PDS-Frakt.; Mitgl. im Ältestenrat des Thür. Landtags; seit Okt. 1999 Vizepräs. des Thür. Landtags; seit 2007 Mitgl. im Präsidium des Bundesaussch. der Linkspartei.Das Ringen der freien Gewerk. Dtlds. Leipzig 1986.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Klause, Michael

* 29.9.1895 – ✝ 7.2.1942

Geboren am 29. September 1895 in Mischana in Rußland. 1899 zogen seine Eltern nach Deutschland und ließen sich in der Provinz Posen als Landwirte nieder. Er wurde Arbeiter in verschiedenen Betrieben, 1914 Kriegsfreiwilliger, mehrfach verwundet und zum Unteroffizier befördert. Nach dem Krieg Metallarbeiter und Hilfsmonteur, 1922 trat er in die KPD ein und gehörte ab 1923 zum AM-Apparat. Als Kurier im Herbst 1923 festgenommen, saß er bis September 1925 in Untersuchungshaft. Das Verfahren wurde aufgrund einer Amnestie eingestellt. Seit 1926 im RFB, Leiter im Berliner Bezirk Wedding. 1930/31 Kursant an der M-Schule der Komintern in Moskau, nach der Rückkehr Mitarbeiter des KPD-Ordnerdienstes, des späteren Partei-Selbstschutzes (PSS). Klause leitete 1931 den PSS für ganz Berlin, offiziell bei der Sowjetischen Handelsvertretung angestellt. Im Zusammenhang mit den Ermittlungen zum Polizistenmord am 9. August 1931 (Fall Paul Anlauf und Franz Lenck) aus der Handelsvertretung ausgeschieden, kam er als Mitarbeiter zum Verlag Die Rote Fahne. Er wurde am 16. Juli 1933 in Berlin festgenommen und im (zweiten) Prozeß wegen des Mordes an Anlauf und Lenck am 19.Juni 1934 vom Schwurgericht I beim Landgericht Berlin wegen »gemeinschaftlichen Mordes und Begünstigung« zum Tode verurteilt. Weil er als Kronzeuge gegen Albert Kuntz umfangreiche Aussagen gemacht hatte, wurde er von Hitler am 2.Mai 1935 zu lebenslanger Zuchthausstrafe begnadigt, kam in das Zuchthaus Luckau und von dort im Februar 1939 nach Brandenburg-Görden. Am 13. November 1941 zu weiteren Verhören vor der Staatsanwaltschaft nach Berlin geholt, beging Michael Klause am 7. Februar 1942 in seiner Zelle im Gefängnis Plötzensee Selbstmord.

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Kleditzsch, Jürgen

* 26.1.1944

Geb. in Bad Schandau; Grund- u. Oberschule, 1962 Abitur; 1962 Pflegepraktikum im Kreiskrankenhaus Sebnitz; 1963 – 69 Medizinstudium an der KMU Leipzig, 1969 Prom.; 1969 – 74 Facharztausbildung, Facharzt für Orthopädie; 1974 Abt.-Ltr. Physiotherapie an der orthopäd. Klinik der Med. Akad. Dresden; 1975 Facultas docendi; 1977 CDU, 1984 – 90 Mitgl. des CDU-BV Dresden; 1978 Oberarzt, 1980 Prom. B, 1985 Berufung zum außerord. Doz., 1987 zum außerord. Prof. an der Med. Akad. Dresden; Dez. 1989 Bezirksarzt von Dresden; März – Okt. 1990 Abg. der Volkskammer; April – Okt. 1990 Minister für Gesundheitswesen; später Tätigkeit als Orthopäde in Neu-Ulm.Andreas Herbst

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Klein, Dieter

* 15.10.1931

Geb. in Berlin; Eltern kfm. Angest.; wegen jüd. Abstammung unter dem NS-Regime vom Gymnasium relegiert, anschl. Besuch einer einklassigen Dorfschule. 1951 Abitur; anschl. bis 1954 Studium der Wirtschaftswiss. an der HU Berlin; danach Assistent an der dortigen Wirtschaftswiss. Fak.; 1954 SED; 1961 Prom. mit der Diss. »Integration des Finanzkapitals in Westeuropa«; 1962 Doz.; 1964 Habil. mit einer Arbeit zu Planifikation u. anderen strateg. Ansätzen in der EWG; Mai 1965 wegen der Betonung von Entw.-Potentialen des Kap. als »Reformist« angegriffen; 1965 Prof. für pol. Ökon. u. bis 1977 Dir. des Inst. für pol. Ökon. an der HU; hier Förderung einer Arbeitsgr. Soziol. bis zur Gründung eines eigenständigen soziolog. Inst. an der HU Berlin sowie der Etablierung des Lehrfachs Demographie trotz offiz. Vorwürfe des »Biologismus«; ab 1978 Prorektor der HU Berlin für Ges.-Wiss.; 1979 NP (im Koll.); 1983 Mitgl. der SED-BL Berlin; erneute Vorwürfe des »Revisionismus« durch den Rektor der SED-PHS u. a. wegen Kritik am PB-Beschluß zur Errichtung des umweltgefährdenden Trichlorsilanwerks in Dresden-Gittersee; in den 80er Jahren hauptverantw. für den Aufbau einer multidisz. Friedensforschung an der HU Berlin u. den Austausch von Vorlesungszyklen mit dem Hamburger Inst. für Friedensforschung u. Sicherheitspol., wiederum gegen die Kritik mehrerer SED-PB-Mitgl.; 1989 beteiligt an der Org. der Protestkundgebung krit. SED-Mitgl. am 8.11.89 vor dem ZK-Gebäude in Berlin; Mitautor eines Programmvorschlags für die SED/PDS im Sinne des »Dritten Wegs«, Referat auf dem Sonderparteitag der SED/PDS im Dez. 1989; 1990 Gründungsdir. des Inst. für Interdisz. Zivilisationsforschung an der HU Berlin. 1992 – 96 Überhang-Professur für ökon. Grundlagen der Pol. am Fachber. Sozialwiss. der HU; 1997/98 Mitgl. des PDS-Bundesvorst.; 1998 Mitgl. der Grundsatzkommission der PDS; Mitgl. des Vorst. u. Vors. der Zukunftskommission der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Hrsg. u. Mitautor des Lehrbuchs »Pol. Ökon. des Kap.« (Berlin 1986); D. K. galt als reformorientierter Politökonom u. Wiss.-Funktionär; sein Buch »Chancen für einen friedensfähigen Kap.« (Berlin 1988) markiert einen Bruch mit dem offiz. Dogma vom »aggressiven Wesen des Kap.«; als Prorektor förderte er bis dato tabuisierte Forschungsrichtungen, u. a. den Aufbau einer interdisz. Forschung zur Homosexualität sowie eine Reihe reformorientierter Nachwuchswissenschaftler, u. a. die Mitarb. des Projekts »Konzeption eines mod. Soz.«; D. K.s eigene Forschungen betrafen insbes. Entwicklungspotentiale u. -probleme des mod. Kap., seit 1990 die Rückwirkungen der Transformationsprozesse in Osteuropa auf die westl. Welt.Ökon. Widersprüche des Kap. Moskau 1979 (russ.); Krisen des Kap. Berlin 1987; Zwischen den Zeiten. Hamburg 1992 (Hrsg. mit M. Brie); Der Engel der Geschichte. Befreiende Erfahrungen einer Niederlage. Berlin 1993 (mit M. Brie); Leben statt gelebt zu werden. Berlin 2004 (Hrsg.); Krisenkapitalismus. Berlin 2008. Dokumentation (anläßl. der Em. von K.) in Berliner Debatte Initial (1997) 4.Jan Wielgohs

Wer war wer in DDR

Klein, Hans (Knud)

* 5.5.1904 – ✝ 29.8.1970

Geb. in Hamburg-Billstedt; Vater Büro-Schreiber, Mutter Landarb.; Volksschule, Fortbildungsschule; Bäckerlehre; Strecken- u. Bauarb.; 1923 KPD, mehrmals in pol. Haft; 1928 Parteischule in Berlin-Fichtenau; Instrukteur für KPD-BL Wasserkante; in den Krs.- u. Provinziallandtag Schlesw.-Holstein gewählt; nach 1933 antifa. Widerstand; 1934 wegen »Vorber. zum Hochverrat« zweieinhalb Jahre Zuchthaus (Rendsburg); 1937 Emigr. nach Dänemark, 1943 nach Schweden. Dez. 1945 Rückkehr in die SBZ; Instrukteur bzw. 1. Krs.-Sekr. der SED in Waren, ab 1948 in Wismar; MdL Mecklenb.; Jan. bis Aug. 1950 Kaderltr. in der SED-Landesltg., dann nach Berlin; Gen.-Inspekteur der DVP; Okt. 1950 stellv. Chef der DVP, gerät hier in Konflikt mit dem DVP-Chef  Karl Maron; Dez. 1950 Krankheit; kurz darauf Entzug der Funktionen im Zuge der Überprüfung der Westemigranten durch die ZPKK der SED; auf eigenen Wunsch zur PHS; 1953 Parteiorganisator des ZK im Transformatorenwerk in Berlin-Oberschöneweide; Dez. 1959 Instrukteur in der Internat. Abt. des ZK der SED; 1961 aus gesundheitl. Gründen aus dem Berufsleben ausgeschieden.Michael F. Scholz

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Klein, Matthäus

* 18.12.1911 – ✝ 2.2.1988

Geb. in Bettingen (Baden); Vater Bauer; Gymnasium in Wertheim, 1931 Abitur; Studium der ev. Theol. in Greifswald, Erlangen, Heidelberg; Pfarrer; Wehrmacht, Uffz.; 1941 sowj. Kriegsgefangenschaft; 1943 Mitbegr. u. Mitgl. des NKFD; Mitgl. des Arbeitskrs. für kirchl. Fragen; Propagandaeinsätze an der Front; vom RKG wegen »Hochverrats« in Abwesenheit zum Tode verurteilt. 1945 Rückkehr nach Dtl.; KPD; Mitw. beim Aufbau des Berliner Rundfunks, Ltr. der Personalabt.; 1947 Lehrer für Philos. an der PHS; ab 1950 Doz. für Ges.-Wiss. an der FSU Jena; 1951 – 62 Doz. bzw. Prof. u. stellv. Dir. am IfG; 1956 – 60 Chefred. der »Dt. Ztschr. für Philos.«, dann Mitgl. in deren Red.-Kolleg.; Mitgl. des Red.-Kolleg. der theoret. SED-Ztschr. »Einheit«; 1961 Prom. zum Dr. phil. mit einer Diss. zur Rolle des gesellschaftl. Bewußtseins; 1962 – 73 stellv. Dir. des ZI für Philos. der DAW; Mitbegr. u. 1954 – 76 Vizepräs. der Urania; 1977 Dr. h. c. der FSU Jena; im gleichen Jahr em.; KMO; Ehrenspange zum VVO; Arbeiten zur Geschichte der marxist. Philos., Persönlichkeitstheorie, Ethik u. Humanismus.Oktoberrev. – Grundanliegen d. Menschheit. Berlin 1967; Humanismus, Menschheit, Frieden. Berlin 1967 (mit M. Buhr); Soz., Humanismus, Frieden. Eine Auswahl aus Arbeiten von M. Klein anläßlich seines 70. Geburtstags. Berlin 1981 (mit Biogr. u. Bibl.).Peter Erler

Handbuch Deutsche Kommunisten

Kleine, Gustav

* 19.3.1896 – ✝ 29.12.1958

Geboren am 19. März 1896 in Zörbig/Krs. Bitterfeld; Bürogehilfe in Bernsdorf/Thüringen. Im Ersten Weltkrieg Soldat, kam im September 1919 nach Rahnsdorf bei Berlin. Dort zuerst beim Gemeindevorstand tätig, 1920 wurde er bei der Eingemeindung von Rahnsdorf vom Bezirksamt Berlin-Köpenick übernommen. Er war Mitglied der KPD und Mitbegründer der Reichsgewerkschaft deutscher Kommunalbeamter, 2.Vorsitzender des Beamtenrates im Bezirksamt Berlin-Köpenick und wurde 1929 in die Stadtverordnetenversammlung gewählt. Am 12.März 1933 Wiederwahl, er durfte das Mandat jedoch nicht mehr wahrnehmen. Von 1927 bis 1930 Polleiter der KPD in Berlin-Köpenick und Mitglied der erweiterten BL Berlin-Brandenburg. 1933 in der Nacht des Reichstagsbrandes festgenommen, kam er nach sechs Wochen frei. Kleine war bis 1936 arbeitslos, dann Inspektor bei einer Versicherung, von 1939 bis 1940 Sanitäter bei der Wehrmacht. Im Zuge der Aktion »Gewitter« im August 1944 wurde er verhaftet, nur kurz im Polizeipräsidium Berlin festgehalten und wegen einer akuten Tuberkulose-Erkrankung freigelassen. Am 5.Mai 1945 vom sowjetischen Kommandanten als Bezirksbürgermeister von Köpenick eingesetzt, veranstaltete er im Juni 1945 eine erste Gedenkfeier für die Opfer der »Köpenicker Blutwoche«. Wieder Mitglied der KPD, 1946 der SED, wurde er im Dezember zum stellvertretenden Bezirksbürgermeister von Köpenick gewählt. Gustav Kleine starb am 29.Dezember 1958 in Ost-Berlin.

Wer war wer in DDR

Kleinert, Inge

* 22.11.1923 – ✝ 14.2.1972

Geb. in Berlin; Vater Fabrikdir.; bis 1937 Besuch der Privatschule in Berlin-Grunewald; Okt. 1937 Emigr. in die Niederlande, dort Anschluß an die zionist. Jugend; Lehre in einer Gärtnerei; Mai 1940 Flucht nach Großbritannien; Gärtnerin in Nottingham; Anschluß an eine Gruppe junger dt. Antifaschisten; 1943 Aufnahme in die KJVD-Gruppe in Leicester; Mitbegr. der FDJ in Großbritannien, Anfang 1944 KPD. Aug. 1946 Rückkehr nach Dtl.; SED; Einsatz in Thüringen, zunächst in Erfurt, dann Kulturreferentin beim FDJ-LV in Weimar; Heirat mit  Heinz Lippmann (bis 1950); Jan. 1949 Kurzlehrgang für Jugendfunktionäre an der SED-PHS (Abbruch wg. Krankheit); Okt. 1949 Mitarb. im Amt für Information, Ltr. der Abt. für Kulturelle Fragen, ab Sept. 1950 Ltr. der Abt. Kleinkunst; 1952 / 53 stellv. Ltr. der Zentralstelle für Landfilme, Berlin; 1953 / 54 Red. bei der Betriebszeitung im VEB Kabelwerk Oberspree in Berlin-Köpenick; 1954 – 59 Red., Chef v. Dienst, stellv. Ltr. einer Hauptabt. beim ADN, zeitw. Sekr. der SED-BPO im ADN u. Mitgl. des Büros der SED-KL Berlin-Mitte; 1962 – 72 Dir. des VEB DEFA-Studio für Wochenschau u. Dokumentarfilme.Andreas Herbst