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BioLex

In der Kategorie BioLex finden Sie drei biografische Lexika mit über 5500 Personeneinträgen.

 

Das Handbuch "Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945" wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam. Kurzbiografien zu Personen des poltischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 vor. Zudem ist das Onlinlexikon www.dissidenten.eu komplett in dieser  Rubrik recherchierbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Inforamtionen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Kleinert, Kurt

* 1.6.1927 – ✝ 21.4.2016

Geb. in Breslau (Wrocław, Polen); Vater Schuhmacher, Mutter Schneiderin; Volks- u. Mittelschule; 1943 / 44 RAD; 1944 / 45 Wehrmacht; April 1945 – Mai 1946 amerikan. Kriegsgef. 1946 KPD, Mitbegr. der FDJ in Niedersachsen; 1947 Übersiedl. in die SBZ; SED; 1947 / 48 Autoschlosser bei IFA-Autoreparaturen Dresden; 1948 ABF Dresden, Abitur; 1949 – 53 Studium der Wirtschaftswiss. an der TH Dresden, Dipl.-Wirtschaftler; 1953 / 54 Ass. an der Fak. Ingenieurökon. der TH Dresden; 1954 / 55 Hauptreferent im Min. für Schwerind.; 1955 – 60 Oberass. bzw. Prorektor an der TH für Chemie Leuna-Merseburg; 1960 Prom. zum Dr. rer. oec.; 1960 – 63 Sekr. der Ständigen Kommission für ökon. u. wiss.-techn. Zusammenarbeit auf dem Gebiet der chem. Ind. des RGW; 1963 – 65 Gruppen- u. Sektorenltr. in der Hauptabt. Chemie im VWR; 1966 / 67 Stellv. des Ltrs. des Büros des Min.-Rats, 1967 – 72 Stellv. des Staatssekr. für Staats- u. Wirtschaftsführung im Min.-Rat; 1972 stellv. Staatssekr., 1974 – 89 Staatssekr. u. Ltr. des Sekr. des Min.-Rats. (Nachf. von  Rudolf Rost); 1969 VVO.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Kleinschmidt, Sebastian

* 16.5.1948

Geb. in Schwerin; Vater Domprediger  Karl K., Mutter Krankenschwester; 1966 Abitur; Facharb. als Elektrosignalschlosser; 1966 – 70 Wehrdienst bei der Marine, Obermaat; 1968 SED; 1970 – 72 Studium der Geschichte an der KMU Leipzig, 1972 – 74 Studium der Philos. an der HU Berlin, 1974 – 78 Forschungsstudium Ästhetik; 1974 – 77 Mitgl. eines konspirativen oppositionellen Zirkels (mit Klaus Wolfram,  Wolfgang Templin u. a.), Auflösung durch das MfS (OV »Kreis«); 1978 Dr. phil.; 1978 – 83 wiss. Mitarb. am ZI für Lit.-Geschichte der AdW; 1984 – 87 Mitarb. der AdK; Red. der Ztschr. »Sinn u. Form«, 1988 – 90 stellv. Chefred.; 1989 bis Okt. 1990 PDS. Nov. 1990 Chefred. von »Sinn u. Form«; 1993 Mitgl. des PEN-Zentrum.Walter Benjamin – Allegorien kultureller Erfahrung. Leipzig 1984 (Hrsg.); Georg Lukács – Über die Vernunft in der Kultur. Leipzig 1985 (Hrsg.); Denk ich an Dtl. Frankfurt (Main) 1993 (Hrsg. mit W. Balk); Kinder der Opp. Gütersloh 1993 (Koautor); Lit. in der Diktatur. Paderborn 1997 (Koautor); Stimme und Spiegel. Fünf Jahrzehnte »Sinn und Form«. Berlin 1998 (Hrsg.); Pathosallergie u. Ironiekonjunktur. Zürich 2001; Brecht u. Sport. Berlin 2005 (Mithrsg.); Gegenüberglück, Essays. Berlin 2008.Christoph Links

Wer war wer in DDR

Klemperer, Victor

* 9.10.1881 – ✝ 10.2.1960

Geb. in Landsberg / Warthe (Gorzów Wielkopolski, Polen); Vater Prediger der jüd. Reformgemeinde Berlin; Abitur; 1899 – 1904 Studium der germanist. u. romanist. Philol. an den Univ. Berlin, München, Genf, Paris u. Rom; 1903 ev. Taufe; 1904 – 12 freischaff. Schriftst. u. Publizist; 1912 Dr. phil. u. 1914 Habil. an der Univ. München; 1914/15 Lektor an der Univ. Neapel; 1915 – 19 Privatdoz.; Soldat im 1. Weltkrieg; 1919 a. o. Prof. der Univ. München; 1920 – 35 Prof. für romanist. Philol. u. Ordinarius der TH Dresden; 1935 Entlassung durch die Nazis, Publ.- u. Bibliotheksverbot; partieller Schutz vor weiterer Verfolgung durch die Ehe mit einer nichtjüd. Frau; Zwangsarbeit an versch. Hilfsarbeitsstellen; im Chaos der Luftangriffe vom 13./14. Febr. 1945 Flucht nach Bayern. 1945 Prof. für romanist. Philol. der TH Dresden; 1945/46 KPD/SED; Ltr. der VHS u. des Abendgymnasiums; Mitgl. des KB Sachsen; 1947 Prof. der Univ. Greifswald; 1947 – 60 Mitgl. des Präsidialrats des KB; 1948 Dir. des romanist. Seminars der Univ. Halle; 1950 Dr. paed. h. c. an der TH Dresden; 1950 – 58 Abg. der Volkskammer; 1951 – 53 Mitgl. des ZV der VVN; danach Mitgl. des Komitees der Antifa. Widerstandskämpfer; 1951 – 54 Prof. am Romanist. Inst. der HU Berlin; em.; 1952 NP; Mitgl. des Dt. PEN-Zentrums Ost u. West; 1954 Ord. Mitgl. der DAW; 1956 VVO; Mitgl. der DAK u. des Ehrenaussch. der Paul-Claudel-Ges. Köln; F.-C.-Weiskopf-Preis; 1995 Geschwister-Scholl-Preis (posthum für »Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten. Tagebücher 1933 – 45«. Berlin 1995, TV-Verfilm. 1999). Wichtige Forschungen zur Geschichte der frz. u. ital. Lit. u. zu deren Einflüssen auf die dt. Lit.; Verf. der ersten komplexen Kritik der »Sprache des Dritten Reiches«, von DDR-Lesern später vielfach auch auf die offiz. DDR-Sprache bezogen; die Tagebücher aus der DDR-Zeit sind einzigartiges Zeugnis eines Lebens zw. Anpassung u. Desillusionierung.Montesquieu. München 1915; LTI. Notizbuch eines Philologen. Halle 1947 (zahlr. Nachaufl.); Geschichte der frz. Lit. im 18. Jh. Berlin 1954 – 56 (Neubearb.); Geschichte der frz. Lit. im 19. u. 20. Jh. Berlin 1956 (Neubearb.); Curriculum vitae. Jugend um 1900. Autobiogr. Berlin 1989; So sitze ich denn zw. allen Stühlen. Tagebücher 1945 – 1959. Hrsg. von W. Nowojski. Berlin 1999. Im Dienste der Sprache. Fs., Bibl. Halle 1958; Walser, M.: Das Prinzip Genauigkeit: Laudatio auf V. K. Frankfurt (Main) 1996; Dirschauer, J.: Tagebuch gegen den Untergang: zur Faszination V. K.s. Gießen 1997; Borchert, C. u. a.: V. K. Ein Leben in Bildern. Berlin 1999; Aschheim, S. E.: »Genosse K.«. Kommunismus, Liberalismus u. Judesein in der DDR, 1945 – 1959. In: Zuckermann, M. (Hrsg.): Zwischen Politik u. Kultur. Göttingen 2002.Andreas Kölling

Wer war wer in DDR

Klett, Eveline

* 9.10.1949

Geb. in Vielau (Krs. Zwickau); OS; 1964 FDJ; 1966 – 68 Ausbildung als Dreherin; seit 1968 Dreherin bzw. Mstr. einer Jugendbrigade im VEB Zwickauer Maschinenfabrik; 1969 SED; 1971 Mitgl. der ZPL; seit 1976 Mitgl. der SED-KL Zwickau-Stadt; 1976 DFD; 1979/80 Besuch der BPS; 1976 – März 1990 Abg. der Volkskammer, Mitgl. des Jugendaussch.; 1986 – 89 Mitgl. des Staatsrats; lebt in Neuplanitz (b. Zwickau).Die Staatsrätin. In: Die Zeit, 19.6. 1992.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Kling, Wilhelm

* 7.2.1902 – ✝ 17.11.1973

Geb. in Bammental (Krs. Heidelberg); Vater Mühlenarb., Mutter Heimarb.; Volksschule; 1916 – 21 Ausbildung zum Kfm. in Heidelberg; 1919 ZdA-Jugend; Hrsg. der Ztschr. »Aktivist«; 1921 – 24 Angest. in Dortmund; 1922 – 24 Mitgl. u. Sekr. im »Verein zur Abwehr des Antisemitismus in Dtl.«; 1923 Mitarb. im AM-Apparat der KPD Ruhrgeb.; 1925 KPD, versch. Funktionen im UB Dortmund; 1925 – 28 Arbeiter bei Baufirmen, Betriebsrat; 1926/ 27 Besuch der KPD-Schule Ruhrgeb.; 1928/29 arbeitslos; journalist. Beiträge in der KPD-Ztg. »Ruhr-Echo«; 1929 – 33 Red. der Tagesztg. »Berlin am Morgen«; Funktionär des KPD-UB Berlin Moabit u. Südost; ab März 1933 illeg. in Berlin; Mitarb. im M-Apparat der KPD (»Erwin«); Okt. 1933 verhaftet, bis März 1934 Haft im Berliner Kolumbiahaus; Juni 1934 illeg. in Prag; 1934/35 Pol.-Ltr. des KPD-UB Berlin-Neukölln (»Fritz«); Juli 1935 verhaftet, bis Okt. 1936 U-Haft in Berlin-Moabit; Okt. 1936 bei der letzten öffentl. Verhandlung des VGH zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt, 1936 – 45 Haft u. a. in den Zuchthäusern Berlin-Plötzensee, Brandenb.-Görden u. Bayreuth sowie in den KZ Aschendorfer Moor, Sachsenhausen (dort Stafkompanie) u. Mauthausen. Juni 1945 Rückkehr nach Berlin; 1945/46 KPD/SED; 1945 Sekr. der KPD Berlin-Neukölln; 1945 – 48 Mitarb. u. Hauptref. der Abt. Wirtschaft des ZK der KPD, dann des ZS der SED; 1948/49 Hauptref. der Abt. Personalpol. des ZK der SED, Ltr. der Unterabt. Funktionäre in Staat u. Wirtschaft, maßgebl. an der Enteignung von »Konzern- u. Kriegsverbrecherbetrieben« beteiligt; 1950/51 Hauptref. für Wirtschaftsfragen der Abt. Westkommission des ZK der SED; 1951 Mitarb. für westdt. Fragen u. KPD-Anleitung (Wirtschaftsfragen) in der Abt. Wirtschaftspol. des ZK der SED; 1951 – 53 Sektorenltr. in der Abt. Planung u. Finanzen des ZK der SED; 1953 – 64 stellv. Dir. des Dt. Wirtschaftsinst.; 1964 – 69 wiss. Mitarb. der Agit.-Kommission beim PB des ZK der SED; 1965 VVO; 1967 KMO; 1970 Rentner; ltd. Mitgl. im Komitee der antifa. Widerstandskämpfer der DDR; gest. in Berlin.Kleine Geschichte der IG Farben, der Großfabrikanten des Todes. Berlin 1957.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Klinz, Werner

* 25.12.1901 – ✝ 22.4.1969

Geboren am 25. Dezember 1901 in Halle/Saale, Sohn einer Arbeiterfamilie. Nach einer kaufmännischen Lehre Schreiber in Rechtsanwaltskanzleien und von 1921 bis 1924 beim thüringischen Ministerium für Volksbildung in Weimar. Seit 1921 in der KPD, war er von Oktober 1924 bis November 1929 Sekretär der KPD-Fraktion im Thüringer Landtag. Wegen Kritik am ultralinken Kurs 1929 Ausschluß aus der KPD, Mitglied der KPO. Bis 1933 erwerbslos, im März 1933 verhaftet, einige Wochen im KZ Nohra, danach wirkte er in der Illegalität. Im März 1935 erneut festgenommen und zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt. Ab 1939 bei einem Akademischen Verlag beschäftigt, wurde Klinz im Mai 1944 zum Strafbataillon 999 eingezogen. Von 1945 bis Mai 1951 Sekretär der KPD bzw. SED-KL Saalkreis. Im Zuge der Parteiüberprüfungen als früherer »Abweichler« abgelöst, kam er als Hauptsachbearbeiter zum Konsum in Halle und wurde am 1. September 1957 Leiter des Heimatmuseums Halle. Im Mai 1961 bestätigte die ZPKK seine KPD-Mitgliedschaft ab 1921. Werner Klinz starb am 22. April 1969 in Halle.

Wer war wer in DDR

Klotz, Sibyll-Anka

* 4.3.1961

Geb. in Berlin; Vater Chemiker; Mutter Gastronomin; 1967 – 75 POS, 1975 – 79 EOS in Strausberg, Abitur; 1975 – 83 FDJ; 1979 – 84 Studium der Philos. an der HU Berlin; 1983 – 89 SED; 1984 – 90 wiss. Mitarb. an der Charité in Berlin; 1989 Gründungsmitgl. des UFV; 1990 Prom. zum Dr. phil. an der HU mit einer Arbeit zu August Bebels »Die Frau u. der Sozialismus«. Jan. 1991 – 2006 Mitgl. des Berliner Abg.-Hauses (anfangs für den UFV); 1997 Mitgründerin der Berliner Initiative »Europa ohne Rassismus«; 1992, 1995 – 97 u. Juni 2000 – Okt. 2006 Vors. (Nachf. von Renate Künast), 1993 – 95 u. Jan. 1998 – Nov. 1999 stellv. Vors. der Frakt. Bündnis 90 / Die Grünen; seit 1995 Mitgl. der Partei Bündnis 90 / Die Grünen; arbeitsmarkt- und frauenpolitische Sprecherin; 2001 Spitzenkand. von Bündnis 90/Die Grünen für das Berliner Abg.-Haus; 2004/05 Vors. der Enquetekommission »Eine Zukunft für Berlin«; seit. Nov. 2006 Stadträtin für Gesundheit u. Soziales im Berliner Stadtbez. Tempelhof-Schöneberg; Gründungsmitgl. der Fraueninitiative »Berlin – Stadt der Frauen«; Beirat der Stiftung Berliner Tafel; lebt in Berlin-Kreuzberg.Olaf W. Reimann / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Kmiec, Paul

* 10.8.1893 – ✝ 25.3.1946

Geboren am 10. August 1893 in Dessau, Sohn einer Arbeiterfamilie; Lehre und Arbeit als Schmied in Uelzen und Hannover, Wanderschaft. 1914 Einberufung zum Kriegsdienst, als Heizer bei der Marine. Anfang 1919 Rückkehr nach Dessau, wurde Mitglied der KPD. Er arbeitete in Wolfen und Dessau, war zeitweise Vorsitzender des Betriebsrates. Kmiec gehörte von 1924 bis 1933 dem Landtag von Anhalt an, war ab 1930 Vorsitzender des Kampfbundes gegen den Faschismus und Mitglied der BL Magdeburg. Am 17. März 1933 auf dem Dessauer Hauptbahnhof verhaftet, kam in »Schutzhaft« und wurde im Juni 1934 in das KZ Oranienburg überführt, von dort in das KZ Roßlau. Danach wieder Arbeiter, aber 1944 erneut inhaftiert und in das KZ Buchenwald eingeliefert. Kmiec kam im Juni 1945 nach Dessau zurück, wo er 1945/46 Sekretär des KPD-UB Dessau wurde. Paul Kmiec starb am 25. März 1946 in Dessau. Marion Goers veröffentlichte 2005 eine biographische Skizze über Paul Kmiec.

Wer war wer in DDR

Kneifel, Josef

* 15.11.1942

Geb. in Weißig (Niederschl.); Eltern Gewerbetreibende; aufgew. bei Pflegeeltern in Sachsen; Pflegevater KPD-Funktionär; Lehre als Fleischer, später als Dreher; 1957 – 63 FDJ; freiw. Helfer der VP; Kand. des MfS-Wachregt.; 1968 Protestflugblätter gegen den Einmarsch der Warschauer-Pakt-Staaten in die ČSSR; ab 1972 mehrere Ausreiseanträge; 1975 erste Verurteilung wegen »Staatsverleumdung« zu zehn Mon. Freiheitsentzug, anschl. Schikanen durch staatl. Behörden; nach dem Einmarsch der Roten Armee in Afghanistan Beteiligung an einem Sprengversuch des sowj. Panzermonuments in Karl-Marx-Stadt (9.3.1980); 18.8.1980 gem. mit Ehefrau u. Sohn verhaftet; Verurteilung zu lebenslängl. Haftstrafe, auf die Urteilsverkündung reagiert J. K. mit dem Ausruf: »Genug den Namen des Volkes mißbraucht, ihr Lakaien!«; 1981 – 87 überwiegend in Isolationshaft, u. a. in Brandenb., im Haftkrankenhaus Meusdorf u. im Arrestkeller des Gesonderten Kommandos der Strafvollzugseinrichtung Bautzen I; nach Schikanen u. Mißhandlungen schwere gesundheitl. Schäden; Freilassung u. Abschiebung in die Bundesrep. Dtl. im Rahmen eines Agenten / Dissidenten-Austauschs im Juli 1987. Lebt in Nürnberg; autobiogr. Bericht in »Stalins DDR – Berichte pol. Verfolgter«. Leipzig 1991; im Umfeld der als rechtsextremist. angesehenen Hilfsorgan. Nationaler Gefangener (HNG) aktiv.Siegmar Faust

Wer war wer in DDR

Kniepert, Andreas

* 11.4.1950

Geb. in Löbau; Grund- u. EOS in Löbau, 1968 Abitur u. Abschluß als Mechaniker, im Beruf tätig; 1970 – 74 Studium der Verfahrenstechnik an der TU Dresden, Dipl.-Ing.; 1974 – 91 u. 1995 wiss. Ass. an der HAB in Weimar, Prom. zum Dr.-Ing., 1985 Habil.; NDPD; Eintritt in die FDP; Juli 1990 – 94 Landesvors. der FDP Thür., Mitgl. im FDP-Bundesvorst. 1990 – 94 MdL u. Vors. der FDP-Fraktion im Thür. Landtag; 1995 wiss. Ass. an der HAB in Weimar; 1999 – 2002 Landesvors. der FDP Thür.; akad. Mitarb. in der Fak. für Bauing.-Wesen an der Bauhaus-Univ. Weimar.Modellsystem zur Optimierung der Schotter- u. Splittprod. Weimar 1978; Zur Beschreibung phänomenolog. erfaßbarer, mehrdimensionaler, nichtlinearer Abhängigkeiten durch mathemat. Funktionen. Weimar 1984.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Knoblich, Herbert

* 11.6.1939

Geb. in Alt Jauer (Krs. Jauer, Niederschles./ Stary Jawor, Polen); OS in Cottbus, 1957 Abitur; 1957 – 61 Studium der Math. u. Physik an der TH Dresden; Fernstudium an der PH Dresden, Dipl.-Lehrer; 1961 – 70 Lehrer; 1970 – 90 Assistent, Oberassistent u. Doz. für Festkörperphysik. an der PH Potsdam; 1985 Prom., 1986 Habil. mit einer Arbeit über Generation u. Transport elektr. Ladungsträger; Aufenthalt an der Univ. Riga (Lett. SSR); Ltr. des Bereichs Techn. Systeme der Sektion Polytechnik an der PH Potsdam; Mitgl. der Dt. Physikal. Ges.; Jan. 1990 SPD, Mitgl. des SPD-KV Potsdam-Stadt; Juni – Okt. 1990 Ltr. des Ressorts Bildung, Wiss. u. Kultur der Bezirksverw.-Behörde Potsdam. Okt. 1990 – Okt. 2004 MdL u. Präs. des Landtags Brandenb.; Rentner; 2004 Bundesverdienstkreuz.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Knöchel, Wilhelm

* 8.11.1899 – ✝ 12.6.1944

Geboren am 8. November 1899 in Offenbach/Main; Dreher, Grubenschlosser, 1919 Mitglied der SPD, 1923 der KPD, Funktionär der KPD in Dortmund-Brunninghausen, Von 1924 bis 1930 Mitglied der Leitung des UB Dortmund, ab 1930 Funktionär in Offenbach. Von 1932 bis 1934 Kursant an der Internationalen Leninschule in Moskau, danach ab 1934 Oberberater für den illegalen KPD-Bezirk Wasserkante in Hamburg. Auf der »Brüsseler Konferenz« im Oktober 1935 wurde Knöchel zum Kandidaten des ZK gewählt und 1936 zum Aufbau der Abschnittsleitung West nach Amsterdam geschickt. Er war Mitbegründer und Sekretär des kommunistischen Ausschusses freigewerkschaftlicher Bergarbeiter Deutschlands, 1938 Wahl zum Mitglied der Exekutive der Bergarbeiterinternationale. Knöchel nahm im Januar 1939 an der »Berner Konferenz« teil und wurde Vollmitglied des ZK der KPD. Infolge des Hitler-Stalin-Paktes und der Auflösung aller Abschnittsleitungen Beauftragter der KPD für die Niederlande, Belgien und die Schweiz. Im Januar 1942 reiste er illegal über das Ruhrgebiet nach Berlin und bemühte sich, die sogenannte operative Leitung der KPD aufzubauen. Knöchel hatte, wenn auch eingeschränkt, Verbindungen zum in Moskau sitzenden ZK der KPD, stand aber dessen Direktiven immer kritischer und zuletzt ablehnend gegenüber. An seine Lebensgefährtin Cilly Hansmann (* 15 6. 1908 – † 1. 10. 1984), die für ihn Kurierdienste leistete, schrieb er: »Sitzen die in Moskau auf dem Mond?« Am 30. Januar 1943 wurde Knöchel in Berlin verhaftet. Damit gelang der Gestapo ein entscheidender Schlag gegen den kommunistischen Widerstand. Der Gruppe um Knöchel war es als einziger gelungen (entsprechend einem Beschluß der KPD-Führung vom Ende 1939), aus der Emigration zurückzukehren und in Deutschland ein Widerstandszentrum, gewissermaßen eine »Reichsleitung« unter Anleitung des ZK in Moskau, zu organisieren. Deswegen wurde Knöchel später von der DDR-Geschichtsschreibung lange Zeit besonders positiv hervorgehoben und gewürdigt, um die erfolgreiche Anleitung des Widerstandes durch die Moskauer Exilführung zu »beweisen«. Seit den achtziger Jahren wurde sein Name verschwiegen, und zwar wegen seines (auch vorher bekannten!) Anteils an der Zerschlagung der Gruppe, die die Tragödie kommunistischer Widerstandskämpfer im Nazi-Deutschland während des Krieges zeigt. Aufgrund von Hinweisen des Gruppeninstrukteurs Alfons Kaps, der Anfang 1943 festgenommen worden war, konnte die Gestapo am 20. Januar 1943 den wichtigen Funktionär Willi Seng verhaften. Nach »verschärfter Vernehmung« – also fürchterlicher Mißhandlung – gab Seng nicht nur seine Kenntnisse preis, sondern war bereit, die Gestapo zu einem Treffen mit Knöchel in Berlin zu führen. Dies mißlang, weil der schwerkrank im Bett lag und nicht zu dem Termin kam. Als Knöchel schließlich am 30. Januar festgenommen wurde und wohl ähnlichen Torturen unterworfen war, bot auch er am 17. Februar der Gestapo die Zusammenarbeit als V-Mann an. Er ging diesen Schritt, obwohl er an schwerer Tbc litt, also ohnehin nur noch eine geringe Lebenserwartung hatte. Was ihn zum Verräter machte, ist kaum zu beurteilen. Waren es die Torturen oder der inzwischen gebrochene Glaube an Moskau oder ein verzweifelter Versuch, Zeit zu gewinnen, um freizukommen und zu fliehen? Der Fall Knöchel beweist, daß die einzigen Funktionäre, die den Widerstandsgruppen im Krieg »Weisungen« des ZK hätten überbringen sollen, das gar nicht konnten. Es war eine SED-Legende, die ab 1961 verbreitet wurde und Walter Ulbricht zum Führer des Widerstandes gegen Hitler machen sollte. Knöchel wurde zunächst im KZ Scheveningen festgehalten, dann nach Berlin überführt und am 12. Juni 1944 vom VGH zum Tode verurteilt. Auch die übrigen Mitglieder der Gruppe (Seng, Kaps, Alfred Kowalke und Wilhelm Beuttel) erhielten die Todesstrafe. Die Verteidigung der Angeklagten, sie hätten mitgeholfen, einen Spionagering unschädlich zu machen, wies der Vorsitzende des VGH, Roland Freisler, zynisch zurück: Das »wissen wir nicht«. Auch ein Gnadengesuch Sengs wurde abgelehnt, dieser hatte darin nochmals betont, seine Aussagen seien »der Schlüssel« zur Aushebung der Gruppe gewesen. Wilhelm Knöchel wurde am 24. Juli 1944 im Zuchthaus Brandenburg hingerichtet.

Wer war wer in DDR

Kleinert, Wolfgang

* 15.1.1919 – ✝ 25.4.2003

Geb. in Dresden; Vater Angestellter; Volksschule u. Techn. Lehranstalt Dresden, Lehre u. Arbeit als Feinmechanikergehilfe; Mitgl. der ev. Jungschar; 1933 / 34 NSDAP, 1934 Ausschluß aus der HJ; 1937 – 45 Wehrmacht; 1945 – 49 sowj. Kriegsgef., Besuch der Antifa-Zentralschule 9999, anschl. dort Ass. 1949 Rückkehr nach Dtl.; 1950 / 51 Mitarb. im Amt für Information, Rundfunkjournalist; 1950 SED; 1951 / 52 Abt.-Ltr. in der Generalintendanz des Rundfunks der DDR; 1952 stellv. Bereichsltr. im Fernsehzentrum Berlin-Adlershof; 1952 – 68 Stellv. des Vors. des Staatl. Rundfunkkomitees; 1956 – 66 Intendant von Radio DDR; 1960 / 61 Studium an der SED-PHS; 1966 – 69 1. Stellv. des Intendanten des DFF; 1969 – 74 1. Stellv. des Vors. des Staatl. Komitees für Fernsehen; 1974 – 83 Dir. des DEFA-Studios für Dokumentarfilme; danach Rentner.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Kleinschmidt, Waldemar

* 25.7.1941

Geb. in Karolew (b. Łódź) (Polen); Grundschule; Lehre u. Arbeit als Schlosser; 1962 – 65 Studium an der TH Dresden, Maschinenbau-Ing.; 1965 Techn. Ltr. im VEB Maschinen- u. Transportanlagenbau Falkenberg / Elster; 1967 CDU; 1977 – 79 Stud. an der DASR Potsdam, Dipl.-Staatswiss.; 1979 / 80 Mitarb. der Abt. Finanzen des Rats der Stadt Cottbus, 1980 – 89 Stellv. des Vors. des Rats des Krs. Cottbus für Finanzen u. Preise; ab 13.12.1989 amt. OB von Cottbus (Nachf. von  Erhard Müller), Mai 1990 – 2002 OB von Cottbus; zeitw. Präs. des Brandenburg. Städte- u. Gemeindebundes, Mitgl. des Präs. des Dt. Städtetages u. des Hauptaussch. des Dt. Städte- u. Gemeindebundes; Vors. der Regionalen Planungsgemeinschaft »Lausitz-Spreewald«.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Klenner, Hermann

* 5.1.1926

Geb. in Erbach (Odenwald) in einer An- gest.-Familie; Realgymnasium, 1944 Abitur; NSDAP; 1944/45 Kriegsdienst, verwundet. 1945/46 Bauarb.; SPD/SED; 1946 – 49 Studium der Jurisprudenz an der Univ. Halle; anschl. Aspirant an der Univ. Leipzig u. Lehrtätigkeit an der DVA; 1951 Wahrnehmungsdoz. für Staats- u. Rechtstheorie an der Jurist. Fak. der HU Berlin; 1952 dort Prom. zum Dr. jur. mit der Arbeit »Formen u. Bedeutung der Gesetzlichkeit als einer Methode in der Führung des Klassenkampfes« (veröff. Berlin 1953); 1953/54 Doz. u. stellv. Dir. des Inst. für Theorie des Staates u. des Rechts; 1956 Prof. mit Lehrauftrag u. Prodekan der Jurist. Fak. der HU; 1958 im Kontext der sog. Babelsberger Konferenz zur Rechtspol. der SED Revisionismus-Vorwürfe, Parteiverfahren (strenge Rüge), Entlassung aus allen Funktionen an der Univ. u. Einsatz zur »Bewährung in der Praxis« als Bürgermstr. der Gemeinde Letschin (Krs. Seelow); ab 1960 Mitarb. der HfÖ Berlin; 1964 dort Habil. mit »Studien über die Grundrechte« (veröff. Berlin 1965); 1965 Dir. des Inst. für Wirtschaftsrecht der HfÖ Berlin; 1967 Gründer u. Ltr. der Arbeitsstelle für Staats- u. Rechtstheorie an der DAW; Auflösung der Einrichtung nach erneuten Revisionismus-Vorwürfen wegen K.s Betonung der Bedeutung formellen Rechts im Kontext der damaligen Diskussion um Wirtschaftsreformen; 1969 bis zur Abwicklung im Dez. 1991 Mitarb. am ZI für Philos. (ZIPhil) der DAW/ AdW; 1968 – 87 Mitgl. des Präs. der Internat. Vereinigung für Rechts- u. Sozialphilos.; Gastprof. in den USA (1975), Japan (1979), Australien (1987); 1970 – 89 als IMS/IMB »Klee« des MfS erf.; 1976 Mitgl. des Präs. des DDR-Komitees für Menschenrechte; 1984 – 86 Ltr. der DDR-Delegation bei der UNO-Menschenrechtskonferenz in Genf, seine Wahl zum Vors. der Kommission scheiterte 1986 mit Hinweis auf seine einstige NSDAP-Mitgliedschaft; 1978 Korr., 1987 Ord. Mitgl. der AdW; 1988 NP; Herbst 1989 – 91 Vors. des Wiss. Rats des ZIPhil; Febr. – Juli 1990 Vors. des Runden Tisches an der AdW; Sept. 1990 Honorarprof. an der HU Berlin. 1992 em.; Mitgl. der Leibniz-Sozietät; Mitgl. des Kuratoriums der Rosa-Luxemburg-Stiftung; 2005 Menschenrechtspreis der Ges. für Bürgerrechte u. Menschenwürde e. V.; Mitgl. im Ältestenrat der Linkspartei; lebt in Berlin. Zahlr. rechtstheoret. u. rechtsphilosoph. Arbeiten sowie Editionen, u. a. von Thomas Hobbes, John Milton (1978), John Locke (1980), Georg W. F. Hegel (1981), Immanuel Kant, Baruch Spinoza (1988).Der Marx.-Lenin. Über das Wesen des Rechts. Berlin 1954; Rechtslehre. Berlin 1972; Marx. und Menschenrechte. Berlin 1982; Vom Recht der Natur zur Natur des Rechts. Berlin 1984; Dt. Rechtsphilos. im 19. Jh. Berlin 1991; Recht u. Unrecht. Bielefeld 2004. Schöneburg, V. (Hrsg.): Philos. des Rechts u. das Recht der Philos. Fs. für H. K. Frankfurt (Main) 1992 (mit Bibl.); Haney, G. (Hrsg.): Fs. für H. K. Bd. 1+2. Freiburg, Berlin 1996/98 (mit Bibl.); Adomeit, K.: Rechtsphilos., Marxismus u. Menschrechte. Ztschr. des Forschungsverbundes SED-Staat (1998) 5; Leide, H.: NS-Verbrecher u. Staatssicherheit. Göttingen 2005; Herzberg, G.: Anpassung u. Aufbegehren. Berlin 2006.Hans-Christoph Rauh

Wer war wer in DDR

Kley, Gerry

* 10.5.1960

Geb. in Eisenach; 1966 – 74 POS; 1974 – 78 EOS »Ernst Abbe« in Eisenach, 1978 Abitur; 1981 – 86 Studium der Biol. an der MLU Halle, Dipl.-Biol.; 1986 – 90 Ass. am Wiss.-Bereich Genetik der MLU Halle; 1989 LDPD, 1990 Vors. des FDP-Kreisvorst. Halle u. Vors. der Jungen Liberalen Sachsen-Anh.; März – Okt. 1990 Mitgl. der Volkskammer. Okt. – Dez. 1990 MdB; 1990 – 94 u. seit 2002 MdL Sachsen-Anh., Vors. des Aussch. für Bundes- u. Europaangelegenh.; seit 1994 Stadtrat in Halle, dort 1999 – 2002 Vors. der FDP-Frakt.; 1994 – 2002 Geschäftsf. der Fa. Umwelt-Consult in Halle; Mai 2002 – 06 Minister für Gesundheit u. Soziales von Sachsen-Anh. (Nachf. von  Gerlinde Kuppe); Mitgl. des FDP-Bundesvorst.; Landesvors. der Vereinigung Liberaler Kommunalpolitiker; seit 2006 Präs. des Leichtathletikverbands von Sachsen-Anh.Helmut Müller-Enbergs

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Klinger, Leo

* 19.2.1890

Geboren am 19. Februar 1890 in Danzig; Tischler. Im Weltkrieg war er Verbindungsmann der Spartakusgruppe in Danzig. Klinger war Delegierter des Gründungsparteitages der KPD Ende 1918 sowie auf dem III. und V. Parteitag der KPD 1920. Der Vereinigungsparteitag mit der USPD und der VII. Parteitag 1921 wählten ihn für Danzig in den Zentralausschuß. Klinger war von 1920 bis 1922 hauptamtlicher Parteisekretär in Danzig, 1922 lehnte er die Parteilinie ab und wurde als Oppositioneller aus der KPD ausgeschlossen. Weitere Daten seines Lebenslaufs ließen sich nicht ermitteln.

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Klix, Friedhart

* 13.10.1927 – ✝ 22.9.2004

Geb. in Oberfriedersdorf (b. Löbau); Vater Landwirt; 1946 Abitur; kurzz. Hilfslehrer; 1948 – 53 Psychologiestudium an der HU Berlin; Prom. über Probleme der Wahrnehmungskonstanz; 1960 Habil. zur Psychophysik der Raumwahrnehmung; 1960 Prof. für Psychol. der FSU Jena u. kommissar. Dir. des Psycholog. Inst.; 1965 Ord. Mitgl. der DAW; ab 1966 Prof. für Psychol. an der HU Berlin; 1968 – 75 Vors. der Ges. für Psychol.; 1969 NP; 1970 Vors. des Wiss. Rats für Psychol.; 1970 Mitgl. der Leopoldina u. der APW; 1980 – 84 Präs. der Internat. Union für psycholog. Wiss.; 1984 KMO; 1983 Mitgl. der Finnischen AdW, 1987 der Schwedischen AdW, 1989 Mitgl. der Akad. Europa (London); Dr. h. c. Univ. Salzburg (1987), TU Dresden (1989); 1988/89 Fellow am Wissenschaftskolleg in Berlin (West). 1992 Mitgl. des Wissenschaftsrats; 1992 em.; gest. in Berlin. Arbeitsgebiete: Psychophysik der Raumwahrnehmung, Analysen kognitiver Prozesse, Arbeits- u. Ingenieurpsychol., menschl. u. künstl. Intelligenz; Hrsg. der »Ztschr. für Psychol.« (Berlin), Mithrsg. von »Psycholog. Forschung« (Göttingen), »Psychologia« (Japan) u. a.Information u. Verhalten. Berlin 1971; Human and Artificial Intelligence. Berlin 1978, Amsterdam 1979; Erwachendes Denken. Berlin 1980; Cognition and Memory. Amsterdam, Berlin 1980 (mit J. Hoffmann); Die Natur des Verstandes. Göttingen 1992; Wissen (Enzyklopädie der Psychol., Reihe C, Bd II/6). Göttingen u. a. 1997.Jochen Richter

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Klötzler, Rolf

* 11.1.1931

Geb. in Chemnitz; Vater Posthelfer, 1937 – 45 Grundschule u. 1945 – 49 Oberschule in Chemnitz, 1949 Abitur; anschl. Studium der Mathematik, Physik u. Astronomie an der Univ. Leipzig, Schüler von Ernst Hölder; 1953 Dipl.; 1953 – 56 Aspirantur, 1956 Prom. mit der Arbeit »Beiträge zur Theorie mehrdimensionaler Variationsprobleme mit geknickten Extremalen«; 1956 – 59 Assistent, ab 1958 Oberassistent am Inst. für reine Mathematik der DAW in Berlin; 1959 – 62 Doz. für Mathematik an der HS für Bauwesen (HfB) in Leipzig; 1960 Habil. an der KMU Leipzig; 1963 – 65 Prof. mit Lehrauftrag an der HfB; 1965 – 71 ord. Prof. an der MLU Halle; 1971 – 96 ord. Prof. für Math. Optimierung an der KMU/ Univ. Leipzig; 1981 – 90 Vors. der Math. Ges. der DDR (Nachf. von  Wolfgang Engel); 1988 Mitgl. der Dt. Akad. der Naturforscher Leopoldina. 1996 em.; 2001 Medaille für Freundschaft der Republik Vietnam für hervorragende Beiträge bei der Ausbildung vietnames. Wissenschaftler u. bei der wiss. Kooperation mit Vietnam. Forschungsgebiete: Analysis, Variationsrechnung, Operationsforschung, Steuerung optimaler Prozesse; Mithrsg. u. a. der Ztschr. »Beiträge zur Analysis«, »Optimization«, »Ztschr. für Operations Research«.Mehrdimensionale Variationsrechnung. Berlin 1969. S. Pickenhain. In celebration of Prof. Dr. R. K.’s 65th birthday. In: Optimization (1996) 38.Annette Vogt

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Knab, Peter Alois

* 23.12.1895 – ✝ 22.7.1963

Geboren am 23. Dezember 1895 in Köln, Sohn eines Schreiners. Besuch des Lehrerseminars, während des Krieges Soldat, dabei schwer verwundet. 1918 Mitglied der USPD, Schriftführer der Kölner Ortsgruppe, 1920 mit der linken USPD Übertritt zur KPD und stellvertretender Vorsitzender der Kölner Ortsgruppe. Knab war Lehrer an einer weltlichen Schule in Köln. Nach dem Ausschluß Paul Levis aus der KPD Mitglied der KAG, einer der Initiatoren des »Putsches« gegen die KPD-Zeitung »Sozialistische Republik«. Mit der KAG zunächst Mitglied der USPD, kehrte aber 1922 in die KPD zurück. Von 1924 an Mitglied der BL Mittelrhein und Abgeordneter des Provinziallandtages der Rheinprovinz sowie bis 1927 Kölner Stadtverordneter. Bei der Wahl im Mai 1924 kandidierte Knab auf der Reichsliste der KPD, wurde zunächst nicht gewählt, rückte nach dem Ausscheiden Friedrich Jendroschs im September 1924 in den Reichstag nach, dem er bis zur Auflösung im Oktober 1924 angehörte. Im Dezember 1924 nicht wiedergewählt. Nach dem »Offenen Brief« 1925 schloß sich Knab der linken Opposition an und mußte im Juli 1926 alle Ämter in der Partei niederlegen. Er trat im Dezember 1927 aus der Partei aus, angeblich nicht nur aus politischen Gründen (im November 1927 wurden ihm finanzielle Verfehlungen vorgeworfen). Dann war Knab nicht mehr politisch aktiv, hielt aber Verbindung zu linken Kreisen. Nach 1933 einige Zeit inhaftiert, wurde er Ende der dreißiger Jahre Mitglied der NSDAP, um seinen Lehrerberuf weiter ausüben zu können. Gleichzeitig soll er sich aber in einer Widerstandsgruppe betätigt haben. Nach 1945 war Knab in keiner Partei mehr organisiert, bekam erst nach langen juristischen Kämpfen eine Wiedergutmachung. Er war Vorsitzender des Bürgervereins in Köln-Höhenhaus und wohnte seit seiner Pensionierung Ende 1953 in Enkirch/Mosel, wo Peter Alois Knab am 22.Juli 1963 starb.

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Knepler, Georg

* 21.12.1906 – ✝ 14.1.2003

Geb. in Wien in einer jüd. Fam.; Vater Komponist Paul K.; Volksschule u. Gymnasium in Wien; seit 1926 Studium des Klavierspiels u. der Musikwiss. in Wien; ab 1929 Korrepetitor u. Kapellmstr. der Wiener Volksoper, des Wiener Stadttheaters sowie an Theatern in Mannheim u. Wiesbaden; 1928 – 31 pianist. Begleiter von Karl Kraus; 1931 Prom. zum Dr. phil. an der Univ. Wien mit einer Arbeit über Johannes Brahms; Kapellmeister u. Dirigent der Wiener Volksoper, Dirigent versch. Arbeiterchöre in Wien; 1931 – 33 in Berlin, Zusammenarb. mit  Bertolt Brecht,  Hanns Eisler u.  Helene Weigel, Anf. 1933 Rückkehr nach Wien; 1934 KPÖ; zeitw. inhaftiert; 1934 Emigr. nach England; in London u. a. Ltr. des österr. Exil-Theaters »Laterndl«. Febr. 1946 Rückkehr nach Österreich; Kulturref. der KPÖ in Wien; 1949 Übersiedl. in die DDR; SED; 1950 – 59 Gründer u. Rektor der HS für Musik in Berlin; 1959 – 70 Prof. mit vollem Lehrauftrag u. Dir. des Musikwiss. Inst. der HU Berlin; 1960 VVO; 1962 NP; 1964 Ord. Mitgl. der DAK u. der DAW; 1965 Prof. mit Lehrstuhl an der HU Berlin; 1971 em.; Forschungs- u. Lehrtätigkeit insbes. zur Musikgeschichte seit dem 18. Jh.; gest. in Berlin. Sek.-Lit.: Barck, K. (Hrsg.): Ästhetik u. Urgeschichte. Kolloquium der Leibniz-Sozietät zum 90. Geb. von G. K. Berlin 1998; Göllner, R., Scheit, G.: »? bestünde Lieb’ u. Bruderbunde« – G. K. zum Gedächtnis. In: Zwischenwelten (Wien) (2003) 4; Shreffler, A. C.: Berlin Walls. Dahlhaus, Knepler, and Ideologies of Music History. In: The Journal of Musicology (2003) 4.Five Years of the Austrian Center. London 1944; Musikgeschichte des 19. Jahrhunderts. 2 Bde. Berlin 1960; Geschichte als Weg zum Musikverständnis. Zur Theorie, Methode u. Geschichte der Musikgeschichts-Schreibung. Leipzig 1977; Gedanken über Musik. Berlin 1980; W. A. Mozart. Annäherungen. Berlin 1991; Macht ohne Herrschaft. Berlin 2004.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Knigge, Wilhelm

* 16.12.1906 – ✝ 20.12.1995

Geb. in Bremen; Vater Hafenarb.; Volksschule; Ausbildung zum Maurer; 1921 Mitgl. des Dt. Baugewerksbunds; 1924 RFB; 1927 KPD u. RHD; Ltr. der RJ im RFB; 1928 Besuch der Reichsführer-Schule in Einsiedel (b. Chemnitz); 1928 – 32 Maurer u. Hafenarb. in Bremen; ab 1930 Ltr. der wehrpol. Ausbildung im Kampfbund gegen den Fasch.; Mitgl. der Baugewerkschaft, 1931 Ausschl.; 1932 Pol.-Ltr. der IAH-LL Gau Nord-West; 1932/33 arbeitslos; 1933 Mitgl. der Bremer Bürgerschaft; 1933 illeg. Arbeit in Bremen (»Max«); Sept. 1933 Emigr. in die Niederlande; Mitgl. der KPD-Emigr.-Ltg.; 1933/34 Instrukteur für Land- u. Grenzarbeit in Belgien, 1935 ausgewiesen; 1935 nach Paris; dort ab 1936 zuständig für Kaderfragen der Interbrigadisten; 1937 aus Dtl. ausgebürgert; ab 1937 Sonderkurier für das PB der KPD in Paris; 1938/39 Org.-Ltr. u. 1938 Mitgl. der Kaderkommission der Emigr.-Ltg. der KPD in Frankreich; Mitgl. der KPD-Ltg. in Toulouse u. der Résistance (»Schiller«, »Robert Vautier«); Mitarb. der Ztschr. »Soldat im Westen«; mit  Walter Vesper an der Einschleusung von KPD-Kadern nach Dtl. beteiligt. Sept. 1945 Rückkehr nach Bremen; 1945 – 51 stellv. Bez.-Sekr. u. stellv. Vors. der KPD- LL Bremen; 1946 frz. Befreiungsmedaille; 1946 – 51 Abg. der Bremer Bürgerschaft; Juni 1951 Übersiedl. in die DDR; Lebensgemeinschaft mit  Hanna Wolf; 1951 SED-Instrukteur bei der Bau-Union in Dresden; 1951/52 Studium an der PHS; 1953 – 59 1. Sekr. der SED-Stadtltg. Potsdam (Nachf. von  Werner Wittig) u. Abg. des Bez.-Tags Potsdam; 1954 – 59 Mitgl. des Zentralvorst. der DSF; 1959 – 63 Sekr. des Bundesvorst. u. Mitgl. im Präs. des FDGB; ab 1962 Mitgl. des Präs. der Dt.-Frz. Ges.; 1964/65 Sektorenltr. im Min. für Bauwesen; 1966 – 71 Ltr. der Abt. Kader im Staatssekr. für gesamtdt. (bzw. ab 1967 für westdt.) Fragen; ab 1968 Mitgl. der Westkommission beim Komitee der Antifa. Widerstandskämpfer; Mitarb. der Kaderabt. des IPW; 1971 – 87 stellv. Ltr. der Abt. Verkehr des ZK, zuständig für Kuriere, Geld u. Transporte für illeg. KP u. Befreiungsbew.; 1980 Mitgl. der ZL des Komitees der Antifa. Widerstandskämpfer; ab 1982 Mitgl. der Zentr. Kommission zur Betreuung alter verdienter Parteimitgl. beim PB des ZK der SED; 1971 VVO; 1975 Verdienstmedaille der NVA; 1976 KMO; 1982 Ehrenspange zum VVO; 1986 Stern der Völkerfreundschaft; 1988 Rentner; anschl. Parteiveteran; 1990 PDS; gest. in Berlin.Schaul, D.: Résistance. Berlin 1973; Pech, K.: An der Seite der Résistance. Zum Kampf der Bew. »Freies Dtl.« für den Westen in Frankreich (1943 – 1945). Berlin 1974; Brandt, P.: Antifasch. u. Arbeiterbew. Aufbau – Ausprägung – Pol. in Bremen. 1976.Bernd-Rainer Barth

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Knobloch, Günther

* 10.5.1926 – ✝ 27.1.2014

Geb. in Ebersbach (Sachsen); Vater Lokführer; 1944 Abitur; Luftwaffenhelfer, RAD, Kriegsteiln. als Panzergrenadier, zul. Uffz. 1945/46 SPD/SED; Reichsbahn-Inspektorenanwärter; 1947 Reichsbahninspektor; 1948 – 50 Sachbearb. im Reichsbahnamt (RBA) Bautzen; 1950 – 52 Abt.-Ltr. im RBA Riesa; 1952 – 55 Dezernent u. Abt.-Ltr. in der Reichsbahndirektion (RBD) Cottbus u. in der RBD Halle; dann Amtsvorstand des RBA Cottbus u. 1955/ 56 Vizepräs. der RBD Cottbus; 1956 – 63 Präs. der RBD Dresden; anschl. bis 1965 Studium an der HS für Verkehrswesen in Dresden, Dipl.-Ing.-Ökon.; 1965/66 Betriebsltr. der DR u. danach bis 1972 Ltr. der HA Betrieb u. Verkehr im Min. für Verkehrswesen; 1972/73 Besuch der PHS; 1973 – 75 u. 1976 – 80 stellv. GD der DR für Eisenbahnbetrieb u. Vorhaltung von Transportmitteln; 1975/76 u. 1980 – 86 stellv. Min. für Verkehrswesen u. 1. stellv. GD der DR, d. h. fakt. Chef der DR (da der Verkehrsmin. in Personalunion zugl. formal als GD der DR fungierte); 1987 invalidisiert; gest. in Berlin.Hagen Schwärzel

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Knodt, Hans

* 21.3.1900 – ✝ 7.4.1941

Geboren am 21. März 1900 in Essen, stammte aus einem bürgerlich-katholischen Elternhaus, der Vater war Gewerbetreibender und Inhaber eines Restaurants. Knodt besuchte das katholische Lehrerseminar. 1918 legte er das Abitur ab und wurde noch im selben Jahr zum Kriegsdienst einberufen. Er hatte sich 1918 der »Entschiedenen bürgerlichen Jugendbewegung« angeschlossen, wurde 1919 Mitglied der USPD und ein Jahr später der KPD. Seit 1921 als Redakteur für die KPD tätig, zunächst bei der Frankfurter »Arbeiter-Zeitung«, wechselte er Ende 1921 zur »Hamburger Volkszeitung«, 1922/23 nach Thüringen. Während der Ruhrbesetzung war Knodt Redakteur in Duisburg und Parteisekretär in Münster. Ende 1923 für kurze Zeit aus der hauptamtlichen Funktion entlassen, führte er während des Parteiverbots Anfang 1924 die KPD in Hamborn/Oberhausen. 1924 Chefredakteur der Frankfurter »Arbeiter-Zeitung«, dann in gleicher Funktion bei der »Sächsischen Arbeiterzeitung« in Leipzig. Da in Sachsen ein Haftbefehl gegen ihn lief, tauchte er 1925 unter, bis das Verfahren wegen Landesverrats 1926 eingestellt wurde. Anfang 1927 übernahm Knodt zunächst die Chefredaktion der »Niederrheinischen Arbeiterzeitung« in Duisburg, als diese ein Kopfblatt wurde, kam er im Mai 1927 als politischer Redakteur ans »Ruhr-Echo« nach Essen, zusätzlich war er Agitpropleiter des UB Essen. Wegen seiner Verbindung zu den Versöhnlern im Ruhrgebiet im Dezember 1928 nach Köln versetzt, Chefredakteur der »Sozialistischen Republik«. Knodt, der seit langem mit Ernst Thälmann befreundet war, wurde Ende Mai 1932 (anläßlich der Auseinandersetzung mit der Neumann-Gruppe) nach Berlin geholt, anstelle von Alexander Abusch Chefredakteur der »Roten Fahne«. Mitte 1933 ging er ins Saargebiet und war dort bis 1934 Chefredakteur der illegalen »Roten Fahne«. Zusammen mit seiner Frau, Elisabeth Gill (*10.5. 1905), lebte er in Paris. 1935 in die Sowjetunion abkommandiert, wurde Knodt unter dem Pseudonym Horn Mitarbeiter bei der Abteilung Massenorganisationen der Komintern. Vom NKWD 1937 verhaftet, wurde er am 7.April 1941 durch ein Sondertribunal beim NKWD zu acht Jahren Arbeitslager verurteilt. Hans Knodt kam im Gulag ums Leben. Das Militärtribunal des Moskauer Militärbezirks rehabilitierte ihn posthum am 26. März 1956. Elisabeth Gill heiratete nach der Verhaftung ihres Mannes einen amerikanischen Staatsbürger und entkam so der drohenden Verhaftung. Sie lebte Anfang der neunziger Jahre in den Vereinigten Staaten.

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Kleinjung, Karl

* 11.3.1912 – ✝ 20.2.2003

Geb. in Remscheid-Stockten (Westf.); Vater Heftemacher; Volksschule; Ausbildung zum Friseur; danach arbeitslos; 1929 KJVD; 1930 RFB; bis 1933 Pol.-Ltr. in Remscheid-Vieringhausen; 1931 KPD; 1933 Emigr. in die Niederlande, 1935 Verhaftung, anschließend Abschiebung nach Belgien; KPD-Kurier; 1936 – 39 Interbrigadist in Spanien, zuletzt in der Gegenaufklärung; anschl. UdSSR; bis 1941 Schlosser in einer Autofabrik in Gorki; 1941 – 45 nach Spezialausbildung Aufklärer, Kurier u. Partisan; 1945/46 Sonderstudium in der UdSSR. Febr. 1946 Rückkehr nach Dtl.; Krs.-Polizeidir. in Nordhausen, Gruppenchef der Grenzpolizei in Mühlhausen; SED; 1947 – 49 stellv. Ltr. der VP-Landesbehörde Thür. bzw. Ltr. der VP Mecklenb.; 1949/50 Lehrgang für DVP-Offz. an der Militärakad. der UdSSR in Privolsk; 1950 Einstellung beim MfS; Ltr. der Verw. Groß-Berlin; 1951 – 55 Ltr. der Objektverw. Wismut des MfS; 1955 Ltr. der HA I (Abwehr in der KVP, ab 1956 NVA) (Nachf. von  Martin Weikert); 1974 Gen.-Ltn.; 1981 Ruhestand; 1965 VVO; 1982 KMO; 1987 Stern der Völkerfreundschaft. Nach 1990 mehrere Ermittlungsverfahren u. Anklagen, u. a. 1997 wegen Todschlags an  Michael Gartenschläger, wegen Verhandlungsunfähigkeit eingestellt.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Klemke, Werner

* 12.3.1917 – ✝ 26.8.1994

Geb. in Berlin; Vater Tischler; Autodidakt; 1937 – 39 Trickfilmzeichner; 1947 – 50 Mitarb. am »Ulenspiegel« u. a. Zschr.; seit 1951 Doz. an der HS für bildende u. angewandte Kunst Berlin-Weißensee; von 1954 – 89 Gestalter der Titelseite der Monatsztschr. »Magazin«, Urheber der Figur des »Magazin«-Katers; 1956 Prof.; 1961 Mitgl. der DAK u. der Alliance Graphique Internat.; 1964 – 74 u. 1978 – 89 Sekretar der Sekt. Bildende Kunst der AdK; 1973 Ehrenmitgl. der AdK der UdSSR; 1967 Auszeichnung bei der Biennale der Illustratoren in Bratislava; Studienreisen u. a. nach China, Indien u. in die UdSSR; Ehrenbürger der Boccaccio-Stadt Certaldo (Italien) für seine »Decamerone«-Illustr.; 1962, 1969 u. 1977 NP; gest. in Berlin. Werke: Plakate, TV-Ankündigungsgrafiken, Bühnenbilder, Buchillustr. u. Gestaltung von Bilder-, Märchen- u. Schulbüchern für Kinder, Werken der Weltlit., u. a. von Balzac, Boccaccio,  Brecht, Chaucer, Cervantes, Diderot,  Fürnberg, E. T. A. Hoffmann, Homer, Lukian, Majakowski.Kunze, H.: W. K.s ges. Werke. Dresden 1977. Kat. Staatl. Museum Schloß Burgk 1984; AdK Berlin 1987; Kahane, S., Köhler, J. (Hrsg.): W. K. Das große Bilderbuch. Berlin 1996.Anke Scharnhorst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Klepper, Julius

* 12.3.1897 – ✝ 21.7.1960

(* 1897 – † 1960) Als Sohn eines Postamtmannes am 12. März 1897 in Köln geboren; besuchte das Gymnasium, machte 1915 das Notabitur in Limburg/Lahn. Von 1915 bis 1921 studierte er mit Unterbrechungen Nationalökonomie. 1916 Soldat im Weltkrieg, bei Verdun verwundet. Während der Revolution Bahnhofskommandant in Wiesbaden. Im März 1919 trat er der Sozialistischen Studentengruppe bei, promovierte 1921 in Köln zum Dr. rer. pol. mit der Dissertation: »Das Gesetz der ursprünglichen Akkumulation und seine wirtschaftspolitische Auswertung«. 1919 Mitglied der USPD, im Dezember 1920 Übertritt zur KPD. Von 1920 bis 1923 Angestellter beim Zentralverband der deutschen Metallindustrie in Köln. 1924 politischer Redakteur, ab 1926 Chefredakteur des KPD-Organs »Sozialistische Republik« in Köln. Im August 1928 wurde Klepper auf einer NSDAP-Versammlung in der Diskussion niedergeschlagen und erlitt schwere Verletzungen. 1928/29 war er Sekretär der Reichstagsfraktion. Im April 1929 vom Reichsgericht wegen »Vorbereitung zum Hochverrat« zu einem Jahr Festung verurteilt, Haft in Gollnow in Pommern. Da Klepper 1927 gegen sektiererische Tendenzen in der Gewerkschaftsfrage aufgetreten war, kritisierte ihn Polleiter Jean Winterich als Versöhnler. Daraufhin grenzte sich Klepper in einem »Offenen Brief«, den Arthur Golke im Herbst 1929 dem ZK übergab, scharf von den Versöhnlern ab, die wiederum meinten, er leide an einer Haftpsychose. 1931 noch Redakteur an der Zeitung »Berlin am Morgen« und der »Frankfurter Arbeiter-Zeitung«, dann reiste Klepper in die Sowjetunion, war bis Ende 1932 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Marx-Engels-Institut in Moskau, dann Leiter der Informationsabteilung im Staatsinstitut zur Projektierung von Werken der Buntmetallindustrie. 1936/37 Redakteur in der Hauptverwaltung für Literatur, ab 1938 in der VAA bzw. in der Informationsabteilung der Komintern. Klepper wurde während der Stalinschen Säuberungen 1937 verhaftet, 1938 jedoch wieder entlassen. Dann im Sommer 1941 mit Frau und Kind nach Bugulma in die Tatarische ASSR verbannt, dort Ende Februar 1942 erneut inhaftiert. Seine Frau Gertrud richtete ein Bittgesuch an Wilhelm Pieck, der sich zunächst bei Dimitroff für die Freilassung von Klepper einsetzte. Da sich Gertrud Klepper im Frühjahr 1941 zwecks Rückreise nach Deutschland an die deutsche Botschaft in Moskau gewandt hatte, änderte die Parteiführung jedoch ihre Haltung. Seine Frau wandte sich nochmals an Pieck und obwohl sich dieser 1943 erneut für den schwer lungenkranken Klepper einsetzte, wurde er am 25. März 1944 zu fünf Jahren Freiheitsentzug verurteilt. Exakt auf den Tag genau, fünf Jahre nach seiner Verhaftung, wurde Klepper am 23.Februar 1947 freigelassen und konnte nach Deutschland zurück, wurde Mitglied der SED und nach einem längeren Sanatoriumsaufenthalt ab Juni 1948 Hauptreferent bei der DWK, kam im Oktober 1949 ins Deutsche Wirtschaftsinstitut und war später noch publizistisch tätig. Julius Klepper wohnte als Parteiveteran in Berlin-Köpenick, wo er am 21. Juli 1960 starb. Seine Frau Gertrud (Heirat 1922), geborene Schmitz (* 10. 10. 1897 in Heinsberg/Rheinprovinz), Tochter eines Lehrers, besuchte die höhere Mädchenschule. Sie war Mitglied der RH und der IAH. Im März 1934 Emigration in die Sowjetunion, Korrektorin und Hilfsredakteurin im VAA bzw. an der DZZ. Im Sommer 1941 Verbannung in die Tatarische ASSR, Arbeiterin in Kasan. Im Juli 1948 kehrte sie nach Moskau, im September nach Berlin zurück. Sie zog später in die Bundesrepublik, wo sie am 21. Januar 1968 in Essen starb.

dissidenten.eu

Klier, Freya

* 1950

Freya Klier ist ein hervorragendes Beispiel für eine Künstlerin, die bewusst und dezidiert ihre gesellschaftliche Kritik sowohl künstlerisch als auch direkt und unmissverständlich politisch formulierte. Darin unterschied sie sich nicht nur von der überwiegenden Mehrheit der DDR-Künstler, sondern auch von den meisten „Szenekünstlern“ oder der „subkulturellen Avantgarde“, die völlig unpolitisch war. In der DDR galt sie nicht als oppositionelle Künstlerin, sondern vielmehr als eine künstlerisch-kreative Oppositionelle.Am 4. Februar 1950 wurde Freya Klier als Kind einer Arbeiterin und eines Dekorateurs in Dresden geboren. Als ihr Vater 1953 in einem Gerangel seine Frau verteidigte und einen Mann schlug, kam er für ein Jahr ins Gefängnis – wie sich herausstellte, war der Geschlagene ein Volkspolizist. Freya und ihr Bruder mussten für ein Jahr in ein Wochenheim für Kinder, weil ihre Mutter strafversetzt im Schichtsystem arbeiten musste. Dieses Jahr prägte die beiden nachhaltig, zumal beide als Kinder eines politischen Häftlings betrachtet und entsprechend behandelt wurden. 1968 legte Freya Klier – für die DDR zu jener Zeit typisch – das Abitur ab und erwarb gleichzeitig einen Facharbeiterbrief als Maschinenbauzeichnerin. Ihre Schulzeit war gekennzeichnet von einem Dualismus, der für diese Generation prägend war: Obwohl Mitglied der Jungen Pioniere, nahm sie auch am außerschulischen Religionsunterricht teil, und später war sie trotz ihrer Mitgliedschaft in der Freien Deutschen Jugend (FDJ) in der Jungen Gemeinde engagiert. Als ihr gerade 17-jähriger Bruder 1966 wegen angeblicher „Staatsverleumdung“ zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt wurde, wollte sie die DDR verlassen. Mit Bekannten aus einer schwedischen Theatergruppe plante sie ihre Flucht auf einem Handelsschiff mit einem gefälschten Pass. Kurz bevor das Schiff im Juli ablegte, wurde sie verraten und verhaftet. Sie erhielt 16 Monate Gefängnis, kam aber nach einem Jahr frei. Der Rest ihrer Strafe wurde zu zweijähriger Bewährung ausgesetzt. In der Folgezeit schlug sich Klier als Postangestellte, Kellnerin und Disponentin durch. Wegen der Fürsprache einer Parteisekretärin konnte sie 1970 ein Schauspielstudium in Leipzig aufnehmen, das sie 1975 mit Diplom erfolgreich abschloss. Sie erhielt anschließend ein Engagement an einem kleinen Theater in Senftenberg. Da sie sich neben der Schauspielerei auch für Regiearbeit interessierte, begann sie 1978 in Berlin ein Regiestudium, das sie 1982 ebenfalls mit dem Diplom erfolgreich beendete. In den 70er Jahren begann sich Klier für Kultur und Kunst Polens zu interessieren. Dies führte fast zwangsläufig auch zu einem kritischen Blick auf die Realitäten in den kommunistischen Staaten. Ihre Kritik versuchte sie fortan sowohl politisch als auch künstlerisch vorzubringen. Fast alle ihre zeitgenössischen Inszenierungen in DDR-Theatern erregten das Misstrauen und die Kritik der SED. Die meisten Stücke wurden nach kurzer Zeit entweder wieder abgesetzt oder so „uminszeniert“, dass nur noch wenig von der Handschrift Kliers übrig blieb. Dennoch erhielt sie 1984 einen Regiepreis für ihre Uraufführung des Stücks „Legende vom Glück ohne Ende“ von Ulrich Plenzdorf am Theater Schwedt, wo sie 1982–84 tätig war. Klier inszenierte außerdem Stücke in Bautzen, Halle und am Deutschen Theater in Ost-Berlin. Auch als Mitglied des offiziellen Theaterverbandes wurde es ihr verwehrt, Einladungen zu Inszenierungen im Ausland (in Ungarn, den Niederlanden und der Bundesrepublik) anzunehmen. Der Grund hierfür dürfte gewesen sein, dass sie neben ihrer kritischen „offiziellen“ Theaterarbeit seit 1981 in der kirchlichen Friedensbewegung der DDR aktiv war. Sie engagierte sich im Pankower Friedenskreis (Ost-Berlin), der in der DDR-Oppositionsbewegung über viele Jahre hinweg zu den bekanntesten und aktivsten zählte. In diese politische Arbeit bemühte sich Klier stets, ihre künstlerischen Ambitionen zu integrieren. So inszenierte sie im Juli 1981 ein kleines Stück auf einem kirchlichen Friedensfest trotz der Androhung ihrer Hochschule, sie zu exmatrikulieren. Um ihren künstlerischen Ansprüchen, die Situation in der Gesellschaft kritisch zu diskutieren, eine realitätsbezogene Basis zu geben, begann Freya Klier 1983 gezielt und heimlich Frauen zu deren Lebenssituation zu befragen. Sie war selbst ab 1973 alleinerziehende Mutter einer Tochter, sodass ihr schon aus dieser Erfahrung heraus der klaffende Widerspruch zwischen Propaganda und tatsächlicher Situation von Frauen in der Gesellschaft bewusst war. Mit ihrer Umfrage rüttelte sie an einem Tabu in der DDR. Denn demoskopische oder soziologische Befragungen waren nur einer verschwindend kleinen Minderheit von SED-treuen Wissenschaftlern erlaubt: Die Gefahr war zu groß, dass die „richtige Theorie“ von einer „falschen Empirie“ unterhöhlt würde. Im Februar 1984 lernte Klier den Liedermacher Stephan Krawczyk kennen, der noch Anfang der 80er Jahre offiziell zu den hoffnungsvollen Nachwuchskünstlern gezählt hatte. Er erhielt 1981 einen Preis als bester Chansonsänger und war Mitglied der SED. Im April 1985 trat er aus der Partei aus und erhielt nur wenige Monate später ein landesweites Berufsverbot. Krawczyk war besonders für Jugendliche mit seinen kritischen Texten zur Identifikationsfigur geworden. Er galt als „Staatsfeind“ und „neuer Wolf Biermann“. Aber nicht nur Krawczyk, auch Klier wurde 1985 mit einem faktischen Berufsverbot belegt, was den Ausschluss aus dem Theaterverband nach sich zog. Beide erarbeiteten gemeinsam in den folgenden Jahren gesellschaftskritische Programme, mit denen sie vor allem in evangelischen Kirchen und Gemeinderäumen erfolgreich auftraten. Der Staat setzte die Kirchen unter Druck, solche Auftritte zu unterbinden. Immer mehr Kirchen- und Gemeinderäte verweigerten sich jedoch dieser Einflussnahme. Freya Klier und Stephan Krawczyk wurden zudem mit Ordnungsstrafen überhäuft. 1985 begann Klier mit Untersuchungen und Befragungen zum Erziehungs- und Bildungssystem der DDR, in dem sie eine Wurzel der Diktatur zu erkennen glaubte. Ihre Befragungen von Jugendlichen, ab 1986 auch von Lehrern, eröffneten ihr ein Bild von der Gesellschaft, das geprägt war von Unehrlichkeit, Depression und Hoffnungslosigkeit. Gleichzeitig zeigte sich aber auch, dass die Grenzen der ideologischen Einflussnahme durch den Staat erreicht waren und die meisten Jugendlichen den Verführungsanmaßungen der SED in den 80er Jahren zumindest innerlich resistent gegenüberstanden. Diese Studien gingen in ihr 1990 vorgelegtes und viel beachtetes Buch „Lüg Vaterland. Erziehung in der DDR“ ein. Klier verbreitete im Samisdat Erkenntnisse aus ihren Untersuchungen und stellte zudem bei Lesungen in Kirchen oder Privatwohnungen gesellschaftskritische Prosatexte und Stücke vor. Das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) observierte sie und Stephan Krawczyk im Operativen Vorgang (OV) „Sinus“. Beide waren neben den beruflichen Drangsalierungen auch umfangreichen „Zersetzungsmaßnahmen“ der Staatssicherheit ausgesetzt gewesen, die Klier auch psychisch zu schaffen machten.Obwohl sie im Oktober 1986 der „Solidarischen Kirche“ – einer oppositionellen Gruppe, die versuchte, in der DDR ein landesweites Kontaktnetz der Gruppen aufzubauen, und kritisch zum SED-Staat Stellung bezog – beitrat, und 1987 auch deren Koordinierungsausschuss angehörte, stand Klier den Kirchen und vielen oppositionellen Basisgruppen kritisch gegenüber. Aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen bemängelte sie die fehlende Solidarität und beklagte, dass die Gruppen zu wenig radikal dachten und handelten. Deshalb ist Klier auch weniger Gruppenzusammenhängen zuzuordnen, wenngleich sie mit den wichtigsten Oppositionellen in engem Kontakt stand. Da sie viel in der DDR herumkam, setzte sie sich intensiv für die landesweite Vernetzung oppositioneller Gruppen und Personen ein. Im November 1987 wandten sich Klier und Krawczyk mit einem offenen Brief an SED-Chefideologen Kurt Hager. Dieser Brief fand in der DDR eine weite Verbreitung und wurde auch in westdeutschen Medien publiziert. Darin kritisierten sie den gesellschaftlichen Zustand in der DDR und forderten umfangreiche Reformen ein. Zur gleichen Zeit hatten beide beschlossen, am alljährlich im Januar abgehaltenen offiziellen Massenaufmarsch zu Ehren von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht mit eigenen Spruchbändern teilzunehmen. Ihr Ziel war es, auf den gesellschaftlichen Zustand kritisch hinzuweisen, aber auch auf die eigenen Berufsverbote aufmerksam zu machen. Da an dieser Demonstration am 17. Januar 1988 auch eine Reihe von Ausreisewilligen protestierend teilnehmen wollten, beschloss Klier jedoch, nicht zu dieser Veranstaltung zu gehen, um ihr eigenes Anliegen nicht mit den berechtigten Forderungen der Ausreisewilligen zu vermengen. Dies nützte allerdings nichts, da das MfS die Aktion „Störenfried“ bereits Wochen zuvor genau geplant hatte. Zunächst wurden die Teilnehmer – insgesamt etwa 160 Personen – verhaftet, darunter Stephan Krawczyk, Vera Wollenberger und Herbert Mißlitz. Freya Klier wandte sich daraufhin mit einem viel beachteten und weit verbreiteten Appell an die Künstler in der Bundesrepublik und forderte diese auf, aus Solidarität nicht mehr in der DDR aufzutreten. Nur wenige Tage später nahm das MfS einige führende Oppositionelle, darunter neben Freya Klier auch Regina und Wolfgang Templin, Werner Fischer, Bärbel Bohley und Ralf Hirsch fest. Die SED-Medien entfachten zugleich eine Verleumdungskampagne gegen die Verhafteten; in der Bundesrepublik und der osteuropäischen Opposition kam es zu mannigfachen Solidarisierungserklärungen. Zugleich erklärten einige führende westdeutsche Politiker jedoch ihr Verständnis für die Maßnahmen. In der DDR-Gesellschaft selbst entwickelte sich die bis dahin größte Solidaritätswelle mit politischen Gefangenen seit 1953. Doch davon erfuhren die Inhaftierten selbst nichts, weil deren Rechtsanwälte inoffiziell für die Staatssicherheit tätig waren und sie über die wahre Situation im Unklaren ließen, ja sogar erklärten, es würde sich „draußen“ kein Mensch für ihr Schicksal interessieren. Um den angedrohten jahrelangen Gefängnisstrafen zu entgehen, entschlossen sich Freya Klier und Stephan Krawczyk, die DDR zu verlassen. Auch die anderen eingesperrten Oppositionellen verließen – zu unterschiedlichen Konditionen – die DDR. In der Bundesrepublik angekommen, mussten sie erkennen, dass sie hereingelegt worden waren. Sie erklärten nun, dass sie unter Druck gezwungen worden seien, die DDR zu verlassen, während einige maßgebliche linke DDR-Oppositionelle die beiden zu Verrätern abstempelten. Seit ihrer Ausbürgerung aus der DDR lebt Klier in West-Berlin, wo sie bis heute als freischaffende Autorin, Regisseurin und Filmemacherin arbeitet. Sie kann auf ein reichhaltiges publizistisches Werk verweisen, wobei neben der Geschichte des Kommunismus und ihrer Bewältigung auch die nationalsozialistische Diktatur zu ihren Themen zählt. Zudem ist sie weiterhin politisch aktiv, arbeitet in der politischen Bildung, hält regelmäßig Vorträge vor Schülern und zählt zu den Gründungsmitgliedern des „Bürgerbüros“, einer Initiative in Berlin, die die Opfer des SED-Systems berät, unterstützt und eigene Aufarbeitungsprojekte verfolgt.Ilko-Sascha Kowalczuk Letzte Aktualisierung: 09/16

Wer war wer in DDR

Klinkmann, Horst

* 7.5.1935

Geb. in Teterow (Mecklenb.), als Waise in einem Kinderheim aufgew.; 1954 bis 1959 Med.-Studium in Rostock; 1960 – 66 Facharztausbildung an den Physiolog. Inst. der Univ. Rostock u. Budapest, der Univ.-Poliklinik Rostock u. der Nierenklinik in Lund (Schweden); 1969 Habil.; 1969 – 71 Research Prof. of Medicine and Surgery u. Dir. des Center for Artificial Kidney der Univ. Utah (USA); 1971 Prof. für Innere Med.; 1974 SED; ab 1974 Dir. der Klinik für Innere Med. der WPU Rostock; 1980 Präs. des Rats für Med. Wiss.; 1981 Mitgl. des Forschungsrats; 1984 – 89 Mitgl. der SED-BL Rostock; 1982 Korr., 1986 Ord. Mitgl. der AdW; 1986 Mitgl. der Leopoldina, der New York Academy of Science u. der Königl. Belg. Akad. der Med. Wiss.; 1988 Fellow des Royal College of Physicians (Großbritannien); 1979 – 84 Präs., dann Ehrenpräs. der Internat. Ges. für Künstl. Organe; ab 1987 Präs. der Europ. Dialyse- u. Transplantationsges.; Ehrenmitgl. zahlr. med. Ges., Ehrenprom. in Marseille, Debrecen, Glasgow, Brno; NP 1977 u. 1985 (im Koll.); 1987 VVO (im Koll.). 1990 – 92 Präs. der AdW (Nachf. von  Werner Scheler); 1992 im Ergebnis der Untersuchung einer Ehrenkommission »wegen mangelnder persönl. Eignung« als Prof. der Univ. Rostock entlassen; 1992 Rektor der Europ. Univ. Bologna (Italien); Ehrendoktor der Univ. Nanking; seit 1995 wiss. Ltr. einer Produktionsstätte von Dialyseeinrichtungen in Saigon (Vietnam); Vorstandsvors. von BioCon Valley e. V. u. Aufsichtsratsvors. der BioCon Valley GmbH in Teterow; Prof. für Bioengeneering an der Strathelyde Univ. in Glasgow; 2004 von der Bundesreg. als Reg.-Berater in den Gesprächskrs. Ost berufen; Vors. des Kuratoriums für Gesundheitswirtsch. Mecklenb.-Vorpomm.; Gründungsmitgl. u. bis 2009 Aufsichtsratsvors. des FC Hansa Rostock, dann Ehrenvors.; Mitgl. der Leibniz-Sozietät; lebt in Rostock. Arbeitsgebiete: Nephrologie u. künstl. Organersatz; Untersuchungen zu chron. Niereninsuffizienz u. Dialyse; Beiträge zur Methodik der Membran-Plasma-Separation; 500 wiss. Arbeiten, Buchkapitel u. Bücher.Soziale Rev. u. med. Fortschritt. Berlin 1984 (Hrsg.); Detoxikationsverfahren des Blutes in Forschung u. Praxis. Berlin 1986; Therapie der chron. Niereninsuffizienz im Wandel der Zeiten. Berlin 1986.Jochen Richter

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Klopfer, Heinz

* 15.11.1919

Geb. in Werdau (Sachsen); Vater Schlosser, Mutter Spinnerin; 1925 – 34 Volks- u. Oberrealschule; Kameradschaftsführer der HJ; DAF; 1934 – 37 Ausbildung zum Industriekfm. in Werdau; 1937 – 39 HJ; 1937 – 39 kfm. Angest. im Fahrzeugwerk Schumann in Werdau; 1939/40 RAD; 1940 – 45 Wehrmacht, Artillerie, Oberwachtmstr.; 1945 – 47 sowj. Kriegsgefangenschaft in Ishewsk, Hlinka u. Glasow. Aug. 1947 Rückkehr nach Dtl.; 1947/48 Neulehrer in Werdau; 1948 SED; 1948/49 Einkaufsltr., 1949 – 53 kfm. Ltr. beim VEB Lowa Waggonbau in Werdau u. Görlitz; Okt. – Dez. 1951 KPS in Oybin; 1952/53 Mitgl. der SED-KL Görlitz; 1952 – 57 Fernstudium an der KMU Leipzig, Dipl.-Ökon.; 1953/54 HA-Ltr. Materialwirtschaft im Min. für Transportmittel u. Maschinenbau; 1954 – 58 kfm. Dir. beim VEB Mähdrescherwerk in Weimar; 1958/59 Mitarb., 1960/61 Ltr., 1962/63 Planungsltr., 1963 – 66 GD der VVB Ausrüstungen für die Schwerindustrie u. Getriebebau Magdeburg u. Leipzig; 1964 – 66 Mitgl. des Senats der TH Magdeburg u. der SED-BL Magdeburg; 1966 – 69 stellv. Vors. der SPK für Jahresplanung (Nachf. von  Karl Grünheid); 1969 – 90 Staatssekr. der SPK; 1974 – 90 Mitgl. des Min.-Rats der DDR; 1976 – 89 Kand. des ZK der SED; 1975 VVO; 1989 KMO.Die Kooperationsabt. Berlin 1960; Bananen für Erich Honecker. Die Geheimprotokolle der staatl. Plankommission der DDR. Hamburg 1990 (Hrsg.).Helmut Müller-Enbergs

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Kluge, Heinz

* 3.8.1924

Geb. in Linderode (Krs. Sorau, Schles. / Lipinki, Polen); Vater Heizer u. Maschinist; Volks- u. kaufm. Berufsschule, Lehre u. Arbeit als Industriekaufm.; 1942 – 45 Wehrmacht; 1945 brit. Kriegsgef. 1946 / 47 Bauarb. bzw. Montagehelfer in Forst; 1947 / 48 Kursant am Päd. Inst. Cottbus; 1947 SED; 1948 – 51 Lehrer bzw. Dir. an Grundschulen in Forst; 1952 Referent für Lehrerbildung beim Rat des Krs. Cottbus; 1952 – 55 Referent für Lehrerbildung, Schulinspektor u. Ltr. der Abt. Volksbildung beim Rat des Bez. Cottbus; Juni – Aug. 1955 Kursant an der KVP-Offiziersschule Erfurt, 1955 – 58 Polit.-Stellv. u. Parteisekr. bei der Bereitschaftspolizei Potsdam, zuletzt Oberltn.; 1958 Ass. bzw. Stellv. des Vors. des Rats des Krs. Spremberg; 1958 – 74 OB von Cottbus (Nachf. von  Herbert Bomski); Fernstud. an der DASR Potsdam, 1958 Dipl.-Jurist; 1974 Lehrer am Inst. für Lehrerbildung Cottbus; 1977 – 89 Dir. der Med. FS Cottbus; danach Rentner.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Knapp, Wilhelm

* 6.1.1898 – ✝ 4.4.1984

Geboren am 6. Januar 1898 in Bremen, Sohn einer Arbeiterfamilie; kaufmännische Lehre. Von 1916 bis 1918 Soldat im Weltkrieg. 1919 Mitglied der KPD, von 1921 bis 1923 Angestellter des Versorgungsamtes in Oldenburg. Ab 1923 hauptamtlich im Apparat der KPD, war Knapp 1923/24 Orgleiter der BL Nordwest und gehörte während der Aufstandsvorbereitung im Herbst 1923 dem sogenannten Direktorium in Bremen an. Dann führend im Verlagswesen der KPD tätig, 1924 Leiter des Verlages »Thüringisches Volksblatt« in Gotha, ab 1926 der »Südwestdeutschen Arbeiter-Zeitung« in Frankfurt/M. und von 1929 bis 1932 der »Süddeutschen Arbeiterzeitung« in Stuttgart. 1932 vom ZK nach Wien entsandt, wo er bis 1934 den Verlag der »Roten Fahne« für die KPÖ leitete. Im Auftrag des ZK auch »Reichskurier« und 1934/35 Verlagsleiter der »Arbeiterzeitung« in Saarbrükken. 1935 in Berlin verhaftet und 1936 zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt, die er in Luckau und Brandenburg verbüßte. 1945 zunächst Personaldirektor der BVG in Groß-Berlin, ab 1948 Hauptdirektor der Ostberliner Verkehrsbetriebe, anschließend im Außenhandel der DDR tätig. 1961 wurde er nach Rom entsandt und leitete dort bis 1964 die DDR-Handelsvertretung in Italien. Er erhielt 1983 den Karl-Marx-Orden. Wilhelm Knapp starb am 4.April 1984.

Wer war wer in DDR

Kneschke, Karl

* 28.1.1898 – ✝ 16.2.1959

Geb. in Kratzau (Krs. Reichenberg, Nordböhmen / Chrastava, Tschechien); Vater Arbeiter; Volks- u. Bürgerschule; Former, Gießer, Tuchweber; 1915 Sozialdemokrat. Arbeiterpartei Österreichs; 1916 – 18 k. u. k. Armee; 1920 Mitbegr. des KJV; 1921 der KP der ČSR; 1921 – 29 Krs.-Sekr. der KPČ in Tetschen-Bodenbach, dann in Reichenberg; 1929 – 33 dort Bez.-Sekr.; 1929/30 inhaftiert wegen »Geheimbündelei«; 1930 Verb.-Sekr. des Arbeitersport- u. Kulturverb.; 1938 Emigr. nach England; Red. der Kulturztschr. »Einheit«; 1945 Rückkehr in die ČSR. 1946 Übersiedl. in die SBZ; KPD/SED; Febr. 1946 – 51 Sächs. Landessekr. des KB; 1949 – 51 Präsidialrat, 1950 – 57 Bundessekr. bzw. 1. Bundessekr. des KB (Nachf. von  Erich Wendt); 1951 – 57 Mitgl. des Präsidialrats; 1953 – 59 Chefred. der KB-Ztschr. »Natur u. Heimat«; 1949 – 58 Abg. der Volkskammer, begründete dort 1954 das Naturschutzgesetz der DDR; 1954 – 59 Mitgl. der dt. Liga für die Vereinten Nationen.Die Kulturarbeit in kleinen Orten. Leipzig 1954; Die Aufgaben des KB im neuen Kurs. Berlin 1954; Zehn Jahre KB zur demokrat. Erneuerung Dtl. Berlin 1955; Vom Leben erzogen. Berlin 1960.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Knippschild, Heinrich

* 1.9.1894 – ✝ 6.5.1953

Geboren am 1. September 1894 in Elberfeld, Sohn eines Tischlers; Ausbildung an der Fachschule für Textilzeichner, Arbeit als Musterzeichner. Von 1914 bis 1918 Soldat im Weltkrieg. 1921 Mitglied der KPD, ab 1921 Angestellter im Verlag der KPD in Berlin, 1928 im KPD-Verlag in Essen, dann in Köln. Von Februar 1931 bis Januar 1932 Leiter des Zeitschriftenverlages der KPD in Berlin, anschließend des Verlags Beck & Co, einem Tarnverlag für den Zentralen Literaturvertrieb der KPD. Ab März 1933 organisierte Knippschild die Einlagerung und den Versand von illegalen Parteimaterialien, anschließend technischer Instrukteur der illegalen Landesleitung in Berlin. Anfang 1934 emigrierte er nach Prag, im Oktober 1934 in die Sowjetunion. Er lebte von September 1935 bis September 1936 in Zürich und Paris, war in den Befreiungskomitees für Ernst Thälmann und Edgar André aktiv. Ab 1937 wieder in der Sowjetunion, wurde er im Oktober 1941 aus Moskau evakuiert. Von Juli 1942 bis 1948 Politinstrukteur unter deutschen Kriegsgefangenen. Nach einer schweren Tbc-Erkrankung kam er im Oktober 1950 in die DDR, arbeitete beim Verband der Journalisten. Heinrich Knippschild starb am 6. Mai 1953 in Ost-Berlin.

Wer war wer in DDR

Knobloch, Heinz

* 3.3.1926 – ✝ 24.7.2003

Geb. in Dresden; Vater Fotograf; 1937 – 42 OS, 1942 Lehre als Verlagskfm.; 1935 Umzug der Fam. nach Berlin; 1943 Soldat, Einsatz in Frankreich; 1944 Desertion; 1944 – 48 Kriegsgef. in den USA u. in Schottland. 1948 Rückkehr nach Dtl.; seit 1948 Volontär der »Berliner Ztg.«, Bild- u. Textred. der Bildagentur »Illus« im Berliner Verlag; 1949 SED; ab 1953 bei der Ztschr. »Wochenpost«; dort 1957 – 65 Kulturred. (Feuilletonchef) u. 1968 – 88 wöchentl. Feuilletonrubrik »Mit beiden Augen«; 1954 – 60 Fernstudium der Journalistik an der KMU Leipzig, 1960 Dipl.-Journalist; 1962 Mitgl. des DSV; seit 1962 Buchveröff.; 1965 Heinrich-Heine-Preis; 1969 fehlgeschlagener IM-Anwerbeversuch durch das MfS; 1978 Mitgl. des Vorst. des SV; 1979 Goethe-Preis; 1980 Mitgl. des PEN-Zentrums der DDR; 1986 Lion-Feuchtwanger-Preis u. NP; Jan. – Aug. 1990 Präs. des PEN-Zentrums DDR (Nachf. von  Heinz Kamnitzer), Rücktritt nach Ehrenerklärung für  Klaus Höpcke; 1990 Austritt aus der SED/PDS. 1994 Moses-Mendelssohn-Preis v. a. für die seit den 70er Jahren regelmäßigen Veröff. zur jüd. Kultur u. Geschichte Berlins; 1998 Verdienstorden des Landes Berlin; gest. in Berlin; 2005 wurde nach ihm ein Platz in Berlin-Pankow benannt. K. veröff. anfangs meist Sammlungen von Feuilletons, ein Genre, das er für die DDR-Lit. wiederbelebte, u. a. »Herztöne u. Zimmermannssplitter« (1962), »Du liebe Zeit« (1966); später Kurzgeschichten, Geschichts-Essays u. Biogr., u. a. »Herr Moses in Berlin« (1979), »Stadtmitte umsteigen« (1981), »Meine liebste Mathilde« (1985), außerdem zur (jüd.) Stadtgeschichte Berlins, u. a. »Berliner Grabsteine« (1987), »Der beherzte Reviervorsteher« (1990; 2003), »Die jüd. Friedhöfe Berlins« (1991, Mitautor).Geisterbahnhöfe. Westlinien unter Ostberlin. Berlin 1992/2008; Der arme Epstein. Wie der Tod zu Horst Wessel kam. Berlin 1993; Nase im Wind. Berlin 1994; »Mit beiden Augen«. Mein Leben zwischen den Zeilen. Autobiogr. Berlin 1997; Eine Berliner Kindheit. Zw. Olympia u. Luftschutzkeller. Berlin 1999; »Lässt sich das drucken?« Feuilletons gegen den Strich. Konstanz 2002. Erdle, B. R.: H. K. In: Krit. Lexikon zur dt-spr. Gegenwartslit. München 1978 ff.; H. K. In: Berliner Lesezeichen 1994 (2).Bernd-Rainer Barth / Andreas Kölling

Wer war wer in DDR

Knoener, Rudolf

* 4.1.1929 – ✝ 25.2.1990

Geb. in Leipe (Krs. Lübbenau); Volksschule; nach 1945 Traktorist; ab 1950 Abiturlehrgang an der ABF; 1953 – 58 Studium der Physik an der TH Dresden, Dipl.-Physiker; SED; 1963 Prom. zum Dr. rer. nat., 1963 – 70 Oberassistent an der TU Dresden, 1969 Habil., 1970 ord. Prof. für Ökon., Org. u. Planung der Bauindustrie an der TU Dresden; 1971 – 86 Kand. bzw. Mitgl. der SED-BL Dresden; 1973 – 79 Dir. der Sektion Physik, 1980 – 86 Rektor der TU Dresden (Nachf. von  Fritz Liebscher). K. baute dort die Tieftemperaturphysik auf u. trug maßgebl. zur Etablierung dieses Fachgebiets in der DDR bei.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Kleinschmidt, Karl

* 26.4.1902 – ✝ 13.8.1978

Geb. in Hannover; Vater Gymnasiallehrer; 1921 – 24 Studium der Theol. an den Univ. Jena u. München; nach dem Vikariat 1927 – 33 Pfarrer in Weißbach u. Eisenberg; führendes Mitgl. im Thür. Landesverb. des Bunds Religiöser Sozialisten; 1928 SPD; 1933 verhaftet; nach pol. Konflikten mit der Kirchenltg. Entlassung aus dem Pfarrdienst, 1935 Wiederaufn. in den kirchl. Dienst, Domprediger in Schwerin; 1939 erneutes Disziplinarverfahren; 1939 – 45 Kriegsteiln., zul. Ofw., amerik. Gefangenschaft. 1945 Wiedereinsetzung als Domprediger in Schwerin; Mitgl. der kirchl. Spruchkammer u. Synode; Mitbegr. des KB in Mecklenb.; Ltr. der Informationsabt. der Landesreg. Mecklenb.; 1946 SED; 1947 Mitbegr. der VVN; 1947 – 49 Vizepräs. des KB; 1949 Teiln. am Weltfriedenskongreß in Paris; Gründungsmitgl. des Dt. Komitees der Kämpfer für den Frieden, des späteren Friedensrats; 1949 – 54 Abg. der Volkskammer; ab 1954 Beiträge für die »Berliner Ztg.«; 1955 Mithrsg. von »Glaube u. Gewissen«; 1958 Mitbegr. u. Vorst.-Mitgl. des Bunds Ev. Pfarrer in der DDR; 1959 ltd. Red. des »Ev. Pfarrerblatts«; Ehrenmitgl. der Kirchl. Bruderschaft Sachsens; 1961 – 73 Mitgl. des DDR-Regionalaussch. der CFK; 1962 VVO; 1964 Mitgl. der Ges. Neue Heimat; 1968 Ruhestand.Die Kirche in der Ostzone. Frankfurt (Main) 1949; Trilogie über die dt. Reformation. Berlin 1952 – 55; Keine Angst vor guten Sitten. Berlin 1957; Kurt Tucholsky, sein Leben in Bildern. Leipzig 1961. Auswahlbibl. In: Standpkt. (1977) 4.Ehrhart Neubert

Handbuch Deutsche Kommunisten

Klemm, Otto

* 23.9.1882 – ✝ 12.6.1952

Geboren am 23. September 1882 in Lindenstadt/Provinz Posen. Sohn eines Bauunternehmers. Seit 1902 in Berliner Großbetrieben als Metallhobler beschäftigt. 1906 Eintritt in die SPD, wurde Klemm 1908 bei Daimler-Benz in Berlin-Marienfelde gemaßregelt. Von 1909 bis 1916 bei der AEG in Schöneweide, hier Obmann der Vertrauensleute. 1917 ging er zur USPD und schloß sich der Spartakusgruppe an. Zum Militärdienst eingezogen, wegen politischer Unzuverlässigkeit dann Kohlenarbeiter. Klemm war in Berlin u. a. für Hugo Eberlein tätig und war 1918/19 an den Revolutionskämpfen beteiligt. Bis 1923 (Cuno-Streik) hauptamtlicher Arbeiterrat bei der Firma Autogen in Berlin-Lichtenberg. Seit 1919 Mitglied und Funktionär der KPD, war er von Oktober 1923 bis April 1924 Reichskurierleiter im zentralen AM-Apparat der KPD. Zunächst koordinierte er von Dresden, dann von Berlin die Einsätze der Kuriere der Zentrale. Im Mai 1924 flüchtete Klemm in die Sowjetunion, nahm dort gemeinsam mit Joseph Gutsche, Heinz Neumann u. a. am ersten Lehrgang an der M-Schule der Komintern teil. Anschließend in Moskau, in der Wolgadeutschen Republik und in Leningrad Metallarbeiter, Mitglied der KPdSU. Im August 1926 Rückkehr nach Deutschland, zehn Tage später wurde er festgenommen und im kleinen »Tschekaprozeß« vom Reichsgericht in Leipzig zu zwei Jahren und neun Monaten Festung verurteilt. Belastungszeuge war Felix Neumann. Nach seiner Freilassung wurde er Mitarbeiter des ZK im Büro von Leo Flieg und Eugen Schönhaar, übernahm erneut Aufgaben im AM-Apparat, war zugleich Fraktionsvorsitzender der KPD in der Bezirksversammlung Berlin-Tempelhof. Am 28. Februar 1933 Festnahme und bis 1934 »Schutzhaft«. Anschließend Metallhobler, im November 1939 und im August 1944 jeweils mehrwöchige Haft. Im Mai 1945 Polleiter der KPD Berlin-Tempelhof, dort im Juni 1945 Dezernent (Stadtrat) für Sozialwesen. Von April 1947 bis Februar 1951 als SED-Mitglied Angestellter der Deutschen Zentralverwaltung für Verkehr, zuletzt bei der Generaldirektion der Reichsbahn in Ost-Berlin. Otto Klemm starb am 12.Juni 1952 in Lehnitz/Krs. Oranienburg.

Wer war wer in DDR

Klering, Hans

* 8.11.1906 – ✝ 30.10.1988

Geb. in Berlin; Stiefvater Arbeiter, Mutter Arbeiterin; Gemeinde- u. Fortbildungsschule in Berlin; 1921/22 Soz. Proletarierjugend, dann KJVD; 1921 – 24 Lehrling; 1924 – 28 Gelegenheitsarbeiten u. erwerbslos, u. a. Hafenarb. in Hamburg u. Bremen, Schriftmaler u. Plakatzeichner in Köln; 1926 KPD; Mitgl. der Agitpropgr. »Rote Raketen« u. »Blaue Blusen« in Köln u. Berlin; ab 1930 bei der »Kolonne Links« (UBL Berlin-Mitte der KPD); blieb 1931 nach einem Gastspiel in der UdSSR; Plakatmaler im Dynamo-Werk in Moskau; bis 1933 nebenberufl. Mitarb. bei der »Kolonne Links«; 1932 Sprecher in der dt. Red. des Moskauer Rundfunks, ab 1933 Schauspieler in der Moskauer Kinofabrik »Rot Front« u. bei anderen Kinostudios; Studium am Moskauer Inst. für graf. Kunst; Zeichner im Verlag für fremdspr. Lit.; 1936 sowj. Staatsbürgerschaft; 1941 in der Sonderfahndungsliste »UdSSR« der Gestapo erf.; 1942 Mobilisierung zur Arbeitsarmee; Dispatcher beim Bau eines Industriewerks in Bakal im Ural; 1942/43 Kursant an der KI-Schule in Kuschnarenkowo; Orden »Snak Potschota« (Ehrenzeichen); 1945 Besuch eines Parteischulungskurses bei Moskau, trug dort den Namen »Karl Strauch«. Okt. 1945 Rückkehr nach Dtl.; anschl. Ref. für Filmwesen in der Dt. ZV für Volksbildung; 1946 SED; 1946 Lizenzträger der DEFA, entwarf das Emblem der DEFA; 1946 – 50 Künstler. Dir. u. Vors. des Verw.-Rats der DEFA; 1949/50 Aufenthalt in der UdSSR; 1950 Staatsbürgerschaft der DDR; ab 1950 als Schauspieler tätig, Mitw. in ca. 150 Filmen; stellv. Vors. des Verb. der Film- u. Fernsehschaffenden der DDR; 1981 Ehrenspange zum VVO; 1986 KMO. Filme: Stschors (1941); Wie der Stahl gehärtet wurde (1942); Bogdan Chmelnitzki (1942); Regenbogen (1944); Die Unbeugsamen (1945); Die Buntkarierten (1949); Ernst Thälmann – Sohn seiner Klasse (1954); Thomas Müntzer (1956).Mit »Kolonne Links« durch Sibirien. In: Im Zeichen des roten Sterns. Erinnerungen an die Traditionen der dt.-sowj. Freundschaft. Berlin 1975; Drehlizenz für die DEFA. In:Peter Erler

Wer war wer in DDR

Klier, Freya

* 4.2.1950

Geb. in Dresden; Vater Dekorateur, Mutter Arbeiterin; 1953 nach Verhaftung des Vaters in einem staatl. Kinderheim; POS, 1968 Abitur mit Ausbildung zur Maschinenbauzeichnerin; Verurteilung zu 16 Mon. Haft wegen »versuchter Republikflucht«, vorz. entlassen; anschl. Postangest., Kellnerin, Disponentin im Dresdener Puppentheater; 1970 – 75 Schauspielstudium an der Theater-HS Leipzig u. im Staatstheater Dresden, Dipl.; ab 1975 Schauspielerin am Theater Senftenberg; 1978 – 82 Regiestudium am Inst. für Schauspielregie Berlin, Dipl.; Inszenierungen in Halle (Arabal), Bautzen (Friedrich Dürrenmatt), Berlin (Carl Sternheim, John M. Synge); 1980 Mitbegr. der autonomen Friedensbew.; ab 1982 Regisseurin am Theater Schwedt (William Shakespeare, Molière, Wladimir Majakowski); 1983/84 Durchführung einer inoffiz. Frauenbefragung; 1984 DDR-Regiepreis für die UA von  Ulrich Plenzdorfs »Legende vom Glück ohne Ende«; freischaff. Regisseurin; inszenierte 1984/85 in Berlin am Dt. Theater Athol Fugard, an der Schauspielschule Wsewolod Wischnewski; 1985 Berufsverbot; 1985 – 87 gem. Auftritte mit  Stephan Krawczyk in ev. Kirchen; eigene Stücke u. Prosaarbeiten; 1986 Aufn. der Arbeit am Buch »Jugend u. Erziehungswesen der DDR«; Mitbegr. der Solidar. Kirche; 1986/87 inoffiz. Jugendbefragung; Jan. 1988 Verhaftung, zentrale U-Haftanstalt des MfS in Berlin-Hohenschönhausen, Beschlagnahme der Manuskripte u. Febr. 1988 nach Androhung langjähriger Haftstrafen unfreiw. Ausbürgerung; lebt danach als freischaff. Autorin u. Regisseurin in Berlin (West). 1995 Verdienstorden des Landes Berlin; Juni 1996 Mitinitiatorin u. Gründungsmitgl. des Bürgerbüros e.V. (Verein zur Aufarbeitung von Folgeschäden der SED-Diktatur); 2007 Verfassungsmedaille des Freistaats Sachsen. 1991 Theaterstück »Schwarzer Rotgold«, UA in Berlin; 1993 »Verschleppt ans Ende der Welt – Ostdt. Frauen auf Spurensuche in Sibirien«; 1996 »Johanna, eine Dresdner Ballade«; 1997 »Das kurze Leben des Robert Bialek« (Dok.-Film); 2001 »Flucht mit dem Moskau-Paris-Express« (Dok.-Film).Abreiß-Kalender. München 1988; Lüg Vaterland. München 1990; Die Kaninchen von Ravensbrück. München 1994; Penetrante Verwandte. Frankfurt (Main), Berlin 1996; Verschleppt ans Ende der Welt. Schicksale dt. Frauen in sowj. Arbeitslagern. Frankfurt (Main), Berlin 1998; Wir Brüder u. Schwestern. Berlin 2000; Gelobtes Neuland. Berlin 2004; Oskar Brüsewitz. Berlin 2004; Matthias Domaschk u. der Jenaer Widerstand. Berlin 2007; Michael Gartenschläger. Berlin 2009. Wierling, D.: Geboren im Jahr Eins. Berlin 2002; Sasse, T. (Regie): Rebellion hinter der Mauer – Kampf um Meinungsfreiheit (ARD 2005).Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Klinkowski, Maximilian

* 24.5.1904 – ✝ 22.6.1971

Geb. in Berlin; Vater Schneidermstr.; Realgymnasium; landw. Lehre, 1924 – 27 Studium an der Landw. HS Berlin, Dipl.-Landwirt; 1929 Prom. zum Dr. agr.; 1929 – 39 wiss. Mitarb. der Dienststelle für Botanik bzw. für angewandte Vererbungslehre der Biolog. Reichsanstalt für Land- u. Forstw. in Berlin-Dahlem; 1939 – 41 Wehrmacht; 1940 NSDAP; 1941 – 44 Aufbau des Pflanzenschutzes in den okkupierten balt. Staaten, Dir. des Inst. für Pflanzenkrankheiten der Landw. Forschungsanstalt in Riga; 1943 Habil. an der Landw.-Gärtner. Fak. der Univ. Berlin; 1944/45 erneut Wehrdienst. Ab Aug. 1945 Ltr. der Zweigstelle Aschersleben der Biolog. Zentralanstalt in Berlin-Dahlem bzw. Kleinmachnow; 1951 – 69 Dir. des aus der Zweigstelle hervorgegangenen Inst. für Phytopathol. der DAL in Aschersleben; 1951 – 64 Prof. mit Lehrstuhl an der Landw. Fak. u. Dir. des Phytopatholog. Inst. der MLU Halle; 1952 Ord. Mitgl. der DAL; 1963 – 69 Sekretar der Sekt. Acker- u. Pflanzenbau sowie Pflanzenschutz; 1960 NP; 1970 em.; 1955 Mitgl. der Sekt. Biol. der DAW; 1958 Mitgl. der Leopoldina; 1960 Mitgl. der Sächs. AdW; 1965 Ord. Mitgl. der DAW; 1967 Auswärtiges Mitgl. der Poln. AdW; Ehrenprom. durch die Landw.-HS Stuttgart-Hohenheim. M. K. baute das Inst. in Aschersleben zu einem internat. anerkannten Forschungszentrum für pflanzl. Virologie aus; 170 Veröff. zur Phytopathol., insbes. zur Virologie; Mithrsg. der »Phytopatholog. Ztschr.« (ab 1954).Pflanzl. Virologie. 2 Bde. 1958; Phytopathol. u. Pflanzenschutz. 3 Bde., 2. Aufl. 1976 (mit E. Mühle u. E. Reinmuth).Siegfried Kuntsche

Handbuch Deutsche Kommunisten

Klose, Willi

* 9.6.1902

Geboren am 9. Juni 1902 in Berlin, Sohn eines Maurers; lernte Maschinenschlosser. Seit 1919 in der FSJ, seit 1923 in der KPD, schon früh für den Nachrichtendienst der Komintern (OMS) und den sowjetischen Geheimdienst tätig. Offiziell bis 1930 bei der sowjetischen Botschaft in Berlin beschäftigt, er unterhielt enge Kontakte zu Alexander Abramow (Mirow), dem OMS-Vertreter (1937 Opfer des Stalin-Terrors), der zeitweise Leiter der Paßabteilung der Botschaft war. Klose gehörte der von Richard Großkopf geleiteten Paßfälscherwerkstatt der KPD an, war 1930 Leiter der Wiener Paßfälscherzentrale, dort am 3.November 1931 festgenommen und am 23.März 1932 vom österreichischen Landgericht zu sieben Monaten Gefängnis verurteilt. Anschließend Abschiebung nach Berlin, im Juli 1932 ging er in die Sowjetunion und studierte an der KUNMS. Klose wurde am 16. Januar 1938 in Moskau vom NKWD verhaftet, nach vierzehn Monaten U-Haft am 28.März 1939 entlassen, über Finnland und Schweden an Deutschland ausgeliefert. Am 31.Oktober 1939 in Saßnitz von der Gestapo festgenommen, dann am 5.November 1940 vom VGH zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt. Während der Haft umfangreiche Aussagen bei der Gestapo. Bis 1942 war er im Zuchthaus Brandenburg-Görden inhaftiert, anschließend Flugzeugschlosser in Berlin-Adlershof. Nach Evakuierung des Betriebes nach Kamenz erneute Festnahme und drei Wochen Haft im Lager Radeburg bei Dresden. Nach der Freilassung zog Klose zur Familie seiner Frau nach Jößnitz bei Plauen. Eine Anerkennung als OdF wurde im Oktober 1945 abgelehnt, einer Mitteilung von Elisabeth Brichmann zufolge befand sich Klose seit Sommer 1946 in sowjetischer Haft. Weitere Lebensdaten über Willi Klose konnten nicht ermittelt werden.

Wer war wer in DDR

Kluge, Volker

* 14.10.1944

Geb. in Altenburg (Thür.); Vater Justizinspektor; 1951 – 63 OS, Abitur; 1963 – 65 Schriftsetzerlehre; 1965 – 67 Volontariat bei der Ztg. »Junge Welt«; 1967 – 71 Journalistikstudium KMU Leipzig; 1970 SED; 1971 – 80 Sportred. der »Jungen Welt«; 1980 – 90 Abt.-Ltr., Ressortchef; ab 1982 Mitgl. des Kolleg., 1971 – 89 Organisator der »Junge Welt« – Umfrage nach dem »DDR-Sportler des Jahres«; 1980 - 89 als IM "Frank" des MfS erf.; 1982 – 90 Mitgl. des Präs. u. Pressechef des NOK; 1984 – 90 Mitgl. des DTSB-Bundesvorst. 1990 – 93 persönl. Mitgl. im NOK für Deutschland; seit 1994 selbständ. Publizist u. Journalist; Autor zahlr. sportgeschichtl. Veröff. u. statist. Kompendien.Olymp. Spiele 1896 – 1980. Berlin 1981; Meilenweit bis Marathon. Berlin 1987; Katarina – eine Traumkarriere auf dem Eis. Berlin 1988; Olympische Spiele. Die Chronik. Berlin 1997 – 2001; Olympiastadion Berlin. Steine beginnen zu reden. Berlin 1999; Otto der Seltsame. Die Einsamkeit eines Mittelstreckenläufers. Berlin 2000; Max Schmeling. Eine Biographie in 15 Runden. Berlin 2004; Chefredaktion Olympiabücher. Berlin 2000 – 2006.Olaf W. Reimann

Wer war wer in DDR

Knapp, Heinz

* 1.12.1929

Geb. in Mannheim in einem kommunist. Elternhaus; Vater Arbeiter, Mutter Angestellte; 1936 – 44 Volksschule in Schwetzingen; 1944/ 45 Schüler einer Lehrerbildungsanstalt, dort aktiv im antifasch. Widerstand. 1945 KPD, 1946 SED; 1946 – 49 Stud. an der Vorstudienanstalt der Univ. Berlin, danach journalist. Tätigkeit im Berliner Verlag (Volontär, Red.-Assist.); Red. u. Abt.-Ltr. bei der Ztschr. »Demokratischer Aufbau«, dann bei der »NBI«; 1954 – 56 Studium an der SED-PHS, Dipl.-Gesellschaftswiss.; 1956 stellv. Chefred., 1958 – 61 Chefred. der »NBI« (Nachf. von  Rudolf Reinhardt); 1961 – 65 Kollegiumsmitgl. u. Abt.-Ltr. der Ztschr. »Freie Welt«; 1965 – 72 freischaff. Journalist; 1973 – 90 Mitgl. der Wiss. Arbeitsgruppe des MfK; lebt in Schwetzingen.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Knief, Johann

* 23.4.1880 – ✝ 6.4.1919

Geboren am 23. April 1880 in Bremen; wurde nach dem Besuch des Lehrerseminars 1901 Volksschullehrer. Als Mitglied des Vereins junger Lehrer kam er in Kontakt zur Sozialdemokratie, schloß sich aber erst 1906 der SPD an, nachdem er vorher weitgehend unpolitisch war. Bis 1911 Lehrer, dann arbeitete Knief von November 1911 bis Dezember 1916 als Redakteur an der sozialdemokratischen »Bremer Bürgerzeitung« und wurde der führende Kopf der Bremer Linken. Seit Anfang August 1914 Soldat, kam Knief nach den Kämpfen an der Westfront schon im Oktober 1914 mit schwerem Nervenleiden nach Bremen zurück. Nach seiner Gesundung 1915 Führer der Bremer Linksradikalen, der neben dem Spartakusbund wichtigsten Gruppe der radikalen Linken in Deutschland. Im Januar 1916 nahm Knief an der ersten Reichskonferenz der Gruppe Internationale in Berlin teil. Von Juni 1916 bis März 1919 gab er zusammen mit Paul Frölich in Bremen die »Arbeiterpolitik« heraus, das einzige legale Blatt der radikalen Linken im Krieg. Knief stand in enger Verbindung zu Lenin und den Bolschewiki und begrüßte deren Oktoberrevolution. In seiner Parteikonzeption unterschied er sich aber völlig von Lenin und gehörte zu den Anhängern eines radikal-revolutionären Kommunismus. Im Januar 1918 wegen illegaler Arbeit festgenommen, blieb Knief bis zur Novemberrevolution in »Schutzhaft«. Seine »Briefe aus dem Gefängnis« wurden 1920 publiziert. Er trat für die Schaffung einer eigenen linksradikalen Partei ein. Daher stand Knief während des Krieges im Gegensatz zu Rosa Luxemburg und Leo Jogiches, die eine selbständige Partei der äußersten Linken ablehnten und die Spartakusgruppe zum Eintritt in die USPD veranlaßt hatten. Als Wortführer der Bremer Linksradikalen, die sich im November 1918 in Internationale Kommunisten Deutschlands (IKD) umbenannt hatten, wandte sich Knief zunächst gegen die Verschmelzung der IKD mit dem Spartakusbund. Er stimmte unter dem Druck seines Freundes Karl Radek dann doch zu, so daß die KPD Ende 1918 gegründet werden konnte. Obwohl der schwerkranke Knief kaum noch Anteil an den politischen Ereignissen nehmen konnte, wurde er in Abwesenheit im Januar 1919 zum Volksbeauftragten der Bremer Räterepublik gewählt. Johann Knief starb nach einer Blinddarmoperation am 6.April 1919 in Bremen.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Knittel, Fritz

* 5.6.1905 – ✝ 8.12.1980

Geboren am 5. Juni 1905 in Halle, Sohn eines Transportarbeiters; lernte Bäcker, anschließend Gießereiarbeiter. Er trat im Mai 1921 in die KJD ein, wurde Vorsitzender der KJD in Halle, im Oktober 1925 Sekretär der KJVD-BL Halle-Merseburg. 1925 Mitglied der KPD, im April 1926 Kursant der Internationalen Leninschule in Moskau, danach Sekretär der KJVD-BL Niederrhein. Auf dem Hamburger KJVD-Kongreß 1927 in das ZK des Jugendverbandes gewählt. Bis zum RFB-Verbot im Mai 1929 leiteten er und Emil Paffrath als Nachfolger des im Februar 1929 ausgeschlossenen Werner Jurr die Rote Jungfront, die Jugendorganisation des RFB. Ab 1929 gehörte Knittel dann dem Büro bzw. dem Sekretariat des ZK des KJVD an. Er war gemeinsam mit Rudolf Mießner zunächst unter den KJVD-Vorsitzenden Kurt Müller, dann Artur Becker für das Ressort Agitation und Propaganda zuständig. Als Kandidat des EK der KJI hielt er sich in den Fraktionskämpfen in der KPD bzw. KJVD-Führung zurück. Ab April 1932 in Moskau, in der Abteilung Agitprop des EK der KJI, im April 1934 als KJI-Vertreter in Österreich. Dort im August 1934 verhaftet, kehrte er nach achtmonatiger Polizei- und Gefängnisstrafe im Mai 1935 nach Moskau zurück, lehrte hier an der Internationalen Leninschule, später wirkte er vornehmlich auf dem Gebiet der Presse- und Rundfunkpropaganda. 1936 erhielt Knittel eine Rüge von der IKK »wegen Verletzung der Regeln der Konspiration«, weil er 1934 beim Verhör in Wien seine richtige Wohnung angegeben hatte. Dort fand die Polizei ein Buch mit dem Namen eines illegal lebenden Genossen, der dann verhaftet wurde. Von 1942 bis 1946 war Knittel Angehöriger des Ministeriums des Innern der UdSSR, Instrukteur in deutschen Kriegsgefangenenlagern und 1946/47 an der Zentralen Antifaschule in Taliza. Ende September 1947 Rückkehr nach Deutschland, er wurde Hauptreferent für Schulung in der Deutschen Verwaltung des Innern der SBZ, dann von 1948 bis 1950 Leiter der SED-Landesparteischule Wettin/Sachsen-Anhalt. Nach längerer Krankheit leitete Knittel ab November 1951 bei der Landesregierung Sachsen-Anhalt das Sekretariat des Ministerpräsidenten Werner Bruschke. Von 1952 bis 1954 Stellvertretender Vorsitzender des Rates des Bezirks Halle, dann bis 1962 stellvertretender Direktor des IML. Er erhielt 1980 den Karl-Marx-Orden. Fritz Knittel starb am 8.Dezember 1980 in Ost-Berlin.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Knöchel, Johann

* 25.12.1903 – ✝ 14.1.1986

Geboren am 25. Dezember 1903 in Obernsee/ Bayern, Sohn eines Bergarbeiters; wurde Gemeindearbeiter in der Stadtverwaltung Oelsnitz/Erzgebirge. 1920 Mitglied der KPD, ab Januar 1929 Leiter des UB Oelsnitz und dort 1927 Stadtverordneter, im Juni 1929 Delegierter zum XII. Weddinger Parteitag in Berlin. Im September 1930 wurde Johann Knöchel im Wahlkreis Chemnitz-Zwickau als Abgeordneter in den Reichstag gewählt, dem er bis 1932 angehörte. Nach 1933 im KZ Colditz, von 1940 bis 1945 mußte er zur Wehrmacht. 1945 wieder Mitglied der KPD, 1946 der SED. Bürgermeister in Hartenstein, später Landrat des Kreises Zittau. Ab 1951 Leiter der Hauptabteilung Forstwirtschaft im Ministerium für Land- und Forstwirtschaft der Landesregierung Sachsen, später Vorsitzender des Rates des Kreises Dresden bzw. Kaderleiter im VEB »Planeta«, dann Parteiveteran. Johann Knöchel starb am 14. Januar 1986 in Radebeul.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Knoll, Josef

* 20.3.1909 – ✝ 24.1.1971

Geboren am 20. März 1909 in Griesbäckerzell/ Oberbayern; Sattler und Polsterer. Nach der Wanderschaft arbeitete er von 1928 bis 1932 in Lörrach als Lokomotivheizer. Knoll trat 1930 der KPD bei, nach »Schutzhaft« im März/April 1933 leitete er von Lörrach und Haltingen aus die Grenz- und Kurierarbeit in Südbaden. Im Frühsommer 1935 absolvierte er in Moskau einen Schulungskurs des AM-Apparates. Er nahm unter dem Parteinamen Erwin Dirks bzw. Boxer am VII. Weltkongreß der Komintern teil und war Delegierter Südbadens auf der »Brüsseler Konferenz« in Moskau, wo er für die Taktik des »Trojanischen Pferdes« eintrat. In Deutschland Anfang Mai 1936 verhaftet, wurde Knoll am 5.November 1936 durch das OLG Karlsruhe zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt, saß bis 1939 im Zuchthaus Ludwigsburg und Lager Aschendorfer Moor, danach bis Kriegsende in München Hausmeister und Kraftfahrer. 1945 kehrte er nach Lörrach zurück und war bis 1971 Angestellter der Stadt. Wieder Mitglied der KPD und 1968 der DKP, baute er in Lörrach die Betreuungstelle für die Opfer des Faschismus auf und gehörte zu den Mitbegründern der VVN Südbadens. Als geachtete Persönlichkeit war er u.a. Vorsitzender des Südbadischen Schwerathletikverbandes. Josef Knoll starb am 24. Januar 1971 in der Universitätsklinik Freiburg im Breisgau.