...

 

BioLex

In der Kategorie BioLex sind drei wichtige Lexika mit über 5500 Biografien von überzeugten Kommunistinnen und Kommunisten, Renegatinnen und Dissidenten im Volltext recherchierbar.

 

Das Handbuch „Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945“ wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam.

Kurzbiografien zu Personen des politischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 bereit.

Zudem ist das Online-Lexikon www.dissdenten.eu ebenfalls auf unserer Seite aufrufbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Informationen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Konitzer, Paul

* 1.2.1894 – ✝ 22.4.1947

Geb. in Preußisch-Friedland (Krs. Schlochau, Westpr./Debrzno, Polen); Vater Zimmermann u. selbst. Handwerksmstr.; Gymnasium in Kolm an der Weichsel, 1913 Abitur; 1914 ein Semester Jurastudium; Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg, Sanitäter, kommandiert zum Med.-Studium in Berlin u. Greifswald; 17.4.1920 ärztl. Approbation; 1920 Prom. am Greifswalder Hygiene-Inst. bei Ernst Friedberger; bis Ende 1920 dort Assistent; Jan. – Juli 1921 Bez.-Fürsorgearzt in Stollberg (Erzgeb.); Stadtmedizinalrat in Hörde-Dortmund; ab 1926 Stadtarzt in Magdeburg; 1928 hier Stadtmedizinalrat u. Sportarzt; veröff. zur kommunalen Gesundheitsverw., der Sozialhygiene u. des Öffentl. Gesundheitswesens; 1928 SPD; 1933 entlassen, einwöchige »Schutzhaft«; 15.9.1933 prakt. Arzt in Dresden-Blasewitz; 1939 Wehrmacht, Stabsarzt u. beratender Hygieniker in Kriegsgefangenenlagern. 1945/46 SPD/SED; Juli – Aug. 1945 Staatssekr. u. Ltr. der Abt. Gesundheitswesen der Landesverw. Sachsen; Aug. 1945 Ltr. der Abt. für Gesundheitswesen beim Präs. der Dt. ZV; 24.8.1945 – 18.2.1947 Präs. der Dt. ZV für das Gesundheitswesen in der SBZ; Febr. 1947 vom MGB in Berlin verhaftet, zentrale U-Haftanstalt des MGB in Berlin-Hohenschönhausen u. in Dresden interniert wegen angebl. Mitverantw. für Mangelernährung u. Seuchengeschehen in Kriegsgefangenenlagern; 22.4.1947 während der U-Haft in Dresden gest.Zur Theorie u. Praxis der neueren serodiagnostischen Methoden der Syphilis, insbes. der Meinicke- u. Sachs-Georgischen Reaktion. Jena 1920; Das Gesundheitswesen der Stadt Magdeburg. Düsseldorf 1928; Die Aufgaben der Dt. Zentralverw. für das Gesundheitswesen in der sowj. Besatzungszone. In: Dt. Gesundheitswesen (1946) 1; Rudolf Virchow als Gesundheitspolitiker. In: ebenda. Ernst, A.-S.: »Die beste Prophylaxe ist der Soz.«: Ärzte u. med. Hochschullehrer in der SBZ/DDR 1945 – 1961. Münster u. a. 1997.Peter Schneck

Wer war wer in DDR

Köpke, Karl Friedrich

* 31.1.1927

Geb. in Warin (Krs. Sternberg); Vater Arbeiter; Volksschule; 1941 – 44 Lehre als Elektriker; 1944 RAD; 1944/45 Wehrmacht. 1945 Arbeit als Elektriker; 1946 SED; Ltr. einer FDJ-Laienspielgr.; 1947 – 50 Umschulung u. Arbeit als Rundfunkmechaniker; 1950 Einstellung beim MfS, Abt. VIII (Observation/ Festnahmen) der LV Mecklenb.; 1951 Delegierung zur Ausbildung als Fernsprechtechniker/ Fernschreiber bei der Post; 1952 BV Rostock; 1953 Versetzung zum MfS Berlin, Abt. Nachrichten u. Waffen (NuW); 1954 stellv. Abt.-Ltr.; 1958 Abt.-Ltr.; 1961/62 Besuch der Bez.-Parteischule Frankfurt (Oder); 1962 Ltr. der Abt. Nachrichtenwesen; 1964 stellv. Abt.-Ltr.; 1973 Oberst; 1981 Entlassung, Rentner.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Koppe, Johannes

* 15.7.1932

Geb. in Breslau (Wrocław, Polen); Vater Journalist; 1943 – 51 OS in Breslau u. Sonneberg (Thür.), Abitur; 1952/53 Studium der Geogr. an der HU Berlin; 1953 – 89 als IM »Tesser« zunächst für den DDR-Nachrichtendienst »Inst. für Wirtschaftswiss. Forschung«, dann für die HVA erf.; 1953 Übersiedl. in die Bundesrep. Dtl.; 1954 – 59 Studium der Physik an der Univ. Hamburg; 1958 – 79 FDP; 1961 – 79 Referent für Planung Kernenergie bzw. techn. Sicherheitsbeauftragter bei den Hamburger Elektrizitäts-Werken (HEW); 1974 – 89 SED; 1979 Rückkehr in die DDR nach Verrat durch  Werner Stiller; 1979 – 91 wiss. Mitarb. im Kernkraftwerk Greifswald u. Konsultant beim Min. für Wiss. u. Technik der DDR; 1980 Prom. zum Dr. oek. an der HfÖ Berlin. 1991 vorz. Ruhestand nach Schließung des Kernkraftwerks Greifswald; lebt in Berlin. K. informierte als eine der wichtigsten Quellen die HV A zu Themen der Nuklearpolitik, -forschung u. -technik, über das Dt. Atomforum sowie militär. Anwendungsmöglichkeiten von Nukleartechnik in der Bundesrep. Dtl.Atomstrom. Energie u. Technik für die Welt von morgen. Hamburg 1969; Zum besseren Verständnis der Kernenergie. Hamburg 1976; Janusköpfige Atomforschung. In: Eichner, K., Schramm, G. (Hrsg.): »Kundschafter im Westen«. Berlin 2003.Wolfgang Hartmann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Köppen, Karl

* 9.4.1888 – ✝ 4.2.1936

Geboren am 9. April 1888 als Sohn eines kinderreichen sozialdemokratischen Funktionärs in Hamburg. Bis 1914 Transportarbeiter, dann längere Zeit als Getreidekontrolleur im Hamburger Hafen. 1905 einer der Mitbegründer der Sozialistischen Jugend Hamburgs, 1906 Mitglied der SPD. Von 1914 bis 1918 als Soldat an der Front, mehrmals verwundet. 1918 Vizefeldwebel an der Ostfront, seine Gruppe wurde der Meuterei angeklagt und er bis Kriegsende in Hamburg inhaftiert. Nach der Revolution Mitglied des Hamburger Soldatenrates und des Ausschusses des Arbeiter- und Soldatenrates. 1919 Übertritt zur USPD, 1920 zur KPD, Delegierter des Spaltungsparteitags der USPD und des Vereinigungsparteitages im Dezember 1920. Köppen war in Hamburg ein aktiver Funktionär der KPD und wurde 1921 in die Hamburger Bürgerschaft gewählt. Wegen einer Schlägerei mit Polizeispitzeln zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, floh er aus Hamburg, wurde in Suhl gefaßt, aber von 5000 Arbeitern aus dem Gefängnis befreit. Seit 1922 betrieb er in Hamburg eine Gastwirtschaft. Als Spitzelverdacht gegen ihn laut wurde, beantragte er gegen sich selbst ein Parteiverfahren. Inzwischen kam es zum Hamburger Aufstand vom Oktober 1923, bei dem Köppen eine führende Rolle spielte. Er wurde deswegen Ende 1923 verhaftet und im Urbahns-Prozeß 1925 zu fünf Jahren Festung verurteilt (der Staatsanwalt hatte zwölf Jahre beantragt), im Frühjahr 1926 amnestiert. Auf dem I. Weltkongreß der IRH 1926 wurde Köppen noch in die Exekutive gewählt. Wegen seiner ultralinken Haltung bekam er Differenzen mit der KPD. Köppen, ein enger Freund Ernst Thälmanns, wurde auch verdächtigt, damals in einige Hamburger Korruptionsaffären verwickelt zu sein. Er verließ 1926 die KPD und schied aus der Hamburger Bürgerschaft aus. Er pflegte auch nach seinem Austritt weiterhin die Verbindung zur KPD und zur linken Opposition, war aber politisch nicht mehr aktiv. Karl Köppen starb am 4. Februar 1936 in Hamburg.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Korbmacher, Willy

* 23.11.1897 – ✝ 28.4.1977

Geboren am 23. November 1897 in Krefeld; Arbeiter. Mitglied der SPD, der USPD und 1920 der KPD. Korbmacher war von 1922 bis 1929 Sekretär des Zentralvorstandes der Roten Hilfe. Er gehörte zu den Rechten in der RHD-Führung und wurde aus der KPD ausgeschlossen, trat 1929 der KPO und der IHV bei. Von 1929 bis 1931 studierte er an der Hochschule für Politik in Berlin. Mit der Minderheit der KPO ging er 1931 zur SAP und arbeitete ab 1933 bis Ende 1934 für sie illegal. Anfang 1935 emigrierte er in die Tschechoslowakei, 1938 nach Schweden, dort gehörte Korbmacher der SAP und der Landesgruppe deutscher Gewerkschaften an. Er arbeitete in der Textilindustrie, war dann Archivar und später Fürsorger. Korbmacher kehrte nach 1945 nicht nach Deutschland zurück, lebte in Göteborg und wurde Mitglied der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Schwedens. Willy Korbmacher starb am 28. April 1977 auf einer Urlaubsreise in der marokkanischen Hafenstadt Tanger.

Wer war wer in DDR

Korn, Roland

* 11.5.1930

Geb. in Saalfeld; Vater Klempner u. Installateur, 1940 – 44 Hauptschule; 1945 HJ; Wehrmacht (Panzerabwehr in Ruhla, Thür.), 1945 fahnenflüchtig, Versteck im Elternhaus. 1945 Lehre als Maurer u. Bauzeichner, Gesellenprüfung; 1946 SED; 1948 – 51 Studium an der FS für Bauwesen in Gotha, Bauing.; 1951 – 54 Studium an der HAB Weimar (gleichz. Abitur nachgeholt), Dipl.-Ing.; 1951 – 55 »Generalprojekt für die erste sozialist. Stadt« Stalinstadt / Eisenhüttenstadt (mit  Hans-Erich Bogatzky, unter der Ltg. von  Kurt Leucht); 1956 1. Preis beim Wettbewerb Elbe-Schwimmhalle Magdeburg, 1957 – 61 Planung u. Ausführung; 1961 beim VEB Berlin-Projekt; 1961 – 64 Kollektivltg. Staatsratsgebäude Berlin; 1964 Schinkelmed.; 1964 vorgesehen für das Stadtplanungsbüro in Bagdad (Irak), auf SED-Beschluss aber 1965 / 66 Projektierung Alexanderplatz mit H.-E. Bogatzky u. Heinz Scharlipp; 1965 »Hotel Stadt Berlin«, 1968 – 71 »Haus des Reisens« (mit Johannes Briske u. Roland Steiger); 1969 NP; 1969 – 73 Zweitstudium an der HAB Weimar; 1970 unter der Ltg. von Prof. Pellegrin Mitarbeit an einem Wohnungsbauprogr. für Obdachlose in Chile (mit H. Gelbrich; auf Wunsch von Salvador Allende); Rückkehr nach Berlin; 1973 – 89 Chefarchitekt von Berlin; Projektierung des Palasts der Republik (mit  Wolf-Rüdiger Eisentraut,  Heinz Graffunder,  Manfred Prasser u. Karl-Ernst Swora); 1980 Goethe-Preis; 1989 Planung der Rekonstruktion der Rykestraße in Berlin-Prenzlauer Berg (nicht ausgeführt). Nach 1990 Architekt in der Berliner Senatsverw. für Bauen u. Wohnen, 1992 Kündigung auf eigenen Wunsch; 1992 Architekt für Inter-Hotel bis zur Privatisierung; 1992 – 2000 freier Architekt, versch. Einfamilienhäuser u. Büroprojekte; seit 2000 im Ruhestand; lebt in Dannenreich (Brandenburg).Haus des Reisens in Berlin. In: Dt. Architektur (DA) (1970) 5; Wohnkomplex Greifswalder Straße in Berlin. In: Architektur der DDR (AdDDR) (1977) 5; Gaststättenbauten, Planung, Projektierung, Ausführung. Berlin 1984 (mit Jürgen Wenzel); Bauten unserer Tage. Berlin-Information 1985; Das Bild unserer Hauptstadt verändert sich. In: AdDDR (1986) 4; Berlin plant u. baut für die Zukunft. In: AdDDR (1987) 10. Architektenporträt R. K. In: DA (1971) 12; Krenz, G.: Architekten unserer Zeit: R.K. In: (AdDDR) (1983) 10; Barth, H., Topfstedt, T. u. a.: Vom Baukünstler zum Komplexprojektanten. Architekten in der DDR. Erkner 2000; Wagner, V.: Regierungsbauten in Berlin. Berlin 2001; Hohlfelder, M.: Der Palast der Republik. Berlin 2008.Volker Wagner

Handbuch Deutsche Kommunisten

Körner, Olga

* 3.6.1887 – ✝ 22.12.1969

Geboren am 3. Juni 1887 in Rübenau/Krs. Marienberg (Erzgebirge) als Olga Schubert. Die Tochter einer Arbeiterfamilie verdiente sich ihren Lebensunterhalt als Dienstmädchen, Packerin und Heimarbeiterin, später Ausbildung als Näherin und Köchin, von 1920 bis 1930 Küchenhilfe in der Volksküche Dresden. Sie trat 1911 in die SPD ein, 1917 ging sie zur USPD und Ende 1920 zur KPD. Von 1929 bis 1933 gehörte sie der BL Ostsachsen an und war nach Bildung des einheitlichen Bezirks Sachsen von 1930 bis 1933 Frauensekretärin der BL. Im September 1930 wurde sie im Wahlkreis Dresden-Bautzen in den Reichstag gewählt, dem sie bis März 1933 angehörte. Seit Juni 1930 auch Abgeordnete des Sächsischen Landtages. Olga Körner flüchtete Ende April 1933 in die Tschechoslowakei, kehrte im Juli nach Deutschland zurück und arbeitete illegal in Dresden-Radeberg. Am 23.August 1933 wurde sie in Chemnitz verhaftet und im März 1934 vom OLG Dresden zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt, die sie in Waldheim verbüßte. Nach Freilassung im September 1935 Hausfrau, stand bis zu ihrer erneuten Festnahme im November 1939 unter Polizeiaufsicht. Bis zur Befreiung im Mai 1945 im KZ Ravensbrück gefangengehalten, sie kehrte nach Sachsen zurück und wurde Sekretärin der KPD Dresden bzw. der BL Sachsen. Von 1946 bis 1952 Mitglied des Sekretariats, u. a. für Arbeit und Soziales verantwortlich. Olga Körner gehörte von 1946 bis 1950 dem PV der SED an und bis 1952 auch dem Sächsischen Landtag. Sie erhielt 1953 den Karl-Marx-Orden. Olga Körner starb am 22.Dezember 1969.

Wer war wer in DDR

Körzendörfer, Marinka

* 23.12.1953

Geb. in Berlin; 1973 – 77 Studium der Journalistik an der KMU Leipzig; danach Journalistin u. Dokumentaristin bei versch. Ztgn. u. Verlagen; 1983 lesb. Coming-out, Kontakt zu den Gründerinnen der ersten Lesben-Gruppe in der DDR; 1984 Arbeitskrs. Homosexuelle Selbsthilfe – Lesben in der Kirche (»Gethsemane-Lesben«); seitdem aktiv in der Homosexuellenbew., Beteiligung an DDR-weiten Lesbentreffen; 1989 Mitinitiatorin der Tagung Lesben im Umfeld der Kirche; Mitbegr. des Unabhängigen Frauenverb. (UFV). 1990 – 95 Medienverantwortl. des UFV; danach Umschulung, Beschäftigungsmaßnahmen, arbeitslos; 1998/99 Mitarb. der Forschungsstelle der Magnus-Hirschfeld-Ges.; erneut Umschulung, arbeitslos. Mitwirkende an zahlreichen Dokumentationen über die DDR-Lesbenbewegung, u. a. »Viel zu viel verschwiegen« (Film und Buch, 1996), »Warum wir so gefährlich waren« (Film, 2006).Christoph Links

Handbuch Deutsche Kommunisten

Koska, Willi

* 9.1.1902 – ✝ 4.5.1943

Geboren am 9. Januar 1902 in Berlin, Sohn eines Schlossers; lernte Dreher. 1918 Mitglied der Gewerkschaft, 1917 schloß er sich der sozialistischen Jugendbewegung an und stieß 1921 zur KPD. In der Partei übernahm er verschiedene ehrenamtliche Funktionen wie Straßengruppen- und Betriebszellenleiter. 1928 Mitglied der BL Berlin-Brandenburg, auf dem XII. Weddinger Parteitag im Juni 1929 wurde Koska als Betriebsarbeiter zum Kandidaten in das ZK gewählt, er übernahm im August 1929 die politische Leitung der Roten Hilfe im Bezirk Berlin-Brandenburg und wurde hauptamtlicher Sekretär. Ende 1931 Nachfolger Joseph Millers als Polleiter der Reichsorganisation der RHD. 1932 berief der Weltkongreß der IRH Koska in das Exekutivkomitee. Seit 1929 Berliner Bezirksverordneter, wurde er im Juli 1932 im Wahlkreis Westfalen-Süd in den Reichstag gewählt, dem er bis März 1933 angehörte. Er stand bis Mitte 1933 der illegalen Reichsleitung der RHD vor, und koordinierte zeitweise vom Ausland her die Arbeit der Roten Hilfe. Am 20. Juli 1933 in Berlin verhaftet, kam er zunächst in die Gestapozentrale in der Prinz-Albrecht-Straße. Als Koska zu fliehen versuchte, wurde er angeschossen und in das Staatskrankenhaus gebracht. Bei der Überführung zur Gestapo konnte er am 9. August 1933 flüchten, hielt sich zwei Wochen illegal in Berlin auf und emigrierte nach Rücksprache mit Walter Ulbricht zunächst über die Schweiz nach Frankreich. In Paris war er Mitarbeiter im Internationalen Befreiungskomitee für die Angeklagten im Reichstagsbrandprozeß, Anfang 1934 Leiter der Auslandsvertretung der RHD und Mitglied des Europäischen Büros der MOPR. Im Oktober 1934 wurde Koska aus dieser Funktion abberufen, da ihn Hans Kippenberger schwer belastete, die IKK leitete ein Untersuchungsverfahren ein, das aber nach seiner Ankunft im Juni 1935 in Moskau niedergeschlagen wurde. Koska lebte und arbeitete in der Sowjetunion unter dem Parteinamen Rudolf Rischauk. Im März 1937 erhielt er eine schwere Rüge von der IKK wegen »Nachlassens der Parteiwachsamkeit«. Er war nämlich mit Hans Stauer (Konon Berman-Jurin) befreundet, der 1936 im ersten Moskauer Schauprozeß zum Tode verurteilt worden war. Von Februar 1940 bis Juli 1941 Arbeit als Dreher in Moskau. Am 5. Juli 1941 wurde Willi Koska vom NKWD verhaftet. Seine Lebensgefährtin Gertrud Pfister erhielt erst Jahre später lediglich die Mitteilung, daß Willi Koska am 4. Mai 1943 verstorben sei. Gertrud Pfister (* 10. 9. 1908) aus Berlin, Kontoristin, trat 1924 in die KJD, 1927 in die KPD ein. Von 1927 bis 1929 Sekretärin in der Reichsleitung des RFB, ab 1929 Mitarbeiterin im ZK der RHD. Ab August 1935 in Moskau, arbeitete bis Oktober 1936 bei der Komintern. Von Ende 1936 bis Juli 1941 im deutschen Sektor beim Radiokomitee in Moskau Sekretärin. Sie erhielt 1937 eine Rüge durch die IKK wegen »mangelnder Wachsamkeit«. Im August 1941 entlassen, mit ihrem vierjährigen Sohn Willi zunächst nach Swerdlowsk, dann nach Kamischlow evakuiert und von Juli 1947 bis März 1955 in einer Filzstiefelfabrik beschäftigt. Nach der Befreiung 1945 bat die Mutter Willi Koskas, Minna Koska, geborene Görsch (* 3. 4. 1873 – † 21. 2. 1947), sofort um Auskunft über das Schicksal ihres Sohnes. Die KPD-Straßengruppe fünf im Verwaltungsbezirk Berlin-Tiergarten richtete deshalb am 13. September 1945 einen Brief an das ZK, in dem sie um Nachforschungen bat: »Der Gen. Willi Koska geb. am 9.1. 02 in Berlin war MdR und zuletzt Generalsekretär der RHD. Er wurde im Sommer 1933 bei seiner Festnahme durch die Gestapo verwundet. Aus dem Staatskrankenhaus konnte er mit Hilfe einer Genossin fliehen und emigrierte nach Frankreich. Von dort kam er später nach Rußland und hat zum letzten mal am 30. 3. 1937 aus Moskau Nachricht gegeben. Seine Mutter ist 72 Jahre alt und lebt in sehr bescheidenen Verhältnissen in Bln. NW 87 Siemensstr. 7 Stfl IV. ... Sie sorgt sich sehr um ihren einzigen Sohn und möchte gerne Gewißheit über sein Schicksal haben. Der Vater des Gen. Koska ist im Nov. 1935 gestorben. Um recht baldige Nachricht bitten die Genossen der KPD.« Gertrud Pfister bemühte sich um rasche Rückkehr nach Deutschland, durfte aber erst im April 1955 mit ihrem inzwischen 17jährigen Sohn in die DDR ausreisen. Arbeit als Referentin beim Staatlichen Rundfunkkomitee, 1978 erhielt sie die Ehrenspange zum VVO in Gold. Gertrud Pfister starb am 21. Juni 1979 in Ost-Berlin. Ermutigt durch Glasnost und Perestroika in der Sowjetunion wandte sich der Sohn Koskas, Willi Rischauk, dann im Mai 1988 an Staats- und Parteichef Honecker mit der Bitte um vollständige Rehabilitierung seines Vaters. Zwei Beauftragte der Kaderabteilung des ZK der SED informierten Willi Rischauk, daß seiner Mutter schon 1957 die Wiederherstellung der Parteimitgliedschaft des Vaters mündlich mitgeteilt worden sei. Erst auf Nachfrage erfuhr er, daß sein Vater in der Sowjetunion umgebracht wurde. Die Vertreter der SED-Kaderabteilung verlangten von ihm aber »Verständnis, daß keine schriftliche Mitteilung darüber durch den Genossen E. Honecker erfolgen kann«.

Wer war wer in DDR

Koszycki, Gerhard

* 29.6.1928

Geb. in Frauensee (Krs. Bad Salzungen); Vater Bergmann; Volksschule; 1944 forstw. Lehre; 1944 / 45 RAD; 1945 amerikan. Kriegsgef. 1945 / 46 Waldarb.; 1946 – 49 Bergmann; 1948 SED; 1949 Praktikant im Bergbau; 1949 / 50 Student an der ABF Freiberg; 1950 – 52 Hauer u. Steiger im Kaliwerk Heiligenroda; 1952 Abschluß der Ausbildung zum Meister der Volkseigenen Industrie; 1953 Lehrgang an der Zentralschule der SED in Ballenstedt; 1954 / 55 Instrukteur der SED-BL Suhl; 1955 – 61 Sekr. der SED-BPO im VEB Kali-Kombinat »Werra« in Merkers; 1958 – 61 Mitgl. der SED-BL Suhl u. ihres Büros; 1961 – 64 Studium an der PHS der KPdSU in Moskau, Dipl.-Gesellschaftswiss.; 1964 Sekr. der SED-BPO in Aderstedt; 1964 – 68 Sekr. der SED-BPO im VEB Kaliwerk »Thomas Müntzer«, 1968 – 73 Sekr. der SED-BPO im VEB Kalikombinat »Werra« in Merkers; 1973 – 81 1. Sekr. der SED-KL Bad Salzungen; 1980 VVO; 1981 – 89 2. Sekr. der SED-BL Suhl.Mario Niemann

Wer war wer in DDR

Kouba, Josef

* 5.9.1908 – ✝ 30.4.1983

Geb. in Leipzig; Vater Arbeiter; Volksschule; 1923 – 27 Ausbildung zum Schlosser, anschl. bei zwischenzeitl. Arbeitslosigkeit (1930 – 34) bis 1945 Schlosser in Leipzig; 1927 KPD. 1945 – 48 hauptamtl. Betriebsratsvors., dann bis 1952 Werkltr. der Eisengießerei Becker in Leipzig; 1949/50 Mitgl. der SED-Stadtltg. Leipzig; 1952/53 pol. Mitarb., 1953 – 55 Sektorenltr., 1955 – 58 stellv. Abt.-Ltr. im ZK der SED; 1958 – 74 Ltr. des Sektors NVA der Abt. Sicherheitsfragen des ZK der SED; 1964 Kampforden für Verdienste um Volk u. Vaterland; 1978 VVO.Elke Reuter

Handbuch Deutsche Kommunisten

Kox, Wilhelm

* 8.11.1900 – ✝ 20.3.1940

Geboren am 8. November 1900 in Aachen, Sohn einer Arbeiterfamilie. Er lernte Metzger bei einem seiner Brüder. Wegen eines Diebstahlversuches kam er für einige Zeit in eine Fürsorgeeinrichtung, noch 1918 zum Kriegsdienst einberufen. Danach Metallarbeiter in Hürth, 1924 Vertrauensmann des DMV, 1920 Mitglied der KPD, lange erwerbslos, dann Metzger in einer Groß-Schlächterei. Ende 1930 wurde Kox besoldeter Sekretär der KPD im UB Koblenz. Von Mai 1931 bis Oktober 1933 Kursant an der Internationalen Leninschule in Moskau, nach seiner Rückkehr Zusammenarbeit in Berlin mit Herbert Wehner bei der Auflösung des Sekretariats des ZK der KPD und der Bildung der illegalen Landesleitung, der er selbst von Mitte November 1933 bis Mai 1934 angehörte. Kox war für die Verbindung zu den Oberbezirken Mitte, Südwest und Süd verantwortlich und übertrug diese Aufgaben im Juni 1934 seinem Nachfolger Adolf Rembte. Ab Juli 1934 war er einer der sogenannten Reichstechniker mit Sitz in Saarbrücken. Im März 1935 nach Paris gerufen, wo gegen ihn mehrere Parteiuntersuchungen durch die Internationale Kontrollkommission der Komintern wegen »Sabotage der Parteiarbeit« durchgeführt wurden. Im Januar 1936 in Prag vorübergehend verhaftet, teilte ihm das ZK im Mai 1936 mit, daß er aus der KPD ausgeschlossen sei. Als Grund wurden Meinungsverschiedenheiten mit dem ZK, ungenügende Selbstkritik, fahrlässiges Verhalten bei der Aushebung der illegalen Druckerei in Saarbrücken genannt. Kox lehnte Bewährungsaufträge in Amsterdam bzw. eine Rückkehr nach Moskau oder einen Einsatz in Spanien ab. Er kehrte nach Deutschland zurück, wurde mehrmals verhaftet, zuletzt am 16. September 1939 in Berlin wegen angeblicher Mitarbeit für den Nachrichtendienst der Tschechoslowakei. Wilhelm Kox wurde am 20. März 1940 vom 2. Senat des VGH zum Tode verurteilt und am 10. August 1940 in Berlin-Plötzensee hingerichtet.

Wer war wer in DDR

Konwitschny, Franz

* 14.8.1901 – ✝ 28.7.1962

Geb. in Fulneck (Krs. Neu-Titschein, Nordmähren / Fulnek, Tschechien); Vater Musikdir. u. Chordirigent; 1920 – 23 Studium an der Dt. Musikvereinsschule in Brünn sowie 1923 – 25 am Konservatorium Leipzig; Bratscher u. Geiger im Gewandhausorchester Leipzig unter Wilhelm Furtwängler; 1925 – 27 Bratscher im Wiener Fitzner-Quartett; Lehrer für Musiktheorie u. Violine am Volkskonservatorium Wien; Prof.; 1927 Korrepetitor, 1930 1. Kapellmstr. in Stuttgart; 1933 – 38 Gen.-Musikdir. in Freiburg i. Br.; Aug. 1937 NSDAP; 1938 – 44 in Frankfurt (Main); Dez. 1942 Gastdirigent in der Ghetto-Stadt Łódź; 1943/ 44 Chefdirigent des Orchesters in Ludwigshafen. 1946 – 49 Musikal. Oberltr. von Oper u. Konzert in Hannover; ständ. Gastdirigent der Staatsoper Hamburg; 1949 – 62 Gewandhauskapellmstr. in Leipzig (Nachf. von  Hermann Abendroth); gleichzeitig 1953 – 55 Chefdirigent der Staatskapelle Dresden; 1951 Verleihung des Professorentitels; 1955 – 62 Musikal. Oberltr. der Dt. Staatsoper Berlin; 1956 Mitgl. der DAK; 1960 Dr. h. c. der KMU Leipzig; 1951, 1956 u. 1960 NP; Gastdirigate in fast allen europ. Ländern u. in Japan; seit 1949 Konzertreisen mit dem Gewandhausorchester Leipzig sowie den Staatskapellen Dresden u. Berlin; zahlr. Schallplattenaufn. u. a. mit Werken der dt. Klassiker und Romantiker sowie von Johann S. Bach, Anton Bruckner, Felix Mendelssohn Bartholdy, Max Reger, Dimitri Schostakowitsch, Richard Wagner, u. a. CD-Box The »Art of F. K.: greatest historical recordings« (Hamburg 2000/01); gest. auf einer Konzertreise in Belgrad. Sek.-Lit.: Vermächtnis u. Verpflichtung. Fs. für F. K. zum 60. Geb. Leipzig 1961.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Koplanski, Michael

* 25.9.1934 – ✝ 24.2.2010

Geb. in Naußlitz (Krs. Kamenz), Vater Bauer; Volksschule; landw. Ausbildung, Landwirt; 1950 FDJ; 1951 DBD; 1951 Mitarb. des Rats des Krs. Kamenz; 1952 – 59 Krs.-Instrukteur der DBD in Kamenz; dann Mitarb. im Bez.-Vorst. Dresden bzw. beim PV der DBD; 1953 FDGB; 1955 – 63 Mitgl. des Büros des ZR der FDJ; 1957/58 Studium am Inst. des ZK der SED zur Ausbildung von Funktionären für die soz. Landw. in Schwerin; 1961 – 64 Fernstudium an der FS für Landw. Cottbus, staatl. geprüfter Landwirt; 1959 – 68 Sekr. u. stellv. Vors., 1968 – 71 Vors. des DBD-Bez.-Vorst. Cottbus (Nachf. von Heinrich Schmidt); 1959 – 89 als IM des MfS erf.; 1963 – 71 Abg. des Bez.-Tags u. 1965 – 71 Mitgl. des Rats des Bez. Cottbus; 1971 – 76 Vors. des DBD-Bez.-Vorst. Neubrandenb. (Nachf. von Richard Schmidt), Abg. des Bez.-Tags, stellv. Vors. der Ständ. Kommission für Land- u. Nahrungsgüterwirtsch.; 1963 Kand., 1968 Mitgl. des PV der DBD; 1969 – 74 Fernstudium an der ASR Potsdam, Dipl.-Staatswiss.; 1972 Mitgl. des Präs., ab 1976 Sekr. des PV der DBD; 1976 – März 1990 Abg. der Volkskammer, stellv. DBD-Fraktionsvors.; Vors. des Aussch. für Land-, Forst- u. Nahrungsgüterwirtsch. (jew. Nachf. von  Stephan Zagrodnik); ab 1976 Mitgl. des Präs. der Freundschaftsges. DDR – Italien; 1981 Präs. der Freundschaftsges. DDR – Finnland; 1984 Mitgl. des Zentralvorst. der VdgB; VVO; ab Nov. 1989 Vors. der DBD-Fraktion in der Volkskammer (Nachf. von  Erwin Binder) u. Mitgl. ihres Präs.; Dez. 1989 Wahl zum stellv. Vors. der DBD (Nachf. von  Paul Scholz); Teilnehmer des Zentr. Runden Tisches u. Einberufer der Arbeitsgr. Neue Verfassung der DDR; Jan. 1990 vom a. o. DBD-Parteitag aus allen Parteigremien abgewählt, jedoch bis zur Fusion mit der CDU im Sept. 1990 HA-Ltr. im PV der DBD; anschl. hauptamtl. Mitarb. der Land-Union der CDU. Febr. 1991 Austritt aus der CDU; Altersübergangsregelung; ab Sept. 1994 Altersrentner. Gest. in Cottbus.Siegfried Kuntsche / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Köppe, Ingrid

* 6.3.1958

Geb. in Berlin; Mutter Übersetzerin; 1976 Abitur; Studienbeginn an der PH Güstrow, 1977 nach Weigerung, eine Resolution gegen  Wolf Biermann zu unterschreiben, Abbruch des Studiums; anschl. kurzz. arbeitslos, dann Bibliothekar-Helferin; 1978 – 81 Studium an der FS für Bibliothekare in Leipzig; anschl. Bibliothekarin in Berlin; 1983/84 Flugblattaktion gegen die nukleare Nachrüstung des Warschauer Pakts; 1985 Postzustellerin; 1986 – 88 Mitarb. am ZI für Bibliothekswesen; 1988 – 90 Fleurop-Botin; 1989 Teiln. an Protestaktionen gegen die Fälschung der Kommunalwahlergebnisse; seit Sept. Mitgl. des Neuen Forums (NF); Mitgl. des NF-Sprecherrats bis Mai 1990; Dez. 1989 – März 1990 NF-Vertreterin am Zentr. Runden Tisch, ab Mai Mitgl. der Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen / UFV in der Berliner Stadtverordnetenvers. 1990 – 94 Abg. des Dt. Bundestags; Vertreterin der Abgeordnetengr. Bündnis 90/Die Grünen im Wahlprüfungs-, Rechts- u. Innenaussch. sowie im Untersuchungsaussch. zur Aufklärung der früheren Aktivitäten des von  Alexander Schalck-Golodkowski geleiteten Bereichs Kommerzielle Koordinierung; 1995 Ablehnung des Bundesverdienstordens, da diese Auszeichnung »im Gegensatz zur realen Geringschätzung der Anliegen der Bürgerbew. in der Bundesrep. Dtl.« stehe; 1996 – 2000 Studium der Rechtswiss. an der Europa-Univ. Viadrina in Frankfurt (Oder); danach Rechtsanwältin in Wriezen (Brandenb.).Jan Wielgohs

Wer war wer in DDR

Kopprasch, Eberhard

* 6.8.1935

Geb. in Struppen (Krs. Pirna); Vater Kesselschmied; Volksschule; 1949 – 52 Lehre u. Arbeit als Elektriker in Pirna; 1952 FDJ-Sekr. im Betrieb; SED; März 1953 1. Sekr. der FDJ-Stadtltg. Pirna; Aug. 1953 Einstellung beim MfS, Abt. KuSch der BV Dresden; 1954 Versetzung zur Abt. KuSch der BV Neubrandenb.; 1956 Abt. XV (Auslandsspionage); 1961 HVA-Abt. III (legal abgedeckte Residenturen), MfS Berlin; 1966 – 69 Studium an der JHS Potsdam-Eiche, Dipl.-Jur.; 1971 HVA-Abt. XI (Nordamerika); 1978 HVA-Abt. I (Staatsapparat der Bundesrep. Dtl.); 1980 HVA-Abt. IX (Gegenspionage); 1981 AG Sicherheit der HV A; 1987 Oberst; stellv. Ltr., 1989 Ltr. der AG Sicherheit; 1990 Entlassung.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Korfes, Otto

* 23.11.1889 – ✝ 24.8.1964

Geb. in Wenzen (Weserbergl.); Vater Pfarrer; 1901 – 09 Gymnasium in Blankenburg, Abitur; anschl. Offizierslaufbahn, 1910 Ltn.; Teiln. am 1. Weltkrieg, 1918 Hptm. u. Bat.-Kdr., verwundet; 1919 Kriegsgeschichtl. Abt. des Grossen Gen.-Stabs (aus dem das Reichsarchiv in Potsdam entstand); 1919 – 22 Studium der Volkswirtsch., Staatswiss. u. Geschichte an der Univ. Berlin; 1923 Prom. über »Die Anwendbarkeit der Lehren der Bodenreform auf die Landw.«; 1923 Mitarb. in der Kriegsgeschichtl. Abt. des Reichsarchivs in Potsdam, beteiligt an der Hrsg. der offiziösen »Geschichte des 1. Weltkrieges«; 1930 – 37 Mitarb. an der Kriegsgeschichtl. Forschungsanstalt des Heeres; 1937 Reaktivierung als Offz., Oberst-Ltn. u. Bat.-Kdr.; Teiln. an der Besetzung des Sudetengeb., Polens; als Reg.-Kdr. am Westfeldzug u. am Überfall auf die UdSSR; 1941 Oberst; 1942 Div.-Kdr. in der 6. Armee, Gen.-Major; 31.1.1943 Gefangenschaft in Stalingrad; 1943 Gründungs- u. Vorstandsmitgl. des Bunds Dt. Offz.; Mitgl. des NKFD; Mitgl. im Geschäftsf. Aussch. u. der Fachgr. Kultur; durch ein dt. Gericht in Abwesenheit zum Tode verurteilt, Familie in Sippenhaft. 1948 Antifa-Schule; Rückkehr nach Dtl.; Mitgl. des Gründungsaussch. der NDPD; 1948/49 Ltr. des Zentralarchivs Potsdam; 1949 – 52 Ltr. der HA für Archivwesen im MdI; 1950 – 52 Ltr. des Inst. für Archivwiss. Potsdam; 1952 – 56 Gen.-Major der KVP; Ltr. der Hist. Abt. im Stab der KVP; 1956 Ruhestand; 1958 Vors. der Arbeitsgemeinschaft ehem. Offz.; Mitgl. der Kommission für Landesgeschichte bei der Sächs. AdW; Mitgl. des Wiss. Beirats beim Museum für Dt. Geschichte; für die NDPD Mitgl. im NR der NF u. des Bez.-Tags Potsdam; gest. in Potsdam. O. K. zählte zu den Begründern der Militärgeschichtsschreibung in der DDR; Publ. über das NKFD, den 2. Weltkrieg u. Carl von Clausewitz.Wegner-Korfes, S.: Zur Biographie O. K. In: Ztschr. f. Geschichtswiss. (1982) 1; Wegner-Korfes, S.: O. K. In: Wegbereiter der DDR-Geschichtswiss. Berlin 1989; Wegner-Korfes, S.: Weimar – Stalingrad – Berlin. Berlin 1994.Ilko-Sascha Kowalczuk

Wer war wer in DDR

Korn, Vilmos

* 3.4.1899 – ✝ 6.11.1970

Geb. in Groß-Kikinda (nördl. Banat, Österreich-Ungarn, heute: Kikinda, Serbien); Vater kaisertreuer dt. Beamter, Publizist, Mutter Köchin; Volksschule; 1914 Kriegsfreiwilliger (vom Vater gezwungen), 1916/17 Leutnant/ Reserve-Offizier; 1918 Mitgl. des Arbeiter- u. Soldatenrates; 1919 – 24 kfm. Angestellter einer Angestelltengewerkschaft in Görlitz, Osnabrück u. Duisburg; Artikel für Betriebs- u. Gewerkschaftsztg.; arbeitslos; nannte sich ab 1920 Vilmos Korn; 1928 – 30 NSDAP, verließ die Partei als Mitgl. der Gr. um Otto Strasser, wurde aber von dort wg. »marx. Tendenzen« entfernt; Okt. 1930 Übertrittserklärung zur roten Klassenfront (veröffentl. in »Die Rote Fahne«), Mitbegr. der Ztschr. »Aufbruch«; 1931 erste literar. Arbeit (»Hinter Hitlers Trommeln«); journ. Arbeit f. »Die Rote Fahne«; Redner auf Streikversamml. u. Demonstrationen; Abendschule bei  Hermann Duncker; 1931 KPD; ab Jan. 1933 Mitgl. der Reichsltg. des Kampfbundes gegen den Fasch.; Juli 1933 – Apr. 1936 in der Illeg. in Berlin, im Erzgeb. u. im Allgäu tätig; lernt 1935 in Dresden die Bibliothekarin Ilse Truöl (1907 – 1975) kennen, die ihn in der Illeg. unterstützt; 1943 Heirat (1938 Geburt der Tochter Nina); 1942 mit Hilfe eines Kriegskameraden legal als Luftwaffenoffz. in die Wehrmacht integriert; nach Denunziation Dez. 1943 Verhaftung, Juni 1944 wg. »Vorbereitung zum Hoch- u. Kriegsverrat« zum Tode verurteilt (Mitgefangener Werner Krauss), bis 1945 Haft im Reichskriegsgericht Torgau, anschl. im amerikan. Internierungslager in Schwarzenborn (Hessen). Juni 1945 Rückkehr nach Dresden; 1946 Mitbegr. des KB in Sachsen; 1945 – Nov. 1949 Ltr. der Abt. Belletristik im Min. f. Volksbildung Sachsens; Arbeit als Lektor; 1946 literar. Veröff.: Schauspiel »Das Segel des Colon«; 1947 UA des Einakters »Münzers Tod«; Mitarb. an Konzept u. Drehbuch zum Dok.-Film »Dresdens Zerstörung«; 1947 SED; Juni 1948 im SED-Auftrag Gründungsmitglied der NDPD in Sachsen; 1948 – 58 NDPD-Landesvors. in Sachsen, Abg. der Volkskammer u. Mitgl. des Hauptaussch. der NDPD; 1949 – 51 Referent bzw. Ltr. der Abt. Begutachtung u. Beratung im kulturellen Beirat beim Min. für Volksbildung (Vorläufer des Amts für Llit. u. Verlagswesen); 1950 Umzug nach Berlin; Hrsg. von Anthologien neuer Autoren, ab 1951 freiberufl. Schriftsteller, u. a. Kinderbücher »Das Milchbächlein (1953), »Das Nikolastürmchen« (1956); Mitgl. im DSV; sein Roman »Wenn die Gestirne wechseln«, Geschichte einer Familie u. ihre unterschiedl. Wege im geteilten Deutschland, sollte 1957 im Verl. der Nation erscheinen; zahlr. Reden u. Artikeln in der »Nationalztg.« über Schönfärberei u. mangelnde Volksnähe der Regierenden führten 1958 zum Ausschluß aus der NDPD wg. angebl. »fortgesetzter u. direkter Begünstigung feindl. Hetze«; Verbot u. Beschlagnahme des Romanmanuskripts, Schreib- u. Redeverbot (Vorwurf: »Pogromhetze gegen den Kommunismus«); seine Frau Ilse K. erstritt beim Verlag seine Mitautorenschaft am Kinderbuch »Mohr u. die Raben von London« (1962, verfilmt 1968) über Karl Marx im engl. Exil sowie am Märchen »Meister Hans Röckle u. Mister Flammfuß« (1968, auch als Oper u. als Film 1974); 1962 Rehabilitierung durch Beschluß der ZPKK der SED, Anerkennung der KPD-Mitgliedschaft seit 1931; 1964 zus. mit Ilse K. Fontane-Preis; 1965 Med. für Kämpfer gegen den Fasch.; 1970 Johannes-R.-Becher-Medaille; gest. in Kleinmachnow.Offen steht das Tor des Lebens. Halle 1951 (Hrsg.); Dein Herz gehört der ganzen Welt. Gedichtsammlung, Berlin 1967. Barck, S., Langermann, M., Lokatis, S.: »Jedes Buch ein Abenteuer«. Berlin 1997; Coppi, H., Römer, S. (Hrsg.): Aufbruch. Koblenz 2001.Ingrid Kirschey-Feix / Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Korotkow, Alexander Michailowitsch

* 22.11.1909 – ✝ 27.6.1961

Geb. in Moskau; Chef der Auslandsaufklärung in der SBZ, Chef der KGB-Vertretung in der DDR 1941 stellv. Resident des NKWD in Berlin, Oberst; 1945/46 Chef der sowj. Auslandsaufklärung in der SBZ; stellv. Pol. Berater des Obersten Chefs der SMAD; Ltr. der Abt. Agenten beim Auslandsnachrichtendienst Komitee für Information beim Min.-Rat der UdSSR bzw. des MGB; 1957 – 61 Chef der KGB-Vertr. in der DDR, Gen.-Major; gest. in Moskau.Bailey, G.; Kondraschow; S. A., Murphy, D. E.: Die unsichtbare Front. Berlin 1997.Jan Foitzik

Handbuch Deutsche Kommunisten

Koschnick, Johannes

* 19.9.1902 – ✝ 21.9.1944

Geboren am 19. September 1902 in Kiel, Sohn einer Arbeiterfamilie; Lehre und Arbeit als Dreher auf der Germania-Werft in Kiel. 1919 Mitglied des Jungspartakusbundes, 1920 der KPD. Koschnick war von 1923 bis 1925 Sekretär des KJVD für Nordwestdeutschland. Von 1925 bis Anfang 1931 wirkte er zunächst als Gewerkschaftsredakteur der Bremer »Arbeiterzeitung« und als Sekretär für Gewerkschaften der KPD-BL Nordwest, später RGO-Leiter von Bremen. Da er nach Ansicht der Zentrale auf versöhnlerischen Positionen verharrte und zum Kreis der engen Mitstreiter um Polleiter Paul Taube gehörte, wurde er im März 1931 aus Bremen abgezogen und nach Hamburg versetzt. Als Sekretär der Reichsleitung des Einheitsverbandes der Seeleute, Hafenarbeiter und Binnenschiffer der RGO wirkte er bis 1933 in Hamburg. Koschnick bat das ZK im März 1932, die BL Nordwest zu veranlassen, die Bezahlung seiner Gerichtskosten zu übernehmen. Er war 1930 nämlich für ein Flugblatt der KPD-Betriebszelle der Bremer Jutespinnerei verantwortlich gemacht worden, aber die neue BL unter Robert Stamm weigerte sich zunächst, für die Gerichtskosten aufzukommen. Im Februar 1933 ging Koschnick in die Illegalität und organisierte noch am 1. Mai 1933 eine Kundgebung an der Bezirksgrenze zwischen Hamburg und Altona. Er wurde verhaftet und wegen »Landfriedensbruchs« zu neun Monaten Gefängnis verurteilt, anschließend für die gleiche Aktion durch das Hanseatische OLG zu eineinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt, die er im KZ Fuhlsbüttel verbüßte. Nach der Entlassung kam er bis Januar 1939 in »Schutzhaft« in das KZ Sachsenhausen. Von 1939 bis 1943 arbeitete er als Dreher in Bremen-Kattenturm. Obwohl nur »bedingt wehrwürdig«, wurde Johannes Koschnick 1943 zur Wehrmacht eingezogen und ist am 21.September 1944 in Finnland gefallen. Sein Sohn Hans (* 2. 4. 1929) wurde später als Bremer Bürgermeister und führender SPD-Politiker sehr bekannt. David Frechenhäuser veröffentlichte 2005 eine biographische Skizze über Johannes Koschnick.

Wer war wer in DDR

Kossakowski, Adolf

* 11.5.1928

Geb. in Lindenau (Krs. Osterode, Ostpr. / Lipówka, Polen), Vater Bauer; Grundschule in Lindenau; 1942 – 44 Schüler an der Lehrerbildungsanstalt Patschkau; 1944 / 45 Arbeitsdienst. 1945 / 46 Landarbeiter in Heiligenhagen (b. Rostock), 1946 / 47 Neulehrer in Warnow (Krs. Güstrow); 1947 – 49 Pädagogikstudium an der Univ. Rostock; 1949 – 51 Lehrer an der OS Bad Doberan; 1950 SED; 1951 / 52 Oberreferent im Min. für Volksbildung des Landes Mecklenb.; 1952 / 53 Studium an der DASR Potsdam-Babelsberg; ab 1953 Studium der Psychol. an der KMU Leipzig, dort 1956 Dipl.; 1957 – 64 Aspirantur, 1960 Prom. »Über gestörte Funktionen bei Lese-Rechtschreib-Schwäche«, 1964 Habil. mit der Arbeit »Bedingungen für den Entwicklungswandel in der Pubertät«; 1964 Doz. für Psychol., 1966 Prof. mit Lehrauftrag u. Dir. des Psycholog. Inst., 1968 ord. Prof. für Psychol. (Persönlichkeitspsychol.) an der KMU; ab 1970 Aufbau u. bis 1990 Prof. u. Dir. des neugegr. Inst. für Pädagog. Psychol. an der APW in Berlin; 1975 – 89 Vors. der Gesell. für Psychol., 1989 Abwahl; nach Abwickl. der APW 1990 Ruhestand; lebt in Berlin. K. hat wesentl. zur Entw. u. Etablierung der pädagog. Psychol. in der DDR im Spannungsfeld von fachl. Ausrichtung (Basis: Entwicklungs- u. Persönlichkeitspsychol.) u. polit. Legitimationsdruck beigetragen.Wie überwinden wir die Schwierigkeiten beim Lesen- u. Schreibenlernen, insb. bei Lese-Rechtschreib-Schwäche?. Berlin 1961; Zur Psychol. des Jugendalters. Berlin 1962 (mit W. Friedrich); Über die psychischen Veränderungen in der Pubertät: Bedingungsanalyse. Berlin 1965; Handlungspsycholog. Aspekte der Persönlichkeitsentw. Berlin 1980; Psychische Entw. der Persönlichkeit im Kindes- u. Jugendalter. Berlin 1987 (Hrsg.); Die Pädagog. Psychol. der DDR im Spannungsfeld zwischen kindorientierter Forschung u. bildungspolit. Forderungen. In: Cloer, E. / Wernstedt, R. (Hrsg.): Pädagogik in der DDR. Weinheim 1994. Busse, S.: Psychologie in der DDR. Weinheim 2004.Dieter Hoffmann / Ulrich Jahnke

Wer war wer in DDR

Kotikow, Alexander Georgewitsch

* 27.8.1902 – ✝ 19.7.1981

Geb. in Bakino (Tulaer Gebiet); Kupferschmied; 1920 KPdSU; Berufsoffz. u. pol. Instrukteur in der Armee; 1930 Absolvent der Militärakad.; ab 1941 Stabsoffz.; Chef der Pol. Abt. der 61. Armee. 1945/46 stellv. Chef der SMA Sachsen-Anh. für Zivilangelegenh.; April 1946 – Juni 1950 Chef der Garnison u. Kommandant des sowj. Sektors in Berlin; 1949/50 Vertreter der SKK in Berlin; Gen.-Major; 1950 – 55 bei der Luftwaffe; zul. Gen.-Ltn.; Ehrenbürgerschaft von Berlin, 1992 aberkannt; gest. in Moskau.Jan Foitzik

Wer war wer in DDR

Koven, Ludolf

* 28.4.1900 – ✝ 20.6.1984

Geb. in Steimke (Altmark); Vater Pastor; Gymnasium; vaterländ. Hilfsdienst, 1918 Kriegsdienst als Kanonier; 1918 – 21 Buchhändlerlehre; 1921 – 41 Buchhändler u. 1. Sortimenter in führenden Buchhandlungen in Koblenz, Marburg, Frankfurt (Main) u. Berlin; 1923/24 in Marburg enge Verbindung zu freien student. Gruppen u. zur Wandervogelbew.; 1931 KPD; 1941 Wehrmacht, Verw.-Dienst; 1945 sowj. Gefangenschaft. 1945/46 Mitarb. der VHS im Krs. Flöha bei der Entnazifizierung der Buchhandlungen u. Büchereien; 1946 – 51 stellv. Geschäftsf. des Kulturellen Beirats für Verlagswesen; zugl. Chefred. des »Börsenblatts für den Dt. Buchhandel – Leipziger Ausg.«; 1951 – 53 Ltr. der Buchabt. des Amts für Lit. u. Verlagswesen; 1953 – 55 Ltr. des VEB Dt. Verlag der Wiss. Berlin; 1955 – 65 Ltr. des Akad.-Verlags Berlin; 1965 Rentner; viele Jahre Vorstandsmitgl., Vors. des Verlegeraussch., stellv. Vorsteher des Börsenvereins der Dt. Buchhändler zu Leipzig. CaW Kowal, Konstantin Iwanowitsch 1908 – 1999 1. Stellv. des Obersten Chefs der Sowjetischen Militäradministration Ing.; ab 1941 stellv. Volkskommissar für Schwerindustrie der UdSSR; März – Juni 1945 Stellv. Bevollm. des Besonderen Komitees des Staatl. Verteidigungskomitees. Juni 1945 – 49 Gehilfe bzw. Stellv. für ökon. Fragen bzw. Erster Stellv. des Obersten Chefs der SMAD; 1946 – 48 sowj. Dir. der Abt. Wirtschaft des Alliierten Kontrollrats für Dtl.; 1949 – Juni 1950 Erster stellv. Vors. der SKK für ökon. Fragen. Stellv. Außenhandelsminister der UdSSR; ab 1956 Vors. des Staatskomitees der UdSSR für Auswärtige Wirtschafsbeziehungen; gest. in Moskau.Na postu samestitelja Glawnonatschalstwujuschtschewo SWAG 1945 – 1949. In: Nowaja i noweischaja istorija 1987; Posledni swidetel. »Germanskaja karta« w cholodnoi woine. Moskwa 1997.Jan Foitzik

Wer war wer in DDR

Koziolek, Helmut

* 5.7.1927 – ✝ 19.5.1997

Geb. in Beuthen (Oberschles. / Bytom, Polen); Vater Lokführer, Stiefvater Tischler, Mutter Schneiderin; 1933 – 44 Volks- u. Oberschule in Zwickau, Gersdorf u. Kattowitz; 1937 – 45 Dt. Jungvolk, HJ, Fähnleinführer; 1944/45 RAD, Untertruppführer; Mai 1945 amerik. Gefangenschaft in Mölln (Neuengamme). 1945 Studium an der Textil-Ing.-Schule in Chemnitz; 1945 – 48 Studium der Rechts- u. Staatswiss. an der MLU Halle; dort 1948 Ref. im Kuratorium; Dipl.-Volkswirt; 1946 SED; 1948/49 Assistent; 1949 – 53 Doz. der DVA in Forst-Zinna; 1953 – 56 Prof. u. Abt.-Ltr. für pol. Ökon. des Soz. an der HS für Finanzwirtsch. Potsdam-Babelsberg, die 1956 mit der HS für Planökon. Berlin-Karlshorst zur HfÖ Berlin vereinigt wurde; 1955 Prom. zum Dr. oec. mit der Arbeit »Zur marxist.-leninist. Theorie des Nationaleinkommens«; 1956 – 63 Prorektor für das ges.-wiss. Grundstudium u. stellv. Rektor an der HfÖ Berlin; 1957 Prof.; 1960 ordentl. Prof. für pol. Ökon. des Soz. an der HfÖ Berlin; 1962 amtl. Dir.; 1961 Habil. zu »Grundfragen der marxist.-leninist. Theorie des Nationaleinkommens«; 1963 – 65 Ltr. des Ökon. Forschungsinst. bei der SPK Berlin; ab 1965 ord. Mitgl. der AdW; 1966 u. 1970 NP; 1972 Vors. der Kl. »Gesetzmäßigkeiten der entw. soz. Ges.« u. des Wiss. Rats für Wirtschaftswiss. Forschung; Mitgl. des Forschungsrats der DDR, Vors. der DDR-Delegation der Gem. Kommission der Ökonomen UdSSR – DDR; 1966 – 90 Dir. des ZI für soz. Wirtschaftsführung beim ZK der SED; 1969 ord. Prof.; ab 1976 Mitgl. des Red.-Kolleg. der »Einheit«; Mitgl. der Wirtschaftskommission des PB des ZK der SED u. der Kommission der Ltr. der ges.-wiss. Inst. beim ZK der SED; 1976 – 81 Kand., 1981 – 89 Mitgl. des ZK der SED; 1982 VVO; 1987 KMO; 1988 ausw. Mitgl. der AdW der UdSSR. Forschungsgebiete: marxist.-leninist. Re- produktions- u. Nationaleinkommenstheorie, Wachstumsfaktoren des Nationaleinkommens, soz. Wirtschaftsführung; als Wissenschaftsfunktionär war H. K. insbes. an der Planung u. Koordinierung der wirtschaftswiss. Forschung in der DDR u. im RGW beteiligt.Zur marxist.-leninist. Theorie des Nationaleinkommens. Berlin 1953; Reprod. u. Nationaleinkommen. Berlin 1979; Wiss., Technik u. Reprod. Berlin 1981; Arbeitsproduktivität, Wertbildung u. ökon. Kreisläufe. Berlin 1984; Berührungen zwischen Physik u. Ökon. Berlin 1986 (mit R. Schwarz); Aktuelle Probleme der pol. Ökon. des Soz. Berlin 1989.Hagen Schwärzel / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Konzok, Willi-Peter

* 29.6.1902 – ✝ 26.7.1984

Geb. in Breslau (Wrocław, Polen); Vater Bildhauer; Volksschule in Berlin; 1920 Abitur in Breslau; 1920 – 22 Ausbildung zum Buchhändler in Leipzig; 1924 Bibliothekarsprüfung; 1924 – 32 DDP, Austritt nach Umbildung zur Dt. Staatspartei; 1924 – 26 als Setzer u. Drukker tätig; 1924 – 32 Mitgl. des Gewerkschaftsbunds der Angest.; 1930 – 32 Abg. des Schles. Provinziallandtags; 1931 – 37 Buchhändler in Bunzlau; 1937 – 39 kfm. Angest. der Fabrik »Greve & Täschner« in Dresden; in der NS-Zeit »wehrunwürdig«, dennoch 1939 zum Militärdienst eingezogen, 1940 – 45 Wehrmacht, Mai/Juni 1945 amerik. Kriegsgefangenschaft in Bayern. Juli 1945 DPD, dann LDPD; 1949/50 stellv. Vors. des Landesverb. Sachsen; ab 1951 stellv. Vors. der LDPD; 1948 – 50 Abg. des Sächs. Landtags u. Stadtrat in Dresden; 1949 FDGB; ab 1950 Abg. der Volkskammer; 1961 – 71 Mitgl. des Verfassungs- u. Rechtsaussch.; 1969 – 83 Mitgl. des Präs. (Nachf. von  Johannes Dieckmann); seit 1971 stellv. Vors. des Aussch. für Ausw. Angelegenh.; 1950 – 55 Staatssekr. u. 1955 – 58 stellv. Minister für Leichtindustrie; seit 1951 Mitgl. des NR der NF; 1958 – 61 Sektorenltr. Glas-Keramik in der Abt. Bauwesen der SPK; 1961/62 Ltr. der Abt. Glas-Keramik im VWR; ab 1962 Gen.-Sekr. der Vereinigung der Mitgl.-Städte der DDR in der Weltföderation der Partnerstädte; seit 1963 Vizepräs. der Freundschaftsges. DDR – Afrika; 1955 u. 1967 VVO; 1970 Ehrenspange zum VVO; 1972 Stern der Völkerfreundschaft; 1982 Großer Stern der Völkerfreundschaft.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Koplowitz, Jan

* 1.12.1909 – ✝ 19.9.2001

Geb. in Bad Kudowa (Krs. Glatz, Niederschles./ Kudowa Zdrój, Polen) in einer jüd. Fam.; Vater Hausdiener, Stiefvater Kurhotelbesitzer; Mutter Hotelbesitzerin (im KZ Auschwitz ermordet); priv. höhere Knaben- u. Mädchenschule in Sackisch, ab 1923 Eichendorf-Oberrealschule in Breslau; 1925 KJV; 1926 Abitur; Lehrerprüfung; danach vorwiegend als Journalist tätig; 1928 BPRS; 1929 KPD; 1930 – 32 Red. der »Schles. Arbeiterztg.«; Arbeit für Agit.-Prop.-Gruppen; mehrmals verhaftet; 1933 Emigration in die ČSR; in Prag Agit.-Prop.-Arbeit unter Anleitung von Egon Erwin Kisch; 1934/35 illeg. Arbeit in Österreich; 1939 Flucht nach Polen, dann über Schweden nach Großbritannien; 1940 im Lager Huyton interniert; Arbeit in versch. Berufen, dabei schriftst. Tätigkeit (Reportagen »Short stories« 1944). 1947 Rückkehr nach Dtl. (SBZ); SED; Journalist; Kulturarbeit in der Max-Hütte Unterwellenborn; Ltr. der Rundfunksendung »Betriebs- u. Dorfabend«; Red. der »Tägl. Rundschau«; Vors. der Komission für Kulturelle Massenarbeit in der DDR; zeitw. künstler. Dir. der Berliner Konzert- u. Gastspieldirektion; danach freischaff. Schriftst.; Förderer der Bew. schreibender Arbeiter; Verf. zahlr. Erzählungen u. Reportagen über den »soz. Aufbau«, z. B. Koll.-Arbeit »Städte machen Leute« (1969) über den Aufbau von Halle-Neustadt; Popularität erlangt v. a. der autobiogr. gefärbte Gesellschaftsroman »Bohemia – mein Schicksal« (1979, verfilmt 1981); ab Mitte der 1960er Jahre beim MfS als IM »Pollak«, ab 1970 als IMS »Jan, später als IMB »Pollak« erf., häufig auch international eingesetzt; VVO; 1989 NP; Ehrenbürger von Kudowa Zdrój; gest. in Berlin.Geschichten aus dem Ölpapier. Halle 1972. Das Brot der fremden Länder. Auswahl von Texten. Halle 1989; Bestattungskosten. Berlin 1994. Walther, J.: Sicherungsbereich Literatur. Berlin 1996; Klein, M.: J. K. in: UTOPIE kreativ (2001) 134.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Köppe, Walter

* 21.6.1891 – ✝ 25.9.1970

Geb. in Berlin; Vater Former; Volksschule, Fortbildungsschule; 1905 – 08 Lehre als Schlosser; bis 1926 Arbeit in Berliner Metallbetrieben, Betriebsobmann; 1909 DMV; 1912 SPD; 1915/16 Heeresdienst; 1918 Teiln. an der Novemberrev.; 1919 USPD; 1920 KPD; 1923 – 29 organisator. bzw. Pol.-Ltr. der KPD in Berlin-Pankow; 1926 – 29 Büroangest. in der landw. Genossenschaftsvertr. in der sowj. Handelsvertr. in Berlin; 1929 – 32 Büroangest. in der Handelsvertr.; 1929 – 32 Hauptkassierer des UB Nord-Ost der KPD; 1924 – 33 Mitgl. der KPD-BL Berlin-Brandenb.-Lausitz-Grenzmark; Stadtbez.-Verordn. in Pankow; 1932/33 Kassierer der BL; 1933 für einige Wochen Mitgl. des Berliner Magistrats; Febr./März 1933 inhaftiert; danach illeg. Tätigkeit; Okt. 1933 Emigr. in die ČSR u. Nov. 1933 in die UdSSR; ab Aug. 1937 Teiln. am span. Bürgerkrieg, Sergant in der Zahlmeisterei in der Base Albacete, später Kasseninstrukteur der 45. Div.; 1938 KP Spanien; Internierung im frz. Lager St. Cyprien, Politkommissar der dt. Gruppe; März 1939 Rückkehr in die UdSSR; Mechaniker im Wiss. Inst. für Kfz.- u. Traktorenbau (NATI) in Moskau; 1941 in der Sonderfahndungsliste »UdSSR« der Gestapo erf.; 1941/42 Kursant der KI-Schule in Kuschnarenkowo; 1943 Spezialausbildung als Fallschirmspringer in der Nähe von Moskau; ab 1943 Einsatz an der Front; 1944 Lektor an der Frontschule für Kriegsgefangene bei der 3. Ukrain. Front. 30.5.1945 als Mitgl. der Gruppe  Walter Ulbricht nach Dtl.; ab 11.6.1945 2. Sekr. der KPD-BL Berlin, wegen »mangelnder pol. Qualifikation« Versetzung; ab 1946 Dir. für Wirtschaft u. Org. der PHS; 1950 ernste Verwarnung u. 1952 strenge Rüge durch die ZPKK; 1952 kurzz. Mitarb. im Amt für Information; 1952 – 55 Verw.-Dir. der Bauakad. in Berlin; 1955 – 65 Mitarb. in der Kaderabt. des Min. für Schwermaschinenbau, der SPK u. des Volkswirtschaftsrats; Juni 1965 pensioniert; 1970 Ehrenspange zum VVO; gest. in Berlin.Peter Erler

Handbuch Deutsche Kommunisten

Kops, Erich

* 20.1.1905 – ✝ 58 bis 196

Geboren am 20. Januar 1905 in Jena, Sohn eines Metallarbeiters; lernte Schlosser. 1922 Mitglied der SPD, Vorsitzender der Jenaer Arbeiterjugend und deren Orgsekretär für den Bezirk Thüringen. Im August 1923 Austritt aus der SAJ und der SPD, als Mitglied der KJD und der KPD hauptamtlicher Funktionär der BL der KJD Thüringen. Im Oktober 1924 verhaftet, wurde er Ende 1925 vom Staatsgerichtshof in Leipzig wegen »Vorbereitung zum Hochverrat« zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt, kam aber wegen einer Amnestie kurz danach frei. Von Ende 1925 bis Ende 1928 war Kops Gauführer und Sekretär der Roten Jungfront in Thüringen. 1928/29 Kursant an der Internationalen Leninschule in Moskau, danach 1929/30 Lokalredakteur der »Neuen Zeitung« und Organisator des KPD-Literaturvertriebs in Thüringen. Ab August 1930 Mitarbeiter der Agitpropabteilung des ZK der KPD, von April 1931 bis Anfang 1933 Agitpropleiter der BL Halle-Merseburg. Bis Sommer 1933 illegaler Orgleiter an der Seite von Polleiter Adolf Rembte im Bezirk Halle-Merseburg, im Februar 1934 emigrierte Kops in die Tschechoslowakei. Kops leistete zunächst Grenzarbeit im Gebiet Reichenberg, dann im Büro der IRH in Prag tätig, ab Dezember 1935 in der Sowjetunion Maschinenschlosser in Jegorowsk. Ab Mai 1937 in Spanien Offizier des »Thälmann-Bataillons« der Internationalen Brigaden, von 1939 bis 1943 in Frankreich interniert. Im April 1943 nach Deutschland ausgeliefert, Häftling im KZ Sachsenhausen. Nach der Befreiung 1945 kurzzeitig Landrat im Kreis Ludwigslust in Mecklenburg, ab August 1945 Orgsekretär der KPD Thüringen. Kops war von 1946 bis 1950 Mitglied des SED-PV, ab September 1947 Vorsitzender der SED Thüringen (paritätisch mit Heinrich Hoffmann). Obwohl er bedingungslos die Weisungen aus Berlin in Thüringen durchführte, wurden seine Tätigkeit und seine Personalentscheidungen kritisiert, und er wurde im Oktober 1949 abgelöst. Zunächst außerordentlicher Gesandter der DDR in Ungarn. Im Sommer 1950 gab es Vorwürfe der ZPKK, er sei 1938 in Spanien aus der Partei ausgeschlossen worden, und es gab auch Beschwerden an seinem Führungsstil als Botschafter. Daher im November 1950 abberufen, bekam untergeordnete Funktionen im Bereich Handel und Versorgung. Von 1958 bis 1961 1. Stellvertreter des Vorsitzenden des Rates des Bezirks Dresden, 1959 erhielt er den VVO in Bronze. Erich Kops starb am 28. Mai 1961 in Dresden. Kurt Menzel veröffentlichte im Jahre 2000 eine biographische Skizze über Erich Kops.

Wer war wer in DDR

Kormes, Karl

* 23.3.1915 – ✝ 9.4.1995

Geb. in Berlin in einer jüd. Fam.; Vater Uhrmacher u. Juwelier, Mutter Putzmacherin; Jüd. Knabenschule in Berlin, Oberrealschule; während der Schulzeit Mitgl. der zionist. Org. »Brit. Trumpeldor«; 1927/28 über den Jung-Jüd. Wanderbund (IIWB), die Borochow-Jugend u. den Jüd. Arbeiterkulturverein 1928 zum KJVD; 1928 – 30 Ausbildung zum Schlosser; 1930 RH; RGO; 1930 – 33 Gelegenheitsarb., Angest. beim Zentralverein Dt. Staatsbürger Jüd. Glaubens; illeg. pol. Arbeit; März 1933 verhaftet u. wegen »Vorber. zum Hochverrat« zu 18 Mon. Haft verurteilt, Haft in Berlin-Moabit u. Cottbus; 1934 als poln. Staatsbürger nach Polen ausgewiesen; Ende 1936 auf eigene Initiative nach Spanien, 11. Internat. Brigade (Thälmann-Bat.); 1937 schwere Verwundung u. Gefangenschaft, ab Juni 1937 in versch. span. Gefängnissen u. Lagern, im Parteiauftrag Kapo, durch Vermittl. des poln. Roten Kreuzes 1943 Entlassung nach Marokko (Casablanca); 1943/44 Soldat beim brit. Pioniercorps bzw. Zivilangest. der brit. Armee in Casablanca u. Algier; in Absprache mit der KPF u. dem sowj. Konsul in Algier (über die Parteiverbindung  Hans Schaul) 1944/45 Mitarb. des amerik. Nachrichtendienstes OSS; Ausbildung für Fallschirmeinsätze in Italien, kam aber nicht mehr zum Einsatz. Mai 1945 Rückkehr nach Dtl.; KPD; versch. Funktionen in Berlin; Kaderltr. in der Provinzialverw. Potsdam; 1946/47 Kadersekr. des SED-KV Potsdam; 1947/48 persönl. Ref. von  Willy Sägebrecht; Mitgl. des SED-Landesvorst. Potsdam; 1948/49 Assistent u. Lehrer an der LPS Potsdam; 1949/51 Kaderltr. im Staatssekr. für Erfassung u. Aufkauf der DWK, Berlin, im Kontext der Noel-Field-Affäre abgesetzt; 1951 Kulturdir. im VEB Schering, Berlin-Adlershof; 1951/52 Kulturdir. im VEB Reifenwerk Fürstenwalde; Jan. 1953 im Ergebnis des Slánský-Prozesses durch die BPKK Frankfurt (Oder) aus der SED ausgeschl.; 1953 – 56 Schweißer im VEB Gaselan Fürstenwalde, 2. BGL-Vors.; Nov. 1955 parteiinterne Rehabil. durch die ZPKK, die den Parteiausschl. in eine strenge Rüge mit zweijährigem Funktionsverbot umwandelt, Wiederaufn. in die SED; 1957/58 Kaderltr. im DIA Nahrung Berlin; 1958 – 60 Dreijahreslehrgang an der PHS; 1960 – 63 Handelsrat in Rumänien; 1963 – 66 stellv. Ltr. der 3. europ. Abt. im MfAA (Südosteuropa); 1966 – 68 Botschaftsrat in Rumänien; 1969 – 73 Botschafter in Jugosl. (Nachf. von Eleonore Staimer); 1973 – 79 Ltr. der DDR-Delegation der Grenzkommission DDR – Bundesrep. Dtl.; 1979 VVO; 1979 – 81 Botschafter in Ekuador (Nachf. von Helmut Bauermeister); 1981 Ruhestand; Präs. der Freundschaftsges. DDR – Ekuador; stellv. Vors. der Sekt. Spanienkämpfer im Komitee der Antifa. Widerstandskämpfer; Mitgl. des Gen.-Rats der FIR. 1990 PDS; 1993 stellv. Vors. der Gemeinschaft ehem. rep. Spanienkämpfer in Dtl.; gest. in Berlin an den Folgen eines Verkehrsunfalls.Carmen. Prosa über den span. Krieg aus der Ztschr. »Das Wort« 1936 bis 1939. Eine Anthologie. Berlin 1986 (Hrsg. mit H. Maaßen). Uhl, M.: Mythos Spanien. Berlin 2004.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Kornagel, Rudolf

* 11.1.1921 – ✝ 2.3.1981

Geb. in Crimmitschau (Krs. Zwickau); Vater Arbeiter; Volksschule; Lehre u. Arbeit als Betonbauer. 1945 / 46 KPD / SED; Studium an der SED-PHS; 1954 – 60 2. Sekr. der SED-BL Magdeburg; anschl. Vors. des Rats des Krs. Gotha; 1964 – 66 Vors. des Rats des Krs. Worbis; anschl. Vors. des Bezirksaussch. der NF Erfurt u. polit. Mitarb. der SED-BL Erfurt.Mario Niemann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Korsch, Karl

* 15.8.1886 – ✝ 21.10.1961

Am 15. August 1886 in Tostedt/Hamburg geboren, stammte aus einer Familie, die seit Generationen ein Bauerngut in Friedland/Ostpreußen bewirtschaftete. Korschs ehrgeiziger Vater übersiedelte nach Tostedt und später nach Meiningen/Thüringen, wo er Bankbeamter und zuletzt auch Bankdirektor war. Karl Korsch besuchte das Gymnasium in Meiningen und studierte an den Universitäten München, Berlin, Genf und Jena. 1909 Referendar, 1910 in Jena Promotion zum Dr. jur., von 1909 bis 1911 juristischer Vorbereitungsdienst in Meiningen. 1910/11 Soldat beim Infanterie-Regiment 32 in Meiningen. Im Januar 1912 siedelte Korsch auf Empfehlung der Universität Jena nach London über und absolvierte dort juristische, ökonomische und politische Studien. In dieser Zeit Mitglied der Sozialistischen Fabian Society. Bei Kriegsausbruch Rückkehr nach Deutschland. Wegen kriegsgegnerischer Äußerungen im August 1914 vom Leutnant der Reserve zum Vizefeldwebel degradiert, dann Fronteinsatz und wieder Offizier, 1918 Oberleutnant. Zweimal schwer verwundet, mit dem Eisernen Kreuz I. Klasse ausgezeichnet. Korsch trat der USPD bei und war nach dem Krieg Mitglied der Sozialisierungskommission in Berlin (wissenschaftlicher Hilfsarbeiter). Er ging mit dem linken Flügel der USPD zur KPD, obwohl er vor der Vereinigung schwere Bedenken gegen die 21 Bedingungen der Komintern hatte. Ständiger Mitarbeiter der KPD-Presse und Delegierter des VIII. Parteitags 1923. Im Oktober 1919 habilitiert, Privatdozent der juristischen Fakultät in Jena. Im Oktober 1923 zum ordentlichen Professor ernannt und Übertragung eines Extraordinariats in Jena. Ebenfalls im Oktober 1923 Justizminister in der sozialdemokratisch-kommunistischen Regierung in Thüringen, ab Februar 1924 Abgeordneter im Thüringer Landtag. Korsch schloß sich dem linken Flügel der KPD an und wurde im Mai 1924 Chefredakteur des theoretischen KPD-Organs »Die Internationale«. Im Juli 1924 rückte er in den Reichstag nach und wurde im Dezember erneut ins Parlament gewählt. Er gewann im August 1925 in zweiter Instanz einen Prozeß gegen das Land Thüringen, das ihm 1924 seine Professur entzogen hatte und mußte wieder in seine Rechte eingesetzt werden. Inzwischen gehörte Korsch dem ultralinken Flügel der Partei an und war dessen theoretischer Kopf. Die zunächst einheitliche ultralinke Opposition, Scholem-Katz-Rosenberg-Korsch-Schwarz, fiel jedoch auseinander, und die Gruppe um Korsch und Ernst Schwarz stand bald in striktem Gegensatz zur Komintern. Am 30. April 1926 wurde Korsch aus der KPD ausgeschlossen. Er gab gemeinsam mit Schwarz die Zeitschrift »Kommunistische Politik« heraus und organisierte eine eigene linke Gruppe gleichen Namens. In Berlin entstand um ihn ein Zirkel, der über die kommunistische Theorie diskutierte (daran beteiligten sich u. a. Bert Brecht, Alfred Döblin, Susanne Leonhard). Korsch hatte auch Verbindung zu der Oppositionsgruppe Sapronow-Smirnow in der KPdSU. 1926 kam es zum Bruch zwischen Korsch und Schwarz; während Schwarz und seine Anhänger die Gruppe Entschiedene Linke bildeten, blieben Korsch und Heinrich Schlagewerth, der die Organisation leitete, weiterhin Herausgeber der »Kommunistischen Politik«. 1927/28 verschwand die Korsch-Gruppe von der politischen Bühne, nachdem sie die stalinistische Entwicklung der Sowjetunion scharf kritisiert hatte. Korsch hatte am 24. Juni 1927 als einziger Redner im Reichstag gegen den Abschluß des deutsch-sowjetischen Handelsvertrages gesprochen. Er blieb bis 1928 Reichstagsabgeordneter, widmete sich in der Folgezeit ausschließlich theoretischen Problemen und veröffentlichte eine große Anzahl von Arbeiten über theoretische Fragen des Marxismus. Seit 1930 relativierte er dabei den Marxismus, ohne ihn jedoch völlig abzulehnen. Ende 1933 floh Korsch nach Dänemark, nach England und schließlich 1936 in die USA. 1950 hatte er in seinen »Thesen über den heutigen Marxismus« erklärt, alle Versuche, »die marxistische Doktrin als Ganzes und ihrer ursprünglichen Funktion als Theorie der sozialen Revolution der Arbeiterklassen wiederherstellen zu wollen«, sei eine »reaktionäre Utopie«. Korsch, der auch in den USA eine Reihe von Arbeiten publizierte und 1950 und 1956 nochmals kurz Europa besuchte, war in seinen letzten Lebensjahren sehr krank, er kam in ein Sanatorium. Karl Korsch starb am 21. Oktober 1961. Seine Frau, die als Pädagogin hervorgetretene Dr. Hedda Korsch, lebte mit ihm in den USA. Von den zahlreichen Veröffentlichungen Korschs hier einige: »Was ist Sozialisierung« (Hannover 1919), »Die materialistische Geschichtsauffassung – Auseinandersetzung mit K. Kautsky« (Leipzig 1922), »Quintessenz des Marxismus« (Berlin 1922), »Kernpunkte der materialistischen Geschichtsaufassung« (Berlin 1922), »Marxismus und Philosophie« (Leipzig 1923), »Why I am Marxist« (1935). Inzwischen liegen Karl Korschs Gesammelte Werke (Hrsg. Michael Buckmiller) vor.

Wer war wer in DDR

Kosel, Gerhard

* 18.2.1909 – ✝ 21.9.2003

Geb. in Schreiberhau (Krs. Hirschberg, Niederschl./Szklarska Poręba, Polen); Vater Klempnermstr.; Volks-u. Oberrealschule; Lehre als Klempner u. Maurer; 1927 – 31 Studium an der TH München u. Berlin-Charlottenburg bei Bruno Taut u. Hans Poelzig; 1929 Konstrukteur in Sevilla in Spanien; 1931 KPD; 1932 als Spezialist in die Sowjetunion, Architekt u. Projektant auf der Großbaustelle in Nowokusnezk; 1936 Übersiedl. nach Moskau; dort Ltr. einer Projektierungsgr. im Projektierungsbüro »Gorstrojprojekt«, tätig auf dem Gebiet der Industrialisierung des Bauens; 1938 Aberkennung der dt. Staatsbürgerschaft; 1941 in der Sonderfahndungsliste »UdSSR« der Gestapo erf.; 1941 Evakuierung von Industriebetrieben aus Moskau; dann Arbeit in der Verteidigungsindustrie; Chefing. eines Baubetriebs in Tomsk; dort auch Lehrtätigkeit an einer Ing.-Schule; 1942 befristete Freistellung, Entwurf für das Gebäude der Oper in Ulan-Bator (1948 fertiggestellt); nach dem Krieg Mitarb. von NKWD / MGB-Projektierungseinrichtungen in der Nähe der Stadt Ostaschkow, die Laboratorien, Prüfstände u. andere Bauten für die Kernforschung u. Entw. der Raketentechnik entwarfen; seit 1948 Veröff. zur Theorie der wiss.-techn. Rev. in sowj. Fachztschr.; März 1951 Antrag beim ZK der SED auf Abberufung aus der UdSSR. Sept. 1954 Ankunft in der DDR; SED; Abt.-Ltr. im Min. für Aufbau; 1955 Staatssekr. u. Erster stellv. Min. für Aufbau, maßgebend beteiligt an der Einführung u. dem Ausbau der Typenprojektierung u. der Industralisierung des Bauwesens in der DDR; 1958 – 67 Mitgl. des ZK der SED; 1961 Präs. der DBA (Nachf. von  Kurt Liebknecht); 1963 NP; 1965 nach Konflikten mit der SED-Führung über die Rolle der wiss.-techn. Intelligenz Absetzung als DBA-Präs. u. Entzug der Gesamtverantw. für die Planung u. Ltg. des Baus des Berliner Fernsehturms; 1967 – 72 stellv. Min. für Bauwesen u. Ltr. der Ständ. Kommission Bauwesen des RGW; 1977 – 84 Vertreter der DDR in der UNO-Kommission für menschl. Siedlungen; gest. in Berlin.u. a. Produktivkraft Wissenschaft. Berlin 1957; Die Naturwiss. als Potenz der gesellsch. Prod. Berlin 1987; Unternehmen Wissenschaft. Die Wiederentdeckung einer Idee. Erinnerungen. Berlin 1989.Simone Hain / Peter Erler

Wer war wer in DDR

Kossok, Manfred

* 18.5.1930 – ✝ 27.2.1993

Geb. in Breslau (Wrocław, Polen); Vater Hilfsmaschinist; 1945 Lehre als Schuhmacher; 1945 – Jan. 1947 Internierungslager in Schles.; 1947 Umsiedl. in die Lausitz; 1949 SED; 1950 Abitur in Hoyerswerda; 1950 – 54 Studium der Geschichte, Lit. u. Philos. an der Univ. Leipzig; 1954 – 58 Assistent; 1955 Ergänzungsstudium an der Univ. Köln; 1957 Prom. mit einer Studie über die »sozialökon. Struktur des Vizekönigreiches Río de la Plata«; 1958 – 62 Oberassistent; seit 1961 Ltr. der Abt. Lateinamerika am Inst. für Allg. Geschichte der KMU Leipzig; 1962 Habil. über die Pol. der dt. Staaten unter der Heiligen Allianz gegenüber Lateinamerika; 1962 Doz.; 1963 Prof. mit Lehrauftrag; 1964 – 68 Prorektor für Ges.-Wiss.; 1966 Prof. mit vollem Lehrauftrag; 1966 – 69 Ltr. der Sekt. Asien-, Afrika- u. Lateinamerikawiss. der KMU; 1969 ord. Prof.; 1970 – 90 Ltr. des Lehrstuhls Allg. Geschichte u. Geschichte der internat. Arbeiterbew.; 1971 – 90 Ltr. der Forschungsgr. Vergleichende Geschichte der Neuzeit; 1972 Korr. Mitgl. der DAW; 1973 Präs. des Solidaritätszentrums für das Volk Chiles; 1974 – 90 Vors. des Beirats für Geschichtswiss. beim Min. für HFS-Wesen; 1975 Ord. Mitgl. der AdW, 1976 – 90 Ltr. des Interdisz. Zentrums für vergleichende Rev.-Geschichte Leipzig; 1976 – 90 Mitgl. des HFS-Rats der DDR; 1977 NP; nach schwerer Erkrankung seit 1981 Dialysepatient; 1986 Stern der Völkerfreundschaft; 1988 Andrés-Bello-Orden Venezuelas für Verdienste um die Wiss.; 1989 Mitgl. der Nat. Akad. für Geschichte Venezuelas; Dr. h. c. der Univ. Huacho (Peru). 1990 – 92 Dir. des Inst. für Universal- u. Kulturgeschichte der Neuzeit; bis zu seinem Tode Lehrtätigkeit an der Univ. Leipzig; Gastprof. in Chile, Kolumbien, Kuba, Peru, Uruguay, Spanien, Frankreich u. an der Univ. Köln. M. K. gilt als einer der internat. anerkanntesten Vertreter der DDR-Geschichtswiss.; er war u. a. Hrsg. der »Studien zur Rev.-Geschichte«, 11 Bde., Berlin 1969 ff.; sein Werk, das der marxist. Methode u. Geschichtsauffassung verpflichtet ist, umfaßt mehr als 600 Publ., v. a. zur neuzeitl. Geschichte Lateinamerikas u. Spaniens, zur vergleichenden Kolonial- u. Rev.-Geschichte, zur Geschichte der Frz. Rev. sowie zu methodolog. Problemen der Welt- u. Globalgeschichte; der streitbare Schüler -> Walter Markovs gilt mit seinem universalgeschichtl. Ansatz als eine Ausnahmeerscheinung der dt. Geschichtswiss.Im Schatten der heiligen Allianz. Berlin 1964; Allg. Geschichte der Neuzeit 1500 – 1917. (Ltr.) Berlin 1986; In Tyrannos. Berlin 1989; Am Hofe Ludwig XIV. Stuttgart 1990; Das Jahr 1492. Leipzig 1992; Ausgewählte Schriften. Bd. 1 – 3. Leipzig 2000 (mit Bibliogr.).Ilko-Sascha Kowalczuk

Wer war wer in DDR

Kotowski, Henry

* 24.9.1944

Geb. in Alt-Grottkau, aufgewachsen in einer Musikerfamilie in Berlin; 1960 – 62 Lehre als Lokomotivschlosser, anschl. Ausbildung u. Arbeit als Fachverkäufer für Musikinstrumente; als Kind autodidakt. Ausbildung an Schlagzeug u. Gitarre; mit 15 Jahren erstes Engagement als Schlagzeuger in »Papa Rüdigers Dixiland Band«; 1960 Wechsel zum »Franke-Echo-Qintett«, lernt dort die späteren »Sputniks« Bernd Emich (Baß) u. Achim Döring (Gitarre) kennen; 1962 Gründung der nach einem amerikan. Satelliten benannten »Telstars«, der ersten dt. Big-Beat-Band; 1963 Amiga-Live-Mitschnitt im »Twistkeller« Berlin-Treptow, auf Empfehlung von Amiga Umbenennung der Band in »Sputniks«, 1964 erste Single mit »Gitarrentwist« u. »Theme for Young Lovers«, Studioprod. als Back-up Band; ab 1964 Studium an der Musikschule Berlin-Friedrichshain; mit den »Sputniks« zahlr. Filmmusiken für die DEFA, Auftritte in diversen TV-Prod., u. a. »Tipparade«, »Amiga-Cocktail« u. im Programm »Hallo Dr. Watson« im Friedrichstadtpalast, Gastspiele in Osteuropa; Dez. 1966 Auflösung der »Sputniks« aufgrund der allg. Restriktionen nach dem 11. Plenum des ZK der SED, anschl. Wechsel zur Uwe-Schikora-Band in Dresden, nach deren Verbot 1967 – 69 Mitgl. der  Klaus-Lenz-Big-Band, Tourneen mit Edda Cameron u.  Manfred Krug; 1969 Gründung des Henry-Kotowski-Sextetts (u. a. mit  Herbert Dreilich u. den späteren Puhdys Harry Jeske u. Peter Meyer); 1974 – 76 Mitgl. im Gerd-Michaelis-Chor, Soloerfolge als Schlagersänger, Platz 1 im »Schlagerstudio« mit »Geh nicht allein« u. »Du bist da«; 1976 Gründung des Duos »Peter & Cott’n« u. 1978 der ersten Country-Band der DDR »Cott’n & Co.«; 1984 Übersiedlung nach München, Engagement in versch. Bands u. Zusammenarb. mit versch. Country-Musikern; Inhaber eines Restaurants u. Lehrer an der Musikschule in Schwandorf. 1994 Rückkehr nach Berlin, Einstieg in die Country-Band »Silverdollar«; 1995 mit Emich Konzerte unter »Cott’n Feels«; 1996 Wiedergründung der »Sputniks«, 1997 TV-Übertragung der Record Release Party »Re Entry« aus dem »Twistkeller«, 2002 Debüt-Album der Sputniks »Big Beat. Twangy, Surf & Rock’n Roll«, 2004 Einladung der Band zum »Cliff Richard & The Shadows Fan Meeting« in die Niederlande; 2005 Jubiläums-CD »40+2«; komponiert neuerdings auch Filmmusik, u. a. für den Kinofilm »Teil« (2007, R.: Mike Eschmann); lebt in Berlin.Jan Wielgohs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Kowalke, Alfred

* 11.4.1907 – ✝ 6.3.1944

Geboren am 11. April 1907 in Berlin; lernte Tischler und arbeitete anschließend in Berlin und Hamburg. 1925 trat Kowalke in die KPD ein, zählte zu den Linken und unterschrieb 1926 den »Brief der 700«. Er gehörte seit Ende 1931 dem illegalen AM-Apparat des ZK der KPD an. Er war für Waffen- und Munitionsbeschaffung verantwortlich und reiste Ende 1932 zu einer militärischen Ausbildung nach Moskau. Nach Beendigung des Kurses kehrte er über Prag im Mai 1935 nach Deutschland zur illegalen Arbeit zurück. Ende 1935 emigrierte Kowalke nach Prag und war dort im AM-Apparat der Auslandsleitung der KPD eingesetzt. Er kam dann als Instrukteur unter dem Namen Arthur Janda nach Danzig und arbeitete mit den zwei kommunistischen Volkstagsabgeordneten Otto Langnau und Paul Serotzki zusammen. Als diese verhaftet wurden, ging Kowalke erneut nach Prag und wurde zur illegalen Arbeit nach Mitteldeutschland geschickt. Im Februar 1937 reiste er über Amsterdam nach Paris, in den folgenden Monaten Instrukteur des ZK der KPD in Bremen und im Ruhrgebiet. Bei Kriegsausbruch in den Niederlanden, ging Kowalke im Spätherbst 1941 nach Westdeutschland, um Verbindungen zu suchen und aufzubauen sowie für illegal einreisende Instrukteure Quartiere zu beschaffen, was erst in der Folgezeit in Berlin gelang. Kowalke wurde ein enger Mitarbeiter des illegalen ZK-Instrukteurs Wilhelm Knöchel. Mit dem ZK-Instrukteur Wilhelm Beuttel schrieb er Artikel für die Zeitungen »Ruhr-Echo«, »Freiheit« und die von Knöchel redigierte Zeitung »Der Friedenskämpfer«. Während eines illegalen Treffs am 2. Februar 1943 verhaftet, am 5.November 1943 vom 2. Senat des VGH zum Tode verurteilt, wurde Alfred Kowalke am 6.März 1944 im Zuchthaus Brandenburg hingerichtet

Handbuch Deutsche Kommunisten

Kozlecki, Wenzel (Julik)

* 17.9.1906 – ✝ 28.10.1995

(* 1906 – † 1995) Geboren am 17. September 1906 in Dresden; Werkzeugmacher. Er gehörte seit den zwanziger Jahren zu einer politisch aktiven Bergsteigergruppe der Naturfreunde, stand seit 1930 in Verbindung zur LO der Trotzkisten und verbreitete deren Literatur. Mit Gerhard Grabs u. a. bildete er im August 1932 die LO in Dresden, die er bis zu seiner Emigration 1933 leitete. Gemeinsam mit seiner Frau (seit 1929 verheiratet) Käthchen, geborene Hempel (* 30. 6. 1908 – † 11. 10. 1976), leistete er mit der trotzkistischen Gruppe 1933 Widerstand gegen die Nazis. Vor drohender Verhaftung mußten beide im August 1933 in die âSR fliehen. Er wurde als Julik in der trotzkistischen Auslandsleitung der LO bzw. der IKD und der illegalen Grenzarbeit aktiv, nahm 1934 als Delegierter an einer trotzkistischen Konferenz der IKD in Zürich teil. 1936/37 spielte Julik als Leiter der Reichenberger Grenzstützpunkte sowie als Mitglied des Auslandskomitees bei den Auseinandersetzungen in der trotzkistischen IKD eine wichtige Rolle. Er stand 1938 in Briefwechsel mit Trotzki, der ihn schätzte. Im September 1938 flüchteten er und Käthchen Kozlecki aus dem Sudetenland nach Prag. Im Dezember 1938 gelangte er über Rotterdam nach Mexiko, um dort als Sekretär Leo Trotzkis zu arbeiten. Seine Frau (die Scheidung erfolgte erst 1954) emigrierte nach England. Kozlecki trennte sich bereits im Herbst 1939 von Trotzki, blieb weiterhin in Mexiko und war als Handwerker tätig. Eine Rückkehr in die SBZ als Trotzkist war nicht möglich, 1962 übersiedelte er in die Bundesrepublik und soll in Nürnberg einen kleinen Betrieb besessen haben. Wenzel Kozlecki starb am 28.Oktober 1995 in Nürnberg. Über ihn und die politisch aktive Bergsteigertruppe veröffentlichte Barbara Weinhold 2004 die Arbeit »Eine trotzkistische Bergsteigergruppe aus Dresden im Widerstand gegen den Faschismus«.

Wer war wer in DDR

Kopietz, Herbert

* 17.9.1916 – ✝ 9.3.1997

Geb. in Dittersbach (Krs. Löbau); Vater Monteur; Volks- u. Berufsschule, Realgymn.; Ausbildung zum Buchdrucker; 1937 RAD; 1937 – 45 Wehrmacht; 1945 brit. Kriegsgef. 1945 / 46 Angest. der Bezirksverw. Halle; 1945 SPD, 1946 SED; 1946 – 52 Red. bei den Ztgn. »Volksblatt« u. »Freiheit« in Halle u. Weißenfels; 1952 stellv. Ltr. der Abt. Studien im Amt für Information; 1953 – 56 Abt.-Ltr. im Presseamt des Min.-Rats. bzw. Instrukteur im ZK der SED, zeitw. Redaktionssekr. des SED-Pressedienstes; 1955 – 58 Mitgl. des Red.-Koll. u. stellv. Chefred. des »Neuen Deutschlands«; 1958 – 69 Chefred. des SED-Bezirksorgans »Volksstimme« in Magdeburg (Nachf. von  Karl Jacobi); Mitgl. der SED-BL Magdeburg; 1969 – 72 Chefred. des Organs des Staatsrats und des Min.-Rats »Sozialistische Demokratie«; 1973 – 78 stellv. Chefred. und Mitgl. des Red.-Koll. der »Berliner Zeitung«.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Koppatsch, Bernhard

* 23.1.1915 – ✝ 10.3.1994

Geb. in Bautzen; Vater Steindrucker; Grund- u. Berufsschule, Ausbildung zum Elektromechaniker; 1933 – 37 Stud. an der Maschinenbauschule Bautzen; 1936 / 37 Konstrukteur in der Waggonfabrik Bautzen; 1938 Werfttechniker im Marinearsenal Kiel; 1938 – 43 RAD u. Wehrmacht; 1943 – 46 Konstrukteur bei der Fa. Dunkel in Berlin. 1945 SPD, 1946 SED; 1946 – 49 Stud. an der FSU Jena, Dipl.-Volkswirt; 1946 Lehrgang an der SED-LPS Thür. u. 1948 / 49 Sonderlehrgang an der PHS der SED in Kleinmachnow; 1949 – 51 Referent u. Planungsltr. in der HV Maschinenbau u. Elektrotechnik der DWK; 1951 / 52 HA-Ltr. im Büro für Wirtschaftsfragen beim Ministerpräsidenten; 1952 – 55 Offizier des MdI; 1955 – 58 stellv. Ltr. des Amts für Technik beim MdI bzw. MfNV, das für militärtechn. Prod. u. Ausrüstung zuständig war; 1958 – 60 Hauptdir. in der VVB Unimak; 1960 / 61 Oberst der NVA; ab 1961 Werkdir., ab 1968 GD des VEB Pentacon Dresden; 1979 VVO; gest. in Dresden.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Köppe, Walter

* 21.6.1891 – ✝ 25.9.1970

Geboren am 21. Juni 1891 in Berlin; Schlosser, Soldat im Weltkrieg. Seit 1912 SPD-Mitglied, 1919 der USPD und 1920 der KPD. 1924 zum Bezirksverordneten in Berlin-Pankow gewählt, 1926 Angestellter bei der sowjetischen Handelsvertretung, im gleichen Jahr Mitglied der BL Berlin-Brandenburg. Im Januar/Februar 1933 gehörte er für einige Wochen der KPD-Fraktion in der Berliner Stadtverordnetenversammlung an. Vom 27. Februar 1933 bis 17. März 1933 inhaftiert. Emigration nach Prag, später in die Sowjetunion, nahm ab 1937 als Politkommissar am Spanischen Bürgerkrieg teil. 1939/40 in Frankreich interniert, gelangte er später in die Sowjetunion und wurde Angehöriger der Roten Armee. Im Mai 1945 mit der Gruppe Ulbricht nach Berlin zurückgekehrt, wurde Köppe auf der ersten Funktionärskonferenz der KPD im Juni 1945 zum zweiten Vorsitzenden der Berliner Partei gewählt. Er war bis 1952 Verwaltungsdirektor der SED-Parteihochschule »Karl Marx« in Liebenwalde bzw. Kleinmachnow, dann bis 1955 Verwaltungsdirektor der Bauakademie Berlin und schließlich bis zu seiner Pensionierung 1965 Mitarbeiter im Ministerium für Schwermaschinenbau. Walter Köppe starb am 25. September 1970 in Ost-Berlin.Peter Erler

Wer war wer in DDR

Korb, Robert

* 25.9.1900 – ✝ 31.12.1972

Geb. in Bodenbach (b. Tetschen, Nordböhmen/ Dečin-Podmokly, Tschechien); Vater Lokführer; 1906 – 17 Volks- u. Mittelschule; 1918 Militärdienst; dann Angest. der Waggonfabrik Böhmisch Leipa; 1918 SPČ; 1919 Tätigkeit als Gewerkschafts- u. soz. Jugendfunktionär; 1921 KPČ; 1921 – 23 Militärdienst, wegen »Hochverrats u. Meuterei« sechs Mon. Festungshaft; 1923 Bez.-Sekr. der KPČ in Böhmisch Leipa; 1924 – 30 Partei- u. Jugendfunktionär, später Red.; 1930 Chefred. der dt. Parteipresse der KPČ; 1931 KPČ-Krs.-Sekr. in Reichenberg (ČSR); ab 1932 Mitgl. des ZK der KPČ; 1933/34 13 Mon. Haft wegen »Verschwörung gegen die Rep.«; 1934 u. Mai 1937 – Dez. 1938 Chefred. der dt.-spr. »Roten Fahne« in Prag; 1936 Mitgl. des PB des ZK der KPČ; 1937 zeitw. Aufenthalt bei den Internat. Brigaden in Spanien; Jan. 1939 UdSSR; 1939 – 46 KI-Mitarb. in Moskau; Mitgl. der Red. des »Sudetendt. Freiheitssenders«. Juli 1946 Übersiedl. nach Berlin; SED; Aug. 1946 – 48 Chefred. des Pressedienstes des PV; 1948 Ltr. der Abt. Presse u. Information des PV, 1949 Ltr. der Abt. Agit. des ZK der SED; 1951 Einstellung beim Inst. für Wirtschaftswiss. Forsch. (Vorläufer der HV A des MfS); Ltr. der HA II (Westalliierte), dann HA III (Auswertung); 1956 stellv. Ltr. der HV A; 1959 Ltr. der Zentr. Informationsgr., 1962 Gen.-Major; 1965 Ruhestand; 1965 VVO; 1970 KMO; gest. in Berlin.Menschen, ich hatte euch lieb, seid wachsam! Erinnerungen an R. K. Leipzig 1985.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Korn, Klaus

* 23.8.1930

Geb. in Königsberg (Ostpr. / Kaliningrad, Rußland); Eltern KPD u. im antifasch. Widerstand, Vater Zimmermann (inhaftiert im KZ Börgermoor), Mutter Bernsteindreherin; 1936 – 40 Volksschule, 1940 – 44 Mittelschule; Einsatz im Luftschutz u. bei Räumarbeiten in Königsberg; 1944 Flucht mit der Mutter nach Dänemark, Internierung im Flüchtlingslager Aalborg / Ost; 1946 zeitw. Besuch einer Lagerschule. Mai 1947 Rückkehr in die SBZ, zunächst nach Blankenfelde (b. Berlin), dann Abiturausbildung in Zossen u. Kyritz; 1948 SED; Einsatz bei der FDJ-LL Brandenburg; 1950 Vorbereitung auf diplomat. Auslandseinsatz im MfAA; Jan. 1951 Studienbeginn an der Wirtschaftswiss. Fak. der HU Berlin; Okt. 1952 Exmatr. u. Ausschluß aus der SED wg. »Trotzkismus«, »Denunziation führender Persönlichkeiten« u. »Zersetzung der Univ.«; 1954 Rehabilitierung u. Fortsetzung des Studiums, 1955 Staatsexamen als Diplomwirtschaftler; 1955 wiss. Ass. mit Lehrberechtigung, Lehraufträge für Gesch. der ökonom. Lehrmeinungen, philosoph. Fragen der polit. Ökon., Vorlesungen zur formalen Logik, Spezialseminare zu Marx; 1960 Geschäftsf. wiss. Oberass. am Inst. für polit. Ökon. der HU Berlin; 1963 Prom. mit einer Diss. über den Eigentumsbegriff in der polit. Ökon. u. Soziol. bei Heinz Mohrmann u.  Kurt Braunreuther; 1964 im Auftrag des Ministerrats Gründung u. Ltg. des Wiss. Beirats für Jugendforschung beim Amt für Jugendfragen; Hrsg. des Bulletins / Ztschr. »Jugendforschung«; 1966 Gründung des ZI für Jugendforschung in Leipzig; 1965 Aufbau u. Ltg. eines Expertenrats bei der Ministerin für Volksbildung; 1966 Ltr. der Abt. Wiss. im Min. für Volksbildung; Hrsg. des Periodikums »Pädagog. Forschung«; Vors. des Wiss. Rats beim Min. für Volksbildung; 1969 Honorarprof. für Polit. Ökon. an der HU Berlin (dort Lehre bis 1989); 1970 ord. Prof. für Polit. Ökon. an der APW, dort Dir. des Inst. für Ökon. u. Planung des Volksbildungswesens; korr. Mitgl. der APW; 1971 Mitgl. der UNESCO-Kommission der DDR (ab 1990 der dt. UNESCO-Kommission); Mitgl. der Wiss. Räte für Jugendforschung, Philosophie, Soziologie u. Wirtschaftswiss.; 1989 Wahl in die neue Ltg. der APW, 1990 in die geschäftsf. Ltg. der APW berufen; Wahl zum Vors. des Plenums der APW. 1990 / 91 Mitgl. des Bildungsrats bei der Berliner Senatsverw.; 1991 beauftragt mit der Abwickl. der APW; 1991 / 92 Lehrauftrag an der FU Berlin; 1992 / 93 ABM-Arbeiten zur Prognose der Bildungsentw. in den östl. Berliner Stadtbez.; 1994 arbeitslos; 1995 Altersrentner; 1997 – 99 Mitgl. des Sachverständigenrats Bildung der Hans-Böckler-Stiftung. Maßgebl. Verdienste um den Aufbau der bildungsökon. Forsch. u. Lehre in der DDR.Ökonomie u. Bildung im Soz. Berlin 1977 (Hrsg., mit H. Maier); Die Ltg. u. Planung der kulturell-sozialen Bereiche. Berlin 1984; Ökon. u. Planung der Volksbildung. Berlin 1985; Education, employment and development in the GDR. Paris 1986; Reformempfehlungen für das Bildungswesen. Hrsg. von der Hans-Böckler-Stiftung, Weinheim, München 2002. Steiner, H.: Die DDR-Jugendforschung – Ausgangsbedingungen u. Spezifika im Gesamtverbund der Sozialwiss. In: H. Bleiber, W. Küttler (Hrsg.): Revolution u. Reform in Dtl. im 19. u. 20. Jh. Berlin 2005; Friedrich, W.; Jugendforschung in der DDR. In: N. Genov, R. Kreckel (Hrsg.): Soziolog. Zeitgesch. Berlin 2007.Helmut Steiner; Jg. 1936; 1954 – 58 Studium der Wirtschaftswissenschaften an der HU Berlin, dort Promotion; 1977 Habilitation an der AdW; 1979 Professor und 1983 – 87 Leiter des Bereichs Theorie und Geschichte am Institut für Soziologie und Sozialpolitik der AdW in Berlin; 1987 – 91 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentralinstitut für Geschichte der AdW; 2009 gest. in Berlin. / Jan Wielgohs

Wer war wer in DDR

Körner, Theo

* 24.3.1932

Geb. in Giesensdorf (Prignitz); Vater Arbeiter; Volksschule in Zempin u. Karlshagen (Krs. Wolgast); 1946 – 49 Ausbildung zum Bäcker in Karlshagen, 1949/50 im Beruf tätig; 1950/ 51 Ltr. des Berufsschulaktivs in Heringsdorf; 1951 – 54 Sportstudium an der DHfK Leipzig, Dipl.-Sportlehrer; 1953 SED; 1954 – 57 Oberref. beim Staatl. Komitee für Körperkultur u. Sport in Berlin; 1957 – 59 Aspirantur, 1959/60 Wiss. Assistent an der HU Berlin; 1962 – 72 Verb.-Trainer; 1972 – 80 u. 1983 – 86 Verb.-Trainer (Männer); 1980 – 83 Chefverbandstrainer; Vors. der Leistungssportkommission des Internat. Ruderverb. (FISA); Mitgl. des Präs. des DTSB-BV; 1987 – 90 Mitarb. im Wiss. Zentrum des DRV; 1990 Techn. Dir. des Austral. Ruderverb. in Canberra.Volker Kluge / Olaf W. Reimann

Wer war wer in DDR

Korth, Werner

* 17.8.1929 – ✝ 19.1.1998

Geb. in Stettin (Szczecin, Polen); Vater Schlosser; Mittelschule; 1944/45 kfm. Lehre; 1945/46 Landarb. 1946 – 48 Lehre u. Arbeit als Verw.-Gehilfe bei der Stadt Rostock; 1948 SED; 1948 zuerst Org.-Ltr., dann 1. Sekr. der FDJ-KL Rostock; 1950 Einstellung beim MfS, Abt. Kader u. Schulung der LV Mecklenb.; 1952 stellv. Personalltr. der LV Mecklenb., dann Ltr. der Abt. Personal der BV Schwerin; 1957 1. Sekr. der SED-PO der BV Schwerin; 1961 – 63 wegen Unfalls dienstunfähig; 1965 stellv. Operativ des Ltr. der BV Schwerin; 1966 – 68 Fernstudium an der JHS Potsdam-Eiche, Dipl.-Jur.; 1968 Ltr. der BV Schwerin (Nachf. von  Rudolf Vödisch); 1973 Prom. zum Dr. jur. an der JHS; 1979 Gen.-Major; 1990 Entlassung. Aug. 1991 Verurteilung zu zwei Jahren u. zehn Mon. Haft wegen Untreue; gest. in Rostock.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Kosing, Alfred

* 15.12.1928

Geb. in Wolfsdorf (Krs. Samland, Ostpr.); Vater Schuhmacher; Volksschule; 1944/45 Kriegsteiln. als Soldat in der Wehrmacht. 1945 – 47 Maurerlehre; 1946 SED; 1947/48 Abiturlehrgang an der Vorstudienanstalt Halle, der späteren ABF; 1948 – 51 Studium der Geschichte u. Philos. an der MLU Halle u. der HU Berlin; 1950 – 53 Assistent u. Lehrbeauftr. am Inst. für Philos. der HUB; 1953 – 64 Doz. bzw. Prof. am IfG (spätere AfG) beim ZK der SED; 1956 – 70 stellv. Chefred. u. bis 1989 Mitgl. des Red.-Kolleg. der »Dt. Ztschr. für Philos.« (darin zahlr. Grundsatzartikel zur marxist.-leninist. Philos. in der DDR); 1960 Prom. mit der Arbeit »Über das Wesen der marxist.-leninist. Erkenntnistheorie« am IfG; 1964 Habil. über »Die Theorie der Nation u. die nat. Frage in Dtl.« an der KMU Leipzig; 1965 – 69 dort Prof. u. Dir. des Inst. bzw. der Sekt. Marxist.-Leninist. Philos.; 1969 – 71 Ltr. des Lehrstuhls Philos. am IfG; danach bis 1990 Bereichsltr. für Dial. Materialismus des Inst. für marxist.-leninist. Philos. der AfG (zentr. Forschungsthema: Dialektik des Soz., publ. Berlin 1981 ff.); 1969 Korr. u. seit 1971 Ord. Mitgl. der AdW; seit 1973 Mitgl. des Comité Directeur der Fédération Internat. des Sociétés de Philos. sowie 1983 – 88 deren Vizepräs.; 1975 NP; nach Selbstauflösung der AfG 1990 Vorruhestand. Arbeitsgebiete: marxist.-leninist. Erkenntnistheorie, Wissenschaftstheorie, Nationenfrage, Soz.-Theorie u. Umweltproblematik; Hrsg. u. Mitautor zahlr. diesbezügl. Lehr- u. Wörterbücher seit 1959.Ernst Fischer – ein mod. Marxist? Berlin 1969; Die Grundfrage der Philos. Berlin 1974; Nation in Geschichte u. Gegenwart. Berlin 1976; Soz. u. Umwelt. Berlin 1988; Innenansichten als Zeitzeugnisse. Berlin 2008 (Autobiogr.). Bibl. wiss. Arbeiten von A. K. AfG Berlin 1988; Gespräch mit A. K. In: Dt. Ztschr. für Philos. (1989) 8; Warnke, C.: A. K.: Innenansichten als Zeitzeugnisse. In: Berliner Debatte Initial (2009) 2.Hans-Christoph Rauh

Wer war wer in DDR

Köste, Klaus

* 27.2.1943 – ✝ 14.12.2012

Geb. in Frankfurt (Oder); Vater Gärtner; OS, 1961 Abitur; 1949 – 74 aktiver Turner, anfangs in Frankfurt (Oder), 1958 – 62 bei Lok Leipzig, dann DHfK Leipzig; 1961/62 Praktikum bei der DR; 1961 – 74 34maliger DDR-Mstr.; 1962 – 75 Studium an der DHfK Leipzig, Dipl.-Sportlehrer; dreimal Teiln. an Europameisterschaften: 1971 Sieger (Reck), 2. Platz (Barren), 3. Platz (Sprung) u. 4. Platz (Mehrkampf), 1973 Sieger (Reck), 3. Platz (Mehrkampf u. Boden); Weltmeisterschaft 1970: 3. Platz (Mannschaft u. Reck); dreimal Teiln. an Olymp. Spielen: 1964 3. Platz (Mannschaft), 1968 3. Platz (Mannschaft), 1972 Sieger (Sprung), 3. Platz (Mannschaft) u. 6. Platz (Mehrkampf); ab 1974 Cheftrainer Frauenturnen; 1975/76 Leitungsassistent; 1976 – 85 Cheftrainer Turnen beim SC Leipzig; 1985 – 87 Sportlehrer an der DHfK Leipzig; anschl. Ltr. der Sportschau des DTSB. Nach 1989 Aufbau u. Ltg. einer akrobat. Schautruppe; 1998 – 2002 pers. Referent des PDS-Bundestagsabg.  G. Schur; 2001 – 05 Vorstandsmitgl. des Dt. Turner-Bunds; 2003 – 05 Standortmanager Frauenturnen Leipzig; lebte in Kossen (b. Leipzig); gest. in Wurzen.Klaus Gallinat / Olaf W. Reimann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Kötter, Wilhelm

* 29.3.1902 – ✝ 3.11.1957

Geboren am 29. März 1902 in Senne bei Bielefeld; lernte Kaufmann und arbeitete als kaufmännischer Angestellter in verschiedenen Firmen. 1920 Eintritt in die KPD, aktiver Funktionär in Bielefeld, 1923 dort UB-Leiter und hauptamtlicher Sekretär. Ende 1923 in »Schutzhaft«, entfloh er, wurde im Mai 1924 erneut verhaftet und zu vier Monaten Gefängnis verurteilt. Anschließend von der KPD als Wanderredner eingesetzt. 1925 leitete er wieder den UB Bielefeld und gehörte mit diesem 1925 zur ultralinken Opposition. Als Vertreter der Ultralinken wählte ihn der X. Parteitag 1925 in die Kommunalkommission. Um die Ultralinken zu schwächen und Kötter zu isolieren, wurde er Anfang 1926 als Mitarbeiter des ZK nach Berlin versetzt, doch hier bald einer der Führer der Weddinger Opposition. Auf dem XI. Essener Parteitag 1927 sprach er für diese Oppositionsgruppe. Nach der Spaltung der Weddinger Opposition gehörte er zur gemäßigten Richtung, die nach ihm Kötter-Gruppe genannt wurde. Im August 1927 nach Bielefeld zurückgekehrt und wieder Polleiter des oppositionellen UB. Am 19. Juni 1930 legte er sein Stadtverordnetenmandat nieder, wurde am 24.Juni 1930 wegen »groben Disziplinbruchs und Parteischädigung« mit 24 gegen 22 Stimmen aus der KPD ausgeschlossen. Dazu vermerkte die KPD-Zeitung: »Parteifeind über Bord«. Kötter hatte schon vorher einen Zigarrenladen eröffnet, den er in der Folgezeit in Bielefeld betrieb. Politisch trat er nicht mehr hervor. Trotzdem am 4.März 1933 sofort verhaftet und bis 1934 in »Schutzhaft«, später noch einige Male inhaftiert. Nach 1945 führte Kötter wieder seinen Zigarrenladen in Bielefeld. Politisch war er nicht mehr organisiert, hatte aber seinen kommunistisch-oppositionellen Standpunkt beibehalten. Wilhelm Kötter starb am 3. November 1957 in Bielefeld.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Kowalski (Dobler), Werner

* 28.12.1901 – ✝ 1.7.1943

(* 1901 – † 1943) Geboren am 28. Dezember 1901 in Lüdenscheid; Buchbinderlehre, später auch Metallarbeiter in einem Aluminiumwerk. 1919 gehörte er in Lüdenscheid zu den Mitbegründern der FSJ und trat der USPD bei. Im März 1920 nahm er an den Kämpfen während des Kapp-Putsches teil und wurde Ende 1920 Mitglied der KPD. 1923 UB-Leiter für die Jugendarbeit und für den OD in Lüdenscheid zuständig. Von Oktober 1923 bis April 1924 in Untersuchungshaft, wurde er wegen seiner Mitgliedschaft in der Proletarischen Hundertschaft des »Landfriedensbruchs« angeklagt, aber freigesprochen. Kowalski leitete in Lüdenscheid den Erwerbslosenausschuß, war dort von November 1929 bis Juli 1931 Stadtverordneter. 1930 Orgleiter des UB, absolvierte er von Juni bis Oktober 1931 einen Lehrgang an der M-Schule der Komintern in Moskau. Das ZK setzte ihn 1932 als Instrukteur in Offenbach, Mainz und im UB Friedberg ein. Als UB-Sekretär in Worms tat er sich, wie er selbst später schrieb, im Kampf gegen die KPO hervor. Ende 1932 ging Kowalski nach Südbayern, im Januar 1933 RGO-Instrukteur in Augsburg. Ab Februar 1933 illegaler UB-Leiter im Bezirk Niederrhein, wurde dort am 23. April 1933 verhaftet und in das KZ eingeliefert. Ostern 1934 entlassen, setzte er die illegale Arbeit für die KPD fort, ab Januar 1935 Polleiter des KPD-UB Lüdenscheid. Kowalski mußte aber bereits Anfang Mai 1935 aus Deutschland fliehen. Über die Niederlande, Belgien und die Tschechoslowakei traf er am 22.Juli 1935 in Moskau ein. Dort war er zunächst unter seinem Pseudonym Franz Bromejn, später unter Erich Klose an der Internationalen Leninschule und gehörte zur deutschen Delegation zum VII. Weltkongreß der Komintern. Im Oktober 1935 nahm er unter seinem Pseudonym Erich Dobler an der »Brüsseler Konferenz« teil. Kowalski-Dobler hielt auf der Parteikonferenz eine kritische Rede, in der er die Revision des bisherigen Kurses der KPD forderte und für eine Einheitsfront mit der Sozialdemokratie als Kern einer Volksfront mit allen Nazigegnern eintrat. Am Ende der Konferenz wurde Erich Dobler zum Kandidaten des ZK gewählt, ab 1936 war er bei der KPD-AL West in Amsterdam tätig. Anschließend kam Kowalski als Instrukteur der Roten Hilfe nach Brüssel, wohin auch seine Frau und seine Tochter emigrierten. Er verhandelte mit anderen deutschen Emigranten (Vertreter der bürgerlichen, katholischen und sozialdemokratischen Jugend) und war im Juli 1937 an der Gründungskonferenz der »Deutschen Jugendfront« beteiligt. Den Führungsgremien der Komintern und der KPD in Moskau mißfielen diese Aktivitäten, zumal Kowalski Kritik am Personenkult um Stalin äußerte und Sympathien für den aus der KPD ausgeschlossenen Willi Münzenberg zeigte. Auf der »Berner Konferenz« im Januar 1939 wurde Doblers Parteiausschluß offiziell bekanntgegeben, der aber bereits im Mai 1938 wegen »fraktioneller Treibereien und unkommunistischen Verhaltens« erfolgt war. Am 10. Mai 1940 verhaftete ihn die belgische Polizei und schob ihn nach Frankreich ab, wo er in den Lagern St. Cyprien, Gurs und Annecy interniert wurde. Nachdem deutsche Truppen im Dezember 1942 in den unbesetzten Teil Frankreichs einmarschierten, flüchtete er aus dem Internierungslager Annecy in ein Dorf nahe der Stadt Frangy. Hier wurde er von Bauern mehrere Monate lang versteckt, bis ihn der deutsche NS-Sicherheitsdienst aufspürte. Werner Kowalski (Dobler) wurde am 1. Juli 1943 von einem SD-Offizier erschossen. Dietmar Simon veröffentlichte 2004 eine Biographie über Werner Kowalski.

Wer war wer in DDR

Kraatz, Helmut

* 6.8.1902 – ✝ 13.6.1983

Geb. in Wittenberg; Vater Bäckermstr.; Gymnasium in Wittenberg; 1922 – 28 Med.-Studium in Halle, Berlin u. Heidelberg, hier 1928 Prom.; 1928/29 Assistenzarzt in Hamburg; 1929 Schiffsarzt; 1930 Assistenzarzt an der Univ.-Frauenklinik Berlin (b.  Walter Stoeckel); 1940 Habil.; 1941 Doz.; NSDAP; 1941 – 44 Einberufung zum Militärdienst als Marinearzt. 1944 – 49 Oberarzt an der Univ.-Frauenklinik Berlin; 1948 hier Prof. mit Lehrauftrag; 1949 – 51 Ordinarius für Frauenheilkunde an der MLU Halle; 1950/51 Dekan der Med. Fak.; 1952 – 70 Ordinarius für Frauenheilkunde u. Dir. der I. Univ.-Frauenklinik an der HU Berlin (Nachf. von Walter Stoeckel); 1954 – 56 hier Dekan der Med. Fak.; 1953 Mitgl. der Leopoldina; 1956 Ord. Mitgl. der DAW; 1960 NP; 1961 – 75 Sekretar bzw. Vors. der Kl. für Med.; 1962 Präs. des Rats für Planung u. Koordinierung der med. Wiss. beim Min. für Gesundheitswesen; 1966 Ltr. der Gruppe Med. beim Forschungsrat; 1970 em.; als Emeritus weiter wiss. u. gesellsch. tätig, so u. a. 1972 Chefred. des »Zentralblatts für Gynäkologie«, 1972 Mitgl. des Präs. des KB u. Vors. des Clubs der Kulturschaffenden »Johannes R. Becher« in Berlin, Mitgl. des Kolleg. beim Min. für Gesundheitswesen; wiss. Arbeiten bes. auf dem Gebiet der Urogynäkol. u. der operativen Geburtshilfe; 1972 VVO; gest. in Berlin.Zw. Klinik u. Hörsaal. Berlin 1977 (Autobiogr.).Peter Schneck