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BioLex

In der Kategorie BioLex finden Sie drei biografische Lexika mit über 5500 Personeneinträgen.

 

Das Handbuch "Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945" wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam. Kurzbiografien zu Personen des poltischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 vor. Zudem ist das Onlinlexikon www.dissidenten.eu komplett in dieser  Rubrik recherchierbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Inforamtionen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Knöll, Hans

* 7.1.1913 – ✝ 26.6.1978

Geb. in Wiesbaden; Vater Telegraphenoberinstrukteur; 1931 – 35 Med.-Studium in Frankfurt (Main); 1932 NSDAP; 1932 – 35 SA; 1935 – 38 wiss. Assistent am Paul-Ehrlich-Inst. für Experiment. Therapie in Frankfurt (Main), 1938 Prom.; 1938 – 50 am Bakteriolog. Laboratorium (1944 Inst. für Mikrobiol. u. experiment. Therapie) des Jenaer Glaswerks Schott & Gen. 1950 Habil.; Prof. für Bakteriol. an der FSU Jena; 1950 – 53 zugl. Werkltr. des VEB Jenapharm; 1949 u. 1952 NP; 1955 Ord. Mitgl. der DAW; 1956 – 76 Dir. des Inst./ZI für Mikrobiol. u. Experiment. Therapie der DAW/ AdW in Jena; 1976 em.; gest. in Jena. Arbeitsgebiete: Tuberkuloseforschung; Entw. der Penicillinprod. in der DDR u. Aufbau eines Inst. zur Herstellung von BCG-Impfstoff gegen Tuberkulose; Untersuchungen zur Gewinnung u. therapeut. Wirkung von Antibiotika u. Zytostatika; Entw. eines patentierten Bakterienfilters; Mithrsg. der Ztschr. »Zentralblatt für Bakteriol.«, »Protistenkunde«, »Infektionskrankheiten u. Hygiene«, »Archiv für Mikrobiol.«, »Antibiotici« (UdSSR), »Antibiotics« (Japan) u. a.Jochen Richter

Handbuch Deutsche Kommunisten

Knorr, Friedrich

* 17.9.1904 – ✝ 6.5.1995

Geboren am 17. September 1904 in Fürth/Bayern als Sohn eines Schuhmachers; Metalldrücker, Bauarbeiter und in der Möbelbranche beschäftigt. 1921 Mitglied der KJD und der KPD, Leiter des KJD-UB Nürnberg/Fürth, Angehöriger des Ordner-Dienstes (OD – d. i. der Parteiselbstschutz). Von Ende 1923 bis Mitte August 1924 Untersuchungshaft auf der Festung Niederschönenfeld, nach Entlassung erneut Leiter des KJD-UB Nürnberg/Fürth. Flucht und illegaler Aufenthalt bis März 1925 in Berlin. Zeitungsverkäufer, Arbeiter bei Siemens und anderen Firmen. Bis 1927 KJVD-Funktionär in Berlin-Spandau, anschließend Geschäftsführer der Arbeiter-Buchhandlung und Herausgeber der »Spandauer Volkszeitung«. Von Januar bis März 1931 Lehrgang an der Reichsparteischule Berlin-Fichtenau, danach Orgsekretär des UB Berlin Nord-West. 1932 Propagandasekretär der BL Berlin-Brandenburg, ab August 1932 Kursant der Internationalen Leninschule in Moskau, danach kehrte er illegal nach Deutschland zurück und wurde Instrukteur des ZK in Frankfurt/M. Im März 1934 zeitweise festgenommen, arbeitete Knorr dann als Angestellter in einem von seiner Frau geführten Lebensmittelgeschäft. Er war im November 1939 und von Juli bis September 1944 im KZ Sachsenhausen eingesperrt. Seit Mai 1945 war Knorr Leiter der Polizei-Inspektion in Berlin-Spandau, anschließend Angehöriger der Kriminalpolizei in der Provinz Brandenburg, später Dozent an der Verwaltungsschule in Beelitz bzw. Bürgermeister von Beelitz. Ab 1949 Mitarbeiter beim SNB, dann beim Staatlichen Rundfunkkomitee der DDR. Er erhielt 1964 den VVO in Bronze. Friedrich Knorr starb am 6.Mai 1995 in Berlin.

Wer war wer in DDR

Kober, Karl Max

* 26.12.1930 – ✝ 14.12.1987

Geb. in Prag; 1945 Umsiedl. nach Thüringen; Abitur in Erfurt; 1949 – 52 Studium der Kunsterziehung u. Psychol. an der EMAU Greifswald; 1950 NDPD; ab 1953 Ass., dann Oberass. am Inst. für Kunsterziehung u. Kunstgesch. der KMU Leipzig; 1962 Prom.; 1966 Habil. über »Die Wandmalerei des späten Mittelalters in Sachsen«; 1967 – 81 Abg. des Bezirkstags Leipzig; seit 1967 Mitgl. des Hauptaussch. der NDPD u. Mitgl. des VBK; ab 1974 Mitgl. der AICA; 1969 – 76 Doz. am Inst. für Kunstgesch., 1976 Prof. für Theorie der bild. Kunst u. Kunstkritik an der KMU Leipzig; 1977 VVO; 1978 – 87 Vizepräs. des VBK; 1980 – 82 Lehrbeauftragter an der HS für Grafik u. Buchkunst Leipzig; 1974 – 87 als IMS »Dr. Werner« für das MfS tätig, u. a. Berichte über VBK-Präsidiums- u. ZV-Sitzungen, einzelne Leipziger Künstler sowie über bundesdt. Sammler u. Kunstwissenschaftler.Der Künstler u. seine Werkstatt: ein Kunstbuch für Kinder. Leipzig 1973 (mit R. Behrends); Die Anfänge der Kunst in der DDR. In: Kat. Weggefährten – Zeitgenossen. Berlin 1979; Stichel, Nadel, Druckpresse: eine Einführung in die Kunst der Druckgrafik. Leipzig 1981; Bernhard Heisig. Dresden 1981; Einleitung. In: Reformation – Rev. Panorama Frankenhausen. Monumentalbild von Werner Tübke. Dresden 1988; Die Kunst der frühen Jahre 1945 – 49. Malerei, Zeichnungen, Grafiken aus der SBZ. (1986), posthum Leipzig 1989. Feist, P. H.: Nachruf. In: Bildende Kunst (1988) 2.Doris Liebermann

Wer war wer in DDR

Koch, Helmut

* 30.4.1922

Geb. in Gera; Vater Former; Volks- u. Höhere Handelsschule, Verhinderung des Oberschulbesuchs durch die HJ; 1936 – 39 kfm. Ausbildung; 1940 kfm. Angest.; 1941 – 45 Wehrmacht, Ltn. der Reserve. 1945/46 SPD/SED; 1945 – 49 Mitarb. bzw. Abt.-Ltr. in der Krs.-Verw. Gera; 1949 – 51 Org.- bzw. Kontorltr. des Landeskontors Thür. der VVEAB; 1951/52 SED-LPS in Bad Blankenburg; 1952 HA-Ltr. im Staatssekr. für Erfassung u. Aufkauf landw. Erzeugnisse, 1958 – 63 Staatssekr. (Nachf. von  Hermann Streit); 1949 u. 1959 NP; 1962 nach einem Fernstudium an der HfÖ Berlin Dipl.-Wirtsch.; 1965 Prom. zum Dr. agr. an der HU Berlin mit einer Diss. zur Preisgestaltung für landw. Erzeugnisse; 1963 – 74 Vors. der Staatl. Kommission für Erfassung u. Aufkauf bzw. für Aufkauf u. Verarbeitung landw. Erzeugnisse, maßgebl. beteiligt an der Agrarpreisreform der 60er Jahre, insbes. der Aufhebung der »doppelten Agrarpreise«; bis 1976 stellv. Min. für Landw., Erfassung u. Forstw. (Abberufung wegen Konflikten um die Wirtschafts- u. Landw.-Pol.); 1968 Kand., 1972 Ord. Mitgl. der AdL; 1987 em.; 1976 Aufbaultr., später Kombinatsdir. des Schlacht- u. Verarbeitungskombinats Eberswalde/Britz; 1987 VVO.Handbuch über Agrarpreise, Qualitätsbestimmungen, Vertragsbezeichnungen. 2 Bde. Berlin 1966; Neue agrarökon. Maßn. für die Jahre 1967/68. Berlin 1966.Siegfried Kuntsche / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Koch, Marita

* 18.2.1957

Geb. in Wismar; dort 1964 – 76 EOS; 1976 – 89 Studium der Med. an der WPU Rostock, abgebrochen; 1972 – 87 Leichtathletin, Spezialdisz.: 400-m- u. 200-m-Lauf; anfangs in der Turn- u. Sportgemeinschaft Wismar, ab 1975 beim SC Empor Rostock (Trainer u. Ehemann: Wolfgang Meier); 1978, 1982 u. 1986 EM (400 m u. in der 4 x 400-m-Staffel); 1980 Olympiasiegerin (400 m u. 4 x 400-m-Staffel); 1983 dreifache WM (200 m, 4 x 100-m- u. 4 x 400-m-Staffel); 16 WR; fünfmal populärste Sportlerin der DDR (»Junge-Welt«-Umfrage); dreimal Weltsportlerin des Jahres. Seit Herbst 1990 Inhaberin von zwei Sportartikelgeschäften in Rostock, Ehrenpräs. des Rostocker Leichtathletikvereins.Klaus Gallinat

Wer war wer in DDR

Köckert, Christian

* 13.10.1957

Geb. in Dölzig (Krs. Leipzig); 1965 – 74 POS; 1976 kirchl. Abitur in Moritzburg; 1976 – 81 Studium der ev. Theol. an der MLU Halle-Wittenberg; 1971 – 87 Assistent für systemat. Theol.; 1987 – 91 Pfarrer in Stedtfeld (Krs. Eisenach) u. Doz. am Predigerseminar der Ev.-Luth. Kirche Thür. in Eisenach. 1991 – 94 Bürgermeister in Stedtfeld (b. Eisenach); 1994 – 2009 Mitgl. u. Vors. der CDU-Frakt. im Stadtrat Eisenach; stellv. Vors., dann Vors. des CDU-KV Wartburgkreis; seit 1994 MdL u. 1995 – 99 Vors. der CDU-Frakt. im Thür. Landtag; 1999 – 2002 Min. des Innern des Freistaats Thür. (Nachf. von Richard Dewes); Mitgl. des CDU-LV Thür.; 2004 – 06 stellv. Vors. der CDU-Fraktion u. Mitgl. im Ältestenrat des Thür. Landtags; lebt in Eisenach.Bekämpfung von Extremismus u. polit. motivierter Gewalt in Thüringen. Erfurt 2000.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Koenen, Bernard (Johann Heinrich)

* 17.2.1889 – ✝ 30.4.1964

Geb. in Hamburg; Vater Tischler, Mutter Köchin, Bruder  Wilhelm K.; 1895 – 1903 Volksschule, 1903 – 07 Ausbildung zum Maschinenschlosser u. Dreher; 1906 Mitgl. der Gewerkschaft (DMV); 1907 SPD; auf Wanderschaft in Lausanne, Brüssel, Lille u. Tunis; Mitbegr. der Soz. Partei Frankreichs in Bizerta; 1910 – 12 Militärdienst, danach Elektromonteur im Ausland; 1914 – 16 Militärdienst, wegen »antimilitär. Tätigkeit« entlassen; anschl. Elektriker in Leuna; 1917 USPD, 1920 KPD; Mitarb. im Leunaer Arbeiterrat; 1921 – 33 Red. der KPD-Ztg. »Klassenkampf« u. Sekr. der KPD-BL Halle-Merseburg; Stadtverordn. in Merseburg, maßgebl. an der Märzrev. in Mitteldtl. beteiligt; 1922 – 33 Abg. des Landtags der Provinz Sachsen u. 1924 – 29 Mitgl. des Preuß. Staatsrats; 12.2.1933 von der SS in Eisleben schwer verletzt; illeg. pol. Tätigkeit; Mai 1933 Emigr. in die UdSSR; Org.-Sekr. der IRH u. Lehrer an einer KL-Schule; Mitgl. des EK der MOPR; 1935 Teiln. am VII. Weltkongreß der KI; 1937 u. 1939 vom sowj. Sicherheitsdienst NKWD verhaftet; 1941 – 45 Arbeit für den Dt. Volkssender, im NKFD, 1942/43 Lehrer an der KI-Schule in Kuschnarenkowo (b. Ufa), dann Lektor u. ab 1944 Sektorenltr. an der Antifa-Schule für Kriegsgefangene Nr. 165 in Juscha (b. Ivanowo). 1945 Rückkehr nach Dtl.; Mitunterz. des Aufrufs der KPD vom 11.6.1945; Juni 1945 – April 1946 Mitgl. des ZK der KPD; 1945/46 1. Sekr. der KPD-BL Sachsen-Anh.; 1946 – 49 Vors., 1949 – 52 1. Sekr. der SED-LL Sachsen-Anh.; 1946 – 52 MdL, SED-Fraktionsvors.; 1946 – 64 Mitgl. des PV bzw. ZK der SED; 1948/49 Mitgl. des Dt. Volksrats u. der DWK; 1949 – 64 Abg. der (Prov.) Volkskammer; 1952/53 u. 1958 – 63 1. Sekr. des SED-BL Halle (Nachf. von  Franz Bruk); 1953 – 58 Botschafter in der ČSSR (Nachf. von  Fritz Große); 1958 KMO; 1960 – 64 Mitgl. des Staatsrats; gest. in Berlin.Zu einigen Problemen des Grundrisses der Gesch. der dt. Arbeiterbew. Halle 1962.  Reinowski, W.: B. K. Halle 1962.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Koenen-Damerius, Emmi (auch: Damerius-Koenen)

* 15.3.1903 – ✝ 21.5.1987

Geb. in Berlin-Rosenthal; Vater Arbeiter; Volksschule; 1918 – 20 kfm. Handelsschule; 1918 Freie Gewerkschaft; Werkstattschreiberin in einer Kunstdruckerei; Abendhandelsschule; arbeitslos; 1928 – 33 Angest. bei der Berliner Abendztg. »Die Welt am Abend«; 1923 Naturfreunde u. KJVD; 1924 KPD; 1924 – 33 Ltr. der Frauenabt. der KPD Berlin-Brandenb.; 1932/33 KPD-Reichsschule; 1933 Mitgl. des Preuß. Landtags (KPD); 1933/34 illeg. Arbeit als pol. Instrukteurin der KPD; 1934 Emigr. in die UdSSR; 1934/35 Internat. Frauensekr. der KI; 1935/36 Studium an der KUNMS; 1936 – 39 Ltg. der illeg. Arbeit der KPD in Süddtl. bzw. Berlin (von Zürich, Paris bzw. Prag aus); seit 1937 verh. mit  Wilhelm K.; 1939 Emigr. nach Großbritannien, dort 1940 – Febr. 1941 Internierung auf der Insel Man. Dez. 1945 Rückkehr nach Dtl.; KPD; 1946 SED; Red. der »Mitteldt. Ztg.« in Halle bzw. der »Sächs. Ztg.« (Dresden); 1947 Mit- begr. des DFD; stellv., Mai 1948 – Mai 1949 1. Vors. des DFD (gleichberechtigt mit, dann Nachf. von  Anne-Marie Durand-Wever), zum Rücktritt veranlaßt; 1947/48 erst Landes-, dann 2. Landesvors. des DFD Sachsen; 1947 – 49 Mitgl. des SED-LV Sachsen; 1947 – 50 im PV der SED; 1948/49 Abg. der Volkskammer; 1948/49 DWK; 1949 wegen Krankheit zurückgetreten; 1950 – 58 Red. im Verlag Die Wirtschaft; seit 1958 freiberufl. Journalistin; Mitgl. der Arbeitsgr. zur Erforschung der Frauenbew. bei der SED-BL Berlin; in zweiter Ehe mit dem Kulturwiss.  Helmut Damerius verh.; 1983 VVO; gest. in Berlin-Friedrichshagen.Neue Weltbew. der Frauen für Frieden u. sozialen Fortschritt. Dresden 1946.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Koerting, Otto

* 20.5.1884 – ✝ 3.7.1959

Geb. in Jessnitz (Anh.); Vater Kleinbauer; Volksschule in Bobbau; Ausb. zum Schlosser in der Agfa-Filmfabrik Wolfen, dort bis 1933 tätig; Landwirt; 1902 SPD u. DMV; 1902 – 08 im Beruf; 1909 – 26 Gemeindevertreter in Bobbau (b. Bitterfeld); dort 1926 – 33 Amts- u. Gemeindevorst.; 1919 – 32 Abg. des Anhaltin. Provinziallandtags; 1920 – 26 Betriebsratsvors. der Agfa-Filmfabrik; in der NS-Zeit illeg. Arbeit; 1933 acht Mon. Haft im KZ Oranienburg; 1934 Landarb., später Wirtschaftsführer eines landw. Betriebs; 1944 Landw. in Bobbau; mehrfach inhaftiert, Juli 1944 – 1945 KZ Buchenwald. 1945 SPD; 1945 Mitbegr. der VdgB in der Provinz Sachsen; 1946 SED; 1946/47 1. Landesvors. der VdgB Sachsen-Anh.; 1947 – 50 1. Vors. der VdgB; 1946 – 50 Abg. u. Vizepräs. des Landtags Sachsen-Anh.; 2.10.1948 Mitgl. des Volkskongresses; 1948 – 50 Mitgl. des Dt. Volksrats, nachf. der Prov. Volkskammer u. dort Mitgl. des Präsidiums; März 1950 als VdgB-Vors. abgelöst wegen »verständnisloser Einstellung zu den Fragen der Demokratisierung des Dorfes«; 12.7.1950 Ausschl. aus dem VdgB-Hauptaussch.; 15.7.1950 Ausschl. aus der SED; 1952 verhaftet, nach einem Jahr U-Haft entlassen, später nicht mehr pol. tätig; gest. in Dessau.Bauernkämpfer für Deutschland. Berlin 1949.Siegfried Kuntsche / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Kohlberg, Erwin

* 6.4.1906

Geboren am 6. April 1906 in Neuruppin, Arbeitersohn; Schildermaler. 1921 Mitglied der KJD in Berlin, 1923/24 Angehöriger des Ordnerdienstes. Von 1924 bis 1933 Mitglied der Roten Jungfront und des RFB, ab 1929 der KPD, Mitarbeiter des AM-Apparates, (Abwehrarbeit, Zersetzung innerhalb der Polizei). Kohlberg gehörte der von Richard Großkopf geleiteten Paßfälscherwerkstatt des ZK der KPD an, wurde 1932 festgenommen, kam aber durch die »Schleicher-Amnestie« im Dezember 1932 frei. Erneut für den AM-Apparat tätig, emigrierte er 1933 in die Sowjetunion und war bis 1935 im Moskauer Autowerk (Automobilsawod) beschäftigt. Er war Kursant an der KUNMS, ging 1936 als Max Faber nach Spanien, dort Angehöriger der XIII. Internationalen Brigade. Von 1938 bis 1940 im Lager Gurs in Frankreich interniert, nach Flucht in Lyon festgenommen und nach Berlin überführt. Ein Verfahren wurde nach einjähriger U-Haft eingestellt, Kohlberg blieb bis Herbst 1943 jedoch in »Schutzhaft«, war Kalfaktor im Hausgefängnis der Gestapo in der Prinz-Albrecht-Straße. Nach Freilassung Kraftfahrer. Im April 1945 Mitarbeit im Volkskomitee und Übersetzer für die sowjetische Bezirkskommandantur in Pankow, wurde Kohlberg Oberstaatsanwalt beim Amtsgericht Berlin-Pankow. Im Juni 1945 Mitglied der KPD, nach wenigen Wochen durch Beschluß der Kontrollkommission der BL wieder ausgeschlossen, ihm wurden antisowjetische Äußerungen während der Haftzeit vorgeworfen. Zuletzt Angestellter des Magistrats von Groß-Berlin, Erwin Kohlberg flüchtete 1951 in die Bundesrepublik. Weitere Lebensdaten waren nicht zu ermitteln.

Wer war wer in DDR

Köhler, Erich

* 28.12.1928 – ✝ 16.7.2003

Geb. in Karlsbad (ČSR/Karlovy Vary, Tschechien); Vater Porzellanschleifer, Sozialdemokrat, Mutter Buntdruckerin; Lehren als Bäcker, Schneider u. Maler abgebrochen; vom Militär ausgemustert. 1946 Aussiedl. nach Bad Lauchstädt (Sachsen-Anh.); Arbeit in der Landw.; Tramptour durch Westdtl. u. Niederlande; eine Bewerbung bei der frz. Fremdenlegion scheitert; 1950 Rückkehr in die DDR; SED; zunächst Arbeit im Uranbergbau (SAG Wismut), dann wieder in der Mecklenb. Landw.; 1956 erste Buchveröff.; 1958 – 61 Studium am Lit.-Inst. »Johannes R. Becher« Leipzig; 1962 – 81 freischaff. Schriftst.; 1977 Heinrich-Mann-Preis; seit 1978 Mitgl. des Vorst. des SV; seit Mitte der 1970er Jahre vom MfS als IM »Heinrich« erf., schrieb u. a. Gutachten zur vom MfS verhinderten Autorenanthologie »Berliner Geschichten« (geplant 1974/76 von  Ulrich Plenz- dorf,  Klaus Schlesinger,  Martin Stade); 1981 – 90 Arbeit auf einem VEG bei Lübben, gedacht als ein provokatives soziales Experiment, das MfS mißtraute dem Versuch, »direkte Beziehungen zw. Schriftst. u. Arbeiterkl. ohne Vermittlung u. Kontrolle der SED« aufzubauen; 1988 VVO. 1990 Vorruhestand; Mitgl. des VS; 1991 Dt. PEN-Zentrum (Ost); seine Mitgliedschaft behinderte zeitw. die Vereinigung des Dt. PEN-Zentrums (Ost) u. PEN-Zentrums (West); gest. in Alt-Zauche (b. Lübben). E. K. thematisierte in seinen Arb. das Verhältnis v. Arbeit u. Kunst; seit Anfang der 1960er Jahre verwendete er phantast. Sujets u. verstieß damit gegen kulturpol. Dogmen; mehrere Texte wurden erst 20 Jahre später gedruckt; öffentl. Diskuss. lösten Essays der 1980er Jahre aus, in denen E. K. u. a. den soz. Realismus m. dem »bürgerl. Kriminalroman« gleichsetzte.Der Krott oder Das Ding unterm Hut. Rostock 1976; Hinter den Bergen. Rostock 1976; Kiplag-Geschichten. Berlin 1980; Nichts gegen Homer. Betrachtungen u. Polemiken. Berlin 1986; Blasmagorien. Berlin 1996; Sentenzen kontra Schwarzbuch. Berlin 1998.Andreas Kölling

Wer war wer in DDR

Köhler, Johannes-Ernst

* 24.6.1910 – ✝ 13.9.1990

Geb. in Meran (Südtirol, Österreich), Vater Kirchenmusiker; aufgew. in Bernburg; 1929 Abitur; Studium der Mathematik an der Univ. Halle (ein Semester) u. 1929 – 33 der Musik an der Akad. für Kirchen- u. Schulmusik in Berlin-Charlottenburg; 1933 Examen für das Lehramt an höheren Schulen u. für Kirchenmusik; danach Kantor an der Pauluskirche in Berlin-Lichterfelde; Konzerttätigkeit; seit 1934 Organist an der Stadtkirche Sankt Peter u. Paul (Herderkirche) in Weimar u. Doz. an der Musik-HS Weimar; 1937 NSDAP; 1939 – 45 Wehrdienst. 1946 CDU; 1950 – 80 Kirchenmusikdir. u. Prof. für Orgelspiel an der HS für Musik »Franz Liszt« in Weimar; Ltr. der Abt. Kirchenmusik; seit 1950 Kirchenmusikdir. der Ev. Kirche in Thür.; seit 1954 Mitgl. des Hauptvorst. der CDU; Mitgl. des Musikrats der DDR; Ehrenmitgl. des CDU-Hauptvorst. u. Mitgl. des Ehrenrats beim Hauptvorst. der CDU; 1955 NP; 1958 – 62 Mitgl. des ZV der DSF; 1975 em.; 1985 Stern der Völkerfreundschaft; zahlreiche Schallplatteneinspielungen mit den Orgelwerken von Johann S. Bach u. a.; gest. in Weimar.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Knolle, Rainer

* 3.10.1918 – ✝ 6.8.1986

Geb. in Reichardtsdorf (Krs. Stadtroda); Vater Maurer; Volksschule; 1933 – 38 Lehre u. Arbeit als Maschinenschlosser; 1938 / 39 RAD; 1939 – 41 Schlosser; 1941 – 45 Wehrmacht; 1945 – 48 sowj. Kriegsgef., Besuch von Antifa-Schulen. 1948 Rückkehr nach Dtl.; SED; 1948 – 50 Instrukteur, 1950 / 51 Abt.-Ltr., 1951 / 52 2. Sekr. der SED-KL Gera-Stadt; 1952 – 56 1. Sekr. der SED-KL Gera-Land; 1956 / 57 Lehrgang an der SED-PHS; 1957 Instrukteur der SED-BL Gera; 1957 – 59 1. Sekr. der SED-KL Jena-Land; 1958 – 86 Mitgl. des ZK der SED; 1959 – 86 2. Sekr. der SED-BL Gera; Besuch der FS für Landw., 1965 Abschluß als staatl. geprüfter Landwirt, 1969 Abschluß als Agrar-Ing.; 1978 VVO.Mario Niemann

Wer war wer in DDR

Knorr, Erich

* 24.10.1912 – ✝ 23.9.2012

Geb. in Claußnitz (Sachsen); Vater Arbeiter; Volksschule; 1927 – 31 Schlosserlehre; 1927 SAJ; 1928 SPD; 1931 KJVD u. KPD; 1931 fünf Mon. Lehrgang an der Heim-VHS Leipzig; 1934/35 Pol.-Ltr. des illeg. KPD-UB Burgstädt-Rochlitz; 1935 Verhaftung u. Verurteilung, bis 1940 Zuchthaushaft in Zwickau u. Waldheim; 1943 – 45 Strafbat. 999 (ab April 1944 Mitgl. der Widerstandsgr. Karl König), nach Lazarettaufenthalt in eine Wehrmachtseinheit an der Neißefront, Ende April 1945 Flucht. Mai 1945 Heimkehr nach Claußnitz; dort Mitgl. des Antifakomitees u. Bürgermstr.; 1945/46 KPD/SED; ab Sept. 1945 Ltr. des Referats Landw. im Landratsamt Rochlitz; 1946 – 48 Landrat; 1946 SED; 1948/49 PHS; 1949/ 50 kurzz. Kulturltr. der MAS-Landesverw. in Sachsen; dann Kulturdir. bzw. Betriebsltr. der Saatzuchtbetriebe Quedlinburg; ab Juli 1950 stellv. Gen.-Sekr. der VdgB; als Ltr. der Westabt. an der Konstituierung u. Arbeit des Gesamtdt. Arbeitskrs. für Land- u. Forstw. beteiligt; Versuche des MfS, E. K. als IM zur Überwachung von  Kurt Vieweg anzuwerben, infolge ausweichender Haltung selbst überwacht, bes. intensiv nach der Funktionsbeurlaubung; Mai 1952 Mitgl. einer Delegation unter  Walter Ulbricht zum Studium der Erfahrungen bei der Bildung von Produktionsgenossenschaften in Ungarn; 4.6.1953 (als Nachf. von Kurt Vieweg) Gen.-Sekr. bzw. 1. Sekr. des Zentralvorst. der VdgB; Nov. 1957 beurlaubt, Juli 1958 wegen »revisionist.« Auffassungen abgesetzt; 1954 – 58 Mitgl. des NR der NF; 1958/59 Studium an der LPG-HS Meißen, Dipl.-Agronom; 1959 – 62 Vors. des Rats des Krs. Güstrow, Absetzung wegen »Liberalismus in der Ltg.-Tätigkeit«; 1962 – 72 Lehrer an den SED-Bez.-Parteischulen Güstrow u. Mittweida; 1973 Frührentner; geschichtspublizist. Betätigung; Dez. 1989 Delegierter zum a. o. Parteitag der SED/PDS; Mitgl. des Rats der Alten beim PV der PDS; Jan. 2007 Eintragung in das Goldene Buch der Stadt Chemnitz.Große Tage der kleinen Bauern. Tagebuchblätter aus der demokrat. Bodenreform. Berlin 1956; »Wenn schon eine LPG, dann die beste des Kreises«. In: Wie wir angefangen haben. Erinnerungen. Berlin 1985. Vesper, K.: E. K. In: Neues Dtl. 1.3. 1995; Scherstjanoi, E.: SED-Agrarpol. unter sowj. Kontrolle. Berlin 2007.Siegfried Kuntsche

Wer war wer in DDR

Kober, Rudolf

* 22.11.1928

Geb. in Prag; Vater ltd. Angestellter in der Industrie, Mutter Schneiderin; aufgewachsen in Prag bis 1944; Wehrdienst u. Kriegsgefangenschaft. 1946 Ankunft als Vertriebener in Rörshain (Hessen); 1947 nach Neudietendorf (b. Erfurt); 1948 Abitur in Erfurt; Tätigkeit als Hilfsarb.; 1949 Kurzlehrgang als Neulehrer, bis 1954 Lehrer in Großbreitenbach (Thür.), 1. u. 2. Lehrerprüfung sowie externes Fachlehrerstudium für Mathematik; 1954 Examen; 1954 – 57 Studium an der KMU Leipzig als Oberstufenfachlehrer für Kunsterziehung; 1957 – 61 Fachlehrer an der Leibniz-OS Schkeuditz; 1961 – 88 Assistent, Oberassistent u. Doz. für Kunstgeschichte am Pädagog. Inst. (der späteren PH) Erfurt; 1970 Prom. zum Dr. phil. an der KMU; 1974 – 90 Mitgl. der ZL der Sekt. Kunstwiss. des VBK, 1974 – 90 Mitgl. der Zentr. Kommission Bildende Kunst des KB; 1978 Prom. B zum Dr. sc. phil. an der KMU; 1982 Prof. für Kunsttheorie an der PH Erfurt; 1988 – 92 Prof. für Gegenwartskunst an der Univ. Leipzig. Ab 1992 freiberufl.; zahlr. Veröff. zur Kunst des Mittelalters u. der Gegenwart; lebt in Erfurt.Tafelmalerei 1350 – 1420. In: Geschichte der dt. Kunst 1350 – 1470. Leipzig 1981; Zum Verhältnis von künstler. u. geistesgeschichtl. Entw. in Erfurt im späten Mittelalter. In: Wiss. Ztschr. der PH Erfurt (1988) 2; Gestaltetes Glas. Werke der Familie Precht aus Lauscha/Thür. Wald. Nienburg (Weser) 1989; Zur bildenden Kunst Thür. in den Jahren Parrish, M.: The Lesser Terror. Soviet State Security, 1939 – 1953. London 1996; Scherstjanoi, E.: Das SKK-Statut. Zur Geschichte der Sowj. Kontrollkommission in Dtl. 1949 – 1953. München 1998.Jan Foitzik

Wer war wer in DDR

Koch, Helmut

* 5.10.1932

Geb. in Potsdam; 1952 – 57 Mathematikstudium an der HU Berlin; danach als Mathematiker im Halbleiterwerk Teltow; 1959 – 91 Angeh. des Inst. für reine Mathematik bzw. ZI für Mathematik der DAW/AdW; Schüler bzw. Mitarb. von  Hans Reichardt, zunächst Assistent, später Forschungsgr.-Ltr.; 1964 Prom. mit einer Diss. zur Galois-Theorie p-adischer Zahlkörper u. 1965 Habil. mit einer Arbeit zu p-Erweiterungen mit vorgegebenen Verzweigungsstellen, jeweils an der HU; Prof. der DAW u. Lehrtätigkeit an der HU; 1976 Korr. u. 1989 Ord. Mitgl. der AdW; 1984 NP; 1985 Mitgl. der Leopoldina; 1990 Korr. Mitgl. der Heidelberger AdW. 1992 – 97 Ltr. der Arbeitsgr. »Algebraische Geometrie u. Zahlentheorie« der Max-Planck-Ges. in Berlin; 1994 Ord. Mitgl. der Berlin-Brandenburgischen AdW; 1997 em. Arbeitsgebiete: Algebra, Zahlentheorie; Galois-Theorie von Zahlkörpern u. Darstellungstheorie von Galois-Gruppen u. einfachen Algebren; Fragen der Codierungs- u. Gittertheorie; Mathematikgeschichte.Einführung in die klass. Mathematik. Berlin 1986 (engl. 1991).Annette Vogt

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Koch-Gotha, Fritz

* 5.1.1877 – ✝ 16.6.1956

Geb. in Eberstädt (b. Gotha); Vater Offz. u. Landwirt, später Versicherungsbeamter; 1880 – 84 mit der Familie in Breslau; Gymnasium in Gotha; Abschluß einer kfm. Berufsschule; Studium an den Kunstakad. in Leipzig (1895 – 97 bei den Prof. Mohn u. Dietrich) u. Karlsruhe (1897 – 99 bei Prof. Schnurth); anschl. bis 1902 freiberufl. in Leipzig; ab 1902 in Berlin; intensives Studium der Handzeichnungen Adolph v. Menzels; erste humorist. Pressezeichnungen, Mitarbeit an den »Lustigen Blättern«; ab 1904 ständ. Mitarb. der »Berliner Illustrierten Ztg.« (BIZ); 1905 für die »BIZ« in Moskau u. Petersburg; 1908/09 Studienreise nach Paris u. 1910 in die Türkei; 1910 Menzel-Preis; 1922 Lösung vom Ullstein-Verlag, nur noch vereinzelt Pressezeichnungen; vorwiegend als Buchillustrator insbes. von Kinderbüchern tätig; insgesamt erscheinen ca. 30 von F. K.-G. illustrierte Bücher; 1927 Gesamtausstellung in Berlin; 1933 Ende der Pressearbeit; 1937 Jubiläumsausstellung in der Gothaer Kunsthalle; 1944 Vernichtung der Berliner Wohnung durch Luftangriff; der bisherige Sommersitz in Althagen-Ahrenshoop wird fortan zum ständ. Wohnsitz. Nach dem Mai 1945 Wiederaufn. der Pressearbeit, Arbeit im KB; ab 1946 im Red.-Kolleg. des »Frischen Winds«; später Arbeiten für den »Eulenspiegel«; 1947 Ehrenbürger der Stadt Rostock; gest. in Hohen Neuendorf.K.-G.-Album. Berlin 1914; Gezeichnetes Leben. Berlin 1956. F. K-G. Berlin 1971 (Klassiker der Karikatur 6); F. K.-G.: Ausstellung in der Kunsthalle Rostock. Rostock 1977.Michael F. Scholz

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Koegler, Theodor

* 29.1.1901 – ✝ 23.9.1968

Als Sohn eines bayerischen Gemeindebeamten am 29. Januar 1901 in Aichach bei Augsburg geboren. Bis 1920 absolvierte er die katholische Lehrerbildungsanstalt in Pasing, gründete 1919 einen »Revolutionären Schülerrat« und trat 1920 der KPD bei. Nach einem Presseduell zwischen dem nationalistischen »Miesbacher Anzeiger« und dem »Tegernseer Landboten« um die Person Koeglers wurde er im Februar 1921 vom Schuldienst suspendiert. Er kam als hauptamtlicher Funktionär der KPD nach Berlin-Brandenburg, dort bis Ende 1923 Sekretär des BL-Orgleiters Hans Pfeiffer. 1924 wurde Koegler Orgleiter der BL Berlin-Brandenburg, Anfang 1925 Sekretär im Orgbüro der Zentrale und schließlich Polleiter des KPD-Bezirks Berlin-Brandenburg. Er gehörte nach dem »Offenen Brief« zur linken Opposition, wurde deshalb im November 1925 als Polleiter des wichtigsten KPD-Bezirks abgelöst und 1926 als einer der Organisatoren der Opposition zunächst nach Halle und dann nach Jena abgeschoben. Koegler unterzeichnete 1926 den »Brief der 700«, deswegen am 14. Dezember 1926 aus der KPD ausgeschlossen, er war Mitbegründer des Leninbundes, für den er auch nach dem Austritt seines Vorbilds Ruth Fischer tätig blieb. 1931 verließ er den Leninbund und ging zur SAP, Kandidat bei den Preußischen Landtagswahlen 1932. Koegler entfernte sich von der aktiven sozialistischen Politik und beantwortete eine Umfrage, wie man sich die tiefe Krise der Arbeiterbewegung erklären könne, mit dem Stichwort »Untergangskrise«. Nach 1933 wurde er nicht verfolgt, im Gegenteil, die NSDAP versuchte, ihn zu gewinnen. Als die Gauleitung des NS-Studentenbundes Berlin ihn im Sommer 1933 zum Leiter der Fortbildungsschulen von Berlin machen wollte, lehnte er ab und tauchte im Herbst 1933 als kleiner Angestellter im Unilever-Konzern unter. 1945 mit 90 Prozent der Stimmen in den Betriebsrat gewählt, er übersiedelte jedoch nach Hamburg. Dort erhob Koegler seit 1946 die Forderung nach einer deutschen Neutralität und verbreitete 1949 einen »Neutralitätsausweis«, womit er in der deutschen Presse ziemlich großes Aufsehen hervorrief. Als kritischer Anhänger des Kreises um die »Neue Politik« in Hamburg veröffentlichte Koegler 1963 eine Broschüre: »Das neue Weltbild« und vertrat die Ansicht, die moderne Industriegesellschaft werde mehr und mehr in eine ständische, dem Mittelalter strukturell verwandte Gesellschaft hinüberwachsen. Theodor Koegler starb am 23. September 1968 in Hamburg.

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Koenen, Bernard (Johann Heinrich)

* 17.2.1889 – ✝ 30.4.1964

Am 17. Februar 1889 in Hamburg als Sohn des Tischlers Heinrich Koenen geboren. Der Vater war Sozialist und Teilnehmer des Gründungskongresses der II. Internationale in Paris. Wie sein Bruder Wilhelm Koenen kam Bernard früh zur sozialistischen Bewegung. Noch als Mechanikerlehrling trat er 1906 der Gewerkschaft, 1907 der SPD bei und ging 1907 auf Wanderschaft. Nach längerem Aufenthalt in Lausanne kam er bis nach Afrika, wo er in einer Ziegelei in Biserta und danach in Ägypten arbeitete. 1914 lebte er in Plauen, bei Kriegsausbruch in Hamburg, er wurde als Soldat eingezogen und 1916 zum Bau der Leuna-Werke nach Mitteldeutschland abkommandiert. Der Kriegsgegner Koenen trat 1917 zur USPD über. Er war in den Leuna-Werken politisch aktiv, ging 1920 mit der linken USPD zur KPD. 1921/22 war er für die Komintern in Belgien und Frankreich. Auf dem VIII. KPD-Parteitag 1923 in die Orgkommission und für Halle-Merseburg in den ZA gewählt. Redakteur der Halleschen KPD-Zeitung »Klassenkampf«, Mitglied der KPD-BL Halle-Merseburg. Ende 1927 Chefredakteur des »Klassenkampfes«. Koenen gehörte von 1922 dem Provinziallandtag und von 1924 bis 1932 dem Preußischen Staatsrat an. Er war ein Vertreter der Mittelgruppe und später ein führender Versöhnler in Halle-Merseburg. Nach der Wittorf-Affäre leitete er zusammen mit Johannes Schröter u. a. die BL Halle-Merseburg, in der die Versöhnler die überwältigende Mehrheit besaßen. 1929 kapitulierte er vor der Parteimehrheit, wurde trotzdem seiner Funktionen enthoben und in die Genossenschaftsarbeit abgeschoben. Von 1931 bis 1933 Leiter des UB Mansfeld der KPD. Beim sogenannten Blutsonntag in Eisleben am 13. Februar 1933 von der SA zusammengeschlagen, verlor er ein Auge, wurde für tot gehalten und konnte entkommen. Danach emigrierte er im Mai 1933 in das Saargebiet und anschließend in die Sowjetunion. Dort arbeitete er unter seinem Parteinamen Heinrich Stafford als Orgsekretär in der Leitung der MOPR. Koenen wurde 1937 vom NKWD verhaftet. Wilhelm Pieck setzte sich im April 1938 bei Dimitroff für Koenen und andere Häftlinge ein, bezweifelte aber zwei Jahre später selbst, daß seine Initative dazu geführt hätte, daß Koenen und Paul Schwenk Anfang 1939 freigelassen wurden. Dies war vielmehr dem Engagement zweier sowjetischer Staatsanwälte zuzuschreiben. Koenen erhob konkrete Beschuldigungen gegen das NKWD und seine Torturverhöre, was ihm abermals einige Monate Inhaftierung einbrachte. Ab 1940 wieder zur KPD-Arbeit herangezogen und 1942 noch ins ZK kooptiert. 1945 nach Deutschland zurückgekehrt, einer der Unterzeichner des Aufrufs der KPD vom 11. Juni 1945. Er wurde Vorsitzender bzw. 1. Sekretär der KPD- bzw. SED Sachsen-Anhalt, gehörte ununterbrochen dem PV bzw. dem ZK der SED an, war von 1952 bis 1958 Botschafter der DDR in Prag, danach wieder 1. Sekretär des SED-Bezirks Halle. Nach dem Tode Piecks im September 1960 in den neugeschaffenen Staatsrat der DDR unter Walter Ulbricht aufgenommen. Er erhielt 1959 den Karl-Marx-Orden. Bernard Koenen starb am 30. April 1964 in Ost-Berlin. Seine Frau Frieda Koenen, geborene Bockentien (* 18. 4. 1890 in Flensburg), die er während des Ersten Weltkrieges geheiratet hatte, von Beruf Schneiderin, schloß sich 1913 der SPD an, ging 1917 zur USPD und Ende 1920 zur KPD. In der zwanziger Jahren war sie Funktionärin der Roten Hilfe, emigrierte ebenfalls in die Sowjetunion, war u. a. Lehrerin an der Komintern-Schule in Kuschnarenkowo und Mitarbeiterin des NKFD. 1945 nach Deutschland zurückgekehrt, wurde sie Frauensekretärin der KPD-Landesleitung Sachsen-Anhalt. Bis 1952 Hauptabteilungsleiterin für Schulung im Innenministerium des Landes Sachsen-Anhalt, ab 1952 beim Rat des Bezirks Halle. Frieda Koenen starb am 17.November 1968.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Koennecke, Günther

* 3.6.1924 – ✝ 13.11.2003

Geb. in Magdeburg; Kriegsdienst, frz. Gefangenschaft. Ausbildung zum Maurermstr., Dipl.-Wirtsch. u. Ing.; 1959 Übernahme der seit 1887 im Besitz der Familie befindl. Baufirma u. Entw. des Unternehmens zum größten privaten Baubetrieb im Bez. Magdeburg (ca. 300 Beschäftigte); nach der Enteignung 1972 – 76 Ltr. des nunmehr staatl. Betriebs; danach Baultr. eines städt. Projekts; 1990 Sprecher der »72er« (der 1972 enteigneten Unternehmer). Seit der Reprivatisierung 1990 Inhaber der W. Liebscher Nachf. GmbH Magdeburg; Präs. des Unternehmerverb. Mittelständ. Bauen Sachsen-Anh.; gest. in Magdeburg.Jan Wielgohs

Wer war wer in DDR

Köfer, Herbert

* 17.2.1921

Geb. in Berlin; Eltern Inh. eines Postkartenverlags; sozialist. Gemeinschaftsschule in Berlin-Niederschönhausen, mittl. Reife an einer Privatschule; kaufm. Lehre, Abbruch nach sechs Monaten; 1937 – 40 Ausbildung bei Agnes Windeck u. René Deltgen an der Schauspielschule des Dt. Theaters in Berlin; 1940 Debüt am Staatstheater Brieg (Schlesien); ab 1941 Kriegsdienst, Verwundung, engl. Kriegsgefangenschaft. 1945 – 47 am Neuen Berliner Künstlertheater; 1946 SED; 1947/48 an der Volksbühne, 1950 –52 Engagement am Dt. Theater, 1956 – 59 beim Berliner Kabarett »Distel«; seit 1951 vorwiegend bei Film u. Fernsehen; präsentiert am 21.12.1952 mit den Nachrichten der »Aktuellen Kamera« die erste DFF-Sendung aus Berlin-Adlershof; Höhepunkte in der Rolle des SS-Hauptsturmführers Kluttig in »Nackt unter Wölfen« (1962), als Gutsverwalter Studtmann in »Wolf unter Wölfen« (1964) u. Werkmeister Barberino im TV-Mehrteiler »Krupp u. Krause« (1969); später vorzugsweise heitere Rollen, u. a. in den TV-Serien »Rentner haben niemals Zeit« (1978) u. »Geschichten übern Gartenzaun« (1982); Moderator zahlr. Unterhaltungsprogramme, u. a. »Da lacht der Bär«, »Das blaue Fenster« sowie der Kinomagazine »Hauptfilm läuft« u. »Treffpunkt Kino«; Mitwirkung in legendären Filmen, u. a. »Kleiner Mann – was nun?« (1967), »Hauptmann Florian von der Mühle« (1968), »Jeder stirbt für sich allein« (1970) u. der TV-Serie »Polizeiruf 110«; 1969 u. 1986 NP; wiederholt »Fernsehliebling« der Wochenztg. »FF dabei«; ab 1981 Mitgl. der Berliner Stadtverordnetenversamml. Nach 1990 verstärkt Rollen im Boulevard-Theater, u. a. in »Rosen-Emil« am Hansa-Theater Berlin, Hauptrolle in »Pension Schöller« an der Komödie Dresden u. im Theater am Kudamm, Berlin; TV-Serienrollen in »Auto Fritze«, »MS Königstein«, »Elbflorenz«, »In aller Freundschaft«; insg. mehr als 80 Filmrollen; im Guiness-Buch der Rekorde eingetragen als »dienstältester Trabrennfahrer«; 2002 »Goldene Henne« für sein Lebenswerk; seit 2003 Tourneetheater »Köfers Komidiantenbühne«; lebt in Zeuthen (b. Berlin).Das war’s noch lange nicht. Erinnerungen. Frankfurt (Main), Berlin 1995; »Nie war es so verrückt wie immer ?«. Berlin 2006.Jan Wielgohs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Köhler, Fritz

* 13.10.1903 – ✝ 1956

Geboren am 13. Oktober 1903 in Berlin; kaufmännischer Angestellter, er besuchte die Fachschule der Korporation der Kaufmannsschaft Berlin. Seit 1918 Mitglied der FSJ, ab 1919 in der KPD, zeitweise gehörte Köhler der Zentrale der FSJ an und war 1921 Sekretär im Exekutivkomitee der KJI in Moskau. Von 1922 bis 1924 Buchhändler, dann Volontär bei der Zeitung »Welt am Abend«, ab 1925 Redakteur der Leipziger »Messeamts-Zeitung«. Er war von 1926 bis 1929 Redaktionsmitglied der »Roten Fahne« und Leiter des Berliner Lokalteils. Wegen Kritik am ultralinken Kurs aus der KPD ausgeschlossen, wurde Köhler im Mai 1929 Mitglied der SPD, Mitarbeiter beim »Vorwärts« und für verschiedene Zeitungen des ADGB tätig. Bis zum Verbot im Oktober 1933 freier Reporter für die »Tägliche Rundschau«, anschließend bis 1940 Lokalredakteur für die »Vossische Zeitung«, das »Berliner Tageblatt« und die »Berliner Volks-Zeitung«. Von 1940 bis 1945 zur Wehrmacht eingezogen, fünf Monate in Kriegsgefangenschaft. 1945 Mitglied der SPD, 1946 der SED, Köhler wurde Redakteur beim »Neuen Deutschland« und Leiter der Ausgabe für die SBZ. Im Herbst 1948 in die Westzonen geflüchtet, kam er als Redakteur zum Nachrichtenmagazin »Der Spiegel«. Fritz Köhler starb im August 1956 in Düsseldorf.

Wer war wer in DDR

Köhler, Heinz

* 20.11.1928 – ✝ 18.8.1986

Geb. in Schmalkalden; Vater Werkzeugschmied; Volksschule, Handelsschule; Lehre als Bankkfm.; 1945 KPD/SED; 1948/49 Besuch der ABF Jena; 1949 – 51 Studium der Volkswirtschaft in Jena; 1951 – 54 wiss. Mitarb. für Publikationswesen im Staatssekr. für HFS-Wesen; 1954 – 59 Mitarb. der Abt. Wiss. des ZK der SED; 1959/60 Verlagsassistent; 1961 – 76 Ltr. der Verlagsgr. Bibliograph. Inst. Leipzig, Verlag Enzyklopädie Leipzig, Max Niemeyer Verlag Halle (die Verlagsgr. produzierte hauptsächl. Lexika, Sprachlehr- u. Wörterbücher); 1963 – 84 Vorstandsmitgl., 1966 – 71 Vorsteher des Börsenvereins der Dt. Buchhändler zu Leipzig (Nachf. von  Klaus Gysi); 1970 NP; 1976 – 86 Dir. des Leipziger Kommissions- u. Großbuchhandels (LKG).Carsten Wurm

Wer war wer in DDR

Köhler, Siegfried

* 2.3.1927 – ✝ 14.7.1984

Geb. in Meißen; 1933 – 45 Volks- u. Oberschule in Meißen; 1944 NSDAP; 1945 – 50 Studium von Komposition, Klavier u. Dirigieren an der Akad. für Musik u. Theater Dresden; daneben Ltr. des Jugendchors Meißen; 1950 – 52 Studium der Musikwiss. u. Kunstgeschichte an der Univ. Leipzig, 1952 – 55 dort Aspirantur; Lehrbeauftr. am Musikwiss. Inst. der Univ. Leipzig; 1952 – 57 1. Vors. des VDK im Bez. Leipzig; 1955 Prom.; 1955 – 57 wiss. Mitarb. im VDK; 1956 SED; 1957 – 63 Dir. der Internat. Musikbibliothek Berlin; 1963 – 68 künstler. Dir. des VEB Dt. Schallplatten; 1968 – 80 Rektor des HS für Musik Dresden (Nachf. von Hans Georg Uszkoreit); 1969 Prof.; 1970 Prof. für Komposition; 1972 Abg. des Bez.-Tags Dresden; 1974 Prom. B; ab 1980 freischaff.; 1979 – 83 Vors. des Beirats der Anstalt zur Wahrung der Aufführungsrechte; 1978 AdK; 1979 NP; 1953 – 56 Vors. des Bez.-Verb. Dresden u. 1982 – 84 Präs. des VDK (Nachf. von  Ernst Hermann Meyer); 1983/84 Intendant der Semperoper Dresden; komponierte zunächst Chor- u. Massenlieder, u. a. »Heut ist ein wunderschöner Tag«, seit den 60er Jahren sinfon. Musik (vier Sinfonien), die Oper »Der Richter von Hohenburg« u. Oratorien, u. a. »Reich des Menschen«; Publ. über Heinrich Schütz (1972), die Musikstadt Dresden (1976) u. über Grundfragen der musikhist. Periodisierung; gest. in Berlin.Schönfelder, S.: S. K. Für Sie porträtiert. Leipzig 1984.Torsten Musial / Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Knöpfel, Walter

* 30.9.1903 – ✝ 15.3.1945

Geboren am 30. September 1903 in Hamburg; Maschinenbauer, trat 1919 in die SAJ ein, ging 1920 zur KJD, im Februar 1921 Mitglied der KPD. Wegen Beteiligung am Hamburger Aufstand wurde Knöpfel am 20. Februar 1925 vom Landgericht Hamburg zu einem Jahr und neun Monaten Festungshaft verurteilt, durch Amnestie vorzeitig entlassen. Übersiedlung nach Berlin, zunächst Redakteur der Zeitung »Junge Garde«, dann bei der KPD-Zeitung »Klassenkampf« in Halle. Ab Oktober 1926 Mitarbeiter in der Agitpropabteilung des ZK, im Juli 1927 Sekretär für Gewerkschaftsfragen der BL Halle-Merseburg. Er kam Anfang 1928 als Kursant an die Internationale Leninschule in Moskau, während dieser Zeit zur Unterstützung der kommunistischen Gewerkschaftsbewegung nach Großbritannien geschickt. Er wurde nach seiner Rückkehr Volontär im MEB der RGI. Im Februar 1932 zeitweise RGI-Instrukteur in der âSR, anschließend Mitarbeiter im Reichserwerbslosenausschuß und Mitglied der RGO-Reichsleitung. Im April 1933 kam er als RGO-Instrukteur nach Hamburg und Kiel und gehörte zuletzt der illegalen Hamburger BL an. Knöpfel wurde am 12. Dezember 1933 festgenommen und vom Hanseatischen OLG am 16. November 1934 zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt. Am 9.November 1939 bedingt begnadigt, er zog nach Warschau, dann nach Lemberg und war ab Juli 1944 wieder in Hamburg. Walter Knöpfel starb am 15.März 1945 in Hamburg.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Knoth, Johannes

* 20.11.1891 – ✝ 27.6.1930

Geboren am 20. November 1891 in Solz/Krs. Rotenburg an der Fulda. Eisenbahnschaffner in Frankfurt/M., 1917 Mitglied der USPD, Ende 1920 der KPD. Knoth wurde am 20. Februar 1921 im Wahlkreis Hessen-Nassau als Abgeordneter für die KPD in den Preußischen Landtag gewählt. Bei den Wahlen zum Preußischen Landtag am 7. Dezember 1924 wurde Knoth nicht mehr aufgestellt, in der KPD spielte er keine Rolle mehr. Über sein weiteres politisches Leben ist nichts bekannt. Johannes Knoth starb am 27. Juni 1930 in Frankfurt/M.

Wer war wer in DDR

Koch, Hans

* 17.5.1927 – ✝ 18.11.1986

Geb. in Liebschwitz (Krs. Gera); Vater Schlosser u. Polizeioberwachtmstr., Mutter Spinnereiarb.; Volks- u. Aufbauschule, 1944 Notabitur; 1944/45 Dreher; März – April 1945 RAD. 1945/46 KPD/SED; Mitgl. der KPD-Stadtteilltg. Gera; Sekr. des Antifa-Jugendaussch. Gera; 1946 FDJ; Sommer 1946 LPS in Bad Berka; 1946 – 50 Sekr. der FDJ-KL Gera bzw. Sekr. für Kultur u. Erziehung der FDJ-LL Thür., Zusammenarbeit mit  Heinz Lippmann; 1950 Erster Einjahreslehrgang der PHS; 1951 Instrukteur für kulturelle Massenarbeit in der Abt. Kultur des ZK der SED; 1951 – 56 Aspirant am IfG; 1956 Prom. zum Dr. phil. mit einer Diss. über Franz Mehring als Lit.-Theoretiker; 1956 – 63 stellv., dann Lehrstuhlltr. für marxist. Kultur- u. Kunstwiss. am IfG; 1959 Ernennung zum Doz.; 1961 Habil. mit einer Arbeit über Marx. u. Ästhetik; Mithrsg. der Schriften von Franz Mehring (15 Bde. 1960 – 67); 1961 Prof.; seit 1961 Vorstandsmitgl. des DSV; 1963 – 66 1. Sekr. u. stellv. Vors. des DSV; ab 1963 Abg. der Volkskammer (KB-Fraktion); 1967 – 71 Mitgl. des Mandatsprüfungsaussch., ab 1971 Aussch. für Kultur; 1966 – 69 erster wiss. Mitarb. des Kulturministers  Klaus Gysi; 1969 – 73 Mitgl. des Präs. u. des Vorst. des DSV; Vors. des wiss. Rats für kultur- u. kunstwiss. Forschungen; 1969 Lehrstuhlltr. am IfG; 1974 NP; ab 1977 Dir. des Inst. für Kultur- u. Kunstwiss. der AfG; 1970 Mitgl. der APW; 1976 Kand. u. ab 1981 Mitgl. des ZK der SED; 1982 Mitgl. des Präs. des KB; Mai 1986 Mitgl. der Kulturkommission beim PB des ZK der SED; Herbst 1986 Suizid – erstmalig in der DDR-Geschichte wird der Suizid eines Spitzenfunktionärs in den Medien erwähnt.Theoret. Probleme der soz. Kulturrev. Berlin 1959; Unsere Literaturges. Berlin 1965; Kulturfortschritt im Soz. Berlin 1988.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Koch, Peter

* 19.7.1929 – ✝ 3.5.1990

Geb. in Stettin (Szczecin, Polen); Vater Lehrer, Mutter Bankangest.; 1944 Mittlere Reife; 1945 Landarb.; 1945 – 48 Ausbildung zum Schlosser; 1946 SED; 1949/50 Schlosserbrigadier u. Kulturltr. in einer MTS; 1950 Studium an der DVA; 1950 wegen Verfehlung »Bewährung in der Prod.«; 1951 Wiederaufn. des Studiums, Dipl.-Wirtsch.; 1952 Hauptref. beim Rat des Bez. Neubrandenb.; 1952 Ltr. der Pol.-Abt. der MTS-BV Neubrandenb.; 1953 Lehrer an der Pol.-HS der KVP in Potsdam; 1953 Eintritt in das MfS, BV Potsdam, Abt. III (Sicherung der Volkswirtschaft); 1960 – 65 Fernstudium an der JHS Potsdam-Eiche, Dipl.-Jur.; 1962 – 75 stellv. Operativ des Ltr. der BV Potsdam; 1972 Prom. zum Dr. jur. an der JHS, Thema: Vorgangsbearbeitung des MfS; 1976 stellv. Operativ, ab 1977 Ltr. der BV Neubrandenb. (Nachf. von  Alfred Böhm), Mitgl. der SED-BL Neubrandenb.; 1980 Gen.-Major; 1986 VVO; Jan. 1990 Entlassung, zeitw. U-Haft wegen Verdachts der »Untreue zum Nachteil soz. Eigentums«; Mai 1990 Suizid.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Kochan, Günter

* 2.10.1930 – ✝ 22.2.2009

Geb. in Luckau; OS; 1946 – 50 Studium an der HS für Musik Berlin-Charlottenburg; 1948 – 51 freier Mitarb. des Berliner Rundfunks; 1950 Übersiedl. nach Berlin (Ost); 1950 – 53 Mstr.-Schüler bei  Hanns Eisler; seit 1950 Doz. für Musiktheorie an der HS für Musik »Hanns Eisler«; 1953 SED; 1955 – 63 Kand. des ZR der FDJ; ab 1962 Mitgl. des »Freundschaftskomitees DDR – Japan«; 1965 Mitgl. der AdK; 1967 Prof.; 1971/72 Sekretär der Sekt. Musik der AdK; 1972 Ltr. der Mstr.-Kl. für Komposition an der HS für Musik; Mitgl. des Zentral- u. des Bez.-Vorst. Berlin des VDK; 1977 – 82 Vizepräs. des VDK; 1959, 1964, 1979 u. 1987 NP; gest. in Hohen Neuendorf (Landkrs. Oberhavel). Komponierte fünf Sinfonien, Orchestermusik, Kantaten u. Lieder sowie Musik zu Hörspielen u. Filmen. Werke u. a.: Konzert für Klavier u. Orchester (1957/58); Fröhliche Ouvertüre (1961); II. Sinfonie für gr. Orchester (1968); IV. Sinfonie (1983/84); V. Sinfonie (1989); Vokalwerke u. a.: Die Asche von Birkenau. Kantate für Alt-Solo u. Orchester (Text:  Stephan Hermlin; 1967); Der große Friede (1986); Musiktheater u. a.: Karin Lenz. Oper in neun Bildern (Libretto:  Erik Neutsch; 1968 – 70); Jugendlieder u. a.: Signale der Jugend; Wir lieben unsere Heimat; Schützt diese Welt.Neef, S., Neef, H.: Dt. Oper im 20. Jahrhundert. DDR 1949 – 1989. Berlin 1992.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Koehler, Günther

* 31.8.1923

Geb. in Wildfurt/Loben; Vater Angest.; nach dem Abitur 1942 – 45 Wehrdienst, Ltn. der Reserve; bis 1946 brit. Kriegsgefangenschaft. 1946 – 48 gärtner. u. landw. Lehre; anschl. bis 1951 Studium der Landw. an der HU Berlin, Dipl.-Landwirt; 1949 SED; 1951/52 Ltr. eines Saatzuchtguts; dann bis 1955 Agronom bzw. Abt.-Ltr. in der Vereinigung volkseigener Güter (VVG) Halle u. Unterabt.-Ltr. beim Rat des Bez. Halle; 1955 – 58 Abt.-Ltr. im Min. für Land- u. Forstw.; 1958 – 88 Hauptdir. bzw. GD der VVB Saat- u. Pflanzgut Berlin bzw. Quedlinburg, Entw. des Saatgutwesens zu einem der leistungs- u. exportstärksten zentralgeleit. Wirtschaftszweige; 1966 Prom. an der HS für Land- u. Nahrungsgüterwirtschaft Bernburg zur Entw. des Saatgutwesens der DDR zum Dr. agr.; 1972 ord. Mitgl. der AdL; 1988 em., Rentner.Untersuchungen über die Entw. des Saatgutwesens. Berlin 1969. Gäde, H.: Beiträge zur Geschichte der Pflanzenzüchtung u. Saatgutwirtschaft in den fünf neuen Bundesländern Dtl. Berlin, Hamburg 1993.Siegfried Kuntsche

Wer war wer in DDR

Koenen, Wilhelm

* 7.4.1886 – ✝ 19.10.1963

Geb. in Hamburg; Vater Tischler, Mutter Köchin, Bruder  Bernhard K.; 1892 – 1900 Volksschule; 1900 – 04 Ausbildung zum Kfm. u. zum Buchhändler; 1903 SPD; 1907 Berichterstatter für die »Volksztg.« in Kiel u. 1908 – 10 in Königsberg; 1907 – 17 Kartellvorst. u. Jugendbez.-Ltr. in Kiel, Königsberg u. Halle; 1910/11 Besuch der Parteischule in Berlin; 1911 – 19 Red. beim »Volksblatt« (Halle); 1913 Mitgl. der SPD-BL Halle; 1917 USPD, Vors. des Bez. Halle; Landsturm; in der Novemberrev. 1918 Kommissar des Arbeiter- u.-Soldatenrats des Bez. Halle-Merseburg; 1919/ 20 Stadtverordn. in Halle; 1919/20 Mitgl. der Nationalvers. u. 1920 – 32 Abg. des Dt. Reichtags; 1919/20 Mitgl. u. Sekr. des ZK der USPD; 1920 Übertritt zur KPD; bis 1924 mit Unterbrechungen Mitgl. der Zentr., ab 1929 Mitgl. des ZK der KPD; 1921 – 24 Mitgl. der IKK der KI; 1926 – 32 Mitgl. des Preuß. Staatsrats, Stadtverordn. von Berlin; von der NSDAP beschuldigt, den Reichstagsbrand angestiftet zu haben; Febr. – Juni 1933 illeg. in Berlin (»Koppel«); 1933/34 Exil im Saargeb. bzw. in Frankreich (»Bernhard Schulz«); 1936 – 38 in der ČSR (»Wenzel«), als Vertreter des ZK der KPD an der Grenzarbeit beteiligt; Mitarb. an der »Neuen Weltbühne«, »Dt. Volksztg.«, der KPČ-Ztg. »Rote Fahne« (»Kopp«, »Heinz Wilhelm«); 1937 Ltg. der Auswahl dt. Spanienkämpfer aus der ČSR-Emigr.; ab Nov. 1938 in Großbritannien; dort 1939/40 Mitgl. der Fünferltg. der KPD-Auslandsorg.; 1940 – 42 dort u. in Kanada interniert; 1942 Mitarb. der Ztschr. »Freie Tribüne«; Mithrsg. der Presseinformation »Inside Nazi Germany«; ab 1943 Ltr. der Freien Dt. Bew.; 1944 Mitarb. am Soldatensender Calais. Dez. 1945 Rückkehr nach Dtl.; Jan. – März 1946 Red. der »Mitteldt. Ztg.« (Halle); SED; 1946 – Dez. 1948 Vors. der SED Sachsen (zus. mit  Otto Buchwitz); seit 1946 Mitgl. des PV bzw. ZK der SED; 1948 Mitgl. u. 1949 Sekr. des Dt. Volksrats; 1949/50 Mitgl. des ZS des PV der SED; seit 1950 Mitgl. des Präs. des NR der NF; 1949 – 63 Abg. der (Prov.) Volkskammer; 1949 – 58 Ltr. des Sekr. der Volks- u. Länderkammer u. seit 1956 Ltr. der Interparlamentar. Gruppe der Volkskammer; Mai 1953 strenge Rüge wegen »mangelnder pol. Wachsamkeit«, 1956 gelöscht; 1956 KMO; 1959 Vors. der Kommission zur Erforschung der Berliner Arbeiterbew.; gest. in Berlin.Meine Begegnungen mit Lenin. Berlin 1957; Zur Entw. der Demokratie in Dtl. Berlin 1957; Über meine pol. Arbeit in Prag 1935 bis 1939. Aufzeichnungen. In: Beiderseits der Grenze. Berlin 1965; Einheit des Volkes – Garant des Sieges. Reden u. Artikel. Mit einem biogr. Abriß. Berlin 1986. Pfefferkorn, O.: W. K. – im Schatten der Säuberung. In: SBZ-Archiv (1953) 4; Naumann, H.: W. K. Leipzig 1973.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

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Koepp, Volker

* 22.6.1944

Geb. in Stettin (Szczecin, Polen); POS bis 1958, 1962 Abitur u. Facharbeiterabschl. als Maschinenschlosser; Studium an der TU Dresden, 1966 – 69 an der Dt. HS für Filmkunst Potsdam-Babelsberg in der Kl. von  Claus Küchenmeister u. Ralf Kirsten, Dipl. als Regisseur u. Szenarist; SED; 1969 – 90 festangest. als Regisseur im DEFA-Studio für Dok.-Filme in der Gruppe »dokument«, in der u. a.  Jürgen Böttcher,  Winfried Junge u. Karlheinz Mund arbeiten. Seit 1990 freier Regisseur; 2005 Georg-Dehio-Kulturpreis für das künstler. Gesamtwerk. Werke: Essays über Personen, die in Verbindung zur Arbeiterbew. u. zum Antifa. zu sehen sind: »Teddy« (1973),  »Slátan Dudow« (1974), »Er könnte ja heute nicht schweigen« (1975), »Ich erinnere mich noch« (1977); zum Thema Mensch u. Landschaft: »Das weite Feld« (1976), »Hütes-Film« (1977), »Am Fluß« (1978), »In Rheinsberg« (1982), »An der Unstrut« (1986); über Konflikte u. Probleme im Alltag, vor allem im Leben von Arbeiterinnen: Zyklus von Filmen über das Obertrikotagenwerk »Ernst Lück« in Wittstock: »Mädchen in Wittstock« (1974/75), »Wieder in Wittstock« (1976), »Wittstock III« (1978), »Leben in Wittstock« (1984), »Neues in Wittstock« (1992), »Märkische Ziegel« (1989); zum Leben u. Arbeiten in der DDR im Rückblick: »Die Wismut« (1993), »Kalte Heimat« (1995), »Fremde Ufer« (1996), »Wittstock, Wittstock« (1997), »Herr Zwilling u. Frau Zuckermann« (1999), »Kurische Nehrung« (2001), »Uckermark« (2002), »Pommerland« (2005); »Söhne« (2007, Hauptpreis beim Internat. Dok.-Filmfestival Nyon), »Holunderblüte« (2007, 2008 Großer Preis beim Dok.-Filmfestival in Paris), »Memelland« (2008).Schwarzweiß u. Farbe. DEFA-Dokumentarfilme 1946 – 92. Berlin 1996 (Hrsg. vom Filmmuseum Potsdam).Elke Schieber

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Kofler, Leo

* 26.4.1907 – ✝ 29.7.1995

Geb. in Chocimierz (Galizien, Österreich-Ungarn / Ukraine) in einer jüd. Familie, Vater Großgrundbesitzer; 1915 Übersiedl. der Familie nach Wien; 1916 – 27 Handelsgymnasium, Wiener Kunstakad.; SPÖ; ab 1928 Ref. der Wiener Bildungszentr. der Soz. Gewerkschaftsjugend; 1930 – 38 Studium bei Max Adler; 1938 Verhaftung durch die dt. Besatzungsmacht, Flucht in die Schweiz, dort Internierung u. Arbeitsdienst bis 1944; Ermordung der Eltern in Auschwitz; 1944 erscheint in Bern »Die Wiss. von der Ges.« (Ps. Stanisław Warynski). 1947 Übersiedl. in die SBZ; SED; Habil. mit der Arbeit »Zur Geschichte der bürgerl. Ges.« (Veröff. 1948 an der Univ. Halle); anschl. dort Prof. für Geschichtsphilos. u. Dir. des Inst. für Hist. Materialismus; 1949 Einzug von Teilen der 2. Aufl. des Buches aus dem Handel wegen »Kritik an bürokrat. Tendenzen in SED u. SBZ, fehlender Demokratie in der UdSSR u. der Verfechtung eines marxist. Totalitätsbegriffs«; Einsetzung einer Untersuchungskommission an der PHS, Denunziation als »idealist. Marxist« ( Kurt Hager), »ideolog. Schädling« ( Rugard O. Gropp) u. »Trotzkist«; Verweigerung der geforderten »Selbstkritik«; 1950 demonstrativer Austritt aus der SED, Entlassung aus allen Ämtern; Ende 1950 Flucht vor drohender Verhaftung nach Berlin (West); 1951 Niederlassung in Köln; 1953 Gastdoz. an der Sozialakad. Dortmund; danach Lebensunterhalt durch publizist. u. wiss. Autorentätigkeit (mehr als 30 Bücher, zahlr. Ztschr.- u. Ztg.-Artikel), Vortragsreihen, Lehraufträge in der Erwachsenenbildung; 1966 Gespräche mit Georg Lukács, Hans Heinz Holz u. Wolfgang Abendroth in Budapest; 1967 Diskussionen mit Herbert Marcuse bei den Salzburger Humanismusgesprächen; 1970 Doz. für Soziol. an der Kunstakad. Köln, 1973 Lehrstuhlvertr. in Bochum, 1975 Honorarprof. an der Ruhruniv. Bochum; 1977 Ehrenbürger von Wien. 1990 Reise in die DDR; Vorträge an der MLU Halle, KMU Leipzig u. HU Berlin; gest. in Köln.Das soziale Werden der Gegenwart. Düsseldorf 1954; Geschichte u. Dialektik. Hamburg 1955; Stalinismus u. Bürokratie. Neuwied, Berlin 1970; Soziol. des Ideologischen. Stuttgart 1975; Aufbruch in der Sowjetunion? Von Stalin zu Gorbatschow. Hamburg 1986. Bloch, E. (Hrsg.): Marx. u. Anthropologie. Fs. für L. K. Bochum 1980; Jünke, C. (Hrsg.): Am Beispiel L. K.s Marxismus im 20. Jh. Münster 2001; Jünke, C.: Sozialist. Strandgut. L. K. – Leben u. Werk. Hamburg 2007.Hans-Christoph Rauh / Jan Wielgohs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Köhler, Gustav

* 5.9.1885 – ✝ 20.8.1952

Geboren am 5. September 1885 in Stendal; lernte Mechaniker. Vor dem Weltkrieg Mitglied der SPD. Nach dem Krieg Übersiedlung nach Ulm, wo er sich der USPD anschloß und 1920 mit der linken USPD zur KPD ging. Auch in der KPD Anhänger des linken Parteiflügels. 1924 in den Württembergischen Landtag gewählt, im gleichen Jahr hauptamtlicher Orgleiter des KPD-Bezirks Württemberg. Anfang 1927 als Orgleiter abgelöst, blieb Köhler hauptamtlicher Instrukteur im Schwarzwald, später in Ulm. Auch 1928 wieder in den Landtag gewählt, gehörte er dem Parlament bis 1933 an. Am 13. März 1933 verhaftet, wurde Köhler zwölf Jahre und zwei Monate lang von KZ zu KZ geschleppt (Heuberg 1933, bis 1935 Kuhberg, danach bis 1939 Dachau, anschließend bis 1940 Flossenbürg und schließlich bis 30. April 1945 Dachau) und kam erst 1945 frei. Gesundheitlich schwer angeschlagen, kehrte er nach Württemberg zurück. Hier arbeitete er bis zur Erreichung der Altersgrenze 1950 als Berichterstatter im Württembergischen Innenministerium und trat politisch nicht mehr hervor. Nach langer Krankheit starb Gustav Köhler am 20. August 1952 in Stuttgart.

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Köhler, Irene

* 23.6.1918 – ✝ 8.2.1984

Geb. in Weimar; Vater Schlosser; Volks- u. Aufbauschule; 1935 Werkstattschreiberin bei Carl Zeiss; anschl. Sekr. im Thüringenwerk. 1945 KPD; persönl. Ref. beim thür. Landesamt für Arbeit; 1945 – 51 Ltr. des Büros des Innenmin. der Landesreg. Thür. bzw. Ltr. in der Abt. Schulung; 1946 SED; 1951/52 Instrukteurin, 1952 – 62 Sektorenltr. im ZK der SED; Fernstudium an der ASR Potsdam, 1954 Dipl.-Staats- u. Rechtswiss.; 1962 – März 1969 Ltr. der Arbeitsgr. bzw. Abt. »Befreundete Parteien u. Org.« des ZK der SED; März 1969 – Mai 1970 Sekr. des DSF-ZV; später wissenschaftl. Mitarb. im Fernsehen der DDR; 1965 u. 1977 VVO.Andreas Herbst

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Köhler, Thomas

* 25.6.1940

Geb. in Zwickau; Schule in Oberwiesenthal, 1954 – 58 OS in Schwarzenberg; Ausbildung zum Maschinenschlosser; 1956 – 67 aktiv im Rennschlittensport; 1958 – 64 Fernstudium an der DHfK Leipzig, Dipl.-Sportlehrer; SED; 1968 – 76 Verb.-Trainer für Rennschlittensport; ab 1970 Präs.-Mitgl. des DTSB; Abg. der Volkskammer; 1974 Prom. zum Dr. paed. über Schlittensport; 1977 – 80 Abt.-Ltr. für Wintersport im DTSB; 1980 – 89 Vizepräs., verantw. für Leistungs-, ab 1987 für Wintersport; 2. Platz bei den Junioren-Europameisterschaften 1958, 1962 u. 1967 WM im Ein-, 1967 im Doppelsitzer; 1964 Olymp. Spiele: Sieger (Einsitzer); 1968 Olymp. Spiele: Sieger im Doppelsitzer, 2. Platz im Einsitzer; 1968 – 76 Verb.-Trainer für Rennschlittensport; 1976/ 77 Ltr. der Nationalmannschaft Spezialsprunglauf; VVO. Aug. 1990 – 93 Geschäftsf. des SV IHW Alex 78 e. V.; 1993 – 2005 Marketing-Ltr. einer Feinkostkette; Verurteilung ohne Prozess wg. Beihilfe zum Doping zu einer Geldstrafe; Ruhestand.Klaus Gallinat / Olaf W. Reimann

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Knoppe, Reinhold

* 6.4.1908 – ✝ 30.5.1983

Geb. in Bernstein (Bayern); Vater Schmied; Volksschule; 1922 – 24 Ausbildung zum Glaser; 1924 – 27 Gelegenheitsarb.; 1927 Redaktionsbote, dann Zeitungsfahrer; 1929 KPD; 1932 arbeitslos; 1933 Emigr. in die ČSR; 1937 – 39 Interbrigadist im span. Bürgerkrieg; 1939 – 41 Internierung in Frankreich; 1941 Übergabe an die Gestapo, dann KZ Sachsenhausen. 1945 Ltr. des OdF-Heims in Lehnitz; dann VP; 1950 Einstellung beim MfS, ltd. Mitarb. beim personellen Aufbau des MfS, Ltr. der HA III (Sicherung der Volkswirtschaft); 1953 Ltr. der BV Magdeburg (Nachf. von  Franz Schkopik), Oberst; 1962 Versetzung zur Abt. XII (Zentr. Auskunft/Speicher) des MfS Berlin; 1964 deren Ltr.; 1968 Entlassung, Rentner; 1983 VVO.Jens Gieseke

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Knye, Otto

* 13.1.1920 – ✝ 18.12.1993

Geb. in Steinach (Krs. Sonneberg); Vater Arbeiter; Volksschule; 1934 – 39 Lehre u. Arbeit als Fleischer; 1939 – 45 Wehrmacht, Fw.; 1945 – 49 sowj. Gefangenschaft, Antifa-Schüler. 1949 SED; Instrukteur bei der SED-KL Sonneberg; Einstellung bei der VP; Lehrer an der VP-Schule Prora; 1950 Einstellung beim MfS; kommissar. Ltr. der Krs.-Dienststelle Grevesmühlen, dann stellv. Ltr. der Abt. V (Untergrund) der LV Mecklenb.; 1951 stellv. Ltr. der Abt. V (Untergrund) des MfS Berlin; 1953 Abt.-Ltr. in der HA V (Staatsapparat, Kirchen, Untergrund), MfS Berlin; 1956 Abt.-Ltr. in der HVA-HA II (Militärspionage), MfS Berlin; 1959 Ltr. der HVA-Abt. IV (Militärspionage); 1962 – 66 für Sonderaufg. freigestellt; 1964 Oberst; 1966 Versetzung zum Operativstab (ab 1971 AG) beim 1. Stellv. des Ministers; 1976 VVO; 1982 Entlassung, Rentner; gest. in Berlin.Jens Gieseke

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Koch, Helmut

* 5.4.1908 – ✝ 26.1.1975

Geb. in Barmen; Vater Schriftsetzer; Mutter Seidenwicklerin; Volksschule u. bis 1925 Realgymnasium in Barmen u. Essen; 1926 Studium an der Rhein. Musikschule Köln u. an der Folkwangschule Essen; 1928 Staatl. Prüfung als Privatmusiklehrer in Düsseldorf; Teiln. an Dirigierkursen bei Hermann Scherchen; Tonmstr. u. Assistent mit Dirigierverpflichtung beim Ostmarken-Rundfunk Königsberg; 1931 – 38 Dirigent von Arbeiterchören in Berlin; 1938 – 45 Aufnahmeltr. bei der Schallplatten AG Carl Lindström; Febr. 1945 Volkssturm in Berlin. 1945 Aufnahmeltr. beim Berliner Rundfunk; Gründer u. Ltr. der Solistenvereinigung, des Kammerorchesters u. des Großen Chors des Berliner Rundfunks; 1950 Kand., 1954 Mitgl. der SED; Prof. an der HS für Musik Berlin; 1956 Mitgl. der DAK; seit 1960 ständ. Gastdirigent an der Dt. Staatsoper Berlin; seit 1963 auch Dirigent der Berliner Singakad.; Aufführungen Händelscher Oratorien, vor allem mit den Rundfunkklangkörpern, auch im Ausland; 1949 u. 1959 NP; 1973 VVO. H. K.s Schallplattenaufn. umfassen Werke von Johann S. Bach, Ludwig van Beethoven, Johannes Brahms, Christoph W. Gluck, Georg F. Händel, Joseph Haydn, Paul Hindemith, Claudio Monteverdi, Wolfgang A. Mozart, Giovanni B. Pergolesi, Alessandro Scarlatti, Georg Ph. Telemann,  Ruth Zechlin u. a.; Bearbeitungen von dt. u. internat. Volksliedern.Bernd-Rainer Barth

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Koch, Waldemar

* 25.9.1880 – ✝ 15.5.1963

Geb. in Harzburg; Vater Schiffsing.; 1897 Primareife am Realgymnasium Bremerhaven; 1897 – 1900 Praktikant; 1900 – 03 Abitur (extern); Militärdienst in der kaiserl. Marine; 1903/04 Studium des industriellen Verw.-Wesens an der TH Berlin, Dipl.-Ing.; 1905 – 07 Mitarb. der AEG u. Studium der Volkswirtschaft, Philos. u. Geschichte an der Univ. Berlin; Diss. zur Konzentration in der dt. Elektroindustrie, 1907 Dr. phil.; 1907 – 09 Studienreisen, u. a. USA, China, Rußland; 1910 – 14 Dir. eines AEG-Betriebs in London; 1914/15 Militärdienst; 1915 – 18 stellv. Dir. des Inst. für Seeverkehr u. Weltwirtschaft der Univ. Kiel; 1918 DDP; 1918/19 Vors. des Bürgeraussch. von Groß-Berlin; 1919 – 30 in der Wirtchaft tätig; 1930 habil. an der TH Berlin; 1930 – 34 Doz. für Betriebswirtschaftslehre an der TH Berlin, vom NS-Regime entlassen; 1934 – 45 Wirtschaftsprüfer; 1942/43 Lehrauftrag an der Univ. Halle. Juni 1945 Mitbegr. der DDP u. LDPD u. Juli – Nov. 1945 1. Vors. der LDPD, Rücktritt wegen Meinungsverschiedenh. im PV, u. a. Ablehnung der Bodenreform; bis Febr. 1946 Mitgl. des PV, Febr. 1948 Ausschl. aus der LDPD, danach FDP; 1948/49 Übersiedl. nach Berlin (West); 1949 – 53 Prof. für Betriebswirtschaftslehre an der TU Berlin; 1955 Dr. oec. h. c. der HS für Wirtschafts- u. Sozialwiss. Nürnberg; Juli 1956 Austritt aus der FDP; gest. in Berlin.Die Konzentrationsbew. in der dt. Elektroindustrie. München 1907; Die Industrialisierung Chinas. Berlin 1910; Grundlagen u. Techniken des Vertriebs. 2 Bde. Berlin 1950; Der Beruf des Wirtschaftsing. Berlin 1957; Aus den Lebenserinnerungen eines Wirtschaftsing. Köln, Opladen 1962.Helmut Müller-Enbergs

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Kochs, Heinz

* 11.8.1929

Geb. in Röbel / Müritz; Vater selbst. Handwerker; Volksschule; Lehre u. Arbeit als Elektriker; 1948 SED, 1951 – 54 Stud. an den Ingenieurschulen Wismar u. Mittweida, Elektroing.; 1954 – 58 Mitarb. bzw. Techn. Dir. des VEB Starkstromanlagenbau Rostock; 1959 – 62 Sekr. für Wirtschaft der SED-KL Rostock-Stadt; 1962 – 65 Stud. an der PHS der KPdSU in Moskau, Dipl.-Gesellschaftswiss.; 1965 – 68 Abt.-Ltr. Wirtschaftspolitik der SED-BL Rostock; 1968 – 75 OB von Rostock (Nachf. von  Rudi Fleck); 1975 – 88 1. Sekr. der SED-KL Rostock-Stadt; Mitgl. des Sekr. der SED-BL Rostock.Andreas Herbst

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Koelle, Fritz

* 10.3.1895 – ✝ 4.8.1953

Geb. in Augsburg; Vater Schlossermstr.; ab 1906 Staatl. Realschule; 1909 – 12 Lehre als Spengler, Schulen in Augsburg, Schwäbisch Gmünd u. Berlin; 1913 – 14 Studium an der Münchner Kunstgewerbeschule bei Friedrich Wanderé; 1914 – 18 Kriegsfreiw.; danach bis 1924 Studium der Bildhauerei bei Hermann Hahn an der Münchner Akad. der bildenden Künste; 1923 Mitgl. der Münchner Neuen Sezession; mehrere Reisen ins Saargeb., der dortige Kontakt zu Arbeitern wird zur Grundlage für das spätere Sujet des Bergarb. im Werk von F. K.; 1927 Ausstellung (mit Max Liebermann u. Käthe Kollwitz) in der Preuß. AdK Berlin; 1932 Reise in die UdSSR; Konflikt mit der NSDAP-Stadtratsfraktion München wegen angebl. »bolschewist. Kunstauffassung«, Fürsprache u. a. durch Wilhelm Pinder; seit 1937 mit an die Ästhetik der NS-Zeit angepaßten Skulpturen auf den Großen Dt. Kunstausstell. in München vertreten; Teiln. an Ausstellungen im In- u. Ausland; 1937 Westmark Preis; größere Auftragsarbeiten. 1946 von amerik. Besatzungsmacht als »pol. Verfolgter« anerkannt; bis 1948 ansässig in München-Geiselgasteig; KPD; 1947 Atelierbesuch von  Wilhelm Pieck u.  Otto Grotewohl, Erwerb der Figur »Hüttenarb.« 1947 für den Sitzungssaal des Parteihauses, weitere Erwerbungen wegen der Teiln. an Ausstellungen u. Auftragsarbeiten in der NS-Zeit zurückgestellt; parallele Bemühungen um eine Professur in München bzw. Berlin; 1949 von  Helmut Holtzhauer zum Ltr. der Abt. Plastik an die HS für bildende Kunst Dresden berufen; ab 1950 dort Dekan; 1950 Prof. an der HS für angewandte Kunst in Berlin-Weißensee; 1950 u. 1952 jeweils erfolglose Teiln. am Wettbewerb um ein Thälmann- bzw. ein Marx-Engels-Denkmal; 1952 mit einer Bildhauerdelegation Reise in die UdSSR; 1953 Beteiligung an der 3. Dt. Kunstausstellung in Dresden; gest. im Zug von München nach Berlin. Werke: Bergarb. 1931; Hüttenarb. 1928; Blockwalzer. 1929; Inferno. 1946; Konzentrationär. (Denkmal des unbekannten Häftlings, aufgestellt vor dem Krematorium des KZ Dachau) 1950; Der Friedenskämpfer. 1951; Karl-Marx-Büste 1952.Dokumente zu Leben u. Werk des Bildhauers F. K. (1895 – 1953). Germanisches Nationalmuseum Nürnberg 1978; Schirmbeck, P.: Adel der Arbeit. Der Arbeiter in der Kunst der NS-Zeit. Marburg 1984; Davidson, M. G.: Kunst in Dtl. 1933 – 45. Eine wiss. Enzyklopädie der Kunst im Dritten Reich. Tübingen 1988; Vierneisel, B.: F. K. – »Der Gestalter des dt. Berg- u. Hüttenarbeiters«. In: Kunstdokumentation SBZ/DDR. Hrsg. E. Gillen, G. Feist u. B. Vierneisel. Köln 1996.Anke Scharnhorst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Koenen, Wilhelm

* 7.4.1886 – ✝ 19.10.1963

Als Sohn des Tischlers und aktiven Sozialisten Heinrich Koenen am 7. April 1886 in Hamburg geboren; Bruder von Bernard Koenen; kaufmännische Lehre, 1904 Angesteller der SPD-Buchhandlung in Kiel. Im gleichen Jahr Mitglied der SPD, im Februar 1907 hauptamtlicher Funktionär, zunächst Zeitungsberichterstatter in Kiel, 1909 in Königsberg. 1910 Kursant an der SPD-Parteischule in Berlin, anschließend Redakteur. Von April 1911 bis 1919 am »Volksblatt« in Halle, dort 1913 Mitglied der SPD-Bezirksleitung. Da die Hallesche SPD 1917 fast geschlossen zur USPD ging und das »Volksblatt« zum USPD-Organ wurde, war Wilhelm Koenen einer der führenden Köpfe der USPD (die in Halle eine ihrer wichtigsten Ortsgruppen hatte). Nach der Revolution 1918 Kommissar der Arbeiter- und Soldatenräte im Bezirk Halle-Merseburg, im August 1919 wurde er Vorsitzender der provisorischen Reichszentrale der Betriebsräte Deutschlands, 1919/20 Stadtverordneter in Halle. Koenen zog im Januar 1919 (Wahlkreis Merseburg) als Abgeordneter der USPD in die Nationalversammlung ein, im Juni 1920 in den Reichstag, dem er bis 1932 angehörte. Im August 1919 Vorstandsmitglied der USPD, in deren ZK gewählt. Vorsitzender des USPD-Bezirks Halle, war Anhänger des linken Flügels der Partei. Gemeinsam mit Walter Stoecker trat er auf dem II. Weltkongreß der Komintern 1920 für den Anschluß der USPD an die Komintern ein und warb auf dem Spaltungsparteitag der USPD in Halle 1920 aktiv für die Linke. Nach der Spaltung im ZK der linken USPD war Koenen einer der Hauptorganisatoren des Zusammenschlusses von linker USPD und KPD, im Dezember 1920 in die Zentrale der VKPD aufgenommen. Koenen leitete als Vorsitzender den III. Weltkongreß der Komintern 1921. Auf dem Jenaer Parteitag 1921 nicht in die Zentrale berufen, jedoch 1922 in die Zentrale kooptiert und seit dem VIII. Parteitag 1923 wieder Zentrale-Mitglied. Beim Auseinanderfallen der Brandler-Führung (November 1923) gehörte Koenen zu den Führern der Mittelgruppe. Als Zentrale-Mitglied polizeilich gesucht, war er laut seinem Steckbrief »1,68 groß, linkes Bein etwas nachziehend (etwas gelähmt)«. Seit der Übernahme der Führung durch die Linken 1924 nicht mehr in der Zentrale, nur noch parlamentarische Tätigkeit und erst nach dem »Offenen Brief« 1925 wieder in wichtigen Funktionen. Von 1926 bis 1932 war er auch Mitglied des Preußischen Staatsrates und gehörte der Berliner Stadtverordnetenversammlung an. Koenen war 1929 am Rande in den Sklarek-Skandal (eine Bestechungsaffäre in der Berliner Stadtverwaltung, in die damals viele Politiker verwickelt waren, vgl. Gustav Degner und Otto Gäbel) verstrickt, da er von Sklarek Geld geliehen hatte. Bei den Auseinandersetzungen mit den Rechten und Versöhnlern schloß er sich aktiv der Parteimehrheit an, löste im April 1929 den Versöhnler Johannes Schröter als Polleiter in Halle-Merseburg ab. Schon zuvor war er als »Kommissar« des ZK gegen die KPO und die Versöhnler in der BL Thüringen eingesetzt. Auf dem XII. Weddinger Parteitag im Juni 1929 wurde er als Mitglied ins ZK gewählt, aber 1931 seiner Funktion in Halle enthoben. In den Hintergrund gedrängt und 1932 nicht mehr in den Reichstag gewählt, blieb er jedoch von April 1932 an Abgeordneter des Preußischen Landtages. Anfang Juni 1933 emigrierte er unter dem Parteinamen Bernhard Schulz über das Saargebiet nach Frankreich, dann in die Tschechoslowakei, dort ab Januar 1935 Leiter der kommunistischen Emigration. Teilnehmer des VII. Weltkongresses und der »Brüsseler Parteikonferenz« 1935 in Moskau, wurde Kandidat der IKK und Mitglied der Kontrollkommission des ZK der KPD. Koenen unterzeichnete im Dezember 1936 den »Aufruf für eine deutsche Volksfront«. Seit November 1938 in Großbritannien, war dort nach Kriegsausbruch Leiter der KPD-Landesgruppe. Von 1940 bis 1942 auf der Isle of Man bzw. in Kanada interniert. Er führte mit Vertretern des SPD-Emigrationsvorstandes Verhandlungen und war in der »Freien deutschen Bewegung« in Großbritannien aktiv. 1944 Mitarbeit an Sefton Delmers englischem Soldatensender in Calais. Im Dezember 1945 über Prag Rückkehr nach Deutschland, zunächst Redakteur der Halleschen KPD-Zeitung »Freiheit«, dann von 1946 bis 1949 1. Landesvorsitzender der SED in Sachsen. Von 1946 bis 1958 und dann wieder von Januar 1963 bis zu seinem Tode gehörte er dem PV bzw. dem ZK der SED an. Im Januar 1949 wählte der PV Koenen in das ZS, wegen seiner Westemigration aber bald aus dem Sekretariat entfernt. Ab Mai 1949 Sekretär des Deutschen Volksrates bzw. ab Oktober 1949 Leiter des Sekretariats der Volks- und Länderkammer, danach Vorsitzender der »Interparlamentarischen Gruppe der DDR«. Wegen »mangelnder Wachsamkeit« bekam Koenen im Mai 1953 eine Rüge, weil er 1952 nicht verhindert hatte, daß eine in der Zeitschrift des Nationalrats »Deutschlands Simme« abgedruckte Losung in albanischer Sprache in Wirklichkeit eine »amerikanische Provokation« darstellte. Er spielte keine politisch wichtige Rolle mehr, erhielt 1956 den Karl-Marx-Orden. Wilhelm Koenen starb am 19. Oktober 1963 in Ost-Berlin. Sein Sohn Heinrich Koenen (* 12. 5. 1910 in Königsberg) emigrierte 1933 in die Sowjetunion und absolvierte verschiedene militärische und nachrichtendienstliche Ausbildungen. Am 23.Oktober 1942 sprang er mit dem Fallschirm über Ostpreußen ab, gelangte auch nach Berlin und wurde dort in der Wohnung der bereits verhafteten Ilse Stöbe von der Gestapo »empfangen«. Ohne Prozeß in das KZ Sachsenhausen eingeliefert, wo er wahrscheinlich im Februar 1945 erschossen wurde. Wilhelm Koenens zweite Ehefrau war Emmy Damerius-Koenen.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Koering, Josef

* 8.9.1879 – ✝ 1933

Geboren am 8. September 1879 in Hembsen (heute Ortsteil von Brakel), Sohn eines Sattlers; Lehre und Arbeit als Sattler, später Inhaber eines Lederwarengeschäfts in Brüssel. Bereits vor 1914 Mitglied der SPD. Nach Kriegsausbruch in Belgien zeitweise interniert, anschließend Soldat im Weltkrieg; 1917 Mitglied der USPD, 1919 der KPD, während der Revolution Polizeipräsident von Neukölln. Auf dem II.Parteitag 1919 zum Ersatzmitglied der Zentrale gewählt, auf dem III.Parteitag erneut gewählt und auf dem VI.Parteitag im Dezember 1920 Wahl zum Mitglied des Zentralausschusses der KPD (für den Bezirk Braunschweig-Niedersachsen), dann auf dem VII. Parteitag 1921 in Jena zum Ersatzmitglied des ZA gewählt, und zwar für den Bezirk Rheinland-Westfalen-Süd. Josef Koering starb 1933 oder kurz danach in Berlin.

Wer war wer in DDR

Kohl, Michael

* 28.9.1929 – ✝ 4.7.1981

Geb. in Sondershausen; Vater Rechtsanwalt u. Notar; Gymnasium in Sondershausen; ab 1945 Bauhilfsarb. in Sondershausen; 1946 – 48 OS in Sondershausen, Abitur; 1948 SED; 1948 – 52 Studium der Rechtswiss. an der FSU Jena; 1951 Hilfsassistent am Inst. für Zivilrecht; 1952 amtl. bestellter Rechtsanwaltsvertreter, Anwaltsbüro in Sondershausen; 1952 – 61 wiss. Aspirant, Lehr- u. Forschungstätigkeit am Inst. für Völkerrecht der FSU (Völker- u. Staatsrecht); 1956 Prom. zum Dr. jur. in Jena; 1958 – 63 Abg. des Bez.-Tags Gera; Mitgl. der BL Gera des KB; ab 1958 Mitgl. des Präs. der Dt. Liga für die Vereinten Nationen; 1961 – 63 Ltr. der Abt. Rechts- u. Vertragswesen u. Kolleg.-Mitgl. im MfAA; dort 1963 – 65 Ltr. der Grundsatzabt.; 1965 – 68 Staatssekr. beim Min.-Rat für West-Berlin-Fragen; 1965 Verhandlungsführer der DDR bei den Passierscheingesprächen mit dem Senat von Berlin (West); 1968 – 73 Staatssekr. für westdt. Fragen beim MfAA; seit 1970 Verhandlungsführer in den Verhandlungen zum Transitabkommen, zum Verkehrs- u. zum Grundlagenvertrag DDR – Bundesrep. Dtl.; ab 1971 Mitgl. der Außenpol. Kommission beim PB der SED u. der Westkommission beim PB des ZK der SED; 1971 – 76 Kand. der ZRK beim ZK der SED; 1972 VVO; Nov. 1973 Bevollm. Botschafter, 1974 – 78 Ltr. der Ständ. Vertr. der DDR in der Bundesrep. Dtl.; 1976 – 81 Kand. des ZK der SED; ab 1978 stellv. Min. für Ausw. Angelegenh.; gest. in Berlin.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Köhler, Max

* 26.7.1897 – ✝ 15.12.1975

Als Sohn eines Webers am 26. Juli 1897 in Berlin geboren; lernte Tischler, besuchte vier Jahre eine Fachschule und bestand die Gesellenprüfung mit Auszeichnung. Im Oktober 1911 der Arbeiterjugendbewegung beigetreten, wurde er am 1. Oktober 1915 Mitglied der SPD. In Berlin gehörte er der Spartakusgruppe an und war an der Gründung des Jugend-Bildungsvereins Groß-Berlins, der Jugendorganisation des Spartakusbundes, im April 1916 beteiligt, Vorsitzender dieser Gruppe. Im Zusammenhang mit den Demonstrationen gegen die Verhaftung Karl Liebknechts festgenommen und 1917 wegen antimilitaristischer Arbeit zu sechs Jahren Festung verurteilt. Durch die Revolution befreit, gehörte Max Köhler zu den Mitbegründern der KPD in Berlin und war Teilnehmer des Gründungsparteitags der KPD Ende 1918. Mitglied der Zentrale der Freien Sozialistischen Jugend, des späteren Kommunistischen Jugendverbandes, sowie Inhaber des Verlages Junge Garde. 1923 als Abteilungsleiter in die Zentrale der KPD (Gewerkschaftsabteilung) berufen. Anhänger des rechten Flügels der KPD, blieb auch nach 1924 in der Gewerkschaftsabteilung, doch war er längere Zeit »kaltgestellt«. Bis 1928 Angestellter im ZK, zuletzt für die Sozialpolitik verantwortlich. Als einer der Führer der Rechten Ende 1928 aus der KPD ausgeschlossen, wurde Köhler Mitbegründer der KPO, Sekretär der Berliner KPO und Mitglied der erweiterten Reichsleitung. Bei der Spaltung der KPO 1932 ging er mit der Minderheit zur SAP, wurde Geschäftsführer und Orgleiter der Berliner SAP. Nach dem Verbot der SAP durch Hitler 1933 kurze Zeit verhaftet, übernahm Max Köhler sofort nach seiner Freilassung als Reichsorgleiter der SAP die illegale Inlandsleitung. Im November 1933 festgenommen und im großen SAP-Prozeß »Max Köhler und Genossen« zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Auf Wunsch seiner politischen Freunde nach der Entlassung emigriert, wurde er nach Aufenthalten in Prag, Basel und Paris in Kopenhagen Leiter des SAP-Stützpunktes Dänemark, wo er sich von 1940 bis 1945 illegal aufhielt. 1955 kehrte Max Köhler nach Berlin zurück, wurde 1956 Mitglied der SPD. Aus der SAP-Zeit weiterhin eng mit Willy Brandt befreundet, obwohl sich ihr politischer Weg trennte, da Köhler Marxist blieb. 1961 wegen religionskritischer Äußerungen aus der SPD ausgeschlossen, aber 1962 durch Schiedsgerichtsverfahren wieder in die Partei aufgenommen, aktiv im Bund der Verfolgten des Naziregimes (BVN). Max Köhler starb am 15.Dezember 1975 in West-Berlin.

Wer war wer in DDR

Köhler, Johann

* 27.12.1920 – ✝ 30.12.2007

Geb. in Nikles (Krs. Mährisch Schönberg, ČSR/Raskov, Tschechien); Vater Seidenweber; 1931 – 34 Realschule; anschl. bis 1938 Bauschlosser in Brünn; 1938 KPČ; im Krieg Uffz. in der Luftwaffe, amerik. Gefangenschaft. Nach der Umsiedl. zunächst Lokschlosser bei der DR; dann Erwerb der HS-Reife an der ABF; 1948 – 51 Studium der Wirtschaftswiss. an der Univ. Leipzig; 1951 Aufn. einer Lehrtätigkeit an der Bergakad. Freiberg; 1955 Prom. u. 1959 Habil.; anschl. Prof. mit Lehrstuhl für pol. Ökon. des Kap. an der Bergakad.; 1958 – 71 Mitgl. der SED-BL Karl-Marx-Stadt; 1961 – 63 Dekan, 1963 – 67 Prorektor u. 1967 – 70 Rektor der Bergakad. (Nachf. von Karl-Friedrich Lüdemann); 1986 em.; gest. in Freiberg.Strittige Probleme der marxist.-leninist. Werttheorie. Leipzig 1977; Zu Grundfragen der marxist.-leninist. Rententheorie. Leipzig 1982; Beiträge zur Arbeitswerttheorie. Leipzig 1989.Hagen Schwärzel

Wer war wer in DDR

Köhler, Werner

* 24.3.1929

Geb. in Dresden; Vater Werkmstr.; 1945 Abschluß der OS; nach einem Prüfungskolloquium 1945 Aufn. des Med.-Studiums an der Univ. Jena, ab 1946 außerdem Studium der Anthropol. u. Ethnographie; 1953 naturwiss. Prom. an der FSU Jena, 1954 med. Prom. an der Univ. Rostock; 1951 – 53 Pflichtassistent an den Thür. Univ.-Kliniken in Jena, am Krankenhaus Chemnitz, am Krankenhaus u. im Forschungsinst. für Mikrobiol. u. Hygiene in Bad Elster; 1954 – 58 am Hygiene-Inst. der Univ. Rostock, hier 1956 Fach- u. Oberarzt; 1957 Habil.; 1958 Doz. für Med. Mikrobiol. an der Univ. Rostock, zugl. an der FSU Jena; seit 1958 Ltr. der Abt. Med. Mikrobiol. am Inst. für Mikrobiol. u. experiment. Therapie (ZIMET) der DAW/AdW in Jena; 1961 Prof. der DAW; 1964/65 Hospitant der Kl. Med. der DAW; 1966 – 72 nebenamtl. Ltg. des Forschungsinst. für Mikrobiol. u. Hygiene in Bad Elster; seit 1976 Stellv. des Dir. am ZIMET; seit 1968 Mitgl., seit 1990 Vizepräs. der Leopoldina; 1970 Korr. u. 1976 Ord. Mitgl. der AdW; 1970 Virchow-Preis; 1972 Aronson-Preis des Landes Berlin (1992 überreicht); 1982 Dr. med. h. c. Univ. Umeå/Schweden; 1988 NP; 1990 Ehrenmitgl. des Kitasato-Inst. Tokio. 1990 Mitgl., seit 1991 Präs. der Akad. gemeinnütziger Wiss. zu Erfurt; 1992 – 95 Dir. des Inst. für Experiment. Mikrobiol. u. 1993 – 95 Inhaber des Lehrstuhls für Experiment. Mikrobiol. u. Immunchemie an der FSU; 1994 a. o. Mitgl. der Berlin-Brandenb. AdW. Arbeitsgebiete: Streptokokkenforschung, u. a. Systematik der Streptokokken, epidemiolog. u. bakteriolog. Aspekte von Streptokokkeninfektionen, vor allem bei Scharlach, rheumat. Fieber u. tox. Schocksyndrom; Entw. von Arzneimitteln; Untersuchungen über erythrogene Toxine u. Mitogene; Geschichte der Bakteriol.Grundriß der Med. Mikrobiol. 5. überarb. Aufl. Jena 1980 (mit H. Mochmann); Mischinfektionen. Jena 1980 (mit A. Mayr); Meilensteine der Bakteriol. Jena 1984 (mit H. Mochmann).Michael Kaasch