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BioLex

In der Kategorie BioLex sind drei wichtige Lexika mit über 5500 Biografien von überzeugten Kommunistinnen und Kommunisten, Renegatinnen und Dissidenten im Volltext recherchierbar.

 

Das Handbuch „Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945“ wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam.

Kurzbiografien zu Personen des politischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 bereit.

Zudem ist das Online-Lexikon www.dissdenten.eu ebenfalls auf unserer Seite aufrufbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Informationen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Krabbe, Katrin

* 22.11.1969

Geb. in Neubrandenb.; Vater Trainer (Fußball); POS; Studium der Pädagogik, Unterstufenlehrerin; seit 1981 aktiv in der Leichtathletik (Spezialdisz.: Sprint) beim SC Neubrandenb. (Trainer: Otto Guth, dann Thomas Springstein); 1987 Siegerin mit der 4 x 100-m-Staffel bei den Junioren-Europameisterschaften; 1988 Siegerin über 200 m u. mit der 4 x 100-m-Staffel bei den Junioren-Weltmeisterschaften; 1988 Teiln. an den Olymp. Spielen; 1988 Junioren-WR; 1989 Siegerin über 100 m u. mit der 4 x 100-m-Staffel beim Europacup; 1990 EM über 100 m, 200 m u. mit der 4 x 100-m-Staffel. 1990 u. 1991 Sportlerin des Jahres; 1991 Weltsportlerin des Jahres; Aug. 1991 WM über 100 m u. 200 m; Inhaberin von Sportartikelgeschäften in Neubrandenb.; Gesellschafterin an einem priv. Rundfunksender; 1991/92 Verdacht auf Dopingvergehen; 1992 Dt. Hallenmstr. (60 m); 1992 vom DLV für ein Jahr, vom IAAF für zwei Jahre gesperrt; 17.5. 1995 urteilt das LG München, die Sperre des IAAF erfolgte zu Unrecht, des DLV zu Recht, 28.3.1996 vom OLG München bestätigt; im Mai 1998 forderte K. K. vom IAAF Schadenersatz; 2001 verurteilt das LG München den IAAF zur Zahlung von 1,2 Mio. DM an K.; verh. mit dem Ruderer u. Rechtsanwalt Michael Zimmermann; lebt in Neubrandenb.Klaus Gallinat / Olaf W. Reimann

Wer war wer in DDR

Kramer, Erwin

* 22.08.1902 – ✝ 10.11.1979

Geb. in Schneidemühl (Westpr./Piła, Polen); Vater Lokomotivführer; 1908 – 12 Volksschule, 1912 – 19 Realschule; 1919 KJD; 1920 – 22 Praktikant im RAW Schneidemühl; 1923 – 29 Studium der Elektrotechnik u. Eisenbahnwiss. an der TH Berlin, Ing.; 1924 – 27 Mitgl. des Roten Studentenbunds; KJVD; während des Studiums Erwerbstätigkeit in versch. Laboratorien der Berliner Elektroindustrie; 1929 KPD; 1930 – 32 Bauführer bei der Reichsbahndirektion Berlin; Angeh. des M-Apparats der KPD; 1932 Haft in Berlin-Moabit; wegen drohenden Hochverratsprozesses Ende 1932 Emigr. in die UdSSR; wiss. Mitarb. am Zentr. Forschungsinst. für Verkehrswesen in Moskau, wiss. Arbeiten auf dem Gebiet der Rationalisierung von Verschiebebahnhöfen u. der selbsttätigen Zugbeeinflussung; 1932 – 36 Abendkurse an der KUNMS; 1937 Lehrgang Taktik der Pioniertruppen an der Militärschule »Erste Reiterarmee« in Tambow; ab Nov. Teiln. am span. Bürgerkrieg, Ing.-Offz. in der XI. Internat. Brigade, Instrukteur für das Pionierwesen im 15. Armeekorps, Ltn.; Febr. – April 1939 Internierung im Lager St. Cyprien in Frankreich; 1939 Rückkehr in die UdSSR; Ing. in einem Betrieb in Moskau; 1941 in der Sonderfahndungsliste »UdSSR« der Gestapo erf.; Übersetzer u. Sprecher in der dt. Red. des Moskauer Rundfunks; Okt. 1941 Evakuierung nach Kuibyschew; Entlassung aus dem Sender, »Verwarnung« durch die KPD-Führung; Ing. in Kuibyschew; 1943 wegen angebl. Verkaufs von Lebensmittelkarten auf dem Schwarzmarkt Ausschl. aus der KPD; 1945 Kursant einer pol. Schule in der Nähe von Moskau. Dez. 1945 Rückkehr nach Dtl.; 1946 SED; 1946 Vizepräs. der RBD Berlin; 1946 – 49 Ltr. der maschinentechn. Abt./HA in der ZV bzw. HV Verkehr in der DWK; 1949/50 stellv. GD der DR; wegen Fahrt in den frz. Sektor von Berlin während eines Streiks der S-Bahnarb. am 19.7.1949 »strenge Verwarnung« durch die ZPKK; 1950 – 53 GD der DR (Nachf. von  Willi Kreikemeyer); 1953/54 Stellv. des Ministers für Verkehrswesen; 1954 – 70 Minister für Verkehrswesen (Nachf. von  Roman Chwalek) u. GD der DR; 1954 – 70 Mitgl. des ZK der SED; 1958 – 79 Abg. der Volkskammer; 1966 – 71 Ltr. der DDR-Delegation in der ständ. Kommission des RGW für Transport; Nov. 1971 stellv. Ltr. des Komitees der Interparl. Gruppe u. Mitgl. des Aussch. für Ausw. Angelegenh. der Volkskammer; 1958 NP; 1967 Ehrenspange zum VVO; 1970 KMO; Orden des Vaterländischen Krieges; 1977 Stern der Völkerfreundschaft; Ehrenpension; gest. in Berlin.Peter Erler / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Kranz, Max Albert

* 7.3.1897 – ✝ 27.5.1982

Geboren am 7. März 1897 in Sedlitz bei Calau; kaufmännische Lehre, arbeitete dann einige Jahre in Delitzsch. Von 1916 bis 1918 Soldat. Von der Front zurückgekehrt, schloß er sich der USPD an und ging 1920 mit deren linkem Flügel zur KPD. Kranz übte in Delitzsch verschiedene Parteifunktionen aus, 1923 hauptamtlicher Sekretär und aktiv an der Vorbereitung des geplanten Oktoberaufstandes 1923 beteiligt. 1924 Anhänger des linken Parteiflügels, im Juni 1924 wurde er als Orgleiter des Bezirks Nordwest nach Bremen entsandt. Delegierter des X.Berliner Parteitags 1925, als Anhänger der Ruth-Fischer-Führung wurde er nach dem »Offenen Brief« 1925 abgelöst und als Parteisekretär nach Osnabrück abgeschoben, dann 1926 nach Ostpreußen versetzt. Kranz blieb Mitglied der KPD, betätigte sich aber nicht mehr hauptamtlich, sondern arbeitete Anfang der dreißiger Jahre als Kraftfahrer in Leipzig. 1933 von den Nazis verhaftet, saß er ein Jahr in »Schutzhaft«. Ab 1944 bewirtschaftete er die Gaststätte »Neue Schänke« in Mehltheuer bei Riesa. 1945 wieder Mitglied der KPD, aber 1950 aus der SED ausgeschlossen, zog er sich politisch zurück. Kranz wurde 1958 wegen angeblicher Steuerhinterziehung verhaftet und zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Nach seiner Entlassung aus dem Zuchthaus Bautzen war er bis zur Rente Gaststättenleiter in Riesa und Oschatz. Max Kranz starb am 27.Mai 1982 in Riesa.

Wer war wer in DDR

Kratz, Heinz

* 5.2.1926 – ✝ 31.5.1992

Geb. in Leipzig, Schriftsetzerlehre, Studium an der FS für Polygraphie in Leipzig; danach Red. der Fachztschr. »Zellstoff u. Papier«; 1961 – 64 Ltr. des Verlags für Buch- u. Bibliothekswesen Leipzig; nach Angliederung dieses Verlags 1964 an den Lexikonverlag Bibliograph. Institut Wechsel zum Fachbuchverlag B. G. Teubner, 1966 – 91 Dir. einer Gruppe von Fachverlagen, zu der neben Teubner seit 1964 auch die Akadem. Verlagsgesell. Geest & Portig u. ab 1968 S. Hirzel gehörten. 1991 Reprivatisierung der drei Einzelverlage; Verdienste um die Verbreitung hochspez. Fachlit. v. a. in den Bereichen Mathematik, Physik und Altertumswiss., die zu einem großen Teil in die Bundesrep. Dtl. exportiert wurde; langj. ehrenamtl. Mitarbeit im Börsenverein des Dt. Buchhandels Leipzig, u. a. als Vors. der Revisionskommission.Bähring, H. u. Rüddiger, K.: Lexikon der Buchstadt Leipzig, Taucha 2008.Christoph Links

Wer war wer in DDR

Krause, Alfred

* 28.4.1930 – ✝ 19.11.2001

Geb. in Dresden; Vater Arbeiter; 1945 Antifa-Jugend u. FDJ; 1946 SED; kfm. Lehre in Dresden; 1948 Eintritt in die DVP; 1949 Ausbildung an der Polizeischule in Torgau; anschl. Polizeikommissar u. Lehrer an der KVP-Politschule Berlin-Treptow; 1953 – 57 dort Ltr. der Abt. Kader; 1957 – 62 Studium an der Offz.-HS u. an der Militärakad. »Friedrich Engels« in Dresden; 1963 – 64 Politstellv., 1964 – 70 Kdr. des NVA-Motschützenregt. 7 in Marienberg (Erzgeb.), Oberst-Ltn.; 1970 – 72 Studium an der sowj. Gen.-Stabsakad., Dipl.-Militärwiss.; 1974 – 77 Kdr. der 11. Motschützendiv. der NVA in Halle (Nachf. von Rudolf Magnitzke); 1977 – 79 Stabschef des Militärbez. Leipzig (Nachf. von Kurt Gottwald); 1980 Gen.-Major; 1980 – 82 Chef der Verw. Inspektion des MfNV (Nachf. von  Martin Bleck); 1982 – 90 Chef des Militär. Nachrichtendienstes der NVA (Nachf. von  Theo Gregori), 1.3.1986 Gen.-Ltn.; Jan. 1990 Chef d. Informationszentrums der NVA, der Nachfolgeeinrichtung des o. g. Dienstes; 30.9.1990 Ruhestand.Wegmann, B.: Die Militäraufklärung der NVA. Berlin 2005.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Krause, Hans

* 22.3.1924

Geb. in Berlin; Vater Kaufm.; ab 1934 Realgymn.; 1942 Notabitur; Einberufung zur Wehrmacht; 1943 wg. Wehrkraftzersetzung zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt, inhaftiert in den Wehrmachtsgefängnissen Torgau u. Naumburg, 1944 Flucht, hielt sich bis Kriegsende im Spreewald versteckt. 1945 / 46 KPD / SED; Lektor im SWA-Verlag (Verlag der sow. Militärverw.) in Berlin, u. a. redaktionelle Betreuung der ersten sowj. Bücher in der SBZ (Gorki, Majakowski u. a.); 1948 / 49 Schauspielunterricht bei Helene Riechers in der Schauspielschule des Dt. Theaters (DT) Berlin; 1949 / 50 Engagement am DT; 1950 Mitbegr. des Kabaretts »Die Laterne«; 1951 – 52 Schauspieler am Kabarett »Kleine Bühne« Berlin; 1953 / 54 Mitgl. des Gründungsensembles des Kabaretts »Die Distel«; 1954 Zentralschule der SED »Rosa Luxemburg«; 1955 Red. beim DFF; 1956 Gründung u. Ltg. des Agitationsensembles »Die Trommel«; 1958 – 63 Dir. der »Distel« (Nachf. von  Erich Brehm); in dieser Zeit erste lit. Arbeiten, humorist. u. polit. Gedichte für Tageszeitungen, Kabarettexte vor allem für »Die Distel« (bis in die 1980er Jahre einer der Hauptautoren); 1960 VVO; 1964 – 71 Red. der Humorseite der Ztg. »Neues Deutschland«; seit 1971 freischaff. Schriftsteller, neben dem polit. Kabarett auch Unterhaltungskunst, Verfasser von Glossen, Kurzgeschichten, heiteren Fernsehspielen, Schlagern u. Chansons (u. a. für  Marianne Wünscher u.  Gisela May); Revuen für den Friedrichstadt-Palast; zahlr. Programme für TV-Unterhaltungssendungen (»Klock acht achtern Strom«, 1975 – 89), für die Konzert- u. Gastspieldirektion sowie für Amateurkabaretts (»Ihabetiker«, »Lachberater« u. a.); Auftritte als Solokabarettist; Au- tor der »Kuddeldaddeldu«-Paraphrasen für  Heinz Draehn; 1976 Goethe-Preis der Stadt Berlin, Kunstpreis des FDGB; 1984 Kunstpreis der DDR; 1988 NP. Nach 1990 nur noch gelegentl. Auftritte u. Texte für H. Draehn; lebt in Berlin.Das war Distel(l)s Geschoss. Berlin 1961 (Hrsg.); Rendezvous mit der Zeit. Berlin 1969; Scherz mit Herz. Berlin 1977; Spaß nach Maß. Gereimtes u. Ungereimtes aus unseren Tagen. Berlin 1986.Christian Krause

Wer war wer in DDR

Kraußer, Peter

* 15.12.1941

Geb. in Crawinkel (Krs. Gotha); Vater Maurer; POS; 1956 FDJ; Studium am Inst. für Lehrerbildung Nordhausen u. an der PH Potsdam, Unterstufenlehrer, Erzieher u. Dipl.-Lehrer für Geschichte; 1960 – 64 Lehrer an der Sonderschule in Luckwitz; 1961 SED; 1964/65 Sekr. der FDJ-KL Hagenow, 1965 Instrukteur im FDJ-ZR; 1965 – 68 NVA; 1968 – 71 Instrukteur u. 1971 – 77 stellv. Ltr. der Abt. Prop. im FDJ-ZR; 1973 Prom. zum Dr. phil.; 1976/77 Studium an der PHS; 1977 – 88 pol. Mitarb., 1988/89 Ltr. der Arbeitsgr. Kirchenfragen des ZK der SED (Nachf. von  Rudi Bellmann).Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Krauss, Werner

* 7.6.1900 – ✝ 28.8.1976

Geb. in Stuttgart; Vater Archivrat u. Literaturhist.; Elementarschule u. Gymnasium, Abitur; 1918/19 Militärdienst; 1918 – 22 Studium der Germanistik, Romanistik u. Kunstwiss. an den Univ. München u. Berlin, 1922 – 26 Studium der Hispanistik an der Univ. Madrid, ab 1927 in München; 1929 Prom. zum Dr. phil. bei Karl Vossler an der Univ. München; 1931 – 40 Assistent u. Doz. am Roman. Seminar der Univ. Marburg, 1932 dort Habil. zur span. Lit.-Geschichte; 1942 außerplanmäßiger Prof.; ab 1940 in Berlin enger Kontakt zur Widerstandsgr. um John Rittmeister; 1940 – 42 bei der Dolmetscher-Ersatzabt. in Berlin, Gefr. (degradiert); 1942 verhaftet als Mitgl. der Widerstandsgr. um Harro Schulze-Boysen (»Rote Kapelle«), 1943 wegen »Hochverrats« zum Tode verurteilt; nach Gutachten und Fürsprache einflußreicher Wiss. wie Karl Vossler, Ernst Robert Curtius,  Hans-Georg Gadamer 1944 Umwandlung des Urteils zu fünf Jahren Zuchthaus, Gefängnis Torgau. 1945 – 47 ord. Prof. für roman. Sprachen u. Lit. an der Univ. Marburg; 1945 Mitbegr. der Ztschr. »Die Wandlung«; 1945 KPD u. Mitgl. der Prov. Landesreg. Hessen, Beauftr. für Entnazifizierung der Univ. Marburg; 1946 erscheint sein antifa. Roman »PLN. Die Passionen der halykonischen Seele« (Nachdruck Frankfurt (Main) 1983); 1947 Prof. mit Lehrstuhl für roman. Philol. u. Dir. des Romanist. Inst. der Univ. Leipzig; 1947 SED u. bis 1951 Mitgl. des PV bzw. ZK; 1949 NP; 1949 Ord. Mitgl. der Sächs. AdW u. der DAW; 1951 Prof. mit Lehrstuhl für Romanistik an der HU Berlin; 1955 zugl. Ltr. der Arbeitsgr. zur Geschichte der dt. u. frz. Aufklärung; 1956 Dir. des Inst. für roman. Sprachen u. Kultur der DAW; 1965 em.; 1968 Vizepräs. der Internat. Hispanistenvereinigung; Mitgl. mehrerer AdW u. des Präs. der Association Internationale de la Littérature comparée; 1971 Dr. phil. h. c. der Univ. Aix-en-Provence; 1975 VVO; 1976 Dr. phil. h. c. der KMU Leipzig; Mitgl. des Präs. der Dt.-frz. Ges. u. des KB-Präsidialrats; gest. in Berlin. Forschungs- u. Publikationstätigkeit auf dem Gebiet der roman. Lit., schulbildende Wirkung insbes. durch Arbeiten zur europ. Aufklärungsbew.; Hrsg. der Schriftenreihe der Arbeitsgr. zur Geschichte der dt. u. frz. Aufklärung (1959 – 64); Mithrsg. der Reihe »Neue Beiträge zur Lit.-Wiss.« (ab 1954), der »Beiträge zur roman. Philol.« (ab 1961) u. der »Schriften des Inst. für roman. Sprachen u. Kultur« (ab 1965).Vor gefallenem Vorhang. Aufzeichnungen eines Kronzeugen des Jahrhunderts. Hrsg. von M. Naumann. Frankfurt (Main) 1995; W. K. – Das wiss. Werk. 8 Bde. Berlin, Weimar 1984 – 97 (hrsg. v. M. Naumann); Briefe 1922 – 1976. Hrsg. von P. Jehle unter Mitarb. v. E. Fillmann. Frankfurt (Main) 2002. Bibl. In: Jb. der Sächs. AdW 1975/ 76; Jehle, P.: W. K. u. die Romanistik im NS-Staat. Hamburg, Berlin 1996; Vialon, M.: Literaturwiss., Exil u. Widerstand dargestellt am Beispiel von Erich Auerbach, Walter Benjamin u. W. K. Marburg 1999; Ette, O., u. a. (Hrsg.): W. K.: Wege – Werke – Wirkungen. Berlin 1999; Hofer, H. (Hrsg.): W. K.: Literatur, Geschichte, Schreiben. Tübingen, Basel 2003.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Krawczyk, Stephan

* 31.12.1955

Geb. in Weida; Vater Bergmann, Mutter Briefträgerin; 1974 Abitur; 1974 – 76 Wehrdienst; anschl. Beschäftigungen als Hauswart, Kulturhausmitarb.; 1976 SED; 1978 – 82 Fernstudium im Fach Konzertgitarre an der HS für Musik »Franz Liszt« Weimar; anschl. freiberufl. Liedermacher; 1982 einzige Schallplattenprod. in der DDR (mit der Gruppe »Liedehrlich«); 1984 Umzug nach Berlin; Kontakt zur Künstlerszene im Prenzlauer Berg u. zu opp. Gruppen, zunehmend offen krit.-künstler. Verarbeitung der Themen Machtmißbrauch, Umweltzerstörung, Konsumges., fehlende Alternativen; 1985 Austritt aus der SED (in Ausschl. umgewandelt), Berufsverbot durch Entzug der Zulassung als freiberufl. Liedermacher; stark besuchte Aufführungen der Programme »Steinschlag« u. »Pässe, Parolen« (1985/86 mit  Freya Klier), »Alles in mir revoltiert« ( Brecht-Programm 1986), »Wiederstehen« (1987) in kirchl. u. priv. Rahmen; Nov. 1987 offener Brief an  Kurt Hager mit der Forderung nach besseren Bedingungen für unabh. Kunst u. Kultur sowie Achtung der Menschenrechte in der DDR; 1987 Mitarb. beim einzigen illeg. DDR-Rundfunk-Sender »Schwarzer Kanal«; Jan. 1988 Festnahme auf dem Weg zur Berliner Liebknecht-Luxemburg-Demonstration, unter Androhung langj. Haftstrafe wegen »landesverräter. Beziehungen«, zum Ausreiseantrag gezwungen, 2.2.1988 Ausreise nach Berlin (West) gem. mit Freya Klier; Mai 1988 erste Tournee durch die Bundesrep. Dtl., die Schweiz u. Österreich; Auftritte in den USA, Kanada u. Frankreich. 1992 Bettina-von-Arnim-Lit.-Preis für die Erzählung »Mein Vater«, 1993 Verdienstorden des Landes Berlin, 2003 Premiere des Kabarettprogr. »Mutterherz«, 2005 Preis der Lutherstädte für »Das unerschrockene Wort«. LP u. CD: »Wie geht’s« (1989), »Terrormond« (1993), »Milonga« (1995); »Die Queen ist in der Stadt (2001), »Heute fliegt die Schwalbe hoch« (2004).Schöne wunde Welt. Eigenverlag 1990; Das irdische Kind. Berlin 1996; Steine hüten. Berlin 2000; Der Narr. Berlin 2003; Wendedankfest. Berlin 2005 (mit Grafiken von R. Hoffmann-Battista); Der Himmel fiel aus allen Wolken. Eine dt.-dt. Zeitreise. Leipzig 2009.Silvia Müller

Handbuch Deutsche Kommunisten

Kreft, Paul

* 21.2.1893 – ✝ 29.4.1944

Geboren am 21. Februar 1893 in Wertheim/ Westpreußen; arbeitete als Bau- und Werftarbeiter in Danzig. Von November 1917 bis Mai 1918 Soldat im Weltkrieg. Seit 1920 Mitglied der KPD, leitete er von 1924 bis 1927 die Ortsgruppe Zoppot und war dort auch von 1924 bis 1933 Stadtverordneter der KPD. 1927 in den Volkstag Danzig gewählt, war Paul Kreft zeitweise unter Anton Plenikowski Orgleiter bzw. Kassierer der BL Danzig. Im Juni 1933 zu sieben Monaten Gefängnis und Anfang 1934 zu zwei Jahre und vier Monaten Zuchthaus verurteilt, wurde er im September 1936 entlassen. Im Juni 1937 emigrierte Kreft nach Dänemark, wurde als politischer Flüchtling anerkannt und lebte in Fredericia, wohin ihm auch seine Familie folgte. Kreft arbeitete weiter für die KPD, hatte engen Kontakt zu Konrad Blenkle u. a., war zeitweise Leiter der KPD-Gruppe in Jütland. Nach der Besetzung Dänemarks durch die Wehrmacht wurde er am 26. Juli 1940 in Kopenhagen von dänischer Polizei verhaftet und kam in das Internierungslager Horserod, dann nach Deutschland ausgeliefert und am 11. Dezember 1942 vom Hanseatischen OLG zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt. Zunächst in Fuhlsbüttel, am 24. April 1943 wurde er in das Zuchthaus Rendsburg/ Schleswig-Holstein verlegt, am 29. April 1944 in das Zuchthaus Brandenburg-Görden, von dort kam er am 23. Juni 1944 in die Strafanstalt Vaihingen an der Enz, wo er am 10.Dezember 1944 an den Haftfolgen starb.

Wer war wer in DDR

Krenz, Egon

* 19.3.1937

Geb. in Kolberg (Hinterpommern / Kołobrzeg, Polen); Vater Schneider; 1943 – 53 Grundschule in Kolberg u. Damgarten; 1948 Kinderlandbew. Pionierorgan.; 1953 FDJ; Maschinenschlosser im Dieselmotorenwerk Rostock; 1953 – 57 Schüler am Diesterweg-Inst. in Putbus (Krs. Rügen); Sekr. der FDJ-GO; St.-Ex.; 1953 Kandidat, 1955 SED; 1956 Mitgl. der FDJ-KL; 1957 – 59 NVA, FDJ-Funktionen auf Div.-Ebene, Uffz.; 1959/60 2., dann 1. Sekr. der FDJ-KL Bergen; 1960/61 1. Sekr. der FDJ-BL Rostock (Nachf. von Gerhard Mendl) u. Kand. des Büros der SED-BL Rostock; 1961 – 64 u. 1967 – 71 Sekr. des ZR der FDJ; ab 1963 Ltr. des Büros für Schulen, HS u. Univ., später für Agit./Prop.; 1964 – 67 PHS des ZK der KPdSU in Moskau, Dipl.-Ges.-Wiss.; 1971 – 73 Vors. u. Sekr. der Pionierorg. »Ernst Thälmann« (Nachf. von  Werner Engst); 1971 – 73 Kand., 1973 – 89 Mitgl. des ZK der SED; ab 1971 Mitgl. der Jugendkommission des PB des ZK der SED; 1973 – 83 1. Sekr. des ZR der FDJ (Nachf. von  Günther Jahn); 1971 – Jan. 1990 Abg. der Volkskammer; 1971 – 81 Mitgl. des Präs.; 1971 – 76 Vors. der FDJ-Fraktion (Nachf. von Johannes Rech); 1976 – 83 Kand., 1983 – 89 Mitgl. des PB des ZK der SED; Sekr. des ZK (Nachf. von  Paul Verner), zuständig für Sicherheitsfragen, Jugend, Sport, Staats- u. Rechtsfragen; ab 1983 Mitgl. des NVR; 1983 KMO; 1984 stellv. Vors. des Staatsrats; 18.10. – 3.12.1989 Gen.-Sekr. des ZK der SED; 24.10. – 6.12.1989 Vors. des Staatsrats der DDR u. Vors. des NVR (jeweils als Nachf. von  Erich Honecker); 21.1.1990 Ausschl. aus der SED-PDS. Ab 1990 publ. tätig; zeitw. Mitarb. eines Berliner Unternehmens; arbeitslos; 8.7.1995 Anklage wegen »Totschlags u. Mitverantw. für das Grenzregime der DDR«, am 25.8.1997 Verurteilung zu sechseinhalb Jahren Gefängnis wegen Totschlags in vier Fällen, Verhaftung im Gerichtssaal; Antrag auf Revision; 8.11. 1999 bestätigte der BGH das Urteil; 11.1.2000 BVG lehnte E. K.s Verfassungsbeschwerde ab; 13.1.2000 Haftantritt in der JVA Berlin-Hakenfelde in Berlin-Spandau; 24.1.2000 – 18.12. 2003 Haft in der JVA Plötzensee in Berlin, als Freigänger beim Flughafen Berlin-Tegel bei der Fluggesellsch. Germania tätig, vorzeitig entlassen; lebt in Dierhagen (b. Rostock).Das Wohl des Volkes ist unser elementarer Leitsatz. Berlin 1989; Wenn Mauern fallen. Wien 1990; Ich war u. bin Soz. Reden, Kommentare, Anmerkungen von E. K. u. über ihn – ein Sittenbild unserer Ges. Kückenshagen 1997; Herbst ’89. Berlin 1999; Widerworte: aus Briefen u. Zeugnissen 1990 bis 2005. Berlin 2006; Gefängnis-Notizen. Berlin 2009. Rudorf, R.: Krenzfälle – die Grenzen der Justiz. Berlin 2002.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Kresse, Kurt

* 15.5.1904 – ✝ 11.1.1945

Geboren am 15. Mai 1904 in Leipzig; lernte Buchdrucker, schloß sich 1918 der FSJ an. Einige Jahre Bergarbeiter im Ruhrgebiet, 1924 kam er nach Leipzig zurück, wieder Buchdrucker. Im gleichen Jahr Mitglied der KPD, er arbeitete ehrenamtlich für die Partei. Er baute in der Druckerei Giesecke & Devrient, mit über 600 Beschäftigten eine der größten Druckereien Deutschlands, eine Betriebszelle der KPD auf, die er bis zu seiner Entlassung 1927 leitete. Kresse wurde Mitglied der BL Westsachen, arbeitete bei der »Sächsischen Arbeiterzeitung« und war Vorsitzender des Leipziger Arbeitersportvereins Fichte-West. Im Januar 1931 soll Kresse wegen »undisziplinierten Verhaltens« aus der KPD ausgeschlossen worden sein, sich dann aber in der Kampfgemeinschaft für rote Sporteinheit »bewährt« haben. 1933 zeitweilig in »Schutzhaft«, wurde er im Juli 1934 verhaftet und wegen Betätigung für die KG zu fünf Monaten Gefängnis verurteilt. Kresse stand während des Krieges mit Georg Schumann und Otto Engert an der Spitze der Leipziger Widerstandsgruppe, die eine der größten in Sachsen war. Bis 1944 organisierte er die Betriebsarbeit, knüpfte Verbindungen zu anderen Widerstandsgruppen im Reich und versorgte sie mit illegalen Flugschriften, die vor allem Schumann und Engert verfaßt hatten. Diese Widerstandsgruppe wurde im Juli 1944 von der Gestapo zerschlagen. Am 19. Juli 1944 wurde Kurt Kresse verhaftet, am 21. November 1944 zusammen mit Georg Schumann und Otto Engert zum Tode verurteilt und am 11. Januar 1945 in Dresden hingerichtet. Sein jüngerer Bruder Walter Kresse (* 11. 3. 1910 – † 4. 2. 2001) war vor 1933 Landesjugendleiter der KG für rote Sporteinheit. Im November 1933 verhaftet und zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Von 1937 bis zu seiner Einberufung zum Strafbataillon 999 im Jahre 1942 Buchhalter in Leipzig. Ab Mai 1943 in alliierter Kriegsgefangenschaft, kehrte 1946 nach Deutschland zurück. Ab 1959 Oberbürgermeister von Leipzig, er gehörte bis März 1990 der Volkskammer an. Von 1970 bis 1989 hauptamtlicher Präsident des Deutschen Städte- und Gemeindetages der DDR. 1980 erhielt er den Karl-Marx-Orden.

Wer war wer in DDR

Krabbe, Ingeborg

* 13.6.1931

Geb. in Leipzig; ab 1949 Ausbildung an der Staatl. HS für Musik u. Darstellende Kunst in Leipzig; erstes Engagement an den dortigen Städt. Bühnen; 1954 Mitbegr. des Kabaretts »Leipziger Pfeffermühle«; Umzug nach Berlin; ab 1962 zehn Jahre Schauspielerin am Theater der Freundschaft; seit Anfang der 1960er Jahre Filmrollen, Mitwirkung in rd. 300 Produktionen des DFF u. der DEFA, insbes. in Schwänken u. Komödien; erlangte Popularität durch die TV-Serien »Maxe Baumann« (1976 – 87) u. »Drei reizende Schwestern« (1984 – 89) zus. mit  M. Kiefer u.  H. Göring; div. Male Fernsehliebling des Jahres des DFF. Nach 1990 zunächst Arbeit als Synchronsprecherin; dann Fortsetzung der TV-Karriere, so in den Krimi-Serien »Polizeiruf 110«, »Der Bulle von Bad Tölz«, »Siska«; zahlr. Engagements an Boulevardtheatern wie der »Komödie am Kurfürstendamm«, dem Hamburger »Winterhuder Fährhaus« oder dem Berliner »Hansa-Theater«; 2007 beteiligt an der UA des Udo-Jürgens-Musicals »Ich war noch niemals in New York« am Hamburger Operettenhaus; lebt in Berlin.Christian Krause

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Krämer, Ingrid

* 29.7.1943

Geb. in Dresden; EOS, Abitur; 1955 begann ihre sportl. Laufbahn als Wasserspringerin; 1958 DDR-Mstr. (3-m-Brett) u. 3. Platz (10-m-Turm); 1960 Olymp. Spiele: Siegerin im Kunst- u. Turmspringen; 1960 u. 1962 DDR-Sportlerin des Jahres; Verdienter Meister des Sports; 1962 zweifache EM; 1963 u. 1967 Siegerin im Europapokal; 1964 Olymp. Spiele: Siegerin im Kunstspringen, 2. Platz im Turmspringen; 1967/68 Sportstudium an der DHfK Leipzig, Dipl.-Sportlehrerin; 1968 Olymp. Spiele: 5. Platz im Kunstspringen; bis 1.7.1991 Nachwuchstrainerin für Wasserspringen in Halle u. Dresden, Trainerin von Jan Hempel, Michael Kühne u. Martina Jäschke. 1991 Umschulung zur Sporttherapeutin; ehrenamtl. Übungsltr. für Gymnastik; Bankangest.; lebt in Dresden; verh. mit dem Wassersportler Helmut Gulbin.Klaus Gallinat / Olaf W. Reimann

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Krasnogolowy, Hilde

* 3.8.1919 – ✝ 27.7.2010

Geb. in Köln; Vater Arbeiter; Volksschule; Ausb. zur Verkäuferin; im Beruf tätig; 1943 – 45 Lohnrechnerin bei der Wehrmacht. 1945 Landarb.; 1945 – 49 Ortssekr., dann Krs.-Sekr. der Volksolidarität in Großenhain; 1946 SED; 1949/50 Instrukteurin, dann Sekr. der SED-KL Großenhain; 1950 Instrukteurin der SED-KL Berlin-Lichtenberg; 1950 – 52 1. Sekr. der SED-KL Berlin-Treptow; 1953/54 Studium an der PHS; 1954/55 Ass. an der PHS; 1955 – 60 Instrukteurin in der Abt. Frauen des ZK der SED; 1959 – 61 amt. Ltr. der Arbeitsgr. Frauen des ZK der SED (Nachf. von  Edith Baumann); 1961/62 Studium an der PHS; ab 1962 polit. Mitarb. in der Westkommission beim PB des ZK der SED.Zachmann, K.: Mobilisierung der Frauen. Technik, Geschlecht u. Kalter Krieg. Frankfurt (Main) 2004.Helmut Müller-Enbergs

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Kraus, Agnes

* 16.2.1911 – ✝ 2.5.1995

Geb. in Berlin; letzte Schülerin von Leopold Jessner; 1936 erstes Engagement bei Eugen Klöpfer an der Volksbühne Berlin in kleinen Rollen; während des Kriegs in München u. am Mainfränk. Puppentheater. Nach 1945 Engagements in Potsdam u. Wittenberg; 1956 – 76 am Berliner Ensemble (u. a. Rollen in  Bertolt Brechts »Dreigroschenoper«, »Die Tage der Commune«, »Der gute Mensch von Sezuan« und »Brotladen« sowie in Sean O’Caseys »Purpurstaub«); große Popularität erzielte A. K. durch heiter-gutmütige Fernsehrollen: 1972 Mutter Klucke in »Florentiner 73« u. 1974 »Neues aus der Florentiner 73«, 1975 Hauptrolle in »Schwester Agnes«, Minna in »Dolles Familienalbum«, 1977 in »Viechereien«, 1982 Tante Emmi in »Familie Rechlin«, 1983/84 Frau Scholz in »Familie Neumann« (Serie); 1975 NP; gest. in Berlin.Renate Rätz

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Krause, Barbara

* 7.7.1959

Geb. in Berlin; 1965 durch orthopäd. Turnen zum Schwimmsport ermuntert; 1967 Brustschwimmerin in der SG Dynamo »Helmut Just« Berlin; 1970 Wechsel zur KJS u. zum SC Dynamo Berlin (Trainer: Rolf Gläser); Spezialdisz.: Freistil; 1973 erstmalig in der DDR-Auswahl; 1975 WM mit der 4 x 100-m-Freistilstaffel; 1977 EM über 100 m Freistil, mit der 4 x 200-m-Lagen- u. der 4 x 100-m-Freistilstaffel; 1978 WM über 100 m; 1980 Olympiasiegerin über 100 m, 200 m u. mit der 4 x 100-m-Freistilstaffel; VVO; Verdienter Meister des Sports; Unterwachtmstr. der DVP; 1980 – 90 SED; 1980 endete ihre sportl. Laufbahn; Studium an der FS für Fotografie, Fotografin; verh. mit dem Rückenschwimmer u. Trainer Lutz Wanja; lebt in Magdeburg.Klaus Gallinat / Olaf W. Reimann

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Krause, Rudolf

* 19.2.1939

Geb. in Poditau (Krs. Glatz, Schles. / Podtynie, Polen); EOS, Abitur; 1962 Studium der Math. an der Univ. Leipzig, 1962 Staatsexamen, Prom.; 1962 CDU; 1962 / 63 Lehrer an der OS Großdalzig (Krs. Leipzig), ab 1963 an der OS in Markkleeberg-West (Krs. Leipzig), 1979 – 87 an der EOS »Rudolf Hildebrand«; 1987 – 90 stellv. Dir. an einer Spezialschule mit math., naturwiss.-techn. Ausrichtung in Leipzig (heute Wilhelm-Ostwald-Gymn.); 1989 / 90 CDU-Vertreter am Zentralen Runden Tisch; 1989 / 90 Mitgl. des CDU-Bezirksvorst. Leipzig u. stellv. Vors. des CDU-Parteivorst.; 1989/ 90 Abg. im Kreistag u. Bezirkstag Leipzig; Juni – Okt. 1990 Reg.-Bevollmächtigter für den Bez. Leipzig, Sept. / Okt. 1990 als Landesbevollmächtigter Sachsen zuständig für die Vorbereitung der Gründung des Freistaats. 1990 – 94 MdL Sachsen; Nov. 1990 – Sept. 1991 Minister des Innern u. stellv. Ministerpräs. des Freistaats Sachsen.Helmut Müller-Enbergs

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Kraushaar, Luise

* 13.2.1905 – ✝ 10.1.1989

Geb. in Berlin; Vater Malermstr.; Lyzeum in Berlin; kfm. Ausbildung u. Arbeit als Angest.; 1919 FSJ; 1920 KJVD; 1923 ZdA; 1924 KPD; 1929 Reichsjugendschule der KPD; ab 1931 Mitarb. des zentr. BB-Ressort im zentr. AM-Apparat (KPD-Nachrichtendienst) in Berlin; ab 1933 illeg. pol. Arbeit für den zentr. M-Apparat in Berlin; März 1934 Emigr. in die ČSR (Prag), anschl. in die UdSSR; 1934/35 Arbeit in der Chiffrierabt. der Abt. Internat. Verbindungen der KI (OMS-Apparat) in Moskau; Dez.1935 im KI-Auftrag nach Paris; dort 1935 – 37 mit der Chiffrier-Arbeit im Pariser KI-Apparat betraut (zus. mit Paula Nuding); ab Mai 1938 Sekr. in der Nachrichtenagentur »Dt. Informationen« (Nouvelles d’Allemagne) in Paris (unter Bruno Frei); ab April 1939 in Paris im Emigranten-Komitee Sekr. von Hans Renner; Mai 1940 in Paris verhaftet u. kurzz. interniert; Juni 1940 Flucht nach Toulouse; Mitarb. der dortigen KPD-LL; Mitgl. der Résistance; bis Dez. 1940 Sekr. bei  Otto Niebergall; ab Nov. 1943 in Marseille Mitgl. der Parteiltg. der KPD Süd-Frankreich; Mitarb. der Ztg. »Unser Vaterland«; 1944/45 pol. Betreuung dt. Kriegsgef. in Frankreich. 1945 Rückkehr nach Dtl. (SBZ), Dez. 1945 nach Hamburg, Mai 1947 Übersiedl. in SBZ (Berlin); anschl. bis 1952 Instrukteurin in der personalpol. Abt. des ZS der SED bzw. der Kaderabt. des ZK d. SED (zuständig für die KPD im Westen), danach Referentin im Min. für Kultur; später Abt.-Ltr. in der HV Verlage im Min. für Kultur (Zensurbehörde), leitete bis 1958 das Lektorat Belletristik; ab 1958 wiss. Mitarb. des IML, zul. in der Abt. Geschichte I; wichtige Chronistin u. Forscherin der kommunist. Widerstandsbew.; 1969 VVO; 1980 Ehrenspange zum VVO; Dez. 1985 Ruhestand; gest. in Berlin.Zur Tätigkeit u. Wirkung des »Dt. Volkssender« (1941 – 1945). In: BzG (1964) 2; Während des Zweiten Weltkrieges in Paris, Nimes u. Marseille. In: Voßke, H. (Hrsg.): Im Kampf bewährt. Erinnerungen. Berlin 1969; Dt. Widerstandskämpfer 1933 – 1945. Biogr. u. Briefe. 2 Bde. Berlin 1970 (Hrsg.); Die Schulze-Boysen-Harnack-Org. im antifa. Kampf. Berlin 1970 (mit K. H. Biernat); Berliner Kommunisten im Kampf gegen den Fasch. 1936 bis 1942: Robert Uhrig u. Genossen. Berlin 1981. Voßke, H. (Hrsg.): Unvergessene Kampfgefährten. Berlin 1970; Schaul, D.: Résistance. Berlin 1973; Pech, K.: An der Seite der Résistance. Zum Kampf der Bew. »Freies Dtl.« für den Westen in Frankreich (1943 – 1945). Berlin 1974; Barck, S., Langermann, M., Lokatis, S.: »Jedes Buch ein Abenteuer«. Zensur-System u. liter. Öffentlichkeit(en) in der DDR bis Anfang der 60er Jahre. Berlin 1997; Grundmann, S.: Der Geheimapparat der KPD im Visier der Gestapo. Berlin 2008.Bernd-Rainer Barth

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Krausz, Georg

* 2.3.1894 – ✝ 18.3.1973

Geb. in Homonna (Österreich-Ungarn/Humené/Slowakei) in einer jüd. Fam.; Vater Prof. an einer Handelsschule, Mutter im KZ Auschwitz ermordet; Volks- u. Handels-HS, Gymnasium in Miskolc (Ungarn); 1912 – 18 Studium der Chemie an der TU Budapest, Kunstgeschichte, Romanistik u. Germanistik an der Univ. in Budapest u. 1914 in Frankreich; 1918 Studienassessor an einer Oberrealschule in der Slowakei; Herbst 1918 Gründungsmitgl. der KP Ungarn; 1918/19 Teiln. an der ungar. Räterev.; Mitgl. des rev. Direktoriums in Nord-Ungarn; 1919 Emigr. nach Wien, 1920 in die Slowakei; KP der Slowakei; 1920 Bez.-Sekr. des slowak. KJV in der Karpatho-Ukraine; 1921 Red., zeitw. Chefred. der »Volksstimme« in Preßburg (Bratislava); 1921/22 Zentral-Sekr. des KJV der ČSR in Prag; zeitw. verhaftet, Abschiebung nach Österreich; April 1922 Übersiedl. nach Dtl.; KPD; 1922 – 28 außenpol. Red. der »Roten Fahne« in Berlin; 1928 Mitarb. des ZK der KPD; 1928/29 Anhänger der »Versöhnler«; 1928/29 Chefred. der »Soz. Arbeiterztg.« in Leipzig; ab 1929 Red. an der »Inprekorr« u. weiteren Ztg. in Berlin, u. a. der Ztschr. der sowj. Handelsvertretung »Sowjetwirtschaft u. Außenhandel« (Ps. Herbert Georg, Georg Deutsch); 1932 – 36 Werbeltr. beim sowj. Reisebüro »Intourist« in Berlin; ab 1933 illeg. Arbeit im Berliner UB Kreuzberg u. UB Nord (»Georg«, »Herbert Mallow«; 13.8.1936 Verhaftung, Verurteilung durch das Kammergericht Berlin wegen »Hochverrats« zu vier Jahren Zuchthaus, Haft in Berlin, im Zuchthaus Brandenb. u. Waldheim, 1941 – 45 KZ Buchenwald, dort Mitgl. der illeg. KP-Org. Apr. 1945 Red. der »Buchenwalder Nachrichten«; Mai 1945 vom sowj. NKWD bei Potsdam aufgrund einer Namensverwechslung verhaftet u. bis 1948 interniert, u. a. in Potsdam u. Torgau; Mai 1948 Entlassung; auf Beschluß des ZS des SED-PV Erholung im Parteiheim in Börnicke; anschl. Hauptred. bzw. Hauptref. in der Abt. Presse, Rundfunk, Werbung des ZS des SED-PV; Apr. 1950 stellv. Ltr. der Abt. Presse des ZK der SED; Korresp. der ungar. KP-Ztg. »Szabad Nép«; Aug. 1950 stellv. Ltr. der ZK-Abt. Agitation u. ab Okt. 1950 Red. des »Neuen Dtl.«; dort 1951 – 56 Ltr. der Abt. Prop. u. Mitgl. des Red.-Kolleg., außenpol. Korresp., berichtete u. a. über die stalinist. Schauprozesse in Osteuropa; 1954/55 stellv. Chefred.; 1956 – 68 Red. für bes. Aufgaben; 1957 – 67 Vors. des VdJ (Nachf. von  Deba Wieland); 1958 Studienreise durch Südostasien; 1967 – 73 Mitgl. des Präs. des Zentralvorst. des VDJ; zeitw. Vizepräs. der Internat. Journalistenorg. IOJ; 1959 Dr. h. c. an der KMU Leipzig; 1959 Banner der Arbeit; ab 1961 Mitgl. des Präs. der Liga für Völkerfreundschaft; ab 1968 freier Mitarb. mit Vertrag beim »Neuen Dtl.«; 1964 KMO; 1969 VVO; gest. in Berlin.Feindl. Agenten in der Arbeiterbew. Lehren aus dem Rajk-Prozeß. In: Einheit (1950) 1; Kreuz u. quer durch China. Berlin 1957; Von Indien bis Laos. Berlin 1960; Gedanken u. Erfahrungen eines rev. Journalisten. Berlin 1974. Volker, H.: Sibirien liegt in Deutschland. Berlin (West) 1958; Carlebach, E.: Tote auf Urlaub. Bonn 1995; Voigt, J. H.: Die Indienpolitik der DDR. Köln 2008.Bernd-Rainer Barth / Andreas Herbst

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Krebaum, Walter

* 27.4.1921

Geb. in Rußdorf; Vater Arbeiter; Volksschule; Lehre u. Arbeit als Kettenstuhl- u. Textilarb.; Wehrmacht; Ofw. in der Verw. der SS-Div. »Hermann Göring«. 1945 KPD, 1946 SED; Arbeitsgebietsltr. des SED-Landesvorst. Sachsen; später Mitarb. der Abt. Landw. in der SED-Landesltg. Sachsen; Studium an der LPS Sachsen in Ottendorf; ab 1949 zunächst stellv. Ltr., dann bis 1952 Ltr. der Abt. Landw. des ZK der SED (Nachf. von  Rudolf Reutter); 1950 – 54 Kand. des ZK der SED; ab Okt. 1950 Mitgl. der Volkskammer; Juli 1952 wegen »pol. Fehler u. unmoral. Verhaltens« Entfernung aus dem ZK u. Ausschl. aus der SED.Andreas Herbst

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Kreikemeyer, Willi

* 11.1.1894 – ✝ 31.8.1950

Geb. in Magdeburg; Vater Schlosser, Mutter Landarb.; Volksschule; 1908 Ausbildung zum Eisendreher; 1910 – 12 SAJ; 1913 SPD; 1913 – 18 Militärdienst (Marine); 1918 USPD; 1919 Spartakusbund; 1920 KPD; 1918 – 23 DMV; 1918 – 22 Dreher im RAW Magdeburg-Buckau; ab 1922 Mitgl. der KPD-BL Magdeburg; 1923 Sekr. im Eisenbahnerverb.; seit 1924 hauptamtl. KPD-Funktionär, u. a. in Nordbayern (dort sechs Mon. Haft), Mecklenb., Hannover u. Danzig; 1928 – 33 Geschäftsf. des Neuen Dt. Verlags unter Willi Münzenberg; Febr. 1933 in dessen Auftrag mit Zustimmung der KPD-BL Berlin in die Schweiz; dort verhaftet u. ausgewiesen; 1934/35 Saargeb.; Febr. 1935 nach Paris; 1936 illeg. in Dtl.; Anfang 1936 nach Spanien (»Viktor«); 1937 Kapitän u. Politkommissar der XI. Brigade des Edgar-André-Bat., schwer verwundet; dann nach Albacete; dort 1937 Kaderchef der dt. Abt., später Chefadjutant der Kaderabt. aller Internat. Brigaden; 1938 im ZK-Auftrag Grenzarbeit in Luxemburg, Herstellung u. Einschleusung antifa. Publ. nach Dtl.; Sept. 1939 – Juni 1940 in Le Vernet (Frankreich) interniert, dann Fluchthelfer für KPD-Kader; ab Okt. 1941 im KPD-Auftrag Kontaktmann zum Ltr. des Unitarian Service Committee (USC) Noel H. Field; 1944 – Febr. 1946 Ltr. der Vereinigung dt. Immigranten (UDIA) in Paris. 1946 Rückkehr nach Dtl.; OdF; ab März 1946 persönl. Referent des stv. GD der DR in der SBZ; Oberreichsbahnrat; kommissar. Vizepräs., März 1947 kommissar. Präs. u. Sept. 1947 Präs. der Reichsbahndirektion Berlin; Jan. 1949 GD der DR für die SBZ/DDR (Nachf. von  Willi Besener); im Zusammenhang mit der Noel-H.-Field-Affäre am 24.8. 1950 SED-Ausschl. auf Beschluß des ZK, 25.8. von der ZPKK der SED vorgeladen u. vom MfS verhaftet; von  Erich Mielke persönl. verhört; 31.8.1950 angebl. Suizid in der U-Haftanstalt des MfS in Berlin-Mitte (lt. Totenschein vom 9.7.1957), kein Eintrag im Sterberegister, keine Grabstelle; nach Zeugenaussagen ( Leo Bauer) 1951 noch am Leben; 29.3.1951 Aberkennung des OdF-Status; Juli 1957 interne Rehabil. durch die ZPKK, die sich jedoch nur auf die Vorwürfe hinsichtl. seiner Kontakte zu Noel H. Field bezog; 1950 – 57 versuchte die ab 1955 wieder in Frankreich lebende Ehefrau Marthe K. vergeblich, W. K.s Schicksal aufzuklären.»Wie starb W. K.?« In: Die Welt 10.8.1957; Kießling, W.: W. K. der verschwundene Reichsbahnchef. Berlin 1997; ders.: »Leistner ist Mielke«. Schatten einer gefälschten Biogr. Berlin 1998; Otto, W.: Das Verschwinden des W. K. In: Utopie Kreativ (1999) 100; Barth, B.-R., Schweizer, W. (Hrsg.): Der Fall Noel Field. 2 Bde. Berlin 2005 u. 2007.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Kress, Wilhelm

* 18.8.1897 – ✝ 31.12.1946

Geboren am 18. August 1897 in Stuttgart-Zuffenhausen; von Beruf technischer Kaufmann. 1917 als Soldat zum Kriegsdienst eingezogen, wurde politisiert und trat der Spartakusgruppe bei. Seit 1919 lebte er in Berlin, wurde Mitglied der KPD und arbeitete in der Gewerkschaftsabteilung der KPD und im Apparat der Komintern. Wahrscheinlich 1927 im Komintern-Auftrag in China, geriet Kress später in politischen Gegensatz zur Parteilinie und soll Mitglied der KPO geworden sein. Viele KPO-Mitglieder vermuteten, daß er dort für den KPD- und Komintern-Apparat tätig war. 1933 nach Frankreich emigriert, ist Kress 1935 wieder zur illegalen Arbeit nach Berlin zurückgekehrt, wo er sich für den Anschluß der KPO an die KPD einsetzte und deswegen aus der KPO ausgeschlossen wurde. Nach Frankreich zurückgekehrt, wurde er dort bei Kriegsausbruch interniert und im November 1939 zusammen mit seiner Frau Helene, geborene Jaweschitz (* 8. 10. 1902), ausgebürgert. 1943 flüchtete er in die Schweiz. Im September 1945 kehrte Kress nach Deutschland zurück, wurde Mitglied der KPD, trat aber schon 1946 wieder aus. Ab Mitte 1946 war er öffentlicher Kläger bei der Spruchkammer Stuttgart. Wilhelm Kress starb am 31. Dezember 1946 an Herzversagen.

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Kreter, Horst

* 10.12.1927 – ✝ 8.8.2004

Geb. in Essen; Vater kfm. Angest.; Volks- u. Mittelschule, mittlere Reife; 1943 – 45 Wehrmacht; 1945 – 49 sowj. Kriegsgefangenschaft, Mitgl. von Antifa-Komitees, Lehrer an einer Antifa-Schule. 1949 Rückkehr nach Dtl.; NDPD; Abt.-Ltr. bzw. HA-Ltr. im PV der NDPD; 1951 – 54 Studium bzw. Fernstudium an der DASR Potsdam, Dipl.-Staatswiss.; 1952 – 90 Mitgl. des Hauptaussch. der NDPD; 1952 Pol. Geschäftsf. des NDPD-Bez.-Vorst. Neubrandenb.; 1952/53 dort Abg. des Bez.-Tags; 1953 Vors. des NDPD-Bez.-Vorst. Halle (Nachf. von  Friedrich Pfaffenbach) u. Abg. des Bez.-Tags; 1954 – März 1990 Abg. der Volkskammer; 1953 – 63 Mitgl. des Büros des ZR der FDJ; 1955 – 89 Mitgl. des PV bzw. des Präs. u. des Sekr. des Hauptaussch. der NDPD; ab 1961 Mitgl. des Präs. der Dt. – Afrik. Ges. u. des Präs. der Freundschaftsges. DDR – Arab. Länder; 1963 – 82 Chefred. der »National-Ztg.« (Zentralorgan der NDPD) (Nachf. von  Gustav Siemon); ab 1972 Mitgl. des Präs. des ZV des VDJ; ab 1982 Vizepräs. des Friedensrats u. Mitgl. des Weltfriedensrats; 1982 – Nov. 1989 Sekr. des Hauptaussch. der NDPD; VVO; Febr./März 1990 Abt.-Ltr. im Presse- u. Informationsamt der Reg.; danach Vorruhestand; gest. in Bernau (b. Berlin).Bernd-Rainer Barth

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Krack, Erhard

* 9.1.1931 – ✝ 11.12.2000

Geb. in Danzig (Gdańsk, Polen); Vater Heizungsmonteur, Mutter Verkäuferin; Grund- u. Hauptschule; Aug. 1945 Umsiedl. mit den Eltern nach Stralsund; 1945/46 Lehre als Installateur, anschl. Beendigung der Mittelschule; 1946 FDJ; 1951 Abitur; 1951 FDGB u. SED; 1951/52 Mitarb. der Stadtverw. Stralsund, persönl. Ref. des OB; 1952 – 56 Studium der Wirtschaftswiss. an der Univ. Rostock, Dipl.-Wirtsch.; 1956/57 Betriebsassistent auf der Warnowwerft Warnemünde; 1957 – 59 Ltr. der Abt. Betriebsorg.; 1959 – 61 Sekr. für Wirtschaft der SED-BPO auf der Warnowwerft Warnemünde; 1961 – 63 Haupttechnologe auf der Warnowwerft; 1963 – 65 Stellv. des Vors. des Rats des Bez. Rostock, Vors. des Wirtschaftsrats beim Rat des Bez. Rostock (Nachf. von  Kurt Westphal); Abg. des Bez.-Tags; 1964/65 Mitgl. der SED-BL; 1965 – 74 Min. für Bezirksgeleitete Industrie u. Lebensmittelindustrie; 1965 – 89 Mitgl. des Min.-Rats; 1969 – 90 Mitgl. des NR der NF; ab 12.2.1974 OB von Berlin (Nachf. von  Herbert Fechner); Mitgl. des Sekr. der SED-BL Berlin; 1976 – 90 Stadtverordn. u. Abg. der Volkskammer; 1976 Kand. u. 1981 – 89 Mitgl. des ZK der SED; 1979/80 Studium an der AfG beim ZK der KPdSU in Moskau; 1969 u. 1978 VVO; 1975 Kampforden für Verdienste um Volk u. Vaterland; 1981 Stern der Völkerfreundschaft; 5.12.89 erstes offiz. Gespräch über kommunale Zusammenarbeit mit dem Regierenden Bürgermstr. von Berlin (West), Walter Momper; 23.2.1990 Rücktritt als OB nach dem Vorwurf der Wahlfälschung bei den Kommunalwahlen im Mai 1989; 8.9.1993 Verurteilung zu zehn Mon. Freiheitsentzug auf Bewährung wegen Wahlfälschung; gest. in Berlin.Hülsbergen, H.: E. K. In: Stadtoberhäupter. Biogr. Berliner OB im 19. u. 20. Jh. Berlin 1992.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Krämer, Walter

* 21.6.1892 – ✝ 12.4.1941

Geboren am 21. Juni 1892 in Siegen/Westfalen, Sohn eines Lokführers; lernte Schlosser. Als Kriegsfreiwilliger meldete er sich 1914 zur Marine, wurde bereits 1915 wegen Rebellion zu Festungshaft verurteilt und war 1917 Teilnehmer am Aufstand der deutschen Flotte. Das Kriegsgericht verurteilte ihn zu vier Jahren Festung. Nach Ausbruch der Revolution kehrte Krämer im November 1918 nach Siegen zurück und wurde Mitglied des Arbeiter- und Soldatenrates. Er schloß sich der USPD an. Im März 1920, während des Kapp-Putsches, Abschnittskommandeur der Roten Ruhrarmee. Ende 1920 Mitglied der KPD, dann ab 1923 Orgleiter der KPD in Siegen. Am 28. Januar 1925 wurde Krämer im »Siegerländer Kommunistenprozeß« zu drei Jahren und sechs Monaten Gefängnis verurteilt, kam 1928 durch eine Amnestie frei. Er übernahm die Leitung des UB Siegen, dann Krefeld, schließlich Wuppertal, gehörte der BL Niederrhein an und war auch zeitweise Sekretär der BL Hessen-Kassel. Er war Stadtverordneter und Stadtrat in Siegen und wurde im April 1932 im Wahlkreis Düsseldorf-West in den Preußischen Landtag gewählt. Unmittelbar nach dem Reichstagsbrand wurde er in »Schutzhaft« genommen und am 19. Dezember 1934 durch den 2. Senat des VGH zu drei Jahren Haft verurteilt. Im KZ Lichtenburg, anschließend im KZ Buchenwald eingesperrt, baute er das Krankenrevier mit auf. Dank medizinischer Vorbildung, die er sich während seiner Gefangenschaft angeeignet hatte, konnte er zahlreichen Häftlingen helfen, galt für sie als der »Arzt von Buchenwald«. 1939 erster Kapo des Häftlingskrankenbaus, 1941 von der SS abgelöst und im Außenkommando Goslar am 12.April 1941 ermordet. Seine posthume Würdigung erfolgte im Jahre 2000 durch den Staat Israel. Dort wurde Walter Krämer mit der Medaille und der Urkunde der Gedenkstätte Yad Vashem zum »Gerechten unter den Völkern« ernannt.

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Kraszon, Paul

* 3.3.1918

Geb. in Ruda (Krs. Ratibor, Oberschles./Ruda, Polen); Vater Bergmann; Volks- u. Berufsschule; Bergmann u. Steiger in Oberschles.; Wehrmacht, Feuerwerke. 1946 Mitgl. der SED; Werkltr. des VEB Braunkohlenwerk Phännerhall in Bransbedra (Krs. Merseburg); 1952/53 Sekr. für Wirtschaft der SED-Bez.-Ltg. Chemnitz; 1953/54 Ltr. der Abt. Grundstoffindustrie im ZK der SED (Nachf. von  Eberhard Arlt); Werkltr. im VEB Steinkohlenwerk »Martin Hoop« in Zwickau; Mitgl. der SED-Stadtltg. Zwickau.Helmut Müller-Enbergs

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Kraus, Alfred

* 28.3.1910 – ✝ 22.4.2001

Geb. in Neurohlau (Krs. Elbogen, Nordböhmen/Nova Role, Tschechien); Vater Maurer; Volks- u. Bürgerschule; 1924/25 Ausbildung zum Schlosser, abgebrochen; 1925 – 38 Ausbildung u. Arbeit als Bauzeichner; 1931/32 Mitgl. des ZK des KJVČ; 1932 – 34 Wehrdienst in der tschech. Armee; 1935 KPČ; 1935 – 38 Org.-Ltr. der KPČ-KL Neudeck; 1936 – 38 Mitgl. der KPČ-Gebietsltg. Westböhmen; 1938 Einberufung zum Militärdienst, Flucht vor der Besetzung des Sudetenlandes; März 1939 Verhaftung in Prag, »Schutzhaft« im Gefängnis sowie in den KZ Dachau u. Flossenbürg; 1940 Entlassung, Arbeit als Bauzeichner; 1940 – 45 Wehrmacht; 1945 engl. Gefangenschaft. Nov. 1945 Flucht aus der Gefangenschaft, Rückkehr in die ČSR; Dez. 1945 mit einem Antifa-Transport nach Mecklenb.; 1946 KPD/ SED; 1946 Einstellung bei der VP; Wachhabender in der Stadtverw. Grabow; 1947 Landposten in Zierzow; 1948 Revierltr. in Neustadt-Glewe; dann Personalltr., später Pol.-Kulturltr. des Krs.-Polizeiamts Ludwigslust; 1949 Pol.-Kulturltr. im Polizeipräs. Schwerin; 1951 Einstellung beim MfS; Mitarb., dann stellv. Ltr. der Abt. VI (Staatsapparat, Parteien) der LV Mecklenb.; 1952 2., dann 1. Sekr. der SED-KL u. stellv. Pol.-Kulturltr. der LV; Aug. 1952 1. Sekr. der SED-KL der BV Rostock; 1954 stellv. Allgemein des Ltr., dann Ltr. der BV u. Mitgl. der SED-BL Rostock; 1970 Gen.-Major; 1975 VVO; 1975 Rentner; gest. in Berlin.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Krause, Fritz

* 13.4.1925 – ✝ 9.8.2012

Geb. in Tzschetzschnow (seit 1937: Güldendorf) (b. Frankfurt (Oder); Lehre u. Arbeit als kaufm. Angest. in der Tapetengroßhandlung »Albert Link« in Frankfurt (Oder); Wehrmacht; brit. Kriegsgef. 1947 SED; 1949 Bezirksvorsteher von Güldendorf; hauptamtl. FDJ-Funktionär, u. a. 1. Sekr. der FDJ-KL Frankfurt (Oder), 1957 –59 2. Sekr. der FDJ-BL Frankfurt (Oder); Stud. an der PHS beim ZK der KPdSU in Moskau; polit. Mitarb. der SED-BL; 1962 – 65 Mitarb. beim Rat des Bez. Frankfurt (Oder); 1965 Dipl.-Gesellschaftswiss.; 1965 – Febr. 1990 OB von Frankfurt (Oder) (Nachf. von  Lucie Hein); Abg. des Bezirkstags Frankfurt (Oder). 2007 Präsentation des Dokumentarfilms über F. K. »Der volkseigene Bürgermeister« von Barbara Keifenheim an der Europa-Univ. Viadrina; gest. in Frankfurt (Oder).Kotterba; J., Kriszun, H.: »Hör mal zu, Fritze!«. Schkeuditz 1998; Targiel, R.-R.: Die Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt (Oder) vom Beginn des 18. Jahrhunderts bis zur Wiedererlangung der kommunalen Selbstverwaltung im Jahr 1990. Frankfurt (Oder) 2000.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Krause, Wolfram

* 6.5.1933

Geb. in Berlin; Vater Maschinenschlosser; Abitur; Studium der Wirtschaftswiss. 1951 – 53 an der HfÖ Berlin u. 1953 – 58 an der Moskauer Staatl. Lomonossow-Univ., Dipl.-Wirtsch.; 1951 SED; 1958/59 Finanzplaner im VEB Elektroapparate-Werke Berlin-Treptow; 1959 – 62 polit. Mitarb. im ZK der SED; 1962/ 63 polit. Mitarb. im Büro des Ministerrats; 1963 Mitarb. u. 1968 – 74 Stellv. des Vors. der SPK; 1974 – 79 1. Sekr. der SED-KL der SPK, 1974 – 89 Mitarb. der SED-BL Berlin; 1989/90 Staatssekr. in der Reg.  Modrow. 1990 – 92 Mitgl. des Direktoriums der Treuhandanstalt.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Kraushaar, Silke

* 10.10.1970

Geb. Sonneberg (Thür.); 1984 KJS Oberhof; ASK Vorwärts Oberhof, 1988 DDR-Mstr. (2. Pl.); 1989 Junioren-EM (5. Pl.); 1990 WSV Oberhof 05, später BSR Rennsteig Oberhof (Trainer Norbert Hahn,  Bernhard Glass); seit 1991 Sportfördergruppe der Bundeswehr in Oberhof (z. Zt. Hauptfeldwebel); dreimal Olymp. Spiele: 1998 (Gold), 2002 (Bronze), 2006 (Silber); 2004 WM, zweimal WM-Zweite (2001, 2003), 2007/08 WM-Dritte; 1998, 2004 u. 2008 EM, dreimal EM-Zweite (2000, 2002, 2003); fünfmal Siegerin Gesamt-Weltcup (1999, 2001, 2002, 2006, 2007), sechsmal Zweite Gesamtweltcup (1998, 2003 – 05, 2007, 2008); Rücktritt 2008; 28 Weltcupsiege; sechsmal Dt. Mstr. (1998, 2000 – 02, 2004/05); Fachwirtin für Sport u. Fitness; Ausbildung zur Erzieherin; 1998 Silbernes Lorbeerblatt; lebt in Sonneberg.Volker Kluge

Handbuch Deutsche Kommunisten

Krausz, Georg

* 2.3.1894 – ✝ 18.3.1973

Geboren am 2. März 1894 in Humene/Slowakei, entstammte einer bürgerlichen Familie, der Vater war Professor an der Handelshochschule. Nach dem Besuch des Gymnasiums studierte er von 1912 bis 1918 u. a. Germanistik und Psychologie an Universitäten in Budapest und in Frankreich. 1918 Studienassessor an einer Oberrealschule. Krausz schloß sich linkssozialistischen Studentengruppen an, war 1919 aktiv an den Kämpfen für die Ungarische Räterepublik beteiligt und Mitglied des »revolutionären Direktoriums« in Nord-Ungarn. Nach deren Niederschlagung floh er zunächst nach Wien, dann in die Slowakei, wurde Bezirkssekretär des KJV in der Karpato-Ukraine und 1921 Chefredakteur der kommunistischen »Volksstimme« in Bratislava. Krausz gehörte dem ersten ZK der Tschechoslowakischen KP als Vertreter der Jugend an, war 1921/22 Sekretär des ZK des KJV der Tschechoslowakei. 1921 in der âSR inhaftiert und nach Österreich ausgewiesen, übersiedelte er im April 1922 nach Deutschland, hier 1922/23 außenpolitischer Redakteur der »Roten Fahne« (unter dem Pseudonym Georg Mahlow). 1924 Chefredakteur des »Rhein-Ruhr-Pressedienstes« der KPD und von 1925 an wieder Redakteur der »Roten Fahne«. 1928 einer der aktiven und führenden Versöhnler, blieb Krausz trotz einer offiziellen »Reue-Erklärung« fest mit der Versöhnler-Fraktion verbunden. Ende 1928 aus der Redaktion der »Roten Fahne« entfernt, zunächst der Informationsabteilung des ZK der KPD zugeteilt, dann zur Redaktion der »Sozialistischen Arbeiterzeitung« nach Leipzig versetzt. Krausz persönliche Verbindungen zu Anhängern der Versöhnlergruppe in Leipzig veranlaßten die Leipziger BL nach dem XII. Weddinger Parteitag 1929, ihn als Redakteur abzusetzen und ihm wegen »fraktioneller Betätigung« ein Jahr Funktionsverbot zu erteilen. Nach Berlin zurückgekehrt, bestritt er seinen Lebensunterhalt mit Beiträgen für die »Inprekorr«, deren ständiger Mitarbeiter er bereits seit 1925 war. 1930 Angestellter im sowjetischen Reisebüro »Intourist«, offiziell war er dort von 1930 bis 1936 Leiter der Werbeabteilung. Ab 1933 illegale Arbeit in Deutschland, zeitweise lehnte er eine Zusammenarbeit der Versöhnler-Gruppe mit Walter Ulbricht ab. Am 13.August 1936 verhaftet und durch das Kammergericht Berlin zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt, die er in Waldheim verbüßte. 1941 in das KZ Buchenwald eingeliefert, das Krausz überlebte, weil er seine jüdische Herkunft verschleiern konnte. Nach der Befreiung des Lagers im April 1945 als Redakteur der politischen Lager-Tageszeitung und in Weimar beim Aufbau der KPD-Ortsgruppe aktiv. Im Juni 1945, noch während der amerikanischen Besetzung Thüringens, fuhr Krausz in die sowjetisch besetzte Zone, um den Heimtransport politischer Häftlinge zu besprechen. Unterwegs wurde er in Potsdam angeblich wegen ungenügender Ausweispapiere und einer Namensverwechslung von Organen der sowjetischen Besatzungsmacht festgenommen und als »amerikanischer Spion« in das nun zum Speziallager des NKWD umgewandelten ehemaligen KZ Sachsenhausen und dann Buchenwald eingesperrt. Erst nach weltweiten Protesten der Versöhnler sowie einer Intervention Wilhelm Piecks öffneten sich im Mai 1948 für Krausz die Lagertore. Er wurde Mitglied der SED, ab Juni 1948 Hauptreferent für außenpolitische Fragen im PV, 1950 stellvertretender Abteilungsleiter. Im Herbst 1950 Redakteur beim »Neuen Deutschland«, berichtete als Auslandskorrespondent u. a. aus Warschau und Prag. Inzwischen aber wegen seiner Vergangenheit wieder Überprüfungen seitens der ZPKK ausgesetzt, lieferte Krausz (um Repressalien zu entgehen?) linientreue Artikel, z. B. von den Schauprozessen in den Ostblockstaaten, u. a. im November 1952 über den Slánsk ´y-Prozeß, sowie am 6. Dezember 1952 über die »Zionistische Agentur des USA-lmperialismus«. Am 27. Dezember 1951 hatte die ZPKK beschlossen: »Genosse Krausz erhält das Mitgliedsbuch. Begründung: Die durchgeführte Untersuchung ergab, daß Georg Krausz vor 1933 und in der Illegalität bis zu seiner Verhaftung der Fraktion der Versöhnler angehörte, daß er in der Illegalität nicht zur engeren Berliner Reichsleitung der Versöhnler gehörte. Genosse Georg Krausz war von 1936 bis 1945 im Zuchthaus und KZ und anschließend von unseren Freunden bis 1948 festgesetzt. Aus der Zeit nach 1948 kennen wir keine Tatsachen, wonach er sich erneut fraktionell bestätigte.« 1954/55 stellvertretender Chefredakteur des »Neuen Deutschland«, von 1956 bis 1968 »Redakteur für besondere Aufgaben«, ab 1968 freier Mitarbeiter des SED-Zentralorgans. Von 1957 bis 1967 war Krausz Vorsitzender des Verbandes der deutschen Presse, des späteren VdJ. 1959 verlieh ihm die Universität Leipzig den Dr. h. c. Im gleichen Jahr reiste er acht Monate lang durch Südostasien, berichtete darüber in seinem Buch »Von Indien bis Laos«, das 1960 in Ost-Berlin erschien und lobte in einer Schlußbemerkung besonders die chinesischen Kommunisten. Er erhielt 1964 den Karl-Marx-Orden. Georg Krausz starb am 18. März 1973 in Ost-Berlin.Bernd-Rainer Barth / Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Kreft, Harald

* 26.11.1930

Geb. in Rügenwalde (Hinterpomm. / Darłowo, Polen); Vater Seemann; Volks- u. Mittelschule; 1946 – 48 Lehre u. Arbeit als Autoschlosser, Montierer u. E-Schweißer in Arnstadt u. Rudisleben; 1948 SED; 1948 – 50 Instrukteur u. FDJ-Sekr. der FDJ-KL in Arnstadt, 1950 – 55 polit. Mitarb. im FDJ-LV Thüringen; 1955 / 56 Studium an der Sonderschule des ZK der SED für Propagandisten in Erfurt; 1956 / 57 Abt.-Ltr. für Agit. u. Prop. der FDJ-BL Erfurt; 1957 – 61 Mitarb. der SED-Stadtbezirksltg. Erfurt-Nord; 1961 / 62 Kreiszeitungsred. der »Erfurter Wochenzeitung«, ab 1962 Red., Redaktionssekr. sowie stellv. Chefred.; 1968 1. Stellv. des Chefred., 1974 – 81 Chefred. des SED-Bezirksorgans »Das Volk« Erfurt (Nachf. von  Gerhard Fuchs) u. Mitgl. der SED-BL Erfurt; 1977 – 81 Vors. des VDJ-BV Erfurt, 1977 – 82 Mitgl. des ZV des VDJ.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Kreikemeyer, Willi

* 11.1.1894 – ✝ 31.8.1950

Am 11. Januar 1894 in Magdeburg-Fermersleben als Sohn eines Schlossers und einer Landarbeiterin geboren, mit seinen vier Geschwistern lernte er früh die Not kennen. Er lernte Dreher und arbeitete in Magdeburg, Düsseldorf und Kiel. 1910 wurde er Gewerkschaftsmitglied und schloß sich der Sozialistischen Arbeiterjugend und 1913 der SPD an. Im Weltkrieg Obermatrose, erhielt er nicht nur das Eiserne Kreuz, sondern auch den Türkischen Roten Halbmond. Seit Dezember 1918 war Kreikemeyer in Magdeburg bei der Deutschen Reichsbahn. 1918 Mitglied der USPD, kurze Zeit später der KPD. 1922 hauptamtliches Mitglied der BL Magdeburg, ab Mai 1923 Sekretär des Freien Eisenbahnerverbandes (der KPD nahestehend). 1924 gehörte Kreikemeyer zum linken Flügel der Partei und wurde Anfang 1924 als Polleiter nach Nordbayern entsandt, um die illegale KPD zu leiten. Von der Polizei fieberhaft gesucht (Polizeibeschreibung: »1,80 m groß, kräftig, kleine Glatze«), da er als Willi und Niran ausgezeichnete Orgarbeit für die Partei leistete. Bei einer Sitzung im Mai 1924 verhaftet, zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt, aber schon im Juli 1924 aus Bayern ausgewiesen. Er wurde Mitte 1924 Polleiter des Bezirks Mecklenburg. Als Delegierter dieses Bezirks auf dem X. Parteitag 1925 in Berlin nahm er gegen die Ultralinken Stellung. Nach dem »Offenen Brief« 1925 kam Kreikemeyer als Kommissar des ZK nach Niedersachsen, wurde von Mitte 1926 bis 1928 Polleiter in Danzig. 1928 wechselte er zum Münzenberg-Unternehmen und arbeitete bis zur Emigration im Frühjahr 1933 als Geschäftsführer des Neuen Deutschen Verlages. Er ging später in das Saargebiet, nach Frankreich, in die Tschechoslowakei und nach Luxemburg, um, wie er 1949 in seinem Lebenslauf schrieb, illegale Druckmöglichkeiten für die KPD zu beschaffen. In Spanien 1937 Offizier der Republikanischen Armee und der XI. Internationalen Brigade, kam nach schwerer Verwundung bei Madrid nach Frankreich. Im April 1939 heiratete er Marthe Fels (* 19. 3. 1908 – † 25. 9. 1986), eine Elsässerin aus Graffenstaden. Sie arbeitete als Kassiererin bei der »Vereinigung der deutschen Emigranten« in Paris. Willi Kreikemeyer war Angehöriger eines Arbeitsbataillons bei Reims und dann bei Bordeaux, wurde nach der Kapitulation Frankreichs im Sommer 1940 entlassen und konnte sich legal in Toulouse und später in Marseille aufhalten. Im Sommer 1940 nahm er im unbesetzten Toulouse Verbindung zum Flüchtlingskomitee der Quäker auf und erhielt von dort Unterstützung für deutsche antifaschistische Emigranten, lernte Noel H. Field kennen, den Repräsentanten des »Unitarian Service Committee« (USC) in Frankreich. Mit deren Hilfe konnte Hunderten zur Flucht verholfen werden, darunter auch vielen deutschen Kommunisten. Kreikemeyer wurde im Oktober 1941 Mitarbeiter von Noel H. Field in Marseille. Zwischen den Ehepaaren Field und Kreikemeyer entstand ein freundschaftliches Verhältnis, das nach Kriegsende nicht abbrach. Nach der Befreiung von Paris gingen die Kreikemeyers in die französische Hauptstadt, wo er bis Februar 1946 Leiter der »Union Immigrés allemands antinazis« war und die Repatriierung deutscher Emigranten organisierte. Mitte Februar 1946 traf Kreikemeyer in Berlin ein. Er wurde am 21. Februar persönlicher Referent des stellvertretenden Generaldirektors der Deutschen Reichsbahn, dann Vizepräsident der Reichsbahndirektion Berlin, im März 1947 deren Präsident und am 20. Januar 1949 Generaldirektor der Deutschen Reichsbahn. Als die KP Ungarns 1949 Noel H. Field fälschlich der Spionage für die USA bezichtigte, mußte jeder Funktionär, der mit ihm zu tun hatte, der ZPKK Aussagen machen, Berichte schreiben usw. Da Kreikemeyer sich keiner Schuld bewußt war, informierte er wahrheitsgetreu, warf sich nur selbst vor, als alter, erfahrener Kommunist nicht erkannt zu haben, daß Field ein Spion war. Bereits am 30. März 1950 hatte die Sonderkommission der ZPKK im Fall Kreikemeyers »schwere Bedenken gegen den Genossen Kr.« erhoben. Im August 1950 verbrachte die Familie Kreikemeyer ihren Urlaub an der Ostsee, wo am 24.August 1950 (dem Tag, an dem der Beschluß des ZK über Field gefaßt wurde), ein Abgesandter der ZPKK von Berlin bei ihnen eintraf, der Kreikemeyer zu einer Aussprache einzuladen hatte, und sie fuhren am 25. August gemeinsam nach Berlin. An jenem Morgen des 25. August hatte »Neues Deutschland« das Kommunique der ZK-Tagung abgedruckt. Willi Kreikemeyer und der Funktionär der ZPKK wurden am SED-Parteihaus abgesetzt, Marthe Kreikemeyer nach Hause gefahren und seitdem haben sie sich nicht mehr gesehen. Mittags übergab ein Vertreter des MfS eine handgeschriebene Mitteilung von Kreikemeyer, darin bat er seine Frau, eine Haussuchung zu gestatten, alles beruhe auf einem Irrtum, der sicher bald geklärt werde, sie solle Geduld haben und ruhig abwarten. Um diese Zeit war Kreikemeyer – was seine Frau nicht wissen konnte – bereits aus der SED ausgeschlossen und im Gefängnis. Am 9. September schloß der Zentralvorstand der IG Eisenbahn im FDGB sein Mitglied Kreikemeyer aus und verpflichtete alle Instanzen der Industriegewerkschaft, in Belegschaftsversammlungen zu diesem Fall und zur Frage der »Wachsamkeit gegen Agenten« Stellung zu nehmen. Fast hysterisch wurden weitere »Beweisstücke für das agentenfeindliche Verhalten des Willi Kreikemeyer« vorgelegt. Am 25. Oktober 1950 veröffentlichte »Neues Deutschland« einen Bericht der Zentralen Kommission für Staatliche Kontrolle unter der Überschrift »Einige Materialien über Sabotage durch Bürokratismus, dargestellt an dem Fall Kreikemeyer«. Für Marthe Kreikemeyer wurde die Situation immer bedrohlicher. Verhöre beim Ministerium für Staatssicherheit dauerten bis in die Nacht, sie floh nach West-Berlin und ging im Februar 1955 nach Frankreich. In Strasbourg arbeitete sie als Sekretärin in einer Rheinreederei und bemühte sich hartnäckig um Aufklärung über das Schicksal ihres Mannes. Mehrmals schrieb sie an Ministerpräsident Otto Grotewohl, der ihre Post an eine Kommission weitergab. Diese beschloß auf ihrer Sitzung vom 25. April 1956 unter Punkt 7: »den staatlichen Organen zu empfehlen, der Frau Kreikemeyer keine Antwort zukommen zu lassen, da sie selbst Ausländerin ist und im Ausland lebt«. Daraufhin verbreitete Marthe Kreikemeyer am 3. August 1956 über den Sender Freies Berlin, »nach sechs Jahren Wartens bin ich nicht mehr gewillt, irgendwelche Rücksichten zu nehmen, denn das, was sich die DDR gerade auf dem Gebiet der Justiz leistet, kann der Sache des Sozialismus nicht dienen, sondern nur schaden«. Im März 1957 erfuhr Marthe Kreikemeyer, daß ihr Mann inzwischen »rehabilitiert«, aber verstorben sei. Am 9. Juli 1957 erhielt sie dann offiziell Nachricht vom Stadtbezirksgericht Berlin-Prenzlauer Berg. Darin wurde ihr mitgeteilt, daß nach Prüfung der »glaubhaft gemachten Angaben«[!] des »Antrages der Obersten Staatsanwaltschaft der DDR vom 24. 6. 1957 Willi Kreikemeyer am 31. August 1950 in Berlin verstorben«, aber »eine Eintragung in das Sterbebuch seinerzeit verabsäumt worden« sei. Leo Bauer, der am 24.August 1950 zusammen mit Kreikemeyer verhaftet worden war, erklärte dagegen, daß Kreikemeyer ihm noch Monate nach der Verhaftung gegenübergestellt wurde. Der wirkliche Grund und das Datum von Kreikemeyers Tod wurden weiterhin vertuscht. Marthe Kreikemeyer hatte inzwischen auf die »Todeserklärung« reagiert und gegen die »Feststellung« des Todesdatums protestiert. Sie verlangte, daß, falls ihr Mann tatsächlich gestorben sei, ihr ein ärztliches Attest vorgelegt werde mit Angabe der Todesursache und des Ortes, wo er begraben liege. Sie schrieb an Hermann Matern: »Angesichts der ungeheuren Verbrechen, die in den letzten Jahren begangen wurden und die in vielen anderen Ländern des sozialistischen Lagers selbstkritisch zugegeben wurden, wobei sich die S.U. besonders auszeichnete, kann ich wohl erwarten, daß zumindest diese primitivste Menschenpflicht gegenüber meinem Mann und mir erfüllt wird.« Darauf wartete Marthe Kreikemeyer vergeblich. Erst nach 1990 wurde bekannt, daß der Staatssekretär im MfS, Erich Mielke, Kreikemeyer in dessen letzten Tagen und Stunden persönlich verhörte und ihn aufforderte, »schriftlich und rückhaltlos seine Schuld zu bekennen und danach nie wieder eine Aussage zu machen, wer es auch sei, der sie von ihm verlange«. Mielke war Kreikemeyer unter dem Decknamen Fritz Leistner aus Spanien und Richard Hebel aus Frankreich bekannt. Deshalb erinnerte er bei den ZPKK-Verhören daran, daß Mielke selbst ihn damals aufgesuchte hatte, um mit seiner Unterstützung nach Mexiko zu gelangen. 1950 hätte die Offenlegung solcher brisanter Tatsachen für den MfS-Staatssekretär gefährlich werden können. Bis heute ist nicht restlos geklärt, wie, durch wen und wann Willi Kreikemeyer starb. Die »russische Variante« (Überstellung an die sowjetischen Organe) und Ermordung in der UdSSR ist ebenso unwahrscheinlich wie ein Selbstmord, denn für diese beiden Versionen gibt es keine Unterlagen, sie wären sonst für den »internen Gebrauch«, zur Rechenschaft gegenüber dem Politbüro, dokumentiert worden. Kein Arzt durfte den Leichnam untersuchen, er wurde heimlich beseitigt, verbrannt oder an einem unbekannten Ort verscharrt. Willi Kreikemeyer wurde ermordet, ein Opfer seiner eigenen Genossen. Wie die stalinistischen Säuberungen generell, ist sein Fall ein Beispiel für die barbarischen Methoden, mit denen auch innerhalb stalinistischer Parteien Menschen verfolgt und »vernichtet« wurden. Eine Arbeit über Willi Kreikemeyer von Wolfgang Kießling erschien 1998 unter dem Titel »Leistner ist Mielke – Schatten einer gefälschten Biographie«.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Kress, Willi

* 9.11.1903 – ✝ 21.1.1926

Geboren am 9. November 1903 in Hanau; kaufmännische Ausbildung. Pfingsten 1918 schloß sich der 15jährige der FSJ an. 1919 gehörte er bereits zur Leitung der FSJ-Ortsgruppe Hanau und war 1920 Vorsitzender der KJD in Karlsruhe. Ab Juli 1920 im Rheinland, wirkte er zunächst als Orgleiter, dann als Polleiter der KJD Rheinland/Westfalen-Süd. Auf dem 7. Reichsjugendkongreß 1923 in Chemnitz wurde Kress in das ZK der KJD gewählt und war von September 1922 bis Februar 1923 Sekretär des KPD-Oberbezirk West in Düsseldorf. Kress gehörte im ZK des KJVD zur Mittelgruppe. 1924 Sekretär in Württemberg, später war er im Sekretariat des KJVD in Berlin unter Hermann Jacobs bzw. Konrad Blenkle für »Gegnerarbeit« zuständig. Am 8. Oktober 1924 verhaftet und wegen »Vorbereitung zum Hochverrat« vom 4. Senat des Reichsgerichts zu acht Monaten Zuchthaus verurteilt, die er in Cottbus verbüßte. Kress protestierte gegen seine Verurteilung mit einem Hungerstreik und wurde am 26. Juni 1925 entlassen. Nur drei Wochen später gehörte er zur deutschen Delegation, die zum IV. Weltkongreß der KJI im Juli 1925 nach Moskau reiste. Zurückgekehrt erkrankte Kress schwer und konnte deshalb das Ressort »Gegnerarbeit«, das er nach dem 9.Reichskongreß des KJVD in Halle im Oktober 1925 im Sekretariat wieder übernommen hatte, nicht mehr ausüben. Willi Kress starb am 21. Januar 1926. Die »Rote Fahne« würdigte ihn am 24.Januar 1926 mit einem Nachruf.

Wer war wer in DDR

Kretschmann, Kurt

* 2.3.1914 – ✝ 20.1.2007

Geb. in Berlin; Vater Arbeiter; Volksschule; 1928 – 31 Zuschneiderlehre; anschl. bis 1933 im Beruf tätig; Vegetarier u. Pazifist; 1933 – 40 Gelegenheitsarbeiten, Wanderungen durch Dtl., die Schweiz u. Oberitalien; ab 1937 unter Aufsicht der Gestapo; 1940 Verweigerung der Arbeit in einer Munitionsfabrik, Arbeitsverpflichtung auf einem Flugplatz; 1941 – 45 Kriegsteiln. an der Ostfront; Jan. 1945 während eines Heimaturlaubs desertiert; Mai bis Aug. 1945 sowj. Gefangenschaft in Landsberg (Warthe), Mitarbeit an einer antifa. Lagerztg. 1945 KPD; bis März 1946 hauptamtl. Sekr. der KPD-KL Oberbarnim; ab 1946 SED; ehrenamtl. Naturschutzarbeit u. publizist. Tätigkeit; 1949 Krs.-Beauftr. für Naturschutz in Bad Freienwalde; 1951 Naturschutzbeauftr. der Landesreg. Brandenb. (Wanderausstellung; erster Naturlehrpfad in der DDR; Initiative zur Kennzeichnung von Naturdenkmälern u. -schutzgeb. mit dem Symbol der Waldohreule, welches 1954 als gesetzl. Norm eingeführt wurde); 1952 – 54 Ref. für Landeskultur u. Naturschutz in der DAL-Direktion, beteiligt an der Ausarbeitung des ersten Naturschutzgesetzes der DDR sowie an der Konzeption für einen Naturpark Sächs. Schweiz, die jedoch nicht realisiert wird; 1954 – 60 gem. mit Ehefrau Erna K. Aufbau u. Ltg. der Zentr. Lehrstätte für Naturschutz Müritzhof (Krs. Waren) als erste derartige Einrichtung in Dtl.; ab 1960 Aufbau des priv. Projekts »Haus der Naturpflege« in Bad Freienwalde, das ab 1982 als staatl. Einrichtung weitergeführt wird; 1974 Johannes-R.-Becher-Medaille; 1979 Gründung u. anschl. Ltg. eines Arbeitskrs. Weißstorch im KB, später in der Ges. für Natur u. Umwelt; 1979 Rentner. 1990 Mitgl. des Ehrenpräs. des Naturschutzbunds Dtl. (NABU); 1991 1. Umweltpreis des Landes Brandenb. u. 1993 Europ. Umweltpreis (jeweils gem. mit Erna K.); Ehrenpräs. des NABU; 2004 Kandidat für den Dt. Umweltpreis; gest. in Bad Freienwalde. Wichtige Vorarbeiten für das 1990 von  Michael Succow initiierte Naturpark-Programm; ca. 2.000 Veröff. in Ztg. u. Ztschr. sowie 60 Broschüren; an K. K.s Naturschutzprojekten hatte Erna K. durch finanz. u. fachl. Unterstützung maßgebl. Anteil.Zwei Naturlehrpfade. Leipzig 1956; Der naturnahe Garten mit Kompostwirtschaft u. Regenwurmzucht. Berlin 1990; Zehn Jahre Kampf u. Widerstand gegen den dt. Militarismus. Eberswalde 1992 (Lebenserinnerungen); Ein Leben in Harmonie. Neuenhagen 1999.Siegfried Kuntsche

Wer war wer in DDR

Krahl, Toni

* 3.10.1949

Geb. in Berlin; 1968 Haftstrafe (später zur Bewährung ausgesetzt) wegen Flugblattaktion u. Protestdemonstration gegen den Einmarsch der Warschauer-Pakt-Staaten in die ČSSR; 1973 – 75 Musikschule Berlin-Friedrichshain (Spezialkl. Tanzmusik); College-Formation; ab Mai 1975 Sänger der Rockgr. City (gegr. 1972 von Fritz Puppel u. Klaus Selmke); erster Erfolgstitel »Am Fenster«; 1979 Filmmusik »Bis daß der Tod euch scheidet« (R:  Heiner Carow), erste LP »Am Fenster« (auch in der Bundesrep. Dtl. erschienen, Goldene Schallplatte für 250.000 verkaufte Expl.); City als erste dt.-spr. Gruppe in bundesdt. Fernsehsendung »Rockpalast«; 1979 LP »Der Tätowierte«; 1980 LP »Dreamer« (in engl.); 1981 Goldene Schallplatte in Griechenland; 1983 LP »Unter der Haut«; 1985 LP »Feuer im Eis«; 1986 »Rock für den Frieden« Berlin, Mitw. in der Allstar-Band Gitarreros (Tournee, LP »It’s Only Rock ’n’ Roll«); Mai 1987 »Casablanca« (Text von »z. B. Susan« muß wegen Bezugs auf die Intervention in der ČSSR 1968 entschärft werden, Rundfunk u. Fernsehen der DDR boykottieren mehrere Titel, Schallplattenhandel einiger Bez. storniert Bestellungen); 1988 »Goldene Amiga« für LP »Casablanca«; Midtfyns-Festival Dänemark; Initiator »Rock für Armenien« in Schwerin u. Halle-Neustadt; Benefizkonzert für den Wiederaufbau der Neuen Synagoge Berlin; ab Ende 1988 Vors. der Sekt. Rockmusik beim Komitee für Unterhaltungskunst; 18.9.1989 Mitinitiator der Resolution der Rockmusiker u. Liedermacher für Demokratisierung der DDR-Ges., 15.10.1989 »Konzert gegen Gewalt« in der Berliner Erlöserkirche (gegen die Übergriffe der Sicherheitskräfte bei den Demonstrationen am 7. u. 8.10.), 25.10.1989 Konzert »Hierbleiber für Hierbleiber« im Haus der Jungen Talente Berlin. 1990 Vors. des Verb. Musik-Szene e. V.; mit Fritz Puppel Gründung der ersten unabh. DDR-Schallplattenfirma KPM-Records (2001 aufgelöst, Nachfolgefirma K & P Music); 1993 CD »The Best of City«; »Rauchzeichen« (1997); 1998 CD »Das Platin Album«; »Am Fenster 2« (2002); »Live aus Berlin – Das Jubiläumskonzert im Tempodrom« (DVD, 2002); März 2002 Goldene Schallplatte für 250.000 CD »Best Of City«; 5./6.4.2002 Jubiläumskonzert »30 Jahre City« im Tempodrom Berlin, danach Jubiläumstour; 2003 Tournee mit  Ute Freudenberg u. den Puhdys; 2004 Sonderkonzert zum 20-jährigen Jubiläum des Berliner Friedrichstadtpalastes (mit dem Chor des Berliner Coppi-Gymnasiums); CD »Meister aller Klassen – The Best Of City« (2004); »Silberstreif am Horizont« (2004); 2007 »Goldene Henne«.Bertram, L.: Musikal. Porträt – City. Leipzig 1968; Otto, Th.: City – Am Fenster. Die Band, die Songs, die Story. Berlin 1997.Rainer Bratfisch

Handbuch Deutsche Kommunisten

Kramer, Richard

* 21.4.1895 – ✝ 28.1.1974

Geboren am 21. April 1895 zu Küdow/Krs. Neuruppin; Landwirt in Miersdorf-Wustermark. Mitglied der KPD, Funktionär der BL Berlin-Brandenburg. Im April 1932 im Wahlkreis Frankfurt/Oder in den Preußischen Landtag gewählt. Vom 28. Februar 1933 bis 31. Juli 1933 lebte Kramer illegal in Berlin, Bitterfeld und Halle. Am 1. August 1933 wurde er verhaftet und war bis Mitte April 1934 in »Schutzhaft« in Berlin-Plötzensee und in Brandenburg. Ende November erneut festgenommen, saß er bis Ende Januar 1937 in Königs Wusterhausen im Gefängnis. Von August bis November 1940 in Potsdam inhaftiert, dann nochmals im Zusammenhang mit der Gestapoaktion »Gewitter« im August 1944 in das KZ Sachsenhausen gebracht, aus dem er im Dezember 1944 entlassen wurde. Er trat nach dem Krieg politisch nicht mehr hervor, wohnte in Westdeutschland. Richard Kramer starb am 28.Januar 1974 in Nümbrecht/Krs. Gummersbach.

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Kratsch, Günther

* 21.10.1930 – ✝ 9.5.2006

Geb. in Monstab (b. Altenburg); Vater kfm. Angest.; 1937 – 45 Volksschule. 1945 – 48 Verkäuferlehre; 1948 – 50 Arbeiter im Konsum Meuselwitz; 1950 SED; 1950 Sekr. der NF Meuselwitz; 1951 Mitarb. des MfS, Dienststelle Altenburg; 1952 Versetzung zum MfS Berlin, Abt. II (Westarbeit); 1960 Abt.-Ltr. in der HA II (Spionageabwehr); 1960 – 65 Fernstudium an der JHS Potsdam-Eiche, Dipl.-Jur.; 1973 stellv. Ltr., 1976 Ltr. der HA II; (Nachf. von  Werner Grunert); 1977 Prom. zum Dr. jur. an der JHS Potsdam-Eiche (Überwachung von diplomat. Vertretern in der DDR); 1985 Gen.-Ltn.; Dez. 1989 von der Funktion entbunden; Jan. 1990 Entlassung, Rentner.Jens Gieseke

Handbuch Deutsche Kommunisten

Kraus, Werner

* 14.6.1898 – ✝ 12.11.1964

Geboren am 14. Juni 1898 in Lüdenscheid; Bauarbeiter. 1923 trat Kraus der KPD bei, 1929 als hauptamtlicher Funktionär Orgleiter des KPD-Bezirks Pommern, 1931 Polleiter. Im April 1932 wurde er im Wahlkreis Pommern als Abgeordneter in den Preußischen Landtag gewählt und im März 1933 auch in den Reichstag. Er nahm noch im Februar 1933 an der letzten Tagung der KPD-Führung in Ziegenhals bei Königs Wusterhausen teil, blieb bis April 1933 Polleiter der BL Pommern und wechselte dann nach Ostpreußen. Im Juli 1933 in einem illegalen Quartier in Königsberg verhaftet, wurde Kraus ein aktiver V-Mann für die NSDAP in der KPD. Er denunzierte alle ihm bekannten Kommunisten aus Ostpreußen und Pommern. Seinem Verrat fielen (nach Ermittlungen des Kippenberger-Apparates) allein in Ostpreußen 170 KPD-Funktionäre und aktive Mitglieder zum Opfer. Bereits 1933 offiziell SA-Sturmführer, ließ er in Zusammenarbeit mit der Gestapo drei illegale Zentralstellen der Kommunisten (der KPD, der RGO und der Sporteinheit in Berlin) auffliegen. Außerdem war er maßgeblich verantwortlich für die Liquidierung der illegalen KPD in Ostpreußen (wie er in seinem Bericht an die Gestapo im Jahre 1936 selbst hervorhob). Dafür und auf Antrag der SA-Führung wurde eine gegen ihn im November 1934 vom Generalstaatsanwalt beim Kammergericht Berlin eröffnete Anklage wegen »Vorbereitung zum Hochverrat« eingestellt. Kraus wurde Mitglied der NSDAP, hauptamtlich im Propagandareferat der SA für Presse und Propaganda tätig. Ab 1937 bekam er einen »Ehrensold« von 300 Mark und für seine vier Kinder 150 Mark Kindergeld. Als er 1936 zu einer Reportage über die SA im Kurischen Haff fuhr und dabei die Grenze überschritt, wurde er von Litauischen Zöllnern verhaftet, kam aber mit drei Tagen Haft davon. Wie er später seinen SA-Vorgesetzten berichtete, hatte er Angst, an die Sowjetunion ausgeliefert zu werden. Denn zu jener Zeit waren von den deutschen Behörden drei Litauer verhaftet und angeblich erschossen worden, so daß Kraus einen Racheakt Litauens befürchten mußte. Während des Krieges als Landwehrmann »u. k.« gestellt, arbeitete er bei der Gruppe Ostland der SA auf einer Planstelle der NSDAP. Nach 1945 konnte Kraus seine Vergangenheit verschleiern, trat keiner Partei mehr bei, lebte und wohnte in Rhumspringe, einem kleinen Ort im Harz in Niedersachsen. Als Betriebsratsvorsitzender seiner Firma betätigte er sich in der Gewerkschaft, der Ortskrankenkasse usw. Obwohl parteilos, war er kurze Zeit über die Liste der SPD Mitglied im Gemeinderat in Rhumspringe. 1962 erlitt er einen Schlaganfall und zog sich zurück. Werner Kraus starb am 12.November 1964 in Rhumspringe.

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Krause, Günther

* 13.9.1953

Geb. in Halle (Saale); 1970 – 72 EOS, Abitur; 1972 – 74 Wehrdienst in der NVA; 1974 – 78 Studium des Bauingenieurwesens u. der Informatik an der HAB Weimar, Dipl.-Bauing.; 1975 CDU; 1980 – 84 außerplanmäßige Aspirantur an der HAB; Praxis im VEB Wohnungsbaukombinat Rostock; 1982 Assistent an der Ing.-HS Wismar, Sekt. Bauwesen; 1984 hochschulpädagog. Abschl., Prom. A; Oberassistent an der Ing.-HS, Ltr. des Wissenschaftsber. Informatik; 1987 Vors. des CDU-Krs.-Verb. Bad Doberan; 1987 Prom. B zum Dr. sc. techn.; Doz.; Okt. 1990 Honorarprof. an der Ing.-HS Wismar; 1990 – Mai 1993 Vors. des CDU-Landesverb. Mecklenb.-Vorpomm.; März – Okt. 1990 Abg. der Volkskammer u. Vors. der CDU-Fraktion; April – Okt. 1990 Parl. Staatssekr. im Amt des Min.-Präs.; Verhandlungsführer der DDR-Seite bei den Verhandlungen über die Staatsverträge DDR – Bundesrep. Dtl. Ab Okt. 1990 Mitgl. des Präs. der CDU; 1990 – 94 Abg. des Dt. Bundestags; Okt. 1990 – Jan. 1991 Bundesminister für bes. Aufgaben; Jan. 1991 – Mai 1993 Bundesminister für Verkehr (Nachf. von Friedrich Zimmermann); Rücktritt am 6.5.1993 wegen der »Putzfrauenaffäre«; Sprecher der ostdt. CDU-Parlamentarier; 1993 Gründer der Aufbau-Invest AG in Zürich u. Börgerende (Mecklenb.-Vorpomm.) mit Büro in Berlin; seit 1994 Mitgl. des Aufsichtsrats der IG Farbenindustrie i. A.; Aug./Sept. 1994 beteiligt an der Privatbank Compagnie Nord AG in Kiel; Mai 1995 – 98 Krs.-Vors. der CDU Rostock u. Mitgl. des erw. LV Mecklenb.; 1998 CDU-Kand. zur Bundestagswahl; 23.12.2002 Verurteilung zu 45 Mon. Haft wegen Untreue, Betrug u. Steuerhinterziehung, 2004 wurde das Urteil vom BGH aufgehoben u. zur erneuten Verhandl. an das LG Rostock verwiesen, das K. am 30.10.2007 zu einer Freiheitsstrafe von 14 Mon. auf Bewährung verurteilte, wogegen allerdings Revision beim BGH erfolgreich beantragt wurde; im März 2009 wg. Betrugs u. Insolvenzverschleppung rechtskräftig zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt; lebt in Admannshagen (Landkrs. Bad Doberan).Huhn, K.: Mein Name ist Krause. Berlin 1994.Helmut Müller-Enbergs

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Krause-Rotter, Franz

* 1904 – ✝ 22.4.1926

Franz Rotter wurde 1904 in Böhmen geboren, wo er das Gymnasium besuchte. Aus der Tschechoslowakei siedelte er 1920 nach Deutschland über, studierte in Stuttgart, schloß sich der kommunistischen Studentenfraktion an und trat 1921 der KPD bei. Er war Anhänger der linken Opposition in der Partei. Unter dem Namen Franz Krause übernahm ihn die linke Führung in den hauptamtlichen Apparat der KPD. Zunächst war Krause Leiter der Kommunistischen Jugend im Bezirk Baden. Mitte 1924 wurde er zum Chefredakteur der Saarbrücker »Arbeiterzeitung« berufen und kam Ende 1924 als Redakteur nach Berlin. Nach dem »Offenen Brief« 1925 als Anhänger der linken Opposition nach Thüringen abgeschoben. Dort starb Krause-Rotter 22jährig am 22. April 1926 an einer Infektionskrankheit.

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Krauss, Otto

* 8.11.1884 – ✝ 1.5.1971

Geb. in Gotha; Vater Handwerker; 1901 – 04 Ausbildung zum Bankkfm.; 1904/05 Bankkfm. bei der Bergisch-Märkischen Bank in Elberfeld; 1905/06 Militärdienst; 1906 – 10 Bankkfm. bei der Commerzbank Berlin; 1910 – 21 bei der Dresdner Bank Berlin; 1914 Kriegsfreiw.; 1921 – 45 Filialltr. der Dresdner Bank in Erfurt, zul. Dir.; bis 1933 Mitgl. der Liga für Menschenrechte u. der Dt. Friedensges. 1945 – 52 Filialltr. der Thür. Landesbank; Mitbegr. der LDPD in Erfurt; seit 1946 Stadtverordn., bis 1953 Vorsteher in Erfurt; 1947 – 54 Vors. des Stadtverb. Erfurt der LDPD; 1948 – 51 Krs.-Vors. Erfurt-Stadt der LDPD; 1950 – 52 Filialltr. der Dt. Notenbank Erfurt; 1951/52 1. stellv. Vors. des Landesverb. Thür. der LDPD; seit 1950 Abg. der Volkskammer, Alterspräs. (Nachf. von  Otto Buchwitz); 1950 – 58 Mitgl. des Haushalts- u. Finanzaussch.; 1952 Ruhestand; seit 1953 stellv. Vors. des Bez.-Verb. Erfurt der LDPD (Nachf. von Gerhard Kalmring); seit 1963 Mitgl. des Zentralvorst. der LDPD; 1960 – 63 Mitgl. des Staatsrats; 1969 VVO.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Krautter, Kurt

* 27.11.1904 – ✝ 18.6.1978

Geboren am 27. November 1904 in Berlin, Sohn eines Tischlers; lernte Kürschner. 1918 trat er in die Arbeiterjugend, 1922 in die KJD ein und wurde 1924 Mitglied der KPD. 1931/32 in Moskau Praktikant bei der RGI. 1932 kam er nach Deutschland zurück und wurde hauptamtlicher Sekretär im Reichskomitee der RGO. Ab 1933 illegale Arbeit, im September 1933 kurzzeitig inhaftiert, arbeitete Krautter nach seiner Freilassung unter Leitung von Emil Pietzuch in einer Aufklärungs- und Sabotagegruppe (»Antikriegsarbeit«), die Deutschland bei Kriegshandlungen mit der Sowjetunion durch Diversions- und Sabotageakte schwächen sollte. Vom Frühjahr bis Spätsommer 1936 war Krautter Polleiter der Prager Emigration, anschließend Polleiter in Teplice. Dem vermeintlichen Münzenberg-Anhänger Krautter verweigerte die Kaderkommission den Einsatz in Spanien. Im März 1937 ging er nach Dänemark und arbeitete mit an der illegalen Zeitschrift »Breve fra Tyskland«. Im Juni 1940 inhaftiert, zwei Monate später nach Deutschland ausgeliefert und zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt, ab 1943 im KZ Buchenwald. Im Juli 1945 kam er wieder nach Berlin und arbeitete zunächst als Schaffner und Personal-Sachbearbeiter bei der BVG. Er wurde Vorsitzender der Gesamtbetriebsgruppe der KPD in der BVG. Von Ende 1946 bis Dezember 1947 Referent in der SED-Landesleitung Groß-Berlin und ab Januar 1948 erneut Sachbearbeiter in der Revisionsabteilung der BVG. Krautter wurde nach einem »Volksrichterlehrgang« Vernehmungs- bzw. Haftrichter beim Amtsgericht Berlin-Mitte. 1952 zum Landgerichtsrat ernannt, war er fast ausschließlich als Haftrichter für das MfS tätig. Er erhielt 1974 den VVO in Gold. Kurt Krautter starb am 18. Juni 1978.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Kreft, Helene

* 25.1.1897 – ✝ 5.6.1974

Geboren am 25. Januar 1897 in Danzig als Helene Kletzin, Tochter eines Maurers; arbeitete zunächst als Hausgehilfin und lernte Schneiderin. Im Juli 1920 trat sie in die KPD ein, war Zellenkassiererin und Frauenleiterin und gehörte der KPD-BL Danzig an, von 1923 bis 1929 Abgeordnete im Danziger Volkstag. 1929 mußte sie aus gesundheitlichen Gründen ihr Mandat niederlegen. Ihr Mann August Kreft (* 15. 8. 1897 – † 11. 5. 1966), ein Hafenarbeiter, war von 1931 bis 1933 Leiter des Internationalen Seemannsklubs in Danzig. Ab 1931 betätigte sich Helene Kreft für die IAH und war Vorsitzende des Roten Frauen- und Mädchenbundes im Bezirk Danzig. 1935 kandidierte sie auf der Liste »Wähler kommunistischer Weltanschauung« und beteiligte sich an der Vorbereitung der Wahl, die bereits stark unter dem Nazi-Terror litt. Helene Kreft war 1937 die letzte gewählte Abgeordnete der Opposition, die im Danziger Volkstag das Mandat niederlegte. Ab 1937 gehörte sie der illegalen Leitung der KPD für Danzig an und hielt Verbindung zur illegalen KP Polen bis zu deren Auflösung. Von 1935 bis 1945 arbeitete sie als Schneiderin. Nach dem Einmarsch der Roten Armee war sie zunächst in der Führung der Danziger Kommunisten und organisierte die sogenannten Antifa-Transporte nach Deutschland. Anfang August 1945 traf sie im mecklenburgischen Krakow am See ein und kam auch hier in die örtliche KPD-Leitung. Seit Anfang 1947 lebte sie in Greifswald, dort 1947/48 Leiterin des Frauensekretariates der SED, 1949/50 Sekretärin des DFD, anschließend Angestellte beim Kreisausschuß der Nationalen Front bzw. bei der Konsumgenossenschaft Greifswald. Helene Kreft starb am 5. Juni 1974 in Greifswald.

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Kreiser, Lothar

* 19.6.1934

Geb. in Arnsdorf (b. Dresden); Vater Landarb.; nach dem Grundschulabschl. 1949 – 52 Ausbildung zum Werkzeugmacher; Abitur an der ABF Leipzig; 1954 – 59 Studium der Philos. mit Zweitfach Mathematik an der KMU Leipzig; 1956 – 89 SED; ab 1959 Aspirantur mit Teilstudium Mathematik an der HU Berlin, 1962 Prom. mit der Arbeit »Philosoph. Probleme des Erkenntnisprozesses in der Mathematik«; 1962 Assistent, 1963 Oberassistent am Inst. für Philos. der KMU; 1967 Habil. mit »Untersuchungen zur Möglichkeit eines deduktiven Aufbaus philosoph. Theorien. Ein Beitrag zur philosoph. Grundlagenforschung«; 1968 ord. Doz., 1972 ord. Prof. für Logik an der Sekt. Philos. der KMU; 1980/81 Inhaber des Internat. Frege-Lehrstuhls an der FSU Jena. 1990 – 94 Dekan der Fak. für Philos. u. Geschichtswiss. der Univ. Leipzig; seit 1991 Mitgl. des Wissenschaftsrats der Bundesreg.; 1992 Neuberufung zum Prof. für klass. Logik u. log. Semantik. Internat. anerkannte Forschungsarbeiten zur log. Semantik u. Erkenntnistheorie, zur Geschichte der Logik (19. Jh.) u. zur log. Hermeneutik.Kommentierte Textauswahl zur Geschichte der mod. Logik. Berlin 1971 (mit K. Berka); G. Frege: Schriften zur Logik. Berlin 1973 (Hrsg., Einleitung); L. Borkowski: Formale Logik. Berlin 1976 (Hrsg.); Deutung u. Bedeutung. Berlin 1986; Klass. Logik. Berlin 1988 (Mithrsg., Mitautor); Logik u. Logiker in der DDR. Leipzig 2009.Hans-Christoph Rauh

Wer war wer in DDR

Kresse, Walter

* 11.3.1910 – ✝ 4.2.2001

Geb. in Leipzig, Vater Arbeiter; Volksschule, Öffentl. Höhere Handelslehranstalt, kfm. Lehre; ab 1927 kfm. Angest.; Funktionär der Turnerjugend im Arbeiter-Turn-u.-Sport-Bund; 1928 KJVD u. KPD; ab 1931 Mitgl. der BL Sachsen des KJVD, Ltr. für Agit./Prop.; 1933 Verhaftung u. Verurteilung zu drei Jahren Zuchthaus, Strafvollzug in Waldheim u. Zwickau; ab 1942 Kriegsdienst im Strafbat. 999; gerät 1943 bei Tunis in amerik. Kriegsgefangenschaft. 1946 Rückkehr aus den USA (Alabama) nach Leipzig; FDGB u. SED; Wirtschaftsfunktionär beim Rat der Stadt; ab 1948 Ltr. der HA Industrie in der Landesreg. Sachsen; 1950 – 53 Fernstudium an der PHS; 1952 Ltr. der VVB IKA Leipzig; anschl. Werkltr. in einem polygraph. Großbetrieb; 1954 – 56 HA-Ltr. im Min. für Allg. Maschinenbau; 1956 – 58 stellv. Min.; 1958/59 Vors. des Wirtschaftsrats des Bez. Leipzig u. stellv. Vors. des Rats des Bez.; ab 1958 Mitgl. der SED-BL Leipzig; 1959 – 70 OB von Leipzig (Nachf. von Erich Uhlich), 1961 – 70 Stadtverordn.; 1963 – 65 Fernstudium an der KMU Leipzig, Dipl.-Jur.; 1963 – 90 Abg. der Volkskammer; 1964 – 74 Präs. des Dt. Städte- u. Gemeindetags (Nachf. von  Friedrich Ebert), zeitw. hauptamtl.; 1973 – 80 Vizepräs. der Volkskammer u. ab 1974 stellv. Vors. des Aussch. für Ausw. Angelegenh.; Vors. der Parl. Freundschaftsgr. DDR – Arab. Länder, ab 1980 der Parl. Freundschaftsgr. DDR – Frankreich; 1980 KMO.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Kretschmer, Thomas

* 18.12.1955

Geb. in Dornburg (b. Jena); Vater Biologe, Mutter Horterzieherin, kath. erzogen; POS in Dornburg, 1972 Beginn einer Berufsausbildung mit Abitur im VEG Gartenbau Meilitz (b. Gera), 1972 Relegation von der Berufsschule nach Austritt aus der FDJ u. der Absichtserklärung, den Wehrdienst zu verweigern; danach Krankenpflegerausbildung im Städt. Krankenhaus Jena; Juni 1973 gescheiterter Fluchtversuch an der tschechoslowak.-österreich. Grenze (»um sich dem Wehrdienst zu entziehen«), Verhaftung u. Verurteilung zu 15 Monaten Jugendhaft durch das Kreisgericht Jena; Jugendstrafanstalt Ichtershausen, hier zunächst Verpflichtungserklärung zur Mitarbeit für das MfS, dann schriftl. Widerruf gegenüber dem Führungsoffizier, nach Haftentlassung 1974 erneute Versuche des MfS, ihn zur Mitarbeit zu erpressen, denen sich K. verweigert u. durch Dekonspiration entzieht; Kontakt zur Offenen Jugendarbeit in Jena, unter dem Einfluß der ev. Jugendarbeit Übertritt zur ev. Kirche; 1974 – 76 Krankenpfleger im Städt. Krankenhaus Jena u. in einem Behindertenheim in Bad Blankenburg; aktiv in der alternativen Jugendszene in Jena; 1976 Beginn des Theologiestudiums am Erfurter Predigerseminar, Heirat u. Umzug nach Apfelstädt (b. Erfurt) in ein Pfarrhaus, das sich zum Anlaufpunkt der Offenen Arbeit entwickelte; 1979 Unterbrechung des Studiums aus persönl. Gründen, 1980 nach einem MfS-Maßnahmeplan Verwehrung der Fortsetzung des Studiums durch die thüringische Amtskirche; Nov. 1980 Wehrdiensttotalverweigerung, Inhaftierung, Dez. 1980 Verurteilung auf Bewährung u. Entlassung aus der Haft nach der Bereitschaftserklärung, den Wehrdienst als Bausoldat abzuleisten; hier offensives Eintreten für pazifist. Ideen u. öff. Solidarisierung mit der Solidarność in Polen; Jan. 1982 erneut verhaftet u. bis Juni U-Haft in der zentralen U-Haftanstalt des MfS Berlin-Magdalenenstraße, Aug. 1982 vom Militärobergericht Halle zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt, Jan. 1985 Überstellung in die MfS-Abschiebehaftanstalt Karl-Marx-Stadt, nach Verweigerung der Ausreise Fortsetzung der Haft in Karl-Marx-Stadt u. Leipzig; bis zum Juli 1985 weiter inhaftiert; aufgrund kirchl. u. internat. Proteste, u. a. durch Altbischof  Kurt Scharf, Bischof  Werner Leich u. die Gefangenenhilfsorg. »amnesty international«, die K. zum »Häftling des Jahres« erklärte, im Juli 1985 aus der Haft entlassen; anschl. Anstellung als kirchl. Handwerker in Ebersdorf (Krs. Lobenstein); 1989 Beteiligung an der Besetzung der MfS-Kreisdienstelle Lobenstein u. Mitarbeit im thüring. Bürgerkomitee zur Auflösung des MfS; vom MfS erfaßt in den OPK »Philister« u. »Seminar«. 1990 – 94 Abg. im Kreistag Lobenstein für die »Kirchl. Wählergemeinschaft«, lebt als Holzbildhauer mit seiner Fam. in Tegau (Saale-Orla-Krs.).Kowalczuk, I.-S., Sello, T. (Hrsg.): Für ein freies Land mit freien Menschen. Opposition u. Widerstand in Biographien u. Fotos. Berlin 2006.Christian Halbrock; Jg. 1963; ab 1993 Studium der Neueren/Neuesten Geschichte, Mittelalterlichen Geschichte und Europäischen Ethnologie an der HU Berlin, 2003 Promotion; seitdem wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Bildung und Forschung bei der BStU in Berlin.