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BioLex

In der Kategorie BioLex sind drei wichtige Lexika mit über 5500 Biografien von überzeugten Kommunistinnen und Kommunisten, Renegatinnen und Dissidenten im Volltext recherchierbar.

 

Das Handbuch „Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945“ wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam.

Kurzbiografien zu Personen des politischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 bereit.

Zudem ist das Online-Lexikon www.dissdenten.eu ebenfalls auf unserer Seite aufrufbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Informationen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Kube, Eberhard

* 19.4.1936

Geb. in Berlin; 1954 – 58 Studium der Geschichte u. Körpererziehung in Berlin; 1958 – 62 Lehrer in Berlin; 1960 Pantomimenunterricht bei Brigitte Soubeyran; 1961 Gründung des Pantomimen-Studios Berlin; 1962 Berufspantomime; 1966 – 87 Lehrbeauftr. an der Theater-HS Leipzig, der Film-HS Babelsberg u. der HS für Schauspielkunst Berlin; 1971 – 87 Ltr. des Pantomimentheaters vom Prenzlauer Berg in Berlin; 1980 NP; Tourneen als Solist u. Doz. in über 15 Ländern; 1982 – 86 Regiearbeit an Theatern in Weimar, Erfurt, Leipzig u. Berlin; 1984 – 91 Initiator u. künstler. Ltr. der Internat. Woche des gestischen Theaters in Berlin; 1987 Kunstpreis der DDR; 1988/89 Regiearbeit in Köln, Zürich, Bonn. 1990 Gründungsmitgl. der Europ. Mime Föderation; 1991 Gründung des Mime Centrums Berlin; 1993 Eröffnung einer Internat. Ausbildungsstätte für Pantomime u. Animation in Berlin, ab 1999 im Kultur-Gut Wrechen (b. Feldberg).Christoph Links

Wer war wer in DDR

Küchenmeister, Claus

* 7.9.1930 – ✝ 13.12.2014

Geb. in Berlin; Vater Walter K. (als Mitgl. der Widerstandsgr. »Rote Kapelle« 1943 hingerichtet); bis 1945 zeitw. Aufenthalt in einem Schweizer Internat; Studium 1949/50 am Dt. Theaterinst. Weimar, 1950/51 am DEFA-Nachwuchsstudio; 1951 – 55 Mstr.-Schüler bei  Bertolt Brecht im Berliner Ensemble; Doz. u. Fachrichtungsltr. an der HS für Filmkunst, Babelsberg; später freier Autor in Berlin; SED; ab 1968 Mitgl. des Vorst. des SV; verh. mit  Wera K.; 1958/59 Preis für Kinder- u. Jugendlit. des Min. für Kultur; 1959 Ernst-Zinna-Preis u. Heinrich-Greif-Preis; Kunstpreis der FDJ; 1965 u. 1971 NP; 1971 Kunstpreis des FDGB (alle Preise gem. mit Wera K.); ab 1964 vom MfS als IM »Kaminski« bzw. ab 1976 als »Kaminski I« geführt; 1970 Verdienstmedaille der NVA; lebte zuletzt in Siethen (Brandenb.). Filmszenarien (mit Wera K.): »Sie nannten ihn Amigo« (1959), »Die Abenteuer des Werner Holt« (1965, C. K.), »KLK an PTX – die Rote Kapelle« (1971), »Der große u. der kleine Klaus« (1970), »Aus dem Leben eines Taugenichts« (1973), »Der Lude« (1985).Blankensee, Thümenscher Winkel. Schwedt 1995.Anette Leo

Handbuch Deutsche Kommunisten

Kuczynski, Jürgen

* 17.9.1904 – ✝ 6.8.1997

(* 1904 – † 1997) Geboren am 17. September 1904 in Elberfeld, Sohn des Wirtschaftswissenschaftlers René Kuczynski. Nach dem Gymnasium von 1922 bis 1924 Studium der Philosophie, Finanzwirtschaft und Statistik an den Universitäten Berlin, Erlangen und Heidelberg, 1925 Promotion zum Dr. rer. pol. Er war von 1926 bis 1929 in den USA, dort Leiter der Wirtschaftsabteilung in der American Federation of Labor in Washington. Seit 1930 Mitglied der KPD, war er von 1929 bis 1934 Mitherausgeber der »Finanzpolitischen Korrespondenz« und von 1930 bis 1933 Wirtschaftsredakteur der »Roten Fahne« sowie neben Lehrtätigkeit an der MASCH Leiter der Informationsabteilung in der RGO-Reichsleitung. 1936 Emigration nach Großbritannien, dort leitete er eine Gruppe deutscher Kommunisten, Redakteur und Mitbegründer des Freien Deutschen Kulturbundes. 1944/45 Statistiker in der US-Army, Kuczynski kehrte als US-Oberstleutnant 1945 nach Berlin zurück. Er wurde 1946 Mitglied der SED und Ordinarius für Wirtschaftsgeschichte an der Berliner Universität. Von Juni 1947 bis Juni 1950 Vorsitzender der Gesellschaft zum Studium der Kultur der Sowjetunion, dann bis Januar 1951 deren Vizepräsident. Kuczynski leitete von 1949 bis 1953 das Deutsche Wirtschaftsinstitut in Ost-Berlin. Seit 1955 ordentliches Mitglied der AdW, ab 1964 Leiter der Arbeitsstelle für Wirtschaftsgeschichte, später Direktor des Instituts für Wirtschaftsgeschichte. Er war nach seiner Emeritierung 1968 weiter wissenschaftlich aktiv, u. a. setzte er seine 1960 begonnene 40-bändige »Geschichte der Lage der Arbeiter unter dem Kapitalismus« fort und veröffentlichte die »Geschichte des Alltags des deutschen Volkes« in sechs Bänden. Gegen Kuczynski wurden von der SED-Führung in den Jahren 1957 bis 1959 Revisionismusvorwürfe erhoben, besonders seine populärwissenschaftlichen Schriften lösten wiederholt öffentliche Parteikritik aus, die ihn aber nur bekannter machte. Er wurde Nestor der DDR-Gesellschaftswissenschaften. Seinen »Memoiren« 1973 ließ er 1983 das Buch »Dialog mit meinem Urenkel« folgen. 1949 und 1974 erhielt er den Nationalpreis, 1969 den Karl-Marx-Orden. Kuczynski war Berater Erich Honeckers in außenwirtschaftspolitischen Fragen. Auch nach dem Ende der DDR publizierte er weiter: u. a. »Kurze Bilanz eines langen Lebens« (1991) und »Ein linientreuer Dissident« (1992). Jürgen Kuczynski starb am 6.August 1997 in Berlin.Ilko-Sascha Kowalczuk

Wer war wer in DDR

Kugler, Norbert

* 10.4.1906 – ✝ 4.5.1982

Geb. in Schongau am Lech in einer jüd. Familie; Vater Kfm. (im KZ Theresienstadt ermordet); 1912 – 22 Volks- u. Realschule; 1921 – 23 kfm. Lehre in München, danach Ausbildung zum Textilkfm.; 1923 – 27 Verkäufer in München u. Leer (Ostfr.); 1927 – 33 selbst. Textilversand in München; 1933 – 36 Textilvertreter in Straßburg u. Toulouse; 1934/ 35 München; 1936 – 38 Melder, Ordonanzoffz. (von  Ludwig Renn) u. Nachrichtenoffz. im span. Bürgerkrieg; 1938 KPD; 1938 in Frankreich für die FKP tätig; 1939/40 interniert; 1940 – 45 Mitgl. der jüd. Sekt. der KPF Toulouse; 1941/ 42 Straflager Récébédon (b. Toulouse), geflüchtet; 1942 – 45 Mitgl. der frz. Partisanen in Lyon, Oberst-Ltn.; Ltr. der Résistance in Lyon-Grenoble; 1944 für den jugosl. Nachrichtendienst tätig; 1945 in Belgrad. Juli 1945 Rückkehr nach Dtl.; Mitgl. der VVN in Schongau a. Lech; 1945 – 49 nachrichtendienstl. Arbeit für die KPD/SED (Deckn. »Otto«, »Albert Bauer«) u. den jugosl. Nachrichtendienst in Westdtl., Abbruch der Verbindung mit dem jugoslaw. Nachrichtendienst nach dem Bruch zwischen Tito u. Stalin; Juni 1949 mit sowj. Billigung Übersiedl. in die SBZ; SED; anschl. Dir. der Fachdir. Textil des Dt. Außenhandels; 27.12.1951 SED-Ausschl. wegen »nachrichtendienstl. Tätigkeit für den jugosl. Geheimdienst«; 1952/53 unternehmerisch in Berlin (West) tätig; 1953/54 Anbinder, 1954/55 Sachbearb. im VEB Transformatorenwerk in Berlin; 1955/56 Verkäufer beim VEB Herrenmode; verweigert 1956 die Wiederaufn. in die SED; 1956 Hans-Beimler-Med.; 1956 – 68 Absatzltr. im VEB Treffmodelle; 1967 Wiedereintritt in die SED; 1969 Rentner; 1976 VVO; Mitgl. der ZL des Komitees der Antifa. Widerstandskämpfer, Sekt. Spanienkämpfer u. Kämpfer in den Armeen der Antihitlerkoalition; gest. in Berlin.Die Verwirrung der ersten Stunden. Als Bataillonsmelder bei Hans Kahle. Erinnerungsberichte. In: Brigada Internacional. Berlin 1974. Pech, K.: An der Seite der Résistance. Berlin 1974; Uhl, M.: Mythos Spanien. Berlin 2004.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Kühn, Kurt

* 19.6.1898 – ✝ 23.1.1963

Geboren am 19. Juni 1898 in Merseburg, Sohn eines Ziegelmeisters; lernte Elektromonteur. 1915 zur Kriegsmarine einberufen. 1919 wurde er Mitglied der SPD, 1923 der KPD. Von 1921 bis 1924 arbeitete Kurt Kühn als Elektromonteur in den Leuna-Werken bei Halle. Er war von April 1924 bis November 1932 Redakteur der KPD-Zeitung »Klassenkampf«, viele Jahre Stadtverordneter in Merseburg und gehörte von 1927 bis Anfang 1933 dem Provinziallandtag der Provinz Sachsen an. Ab November 1932 RGO-Bezirksleiter für Halle-Merseburg, dort auch im Sekretariat der KPD-BL Halle-Merseburg. Im Mai 1933 ging Kühn nach Hamburg und übernahm die Leitung der illegalen RGO Wasserkante. Anfang 1934 Leiter der RGO Berlin, Ende Januar wurde er verhaftet und am 26. April 1934 vom Kammergericht Berlin zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt. Im Juni 1939 entlassen, wieder Elektromonteur, knüpfte Verbindung zu Georg Schumann. Am 17. August 1944 erneut festgenommen, gegen ihn wurde ein Verfahren durchgeführt. Schumann und Otto Engert bewahrten Kühn durch entlastende Aussagen vor der sicheren Todesstrafe. Bis zum 20. März 1945 saß er in U-Haft in Leipzig und Dresden. Nach der Befreiung hauptamtlicher Gewerkschaftsfunktionär in Sachsen sowie von 1946 bis 1950 Abgeordneter des Sächsischen Landtags, 3. Vizepräsident. Von 1947 bis 1950 Vorsitzender des FDGB Sachsen, war Kühn von 1950 bis 1952 Vorsitzender der IG Chemie der DDR. Später nach Leipzig übergesiedelt, arbeitete er an einer Biographie über Georg Schumann. Kurt Kühn starb am 23.Januar 1963.

Wer war wer in DDR

Kuhn, Willi

* 29.8.1911 – ✝ 5.9.1982

Geb. in Königsberg (Ostpr. / Kaliningrad, Rußland); Vater Stellmacher; Volksschule; 1927 – 31 Lehre u. Arbeit als Former; 1927 RGO, KJVD, 1931 KPD; ab 1933 illeg. antifasch. Arbeit; 1933 / 34 »Schutzhaft« in den Lagern Börgermoor u. Esterwegen; 1934 / 35 Arbeit als Former u. erneut illeg. Arbeit, 1935 – 39 wieder inhaftiert, u. a. im KZ Sachsenhausen; 1939 – 42 Arbeit als Former; 1942 – 45 Kriegseinsatz in einem Strafbat. 1945 / 46 Referent beim Magistrat von Berlin; 1945 FDGB, 1946 SED; 1946 – 48 stellv. Abt.-Ltr. im FDGB-Bundesvorst.; 1948 – 51 Abt.-Ltr. bzw. Vors. des FDGB-LV Mecklenb. u. MdL Mecklenb.; 1949 / 50 Lehrgang an der SED-PHS; 1951 – 56 Vors. des FDGB-Landes- bzw. -Bezirksvorst. Berlin u. Mitgl. des Präs. des FDGB-Bundesvorst., 1951 / 52 dort Sekr.; 1954 – 58 Mitgl. des ZK der SED; 1955 / 56 Studium an der PHS der KPdSU in Moskau; 1956 – 59 2. Sekr. der SED-BL Berlin; 1959/ 60 Abt.-Ltr., ab 1960 polit. Mitarb. im FDGB-Bundesvorst.Mario Niemann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Kühne, Otto

* 12.5.1893 – ✝ 8.12.1955

Geboren am 12. Mai 1893 in Berlin, Sohn einer Arbeiterfamilie; lernte Bohrer und Rundschleifer und war bis 1914 Maschinenarbeiter. 1914 Soldat, 1916 in einen Eisenbahnbetrieb abkommandiert, von Ende 1918 bis zu seiner Entlassung 1925 Arbeiter im Bahnbetriebswerk Pankow. Er leitete später als Vorsitzender den Gesamtbetriebsrat der Reichsbahn in Berlin und gehörte dem Hauptbetriebsrat im Reichsverkehrsministerium an. Seit 1912 in der Gewerkschaft, bekam er über Ottomar Geschke Verbindung zum Spartakusbund, wurde 1919 Mitglied der USPD, 1920 der KPD. Nach der Spaltung des Eisenbahnerverbandes kam Kühne in den kommunistischen »Freien Eisenbahnerverband« und wurde 1922 hauptamtlicher Sekretär. 1925 Mitglied der KPD-BL Berlin und kurze Zeit Vertreter des radikalen Flügels, der für selbständige Gewerkschaften auftrat, dann Anhänger der Ruth-Fischer-Führung gegen die Ultralinken ( Werner Scholem, Arthur Rosenberg). Auf dem X. Parteitag 1925 als Kandidat ins ZK gewählt, war Kühne im August 1925 einer der Unterzeichner des »Offenen Briefes« der KI. Von der Parteikonferenz im Oktober 1925 zum Mitglied des ZK befördert und als Vertreter der KPD zur Komintern nach Moskau entsandt (zusammen mit Heinz Neumann). 1927 nach Deutschland zurückgekehrt, auf dem XI. Essener Parteitag 1927 nicht wieder ins ZK berufen, aber 1928 Sekretär der Zentralen Beschwerdekommission und 1931 Sekretär der KPD-Reichstagsfraktion. In der Nacht des Reichstagsbrandes verhaftet, am 13. März irrtümlich freigelassen, emigrierte er im Juli 1933 als Friedrich Kuhlmann zunächst nach Dänemark, anschließend nach Schweden und Norwegen, dort Leiter der deutschen Emigration. Nach Aufenthalten in der Sowjetunion, Frankreich, Großbritannien (hier sagte Otto Kühne als Zeuge im Londoner Gegenprozeß zum Reichstagsbrandprozeß aus) kam er im Oktober 1935 erneut nach Moskau. 1937 kämpfte er als Angehöriger der XI. Internationalen Brigade in Spanien, zuletzt war er Brigadekommissar. Im Dezember 1938 nach Paris, im gleichen Monat in La Rochelle interniert, bei Kriegsausbruch in das Lager Libourne eingeliefert, gelang ihm 1940 die Flucht nach Marseille. Ende 1942 bei der Résistance im Zentralmassiv, Kühne wurde Befehlshaber von ca. 2700 Mann, die in militärischen Einheiten zusammengefaßt waren. Im Juni 1943 zum Oberstleutnant befördert und im Oktober 1944 in Marseille Leiter der deutschen KP-Organisation in der Provence. Otto Kühne kehrte im Mai 1945 nach Deutschland zurück und baute zusammen mit Richard Gladewitz im Gebiet von Trier und Koblenz die KPD-Organisation auf. Im Juli 1945 traf er in Berlin ein und wurde hier Vizepräsident der Deutschen Zentralverwaltung für Verkehr, nach Gründung der DWK Leiter der Hauptverwaltung Verkehr. Er wurde im Dezember 1949 von dieser Funktion entbunden, vermutlich wegen Kühnes Westemigration und seiner hohen Stellung innerhalb der Résistance. 1950 Oberbürgermeister von Brandenburg/Havel, erhielt im Zusammenhang mit dem Aufstand vom 17. Juni 1953 wegen »kapitulantenhaften Verhaltens« eine »strenge Rüge« und wurde als Oberbürgermeister und Mitglied des Sekretariats der SED-KL Brandenburg abgelöst. Otto Kühne starb am 8.Dezember 1955 in Brandenburg/Havel.

Wer war wer in DDR

Kuhrig, Heinz

* 4.3.1929 – ✝ 13.9.2001

Geb. in Strehla (b. Riesa); Vater Arbeiter; Volksschule; 1943 – 45 Lehre als Betriebselektriker. 1945/46 Landmaschinenschlosser; 1946 SED; 1946/47 Vorstudienanstalt; 1947 – 52 Landw.-Studium an der Univ. Leipzig, Dipl.-Landw.; 1952 – 61 Mitarb. der Abt. Landw. des ZK der SED; 1961 – 63 Dir. des Inst. für Landtechnik der DAL in Potsdam-Bornim; 1961 Mitgl. des Präs. der KdT; 1963 – 67 1. stellv. Min. u. Mitgl. des Landw.-Rats; Mitgl. des Min.-Rats; 1967/68 Studium an der PHS der KPdSU in Moskau; 1968 – 73 Staatssekr. im Rat für landw. Prod. u. Nahrungsgüterwirtsch. bzw. im entsprechenden Min.; 3.10.1973 – 17.11.1982 Min. für Land-, Forst- u. Nahrungsgüterwirts. (Nachf. von  Georg Ewald); Mitgl. des Präs. des Min.-Rats; seit 1974 Ltr. der DDR-Delegation in der Ständ. Kommission des RGW für Landw.; 1971 – 76 Mitgl. der ZRK, ab 1976 des ZK der SED; ab 1976 Abg. der Volkskammer; 1982 Gen.-Sekr. (Nachf. von  Kurt Thieme) u. 1983 – 90 Vizepräs. der DSF; 1969 u. 1979 VVO; 1989 Ehrenspange zum VVO; verh. mit der Sozialwiss. Hertha K.; Rentner; Suizid in Berlin.Die Fließmethode in der Getreideernte. Berlin 1955.Siegfried Kuntsche / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Küll, Karl

* 7.12.1891 – ✝ 11.8.1969

Geboren am 7. Dezember 1891 in Solingen, Sohn eines Messerschleifers. Von 1906 bis 1908 Lehre als Galvaniseur, bis 1913 in seinem Beruf tätig. 1913 als Soldat eingezogen, bis 1918 beim Militär. In den Revolutionstagen in den Arbeiter- und Soldatenrat gewählt. 1918 Mitglied der USPD, 1920 mit der linken USPD zur KPD. Leiter der KPD in Solingen-Höhscheid, Mitglied der UB-Leitung und der BL. In den Nachkriegsjahren war Küll in mehreren größeren Betrieben als Galvaniseur und Meister beschäftigt, wegen seiner politischen und gewerkschaftlichen Aktivität dann aber in den meisten Betrieben gemaßregelt. 1929 war er bei der größten Solinger Firma Betriebsratsvorsitzender. Der XII. Weddinger Parteitag wählte Küll als Betriebsarbeiter zum Mitglied des ZK. Er war Stadtverordneter in Solingen, zwischen 1930 und 1933 dort auch vorübergehend Leiter der RGO und des (kommunistischen) Einheitsverbandes der Metallarbeiter. Ende Februar 1933 sollte er verhaftet werden, konnte aber flüchten und war bis November 1933 illegal tätig. Küll wurde am 21. November 1933 verhaftet und im Juni 1934 zu neun Monaten Zuchthaus verurteilt, die er im Zuchthaus Lüttringhausen verbüßte, dann von April bis August 1937 im KZ Sachsenhausen inhaftiert. In einem Gestapobericht wurde Küll als »fanatischer Kommunist« bezeichnet, der seine Arbeitskollegen gegen den Nationalsozialismus beeinflußte. Als Küll am 22. August 1944 im Rahmen der Gestapoaktion »Gewitter« erneut festgenommen werden sollte, ging er bis Kriegsende in die Illegalität. 1945 wieder Mitglied der KPD, wurde er in den vorbereitenden Ausschuß zur Neubildung der Gewerkschaften berufen. In der Folgezeit war er Vorsitzender der IG Metall Solingen, Bergisch-Land und schließlich Nordrhein. Auf dem Gewerkschaftstag der IG Metall im Februar 1947 wurde Küll in den Vorstand für die britische Zone gewählt, seit dem Vereinigungsverbandstag der IG Metall der britischen und amerikanischen Zone im Oktober 1948 als Sekretär im elfköpfigen Hauptvorstand. Auf dem Gewerkschaftstag in Hamburg im September 1950 wurde Küll (nach eigenen Angaben) durch eine Satzungsänderung aus dem Vorstand herausgewählt, blieb aber bis zu seiner Pensionierung 1956 Angestellter des IG Metall-Vorstandes in Frankfurt/M. Laut einer Meldung der »Freien Tribüne« (Organ der UAP) soll Küll im November 1950 wegen Differenzen über die KPD-Gewerkschaftspolitik aus der Partei ausgetreten sein. Karl Küll starb am 11. August 1969. Marc Erath veröffentlichte 2003 eine biographische Skizze über Karl Küll.

Wer war wer in DDR

Kumbernuss, Astrid

* 5.2.1970

Geb. in Grevesmühlen; begann in Waren (Müritz) mit der Leichathletik; 1982 KJS Neubrandenb.; Einzelhandelskffr.; SC Neubrandenb. (Trainer Dieter Kollark); 1987 Silber bei Junioren-EM Diskus; 1988 Silber bei Junioren-WM Diskus; 1989 Junioren-EM im Diskus u. Kugelstoßen; 1990 DDR-Hallenmstr. (seitdem nur noch Kugelstoßen); 1989/90 neun Länderkämpfe für die DDR. 1990 EM u. 1994 Vize-EM; 1995, 1997 u. 1999 WM; 1996 Olympiasiegerin; 1997 Silber bei der Hallen-WM; 2000 Olympia-Bronze; achtmal Dt. Mstr. (1992, 1995 – 97, 1999, 2002 – 04); Bestleistung: 21,22 m (1995 u. 1997); 1991 – 97 17 Länderkämpfe für den Dt. Leichtathletikverb.; 1995 – 97 in 53 Wettkämpfen hintereinander ungeschlagen; 1996 Silbernes Lorbeerblatt; 1997 Sportlerin des Jahres; 2005 Ende der sportl. Laufbahn; Studium der Pflegewissenschaften u. -management an der FH Neubrandenb.; lebt in Neustrelitz.Volker Kluge / Olaf W. Reimann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Künder, Erich

* 21.9.1895 – ✝ 23.1.1961

Geboren am 21. September 1895 in Wandsbek/ Hamburg, Mitglied und Funktionär der KPD, u.a. Polleiter von Barmbek und Stadtverordneter in Wandsbek. Ab Juni 1932 in Berlin im ZK-Apparat, Nachfolger von Willi Mielenz als technischer Sekretär des ZK-Sekretariats. 1934 wurde er zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt und kam anschließend ins KZ Buchenwald. Nach 1945 wieder in Hamburg, trat aber politisch nicht mehr hervor. Erich Künder starb am 23. Januar 1961 in Hamburg.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Kunik, Erich

* 27.4.1890 – ✝ 1939

Geboren am 27. April 1890 in Deutsch-Lissa, einem Vorort von Breslau, Sohn eines Bauunternehmers; besuchte das Gymnasium und eine Privatschule in Breslau sowie eine landwirtschaftliche Schule in Liegnitz, um mit einem Ingenieurabschluß den väterlichen Betrieb zu übernehmen. 1914 zum Kriegsdienst einberufen, wurde er 1915 wegen einer schweren Krankheit entlassen. Kunik geriet in Gegensatz zu seiner Familie und brach alle Beziehungen ab. 1917 trat er der USPD in Breslau bei und wurde im November 1918 Mitglied des Arbeiter- und Soldatenrates von Lissa. Im März 1919 Mitbegründer und Redakteur der »Schlesischen Arbeiterzeitung«. Mit der linken USPD kam er Ende 1920 zur KPD. Von März 1921 bis April 1923 Redakteur an den KPD-Zeitungen in Nürnberg, Augsburg und in Hagen/Westfalen, ab Mai 1923 Redakteur am »Rhein-Ruhr-Pressedienst« in Düsseldorf. Im Herbst 1923 Mitarbeiter der Oberleitung West, erfüllte Kunik »Sonderaufträge« im UB Hagen. Anfang 1925 kam er zum Pressedienst der KPD nach Berlin, zwischenzeitlich arbeitete er von März bis Juni 1925 in der Berliner Vertretung der sowjetischen Nachrichtenagentur Rosta. Von Juli 1925 bis Ende 1926 war Kunik Leiter des Reichspressedienstes der KPD, bekam den Auftrag, die Informationsabteilung zu reorganisieren, und wurde 1928 schließlich Leiter der Informationsabteilung des ZK der KPD, die er bis zu ihrer Auflösung im Dezember 1933 führte. Von 1927 bis 1932 war Kunik auch ständiger Mitarbeiter des theoretischen Organs der KPD »Die Internationale«, wo er ideologische und politische Themen behandelte. In den kontroversen innerparteilichen Debatten trat er indes nicht hervor. Er lebte bereits ab Ende 1932 illegal in Berlin und war als Spezialist für Politökonomie bis Anfang 1933 auch Lehrer an der Reichsparteischule und bei KPD-nahen Massenorganisationen. Im Dezember 1933 auf Weisung des ZK in die Sowjetunion emigriert, leitete er in Moskau unter dem Parteinamen Erich Korn ab Anfang 1934 das deutsche Kabinett am Institut für Weltwirtschaft und Weltpolitik. Im September 1937 geriet Kunik (er hatte u. a. Werner Hirsch, Hermann Remmele und Leo Flieg als Zeugen für seine KPD-Tätigkeit in Deutschland benannt) in die stalinistischen Säuberungen und wurde vom NKWD verhaftet. Erich Kunik soll 1939 in einem Gulag im Gebiet von Workuta umgekommen sein, nicht auszuschließen ist, daß er unmittelbar nach dem Urteil des Militärkollegiums erschossen wurde. Sein Sohn Peter Kunik (Korn) (* 29. 11. 1917) emigrierte 1933 mit der Mutter in die Sowjetunion, wurde Mitglied des Komsomol und besuchte wie andere Emigrantenkinder die Karl-Liebknecht-Schule. Als sein Vater verhaftet wurde und er sein Maschinenbaustudium abbrechen mußte, wandte sich der »Sohn eines Volksfeindes« direkt an Stalin. Er durfte anschließend bis 1944 an der Hochschule für Textilindustrie studieren und wurde Diplom-Ingenieur, ab 1944 Redakteur am Moskauer Rundfunk. Peter Korn-Kunick kehrte 1947 nach Deutschland zurück, wurde Mitglied der SED und arbeitete bis 1952 im DDR-Ministerium für Industrie, 1953/54 Leiter der Kontrollabteilung beim Präsidium des DDR-Ministerrates, war dann bis 1964 stellvertretender Leiter des Büros des Präsidiums des Ministerrates. Peter Korn wohnte 2008 als Rentner in Berlin.

Wer war wer in DDR

Kubiczeck, Walter

* 7.10.1931 – ✝ 21.1.2009

Geb. in Berlin; vom 8. Lebensjahr an Musikunterricht bei Generalmusikdir. Otto Fielitz; mit 17 Jahren Pianist in versch. Big Bands u. Combos; nach dem Abitur 1951 – 54 Stud. der Germanistik an der HU Berlin; 1954 – 59 Lehrer, gleichzeitig am Aufbau des Nachwuchsstudios für Schlagergesang der Amiga beteiligt, das er 1956 – 58 leitete; 1958 – 63 Ltr. der Abt. Tanzmusik von Radio DDR, hier u. a. verantwortl. für die »Schlager-Revue«; 1963 – 73 freischaff. als Komponist, Arrangeur u. Orchesterleiter; 1964 Verb. der Komponisten u. Musikwiss.; gründete 1965 das »Studio-Orchester Walter Kubiczeck« am Berliner Rundfunk; 1973 – 83 stellv. GD beim Komitee für Unterhaltungskunst, 1983 – 89 ehrenamtl. Vizepräs. des Komitees; Träger des Kunstpreises der DDR. Schrieb Chansons, Schlager (u. a. für  Dagmar Frederic u.  Fred Frohberg), Kinder- u. Chorlieder, Orchestermusik, Vorspanntitel für Radio (DT 64) u. Fernsehen (»Schlager-Revue«), seit 1971 die Musiken für über 50 Filme des DFF u. der DEFA (»Das unsichtbare Visier«); produzierte zwei LPs u. nach 1990 zwei CDs (u. a. »Amiga a gogo. Vol. 3. Deutsch-demokratische Soundtracks: East German film and TV themes«, 2001); gest. in Berlin.Christian Krause

Wer war wer in DDR

Küchenmeister, Wera

* 18.10.1929 – ✝ 6.4.2013

Geb. in Berlin; Abitur; seit 1945 freundschaftl. Beziehung zu  Erich Honecker, der sich bei seiner zeitw. Flucht aus dem Zuchthaus bei einer Nachbarin der Skupins aufhielt; 1949/50 Studium am Dt. Theaterinst. Weimar; 1950 – 54 Mstr.-Schülerin bei  Bertolt Brecht; Tätigkeit als Dramaturgin; Doz. an der HS für Filmkunst, Babelsberg; Autorin der DEFA; ab 1966 Chefdramaturgin des Berliner Maxim-Gorki-Theaters; später Sekr. des Filmbeirats beim Min. für Kultur; freie Autorin in Berlin; verh. mit  Claus K.; 1958/59 Preis für Kinder- u. Jugendlit. des Min. für Kultur; 1959 Ernst-Zinna-Preis und Heinrich-Greif-Preis; Kunstpreis der FDJ; 1971 Kunstpreis des FDGB u. NP (alle Preise gem. mit Claus K.); ab 1964 vom MfS als IM »Sonja«, ab 1976 als IM »Kaminski II« geführt; 1970 Verdienstmedaille der NVA; gest. in Blankensee/Trebbin. Filmszenarien (mit Claus K.): »Sie nannten ihn Amigo« (1959), »Die Abenteuer des Werner Holt« (1965, C. K.), »KLK an PTX – die Rote Kapelle« (1971), »Der große u. der kleine Klaus« (1970), »Aus dem Leben eines Taugenichts« (1973), »Der Lude« (1985).Blankensee, Thümenscher Winkel. Schwedt 1995.Anette Leo

Wer war wer in DDR

Kuczynski, Thomas

* 12.11.1944

Geb. in London, Eltern Wirtschaftswissenschaftler, Vater  Jürgen Kuczynski; 1947 Übersiedl. der Fam. nach Berlin, dort aufgewachsen u. 1963 Abitur an der Paul-Österreich-OS; 1966 SED; 1963 – 68 Studium der Statistik an der HfÖ Berlin-Karlshorst, Diplom-Wirtschaftler, 1972 dort Prom. bei  Hans Mottek über »Das Ende der Weltwirtschaftskrise in Dtl. 1932 / 33«; 1972 – 91 Mitarb. am Inst. für Wirtschaftsgesch. der AdW in Berlin, ab 1974 Aufbau u. Ltr. der Abt. Mathemat. Methoden; 1979 Dissertation B »Zur Anwendbarkeit mathemat. Methoden in der Wirtschaftsgeschichtsschreibung«; 1987 Prof. der AdW, 1988 – 91 Dir. des Inst. für Wissenschaftsgesch. (Nachf. von  Helga Nussbaum). Nach der Abwickl. der AdW ab 1992 freier Publizist u. Autor von Studien zur Polit. Ökon.; seit 2006 auch am Theaterprojekt »Karl Marx: Das Kapital« beteiligt; lebt in Berlin. Wegbereiter der Cliometrie in der DDR; internat. anerkannte Pionierarbeit insb. mit der mathemat. Modellierung wirtschaftshistor. Prozesse (Analyse von Krisenphänomenen, lange Trends in der Wirtschaftsentw.).Wirtschaftsgesch. u. Math. Berlin 1985 (Hrsg.); Das kommunist. Manifest von Karl Marx u. Friedrich Engels. Von der Erstausgabe zur Leseausgabe. Trier 1995; Transformation der Werte in Produktionsweise im Rahmen der einfachen Reproduktion. Marburg 2000; Brosamen vom Herrentisch. Berlin 2004. Kuczynski, J.: Memoiren. Berlin 1973; Wroblewsky, C.: »Da wachste eines Morgens uff und Du hast nen Bundeskanzler«. Hamburg 1990 (Interview mit Th. K.).Dieter Hoffmann

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Kühl, Bernhard

* 17.6.1878 – ✝ 21.7.1944

Geboren am 17. Juni 1878 in Camminke/Swinemünde; lernte Schriftsetzer und Drucker (Schweizerdegen) in Berlin. 1896 trat er der SPD, 1917 der USPD bei. Kühl war Anhänger der Spartakusgruppe und gehörte im November 1918 zu den Aufständischen, die die Druckerei des »Berliner Lokalanzeigers« besetzten, um dort dann als Drucker und Setzer an der Herausgabe der »Roten Fahne« mitzuwirken. Kühl wohnte in Bernau bei Berlin und war im Januar 1919 Mitbegründer der KPD und einige Zeit Vorsitzender der Ortsgruppe. Auf dem V. Parteitag im November 1920 wurde er erstmals in den Zentralausschuß und als Vertreter Schlesiens auf dem VII. Parteitag im August 1921 in Jena erneut in den ZA gewählt. 1925 von der Zentrale nach Königsberg/Ostpreußen versetzt, wo er die Peuvag-Filiale aufbaute und leitender Mitarbeiter beim »Echo des Ostens« war. 1929 kehrte er nach Berlin zurück, war kurzzeitig Leiter der KPD-eigenen Berliner Friedrichstadtdruckerei. Ab 1930 leitete er die Peuvag-Filiale in Hannover und war im Auftrag der Komintern in Schweden und Norwegen. 1933 in Hannover verhaftet, ging er nach seiner Entlassung nach Berlin zurück. Bernhard Kühl starb nach schwerer Krankheit am 21. Juli 1944 in Bernau bei Berlin.

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Kühn, Ludwig

* 22.6.1893 – ✝ 21.12.1977

Geboren am 22. Juni 1893 in Venusberg/Krs. Marienberg, Sohn eines Zimmermanns; Schlosser. Seit 1911 in der SPD, gehörte er zu den Mitbegründern der Arbeiterjugendbewegung in Chemnitz. Nach Ausbruch des Weltkrieges Anhänger der Linken um Heinrich Brandler und Fritz Heckert. Soldat im Weltkrieg, ab 1917 Rüstungsarbeiter. Führend in der Spartakusgruppe in Chemnitz, im November 1918 gehörte Kühn dem Arbeiter- und Soldatenrat an und war 1919 Mitbegründer der KPD in Chemnitz. 1921 und 1923 Delegierter zum VII. und VIII. Parteitag in Jena und Leipzig. Nach seiner Entlassung als Schlosser 1921 hauptamtlicher Funktionär der BL Chemnitz/Erzgebirge, zeitweise Sekretär des UB Chemnitz und Sekretär für Gewerkschaften bzw. Orgleiter der BL. Im Zusammenhang mit den innerparteilichen Auseinandersetzungen schied er 1923 als Rechter aus dieser Funktion aus. Zunächst Handelsvertreter, konnte er sich als Rundfunkhändler selbständig machen und eröffnete 1924 ein kleines Rundfunkfachgeschäft. 1928/29 arbeitete Kühn bei Gründung der KPO nochmals mit Heinrich Brandler eng zusammen, zog sich dann aus der Politik zurück. 1939 kurzzeitig zur Wehrmacht eingezogen, war er ab 1940 auf der Kieler Kriegsmarinewerft dienstverpflichtet. Im August 1945 Rückkehr nach Chemnitz, Arbeit als Rundfunkmechaniker im Landesnachrichtenamt, dann Leiter der Abteilung Rundfunk des Landessenders Dresden. Ab 1947 Präsident der Landeshandwerkskammer Sachsen, von 1953 bis 1959 Werkleiter des VEB Fernmelde-Anlagenbau Dresden. Ludwig Kühn starb am 21.Dezember 1977 in Karl-Marx-Stadt (Chemnitz). Seine Frau Gertrud Kühn, geborene Seidel (*8.11. 1893 – † Juli 1981) aus Chemnitz, von Beruf Kontoristin, trat 1917 in die USPD, 1920 in die KPD ein. Von 1921 bis 1924 Sekretärin in der Zentrale der KPD in Berlin, war sie in erster Ehe von 1917 bis 1932 mit Heinrich Brandler verheiratet, mit dem sie von 1925 bis 1927 im Hotel »Lux« in Moskau wohnte, dort Mitarbeiterin im Marx-Engels-Institut. Sie kehrte 1928 nach Deutschland zurück und arbeitete 1928/29 bei der sowjetischen Handelsvertretung in Berlin. Nach ihrer Trennung von Brandler lebte sie mit Ludwig Kühn zusammen und war von 1930 bis 1944 im Geschäft ihres Mannes tätig. Nach 1945 in der SED, war Gertrud Kühn als frühere Frau Brandlers verfemt und wurde 1951 als »Trotzkistin« aus der Partei ausgeschlossen.

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Kühn, Fritz

* 29.4.1910 – ✝ 31.7.1967

Geb. in Berlin; 1924 – 28 Ausbildung zum Werkzeugmacher u. Bauschlosser; danach Arbeit als Schmied und Fotograf; 1937 Gründung einer Kunstschmiede in Berlin-Grünau. Nach 1945 Wiederaufbau der Werkstatt, Erweiterung zum Atelier für Kunstschmiedearbeiten; 1964 Ernennung zum Prof. Zunächst traditionelle Kunstschmiedearbeiten, zunehmend Verwendung von Stahl u. Metallen, Entw. neuer Formen u. Bearbeitungsmethoden; zahlr. Bauten erhielten ihren künstler. Schmuck durch F. K.s Metallarbeiten, u. a. auf den Weltausstellungen in Brüssel (räumliche Gitterwand im deutschen Pavillon, 1958) und Montreal (Stahlplastik, 1966), für das Mahnmal Buchenwald (Turmbekrönung, Opferschalen, Schriftplatten, 1955–58) u. weitere Gedenkstätten (u.a. Coventry 1962, Futa-Pass 1964, Dachau 1967) sowie für Staatsratsgebäude (1963); St.-Hedwigs-Kathedrale Berlin (1964), Berliner Stadtbibliothek (A-Tür, 1965), Knochenhaueramtshaus Hildesheim, Oper Dortmund (1965); daneben entstanden zahlr. Gitter u. Treppengeländer für Wohnhäuser u. Schulen, Leuchter, Schalen u. insbes. Brunnen (Einkaufszentrum Magdeburg, 1964; Strausberger Platz Berlin, 1967); 1954 NP; die von ihm aufgebaute Kunstschmiedewerkstatt wurde von Sohn Achim K. fortgef. 2003 bildete sich in Berlin die F.-K.-Gesellschaft e.V., die den Nachlass pflegt.Zahlr. Fach- u. Kunstbücher, u.a. Eisen u. Stahl. Leipzig 1957; Kompositionen. München 1958. Hanisch, G.: F. K. 1910 – 1967 – in Memoriam. Berlin 1970 (mit Bibl.); Krase, A.: F. K. Das photographische Werk 1931 – 1967. Berlin 1998 (hrsg. von Ulrich Domröse).Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Kühne, Heinz

* 8.1.1921 – ✝ 18.11.1996

Geb. in Bernburg; Vater Bergmann, Mutter Friseurin; Volksschule; 1935 – 40 Lehre u. Arbeit als Elektroschweißer; 1940 – 45 Wehrmacht; 1945 – 48 sowj. Gefangenschaft, 1947/ 48 Antifa-Schüler, dann Lektor für Kriegsgefangene. 1948 Einstellung bei der VP, Krs.-Amt Bernburg; SED; 1950 Einstellung beim MfS, LV Sachsen-Anh., Ltr. der Abt. VIIa (VP-Bereitschaften); 1952 Ltr. der Abt. VII (MdI/DVP) der BV Magdeburg; 1953 Ltr. der Abt. III (Volkswirtschaft); 1956/57 Lehrgang für mittlere Kader, MfS-Schule Teterow; 1957 stellv. Operativ des Ltr. der BV Magdeburg; 1962/63 Besuch der PHS; 1965 – 68 Fern- bzw. Externstudium an der JHS Potsdam-Eiche, Dipl.-Jur.; 1971 dort Prom. zum Dr. jur.; Ltr. der BV Magdeburg (Nachf. von  Heinz Eggebrecht); Mitgl. der SED-BL Magdeburg; 1977 Entlassung, Rentner.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Kukelski, Werner

* 14.7.1920 – ✝ 22.8.1995

Geb. in Berlin; Volksschule; 1932 KJVD; 1935/36 Hotelpage; 1936 – 45 Lehre u. Arbeit als Schlosser; 1941/42 dienstverpflichtet. 1945/46 KPD/SED; 1945 Schlosser, dann im Betriebsschutz der Buna-Werke; 1946 Einstellung bei der Polizei Merseburg; 1948 Ltr. der Kripo Torgau; 1949 Einstellung bei der HV zum Schutz der Volkswirtschaft (ab Febr. 1950 MfS); stellv. Ltr. der Abt. IV (Spionageabwehr), zeitw. Ltr.; 1953 Abt.-Ltr. in der HA II (Spionageabwehr); 1956 nach Disziplinarstrafe Ref.-Ltr. in der HA I (Militärabwehr); 1959 – 62 Einsatz als MfS-OibE im MfNV, Ltr. der Abt. Operativ u. stellv. Ltr. der Verw. 15 (Vorber. von Sabotageakten); 1961 Oberst-Ltn.; 1962 Versetzung ins MfS, Ltr. der Abt. IV/2, später Abt.-Ltr. in der AGM/S (militär. Spezialkräfte); 1964 – 69 Fernstudium an der JHS Potsdam-Eiche, Dipl.-Jur.; 1977 Entlassung, Rentner; gest. in Berlin.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Külow, Edgar

* 10.9.1925 – ✝ 29.9.2012

Geb. in Werdohl (Westf.); Vater Schreiner; Dienst bei der Wehrmacht; Schauspielschule. 1946 als KPD-Mitgl. in die SBZ; SED; ab 1949 Sprecher beim Sender Leipzig; ab 1959 Schauspieler, Textautor, Regisseur u. 1962 – 64 Dir. der »Leipziger Pfeffermühle«; danach beim DFF u. bei der DEFA; Regisseur beim Hallenser Kabarett »Die Taktlosen« u. Gastregisseur bei der Berliner »Distel«; 2006 Stern der Satire. Gest. in Berlin.Koslowski in Weimar. Berlin 1996; Koslowski im Bundestag. Berlin 2000; Ruhrpott-Willi erobert den Osten. Berlin 2003. Braunseis, H.: E. K. – nicht sehr ergiebig? In: Kassette 6. Berlin 1982.Gisela Winkler

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Kunath, Arthur

* 2.11.1914 – ✝ 5.2.1995

Geb. in Dresden; Vater Metallarb.; Volksschule; Lehre u. Arbeit als Lithograph; 1924 Jungspartakusbund, 1929 KJVD; nach 1933 illeg. Arbeit; 1935 – 37 u. 1939 – 45 Wehrmacht. 1945/46 KPD/SED; 1945/46 Ltr. für Propaganda bzw. Propaganda u. Presse in der Landesverw. Sachsen, 1947/48 Abt.-Ltr. für Presse, Propaganda u. Information der Landesreg. Sachsen; 1948 – 50 Ltr. des Sekr. der DVdI in Berlin; 1949/50 Teiln. am Sonderlehrgang der HV Ausbildung der DVdI in Privolsk / Saratow in der UdSSR; 1950/51 Ltr. der DVdI-Dienststelle Eggesin; 1952 – 54 Ltr. der Abt. Organisation u. zugl. Stellv. des Chefs, 1954 – 56 Chef der Verw. Bewaffnung des MdI; 1956/57 Chef der Artillerie-Truppen des MfNV; 1957 Gen.-Major; 1957 – 59 Hörer an der Militärakad. des Generalstabs der Streitkräfte der UdSSR, 1959 – 61 Chef des Militärbez. Leipzig; 1961/62 Speziallehrgang in der UdSSR; 1961 – 71 Chef der Verw. Artillerie u. Raketenwaffen im MfNV; 1966 Gen.-Ltn., 1971 – 78 Stadtkommandant von Berlin (Nachf. von  Helmut Poppe).Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Kundermann, Erich

* 10.1.1903 – ✝ 13.9.1992

Geboren am 10. Januar 1903 in Berlin, Sohn eines Gärtners; lernte Gürtler und arbeitete als Metallarbeiter. 1918 trat er der Arbeiterjugend, 1919 dem DMV und 1923 der KPD bei. Von 1925 bis 1929 Mitglied der KJVD-BL Berlin-Brandenburg, von 1925 bis 1933 offiziell Angestellter der sowjetischen Handelsvertretung in Berlin. Er gehörte von 1927 bis 1929 dem ZK des KJVD an und war von 1929 bis 1932 Leiter des Ressorts für illegale Arbeit der KPD-BL Berlin-Brandenburg. Bis Oktober 1933 illegal in Berlin tätig, emigrierte er zunächst in die Tschechoslowakei, von dort in die Sowjetunion. 1934 war Kundermann Kursant an der Internationalen Leninschule in Moskau, von 1935 bis 1937 Angestellter bei einer Moskauer Firma und von 1937 bis 1939 als Gürtler tätig. Nach Kriegsausbruch 1941 Politinstrukteur in Kriegsgefangenenlagern, ab 1943 gehörte er dem NKFD an. Als Lehrer an Antifa-Schulen eingesetzt, kam er Ende 1944 an die KPD-Schule (Institut 99) in Moskau. Nach Deutschland zurückgekehrt, war er dann von 1945 bis 1950 persönlicher Referent des Innenministers bzw. Leiter der Hauptabteilung Personal und Schulung im Innenministerium des Landes Mecklenburg. Erich Kundermann war mit Aenne Kundermann, geborene Seufert (* 6. 10. 1907 – † 30. 1. 2000), verheiratet. Die gebürtige Mannheimerin, seit 1928 KPD-Mitglied, war bis 1933 nacheinander Orgleiterin des KJVD-Bezirks Württemberg, Stenotypistin der KJI in Moskau und in der Gewerkschaftsabteilung des ZK der KPD in Berlin. 1933 in Saarbrücken im Internationalen Komitee der Berg-, Chemie- und Metallarbeiter, emigrierte sie im November 1933 in die Sowjetunion, dort bis 1938 Stenotypistin in der RGI, anschließend im Zentralrat der Russischen Gewerkschaften, von Juni bis November 1941 bei der Komintern in Moskau und Ufa. Bis 1944 war Aenne Kundermann Inspekteurin in NKWD-Kriegsgefangenenlagern. Wie ihr Mann Ende 1944 an der KPD-Parteischule bei Moskau, kehrte mit ihm im Mai 1945 nach Deutschland zurück. Zunächst Leiterin der Kaderabteilung im KPD-LV Mecklenburg, dann im Sekretariat der SED-Landesleitung Mecklenburg. Ab 1950 Botschafterin der DDR in Sofia, anschließend in Warschau, 1960/61 in Albanien. Erich Kundermann begleitete seine Frau als Handelsattaché nach Bulgarien und Polen. Er war 1954/55 Abteilungsleiter im Innenministerium in Ost-Berlin und leitete danach bis 1960 das Sekretariat der Volks- und Länderkammer. 1988 erhielt er den VVO in Gold. Erich Kundermann starb am 13. September 1992 in Berlin.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Kuntz, Albert

* 4.12.1896 – ✝ 23.1.1945

Am 4. Dezember 1896 in Bennewitz bei Wurzen als Sohn eines Tischlers und eines Dienstmädchens geboren. Seit 1900 mußte die Mutter Albert und zwei jüngere Geschwister allein ernähren; er wuchs in großer Armut auf. Schon als Schulkind mußte er in einer Federnschleißfabrik arbeiten, war später Laufjunge. Von 1911 bis 1915 Lehre als Kupferschmied, Mitglied der Gewerkschaft. 1916 Soldat eines Pionierbataillons, erlitt bei Verdun eine schwere Beinverwundung. 1918 in den Soldatenrat gewählt, 1919 Mitglied des Arbeiterrates in Wurzen und im Juli 1919 Mitbegründer der dortigen KPD. Ab 1920 in der BL der KPD Mitteldeutschland, als Kupferschmied war er viel auf Montage. Nach einem Betriebsunfall 1922 Notstandsarbeiter, ab 1923 hauptamtlicher KPD-Funktionär, Orgleiter für Westsachsen in Leipzig. Von Februar 1925 bis Februar 1926 wieder Arbeiter in Chemnitz, Mitglied der BL Erzgebirge-Vogtland. Kuntz wurde 1926 vom Polleiter Alwin Heucke als Orgleiter nach Hessen-Frankfurt geholt und blieb in dieser Funktion bis 1928. Nach dem Ausschluß der Rechten übernahm er im Oktober 1928 als Polleiter die Führung des Bezirks Hessen-Frankfurt. Auf dem XII. Weddinger Parteitag 1929 zum Kandidaten des ZK berufen, ab 1930 Orgleiter des Bezirks Berlin-Brandenburg. Im April 1932 als Abgeordneter in den Preußischen Landtag gewählt, Ende Juni 1932 ging er erneut als Polleiter nach Hessen-Frankfurt. Im Februar 1933 Teilnehmer der illegalen Tagung der Parteiführung im Sporthaus Ziegenhals bei Berlin. Am 12. März 1933 bei einer illegalen Versammlung in Dreieich/Hessen verhaftet, wurde Kuntz, ein Hüne von Gestalt, fürchterlich zusammengeschlagen und lag wochenlang im Gefängnislazarett. Vom 4. bis 19.Juni 1934 stand er als Hauptangeklagter vor Gericht, im (zweiten) Prozeß wegen der Ermordung der Polizeihauptleute Anlauf und Lenck durch den KPD-Apparat am 9. August 1931 in Berlin. Während drei Angeklagte zum Tode, die anderen zu hohen Zuchthausstrafen verurteilt wurden, kam es für Kuntz zu einem Freispruch: »Aufgrund der glaubhaften Aussage des Angeklagten Klause ( Michael Klause) steht somit fest, daß der Angeklagte Kuntz von dem Mordplan unterrichtet war. Er war zugegen, als Kippenberger am Sonnabend den Plan entwickelte, wie der Hauptmann Anlauf noch am selben Abend unter Mitwirkung des RFB erschossen werden sollte; er kam hinzu, als Kippenberger den zweiten Plan entwickelte; er war dabei, als Heinz Neumann am Sonntagabend den Peschky zur Tat drängte... Es hat sich aber nicht feststellen lassen, daß Kuntz irgendwie bei der Ausführung des Verbrechens mitgewirkt hat. Auch nach Klauses Darstellung hat er selbst nichts getan, um den Erfolg herbeizuführen oder die Tat irgendwie zu fördern. Wegen Mittäterschaft oder Beihilfe an dem Mord konnte er daher nicht bestraft werden. Ferner hat er nach der Begehung des Mordes den Tätern Ziemer und Mielke [später Minister für Staatssicherheit der DDR] wissentlich Beistand geleistet, um sie der Bestrafung zu entziehen.« Da Kuntz’ Vergehen unter Amnestie fielen, wurde er in diesem Prozeß freigesprochen, jedoch weiter in »Schutzhaft« im KZ Lichtenburg gefangen gehalten. Im April 1935 zu eineinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt, kam er nach Verbüßung dieser Strafe im Zuchthaus Kassel erneut ins KZ Lichtenburg, im August 1937 dann nach Buchenwald, wo er zusammen mit Walter Stoecker und Theodor Neubauer die illegale KPD-Gruppe organisierte. 1942 mehrere Monate im berüchtigten Bunker des KZ eingesperrt, 1943 ins Nebenlager Kassel und im September in das Lager Dora bei Nordhausen gebracht. Unter seiner Leitung verübte eine illegale Gruppe Sabotage an den dort hergestellten V-Waffen. Im November 1944 bemühte sich die SS vergebens, von ihm die Hintergründe der Sabotage zu erfahren. Am 23.Januar 1945 wurde Albert Kuntz im Bunker ermordet, seine Leiche im Krematorium des KZ verbrannt. Seine Frau Ellen Kuntz, geborene Geißler (*2.2. 1898 – † 21. 5. 1986), war Hausangestellte bei Alexandra und Franz Pfemfert, bei denen sie sich auch weiterbilden konnte. 1920 KPD-Mitglied, kehrte sie 1925 nach Sachsen zurück. Hier lernte sie Albert Kuntz kennen, sie heirateten 1926. Mit ihrem Mann und dem 1926 geborenen Sohn Leo siedelte sie nach Frankfurt/M. über, war hier Leiterin des Jungspartakusbundes und gehörte von 1927 bis 1929 der Reichsleitung des RFMB an. Nach der Verhaftung ihres Mannes lehnte sie Angebote, in die Emigration zu gehen, ab. Ellen Kuntz wollte den Kontakt zu ihrem Mann nicht abbrechen lassen und blieb in Berlin. 1945/46 Mitglied der KPD-BL Groß-Berlin, verlor sie nach den Oktoberwahlen 1946 ihren Posten als Vizebürgermeisterin in Berlin-Schöneberg. 1950 zunächst Instrukteurin, später stellvertretende Leiterin der Frauenabteilung des SED-PV bzw. der Arbeitsgruppe Frauen des ZK. Sie erhielt 1973 die Ehrenspange zum VVO in Gold. 2005 veröffentlichte der Sohn Leo Kuntz eine Briefedition: »Albert Kuntz: »Liebste Ellen...« Briefe aus der Nazi-Haft 1933 bis 1944«.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Kübler, Karl

* 9.11.1889 – ✝ 13.3.1948

Geboren am 9. November 1889 in Backnang; Schreiner. Vor dem Weltkrieg Mitglied der SPD, 1917 Übertritt zur USPD, 1920 mit dem linken Flügel der USPD zur KPD. Kübler übte verschiedene Funktionen in Stuttgart aus, war seit 1926 Mitglied der BL Württemberg und wurde 1927 in eine Kommission zur Ausarbeitung eines Aktionsprogramms der KPD in Württemberg gewählt. Da er bei den Auseinandersetzungen mit der starken Gruppe der Rechten in der KP Württemberg 1928/29 zu den eifrigsten Linken zählte, wurde Kübler vom XII. Parteitag 1929 als Kandidat ins ZK berufen. Nach 1933 längere Zeit inhaftiert, trat er nach 1945 politisch nicht mehr hervor. Karl Kübler starb am 13. März 1948 in Stuttgart.

Wer war wer in DDR

Kuckhoff, Greta

* 14.12.1902 – ✝ 11.11.1981

Geb. in Frankfurt (Oder); Vater Musikinstrumentenmacher; Lyzeum u. Oberlyzeum in Frankfurt (Oder); 1924 – 29 Studium der Volkswirtschaft in Berlin u. Würzburg sowie der Soziol. an der Univ. Wisconsin / Madison (USA), Dipl.-Volkswirtin; 1928/29 »honorary fellow« der soziolog. Fak. u. Assistentin von Edward A. Ross; nach Rückkehr aus den USA freiberufl. Sprachlehrerin u. Übersetzerin für engl. u. amerik. Wirtschaftsrecht; 1930 – 32 Assistentin eines Züricher Rechtsanwalts; danach Lehrerin für amerik. Wirtschaftsrecht in Berlin; 1932/33 wiss. Assistentin von Karl Mannheim am Inst. für Sozialforschung in Frankfurt (Main); 1933 Studienaufenthalt an der London School of Economics, dort Vorbereitung der Emigr. für Karl Mannheim; seit 1937 verh. mit Adam K. (1943 hingerichtet); Dolmetscherin im rassenpol. Amt der NSDAP; 1935 KPD; Mitgl. der »Roten Kapelle«, beteiligt an Vorbereitungen für die Nachrichtenübermittlung an den sowj. Nachrichtendienst GRU; 12.9.1942 verhaftet, Febr. 1943 vom 2. Senat des RKG wegen Beihilfe zur »Vorber. zum Hochverrat« zum Tode verurteilt, 1943 zu zehn Jahren Zuchthaus begnadigt; 1944/45 Haft im Frauenzuchthaus Cottbus u. Zuchthaus Waldheim. Mai 1945 Ltr. der Amtsstelle für die entnazifizierten u. herrenlosen Betriebe; 1945/46 stellv. Ltr. der Abt. Ernährung beim Magistrat von Berlin; 1946 SED; ab 1947 stellv. Vors. der Stadtltg. des KB Berlin; 1948/49 Mitgl. des Sekr. der DWK, dort stellv. Ltr. im Fachsekr. Landw., Handel u. Versorgung; 1949 Aufsichtsrat im Verb. Dt. Konsumgenossensch.; 1949/50 Ltr. der HA Wirtschaftspol. im MfAA; 1949 – 58 Abg. der (Prov.) Volkskammer; 1950 – 58 Präs. der Dt. Notenbank mit Sitz u. Stimme im Min.-Rat, Apr. 1958 nach Konflikten mit der SED-Führung aus gesundheitl. Gründen ausgeschieden; ab 1964 Vizepräs. des Friedensrats der DDR u. Mitgl. des Weltfriedensrats; 1963 – 75 Präs. der Dt.-Brit. Ges.; 1968 Vizepräs. der Liga für Völkerfreundschaft; 1965 VVO; 1968 Stern der Völkerfreundschaft; 1977 KMO; 1973 Dr. h. c. der MLU Halle; gest. in Berlin.Vom Rosenkranz zur Roten Kapelle. Ein Lebensbericht. Berlin 1972; Vom humanist. Bildungsideal zum realen Soz. Halle 1973. Griebel, R., Coburger, M., Scheel, H.: Erfaßt? Das Gestapo-Album zur Roten Kapelle. Eine Fotodokumentation. Halle 1992; Coppi, H., Danyel, J., Tuchel, J.: Die Rote Kapelle im Widerstand gegen den Nationalsoz. Berlin 1994; Scheidemann, Ch.: G. K. Eine kurze, aber wichtige Episode. In: Müller, U., Scheidemann, Ch. (Hrsg.): Gewandt, geschickt u. abgesandt. Frauen im diplomat. Dienst. München 2000.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Kuessner, Hinrich

* 29.4.1943

Geb. in Gerdauen (Ostpr. / Železnodorožnyj, Rußland); Abitur in Schwerin; Studium der Theolog. in Rostock; Pfarrer in Berlin-Brandenb.; Verwaltungsausb. in Greifswald; 1973 – 78 Abt.-Ltr. u. Revisor, 1979 – 88 Geschäftsf. des Diakon. Werkes der Ev. Landeskirche Greifswald; 1989/90 Vorsteher der Johanna-Odebrecht-Stiftung in Greifswald; Sept. 1989 Mitgl. des Neuen Forums; Dez. 1989 SDP; 1989/90 Vors. des Untersuchungsaussch. der Stadt Greifswald; 1990 Schatzmstr. der SDP der DDR; März – Okt. 1990 Mitgl. der Volkskammer. 1990 – 94 MdB; 1994 – 2002 MdL Mecklenb.-Vorpomm.; 1994 – 98 Min. für Soziales u. 1996 – 98 stellv. Ministerpräs. des Landes Mecklenb.-Vorpomm.; Mitgl. des SPD-Bundesvorst.; Mitgl. der Stiftung »Gegen Vergessen – Für Demokratie«; 1998 – 2002 Präs. des Landtags Mecklenb.-Vorpomm. (Nachf. von  Rainer Prachtl); seit 2004 Mitgl. der Bürgerschaft Greifswalds.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Kühl, Eberhard

* 26.11.1936

Geb. in Rostock; Vater Kraftfahrer, Mutter Hausfrau; Grundschule; 1951 FDJ; 1952 – 56 Lehre u. Arbeit als Kfz-Schlosser in Rostock; 1956 – 60 Betriebsprüfer, Brigadeltr. u. Sachgebietsltr. in der Abt. Finanzen beim Rat der Stadt Rostock; 1957 – 59 Studium an der FS für Finanzwirtschaft in Gotha, staatl. geprüfter Finanzwirtschaftler; 1960 – 72 Prüfungsltr., stellv. Ltr. der Abt. Finanzen bzw. Preise beim Rat des Bez. Rostock; 1961 – 66 Fernstudium an der WPU Rostock, Dipl.-Wirtschaftler; 1963 SED; 1972 – 75 pol. Mitarb. der Abt. Wirtschaft der SED-BL Rostock, 1975 – 78 pers. Mitarb. des 1. Sekr. der SED-BL Rostock  Ernst Timm; 1978 / 79 Studium an der AfG beim ZK der KPdSU in Moskau; 1979 – 83 Mitgl. des Rats des Bez. Rostock für Finanzen u. Preise; 1979 – März 1990 Abg. des Bezirkstags Rostock; 1983 1. Stellv. des Vors., ab Juni 1985 amt. Vors. des Rats des Bez. Rostock; 1986 – 31.12.1989 Vors. des Rats des Bez. Rostock; bis Febr. 1990 PDS, danach parteilos. 1990 – 1999 Arbeit in einer Gesellschaft für Wirtschaftsprüfer, Steuerberater u. Rechtsanwälte in Rostock, seitdem Rentner.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Kuhn, Harry

* 4.7.1900 – ✝ 14.5.1973

Geb. in Leipzig, als siebtes Kind einer Schneiderfamilie (Vater im KZ Buchenwald ermordet); 1907 – 15 Volksschule; 1915 – 19 Ausbildung zum Schneider in Leipzig; 1919 – 21 im Beruf tätig; 1915 SAJ u. Schneidergewerkschaft; 1918 Mitbegr. der Freien Soz. Jugend, 1918 – 21 Pol.-Ltr.; 1921/22 KJVD-Sekr. des Bez. Halle-Merseburg; 1922 – 24 Sekr. des ZK des KJVD; 1923 KPD; 1924 Aufenthalt in der UdSSR u. in England; 1924 – 26 Schneider in Leipzig; zeitw. arbeitslos; 1927 Red.-Volontär der »Hamburger Volksztg.«; 1927 Red. der »Arbeiterstimme« in Hannover; 1927 – 29 Red. u. Instrukteur im Pressedienst des ZK der KPD; 1929 – 31 arbeitslos; Buchhändler in Frankfurt (Main); ab 1929 »Versöhnlergr.«; 1931 – 33 Red. der »Arbeiter-Ztg.« in Frankfurt (Main); ab 1933 illeg. Arbeit; 1933 Org.-Ltr. des KPD-UB Frankfurt (Main); im Juni 1933 verhaftet u. 1934 vom VGH wegen »Vorber. zum Hochverrat« zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt, Haft in Frankfurt (Main) u. im Zuchthaus Luckau; 1936 Aushilfsarbeiten in Berlin; 1937 – 39 Schneider in Leipzig; illeg. Arbeit; 1939 – 45 KZ Buchenwald. 1945/46 KPD/SED; 1945 Pol.-Ltr. der KPD Leipzig u. Neuaufbau der Stadtverw.; ab 1945 Mitarb. der Dt. Verw. für Arbeit u. Sozialfürsorge; dort 1945 – 48 Ltr. der Abt. Arbeit an den Massen, Information u. Schulung; 1948/49 Studium an der PHS; 1949 – 51 Gen.-Sekr. der VVN (Nachf. von  Karl Raddatz); 1951 wegen »mangelnder Wachsamkeit gegenüber Parteifeinden« gerügt u. aller Ämter enthoben, Funktionsverbot; 1951 – 53 Red. in der Sozialversicherung, Aufbau des Referats Presse u. Information; 1953 – 62 Sekr. u. Abt.-Ltr. für nat. u. internat. Arbeit im ZV der Gewerkschaft Wiss.; 1962 – 71 Mitarb. des MfAA, dort Cheflektor des Bulletins »Außenpol. Korrespondenz«; 1957 VVO; 1970 KMO; Schwiegervater von  Hermann Axen; gest. in Berlin.H. K.: Kommunist. Internationalist. Soldat der Rev.: Eine Biogr. Bad Düben 1983; Niethammer, L. (Hrsg.): Der gesäuberte Antifasch. Berlin 1994; Axen, H.: Ich war ein Diener der Partei. Berlin 1996.Bernd-Rainer Barth

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Kühn, Ulrich

* 13.3.1932

Geb. in Halle; Vater Dipl.-Ing., Mutter Orthopädin; Mitgl. des Thomanerchors u. 1949 Abitur an der Thomas-Schule in Leipzig; 1949 – 54 Studium der Theol. an der Univ. Leipzig; anschl. bis 1964 Assistent bei Ernst Sommerlath; Vikar u. Pfarrer in Leipzig; 1957 Prom. u. 1962 Habil. jeweils zu Problemen der kath. Theol.; 1965 – 67 Ltr. der konfessionskundl. Forschungsstelle des Ev. Bunds in Potsdam; 1967 – 69 Doz. für systemat. Theol. am Sprachenkonvikt Berlin; danach bis 1983 am Theolog. Seminar in Leipzig; 1969 – 77 Mitgl. der Synode des Bunds der Ev. Kirchen in der DDR u. 1972 – 83 Mitgl. der Synode der Sächs. Landeskirche; 1983 – 87 Prof. an der Ev.-Theolog. Fak. in Wien; 1987 – 92 wieder am Theolog. Seminar in Leipzig, Spezialist für ökumen. Theol.; 1988/89 Delegierter der Ökumen. Vers. für Frieden, Gerechtigkeit u. Bewahrung der Schöpfung. 1992 Prof. für ökumen. Theol. an der Theolog. Fak. der Univ. Leipzig; 1997 Ruhestand. U. K.s Forschungsarbeiten gelten als wichtige theolog. Grundlagen für die Öffnung des mitteldt. Protestantismus zum ökumen. Dialog.Via caritatis. Theol. des Gesetzes bei Thomas von Aquin. Berlin 1965; Die Ergebnisse des 2. Vatikan. Konzils. Berlin 1967; Handbuch der Systemat. Theol. Bd. X u. XI. Gütersloh 1990 (2. Aufl.); Die eine Kirche als Ort der Theol. Göttingen 1997. Franke, H. et al. (Hrsg.): Autorität der Schrift u. Lehrvollmacht der Kirche. Symposium zum 70. Geburtstag von U. K. Leipzig 2003.Ehrhart Neubert

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Kühne, Lothar

* 10.9.1931 – ✝ 7.11.1985

Geb. in Bockwitz (Lauchhammer); Vater Maschinenschlosser; Mittelschule; 1947 – 49 FDJ-Funktionär; 1949 – 52 ABF in Halle; Sekr. der SED-GO; 1952 – 57 Studium der Philos. u. Kunstgeschichte an der HU Berlin, u. a. bei Ludger Alscher,  Walter Besenbruch,  Kurt Hager,  Wolfgang Heise,  Richard Hamann u.  Willy Kurth; 1953 Kritik an der Pol. der SED, Parteiausschl., Wiederaufn. um 1958; 1957 – 60 Assistent am Inst. für Ges.-Wiss. der TH Dresden; Vorlesungen an der Fak. für Architektur u. Bauwesen; ab 1960 Oberassistent an der HU Berlin; 1965 Prom. zu erkenntnistheoret. u. ästhet. Problemen der Architekturtheorie; 1967 Doz.; 1971 ord. Prof. für dial. u. hist. Materialismus an der Sekt. Marx.-Lenin.; 1975 Prom. B zum Ästhetischen als Faktor der Aneignung, des Eigentums u. des gegenständl. Verhaltens; ab 1976 pol. Maßregelungen u. wiss. Diskreditierung; 1980 Versetzung an die Sekt. marxist.-leninist. Philos.; 1982 invalidisiert; Suizid. L. K. zählte wegen seines Konzepts von Ästhetik als Aneignung zu den wichtigsten Vertretern der Berliner Ästhetik; ausgehend von der Marxschen Konzeption der Vergegenständlichung, zielte seine Forschungsarbeit auf ein Programm gegenständl. u. räuml. Gestaltens (Funktionalismus) u. Verhaltens in kommunist. Perspektive, auf Entwürfe, in denen sich solidar. Verhalten zw. den Individuen mit behutsamem Verhalten zu den Lebensbedingungen verbinden könnte; in diesem Kontext standen seine krit. Reflexionen der Beziehungen zw. Pol., Wirtschaft u. ästhet. Kultur sowie die Rezeption der ästhet. Moderne, insbes. der Reformbew. seit dem 19. Jh. u. der Avantgarde; Kritiker warfen L. K. den »Mißbrauch von Karl Marx« gegen die offiz. Parteilinie vor; Veröff. zu Architekturtheorie, Produktgestaltung, Mode u. Ornament, zur Funktion von Lit. sowie zu Individualität u. Lebensweise.Gegenstand u. Raum. Dresden 1981; Haus u. Landschaft. Dresden 1985. In memoriam L. K. Berlin 1993; Bibl. In: Weimarer Beiträge (1986) 9.Heinz Hirdina

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Kukutz, Irena

* 20.8.1950

Geb. in Parchau (Krs. Burg); Vater Major beim MfS, Mutter Sekretärin; 1957 – 65 POS in Berlin-Prenzlauer Berg; 1965 – 69 EOS in Berlin-Lichtenberg, Abitur mit Berufsausb. zur Betonbauerin; 1969 – 74 Studium an der HS für angew. Kunst Berlin-Weißensee, Dipl.; seit 1974 freiberufl. Keramikerin; Herbst 1982 Mitbegr. der »Frauen für den Frieden«; Engagement in der alternativen DDR-Frauenbew.; 12.12.1983 zeitw. Inhaftierung wegen landesverrät. Nachrichtenübermittl. (OV »Wespen«), 24.1.1984 Einstellung des Ermittlungsverf. nach internat. Protesten; Herbst 1989 – 94 Mitbegr. u. Mitgl. des Neuen Forums; Mitgl. des zentralen. frauenpolit. Runden Tisches. Jan. 1991 – 94 Mitgl. des Berliner Abg.-Hauses, Vors. der Fraktion Neues Forum; ab 1995 wiss. Mitarb. in der Robert-Havemann-Ges.; 1997 – 99 Forschungsprojekt »Frauen für den Frieden«; 1994 – 99 ehrenamtl. Anstaltsberaterin im Frauenstrafvollzug; ab 2000 Forschungsprojekt zum Neuen Forum; 2000 angeklagt wegen Unterzeichn. eines öff. Aufrufs an Angeh. der Bundeswehr, den Kriegsdienst gegen Jugoslawien zu verweigern, Freispruch vor dem LG Berlin-Tiergarten; Dokumentaristin; lebt in Berlin.Geschützte Quelle. Berlin 1990 (mit Katja Havemann); Wenn wir unsere Akten lesen. Berlin 1992; Neues Forum. Findbuch zum Archivbestand. Berlin 2005; Chronik der Bürgerbewegung Neues Forum. Berlin 2009.Helmut Müller-Enbergs

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Kultzscher, Karl Wilhelm Max

* 12.11.1919 – ✝ 5.7.1998

Geb. in Greifswald; Eltern selbständig; 1925 – 37 Privatschule, Gymn. in Greifswald u. Leipzig; 1938 Fachhochschule des Dt. Buchhandels; 1939 Buchhändler in Leipzig; 1940 – 45 Wehrmacht. 1945 Landwirtschaftshelfer in Luckau (Krs. Dannenberg); 1945 Ltr. der Stadtbücherei u. ab 1948 des Kulturamtes Eberswalde; 1945/46 KPD / SED; 1948 / 49 Studium an der DVA Forst-Zinna; 1949 – 52 Ltr. der Presseabt. u. stellv. Ltr. des Amtes für Information der Landesreg. Brandenburg; 1952 / 53 stellv. Chefred. des »Nachtexpress« Berlin; 1953 – 81 Red., Chef vom Dienst, seit 1955 stellv. Chefred., zeitw. auch amt. Chefred. der satir. Ztschr. »Eulenspiegel« (bis 1954 »Frischer Wind«); externer Lehrbeauftragter an der KMU Leipzig; Hrsg. u. Kabarettautor; 1981 vorzeitiger Ruhestand aus gesundheitl. Gründen; 1981 – 89 Autor einer Kolumne im »Eulenspiegel«; gest. in Berlin.Links u. rechts der Dumme. Lebensdatenverarbeitung eines DDR-Satirikers. Köln 1993.Andreas Herbst

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Kunath, Paul

* 26.7.1926

Geb. in Reichenbach (Vogtl.); Vater Schuhmacher, Mutter Druckereiarbeiterin; 1933 – 43 Volksschule u. OS in Zwickau; aktiver Leichtathlet, 1942 / 43 Mitgl. der erweiterten Jugendnationalmannschaft Turnen u. Leichtathletik; 1943 RAD, danach Einberufung zur Marine in Stralsund, Dienst auf einem Zerstörer im Eismeer; Juli 1944 schwere Verwundung, Lazarett in Alta (Norwegen), Aarhus (Dänemark) u. Gera (kriegsuntaugl.); Beförderung zum Fähnrich u. EK I. 1946 – 47 Neulehrer in Reichenbach; 1946 SED; 1947 – 51 Studium Psychol. u. Pädagogik an der Univ. Leipzig; 1951 – 53 Doz. am Lehrerbildungsinst. Leipzig; 1953 – 57 Aspirantur an der PH Potsdam, Dr. paed.; ab Febr. 1958 an der DHfK Leipzig Ltr. des Inst. für Pädagogik u. Wahrnehmungsdoz. für Sportpsychol.; 1959 – 61 Prorektor für Studienangelegeheiten; 1961 – 90 u. a. Ltr. des Inst. für Sportpsychol., 1. Prorektor u. Dekan der Fak. für Gesellschaftswiss.; ab 1967 Prof. mit Lehrauftrag, 1968 mit vollem Lehrauftrag bzw. 1969 mit Lehrstuhl für Sportpsychol.; 1965 Mitbegr. u. Exekutivmitgl. der Internat. Gesell. für Sportpsychol. (ISSP); 1969 Präsidiumsmitgl. der Europ. Gesell. für Sportpsychol. (FEPSAC), 1983 – 91 deren Präsident; 1981 / 83 Gastprof. in Indien; VVO; Verdienter Meister des Sports; Verdienter Hochschullehrer. 1991 Versetzung in den Ruhestand; lebt in Tann / Rhön. Betreuer von 161 Promotions- u. Habilitationsarbeiten; ca. 200 wiss. Publ.; Ehrenmitgl. der Arbeitsgemeinschaft Sportpsychol. der Bundesrep. Dtl.Lehrbuch Tätigkeitsorientierte Sportpsychologie. Frankfurt (Main) 1991 (Hrsg., mit H. Schellenberger); Sportpsychologie für alle. Aachen 2001.Volker Kluge

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Kundermann, Aenne

* 6.10.1907 – ✝ 30.1.2000

Geb. in Mannheim; Vater Fabrikarb., Mutter Näherin; 1913 – 21 Volksschule; 1921 KJVD; 1921 Dienstmädchen; 1921 – 23 Fabrikarb. in Stuttgart; 1923 – 26 Stenotypistin bei der Ortsverw. des DMV in Stuttgart; KJVD-Funktionär im UB Stuttgart-Ost u. im Bez. Württemberg; 1926/27 Stenotypistin im EK der KJI in Moskau; 1928 KPD; 1928 – 30 Sekr. in der Vertriebszentr. u. in der Gewerkschaftsabt. des ZK der KPD; gleichz. Mitarb. im Militärapparat der KPD; 1930 – 33 Sekr. der RGI u. des Internat. Komitees der Berg-, Metall-, Chemie- u. Textilarbeiter u. Angest. in Berlin u. Saarbrücken; ab Aug. 1933 illeg. Tätigkeit in Berlin; Okt. 1933 Emigr. in die ČSR, dann in die UdSSR; sowj. Staatsbürgerschaft; 1933 – 37 techn. Mitarb. im Apparat der RGI in Moskau; versch. Abendkurse der KUNMS; 1935/36 Mitgl. der Kommission der Dt. Vertr. bei der KI zur Überführung der emigrierten KPD-Mitgl. in die KPdSU(B); 1937 – 40 Sekr. in der Auslandsabt. der Zentr. der sowj. Gewerkschaften; 1941 Stenotypistin bei Metall-Import; Mitarb. in der Presseabt. des EKKI; Evakuierung nach Ufa; 1942 Inspektorin in der Verw. des Kriegsgefangenenlagers Spasski Sawod in Kasachstan; danach bis 1944 Politinstrukteurin in den Lagern Basjan / Ural (Nr. 67) u. in Nishni Tagil; 1944/45 Besuch der Parteischule der KPD Nr. 12 bei Moskau. 28.4.1945 Reise nach Stettin; kurzz. Sekr. in der Gruppe  Gustav Sobottka; Juli 1945 Mitarb. der BL Mecklenb.-Vorpom. der KPD (Verbindung zur SMAD, Kaderauswahl); 1946 – 49 Mitgl. u. Ltr. der Kaderabt. der BL bzw. des Landesvorst. der SED in Mecklenb.-Vorpom.; MdL Mecklenb.-Vorpom., Mitgl. des Verfassungsaussch.; ab 1949 Vorber. auf den Botschafterdienst; 1950/51 Chef der diplomat. Mission in Bulgarien; 1951 – 53 in Polen; anschl. Ltr. der Abt. Benachbarte Länder im MfAA; 1954 – 60 Ltr. der HA I (Sowjetunion) u. Mitgl. des Kolleg. des MfAA; 1955 – 62 Mitgl. des Zentralvorst. der DSF; 1960/61 Botschafterin in Albanien; 1962 – 68 Ltr. der Abt. Koordinierung u. Kontrolle im MfAA; ab 1969 Rentnerin; 1977 Ehrenspange zum VVO; 1983 Stern der Völkerfreundschaft; 1987 KMO.Peter Erler / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Kunz, Joachim

* 9.2.1959

Geb. in Stollberg (Sachsen); bei der Großmutter in Lugau (b. Ölsnitz) aufgew.; Turner im TZ Bernsdorf, anschl. KJS Karl-Marx-Stadt; 1974 Wechsel zum Gewichtheben; 1975 Spartakiadesieger; Mitgl. des SC Karl-Marx-Stadt (Trainer seit 1978: Klaus Kroll); 1977 Junioren-EM im Federgewicht; 1979 EM; 1979 Junioren-WM im Federgewicht; 1980 – 89 SED; 1981 WM u. EM im Federgewicht; 1980 Olymp. Spiele: 2. Platz im Federgewicht; 1983 WM u. EM im Federgewicht; 1988 Olymp. Spiele: Sieger im Leichtgewicht; VVO; Ausbildung zum Werkzeugmacher; Sportstudium an der DHfK Leipzig, Dipl.-Sportlehrer. 1990 Unternehmensberater in Chemnitz; 1992 – 96 Gewichtheber beim Athletikclub Chemnitz; Mitinhaber der Lebensmittelfirma Mirako in Rochlitz (b. Chemnitz); Inhaber einer Firma in Oederan, Krs. Freiberg.Klaus Gallinat / Olaf W. Reimann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Küchenmeister, Walter

* 9.1.1897 – ✝ 6.2.1943

(* 1897 – † 1943) Geboren am 9. Januar 1897 in Waldheim/Sachsen, Sohn eines Schuhmachers. Eisendreher und Bergarbeiter, seit 1911 aktiv in der Jugendbewegung und der Gewerkschaft. 1917/18 bei der Marine, beteiligte sich am Aufstand der Kieler Matrosen im November 1918 und ging in Berlin zur SPD, 1921 Übertritt zur KPD. Funktionär in Ahlen, Redakteur der »Westfälischen Arbeiterzeitung« und des »Ruhr-Echos«. 1926 wegen »unproletarischen Verhaltens« aus der KPD ausgeschlossen, er wurde als Polizeispitzel verdächtigt und soll Gelder unterschlagen haben. Anschließend freier Schriftsteller und Inseratenwerber. 1929 Übersiedlung nach Berlin, hier Zusammenarbeit mit Karl Otto Paetel und den Nationalbolschewisten. 1933 und 1934 zweimalige Inhaftierung, u. a. im KZ Sonnenburg. Nach seiner Freilassung Verbindung zu Harro Schulze-Boysen, Küchenmeister gehörte zum Kern der entstehenden Widerstandsgruppe. Er half bei der Herstellung von Flugschriften u. a. »Der rote Stoßtrupp«, organisierte Spendensammlungen für politische Gefangene und politische Schulungen unter Berliner Studenten. Wegen einer schweren Tbc-Erkrankung zum Kuraufenthalt in der Schweiz, trat er in Kontakt mit KPD-Funktionären, z. B. mit Wolfgang Langhoff. Nach seiner Rückkehr wieder im Führungskreis der Schulze-Boysen-Gruppe. Durch die von Wilhelm Guddorf in die Gruppe hineingetragenen Vorbehalte wegen Küchenmeisters früheren Ausschlusses aus der KPD kam es zu Konflikten. Am 16. September 1942 in Berlin festgenommen, vom 2. Senat des Reichskriegsgericht am 6.Februar 1943 wegen Zugehörigkeit zur Widerstandsorganisation »Rote Kapelle« zum Tode verurteilt, wurde Walter Küchenmeister am 13. Mai 1943 in Berlin-Plötzensee hingerichtet. Seine Lebensgefährtin Elfriede Paul (*14.1. 1900), die er in die illegale Arbeit einbezogen hatte, wurde zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt. Sie war ab August 1945 Landärztin in Burgdorf/Niedersachsen, wieder in der KPD und von 1945 bis 1947 Ministerin für Aufbau, Arbeit und Wohlfahrt in der Landesregierung Niedersachsen, zugleich dort MdL. Ende 1947 übersiedelte Elfriede Paul in die SBZ, wurde Mitglied der SED und Abteilungsleiterin in der Zentralverwaltung für Gesundheitswesen, ab 1949 Leiterin der Medizinischen Abteilung der Versicherungsanstalt von Ost-Berlin. Später am Aufbau des Instituts für Sozialhygiene der Medizinischen Akademie Magdeburg beteiligt, bekam sie dort einen Lehrstuhl bis zur Emeritierung 1964. 1950/51 untersuchte die ZPKK Elfriede Pauls zeitweilige Kontakte nach 1945 zu Kurt Müller, dessen Frau Hedda Fischer und Edu Wald, sie saß deswegen vom 23. August bis 14.September 1951 in der MfS-Untersuchungshaftanstalt Berlin. 1980 erhielt sie den VVO in Gold. Ihre Lebenserinnerungen erschienen 1981 unter dem Titel »Ein Sprechzimmer der Roten Kapelle«. Elfriede Paul starb am 30. August 1981 in Ahrenshoop.

Wer war wer in DDR

Kuczynski, Jürgen

* 17.9.1904 – ✝ 6.8.1997

Geb. in Elberfeld; Vater Bankier u. Statistiker; 1910 – 16 Privatschule in Berlin-Zehlendorf, 1916 – 1922 Gymnasium in Berlin; 1922 – 24 Studium der Philos., Finanzwirtsch. u. Statistik in Berlin, Erlangen u. Heidelberg; 1925 Prom. in Erlangen zum Thema »Der ökon. Wert«; 1925/26 angebl. Kontakte zum sowj. Militärnachrichtendienst (»Karo«); 1926 – 29 USA; 1926 Postgraduate Studies an der Brooking-School Washington; 1927 – 28 Ltr. der Forschungsabt. der American Federation of Labor; 1929 – 34 Mithrsg. der »Finanzpol. Korrespondenz«; 1930 KPD; 1930 – 33 Wirtschaftsred. der »Roten Fahne«; Lehrtätigkeit an der MASCH; Ltr. der Abt. Information in der Reichsltg. der RGO; 1933 – 36 illeg. Arbeit in der KPD-Reichsltg.; 1936 Emigr. nach Großbritannien, bis 1944 Mitgl. der KPD-Ltg. in England; 1936 – 39 Ltr. der Gruppe der dt. Kommunisten; 1936 – 44 Mitarb. in der Red. von »Labour Monthly« u. des Dt. Freiheitssenders 29,8; 1939 Mitbegr. des Freien Dt. KB; 1944 – 45 wiss. Mitarb. des United States Strategic Bombing Survey u. Oberst der US-Army. 1945 Präs. der ZV für Finanzen; 1946 SED; 1946 – 56 ord. Prof. an der Univ. Berlin, Gründer u. Ltr. des dortigen Inst. für Wirtschaftsgesch., zeitw. Dekan der Wirtschaftswiss. Fak.; 1947 – 50 Präs. der Ges. zum Studium der Kultur der Sowjetunion; 1949 – 58 Abg. der Volkskammer; 1949 – 52 nebenamtl. Dir. des Dt. Wirtschaftsinst.; 1955 Ord. Mitgl. der DAW; 1956 – 68 Ltr. der Abt. Wirtschaftsgeschichte des Inst. für Geschichte bzw. Dir. des Inst. für Wirtschaftsgeschichte der DAW; 1957 – 59 Revisionismusvorwürfe; 1965 – 79 Vors. des Nationalkomitees der Wirtschaftshist.; 1968 em.; Dr. h. c. der HU Berlin, der TU Dresden u. der MLU Halle; 1976 ausw. Mitgl. der AdW der UdSSR; Fellow der Royal Statistical Society London; zeitw. Mitgl. des EK der Internat. Economic History Association; 1949 u. 1974 NP; 1969 KMO; 1979 Stern der Völkerfreundschaft; 1984 VVO; 1989 Ehrenspange zum VVO; 1990 Mitgl. des Ältestenrats der PDS; gest. in Berlin-Weißensee, wo 2009 ein Platz nach ihm benannt wurde. J. K. galt als Nestor der DDR-Ges.-Wiss.; er hat auf nahezu allen Gebieten der Geistes- u. Sozialwiss. publiziert, seine Bibl. weist annähernd 4.000 Publ. auf, darunter u. a. umfgr. Werke zur Geschichte der Lage der Arbeiter (40 Bde.), Studien zur Geschichte der Ges.-Wiss. (10 Bde.) u. zur Geschichte des Alltags des dt. Volkes (6 Bde.); gegen J. K. wurden mehrmals Revisionismusvorwürfe erhoben; er war dennoch außenwirtschaftspol. Berater Erich Honeckers; J. K.s Einfluß u. Engagement bewirkten, daß das von ihm gegr. Inst. für Wirtschaftsgeschichte bis 1989 eine Einrichtung blieb, an der im Gegensatz zu anderen Hist. Inst. relativ frei geforscht werden konnte.Memoiren. Berlin, Weimar 1973; Dialog mit meinem Urenkel. Berlin, Weimar 1983; 60 Jahre Konjunkturforscher. Sonderbd. Jb. für Wirtschaftsgeschichte (JfWG). Berlin 1984; Schwierige Jahre. Berlin 1990; Kurze Bilanz eines langen Lebens. Berlin 1991; Ein linientreuer Dissident. Berlin, Weimar 1992; Nicht ohne Einfluß. Köln 1993; Frost nach dem Tauwetter. Berlin 1993; Ein Leben in der Wiss. der DDR. Münster 1994; Freunde und gute Bekannte. Berlin 1997; Ein hoffnungsloser Fall von Optimismus? Berlin 1994 (Bibl.); Fortgesetzter Dialog mit meinem Urenkel. Berlin 1996; Ein treuer Rebell. Berlin 1998. J. K. In: Grimm, T.: Was von den Träumen blieb. Berlin 1993; Fs.: ZeitGenosse J. K. Berlin 1994; Girnus, W. (Hrsg.): Sozialistischer Weltbürger u. Enzyklopädist. Mosaiksteine zu J. K. Leipzig 2007; Lembke, H. H.: Die Schwarzen Schafe bei den Gradenwitz u. Kuczynski. Zwei Berliner Familien im 19. u. 20. Jahrhundert. Berlin 2008; Bibliogr. In: Jahrbuch für Wirtschaftsgesch. Sonderbd. 1974, 1979/II, Sonderbd. 1984 (Bibl.), 1989/ II.Ilko-Sascha Kowalczuk

Wer war wer in DDR

Kügelgen, Bernt von

* 31.7.1914 – ✝ 30.1.2002

Geb. in St. Petersburg; Vater Schriftst. (Chefred. der dt.-spr. »St. Petersburger Ztg.«); 1921 Übersiedl. nach Dtl.; 1921 – 23 Schüler in Berlin-Zehlendorf; 1928 – 34 Baltenschule in Misdroy (Krs. Wollin), Abitur; 1933/34 Mitgl. des Stahlhelms u. der Wehrstahlhelm-SA; 1934 – 36 Ausbildung als Werbefachmann u. 1938/39 Volontariat im Scherl-Verlag Berlin; Werbetexter für den Anzeigenteil der »Woche«, dann der »Filmwelt«; 1936 – 42 Wehrmacht; 1939 – 42 in Polen u. Frankreich, Ltn.; zul. Komp.-Führer an der Ostfront; Juli 1942 sowj. Kriegsgefangenschaft im Lager Oranki; Nov. 1942 dort Mitbegr. der 2. Gruppe antifa. Offz.; Mitarb. der Ztg. »Das Freie Wort«; Jan. 1943 Antifa-Zentralschule Krasnogorsk; 1943 Mitinitiator u. Gründungsmitgl. des NKFD; 1943/ 44 NKFD-Frontbevollm. an der 1. Ukrain. Front, danach bis 1945 in Lunowo, Haus des NKFD; Mitgl. des Red.-Kolleg. der NKFD-Ztg. »Freies Dtl.«. Aug. 1945 Rückkehr nach Dtl.; Berichterstatter der »Berliner Ztg.«; 1946 KPD/SED; VVN; 1946 – 48 Ressortltr. Innenpol. der »Berliner Ztg.«; 1946 – 90 VDJ; 1948 KB; 1948 – 50 stellv. Chefred., 1950 – 57 Chefred. der »Neuen Berliner Illustrierten« (Nachf. von  Lilly Becher); 1956 Reportagereise durch China; 1957 – 77 Chefred. der kulturpol. Wochenztg. »Sonntag« (Nachf. von  Heinz Zöger); 1966 Abschl. eines FS-Fernstudiums Journalistik; 1957 – 75 Mitgl. des Präsidialrats des KB; 1958 – 71 stellv. Vors. der Arbeitsgemeinschaft ehem. Offz.; seit 1969 Mitgl. des Beirats des Min. für Kultur; 1975 VVO; 1978 – 90 Ehrenmitgl. des Präsidialrats des KB; 1985 sowj. Gedächtnismedaille für Teiln. am Großen Vaterländ. Krieg; gest. in Berlin.Die Front war überall. Berlin 1958 (Hrsg. u. Mitautor); Die Nacht der Entscheidung. Berlin 1983.Bernd-Rainer Barth

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Kuhls, Georg

* 17.1.1882 – ✝ 14.3.1938

Geboren am 17. Januar 1882 in Stolzenau/Krs. Nienburg. Sohn eines Buchbinders; Dreher. Seit 1903 Mitglied der SPD, 1911 wurde er wegen »Hohenzollernbeleidigung« mit einem Jahr Gefängnis bestraft. Später Verhaftung, weil er aktive Antikriegsarbeit geleistet hatte und Verurteilung zu eineinhalb Jahren Gefängnis. Mitglied des Spartakusbundes, 1919 der KPD. Während der Januarkämpfe 1919 an der Besetzung des Ullsteinhauses beteiligt, saß er ab 1921 erneut zweieinhalb Jahre im Gefängnis. Kuhls war ab 1925 Angestellter der sowjetischen Handelsvertretung in Berlin und aktiver Funktionär des RFB und des AM-Apparates. 1933 illegale Arbeit, im August 1933 Emigration in die Sowjetunion. Als Ehrenpensionär anerkannt, wohnte er in Moskau und hatte bis 1936 Postverbindung zu seiner in Deutschland lebenden Frau Anna Kuhls, geborene Stallaschek (* 3. 11. 1881 in Drossen). Am 14. März 1938 vom NKWD verhaftet, der »Verbindungen zum deutschen Nachrichtendienst« beschuldigt, wurde Georg Kuhls zum Tode verurteilt und am 29. Mai 1938 in Butowo bei Moskau erschossen. Sein Sohn Karl (* 26. 10. 1907 in Berlin), Arbeiter, im Juli 1935 vom Kammergericht Berlin zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt und anschließend achtzehn Monate im KZ Neusustrum/Emsland. 1942 noch zur Wehrmacht einberufen.

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Kuhn, Harry

* 4.7.1900 – ✝ 14.5.1973

Geboren am 4. Juli 1900 in Leipzig als siebentes Kind eines Schneiders; lernte das Schneiderhandwerk. Er war 1918 Mitbegründer der FSJ und bis 1921 Polleiter in Leipzig. 1920 Mitglied der KPD, 1921/22 Jugendsekretär der KJD Halle-Merseburg. Ende 1921 wurde er zusammen mit Fritz Gäbler und Eugen Wiedmaier anstelle von Emil Birkert, Walter Gollmick und Eugen Herbst, die sich zur KAG um Paul Levi bekannt hatten, in das Sekretariat der Reichszentrale der KJD kooptiert. Mit der Mittelgruppe bildete er neben Polleiter Heinrich Pütz, Orgleiter Raffael Chitarow und Gertrud Graeser ( Gertrud Rast) Ende 1923 das »Direktorium« der KJD. Bis 1927 arbeitslos, wurde Kuhn 1925 Polleiter des KJVD in Leipzig. 1927 zunächst Redaktionsvolontär an der »Hamburger Volkszeitung«, anschließend Redakteur an der »Neuen Arbeiterzeitung« in Hannover und von 1927 bis 1929 Redakteur im Pressedienst des ZK der KPD in Berlin. 1929/30 erwerbslos, erhielt er 1931 wieder eine Redakteurstelle an der »Arbeiter-Zeitung« in Frankfurt/M., wo er auch zum Sekretariat der BL gehörte. 1933 sollte Kuhn gemeinsam mit Alfred Grade (Polleiter) die Orgleitung der illegalen BL Frankfurt/M. übernehmen, wurde aber bereits im Juni 1933 verhaftet und am 12.Dezember 1934 vom 2. Senat des VGH zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt, die er in Lukkau verbüßte. Von 1936 bis 1939 Geselle in der väterlichen Schneiderei in Leipzig, dort wurde er mit der gesamten Familie bei Kriegsausbruch verhaftet. Im KZ Buchenwald gefangengehalten, gehörte Kuhn zum illegalen Internationalen Lagerkomitee. 1945 nach Leipzig zurückgekehrt, war er kurzzeitig KPD-Bezirksleiter, danach in Berlin Abteilungsleiter in der Deutschen Zentralverwaltung für Arbeit und Sozialfürsorge. Nach einem Lehrgang an der Parteihochschule »Karl Marx« wurde Kuhn 1949 als Nachfolger von Karl Raddatz Generalsekretär der VVN. Im Februar 1951 erhielt er von der ZPKK wegen »mangelnder Wachsamkeit« eine Rüge und wurde als Generalsekretär abgesetzt, ab 1953 Sekretär des ZV der Gewerkschaft Wissenschaft. Von 1962 bis 1971 war er im DDR-Außenministerium und leitete die Zeitschrift »Außenpolitische Korrespondenz«. Kuhn heiratete nach 1945 Maria Wiedmaier, die Witwe des 1940 ermordeten KPD-Funktionärs Eugen Wiedmaier. Er erhielt 1970 den Karl-Marx-Orden. Harry Kuhn starb am 14. Mai 1973 in Ost-Berlin.Bernd-Rainer Barth

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Kühne, Martha

* 6.3.1888 – ✝ 22.1.1961

Geboren am 6. März 1888 in Leipzig als Martha Hähnel, Tochter eines Eisenbahners; zunächst Hausangestellte und Textilarbeiterin, nach dem Besuch der Handelsschule als Stenotypistin bei verschiedenen Leipziger Rechtsanwälten. 1917 trat sie in die USPD, 1920 in die KPD ein. Von März 1930 bis Dezember 1932 Stadtverordnete in Leipzig, 1930 wurde Martha Kühne in den Sächsischen Landtag gewählt, dem sie bis 1933 angehörte. Mit ihrem Lebensgefährten Bernhard Richter flüchtete sie im April 1933 zunächst nach Prag, im Juni 1933 emigrierten beide in die Sowjetunion. Sie war Angestellte im Marx-Engels-Lenin-Institut und bei der Komintern. Ihr Lebensgefährte Richter, der zuletzt als Korrektor bei der »Deutschen Zentral-Zeitung« arbeitete, wurde vom NKWD verhaftet, der »konterrevolutionären Tätigkeit und Spionage für Deutschland« beschuldigt und am 10. August 1938 in Butowo erschossen. Da Martha Kühne zu ihrem Lebensgefährten stand, wurde sie wegen »parteischädigenden Verhaltens« aus der KPD ausgeschlossen. Während des Hitler-Stalin-Paktes mit Hilfe der deutschen Botschaft um Ausreise nach Deutschland bemüht, was ihr im Oktober 1940 gelang. Bei der Ankunft in Tilsit verhaftet und am 19. April 1941 vom OLG Dresden zu eineinhalb Jahren Gefängnis verurteilt, die sie im Frauengefängnis Leipzig verbüßte. Im April 1942 in das KZ Ravensbrück eingeliefert, wurde sie im April 1945 befreit. Ihr erster Mann E. Kühne war 1944 wegen »Hörens von Radio Moskau und der Entwendung eines Radiogerätes aus einer Ruine« zum Tode verurteilt und hingerichtet worden. Martha Kühne kehrte nach Leipzig zurück und wurde Mitglied der KPD. Sie war bis 1957 in einer Leipziger Firma zunächst als Reinemachefrau, später als Hilfslehrausbilderin für Wirtschaftslehrlinge tätig. Wegen »Kritik an der Sowjetunion« und »schlechter Haltung im KZ Ravensbrück« bereits im März 1946 aus der KPD ausgeschlossen, wurde ihr auch die Anerkennung als OdF aberkannt. 1952 zwar in die SED aufgenommen, erhielt aber erst 1957 wieder den Status eines OdF, später noch die Medaille »Kämpfer gegen den Faschismus«. Martha Kühne starb am 22. Januar 1961 in Leipzig.

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Kuhnt, Alfred

* 1904 – ✝ 1936

Geboren 1904 in Berlin, stammte aus einer Arbeiterfamilie; lernte Schlosser. 1923 Mitglied der KPD, er stand in Berlin auf dem linken Flügel der Partei und kam 1923 in den AM-Apparat. 1925 Anhänger von Ruth Fischer, gehörte Kuhnt der Reichsleitung der Linken Opposition an. 1927 aus der KPD ausgeschlossen, aber nach der Kapitulation vor dem Thälmann-ZK wieder in die Partei aufgenommen. Als Mitarbeiter des Geheimapparates in Deutschland gefährdet, übersiedelte er im Februar 1932 nach Moskau und war dort in der Komintern tätig. Bereits Mitte 1936 in Moskau verhaftet, wurde Kuhnt im Schauprozeß gegen Sinowjew u. a. im August 1936 als trotzkistischer »Kurier« genannt. Bermann-Jurin ( Hans Stauer) behauptete, Trotzkis Sohn Sedow wollte einen »vertrauenswürdigen Deutschen« mit einem Geheimauftrag nach Moskau schicken. »Ich nannte Alfred Kunt [sic!], den ich als überzeugten Trotzkisten kannte.« Angeblich sollte sich Kuhnt in Moskau mit einem der Hauptangeklagten des Prozesses, Iwan Smirnow, treffen und ihm zwei geheime Dokumente Trotzkis überbringen. »Alfred Kunt fuhr im Januar/Februar 1932 nach Moskau ... Kunt teilte auch mit, daß er sich in der Nähe von Moskau niedergelassen hatte, daß er in seiner Arbeit Erfolge zu verzeichnen habe und daß die ?Sache gut geht?«, heißt es laut der Aussage Bermann-Jurins im Prozeßprotokoll. Kuhnt sollte an einem »Terroranschlag« gegen Stalin beteiligt gewesen sein, wurde indessen weder angeklagt, noch trat er im Prozeß als »Zeuge« auf. Es bleibt ungeklärt, ob er ein »Geständnis« verweigerte. Alfred Kuhnt wurde 1936 bei Moskau erschossen.

Wer war wer in DDR

Kulessa, Georg

* 18.4.1918

Geb. in Hohenlinde (Stadtteil von Beuthen/Oberschlesien); Vater Maschinenwärter; Volks-, Mittel- u. Bank-FS; Lehre u. Arbeit als Bankkfm.; 1938 NSDAP, 1939/40 RAD, 1940 – 41 Wehrmacht, 28.6.1941 Desertion u. Übertritt zur Roten Armee; 1941 – 48 sowj. Kriegsgefangenschaft, Antifa-Zentralschule Krasnogorsk, Lagerbevollm. u. von 1943 – 45 Mitarb. des NKFD. 1948 Rückkehr nach Dtl.; SED; 1948 – 50 Sachbearb.; Abt.-Ltr. bzw. HA-Ltr. in der HV Finanzen der DWK; ab 1949 im Min. der Finanzen; 1950 – 52 Instrukteur des ZK der SED; 1951/52 Studium an der PHS; 1953 Arbeitsgemeinschaftsltr. bei der Dt. Notenbank (DNB) bzw. Abt.-Ltr. u. HA-Ltr. bei der Koordinations- u. Kontrollstelle für Industrie u. Verkehr; 1953 – 55 wiss. Mitarb. des Ministers für Maschinenbau  Heinrich Rau; Fernstudium an der DASR Potsdam; 1955 Dipl.-Wirtsch.; 1955 – 63 Stellv. des Präs. u. Dir. der DNB für den Bereich Ausland sowie Mitgl. des Direktoriums der Dt. Notenbank; 1963 – 65 Mitgl. des Direktoriums der Internat. Bank für wirtschaftl. Zusammenarbeit in Moskau; 1966 – 68 Präs. der Dt. Außenhandelsbank; 1969 – 72 Handelsrat an der DDR-Botschaft in der SFRJ.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Külz, Wilhelm

* 18.2.1875 – ✝ 10.4.1948

Geb. in Borna; Vater Pfarrer; Landesschule St. Augustin in Grimma, 1894 Abitur; 1894 – 97 Studium der Rechts- u. Staatswiss. an der Univ. Leipzig; 1901 Prom. zum Dr. sc. pol. an der Univ. Tübingen; 1901 – 03 Beamter in Zittau (Stadtschreiber) u. 1903/04 stellv. Bürgermstr. von Meerane; 1904 – 12 Bürgermstr., ab 1909 OB von Bückeburg; Abg. u. Präs. des Landtags von Schaumburg-Lippe; 1907/08 Reichskommissar für die Selbstverw. von Dt.-Südwestafrika; 1912 – 23 OB von Zittau; 1914 – 18 Militärdienst, zul. Major der Reserve; 1918 DDP; 1919 Mitgl. der Nationalvers.; 1920 – 32 Abg. des Dt. Reichstags für die DDP bzw. die Dt. Staatspartei; 1923 – 26 u. 1930/31 2. Bürgermstr., 1931 – 33 OB von Dresden; 20.1. – 17.12.1926 Reichsminister des Innern; 14.3.1933 Amtsenthebung; lebt ab 1935 in Berlin, mehrmals verhaftet; Gründung einer Kredit- u. Vermögensberatungsstelle; 1935 – 45 Rechtsanwalt. 1945 Mitbegr. der DDP u. stellv. Vors. der LDPD, ab 20.11. Vors. (Nachf. von  Waldemar Koch); 1945 – 48 Hrsg. der LDPD-Ztg. »Der Morgen«; März 1947 mit Theodor Heuss Vors. der kurzz. bestehenden DDP; 1947/48 Ko-Vors. des Ständ. Aussch. des Dt. Volkskongresses bzw. Ko-Präs. des Dt. Volksrats; Abfassung von pol., staatsrechtl. u. kommunalpol. Arbeiten; gest. in Berlin.Die Selbstverw. für Dt.-Südafrika. Berlin 1909; Dt.-Südafrika in 25 Jahren dt. Schutzherrschaft. Berlin 1909; Aus Reden u. Aufsätzen. Berlin 1984; Ein Liberaler zwischen Ost u. West. München 1989. Dieckmann, J.: Dr. W. K. Berlin 1965; Behrendt, A.: W. K. Aus dem Leben eines Suchenden. Berlin 1968; Papke, G.: Die Nachkriegspolitik von W. K. Dresden 1998.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Kunckel, Karl-Heinz

* 30.6.1944

Geb. in Sonneberg; Grund- u. OS in Sonneberg, Abitur; Maurerlehre; 1968 Abschluß des Studiums der Elektrotechnik an der TU Dresden als Dipl.-Ing., dort anschl. wiss. Assistent u. 1972 Prom., Forschung auf dem Gebiet der elektr. Meßtechnik; 1977 – 83 Mitarb. beim VEB Kombinat Carl Zeiss Jena; dann Doz. für Meßtechnik, 1986 Habil. u. 1990 Wahl in den wiss. Rat der TU Dresden; 1990 SPD; März – Okt. 1990 Mitgl. der Volkskammer, Obmann für Forschungs- u. Technologiepolitik; Mai 1990 – Nov. 1993 stellv. Vors. des SPD-LV Sachsen. 1990 – 2004 Mitgl. des Sächs. Landtags, bis 1999 Vors. der SPD-Frakt.; 1993 – 99 Landesvors. der SPD Sachsen; seit 1993 Mitgl. des SPD-Bundesvorst., 1999 – 2004 dessen kultur- u. medienpolit. Sprecher; 2000 Sächs. Verdienstorden; seit 2005 Mitgl. des Beirats des Forums Ostdtl. der Sozialdemokratie e. V.Zum Betriebsverhalten kapazitiver Spannungswandler. Dresden 1972; Der Ernstfall für uns Politiker. Dresden 1993.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Kunert, Günter

* 6.3.1929

Geb. in Berlin; Vater Kfm.; 1936 Volksschule, Abbruch der Schulbildung wegen rass. Diskriminierung; 1943 Lehrling in einem Bekleidungsgeschäft; im 2. Weltkrieg als »wehrunwürdig« eingestuft. Ab 1946 fünf Semester Studium in der Grafik-Kl. der HS für angewandte Kunst Berlin-Weißensee; ab 1947 freier Schriftst.; ab 1948 erste Veröff. in der satir. Ztschr. »Ulenspiegel«; 1949 SED; Förderung durch  Bertolt Brecht u.  Johannes R. Becher; 1950 erster Lyrikband »Wegschilder u. Mauerinschriften«; fortan Lyrikbände, Prosaskizzen, Hörspiele, Drehbücher u. Essays; Okt. – Dez. 1956 Teiln. am sog. Donnerstagskrs. im Klub der Kulturschaffenden Berlin (vom MfS als »Dt. Petöfi-Club« überwacht); 1962 Heinrich-Mann-Preis; 1965 Mitgl. des Dt. PEN-Zentrums Ost u. West; Mitgl. der AdK; 1966 im Rahmen der »Forum-Lyrikdebatte« starke Anfeindungen wegen angebl. gesellschaftsgefährdenden Subjektivismus; 1972/73 Gastprof. in Austin (Texas); 1975 »Writer in Residence« an der Univ. Warwick (England); 1973 Johannes-R.-Becher-Preis; 1976 Mitgl. der AdK Berlin (West); Nov. 1976 Erstunterz. der  Wolf Biermann-Resolution; Jan. 1977 Ausschl. aus der SED; vom MfS bearbeitet im OV »Zyniker«; Okt. 1979 Ausreise in die Bundesrep. Dtl.; 1979 PEN Zentrum Bundesrep. Dtl.; 1980 Lit.-Preis des BdI; 1981 Mitgl. der Akad. für Sprache u. Dichtung Darmstadt; Poetikvorlesungen an der Univ. Frankfurt (Main); 1983 Stadtschreiber von Bergen-Enkheim; 1985 Heinrich-Heine-Preis (Düsseldorf); 1987 Gründungsinitiator der Ges. für Lit. in Schlesw.-Holstein; 1988 Mitgl. der Freien AdK Hamburg; Dr. h. c. des Allgheny College (Pennsylvania, USA). 1990 Stadtschreiber von Mainz; 1991 Hölderlin-Preis; Ernst-Robert-Curtius-Preis für Essayistik; 1992 Austritt aus der AdK (West) aus Protest gegen die En bloc-Übernahme der Mitgl der AdK (Ost); 1994 Distanzierung vom Dt. PEN-Zentrum (Ost); 1996 Hans-Sahl-Preis des Autorenkrs. der Bundesrep.; Austritt aus dem PEN-Zentrum der Bundesrep Dtl. anläßl. der anstehenden Vereinigung mit dem Dt. PEN-Zentrum (Ost); 1997 Georg-Trakl-Preis; 1999 Prix Aristeion der Europ. Union; 2005 Dr. h. c. des Juniata College Huntingdon (Pennsylvania, USA) u. der Universitá degli Studi di Torino (Italien); seit 2005 Vorstandspräs. des P.E.N. Zentrum dt.-sprachiger Autoren im Ausland; lebt in Kaisborstel (b. Itzehoe). G. K. Arbeiten waren wiederholt Gegenstand scharfer kulturpol. Auseinandersetzungen: 1962/63 Diffamierung der Fernsehoper »Fetzers Flucht« u. des Fernsehspiels »Monolog für einen Taxifahrer« als »formalistisch«, 1966 in der sog. Lyrikdebatte im »Forum« Angriffe wegen pessimist. Geschichtssicht, 1967 Verweigerung der Publ. des satir. Romans »Im Namen der Hüte« (Veröff. 1967 in der Bundesrep. Dtl., 1976 in der DDR).Der ewige Detektiv u. andere Geschichten. Satiren. Berlin 1954; Der ungebetene Gast. Lyrik. Berlin, Weimar 1965; Kramen in Fächern. Prosa. Berlin, Weimar 1969; Camera obscura. Prosa. München, Wien 1976; Kurze Beschreibung eines Moments der Ewigkeit. Gesammelte Prosa. München, Wien 1980; Die befleckte Empfängnis. Gedichte 1980 – 87. München, Wien 1988; Aus vergangener Zukunft. Erzählungen. Berlin, Weimar 1990; Der Sturz vom Sockel. Feststellungen u. Widersprüche. Essays. München, Wien 1992; Baum. Stein. Beton. Reisen zwischen Ober- u. Unterwelt. Hamburg 1994; Erwachsenenspiele. Lebenserinnerungen. München 1997; Irrtum ausgeschlossen. München 2006; Josephine im Dunkeln. Leipzig 2006; Aus der realen Fabelwelt. Aschersleben 2006; Das letzte Wort hat keiner. Überschriftsteller. Göttingen 2009. Bekes, P.: G. K. In: Krit. Lexikon zur dt-spr. Gegenwartslit. München 1978 ff.; Durzak, M., Steinecke, H. (Hrsg.): G. K. Beiträge zu seinem Werk. Hamburg 1992; Kasper, E.: Zw. Utopie u. Apokalypse: das lyr. Werk G. K.s. Tübingen 1995; Durzak, M., Keune, M. (Hrsg.): Kunert-Werkstatt: Materialien u. Studien zu G. K.s liter. Werk. Bielefeld 1995; Schmidt, Th.: Engagierte Artistik. Würzburg 1998.Leonore Krenzlin / Andreas Kölling

Handbuch Deutsche Kommunisten

Kunze, Otto

* 17.3.1884

Geboren am 17. März 1884 in Löbschütz bei Leipzig; Schlosserlehre und Arbeit als Dreher. Im November 1918 wurde Kunze, seit 1917 Mitglied der USPD, hauptamtlicher Angestellter des DMV in Leipzig. Im April 1919 war er Delegierter auf dem 2. Reichsrätekongreß in Berlin, von Oktober 1919 bis 1921 Parteisekretär der USPD bzw. der VKPD in Remscheid. Im Februar 1921 wurde Kunze für die VKPD im Wahlkreis Düsseldorf-Ost in den Preußischen Landtag gewählt, dem er bis 1924, zuletzt als Mitglied der SPD-Fraktion angehörte. In der KPD stand Kunze auf dem rechten Flügel, er lehnte 1921 die März-Aktion als Putsch ab. Im Oktober 1921 trat er mit Paul Levi zur KAG über, ging im Mai 1922 zur USPD und im September zur SPD. Kunze war später in Stralsund tätig, von Juli 1923 bis 1928 war er Gauleiter des Landarbeiterverbandes mit Sitz in Stettin. Von 1928 bis 1930 städtischer Angestellter in Köslin und von 1931 bis 1933 Leiter des Arbeitsamtes in Stolp. Weitere Daten über Otto Kunze waren nicht zu ermitteln.