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BioLex

In der Kategorie BioLex finden Sie drei biografische Lexika mit über 5500 Personeneinträgen.

 

Das Handbuch "Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945" wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam. Kurzbiografien zu Personen des poltischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 vor. Zudem ist das Onlinlexikon www.dissidenten.eu komplett in dieser  Rubrik recherchierbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Inforamtionen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Kratz, Heinz

* 5.2.1926 – ✝ 31.5.1992

Geb. in Leipzig, Schriftsetzerlehre, Studium an der FS für Polygraphie in Leipzig; danach Red. der Fachztschr. »Zellstoff u. Papier«; 1961 – 64 Ltr. des Verlags für Buch- u. Bibliothekswesen Leipzig; nach Angliederung dieses Verlags 1964 an den Lexikonverlag Bibliograph. Institut Wechsel zum Fachbuchverlag B. G. Teubner, 1966 – 91 Dir. einer Gruppe von Fachverlagen, zu der neben Teubner seit 1964 auch die Akadem. Verlagsgesell. Geest & Portig u. ab 1968 S. Hirzel gehörten. 1991 Reprivatisierung der drei Einzelverlage; Verdienste um die Verbreitung hochspez. Fachlit. v. a. in den Bereichen Mathematik, Physik und Altertumswiss., die zu einem großen Teil in die Bundesrep. Dtl. exportiert wurde; langj. ehrenamtl. Mitarbeit im Börsenverein des Dt. Buchhandels Leipzig, u. a. als Vors. der Revisionskommission.Bähring, H. u. Rüddiger, K.: Lexikon der Buchstadt Leipzig, Taucha 2008.Christoph Links

Wer war wer in DDR

Krause, Alfred

* 28.4.1930 – ✝ 19.11.2001

Geb. in Dresden; Vater Arbeiter; 1945 Antifa-Jugend u. FDJ; 1946 SED; kfm. Lehre in Dresden; 1948 Eintritt in die DVP; 1949 Ausbildung an der Polizeischule in Torgau; anschl. Polizeikommissar u. Lehrer an der KVP-Politschule Berlin-Treptow; 1953 – 57 dort Ltr. der Abt. Kader; 1957 – 62 Studium an der Offz.-HS u. an der Militärakad. »Friedrich Engels« in Dresden; 1963 – 64 Politstellv., 1964 – 70 Kdr. des NVA-Motschützenregt. 7 in Marienberg (Erzgeb.), Oberst-Ltn.; 1970 – 72 Studium an der sowj. Gen.-Stabsakad., Dipl.-Militärwiss.; 1974 – 77 Kdr. der 11. Motschützendiv. der NVA in Halle (Nachf. von Rudolf Magnitzke); 1977 – 79 Stabschef des Militärbez. Leipzig (Nachf. von Kurt Gottwald); 1980 Gen.-Major; 1980 – 82 Chef der Verw. Inspektion des MfNV (Nachf. von  Martin Bleck); 1982 – 90 Chef des Militär. Nachrichtendienstes der NVA (Nachf. von  Theo Gregori), 1.3.1986 Gen.-Ltn.; Jan. 1990 Chef d. Informationszentrums der NVA, der Nachfolgeeinrichtung des o. g. Dienstes; 30.9.1990 Ruhestand.Wegmann, B.: Die Militäraufklärung der NVA. Berlin 2005.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Krause, Hans

* 22.3.1924

Geb. in Berlin; Vater Kaufm.; ab 1934 Realgymn.; 1942 Notabitur; Einberufung zur Wehrmacht; 1943 wg. Wehrkraftzersetzung zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt, inhaftiert in den Wehrmachtsgefängnissen Torgau u. Naumburg, 1944 Flucht, hielt sich bis Kriegsende im Spreewald versteckt. 1945 / 46 KPD / SED; Lektor im SWA-Verlag (Verlag der sow. Militärverw.) in Berlin, u. a. redaktionelle Betreuung der ersten sowj. Bücher in der SBZ (Gorki, Majakowski u. a.); 1948 / 49 Schauspielunterricht bei Helene Riechers in der Schauspielschule des Dt. Theaters (DT) Berlin; 1949 / 50 Engagement am DT; 1950 Mitbegr. des Kabaretts »Die Laterne«; 1951 – 52 Schauspieler am Kabarett »Kleine Bühne« Berlin; 1953 / 54 Mitgl. des Gründungsensembles des Kabaretts »Die Distel«; 1954 Zentralschule der SED »Rosa Luxemburg«; 1955 Red. beim DFF; 1956 Gründung u. Ltg. des Agitationsensembles »Die Trommel«; 1958 – 63 Dir. der »Distel« (Nachf. von  Erich Brehm); in dieser Zeit erste lit. Arbeiten, humorist. u. polit. Gedichte für Tageszeitungen, Kabarettexte vor allem für »Die Distel« (bis in die 1980er Jahre einer der Hauptautoren); 1960 VVO; 1964 – 71 Red. der Humorseite der Ztg. »Neues Deutschland«; seit 1971 freischaff. Schriftsteller, neben dem polit. Kabarett auch Unterhaltungskunst, Verfasser von Glossen, Kurzgeschichten, heiteren Fernsehspielen, Schlagern u. Chansons (u. a. für  Marianne Wünscher u.  Gisela May); Revuen für den Friedrichstadt-Palast; zahlr. Programme für TV-Unterhaltungssendungen (»Klock acht achtern Strom«, 1975 – 89), für die Konzert- u. Gastspieldirektion sowie für Amateurkabaretts (»Ihabetiker«, »Lachberater« u. a.); Auftritte als Solokabarettist; Au- tor der »Kuddeldaddeldu«-Paraphrasen für  Heinz Draehn; 1976 Goethe-Preis der Stadt Berlin, Kunstpreis des FDGB; 1984 Kunstpreis der DDR; 1988 NP. Nach 1990 nur noch gelegentl. Auftritte u. Texte für H. Draehn; lebt in Berlin.Das war Distel(l)s Geschoss. Berlin 1961 (Hrsg.); Rendezvous mit der Zeit. Berlin 1969; Scherz mit Herz. Berlin 1977; Spaß nach Maß. Gereimtes u. Ungereimtes aus unseren Tagen. Berlin 1986.Christian Krause

Wer war wer in DDR

Kraußer, Peter

* 15.12.1941

Geb. in Crawinkel (Krs. Gotha); Vater Maurer; POS; 1956 FDJ; Studium am Inst. für Lehrerbildung Nordhausen u. an der PH Potsdam, Unterstufenlehrer, Erzieher u. Dipl.-Lehrer für Geschichte; 1960 – 64 Lehrer an der Sonderschule in Luckwitz; 1961 SED; 1964/65 Sekr. der FDJ-KL Hagenow, 1965 Instrukteur im FDJ-ZR; 1965 – 68 NVA; 1968 – 71 Instrukteur u. 1971 – 77 stellv. Ltr. der Abt. Prop. im FDJ-ZR; 1973 Prom. zum Dr. phil.; 1976/77 Studium an der PHS; 1977 – 88 pol. Mitarb., 1988/89 Ltr. der Arbeitsgr. Kirchenfragen des ZK der SED (Nachf. von  Rudi Bellmann).Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Krauss, Werner

* 7.6.1900 – ✝ 28.8.1976

Geb. in Stuttgart; Vater Archivrat u. Literaturhist.; Elementarschule u. Gymnasium, Abitur; 1918/19 Militärdienst; 1918 – 22 Studium der Germanistik, Romanistik u. Kunstwiss. an den Univ. München u. Berlin, 1922 – 26 Studium der Hispanistik an der Univ. Madrid, ab 1927 in München; 1929 Prom. zum Dr. phil. bei Karl Vossler an der Univ. München; 1931 – 40 Assistent u. Doz. am Roman. Seminar der Univ. Marburg, 1932 dort Habil. zur span. Lit.-Geschichte; 1942 außerplanmäßiger Prof.; ab 1940 in Berlin enger Kontakt zur Widerstandsgr. um John Rittmeister; 1940 – 42 bei der Dolmetscher-Ersatzabt. in Berlin, Gefr. (degradiert); 1942 verhaftet als Mitgl. der Widerstandsgr. um Harro Schulze-Boysen (»Rote Kapelle«), 1943 wegen »Hochverrats« zum Tode verurteilt; nach Gutachten und Fürsprache einflußreicher Wiss. wie Karl Vossler, Ernst Robert Curtius,  Hans-Georg Gadamer 1944 Umwandlung des Urteils zu fünf Jahren Zuchthaus, Gefängnis Torgau. 1945 – 47 ord. Prof. für roman. Sprachen u. Lit. an der Univ. Marburg; 1945 Mitbegr. der Ztschr. »Die Wandlung«; 1945 KPD u. Mitgl. der Prov. Landesreg. Hessen, Beauftr. für Entnazifizierung der Univ. Marburg; 1946 erscheint sein antifa. Roman »PLN. Die Passionen der halykonischen Seele« (Nachdruck Frankfurt (Main) 1983); 1947 Prof. mit Lehrstuhl für roman. Philol. u. Dir. des Romanist. Inst. der Univ. Leipzig; 1947 SED u. bis 1951 Mitgl. des PV bzw. ZK; 1949 NP; 1949 Ord. Mitgl. der Sächs. AdW u. der DAW; 1951 Prof. mit Lehrstuhl für Romanistik an der HU Berlin; 1955 zugl. Ltr. der Arbeitsgr. zur Geschichte der dt. u. frz. Aufklärung; 1956 Dir. des Inst. für roman. Sprachen u. Kultur der DAW; 1965 em.; 1968 Vizepräs. der Internat. Hispanistenvereinigung; Mitgl. mehrerer AdW u. des Präs. der Association Internationale de la Littérature comparée; 1971 Dr. phil. h. c. der Univ. Aix-en-Provence; 1975 VVO; 1976 Dr. phil. h. c. der KMU Leipzig; Mitgl. des Präs. der Dt.-frz. Ges. u. des KB-Präsidialrats; gest. in Berlin. Forschungs- u. Publikationstätigkeit auf dem Gebiet der roman. Lit., schulbildende Wirkung insbes. durch Arbeiten zur europ. Aufklärungsbew.; Hrsg. der Schriftenreihe der Arbeitsgr. zur Geschichte der dt. u. frz. Aufklärung (1959 – 64); Mithrsg. der Reihe »Neue Beiträge zur Lit.-Wiss.« (ab 1954), der »Beiträge zur roman. Philol.« (ab 1961) u. der »Schriften des Inst. für roman. Sprachen u. Kultur« (ab 1965).Vor gefallenem Vorhang. Aufzeichnungen eines Kronzeugen des Jahrhunderts. Hrsg. von M. Naumann. Frankfurt (Main) 1995; W. K. – Das wiss. Werk. 8 Bde. Berlin, Weimar 1984 – 97 (hrsg. v. M. Naumann); Briefe 1922 – 1976. Hrsg. von P. Jehle unter Mitarb. v. E. Fillmann. Frankfurt (Main) 2002. Bibl. In: Jb. der Sächs. AdW 1975/ 76; Jehle, P.: W. K. u. die Romanistik im NS-Staat. Hamburg, Berlin 1996; Vialon, M.: Literaturwiss., Exil u. Widerstand dargestellt am Beispiel von Erich Auerbach, Walter Benjamin u. W. K. Marburg 1999; Ette, O., u. a. (Hrsg.): W. K.: Wege – Werke – Wirkungen. Berlin 1999; Hofer, H. (Hrsg.): W. K.: Literatur, Geschichte, Schreiben. Tübingen, Basel 2003.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Krawczyk, Stephan

* 31.12.1955

Geb. in Weida; Vater Bergmann, Mutter Briefträgerin; 1974 Abitur; 1974 – 76 Wehrdienst; anschl. Beschäftigungen als Hauswart, Kulturhausmitarb.; 1976 SED; 1978 – 82 Fernstudium im Fach Konzertgitarre an der HS für Musik »Franz Liszt« Weimar; anschl. freiberufl. Liedermacher; 1982 einzige Schallplattenprod. in der DDR (mit der Gruppe »Liedehrlich«); 1984 Umzug nach Berlin; Kontakt zur Künstlerszene im Prenzlauer Berg u. zu opp. Gruppen, zunehmend offen krit.-künstler. Verarbeitung der Themen Machtmißbrauch, Umweltzerstörung, Konsumges., fehlende Alternativen; 1985 Austritt aus der SED (in Ausschl. umgewandelt), Berufsverbot durch Entzug der Zulassung als freiberufl. Liedermacher; stark besuchte Aufführungen der Programme »Steinschlag« u. »Pässe, Parolen« (1985/86 mit  Freya Klier), »Alles in mir revoltiert« ( Brecht-Programm 1986), »Wiederstehen« (1987) in kirchl. u. priv. Rahmen; Nov. 1987 offener Brief an  Kurt Hager mit der Forderung nach besseren Bedingungen für unabh. Kunst u. Kultur sowie Achtung der Menschenrechte in der DDR; 1987 Mitarb. beim einzigen illeg. DDR-Rundfunk-Sender »Schwarzer Kanal«; Jan. 1988 Festnahme auf dem Weg zur Berliner Liebknecht-Luxemburg-Demonstration, unter Androhung langj. Haftstrafe wegen »landesverräter. Beziehungen«, zum Ausreiseantrag gezwungen, 2.2.1988 Ausreise nach Berlin (West) gem. mit Freya Klier; Mai 1988 erste Tournee durch die Bundesrep. Dtl., die Schweiz u. Österreich; Auftritte in den USA, Kanada u. Frankreich. 1992 Bettina-von-Arnim-Lit.-Preis für die Erzählung »Mein Vater«, 1993 Verdienstorden des Landes Berlin, 2003 Premiere des Kabarettprogr. »Mutterherz«, 2005 Preis der Lutherstädte für »Das unerschrockene Wort«. LP u. CD: »Wie geht’s« (1989), »Terrormond« (1993), »Milonga« (1995); »Die Queen ist in der Stadt (2001), »Heute fliegt die Schwalbe hoch« (2004).Schöne wunde Welt. Eigenverlag 1990; Das irdische Kind. Berlin 1996; Steine hüten. Berlin 2000; Der Narr. Berlin 2003; Wendedankfest. Berlin 2005 (mit Grafiken von R. Hoffmann-Battista); Der Himmel fiel aus allen Wolken. Eine dt.-dt. Zeitreise. Leipzig 2009.Silvia Müller

Handbuch Deutsche Kommunisten

Kreft, Paul

* 21.2.1893 – ✝ 29.4.1944

Geboren am 21. Februar 1893 in Wertheim/ Westpreußen; arbeitete als Bau- und Werftarbeiter in Danzig. Von November 1917 bis Mai 1918 Soldat im Weltkrieg. Seit 1920 Mitglied der KPD, leitete er von 1924 bis 1927 die Ortsgruppe Zoppot und war dort auch von 1924 bis 1933 Stadtverordneter der KPD. 1927 in den Volkstag Danzig gewählt, war Paul Kreft zeitweise unter Anton Plenikowski Orgleiter bzw. Kassierer der BL Danzig. Im Juni 1933 zu sieben Monaten Gefängnis und Anfang 1934 zu zwei Jahre und vier Monaten Zuchthaus verurteilt, wurde er im September 1936 entlassen. Im Juni 1937 emigrierte Kreft nach Dänemark, wurde als politischer Flüchtling anerkannt und lebte in Fredericia, wohin ihm auch seine Familie folgte. Kreft arbeitete weiter für die KPD, hatte engen Kontakt zu Konrad Blenkle u. a., war zeitweise Leiter der KPD-Gruppe in Jütland. Nach der Besetzung Dänemarks durch die Wehrmacht wurde er am 26. Juli 1940 in Kopenhagen von dänischer Polizei verhaftet und kam in das Internierungslager Horserod, dann nach Deutschland ausgeliefert und am 11. Dezember 1942 vom Hanseatischen OLG zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt. Zunächst in Fuhlsbüttel, am 24. April 1943 wurde er in das Zuchthaus Rendsburg/ Schleswig-Holstein verlegt, am 29. April 1944 in das Zuchthaus Brandenburg-Görden, von dort kam er am 23. Juni 1944 in die Strafanstalt Vaihingen an der Enz, wo er am 10.Dezember 1944 an den Haftfolgen starb.

Wer war wer in DDR

Krenz, Egon

* 19.3.1937

Geb. in Kolberg (Hinterpommern / Kołobrzeg, Polen); Vater Schneider; 1943 – 53 Grundschule in Kolberg u. Damgarten; 1948 Kinderlandbew. Pionierorgan.; 1953 FDJ; Maschinenschlosser im Dieselmotorenwerk Rostock; 1953 – 57 Schüler am Diesterweg-Inst. in Putbus (Krs. Rügen); Sekr. der FDJ-GO; St.-Ex.; 1953 Kandidat, 1955 SED; 1956 Mitgl. der FDJ-KL; 1957 – 59 NVA, FDJ-Funktionen auf Div.-Ebene, Uffz.; 1959/60 2., dann 1. Sekr. der FDJ-KL Bergen; 1960/61 1. Sekr. der FDJ-BL Rostock (Nachf. von Gerhard Mendl) u. Kand. des Büros der SED-BL Rostock; 1961 – 64 u. 1967 – 71 Sekr. des ZR der FDJ; ab 1963 Ltr. des Büros für Schulen, HS u. Univ., später für Agit./Prop.; 1964 – 67 PHS des ZK der KPdSU in Moskau, Dipl.-Ges.-Wiss.; 1971 – 73 Vors. u. Sekr. der Pionierorg. »Ernst Thälmann« (Nachf. von  Werner Engst); 1971 – 73 Kand., 1973 – 89 Mitgl. des ZK der SED; ab 1971 Mitgl. der Jugendkommission des PB des ZK der SED; 1973 – 83 1. Sekr. des ZR der FDJ (Nachf. von  Günther Jahn); 1971 – Jan. 1990 Abg. der Volkskammer; 1971 – 81 Mitgl. des Präs.; 1971 – 76 Vors. der FDJ-Fraktion (Nachf. von Johannes Rech); 1976 – 83 Kand., 1983 – 89 Mitgl. des PB des ZK der SED; Sekr. des ZK (Nachf. von  Paul Verner), zuständig für Sicherheitsfragen, Jugend, Sport, Staats- u. Rechtsfragen; ab 1983 Mitgl. des NVR; 1983 KMO; 1984 stellv. Vors. des Staatsrats; 18.10. – 3.12.1989 Gen.-Sekr. des ZK der SED; 24.10. – 6.12.1989 Vors. des Staatsrats der DDR u. Vors. des NVR (jeweils als Nachf. von  Erich Honecker); 21.1.1990 Ausschl. aus der SED-PDS. Ab 1990 publ. tätig; zeitw. Mitarb. eines Berliner Unternehmens; arbeitslos; 8.7.1995 Anklage wegen »Totschlags u. Mitverantw. für das Grenzregime der DDR«, am 25.8.1997 Verurteilung zu sechseinhalb Jahren Gefängnis wegen Totschlags in vier Fällen, Verhaftung im Gerichtssaal; Antrag auf Revision; 8.11. 1999 bestätigte der BGH das Urteil; 11.1.2000 BVG lehnte E. K.s Verfassungsbeschwerde ab; 13.1.2000 Haftantritt in der JVA Berlin-Hakenfelde in Berlin-Spandau; 24.1.2000 – 18.12. 2003 Haft in der JVA Plötzensee in Berlin, als Freigänger beim Flughafen Berlin-Tegel bei der Fluggesellsch. Germania tätig, vorzeitig entlassen; lebt in Dierhagen (b. Rostock).Das Wohl des Volkes ist unser elementarer Leitsatz. Berlin 1989; Wenn Mauern fallen. Wien 1990; Ich war u. bin Soz. Reden, Kommentare, Anmerkungen von E. K. u. über ihn – ein Sittenbild unserer Ges. Kückenshagen 1997; Herbst ’89. Berlin 1999; Widerworte: aus Briefen u. Zeugnissen 1990 bis 2005. Berlin 2006; Gefängnis-Notizen. Berlin 2009. Rudorf, R.: Krenzfälle – die Grenzen der Justiz. Berlin 2002.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Kresse, Kurt

* 15.5.1904 – ✝ 11.1.1945

Geboren am 15. Mai 1904 in Leipzig; lernte Buchdrucker, schloß sich 1918 der FSJ an. Einige Jahre Bergarbeiter im Ruhrgebiet, 1924 kam er nach Leipzig zurück, wieder Buchdrucker. Im gleichen Jahr Mitglied der KPD, er arbeitete ehrenamtlich für die Partei. Er baute in der Druckerei Giesecke & Devrient, mit über 600 Beschäftigten eine der größten Druckereien Deutschlands, eine Betriebszelle der KPD auf, die er bis zu seiner Entlassung 1927 leitete. Kresse wurde Mitglied der BL Westsachen, arbeitete bei der »Sächsischen Arbeiterzeitung« und war Vorsitzender des Leipziger Arbeitersportvereins Fichte-West. Im Januar 1931 soll Kresse wegen »undisziplinierten Verhaltens« aus der KPD ausgeschlossen worden sein, sich dann aber in der Kampfgemeinschaft für rote Sporteinheit »bewährt« haben. 1933 zeitweilig in »Schutzhaft«, wurde er im Juli 1934 verhaftet und wegen Betätigung für die KG zu fünf Monaten Gefängnis verurteilt. Kresse stand während des Krieges mit Georg Schumann und Otto Engert an der Spitze der Leipziger Widerstandsgruppe, die eine der größten in Sachsen war. Bis 1944 organisierte er die Betriebsarbeit, knüpfte Verbindungen zu anderen Widerstandsgruppen im Reich und versorgte sie mit illegalen Flugschriften, die vor allem Schumann und Engert verfaßt hatten. Diese Widerstandsgruppe wurde im Juli 1944 von der Gestapo zerschlagen. Am 19. Juli 1944 wurde Kurt Kresse verhaftet, am 21. November 1944 zusammen mit Georg Schumann und Otto Engert zum Tode verurteilt und am 11. Januar 1945 in Dresden hingerichtet. Sein jüngerer Bruder Walter Kresse (* 11. 3. 1910 – † 4. 2. 2001) war vor 1933 Landesjugendleiter der KG für rote Sporteinheit. Im November 1933 verhaftet und zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Von 1937 bis zu seiner Einberufung zum Strafbataillon 999 im Jahre 1942 Buchhalter in Leipzig. Ab Mai 1943 in alliierter Kriegsgefangenschaft, kehrte 1946 nach Deutschland zurück. Ab 1959 Oberbürgermeister von Leipzig, er gehörte bis März 1990 der Volkskammer an. Von 1970 bis 1989 hauptamtlicher Präsident des Deutschen Städte- und Gemeindetages der DDR. 1980 erhielt er den Karl-Marx-Orden.

Wer war wer in DDR

Kretschmer, Thomas

* 18.12.1955

Geb. in Dornburg (b. Jena); Vater Biologe, Mutter Horterzieherin, kath. erzogen; POS in Dornburg, 1972 Beginn einer Berufsausbildung mit Abitur im VEG Gartenbau Meilitz (b. Gera), 1972 Relegation von der Berufsschule nach Austritt aus der FDJ u. der Absichtserklärung, den Wehrdienst zu verweigern; danach Krankenpflegerausbildung im Städt. Krankenhaus Jena; Juni 1973 gescheiterter Fluchtversuch an der tschechoslowak.-österreich. Grenze (»um sich dem Wehrdienst zu entziehen«), Verhaftung u. Verurteilung zu 15 Monaten Jugendhaft durch das Kreisgericht Jena; Jugendstrafanstalt Ichtershausen, hier zunächst Verpflichtungserklärung zur Mitarbeit für das MfS, dann schriftl. Widerruf gegenüber dem Führungsoffizier, nach Haftentlassung 1974 erneute Versuche des MfS, ihn zur Mitarbeit zu erpressen, denen sich K. verweigert u. durch Dekonspiration entzieht; Kontakt zur Offenen Jugendarbeit in Jena, unter dem Einfluß der ev. Jugendarbeit Übertritt zur ev. Kirche; 1974 – 76 Krankenpfleger im Städt. Krankenhaus Jena u. in einem Behindertenheim in Bad Blankenburg; aktiv in der alternativen Jugendszene in Jena; 1976 Beginn des Theologiestudiums am Erfurter Predigerseminar, Heirat u. Umzug nach Apfelstädt (b. Erfurt) in ein Pfarrhaus, das sich zum Anlaufpunkt der Offenen Arbeit entwickelte; 1979 Unterbrechung des Studiums aus persönl. Gründen, 1980 nach einem MfS-Maßnahmeplan Verwehrung der Fortsetzung des Studiums durch die thüringische Amtskirche; Nov. 1980 Wehrdiensttotalverweigerung, Inhaftierung, Dez. 1980 Verurteilung auf Bewährung u. Entlassung aus der Haft nach der Bereitschaftserklärung, den Wehrdienst als Bausoldat abzuleisten; hier offensives Eintreten für pazifist. Ideen u. öff. Solidarisierung mit der Solidarność in Polen; Jan. 1982 erneut verhaftet u. bis Juni U-Haft in der zentralen U-Haftanstalt des MfS Berlin-Magdalenenstraße, Aug. 1982 vom Militärobergericht Halle zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt, Jan. 1985 Überstellung in die MfS-Abschiebehaftanstalt Karl-Marx-Stadt, nach Verweigerung der Ausreise Fortsetzung der Haft in Karl-Marx-Stadt u. Leipzig; bis zum Juli 1985 weiter inhaftiert; aufgrund kirchl. u. internat. Proteste, u. a. durch Altbischof  Kurt Scharf, Bischof  Werner Leich u. die Gefangenenhilfsorg. »amnesty international«, die K. zum »Häftling des Jahres« erklärte, im Juli 1985 aus der Haft entlassen; anschl. Anstellung als kirchl. Handwerker in Ebersdorf (Krs. Lobenstein); 1989 Beteiligung an der Besetzung der MfS-Kreisdienstelle Lobenstein u. Mitarbeit im thüring. Bürgerkomitee zur Auflösung des MfS; vom MfS erfaßt in den OPK »Philister« u. »Seminar«. 1990 – 94 Abg. im Kreistag Lobenstein für die »Kirchl. Wählergemeinschaft«, lebt als Holzbildhauer mit seiner Fam. in Tegau (Saale-Orla-Krs.).Kowalczuk, I.-S., Sello, T. (Hrsg.): Für ein freies Land mit freien Menschen. Opposition u. Widerstand in Biographien u. Fotos. Berlin 2006.Christian Halbrock; Jg. 1963; ab 1993 Studium der Neueren/Neuesten Geschichte, Mittelalterlichen Geschichte und Europäischen Ethnologie an der HU Berlin, 2003 Promotion; seitdem wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Bildung und Forschung bei der BStU in Berlin.

Wer war wer in DDR

Kreusel, Karl

* 6.10.1911 – ✝ 14.6.1996

Geb. in Buchholz (Krs. Annaberg); Vater Arbeiter; Volksschule; 1925 – 30 Lehre u. Arbeit als Maurer; 1928 KPD; 1930 arbeitslos; 1935/36 Haft; 1936 – 40 Arbeit als Maurer; 1940 – 45 Wehrmacht. 1945 Org.-Ltr. beim KPD-Krs.-Vorst. Stollberg; Aug. 1945 Einstellung bei der Polizei, Ltr. der Kripo Oelsnitz/Vogtl.; 1949 Einstellung bei der Verw. zum Schutz der Volkswirtschaft Sachsen (ab Febr. 1950 LV Sachsen des MfS), Krs.-Dienststelle Oelsnitz; 1951 Ltr. der Abt. V (Kirchen, Untergrund) der LV Sachsen; 1952 Ltr. der Krs.-Dienststelle Marienberg, BV Chemnitz; Dez. 1952 Ltr. der Abt. V der BV Chemnitz (ab 1953 BV Karl-Marx-Stadt); 1953 stellv. Operativ, 1954 Ltr. der BV Suhl; 1955/56 wegen Krankheit nicht im Dienst; 1956 stellv. Operativ des Ltr. der BV Leipzig; 1959 Oberst-Ltn.; 1962 stellv. Operativ des Ltr. der BV Gera; 1965 aus gesundheitl. Gründen entlassen, danach Rentner.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Krjenc, Kurt (Kurt Krenz)

* 7.7.1907 – ✝ 28.11.1978

Geb. in Malschwitz (Krs. Bautzen); Vater Steinbrucharb.; Volksschule; 1922 – 25 Ausbildung zum Porzellandreher; 1923 KPD; 1925 – 33 Steinarb., Speller u. Maschinenschläger in Steinbrüchen u. Granitwerken; 1927 – 33 Vors. einer KPD-Ortsgr.; 1933 illeg. Tätigkeit; Mai – Nov. 1933 »Schutzhaft« im Lager Kupferhammer Bautzen u. KZ Hohnstein; 1934 – 39 Maschinenschläger in Pließkowitz; 1939 – 45 Wehrmacht, Fw.; Mai-Sept 1945 sowj. Kriegsgefangenschaft. 1945/46 KPD/SED; 1945 Arbeitsgebietsltr. der KPD-KL Bautzen; 1945/46 LPS in Ottendorf (Sachsen); danach Kadersekr. der KPD-KL Bautzen; ab April 1946 Sekr. der SED-BL Lausitz; 1947/48 Vors. des SED-Krs.-Vorst. Bautzen; 1948 – 52 stellv. Ltr. bzw. Ltr. des Sorb. Kultur- u. Volksbildungsamts der Landesreg. Sachsen (Außenstelle Bautzen); ab 1949 Mitgl. der SED-LL Sachsen; ab 1952 der SED-BL Dresden; 1949 – 78 Abg. der (Prov.) Volkskammer; ab 1948 Mitgl. des Domowina-Aussch. u. Vors. des Zentr. Volksaussch.; 1949/50 PHS; 1951 – 73, ab 1953 hauptamtl. Vors. der Domowina (Nachf. von  Paul Nedo), danach Mitgl. des Bundesvorst.; KMO u. VVO.Domowina – Die nat. Org. der Lausitzer Sorben. Bautzen 1954; Jan – Roman eines suchenden Menschen. Bautzen 1955.Elke Reuter / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Kraus, Agnes

* 16.2.1911 – ✝ 2.5.1995

Geb. in Berlin; letzte Schülerin von Leopold Jessner; 1936 erstes Engagement bei Eugen Klöpfer an der Volksbühne Berlin in kleinen Rollen; während des Kriegs in München u. am Mainfränk. Puppentheater. Nach 1945 Engagements in Potsdam u. Wittenberg; 1956 – 76 am Berliner Ensemble (u. a. Rollen in  Bertolt Brechts »Dreigroschenoper«, »Die Tage der Commune«, »Der gute Mensch von Sezuan« und »Brotladen« sowie in Sean O’Caseys »Purpurstaub«); große Popularität erzielte A. K. durch heiter-gutmütige Fernsehrollen: 1972 Mutter Klucke in »Florentiner 73« u. 1974 »Neues aus der Florentiner 73«, 1975 Hauptrolle in »Schwester Agnes«, Minna in »Dolles Familienalbum«, 1977 in »Viechereien«, 1982 Tante Emmi in »Familie Rechlin«, 1983/84 Frau Scholz in »Familie Neumann« (Serie); 1975 NP; gest. in Berlin.Renate Rätz

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Krause, Barbara

* 7.7.1959

Geb. in Berlin; 1965 durch orthopäd. Turnen zum Schwimmsport ermuntert; 1967 Brustschwimmerin in der SG Dynamo »Helmut Just« Berlin; 1970 Wechsel zur KJS u. zum SC Dynamo Berlin (Trainer: Rolf Gläser); Spezialdisz.: Freistil; 1973 erstmalig in der DDR-Auswahl; 1975 WM mit der 4 x 100-m-Freistilstaffel; 1977 EM über 100 m Freistil, mit der 4 x 200-m-Lagen- u. der 4 x 100-m-Freistilstaffel; 1978 WM über 100 m; 1980 Olympiasiegerin über 100 m, 200 m u. mit der 4 x 100-m-Freistilstaffel; VVO; Verdienter Meister des Sports; Unterwachtmstr. der DVP; 1980 – 90 SED; 1980 endete ihre sportl. Laufbahn; Studium an der FS für Fotografie, Fotografin; verh. mit dem Rückenschwimmer u. Trainer Lutz Wanja; lebt in Magdeburg.Klaus Gallinat / Olaf W. Reimann

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Krause, Rudolf

* 19.2.1939

Geb. in Poditau (Krs. Glatz, Schles. / Podtynie, Polen); EOS, Abitur; 1962 Studium der Math. an der Univ. Leipzig, 1962 Staatsexamen, Prom.; 1962 CDU; 1962 / 63 Lehrer an der OS Großdalzig (Krs. Leipzig), ab 1963 an der OS in Markkleeberg-West (Krs. Leipzig), 1979 – 87 an der EOS »Rudolf Hildebrand«; 1987 – 90 stellv. Dir. an einer Spezialschule mit math., naturwiss.-techn. Ausrichtung in Leipzig (heute Wilhelm-Ostwald-Gymn.); 1989 / 90 CDU-Vertreter am Zentralen Runden Tisch; 1989 / 90 Mitgl. des CDU-Bezirksvorst. Leipzig u. stellv. Vors. des CDU-Parteivorst.; 1989/ 90 Abg. im Kreistag u. Bezirkstag Leipzig; Juni – Okt. 1990 Reg.-Bevollmächtigter für den Bez. Leipzig, Sept. / Okt. 1990 als Landesbevollmächtigter Sachsen zuständig für die Vorbereitung der Gründung des Freistaats. 1990 – 94 MdL Sachsen; Nov. 1990 – Sept. 1991 Minister des Innern u. stellv. Ministerpräs. des Freistaats Sachsen.Helmut Müller-Enbergs

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Kraushaar, Luise

* 13.2.1905 – ✝ 10.1.1989

Geb. in Berlin; Vater Malermstr.; Lyzeum in Berlin; kfm. Ausbildung u. Arbeit als Angest.; 1919 FSJ; 1920 KJVD; 1923 ZdA; 1924 KPD; 1929 Reichsjugendschule der KPD; ab 1931 Mitarb. des zentr. BB-Ressort im zentr. AM-Apparat (KPD-Nachrichtendienst) in Berlin; ab 1933 illeg. pol. Arbeit für den zentr. M-Apparat in Berlin; März 1934 Emigr. in die ČSR (Prag), anschl. in die UdSSR; 1934/35 Arbeit in der Chiffrierabt. der Abt. Internat. Verbindungen der KI (OMS-Apparat) in Moskau; Dez.1935 im KI-Auftrag nach Paris; dort 1935 – 37 mit der Chiffrier-Arbeit im Pariser KI-Apparat betraut (zus. mit Paula Nuding); ab Mai 1938 Sekr. in der Nachrichtenagentur »Dt. Informationen« (Nouvelles d’Allemagne) in Paris (unter Bruno Frei); ab April 1939 in Paris im Emigranten-Komitee Sekr. von Hans Renner; Mai 1940 in Paris verhaftet u. kurzz. interniert; Juni 1940 Flucht nach Toulouse; Mitarb. der dortigen KPD-LL; Mitgl. der Résistance; bis Dez. 1940 Sekr. bei  Otto Niebergall; ab Nov. 1943 in Marseille Mitgl. der Parteiltg. der KPD Süd-Frankreich; Mitarb. der Ztg. »Unser Vaterland«; 1944/45 pol. Betreuung dt. Kriegsgef. in Frankreich. 1945 Rückkehr nach Dtl. (SBZ), Dez. 1945 nach Hamburg, Mai 1947 Übersiedl. in SBZ (Berlin); anschl. bis 1952 Instrukteurin in der personalpol. Abt. des ZS der SED bzw. der Kaderabt. des ZK d. SED (zuständig für die KPD im Westen), danach Referentin im Min. für Kultur; später Abt.-Ltr. in der HV Verlage im Min. für Kultur (Zensurbehörde), leitete bis 1958 das Lektorat Belletristik; ab 1958 wiss. Mitarb. des IML, zul. in der Abt. Geschichte I; wichtige Chronistin u. Forscherin der kommunist. Widerstandsbew.; 1969 VVO; 1980 Ehrenspange zum VVO; Dez. 1985 Ruhestand; gest. in Berlin.Zur Tätigkeit u. Wirkung des »Dt. Volkssender« (1941 – 1945). In: BzG (1964) 2; Während des Zweiten Weltkrieges in Paris, Nimes u. Marseille. In: Voßke, H. (Hrsg.): Im Kampf bewährt. Erinnerungen. Berlin 1969; Dt. Widerstandskämpfer 1933 – 1945. Biogr. u. Briefe. 2 Bde. Berlin 1970 (Hrsg.); Die Schulze-Boysen-Harnack-Org. im antifa. Kampf. Berlin 1970 (mit K. H. Biernat); Berliner Kommunisten im Kampf gegen den Fasch. 1936 bis 1942: Robert Uhrig u. Genossen. Berlin 1981. Voßke, H. (Hrsg.): Unvergessene Kampfgefährten. Berlin 1970; Schaul, D.: Résistance. Berlin 1973; Pech, K.: An der Seite der Résistance. Zum Kampf der Bew. »Freies Dtl.« für den Westen in Frankreich (1943 – 1945). Berlin 1974; Barck, S., Langermann, M., Lokatis, S.: »Jedes Buch ein Abenteuer«. Zensur-System u. liter. Öffentlichkeit(en) in der DDR bis Anfang der 60er Jahre. Berlin 1997; Grundmann, S.: Der Geheimapparat der KPD im Visier der Gestapo. Berlin 2008.Bernd-Rainer Barth

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Krausz, Georg

* 2.3.1894 – ✝ 18.3.1973

Geb. in Homonna (Österreich-Ungarn/Humené/Slowakei) in einer jüd. Fam.; Vater Prof. an einer Handelsschule, Mutter im KZ Auschwitz ermordet; Volks- u. Handels-HS, Gymnasium in Miskolc (Ungarn); 1912 – 18 Studium der Chemie an der TU Budapest, Kunstgeschichte, Romanistik u. Germanistik an der Univ. in Budapest u. 1914 in Frankreich; 1918 Studienassessor an einer Oberrealschule in der Slowakei; Herbst 1918 Gründungsmitgl. der KP Ungarn; 1918/19 Teiln. an der ungar. Räterev.; Mitgl. des rev. Direktoriums in Nord-Ungarn; 1919 Emigr. nach Wien, 1920 in die Slowakei; KP der Slowakei; 1920 Bez.-Sekr. des slowak. KJV in der Karpatho-Ukraine; 1921 Red., zeitw. Chefred. der »Volksstimme« in Preßburg (Bratislava); 1921/22 Zentral-Sekr. des KJV der ČSR in Prag; zeitw. verhaftet, Abschiebung nach Österreich; April 1922 Übersiedl. nach Dtl.; KPD; 1922 – 28 außenpol. Red. der »Roten Fahne« in Berlin; 1928 Mitarb. des ZK der KPD; 1928/29 Anhänger der »Versöhnler«; 1928/29 Chefred. der »Soz. Arbeiterztg.« in Leipzig; ab 1929 Red. an der »Inprekorr« u. weiteren Ztg. in Berlin, u. a. der Ztschr. der sowj. Handelsvertretung »Sowjetwirtschaft u. Außenhandel« (Ps. Herbert Georg, Georg Deutsch); 1932 – 36 Werbeltr. beim sowj. Reisebüro »Intourist« in Berlin; ab 1933 illeg. Arbeit im Berliner UB Kreuzberg u. UB Nord (»Georg«, »Herbert Mallow«; 13.8.1936 Verhaftung, Verurteilung durch das Kammergericht Berlin wegen »Hochverrats« zu vier Jahren Zuchthaus, Haft in Berlin, im Zuchthaus Brandenb. u. Waldheim, 1941 – 45 KZ Buchenwald, dort Mitgl. der illeg. KP-Org. Apr. 1945 Red. der »Buchenwalder Nachrichten«; Mai 1945 vom sowj. NKWD bei Potsdam aufgrund einer Namensverwechslung verhaftet u. bis 1948 interniert, u. a. in Potsdam u. Torgau; Mai 1948 Entlassung; auf Beschluß des ZS des SED-PV Erholung im Parteiheim in Börnicke; anschl. Hauptred. bzw. Hauptref. in der Abt. Presse, Rundfunk, Werbung des ZS des SED-PV; Apr. 1950 stellv. Ltr. der Abt. Presse des ZK der SED; Korresp. der ungar. KP-Ztg. »Szabad Nép«; Aug. 1950 stellv. Ltr. der ZK-Abt. Agitation u. ab Okt. 1950 Red. des »Neuen Dtl.«; dort 1951 – 56 Ltr. der Abt. Prop. u. Mitgl. des Red.-Kolleg., außenpol. Korresp., berichtete u. a. über die stalinist. Schauprozesse in Osteuropa; 1954/55 stellv. Chefred.; 1956 – 68 Red. für bes. Aufgaben; 1957 – 67 Vors. des VdJ (Nachf. von  Deba Wieland); 1958 Studienreise durch Südostasien; 1967 – 73 Mitgl. des Präs. des Zentralvorst. des VDJ; zeitw. Vizepräs. der Internat. Journalistenorg. IOJ; 1959 Dr. h. c. an der KMU Leipzig; 1959 Banner der Arbeit; ab 1961 Mitgl. des Präs. der Liga für Völkerfreundschaft; ab 1968 freier Mitarb. mit Vertrag beim »Neuen Dtl.«; 1964 KMO; 1969 VVO; gest. in Berlin.Feindl. Agenten in der Arbeiterbew. Lehren aus dem Rajk-Prozeß. In: Einheit (1950) 1; Kreuz u. quer durch China. Berlin 1957; Von Indien bis Laos. Berlin 1960; Gedanken u. Erfahrungen eines rev. Journalisten. Berlin 1974. Volker, H.: Sibirien liegt in Deutschland. Berlin (West) 1958; Carlebach, E.: Tote auf Urlaub. Bonn 1995; Voigt, J. H.: Die Indienpolitik der DDR. Köln 2008.Bernd-Rainer Barth / Andreas Herbst

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Krebaum, Walter

* 27.4.1921

Geb. in Rußdorf; Vater Arbeiter; Volksschule; Lehre u. Arbeit als Kettenstuhl- u. Textilarb.; Wehrmacht; Ofw. in der Verw. der SS-Div. »Hermann Göring«. 1945 KPD, 1946 SED; Arbeitsgebietsltr. des SED-Landesvorst. Sachsen; später Mitarb. der Abt. Landw. in der SED-Landesltg. Sachsen; Studium an der LPS Sachsen in Ottendorf; ab 1949 zunächst stellv. Ltr., dann bis 1952 Ltr. der Abt. Landw. des ZK der SED (Nachf. von  Rudolf Reutter); 1950 – 54 Kand. des ZK der SED; ab Okt. 1950 Mitgl. der Volkskammer; Juli 1952 wegen »pol. Fehler u. unmoral. Verhaltens« Entfernung aus dem ZK u. Ausschl. aus der SED.Andreas Herbst

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Kreikemeyer, Willi

* 11.1.1894 – ✝ 31.8.1950

Geb. in Magdeburg; Vater Schlosser, Mutter Landarb.; Volksschule; 1908 Ausbildung zum Eisendreher; 1910 – 12 SAJ; 1913 SPD; 1913 – 18 Militärdienst (Marine); 1918 USPD; 1919 Spartakusbund; 1920 KPD; 1918 – 23 DMV; 1918 – 22 Dreher im RAW Magdeburg-Buckau; ab 1922 Mitgl. der KPD-BL Magdeburg; 1923 Sekr. im Eisenbahnerverb.; seit 1924 hauptamtl. KPD-Funktionär, u. a. in Nordbayern (dort sechs Mon. Haft), Mecklenb., Hannover u. Danzig; 1928 – 33 Geschäftsf. des Neuen Dt. Verlags unter Willi Münzenberg; Febr. 1933 in dessen Auftrag mit Zustimmung der KPD-BL Berlin in die Schweiz; dort verhaftet u. ausgewiesen; 1934/35 Saargeb.; Febr. 1935 nach Paris; 1936 illeg. in Dtl.; Anfang 1936 nach Spanien (»Viktor«); 1937 Kapitän u. Politkommissar der XI. Brigade des Edgar-André-Bat., schwer verwundet; dann nach Albacete; dort 1937 Kaderchef der dt. Abt., später Chefadjutant der Kaderabt. aller Internat. Brigaden; 1938 im ZK-Auftrag Grenzarbeit in Luxemburg, Herstellung u. Einschleusung antifa. Publ. nach Dtl.; Sept. 1939 – Juni 1940 in Le Vernet (Frankreich) interniert, dann Fluchthelfer für KPD-Kader; ab Okt. 1941 im KPD-Auftrag Kontaktmann zum Ltr. des Unitarian Service Committee (USC) Noel H. Field; 1944 – Febr. 1946 Ltr. der Vereinigung dt. Immigranten (UDIA) in Paris. 1946 Rückkehr nach Dtl.; OdF; ab März 1946 persönl. Referent des stv. GD der DR in der SBZ; Oberreichsbahnrat; kommissar. Vizepräs., März 1947 kommissar. Präs. u. Sept. 1947 Präs. der Reichsbahndirektion Berlin; Jan. 1949 GD der DR für die SBZ/DDR (Nachf. von  Willi Besener); im Zusammenhang mit der Noel-H.-Field-Affäre am 24.8. 1950 SED-Ausschl. auf Beschluß des ZK, 25.8. von der ZPKK der SED vorgeladen u. vom MfS verhaftet; von  Erich Mielke persönl. verhört; 31.8.1950 angebl. Suizid in der U-Haftanstalt des MfS in Berlin-Mitte (lt. Totenschein vom 9.7.1957), kein Eintrag im Sterberegister, keine Grabstelle; nach Zeugenaussagen ( Leo Bauer) 1951 noch am Leben; 29.3.1951 Aberkennung des OdF-Status; Juli 1957 interne Rehabil. durch die ZPKK, die sich jedoch nur auf die Vorwürfe hinsichtl. seiner Kontakte zu Noel H. Field bezog; 1950 – 57 versuchte die ab 1955 wieder in Frankreich lebende Ehefrau Marthe K. vergeblich, W. K.s Schicksal aufzuklären.»Wie starb W. K.?« In: Die Welt 10.8.1957; Kießling, W.: W. K. der verschwundene Reichsbahnchef. Berlin 1997; ders.: »Leistner ist Mielke«. Schatten einer gefälschten Biogr. Berlin 1998; Otto, W.: Das Verschwinden des W. K. In: Utopie Kreativ (1999) 100; Barth, B.-R., Schweizer, W. (Hrsg.): Der Fall Noel Field. 2 Bde. Berlin 2005 u. 2007.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Kress, Wilhelm

* 18.8.1897 – ✝ 31.12.1946

Geboren am 18. August 1897 in Stuttgart-Zuffenhausen; von Beruf technischer Kaufmann. 1917 als Soldat zum Kriegsdienst eingezogen, wurde politisiert und trat der Spartakusgruppe bei. Seit 1919 lebte er in Berlin, wurde Mitglied der KPD und arbeitete in der Gewerkschaftsabteilung der KPD und im Apparat der Komintern. Wahrscheinlich 1927 im Komintern-Auftrag in China, geriet Kress später in politischen Gegensatz zur Parteilinie und soll Mitglied der KPO geworden sein. Viele KPO-Mitglieder vermuteten, daß er dort für den KPD- und Komintern-Apparat tätig war. 1933 nach Frankreich emigriert, ist Kress 1935 wieder zur illegalen Arbeit nach Berlin zurückgekehrt, wo er sich für den Anschluß der KPO an die KPD einsetzte und deswegen aus der KPO ausgeschlossen wurde. Nach Frankreich zurückgekehrt, wurde er dort bei Kriegsausbruch interniert und im November 1939 zusammen mit seiner Frau Helene, geborene Jaweschitz (* 8. 10. 1902), ausgebürgert. 1943 flüchtete er in die Schweiz. Im September 1945 kehrte Kress nach Deutschland zurück, wurde Mitglied der KPD, trat aber schon 1946 wieder aus. Ab Mitte 1946 war er öffentlicher Kläger bei der Spruchkammer Stuttgart. Wilhelm Kress starb am 31. Dezember 1946 an Herzversagen.

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Kreter, Horst

* 10.12.1927 – ✝ 8.8.2004

Geb. in Essen; Vater kfm. Angest.; Volks- u. Mittelschule, mittlere Reife; 1943 – 45 Wehrmacht; 1945 – 49 sowj. Kriegsgefangenschaft, Mitgl. von Antifa-Komitees, Lehrer an einer Antifa-Schule. 1949 Rückkehr nach Dtl.; NDPD; Abt.-Ltr. bzw. HA-Ltr. im PV der NDPD; 1951 – 54 Studium bzw. Fernstudium an der DASR Potsdam, Dipl.-Staatswiss.; 1952 – 90 Mitgl. des Hauptaussch. der NDPD; 1952 Pol. Geschäftsf. des NDPD-Bez.-Vorst. Neubrandenb.; 1952/53 dort Abg. des Bez.-Tags; 1953 Vors. des NDPD-Bez.-Vorst. Halle (Nachf. von  Friedrich Pfaffenbach) u. Abg. des Bez.-Tags; 1954 – März 1990 Abg. der Volkskammer; 1953 – 63 Mitgl. des Büros des ZR der FDJ; 1955 – 89 Mitgl. des PV bzw. des Präs. u. des Sekr. des Hauptaussch. der NDPD; ab 1961 Mitgl. des Präs. der Dt. – Afrik. Ges. u. des Präs. der Freundschaftsges. DDR – Arab. Länder; 1963 – 82 Chefred. der »National-Ztg.« (Zentralorgan der NDPD) (Nachf. von  Gustav Siemon); ab 1972 Mitgl. des Präs. des ZV des VDJ; ab 1982 Vizepräs. des Friedensrats u. Mitgl. des Weltfriedensrats; 1982 – Nov. 1989 Sekr. des Hauptaussch. der NDPD; VVO; Febr./März 1990 Abt.-Ltr. im Presse- u. Informationsamt der Reg.; danach Vorruhestand; gest. in Bernau (b. Berlin).Bernd-Rainer Barth

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Kretzschmar, Bernhard

* 29.12.1889 – ✝ 16.12.1972

Geb. in Döbeln; Vater Schneider; 1896 – 1904 Bürger- u. Volksschule; 1904 – 09 Lehre als Dekorationsmaler u. Malergehilfe; 1909 – 11 Studium an der Kunstgewerbeschule in Dresden bei Ermenegildo Donadini; 1911 Reise durch Süddtl. u. die Schweiz; 1911 – 17 Studium an der Sächs. Kunstakad. in Dresden bei Robert Sterl, Johann Raphael Wehle, Richard Müller, Oskar Zwintscher, Osmar Schindler u. Otto Gußmann; 1913 Reise nach Spanien, u. a. Mallorca; 1914 Mstr.-Schüler von Carl Bantzer; 1917/18 Sanitätssoldat in Bautzen, Galizien u. Frankreich; 1918 – 20 Mstr.-Schüler von Robert Sterl in Dresden; vernichtete 1920 einen wesentl. Teil seiner expressionist. Arbeiten; 1920 – 46 freischaff. in Dresden; 1930 Gründung der Gruppe Aktion; 1932 Gründung u. Ltg. der Neuen Dresdner Sezession; 1937 Beschlagnahmung der als »entartete Kunst« eingestuften Arbeiten B. K.s aus dt. Museumsbesitz durch das NS-Regime; 1942 – 44 Reisen nach Galizien; 13.2.1945 Vernichtung von Teilen des Werks durch den Bombenangriff auf Dresden. 1946 Prof. an der HS für bildende Künste in Dresden; 1954 Reise nach China; ab 1956 mehrfach in Bulgarien; 1969 Mitgl. der DAK; B. K. malte u. zeichnete hauptsächl. Landschaften, Bildnisse u. figürl. Kompositionen; Radierfolgen: »Erlebnisse«, 1921; »Kleiner Zirkus«, 1922; »Um einen Menschen«, 1933.Schmidt, G.: B. K. Werkverz. der Druckgrafik 1914 – 1969. Berlin 1981; Löffler, F.: B. K. Dresden 1985; Kat. B. K. Gemäldegalerie Neue Meister. Dresden 1989.Anke Scharnhorst

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Kreutzer, Hermann

* 3.5.1924 – ✝ 28.3.2007

Geb. in Saalfeld (Thür.) in einer sozialdemokrat. Familie; als Jugendlicher im antifasch. Widerstand aktiv; 1942 Einberufung zum Kriegsdienst, 1945 Verurteilung zu 10 Jahren Festungshaft wg. Wehrkraftzersetzung. Juli 1945 SPD; Ltr. der Abt. Kommunalpolitik des Landkrs. Saalfeld; April 1946 SED, zugleich Ltr. einer illeg. SPD-Org. in Thüringen; 4.4.1949 Verhaftung durch die sowj. Geheimpolizei, U-Haft in Weimar; 31.8.1949 zus. mit seinem Vater u. drei weiteren Sozialdemokraten durch das Sowj. Militärtribunal Weimar zu 25 Jahren Haft verurteilt, Überstellung ins Speziallager Bautzen, bis 1954 Haft im Zuchthaus Bautzen u. im Lager X in Berlin-Hohenschönhausen, anschl. bis 31.5.1956 im Zuchthaus Brandenburg; danach Übersiedl. nach West-Berlin; SPD-Kreisvors. in Berlin-Tempelhof; 1961 MdB; 1967 als Ministerialdir. im Min. für Gesamtdt. Fragen verantw. für den Freikauf polit. Häftlinge aus der DDR; 1968 Mitbegr. des Kurt-Schumacher-Kreises; 1980 Protest gegen Kontakte der SPD-Führung zur SED, Mitbegr. des Seeheimer Kreises, ruft 1981 zur Wahl der CDU in Berlin auf, daraufhin Ausschluß aus der SPD; 1982 Mitbegr. der Gesell. für soziale Demokratie.In Deutschland. Aufschlüsse über politische Ereignisse u. Personen in sechs Jahrzehnten für Freiheit. Berlin 2002. Ploog, S.: H. K. In: Kowalczuk, I.-S., Sello, T. (Hrsg.): Für ein freies Land mit freien Menschen. Berlin 2006.Bernd Florath

Wer war wer in DDR

Kröber, Gerhard

* 23.4.1922 – ✝ 1999

Geb. in Theißen (b. Zeitz); Vater Landwirt; 1940 – 45 Militärdienst, Ltn. der Reserve. 1946 – 49 Studium an der TH München, Dipl.-Ing.; 1949 – 57 Architekt in versch. Projektierungsbüros in Halle, tätig im Schulbau (Gräfenhainichen, Wolfen, Schkopau, Kötzschau), Mitarb. am Kulturhaus u. Lehrlingsheim des Mansfeldkombinats Eisleben; 1957 – 68 Chefarchitekt im Entwurfsbüro für Gebiets-, Stadt- u. Dorfplanung des Bez. Halle, städtebaul. Planung u. a. für Halle, Dessau, Merseburg; 1959 Sieger im Zentrumswettbewerb für die Hauptstadt der DDR, Berlin; 1968 – 83 Stadtarchitekt der Stadt Halle, maßgebl. Einfluß auf die Entw. der Stadt, insbes. Schaffung von Fußgängerber. im Zentrum, Umgestaltung des Marktplatzes; 1963 Rekonstruktion des Zentrums von Merseburg; 1975 Prom. zum Dr. phil. (Städtebautheorie); zahlr. Artikel in Fachztschr.; 1977 NP; gest. in Halle.Das städtebaul. Leitbild zur Umgestaltung unserer Städte. Berlin 1980; Barth, H, Topfstedt, T. u. a.: Vom Baukünstler zum Komplexprojektanten. Berlin 2000.Simone Hain

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Kraus, Alfred

* 28.3.1910 – ✝ 22.4.2001

Geb. in Neurohlau (Krs. Elbogen, Nordböhmen/Nova Role, Tschechien); Vater Maurer; Volks- u. Bürgerschule; 1924/25 Ausbildung zum Schlosser, abgebrochen; 1925 – 38 Ausbildung u. Arbeit als Bauzeichner; 1931/32 Mitgl. des ZK des KJVČ; 1932 – 34 Wehrdienst in der tschech. Armee; 1935 KPČ; 1935 – 38 Org.-Ltr. der KPČ-KL Neudeck; 1936 – 38 Mitgl. der KPČ-Gebietsltg. Westböhmen; 1938 Einberufung zum Militärdienst, Flucht vor der Besetzung des Sudetenlandes; März 1939 Verhaftung in Prag, »Schutzhaft« im Gefängnis sowie in den KZ Dachau u. Flossenbürg; 1940 Entlassung, Arbeit als Bauzeichner; 1940 – 45 Wehrmacht; 1945 engl. Gefangenschaft. Nov. 1945 Flucht aus der Gefangenschaft, Rückkehr in die ČSR; Dez. 1945 mit einem Antifa-Transport nach Mecklenb.; 1946 KPD/ SED; 1946 Einstellung bei der VP; Wachhabender in der Stadtverw. Grabow; 1947 Landposten in Zierzow; 1948 Revierltr. in Neustadt-Glewe; dann Personalltr., später Pol.-Kulturltr. des Krs.-Polizeiamts Ludwigslust; 1949 Pol.-Kulturltr. im Polizeipräs. Schwerin; 1951 Einstellung beim MfS; Mitarb., dann stellv. Ltr. der Abt. VI (Staatsapparat, Parteien) der LV Mecklenb.; 1952 2., dann 1. Sekr. der SED-KL u. stellv. Pol.-Kulturltr. der LV; Aug. 1952 1. Sekr. der SED-KL der BV Rostock; 1954 stellv. Allgemein des Ltr., dann Ltr. der BV u. Mitgl. der SED-BL Rostock; 1970 Gen.-Major; 1975 VVO; 1975 Rentner; gest. in Berlin.Jens Gieseke

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Krause, Fritz

* 13.4.1925 – ✝ 9.8.2012

Geb. in Tzschetzschnow (seit 1937: Güldendorf) (b. Frankfurt (Oder); Lehre u. Arbeit als kaufm. Angest. in der Tapetengroßhandlung »Albert Link« in Frankfurt (Oder); Wehrmacht; brit. Kriegsgef. 1947 SED; 1949 Bezirksvorsteher von Güldendorf; hauptamtl. FDJ-Funktionär, u. a. 1. Sekr. der FDJ-KL Frankfurt (Oder), 1957 –59 2. Sekr. der FDJ-BL Frankfurt (Oder); Stud. an der PHS beim ZK der KPdSU in Moskau; polit. Mitarb. der SED-BL; 1962 – 65 Mitarb. beim Rat des Bez. Frankfurt (Oder); 1965 Dipl.-Gesellschaftswiss.; 1965 – Febr. 1990 OB von Frankfurt (Oder) (Nachf. von  Lucie Hein); Abg. des Bezirkstags Frankfurt (Oder). 2007 Präsentation des Dokumentarfilms über F. K. »Der volkseigene Bürgermeister« von Barbara Keifenheim an der Europa-Univ. Viadrina; gest. in Frankfurt (Oder).Kotterba; J., Kriszun, H.: »Hör mal zu, Fritze!«. Schkeuditz 1998; Targiel, R.-R.: Die Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt (Oder) vom Beginn des 18. Jahrhunderts bis zur Wiedererlangung der kommunalen Selbstverwaltung im Jahr 1990. Frankfurt (Oder) 2000.Andreas Herbst

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Krause, Wolfram

* 6.5.1933

Geb. in Berlin; Vater Maschinenschlosser; Abitur; Studium der Wirtschaftswiss. 1951 – 53 an der HfÖ Berlin u. 1953 – 58 an der Moskauer Staatl. Lomonossow-Univ., Dipl.-Wirtsch.; 1951 SED; 1958/59 Finanzplaner im VEB Elektroapparate-Werke Berlin-Treptow; 1959 – 62 polit. Mitarb. im ZK der SED; 1962/ 63 polit. Mitarb. im Büro des Ministerrats; 1963 Mitarb. u. 1968 – 74 Stellv. des Vors. der SPK; 1974 – 79 1. Sekr. der SED-KL der SPK, 1974 – 89 Mitarb. der SED-BL Berlin; 1989/90 Staatssekr. in der Reg.  Modrow. 1990 – 92 Mitgl. des Direktoriums der Treuhandanstalt.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Kraushaar, Silke

* 10.10.1970

Geb. Sonneberg (Thür.); 1984 KJS Oberhof; ASK Vorwärts Oberhof, 1988 DDR-Mstr. (2. Pl.); 1989 Junioren-EM (5. Pl.); 1990 WSV Oberhof 05, später BSR Rennsteig Oberhof (Trainer Norbert Hahn,  Bernhard Glass); seit 1991 Sportfördergruppe der Bundeswehr in Oberhof (z. Zt. Hauptfeldwebel); dreimal Olymp. Spiele: 1998 (Gold), 2002 (Bronze), 2006 (Silber); 2004 WM, zweimal WM-Zweite (2001, 2003), 2007/08 WM-Dritte; 1998, 2004 u. 2008 EM, dreimal EM-Zweite (2000, 2002, 2003); fünfmal Siegerin Gesamt-Weltcup (1999, 2001, 2002, 2006, 2007), sechsmal Zweite Gesamtweltcup (1998, 2003 – 05, 2007, 2008); Rücktritt 2008; 28 Weltcupsiege; sechsmal Dt. Mstr. (1998, 2000 – 02, 2004/05); Fachwirtin für Sport u. Fitness; Ausbildung zur Erzieherin; 1998 Silbernes Lorbeerblatt; lebt in Sonneberg.Volker Kluge

Handbuch Deutsche Kommunisten

Krausz, Georg

* 2.3.1894 – ✝ 18.3.1973

Geboren am 2. März 1894 in Humene/Slowakei, entstammte einer bürgerlichen Familie, der Vater war Professor an der Handelshochschule. Nach dem Besuch des Gymnasiums studierte er von 1912 bis 1918 u. a. Germanistik und Psychologie an Universitäten in Budapest und in Frankreich. 1918 Studienassessor an einer Oberrealschule. Krausz schloß sich linkssozialistischen Studentengruppen an, war 1919 aktiv an den Kämpfen für die Ungarische Räterepublik beteiligt und Mitglied des »revolutionären Direktoriums« in Nord-Ungarn. Nach deren Niederschlagung floh er zunächst nach Wien, dann in die Slowakei, wurde Bezirkssekretär des KJV in der Karpato-Ukraine und 1921 Chefredakteur der kommunistischen »Volksstimme« in Bratislava. Krausz gehörte dem ersten ZK der Tschechoslowakischen KP als Vertreter der Jugend an, war 1921/22 Sekretär des ZK des KJV der Tschechoslowakei. 1921 in der âSR inhaftiert und nach Österreich ausgewiesen, übersiedelte er im April 1922 nach Deutschland, hier 1922/23 außenpolitischer Redakteur der »Roten Fahne« (unter dem Pseudonym Georg Mahlow). 1924 Chefredakteur des »Rhein-Ruhr-Pressedienstes« der KPD und von 1925 an wieder Redakteur der »Roten Fahne«. 1928 einer der aktiven und führenden Versöhnler, blieb Krausz trotz einer offiziellen »Reue-Erklärung« fest mit der Versöhnler-Fraktion verbunden. Ende 1928 aus der Redaktion der »Roten Fahne« entfernt, zunächst der Informationsabteilung des ZK der KPD zugeteilt, dann zur Redaktion der »Sozialistischen Arbeiterzeitung« nach Leipzig versetzt. Krausz persönliche Verbindungen zu Anhängern der Versöhnlergruppe in Leipzig veranlaßten die Leipziger BL nach dem XII. Weddinger Parteitag 1929, ihn als Redakteur abzusetzen und ihm wegen »fraktioneller Betätigung« ein Jahr Funktionsverbot zu erteilen. Nach Berlin zurückgekehrt, bestritt er seinen Lebensunterhalt mit Beiträgen für die »Inprekorr«, deren ständiger Mitarbeiter er bereits seit 1925 war. 1930 Angestellter im sowjetischen Reisebüro »Intourist«, offiziell war er dort von 1930 bis 1936 Leiter der Werbeabteilung. Ab 1933 illegale Arbeit in Deutschland, zeitweise lehnte er eine Zusammenarbeit der Versöhnler-Gruppe mit Walter Ulbricht ab. Am 13.August 1936 verhaftet und durch das Kammergericht Berlin zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt, die er in Waldheim verbüßte. 1941 in das KZ Buchenwald eingeliefert, das Krausz überlebte, weil er seine jüdische Herkunft verschleiern konnte. Nach der Befreiung des Lagers im April 1945 als Redakteur der politischen Lager-Tageszeitung und in Weimar beim Aufbau der KPD-Ortsgruppe aktiv. Im Juni 1945, noch während der amerikanischen Besetzung Thüringens, fuhr Krausz in die sowjetisch besetzte Zone, um den Heimtransport politischer Häftlinge zu besprechen. Unterwegs wurde er in Potsdam angeblich wegen ungenügender Ausweispapiere und einer Namensverwechslung von Organen der sowjetischen Besatzungsmacht festgenommen und als »amerikanischer Spion« in das nun zum Speziallager des NKWD umgewandelten ehemaligen KZ Sachsenhausen und dann Buchenwald eingesperrt. Erst nach weltweiten Protesten der Versöhnler sowie einer Intervention Wilhelm Piecks öffneten sich im Mai 1948 für Krausz die Lagertore. Er wurde Mitglied der SED, ab Juni 1948 Hauptreferent für außenpolitische Fragen im PV, 1950 stellvertretender Abteilungsleiter. Im Herbst 1950 Redakteur beim »Neuen Deutschland«, berichtete als Auslandskorrespondent u. a. aus Warschau und Prag. Inzwischen aber wegen seiner Vergangenheit wieder Überprüfungen seitens der ZPKK ausgesetzt, lieferte Krausz (um Repressalien zu entgehen?) linientreue Artikel, z. B. von den Schauprozessen in den Ostblockstaaten, u. a. im November 1952 über den Slánsk ´y-Prozeß, sowie am 6. Dezember 1952 über die »Zionistische Agentur des USA-lmperialismus«. Am 27. Dezember 1951 hatte die ZPKK beschlossen: »Genosse Krausz erhält das Mitgliedsbuch. Begründung: Die durchgeführte Untersuchung ergab, daß Georg Krausz vor 1933 und in der Illegalität bis zu seiner Verhaftung der Fraktion der Versöhnler angehörte, daß er in der Illegalität nicht zur engeren Berliner Reichsleitung der Versöhnler gehörte. Genosse Georg Krausz war von 1936 bis 1945 im Zuchthaus und KZ und anschließend von unseren Freunden bis 1948 festgesetzt. Aus der Zeit nach 1948 kennen wir keine Tatsachen, wonach er sich erneut fraktionell bestätigte.« 1954/55 stellvertretender Chefredakteur des »Neuen Deutschland«, von 1956 bis 1968 »Redakteur für besondere Aufgaben«, ab 1968 freier Mitarbeiter des SED-Zentralorgans. Von 1957 bis 1967 war Krausz Vorsitzender des Verbandes der deutschen Presse, des späteren VdJ. 1959 verlieh ihm die Universität Leipzig den Dr. h. c. Im gleichen Jahr reiste er acht Monate lang durch Südostasien, berichtete darüber in seinem Buch »Von Indien bis Laos«, das 1960 in Ost-Berlin erschien und lobte in einer Schlußbemerkung besonders die chinesischen Kommunisten. Er erhielt 1964 den Karl-Marx-Orden. Georg Krausz starb am 18. März 1973 in Ost-Berlin.Bernd-Rainer Barth / Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Kreft, Harald

* 26.11.1930

Geb. in Rügenwalde (Hinterpomm. / Darłowo, Polen); Vater Seemann; Volks- u. Mittelschule; 1946 – 48 Lehre u. Arbeit als Autoschlosser, Montierer u. E-Schweißer in Arnstadt u. Rudisleben; 1948 SED; 1948 – 50 Instrukteur u. FDJ-Sekr. der FDJ-KL in Arnstadt, 1950 – 55 polit. Mitarb. im FDJ-LV Thüringen; 1955 / 56 Studium an der Sonderschule des ZK der SED für Propagandisten in Erfurt; 1956 / 57 Abt.-Ltr. für Agit. u. Prop. der FDJ-BL Erfurt; 1957 – 61 Mitarb. der SED-Stadtbezirksltg. Erfurt-Nord; 1961 / 62 Kreiszeitungsred. der »Erfurter Wochenzeitung«, ab 1962 Red., Redaktionssekr. sowie stellv. Chefred.; 1968 1. Stellv. des Chefred., 1974 – 81 Chefred. des SED-Bezirksorgans »Das Volk« Erfurt (Nachf. von  Gerhard Fuchs) u. Mitgl. der SED-BL Erfurt; 1977 – 81 Vors. des VDJ-BV Erfurt, 1977 – 82 Mitgl. des ZV des VDJ.Andreas Herbst

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Kreikemeyer, Willi

* 11.1.1894 – ✝ 31.8.1950

Am 11. Januar 1894 in Magdeburg-Fermersleben als Sohn eines Schlossers und einer Landarbeiterin geboren, mit seinen vier Geschwistern lernte er früh die Not kennen. Er lernte Dreher und arbeitete in Magdeburg, Düsseldorf und Kiel. 1910 wurde er Gewerkschaftsmitglied und schloß sich der Sozialistischen Arbeiterjugend und 1913 der SPD an. Im Weltkrieg Obermatrose, erhielt er nicht nur das Eiserne Kreuz, sondern auch den Türkischen Roten Halbmond. Seit Dezember 1918 war Kreikemeyer in Magdeburg bei der Deutschen Reichsbahn. 1918 Mitglied der USPD, kurze Zeit später der KPD. 1922 hauptamtliches Mitglied der BL Magdeburg, ab Mai 1923 Sekretär des Freien Eisenbahnerverbandes (der KPD nahestehend). 1924 gehörte Kreikemeyer zum linken Flügel der Partei und wurde Anfang 1924 als Polleiter nach Nordbayern entsandt, um die illegale KPD zu leiten. Von der Polizei fieberhaft gesucht (Polizeibeschreibung: »1,80 m groß, kräftig, kleine Glatze«), da er als Willi und Niran ausgezeichnete Orgarbeit für die Partei leistete. Bei einer Sitzung im Mai 1924 verhaftet, zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt, aber schon im Juli 1924 aus Bayern ausgewiesen. Er wurde Mitte 1924 Polleiter des Bezirks Mecklenburg. Als Delegierter dieses Bezirks auf dem X. Parteitag 1925 in Berlin nahm er gegen die Ultralinken Stellung. Nach dem »Offenen Brief« 1925 kam Kreikemeyer als Kommissar des ZK nach Niedersachsen, wurde von Mitte 1926 bis 1928 Polleiter in Danzig. 1928 wechselte er zum Münzenberg-Unternehmen und arbeitete bis zur Emigration im Frühjahr 1933 als Geschäftsführer des Neuen Deutschen Verlages. Er ging später in das Saargebiet, nach Frankreich, in die Tschechoslowakei und nach Luxemburg, um, wie er 1949 in seinem Lebenslauf schrieb, illegale Druckmöglichkeiten für die KPD zu beschaffen. In Spanien 1937 Offizier der Republikanischen Armee und der XI. Internationalen Brigade, kam nach schwerer Verwundung bei Madrid nach Frankreich. Im April 1939 heiratete er Marthe Fels (* 19. 3. 1908 – † 25. 9. 1986), eine Elsässerin aus Graffenstaden. Sie arbeitete als Kassiererin bei der »Vereinigung der deutschen Emigranten« in Paris. Willi Kreikemeyer war Angehöriger eines Arbeitsbataillons bei Reims und dann bei Bordeaux, wurde nach der Kapitulation Frankreichs im Sommer 1940 entlassen und konnte sich legal in Toulouse und später in Marseille aufhalten. Im Sommer 1940 nahm er im unbesetzten Toulouse Verbindung zum Flüchtlingskomitee der Quäker auf und erhielt von dort Unterstützung für deutsche antifaschistische Emigranten, lernte Noel H. Field kennen, den Repräsentanten des »Unitarian Service Committee« (USC) in Frankreich. Mit deren Hilfe konnte Hunderten zur Flucht verholfen werden, darunter auch vielen deutschen Kommunisten. Kreikemeyer wurde im Oktober 1941 Mitarbeiter von Noel H. Field in Marseille. Zwischen den Ehepaaren Field und Kreikemeyer entstand ein freundschaftliches Verhältnis, das nach Kriegsende nicht abbrach. Nach der Befreiung von Paris gingen die Kreikemeyers in die französische Hauptstadt, wo er bis Februar 1946 Leiter der »Union Immigrés allemands antinazis« war und die Repatriierung deutscher Emigranten organisierte. Mitte Februar 1946 traf Kreikemeyer in Berlin ein. Er wurde am 21. Februar persönlicher Referent des stellvertretenden Generaldirektors der Deutschen Reichsbahn, dann Vizepräsident der Reichsbahndirektion Berlin, im März 1947 deren Präsident und am 20. Januar 1949 Generaldirektor der Deutschen Reichsbahn. Als die KP Ungarns 1949 Noel H. Field fälschlich der Spionage für die USA bezichtigte, mußte jeder Funktionär, der mit ihm zu tun hatte, der ZPKK Aussagen machen, Berichte schreiben usw. Da Kreikemeyer sich keiner Schuld bewußt war, informierte er wahrheitsgetreu, warf sich nur selbst vor, als alter, erfahrener Kommunist nicht erkannt zu haben, daß Field ein Spion war. Bereits am 30. März 1950 hatte die Sonderkommission der ZPKK im Fall Kreikemeyers »schwere Bedenken gegen den Genossen Kr.« erhoben. Im August 1950 verbrachte die Familie Kreikemeyer ihren Urlaub an der Ostsee, wo am 24.August 1950 (dem Tag, an dem der Beschluß des ZK über Field gefaßt wurde), ein Abgesandter der ZPKK von Berlin bei ihnen eintraf, der Kreikemeyer zu einer Aussprache einzuladen hatte, und sie fuhren am 25. August gemeinsam nach Berlin. An jenem Morgen des 25. August hatte »Neues Deutschland« das Kommunique der ZK-Tagung abgedruckt. Willi Kreikemeyer und der Funktionär der ZPKK wurden am SED-Parteihaus abgesetzt, Marthe Kreikemeyer nach Hause gefahren und seitdem haben sie sich nicht mehr gesehen. Mittags übergab ein Vertreter des MfS eine handgeschriebene Mitteilung von Kreikemeyer, darin bat er seine Frau, eine Haussuchung zu gestatten, alles beruhe auf einem Irrtum, der sicher bald geklärt werde, sie solle Geduld haben und ruhig abwarten. Um diese Zeit war Kreikemeyer – was seine Frau nicht wissen konnte – bereits aus der SED ausgeschlossen und im Gefängnis. Am 9. September schloß der Zentralvorstand der IG Eisenbahn im FDGB sein Mitglied Kreikemeyer aus und verpflichtete alle Instanzen der Industriegewerkschaft, in Belegschaftsversammlungen zu diesem Fall und zur Frage der »Wachsamkeit gegen Agenten« Stellung zu nehmen. Fast hysterisch wurden weitere »Beweisstücke für das agentenfeindliche Verhalten des Willi Kreikemeyer« vorgelegt. Am 25. Oktober 1950 veröffentlichte »Neues Deutschland« einen Bericht der Zentralen Kommission für Staatliche Kontrolle unter der Überschrift »Einige Materialien über Sabotage durch Bürokratismus, dargestellt an dem Fall Kreikemeyer«. Für Marthe Kreikemeyer wurde die Situation immer bedrohlicher. Verhöre beim Ministerium für Staatssicherheit dauerten bis in die Nacht, sie floh nach West-Berlin und ging im Februar 1955 nach Frankreich. In Strasbourg arbeitete sie als Sekretärin in einer Rheinreederei und bemühte sich hartnäckig um Aufklärung über das Schicksal ihres Mannes. Mehrmals schrieb sie an Ministerpräsident Otto Grotewohl, der ihre Post an eine Kommission weitergab. Diese beschloß auf ihrer Sitzung vom 25. April 1956 unter Punkt 7: »den staatlichen Organen zu empfehlen, der Frau Kreikemeyer keine Antwort zukommen zu lassen, da sie selbst Ausländerin ist und im Ausland lebt«. Daraufhin verbreitete Marthe Kreikemeyer am 3. August 1956 über den Sender Freies Berlin, »nach sechs Jahren Wartens bin ich nicht mehr gewillt, irgendwelche Rücksichten zu nehmen, denn das, was sich die DDR gerade auf dem Gebiet der Justiz leistet, kann der Sache des Sozialismus nicht dienen, sondern nur schaden«. Im März 1957 erfuhr Marthe Kreikemeyer, daß ihr Mann inzwischen »rehabilitiert«, aber verstorben sei. Am 9. Juli 1957 erhielt sie dann offiziell Nachricht vom Stadtbezirksgericht Berlin-Prenzlauer Berg. Darin wurde ihr mitgeteilt, daß nach Prüfung der »glaubhaft gemachten Angaben«[!] des »Antrages der Obersten Staatsanwaltschaft der DDR vom 24. 6. 1957 Willi Kreikemeyer am 31. August 1950 in Berlin verstorben«, aber »eine Eintragung in das Sterbebuch seinerzeit verabsäumt worden« sei. Leo Bauer, der am 24.August 1950 zusammen mit Kreikemeyer verhaftet worden war, erklärte dagegen, daß Kreikemeyer ihm noch Monate nach der Verhaftung gegenübergestellt wurde. Der wirkliche Grund und das Datum von Kreikemeyers Tod wurden weiterhin vertuscht. Marthe Kreikemeyer hatte inzwischen auf die »Todeserklärung« reagiert und gegen die »Feststellung« des Todesdatums protestiert. Sie verlangte, daß, falls ihr Mann tatsächlich gestorben sei, ihr ein ärztliches Attest vorgelegt werde mit Angabe der Todesursache und des Ortes, wo er begraben liege. Sie schrieb an Hermann Matern: »Angesichts der ungeheuren Verbrechen, die in den letzten Jahren begangen wurden und die in vielen anderen Ländern des sozialistischen Lagers selbstkritisch zugegeben wurden, wobei sich die S.U. besonders auszeichnete, kann ich wohl erwarten, daß zumindest diese primitivste Menschenpflicht gegenüber meinem Mann und mir erfüllt wird.« Darauf wartete Marthe Kreikemeyer vergeblich. Erst nach 1990 wurde bekannt, daß der Staatssekretär im MfS, Erich Mielke, Kreikemeyer in dessen letzten Tagen und Stunden persönlich verhörte und ihn aufforderte, »schriftlich und rückhaltlos seine Schuld zu bekennen und danach nie wieder eine Aussage zu machen, wer es auch sei, der sie von ihm verlange«. Mielke war Kreikemeyer unter dem Decknamen Fritz Leistner aus Spanien und Richard Hebel aus Frankreich bekannt. Deshalb erinnerte er bei den ZPKK-Verhören daran, daß Mielke selbst ihn damals aufgesuchte hatte, um mit seiner Unterstützung nach Mexiko zu gelangen. 1950 hätte die Offenlegung solcher brisanter Tatsachen für den MfS-Staatssekretär gefährlich werden können. Bis heute ist nicht restlos geklärt, wie, durch wen und wann Willi Kreikemeyer starb. Die »russische Variante« (Überstellung an die sowjetischen Organe) und Ermordung in der UdSSR ist ebenso unwahrscheinlich wie ein Selbstmord, denn für diese beiden Versionen gibt es keine Unterlagen, sie wären sonst für den »internen Gebrauch«, zur Rechenschaft gegenüber dem Politbüro, dokumentiert worden. Kein Arzt durfte den Leichnam untersuchen, er wurde heimlich beseitigt, verbrannt oder an einem unbekannten Ort verscharrt. Willi Kreikemeyer wurde ermordet, ein Opfer seiner eigenen Genossen. Wie die stalinistischen Säuberungen generell, ist sein Fall ein Beispiel für die barbarischen Methoden, mit denen auch innerhalb stalinistischer Parteien Menschen verfolgt und »vernichtet« wurden. Eine Arbeit über Willi Kreikemeyer von Wolfgang Kießling erschien 1998 unter dem Titel »Leistner ist Mielke – Schatten einer gefälschten Biographie«.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Kress, Willi

* 9.11.1903 – ✝ 21.1.1926

Geboren am 9. November 1903 in Hanau; kaufmännische Ausbildung. Pfingsten 1918 schloß sich der 15jährige der FSJ an. 1919 gehörte er bereits zur Leitung der FSJ-Ortsgruppe Hanau und war 1920 Vorsitzender der KJD in Karlsruhe. Ab Juli 1920 im Rheinland, wirkte er zunächst als Orgleiter, dann als Polleiter der KJD Rheinland/Westfalen-Süd. Auf dem 7. Reichsjugendkongreß 1923 in Chemnitz wurde Kress in das ZK der KJD gewählt und war von September 1922 bis Februar 1923 Sekretär des KPD-Oberbezirk West in Düsseldorf. Kress gehörte im ZK des KJVD zur Mittelgruppe. 1924 Sekretär in Württemberg, später war er im Sekretariat des KJVD in Berlin unter Hermann Jacobs bzw. Konrad Blenkle für »Gegnerarbeit« zuständig. Am 8. Oktober 1924 verhaftet und wegen »Vorbereitung zum Hochverrat« vom 4. Senat des Reichsgerichts zu acht Monaten Zuchthaus verurteilt, die er in Cottbus verbüßte. Kress protestierte gegen seine Verurteilung mit einem Hungerstreik und wurde am 26. Juni 1925 entlassen. Nur drei Wochen später gehörte er zur deutschen Delegation, die zum IV. Weltkongreß der KJI im Juli 1925 nach Moskau reiste. Zurückgekehrt erkrankte Kress schwer und konnte deshalb das Ressort »Gegnerarbeit«, das er nach dem 9.Reichskongreß des KJVD in Halle im Oktober 1925 im Sekretariat wieder übernommen hatte, nicht mehr ausüben. Willi Kress starb am 21. Januar 1926. Die »Rote Fahne« würdigte ihn am 24.Januar 1926 mit einem Nachruf.

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Kretschmann, Kurt

* 2.3.1914 – ✝ 20.1.2007

Geb. in Berlin; Vater Arbeiter; Volksschule; 1928 – 31 Zuschneiderlehre; anschl. bis 1933 im Beruf tätig; Vegetarier u. Pazifist; 1933 – 40 Gelegenheitsarbeiten, Wanderungen durch Dtl., die Schweiz u. Oberitalien; ab 1937 unter Aufsicht der Gestapo; 1940 Verweigerung der Arbeit in einer Munitionsfabrik, Arbeitsverpflichtung auf einem Flugplatz; 1941 – 45 Kriegsteiln. an der Ostfront; Jan. 1945 während eines Heimaturlaubs desertiert; Mai bis Aug. 1945 sowj. Gefangenschaft in Landsberg (Warthe), Mitarbeit an einer antifa. Lagerztg. 1945 KPD; bis März 1946 hauptamtl. Sekr. der KPD-KL Oberbarnim; ab 1946 SED; ehrenamtl. Naturschutzarbeit u. publizist. Tätigkeit; 1949 Krs.-Beauftr. für Naturschutz in Bad Freienwalde; 1951 Naturschutzbeauftr. der Landesreg. Brandenb. (Wanderausstellung; erster Naturlehrpfad in der DDR; Initiative zur Kennzeichnung von Naturdenkmälern u. -schutzgeb. mit dem Symbol der Waldohreule, welches 1954 als gesetzl. Norm eingeführt wurde); 1952 – 54 Ref. für Landeskultur u. Naturschutz in der DAL-Direktion, beteiligt an der Ausarbeitung des ersten Naturschutzgesetzes der DDR sowie an der Konzeption für einen Naturpark Sächs. Schweiz, die jedoch nicht realisiert wird; 1954 – 60 gem. mit Ehefrau Erna K. Aufbau u. Ltg. der Zentr. Lehrstätte für Naturschutz Müritzhof (Krs. Waren) als erste derartige Einrichtung in Dtl.; ab 1960 Aufbau des priv. Projekts »Haus der Naturpflege« in Bad Freienwalde, das ab 1982 als staatl. Einrichtung weitergeführt wird; 1974 Johannes-R.-Becher-Medaille; 1979 Gründung u. anschl. Ltg. eines Arbeitskrs. Weißstorch im KB, später in der Ges. für Natur u. Umwelt; 1979 Rentner. 1990 Mitgl. des Ehrenpräs. des Naturschutzbunds Dtl. (NABU); 1991 1. Umweltpreis des Landes Brandenb. u. 1993 Europ. Umweltpreis (jeweils gem. mit Erna K.); Ehrenpräs. des NABU; 2004 Kandidat für den Dt. Umweltpreis; gest. in Bad Freienwalde. Wichtige Vorarbeiten für das 1990 von  Michael Succow initiierte Naturpark-Programm; ca. 2.000 Veröff. in Ztg. u. Ztschr. sowie 60 Broschüren; an K. K.s Naturschutzprojekten hatte Erna K. durch finanz. u. fachl. Unterstützung maßgebl. Anteil.Zwei Naturlehrpfade. Leipzig 1956; Der naturnahe Garten mit Kompostwirtschaft u. Regenwurmzucht. Berlin 1990; Zehn Jahre Kampf u. Widerstand gegen den dt. Militarismus. Eberswalde 1992 (Lebenserinnerungen); Ein Leben in Harmonie. Neuenhagen 1999.Siegfried Kuntsche

Wer war wer in DDR

Kretzschmar, Waltraud

* 1.2.1948

Geb. in Lehnin (Brandenburg); Vater Gärtner; Grundschule; 1964 – 70 Lehre u. Tätigkeit als Bankkauffrau; Handballspielerin in Damsdorf (b. Potsdam); 1964 – 80 Handballspielerin beim SC Leipzig (entdeckt von Trainer Peter Kretzschmar, den sie 1972 heiratet); 1972 – 80 Fernstudium an der DHfK Leipzig; 15 Jahre Mitgl. der DDR-Nationalmannschaft; dreimal Weltmeisterin (1971, 1975, 1978), Teiln. an den Olymp. Spielen 1976 (Silber) u. 1980 (Bronze), 10mal DDR-Mstr. mit dem SC Leipzig, 1966 u. 1974 Europapokalgewinnerin, 1967, 1970 u. 1972 Finalteiln.; nach 1980 Mitarb. im DTSB-BV Leipzig bzw. Trainerin bei der SV Dynamo, Trainingszentrum in Berlin-Lichtenberg. Seit 1994 gemeinsam mit Peter Kretzschmar Bewirtschaftung des Casinos im Berliner BVB-Stadion; trägt heute den Namen Czelake; Sohn Stefan K. (Jg. 1973), Handballnationalspieler der Bundesrep. Dtl.Volker Kluge

Wer war wer in DDR

Krickow, Rolf

* 29.4.1921 – ✝ 14.3.2003

Geb. in Leipzig; Vater Lithograph; Abitur; 1937 – 39 kfm. Ausbildung; Angest.; 1936 – 40 Klavier- u. Gesangsunterricht; 1940/41 RAD, 1941 – 44 Wehrmacht; 1944 in Rumänien desertiert, 1944 – 47 hier zunächst untergetaucht, dann interniert; 1947 – 49 sowj. Kriegsgefangenschaft, antifa. Schulung. 1949 Rückkehr nach Dtl.; 1950 Mitarb. in der DSF; SED; 1951/52 Mitarb. im Mitteldt. Rundfunk Leipzig; 1952 – 91 Red. u. Moderator für Unterhaltungssendungen beim Berliner Rundfunk; mit Horst Lehn Schöpfer vieler Unterhaltungsreihen, u. a. »Per Draht gefragt«, »Wie geht’s, wie steht’s« sowie der Sendereihe »Die kleine Premiere« für junge Talente; 1959 – 90 in der Sendereihe »Lampenfieber« Vorstellung der DDR-Theater u. ihrer Solisten; ab 1964 Konzipierung u. Gestaltung der Sendereihe »Berolina-Konzerte« mit dem Großen Rundfunkorchester Berlin (Ltg. Robert Hanell); seit den 60er Jahren Mitgl. nat. u. internat. Jurys bei Gesangs- u. Instrumentalwettbewerben; 1962 – 90 Mitgl. des ZV der Gewerkschaft Kunst; 1986 Präs. des Künstlerclubs »Möwe« in Berlin; 1990 Rentner; gest. in Berlin. Dageblieben. Frankfurt (Oder) 1997.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Kröber, Günter

* 12.1.1928

Geb. in Leipzig; 1946 Abitur; 1946 – 62 Mitgl. der LDP, Ausschluß wg. »staatsfeindl. Verhaltens«; 1946 – 50 Jura-Studium an der Univ. Leipzig; 1950 Mitgl. des LDP-Landesvorst. Sachsen; 1950 – 52 Mitgl. des Sächs. Landtags; 1951 / 52 jur. Vorbereitungsdienst; 1951 / 52 LDP-Organisationsltr. des Kreisvorst. Leipzig-Stadt; 1953 – 55 u. 1956 – 61 Rechtsanw.; 1955 verhaftet wg. angebl. staatsfeindl. Verhaltens, Ausschluß aus der Anwaltschaft, 1956 freigespr. u. rehabilitiert; 1961 in Jugoslaw. verhaftet u. ausgeliefert, 1962 verurteilt wg. Verstoßes gegen das Paßgesetz, bis 1963 in Haft; 1963 – 66 Absatzltr. im Montagewerk Leipzig; 1966 – 90 Justitiar der Centrum-Warenhäuser Leipzig; 1970 Prom.; 1989 Gründungsinitiator der FDP in Sachsen, 1990 Mitgl. FDP-Kreisvorst. Leipzig u. des FDP-Landesvorst. Sachsen; 1990 als Rechtsanwalt rehabil. Okt. 1990 – 94 Mitgl. des Sächs. Landtags, Okt. 1990 – Dez. 1993 Vors. der FDP-Fraktion; seit Nov. 1995 Mitgl. des Sächs. Verfassungsgerichtshofs in Leipzig; 1998 – 2003 Mitgl. des Stiftungsrats der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur; 1998 Sächs. Verdienstorden; Mitgl. des Bundesvorst. u. Vors. Landesverb. Sachsen des Bundes der Stalinistisch Verfolgten e. V.; Präs. der Rechtsanwaltskammer Sachsen; arbeitet als Rechtsanwalt für Gesellschafts- u. Vermögensrecht.Der Kaufvertrag zwischen Handel u. Bürger. Leipzig 1970.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Kraus, Werner

* 14.6.1898 – ✝ 12.11.1964

Geboren am 14. Juni 1898 in Lüdenscheid; Bauarbeiter. 1923 trat Kraus der KPD bei, 1929 als hauptamtlicher Funktionär Orgleiter des KPD-Bezirks Pommern, 1931 Polleiter. Im April 1932 wurde er im Wahlkreis Pommern als Abgeordneter in den Preußischen Landtag gewählt und im März 1933 auch in den Reichstag. Er nahm noch im Februar 1933 an der letzten Tagung der KPD-Führung in Ziegenhals bei Königs Wusterhausen teil, blieb bis April 1933 Polleiter der BL Pommern und wechselte dann nach Ostpreußen. Im Juli 1933 in einem illegalen Quartier in Königsberg verhaftet, wurde Kraus ein aktiver V-Mann für die NSDAP in der KPD. Er denunzierte alle ihm bekannten Kommunisten aus Ostpreußen und Pommern. Seinem Verrat fielen (nach Ermittlungen des Kippenberger-Apparates) allein in Ostpreußen 170 KPD-Funktionäre und aktive Mitglieder zum Opfer. Bereits 1933 offiziell SA-Sturmführer, ließ er in Zusammenarbeit mit der Gestapo drei illegale Zentralstellen der Kommunisten (der KPD, der RGO und der Sporteinheit in Berlin) auffliegen. Außerdem war er maßgeblich verantwortlich für die Liquidierung der illegalen KPD in Ostpreußen (wie er in seinem Bericht an die Gestapo im Jahre 1936 selbst hervorhob). Dafür und auf Antrag der SA-Führung wurde eine gegen ihn im November 1934 vom Generalstaatsanwalt beim Kammergericht Berlin eröffnete Anklage wegen »Vorbereitung zum Hochverrat« eingestellt. Kraus wurde Mitglied der NSDAP, hauptamtlich im Propagandareferat der SA für Presse und Propaganda tätig. Ab 1937 bekam er einen »Ehrensold« von 300 Mark und für seine vier Kinder 150 Mark Kindergeld. Als er 1936 zu einer Reportage über die SA im Kurischen Haff fuhr und dabei die Grenze überschritt, wurde er von Litauischen Zöllnern verhaftet, kam aber mit drei Tagen Haft davon. Wie er später seinen SA-Vorgesetzten berichtete, hatte er Angst, an die Sowjetunion ausgeliefert zu werden. Denn zu jener Zeit waren von den deutschen Behörden drei Litauer verhaftet und angeblich erschossen worden, so daß Kraus einen Racheakt Litauens befürchten mußte. Während des Krieges als Landwehrmann »u. k.« gestellt, arbeitete er bei der Gruppe Ostland der SA auf einer Planstelle der NSDAP. Nach 1945 konnte Kraus seine Vergangenheit verschleiern, trat keiner Partei mehr bei, lebte und wohnte in Rhumspringe, einem kleinen Ort im Harz in Niedersachsen. Als Betriebsratsvorsitzender seiner Firma betätigte er sich in der Gewerkschaft, der Ortskrankenkasse usw. Obwohl parteilos, war er kurze Zeit über die Liste der SPD Mitglied im Gemeinderat in Rhumspringe. 1962 erlitt er einen Schlaganfall und zog sich zurück. Werner Kraus starb am 12.November 1964 in Rhumspringe.

Wer war wer in DDR

Krause, Günther

* 13.9.1953

Geb. in Halle (Saale); 1970 – 72 EOS, Abitur; 1972 – 74 Wehrdienst in der NVA; 1974 – 78 Studium des Bauingenieurwesens u. der Informatik an der HAB Weimar, Dipl.-Bauing.; 1975 CDU; 1980 – 84 außerplanmäßige Aspirantur an der HAB; Praxis im VEB Wohnungsbaukombinat Rostock; 1982 Assistent an der Ing.-HS Wismar, Sekt. Bauwesen; 1984 hochschulpädagog. Abschl., Prom. A; Oberassistent an der Ing.-HS, Ltr. des Wissenschaftsber. Informatik; 1987 Vors. des CDU-Krs.-Verb. Bad Doberan; 1987 Prom. B zum Dr. sc. techn.; Doz.; Okt. 1990 Honorarprof. an der Ing.-HS Wismar; 1990 – Mai 1993 Vors. des CDU-Landesverb. Mecklenb.-Vorpomm.; März – Okt. 1990 Abg. der Volkskammer u. Vors. der CDU-Fraktion; April – Okt. 1990 Parl. Staatssekr. im Amt des Min.-Präs.; Verhandlungsführer der DDR-Seite bei den Verhandlungen über die Staatsverträge DDR – Bundesrep. Dtl. Ab Okt. 1990 Mitgl. des Präs. der CDU; 1990 – 94 Abg. des Dt. Bundestags; Okt. 1990 – Jan. 1991 Bundesminister für bes. Aufgaben; Jan. 1991 – Mai 1993 Bundesminister für Verkehr (Nachf. von Friedrich Zimmermann); Rücktritt am 6.5.1993 wegen der »Putzfrauenaffäre«; Sprecher der ostdt. CDU-Parlamentarier; 1993 Gründer der Aufbau-Invest AG in Zürich u. Börgerende (Mecklenb.-Vorpomm.) mit Büro in Berlin; seit 1994 Mitgl. des Aufsichtsrats der IG Farbenindustrie i. A.; Aug./Sept. 1994 beteiligt an der Privatbank Compagnie Nord AG in Kiel; Mai 1995 – 98 Krs.-Vors. der CDU Rostock u. Mitgl. des erw. LV Mecklenb.; 1998 CDU-Kand. zur Bundestagswahl; 23.12.2002 Verurteilung zu 45 Mon. Haft wegen Untreue, Betrug u. Steuerhinterziehung, 2004 wurde das Urteil vom BGH aufgehoben u. zur erneuten Verhandl. an das LG Rostock verwiesen, das K. am 30.10.2007 zu einer Freiheitsstrafe von 14 Mon. auf Bewährung verurteilte, wogegen allerdings Revision beim BGH erfolgreich beantragt wurde; im März 2009 wg. Betrugs u. Insolvenzverschleppung rechtskräftig zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt; lebt in Admannshagen (Landkrs. Bad Doberan).Huhn, K.: Mein Name ist Krause. Berlin 1994.Helmut Müller-Enbergs

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Krause-Rotter, Franz

* 1904 – ✝ 22.4.1926

Franz Rotter wurde 1904 in Böhmen geboren, wo er das Gymnasium besuchte. Aus der Tschechoslowakei siedelte er 1920 nach Deutschland über, studierte in Stuttgart, schloß sich der kommunistischen Studentenfraktion an und trat 1921 der KPD bei. Er war Anhänger der linken Opposition in der Partei. Unter dem Namen Franz Krause übernahm ihn die linke Führung in den hauptamtlichen Apparat der KPD. Zunächst war Krause Leiter der Kommunistischen Jugend im Bezirk Baden. Mitte 1924 wurde er zum Chefredakteur der Saarbrücker »Arbeiterzeitung« berufen und kam Ende 1924 als Redakteur nach Berlin. Nach dem »Offenen Brief« 1925 als Anhänger der linken Opposition nach Thüringen abgeschoben. Dort starb Krause-Rotter 22jährig am 22. April 1926 an einer Infektionskrankheit.

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Krauss, Otto

* 8.11.1884 – ✝ 1.5.1971

Geb. in Gotha; Vater Handwerker; 1901 – 04 Ausbildung zum Bankkfm.; 1904/05 Bankkfm. bei der Bergisch-Märkischen Bank in Elberfeld; 1905/06 Militärdienst; 1906 – 10 Bankkfm. bei der Commerzbank Berlin; 1910 – 21 bei der Dresdner Bank Berlin; 1914 Kriegsfreiw.; 1921 – 45 Filialltr. der Dresdner Bank in Erfurt, zul. Dir.; bis 1933 Mitgl. der Liga für Menschenrechte u. der Dt. Friedensges. 1945 – 52 Filialltr. der Thür. Landesbank; Mitbegr. der LDPD in Erfurt; seit 1946 Stadtverordn., bis 1953 Vorsteher in Erfurt; 1947 – 54 Vors. des Stadtverb. Erfurt der LDPD; 1948 – 51 Krs.-Vors. Erfurt-Stadt der LDPD; 1950 – 52 Filialltr. der Dt. Notenbank Erfurt; 1951/52 1. stellv. Vors. des Landesverb. Thür. der LDPD; seit 1950 Abg. der Volkskammer, Alterspräs. (Nachf. von  Otto Buchwitz); 1950 – 58 Mitgl. des Haushalts- u. Finanzaussch.; 1952 Ruhestand; seit 1953 stellv. Vors. des Bez.-Verb. Erfurt der LDPD (Nachf. von Gerhard Kalmring); seit 1963 Mitgl. des Zentralvorst. der LDPD; 1960 – 63 Mitgl. des Staatsrats; 1969 VVO.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Krautter, Kurt

* 27.11.1904 – ✝ 18.6.1978

Geboren am 27. November 1904 in Berlin, Sohn eines Tischlers; lernte Kürschner. 1918 trat er in die Arbeiterjugend, 1922 in die KJD ein und wurde 1924 Mitglied der KPD. 1931/32 in Moskau Praktikant bei der RGI. 1932 kam er nach Deutschland zurück und wurde hauptamtlicher Sekretär im Reichskomitee der RGO. Ab 1933 illegale Arbeit, im September 1933 kurzzeitig inhaftiert, arbeitete Krautter nach seiner Freilassung unter Leitung von Emil Pietzuch in einer Aufklärungs- und Sabotagegruppe (»Antikriegsarbeit«), die Deutschland bei Kriegshandlungen mit der Sowjetunion durch Diversions- und Sabotageakte schwächen sollte. Vom Frühjahr bis Spätsommer 1936 war Krautter Polleiter der Prager Emigration, anschließend Polleiter in Teplice. Dem vermeintlichen Münzenberg-Anhänger Krautter verweigerte die Kaderkommission den Einsatz in Spanien. Im März 1937 ging er nach Dänemark und arbeitete mit an der illegalen Zeitschrift »Breve fra Tyskland«. Im Juni 1940 inhaftiert, zwei Monate später nach Deutschland ausgeliefert und zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt, ab 1943 im KZ Buchenwald. Im Juli 1945 kam er wieder nach Berlin und arbeitete zunächst als Schaffner und Personal-Sachbearbeiter bei der BVG. Er wurde Vorsitzender der Gesamtbetriebsgruppe der KPD in der BVG. Von Ende 1946 bis Dezember 1947 Referent in der SED-Landesleitung Groß-Berlin und ab Januar 1948 erneut Sachbearbeiter in der Revisionsabteilung der BVG. Krautter wurde nach einem »Volksrichterlehrgang« Vernehmungs- bzw. Haftrichter beim Amtsgericht Berlin-Mitte. 1952 zum Landgerichtsrat ernannt, war er fast ausschließlich als Haftrichter für das MfS tätig. Er erhielt 1974 den VVO in Gold. Kurt Krautter starb am 18. Juni 1978.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Kreft, Helene

* 25.1.1897 – ✝ 5.6.1974

Geboren am 25. Januar 1897 in Danzig als Helene Kletzin, Tochter eines Maurers; arbeitete zunächst als Hausgehilfin und lernte Schneiderin. Im Juli 1920 trat sie in die KPD ein, war Zellenkassiererin und Frauenleiterin und gehörte der KPD-BL Danzig an, von 1923 bis 1929 Abgeordnete im Danziger Volkstag. 1929 mußte sie aus gesundheitlichen Gründen ihr Mandat niederlegen. Ihr Mann August Kreft (* 15. 8. 1897 – † 11. 5. 1966), ein Hafenarbeiter, war von 1931 bis 1933 Leiter des Internationalen Seemannsklubs in Danzig. Ab 1931 betätigte sich Helene Kreft für die IAH und war Vorsitzende des Roten Frauen- und Mädchenbundes im Bezirk Danzig. 1935 kandidierte sie auf der Liste »Wähler kommunistischer Weltanschauung« und beteiligte sich an der Vorbereitung der Wahl, die bereits stark unter dem Nazi-Terror litt. Helene Kreft war 1937 die letzte gewählte Abgeordnete der Opposition, die im Danziger Volkstag das Mandat niederlegte. Ab 1937 gehörte sie der illegalen Leitung der KPD für Danzig an und hielt Verbindung zur illegalen KP Polen bis zu deren Auflösung. Von 1935 bis 1945 arbeitete sie als Schneiderin. Nach dem Einmarsch der Roten Armee war sie zunächst in der Führung der Danziger Kommunisten und organisierte die sogenannten Antifa-Transporte nach Deutschland. Anfang August 1945 traf sie im mecklenburgischen Krakow am See ein und kam auch hier in die örtliche KPD-Leitung. Seit Anfang 1947 lebte sie in Greifswald, dort 1947/48 Leiterin des Frauensekretariates der SED, 1949/50 Sekretärin des DFD, anschließend Angestellte beim Kreisausschuß der Nationalen Front bzw. bei der Konsumgenossenschaft Greifswald. Helene Kreft starb am 5. Juni 1974 in Greifswald.

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Kreiser, Lothar

* 19.6.1934

Geb. in Arnsdorf (b. Dresden); Vater Landarb.; nach dem Grundschulabschl. 1949 – 52 Ausbildung zum Werkzeugmacher; Abitur an der ABF Leipzig; 1954 – 59 Studium der Philos. mit Zweitfach Mathematik an der KMU Leipzig; 1956 – 89 SED; ab 1959 Aspirantur mit Teilstudium Mathematik an der HU Berlin, 1962 Prom. mit der Arbeit »Philosoph. Probleme des Erkenntnisprozesses in der Mathematik«; 1962 Assistent, 1963 Oberassistent am Inst. für Philos. der KMU; 1967 Habil. mit »Untersuchungen zur Möglichkeit eines deduktiven Aufbaus philosoph. Theorien. Ein Beitrag zur philosoph. Grundlagenforschung«; 1968 ord. Doz., 1972 ord. Prof. für Logik an der Sekt. Philos. der KMU; 1980/81 Inhaber des Internat. Frege-Lehrstuhls an der FSU Jena. 1990 – 94 Dekan der Fak. für Philos. u. Geschichtswiss. der Univ. Leipzig; seit 1991 Mitgl. des Wissenschaftsrats der Bundesreg.; 1992 Neuberufung zum Prof. für klass. Logik u. log. Semantik. Internat. anerkannte Forschungsarbeiten zur log. Semantik u. Erkenntnistheorie, zur Geschichte der Logik (19. Jh.) u. zur log. Hermeneutik.Kommentierte Textauswahl zur Geschichte der mod. Logik. Berlin 1971 (mit K. Berka); G. Frege: Schriften zur Logik. Berlin 1973 (Hrsg., Einleitung); L. Borkowski: Formale Logik. Berlin 1976 (Hrsg.); Deutung u. Bedeutung. Berlin 1986; Klass. Logik. Berlin 1988 (Mithrsg., Mitautor); Logik u. Logiker in der DDR. Leipzig 2009.Hans-Christoph Rauh

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Kresse, Walter

* 11.3.1910 – ✝ 4.2.2001

Geb. in Leipzig, Vater Arbeiter; Volksschule, Öffentl. Höhere Handelslehranstalt, kfm. Lehre; ab 1927 kfm. Angest.; Funktionär der Turnerjugend im Arbeiter-Turn-u.-Sport-Bund; 1928 KJVD u. KPD; ab 1931 Mitgl. der BL Sachsen des KJVD, Ltr. für Agit./Prop.; 1933 Verhaftung u. Verurteilung zu drei Jahren Zuchthaus, Strafvollzug in Waldheim u. Zwickau; ab 1942 Kriegsdienst im Strafbat. 999; gerät 1943 bei Tunis in amerik. Kriegsgefangenschaft. 1946 Rückkehr aus den USA (Alabama) nach Leipzig; FDGB u. SED; Wirtschaftsfunktionär beim Rat der Stadt; ab 1948 Ltr. der HA Industrie in der Landesreg. Sachsen; 1950 – 53 Fernstudium an der PHS; 1952 Ltr. der VVB IKA Leipzig; anschl. Werkltr. in einem polygraph. Großbetrieb; 1954 – 56 HA-Ltr. im Min. für Allg. Maschinenbau; 1956 – 58 stellv. Min.; 1958/59 Vors. des Wirtschaftsrats des Bez. Leipzig u. stellv. Vors. des Rats des Bez.; ab 1958 Mitgl. der SED-BL Leipzig; 1959 – 70 OB von Leipzig (Nachf. von Erich Uhlich), 1961 – 70 Stadtverordn.; 1963 – 65 Fernstudium an der KMU Leipzig, Dipl.-Jur.; 1963 – 90 Abg. der Volkskammer; 1964 – 74 Präs. des Dt. Städte- u. Gemeindetags (Nachf. von  Friedrich Ebert), zeitw. hauptamtl.; 1973 – 80 Vizepräs. der Volkskammer u. ab 1974 stellv. Vors. des Aussch. für Ausw. Angelegenh.; Vors. der Parl. Freundschaftsgr. DDR – Arab. Länder, ab 1980 der Parl. Freundschaftsgr. DDR – Frankreich; 1980 KMO.Helmut Müller-Enbergs

dissidenten.eu

Kretschmer, Thomas

* 1955

Zu den wichtigsten Triebkräften im Widerstand gegen Diktaturen gehören – weit jenseits politischer Meinungen und ideologischer Positionen – elementare ethische Werte wie Gerechtigkeit und Wahrheit. Verbunden mit dem Willen zu individueller Selbstbehauptung bilden sich Charaktere, die Widerstand leisten. Dabei ist zweitrangig, wie sich dieser Widerstand äußert. Immer gibt es auch Einzelne, die aufgrund äußerer Umstände oder ihrer biografischen Entwicklung weitgehend ohne Kontakt zu politischen Strukturen und Gruppen auskommen. Sie tun einfach, was ihnen gut und wahrhaftig erscheint. Ein solcher Mensch ist Thomas Kretschmer.Thomas Kretschmer stammt aus Dornburg bei Jena, wo er am 18. Dezember 1955 geboren wurde. Sein Vater war Biologe, seine Mutter Horterzieherin. Er wurde katholisch erzogen und verweigerte 1970 die staatliche Jugendweihe, obwohl er Mitglied der Pionierorganisation und dann der FDJ war. Da er Arzt werden wollte, musste er das Abitur ablegen und entschied sich I972 für die damals mögliche Variante, eine Berufsausbildung mit Abitur abzuschließen. Noch im gleichen Jahr musste er die Schule verlassen, weil er aus der FDJ ausgetreten war und den Wehrdienst verweigern wollte. Daraufhin begann er eine Ausbildung zum Krankenpfleger. Anpassungszwänge und Indoktrination gab es jedoch auch hier. Das Gefühl von Ausweglosigkeit und unerträglicher Einengung wurde bei dem18-Jährigen immer stärker. In dieser Situation versuchte Thomas Kretschmer im Juni 1973, in die Bundesrepublik zu fliehen. Er wurde jedoch gefasst und – da er noch nicht volljährig war – zu 15 Monaten Jugendhaft verurteilt. Im Gefängnis presste ihm das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) eine Verpflichtungserklärung zur Spitzeltätigkeit ab. Nach einigen fürs MfS verfassten Berichten entschied er sich jedoch, nicht weiter für die Staatssicherheit zu arbeiten und teilte dies seinen MfS-Führungsoffizieren noch im Gefängnis schriftlich mit. Er saß die Strafe ab und wurde Ende 1974 entlassen. Trotz neuerlicher Vorladung beim MfS blieb er bei seiner Entscheidung. Auch brach er die Schweigepflicht gegenüber seinen Freunden und wurde derart „dekonspiriert“ für die Staatssicherheit unbrauchbar. Mehr noch: Er berichtete bei jeder sich bietenden Gelegenheit von seinen Erfahrungen, um zu zeigen, dass man sich dem MfS verweigern könne. Kretschmer nahm nach der Haftentlassung den Kontakt zur „Offenen Arbeit“ der evangelischen Kirche in Jena wieder auf. Diesen Kontakt hatte er bereits 1972 nach dem Verlassen der Schule geknüpft. Die „Offene Arbeit“, eine Einrichtung der sozialpädagogischen Jugendbetreuung, wurde von Jugenddiakon Thomas Auerbach betreut und gehörte zu den ersten dieser Art in der DDR. Sie war eine der Keimzellen der Jenaer Opposition. Sowohl Staat als auch Amtskirche sahen diese Versuche mit größtem Misstrauen und behinderten sie nach Kräften. Für Kretschmer aber war dieser Kontakt von großer Bedeutung: Er trug zu seinem Übertritt zum Protestantismus 1976 bei. Kretschmer arbeitete in der Krankenpflege und lebte in der „halblegalen“ Jugendszene in Jena. Nach vergeblichen Versuchen, wieder einen Ausbildungsplatz zu erhalten, konnte er schließlich 1976 am Erfurter Predigerseminar ein Theologiestudium beginnen. Zwischenzeitlich hatte Kretschmer geheiratet und zog mit seiner Familie 1977 in ein Landpfarrhaus in die Nähe von Erfurt. Daraus entwickelte sich eine über Thüringen hinaus bekannte Anlaufstelle für Jugendliche nach dem Vorbild der Jenaer „Offenen Arbeit“. Dies führte neben seinem schwierigen Verhältnis zu den Autoritäten des Predigerseminars und seinen Eheproblemen dazu, dass er 1979 das Studium unterbrechen musste und ein Jahr im Gleisbau arbeitete. Amtskirche und Staatssicherheit verhinderten eine Wiederaufnahme des Studiums. Stattdessen wurde er zur Armee einberufen. Jetzt verweigerte Kretschmer nicht nur den Wehrdienst an der Waffe, sondern den Wehrdienst insgesamt, woraufhin er im November 1980 verhaftet wurde. In der Untersuchungshaft kam er jedoch zu der Erkenntnis, dass es richtiger sei, nicht aus Prinzipientreue in Haft zu bleiben, sondern als Bausoldat in der Armee zu dienen, um andere junge Männer aufklären zu können. Nach sechs Wochen Untersuchungshaft und einer Verurteilung auf Bewährung kam er im Dezember 1980 als Bausoldat nach Leipzig und begann, sein Vorhaben umzusetzen. Er vertrat offensiv seine pazifistische Haltung, propagierte Solidarität mit der polnischen *Solidarność und der sich in der DDR entwickelnden Friedensbewegung.Kurz vor Ende seiner anderthalbjährigen Dienstzeit wurde Kretschmer deshalb Anfang 1982 erneut verhaftet, ins Stasi-Untersuchungsgefängnis nach Berlin gebracht und im Herbst 1982 zu viereinhalb Jahren verurteilt. Nach Durchlaufen von mehreren Haftanstalten kam er im Januar 1985 in die Abschiebehaft nach Karl-Marx-Stadt (Chemnitz), von wo zweimal wöchentlich Busse mit Haftentlassenen in die Bundesrepublik fuhren. Weder er noch seine Frau, der von der thüringischen Amtskirche das Haus gekündigt und vom Staat die Anmietung eines anderen verweigert wurde, hatten einen Ausreiseantrag gestellt. Trotz massiven Drucks und dem Angebot sofortiger Ausreise hielt Kretschmer bis Juli 1985 im Gefängnis aus. Schließlich kam er noch vor Ende der Haftzeit frei und durfte in der DDR bleiben: Verschiedene westdeutscher Prominenter – darunter der frühere Bischof Kurt Scharf – und Organisationen wie Amnesty International, wo Kretschmer „Gefangener des Jahres“ war, hatten sich für ihn eingesetzt. Mit Hilfe von Staatssicherheit und Amtskirche wurde Kretschmer mit seiner Familie in einem ostthüringischen Dorf untergebracht, wo er eine Anstellung als Handwerker bei der Kirche erhielt. Er stellte alte Kontakte wieder her und verweigerte weiter jede Anpassung an staatliche Zwänge. Daneben verwirklichte er seine Liebe zur Holzschnitzerei und zum Bildhauen, beides hatte er sich selbst beigebracht. Erst im Herbst 1989 wurde er noch einmal politisch aktiv. Kretschmer beteiligte sich an der Besetzung der örtlichen MfS-Dienststelle und anschließend im Bürgerkomitee zur Auflösung der Staatssicherheit in Thüringen. 1990–94 saß er im Kreistag des Kreises Lobenstein, war jedoch von der Parteipolitik im vereinigten Deutschland enttäuscht. Nach einer erfolglosen Kandidatur zum Landrat 1994 unter dem Slogan „Armut, Schönheit, Ungehorsam“ zog er sich aus der Politik zurück. Heute lebt Kretschmer als Holzbildhauer mit seiner Familie in der Nähe von Schleiz in Thüringen. Zwei Grundsätze haben Kretschmer nach eigenem Bekunden bei wichtigen Entscheidungen geleitet. Den ersten hörte er von seiner Mutter: „Du bist frei, aber wenn du dich zu etwas bekennst, tue es bewusst.“ Der zweite stammt vom evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer und lautet: „Keine Dummheit des Menschen ist größer als die, etwas nur um eines Prinzips willen zu tun.“ Wer sich wie Kretschmer diese Leitsätze zu Prämissen seines Handelns macht, ist wohl von keiner Diktatur zu besiegen.Reinhard Weißhuhn Letzte Aktualisierung: 08/16

Wer war wer in DDR

Kreuer, Götz

* 24.1.1940

Geb. in Friedersdorf (heute Polen); Vater Arbeiter; Grund- u. Oberschule, Abitur: 1958 / 59 NVA; 1960 – 63 Studium der Betriebswirtschaft an der WPU Rostock, Dipl.-Ing.; 1963 – 67 Sachbearb. bei der Dt. Notenbank, Bezirksdir. Rostock; 1968 SED; 1967 – 81 Referent, Hauptreferent, Abt.-Ltr., stellv. bzw. 1. Stellv. des Vors. des Wirtschaftsrats des Bez. Rostock; 1981 – 85 Ltr. des VEB Jugendmode Rostock; 1986 – 90 Abg. des Bezirkstags Rostock; 1984 / 85 Studium an der SED-BPS Rostock; 1986 – 89 Stellv. des Vors. des Rats des Bez. für bezirksgeleitete Industrie u. Vors. des Bez.-Wirtschaftsrates; Dez. 1989 – April 1990 Vors. des Rats des Bez. Rostock; 1990 PDS. 1990 – 1994 MdL Mecklenburg-Vorpommern.Andreas Herbst

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Kriwulin, Wiktor

* 1944 – ✝ 2001

Dichter, Philologe und einer der führenden Persönlichkeiten der unabhängigen Kultur Leningrads. Gründer und Redakteur illegaler Zeitschriften genauso wie Gründer informeller literarischer Gruppen.Wiktor Kriwulin wurde 1944 in Kadijewka in der Ostukraine als Sohn eines Offiziers geboren. 1947, nach der Demobilisierung des Vaters, kehrte die Familie nach Leningrad zurück, wo sie vor dem Krieg gelebt hatte. Kriwulin begann bereits als Schüler, Gedichte zu schreiben. Im Frühjahr 1960 lernte er Anna Achmatowa kennen, etwas später Joseph Brodsky. 1961–67 studierte er russische Philologie an der Universität Leningrad. 1966 gründete er mit Freunden eine der ersten unabhängigen Dichtergruppen, die „Schule Konkreter Poesie“, die bis 1970 bestand. Im letzten Studienjahr trat er demonstrativ aus dem kommunistischen Jugendverband „Komsomol“ aus. Er arbeitete als Korrektor und unterrichtete in einer Schule. Mitte der 60er Jahre entwickelte sich das unabhängige literarisch-künstlerische Leben Leningrads zu einem Phänomen, das später „zweite Kultur“ genannt wurde. Es war ein Verbund von Künstlerinitiativen, die weniger gegen offizielle Verbote und Auflagen gerichtet waren, sondern diese lediglich ignorierten. Die vielfältigen Richtungen und Schulen verband das gemeinsame Streben, durch die Erneuerung des künstlerischen Schaffens eine Alternative zur offiziellen Kunst zu gestalten. Kriwulin gehörte der Generation an, die nach dieser Erneuerung entstand, sein Name wurde etwas später, in den 70er Jahren, bekannt. Zwischen 1970 und 1988 arbeitete er als Literatur-Redakteur im Leningrader Bezirkshaus für hygienische Aufklärung. Er war nicht nur als Dichter und Literaturkritiker bekannt. In den 70er Jahren organisierte er auch die bedeutendsten Leningrader Initiativen der „zweiten Kultur“ und beteiligte sich an ihnen. Dazu zählten nicht nur unabhängige Zeitungen, sondern auch einige öffentliche Aktionen. Am 14. Dezember 1975 wurde er auf dem Weg zum Leningrader Senatsplatz verhaftet, wo Gedichte nonkonformistischer Autoren anlässlich des 150. Jahrestages des Dekabristen-Aufstandes rezitiert werden sollten. Offiziell wurde Kriwulin so gut wie gar nicht publiziert, bis 1985 erschienen nur sehr wenige seiner Gedichte. Allerdings kursierten in Leningrad relativ viele Bände von ihm, die im Samisdat erschienen waren. Von 1971 bis Mitte der 80er Jahre veröffentlichte er sechs solcher Sammelbände. 1974 und 1975 stellte er gemeinsam mit Julia Wosnessenskaja und einigen anderen jungen Literaten die erste Anthologie der inoffiziellen Leningrader Poesie „Lepta“ (Beitrag) zusammen. Der Versuch, diesen Sammelband in einem offiziellen Verlag zu veröffentlichen, führte zu langjährigen Auseinandersetzungen mit den ideologisch verblendeten Entscheidungsträgern Leningrads, den KGB eingeschlossen. Die Verhandlungen brachten jedoch kein Ergebnis. Ab Frühjahr 1976 gab er zusammen mit seiner Frau, der Dichterin Tatjana Goritschewa, die literarisch-publizistische und religionsphilosophische Monatsschrift „37“ heraus. Der Name der Zeitschrift, der Assoziationen mit dem tragischen Jahr des Großen Terrors 1937 hervorrief, war der Wohnungsnummer der beiden Eheleute entnommen. Neben literarischen Texten veröffentlichte „37“ auch religionsphilosophische Artikel, Übersetzungen und eine Chronik wichtiger Leningrader Kulturveranstaltungen. Das ideelle Profil der Zeitschrift wurde in hohem Maße durch die Texte von Boris Groys bestimmt, der heute einer der führenden russischen Philosophen und Kulturtheoretiker ist. Die Herausgeber sahen ihre Mission darin, eine Metasprache zu erschaffen, die fähig ist, den aktuellen Stand der sowjetischen Kunst zu beschreiben und deren „Grenzbereiche“ zu erforschen. Die Zeitschrift erschien bis März 1981 in 21 Ausgaben, bis sie auf Druck des KGB und bedingt durch die Emigration der wichtigsten Autoren eingestellt werden musste. Nach Meinung von Kriwulin war „37“ bereits eine der internationalen post-avantgardistischen Publikationen zu einer Zeit, als der Begriff der Postmoderne Russland noch gar nicht erreicht hatte. Kriwulin beteiligte sich auch an der Konzeption und der Vorbereitung der unabhängigen Zeitschrift „Severnaja Počta“ (Nördliche Post), die ausschließlich der Poesie gewidmet war. 1979–81 erschienen acht Ausgaben unter der Redaktion von Kriwulin und Sergej Diedulin. Kriwulin publizierte auch in den Leningrader Untergrund-Zeitschriften „Časy“ (Uhr) und „Obvodnyj Kanal“ (Umführungskanal). Er war der erste Preisträger des unabhängigen Literaturpreises „Andrei Bely“, der 1978 von der Zeitschrift „Časy“ ins Leben gerufen wurde. Bis heute ist dies eine prestigeträchtige Auszeichnung. Ab 1975 publizierte Kriwulin unter anderem auch auch in den russischen Exilzeitschriften „Echo“, *„Kontinent“, *„Grani“ und *„Vestnik russkogo christianskogo dviženija“ (Bote der Russischen Christlichen Bewegung). Er war Verfasser von literaturwissenschaftlichen Arbeiten zum Werk von Innokenti Annenski, Andrei Bely, Joseph Brodsky sowie Ossip Mandelstam und gab in Paris zwei Gedichtsammlungen heraus. Unter der kulturellen Avantgarde Leningrads, die sich von den spezifisch „Moskauer“ oppositionellen Aktivitäten zur Verteidigung der Menschenrechte distanzierte, galt Kriwulin als „politisierter Dissident“. Einige seiner Aktivitäten verstärkten diesen Ruf, zum Beispiel unterzeichnete er 1976 einen kollektiven Brief zur Verteidigung von Sergej Kowaljow. Im Laufe seiner verlegerischen Tätigkeit wurde er vielfach Hausdurchsuchungen und Verhören unterzogen. Im Dezember 1980 gründete Kriwulin die informelle Literatur- und Künstlergruppe „Svobodnyj kulturnyj cech“ (Freie kulturelle Zunft). Er stand an der Spitze der 1981 gegründeten Gruppe für Poesie des „Schöpferischen Literatenverbands 81“, der später den Namen „Klub 81“ annahm und als erste legalisierte Organisation die Vertreter der Leningrader „zweiten Kultur“ vereinte. Ab 1985 publizierte er in der Sowjetunion im Almanach „Krug“ (Kreis), als Mitglied des Redaktionskollegium in „Vestnik novej literatury“ (Zeitschrift neuer Literatur) sowie in den Zeitschriften „Oktjabr“ (Oktober) und „Družba narodov“ (Völkerfreundschaft). 1990 wurde er in den Schriftstellerverband der UdSSR aufgenommen, im gleichen Jahr erschien sein erster offizieller Gedichtband. Kriwulin gewann den Hauptpreis im gesamtsowjetischen Wettbewerb des Freien Gedichtes 1989 in Kaluga 1989 und wurde 1990 mit dem Hamburger Puschkin-Preis ausgezeichnet. Seine Gedichte wurden in die wichtigsten europäischen Sprachen übersetzt. 1989–91 unterrichtete er Literatur am Klassischen Gymnasium in Sankt Petersburg. Noch in seinen letzten Lebenstagen nahm er am gesellschaftlichen und politischen Leben der Stadt teil, war in demokratischen gesellschaftlichen und politischen Organisationen tätig, wirkte als Vize-Präsident des Sankt Petersburger P.E.N.-Clubs und kandidierte 1998 für den Stadtrat. Wiktor Kriwulin starb 2001 in Sankt Petersburg.Aleksandra Resnikowa Aus dem Polnischen von Sonja Stankowski Letzte Aktualisierung: 12/15

Wer war wer in DDR

Kröber, Günter

* 12.2.1933 – ✝ 16.11.2012

Geb. in Meuselwitz (Krs. Altenburg); Vater Bergarb., Mutter Köchin; 1951 Abitur an der Friedrich-Schiller-OS in Weimar; 1952 SED; 1951 – 57 Studium der Math., Physik u. Philos. an der FSU Jena u. der Leningrader Staatl. Univ.; 1958 – 61 Aspirant in Leningrad, Prom. mit der Arbeit »Das Verhältnis der Kategorien ?Bedingung? u. ?Ursache? u. die Rolle der Bedingungen für das Wirken objektiver Gesetze«; 1961/62 Wiss. Abt.-Ltr. am Inst. für Philos. der DAW in Berlin, 1962 – 69 dort Ltr. der Abt. Dialekt. Materialismus; 1969 Ernennung zum Prof; 1970 korr. Mitgl. der APW; 1976 Habil. zum Thema »Grundprobleme der marxist.-leninist. Wissenschaftstheorie« an der EMAU Greifswald, korr. Mitgl. der AdW; 1970 – 90 Dir. des Inst. für Theorie, Geschichte u. Org. der Wiss. (ITW) der AdW; 1988 ord. Mitgl. der AdW; 1980/90 Vors. des Nationalkomitees für Geschichte u. Philos. der Wiss. der DDR; seit 1971 Mitgl. u. 1986 – 90 Vizepräs. der International Union for History and Philosophy of Science sowie Mitgl. anderer internat. Gremien; 1984 VVO. 1990/91 wiss. Mitarb. am ITW, nach Abwickl. des Inst. 1992 arbeitslos, anschl. Vorruhestand; 1993 Gast des Rektors des Wissenschaftskollegs zu Berlin; gest. in Berlin.Der Gesetzesbegriff in der Philos. u. den Einzelwiss. Berlin 1968 (Hrsg.); Wissenschaft: Studien zu ihrer Geschichte, Theorie u. Org. Berlin 1972 (Hrsg. mit H. Steiner); Wissenschaft u. friedl. Koexistenz. Berlin 1979; Wissenschaft. Das Problem ihrer Entw. Bd. 1 – 2. Berlin 1987/88 (Hrsg. mit H.-P. Krüger); Das Märchen vom Apfelmännchen. Bd. 1 – 2. Reinbek 2000; Ein Esel lese nie. Mathematik der Palindrome. Reinbek 2003.Hans-Christoph Rauh