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BioLex

In der Kategorie BioLex finden Sie drei biografische Lexika mit über 5500 Personeneinträgen.

 

Das Handbuch "Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945" wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam. Kurzbiografien zu Personen des poltischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 vor. Zudem ist das Onlinlexikon www.dissidenten.eu komplett in dieser  Rubrik recherchierbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Inforamtionen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Kupfer, Wolfhard

* 21.3.1929 – ✝ 30.1.2001

Geb. in Martinroda (Thür.); 1945 Kriegsdienst; Lehrerstudium Sport u. Geogr. in Leipzig; 1949 Volontariat beim MDR; 1952 – 59 verantw. Sportred. des Deutschlandfunks; 1959 – 70 Ltr. der Sportred. von Radio DDR (Nachf. von Werner Preiss); 1970 – 71 Chefred. von Radio DDR; 1971 / 72 u. 1983 / 84 Chefred. Sport des DFF; 1973 – 82 u. 1985 – 91 Reporter beim DFF, Schwerpunktsportarten: Leichtathletik, Nordischer Skisport, Turnen u. Fußball; Rundfunk- bzw. -TV-Berichterstatter von 15 Olymp. Spielen (1956 – 1988); 1973 Sportjournalistenpreis. Nach 1991 freier Mitarbeiter der »Fußballwoche«; gest. in Berlin.Volker Kluge

Handbuch Deutsche Kommunisten

Kurella, Heinrich

* 21.6.1905 – ✝ 28.10.1937

Geboren am 21. Juni 1905 in Ahrweiler, Sohn eines Arztes, jüngerer Bruder von Alfred Kurella, kam ebenso wie dieser über bürgerliche Jugendorganisationen zur Arbeiterbewegung. Im September 1924 wurde er Mitglied der KJD und begann ab Mitte der zwanziger Jahre als Redakteur bei der »Roten Fahne«. Im Januar 1928 trat er in die KPD ein, zwei Jahre später war er verantwortlicher Redakteur der Komintern-Zeitschrift »Inprekorr«. Heinrich Kurella gehörte zur Gruppe der Versöhnler. 1930 vom Reichsgericht wegen »Hochverrats« zu Festungshaft verurteilt, die er in Gollnow in Pommern absitzen mußte. Anfang 1931 zählte Heinrich Kurella in der Festung Gollnow zu jenen kommunistischen Gefangenen, die den ebenfalls eingesperrten jungen Reichswehrleutnant Richard Scheringer dazu brachten, mit der NSDAP zu brechen und im März 1931 öffentlich seinen Übertritt zur KPD bekanntzugeben. Im Januar 1933 emigrierte Heinrich Kurella in die Schweiz, bis 1934 Redakteur der in Basel herausgegebenen Komintern-Zeitschrift »Rundschau für Politik, Wirtschaft und Arbeiterbewegung«. Im Laufe des Jahres 1934 ging er in die Sowjetunion und kam zunächst in die Presseabteilung der Komintern. Kurella war eng mit Heinrich Süßkind befreundet und hatte in der Schweizer Emigration Heinz Neumann und dessen Lebensgefährtin Margarete Buber-Neumann unterstützt, er brach auch nach deren »Kaltstellung« die Beziehungen zu ihnen nicht ab. Deswegen wurde gegen ihn ein Parteiverfahren vor der IKK eröffnete, und er wurde aus der KPD ausgeschlossen. Im Juli 1937 vom NKWD verhaftet und am 28. Oktober 1937 vom Militärkollegium des Obersten Gerichts der UdSSR wegen »Mitgliedschaft in einer konterrevolutionären Organisation« zum Tode verurteilt. Noch am gleichen Tag wurde Heinrich Kurella in Butowo bei Moskau erschossen. Den bereits Toten haben die Nazi-Behörden am 19. November 1937 noch »ausgebürgert«. Am 21. Juli 1956 rehabilitierte ihn das Militärkollegium des Obersten Gerichts der UdSSR, daraufhin »rehabilitierte« ihn die ZPKK der SED Mitte Oktober 1956, aber wie viele andere deutsche verfolgte Kommunisten nur »nichtöffentlich«.

dissidenten.eu

Kuroń, Jacek

* 1934 – ✝ 2004

Historiker, Erzieher; führender Vertreter der sogenannten Revisionisten der 60er Jahre, einer der Autoren des „Offenen Briefes an die Mitglieder der Partei“; wichtiger Repräsentant der linksliberalen (sozialdemokratischen) Strömung innerhalb der demokratischen Opposition; einer der aktivsten Mitstreiter des Komitees zur Verteidigung der Arbeiter (*KOR) und des Komitees für Gesellschaftliche Selbstverteidigung „KOR“ (*KSS „KOR“); ab 1978 Mitarbeit in der *Gesellschaft für Wissenschaftliche Kurse; in den 80er Jahren einer der wichtigsten *Solidarność-Berater; Pseudonyme: „Maciej Gajka“, „Elżbieta Grażyna Borucka“.Jacek Kuroń wurde 1934 in Lemberg (heute Lwiw/Ukraine) geboren. Sein Großvater gehörte der Kampforganisation der Polnischen Sozialistischen Partei (PPS) an, sein Vater war Mitglied des Bundes der Unabhängigen Sozialistischen Jugend in der PPS. 1949–53 war Jacek Kuroń Mitglied des Jugendverbandes Bund der Polnischen Jugend (Związek Młodzieży Polskiej; ZMP), 1952/53 war er dort als Mitarbeiter beschäftigt. Im November 1953 wurde er wegen kritischer Äußerungen über die Organisation sowohl aus dem Jugendverband als auch aus der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei ausgeschlossen. 1956 trat er erneut in die Partei ein, 1964 schloss er das Studium der Geschichte an der Universität Warschau ab. 1955 war Kuroń einer der Initiatoren der sogenannten „Walteristen“ (oder „rote Pfadfinder“) innerhalb der Pfadfinderorganisation des staatlichen Jugendverbandes und 1956–62 leitend im reaktivierten offiziellen Polnischen Pfadfinderverband (Związek Harcerstwa Polskiego; ZHP) tätig. 1957–61 beteiligte er sich im Rahmen des Pfadfinderverbandes an der Gründung des General-Walter-Stamms, der nach General Karol („Walter“) Świerczewski, einem Kommandeur im Spanischen Bürgerkrieg, benannt war. Kuroń war Stammführer, der General-Walter-Stamm wurde jedoch 1961 aufgelöst. Einer der Gründe hierfür dürften den Schulbehörden gegenüber vertretene Konzeptionen gewesen sein, in denen Autonomie und Selbstverwaltung hervorgehoben wurden, sowie die Texte des „kämpfenden Theaters“ der Walteristen, in denen sie die politischen Verhältnisse kritisierten. Kuroń arbeitete daraufhin in der Redaktion der Pfadfinderzeitschrift „Drużyna“ (Mannschaft). Ihm wurde im Dezember 1963 jedoch mit der Begründung gekündigt, er verwende falsche Erziehungskonzeptionen. Zur Jahreswende 1956/57 trat Kuroń Mitglied dem staatlichen Revolutionären Jugendverband (Rewolucyjny Związek Młodzieży; RZM) bei und beteiligte sich an der Gründung des Sozialistischen Jugendverbandes (Związek Młodzieży Socjalistycznej; ZMS) an der Universität Warschau. 1962 schloss er sich dem von Karol Modzelewski an der Warschauer Universität ins Leben gerufenen „Diskussionsklub“ an und wurde zu einem von dessen aktivsten Mitgliedern. Nach der Auflösung des Klubs im Jahre 1963 erarbeitete er gemeinsam mit Freunden eine kritische Analyse der volkspolnischen Gesellschaftsordnung. Als Ergebnis erschien eine gemeinsam mit Karol Modzelewski verfasste Broschüre, die für die geheime Weiterverbreitung vorgesehen war. Am 14. und 15. November 1964 wurde die gesamte Gruppe von der Staatssicherheit verhaftet. Nach 48 Stunden kamen zwar alle Inhaftierten wieder auf freien Fuß, sie waren fortan jedoch politischen Repressionsmaßnahmen des Staates ausgesetzt. So wurde Jacek Kuroń erneut aus der Partei ausgeschlossen und man entzog ihm sein Doktorandenstipendium an der Warschauer Universität. Jacek Kuroń und Karol Modzelewski rekonstruierten den beschlagnahmten Text ihrer Broschüre und verteilten diesen am 19. März 1965 unter dem Titel „Offener Brief an die Mitglieder der Partei“ (List otwarty do członków PZPR) in 16 Exemplaren an der Universität Warschau. Je ein Exemplar ging an die Hochschulleitungen von Partei und Jugendverband. In diesem „Offenen Brief“ beschrieben sie einen Konflikt zwischen der Arbeiterklasse und der zentralen Politbürokratie und entwarfen die Vision einer Gesellschaft, in der die Herrschaft von Arbeiterräten ausgeübt werden würde. Die beiden Verfasser wurden am 20. März 1965 verhaftet und im Juli verurteilt. Kuroń erhielt eine dreijährige Haftstrafe.Nachdem er 1967 unter Auflagen aus dem Gefängnis entlassen worden war, engagierte er sich in einer auch „Kommandotrupp“ genannten Studentengruppe, die sich zum Teil aus ehemaligen „Walteristen“ rekrutierte und an der Warschauer Universität Protestaktionen organisierte. Anfang 1968 nahm Kuroń an den Protesten gegen die erzwungene Absetzung des Theaterstücks „Dziady“ (Totenfeier) von Adam Mickiewicz teil, das Kazimierz Dejmek am Warschauer Nationaltheater inszeniert hatte. Unter anderem verfasste er Flugblätter, die dann an der Universität verteilt wurden. Auch an der Entscheidung, als Reaktion auf die Zwangsexmatrikulation von Adam Michnik und Henryk Szlajfer eine studentische Protestkundgebung durchzuführen, war er beteiligt. Nach seiner erneuten Verhaftung am 8. März 1968 wurde Kuroń zur Zielscheibe heftiger Propaganda-Attacken der Partei in den Medien. Im Januar 1969 wurde er im Prozess gegen die sogenannten Rädelsführer der Ereignisse vom *März 1968 zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Am 17. September 1971 kam er vorzeitig aus der Haft frei. In den folgenden Jahren überprüfte Kuroń seine politischen Überzeugungen. Er war auf der Suche nach einem Wertesystem, in dem es möglich sein würde, die wichtigsten linken Werte mit der ethischen Botschaft des Christentums und mit der Perspektive einer demokratischen, pluralistischen Gesellschaft in Einklang zu bringen. Die Ergebnisse seiner Überlegungen sind am umfassendsten in der Broschüre „Zasady ideowe“ (Ideelle Grundlagen; erschienen 1977 bei *NOWA) dargestellt. Als Grundwert bezeichnete er das Wohl des Menschen, das in der Souveränität des Individuums und dessen schöpferischen Wirken in seinem gesellschaftlichen Umfeld liegt. Kuroń sprach sich für eine parlamentarische Demokratie und die Souveränität des Staates aus, machte jedoch auf die Gefahr der Dominanz des Staates (auch eines demokratischen) über das Individuum aufmerksam; dagegen sollte das aktive Engagement verschiedener Formen von Selbstverwaltungen und Vereinen schützen. In den Aufsätzen „Politische Opposition in Polen“ (Polityczna opozycja w Polsce; erschienen in *„Kultura“, Nr. 11/1974) und „Gedanken zum Handlungsprogramm“ (Myśli o programie działania; erschienen in „Aneks“, Nr. 13–14/1977) legte Kuroń seine Vorstellungen von der Handlungsstrategie der demokratischen Opposition dar. Das in der Volksrepublik herrschende System bezeichnete er als totalitär, was sich dadurch ausdrücke, dass die herrschende Partei das Organisations-, Informations- und Entscheidungsmonopol innehabe. Den Weg zur Wiedererlangung der Freiheit durch die Bürger sah er in unabhängigen gesellschaftlichen Bewegungen. Indem sich die Bürger zur Verwirklichung gemeinsamer Werte und konkreter Ziele in kleinen, sich mit der Zeit ausbreitenden Gruppen zusammenfänden, könnten sie die Keimzellen einer unabhängigen gesellschaftlichen Bewegung bilden und so das totalitäre Machtmonopol durchbrechen. Notwendig sei dabei jedoch, dass man sich im Rahmen des geltenden Rechts bewege. In Bezug auf die Frage, wie weit man bei der Wiedererlangung der Unabhängigkeit Polens von der Sowjetunion gehen könne, sah Kuroń in der sogenannten „Finnlandisierung“ eine Etappe auf dem Weg zur vollen Unabhängigkeit in fernerer Zukunft.Kuroń war einer der Initiatoren der Proteste gegen geplante Verfassungsänderungen und verfasste im Dezember 1975 gemeinsam mit Jakub Karpiński und Jan Olszewski den sogenannten *Brief der 59. Im *Juni 1976 unterzeichnete er eine Erklärung von 14 Intellektuellen, die ihre Solidarität mit den in jener Zeit in Radom und in den Warschauer Ursus-Werken stattfindenden Arbeiterprotesten ausdrückten. Im Juli wandte er sich in einem offenen Brief an den Vorsitzenden der Kommunistischen Partei Italiens, Enrico Berlinguer, und rief diesen dazu auf, sich für die Opfer der Repressionen in Folge der Arbeiterproteste einzusetzen. Kuroń war nicht nur einer der Gründer des Komitees zur Verteidigung der Arbeiter (Komitet Obrony Robotników; *KOR) am 23. September 1976, sondern auch einer der wichtigsten Organisatoren und Strategen dieser Organisation. Seine Wohnung wurde zum Umschlagplatz von Informationen über staatliche Repressionen gegen die demokratische Opposition. Kuroń leitete entsprechende Berichte an polnische Exileinrichtungen im Ausland weiter und sorgte so dafür, dass die staatlichen Unterdrückungsmaßnahmen im Westen bekannt wurden. Die polnische Gesellschaft wiederum erfuhr davon durch polnische Radiosender im Ausland. Im Mai 1977 wurde Kuroń zusammen mit anderen Mitgliedern und Mitarbeitern des *KOR verhaftet, nachdem sie gegen die Ermordung von Stanisław Pyjas protestiert hatten, einem Studenten der Krakauer Jagiellonen-Universität und *KOR-Mitglied. Die Festgenommenen wurden im Juli desselben Jahres wieder aus der Haft entlassen. Im Oktober 1977 war Kuroń maßgeblich an der Umwandlung des *KOR in das Komitee für Gesellschaftliche Selbstverteidigung „KOR“ (Komitet Samoobrony Społecznej; *KSS „KOR“) beteiligt, wo er abermals eine wesentliche Rolle spielte und bei vielen (auch bei der Staatsmacht) als politischer Kopf dieser Bewegung galt. Er stand im direkten Kontakt mit den Mitgliedern des Komitees im ganzen Land, beteiligte sich an zahlreichen, in der unabhängigen Presse geführten Debatten und pflegte auch Kontakte zu ausländischen Journalisten und zu Landsleuten im Exil. Er war damit eine wesentliche Inspirationsquelle für die unabhängige Arbeiterbewegung in Polen. Kurońs Devise lautete: „Brennt keine Komitees nieder, sondern gründet eigene!“ (Nie palcie komitetów, zakładajcie własne!). Wichtig waren ihm solidarisches, gemeinsames Handeln bei allen Protestaktionen, die klare Formulierung von Forderungen sowie die Aufstellung von Verhandlungsdelegationen für die Gespräche mit der Regierung. Am 22. Januar 1978 unterzeichnete Kuroń die Gründungserklärung der *Gesellschaft für Wissenschaftliche Kurse (Towarzystwo Kursów Naukowych; TKN) und beteiligte sich auch persönlich mit einer Vorlesung zur Sozialpädagogik. Im März wurden er und seine Familie brutal von Schlägertrupps des Sozialistischen Polnischen Studentenverbandes und der Warschauer Parteileitung angegriffen, woraufhin er seine Vorlesungen aussetzte. Im Sommer 1978 nahm Kuroń an einem Treffen mit Vertretern der tschechoslowakischen *Charta 77 teil. Nachdem diese inhaftiert worden waren, beteiligte er sich in der Zeit vom 3. bis 10. Oktober 1979 als Zeichen der Solidarität an einem Hungerstreik in der Warschauer Heilig-Kreuz-Kirche. Ab 1978 war er auch Mitglied der Redaktion der Samisdat-Quartalsschrift *„Krytyka“. Im Mai 1980 beteiligte er sich an einem weiteren Hungerstreik, diesmal in der St. Christophorus-Kirche in Podkowa Leśna, wo die Protestierenden ein Zeichen der Solidarität mit den im Gefängnis hungerstreikenden Mirosław Chojecki und Dariusz Kobzdej sowie mit anderen politischen Gefangenen setzten.Jacek Kuroń war eine der wenigen Personen, gegen die die allerschärfsten Formen von Repressionen zur Anwendung kamen. Er wurde ununterbrochen bespitzelt und überwacht, oftmals kurzzeitig für 48 Stunden in Polizeigewahrsam genommen. Zu offiziellen Veranstaltungen und Versammlungen bekam er grundsätzlich keinen Zutritt. Kuroń galt als Person, zu der schon allein Kontakt zu haben ausreichte, um Repressionen vonseiten der Miliz auf sich zu ziehen. Anfang Juli 1980 richtete er in seiner Wohnung ein Streikinformationszentrum ein. Die dort gesammelten Informationen wurden systematisch in den Westen geschleust, von wo aus sie – ausgestrahlt über *Radio Freies Europa und die britische BBC – zurück nach Polen gelangten und dort weitere Protestaktionen auslösten. Nach dem Ausbruch des Streiks in der Danziger Lenin-Werft wurde Kuroń am 18. August festgenommen und am 28. August auch formell verhaftet. Gleiches geschah 13 weiteren Bürgerrechtlern und Oppositionellen. Das Überbetriebliche Streikkomitee (Międzyzakładowy Komitet Strajkowy; MKS) forderte ihre sofortige Freilassung, die nach der Unterzeichnung der *Danziger Vereinbarung am 1. September erfolgte. Nach der ersten Streikwelle schrieb Kuroń in seinem Beitrag „Scharfe Kurve“ (Ostry zakręt) im *„Biuletyn Informacyjny“ (Informationsbulletin) im Juli 1980, dass diese Streiks der Beginn einer gesellschaftlichen Bewegung seien. Während die Arbeiter damit beginnen würden, sich in vom Staat unabhängigen Gewerkschaften und Arbeiterausschüssen zu organisieren, sei es Aufgabe der Bürgerrechtler, der Arbeiterbewegung mit Fachgutachten und programmatischen Anregungen zu dienen und die Transformation von rein wirtschaftlichen Forderungen in politische voranzutreiben. Im Aufsatz „Was weiter?“ (Co dalej?) urteilte Kuroń nach dem Ende der Auguststreiks und der Unterzeichnung der *Danziger Vereinbarung ebenfalls im *„Biuletyn Informacyjny“ im September 1980, die Streiks hätten das politische System in seinen Grundfesten erschüttert, indem sie das Organisations-, Informations- und Entscheidungsmonopol des Staates infrage gestellt hätten. In Zukunft würden die neuen Gewerkschaften entweder ihrer Unabhängigkeit beraubt und vom bisherigen System aufgesogen werden, wenn sich das Herrschaftssystem nicht in Richtung Demokratie entwickele. Kuroń sah neben den unabhängigen Gewerkschaften auch die Entstehung zivilgesellschaftlicher, selbstbestimmter Aktivitäten in Wissenschaft, Bildung, Kultur und Wirtschaft voraus, sowie Initiativen zum Schutz der Rechtsstaatlichkeit, Meinungs- und Pressefreiheit usw. Die entstandene pluralistische Gesellschaftsbewegung müsse auf die Herrschenden Druck ausüben, um sie zu Wirtschaftsreformen und zu einer Demokratisierung des Staates zu zwingen. Als langfristige Ziele definierte er die parlamentarische Demokratie und die Souveränität des Staates; diese seien aber vorerst nicht realisierbar. Solange die Menschen in Polen jedoch nicht den Versuch unternehmen würden, die Parteiherrschaft zu stürzen, sei auch keine militärische Intervention der Sowjetunion in Polen zu befürchten. Die konkrete Perspektive bestehe also in der Selbstorganisierung der Gesellschaft und im demokratischen Umbau des Staates unter (modifizierter) Beibehaltung der Herrschaft der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei.Anfang September 1980 fuhr Kuroń nach Danzig, wo er Berater des dortigen Überbetrieblichen Streikkomitees und später des Landeskoordinierungsausschusses (Krajowa Komisja Porozumiewawcza, KKP) der *Solidarność wurde. Im Januar 1981 berief man ihn in den Programm- und Konsultationsrat des Landeskoordinierungsausschusses, der ein gesamtpolnisches Gremium der *Solidarność-Berater war. Die polnische (und sowjetische) Staatsführung sah in Kuroń einen der gefährlichsten „Konterrevolutionäre“, entsprechend scharf wurde er von der offiziellen Propaganda attackiert. Moskau riet dazu, ihn in Haft zu nehmen und ihm so die weitere politische Betätigung unmöglich zu machen. Im März 1981 formulierte demzufolge die polnische Staatsanwaltschaft Vorwürfe gegen Kuroń und stellte ihn unter Polizeiaufsicht. Gegen diese Maßnahmen, die die Vorstufe zu einer Verhaftung waren, erhob die *Solidarność scharfen Protest. Kuroń wandte sich gegen schlecht organisierte Aktionen, die sich lediglich auf das Postulieren beschränkten. Mehrfach griff er als Schlichter in heftige Arbeitskämpfe und andere Protestaktionen ein. Im Sommer 1981 beteiligte er sich als einer von mehreren Autoren am Entwurf einer neuen Strategie der *Solidarność: Angestrebt werden sollten die Beteiligung an der Gründung von Selbstverwaltungsstrukturen in den Betrieben und die Durchsetzung einer Reform der Selbstverwaltung in der gesamten Wirtschaft. Allerdings war er dagegen, freie Wahlen zu fordern, denn das erhöhe die Gefahr einer sowjetischen Intervention. Die Toleranzschwelle der UdSSR werde überschritten, wenn es um Fragen der Macht der Partei über die Staatsverwaltung, die Polizei und das Militär gehe, diese Macht müsse also bei der Partei verbleiben. Im Herbst forderte Kuroń eine Einigung zwischen *Solidarność, katholischer Kirche und staatlichem Machtapparat, um ein Komitee der nationalen Rettung bzw. eine Regierung der nationalen Einheit bilden zu können. Dieses Gremium solle die Macht übernehmen, ein gemeinsames Reformprogramm festlegen und nach Möglichkeit demokratische Wahlen vorbereiten. Seine Vorschläge folgten der Überzeugung, dass die Situation in Polen immer mehr außer Kontrolle geriet, sowohl auf Regierungsseite als auch aufseiten der *Solidarność. Im November 1981 gehörte Kuroń zu den Gründern der sogenannten Klubs der Selbstverwalteten Republik „Freiheit – Gerechtigkeit – Unabhängigkeit“ (Kluby Rzeczpospolitej Samorządnej „Wolność – Sprawiedliwość – Niepodległość“), die als Sammelbecken für *Solidarność-Aktivisten gedacht war, die sich der Tradition der demokratischen Linken verpflichtet sahen. Die in seiner Wohnung stattfindende Gründungsversammlung wurde jedoch von der Miliz aufgelöst. Mit Ausrufung des *Kriegsrechts in Polen sperrte man Kuroń am 13. Dezember 1981 zunächst in das Internierungslager Strzebielinek, später hielt man ihn in Białołęka Dworska fest. Am 3. September wurde er auch offiziell verhaftet und in das Warschauer Gefängnis in der Rakowiecka-Straße gebracht. Der Vorwurf lautete auf „Umsturzversuch“.Während seiner Internierung deutete er das *Kriegsrecht-Regime als klassische Okkupation und forderte die Formierung einer breiten Widerstandsfront mit einem einheitlichen disziplinierten Führungszentrum. In seinen „Thesen zu einem Ausweg aus einer ausweglosen Situation“ (Tezy o wyjściu z sytuacji bez wyjścia; erschienen im *„Tygodnik Mazowsze“, Nr. 8/1982) brachte er im Februar 1982 einen Generalstreik ins Gespräch, forderte Aufklärungsarbeit unter den Angehörigen der Miliz und des Militärs sowie die Vorbereitung von Angriffen auf alle Macht- und Informationszentren im ganzen Land. Mit so einem Schlag könne es gelingen, den konservativen Teil des Machtapparates aufzubrechen und somit die Möglichkeit zu schaffen, zwischen einem Teil der Herrschenden und der organisierten Gesellschaft eine neue Form von Kompromiss auszuhandeln. Diese radikalen Thesen nahm er jedoch schon einige Wochen später zurück, als er die Notwendigkeit unterstrich, das Volk vor einem Blutvergießen zu bewahren. Zur Vorgehensweise empfahl er Demonstrationen, zivilen Ungehorsam und die Schaffung langfristig angelegter Untergrundstrukturen. Im Juli 1984 kam Kuroń gemeinsam mit Adam Michnik, Zbigniew Romaszewski und Henryk Wujec vor Gericht. Der Prozess wurde jedoch bald eingestellt und die Angeklagten kamen gemeinsam mit anderen Inhaftierten im Rahmen einer Amnestie auf freien Fuß. In den Folgejahren war Kuroń Berater des *Regionalen Exekutivausschusses Masowien (Regionalna Komisja Wykonawcza; RKW) und des *Provisorischen Koordinierungsausschusses (Tymczasowa Komisja Koordynacyjna; TKK) der seit dem *Kriegsrecht im Untergrund agierenden *Solidarność. Er veröffentlichte weiterhin Beiträge für die Untergrundpresse und befand sich unter ständiger Überwachung durch die Staatssicherheitsbehörden. Nach einer Demonstration am 1. Mai 1985 wurde von einem sogenannten „Kollegium für Ordnungswidrigkeiten“ zu einer Arreststrafe von drei Monaten verurteilt. Nach der Amnestie von 1986 sprach sich Kuroń für unterschiedliche Aktionsformen der Opposition aus, die sich durchaus auch im legalen Bereich bewegen sollten (unter anderem Entwicklung der Selbstverwaltung in den Betrieben, zugelassene Vereine und Ähnliches). Aber auch die Beratungs- und Informationstätigkeit für die konspirativen Strukturen sollte aufrechterhalten werden. Es ging ihm um eine Politik der kleinen Schritte, mit denen letztendlich große Ziele erreicht werden sollten. Ab Mai 1988 vertrat Kuroń die Meinung, allein die Wiederzulassung der *Solidarność reiche als politisches Ziel nicht mehr aus. Der jüngste Wandel in der Sowjetunion ließen Forderungen nach einer perspektivischen Bildung einer Koalitionsregierung real erscheinen, die sich der Wirtschaftskrise annehmen und die großen politischen Reformen in Angriff nehmen müsse. Ab 1987 arbeitete er an einem Gremium mit, aus dem im Dezember das *Bürgerkomitee (Komitet Obywatelski) beim Vorsitzenden der *Solidarność hervorging. Bis zum Schluss betrachtete die polnische Staatsführung Kuroń als gefährlichen Radikalen, weswegen sie ihn während der vorbereitenden Gespräche zum *Runden Tisch von den Verhandlungen ausschloss. Zu guter Letzt nahm er jedoch trotzdem an den Plenarsitzungen des *Runden Tisches und an dessen Arbeitsgruppe „Politische Reformen“ teil, ebenso an einigen vertraulichen Verhandlungen. Kuroń war damit sogar einer der Autoren des 1989 am *Runden Tisch erzielten Kompromisses. Bei den „halbfreien“ Wahlen wurde er am 4. Juni 1989 als Kandidat des *Bürgerkomitees als Abgeordneter in das polnische Parlament (Sejm) gewählt.Auch nach dem Ende des Kommunismus blieb Kuroń bis 2001 Sejm-Abgeordneter der Fraktionen *Bürgerkomitee „Solidarność“, Demokratische Union (Unia Demokratyczna) und danach der Freiheitsunion (Unia Wolności). 1989/90 und 1992/93 war er Minister für Arbeit und Sozialpolitik, 1991–94 stellvertretender Parteivorsitzender der Demokratischen Union und ab 1995 der Freiheitsunion. Viele Jahre lang führte er den Vorsitz im Parlamentsausschuss für nationale Minderheiten. Jacek Kuroń starb am 2004 in Warschau.Andrzej Friszke, Ryszard Żelichowski Aus dem Polnischen von Gero Lietz Letzte Aktualisierung: 07/16

Wer war wer in DDR

Kurth, Willy

* 21.11.1881 – ✝ 28.12.1963

Geb. in Berlin; Realgymnasium, Abitur; 1907 – 12 Studium der Kunstgeschichte an der Univ. Berlin bei Heinrich Wölfflin u. Adolph Goldschmidt, 1912 Dr. phil.; 1913 – 45 Mitarb. am Berliner Kupferstichkabinett, ab 1924 als Kustos; 1930 Prof.; umfgr. wiss. Arbeiten; Engagement für die zeitgenöss. Kunst. 1946 – 63 GD der Staatl. Schlösser u. Gärten Potsdam-Sanssouci; ab 1946 Prof. für Kunstgeschichte an der HU Berlin; 1953 Mitgl. der DBA; mitverantw. für den Wiederaufbau der Staatsoper Unter den Linden, Berlin; 1953 NP. Sek.-Lit.: Anschauung u. Deutung – W. K. zum 80. Geb. Berlin 1964.Sämtliche Holzschnitte Albrecht Dürers. Berlin 1927 (Hrsg.); Die Mode im Wandel der Zeiten. Berlin 1929 (Hrsg.); Sanssouci – seine Schlösser u. Gärten. Berlin 1956; Berliner Landschaftsmalerei. Berlin 1958; Sanssouci. Ein Beitrag zur Kunst des dt. Rokoko. Berlin 1965.Christoph Links

Wer war wer in DDR

Küttler, Wolfgang

* 8.4.1936

Geb. in Altenburg (Thür.); Mutter Lehrerin, Vater Gymnasiallehrer; 1954 Abitur; 1954 – 58 Studium der Geschichte u. Latein. Philol. an der FSU Jena; 1958 – 64 wiss. Assistent an der FSU, 1964 – 67 Oberassistent an der KMU Leipzig; 1966 Diss. über Bürgeropp. u. Volksbew. in Riga in der zweiten Hälfte des 16. Jh.; 1966 SED; ab 1967 Mitarb. der AdW; 1974 – 91 Ltr. der Forschungsstelle Methodol. u. Geschichte der Geschichtswiss. am ZI für Geschichte der AdW; 1976 Diss. B über Wladimir I. Lenins Formationsanalyse für Rußland vor 1905; 1978 Prof. der AdW; 1980 – 90 Gastprof. an der HU Berlin; Mitgl. des Rats für Geschichtswiss. u. des Rats für Philos.; 1989 Mitgl. der Academia Europaea (Sitz London); 1990 Korr. Mitgl. der AdW. 1990 Dir. des Inst. für Dt. Geschichte der AdW (bis zur Abwicklung des Inst. am 31.12. 1991); 1992 – 95 wiss. Mitarb. am Forschungsschwerpunkt Wissenschaftsgesch. u. Wissenschaftstheorie der Max-Planck-Ges., ab 1995 am Max-Planck-Inst. für Wissenschaftsgesch. in Berlin; 2001 Ruhestand; Mitgl. der Leibniz-Sozietät. Forschungs-, Lehr- u. Publikationstätigkeit zur osteurop. Geschichte, vergleichenden Rev.-Geschichte, Methodol. u. Geschichte der Geschichtswiss.; W. K. gilt als wichtiger Vertreter einer marxist.-leninist. Geschichtstheorie; lebt in Berlin.Formationstheorie u. Geschichte. Berlin 1978 (Hrsg. mit E. Engelberg); Eine Rev. im Geschichtsdenken. Berlin 1983 (mit H. Heitzer); Gesellschaftstheorie u. geschichtswiss. Erklärung. Berlin 1985 (Hrsg.); Marxistische Typisierung u. idealtypische Methode in der Geschichtswiss. Berlin 1986 (Hrsg.); »...daß Vernunft in der Geschichte sei«. Berlin 1989 (mit W. Eichhorn I); Geschichtsdiskurs, 5 Bde. Frankfurt (Main) 1993 – 99 (Mithrsg.); Das lange 19. Jahrhundert. Berlin 1999 (Hrsg.); Was ist Geschichte? Berlin 2008 (Hrsg. mit W. Eichhorn). Jordan, St., Walther, P. (Hrsg.): Wissenschaftsgeschichte u. Geschichtswiss. Fs. zum 65. Geburtstag. München 2002 (mit Bibliogr.).Ilko-Sascha Kowalczuk

Wer war wer in DDR

Laabs, Hans-Joachim

* 1.4.1921 – ✝ 8.7.2009

Geb. in Regenwalde (Hinterpomm./Resko, Polen), aufgew. in Kolberg (Pommern); Vater Bäckermstr.; Volksschule, Gymnasium, 1939 Abitur; Sept. 1939 NSDAP; RAD u. Wehrmacht; Frontbewährung wegen »kommunist. Umtriebe u. Zersetzung der Wehrkraft«; Kriegsgefangenschaft in den USA. 1945 Rückkehr nach Dtl.; Neulehrer in Hornkaten (Krs. Ludwigslust); 1946 SED; 1947 Ltr. der Grund- u. Oberschule Grabow (Mecklenb.); 1948 Krs.-Schulrat in Ueckermünde; 1949 Stadtschulrat in Schwerin; 1950 Ltr. der HA Erziehung u. Unterricht im Volksbildungsmin. des Landes Mecklenb.; 1950 Minister für Volksbildung des Landes Mecklenb. (Nachf. von  Gottfried Grünberg); 1952 – 54 Staatssekr. u. stellv. Minister für Volksbildung, 1954 Min. (Nachf. von  Elisabeth Zaisser); 1958 Amtsenthebung u. strenge Rüge wegen »Revisionismus«; 1958 – 63 Bez.-Schulrat in Frankfurt (Oder); 1964 Prom. zum Dr. paed. an der APW über Schulreformen in Westafrika; 1963 – 73 Stellv. des Hauptdir. des Verlags Volk u. Wissen, 1973 – 81 Hauptdir.; 1973 – 82 Ltr. des Bereichs internat. Bildungspol. der APW; 1979 VVO; 1981 Ernennung zum Prof. für Internat. Bildungspolitik an der APW; 1982 Ruhestand; gest. in Schöneiche (b. Berlin).Pädagogisches Wörterbuch. Berlin 1987; Wie wurde einer Minister? In: Borchardt, J., Konieczny, B. (Hrsg.): Zwischen Hoffnung u. Verzweiflung. Schwerin 1995.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Lacasa, Aurora

* 24.3.1947

Geb. in Paris; Eltern Journalisten (Exilspanier); 1951 – 56 Schulausbildung in Budapest; 1956 Übersiedl. in die DDR, Abitur u. Facharb. für Maschinenbau; ab Ende der 1960er Jahre Arbeit als Dolmetscherin für Span. u. Französ.; Ass. beim DFF, gleichz. Auftritte als Mitgl. des Oktoberklubs Berlin; Ausbildung als Sängerin am Zentralen Studio für Unterhaltungskunst; Auftritte als Liedsängerin mit internat. Folklore in der DDR, UdSSR, Kuba, Polen, Bulgarien, Frankreich, Portugal u. arab. Staaten; veröffentlichte drei Langspielplatten (LP) u. etliche Singles; lebte zunächst mit dem Schlagersänger  Thomas Lück zus., danach (1975 – 96) verh. mit  Frank Schöbel, mit ihm u. den gemeinsamen Töchtern, Dominique u. Odette, entstand 1985 u. a. die LP u. Fernsehsendung »Weihnachten in Familie« (eine der auflagenstärksten Platten in der DDR). 1994 LP / CD »Fröhliche Weihnachten in Familie«; bis 1998 Auftritte als Sängerin; ab 1998 mehrere CDs vor allem für Kinder; 2000 Revival-CD »Wenn die Wandervögel ziehn«; seit 2004 mit dem Soloprogramm »Weihnachten in Frieden« in den östl. Bundesländern unterwegs; insg. ca. zwei Mio. verkaufte Tonträger; lebt in Stolzenhagen (Landkrs. Barnim).Ingrid Kirschey-Feix

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Laitko, Hubert

* 3.4.1935

Geb. in Spremberg; dort Abitur; 1953 – 59 Studium der Journalistik u. Philos. in Leipzig; 1960 – 63 Aspirant an der HU Berlin, dort 1964 Prom. mit einer Arbeit zur philosoph. Konzeption von Pascual Jordan; 1964 – 69 Assistent; 1970 Berufung zum Honorar-Doz.; 1969 – 91 Mitarb. der AdW u. beteiligt am Aufbau des Inst. für Wissenschaftstheorie u. -org.; ab 1975 Ltr. der Forschungsgr. bzw. des Bereichs Wissenschaftsgeschichte; 1978 Dr. sc. (Habil.) mit einer programmat. Schrift zur Begründung der Wissenschaftswiss.; 1979 Berufung zum Prof.; 1989 NP; seit 1992 im Vorruhestand. H. L.s Schriften behandeln zum großen Teil Grenzfragen zw. Wissenschaftswiss. u. der Wissenschaftsgesch. in der DDR; bedeutende Arbeiten u. a. zu den wiss. Traditionen Berlins sowie zur Institutionengesch. in Dtl. im 19. u. 20. Jh.Wissenschaft als allg. Arbeit. Zur begriffl. Grundlegung der Wissenschaftswiss. Berlin 1979; Wissenschaft in Berlin. Berlin 1987 (Ltr. des Autorenkoll.); Die Kaiser-Wilhelm-/Max-Planck-Ges. u. ihre Inst. Berlin 1996 (Hrsg. mit B. vom Brocke); Lexikon bedeutender Naturwiss. Band 1 – 3. Heidelberg 2002 – 04 (Mithrsg.). Kant, H. (Hrsg.): Fixpunkte. Wissenschaft in der Stadt u. der Region. Fs. für H. L. Berlin 1996 (mit Bibl.); H. Kant, A. Vogt (Hrsg.): Aus Wissenschaftsgeschichte u. -theorie. Fs. zum 70. Geburtstag. Berlin 2005.Dieter Hoffmann

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Lammert, Will

* 5.1.1892 – ✝ 30.10.1957

Geb. in Altenhagen (b. Hagen); Vater Maschinenschlosser; 1906 – 10 Lehre als Stuck-, Holz- u. Steinbildhauer; 1911 – 14 Studium (Plastik) an der Staatl. Kunstgewerbeschule in Hamburg; 1913/14 Studienaufenthalt in Paris; 1915 – 17 Soldat bei der Infanterie, schwer verwundet; 1918 Studium an der FS für Keramik in Höhr bei Koblenz; 1918 – 21 freischaff. (in Hagen); Lehrer am Staatl. Kunstfertigungsseminar; 1919 erste Ausstellung in der Galerie Alfred Flechtheims in Düsseldorf; 1922 Arbeit in der Künstlerkolonie Margaretenhöhe in Essen; 1924 – 27 Aufbau u. Ltr. einer Werkstatt für Keramik, Arbeit an freien u. baugebundenen Plastiken; bis 1926 Beteiligung an den Ausstellungen der Künstlergr. »Das junge Rheinl.«; 1930 Rom-Stipendium der Preuß. AdK, 1931/32 Aufenthalt in Rom; 1932 KPD; Ausgestaltung von Veranstaltungen der KPD; 1933 Anklage wegen Hochverrats; Frühsommer 1933 Emigr. über die Niederl. nach Paris; wegen pol. Betätigung 1934 Ausweisung aus Frankreich; Juni 1934 Schiffsreise in die Sowjetunion; Anerkennung als Politemigrant; Sommer – Sept. 1934 in der ASSR der Wolgadt.; 1934/35 Karl-Marx-Büste für Saratow; 1935 sowj. Staatsbürgerschaft; 1935 für sieben Mon. bei einer dt. Architektengr. in Stalinsk; ab 1936 Arbeiten für Innenausstattungen u. baugebundene Reliefs; wohnte 1937 – 39 bei  Friedrich Wolf in Peredelkino bei Moskau; 1939 u. a. Fertigstellung einer Büste Ernst Thälmanns; Sept. 1941 Evakuierung in das Dorf Nishni-Naradwashi in der Tatar. ASSR, vom NKWD als Zwangsangesiedelter bzw. Verbannter eingestuft; bis Ende 1942 Arbeit auf einer Kolchose, dann zunächst in einem Betrieb in Kasan tätig; Erkrankung; 1943 Mitgl. des Künstlerverb. der Tatar. SSR; 1945 – 50 Porträts u. Kleinplastiken für das Gorki-Museum u. das Dramat. Theater in Kasan; bat  Johannes R. Becher 1946 in einem Brief um seine Rückkehr nach Dtl.; seit April 1949 Anforderung durch die SED-Führung. 1951 Übersiedl. in die DDR; freischaff. Bildhauer; 1952 DAK; Prof.; 1959 NP (posthum). Werke: Büste Karl Marx (1953); Büste  W. Piecks (1955); Denkmal Thomas Müntzer für Mühlhausen (1956 – 57); Plastik Tragende für Nat. Mahn- u. Gedenkstätte Ravensbrück, Teilvollendung durch  F. Cremer u. G. Thieme; 1985 posthume Aufstellung einer Figurengr. zum Gedenken an die jüd. Opfer der NS-Diktatur, Alter Jüd. Friedhof Berlin-Mitte.W. L. Werkverz. Dresden 1963; Lammert, M.: Ravensbrück. Berlin 1968; W. L. Gedächtnisausst. DAK Berlin 1959; W. L. (1892 – 1957) Plastik u. Zeichnungen. (mit Bibl.) AdK Berlin 1992.Anke Scharnhorst / Peter Erler

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Landvoigt, Bernd u. Jörg

* 23.3.1951

Geb. als Zwillinge in Brandenb.; Vater Binnenschiffer, Mutter Sekr.; 1957 – 69 EOS mit Berufsausbildung zum Stahlwerker, Abitur; 1965 – 80 Rudersportler; erst BSG Einheit Brandenb., ab 1969 SG Dynamo Potsdam (Trainer: Johannes Wujanz); 1969 Eintritt in die DVP; 1969 – 77 Sportstudium an der DHfK Leipzig, Dipl.-Sportlehrer; 1972 Olymp. Spiele: 3. Platz im Achter; 1973 EM (B. L. auch EM im Achter); 1974, 1975, 1978 u. 1979 WM; 1976 u. 1980 Olymp. Spiele: Sieger im Zweier ohne; 1980 endete die sportl. Laufbahn; anschl. B. L. Stützpunkttrainer in Potsdam, J. L. zeitw. in Italien, Leistungssport Referent Brandenburger LSB, Vors. der OK Ruder-WM (U 23) 2005 in Brandenburg.Klaus Gallinat / Olaf W. Reimann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Lange, Albert Gustav

* 3.6.1901 – ✝ 14.10.1954

Geboren am 3. Juni 1901 in Barmen; besuchte das Gymnasium und studierte einige Semester. 1919 Eintritt in die sozialistische Jugendbewegung, 1922 Mitglied der KPD. Zunächst Volontär, von 1925 bis 1928 Redakteur am Düsseldorfer KPD-Organ »Freiheit«. 1929 in die politische Redaktion der »Roten Fahne« nach Berlin geholt, wo Albert Lange bis Anfang 1933 blieb; zuletzt Agitpropsekretär für Berlin. Im Oktober 1933 verhaftet (er bekam schon in der Weimarer Republik sechs kürzere Strafen wegen politischer Delikte) und zu zwei Jahren und sechs Monaten Zuchthaus verurteilt. Am 13. April 1936 entlassen; da er sich »gut geführt« hatte, kam er nicht ins KZ. Zum Dreher umgeschult, arbeitete er in den dreißiger Jahren in diesem Beruf und mußte mit sechs Mark Wochenlohn Frau und Kind ernähren. 1940 war Lange nach Ansicht der Gestapo »innerlich umgestellt«, so daß er für »wehrwürdig« erklärt und als Soldat eingezogen wurde. 1943 geriet er in englische Kriegsgefangenschaft, aus der er erst 1947 zurückkehrte. Wieder Mitglied der KPD, war Lange von 1949 bis zu seinem Tod Redakteur am KPD-Organ »Freies Volk« in Düsseldorf. Während einer Urlaubsreise mit seiner Frau in Süd-Frankreich erlitt er auf seinem Motorrad einen Schlaganfall. An den Folgen starb Albert Lange am 14.Oktober 1954.

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Lange, André

* 28.6.1973

Geb. in Ilmenau; begann 1982 im Trainingszentrum Ilmenau mit Rennrodeln; 1987 KJS Oberhof, ASK Vorwärts Oberhof; Spartakiadesieger; 1990 WSV Oberhof 05, später BSR Rennsteig Oberhof (Trainer Matthias Trübner); 1993 Wechsel zum Bobsport; Sportfördergruppe der Bundeswehr Oberhof (z. Zt. Hauptfeldwebel); Dt. Juniorenmstr.: 1994 Zweier u. Vierer (5. Pl.), 1995 Vierer (1. Pl.); fünfmal Junioren-WM: Zweier (1997/98), Vierer (1997 – 99); zweimal Olymp. Spiele: 2002: Vierer (Gold), 2006: Zweier (Gold), Vierer (Gold); fünfmal WM: Zweier (2003), Vierer (2000, 2002 – 05); dreimal WM-Zweiter: Zweier (2002, 2005), Vierer (2001); fünfmal EM: Zweier (2000, 2005, 2006), Vierer (2002, 2004), zweimal EM-Zweiter: Zweier (2003), Vierer (2003); zweimal Sieger Gesamt-Weltcup: Vierer (2000/01, 2002/03); Dt. Mstr. Vierer (2000); 2002 Silbernes Lorbeerblatt; wohnt in Suhl.Volker Kluge

Handbuch Deutsche Kommunisten

Kupferstein, Hermann

* 10.3.1896 – ✝ 25.11.1937

(* 1896 – † 1937) Geboren am 10. März 1896 in Warschau. Er kam nach dem Weltkrieg nach Berlin und trat der KPD bei. Im illegalen Apparat tätig, wurde er 1925 Mitbegründer und Funktionär des RFB. 1931 war Kupferstein am Mord an den Berliner Polizeioffizieren Anlauf und Lenck beteiligt. Weiter in AM-Apparat unter Hans Kippenberger aktiv, emigrierte er 1933 nach Paris und wurde von da aus im Dezember 1934 in die UdSSR beordert. Er geriet dort in die Säuberung des Kippenberger-Apparates und wurde bereits am 3. April 1935 verhaftet und noch vor Kippenberger am 22. Mai 1935 zu fünf Jahren Lager verurteilt. Sein Frau Elisabeth geb. Wrobel (1903 – ?), ebenfalls im April 1937 vom NKWD verhaftet, wurde am selben Tag zu drei Jahren Haft verurteilt und ist in der UdSSR verschollen. Hermann Kupferstein kam am 25.November 1937 in Leningrad erneut vor Gericht, wurde zum Tode verurteilt und am 8.Dezember 1937 in Lewaschowo erschossen.

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Kurella, Alfred

* 2.5.1895 – ✝ 12.6.1975

Geb. in Brieg (Niederschles. / Brzeg, Polen); Vater Psychiater (Bruder Heinrich K. 1937 in Moskau zum Tode verurteilt u. erschossen); Gymnasium in Breslau, Ahrweiler u. Bonn; 1910 Eintritt in die Wandervogelbew.; Studium der Malerei u. Grafik an der Kunstgewerbeschule München; 1914 – 16 Kriegsfreiw., Artillerie, durch Simulation Entlassung; Hauslehrer u. Mitarb. an linken bürgerl. Ztg. in Leipzig u. Dresden; entzog sich 1917 einem Hochverratsprozeß durch Illegalität; Nov. 1918 Begr. u. Vors. der Ortsgr. der FSJ in München; Dez. 1918 Kommunist. Partei München, dann KPD; März/April 1919 als Kurier nach Moskau, Treffen mit Wladimir I. Lenin; Aug. 1919 als Vertreter des russ. kommunist. Jugendverb. Mitbegr. der KJI; Kand. u. ab 1921 Mitgl. u. 1. Sekr. des KJI- EK in Berlin u. in Moskau; ab 1920 zugl. Mitgl. des Büros des ZK des Komsomol; Mitorganisator der europ. kommunist. Jugendbew.; Verhaftungen in Österreich, der Schweiz (1919) u. Dänemark (1920); 1924 – 29 KPdSU; 1924 – 26 Ltr. einer KI-Jugendschule u. einer Schule der frz. KP in Bobigny; 1926 – 28 stellv. Ltr. der Agitprop-Abt. des EKKI in Moskau; 1928/29 Ltr. der Abt. Bildende Kunst im Volkskommissariat für Volksbild. der RSFSR u. Red. bei der »Komsomolskaja Prawda«; nach »ultralinken, formalist. Fehlern« auf eigenen Wunsch Rückversetzung nach Dtl.; 1929 KPD; freier Schriftst.; Propagandist der KPD in Berlin; dann Ltr. der Agitproparbeit des »Internat. Komitees der Freunde der Sowjetunion«; Mitarb. an der »AIZ«; 1930 strenge Rüge wegen Kritik an der KPD-UB-Ltg.; 1931 Lehrtätigkeit an der MASCH; 1931 Studienreise nach Italien; Mitgl. des BPRS; 1932 Aufenthalt in Moskau; 1932 – 34 im Auftrag der KI Sekr. des Internat. Komitees zum Kampf gegen Krieg u. Fasch. in Paris; Chefred. dessen Organs »Le Front Mondial«; anschl. bis 1935 Sekr. von Georgi Dimitroff in Moskau; Dez. 1934 strenge Rüge wegen der Teiln. an einer Feier ehem. KJI-Funktionäre bei Fritz Globig, Ausschl. aus dem Apparat der KI; 1934 – 38 publizist. u. schriftsteller. Arbeiten (Ps. Bernhard Ziegler u. Viktor Röbig); 1935 – 37 Ltr. der wiss.-bibl. Abt. der Moskauer Zentralbibliothek für ausländ. Lit.; Red.-Mitgl. der »Internat. Lit./Dt. Blätter«; 1937 Aberkennung der dt. Staatsbürgerschaft; sowj. Staatsbürgerschaft; 1940 u. a. Übersetzung des ukrain. Nationaldichters Taras Schewtschenko; 1941 – 45 »Oberred.« in der Pol. HV der Roten Armee; Okt. 1941 Evakuierung nach Kasan; ltd. Red. der Ztg. »Front-Illustrierte«; ab 1942 auch Red. der Ztg. »Das freie Wort«; Dez. 1942/Jan. 1943 Prop.-Einsatz im Kessel von Welikije Luki; 1943 Mitarbeit am Entwurf des Manifests des NKFD, Juli 1943 stellv. Chefred. der NKFD-Ztg. »Freies Dtl.«; 1944 Mitarb. am Nachkriegsprogramm der KPD. 1946 Umzug in den Kaukasus; Schriftst., Übersetzer u. Hrsg. u. a. von Nikolai Tschernyschewski, Nikolai Dobroljubow, Alexander Herzen u. Wissarion Belinski; 1948 Antrag auf Rückkehr nach Dtl.; 1949 Anforderung durch die SED; Rückkehr nach Moskau; 9.2.1954 Übersiedl. in die DDR; SED; VdN; 1954 – 57 Dir. des Inst. für Lit. »Johannes R. Becher« in Leipzig; 1955 Mitgl. u. 1965 – 74 Vizepräs. der AdK; 1955 Mitgl. des Vorst. des DSV; ab 1957 Mitgl. des Präsidialrats des KB; 1957 – 63 Ltr. der Kulturkommission beim PB des ZK der SED; seit 1958 Mitgl. der Volkskammer; Mitgl. des ZK der SED u. 1958 – 63 Kand. des PB; maßgebl. an der Durchsetzung des »soz. Realismus« u. vielen kulturpol. Interventionen der SED-Führung beteiligt; ab 1962 Mitgl. des Präs. der Dt.-Ital. Ges. u. ab 1964 des Präs. der Dt.-Arab. Ges.; 1963 Ehrenpension; ab 1963 Mitgl. der Ideolog. Kommission beim PB des ZK der SED; 1968 Prom. zum Dr. phil. an der FSU Jena mit der Arbeit »Das Eigene u. das Fremde« (Berlin, Weimar 1968); 1961 KMO; 1969 NP; 1970 Kunstpreis des FDGB u. der FDJ; Ehrenspange zum VVO.Gründung u. Aufbau der KJI. Berlin 1929; Mussolini ohne Maske. 1931; Wo liegt Madrid? Kiew 1939; Ich lebe in Moskau. 1947; Der Mensch als Schöpfer seiner selbst. Berlin 1958; Dimitroff kontra Göring. Berlin 1964; Unterwegs zu Lenin. Berlin 1967. A. K. u. E. Cohn-Vossen: Der Traum von Ps’schu. Ein Briefwechsel im Zweiten Weltkrieg. Berlin, Weimar 1984.Peter Erler

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Kurotschkin, Pawel Alexejewitsch

* 6.11.1900 – ✝ 1989

Geb. in Gornewo (Gebiet Smolensk); ab 1918 Berufssoldat; 1920 Mitgl. der KPdSU; bis 1923 HS der Kavallerie; 1932 Absolvent der Frunse-Militärakad. u. 1940 der Gen.-Stabsakad.; Truppenoffz., dann Taktiklehrer an der Frunse-Akad. u. Stabsoffz.; 1941 Korpskdr., 1944 Oberbefehlshaber der 2. Weißruss. Front, 1944/45 der 60. Armee; 1945 Held der Sowjetunion; 1945/46 Inhaber höchster Truppenkdo. in der Sowjetunion. Juli 1946 – Mai 1947 Erster Stellv. des Obersten Chefs der SMAD; Mitgl. des Koordinierungskomitees des Alliierten Kontrollrats für Dtl.; anschl. höchste Kdo.-Stellungen in der Sowjetunion; 1951 – 54 stellv. Chef der Gen.-Stabsakad.; 1954 – 68 Chef der Frunse-Militärakad.; 1959 Armee-Gen.; 1968 – 70 im Oberkdo. der Streitkräfte des Warschauer Pakts; ab 1970 Gen.-Inspekteur im Verteidigungsmin. der UdSSR; Deputierter des Obersten Sowjets der UdSSR; viermal Lenin- u. Rotbannerorden.Nascha slawnaja Armija. Moskwa 1958; Ossnownyje woprossy istorii Welikoi Otetschestwennoi Woiny. Moskwa 1966.Jan Foitzik

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Kusche, Lothar

* 2.5.1929 – ✝ 20.8.2016

Geb. in Berlin; 1941 – 45 als Schüler nach Polen u. in die ČSR verschickt; ab 1947 Red.-Volontär u. Red. versch. satir. Ztschr. (»Ulenspiegel«, »Frischer Wind«, »Fuffzehn«); 1950 – 93 ständ. Mitarb. der Ztschr. »Weltbühne«, zeitw. stellv. Chefred.; Mitgl. des SV u. des VdJ; 1953 – 54 Dramaturg am Berliner Kabarett »Die Distel«; 1963 – 65 Bearbeitung durch das MfS im OV »Ahornkrs.« (Ermittlung gegen  Johannes Bobrowski u. dessen liter. Freundeskrs., zu dem neben  Manfred Bieler u.  Peter Huchel auch L. K. gehörte); 1972 Mitgl. des PEN-Zentrums der DDR; 1960 Heinrich-Heine-Preis; 1973 Heinrich-Greif-Preis; 1977 Werner-Klemke-Preis; 1984 NP; seit 1997 Mitarb. der Ztschr. »Ossietzky«; 2007 Kurt-Tucholsky-Preis. Mehr als 30 Buchtitel mit einer Gesamtaufl. von ca. 2.5 Mill. Expl.; unter dem Beinamen »Kishon vom Alexanderplatz« bekannt als Verf. alltagsorientierter, relativ unpol. satir. Kleinprosa (Feuilletons, Glossen) sowie von Kabarettexten u. Drehbüchern für satir. Kurzfilme; versch. Beiträge für den DEFA-Augenzeugen.Wie streng sind denn im Sowjetland die Bräuche? 110 feuilletonist. Auskünfte. Berlin 1958; Überall ist Zwergenland. Ein Streifzug durch den Kitsch. Berlin 1960; Quer durch England in anderthalb Stunden. Berlin 1961; Wie man einen Haushalt aushält. Berlin 1969; L. K.s Drucksachen. Geschichten, Feuilletons u. Satiren aus zwei Jahrzehnten. Berlin 1978; Das verpaßte Krokodil. Geschichten u. Feuilletons. Berlin 1988; Aus dem Leben eines Scheintoten – zerstreute Erinnerungen. Berlin 1997; Wo die Rosinenbäume wachsen. Berlin 2004; Ich bin tot, und das kann so ? Berlin 2009. AnKJan Foitzik

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Kutzschebauch, Günter

* 27.10.1930 – ✝ 16.2.1996

Geb. in Zug (Krs. Freiberg, Sachsen); Vater Maler u. Schuhmacher; Volksschule; 1945 – 48 Ausbildung zum Landw.-Gehilfen; 1946 FDJ; 1947 SED; 1948 – 50 Sekr. für Arbeits- u. Sozialpol. der FDJ-KL Marienberg; 1950 – 56 Mitarb. der VP-See; 1950/51 Ausbildung als Seeoffz. in Parow (b. Stralsund); 1952/53 Kursant; 1953 Offiziersschule für pol. Arbeit der KVP in Berlin-Treptow; 1955 – 60 Instrukteur der Abt. Jugend in der Pol. Verw. der KVP/ NVA; 1959 Korv.-Kapitän; 1961 – 63 sowj. Seekriegsakad. in Leningrad; 1963 – 67 Ltr. von Pol.-Organen der Brigade, ab 1963 der Flottille; 1967 – 73 stellv. Ltr. der Pol. Verw. der NVA; 1967/68 Fernstudium an der Militärakad. Dresden, Dipl. rer. mil.; 1974 – 82 Stellv. des Chefs der Volksmarine u. Chef der Pol. Verw. (Nachf. von Rudi Wegner); 1974 Konteradmiral; 1981 Vizeadmiral; 1982 – 90 Vors. des Zentralvorst. der GST (Nachf. von  Günther Teller); 1986 – 90 Abg. der Volkskammer, Mitgl. des Aussch. für Nat. Verteidigung; 30.4.1990 Ruhestand; gest. in Neuenhagen.Die weiteren Aufgaben in der GST. Berlin 1984; Der XI. Parteitag der SED u. die weiteren Aufgaben der GST. Neuenhagen 1986.Helmut Müller-Enbergs

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Laabs, Klaus

* 21.1.1953

Geb. in Berlin; Sohn von  Hans-Joachim L., Mutter Lehrerin; 1971 Abitur; SED; 1972 – 75 Studium der Diplomatie in Moskau, Abberufung wegen Bildung einer linken Plattform u. unerlaubter Westkontakte; anschl. Produktionsarb.; 1976 – 79 NVA; 1979 – 84 Studium der Romanistik an der HU Berlin; 1984 Ausschl. aus der SED wegen schwulenpol. Engagements u. Protests gegen die Sprengung der denkmalgeschützten Gasometer in Berlin-Prenzlauer Berg; anschl. liter. Übersetzer, Berufsverbot als Dolmetscher; 1988 Kand. des SV; 15.1.1989 Protestaktion während der Liebknecht-Luxemburg-Demonstration in Berlin, Zuführung durch das MfS; Okt. 1989 Mahnwache in der Gethsemane-Kirche, Aufruf zur Gründung eines Rosa-lila Forums für Schwule u. Lesben; Jan. 1990 Teiln. an der Gründungsinitiative für eine Unabh. Soz. Partei (mit  Rainer Land). 1990 – 93 arbeitslos; seit 1994 liter. Übersetzer (Arenas, Belbel, Césaire, Lezama Lima, Maximin, Pizarnik); ehrenamtl. Arbeit für amnesty international.Lesben, Schwule, Standesamt – Die Debatte um die Homoehe (Hrsg.). Berlin 1991; In eigener Sache, maskiert. In: Homosexualität in der DDR (Hrsg. W. Setz). Hamburg 2006.Christoph Links

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Lachnit, Wilhelm

* 12.11.1899 – ✝ 14.11.1962

Geb. in Gittersee (b. Dresden); 1914 – 18 Lehre als Dekorationsmaler in Dresden; Teiln. an Abendkursen der Kunstgewerbeschule, 1921 – 23 Studium an der Dresdner Akad. bei Richard Dreher, Bekanntschaft mit Otto Dix; 1924 Mitgl. der marxist. Künstlervereinigung »Rote Gruppe«; seit 1924 freischaff. als Maler in Dresden tätig; Beteiligung an der 1. Dt. Kunstausstellung in der UdSSR; 1925 KPD; 1925 – 29 Studienreisen nach Nordafrika, Südfrankreich u. Italien; Ltg. von Kursen der Arbeiterzeichnerbew.; 1929 Gründungsmitgl. der Dresdner ASSO; 1930 Zusammenschl. mit anderen Dresdner Künstlern zur Gruppe »Aktion«; 1932 Erweiterung der Gruppe zur Dresdner Sezession; 1933 von den Nationalsozialisten als »entartet« verfemt, Beschlagnahmung von Werken, Ausstellungsverbot, kurze Inhaftierung durch die Gestapo; verdiente Lebensunterhalt u. a. als Ausstellungsgestalter; 1944/45 Kriegsdienst; am 13./14.2.1945 Vernichtung der Ateliers u. eines großen Teils des Werks während der Luftangriffe auf Dresden. 1947 – 54 Prof. für Wandmalerei an der HS für Bildende Künste Dresden; seit 1955 freischaff. in Dresden; 1954 – 62 Ltg. der Künstlergem. »Kleine Akad.«; 1955 Studienreise n. Süddtl.; 1956 gem. mit Karl Kröner Reise nach Italien. Werke: Der Kommunist Frölich, 1924/28; Mädchen im Pelz, 1925; Wandbilder für den Festsaal der Taubstummenanstalt in Leipzig, 1929; Der Tod von Dresden, 1945; Gliederpuppe, 1948.Schmidt, D.: W. L. In: Wegbereiter. Dresden 1977; Lehmann, H.-U.: W. L. – Aquarelle, Zeichnungen u. Pastelle. Kat. Erwerbungen Nr. 29 des Kupferstichkabinetts Dresden 1977; Weidemann, F.: W. L. Dresden 1983 (Reihe Maler u. Werk); Kirsten, W., Lühr, H.-P. (Hrsg.): Künstler in Dresden im 20. Jh. Dresden 2005.Anke Scharnhorst

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Lakomy, Reinhard (Lacky)

* 19.1.1946 – ✝ 23.3.2013

Geb. in Magdeburg; Klavierunterricht; Georg-Philipp-Telemann-Musikschule; Abitur; Praktikant in einem Erdbaubetrieb, Lagerarb., Vermesser, Einkäufer; Pianist bei den Jazz Youngsters in Halle; Studium an der HS für Musik »Carl Maria von Weber« Dresden;  Klaus Lenz Bigband; 1969 – 72  Günther-Fischer-Quartett u. -Quintett (Keyboards, Komposition, Arrangements); 1969 Jazz Jamboree Warschau; 1972 R.-L.-Chor (u. a. mit  Uschi Brüning u.  Angelika Mann); 1973 R.-L.-Ensemble; LP »Reinhard Lakomy«; 1974 LP »Lacky u. seine Geschichten«; Festival »Bratislavská Lyra« (Bratislava, ČSSR), zwei Titel in tschech. Sprache; 1975 LP »Lacky’s Dritte«; 1976 LP »... daß kein Reif«; 1977 LP »Die großen Erfolge«; Auftritte mit eigenen Jazzformationen (»Jazz in der Kammer« Berlin); Komposition von Filmmusik u. Kinderrevuen; 1978 LP »Geschichtenlieder«; 1980 LP »Der Traumzauberbaum«; 1981 LP »Das geheime Leben – Electronics«; 1982 – 87 Vors. der Kommission Tanzmusik des VDK; danach Mitgl. der Kommission Rock- u. Popmusik; 1983 LP »Mimmelitt, das Stadtkaninchen« u. LP »Der Traum von Asgard – Electronics«; Live-Auftritt mit elektron. Musik bei DT 64-Jugendkonzert; 1985 LP »Zeiten – Electronics« (mit Rainer Oleak), 1987 LP »Schlapps u. Schlumbo«, 1989 LP »Der Wolkenstein« u. Kindermusical »Der Wasserkristall« am Volkstheater Halberstadt; 1986 NP. 1990 – 93 Vizepräs. des VDK; seit 1991 mehr als zehn CD u. LP, u. a. »Die Jahre 1972 – 76« (1992), »Geschichtenlieder im Traumzauberwald« (Konzert-CD, 1998), »Traumzauberbaum 2 – Agga Knack, die wilde Traumlaus« (2001) u. »Traumzauberfest« (2005); März 2003 Eröffn. des »Theaters Traumzauberbaum« auf dem Gelände der Brandenburg. Landesgartenschau in Eberswalde u. Premiere des Stücks »Frühlingsluft im Traumzauberland«, Ende 2003 Beendigung der Zusammenarbeit mit dem Betreiber des Geländes; 1.11.2004 letztes Konzert für Erwachsene in der Dresdner Komödie, seitdem ausschließl. Arbeit für Kinder; 2005 Sonderkonzerte »25 Jahre Traumzauberbaum«; 2006 Filmmusical »Unendlich u. Eins« (2008 auf CD); weiterhin regelmäßige Auftritte mit dem Kinderprogramm »Traumzauberbaum«; gest. in Berlin.Es war doch nicht das letzte Mal – Erinnerungen. Berlin 2000.Rainer Bratfisch

Wer war wer in DDR

Land, Rainer

* 15.2.1952

Geb. in Caputh (b. Potsdam), aufgew. in Potsdam; Vater Psychologe, Mutter Lehrerin; 1969 – 72 Ausbildung zum Rinderzüchter in Jüterbog; 1971 SED; 1972 Abitur; 1972 – 75 NVA; 1975 – 81 Studium u. Forschungsstudium an der Sekt. Philos. der HU Berlin; seit 1978 in versch. informellen u. offiz. Zirkeln bzw. Forschungsgr., die sich um eine Modernisierung des Marx. bemühten; 1980/81 Ablehnung eines Diss.-Entwurfs u. Sekt.-Wechsel im Zusammenhang mit der Maßregelung von  Peter Ruben; 1981 – 87 Forschungsstud. bzw. Assistent an der Sekt. Wirtschaftswiss.; maßgebl. Beteiligung an einer Modernisierung der Kap.-Theorie am Lehrstuhl Hans Wagner; 1985 Prom. u. Habil. mit einer Diss. zur Entw.-Logik mod. kap. Produktionsweisen; 1987 – 91 Assistent an der Sekt. Philos.; Jan. – März 1988 Gastdoz. an der Univ. Kabul; initiierte 1987 mit  Michael Brie u. Dieter Segert das reformtheoret. Forschungsprojekt »Konzeption eines mod. Soz.«, das darauf hinauslief, Perspektiven einer soz. Entw. in der DDR an die Einführung von Institutionen der Moderne zu knüpfen, im Verständnis der eigenen Funktion aber im Horizont eines »konspirativen Avantgardismus« (R. L.) verblieb; Nov. 1989 Mitautor des Programmentwurfs für die SED-PDS; Mitgl. der Plattform »Dritter Weg«; Jan. 1990 Austritt aus der SED-PDS nach gescheiterten Bemühungen um eine Selbstauflösung der Partei; beteiligt am Versuch der Gründung einer Unabh. Soz. Partei. 1991 Mitarb. am Soziolog. Forschungsinst. Göttingen (SOFI), dort industriesoziolog. Untersuchungen zur Reorg. ostdt. Betriebe; 1992 – 2009 Geschäftsf. der Ges. für sozialwiss. Forschung u. Publizistik mbH Berlin u. Red. der Ztschr. »Berliner Debatte INITIAL«; 1996 – 97 Mitarb. im Arbeitsstab zur Gründung des »Forums Ostdtl. der Sozialdemokratie«; 1999 Gründungsmitgl. der Grünen Akad. der Heinrich-Böll-Stiftung; seit 2002 2. Vors. u. freier wiss. Mitarb. des Thünen-Inst. für Regionalforschung e. V. in Röbel bzw. Bollewick; 2005 Gründungsinitiator des Netzwerks »Ostdeutschlandforsch.« (eines Kooperationsverbunds ostdt. außeruniversitärer sozialwiss. Institute), zeitw. angest. an der TU Berlin; lebt als freiberufl. Sozialforscher in der Prignitz (Brandenb.) u. in Berlin. Forschungsschwerpunkte: pol. Kultur von Intellektuellen in der DDR, Grundfragen sozioök. Modernisierung.Soz. in der Diskussion. Berlin 1990 (Hrsg. mit Lutz Kirschner); Das Umbaupapier. Berlin 1990 (Hrsg.); Namenlose Stimmen waren uns voraus. Bochum 1993 (mit R. Possekel); Fremde Welten. Berlin 1998 (mit R. Possekel); Zur Lage in Ostdtl. Berliner Debatte Initial (2006) 5 (Hrsg. mit U. Busch); Endlose Depression. Berliner Debatte Initial (2008) 4 (Hrsg. mit U. Busch).Jan Wielgohs

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Landwehr, Heinrich

* 24.7.1908 – ✝ 8.5.1974

Geboren am 24. Juli 1908 in Bremen, Sohn eines Schuhmachermeisters; lernte Buchdrucker. 1923 Mitglied der SAJ, trat 1927 mit 20 SAJ-Mitgliedern demonstrativ zum KJVD über, in der Folgezeit Leiter des KJVD im Bezirk Weser-Ems. 1928 Mitglied der KPD, 1930 wurde Landwehr in die Bremer Bürgerschaft gewählt. Er kam 1931 als KJVD-Vorsitzender nach Niederschlesien und wurde in das ZK des KJVD berufen. Ende 1932 nach Moskau delegiert und dort Jugendsekretär bei der RGI. Seine Frau Wilma Landwehr (* 5. 1. 1913), geborene Mahlstedt, Tochter eines Formers, von 1929 bis 1931 Orgleiterin des KJVD im Bezirk Weser-Ems, folgte ihrem Mann 1931 nach Niederschlesien. Ab 1933 illegale Arbeit in Bremen und Berlin, beide emigrierten im Dezember 1933 über die Tschechoslowakei in die UdSSR. 1934 kehrte Heinrich Landwehr von Moskau nach Deutschland zurück und leistete im Ruhrgebiet unter dem seit 1932 angenommenen Decknamen Hans Schwarz illegale Arbeit. Er ging im Sommer 1936 wieder in die Sowjetunion und geriet dort in die stalinistischen Säuberungen. Zunächst erhielt er eine »Parteirüge« und wurde in einen landwirtschaftlichen Betrieb zwangsversetzt, dann im August 1937 vom NKWD verhaftet. Landwehr wurde nach dem Hitler-Stalin-Pakt im Dezember 1939 an NS-Deutschland ausgeliefert. Er arbeitete von 1940 bis 1945 als Buchdrucker in Bremen. Im Dezember 1945 wurde Landwehr Mitglied der SPD und gehörte 1946/47 dem SPD-Vorstand Bremen an. Nach längerer schwerer Krankheit fand er in der Bremer Automobilindustrie Arbeit, von 1959 bis 1970 war er Landesgeschäftsführer der Bremer SPD. Heinrich Landwehr starb am 8. Mai 1974 in Bremen. Seine Frau Wilma war von 1934 bis 1936 Praktikantin im europäischen Sekretariat der KJI, nach der Verhaftung ihres Mannes Tabakarbeiterin in Rostow am Don. In der UdSSR trug sie von 1933 bis 1939 den Decknamen Dolly Wehner. Nach Auslieferung ihres Mannes kam auch sie nach Deutschland zurück und war bis 1945 Arbeiterin in Bremen. 1946 trat sie in die SPD ein, gehörte dort lange Jahre dem SPD-Vorstand an und saß von 1950 bis 1971 als Abgeordnete in der Bremer Bürgerschaft. Wilma Landwehr starb am 8. August 1981.

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Lange, Arthur Ernst Heinrich

* 8.5.1906 – ✝ 27.10.1972

(* 1906 – † 1972) Geboren am 8. Mai 1906 in Dömitz an der Elbe; Lehre und Arbeit als Schlosser. Lange war Mitglied und Funktionär der KPD in Berlin und gehörte zum Nachrichtenapparat von Hans Kippenberger, offiziell war er seit 1925 bei der Sternwarte in Berlin-Treptow angestellt. Mitorganisator der letzten Tagung der KPD-Führung am 7. Februar 1933 in Ziegenhals bei Berlin. Als Angehöriger des Nachrichtenapparates am 12. Dezember 1933 verhaftet, wurde Arthur Lange 1935 in einem Prozeß vor dem VGH zusammen mit Hermann Dünow und Karl Schuster zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt. Im Februar 1937 erneut festgenommen und in das KZ Sachsenhausen eingeliefert, aus dem er im April 1939 entlassen wurde, danach Hilfsarbeiter in Berlin-Friedenau. Am 19. April 1944 wiederum verhaftet und in das KZ Neuengamme überführt, wo er im April 1945 befreit wurde. Nach 1945 wieder in Hamburg, dort wurde er Mitglied der SPD. Arthur Lange starb am 27. Oktober 1972 in Hamburg.

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Lange, Ernst

* 30.11.1905 – ✝ 2.2.1971

Geb. in Berlin; Mutter Arbeiterin; Volksschule; Lehre als Holzarb.; 1921 SAJ; 1923 KJVD; 1925 DHV; 1927 KPD; ab 1928 Kurier u. Instrukteur der Org.-Abt. des ZK der KPD; 1929 – 32 Mitarb. im »Münzenberg-Konzern«; Ltr. der »Universum-Bücherei«; 1932/33 Pol.-Ltr. des Berliner KPD-UB Südost; ab Febr. 1933 illeg. Arbeit; Febr. – Juli 1933 »Schutzhaft« im KZ Sonnenburg u. Gefängnis Berlin-Spandau; nach Entlassung erneut illeg. Arbeit als Instrukteur der BL Berlin; Dez. 1934 erneut verhaftet u. im Jan. 1935 durch den 2. Senat des VGH wegen »Vorber. zum Hochverrat« zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt, Haft im Zuchthaus Luckau, KZ Sonnenburg u. im Lager Emsland; 1943 Strafbat. 999 bzw. Verpflichtung zur Org. Todt in Frankreich; erneut illeg. Arbeit. 1945 Pol.-Ltr. des KPD-UB bzw. 1. Sekr. der KPD-KL Berlin-Prenzlauer Berg; 1946 SED; 1. Vors. des SED-Krs.-Vorst. Berlin-Prenzlauer Berg; Mitgl. des SED-Landesvorst. Groß-Berlin; Lehrgang an der PHS in Liebenwalde; 1946 – 48 Ltr. des Kommissariats 5 in der DVdI; 1948 – 52 Stellv. des Vors. der ZKSK; ab 1953 Mitarb. im Sekr. des ZK der SED; Jan. – Aug. 1953 Sekr. des ZK der SED; 1953 – 66 Ltr. der Abt. Handel u. Versorgung sowie Außenhandel des ZK; 1963 – 67 Kand. des ZK der SED; 1967 – 71 Mitgl. u. stellv. Vors. der ZRK der SED; 1955 u. 1965 VVO.Andreas Herbst

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Kuppe, Gerlinde

* 19.10.1945

Geb. in Görlitz; EOS Juliot-Curie in Görlitz, 1964 Abitur; 1964 – 69 Studium der Chemie an der MLU Halle-Wittenberg, Dipl.; 1969 – 72 Forschungsstudium an der MLU, 1972 Prom. zum Dr. rer. nat.; 1972 – 72 wiss. Ass. am Biochem. Inst. der MLU; 1974 – 78 wiss. Mitarb. im VEB Rationalisierung Halle; 1978 – 94 Laborltr. an der Med. Fak. der MLU in Halle; 1989 SDP, dann Mitgl. des SPD-Landesvorst. Sachsen-Anh.; März-Okt. 1990 Abgeordn. der Volkskammer. Seit 1990 MdL Sachsen-Anh.; 1990 – 94 stellv. Vors. der SPD-Frakt., 2002 – 06 gesundheitspol. Sprecherin; 1991 habil. an der MLU Halle; 1994 – 2002 stellv. Ministerpräsidentin von Sachsen-Anh.; 1994 – 98 Ministerin für Arbeit, Soziales u. Gesundheit; 1998 – 2002 Ministerin für Arbeit, Frauen, Gesundheit u. Soziales; seit 2006 Ministerin für Gesundheit u. Soziales des Landes Sachsen-Anh. Geb. in St. Petersburg; ab 1915 Berufssoldat; 1921 – 29 Truppenoffz.; 1928 KPdSU; bis 1932 Frunse-Militärakad.; ab 1932 im Stab des Militärbez. Weißrußland; ab 1935 Stabschef eines Schützenkorps; 1938 Studium an der Gen.-Stabsakad. u. dort 1938 – 40 Taktiklehrer; ab 1940 Abt.-Ltr., dann stellv. Chef der Operationsabt. des Gen.-Stabs; ab 1941 Hoher Stabschef. Juni – Okt. 1945 Chef des Stabs der SMAD; Gen.-Oberst; anschl. stellv. Oberbefehlshaber der sowj. Truppen in Österreich; 1949 kurzz. Chef des GRU; 1949 – 56 u. 1961 – 63 Chef der Kriegsakad. des Gen.-Stabs; 1956 – 61 stellv. Chef des Gen.-Stabs u. stellv. Chef der Lehrverw. des Gen.-Stabs; ab 1961 höhere Kommandoposten; 1965 Held der Sowjetunion; ab 1968 Inspekteur-Berater im Verteidigungsmin. der UdSSR; Armee-Gen.; viermal Lenin- u. Rotbannerorden; gest. in Moskau.Die Bedeutung klinisch.-neurochem. u. -immunolog. Untersuchungen bei Erkrankungen des Nervensystems. Halle 1991. HMEJan Foitzik

Handbuch Deutsche Kommunisten

Kurella, Alfred

* 2.5.1895 – ✝ 12.6.1975

Geboren am 2. Mai 1895 in Brieg/Schlesien, Sohn eines Arztes. 1914 in Bonn Abitur, danach begann er an der Kunstgewerbeschule in München zu studieren. Vor 1914 Mitglied der Wandervogelbewegung, meldete sich 1914 als Kriegsfreiwilliger, wurde im Weltkrieg radikalisiert. Einem Hochverratsverfahren entzog er sich 1917 durch Desertion und ging in die Illegalität. Ende 1918 gehörte Kurella zu den Mitbegründern der Münchner Ortsgruppe der FSJ und trat Anfang 1919 in die KPD ein. Im März 1919 wegen drohender Verhaftung nach Sowjetrußland geflohen, traf er dort mit Lenin zusammen. Er wurde Vertreter des russischen kommunistischen Jugendverbandes und setzte auf dem Gründungskongreß der KJI die Linie der Komintern gegen den auf Unabhängigkeit und Distanz zu Moskau bedachten Willi Münzenberg durch. Von 1919 bis 1921 war Kurella 2. Vertreter des russischen Komsomol und Kandidat des Exekutivkomitees der KJI, das seinen Sitz in Berlin hatte. Ab 1921 Vollmitglied, zeitweise 1. Sekretär des Exekutivkomitees der KJI in Moskau. Kurella arbeitete von 1920 bis 1924 im Büro des ZK des Komsomol, im Juli 1924 wurde er Mitglied der KPdSU. Von 1924 bis 1926 zunächst Leiter einer Jugendschule der Komintern, anschließend Direktor der Schule der KP Frankreichs in Bobigny. 1926 in die UdSSR zurückgekehrt, wurde er stellvertretender Leiter der Abteilung Agitation und Propaganda der Komintern, 1928/29 der Abteilung für bildende Kunst im Volkskommissariat für Bildungswesen in Moskau. Im November 1929 ging Kurella nach Deutschland, Mitglied der KPD und zunächst freier Schriftsteller und Publizist in Berlin, dann Redakteur des Informationsblattes des neugegründeten »Internationalen Komitees der Freunde der Sowjetunion«. Er arbeitete auch für die AIZ, hielt Vorträge an der MASCH und war Mitglied des Bundes proletarisch-revolutionärer Schriftsteller. Ende 1932 von der Komintern mit der Leitung der in Paris erscheinenden Zeitschrift »Le Front Mondial« beauftragt und dort Sekretär des Weltkomitees gegen Faschismus und Krieg. Ab Januar 1934 wieder in der Sowjetunion, zeitweilig persönlicher Sekretär von Georgi Dimitroff. Kurella erhielt 1935 durch die IKK eine »strenge Rüge« wegen »parteischädlicher Zusammenkünfte«, daraufhin aus dem Komintern-Apparat entfernt. Er hatte Ende November 1934 an einer Zusammenkunft ehemaliger Mitglieder des Exekutivkomitees der KJI in der Wohnung Fritz Globigs teilgenommen, anwesend waren auch die ehemaligen Jugendfunktionäre Lasar Schatzkin und Voja Vujovic, die später vom NKWD ermordet wurden. Kurella wurde abgeschoben als Abteilungsleiter für Auslandsliteratur der Moskauer Unionsbibliothek. Er eröffnete in der Zeitschrift »Das Wort« die sogenannte Expressionismus-Debatte. Wegen der Verhaftung seines Bruders Heinrich Kurella durch das NKWD im Juli 1937 durfte er nur unter den Pseudonymen Bernhard Ziegler und Viktor Röbig publizieren. Hedda Zinner erinnerte sich 1989, damals sei in Moskau davon gesprochen worden, Alfred habe seinen Bruder Heinrich denunziert. 1941 kam er als Oberredakteur in die VII. Abteilung der Politischen Hauptverwaltung der Roten Armee, lehrte ab Sommer 1943 an der als Institut 99 getarnten KPD-Parteischule und war zugleich stellvertretender Chefredakteur der NKFD-Zeitung »Freies Deutschland«. Von 1949 bis 1954 arbeitete er als Publizist und Übersetzer in Moskau. 1954 durfte er in die DDR ausreisen, wurde Mitglied der SED und war von 1955 bis 1957 Direktor des Literaturinstituts »Johannes R. Becher« in Leipzig, ab 1957 Leiter der Kulturkommission des Politbüros der SED. Von 1958 an Mitglied im ZK sowie im selben Jahr auch Kandidat des Politbüros und Sekretär des ZK. Stets ein dogmatischer Anhänger der Reglementierung der Kulturpolitik, schied er 1963 aus dem Politbüro und dem Sekretariat des ZK aus. Als freier Schriftsteller führte er bis zu seinem Lebensende einen rigorosen Kampf gegen »Dekadenz und Modernismus«. Von 1964 bis 1974 Vizepräsident der Ostberliner Akademie der Künste, erhielt er 1945 sowjetische Medaillen für den »Sieg über das faschistische Deutschland«, 1960 den Karl-Marx-Orden und 1969 den DDR-Nationalpreis. Er war mehrmals verheiratet und hatte acht Kinder. Alfred Kurella starb am 12. Juni 1975 in Ost-Berlin.Peter Erler

Wer war wer in DDR

Kurschinski, Erich

* 25.12.1913 – ✝ 23.3.1970

Geb. in Düsseldorf; Vater Arbeiter; Volksschule; Metallarb.; 1929 KJVD; 1933 Emigr. in das Saargebiet, Unterbezirksführer des KJV, 1935 nach Frankreich; 1936 – 39 Teiln. am Span. Bürgerkrieg als Ltn. der 11. Internat. Brigade; 1938 KP Spaniens; Febr. 1939 – April 1941 in Frankreich interniert; im April 1941 vom SD in Paris verhaftet, Überführung nach Düsseldorf, Okt. 1941 Verurteilung durch den II. Strafsenat des OLG Hamm (Westfalen) wegen »Vorbereitung zum Hochverrat« zu 15 Monaten Gefängnis, anschl. Haft im KZ Buchenwald. 1945 Eintritt in die DVP, Ltr. u. Dir. der Kreispolizei in Gera; 1946 SED; später Ltr. des VP-Kreisamtes Schleiz, 1952 Versetzung nach Berlin; Wechsel zum MfNV nach Strausberg, 1958 – 60 Ltr. der Verw. Aufklärung des MfNV.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Küsel, Erich

* 22.4.1903 – ✝ 11.11.1942

Geboren am 22. April 1903 in Berlin als drittes Kind einer Arbeiterin; wurde Arbeiter. Seit 1926 Mitglied des RFB, 1928 der KPD, dann ab Herbst 1931 Zeitungsfahrer in Berlin. Mitarbeiter des AM-Apparates (Waffenressort). Ab 1933 illegaler Kurier der KPD, 1933 kurzzeitig festgenommen, ihm gelang die Flucht in die Sowjetunion, dort 1933/34 Kursant an der M-Schule der Komintern, unter dem Schuldecknamen Paul. Anschließend Rückkehr nach Deutschland, leistete illegal Widerstandsarbeit u. a. zusammen mit seinem Bruder Franz Küsel (* 11. 9. 1900 – † 7. 10. 1969). Im Mai 1935 wurde er in Berlin festgenommen und am 18. August 1937 im Prozeß zusammen mit Rudolf Thunig und Heinrich Lohlker vom VGH zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe verurteilt. Erich Küsel kam am 11. November 1942 im Zuchthaus Brandenburg ums Leben.

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Kwaschik, Johannes

* 30.9.1948

Geb. in Wittenberg; Vater Pfarrer; Mutter Katechetin; 1955 – 59 Grundschule in Dautschen (b. Torgau); 1959 – 63 POS in Großtreben, 1963 – 67 EOS Torgau, Abitur; 1967 – 69 Studium der Chemie an der KMU Leipzig; 1969 – 75 Theologiestudium am Katechet. Oberseminar in Naumburg, 1975 – 78 dort wiss. Mitarb.; 1978 – 85 Gemeindepfarrer in Bad Schmiedeberg; 1985 – 90 Rektor des Katechet. Aus- u. Weiterbildungszentrums in Schwerin. 7.10.1989 Mitbegr. der SDP in Schwante; Gründungsinitiator des SPD-Orts- u. Kreisverb. in Schwerin; Mai 1990 – Sept. 2002 OB von Schwerin. 1990 – 2002 Vizepräs. des Dt. Städte- u. Gemeindebundes; offizieller Beobachter der neuen Bundesländer im Beirat der Kommunen u. Regionen der EG in Brüssel; 2002 Kreiswahlleiter; seit 2002 freiberufl. u. ehrenamtl., u. a. im Arbeiter-Samariterbund in Berlin, Aufsichtsratsvors. des Oberlinhauses in Potsdam; seit April 2008 Ltr. der Deutschlandrepräsentanz des Institute for European Affairs (INEA) in Berlin; lebt in Berlin. HME L

Wer war wer in DDR

Laartz, Gerhard (»Hugo«)

* 29.7.1940

Geb. in Berlin; Vater Handwerksmeister, Mutter Hausfrau; 1947 – 57 Oberschule; Lehre als Fernmeldemechaniker, 1960 – 65 Arbeit beim Fernmeldeamt Berlin, 1966 bei der Interflug in Berlin-Schönefeld; ab 1948 Klavierunterricht; 1955 Gründer des Trios »Music Stromers«, 1962 Auftritte im Berliner Friedrichstadtpalast; 1962 – 65 Ausbildung an der Musikschule Berlin-Friedrichshain, Zulassung als Berufsmusiker; 1968 Verbot der »Music Stromers«, danach für einen Monat Bassist in der »Michael-Fritzen-Combo«; Juli 1968 Gründung des »Modern-Soul-Septetts«, 1969 Umbau zur Modern-Soul-Band mit  Konrad Bauer (tb),  Hansi Biebl (git), Jürgen Fritsch (ts), Jochen Gleichmann (tp), Eugen Hahn (b), Klaus Nowodworski (voc), Karl-Jürgen Rath (dr), seitdem Keyboarder u. musikal. Ltr. der Band, die in den folgenden Jahren diverse Umbesetzungen erfuhr; zunächst Coverversionen internat. Soul-Interpreten, in den 1970er Jahren zunehmend eigene Prod. für Rundfunk u. Schallplatte; Fusionskonzerte mit der Band von  Klaus Lenz 1973 (Amiga-LP) u. 1975/ 76 (Live-Mitschnitt aus dem Palast der Republik auf CD »Klaus Lenz Modern Soul Big Band«, 2001); 1976 LP »Modern Soul Band«, 1979 LP »Meeting«; zahlr. Konzerte mit Gastmusikern, u. a.  Veronika Fischer,  Uschi Brüning,  Stefan Diestelmann,  Ernst-Ludwig Petrowsky; 1985 Pressepreis u. 2. Platz beim Schlagerfestival in Dresden; 1983 Jubiläumskonzert »15 Jahre Modern Soul« im Palast der Republik in Berlin; 1986 u. 1989 UdSSR-Tournee; 1987 LP »Berliner Song«; 1988 erste Gastspiele im Westen (Dänemark, Hamburg, West-Berlin); Kompositionen für die DEFA-Filme »Kennen Sie Urban?« u. »Ab heute erwachsen«. Nach 1990 Arbeit als Keyboardlehrer; seit 1991 wieder Konzerte mit Modern Soul; 1994 CD »Moods«; 2002 CD »Rolling Man« (Auswahl 1968 – 98); Sept. 2003 Jubiläumskonzert »35 Jahre Modern Soul« mit zahlr. Gastmusikern (auf DVD); 2004 CD »Soultime Live«; lebt seit 2001 vorwiegend in Spanien. »Modern Soul« gehört zu den »dienstältesten« der noch aktiven Vertreter der DDR-Rockmusikgeschichte u. war eine der führenden Formationen der 1970er Jahre. Neben den o. g. Musikern sangen hier u. a. auch  Regine Dobberschütz u.  Henry Kotowski. »Hugo« L. war maßgebl. an der Komposition der meisten Titel der Band beteiligt.Jan Wielgohs

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Ladebeck, Walter

* 2.10.1928 – ✝ 3.9.1998

Geb. in Schönebeck; Vater Arbeiter; Volks- u. Mittelschule; 1944 / 45 Luftwaffenhelfer; 1945 brit. Kriegsgef. 1946 Arbeiter; 1946 SED, FDJ; 1947 – 49 Lehre als Molkereikaufm.; 1949 Besuch der Landessportschule u. Mitarb. im Kreissportaussch. Schönebeck; 1951 / 52 Sekr. der FDJ-KL Schönebeck; Lehrgang an der FDJ-HS in Bogensee; 1952 1. Sekr. der FDJ-KL Schönebeck; 1952 1. Sekr. der GST-KL Schönebeck; 1953 Lehrgang an der SED-BPS Magdeburg; 1954 / 55 Sekr. für Agit. u. Prop. der SED-KL Schönebeck; 1955 – 61 Sekr. für Agit. u. Prop. der SED-Stadtltg. Magdeburg; 1961 / 62 Studium an der PHS der KPdSU in Moskau; 1963 / 64 Ltr. der Abt. Parteiorgane der SED-BL Magdeburg; 1964 – 70 2. Sekr. der SED-BL Magdeburg; 1971 wiss. Mitarb. beim GD des VEB Armaturenkombinat »Karl Marx« in Magdeburg; 1971 / 72 Studium an der HfÖ Berlin-Karlshorst, 1973 Dipl.-Wirtsch.; 1973 Ltr. des Büros des GD des VEB Armaturenkombinat; 1975 – 80 Kaderdir. in der Stahlgießerei Rothensee; 1980 invalidisiert.Mario Niemann

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Lamberz, Werner

* 14.4.1929 – ✝ 6.3.1978

Geb. in Mayen (Eifel); Vater Peter L., Maurer/ Angest.; Volksschule; 1939 – 43 Dt. Jugend; 1941 – 44 in der nationalpol. Erziehungsanstalt (Napola) »Adolf-Hitler-Schule« Sonthofen; 1943 – 45 Dt. Jungvolk, dann HJ; während eines Ferienaufenthalts 1944 vom KPD-Gen. seines Vaters in der Umgebung von Mayen versteckt, zeitw. Arbeit in einem Baubetrieb u. einer Gärtnerei. 1945 Ausb. zum Heizungsbauer in Mayen; nach der Übersiedl. zum Vater in die SBZ 1946 – 48 Ausbildung zum Heizungsbauer u. Monteur in Luckenwalde; 1946 FDGB; 1947 SED u. FDJ; April 1947 vom SED-Krs.-Vorst. kommissar. als Krs.-Vors. der FDJ in Luckenwalde eingesetzt, Mai 1948 u. April 1949 als solcher gewählt; ehrenamtl. Funktionär der IG Metall in Luckenwalde; 1948 Mitgl. DSF, DTSB u. KB; ab Juni 1949 im Parteiauftrag zum Landessportaussch. Brandenb.; 1949 – 52 Mitgl. der LL Brandenb. der SED u. FDJ; Jan. – Juli 1950 Studium an der SED-LPS in Schmerwitz; danach dort bis März 1951 Assistent u. zeitw. hauptamtl. Parteisekr.; zur Vorber. der III. Weltfestspiele seit Mai 1951 als Sekr. für Agit. u. Prop. des FDJ-Landesvorst. Brandenb. eingesetzt; Aug. 1952 – Aug.1953 Studium an der Komsomol-HS in Moskau; 1953 – 63 Mitgl. u. Sekr. des ZR der FDJ, zunächst für Agit. u. Prop., dann für kulturelle Arbeit, 1954 – 56 Mitgl. des Präsidialrats des KB u. des Präs. der Urania; 1955 – 59 Ständ. Vertreter des ZR der FDJ im EK des WBDJ in Budapest; nach der Rückkehr Sekr. des ZR der FDJ für Internat. Verbindungen, Westarbeit u. Studentenangelegenh.; 1961 – 63 Vizepräs. der Dt.-Afrikan. Ges.; Jan. 1963 Kand. des ZK der SED; 1.3.1963 – 66 hauptamtl. Mitgl. der Agit.-Kommission unter  Albert Norden, verantw. für Auslandsprop.; 1964 VVO; ab 1965 Mitgl. des Präs. des Friedensrats; seit 1967 Mitgl. u. Sekr. des ZK der SED, verantw. für Agit. u. Prop.; zugl. 1966 – 71 Ltr. der Abt. Agit. beim ZK der SED; seit 1967 Abg. der Volkskammer u. Mitgl. des Vorstands des VDJ; 1968 Banner der Arbeit; seit 1969 Mitgl. des Präs. des NR der NF; 1969 VVO; 1970 Kand., 1971 Mitgl. des PB des ZK der SED; im Auftrag von  Erich Honecker beteiligt an der Abstimmung mit der KPdSU-Führung beim Sturz von Walter Ulbricht; L. galt als Nachf. von Erich Honecker u. Verfechter einer »liberaleren« Pol.; tödl. verunglückt bei einem Hubschrauberabsturz bei Tripolis (Libyen), wo er zuvor mit Muammar al-Gaddafi zusammengetroffen war, mit ihm starben  Paul Markowski, Dolmetscher Armin Ernst u. Reporter Hans-Joachim Spremberg.Ideolog. Arbeit – Herzstück der Parteiarbeit. Ausgewählte Reden u. Aufsätze. Berlin 1979. Eik, J.: Tod eines Kronprinzen. W. L. und der Hubschrauberabsturz in Libyen. In: ders.: Besondere Vorkommnisse. Pol. Affären und Attentate. Berlin 1995; Döring, H.-J.: Es geht um unsere Existenz. Berlin 1999.Monika Kaiser / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Landgraf, Günther

* 14.9.1928 – ✝ 12.1.2006

Geb. in Kriegern (Krs. Podersam, ČSR / Kryry, Tschechien); 1947 – 52 Physikstudium an der TH Dresden; anschl. dort wiss. Assistent u. Oberassistent am Inst. für Techn. Mechanik; 1961 Prom. mit einer Arbeit zur Theorie der biegesteifen Kreiszylinderschale unter Berücksichtigung der Querkraftschubverzerrungen; anschl. Tätigkeit im VEB Germania Chemieanlagen- u. Apparatebau Karl-Marx-Stadt; 1969 Habil. zum Thema »Berechnung beliebig belasteter Rotationsschalen mit u. ohne Berücksichtigung der Querschubverzerrungen«; 1970 ord. Prof. für Techn. Mechanik (Plastizitätstheorie) an der TU Dresden; 1978 NP; 1990 – 94 Rektor der TU Dresden (Nachf. von  Hans-Jürgen Jacobs). Arbeitsgebiet: Programmsysteme zur Auslegung von Rotationsschalen (ROSCHA-System) u. deren Industrieanwendungen.Andreas Kahlow

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Lang, Alexander

* 24.9.1941

Geb. in Erfurt; Vater Architekt; OS in Erfurt; 1961/62 Ausbildung als Plakat- u. Schriftmaler; 1962 – 64 Bühnenarb. am Theater Erfurt; 1964 – 66 Ausbildung an der Staatl. Schauspielschule Berlin; 1966/67 Engagement am Maxim-Gorki-Theater Berlin (1966 »Don Juan oder Die Liebe zur Geometrie« von Max Frisch, TR, R: Wolfram Krempel); 1967 – 69 am Berliner Ensemble (BE), u. a. 1966 in »Purpurstaub«, (Rolle: O’Killing, R: Hans-Georg Simmgen); 1969 – 87 am Dt. Theater (DT) als Schauspieler, ab 1978 als Regisseur; Rollen am DT u. a. Ferdinand (»Kabale u. Liebe«, 1972), Caliban (»Der Sturm«, 1974, R:  Friedo Solter), 1975 TR »Prinz von Homburg»; »Der zerbrochene Krug« (Rolle: Ruprecht, R:  Adolf Dresen); Übergang zur Regie: »Philoktet« von  Heiner Müller, zus. mit  Christian Grashof u. Roman Kaminski; 1977 u. a. Inszenierungen am DT: »Pauline« von Georg Hirschfeld (1976), »Miß Sara Sampson« (1978), »Ein Sommernachtstraum« (1980), »Dantons Tod« (1981), »Die Rundköpfe u. die Spitzköpfe« (1983), »Die wahre Geschichte des Ah Q« (1983), »Herzog Theodor von Gothland«/»Iphigenie auf Tauris« (1984), »Winterschlacht« (mit Vorspiel »Wolokolamsker Chaussee I«, 1985), »Medea«/ »Stella«/»Totentanz« (1986, Trilogie der Leidenschaft); 1985 – 87 Gastinszenierungen an den Münchener Kammerspielen, u. a. »Don Carlos«, »Phädra« (1987), »Penthesilea« (1987); 1985 NP; 1986 Mitgl. der AdK; 1987 – 89 Schauspieldir. am Thalia-Theater in Hamburg. 1990 – 93 Direktionsmitgl. des Schiller-Theaters Berlin; seit 1992 Mitgl der AdK Berlin-Brandenb.; seit 1992 auch am DT tätig. Regiearbeiten: »Die Räuber« (1990), »Nacht«/ »Nördliche Stadt« v. Reiner Groß (UA 1991); »Die Dreigroschenoper (1995), »Torquato Tasso« (1996), »König Ödipus« (1996), »Othello. Der Mohr von Venedig« (1998); an der Comédie Française Paris 1994 »Der Prinz von Homburg«; »Nathan der Weise«, »Faust I« (1999); am Münchner Residenztheater 1998 »Wegen Reichtum geschlossen«, am Schauspiel Leipzig 2000 »Die Nibelungen«, am Dt. Nationaltheater Weimer 2001 »Hamlet«, am Berliner Maxim-Gorki-Theater 2003 »Nachtasyl« u. 2006 »Der zerbrochene Krug«. Filmrollen: u. a. in »Leichensache Zernik« (1972, R:  Gerhard Klein), »Solo Sunny« (1980, R:  Konrad Wolf); DFF »Der Ltn. York von Wartenberg« (1982, R: Peter Vogel).Linzer, M. (Hrsg.): A. L. Abenteuer Theater. reihe dialog. Berlin 1987.Aune Renk

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Lange, Paul

* 5.1.1880 – ✝ 14.6.1951

Geboren am 5. Januar 1880 in Leipzig-Plagwitz, Sohn eines Buchbinders; Lehre und Arbeit als Rechtsanwaltsschreiber und Handlungsgehilfe. 1898 trat Paul Lange der SPD bei. Von 1903 bis 1906 war er Berichterstatter bzw. Lokalredakteur der »Leipziger Volkszeitung«. Ab 1906 arbeitete er als Redakteur der Gewerkschaftszeitung des Handlungsgehilfenverbandes zunächst in Hamburg und ab 1912 in Berlin. Während des Weltkrieges war Lange Anhänger der Spartakusgruppe und Mitarbeiter der »Neuen Zeit«. 1918 wurde er Mitglied der Spartakuszentrale. Auf dem Gründungsparteitag referierte Paul Lange über wirtschaftliche Kämpfe und wurde in die erste KPD-Zentrale gewählt. Vom II. bis zum V. Parteitag 1919/20 gehörte Lange der Zentrale dann als Ersatzmann an, von Ende 1918 bis 1920 war er auch Mitarbeiter der »Roten Fahne«. Im Juni 1920 noch KPD-Kandidat bei den Reichstagswahlen, opponierte er gegen die Gewerkschaftspolitik der Partei und verließ im November 1920 die KPD. Er trat zunächst der USPD bei und ging mit der Mehrheit 1922 wieder zur SPD. Ab 1927 war Paul Lange ehrenamtlicher Vorsitzender des Verbandes ostdeutscher Konsumvereine und von 1930 bis 1933 Geschäftsführer der Konsumgenossenschaft Berlin sowie SPD-Funktionär. 1933 zog Lange nach Leipzig und lebte dort bis 1945 als Sozialrentner. Im Juni 1945 trat er der KPD bei und arbeitete in der Kreisredaktion Leipzig der »Sächsischen Volkszeitung«, ab Herbst 1945 in der »Leipziger Volkszeitung«. Er blieb bis zu seinem Tod Redakteur, war zuletzt stellvertretender Chefredakteur der »Leipziger Volkszeitung«. Paul Lange starb am 14. Juni 1951 in Leipzig.

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Lange, Fritz

* 23.11.1898 – ✝ 16.9.1981

Geb. in Berlin; Vater Kfm.; 1904 – 12 Siemens-Oberrealschule in Berlin-Charlottenburg; 1912 – 17 Präparandenanstalt u. Lehrerseminar in Neuruppin; 1917/18 Kriegsdienst; 1919 staatl. Sonderlehrgang für Kriegsseminaristen an der Berliner Univ., Lehrerprüfung; 1919 – 24 Volksschullehrer in Berlin-Neukölln; 1919 USPD; 1920 KPD; 1921 – 24 Mitgl. der Reichsltg. der Kommunist. Kindergr.; 1922 – 24 kultureller Mitarb. in der Berliner Gesandtschaft der Sowjet-Ukraine; 1924 Sekr. der Kinderhilfe der IAH; 1924 aus dem Schuldienst entlassen; 1925 Red. beim Pressedienst des ZK der KPD; 1925 – 28 ltd. Funktionär im RFB; 1925 – 33 Bez.-Verordn. in Berlin-Neukölln u. Stadtverordn. in Berlin; Vors. der KPD-Fraktion der Bez.-Verordn.-Vers.; Mitgl., auch Vors. versch. Deputationen, Ausschüsse, Aufsichts- u. Verw.-Räte beider Verordnetenvers.; 1927 – 33 Red. in der Abt. Agit. u. Prop. des ZK der KPD; 1930 – 32 ltd. Funktionär in der Reichsltg. des Kampfbunds gegen den Fasch.; 1933 KZ Sonnenburg; anschl. bis 1942 Arbeiter bzw. kfm. Angest.; 1935 – 42 illeg. Widerstand, u. a. in der Gruppe Bernhard Bästlein u. Wilhelm Guddorf, u. a. Mithrsg. der illeg. Ztg. »Die innere Front«; 1942 verhaftet, 1943 vom VGH zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt, bis 1945 inhaftiert, u. a. in Brandenb.-Görden. 1945 – 48 OB von Brandenb. (Havel); 1948/49 Ltr. der HA-Abt. der Zentr. Kontrollkommission bei der DWK, 1949 – 54 der ZKSK; 1950 – 58 Abg. der Volkskammer u. Kand. des ZK der SED; 1954 – 58 Min. für Volksbildung (Nachf. von  Else Zaisser); 1958 abgelöst nach Kritik auf dem V. Parteitag der SED; 1960/61 Mitarb. im Dt. Inst. für Militärgeschichte in Potsdam; 1955 VVO; ab 1961 Rentner; gest. in Berlin.Die Sowjetunion – unser bester Freund u. Helfer. Berlin 1952. Weber, H., Herbst, A.: Dt. Kommunisten. Berlin 2004.Helmut Müller-Enbergs

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Kuraner, Maxim (Max)

* 16.12.1901 – ✝ 26.3.1978

(* 1901 – † 1978) Geboren am 16. Dezember 1901 in Metz. Der Sohn eines Metzgermeisters wurde nach einer kaufmännischen Lehre Verlagsangestellter. 1919 Mitglied der kommunistischen Jugend, 1921 der KPD, vor allem im Bezirk Pfalz aktiv. 1933 Flucht nach Paris und dort in der Auslandsleitung der KPD tätig. Von 1936 bis 1939 war er im Spanischen Bürgerkrieg Funktionär bei den Internationalen Brigaden, dann wieder in Paris. Hier hat er nach dem Stalin-Hitler-Pakt 1939 seinen Austritt aus der KPD erklärt. Nach Kriegsausbruch in verschiedenen Lagern in Frankreich interniert, kämpfte Kuraner seit seiner Flucht 1943 in der französischen Résistance. Im Februar 1946 Heimkehr in die Pfalz, Lizenzträger und politischer Redakteur der »Rheinpfalz«. Von 1948 bis 1954 stellvertretender Landeskommissar für Politische Säuberung, ab 1947 auch Stadtrat und von 1950 bis 1959 Abgeordneter der SPD im Landtag von Rheinland-Pfalz. Max Kuraner starb am 26. März 1978 in Neustadt/Weinstraße.

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Kurke, Herbert

* 16.8.1939

Geb. in Döllnitz (Krs. Saale); nach dem Abitur 1959/60 Studium der Physik an der TU Dresden u. der HU Berlin; 1960 – 64 Studium der Mathematik an der HU Berlin, hier 1964 Dipl. (zur Theorie der lokalen Ringe); 1964 – 66 Aspirant am Inst. für Reine Mathematik der AdW; 1966 – 72 wiss. Mitarb. u. stellv. Arbeitsgr.-Ltr. am ZI für Mathematik u. Mechanik der AdW; 1967 Prom. (zur Theorie der topolog. Moduln) an der HU Berlin bei  Heinrich Grell u.  Lothar Budach; 1970 Habil. (zur Theorie der Henselschen Ringe) an der HU Berlin; 1972 Berufung zum ord. Prof. für theoret. Mathematik an der Sekt. Mathematik der HU Berlin (Wiederberufung 1991); 1981 Vors. des Beirats der Hauptforschungsrichtung »Algebra u. Geometrie«; 1983 Korr. Mitgl. der AdW der DDR. Hauptarbeitsgebiete: algebraische Geometrie, Differentialgeometrie, globale Analysis u. algebraische Topologie; H. K. galt als internat. anerkannter führender algebraischer Geometer der DDR.Henselsche Ringe u. algebraische Geometrie. Berlin 1975 (mit Gerhard Pfister u. Marko Roczen); Recent trends in mathematics. Leipzig 1982 (hrsg. mit Gerhard Pfister u. Marko Roczen).Annette Vogt

Wer war wer in DDR

Kurth, Friedrich

* 4.5.1911 – ✝ 15.5.1988

Geb. in Tanndorf (Krs. Grimma); Vater Bauunternehmer; Volks- u. OS, Abitur, 1931 – 35 Studium des Bauingenieurwesens an der TH Dresden, Dipl.-Ing., anschl. Mitarb. im techn. Büro für Statik u. Stahlbau von Prof. Karl Beger; 1937 NSDAP; 1938 Prom. zum Dr.-Ing.; bis 1955 Doz. an der Ing.-Schule für Fördertechnik in Roßwein, Ltr. der Fachrichtung Stahlbau. 1955 Prof. mit Lehrauftrag an der HS für Schwermaschinenbau Magdeburg, 1957 Ltr. des Inst. für Statik u. Stahlbau, 1959 Prof. mit vollem Lehrauftrag u. Dir. des Inst. für Statik u. Stahlbeton, Ltr. der Fachrichtung Fördertechnik, 1960 – 62 Prorektor, 1961 Prof. mit Lehrstuhl, 1962 – 66 Rektor der TH »Otto von Guericke« Magdeburg (Nachf. von  Ernst-Joachim Gießmann), später erneut Prorektor; 1968 Mitgl. des Präsidialrates des KB.Andreas Herbst

dissidenten.eu

Kusý, Miroslav

* 1931

Philosoph und Politikwissenschaftler. Reformanhänger während des *Prager Frühlings, Unterzeichner der *Charta 77 und Bürgerrechtler in der *Bewegung für Bürgerfreiheit. Nach 1990 Rektor der Comenius-Universität Bratislava. Miroslav Kusý wurde 1931 in Bratislava (Pressburg) geboren. 1954 beendete er sein Philosophiestudium an der Karls-Universität in Prag und arbeitete bis 1956 als wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für dialektischen Materialismus an der Prager Hochschule für Politische Wissenschaft und Wirtschaft. In dieser Zeit befasste er sich auch verstärkt mit erkenntnistheoretischen Fragen. 1952 trat Kusý der Kommunistischen Partei bei. 1957 übernahm er die Stelle eines wissenschaftlichen Dozenten am Lehrstuhl für Philosophie und Logik. Später übte er die gleiche Funktion am Lehrstuhl für dialektischen und historischen Materialismus an der Comenius-Universität Bratislava aus. Er arbeitete weiterhin zu Fragen der Erkenntnistheorie und der kritischen Philosophie und publizierte hauptsächlich in den Zeitschriften *„Kultúrny život“ (Kulturelles Leben) und „Nové slovo“ (Neues Wort). 1961 veröffentlichte er das Buch „Einführung in die Philosophie“ (Úvod do filozofie) und ein Jahr später seine Arbeit zur Erkenntnistheorie. Nach und nach schloss er sich der Strömung der revisionistischen Philosophie an, zu der in der Tschechoslowakei unter anderem Karel Kosík, Milan Průcha und Ivan Sviták gehörten und in Polen Adam Schaff sowie Leszek Kołakowski. 1966 wurde Kusý zum Professor berufen. Im gleichen Jahr gab er seine Arbeit „Politische Philosophie“ (Filozofia politiky) heraus, die kritische Töne zur damaligen politischen Lage in der Tschechoslowakei anschlug. In den 70er Jahren wurde seine wissenschaftliche Arbeit zwar toleriert, rief aber bei der Parteispitze Missfallen hervor. Die staatlichen Zensurbehörden griffen häufig in seine Texte ein. 1968 knüpfte er Verbindungen zu jugoslawischen marxistischen Philosophen mit einer revisionistischen Einstellung. Diese Wissenschaftler gruppierten sich rund um die Zeitschrift „Praxis“, die bis zu ihrer Einstellung 1975 durch die Belgrader Regierung herausgegeben wurde. Als nächstes erschien ein Text von ihm in der im jugoslawischen Ljubljana herausgegebenen Zeitschrift „Teoria in Praxa“ (Theorie und Praxis), in dem er die Reformen des *Prager Frühlings analysierte. Die slowakische Ausgabe wurde eingestampft. Während der Versuche, das politische System in der Tschechoslowakei in den 60er Jahren zu reformieren, betonte Kusý die Notwendigkeit, die Gesellschaft zu demokratisieren. Dadurch geriet er in Konflikt mit Vertretern des sogenannten nationalslowakischen Flügels, die vor allem eine weitere Föderalisierung des Gesamtstaates einforderten. Im September 1968 wurde er Leiter der ideologischen Abteilung der Kommunistischen Partei der Slowakei, im darauf folgenden Frühjahr jedoch bereits wieder aus diesem Amt entfernt und aus der Partei ausgeschlossen, da er die Rücknahme der Reformen nach dem *Einmarsch von Truppen des Warschauer Paktes in die Tschechoslowakei zur Niederschlagung des Prager Frühlings öffentlich kritisiert hatte. Kusý musste danach ebenfalls seine Universitätsprofessur aufgeben. In den 70er Jahren änderte er häufig seinen Arbeitsplatz. Als er 1977 die *Charta 77 unterschrieb, wurde er aus der Universitätsbibliothek entlassen, in der er zu diesem Zeitpunkt angestellt war und ging anschließend verschiedenen einfacheren Arbeiten nach. Kusý war zu dieser Zeit der einzige slowakische Unterzeichner der *Charta 77, der auch in der Slowakei wohnte, alle anderen – Dominik Tatarka und Ján Mlynárik – lebten in Prag. Von 1980 bis November 1989 war er im Pressburger Institut für Architektur und Urbanistik URBION angestellt und zuständig für die Dokumentation. Kusý gehörte zu den Vertretern der sogenannten „Opposition der Reflexion“, die sich vor allem auf den intellektuellen Widerstand konzentrierte. Er arbeitete für slowakische Exilzeitschriften und den tschechischen Samisdat, wie etwa *„Listy“ (Blätter), „Obsah“ (Inhalt), „Doba“ (Epoche), „Dialogy“(Dialoge), „Československý fejeton/fejtón“ (Tschechoslowakisches Feuilleton) und *„Lidové noviny“ (Volkszeitung), sowie in der Slowakei für *„Bratislavské listy“ (Pressburger Blätter) und „Fragment K“ (*„Fragment“). 1978 engagierte er sich beim Aufbau der Fliegenden Universität in Bratislava. Nach nur kurzer Zeit wurden seine Bemühungen durch die Staatssicherheit unterbunden. Mehrere Male wurde er für die Verbreitung von ausländischer Literatur oder Samisdatpublikationen festgenommen. Im Zusammenhang mit dem *Vorfall mit einem französischen Lastwagen wurde gegen ihn wegen des angeblichen „Versuchs, die Republik zu stürzen“ ein Strafverfahren eröffnet. Im Mai 1981 verbrachte er zwei Wochen in Untersuchungshaft. 1984 veröffentlichte Kusý in der in Toronto ansässigen slowakischen Exilzeitschrift „Naše snahy“ (Unsere Mühen) zusammen mit Milan Šimečka den Band „Die Europäische Erfahrung mit dem Realsozialismus“ (Európska skúsenosť s reálnym socializmom). In dieser Essaysammlung zur Analyse des Realsozialismus wiesen die Autoren die These zurück, dass das sowjetische System noch sozialistisch sei, da die Entwicklungsmöglichkeiten für den Sozialismus sowjetischen Typs vollkommen erschöpft seien. Wohl aber sei die Idee des Sozialismus durch die stalinistische und realsozialistische Praxis diskreditiert worden. Seit den 70er Jahren hatte sich Kusý immer mehr von den Reformkommunisten gelöst. Seine Essays widmeten sich in den 80er Jahren vorwiegend der detaillierten Analyse des politischen Systems, der Ideologie und Praxis des Realsozialismus, den er als totalitär und etatistisch beschrieb. Er wies auf die Diskrepanz zwischen den ursprünglichen Zielen der kommunistischen beziehungsweise sozialistischen Bewegung und der Praxis des damaligen Realsozialismus hin. In der Slowakei lösten seine historischen Essays eine heftige Kontroverse aus, die das Verhältnis der slowakischen Gesellschaft und ihrer politischen Elite zu den nationalen Traditionen thematisierte. Kusý befasste sich aber auch mit ökologischen Problemen. 1984 publizierte er in der im Selbstverlag erscheinenden Prager Zeitschrift „Obsah“ (Inhalt) den Artikel „Der Marxismus und die ökologische Krise“ (Marxizmus a ekologická kríza), welcher auch einen gewissen Einfluss auf die Autoren von *„Bratislava/nahlas“ (Bratislava/laut) hatte. 1988 begann Kusý eine dauerhafte Zusammenarbeit mit dem tschechoslowakischen Programm von *Radio Freies Europa. In seinen Texten, die später in dem Band „Auf den Wellen des Freien Europas“ (Na vlnách Slobodnej Európy) herausgegeben wurden, kommentierte er kritisch die politische Situation in der Tschechoslowakei. So demaskierte er beispielsweise den vermeintlichen Neuanfang, der von der kommunistischen Führung verkündet wurde, als rein deklamatorisches Projekt. 1989 unterschrieb er das Manifest „Demokratie für alle“ (Demokracie pro všechny) und das Programm der *Bewegung für Bürgerfreiheit (Hnutí za občanskou svobodu; HOS). Zusammen mit Ján Čarnogurský, Hana Ponicka, Anton Selecki und Vladimír Maňák schrieb Kusý 1989 einen Brief an die Regierung der Slowakischen Sozialistischen Republik, in dem sie ankündigten, dass sie Blumen an dem Ort niederlegen, an dem die Studentin Danka Košanová am 21. August 1968 in Bratislava während des *Einmarsches von Truppen des Warschauer Paktes in die Tschechoslowakei zur Niederschlagung des *Prager Frühlings von sowjetischen Soldaten getötet worden war. Alle Unterzeichner dieses Briefes, die sogenannten „Pressburger Fünf“, wurden daraufhin verhört. Kusý wurde zusammen mit Čarnogurský verhaftet und verurteilt. Nach zwölf Wochen wurde er aus der Haft entlassen. Am 14. November 1989 wurde er dann zu neun Monaten auf Bewährung verurteilt.Während der *Samtenen Revolution war Kusý von Dezember 1989 bis Februar 1990 Presse- und Informationsminister in der Regierung der Nationalen Verständigung von Marián Čalfa. 1990 kam er als Abgeordneter ins Parlament und war 1990–92 Präsidiumsmitglied des Slowakischen Nationalrats. In den Jahren 1991 und 1992 arbeitete er zudem als Leiter der Pressburger Präsidialkanzlei von Präsident Václav Havel. Nach den ersten freien Wahlen wurde ihm zudem 1989 das Rektorenamt der Comenius-Universität Bratislava angetragen, das er bis 1991 ausübte. 1990 gründete er dort den Lehrstuhl für Politikwissenschaft, den er sechs Jahre lang inne hatte und leitete das UNESCO-Zentrum für Menschenrechtsfragen seiner Universität. Seine Forschungsschwerpunkte waren Menschenrechtsfragen und Minderheitenrechte. Kusý publizierte 1990 das Buch „Unangenehme Dokumente“ (Závadné písomnosti), in dem er die politische Situation der sogenannten *„Normalisierung“ und die Verfolgung der Opposition durch die Staatssicherheit beschreibt. 1991 erschienen seine Texte aus dem Samisdat im Band „Eseje“ (Essays). Sein 1998 erschienenes Buch „Was ist mit unseren Ungarn?“ (Čo s našimi Maďarmi?) thematisiert das schwierige slowakisch-ungarische Verhältnis. Heute ist Miroslav Kursý emeritiert und publiziert unter anderem für die Zeitung „SME“.Juraj Marušiak Aus dem Polnischen von Jonas Grygier Letzte Aktualisierung: 08/15

Handbuch Deutsche Kommunisten

L’ Hoste, Johann

* 14.3.1890 – ✝ 1.1.1956

Geboren am 14. März 1890 in Niederlinxweiler (heute St. Wendel)/Saar; von Beruf Eisenbahner, Funktionär der KPD und der RGO. Mitglied des Gemeinderates und des Kreistages St. Wendel, 1932 wurde L’ Hoste in den Landesrat Saar gewählt. Er wandte sich gegen den Anschluß des Saargebietes an Deutschland und emigrierte nach Frankreich, dort Gießereiarbeiter. Am 12. Oktober 1940 wurde er verhaftet, nach Deutschland ausgewiesen und am 11. November 1941 durch das OLG Hamm zu dreieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt. Bis 1944 im Zuchthaus Siegburg, anschließend im KZ Flossenbürg, gelang ihm beim Transport in das KZ Dachau die Flucht. Wegen Zugehörigkeit zur »Bewegung zum Anschluß der Saar an Frankreich« (MRS) wurde L’ Hoste später aus der KPD ausgeschlossen. Er starb am 1. Januar 1956. Sein Sohn Hubert L’ Hoste (* 10. 2. 1923) kam im Januar 1934 als Kind auf Einladung des (1940 vom NKWD in der UdSSR erschossenen) sowjetischen Schriftstellers Michail Kolzow (dessen »Spanisches Tagebuch« erst 1986 in der DDR und ohne jeden Hinweis auf das Schicksal des Autors erschien) nach Moskau. Kolzows Lebensgefährtin Maria Osten schrieb das Buch »Hubert im Wunderland«, das Hubert L’ Hostes Kindheit und Jugendzeit behandelte. 1941 wurde Hubert nach Kasachstan verbannt und noch 1942 ist Wolfgang Leonhard dem völlig ausgezehrten Hubert L’ Hoste im Karaganda-Gebiet begegnet. Nach 1945 konnte er in der UdSSR studieren und wurde Chefagronom in einem Weinbau-Sowchos auf der Krim. Hubert L’ Hoste starb am 5.August 1959.

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Labs, Helga

* 22.5.1940

Geb. in Wenigtreben (Krs. Bunzlau, Niederschl. / Trzebin Mały, Polen); Vater u. Mutter Bauern; 1947 – 55 Grundschule; 1955 FDJ; 1955 – 59 Studium am Inst. für Lehrerbildung in Rochlitz, Unterstufenlehrerin; ab 1956 Mitgl. der FDJ-KL Rochlitz; 1956 FDGB; 1959/60 dort FDJ-Sekr.; 1959 SED; 1960 – 63 Instrukteurin der Abt. Schulen; 1963 – 66 Sekr. für Schuljugend; 1966 – 69 Sekr. der BL der FDJ Karl-Marx-Stadt; 1961 Jugend-HS »Wilhelm Pieck«; 1966 – 69 Vors. der Pionierorg. Karl-Marx-Stadt; 1974 – 76 u. 1977 – 85 Vors. der Pionierorg. »Ernst Thälmann« (Nachf. von  Egon Krenz); 1969 – 74 1. Sekr. der FDJ-BL Karl-Marx-Stadt (Nachf. von Dieter Müller) u. Sekr. der SED-BL; 1970 PHS-Frauensonderlehrgang; 1969 Mitgl., 1974 – 76 u. 1977 – 85 Sekr. des ZR der FDJ; 1974 – 86 Mitgl. des NR der NF; 1976 – 86 Mitgl. der Jugendkommission beim PB des ZK der SED; 1976/77 PHS; 1976 – März 1990 Abg. der Volkskammer, 1976 – 86 Mitgl. des Aussch. für Nationale Verteidigung, 1986 – 3.12.1989 Vors. des Aussch. für Volksbildung; 1976 – 3.12.1989 Mitgl. des ZK der SED; 1985 VVO; 1985 – 29.11.1989 Mitgl. des Präs. des FDGB-Bundesvorst.; Vors. des ZV der Gewerkschaft Unterricht u. Erziehung (Nachf. von Paul Ruhig); Vizepräs. der FISE / Internat. Vereinigung der Lehrergewerkschaften; anschl. Hortnerin, ABM; Rentnerin; Okt. 2003 PDS-Kandidatin für die Gemeinde Leegebruch; lebt in Leegebruch (Landkrs. Oberhavel).Helmut Müller-Enbergs

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Lademann, Max

* 17.5.1896 – ✝ 21.3.1941

Geboren am 17. Mai 1896 in Leipzig, besuchte in Saalfeld die Mittelschule und in Remscheid die Realschule. Anschließend Schlosserlehre. Später absolvierte er in Hamburg eine technische Schule. Von 1916 bis 1918 Soldat im Dragoner-Regiment 13, aus dem er gegen Ende des Weltkrieges desertierte. Spätere Gerüchte, er habe als »Roter Reitergeneral« am russischen Bürgerkrieg teilgenommen, waren reine Erfindung. Lademann hatte sich früh der sozialistischen Jugendbewegung angeschlossen. Nach dem Krieg Mitglied der USPD, kam 1920 mit deren linkem Flügel zur KPD. Seit 1921 hauptamtlicher UB-Leiter in Sangerhausen. Von 1922 bis 1924 lebte er in Eisleben, zeitweise Vorsitzender des ADGB-Kreiskartells und Anfang 1924 dort Stadtverordneter. Im März 1924 wegen Teilnahme an den Vorbereitungen des Oktoberaufstandes 1923 zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Im Mai desselben Jahres im Wahlkreis Merseburg Reichstagsabgeordneter, kam daher wieder frei. Mitte 1924 (bis 1930) Orgleiter des KPD-Bezirks Halle-Merseburg. Im Dezember 1924 in den Preußischen Landtag gewählt, dem er ununterbrochen bis 1933 angehörte. Als die Versöhnler 1928 im Bezirk Halle-Merseburg dominierten, zählte Lademann noch zu ihnen, 1929 schwenkte er zum ZK über und behielt zunächst seine Funktion (im Gegensatz zum Polleiter Johannes Schröter). Von 1930 bis 1933 dann Orgleiter im Bezirk Niedersachsen. Am 19. April 1933 verhaftet, am 4. September 1933 vom Landgericht Hannover zu einem Jahr und drei Monaten Gefängnis verurteilt, anschließend am 19. Dezember 1934 zu drei Jahren Zuchthaus. Danach in das KZ Sachsenhausen eingeliefert. Er meldete sich zu einem der »Himmelfahrtskommandos«, zum Blindgänger entschärfen, weil den Häftlingen dafür geringe Erleichterungen versprochen wurden. Beim Entschärfen einer Bombe kam Max Lademann am 21. März 1941 ums Leben. Kurz vorher hatte er in einem aus dem Lager geschmuggelten Brief noch an seine Schwestern geschrieben: »Was hinter mir liegt ist Grauen und Elend. Ich will Euch damit nicht belasten, es würde alle Eure Vorstellung übersteigen.«

Wer war wer in DDR

Lambrecht, Hermann

* 27.9.1908 – ✝ 4.6.1983

Geb. in Weimar in einer Künstlerfamilie; Studium der Astronomie, Physik u. Mathematik in Berlin u. Jena; hier 1935 Prom. mit einer Diss. über die Struktur der Spiralnebel; 1940 Habil.; 1935 Mitarb. an der Sternwarte Breslau. 1945 kommissar. Ltr. u. 1948 Dir. der Univ.-Sternwarte Jena, Organisator ihres Wiederaufbaus; 1948 a. o. Prof., 1953 Lehrstuhlinhaber für Astronomie an der FSU Jena; Dekan der Mathemat.-Naturwiss. Fak.; 1962/63 Ausbau der Univ.-Sternwarte mit mod. Instrumenten für Forschung u. Lehre (Beobachtungsstation Großschwabhausen bei Jena mit 90-cm-Spiegelteleskop); 1968 – 82 Hrsg. bzw. Chefred. der Ztschr. »Die Sterne«; Mitgl. der Internat. Astronom. Union; 1962 – 66 stellv. Vors. der Astronom. Ges.; Vors. des Nat.-Komitees für Astronomie u. Mitgl. des Präs. der Urania; ihm zu Ehren wurde der Planetoid Nr. 2861 benannt. Arbeiten zur Radioastronomie, interstellaren Materie (Physik u. chem. Zusammensetzung des interstellaren Gases, Häufigkeit des molekularen Wasserstoffs, Verhältnis Gas zu Staub in der interstellaren Materie, Massenakkretion) u. zur Kosmogonie; zahlr. wiss. u. populärwiss. Publ.Schmidt, K.-H.: H. L. Die Sterne (1983) 59; Mitteilungen der Astronom. Ges. (1983) 60.Jürgen Hamel

Wer war wer in DDR

Landsberg, Rolf

* 28.2.1920 – ✝ 27.12.2003

Geb. in Berlin in einer dt.-jüd. Fam.; Vater Architekt; 1927 – 34 Volksschule u. Kleistgymnasium Berlin; 1934 Emigr. der Fam. nach Großbritannien; 1934 – 37 Besuch der Christopher School Letchworth, anschl. Studium der Chemie in London, 1940 Bachelor of Science; 1940 – 42 Internierung als »feindl. Ausländer« in Kanada, dort Anschluß an die KPD; Mitbegr. der FDJ in England; 1944 – 47 Angeh. der brit. Armee, u. a. als Dolmetscher in Dtl. 1947 Rückkehr nach Dtl.; SED; 1947 – 49 Aspirant u. Ass. am Inst. für Physikal. Chemie der HU Berlin, dort 1950 Prom. bei Karl Friedrich Bonhoeffer über »Potenziale bei der Bildung von Niederschlagsmembranen«; 1952 – 55 Doz. für physikal. Chemie an der EMAU Greifswald; 1955 – 59 Doz. für physikal. Chemie an der TH für Chemie in Leuna-Merseburg (THC), dort 1958 Habil. u. 1959 Berufung zum Prof., 1961 – 64 Rektor der THC (Nachf. von  Heinz Schmellenmeier); 1962 – 64 Kandidat der SED-BL Halle; 1964 Berufung auf den Lehrstuhl für physikal. Chemie u. Dir. des Physikal.-Chem. Inst. der HU Berlin (Nachf. des aus polit. Gründen entlassenen  Robert Havemann); 1985 em.; VVO. 1990 SED / PDS; Mitgl. des DRAFD e. V.; Mitgl. der Leibniz-Sozietät Berlin; gest. in Berlin. Forschungsgebiet: physikal. Chemie, insb. das Studium von Oberflächenphänomenen.Zur Kinetik der Bedeckungsvorgänge an Nickel- u. Zinkanoden. Leuna-Merseburg 1958; Elektrochem. Reaktionen u. Prozesse. Berlin 1977. Gotschlich, H.: Das neue Leben muß anders werden. Studien zur Gründung der FDJ. Berlin 1996; Müller, S., Florath, B.: Die Entlassung Robert Havemanns u. die AdW. Berlin 1996.Dieter Hoffmann / Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Lang, Lothar

* 20.3.1928 – ✝ 20.7.2013

Geb. in Werdau (Sachsen); nach 1945 kurze Zeit Lehrer; Studium der Kunstgeschichte, Geschichte u. Pädagogik; Doz. an der PH Potsdam u. am Inst. für Lehrerweiterbildung Berlin; seit 1957 Kunstkritiken für die Ztschr. »Weltbühne«; 1962 – 73 Ltr. des Kunstkabinetts am Inst. für Lehrerweiterbildung Berlin-Weißensee, dann Berlin-Pankow; hier erhielten viele junge Künstler ihre erste Ausstellungsmöglichkeit; ab 1964 Hrsg. der »Marginalien«, Ztschr. für Buchkunst u. Bibliophilie; 1965 – 73 Hrsg. von 20 Drucken der Kabinettspresse; ab Ende der 60er Jahre freischaff.; nach 1970 – 90 Dir. des Museums Schloß Burgk; dort Aufbau des Exlibriszentrums der DDR; verantw. für den Beitrag der DDR auf der documenta 6, Kassel 1977; seit 1978 gem. mit  Hans Marquardt Hrsg. der Grafik-Edition im Reclam-Verlag Leipzig; Vorstandsmitgl. der Pirckheimer-Ges.; Sammler; gest. in Grünheide bei Berlin.Das Bauhaus. Berlin 1965; 1962 – 67 5 Jahre – 50 Ausstellungen Almanach Kunstkabinett am Inst. für Lehrerweiterbildung Berlin-Pankow; 1967; Begegnungen im Atelier. Berlin 1975; Malerei u. Grafik in der DDR. Leipzig 1978; Der Grafiksammler. Berlin 1979; Künstler in Berlin. 1979; Berliner Montmartre – Künstler vom Prenzlauer Berg. Berlin 1991; Von Hegenbarth zu Altenbourg. Buchillustration u. Künstlerbuch in der DDR. Stuttgart 2000; Briefwechsel 1965 – 1986. Leipzig 2008 (mit G. Altenbourg); Ein Leben für die Kunst. Erinnerungen. Leipzig 2009. Glückwünsche für L. L. (Texte von H. Metzkes, H. Vent, J. Schieferdecker, D. Goltzsche, H. Pätzke). In: Marginalien (1988) 1; Lang, E.: Veröff. von L. L. Bibl. In.: Marginalien (1988) 1.Anke Scharnhorst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Lange, Richard

* 13.5.1887 – ✝ 1.1.1963

Geboren am 13. Mai 1887 in Geithain bei Leipzig, Sohn eines Zimmermanns; Metallarbeiter, bis 1912 auf Wanderschaft. 1908 Mitglied der SPD. Bis zum Ausbruch des Weltkrieges aktiver Gewerkschafts- und Parteifunktionär in Leipzig. 1915 Soldat, als Facharbeiter mit Spezialkenntnissen wurde er Ende 1916 reklamiert. Er ging 1917 zur USPD und wurde als Mitorganisator des Leipziger Munitionsarbeiterstreiks im Juli 1918 erneut an die Front geschickt. Lange kehrte im März 1920 aus französischer Kriegsgefangenschaft nach Leipzig zurück, wo er der KPD beitrat. Er arbeitete in einer Leipziger Metallfirma und wurde Betriebsratsvorsitzender. 1928 Mitglied der BL Westsachsen, von 1926 bis 1928 Stadtverordneter in Leipzig, 1929 wurde Lange in den Sächsischen Landtag gewählt, dem er bis 1930 angehörte. Nach 1933 illegal für die KPD aktiv, er wurde dienstverpflichtet und stand unter Polizeiaufsicht. 1945 wieder KPD-Mitglied, war er bis 1950 Mitarbeiter der Abteilung Arbeit des Rates der Stadt Leipzig. Er erhielt den VVO in Silber. Richard Lange starb am 1. Januar 1963 in Leipzig.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Lange, Fritz

* 23.11.1898 – ✝ 16.9.1981

Geboren am 23. November 1898 in Berlin, Sohn eines Kaufmanns; besuchte bis 1917 die Präparandenanstalt und das Lehrerseminar in Neuruppin, 1917/18 Soldat im Weltkrieg. Von 1919 bis 1924 Volksschullehrer in Berlin-Neukölln. Seit 1919 Mitglied der USPD, 1920 der KPD, wurde im März 1924 aus dem Schuldienst entlassen. Ab 1921 gehörte Lange der Reichsleitung der Kommunistischen Kindergruppen an und arbeitete von 1922 bis 1924 in der Berliner Gesandtschaft der Sowjetukraine. 1924 Sekretär der IAH, ab 1925 Redakteur beim KPD-Pressedienst, von 1927 bis 1933 Sekretär und Redakteur in der Agitpropabteilung des ZK, verantwortlich für die Illustrationen im gesamten Pressewesen der KPD. Er gehörte zur RFB-Gauleitung Berlin-Brandenburg, war von 1925 bis 1933 Stadtverordneter in Berlin. Von 1930 bis 1932 auch Mitglied der Reichsleitung des Kampfbundes gegen den Faschismus. Von März bis Oktober 1933 in »Schutzhaft«, danach bis 1942 Bauarbeiter bzw. kaufmännischer Angestellter, im September 1939 zur Wehrmacht einberufen, aber nach fünf Tagen als »Mischling« entlassen. Zusammenarbeit mit Wilhelm Guddorf, Bernhard Bästlein u. a. Am 1.Dezember 1942 verhaftet, am 8. Oktober 1943 vom VGH (im Verfahren gegen Martin Weise, der zum Tode verurteilt wurde) zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt. Im September 1945 Oberbürgermeister von Brandenburg/Havel. Von 1948 bis 1954 Leiter der Zentralen Kontroll-Kommission (ZKK) der DWK bzw. der Kommission für Staatliche Kontrolle, war Lange in der SBZ als »Scharfmacher« berüchtigt. Von 1950 bis 1958 Kandidat des ZK der SED. 1954 anstelle von Else Zaisser Minister für Volksbildung, doch auf dem V. Parteitag 1958 nicht wieder als Kandidat des ZK bestätigt und zur Selbstkritik aufgerufen. Lange wurde vorgeworfen, »die sozialistische Erziehung« der Jugend nicht energisch genug vorangetrieben und sich der Kirche gegenüber zu lau verhalten zu haben. Mitte Dezember 1958 durch Alfred Lemnitz als Volksbildungsminister abgelöst. Zuletzt Mitarbeiter am Institut für Militärgeschichte in Potsdam bzw. im Militärverlag, er lebte ab 1961 im Ruhestand, erhielt den Karl-Marx-Orden. Fritz Lange starb am 16.September 1981 in Ost-Berlin.Helmut Müller-Enbergs