...

 

BioLex

In der Kategorie BioLex finden Sie drei biografische Lexika mit über 5500 Personeneinträgen.

 

Das Handbuch "Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945" wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam. Kurzbiografien zu Personen des poltischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 vor. Zudem ist das Onlinlexikon www.dissidenten.eu komplett in dieser  Rubrik recherchierbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Inforamtionen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Belter, Herbert

* 21.12.1929 – ✝ 28.4.1951

Geb. in Greifswald in einer Arbeiterfam.; 1936 – 45 Mittelschule in Rostock; 1946 – 48 Ausbildung zum kaufm. Angest. in Rostock, anschl. Statistiker bei der Hafenverwaltung Rostock; 1948 SED; 1949 Abitur an der Vorstudienanstalt Rostock, anschl. Aufnahme eines Studiums an der Gesellschaftswiss. Fak. an der Univ. Leipzig; 4.10.1950 zusammen mit anderen krit. eingestellten Studenten Verteilung von selbstgefertigten Flugblättern gegen den undemokrat. Charakter der bevorstehenden Volkskammerwahlen in der Leipziger Innenstadt; am selben Abend Verhaftung von B. und zehn weiteren Personen durch die DVP, Übergabe an die sowj. Geheimpolizei, 20.1.1951 Todesurteil durch das Sowj. Militärtribunal Dresden (die anderen Studenten erhielten hohe Haftstrafen), 23.4.1951 Ablehnung eines Gnadengesuchs durch den Obersten Sowjet, Hinrichtung in Moskau und Verscharrung der sterbl. Überreste auf dem Friedhof Donskoje. 23.5.1994 Rehabilitation durch die russ. Hauptmilitärstaatsanwaltschaft.Wiemers, G., Blecher, J.: H. B. In: Fricke, K. W. u. a. (Hrsg.): Opposition u. Widerstand in der DDR. München 2002; Dies.: Studentischer Widerstand an den mitteldt. Universitäten 1945 – 55. Leipzig 2005; Dies.: Studentischer Widerstand an der Univ. Leipzig 1945 – 55. Beucha 1998; Roginski, A. u. a. (Hrsg.): »Erschossen in Moskau ...«. Die dt. Opfer des Stalinismus auf dem Friedhof Moskau Donskoje 1950 – 1953. Berlin 2005.Ilko-Sascha Kowalczuk

dissidenten.eu

Benda, Václav

* 1946 – ✝ 1999

Philosoph, Mathematiker und christlich-demokratischer Politiker. Mitbegründer und Sprecher des *Komitees zur Verteidigung der zu Unrecht Verfolgten und Autor des Konzeptes „Parallel-Polis“ für eine alternative Gesellschaft. Václav Benda wurde in Prag geboren. Nach Abschluss des Gymnasiums im Jahr 1964 begann er ein Studium der Bohemistik und Philosophie an der Prager Karls-Universität. 1968 war er in der Studentenbewegung aktiv, Vorsitzender des Studentenrats an der philosophischen Fakultät sowie Gründer des Klubs der katholischen Jugend. 1970 promivierte er mit einer Arbeit über den Schriftsteller und Philosophen Ladislav Klíma. Václav Benda studierte außerdem an der Fakultät für Mathematik und Physik der Karls-Universität, wo er einen Abschluss in theoretischer Kybernetik machte und zeitgleich als Assistent arbeitete. Der Betreuer seiner Diplomarbeit war Ivan Havel, der Bruder von Václav Havel, durch den Benda zahlreiche Kontakte in das damals sehr verstreute oppositionelle Umfeld knüpfen konnte. Seit Anfang der 70er Jahre traf er sich mit katholischen Aktivisten, die sich nicht mit der so genannten *„Normalisierung“ abfinden wollten und für eine Ausweitung der bürgerlichen und religiösen Freiheiten eintraten. Nach Abschluss des Studiums arbeitete Benda als Programmierer am Forschungsinstitut des Eisenbahnwesens und von Ende 1976 bis September 1977 am Forschungsinstitut für Rechenmaschinen. 1976 beteiligte sich Benda an Diskussionen, die zur Entstehung der *Charta 77 führten. Nach der Veröffentlichung der Erklärung der *Charta 77 war er einer ihrer engagiertesten Aktivisten und Menschenrechtstheoretiker. In seinem programmatischen Artikel „Parallel-Polis“ schrieb Benda über den Aufbau von zivilgesellschaftlichen Strukturen auf allen Ebenen, die von der totalitären Staatsmacht unabhängig und wenigstens zum Teil in der Lage sein sollten, vernünftige und für das Gemeinwohl notwendige Funktionen zu erfüllen. Gleichzeitig schlug er vor, im Rahmen des Möglichen bereits bestehende Strukturen zu nutzen und diese zu „humanisieren“. Als Vorbild für den Aufbau alternativer Strukturen zum Beispiel im Bildungs-, Wissenschafts- und Mediensystem sowie in der Ökonomie nannte Benda die bereits bestehende Gegenkultur. Er äußerte die Hoffnung, dass „selbst ein Teilerfolg des besagten Plans auf die offiziellen Strukturen Druck ausübt, unter dem sie entweder zerfallen oder sich vorteilhaft erneuern müssten.“ Václav Benda veröffentlichte viele Texte in Samisdat-Zeitschriften. Nach der Unterzeichnung der *Charta 77 verlor er seine Arbeit am Forschungsinstitut für Rechenmaschinen und verdiente seinen Lebensunterhalt fortan als Heizer. Im April 1977 gehörte er zu den Mitbegründern des *Komitees zur Verteidigung der zu Unrecht Verfolgten (Výbor na obranu nespravedlivě stíhaných; VONS). Am 1. Februar 1979 wurde er zusammen mit Jiří Dienstbier und Zdena Tominová zum Sprecher der *Charta 77 ernannt. Im Mai desselben Jahres wurde Benda gemeinsam mit neun anderen Mitgliedern des *Komitees zur Verteidigung der zu Unrecht Verfolgten verhaftet und wegen „staatsfeindlicher Tätigkeiten“ angeklagt. Er wurde zu vier Jahren Haft verurteilt, saß die Strafe bis zum letzten Tag ab und verließ das Gefängnis am 29. Mai 1983. Sofort nach der Freilassung beteiligte sich Benda erneut an den Aktivitäten der *Charta 77 und des *Komitees zur Verteidigung der zu Unrecht Verfolgten. Vom 1. Januar 1984 bis Anfang 1985 war er erneut gemeinsam mit Jiří Ruml und Jana Šternová Sprecher der *Charta 77. In dieser Periode übte Benda einen beträchtlich Einfluss auf die Aktivitäten der *Charta 77 aus, die wegen der Verhaftung oder Emigration vieler ihrer Unterzeichner geschwächt war. Benda war maßgeblich daran beteiligt, dass die politischen Diskussionen innerhalb der *Charta 77 intensiviert wurden. So betonte er immer wieder, dass Prioritäten deutlich zum Ausdruck gebracht werden müssten, um im Rahmen der „Parallel-Polis“ – so bezeichnete er die Kreise der Gegner der kommunistischen Diktatur – einen alternativen politischen Raum zu schaffen. Václav Benda war darüber hinaus auch in der katholischen Kirche engagiert und erlangte dort hohes Ansehen. Er nahm oft eine scharfe, kompromisslose Haltung ein und verlangte, dass sich Christen für diejenigen einsetzen sollten, die vom kommunistischen Regime verfolgt würden, statt sich mit dessen Existenz abzufinden. Benda unterhielt zahlreiche Kontakte zu engagierten Christen in der Tschechoslowakei und im Ausland sowie zu dem Teil des katholischen Klerus, der unmittelbar vor dem Fall des Regimes eine Zusammenarbeit mit den Kommunisten ablehnte. Ab 1985 gab Benda die unabhängige christliche Zeitschrift „Paraf“ heraus. Neben Artikeln und Essays schrieb er philosophische und literarische Texte, Kinderbücher sowie mathematische und kybernetische Arbeiten. 1988 gehörte er zu den Verfassern des Manifestes „Demokratie für alle“ (Demokracie pro všechny), das eine wesentliche Rolle für die Formulierung der politischen Ziele der damaligen politischen Opposition spielte. Das Manifest markierte den Beginn der *Bewegung für Bürgerfreiheit (Hnutí za občanskou svobodu; HOS). Im November 1989 war Benda an der Gründung des *Bürgerforums (Občanské fórum; OF) beteiligt und wurde Mitglied in dessen Vorstand. Seine Söhne Marek und Martin gehörten zu einer Gruppe, die die *Studentendemonstration am 17. November 1989 vorbereitete. Im selben Monat gründete er die Christlich-Demokratische Partei und wurde deren Vorsitzender. Anfänglich war die Partei noch im Rahmen des *Bürgerforums aktiv, aus dem sie jedoch im März 1990 austrat und sich im Bündnis mit der Tschechoslowakischen Volkspartei an den ersten freien Parlamentswahlen im Juni 1990 beteiligte. Im Dezember 1989 wurde Benda durch Nachwahlen Abgeordneter der Föderalversammlung, des Tschechoslowakischen Parlaments. In den freien Wahlen 1990 erhielt er ein erneutes Mandat für eine zweijährige Amtszeit. 1990–92 war er Präsidiumsmitglied und anschließend stellvertretender Vorsitzender der Föderalversammlung, die sich mit dem Zerfall der Tschechoslowakei am 31.12.1992 auflöste. 1994–96 war Václav Benda Direktor der *Behörde für die Dokumentation und Untersuchung der Verbrechen des Kommunismus (Úřad dokumentace a vyšetřování zločinů komunismu; ÚDV). Im November 1996 erhielt er ein Mandat im Oberhaus des Tschechischen Parlamentes, dem Senat. Václav Benda starb 1999 in Prag nach langer und schwerer Krankheit.Petr Pospíchal Aus dem Polnischen von Tim Bohse Letzte Aktualisierung: 06/15

Wer war wer in DDR

Bengsch, Alfred

* 10.9.1921 – ✝ 13.12.1979

Geb. in Berlin; Vater Postbeamter, Mutter Schneiderin; 1932 – 40 Gymnasium in Berlin; 1940 – 41 Theol.-Studium in Fulda; 1941 – 44 Wehrmacht; 1944 – 46 amerik. Kriegsgefangenschaft. 1946 – 50 Theol.-Studium in Neuzelle; 1950 Priesterweihe, 1950 – 54 Kaplan in Berlin; 1954 – 56 Studium der Theol. in München u. Erfurt, 1956 Prom. zum Dr. theol. in Erfurt; 1957 – 59 Doz. für Dogmatik u. Homiletik in Neuzelle; 1959 Regens des Priesterseminars in Erfurt, Mai 1959 Ernennung zum Weihbischof von Berlin mit Sitz im Ostteil der Stadt; 27.7.1961 geheime Wahl zum Bischof von Berlin (Nachf. von  Julius Döpfner), 16.8. 1961 öffentl. Ernennung durch den Vatikan; Vors. der Berliner Ordinarienkonferenz; 2.11. 1961 Treffen mit dem stellv. Min.-Präs.  Willi Stoph: Informelle Vereinbarung einer pol. Abstinenz der kath. Kirche in der DDR vs. regelm. Zugang des Bischofs nach Berlin (West); 1962 Verleihung des persönl. Titels Erzbischof durch den Vatikan; 1962 – 65 Teiln. am II. Vatikanischen Konzil in Rom, Votum gegen die Pastoralkonstitution »Die Kirche in der Welt von heute«; 1967 Ernennung zum Kardinal durch den Vatikan; Mitgl. mehrerer vatikan. Kongregationen, Kritiker der vatikan. Ostpolitik; Protagonist des kirchenpol. Kurses der pol. Abstinenz, Beanspruchung einer Autorität gegenüber der gesamten kath. Kirche in der DDR; 1976 Vors. der durch den Vatikan im Zuge der Teilverselbständigung der kath. Kirche in der DDR eingerichteten Berliner Bischofskonferenz; gest. in Berlin.Heilsgeschichte u. Heilswissen. Leipzig 1957; Berufung u. Bewährung. Leipzig 1960; Mysterium u. Nachfolge. Berlin 1978. Schäfer, B.: Staat u. kath. Kirche in der DDR. Köln, Weimar 1998.Bernd Schäfer

Wer war wer in DDR

Bennewitz, Fritz

* 20.01.1926 – ✝ 13.09.1995

Geb. in Chemnitz; Vater Lokomotivführer, Mutter Näherin. 1950 – 53 Studium Germanistik in Leipzig, Theaterwiss. am Dt. Theaterinst. Weimar, Dipl.-Theaterwiss.; 1953 Doz. für Ästhetik an der Theater-HS Leipzig; 1955 – 60 Oberspielltr. in Meiningen, 1960 – 75 Schauspieldir. am Dt. Nationaltheater Weimar, danach Regisseur in Weimar; half Ende 50er/Anf. 60er Jahre,  Bertolt Brechts Werke auf den Bühnen der DDR außerhalb Berlins durchzusetzen (Beginn Brechtrezeption »Die Dreigroschenoper« 1958 in Meiningen), spezialisiert auf Brecht- u. Shakespeare-Rezeption, Inszenierungen von Goethes »Faust« I u. II 1965 – 67, 1975/76 u. 1981/82 in Weimar; 1967 NP; wiederholt Gastregisseur in Berlin (Berliner Ensemble, Dt. Theater, Volksbühne); Vorstandsmitgl. Shakespeare-Ges.; Konsultant des ITI-Komitees Dritte Welt, 1984 Vizepräs. ITI (Internat. Theaterinst.), seit 1970 über 20 Inszenierungen von Werken Brechts, Goethes u. Shakespeares in Indien, Südostasien, Lateinamerika, oft in Zusammenarbeit mit dem Bühnenbildner Franz Havemann; seit 1977 Brecht-Seminare in den USA, auf den Philippinen u. in Indien; 1979 Ernennung zum Prof.; 1969 Mitgl., 1974 – 91 Ord. Mitgl. der AdK; 1992 Preis der Akad. für Darstellende Künste Indien; gest. in Weimar.Autorenkoll.: Theater in der Zeitenwende, Bd. 2. Berlin 1972; Bertolt Brecht u. das Theater in der DDR. Dresden 1967; Pietzsch, I.: Werkstatt Theater. Gespräche mit Regisseuren. Berlin 1975.Renate Rätz

Wer war wer in DDR

Bentzien, Hans

* 4.1.1927 – ✝ 18.5.2015

Geb. in Greifswald; Vater Arbeiter; Volks- u. Oberschule; 1. Lehrerprüfung; 1944 RAD, Wehrmacht; 20.4.1944 NSDAP; 1945 brit. Kriegsgefangenschaft. 1945/46 KPD/SED; 1946 – 48 Neulehrer in Greifswald; 1948 – 50 Studium der Geschichte an der EMAU Greifswald u. FSU Jena; zeitw. Assistent des Kulturdir. des VEB Carl Zeiss Jena; Instrukteur für Kultur der SED-LL Thür.; 1. Sekr. der SED-KL Jena-Stadt; 1954/55 Sekr. für Kultur u. Volksbildung der SED-BL Gera (Nachf. von Bruno Kiebs), zeitw. auch 1. Sekr. der SED-KL Jena-Stadt; 1955 – 58 Studium an der PHS der KPdSU in Moskau, Dipl.-Ges.-Wiss.; 1958 – 61 Sekr. für Kultur u. Bildung der SED-BL Halle (Nachf. von Arthur Kleine); 1958 – 66 Mitgl. der Kulturkommission beim PB des ZK der SED; 1961 – 66 Min. für Kultur (Nachf. von  Alexander Abusch); infolge des 11. Plenums des ZK der SED im Dez. 1965 wegen »ernsthafter Fehler« abgelöst; 1965 VVO; 1966 – 75 Dir. des Verlags Neues Leben in Berlin; 1975 – 78 Ltr. der HA Funkdramatik beim Staatl. Komitee für Rundfunk u. stellv. Vors. des Staatl. Komitees für Fernsehen, 1979 abgesetzt nach Sendung der Filme »Geschlossene Ges.« u. »Ursula«, danach Arbeitsgr.-Ltr. u. Autor in der Red. Publizistik des DFF; 1985 Theodor-Körner-Preis; 1989/90 Gen.-Intendant des Fernsehens der DDR bzw. des DFF (Nachf. von  Heinrich Adameck); gest. in Bad Saarow.Bruder Martinus. Berlin 1983; Unterm Roten u. Schwarzen Adler. Berlin 1992; Meine Sekretäre u. ich. Berlin 1995; Friedrich II., König von Preußen: Ich, Friedrich II. Berlin 2002; Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Zwischen Soldateneid u. Tyrannenmord. 1997; Überhaupt zeigt man Charakter. Berlin 2002; Fragen an die DDR (zus. mit H. Czepuck u. G. Fischer) Berlin 2003; Was geschah am 17. Juni? Vorgeschichte, Verlauf, Hintergründe. Berlin 2003; Division Brandenburg. Die Rangers von Admiral Canaris. Berlin 2004; Warum noch über die DDR reden? Berlin 2009.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Bereska, Henryk

* 17.5.1926 – ✝ 11.9.2005

Geb. in Kattowitz-Schoppinitz, Schles. (Katowice-Szopienice, Polen), wo er zweisprachig aufwuchs; Vater Lokomotivführer im Bergbau; 1940 Landdienst; Verwaltungslehre; 1944 / 45 Pilotenausbildung in Fürstenfeldbruck. 1945 nach kurzer amerik. Kriegsgef. Gelegenheitsarb., Schiffbauhelfer, Landarb.; 1947 / 48 Abitur an einer Vorstudienanstalt in Berlin; 1948 – 52 Stud. der Germanistik, Polonistik u. Slawistik an der HU Berlin; 1953 – 55 Lektor für poln. Lit. beim Aufbau-Verlag; ab 1955 freiberufl. Übersetzer; übertrug poln. Lit. der Renaissance bis Gegenwart ins Deutsche (u. a. Andrzejewski, Borowski, Miłosz), wurde neben Karl Dedecius zum wichtigsten Übersetzer poln. Lit. in Dtl.; 1967 Literaturpreis des Verbandes der Autoren u. Komponisten Polens; veröff. ab 1963 eigene Gedichte u. Aphorismen in Anthologien u. Ztschr.; seit 1961 vom MfS in versch. OVs (OV »Zersetzer«, OV »Polo«) u. a. wg. vermeintl. staatsfeindl. Tätigkeit erfaßt; wichtige Übersetzungswerke wurden blockiert, erster eigener Gedichtband »Lautlose Tage« erschien 1980 nur in West-Berlin; neben Berlin bildete das märk. Kolberg den Lebensmittelpunkt; die märk. Landschaft wurde zu einem zentralen Motiv seiner Lyrik. Seit 1990 zahlr. Auszeichnungen in Polen u. in Dtl., u. a. 1997 Bundesverdienstkreuz am Bande; 1998 Kommandeurskreuz zum Verdienstorden der Rep. Polen; 2000 Hans-Sahl-Preis; 2001 Samuel-Bogumil-Linde-Preis; 2002 Ehrendoktorwürde der Univ. Breslau; 2005 Transatlantyk-Preis des poln. Buchinst.; 1991 Mitgl. des PEN.; 2002 Burgschreiber der Gemeinde Beeskow; gest. in Berlin.Berliner Spätlese. Gedichte. Mit fünf Zeichnungen von Horst Hussel. Berlin 1991; Ausgewählte Werke in 3 Bänden. Berlin 1995 – 2002; Burgschreiber zu Beeskow. Märkische Streifbilder. Berlin 2003; Kolberger Hefte. Die Tagebücher von HB 1967 – 1990. Mit einem Nachwort v. I. Geipel. Frankfurt (Main) 2007.Christian Krause

Handbuch Deutsche Kommunisten

Berg, Helene (Lene)

* 10.4.1906 – ✝ 21.2.2006

Geboren am 10. April 1906 in Mannheim als Tochter eines Müllers. Helene Veser war von Beruf Schneiderin, seit 1921 in der SAJ und ab 1922 im Deutschen Bekleidungsarbeiter-Verband organisiert, trat 1924 zur KJD über und wurde Mitglied der erweiterten BL Baden. Ab 1927 Mitglied der KPD, im selben Jahr Bezirksfrauenleiterin. 1929 bis 1931 Kursantin der Leninschule in Moskau, anschließend Mitarbeiterin in der Agitpropabteilung des ZK in Berlin, Ende 1932 als Bezirksagitpropsekretärin in der BL Hannover. Dann illegale Arbeit u. a. als Nachfolgerin von Max Opitz Polleiter des KPD-Bezirks Württemberg, mit Decknamen Lotte 1934/35 Instrukteurin der KPD-BL Saar. 1935 über Frankreich in die Sowjetunion emigriert, bekam sie den Parteinamen Helene Berg. Von 1935 bis 1937 stellvertretende Leiterin des deutschen Sektors der Internationalen Leninschule (Lene Neckar). Ab 1938 Mitarbeiterin des Info-Radios in Moskau, bis 1941 gemeinsam mit Rudolf Lindau Sammlung von Materialien zur KPD-Geschichte, übernahm bei Kriegsausbruch die Leitung der deutschen Gruppe an der Komintern-Schule. Anschließend Leiterin des deutschen Sektors an der Antifa-Schule in Taliza bzw. an der Parteihochschule der KPdSU in Moskau. Im April 1946 Rückkehr nach Deutschland, war Helene Berg zunächst Lehrerin an der Parteischule in Liebenwalde. Von 1946 bis 1951 Funktionen im SED-LV Sachsen-Anhalt. 1951 kommissarische Direktorin der PHS, übernahm sie bis 1958 die Leitung des Instituts für Gesellschaftswissenschaften beim ZK der SED. Dann bis 1972 Vertreterin der SED in der Redaktion der Zeitschrift »Probleme des Friedens und des Sozialismus« in Prag. Anschließend bis 1979 Direktorin des Instituts für Meinungsforschung beim ZK der SED. Sie war von 1954 bis zum Herbst 1989 Kandidatin bzw. Mitglied des ZK der SED, erhielt 1966 den Karl-Marx-Orden. Helene Berg starb fast 100jährig am 21. Februar 2006 in Berlin.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Berger, Franz

* 1.6.1900 – ✝ 1938

Geboren am 1. Juni 1900 in Halle/Saale; lernte Schlosser, gehörte seit 1914 der Arbeiterjugend an und trat 1919 der KPD bei. Von 1924 bis 1927 Sekretär des Gewerkschaftskomitees, wurde nach dem Besuch einer Parteischule Polsekretär in Wittenberg-Bitterfeld bzw. in Schwarzenberg/Sachsen. Er gehörte 1928 zu den Versöhnlern, arbeitete 1929/1930 in Chemiebetrieben Mitteldeutschlands und war dann wieder in Bitterfeld UB-Sekretär. 1930 als Sekretär in die Genossenschaftsabteilung des ZK der KPD in Berlin berufen, übersiedelte er 1932 unter dem Namen Willi Leibrandt nach Moskau zur Genossenschaftsabteilung der Komintern. 1934 Rückkehr nach Deutschland, illegale Arbeit, Abschnittsinstrukteur der KPD-BL Berlin. Ab Herbst 1935 wieder in Moskau, wurde Berger 1936 in die KPdSU(B) überführt. Nach einem dreimonatigen Sanatoriumsaufenthalt kam er nach Engels zur Arbeit im Staatsverlag. Im Juli 1937 vom NKWD verhaftet, verurteilt zu Besserungsarbeitslager, vermutlich 1938 erschossen. Seine Frau Berta Dausacker (* 30. 5. 1905 in Bülach/Schweiz) lernte in Berlin Verkäuferin. Seit 1930 KPD-Mitglied, folgte sie ihrem Lebensgefährten 1932 in die Sowjetunion. Sie wurde 1940 mit der Tochter Helga (* 1. 7. 1935) nach Nazi-Deutschland ausgewiesen, an der Grenze festgenommen und einige Zeit inhaftiert. Mitglied der SED, arbeitete als Buchhalterin und Personalleiterin, zuletzt Kaderleiterin des HO-Kreisbetriebes in Berlin-Weißensee. Berta Dausacker starb am 10. Juni 1986 in Ost-Berlin.

Wer war wer in DDR

Berger, Friedemann

* 13.4.1940 – ✝ 14.4.2009

Geb. in Schroda (Westpr./Środa Wielkopolska, Polen); Vater Pfarrer. 1945 Flucht nach Gotha; Schule in Gotha, im Zusammenhang mit dem »Fall  S. Schmutzler« vor dem Abitur relegiert; 1958 – 61 Theol.-Studium am Kirchl. Oberseminar in Naum- burg (Saale); 1961 – 66 Studium der Theol. u. Germanistik an der HU Berlin; parallel erste Veröff. als Lyriker, Mitgl. der Gruppe 47; 1966 – 68 freiberufl. Autor (Lit.-Kritik, Hörspiele); 1968 – 70 Ausbildung zum Buchhändler in Berlin; ab Herbst 1970 Lektor im (priv.) G. Kiepenheuer Verlag Weimar, nach dem Tode Noa Kiepenheuers 1971 Übernahme der Verlagsltg. bis zur Verstaatlichung des Unternehmens; 1977 nach Bildung der Verlagsgr. Kiepenheuer in Leipzig deren Cheflektor; 1983 SED; 1984 Prom. zum Dr. phil. über die frühe Reiselit. als Quelle der Geschichte des Kolonialismus; 1985 – 90 Aufenthalt in China, Lektor u. Ltr. der dt.-sprachigen Abt. im Verlag für fremdspr. Lit. in Peking. Okt. 1990 Rückkehr nach Leipzig; nach Auflösung der Kiepenheuer-Gr. 1990 – 92 Geschäftsf. des G. Kiepenheuer Verlags Leipzig (Nachf. von  Roland Lesiks) (im Auftrag der Treuhandanstalt, danach Management-Buy-Out), 1993/94 Programmltr. im Auftrag der Treuhandanstalt, 1994 nach Privatisierung u. Übernahme des Verlags durch die Aufbau-Gruppe Ausscheiden aus dem Verlag; danach freiberufl. Autor u. Publizist; gest. in Leipzig. Veröff. Lyrik, Prosa, Essays, Hörspiele, Sachbücher, Nachdichtungen; zahlr. Herausgaben u. Reiselit. sowie zur Geschichte des Gustav Kiepenheuer Verlages u. seiner Autoren; Geschichte u. Kultur Chinas.Krippe bei Torres. Ein neapolitanisches Idyll. Roman. Berlin 1971; Orts-Zeichen. Lyrik. Berlin 1973; Einfache Sätze. Gedichte. Berlin 1987; Die Milchstraße am Himmel und der Kanal auf Erden. Geschichte, Kultur und Gegenwart an Chinas Großem Kanal. Leipzig 1988; Gesichter Tibets. Leipzig 1990; Archäologie. Von der Errichtung der großen Mauer bis nach ihrer Zerstörung. Ausgewählte Gedichte 1961 – 99. Leipzig 2000.Frank Wagner

Wer war wer in DDR

Berger, Rolf

* 14.5.1921 – ✝ 30.12.1978

Geb. in Leipzig; Vater Arbeiter; Volksschule; 1935 – 39 Ausbildung zum Werkzeugdreher, anschl. im Beruf tätig; 1942 – 45 Wehrmacht, Uffz.; bis Okt. 1945 brit. Kriegsgefangenschaft. 1945 Rückkehr nach Leipzig; wieder im Beruf tätig; 1945 FDGB; 1945/46 KPD/SED; Vors. des Aussch. der NF im Gemeindeverb. Klosterfelde; 1946 Vors. eines Betriebsrats; 1947 – 50 hauptamtl. Sekr. für Schulung im FDGB-Ortsvorst. Leipzig; 1948 Besuch von Gewerkschaftsschulen; 1951/52 Vors. des Ortsvorst. Leipzig der IG Metall, 1952 Vors. ihres BV Leipzig, 1953 – 57 Vors. des IG Metall-ZV (Nachf. von Hans Schmidt); 1957 – 60 Studium an der PHS, Dipl.-Ges.-Wiss.; 1960 – 71 Vors. des IG Metall-ZV (Nachf. von Herbert Dönitz); 1961 – 71 stellv. Vors. des FDGB-BV, Ltr. des Sekr. u. Mitgl. des Präs.; 1963 – 71 Mitgl. des ZK der SED u. Abg. der Volkskammer; 1964 Prom. zum Dr. rer. oec. an der HfÖ Berlin; 1965 VVO; 1969 Verdienstmedaille der DDR; 9.7.1971 wegen Forderungen nach Eigenständigkeit der Gewerkschaft u. Kritik an der zentralist. Planung abgesetzt; 1971 – 75 Ökon. Dir. in einem Berliner Betrieb des Metallurgiehandels, ab 1976 wiss. Mitarb. am Bez.-Inst. für Veterinärwesen in Frankfurt (Oder).Wettbewerb heute u. morgen. Berlin 1964; Weltanschaul. Probleme der Gewerkschaftsarbeit. Berlin 1967.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Berger, Wolfgang

* 24.8.1921 – ✝ 19.12.1994

Geb. in Leipzig; Vater Kellner; Volks- u. Berufsschule; Ausbildung zum Kfm. u. im Beruf tätig; Wehrmacht, 1945 amerik. Kriegsgefangenschaft. 1945/46 KPD/SED; Studium an der Univ. Leipzig, später Prom. zum Dr. rer. pol.; Ende der 40er Jahre Ref. in der HA Finanzen der DWK, anschl. wirtschaftspol. Mitarb.  Walter Ulbrichts in der Reg.-Kanzlei; 1951 – 53 Ltr. der Abt. Planung u. Finanzen des ZK der SED; 1953 – 71 persönl. Ref. von Walter Ulbricht; später Abt.-Ltr. in der ZV für Statistik.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Bergmann, Moische

* 1900

Geboren 1900 in der polnischen Provinz; übersiedelte 1919 nach Berlin, Druckereiarbeiter, trat 1920 der KPD bei. Er wurde 1925 Mitarbeiter in der Gewerkschaftsabteilung des ZK, später auch im AM-Apparat der KPD tätig. 1933 flüchtete er nach Paris, gab nach der »Brüsseler Konferenz« 1935 als enger Mitarbeiter von Paul Merker den »Informationsdienst der freien Gewerkschaftsgruppen Deutschlands« in Prag heraus. Nach der Trennung von der KPD Kurier von »Neu Beginnen«. Er unternahm mehrere Reisen zu illegalen Gruppen von »Neu Beginnen« nach Deutschland, wurde 1937 festgenommen, aber als polnischer Staatsangehöriger freigelassen und ausgewiesen. Bergmann emigrierte in die USA, baute in New York zunächst eine kleine Druckerei auf, wurde dann Besitzer einer Großdruckerei, die er später verkaufte. In den siebziger Jahren kam er als Privatier öfter nach Europa, auch nach Deutschland. Das Todesdatum von Moische Bergmann ließ sich nicht ermitteln.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Benario-Prestes, Olga

* 12.2.1908 – ✝ 4.5.1942

Geboren am 12. Februar 1908 in München, Tochter eines jüdischen sozialdemokratischen Rechtsanwalts; lernte Verkäuferin. Sie wurde Mitglied der KJD und übersiedelte 1925 nach Berlin, gehörte der KJVD-BL Berlin-Brandenburg an, mit dem kommunistischen Funktionär Otto Braun liiert. Olga Benario war maßgeblich beteiligt, als Otto Braun am 11. April 1928 durch einen Handstreich gewaltsam aus der Untersuchungshaft befreit wurde, und sie floh gemeinsam mit ihm nach Moskau. Sie wurde Funktionärin der Kommunistischen Jugend-Internationale, erhielt eine militärische und politische Ausbildung, war im Auftrag der Komintern in Frankreich, Großbritannien und Deutschland. Ende 1934 beauftragt, den brasilianischen Revolutionär Luis Carlos Prestes (* 3. 1. 1898 – † 7. 3. 1990), der seit 1931 im Exil in Moskau war, nach Brasilien zu begleiten. Mit ihm und anderen Komintern-Funktionären wie Arthur und Elise Ewert und Jonny de Graaf sollte der bewaffnete Aufstand organisiert werden. Fortan lebten Prestes und Olga zusammen. Der Putsch vom 27. November 1935 gegen das diktatorische Regime unter Staatspräsident Getúlio Dornelles Vargas schlug fehl, Prestes und Olga Benario wurden später verhaftet. Sie und Elise Ewert wurden von den brasilianischen Behörden nach Nazi-Deutschland ausgeliefert. Im Berliner Frauengefängnis Barnimstraße kam am 27. November 1936 ihre Tochter Anita zur Welt. Anfang 1938 von ihrer Tochter getrennt, kam sie in das Frauenkonzentrationslager Lichtenberg, dann drei Jahre ins KZ Ravensbrück. Olga Benario-Prestes wurde am 4.Mai 1942 in der »Heil- und Pflegeanstalt« Bernburg mit Zyklon B ermordet. 1999 veröffentlichte Linde Apel eine biographische Skizze über Olga Benario.

Wer war wer in DDR

Bendig, Heinz

* 30.1.1921

Geb. in Bremen; Vater Ziegelei- u. Werftarb.; 1927 – 35 Volksschule; 1935 – 1941 Lehre u. Arbeit als Maurer, 1941 – 43 Wehrmacht; 1943 – 45 Bautechniker. 1945 / 46 KPD / SED; 1945 Angest. in der Stadtverw. Stavenhagen; 1945 / 46 Ltr. des Antifa-Jugendaussch. in Schwerin; 1946 Sekr. für Kultur der Arbeitsgebietsltg. der KPD bzw. SED in Stavenhagen; Studium an der SED-LPS in Klein Trebbow; 1947 Ltr. der KPS der SED in Waren; 1947 – 49 polit. Mitarb. im SED-LV Mecklenb.; 1949 / 50 stellv. Personalltr. der Vereinigung Volkseigener Werften in Schwerin; 1950 Lehrgang an der PHS der SED; 1951 Sekr. für Kader, 1951 / 52 2. Sekr. der SED-LL Mecklenb.; 1951 / 52 MdL Mecklenb.; 1952 – 55 2. Sekr. der SED-BL Schwerin; 1955 – 58 Studium an der PHS der KPdSU in Moskau; 1958 – 61 Sekr. der SED-KL Ludwigslust; 1961 – 64 Ltr. der Kreislandwirtschaftsschule in Ludwigslust; 1964 – 66 Sekr. der SED-PO am Päd. Inst. in Güstrow, anschl. Lehrkraft bzw. Lehrer im Hochschuldienst an der PH Güstrow.Mario Niemann

Wer war wer in DDR

Benjamin, Hilde

* 5.2.1902 – ✝ 18.4.1989

Geb. in Bernburg; Vater Prokurist u. Dir.; Volksschule, Lyzeum u. Studienanstalt Berlin-Steglitz, Abitur; 1921 – 24 Studium der Rechtswiss. an den Univ. Berlin, Heidelberg u. Hamburg; Mitgl. im Soz. Studentenbund; 1924 Referendarsexamen in Berlin-Wedding; 1926 Heirat mit Georg Benjamin; 1927 Assessor-Examen; Nov. 1927 KPD; 1928 – 33 Rechtsanwältin in Berlin-Wedding (Sozius ihrer Anwaltskanzlei war  Götz Berger), u. a. Verteidigerin einer Beklagten im Mordfall Horst Wessel; Anwältin der RH; 1931/32 Lehrerin an der MASCH; 1933 Berufsverbot; illeg. pol. Arbeit; 1934 – 39 jur. Beraterin der sowj. Handelsges. in Berlin; 1939 – 45 als Angest. in der Konfektionsindustrie dienstverpflichtet. Mai 1945 Staatsanwältin in Berlin-Lichterfelde; Okt. 1945 Vortragender Rat in der Dt. ZV für Justiz, ab Aug. 1946 dort kommissar. Ltr., 1947 – 49 Ltr. der Abt. Kader; 1946 SED; 1948 Mitgl. des DFD-BV, Ltr. der Juristinnenkommission; 1949 – 53 Vizepräs. des Obersten Gerichts, Vors. in einer Reihe von Schauprozessen, so 1950 gegen die Zeugen Jehovas u. 1952 die Burianek-Gruppe, mitverantw. für schwere Urteile; 1949 – 67 Abg. der (Prov.) Volkskammer, Ltr. der Gesetzgebungskommission, die Gerichtsverfassungsgesetz, Jugendgerichtsgesetz u. Strafprozeßordnung von 1952 ausarbeitete; 1952 Dr. jur. h. c. der HU Berlin; 1952 Mitgl. des Jur. Arbeitskrs. der DAW; 15.7.1953 – 13.7.1967 Min. der Justiz (Nachf. von  Max Fechner); 1954 – 89 Mitgl. des ZK der SED; 1962 VVO; 1962 Mitgl. des ZV der VDJ; 1963 Vors. der Kommission zur Ausarbeitung des neuen Strafgesetzbuchs; Aug. 1967 Vors. der Gesetzgebungskommission beim Staatsrat; Aug. 1967 Verdienstmedaille der Organe des MdI; ab 1967 Prof. u. Ltr. des Lehrstuhls »Geschichte der Rechtspflege« an der DASR Potsdam; Febr. 1972 Ehrenspange zum VVO; Febr. 1977 KMO; Dez. 1979 Verdienter Jurist der DDR; Febr. 1982 Stern der Völkerfreundschaft; Febr. 1987 KMO; gest. in Berlin.Georg Benjamin. Berlin 1978; Geschichte der Rechtspflege (in der DDR) (Ltr. des Autorenkoll.). 3 Bde. Berlin 1976, 1980, 1986; Aus Reden u. Aufsätzen. Berlin 1982. Werkentin, F.: Pol. Strafjustiz in der Ära Ulbricht. Berlin 1995; Feth, A.: H. B. – Eine Biogr. Berlin 1997; Brentzel, M.: Die Machtfrau. H. B. 1902 – 1989. Berlin 1997; Wentker, H.: Volksrichter in der SBZ/DDR 1945 bis 1952. München 2001; Amos, H.: Kommunist. Personalpolitik in der Justizverwaltung der SBZ/DDR (1945 – 53). In: Bender, G. (Hrsg.): Recht im Sozialismus. Frankfurt (Main) 1999; Schlüter, H.: Zwischen Recht u. Unrecht. Lebensläufe dt. Juristen. Düsseldorf 2004.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Benscheid, Gustav Adolf

* 9.9.1888 – ✝ 26.10.1961

Geboren am 9. September 1888 in Remscheid, Sohn eines Feilenhauers. Schlosser, von 1914 bis 1918 Soldat einer Pionierkompanie, anschließend bis 1920 in seinem Beruf tätig. Seit 1907 Mitglied der Gewerkschaft und der SPD. 1910 Funktionär der Ortsverwaltung Remscheid des DMV. Er trat 1914 aus Protest aus der SPD, schloß sich während des Krieges der Spartakusgruppe an und wurde Mitglied der KPD bei deren Gründung. Benscheid arbeitete von 1920 bis 1923 als hauptamtlicher Gewerkschaftssekretär, doch 1923 wurde er aus dem DMV ausgeschlossen. Danach Redakteur der KPD-Zeitung »Bergische Volksstimme« und Agitator der KPD im Rheinland, 1924 im Wahlkreis Westfalen-Süd in den Preußischen Landtag gewählt. Auf dem X. KPD-Parteitag 1925 Mitglied der Politischen Kommission. Mitte 1926 wurde Benscheid nach München-Gladbach geschickt, um dort den Einfluß des Ultralinken Heinrich Schlagewerth einzudämmen. Delegierter des XI. Parteitages 1927, auf dem er gegen die linke Opposition auftrat. Seit Oktober 1927 Sekretär des UB Koblenz. Auch 1928 wieder in den Landtag gewählt, diesmal im Wahlkreis Koblenz, Trier. Auf dem XII. Parteitag in Berlin-Wedding 1929 wandte er sich nicht nur scharf gegen die Versöhnler, sondern warf der Partei auch »Brandlerismus« vor, weswegen ihn Ernst Thälmann angriff. Die Delegation des Bezirks Mittelrhein distanzierte sich von Benscheid, und in der Folgezeit trat er etwas in den Hintergrund. 1932 Instrukteur der KPD in Braunschweig, zur Landtagswahl in Preußen 1932 jedoch nicht mehr als Kandidat aufgestellt. 1933 wurde er verhaftet und war einige Zeit im KZ Dachau, danach bei der Aktion »Gewitter« am 22. August 1944 erneut inhaftiert. Nach der Entlassung wieder als Feilenhauer in Heimarbeit beschäftigt, eröffnete er nach dem Krieg eine kleine Fabrik in Remscheid. 1946 Kandidat der KPD für die Wahlen zum Remscheider Stadtparlament, wurde er später aus der KPD ausgeschlossen und war seit 1950 1. Vorsitzender der BVN in Remscheid. Gustav Adolf Benscheid starb am 26.Oktober 1961 in Remscheid.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Benz, Irene

* 1899 – ✝ 23.9.1937

Geboren 1899 in Rußland, ihr ursprünglicher Name war Rosa Hartmann. Sie war Angestellte und seit 1924 Mitglied der KPD. Von 1923 bis 1930 bei der sowjetischen Handelsvertretung in Berlin und auch im illegalen Apparat der KPD tätig. 1930 in die Sowjetunion zurückgerufen, arbeitete sie 1931 in der Bauern-Internationale. Danach im Apparat der Komintern eingesetzt, ab 1934 in deren »Verbindungsdienst« der »Abteilung SS«. Im August 1937 vom NKWD verhaftet und in einer Sitzung der KPD-Führung am 23. September 1937 aus der Partei ausgeschlossen. Vom Militärkollegium des Obersten Gerichts der UdSSR wurde Irene Benz (Rosa Hartmann) am 1.November 1937 zum Tode verurteilt und erschossen.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Berg, Peter

* 7.4.1886

Geboren am 7. April 1886 in Simmern; übersiedelte früh ins Ruhrgebiet. Vor dem Ersten Weltkrieg Mitglied der SPD in Essen, danach im Spartakusbund aktiv. In der KPD Anhänger der Linken, war Berg Mitbegründer der KAPD im April 1920. Er wurde in Essen Sekretär dieser Partei und 1922 Bezirksleiter. Bei der faktischen Spaltung der KAPD in die Berliner und die Essener Richtung gehörte er zu deren Führung, blieb aber im Hintergrund. Bis 1924 Redakteur der »Kommunistischen Arbeiterzeitung – Essener Richtung«, dann verliert sich die Spur von Peter Berg.

Wer war wer in DDR

Berg, Hermann von

* 29.3.1933

Geb. in Mupperg (Krs. Sonneberg); Vater Metallarbeiter; 1945 Volkssturm. 1946 FDJ, 1950 SED; einjähriger Lehrgang an der Jugend-HS »Wilhelm Pieck«, anschl. 1. Sekr. der FDJ-KL Eisenach u. Mitgl. der SED-KL, zugl. Besuch der Abenduniv. in Erfurt; ab 1954 Studium der Geschichte, Ökon. u. Philos. am Franz-Mehring-Inst. der KMU Leipzig, stellv. Ltr. des Gesamtdt. Studentenkomitees der KMU Leipzig u. Tätigkeit für die Abt. Internat. Verbindungen des FDJ-ZR, erste Kontakte zu westdt. Juso-Funktionären; 1959 Abschl. als Dipl.-Lehrer; ab 1959 Hauptref. im Staatssekr. für HFS-Wesen; 1959 – 80 als IM »Günther« für die HV A erf.; danach Doz. an der FS für Außenwirtschaft bei Potsdam; spätestens ab Dez. 1961 konsp. Kontakte zu westdt. Politikern zur Anbahnung von Verhandl. über humanitäre Angelegenh.; ab 1962 Ltr. der Abt. Internat. Verbindungen im Presseamt beim Vors. des Min.-Rats, bis in die 70er Jahre Geheimverhandl. mit Emissären der Bundesreg., der SPD-Führung, des Senats von Berlin (West) u. der EG im Vorfeld der »neuen Ostpolitik«, u. a. zur Vorbereitung der Passierscheinabkommen (Dez. 1963, Sept. 1964), der Treffen zwischen Willy Brandt u. -> Willi Stoph in Erfurt (März 1970) u. Kassel (Mai 1970), des dt.-dt. Grundlagenvertrags (Nov. 1972); 1971 VVO; ab 1966 Aspirant an der AfG, Archivstudien in versch. bundesdt. Städten; 1970 Prom. mit einer Arbeit zur Geschichte der »Dt. Arbeiterverbrüderung«; anschl. Doz. an der HU Berlin, Sekt. ML; 1972 ord. Prof. an der Sekt. Wirtschaftswiss.; 1973 für ein Jahr abgestellt an das Min. für Außenwirtschaft zur Koordinierung der DDR-Positionen für Verhandl. zwischen RGW u. EG; Lektor bei Weiterbildungsmaßnahmen für staatl. Führungskader; Jan. 1978 Übergabe einer Erklärung, in der u. a. die nat. Frage thematisiert u. die SED-Führung scharf kritisiert werden, an das Hamburger Magazin »Der Spiegel«, veröff. als »Manifest der SED-Opp.«, anschl. bis März 1978 U-Haft beim MfS; 1980 Habil. mit einer Arbeit zu Ost-West-Wirtschaftsbeziehungen; Anf. der 80er Jahre nach öff. Kritik am MfS u. Intervention -> Erich Honeckers Wechsel zur Sekt. Geschichte; Behinderung der wiss. Arbeit u. Publ.-Tätigkeit durch das MfS; 1985 illeg. Übergabe von zwei Buchmanuskripten mit Radikalkritik an Marx u. am östl. Wirtschaftssystem an einen Kölner Verlag, Aug. 1985 Ausreiseantrag, Austritt aus der SED, Sept. Veröff. des Buches »Die Analyse« in Köln, anschl. Verhöre durch das MfS u. Haftandrohung, Beurlaubung u. Entlassung von der HU Berlin, nach Intervention bundesdt. Politiker u. Einschaltung des Anwalts -> Wolfgang Vogel Mai 1986 Ausbürgerung u. Ausreise in die Bundesrep. Dtl.; 1987 – 90 an der Univ. Würzburg; scharfe Kritik an der Ostpol. der SPD. 1990 – 92 Lehrtätigkeit an der HU Berlin.Marx.-Lenin. Das Elend der halb dt., halb russ. Ideologie. Köln 1987; Die DDR auf dem Weg in das Jahr 2000 (mit F. Loeser u. W. Seiffert). Köln 1987; Vorbeugende Unterwerfung. Pol. im realen Soz. München 1988. Geppert, D.: Störmanöver. Das »Manifest der Opposition« u. die Schließung des Ost-Berliner »Spiegel«-Büros im Januar 1968. Berlin 1996.Jan Wielgohs

Wer war wer in DDR

Berger, Almuth

* 29.4.1943

Geb. in Tangermünde (Elbe), aufgew. in Jerichow, später in Berlin; Eltern Theologen; 1961 Abitur; 1961 – 66 Studium der Theol. an der HU Berlin; 1975 2. theolog. Examen u. Ordination; 1976 – 85 Pastorin in der St. Michaelis-Gemeinde Magdeburg, 1986 – 90 in der St. Bartholomäus-Gemeinde Berlin; ab 1976 Mitarb. in der Bezugsgr. Frieden bei der Studienabt. des Bunds der Ev. Kirchen, beteiligt an den Magdeburger Friedenssonntagen, Mitbegr. des Krs. »Frauen für den Frieden« in Magdeburg; erste Anstöße für kirchl. Ausländerarbeit in der Kirchenprovinz Sachsen, seit 1986 intensive Arbeit mit Mosambikanern, 1988 maßgebl. beteiligt an der Gründung des ersten Begegnungszentrums für In- u. Ausländer in der Bartholomäus-Gemeinde Berlin (»Cabana«, später in mehreren Städten aufgegriffen: »Cabana-Bew.«); ab 1987 Mitarb. im Arbeitskrs. »Absage an Praxis u. Prinzip der Abgrenzung« u. ab Herbst 1989 in der daraus entstandenen Bürgerbew. Demokratie Jetzt (DJ); 1989/90 DJ-Delegierte in der Arbeitsgr. Ausländerfragen des Zentr. Runden Tischs; 1.3.1990 auf Vorschlag des Runden Tischs Berufung zur Staatssekr. u. Ausländerbeauftr. in der zweiten Reg.  Hans Modrow, später Übernahme in die Reg.  Lothar de Maizière; 3.10.1990/91 Ausländerbeauftragte in der »Gemeinsamen Einrichtung der Länder«. 1991 – 2006 Ausländerbauftragte des Landes Brandenb.; Theodor-Heuss-Preis; Bundesverdienstkreuz; Vors. des »Aktionsbündnis gegen Gewalt, Rechtsextremismus u. Fremdenfeindlichkeit« im Land Brandenb.; seit 2001 Mitgl. des Beirats des entw.-pol. Netzwerks »Inkota«; 2006 Ruhestand; lebt in Schmöckwitz (b. Berlin).Die Dt. und die Fremden. Aus dem Alltag eines Einwanderungslandes. Berlin 1995.Helmut Müller-Enbergs / Jan Wielgohs

Wer war wer in DDR

Berger, Götz

* 26.1.1905 – ✝ 6.3.1996

Geb. in Berlin in einer dt.-jüd. Familie; Vater Studienrat; Volksschule u. Gymnasium; Studium der Rechts- u. Staatswiss. sowie der Volksw. an den Univ. Berlin u. Freiburg i. Br.; 1923 Kommunist. Studentengr.; 1925 KJVD; 1927 KPD, RH u. Internat. Juristenvereinig. (dort Mitgl. des dt. LV); 1929 Prom. zum Dr. jur.; Referendartätigkeit in Berlin; 1932 Rechtsanwalt in der Kanzlei  Hilde Benjamins in Berlin-Wedding; Mai 1933 nach einjähriger Rechtsanwaltstätigkeit »wegen kommunist. Betätigung, insbes. Tätigkeit für die RH« während der NS-Zeit aus der Rechtsanwaltschaft ausgeschl.; Mai – Juli 1933 in Paris, anschl. in Spanien (Mallorca, Valencia, Barcelona); Nov. 1936 – Febr. 1939 Interbrigadist im span. Bürgerkrieg, in der XI. Brigade als Dolmetscher, Einsatz im Ausbildungszentrum Madrigueras, dort Sekr., pol. Arbeit; 1938 KP Spaniens; Febr. 1939 nach Frankreich, dort bis 1941, danach bis 1943 in Djelfa (Algerien) interniert; kurze Zugehörigkeit zur brit. Armee in Algerien; 1943 – 46 Emigr. in die UdSSR; nach Ankunft in Krasnowodsk Verhöre durch das NKWD, anschl. Arbeiter in einer Seidenfabrik in Turkmenistan. April 1946 Rückkehr nach Dtl.; 1946 KPD/ SED; 1946 – 50 Mitarb., dann stellv. Ltr. der Abt. Justiz des ZS, dann des ZK der SED; maßgebl. Mitarb. am Aufbau der Justiz (insbes. der Richterschulen); Okt. 1950 – Mai 1951 Doz. an der DVA; Mai 1951 – Jan. 1957 Oberrichter in der Berliner Justiz (Vors. in Strafsachen wegen schwerer Staats- u. Wirtschaftsverbrechen); Dez. 1952 »beurlaubt« während der Kampagne gegen Westemigranten im Kontext des Slánský-Prozesses; 1957 kurzz. Sekr. der Vereinigung Demokrat. Juristen; ab Febr. 1958 Rechtsanwalt im Rechtsanwaltskolleg. von Groß-Berlin; 1959 Mitarb. des Sekr.  Ulbricht beim ZK der SED; seit 1963 Rechtsanwalt u. Mitgl. des Kolleg. der Rechtsanwälte Berlin; Mai 1975 VVO; 1.12.1976 im Zusammenhang mit der Übernahme der Verteidigung von  Robert Havemann u. dem Eintreten gegen die Aberkennung der Staatsbürgerschaft von  Wolf Biermann (in einem vertraul. persönl. Schreiben an das ZK hatte er rechtl. u. pol. Bedenken geltend gemacht) aus dem Rechtsanwaltskolleg. ausgeschl. u. Entzug der Zulassung als Rechtsanwalt; 15.11.1989 durch den Minister für Justiz rehabil. Verstarb im Gerichtssaal nach seiner Zeugenaussage gegen die Richter im »Havemann-Prozeß« vor dem LG Frankfurt (Oder).Zutrittserschleichung. Berlin 1929; Mit dem linken Auge ? Satiren aus dem Alltag des »realen Sozialismus«. Berlin 1991; Wie ich Olga Benario versteckte. Berlin 1995. Černý, J., Gloede, E. (Red.): Ein Jurist mit aufrechtem Gang. G. B. zum 90. Geburtstag. Berlin 1995; Leighton-Langer, P.: X steht für unbekannt. Deutsche u. Österreicher in den brit. Streitkräften im Zweiten Weltkrieg. Berlin 1999.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Berger, Rolf

* 29.12.1936 – ✝ 29.7.2009

Geb. in Leipzig; Vater Elektriker; Oberschule, Abitur; 1951 FDJ, 1955 SED; 1955 – 58 Ausbildung zum Flugzeugführer an der Offiziersschule »Franz Mehring« in Bautzen, Ernennung zum Ultn., Angeh. des Jagdfliegergeschwaders »Wilhelm Pieck«, Fluglehrerlizenz; 1960/61 Polit-Stellv. der Fliegerstaffel FG-7; 1961 – 64 Studium an der Militärakad. »Friedrich Engels« in Dresden, Dipl.-Militärwiss.; 1964/65 Ltr. Lufttaktik/Luftschießen des Jagdflieggeschwaders JG-9, 1965 – 68 Stellv. des Kdr. für flieger. Ausbildung des JG 9 der 3. Luftverteidigungsdiv. (LVD), 1968 – 73 Kdr. des Jagdflieggeschwaders JG-9 »Heinrich Rau« der 3. LVD, 1973 – 77 Abt.-Ltr. Ausbildung Jagdfliegerkräfte/Jagdbombenfliegerkräfte im Stab Luftstreitkräfte/Luftverteidigung (LSK/LV), 1977 – 80 Stellv. des Kdr. für Jagdflieger der 1. LVD, 1980 – 82 Studium an der Generalstabsakad. der UdSSR, 1.9.1982 – 31.10.1985 Kdr. der 3. LVD (Nachf. von Hans Partzsch); 1984 Gen.-Major, 1988 Gen.-Ltn., 1986 – 89 Stellv. des Chefs LSK/LV u. Chef des Stabes (Nachf. von  Manfred Barthel), Dez. 1989/90 Chef LSK/LV der NVA (Nachf. von  Wolfgang Reinhold); gest. in Strausberg (b. Berlin).Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Berghaus, Ruth

* 2.7.1927 – ✝ 25.1.1996

Geb. in Dresden; Volksschule, Gymnasium; 1944 Mitgl. der NSDAP. Studium an der  Palucca-Schule Dresden; Mstr.-Schülerin von  Wolfgang Langhoff an der DAK, prägende Begegnung mit  Bertolt Brecht; 1951 – 64 Regieassistentin u. Choreographin an der Palucca-Schule, an versch. Berliner Bühnen (u. a. Dt. Theater, Theater der Freundschaft); 1954 Heirat mit  Paul Dessau; 1962 SED; 1964 – 77 am Berliner Ensemble (BE), 1970 stellv. Intendantin, Juli 1971 – April 1977 Intendantin des BE (Nachf. von  Helene Weigel); Inszenierungen hier u. a: 1968 »Viet Nam Diskurs« (Peter Weiss); 1974 »Die Mutter« (B. Brecht), gleichz. an der Dt. Staatsoper: 1966 »Puntila« (Paul Dessau), 1967 »Elektra« (Richard Strauss); 1972 Mitgl. der AdK; 1977 Regisseurin an der Dt. Staatsoper, Inszenierungen hier u. a.: 1979 »Das Rheingold« (Richard Wagner), 1983 »Die Verurteilung des Lukullus« (Paul Dessau), 1985 »Don Giovanni« (Mozart); 1973 VVO; 1978 Mitgl. des Präs. der AdK; 1974 u. 1987 NP; 1988  Konrad Wolf Preis der AdK; Gastinszenierungen u. a. in Wien, Paris, Cardiff, Mannheim, Freiburg i. Br. 1990 Mitgl. der PDS; Regie- u. Choreographiearbeiten an der Dt. Oper Berlin; gest. in Zeuthen (b. Berlin).Berliner Lektionen 1988. Berlin (West) 1989 (Mitautorin). Neef, S.: Das Theater der R. B. Berlin 1989; Bertisch, K.: R. B. Berlin 1990; Matussek, M.: Die Luxusdissidentin. Über die Regisseurin R. B. In: ders.: Palasthotel Zimmer 6101. Hamburg 1991; Gropp, U. (Regie): Anfänge – ein Regiekurs bei R. B. Berlin (SFB) 1994; Holtz, C.: R. B. Ein Porträt. Hamburg 2005.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Bergmann, Christine

* 7.9.1939

Geb. in Berlin; 1957 Abitur; 1957 – 63 Studium der Pharmazie an der KMU Leipzig, Staatsexamen; 1963 – 67 Arbeit in der Christburger Apotheke Berlin; 1967 – 77 freiberufl. Mitarb. beim »Zentralblatt für Pharmazie, Pharmakotherapie u. Laboratoriumsdiagnostik«; 1977 – 89 FDGB; 1977 – 90 wiss. Mitarb. im Inst. für Arzneimittelwesen der DDR; Ltr. des Red.-Sekr. beim »Zentralblatt für Pharmazie«; 1989 Prom. mit einer Untersuchung zur Effektivität der Arzneimittelinformation in der DDR an der HU Berlin; seit Dez. 1989 SDP/SPD; Febr. – Mai 1990 Abt.-Vors., 1990 – 2004 stellv. Vors. des SPD-LV Berlin; Mitgl. des SPD-KV Berlin-Hellersdorf; Mai 1990 – Jan. 1991 Mitgl. u. Präs. der Stadtverordnetenvers. von Berlin. Jan. 1991 – Okt. 1998 Mitgl. des Berliner Abg.-Hauses u. Bürgermeisterin; 1991 – 96 Senatorin für Arbeit u. Frauen in Berlin (Nachf. von Ingrid Stahmer), 1996 – 98 Senatorin für Arbeit, berufl. Bild. u. Frauen; 1995 – 2004 Mitgl. des SPD-Parteivorst. u. ab 1996 stellv. Vors. der Kommission Gesellschaftspolitik des SPD-Parteivorst.; 1998 – 2002 Bundesmin. für Familie, Senioren, Frauen u. Jugend (Nachf. von  Claudia Nolte); einziges ostdt. Kabinettsmitgl.; seit 2002 Vors. des SPD-Forums Einheit der Stadt Berlin; Apr. – Juli 2004 kommissar. Vors. des SPD-LV Berlin; 2007 Verdientsorden des Landes Berlin.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Benary, Arne

* 10.2.1929 – ✝ 10.10.1971

Geb. in Greifswald; Vater Arzt; Studium der Wirtschaftswiss. an der Univ. Leipzig, anschl. wiss. Assistent, Prom. zum Dr. oec.; ab 1954 Oberassistent an der Wirtschaftswiss. Fak. der Univ. Leipzig; folgte 1955 seinem Lehrer  F. Behrens an das neugegr. Inst. für Wirtschaftswiss. der DAW in Berlin; 1956 Auslieferungssperre des gem. mit Behrens verfaßten Buches »Zur ökon. Theorie u. ökon. Politik in der Übergangsperiode«, wegen der dort enthaltenen Kritik am bürokrat.-zentralist. Wirtschaftssystem u. der Befürwortung einer demokrat. soz. Selbstverw., Vorwürfe des »Revisionismus«, Parteiverfahren u. 1958 Versetzung in das Kabelwerk Oberspree in Berlin; dort zunächst Abt.-Ltr. für Betriebsorg., später ökon. Dir.; engagierte sich hier bis zum endgültigen Scheitern der DDR-Wirtschaftsreform 1971 bei der betriebsprakt. Einführung des »Neuen ökon. Systems der Planung u. Ltg. der Volkswirtschaft« (NÖS); 1971 Suizid. B. galt neben Behrens als einer der wichtigsten Vertreter des »wirtschaftstheoret. Revisionismus« in der DDR u. Vordenker des NÖS.Aktuelle Probleme der Agrartheorie des Marxismus-Leninismus. Leipzig 1954. Draheim, H.-G.: Fritz Behrens u. A. B. als krit. Vordenker einer soz. Wirtschaftstheorie. Utopie kreativ (2002) 144.Hagen Schwärzel

Wer war wer in DDR

Benecke, Günter

* 26.11.1923

Geb. in Magdeburg; Vater Fotograf; 1945 – 46 Maurerpraktikum; 1946 – 49 Studium an der Staatl. Ing.-Schule Magdeburg; 1950 Mitarb. im Architekturbüro Wernecke; 1951 / 52 Mitarb. im VEB Industrieentwurf; 1953 / 54 Mitarb. im Entwurfsbüro Hoch- u. Industriebau; 1954 – 69 stellv. Chefarchitekt im VEB Hochbauprojektierung Magdeburg; stellv. Dir. des Wohnungsbaukombinats Magdeburg; 1963 – 66 Architekturstudium an der HAB Weimar, Dipl.; 1969 – 86 wiss. Mitarb. im Büro für Städtebau Suhl; 1969 städtebaul. Planung für die Wohnbebauung Steinweg; 1976 – 83 Umbau des Verwaltungsgebäudes für den Rat des Bez. Suhl; 1975 – 79 Wohngebiete Suhl-Nord u. Ilmenauer Straße II; 1976 – 82 Wohnhochhäuser Wilhelm-Pieck-Straße.Suhl – eine neue Stadt. Hrsg. vom Rat der Stadt Suhl. Suhl 1976. Barth, H., Topfstedt, T. u. a.: Vom Baukünstler zum Komplexprojektanten. Architekten in der DDR. Erkner 2000.Volker Wagner

Wer war wer in DDR

Benkowitz, Gerhard

* 2.6.1923 – ✝ 29.6.1955

Geb. in Sudshenka (UdSSR) als Sohn einer Wolgadt. u. eines dt. Offiziers, der 1915 in russ. Kriegsgefangenschaft geraten war; 1924 Umzug nach Weimar; 1929 Einschulung, 1931 Internatsschule bei Stuttgart, ab 1938 wieder in Weimar, 1941 dort Abitur; anschl. Offiziersanw. der Wehrmacht, Juli 1943 Verwundung in der Schlacht am Kursker Bogen; 1944 ein Semester Medizinstudium an der Univ. Jena. Nach 1945 Verhaftung des Vaters durch sowj. Geheimpolizei (Schicksal bis heute ungeklärt); Arbeit als Verkäufer, später in der Stadtverwaltung von Weimar, ab Ende 1946 bei der SMA Thüringen; 1946 LDP, Austritt 1946, 1948 SED; 1949 FS-Studium Russisch, 1950 Russischlehrer in Buttstädt, 1951 in Weimar, ab 1954 dort stellv. Schulltr.; 1949 Kontaktaufnahme zur KgU in West-Berlin, zunächst, um das Schicksal des Vaters aufzuklären, später Stimmungsberichte an die KgU; Herbst 1950 Bildung einer illeg. Widerstandsgr., trägt zeitw. illeg. eine Waffe, 1950 – 52 Vorbereitung von Sabotagemaßnahmen u. Sprengungen, die jedoch nicht vollzogen werden; nach 1952 Abkehr von der militanten Strategie u. Orientierung auf illeg. polit. Widerstand (Flugblätter, Kettenbriefe u. a.); 4.4.1955 Festnahme von B. u. Ehefrau; 22./23.6.1955 Schauprozeß am OG, 23.6.1955 Verkündung des Todesurteils, 29.6.1955 Hinrichtung durch Enthauptung in Dresden. Im Juni 1955 fanden drei lange geplante Schauprozesse statt; die Todesurteile hatte  Walter Ulbricht vor Prozeßbeginn genehmigt oder angeordnet. B. u. die KgU galten bis 1989 der DDR-Propaganda als »Beweise« für die militante Bekämpfung der DDR durch den »Klassenfeind«.Fricke, F. W., Engelmann, R.: »Konzentrierte Schläge«. Staatssicherheitsaktionen u. polit. Prozesse in der DDR 1953 – 1956. Berlin 1998.Ilko-Sascha Kowalczuk

Wer war wer in DDR

Benser, Günter

* 12.1.1931

Geb. in Heidenau (Sachsen); Ausbild. zum Industriekfm.; ABF; Studium der Geschichte an der Univ. Leipzig; 1952/3 Mitarb. beim Rat des Bez. Leipzig; 1955 – 89 wiss. Mitarb. am IML beim ZK der SED, zuletzt stellv. Abt.-Ltr.; 1964 Prom. am IfG beim ZK der SED mit einer Arbeit über Strategie u. Taktik der marxist. dt. Arbeiterparteien 1945 – 49; 1966 VVO; 1969 Prof. für Gesch. der Sozialdemokratie vor 1917 u. SED-Gesch.; Mitgl. des Rats für Geschichtswiss. u. des Nationalkommitees der DDR-Historiker; 1978 NP; 1989 – 92 gewählter Dir. des IfGA (Nachf. von  Günter Heyden); Vors. des Förderkreises Archive u. Bibliotheken zur Geschichte der Arbeiterbewegung bei der SAPMO.Zur Herausbildung der Eisenacher Partei. Berlin 1956; Die KPD im Jahre der Befreiung. Berlin 1985; DDR – gedenkt ihrer mit Nachsicht. Berlin 2000; Zusammenschluss von KPD u. SPD 1946. Berlin 2006; Was geschah mit den Archiven u. Bibliotheken. Berlin 2008.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Benzmann, Walter Friedrich Wilhelm

* 2.10.1885

Geboren am 2. Oktober 1885 in Traventhal/Krs. Segeberg. Vor dem Ersten Weltkrieg als Kraftfahrer bei verschiedenen Firmen beschäftigt, danach Kraftfahrer für das Städtische Rettungsamt Berlin. Seit 1923 Mitglied der KPD, gehörte Benzmann deren Geheimapparat an, wurde 1924 verhaftet und am 13. November 1925 vom Staatsgerichtshof zu einer Zuchthausstrafe verurteilt. Bis 1928 in Haft, anschließend sechswöchiger Erholungsurlaub auf der Krim. Von 1930 bis Februar 1933 offiziell in der Hausdruckerei des Karl-Liebknecht-Hauses angestellt, arbeitete Benzmann im Paßfälscherapparat von Richard Großkopf und war Bezirksverordneter in Berlin-Wilmersdorf. Walter Benzmann wurde am 27.Februar 1933 festgenommen und am 11.Januar 1935 vom VGH zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt. Sein weiteres Schicksal war nicht zu ermitteln.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Berg, Romanus

* 9.8.1894 – ✝ 8.10.1978

Geboren am 9. August 1894 in Lebehnke/Krs. Deutsch-Krone; von Beruf Bauarbeiter, seit 1919 Mitglied der KPD, 1928 Leiter des KPD-UB Schneidemühl. Berg wurde sowohl im Juli 1932 als auch im November 1932 im Wahlkreis Frankfurt/O. in den Reichstag gewählt. Am 15.März 1933 in Schneidemühl verhaftet, bis September 1934 in den KZs Hammerstein, Lichtenburg und Papenburg-Esterwegen in »Schutzhaft«. Nach seiner Entlassung Gelegenheitsarbeiter und von 1940 bis August 1944 Wehrmachtsangehöriger, zuletzt Oberbootsmaat (Hafen-Kommandant von Nizza). Nach 1945 lebte er in Niedersachsen, er trat politisch nicht mehr hervor. Romanus Berg starb am 8. Oktober 1978 in Stade.

Wer war wer in DDR

Bergander, Rudolf

* 22.5.1909 – ✝ 10.4.1970

Geb. in Meißen; Vater Werkzeugmacher; 1923 – 28 Ausbildung zum Porzellanmaler u. Arbeit in der Staatl. Porzellanmanufaktur Meißen; 1929 – 33 Studium an der Akad. für bildende Künste Dresden, Lehrer Richard Müller; Mstr.-Schüler von Otto Dix; 1928 KPD; 1929 Mitgl. der ASSO; 1933 – 40 freischaff. in Meißen; 1940 – 45 Wehrmacht, Kartenzeichner. 1946 KPD/SED; 1949 – 53 Lehrtätigkeit (Prof.); 1953 – 58 (Nachf. von  Fritz Dähn) u. 1964/65 Rektor der HS für bildende Künste Dresden (Nachf. von  Paul Michaelis); 1956 NP; 1961 Mitgl. der DAK, ständ. Sekr. für bild. Kunst der DAK; Studienreisen, u. a. nach Bulgarien, Italien, Rumänien, Jugosl., Polen, UdSSR, Ungarn, ČSR; gest. in Dresden. Werke: Das Jahr 1945 (1946), Kartoffelbuddlerinnen (1947), Kupferguß (1949, 1950), Das Hausfriedenskomitee (1952), Maurerlehrling (1956), Aufbauschicht (1959), Aufmarsch (1959), Arbeiter-Forscherkollekt. Agner/Thiele, Junge Menschen (1960/61); Bildnisse: Dr. Peters (1948), Olga Körner (1954), Meine Mutter (1954),  Otto Buchwitz (1957); Lithographienzyklus: Die Partei (1966).Schumann, W. (Hrsg.): R. B. Handzeichnungen. Aquarelle. Druckgrafik. Berlin 1978; Dänhardt, A.: R. B. Maler u. Werk. Dresden 1978; Kat. R. B. Staatl. Kunstsammlungen. Dresden 1969; Kat. R. B. Albertinum. Dresden 1959; Schumann, W.: R. B. Werkverzeichnis. Handzeichn., Aquarelle, Druckgrafik. Dresden 1978.Anke Scharnhorst / Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Berger, Christfried

* 7.1.1938 – ✝ 19.11.2003

Geb. in Posen (Poznań, Polen); Vater Pfarrer; 1945 Flucht nach Gotha (Thür.). 1956 dort Abitur; 1956 – 61 Studium der Theol. an der HU Berlin, anschl. bis 1963 kirchl. Ausbildung mit Vikariat in Zeuthen u. am Predigerseminar in Brandenb. u. a. bei  Albrecht Schönherr; Auseinandersetzung mit staatl. Stellen nach Verhaftungen von Mitgl. der Jungen Gemeinde in Schmöckwitz 1961; 2. Theolog. Examen mit der Arbeit »Krieg, Kriegsdienst u. Kriegsdienstverweigerung bei Dietrich Bonhoeffer«, anschl. Assistent am Ökumen. Inst. Berlin; 1963 Ordination; 1964 – 66 als erster ordinierter Pfarrer Wehrersatzdienst in den Baueinheiten der NVA, Aufbau u. mehrjährige Ltg. des illeg. Konvents ehem. Bausoldaten in der DDR, unter intensiver Beobachtung durch das MfS; 1966 – 76 Pfarrer in Berlin-Schmöckwitz; 1976 Oberkonsistorialrat u. Dezernent für Ökumene, Mission u. Diakonie im Ev. Konsistorium der Kirchenprovinz Sachsen in Magdeburg; 1979/ 80 Mitarb. in der Dialogabt. des Ökumen. Rats der Kirchen in Genf; Mitarb. in versch. ökumen. Gremien u. Arbeitskrs., u. a. in den Bereichen Polen, Christl.-Jüd. Zusammenarbeit u. jüd. Regionalgeschichte, Arbeitsgemeinschaft Christl. Kirchen, Ausländer in der DDR; zeitw. Vors. der »Ökumene-Komission« des Kirchenbundes, Gründungshrsg. des informellen Infodienstes »Ökumene-Brief«; 1985 Dir. des Ökumen.-Missionar. Zentrums der Berliner Missionsges.; 1989/90 Moderator der Arbeitsgr. »Ausländerpolitik« des Zentr. Runden Tischs. Seit 1992 Ltr. des Ökumen.-Missionar. Inst. des Ökumen. Rats Berlin; 1997 Ruhestand; Mitarb. am geschichtspol. Filmprojekt des ORB 1997 »Meuterei vor Rügen. Was geschah wirklich auf der MS ?Seebad Binz??«; gest. in Berlin.»Als die Synagogen brannten.« Kristallnacht u. Kirche 1938 – 1978 (Hrsg.). Berlin 1978; Genfer Zwischenbilanz – Werkstattberichte von Mitarb. des Ökumen. Rates der Kirchen (Hrsg.). Berlin 1981.Ehrhart Neubert

Wer war wer in DDR

Berger, Karl-Heinz

* 28.7.1928 – ✝ 25.11.1994

Geb. in Köln; Vater Angest., Mutter Schneiderin; nach dem Abitur 1947 – 52 Studium der Germanistik, Geschichte u. Anglistik an der HU Berlin, u. a. bei  Alfred Kantorowicz; 1952 – 57 Lektor im Verlag Neues Leben; 1957 / 58 Studium am Lit.-Inst. »Johannes R. Becher« in Leipzig; gehörte 1956 zum »Donnerstagskreis«, einer Gruppe junger, kritischer Intellektueller um den Lit.-Wissenschaftler Fritz J. Raddatz; infolgedessen vom MfS jahrelang in verschiedenen OV erfasst (OV »Stachel«, OV »Zersetzer«, OV »Literatur«); nach dem Rauswurf aus Verlag u. Lit.-Inst. ab 1958 freier Schriftsteller, Lektor u. Übersetzer u. a. der Werke von Conan Doyle u. Mark Twain; das eigene Werk umfasst Romane, Kinder- u. Jugendbücher, romanhaft angelegte Biografien über J. G. Fichte (1953) u. G. E. Lessing (1956), zudem gab er Anthologien heraus u. schrieb Drehbücher für den DFF; seit 1969 zahlr. Kriminalromane für die »DIE (Delikte-Indizien-Ermittlungen)-Reihe«; benutzte auch die Pseudonyme »K. Heinz« u. »Charles P. Henry«; gest. in Berlin.Robin Hood, der Rächer v. Sherwood. Berlin 1968; Die Wohnung oder Auswege ins Labyrinth. Berlin 1976; Im Labyrinth oder Spaziergänge in zwei Landschaften. Berlin 1984; Was ich weiß, macht mich heiß. Berlin 1992. Walther, J.: Sicherungsbereich Lit. Schriftst. u. Staatssicherheit in der DDR. Berlin 1996.Christian Krause

Wer war wer in DDR

Berger, Siegfried

* 24.7.1918 – ✝ 29.1.2002

Geb. in Sebnitz (Sächs. Schweiz); Vater Metallarb. u. Bäcker, seit 1920 Mitgl. der KPD; Dresdener Versuchsschule, 1930 Stipendium für die Höhere Versuchsschule, Mitgl. der Arbeiterjugendorg. »Kinderfreunde«, Arbeitersportverein, Arbeiter-Mandolinenbund, SAJ; Lehre als Elektro-Maschinenbauer, 1938 – 40 Ing.-Studium, anschließend dienstverpflichteter Ziviling. Okt. 1945 Entlassung aus amerikan. Internierungslager; ab Nov. 1946 Arbeit als Ing., zuletzt im SAG-Betrieb »Sachsenwerk« Radeberg; Mitgl. einer illeg. sozialdemokrat. Gruppe, Kontakt zum SPD-Ostbüro; Sept. 1950 Umzug nach Berlin, Entwicklungsing. im VEB Funkwerk Köpenick; hält Kontakt zum SPD-Ostbüro, transportiert u. a. illeg. Funkgeräte in die DDR; 17.6.53 Streikführer im Funkwerk, 20.6.53 Verhaftung, 2.7.1953 Verurteilung zu 7 Jahren Arbeitslager durch das sowj. Militärtribunal, Mai 1954 Transport nach Workuta, Okt. 1955 Rückkehr nach West-Berlin, dort erfährt er, daß ihn das MfS erneut wegen der Arbeit für das SPD-Ostbüro verhaften u. verurteilen will; Übersiedl. nach Hamburg, später Kiel, dort Arbeit als Ing., aktiv im SPD-Arbeitskreis ehem. polit. Häftlinge; gest. in Kiel.»Ich nehme das Urteil nicht an«. Ein Berliner Streikführer des 17. Juni vor dem sowj. Militärtribunal. 2. Aufl., Berlin 2000.Ilko-Sascha Kowalczuk

Wer war wer in DDR

Berghofer, Wolfgang

* 25.2.1943

Geb. in Bautzen; Vater Bauschlosser; bis 1959 OS; 1957 FDJ; 1959 – 62 Ausbildung zum u. 1963/64 Arbeit als Maschinenbauer; 1964 SED; 1964 – 67 Krs.-Sportlehrer, Mitarb. des DTSB-Krs.-Vorst. Bautzen, ab 1967 dessen stellv. Vors.; 1968/69 Sekr. der FDJ-KL Bautzen; 1969/70 Jugend-HS; ab 1970 Mitarb. des ZR der FDJ, u. a. stellv. Ltr. des Org.-Büros der Weltfestspiele der Jugend u. Studenten in Berlin 1973, 1978 – 85 dort Abt.-Ltr.; 1971 – 81 als IM »Falk« für das MfS erf.; 1985 Dipl.-Hist.; Jan. 1986 – Mai 1990 OB von Dresden (Nachf. von Gerhard Schill) u. Mitgl. des Bez.-Tags; schloß Dez. 1987 den Vertrag über die Städtepartnerschaft Hamburg-Dresden mit Bürgermstr. Klaus von Dohnanyi; VVO; Okt. 1989 Mitinitiator des Dresdener Dialogs mit der opp. Gruppe der 20; 3.12.1989 Mitgl. des Arbeitsaussch. zur Vorber. des a. o. Parteitags der SED, 8.12.1989 stellv. Vors. der SED/ PDS, Ltr. der Kommission Pol. System; 20.1.1990 Austritt aus der SED/PDS. Seit 1990 Unternehmensberater der Häussler-Gruppe in Berlin; Mai 1991 Anklage wegen »gemeinschaftl. Anstiftung zur Wahlfälschung bei den DDR-Kommunalwahlen vom Mai 1989«; Okt. 1991 Verfahrenseröffnung, Febr. 1992 ein Jahr Freiheitsstrafe, für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt, Urteil wurde vom BGH bestätigt; Unternehmensberater; 2001 Kand. bei den OB-Wahlen in Dresden; seit 2004 Vorstandsvors. der Betriebl. Versorgungswerke für Unternehmen u. Kommunen e. V. (BVUK); lebt in Berlin.Träumen verboten. Göttingen 1990; Meine Dresdner Jahre. Berlin 2001. Höppner, R.: Leben mit der DDR. Halle (Saale) 2000.Elke Reuter / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Bergmann, Karl Hans

* 17.3.1910 – ✝ 19.8.2007

Geb. in Berlin; Vater Arzt, Mutter Hausfrau; Volksschule u. Gymn. in Berlin; 1929 – 32 Studium der Gesch. u. Theaterwiss. in Berlin u. München; ab 1930 Regieass. an der Volksbühne Berlin; 1931 KPD; 1932 RGO, Mitgl. des Reichskomitees der RGO, Dez. 1932 Ltr. der RGO-Gruppe Film-Bühne-Musik; 1933 – 35 illeg. Arbeit für die RGO; ab 1934 Hrsg. der illeg. Ztschr. »Die Rampe«; 1935 Verhaftung in Berlin, 1935 – 39 Haft in den KZ Dachau u. Sachsenhausen; danach illegal in Berlin, 8.10.1942 Flucht über den Bodensee in die Schweiz; 1942 / 43 Internierung in versch. Lagern; ab 1943 illeg. Parteiarbeit (Deckn. »Hans Burckhardt«); Red. der Ztschr. »Freies Dtl.«; 1943 – 45 Studium an der Univ. Zürich; 1944 Vors. der Ltg. der BFD in der Schweiz, ab 1945 Mitgl. der Landesltg. der BFD (führte Verhandlungen mit dem OSS-Residenten in Bern, u. a. über Repatriierung von KPD-Kadern); Mai 1945 Ablösung von der Leitungsfunktion wg. »Verletzung der Parteibeschlüsse u. eigenmächt. Verkehrs mit den Berner Behörden«. Sept. 1945 illeg. Rückkehr nach Dtl.; Sept. 1945 – Jan. 1946 Red. beim ZK der KPD in Berlin, im Parteiverlag Der Neue Weg (später Dietz), Ablösung wg. Verweigerung von Zensurmaßnahmen; 1946 – 49 Lizenzträger, Vorstandsvors. u. ökonom. Dir. der DEFA; 1947 – 49 Ltr. des Dt. Filmverlags Berlin, Hrsg. der Ztschr. »Neue Filmwelt«, 1948 / 49 der Ztschr. »Bild u. Ton«; Ltr. der Gruppe Film der Genossensch. Dt. Bühnen-Angehöriger (GDBA); April 1949 Ablösung von allen Funktionen, Bruch mit der SED (Dez. 1949 Ausschluß); Sommer 1949 Umzug nach West-Berlin; 1949 Hrsg. von »Cinema«; bis 1950 freier Mitarb. bei »Die Neue Zeitung« (Ps. »Hans Burkhardt«); 1951 / 52 Abt.-Ltr. bei den Berliner Filmfestspielen; 1952 – 68 Geschäftsf. der Freien Volksbühne; 1952 – 58 Mitgl. des Verbands Dt. Kritiker; 1954 – 60 Red. der »Blätter der Freien Volksbühne Berlin«; ab 1960 freier Schriftsteller; 1965 – 69 SDS.Bismarck – im Kampf um das Reich. Genf 1944 (Tarnschrift zur Verbreitung in Dtl., Nachdr. Erlangen 1975); Babeuf – Gleich u. Ungleich. Köln 1963; Die Bewegung Freies Deutschland in der Schweiz 1943 – 1945. München 1974; Blanqui. Ein Rebell im 19. Jahrhundert. Frankfurt (Main) 1986; Der Schlaf vor dem Erwachen. Stationen der Jahre 1931 – 49. Berlin 2003.Bernd-Rainer Barth

dissidenten.eu

Bence, György

* 1941 – ✝ 2006

Philosoph, einer der wichtigsten Vordenker der demokratischen Opposition in Ungarn, gemeinsames Pseudonym mit János Kis: Marc Rakovski.Geboren in Budapest, studierte György Bence in den Jahren 1961–66 Philosophie an der Loránd-Eötvös-Universität in Budapest. Ab 1962 war er gemeinsam mit János Kis Schüler des bekannten ungarischen Soziologen György Márkus. 1966 erhielt er eine Anstellung als Assistent im Institut für Philosophie der Ungarischen Akademie der Wissenschaften. Als er 1967 in die Ungarische Sozialistische Arbeiterpartei (MSZMP) eintreten wollte, wurde er als Mitglied abgelehnt. Nachdem ein Jahr später die Akademie der Wissenschaften sein Stipendium nicht verlängert hatte, nahm er eine Arbeit als Redakteur im Akademie-Verlag (Akadémiai Kiadó) auf. 1968 publizierte er den Aufsatz „Marcuse und die neulinke Studentenbewegung“ (Marcuse és az újbaloldali diákmozgalom), in dem er sich mit der neuen gesellschaftlichen Situation nach dem Ausbruch der Studentenproteste beschäftigte. Nach 1968 nahm er an Seminaren teil, die in den Wohnungen von Péter Donáth und später von Ferenc Kőszeg stattfanden. 1969–72 war er Aspirant bei den Philosophen Georg Lukács und György Márkus. Gemeinsam mit Márkus und János Kis verfasste er in den Jahren 1970–72 die Arbeit „Wie ist eine kritische Wirtschaftslehre möglich?“ (Hogyan lehetséges kritikai gazdaságtan?) – eine kritische Analyse der strukturellen Fehler im Marx’schen „Kapital“. Darin heißt es unter anderem: „Die von Marx konzipierte Logik des ökonomischen Systems […] führte dazu, dass sich die Ergebnisse seiner Prämissen gegen die Freiheit der Arbeiter und Verbraucher kehrten.“ Die Autoren lehnten die Methodologie von Lukács ab und kamen zu dem Schluss, dass Reformen ausschließlich über oppositionelle Tätigkeit bewerkstelligt werden könnten und dass die Oppositionellen Kontakte mit Vertretern nichtmarxistischer philosophischer Richtungen knüpfen müssten. Im Jahre 1973 startete das Zentralkomitee der MSZMP Ermittlungen gegen die drei Autoren des Buches (also gegen György Bence, János Kis und György Márkus) sowie gegen vier weitere Philosophen. Alle wurden mit einem Publikations- und Reiseverbot belegt, sie durften Ungarn nicht verlassen. Bence fand nirgends feste Arbeit, lebte von gelegentlichen Aufträgen und Lektoratsarbeiten, publizieren konnte er nur im Ausland oder in Untergrundverlagen. In den Jahren 1973–75 verfasste er gemeinsam mit János Kis unter dem Pseudonym „Marc Rakovski“ das Buch „Die Gesellschaft sowjetischen Typs mit marxistischen Augen betrachtet“ (A szovjet típusú társadalom marxista szemmel), in dem die Autoren den Prozess der Einbeziehung der an den Rand der Gesellschaft gedrängten ungarischen Intelligenz in die oppositionelle Arbeit und allgemein die Rolle der Intelligenz in der Dissidentenbewegung beschrieben. Beim Verfassen des Buches hielt Bence sich immer noch für einen Marxisten, aber an die von der marxistischen Propaganda verbreiteten Visionen glaubte er schon lange nicht mehr. Ende 1976 übersetzte Bence gemeinsam mit János Kis eines der Werke von Iván Szelényi, einem 1975 in die Emigration gedrängten ungarischen Soziologen. Dieses mit einer kommentierenden Einleitung von Bence/Kis versehene Buch war die erste bewusst als Untergrundliteratur herausgegebene Publikation in Ungarn. Im Januar war Bence gemeinsam mit János Kis, János Kenedi und Mária Pap Autor eines Protestschreibens gegen die Inhaftierung der Sprecher der *Charta 77 in der Tschechoslowakei und sammelte Unterschriften. 1979 verurteilte er gemeinsam mit János Kis und János Kenedi, die Repressionen, denen sich die Charta-77-Unterzeichner ausgesetzt sahen. Anfang 1979 reiste er nach Polen, wo er sich mit führenden *KOR-Vertretern traf und sich zudem mit der Arbeitsweise illegaler Verlage vertraut machte. Während seines Aufenthalts in Polen wurde er rund um die Uhr von der Polizei observiert. 1979–80 war Bence an der Herausgabe der *Bibó-Festschrift (Bibó Emlékkönyv) beteiligt. Darin erschien auch der gemeinsam mit János Kis verfasste Aufsatz „Beschränkte Revolution, eingeschränktes Mehrparteiensystem, bedingte Souveränität“ (Határolt foradalom, megszoritott többpártrendszer, feltételes szuverenitás). 1981 war Bence entschieden dagegen, die Untergrundzeitschrift *„Beszélő“ (Sprecher) ins Leben zu rufen, da er meinte, die ungarische Opposition sei als eine vom Rest der Gesellschaft isolierte Gruppe ohne realen Einfluss auf die Ereignisse zu klein. Durch diese Haltung litten die zuvor engen Kontakte zu János Kis. 1982 durfte György Bence zum ersten Mal in den Westen reisen, er nutzte dies zu einem einjährigen Aufenthalt an der New School for Social Research in New York, wo er im Rahmen eines Stipendiums an einem Forschungsvorhaben zu Osteuropa teilnahm. 1983 schloss er sich dem Duray-Komitee an, das als Reaktion auf die Repressalien durch tschechoslowakische Gerichte gegen Miklós Duray entstanden war. 1985 nahm er am *Treffen in Monor teil. Anlässlich des im Oktober 1985 in Budapest stattfindenden Europäischen Kulturforums publizierte er den Aufsatz „Zensierte und alternative Publikationsmöglichkeiten in der ungarischen Kultur“ (Cenzurázott és alternativ közlési lehetőségek a magyar kultúrában), lehnte es jedoch ab, seine Unterschrift unter einen Aufruf der Opposition an die Teilnehmer des Forums zu setzen. Von 1986 bis 1989 arbeitete Bence für die in Paris erscheinende Zeitschrift *„Magyar Füzetek“ (Ungarische Hefte), für die er auch bereits in den Jahren zuvor etliche Beiträge verfasst hatte. 1986 und dann wieder 1988/89 war er Dozent an der New School for Social Research in New York. Im Februar 1988 gründete er gemeinsam mit István Eörsi, Ferenc Kőszeg, Sándor Radnóti und Vilmos Sós das sogenannte Passport-Komitee, das sich für Reisefreiheit einsetzte. Als ihnen der Reisepass verweigert wurde, begannen im Juli 1988 einige Personen – unter ihnen Kőszeg, Tamás Molnár und Jenő Fonay – einen Hungerstreik; andere schlossen sich ihnen an. Durch den Hungerstreik erwirkten sie tatsächlich, dass ihnen Reisepässe ausgehändigt wurden. Im Jahre 1989 folgte dann ein Gesetz, das die bis dahin geltenden Beschränkungen aufhob. Nach dem Ende der kommunistischen Diktatur betätigte sich Bence einige Jahre lang als Berater von *Fidesz (Fiatal Demokraták Szövetsége/Bund Junger Demokraten). 1989 war er zudem Mitglied des Redaktionskollegiums der „Budapesti Könyvszemle“ (Budapester Buchschau, BUKSZ), deren Chefredakteur er dann wurde. Im selben Jahr begann er seine Arbeit an der Budapester Loránd-Eötvös-Universität, wo er ab 1990 den Lehrstuhl für Sozialphilosophie und Ethik leitete und 1991 zum Professor ernannt wurde. 1992/93 forschte er am Woodrow Wilson Center in Washington, 1995 lehrte er an der University of Wisconsin. Ab 1991 war er Vorsitzender der Philosophischen Kommission der Ungarischen Akademie der Wissenschaften, ab 1992 Vorsitzender des sogenannten Unsichtbaren Kollegs (Láthatatlan Kollégium), einer von George Soros finanzierten Seminarreihe für hochbegabte Studenten. 2005 schuf György Bence die Online-Presseschau „Metazin“ (http://www.metazin.hu). György Bence starb 2006 in Budapest. Posthum wurde er mit dem Albert-von-Szent-Györgyi-Preis geehrt.Péter Hermann Aus dem Polnischen von Gero Lietz Letzte Aktualisierung: 06/15

Handbuch Deutsche Kommunisten

Benedum, Fritz

* 20.2.1902 – ✝ 25.12.1965

Geboren am 20. Februar 1902 in Kusel, von Beruf Kraftfahrer. Benedum war Mitglied der KPD und seit 1929 Mitglied der BL Pfalz, im November 1932 für den Wahlkreis Pfalz in den Reichstag gewählt. Im Frühjahr 1933 Emigration in das Saargebiet. Da er sich zunächst weigerte, zur illegalen Arbeit nach Deutschland zu gehen, aus der KPD ausgeschlossen. Schließlich wurde er nach seiner Rückkehr nach Deutschland am 8. Juni 1933 verhaftet und bis Juli 1933 in »Schutzhaft« genommen. Bei Kriegsausbruch im September 1939 erneut inhaftiert, blieb er bis Januar 1940 im KZ Buchenwald. Nach der Entlassung wieder Arbeiter in Kusel. Von Januar 1942 bis 1945 Wehrmacht, zuletzt Obergefreiter. 1945 wieder Mitglied der KPD, 1946 Mitglied der KL Kusel und in den Kreistag gewählt, 1948 zusätzlich Mitglied des Stadtrates von Kusel. Im September 1949 noch Kandidat zur Bundestagswahl, trennte sich Benedum von der KPD und ging 1950 zur UAPD über, später trat er politisch nicht mehr hervor. Fritz Benedum starb am 25. Dezember 1965 in Kusel.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Benkwitz, Max

* 23.7.1889 – ✝ 12.10.1974

Geboren am 23. Juli 1889 in Groitschen/Thüringen; lernte Former. 1909 Mitglied der Gewerkschaft und 1912 der SPD, 1917 der USPD; trat mit der linken USPD 1920 zur KPD über. Benkwitz spielte eine führende Rolle in Zeitz, wo er sich nach dem Krieg als Bergarbeiter niedergelassen hatte. Nach den Unruhen der Bergarbeiter im Zeitzer Gebiet (1923), bei denen es elf Tote gab, mußte er fliehen. Danach Parteisekretär in Schlesien und Oberschlesien, dort im November 1923 in Breslau (die Polizei war durch Alfred Hamann genau informiert) verhaftet. Weil Benkwitz im Mai 1924 zum Reichstagsabgeordneten der KPD gewählt wurde, aus dem Gefängnis entlassen. Als Anhänger der Ruth-Fischer-Führung Mitglied der BL und Leiter des UB Zeitz. Im Dezember 1924 nicht mehr in den Reichstag gewählt. Nach dem »Offenen Brief« 1925 schloß sich Benkwitz der linken Opposition an und faßte noch im August 1927 als Polleiter die linken Funktionäre in Zeitz zu Fraktionssitzungen zusammen, auf denen Hugo Urbahns sprechen konnte. Er löste sich von der Opposition, wohl nicht zuletzt deshalb, weil ihm 1927 ein Prozeß vor dem Reichsgericht bevorstand. Die KPD-Führung drohte ihm die Entziehung jeder Unterstützung an, falls er sein »fraktionelles Treiben« nicht aufgäbe. Benkwitz erhielt zwei Jahre Festung (wegen Zersetzung der Schupo und Vorbereitung zum Hochverrat), die er teilweise auf der Festung Gollnow absaß. 1928 Mitglied des Provinziallandtags von Halle-Merseburg. Leiter des RFB HalIe-Merseburg, den er (nach dessen Verbot 1929) illegal weiterführte. 1930 bis 1933 war Benkwitz Filialleiter des Neuen Deutschen Verlages in Halle, Leipzig, Berlin und Hamburg. Da er 1933 illegal für die KPD weiterarbeitete, schon im Mai 1933 inhaftiert und bis 1937 im KZ. Anschließend Arbeiter in einer Kiesgrube. Am 1. September 1939 erneut verhaftet, war er bis 1945 im KZ Buchenwald. 1945 wurde Benkwitz Leiter der KPD in Zeitz und Stadtrat, von 1946 bis 1950 einer der beiden Vorsitzenden der SED in Zeitz. Von 1950 bis 1952 gehörte er der LPKK Sachsen-Anhalt an und war 1950 Kandidat der ZPKK. Bis 1958 Abteilungsleiter beim Rat der Stadt Halle bzw. beim Rat der Stadt Zeitz tätig. Als Arbeiterveteran erhielt er 1973 den Karl-Marx-Orden. Max Benkwitz starb am 12.Oktober 1974 in Zeitz.

Wer war wer in DDR

Benthien, Bruno

* 12.4.1930

Geb. in Schwerin; Vater Gärtnermstr.; OS, Abitur; 1948 FDJ; 1949 FDGB; 1949 – 52 Studium der Geographie, Anglistik u. Pädagogik an der Univ. Rostock, 1952/53 der Geographie an der EMAU Greifswald, Dipl.-Geograph; 1953 – 58 dort wiss. Assistent, 1956 Dr. rer. nat.; 1958/59 Oberassistent, 1959 Dr. rer. nat. habil.; 1960 – 62 Doz.; 1962 LDPD; 1962 a. o. Prof., 1969 ord. Prof. für allg. u. regionale Ökon. der soz. Staaten; 1970 Dr. sc. nat.; 1968 – 89 Dir. bzw. ab 1986 Ltr. des Wiss.-Ber. Ökon. Geographie der Sekt. Geographie an der EMAU Greifswald, Veröff. zu hist. Flurformen, Bevölkerungs- u. Siedlungsgeographie; 1968 – 71 stellv. Vors. u. 1980 – 84 Vors. des Krs.-Verb. Greifswald der LDPD, 1963 – 76 Abg. des Bez.-Tags Rostock; 1971 – 76 stellv. Vors. der Ständ. Kommission Erholungswesen; 1976 – 90 Abg. der Volkskammer, dort Mitgl. des Aussch. für Arbeits- u. Sozialpol.; 1980 – 84 Vors. der LDPD im Krs. Greifswald; Banner der Arbeit; Verdienstmedaille der DDR; Pestalozzi-Medaille; Nov. 1989 – April 1990 Min. für Tourismus; März – Aug. 1990 Bund Freier Demokraten, danach FDP; April – Okt. 1990 Staatssekr. im Min. für Handel u. Tourismus u. Vors. der Ges. für liberale Politik e. V. Anschl. erneut Ltr. eines Wissenschaftsber. am Geograph. Inst. der EMAU Greifswald; Mitgl. des Kuratoriums der Friedr.-Naumann-Stiftung.Die hist. Flurformen des südwestl. Mecklenb. Schwerin 1960; DDR. Ökon. u. soziale Geographie. Gotha 1990; Geographie der Erholung u. des Tourismus. Gotha 1997; Vom Studenten in Rostock zum Professor. Greifswald 2000; Was geschah am 17. Juni? Berlin 2003; Division Brandenburg. Berlin 2004. Vom Studenten in Rostock zum Professor u. Direktor der Sektion Geographie der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald. Greifswald 2000.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Berends, Ernst

* 20.10.1901 – ✝ 17.1.1975

Geb. in Zehdenick; Vater Schmied; Volks- u. Mittelschule; Lehre u. Arbeit als Buchdrucker; Präparandenanstalt, Lehrerseminar, 1920 – 32 Red. bei versch. Ztg., u. a. »Zehdenicker Tageblatt«, »Laubaner Neueste Nachrichten« u. »Neumärkische Tägliche Nachrichten« sowie Mitarb. in der Pressestelle des Polizeipräs. Berlin; 1920 Mitgl. des Buchdruckerverban-des u. des Reichsverbandes der Dt. Presse, 1926 DDP, 1931 SPD; 1933 – 40 kaufm. Angest.; 1940 – 45 Wehrmacht, brit. Kriegsgef. 1945 / 46 SPD / SED; 1946 Angest. bei der Charlottenburger Wasser- u. Industriewerke AG; ab 25.2.1946 Redakteur der SPD-Ztg. »Märker«; 1946 – 48 Chefred. der SED-Ztg. »Märkische Volksstimme«, des späteren Organs der SED-BL Potsdam; 1948 Flucht in die Westzonen; gest. in West-Berlin.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Berg, Helene (Lene)

* 10.4.1906 – ✝ 21.2.2006

Geb. in Mannheim; Vater Müller, später Holzfabrikarb., Mutter Dienstmädchen; 1912 – 20 Volksschule in Mannheim; 1920 – 23 Ausbildung zur Schneiderin in Mannheim, 1923 – 28 im Beruf bei versch. Schneiderfirmen in Mannheim tätig; 1922 Mitgl. der Gewerkschaft; 1921 – 24 Mitgl. der SAJ, 1924 – 27 des KJV, Teiln. an »antimiltarist. Arbeit« unter den französ. Besatzungstruppen in der Pfalz, »Zersetzungsarbeit« bei der dt. Polizei; 1926 Besuch der Volksheim-HS des ADGB in Tinz; Okt. 1927 Mitgl. der KPD; leitete die Frauenarbeit in der BL Baden; 1928 – 31 Kursantin an der Internat. Lenin-Schule (ILS) in Moskau u. sowj. Staatsbürgerschaft; 1929 – 31 Mitgl. der KPdSU; 1931/32 Mitarb. im ZK der KPD, Instrukteurin in der Abt. Agit. u. Prop.; 1932/33 Sekr. der KPD-BL Hannover; 1933 – 35 illeg. pol. Arbeit in Dtl., 1933 Agit.-Prop.-Sekr. der KPD-BL Halle, 1933/34 Pol.-Ltr. des KPD-Bez. Württemberg (Nachf. von  Max Opitz), 1934/35 Instrukteurin der KPD-BL Saargebiet (»Lotte«); 1935 über Frankreich in die UdSSR emigriert (»Helene Berg«); 1935 – 37 stellv. Ltr. des dt. Sektors der Internat. Lenin-Schule (»Lene Neckar«), zugl. Lehrerin für Geschichte der KPdSU u. für Geschichte der dt. Arbeiterbew.; 1938 Mitarb. des Ino-Radios in Moskau, danach Konsultantin bei Sojus-Djetfilm (Kinderfilmstudio); 1939 – 41 wiss. Mitarb. der KPD-Vertr. bei der KI, (mit  Rudolf Lindau) Sammlung von Materialien zur KPD-Geschichte; 1941 – 43 Lehrerin bzw. Ltr. der dt. Gruppe an der KI-Schule Kuschnarenkowo bei Ufa (»Lene Ring«); Sept. 1943 – Dez. 1945 Lehrerin u. Ltr. des dt. Sektors an der Antifa-Schule für dt. Kriegsgefangene 165 in Taliza, teilw. auch an der PHS der KPdSU in Moskau; Mai 1945 Lehrerin an der KPD-Schule b. Moskau. April 1946 Rückkehr nach Dtl.; 1946 KPD/ SED; 1946 Lehrerin an der zentr. Parteischule der KPD/SED in Liebenwalde; 1946 – 51 Ltr. des Büros des Landessekr., dann Ltr. der Abt. für Prop. des SED-LV Sachsen-Anh. (enge Mitarb. von  Bernhard Koenen); ab 1949 Mitgl. der SED-LL Sachsen-Anh., Sekr. für Prop., Kultur u. Erziehung; 1951 kommissar. Dir. der PHS; 1951 – 58 Dir. des IfG beim ZK der SED, Prof.; 1954 – 58 Kand., 1958 – 89 Mitgl. des ZK der SED; 1958 – 71 Red. der Ztschr. »Probleme des Friedens u. des Soz.« in Prag; 1965 Banner der Arbeit; 1966 u. 1968 KMO; 1968 VVO; 1972 – 74 stellv. Dir., 1974 – 79 Dir. des Inst. für Meinungsforschung beim ZK der SED (Nachf. von  Karl Maron); April 1976 Stern der Völkerfreundschaft; 1976 Dr. phil. h. c. der AfG; 1979 – 89 Konsultantin in der Abt. Internat. Verbindungen des ZK; 1981 Großer Stern der Völkerfreundschaft; zeitw. verh. mit  Paul Wandel. Jan. 1990 Mitgl. des Rats der Alten der SED/ PDS; gest. in Berlin.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Bergemann, Sibylle

* 29.8.1941 – ✝ 1.11.2010

Geb. in Berlin; Vater Lehrer, Mutter Sekr.; 1950 – 58 Schule in Blankenfelde (b. Berlin); 1958 – 60 Ausbildung zum Kfm.; 1960 – 65 Bürotätigkeit; 1965 – 67 Arbeit in der Red. der Ztschr. »Magazin«; ab 1966 fotograf. Ausbildung bei  Arno Fischer; seit 1967 freischaff. als Fotografin; 1967 Mitgl. der Gruppe »Direkt«; ab 1969 Fotos für die Wochenztg. »Sonntag«, ab 1973 für die Modeztschr. »Sibylle« u. das »Magazin«; Fotografin für den Buchverlag Der Morgen u. den Greifenverlag; erste Personalausstellung 1974 im Haus der Jungen Talente, Berlin; ab 1977 VBK; 1986 Abschluß der fotograf. Dok. zur Entstehung des Marx-Engels-Denkmals in Berlin. 1990 Gründungsmitgl. der Arbeitsgemeinschaft der Fotografen »Ostkreuz«; 1990 Ausstellung PPS-Galerie Hamburg; 1991 Beteiligung am Projekt »Almediterranea 92«, Almería (Spanien); 1994 Mitgl. der AdK; 2006 in der AdK Berlin u. 2007 im Museum f. Photographie Braunschweig; lebte zuletzt mit dem Fotographen Arno Fischer in Gransee; gest. in Margarethenhof bei Gransee.Ein Reiseverführer (Text K. Walter). Rudolstadt 1980; Himmelhölle Manhattan (Text I. Runge). Berlin 1986; Du sollst nicht immer Holland sagen (Text I. Runge). Berlin 1990; Verwunderte Wirklichkeit. Berlin 1992; Photographien. Heidelberg 2006. Voigt, J. In: S. B. Verwunderte Wirklichkeit. Berlin 1992.Anke Scharnhorst

Wer war wer in DDR

Berger, Eduard

* 22.6.1944

Geb. in Posen (Poznań, Polen); Ausbildung zum Elektroinstallateur; 1963 Aufnahme des Studiums der Theol. an der MLU Halle; 1965 Verurteilung wegen versuchter Republikflucht zu 15 Mon. Haftstrafe; nach der Entlassung Forts. des Studiums am Katechet. Oberseminar in Naumburg (Saale) u. am Sprachenkonvikt in Berlin, anschl. Vikar in Halle; Inspektor eines Wohnheims der Theol.-Studenten in Halle; 1973 Ordination, Pfarrer in Kakerbeck (Altmark); 1978 Pfarrer an der Weinbergskirchengemeinde in Dresden; ab 1983 Superintendent im Kirchenkrs. Meißen u. Dompfarrer in Meißen. 1991 – 2001 Bischof der Pomm. Landeskirche (Nachf. von  Horst Gienke); seitdem Beauftragter der ev. Kirchen in Sachsen bei der Sächs. Landesreg.Roger Sitter / Ehrhart Neubert

Wer war wer in DDR

Berger, Max

* 11.7.1893 – ✝ 25.5.1970

Geb. in Freiwaldau (Krs. Sagan, Niederschles./ Gozdnica, Polen); Vater Arbeiter; Volksschule; Kartonagenschneider; 1907 Arbeiterjugend, 1915 – 18 Militärdienst; 1912 – 24 SPD, 1926 KPD; 1920 – 23 Rechtsvertreter im Berliner Mieterverein »Königstor«, anschl. bis 1926 deren Vors.; später Angest. in der Inseraten-Expedition für Arbeiterztg.; 1925 – 33 eigene Praxis als Rechtsbeistand; 1932/33 Ltr. der Jur. Abt. der »Kampfgemeinschaft für Rote Sporteinheit«; 1933/34 illeg. pol. Arbeit in Niederschl.; Inhaber eines Zigarrengeschäftes; 30.1.1936 verhaftet, 26.1.1937 Verurteilung wegen »Vorber. zum Hochverrat« zu 32 Mon. Zuchthaus; 1939 – 45 Kartonagenarbeiter u. Hilfskontrolleur. Mai 1945 Aufbau der KPD-UB-Ltg. Berlin-Prenzlauer Berg sowie der Staatsanwaltschaft in Berlin-Prenzlauer Berg auf Befehl der sowj. Kommandantur; Okt. 1945 fristlose Kündigung durch den Gen.-Staatsanwalt Wilhelm Kühnast wegen »mangelnder akademischer Bildung«, nach Protest Staatsanwalt in Berlin-Mitte; 1946 SED; Nov. 1948 Sektorenstaatsanwalt für den sowj. Sektor; ab Febr. 1949 Gen.-Staatsanwalt beim LG Berlin C 2; ab Juli 1950 Oberstaatsanwalt von Berlin (Ost); Eintritt in die DVP, später KVP, ab 1956 NVA; ab 1.3. 1953 beauftragt mit der Bildung der Staatsanwaltschaft in den bewaffneten Organen, Oberstaatsanwalt der DVP im MdI; 1954 VVO; 1956 Chef der Verw. Militäroberstaatsanwaltschaft im Min. für Nat. Verteidigung u. erster Militäroberstaatsanwalt; 30.9.1958 Beendigung des aktiven Wehrdienstes; später Mitarb. im NR der NF.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Berger, Uwe Ludwig

* 29.9.1928 – ✝ 16.2.2014

Geb. in Eschwege (Hessen); Vater Reichsbankdirektor; aufgew. in Emden, Augsburg u. ab 1939 in Berlin; 1939 – 44 Oberschule; 1944 / 45 Flakhelfer, Marineoffiziersanwärter; setzte nach der Entlassung aus dem Militärdienst die Schule fort; Abitur; 1947 – 49 Studium der Germanistik u. Kunstwiss. an der HU Berlin; 1949 FDGB, FDJ, KB; 1950 DSF; 1949 – 51 Mitarbeiter beim Verlag Volk u. Wissen; 1951 – 55 Lektor beim Aufbau-Verlag; seitdem freiberufl. Schriftsteller; 1970 – 86 vom MfS als IM »Uwe« erfaßt; leitete ab 1982 den Zirkel schreibender Tschekisten des MfS; 1973 – 89 Vorstandsmitgl. des SV; 1982 – 89 Mitgl. des Präsidialrats u. Vizepräs. des KB; verfasste vorrangig Gedichte, daneben auch Romane, Erzählungen u. Essays, trat zudem als Hrsg. in Erscheinung u. a. der Anthologie »Lyrik in der DDR« (mit  Günther Deicke, 1970); 1961 Johannes-R.-Becher-Preis; 1968 Heinrich-Heine-Preis; 1972 NP; 1974 Verdienstmed. der DDR; 1982 Johannes-R.-Becher-Med.; 1988 VVO; Theodor-Körner-Preis. Nach 1990 vereinzelt Essays u. Rezensionen u. a. für den »Tagesspiegel«; zuletzt erschien der Lyrikband »Den Granatapfel ehren. Hundert Gedichte 1946 – 89« (2007); gest. in Berlin.Der Dorn in dir. Gedichte. Berlin 1958; Der Erde Herz. Gedichte. Berlin 1960; Mittagsland. Gedichte. Berlin 1965; Bilder der Verwandlung. Gedichte. Berlin 1971; Das Verhängnis. Roman. Berlin 1983. Walther, J.: Sicherungsber. Lit. Schriftst. u. Staatssicherheit in der DDR. Berlin 1996.Christian Krause

Handbuch Deutsche Kommunisten

Bergmann, Hermann

* 31.12.1892 – ✝ 1938

Geboren am 31. Dezember 1892 in Küstrin als Sohn eines Bankdirektors. Nach dem Studium arbeitete Bergmann als Arzt. 1918 Mitglied der USPD, 1920 der KPD, 1920/21 Mitglied der Zentrale des KJVD, außerdem ehrenamtlich für die KPD im Parteibezirk Berlin-Brandenburg tätig. 1933 zunächst nach Prag, anschließend in die UdSSR emigriert. Hier Arzt im Kreml-Krankenhaus, in der IRH und als Oberinspektor im Moskauer Volkskommissariat für Gesundheitswesen tätig. Im November 1936 wurde er vom NKWD verhaftet und am 16. August 1937 zu fünf Jahren Freiheitsentzug verurteilt. Er kam in das Lager Magadan, wo er 1938 starb. Bergmann war von 1917 bis 1933 mit Franziska Hentschel (* 6. 4. 1894 – † 25. 2. 1971) verheiratet. Franziska Bergmann, die ebenfalls der Zentrale des KJVD angehörte, war Redakteurin der Zeitung »Junge Garde«, später bei Eugen Varga in der sowjetischen Botschaft in Berlin. Im April 1933 mit Hermann Bergmann in die UdSSR emigriert, später heiratete sie dort den Arzt Joseph Rubens (* 1900 – †1969), der von März 1938 bis November 1939 ebenfalls in der UdSSR in Haft war. Der mit in die Sowjetunion emigrierte Sohn Peter Bergmann (* 10. September 1921) wurde am 10. September 1941 unter dem Vorwurf des Verdachtes der Spionage verhaftet. Franziska Bergmanns Bemühungen, ihren Sohn zu retten, waren vergebens. Peter Bergmann wurde als »sozialgefährliches Element« am 13. Juni 1942 zu fünf Jahren Verbannung verurteilt, er starb am 4. Juli 1942 im Lager Krasnojarsk. Franziska und Joseph Rubens kamen 1948 in die SBZ. Sie war zunächst in der Abteilung Politkultur der HVDVP, später Mitarbeiterin im ZK der SED, zuletzt am IML. Hermann Bergmann wurde 1957 »rehabilitiert«.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Bergmann, Karl Hans

* 17.3.1910 – ✝ 19.8.2007

Geboren am 17. März 1910 als Sohn eines Arztes; März 1929 Abitur, 1929 bis 1932 Studium der Geschichte und Theaterwissenschaften. 1931 Dramaturgie-Assistent an der Volksbühne Berlin, ab 1931 in der KPD, Mitglied des Reichskomitees der RGO und ab Ende 1932 Leiter der RGO-Gruppe Film-Bühne-Musik. Von 1933 bis 1935 illegale Arbeit als UB-Leiter und Instrukteur der BL in Berlin. Am 27. März 1935 verhaftet, 5./6. Januar 1936 Verurteilung zu zwei Jahren Gefängnis, von 1937 bis 1939 in den KZs Dachau und Sachsenhausen, danach in der Widerstandsgruppe um Beppo Römer, Oktober 1942 Flucht in die Schweiz, Redakteur der Zeitung »Freies Deutschland«. Im Oktober 1945 kehrte er nach Deutschland zurück, Mitarbeiter im ZK der KPD, 1946 bis 1949 Lizenzträger und Direktor der DEFA, später des Deutschen Filmverlages. Im März 1949 Austritt und Bruch mit der SED, war bis 1950 freier Mitarbeiter an »Der Neuen Zeitung«. Von 1952 bis 1968 Geschäftsführer der Freien Volksbühne Berlin. Im Jahre 2003 veröffentlichte Karl Hans Bergmann unter dem Titel: »Der Schlaf vor dem Erwachen. Stationen der Jahre 1931-1949« seine Lebenserinnerungen. Bianka Aybar veröffentlichte 2005 einen biographischen Artikel über Karl Hans Bergmann. Karl Hans Bergmann starb am 19. August 2007 in Berlin.Bernd-Rainer Barth