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BioLex

In der Kategorie BioLex finden Sie drei biografische Lexika mit über 5500 Personeneinträgen.

 

Das Handbuch "Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945" wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam. Kurzbiografien zu Personen des poltischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 vor. Zudem ist das Onlinlexikon www.dissidenten.eu komplett in dieser  Rubrik recherchierbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Inforamtionen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Leonhard, Wolfgang

* 16.4.1921 – ✝ 17.8.2014

Geb. in Wien; Vater Schriftst.  Rudolf L.; 1931/32 Karl-Marx-Schule in Berlin, 1932 – 33 Landschulheim Herrlingen (Ulm); 1933 – 35 Schulbesuch in Stockholm (Schweden); 1935 UdSSR, 1935 – 37 Karl-Liebknecht-Schule in Moskau, anschl. bis 1940 an einer sowj. Schule; 1939 Komsomol; 1939/40 Vorbereitungskurs, 1940 – 41 Studium am Lehrerinst. für Fremdsprachen Moskau; Sept. 1941 im Zuge der Deportation der dt. Minderheit Zwangsumsiedl. nach Kasachstan; 1940/41 Kurse im ZK der MOPR; 1941/42 Studium an der hist. Fak. des Lehrerinst. Karaganda; 1942/43 KI-Schule in Kusnarenkovo; Mitarb. des NKFD; 1943/44 Mitarb. der Red. u. 1944/45 Sprecher des Senders Freies Dtl. in Moskau; 30.4.1945 Rückkehr nach Dtl. als Mitgl. der Initiativgr.  »Walter Ulbricht«. Juni 1945 Mitgl. der Red. der »Dt. Volksztg.« in Berlin; 1945 – 47 stellv. Ltr. der Pressestelle des ZK der KPD bzw. des PV der SED; 1946 SED; 1947 – 49 Doz. für Geschichte an der PHS; Gastdoz. an der Zentralschule der FDJ; nach KI-Beschluß zur Jugoslawienfrage Bruch mit dem Stalinismus; März 1949 Flucht nach Jugosl.; am 23.3.1949 wegen »trotzkist. Tätigkeit« Ausschl. aus der SED; ab April 1949 Red. des Auslandsprogramms »Radio Beograd«; seit 1950 Journalist u. Publizist in der Bundesrep. Dtl., u. a. Mitarb. von »Ostprobleme«, »Die Zeit«, »Neue Ruhr-Ztg.«; 1951/52 Unabh. Arbeiterpartei Dtl.; 1956 – 58 Studien- u. Forschungsaufenthalt an der Univ. Oxford; 1963/64 Columbia-Univ. New York; ab 1966 Gastprof. u. ab 1972 Prof. an der Hist. Fak. der Yale Univ. New Haven; lebte seit 1978 in Manderscheid (Eifel); gest. in Daun (Eifel).Die Rev. entläßt ihre Kinder. Köln 1955; Kreml ohne Stalin. Köln 1959; Die Dreispaltung des Marxismus. Düsseldorf 1970; Spurensuche. 40 Jahre nach »Die Rev. entläßt ihre Kinder«. Köln 1992; Die Reform entläßt ihre Väter. Stuttgart 1994; Spiel mit dem Feuer. Russlands schmerzhafter Weg zur Demokratie. Bergisch Gladbach 1998; Die Vereinigung von KPD u. SPD zur SED. Berlin 2006; Meine Geschichte der DDR. Berlin 2007.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Leps, Georg

* 24.11.1892 – ✝ 19.2.1961

Geboren am 24. November 1892 in Berlin; lernte Klempner. 1910 Mitglied der SPD und der Gewerkschaft. Soldat im Weltkrieg. 1918 Übertritt zur USPD, kam 1920 mit deren linkem Flügel zur KPD. Von 1925 bis 1929 war er Abgeordneter der Stadtverordnetenversammlung von Groß-Berlin. Leps arbeitete bis 1928 als Klempner und übte verschiedene ehrenamtliche Funktionen aus. 1925 zunächst aktiv für die linke Opposition, ging er zum Thälmann-ZK über. 1928 Parteisekretär der KPD in Berlin-Kreuzberg, im selben Jahr Abgeordneter des Preußischen Landtags. 1929 UB-Leiter Berlin-Nord. Bis 1932 Sekretär der BL Berlin-Brandenburg, u. a. für Wirtschaftsfragen zuständig. 1932 nicht mehr als Kandidat für die Landtagswahl aufgestellt, er schied auch aus dem hauptamtlichen Parteiapparat aus. Im Februar 1933 verhaftet, saß Leps bis Oktober 1933 im KZ Sonnenburg. Nach der Freilassung in seinem Beruf tätig, dann im Zusammenhang mit dem 20. Juli 1944 erneut inhaftiert und bis Dezember 1944 im KZ Sachsenhausen eingesperrt. 1945 wieder Mitglied der KPD. Ab September 1945 in der BL Brandenburg für Wirtschaftspolitik verantwortlich. 1946 Sekretär der SED-Landesleitung Brandenburg, zugleich Abgeordneter des Brandenburgischen Landtags, 1948 kam Leps als Vertreter Brandenburgs in die DWK. Er erhielt im April 1951 von der ZPKK eine Parteistrafe wegen »Unklarheiten über seine Vergangenheit in den Jahren 1925/26« und spielte keine politische Rolle mehr. Er wohnte als Parteiveteran in Potsdam, wo Georg Leps am 19. Februar 1961 starb.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Leschnitzer, Franz

* 12.2.1905 – ✝ 16.5.1967

Geboren am 12. Februar 1905 in Posen, Sohn einer jüdischen Apothekerfamilie; studierte Nationalökonomie, Germanistik, Jura und Philosophie. Er schloß sich der Deutschen Friedens-Gesellschaft und 1926 der Gruppe Revolutionärer Pazifisten an. Seit 1925 ständiger Mitarbeiter der satirischen Wochenschrift »Der Drache«, der Zeitschriften »Weltbühne«, »Die Neue Generation« u.a. Blätter. Ende 1930 Mitglied der IAH, 1931 Redaktionssekretär der Zeitschrift »Der Rote Aufbau«. Er wurde im Oktober 1931 Mitglied der KPD und des BPRS. Ab März 1932 Sekretär des Kampfkomitees gegen Faschismus und Krieg, im März 1933 emigrierte er nach Wien, später in die âSR und gehörte zu den ersten Mitarbeitern der Zeitung »Der Gegen-Angriff«. Ende Mai 1933 kam Leschnitzer in die Sowjetunion, wurde Redakteur bei der Zeitschrift »Internationale Literatur« und der DZZ, ab 1934 Mitglied des sowjetischen Schriftstellerverbandes. Einem 1936 von Leschnitzer und Jolan Kelen-Fried gemeinsam erstellten »Literatur-historischen Lesebuch« wurden vulgär-soziologische Tendenzen unterstellt. Im Oktober 1941 nach Taschkent evakuiert, im August 1942 »wegen Mangels an Wachsamkeit gegenüber sowjetfeindlichen Elementen« aus der KPD ausgeschlossen. Er blieb bis Sommer 1948 als Hochschullehrer in Taschkent, dann Rückkehr als Übersetzer nach Moskau. Ende 1959 Ausreise in die DDR, Aufnahme in die SED, lebte als freischaffender Autor und Übersetzer, wurde 1960 Mitglied des DDR-Schriftstellerverbandes und promovierte 1964 mit »Goethes Faust und die sowjetische Literatur«. Franz Leschnitzer starb am 16. Mai 1967 in Ost-Berlin. Sein erste Frau Hildegard, geborene Samson (*30. 7. 1904 – † 5. 12. 1974), Tochter eines jüdischen Fotografen, war Stenotypistin, u. a. bei der »Weltbühne«. Im Sommer 1933 Emigration über Prag in die Sowjetunion, Mitarbeit bei den Zeitschriften »Internationale Literatur« und »Das Wort«, später Stenotypistin bei der RGI und im Volkskommissariat für Außenhandel. 1941 Evakuierung nach Tomsk und in einer landwirtschaftlichen Genossenschaft eingesetzt. August 1947 Rückkehr nach Deutschland, Mitglied der SED, zunächst Mitarbeiterin der Zeitschrift »Theater der Zeit«, 1949 der »Täglichen Rundschau«, später beim »Neuen Deutschland«.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Lessing, Gottfried

* 14.12.1914 – ✝ 11.4.1979

Geb. in St. Petersburg; Vater Hüttening.; Schwester  Irene Gysi; 1918 Auswanderung der Familie nach Dtl., da der Großvater als Industrieller enteignet worden war; Volksschule, 1928 – 33 Gymnasium in Berlin-Zehlendorf; 1933 – 38 Studium der Rechtswiss. u. Nat.-Ökon. an der Univ. Berlin; Nov. 1937 Prom. zum Dr. jur.; Jan. 1938 als rass. Verfolgter Emigr. nach Großbritannien; 1938/39 Volontär bei »The London Assurance«; März 1939 Versicherungsagent bei »The London Assurance« in Salisbury (Süd-Rhodesien); 1939/41 Fahrlehrer, Tabaksortierer, Gelegenheitsarb.; 1941 – 46 Kanzleiangest. eines südrhodes. Rechtsanwaltsbüros; Okt. 1942 – 49 Mitbegr. u. Vors. der illeg. KP Süd-Rhodesiens; seit Gründung bis 1949 Mitgl. des ZV der Ges. zur Freundschaft mit der UdSSR in Süd-Rhodesien; 1944 Heirat mit der späteren Schriftst. Doris Lessing, geb. May Wisdom. 1947 – 49 Kanzleivorst. in einem Rechtsanwaltsbüro in Salisbury; 1949 – 51 Mitgl. u. Funktionär der KP Großbritanniens in London; Mai – Juli 1949 arbeitslos; 1949/50 Mitarb. u. Mitgl. im ZV der Brit.-Sowj. Freundschaftsges.; Okt. 1950 Rückkehr nach Berlin (DDR); nicht als VdN anerkannt; Parteiüberprüfung; Okt. 1950 – Sept. 1951 freiberufl. wiss. Mitarb. vorwiegend im Dietz Verlag in Berlin; Aug. 1951 SED; Dez. 1951 – Juli 1952 Gruppenltr. Kap. Ausland im Min. für Außenhandel u. Innerdt. Handel (MAI); Juli – Nov. 1952 Vorbereitungsarbeiten zur Gründung der KfA, in diesem Rahmen Sept. 1952 Gründer u. erster Vors. des Komitees in der DDR zur Förderung des Welthandels in Leipzig; Nov. 1952 – 57 Präs. der KfA; 1957 als VdN anerkannt; 1957/ 58 PHS; 1958 Mitarb. im MAI; Jan. 1959 – Dez. 1960 Handelsrat in Indonesien; ab 1961 Mitarb. des MfAA; 1961 – 65 Ltr. der Abt. Afrika (4. Außereurop. Abt.); 1965 VVO; 1965 – 69 Gen.-Konsul in Tansania; 1969 Führungskaderlehrgang am Inst. für Internat. Beziehungen (ASR); 1969 wiss. Berater in der Abt. für Analyse, Prognose u. Planung des MfAA; 1969 – 77 dort wiss. Mitarb. der HA Grundsatzfragen u. Planung; 1973 – 75 Mitgl. der jeweiligen DDR-Delegation bei den Tagungen der UN-Vollvers.; Sept. 1977 Botschafter in der Rep. Uganda; April 1977 Zweitakkreditierung in der Rep. Ruanda; fiel im April 1979 mit seiner zweiten Frau u. weiteren DDR-Bürgern d. bewaffneten Auseinandersetzungen in Kampala (Uganda) zum Opfer.Bernd-Rainer Barth / Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Leucht, Kurt Walter

* 8.6.1913 – ✝ 4.9.2001

Geb. in Ellefeld (Vogtl.) in einer Arbeiterfamilie; 1927 – 31 Kunst- u. Bauschule Plauen, Maurerlehre; 1931 – 33 arbeitslos u. gelegentl. Tätigkeiten als Bauarb.; 1933 NSDAP; 1934/ 35 Wehrmacht (Luftwaffe); 1935 – 41 Mitarb. im Architekturbüro Georg Sagebiel Dresden (Ltr. des Entwurfbüros beim Luftkreiskommando III) bzw. im Büro von Erich Mendelsohn Berlin; Industrie- u. Verw.-Bauten in Berlin, München, Stuttgart u. Salzgitter; 1938 Studienreise durch Italien; 1939 – 41 externes Studium an der TH Berlin-Charlottenburg; 1942 – 45 Militärdienst als Regierungsbauinspektor in den Niederlanden u. Italien, Gefangenschaft. 1945/46 KPD/SED; 1946 Mitarb. im Planungsamt Dresden; 1948 Ltr. u. Oberbaurat; 1948 – 66 Mitarb. im Internat. Verb. für Raumplanung, Städtebau u. Siedlungswesen; 1950 Ltr. der Abt. Städtebau im Min. für Aufbau u. verantw. für die »Aufbaustädte«; 1951 – 61 Mitgl. des Präsidialrats des Dt. Normenaussch. in Essen; 1952 Mitgl. der DBA u. Dir. des Inst. für Städtebau u. Siedlungswesen, Planung für Stalinstadt (seit 1961 Eisenhüttenstadt) u. Projektierung des Abschnitts D der Stalinallee Berlin; 1952 NP; 1952/53 Gen.-Projektant Stalinstadt; 1958 – 62 Lehrauftrag an der HU Berlin u. 1962 – 64 an der Ing.-Schule Berlin; 1960/61 im Koll. mit Hartmut Colden,  Joachim Näther u. Konrad Braun Planung der Wohnbez. zw. Rostock u. Warnemünde; 1963 Ltr. der städtebaul. Planung für die Stadtzentren Dresden, Suhl, Leipzig, Magdeburg; 1966 – 69 Stadtarchitekt in Dresden, maßgebl. Planung des Neuaufbaus der Prager Str., Konzeption für den Wiederaufbau der Frauenkirche; Anteil an der Umgestaltung der Zentren von Berlin u. Dresden; gest. in Dresden.Grundlagen der Wiederaufbauplanung Dresdens. Dresden 1950; Die erste neue Stadt in der DDR. Berlin 1957. Buchleister, S.: K. W. L. – zum Leben u. Werk eines Architekten u. Städteplaners in der DDR. Diplomarbeit HU Berlin 1988; Schüttrumpf, J.: K. W. L., Planer von Stalinstadt, der »ersten soz. Stadt Dtl.« In: R. Beier (Hrsg.): Aufbau West, Aufbau Ost. Die Planstädte Wolfsburg und Eisenhüttenstadt in der Nachkriegszeit. Ostfildern-Ruit 1997; May, R.: Planstadt Stalinstadt. Ein Grundriß der frühen DDR – aufgesucht in Eisenhüttenstadt. Dortmund 1999; Schütrumpf, J.: K. W. L. Planer von Stalinstadt. Dt. Hist. Museum. Berlin 1997.Simone Hain

Wer war wer in DDR

Leutert, Kurt Gerald

* 16.7.1929 – ✝ 1.6.1999

Geb. in Waldheim; dort 1948 Abitur; 1948 – 53 Studium der Med. an der Univ. Leipzig, dort 1953 Prom. u. 1954 Staatsexamen; klein. Pflichtzeit in den Kliniken der KMU Leipzig, dort 1955 Übernahme der Vorlesung in Histologie u. Stationsarzt in der medizin. Klinik bei  Max Bürger; 1957 Ass. bei Kurt Alverdes mit voller Planstelle am Anatom. Inst. der KMU Leipzig, dort Facharztausbildung, 1958 Oberass., 1961 Habil., 1962 Doz. u. 1967 Prof. mit Lehrauftrag für Anatomie; 1969 ord. Prof. für makroskop. Anatomie u. Dekan der Med. Fak. der KMU Leipzig, dort 1973 Prom. B zum Dr. sc., 1981 – 95 Dir. des Anatom. Inst.; 1990 – 95 Prorektor für Med.; 1990 – 91 Rektor ad interim der Univ. Leipzig (Nachf. von  Horst Hennig). 1994 Caspar-Borner-Med. für Verdienste um die Erneuerung der Univ. Leipzig; gest. in Leipzig. Arbeitsgebiete: funktionelle u. systemat. Anatomie.Die anatomischen Nomenklaturen von Basel, Jena, Paris in dreifacher Gegenüberstellung. Leipzig 1963; Systemat. u. funktionelle Anatomie des Menschen für mittl. med. Fachkräfte. Leipzig 1975; Atlas der Anatomie des Menschen nach systemat. u. topograph. Gesichtspunkten. Band 1, Leipzig 1978, Band 2, Berlin (West) u. a. 1979 (mit Rolf Bertolini); Funktionelle u. systemat. Anatomie des Menschen für Gesundheitsfachberufe. München 2008 (11. Aufl.).Stefanie Müller

Handbuch Deutsche Kommunisten

Leviné, Eugen

* 9.5.1885 – ✝ 3.5.1919

Geboren am 9. Mai 1885 in St. Petersburg, Sohn eines Großkaufmanns, der 1886 starb. 1897 mit der Mutter nach Deutschland übergesiedelt, besuchte das Gymnasium in Wiesbaden, nahm 1905 das Studium der Rechtswissenschaften in Heidelberg auf und studierte 1904/05 in Berlin. Im September 1905 ging er nach Rußland und nahm an der Revolution teil. Leviné, der Mitglied der russischen Sozialrevolutionären Partei war, wurde 1906 und erneut 1908 verhaftet und mißhandelt; 1909 konnte er nach Deutschland zurückkehren. Er schloß sein Studium der Nationalökonomie in Heidelberg mit der Dissertation »Typen und Etappen in der Entwicklung gewerkschaftlich organisierter Arbeiter« ab. Unter dem Pseudonym Goldberg (dem Mädchennamen seiner Mutter) arbeitete er für die SPD-Presse, er war in der SPD und im Mannheimer »Karl-Marx-Klub« der radikalen Sozialdemokraten aktiv. 1915 wurde Leviné badischer und damit deutscher Staatsbürger, er übersiedelte nach Berlin, wurde im Krieg zum Landsturm eingezogen und war Dolmetscher in einem Lager russischer Kriegsgefangener. Im Mai 1915 heiratete er Rosa Broido (* 18. 5. 1890 – †11. 11. 1979), Tochter eines Rabbiners, die später in der KPD wirkte, Ernst Meyer heiratete und zuletzt in London als Anti-Stalinistin und unabhängige Kommunistin bekannt wurde. Sie veröffentlichte 1972 eine weitverbreitete Leviné-Biographie und 1979 ihre eigenen Memoiren »Im inneren Kreis«. 1916 wurde ihr Sohn in Heidelberg geboren. Eugen Leviné schloß sich der Spartakusgruppe um Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht an, trat mit dieser 1917 der USPD bei und arbeitete 1918 in Berlin als Abteilungsleiter der sowjetischen Telegrafenagentur ROSTA. Nach der Novemberrevolution war er für den Spartakusbund im Rheinland tätig, die Arbeiter in Essen sandten ihn als Delegierten zum 1. Reichsrätekongreß. Leviné war Delegierter auf dem Gründungsparteitag der KPD, wo er sich – mit der Mehrheit der KPD – gegen die Beteiligung an den Wahlen zur Nationalversammlung aussprach, wie sie Paul Levi gefordert hatte. Leviné nahm an den Januarkämpfen 1919 in Berlin teil und war dann in Braunschweig und im Ruhrgebiet aktiv. Im März 1919 ging er nach Bayern und kam an die Spitze der KPD in München. Diese lehnte unter seinem Vorsitz die Beteiligung an der »Scheinräterepublik« (7. bis 15. April) ab. Am 15. April übernahm Leviné die Führung der kommunistischen Münchner Räterepublik (15. April bis 3. Mai 1919), die er bis zum 27. April leitete. Nach der militärischen Niederschlagung der Räterepublik ging er auf Beschluß der Parteiführung in die Illegalität. Am 13. Mai verhaftet, verteidigte Leviné vor dem Münchner Sondergericht mutig seine kommunistische Überzeugung (»Wir Kommunisten sind alle Tote auf Urlaub«). Eugen Leviné wurde zum Tode verurteilt und trotz zahlreicher Proteste am 5. Juni 1919 in München-Stadelheim erschossen.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Lewin, Gabriel (Gabo)

* 21.12.1906 – ✝ 14.2.1995

(* 1906 – † 1995) Geboren am 21. Dezember 1906 in Berlin, Sohn einer jüdisch-kleinbürgerlichen Familie; besuchte das Gymnasium, kaufmännische Lehre. 1924 trat er in die Kommunistische Jugend, 1926 in die KPD ein, wurde Funktionär im UB Berlin-Lichtenberg. Seit Herbst 1932 gehörte er dem ZK des KJVD an. Lewin kandidierte im März 1933 zum Preußischen Landtag, wurde gewählt, konnte aber sein Mandat wegen des Naziterrors nicht annehmen. Er emigrierte 1934 in die Niederlande und wurde nach der Verhaftung Fritz Grosses im August 1934 Vorsitzender des illegalen KJVD. Im Februar 1935 in Amsterdam inhaftiert und nach Belgien ausgewiesen, kam im September 1935 in die Sowjetunion. Da Lewin ein Anhänger Fritz Schultes war, im KJVD abgelöst, Redakteur der »Deutschen Zentral-Zeitung«. 1938 vom NKWD verhaftet und wegen »konterrevolutionärer Tätigkeit« zu zehn Jahren Haft verurteilt, er überlebte bis 1953 verschiedene Arbeitslager, darunter Kolyma. Lewin war schwerkrank und arbeitete dann, in Kasachstan zwangsangesiedelt, bis 1955 als Deutschlehrer. Am 16. April 1955 durch das Militärkollegium in Moskau »rehabilitiert«, konnte er einen Monat später in die DDR ausreisen. Hier begann er als Mitarbeiter beim Staatlichen Rundfunkkomitee bzw. beim »Neuen Deutschland« und wurde später Sektorleiter der Westabteilung im ZK der SED, er erhielt den Karl-Marx-Orden. Gabriel Lewin starb am 14.Februar 1995 in Berlin. Seine Lebensgefährtin Herta Reder-Lewin, geborene Gottfeld (* 8. 6. 1908 – † 2. 8. 1997), lernte Kinderpflegerin. 1924 Mitglied der jüdischen bürgerlichen Jugendbewegung »Kameraden«, trat sie im Februar 1928 in den KJVD, 1929 in die KPD ein. 1935 kam sie über Prag nach Moskau, wo sie eine Lebensgemeinschaft mit Gabo Lewin einging. Bis Ende August 1948 war sie als Kinderkrippenschwester und Desinfektor für Kolchose und Sowchose mit ihrem Sohn Andrej in Kasachstan. Bereits 1948 konnten beide in die SBZ ausreisen, wo sie bis 1950 im FDGB Bundesvorstand arbeitete, danach bis 1981 als Mitarbeiterin am IML für die Lenin-Edition mitverantwortlich.

Wer war wer in DDR

Liebenberg, Otto

* 7.7.1913 – ✝ 3.9.1993

Geb. in Magdeburg; Vater Reichsbahnangest.; Volks- u. Oberschule, 1932 – 35 landw. Lehre; 1935 – 38 Landw.-Studium an der MLU Halle, Dipl.-Landwirt; 1937 NSDAP; 1939 Prom. bei Gustav Frölich mit einer Diss. zur Auswertung von Milchleistungsprüfungen; 1939 – 50 wiss. Mitarb. bzw. Abt.-Ltr. am Inst. für Tierzuchtforschung Dummerstorf, Forschungen bes. zur künstl. Besamung. 1945/46 SPD/SED; 1950 Habil. an der Univ. Rostock zum Einfluß versch. Umweltfaktoren auf die Befruchtungsfähigkeit der Vatertiere; 1950 – 53 Dir. der Lehr- u. Versuchsanstalt für Viehwirtschaft in Ruhlsdorf (b. Berlin) u. Lehrtätigkeit an der FSU Jena; 1953 – 57 erneut am o. g. Inst. in Dummerstorf tätig, stellv. Dir.; gleichz. Prof. an der Univ. Rostock; 1957 – 60 Prof. mit Lehrstuhl an der Landw.-Gärtner. Fak. der HU Berlin u. Dir. des Inst. für Tierzüchtung u. Haustiergenetik; ab 1960 Prof. mit Lehrstuhl an der KMU Leipzig u. Dir. des dazugehörenden Inst. für Tierzucht u. Milchwirtschaft in Oberholz; 1960 Mitbegr. u. bis 1978 Präs. der Dt. Agrarwiss. Ges.; Mitgl. der Agrarkommission beim ZK der SED; 1962 Ord. Mitgl. der DAL; 1963 – 68 Sekretar der Sekt. Tierzucht; ab 1963 Mitgl. des Landw.-Rats bzw. des Rats für landw. Prod. u. Nahrungsgüterwirtschaft; 1978 em.; VVO; 1981 Ehrensenator der KMU; Nov. 1989 Austritt aus der SED.Die Besamung der Haustiere, insbes. des Rindes. 2. Aufl. Radebeul 1956; Unsere Rinderrassen. Berlin 1956; Die Beurteilung der Rinder. 3. Aufl. Radebeul 1969; Rinderprod. Radebeul 1974.Siegfried Kuntsche

Handbuch Deutsche Kommunisten

Liebers, Johannes

* 16.9.1907 – ✝ 16.8.1942

Geboren am 16. September 1907 in Rochlitz; gelernter Dreher, dann Angestellter. 1922/23 in der sozialdemokratischen Jugend, 1924 Mitglied der KPD. 1927 wurde er in den hauptamtlichen AM-Apparat des Nachrichtendienstes übernommen, 1929/30 war Liebers Bezirksleiter im AM-Apparat der KPD. Dann zum ersten Kursus der M-Schule nach Moskau geschickt, trug dort den Decknamen Fred. Nach der Ausbildung wurde er Mitarbeiter der Verwaltung Aufklärung der Roten Armee und zu Spionageeinsätzen ins Ausland geschickt. Vom NKWD am 27. November 1937 in Moskau verhaftet und am 22. Mai 1938 zu fünf Jahren Lager verurteilt. Johannes Liebers kam am 16. August 1942 im Gulag ums Leben.

Wer war wer in DDR

Liebler, Ralph

* 14.9.1901 – ✝ 22.11.1953

Geb. in Leipzig; Vater kfm. Angest.; Realschule in Aue (Erzgeb.) u. Oberrealschule der Franckeschen Stiftung in Halle, Abitur; Jura- u. Volkswirtschaftsstudium in München, Tübingen u. Leipzig, Dr. jur.; 1929 – 44 Rechtsanwalt in Zittau; 1929 – 32 DDP; 1930 – 33 Stadtverordn. in Zittau; vom NS-Regime aus pol. Gründen u. aufgrund jüd. Herkunft verfolgt, 1944 inhaftiert. 1945/46 Vors. des Gerichts in Zittau; 1945 LDPD; DSF; ab 1946 Stadtverordn. in Zittau; 1946 – 50 Abg. u. 1948 – 50 Vizepräs. des Sächs. Landtags; 1946/47 Mitgl. des Verfassungsaussch.; 1949 – 53 Fraktionsvors.; 1947 – 49 1. stellv. Landesvors. der LDP Sachsen; 1948 – 53 erweiterter Zentralvorst. der LDP; 1948/49 Mitgl. des Dt. Volksrats, ab 1949 Abg. der (Prov.) Volkskammer u. Vors. der LDPD-Fraktion; 1950 – 52 Justizmin. des Landes Thür. (Nachf. von  Hans Loch); 1950 – 52 stellv. Vors. der DSF Thür.; 1952 Bez.-Ltr. der DSF Erfurt; Aug. 1952 – Nov. 1953 stellv. Vors. des Rats des Bez. Erfurt.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Lietz, Heiko

* 4.10.1943

Geb. in Schwerin; Vater Pastor, Mutter 1945 gest.; 1961 Abitur in Rostock; 1961 – 66 Studium der Theol. an der WPU Rostock, Dipl.-Theol.; 1966/67 Student. Mitarb. in der Geschäftsstelle der Ev. Studentengemeinde Berlin; 1967 – 70 Vikariat in Rostock; dazw. Bausoldat in der NVA u. nach Korrektur seiner Entscheidung Haft wegen Totalverweigerung; ab 1970 Pastor in der Domgemeinde zu Güstrow u. nebenamtl. Studentenpfarrer; ab 1979 Mitarb. in der unabh. Friedensbew. in Güstrow, Kessin u. Rostock; 1980 Abbruch der kirchl. Amtstätigkeit wegen theolog. Konflikte; anschl. Gemeindemitarb. in einer Rostocker Nebengemeinde; 1981 mehrere Mon. arbeitslos; dann techn. Mitarb. der Kunsthalle Rostock; 1981 – 88 Hauswirtschaftspfleger u. Essenausträger bei der Volkssolidarität Rostock; ab 1984 Teiln. an der Vorber. u. Durchführung des jährl. DDR-weiten Treffens unabh. Friedensgr. »Frieden konkret«; seit 1985 Vors. der AG Frieden der Ev.-Luther. Landeskirche Mecklenb.; Mitorganisator der DDR-weiten Arbeitsgr. »Wehrdienstverweigerung«; Auslandsreiseverbot, 1987 Verbot der Teiln. am Berliner Kirchentag; 1988 – 90 Mitarb. der Kirchengemeinde Badendiek (b. Güstrow); ab Sept. 1989 Mitarb. im Neuen Forum (NF), später Mitgl. des NF-Republiksprecherrats, NF-Vertreter am Zentr. Runden Tisch; Mai 1990 Abg. u. NF-Fraktionssprecher im Krs.-Tag Güstrow. Okt. 1990 Spitzenkand. u. dann 1. Landessprecher des NF Mecklenb.-Vorpom.; 1992 Mitgl. des Bundessprecherrats der Partei Bündnis 90; Teiln. an der Aushandlung des Assoziationsvertrags mit den Grünen; 1993 Sprecher des Landesvorst. Mecklenb.-Vorpom. Bündnis 90 / Die Grünen u. Mitgl. des Sprecherrats des innerparteil. »Forum Bürgerinnen- u. Bürgerbew.«; 1994 Spitzenkand. für die Landtagswahl; 1997 Austritt aus Bündnis 90/ Die Grünen; 1994 – 99 Mitgl. der Synode der Ev.-Luther. Landeskirche Mecklenb.; seit 1996 Mitarb. im Koordinierungskrs. der ökumen. Basisgr. Dtl.; 1995 – 97 Mitgl. der Enquetekommission »Aufarbeitung u. Versöhnung« des Landtags Mecklenb.-Vorpom.; 1995 – 98 Projektlr. für die Arbeit mit Obdach- u. Wohnungslosen im Rahmen der regionalen Arbeitsförderung; danach arbeitslos; ab 1998 Sprecher der Landesarmutskonferenz; 1998 Gründer der Wählergem. Bürgerbündnis 2000 des Landkrs. Güstrow; 2005 Mitarb. im Koordinierungskreis Ökumen. Basisgruppen Schwerin, Mitbegr. des Sozialforums West-Mecklenb. Publ. in versch. Ztschr. u. Sammelbänden.Helmut Müller-Enbergs / Jan Wielgohs

Wer war wer in DDR

Leopold, Otto

* 23.2.1901 – ✝ 5.9.1975

Geb. in Ihringshausen bei Kassel; Vater Arbeiter, Mutter Hausangestellte; Volks- u. Höhere Gewerbeschule; 1916 – 22 Lehre u. Arbeit als Dreher in Leipzig; 1919 – 22 KPD; kaufm. Angest., Verkäufer u. Vertreter in Leipzig u. Berlin, ab Apr. 1933 erwerbslos; 1928 erneut Mitglied der KPD, ab 1933 illegale Arbeit, Aug. 1933 – Juni 1935 »Schutzhaft« u. Verurteilung wg. »Vorbereitung zum Hochverrat« zu 18 Monaten Gefängnis, Haft in Leipzig u. im Zuchthaus Waldheim; 1935 – 38 Bau- u. Waldarbeiter, unter polizeil. Aufsicht; 1938 – 41 Dreher in Leipzig; 1941 – 45 Wehrmacht, im Apr. 1945 desertiert nach Leipzig. 1945 KPD, 1946 SED; 1945 – 49 Verwaltungsdir. für Handel u. Versorgung der Stadtverw. Leipzig; 1949 / 50 Hauptgeschäftsf. der Konsumgenossenschaft in Leipzig; 1950 – 52 Bürgermstr. u. Stellv. des OB von Leipzig; 1952 Eintritt in die DVP, Oberst der KVP; 1952 – 56 Ltr. der Schule der Verwaltung der Aeroklubs, ab Sept. 1956 Kommandeur der fliegertechn. Schule der Luftstreitkräfte in Kamenz; 1958 –66 Vors. des Rats des Bez. Halle; anschl. ehrenamtl. Vors. der Kommission zur Erforschung der örtl. Arbeiterbew. im Bez. Halle.Andreas Herbst

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Lesch, Fritz

* 16.3.1898 – ✝ 1937

Geboren am 16. März 1898 in Eberswalde, Bruder von Kurt Lesch; zunächst Heizer, später Sportlehrer und Bademeister. Marinesoldat im Weltkrieg, 1918 Teilnahme am Kieler Matrosenaufstand. 1920 Mitglied der KPD, führender Funktionär der Arbeitersportbewegung, Mitglied der Reichsleitung der Kampfgemeinschaft für rote Sporteinheit (KG); 1931 Sekretär der RSI. Nach 1933 zunächst illegaler Reichsleiter der Kampfgemeinschaft, emigrierte dann in die Niederlande. Bis zur Auflösung der KG unternahm er mehrere Reisen nach Deutschland. Unter dem Decknamen Axel bemühte er sich, in Deutschland wirkende Kader der Kampfgemeinschaft anzuleiten. Im Herbst 1936 ging er nach Spanien, war Offizier und Kommandant einer Panzereinheit der Internationalen Brigaden. Fritz Lesch fand dort im Frühjahr 1937 den Tod.

Wer war wer in DDR

Lesser, Gerhard

* 12.11.1938

Geb. in Wernshausen (Landkrs. Herrschaft Schmalkalden); Vater Arbeiter; Grund- u. Oberschule; 1952 FDJ; 1956 Abitur; ab 1956 Praktikant im VEB Hartmetallwerk Immelborn, anschl. Studium an der TH Dresden, 1963 Dipl.-Ing.; Mitarb., Gruppenltr., Ass, zuletzt Dir. für Prod., Kooperation u. Materialwirtschaft im VEB Hartmetallwerk Immelborn; 1967 SED; 1970 / 71 Lehrgang an der SED-BPS; 1981 – 84 Dir. für Prod., 1984 1. Stellv. des GD u. Dir. für Plandurchführung, 1986 – 90 GD des VE Kombinat Werkzeugmaschinen Schmalkalden (Nachf. von Eberhard Weitz).Andreas Herbst

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Letsch, Paul

* 5.9.1893 – ✝ 12.10.1954

Geboren am 5. September 1893 in Friedberg/ Hessen, Sohn eines Weißgerbers und späteren Gewerkschaftsangestellten. Buchdrucker, einige Semester Studium der Nationalökonomie an der Freien Hochschule in Frankfurt/M. 1910 Mitglied der SPD, von 1910 bis 1914 Privatsekretär bei Dr. Max Pönsgen Alberti, einem Lehrer an der SPD-Parteischule. Letsch war von 1915 bis 1918 Soldat, 1917 Mitglied der USPD, 1920 der KPD, 1918 Mitglied des Arbeiter- und Soldatenrates in Königsberg, dort Polizeipräsident, 1919 letzter Leiter der Volksmarinedivision in Berlin. Aktiv an der Gründung der Union der Hand- und Kopfarbeiter beteiligt, zeitweise deren Vorsitzender, bis 1923 Sekretär des Mitteleuropäischen Büros der Komintern und Mitarbeiter in der Abteilung Genossenschaftswesen. 1925/26 war Letsch Mitarbeiter der sowjetischen Handelsvertretung, 1927/28 hauptamtlicher Sekretär der KPD-BL Berlin-Brandenburg und zeitweise Beauftragter des ZK in Schlesien. Anschließend führend beim Aufbau des zentralen Literaturvertriebs des ZK tätig. Nach 1933 Gewerbetreibender, wiederholt festgenommen. Am 1. September 1939 in das KZ Sachsenhausen gebracht, 1940 entlassen, von 1943 bis 1945 bei der Wehrmacht. 1946/47 1. Bürgermeister in Berlin-Mitte; 1947/48 Mitarbeiter im ZS des SED-PV. Von Dezember 1948 bis März 1949 Leiter der Hauptverwaltung Post- und Fernmeldewesen der DWK. Im März 1949 übernahm Letsch als Nachfolger von Karl Hans Bergmann den Deutschen Filmverlag und wurde Ende 1949 Geschäftsführer im Verlag Die Wirtschaft, aus dem er im Oktober 1950 nach scharfer Kritik seitens der SED-Leitung abberufen wurde. Zuletzt Abteilungsleiter in der SED-Holding Zentrag. Paul Letsch starb am 12. Oktober 1954.

Wer war wer in DDR

Leupold, Hermann

* 27.6.1900 – ✝ 8.4.1967

Geb. in Charlottenburg (b. Berlin); Vater Tischler, Mutter Plätterin; Volksschule; 1914 – 18 Lehre als Werkzeugmacher in Berlin; 1914 – 18 Mitgl. der illeg. Freien Soz. Jugend; Juni 1918 – Jan. 1919 Militärdienst; 1918 – 21 USPD; Mitgl. eines Arbeiter- u. Soldatenrats; 1919 DMV; 1919 – 26 berufstätig in versch. Berliner Betrieben; 1921 KPD; 1926/27 erwerbslos; 1927 Mitarb. der IAH, u. a. Red. von »Der Mahnruf«; 1929 mit einer Schriftstellerdeleg. in der UdSSR; 1929 Red. der »AIZ«, 1932 deren Chefred.; 1930 – 33 Reichsvors. der Vereinigung der Arbeiterfotografen; 1933 – 39 Exil in der ČSR; im KPD-Auftrag als Red. bei der »AIZ« bzw. der »Volks-Illustrierten« in Prag tätig (Ps. Karel Vanek); 1938/39 gleichzeitig Red. einer tschechoslowak. Wochenztschr. u. Mitgl. der KPČ; 1939 Flucht nach England; 1940 im Camp Lingfield (Isle of Man) interniert; 1941 – 46 Waldarb., Übersetzer; Vors. des Freien Dt. KB in Glasgow; 1943 – 46 Mitgl. der KPD-Ltg. in Großbrit. Sept. 1946 Rückkehr nach Berlin; SED; zunächst Ltr. der Bildstelle im Berliner Verlag; 1947 – 49 Parteisekr. u. Mitgl. des Red.-Kolleg. der »Berliner Ztg.«; Sept. 1949 – 67 Ltr. des Berliner Verlags (Nachf. von  Gerhard Kegel), gleichzeitig Geschäftsf. des Allg. Dt. Verlags, ab Dez. 1950 auch 1. Geschäftsf. der VOB Zentrag; 1961 – 67 Mitgl. des Präs. des VDJ; 1960 Banner der Arbeit; 1965 VVO; gest. in Berlin.Kersten, O.: Die Naturfreundejugend in der Region Berlin-Brandenb. 1908 – 1989/ 90. Berlin 2007.Carsten Wurm / Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Leutwein, Friedrich

* 9.8.1911 – ✝ 28.12.1974

Geb. in Berlin-Charlottenburg; Vater Offz.; aufgew. in Metz (Elsaß-Lothringen) u. Cros- sen (Oder); Realgymnasium mit Abitur; 1929 – 36 Studium der Chemie, Mineralogie u. Geologie in Freiburg i. Br. u. Gießen (mit Unterbrechung wegen schwerer Vergiftung), Diss. in Freiburg i. Br. zu einer geochemisch-petrograph. Thematik; 1936 – 39 Assistent am Mineralog. Inst. der Univ. Freiburg i. Br.; ab 1939 in Freiberg (Sachsen) Assistent im Oberbergamt; 1941 – 45 Ltr. des Forschungslabors für das Berg- u. Hüttenwesen Sachsens. 1945 – 47 Mitarb. im techn. Büro des Volkskommissariats für Buntmetalle der UdSSR in Dresden; 1946 KPD/SED; 1946 Habil. an der Bergakad. Freiberg mit einer Arbeit zur Geochemie der thür. Alaun- u. Kieselschiefer; 1947 Prof. für Mineralogie u. Dir. des Mineralog. Inst.; 1948/49 Prodekan; 1949/50 Dekan; 1950 – 53 Rektor der Bergakad. Freiberg (Nachf. von  Ernst Diepschlag); 1950 – 53 Mitgl. des ZK der SED; 1956 NP; Ord. Mitgl. Sächs. AdW; 1957 Ord. Mitgl. DAW; 1958 als Reaktion auf die vom V. Parteitag der SED verkündete Hochschulpol. sowie die bevormundende u. brüskierende Haltung des Staatssekr. für Hochschulwesen  Wilhelm Girnus gegenüber Hochschullehrern Übersiedl. in die Bundesrep. Dtl.; 1958 – 60 Honorarprof. an der Univ. Hamburg mit Stipendium der Dt. Forschungsgem.; 1960 Berufung nach Nancy als Prof. Associé u. dann als Directeur de Recherche du Centre National de la Recherche Scientifique; Arbeiten zur Geochemie u. Geochronologie mit Schwerpunkt radioaktiver Altersbestimmungen von Gesteinen; gest. in Nancy (Frankreich). F. L. war maßgebl. beteiligt an der Entw. des geochem. Profils der Lehre u. Forschung für die Geologie u. die Lagerstättenerkundung in der DDR, dem Ausbau der Bergakad. Freiberg in der Nachkriegszeit u. der Anerkennung der sächs. Montanwiss. im In- u. Ausland. Hauptarbeitsgebiete: Analyt. Geochemie; Vorkommen u. Verteilung chem. Elemente in versch. Bereichen der kontinentalen Erdkruste u. Hydrosphäre, Modelle zur Erklärung der Genese von Mineralen u. Gesteinen; Geräteentw. zur opt. Emissionsgesteinsanalyse u. Polarisationsmikroskopie; Isotopengeochem. Altersbestimmung von Gesteinen (Geochronologie); Beurteilung anthropogener Abfallstoffe u. mögl. Wiederverwertung als Rohstoffe; ca. 120 Veröff.Watznauer, A.: F. L. Jb. der Sächs. AdW 1973 – 1974. Berlin 1976; Herrman, A. G.: F. L. Fortschr. Mineralogie, 53. Stuttgart 1975; F. L. Ehrenkolloquium der Bergakad. Freiberg, 6.12.1991. Freiberg 1992.Martin Guntau

Handbuch Deutsche Kommunisten

Levy, Alfred

* 6.1.1885 – ✝ 28.5.1938

Geboren am 6.Januar 1885 in Hamburg, Sohn eines kinderreichen Kaufmanns. Schon in jungen Jahren ging Levy auf die »Walze«. 1906 schloß er sich in Mannheim der Gruppe um die sozialistische Zeitung »Junge Garde« an, Eintritt in die SPD, in verschiedenen Städten als Hilfsarbeiter beschäftigt. Im Weltkrieg Soldat in Rumänien, durch einen Kopfschuß schwer verwundet, zeitweise gelähmt. Rückkehr nach Hamburg, 1917 Mitglied der USPD, mit deren linkem Flügel 1920 zur KPD. Seit 1919 als Schwerbeschädigter Staatsangestellter, zunächst im Arbeitsamt und seit 1920 im Wohlfahrtsamt. 1920 Führer einer Demonstration, die in bewaffneten Kämpfen endete, deswegen zu einer Strafe von drei Jahren Gefängnis verurteilt. Nach seiner eigenen Aussage erklärte ihm der Staatsanwalt, daß er ein Jahr für die Tat bekäme, ein Jahr weil er Kommunist und ein Jahr weil er Jude sei. Levy brauchte die Strafe nicht ganz zu verbüßen, da er 1924 in die Hamburger Bürgerschaft gewählt wurde. Wie die Mehrheit der Hamburger Parteiorganisation gehörte auch Levy zum linken Flügel in der KPD; er war Mitglied der BL Wasserkante. Wegen seiner Teilnahme am Oktoberaufstand 1923 am 3.November 1923 verhaftet und als einer der Hauptangeklagten im Prozeß gegen Hugo Urbahns im Januar 1925 zu vier Jahren Festung verurteilt (der Staatsanwalt hatte elf Jahre beantragt). Am 31. Mai 1926 durch eine Amnestie freigekommen, sympathisierte Levy mit der linken Opposition und entfernte sich zeitweilig von der KPD. 1927 als Vertreter der innerparteilichen Opposition nicht mehr in die Bürgerschaft gewählt, schickte ihn das ZK nach Zwickau, wo er als Mitorganisator eines Streiks der Tabakarbeiter hervortrat. Levy kam 1928 wieder nach Hamburg zurück und näherte sich in der ultralinken Periode der KPD wieder an. Im März 1933 verhaftet, am 7. September 1933 zu drei Jahren Gefängnis verurteilt und nach Verbüßung der Strafe ins Lager Wittmoor, das spätere Fuhlsbüttel, überführt. Wegen einer schweren Operation ins Eppendorfer Krankenhaus gebracht, konnte er von dort flüchten, lebte illegal in Hamburg und gelangte im Juni 1935 über Berlin nach Prag. Beim Antrag auf Todeserklärung im Juni 1951 wurde vermutet, daß Levy als Jude bei der Besetzung der Tschechoslowskei von den Nationalsozialisten umgebracht worden ist. Tatsächlich gelangte Levy aber 1936 in die Sowjetunion und wurde dort ein Opfer der stalinistischen Säuberungen. Im März 1938 vom NKWD verhaftet, wurde Alfred Levy am 28. Mai 1938 in Butowo erschossen.

Wer war wer in DDR

Ley, Hermann

* 30.11.1911 – ✝ 24.11.1990

Geb. in Leipzig; Vater Zahnarzt; 1927 Soz. Schülerbew. u. SPD, 1930 Ausschl.; 1930 KPD; ab 1930 Studium der Zahnmed. an der Univ. Leipzig; Ltr. der kommunist. Studentengr.; Mitgl. im Vorst. des Bundes soz. Geistesarb. in Leipzig; in der NS-Zeit wegen antifa. Betätigung zwei Jahre u. zehn Mon. inhaftiert; während des 2. Weltkriegs Sanitätsoffz.; 1944 Prom. zum Dr. med. an der Univ. Leipzig mit der Arbeit »Die Erkrankung der Zähne u. ihre Beziehung zur Rasse. Eine statist. Untersuchung an 1955 Soldaten der Luftwaffe«; Mitarb. der NKFD-Gruppe in Leipzig, 1944 erneut inhaftiert u. degradiert. Nach 1945 Sekr. u. Kulturfunktionär der KPD/ SED in Leipzig; 1947 stellv. Chefred. der »Leipziger Ztg.«, Kommentator beim Rundfunksender Leipzig; 1948 Habil.; anschl. Prof. mit Lehrauftrag für theoret. Pädagogik an der Univ. Leipzig; Teiln. am 1. Doz.-Lehrgang des Inst. für wiss. Soz. beim PV der SED; ab 1949 Lehrtätigkeit u. 1950 Prof. mit Lehrauftrag für dial. Materialismus an der TH Dresden; gleichz. Prorektor für das ges.-wiss. Grundstudium; 1956 – 62 Vors. des Staatl. Rundfunkkomitees (Nachf. von  Kurt Heiß); ab 1959 zugl. Ltr. des Lehrstuhls für philosoph. Probleme der mod. Naturwiss. bzw. des Bereichs Philosoph. Fragen der Naturwiss. an der HU Berlin bis 1977; 1959 VVO; 1960 NP; 1962 – 68 Dir. des Philosoph. Inst. der HU; 1976 Dr. h. c. der TU Dresden; 1977 em.; KMO. H. L. war maßgebl. beteiligt am Aufbau der Forschungsrichtung »Philosoph. Probleme der Naturwiss.« in der DDR, Initiator der Kühlungsborner Tagungsreihe zu philosoph. Problemen der Natur-, Technik- u. mathemat. Wiss.; Mitgl. der Ltg. des KB in Berlin u. des Präs. der Urania; Mitgl. des Red.-Kolleg. der »Dt. Ztschr. für Philos.«; zahlr. Vorträge u. Gastvorlesungen an Univ. u. HS im europ. Ausland. Hauptarbeitsgebiete: Geschichte der Aufklärung u. des Atheismus; philosoph. Probleme der Technikentw., Kritik des westl. »Technikpessimismus«.Avicenna. Berlin 1953; Studie zur Geschichte des Materialismus im Mittelalter. Berlin 1957; Dämon Technik. Berlin 1961; Geschichte der Aufklärung u. des Atheismus. 5 Bde. Berlin 1966 – 80; Krit. Vernunft u. Rev. Zur Kontroverse zw. Hans Albert u. Jürgen Habermas. Köln 1971 (mit T. Müller). Wiss. u. Persönlichkeit. H. L. zum 70. Geburtstag. Berlin 1981; Rauh, H.-C., Ruben, P. (Hrsg.): Denkversuche. DDR-Philos. in den 60er Jahren. Berlin 2005.Jan Wielgohs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Lieberasch, Arthur

* 20.10.1881 – ✝ 10.6.1967

Geboren am 20. Oktober 1881 in Döbeln, Sohn eines Zigarrenarbeiters; lernte Schlosser. 1901 Eintritt in die Gewerkschaft, 1905 Mitglied der SPD; bald in ganz Sachsen durch seine gewerkschaftliche Aktivität bekannt. 1917 Übertritt zur USPD. Während der Revolution führend im Arbeiter- und Soldatenrat in Leipzig. 1920 Delegierter des Spaltungsparteitages der USPD, kam mit der linken USPD zur KPD. Ab 1921 war er Stadtverordneter in Leipzig, dort 1927 Vorsitzender der Stadtverordnetenfraktion und seit 1922 auch Abgeordneter des Sächsischen Landtages. Der VIII. Parteitag 1923 wählte Lieberasch in die Gewerkschaftskommission. Er gehörte 1923 zum rechten Parteiflügel. 1926 wieder in den Sächsischen Landtag gewählt, Mitglied der KPD-BL Westsachsen und Sekretär für Gewerkschaftsfragen. Während der Auseinandersetzungen 1928 einer der Wortführer der Rechten in Sachsen, deswegen im Januar 1929 aus der KPD ausgeschlossen. Lieberasch trat mit vier weiteren Abgeordneten zur KPO über, wurde Mitbegründer der KPO in Westsachsen und blieb auch nach deren Spaltung in der KPO. Anfang 1933 Emigration in die Schweiz, wurde in Schaffhausen von Walther Bringolf, einem der rechten Führer der KP Schweiz, unterstützt. Seine Lage verschlechterte sich, als Bringolf zur Sozialdemokratie übertrat, Lieberasch jedoch auf seinem KPO-Standpunkt verharrte. Er fand keine Unterstützung mehr und mußte sich im Arbeitshaus von Schaffhausen durch Holzhacken kümmerlich ernähren. Von Schweizer Landstreichern, die ebenfalls dort arbeiteten, als Nazi beschimpft, weil er aus Deutschland kam. Erst als seine Frau im Sterben lag, konnte Lieberasch im Juni 1948 nach Leipzig zurückkehren. Er trat der SED bei und beantragte die Anerkennung als Kämpfer gegen den Faschismus (KgF): »In Schaffhausen habe ich einige Jahre Material nach Deutschland organisiert und an der Schaffhauser Arbeiterzeitung als unbekannter Mitarbeiter mit geholfen ... Ich habe mich dann in kümmerlichster Weise über Wasser halten müssen. Bin politisch heute noch Kommunist und werde es bleiben, wenn auch der Name der Partei, zu der ich mich angemeldet habe, ein anderer ist.« Der Prüfungsausschuß der Kommunalabteilung für die Opfer des Faschismus beim Oberbürgermeister der Stadt Leipzig verweigerte am 14. Januar 1949 seine Anerkennung als KgF, daraufhin legte Lieberasch beim Landesschiedsgericht Einspruch ein und wurde im September 1949 als KgF anerkannt. Er kam ab September 1949 als Sachbearbeiter für Lohn und Tarifwesen in die VVB VESTA Leipzig. Als er es ablehnte, sich im Zusammenhang mit den Parteiüberprüfungen Anfang der fünfziger Jahre von der KPO-Politik zu distanzieren, wurde er 1952 aus der SED ausgeschlossen. Seine »Selbstkriktik« bestand in dem Satz: »Die Bildung der KPO war kein Fehler, sondern nur ein Verstoß gegen die Disziplin.« Bereits im Januar 1951 vermerkte der damalige Landesvorsitzende der SED Ernst Lohagen: »Dieser Lieberasch hat heute nicht nur seine Agenten in der Partei, sondern ist selbst Mitglied unserer SED im Kreis Leipzig. Dieser alte professionelle Parteifeind schrieb vor kurzem in einer Erklärung an die Partei über Brandler folgendes, was einer moralischen Rechtfertigung Brandlers gleichkommt: ?Brandler war genau so ein armes Schwein wie ich und hatte auch nichts anzuziehen?, und so fort.« Im Zuge der »Entstalinisierung« ist Lieberasch 1957 wieder in die SED aufgenommen worden und bekam 1958 die Medaille »Kämpfer gegen den Faschismus«. Arthur Lieberasch starb am 10. Juni 1967 in Leipzig.

Wer war wer in DDR

Liebich, Stefan

* 30.12.1972

Geb. in Wismar, aufgewachsen in Greifswald u. ab 1983 in Berlin; 1979 – 89 POS, 1991 Abitur; 1989 Mitbegr. des Jugendverb. »Junge Linke«. 1990 PDS; 1992 – 95 Studium an der Techn. Fach-HS Berlin, Dipl.-Betriebswirt; 1995 Mitgl. des PDS-BV Berlin-Marzahn; Dez. 1996 – 99 Vors. der PDS Berlin-Marzahn; seit Nov. 1995 Mitgl. des Berliner Abg.-Hauses (Direktmandat); 1999 – 2001 stellv. Vors., 2001 – 05 Vors. des PDS-LV Berlin (Nachf. von  Petra Pau); 2002 - 06 Vors. der PDS-Fraktion im Berliner Abg.-Haus (Nachf. von Harald Wolf); seit 2006 stellv. Vors.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Liebscher, Fritz

* 13.11.1914 – ✝ 19.2.2009

Geb. in Elstra (Krs. Kamenz); Vater Arbeiter; Volks- u. OS, kaufm. Lehre u. Arbeit als Buchhalter im Hilfswerk für dt. Studenten bzw. in der Buchdruckerei Seifhennersdorf; 1940 – 45 Wehrmacht, 1945 – 50 sowj. Kriegsgefangenschaft, Antifaschule. 1950 Rückkehr in die DDR, 1950 – 52 Buchhalter, Hauptbuchhalter bzw. kaufm. Dir. der Bau-Union Dresden; 1952 SED; Fernstudium an der TH Dresden u. der HfÖ Berlin, 1958 Dipl.-Wirtsch.; 1952/53 Abt.-Ltr. im Min. für Bauwesen, 1953 – 55 stellv. Hauptabt.-Ltr. im Min. für Aufbau, 1955 – 58 Hauptabt.-Ltr. in der SPK; 1958 – 60 Hauptdir. der Bau-Union Neubrandenburg, 1960 Hauptdir. des VE Bau- u. Montagekombinat Chemie Halle; 1961 Lehrtätigkeit an der TU Dresden, Prof. mit Lehrauftrag, 1964 mit vollem Lehrauftrag, ab 1966 Prof. mit Lehrstuhl für Ökon., Org. u. Planung; 1963 Mitgl. des Forschungsrats; 1963 – 66 Dekan der Fak. für Ingenieurökon. an der TU Dresden, 1968 – 80 Rektor der TU Dresden (Nachf. von  Lieselott Herforth), 1980 em.; 1969 – 81 Mitgl. der SED-BL Dresden; 1981 – 87 Präs. des DDR-Komitees für Europ. Sicherheit u. Zusammenarb. (Nachf. von  Max Steenbeck); gest. in Dresden.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Lieutenant, Arthur

* 9.9.1884 – ✝ 10.10.1968

Geb. in Jauer (Niederschles. / Jawor, Polen); Ökonom; nach 1918 zunächst Gründungsmitgl. der DVP in Glauchau, danach ab 1919 Mitgl. der DDP; 1919 Stadtrat u. 1931 – 33 Bürgermstr. von Glogau; 1933 kurzz. Inhaftierung. 1945 Mitbegr. u. 1945 – 48 Geschäftsf. Zentralvorst. der LDPD, 1946 – 49 stellv. Vors.; 1945 – 48 Mitgl. des Zentr. Blockaussch.; 1947/48 Geschäftsf. der Demokrat. Partei Dtl.s; 1948/49 Abg. der Prov. Volkskammer (Präs.-Sekr.); Apr.-Okt. 1948 kommissar. Vors. der LDPD (Nachf. von  Wilhelm Külz) u. Geschäftsf. des Zentralvorst.; Okt. 1948 Niederleg. der Parteiämter; Okt. 1948 – Okt. 1949 Finanzmin. des Landes Brandenb.; Okt. 1949 Rücktritt als Min. u. Flucht nach Berlin (West); 2.10.1950 aus der LDPD ausgeschl.; 1950 – 53 Vors. der Exil-LDPD in Berlin (West); gest. in Frankfurt (Main).Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Leow, Willy

* 25.1.1887 – ✝ 3.10.1937

Geboren am 25. Januar 1887 in Brandenburg/ Havel; lernte Tischler. Anschließend auf Wanderschaft, besuchte Arbeiterbildungsschulen und siedelte nach Berlin über. 1904 Mitglied der SPD und der Gewerkschaft. War innerhalb der USPD aktiv bei der Organisierung der Spartakusgruppe, schloß sich dieser während des Krieges an. Im April 1918 zusammen mit Leo Jogiches, Willi Budich u. a. verhaftet und erst beim Ausbruch der Revolution im November 1918 befreit. Seit Gründung der KPD Mitglied und Funktionär der Partei. In den zwanziger Jahren zunächst Parteisekretär in Berlin-Nordwest, dann Pförtner des Karl-Liebknecht-Hauses, dem Sitz der KPD-Zentrale. Delegierter des VII. Jenaer Parteitages 1921. Nach Gründung des RFB auf dem 1.Reichskongreß dieser Organisation im Mai 1925 zum 2. Bundesvorsitzenden gewählt, Vorsitzender war Ernst Thälmann. Nachdem dieser im Oktober 1925 KPD-Führer wurde, stieg Leow praktisch zum Leiter des RFB auf. Auf dem XI. Parteitag 1927 wurde Leow als Kandidat ins ZK gewählt, im selben Jahr unternahm er eine längere Reise in die Sowjetunion. Im Mai 1928 zog er auf der Reichswahlliste der KPD in den Reichstag ein, dessen Abgeordneter er ununterbrochen bis 1933 blieb. Während der Wittorf-Affäre 1928 verdichteten sich Gerüchte – die bis 1933 immer wieder auftauchten –, daß Leow im RFB eine Korruptions- und Mißwirtschaft betreibe. Doch als Thälmann durch Stalin wieder in seine Funktion eingesetzt wurde, festigte sich auch die Stellung seines Vertrauensmannes Leow. Obwohl nach vielen Berichten ein ungehobelter Funktionär, sogar ein Trinker, stieg er dennoch rasch in die höchsten Positionen auf. Der XII. Parteitag 1929 wählte Leow als Mitglied ins ZK, der illegale RFB wurde von ihm geleitet. 1933 emigriert, kam Leow 1934 in die Sowjetunion, trug dort den Namen Leow-Hofmann. Zunächst arbeitete er als Redakteur im deutschen Staatsverlag in Engels (Wolgarepublik) bzw. war zuletzt dessen Leiter. Am 26. Februar 1936 wurde er in Engels vom NKWD verhaftet und am 3. Oktober 1937 wegen »Organisation einer trotzkistisch-terroristischen Gruppe« vom Militärkollegium des Obersten Gerichts der UdSSR zum Tode verurteilt. Willy Leow wurde noch am selben Tag erschossen. Er wurde durch eine Verfügung des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR erst im Januar 1989 »rehabilitiert«. Er war seit 1909 verheiratet mit Anna, geborene Diwan (* 28. 10. 1889 – † 4. 4. 1974), sie war Schneiderin. Seit 1919 in der KPD, von 1922 bis 1933 Telefonistin in der sowjetischen Botschaft in Berlin. Anfang März 1933 festgenommen, kam sie bis Januar 1934 in das Frauenkonzentrationslager Moringen. Sie emigrierte in die Sowjetunion, ließ sich später von ihrem Mann scheiden und nahm ihren Mädchennamen Diwan an. Sie durfte erst 1957 in die DDR. Ihr gemeinsamer Sohn Hans Leow (* 18. 8. 1907 in Brandenburg/Havel) war von Beruf Maschinensetzer. Ab 1926 Mitglied der KPD, ging er bereits 1931 in die Sowjetunion, war dort bei der VAA beschäftigt. Hans Leow wurde im September 1937 vom NKWD verhaftet und am 3.November 1943 in Butowo erschossen. Seine Frau Martha, geborene Langrock (* 8. 9. 1909 – † 17. 4. 1967), folgte ihm in die Sowjetunion, bis 1933 bei der DZZ, später Korrektorin in Moskau. Nach der Verhaftung ihres Mannes Verbannung nach Tjumen, 1943 zur Arbeitsarmee im Ural eingezogen. Erst 1956 kam sie in die DDR.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Lesch, Kurt

* 7.7.1904 – ✝ 29.1.1942

Geboren am 7. Juli 1904 in Berlin, Bruder von Fritz Lesch; gelernter Schriftsetzer. Seit 1924 in der Kommunistischen Jugend, 1926 Mitglied der KPD. Er war Funktionär in Berlin-Baumschulenweg und kam nach der ultralinken Wende der KPD 1929 in den hauptamtlichen Apparat, u. a. als Redakteur an verschiedene KPD-Zeitungen. 1933 in die Sowjetunion emigriert, wurde Lesch Redakteur in der VAA in Leningrad, 1937 nach Engels (Wolgarepublik) abgeschoben und dort am 28. Februar 1938 verhaftet. Am 23. Dezember 1940 zu acht Jahren Lager verurteilt, kam Kurt Lesch am 29.Januar 1942 im Gulag im Nord-Ural ums Leben.

Wer war wer in DDR

Lesser, Wolfgang

* 31.5.1923 – ✝ 27.9.1999

Geb. in Breslau (Wrocław, Polen); Vater Kfm.; Realgymnasium in Berlin; Metallarbeiterlehre; 1938 Musikstudium am Sternschen Konservatorium Berlin; 1939 Emigr. nach London; 1940 Internierungslager Isle of Man; 1942 KPD; 1943 – 47 Angeh. der brit. Armee. 1947 Rückkehr nach Berlin; SED; Arbeit in der FDJ; 1950 – 54 Studium an der HS für Musik Berlin; 1954 – 61 Komponist u. Pädagoge im Staatl. Volkskunstensemble der DDR; seit 1961 freischaff.; 1964 – 68 2. Sekr., 1968 – 78 1. Sekr. des VDK (Nachf. von  Nathan Notowicz); 1969 NP; 1971 Mitgl. der Kulturkommission beim PB des ZK der SED; seit 1971 Abg. der Volkskammer u. Mitgl. des Aussch. für Volksbildung; 1978 VVO; 1983 – 85 Vors. des Beirats der Anstalt zur Wahrung der Aufführungsrechte; Gen.-Sekr. des Musikrats; 1985 – 89 Präs. des VDK (Nachf. von  Siegfried Köhler); komponierte insbes. pol. Lieder u. Chansons, u. a. »Da hat vor fünfzig Jahren noch keiner dran gedacht«, Bühnenmusik, u. a. »Thomas Müntzer«, Filmmusik, u. a. »Beschreibung eines Sommers«, sowie die Schuloper »Oktoberkinder«; gest. in Berlin.Torsten Musial

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Letz, Hermann

* 11.4.1884

Geboren am 11. April 1884 in Berlin. Kaufmännische Lehre, arbeitete als Buchhalter bzw. Bankangestellter bei verschiedenen Firmen in Berlin. Anfang Mai 1905 begann er als Buchhalter bei der damaligen Aktiengesellschaft Berliner Elektrizitätswerke und kam bei der Übernahme der Werke durch die Stadt Berlin in den städtischen Dienst. Er war Mitglied der SPD, der USPD, von 1920 bis 1930 der KPD. Seit der ersten Gemeindevertreterwahl nach der Revolution im Februar 1919 Gemeindevertreter in Friedrichsfelde. Bei Auflösung der Vertretung im Juni 1920 in die Stadtverordnetenversammlung von Groß-Berlin gewählt, der er dann noch einmal von 1925 bis 1929 angehörte. Von 1921 bis 1924 und 1930/31 auch unbesoldeter Stadtrat im Magistrat. Gemeinsam mit Erich Raddatz gehörte er im Februar 1930 zu den 60 Berliner Funktionären, die sich in einem »Offenen Brief« gegen die KPD-Linie und die These des »Sozialfaschismus« wandten. Daraufhin aus der KPD ausgeschlossen, leitete er mit Raddatz die »Gruppe 60«. Im Februar 1931 war er einer jener 30 ehemaligen KPD-Funktionäre und Mandatsträger, die ihren Übertritt zur SPD erklärten. Sein weiterer Lebensweg konnte nicht ermittelt werden.

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Leupold, Hermann

* 27.6.1900 – ✝ 8.4.1967

Geboren am 27. Juni 1900 in Berlin, Sohn eines Tischlers; lernte Werkzeugmacher. Im Juni 1918 zu einem Eisenbahnregiment einberufen, während der Revolution Mitglied eines Arbeiter- und Soldatenrates, schloß sich der FSJ und der USPD, 1920 der KPD an. Bis 1923 Mechaniker bei der Firma Schwartzkopf in Berlin. 1925 Redakteur der Zeitschrift »Mahnruf«, dem Organ der IAH, seit 1927 Redakteur an der AIZ, von Juli 1932 bis Februar 1933 deren Chefredakteur. Ab 1926 Vorsitzender der IAH Berlin-Brandenburg und seit 1927 Mitglied der IAH-Reichsleitung und Reichsvorsitzender der Arbeiterfotografen Deutschlands. 1933 emigrierte Leupold in die âSR und gab in Prag gemeinsam mit Louis Fürnberg und Franz C. Weiskopf die AIZ, ab 1937 die »Volksillustrierte« heraus. Im März 1939 Emigration nach Großbritannien, Waldarbeiter in Nordwales, leitete die Glasgower Kulturbundgruppe in der Bewegung Freies Deutschland. Im Sommer 1946 Rückkehr nach Deutschland, Mitglied der SED, Redakteur, von 1949 bis 1967 Leiter des Berliner Verlages und Herausgeber der »Berliner Zeitung« sowie ab 1953 auch der »Wochenpost«. Hermann Leupold starb am 8. April 1967 in Ost-Berlin.Carsten Wurm / Bernd-Rainer Barth

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Levi, Paul

* 11.3.1883 – ✝ 9.2.1930

Geboren am 11. März 1883 in Hechingen, Sohn eines Webereibesitzers und Vorstehers der israelitischen Gemeinde; besuchte das Gymnasium in Stuttgart und studierte in Berlin und Grenoble. Er promovierte 1905 in Heidelberg mit der Dissertation »Das Verhältnis von Verwaltungsbeschwerde und Verwaltungsklage«. 1906 ließ er sich in Frankfurt/M. als Rechtsanwalt nieder und wurde als Armenanwalt tätig. Mitglied der SPD, war 1913 Delegierter auf dem SPD-Parteitag. Als Verteidiger im großen Prozeß gegen Rosa Luxemburg im Februar 1914 geriet er unter ihren theoretischen und politischen Einfluß. Zwischen ihnen kam es auch zu engen persönlichen Beziehungen, wie die (erst 1983 veröffentlichten) Liebesbriefe aus dem Jahr 1914 zeigen. Im Weltkrieg gehörte er als Gegner der »Vaterlandsverteidigung« und des »Burgfriedens« der Spartakusgruppe an, lebte seit 1916 in der Schweiz, wo er in Kontakt zu Lenin stand. Er nahm als Vertreter der Spartakusgruppe im Februar 1917 an einer Konferenz der kriegsgegnerischen »Zimmerwalder Parteien« in Olten in der Schweiz teil. Nach der Revolution 1918 zählte er zur Führung des Spartakusbundes und zu den Mitbegründern der KPD. Vom Gründungsparteitag, auf dem er sich als Referent vergeblich für die Beteiligung an den Wahlen zur Nationalversammlung einsetzte, wurde er in die erste Parteizentrale gewählt. Nach der Ermordung von Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht und Leo Jogiches leitete Levi seit März 1919 die KPD, er wurde im Juni 1920 (als einziger neben Clara Zetkin) für die kleine KPD (1,7 Prozent der Stimmen) in den Reichstag gewählt. Der Vereinigungsparteitag von KPD und linker USPD im Dezember 1920 hat Levi zusammen mit Ernst Däumig von der USPD zum Parteivorsitzenden der VKPD bestimmt. Er trat jedoch bereits Anfang 1921 wegen Differenzen mit der Komintern zurück, denn er war gegen die Spaltung der Italienischen Sozialistischen Partei und die Gründung der KP Italiens, da er sich für eine Massenpartei und gegen eine Kaderpartei aussprach. Levi blieb auf der Tagung des Zentralausschusses der KPD im Februar 1921 bei seiner Kritik an der Komintern und legte seine Funktionen als Vorsitzender der VKPD und der Zentrale nieder. Er mißbilligte die März-Aktion der KPD, den Aufstand in Mitteldeutschland, scharf. In seiner Broschüre »Unser Weg« bezeichnete er ihn 1921 auch öffentlich als Putsch und Werk Moskaus, deswegen wurde er im April 1921 aus der Partei ausgeschlossen. Nunmehr publizierte er auch Rosa Luxemburgs kritische Schrift »Zur russischen Revolution« gegen Lenin und Trotzki. Levi gründete mit anderen rechten Kommunisten die Kommunistische Arbeitsgemeinschaft (KAG). Doch sein Versuch, eine eigenständige kommunistische Gruppe zu bilden, scheiterte. Über die USPD ging er 1922 zur SPD zurück. Paul Levi bemühte sich, die Politik eines »dritten Weges« zwischen Bolschewismus und Kapitalismus politisch und theoretisch zu fundieren. Er verstand sich als Bewahrer der Ideen von Rosa Luxemburg, eines demokratisch orientierten Kommunismus und radikalen Sozialismus. Privat pflegte er einen großbürgerlichen Lebensstil, bekannt war seine Vasensammlung. Der hochgebildete Mann und Humanist fühlte sich in erster Linie dem kulturellen Erbe verpflichtet. 1924 wurde er für die SPD in den Reichstag gewählt. Levi gab die »Sozialistische Politik und Wirtschaft« heraus und war Führer des linken Flügels der SPD. Der hervorragende Rechtsanwalt befaßte sich immer wieder mit dem Mord an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht. Bei der Verteidigung des Schriftstellers Josef Bornstein gegen den Reichsgerichtsrat Jorns 1929 deckte er weitere Hintergründe des Mordes an Luxemburg auf. Paul Levi ist am 9. Februar 1930 in Berlin im Fieberwahn aus dem Fenster gestürzt und dabei ums Leben gekommen; von vielen Seiten wurde er als einer der wichtigsten linken Politiker der Weimarer Republik gewürdigt.

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Lewek, Christa

* 19.1.1927 – ✝ 27.3.2008

Geb. in Leipzig als Tochter eines Pfarrers u. Mitgl. der Bekennenden Kirche; nach dem Abitur 1946 – 51 Studium der Philol. an der Univ. Leipzig; anschl. dort wiss. Assistentin; CDU; ab 1952 zunächst Hauptref. in der HA des Min.-Rats »Verbindung zu den Kirchen« (Ltr.  Otto Nuschke), nach Auflösung der Abt. bis 1957 persönl. Ref. des stellv. Min.-Präs. Otto Nuschke (1957); 1958 stellv. Cheflektorin in der Ev. Verlagsanstalt; 1959 Austritt aus der CDU; 1958 – 69 Kirchenrätin bzw. Oberkirchenrätin in der Kirchenkanzlei der EKD für das Gebiet der DDR; 1969 – 88 Oberkirchenrätin u. stellv. Ltr. des Sekr. des Bunds der Ev. Kirchen in der DDR (BEK); Ref. des Aussch. »Kirche u. Ges.« u. Vors. der Arbeitsgr. »Menschenrechte« des BEK (mit  Günter Krusche u.  Manfred Stolpe); gleichz. Mitgl. der Entw.-Kommission des Ökumen. Rats der Kirchen u. Mitgl. der Kommission der Kirchen für Internat. Angelegenh.; 1979 – 87 Präs. des Menschenrechtsprogramms der Kirchen zur Verwirklichung der Schlußakte von Helsinki; 1988 Ruhestand; 1989 Dr. h. c. der WPU Rostock; gest. in Berlin.Heise, J. (Hrsg.): Ch. L. Kompetent u. unbequem. Eine Frau im Bund der Evangelischen Kirchen der DDR. Berlin 2007.Ehrhart Neubert

dissidenten.eu

Lezsák, Sándor

* 1949

Schriftsteller, Dichter, Lehrer, Initiator des *Treffens in Lakitelek, nach 1989 Parlamentsabgeordneter.Sándor Lezsák wurde 1949 in Budapest geboren. Er studierte Geschichte und ungarische Philologie an der Pädagogischen Hochschule Szeged. In den Jahren 1968/69 war er Transport- und Hilfsarbeiter in der Széchényi-Nationalbibliothek. Dort kam er das erste Mal mit Problemen in Berührung, die die ungarischen Minderheiten in den Nachbarländern betrafen. In der Bibliothek hatte er auch die Möglichkeit, Dokumente über die *Ungarische Revolution von 1956 zu studieren, die für normale Leser nicht zugänglich waren. 1969 zog er in die Ortschaft Lakitelek, wo er 1969–74 Lehrer in der Dorfschule Szikra war. 1974 wurde er dann Lehrer an der Grundschule in Lakitelek. 1969–85 leitete er das Theaterensemble des Kulturhauses in Lakitelek und war Kulturreferent. Als man ihm 1977 eine Auszeichnung für die „Förderung der sozialistischen Kultur“ verleihen wollte, nahm er diese nicht an und begründete seine Ablehnung sogar schriftlich. Lezsák engagierte sich aktiv in der Opposition. Ab 1977 war er Vorstandsmitglied des Kreises Junger Schriftsteller „Attila József“. In Lakitelek organisierte er regelmäßig Aktionen, an denen oppositionelle Intellektuelle aus dem ganzen Land teilnahmen. Zu seinen Gästen zählte auch András Sütő, einer der führenden ungarischen Schriftsteller aus dem rumänischen Siebenbürgen, dessen Texte in Ungarn nicht erscheinen konnten. 1978 veranstaltete Lezsák in Lakitelek eine Konferenz junger Schriftsteller unter dem Motto „Vaterland und Nationalbewusstsein“. Daran nahmen über 100 junge Schriftsteller teil, unter anderen führende Vertreter der ungarischen Literatur wie Sándor Csoóri oder Gyula Illyés. Am 24. November 1984 war Lezsák einer der Unterzeichner eines Protestschreibens an den Generalstaatsanwalt, das sich gegen die über György Krassó verhängte *Polizeiaufsicht richtete. Krassó war Teilnehmer der *Ungarischen Revolution von 1956 und verteilte als Bürgerrechtler unter anderem Samisdat-Publikationen. Am 22. Oktober 1985, dem Vorabend des 29. Jahrestages der Revolution, organisierte Lezsák in Lakitelek einen „Antologia“ (Anthologie) genannten Literaturabend. Verlesen wurden dort auch ein nur im Untergrund erschienenes Gedicht von Gyula Illyés mit dem Titel „Ein Satz über die Tyrannei“ (Egy mondat a zsornokságról). Der Literaturabend wurde von den Behörden als feindlich eingestuft und Lezsák verlor seine Arbeit im Kulturhaus. In der Schule erhielt er nach einer Hospitation während seines Geschichtsunterrichts ein Jahr lang Berufsverbot. Ein Jahr später gehörte er zu den Unterzeichnern einer am 23. Oktober 1986 zum 30. Jahrestag der *Ungarischen Revolution veröffentlichten Erklärung mitteleuropäischer Bürgerrechtler. Bereits seit 1979 war er Mitglied des Sekretariats der Gábor-Bethlen-Stiftung, die sich die Unterstützung von Ungarn, die außerhalb der Landesgrenzen lebten, auf die Fahnen geschrieben hatte. Am 27. September 1987 wurde während des *Treffens in Lakitelek in Lezsáks Garten das *Ungarische Demokratische Forum (Magyar Demokrata Forum; MDF) aus der Taufe gehoben. Im Herbst 1988 war Lezsák als Vertreter des Forums an der Organisierung der Gedenkveranstaltungen zum 32. Jahrestag der *Ungarischen Revolution von 1956 beteiligt. Er war auch einer der Unterzeichner des sogenannten „Briefes der Hundert“, der am 8. September 1987 an den ungarischen Premierminister Károly Grósz gerichtet wurde. In dem Brief formulierten die Autoren Bedingungen, unter denen die ungarische Gesellschaft zu sozialen Abstrichen bereit wäre, denn diese erschienen aufgrund der sich immer weiter vertiefenden Krise der ungarischen Wirtschaft als unausweichlich. In den Jahren 1988–94 war Lezsák Mitglied des *Ungarischen Demokratischen Forums, 1994–96 ihr Vizechef und dann bis 1999 Vorsitzender der Partei. Seit 1994 ist Sándor Lezsák durchgehend Mitglied im ungarischen Parlament: bis 2004 für das Ungarische Demokratische Forum, nach seinem Parteiaustritt zwei Jahre als parteiloser Abgeordneter und seit 2006 als Abgeordneter des rechtskonservativen Ungarischen Bürgerbundes Fidesz (Magyar Polgári Szövetség). Dieser regiert seit 2010 mit übergroßer Mehrheit unter dem wegen seines autoritären und populistischen Regierungsstils europaweit umstrittenen Ministerpräsidenten Viktor Orbán. Für seine literarische Tätigkeit erhielt Lezsák zahlreiche Auszeichnungen.Réka Kiss Aus dem Polnischen von Gero Lietz Letzte Aktualisierung: 06/15

Wer war wer in DDR

Lieberknecht, Christine

* 7.5.1958

Geb. in Weimar; Vater ev. Pfarrer; POS Großobringen (Krs. Weimar); 1976 Abitur an der EOS in Bad Berka (Krs. Weimar), danach bis 1982 Studium der ev. Theol. an der FSU Jena, Dipl. Theol., FDJ-Sekr. der Theologiestudenten; 1981 CDU; 1982 – 84 Vikariat in der thüring. Landeskirche, Zweites theolog. Examen; 1984 – 90 Pastorin im Kirchenkrs. Weimar; Mitwirkung an der Christl. Friedenskonferenz; seit 1986 Mitarbeit in der Kommission für Kirchl. Jugendarbeit; Sept. 1989 mit  Gottfried Müller Hauptverf. des »Briefs aus Weimar«, dem wichtigsten Reformdokument der CDU-Basis in der Wendezeit: Forderung nach Reise- u. Pressefreiheit sowie nach grundlegenden Reformen in der DDR; Dez. 1989 Wahl in den CDU-PV; Jan. 1990 – 92 stellv. Landesvors. der CDU in Thür. Nov. 1990 – Febr. 1992 Thür. Kultusmin.; Febr. 1992 – Nov. 1994 Thür. Min. für Bundes- u. Europaangelegenh.; danach bis Sept. 1999 Min. für Bundesangelegenh. in der Thür. Staatskanzlei u. (seit 1992) zugl. Bevollm. des Freistaats Thür. beim Bund; seit 1991 MdL Thür. u. Mitgl. des CDU-Bundesvorst.; Vorstandsmitgl. u. a. der Konrad-Adenauer-Stiftung (seit 1991), der Europ. Bew. Dtl. (seit 1993), der Dt. Ges. für Ausw. Pol. (seit 1994) u. der Europ. Volkspartei (seit 1994); 1992 – 97 stellv. Mitgl. u. seit 1997 Mitgl. der Synode der EKD, seit 1992 auch Mitgl. in der Kammer für öffentl. Verantw. der EKD; 1999 – 2004 Präs. des Thür. Landtags (Nachf. von  Frank-Michael Pietzsch), 2004 – 08 Vors. der CDU-Fraktion im Thür. Landtag; 2008 – 09 Ministerin für Soziales, Fam. u. Gesundheit (Nachf. von  Klaus Zeh); 2009 Vors. der Gesundheitsministerkonferenz; seit Okt. 2009 Ministerpräs. des Freistaats Thür. (Nachf. von  Dieter Althaus).Orientierung im Umbruch. Analysen zur Lage in Dtl. seit 1990. Rudolstadt 1999; Aufbau u. Leistung des Parlamentarismus in den neuen Bundesländern. Rheinbreitbach 2001.Manfred Agethen / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Liebknecht, Kurt

* 26.3.1905 – ✝ 6.1.1994

Geb. in Frankfurt (Main), großbürgerl. Herkunft; Vater Chemiker (Patentinhaber u. a. für »Persil«), Neffe von Karl L.; Volksschule u. Gymnasium, Abitur; halbjährige Tätigkeit als Maurer u. Zimmerer; 1924 – 29 Architekturstudium an der TH Berlin, Dipl.-Ing.; 1929 – 31 Mitarb. im Büro des Architekten Hans Poelzig (Innengestaltung des Hauses des Rundfunks in Berlin); Ltr. beim Bau der Univ.-Frauenklinik in Berlin; Aug. 1931 als Spezialist in die UdSSR; zunächst Tätigkeit im Büro des Standardstadt- bzw. Stadtbauprojekt in Moskau, dort Ltr. des Ausländerkoll. u. ab 1932 Mitgl. des Betriebsrats; seit 1933 im Projektierungsbetrieb des Volkskommissariats für Verkehr u. Verbindungswesen, Projektierungen für Krankenhäuser, Wohnhäusern u. Verw.-Gebäude u. a. in Magnitogorsk u. Stalinsk; 1933 Wettbewerbsentwurf für den Sowjetpalast in Moskau; 1937 sowj. Staatsbürgerschaft; 1938 Festnahme durch das NKWD, Verurteilung zu anderthalb Jahren Gefängnis; Anf. 1941 in der Sonderfahndungsliste »UdSSR« der Gestapo erf.; 1941 Mitarb. der Akad. für Architektur in Moskau, Ltr. der Abt. Gesundheits- u. Sozialeinrichtungen; Juni 1945 Prom. über den Krankenhausbau in Mittelasien; 1947 Entwurf für eine große Klinik in Stalingrad; freier Mitarb. des Sowinformbüros u. in der dt. Red. von Radio Moskau für Baufragen. Ende 1948 Rückkehr nach Dtl.; wiss. Sekr. im Inst. für Bauwesen; Mai 1949 HA-Ltr. für Fragen des Entwurfs in der HV Bauwesen der DWK; Ende 1949 Dir. des Inst. für Städte u. Hochbau im Min. für Aufbau; 1949 Mitgl. des Zentralvorst. der DSF; Dez. 1949 SED; 1950 – 54 Fernstudium an der PHS; 1951 Ernennung zum Prof.; Febr. 1951 Mitgl. des künstler.-wiss. Rats des Min. für Kultur; April 1951 – 61 Präs. der DBA; propagierte den Kunstcharakter des Städtebaus u. die »nat. Traditionen« als Leitbild der 50er Jahre; kommissar. Ltr. des Architekturbeirats beim Min.-Rat der DDR; 1952 Mitgl. des Präs. der Ges. für kulturelle Verbindung mit dem Ausland; Mitgl. im Vorstand des BDA; 1954 – 63 Mitgl. des ZK der SED; 1961/62 Dir. des Inst. für Theorie u. Geschichte der Architektur der DBA; 1963 – 70 Dir. des Inst. für Technol. der Gesundheitsbauten Berlin-Lichtenberg; Ltg.-Mitgl. im BDA; 1970 em.; 1971 Schinkelmedaille; ab 1972 Rentner u. freiberufl. tätig; 1975 VVO; 1980 KMO; 1985 Stern der Völkerfreundschaft; gest. in Berlin.Fragen der Dt. Architektur und des Städtebaus. 1952 (Mitautor); Sowj. Architektur. 1953 (Mitautor); Handbuch für Architektur. 1954 (Mitautor); DBA 1951 bis 1953. 1954; Architektur und Städtebau in der DDR. 1959 (Mitautor); Mein bewegtes Leben. Berlin 1986.Simone Hain / Peter Erler

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Liese, Wilhelm

* 5.4.1879 – ✝ 4.11.1940

Geboren am 5. April 1879 in Jarmen/Krs. Demmin; arbeitete in verschiedenen Berufen und trat 1900 der SPD bei. Während des Krieges schloß er sich in Berlin der Spartakusgruppe an und trat nach dem Kriege in die KPD ein. Liese war an den bewaffneten Auseinandersetzungen in Berlin 1919 beteiligt, deshalb wegen »Landfriedensbruchs und Aufruhrs« zu sieben Monaten Gefängnis verurteilt. Seit 1920 Mitarbeiter der »Roten Fahne«, anfangs nebenberuflich, von 1924 an dann verantwortlich zeichnender Redakteur. Deswegen 1924/25 zu einer mehrmonatigen Gefängnisstrafe verurteilt. Im Dezember 1925 entlassen, ging er nach Prag, wo er in große Not geriet. Sein scharfer Brief gegen die falsche Kaderpolitik der Partei an das ZK der KPD vom Mai 1927 geriet auch in die Hände des SPD-«Vorwärts«, der ihn veröffentlichte. Liese, inzwischen Anhänger der linken Opposition, mißbilligte die Publizierung. Im Mai 1928 schloß ihn die KPD aus, weil er bei der Wahl für den Leninbund kandidiert hatte. Er war noch einige Zeit im Leninbund tätig, trat dann politisch nicht mehr hervor. Wilhelm Liese starb am 4. November 1940.

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Ligendza, Roman

* 4.8.1891 – ✝ 18.6.1946

Geboren am 4. August 1891 in Zaborze/Krs. Hindenburg in Oberschlesien, Sohn eines Bergmanns; lernte Kaufmann und arbeitete als Häuer. Von 1912 bis 1914 Militärdienst, dann Weltkriegsteilnehmer, zuletzt Unteroffizier. Im April 1920 trat er in die KPD und den Bergarbeiterverband ein, aus letzterem im März 1929 ausgeschlossen, zählte anschließend zu den führenden RGO-Funktionären in Oberschlesien. Delegierter des XII. Parteitages der KPD im Juni 1929 in Berlin. Bis 1931 als Bergarbeiter tätig, war er Mitglied der BL Oberschlesien und gehörte von 1927 bis 1933 der Stadtverordnetenversammlung in Hindenburg an. Im April 1932 wurde er im Wahlkreis Oppeln in den Preußischen Landtag gewählt. Ligendza flüchtete im März 1933 nach Polen, kehrte aber Ende des Jahres nach Deutschland zurück und war Instrukteur der KPD in Berlin und im Ruhrgebiet (unter dem Decknamen Rudolf Schneuder). Dann Obergebietsleiter, Ligendza war verantwortlich für den Wiederaufbau der RGO und der KPD im Ruhrgebiet, Mittel- und Niederrhein. Am 24. April 1934 in Düsseldorf festgenommen, wurde er am 12. April 1935 vom 2.Senat des VGH in Berlin zu zwei Jahren und acht Monaten Zuchthaus verurteilt. Nach der Strafverbüßung im Zuchthaus Brieg kam er in »Schutzhaft« in die KZs Sachsenhausen und Buchenwald, aus letzterem wurde er im Sommer 1941 nach Oberschlesien entlassen. Den Erinnerungen des im Frühjahr 1943 über Oberschlesien abgesprungenen deutschen Kommunisten und Angehörigen der Roten Armee Vinzent Porombka (* 1910 – † 1975) zufolge, organisierte er gemeinsam mit Roman Ligendza und anderen oberschlesischen Kommunisten Anfang Januar 1945 Widerstandaktionen gegen das NS-Regime. Ligendza hat sich dann der Roten Armee zur Verfügung gestellt und sprang gemeinsam mit Porombka im März 1945 mit dem Fallschirm bei Chemnitz ab, er kam im Sommer 1945 nach Berlin und begann im Büro von Ottomar Geschke beim Hauptamt für Sozialwesen des Berliner Magistrats zu arbeiten. Roman Ligendza starb unter bis heute nicht geklärten Ursachen am 18.Juni 1946 im Eggersdorfer Forst bei Berlin.

Wer war wer in DDR

Leppin, Rudolf

* 9.8.1923

Geb. in Ichtershausen (Krs. Arnstadt); Vater Arbeiter; Volksschule; 1938 – 41 Lehre als Dreher; 1941 – 45 Wehrmacht; 1945 kurzzeitig in amerikan. Kriegsgef. 1945 – 48 Dreher, Schlosser u. Sägereiarb.; 1948 SED; 1948 / 49 Dienst in der DVP; 1949/ 50 Dreher bzw. ehrenamtl. SED-Parteisekr. im RFT-Fernmeldewerk Arnstadt; 1950 / 51 Sekr. der SED-BPO im Hauptamt Arnstadt; 1951 Lehrgang an der LPS; 1952 – 54 Parteiorganisator des ZK der SED in der Maxhütte Unterwellenborn; 1954 VVO; 1954 – 57 Studium an der PHS der KPdSU in Moskau, Dipl.-Gesellschaftswiss.; 1957 – 63 Sekr. für Wirtschaft, 1963 – 65 2. Sekr., 1965 – 72 erneut Sekr. für Wirtschaft der SED-BL Frankfurt (Oder); anschl. Kombinatsdir. des VEB Reifenkombinat Fürstenwalde; dann Kaderltr. im Jagdwaffenwerk Suhl; später Sekr. der SED-BPO auf der Schiffswerft in Fürstenberg.Mario Niemann

Wer war wer in DDR

Leschnitzer, Franz

* 12.2.1905 – ✝ 16.5.1967

Geb. in in Posen (Poznań, Polen); Vater Apotheker; Volksschule u. Humanist. Augusta-Gymnasium in Berlin-Charlottenburg; nach dem Abitur 1924 kurzz. Lehrling in einer Berliner Ölfirma; Okt. 1924 – 30 Studium der Nationalökon. u. Jura, Nebenfächer Germanistik u. Philos. an der Univ. Berlin; ab 1925 ständ. Mitarb. der satir. Wochenschr. »Der Drache«, der Wochenschr. »Die Weltbühne«, »Die Neue Generation«, »Die Friedenswarte« u. a. Ztgn.; Mitgl. der Dt. Friedensges.; Juni 1926 Mitgl. der Gruppe Rev. Pazifisten u. 1927 der Roten Studentengr.; wurde 1930 aus pol. Gründen nicht durch das Referendarexamen gelassen; 1930 Mitgl. der IAH; Febr. – Okt. 1931 Red.-Sekr. der IAH-Ztg. »Der Rote Aufbau«; 1931 – 42 KPD; Ende 1931 – Anf. 1932 Reise durch die UdSSR (IAH-Delegation); hielt 1932/33 jurist. liter.-geschichtl. Vorlesungen an der MASCH Berlin; März 1932 – März 1933 Sekr. des Dt. Kampfkomitees gegen Krieg u. Fasch. in Berlin; Aug. 1932 Teiln. am Antikriegs-Kongreß in Amsterdam u. Dez. 1932 Antikriegs-Konferenz in Paris; 1932 Mitgl. des BPRS u. dessen Reichsfraktionsltg. u. im Bund der Freunde der Sowjetunion; wegen drei laufender U-Verfahren März 1933 Flucht nach Wien; ab Mai 1933 in Brünn (b.  Johannes R. Becher) u. Prag; gehörte dort zu den ersten Mitarb. der Emigr.-Ztg. »Der Gegen-Angriff«; Ende Mai 1933 Emigr. nach Moskau; dort als Vertreter des dt. BPRS u. als 2. Red. der dt. Ausgabe der »Internat. Lit.«; Juni 1933 – Juli 1941 Red.-Ref. der Ztschr. »Internat. Lit.« in Moskau (unter Johannes R. Becher); 1933/34 auch Lehrer an der dt. Karl-Liebknecht-Schule in Moskau; 1934 Mitgl. des sowj. Schriftst.-Verb.; Juli – Okt. 1941 Literaturred. im Verlag Meschdunarodnaja Kniga in Moskau; Febr. 1942 – April 1943 Lehrer am Fremdsprachenlehrstuhl der Militärakad. für Motorisierung u. Mechanisierung in Taschkent; im Aug. 1942 durch das ZK der KPD in Moskau Parteiausschl. »wegen Mangels an Wachsamkeit gegenüber sowjetfeindl. Elementen«, seine späteren Rehabilitierungsversuche blieben erfolglos; Okt. 1941 beim dt. Vorstoß auf Moskau Evakuierung nach Taschkent; April 1943 – Juli 1948 Oberlehrer der Pädagog. Abend-HS in Taschkent; gleichz. Sept. 1944 – Sept. 1945 Oberlehrer der Philolog. Fak. an der Mittelasiat. Staatsuniv. in Taschkent. Okt. 1945 Lehrer an der Pädagogik-HS Taschkent; dort ab 1947 Ltr. des Lehrstuhls für dt. Sprache; 1947 – 59 sowj. Staatsbürgerschaft; 1945 – 47 auch als Antifa-Lehrer in dt. Kriegsgefangenenlagern bei Taschkent; Sommer 1948 Rückkehr nach Moskau; Aug. 1948 – Mai 1957 Übersetzer der Ztg. »Neues Leben« u. der Ztschr. »Sowjetlit.« in Moskau; Aug. 1949 Ablehnung der Ausreise in die SBZ durch sowj. Behörden; Mai 1957 – Dez. 1959 Mitarb. im liter. Beirat der dt. Zentral-Ztg. »Neues Leben« (Verlag der »Prawda«) in Moskau; Dez. 1959 Rückkehr nach Berlin (DDR); freischaff. Autor u. Übersetzer, auch weiterhin für die Ztschr. »Sowjetlit.«; 1960 Mitgl. des DSV; 1964 Prom. mit »Goethes Faust u. die sowj. Lit.« an der Univ. Rostock; gest. in Berlin.Erich Weinert. Ein Lesebuch für unsere Zeit. Weimar 1961 (Hrsg.); Wahlheimat Sowjetunion: Stadien u. Studien eines dt. Intellektuellen. Halle 1963.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Lessig, Herbert

* 5.7.1902 – ✝ 18.8.1966

Geboren am 5. Juli 1902 in Dresden, verbrachte seine ersten Lebensjahre in Leipzig, seit 1911 in Berlin, absolvierte nach dem Schulbesuch eine Lehre als Buchdrucker. Seit 1919 gewerkschaftlich organisiert, schloss er sich 1924 der Roten Hilfe an und trat 1929 in die KPD ein. Lessig arbeitete als Buchdrucker in der City-Druckerei der „Roten Fahne“. Ernst Schneller warb Lessig 1931 für den AM-Apparat. Ende 1932 reiste Herbert Lessig nach Moskau und besuchte die M-Schule der Komintern in Moskau. Nach vorzeitiger Beendigung des Kurses kehrte er über die Tschechoslowakei nach Deutschland zurück und übernahm zunächst Aufgaben als Instrukteur in den Berliner Unterbezirken Schöneberg, Wilmersdorf und Charlottenburg. In dieser Zeit hatte er Kontakt zu Walter Ulbricht und August Creutzburg. Wegen Beteiligung an einer Schießerei in der Schleiermacherstraße in Berlin festgenommen, kam er nach einigen Tagen wieder frei. Das gegen ihn eingeleitete Verfahren wurde eingestellt. Lessig schwieg später in Prag über diese nur wenige Tage währende Verhaftung, um nicht von der illegalen Arbeit im Apparat ausgeschlossen zu werden. Ewald Jahnen überbrachte Lessig Ende 1934 die Anweisung des ZK, die Arbeit in Berlin sofort zu beenden und nach Prag zu reisen. Hier wurde er zunächst vom Salda-Komitee unterstützt und übernahm nach Liquidierung des Apparates von Hans Kippenberger unter dem Decknamen „Bert“ zunächst die Abwehrabteilung und im August 1935 die gesamte Kaderabteilung in der tschechischen Emigration. Im Januar 1936 wurde Lessig stellvertretender Leiter des nun von Hermann Nuding geführten Abwehrapparates, deren Sekretärin Ella Schwarz (* 1907 – 2002) war. Er war nach Aussage von Nuding ein äußerst zuverlässiger Mann, beschaffte u. a. die NS-Anklageschrift gegen Ernst Thälmann und organisierte die Flucht des gefährdeten Thälmann-Anwaltes Friedrich Roetter samt dessen Barvermögen von 42 000 Reichsmark. Lessig wurde später jedoch als Gestapoagent denunziert und im September 1937 zur Berichterstattung nach Paris bestellt. Gegen den Einspruch von Nuding wurde Lessig durch die Mitglieder des Pariser Auslandssekretariat der KPD (Paul Bertz, Franz Dahlem und Paul Merker) 1938 wegen angeblicher Mitarbeit für die Gestapo aus der KPD ausgeschlossen. Lessig schreibt in seinem Lebenslauf dass ihm Walter Ulbricht diese Information Anfang 1938 ohne nähere Begründung übermittelte. Durch Vermittlung von Dr. Konrad Reissner, dem Sekretär der Liga für Menschenrechte in Paris, erhielt Lessig Unterkunft und Verpflegung im jüdischen Asyl für Obdachlose. Bei Kriegsausbruch interniert, gelang es Lessig im Juni 1940 nach Casablanca zu fliehen. Bis 1943 in verschiedenen Lagern interniert, wurde er durch Vermittlung der Quäker entlassen und meldete sich freiwillig zur englischen Armee, aus der er 1947 in Ehren entlassen wurde. Herbert Lessig lebte später in London, arbeitete als Buchdrucker und bemühte sich in den fünfziger und sechziger Jahren um eine Anerkennung als NS-Verfolgter durch den Senat von West-Berlin. Er starb am 18. August 1966 in London.

Wer war wer in DDR

Leube, Heinz

* 5.4.1921

Geb. in Leipzig; Vater Arbeiter; Volks- u. Berufsschule; 1933 Rote Falken; Lehre u. Arbeit als Dekorationsmaler; 1941 Wehrmacht; 1945 – 49 sowj. Kriegsgefangenschaft, Antifa-Schule. 1949 Rückkehr nach Dtl.; 1949/50 Jugendsachbearb. bzw. Ltr. eines Verw.-Bez. beim Rat der Stadt Leipzig; 1950 SED; 1951 Studium an der Landesverw.-Schule Sachsen; 1951/52 Mitarb. der SED-LL Sachsen bzw. der SED-BL Leipzig; 1952 – 57 Instrukteur der Abt. für Sicherheitsfragen des ZK der SED; 1957 – 50 Studium an der PHS, Dipl.-Ges.-Wiss.; 1960 – 62 Instrukteur, ab 1962 Sektorenltr. bzw. später stellv. Ltr. der Abt. für Sicherheitsfragen des ZK der SED; Fernstudium an der Sekt. Kriminalistik der HU Berlin, 1966 Dipl.-Kriminalist; 1965 Oberst; 1975 Gen.-Major der DVP; 1981 VVO.Andreas Herbst

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Leuschner, Bruno Max

* 12.8.1910 – ✝ 10.2.1965

Geb. in Rixdorf (b. Berlin); Vater Schuhmacher; Mutter Heimarb. (Näherin); Volksschule (drei Klassen) u. 1919 – 25 Mittelschule in Berlin-Neukölln; 1922 Mitgl. der Freien Turnerschaft Groß-Berlin / Süd-Ost (FTGB, später »Fichte«); 1925 – 28 Ausbildung zum Industriekfm. in der Konfektionsfabrik Lachmann & Meyer in Berlin; dort nach Beendigung der Lehrzeit zunächst als Expedient, dann als Kalkulator, Verkäufer u. zul. als Mitarb. in der Exportabt. tätig; seit 1928 Mitgl. des ZdA; 1928 – 31 Besuch von Abendkursen an der Lessing- u. Humboldt-HS Berlin (bes. Ökon., Philos. u. Psychol.); in den Jahren 1930/31 Besuch der Marxist. Arbeiterschule, Unterricht bei  Hermann Duncker, Ernst Schneller u. a.; seit 1931 Mitgl. der KPD, Ortsgr. Berlin-Neukölln; 1933 – 36 Ltr. des UB Berlin-Neukölln bzw. -Wedding; arbeitete zugl. illeg. als NSDAP-Sachbearb. für den UB Berlin-Neukölln im M-Apparat der KPD, Deckn. »Max« (Zusammenarbeit mit dem zuständigen Instrukteur  Hans Rosenberg); übernahm später auch als »Techniker« des UB Berlin-Neukölln die Herstellung der illeg. Ztg.; Anf. 1935 mit der Herstellung der illeg. Ztschr. der Verkehrs- u. Gemeindearb. (RGO) beauftragt; Ende 1935 zuständig für Agit.-Prop. im UB Berlin-Wedding Ost; später mit der Herstellung der illeg. Ztg. »Der rote Wedding«, dann als Pol.-Ltr. des UB Berlin-Wedding Ost mit dem Aufbau des illeg. UB beaufragt; 1933 – 36 Mitgl. der DAF, 1936 Ausschl. auf Lebenszeit; 23.7.1936 Verhaftung, am 24.8.1937 Verurteilung durch den 4. Strafsenat des Kammergerichts Berlin zu sechs Jahren Zuchthaus wegen »Vorber. zum Hochverrat«, 1937 – 39 Haft im Zuchthaus Brandenb.-Görden, hier Ende 1939 in der Bücherei beschäftigt, Kontakte zu  Erich Paterna u. anderen KPD-Mitgl.; nach Denunziation in das Zuchthaus Sonnenburg strafversetzt (hier illeg. Kontakte zu  Wilhelm Kling u. a.); nach der Strafzeit ab Juli 1942 für 10 Wochen im KZ Wuhlheide in Berlin, dann ab Sept. 1942 – 44 Haft im KZ Sachsenhausen, dort beschäftigt als Arbeiter im Ballonbau, als Schreiber im Revier u. später als Blockältester; Mitgl. der illeg. Parteigr.; aufgrund einer pol. Sonderaktion der Gestapo im Juni 1944 im KZ Sachsenhausen isoliert u. am 10.10.1944 (zus. mit 104 anderen pol. Gefangenen) strafweise in das KZ Mauthausen, durch alliierte Truppen am 5.5.1945 befreit. Juli 1945 Rückkehr nach Berlin; mit dem Aufbau der Wirtschaftsabt. des ZK der KPD beauftragt; Herbst 1945 Ltr. der Abt. Wirtschaftspol. im ZK der KPD, Mitautor der wirtschaftspol. Richtlinien vom Dez. 1945; nach der Vereinigung von KPD u. SPD im April 1946 Ltr. der Abt. Wirtschaft u. Finanzen im PV der SED; ab Juni 1947 führend am Aufbau der DWK beteiligt, Ltg. der DWK-Abt. für Wirtschaftsfragen; als mit Befehl Nr. 32 der SMAD im Feb. 1948 alle wirtschaftl. ZV in die DWK einbezogen wurden, übernahm er im März 1948 die Funktion des stellv. Vors. der DWK für Planung, gleichz. Ltr. der HV Wirtschaftsplanung, der auch das Statist. Zentralamt u. das Inst. für Wirtschaftsforschung unterstanden; maßgebl. an der Ausarbeitung des Halbjahresplans 1948 u. des Zweijahresplans 1949/50 beteiligt; 1948/49 Mitgl. des Dt. Volksrats u. 1949/50 Abg. der Prov. Volkskammer; 1949/50 Staatssekr. im Min. für Planung; 1950 – 65 Mitgl. des ZK der SED; 1950 – 52 1. Stellv. des Vors. u. von Mai 1952 – Juli 1961 Vors. der SPK (Nachf. von  Heinrich Rau); 1950 – 61 Mitgl. der SED-BPO in der SPK; seit 1952 DDR-Vertreter im RGW; 1953 – 65 Abg. der Volkskammer, ab Juli 1953 Kand. u. ab 1958 Mitgl. des PB des ZK der SED; Mai 1955 VVO; 1955 – 65 Stellv. des Vors. des Min.-Rats.; Sept. 1958 Medaille für Kämpfer gegen den Fasch.; 1960 – 63 Mitgl. des Staatsrats; Aug. 1960 Held der Arbeit; auf der 13. Tagung des ZK der SED im Juli 1961 von der Funktion des Vors. der SPK entbunden; Juli 1961 Min. für die Koord. volkswirtschaftl. Grundaufgaben beim Präs. des Min.-Rats; seit Juni 1962 Ständ. Bevollm. (Vertreter) der DDR im neu geschaffenen EK des RGW; Nov. 1963 Ausscheiden aus dem Staatsrat, weil sich seine internat. Funktionen nur schwer mit der Arbeit im Lande verbinden ließen; gest. in Berlin.Ökon. u. Klassenkampf. Ausgew. Reden u. Aufsätze 1945 – 1965. Berlin 1984. Gernot B.: Ein Kämpfer für den Sieg des Soz. In: BzG (1970) 6.Monika Kaiser / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Levien, Max

* 21.5.1885 – ✝ 16.6.1937

Geboren am 21. Mai 1885 in Moskau, Sohn des deutschen Großkaufmanns Ludwig Levien. Er besuchte 1893 das deutsche Gymnasium in Moskau, von 1897 bis zum Abitur 1902 in Meißen. Im Herbst 1905 begann er an der Universität Halle ein Studium, das er wegen seiner Beteiligung an der russischen Revolution und einer Gefängnisstrafe 1907/08 in Moskau unterbrechen mußte. Seit 1906 Mitglied der Partei der Sozialrevolutionäre, setzte er sein Studium im Herbst 1908 an der Universität in Zürich fort. Hier wurde er Mitglied der Sozialdemokratischen Partei, hatte Verbindung zu Lenin und wurde Anhänger der Bolschewiki. Im Sommer 1913 promovierte er und übersiedelte anschließend nach Deutschland. Levien nahm die deutsche Staatsbürgerschaft an und meldete sich am 29.Oktober 1913 freiwillig zum bayerischen Leib-Infanterieregiment, von 1914 bis 1918 Soldat. Im November 1918 ging er nach München, wurde Führer der Spartakusgruppe und Vorsitzender des Soldatenrates und war als Delegierter Münchens auf dem Gründungsparteitag der KPD. Zusammen mit Eugen Leviné führte er die Münchner KPD auch in der Räterepublik. Levien, der nach der Niederschlagung der Räterepublik verhaftet wurde, konnte im Mai 1919 nach Wien flüchten, wurde aber dort erneut festgenommen. Die bayerische Justiz verlangte seine Auslieferung. Nach langen Verhandlungen lehnte die österreichische Regierung das bayerische Ersuchen ab. Ende 1920 wurde Levien freigelassen, er übersiedelte im Juni 1921 nach Moskau und arbeitete zunächst im Komintern-Apparat. Er wurde 1925 Mitglied der KPdSU, wirkte zuletzt als Professor für Geschichte an der Moskauer Universität. Bereits am 10. Dezember 1936 vom NKWD in Moskau verhaftet und im März 1937 zunächst zu fünf Jahren »Arbeitslager« verurteilt, wurde Max Levien am 16. Juni 1937 jedoch zum Tode verurteilt und sofort erschossen.

Wer war wer in DDR

Lewin, Waldtraut

* 8.1.1937 – ✝ 20.5.2017

Geb. in Wernigerode; Mutter Sängerin; Abitur in Magdeburg; Studium von Germanistik, Latein u. Theaterwiss. an der HU Berlin; 1961 Musikdramaturgin in Halle; 1970 Händel-Preis der Stadt Halle; 1973 Chefdramaturgin u. Regisseurin an der Musikbühne Rostock; 1978 Lion-Feuchtwanger-Preis; seit 1978 freischaff. Schriftst.; seit 1981 in Berlin; ab 1975 als KP, ab 1980 als IM »Wald« beim MfS erf.; 1981 u. 1982 Hörspielpreis des Rundfunks der DDR; 1988 NP; verfaßte das Libretto zur ersten DDR-Rock-Oper (»Rosa Laub«, Musik:  Horst Krüger, UA 1979 am Volkstheater Rostock); sonst hauptsächl. hist. Romane, u. a. »Herr Lucius u. sein schwarzer Schwan« (1973), »Die Ärztin von Lakros« (1977), ferner Biogr., Kinder- u. Jugendbücher, Krimis, zahlr. Hörspiele; Übersetzerin aus dem Russ., Frz. u. Ital.; 1986 – 90 Mitgl. der AdK. 1991 – 95 Mitgl. des Dt. PEN-Zentrums (Ost); 2000 Bad Harzburger Jugendliteraturpreis; gest. in Berlin.Federico. Roman. Berlin 1984; Georg Friedrich Händel. Biogr. Berlin 1984; Ein Kerl, Lompin genannt. Roman. Berlin 1989; Dicke Frau auf Balkon. Kriminalroman. Hamburg 1994; Jenseits des Meeres: die Freiheit. Ravensburg 1997; Frau Quades Welt bricht zusammen. Hamburg 1998; Luise, Hinterhof Nord (Ein Haus in Berlin 1890). Ravensburg 1999; Paulas Katze (Ein Haus in Berlin 1935). Ravensburg 1999; Mauersegler (Ein Haus in Berlin 1989). Ravensburg 1999; Marek u. Maria. Weinheim 2004; Wenn die Nacht am tiefsten. Bayreuth 2005; Dt. Heldensagen. Bindlach 2006; Drei Zeichen sind ein Wort. München 2007; Drei Zeichen sind die Wahrheit. München 2008.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Lichtenstein, Kurt

* 1.12.1911 – ✝ 12.10.1961

Geboren am 1. Dezember 1911 in Berlin; Werkzeugmacher. Kurze Zeit in einer jüdischen Jugendorganisation, seit 1928 im KJVD aktiv und ab November 1931 in der KPD. Von 1931 bis 1933 studierte er an der Deutschen Hochschule für Politik Zeitungswissenschaften, arbeitete u. a. in der Berliner BL der RGO. 1933 zunächst im Saargebiet, die KPD schickte ihn nach Moskau, wo er Abendkurse an der KUNMS besuchte. Nachdem Lichtenstein als Herbert 1934 einen Sonderlehrgang des KJVD in Moskau absolviert hatte, kam er als Instrukteur ins Saargebiet. In der Pariser Emigration übernahm er verschiedene Funktionen, u. a. die Anleitung des Widerstandes in Deutschland von Straßburg aus. Wegen vermuteter Abweichungen gab es mehrere Untersuchungen der Kaderabteilung gegen ihn. Im Herbst 1936 meldete sich Lichtenstein freiwillig zu den Internationalen Brigaden im Spanischen Bürgerkrieg, dort wurde er Politkommissar und Offizier, später Chefredakteur der Zeitung »Pasaremos«. Nach der Niederlage der Republik war er bis März 1941 in Frankreich interniert und anschließend in der französischen Résistance aktiv. Auf Beschluß der Parteiführung ging er im April 1944 von Toulouse nach Deutschland zur illegalen Arbeit und war (getarnt als »Fremdarbeiter« Jules Bardier) in Suhl. Nach dem Krieg blieb Lichtenstein für die KPD im Ruhrgebiet tätig. Zunächst war er Sekretär der BL, 1946 Redakteur am KPD-Organ »Westdeutsches Volks-Echo«, 1947/48 Chefredakteur des KPD-Zentralorgans »Freies Volk« in Düsseldorf, dann bis 1950 in gleicher Funktion bei der »Neuen Volkszeitung« in Dortmund. Von 1947 bis 1950 war er Abgeordneter des Landtages von Nordrhein-Westfalen. Nach der MfS-Festnahme von Kurt Müller wurde Lichtenstein wegen seiner engen Verbindung zu »Kutschi« abgelöst und nach einem längeren Verfahren 1953 aus der KPD ausgeschlossen. Ende 1954 trat er in die SPD ein und lebte bis 1958 als Hilfsarbeiter. Ab 1959 Redakteur der »Westfälischen Rundschau«, begann er im Oktober 1961 eine Reportage-Reise entlang der DDR-West-Grenze. Dabei wurde Kurt Lichtenstein am 12. Oktober 1961 bei Zichorie von DDR-Grenzsoldaten erschossen. Das erregte großes Aufsehen – war er etwa von seinen früheren Genossen liquidiert worden? 1994 hat Rainer Zunder (»Erschossen in Zichorie«) das Leben Kurt Lichtensteins beschrieben.

Wer war wer in DDR

Liebermann, Helmut

* 31.10.1923

Geb. in Niederfrohna (Sachsen); Vater Arbeiter; Volks-, Mittel- u. Berufsschule; Lehre u. Arbeit als Fotograf, Fotomeister; 1942 RAD; anschl. Fotogehilfe. 1945/46 KPD/SED; ab 1948 selbständiger Fotomeister; 1951 – 54 Dolmetscherstudium am Pädagog. Inst. Leipzig; ab Juni 1954 Mitarbeiter des MfAA, bis 1958 Dolmetscher u. Attaché an der DDR-Botschaft in Peking; 1958/59 Oberreferent in der Abt. Ferner Osten; 1960/61 Studium an der HU Berlin, Dipl.-Sinologe; 1961/62 Hauptreferent in der Abt. Ferner Osten des MfAA; 1962 2. Sekr., 1963 1. Sekr. u. 1964 – 66 Botschaftsrat an der DDR-Botschaft in Peking; 1966 stellv. u. ab 1973 Ltr. der Abt. Ferner Osten des MfAA; 1976 – 82 Botschafter in China (Nachf. von  Johann Wittik).Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Liebknecht, Karl

* 13.8.1871 – ✝ 15.1.1919

(* 1871 – † 1919) Als Sohn des Begründers der deutschen Sozialdemokratie, Wilhelm Liebknecht (* 1826 – †1900), wurde Karl am 13. August 1871 in Leipzig geboren. Er studierte von 1890 bis 1893 Rechtswissenschaften und Nationalökonomie in Leipzig und Berlin, leistete 1893/94 seinen Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger bei den Garde-Pionieren in Berlin und war anschließend bis 1898 Referendar in Arnsberg und Paderborn. Die Promotion zum Dr. jur. et rer. pol. erfolgte 1897 in Würzburg mit der Dissertation »Compensationsvollzug und Compensationsvorbringen nach gemeinem Rechte«. Karl Liebknecht eröffnete 1899 in Berlin gemeinsam mit seinem älteren Bruder Theodor eine Rechtsanwaltspraxis. Obwohl erst im August 1900 der SPD beigetreten, wurde er bereits im November 1901 in die Berliner Stadtverordnetenversammlung gewählt, der er bis 1913 angehörte. Als Kandidat für den Reichtagswahlkreis Potsdam-Spandau-Osthavelland 1903 und 1907 unterlegen, konnte er diesen Wahlkreis dann 1912 für die SPD erobern. Er war Delegierter auf den sozialdemokratischen Parteitagen und ist bereits 1908 ins Preußische Abgeordnetenhaus gewählt worden. Bekannt wurde Liebknecht als politischer Anwalt, vor allem bei der Verteidigung von Funktionären der russischen Arbeiterbewegung. Seit Erscheinen seines Buches »Militarismus und Antimilitarismus unter besonderer Berücksichtigung der internationalen Jugendbewegung« (1907) trat er als Gegner des Militarismus und als einer der Führer der sozialistischen Jugendbewegung hervor. Von 1907 bis 1910 Präsident der Sozialistischen Jugendinternationale, mußte Liebknecht wegen seines Anti-Militarismus-Buches von Oktober 1907 bis Juni 1909 eine Festungshaft in Glatz absitzen. 1911 unternahm er eine Agitationsreise durch die USA. Im Reichstag wandte er sich gegen die Geschäftspraktiken der Rüstungsfirmen und versuchte bei Ausbruch des Weltkriegs vergeblich, die sozialdemokratischen Abgeordneten für eine Ablehnung der Kriegskredite zu gewinnen. Nachdem Liebknecht in der Fraktion noch gegen die Kredite gestimmt hatte, unterwarf er sich der Parteidisziplin und votierte am 4. August 1914 im Reichstag wie die gesamte Fraktion für die Bewilligung. Liebknecht, der vor dem Krieg als radikaler Einzelgänger noch nicht zum Kern der Linken in der SPD um Rosa Luxemburg, Franz Mehring und Julian Marchlewski gezählt hatte, lehnte sich nun eng an diese Gruppe an. Weil er am 2. Dezember 1914 dann als einziger Abgeordneter im Reichstag gegen die Bewilligung der Kriegskredite stimmte, wurde Karl Liebknecht zur Symbolfigur der Kriegsgegner. Die Begründung seiner Ablehnung wurde Fanal: »Dieser Krieg, den keines der beteiligten Völker selbst gewollt hat, ist nicht für die Wohlfahrt des deutschen oder eines anderen Volkes entbrannt. Es handelt sich um einen imperialistischen Krieg ... Der Krieg ist kein deutscher Verteidigungskrieg ... Ein schleuniger, für keinen Teil demütigender Friede, ein Friede ohne Eroberungen ist zu fordern; alle Bemühungen dafür sind zu begrüßen ...« Seine konsequente Politik gegen den Krieg und die Burgfriedenspolitik der SPD-Führung störten die herrschenden Kreise. Da Liebknecht im Februar 1915 als Armierungssoldat zum Militärdienst eingezogen wurde, war ihm damit – bis auf sein Auftreten im Reichstag und Preußischen Abgeordnetenhaus – jede politische Betätigung untersagt. Dennoch beteiligte er sich aktiv an der Bildung der Gruppe Internationale, die seit 1916 als Spartakusgruppe bekannt wurde. Im Mai 1915 verfaßte Karl Liebknecht das Flugblatt mit der Losung: »Der Hauptfeind steht im eigenen Land!« Er nahm im April 1916 an einer illegalen Tagung der Arbeiterjugend in Jena teil und organisierte zum 1. Mai 1916 eine Friedensdemonstration auf dem Potsdamer Platz in Berlin, dort wurde er verhaftet. Während das Kommandanturgericht Berlin Liebknecht am 28. Juni 1916 zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilte, erhöhte das Oberkriegsgericht die Strafe in der Berufungsinstanz auf vier Jahre und einen Monat Zuchthaus. Ab November 1916 ins Zuchthaus Luckau eingesperrt, verfaßte er dort mehrere Schriften, darunter seine philosophischen »Studien über die Bewegungsgesetze der gesellschaftlichen Entwicklung«. Karl Liebknecht, der die marxistische Theorie zwar als Grundidee des Sozialismus erhalten wollte, kritisierte aber sowohl die ökonomischen Kategorien von Marx als auch den historischen Materialismus. Marx’ These vom Wirken »historischer Gesetze« lehnte er ebenso ab wie dessen Schema von ökonomischer Basis und ideologischem Überbau. Philosophisch verstand sich Liebknecht als Agnostiker und Universalist, seine Sozialismus-Vorstellungen beruhten auf der Grundthese von der »Tendenz zur Steigerung der natürlichen und sozialen Solidarität«. Am 23. Oktober 1918 vorzeitig aus dem Zuchthaus entlassen, wurde Karl Liebknecht von seinen Anhängern begeistert in Berlin begrüßt. In der Novemberrevolution führte er gemeinsam mit Rosa Luxemburg den Spartakusbund und war Herausgeber der »Roten Fahne«. Am 9.November hat er vom Balkon des Schlosses in Berlin die »Freie Sozialistische Republik« ausgerufen. In die Revolutionsregierung einzutreten, lehnte er ab und versuchte statt dessen, die Massen gegen die sozialdemokratischen Volksbeauftragten und für eine Räteherrschaft zu mobilisieren. Auf dem Gründungsparteitag der KPD forderte Liebknecht in einem Grundsatzreferat die Trennung von der USPD und die Bildung der neuen Partei, deren Führer er neben Rosa Luxemburg wurde. Liebknecht neigte einem radikalen, revolutionären Kommunismus zu. Mit Beginn der Januarkämpfe 1919 in Berlin erklärte er die Regierung Ebert für »abgesetzt«. Während der Unruhen wurde Karl Liebknecht zusammen mit Rosa Luxemburg von Soldaten der Garde-Kavallerie-Schützendivision festgenommen und beide am 15. Januar 1919 brutal ermordet. Seine (zweite) Frau, Sophie Ryss (* 18. 1. 1884 – † 11. 11. 1964), Kunsthistorikerin, kam 1934 aus London nach Moskau, sie durfte als Stalin-Gegnerin die UdSSR nicht verlassen. Ihr Bruder Adolph wurde 1938 vom NKWD verhaftet, auch ihre Schwester Sylvia kam mit ihrem Mann, dem Physiker Jakow Spielrein, in den Gulag. Karl Liebknechts Sohn – aus erster Ehe mit Julia Paradies (* 20. 7. 1873 – † 22. 8. 1911) – Wilhelm (Helmi) (* 6. 3. 1901 – † 30. 4. 1975) studierte nach dem Abitur Rechts- und Staatswissenschaften in Berlin, Frankfurt/M. und Wien. Seit 1928 in der Sowjetunion, war er Mitarbeiter am Marx-Engels-Institut. Im August 1940 hatte Nazideutschland ihn ausgebürgert. Weil er Opfern der Säuberungen geholfen hatte, wurde Wilhelm Liebknecht aus der KPdSU ausgeschlossen und im Oktober 1941 nach Usbekistan verbannt. Später freischaffender Übersetzer und Redakteur. Annelies Laschitza veröffentliche 2007 eine neue Biographie über Karl und Sophie Liebknecht.

Wer war wer in DDR

Lietz, Bruno

* 22.11.1925 – ✝ 11.5.2005

Geb. in Wormstedt (b. Apolda); Vater Arbeiter; Volksschule; 1940 – 43 Ausbildung zum Autoschlosser; 20.4.1943 NSDAP; 1943 – 45 Wehrmacht, anschl. Lazarettaufenthalt. Ab Juli 1945 – 47 Autoschlosser bei der Firma Karl Henn in Apolda; 1947 – 49 Traktorist der VdgB Wormstedt; 1949 – 52 Traktorist, Assistent u. Techn. Ltr. der MAS Apolda, Holbach u. Krölpa; 1949 SED; 1952 – 54 Hauptref. für pol. Massenarbeit bzw. Sektorenltr. im Min. für Land- u. Forstw.; nach einem Fernstudium am Inst. für Agrarökon. Bernburg 1957 Dipl.-Agrarökon.; 1954 – 58 pol. Mitarb., 1958 – 61 Sektorenltr. LPG u. MTS der Abt. Landw. des ZK der SED, 1961 – 72 Sekr. für Landw. der BL Rostock (Nachf. von  Joachim Wendland); 1966 u. 1970 VVO; 1963 Kand., 1982 Mitgl. des ZK der SED; 1972 – 81 stellv. Vors. der SPK für den Bereich Land- u. Nahrungsgüterwirtschaft; 1972 Mitgl. des Rats für landw. Prod. u. Nahrungsgüterwirtschaft; 1976 u. 1984 Banner der Arbeit; 1981/82 Ltr. der Abt. Landw. des ZK des SED (Nachf. von  Bruno Kiesler); Nov. 1982 – Nov. 1989 Min. für Land-, Forst- u. Nahrungsgüterwirtschaft (Nachf. von  Heinz Kuhrig); 1985 KMO; 1986 – März 1990 Abg. der Volkskammer; 1990 Rentner.Siegfried Kuntsche / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Lilie, Helmut

* 11.3.1923

Geb. in Erfurt; 1945/46 KPD/SED; Besuch der Vorstudienanstalt Jena, Abitur; Studium der Chemie an der FSU Jena; 1953 Prom. über die Chemie der Reineck-Salze zum Dr. rer. nat.; 1957 Habil.; Mitarb. des Dt. Amts für Material- u. Warenprüfung (DAMW); Ltr. eines chem. Prüflabors; Prüfdienststellenltr.; später Fachabt.-Ltr. für techn. Chemie u. Vizepräs.; 1961 – 65 Präs. des DAMW (Nachf. von Max Rüffle); 1963 Prof. für Warenkunde an der HS für Binnenhandel Leipzig; 1965 – 72 stellv. Vors. der SPK; kurzz. Staatssekr.; ab 1973 Präs. des Amts für Standardisierung, Meßwesen und Warenprüfung (Nachf. von Rolf Görbing); seit 1962 Mitgl. des Forschungsrats der DDR; Vors. der Ständ. Kommission Standardisierung im RGW; Frühjahr 1989 Ruhestand; lebt in Bernau b. Berlin.Qualitätssicherung u. Standardisierung. Berlin 1987; Hohe Qualität. Tempogewinn für den Soz. Berlin 1987.Helmut Müller-Enbergs / Dieter Hoffmann