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BioLex

In der Kategorie BioLex sind drei wichtige Lexika mit über 5500 Biografien von überzeugten Kommunistinnen und Kommunisten, Renegatinnen und Dissidenten im Volltext recherchierbar.

 

Das Handbuch „Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945“ wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam.

Kurzbiografien zu Personen des politischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 bereit.

Zudem ist das Online-Lexikon www.dissdenten.eu ebenfalls auf unserer Seite aufrufbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Informationen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Lorbeer, Hans

* 15.8.1901 – ✝ 7.9.1973

Geb. in Kleinwittenberg; Vater Schmied, Mutter Dienstmädchen; 1907 – 15 Volksschule; 1915/16 Ausbildung zum Installateur, abgebrochen; Hilfsarb.; Mitgl. des CVJM; während des 1. Weltkriegs in Kriegsgefangenenlagern u. Munitionsfabriken tätig; 1918 Mitgl. der Freien Soz. Jugend u. 1919 der Soz. Proletarierjugend; 1920 – 26 Mitgl. des KJVD; 1921 Mitgl. der KPD; 1921/23 Installateur im Stickstoffwerk Piesteritz; ab 1922 schriftsteller. tätig; 1923/24 arbeitslos; 1924/25 Arbeiter im Sprengstoffwerk Reinsdorf; 1925 pol. gemaßregelt; 1925 erschienen »Gedichte eines jungen Arbeiters«, erster Prosaband »Wacht auf!« (Berlin 1928); 1928 Mitbegr. des BPRS; 1930 Roman »Ein Mensch wird geprügelt«; gehörte 1929 – 31 zur Heinrich-Brandler-Gruppe; 1932 KPD-Ausschl.; ab 1932 Mitgl. der KPO; 1933/34 Haft im KZ Lichtenburg; 1934 – 37 Mitgl. einer Widerstandsgr. in Berlin; Arbeiter im Gummiwerk Piesteritz; 1937 verhaftet, vom KG Berlin-Moabit zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt, Haft in Brandenb. u. Bayreuth, im Moorlager Aschendorfer Moor u. Papenburg; 1939 – 45 Arbeiter in Wittenberg. 1945 KPD; 1945 – 50 Bürgermstr. von Piesteritz; Krs.-Sekr. des KB u. Mitgl. des SED-Krs.-Vorst.; ab 1950 freischaff. Schriftst.; 1959 Heinrich-Mann-Preis der DAK; Mitgl. des Vorst. des DSV; 1961 NP für seine hist. Romane »Das Fegefeuer« u. »Der Widerruf«; 1962 Johannes-R.-Becher-Medaille; 1965 Mitgl. der AdK; 1966 Banner der Arbeit; 1971 VVO; ab 1970 als GMS »Lorbeer« beim MfS erf.; gest. in Piesteritz. Sek.-Lit.: Heinemann, D.: Wir wollen uns und alles, alles haben. Der Weg H. L.’s zum proletar.-rev. Schriftst. Halle 1977; Reinecke, R.: Widerstand Schreiben. H. L. nach 1933. In: Asholt, E. et al. (Hrsg.): Unruhe u. Engagement. Fs. für Walter Fähnders zum 60. Geb. Bielefeld 2004.Werke. Halle 1977 ff.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Lorenz, Gerhard

* 24.5.1930 – ✝ 30.3.2015

Geb. in Freital (Sachsen); Vater Fleischer; Volksschule; 1944 – 48 Ausbildung u. Arbeit als Maurer; 1946 – 48 Mitgl. eines Betriebsrats bzw. ehrenamtl. Jugendfunktionär der IG Bau im Land Sachsen; 1948 SED; 1949 Eintritt in die VP; Dienst u. a. im Krs.-Amt Dresden; 1949 Grenzpolizei; bis 1951 Pol.-Kultur-Ltr. der Grenzkommandantur bzw. -bereitschaft Blumberg, VP-Oberkommissar; 1952 VP-Zentralschule in Biesenthal (b. Bernau); 1953 – 60 Ltr. der Pol.-Abt. u. Kdr.-Stellv. von Schulen u. a. Dienststellen, darunter Groß-Glienicke (b. Potsdam), Major; 1957 – 62 externes Studium an der PHS, Dipl.-Ges.-Wiss.; 1960 – 62 u. 1965 – 68 Abt.-Ltr. in der Pol. Verw. der Grenztruppen, Oberst; 1963 – 65 Militärakad. Dresden, Dipl. rer. mil.; 1968 – 70 Stellv. des Chefs u. Ltr. der Pol. Verw. der Grenztruppen (Nachf. von  Horst Brünner); 1971 – 73 Kdr. des Grenzkdo. Süd, Gen.-Major; 1973 – Febr. 1990 erneut Ltr. der Pol. Verw. (Nachf. von Walter Herkner), 1.3.1981 Gen.-Ltn; leitete Ende 1989 die Auflösung der Pol.-Organe der SED in den Grenztruppen ein; 31.5.1990 Ruhestand. 1990 angeklagt u. im Sept. 1996 vom Berliner Landgericht im Prozeß gegen die Berliner Grenzschützer zu drei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt; JVA Hakenfelde; lebte in Zeuthen (b. Berlin); bestattet in Königs Wusterhausen.Grafe, R.: Dt. Gerechtigkeit. Prozesse gegen DDR-Grenzschützen u. ihre Befehlsgeber. München 2004.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Lösche, Alexander

* 31.10.1910 – ✝ 19.4.2005

Geb. in Hannover; Vater Bankangest.; Bürgerschule, Gymnasium, 1930 Abitur; Studium der Rechts- u. Volkswirtschaftswiss. an den Univ. Freiburg, München, Kiel u. Berlin, aus pol. Gründen nicht zum Referendarexamen zugelassen; Arbeit in einem Rechtsberatungsbüro; Volontär bei Siemens; 1939 Wehrmacht, anschl. erneut Mitarb. bei Siemens; 1942 dienstverpflichtet. 1945/46 SPD/SED; 1945 zunächst Mitarb. im Magistrat von Groß-Berlin; ab Sommer Mitarb. im SPD-ZA, zeitw. persönl. Ref. bei  Erich W. Gniffke; 1946 – 48 parität. Ltr. der Abt. Personalpol. des ZS des SED-PV (neben  Grete Fuchs-Keilson); nach der Flucht von Fritz Schreiber Ende 1948 auch Sekr. des ZS des SED-PV; 1949 amt. Ltr. der Abt. Justiz des ZS des SED-PV; Ende 1949 Antrag auf Beendigung der Arbeit im Parteiapparat; 1949/ 50 Mitarb. beim Progress-Filmverleih; 1950 – 52 Produktionsltr. der DEFA; 1952 Ltr. der DEFA-Wochenschau- u. Dokumentarfilmprod.; später Ltr. der künstler. Arbeitsgr. »Gruppe 60« im DEFA-Studio für Spielfilme; 1977 Ruhestand.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Lötsch, Manfred

* 9.10.1936 – ✝ 7.1.1993

Geb. in Buchholz (Erzgeb.) in einer Arbeiterfamilie; nach Abschluß der Grundschule 1950 – 53 Schlosserlehre; 1953 – 56 ABF zunächst in Karl-Marx-Stadt, dann in Leipzig; 1956 – 60 Studium der Volkswirtschaftsslehre an der HU Berlin; anschl. Assistent an der Bergakad. Freiberg; 1958 SED; 1963 Prom. mit einer Arbeit über Carl Mengers als Beitrag zur Kritik der österr. Schule der Grenznutzentheorie; 1966 Konflikte mit der SED-Parteiltg. an der Bergakad., anschl. »Bewährung« als Betriebssoziologe im Braunkohlenwerk Großräschen; 1968 wiss. Mitarb. in der soziolog. Abt. am Inst. für Wirtschaftswiss. der DAW; 1969 gem. Habil. mit  Hansgünter Meyer zum Thema »Struktur, Information u. Verhalten als soziolog. Probleme der Organisationsanalyse« (Verbot der Publ. 1971); 1969 Versetzung an das IfG (die spätere AfG); gem. mit Hansgünter Meyer Erarbeitung eines struktur-funktionalen Konzepts der Sozialstrukturforschung u. Ltg. der umfangreichsten empir. Untersuchungen zur Sozialstruktur der DDR-Ges.; 1979 Berufung zum Prof. für Soziol. an die AfG; maßgebl. beteiligt an der Org. internat. vergleichender Untersuchungen im RGW-Raum; Mitgl. des Wiss. Rats für Soziol. u. Vors. des Problemrats Sozialstruktur; 1985 NP (im Koll.); invalidisiert nach schwerem Herzinfarkt im März 1989; Nov. 1989 Mitunterz. des Berliner Aufrufs zur Gründung einer unabh. Ges. für Soziol. in der DDR. 1990 Mithrsg. des »Berliner Journals für Soziol.«; 1991 Gastprof. am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung; gest. in Berlin. M. L. war Autor von ca. 200 wiss. u. publizist. Arbeiten; er galt seit Mitte der 1970er Jahre als führender Sozialstrukturforscher der DDR; seine Untersuchungen zu sozialen Differenzierungen der DDR-Ges. waren maßgebend für eine theoret. Überwindung des dominierenden Dogmas der »wachsenden Annäherung der Klassen u. Schichten«; internat. Anerkennung fanden in den 1980er Jahren v. a. M. L.s reformorientierte Arbeiten zur erforderl. Aufwertung der wiss.-techn. Intelligenz u. zur funktionalen Bedeutung sozialer Unterschiede für eine mod. Perspektive der DDR-Ges.Zur Entwicklung der Arbeiterkl. u. ihrer Struktur. Berlin 1976 (Mithrsg. u. Mitautor); Ingenieure in der DDR. Berlin 1988 (Mithrsg. u. Mitautor); Sozialstruktur der DDR. Berlin 1989 (Mithrsg. u. Mitautor). Lötsch, I., Meyer, H. (Hrsg.): Sozialstruktur als Gegenstand der Soziol. u. der empir. Soziolog. Forschung. Beiträge zu einem Kolloquium in memoriam M. L. Berlin 1998; Mertens, L.: Rote Denkfabrik? Die AfG beim ZK der SED. Münster 2004.Jan Wielgohs

Louperti,

* 22.11.1907 – ✝ 07.06.1985

Geb. in Halle in einer Arbeiterfamilie; Dreherlehre; Hobbyzauberer, erste Auftritte beim Onkel Fred Scarlett in dessen Schaubude; ab 1928 Bühnenauftritte; Manipulationen mit Zigarren, internat. bekannt mit Darbietung »Spiel mit Brasil«. Neubeginn schon am 1.10.1945 im Steintor-Varieté in Halle; Reisen mit den ersten DDR-Ensembles in die UdSSR u. die ČSR, mehrere Engagements im Berliner Friedrichstadtpalast, Gastspiele in zahlr. europ. Ländern; Auftritte bis ins hohe Alter; gest. in Halle.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Löwenthal, Richard

* 15.4.1908 – ✝ 9.8.1991

(* 1908 – † 1991) Geboren am 15. April 1908 in Berlin, Sohn eines Handelsvertreters. Von 1926 bis 1931 Studium der Nationalökonomie und Soziologie in Berlin und Heidelberg. Seit 1926 Mitglied der KPD und in der Kostufra aktiv, 1928 Reichsleiter der Kommunistischen Studentenfraktion. 1929 wegen rechter Abweichungen Ausschluß aus der KPD, war er dann von 1929 bis 1931 in der KPO. 1932 schloß sich Löwenthal der LO (Leninistische Organisation) an, die »Neu Beginnen« schuf, deren Theoretiker er ab 1933 war. Nach der Spaltung von »Neu Beginnen« 1935 und Verhaftungswellen in Deutschland flüchtete er nach Prag. Dort wurde Richard Löwenthal unter dem Decknamen Paul Sering zusammen mit Karl Frank Leiter dieser Organisation. 1936/37 erhielt er ein Forschungsstipendium in London, kam danach wieder zurück nach Prag. Richard Löwenthal näherte sich linkssozialdemokratischen Positionen (Otto Bauer) an und verfaßte mit Karl Frank, Joseph Buttinger u. a. die Schrift »Der kommende Weltkrieg. Aufgaben und Ziele des deutschen Sozialismus«. Im Sommer 1939 ging er mit der Auslandszentrale von »Neu Beginnen« nach London, wo er bis 1961 blieb. Dort lebte er als freier politischer Journalist und Publizist, war von 1940 bis 1942 Mitarbeiter am Sender der Europäischen Revolution, später am »Observer« und am St. Antony College in Oxford. 1948 erschien Löwenthals berühmte Schrift »Jenseits des Kapitalismus« unter dem Pseudonym Paul Sering. Gemeinsam mit Willy Brandt veröffentlichte er 1957 eine Biographie Ernst Reuters. 1961 erhielt er eine Professur für die Wissenschaft von Politik und Geschichte am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität in Berlin und wurde einer der bekanntesten Osteuropa- und Kommunismusforscher (Publikation u. a.: »Chruschtschow und der Weltkommunismus« 1963). Seit 1946 Mitglied des SPD, in den siebziger Jahren gehörte er zu den Theoretikern der Sozialdemokratie. 1974 emeritiert, er wirkte als freier Publizist in West-Berlin. Richard Löwenthal starb am 9. August 1991.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Lubinski, Dagobert

* 17.7.1893 – ✝ 22.2.1943

Geboren am 17. Juli 1893 in Breslau, Sohn eines jüdischen Kaufmanns. Er verließ die Realschule ohne Abschluß und absolvierte eine kaufmännische Ausbildung. 1911 wurde er Buchhalter und Mitglied der SPD, 1917 USPD, ab 1920 Funktionär der KPD. 1927 kam er als Wirtschaftsredakteur an die »Freiheit«, das KPD-Organ Niederrhein in Düsseldorf. Wegen seiner Kritik am ultralinken Kurs der KPD wurde er Anfang 1929 aus der Partei wegen »Fraktionsbildung mit den Brandlerianern« ausgeschlossen und als Redakteur entlassen. Mit Aushilfsarbeiten auf dem Katasteramt und mit journalistischen Aufträgen hielt er seine vierköpfige Familie am Leben. Dagobert Lubinski ging nach seinem Parteiausschluß zur KPO und wurde leitender Funktionär des Bezirks Niederrhein. Als Mitarbeiter der Zeitschrift »Gegen den Strom« schrieb er unter dem Pseudonym E. L. (Erich Lessing) vorwiegend über Wirtschaftsfragen. Im Februar 1933 verhaftet und ins KZ Börgermoor verschleppt, setzte er nach seiner Entlassung Mitte Dezember 1933 die illegale Arbeit fort. Er näherte sich nach dem VII. Weltkongreß der Komintern mit mehreren Genossen des KPO-Bezirks wieder der KPD an. Am 3. November 1936 erneut verhaftet und schwer mißhandelt. Nach eineinhalb Jahren Untersuchungshaft wurde Lubinski am 6. April 1938 vom OLG Hamm in Wuppertal-Elberfeld zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt. Er kam zunächst in das Zuchthaus Lüttringhausen, wo er als Jude den gelben Stern tragen mußte. Im Februar 1943 nach Auschwitz transportiert, ist Dagobert Lubinski am 22. Februar 1943 ermordet worden. 1991 veröffentlichte Annette Leo, die Enkelin von Dagobert Lubinski, Briefe ihres Großvaters.

Wer war wer in DDR

Lüdecke, Gustav

* 9.1.1890 – ✝ 22.3.1976

Geb. in Erfurt; Ausbildung zum Holzbildhauer in der Möbeltischlerei Ziegenhorn & Juncker in Erfurt; Handwerker- u. Kunstgewerbeschule in Erfurt; 1909 – 11 Mitarb. im Architekturbüro Schilling & Gräbner, Dresden; 1911 – 13 im Architekturbüro Lossow & Kühne, Dresden; 1913 / 14 Volontär bei Hermann Muthesius in Berlin; 1914 selbständiger Architekt in Berlin; 1914 – 18 Soldat; erste Entwürfe; 1919 Niederlassung in Dresden-Hellerau, 1919 – 39 maßgebl. Planungen für die Erweiterung der Gartenstadt, Realisierung einer Vielzahl von Wohnhäusern in Hellerau; 1922 Mitarb. bei Heinrich Tessenow; 1922 Reihenhaussiedl. am Moritzburger Weg in Hellerau (mit H. Tessenow); 1924 1. Preis beim Wettbewerb »Neugestaltung von Haus u. Wohnung«; 1925 Bund der Architekten; 1925 Planung u. Aufbau der Kunsthandwerker- u. Gartensiedl. Neuruppin-Gildenhall (mit Otto Bartning); 1927 Wiederaufbauplan Gottleuba (Sa.) nach einer Hochwasserkatastrophe; 1931 Wettbewerb »Das wachsende Haus«; 1932 Lehrverpflichtung in Erfurt; 1937 Ausst. Dresdner Jahresschau »Garten u. Heim«; nach 1939 als Architekt in Kiew (UdSSR). 1951 Mitarb. bei  Hanns Hopp am Inst. für Hoch- u. Industriebau der DBA; 1952 – 60 Oberreferent beim Rat des Bez. Rostock, Abt. Aufbau, Referent für Stadt- u. Dorfplanung; gest. in Wismar.Moderne Bauformen. Monatshefte für Architektur u. Raumkunst (Hrsg. C. H. Baer). Stuttgart 1921; Wohnhaus in Bruchstein. In: Der Neubau (hrsg. von C. W. Behrend). Jg. 1924; Neugestaltung von Haus u. Wohnung. In: Bauwelt 1924; Handarbeiter- u. Kopfarbeiterhaus. In: Sächsische Siedlung (1925) 16; Preisgekrönte Entwürfe für Kleinsiedlungshäuser. Berlin 1937; Zur Typisierung des ländl. Wohnhauses. In: Dt. Architektur (1958) 3. Gartenstadt Hellerau. Dresdner Hefte, hrsg. v. Dresdner Geschichtsverein. (1997) 51; Barth, H.: Im Schatten der Moderne – G. L. Dortmund 2004; Ders.: Spurensuche auf den Pfaden der Moderne. In: Kunsttexte (2004) 4.Volker Wagner

Wer war wer in DDR

Luding, Christa

* 4.12.1959

Geb. in Weißwasser; 1965 mit Eiskunstlauf begonnen, dann Eisschnelläuferin; ab 1970 auch Bahnradsportlerin (Sprint); Trainer u. späterer Ehemann Ernst L.; 1974 KJS in Dresden; Ausbildung zum Wirtschaftskfm.; Studium an der DHfK Leipzig; 1984 – 89 Stadtverordn. in Dresden; im Eisschnellauf: 1979 u. 1983 bei Weltmeisterschaften: 3. Platz im Sprint, 1985 Sprint-WM, 1986 2. u. 1987 3. Platz im Sprint, 1992 3. Platz; 1980 Olymp. Spiele: 12. Platz über 500 m u. 18. über 1.000 m; 1984 Olymp. Spiele: Siegerin über 500 m u. 5. Platz über 1.000 m; 1988 Olymp. Spiele: 2. Platz über 500 m u. Siegerin über 1.000 m; 1992 Olymp. Spiele: 3. Platz über 500 m; im Bahnradsport: 1986 WM u. 1987 Vize-WM; 1976 – 88 16 DDR-Titel im Radsport; gewann als erste Olympiateilnehmerin 1988 Medaillen bei Winter- u. Sommerspielen; 1989 – 91 pausiert; sieben WR. 1990 IOC-Ehrenpreis »Sport u. Frauen«; 1991 bei den Sprint-Weltmeisterschaften 6. Platz; 1992 Olymp. Spiele: 3. Platz über 500 m; 1992 Ende der sportl. Laufbahn; gelernte Wirtschaftskauffrau; führt mit ihrem Mann ein Transportunternehmen; lebt in Dresden.Klaus Gallinat / Olaf W. Reimann

Wer war wer in DDR

Ludwig, Rolf

* 28.7.1925 – ✝ 27.3.1999

Geb. in Stockholm; Vater Steindrucker; Ausbildung zum Kartolithograph in Dresden; 1942 Wehrmacht (Gefr.), schwer verwundet; 1944 – 47 brit. Kriegsgefangenschaft (Lodge Moor Camp). 1947 Rückkehr nach Dtl.; 1947 kurzz. Schauspielschule in Dresden; dann Engagements in Hamburg, Lübeck u. Dresden, ab 1949 in Berlin; 1950 – 52 Schauspieler am Metropolthea- ter; 1953/54 Theater am Schiffbauerdamm; 1954 – 64 Volksbühne; 1965 – 69 Dt. Theater (DT); 1970 – 76 wiederum Volksbühne; seit Aug. 1977 erneut am DT; 1959 Kunstpreis; 1973 NP. Haupt- bzw. tragende Rollen u. a. in der internat. beachteten Inszenierung von Jewgeni Schwarz’ »Der Drache« (R:  Benno Besson), Jean-Baptiste Molières »Don Juan«, Henrik Ibsens »Wildente«, William Shakespeares »Der Widerspenstigen Zähmung«, Friedrich Schillers »Wallenstein«, Carlo Goldonis »Der Diener zweier Herren«, Alexander Ostrowskis »Der Wald«; bei Film u. Fernsehen u. a. in »Abschied« (nach  Johannes R. Becher),  Slátan Dudows »Der Hauptmann von Köln«,  Egon Günthers »Der Dritte«, »Lotte in Weimar«,  Heiner Carows »Die Legende von Paul u. Paula« sowie »Die Grünstein-Variante« (Bundesrep. Dtl., 1985), »Das Buschgespenst« (nach Karl May, TV); 1991 die Hauptrolle in Egon Günthers Film »Stein« (Fellini-Preis in Italien); weitere Filmrolle in »Nikolaikirche« (1995, R:  Frank Beyer); gest. in Berlin. R. L. gehörte zu den populärsten u. vielseitigsten Schauspielern der DDR, seine Domäne als Charakterdarsteller war die Komödie.Nüchtern betrachtet. (Autobiogr., aufgeschrieben von Gabriele Stave). Berlin 1995. Filmporträt von Gabriele Conrad: Beckmanns Bruder. Der Schauspieler R. L. ORB 1995.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Lungershausen, Wolfgang

* 27.11.1925 – ✝ 15.1.2001

Geb. in Weida (Krs. Gera); Vater Angest.; Gymnasium; 1943 NSDAP; Kriegsteiln. 1945 – 47 Bauhilfsarb. u. Weber in Weida; 1947 SED; 1947 – 50 Studium der Volkswirtschaft in Jena u. Leipzig, Dipl.-Wirtsch.; 1950 Assistent beim Werkltr., anschl. Hauptbuchhalter, 1953 – 60 Werkltr. im VEB Optima Erfurt; 1954 – 69 Mitgl. der SED-BL Erfurt; 1961 – 69 Hauptdir. der VVB Datenverarbeitung u. Büromaschinen Erfurt; 1963 – 81 Abg. der Volkskammer; ab 1967 Mitgl. im Aussch. Industrie, Bauwesen u. Verkehr; ab 1970 Dir. im Kombinat Zentronik Sömmerda; ab 1972 GD der VVB Bauelemente u. Vakuumtechnik (Nachf. von  Rudolf Heinze); ab 1982 GD des Kombinats Elektron. Bauelemente Teltow; 1990 Ruhestand.Hagen Schwärzel

Wer war wer in DDR

Luther, Eberhard

* 21.11.1932 – ✝ 14.5.2003

Geb. in Pirna; Volksschule; Lehre als Fotograf in der Dt. Fotothek in Dresden; 1946 – 75 aktiver Kegelsportler (Asphalt) bei ESV Lokomotive Pirna, SC Einheit Dresden (1955 – 66), Motor Dresden-Niedersedlitz (1967 – 73) bzw. ab 1974 Empor Tabak; ab 1954 Mitgl. der Nationalmannschaft; 1955 erster Weltmeister der DDR; 1959 zweiter WM-Einzeltitel, einmal Weltmeister im Paarkampf (1970 mit Horst Bräutigam) u. drei WM-Titel mit der Mannschaft (1955, 1968, 1972); zweimal Europapokalsieger (1956 / 58); fünfmal DDR-Mstr. Einzel (1958, 1960, 1965 / 66, 1970), dreimal DDR-Mstr. im Paarkampf (1971 – 73), fünfmal mit der Mannschaft (1966 / 67, 1970 / 71); achtmal Weltrekord (erster Kegler der Welt über 1.000 P. mit 200 Wurf); ab 1975 Mitarbeiter für Mess- u. Fototechnik beim SC Einheit Dresden; Ende der 1980er Jahre Invalidenrentner; gest. als Sozialfall in einem Pflegeheim in Lichtenberg (Erzgeb.).Volker Kluge

Handbuch Deutsche Kommunisten

Lorbeer, Hans

* 15.8.1901 – ✝ 7.9.1973

Geboren am 15. August 1901 in Piesteritz als uneheliches Kind eines Dienstmädchens, wuchs bei Pflegeeltern auf. Installateur und Hilfsarbeiter in verschiedenen Chemiebetrieben in und bei Wittenberg. 1918 trat er der FSJ und 1921 der KPD bei. Aus dem Stickstoffwerk Piesteritz 1925 entlassen und bis 1933 arbeitslos, betätigte er sich seit Mitte der zwanziger Jahre schriftstellerisch. Den ersten Prosaband »Wacht auf!« publizierte er 1928, 1930 erschien sein Erstlingswerk »Ein Mensch wird geprügelt« in Russisch. Er schrieb literarische Reportagen, Gedichte und Kurzgeschichten, u. a. für die KPD-Zeitung »Klassenkampf« in Halle und ab 1927 für die »Rote Fahne«. 1928 gehörte er zu den Mitbegründern des BPRS und zählte mit Johannes R. Becher und Erich Weinert zu den meistverbreiteten proletarisch-revolutionären Autoren. Lorbeer wurde 1932 wegen »Rechtsabweichung« aus der KPD ausgeschlossen und trat der starken KPO-Gruppe um Albert Bassüner in Piesteritz bei. 1933/34 im KZ, anschließend im Gummiwerk Piesteritz beschäftigt. Mitarbeit in der KPO-Widerstandsgruppe um Kurt Weise, im März 1937 Festnahme und am 1. September vom Kammergericht Berlin zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt und inhaftiert in Brandenburg, Bayreuth und im Lager Börgermoor. Anschließend Hilfsarbeiter in Piesteritz. Im Juli 1945 von der sowjetischen Besatzung als Bürgermeister von Piesteritz eingesetzt, bei den Gemeindewahlen im Herbst 1946 bestätigt. Seit 1946 Mitglied der SED, im Januar 1949 erkrankte Lorbeer schwer. Im Zuge der Parteiüberprüfungen vermerkte die SED-KL Wittenberg im Sommer 1950, »daß Gen. Lorbeer z. T. heute noch abweichende Tendenzen aufzuweisen hat. Nach unserem Erachten sind das Rückstände aus seiner Vergangenheit. (Mitgliedschaft KPO/Brandler-Gruppe).« Fortan freischaffender Schriftsteller, ab 1965 Mitglied der AdK, für sein literarisches Schaffen erhielt er 1959 den Heinrich-Mann-Preis, 1961 den Nationalpreis und 1971 den VVO in Gold. Hans Lorbeer starb am 7. September 1973 in Wittenberg. In einer ausführlichen Würdigung im »Neuen Deutschland« vom 15. August 1986 aus Anlaß seines 85. Geburtstages wurde seine langjährige Mitgliedschaft in der KPO nicht erwähnt.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Lorenz, Siegfried

* 26.11.1930

Geb. in Annaberg (Sachsen); Vater Färber; Volksschule; 1944 landw. Hilfskraft in Mildenau (Sachsen); 1945 Laufbursche im Textilgroßhandel Annaberg; 1945 SPD; 1946 SED; FDJ; 1945/46 Bote u. Telefonist im Haus der Parteien bzw. Jugendsachbearb. in der SED-Stadtltg. Annaberg; 1946/47 Sekr. der FDJ-Stadtltg. Annaberg; 1947 Schüler an der Wirtschaftsschule Annaberg; 1948/49 ABF Chemnitz u. Leipzig, Abitur, 1948 – 51 Studium an ABF u. Univ. Leipzig, Dipl.-Ges.-Wiss.; 1951 – 53 Abt.-Ltr. Studium im ZR der FDJ; 1954 – 61 Sekr. u. 1961 – 65 1. Sekr. der FDJ-BL Berlin (Nachf. von  Hans Modrow); 1958 – 67 Stadtverordn. in Berlin; 1958 – 67 Kand. bzw. Mitgl. der SED-BL Berlin; 1961 – 76 Mitgl. des ZR der FDJ; 1963 – 67 Berliner Vertreter in der Volkskammer u. 1967 – 11.1. 1990 Abg. der Volkskammer; 1963 – 66 Mitgl. u. 1966 – 76 Vors. ihres Jugendaussch. (Nachf. von  Kurt Turba); 1964 VVO; 1965/66 Abt.-Ltr. Parteiorgane der SED-BL Berlin; 1966 – 76 Ltr. der Abt. Jugend des ZK der SED (Nachf. von  Arno Goede); 1967 – 76 Ltr. der Jugendkommission des PB (Nachf. von Kurt Turba); 1969 VVO; 1967 – 71 Kand. u. 1971 – 89 Mitgl. des ZK der SED; 1973 VVO; 1975 Kampforden für Verdienste um Volk u. Vaterland; 1980 KMO; 1984 Banner der Arbeit; 1976 – 89 1. Sekr. der SED-BL Karl-Marx-Stadt (Nachf. von  Paul Roscher); 1985/86 Kand. u. 1986 – Dez. 1989 Mitgl. des PB; 21.1. 1990 Parteimitgliedschaft bestätigt durch die Zentr. Schiedskommission der SED-PDS; arbeitslos; dann Rentner. Mai 2000 vor dem LG Berlin wegen »Totschlags an DDR-Flüchtlingen« angeklagt (zus. mit  Hans-Joachim Böhme u.  Herbert Häber), Freispruch, Aufhebung des Urteils durch den BGH, am 6.8.2004 vom LG Berlin wegen »Beihilfe zum Mord« an den Mauerflüchtigen Michael Bittner, Lutz Schmidt u.  Chris Gueffroy zu 15 Mon. Haft auf Bewährung verurteilt.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Lösche, Artur

* 20.10.1921 – ✝ 12.2.1995

Geb. in Leipzig; dort 1940 Abitur; NSDAP; 1940 Physikstudium an der Univ. Leipzig; 1942 – 45 durch Kriegsdienst unterbrochen. 1946 Forts. des Studiums, 1948 Diplom u. Examen für höheres Lehramt; SED; 1949 Prom.; 1953 Habil. (Beiträge zur Theorie der Dipolflüssigkeiten); 1948 Assistent, 1951 Oberassistent, 1953 Doz., 1955 Prof. am Physikal. Inst. der Univ. Leipzig; 1965 Mitgl. der DAW; 1966 – 70 Dir. des Physikal. Inst. der Univ. Leipzig; 1975 Mitgl. der Leopoldina; 1979 – 85 Dir. der Sekt. Physik; 1980 Korr. Mitgl. der Société Royale des Sciences de Liège; 1975 – 80 Mitgl. des Executive Committee of the European Physical Society; 1958 NP; 1986 Dr. h. c. (Univ. Jena); 1987 em.; gest. in Leipzig. Bedeutende Forschungen auf dem Gebiet der Hochfrequenzspektroskopie u. Molekülphysik; Begründer der internat. anerkannten Leipziger Schule für Hochfrequenzphysik.Kerninduktion. Berlin 1957; Hochfrequenzspektroskopie (Hrsg.). Berlin 1961; Molekülphysik. Berlin 1984.Dieter Hoffmann

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Lotz, Gerhard

* 22.4.1911 – ✝ 10.12.1981

Geb. in Altenburg; 1928 Abitur am Gymnasium in Eisenach; Studium zunächst der Theol. u. Philos., dann der Rechtswiss. an den Univ. Frankfurt (Main), Göttingen, Leipzig u. Königsberg; 1934 Erstes jur. St.-Ex.; Prom. zum Dr. jur.; Assistent an der Fak. für Rechts- u. Staatswiss. der Univ. Königsberg; 1938 Zweites jur. St.-Ex. in Berlin; anschl. Kirchenjurist in der Ev.-Luth. Landeskirche Thür.; 1940 Kirchenrat; ab 1942 Kriegsteiln., zul. Ltn., Gefangenschaft. 1946 Oberkirchenrat u. Ltr. der Rechtsabt. des Thür. Landeskirchenrats in Eisenach; CDU; 1948 stellv. Vors. des Landeskirchenrats; Mitglied der Synode der EKD; Mitgl. des Bez.-Vorst. Erfurt; seit 1955 als IM »Karl« vom MfS erf.; ab 1956 Mitgl. des Hauptvorst. der CDU; Mitgl. des Friedensrats der DDR u. des Weltfriedensrats; ab 1958 in der CFK engagiert; 1959 VVO; mehrf. Delegierung zur CFK in Prag; ab 1965 Vizepräs. des Friedensrats der DDR; 1967 – 76 Abg. der Volkskammer; 1969 Dr. h. c. der FSU Jena; 1976 Ruhestand. G. L. arbeitete in den 50er Jahren eng mit dem Thür. Landesbischof  Moritz Mitzenheim zus.; er gehörte zum Kern des »Weimarer Arbeitskrs.«, der mit dem »Thür. Weg« im Unterschied zu den anderen ev. Landeskirchen der DDR das Konzept eines kooperativen Verhältnisses zum Staat verfolgte.Ehrhart Neubert

Louperti,

* 22.11.1907 – ✝ 07.06.1985

Geb. in Halle in einer Arbeiterfamilie; Dreherlehre; Hobbyzauberer, erste Auftritte beim Onkel Fred Scarlett in dessen Schaubude; ab 1928 Bühnenauftritte; Manipulationen mit Zigarren, internat. bekannt mit Darbietung »Spiel mit Brasil«. Neubeginn schon am 1.10.1945 im Steintor-Varieté in Halle; Reisen mit den ersten DDR-Ensembles in die UdSSR u. die ČSR, mehrere Engagements im Berliner Friedrichstadtpalast, Gastspiele in zahlr. europ. Ländern; Auftritte bis ins hohe Alter; gest. in Halle.

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Lübbe, Heinz

* 20.5.1937

Geb. in Schwerin; Vater Kraftfahrer; Grund- u. Oberschule; 1952 FDJ; 1954 – 58 Studium an der Ingenierschule Zittau, Ing. für elektr. Netze; 1958 Eintritt in das MfS; 1959 SED; Ltr. der Abt. Nachrichtenverbindungen der MfS-BV Schwerin, Major; 1964/65 Studium an der BPS; 1970 – 75 Fernstudium an der PHS, Dipl.-Ges.-Wiss.; 1975 – 89 Ltr. der Abt. Fernmeldewesen des ZK der SED.Andreas Herbst

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Lucas, Werner

* 20.8.1914 – ✝ 16.12.1987

Geb. in Leipzig; Vater Arbeiter; Volksschule; 1929 – 33 Ausbildung zum Maler; 1929 Dt. Baugewerksbund; SAJ; 1933 – 36 illeg. Arbeit in Leipzig, mehrmals verhaftet; 1933/34 Gelegenheitsarbeiten; 1934/35 RAD; anschl. zumeist Maler; 1936 Verurteilung zu einem Jahr u. sieben Mon. Gefängnis; 1939 – 45 Kriegsdienst (Pionier-Bat.). 1945 FDGB; KPD; ehrenamtl. Parteifunktionär; tätig als Maler; 1946 SED; FDJ; VVN; 1946/47 Jugendltr. der FDJ-KL Leipzig; 1947 – 49 Hauer, dann Steiger im Wismut-Bergbau in Oberschlema; 1949 Instrukteur der KL Wismut; 1950 – 52 Abt.-Ltr. der Gebietsltg. Wismut der SED; 1952 2. Vors., 1952 – 55 Vors. des Zentralvorst. der IG Wismut (Nachf. von Richard Leppi) u. Mitgl. des Sekr. der SED-Gebietsltg.; 1952 – 82 Mitgl. des FDGB-Bundesvorst.; 1952 – 68 u. 1972 – 77 des Präs.; 1954/55 Abg. des Bez.-Tags Karl-Marx-Stadt; 1954 – 60 Fernstudium an der PHS, Dipl.-Ges.-Wiss.; 1955 – 63 Vors. des Zentralvorst. der IG Bergbau (Nachf. von Karl Honisch); 1961 – 63 Mitgl. des Sekr. des FDGB-Bundesvorst.; 1963 – 74 Vors. des Zentralvorst. der IG Bergbau-Energie; 1955 – 76 Mitgl. des Administrativkomitees der Internat. Vereinigung der Bergarb.-Gewerkschaft im WGB; 1972 – 76 deren Vizepräs.; 1974 VVO; 1976 – 82 Mitgl. des FDGB-Bez.-Vorst. Halle u. Vors. der Beschwerdekommission Halle der Sozialvers. der Arbeiter u. Angest.Die Besteuerung der Genossenschaften. Berlin 1958.Helmut Müller-Enbergs

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Lüdeke, Hans-Joachim

* 11.4.1931

Geb. in Stettin (Szczecin, Polen); Vater Arbeiter; Volksschule; Arbeit als Landarb.; 1947 FDJ; 1947 – 50 Lehre u. Arbeit als Maschinenbauer; 1950 / 51 Sekr. der FDJ-KL Ludwigslust; 1952 SED; 1951 – 54 u. 1955 / 56 Studium an der Ing.-Schule für Schiffsbautechnik Wismar, Abschluß als Ing. für Schiffsmaschinen / Schiffsdiesel; anschl. Ass. an der Ing.-Schule u. Fernstudent am Päd. Inst. Plauen, Abschluß als Doz. für Schiffsmaschinen u. Wärmelabor; 1957 – 65 Fernstudium an der Univ. Rostock, Abschluß als Dipl.-Industrieökonom; 1956 – 65 Sekr. der FDJ-BL Rostock; 1961 – 63 Vors. der Pionierorg. »Ernst Thälmann« im Bez. Rostock, 1963 – 65 1. Sekr. der FDJ-BL Rostock, 1955 – 67 Mitgl. des FDJ-ZR; 1965 / 66 polit. Mitarb. der FDJ-BL Rostock; 1966 – 83 1. Sekr. der SED-KL Greifswald; 1976 / 77 Studium an der PHS der KPdSU in Moskau; 1981 VVO; 1983 – 89 2. Sekr. der SED-BL Neubrandenb.Mario Niemann

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Ludwig, Egon

* 27.11.1929

Geb. in Neukirch (Krs. Bautzen); Volksschule; 1944 – 48 Lehre u. Arbeit als Maschinenschlosser; 1945 KPD; 1948 Einstellung bei der VP; 1951 Einstellung beim MfS als Prop.-Sekr. der SED-KL; 1953 persönl. Ref. des Min.; 1954 – 59 Fernstudium an der DASR Potsdam, Dipl.-Jur.; 1957 Sekr. des Kolleg. des MfS; 1961 Ltr. des Büros der Ltg.; 1966 Vors. der SG Dynamo Hohenschönhausen; 1978 Mitgl. des Bundesvorst. des DTSB; 1983 Gen.-Major; Dez. 1989 von seinen Funktionen entbunden; Jan. 1990 Entlassung, Rentner.Jens Gieseke

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Ludwig, Werner

* 15.12.1914 – ✝ 11.12.2002

Geb. in Mülheim (Ruhr); Abitur am Hindenburg-Gymnasium in Düsseldorf; ab 1934 Studium der Med. an der Militärärztl. Akad. in Berlin, 1939/40 St.-Ex.; Prom.; 1942 Oberarzt, später Stabsarzt in der Wehrmacht; 1943 sowj. Gefangenschaft bei Stalingrad, Antifa-Schule u. Mitarb. im NKFD. 1948 Rückkehr nach Dtl.; anschl. Krs.-Arzt in Grimma; SED; ab 1950 Abt.-Ltr. im Min. für Gesundheitswesen; 1952 Ltr. des Org.-Komitees zur Gründung des DRK; 1953 – 57 Vors. des ZA; anschl. bis 1981 Präs. des DRK; danach ehrenamtl. Vizepräs.; Mitgl. des NR der NF; 1962 Obermedizinalrat; 1963 Vors. des Albert-Schweitzer-Komitees der DDR; 1965 Prof. mit Lehrstuhl für Sozialhygiene an der Med. Akad. Dresden; 1971 – 76 Präs. des Nat.-Komitees für Gesundheitserziehung; Lehrstuhlinhaber für Gesundheitserziehung an der Akad. für ärztl. Fortbildung in Berlin; 1974 VVO; Präs. des Nat.-Komitees für die Zusammenarbeit mit der UNICEF; 1990 Ehrenpräs. des DRK; gest. in Dresden.Jan Wielgohs

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Lungewitz, Ernst

* 28.7.1908 – ✝ 26.5.1984

Geb. in München; Vater Lithograph; Volks- u. Mittelschule, Berufsschule, Ing.-Abendschule; Lehre u. Arbeit als Maschinenschlosser; 1923 DMV; 1927 KPD; 1931 RGO; 1934 – 45 Flugzeugschlosser in den Halleschen Flugzeugwerken bzw. in Außenbetrieben in Frankreich u. Griechenland; 1944 Wehrmacht. 1945 Schlosser; 1946 SED; 1946 – 50 Sekr. im FDGB-Landesvorst. Sachsen-Anh. in Halle; 1951 Hauptdir. des »VEB Abus« in Halle; 1953 Staatssekr. bzw. Stellv. des Min. für Schwermaschinenbau; 1954 kurzz. Ltr. der HA Arbeit im Min. für Arbeit; 1954/55 u. 1956/57 Sekr. für Wirtschaft der SED-BL Frankfurt (Oder) (Nachf. von Emil Wolter); 1955/56 Studium an der PHS der KPdSU in Moskau; 1957/58 Ltr. der Abt. Industrie des ZK der SED (Nachf. von Hans Zimmermann); 1958 – 60 Sekr. für Wirtsch. (Nachf. von Erwin Kühne) u. Mitgl. der SED-BL Potsdam; 1960/61 Vors. des Bez.-Wirtschaftsrats Potsdam; später Dir. für Arbeit im VEB Waggonbau Dessau bzw. Mitarb. im Bez.-Wirtschaftsrat u. beim Rat des Bez. Halle; 1973 Ruhestand.Andreas Herbst

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Luther, Peter

* 10.5.1942

Geb. in Drohndorf (Sachsen-Anh.); Schule in Drohndorf, Aschersleben u. Eisenach; 1962 Fachabitur; 1963 CDU; Studium der Physiol. u. Landw., 1968 Dipl.-Landw.; 1969 – 74 wiss. Ass. am Inst. für Gerichtsmed. der Charité in Berlin, 1974 Dr. rer. nat.; 1974 – 79 wiss. Mitarb. am Forschungsinst. für Lungenkrankh. in Berlin-Buch, 1979 – 85 Oberass., 1980 Dr. sc. u. Doz., 1985 – 90 Abt.-Ltr., dann Dir. des Forschungsinst. für Lungenkrankh. u. Tbc in Berlin-Buch. Seit 1990 stellv. Vors. des CDU-Ortsverb. Karow; 1992 – 2001 Vors. des CDU-KV Berlin-Weißensee u. des Großkreises Berlin-Pankow-Weißensee-Prenzlauer Berg; Jan. 1991 – 2001 u. seit 26.10.2006 MdA Berlin; 1991 – 96 Senator für Gesundheit des Landes Berlin; 1996 / 97 Mitarb. beim Verb. Forschender Arzneimittelhersteller; 1999 – 2001 Vize-Präs. des Berliner Abgeordnetenhauses; Rudolf-Virchow-Preis; P. L. ist in 14. Generation Nachf. des Bruders von Martin Luther.Helmut Müller-Enbergs

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Lorenc, Kito

* 4.3.1938 – ✝ 24.9.2017

Geb. in Schleife (Krs. Weißwasser); Vater sorb. Holzkfm., Großvater Schriftst. Jakub Lorenc-Zaleski; 1952 – 56 Schüler der sorb. Internats-OS in Cottbus; erlernte erst hier die sorb. Sprache; 1956 – 61 Studium der Slawistik an der KMU Leipzig; 1961 – 72 Mitarb. des Inst. für sorb. Volksforschung in Bautzen; 1962 u. 1968 Lit.-Preis der Domowina; 1972 – 79 Dramaturg am Staatl. Ensemble für sorb. Volkskultur; danach freischaff. Schriftst.; 1974 Heinrich-Heine-Preis; 1987 PEN-Zentrum DDR; dann PEN-Zentrum Dtl. 1991 Heinrich-Mann-Preis; Mitgl. der Sächs. AdK; 2008 Ehrendoktorwürde der TU Dresden, 2009 Lessing-Preis des Freistaats Sachsen; gest. in Wuischke am Czorneboh (b. Hochkirch, Bautzen). Erste Gedichte noch in Dt., später in Sorb. u. Dt.; erste Veröff. 1959 in einer sorb. Ztg.; beeinflußt u. a. von  Johannes Bobrowski entwickelte er sich zum bedeutendsten sorb. Lyriker der jüngeren Generation; übersetzte u. edierte maßgebl. sorb. Autoren; Nachdichtungen aus fast allen slaw. Sprachen; Essayist; Hrsg. einer großangelegten hist. Anthologie sorb. Volks- u. Kunstlit. »Sorb. Lesebuch« (1981).Struga. Bilder einer Landschaft. Bautzen 1967; Flurbereinigung. Bautzen 1973; Poesiealbum 143. Berlin 1979; Wortland. Gedichte aus zwanzig Jahren. 1984; Gegen den großen Popanz. Berlin 1990; An einem schönbemalten Sonntag. Ottenheim 2000; Die Erde aus dem Traum. Bautzen 2002; die unerheblichkeit berlins. Texte aus den Neunzigern. München 2002; Achtzehn Gedichte der Jahre 1990 – 2002.Warmbron 2003; Die wendische Schiffahrt. Bautzen 2004.Hannelore Fischer

Handbuch Deutsche Kommunisten

Lorenz, Paul

* 31.8.1896 – ✝ 16.11.1952

Geboren am 31. August 1896 in Sulzbach/Saar; wurde wie der Vater Bergman, Hauer in der Grube Sulzbach. Als Mitglied der KPD besuchte er einen Lehrgang an der Parteischule in Dresden und war von Januar bis März 1928 Orgleiter, dann von Juni 1930 bis Juni 1933 Polleiter der BL Saar. Da es Anfang 1933 zwischen ihm und dem Polbüro Differenzen in der Frage der Aktionseinheit gab, wurde er abgelöst, am 25.März 1934 aus der BL Saar ausgeschlossen und am 30. April 1934 als Parteiangestellter entlassen. Im Saar-Abstimmungskampf trat er nicht mehr als Referent für die KPD auf, sondern plädierte für den Anschluß an Deutschland. Im Februar 1935 unterzeichnete Paul Lorenz in der »Sulzbacher Volkszeitung« einen Aufruf, der forderte, das »Aufbauwerk des Führers zu unterstützen«, er wurde Anhänger der »Deutschen Front«. Ab 1937 arbeitete er wieder als Hauer, wurde nach Freiburg/Breisgau dienstverpflichtet und verzog im Januar nach St. Georgen im Schwarzwald. Ein schwerer Unfall unter Tage beendete seine Bergarbeitertätigkeit. Nach 1945 war er Landesleiter Bergbau im Badischen Gewerkschaftsbund, dann Sekretär der Geschäftsstelle der IG Bergbau in Freiburg. Während der Bezirkskonferenz der IG Bergbau Süddeutschland in Hausham starb Paul Lorenz am 16.November 1952.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Lossau, Fritz

* 25.7.1897 – ✝ 17.5.1987

Geboren am 25 Juli 1897 in Hannover; Laboranten-Ausbildung, war bei verschiedenen Firmen beschäftigt. Kriegsteilnehmer, kehrte schwerverwundet von der Front zurück. 1918 Mitglied der USPD, ging mit der linken USPD 1920 zur KPD. Lossau stand auf dem linken Flügel der KPD. 1924 als hauptamtlicher Sekretär eingesetzt, zog er im gleichen Jahr als Abgeordneter in den Preußischen Landtag ein. Nach Düsseldorf übergesiedelt, führte er dort zusammen mit Peter Loquingen die ultralinke Opposition. Deswegen wurde er am 19. August 1926 aus der KPD ausgeschlossen. Er behielt sein Landtagsmandat bis Mai 1928 und schloß sich der Korsch-Schwarz-Gruppe an. Nach deren Spaltung ging er mit Ernst Schwarz zur Gruppe »Entschiedene Linke«. Im April 1927 bekam Lossau Differenzen wegen der Haltung der Gruppe zur KAP, er trat aus »politischen und taktischen« Gründen aus den »Entschiedenen Linken« aus. Sein Wiederaufnahmeantrag in diese Gruppe vom Mai 1927 wurde abgelehnt. Lossau war durch sein Kriegsleiden lange Zeit krank und politisch nicht mehr aktiv. Er ging zu den Syndikalisten und der AAU, trennte sich aber noch vor 1933 von dieser Gruppierung. Nach dem Zweiten Weltkrieg trat er der SPD bei und wurde hauptamtlicher Mitarbeiter des »Reichsbundes der Kriegsbeschädigten und Hinterbliebenen« in Niedersachsen. Zuletzt wohnte er in Hemmingen bei Hannover. Fritz Lossau starb am 17.Mai 1987.

Wer war wer in DDR

Lötzsch, Gesine

* 07.08.1961

Geb. in Berlin-Kaulsdorf; POS; 1978 – 80 EOS, Abitur; 1980 – 85 Lehrerstudium (Dt., Engl.) an der HU Berlin, Dipl.-Lehrerin; 1984 SED; 1985 – 88 Forschungsstudium an der HU, 1988 Prom. zum Dr. phil. mit einer Arbeit über das mittelniederländ. Plenarium; 1987 Forsch.-Semester in den Niederlanden; 1988 – 91 wiss. Ass. an der HU; 1989/90 Mitgl. der Bez.-Verordnetenvers. Berlin-Lichtenberg (KB); ab Mai 1990 Mitgl. der Stadtverordnetenvers. Berlin, PDS-Fraktion. 1991 – 2002 Mitgl. des Berliner Abg.-Hauses, 1991 – 93 Vors. der PDS-Fraktion (Rücktritt), 1996 – 2002 Vors. des Aussch. für Europa- u. Bundesangelegenh. u. Medienpolitik; 1991 – 93 Mitgl. des PDS-LV Berlin; seit 1994 Vors. des PDS-BV Berlin-Lichtenberg; seit 2002 MdB, bis 2005 neben Petra Pau einzige PDS-Abg. im Dt. Bundestag (Direktmandat); seit 2005 stellv. Vors. der Fraktion Die Linke im Dt. Bundestag u. Ltr. des Arbeitskrs. Regional- u. Strukturpol., Ostdtl., Haushalt u. Umwelt; Obfrau im Haushaltsaussch; seit Sept. 2007 Mitgl. des Verteidigungsaussch.; seit Mai 2010 Bundesvors. der Linkspartei.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Lovacz, Stefan

* 6.11.1901 – ✝ 20.6.1938

Geboren am 6. November 1901 in Zeltweg/ Krs. Judenburg in Österreich, mit seinen Eltern 1907 nach Deutschland verzogen; Lovacz lernte Modelltischler. Nach Wanderschaft durch Süd- und Westdeutschland begann er 1926 bei der Bremer Vulkan-Werft zu arbeiten, bei der auch sein Vater beschäftigt war. Im Frühjahr 1930 erwerbslos, er trat in die KPD ein, für die er als Arbeiterkorrespondent u. a. in der »Arbeiterzeitung« in Bremen schrieb. Im März 1933 verließ er die Stadt und versteckte sich in den folgenden Monaten bei Freunden und Bekannten und bekam über Oskar Uhlhorn Kontakte zur illegalen Leitung der KPD Nordwest. Nach Bremen kehrte er im Sommer 1933 zurück und übernahm die Funktion des Kassierer der illegalen KPD. Lovacz reiste dann nach Hamburg, anschließend in die Niederlande, traf hier mit August Creutzburg zusammen und ging zunächst nach Saarbrücken. Über Zürich, wo er von der Auslandsleitung des ZK den Auftrag erhielt, in Süddeutschland als Bezirksleiter zu arbeiten, gelangte Lovacz im Herbst 1934 illegal nach Stuttgart. Mit Unterstützung von Maria Krollmann, der Oberberaterin für Süddeutschland, baute er gemeinsam mit Walter Griesbach u. a. den illegalen Apparat aus und war als Leiter der illegalen KPD in Württemberg maßgeblich an der Beschaffung und Weiterleitung von Informationen über die geheime Aufrüstung Deutschlands beteiligt. Er fuhr mehrmals zur Berichterstattung nach Zürich und zur illegalen Landesleitung nach Berlin, wurde dabei am 15. Juni 1935 in Stuttgart festgenommen. Am 11. Juni 1937 vom VGH zum Tode verurteilt, wurde Stefan Lovacz am 20. Juni 1938 in Berlin-Plötzensee hingerichtet.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Lübeck, Hans

* 12.7.1908 – ✝ 16.1.1992

Geboren am 12. Juli 1908 in Bremen, Sohn eines Angestellten; Lehre und Arbeit als Buchhändler. 1926 Mitglied der SPD, erklärte anläßlich der Maikundgebung der KPD 1927 in Bremen seinen Austritt aus dieser Partei und seinen Eintritt in den KJVD, ein Jahr später wurde er Mitglied der KPD. Bezirksleiter des KJVD Weser-Ems, 1930 Mitglied des ZK des KJVD. 1930/31 Kursant an der Schule der KJI in Moskau, anschließend Referent im EK der KJI. 1931 kehrte Lübeck nach Deutschland zurück und leitete bis Mai 1931 das KPD-Jugendsekretariat im Bezirk Niederrhein, anschließend KJVD-Instrukteur im Bezirk Halle-Merseburg. 1932 kam er nach Moskau und wurde als Instrukteur des Westeuropäischen Büros der KJI in Belgien und Österreich eingesetzt. Nach der Entmachtung Heinz Neumanns und Kurt Müllers wurde Lübeck im September 1932 Reichspionierleiter des ZK des KJVD. Im November 1933 in Berlin verhaftet, wurde er am 1. Juni 1934 vom Landgericht Königsberg zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Nach der Entlassung Elektroschweißer auf der Bremer Werft, emigrierte 1937 in die âSR, dort Heimleiter im Emigrantenlager Teplitz-Schönau. Im März 1939 festgenommen und in das KZ Sachsenhausen gebracht, dann im März 1942 vom Landgericht Dresden zu acht Jahren und sechs Monaten Zuchthaus verurteilt. Ab 1945 Redakteur der »Fränkischen Presse« in Bayreuth, 1947/48 Sekretär der KPD in Bayreuth und Stadtrat. 1949 von der KPD-Landesleitung Bayern zum Studium an die PHS »Karl Marx« in Kleinmachnow delegiert. 1951 Übersiedlung in die DDR, Mitglied der SED, Redakteur beim Mitteldeutschen Rundfunk in Leipzig, seit 1958 Redakteur bei der ADN-Bezirksredaktion in Erfurt und ab 1961 Redakteur beim ADN in Ost-Berlin. Er erhielt 1978 den VVO in Gold. Hans Lübeck starb am 16. Januar 1992 in Berlin.

Wer war wer in DDR

Lucht, Gerhard

* 10.6.1913 – ✝ 8.9.1979

Geb. in Berlin; Vater Arbeiter; Volks- u. Mittelschule; 1928 – 38 kaufm. Lehre u. Arbeit als Buchhalter bei den Elektrowerken Berlin; 1931 SPD; 1938 – 41 kaufm. Angest. der Bergbau AG Brüx; 1935 / 36 u. 1941 – 45 Wehrmacht; 1945 kurzzeitige amerikan. Kriegsgef. 1945 KPD, 1946 SED; 1945 / 46 Treuhänder des FDGB für das Vermögen des Versorgungsrings der DAF in Halle u. Ltr. des Org.-Büros zur Vorbereitung der Wiedergründung der Konsumgenossenschaften (KG) in Sachsen-Anh.; 1946 – 48 Vors. des KG-LV Sachsen-Anh.; 1948 Vorstandsvors. des Hauptsekr. der KG, zeitw. Chefred. des Mitteilungsblatts »Konsum«, 1948 / 49 Vorstandsmitgl. im Hauptsekr. des Verb. der Konsumgenossenschaften (VdK), 1949 Stellv., 1952 – 54 1. Stellv. des Präs., 1954 – 63 Präsident des VdK (Nachf. von  Margarete Wittkowski); 1950 – 63 Abg. der Volkskammer; 1963 – 65 Minister für Handel u. Versorgung (Nachf. von  Curt-Heinz Merkel); ab 1965 Vors. des Rats des Kreises Strausberg; gest. in Altlandsberg (b. Berlin).Andreas Herbst

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Lüdemann, Karl-Friedrich

* 7.6.1912 – ✝ 29.5.1967

Geb. in Lennep (Rheinland); Vater Prof.; 1922 – 31 Gymnasium Albertinum Freiberg, Abitur; anschl. Studium der Eisenhüttenkunde an der Bergakad. Freiberg, dort 1936 Dipl.-Ing.; 1936 – 44 Schichtass., ab 1939 stellv. Betriebsltr. im Stahlwerk Hagen-Haspe der Klöckner-Werke AG; 1937 NSDAP; 1940 u. 1942 – 1944 Militärdienst, nach Verwundung Einsatz als Stahlwerksltr. im Werk Königshütte der Königs- u. Bismarckhütte AG. 1945 – 46 wiss. Ass. am Eisenhütten-Inst. der Bergakad. Freiberg; 1946 – 47 wiss. Mitarb. im sowj. Techn. Büro »Eisen« in Freiberg; 1947 – 50 Haupting. im Stahlwerk Silbitz der SAG »Marten«; 1950 – 56 Abt.-Ltr. am Eisenforschungsinst. Hennigsdorf; 1953 Prom. zum Dr.-Ing. an der TH Dresden; 1951 – 56 nebenamtl. Lehrauftrag für Eisenhüttenkunde an der HU Berlin, dort ab 1953 Honorarprof.; 1956 Prof. für Eisenhüttenkunde u. Dir. des Eisenhütten-Inst. an der Bergakad. Freiberg, 1957 – 60 dort zugl. Dir. des Inst. für Sonderstahlkunde, 1957 / 58 u. 1960 – 62 kommissar. Dir. des Inst. für Ökon., Org. u. Planung des Hüttenwesens; 1957 – 61 Stadtverordn. in Freiberg; 1958 – 63 Prodekan der Fak. für Ingenieurökon. der Bergakad.; 1959 korr. u. 1961 ord. Mitglied der DAW, 1963 Mitgl. des Präsidiums der DAW; 1963 SED; 1963 Mitgl. des Forschungsrats der DDR; 1965 – 67 Rektor der Bergakad. Freiberg (Nachf. von  Joachim Wrana); 1952 Verdienter Techniker des Volkes; 1954 NP; gest. in Dresden. Hauptarbeitsgebiete: Mitwirkung bei der Lösung entscheidender Probleme der wiss.-techn. Entw. des Eisenhüttenwesens; Theoret. Untersuchung metallurg. Ausbau der theoret. Grundlagen der Eisen- u. Stahlerzeugung; 58 Veröff.Köhler, J.: Nachruf. In: Neue Hütte (1967) 12; Neuhof, G.: K.-F. L. (Kurzbiogr.). In: FS 125 Jahre Inst. für Eisen- u. Stahltechnologie an der TU Bergakad. Freiberg. Freiberg 1999.Roland Volkmer

Wer war wer in DDR

Ludwig, Günter

* 31.8.1899 – ✝ 4.11.1971

Geb. in Berlin; Vater Berufsoffz.; Volksschule u. Gymnasium; Kadettenschule in Berlin-Lichterfelde, 1918 Ltn.; 1920 – 22 Studium der Chemie, Jura u. Nationalökon. an der Univ. Königsberg; 1922 reaktiviert, Reichswehr, Berufsoffz., Artillerie-Regt. I in Königsberg; ab 1935 Lehrer an der Kriegsschule in Dresden; ab 1938 Abt.-Kdr. im Artillerie-Regt. 69 in Mannheim, Oberst-Ltn.; 1942/43 Oberst der Wehrmacht u. Kdr. des Panzer-Artillerie-Regt. 4; 1943 – 48 sowj. Kriegsgefangenschaft; 1943 Mitgl. des NKFD, 1944 Bevollm. des NKFD in einem Generalslager, 1948 Lehrgang an der Antifa-Schule in Krasnogorsk. Sept. 1948 Rückkehr nach Dtl.; Eintritt in die DVP (HV A); VP-Inspektor der VP-Landesbehörde Thür.; später VP-Kdr.; 1948/49 Stabschef der Grenzpolizei; anschl. Abt.-Ltr. in der HV A der DVP in Berlin; Nov. 1948 Mitbegr. der NDPD in Thür.; 1949 Vors. des NDPD-Landesvorst. Thür.; 1948 – 53 Mitgl. des Hauptaussch. der NDPD; 1949/50 Abg. der Volkskammer; 1950 – 52 Min. der Justiz bzw. Min. für Handel- u. Versorgung der Landes- reg. Mecklenb.; 1951 – 53 Fernstudium an der DVA; 1952/53 Stellv. des Vors. des Rats des Bez. Rostock; ab 1953 Oberst der KVP; 1953 – 56 Chef der Verw. Schutzdienst der KVP, ab 1956 Chef der Verw. Chem. Truppen der NVA; VVO.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Luft, Christa

* 22.02.1938

Geb. in Krakow am See (Krs. Güstrow); Vater Maschinenschlosser, Mutter Ltr. einer Schulküche; OS, ABF in Halle, 1956 Abitur; 1952 – 64 FDJ; 1958 SED; 1956 – 60 Studium an der HS für Außenhandel in Berlin-Staaken bzw. der HfÖ Berlin, 1960 Dipl.-Außenhandels-Ökon.; anschl. hier wiss. Assistentin; 1963 – 71 als IM »Gisela« des MfS erf.; 1964 Prom. zum Dr. rer. oec. mit einer Diss. zu den Wirkungen von soz. internat. Arbeitsteilung u. Außenhandel in der DDR; 1967/68 Prodekan für Fernstudium; 1968 Habil. mit einer Arbeit zur Ausnutzung ökon. u. psycholog. Marktfaktoren beim Export der DDR; 1969 – 78 Wissenschaftsbereichsltr., Sektionsdir. u. Lehrstuhlltr.; 1971 Berufung zum ord. Prof. für soz. Außenwirtschaft an der HfÖ Berlin; 1978 – 81 stellv. Dir. des Internat. Inst. für ökon. Probleme des soz. Weltsystems beim RGW in Moskau; 1981 – 88 wieder Lehrstuhlltr., Sekt.-Dir. u. 1988/89 Rektorin der HfÖ Berlin; 1987 Korr. Mitgl. der AdW; 18.11.1989 – 12.4.1990 stellv. Vors. des Min.-Rats für Wirtschaft; 18.3. – 2.10.1990 Abg. der Volkskammer, PDS-Fraktion. 1991 – 95 Doz. u. Vorstandsmitgl. im Inst. für Internat. Bildung Berlin e. V.; 1994 – 2002 Abg. des Dt. Bundestags; bis Okt. 1998 stellv. Vors. der Gruppe der PDS, danach stellv. Vors. der PDS-Fraktion, haushaltspol. Sprecherin.Außenwirtschaftl. Tätigkeit in Prod.- u. Außenhandelsbetrieben. Berlin 1974 (mit W. Kupferschmidt, E. Legler, S. Sälzler); Soz. Außenwirtschaft – intensiver Reproduktionstyp – ökon. Wachstum. Berlin 1989; Zwischen Wende u. Ende. Berlin 1991; Treuhandreport. Berlin 1992; Die nächste Wende kommt bestimmt. Berlin 1994; Die Lust am Eigentum. Zürich 1996; Wendeland. Fakten u. Legenden. Berlin 2005.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Luthardt, Franz

* 13.3.1929

Geb. in Steinach (Krs. Sonneberg); Vater Tüncher; Volksschule; 1943 – 49 Lehre u. Arbeit als Eisenformer; 1946 SPD/SED; 1949 FDJ-Funktionär in Sonneberg; 1950 – 54 Fernstudium an der DASR Potsdam, Dipl.-Staatswiss.; 1950 Ref. für Jugendfragen beim Landrat in Sonneberg; 1951 Personalltr. der Krs.-Verw. Sonneberg; 1952 Einstellung bei der KVP; 1953 Offiziersschüler; 1955 Einstellung beim MfS, HA I (KVP/NVA); 1962 Versetzung zur Abt. IV (Vorber. von Sabotageakten); 1962 – 68 Fernstudium an der HU Berlin, Dipl.-Kriminalist; 1965 stellv. Abt.-ltr., 1966 Abt.-ltr.; 1978 Offz. für Sonderaufg. in der AGM; 1978 VVO; 1987 Oberst; 1988 Ltr. einer Arbeitsgr.; 1989/90 Entlassung.Jens Gieseke

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Lux, Friedrich

* 28.9.1892 – ✝ 28 bis 193

Geboren am 28. September 1892 in Imten/Krs. Wehlau in Ostpreußen. In seiner Jugend ging er nach Hamburg, wo er im Hafen arbeitete. 1908 schloß er sich der Arbeiterjugend an, war seit 1911 in der Gewerkschaft organisiert. Im Weltkrieg Soldat an der Westfront. 1918 Eintritt in die USPD, kam mit deren linkem Flügel 1920 zur KPD und beteiligte sich im Oktober 1923 am Hamburger Aufstand. Lux arbeitete bis 1929 als Schauermann im Hamburger Hafen, trat dort Anfang 1929 als Führer eines wilden Hafenarbeiterstreiks hervor. Von 1928 bis 1933 Abgeordneter der Hamburger Bürgerschaft, Mitglied der BL Wasserkante. Im Frühjahr 1929 hauptamtlicher Sekretär der KPD Wasserkante, auf dem XII. Parteitag im Juni 1929 wurde er zum Mitglied des ZK gewählt und als hauptamtlicher RGO-Sekretär tätig. Lux war Anhänger Heinz Neumanns und propagierte die Parole »Schlagt die Faschisten, wo ihr sie trefft!« auch in Hamburg. Im März 1931 gehörte er zu der Gruppe Hamburger KPD-Bürgerschaftsabgeordneter, die wegen des Mordes an Ernst Henning eine Schlägerei mit den Abgeordneten der NSDAP begannen. Im Sommer 1932 als Anhänger der Neumann-Gruppe wieder aus dem ZK entfernt, er wurde Mitarbeiter im AM-Apparat Hans Kippenbergers und galt nun als »GPU-Mann des Nordens«. Er beteiligte sich früh an Vorbereitungen, die KPD in die Illegalität zu führen. In Kopenhagen richtete er Ende 1932 einen Parteistützpunkt ein, von dem aus im Falle eines Parteiverbots die politische Arbeit im norddeutschen Raum koordiniert werden sollte. Nach dem Reichstagsbrand und den ersten Verhaftungen versuchte Lux, die illegale KPD-Organisation in Hamburg zu reorganisieren, wurde aber am 15.Juli 1933 von der Gestapo verhaftet. Friedrich Lux ist durch schwere Mißhandlungen am 6.November 1933 im KZ Fuhlsbüttel ermordet worden.

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Lorenz, Dietmar

* 23.9.1959

Geb. in Langenbuch (Thür.); Skisport, Eishockey, Fußball u. Turnen; Ausbildung zum Kfz-Schlosser; währenddessen mit Judotraining begonnen; zum SC Dynamo Hoppegarten delegiert (Trainer: Gerd Schneider u. Dietmar Hötger); Obltn. der VP; 1975 u. 1977 EM im Halbschwergewicht; 1978 EM im Halbschwergewicht u. alle Kategorien, Turniersieger in Japan (Zweiter Ausländer, der dort ein Judoturnier gewann); 1980 Olymp. Spiele: Sieger in allen Kategorien, somit erster Judoolymp.-Sieger der DDR; 1980 – 89 SED; nach dem Ende der sportl. Laufbahn Trainer beim SC Dynamo Hoppegarten; VVO; Verdienter Mstr. des Sports; Artur-Becker-Medaille. 1990 zunächst arbeitslos; ab 1992 Sportpädagoge bei der Sportjugend Berlin; Sozialarbeiter im Sport- und Jugendzentrum Berlin-Neukölln.Klaus Gallinat / Olaf W. Reimann

Wer war wer in DDR

Löschau, Siegbert

* 13.12.1929

Geb. in Weißig (b. Freital) (Sachsen); Vater Derher; Volksschule; Lehre als Zimmermann; 1946 SED; 1948 ABF, Abitur, Studium der Chemie an der TH Dresden, 1952 Dipl.-Chemiker, anschl. Ass. an der TH Dresden; 1952 – 54 Mitarb. im ZK der SED, 1954 Forschungsgruppenltr., Haupttechnologe, 1960 Hüttendir. im VEB Mansfeld-Kombinat »Wilhelm Pieck« in Eisleben; Prom. zum Dr.-Ing. an der Bergakad. Freiberg; 1961 / 62 Stellv. des Ltrs. für Produktion u. Technik in der HA Chemie des VWR; 1963 – 65 Werkdir. der VEB Leuna-Werke »Walter Ulbricht«; 1962 – 1965 Mitgl. der SED-BL Halle; 1965 – 66 Minister für chem. Ind. (Nachf. von Heinz Müller); 1963 Kand., 1964 / 65 Mitgl. des ZK der SED, auf der 13. Tagung des ZK der SED im Sept. 1965 wg. »unwürdigen Verhaltens« aus dem ZK der SED ausgeschlossen, anschl. »Bewährungsauftrag« in der chem. Ind., später HA-Ltr. Forschung im VEB Synthesewerk Schwarzheide.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Loth, Joseph

* 7.3.1896 – ✝ 14.8.1970

Geboren am 7. März 1896 in Rieneck/Gmünden in Unterfranken als Joseph Waßmuth, Sohn einer alleinerziehenden Arbeiterin. 1902 heiratete die Mutter, und er bekam nun den Familiennamen Loth. Der gelernte Metallarbeiter begann im Mai 1914 als Eisenbahnarbeiter, war ab Juni 1920 Zugschaffner. 1924 entlassen, wurde er 1927 in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Funktionär der KPD in Friedberg, gehörte dort von 1928 bis 1930 dem Stadtrat an und war 1931/32 Abgeordneter des Landtages des Hessischen Volksstaates. Da er auch nach dem Machtantritt der Nazis für die KPD zu den Landtagswahlen kandidierte, wurde er am 10. März 1933 in Friedberg verhaftet. Am 5.April 1933 verurteilte ihn das Sondergericht beim OLG Darmstadt zu einem Jahr Gefängnis. Er wurde bereits im Dezember 1933 entlassen, im Januar 1934 erneut festgenommen, kam mehrere Monate in »Schutzhaft«. Nach seiner Freilassung traf er sich u. a. mit dem im Untergrund lebenden Wilhelm Beuttel. Am 26. Februar 1943 wurde Loth abermals verhaftet und am 29. März 1944 durch den 2. Senat des VGH zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt. Bis Mai 1944 saß er zunächst in der Strafanstalt Mainz, anschließend bis zur Befreiung am 27. April 1945 im Zuchthaus Butzbach. Loth begann nach dem Kriege erneut bei der Bahn zu arbeiten und war lange Jahre auf dem Bahnhof Friedberg angestellt. Er trat wieder der KPD bei, gehörte ab 1969 der DKP an. Joseph Loth starb am 14. August 1970 in Friedberg.

Louperti,

* 22.11.1907 – ✝ 07.06.1985

Geb. in Halle in einer Arbeiterfamilie; Dreherlehre; Hobbyzauberer, erste Auftritte beim Onkel Fred Scarlett in dessen Schaubude; ab 1928 Bühnenauftritte; Manipulationen mit Zigarren, internat. bekannt mit Darbietung »Spiel mit Brasil«. Neubeginn schon am 1.10.1945 im Steintor-Varieté in Halle; Reisen mit den ersten DDR-Ensembles in die UdSSR u. die ČSR, mehrere Engagements im Berliner Friedrichstadtpalast, Gastspiele in zahlr. europ. Ländern; Auftritte bis ins hohe Alter; gest. in Halle.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Löwenthal, Fritz

* 15.9.1888 – ✝ 28.8.1956

(* 1888 – † 1956) Geboren am 15. September 1888 in München; nach dem Abitur Studium der Rechts- und Staatswissenschaften in Berlin und München, 1914 Gerichtsassessor. Im Oktober 1917 Militärdienst, Unteroffizier im Bekleidungsinstandsetzungsamt Augsburg. 1918 Ratsassessor und Syndikus im Handelsgremium Bamberg, ab 1919 Rechtsanwalt in Nürnberg, 1922 Syndikus in Stuttgart. Ab 1927 Rechtsanwalt in Berlin, hier u. a. für die Rote Hilfe als Anwalt tätig. 1928 Mitglied der KPD, im September 1930 auf dem Reichswahlvorschlag der KPD in den Reichstag gewählt, dem Löwenthal bis Juli 1932 angehörte. Er war Mitglied des Exekutivkomitees der RHD und Vorsitzender der Internationalen Juristenvereinigung. In der Nacht des Reichstagsbrandes wurde seine Wohnung von der SA überfallen, seine Anwaltskanzlei mehrmals durchsucht und nur mit knapper Not entging er der Festnahme. Fritz Löwenthal tauchte unter und emigrierte im März 1933 nach Frankreich, später in die Niederlande. Im April 1935 kam er in die Sowjetunion, war Sprachlehrer an einer pädagogischen Hochschule in Moskau, dann Redakteur in der Zensurbehörde bzw. Übersetzer beim Fremdsprachenverlag. Im Oktober 1941 zunächst nach Engels (Wolgarepublik), später nach Ufa evakuiert. Ab 1943 Politinstrukteur in Kriegsgefangenenlagern, u. a. an der Antifa-Schule in Taliza. Ende 1946 kam Löwenthal nach Deutschland zurück, wurde Mitglied der SED und zum Leiter der Justizaufsicht in der Deutschen Zentralverwaltung für Justiz berufen (für ihn bürgten u. a. Hilde Benjamin und Götz Berger). Im Mai 1947 flüchtete Löwenthal in die Westzonen und veröffentlichte 1948 seinen Bericht gegen die SED: »Der neue Geist von Potsdam« und die Kritik »Der Weg der Sowjetunion« sowie 1949 »Studien zur Kritik des Marxismus«. Fritz Löwenthal trat der SPD bei und kam für sie in den Parlamentarischen Rat. Nach öffentlichen Angriffen auf die kritische Haltung der SPD zur Westintegration wurde er im Mai 1949 aus der SPD-Fraktion im Parlamentarischen Rat und aus der SPD ausgeschlossen. Fritz Löwenthal starb am 28. August 1956 in Valdorf bei Herford in Westfalen.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Lübeck, Käthe

* 15.2.1907 – ✝ 23.5.1984

Geboren am 15. Februar 1907 in Bremen als Käthe Fürst; zunächst Arbeiterin, nach einer kaufmännischen Lehre Buchhalterin. Sie gehörte von 1922 bis 1927 der SAJ und der SPD an. 1927 trat sie in den KJVD über, 1929 Mitglied der KPD. Betriebsrätin in der Bremer Jutespinnerei, sie wurde 1930 in die Bremer Bürgerschaft gewählt. 1931 ging sie mit ihrem Mann Hans Lübeck nach Düsseldorf und war Mitarbeiterin in der RGO-BL Niederrhein, im Sommer 1931 wurde sie in Halle Angestellte beim Konsum, Anfang 1932 Orgleiterin in der Frauenabteilung des KJVD Halle. Mit ihrem Mann kam sie im Herbst 1932 nach Moskau, ein Studium an der Leninschule war nicht möglich, weil sie die Aufnahmeprüfung nicht bestand. Ende 1934 ging sie nach Deutschland zur illegalen Arbeit zurück, Käthe Lübeck gehörte der zentralen Landesleitung der KPD in Berlin an und organisierte die Frauenarbeit. Am 27. März 1935 wurde sie zusammen mit Adolf Rembte, Robert Stamm und Max Maddalena verhaftet, am 4. Juni 1937 zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt. Im Mai 1945 befreit, ging sie im Juni 1945 wieder nach Bremen, Frauenleiterin der KPD. Von 1946 bis 1951 gehörte sie der Bremer Bürgerschaft an, von August 1946 bis Februar 1948 war sie Senatorin für Gesundheitswesen, damit erste Senatorin in der Geschichte der Freien und Hansestadt Bremen. Käthe Lübeck, ab 1946 verheiratete Popall, geriet mit ihrem zweiten Mann Reinhold Popall, der nach 1933 illegal für die KPD gearbeitet hatte und 1935 zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt worden war, Anfang 1952 in eine Säuberung gegen »Parteifeinde, Agenten und Opportunisten«. In der Bremer KPD-Zeitung »Tribüne der Demokratie« hieß es: »Beide haben zur Partei seit Jahren keine Verbindung, diffamieren Funktionäre der Partei und untergraben das Vertrauen zur Sowjetunion und zur DDR.« Ein Parteiverfahren, das auf ihren Ausschluß zielte (wie bei ihrem Mann, der jedoch Ende 1952 selbst sein Parteibuch zurückgab), war gegen Käthe Popall nicht so einfach durchzusetzen. Da sich die Wohnparteigruppe in Bremen gegen ihren Ausschluß wandte, bekam sie »nur« eine »Rüge«. Bis 1956 formal Mitglied der KPD, aber politisch isoliert und nicht mehr aktiv. 1967 zog sie mit ihrer Familie ins Saarland, kehrte wenige Wochen vor ihrem Tod nach Bremen zurück, wo Käthe Lübeck (Popall) am 23. Mai 1984 starb.

Wer war wer in DDR

Lück, Thomas

* 14.2.1943

Geb. in Dranske (Rügen); eingeschult in Dessau, 1952 Umzug nach Berlin; Lehre als Elektromechaniker; 1961 Beginn der musikal. Karriere als Refrainsänger beim Manfred-Lindenberg-Quintett, 1962 Bekanntschaft mit  Andreas Holm bei einem Talente-Wettbewerb; 1964/65 während des Wehrdienstes bei der NVA Mitgl. des Erich-Weinert-Ensembles, Mikrophonproben beim Rundfunk; 1965 erste Rundfunkaufnahme »Nimm den Nachtzug«, 1966 erster TV-Auftritt »Hallo Fräulein Sonnenschein«, erfolgreichste Titel: »Kunigunde« (1975), »Wo kommt der Schnee auf dem Kilimandscharo her« (1976, 3. Platz beim »Coup de Europe« 1977 in Villach); ab 1968 Tourneeprogramm »Musikexpress«, erste Zusammenarb. mit Andreas Holm, 1969 Duett »Am Märchenbrunnen«; 1969 – 74 Rollen in versch. Fernsehfilmen u. TV-Programmen, Hauptrolle im DEFA-Lustspiel »Liebesfalle«; 1974 LP »Aurora Lacasa, Thomas Lück«, 1978 LP »Thomas Lück«, ab 1983 in Zusammenarb. mit  Dieter Birr u. Peter Meyer von den »Puhdys« unter dem Einfluß der Neuen Dt. Welle Prod. einiger New-Wave-lastiger Songs, u. a. die Rundfunktitel »Mannequin« u. »Kurschatten«; insg. 23 Singles bei Amiga. 1990 Einbruch der Karriere, Ltr. eines Flohmarkts in Borken; 1997 erster Nachwende-Auftritt in der MDR-Sendung »Wiedersehen macht Freude«, musikal. Neuanfang mit Andreas Holm im Duo Holm & Lück, einige TV-Auftritte, 2004 gemeinsame Moderation des »Langen Samstags« im MDR-Fernsehen, 2001 Gründung eines Fanclubs des Duos; CDs »Das Beste von Holm u. Lück« (2000), »Jubiläumsparty« (2002, anläßl. des 40. Bühnenjubiläums).Jan Wielgohs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Ludewig, Johanna

* 28.3.1891 – ✝ 11.7.1958

Geboren am 28. März 1891 in Berlin, Tochter eines Klempnermeisters; besuchte die Handelsschule und arbeitete von 1907 bis September 1928 als Buchhalterin und Prokuristin in verschiedenen Berliner Betrieben. 1912 trat sie der SPD bei. Als Abteilungsleiterin des Sozialdemokratischen Wahlvereins für den I. Berliner Wahlkreis gehörte sie ab 1916 dem neuen linken Zentralvorstand an und wurde während des Krieges Mitglied und Funktionärin der USPD. Ende 1920 kam sie mit dem linken Flügel der Partei zur KPD. Johanna Ludewig saß bereits im März 1919 in der USPD-Fraktion in der Berliner Stadtverordnetenversammlung, ab Juli 1920 war sie ununterbrochen Abgeordnete der Stadtverordnetenversammlung der neuen Einheitsgemeinde Groß-Berlin. Johanna Ludewig war von 1921 bis 1933 Abgeordnete der KPD im Preußischen Landtag. Sie engagierte sich vor allem in der kommunistischen Frauenbewegung, war 1927 Sekretärin des RFMB und ab 1932 Leiterin der Frauen- und Mädchenstaffel im Kampfbund gegen den Faschismus. 1933 zunächst nach Großbritannien, später nach Dänemark emigriert, kehrte jedoch 1934 nach Deutschland zurück und arbeitete als Buchhalterin in Berlin. Sie stand unter Polizeiaufsicht, wurde mehrmals zur Gestapo bestellt. Im Zusammenhang mit der Aktion »Gewitter« am 20. August 1944 verhaftet, kam Johanna Ludewig in das KZ Ravensbrück, dort am 12. September zwar entlassen, aber noch mehrere Wochen im Polizeigefängnis Berlin festgehalten. Nach 1945 wieder in ihrem Beruf tätig, politisch war sie nicht mehr organisiert. Johanna Ludewig starb am 11. Juli 1958 in West-Berlin.

Wer war wer in DDR

Ludwig, Olaf

* 13.4.1960

Geb. in Thieschitz (b. Gera); Vater Baggerfahrer; 1966 – 78 POS, KJS, Abitur; 1972 – 90 aktiver Radrennfahrer bei der SG Dynamo Gera, dann SG Wismut Gera (Trainer: Werner Marschner); 1978 – 90 Studium an der DHfK Leipzig; 1978 u. 1979 Junioren-WM im Straßen-Mannschaftsfahren; 1979 – 89 SED; 1980 Olymp. Spiele: 2. Platz im Straßen-Mannschaftsfahren; 1981 WM im Straßen-Mannschaftsfahren; 1982 Friedensfahrtsieger; 1982 Goldene Palme für den weltbesten Radamateur des Jahres; 1986 bei den Weltmeisterschaften 2. Platz im Punktefahren auf der Bahn; 1986 Friedensfahrtsieger (insges. 34 Etappensiege); 1988 Olymp. Spiele: Sieger im Einzel-Straßenfahren. 1990 – 92 Profirennfahrer im niederländ. Panasonic-Team; 1990 13 Siege; 1991 sieben Siege; 1992 Radsportler des Jahres; Gesamtsieger im Weltcup; Ehrenbürger von Valkenburg (Niederlande); 1992 – 96 Profirennfahrer im Team Telekom, dort Teamkapitän (Nachf. von Andreas Kappes); 1993 3. Platz im Einzelstraßenrennen bei der WM; 1997 sportl. Laufbahn beendet; 1997 – 2000 Vizepräs. des Bundes Dt. Radfahrer; danach Berater und Pressesprecher für das Team Telekom bzw. Team T-Mobile; Mitgl. der Profikommission des Weltradsportverbandes UCI; 2005 Leiter von Team T-Mobile, zunächst zus. mit Walter Godefroot), anschl. bis 2006 alleinige Führung des Teams; Inh. der O. L. Cycling GmbH; lebt seit 1992 in Stollberg-Breinig (b. Aachen).Höllenritt auf der Himmelsleiter. Arnstadt u. Weimar 1997 (Autobiogr.).Klaus Gallinat / Olaf W. Reimann

Wer war wer in DDR

Lukowitz, Rainhard

* 8.2.1950

Geb. in Schkopau (Krs. Merseburg); 1964 – 68 EOS; 1968 – 72 Studium an der TU Dresden, Dipl.-Wirtschaftsing.; 1968 – 90 NDPD; 1972 –82 wiss. Mitarb. im Ing.-büro des Bauwesens des Bez. Halle; 1982 – 90 Bürgermstr. d. Stadt Quedlinburg; Stadtverordn. von Quedlinburg u. Mitgl. des Hauptaussch. der Stadtverordnetenvers.; 1990 FDP. Okt. 1990 – 94 u. 2002 – 06 MdL Sachsen-Anh.; 1993 / 94 Minister für Wirtsch., Technol. u. Verkehr des Landes Sachsen-Anh.; seit 1994 selbständig als Unternehmensberater; 1995 – 2003 Mitgl. des geschäftsf. FDP-Landesvorst. u. dessen Schatzmeister; 2002 – 04 Vors. der FDP-Landtagsfrakt. Sachsen-Anh., Mitgl. des Ältestenrats; 2007 Austritt aus der FDP.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Luthardt, Hans

* 26.10.1918 – ✝ 19.11.1982

Geb. in Nauborn (Krs. Wetzlar); Vater Beamter; Volksschule; Ausbildung zum Schlosser; 1937 NSDAP, HJ-Funktionär; seit 1938 Wehrmacht, seit 1939 Kriegsdienst, Uffz.; 1943 sowj. Gefangenschaft, Mitarb. im Antifa-Komitee; 1945 – 49 Besuch der Zentr. Antifa-Schule Krasnogorsk u. Lehrtätigkeit. 1949 Rückkehr nach Dtl.; NDPD; 1949 – 51 Pol. Geschäftsf. des Landesverb. Brandenb., 1950 – 72 Mitgl. des Hauptaussch. der NDPD; 1950/51 Abg. des Brandenb. Landtags; 1951/ 52 stellv. Vors. des Landesverb. Thür. u. Abg. des Thüring. Landtags, dort Vizepräs.; 1952/ 53 Vors. des Bez.-Verb. Erfurt der NDPD u. 1952 – 63 Abg. des Bez.-Tags; 1953 – 64 Mitgl. des PV u. Sekr. des Hauptaussch., zeitw. verantw. für die PKK; 1950 – 58 Vizepräs. der Länderkammer u. Vors. ihrer NDPD-Fraktion; ab 1961 Mitgl. des Präs. der Liga für Völkerfreundschaft; 1963 – 71 Abg. der Volkskammer, zeitw. Vors. des Mandatsprüfungsaussch.; 1964 – 69 Mitgl. des Präs. u. des Sekr. des NR der NF; ab 1969 Lehrstuhlltr. an der Zentr. Parteischule der NDPD in Waldsieversdorf; 1972 Mitgl. der Kommission für patriot. Erziehung im Zentralvorst. der GST.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Luxemburg, Rosa

* 5.3.1871 – ✝ 13.6.1919

Geboren am 5. März 1871 in Zamosz in Russisch-Polen als jüngstes von fünf Kindern einer wohlhabenden, assimilierten jüdischen Kaufmannsfamilie. 1873 übersiedelten die Eltern nach Warschau, wo Rosa Luxemburg bis 1887 ein Mädchengymnasium besuchte. Mit unbändigem Gerechtigkeitssinn opponierte sie gegen die bestehende Gesellschaft und trat 1887 in die revolutionäre sozialistische Partei ein, war illegal gegen den Zarismus tätig und mußte 1889 in die Schweiz emigrieren. Sie studierte in Zürich Naturwissenschaft und Mathematik, dann Staatswissenschaften und Nationalökonomie und promovierte 1897 mit der Dissertation »Die Industrialisierung Polens«. Seit 1893 gab Rosa Luxemburg zusammen mit Leo Jogiches u. a. eine radikale sozialistische polnische Zeitung (»Arbeitersache«) heraus und war 1894 Mitbegründerin der Sozialdemokratie des Königreiches Polen. Teilnehmerin aller Internationalen Sozialistenkongresse sowie ab 1896 Autorin im theoretischen Organ der SPD »Neue Zeit«. In Zürich lebte sie mit Leo Jogiches zusammen, sie hatten zugleich engste politische Beziehungen, die bis zu ihrer Ermordung 1919 bestanden. Im April 1898 schloß Rosa Luxemburg eine Scheinehe mit dem jungen Schriftsetzer Gustav Lübeck, dem Sohn ihres Bekannten Karl Lübeck, einem deutschen Emigranten. Seit dieser Eheschließung (1903 Scheidung) war sie deutsche Staatsbürgerin und zog im Mai 1898 nach Berlin. Hier wurde sie in der SPD mir ihren radikal-sozialistischen Ansichten schnell bekannt. Durch ihre scharfzüngige Kritik, mit ihrer Methode, den politischen Gegner innerhalb der Partei auch persönlich herabzusetzen, trug sie zur Polarisierung bei. Als glänzende Publizistin und Rednerin rasch von ihren Anhängern geradezu verehrt, wurde sie eine der berühmtesten sozialdemokratischen Frauen in Deutschland. Rosa Luxemburg beschränkte ihre Arbeit indes nicht nur auf die SPD. Nachdem auf ihren Druck hin 1900 auch Leo Jogiches nach Berlin übersiedelte, setzten beide ihre Arbeit in der illegalen polnischen Sozialdemokratie fort, und bis 1910 blieb sie Mitarbeiterin am theoretischen Organ der polnischen links-sozialisitischen »Sozialdemokratischen Rundschau«. Ihr Hauptarbeitsfeld lag aber in der SPD, mit unglaublicher Energie und unbändigem Eifer wirkte sie in dieser Partei. Mit ihrer Aufsatzreihe in der »Leipziger Volkszeitung« 1898/99 über »Sozialreform oder Revolution« bekämpfte sie scharf den »Revisionismus« Eduard Bernsteins und seiner Anhänger, stand zunächst noch an der Seite des »orthodoxen« Marxisten Karl Kautsky. Ihre unermüdlichen Aktivitäten – Teilnahme und Diskussionen auf allen SPD-Parteitagen, Rundreisen mit Agitationen in vielen Städten, journalistische und publizistische Tätigkeit – sind in zahlreichen Biographien über sie (u. a. von 4 Paul Frölich, H. Roland-Holst, P. Nettl, F. Tych, H. Hirsch, L. Basso, G. Badia, N. Ito, S. Quack, O. K. Flechtheim, I. Fetscher, E. Ettinger, M. Gallo, A. Laschitza, M. Scharrer und vielen anderen) und mit Veröffentlichung ihrer Briefe umfassend dokumentiert. 1898 Chefredakteurin der »Sächsischen Arbeiterzeitung« in Dresden, kam sie 1902 in die Redaktion der »Leipziger Volkszeitung«. Die russische Revolution von 1905 bis 1907 steigerte ihr Engagement noch, und sie ging gemeinsam mit Jogiches im Dezember 1905 nach Warschau, um mit der polnischen Sozialdemokratie gegen den Zarismus zu kämpfen. Deshalb im März 1906 verhaftet, nach Zahlung einer Kaution kam sie im Juli 1906 frei, fuhr im August nach Finnland, wo sie im Auftrag der SPD-Hamburg eine ihrer bekanntesten Arbeiten »Massenstreik, Partei und Gewerkschaft« verfaßte. Rosa Luxemburg vertrat nun (u. a. auf dem Mannheimer SPD-Parteitag 1906) die radikale These, der Massenstreik müsse revolutionäres Kampfmittel der Partei werden und stieß damit auf den Widerstand der freien Gewerkschaften. Sie war eine radikale Sozialistin, deren Vorstellung von der eigenständigen Entwicklung der Massenbewegung später als »Spontanitätstheorie« bezeichnet wurde. Sie wandte sich vor allem gegen bürokratische und zentralistsiche Tendenzen in der Arbeiterbewegung und stand daher zusammen mit Leo Jogiches gegen Lenins Bolschewiki. Bereits 1903 verwarf sie Lenins Parteikonzeption und verteidigte das Grundprinzip der »proletarischen Demokratie«. In ihrem Artikel »Organisationsfragen der russischen Sozialdemokratie« wies sie den Leninschen »Überzentralismus« strikt zurück. »Der von Lenin befürwortete Überzentralismus scheint uns in seinem ganzen Wesen nicht vom positiven schöpferischen, sondern vom sterilen Nachtwächtergeist getragen zu sein«, faßte Rosa Luxemburg in ihrer gewohnten scharfzüngigen Polemik zusammen. Und auch während der russischen Revolution 1905 griff sie – ebenso wie Jogiches – Lenins Strategie an. Der »Unfehlbarkeits«-Anspruch einer Führung war für sie unerträglich. Insbesondere aber wandte sie sich gegen die gemäßigten Kräfte in der SPD und führte ihre oft persönlichen Ausfälle gegen Parteigenossen fort. Dennoch galt sie, durchaus weit über ihre Anhänger hinaus, als geachtete wissenschaftliche Autorität. Das zeigte sich in der Anerkennung ihrer erfolgreichen Tätigkeit an der zentralen Parteischule der SPD ab Oktober 1907. Dort lehrte sie Nationalökonomie und schrieb an ihrem (1913 publizierten) Hauptwerk »Die Akkumulation des Kapitals«. Ihre Einschätzung des Imperialismus war umstritten, die These, der Kapitalismus sei nur lebensfähig, wenn er sich ständig im nichtkapitalistischen Raum (als vorkapitalistische oder koloniale Gesellschaften) erweitere, haben gerade kommunistische Ökonomen später abgelehnt. Eher akzeptiert wurde hingegen ihre Schlußfolgerung, der Kampf um diesen nichtkapitalistischen Raum führe zu imperialistischen Konflikten, Militarismus und Krieg. Das turbulente Leben, das Rosa Luxemburg bei ihrer politischen und wissenschaftlichen Tätigkeit führte, wurde durch private Probleme erschwert. Das Liebesverhältnis mit Leo Jogiches endete 1907, aber sie wohnten zunächst noch in Berlin-Friedenau zusammen. Ihre engen politischen Beziehungen hielten sie auch nach der Trennung aufrecht, erst 1911 zog Luxemburg nach Berlin-Südende. Danach war sie mit Kostja Zetkin (*1885 – † 1980) liiert, einem weit jüngeren Arzt, dem Sohn ihrer Kampfgenossin und Freundin Clara Zetkin. Die leidenschaftliche und innige Beziehung zu Kostja Zetkin ist dem Briefwechsel ebenso zu entnehmen wie Rosa Luxenburgs persönliche enge Freundschaft mit dem Arzt Hans Diefenbach (* 1884 – † 1914). Als der im Weltkrieg fiel, hat das bei ihr einen Schock ausgelöst. Aus ihrem umfangreichen Briefwechsel geht neben den vielseitigen wissenschaftlichen Interessen nicht nur die Hinwendung zu Musik und Literatur, sondern auch eine große Liebe zur Natur und zu den Pflanzen und Tieren hervor. In der SPD wurde Rosa Luxemburg ab 1911 zunehmend politisch isoliert. Sie löste sich vom früheren Mitkämpfer Karl Kautsky und seinen Anhängern, ihr Bruch mit der »Leipziger Volkszeitung« nach dem Jenaer Parteitag der SPD 1913 leitete die Trennung der radikalen Linken vom Zentrum ein. Schließlich führte die Herausgabe der »Sozialdemokratischen Korrespondenz« im Dezember 1913 gemeinsam mit Franz Mehring und Julian Marchlewski schon vor dem Weltkrieg zu einer eigenständigen politischen Strömung der radikalen Linken. Dabei hatte Rosa Luxemburg immer gegen den Krieg agiert, u. a. forderte sie die deutschen Arbeiter auf, nicht auf ihre französischen Klassenbrüder zu schießen. Das war für den Staatsanwalt »Anstiftung zum Verbrechen der Meuterei«. Deswegen wurde sie im Februar 1914 in Frankfurt/M. zu einem Jahr Gefängnis verurteilt, allerdings dann erst im Mai 1915 inhaftiert. Ihr Verteidiger in diesem Prozeß war Paul Levi, mit dem sie 1914 eine Liebesbeziehung hatte. Der Ausbruch des Weltkrieges und die SPD-Politik der Vaterlandsverteidigung und des Burgfriedens entsetzte die Internationalistin Luxemburg, sie verlangte schonungslose Selbstkritik. Zusammen mit Karl Liebknecht, der vor dem Krieg nicht zum engsten Kreis der radikalen Linken gehörte, wurde sie zur treibenden Kraft der Gruppe Internationale, dem späteren Spartakusbund. Gemeinsam mit Leo Jogiches, Liebknecht und Mehring sammelte sie die konsequenten Linken (u. a. August und Bertha Thalheimer, Hermann und Käte Duncker, Ernst Meyer, Otto Rühle), und sie versuchten als kleine Gruppe, politisch aktiv zu werden. Rosa Luxemburg lieferte die theoretischen Grundlagen. In ihrer »Juniusbroschüre«, (unter dem Pseudonym Junius hatte sie in Zürich 1916 ihre Broschüre »Die Krise der Sozialdemokratie« veröffentlicht) analysierte sie die Gründe des »Umfallens« der Sozialdemokratie im Krieg. Ihre Einschätzung wurde von Lenin sofort heftig kritisiert. Auch während des Krieges standen sich – in Lenin und Luxemburg personifiziert – zwei fast konträre Richtungen des radikalen Sozialismus, des späteren Kommunismus gegenüber. Rosa Luxemburg konnte aber kaum mehr politisch frei wirken. Im April 1915 erschien noch die erste (und einzige) Nummer der von ihr und Franz Mehring herausgegebenen Zeitschrift »Die Internationale«. Doch schon ab Februar 1915 (bis Februar 1916) verbüßte sie im Berliner Frauengefängnis Barnimstraße die Strafe von 1914. Am 10. Juli 1916 erneut verhaftet, wurde sie zunächst wieder in Berlin, dann in der Festung Wronke (Posen), später bis zur Revolution im Gefängnis Breslau festgehalten. In der »Schutzhaft« isoliert, verfaßte sie dennoch zahlreiche Artikel, die mit Unterstützung, vor allem von Mathilde Jacob, veröffentlicht wurden. Während der Haft setzte sie sich nach der Oktoberrevolution der Bolschewiki 1917 intensiv mit der Politik Lenins auseinander. Ihre Schrift »Zur russischen Revolution« erschien (von Paul Levi herausgegeben) aber erst 1922. Darin bejahte Rosa Luxemburg zwar grundsätzlich die Revolution »von Lenin und Trotzki«, verwarf aber deren Praxis in entscheidenden Punkten (Diktatur, Terror, Bauernfrage), und aus der Kritik entwickelte sie ihre eigenen Vorstellungen eines demokratischen Kommunismus. So galt es für sie »anstelle der bürgerlichen Demokratie sozialistische Demokratie zu schaffen, nicht jegliche Demokratie abzuschaffen«, sie konstatierte, »ohne allgemeine Wahlen, ungehemmte Presse- und Versammlungsfreiheit, freien Meinungskampf erstirbt das Leben in jeder öffentlichen Institution«, und deshalb war es für sie eine »offenkundige, unbestreitbare Tatsache, daß ohne freie ungehemmte Presse, ohne ungehindertes Vereins- und Versammlungsleben gerade die Herrschaft breiter Volksmassen völlig undenkbar ist«. Rosa Luxemburg stand in der Tradition von Marx und Engels, die von der »Explosivkraft« der »demokratischen Ideen« und dem der Menschheit angeborenen »Drang nach Freiheit« ausgingen. Ihre Kritik am Bolschewismus wurde das vielzitierte Axiom: »Freiheit nur für die Anhänger der Regierung, nur für Mitglieder einer Partei – mögen sie noch so zahlreich sein – ist keine Freiheit. Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden.« Durch die Novemberrevolution 1918 wurde Rosa Luxemburg aus dem Gefängnis befreit und ging wieder nach Berlin. Bei der Konstituierung des Spartakusbundes am 11. November in dessen Zentrale gewählt, gab sie zusammen mit Karl Liebknecht das Organ der Gruppe (und später der KPD) »Die Rote Fahne« heraus und war in Vorträgen und Publikationen für die radikale Linke aktiv. Vehement wandte sie sich gegen die sozialistische Regierung, den Rat der Volksbeauftragten, gegen die Nationalversammlung und trat für die Macht der Räte ein. Mit dieser Konzeption hatte sie – so eine bis heute verbreitete Ansicht – ihre einstige grundsätzlich-sozialdemokratische Haltung aufgegeben. Allerdings bewies auch ihre praktische Politik nach dem 9. November 1918, daß sie die Position eines »dritten Weges« zwischen Bolschewismus und traditioneller Sozialdemokratie trotz nun widersprüchlicher Thesen keinesfalls verworfen hatte. Am 14. Dezember 1918 druckte »Die Rote Fahne« das von Rosa Luxemburg verfaßte »Programm des Spartakusbundes«. Diesen Text hat dann der Gründungsparteitag der KPD Ende 1918 als Progamm der neuen Partei akzeptiert. Er war Signal eigenständiger programmatischer Ziele, die Rosa Luxemburg für den deutschen Kommunismus formulierte. Die praktischen Aktionsvorstellungen waren scharf gegen die Sozialdemokratie (einschließlich der USPD) gerichtet, waren aber zugleich Abgrenzung vom damaligen russischen Bolschewismus. Letztlich gegen Lenin und Trotzki gerichtet, hieß es: »Die proletarische Revolution bedarf für ihre Ziele keines Terrors, sie haßt und verabscheut den Menschenmord. [...] Der Spartakusbund wird nie anders die Regierungsgewalt übernehmen als durch klaren, unzweideutigen Willen der großen Mehrheit der proletarischen Massen in Deutschland.« Konträr zu diesen linkssozialistischen Überlegungen standen radikale Parolen, die den Widerspruch im Programm und in Rosa Luxemburg selbst belegen, etwa wenn es dort hieß, der »Gewalt der bürgerlichen Gegenrevolution muß die revolutionäre Gewalt des Proletariats entgegengestellt werden« oder wenn vom notwendigen »gewaltigsten Bürgerkrieg« die Rede war. Diese Taktik sollte in den zunehmend gewaltsamen Auseinandersetzungen innerhalb der Arbeiterbewegung im Dezember 1918 und Januar 1919 praktiziert werden, mit verheerenden Folgen. Allerdings war Rosa Luxemburg, ebenso wie Jogiches, zunächst gegen die Schaffung einer eigenen Partei, hat dann aber dem Drängen von Liebknecht u. a. nachgegeben. Damit konnte die für den 30. Dezember 1918 in Berlin zusammengerufene Konferenz des Spartakusbundes zum Gründungsparteitag der KPD werden. Der Versuch, die neue Organisation Sozialistische Partei, nicht Kommunistische, zu nennen, um sich von den Bolschewiki abzugrenzen und an der Verbindung zu den Massen wenigstens symbolisch festzuhalten, schlug fehl. Sie trat vergebens für die Teilnahme an den Wahlen zur Nationalversammlung und gegen die Spaltung der Gewerkschaften ein und mußte feststellen: »Ihr wollt euch euren Radikalismus ein bißchen bequem und rasch machen.« Als Rosa Luxemburg nach der Diskussion zu ihrem Grundsatzreferat sogar auf ein Schlußwort verzichtete (»da sie körperlich unpäßlich ist«) wurde deutlich, daß sie ebenso wie Jogiches vom Ergebnis des Gründungsparteitages tief enttäuscht war. Doch bereits im Januar überschlugen sich in Berlin die Ereignisse: Der Streit um die Absetzung Emil Eichhorns als USPD-Polizeipräsident löste den »Spartakusaufstand« aus; Liebknecht verkündete die »Absetzung« der Ebert-Regierung, wodurch der Kampf eskalierte, rasch waren die beiden Parteiführer Gejagte. Am 15. Januar haben Angehörige der Garde-Kavallerie-Schützendivision Rosa Luxemburg brutal ermordet. Erst im Juni wurde ihre entstellte Leiche im Landwehrkanal gefunden. Bei ihrer Beerdigung am 13.Juni 1919 in Berlin demonstrierten Hunderttausend Arbeiter, ihr Märtyrertod hatte sie schon damals zur Ikone gemacht. Von allen deutschen Kommunisten erzielte Rosa Luxemburg die größte Wirkungsgeschichte. Sie war bereits in der Weimarer Republik innerhalb der KPD umstritten, wo sich rechte aber auch ultralinke Kommunisten auf ihre Theorie beriefen. Bald wurde sie intrumentalisiert: die Persönlichkeit der Revolutionärin gelobt, ihre Ermordung gebrandmarkt, aber ihre demokratischen Ideen als Abweichung von Lenin und Stalin als »Luxemburgismus« verdammt. Während der Stalinisierung der KPD in den zwanziger Jahren mußte sich die Partei von ihren Ideen und damit der eigenen Vergangenheit lossagen. Schon 1924 verstieg sich die damalige KPD-Führerin Ruth Fischer dazu, Thesen Rosa Luxemburgs als »Syphilisbazillen« zu diffamieren. Und nachdem Stalin 1931 Rosa Luxemburg in einem Atemzug mit Trotzki nannte und ihre Theorien als »halbmenschewistisch« verurteilte, war die Trennung der deutschen Kommunisten von der Begründerin ihrer Partei vollzogen. Der KPD-Vorsitzende Ernst Thälmann forderte 1932 den »schärfsten Kampf gegen die Überreste des Luxemburgismus«. Diese Einstellung vertrat auch die SED. Ihre Person wurde als traditionelle »Leitfigur« von der Propaganda gefeiert, ihre Ermordung als Verlust beklagt, aber ihr Werk, vor allem die demokratischen Ideen, als »Luxemburgismus« verfemt. Rosa Luxemburg wurde an der Elle Lenins, zunächst vor allem Stalins und immer entsprechend der gerade gültigen Parteilinie gemessen und dafür entsprechend zurechtgestutzt. Dieses Grundmuster der Stalinisten hatte schon ihr früher Biograph Paul Frölich 1939 enthüllt: »Von ihnen wurde das Andenken Rosa Luxemburgs geschmäht, ihre Gedanken entstellt und verlästert, ihr politisches Werk verfälscht, ihre Anhänger verfolgt.« Doch es berufen sich seit Jahrzehnten die verschiedensten linken politischen Richtungen auf Rosa Luxemburg, ihre Nachwirkung ist bis heute bemerkenswert. Ihre Werke fanden weltweit Verbreitung (in Tokio erscheint z. B. derzeit die von Narihiko Ito herausgegebene umfangreichste Gesamtausgabe in japanisch), die Schriften über sie sind Legion. Nach dem Ende des doktrinären Kommunismus neigte die Wissenschaft dazu, Rosa Luxemburg zu historisieren, das heißt, sie in ihre Zeit zu stellen, ihre Rolle für die Arbeiterbewegung zu objektivieren, ihre bleibenden Verdienste zu bewerten. Die Herausarbeitung ihrer Widersprüche ist dabei wohl eine notwendige Voraussetzung dieser Historisierung, nur so sind Heroisierung und Ideologisierung, erst recht jede Instrumentalisierung zu überwinden.