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BioLex

In der Kategorie BioLex finden Sie drei biografische Lexika mit über 5500 Personeneinträgen.

 

Das Handbuch "Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945" wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam. Kurzbiografien zu Personen des poltischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 vor. Zudem ist das Onlinlexikon www.dissidenten.eu komplett in dieser  Rubrik recherchierbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Inforamtionen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Lindau, Rudolf

* 28.3.1888 – ✝ 18.10.1977

Geb. in Riddagshausen (Krs. Braunschweig) in einer Arbeiterfamilie; Transportarb.; 1906 – 19 SPD; 1916 Teiln. der Reichskonferenz der Spartakusgr.; 1919 – 46 KPD; seit 1920 ltd. KPD-Funktionär; 1923 Mitarb. der Zentr. der KPD; nach 1925 Mitarb. der Abt. Agit. u. Prop.; ab 1926 Pol.-Ltr. des KPD-Bez. Wasserkante; 1921 – 24 u. 1927/28 Abg. der Hamburger Bürgerschaft; 1927 – 33 Chefred. versch. KPD-Ztg.; während der Weimarer Rep. publizist. Tätigkeit zur Geschichte der dt. Arbeiterbew., Mitautor der »Illustrierten Geschichte der Dt. Rev.« (1929); 1933/34 Teiln. am illeg. Widerstandskampf in Sachsen (»Rudolf Grätz«); 1934 – 45 Emigr. in die UdSSR; dort tätig als Lehrer an Partei- u. Antifa-Schulen, Autor von Artikeln u. Abhandlungen zur Geschichte der KPD, Mitarb. im NKFD. 1945/46 Mitarb. im ZK der KPD; 1946 SED; 1946 – 50 erster Dir. der PHS; im Okt. 1950 auf Beschluß der SED-Führung abgelöst; von 1950 bis zu seinem Tod wiss. Mitarb. am IML; 1958 KMO; 1963 u. 1973 VVO; Verleihung des Doktor- u. des Prof.-Titels; gest. in Berlin. Publ. zur Geschichte der Arbeiterbew., u. a. Veröff. einer Biogr. Ernst Thälmanns (1956); als Zeitzeuge beriet R. L. Historiker u. Politiker der SED zu Fragen der Geschichte der Arbeiterbew., wobei es insbes. mit Walter Ulbricht wiederholt zu Auseinandersetzungen über die Person Ernst Thälmanns u. die Novemberrev. kam.Schröder, J.: R. L. (1888 – 1977). In: Jahrbuch für histor. Kommunismusforschung. Berlin 1997.Ilko-Sascha Kowalczuk

Wer war wer in DDR

Lindner, Gerhard

* 28.4.1929

Geb. in Leipzig; Vater Handelsvertreter; Volks- u. Oberschule in Leipzig, 1947 Abitur; 1946 LDPD; 1947 – 49 Praktikant in einem Rechtsanwaltsbüro in Leipzig; 1948 FDJ; 1949 – 54 Studium der Rechtswiss. an der KMU Leipzig, Dipl.-Jur.; 1954 FDGB; 1954 – 58 Abt.-Ltr. im ZV, ab 1959 Mitgl. des Pol. Aussch., 1966 – 82 Sekr. des ZV der LDPD, ab 1982 stellv. Vors. der LDPD; 1957/ 58 für die HV A Mitarb. einer Residentur in der Bundesrep. Dtl., 1958 – 59 beim MfS als GI bzw. IMS »Hans Reichert« erf.; 1958 – März 1990 Abg. der Volkskammer; 1963 – 69 Vors. des Aussch. für Eingaben der Bürger (Nachf. von Wally Keller); 1971 – 81 Mitgl., ab 1971 stellv. Vors. der Interparlamentar. Gruppe, ab 1981 1. Stellv. Vors. des Aussch. für Ausw. Angelegenh.; 1959 – 69 Mitgl. des Präs. des NR der NF, 1959 – 62 Mitgl. seines Sekr.; ab 1960 Vizepräs. der Olymp. Ges. der DDR; 1965 – 76 Vizepräs. der Freundschaftsges. DDR – Lateinamerika; 1973 – 82 Mitgl. des Präs., 1982 – 90 Vizepräs. des Friedensrats der DDR, ab 1974 Mitgl. des Weltfriedensrats; 1976 – 90 Mitgl. des Präs. der Liga für Völkerfreundschaft u. Präs. der Freundschaftsges. DDR – Großbritannien (Nachf. von  Greta Kuckhoff); 17.11.1989 Mitgl. des Staatsrats; Jan. 1990 amtl., April 1990 Präs. der Ges. zur Förderung des olymp. Gedankens in der DDR e. V. (Nachf. von  Manfred von Brauchitsch); März – Aug. 1990 Mitgl. des Bunds Freier Demokraten, ab Aug. der FDP; 1963, 1973, 1983 u. 1989 VVO; 1983 Banner der Arbeit.Süß, W.: Staatssicherheit am Ende. Berlin 1999.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Lingner, Max

* 17.11.1888 – ✝ 14.3.1959

Geb. in Leipzig; Vater Xylograph; Abitur; 1908 – 13 Studium der Malerei an der Kunstakad. Dresden bei Carl Bantzer; 1914 – 18 Militärdienst; 1918 Mitgl. des Soldatenrats, beteiligt am Kieler Matrosenaufstand; 1919 – 22 Bewirtschaftung eines Gehöfts in Born (Darß); als Landschaftsmaler tätig; 1922 – 28 in Weißenfels (Saale) ansässig; Aufn. sozialkrit. u. proletar. Themen: Hinkemann (um 1924/25), Heimkehrende Fabrikarb. (1926), Arbeiterliebe (1928); Ende 1928 Übersiedl. nach Paris; dort vorwiegend Arbeit als Zeichner für die Presseorgane »Monde«, »Avantgarde«, »L’Humanité«, als Buchillustrator u. Ausgestalter von Pressefesten; 1934 Mitgl. der frz. KP; tätig für die Volksfront; 1939/40 Internierung u. a. im Lager Gurs, Flucht; danach illeg. Arbeit für die Résistance; 1944 Wiederaufn. der Arbeit für die »L’Humanité«. 1949 Rückkehr nach Dtl.; übergab 40 Gemälde, Aquarelle u. Zeichnungen als Schenkung dem »Volk des fortschrittl. Dtl.«, u. a. die Gemälde »Paris Meudon« (1929), »Im Boot« (1931), »Mademoiselle Yvonne« (1932); Mitgl. des Präs.-Rats des KB; 1949 Prof. an der HS für bildende u. angewandte Kunst in Berlin-Weißensee; 1950 Gründungsmitgl. der DAK u. Ltr. einer Mstr.-Kl. für Malerei; monumentale Festdekoration zum 1.5.1950 im Berliner Lustgarten (als formalist. diffamiert); im Sinne des geforderten soz. Realismus entstehen Spätwerke, u. a. das Wandbild für das Haus der Min. (1952) u. das Gemälde »Der Große Dt. Bauernkrieg« (1951 – 55); 1952 u. 1955 NP; 1955 VVO; gest. in Berlin. Seit 2007 gibt es die unselbständige M.-L.-Stiftung.Mein Leben u. meine Arbeit. Dresden 1955; Gurs. Bericht u. Aufruf. Berlin 1982. Geismeier, W.: M. L. Leipzig 1968; Claußnitzer, G.: M. L. Maler u. Werk. Dresden 1970; Heider, G.: M. L. Künstlerkompendium. Leipzig 1979; Kat. M. L. Nat.-Galerie u. AdK. Berlin 1988; Sent, E.: M. L. Werkverzeichnis 1898 bis 1931/32. Berlin 2004.Anke Scharnhorst / Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Linke, Karl

* 10.1.1900 – ✝ 16.5.1961

Geb. in Görsdorf (Krs. Reichenberg, Nordböhmen/Loučna, Tschechien); Vater Arbeiter; 1906 – 14 Volks- u. Bürgerschule; 1914 – 18 Ausbildung u. Arbeit als Bandweber; 1915 SAJ Österreich; 1918 österr. Militärdienst, kurzz. ital. Gefangenschaft; USPD; 1924 – 30 KPČ; 1919 – 21 Abraumarb. in Senftenberg; 1921 – 29 Arbeit in versch. Betrieben der ČSR; 1924 – 30 als Weber in Grottau; 1927/28 führend am Streik beteiligt, dann gemaßregelt; Schleuser der KPD; Arbeit für die »AIZ« in Berlin, Chemnitz u. der ČSR; wegen unerlaubten Fotografierens in den Witkowitzer Eisenwerken verhaftet; seit 1930 UdSSR; dort 1930 – 34 Webermstr. in Moskau; 1935 – 37 Zechenltr. in Moskau; 1930 – 51 Mitgl. der KPdSU; 1938 tätig im Volkskommissariat für Leichtindustrie; 1939 – 41 Arbeit in der Handelskammer; Juli 1941 – Juli 1945 Rote Armee, 1942 Fallschirmeinsätze im dt. Hinterland in Gomel (zwei Jahre Kommissar einer Partisaneneinheit u. Parteisekr.) u. 1944 in der Slowakei; 1945 Rückkehr nach Moskau; 1946 Rückkehr in die ČSR; 1946 – 49 Saalmstr. in einer Bandweberei in Hrádek nad Nisou (ehem. Grottau). 1949 Übersiedl. nach Berlin; zunächst als Übersetzer in der SKK; 1950 Mitarb. der SPK; 1951/52 Ltr. des Sekr. u. persönl. Ref. des 1. stellv. Vors. in der SPK (Nachf. von Alwi- ne Mahlow); 1951 DDR-Staatsbürgerschaft; SED; Juni 1952 ltd. Mitarb. der KVP; 1952 – 57 Chef der Verw. für allg. Fragen bzw. 1956/57 Chef Verw. 19 (Spionage), General; 31.8.1957 zum Oberst degradiert u. in die Reserve versetzt; Berlin-Verbot; lebte bis zu seinem Tode in Zittau.Kabus, A.: Auftrag Windrose. Der militär. Geheimdienst der DDR. Berlin 1993; Koch, P.-F.: Die feindl. Brüder. Bern, München, Wien 1994; Wegmann, B.: Die Militäraufklärung der NVA. Berlin 2005.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Linser, Karl

* 10.9.1895 – ✝ 27.4.1976

Geb. in Pforzheim; Vater Lehrer; Gymna- sium in Karlsruhe; 1914 – 18 Kriegsdienst im 1. Weltkrieg; 1918 – 22 Med.-Studium in Würzburg u. Heidelberg, hier 1922 Prom.; 1922 – 24 Assistenzarzt an der Univ.-Hautklinik in Tübingen u. 1924 in Breslau; 1925 an der Univ.-Hautklinik in Wien; 1925/26 am St.-Louis-Hospital in Paris; 1926 – 33 hautärztl. Praxis in Dresden (gem. mit Eugen Galewsky); 1933 – 45 Ltr. der Hautabt. am Waldparkkrankenhaus u. an der Kinderpoliklinik des Johannstädter Krankenhauses in Dresden. 1945/46 Chefarzt der Hautklinik des Krankenhauses in Dresden-Friedrichstadt; 1946 Ordinarius für Dermato-Venerol. an der Univ. Leipzig; SED; 1947 Ernennung zum Präs. der Dt. ZV für Gesundheitswesen (Nachf. von  Paul Konitzer); 1949 Ltr. der HA Gesundheitswesen des Min. für Arbeit u. Gesundheitswesen; 1950 – 62 Ordinarius für Dermato-Venerol. an der HU Berlin u. Dir. der Univ.-Hautklinik; 1951 in Personalunion Ärztl. Dir. des Klinikums Berlin-Buch u. Chefarzt der dortigen Hautklinik; 1954 – 60 maßgebl. an Planung u. Neubau der Univ.-Hautklinik beteiligt; wiss. Arbeiten besonders auf dem Gebiet der Klimatherapie, der Bekämpfung venerolog. Erkrankungen u. der Malignome der Haut; 1962 em.; gest. in Berlin.Peter Schneck

Wer war wer in DDR

Lips, Julius

* 8.9.1895 – ✝ 21.1.1950

Geb. in Saarbrücken; Vater Rechnungsrat; 1914 – 16 Soldat; Studium der Rechtswiss., Philos., Psychologie u. Ethnologie an der Univ. Leipzig, dort 1919 Prom.; ab 1925 Reisen durch Europa u. Amerika; Angest. im Museum für Ethnologie in Köln; 1926 Habil. u. anschl. Privatdoz. für Völkerkunde u. Soziologie an der Univ. Köln, dort ab 1929 außerord. Prof. für Völkerkunde u. Soziologie; Dir. des Rautenstrauch-Joest-Museums für Völkerkunde in Köln; 1933 Beurlaubung auf eigenen Wunsch, wg. jüd. Abstammung Entzug der Lehrbefugnis, Aberkennung der dt. Staatsangehörigkeit u. Beschlagnahmung des Vermögens; Emigr. nach Frankreich, Tätigkeit an der Sorbonne u. am Musée de l´homme Paris; 1934 – 37 Gastprof. für Anthropol. an der Columbia University in New York; 1937 Bund Freiheitl. Sozialisten; 1937 – 40 Ltr. des Inst. für Völkerkunde an der Howard University in Washington; ab 1941 Forschungsaufträge für die Univ. Oxford und Columbia (New York); 1944 Mitgl. im Council for a Democratic Germany; 1945 tätig an der New School for Social Research New York. 1948 Rückkehr nach Dtl., Prof. für Ethnol. u. vergleichende Rechtssoziologie, 1949 / 50 Rektor der Univ. Leipzig (Nachf. von  Johannes Friedrich); gest. in Leipzig. Arbeitsgebiete: Rechtsgeschichte, vergleichende Rechtswiss.; Völkerkunde; bedeutendste wiss. Leistung ist die von L. seit 1927 betriebene Ausarbeitung des Begriffs der Erntevölker; nach L.s Tod bearbeitete Ehefrau Eva L., die auch den Lehrstuhl übernahm, einen Großteil der gemeinsam erarbeiteten Feldforschungsnotizen über die Ojibwa-Indianer.The savage hits back. New Haven 1937; The origins of things. New York 1947; Zelte in der Wildnis. Zürich 1947; Die Erntevölker, eine wichtige Phase in der Entw. der menschl. Wirtschaft. Leipzig 1953; Der Weiße im Spiegel der Farbigen. Leipzig 1983. Lips, E.: Zwischen Lehrstuhl u. Indianerzelt. Aus dem Leben und Werk von J. L. Berlin 1965; Putzstück, L.: Symphonie in Moll. J. L. u. die Kölner Völkerkunde. Pfaffenweiler 1995; Harms, V.: What Hitler did on anthropology and national Socialism. In: Sociologus (1997) 1.Bernd-Rainer Barth / Stefanie Müller

Wer war wer in DDR

Litfin, Günter

* 19.1.1937 – ✝ 24.8.1961

Geb. in Berlin; Vater Fleischermeister; Besuch der kath. St.-Joseph-Schule in Berlin-Weißensee; Schneiderlehre u. Anstellung in West-Berlin, wohnhaft in Ostberlin; 1957 Beitritt zur West-Berliner CDU; Mai 1961 Tod des Vaters, die Betreuung der Mutter verzögert den geplanten Umzug nach West-Berlin; nach dem Mauerbau vom 13.8.1961 intensive Suche nach einer Möglichkeit zur Überwindung der Sperranlagen, am 24.8.1961 Fluchtversuch am Spreeufer in der Nähe des Lehrter Bahnhofs, Transportpolizisten entdecken ihn u. geben Warnschüsse ab, als L. in das Wasser des Humboldthafens springt, eröffnen sie das Feuer; L. wird von einer Kugel tödl. in den Hinterkopf getroffen; die Angehörigen werden zum Stillschweigen verpflichtet u. müssen in der Traueranzeige »einen trag. Unfall« angeben; 1962 wird auf West-Berliner Seite ein Gedenkstein für L. enthüllt; er gilt als erstes Opfer der Berliner Mauer. Nach der dt. Vereinigung strafrechtl. Ermittl. gegen zwei Schützen, die 1997 vom Landgericht Berlin wg. »gemeinschaftlich begangenen Totschlags« schuldig gesprochen u. zu einem Jahr bzw. einem Jahr u. sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt werden; 1992 Eröffn. einer privat initiierten Gedenkstätte für L. in einem ehem. Grenzwachturm in der Kieler Straße 2 in Berlin-Mitte.Litfin, J.: Tod durch fremde Hand. Das erste Maueropfer in Berlin und die Geschichte einer Familie. Husum 2006¸ Brecht, Ch.: Biographie G. L. In: Hertle, H.-H.; Nooke, M.: Die Todesopfer an der Berliner Mauer. Berlin 2009.Christoph Links

Wer war wer in DDR

Lochthofen, Lorenz

* 21.10.1907 – ✝ 14.9.1989

Geb. in Altenderne bei Dortmund; Vater Bergmann; 1914 – 21 Volksschule in Scholven; 1921 – 25 Lehrling auf der Zentralkokerei der Zeche Scholven, Facharbeiterabschl. als Schlosser; 1921 KJVD u. Gewerkschaft; Ltr. einer KJVD-Ortsgr.; ab 1925 Schlosser auf Schacht- u. Kokereimontagen im Ruhrgeb.; Aug. 1930 als Spezialist in die UdSSR; bis 1931 in Schächten im Donezbecken als Schlosser u. Schweißer; 1930/31 Komsomol; 1931 – 35 Besuch der KUNMS; 1931 KPdSU; 1935 Doz. für Pol. Ökon., hist. u. dial. Materialismus an einer Parteischule u. an der Kommunist. Univ. in Engels; dann Red. u. Sekr. der dt.-spr. Ztg. »Nachrichten« in Engels (»Bernd«); 1937 vom NKWD verhaftet, 1938 von einem Sondergericht in Abwesenheit zu fünf Jahren Zwangsarbeit verurteilt, bis 1946 im Lager in Workuta; 1941 in der Sonderfahndungsliste »UdSSR« der Gestapo erf.; nach Haftentlassung Zwangsansiedl. in Workuta; Chefmechaniker in einem Betrieb. Seit 1947 mit einer Russin verh.; beantragt im Aug. 1947 in einem Brief an  Wilhelm Pieck seine Rückkehr nach Dtl.; Abendstudium der theoret. u. angewandten Mechanik; 1953 externes Examen als Bergbautechniker am Bergbautechnikum in Workuta; am 14.5.1956 vom Gebietsgericht von Saratow rehabil.; ab Jan. 1957 Oberingenieur für Maschinenwesen bei einer geolog. Expedition in Workuta. Nov. 1958 Übersiedl. in die DDR; SED; zunächst Schlosser im VEB Waggonbau Gotha; dann Ltr. der Normenabt. u. Assistent des Werkltr.; 4.2.1959 Anerkennung der durchgehenden Parteimitgliedschaft ab 1932 durch die ZPKK; 1960/61 Techn. Dir. im VEB Waggonbau; 1961 – 65 Ltr. des Büromaschinenwerks in Sömmerda; Mitgl. der SED-KL Sömmerda; 1963 – 67 Mitgl. des ZK der SED; Aufgabe der berufl. Tätigkeit aus gesundheitl. Gründen; gest. in Bad Liebenstein.Peter Erler

Wer war wer in DDR

Loest, Erich

* 24.2.1926 – ✝ 12.9.2013

Geb. in Mittweida (Sachsen); Vater Kfm.; nach dem Abitur 1944 Soldat, danach Gelegenheitsarb. 1947 – 50 Volontär u. Red. an der »Leipziger Volksztg.«; SED; seit 1950 freischaff. Schriftst.; 1955/56 Studium am Inst. für Lit. »Johannes R. Becher« Leipzig; stand 1956/57 mit  Gerhard Zwerenz u. a. in Opp. zur SED, insbes. zur Kulturpol.; Mitarb. auch am Programm des Leipziger Kabaretts »Die Pfeffermühle«; Nov. 1957 Ausschl. aus der SED; dann wegen seiner Ansichten zu demokrat. Erneuerungen verhaftet u. zu siebeneinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt (Revision 1990); 1964 Entlassung auf Bewährung; Veröff. von Abenteuer- u. Kriminalromanen unter Pseudonym; vom MfS im OV »Autor« operativ bearbeitet; 1979 Austritt aus dem SV unter Protest; 1981 mit einem Dreijahresvisum nach Westdtl., kehrte nach Ablauf nicht in die DDR zurück; 1989 Rehabil. durch das Oberste Gericht der DDR; von 1984 – 86 2. Vors. des VS, 1994 – 97 1. Vors.; 1987 Gründung des Linden-Verlags Künzelsau, jetzt Linden-Verlag Leipzig (gem. mit Sohn Thomas L. u. dessen Frau). 1992 Ehrenbürger von Mittweida u. 1996 von Leipzig; 1997 Kommandeurskreuz der Republik Polen; 1998 Mainzer Stadtschreiber; 2001 Dr. h. c. der TU Chemnitz; gest. in Leipzig. Preise: Hans-Fallada-Preis (1981), Marburger Lit.-Preis (1984), Jakob-Kaiser-Preis (1984 u. 1989), Freiheitspreis des Bundes freier Berufe (1991), Karl-Hermann-Flach-Preis (1992); Verleihung der Ehrenbürgerschaft der Stadt Leipzig (1996); Auszeichnung mit dem Kommandeurskranz des Verdienstordens der Rep. Polen (1997); Ehrendoktor des Hampen-Syndney-Colleges, Virginia (1997); Bundesverdienstkreuz (1999); Dt. Nationalpreis (2009).Schattenboxen. Berlin 1973; Es geht seinen Gang oder Mühen in unserer Ebene. Halle 1978; Durch die Erde ein Riß. Ein Lebenslauf. Autobiogr. Hamburg 1981; Völkerschlachtdenkmal. Hamburg 1984; Zwiebelmuster. Hamburg 1985; Der Zorn des Schafes. Künzelsau 1990; Die Stasi war mein Eckermann oder: Mein Leben mit der Wanze. Göttingen, Leipzig 1991; Froschkonzert. Künzelsau 1991; Nikolaikirche. Leipzig 1995; Als wir in den Westen kamen. Gedanken eines liter. Grenzgängers. Leipzig 1997; Gute Genossen. Leipzig 1999; Träumereien eines Grenzgängers. Stuttgart 2001; Prozesskosten. Göttingen 2007; Einmal Exil u. zurück. Göttingen 2008; Löwenstadt. Göttingen 2009; Werkausgabe. Künzelsau 1991 – 2000. Sahlmen, A.: Das Vehikel der Imagination. Frankfurt (Main) 1992; Schneider-Nehls, G.: Grenzgänger in Dtl. Potsdam 1997; Brandt, S.: Vom Schwarzmarkt nach St. Nikolai. Leipzig 1998; Kulturstiftung Leipzig (Hrsg.): E. L. Eine dt. Biogr. Leipzig 2007; Möbius, R.: Wortmacht u. Machtwort. Der polit. L. Leipzig 2009.Siegmar Faust

Wer war wer in DDR

Lohagen, Ernst

* 12.5.1897 – ✝ 2.11.1971

Geb. in Elberfeld; Volksschule; Vater Weber, Mutter Lederarb.; 1911 SAJ; 1911 – 16 Hilfsarb. bzw. Packer in Elberfeld; 1915 Mitgl. der »Gruppe Internationale«; 1916 Mitbegr. der Spartakusgr. Elberfeld-Barmen; 1916 – 18 Militärdienst; Mitgl. des Soldatenrats in Straßburg; 1918 Mitgl. der Gewerkschaft; 1919/20 Org.-Ltr. des KJV Rheinl./Westf.; 1919 Mitgl. der KPD; 1920 Ltg.-Mitgl. der Roten Ruhrarmee; Jan. – März 1921 deshalb verhaftet (zus. mit  Wilhelm Zaisser) im Zuchthaus Welheiden (Kassel); anschl. illeg. (»Peter Paulsen«); 1921/22 Instrukteur des M-Apparats der KPD in Berlin; 1923/24 Red. der »Arbeiterztg.« (Kassel); 1923 Sekr. des KPD-Bez. Hessen-Waldeck in Kassel; Jan. – Sept. 1924 Haft im Gefängnis Kassel; 1924 – 31 Pol.-Ltr. der KPD-BL Hessen-Waldeck; 1926 Abg. des Provinziallandtags Hessen, 1930 – 32 des Dt. Reichstags; 1932/33 Instrukteur der illeg. RFB-Ltg. in Berlin; Nov./Dez. 1932 inhaftiert (durch Hindenburg-Amnestie entlassen); 1933 illeg. pol. Arbeit; 1933/34 »Schutzhaft« im KZ Börgermoor u. Papenburg; 1934/35 Pol.-Ltr. des KPD-Bez. Hessen-Waldeck; Juli 1935 erneut verhaftet u. im Jan. 1938 vom VGH zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt; 1938 – 45 zus. mit  Georg Handke in versch. Zuchthäusern. 1945/46 Vors. der KPD-KL u. 1946 – 48 des SED-KV Leipzig; ab April 1946 Mitgl. u. Dez. 1948 – Febr. 1952 Vors. bzw. 1. Sekr. des SED-LV Sachsen in Dresden; 1946 – 50 Abg. des Landtags Sachsen, Aussch.-Vors.; 1949 Mitgl. des Dt. Volksrats; 1949 – 54 Abg. der (Prov.) Volkskammer; 1946 – 52 Mitgl. des PV bzw. ZK der SED; Febr. 1952 wegen »Unterdrückung der Kritik, parteischädigenden Verhaltens« aus dem ZK ausgeschl. u. als 1. Sekr. der SED-LL abgelöst; Mai 1952 Rüge durch Beschluß der ZPKK wegen »parteischädigenden u. eines Funktionärs unwürdigen Verhaltens«; Jan. 1953 – Sept. 1955 Ltr. der Bez.-Finanzrevision Potsdam; April 1956 – 58 Vors. des Rats des Krs. Pritzwalk; Juni 1957 Löschung der Parteistrafe durch die ZPKK; ab 1958 »Arbeiterveteran«; arbeitete ab 1961 auf Honorarbasis für das IML; 1967 Banner der Arbeit; gest. in Bad Saarow-Pieskow.Mählert, U.: Der »Fall Lohagen« u. der Machtkampf im SED-Politbüro zur Jahreswende 1951/52. In: Jahrbuch für Histor. Kommunismusforsch. Berlin 2008.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Lohmar, Heinz

* 21.7.1900 – ✝ 14.9.1976

Geb. in Troisdorf / Sieg; Vater Bauunternehmer; Volksschule in Troisdorf u. Köln; 1914 – 16 Dekorationsmalerlehre in Köln; 1916 / 17 Stud. der Werkschule (Kunstgewerbeschule) in Köln; 1918 Soldat, Teiln. an einer Meuterei; 1919 – 21 Weiterführung der Studien an der Kunstgewerbeschule Köln; 1922 – 27 Atelierchef der Künstlerwerkstätten für angewandte Künste »Jeku« in Köln, Chefmaler u. Mitarb. bekannter Architekten; ab 1927 freischaff. Künstler; 1931 KPD (betätigte sich als Werber unter Intellektuellen); 1932 Reisen in die Schweiz u. nach Italien; Jan. 1933 Berufsverbot, Mai 1933 Verhaftung in Siegburg, durch Intervention des Bürgermeisters entlassen u. im Juni 1933 Flucht in die Schweiz; Sept. 1933 Verhaftung in Ascona wg. illeg. Arbeit für die RH (Deckn. »Heinz Mar«, »Heinz Mahr«), Ausweisung; über Mailand nach Paris; Kontakt zum Kreis der Surrealisten (Max Ernst); 1936 Mitbegr. »Kollektiv Dt. Künstler« (mit  Horst Strempel, Hanns Kralik, Robert Liebknecht u. a.); organisierte antifasch. Ausstellungen (1936 »Das Übertier«, 1937 »Einbruch der Barbarei«, 1938 »Fünf Jahre Hitler«); Zusammenarbeit mit  Alfred Kantorowicz, Bruno Frey u. a.; Mitbegr. des »Freien Künstlerbunds« (FKB), u. a. mit  Max Lingner, Mitgl. des Vorstands u. Sekretär des FKB; Bühnenbildner für Kabarettaufführungen (»Die Laterne«), schuf die Bühnenbilder für UA versch. Brecht-Stücke in Paris (u. a. »Die Gewehre der Frau Carrar«, 1937); 1939 in den USA, Sept. 1939 in Frankreich interniert, dann als Prestataire in Südfrankreich, ab 1940 in der Résistance; 1940 Zerstörung seiner Bilder u. Werke durch die Gestapo in Paris; 1943 Propagandist der FFI (Forces Française de l'Intérieur) in Südfrankreich, Herstellung von Flugblättern u. Plakaten; ab 1944 Mitgl. des NKFD für den Westen in Paris, Delegierter für Propagandaarbeit in Kriegsgefangenenlagern. Jan. 1946 Rückkehr nach Dtl.; KPD-Arbeit in Ludwigshafen, Mitgl. der KPD-LL Rheinl. / Pfalz; Gewerkschaftsarbeit, 2. Vors. des Landesverb. der Kulturschaff. in Rheinl. / Pfalz; 1946 – 49 freischaff. Grafiker in Ludwigshafen. Sept. 1949 Übersiedl. in die SBZ / DDR, Berufung nach Dresden; Okt. 1949 – 66 Doz., später Prof. an der Kunsthochschule Dresden; 1950 SED; 1958 Med. Kämpfer gegen den Faschismus; 1965 VVO; ab 1966 freischaff. Maler u. Graphiker; Ausstellungen u. a.: Albertinum (1955, 1960 – 61), Staatl. Gemäldesamml. Dresden (1962, 1970), 8. Kunstausstellung der DDR in Dresden (1978); gest. in Dresden.Emmrich, Ch.: Vom Anderswerden eines Künstlers. In: Bildende Kunst (1962) 5; Frommhold, E.: Kunst im Widerstand. Dresden 1968; Hiepe, R. (Hrsg.): Widerstand statt Anpassung. Berlin (West) 1979; Schiller, D. u. a.: Exil in Frankreich. Kunst u. Lit. im antifasch. Exil 1933 – 1945, Bd. 7. Leipzig 1981.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Lonscher, Erhard

* 28.7.1925 – ✝ 28.6.2013

Geb. in Patschkau (Oberschles. / Paczkow, Polen); Mutter Hausangestellte; aufgew. beim Großvater (Schmiedemstr.); 1940 – 43 Lehrerbildungsanstalt; 1943 NSDAP; 1943/45 Wehrdienst (Fähnrich u. Flugzeugführer); 1945 sowj. Kriegsgefangenschaft, Zentr. Antifa-Schule in Rjasan u. Ogre, Assistent. 1949 Rückkehr nach Dtl.; NDPD; 1949 – 52 Mitgl. des Landesvorst. Berlin der NDPD; ab 1952 hauptamtl. Mitarb. ihres PV; Ltr. der Abt. LPS, anschl. Ltr. der Hauptabt. Pol. Studium (Prop.); 1951 – 54 Fernstudium an der DASR Potsdam, Dipl.-Staatswiss.; 1963 – 66 Rektor der HS für Nat. Pol. (Zentr. Parteischule der NDPD) in Waldsieversdorf (Krs. Strausberg) (Nachf. von Wilhelm Funder); 1963 – Jan. 1990 Mitgl. des Hauptaussch. der NDPD u. seines PV bzw. Präs.; 1966 – 73 Vors. des Bez.-Verb. Halle (Nachf. von Max Schneider) u. Abg. des Bez.-Tags; 1973 – 85 Sekr. des Hauptaussch. u. bis 1990 Mitgl. seines Sekr.; 1976 – 86 Abg. der Volkskammer; Stellv. des Vors. des Aussch. für Industrie, Bauwesen u. Verkehr; 1985 – März 1990 Dir. der Zentr. Parteischule der NDPD (Nachf. von Edgar Neupert) bzw. verantw. Objektltr.; ab 1974 Mitgl. des Zentralvorst. der DSF u. des Präs. des Solidaritätskomitees der DDR; ab 1962 Mitgl. des Präs. der Dt.-Arab. Ges., ab 1976 Mitgl. des Präs. bzw. Vizepräs. des Freundschaftskomitees DDR – Syrien; 1990 Rentner; März 1990 Mitgl. beim Bund Freier Demokraten, Sommer 1990 Austritt wegen des Beitritts des BFD zur FDP. Nach 1990 Mitgl. des Berliner Alternativen Geschichtsforums.Die histor. Gesetzmäßigkeit des Überganges vom Kap. zum Soz. Berlin 1958.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Lindau, Rudolf

* 28.3.1888 – ✝ 18.10.1977

Geboren am 28. März 1888 in Riddagshausen/ Braunschweig, Sohn eines Sattlers; zunächst Arbeiter in einer Bäckerei in Braunschweig, dann Gießereiarbeiter. 1907 siedelte er nach Hamburg über, Transportarbeiter. 1904 trat er der Gewerkschaft bei, 1907 der SPD. 1910/11 arbeitete Lindau als Privatsekretär von Heinrich Laufenberg, der dem historisch Interessierten in seiner »Geschichte der Hamburger Arbeiterbewegung« für die geleistete Hilfe dankte. Im Juli 1911 begann Lindau hauptamtlich als Jungredakteur am »Hamburger Echo«. Mit Kriegsausbruch im August 1914 opponierte er gegen die Politik des PV und zählte in Hamburg zur Richtung der Bremer Linksradikalen. Er leitete die illegale Jugendarbeit der Linksradikalen und war Vertreter Hamburgs auf der I. Reichskonferenz der Spartakusgruppe am 1. Januar 1916. Von September 1916 bis November 1918 Armierungssoldat. Dann von Februar 1919 bis Sommer 1919 Chefredakteur der »Kommunistischen Arbeiterzeitung« in Hamburg, anschließend bis zur Abspaltung von der Richtung um Laufenberg und Fritz Wolffheim im März 1920 Sekretär der Hamburger KPD-Organisation. Lindau gehörte zu den wenigen Hamburger Funktionären, die auch nach der Abspaltung der KAPD bei der KPD verblieben und war für sie bis Dezember 1920 Wanderredner. 1921 Sekretär des VKPD-Bezirks Wasserkante und bis Mai 1923 Redakteur der »Hamburger Volkszeitung«. Er kam 1921 (bis 1924) als Abgeordneter in die Hamburger Bürgerschaft. Auf dem VIII. Parteitag 1923 wurde Lindau, der auf dem linken Flügel der Partei stand, aber kein fanatischer Anhänger von Fischer-Maslow-Thälmann war, in die Zentrale der Partei gewählt. Dort erhielt er, da er von der Brandler-Führung und auch von der linken Opposition unterstützt wurde, die meisten Stimmen. Ab Mai 1923 war er Mitglied des Orgbüros der KPD in Berlin und Redakteur der Zeitschrift »Parteiarbeiter« sowie Herausgeber der »Kommunistischen Parteikorrespondenz«. Nachdem er zur Mittelgruppe übergeschwenkt war, blieb er bis Mai 1924 Polleiter des Bezirks Nordwest (Bremen). Im Mai 1924 mußte Wilhelm Deisen, der als Reichtagsabgeordneter gewählt worden war, zurücktreten, und Lindau erhielt dessen Mandat. Doch noch vor dem Zusammentritt des Reichstags wurde Lindau im Mai 1924 als Mitglied der Zentrale von 1923 verhaftet und verbrachte fast zwei Jahre in Untersuchungshaft. Im Dezember 1924 kein Reichstagsabgeordneter mehr, saß er länger im Gefängnis als alle anderen damals festgenommenen Führer der KPD. Da der vorgesehene Prozeß gegen die KPD-Zentrale von 1923 nie eröffnet wurde, kam er Ende 1925 wieder frei. Ab März 1926 Polleiter des Bezirks Wasserkante, trat energisch gegen Korruption und Mißwirtschaft auf, die schon seinerzeit Ernst Thälmanns Freunde in diesem Bezirk betrieben. Deshalb wurde er im Februar 1927 abgesetzt und John Wittorf zum Nachfolger ernannt. Lindau war 1927/28 nochmals Abgeordneter der Hamburger Bürgerschaft. Zunächst in der Agitpropabteilung des ZK, zeitweise auch Chefredakteur der »Bergischen Arbeiterstimme« in Remscheid. 1929/30 Mitarbeiter an der »Illustrierten Geschichte der deutschen Revolution«, im August 1930 Chefredakteur des »Kämpfers« in Chemnitz, im Dezember 1931 des »Illustrierten Volksechos« für Sachsen in Leipzig. Anfang 1933 Sekretär der BL Sachsen, hielt Lindau sich bis Januar 1934 in Ostsachsen auf. Ende Februar 1934 emigrierte er in die âSR, von dort in die Sowjetunion, wo er anfangs Lehrer an der Leninschule und später an Antifa-Schulen war. Sein Sohn Rudolf Lindau (*18.5. 1911) wurde am 10. Januar 1934 in Hamburg hingerichtet. Das Gericht beschuldigte ihn, als Funktionär des KJVD am »Altonaer Blutsonntag« im Juli 1932 SA-Leute erschossen zu haben. Lindau lehrte in der Sowjetunion und arbeitete im Nationalkomitee Freies Deutschland mit. 1945 zurückgekehrt, bis Oktober 1947 Hauptreferent in der Abteilung Parteischulung des ZK der KPD bzw. ab April 1946 des ZS der SED. Da er seine bedeutenden Funktionen schon Ende der zwanziger Jahre schrittweise verloren hatte, rückte er auch in der SED nicht mehr in den Vordergrund. Im Oktober 1947 wurde der wortkarge Altrevolutionär Direktor der Parteihochschule »Karl Marx«. Dort im Oktober 1950 abgelöst, Mitarbeiter am IML. Ein ZK-Beschluß beauftragte Lindau mit der Erarbeitung einer Thälmann-Biographie, die er nie fertigstellte. Zur Geschichte des Kommunismus publizierte er einige Broschüren (»Probleme der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung«, Berlin 1947 und »Revolutionäre Kämpfe 1918/19«, Berlin 1960). Die letztere Arbeit wurde von Walter Ulbricht und dessen Anhängern angegriffen und Lindau als »Dogmatiker« verdammt. Er hatte – im Gegensatz zu den damaligen SED-Thesen – die Novemberrevolution 1918 in Deutschland noch immer als sozialistische und nicht als bürgerliche Revolution bezeichnete. Der starrköpfige Lindau hat allerdings (als einziger der angegriffenen Historiker) jede »Selbstkritik« verweigert. Dennoch bekam er von der SED zahlreiche Auszeichnungen, darunter 1958 den Karl-Marx-Orden. Rudolf Lindau starb am 18.Oktober 1977 in Ost-Berlin.Ilko-Sascha Kowalczuk

Wer war wer in DDR

Lindner, Gerhard

* 26.2.1930

Geb. in Thalheim (Krs. Stollberg); Vater Bauarb.; Volks- u. Mittelschule; 1945/46 Wald- u. Landarb.; 1946 FDJ; 1946/47 Arbeiter beim Betriebsschutz des VEB Feinpappwerke Thalheim; 1947 – 49 Abitur an der ABF Leipzig; 1948 SED; Studium der Rechtswiss. 1949 – 51 an der Univ. Leipzig, 1951 – 56 an der Leningrader Staatl. Univ., Dipl.-Jurist; ab 1956 Mitarb. des MfAA, 1956/57 Referent, 1958 – 61 pers. Referent, 1961 – 64 kommissar. Abt.-Ltr. 1962/63 Ltr. der 4. Europa-Abt. (Nordeuropa) im Min. für Ausw. Angelegenh. (Nachf. von  Herbert Krolikowski); 1964/65 Botschaftsrat in Prag; 1965 – 68 Rat an der DDR-Handelsvertretung in Dänemark; 1968 – 71 stellv. Ltr. der Abt. Nordeuropa des MfAA; 1971 Prom. zum Dr. phil.; 1971/72 Ltr. der DDR-Handelsvertretung in Dänemark (Nachf. von Friedrich Wonsack); 1977 – 82 Botschafter der DDR in Australien u. Neuseeland (Nachf. von Hans Richter), 1984 – 89 Botschafter der DDR in Großbritannien u. ab 1985 auch in der Rep. Irland (Nachf. von  Martin Bierbach).Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Lingner, Reinhold

* 27.6.1902 – ✝ 1.1.1968

Geb. in Berlin-Charlottenburg; Vater Architekt; Gymn. in Berlin-Charlottenburg; 1919 – 21 Ausb. zum Gärtner in den Spätschen Baumschulen Treptow; 1923 – 25 Gasthörer an der TH Stuttgart bei Paul Schmitthenner, Mitarb. in dessen Architekturbüro; 1927 Staatl. Geprüfter Gartenbautechniker; 1927 Entwurf für Soldatenfriedhöfe bei der Amtl. Dt. Kriegsgräberfürsorge in Belgien; 1932 Staatl. Dipl. als Gartenbauinspektor; 1933 mit seiner Frau Alice L. nach Belgien, Mitarb. im Gartenbaubüro von Frank Erich Carl; 1936 Rückkehr nach Dtl. aus finanziellen Gründen, 1937 – 42 Mitarb. im Büro des Gartenarchitekten Paul Roehse in Gütersloh; 1942 freischaff. Architekt in Eichenbrück / Wartheland (Polen); 1944/ 45 Dienstverpflichtung im Unternehmen Todt zur Durchführung militär. Tarnpflanzungen. 1945 Ltr. des Hauptamts für Grünpflanzung beim Magistrat von Groß-Berlin, Planung im Arbeitsstab von Hans Scharoun, u. a. für den zerstörten Großen Tiergarten, erste Entwürfe für Buckow, Pankow-Schönholz u. a.; 1947 –50 Ltr. der Abt. Landschaft des Inst. für Bauwesen der DAW (1950 Auflösung des Amts); 1949 Grünflächenplanung für den Kollwitzplatz Berlin; 1950 – 58 Ltr. der Abt. Grünplanung des Inst. für Städtebau u. Landesplanung der DBA; 1951 / 52 Ltr. des Projekts Pionierrep. »Wilhelm Pieck« Altenhof / Werbellinsee; 1951 – 58 Mitgl. der DBA; 1951 Gedenkstätte der Sozialisten in Berlin-Friedrichsfelde; 1950 – 52 Federführung beim Projekt »Landschaftsdiagnose der DDR«; 1951 zus. mit  Selman Selmanagic Walter-Ulbricht-Stadion (später »Stadion der Weltjugend«, 1990 abgerissen), 1950 – 52 Erneuerung des Schloßparks Niederschönhausen (Pankow), Amtssitz des Präsidenten der DDR; 1952 1. Preis im Wettbewerb Ehrenhain Buchenwald (zus. mit  Fritz Cremer,  Kunz Nierade u.  Bertolt Brecht); 1953 / 54 Erholungsheim Prieros; 1958 – 61 Chefarchitekt der 1. Internat. Gartenbauausstellung (iga) in Erfurt; Mitarb. an den Planungen für Hoyerswerda u. Eisenhüttenstadt; 1961 Prof. mit Lehrauftrag an der HU Berlin; 1962 NP; Ltr. des Inst. für Gartengestaltung u. der Fachrichtung Garten- u. Landeskultur an der HU Berlin; 1962 – 67 Prof. für Gartengestaltung an der HU Berlin; gest. in Berlin.Landschaftsgestaltung. Berlin 1952 (mit A. Lingner); Landschaftsdiagnose der DDR. Berlin 1955 (mit F. E. Carl); Kulturpark Treptow. Berlin 1957; Die Bauten der Internat. Gartenbauausstellung Erfurt, iga 1961. Erfurt 1961. Novak, K.: Die Entw. der Garten- u. Landschaftsarchitektur in der DDR bis Ende der 60er Jahre – dargestellt am Lebenswerk R. L.s. Diplomarbeit, TU Berlin 1989; Fibich, P.: Gedenkstätten. Diss., TU Dresden 1998; Barth, H., Topfstedt, T. u. a.: Vom Baukünstler zum Komplexprojektanten. Architekten in der DDR. Erkner 2000; Hoffjan, T. u. a.: Freiraum komplex. Berlin 2003; Stadt u. Grün. Hrsg. vom Dt. Städtetag. Zum 100. Geburtstag von R. L. Hannover – Berlin 2003; Durth, W. u. a.: Architektur u. Städtebau der DDR. Berlin 2007.Volker Wagner

Wer war wer in DDR

Links, Roland

* 1.3.1931 – ✝ 31.3.2015

Geb. in Kotzman (Krs. Czernowitz, Rumänien); Vater Rechtsanwalt; 1940 Umsiedl. nach Dtl.; OS, 1950 Abitur in Wittenberge. 1950 – 54 Studium der Germanistik, Geschichte u. Kunstgeschichte an der Landes-HS Brandenb./PH Potsdam; 1948 – 90 Kulturbund, 1954 – 78 zunächst Lektor, dann ltd. Lektor im Verlag Volk u. Welt Berlin; 1968 – 91 SED/ PDS; 1972 – 90 Mitgl. der Zentr. Kommission für Literatur beim Bundesvorstand des Kulturbundes; 1978/79 freiberufl.; 1979 – 90 Ltr. der Verlagsgr. Kiepenheuer Leipzig (Gustav Kiepenheuer Verlag, Insel Verlag Anton Kippenberg, Paul List Verlag, Dieterich’sche Verlagsbuchhandlung), 1980 – 90 Börsenverein der Dt. Buchhändler zu Leipzig, dort 1986 – 90 im Vorstand (Stellv. des Vorsitzenden, Ltr. der Kommission Buchkunst); 1990 Mitglied des neu gewählten Vorstandes, der die Vereinigung mit dem Frankfurter Börsenverein vorbereitete; 1990 Geschäftsf. des Insel Verlags Leipzig; 1992 Ruhestand; gest. in Leipzig. 1990 – 2008 Mitgl. des Kuratoriums der Dt. Gesellschaft e.V., 1995 – 99 dort Vors. des Bildungswerks Sachsen; 1993 – 2001 im Vorstand der Kurt-Tucholsky-Ges.; 1996 – 2005 Mitarb. in der Kurt-Tucholsky-Forschungsstelle an der Univ. Oldenburg; lebt als Publizist u. Literaturhistoriker in Leipzig. Maßgebl. an der Edition internat. Lit. des 20. Jh. beteiligt; Hrsg. u. Mithrsg. der Werkausgaben von Kurt Tucholsky, Alfred Döblin, Jura Soyfer, W. M. Diggelmann, Karl Kraus, Erich Mühsam u. a.; Kritiker, Publizist u. Literaturhistoriker.Alfred-Döblin-Biogr. Berlin 1964, München 1981; Über Schweizer Literatur. Zürich 1976; Kurt-Tucholsky-Biogr. In: Tucholsky für unsere Zeit. Berlin 1990; Fenster zur Welt. Eine Geschichte des DDR-Verlages Volk und Welt. (Mitarb.) Berlin 2003. Hans Mayer, der engagierte Beobachter – Leitbild und Warnung. In: Treibhaus. Jahrbuch für die Literatur der 50er Jahre. München (2008) 4.Frank Wagner / Christoph Links

Wer war wer in DDR

Lippert, Wolfgang

* 16.2.1952

Geb. in Berlin; Vater Kapellmeister (Walter-Lippert-Tanzorchester); Ausbildung zum Kfz-Mechaniker u. Arbeit als Fotograf, Tontechniker beim Gerd-Michaelis-Chor; 1978 – 80 Klavier- u. Gesangsausb. an der Musikschule Berlin-Friedrichshain, danach Tournee mit eigner Band, Auftritte als Gesangsinterpret u. Studiochorsänger bei Rundfunk- u. Schallplattenaufnahmen; 1982 Durchbruch als Schlagersänger mit dem Titel »Erna kommt« (im Westen von Hugo Egon Balder gecovert), weitere Erfolgstitel: »Aufstehn«, »Freunde für immer« (CD 1992), »Tutti Paletti«; 1983 erste TV-Revuesendung »Meine erste Show«, seitdem Moderator versch. TV-Unterhaltungssendungen: 1983 – 86 Kinderspielshow »He Du!«, 1988 »Ein Kessel Buntes«, 1988 – 97 »Glück muß man haben« (nach 1990 im Ersten Programm der ARD weitergeführt), 1988 – 89 erster TV-Auftritt in der Bundesrep. Dtl. als Moderator der NDR-Spielshow »Stimmt’s?«; 1989 Fernsehliebling des Jahres. 1992 als Nachf. von Thomas Gottschalk Moderator von »Wetten, daß ...«, 1994 – 97 ZDF-Spielshow »Goldmillion«, 1997 – 99 »ZDF-Wintergarten«, 2001 ZDF-Reihe »Wilde Kaiser«; Mitwirkung in Fernsehfilmen, u. a. »Go Trabi Go 2«, »Marys verrücktes Krankenhaus«, »Der Weihnachtsschmaus«, »Der Osten lacht«; seit 2000 versch. Rollen bei den Störtebeker-Festspielen auf der Seebühne Ralswiek (Rügen), 2002 – 03 Rolle Jedermanns Guter Gesell in Brigitte Grothums Inszenierung von Hugo v. Hofmannsthals »Jedermann« im Berliner Dom; 2002 Single-CD »Doch jetzt geht’s wieder ab«; ab 2006 MDR-Show »Wo ist Lippi?«; 2006 Rolle als Weinverkäufer Gero Holler in ARD-Serie »In aller Freundschaft«.Jan Wielgohs

Wer war wer in DDR

Lisewski, Stefan

* 6.7.1933 – ✝ 26.2.2016

Geb. in Tczew (Polen, ehem. Dirschau / Westpreußen); Vater Beamter; Mutter Stenotypistin; Volksschule in Thorn (Torún, Polen), 1945 Flucht. Nach 1945 Goethe-OS in Schwerin, daneben Statist am Mecklenburg. Staatstheater Schwerin; 1954 Abitur; 1954 Bewerbung zum Studium an der Bergakad. Freiberg, Pro-Praktikum als Stahlkocher im Ernst-Thälmann-Werk Magdeburg; 1955 – 57 Schauspielstudium an der Staatl. Schauspielschule Berlin-Schöneweide; 1957 – 99 festes Engagement am Berliner Ensemble durch  Helene Weigel, wo er bald zu den wichtigsten Protagonisten gehörte; Hauptrollen in nahezu allen  Brecht-Stücken, berühmt etwa als Mackie Messer in der »Dreigroschenoper«, als Dogsborough in »Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui« in der  Heiner Müller-Insz. von 1995; wichtige Arbeit als Gleb Tschumalow in »Zement« von H. Müller; Zusammenarbeit mit den Theater-Regisseuren u. Bühnenbildnern  Erich Engel,  Peter Palitzsch,  Manfred Wekwerth,  Fritz Marquardt,  Ruth Berghaus,  Horst Sagert, Robert Wilson, Peter Zadek, Heiner Müller,  Einar Schleef, George Tabori; neben der Bühnentätigkeit erlangte er große Popularität durch Rollen in Kino- u. Fernsehfilmen der DEFA bzw. des DDR-Fernsehens; Leinwanddebüt als Jupp König in »Das Lied der Matrosen« 1958 (R.:  Kurt Maetzig u.  Günter Reisch); wurde zum Publikumsliebling durch zahlr. Hauptrollen, wie in  Slátan Dudows Gegenwartsfilm »Verwirrung der Liebe« (1959), »Wo der Zug nicht lange hält« (1960, R.: Joachim Hasler), als Johann van Beethoven in »Beethoven – Tage aus einem Leben« (1976, R.:  Horst Seemann); in den 1970er Jahren Konzentration auf die Bühnenkarriere, daneben aber auch weiterhin tragende Rollen in Kinderserien wie »Spuk unterm Riesenrad«, »Spuk im Hochhaus« (1979 / 1983, R.: Günther Meyer); seit 2000 Rollen an versch. Theatern im In- u. Ausland; gest. in Berlin.Dok.-Film »Dämmerung. Ostberliner Bohème der 50er Jahre« (1993, R.: Peter Voigt).Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Litke, Karl (Carl)

* 22.7.1893 – ✝ 20.2.1962

Geb. in Berlin; Vater Steindrucker; Volksschule; 1907 – 10 Ausbildung zum Steindrucker u. bis 1922 im Beruf tätig; 1907 Mitgl. der Vereinigung der Freien Jugendorg.; 1910 Verb. der Lithographen u. Steindrucker; 1912 SPD; 1914 – 18 Militärdienst; 1919 – 22 Vorstandsmitgl. u. 1922 – 26 Angest. der Ortskrankenkasse der Lithographen u. Steindrucker; 1921 – 33 Abg. der Bez.-Verordnetenvers. Berlin-Kreuzberg; 1923 – 33 2. Vors. des Bez.-Verb. Groß-Berlin u. 1931 Mitgl. des PV der SPD; 1927 – 33 Sekr. des Hauptverb. Dt. Krankenkassen e. V.; 1928 – 33 Abg. des Dt. Reichstags; 23.6.1933 verhaftet, Haft bis 18.12.1933 im Polizeipräs. Berlin, Gefängnis Berlin-Spandau u. im KZ Brandenb. (Havel); zeitw. als Handelsvertreter tätig; 1939 – 42 Ltr. der Rechtsabt. der Ges. für Kundenkredit u. Finanzierung; 1942/43 Geschäftsf. der Textilgroßhandelsfirma »Bender & Co«; 1943 – 45 techn. Ltr. der Lichtpauserei »Lehniger«. Juni 1945 – April 1946 Beisitzer im ZA der SPD; Juli 1945 HA-Ltr. der Großberliner Versicherungsanstalt; Aug. 1945 – Juni 1946 Ministerialdir. u. Ltr. der Abt. Verw., Haushalt u. Finanzen der Dt. Verw. für Arbeit u. Sozialfürsorge; April 1946 – Okt. 1948 Parität. Vors. u. Sekr. des SED-Landesvorst. Groß-Berlin; Okt. 1946 – Herbst 1948 Mitgl. der Stadtverordnetenvers. u. Vors. der SED-Fraktion; 1946 – 50 Mitgl. des PV, 1950 – 54 Kand. des ZK der SED; ab 1.11.1948 stellv. Ltr. der Hauptverw. Arbeit u. Sozialfürsorge der DWK; ab 1.1.1950 – 22.9.1951 Ltr. der HA Arbeit im Min. für Arbeit u. Gesundheitswesen; 23.9.1951 – 31.3.1953 Ltr. der HA Arbeitsschutz im Ministerium für Arbeit; infolge schwerer Erkrankung ab 1.4.1953 invalidisiert; 1954 – 56 Mitgl. der Revisionskommission im ZA u. 1956 – 61 Mitgl. des Präs. der Volkssolidarität; 1955 VVO; 1960 Banner der Arbeit.In deiner Sache, Berlin. Das Wirken der SED-Fraktion. Berlin 1947.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Lochthofen, Sergej

* 24.8.1953

Geb. in Workuta (Sowjetunion); Vater der in Workuta inhaftierte dt. Kommunist  Lorenz Lochthofen; 1958 Übersiedl. in die DDR, 1970 Schulabschluß; anschl. Kunstschule u. Kunststudium auf der Krim; verweigert dort mit Hinweis auf seine dt. Wurzeln den Militärdienst; zurück in der DDR verweigert er als Halbrusse mit sowj. Paß den NVA-Dienst u. die Mitgliedschaft in der SED; 1971 – 73 Volontariat bei der SED-Bezirksztg. »Das Volk« Erfurt; 1973 – 77 Journalistikstudium an der KMU Leipzig, Dipl.-Journalist.; 1977 – Anf. 1990 Nachrichtenredakteur bei der Ztg. »Das Volk«, Jan. / Febr. 1990 Mitgl. des Redaktionsrats der in »Thüringer Allgemeine« umbenannten Zeitung, Febr. 1990 Wahl zum Chefred. der »Thüringer Allgemeinen« Erfurt (Nachfolger von  Werner Herrmann), in dieser Funktion bis 2009 tätig.Hinck, G.: Eliten in Ostdeutschland. Berlin 2007.Kirsten Nies

Wer war wer in DDR

Loewig, Roger

* 5.9.1930 – ✝ 4.11.1997

Geb. in Striegau (Niederschles./Strzegom, Polen); Volksschule u. Gymnasium in Oels (b. Breslau) u. Jarotschin (b. Posen). Nach 1945 Holzfäller u. Landarb. in der Lausitz; ab 1951 in Berlin; Beginn der künstler. Arbeit als Autodidakt; 1951 – 53 Studium am Inst. für russ. Sprache; 1953 – 63 Lehrer für Geschichte, Dt. u. Russ. in Berlin, entlassen; zeichner. u. schriftst. Arbeiten; 1962 wurde eine zur 5. Dt. Kunstausstellung eingereichte Lithografien-Folge zurückgewiesen; 1963 erste Ausstellung im privaten Freundeskrs., aus diesem Grund am 15.8.1963 wegen »staatsgefährdender Umtriebe, Hetze u. Prop.« durch das MfS verhaftet; Beschlagnahme von künstler. Arbeiten, Manuskripten u. Büchern; bis 1964 U-Haft in Berlin-Pankow; zu zwei Jahren Gefängnis auf Bewährung verurteilt; 1964 freiberufl. künstler. tätig; 1966 Mitgl. im VBKD, aber Druckverbot für Grafik, Ausstellungs- u. Publikationsverbot; Ausstellung im Kunstkabinett des Inst. für Lehrerweiterbildung in Berlin-Pankow; erste größere Ausstellung in Warschau, Verbot der Reise zur Eröffnung; Gründung der Roger-Loewig-Ges. in Bonn; 1967 Ausreiseantrag; Preisträger der II. Internat. der Zeichnung, Darmstadt; 1971 Austritt aus dem VBK; 12.1.1972 Übersiedl. nach Berlin (West); 1973 Gast der Villa Massimo Rom; Reisen durch Europa, nach Israel u. Mexiko; keine Einreisegenehmigung in die DDR; zahlr. Ausstellungen vorwiegend in der Bundesrep. Dtl.; 1985 Schenkung von 150 Arb. an das Nationalmus. Warschau; 1987 Verbot d. Durchreise durch die DDR zur Eröff. der Ausstell. in Warschau; 1988 Ausstell. in der Berlinischen Galerie in Berlin (West); gest. in Berlin.Insektenbuch. Hannover 1968; Texte zum Ikarus-Zyklus. Köln 1969; Mein Mund webt ein Fangnetz für den Tod. Burgdorf 1971; Licht u. Schatten. Erfahrungen eines Dt. Künstlers in Ost u. West. Sankelmark 1978; Sei ein Himmel gnädig meiner späten Ernte. Berlin 1978; Porträt einer Landschaft in Bild u. Wort: 1988 – 93. Berlin 1993. Kat. R. L. Dunkelland. Zeichnungen 1965 – 72. Galerie Brusberg Hannover 1972; Kat. R. L. Verwundbare. Städt. Galerie Albstadt 1984 (mit Texten von R. L. u. Bibl.); Kat. R. L. Neuer Berliner Kunstver. 1984; Kat. R. L. Muzeum Narodowe Warschau 1986; Kat. R. L. Berlinische Galerie. Berlin 1988 (mit Bibl.); R. L. Geleit zu einer Ausstellung druckgrafischer Arbeiten von R. L. in Königsberg-Kaliningrad 1994. Berlin 1994.Anke Scharnhorst / Bernd-Rainer Barth

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Lohagen, Ernst

* 12.5.1897 – ✝ 2.11.1971

Geboren am 12. Mai 1897 in Elberfeld; Laufbursche, dann Hilfsarbeiter. 1912 Mitglied der Arbeiterjugend, während des Krieges Anhänger der Spartakusgruppe in Elberfeld. 1918 als Soldat eingezogen, nach der Revolution in den Straßburger Soldatenrat gewählt. Seit Gründung der KPD Mitglied der Partei, Orgleiter der FSJ von Rheinland und Westfalen. 1920 Mitglied im Stab der Roten Ruhrarmee, Januar 1921 verhaftet, aber im März 1921 vom Sonderkriegsgericht in Kassel freigesprochen. Ostern 1921 gehörte er zur Leitung des Aufstandes (März-Aktion) in Wuppertal. Nach der Niederschlagung flüchtete er nach Berlin und lebte dort bis 1922 unter dem Namen Peter Paulsen. Anschließend in Kassel Redakteur der »Arbeiterzeitung« von Hessen-Kassel. Im Januar 1924 erneut festgenommen und wegen »Verstoßes gegen das KPD-Verbot« bis September 1924 im Zuchthaus. Danach Polleiter von Hessen-Kassel, 1926 Mitglied des Provinziallandtages von Hessen-Waldeck, 1927 der Kasseler Stadtverordnetenversammlung. Lohagen schloß sich der ultralinken Opposition an, die er auf dem X. Parteitag 1925 vertrat. Da er sich Ende 1925 von der Opposition löste, im Februar 1928 erneut Polleiter des Bezirks Hessen-Kassel. Im September 1930 (im Wahlkreis Hessen-Nassau) in den Reichstag gewählt, dem er bis Juli 1932 angehörte. Mitte 1931 in Kassel abgesetzt, ohne daß die anderen Funktionäre den Grund erfuhren, er wurde 1932 Instrukteur der Reichsleitung des illegalen RFB in Berlin. Im April 1933 verhaftet, er kam in das KZ Neu-Sustrum und ab Januar 1934 in das Lager Börgermoor. Nach seiner Freilassung im April 1934 (er hatte die übliche Erklärung unterschrieben, sich »nicht mehr staatsfeindlich zu betätigen«) wieder Polleiter der illegalen KPD Bezirk Hessen-Kassel. Im Juni 1935 wurde er gemeinsam mit seiner Frau Paula Lohagen, geborene Niewöhner (* 17. 1. 1897 in Bielefeld), festgenommen. Sie war seit 1919 Mitglied der KPD, gehörte seit 1926 ebenfalls der BL Hessen-Kassel an und blieb bis 1933 als Redaktionssekretärin an der »Volkswacht« in Bielefeld. Paula Lohagen wurde 1935 zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt und 1942 im KZ Auschwitz ermordet. Ernst Lohagen saß bis 1938 in U-Haft, wurde im Januar 1938 vom VGH zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt und im April 1945 von Einheiten der US-Armee aus dem KZ Lengefeld befreit. Er ging nach Zwickau und baute bis August 1945 die KPD in Zwickau und im Vogtland wieder mit auf. Im August 1945 Vorsitzender der KPD Leipzig, im April 1946 dann der SED. Von 1948 bis Anfang 1952 war er Landesvorsitzender bzw. 1.Sekretär der SED in Sachsen. Lohagen wurde imFebruar 1949 im Westen wegen seiner Haltung während der Nazizeit angegriffen. Das SED-Zentralorgan »Neues Deutschland« verteidigte ihn am 24. Februar 1949 unter der Überschrift: »Gegen eine politische Verleumdung«. Von der Personalpolitischen Abteilung des PV der SED wurde die illegale Arbeit und das untadlige Verhalten Lohagens gelobt. 1950 Mitglied des ZK der SED, tat er sich auffallend bei der Stalinisierung der sächsischen SED hervor. Besonders heftig griff er den rechten Altkommunisten Arthur Lieberasch an. Doch am 21. Dezember 1951 wurde er überraschend in der sowjetischen Zeitung »Tägliche Rundschau« beschuldigt, »Kritik und Selbstkritik« zu unterbinden. Einen kritischen Artikel des Volkskorrespondenten Müller an seiner Arbeitsweise hatte Lohagen damit beantwortet, daß er Müller entließ. Daraufhin schlug der »Fall Lohagen« große Wellen, er war als Sündenbock für eine Kampagne ausersehen. Obwohl er »die Kritik der ?Täglichen Rundschau? eine Lehre und Hilfe für mich«, nannte, in einem Artikel alle vorgebrachten Vergehen bestätigte, ging die Aktion gegen ihn weiter. Am 25. Januar 1952 richtete die »Leipziger Volkszeitung« »Ein Wort an den Gen. Lohagen!« Nunmehr bekannte er am 21.Februar 1952, seine Selbstkritik sei »falsch und unzulänglich« gewesen, er habe wegen seiner »Selbstherrlichkeit« eine »Kette von Fehlern« begangen. Ungeachtet dieser erneuten Unterwerfung schloß ihn die SED-Führung am 23.Februar 1952 aus dem ZK aus. Allerdings meinte Walter Ulbricht am 11.März 1952: »Die Sache mit dem Verhalten des Genossen Lohagen ist nicht abgeschlossen.« Da Lohagen früher einmal bei der ultralinken Opposition stand, drohten ihm härtere Maßnahmen; im Mai 1952 erhielt er eine Rüge wegen »parteischädigenden und eines führenden Funktionärs unwürdigen Verhaltens«, wurde im Juni auch aus der SED-Landesleitung Sachsen ausgeschlossen und mußte sofort sein Mandat in der Volkskammer niederlegen. Lohagen wurde zum Leiter der Bezirksfinanzkommission Potsdam degradiert, ab September 1955 Vorsitzender des Rates des Kreises Pritzwalk. Seit 1958 hatte er keine Funktion mehr. Mit dem VVO in Gold ausgezeichnet, Parteiveteran in Belzig. Ernst Lohagen starb am 2.November 1971 in Bad Saarow.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

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Lohmeyer, Ernst

* 8.7.1890 – ✝ 19.9.1946

Geb. in Dorsten (Westfalen); Vater Pfarrer; Schulbesuch in Vlotho u. Herford, dort 1908 Abitur; anschl. Studium der Theol., Philos. u. oriental. Sprachen in Tübingen, Leipzig, u. Berlin; 1914 Prom. in Berlin; 1912 Hauslehrer b. Graf Bethusy-Huc in Gaffron (Schles.); 1912 Lizentiat der Theol. in Berlin; 1914 – 18 Soldat; 1918 Habil. mit der Schrift »Vom göttl. Wohlgeruch« bei Martin Dibelius in Heidelberg, dort anschl. Privatdoz.; 1920 außerord. Prof. für Neues Testament in Breslau; 1923 u. 1929 Dekan der Theolog. Fak., 1930 – 31 Rektor der Univ. Breslau; Mitgl. der Bekennenden Kirche; 1935 Strafversetzung wg. antinationalsozialist. Verhaltens u. Gesinnung nach Greifswald; 1936 ord. Prof. für Neues Testament u. Dir. des Theolog. Seminars der EMAU Greifswald; 1939 – 43 Offizier der Wehrmacht, u. a. in der Ukraine (Kubangebiet); 1943 Wiederaufnahme der Universitätstätigkeit in Greifswald; 1945 Beteiligung an der kampflosen Übergabe Greifswalds an die Rote Armee. 3.5.1945 Prorektor, 15.5.1945 Rektor der EMAU Greifswald (Nachf. von Carl Engel); Gründungs- u. Vorstandsmitgl. der Demokrat. Partei (DP); nach Fusion der DP mit CDU Vorstandsmitgl. der CDU Greifswald; Gründungs- u. Vorstandsmitgl. des Greifswalder Hochschullehrerbunds für demokrat. Erneuerung der Univ.; wg. Gründung der Universitätswerke u. Plänen zur Umstrukturierung der Fakultäten, starken bürgerl. Strömungen in Greifswald u. zögernder Entnazifizierung Konflikte mit der Mecklenburg. Landesreg. u. örtl. KPD-Ltg., Denunziation u. Entlassung als Rektor am Vorabend der Universitätseröffnung am 14.2.1946; Verhaftung durch die sowj. Besatzungsmacht, Anklage wg. Kriegsverbrechen an der sowj.-kosakischen Bevölkerung u. Verurteilung zum Tode; gest. im Lager Neubrandenburg-Fünfeichen. 1996 Rehabilitierung durch die russ. Regierung. Werk: L.s Untersuchungen zu sozialen und gemeinschaftl. Elementen des Christentums sind durch M. Weber beeinflußt; Einfluß des George-Kreises in L.s Übersetzung der Johannes-Apokalypse; Lohmeyers Werk ist ein frühes Beispiel des Übergangs von form- zu redaktionsgeschichtl. Methode in der Bibelexegese.Soziale Fragen im Urchristentum. 1921; Vom Begriff der religiösen Gemeinschaft. 1925; Die Offenbarung des Johannes. 1926; Das Urchristentum. 1932; Das Evangelium des Markus 1937; Kultus und Evangelium. 1942. Otto, F. (Hrsg.): Freiheit in der Gebundenheit: zur Erinnerung an den Theologen E. L. anlässlich seines 100. Geburtstages. Göttingen 1990; Köhn, A.: Der Neutestamentler E. L. Tübingen 2004.

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Loquingen, Peter

* 14.8.1898 – ✝ 31.1.1965

Geboren am 14. August 1898, Sohn eines Modelltischlers in Düsseldorf; Fabrikarbeiter. 1919 Mitglied der SPD, Ende des Jahres Übertritt zur USPD, ging 1920 mit deren linkem Flügel zur KPD. In der Partei Anhänger der Linken, seit 1924 hauptamtlicher Funktionär, Sekretär der KPD in Hagen. Im gleichen Jahr zog er als jüngster Abgeordneter in den Preußischen Landtag ein. Während der innerparteilichen Auseinandersetzungen schloß sich Loquingen 1925 den Ultralinken an. Er wurde als Vertreter der Korsch-Gruppe am 19. August 1926 aus der KPD ausgeschlossen. Loquingen behielt sein Landtagsmandat bis 1928 und gehörte zur Leitung der Korsch-Gruppe, bis diese sich auflöste. Als Pächter einer Gastwirtschaft zog Loquingen 1929 ins Saargebiet, bis er 1932 ausgewiesen wurde. Später ging er als Vertreter (Seifenhandel) ins Saargebiet zurück, war dort bei der »Deutschen Front«. 1935 Übersiedlung nach Neuß, wo er sich politisch nicht mehr betätigte. 1936 gemustert und als Soldat eingezogen, kam er von 1936 bis 1938 zur Feldartillerie in Magdeburg und war anschließend wieder als Reisender tätig. Im Zweiten Weltkrieg erneut eingezogen, geriet Loquingen bei Kriegsende in amerikanische Gefangenschaft und wurde dann den Franzosen überstellt. Er kehrte 1946 zurück und ließ sich in Düsseldorf als selbständiger Einzelhandelskaufmann nieder. Politisch nicht mehr organisiert, da er die Haltung beider Mächtegruppen in Ost und West für falsch hielt. Peter Loquingen starb am 31. Januar 1965 in Düsseldorf.

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Lindemann, Bruno

* 3.4.1927

Geb. in Mönchhagen (Krs. Rostock-Land); Vater Landarb.; 1933 – 41 Volksschule; 1941 – 43 Musikschule; 1943 / 44 Musiker in der Organisation Todt; 1945 Transport- u. Sägereiarb. 1945 SPD, 1946 SED, FDJ; 1945 / 46 Briefbote; 1946 / 47 Student an der Musikhochschule Rostock; 1947 – 50 Instrukteur der FDJ-KL Rostock; 1950 / 51 Instrukteur der SED-KL Rostock; 1952 Ltr. der Abt. Agit. u. Prop. der SED-KL Rostock u. Rostock-Land; 1952 – 54 Sekr. für Agit. u. Prop. der SED-KL Bad Doberan; 1954 / 55 Lehrgang an der SED-PHS; 1955 – 58 Instrukteur u. Sektorltr. im ZK der SED; 1958 – 61 1. Sekr. der SED-KL Ludwigslust; 1961 – 64 Studium an der PHS der KPdSU in Moskau, Dipl.-Gesellschaftswiss.; 1964 – 74 1. Sekr. der SED-KL Perleberg; 1974 – 81 2. Sekr. der SED-BL Schwerin; 1981 – 90 Vors. des Bezirkskomitees Schwerin der ABI.Mario Niemann

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Lindner, Lothar

* 13.1.1928

Geb. in Chemnitz, Vater Maurer; Volksschule, 1942 – 44 Ausbildung zum Maurer; 1944/45 Luftwaffenhelfer u. RAD. 1945/46 Beendigung der Ausbildung u. tätig als Maurer in Baugeschäften in Limbach u. Chemnitz; 1945/46 FDGB; 1947 SED; 1947 Jugendsekr. im Landesvorst. Sachsen der IG Bau-Holz; 1947/48 Jugendsekr. im Bundesvorst. des FDGB; 1948/49 Sekr. für Schulung im Zentralvorst. der IG Bau-Holz; 1950/51 Vors. des Landesvorst. der IG Bau-Holz in Sachsen-Anh.; Jan. 1951 – Okt. 1953 stellv. Vors. u. Mitgl. des Sekr. des ZV der IG Bau-Holz; Okt. 1953 Parteistrafe »Verwarnung« wegen »Unterstützung des Forderungsprogramms der IG Bau-Holz« vom Juli 1953 (Vorwurf des »Ökonomismus u. Sozialdemokratismus«), Entbindung als stellv. Vors. u. Delegierung zum Einjahreslehrgang 1954/55 an die PHS; 1955 – 58 Abt.-Ltr. im Bundesvorst. des FDGB; 1958 – Febr. 1990 Vors. des Zentralvorst. der IG Bau-Holz (Nachf. von Walter Tille); 1959 – Dez. 1989 Mitgl. des Bundesvorst. des FDGB, 1961 – 63 des Sekr., 1959 – 63 u. 1968 – Nov. 1989 des Präs.; 1976 Kand. u. 1981 – 89 Mitgl. des ZK der SED; 1960 – 90 Präs. bzw. Vizepräs. der Internat. Vereinigungen der Gewerkschaften der Werktätigen der Bau-, Holz- u. Baustoffindustrie im WGB, 1961 – 90 Mitgl. des WGB-Gen.-Rats; 1974 Held der Arbeit, 1964, 1978 u. 1988 VVO.Die Interzonenkonferenzen der Baugewerkschaften. Frankfurt (Main) 1998; Die IG Land- u. Forstwirtsch. in der sowj. Besatzungszone 1945 – 49. Frankfurt (Main) 2000.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

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Linke, Dietmar

* 12.8.1944

Geb. in Breslau (Wrocław, Polen); Vater Konzertmstr.; 1963 Abitur in Senftenberg; anschl. bis 1968 Studium der Theol. an der HU Berlin; 1964 Wehrdienstverweigerung; 1969/70 Vikar in Luckenwalde; 1970/71 Predigerseminar in Wittenberg; anschl. Pfarrer in Meinsdorf (Krs. Jüterbog); Mitgl. der Synode Berlin-Brandenb.; 1978 – 83 Pfarrer in Neuenhagen (b. Berlin); 1982 Mitbegr. der »Friedenswerkstatt« Berlin; 1983 Mitinitiator der Aktion kirchl. u. opp. Friedensgr. »Fasten für das Leben« in der Berliner Erlöserkirche (6. – 12.12.); 1.9.1983 als Teilnehmer einer Lichterkette opp. Gruppen vor der Botschaft der USA in Berlin festgenommen, 22.12.1983 Ausbürgerung u. Nötigung zur Ausreise nach Berlin (West); bis 1987 Berufsverbot als Pfarrer durch Entzug der Ordinariatsrechte; Ref. im Gesamtdt. Inst.; seit 1987 Pfarrer der Kapernaum-Kirchgemeinde in Berlin-Wedding; 1996 Vorruhestand; publizist. Tätigkeit.Niemand kann zwei Herren dienen – Als Pfarrer in der DDR. Hamburg 1988; Streicheln, bis der Maulkorb fertig ist – Die DDR-Kirche zw. Kanzel u. Konspiration. Berlin 1993; Theol.-Studenten der HU Berlin zw. Hörsaal u. Anklagebank. Neukirchen-Vluyn 1994.Ehrhart Neubert

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Linnemann, Gerhard

* 13.4.1930 – ✝ 11.12.2001

Geb. in Oschersleben; Volks- u. Oberschule, Lehre als Industrie-Elektromechaniker; 1950 – 53 Studium an der Ing.-Schule für Schwermaschinenbau Magdeburg; SED; 1955 Studium der theoret. Elektrotechnik an der HS für Elektrotechnik in Ilmenau, anschl. dort Assistent, Oberassistent u. Doz.; 1963 Prom. zum Dr.-Ing.; 1970 Honorarprof., 1971 Prof. für Informationstechnik an der TH Ilmenau; 1967 – 71 Techn. Dir. des VEB Transformatorenwerk »Karl Liebknecht« in Berlin; 1971 NP (im Koll.); 1972 – 85 Rektor der TH Ilmenau (Nachf. von Karl-Heinz Elster); 1974 – 86 Mitgl. der SED-BL Suhl; 1990 Vorruhestand; gest. in Ilmenau.Andreas Herbst / Dieter Hoffmann

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Lippmann, Frieder

* 3.9.1936

Geb. in Dorfchemnitz (Krs. Brand-Erbisdorf); 1943 – 1955 Grund- u. OS, Abitur; Hauer im sächs. Steinkohlen- u. Erzbergbau; Studium an der Bergingenieurschule Zwickau, 1960 Dipl.-Ing.; 1960 – 65 Steigerdienst bei der VEB Maxhütte in Schmiedefeld (Krs. Neuhaus); Fernstudium an der Bergakad. Freiberg; 1965 – 90 wiss. Mitarb., Projektant u. Gruppenltr. Projektierung im Forschungsinst. für Roheisenerzeugung bzw. wiss.-techn. Inst. Bau in Unterwellenborn (Krs. Saalfeld); 1989 SDP, Vors. der Ortsgr. Saalfeld; ab Jan. 1990 SPD-Vors. des Unterbez. Saalfeld, später stellv. Vors. des SPD-Kreisvorst. Saalfeld / Rudolstadt; März – Okt. 1990 Mitgl. der Volkskammer; Mitgl. des SPD-Landesvorst. Thür. 1990 – 2004 Mitgl. des Thür. Landtags, 1990 –94 stellv. Vors., 1994 – 99 Vors. der SPD-Frakt., danach deren wirtschaftspolit. Sprecher.Helmut Müller-Enbergs

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Lisiecki, Dietrich

* 23.11.1937

Geb. in Merseburg; Vater Maschinist, Mutter Anlagenfahrerin; Grundschule; 1951 FDJ; 1952 – 55 Ausbildung zum Junghauer im Lehrkombinat Mücheln; 1955 Arbeiter im VEB Chem. Werke Buna; 1955 – 57 NVA; 1957 – 62 Kraftfahrer bei der NF u. der FDJ-KL Merseburg; 1959 SED; 1962 – 70 Ofenbrigadier bzw. Meister in den Buna-Werken (Abstichmann, später Jugendbrigadier); 1969 Meisterabschluß; 1970 – 72 Studium am Industrie-Inst. der TH für Chemie Leuna-Merseburg (THC), Dipl.-Ing.-Ökonom; 1972 – 76 wiss. Sekr. an der THC; 1976 Prom. zum Dr. oec.; 1976 – 84 HA-Ltr. Kader der Buna-Werke; 1978 – 80 Fernstudium an der SED-BPS Ballenstedt; 1984 – 86 Betriebsdir. Carbid, 1986 / 87 Produktionsltr., 1987 – 90 GD des VEB Kombinat Chem. Werke Buna (Nachf. von Hans-Joachim Kozyk); zeitw. Mitgl. der SED-KL Buna; 1980 Banner der Arbeit.Andreas Herbst

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Lobedanz, Reinhold

* 29.8.1880 – ✝ 5.3.1955

Geb. in Schwerin; Vater Oberlehrer; 1887 – 90 Vorbereitungsschule, 1890 – 99 Gymnasium in Schwerin, Abitur; 1899 – 1903 Studium der Rechts- u. Verw.-Wiss. in Heidelberg, Leipzig u. Rostock; Mitgl. der schlagenden Verbindung Corps Lusatia; 1903 Prom. zum Dr. jur.; 1903 – 07 Ausbildung an Gerichten, Staatsanwaltschaften u. in Rechtsanwaltspraxen in Ostendorf (b. Schwerin u. Rostock); 1903 Erste jur. Prüfung; 1907 Zweite jur. Prüfung; 1907 Gerichtsassessor am LG in Schwerin; 1907 – 11 Amtsassessor bei der Mecklenb. Dominalverw.; 1912 – 14 Amtsassessor, -verwalter u. Regierungsrat beim Versicherungsamt in Wismar; 1914 – 20 in Schwerin; 1919 – 30 Vors. DDP Schwerin, ab 1923 Landesvors. Mecklenb.; 1920 – 29 Ministerialrat beim Mecklenb. Min. des Innern in Schwerin, 1929 – 32 beim Staatsmin. in Schwerin; 1920 – 33 Vorstandsmitgl. des Mecklenb. Beamtenbundes; 1932 – Okt. 1945 Ministerialrat beim Min. für Unterricht, Kunst, geistl. u. med. Angelegenh. in Schwerin; 1935 – 45 Reichsbund Dt. Beamter u. NS-Rechtswahrerbund; 1935 – 45 NSV, Block- u. Zellenwart; 1937 – 45 Opferring; 1938 – 40 Förderer des NSFK. Nov. 1945 – März 1950 Ministerialdir. bei der Mecklenb. Landesreg., beim Min.-Präs. u. HA-Ltr. der Präsidialabt.; Juni 1945 – Aug. 1952 Mitbegr. u. 1. Landesvors. der CDU Mecklenb.; bis 1950 3. bzw. 4. Vors. der CDU; Mitgl. des Pol. Aussch.; bis 1952 1. Vizepräs. des Landtags Mecklenb.; 1948/49 Mitgl. der DWK u. 1949/50 Abg. der (Prov.) Volkskammer; Präs. der Prov., ab 1950 der Länderkammer; 1950 DSF; 1950 – 55 Mitgl. des Pol. Aussch. des CDU-Hauptvorst.; 1952 – 55 Mitgl. der CDU-BL Schwerin; 1954 VVO.§ 1381 B.G.B’s. Schwerin 1904; Die Wahrheit über Konrad Adenauer u. Jakob Kaiser. Berlin 1951.  Koch, H.: R. L. Berlin 1977.Helmut Müller-Enbergs

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Loebinger, Lotte

* 10.10.1905 – ✝ 9.2.1999

Geb. in Kattowitz (Katowice, Polen); Vater Arzt; 1915 Vollwaise, Umzug nach Kiel als Mündel der ältesten Schwester Friederike L.; Besuch des Mädchen-Lyzeums, 1920 mittlere Reife; Arbeit im Kontor des Kaufhauses Karstadt u. als Verkäuferin; Komparsin an der Städt. Oper Kiel; Privatunterricht in Sprechtechnik; 1922 Umzug nach Breslau zur Schwester Waltraut (Lehrerin), um eine Theaterlaufbahn beginnen zu können; 1924 Verkäuferin; erstes Engagement in Breslau; durch die Schwester in die pol. Tätigkeit für die KPD einbezogen; Kassiererin für die IAH u. Rezitationsabende; 1924 Zweckeheschließung der Schwester nach Beschluß der KPD-ZL mit dem inhaftierten Max Hoelz; 1925 Verhaftung der Schwester; nach deren Freilassung wird L. L. Mitgl. der KPD; 1926 Umzug nach Berlin, Unterkunft bei Erich u. Zenzl Mühsam; durch sie Vermittlung zum Renaissance-Theater u. Kontakte zu Herbert Wehner; 1926 – 27 Volksbühne am Bülowplatz (Erwin Piscator); 1927 – 31 Mitgl. des Piscator-Koll. (Theater am Nollendorfplatz); 1927 Heirat mit Herbert Wehner, 1928 Aufgabe der Ehegem., jur. Trennung im Nov. 1952 in Hamburg; 1927 Mitw. bei der UA von »Hoppla, wir leben« (Volksbühne), 1927 »Rasputin«, 1929 »§ 218« (Frauen in Not); 1931 Filmdebüt in Fritz Langs Film-Klassiker »M«; 1931 Tournee des Piscator-Koll. durch die UdSSR; nach der Rückkehr Mitarb. in versch. Agitprop-Truppen u. 1932 am Dt. Künstlertheater Berlin; Beginn der Lebensgem. mit Heinrich Greif (1907 – 46); am 24.12.1932 Emigr. nach Polen; Anschluß an die »Gruppe jüd. Schauspieler« in Warschau, u. a. mit  Erwin Geschonneck; 1934 Flucht über Prag in die UdSSR; von  Arthur Pieck vorbereiteter Vertragsabschl. über eine Tätigkeit im IRTB; 1934 Film »Aufstand der Fischer« (R: Erwin Piscator); sowj. Staatsbürgerschaft; Arbeit als Korrektorin an der »Dt. Zentralztg.« in Moskau; 1937 – 39 Sprecherin am Allunionskomitee für dt. Nachrichtensendungen (Radiosender Moskau, u. a. mit Heinrich Greif u.  Hans Rodenberg, (Ltg. der dt. Red.:  Sepp Schwab)), Entlassung wegen einer fehlenden Manuskriptseite einer Wjatschelaw Molotow-Rede beim Rundfunkvortrag; Auseinandersetzung mit dem NKWD; 1938 Film »Kämpfer« (R:  Gustav von Wangenheim); 1941 – 45 wieder Sprecherin bei Radio Moskau. 1946 Rückreise nach Berlin; Schauspielerin im Haus der Kultur, Unter den Linden (Ltg. Hans Rodenberg; Vorläufer des Maxim-Gorki-Theaters); 1946 Gründung einer »Gruppe junger Schauspieler« im Prenzlauer Berg (Berlin), u. a. »Moskauer Charakter«; 1946 am Dt. Theater u. a. in »Beaumarchais« von  Friedrich Wolf; 1948 – 49 Theater am Schiffbauerdamm (Ltg.  Fritz Wisten), u. a. »Rassen« von Ferdinand Bruckner; 1951 Aussprachen u. Konflikte mit dem ZK der SED im Zuge des Prozesses gegen Rudolf Slánský (Schwager der Schwester Waltraut L.), erhielt in diesem Zusammenhang im Juni 1953 von der ZPKK eine Rüge wegen »mangelnder pol. Wachsamkeit u. nicht richtigen parteimäßigen Verhaltens«; 1951 Vors. des Krs.-Aussch. der NF Berlin-Mitte; 1951 NP; 1952 – 93 Maxim-Gorki-Theater Berlin (auch Ehrenmitgl.); dort 1953 Parteisekr.; später BGL u. »Künstler. Rat«; mehr als 100 Bühnen-, Film- u. Fernsehrollen, am Maxim-Gorki-Theater (u. a. in Inszenierungen von  Maxim Vallentin); 1989 Lesung: »Weiter, weiter, weiter«, Volksbühne Berlin; letzte Bühnenrolle 1991: Narr in »Was ihr wollt« von William Shakespeare (Maxim-Gorki-Theater); DFF u. a.: »Ich will nicht leise sterben« nach dem Hörspiel von Martin Stephan (1978, R:  Thomas Langhoff); Heinrich-Greif-Preis; VVO; KMO; gest. in Berlin. Porträt: Kasten, U. u. Gehler, F.: »... noch einmal Leben«. DFF. Berlin 1985. Sekt.-Lit.: Ebert, G.: Plebejischer Anspruch, Spielerischer Schalk. Neues Dtl. v. 11.2.1999.Aune Renk

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Löffler, Fritz

* 12.9.1899 – ✝ 15.5.1988

Geb. in Dresden; Vater Apotheker; nach zweijährigem Wehrdienst 1919 Abitur; Studium der Germanistik, Romanistik, Kunst- u. Theatergeschichte sowie Archäol. in Jena, Berlin, Greifswald u. München, Studienaufenthalte in Florenz u. Rom, 1927 Prom. an der Ludwig-Maximilians-Univ. München mit einer Arbeit über Eduard v. Keyserling; anschl. Tätigkeit bei den Städt. Kunstsamml. Dresden, 1937 dort wegen seiner Arbeit für die »Dresdner Sezession« u. Förderung »entarteter Kunst« (u. a. Freundschaft mit Otto Dix) entlassen; freiberufl. Tätigkeiten, u. a. für das »Heimatwerk Sachsen«, dann Verpflichtung zu Kriegs- u. Zivildienst. Ab 1945 wieder in städt. Diensten, 1947 nach heftigen Auseinandersetzungen um die Bewahrung histor. Bauten des alten Dresden von OB  Walter Weidauer fristlos entlassen, danach freiberufl. Arbeit u. a. für die Staatl. Kunstsamml., ab 1954 angest. am Inst. für Denkmalpflege; 1967 Ruhestand; intensive publizist. Tätigkeit, darunter zahlr. Malerbiogr., u. a. zu  Hegenbarth,  Jüchser,  Kretzschmar; nach weitgehender Überwindung des Vorwurfs der Rückwärtsgewandtheit zahlr. Ehrungen, u. a. 1979 Gottfried-Semper-Med. der Staatl. Kunstsamml. Dresden, 1982 Martin-Andersen-Nexö-Kunstpreis der Stadt Dresden, 1986 Johannes-R.-Becher-Med. des KB.Das Alte Dresden. Dresden 1955; Der Zwinger. Ein Denkmal des Dresdner Barock. Dresden 1957; Otto Dix. Leben u. Werk. Dresden 1960; Stadtkirchen in Sachsen. Dresden 1973. Wenzkat, I. (Hrsg.): F. L. – Visionen einer Stadt. Dresden 1995 (mit biograph. Angaben sowie zahlr. Dokumenten u. Artikeln von L. zu Dresden); Walther, S.: F. L. 1899 – 1988. Ein Leben für Kunst u. Denkmalpflege in Dresden. Dresden 1999.Günter Dörfel

Wer war wer in DDR

Lohberger, Kurt

* 2.6.1914 – ✝ 29.5.2008

Geb. in Lugau (Erzgeb.); Vater Bergarb., Mutter Fabrikarb.; 1920 – 28 Volksschule; 1928 – 31 Ausbildung zum Maurer; 1930 KJVD, RFB u. KPD; 1930 – 33 erwerbslos; März 1933 kurzztg. verhaftet; Mai 1933 Emigr. in die ČSR, ab 1934 Arbeit für den M-Apparat in Prag; Dez. 1936 – Jan. 1937 in Haft, anschl. unter Polizeiaufsicht; Nov. 1937 – Febr. 1939 Teiln. am span. Bürgerkrieg; 1938 Aberkennung der dt. Staatsbürgerschaft; 1939 – 41 in Frankreich (Lager St. Cyprien, Gurs u. Le Vernet) interniert; Mai 1941 auf KPD-Beschluß Rückkehr nach Dtl., Gestapo-Haft in Dresden u. Chemnitz, Okt. 1941 vom OLG Dresden wg. »Vorbereitung zum Hochverrat« zu 4 Jahren Zuchthaus verurteilt, Haft im Zuchthaus Waldheim, Juli 1943 – Juli 1944 Strafbat. 999, zuletzt in Griechenland, Flucht u. bis Aug. 1945 Kämpfer einer griech. bzw. alban. Partisaneneinheit; Mitbegr. des NKFD in Griechenland. Sept. 1945 Rückkehr nach Dtl.; Sept. – Nov. 1945 stellv. Chef der Polizei im Land Brandenb.; Nov. 1945 – Juli 1948 Sekr. der KPD- bzw. SED-KL Stollberg; anschl. Ltr. u. Polit-Kultur-Offz. der Grenzpolizei im Land Sachsen; Okt. 1949 – Okt. 1950 militär. Sonderlehrgang in Privolsk (UdSSR); 1950 – 52 Ltr. der Abt. Polit-Kultur der VP-Dienststelle Zeithain; 1952 Oberst; 1952/53 Ltr. der Abt. Org. u. Instrukteur in der Pol. Verw. der KVP; 1953 – 55 Ltr. der Pol. Abt. beim Stab in der Territorialen Verw. Süd; 1955/56 Ltr. der Pol. Abt. in der Territorialen Verw. Nord; danach bis 1960 stellv. Ltr. für Pol. Arbeit im Militärbez. Nord der NVA; 1956 Hans-Beimler-Med.; 1956 – 58 Vertreter der NVA im Vereinten Oberkommando der Warschauer Vertragsstaaten in Moskau; 1958 Med. für Kämpfer gegen den Fasch.; 1959 Besuch der sowj. Generalstabsakad. in Moskau, Abbruch aus gesundheitl. Gründen; 1959/60 Stv. Chef der Verw. Kader im MfNV; 1960/61 Kdr. der Politoffiziersschule in Berlin-Treptow; 1962 Offz.-Hörer an der Militärakad. »Friedrich Engels«; 1962/63 im MfNV; Mai 1963 Versetzung in die Reserve, 1966 Gen.-Major der Reserve; 1963 – 68 Vors. des ZV der GST (Nachf. von  Richard Staimer); 1968 Reaktivierung, bis Dez. 1971 Sekr. der ZPL im Militärverlag; 1972 – 74 im Militärgeschichtl. Institut Potsdam; Sept. 1974 Ruhestand; 1973 VVO; 1974 Scharnhorst-Orden; 1984 KMO. 1990 PDS; 1996 Ehrenstaatsbürger von Spanien; Okt. 2004 Mitgl. des Beirats des Verb. Deutscher in der Resistance, in den Streitkräften der Anti-Hitler-Koalition u. der Bew. »Freies Dtl.« (DRAFD); gest. in Berlin.Die Aufgaben der Ges. für Sport und Technik. Berlin 1964. Rau, P.: An vielen Fronten des Kampfes bewährt. In: Junge Welt, 18.6.2008.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

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Löhr, Jonny

* 20.2.1899 – ✝ 15.7.1967

Geb. in Hamburg; Vater Arbeiter, Mutter Waschfrau; Volks- u. Gewerbeschule in Hamburg; 1913 – 16 Ausbildung zum Schlosser u. 1916/17 Heizungsmonteur in Hamburg; 1913/ 14 SAJ; Militärdienst; 1921 u. 1923 Ltr. des Nachrichtendienstes der KJV Wasserkante; 1922 KPD; 1922 – 25 Abendschule in Hamburg; 1925 – 28 Studium an der Höheren Maschinenbauschule in Leipzig, Maschinenbauing.; ab 1928 Mitarb. der KI; sowj. Staatsbürgerschaft; 1928 – 30 nachrichtendienstl. Arbeit (als Verbindungsagent) in Rumänien (im Auftrag der KI bzw. GRU), Mitgl. einer GRU-Residentur in Bukarest, die Militär- u. Industriespionage betrieb, deshalb im Okt. 1930 in Bukarest verhaftet u. im Juni 1931 wegen »Hochverrats« (Spionage) zu zehn Jahren Zwangsarbeit verurteilt; 1930 – 40 Haft in den Zuchthäusern Auid u. Doftana; 1930 – Mai 1941 Mitgl. der Rumän. KP, danach wieder KPD; 1940 Emigr. in die UdSSR; Dez. 1940 sowj. Staatsbürgerschaft; 1940/41 Ing. im Stadtbauamt Kischinjew, Obering. der Moldauischen Staatsbank in Kischinjew im Bauwesen; 1942 – 44 Oberpolitinstrukteur des NKWD, Arbeit unter dt. Kriegsgefangenen; 1944/45 Lehrer am »Inst. 99« (im ZK-Apparat der KPdSU, zuständig für NKFD). Juni 1945 Rückkehr nach Dtl.; 1945/46 KPD/ SED; VdN; 1945 – 47 Mitarb. in der KPD- bzw. SED-LV Mecklenb.; 1945/46 Ltr. der Abt. Industrie innerhalb der Abt. Handel u. Versorgung in der LV Mecklenb.; 1946 Ltr. der HA Industrie im Min. für Wirtschaft Mecklenb., 1947 Min.-Dir.; 1948 – 50 Vizepräs. der IHK von Mecklenb.; im sowj. Auftrag Juni 1948 Mitbegr. der NDPD; ab 1948 Mitgl. von deren Hauptaussch. u. Vors. des LV Mecklenb.; 1949/50 Abg. u. Vizepräs., ab 1954 erneut Abg. der (Prov.) Volkskammer; 1950/51 a. o. Gesandter u. Chef der Diplomat. Mission der DDR in Rumänien, März 1951 auf rumän. Wunsch wegen »Verletzung der Wachsamkeit« abberufen; Sept. 1951 – Mai 1953 Dir. der DIA Transportmaschinen; ab Dez. 1953 Mitgl. der Stadtverw. Groß-Berlin; hier zeitw. Vors. der Ständ. Kommission für Gesundheitswesen; 1953 – 58 stellv. Präs. der IHK; 1954 – 58 Mitgl. des NR der NF; ab 1955 Mitgl. des PV der NDPD; ab 1963 des Sekr. des Hauptaussch. u. Vors. der PKK (Nachf. von  Hans Luthardt); Okt. 1963 Mitgl. des Präs. der Volkskammer; Mitgl. des Komitees der Antifa. Widerstandskämpfer; 1964 VVO; gest. in Berlin.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

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Lorbeer, Hans

* 15.8.1901 – ✝ 7.9.1973

Geb. in Kleinwittenberg; Vater Schmied, Mutter Dienstmädchen; 1907 – 15 Volksschule; 1915/16 Ausbildung zum Installateur, abgebrochen; Hilfsarb.; Mitgl. des CVJM; während des 1. Weltkriegs in Kriegsgefangenenlagern u. Munitionsfabriken tätig; 1918 Mitgl. der Freien Soz. Jugend u. 1919 der Soz. Proletarierjugend; 1920 – 26 Mitgl. des KJVD; 1921 Mitgl. der KPD; 1921/23 Installateur im Stickstoffwerk Piesteritz; ab 1922 schriftsteller. tätig; 1923/24 arbeitslos; 1924/25 Arbeiter im Sprengstoffwerk Reinsdorf; 1925 pol. gemaßregelt; 1925 erschienen »Gedichte eines jungen Arbeiters«, erster Prosaband »Wacht auf!« (Berlin 1928); 1928 Mitbegr. des BPRS; 1930 Roman »Ein Mensch wird geprügelt«; gehörte 1929 – 31 zur Heinrich-Brandler-Gruppe; 1932 KPD-Ausschl.; ab 1932 Mitgl. der KPO; 1933/34 Haft im KZ Lichtenburg; 1934 – 37 Mitgl. einer Widerstandsgr. in Berlin; Arbeiter im Gummiwerk Piesteritz; 1937 verhaftet, vom KG Berlin-Moabit zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt, Haft in Brandenb. u. Bayreuth, im Moorlager Aschendorfer Moor u. Papenburg; 1939 – 45 Arbeiter in Wittenberg. 1945 KPD; 1945 – 50 Bürgermstr. von Piesteritz; Krs.-Sekr. des KB u. Mitgl. des SED-Krs.-Vorst.; ab 1950 freischaff. Schriftst.; 1959 Heinrich-Mann-Preis der DAK; Mitgl. des Vorst. des DSV; 1961 NP für seine hist. Romane »Das Fegefeuer« u. »Der Widerruf«; 1962 Johannes-R.-Becher-Medaille; 1965 Mitgl. der AdK; 1966 Banner der Arbeit; 1971 VVO; ab 1970 als GMS »Lorbeer« beim MfS erf.; gest. in Piesteritz. Sek.-Lit.: Heinemann, D.: Wir wollen uns und alles, alles haben. Der Weg H. L.’s zum proletar.-rev. Schriftst. Halle 1977; Reinecke, R.: Widerstand Schreiben. H. L. nach 1933. In: Asholt, E. et al. (Hrsg.): Unruhe u. Engagement. Fs. für Walter Fähnders zum 60. Geb. Bielefeld 2004.Werke. Halle 1977 ff.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Lindemann, Rosa

* 21.2.1876 – ✝ 13.6.1958

Geboren am 21. Februar 1876 in Spandau als Rosa Liesegang. Mit acht Jahren kam sie mit den Eltern nach Berlin-Moabit, wo ihr Vater eine Stelle als Wächter gefunden hatte. Verkäuferin in einem Textilwarengeschäft, seit 1895 verheiratet mit Karl Lindemann, gemeinsam traten sie am 1.Mai 1909 in die SPD ein. Mit der linken USPD kam sie 1920 in die KPD, aktiv in der IAH, der RHD und der ARSO. Von 1920 bis 1933 Abgeordnete der Stadtverordnetenversammlung von Groß-Berlin. Nach 1933 leitete sie eine Widerstandsgruppe im Bezirk Tiergarten, in der vor allem Frauen aktiv waren. Im November 1944 starb ihr Mann, ihr Sohn Erich fiel vermutlich beim Einmarsch der Roten Armee in Nauen. 1945 Sachbearbeiterin im »Amt für soziale Fürsorge« in Finkenkrug, 1946 als Rentnerin in Berlin-Moabit in der Kommunalpolitik der KPD/SED aktiv. 1953 übersiedelte sie zu ihrer Tochter nach Falkensee. Rosa Lindemann starb am 13. Juni 1958 in einem Pflegeheim in Staaken.

Wer war wer in DDR

Lindner, Wolfram

* 26.2.1941 – ✝ 17.2.2010

Geb. in Lauenhain; 1959 Abitur mit Berufsausbildung zum Feinmechaniker; 1959 – 65 Mitarb. bzw. Ltr. des Ref. Körperkultur u. Sport beim Rat der Stadt Hainichen; 1965 – 69 Radsporttrainer in Karl-Marx-Stadt; Studium an der DHfK Leipzig, Dipl.-Trainer für Radsport; 1970 – 90 Verb.-Trainer Straßenradsport im Dt. Radsportverb.; die von ihm betreuten Sportler gewannen bei Olymp. Spielen 1980 die Silbermedaille im 100-km-Mannschaftsfahren, 1988 die Goldmedaille im 100-km-Mannschaftsfahren u. beim Einerstraßenfahren durch  Olaf Ludwig; bei Weltmeisterschaften: 1979, 1981 u. 1989 WM im 100-km-Mannschaftsfahren, 1990 2. Platz, 1974 u. 1986 3. Platz, im Einzelstraßenrennen Titelgewinne durch Bernd Drogan 1982, Uwe Raab 1983, Uwe Ampler 1986; 20mal Trainer der DDR-Friedensfahrtmannschaften; 1982, 1983, 1987 u. 1989 Mannschaftsgesamtsiege, Einzelsiege 1976 Hans-Joachim Hartnick, 1982 u. 1986 Olaf Ludwig, 1983 Falk Boden, 1987 – 89 Uwe Ampler, 79 Prolog- u. Etappensiege. Seit 1990 als Trainer u. a. in China u. Österreich; gest. in Berlin.Volker Kluge / Olaf W. Reimann

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Linke, Helmut

* 6.10.1928

Geb. in Greiz; Vater Klempner; Volks- u. kaufm. Berufsschule; 1944 / 45 Wehrmacht; 1945 amerikan. Kriegsgef. 1945 / 46 kaufm. Lehrling in Greiz; 1946 / 47 Textilfachschule (Abendkurs); 1946 – 48 kaufmännischer Angest. in Greiz; 1948 SED; 1948 –50 Redaktionsvolontär bei der Ztg. »Das Volk« in Greiz, 1950 / 51 Red. ders. Ztg. in Bad Salzungen; 1951 / 52 Studium an der PHS der SED; 1953 – 59 Red. u. Abt.-Ltr. bei der Ztg. »Freies Wort« in Suhl; 1953 – 60 Fernstudium an der Fak. für Journalistik der KMU Leipzig, Dipl.-Journalist; 1959 stellv. Chefred., 1965 – 89 Chefred. des SED-Bezirksorgans »Freies Wort« Suhl (Nachf. von  Gerhard Fuchs); 1967 – 89 Mitgl. der SED-BL Suhl; 1967 – 89 Mitgl. des VDJ-ZV u. Vors. des VDJ im Bez. Suhl; 1972 Studium an der PHS des ZK der KPdSU in Moskau.Andreas Herbst

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Linse, Walter

* 23.8.1903 – ✝ 15.12.1953

Geb. in Chemnitz; Vater Postsekretär; 1910 – 24 Schulbesuch in Chemnitz, Abitur; 1924 – 32 Studium der Rechtswiss., Philos. u. Geschichte an der Univ. Leipzig, 1927 Erste jur. Staatsprüfung; 1927 – 31 Referendar in Chemnitz u. Stollberg; 1931 Große jur. Staatsprüfung; 1931 – 33 Assessor in Stollberg u. Leipzig;, Hilfsrichter in Leipzig 1933 – 38 Rechtsanwalt in Chemnitz; 1938 Prom. zum Dr. jur. an der Univ. Leipzig; 1938 – 45 Referent bei der IHK Chemnitz, ab Sept. 1938 zuständig für die »Bearb. von Entjudungsvorgängen« u. der »Arisierung« jüd. Gewerbebetriebe im Bez. Chemnitz; 1940 NSDAP; Aufgaben im Rahmen des »totalen Kriegseinsatzes« bei der Koordinierung von jüd. Zwangsarbeit. 1945 – Juni 1949 Geschäftsf. der IHK Chemnitz; Vors. des LDP-BV Chemnitz; 1949 Flucht nach West-Berlin; 1949/50 Privatunternehmer in West-Berlin; ab Jan. 1951 Mitarb. im Untersuchungsaussch. Freiheitl. Juristen, dort ab 1951 Ltr. der Abt. Wirtschaft; Juli 1952 Organisator eines Internat. Juristenkongresses, der sich mit Rechtsbrüchen in der SBZ/DDR befaßt; am 8.7.1952 von Berlin-Lichterfelde nach Ost-Berlin entführt u. in der U-Haftanstalt Berlin-Hohenschönhausen inhaftiert, im Dez. 1952 dem KGB in Berlin-Karlshorst übergeben; Haft in der »Lubjanka« in Moskau; Proteste u. Kundgebungen gegen die Entführung, u. a. am 10.7.1952 in West-Berlin mit 25.000 Teiln.; am 23.9.1953 von einem sowj. Militärtribunal wegen »Spionage, antisowj. Propaganda u. Bildung einer antisowj. Org.« zum Tode verurteilt; am 15.12.1953 im »Butyrka«-Gefängnis in Moskau hingerichtet u. auf dem Friedhof des Don-Klosters in Moskau verbrannt u. anonym bestattet; am 8.5. 1996 von der russ. Staatsanwaltschaft rehabilitiert.Der untaugl. Versuch u. das Rechtsgefühl des Volkes. Eine dogmat. u. empir. Studie. Dresden 1938. Mampel, S.: Entführungsfall Dr. W. L. – Menschenraub u. Justizmord als Mittel des Staatsterrors. Berlin 1999; Bästlein, K.: Vom NS-Täter zum Opfer des Stalinismus. Berlin 2008; Kirsch, B.: W. L. Dresden 2007.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Lippmann, Heinz

* 24.10.1921 – ✝ 11.8.1974

Geb. in Berlin; Vater Fabrikant; Realgymnasium, Ausschl. wegen jüd. Herkunft; versch. Hilfsarbeiten; 1942 – 45 KZ Großbeeren, Auschwitz-Monowitz u. Buchenwald. 1945 KPD; 1945/46 Mitarb. der Volksbildungsverw. Thür.; Mitbegr. des antifa. Jugendaussch. u. der FDJ in Thür.; Mitgl. des ZR der FDJ; 1946 – 53 FDJ u. SED; 1946 – 48 Sekr. für Kultur u. Erziehung der FDJ-LL Thür.; 1948/49 Org.-Sekr.; 1949 – 52 Sekr. des ZR der FDJ, hier Aufbau der West-Abt. u. verantw. für die Arbeit der FDJ in der Bundesrep. Dtl. bis zum Verbot im Juni 1951, danach verantw. für die Anleitung der illeg. Arbeit; Mitgl. der Westkommission des PB der SED; 1951 Mitgl. des ZV der VVN; 1952/53 Stellv. des FDJ-Vors.  Erich Honecker, verantw. für Org., Finanzen, Internat., KVP u. die Org. »Dienst für Dtl.«; Mitgl. im Büro des Präs. des NR der NF u. im Staatl. Komitee für Körperkultur; nach der pol. Demontage seines Förderers  Franz Dahlem u. aufgrund persönl. Bedrohungsängste im Zusammenhang mit dem Rudolf-Slánský-Prozeß in Prag sowie nach einer mißglückten Sabotageaktion, mit der die Bundestagswahlen am 6.9.1953 gestört werden sollten, am 20.9.1953 Flucht in die Bundesrep. Dtl. unter Mitnahme einer größeren Summe D-Mark (West); am 30.9.1953 Ausschl. aus der FDJ wegen »feindl. Tätigkeit, unmoral. Lebenswandels u. Unterschlagung von Verb.-Geldern«; nach seiner Flucht Eröffnung eines Ermittlungsverfahrens, 1956 in Frankfurt (Main) Verurteilung wegen Unterschlagung zu neun Mon. Haft auf Bewährung; 1957 Einstellung eines Hochverratsprozesses gegen H. L. vor dem BGH nach seinen Zeugenaussagen gegen KP- u. FDJ-Funktionäre; 1964 mußte die von ihm 1959 gegr. Ztschr. »Der Dritte Weg«, die illeg. in der DDR vertrieben wurde, wegen Enttarnung eingestellt werden; seit 1963/64 SPD; Mitarb. der Dt. Welle; 1971 veröffentlichte er die erste Erich-Honecker-Biogr.; ab 1973 Mitarb. im Gesamtdt. Inst. in Bonn.Honecker – Porträt eines Nachfolgers. Köln 1971. Herms, M.: H. L. Porträt eines Stellvertreters. Berlin 1996.Michael Herms

Handbuch Deutsche Kommunisten

List, Alfred

* 21.2.1904 – ✝ 30.12.1976

Geboren am 21. Februar 1904 in Frankfurt/M.; Bürodiener, kaufmännische Lehre und Arbeit als Versicherungsangestellter. Seit 1925 Mitglied der KPD, Funktionär der RGO und der IAH, zuletzt Bezirksleiter im Bezirk Hessen-Frankfurt. 1931/32 Teilnahme an einem Komintern-Kursus in Moskau (Deckname Heinrich Franz). Ab 1933 illegale Arbeit für die IAH, vom 12. bis 24. Oktober 1933 inhaftiert, aus »Mangel an Beweisen« wieder freigelassen. Emigration in das Saargebiet, hier Einsatz als Reichsleiter der illegalen IAH, er organisierte von Saarbrücken, Paris, Prag und Moskau aus die Anleitung der IAH-Instrukteure im Reich. Am 24. Juni 1935 wurde List festgenommen und in das Zuchthaus Kassel-Wehlheiden verbracht. Im Mai 1937 vom VGH zusammen mit Walter Kassner angeklagt und zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt, inhaftiert im Zuchthaus Freiendiez, zuletzt im Zuchthaus Ludwigsburg. Im September 1945 zurück nach Frankfurt/M., im Oktober 1945 nach Stuttgart, Mitglied der KPD und zeitweise Vorsitzender der VVN Ludwigsburg. Später Austritt aus der KPD. Er leitete zeitweise die Strafvollzugsanstalt Ludwigsburg und von 1952 bis 1969 die Strafvollzugsanstalt in Ulm. Als Oberregierungsrat war er wegen seiner fortschrittlichen Reformen im Strafvollzug weithin bekannt. 1969 lehnte er die Annahme des Bundesverdienstkreuzes aus politischen Gründen ab. Alfred List starb am 30.Dezember 1976 in Ludwigsburg.

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Loch, Hans

* 2.11.1898 – ✝ 13.7.1960

Geb. in Köln; Vater Schlosser; Gymnasium, 1916 Abitur; 1917/18 Militärdienst; 1918 – 23 Studium der Rechtswissensch. an den Univ. Bonn u. Köln, 1923 Dr. jur.; 1919 – 24 DDP; bis 1925 tätig an versch. Gerichten; danach Justitiar u. Steuersyndikus; 1933 zeitw. in den Niederlanden wohnhaft; danach erneut Justitiar u. Syndikus; 1936 – 38 Emigr. in die Niederl.; anschl. wieder Syndikus versch. Wirtschaftsunternehmen in Dtl.; 1939 – 45 Wehrdienst. 1945 Mitbegr. der LDPD im Krs. Gotha; 1946 – 48 OB von Gotha; 1947 FDGB; Mitbegr. der DSF; ab 1951 Mitgl. ihres Zentralvorst.; ab Okt. 1947 Vors. des Aussch. Gemeindepol. beim Zentralvorst. der LDPD Thür.; ab Nov. Mitgl. des engeren Landesvorst.; Mai 1948 – Febr. 1950 Justizmin. von Thür.; Mitgl. der DWK u. des Dt. Volksrats; ab Herbst 1948 Mitgl. des PV bzw. des Pol. Aussch. des ZV der LDPD; 1949 – 51 Vors. des Landesverb. Thür.; 1949 stellv. Vors., 1951/52 mit  Karl Hamann Kovors., nach dessen Verhaftung Dez. 1952 Vors. der LDPD; erarbeitete die Thesen über den »neugewordenen Liberalismus«; seit 1949 Mitgl. des Präs. des dt. Friedensrats; 1949 – 60 Abg. der (Prov.) Volkskammer; 1949 – 55 Minister für Finanzen, ab 1950 stellv. Vors. des Min.-Rats; ab 1954 Vors. des Aussch. für Dt. Einheit u. Mitgl. des Präs. des NR der NF; 1954 VVO; gest. in Berlin.Ein Bürger sieht die Sowjetunion. Leipzig 1953; Auferstehung einzigartiger Kunst durch edle Freundestat. Berlin 1955; Wir sind dabeigewesen. Berlin 1959; Aus Reden u. Aufsätzen. Berlin 1985 (Hrsg. von M. Bogisch). H. L. Beiträge zu seiner pol. Biogr. 1945 – 1960. Berlin 1974.Helmut Müller-Enbergs

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Loeser, Franz Georg

* 20.12.1924 – ✝ 21.1.1990

Geb. in Breslau (Wrocław, Polen) in einer dt.-jüd. Fam., Vater Rechtsanwalt, beide Eltern wurden Opfer der Shoa; Volksschule u. Zwingergymn. in Breslau; 1938 mit einem jüd. Kindertransport Emigr. nach Großbrit.; Schulabschluß in London; 1940 Aberkennung der dt. Staatsbürgerschaft; Kontakte zur FDJ in London, u. a. mit  Horst Brasch, Hinwendung zum Marxismus; 1943 / 47 als Angeh. der brit. Armee Teiln. am 2. Weltkrieg, 1945 – 47 Stationierung in Japan, dort als Angeh. einer med. Einheit mit den Auswirkungen der US-amerikan. Atombombenabwürfe konfrontiert. 1947 – 51 Stud. der Philos., polit. Wiss. u. Math. an der Univ. of Minnesota (USA), Bachelor of Arts; Mitgl. des Sozialist. Studentenbundes u. der KP der USA, Verfolgung durch McCarthy-Aussch., 1951 Ausweisung aus den USA u. Übersiedl. nach Großbritannien; Verweigerung der brit. Staatsbürgerschaft wg. »kommunist. Gesinnung«; 1955 / 56 Generalsekr. des Komitees für die Bürgerrechte Paul Robesons; 1951 – 56 Fortsetzung des Studiums in Manchester. 1956 Übersiedl. in die DDR; 1957 SED; 1957 Ass. am Inst. für Philos. der HU Berlin, dort 1962 Prom. mit der Arbeit »Kritik des Subjektivismus in den eth. Anschauungen von Bertrand Russel«, 1967 Habil. mit der Schrift »Zur Entw. einer marxist. Interpretation der Deontik«; 1968 kommissar. Ltg. der Abt. Ethik u. Prof. mit Lehrauftrag für marxist.-leninist. Ethik am Inst. für Philos. der HU, 1969 ord. Prof. für marxist.-leninist. Organisationswiss., ab 1978 für das Fachgebiet Heuristik, u. Ltr. des Bereichs Logik, Methodologie u. Heuristik an der Sektion Wissenschaftstheorie und -org. der HU Berlin; nach Konflikten mit der SED-Führung im Kontext der unabh. DDR-Friedensbew. 1980 vorzeitig em.; Mitgl. des Präsidiums des DDR-Friedensrats; 1967 Mitunterz. der anti-israel. »Erklärung jüd. Bürger der DDR«; 1974 VVO; 1983 nach einer USA-Reise Übersiedl. in die Bundesrep. Dtl., Lehrtätigkeit an der Univ. Köln; gest. in Bergheim-Kenten. L. hat die erste marxist. Ethik-Vorlesung der DDR ausgearbeitet; Pionier der Deontik u. Mnemotechnik in der DDR; neben wiss. Tätigkeit auch publizist. u. propagandist. Arbeit für die SED.Deontik (1966); Interrogativlogik (1968); Mord auf Befehl. Warum mußten die Rosenbergs sterben? (1976); Die Abenteuer eines Emigranten. Erinnerungen. Berlin (Ost) 1980; Die unglaubwürdige Gesellschaft. Quo vadis, DDR? Köln 1984; Sag nie, du gehst den letzten Weg. Ein dt. Leben. Köln 1986 (Autobiogr.); Die DDR auf dem Weg in das Jahr 2000. Politik, Ökonomie, Ideologie. Plädoyer für eine demokratische Erneuerung. Köln 1987 (mit -> Hermann von Berg u. -> Wolfgang Seiffert). Kirsch, R.: Kopien nach Originalen. Leipzig 1974, S. 60 – 91.Dieter Hoffmann / Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Löffler, Kurt

* 24.8.1932

Geb. in Leipzig; Vater Angest.; OS, 1951 Abitur; 1951 – 55 Studium der Wirtschaftswiss. an der KMU Leipzig u. HU Berlin, Dipl. Wirtsch.; 1952 SED u. 1952 – 54 der zentr. SED-HS-Gruppe; 1953/54 PK- u. Hundertschaftsltr. der GST; 1955 Assistent an der FSU Jena; 1955 – 61 Assistent, Wahrnehmungsdoz., Prorektor für Ges.-Wiss. an der Musik-HS »Franz Liszt« in Weimar; 1959 Mitgl. der SED-KL Weimar-Stadt; 1961 – 67 Ltr. der Abt. Kultur beim Rat des Bez. Erfurt; 1966 Johannes-R.-Becher-Medaille; 1967 – 70 Mitgl. des Rats des Bez. Erfurt; ab 1971 Mitarb. des ZK der SED; zul. stellv. Ltr. der Abt. Kultur des ZK der SED; seit 1973 Staatssekr. im Min. für Kultur (Nachf. von  Dieter Heinze); 1973 Ltr. der Staatl. Kommission Kultur zur Vorber. der X. Weltfestspiele der Jugend u. Studenten; seit 1974 Präs. der Freundschaftsges. DDR –Indien; 1980 – 83 Sekr. des Staatl. Martin-Luther-Komitees der DDR; seit 1985 stellv. Vors. u. Sekr. des Komitees der DDR zum 750jährigen Bestehen von Berlin 1987; 1988/89 Staatssekr. für Kirchenfragen (Nachf. von  Klaus Gysi). Ab 1991 zeitw. Verb.-Dir. für Marketing, Werbung u. Öffentlichkeitsarbeit des Ostdt. Sparkassen- u. Giroverb.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Lohmann, Karl

* 10.4.1898 – ✝ 22.4.1978

Geb. in Bielefeld; Realgymnasium; 1916 – 18 Kriegsdienst; 1919 – 23 Chemiestudium in Münster u. Göttingen, 1923 Rockefeller-Stipendiat; 1924 – 37 Assistent von Otto Meyerhof am Kaiser-Wilhelm-Inst. für Biol. in Berlin-Dahlem sowie an dem für med. Forschung in Heidelberg; 1931 – 35 Med.-Studium in Heidelberg; 1937 ord. Prof. u. Dir. des Physiolog.-Chem. Inst. der Berliner Univ. 1945 Prodekan der Med. Fak., ab 1946 kommissar. Ltr. des Physiolog. Inst. der HU Berlin; 1949 Ord. Mitgl. der DAW; prov. Sekretar u. 1954 – 61 Sekretar der Kl. für Med. der DAW; 1950 stellv. Dir., später Dir. des Inst. für Med. u. Biol. der DAW in Berlin-Buch; 1951 NP; 1955 Mitgl. der Leopoldina; 1957 Präs. des Inst. für Ernährung der DAW in Potsdam-Rehbrücke; 1960 Gründungspräs. der Ges. für experiment. Med.; legte 1964 alle Ämter aus Altersgründen nieder; gest. in Berlin. Arbeitsgebiete: Stoffwechseluntersuchungen, u. a. über den Chemismus der Muskelkontraktion, den Abbau des Kohlenhydrats in tier. Zelle u. in Hefe; zahlr. Arbeiten über Enzyme (Carboxylase) u. Vitamine (B2); als wichtigste Entdeckung K. L.s gilt die Isolierung u. Konstitutionsermittlung der Adenosintriphosphorsäure (ATP), deren zentr. Stellung im Zellstoffwechsel u. entscheidende Bedeutung bei der Muskelkontraktion er nachwies.Zuckerphosphorsäureester u. ihre Bedeutung für den Stoffwechsel der Hefe u. des Muskels. Berlin 1930; Anleitung zum pysiolog.-chem. Praktikum. Weinheim 1948. Reiche, K.: Über den Entdecker des Adenosintriphosphats – K. L. Berlin 2004.Petra Werner

Wer war wer in DDR

Lohs, Karlheinz

* 23.8.1929 – ✝ 26.6.1996

Geb. in Annaberg (Erzgeb.); Lehre als Chemielaborant; tätig im Krs.-Krankenhaus Annaberg; 1948 Abitur an der Vorstudienanstalt Chemnitz; 1948 – 52 Chemiestudium an der Univ. Leipzig, Dipl.; danach wiss. Mitarb. in der Farbenfabrik Wolfen; ab 1954 beim MfS als IM "Gerd", ab 1982 als IM "Engelmann" erf.; 1955 Prom.; 1962 Habil.; 1958 – 65 Dir. des VEB Chem.-techn. Laboratorien; seit 1962 Vorlesungen über chem. Toxikol. an den Univ. Leipzig, Halle u. Berlin; 1965 Prof. der DAW; 1965 – 70 Dir. des DAW-Inst. für Biochemie in Berlin; dann bis 1990 Ltr. der Forschungsstelle für chem. Toxikol. der AdW in Leipzig; 1970 Korr. u. 1972 Ord. Mitgl. der AdW; seit 1970 Fachberater, von 1980 – 90 Mitgl. des Governing Board des Internat. Inst. für Friedensforschung (SIPRI) Stockholm; 1972 Vors. des internat. Abrüstungsaussch. der Weltföderation der Wiss.; 1981 – 90 Vizepräs. der Urania; Vors. des Beirats für chem. Abrüstung beim Präs. des Friedensrats; Mitgl. einer gem. SED-SPD-Arbeitsgr. zur Ausarbeitung eines Vorschlags für eine chemiewaffenfreie Zone in Europa; 1986 Dr. h. c. (MLU Halle). 1992 – 94 wiss. Mitarb. der Lobbe-Entsorgung / Sanierung GmbH in Iserlohn-Letmathe; 1994 Rentner; gest. in Leipzig. Hauptarbeitsgebiete: Umweltschadstoffe, chemische Kampfstoffe u. deren Vernichtung (einschl. Geräte u. Methoden zum Nachweis solcher Stoffe u. zum Schutz vor ihnen).Synthet. Gifte. 1958 (zahlr. bearb. Aufl. u. Übersetzungen); Akute Vergiftungen. 1991 (mit R. Ludewig).Horst Kant

Handbuch Deutsche Kommunisten

Lorbeer, Hans

* 15.8.1901 – ✝ 7.9.1973

Geboren am 15. August 1901 in Piesteritz als uneheliches Kind eines Dienstmädchens, wuchs bei Pflegeeltern auf. Installateur und Hilfsarbeiter in verschiedenen Chemiebetrieben in und bei Wittenberg. 1918 trat er der FSJ und 1921 der KPD bei. Aus dem Stickstoffwerk Piesteritz 1925 entlassen und bis 1933 arbeitslos, betätigte er sich seit Mitte der zwanziger Jahre schriftstellerisch. Den ersten Prosaband »Wacht auf!« publizierte er 1928, 1930 erschien sein Erstlingswerk »Ein Mensch wird geprügelt« in Russisch. Er schrieb literarische Reportagen, Gedichte und Kurzgeschichten, u. a. für die KPD-Zeitung »Klassenkampf« in Halle und ab 1927 für die »Rote Fahne«. 1928 gehörte er zu den Mitbegründern des BPRS und zählte mit Johannes R. Becher und Erich Weinert zu den meistverbreiteten proletarisch-revolutionären Autoren. Lorbeer wurde 1932 wegen »Rechtsabweichung« aus der KPD ausgeschlossen und trat der starken KPO-Gruppe um Albert Bassüner in Piesteritz bei. 1933/34 im KZ, anschließend im Gummiwerk Piesteritz beschäftigt. Mitarbeit in der KPO-Widerstandsgruppe um Kurt Weise, im März 1937 Festnahme und am 1. September vom Kammergericht Berlin zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt und inhaftiert in Brandenburg, Bayreuth und im Lager Börgermoor. Anschließend Hilfsarbeiter in Piesteritz. Im Juli 1945 von der sowjetischen Besatzung als Bürgermeister von Piesteritz eingesetzt, bei den Gemeindewahlen im Herbst 1946 bestätigt. Seit 1946 Mitglied der SED, im Januar 1949 erkrankte Lorbeer schwer. Im Zuge der Parteiüberprüfungen vermerkte die SED-KL Wittenberg im Sommer 1950, »daß Gen. Lorbeer z. T. heute noch abweichende Tendenzen aufzuweisen hat. Nach unserem Erachten sind das Rückstände aus seiner Vergangenheit. (Mitgliedschaft KPO/Brandler-Gruppe).« Fortan freischaffender Schriftsteller, ab 1965 Mitglied der AdK, für sein literarisches Schaffen erhielt er 1959 den Heinrich-Mann-Preis, 1961 den Nationalpreis und 1971 den VVO in Gold. Hans Lorbeer starb am 7. September 1973 in Wittenberg. In einer ausführlichen Würdigung im »Neuen Deutschland« vom 15. August 1986 aus Anlaß seines 85. Geburtstages wurde seine langjährige Mitgliedschaft in der KPO nicht erwähnt.Bernd-Rainer Barth