...

 

BioLex

In der Kategorie BioLex sind drei wichtige Lexika mit über 5500 Biografien von überzeugten Kommunistinnen und Kommunisten, Renegatinnen und Dissidenten im Volltext recherchierbar.

 

Das Handbuch „Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945“ wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam.

Kurzbiografien zu Personen des politischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 bereit.

Zudem ist das Online-Lexikon www.dissdenten.eu ebenfalls auf unserer Seite aufrufbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Informationen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Mansfeld, Klaus (Claus)

* 8.3.1902 – ✝ 14.1.1973

Geb. in Brekendorf (Krs. Eckernförde); Vater Bauer, Mutter Landarbeiterin; 1908 – 16 Volksschule in Brekendorf; 1916 – 20 Landarbei- ter bei den Eltern in Hüsbyfeld; 1920 – 24 Bootsbauerlehrling u. Geselle auf der Bootswerft Blackstein in Fürstenberg (Havel); 1920 ADGB; 1923 KPD, 1923 – 33 Polit.-Ltr. der KPD-Ortsgr. Fürstenberg, 1923 / 24 militär. Ltr. (M.-Ltr.) des RFB Fürstenberg; April 1924 Verhaftung in Fürstenberg, U-Haft im Reichsgerichtsgefängnis in Leipzig wg. »Vorbereitung zum Hochverrat u. Sprengstoffvergehen«; Sept. 1925 Haftentlassung ohne Urteil; anschl. Kanal-, Straßen-, Bauarbeiter u. Zimmermann bei versch. Firmen in Fürstenberg; 1930 – 33 arbeitslos; 1933 – 45 unter Gestapoaufsicht; März – Juli 1933 »Schutzhaft« im Amtsgerichtsgefängnis Fürstenberg; 1934 –40 als Zimmerer bei der Baufirma Jakob Heinrich in Fürstenberg; 1940 Einberufung zur Luftwaffe, Karosseriebauer in der KfZ-Werkstatt der Luftwaffe in Dresden-Nickern, zul. Obergfr.; Apr. 1945 – Febr. 1946 amerikan. Kriegsgef., u. a. in Frankreich. Apr. 1946 Ankunft in Neustrelitz; SED; Eintritt in die Volkspolizei, Ltr. des Kreispolizeiamts Neustrelitz; ab Aug. 1946 Stellv. Politkultur der Abt. Grenzpolizei u. Bereitschaften des Landes Mecklenb. in Schwerin, Oberinspektor; 1946 – 48 Abg. des Kreistags Neustrelitz; Jan.–Mai 1948 HS der VP in Berlin; ab Juli 1949 Ltr. der Abt. Grenzpolizei u. Bereitschaften des Landes Brandenb. in Potsdam-Eiche; 1949 / 50 Sonderlehrgang für Offiziershörer an der Militärakad. der UdSSR, Staatsexamen; 1950 / 51 Stellv. Kdr. für techn. Ausrüstung in der KVP-Ausbildungs-Dienststelle Prora; 1952 Ltr. des Abt.-Stabs »Grenze« der KVP in Schwerin, Oberst; 1952 – 57 Chef des Stabs u. Ltr. der Abt. Grenzdienst der HV der DVP, 1956 Generalmajor; 1954 Med. für vorbildlichen Grenzdienst; ab März 1957 Chef des Stabs, 1959 – 62 Kdr. der Bereitschaftspolizei im MdI (Nachf. von  Hans-Hugo Winkelmann); Sommer 1961 an verantwortlicher Stelle an der Vorbereitung u. Durchführung des Mauerbaus beteiligt; März 1962 aus gesundheitl. Gründen abberufen; Rentner; 1962 VVO; 1967 Banner der Arbeit; 1969 Verdienstmed. der Organe des MdI in Gold; 1972 VVO; gest. in Berlin.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Marcusson, Erwin

* 11.6.1899 – ✝ 29.1.1976

Geb. in Berlin; Vater kfm. Angest., Mutter Kinderärztin; Falk-Realgymnasium in Berlin; 1917/18 Militärdienst; 1918/19 Mitgl. eines Arbeiter- u. Soldatenrats; Jan. 1919 Teiln. am Spartakusaufstand, verhaftet; 1919 KPD; 1919 – 25 Med.-Studium in Würzburg, Freiburg, München u. Heidelberg, 1925 hier Prom.; 1925 Tbc-Behandlung in der Schweiz; zunächst internist. Fachausbildung; 1927 – 30 Stadtschularzt in Altenburg u. Gewerbearzt in Magdeburg; 1930 – 33 ärztl. Praxis u. Assistenzarzt am Städt. Krankenhaus in Berlin-Neukölln; Mitgl. des Vereins Soz. Ärzte; 2.4.1933 verhaftet, April / Mai 1933 »Schutzhaft« in Berlin-Plötzensee; 1934 – 36 Emigr. in die Schweiz; hier in einem Tbc-Sanatorium tätig; Febr. 1936 – 47 Emigr. in die UdSSR; 1936 – 41 am ZI für ärztl. Fortbildung in Moskau tätig; 15.1.1938 aus KPD ausgeschl. u. 22.3.1938 – 29.3.1940 in NKWD-Haft; 1941 – 46 Internist, Röntgenologe u. Ltr. der Tuberkulose-Überwachung in Aralsk (Kasachstan SSR). Jan. 1947 Rückkehr nach Dtl.; SED; 1947 – 49 Abt.-Ltr. in der Dt. ZV für Gesundheitswesen, stellv. Dir. des Inst. für Sozial- u. Gewerbehygiene; 1951 – 57 Ltr. der HA Heilwesen im Min. für Gesundheitswesen; 1957/58 Stellv. des Min. für Gesundheitswesen; 1954/55 Doz. für Sozialhygiene an der HU Berlin; 1955 hier Prof. mit Lehrauftrag am Inst. für Sozialhygiene; 1959 – 65 Dir. des Inst. für Sozialhygiene des Min. für Gesundheitswesen in Berlin-Lichtenberg; 1965 em.; 1969 VVO; 1974 Ehrenspange zum VVO; gest. in Berlin.Sozialhygiene. Grundlagen u. Org. des Gesundheitsschutzes. Leipzig 1954.Peter Schneck / Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Markgraf, Martin

* 6.12.1907 – ✝ 7.2.1986

Geb. in Schmölln (Krs. Altenburg); Vater Arbeiter; Volks- u. Mittelschule; kaufm. Lehre u. Arbeit als Angest. in Schmölln u. Leipzig. 1945 – 51 kaufm. Ltr. des VEB Knopf- u. Bürstenmaschinenwerke Zwickau; 1946 SED; 1951 – 53 kaufm. Dir. u. 1953 – 58 Werkltr. des VEB MIHOMA Leipzig; Studium an der Ingenieurschule für Schwermaschinenbau Leipzig, 1961 Ing.-Ökonom; 1958 – 62 Hauptdir. der VVB Armaturen Halle; 1962 – 69 GD der VVB Regelungstechnik, Gerätebau u. Optik Berlin, ab 1970 GD des VEB Kombinat Meß- u. Regelungstechnik Dessau; 1963 – 71 Mitgl. des ZK der SED; ab 1972 Rentner.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Markowski, Paul

* 1.6.1929 – ✝ 6.3.1978

Geb. in Magdeburg; Vater Schleifer; 1935 – 40 Volksschule; seit 1939 Dt. Jugend bzw. HJ, 1940 – Ende 1945 (mit Unterbrechungen 1944/ 45) Mittelschule, 1946 – 48 OS, Abitur; 1948 – 50 Studium der Sprachwissenschaften (Engl., Frz., Russ.) an der Univ. Rostock; 1949 FDJ, FDGB, DSF; 1950 sechswöchiger Sonderlehrgang an der FDJ-Landesschule Bärenklau (b. Velten) zur Ausbildung als Dolmetscher für das Dtl.-Treffen der FDJ; 1950 Kand. u. seit 1952 Mitgl. der SED; 1950 – 51 Instrukteur im ZR der FDJ in der Abt. Internat. Verbindungen u. im Komitee zur Vorber. der III. Weltfestspiele 1951, Einsatz als Dolmetscher; ab Okt. 1950 Forts. des Studiums an der HU Berlin in der Fachrichtung Slawistik; 1950/51 Mitgl. der FDJ-HS-Gruppenltg.; 1951 – 53 Studium der Außenpol. an der DVA bzw. an der DASR Potsdam, Dipl.-Staatswiss.; Sekr. der FDJ-GO der Fachrichtung Außenpol.; Aug. 1953 – 56 Instrukteur u. 1956 – 61 Sektorltr. in der Abt. Außenpol. u. Internat. Verbindungen (Kap. Länder) beim ZK der SED; seit 1960 außerdem Ltr. der Arbeitsgr. »Kampf gegen den Kolonialismus«; 1961/62 PHS der KPdSU in Moskau; nach Abschl. des Einjahreslehrgangs wieder Ltr. des Sektors Kap. Länder; ab Febr. 1964 stellv. Abt.-Ltr. u. ab 1966 Ltr. der Abt. Internat. Verbindungen des ZK der SED (Nachf. von  Peter Florin); 1965 VVO; seit 1966 Mitgl. des Zentralvorst. der DSF; seit dem VII. Parteitag April 1967 Kand. u. ab 1971 Mitgl. des ZK der SED; seit Juli 1971 Mitgl. der Außenpol. Kommission des PB, Abg. der Volkskammer u. Mitgl. des Aussch. für Ausw. Angelegenh.; 1969 Banner der Arbeit; 1973 VVO; verunglückte gem. mit  Werner Lamberz bei einem Hubschrauberabsturz am 6.3.1978 in Libyen tödl.Die Kommunisten im Kampf für Frieden, Demokratie, nat. Befreiung u. Soz. Ausgew. Reden u. Schriften. Berlin 1979. Eik, J.: Tod eines Kronprinzen. Werner Lamberz und der Hubschrauberabsturz in Libyen. In: ders.: Besondere Vorkommnisse. Pol. Affären und Attentate. Berlin 1995.Monika Kaiser / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Maron, Monika

* 3.6.1941

Geb. in Berlin; Stiefvater Innenminister  Karl M.; Abitur; Fräserin in einem Industriebetrieb; Regieassistentin beim DFF; SED; 1960 – 65 Studium der Theaterwiss. u. Kunstgeschichte; wiss. Aspirantin an der Berliner Schauspielschule; Reporterin bei der Ztg. »Wochenpost«; ab 1976 freischaff.; Okt. 1976 – Mai 1978 als KP »Mitsu«, anschl. im OV »Wildsau« vom MfS erf.; 1978 Austritt aus der SED; 1981 aufsehenerregendes Debüt im S. Fischer Verlag Frankfurt (Main) mit dem Roman »Flugasche« über »die schmutzigste Stadt Europas« (Bitterfeld); keines ihrer weiteren Bücher erhielt in der DDR die »Druckgenehmigung«; 1988 Übersiedl. in die Bundesrep. Dtl. (Hamburg). 1990 Irmgard-Heilmann-Lit.-Preis; 1991 Brüder-Grimm-Preis; 1991 erschien ihr vielbeachteter Roman »Stille Zeile sechs«; 1992 Kleist-Preis; lebt seit 1994 wieder in Berlin; 1994 Solothurner Lit.-Preis u. Roswitha-Gedenkmedaille der Stadt Gandersheim; 2003 Friedrich-Hölderlin-Preis der Stadt Bad Homburg; 2003 Carl-Zuckmayer-Med.; 2009 Dt. Nationalpreis, Mainzer Stadtschreiberin.Das Mißverständnis. Erzählungen. Frankfurt (Main) 1982; Die Überläuferin. Roman. Frankfurt (Main) 1986; Trotzdem herzliche Grüße. Ein dt.-dt. Briefwechsel mit Joseph von Westfalen. München 1988; Stille Zeile sechs. Roman. 1991; Nach Maßgabe meiner Begreifungskraft. Artikel u. Essays. Frankfurt (Main) 1993; Animal triste. Roman. Frankfurt (Main) 1996; Pawels Briefe: Eine Familiengeschichte. Frankfurt (Main) 1999; quer über die Gleise. Frankfurt (Main) 2000; Endmoränen. Frankfurt (Main) 2002; Wie ich ein Buch nicht schreiben kann u. es trotzdem versuche. Frankfurt (Main) 2005; Ach, Glück. Frankfurt (Main) 2007; Bitterfelder Bogen. Frankfurt (Main) 2009. Kloetzer, S.: Mitläufer u. Überläufer: Erzählte Ich-Krise in der DDR-Lit. der 80er Jahre, C. Hein u. M. M. Ann Arbor (Michigan) 1998; Boll, K.: Erinnerung u. Reflexion. Würzburg. 2002; Gilson, E. (Hrsg.): M. M. in perspective. Amsterdam 2002; Rausch, C.: Repression u. Widerstand. M. M. im Literatursystem der DDR. Marburg 2005; Gilson, E. (Hrsg.): Doch das Paradies ist verriegelt ? Zum Werk von M. M. Frankfurt (Main) 2006.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Marx, Siegfried

* 19.8.1934 – ✝ 20.6.1995

Geb. in Berlin; Studium der Astronomie in Jena, 1961 Dipl. zur Meteorphysik; anschl. wiss. Assistent an der Univ.-Sternwarte Jena; 1968 Prom. mit Untersuchungen über interstellare Wolken im Sternbild Kassiopeia; wiss. Sekr. der Sekt. Physik der Univ. Jena; 1984 Habil. über extragalaktischen Staub; 1974 – 91 Ltr. des Karl-Schwarzschild-Observatoriums; zugl. Honorarprof. u. nebenamtl. Ltr. des Wiss.-Bereichs Astronomie der Univ. Jena; 1969 – 90 Chefred. der populärwiss. Ztschr. »Astronomie u. Raumfahrt«; Mithrsg. der »Astronom. Bibliothek«; SED; ehrenamtl. Tätigkeit in versch. Gremien des KB u. der Urania. Nach 1990 sicherte er mit der Umwandlung des Karl-Schwarzschild-Observatoriums in die Thür. Landessternwarte den Fortbestand der Einrichtung, die er bis zu seiner Em. leitete; Vorlesungen an der Univ. Leipzig; ab 1992 Mithrsg. von »Ahnerts Kalender für Sternfreunde«; ab 1993 der Ztschr. »Sterne u. Weltraum«.Schmidt, K.-H.: S. M. Sterne u. Weltraum (1995) 34; Mitteilungen der Astronom. Ges. (1996) 79.Jürgen Hamel

Wer war wer in DDR

Maske, Henry

* 6.1.1964

Geb. in Treuenbrietzen; Vater Kranschlosser, Mutter Lohnbuchhalterin; KJS; seit 1973 aktiver Boxsportler, zunächst BSG Motor Ludwigsfelde, ab 1977 ASK Vorwärts Frankfurt (Oder) (Trainer: Hans Hörnlein, ab 1982  Manfred Wolke); 1977 Spartakiadesieger; 1978, 1980 u. 1981 DDR-Nachwuchsmstr.; bis 1990 Angeh. der NVA, Obltn.; Sportstudium; 1985, 1987 u. 1989 EM; 1985 Weltcup-Sieger; 1986 Vize-WM; 1989 WM Halbschwergewicht; 1988 Olympiasieger; März 1990 – 96 Berufsboxer, somit erster Profiboxer der DDR. 1993 – 96 IBF-WM; 1993 Sportler des Jahres; 1999 Gründung des »Henry Maske Fonds e. V.« zur Unterstützung sozial schwacher Kinder u. Jugendlicher; 2001 Bundesverdienstkreuz; 1995 u. 2004 »Goldene Henne«; Juli 2006 Ankündigung eines Comebacks nach zehn Jahren Wettkampfpause gegen seinen WM-Bezwinger Virgil Hill; 2007 Bambi u. »Comeback des Jahres«; 2008 Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westf.; lebt in Overath (b. Köln); betreibt mehrere Filialen einer amerikan. Schnellimbißkette.Nur wer aufgibt, hat verloren. Autobiogr. Bergisch-Gladbach 2006 (mit D. Vetten). Weise, K.: H. M. Auf eigene Faust. Der Weg zum Champion. Berlin 1996.Klaus Gallinat / Olaf W. Reimann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Massing, Paul

* 30.8.1902 – ✝ 30.4.1979

(* 1902 – † 1979) Geboren am 30. August 1902 in Grumbach/ Pfalz, Sohn eines Katasterkontrolleurs; besuchte das Realgymnasium in Bad Kreuznach, 1923 Reifeprüfung, studierte Wirtschafts- und Sozialwissenschaften an der Handelshochschule in Frankfurt/M. 1926 Diplom-Kaufmann, 1928 Promotion an der Universität Frankfurt/M. zum Dr. rer. pol. Mitglied der KPD, bis 1931 Arbeit am Internationalen Agrarinstitut in Moskau. Zurück in Deutschland, war er von 1931 bis 1933 Mitarbeiter des ZK der KPD in Berlin. 1933 verhaftet, verfaßte er nach fünfmonatiger Einzelhaft im KZ Oranienburg seinen autobiographischen Roman »Schutzhäftling 880«, den er 1935 unter dem Pseudonym Karl Billinger veröffentlichte. Durch Amnestie entlassen, floh er über Paris in die USA. Später nach Deutschland zurückgekehrt, arbeitete er illegal für die KPD. Wegen der Moskauer Säuberungen brach er mit dem Kommunismus. Massing emigrierte endgültig in die USA und lebte zunächst in Pennsylvania. Ab 1942 Mitarbeiter am Institute of Social Research an der Columbia University in New York. Von 1948 bis 1967 lehrte er politische Soziologie an der Rutgers University in New Brunswick im US-Bundesstaat New Jersey. Sein Werk »Rehearsal for Destruction: A Study of Political Antisemitism in Imperial Germany« (1949), erschien 1959 unter dem Titel »Vorgeschichte Antisemitismus« mit einem Vorwort von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno in Deutschland. 1971 kehrte Massing zurück ins elterliche Haus in Grumbach. Schwer erkrankt, kam er 1978 in ein Altersheim nach Tübingen, wo Paul Massing am 30. April 1979 starb. Er war mit Hede Massing, geb. Tune (* 1900 – †1981), verheiratet, die in erster Ehe mit Gerhart Eisler gelebt hatte. Sie war von 1931 bis 1938 Mitarbeiterin der sowjetischen Spionagedienste, trennte sich später vom Kommunismus und publizierte 1951 in den USA ihr Buch »This Deception« (dt. »Die große Täuschung. Geschichte einer Sowjetagentin«, 1967).

Wer war wer in DDR

Matern, Hermann

* 17.6.1893 – ✝ 24.1.1971

Geb. in Burg (b. Magdeburg); Vater Arbeiter; Volksschule; 1907 – 11 Ausbildung zum Gerber; danach als Geselle auf Wanderschaft; 1907 SAJ; 1910 Mitgl. im dt. Lederarbeiterverb.; 1911 SPD, 1914 aus Protest gegen die Bewilligung der Kriegskredite ausgetreten; Weltkriegsteilnehmer in Frankreich; 1918 USPD; Teiln. an der Nov.-Rev.; Mitgl. des Arbeiter- u. Soldatenrats, zum Kommandanten gewählt; 1919 KPD; Vors. der KPD Burg; 1926 – 28 KPD-Gewerkschaftssekr.; 1928/29 Besuch der Internat. Lenin-Schule in Moskau; 1929 – 31 Pol.-Ltr. in Magdeburg; 1931 – 33 Pol.-Ltr. im Bez. Ostpr.; 1932/33 Mitgl. des Preuß. Landtags; Febr. 1933 Teiln. an der illeg. ZK-Tagung der KPD in Ziegenhals; ab April 1933 Ltr. der illeg. Bez.-PO Pommern der KPD; 14.7.1933 verhaftet; Sept. 1934 Flucht aus dem Gefängnis Altdamm (Stettin) u. Emigr. im Parteiauftrag in die ČSR; Arbeit für die RH; Mai 1935 über die Schweiz nach Paris (Juli 1935 – Febr. 1936); über Belgien in die Niederlande; Nov. 1937 zum Stützpunktaufbau nach Norwegen (Dez. 1937 – April 1940); weiter nach Stockholm (»Jansen«); Ausbürgerung am 4.7.1940 (Liste 186); Frühj. 1941 Übersiedl. nach Moskau; Mitgl. u. tätig im NKFD, Lehrer an der Zentr. Antifa-Schule in Krasnogorsk. 1.5.1945 Rückkehr nach Dtl. als Mitgl. der KPD-Gruppe für Sachsen (Ltr.  Anton Ackermann); 1945/46 1. Sekr. der BL Sachsen der KPD; 1946 – 48 Vors. des Landesverb. Groß-Berlin der SED; 1946 – 50 Mitgl. des ZS des PV, ab 1950 des PB des ZK der SED; Nov. 1948 Vors. der ZPKK des PV bzw. ZK, (bis 1950 parität. mit  Otto Buchwitz) ein Hauptakteur innerparteil. »Säuberungen«; 1948 Mitgl. des Dt. Volksrats, ab 1949 Abg. der (Prov.) Volkskammer; 1950 – 54 Vizepräs., ab 1954 1. Stellv. des Präs. der Volkskammer; 1957 – 60 Vors. ihres Ständ. Aussch. für die örtl. Volksvertr.; seit 1958 Mitgl. des Präs. des NR der NF; 1953 KMO; 1955 VVO; 1960 Banner der Arbeit; 1963 Held der Arbeit; 1965 Ehrenspange zum VVO; 1967 Stern der Völkerfreundschaft; 1969 KMO; gest. in Berlin.Im Kampf für Frieden, Demokratie u. Soz. Ausgew. Reden u. Schriften, 2 Bde. Berlin 1963. Rothe, L., Woitinas, E.: H. M. Aus seinem Leben u. Wirken. Berlin 1981; Nicht so feierlich Genossen. Sonderdruck zum 75. Geburtstag von H. M. Berlin 1969; Lamprecht, W.: Die Flucht von H. M. und weiteren Kommunisten aus dem Gefängnis in Altdamm bei Stettin. In: Stralsund-Greifswalder Jb. Bd. 9. Weimar 1970; Klein, T.: »Für die Einheit u. Reinheit der Partei«. Köln u. a. 2002.Michael F. Scholz

Wer war wer in DDR

Matthes, Hubert

* 22.3.1929

Geb. in Söllichau (b. Wittenberg); Vater Arbeiter; Volksschule Söllichau; 1945 Volkssturm, Desertion. 1945 – 48 Ausbildung zum Gärtner in Bad Düben, Gärtnergehilfe; 1948 / 49 FS für Gartenbau Dresden-Pillnitz, Abschluß Gartenbautechniker; 1951 Mitgl. in der DBA; 1951 – 89 Mitglied BDA; Projektierung Park am Amtssitz des Präsidenten der DDR in Berlin-Niederschönhausen (zus. mit  Reinhold Lingner); 1952 2. Preis beim Ideenwettbewerb Ehrenhain Buchenwald; 1954 Mitgl. des Kollektivs Buchenwald (mit Hans Grothewohl, Kurt Tausendschön,  Hugo Namslauer u. a.); 1954 – 58 Mitgestaltung der Gedenkstätte Buchenwald, 1954 – 59 der Gedenkstätte Ravensbrück; 1955 – 57 Wiederaufbauplanung in Nordkorea; 1958 Zoo Rostock (mit  Heinz Graffunder); 1959 SED; 1959 NP; 1959 – 61 Gedenkstätte Sachsenhausen; 1960 – 62 Mitarb. der DBA; 1964 Garten u. Freiflächen am Staatsratsgebäude Berlin; 1962 – 67 Angest. beim VEB Berlin-Projekt; 1967 bei Ingenieur Hochbau Berlin, Abt. Freiflächenplanung; 1965 – 70 Fernstudium an der HU Berlin, Dipl.-Gärtner; 1966 Zoo Cottbus (mit H. Graffunder); 1969 Rosengarten Berlin-Treptow; 1968 / 69 Freiflächen am Berliner Alexanderplatz u. am Fernsehturm (beide mit Dieter Bankert u.  Manfred Prasser); 1975 / 76 Pionierpark Wuhlheide (mit Günter Stahn); 1976 Freiflächen am Platz der Akademie (Gendarmenmarkt) in Berlin; 1975 Fennpfuhlpark Berlin-Lichtenberg; 1977 – 80 Ltr. des Bereichs Freiraumgestaltung im Büro für Städtebau beim Berliner Magistrat; 1978 – 81 Entwurf Ernst-Thälmann-Park Berlin; 1978 – 92 Prof. für Landschaftsarchitektur an der HAB Weimar; 1979 Architekturpreis der DDR, Architekturpreis der Hauptstadt der DDR; 1980 Projektierung des Lustgartens in Berlin. 1992 Ruhestand; 1992 – 98 freiberufl. tätig; 1992 – 95 Honorardoz. an der HAB Weimar; 1993 3. Preis beim Wettbewerb Bundesgartenschau Magdeburg 1998; lebt in Berlin-Biesdorf.Ökolog. Traditionen in der Landschaftsarchitektur. Autoren, Ideen, Projekte. In: Die Ökologie der Stadt u. ihres Umlandes. Weimar 1988; Gargulia, N.: Orte des NS-Terrors. Zur Geschichte der Gestaltung ihrer Gedenkstätten in der ehem. DDR. Berlin 1993 (mit L. Deiters); Zur Gestaltung der Nationalen Mahn- u. Gedenkstätte Ravensbrück. In: Eschenbach, I. I. u. a.: Die Sprache des Gedenkens. Zur Geschichte der Gedenkstätte Ravensbrück 1945 – 95. Berlin 1999; Hoffjan, T., Gerischer, A., Matthes, H. u. a.: Freiraum komplex. Berlin 2003. Barth, H., Topfstedt, T. u. a.: Vom Baukünstler zum Komplexprojektanten. Architekten in der DDR. Erkner 2000; Günther, H.: Landschaftsarchitektur in der DDR. In.: Garten u. Landschaft (2003) 8.Volker Wagner

Wer war wer in DDR

Mattheuer, Wolfgang

* 7.4.1927 – ✝ 7.4.2004

Geb. in Reichenbach (Vogtl.); Mutter Textilarb., Vater Buchbinder; 1942 – 44 Lehre als Lithograph; 1944/45 Militärdienst, verwundet, Gefangenschaft. 1946/47 Studium an der Kunstgewerbeschule Leipzig, anschl. bis 1951 HS für Grafik u. Buchkunst Leipzig, Lehrer Egon Pruggmayer; seit 1952 freischaff.; Mitarb. der »Tägl. Rundschau«; 1953 Assistent; 1956 Doz.; 1958 SED; 1965 – 74 Prof. an der HS für Grafik u. Buchkunst Leipzig; 1973 Kunstpreis; ab 1974 freischaff.; 1974 u. 1984 NP; 1978 AdK; 1988 Austritt aus der SED. 1993 Bundesverdienstkreuz; 1993/94 AdK Berlin-Brandenb.; 1997 Retrospektive in Chemnitz; 1998 Beteiligung an der Ausstellung »Ideal u. Wirklichkeit« in Salzburg; 1999 Ankauf von Bildern von M. für das Reichstagsgebäude in Berlin; gest. in Leipzig. Werke: Kain (1965), Ein schöner Sonntag (1968), Das zweite Gesicht (1970), Der schwere Anfang, Ein Baum wird gestutzt, Leipzig (1971), Hinter den sieben Bergen (1973), Requiem für Victor Jara, Die Ausgezeichnete (1974), Sisyphos behaut den Stein, Der befreite Sisyphos u. a. (70er Jahre), Gewitter über Schöneck (1980), Drinnen, Draußen u. ich (1986), Panik (1987), Der Jh.-Schritt (1984/87).Aus meiner Zeit – Tagebuchnotizen u. andere Aufzeichnungen. Stuttgart 2002. Lang, L.: W. M. Berlin 1975; Hütt, W.: W. M. Maler u. Werk. Dresden 1975; Schönemann, H.: W. M. Leipzig 1988; Kat. W. M. Staatl. Kunstsammlung Dresden 1974; Kat. Kunstverein Hamburg 1977; Museum der bildenden Künste Leipzig; Kat. Lunds Kunsthall 1980; W. M. Galerie Brusberg 1990; Greiner, U.: Nachruf. In: Die Zeit 15.4.2004; Mattheuer-Neustädt, U., Schrödl, J. (Hrsg.): W. M. Ausstellungskat. Galerie Villa Bösenberg. Leipzig 2005.Anke Scharnhorst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Mätzchen, Bruno

* 13.6.1901 – ✝ 5.6.1979

Geboren am 13. Juni 1901 in Berlin-Pankow, Sohn eines Maurers; lernte Maschinenschlosser und arbeitete bis 1924 in Berliner Metallbetrieben. Seit 1918 Mitglied des DMV, 1919 der USPD, trat 1920 in die KPD ein. Er war 1924 Polleiter des Verwaltungsbezirks Berlin-Pankow und von 1925 bis 1927 Sekretär und Gauleiter des RFB Berlin-Brandenburg. Als Anhänger von Ruth Fischer 1927 wegen »Fraktionstätigkeit« aus der KPD ausgeschlossen, wurde er Mitglied des Leninbunds. Im August 1927 stellte er gemeinsam mit 17 prominenten Linkskommunisten, darunter Wolfgang Bartels, Ruth Fischer, Anton Grylewicz, Werner Scholem, Hugo Urbahns und anderen einen Antrag auf Wiederaufnahme in die KPD, der aber am 17.September 1927 vom Präsidium des EKKI als provokatorisch abgelehnt wurde. Mätzchen blieb bis 1932 im Leninbund aktiv, arbeitete von 1928 bis 1931 als Bierfahrer, dann bis 1945 als Werkmeister in Berlin-Reinickendorf. 1945 wieder Mitglied der KPD, die russische Besatzungsmacht ernannte ihn im Juni 1945 zum Bürgermeister von Berlin-Pankow. Ab Anfang 1947 Sekretär der SED Berlin-Pankow, 1950 Hauptreferent in der SED-Landesleitung, anschließend beim Magistrat von Ost-Berlin. Wegen seiner früheren Mitgliedschaft im Leninbund als »Renegat der Arbeiterklasse« am 5. Oktober 1951 aus der SED ausgeschlossen. Von 1951 bis 1953 beim Konsum Berlin-Lichtenberg. Der Parteiausschluß wurde im Januar 1957 aufgehoben, ab Januar 1958 war er Direktor bei der BVG in Ost-Berlin, 1976 erhielt er den VVO in Bronze. Bruno Mätzchen starb am 5. Juni 1979 in Ost-Berlin.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Marchlewski, Julian

* 17.5.1866 – ✝ 22.3.1925

Julian Balthasar Marchlewski wurde am 17. Mai 1866 in Wloclawek/Kongreßpolen als Sohn einer verarmten Getreidehändlerfamilie geboren. Er besuchte das Gymnasium und arbeitete anschließend als Färber in verschiedenen Textilfabriken Polens, Deutschlands und der Schweiz. 1891 von der zaristischen Polizei inhaftiert, emigrierte in die Schweiz und studierte von 1892 bis 1896 an der Universität Zürich Rechts- und Staatswissenschaften. 1896 promovierte er mit der Dissertation »Der Physiokratismus in Polen«. Zusammen mit Rosa Luxemburg und Leo Jogiches gründete Marchlewski 1893 die Sozialdemokratie des Königreiches Polen (ab 1900 Sozialdemokratie des Königreiches Polen und Litauens, SDKPiL). Er gehörte deren Hauptvorstand an und vertrat die Partei auf internationalen Kongressen. Von 1896 bis 1919 lebte Marchlewski mit Unterbrechungen in Deutschland. Als Ausländer zur halblegalen Arbeit gezwungen, war er unter einer Vielzahl von Pseudonymen, z.B. Karski, vor allem journalistisch tätig, ab 1902 als ständiger Mitarbeiter der »Leipziger Volkszeitung«. Wegen seiner Teilnahme an der Revolution 1905 in Rußland wurde Marchlewski in der Festung Modlin eingekerkert. 1908 zog er nach Berlin, gehörte zu den Führern der deutschen radikalen Linken, obwohl kein Mitglied der SPD. Mit Rosa Luxemburg und Franz Mehring wurde er 1913 aus der »Leipziger Volkszeitung« verdrängt und gab mit beiden bis Mitte 1915 die »Sozialdemokratische Korrespondenz« heraus. Im Juli 1914 für drei Monate eingesperrt, er gehörte zu den Mitbegründern der Gruppe Internationale, der späteren Spartakusgruppe. Marchlewski schrieb wichtige Flugschriften und verschiedene Artikel für die »Spartakusbriefe«. Von Mitte 1916 bis Mitte 1918 war er erneut inhaftiert. Nachdem ihn die Sowjetregierung gegen deutsche Kriegsgefangene austauschte, gehörte er dem Gesamtrussischen Zentralexekutivkomitee der Sowjets in Moskau an. Im Januar 1919 kehrte er nach Deutschland zurück, wurde in die Zentrale der KPD kooptiert und arbeitete illegal für die junge Partei im Ruhrgebiet, dort im Februar 1919 auf einer Konferenz aller Arbeiter- und Soldatenräte in den Beirat für die Sozialisierung im rheinisch-westfälischen Industrierevier gewählt. Im April 1919 mußte Marchlewski aus Deutschland fliehen, gehörte zu den Unterzeichnern des Aufrufs zur Gründung der Kommunistischen Internationale und war dann Mitbegründer der Kommunistischen Arbeiterpartei Polens. Im Auftrag der Sowjetregierung war er von 1919 bis 1922 an Friedensverhandlungen mit Polen, Litauen, Finnland, Japan und China beteiligt. Von Juni 1922 bis März 1925 Rektor der KUNMS, die später seinen Namen erhielt; auch Mitbegründer und Vorsitzender der IRH. Julian Marchlewski starb während eines Kuraufenthaltes am 22. März 1925 in Nervi (Italien). Seinem letzten Willen entsprechend wurde seine Urne nach Deutschland überführt und am 5. April 1925 in Berlin-Friedrichsfelde in unmittelbarer Nähe des Grabes von Rosa Luxemburg beigesetzt. Im Mai 1950 wurde Julian Marchlewskis Urne dann nach Polen gebracht.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Margies, Rudolf

* 25.2.1884 – ✝ 31.5.1937

Geboren am 25. Februar 1884 in Parchau/Krs. Jerichow, von Beruf Tischler. 1904 Mitglied des DHV und der SPD. Bereits vor 1914 soll Margies wegen diverser krimineller Delikte zu Haftstrafen verurteilt worden sein. Er war Soldat im Weltkrieg. Während der Novemberrevolution im Ruhrgebiet Mitglied der USPD, 1920 der KPD. Margies wurde Angehöriger des AM-Apparats, 1922 wegen der Erschießung eines Polizisten auf einer KPD-Kundgebung in Bochum zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt, dann aber amnestiert. Als führender Mitarbeiter des AM-Apparats von 1923 wurde er 1925 im Leipziger »Tscheka-Prozeß« zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. Der Versuch, Margies ähnlich wie Otto Braun dann 1928 aus dem Gefängnis zu befreien, schlug fehl. Der XII. Parteitag 1929 wählte ihn (in Abwesenheit) in das Ehrenpräsidium. Im Oktober 1930 amnestiert, fand anläßlich seiner Entlassung eine große Feier der KPD in Essen statt. Anfang 1931 reiste er in die Sowjetunion, besuchte dort die M-Schule der Komintern, wurde Mitglied der KPdSU. Margies war in Moskau eng mit Max Hoelz befreundet, er soll zuletzt als Deutschlehrer gearbeitet haben und erhielt noch im September 1936 von Friedrich Fränken und Heinrich Wiatrek eine positive Beurteilung. Am 4.November 1936 als »Teilnehmer« der erfundenen »Hoelz-Wollenberg-Organisation« vom NKWD verhaftet, er wurde beschuldigt, Mitglied einer terroristischen trotzkistischen Gruppe unter Führung von Erich Wollenberg zu sein und einen Bombenanschlag auf Georgi Dimitroff geplant zu haben. Rudolf Margies wurde am 31. Mai 1937 zum Tode verurteilt und am gleichen Tag erschossen. Seine Frau Stanislawa Margies (*1881) wurde 1937 ebenfalls verhaftet und verschwand im Gulag, ihr Sohn Gerhard (*1921) kam 1942 in einem sowjetischen Lager ums Leben.

Wer war wer in DDR

Markgraf, Paul

* 17.7.1910 – ✝ 7.4.1993

Geb. in Berlin; Vater Angest.; Volksschule, Ausbildung zum Bäcker in Westfalen; ab 1931 Berufssoldat, Unteroffizierslaufbahn bei der Infanterie; 1941 Ltn.; 1942 Obltn.; 1943 als Hptm. der mot. Panzerjäger-Abt. 40 bei Stalingrad in sowj. Kriegsgefangenschaft geraten; Antifaschüler; NKFD. 1945 Rückkehr nach Dtl.; 1945 – 49 Polizeipräs. zunächst von Gesamt-, ab 26.7.1948 von Berlin (Ost); 1946 SED; 1950 Besuch der Militärakad. in der Sowjetunion; danach Kommandeur einer VP-Bereitschaft; Oberst der KVP, dann NVA; Beauftr. für das Transportwesen des Nat. Aufbauprogramms bei der GD Kraftverkehr u. Straßenwesen; Mitarb. der HV Kraftverkehr im Min. für Verkehrswesen; 1970 VVO.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Marks, Arthur

* 19.6.1892 – ✝ 15.5.1932

Geboren am 19. Juni 1892 in Duisburg; dort Arbeiter und seit 1912 in der SPD. Im Weltkrieg Soldat, er gehörte der starken Duisburger linken Oppositionsgruppe um Karl Minster an, die sich mit Ullrich Rogg dem Spartakusbund anschloß. Seit Gründung in der KPD galt Marks als einer der bekanntesten Duisburger Kommunisten. Der V. Parteitag der KPD im November 1920 wählte ihn in den ZA. Er wurde noch Ende 1920 inhaftiert, kam aber durch eine Amnestie 1921 wieder frei. Noch einige Zeit für die KPD aktiv, zog er sich bald aus der Politik zurück. Arthur Marks starb am 15. Mai 1932.

Wer war wer in DDR

Marquardt, Hans

* 12.8.1920 – ✝ 11.11.2004

Geb. in Simmatzig (Krs. Belgard, Hinterpommern / Smardzko, Polen); Vater Landarb.; Volksschule, Abend-OS in Stolp; kfm. Lehre; 1939 – 45 Wehrmacht. 1945 Aussiedl. nach Bremen; 1946 – 48 Red. für Jugend- u. Schulfunksendungen am Sender Leipzig; 1948 – 52 Studium der Journalistik u. Germanistik in Leipzig; 1952 ltd. Red. beim ADN; 1953 – 60 Cheflektor; 1961 – 87 Ltr. des Verlags Philipp Reclam jun. Leipzig (Reclams Universal-Bibliothek nahm unter seiner Ltg. verstärkt mod. Belletristik, einschließl. Lyrik u. Essayistik, auf); rege Hrsg.-Tätigkeit, u. a. von graf. Werken HAP Grieshabers,  Josef Hegenbarths u.  Max Schwimmers; 1977 Gutenberg-Preis der Stadt Leipzig; 1970 – 89 als IM »Hans« des MfS erf.; 1982 – 99 Mitgl. des PEN (Austritt aus Protest gegen die Kosovo-Debatte im PEN); 1982 u. 1985 NP (im Koll.); Veranstaltung von Kunstausstellungen innerhalb des KB, später der Kulturstiftung Rügen, dessen Stellvertr. Vors. er war; gest. auf Rügen.Autoren, Verleger, Bücher. Ein Almanach. Für H. M. Leipzig 1985; H. M. Bibliograph. Kalenderblatt der Stadtbibliothek Berlin. 12. Aug. 1990; Faber, E. u. a.: Verlegerlatein. In: Die Pfeffersäcke – die Verleger. Leipzig 1996.Carsten Wurm

Wer war wer in DDR

März, Roswitha

* 15.10.1940

Geb. in Warnsdorf (Nordböhmen / Varnsdorf, Tschechien) in einer Arbeiterfamilie, Vater 1943 gefallen; nach der Umsiedl. 1945 Besuch der Internats-OS in Wickersdorf, 1959 Abitur an der ABF Halle; 1959 – 60 Kesselfahrerin in den Chem. Werken Buna; 1960 – 65 Studium der Mathematik an der Staatl. Univ. Leningrad, Dipl.; 1970 Prom. an der TH Karl-Marx-Stadt mit einer Arbeit über die Approximation von Funktionen; 1972 facultas docendi an der HU Berlin, 1974 dort Doz. für Numer. Mathematik; 1978 Habil. an der TH Karl-Marx-Stadt mit einer Schrift über parametr. Interpolationsmethoden; 1980 Ord. Prof. für Numer. Mathematik an der HU Berlin; 1988 Korr. Mitgl. der AdW. 1993 Neuberufung an der HU Berlin; seit 1993 Mitgl. der Leibniz-Sozietät; 1994 – 97 Gründungsvors. des Dt. Hochschullehrerinnenbundes; 2006 Ruhestand; verh. mit dem Soziologen  Helmut Steiner; lebt in Berlin. Hauptforschungsgebiete: Differenzenverfahren für degenerierte partielle Differentialgleichungen; Approximations- u. Interpolationsverfahren, Probleme der optimalen Steuerung u. Regelung, grundlegende Arbeiten über Algebra-Differentialgleichungen (Strukturanalysen, Traktabilitätsindex), numer. Verfahren zur Lösung von Anfangswertaufgaben u. Randwertaufgaben für gewöhnl. Differentialgleichungen u. Algebra-Differentialgleichungen; Kooperationsprojekte zu math. Problemen der industriellen Schaltungssimulation.Differential-Algebraic Equations and Their Numerical Treatment. Leipzig 1986 (mit E. Griepentrog).Annette Vogt

Handbuch Deutsche Kommunisten

Maslow, Arkadi

* 9.3.1891 – ✝ 20.11.1941

Der am 9. März 1891 in Jelisawetgrad/Südrußland geborene Isaak Jefimowitsch Tschemerinsky entstammte einer begüterten jüdischen Kaufmannsfamilie. Die Mutter Ljuba kam aus einem wohlhabenden Kaufmannshaus, sie ließ sich um die Jahrhundertwende scheiden und übersiedelte mit den Kindern nach Deutschland. Der Sohn wurde 1899 nach Dresden in die Kreuzschule geschickt und machte das Abitur. Danach besuchte er das Konservatorium, legte die Prüfungen als Pianist ab und ging auf Konzertreisen. 1912 begann er mit dem Studium der Naturwissenschaften (u. a. bei Albert Einstein und Max Planck) in Berlin. Bald zeigten sich seine glänzenden Fähigkeiten auf dem Gebiet der Physik. Zur Arbeiterbewegung hatte er vor dem Weltkrieg keine Beziehungen. Während des Krieges als russischer Staatsangehöriger zunächst Zivilgefangener, meldete er sich freiwillig für die Arbeit unter den russischen Kriegsgefangenen und kam als Dolmetscher in eine Sondereinheit der deutschen Armee. Im Krieg wie so viele radikalisiert, soll er im Dezember 1918 dem Spartakusbund beigetreten sein. Dann setzte er seine Studien an der Berliner Universität fort. 1919 lernte er in Berlin Ruth Fischer und Paul Levi kennen, die ihn endgültig für den Kommunismus gewinnen konnten. In Berlin für die KPD aktiv, nahm er den Namen Arkadi Maslow an und ließ diese Namensänderung später legalisieren. Auf dem V. Parteitag der KPD (November 1920) als Vertreter der »russischen Sektion« (Kriegsgefangene) in den ZA der Partei gewählt. Ab 1921 leitete Maslow gemeinsam mit Ruth Fischer die starke Berliner Parteiorganisation und die linke Opposition in Deutschland. Der musisch, theoretisch und politisch gleichermaßen begabte Maslow wurde zum Theoretiker des linken Flügels der KPD, Mitarbeiter am theoretischen Organ der KPD »Die Internationale« und 1921 Redakteur für außenpolitische Fragen bei der »Roten Fahne«. Auf dem VII. Jenaer Parteitag 1921 für die Berliner Organisation erneut in den ZA gewählt, wuchs seine Bedeutung in der KPD. Seine Position festigte sich, da er sehr rasch arbeitete und als Russe die Diskussionen in der Sowjetrepublik anhand der Quellen direkt verfolgen konnte. Aber gerade die russischen Kommunisten übten bald Kritik an Maslow. Im Februar 1922 in Berlin verhaftet, machte er bei der Polizei falsche Angaben, er behauptete als russischer Agent und Vertrauensmann Trotzkis und Radeks nach Deutschland gekommen zu sein. Er hoffte bei der damaligen guten Verbindung zwischen Deutschland und Rußland damit eher freizukommen. Später wurde er wegen dieser Lüge vor ein Parteischiedsgericht gestellt. Ein Berliner Gericht verurteilte ihn 1922 zudem wegen Besitzes eines falschen Passes (auf den Namen Maslow) zu acht Monaten Gefängnis. Als er 1923 aus Deutschland ausgewiesen werden sollte, tauchte er in der Illegalität unter. 1923 verschärften sich die Gegensätze zwischen der linken Opposition und der KPD-Führung unter Heinrich Brandler. Auf dem VIII. Leipziger Parteitag trat Maslow gemeinsam mit Ruth Fischer als Wortführer für die linke Opposition auf und wurde wieder in den ZA sowie in die Redaktionskommission gewählt. Im September 1923 kam er nach Moskau, er sollte dort an der Diskussion über die Vorbereitung des deutschen Oktoberaufstandes teilnehmen, wurde statt dessen von der Komintern vor die Internationale Kontrollkommission gestellt. Schon lange kursierten in der KPD und der Komintern Gerüchte, nach denen Maslow als Polizeiagent verdächtigt und ihm seine Haltung vor der deutschen Polizei im Jahre 1922 besonders angelastet wurde. Nach langen Debatten rehabilitierte ihn zwar eine Kommission unter Vorsitz Stalins, aber er wurde dennoch in Moskau festgehalten. Erst nachdem im Januar 1924 eine Konferenz in Moskau die Ablösung der Brandler-Führung beschlossen hatte, durfte Maslow nach Deutschland zurück. Hier stand er zusammen mit Ruth Fischer an der Spitze der Linken, die im April 1924 die Führung übernahmen. In die Zentrale und ins Polbüro gewählt, galt er nun als Kopf der Partei. Aber schon am 20. Mai 1924 wurde Maslow bei der Fahndung nach einem Handtaschendieb im Berliner Lunapark zufällig zur Sistierung festgenommen und nach Ermittlung seiner wahren Identität festgehalten. Vom Gefängnis aus leitete er weiterhin die politische Arbeit der KPD. In der Diskussion gegen Trotzki schrieb er ein umfangreiches Werk: »Die zwei Revolutionen des Jahres 1917«, das von der KPD mit großem Propagandaaufwand verbreitet wurde. Auch der X. Parteitag im Juli 1925 wählte Maslow ins ZK und ins Polbüro. Er wurde Ehrenvorsitzender der marxistisch-leninistischen Zirkel und auch mit vielen anderen Ehrungen bedacht. Am 1. September 1925 begann der Prozeß gegen Maslow, Anton Grylewicz, Paul Schlecht und Wilhelm Schumacher. Am gleichen Tage druckte die »Rote Fahne« den »Offenen Brief« der Komintern, in dem Maslow und Ruth Fischer heftig kritisiert wurden. Während des Maslow-Prozesses herrschte in der KPD-Presse ein heilloses Durcheinander; einerseits wurde Maslows Freilassung gefordert und seine Verdienste herausgestellt, andererseits mußte er aufgrund des »Offenen Briefes« verdammt werden. Das Gericht verurteilte Maslow schließlich zu vier Jahren Gefängnis. Als die Komintern die alten Gerüchte wiederholte, verteidigte Ruth Fischer, die seit Jahren mit Maslow nicht nur politisch, sondern auch persönlich eng liiert war, in Moskau ihre und Maslows Haltung und Person. Im Juli 1926 wurde er wegen seines schlechten Gesundheitszustandes aus dem Gefängnis beurlaubt und die vom Gericht ausgesprochene Ausweisung aufgeschoben. Am 20. August 1926 schloß die KPD Maslow und Ruth Fischer aus ihren Reihen aus. Schon am 4. August hatte die KPD-Presse die bekannten Vorwürfe aufgewärmt und geschrieben: »Maslow – ein Agent in den Händen der deutschen Bourgeoisie?« Während des Prozesses gab es kaum Kritik an Maslows Verteidigung, doch nun wurde er beschuldigt, sich vor Gericht »unproletarisch« verhalten zu haben. Die sowjetische Nachrichtenagentur TASS meldete sogar aus Berlin (aus angeblich zuverlässigen Quellen), Maslow habe die Behörden ersucht, ihn nicht aus Deutschland auszuweisen, ein weiterer Aufenthalt in Deutschland sei »zugebilligt« worden. »Die Einwendungen gewisser Kreise gegen die Genehmigung des Maslowschen Gesuches wurden durch die Erwägung einflußreicher Beamter im Justizministerium entkräftet, die darauf hingewiesen haben, daß Maslow zur Bildung von Fraktionen innerhalb der Kommunistischen Partei nützlich sei.« Mit Rufmord wollte die KPD-Führung Maslow gerade an solcher Tätigkeit hindern. Er schloß sich der linken Opposition an und gehörte zu den Mitbegründern des Leninbundes. Gemeinsam mit Ruth Fischer zog er sich schon vor den Wahlen im Mai 1928 – nachdem Sinowjew vor Stalin kapituliert hatte – aus dem Leninbund zurück. Er trat bis 1933 politisch wenig hervor, seinen Lebensunterhalt bestritt er durch Übersetzungen (z. B. Pokrowskis »Geschichte der russischen Revolution«). 1933 floh er zusammen mit Ruth Fischer nach Paris, wo sich beide bis 1940 aufhielten. Sie arbeiteten 1934 eng mit Trotzki zusammen, bis es 1936 zum Bruch kam. 1936 gründeten sie die kleine Gruppe Internationale (Marxisten-Leninisten), die bis Januar 1939 ein gleichnamiges Mitteilungsblatt herausgab, für das Maslow die wichtigsten Artikel schrieb. Während der Stalinschen Moskauer Schauprozesse wurde er erneut als »Agent« diffamiert. 1940 konnte Maslow nach Kuba entkommen, es glückte ihm aber nicht, wie Ruth Fischer, in die USA zu gelangen, da er kein Visum erhielt. Am 20. November 1941 kam Arkadi Maslow in Havanna ums Leben, wurde auf der Straße eines berüchtigten Viertels tot aufgefunden. Obwohl laut ärztlichem Befund einem Herzschlag erlegen, nahm Ruth Fischer an, Maslow sei von Stalins Agenten ermordet worden. Das meinten auch andere. Franz Pfemfert schrieb 1946 an Ruth Fischer: »Daß er in Havanna ermordet wurde – weil der dem Moskauer ?Großen? und seinen Knechten sehr, sehr gefährlich war –, daran habe ich nie eine Sekunde gezweifelt.« Die Biographie Maslows, an der Ruth Fischer arbeitete, hat sie nicht mehr zu Ende führen können. Der von Peter Lübbe 1990 veröffentlichte Briefwechsel (»Abtrünnig wider Willen«) gibt Einblicke in Maslows Leben. Die These von der Ermordung ist nach heutigen Kenntnissen der Stalinschen Praktiken und Verbrechen durchaus wahrscheinlich.

Wer war wer in DDR

Massloff, Kurt

* 15.5.1892 – ✝ 28.10.1973

Geb. in Döhlen (b. Dresden); 1910 – 12 Vorschule für Graphik u. Buchgewerbe, 1912 – 15 Studium an der Akad. für Graphik u. Buchgewerbe Leipzig; 1915 – 18 Soldat; 1927 KPD; 1930 Mitgl. der Assoziation Rev. Bildender Künstler Dtl. (ASSO) in Leipzig; 1932 – 33 Zeichenlehrer der Marxist. Arbeiterschule (MASCH); 1933 Verhaftung u. Verurteilung zu drei Jahren Zuchthaus; teilweise Vernichtung seiner Werke, Berufsverbot; 1941 erneute Verhaftung u. Verurteilung zu lebenslängl. Haft. Mai 1945 Befreiung aus dem Zuchthaus Waldheim; 1946 SED; 1947 – 58 Prof. u. Rektor der HS für Grafik und Buchkunst (HGB) in Leipzig; gest. in Leipzig. Bis Ende der 1920er Jahre schuf M. vorwiegend Landschaften u. Stilleben, die der Moderne verpflichtet waren. Nach seinem Eintritt in die KPD wandte er sich zunehmend kämpfer.-polit. Themen zu, die dann nach 1947 seine Tätigkeit in der HGB prägten.50 Jahre ASSO in Leipzig. Ausstellung im Museum der bildenden Künste Leipzig, Ausstellungs-Katalog. Leipzig 1979.Beatrice Vierneisel

Handbuch Deutsche Kommunisten

Matern, Hermann

* 17.6.1893 – ✝ 24.1.1971

Geboren am 17. Juni 1893 in Burg bei Magdeburg, Sohn eines sozialdemokratischen Arbeiters; lernte von 1907 bis 1911 Gerber. 1907 trat er in die Arbeiterjugend, 1911 in die SPD ein. Matern reiste als Wandergeselle durch die Schweiz und Österreich, von 1914 bis 1918 Soldat an der Westfront, danach Mitglied der USPD sowie in Burg im Arbeiter- und Soldatenrat. 1919 Mitbegründer der KPD in Burg, stand auf deren linkem Flügel, blieb bis 1926 Gerber. Er trennte sich 1925 von den Linken und leitete von 1926 bis 1928 den Landarbeiterverband in Burg. Im August 1926 Mitglied der KPD-BL Magdeburg-Anhalt und deren hauptamtlicher Sekretär für Gewerkschaftsfragen. Ab November 1927 Polleiter des Bezirks Magdeburg. Von Dezember 1928 bis Mai 1929 Kursant der Internationalen Leninschule in Moskau, danach wieder Polleiter des Bezirks Magdeburg. 1931 als Polleiter in den Bezirk Ostpreußen versetzt, wurde Matern im April 1932 in den Preußischen Landtag gewählt. Im Februar 1933 Teilnehmer der illegalen Tagung der KPD-Führung in Ziegenhals bei Berlin, er übernahm im April 1933 die Leitung der illegalen KPD in Pommern. Am 14. Juli 1933 von der Polizei in Stettin verhaftet, im Gefängnis Altdamm bei Stettin schwer gefoltert, gelang ihm am 19. September 1934 mit drei anderen Häftlingen die Flucht. Matern ging zunächst nach Prag, gehörte von Juli 1935 bis Februar 1936 zur Leitung der kommunistischen Emigration in Paris, dann in den Niederlanden und Belgien. Seit Januar 1938 lebte Matern in Norwegen, von April 1940 bis April 1941 illegal in Schweden. Mit einem sogenannten Rückkehrerpaß kam Matern, begleitet von seiner Lebensgefährtin und späteren Frau Jenny, geborene Pickerodt (* 11. 4. 1904 – †22. 9. 1960), im April 1941 in die Sowjetunion. Zunächst an der Komintern-Schule, dann bis Mai 1945 als Lehrer an der Zentralen Antifaschule in Krasnogorsk. Zusammen mit Anton Ackermann traf Matern am 1. Mai 1945 in Dresden ein, wo er (ähnlich wie Walter Ulbricht in Berlin) als Vertrauensmann der Sowjets eingesetzt wurde. Hier übernahm er als Stadtrat die Personalpolitik, wurde dann Vorsitzender der KPD in Sachsen, im April 1946 Vorsitzender der SED in Berlin. Matern gehörte ab 1946 ununterbrochen zur Spitzenführung der SED, als Mitglied des ZS bzw. ab 1949 des Politbüros war er stets ein treuer Gefolgsmann Ulbrichts. Im Januar 1949 wurde er (anfangs noch paritätisch mit Otto Buchwitz) Vorsitzender der wichtigen Zentralen Parteikontrollkommission (ZPKK), war der eigentliche Chef und Ulbrichts »rechte Hand« bei den geplanten und den durchgeführten Säuberungen. Er erhielt 1954 den Karl-Marx-Orden. 1963 erschien in Ost-Berlin eine zweibändige Auswahl seiner »Reden und Schriften« (1926-1963). Hermann Matern starb am 24. Januar 1971 in Ost-Berlin.Michael F. Scholz

Wer war wer in DDR

Matthes, Klaus

* 20.1.1931 – ✝ 9.3.1998

Geb. in Berlin; nach dem Abitur 1948 – 54 Studium der Mathematik an der HU Berlin; hier 1958 Prom. mit der Arbeit »Über eine Verallgemeinerung des Lebegueschen Integralbegriffs« bei  Heinrich Grell u.  Kurt Schröder; 1956 – 61 Assistent an der HU Berlin; 1961 – 62 Mitarb. am Inst. für Angewandte Mathematik u. Mechanik der DAW zu Berlin; 1963 Habil. mit der Arbeit »Über die Ausdehnung positiver linearer Abbildungen« bei Willi Rinow u.  Rolf Reißig an der HU Berlin; 1964 – 68 Prof. an der FSU Jena; 1969 bis zur Auflösung der Akad.-Inst. am 31.12.1991 am ZI für Mathematik u. Mechanik der DAW bzw. der AdW der DDR, ab 1981 am Inst. für Mathematik bzw. dem späteren Karl-Weierstraß-Inst. für Mathematik der AdW tätig; 1973 – 91 Dir. des Inst. (Nachf. von Kurt Schröder); 1971 NP; 1974 Korr. Mitgl., 1980 – 92 Ord. Mitgl. der AdW; gest. in Berlin. Arbeitsgebiete: Algebra, Analysis.Unbegrenzte teilbare Punktprozesse. 1974 (mit J. Kerstan); Verallgemeinerungen der Erlangeschen u. Engsetschen Formeln. 1967 (mit Dieter Koenig); Infinitely divisible point processes. Wiley, Chichester 1978 (mit Johannes Kerstan, russ. Moskau 1982).Annette Vogt

Wer war wer in DDR

Matthies, Frank-Wolf

* 4.10.1951

Geb. in Berlin; Vater Betriebswirt, Mutter kfm. Angest.; 1970 Abitur; 1970/71 Ausbildung als Kunstschlosser; Arbeit in versch. Berufen; 1973 halbjährige Verhaftung während der X. Weltfestspiele wegen »Beleidigung u. Herabwürdigung eines Repräsentanten der Partei- u. Staatsführung«; 1974 FDJ-Förderpreis für ein iron. gemeintes Gedicht »Auf einen MfS-Genossen« (»Rote Feder« 1974); 1975/76 während der Zeit des Wehrersatzdienstes Verfahren wegen »Meuterei«; u. a. von  Franz Fühmann gefördert; galt mit  Uwe Kolbe als Repräsentant einer neuen Autorengeneration (Sinn u. Form (1976) 6); nach Protesten gegen die Ausbürgerung  Wolf Biermanns bis 1989 Publikationsverbot in der DDR; organisierte 1978 – 80 in seiner Wohnung monatl. Lesungen u. Diskussionsveranstaltungen u. a. mit  Robert Havemann,  Adolf Endler,  Elke Erb,  Heinz Kahlau,  Martin Stade,  Lutz Rathenow; F.-W. M. schuf damit das Modell einer liter. Gegenöffentlichkeit, das in den 80er Jahren u. a. von  Gerd Poppe,  E. Maaß,  St. Bickhardt u.  Ludwig Mehlhorn fortgesetzt wurde; nach einer Lesung von Günter Grass u. Johano Strasser sowie Debatten über das Konzept einer alternativen Dtl.-Pol. im Nov. 1980 verhaftet (mit Lutz Rathenow); nach vielfachem Protest (u. a. von Franz Fühmann,  Christa Wolf,  Stephan Hermlin,  Heiner Müller u. Günter Grass) wieder entlassen; Dez. 1980 Beginn eines Briefwechsels mit Grass über den Begriff der Nation (in der Ztschr. »L’80«, H. 17); siedelte im Jan. 1981 nach Berlin (West) über; zahlr. liter. Debatten, u. a. zum Exil (»Exil«. Köln 1983) u. zur Haltung des Autors unter den Bedingungen der Diktatur; 1992 Prom.; schreibt unter Ps. für versch. Tagesztg. u. Magazine; lebt seit 1994 in Joachimsthal (Landkrs. Barnim).Morgen. Gedichte u. Prosa. Reinbek 1979; Unbewohnter Raum mit Möbeln. Zwei Erzählungen. Reinbek 1980; Tagebuch Fortunes. Frankfurt (Main) 1985; Omerus Volkmund. Prosa. Berlin 1994; Aenis. Berlin 1997; Manifeste des DaDeRismus. Berlin 1998; zahlr. Grafikbücher (»Geisterbahn« u. »Der Ubuist in der Geisterbahn«, 1 – 19, 2004 – 2009).Klaus Michael

Handbuch Deutsche Kommunisten

Mätzig, Reinhard

* 2.7.1895 – ✝ 9.11.1980

Geboren am 2. Juli 1895 in Lichtenberg bei Zittau, Sohn eines Webers und Waldarbeiters; Metallarbeiter. 1914 Mitglied der SPD, 1916 Frontsoldat. Im November 1918 gehörte er dem Soldatenrat in Verdun an. 1919 kehrte Mätzig nach Deutschland zurück und wurde Angehöriger des militärischen Grenzschutzes, ab 1920 Arbeiter, Betriebsrat. 1920 Mitglied der KPD, trat er schon 1921 wegen Differenzen aus der Partei aus, 1924 Wiedereintritt, gehörte bereits 1925 der UBL Zittau an und zog 1929 als Abgeordneter in den Sächsischen Landtag ein. Ab 1932 hauptamtlicher Mitarbeiter für Massenorganisationen der BL Sachsen, zuletzt UB-Sekretär für Bautzen. 1933 zunächst illegale Arbeit im Raum Dresden, flüchtete dann aber in die âSR und war von 1935 bis 1938 Leiter des KPD-Grenzabschnitts Teplitz-Schönau. Im März 1939 emigrierte er über Polen nach Großbritannien, dort Gärtner und Hausmeister. 1940 in Liverpool und auf der Isle of Man interniert, wurde nach Australien gebracht und kam im Herbst 1941 wieder nach Großbritannien. Von 1942 bis 1948 Schlosser in einem chemischen Betrieb, wurde Mitglied der Trade Unions. Im Mai 1948 kehrte Mätzig nach Deutschland zurück und wurde 1948 2. Sekretär der SED Großenhain. Von 1952 bis 1965 war er Stellvertreter des Vorsitzendes des Rates des Kreises, 1975 erhielt er den VVO in Gold. Reinhard Mätzig starb am 9.November 1980.

Wer war wer in DDR

Marchwitza, Hans

* 25.6.1890 – ✝ 17.1.1965

Geb. in Scharley (Krs. Beuthen, Oberschles./ Szarlej, Polen); Vater Bergarb.; Volksschule; ab 1904 Kohlenschlepper; 1910 Bergarb. im Ruhrgeb.; 1915 – 18 Militärdienst; 1918 Mitgl. der Republikan. Soldatenratswehr; 1919 USPD; 1920 Zugführer in der Roten Ruhrarmee, aktiv gegen den Kapp-Putsch; KPD; 1924 nach einem Streik entlassen, danach arbeitslos; Straßensänger, Gelegenheitsarbeiten; Arbeiterkorrespondent von »Ruhr-Echo« u. »Rote Fahne«; 1930 erster Roman »Sturm auf Essen«; Mitgl. im BPRS; 1933 Emigr. in die Schweiz, 1934 wegen pol. Betätigung ausgewiesen; Saargeb. u. 1935 nach Frankreich; 1934 Roman »Die Kumiaks«; 1935 u. 1937 Teilnehmer der Internat. Schriftst.-Kongresse zur Verteidigung der Kultur; ab Nov. 1936 Offz. im Tschapajew-Bat. der XIII. Internat. Brigade in Spanien, Ltn.; Sept. 1937 verwundet, Mitarb. im Hauptstab der Interbrigaden; April 1937 Aberkennung der dt. Staatsbürgerschaft; ab Okt. 1938 in Frankreich; Sept. 1939 in Paris interniert, 1941 Flucht aus dem Lager nach Marseille; ab Juni 1941 in den USA; Straßen- u. Bauarbeiter, Gelegenheitsarbeiter in New York; publizierte Gedichte u. Erzählungen im Selbstverlag (»Untergrund«, »Wetterleuchten«, beide New York 1942); Mitgl. der German Anti-Nazi Writers League. Dez. 1946 Rückkehr nach Dtl. (Stuttgart); 1946 SED; 1947 Übersiedl. nach Babelsberg (b. Potsdam); 1947 Roman »Meine Jugend«; 1950 Mitbegr. der DAK; 1950 u. 1955 NP; 1950/51 Botschaftsrat (Kulturattaché) der DDR in Prag; 1952 Roman »Die Heimkehr der Kumiaks«; 1954 VVO; 1955 Roman »Roheisen«; 1956 stellv. Vors. des DSV; 1959 Roman »Die Kumiaks u. ihre Kinder«; 1959 Theodor-Fontane-Preis; 1960 KMO; Dr. h. c. der HU Berlin; Ehrenbürger der Stadt Potsdam; Mitgl. der SED-BL Potsdam; 1964 NP; gest. in Potsdam-Babelsberg.Werke in Einzelausg. 9 Bde. Berlin 1957 – 1962; In Frankreich / In Amerika. Berlin 1971. Ilberg, W.: H. M. (Bildband). Leipzig 1971; Matke, F. (Hrsg.): Kamst zu uns aus dem Schacht. Erinnerungen an H. M. Berlin 1980; Stephan, A.: Im Visier des FBI. Dt. Exilschriftsteller in den Akten amerikan. Geheimdienste. Stuttgart 1995.Leonore Krenzlin / Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Marker, Wilhelm

* 31.10.1899 – ✝ 8.12.1937

Geboren am 31. Oktober 1899 in Alsfeld/Hessen, Sohn einer Landarbeiterin; Bauarbeiter. 1919 Mitglied der USPD, 1920 der KPD. Marker, der als Funktionär im RFB und im AM-Apparat im Waffenressort tätig war, zog im November 1929 in die Berliner Stadtverordnetenversammlung ein. 1930 reiste er nach Moskau, absolvierte einen militärpolitischen Lehrgang und war nach seiner Rückkehr wieder im AM-Apparat tätig; 1933 zweimal inhaftiert, flüchtete er im Oktober 1933 über Prag in die Sowjetunion. Er besuchte unter dem Parteinamen Alfred Rohde die KUNMS und arbeitete anschließend als Schlosser. Im August 1937 vom NKWD in Moskau verhaftet, wurde Wilhelm Marker am 8. Dezember 1937 erschossen.

Wer war wer in DDR

Markov, Walter

* 5.10.1909 – ✝ 3.7.1993

Geb. in Graz; Vater kfm. Angest.; Gymnasien in Lubljana, Kranj, Belgrad, 1927 Abitur in Susak; 1927 – 34 Studium der Geschichte, Geographie, Kirchen- u. Religionsgeschichte, Philos., Orientalistik u. Slawistik in Leipzig, Köln, Berlin, Hamburg u. Bonn; 1934 Prom. an der Univ. Bonn mit einer Arbeit über »Serbien zw. Österreich u. Rußland 1897 – 1908«; 1934 KPD; Assistent an der Univ. Bonn; dort Gründung einer Widerstandsgr.; Hrsg. einer illeg. Ztschr.; 1935 Verhaftung u. Verurteilung zu zwölf Jahren Zuchthaus, 1936 – 45 Zuchthaus Siegburg; April 1945 führend an der Selbstbefreiung der Häftlinge beteiligt. 1945 Bonn; 1946 SED; Berufung zum Doz. an die Univ. Leipzig; 1947 Habil. mit einer Arbeit über Grundzüge der Balkandiplomatie; 1947 – 50 Gastprof. an der Univ. Halle; 1949 ord. Prof. an der Univ. Leipzig; 1949 – 68 Dir. des Inst. für Kultur- u. Universalgeschichte (seit 1951 Inst. für Allg. Geschichte); 1951 – 58 Dir. des Inst. für Geschichte der Europ. Volksdemokratien; 1951 unter dem Vorwurf des Titoismus Ausschl. aus der SED u. Aberkennung des Status »VdN«; Ende der 50er Jahre kurzz. für die HV A des MfS tätig; 1961 Ord. Mitgl. der DAW; Mitbegr. u. Präs. der Dt.-Afrik. Ges.; 1961 NP; 1964 Ord. Mitgl. der Sächs. AdW; seit 1962 Gastprof. in versch. Ländern Afrikas, Nord- u. Südamerikas, Asiens u. Westeuropas; 1974 em.; 1969 Dr. h. c. der KMU Leipzig; 1974 VVO; 1978 Ehrensenator der KMU Leipzig; 1989 Ehrenspange zum VVO; Dez. 1989 Eintritt in die PDS; 1992 Ehrenvors. der Alternativen Enquete-Kommission zur Dt. Zeitgeschichte. W. M. gilt als einer der anerkanntesten Vertreter der DDR-Geschichtswiss. u. Universalhist. von internat. Rang; sein Werk umfaßt ca. 800 Publ., vornehmlich zur Rev.-Geschichte, ost- u. südosteurop., afrik. u. lateinamerik. Staaten sowie zur Geschichtstheorie.Jaques Roux. 4 Bde. Berlin 1966 – 70; Studien über die Rev. Berlin 1969 (mit Bibl. 1932 – 68); Die Große Rev. der Franzosen. Berlin 1973 (mit A. Soboul); Geschichte der Türken. Berlin 1978 (mit E. Werner); Weltgeschichte im Rev.-Quadrat. Berlin 1979 (mit Bibl. 1969 – 78); Rev. im Zeugenstand. Leipzig 1982; Grand Empire. Leipzig 1984; Zwiesprache mit dem Jahrhundert. Berlin, Weimar 1989; W. M. In: Grimm, T.: Was von den Träumen blieb. Berlin 1993. Neuhaus, M., Seidel, H. (Hrsg.): Wenn jemand seinen Kopf bewußt hinhielt ... Schkeuditz 1995; S. Heitkamp: W. M. Ein DDR-Historiker zwischen Parteidoktrin u. Profession. Leipzig 2003.Ilko-Sascha Kowalczuk

Wer war wer in DDR

Marlow, Willy

* 5.7.1928 – ✝ 17.5.2007

Geb. in Demmin; Vater Arbeiter; Volks- u. Mittelschule; Lehre u. Arbeit als Elektriker im Gaswerk Demmin; 1944 Matrosenhelfer; 1945 Wehrmacht; 1945 brit. Kriegsgefangenschaft. 1945 KPD, 1946 SED; 1948 – 49 Sekr. der SED-KL Demmin; 1949 – 51 1. Sekr. der SED-KL Neustrelitz u. Rostock; 1951 / 52 Studium an der SED-PHS; 1952 – 58 Mitarb., Sektorenltr. bzw. stellv. Ltr. der Abt. Leitende Organe der Parteien u. Massenorg. im ZK der SED; 1958 – 66 1. Sekr. der SED-KL Greifswald; Fernstudium an der WPU Rostock, 1969 Dipl.-Ingenieurök.; 1966 1. Stellv. des Vors., 1969 – 86 Vors. des Rats des Bez. Rostock, Mitgl. des Sekr. der SED-BL Rostock u. Abg. des Bezirkstags; im Febr. 1986 von der Funktion als Vors. des Rats des Bez. Rostock »aus gesundheitlichen Gründen und auf eigenen Wunsch« entbunden u. invalidisiert; anschl. ehrenamtl. Tätigkeit als Seminarlehrer für Staat u. Recht im Fernstudienlehrgang der PHS der SED, Außenstelle Rostock; 1988 Ehrenspange zum VVO in Gold; gest. in Ahrenshoop, OT Althagen.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Marter, Alfred

* 15.4.1934

Geb. in Braunsberg; Vater Bauarb.; 1949 FDJ; 1953 Abitur; 1953 – 56 Studium an der DASR Potsdam, Dipl.-Staatswiss.; 1955 SED; ab 1956 Mitarb. des MfAA, Referent bzw. Oberreferent in der Abt. Arab. Staaten; ab 1959 Attaché bzw. Vizekonsul in Kairo (Ägypten); 1962 Sektorltr. in der Kulturabt. des MfAA; 1965 Konsul in Syrien, stellv. Ltr. der DDR-Handelsvertretung in Ägypten; 1967/68 Sektorltr. in der Abt. Arab. Staaten; 1968/69 Ltr. des Generalkonsulats (Nachf. von  Horst Grunert) u. 1969 – 72 Botschafter der DDR in Syrien; 1972 – 78 Sektorltr. u. 1978 – 84 stellv. Ltr. der Abt. Internat. Verbindungen des MfAA; 1984 – 90 Botschafter der DDR in Frankreich.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Maschke, Walter

* 6.10.1891 – ✝ 15.9.1980

Geb. in Berlin; Vater Holzarbeiter; Volksschule; 1905 – 08 Ausbildung zum kfm. Angest.; danach bis 1920 kfm. Angest.; 1905 – 14 Mitgl. der Freien Jugend Berlin; 1910 – 14 Zentralstelle für die arbeitende Jugend Dtl., versch. Funktionen; 1908 SPD; 1908 – 14 Lehrgänge an der Arbeiterbildungsschule u. des Jugendaussch. Groß-Berlin; 1912 – 14 Gehilfe in der Buchhandlung »Vorwärts«; 1915 – 18 Wehrdienst, Gefr.; 1920 Reichsjugendsekr. der AfA; ab 1922 im Bundesvorst. des ADGB 2. Jugendsekr. in Berlin; Sept. – Dez. 1922 VHS Fircorft-College in Birmingham; 1933 – 45 illeg. Arbeit; Dez. 1933 – Nov. 1935 U-Haft in Berlin, ab Juni 1935 KZ Lichtenburg (Torgau); Nov. 1935 – Febr. 1936 »Schutzhaft« in Berlin, vom Kammergericht freigesprochen; 1936 – 44 kfm. Angest. in Berlin; 1938 – 44 DAF; Sept. 1939 – Dez. 1940 »Schutzhaft« im KZ Sachsenhausen (»Kriegssonderaktion«); 1941 – 44 NSV; Aug. 1944 – April 1945 verhaftet wegen »Hoch- u. Landesverrats« (20.7.1944), Jan. 1945 vom VGH zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt, Febr. – April 1945 Zuchthaus Bayreuth. 1945/46 SPD/SED; Gewerkschaftsarbeit in Bayreuth; in Zusammenarbeit mit der amerik. Militärreg. beauftr. mit der Erfassung u. Verw. des beschlagnahmten NSDAP-Vermögens in Bayreuth; Dez. 1945 Sekr. des FDGB; 1946 Ltr. der Kulturabt. des FDGB Groß-Berlin; Mitgl. des Bundesvorst. des FDGB; 1948 Ltr. der HA Kultur u. Erziehung; 1949/50 Mitgl. des Sekr. des FDGB, dort zuständig für Feriendienste u. Kultur; 1948 Mitgl., 1950 – 53 2. Vors. des Bunds Dt. Volksbühnen; 1953 – 59 stellv. Vors. des ZV der Gewerkschaft Kunst; 1959 – 66 Sekr. des Kulturfonds der DDR; 1969 Rentner; 1971 u. 1976 VVO; Vors. des Arbeitskrs. verdienter Gewerkschaftsveteranen beim ZV der Gewerkschaft Kunst; gest. in Berlin.Bildungs- u. Kulturarbeit der Gewerkschaften. Berlin 1947; Burgfrieden u. Arbeitsgemeinschaft Berlin 1948; Die Auseinandersetzung mit F. Tarnow. Berlin 1948.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Maslowski, Paul Gregor

* 17.11.1892 – ✝ 28.9.1971

(* 1892 – † 1971) Geboren am 17. November 1892 in Zempelburg/Westpreußen, Sohn eines Bauarbeiters; lernte von 1907 bis 1911 das Schneiderhandwerk, bis 1915 in seinem Beruf. 1913 trat er in die SPD ein. Von 1915 bis 1918 Soldat im Weltkrieg, schloß er sich 1918 der USPD an und kam 1920 mit deren linkem Flügel zur KPD. Er arbeitete bis 1933 als Schneider. Seit 1923 Mitglied der BL Berlin-Brandenburg, gehörte Paul Maslowski der linken Fraktion an und war Anhänger Ruth Fischers, deren Positionen er auch nach dem »Offenen Brief« 1925 verteidigte. Als Vertreter der Fischer-Maslow-Gruppe Teilnehmer an der 6. Erweiterten EKKI-Tagung im März 1926, trennte sich jedoch noch Ende 1926 von der Fischer-Gruppe. Maslowski ging zur Thälmann-Führung über und war von 1926 bis 1928 Leiter der RFB-Abteilung Berlin-Mitte. Ob er als Konzession an die Linke auf dem XI. Parteitag 1927 zum Kandidaten des ZK gewählt wurde, ist nicht gesichert. Von August bis November 1929 Nachrücker der Berliner Stadtverordnetenversammlung, bis Ende 1932 Instrukteur. Am 28. Februar 1933 verhaftet, bis Ende September 1933 im KZ Sonnenburg, danach bis 1944 Schneider in Berlin. Am 12.August 1944 festgenommen – er gehörte zur Widerstandsgruppe um Anton Saefkow –, vom VGH am 18. Januar 1945 zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt. Am 27. April 1945 befreit, zunächst Schneider, danach ab September 1945 Sachbearbeiter in Berlin-Charlottenburg, bis Dezember 1946 1. Vorsitzender der KPD bzw. der SED Berlin-Charlottenburg. 1947/48 wieder Schneider, ist er im Juli 1951 nach Ost-Berlin übergesiedelt, dort von Oktober 1948 bis Anfang 1955 Leiter eines Betriebsteils des VEB »Fortschritt« Bekleidungswerk. Bis zur Rente 1958 in der Industrie-Verwaltung Bekleidung, er erhielt im Dezember 1962 den VVO in Silber. Paul Maslowski starb am 28. September 1971.

Wer war wer in DDR

Massow, Rudi

* 24.10.1930

Geb. in Barth (Mecklenb.); Vater Arbeiter; Volks- u. Berufsschule, Ausbildung zum Verwaltungsangest. beim Rat der Stadt Barth; 1946 FDJ, 1948 SED; 1950 Abt.-Ltr. für Agit. u. Prop. beim Kreissportaussch. Stralsund; 1951 / 52 Red. der »Landeszeitung« in Stralsund u. Schwerin; 1953 / 54 Red. der »Ostsee-Zeitung« in Wismar u. Stralsund; Fernstudium an der KMU Leipzig, Dipl.-Journalist; 1954 – 57 ADN-Bezirksstellenltr. Rostock; 1957 – 60 Red.-Kollegiumsmitgl. des SED-Bezirksorgans »Ostsee-Zeitung« in Rostock; 1961 Red. u. Korresp. des ADN in Berlin; 1961 – 67 Abt.-Ltr., Kollegiumsmitgl., Redaktionssekr. u. 1. Stellv. des Chefred. der »Ostsee-Zeitung«; Mitgl. des VDJ-ZV, 1957 – 70 Vors. des VDJ-BV Rostock; 1967 – 74 Chefred. der »Ostsee-Ztg.« (Nachf. von  Siegfried Unverricht), 1974 – 84 erneut stellv. Chefred.; 1969 – 74 Mitgl. der SED-BL Rostock; 1970 / 71 Studium an der PHS beim ZK der KPdSU in Moskau; 1984 – 17.1.1990 Verlagsdir. »Ostsee-Ztg.«; ab 1990 Ruhestand.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Matern, Jenny

* 11.4.1904 – ✝ 22.9.1960

Geb. in Hannover, Vater Drechsler; Volksschule, 1919 Handelsschule; 1919 Mitgl. der SAJ u. SPD; Stenotypistin im SPD-Bez.-Büro Niedersachsen; 1921 KJVD; 1921 – 24 Sekr., zeitw. in der Dir. der Ortskrankenkasse Bamberg; 1923 KPD; 1925 – 28 Mitgl. u. Funktionärin der Roten Hilfe; anschl. Mitarb. der KPD-BL Niedersachsen; 1928/29 Sekr.; 1931 – 33 Mitarb. in der Red. der RH-Ztg. »Tribunal« u. zeitgl. der Roten Hilfe Dtl., BL Berlin-Brandenb.; 1933 inhaftiert; 1934 Emigr. nach Prag, 1935 Paris, 1936 Amsterdam, 1937 – 40 Oslo u. 1941 – 45 UdSSR. Mai 1945 Rückkehr nach Dtl.; 1945/46 Ltr. der Abt. für Soziale Fürsorge im Ressort Wirtschaft u. Arbeit der Landesverw. Sachsen; 1946 Mitgl. der SED; 1946/47 1. Vizepräs. der Dt. Verw. für Arbeit u. Sozialfürsorge, 1948/49 HA-Ltr. in der HV für Arbeit u. Sozialfürsorge der DWK; 1947 Mitbegr. u. Mitgl. des DFD; 1948/49 Mitgl. des Dt. Volksrats, 1949 – 60 Abg. der (Prov.) Volkskammer; 1949/50 HA-Ltr. im Min. für Arbeit u. Gesundheitswesen; 1950 – 59 Staatssekr. u. stellv. Ministerin für Gesundheitswesen; seit 1950 Mitgl. des Bundesvorst. u. des Präs. des DFD; Mai 1959/60 Vors. des ZA der Volkssolidarität (Nachf. von  Helmut Lehmann); gest. in Berlin.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Matthes, Roland

* 17.11.1950

Geb. in Pößneck; 1962 mit der sportl. Laufbahn als Schwimmer begonnen (Trainerin:  Marlies Grohe); KJS in Erfurt, Abitur; 1970 – 77 Sportstudium an der DHfK Leipzig, Dipl.-Sportlehrer; 1977/78 Wiss. Mitarb. der DHfK in Erfurt; 1978 – 84 Studium der Med. an der FSU Jena; ab 1984 Facharztausbildung; 1968 Olymp. Spiele: Sieger 100 u. 200 m Rücken; 1970 EM 100 u. 200 m Rücken u. 4 x 100 m Lagen; 1972 Olymp. Spiele: Sieger 100 u. 200 m Rücken; 1973 WM 100 u. 200 m Rücken; 1974 EM 100 u. 200 m Rücken; 1975 WM 100 m Rücken; 1976 Olymp. Spiele: 3. Platz 100 m Rücken; 19 WR; 1968, 1969, 1970, 1971, 1973 u. 1975 DDR-Sportler des Jahres; 1976 sportl. Laufbahn beendet; 1978 – 82 mit Kornelia Ender verh.; Dez. 1989 Übersiedl. in die Bundesrep. Dtl. 1990 – 92 Arzt mit Schwerpunkt Orthopädie u. physiolog. Trainingssteuerung in Tauberbischofsheim; ab Jan. 1995 niedergelassener Arzt in Marktheidenfeld im Spessart; 2004 goldene Sportpyramide der Stiftung Dt. Sporthilfe; 2008 als erster Sportler der ehem. DDR in die Hall of Fame des dt. Sports aufgenommen.Volker Kluge / Olaf W. Reimann

Wer war wer in DDR

Matthus, Siegfried

* 13.4.1934

Geb. in Mallenuppen (Ostpr. / Sadoroschje, Rußland); Vater Bauer; OS in Rheinsberg, Abitur; 1952 SED; 1952 – 58 Studium als Chordirigent an der HS für Musik Berlin, ab 1956 Komposition bei  Rudolf Wagner-Régeny; 1958 – 60 Mstr.-Schüler bei  Hanns Eisler an der DAK; 1960 – 64 freischaff.; ab 1964 Komponist u. Dramaturg an der Komischen Oper Berlin; 1969 DAK; 1972 dort Sekr. der Sekt. Musik; 1976 Mitgl. der AdK Berlin (West) u. 1978 Korr. Mitgl. der Bayr. Akad. der Schönen Künste; Mitgl. des Musikrats der DDR u. des Präs. des VDK; 1979 VVO; 1972 u. 1984 NP; 1984 Ehrenbürger von Rheinsberg; 1985 Prof.; komponierte zunächst Vokalmusik, dann sinfon. Musik, u. a. mehrere Sinfonien, Bühnenmusik sowie Hörspiel- u. Fernsehmusiken, »Die Ermittlung« von Peter Weiss, »Der Stellvertreter« von Rolf Hochhuth, u. Opern, u. a. »Der letzte Schuß« (1967), »Noch einen Löffel Gift, Liebling?« (1972), »Judith« (1985), »Die Weise von Liebe u. Tod des Cornets Rilke« (1985), »Desdemona und ihre Schwestern« (1991), »Furi – oder die Macht des Gesangs« (1998) sowie das Oratorium »Laudate pacem«; »Kronprinz Friedrich« (Libretto von Thomas Höft, 1998/99); »Die unendliche Geschichte« (nach Michael Ende, 2004); »De vacuo spatio« (nach Texten von Otto von Guericke, 2005); »Phantast. Zauberträume« (2005); »Te Deum« (zur Weihe der wiederaufgebauten Dresdner Frauenkirche, 2005); »Cosima« (Opernfragmente v. Friedrich Nietzsche, 2007). Seit 1991 Künstler. Ltr. der Kammeroper Schloß Rheinsberg; 1995 Preis des Internat. Theaterinst. in der Bundesrep. Dtl.; 1997 Kulturpreis der Landsmannschaft Ostpreußen für Musik; 2000 Bundesverdienstkreuz; 2007 Einweihung der Veranstaltungshalle im Hafendorf Rheinsberg unter dem Namen S.-M.-Arena; lebt in Berlin.Die Weise von Liebe u. Tod des Cornets Christoph Rilke. Berlin 1989; Opern des 21. Jh. Libretti. Rheinsberg 2004. Döhnert, H.: S. M. Für Sie porträtiert. Leipzig 1979; Liedtke, U.: S. M. Tendenzen im Schaffen eines Komponisten. Leipzig 1985; Martin, S.: Analyt. Untersuchungen zum Opernschaffen des Komponisten S. M. Potsdam 1995.Torsten Musial

Handbuch Deutsche Kommunisten

Mauer, Wilhelm

* 25.2.1903 – ✝ 21.2.1974

Geboren am 25. Februar 1903 in Raunheim am Main, Sohn einer Arbeiterfamilie; lernte Dreher und Schlosser. Er arbeitete u. a. bei Opel in Gummersbach und war dort auch zeitweise im Betriebsrat. 1920 Mitglied des DMV und 1926 der KPD, leitete bis 1929 die Ortsgruppe der KPD in Raunheim. Die BL Hessen-Frankfurt beauftragte ihn 1927 mit der Leitung der KPD-Betriebszelle bei Opel in Rüsselsheim. 1929 wurde Mauer als Abgeordneter in den Provinziallandtag Starkenburg, 1931 in den Hessischen Landtag gewählt. 1930/31 zunächst Orgleiter, 1931/32 Polleiter des RGO-Bezirkskomitees Hessen-Frankfurt. Ab Januar 1932 Volontär in der Orgabteilung des ZK, als Instrukteur für zwei Unterbezirke in Hessen-Frankfurt eingesetzt. Er flüchtete 1933 in die Schweiz und leitete unter dem Decknamen Theodor Braun die Emigrantenstelle in Binningen bei Basel. 1934 wegen politischer Betätigung nach Frankreich ausgewiesen, ging er 1941 wieder in die Schweiz, dort verhaftet und bis Kriegsende interniert. Mauer kehrte 1945 nach Deutschland zurück, arbeitete als Angestellter in der Gemeindeverwaltung der Stadt Raunheim und war Mitvorsitzender der Entnazifizierungs-Spruchkammer Groß-Gerau. Ab 1952 Rentner, betätigte er sich politisch in der 1956 gebildeten »Unabhängigen Wählergruppe« und amtierte bis 1961 als 1. Beigeordneter im Gemeindevorstand der Stadt Raunheim. Wilhelm Mauer starb am 21. Februar 1974 in Rüsselsheim.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Marchwitza, Hans

* 25.6.1890 – ✝ 17.1.1965

Geboren am 25. Juni 1890 in Scharley bei Beuthen/Oberschlesien, Sohn eines Bergarbeiters. Kohlenschlepper, ab 1910 Bergarbeiter im Ruhrgebiet. 1915 Soldat im Weltkrieg, 1918 Mitglied der Republikanischen Soldatenratswehr, 1919 der USPD. Marchwitza war während des Kapp-Putsches Zugführer in der Roten Ruhrarmee und war in der AAU aktiv, später trat er der KPD bei. Nach einem Streik 1924 erwerbslos, begann er trotz wirtschaftlicher Schwierigkeiten und ohne jegliche Literaturkenntnis als Arbeiterkorrespondent am »Ruhr-Echo« und später auch an der »Roten Fahne«. Marchwitza war im Bund proletarisch-revolutionärer Schriftsteller aktiv und leitete dessen Gruppe in Essen. Sein erster Roman »Sturm auf Essen« erschien 1930 und machte ihn in linken Kreisen sofort bekannt. 1933 emigrierte Marchwitza in die Schweiz. 1934 kam sein Roman »Die Kumiaks« heraus. 1936 Offizier der Internationalen Brigaden im Spanischen Bürgerkrieg, 1938 ging Marchwitza nach Frankreich, ab 1941 in den USA, in New York Straßen-, Bau- und Gelegenheitsarbeiter. 1946 Rückkehr nach Deutschland, er lebte zunächst in Stuttgart, 1947 Übersiedlung nach Potsdam-Babelsberg, hier veröffentlichte er den Roman »Meine Jugend«. Er gehörte 1950 zu den Mitbegründern der Akademie der Künste und war von 1950 bis Mai 1951 Botschaftsrat der DDR in Prag. 1960 erhielt er den Karl-Marx-Orden und wurde Ehrendoktor der Humboldt-Universität. Hans Marchwitza starb am 17. Januar 1965 in Potsdam. Seine erste Frau Hilde Marchwitza, geborene Stern, geschiedene Schottländer (*1900 – † 1961), kam aus einer Breslauer jüdischen Familie. Ihr Vater Wilhelm ist der Begründer der Differenziellen Psychologie. Sie studierte am sozialpädagogischen Institut in Hamburg. 1922 Heirat mit dem Philosophen Rudolf Schottländer (* 1900 – †1988), 1926 Trennung. 1933 als Angestellte im Hamburger Arbeitsamt entlassen, für die jüdische Gemeinde aktiv, unter dem Decknamen Edith Stahl Widerstand gegen das NS-Regime. 1935 festgenommen und verurteilt, sie kam in das Frauengefängnis Lübeck. Im Februar 1937 emigrierte sie in die USA. In New York lernte sie 1942 Hans Marchwitza kennen. Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland im DFD aktiv, bis 1950 2. Landessekretärin des DFD in Brandenburg.Leonore Krenzlin / Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Markert, Rolf

* 24.1.1914 – ✝ 30.1.1995

Geb. in Werdau (Sachsen); Vater Maurer; Volksschule; Lehre als Klavierbauer, nach Entlassung als Maurer; 1928 KJVD; 1929 – 31 Ltr. des Untergaus Zwickau der RJ; 1931 Wanderschaft in Litauen u. Lettland, dann Sowjetunion; Arbeit als Ofenbauer in Swerdlowsk, Komsomol; 1932/33 Gewerkschaftsmitarb., Anleitung von Wolgadt.; Kand. der KPdSU; 1934 Besuch der Schule der KJI in Chotkowa bei Moskau; 1934 Rückkehr über Prag nach Berlin; illeg. Arbeit, Verhaftung; 1935 dreieinhalb Jahre Zuchthaus Luckau wegen »Vorber. zum Hochverrat«, 1937 KZ Esterwegen u. Aschendorfer Moor, 1938 – 45 KZ Buchenwald; KPD; Mitgl. der illeg. PO; Pfleger im Krankenbau u. im Abwehrapparat, 1943 – 45 Mitgl. der militärpol. Ltg. Mai 1945 Einstellung bei der Polizei; Ltr. der Personalabt. im Polizeipräs. Chemnitz; Annahme des Namens Rolf Markert u. des Geburtsdatums 3.9.1911; Sept. 1945 Kadersekr. der KPD-KL Bautzen; 1946 Ltr. der Personalabt. der Landespolizeibehörde Sachsen; 1948 Ltr. des Dezernats K 5 (pol. Polizei) des Landeskriminalamts Sachsen; Aug. 1949 Stellv. Operativ des Ltr. der Verw. zum Schutz der Volkswirtschaft Sachsen; Okt. 1949 Ltr. der Abt. VIIa (VP-Bereitschaften) der HV zum Schutz der Volkswirtschaft (ab Febr. 1950 MfS); 1951 Ltr. der Länderverw. des MfS Brandenb.; 1952 Ltr. der Abt. IV (Spionageabwehr) des MfS Berlin; 1953 Ltr. der BV Dresden (Nachf. von Joseph Gutsche) u. Mitgl. der SED-BL Dresden; März – Aug. 1964 geheimdienstl. Berater in Sansibar; 1969 Gen.-Major; 1975 VVO; 1981 Entlassung, Rentner, KMO; gest. in Berlin.Hartewig, K.: H. T., R. M. und der Häftlingskrankenbau im KZ Buchenwald. In: JHK 1997.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Markowitsch, Erich

* 9.4.1913 – ✝ 9.4.1991

Geb. in Berlin in einer Arbeiterfamilie; Volks- u. Oberschule in Frankfurt (Main); Hafen- u. Lagerarb.; 1929 KJVD, 1930 KPD, RGO; ab 1932 pol. in Hamburg tätig; April 1933 verhaftet u. zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt, Haftverbüßung in Fuhlsbüttel, anschl. KZ Sachsenhausen; 1942 – 44 Zwangsarb. im IG-Farben-Lager Buna-Monowitz bei Auschwitz, 1944/45 KZ Buchenwald; Mitgl. illeg. Lagerkomitees. 1945 VP; Ltr. des Kriminalamts Thür.-Ost, dann Ltr. einer Polizeischule; 1946 SED; Kaderltr. der Maxhütte Unterwellenborn; Werkltr. der Erzgruben West in Badeleben; 1950 – 54 Fernstudium an der PHS; 1954 – 59 Werkdir. des VEB Eisenhüttenkombinat Ost (EKO, seinerzeit »J. W. Stalin«); 1956 – 59 Mitgl. des Büros der SED-KL Stalinstadt; ab 1956 Mitgl. des NR der NF; ab 1957 Fernstudium an der FS für Roheisen Unterwellenborn; 1958 – 63 Abg. der Volkskammer; 1959 – 61 Ltr. der Abt. Berg- u. Hüttenwesen der SPK; ab Juli 1961 stellv. Vors. des Volkswirtschaftsrats (VWR) u. Mitgl. des Wiss. Rats für die friedl. Anwendung der Atomenergie beim Min.-Rat; ab Juli 1962 1. stellv. Vors. des VWR u. Mitgl. des Min.-Rats; ab Dez. 1965 Ltr. des neugegr. Staatl. Amts für Berufsausbildung im Range eines Min.; 1967 Ausscheiden aus der Reg. u. Rückkehr als Werkdir. in das EKO; ab 1969 Mitgl. der SED-BL Frankfurt (Oder); 1969 – 75 GD des VE Bandstahlkombinat Eisenhüttenstadt; 1973 VVO; 1975 KMO; ab 1975 Vors. des Freundschaftskomitees DDR – Portugal; Mitgl. des Präs. der Liga für Völkerfreundschaft u. der ZL des Komitees der Antifa. Widerstandskämpfer.Hagen Schwärzel

Wer war wer in DDR

Maron, Karl

* 27.4.1903 – ✝ 2.2.1975

Geb. in Berlin-Charlottenburg; Vater Kutscher, Mutter Reinemachefrau; 1910 – 17 Volksschule; 1917 – Nov. 1921 Ausbildung als Maschinenschlosser; bis 1929 im Beruf tätig, dann arbeitslos; 1919 aktiver Ringer in der Arbeitersportbew.; Jan. 1926 KPD; 1927/28 Mitgl. der KPD-Ltg. in den Siemens-Werken in Berlin; 1931 Mitgl. der Reichsltg. der Kampfgem. für Rote Sporteinheit; April 1932 Vors. des Arbeitersportvereins »Fichte« u. des Arbeiter Sport- u. Kultur-Kartells Groß Berlin; 1933 illeg. Tätigkeit; Ltr. der Inlandsarbeit der Kampfgem. für Rote Sporteinheit; Ende März 1934 Emigr. nach Kopenhagen; dort im Sekr. der Roten Sportinternationale (RSI) Red. des Pressedienstes; 1935 Vertr. der RSI beim EKKI u. beim Obersten Rat für Körperkultur der UdSSR in Moskau; nach Auflösung der RSI 1937 Mitarb. der Presse- u. Informationsabt. des EKKI, stellv. Ltr. der Telegrafenagentur SU-Press; Okt. 1941 Evakuierung nach Ufa; 1942 Red. beim Dt. Volkssender; Anf. 1943 Mitgl. einer von der KPD-Führung initiierten Arbeitsgr. zur »Bearbeitung der Fragen wichtiger Bez. Dtl.«-Berlin; Juli 1943 – Mai 1945 stellv. Chefred. u. Militärkommentator der Ztg. »Freies Dtl.«, nach Erkrankung von  Rudolf Herrnstadt ab Mitte 1944 verantw. Ltr. der Ztg. Am 30.4.1945 mit der »Gruppe  Walter Ulbricht« Rückkehr nach Berlin; 17.5.1945 – Okt. 1946 1. Stellv. OB von Berlin; SED; 20.10. 1946 – 49 Stadtverordn. (Sekr. der SED-Fraktion) u. ab 30.11.1948 Stadtrat für Wirtschaft; Mitgl. des Landesvorst. Groß-Berlin der SED; 1.11.1949 – 31.8.1950 stellv. Chefred. des »Neuen Dtl.«; 1.9.1950 – 30.6.1955 Chef der DVP (Nachf. von  Kurt Fischer); Stellv. Minister des Innern; Gen.-Inspekteur; ab 1954 Mitgl. des ZK der SED; ab 1.7.1955 Minister des Innern (Nachf. von  Willi Stoph); Ehrenbürger von Berlin; 1958 – 67 Abg. der Volkskammer; Aug. 1961 Mitgl. des Stabs des Nat. Verteidigungsrats der DDR zur Schließung der Staatsgrenze in Berlin; Gen.-Oberst; Okt. 1963 Rücktritt auf eigenen Wunsch aus gesundheitl. Gründen; KMO; Jan. 1964 Ltr. des Inst. für Meinungsforschung beim ZK der SED; 1968 Ehrenspange zum VVO; 1973 Scharnhorst-Orden; März 1974 Pensionierung.Aus der Vorgeschichte. In: Wir sind die Kraft. Berlin 1959; Von Charkow bis Berlin. Frontberichte aus dem Zweiten Weltkrieg. Berlin 1960.Peter Erler / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Marterer, Ernst

* 12.1.1921

Geb. in Münchhof (Krs. Elbogen, ČSR / Mnichov, Tschechien); Vater Arbeiter; Volks-, Bürger- u. Handelsschule; 1933 – 38 Mitgl. der »Roten Falken« bzw. der Soz. Jugend der ČSR; 1937/38 Aushilfsbeschäftigung im Bez.-Sekr. der DSAP in Elbogen; 1939 – 45 RAD u. Wehrmacht; 1945 – 49 sowj. Kriegsgefangenschaft, Kursant u. Assistent an der Antifa-Zentralschule in Taliza. März 1949 Rückkehr nach Dtl.; SED; Org.-Instrukteur beim SED-Krs.-Vorst. Dresden; Eintritt in die DVP; pol. Mitarb. im VP-Revier Forst bzw. Politlehrer an der Landespolizeischule Forst (Lausitz); 1950 – 52 Ref.-Ltr. Prop. u. stellv. Ltr. der Pol.-Abt. der Landesbehörde der DVP Brandenb.; 1950 – 53 Fernstudium an der PHS; 1952 – 54 Stellv. für Politarbeit des Chefs der BDVP Potsdam; 1955/56 Stellv. des Ltr. der Höheren Polizeischule Berlin für pol. Arbeit; 1956 – 60 stellv. Chefred. der Ztschr. »Die VP«; 1960 – 70 pol. Mitarb. der Abt. für Sicherheitsfragen des ZK der SED; zeitw. Chefred. der Kampfgr.-Ztg. »Der Kämpfer«; 1966/67 Studium an der HS der DVP in Berlin-Kaulsdorf, Dipl.-Staatswiss.; 1970 Gen.-Major; 1970 – 83 Stellv. des Min. des Innern (Zivile Bereiche); 1983 auf Beschluß des NVR u. des PB des ZK der SED Entbindung von der Dienststellung aus gesundheitl. Gründen; 1969 u. 1975 VVO.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Maschke, Artur

* 12.1.1906 – ✝ 8.11.1939

Geboren am 12. Januar 1906 in Berlin, Sohn einer jüdischen Familie; kaufmännische Lehre und Arbeit als Handlungsgehilfe. Seit 1926 Mitglied der KPD, ab 1927 hauptamtlich im Apparat des ZK der KPD bzw. der RHD, zeitweise Mitarbeiter der Agitpropabteilung der BL Berlin-Brandenburg. Ab Frühjahr 1932 gehörte er unter Polleiter Willi Koska der RHD-Reichsleitung an. Nach dem Reichstagsbrand koordinierte er vom geheimen Büro in der Berliner Bülowstr. 37 mit den Sekretärinnen Luzie Schön und Gertrud Pfister ( Koska) die RHD-Aktivitäten. Maschke wurde am 20. Juli 1933 festgenommen, vom VGH am 21. März 1935 zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt, anschließend »Schutzhaft« im KZ Dachau, ab September 1938 im KZ Buchenwald. Nach Georg Elsers mißglücktem Attentat auf Adolf Hitler im Bürgerbräukeller in München am 8. November 1939 wurde Artur Maschke zusammen mit 21 jüdischen Häftlingen am 9. November 1939 im Steinbruch von Buchenwald ermordet.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Maslowski, Peter

* 25.4.1893 – ✝ 24.4.1983

Geboren am 25. April 1893 in Berlin; besuchte ein humanistisches Gymnasium und studierte an der Berliner Universität Germanistik und Nationalökonomie. Während des Krieges Mitglied der USPD, mit deren linkem Flügel 1920 zur KPD. Zunächst Redakteur an verschiedenen KPD-Zeitungen, so 1921 in Oberhausen. 1923 Polsekretär und Leiter des KPD-Bezirks Mittelrhein in Köln. Maslowski stand zwar auf dem linken Parteiflügel, tendierte aber zur Mittelgruppe, so daß ihn der Bezirksparteitag im Februar 1924 als Sekretär ablöste. Er wurde Chefredakteur der »Sozialistischen Republik« in Köln, zog im Mai 1924 als Abgeordneter des Wahlkreises Westfalen-Nord in den Reichstag ein, im Dezember 1924 nicht wiedergewählt. Im Herbst 1924 Redakteur in Stuttgart, dort auch kurze Zeit inhaftiert. Ende 1924 Redakteur der »Roten Fahne« Westfalens (Kopfblatt des »Ruhr-Echos«); 1926 Chefredakteur des »Klassenkampfes« in Halle. Im Juni 1926 erneut zu neun Monaten Gefängnis verurteilt. Von März bis September 1928 als Nachfolger von Lex Ende Chefredakteur des »Ruhr-Echos« in Essen, dann Mitarbeiter des ZK in Berlin. Von 1928 bis 1930 wieder Reichstagsabgeordneter (Wahlkreis Westfalen-Nord). Maslowski publizierte eine Reihe von Broschüren und Büchern, vor allem über die Zentrumspartei und Kirchenprobleme. 1932 veröffentlichte er in der Reihe »Männer und Mächte« eines bürgerlichen Verlages eine Biographie Ernst Thälmanns. Obwohl eine absolut positive Schilderung, wurde Maslowski deswegen in der KPD angegriffen. In der Folgezeit schrieb er bis 1933 hauptsächlich für Münzenberg-Organe. Ende Februar 1933 ging Maslowski in die Illegalität und flüchtete im August 1933 zunächst nach Polen, später emigrierte er nach Paris, dort war er Redakteur der »Zukunft« und Gesellschafter des Verlages Carrefour sowie aktiver Mitarbeiter der Münzenberg-Gruppe. Nach dem Ausschluß Willi Münzenbergs brach auch Peter Maslowski mit der KPD. Während der Besetzung Frankreichs entkam er ins unbesetzte Südfrankreich, wo er zuletzt illegal lebte. Im Dezember 1945 Rückkehr nach Deutschland, Mitglied der SPD, mit der Maslowski später in Konflikt geriet. Von 1946 bis 1967 Herausgeber der »Neuen Presse« in Coburg, die er bis 1963 als Chefredakteur leitete. 1973 gehörte er mit Karl Retzlaw, Augustin Souchy und Peter Bernhardi zu den Gründern des Arbeitskreises »Karl Liebknecht«, einem »Forum für Linke und Libertäre aller Couleur«. Peter Maslowski starb am 24. April 1983 in Sommerhausen/Würzburg. Christoph Kopke veröffentlichte 2003 eine biographische Skizze über Peter Maslowski.

Wer war wer in DDR

Masur, Kurt

* 18.7.1927 – ✝ 19.12.2015

Geb. in Brieg (Schles./Brzeg, Polen); Vater Elektroingenieur; Volksschule; 1942 – 44 Musikunterricht in Klavier u. Violoncello; 1944 Fallschirmjägerbodentruppe; 1946 – 48 Studium an der HS für Musik Leipzig im Fach Dirigieren; 1948 – 51 Solorepetitor u. Kapellmstr. am Landestheater Halle; 1951 – 53 Erster Kapellmstr. an den Städt. Bühnen Erfurt u. 1953 – 55 an den Städt. Theatern Leipzig; 1955 – 58 Dirigent bei der Dresdener Philharmonie; 1958 Ernennung zum Gen.-Musikdir.; 1958 – 60 Musikal. Oberltr. am Mecklenb. Staatstheater Schwerin u. 1960 – 64 an der Komischen Oper Berlin; 1964 – 67 Gastspieltätigkeit in europ. Ländern u. in Brasilien; 1967 – 72 Chefdirigent der Dresdener Philh.; 1970 – 97 Gewandhauskapellmstr. in Leipzig; 1969, 1970 u. 1982 NP; 1970 DAK; 1975 Ernennung zum Prof.; initiierte am 9.10.1989, dem Tag der Leipziger »Montagsdemonstration«, mit den Sekr. der SED-BL Leipzig Kurt Meyer, Hans-Joachim Pommert u.  Roland Wötzel, dem Kabarettisten Bernd-Lutz Lange u. dem Theologen Peter Zimmermann ein Treffen, das den friedlichen Verlauf der Demonstration einforderte. 1990 – 2002 Chefdirigent u. Musikdir. der New Yorker Philh.; zahlr. Gastspiele mit dem Gewandhausorchester u. Gastdirigate in Europa, den USA u. Japan; zahlr. Schallplatten-, Funk- u. Fernsehaufn.; 1990 Ritter der Ehren- legion; 1991 Hanns-Martin-Schleyer-Preis; 1994 Vorst.-Mitgl. der Dt. Nationalstiftung; Mitgl. der Sächs. AdK u. der AdK Berlin; 1995 Bundesverdienstkreuz; 1997 Führer der Ehrenlegion; 1999 Commander Cross of Merit der Republik Polen; 1999 Dt. Fernsehpreis; 2000 Musikdir. des London Philharmonic Orchestra; 2002 musik. Ltg. des Orchestre National de France in Paris; 2000 Friedenspreis der Gothaer Kulturstiftung; 2002 Großes Verdienstkreuz mit Stern; 2004 Westfäl. Friedenspreis; 2005 Goldmedaille der Stadt Toulouse; 2007 Bundesverdienstkreuz; 2008 Wilhelm-Furtwängler-Preis, Ehrenbürger v. Leipzig, Wrocław u. Brzeg; gest. in Greenwich, Connecticut (USA).Richard Strauss. Leipzig 1991 (Hrsg.); Elisabeth Leonskaja. Stuttgart 2005 (Mithrsg.). Härtwig, D.: K. M. Leipzig 1976; Zumpe, K.: K. M. Leipzig 1987; Fritzsch, A.: K. M. Gewandhauskapellmstr. in Leipzig. Frankfurt (Main) 1990; Schäfer, U. (Hrsg.): Mut u. Zuversicht geben. Frankfurt (Main) 1990; Forner, J.: K. M. Zeiten u. Klänge. Berlin 2002.Christiane Niklew

Wer war wer in DDR

Matschie, Christoph Andreas

* 15.7.1961

Geb. in Mühlhausen; Vater Pfarrer; POS in Schwarza; 1978 – 81 Ausb. zum Mechaniker bei Robotron in Zella-Mehlis, Abitur; 1981 – 83 NVA; 1983/84 Krankenpfleger in der Med. Akad. Erfurt; 1984 – 89 Studium der Theol. in Rostock u. Jena; Dipl.; Okt. 1989 SDP, 1990 Vertreter der SDP/SPD am Zentralen Runden Tisch; Jan. – Sept. 1990 Mitgl. im Vorst., Febr. – Sept. 1990 Mitgl. des Präs. u. Ltr. für polit. Planung im Vorst. der SPD-Ost. 1990 – 2004 MdB; 1998 – 2002 Mitgl. im Vorst. der SPD-Bundestagsfrakt., Vors. des Aussch. für Umwelt, Naturschutz u. Reaktorsicherheit; seit 1996 Mitgl. im SPD-Landesvorst. Thür.; 1996 – 2002 Vors. des Aufsichtsrats der Stadtwerke Jena; 2002 – 04 parl. Staatssekr. im Bundesmin. für Bildung u. Forschung; seit 2004 MdL u. Vors. der SPD-Frakt. im Thür. Landtag.; seit Nov. 1999 Landesvors. der SPD Thür. (Nachf. von Richard Dewes), seit Nov. 2001 Mitgl. des SPD-Bundesvorst.; seit Nov. 2005 des SPD-Präsidiums; SPD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl 2009 im Freistaat Thür.; Nov. 2009 Minister für Kultur des Freistaates Thür. (Nachf. v. Bernward Müller).Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Matthes, Ulrich

* 4.3.1939

Geb. in Oberlind (Landkrs. Sonneberg); Vater Schneider; Grundschule; Lehre u. Arbeit als Dreher im VEB Thuringia Sonneberg; 1958 SED; 1958 – 61 NVA (Volksmarine); 1961 – 66 erneut Dreher bei Thuringia Sonneberg, dort 1967 – 70 Sachbearbeiter, 1970 / 71 Organisator EDV, 1971 / 72 Gruppenltr., 1973 – 78 Dir. für Kader u. 1979 – 81 Stellv. des GD u. Dir. für Kader u. Bildung; 1982 – 84 GD des VEB Kombinat Behälter- u. Verpackungsglas Bernsdorf (Nachf. von Günter Walter); 1984 – 16.3.1990 GD des VEB Kombinat Lausitzer Glas Weißwasser (Nachf. von Siegfried Lehmann).Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Matusche, Alfred

* 8.10.1909 – ✝ 31.7.1973

Geb. in Leipzig; Vater Mechaniker; Volksschule, daneben Arbeit als Botenjunge; Schlosserlehre; Studium an einer TH, 1927 abgebrochen; Wanderschaft durch Dtl. u. die Schweiz, Besuch u. a. bei Hermann Hesse, Anregungen durch Expressionisten, erste Gedichte u. Hörspiele für den Sender Leipzig; Inszenierungen an versch. Arbeitertheatern; Kontakte zur KPD; 1933 aus pol. Gründen Beendigung der Arbeit beim Rundfunk; danach illeg. pol. Arbeit; Vernichtung seiner Manuskripte bei einer Hausdurchsuchung; Arbeit als Schlosser u. Tischler in Schlesien, ab 1942 wieder in Leipzig. Ab 1945 wieder für den Sender Leipzig tätig; schrieb ab 1951 seine wesentl. Werke; ab 1969 freischaff., überwiegend für Theater u. TV, u. a. »Die Dorfstraße« (Schauspiel, 1955), »Nacktes Gras« (Drama, 1958), »Der Regenwettermann« (Fernsehspiel, 1963), »Kap der Unruhe« (Schauspiel, 1970); A. M.s Werke wurden selten aufgeführt, er lebte daher in ständ. sozialer Unsicherheit; 1973 später Erfolg mit der Aufführung des Dramas »Van Gogh« in Karl-Marx-Stadt; 1973 Lessing-Preis; lebte in Portitz (b. Leipzig), im Raum Berlin u. in Karl-Marx-Stadt; gest. in Karl-Marx-Stadt.Dramen. Berlin 1971; Welche von den Frauen u. andere Stücke. Berlin 1979. Trilse, Ch.: A. M. In: Autorenkoll. unter Ltg. von Geerdts, H. J. Lit. der DDR. Einzeldarstellungen. Bd. 2. Berlin 1974; Serke, J.: Zuhause im Exil. München 1998.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Mauersberger, Erhard

* 29.12.1903 – ✝ 11.12.1982

Geb. in Mauersberg (Erzgeb.); Vater Kantor u. Lehrer, Bruder  Rudolf M.; ab 1914 an der Leipziger Thomasschule; 1920 – 25 Studium am Leipziger Konservatorium; 1925 Organist, Chorltr. u. Ltr. des Bachvereins in Aachen (Nachf. seines Bruders Rudolf M.); 1928 – 30 Doz. an der Musikhochschule Mainz u. Gründung eines Knabenchors an der Christuskirche; ab 1930 Kirchenmusikdir. der Evang.-Luth. Landeskirche Thüringen sowie Kantor u. Ltr. des Bachchors an der St. Georg Kirche in Eisenach (erneut Nachf. von R. M.); ab 1932 zugl. Doz. an der Musikhochschule Weimar; seit 1932 Mitarb. des Inst. zur »Erforschung u. Beseitigung des jüd. Einflusses auf das dt. kirchl. Leben«. 1946 Prof. an der Musikhochschule »Franz Liszt« in Weimar; ab 1950 Ltr. der Thüring. Kirchenmusikschule in Eisenach; Febr. 1961 – Apr. 1972 Thomaskantor u. Ltr. des Thomaschors in Leipzig (Nachf. von Kurt Thomas); zeitw. auch Ltr. des Leipziger Gewandhauschors; 1964 – 73 Präs. des Bach-Komitees der DDR; zahlr. Schallplatten- u. Rundfunkaufnahmen; komponierte auch A-capella-Werke für den Thomanerchor; gest. in Leipzig.Loh-Kliesch, A.: Leipzig-Lexikon. Leipzig ab 1998; Mauersberger, H.: Dresdner Kreuzchor u. Thomanerchor Leipzig: Zwei Kantoren u. ihre Zeit. Rudolf u. E. M. Marienberg 2007.Ingrid Kirschey-Feix