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BioLex

In der Kategorie BioLex sind drei wichtige Lexika mit über 5500 Biografien von überzeugten Kommunistinnen und Kommunisten, Renegatinnen und Dissidenten im Volltext recherchierbar.

 

Das Handbuch „Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945“ wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam.

Kurzbiografien zu Personen des politischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 bereit.

Zudem ist das Online-Lexikon www.dissdenten.eu ebenfalls auf unserer Seite aufrufbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Informationen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Mauersberger, Heinrich

* 11.2.1909 – ✝ 16.2.1982

Geb. in Neukirchen (Krs. Zwickau); Webschule in Crimmitschau u. Akad. für Technik in Chemnitz mit Ausbildung zum Färbereitechniker; ab 1934 Handschuhfabrik Kühnert AG. 1949 Patentierung des Vliesfaden-Nähwirkverfahrens Maliwatt; ab 1950 VEB Spezialnähmaschinenfabrik Limbach-Oberfrohna; 1954 NP; der anfängl. Skepsis verantw. Stellen hinsichtl. der Möglichkeiten effektiver Anwendung begegnete H. M. mit der Herstellung von Mustern auf einer selbstgebauten, »Handmalimo« genannten Nähmaschine; ab Anfang der 60er Jahre setzte sich das Verfahren unter dem Namen Malimo (Mauersberger Limbach-Oberfrohna) internat. durch; es gehörte zu den wenigen in der DDR entw. Patenten von vergleichbarer weltweiter Beachtung; 1963 Held der Arbeit; in den letzten Lebensjahren Ehrenvors. des Warenzeichenverb.Jan Wielgohs

Wer war wer in DDR

Maurer, Eduard Georg

* 3.11.1886 – ✝ 21.2.1969

Geb. in Königstein (Taunus); Besuch der Abt. Industrieschule des Athenäums (Luxemburg), Abitur; 1904 Chemiestudium an der TH Braunschweig, 1905 – 08 an der TH Karlsruhe u. der Sorbonne Paris, 1907 Dipl.; 1909 Prom. zum Dr.-Ing. an der TH Aachen mit der Diss. »Untersuchungen über das Härten u. Anlassen von Eisen u. Stahl«; 1909 – 19 Mitarb., Assistent, später Abt.-Ltr. in der chem.-physikal. Versuchsanstalt der Fa. F. Krupp AG Essen; 1919 Habil. an der TH Aachen; Doz.; 1919 – 22 Ltr. der chem., metallograph. u. metallurg. Abt. des Kaiser-Wilhelm-Inst. für Eisenforschung in Düsseldorf; 1922 – 25 Ltr. der Versuchsanstalt Krupp Essen; 1925 ord. Prof. u. Dir. des Inst. für Eisenhüttenkunde an der Bergakad. Freiberg. 1946 – 48 Ltr. des techn. Büros des Min. für Schwarzmetallurgie der UdSSR in Freiberg; 1948 beratender Ing. für Eisenhüttenkunde bei der DWK; zugl. Prof. für Eisenhüttenkunde an der HU Berlin; 1949 – 59 Dir. des Eisenforschungsinst. in Hennigsdorf; 1950 u. 1954 NP; 1951 Ord. Mitgl. der DAW; 1959 em.; 1960 Ltr. der Forschungsstelle der DAW für Eisen u. Stahl in Freiberg; Dr. h. c. (TH Aachen u. HU Berlin); gest. in Berlin. Arbeitsgebiete: Eisenhüttenwesen, Stahlerzeugung, -verarbeitung u. -verwendung; Erfinder des V2A-Stahls; Maurersches Gußeisendiagramm (Gattierungsgrundlage in Gießereien); Entw. des Schrott-Kohle-Verfahrens in basischen Siemens-Martin-Öfen; mehr als 100 Veröff.Klaus-Peter Meinecke

Wer war wer in DDR

May, Torsten

* 10.9.1969

Geb. in Glauchau (Sachsen); KJS Frankfurt (Oder); Lehre als Mechaniker; NVA; ASK Vorwärts Frankfurt (Oder) (Trainer  Manfred Wolke); 1989 Bronze im Halbschwergewicht bei den DDR-Meisterschaften. 1990 – 93 Sportförderkompanie der Bundeswehr; Märk. Boxverein Frankfurt (Oder) (Trainer Karl-Heinz Krüger); 1991 WM; 1992 Olympiasieger; 1992 Dt. Vizemstr.; 1993 Übertritt zum Sauerland-Boxstall (Trainer Manfred Wolke, später Darkie Smith u. Ulli Wegner); 18.9.1993 Profi-Debüt in Düsseldorf gegen Eric Cole, Sieg durch K.o. in der 1. Runde; 31.8.1996 WM-Punktniederlage im Cruisergewicht gegen Adolpho Washington (USA); 9.12.1997 Rücktritt nach Niederlage durch techn. K.o. gegen Stefan Angehrn (Schweiz); 10.10.1998 Comeback mit Punktsieg gegen Pascal Warusfel (Frankreich); 27.11.1999 Europameister im Cruisergewicht durch Punktsieg gegen Alexej Iljin (Rußland); 21.4.2001 Rücktritt nach EM-Niederlage (techn. K.o.) gegen Alexander Gurow (Ukraine); Bilanz: 155 Amateurkämpfe (110 Siege), 25 Profikämpfe (22 Siege, davon 12 K.o.); seit Sept. 2001 Trainer im Sauerland Box Camp in Köln (u. a. von Bruder Rüdiger u. Jerry Elliott), Assistent von Trainer Ulli Wegner; Inhaber der Firma May Life Professional; lebt in Frechen-Königsdorf (b. Köln).Volker Kluge

Wer war wer in DDR

Mayer, Georg

* 26.12.1892 – ✝ 21.6.1973

Geb. in Horb am Neckar; Vater Rechnungsrat; Realgymnasium; 1911 – 21 Studium der Wirtschaftswiss. sowie Staats- u. Rechtswiss. an den Univ. Tübingen, Halle, Würzburg u. Gießen; 1914 – 18 Militärdienst; 1919 – 27 DDP; 1921 Prom. mit einer Diss. zur Freihandelslehre in Dtl.; anschl. wiss. Assistent an der Univ. Gießen; 1928 Habil. auf dem Gebiet der wirtschaftl. Staatswiss., bis 1933 Privatdoz. der Univ. Gießen; 1931 Mitbegr. der »Arbeitsgemeinschaft zum Studium der sowjetruss. Planwirtschaft«; 1933 von der Univ. aus pol. Gründen entlassen, verhaftet u. 1934 wegen Verstoßes gegen das »Heimtückegesetz« zu drei Mon. Gefängnis verurteilt; danach Repetitor u. Privatgelehrter für Volkswirtschaftslehre in München; 1939 Angest. der Reichsstelle für Lederindustrie in Berlin; 1941 Wehrmachtsbeamter auf Kriegsdauer; 1945/46 Gefangenschaft. 1946 wiss. Berater der Hess. Landesreg. für Fragen der Sozialisierung; 1947 Berufung an die Univ. Leipzig als Prof. mit Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre unter besonderer Berücksichtigung der Weltwirtschaftslehre u. Agrargeschichte; Übersiedl. in die SBZ; SED; 1948/49 Dir. des Weltwirtschaftsinst. an der Wirtschafts- u. Sozialwiss. Fak.; bis 1951 zugl. Kodir. des Planökon. Inst. der Ges.-Wiss. Fak.; 1948 Prorektor, 1950 – 63 Rektor der Univ. Leipzig (ab 1953 KMU) (Nachf. von Julius Lips); ab 1952 zugl. Dir. des Inst. für Agrarwesen/Agrarökon. an der Landw.-Gärtner. Fak.; 1950 – 67 Abg. der Volkskammer, bis 1954 Mitgl. im Rechtsaussch.; 1956 – 63 Vors. der Rektorenkonferenz der DDR; 1962 – 64 Präs. der Dt.-Frz. Ges. in der DDR; 1963 em.; 1957 u. 1959 VVO; KMO; Dr. h. c. der Univ. Leipzig.Zum Leben u. Wirken von G. M. Ein Vermächtnis für die soz. Univ. In: Wiss. Ztschr. der KMU Leipzig, Ges.- u. Sprachwiss. Reihe (1977) 6.Jan Wielgohs

Wer war wer in DDR

Meckel, Johannes Markus

* 18.8.1952

Geb. in Müncheberg (Krs. Strausberg); Vater Pfarrer; 1959 – 67 OS, 1967 – 69 EOS, aus pol. Gründen relegiert; 1969 – 71 Kirchl. Oberseminar Potsdam-Hermannswerder, Abschluß mit HS-Reife (staatl. nicht anerkannt); 1971 – 78 Theol.-Studium in Naumburg (Saale) u. am Sprachenkonvikt Berlin; bildete 1977 – 81 mit  Martin Gutzeit u. a. einen »Hegel-Krs.« (vom MfS so bezeichnet u. beobachtet); 1978 – 80 Hausmstr., Philosophiestudent (Georg W. F. Hegel, Friedrich Nietzsche); 1980 – 82 Vikar; 1982 – 88 Pfarrer in Vipperow / Müritz (Mecklenb.); 1988 – 90 Ltr. einer ökumen. Begegnungs- u. Bildungsstätte der Ev. Kirche in Niederndodeleben (Krs. Wolmirstedt); 1988/ 89 Delegierter der Ökumen. Vers. in der DDR u. der Europ. Ökumen. Vers.; seit den 70er Jahren Engagement in der kirchl. Friedens- u. Menschenrechtsbew.; Mitarb. im Arbeitskrs. Theol. u. Philos. beim Bund der Ev. Kirchen; 24.7.1989 Verf. des Initiativaufrufs zur Gründung der SDP (mit Martin Gutzeit), 7.10. Mitbegr. der SDP in Schwante (b. Oranienburg), Wahl in den Vorst. (2. Sprecher); Febr. – Sept. 1990 stellv. Vors., April – Juni amt. Vors. der SPD (DDR); März – Okt. Abg. der Volkskammer; 12.4. – 20.8. Minister für Ausw. Angelegenh. (Nachf. von  Oskar Fischer); seit März Verhandlungen in Warschau, Moskau, Washington, Bonn, Genf, Strasbourg, Mai 1990 DDR-Vertreter bei den »2+4-Gesprächen«. 3.10.1990 – Okt. 2009 Abg. des Dt. Bundestags; Mitgl. des Außenpol. Aussch. seiner Fraktion; Vors. der Dt.-Poln. Ges.; Vors. der AG Polen der SPD-Bundestagsfraktion; seit 1991 stellv. Mitgl., seit 1998 ord. Mitgl. u. Ltr. der dt. Deleg. in der Nordatlant. Versamml., 2000 – 02 deren Vizepräs.; 1992 – 98 Sprecher der Enquete-Kommission zur Aufarbeitung der SED-Diktatur; Vors. des Rats der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur; Nov. 2000 – Nov. 2002 Vizepräs. der Parlamentar. Vereinigung; 2001 – 09 stellv. außenpol. Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion; 2003 Viadrina-Preis; 2004 Orden des Kreuzes der Terra Marina der Rep. Estland; 2005 Kommandeur des Drei-Sterne-Ordens der Rep. Lettland; Ratsvors. der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur u. Mitgl. des Beirats der BStU.Gesellsch. Erneuerung in der DDR. Bonn 1990; Opp. in der DDR. Köln 1994 (zus. mit M. Gutzeit); Selbstbewußt in die Dt. Einheit. Berlin 2001.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Mehlhorn, Willi

* 11.1.1892 – ✝ 5.9.1963

Geboren am 11. Januar 1892 in Hartenstein/ Sachsen, Sohn einer Arbeiterfamilie; Land- und Bergarbeiter, Weltkriegsteilnehmer. 1917 trat er der SPD bei, 1920 der KPD. Er war Mitglied des Bergarbeiterverbandes und später der RGO. Ab 1923 Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats der Grube »Deutschland« in Oelsnitz und Abgeordneter der Stadtverordnetenversammlung von Zwickau. 1930 wurde Mehlhorn in den Sächsischen Landtag gewählt, dem er bis 1933 angehörte. 1931 Leiter des UB Zwickau, vom Januar bis Juni 1932 Orgleiter der KPD in Dresden. Im September 1932 wurde er Leiter des Kampfbundes gegen den Faschismus in Sachsen. Ab Februar 1933 arbeitete er illegal als Polleiter des KPD-Bezirks Westsachsen u. a. zusammen mit Karl Ferlemann. Anfang November 1933 verhaftet, kam Mehlhorn ins KZ und wurde am 17.November 1934 vom VGH zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Im Dezember 1936 zwar aus dem Zuchthaus Waldheim entlassen, aber sofort in »Schutzhaft« im KZ Sachsenburg und später im KZ Buchenwald. Nach seiner Freilassung im April 1939 Bergarbeiter, dann am 22.August 1944 in der Gestapo-Verhaftungsaktion »Gewitter« erneut festgenommen und drei Monate in »Schutzhaft«. Mehlhorn, der danach bis zum Einmarsch amerikanischer Truppen illegal lebte, wurde nach der Befreiung Sekretär des KPD-UB Zwickau. 1946/47 zunächst Vorsitzender der SED Zwickau, dann Kommunalsekretär, ab Mai 1948 Werkleiter des Steinkohlewerks »Karl Liebknecht« in Oelsnitz. Seit 1951 Invalidenrentner, er bekam 1958 die Medaille »Kämpfer gegen den Faschismus«. Willi Mehlhorn starb am 5. September 1963 in Hartenstein.

Wer war wer in DDR

Meier, Bernd

* 28.12.1944 – ✝ 30.5.2005

Geb. in Cainsdorf (b. Zwickau); Vater Tischler; Grund- u. OS; 1960 FDJ; Ausb. zum Isolierklempner im PCK Schwedt, dort im Beruf tätig; 1963 SED; 1965/66 NVA; 1967/68 Studium an der BPS Frankfurt (Oder); 1968 – 71 Sekr. der FDJ-KL Angermünde u. Schwedt; 1971 – 74 Studium an der PHS, Dipl.-Gesellschaftswiss.; 1974 – 78 2. Sekr., 1979 – 85 1. Sekr. der FDJ-BL Frankfurt (Oder) (Nachf. von Hans Andreas); Mitgl. der SED-BL Frankfurt (Oder) u. Mitgl. des Sekr.; 1985 – 89 Sekr. der Zentralen Parteiltg. des PCK Schwedt u. Parteiorganisator des ZK der SED; Nov. 1989/90 1. Sekr. der SED-BL Frankfurt (Oder) (Nachf. von  Christa Zellmer); Dez. 1989 Mitgl. des Arbeitsaussch. zur Vorbereitung des außerord. SED-Parteitags; März – Okt. 1990 Mitgl. der Volkskammer, parl. Geschäftsf. der PDS-Fraktion.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Meier, Kurt

* 7.12.1914 – ✝ 25.1.1985

Geb. in Wilkau-Haßlau (b. Zwickau); Vater Arbeiter; Volksschule; 1928 Bergarbeiterverb.; ATSB; 1929 – 35 Ausbildung zum Hauer, danach im Beruf tätig; 1935 – 45 Militär- u. Kriegsdienst, Artillerie, Hauptwachtmstr.; 1945 – 48 sowj. Kriegsgefangenschaft, Vors. des Antifa-Aussch. im Lager Welikije Luki. 1948 Rückkehr nach Dtl.; Entroster im RAW »7. Okt.« Zwickau; 1950 – 52 2. bzw. 1. BGL-Vors.; 1950 SED; 1952 – 82 Mitgl. des FDGB-Bundesvorst., bis 1963 Mitgl. des Präs.; 1956/ 57 Studium an der PHS; 1964 – 77 Vors. des FDGB-Bez.-Vorst. Schwerin (Nachf. von Gerhard Völkner).Die Bedeutung der Gewerkschaftswahlen 1952/53. Berlin 1952 (zus. mit H. Warnke u. L. Saillant); Wie arbeitet die BGL mit dem Gewerkschaftsaktiv. Berlin 1952.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Meinel, Paul

* 24.7.1914 – ✝ 5.1.1999

Geb. in Falkenstein (Vogtl.); Vater Weber; Grundschule; 1929 SAJ; 1929 – 34 Lehrling u. Gehilfe bei einem Rechtsanwaltsbüro in Falkenstein u. in Schloppe; 1934 – 36 Gehilfe u. Bürovorsteher bei einem Rechtsanwaltsbüro in Magdeburg; 1936 – 45 Wehrmacht. 1945 / 46 SPD / SED; 1945 / 46 Hilfstischler in Klingenthal; 1946 / 47 Ltr. der Stadthauptkasse u. Stadtrat in Klingenthal; 1947 / 48 kaufm. Ltr. der Industrie-Verwaltung Musikinstrumente Klingenthal; 1948 / 49 Ltr. der Haupt- u. Personalabt. der VVB Musik / Kultur Klingenthal; 1949 – 52 Planungsltr. im VEB Klingenthaler Harmonikawerke, 1952 – 54 Planungsltr., 1955 / 56 Ltr. der VVB Musikinstrumente u. Kulturwaren Plauen; 1956 – 58 Ökonom. Ltr. im Min. für Leichtindustrie, HV Musikinstrumente u. Kulturwaren in Leipzig; 1958 – 60 Ökonom. Ltr., 1960 – 63 Hauptdir. der VVB(B) Musikinstrumente und Kulturwaren Plauen; Sonderstudium Industrieökonomik, 1961 Industrie-Ökonom; 1964 – 77 GD der VVB Musikinstrumente u. Kulturwaren Plauen; 1974 VVO; gest. in Plauen.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Meisner, Heinrich Otto

* 1.4.1890 – ✝ 26.11.1976

Geb. in Berlin; 1908 – 13 Studium der Fächer Geschichte, Germanistik, Staats- u. Verw.-Recht, 1913 Prom.; 1913/14 Staatsarchiv Stettin; 1914 Preuß. Geheimes Staatsarchiv Berlin; Staatsprüfung für wiss. Archivdienst; 1914 – 18 Soldat im 1. Weltkrieg; 1918 – 45 tätig im preuß. Archivdienst; 1921 Staatsarchivar; 1925 – 27 Ltg. des Brandenb.-Preuß. Hausarchivs Berlin; seit 1922 am Preuß. Geheimen Staatsarchiv; seit 1930 nebenamtl. als Doz. am Inst. für Archivwiss. u. geschichtswiss. Fortbildung tätig; 1928 als erster dt. Archivar längere Studienreise in die UdSSR; 1935 – 45 ltd. Funktionen im Reichsarchiv Potsdam. 1950 – 53 Doz. am Inst. für Archivwiss. Potsdam; 1953 – 61 Prof. mit vollem Lehrauftrag für Hist. Hilfswiss. an der HU Berlin; anschl. em.; 1959 Korr., 1961 Ord. Mitgl. der DAW; gest. in Potsdam. H. M. hat die universitäre archivwiss. Ausbildung in der DDR begründet u. bis zu seiner Em. maßgebl. geprägt.Urkunden- u. Aktenlehre der Neuzeit. Berlin 1935; Archivalienkunde vom 16. Jh. bis 1918. Leipzig 1969.Ilko-Sascha Kowalczuk

Wer war wer in DDR

Melis, Ernst Wilhelm

* 5.3.1909 – ✝ 31.8.2007

Geb. in Kassel; Vater Schlosser, Mutter Landarb. u. Reinemachefrau; 1915 – 23 Volksschule in Kassel; 1923 – 27 Ausbildung zum Dreher in Kassel; 1927 – 29 Dreher bei der Fa. Bitter & Co./Conz Motorenwerke in Kassel; DMV; 1927 KJVD u. ab 1928 KPD; 1928 Besuch der KJVD-Reichsschule; 1928 – 30 Mitgl. der KJVD-BL Hessen-Waldeck, seines Sekr.- u. Org.-Ltr.; RGO, RH, RFB, IAH, BdFdSU u. ASV; 1929 – 32 hauptamtl. Mitarb. im M-Apparat der KPD, ab 1931 dessen Ltr. im Bez. Hessen-Waldeck; 1931 vor dem Kasseler Schwurgericht wegen »Ermordung eines Schutzpolizisten« angeklagt u. mangels Beweisen freigesprochen, zu einem Jahr Gefängnis wegen »Landfriedensbruchs u. Waffenbesitzes« verurteilt, 1931/32 Haftanstalt Kassel-Wiesbaden; ab 1932/33 illeg. Arbeit in Hannover u. Kassel, dort zuständig für illeg. Quartiere; Dez. 1933 Emigr. in die Niederlande u. nach Paris; Juni 1934 – Okt. 1935 Internat. Lenin-Schule in Moskau; dort 1935 – 37 Aspirant u. Mitarb. der dt. Sektionsltg.; Dez. 1937 in Prag Red.-Volontär der »Dt. Volksztg.«; 1938/39 Red. dieser Ztg. in Paris; 1939/40 Mitgl. der KPD-Emigr.-Ltg. in Paris; Mai 1940 verhaftet u. interniert, geflohen; 1940 – 43 illeg. in Toulouse; 1942/43 verantw. Red. der Ztg. »Soldat am Mittelmeer«; 1943 Ltr. der Ztg. »Dt. Volksecho« in Lyon, Prop. unter dt. Soldaten; 1943 – 47 Mitgl. der FKP u. der CGT; ab Aug. 1943 Mitarb. des Komitees Freies Dtl. für den Westen, Bildung von Soldatengr.; 1945 Red. der Ztg. »Volk u. Vaterland«; 1946/47 Mitarb. einer frz. Bergarbeiterztg. Dez. 1947 Rückkehr nach Dtl.; SED; 1948 – 50 Lehrer an der PHS; dort 1948 – 51 Mitgl. der PO-Ltg. u. 1950/51 hauptamtl. Parteisekr.; ab 1951 Mitarb. beim ZK der SED, 1951 – 57 Red.-Sekr. der theoret. Ztschr. »Einheit«; 1951 – 89 dort Mitgl. des Red.-Koll. u. 1957 – 79 stellv. Chefred.; 1952 – 89 Mitgl. der ZL des Komitees der Antifa. Widerstandskämpfer der DDR; 1954 – 58 Kand., 1958 – 89 Mitgl. der ZRK der SED; 1969 VVO; 1979 Parteiveteran; 1979 KMO; 1984 Stern der Völkerfreundschaft; 1990 Mitgl. der PDS. 1992 Mitbegr. u. seitdem Vors. des Verb. Deutscher in der Résistance (DRAFD e. V.); französ. Ordre Républicain du Mérite civique et militaire; gest. in Berlin.Schaul, D.: Résistance. Berlin 1973; Pech, K.: An der Seite der Résistance. Zum Kampf der Bew. »Freies Dtl.« für den Westen in Frankreich (1943 – 1945). Berlin 1974; Dahlem, F.: Am Vorabend des zweiten Weltkrieges. Erinnerungen. Berlin 1977; Doernberg, S.: Im Bunde mit dem Feind. Berlin 1995; Vesper, K.: Der Himmel über Lyon war nicht wolkenlos. Die Erinnerungen des E. M. an den 6. Juni 1944. In: ND 5./6.6.2004.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Melsheimer, Ernst

* 9.4.1897 – ✝ 25.3.1960

Geb. in Neunkirchen (Saar); Vater Dir. der Neunkirchner Eisenwerke; 1903 – 14 Volksschule, Realgymnasium, Abitur in Neunkirchen; 1914/15 Soldat, verwundet; Studium der Rechts- u. Staatswiss. in Marburg u. Bonn; 1918 Referendarexamen; Febr. 1919 Prom. zum Dr. jur.; Vorbereitungsdienst bei den Gerichten in Rhauenen, Saarbrücken u. Köln; 1921 Assessorexamen; 1921 – 37 Assessor im Justizmin.; ab 1924 als LG-Rat; ab 1932 als Oberjustizrat; ab 1933 LG-Dir.; 1937 zum Kammergerichtsrat degrad.; 1928 SPD; Abt.-Ltr. in Berlin-Steglitz, Krs.-Vorstandsmitgl., Abg. des Bez.-Tags.; Mitgl. Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold u. dessen Vorst. in Berlin-Steglitz; Mai 1933 kurzz. inhaftiert; 1937 – Mai 1945 Mitgl. des Zivilsenats 1a beim Kammergericht Berlin; 1942 – 44 Krs.-Rechtsberater im NSV; Mitgl. des NS-Rechtswahrerbundes. 16.5.1945 Oberstaatsanwalt beim Bez.-Gericht Berlin-Friedenau, von Gen. Jan Bersin eingesetzt; Juni 1945 KPD, dann SED; Mitgl. des Krs.-Vorst. Berlin-Schöneberg; Juli 1945 Oberstaatsanwalt beim Bez.-Gericht Berlin-Mitte; ab 13.9.1945 – April 1946 Ltr. der Abt. Gesetzgebung in der Zentr. Justizverw.; dann Vizepräs. bis 1949; 7.12.1949 – 1960 Gen.-Staatsanwalt der DDR; führte eine Reihe Prozesse u. a. im April 1950 gegen den ehem. Sozialminister des Landes Sachsen-Anh., Dr.  Leo Herwegen, u. den Min.-Dir.  Willi Brundert (Dessauer Prozeß), Zeugen Jehovas,  Leonhard Moog,  Wolfgang Harich,  Walter Janka; erwarb sich den Ruf eines »zweiten  Andrej J. Wyschinski«; 1951 leitete in Berlin (West) der Unters.-Aussch. freiheitl. Juristen eine Anklage gegen ihn wegen Verfolgung Unschuldiger, schwerer Freiheitsberaubung im Amt, Rechtsbeugung u. Anstiftung zur Urkundenvernichtung ein; bis 1955 hat E. M. zu 90 Todesurteilen u. 200 lebenslängl. Zuchthausstrafen seine Zustimmung gegeben; 1952 Mitgl. des Jur. Arbeitskrs. der DAW; gest. in Berlin.Wahlschuld u. Wahlerklärung. Marburg 1921; Kostenrecht. Berlin 1937; Reichskostenordnung. Berlin 1942. Weber, J., Piazolo, M. (Hrsg.): Justiz im Zwielicht. München 1998; Heymann, B.: E. M. Frankfurt (Main) 2007.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Mauersberger, Peter

* 10.9.1928 – ✝ 17.2.2007

Geb. in Zwickau; Vater Dipl.-Berging. u. Dipl.-Markscheider; 1939 – 44 OS in Stollberg (Erzgeb.); 1944/45 Kriegseinsatz u. Tätigkeit als Rohrschlosser. 1946/47 erneut OS, Abitur; 1947 – 51 Studium der Geophysik an der Bergakad. Freiberg u. der HU Berlin; 1951 – 57 wiss. Assistent am Inst. für Meteorol. u. Geophysik, 1956 Prom.; 1957 – 69 wiss. Mitarb., ab 1968 stellv. Dir. am Inst. für physikal. Hydrogr. der DAW; 1964 Habil. an der HU; 1965 – 71 hier nebenamtl. Doz.; 1969 – 75 wiss. Mitarb. in versch. Inst. der DAW/AdW; 1971 Berufung zum Prof. an der AdW u. Lehre an der HU Berlin; 1973 Mitgl. der Leopoldina; 1976 – 88 u. 1990/91 Ltr. des Bereichs Hydrol. im Inst. für Geogr. u. Geoökol. der AdW; ab Jan. 1990 in versch. Funktionen an der Neuformierung der Forschung beteiligt. 1992 – 95 Dir. des Inst. für Gewässerökol. u. Binnenfischerei im Forschungsverbund Berlin e. V.; Ruhestand; gest. in Leer (Friesland). Hauptarbeitsgebiete: Hydrol., Limnol., Ökol., Geophysik; mehr als 140 wiss. Publ.Beobachtungsergebnisse über das Hauptfeld u. die Säkulärvariation. Berlin 1961; Über die Grundlagen der theoret. Magnetohydrodynamik. Berlin 1964; Theorie der elektromagnet. Felder. Berlin 1964.Peter Nötzold

Wer war wer in DDR

Maurer, Georg

* 11.3.1907 – ✝ 4.8.1971

Geb. in Sächsisch-Regen (Siebenbürgen / Reghin, Rumänien); Vater Lehrer u. Musiker; 1911 Übersiedl. nach Bukarest; Besuch dt.-ev. Schulen; Gymnasium; 1926 – 32 Studium der Kunstgeschichte, Germanistik u. Philos. in Berlin u. Leipzig; erste Gedichtveröff.; 1934 Kunstkritiker u. Lokalreporter der »Neuen Leipziger Ztg.«; 1939 – 44 Soldat, v. a. Dolmetscher in Rumänien; 1944 – 46 sowj. Gefangenschaft, u. a. als Bergarb. eingesetzt. 1946 freischaff. Schriftst.; freier Mitarb. des Senders Leipzig; 1948 erster Gedichtband »Gesänge der Zeit«, Lit.-Preis der Stadt Weimar; 1955 Mitgl. der DAK; Mitgl. des PEN-Zentrums Ost u. West; 1955 – 61 Doz. u. 1961 – 70 Prof. u. Ltr. des Lyrikseminars am Lit.-Inst. »Johannes R. Becher« in Leipzig; 1961 »Dreistrophenkalender«; Johannes-R.-Becher-Medaille; 1965 NP; F.-C.-Weiskopf-Preis 1972 (posthum). G. M. wurde durch seine lyriktheoret. u. essayist. Arbeiten (u. a. »Welt in der Lyrik«, 1967), aber v. a. durch seine pädagogische Be- gabung zum Mentor der mittleren DDR- Lyrikergeneration ( Volker Braun,  Kurt Bartsch,  Adolf Endler,  Heinz Czechowski,  Bernd Jentzsch,  Sarah u.  Rainer Kirsch,  Karl Mickel u. a.) mit Wirkung v. a. auf die sog. Sächs. Dichterschule; zu seiner Tätigkeit als Ltr. des Lyrikseminars am Lit.-Inst. vermerkte das MfS ästhetische »Weltfremdheit«, die u. a. zur »Immatrikulation ungeeigneter Personen« führte, u. die Unterstützung »negativer Personen wie  Wolf Biermann, Sarah u. Rainer Kirsch sowie Andreas Reimann«; die eigenen Gedichte standen in der Tradition philosoph. Gedankenlyrik, von teilw. pathet. Harmoniesehnsucht durchzogen.Ausgewählte Werke in 9 Bänden. Berlin 1964 ff.; Was vermag Lyrik: Essays, Reden, Briefe. Leipzig 1982; Werke in 2 Bänden. Berlin 1987 (Hrsg. W. u. Ch. Hartinger, E. Maurer). Wolf, G. (Hrsg.): Dichtung ist deine Welt. Selbstaussagen u. Versuche zum Werk G. M.s. Berlin 1973; Emmerich, W.: G. M. In: Krit. Lexikon zur dt-spr. Gegenwartslit. München 1978 ff.; Arendt, E.: Bleib ich, was ich bin? Teufelswort, Gotteswort: zum Werk des Dichters G. M. Berlin 1998.Leonore Krenzlin / Andreas Kölling

Handbuch Deutsche Kommunisten

Mayenburg, Herbert von

* 2.10.1883 – ✝ 6.3.1954

Der Sohn des adligen Schriftstellers Richard Adalbert Heinsius von Mayenburg wurde am 2.Oktober 1883 in Blasewitz bei Dresden geboren und besuchte die Mittelschule in Bautzen und Dresden. Aus Protest gegen den Reichtum seiner Familie und das soziale Elend der arbeitenden Klasse brach er mit seiner Familie und brannte von zu Hause durch. Er arbeitete zunächst bei dörflichen Handwerkern und verdingte sich als jugendlicher Landarbeiter. Später wurde er Buchhalter und Handelsreisender. 1906 trat er in die SPD ein und war von 1910 bis 1919 hauptamtlicher Funktionär des Handlungsgehilfenverbandes in Düsseldorf. Von 1914 bis 1918 Soldat bei der Artillerie. 1917 Mitglied der USPD, ab Juli 1919 Landesparteisekretär für Mecklenburg-Schwerin und -Strelitz. Mayenburg reiste mehrmals nach Moskau, traf dort mit Lenin, Trotzki sowie Sinowjew zusammen und plädierte für den Anschluß an die Komintern und die Vereinigung mit der KPD. Im Juni 1920 wurde er für die USPD in den Landtag von Mecklenburg-Schwerin gewählt, dem er bis 1922 als KPD-Mitglied angehörte. Auf dem Vereinigungsparteitag von USPD-Linke und KPD zur VKPD im Dezember 1920 wurde von Mayenburg in den ZA gewählt. Von 1920 bis 1922 Chefredakteur der KPD-Zeitung »Volkswacht« in Rostock, Anfang 1923 kam er als Instrukteur nach Pommern. Mayenburg, ein glänzender Redner, war als »Wanderprediger« der KPD vor allem bei Landarbeitern bekannt. Den Strapazen nicht mehr gewachsen und durch mehrere Gefängnisaufenthalte geschwächt, legte er die hauptamtliche Parteifunktion nieder und kam zur deutsch-russischen Handelsgesellschaft (Derutra) in Hamburg. Enttäuscht von dem Auftreten der sowjetischen Handelsvertreter und den innerparteilichen Fraktionskämpfen trennte er sich von der KPD. Sein Onkel Ottomar von Mayenburg, Chef der Dresdener Chlorodont-Werke, schickte ihn als Leiter der Chlorodont-Filiale nach Wien. Im September 1941 übersiedelte von Mayenburg nach Budapest und wurde Direktor der dortigen Chlorodont-Filiale. Ungarn verließ er 1947, kehrte nach Deutschland zurück und zog 1950 mit seiner nunmehr dritten Frau nach Ludwigsburg, wo Herbert von Mayenburg am 6. März 1954 starb.

Wer war wer in DDR

Mayer, Hans

* 19.3.1907 – ✝ 19.5.2001

Geb. in Köln in einer jüd. Fam.; Vater Kfm., Kunstsammler (die Eltern wurden im KZ Auschwitz ermordet); Volksschule; Schillergymn. in Köln; 1925 – 29 Studium der Staats- u. Rechtswiss., Geschichte u. Musik an den Univ. Köln, Berlin u. Bonn; 1931 Dr. jur. bei Hans Kelsen, Univ. Köln; Mitgl. der SAP; 1932 – 35 KPD(O); 1933 Große Jur. Staatsprüfung; Emigr. nach Paris; 1935 – 38 u. 1939 – 45 Schweizer Exil (Genf, Zürich), 1938 Paris; Arbeit am Rockefeller-Inst. für internat. Studien (Genf), Stipendiat des Inst. für Sozialforschung; erste germanist. Arbeit »Georg Büchner u. seine Zeit« (veröff. 1946, 1948 als Habil.-Schrift in Leipzig anerkannt); 1938 Aberkennung der dt. Staatsbürgerschaft; 1945 in der Schweiz Bestätigung der KPD-Mitgliedschaft. 1945 Rückkehr nach Dtl. (Frankfurt (Main)); Kulturred.; 1946/47 pol. Chefred. von Radio Frankfurt (Main), Bruch wegen marxist. Grundpositionen; 1947/48 Doz. an der Akad. der Arbeit Frankfurt (Main) (Ausbildung von Gewerkschaftsfunktionären); 1948 Prof. für Geschichte der Nationallit. an der Univ. Leipzig; 1950 Ordinarius für Kultursoziol. u. Lit.-Geschichte; Lehrer u. a. von  Christa Wolf,  Götz Friedrich,  Uwe Johnson,  Volker Braun,  Irmtraud Morgner; 1955 NP; 1956 im trotz Radiozensur (versehentlich?) in der Ztschr. »Sonntag« abgedruckten Sendemanuskript »Zur Gegenwartslage unserer Lit.« Eintritt für eine erweiterte Lit.-Rezeption (Franz Kafka, William Faulkner, Thornton Wilder), der DDR-Lit. wurde ein »Krankheitszustand« attestiert u. der Reichtum der 20er Jahre beschworen, Revisionismusvorwürfe; Jan. 1957 Prof. für Neuere dt. Literaturgesch. u. Dir. des neugegr. Inst. für Dt. Literaturgesch. an der Philos. Fak. der KMU Leipzig; nach dem Mauerbau Aug. 1961 trotz Aufenthalts in England Rückkehr in die DDR; 1962 »Ansichten. Zur Lit. der Zeit«, soziolog. Lit.-Betrachtungen u. a. zu  Brecht, Pasternak, Sartre, Beckett, Ionesco, danach öffentl. Angriffe (»eine Lehrmeinung zuviel«) u. kulturpol. Auseinandersetzungen; Sept. 1963 blieb H. M. nach einer Vortragsreise in der Bundesrep. Dtl.; 1964 Mitgl. der AdK Berlin (West); 1965 Prof. für dt. Sprache u. Lit. an der TU Hannover; danach Gastprof. in Frankreich, Schweden u. den USA; Mitgl. des PEN-Zentrums Bundesrep. Dtl.; 1969 Dr. h. c. der Univ. Brüssel; 1971 Dir. der Abt. Lit. der AdK Berlin (West); 1972 Ehrensenator der Univ. Wisconsin (USA); 1973 em.; große Goethe-Biogr. »Goethe. Ein Versuch über den Erfolg«; 1974 Gastprof. am »College de France«; 1975 Honorarprof. der Univ. Tübingen; Ehrenmitgl. der Modern Language Association of America; erfolgr. Hauptwerk »Außenseiter«; 1986 erster Vortragsauftritt in Berlin (Ost); 1987 Korr. Mitgl. der AdK der DDR; 1987 Großes Bundesverdienstkreuz mit Stern u. Schulterband. 1992 Ehrensenator der Univ. Leipzig; 1993 Offz. des frz. Ordens für Kunst u. Wiss.; 1995 Ernst-Bloch-Preis; Heinrich-Mann-Preis; 1996 Ehrenpräs. des Dt. PEN-Zentrum (Ost); 1998 Bestätigung als Ehrenpräs. des wiedervereinigten PEN-Zentrums Dt.; 2001 Ehrenbürger von Leipzig; gest. in Tübingen. Bedeutender Verf. zahl- u. einflußr. wiss. u. essayist. Arbeiten zur dt. Lit.- u. Kulturgeschichte v. a. unter soziol.-hist. Aspekt, u. a. »Georg Büchner u. seine Zeit«, 1946; »Unendliche Kette. Goethestudien«, 1949; »Thomas Mann. Werk u. Entw.«, 1950; »Thomas Mann«, 1980); »Friedrich Schiller u. die Nation«, 1953; »Richard Wagner«, 1959; »Richard Wagner. Mitwelt u. Nachwelt«, 1978; »Bertolt Brecht u. die Tradition«, 1961; »Brecht in der Geschichte«, 1971; »Erinnerungen an Brecht«, 1996; engagierter Lit.-Kritiker, Hrsg., Übersetzer u. Zeitzeuge; in seiner Dtl.-Trilogie (»Der Turm von Babel«, 1991; »Wendezeiten«, 1993; »Der Widerruf«, 1994) plädiert H. M. für eine hist. gerechte Beurteilung der DDR.Ein Deutscher auf Widerruf. 2 Bde. Autobiogr. Frankfurt (Main) 1984, 1986; Die umerzogene Lit. Berlin 1988; Die unerwünschte Lit. Berlin 1989; Reisen nach Jerusalem. Erfahrungen 1968 bis 1995. Frankfurt (Main) 1997; Zeitgenossen: Erinnerung u. Deutung. Frankfurt (Main) 1998; Erinnerungen an Willy Brandt. Frankfurt (Main) 2001; Briefe 1948 – 63. Leipzig 2006 (hrsg. von M. Lehmstedt). Jens, I.: Über H. M. Fs. Frankfurt (Main) 1977; Klein, A.: Unästhetische Feldzüge: der siebenjährige Krieg gegen H. M. Leipzig 1997; Sandig, A.: Erinnerungen an H. M. Hamburg 2002; Berger, C.: Der späte H. M. Wien 2003; Moebius, S.: Die Zauberlehrlinge. Konstanz 2006; Lehmstedt, M. (Hrsg.): Der Fall H. M. Dokumente 1956 – 1963. Leipzig 2007.Andreas Kölling

Wer war wer in DDR

Mecklenburg, Ernst

* 3.6.1927

Geb. in Blöcken (Krs. Labiau, Ostpr./Osokino, Rußland); Vater Landarb., Bauer; Volksschule; landw. Lehre, Landw.-Gehilfe; 1943/44 Lehrerbildungsanstalt Memel; 1944 NSDAP (Anwärter); 1944 Wehrmacht; kurzz. engl. Gefangenschaft. Anschl. Bergarb. in den Westzonen; ab 1947 Neubauer in Torisdorf (Krs. Schönberg); 1950 DBD u. FDJ; Vors. des Krs.-Vorst. Grevesmühlen der DBD; 1950 – 52 Bürgermstr. in Rehna (Krs. Gadebusch); 1952 Abt.-Ltr. Kommunalpol. beim DBD-Landesvorst. Mecklenb.; anschl. Abt.-Ltr. Agrarpol.; 1954 – 63 Org.-Sekr. beim Bez.-Vorst. Rostock der DBD; 1953 FDGB; 1953 – 58 Fernstudium an der DASR Potsdam u. der HS für Landw. Bernburg, Dipl.-Agrarökon.; 1954 – 67 Abg. des Bez.-Tags Rostock; 1963 – 67 Vors. des Bez.-Vorst. Rostock; 1963 – 90 Mitgl. des PV, ab 1968 des Präs. der DBD; 1967 – 74 Sekr., 1974 – 82 stellv. Vors. des PV der DBD; 1967 Mitgl. des Zentralvorst. der DSF; 1968 Prom. zum Dr. agr. an der Univ. Rostock mit einer Diss. zur Entw. der genossenschaftl. Agrarprod.; 1983 in dessen Präs.; 1971 Abg. der Volkskammer, 1971 – 81 Mitgl. im Aussch. für Volksbildung, 1981/82 Mitgl. ihres Präs.; 1977 VVO; 1982 – 87 Vors. der DBD (Nachf. von  Ernst Goldenbaum), stellv. Vors. des Staatsrats (Nachf. von Ernst Goldenbaum); 1983 Ehrenspange zum VVO; 1983 Mitgl. des Präs. des NR der NF; März 1987 aus der hauptamtl. Tätigkeit aus gesundheitl. Gründen ausgeschieden; 1987 KMO.Siegfried Kuntsche / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Mehnert, Gerhard

* 14.12.1914 – ✝ 20.7.1983

Geb. in Leipzig; Vater Lithograph, Mutter Hausangest.; Volksschule; 1925 – 34 Thomas-Gymnasium, Abitur; 1931 KJVD; 1931 – 33 Agit.-Prop.-Ltr. des KJVD Leipzig-Süd u. Mitte; ab 1933 illeg. Arbeit; Mai – Okt. 1934 RAD; 1934 – 36 Werkstud. für Orientalistik, Publizistik u. Wirtschaftswiss. an der Univ. Leipzig; dort Ltr. einer Widerstandsgr.; Juli – Sept. 1935 u. Dez. 1936 – Okt. 1938 U-Haft, Verurteilung wegen »Vorber. zum Hochverrat«, Haftanstalten in Leipzig u. Dresden, danach unter Polizeiaufsicht; Ausschl. vom Studium u. Publikationsverbot; freiberufl. Tätigkeit; Jan. – April 1939 Ausbildung zum engl. Dolmetscher u. Stenografen an der Dolmetscherschule Leipzig; Kontakte zur Widerstandsgr. Herbert Bochow; Mai / Juni 1939 Sekr. bei Gerhart Hauptmann; freiberufl. in Berlin tätig; Okt. 1940 – 45 Wehrdienst, Uffz; 1945 Ltr. einer illeg. NKFD-Gruppe in seiner Komp.; kurzz. amerik. Gefangenschaft in Westsachsen. Mai 1945 Entlassung; Juni 1945 KPD; Arbeit als Kultur- u. Agit.-Prop.-Funktionär der KPD Pegau u. Leipzig; Okt. 1945 – 47 Chefred. u. HA-Ltr. beim Mitteldt. Rundfunk; Gründungsmitgl. u. Vors. des VDP-Bez.-Vorst. Leipzig; 1947/48 Forts. des Studiums der Japanologie an der KMU Leipzig, Prom. zum Dr. rer. oec.; Juni 1948 – Aug. 1950 dort Assistent bzw. Lehrbeauftr. für Rundfunk-Publizistik; 1949/ 50 Dozentenlehrgang an der PHS; Sept – Dez. 1950 Ltr. des 1. Lehrgangs für Arbeiterschriftst.; Mai 1951 – Aug. 1953 Ltr. der Pressestelle im Staatssekr. für HFS-Wesen; 1953 –59 Chefred. der Ztschr. »Das Hochschulwesen«; 1954 – 56 Lehrbeauftr. für mod. Japanisch an der KMU Leipzig; 1959 ord. Prof. für Japanologie an der HU Berlin; 1962 Präs. des Freundschaftskomitees DDR – Japan; 1965 VVO; 1963 Mitgl. des Präs., ab 1966 Vizepräs. der Liga für Völkerfreundschaft; 1968 Mitgl. des Wiss.-Rats der HU Berlin; 1979 em.Elke Reuter

Wer war wer in DDR

Meier, Edgar

* 17.9.1927

Geb. in Neustädtel (Erzgeb.); dort 1934 – 42 Schulbesuch; 1942 – 44 Handelsschule Schneeberg; 1945 – 47 Angest. im Rat der Stadt Schneeberg; 1947 / 48 ABF Zwickau, ab 1948 Studium an der TH u. der HS für Verkehrswesen Dresden (HfV), dort 1952 Dipl.-Ing. der Fachrichtung Betrieb u. Verkehr; 1952 – 56 Angest. der DR, u. a. Fahrdienstltr.; 1956 – 60 Ass. an der HfV Dresden, dort 1960 Prom. mit einer Arbeit zur Ermittl. u. Auswertung von Güterwagenströmen; 1960 – 66 leitende Tätigkeit in der Reichsbahndir. Dresden; 1966 – 71 Dir. des Inst. für sozialist. Wirtschaftsführung im Verkehrswesen Finsterwalde; 1966 – 88 Mitgl. des Forschungsrats; 1971 – 73 stellv. GD der DR für Eisenbahnbetrieb u. Vorhaltung von Transportmitteln; 1973 zunächst Honorarprof., ab Juli 1973 ord. Prof. für sozialist. Wirtschaftsführung, 1973 – 84 Rektor der HfV Dresden (Nachf. von Hermann Wagener); 1975 Banner der Arbeit; 1982 VVO; ab 1984 Prof. für Schienensicherheit u. Dir. des Wiss.-Bereichs Schienenverkehrssicherheit an der HfV; 1987 aus gesundheitl. Gründen vorzeitig em.; lebt in Schlema.Dieter Hoffmann

Wer war wer in DDR

Meier, Otto

* 3.1.1889 – ✝ 10.4.1962

Geb. in Magdeburg; Vater Steindrucker; 1895 – 1903 Bürgerschule; 1903 – 06 Ausbildung zum Kfm.; anschl. bis 1918 mit Unterbrechungen Handelsangest. in Magdeburg u. Berlin; 1909/10 Militärdienst; 1911 SPD; Zentralverb. der Angest.; 1914 – 16 Militärdienst im Reserve-Infanterieregt. 234, schwer verwundet; 1917 USPD; 1918/19 Parteisekr. in Berlin; 1917 – 22 Red. bei Ztgn. der USPD u. SPD in Berlin, Hannover u. Gotha; 1920 – 33 Abg. des Preuß. Landtags; 1922 SPD; Mitgl. des Bez.-Vorst. Berlin; 1922 – 33 Vors. der Pressekommission des SPD-Zentralorgans »Vorwärts«; bis 1938 arbeitslos; ab 1938 kfm. Angest. bei den Siemens-Schuckert-Werken Berlin; illeg. Arbeit in der sozialdemokrat. Widerstandsgr. um  Max Fechner, Franz Künstler u.  Richard Weimann, Polizeiaufsicht, 1.9. – 16.10.1939 u. 30.7. – 15.9.1944 Haft im KZ Sachsenhausen. 1945 Mitgl. des ZA der SPD; Chefred. des Zentralorgans »Das Volk«; Mitunterz. des Aufrufs der SPD vom 15.6.1945; 1946 – 50 Mitgl. des PV u. des ZS der SED; mit  Anton Ackermann u. a. verantw. für Kultur, Schulung u. Presse; 1947 DSF; seit 1947 Abg. des Brandenb. Landtags; 1949 – 52 sein Präs., Ausschußvors.; 1948/49 Mitgl. des Dt. Volks- rats; 1949/50 Abg. der Prov. Volkskammer, 1950 – 58 der Länderkammer; seit 1952 Abg. des Bez.-Tags Potsdam; seit 1952 1. Vors. der DSF Brandenb.; ab Juli 1952 GD des Staatl. Archivwesens bzw. ab 1.4.1953 – 1958 Ltr. der HA Staatl. Archivwesen im Staatssekr. für Innere Angelegenh.; 1954 VVO; 1956 Mitgl. der Zentr. Veteranenkommission beim ZK der SED; 1958 Dr. h. c. der MLU Halle; 1959 KMO; gest. in Berlin.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Meinig, Valeska

* 12.3.1879 – ✝ 25.10.1967

Geboren am 12. März 1879 in Ullersdorf bei Dresden, Tochter eines Volksschullehrers. Arbeiterin in der sächsischen Textilindustrie. 1912 wurde Valeska Meinig Mitglied der SPD, von 1915 bis 1933 gehörte sie als Aufsichtratsmitglied dem Konsumverband Limbach an. Während des Krieges in der Spartakusgruppe, ab 1917 Mitglied der USPD. Nach Ausbruch der Novemberrevolution im Limbacher Arbeiterrat. Am Jahresende 1918 nahm sie als Delegierte am Gründungsparteitag der KPD teil und gehörte nach ihrer Rückkehr zu den Mitbegründern der KPD in Limbach. Ab 1919 dort Stadtverordnete, von 1924 bis 1932 Stadträtin. Sie wurde 1924 für einige Monate inhaftiert. 1924 war sie Mitbegründerin und bis zu deren Verbot Mitglied der Leitung des Roten Frauen- und Mädchenbundes in Sachsen. Von März bis Juni 1933 war Valeska Meinig in »Schutzhaft«. Nach ihrer Entlassung beteiligte sie sich am Widerstandskampf gegen die Nazis, wurde 1934 verurteilt und bis 1936 im Zuchthaus Waldheim inhaftiert. Ab Juni 1944 für mehrere Monate im KZ Ravensbrück. Von 1945 bis 1947 war Valeska Meinig Vorsitzende des antifaschistischen Frauenausschusses in Limbach. 1946 Mitglied der SED, mehrere Jahre Leiterin der Volkssolidarität in Limbach, 1959 erhielt sie den VVO in Silber. Valeska Meinig starb am 25. Oktober 1967.

Wer war wer in DDR

Meisner, Joachim

* 25.12.1933 – ✝ 5.7.2017

Geb. in Breslau-Deutsch Lissa (Wrocław Lesnica, Polen); 1945 Flucht mit der Familie nach Körner bei Mühlhausen (Thür.); 1948 Schulabschl. in Körner; Lehre u. Tätigkeit als Bankkfm.; 1953 Eintritt in das kath. Spätberufenenseminar »Norbertuswerk« in Magdeburg; 1956 Abitur, 1956 – 62 Theol.-Studium in Magdeburg; 1962 Priesterweihe; 1963 – 66 Kaplan in Heiligenstadt u. Erfurt; 1966 – 75 Rektor der Diözesancaritas in Erfurt; 1969 Prom. zum Dr. theol.; 25.3.1975 Ernennung zum Weihbischof der Apostol. Administratur Erfurt-Meiningen; Bekanntschaft mit Karol Wojtyła, Erzbischof von Krakau (1978 – 2005 Papst Johannes Paul II.); 25.4.1980 Ernennung zum Bischof von Berlin (Nachf. von  Alfred Bengsch); Sept. 1982 Wahl zum Vors. der Berliner Bischofskonferenz (Nachf. von  Gerhard Schaffran); 5.1.1983 Ernennung zum Kardinal durch den Vatikan, Mitgl. vatikan. Kongregationen; 23.10.1987 Kurztreffen mit  Erich Honecker im Palast der Rep. in Berlin als Vorbedingung zur Vorber. des für 1991 geplanten Papstbesuches in der DDR; 20.12.1988 Ernennung zum Erzbischof von Köln nach längeren Auseinandersetzungen zw. Vatikan, Kölner Domkapitel u. nordrhein-westf. Landesreg.; Feb. 1989 Übersiedl. aus der DDR nach Köln u. Amtseinführung (Nachf. von Joseph Höffner). Vors. der Liturgie-Kommission u. der Unterkommission für Mittel- u. Osteuropa der Dt. Bischofskonferenz; Präs. des Dt. Vereins vom Heiligen Lande, 2003 Bundesverdienstkreuz; Ehrendoktor der Univ. Wrocław (1996) u. der Kath. Univ. Lublin (2005); Ehrenbürger von Levoča (Slowakei). Sek.-Lit.: Mynarek, H.: Erster Diener Seiner Heiligkeit. Ein krit. Porträt des Kölner Erzbischofs J. M. Köln 1993; Schäfer, B.: Staat u. kath. Kirche in der DDR. Köln, Weimar 1998; Marschler, T., Ohly, C. (Hrsg.): Spes nostra firma. Fs. für J. Kardinal M. zum 75. Geb. Münster 2009.Nachreformat. Frömmigkeitsformen in Erfurt. Leipzig 1971; Wider die Entsinnlichung des Glaubens. Graz 1991; Geborgen in Gott. Köln 2005.Bernd Schäfer

Wer war wer in DDR

Melis, Roger

* 20.10.1940 – ✝ 11.9.2009

Geb. in Berlin; 1957 – 60 Lehre als Fotograf in Potsdam; 1962 – 68 wiss. Fotograf an der HU Berlin u. der Charité; ab 1968 freischaff., u. a. für versch. Verlage u. für die Ztschr. »Sibylle« u. »Wochenpost«; Mitgl. des VBKD; 1969 Mitbegr. der Gruppe »direkt«; 1978 Personalausstellung in der Galerie Berlin; 1978 Lehrauftrag für Fotografie an der Kunst-HS Berlin; 1987 Ausstellung in der Fotogalerie Berlin-Friedrichshain; ab 1989 wieder verstärkt Reportage- u. Porträtfotografie. 1993 – 2006 Doz. für Fotografie im Letteverein Berlin; zahlr. Ausstellungen u. a. 2009 im Suermondt-Ludwig-Museum Aachen; gest. in Berlin.Beschreibung eines Zimmers (Text G. Wolf). Berlin 1971; Paris zu Fuß (Text St. Hermlin). Berlin 1986; Mecklenburg, ein Reiseverführer (Text G. Zschocke u. G. Dremmer). Rudolstadt 1986; Berlin, Berlin: Schriftsteller-Porträts aus 30 Jahren. Marbach 1992; Horno. Berlin 1995 (Text: M. Gromm); London zu Fuß. Fotografien. Berlin 1999 (Text: R. Melis); Spaziergänge. Berlin 2000 (Text: M. Menge); HS für Schauspielkunst »Ernst Busch« Berlin. Teetz 2005 (Text: K. Völker); In einem stillen Land. Fotografien 1964 – 1989. Leipzig 2007; Künstlerporträts. Fotografien 1962 – 2002. Leipzig 2008. Pachnicke, P.: Im Gespräch mit R. M. In: Fotografie (1983); Kat. R. M. Fotogalerie Berlin-Friedrichshain 1987; Davidis, M.: Klassiker der Porträtfotografie. In: Literaturblatt (2008) 2; Stocker, L.: Roger u. Dorothea M. Ein Beziehungsporträt. In: Brigitte woman (2009) 7.Anke Scharnhorst / Ingrid Kirschey-Feix

Handbuch Deutsche Kommunisten

Melzer, Hanna

* 7.8.1904 – ✝ 3.10.1960

Geboren am 7. August 1904 in Waldenburg/ Schlesien, Tochter eines Bergarbeiters; lernte Verkäuferin und Kontoristin. Sie trat 1923 in die KJD und die KPD ein, arbeitete von 1925 bis 1930 als Buchhalterin am »Ruhr-Echo«, leitete den RFMB in Bochum. Hanna Melzer lebte von 1925 bis Ende 1932 mit Walter Duddins zusammen, dem sie, wie sie später schrieb, einen großen Teil ihrer politischen Entwicklung verdankte. 1928/29 Agitpropleiterin des UB Bochum, 1930 Buchhalterin und Kassiererin der RHD Thüringen in Erfurt. Von 1930 bis 1932 Mitglied der KPD-BL Großthüringen und Instrukteurin, zuletzt Bezirksfrauenleiterin. Ab März 1933 illegale Instrukteurin in Dortmund. Im Juli 1933 verhaftet, saß sie bis Dezember 1933 im KZ Moringen. Danach Instrukteurin der illegalen KPD in Bielefeld, Osnabrück und Hagen. Am 26. August 1934 erneut verhaftet und schwer gefoltert. Für Hanna Melzer, auch die »Eiserne Johanna«, genannt, beantragte der Staatsanwalt die Todesstrafe. Am 1. März 1935 verurteilte sie das OLG Hamm zu 15 Jahren Zuchthaus, sie blieb bis 1945 Häftling in Zuchthäusern. 1945 ging sie nach Thüringen, war Leiterin der Frauenabteilung in Erfurt. Im Februar 1946 Funktionärin der KPD-Landesleitung Nordrhein-Westfalen, sie gehörte 1946/47 dem SED-Parteivorstand und von 1951 bis 1954 dem PV der KPD an. Von 1946 bis 1949 MdL in Nordrhein-Westfalen, danach Sekretärin im westdeutschen DFD, ab 1954 Mitglied der PKK der KPD. Sie wohnte ab 1956 ständig in Ost-Berlin. Hanna Melzer starb dort am 3. Oktober 1960.

Wer war wer in DDR

Mauersberger, Rudolf

* 29.1.1889 – ✝ 22.2.1971

Geb. in Mauersberg (Erzgeb.); Vater Kantor u. Lehrer, Bruder  Erhard M.; 1903 – 09 königl. Lehrerseminar in Annaberg (Ltr. des Seminarchors); 1909 – 12 beim Militär u. Hilfslehrer; 1912 – 14 u. 1918 / 19 Studium am Konservatorium in Leipzig; 1915 – 18 Soldat u. Militärmusikltr. in Bad Lausick (b. Leipzig); 1919 – 25 Kantor u. Organist in Aachen; 1925 – 30 Kirchenmusikwart der ev. Landeskirche Thüringens u. Kantor an Bachs Taufkirche St. Georg in Eisenach (gründete den Bachchor Eisenach u. den Georgenchor); ab 1.7.1930 Kreuzkantor u. Ltr. des Dresdner Kreuzchors; 1931 Kirchenmusikdir.; 1933 NSDAP; 1938 Prof.; 1938 u. a. Gastauftritte in den USA; bewahrte den liturgischen Charakter des Chors gegen ideol. Vereinnahmung u. führte trotz Verbots auch Werke jüd. Komponisten wie F. M. Bartholdy auf. 4.8.1945 Uraufführung seines A-capella-Werkes »Wie liegt die Stadt so wüst« über die Zerstörung Dresdens in den Ruinen der Kreuzkirche; Neubelebung des Kreuzchors, den er bis zu seinem Tod leitete; Komponist zahlr. Chorzyklen, u. a. »Dresden«, »Erzgebirge«, »Weihnachten«, zahlr. Einzelkompositionen, wie »Dresdner Requiem«, »Geistliche Sommermusik«, »Lukas-Passion«, »Dresdner Te Deum«, u. Chorarrangements; besonders Pflege der Werke von Johann Sebastian Bach u. Heinrich Schütz, aber auch zeitgenöss. Musik; 1950 NP; 1954 Ehrendoktor an der HU Berlin u. 1959 an der Philipps-Univ. Marburg; 1964 Martin-Andersen-Nexö-Kunstpreis u. Ehrenmitgl. der Internat. Schütz-Gesell.; 1969 Ehrenmitgl. der Neuen Bach-Gesell. u. 1970 der Dresdner Philharmonie; zahlr. Gastspiele u. Schallplattenaufnahmen, u. a. von den jährl. Heinrich-Schütz-Tagen des Kreuzchors (1955 – 70). gest. in Dresden (beigesetzt in Mauersberg). Seit 1991 gibt es das jährl. verliehene Rudolf-Mauersberger-Stipendium zur Förderung der musikal. Ausbildung von Kruzianern (aktive oder ehemal. Mitgl. des Kreuzchors).Werksverzeichnis (RMWV). Hrsg. M. Herrmann. Sächs. Landesbibliothek. Dresden 1991. Schicha, U.: M., R. In: Neue Dt. Biographie (1990) 16; Mauersberger, H.: Dresdner Kreuzchor u. Thomanerchor Leipzig: Zwei Kantoren u. ihre Zeit – R. u. Erhard M. Marienberg 2007.Ingrid Kirschey-Feix

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Mausch, Helga

* 26.9.1945

Geb. in Neuberend (Schleswig); Vater Elektriker, Mutter kfm. Angest.; 1952 – 64 Grund- u. EOS in Cottbus, Abitur; 1964 – 66 Ausb. zum Industriekfm. an der Handels-HS Leipzig; 1966 – 70 Fernstudium der Wirtschaftswiss., Dipl.-Ök.; 1966 – 2001 beim Braunkohlenbergbau Cottbus tätig; Mitgl. der IG Bergbau; 1971 – 90 NDPD; 1980 – 89 Abg. der Stadtverordnetenvers. Cottbus; 1.2.1990 Wahl zur Vors. des Geschäftsf. Vorst. des FDGB (fakt. Nachf. der letzten FDGB-Vors.  Annelies Kimmel); nach Konflikten über die Haltung des FDGB zum DGB u. zum dt.-dt.-Staatsvertrag über die Wirtschafts- u. Währungsunion am 9.5.1990 Auflösung des Geschäftsf. Vorst. 2001 Ruhestand; lebt in Cottbus.Helmut Müller-Enbergs

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Mayer, August (Gustl)

* 9.6.1898 – ✝ 11.10.1969

Geb. in München; Vater Arbeiter, Mutter Köchin; Volks- u. Fortbildungsschule; Arbeit als Presser, Angest.; 1916 Arbeiterjugend u. SPD; 1917/18 Militärdienst; 1919 FSJ; 1920 KPD; zeitw. Org.-Sekr. der FSJ im Bez. Südbayern; 1921 Mitarb. im ZK der FSJ bzw. Mitarb der Ungarnhilfe der KJI; 1921/22 Org.-Sekr. der KPD-BL Nordbayern in Nürnberg; ab 1922 Mitarb. bzw. Abt.-Ltr. des ZK der KPD; im März 1924 inhaftiert u. am 22.4.1925 durch das Reichsgericht wegen »Vorber. zum Hochverrat« u. »Sprengstoffverbrechen« zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt (»Tscheka-Prozeß«), Haft in den Strafanstalten Plassenburg bei Kulmbach u. in Luckau, Okt. 1927 durch »Hindenburgerlaß« amnestiert; 1928 – 30 Angest. des ZK der KPD; Statistiker in der Org.-Abt.; 1930/31 Verantwortl. der KPD für Waffenbeschaffung im gesamten Reich; März 1931 nach Enttarnung Flucht in die UdSSR; 1931/32 Ausbildung an der M-Schule in Moskau; 1932 – 45 illeg. Arbeit für die KI (»Anton Keller«); Instrukteur der Org.-Abt. bzw. Ltr. des OMS-App. in Prag, Den Haag u. Amsterdam, 1937 Rückruf nach Moskau zur Überprüfung, dann in Paris, Amsterdam u. Den Haag, dort Ltr. der KPD-Emigrationsgr. Sept. 1945 Rückkehr nach Dtl.; 1945/46 stellv. Dir. des Suchdienstes beim Alliierten Kontrollrat; 1946 SED; 1946 – 48 Dir./Präs. des Suchdienstes für vermißte Dt. in der sowj. Okkupationszone/SBZ; Wechsel in die DVdI, Gen.-Inspekteur; Dez. 1948 Ltr. der HA Kriminalpolizei; 1949 Stellv. des Chefs der DVP u. Ltr. der HA Kriminalpolizei in der HV der DVP; 1951 – 59 Ltr. der Verw. Strafvollzug in der HV der DVP; Gen.-Major; 1968 VVO; gest. in Berlin.Bernd-Rainer Barth / Andreas Herbst

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Mayer, Lothar

* 17.4.1945

Geb. in Bernau; Vater im Krieg vermißt, Mutter Hausfrau, Stiefvater Buchdrucker; 1951 – 59 Grundschule in Bernau, dann bis 1961 Mittelschule in Werneuchen; FDJ; 1961 – 64 Berufsausbildung mit Abitur als Rohbaumonteur in Eisenhüttenstadt; 1964 – 70 Studium an der TU Dresden, Dipl.-Ing. Architekt; ab Febr. 1970 wiss. Mitarb. beim VE Bau- u. Montagekombinat Ingenieurhochbau Berlin, Okt. 1970 Wechsel zum Zentrum für Org. u. Datenverarbeitung Berlin als Problemanalytiker; 1974 / 75 bezahlte Freistellung u. Ltg. des Ausbaus von 23 Dachwohnungen in Berlin-Karlshorst; 1975 / 76 stellv. Gruppenltr. Standortplanung der Kreisplankommission beim Rat des Stadtbez. Berlin-Prenzlauer Berg; anschl. bis Ende 1979 unter der Ltg. von  Heinz Graffunder beim Magistrat von Berlin mit dem Aufbauprojekt Berlin-Marzahn befaßt; ab 1980 beschäftigt im Baubüro des Diakon. Werks in Berlin; Mitgl. im BDA; veranstaltete ab 1975 in seiner Wohnung in Berlin-Karlshorst wöchentl. einen gesellschaftskrit. Gesprächskreis, an dem u. a.  Monika Palm,  Gerd Poppe,  Rupert Schröter u.  Reinhold Weißhuhn teilnahmen u. der darüber diskutierte, wie unterhalb der Schwelle der strafrechtl. Relevanz die polit. u. gesellschaftl. Verhältnisse in der DDR kritisiert werden könnten; in diesem Zusammenhang 1976 Bildung einer ehrenamtl. Arbeitsgr. zur sozialist. Umgestaltung der Wohnumwelt; 1976 Eingabe an den Magistrat gegen die Unterbindung der krit. Veranstaltungsreihe »Kramladen« im Jugendklubhaus Berlin-Weissensee; Unterz. eines Protestbriefs gegen die Verunglimpfung der Selbstverbrennung des Pfarrers  Oskar Brüsewitz in der SED-Ztg. »Neues Dtl.«, daraufhin im Sept. 1976 Festnahme u. Verhör; Okt. 1976 Eingabe an das ZK der SED mit kritischen Anmerkungen zur Rechtspraxis in der DDR u. zum Begriff der »staatsfeindlichen Hetze«; bis Anfang der 1980er Jahre aktiv im Kreis um Gerd Poppe u. Teiln. an kritischen Gesprächskreisen im Szenecafé »Burger«; Kontakt zu ungar. Dissidenten; danach Rückzug vom politischen Engagement, aktiv in der Kirchgemeinde Zur frohen Botschaft in Berlin-Karlshorst; vom MfS erfaßt u. »bearbeitet« im OPK »Treffpunkt« u. im OV »Monolith«; 1988 Ausreise mit der Fam. in die Bundesrep. Dtl. Lebt als Architekt in Bad Hersfeld.Christian Halbrock; Jg. 1963; ab 1993 Studium der Neueren/Neuesten Geschichte, Mittelalterlichen Geschichte und Europäischen Ethnologie an der HU Berlin, 2003 Promotion; seitdem wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Bildung und Forschung bei der BStU in Berlin.

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Mecklinger, Ludwig

* 14.11.1919 – ✝ 22.6.1994

Geb. in Buchdorf (b. Donauwörth); Vater Glaser; Gymnasium in Eichstätt (Bayern); 1938 RAD; 1939 – 45 Studium der Med. in Leipzig, Hamburg u. Berlin, dort 1945 Prom.; Wehrmacht, zul. Unterarzt; 1945 amerik. Kriegsgefangenschaft im Lager Traunstein. Herbst 1945 ärztl. Praxis in Bayern; 1945/46 KPD/SED; 1945 – 47 in der Provinzialverw. Sachsen-Anh. für Seuchenbekämpfung zuständig; 1947/48 Mitarb. des Landesgesundheitsamts u. 1948 – 52 im Min. für Arbeit u. Gesundheit von Sachsen-Anh.; 1949 – 54 Jura-Fernstudium an der DASR Potsdam; 1952 – 55 stellv. Vors. des ZA des DRK; 1955 – 57 stellv. Chef des Med. Dienstes der KVP bzw. NVA; 1957 – 64 Ltr. der militärmed. Sekt. der EMAU Greifswald, Oberst; 1959 – 64 nebenamtl. Ltr. der Abt. für Sozialhygiene des Hygiene-Inst. der EMAU Greifswald; hier 1963 Habil.; 1964 Prof. mit Lehrauftrag, Prorektor für Militärmed.; 1964 – 69 stellv. Min. für Gesundheitswesen; 1969 – 71 Staatssekr. u. 1. stellv. Minister für Gesundheitswesen; 1971 – 89 Minister für Gesundheitswesen (Nachf. von  Max Sefrin); 1972 VVO; 1981 – März 1990 Abg. der Volkskammer; ab 1976 Kand., 1986 – 89 Mitgl. des ZK der SED; Jan. 1989 als Minister »auf eigenen Wunsch« abberufen; gest. in Berlin.Gesundheitsschutz u. soziale Betreuung der Bürger. Berlin 1974 (zus. mit H. Kriewald u. R. Lämmel); Für Frieden u. Gesundheit. Dresden 1984.Peter Schneck

Handbuch Deutsche Kommunisten

Mehring, Franz

* 26.2.1846 – ✝ 29.1.1919

(* 1846 – † 1919) Geboren am 26. Februar 1846 in Schlawe/Pommern, Sohn eines Steuerbeamten und preußischen Offiziers. Nach dem Besuch des Gymnasiums studierte er von 1866 bis 1870 klassische Philologie an den Universitäten Leipzig und Berlin. 1882 erhielt er von der Leipziger Universität den Titel Dr. phil verliehen. Seit 1870 Journalist, vertrat er radikal-demokratische Positionen. Mehring entwik- kelte sich zum wichtigsten Historiker der deutschen Arbeiterbewegung vor dem Weltkrieg. Seine 1875 erschienene Schrift gegen den preußischen Hofhistoriker Treitschke fand bei den Linken großen Anklang. Zunächst rückte er politisch allerdings nach rechts, weil er Hoffnung in die Bismarckschen Sozialreformen setzte. Nach 1875 verfaßte er mehrere antisozialistische Arbeiten. Vor allem sein Buch »Die Deutsche Socialdemokratie, ihre Geschichte und ihre Lehre« (1877) wurde von der SPD heftig kritisiert. Denn sowohl Ferdinand Lassalle als vor allem Karl Marx, dem er einen »keifenden, kleinlichen, versteckten, widerwärtigen Zug« vorwarf, wurden darin geradezu bösartig angegriffen und auch August Bebel und Wilhelm Liebknecht hat er (»heuchlerische Maske seiner communistischen Tendenzen«) nicht verschont. In den achtziger Jahren stand Mehring als bürgerlicher Demokrat gegen die Sozialdemokratie, näherte sich jetzt allerdings als Gegner des Sozialistengesetzes den Anschauungen des historischen Materialismus von Marx an. Er verwarf nun seine These von 1877 (»Wie der innerste Kern der Socialdemokratie Haß gegen das Vaterland ist, so ist unsere mächtigste Waffe gegen sie die Liebe zum Vaterland«) und wurde Internationalist. 1891 trat er der SPD bei, war bald auf deren linkem Parteiflügel aktiv und nun als Publizist, als Literaturhistoriker und als Historiograph tätig, nicht zuletzt an der »Neuen Zeit«, dem theoretischen Organ der SPD. Seine 1892 erschienene Schrift »Die Lessing-Legende« wurde von Friedrich Engels als beste Darstellung der Entwicklung des preußischen Staates gelobt. Mehrings Hauptwerk, die vierbändige »Geschichte der deutschen Sozialdemokratie«, kam 1898 heraus. Seitdem war er allgemein als der sozialdemokratische Historiker anerkannt, engagierte sich indes auch weiterhin praktisch. Er leitete bis 1895 den Verein Freie Volksbühne in Berlin, und von 1902 bis 1907 prägte er als Chefredakteur der sozialdemokratischen »Leipziger Volkszeitung« deren Bild als linkes und bekanntestes SPD-Blatt. Mehring wurde eine Autorität in der deutschen Sozialdemokratie. Im persönlichen Leben blieb er freilich konservativ, wohl nicht untypisch für ihn, daß er die Benutzung von Schreibmaschinen in der Redaktion der »Leipziger Volkszeitung« lange Zeit untersagte, weil er wollte, daß die Redakteure ihre Manuskripte mit sauberer Handschrift verfaßten. Er galt als einer der glänzendsten Journalisten seiner Zeit. Doch verstand er sich vor allem als Historiker, der die Legenden der preußisch-deutschen Geschichtsschreibung widerlegte. Auch der von ihm 1902 veröffentlichte Teil des literarischen Nachlasses von Marx, Engels und Lassalle waren eine Pioniertat für die Aufarbeitung der Geschichte des Sozialismus. In der praktischen Politik hatte er weniger Erfolg. Er nahm als Delegierter Sachsens am Parteitag der SPD 1902 in München teil, doch Versuche, ihm ein Reichstagsmandat zu verschaffen scheiterten. Heftiger Streit um Mehring entbrannte auf dem Dresdner Parteitag 1903, der ja durch die »Revisionismusdebatte« geprägt war. Heinrich Braun, der von sich behauptete, Mehring in die Sozialdemokratie gebracht zu haben, griff diesen verbal an. Es gab Tumulte, weil er nicht wie üblich »Genosse Mehring«, sondern »Herr Mehring« sagte. Der Parteitagsvorsitzende Paul Singer verwarnte Braun und auch Bebel ging ihn schwer an. Braun hatte die bekannten antisozialistischen Beschuldigungen Mehrings gegen die Sozialdemokratie (damals 25 Jahre her) noch einmal gegen ihn vorgebracht. Der Hintergrund der Schlammschlacht war offensichtlich Mehrings Attacke in der »Leipziger Volkszeitung« gegen die Revisionisten. Karl Kautsky verteidigte den Historiker: »Mehring hat sich um die Partei wohl verdient gemacht, das kann niemand leugnen. Er ist einer der ersten Vertreter des wissenschaftlichen Sozialismus, es gibt unter den heute Lebenden keinen, der ihn darin überragt. Er ist ein hervorragender Historiker, das erkennen auch seine bürgerlichen Gegner an.« Zugleich verwahrte er sich unter großem Beifall gegen das »Denunziantentum« an Mehring. Bebel trat ebenfalls für ihn ein: »Und wenn Braun, Edmund Fischer, Bernhard usw. längst vergessen sein werden, dann werden die Werke eines Mehring in der deutschen Literatur noch als eine große Tat angesehen werden.« Trotz solcher mit großer Zustimmung aufgenommenen (richtigen) Prophezeiung war Mehring offenbar von den Angriffen tief gekränkt. Schließlich hatte Braun sogar noch nach Bebels Verteidigung gesagt, »Mehring steht am Pranger und Bebel wird sich vergeblich bemühen, ihn von dort wieder herunterzuholen«. Empört wandte sich Mehring gegen diesen »Überfall« auf ihn, der »an feiger, schmutziger Perfidie in der Geschichte der verfaultesten Gesellschaftsklasse seinesgleichen nicht hat«. Auch aus dieser persönlichen Betroffenheit erklärt sich, daß Mehring von nun an einer der erbittersten Bekämpfer des Revisionismus wurde. Als Koryphäe der Geschichtswissenschaft erwarb er bei den linken Sozialdemokraten großen Einfluß. Mehring begrüßte die russische Revolution von 1905 bis 1907 und vertrat den Standpunkt Rosa Luxemburgs zum Massenstreik. Von 1906 bis 1911 Lehrer an der zentralen Parteischule der SPD in Berlin entstand aus dieser Lehrtätigkeit sein Werk »Deutsche Geschichte vom Ausgang des Mittelalters« (1910). Wie Rosa Luxemburg fühlte er sich 1913 an den Rand der SPD gedrängt, stellte die Mitarbeit an der »Neuen Zeit« und an der »Leipziger Volkszeitung« ein und gab mit Rosa Luxemburg und Julian Marchlewski die »Sozialdemokratische Korrespondenz« als Organ der radikalen Linken in der SPD heraus. Im Weltkrieg zählte Mehring zu den konsequentesten Internationalisten und Gegnern der Politik des Burgfriedens. Er publizierte gemeinsam mit Rosa Luxemburg im April 1915 »Die Internationale« als »Monatsschrift für Praxis und Theorie des Marxismus«, in der außer Luxemburg mit ihm auch Johannes Kämpfer (Julian Marchlewski), Paul Lange, Käte Duncker, Clara Zetkin, August Thalheimer schrieben. Die Zeitschrift wurde sofort verboten, später erschien unter gleichem Namen das theoretische Organ der KPD. Mehring nahm an der Konferenz der Gruppe Internationale am 1. Januar 1916 teil, mit der sich die Spartakusgruppe konstituierte. Er wurde, obwohl schon siebzig Jahre alt und krank, im August 1916 für vier Monate in »militärische Schutzhaft« genommen. Im März 1917 wurde Mehring (anstelle des verurteilten Karl Liebknecht) in dessen Berliner Wahlkreis in das Preußische Abgeordnetenhaus gewählt, wo er im Januar 1918 gegen die Diktatur der Militärs auftrat. Er gehörte zu denjenigen Linken, die (im Gegensatz zu Rosa Luxemburg und Leo Jogiches) die bolschewistische Revolution in Rußland sofort unkritisch verteidigten und verherrlichten. Im Juni 1918 druckte die Moskauer »Prawda« seinen wohlwollenden Brief an die »russischen Revolutionäre« ab. Mehrings letztes bedeutendes Werk, die Biographie von Karl Marx, erschien 1918. Im Vorwort vom März 1918 dankte er Rosa Luxemburg und widmete das Buch »Clara Zetkin-Zundel, der Erbin marxistischen Geistes«. Die Freundschaft mit diesen beiden Frauen bewertete er als einen »unschätzbaren Trost« in »einer Zeit, in deren Stürmen so viele mannhafte und unentwegte Vorkämpfer des Sozialismus davongewirbelt sind wie dürre Blätter im Herbstwind«. Für die äußerste Linke war Mehring nach der Revolution weiterhin aktiv, konnte aber wegen Krankheit am Gründungsparteitag der KPD nicht teilnehmen. Franz Mehring starb am 29. Januar 1919 in Berlin.

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Meier, Felix

* 20.8.1936

Geb. in Lieskau (Saalekrs.); Vater Arbeiter; Grund- u. Oberschule, Abitur; 1954 – 60 Studium an der TH Dresden, Dipl.-Ing. für Schwachstromtechnik; 1960 – 62 Entwicklungsing. im VEB Funkmechanik Leipzig; 1962 – 67 Mitarb., Dir. für Technik u. Dir. für Plandurchführung in der VVB Nachrichten- u. Meßtechnik Leipzig; 1963 SED; 1967 – 78 Werkdir. im VEB Funkwerk Köpenick; 1969 – 78 Mitgl. der SED-KL Berlin-Köpenick; 1978/ 79 Sekr. der KL Berlin-Lichtenberg; 1979 – 84 Mitgl. der SED-BL Berlin u. bis 1982 deren Sekr. für Wirtschaftspol.; 1981 – März 1990 Abg. der Volkskammer; 1982 – 89 Minister für Elektrotechnik/Elektronik (Nachf. von  Otfried Steger); 1989/90 Staatssekr. u. 1. Stellv. des Min. für Maschinenbau; anschl. Prokurist bei Elektro-Consult.Hagen Schwärzel / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Meier, Else

* 24.2.1901 – ✝ 2.8.1933

Über die Sozialisation und die politische Entwicklung der am 24. Februar 1901 in Magdeburg als Else Wagner geborenen Else Meier ist fast nichts bekannt. Von Beruf Metallarbeiterin, heiratete sie den Lackierer Otto Meier und war in der KPD aktiv. Die 31jährige wurde im April 1932 als Abgeordnete in den Preußischen Landtag und dann im März 1933 im Wahlkreis Potsdam noch in den Reichstag gewählt. Die Umstände ihres Todes am 2. August 1933 sind nicht zweifelsfrei geklärt. Entweder starb Else Meier an den Folgen eines SA-Überfalls oder an einer unheilbaren Krankheit.

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Meißer, Otto Franz

* 19.6.1899 – ✝ 23.7.1966

Geb. in Apolda; Vater Postsekretär; Schulbesuch in Weimar, 1919 Abitur; Studium der Physik u. Math. in Jena, 1923 Prom.; 1923 – 40 wiss. Mitarb. u. später Regierungsrat in der Reichsanstalt für Erdbebenforschung Jena; 1928 Habil. u. Privatdoz. an der Univ. Jena; 1933 NSDAP u. SA; 1939 außerord. Prof. für Geophysik an der Univ. Jena; 1940 außerord. Prof. für angew. Geophysik u. Dir. des Inst. für Angew. Geophysik an der Bergakad. Freiberg; 1941 – 44 Militärdienst. 1945 Entlassung von der Bergakad. u. aus dem Staatsdienst, Mitarb. des Techn. Büros für Buntmetalle der SMAD in Freiberg; 1947 – 50 Berater des Bergbaumin. in Jugoslawien; 1950 in Göttingen; 1951 erneute Berufung an die Bergakad. Freiberg u. bis 1964 dort Prof. für angew. Geophysik; 1955 – 57 Rektor der Bergakad. (Nachf. von  Helmut Kirchberg); 1957 ord. Mitgl. der DAW, 1957 – 63 Sekretar der Klasse Bergbau, Hüttenwesen u. Montangeologie; 1964 Dir. des Inst. für Geodynamik der DAW in Jena; Mitgl. im Forschungsrat der DDR u. im Nationalkomitee für Geophysik u. Geodäsie der DDR, Mitgl. der European Association of Explorative Geophysicists, Mitgl. der Seismological Sociecty of America; 1960 VVO; 1966 Ehrensenator der Bergakad. Freiberg; gest. in Freiberg, beigesetzt in Jena. Forschungsschwerpunkte: Seismik (Tiefenseismik u. Erschütterungsmeßtechnik), Gravimetrie, Magnetik, Geoelektrik, Geothermie, Geodynamik (rezente Krustenbewegungen), Ingenieurgeophysik; Entwicklung Geophysikalischer Geräte wie Schlauchwaage, Seismometer, Tellurik-Apparaturen; mehr als 120 Veröffentl.Prakt. Geophysik für Lehre, Forschung u. Praxis. Dresden u. Leipzig 1943; Schlauchwaage nach O. M. Jena 1956. O. M. Gedenkkolloquium zum 80. Geburtstag. Freiberger Forschungsheft C 356, Leipzig 1980; Freiberger Forschungsheft D 210, Freiberg 2002.Martin Guntau

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Meißner, Herbert

* 16.5.1927

Geb. in Dresden; nach Besuch der ABF in Leipzig 1946 – 51 Studium der Wirtschafts- u. Sozialwiss. an der Univ. Leipzig; Vors. des Studentenrats; Abschluß als Dipl.-Wirtsch.; anschl. Lehrtätigkeit im ges.-wiss. Grundstudium; nach Aspirantur 1956 Prom. an der Univ. Leningrad; anschl. bis 1959 Doz. an der HfÖ Berlin; ab 1959 in versch. Ltg.-Funktionen am Inst./ZI für Wirtschaftswiss. der DAW/ AdW in Berlin, zul. Bereichsltr. u. stellv. Dir.; 1960 – 63 als IM des MfS (ohne HVA) erf.; 1963 Habil. an der HfÖ Berlin; 1965 Prof. am Inst. für Wirtschaftswiss. der DAW; 1975 Korr. Mitgl. der AdW; 1976 – 86 Vors. der Urania in Berlin; zeitw. Mitgl. des Red.-Kolleg. der Ztschr. »Wirtschaftswiss.«; 1979 NP; 1981 Ord. Mitgl. der AdW; ab 1983 stellv. Gen.-Sekr. der AdW; Juli 1986 dubiose Kaufhausaffäre in Berlin (West), anschl. zeitw. Aufenthalt in München, nach Einschaltung versch. Dienststellen der DDR u. der Bundesrep. Dtl. Rückkehr in die DDR; Dez. 1986 Ablösung als stellv. Gen.-Sekr. der AdW; danach bis zur Abwicklung der AdW 1991 wiss. Mitarb. am ZI für Wirtschaftswiss. der AdW. Zeitw. Unternehmensberater für mittelständ. Unternehmen in Berlin. Arbeitsthemen: Geschichte u. Kritik der bürgerl. pol. Ökon. bzw. des zeitgenöss. bürgerl. ökon. Denkens, insbes. wachstumstheoret. Konzeptionen. u. Modelle.Methodolog. Probleme der Auseinandersetzung mit der bürgerl. Ökon. Berlin 1964; Konvergenztheorie u. Realität. Berlin 1969; Theorie des Wirtschaftswachstums. Berlin 1972; Bürgerl. Ökon. ohne Perspektive. Berlin 1976 (Hrsg. und Mitautor); Wiss. u. Frieden. Berlin 1982 (mit K. Lohs).Hagen Schwärzel

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Mellentin, Franz

* 12.11.1919 – ✝ 20.9.1991

Geb. in Stralendorf (Krs. Parchim); Vater Bauer; Volksschule; Landarb., Landw.-Gehilfe; 1940 Wehrmacht; 1945 Bürgermstr. in Stralendorf; anschl. Sachbearb. für Erfassung u. Aufkauf in Parchim bzw. Sekr. für Bodenreform; KPD u. VdgB; 1946 SED; 1946 – 50 Sekr. des VdgB-Krs.-Vorst. Parchim; 1950 Studium an der LPS Willigrad; 1950/51 Abt.-Ltr. im VdgB-Landesvorst. Mecklenb.; 1950 – 52 MdL Mecklenb.; 1951/52 Sekr. für Landw. der SED-LL Mecklenb.; 1952/53 Studium an der PHS des ZK der KPdSU in Moskau; 1953/ 54 Sekr. für Landw. der SED-BL Halle (Nachf. von  Friedrich Hecht); 1954 – 58 Ltr. der Abt. Landw. des ZK der SED (Nachf. von Friedrich Hecht); 1958 – 67 erneut Sekr. bzw. Ltr. des Büros für Landw. der SED-BL Halle (Nachf. von Gustav Waschkowitz); 1967 vom Sekr. des ZK der SED abberufen u. a. wegen »ideol. Zurückbleibens«; ab 1958 zeitw. Abg. des Bez.-Tags Halle; 1959 VVO; später Studium mit Abschl. als Ing. für Landtechnik; zuletzt Dir. der Ingenieurschule für Agrochemie u. Pflanzenschutz in Wettin (b. Halle).Andreas Herbst

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Mende, Georg

* 6.9.1910 – ✝ 2.5.1983

Geb. in Breslau (Wrocław, Polen) in einer Lehrerfamilie; Reform-Realgymnasium, 1929 Abitur; 1929 – 35 Studium der Philos., Philol. (Engl.), Psychol. u. Lit.-Wiss. an der Univ. Breslau u. der Dt. Univ. Prag; 1932 KPD; 1935 Prom. in Prag mit der Arbeit »Kritik des dial. Materialismus an der Lehre Ernst Machs« (Dr.-Examen); anschl. Rückkehr nach Dtl.; 1935 – 37 von der Gestapo inhaftiert u. angeklagt wegen »Vorber. zum Hochverrat«, danach »gemeinnützige« bürotechn. Tätigkeit als Schreibkraft in einem Breslauer Anwaltsbüro; 1939 – 45 Wehrmacht, 1941 – 43 Lazarett, zul. Uffz.; 1945 brit. Gefangenschaft, dort Dolmetscher. 1945/46 Ref. in der Kulturverw. Hamburg; 1946 SED; 1946/47 Angest. in der Provinzialverw. Sachsen-Anh.; 1947 Neulehrer u. Vorsemesterdoz. an der ABF der Univ. Halle sowie Lehrauftrag für materialist. Philos. an der Pädagog. Fak.; 1948 Teiln. am Doz.-Lehrgang der PHS; 1949 Doz. für marxist. Philos. in Halle; 1950/51 Habil. an der Univ. Leipzig zum Thema »Kritik der Existenzphilos. Martin Heideggers« (Veröff.: Studien über die Existenzphilos., Berlin 1956); 1951 Prof. mit Lehrauftrag für dial. u. hist. Materialismus an der MLU Halle sowie Dir. des dortigen Philosoph. Seminars/Inst.; 1953 in den gleichen Funktionen an die FSU nach Jena berufen; dort zugl. Prorektor für das ges.-wiss. Grundstudium u. nach dem Tod von Paul F. Linke (1955) ab 1956 Prof. mit Lehrstuhl für Philos.; 1962 NP; ab 1967 Arbeitsurlaub; 1970 Dr. h. c. der MLU Halle; 1970 nach schwerem Verkehrsunfall arbeitsunfähig; 1972 vorz. em.; Mitgl. des Red.-Kolleg. der »Dt. Ztschr. für Philos.«; KMO; Lenin-Medaille des Obersten Sowjets der UdSSR; gest. in Jena.K. Marx’ Entw. vom rev. Demokraten zum Kommunisten. Berlin 1954; Freiheit u. Verantwortung. Berlin 1958; Das Atom u. die Philos. Berlin 1960; Weltlit. u. Philos. Berlin 1965; Philos. u. Ideol. Berlin 1971. Fs. für G. M. In: Wiss. Ztschr. der FSU. Jena (1970) 4 (mit Bibl.).Hans-Christoph Rauh

Wer war wer in DDR

Maul, Arthur

* 12.10.1935

Geb. in Eicha (Krs. Hildburghausen); OS; Studium an der Seeoffiziersschule »Karl Liebknecht« der Volksmarine u. der Seefahrtschule Wustrow; 1957 SED; 1959 – 65 Offizier bzw. Kapitän auf Schiffen der Dt. Seereederei; 1965 – 68 Studium an der PHS der SED, Dipl.-Gesellschaftswiss.; 1968 – 75 Ltr. des Seefahrtsamts der DDR (Nachf. von  Karl-Heinz Landahn); 29.1.1976 – 18.6.1990 GD des VEB Kombinat Seeverkehr u. Hafenwirtsch. – Deutfracht / Seereederei (Nachf. von  Heinz Neukirchen); Mitgl. des Präs. der KfA.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

May, Gisela

* 31.5.1924 – ✝ 2.12.2016

Geb. in Wetzlar; Vater Schriftst. Ferdinand M., Mutter Schauspielerin; Grundschule, Höhere Mädchenschule u. Haushaltsschule; Pflichtjahr; 1940 – 42 Schauspielstudium in Leipzig; anschl. Engagements in Dresden, Landesbühne Danzig, Stadttheater Görlitz. 1945 – 51 Engagement als Schauspielerin in Schwerin u. Halle, 1951 – 61 am Dt. Theater Berlin; 1959 Kunstpreis der DDR; 1961 Berliner Ensemble; 1963 Präs. der Dt.-Ital. Ges. der DDR; zeitw. Mitgl. des Vorst. des Verb. der Theaterschaffenden; 1972 DAK; 1963, 1973 NP; Doz. an der Staatl. Schauspielschule Berlin, danach an der HS für Musik »Hanns Eisler«; 1980 VVO; SED; war in erster Ehe verh. mit  Georg Honigmann; danach Lebensgemeinschaft mit  Wolfgang Harich; versch. Chansonprogramme, u. a.  Bertolt Brecht,  Peter Hacks, Tucholsky, frz. Chansons; in den 80er Jahren TV-Sendereihe »Pfundgrube«; 1988 NP. Rollen u. a. in: 1952 »Minna von Barnhelm«, 1957 »Nora«, 1958 »Wozzeck«, 1962 »Der Biberpelz«, 1962 »Die Tage der Commune«, »Esther«, 1964 »Jenny Marx«, 1973 »Frau Warrens Beruf«, 1979 »Fleur Lafontaine«, 1983 »Zwei Ärztinnen«; künstler. Zusammenarbeit mit  Helene Weigel,  Paul Dessau,  Ernst Busch; wichtige  Hanns-Eisler-Interpretin, große internat. Erfolge als Interpretin von Brecht-Songs. 1991 Bundesfilmpreis für ihre Rolle in »Die Hallo-Sisters« (zus. mit Ilse Werner u. Harald Juhnke); weitere TV-Filmrollen, u. a. »Adelheid u. ihre Mörder« (1994 – 2000); 1999 Ehrenmitgl. der Kurt-Tucholsky-Ges.; 2000 Verdienstorden der Stadt Berlin; 2004 Bundesverdienstkreuz; gest. in Berlin.Mit meinen Augen. Begegnungen u. Impressionen. Biogr. Berlin 1977; Es wechseln die Zeiten. Leipzig 2002 (Autobiogr.). Carlé, W.: G. M. Berlin 1960; Kranz, D.: G. M. – Schauspielerin u. Diseuse. Bildbiogr. Berlin 1982; Gaus, G.: Zur Person Bd. 5. Berlin 2001.Bernd-Rainer Barth

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Mayer, August (Gustl)

* 9.6.1898 – ✝ 11.10.1969

(* 1898 – † 1969) Geboren am 9. Juni 1898 in München, Sohn einer Arbeiterfamilie; Laufbursche, dann ungelernter Metallarbeiter und 1913 Bürohilfsarbeiter. 1916 Mitglied der Arbeiterjugend und der SPD. Wegen eines Herzleidens nicht an die Front geschickt, gehörte er 1919 mit Karl Thoma ( Ewald Blau) zu den Mitbegründern der FSJ in Südbayern. 1920 trat er in die KPD ein, zunächst Orgsekretär der FSJ Südbayern, dann Mitarbeiter in der Reichszentrale der FSJ in Berlin. Im Sommer 1921 Parteiangestellter der BL in Nürnberg, zeitweise Orgleiter für Nordbayern. 1922 in die Zentrale der KPD nach Berlin geholt, trat Mayer an die Stelle von Willi Mielenz in der Orgabteilung. Mit Karl Gröhl ( Karl Retzlaw) baute er den geheimen Paßapparat und den illegalen Verbindungsdienst für das ganze Reich auf. Im September 1923 übernahm er die Waffenbeschaffung für Groß-Berlin, Brandenburg und die Lausitz. Am 11. März 1924 mit zwei anderen Mitarbeitern verhaftet und nach einem Jahr Untersuchungshaft am 22.April 1925 vom Reichsgericht im sogenannten Tscheka-Prozeß wegen »Vorbereitung zum Hochverrat« sowie Sprengstoffverbrechens zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt. Durch die »Hindenburg-Amnestie« im Oktober 1927 freigelassen und 1928 erneut Parteiangestellter des ZK der KPD. Offiziell Statistiker in der Orgabteilung, tatsächlich aber seit Anfang 1931 verantwortlich für Waffenbeschaffung im gesamten Reich. Mayer wurde enttarnt und flüchtete 1931 über Wien nach Moskau, kam an eine Militärschule. Danach in der Orgabteilung der Komintern und ab Januar 1932 Instrukteur für Spezialfragen auf illegalem Gebiet, Nachfolger von Wilhelm Zaisser. Bis 1938 arbeitete er für die OMS vorwiegend in Prag und Amsterdam, ab Frühjahr 1938 in Paris. Von 1939 bis 1945 lebte er illegal in Den Haag und Amsterdam und war dort auch Leiter der KPD-Emigrantengruppe. Im September 1945 kehrte Mayer nach Deutschland zurück, wurde Ende Dezember 1945 im Auftrag der SMAD einer der drei Vertreter der SBZ im »Gesamtdeutschen Suchdienst für vermißte Deutsche beim Alliierten Kontrollrat«. 1946/47 Präsident des Suchdienstes für vermißte Deutsche in der SBZ, wechselte er im November 1948 zur Deutschen Verwaltung des Innern als Generalinspekteur und Leiter der Hauptabteilung der Kriminalpolizei. Ab 1949 Stellvertreter des Chefs der DVP, wurde 1951 Leiter der Verwaltung Strafvollzug in der Hauptverwaltung Deutsche Volkspolizei. 1959 als Generalmajor ausgeschieden, er erhielt 1968 den VVO in Gold. August Mayer starb am 11. Oktober 1969 in Ost-Berlin.Bernd-Rainer Barth / Andreas Herbst

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Mebel, Moritz

* 23.2.1923

Geb. in Erfurt; 1932 Emigr. mit den Eltern in die UdSSR (Moskau); Besuch der Karl-Liebknecht-Schule, ab 1937 der 118. Mittelschule in Moskau; 1938 Mitgl. des Komsomol; 1940 Abitur; ab 1940 Med.-Studium am 1. Med. Inst. in Moskau; ab Okt. 1941 – 47 Militärdienst in der Roten Armee, u. a. Offz. der Pol.-Abt. der 53. Armee; 1943 sowj. Orden Roter Stern; 1944 Orden des Vaterländ. Krieges; 1943 – 58 Mitgl. der KPdSU. 1945 – 47 Offz. in der Abt. Prop. der SMAD in Halle u. Merseburg, zul. Obltn.; 1947 Forts. des Studiums in Moskau, 1951 Examen am Moskauer Med. Inst.; 1951 – 54 Oberarzt u. Chirurg im Krs.-Krankenhaus Keila (Estland); 1954 – 58 Aspirant am Lehrstuhl für Urol. des ZI für Ärztl. Fortbildung in Moskau, dort 1958 Prom.; 1958 Übersiedl. in die DDR; SED; ab 1958 in Berlin als Urologe in versch. Kliniken tätig; 1958 – 60 Assistent an der Chirurg. Klinik der Charité der HU Berlin; 1959 Medaille für Kämpfer gegen den Fasch.; 1960 – 62 im Städt. Hufelandkrankenhaus; 1963 Habil.; bis 1981 Chefarzt der Urol. Klinik u. Poliklinik des Städt. Krankenhauses Berlin-Friedrichshain; seit Juni 1962 Aufbau des ersten Nierentransplantationszentrums in der DDR, 1967 erste erfolgr. Nierentransplantation (in Zusammenarbeit mit den Prof. Harald Dutz u.  Otto Prokop); 1967 – 71 Mitgl. der Stadtverordnetenvers. Berlin; 1970 VVO; 1970 ord. Prof. für Urol. an der HU Berlin (Charité); ab 1971 Kand., 1986 – 89 Mitgl. des ZK der SED; 1972 NP; 1973 Korr. u. 1975 Ord. Mitgl. der AdW; 1982 – 88 Chef der Urolog. Klinik der Charité; 1983 Ehrenspange zum VVO; 1988 KMO; 1983 – 90 Vors. des Komitees »Ärzte der DDR zur Verhütung eines Nuklearkrieges«, DDR-Sekt. von International Physicians for the Prevention of Nuclear War; Ord. Auswärt. Mitgl. der Akad. der Med. Wiss. der UdSSR; em. 1990 Mitgl. der PDS; 1992 Ausw. Mitgl. der Russ. AdW; lebt in Berlin.178 wiss. Veröff., u. a. Mitautor am »Handbuch für allg. u. spezielle Urologie« (11 Bde.), am »Handbuch Chirurg. Operationslehre«, Monographien z. Organtransplantation. Schütt, H.-D.: Rot u. Weiß. Gespräche mit M. M. Berlin 1999.Annette Vogt

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Mehlhorn, Ludwig

* 5.1.1950 – ✝ 3.5.2011

Geb. in Bernsbach (Erzgeb.); Vater Werkzeugmacher, Mutter Sparkassenangest.; 1969 Abitur; 1969 – 74 Studium der Mathematik an der Bergakad. Freiberg; anschl. bis 1985 Programmierer im Rechenzentrum der HfÖ Berlin; seit 1969 Mitarb. bei der Aktion Sühnezeichen u. in der Ev. Studentengemeinde, Begegnungsarbeit mit Polen; seit 1975 Mitarb. in versch. Friedens- u. Menschenrechtskrs.; 1977 Haussuchung u. Verhöre durch das MfS; 1981 – 87 Auslandsreiseverbot; 1984 Verweigerung des Reservistenwehrdienstes; 1985 Berufsverbot, dann Hilfspfleger für geistig behinderte Kinder in der Stephanusstiftung Berlin; 1986 Mitinitiator des Antrags auf »Absage an Praxis u. Prinzip der Abgrenzung« an die Synode der Ev. Kirche Berlin-Brandenb. u. die Bundessynode, Mitbegr. des gleichnamigen opp. Arbeitskrs.; Hrsg. u. Autor illeg. Publ., u. a. »Aufrisse«, »Spuren«, »ODER«; Übersetzungen aus dem Poln.; 1987 – 89 Veranstalter von liter. Lesungen in Privatwohnungen (gem. mit  Stephan Bickhardt); Sept. 1989 Mitbegr. der Bürgerbew. Demokratie Jetzt (DJ), 1990 DJ-Mitarb.; Mitarb. in versch. ehrenamtl. Gremien, u. a. Stiftung Kreisau für europ. Verständigung, Heinrich-Böll-Stiftung. 1991 Ref. im Min. für Bildung, Jugend u. Sport des Landes Brandenb.; seit 1992 Studienltr. für den Bereich Osteuropa an der Ev. Akad. Berlin; 2010 Dankbarkeitsmedaille des Europäischen Solidarność-Zentrum Gdańsk; gest. in Berlin.Findeis, H., Pollack, D., Schilling, M.: Die Entzauberung des Pol. Berlin, Leipzig 1994; Kowalczuk, I.-S.: Für ein freies Land mit freien Menschen. Berlin 2006.Helmut Müller-Enbergs / Jan Wielgohs

Wer war wer in DDR

Meier, Artur

* 4.4.1932

Geb. in Berlin-Wedding; 1951 – 55 zunächst Lehramtsanwärter, dann Lehrer für Geschichte u. stellv. Dir. der Schinkel-OS in Berlin; zugl. Fernstudium an der PH Berlin; 1954 St.-Ex. als Fachlehrer für Geschichte; 1954 – Jan. 1990 SED; 1956 – 58 Schulinspektor in Berlin-Prenzlauer Berg; danach bis 1970 Lehrer; ab 1961 Dir. der VHS Berlin-Prenzlauer Berg; 1959 – 64 Aspirantur an der HU Berlin; 1964 Prom. zum Dr. paed. mit einer Arbeit zur Geschichte der Erwachsenenbildung in Dtl.; im gleichen Jahr Ernennung zum Studienrat; ab 1966 Zusatzstudium bzw. Aspirant in den Fächern Industriesoziol. u. Org.-Wiss. an der HU Berlin, u. a. bei Georg Assmann u.  Erich Hahn; 1970 Habil. mit der Arbeit »Das Bildungssystem als soziale Org.«; ab 1970 Ltr. der Abt. »Soziol. des Bildungswesens« an der APW in Berlin; ab 1971 Doz. u. ab 1976 ord. Prof. für Bildungssoziol. der APW; Lehraufträge an den Univ. Berlin, Halle u. Leipzig; seit 1975 versch. Funktionen in der Internat. Soziolog. Assoziation (ISA), u. a. 1978 – 86 Vizepräs. des ISA Research Committee »Sociology of Education«; ab 1976 Mitgl. u. ab 1986 stellv. Vors. des Nat.-Komitees für Soziolog. Forschung in der DDR; 1986 Umberufung zum ord. Prof. für Soziol.; seitdem Ltr. des Bereichs »Soziolog. Theorie« u. Dir. des Inst. für Soziol. an der HU Berlin; Lehre u. Forschung auf den Gebieten Makrosoziol., Bildungssoziol., Sozialstrukturforschung, sozialer u. techn. Wandel; versch. Vortragsreisen u. a. in die Bundesrep. Dtl., nach Italien u. Spanien; 1988 Gastprof. an der Univ. of California, Berkeley (USA); 1986 – 90 Vizepräs. der ISA; 1990 Präs. des XII. Weltkongresses für Soziol. in Madrid; Bestätigung als Inst.-Dir. nach geheimer Wahl (bis 1991). 1991 – 97 ord. Prof. für Bildungssoziol. am Fachber. Sozialwiss. der HU Berlin; 1991 Vorst.-Mitgl. der Sekt. »Bildung u. Erziehung« der Dt. Ges. für Soziol.; lebt in Berlin. A. M. gilt als Begründer der Bildungssoziol. in der DDR; sein Buch »Soziol. des Bildungswesens« (Berlin, Köln 1974) wurde in fünf Sprachen übersetzt u. 1976 mit dem Internat. Preis der Poln. AdW ausgezeichnet; als Inst.-Dir. an der HU Berlin hat er sich v. a. für die Ausweitung internat. Arbeitskontakte u. eine verstärkte Berücksichtigung mod. westl. Soziologieentw. in der Lehre engagiert; in der soziolog. Diskussion um die Ursachen des Systemzusammenbruchs im sowj. Machtbereich hat A. M. insbes. mit dem weithin umstrittenen Aufsatz »Abschied von der soz. Ständeges.« (in: Aus Pol. u. Zeitgeschichte, (1990) 16 – 17) Aufmerksamkeit erregt.Proletar. Erwachsenenbildung. Hamburg 1971. Weiterbildung, Lebenslauf, Sozialer Wandel (Mithrsg.). Neuwied 1993; Die letzte Generation? Jugend u. Fam. auf dem Land in Ostdtl. u. den USA. Berlin 1997 (mit J. Müller); Liebesglück u. Wissenschaftslust. Berlin 2002 (Autobiogr.).Jan Wielgohs

Wer war wer in DDR

Meier, Heinrich

* 9.12.1916 – ✝ 23.3.1989

Geb. in Detmold; Vater Maurer; Volks- u. Bau-FS; 1931 – 35 Ausbildung zum Maurer; danach im Beruf tätig, 1938 Mstr.; ab 1939 Wehrmacht, zul. Hptm.; 1943 bei Stalingrad sowj. Kriegsgefangenschaft, Besuch von Antifa-Schulen u. Lehrtätigkeit. 1949 Rückkehr nach Dtl.; Hauptref. im Min. für Aufbau; 1950 NDPD; hauptamtl. Mitarb. der HA Personalpol. des PV; Mitgl. des Hauptaussch. u. ab 1951 des PV bzw. Präs.; 1950 – 54 Fernstudium an der DASR Potsdam, Dipl.-Wirtsch.; 1952 – 58 Pol. Geschäftsf., bis 1964 Sekr. des Hauptaussch. der NDPD; 1953 – 86 Abg. der Volkskammer; 1954 – 58 Mitgl. des Verfassungsaussch.; 1958 – 63 Mitgl. des ständ. Wirtschaftsaussch.; 1963 – 67 stellv. Vors. des Aussch. für Industrie, Bauwesen u. Verkehr; ab 1961 Vizepräs. der Dt.-Südostasiat. Ges. der DDR; 1964/65 Abt.-Ltr. u. 1965 – 72 stellv. Vors. der SPK, verantw. für Wohnungsbau, kommunale Wirtschaft, Kultur u. Gesundheitswesen; 1972 – 84 stellv. Minister für Glas- u. Keramikindustrie; 1976 VVO; 1985 Ruhestand; ehrenamtl. Mitgl. des PV bzw. Präs. des Hauptaussch. der NDPD.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Meier, Karl

* 19.7.1902 – ✝ 4.12.1989

Geboren am 19. Juli 1902 in Buchholz/Krs. Bückeburg, Sohn einer Arbeiterfamilie; Glasarbeiter. Nach dem Weltkrieg von 1921 bis 1924 als Telegraphenarbeiter bei der Reichspost in Hannover. Von 1924 bis 1932 war er Leitungsaufseher bei der Wasserstraßenverwaltung in Minden/Westfalen. Seit 1918 im Gesamtverband der städtischen Beschäftigten, sowohl Betriebsrat und von 1924 bis 1933 Bevollmächtigter der Ortsverwaltung Stadthagen des deutschen Verkehrsbundes. 1919 Mitglied der USPD, Ende 1920 KPD-Funktionär im UB Hamm, zeitweise Polleiter des Unterbezirks. Am 3. Mai 1931 kam er als einziger KPD-Abgeordneter in den Landtag von Schaumburg-Lippe, dem er bis 1933 angehörte. Im November 1932 wurde Meier im Wahlkreis Südhannover-Braunschweig in den Reichstag gewählt. Am 21. April 1933 verhaftet, ins KZ Moringen gebracht und am 30. April 1934 aus dem KZ Oranienburg freigelassen. Meier wurde zwei Monate später erneut festgenommen, aber Ende 1934 aus dem KZ entlassen. Unter Polizeiaufsicht stehend, lebte er zunächst von Wohlfahrtsunterstützung, bis er 1937 Arbeit als Fernmeldemonteur in Hannover fand. Im August 1944 kurzzeitig inhaftiert. Die britische Besatzungsmacht ernannte Meier im August 1945 zum Landrat von Stadthagen. Da der Kreistag ihn aber nicht in diese Funktion wählte, wurde er von der Niedersächsischen Staatsregierung im Oktober 1948 aus seinem Amt entlassen. Meier kandidierte noch 1949 für die KPD zur Bundestagswahl, zog sich später aus der Politik zurück und betrieb in Stadthagen einen Tabakwarenladen. Karl Meier starb am 4.Dezember 1989 in Stadthagen.

Wer war wer in DDR

Meißgeier, Siegfried

* 6.2.1924 – ✝ 23.4.1988

Geb. in Pausa (Vogtland); Vater Gewerbetreibender; Volks- u. Berufsschule; 1938 – 41 Lehre u. Arbeit als Maschinenschlosser; 1941 – 45 Wehrmacht; April – Dez. 1945 brit. Kriegsgef. 1946 Waldarbeiter; SED; 1946 – 49 Volontär, Ass. u. Hilfsred. der »Freien Presse« in Plauen; 1949 – 52 Red. u. Abt.-Ltr. der »Freien Presse« in Zwickau; 1952 – 57 Abt.-Ltr. u. stellv. Chefred. der Ztg. »Das Volk« in Erfurt; Fernstudium der Journalistik an der KMU Leipzig, 1960 Dipl.-Journalist; 1957 – 61 stellv. Chefred. u. 1961 – 65 Chefred. der »Wochenpost«; später Mitarb. im DFF; ab 1973 stellv. Vors. des Staatl. Komitees für Unterhaltungskunst.Sibirien ohne Geheimnis (zus. mit G. Linde). Leipzig 1960. Polkehn, K.: Das war die Wochenpost: Geschichte u. Geschichten einer Ztg. Berlin 1997.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Melcher, Erich

* 27.1.1892 – ✝ 1944

Geboren am 27. Januar 1892 in Tschernitz/Krs. Sorau; lernte Schlosser und ging anschließend auf Wanderschaft, arbeitete in mehreren Ländern als Werkzeugmacher. 1910 in Hamburg Mitglied der SPD; in der Arbeiter-Sportbewegung tätig (aktiver Turner). Im Oktober 1912 zum Militär eingezogen, als Kriegsteilnehmer (Unteroffizier) fünfmal verwundet. 1917 als Kriegsbeschädigter zu Daimler nach Stuttgart und dann zum FIugzeugbau nach Böblingen abkommandiert. Melcher schloß sich der USPD und der Spartakusgruppe an, wurde in der Revolution 1918 zum Vorsitzenden des Arbeiter- und Soldatenrates in Böblingen gewählt. Mitbegründer der KPD in Württemberg. Im Herbst 1919 hauptamtlicher Gewerkschaftsfunktionär (Bevollmächtigter des DMV) in Stuttgart, dort im Mai 1921 wegen seiner kommunistischen Betätigung ausgeschlossen. Melcher ging für kurze Zeit nach Moskau, kam dann in die Zentrale der KPD und war in der Gewerkschaftsabteilung für die Gruppe Metall verantwortlich. Von Herbst 1922 bis Frühjahr 1923 Gewerkschaftssekretär in der BL Berlin-Brandenburg. Während der Vorbereitung des »deutschen Oktobers« 1923 Mitarbeiter der Zentrale. Gemeinsam mit Ottomar Geschke leitete er (Pseudonym Martin) die »Abteilung Verkehr«, die für die Aufstandsvorbereitung verantwortlich war. Als Anhänger der Rechten 1924 ausgeschaltet, war er von Frühjahr bis Juli 1924 in Moskau; nach seiner Rückkehr am 21. Juli 1924 verhaftet und am 16. Dezember 1925 zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. Er trat während der langen Untersuchungshaft im Januar 1925 in einen Hungerstreik. Als er am 16. August 1926 aus dem Gefängnis Cottbus entlassen wurde, trugen ihn die KPD-Anhänger auf den Schultern zum Bahnhof. Anfang 1927 wurde Melcher Polleiter des Bezirks Ostsachsen in Dresden. Der XI. Parteitag 1927 wählte ihn in die Politische Kommission. Am 1.April 1928 als erster Rechter aller Funktionen enthoben, ihm wurden Verbindungen zur SPD vorgeworfen. Ende 1928 aus der KPD ausgeschlossen, gehörte er zu den Mitbegründern der KPO, für die er verschiedene Funktionen ausübte. Mit der Minderheit der KPO ging Melcher 1932 zur SAP und war bei der Reichstagswahl 1932 Kandidat der SAP. Nach 1933 arbeitete er illegal gegen Hitler. 1934 verhaftet und am 8.Juni 1934 zu zwei Jahren und drei Monaten Gefängnis verurteilt. Nach der Strafverbüßung nur kurze Zeit in Freiheit, bereits am 21. August 1937 wurde er in Dresden erneut festgenommen und ins KZ Buchenwald eingeliefert. Laut einer Reihe von Berichten hatte die illegale KPD-Leitung des KZ-Lagers dem kranken Melcher als »Parteifeind« jede Unterstützung versagt, im Februar 1944 wurde er ins Todeslager Majdanek-Lublin überführt und anschließend nach Auschwitz. Im Oktober 1944 meldete sich Melcher (zuletzt war er Blockältester vom Block 15) »freiwillig« zur SS-Strafeinheit Dirlwanger. Er erkannte wohl seine aussichtslose Lage im Vernichtungslager und versuchte, über die »freiwillige« Meldung zur Strafdivision im geeigneten Moment zu desertieren. Nach einer kurzen Ausbildung in einem Lager in der Hohen Tatra ist Erich Melcher Ende 1944 höchstwahrscheinlich bei Einsätzen gegen Partisanen in der Slowakei umgekommen.

Wer war wer in DDR

Mellies, Otto

* 19.1.1931

Geb. in Stolp (Hinterpomm./Słupsk, Polen); 1947 – 49 Schauspielausb. bei Lucie Höflich in Schwerin; 1952 SED; zunächst Engagements in Neustrelitz, Stralsund, Rostock u. Erfurt; 1956 von  Wolfgang Langhoff am Dt. Theater (DT) in Berlin engagiert u. bis 2001 Mitgl. dessen Ensembles; in den 1980er Jahren Mitgl. der SED-Parteiltg. am DT; spielt unter den Regisseuren Wolfgang u.  Thomas Langhoff, Johanna Schall u.  Friedo Solter u. a. in Ibsens »Peer Gynt«, Sartres »Die Fliegen«, Strindbergs »Die Gespenstersonate« u. 1987 den Nathan in Lessings »Nathan der Weise«; seit 1955 zahlr. Filmrollen bei DFF u. DEFA, 1967 – 1971 Mitgl. des Schauspielensembles des DFF, erlangt Popularität insb. als Darsteller in Literaturverfilmungen wie »Kabale u. Liebe« (1959), »Minna von Barnhelm« (1962) sowie den TV-Mehrteilern »Dr. Schlüter« (1965) u. »Ich – Axel Caesar Springer« (1968); seit 1977 Auftritte in der Krimiserie »Polizeiruf 110«, 1983 im Fernsehfilm »Martin Luther«. Nach 1990 Filmrollen u. a. in »Jugend ohne Gott« (1991), »Natascha – Wettlauf mit dem Tod« (1996), »Das Staatsgeheimnis« (2001) u. bis 2003 in der ARD-Serie »Tatort«; »Karol Wojtyła – Geheimnisse eines Papstes« (2005/ 06); nach 2001 Gastauftritte am DT; neben der Schauspielarb. auch Synchronsprecher u. Sprecher von Hörbüchern; 1966 u. 1987 NP; VVO; Banner der Arbeit; Heinrich-Greif-Preis; lebt in Berlin.Matthias Braun / Christian Krause

Wer war wer in DDR

Mendt, Dietrich

* 4.11.1926 – ✝ 23.7.2006

Geb. in Niederwiesa (b. Flöha); Kriegsteiln. u. Gefangenschaft; nach der Rückkehr Studium zunächst der Pädagogik, anschl. der Theol. in Leipzig, Berlin u. Basel; 1954 Ordination; danach Pfarrer in Lückendorf; 1955 Pfarrer an der Frauenkirche in Dresden; zugl. Studieninspektor am Predigerseminar in Lückendorf; 1958 Studentenpfarrer in Leipzig (Nachf. von  Siegfried Schmutzler) mit Dienstleistung in Taucha, Experimente mit neuen Formen der Gemeindearbeit, sog. Hauskreisarbeit u. a.; 1963 Pfarrer an der St.-Pauli-Kreuzgemeinde in Karl-Marx-Stadt; 1969 Synodales Mitgl. der Konferenz der Ev. Kirchenltg.; 1970 Fachbeauftr. im Landeskirchenamt Dresden; 1973 Oberkirchenrat für Gemeindeaufbau; 1978 Oberlandeskirchenrat; 1978 Superintendent in Zittau. 1991 em.; gest. in Dresden; zahlr. Aufsätze, insbes. zu Fragen der Gemeindearbeit.Ehrhart Neubert