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BioLex

In der Kategorie BioLex sind drei wichtige Lexika mit über 5500 Biografien von überzeugten Kommunistinnen und Kommunisten, Renegatinnen und Dissidenten im Volltext recherchierbar.

 

Das Handbuch „Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945“ wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam.

Kurzbiografien zu Personen des politischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 bereit.

Zudem ist das Online-Lexikon www.dissdenten.eu ebenfalls auf unserer Seite aufrufbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Informationen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Handbuch Deutsche Kommunisten

Mengel, Margarete

* 12.5.1901 – ✝ 14.2.1938

Geboren am 12. Mai 1901 in Düsseldorf; Kontoristin. Seit Ende der zwanziger Jahre führte sie für die KPD-Leitung illegale Aufträge durch, war Kurierin. Offiziell seit 1931 in der KPD, kam sie im selben Jahr in die Sowjetunion. Zunächst in der Komintern beschäftigt, arbeitete sie zuletzt in der Briefabteilung der »Deutschen Zentral-Zeitung« in Moskau. Sie wurde am 14. Februar 1938 vom NKWD verhaftet, der Spionage für Deutschland beschuldigt und am 29. Juli 1938 zum Tode verurteilt. Margarete Mengel wurde am 20. August 1938 in Butowo erschossen.

Wer war wer in DDR

Mentzel, Achim

* 15.7.1946 – ✝ 4.1.2016

Geb. in Berlin; Lehre als Polsterer u. Dekorateur; autodidakt. Gitarrenausb., Gitarrist u. Sänger beim »Diana-Schau-Quartett«, spielte Mitte der 1960er Jahre hauptsächl. Songs der Rolling Stones nach u. galt wegen seiner exzessiven Bühnenpräsenz als »Mick Jagger des Ostens«, 1972 Mitgl. des Lindenberg-Sextetts; 1973 Berufsausweis als Sänger, kurzes Engagement beim Alfred-Wonneberg-Ensemble in West-Berlin, zwischenzeitl. Aufenthalt im Saarland, nach Rückkehr in die DDR Verurteilung zu zehn Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung wegen »Republikflucht«; 1974 Gründung von »Fritzens Dampferband« mit  Nina Hagen, 1975 Sänger des Tanz- u. Schauorchesters Rostock, 1976 – 78 mit »Fritzens Dampferband« Durchbruch als volkstüml. Schlagersänger u. Stimmungsmusiker; ab 1979 Solokarriere, 1985 Debüt-LP »Stimmung, Jux u. Mentzel«, ab 1988 eigene Fernsehshow »Achims Hitparade«, die 1992 vom MDR übernommen wird u. bis 2006 zweimal monatl. gesendet wird; daneben Live-Auftritte mit der Begleitband »Die Rachenputzer«; 2007 neue MDR-Sendung »Der Kahn der guten Laune«; 2008 Tour »Überraschungsfest der Volksmusik« (Mit Florian Silbereisen); zahlr. Auftritte in Unterhaltungs- u. Volksmusiksendungen von ARD u. MDR; mehr als 25 CDs, u. a. »Das Beste aus Achims Hitparade« (1-3/1990, 1997, 1998); gest. in Cottbus.Alles Achim oder was. Berlin 1999. Stoll, U.: Einmal Freiheit u. zurück. Berlin 2009.Jan Wielgohs

Wer war wer in DDR

Menzel, Friedrich

* 15.5.1904 – ✝ 26.7.1977

Geb. in Gräfenort (Krs. Oppeln / Oberschles. / Grotowice, Polen); Vater Bäcker u. Eisenbahner; Volksschule; 1919 – 31 Lehre u. Arbeit als Maschinenschlosser; 1922 KPD; KPD-Funktionär in Oberschles.; 1931 – 33 Instrukteur bei der RGO; 1933 illeg. Arbeit; im März 1933 verhaftet, im Juni 1934 durch den 1. Strafsenat des OLG Breslau wg. »Vorbereitung zum Hochverrat« zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt, Haft u. a. im Zuchthaus Brandenb.-Görden, im KZ Sonnenburg u. im Lager Emsland. 1945 Stadtrat in Waren / Müritz; 1946 SED; bis 1949 Sekr. eines FDGB-KV; 1949 / 50 Sekr. des FDGB-LV Mecklenb.; 1950 – 52 Sekr. der SED-BPO in der Generaldirektion der DR; 1952 / 53 Studium an der PHS der KPdSU in Moskau; 1953 – 55 2. Sekr. der SED-BL Halle; 1955 – 69 Vors. der BPKK Halle.Mario Niemann

Wer war wer in DDR

Merke, Else

* 15.6.1920 – ✝ 6.3.2005

Geb. in Stargard (Hinterpomm. / Stargard Szczeciński, Polen); Vater Kleinbauer; Zwei-Klassen-Volksschule; 1935 – 39 landw. Lehre; 1939 – 45 Landarb. bzw. Bäuerin auf dem elterlichen Hof. 1945 Zwangsumsiedl. in die SBZ, nach Döbeln (b. Stendal); 1948 DBD; Mitbegr. des Krs.-Verb. Stendal (mit ihrem Ehemann  Helmut M.), nach einem halbjährigen Lehrgang Krs.-Vors.; 1950 DFD; Landesinstrukteurin für Sachsen-Anh., Mitgl. des Bundesvorst.; 1951 Neubäuerin in Schenkenberg (Krs. Delitzsch); 16.8.1952 Mitbegr. (einer der ersten) LPG »7. Okt.«; Feldbaubrigade, bildete einen der ersten LPG-Frauenaussch.; 1953 Teiln. am u. Rede auf dem Weltfrauenkongreß in Kopenhagen; Aug. 1953 – 86 Abg. der Volkskammer; 1963 –71 Mitgl. des Staatsrats; 1964 stellv. Vors. des DFD; 1958 Clara-Zetkin-Med.; 1963 – 90 Mitgl. des PV der DBD, bis 1982 auch Mitgl. des Präs.; 1965 VVO; nach Facharbeiterprüfung 1966 – 72 Mstr. für Rinderzucht in der LPG Schenkenberg; 1967/68 Frauensonderstudium an der Agraringenieurschule Dahlen-Döbeln, Agraring.; ab 1972 Abt.-Ltr. für Kultur u. Sozialwesen in der LPG Schenkenberg; 1974 Mitgl. des Präs. des Friedensrats; 1985 Stern der Völkerfreundschaft; gest. in Schenkenberg.Wie es in allen Dörfern unserer Republik sein wird. Berlin 1959. Bauer, T.: Blockpartei u. Agrarrev. Oldenburg 2003; Pawlowski, R.: Unsere Frauen stehen ihren Mann. Berlin 2008.Siegfried Kuntsche / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Merkel, Curt-Heinz

* 22.11.1919 – ✝ 25.2.2000

Geb. in Hamburg; Vater Arbeiter; Volksschule, 1934 – 37 Lehre und Arbeit als Verkäufer in einer Lebensmittelgroßhandlung in Hamburg, 1937 – 39 Filialltr.; 1938 Mitgl. der NSDAP; 1939 – 45 Wehrmacht. 1946 – 49 Angest. bei der KG Zeitz und Querfurt; 1946 SED; Verkaufstellenltr. und Ltr. der Genossenschaftsschule Zeitz; 1950 Abg. des Krs.-Tags Zeitz; 1951 / 52 und ab 1955 Studium an der DVA »Walter Ulbricht« in Forst-Zinna; 1952 / 53 Abt.-Ltr. bzw. Kontorltr. DIA Nahrung; 1954 / 55 Gruppenltr. beim Min. für Außenhandel und Innerdeutschen Handel; 1956 – 59 Stellv. des Min. für Außenhandel und Innerdeutschen Handel; 1959 Staatssekr. im Min. für Handel und Versorgung, Juli 1959 – Okt. 1963 Min. für Handel und Versorgung (Nachf. von  Curt Wach); anschl. Studium, Dipl.-Wirtschaftler; ab April 1969 Dir. der HO-Bezirksdirektion Berlin; danach Rentner; 1984 VVO.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Meschter, Gerda

* 3.3.1927 – ✝ 27.2.2015

Geb. in Niesky (Oberlausitz); Vater Schmied u. Bergarb.; Volksschule; 1942 – 45 kaufm. Ausbildung als Buchhalterin; 1945 Buchhalterin u. Näherin; 1946 SED; 1945 – 47 Angest. in der Stadtverw. Niesky, 1947 polit. Mitarb., 1947 – 49 Mitgl. des Sekr. der SED-KL Niesky; 1948 Besuch der SED-LPS Sachsen; 1949 / 50 Instrukteur in der Org.-Abt. der SED-LL Sachsen; 1950 / 51 Instrukteur der Abt. Leitende Organe des ZK u. im Sekr. des ZK der SED; 1951 / 52 Studium an der PHS der KPdSU in Moskau; 1952 2. Sekr. der SED-LL Sachsen; 1952 – 61 2. Sekr. der SED-BL Chemnitz / Karl-Marx-Stadt; 1959 VVO; anschl. bis 1967 Ltr. des Büros für städt. Wohngebiete beim Sekr. des Bezirksaussch. der NF Rostock; 1968 – 72 Bezirkssekr. der NF in Rostock; 1972 – 87 Lehrstuhlltr. an der SED-BPS in Rostock; verst. in Rostock.Mario Niemann

Wer war wer in DDR

Metz, Lothar

* 16.1.1939

Geb. in Meerane (Sachsen); Vater Dekorationsmaler; 1950 mit dem Ringertraining in Annaberg-Buchholz begonnen; Ausbildung zum Färber; 1956 DDR-Jugendmstr. für Auerbach; ab 1959 Mitgl. des ASK Vorwärts Rostock (Trainer: Heinz Weinhold); Spezialdisz.: Klass. Stil (Mittelgewicht); 1958 bei den Weltmeisterschaften: 3. Platz; 1960 – 90 SED; Olympische Spiele: 1960 2. Platz, 1964 3. Platz, 1968 Sieger; 1970 Europameisterschaften: 2. Platz; 1974 sportl. Laufbahn beendet; Studium an der DHfK Leipzig; Dipl.-Sportlehrer; ab 1973 Nachwuchstrainer für Ringen beim ASK Vorwärts Rostock; Korv.-Kapitän a. D.; Sportinvalide; 1990 – 92 Schatzmeister Ringerverband MV; Ehrenbürger von Auerbach.Klaus Gallinat / Olaf W. Reimann

Wer war wer in DDR

Meusel, Alfred

* 19.5.1896 – ✝ 10.9.1960

Geb. in Kiel; Vater Prof. u. Studienrat; 1914 Abitur; Kriegsfreiw., Offz.-Lehrgang; 1918 – 22 Studium der Lit.-Geschichte, Rechtswiss., Nationalökon., Soziol. u. Geschichte an der Univ. Kiel; 1918 USPD; SPD; 1919 Vors. der Soz. Studenten Kiel; 1922 Prom. mit »Untersuchungen über das Erkenntnisobjekt bei Marx«; anschl. Assistent an der TH Aachen; dort 1923 Habil. mit einer soziolog. Arbeit; 1925 a. o. Prof.; Austritt aus der SPD; 1930 ord. Prof. für Volkswirtschaftslehre u. Soziol.; 1930/31 Dekan; 1933 Entlassung, zweimal inhaftiert; 1934 Emigr. nach Dänemark u. noch im gleichen Jahr nach Großbritannien (bis 1946); 1937 Gruppe dt. Kommunisten; 1939 Gründungs- u. Ltg.-Mitgl. des Freien Dt. KB; seit 1942 einer d. beiden Ltr. der Freien Dt. HS. 1946 Prof. für pol. u. soziale Probleme der Gegenwart an der Univ. Berlin; SED; 1946 – 50 Dekan, 1947 ord. Prof. für neue Geschichte an der Univ. Berlin; 1949 – 60 Abg. der Volkskammer; 1952 erster Dir. des Museums für Dt. Geschichte; Gründungsdir. des Inst. für dt. Geschichte an der HU Berlin; 1952 – 56 Vors. der Sekt. Geschichte, ab 1958 Sekretar der Kl. Philos., Geschichte u. Rechtswiss. der DAW; 1953 Ord. Mitgl. der DAW; zugl. Entpflichtung von den Aufgaben an der HU Berlin; 1953 NP; gest. in Berlin. A. M. war der erste marxist.-leninist. Hist. überhaupt, der in Dtl. als Hist. eine Univ.-Professur erhielt; er galt bis in die späten 50er Jahre als einer der wiss.-pol. einflußreichsten Hist. in der DDR, der sich einerseits für die Durchsetzung der Pol. der SED in der Geschichtswiss. engagierte, andererseits gegen Auswüchse dieser Pol. auftrat; er befürwortete den Erhalt gesamtdt. Wissenschaftsorg. u. zählte zu den Gegnern der Bildung eines eigenständ. DDR-Historikerverb., der u. a. deshalb erst 1958 gegr. wurde.Haun, H.: A. M. In: Wegbereiter der DDR-Geschichtswiss. Berlin 1989; Streisand, J.: A. M.s Weg. In: ZfG (1975) 9; Kessler, M.: Exilerfahrung in Wissenschaft u. Politik. Remigrierte Historiker in der frühen DDR. Köln 2001.Ilko-Sascha Kowalczuk

Handbuch Deutsche Kommunisten

Mewis, Karl

* 22.11.1907 – ✝ 16.6.1987

Geboren am 22. November 1907 in Hannoversch Münden, Sohn eines Schlossers; lernte ebenfalls Schlosser. 1922 trat er der SAJ bei, 1924 der KPD. Von 1926 bis 1929 war Mewis Vorsitzender des KJVD im Bezirk Hessen-Waldeck und Redakteur an der »Neuen Arbeiterzeitung« in Kassel. 1929 Agitpropleiter der BL Hessen-Kassel, von Oktober 1929 bis Herbst 1932 Orgleiter der BL Magdeburg-Anhalt. Von Herbst 1932 bis 1934 unter dem Decknamen Meinhard Kursant an der Internationalen Leninschule in Moskau. Im Sommer 1934 wurde er unter dem Decknamen Köbes illegaler Polleiter im Bezirk Mittelrhein. 1935 nahm Mewis am VII. Weltkongreß der Komintern teil, die anschließende »Brüsseler Konferenz« der KPD in Moskau wählte ihn zum Kandidaten des ZK. Dann unter dem Decknamen Karl Arndt von Ende 1935 bis 1936 Polleiter des Bezirks Wasserkante. 1936 emigrierte er nach Dänemark und leitetet die AL Nord. Im Dezember 1936 kam er nach Paris und anschließend nach Spanien, dort Angehöriger der Internationalen Brigaden. Im Mai 1938 Leiter der illegalen AL Mitte in Prag. Nach dem Einmarsch deutscher Truppen in die ?CSR zunächst nach Malmö, anschließend nach Stockholm geflüchtet, führte von dort aus die AL Mitte. Mewis nahm im Januar 1939 an der »Berner Konferenz« in der Nähe von Paris teil, wurde erneut (bis 1945) Mitglied des ZK. Im Herbst 1939 zur Berichterstattung nach Moskau, erhielt er den Auftrag, zusammen mit Herbert Wehner und Heinrich Wiatrek die neue AL der KPD in Stockholm zu bilden und diese später nach Deutschland zu verlagern. Nach der Verhaftung Wiatreks und Wehners wurde im August 1942 auch Mewis festgenommen, von Herbst 1942 bis Sommer 1943 im Internierungslager, danach leitete er bis Kriegsende die KPD-Gruppe in Schweden. Er kehrte im Dezember 1945 über Polen nach Deutschland zurück, zunächst Sekretär der KPD-BL Mecklenburg, dann von März 1946 bis Mai 1949 Sekretär der KPD bzw. der SED-Landesleitung Groß-Berlin, im Juli 1951 1. Sekretär der SED-Landesleitung Mecklenburg, seit Schaffung der Bezirke im Sommer 1952 1. Sekretär der BL Rostock. 1950 Kandidat, ab 1952 Mitglied des ZK der SED, 1958 stieg Mewis zum Kandidaten des Politbüros und 1960 zum Mitglied des DDR-Staatsrates auf. Ab Juli 1961 Chef der Staatlichen Plankommission (SPK) und Mitglied des Präsidiums des Ministerrats. 1963 verlor er seine Spitzen-Funktionen, wurde Botschafter in Polen, anschließend Mitarbeiter am IML und konnte 1972 seine Erinnerungen »Im Auftrag der Partei« (mit vielen Verleumdungen gegen Herbert Wehner) publizieren. Er erhielt 1967 den Karl-Marx-Orden. Die offiziellen Kontakte zwischen Honecker und Wehner veranlaßten Mewis zu wütenden, aber wirkungslosen Attacken. Seine Erinnerungen wurden nicht wieder aufgelegt. Karl Mewis starb am 16.Juni 1987 in Ost-Berlin.Michael F. Scholz

Handbuch Deutsche Kommunisten

Meyer, Heinrich (Heino)

* 22.5.1904 – ✝ 3.9.1938

(* 1904 – † 1938) Geboren am 22. Mai 1904 in Hamburg; absolvierte von 1919 bis 1925 ein Lehrerseminar in Hamburg. 1923 Mitglied der KPD, er beschwerte sich im April 1923 in einem Brief an die BL, daß ihm wegen seiner Jugend keine Aufgaben übertragen würden, die ihn ausfüllten. »Ich denke, es muß eine Möglichkeit geben, die Zeit und Energie, die ich frei habe, auszunutzen für die Partei.« Da er nun ab 1924 in der Öffentlichkeit aktiv für die Partei tätig war, konnte er nicht mehr Lehrer werden, sondern ging 1925 als Redakteur zur »Hamburger Volkszeitung«. 1926 Mitglied der BL Wasserkante, zeichnete er für die HVZ verantwortlich. Im Mai 1927 deswegen zu einem Jahr Festung verurteilt. Nach der Haftentlassung Parteisekretär in Hamburg, 1929 Chefredakteur der HVZ, diese Funktion behielt er bis Ende 1931, war 1931/32 Abgeordneter der Hamburger Bürgerschaft. 1932 kam Heinrich Meyer als enger Vertrauter Ernst Thälmanns nach Berlin. Er wurde einer der Mitarbeiter des Parteiführers, die zu jener Zeit mehr Einfluß auf die politische Linie der KPD hatten als die Mitglieder des Polbüros. Im Dezember 1932 verhaftete die Polizei Meyer und John Schehr wegen ihrer führenden Rolle im BVG-Streik. Während Schehr freikam, blieb Meyer in Haft und war 1933 sofort wieder ein Gefangener der SA, die ihn ins KZ brachte. Im Herbst 1934 entlassen, emigrierte er nach Moskau, wo er 1935 die wichtige Funktion eines Sekretärs des Politbüros ausübte und im Herbst 1935 noch an der »Brüsseler Konferenz« teilnahm. Im August 1937 wurde er, wie fast alle Mitarbeiter Thälmanns, vom NKWD festgenommen. Nach einjähriger Haft am 3. September 1938 von einem Sondergericht zum Tode verurteilt, Heinrich (Heino) Meyer wurde sofort erschossen. Meyers Tochter Ilse Korth, später Stephan (* 8. 5. 1931), kam mit der Mutter im Dezember 1933 in die Sowjetunion, von 1948 bis 1955 Elektromonteurin auf einem Sowchos in Pachta-Aral. Ende Oktober 1955 konnte sie in die DDR, wurde Mitglied der SED und Dolmetscherin in der ZK-Abteilung für Sicherheitsfragen. Die ZPKK »rehabilitierte« Heinrich Meyer am 9. November 1956 »posthum« und teilte dies der Tochter nur mündlich mit. 1971/72 Kursantin der Parteihochschule beim ZK der KPdSU, sie stieg zur Chefdolmetscherin Honeckers auf, geriet aber im Juni 1984 während eines Besuches Honeckers bei KPdSU-Generalsekretär Tschernenko »zwischen die Fronten«. Von ihrer Funktion entbunden, wählte Ilse Stephan am 26. Juni 1984 den Freitod.

Wer war wer in DDR

Meyer, Hansgünter

* 13.10.1929 – ✝ 26.4.2015

Geb. in Tangermünde, aufgew. u. a. in Hamburg u. Neukirch (b. Bautzen); Vater Polizeiwachtmstr., Mutter Hausgehilfin; nach Besuch der OS ab 1944 Landw.-Lehre; 1948 – 90 SED; FS für Landw. u. Ausbildung zum landw. Berufsschullehrer (Neulehrer); ab 1951 Doz. an der FS für Landw. u. Ing.-Schule für Meliorationswesen in Greifswald; 1953 Fachlehrerprüfung; anschl. bis 1958 Fernstudium der Ges.-Wiss. an der KMU Leipzig; 1960 Assistent am Philosoph. Inst. der EMAU Greifswald, erste empir. soziolog. Untersuchungen; 1964 Prom. mit einer Arbeit zur Methodol. soziolog. Forschung; 1965 Wechsel zur soziolog. Abt. am Inst. für Wirtschaftswiss. der DAW in Berlin; gem. mit  Manfred Lötsch Ltg. umfgr. empir. industrie- u. organisationssoziolog. sowie Sozialstrukturuntersuchungen; 1969, ebenfalls gem. mit Manfred Lötsch, Habil. zur Begründung einer organisationssoziolog. Forschung in der DDR (Verbot der Buchpubl. 1971); 1970 – 74 Mitgl. des Wiss. Rats für Soziol.; 1973 Ernennung zum Prof. für Soziol.; bis 1974 Aufbau u. Ltg. der Abt. Soziol. am Inst. für Philos. der AdW, Erarbeitung eines strukturfunktionalen Konzepts zur Sozialstrukturforschung (mit Manfred Lötsch), 1974 Auflösung der Abt. wegen »unzureichenden marxist.-leninist. Niveaus«; anschl. am Inst. für Theorie, Geschichte u. Org. der Wiss. (ITW) der AdW, u. a. internat. vergleichende wiss.-soziolog. Untersuchungen; Nov. 1989 Mitbegr. u. ab Febr. 1990 bis zur Selbstauflösung Ende 1992 Vors. der Ges. für Soziol. der DDR / Ostdtl., in dieser Funktion Veranstalter des Leipziger Soziologentags 1991 u. Gründungsmithrsg. des »Berliner Journals für Soziol.«. 1990 bis zur Abwicklung im Dez. 1991 Mitgl. des Direktoriums des ITW; 1992 – 94 wiss. Mitarb. am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung, Untersuchungen zur Neuordnung des ostdt. HS-Wesens u. der Entw. der gesamtstaatl. Wissenschaftslandschaft; Mitarb. im Vorst. der Dt. Ges. für Soziol.ca. 160 Arbeiten, u. a.: Das Kaderpotential in der Wiss. 10 Bde. Ms.-Druck der AdW Berlin 1979 – 89 (Hrsg.); Intelligenz, Wiss. u. Forschung in der DDR. Berlin, New York 1990; 25 Jahre Wissenschaftsforschung in Ostberlin. Berlin 1997 (Hrsg.).Jan Wielgohs

Wer war wer in DDR

Meynhardt, Heinz

* 21.4.1935 – ✝ 27.10.1989

Geb. in Burg (b. Magdeburg); Vater Fleischermstr.; Grundschule; 1949 – 52 Lehre als Elektroinstallateur; ABF; 1954 – 56 Ausbildung zum Elektromstr., anschl. Ltr. eines Handwerksbetriebs; nebenberufl. intensive Beschäftigung mit Verhaltensforschung; mehrjährige Studien an Elchen u. Wisenten in Polen, ab 1971 verhaltensbiolog. Untersuchungen an freilebenden Wildschweinen; seit 1975 Forschungsaufträge vom Inst. für Forstw. Eberswalde u. seit 1980 vom Forschungszentrum für Tierprod. der AdL in Dummerstorf-Rostock; ab 1976 Tierfilmautor beim DFF; bis 1989 32 Fernsehfilme, u. a. »Wildschwein ehrenhalber« (1977), »Meynhardt über Meynhardt« (1986) u. »Mein Leben unter Wildschweinen« (1987); 1977 LDPD; 1987 Prom. an der KMU Leipzig; Vortrags- u. Forschungsreisen durch Osteuropa, Österreich, die Bundesrep. Dtl., die Schweiz, Frankreich u. Nordafrika.Schwarzwild-Report. Mein Leben unter Wildschweinen. 1982; Wildschweingeschichten. 1982.Peter Nötzold

Handbuch Deutsche Kommunisten

Menne, Bernhard (Rudert

* 3.9.1901 – ✝ 9.11.1968

(* 1901 – † 1968) Geboren am 3. September 1901 in Meschede, Sohn eines Gerichtsvollziehers. Der Vater starb, als Bernhard acht Jahre alt war, der Stiefvater arbeitete im Justizdienst. Er durchlebte eine unpolitische Jugend und besuchte ein Lehrerseminar. 1917 im Kriegshilfsdienst als Dachdecker, von einem alten Sozialisten für die Linke gewonnen. Nach der Novemberrevolution 1918 schloß er sich den Revolutionären im Ruhrgebiet an. 1919 Mitglied der USPD und bald ein eifriger Agitator der Partei. Nach dem Kapp-Putsch verließ er das Lehrerseminar, war beim Zentralrat der Roten Ruhrarmee; wegen angeblicher Ausrufung der Räterepublik wurde Menne steckbrieflich gesucht. Er ging mit der Mehrheit der USPD 1920 zur KPD. Während der März-Aktion 1921 besetzte er mit einer kleinen Schar Arbeiter eine Zeche im Ruhrgebiet. 1921 holte ihn die Zentrale als Redakteur an die »Rote Fahne« nach Berlin, seither trug er das Pseudonym Max Rudert. Ende 1921 Redakteur an der »Hamburger Volkszeitung«, wenige Wochen später Chefredakteur der »Arbeiterzeitung« in Bremen. Laut einem Polizeibericht hatte er sich in kurzer Zeit zum überragenden Führer der Bremer Kommunisten entwickelt. Als Menne/Rudert in einem Artikel für Ernst Reuter-Friesland Stellung nahm, beschloß die Bremer Organisation seine Abberufung; aber da er ein ausgezeichneter Redakteur war, wollte ihn die Zentrale nicht verlieren, schickte ihn nach Saarbrücken, dann an die »Freiheit« nach Düsseldorf, wo ihn ein französisches Kriegsgericht 1923 zu einem Jahr Gefängnis verurteilte. Er übernahm die politische Redaktion der »Bergischen Volksstimme« in Remscheid und bekannte sich bei den Diskussionen 1923/24 zu Heinrich Brandler. Deshalb kaltgestellt, die Führung sandte ihn nach Stuttgart und München, aber schon 1924 holte ihn Ruth Fischer als Chefredakteur an den »Klassenkampf« nach Halle, eine der größten und wichtigsten Zeitungen der KPD. Wie einige andere Redakteure gehörte Rudert zu den »jungen Männern«, die ungeachtet ihrer anderen innerparteilichen Einstellung von Ruth Fischer gefördert wurden. 1925 kam er als Chefredakteur der »Arbeiter-Zeitung« nach Breslau und hatte enge Beziehungen zu Max Hoelz, der dort im Zuchthaus saß. Nach einer Sowjetunionreise 1927 wandte sich Rudert auf den ZK-Sitzungen 1928 zusammen mit Erich Hausen und Heinrich Galm gegen die neue Linkswendung der Partei. In Breslau abgelöst, wurde er Mitte 1928 Chefredakteur des KP-nahen Blatts »Welt am Abend« in Essen. Am 17. Dezember 1928 schloß ihn die KPD-Führung als Rechten aus der Partei aus. Bis 1932 gab Menne in Essen die unpolitische Wochenzeitung »Tribüne« heraus. Nach dem Reichstagsbrand konnte er zwar flüchten, doch wurde seine Frau Elfriede, geborene Kupke (ebenfalls lange in der KPD organisiert), in Geiselhaft genommen. Menne/Rudert blieb einige Zeit illegal in Berlin, emigrierte dann nach Prag, wo er bis 1938 Chefredakteur der Zeitung »Prager Mittag« war. In Zürich erschien 1937 sein Buch »Krupp. Deutschlands Kanonenkönige«. Er konnte 1939 nach London entkommen, wurde Sekretär der Thomas-Mann-Gesellschaft und war journalistisch aktiv. Menne hatte sich der SPD genähert, gehörte ihr aber nur vorübergehend an (1942 Ausschluß). 1948 kehrte er mit seiner Frau aus der Emigration zurück und übernahm als Bernhard Menne die Chefredaktion der »Welt am Sonntag« in Hamburg und blieb dies bis zu seinem Tod. Er war parteipolitisch nicht mehr gebunden. Bernhard Menne starb am 9. November 1968 in Hamburg.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Menz, Friedrich

* 19.4.1879 – ✝ 8.5.1952

Geboren am 19. April 1879 in Wollin bei Magdeburg, Sohn eines Lehrers. Nach Präparandenanstalt und Lehrerseminar in Kyritz Lehrer auf dem Lande, kam er 1907 in den Berliner Schuldienst. 1918 Mitglied der USPD, 1920 der KPD. Er gehörte zu den Gründern der Freien Lehrergewerkschaft und war 1919/20 ihr Geschäftsführer. 1921 zum besoldeten Stadtrat in Berlin-Pankow und Dezernenten des Arbeits- und Wohlfahrtsamtes gewählt. 1926 in den Ruhestand versetzt, in den folgenden Jahren arbeitete er ehrenamtlich in der kommunalpolitischen Abteilung der KPD-BL Berlin-Brandenburg und im ZK der KPD. Von 1925 bis 1929 Mitglied der Berliner Stadtverordnetenversammlung. Im März 1933 festgenommen und mißhandelt, Im Herbst 1933 noch einmal zwei Monate lang in Haft. Bis 1938 war Menz arbeitslos, dann Pförtner und Wächter, später Kontorist und Geschäftsführer. Er zog 1942 nach Niemegk in Brandenburg, wurde dort 1944 dienstverpflichtet. Von der SMAD 1945 zum Landrat des Kreises Zauch-Belzig ernannt, dann Regierungsdirektor im Arbeitsministerium der Landesverwaltung Brandenburg, später im Brandenburgischen Industrie-Kontor. Friedrich Menz starb am 8. Mai 1952 in Belzig.

Wer war wer in DDR

Menzel, Robert

* 12.10.1911 – ✝ 27.11.2000

Geb. in Gräfenort (Krs. Oppeln, Oberschles./ Grotowice, Polen); Vater Bäcker, Eisenbahner; Volksschule; Ausbildung zum Orthopädiemechaniker, danach im Beruf tätig; 1921 Arbeitersportler; 1928 KJVD; dort Kassierer, Ortsgr.-Ltr. u. UB-Ltr. in Oppeln; 1932 KPD; ab Okt. 1932 Pol.-Ltr. der »Roten Jungfront« (Jugendwehrorg. innerhalb des illeg. RFB); 3.4. – 6.6.1933 Haft im KZ Sonnenburg, 1.7. 1933 erneute Verhaftung, Juni 1934 Verurteilung durch den 1. Strafsenat des OLG Breslau zu 12 Jahren Zuchthaus wegen »Vorber. zum Hochverrat«, bis 1944 Haft in den Zuchthäusern Groß-Strelitz u. Brandenb.; Febr. 1945 Ausbildung in einem Bewährungsbat. der Waffen-SS; April 1945 bei Forst Übertritt zur Roten Armee; 1945/46 sowj. Kriegsgefangenschaft in Sagan; Sept 1945 – Aug. 1946 Lehrgangsteilnemer u. Lehrer an der Antifa-Schule der 2. Beloruss. Front in Liegnitz. Aug. 1946 Rückkehr nach Dtl.; SED; 1946 – 50 Vors. der FDJ-LL Sachsen-Anh.; 1946 Abg. des Landtags; 1947 – 55 Mitgl. des ZR der FDJ; 1950 Vors. der FDJ Berlin; 1951 – 53 Studium an der PHS; 1953 – 82 Stellv. des Min. für Verkehrswesen; 1953 – 85 Ltr. der Pol. Verw. der DR; 1958 Medaille für Kämpfer gegen den Fasch.; 1961 Banner der Arbeit; 1958 – 71 Mitgl. der ZRK, 1971 – 89 des ZK der SED; Mitgl. des Bundesvorst. des DTSB u. ehrenamtl. Vors. der Sportvereinigung Lokomotive; 1969 VVO; 1971 Ehrenspange zum VVO; 1971, 1975 u. 1981 Kampforden für Verdienste um Volk u. Vaterland; 1976 KMO; 1981 Held der Arbeit; ab 1982 Rentner; 1986 Stern der Völkerfreundschaft.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

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Merke, Helmut

* 7.10.1919 – ✝ 16.10.1988

Geb. in Groß Schönwalde (Krs. Elbing, Westpr./Krasny Las, Polen); Vater Bauer; Volksschule; landw. Lehre; 1936 – 39 Landw.-Gehilfe; 1939 – 45 Wehrmacht, zul. Ltn.; sowj. Gefangenschaft, Antifa-Schule. 1948 Entlassung in die SBZ; Mitbegr. der DBD in Sachsen-Anh., Aufbau des Krs.-Verb. Stendal (gem. mit Ehefrau  Else M.), stellv. Landesvors. der DBD; 1950 – 52 Mitgl. des Landtags Sachsen-Anh.; 1951 Neubauer in Schenkenberg (Krs. Delitzsch); Aug. 1952 Mitbegr. u. bis 1984 Vors. der LPG »7. Okt.« Schenkenberg; ab 1952 Mitgl. des DBD-Bez.-Vorst. Leipzig; 1952 – 54 u. 1963 – 86 Abg. des Leipziger Bez.-Tags; 1959 – 64 Fernstudium an der KMU Leipzig, Dipl.-Landw.; 1960 stellv., 1961 – 72 Vors. u. anschl. bis 1988 wieder stellv. Vors. des Bez.-Vorst. Leipzig der DBD; ab 1968 Mitgl. des PV der DBD; 1973 Prom. mit einer Arbeit zur Entw. der Pflanzenprod. in der LPG Schenkenberg zum Dr. agr.; 1984 Altersrentner; 1984 VVO; 1986 Mitgl. der Fachkommission Agrare Betriebsgeschichte der Historiker-Ges. Unter der Ltg. H. M.s entw. sich die LPG in Schenkenberg hinsichtl. Produktionsniveau u. Sozialleistungen zu einem der leistungsstärksten u. bekanntesten genossenschaftl. Agrarbetriebe der DDR.Dorftanz mit den Genossenschaftsbauern von morgen. In: Wie wir angefangen haben. Berlin 1985 (Autobiogr.).Siegfried Kuntsche

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Merkel, Ina

* 28.7.1957

Geb. in Wriezen, aufgew. in Potsdam u. Berlin; Vater Diplomat, Mutter Lehrerin; 1976 Abitur; 1976 – 78 Volontärin bei der Ztg. »Junge Welt«; 1977 SED; 1978 – 85 Studium bzw. Forschungsstudium der Kulturwiss. an der HU Berlin; seit 1982 Mitgl. des interdisz. Arbeitskrs. »Frauenforschung« um  Irene Dölling; 1985 Prom. mit der Diss. »Geschlechterspezifik individueller Vergesellschaftung«; anschl. Assistentin an der Sekt. Ästhetik/ Kunstwiss. der HU; Dez. 1989 Mitbegr. des Unabhängigen Frauenverbands (UFV); bis März 1990 Mitgl. des UFV-Sprecherinnenrats; Autorin des Manifests für eine unabh. Frauenbew. »Ohne Frauen ist kein Staat zu machen«; Dez. 1989 Austritt aus der SED während des a. o. Parteitags, Beteiligung am Versuch zur Gründung einer Unabh. Soz. Partei mit  Rainer Land u. a.; UFV-Vertreterin am Zentr. Runden Tisch; Mitarb. in der Arbeitsgr. »Kultur«. Nach 1990 längerer Forschungsaufenthalt in den USA; anschl. wiss. Assistentin am Inst. für Ethnographie des Fachber. Kulturwiss. der HU Berlin; 1999 Habil., anschl. Heisenberg-Stipendium der Dt. Forschungsgemeinschaft; seit 2000 Prof. am Inst. für Europ. Ethnol./ Kulturwiss. der Philipps-Univ. Marburg; Forschungsschwerpunkte: Geschlechterverhältnisse, Medien, Konsumgeschichte.»... u. Du, Frau an der Werkbank«. Die DDR in den 50er Jahren. Berlin 1990; Utopie u. Bedürfnis. Die Geschichte der Konsumkultur in der DDR. Köln 1999; Das Kollektiv bin ich. Utopie u. Alltag in der DDR. Köln 2000 (Mithrsg.).Jan Wielgohs

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Metschuck, Caren

* 27.9.1963

Geb. in Greifswald; Vater Ing., Mutter med.-techn. Assistentin; 1972 mit dem aktiven Schwimmsport in der BSG Fiko Rostock begonnen; ab 1974 KJS Rostock, Abitur; Mitgl. des SC Empor Rostock (Trainer: Gernot Schweingel); 1975 siebenfache Spartakiadesiegerin; 1978 bei den Weltmeisterschaf- ten: 2. Platz (4 x 100-m-Freistil-Staffel); 1980 Olympische Spiele: dreifache Olympiasiegerin (100 m Delphin, 4 x 100-m-Lagenstaffel, 4 x 100-m-Freistilstaffel); Studium der Med. an der WPU Rostock; ab 1988 Ärztin in Rostock.Olaf W. Reimann

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Metzger, Georg

* 10.4.1896 – ✝ 20.6.1989

Geboren am 10. April 1896 in Weinheim/Bergstraße; von Beruf Kunstglaser. In der Stuttgarter Arbeiterjugend aktiv, von den dortigen Linken ( Jacob Walcher u. a.) beeinflußt. 1916 Soldat, kam bei Verdun 1917 in französische Kriegsgefangenschaft. Er floh 1919, trat der KJD und 1920 der KPD bei. Zeitweise war er im zentralen AM-Apparat, 1924 wurde er Mitglied der BL Ruhrgebiet. Anfang 1929 als Rechter aus der KPD ausgeschlossen, arbeitete er bis 1933 aktiv in der KPO. Nach 1945 in der IG Metall tätig, in Stuttgart stand er weiterhin in Verbindung zur Gruppe Arbeiterpolitik, der Nachfolgeorganisation der KPO. Georg Metzger starb am 20. Juni 1989 in Stuttgart.

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Meusel, Georg

* 12.1.1942

Geb. in Moritzburg (b. Dresden); Vater Pfarrer; Volksschule bis 1956; wegen der Weigerung, der Pionierorg. bzw. der FDJ beizutreten, nicht zur Abiturausb. zugelassen; 1962 Verweigerung des Wehrdienstes; 1956 – 59 Gärtnerlehre in einem Privatbetrieb in Crimmitschau; 1964/65 Ausbildung zum Elektromonteur im VEB Rohrleitungsbau Werdau, anschl. dort berufstätig; 1968 Protest gegen die Intervention des Warschauer Pakts in der ČSSR; 1969 Qualifikation zum Elektromeister, aus polit. Gründen im Betrieb jedoch nicht als Meister eingesetzt; später Wechsel in einen Spinnereimaschinenbaubetrieb, 1980 Arbeitsunfall, ab 1984 Invalidenrentner; 1973 Mitbegr. des Christl. Friedensseminars Königswalde, das zweimal jährlich Veranstaltungen mit krit. Diskussionen zu spezifischen polit. Themen durchführte u. für die DDR-Friedensbewegung eine Vorreiterfunktion besaß; in den 1980er Jahren im Netzwerk »Frieden konkret« aktiv; intensive Beobachtung durch das MfS (OV »Marder«); 1989 Mitbegr. des Runden Tischs in Werdau; Jan. 1990 Gründer u. bis Aug. 1990 Ltr. der ersten staatsunabh. Zeitung in Sachsen (»Werdau-Crimmitschauer Wochenblatt«). 1998 Initiator des Martin-Luther-King-Zentrums für Gewaltfreiheit u. Zivilcourage –Archiv der Bürgerbewegung Südwestsachsens e. V. in Werdau, seitdem dort ehrenamtl. tätig; 1998 Bundesverdienstkreuz.Wunde Punkte – Wendepunkte. Werdau 1999. Kluge, M.: Das Christl. Friedensseminar Königswalde bei Werdau. Leipzig 1994; Martin-Luther-King-Zentrum (Hrsg.): Das Christl. Friedensseminar Königswalde im damaligen Bez. Karl-Marx-Stadt/DDR 1973 – 90. Chemnitz 2005.Eckhard Jesse

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Mey, Uwe-Jens

* 13.12.1963

Geb. in Warschau; Vater Finanzökonom u. Diplomat; 1970 – 84 POS, KJS, Abitur; ab 1972 aktiver Eiskunstläufer; ab 1973 Eisschnelläufer beim SC Dynamo Berlin (Trainer: Joachim Franke); ab 1984 Sportstudium an der DHfK Leipzig, Dipl.-Sportlehrer; 1985 Eintritt in die DVP; bei den Weltmeisterschaften im Sprintmehrkampf 1984 10. Platz, 1985 6. Platz, 1986 5. Platz, 1987 4. Platz, 1988 u. 1989 2. Platz; bei den Olymp. Spielen 1984 8. Platz über 500 m, 1988 Sieger über 500 m u. 2. Platz über 1.000 m u. 1992 Sieger über 500 m; 1988 – 91 Sieger im Weltcup. Geschäftsf. einer amerik. Firma für Postvertriebstechnik in Berlin; ab Sept. 1992 Ausbildung bei einem Leasing-Unternehmen in Heppenheim; 1995 Präs. des Eisschnellauf-Clubs Berlin (ECB); seit 2004 Pate der Sportförderung »Verbundnetz für den Sport«; lebt in Berlin.Klaus Gallinat / Olaf W. Reimann

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Meyer, Johann

* 4.6.1889 – ✝ 5.7.1950

Geboren am 4. Juni 1889 in Nürnberg, Sohn eines unpolitischen Tapeziermeisters; lernte Tapezierer, schloß sich 1909 der sozialistischen Jugend und der SPD an. 1918 Übertritt zur USPD, 1920 zur KPD. 1921 Sekretär der Partei in Nürnberg, seit dieser Zeit hauptamtlicher KPD-Funktionär. Auf dem VII. Jenaer Parteitag 1921 und dem VIII. Leipziger Parteitag 1923 als Kandidat in den ZA gewählt. Im Januar 1924 wegen Fortführung der verbotenen KPD zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Er übernahm dann die Führung des Bezirks Nordbayern als Polleiter und wurde im Mai 1924 Reichstagsabgeordneter, war bis 1933 MdR, ab 1925 Delegierter aller KPD-Parteitage. Im Oktober 1928 bei einem Straßenbahnunfall schwer verletzt. Noch bis 1930 Polleiter für Nordbayern, von 1930 bis 1933 stand er als MdR dem Bezirk Nordbayern zur »allgemeinen Verfügung«, blieb Mitglied der BL. Meyer war in Nordbayern der theoretisch überragende Kopf der KPD, hatte schon vor 1914 eine Parteischule der SPD in Berlin unter Leitung von Rosa Luxemburg besucht. Er hat nie zu einer innerparteilichen Fraktion gehört, seine Meinung stets zurückgehalten, so daß er – als Ausnahme aller Funktionäre – von 1924 bis 1930 ununterbrochen ein und denselben Bezirk leiten konnte. Im Mai 1933 verhaftet, zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt und Ende 1935 freigelassen, arbeitete er bis Kriegsende als Tapeziergehilfe. 1945 machte er sich als Tapezierer selbständig, auch wieder Mitglied der KPD. Er war dann halbtags – hauptsächlich für Schulungsaufgaben – in der KPD tätig. Später nur noch Tapezierer, er trat politisch nicht mehr hervor. Johann Meyer starb am 5. Juli 1950 in Nürnberg.

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Meyer, Hans-Joachim

* 13.10.1936

Geb. in Rostock; 1952 – 61 CDU; 1955 Abitur in Rostock; 1955 – 58 Studium an der DASR in Potsdam, aus polit. Gründen exmatrikuliert (wg. »mangelnder Verbindung zur Arbeiterkl.«), anschl. Hilfsarb. im VEB Lokomotivbau Potsdam-Babelsberg; 1959 – 64 Studium der Anglistik u. Amerikanistik an der HU Berlin, Dipl.-Philologe; 1964 – 82 Lehrer u. wiss. Oberass. an der HU, Sektion Fremdsprachen; 1973 – 77 dort stellv. Dir. für Erziehung u. Ausbildung, 1978 – 90 Ltr. des Bereichs Sprachintensivausbildung; 1971 Prom. Phil.; 1973 – 75 Mitgl. der Pastoralsynode des Jurisdiktionsbez. der kath. Kirche der DDR; 1976 – 82 Mitarb. im Pastoralrat des Bistums Berlin-Ost; 1981 Habil.; 1982 Doz. für angew. Sprachen u. 1985 Berufung zum außerord. Prof. für angew. Sprachwiss. an der HU; stellv. Dir. der Sektion Fremdsprachen. 1990 CDU; 12.4. – 3.10.1990 Min. für Bildung u. Wissenschaft (Nachf. von  Peter-Klaus Budig), 22.8. – 3.10.1990 auch Min. für Forschung u. Technologie (Nachf. von  Frank Terpe); 1990 – 94 Vors. des Aktionsaussch. kath. Christen in der DDR bzw. den neuen Bundesländern; 1990 Thomas-Morus-Preis. 1990 – 2002 Sächs. Staatsmin. für Wiss. u. Kunst; seit 1990 Mitgl. des Geschäftsf. Aussch., 1992 Vizepräs. u. seit 1997 Präs. des ZK der Dt. Katholiken; 2003 Ehrenmitgl. der Sächs. AdW; 2005 Bundesverdienstkreuz.Zur Untersuchung von Kommunikationsverfahren unter linguist. Aspekt. Halle 1977; Am Ende der Ichgesellschaft. Freiburg 2003 (mit Jürgen Hoeren).Helmut Müller-Enbergs

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Michaelis, Holger

* 18.9.1944

Geb. in Halberstadt; Vater Schneider; Grund- u. OS; FDJ; 1961 – 64 Studium an IfL Quedlinburg; 1964 / 65 Lehrer, 1966 – 68 Schulltr. an einer POS; 1968 – 70 Mitarb. beim Kreisaussch. für Jugendweihe; 1970 – 72 Lehrer an einer POS; 1972 / 73 Ltr. der Bildungsstätte u. 1973 / 74 polit. Mitarb. der SED-KL Stendal; 1974 / 75 Lehrgang an der SED-BPS; 1975 / 76 erneut Ltr. der Bildungsstätte der KL Stendal; 1976 – 82 Abt.-Ltr. der SED-KL Stendal; 1982 / 83 Studium an der AfG in Moskau; 1983 / 84 polit. Mitarb. der SED-BL Magdeburg; 1984 – 86 1. Sekr. der SED-KL Osterburg; 1986 – 89 polit. Mitarb. des ZK der SED; am 12. Nov. 1989 zum 2. Sekr. der SED-BL Magdeburg gewählt.Mario Niemann

Wer war wer in DDR

Mensch, Hannelore

* 16.6.1937

Geb. in Neu Zachun (Krs. Hagenow); Vater Landwirt; Volksschule; 1953 – 56 Landw. FS Ludwigslust, Staatl. geprüfte Landwirtin; 1958 Mitarb. der MTS Brüsewitz; 1958 – 62 FDJ-Sekr.; 1958 – 62 Sektorenltr. im Rat des Krs. Schwerin; 1959 SED; 1962/63 Mitarb. der Abt. Landw. beim Magistrat von Berlin; 1963 – 73 Mitarb. u. Ltr. der Abt. Landw. der SED-BL Berlin; Fernstudium an der PHS, Dipl.-Ges.-Wiss.; 1973 – 78 Stadtrat u. Sekr. des Magistrats von Berlin; 1978 – 89 1. stellv. OB von Berlin; 1967 – 76 u. 1981 – 89 Mitgl. der SED-BL Berlin; Nov. 1989 – April 1990 Ministerin für Arbeit u. Löhne. 1993 wurde sie wegen »Anstiftung zur Wahlfälschung« vor dem Berliner LG angeklagt u. zu einem Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Menzel, Gustav

* 23.6.1867 – ✝ 10.10.1930

Geboren am 23. Juni 1867 in Zedel/Krs. Sorau, entstammte einer kinderreichen Kleinbauernfamilie. Lernte Schuhmacher und ging auf Wanderschaft. Im Jahre 1887, noch während des Sozialistengesetzes, trat er der SPD bei. 1888 kam Menzel nach Berlin, wo er als Mitglied der oppositionellen »Jungen« zum Anarchismus neigte. Er arbeitete bis 1898 als Schuhmacher in Berlin, wurde 1890 in den Vorstand der Berliner Schuhmachergewerkschaft gewählt. Nach einem Streik auf die schwarze Liste gesetzt, verließ er 1898 Berlin und ging nach Delitzsch, wo er ein Käse- und Buttergeschäft eröffnete und Stadtverordneter der SPD wurde. 1904 übersiedelte Menzel nach Bitterfeld, betrieb dort eine Gastwirtschaft und wurde ebenfalls Stadtverordneter. Vor dem Weltkrieg hatte er ein Schuhgeschäft eröffnet, im Krieg unterhielt er (unter falschem Namen) eine Soldatenkantine. 1917 trat Menzel der USPD bei, kam 1919 für die USPD in die Preußische Nationalversammlung und 1921 für die KPD in den Preußischen Landtag. 1920 Delegierter des Spaltungsparteitags der USPD, mit deren linkem Flügel ging er im Dezember 1920 zur KPD, die er bis zu seinem Tode ununterbrochen im Preußischen Landtag vertrat. Auf dem Jenaer Parteitag 1921 in den ZA gewählt. Seit 1924 war Menzel hauptsächlich für die Rote Hilfe tätig; Mitglied des Zentralvorstandes der Roten Hilfe, er machte sich als Helfer für kommunistische Gefangene in Preußen einen Namen. 1926 erlitt er einen Schlaganfall. Gustav Menzel starb am 10. Oktober 1930. Sein Sohn Ferdinand Menzel war ebenfalls kommunistischer Funktionär, seit 1923 Redakteur beim »Klassenkampf« in Halle, im April 1924 zu einem Jahr und drei Monaten Festung verurteilt. Während der Festungshaft ist Ferdinand Menzel beim Baden am 14. Mai 1925 ums Leben gekommen.

Wer war wer in DDR

Menzel, Rudolf

* 19.11.1910 – ✝ 16.7.1974

Geb. in Dolma; Vater Fabrikarb.; Volksschule; 1924 – 28 Lehre als kfm. Angest.; 1928 KPD; 1929/30 arbeitslos; Mitarb. der UBL Borna; 1930 – 32 Fabrikarbeiter; 1931 UB-Politltr. des KJVD Borna; 1932 Arbeit im KPD-UB-Büro Bautzen; 1933 Verhaftung, Dez. 1933 amnestiert; 1934 Emigr. in die ČSR; 1937 – 39 Teiln. am span. Bürgerkrieg; Mitarb. der Kaderabt. der Interbrigaden, dann beim Kriegskommissar der 11. Brigade; 1939 nach Belgien; dann Internierung in Frankreich, Auslieferung nach Dtl., Haft, 1941 KZ Buchenwald; 1942 Verurteilung zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus wegen »Hochverrats«, nach Verbüßung in Waldheim wieder KZ Buchenwald; Mitgl. des Parteiaktivs. 1945 Ltr. der Abt. Elektrotechnik im Thür. Landesamt für Wirtschaft; 1946 dort Personalref.; 1948 Einstellung bei der VP, Kommandeur der Schutzpolizei Thür.; 1949 Einstellung bei der Verw. zum Schutz der Volkswirtschaft Thür. (ab Febr. 1950 Länderverw. Thür. des MfS); 1950 Ltr.; 1951 – 54 Fernstudium an der PHS; 1951 Ltr. der Länderverw. Mecklenb.; 1952 stellv. Min.; 1953 Gen.-Major; Okt. 1953 – 55 stellv. Innenminister; 1955 Chef für Bauwesen der KVP; 1956 stellv. Min. für Nat. Verteidigung (für Bauwesen u. Unterbringung, ab 1957 für Bewaffnung u. Technik); 1959 – 61 Hörer an der Militärakad. »Friedrich Engels«; 1961 Stellv. des Chefs der Rückwärt. Dienste im MfNV; 1965 Dir. der Dt. Militärbibliothek Strausberg; 1967 Militärattaché in der DDR-Botschaft in Moskau; 1973 Gen.-Ltn., Entlassung, Rentner.Jens Gieseke

Handbuch Deutsche Kommunisten

Merkel, Karl

* 20.1.1903 – ✝ 28.7.1937

Geboren am 20. Januar 1903 in Saarbrücken, Sohn eines Eisenbahners; Stahlarbeiter, später Kraftfahrer. Merkel trat 1927 der KPD bei und war vor allem im RFB aktiv, der im Saargebiet nicht verboten war (wie im Reich seit 1929). Als stellvertretender Gauführer des RFB im Saargebiet wurde Merkel nach dem Anschluß an NS-Deutschland 1935 in die KPD-Abschnittsleitung Forbach (Lothringen) aufgenommen. Von August 1935 bis Juni 1936 besuchte er die Internationale Leninschule in Moskau, kam dann über Paris nach Spanien und ging zu den Internationalen Brigaden. Karl Merkel fiel bei den Kämpfen in Brunete am 28. Juli 1937. Sein Sohn Heinz (* 1924) war nach 1968 Bezirksvorsitzender der DKP Saar.

Wer war wer in DDR

Merker, Paul

* 1.2.1894 – ✝ 13.5.1969

Geb. in Oberlößnitz; Vater Arbeiter; Volksschule; Kellner, Hotelangest.; 1911 Gewerkschaft; 1914 – 18 Militärdienst; verhaftet u. sechs Mon. Haft wegen Flugblattverteilens; 1918 USPD; 1919 – 22 Gewerkschaftssekr. im Zentralverb. der Hotel- u. Restaurantangest.; Dez. 1920 KPD; 1920 – 22 Angest. bei Freien Gewerkschaften; 1923/24 Sekr. des KPD-Bez. Westsachsen; 1924 – 32 Abg. des Preuß. Landtags; 1926 koopt., 1927 – 45 Mitgl. des ZK der KPD u. seines PB; Sekr. u. Ltr. der Gewerkschaftsabt. (RGO) des ZK bis April 1930, wegen »linker« Abweichungen abgesetzt; März 1931 – Mai 1933 Berater der RGI in den USA (»Max Fischer«); Sommer 1933 nach Moskau, dort stellv. Ltr. der angloamerikan. Abt. der RGI; ab März 1934 als Mitgl. des RGO-Reichskomitees illeg. in Dtl. tätig; 1934/35 Mitgl. der illeg. KPD-LL Berlin (Nachf. von  Philipp Daub) (»Roland«, »Fuchs«); März 1935 durch RGI Abberufung nach Moskau, Gastdeleg. am 7. Weltkongreß der KI; er galt neben  Paul Bertz,  Walter Ulbricht u. Herbert Wehner als einer der Hauptkritiker der damaligen KPD-Pol.; Emigr. nach Frankreich; Febr. 1937 Mitgl. des Sekr. des ZK der KPD-Auslandsltg. in Paris; 1940 – 42 in Frankreich interniert (Le Vernet, Les Milles), Flucht; Juni 1942 mit Hilfe Noel Fields Emigr. nach Mexiko; Sekr. des Lateinamerik. Komitees der Freien Deutschen u. Hrsg. der gleichn. Ztg. Juli 1946 Rückkehr nach Dtl.; 1946 – 49 Mitgl. des PV der SED u. seines ZS, 1949/50 Mitgl. des PB des ZK der SED; 1946 – 50 Abg. des Landtags Brandenb.; März 1948 – Aug. 1950 Mitgl. des Volksrats; 1949/50 Staatssekr. im Min. für Land- u. Forstw.; 1948 – 50 Abg. der (Prov.) Volkskammer; Aug. 1950 SED-Ausschl. wegen enger Verbindung zu dem angebl. amerik. Agenten Noel H. Field während der Emigr., der ihm 1942 bei der Flucht geholfen hatte; 1950 – 52 Ltr. einer HO-Gaststätte in Luckenwalde; im Kontext des Slánský-Prozesses in Prag Nov. 1952 verhaftet, Haft im MfS-Untersuchungsgefängnis in Berlin-Hohenschönhausen; März 1955 in einem Geheimprozeß zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt, Jan. 1956 Haftentlassung; Juli 1956 vom selben Gericht u. Richter unter Ausschl. der Öffentlichkeit freigesprochen, rehabil.; 1957 Lektor im Verlag Volk u. Welt; 1969 VVO; in den letzten Lebensjahren Vors. des Krs.-Vorst. der DSF Königs Wusterhausen; er verstarb psychisch u. physisch gebrochen in Berlin.Dtl. Sein oder Nichtsein. 2 Bde. Mexiko 1944/45 (Nachdr. 1972, 1973); Die nächsten Schritte zur Lösung des Umsiedlerproblems. Berlin 1947; Das kleine Handbuch für Heimkehrer. Berlin 1948; Sozialdemokratie u. Gewerkschaften. Berlin 1949. Kießling, W.: P. M. u. der »Soz. der dummen Kerls«. In: Keßler, M.: Antisemitismus u. Arbeiterbew. Berlin 1996; ders.: Partner im »Narrenparadies«. Der Freundeskrs. um N. Field u. P. M. Berlin 1994; Herf, J.: Antisemitismus in der SED. Geheime Dokumente zum Fall P. M. aus SED- u. MfS-Archiven. In: VfZG (1994) 42; Kießling, W.: P. M. in den Fängen der Sicherheitsorgane Stalins u. Ulbrichts. Berlin 1995; ders.: In den Mühlen der großen Pol.: H. Mann, P. M. u. die SED. Berlin 1996f; Barth, B.-R., Schweizer, W. (Hrsg.): Der Fall Noel Field. Berlin 2005 u. 2007.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Mette, Alexander

* 15.1.1897 – ✝ 4.12.1985

Geb. in Lübeck; Vater Kfm.; Gymnasium in Lübeck u. Berlin; 1914 Kriegsfreiw.; 1916 – 23 Med.-Studium in Berlin, Heidelberg, München u. Halle, hier 1927 Prom.; 1924 Assistenzarzt an der Nervenklinik in Chemnitz-Hilbersdorf u. in Leipzig; hier 1926 – 28 psychoanalyt. Ausbildung bei Therese Benedek; 1925 Gründung des Dion-Verlags in Dessau (mit Kurt Liebmann); 1928 – 45 Nervenarzt in eigener Praxis in Berlin; 1933 Doz. am Berliner Inst. der Internat. Psychoanalyt. Vereinigung; seine Monographie (1934) »Die tiefenpsycholog. Grundlagen des Tragischen, Apollinischen u. Dionysischen« wurde 1935 wegen »zersetzender Tendenzen« vom NS-Regime beschlagnahmt; zeitw. Wehrmacht. 1946 KPD/SED; 1946 – 49 stellv. Ltr. des thür. Gesundheitsamts in Weimar u. Erfurt; 1949 Dir. des Landesgesundheitsamts in Thür.; 1949 – 52 hier Ltr. der HA Gesundheitswesen des Min. für Arbeit u. Sozialfürsorge; 1947 – 51 Vors. des KB-LV Thür.; Mitgl. des Präsidialrats; 1957 – 61 Vors. der KB-BL Berlin; 1949 – 51 Lehrbeauftr. für Sozialpol. an der FSU Jena; 1950 – 62 Abg. der Volkskammer; 1952 – 56 Cheflektor des Verlags Volk u. Gesundheit in Berlin; 1957 – 59 stellv. Vors. des Wiss. Rats beim Min. für Gesundheitswesen; 1958 – 63 Mitgl. des ZK der SED; 1959 – 62 Ordinarius für Geschichte der Med. an der HU Berlin; 1960 Gründung der NTM-Schriftenreihe für Geschichte der Naturwiss., Technik u. Med. (mit  Gerhard Harig); 1962 VVO; 1977 KMO; gest. in Berlin.Dionysische Perspektive. Dessau 1926; Der Weg zum Traum. Berlin 1939; S. Freud. Berlin 1956 (3. Aufl. 1958); Geschichte der Med. Einführung in ihre Grundzüge. Berlin 1968 (Hrsg. mit I. Winter). Gläske, K., Bresci, Ch.-M.: Bibl. A. M. In: NTM-Schriftenreihe Geschichte Naturwiss., Technik, Med. Heft 2, Leipzig 1971.Peter Schneck

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Metzkes, Harald

* 23.1.1929

Geb. in Bautzen; Vater Arzt; OS; März 1945 Wehrmacht, amerik. Gefangenschaft. 1945/46 OS, Abitur; 1947 – 49 Lehre als Steinmetz; 1949 – 53 Studium an der HS für bildende Künste in Dresden (Vorstudium bei  Rudolf Bergander, Fachstudium bei  Wilhelm Lachnit); 1953 – 55 freischaff. in Bautzen; 1955 – 58 Mstr.-Schüler an der DAK ( Otto Nagel); 1957 Studienreise nach China (mit  Werner Stötzer u.  John Heartfield); 1959 freischaff. in Berlin; Studienreise nach Rumänien (1965), nach Ungarn (1976), in die Bundesrep. Dtl. (1978); 1977 NP; 1984 u. 1988 Teiln. an der Biennale Venedig; 1986 AdK, 1989 – 91 Sekr. der Sekt. Bildende Kunst. 1991 Austritt aus der AdK (Ost); lebt seit 1993 in Altlandsberg-Wegendorf (Brandenb.); 1997/ 98 Teiln. an der Ausstellung »Kunst in der DDR« in der Berliner Nationalgalerie; 2007 Hannah-Höch-Preis des Landes Berlin; 2009 Einzelausst. »Welttheater Weltenbühnen« in Bautzen. Werke: Polytechnischer Unterricht. 1959; Allodri. 2004; Mikado. 2005.»Laureatus« – Bilder 1956 – 1999. Berlin 1999; H. M. Bilder aus fünfzig Jahren. Bautzen 1999 (Hrsg. Opelia Rehor); Ich und Herr H. Amsterdam 2000. Feist, G.: H. M. In: Weggefährten. 25 Künstler der DDR. Dresden 1970. Kat. H. M. Gemälde, Zeichnungen. AdK Berlin 1989 (mit Bibl.); Kat. H. M. Malerei, Zeichnungen, Druckgrafik. Staatl. Kunsthalle Berlin 1990 (mit Bibl.); Guratsch, H. (Hrsg.): H. M. Bilanz als Maler. Bielefeld 2006.Anke Scharnhorst

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Meusel, Hermann

* 2.11.1909 – ✝ 3.1.1997

Geb. in Coburg; Vater Bildhauer; Schulzeit in Coburg; 1930 – 35 Studium der Naturwiss., insbes. Botanik u. Geologie an den Univ. Würzburg, Innsbruck, München u. Halle, 1935 Dr. phil.; 1935 – 45 Assistent am Botan. Inst. u. Garten der MLU Halle, 1939 Habil.; 1940 – 45 Doz. für Botanik; 1941 Mitbegr. der »Arbeitsgemeinschaft Mitteldt. Floristen« (seit 1972 »AG Herzynischer Floristen«); kurze Zeit Militärdienst als Marinemeteorologe. 1945 – 75 Dir. des Botan. Gartens der MLU Halle; 1946 außerplanm. Prof., 1948 Prof. mit vollem Lehrauftrag für Botanik; 1951 Ord. Mitgl. der DAL; 1951 – 71 Ltr. des Brockengartens; 1952 Prof. mit Lehrstuhl für Botanik u. Dir. des neu gegr. Inst. für Systematik u. Pflanzengeographie; 1966 – 69 Dir. der Botan. Anstalten; 1969 – 72 Ltr. des Fachber. Botanik u. der Abt. Systemat. Botanik u. Pflanzengeographie; 1972 – 75 Ltr. des Wissenschaftsber. Geobotanik u. Botan. Garten der Sekt. Biowiss. der MLU Halle; 1952 Sekr. der Sekt. Landeskultur u. Naturschutz u. 1953 – 63 Dir. des neu gegr. Inst. für Landschaftsforschung u. Naturschutz der DAL in Halle (mit Zweigstellen in Greifswald, Potsdam, Dresden u. Jena); 1963 – 73 Vizepräs., 1973 Ehrenmitgl. der Biolog. Ges. in der DDR; 1966 NP; 1969 Mitgl. der Leopoldina; 1973 Mitgl. der Österr. AdW; nach der Em. 1975 Gastprof. in Salzburg, Wien, Graz, Innsbruck u. Klagenfurt. Nach 1990 Kritiker verkehrspol. u. wasserwirtschaftl. Großprojekte des »Aufbau Ost«, Initiator einer »Denkschrift für eine bessere Bewertung der natürl. Ressourcen in den neuen Bundesländern« (1994) der MLU Halle für das Bundesverkehrsmin.; gest. in Halle. Hauptarbeitsgebiete: Vergleichende Morphol. u. Pflanzengeogr., Floristik, Vegetations- u. Standortkunde, insbes. der mittel- u. südeurop. Flora, ökolog. Landschaftsforschung u. -planung; Pionier der Standortkartierung (1937 erste Verbreitungskarten mitteldt. Leitpflanzen); Begründer einer ökolog.-morpholog., vegetations- u. standortkundl. Botanikerschule in Halle; Nestor des Natur- u. Umweltschutzes in der DDR.Vergleichende Arealkunde. 2 Bde. Berlin 1943; Die Aufgaben der Pflanzengeogr. im Dienste der Landeskultur. Leipzig 1952; Vergleichende Chorologie der zentraleurop. Flora. 3 Bde. Jena 1965, 1978, 1992 (mit E. J. Jäger u. a.); Lebensgeschichte der Gold- und Silberdisteln. 2 Bde. Wien 1990, 1994 (mit A. Kästner); Schriftenverz. In: Hercynia, N. F. (1997) 30 (zusammengestellt v. D. Seidel u. E. J. Jäger). Hilbig, W.: Die Entw. des Wissenschaftsber. Geobotanik und Botan. Garten der MLU von 1946 bis 1988. In: Wiss. Ztschr. der Univ. Halle (1989) 38 M; Nachrufe: Bauer L. In: Studienarchiv Umweltgeschichte (1997) 3; Jäger, E. J. In: Flora (1997) 192; Natho, G. In: Feddes Repert. (1997) 108.Ekkehard Höxtermann

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Meyer, Wolfgang

* 26.7.1934 – ✝ 23.3.2011

Geb. in Berlin; Vater Bankangest.; 1940 – 53 Grund- u. OS in Berlin-Prenzlauer Berg, Abitur; 1953 – 57 Studium der Slawistik an der HU Berlin, Dipl.-Slaw.; 1957 – 75 beim ADN, Red. bzw. Auslandskorrespondent, 1960 – 63 Korrespondent in Leopoldville (Kongo) u. Bamako (Mali); 1962 SED; 1963 Chef vom Dienst beim ADN, 1965 – 67 stellv. Hauptabt.-Ltr. der Red. für Auslandssendungen, 1967 – 71 ADN-Korrespondent bei der UNO in New York; 1975 – 89 Hauptabt.-Ltr. Presse u. Information im MfAA; Nov. 1989/90 Ltr. des Presseamtes beim Vors. des Mininisterrats, verkündete am 7.11.1989 Rücktritt der Regierung Stoph, dann Sprecher der Reg.  Modrow. 1990 arbeitslos; Geschäftsf. des Inst. für angew. Wirtschafts- u. Sozialforschung »Conkret« in Berlin; 1999 – 2005 Mitarb. des PDS-Ehrenvors. Hans Modrow.Erfahrungen mit DDR-Medien. In: Spielhagen, E. (Hrsg.): So durften wir glauben zu kämpfen. Berlin 1993; Dt.-Dt. Widersprüchlichkeiten. In: Nakath, D. (Hrsg.): Dt. Politiker der DDR erinnern sich. Berlin 1995.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Meyer, Ernst Hermann

* 8.12.1905 – ✝ 8.10.1988

Geb. in Berlin in einer dt.-jüd. Fam.; Vater Arzt (Nov. 1938 in der Pogromnacht ermordet), Mutter Kunstmalerin (1942 in Auschwitz ermordet); 1915 – 24 Gymnasium in Berlin; 1919 Unterricht bei Walter Hirschberg (Klavier, Musiktheorie); 1924 – 26 Auszubildender u. Angest. im Berliner Bankgewerbe; 1926 – 30 Studium der Musikwiss. in Berlin (b. Johannes Wolf u. a.) u. Heidelberg (b. Heinrich Besseler); 1929 Beginn der Freundschaft u. Zusammenarbeit mit  Hanns Eisler; 1930 Prom. zur mehrstimmigen Spielmusik des 17. Jh.; 1930 KPD; 1930 – 32 Mitarb. »Die Rote Fahne« Berlin; Wirken in der Arbeiter-Musikbew.; Red. der Ztschr. »Kampfmusik«; 1931 Reise in die UdSSR; Forschungsreise in mehrere westeurop. Länder; Kompositionsunterricht an der HS für Musik Berlin (b. James Simon u. Paul Hindemith) u. an der Rundfunkversuchsstelle (b.  Max Butting); 1933 Illegalität; Emigr. nach London; dort 1933 – 38 Mitgl. der Ltg. der KPD-Gruppe; Arbeit u. a. als Kopist; 1936 Dirigent von Arbeiterchören; 1938 Aktivitäten im Freien Dt. KB; 1939 Vorlesungen über Musik am Bedford College; 1944 Gastprof. an der Univ. Cambridge; Komponist; 1946/47 Tbc-Kur in der Schweiz; 1948 erneut in London. 1948 Rückkehr nach Dtl.; 1949 Prof. für Musiksoziol. an der HU Berlin; SED; 1950 Gründungsmitgl. der DAK; 1950 (im Koll.), 1952, 1963 NP; 1951 Gründungsmitgl. des VDK; 1951 Gründer u. Hrsg. der Ztschr. »Musik u. Ges.«; 1963 – 71 Kand. des ZK der SED; 1965 Dr. h. c. der MLU Halle; 1965 – 69 Vizepräs. der DAK; 1965 – 71 Präs. des Musikrats der DDR; 1967 – 72 Präs. der Georg-Friedrich-Händel-Ges.; 1967 Direktoriumsmitgl. der Internat. Ges. für Musikwiss.; ab 1968 Präs. des VDK (Nachf. von  Ottmar Gerster); 1971 VVO; ab 1971 Mitgl. des ZK der SED; 1975 NP; 1982 Ehrenpräs. des VDK; 1980 KMO; gest. in Berlin. Zwischen 1916 u. 1988 entstanden über 500 Kompositionen fast aller musikal. Gattungen; M.s Ausführungen über die sog. marxist.-leninist. Erbetheorie in einer Bach-Gedenkrede 1950 galten in der DDR als wegweisend für die offizielle Sicht auf klass. Musik; einer der wichtigsten Vertreter des soz. Realismus in der Musik.English Chamber Music. London 1951; Musik im Zeitgeschehen. Berlin 1952; Aufsätze über Musik. Berlin 1957; Kontraste – Konflikte. Berlin 1979 (Hrsg. Brennecke, D. u. Hansen, M., mit Auswahl-Bibl.). Knepler, G. (Hrsg.): Fs. für E. H. M. Leipzig 1973; Hansen, M. (Hrsg.): H. E. M. das kompositorische u. theoret. Werk. Leipzig 1989; Schmidt, A.-K.: Musik als Instrument der Indoktrination. Mainz 2009.Bernd-Rainer Barth

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Meyer, Hartmut

* 18.9.1943

Geb. in Merseburg; 1962 Abitur in Rudolstadt; Ausbildung zum Techn. Zeichner; Studium des Kraft- u. Maschinenbaus an der Ing.-Schule für Maschinenbau u. an der Ing.-Schule für Bauwirtsch., 1968 Dipl.-Ing.; 1966 – 69 EDV-Programmierer, Abt.-Ltr. beim Staatl. Komitee für Meliorationen Berlin, fristlos entlassen wg. mangelnder polit. Eignung; 1970 – 80 Ltr. des Org.- u. Rechenzentrums des Landbaukombinats Frankfurt (Oder); 1976 Dipl.-Ing. für Bauwirtsch. in Leipzig; 1980 – 89 Dir. für Ökon. im Landbaukombinat Frankfurt (Oder); 1990 / 91 Vorstandsmitgl. der Märk. Bau AG u. Aufsichtsratsvors. der Wohnungsbau GmbH in Bad Freienwalde. 1990 SPD; 1990 – 94 Mitgl. des Kreistags Bad Freienwalde, ab 1993 Märkisch-Oderland; 1990 Landrat; 1990 – 2004 MdL Brandenb.; 1993 – 2003 Minister für Stadtentw., Wohnen u. Verkehr des Landes Brandenb. u. somit dienstältester Brandenburger Minister (drei Kabinette Stolpe, ein Kabinett Platzeck), Rücktritt; anschl. Gutachtertätigkeiten für die Dt. Bahn.Helmut Müller-Enbergs

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Michaelis, Paul

* 13.12.1914 – ✝ 1.1.2005

Geb. in Weimar; mittl. Reife; 1931 – 34 Gebrauchswerberlehre; 1934 – 40 Studium an der HS für bildende Kunst Weimar, seit 1938 Meisterschüler von Alfred Hierl u. Walter Klemm; 1940 – 45 Soldat. 1946 – 48 freischaffend in Weimar; 1949 KB; 1948 – 50 Fachlehrer an der Meisterschule für Handwerk u. angew. Kunst in Weimar; 1950 – 52 Künstlervertrag mit dem Kunstfaserwerk in Schwarza; 1952 VBKD; 1952 Oberassistent u. Doz. für Malerei an der HS für Bildende Künste (HfBK) Dresden, 1953 – 59 dort Prorektor für student. Angelegenheiten Dresden; 1955 Prof.; SED; 1959 – 64 Rektor (Nachf. von  Rudolf Bergander) u. ab 1960 zugl. Abt.-Ltr. Malerei der HfBK; 1958 – 71 Abg. des Bezirkstags Dresden; 1955 – 64 Mitgl. des ZV, 1959 – 64 u. 1971 – 74 des Präs. des VBKD; 1963 – 88 Mitgl. u. 1971 – 74 Vors. des BV des VBK Dresden; Mitgl. im Beirat für bildende Kunst u. Stadtgestaltung des Bez. Dresden; 1972 – 87 Mitgl. des BV Dresden u. ab 1977 des Präsidialrats des KB; seit 1968 Künstler-Vertrag mit Brigade Albert Einstein im Kombinat Robotron; 1961 u. 1962 Kunstpreis des FDGB; 1962 Kunstpreis der DDR; 1966 u. 1984 VVO; 1971 NP; Ehrenmitgl. des VBK; gest. in Weimar M. war Vertreter des Sozialist. Realismus u. ab 1953 auf nat. u. internat. Kunstausstellungen mit Porträts u. Arbeiten wie »Junger Traktorist« (1953), »Glückliches Leben« (1962), »Nach der Landung« (1971) oder »Waffenbrüder« (1972) vertreten.Beatrice Vierneisel

Wer war wer in DDR

Mensching, Steffen

* 27.12.1958

Geb. in Berlin; Abitur; Volontär; Journalistikstudium (im 1. Sem. abgebrochen); Red. bei der Lit.-Ztschr. »Temperamente«; 1981 – 86 Studium der Kulturwiss. an der HU Berlin; seit 1980 Arbeit als Autor, Schauspieler u. Dramaturg (seit 1984 freischaff.), wichtige Arbeiten: »Von meiner Hoffnung laß ich nicht oder Der Pilger Mühsam« (Erich-Mühsam-Abend, 1980), »Dtl., meine Trauer – oder neun Arten, einen Becher zu beschreiben« ( Johannes-R.-Becher-Abend, 1981), »Dahin! Dahin!« (Johann-W.-Goethe-Abend, 1982), »Hammer-Rewüh« (1982), »Neues aus der DaDaeR« (1982), »Die kom. Tragödie des 18. Brumaire des Louis Bonaparte nach Karl Marx oder Ohrfeigen sind schlimmer als Dolchstöße« (1983), »Ich hab noch keine Bouillabaisse gegessen« (Theodor-Kramer-Abend, 1983), »Spanier aller Länder« (1984), »Die Sichel-Operette« (1987); seit 1985 Arbeit mit  Hans-Eckardt Wenzel als Clownsduo: »Altes aus der DaDaeR« (1988), »Hundekomödie« (1990), »Die Meisenwürger vom Friedrichshain« (1991), »Aufenthalt in der Hölle« (1992), »Der Abschied der Matrosen vom Kommunismus« (1993, auch als CD), »Weihnachten in Afrika« (1994). 7.10.1990 Premiere des DEFA-Spielfilms »Letztes aus der DaDaeR«; 1990 Förderpreis des Dt. Kleinkunstpreises; Arbeit als Essayist, Lyrik-Übersetzer, Darsteller in Film u. Hörspiel; 1995 Kabarettpreis der Stadt Nürnberg; 1996 CD »Armer kleiner Händimann« (mit Wenzel); 1997 Regie bei »Bullets over Broadway« von Woody Allen am Schauspielhaus Chemnitz; 1999 letzte gemeinsame Tour mit Wenzel; 2000 Mitwirkung in »Das muß ein Stück vom Himmel sein – Ein Werner Richard Heymann-Abend«; 2001 »Amok« (Soloprogramm); ab der Spielzeit 2008/09 Intendant des Theaters Rudolstadt.Poesiealbum. Berlin 1979; Erinnerung an eine Milchglasscheibe. Halle 1982; Tuchfühlung. Halle 1987; Pygmalion. Halle 1991; Textbücher. Letztes aus der DaDaeR. Hundekomödie. Halle 1991; Der Struwwelpeter – neu erzählt. Berlin 1994; Berliner Elegien. Leipzig 1995; Der Abschied der Matrosen vom Kommunismus. Berlin 1999; Jakobs Leiter. Berlin 2003 (auch als CD); Lustigs Flucht. Berlin 2005. Robb, D.: Zwei Clowns im Lande des verlorenen Lachens – Das Liedertheater Wenzel & Mensching. Berlin 1998.Rainer Bratfisch

Wer war wer in DDR

Menzel, Bruno

* 25.2.1932 – ✝ 14.9.1996

Geb. in Dessau; Grund- u. Oberschule, 1950 Abitur; 1950 – 56 Med.-Studium an der MLU Halle, 1956 St.-Ex. u. Prom. zum Dr. med.; bis 1961 Facharztausbildung Innere Med.; danach med. Zusatzausbildung Infektions- u. Tropenmed. mit Anerkennung als Subspezialist; Chefarzt der III. Med. Klinik, dann im Bez.-Krankenhaus Dessau, ltd. Chefarzt; in den 80er Jahren Vors. des DRK-Krs.-Verb. Dessau u. stellv. Vors. der Ges. für Infektions- u. Tropenmed. der DDR; Jan. 1990 Mitbegr. des Aussch. zur Bildung einer Freien Demokrat. Partei in der DDR, 4.2. Vors. des Länderrats auf dem Gründungsparteitag in Berlin, 12.2. Mitunterz. des Wahlbündnisses von LDP, Dt. Forumspartei u. FDP als Bund Freier Demokraten; 12.8.1990 u. Okt. 1991 Wahl zu einem der stellv. Vors. der FDP. Okt. 1990 – 94 Abg. des Bundestags, stellv. Vors. der FDP-Fraktion.Förster, D.: B. M. Erinnernde Gedanken. Bad Doberan 1998.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Merges, August

* 3.3.1870 – ✝ 6.3.1945

Geboren am 3. März 1870 in Malstatt-Burbach bei Saarbrücken, Sohn eines Fleischers; lernte Schneider. Während der Wanderschaft wurde er Mitglied der SPD und arbeitete später hauptamtlich als Ökonom des Gewerkschaftshauses in Alfeld. Ab Juli 1911 war er Expedient, später Redakteur an der SPD-Zeitung »Volksfreund« in Braunschweig. Merges war Anhänger der Linken in der SPD und gehörte zum »Braunschweiger Revolutionsklub«, Mitbegründer der Spartakusgruppe in Braunschweig. Dort im November 1918 Vorsitzender der Regierung des Rates der Volkskommissare. Er nahm nur kurz am Gründungsparteitag der KPD Ende 1918 in Berlin teil, blieb aber Mitglied der USPD. Merges wurde 1919 im Wahlkreis Hannover-Braunschweig in die Nationalversammlung gewählt. Bei der Konstituierung der Nationalversammlung in Weimar hielt er eine scharfe Rede gegen die Reichsregierung Ebert-Scheidemann. Bereits Ende Februar 1919 legte er sein Mandat in der Nationalversammlung nieder und schied aus der Regierung in Braunschweig aus. Nach Einmarsch der Truppen des Generals Maercker Mitte April 1919 tauchte Merges unter und lebte eine Zeitlang illegal. Er schloß sich der KPD an, stand aber nach dem II. Heidelberger Parteitag im Herbst 1919 in Opposition zur Zentrale unter Paul Levi. Merges trat aus der KPD aus und führte die Mehrheit der Braunschweiger KPD Mitte 1920 in die KAPD. Im August 1920 reiste er mit einer Delegation der KAPD zum II. Weltkongreß der Komintern nach Moskau. Während des Kapp-Putsches organisierte er den Widerstand im Raum Helmstedt. In den Jahren der Weimarer Republik war er mehrmals angeklagt u. a. auf Herausgabe der Abdankungsurkunde des Herzogs von Braunschweig und wegen illegaler Waffenverstecke. Merges, der aktives Miglied der RH in Braunschweig war, leitete weiterhin eine kleine Gruppe von ehemaligen KAPD-Genossen, die sich Spartakusbund nannte und auch Kontakte zu Erich Mühsam hatte. Nach 1933 wurden bei ihm zahlreiche Hausdurchsuchungen vorgenommen und viele seiner Bücher beschlagnahmt. Am 27. Mai 1935 wurde Merges verhaftet und am 7. Oktober 1935 durch das OLG Braunschweig zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt, er war u. a. in Wolfenbüttel inhaftiert und schweren Mißhandlungen ausgesetzt. Am 20.Dezember 1937 entlassen, stand er bis zu seinem Lebensende unter Polizeiaufsicht. Am Morgen des 6. März 1945 wurde August Merges in seinem Garten in Braunschweig tot aufgefunden. Sein Sohn Alfred (* 10. 4. 1900 – † 3. 8. 1971) war Feinmechaniker und gehörte der Spartakusjugend in Braunschweig an. 1919 Kurier der Zentrale der KPD, gehörte er zeitweise der KAPD an. Nach dem Mitteldeutschen Aufstand wegen »Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz« zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach einem Hungerstreik im Zuchthaus Wolfenbüttel wegen Krankheit beurlaubt, flüchtete er und lebte bis zur Amnestie 1928 unter falschem Namen. Später Arbeiterkorrespondent der »Freiheit« und Bildreporter für die AIZ. Seit 1931 im AM-Apparat der BL Niederrhein tätig. Nach 1933 illegale Arbeit, er überlebte die NS-Zeit, wurde 1946 Mitglied der SED und lebte in Zittau.

Wer war wer in DDR

Merkel, Angela

* 17.7.1954

Geb. in Hamburg; Vater Pfarrer, Mutter Lehrerin; 1954 Übersiedl. in die DDR; aufgew. in Quitzow (Mark), ab 1957 in Templin; dort 1961 – 71 POS, 1971 – 73 EOS, Abitur; FDJ; 1973 – 78 Studium der Physik an der Univ. Leipzig, Dipl.-Phys.; 1978 – 90 wiss. Mitarb. im ZI für Physikal. Chemie der AdW in Berlin; 1986 Prom. mit einer Diss. über die Berechnung der Geschwindigkeitskonstanten von Elementarreaktionen einfacher Kohlenwasserstoffe zum Dr. rer. nat.; Dez. 1989 Mitgl. des DA; ab Febr. 1990 dessen Pressesprecherin in Berlin; ab April 1990 stellv. Sprecherin der Reg.  Lothar de Maizière; 4.8.1990 (mit Beitritt des DA) Mitgl. der CDU; 2.10. Wahl in den CDU-Bundesvorst. Seit 2.10.1990 Abg. des Dt. Bundestags; Jan. 1991 – Nov. 1994 Bundesministerin für Frauen u. Jugend; Dez. 1991 – Nov. 1998 stellv. CDU-Vors. (Nachf. von Lothar de Maizière); seit Sept. 1992 Vors. des Ev. Arbeitskrs. (EAK) der CDU/CSU (Nachf. von Peter Hintze); Juni 1993 – Mai 2000 Vors. des CDU-Landesverb. Mecklenb.-Vorpom. (Nachf. von  Günther Krause); Okt. 1994 – Okt. 1998 Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz u. Reaktorsicherheit (Nachf. von Klaus Töpfer); 1996 Großes Bundesverdienstkreuz; Nov. 1998 – April 2000 Gen.-Sekr. der CDU (Nachf. von Peter Hintze); ab 10.4.2000 Vors. der CDU (Nachf. von Wolfgang Schäuble); Sept. 2002 – Nov. 2005 Vors. der CDU / CSU-Bundestagsfraktion; seit 22.11.2005 Bundeskanzlerin der Bundesrep. Dtl. (Nachf. von Gerhard Schröder); Jan. – Juni 2007 Präsidentin des Europäischen Rats; 2006 Großkreuz Italien; 2006 – 08 nach »Forbes« »mächtigste Frau der Welt«; 2007 Leo-Baeck-Preis; 2008 Großkreuz des Verdienstordens der Bundesrep. Dtl., Karlspreis Aachen, Dr. h. c. der Univ. Leipzig u. Dr. h. c. der Univ. Breslau.In unruhiger Zeit. Düsseldorf 1994; Wissenschaftl. Pol.-Beratung für die Umwelt. Berlin 1997 (Hrsg.); Der Preis des Überlebens. Gedanken u. Gespräche über zukünftige Aufgaben der Umweltpol. 1997; Europa u. die dt. Einheit. Freiburg 2000. Stock, W.: A. M. Eine pol. Biogr. München 2005; Boysen, J.: A. M. Berlin 2005; Müller-Vogg, H.: Mein Weg. Frankfurt (Main) 2003; Langguth, G.: A. M. München 2005; Schumacher, H.: Machtphysik. Berlin 2007; Bassewitz, S. v. et al. (Hrsg.): A. M. Das Porträt. München 2009; Resing, V.: A. M. Eine Protestantin. Leipzig 2009; Roll, E.: Die Kanzlerin. Berlin 2009.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Merker, Paul

* 1.2.1894 – ✝ 13.5.1969

Als Sohn eines Fabrikarbeiters am 1. Februar 1894 in Oberlößnitz bei Dresden geboren; lernte Kellner. In verschiedenen Hotels angestellt, mit 17 Jahren trat er einem »gelben« Gewerkschaftsverband bei. Während des Krieges als Soldat an der Front, wegen Verbreitung von revolutionären Flugblättern sechs Monate in Haft. Bis 1918 war Merker politisch nicht organisiert, trat dann in Dresden der USPD bei, Delegierter des Spaltungsparteitages, 1920 mit der linken USPD Übertritt zur KPD. Von 1920 bis 1922 Angestellter der Freien Gewerkschaften in Berlin. 1923/24 hauptamtlicher Sekretär der KPD in Halle-Merseburg und 1923 militärischer Leiter in Mansfeld. Merker schloß sich der linken Ruth-Fischer-Führung an und zog 1924 als Abgeordneter in den Preußischen Landtag ein, dem er bis 1932 angehörte. 1924 Mitarbeiter der Gewerkschaftsabteilung der Zentrale. 1926 ins ZK und Polbüro kooptiert, auch vom XI. Parteitag 1927 wieder ins ZK und Polbüro gewählt. Nach der Wittorf-Affäre gehörte Merker zu den maßgebenden Führern der KPD. Auf dem XII. Parteitag 1929 erneut ins ZK und Polbüro gewählt, war Merker auch Leiter der RGO sowie seit Herbst 1929 Sekretär des ZK. Im April 1930 überraschend wegen »linker Abweichungen« und Fraktionsarbeit aus dem Polbüro und ZK entfernt. Er wurde als Sündenbock für die ultralinken Überspitzungen der KPD-Politik geopfert, doch wurde die ultralinke Politik insgesamt auch nach seiner Absetzung weitergeführt. Merker erhielt zweitrangige Funktionen, 1931 in den Vorstand der IAH gewählt, anschließend ganz aus der Arbeit der KPD abberufen. Der Komintern zur Verfügung gestellt, war er von März 1931 bis Mai 1933 zusammen mit Gerhart Eisler unter dem Decknamen Max Fischer als Komintern-Beauftragter bei der KP in den USA. Im Sommer 1933 reiste er nach Leningrad und kehrte Anfang 1934 zur illegalen Arbeit nach Deutschland zurück. Hier gehörte er 1934/35 als Nachfolger von Philipp Daub der illegalen Landesleitung an. Von der Pariser Emigration aus organisierte er die Gewerkschaftsarbeit der KPD in Deutschland. Paul Merker galt neben Paul Bertz, Walter Ulbricht und Herbert Wehner als einer der Hauptkritiker der damaligen ultralinken KPD-Politik. Nach deren Ende 1935 auf der »Brüsseler Konferenz« und erneut auf der »Berner Konferenz« 1939 wieder ins ZK und Politbüro der KPD gewählt, nahm er in Frankreich als KPD-Vertreter an den Gesprächen über eine deutsche Volksfront teil. Sowohl sozialdemokratische als auch bürgerliche Hitler-Gegner wie Heinrich Mann waren von Merkers Toleranz angetan, die sie bei dem dogmatischen Ulbricht vermißten. Bei Kriegsausbruch in Frankreich interniert, kam er ins Lager Vernet, aus dem er 1940 flüchtete. Er ging nach Marseille, wurde erneut verhaftet, konnte 1942 entkommen und nach Mexiko ausreisen. In Mexiko war Merker Generalsekretär der Bewegung Freies Deutschland für Lateinamerika, Herausgeber der Zeitung gleichen Namens und veröffentlichte die Bücher »Von Weimar zu Hitler« sowie »Der Nazismus und sein Ende«. Im Mai 1946 von Mexiko über die Sowjetunion nach Deutschland zurückgekehrt, wurde er in den Parteivorstand und das ZS der SED gewählt, bei Bildung des Politbüros auch in dieses oberste Führungsgremium. 1949 erschien sein Buch »Sozialdemokratie und Gewerkschaften 1890 bis 1920« im SED-eigenen Dietz Verlag. 1949/50 Staatssekretär im Ministerium für Land- und Forstwirtschaft der ersten DDR-Regierung. Merker war der prominenteste SED-Führer, der im August 1950 wegen »Verbindung zu Field« als »Werkzeug des Klassenfeindes« aus der SED ausgeschlossen wurde. »Die am engsten mit Field verbundenen Paul Merker, Leo Bauer, Bruno Goldhammer, Willy Kreikemeyer, Lex Ende und Maria Weiterer haben dem Klassenfeind in umfangreicher Weise Hilfe geleistet und werden aus der Partei ausgeschlossen«, hieß es in der Entschließung des ZK der SED vom 24. August 1950. Merker wurde degradiert und mußte als Leiter einer HO-Gaststätte in Luckenwalde arbeiten. Nach dem Slánsk´y-Prozeß in der Tschechoslowakei wurde Merker am 20. Dezember 1952 als »feindlicher Agent« verhaftet und in einer Erklärung des SED-ZK vom 14. Mai 1953 als »Agent«, als »Kapitulant« und »Verräter« bezeichnet. Dann sowohl durch das MfS als auch den sowjetischen Geheimdienst verhört. Merker wurde im März 1955 vor dem 1. Strafsenat des Obersten Gerichts der DDR angeklagt, am 30.März 1955 zu acht Jahren Haft verurteilt und kam in das Zuchthaus Brandenburg. Am 27.Januar 1956 wurde Merker entlassen, ab Mai 1956 wieder Mitglied der SED. Der offizielle Freispruch erfolgte im Juli 1956 durch den 1.Strafsenat des Obersten Gerichts. Die SED »rehabilitierte« Merker 1956 zwar »juristisch«, aber nicht politisch. 1957 wurde er Lektor im Verlag Volk und Welt, Vorsitzender der Gesellschaft für deutsch-sowjetische Freundschaft im Kreis Königs Wusterhausen. Versuche der Harich-Gruppe, ihn 1956/57 für ihre Positionen zu gewinnen, schlugen fehl, obwohl er am 21.November 1956 in der Wohnung Walter Jankas an einer Zusammenkunft der Gruppe teilgenommen hatte. Als gebrochener Mann spielte Merker in der Politik keine Rolle mehr. Erstmals kurz vor seinem Tode noch öffentlich geehrt, er erhielt im Februar 1969 den VVO in Gold. Paul Merker starb, psychisch und physisch vernichtet, am 13. Mai 1969 in Ost-Berlin. In einem Nachruf des ZK der SED wurde auf seine führende Rolle in der KPD und den Anfängen der SED hingewiesen, über Merkers Schicksal von 1950 bis 1956 jedoch Stillschweigen bewahrt. Über Paul Merker veröffentlichte Wolfgang Kießling (†1999) mehrere Arbeiten, u. a. 1994 »Partner im Narrenparadies. Der Freundeskreis um Noel H. Field und Paul Merker«. Merkers zweite Frau Margarete (* 23. 9. 1903 – †28.7. 1984) war die Tochter des Schuhmachers und späteren SPD- und KPD-Funktionärs Gustav Menzel. Stenotypistin und Buchhalterin, gehörte seit 1921 der KPD an. Bis 1929 Sekretärin in der Gewerkschaftsabteilung des ZK der KPD, folgte sie 1931 ihrem Mann ins Ausland. 1934/35 Mitarbeiterin der illegalen Landesleitung in Berlin, später im Auslandssekretariat des ZK in Prag und Paris. Bis zu ihrer Inhaftierung betreute sie gemeinsam mit Maria Weiterer die Frauen der internierten politischen Funktionäre der KPD in Frankreich. 1941 Emigration nach Mexiko, aktive Mitarbeit in der Bewegung Freies Deutschland. Im Juli 1946 kehrte sie nach Deutschland zurück, zunächst Redakteurin beim SMA-Verlag, dann Referentin des SED-Pressedienstes bzw. der DWK. Anfang Juni 1953 wurde sie aus der SED ausgeschlossen und ihr der Status als VdN aberkannt. 1956 nichtöffentliche Rehabilitierung.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Metz, Horst

* 6.7.1945

Geb. in Groß Laasch (Krs. Ludwigslust); 1960 – 64 EOS in Ludwigslust, Abitur; 1964 / 65 BBS für Wasserbau Kleinmachnow, Wasserbaufacharb.; 1965 – 70 Studium an der TU Dresden, Sekt. Wasserwesen; 1968 CDU, Mitgl. des CDU-Vorst. Dresden-Wilder Mann; 1970 – 72 Forschungsstudium, Prom.; 1972 – 86 in der Wasserwirtschaftsdir. Obere Elbe-Neiße tätig; 1984 – 89 Stadtbezirksverordn. in Dresden-Nord; 1985 – 90 Mitgl. des Aktivs Umweltschutz beim CDU-BV Dresden; 1987 – 90 Abt.-Ltr. im VEB Wasseraufbereitung Dresden; 1989 / 90 Stadtverordn. in Dresden; Dez. 1989 – Mai 1990 Ltr. des Untersuchungsaussch. zu Amtsmißbrauch u. Korruption in Dresden; März 1990 / 91 stellv. Vors. des CDU-LV Sachsen; Juli 1990 Ltr. der Zentralabt. Umweltschutz der Bezirksverwaltungsbehörde Dresden. Seit Okt. 1990 MdL Sachsen; 1990 / 91 Parl. Staatssekr. beim Min. für Umwelt u. Landesentw.; 1996 finanzpolit. Sprecher der CDU-Fraktion im Sächs. Landtag; 1997 Mitgl. des Verwaltungsrats Landesbau Sachsen; Okt. 1999 – Mai 2002 stellv. Vors. der CDU-Frakt. im Sächs. Landtag; Mai 2002 – Sept. 2007 Minister der Finanzen des Freistaats Sachsen, Rücktritt im Zusammenhang mit den verlustreichen Aktivitäten der Sächs. Landesbank auf dem US-amerikan. Immobilienmarkt.Beitrag zur Methodologie der modellgerechten Wasserbedarfsermittlung. Dresden 1972.Helmut Müller-Enbergs

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Metzner, Bruno

* 5.11.1904 – ✝ 12.4.1968

Geboren am 5. November 1904 in Berlin, Sohn einer Arbeiterfamilie; als ungelernter Arbeiter in kleinen Handwerksbetrieben beschäftigt. Seit August 1923 Mitglied der KJD, seit März 1926 der KPD. Er kam 1924 in den illegalen Nachrichtenapparat der KJD, wurde später Leiter des »Zersetzungsapparates« der KJVD-BL Berlin-Brandenburg. Von März bis Dezember 1926 Kurier bei der sowjetischen Handelsvertretung und zugleich im AM-Apparat des ZK der KPD (Parteiname Isidor Kugler, Isidor Berger). Metzner war ab 1928 Leiter des OMS-Apparates in Berlin, ab Mai 1933 der OMS in Prag. Dort wegen politischer Betätigung im März 1935 festgenommen, nach drei Monaten in die Sowjetunion ausgewiesen. 1936/37 Einsatz für den Nachrichtendienst der Roten Armee (GRU) in Fernost, 1938 Elektromonteur in Moskau. 1941 wurde Metzner nach Kasachstan verbannt, Schlosser auf einer MTS, später Werkzeugmacher in Karaganda. Im November 1955 durfte er in die DDR, wo ihn die Kaderabteilung des ZK der SED nach Schwerin, in die Provinz, abschieben wollte. Nachdem er sich weigerte und der Leiter der Kaderabteilung Heinrich Wieland seine Identität erfuhr, durfte er in Ost-Berlin bleiben. Er wurde aber nur Sekretär der SED-Abteilungsparteiorganisation im Press- und Stanzwerk des Kabelwerks Oberspree. In dritter Ehe war er mit Käthe Hotopp, der Tochter von Albert Hotopp verheiratet. Bruno Metzner starb am 12. April 1968 in Ost-Berlin.

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Mewis, Karl

* 22.11.1907 – ✝ 16.6.1987

Geb. in Hannoversch-Münden; Vater Schlosser, Eisenbahner; Schlosserlehre; 1922 ADGB; SAJ; 1923 KJVD; 1924 KPD; 1925 – 28 Vors. des KJVD in Hessen-Waldeck; 1929 – 32 Org.-Sekr. der KPD-BL Magdeburg-Anh.; 1930 KPD-Schule in Fichtenau; 1932 – 34 Lenin-Schule in Moskau; 1934/35 illeg. Arbeit in Dtl. als Pol.-Ltr. des KPD-Bez. Mittelrhein; Teiln. am VII. Weltkongreß der KI; 1935 Kand., 1939 Mitgl. des ZK der KPD; 1935/36 Pol.-Ltr. des KPD-Bez. Wasserkante; 1936 Emigr. nach Dänemark (»Erwin«), zus. mit  Herbert Warnke u.  Sepp Schwab in der AL Nord; auf Parteibeschluß Dez. 1936 nach Paris; 1937/38 Internat. Brigaden in Spanien, Nachf. von  Franz Dahlem in der Ltg.; 1938 – 40 Ltr. der KPD-Abschnittsltg. Mitte in Prag; dann Malmö u. Stockholm; 1940 – 42 zus. mit  Richard Stahlmann u. Herbert Wehner in der Auslandsleitung der KPD in Stockholm (»Karl Arndt«, »Fritz Erwin«, »Paulsen«, »Meinhard«); 1943 Internierung in Smedsbo; 1944 Mitgl. der LL der Freien Dt. Gewerkschaften; Vorst.-Mitgl. des Freien Dt. KB; fakt. Ltr. des KPD-Exils in Skandinavien. Dez. 1945 Rückkehr nach Dtl. (SBZ); Sekr. der KPD-LL Mecklenb.-Vorpom.; 1946 – 49 Mitgl. des Sekr. der SED von Berlin; 1946 – 49 Abg. der Berliner Stadtverordnetenvers.; 1949/ 50 Sekr. für Agit. u. Prop.; 1951/52 1. Sekr. der LL Mecklenb. (Nachf. von  Kurt Bürger); 1950 – 52 Kand., 1952 – 81 Mitgl. des ZK der SED; 1950 – 63 Mitgl. der Volkskammer; 1952 – 61 1. Sekr. der SED-BL Rostock; setzte hier rücksichtslos die »Kollektivierung« der Landw. durch; Initiator des Baus des Rostocker Überseehafens u. der »Rostocker Ostseewochen«, Vertreter einer Pol. des forcierten Aufbaus des Soz.; 1958 – 63 Kand. des PB des ZK der SED; 1960 u. 1972 VVO; 1960 – 63 Mitgl. des Staatsrats; 1961 – 63 Vors. der SPK (Nachf. von  Bruno Leuschner) u. Mitgl. des Präs. des Min.-Rats; 1963 seiner Ämter enthoben, wahrscheinl. im Zusammenhang mit einer Kampagne gegen Herbert Wehner, in deren Vorber. schwed. Akten über K. M.s Verhalten gegenüber der schwed. Polizei von 1942 aufgetaucht waren; 1963 – 68 Botschafter in Polen (Nachf. von  Richard Gyptner); 1967 KMO; ab 1969 wiss. Mitarb. im IML; 1970 Ehrenspange zum VVO; 1975 Ehrenbürger der Stadt Rostock; 1977 Stern der Völkerfreundschaft, gest. in Berlin.Im Auftrag der Partei. Berlin 1971, 1972; Wer herrscht in Dtl.? (Zeitfragen 1). Stockholm 1944; Über Schuld und Verantw. (Zeitfragen 2). Stockholm 1944; Bei der Bodenreform bewährt sich die Aktionseinheit. In: Vereint sind wir alles. Berlin 1971; Frischer Wind in Mecklenb. In: Die ersten Jahre. Erinnerungen. Berlin 1985. Mit falschem Paß nach Moskau (Wochenpost-Gespräch mit K. M., Delegierter des VII. Weltkongresses der KI). In: Wochenpost (1985) 32; Scholz, M. F.: H. Wehner in Schweden 1941 – 1946. Berlin 1997.Michael F. Scholz

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Meyer, Ernst

* 10.7.1887 – ✝ 2.2.1930

Als Sohn eines Lokomotivführers am 10. Juli 1887 in Prostken/Ostpreußen geboren, seine Familie ermöglichte ihm unter großen Entbehrungen den Besuch der Oberrealschule. Die Erziehung im Elternhaus war antisozialistisch und streng religiös. Er finanzierte sich das Studium selbst und studierte Philosophie, Psychologie und Nationalökonomie in Königsberg und Berlin. Meyers vier Geschwister (drei Brüder, von denen einer im Weltkrieg fiel, einer in Chile vermögend wurde und der andere in der Inflation sein Geld verlor und Selbstmord verübte, sowie eine Schwester, die Lehrerin wurde) gingen andere Wege. Die Mutter war fanatische Anhängerin einer religiösen Sekte. Als Gegner des Sozialismus sollte Meyer 1907 in Königsberg gegen den dortigen Sozialistenführer und späteren SPD- bzw. USPD-Vorsitzenden Hugo Haase ein Korreferat halten. Ernst Meyer, bekannt als ein ernster und um Objektivität ringender Mann, wurde während der langen Vorarbeit für das Referat vom Antisozialisten zum Sozialisten und war nunmehr von der Richtigkeit des Marxismus überzeugt. Er trat 1908 der SPD bei. In der Folgezeit zeigte Haase an Meyers Entwicklung großes Interesse. Meyer promovierte 1910 zum Dr. phil. und kam 1912 als Mitarbeiter bei Prof. Wagemann an das statistische Amt in Charlottenburg, wurde Anfang 1913 politischer Redakteur des SPD-Zentralorgans »Vorwärts« (unter Rudolf Hilferding). Wegen Majestätsbeleidigung erhielt er eine mehrmonatige Gefängnisstrafe. Meyer gehörte bald zum linken Flügel der SPD und zum Freundeskreis von Rosa Luxemburg in Berlin. Bei Kriegsausbruch (wegen Tuberkulose nicht als Soldat eingezogen) war er einer der Mitbegründer und Führer der Gruppe Internationale, des späteren Spartakusbundes. Wegen seiner Opposition gegen die SPD-Linie im Frühsommer 1915 aus der Redaktion des »Vorwärts« entfernt. Den Zimmerwalder Linken um Lenin schloß sich Ernst Meyer nicht an, da die Spartakusgruppe in der Frage der Gründung einer linksradikalen Partei andere Vorstellungen vertrat. Im Oktober 1914 hatte Meyer noch an Kautsky geschrieben: »... mir ist nicht sehr behaglich bei dem Gedanken, daß die von Ihnen in den früheren Parteidebatten bekämpften Parteigenossen die alleinige theoretische Führung in der sich neu konsolidierenden ?Linken? haben wollen.« Deshalb habe er sich bemüht, eine Basis für die Verständigung der Linken mit der Mitte zu finden. Da die Mitte aber die Partei-Rechte verteidige, sei das nicht möglich. 1915 saß Meyer einige Zeit in Untersuchungshaft, 1916 in »Schutzhaft«. 1917 unternahm er in Nürnberg in der »Prüfstelle für Ersatzglieder« für Kriegsversehrte experimentelle psychologische Studien, wurde 1918 Mitarbeiter in einem Ernährungsinstitut. Im Sommer 1918 Leiter der deutschen Sektion des sowjetischen Nachrichtenbüros ROSTA in Berlin. Seit 1918 lag die Führung der Spartakusgruppe (da außer Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg nun auch Leo Jogiches in Haft war) in den Händen von Ernst Meyer. Somit gehörte er bei Ausbruch der Revolution 1918 zur Spartakuszentrale. Auf dem Gründungsparteitag der KPD wurde er auch in die Zentrale der neuen Partei gewählt und blieb in den ersten Jahren des Bestehens der KPD fast ununterbrochen Zentrale-Mitglied. 1919 polizeilich gesucht. Nach der Festnahme von Luxemburg und Liebknecht im Januar 1919 glaubte die Soldateska, daß der dritte Verhaftete Meyer sei (damals Redakteur an der »Roten Fahne«), doch bekanntlich war es Wilhelm Pieck, der dann wieder freikam. Meyer wurde im Februar 1919 verhaftet und bis Herbst 1919 in »Schutzhaft« gehalten. In den Jahren 1919 bis 1921 übte er für die KPD die verschiedensten leitenden Funktionen aus, gehörte ständig dem Polbüro an. Delegierter des II. und IV. Weltkongresses der Komintern, vom II. Weltkongreß zum Mitglied des EKKI berufen. Nach der Vereinigung mit der USPD zunächst nicht in die Zentrale gewählt, aber nach dem Rücktritt von Paul Levi, Clara Zetkin usw. wieder Zentrale-Mitglied. 1921 Chefredakteur der »Roten Fahne«, dann als Nachfolger Heinrich Brandlers Leiter des Polbüros und damit Führer der Partei. Auf dem VII. Jenaer Parteitag 1921 erhielt der Parteivorsitzende Meyer bei der Wahl in die Zentrale die meisten Stimmen. Unter seiner Führung war die KPD bestrebt, eine Einheitsfrontpolitik zu betreiben. Nach der Rückkehr Brandlers im August 1922 und nach Machenschaften der Komintern wurde Meyer abgelöst, Brandler übernahm wieder die Parteiführung. Obwohl vom Bezirk Ostpreußen auf dem VIII. Parteitag 1923 für die Zentrale vorgeschlagen, wurde Meyer (ebenso wie die Vertreter der Linken) von der zu Brandler stehenden Mehrheit des Parteitags nicht in die Zentrale gewählt. Trotzdem übernahm er auch in der Vorbereitung des Oktober 1923 verantwortliche Funktionen, war Leiter des Oberbezirks Süd (Südbayern, Hessen, Württemberg und Baden). Nach den Diskussionen über die Oktoberniederlage einer der Führer der Mittelgruppe. Als die Linken um Ruth Fischer die Parteileitung übernahmen, zählte Meyer zu ihren schärfsten, aber auch sachlichsten Kritikern, er wurde bald zum Leiter der oppositionellen Kreise. Nach dem »Offenen Brief« 1925 zunächst nicht in die Zentrale aufgenommen, aber sofort wieder mit wichtigen Aufgaben betraut, Chef des Pressedienstes der KPD. 1926 wurde dann ein Abkommen zwischen Meyer und Ernst Thälmann getroffen und nach dieser Erklärung Meyer sofort wieder ins ZK, Polsekretariat und Polbüro aufgenommen. Bald war er der eigentliche Parteiführer, besonders nach dem XI. Essener Parteitag (auf dem er ins ZK gewählt wurde) bestimmte er maßgebend die Geschicke der KPD. In den Jahren 1921 bis 1924 und von 1928 bis zu seinem Tode Abgeordneter des Preußischen Landtags. Im Oktober 1927 ernstlich erkrankt, mußte er wegen seines schlechten Gesundheitszustandes Deutschland verlassen, ging zur Kur in die Schweiz, dann in die Sowjetunion und kehrte erst im Dezember 1928 nach Berlin zurück. Inzwischen waren Ernst Meyers Anhänger, Arthur Ewert, Gerhart Eisler usw., die Mittelgruppe, die vom ZK Versöhnler genannt wurden, mehr und mehr ausgeschaltet worden. Nach der Wittorf-Affäre (Meyer befand sich zu der Zeit in der Sowjetunion) wurde auch der todkranke Ernst Meyer in den Hintergrund gedrängt. Er versuchte, die Versöhnler zusammenzuhalten und trat auf dem XII. Parteitag 1929 nochmals scharf gegen die neue ultralinke Politik auf. Ende Juli wegen seines verschlimmerten Gesundheitszustandes ins Sanatorium Hermannswerder bei Potsdam eingeliefert, denn zur Tuberkulose war eine Lungenentzündung hinzugekommen. Ernst Meyer starb nach einer Operation am 2. Februar 1930. Die KPD- (bzw. SED-) Führung bezog später eine schwankende Haltung zu Meyer. Lange wurde er als Versöhnler verfemt, sein Name zeitweise sogar wie die der sogenannten Agenten aus offiziellen Dokumenten ausgemerzt, später wurde seine überragende Rolle in der KPD wenigstens teilweise anerkannt. Meyer war der Herausgeber des Nachdrucks der »Spartakusbriefe« und anderer Dokumente und veröffentlichte zahlreiche kleinere Arbeiten, darunter in »Volk und Reich der Deutschen« eine Darstellung der KPD. Von seinen beiden Söhnen aus erster Ehe lebte einer in Kanada, der andere in der Bundesrepublik. Seine Witwe, Rosa Meyer-Leviné, geborene Broido (*18. 5. 1890 – † 11. 11. 1979), war in der KPD nicht aktiv, lediglich in der Roten Hilfe arbeitete sie mit. Sie ging 1933 ins Exil, zuerst nach Frankreich, dann nach England und lebte bis zu ihrem Tode in London. Noch kurz zuvor erschien im Frühjahr 1979 die deutsche Ausgabe ihrer politischen Erinnerungen »Im inneren Kreis«.

Wer war wer in DDR

Meyer, Hans

* 3.11.1942

Geb. in Briesen (b. Bilin) (Sudeten / Bílina Kyselka / Březina, Tschechien); 1945 Flucht nach Rossleben (Unstrut); aufgew. in Dietlas (Rhön); Grundschule; 1956 – 59 Lehre als Maschinenschlosser in Suhl; 1956 – 63 Fußballspieler bei Motor Dietlas bzw. Motor Suhl; 1963 – 70 Verteidiger beim SC Motor bzw. FC Carl Zeiss Jena (ab 1968 / 69 1. Mannschaft, 30 Oberligaspiele, 1 Tor); Lehrer für Sport u. Gesch.; danach Trainerstudium an der DHfK Leipzig; 1970 – 71 Trainerass. von  Georg Buschner; 1971 – 83 Trainer der Oberligamannschaft des FC Carl Zeiss Jena (jüngster Trainer der Oberliga); fünfmal Vizemeister u. dreimal Pokalsieger (1972, 1974, 1980); 1981 Finale im Europacup der Pokalsieger gegen Dynamo Tbilissi (1:2); 1984 – 87 Trainer des FC Rot-Weiß Erfurt, 1988 – 90 des FC Karl-Marx-Stadt. Trainerstationen nach 1990: Okt. 1993 – Aug. 1994 FC Carl Zeiss Jena; 1995 1. FC Union Berlin (10 Spieltage); Jan. 1996 – Sept. 1999 FC Twente Enschede (u. a. UEFA-Cup-Teiln.), Sept. 1999 – März 2003 Borussia Mönchengladbach (auf eigenen Wunsch Vertragsauflösung); Dez. 2003 – Juni 2004 Hertha BSC, Nov. 2005 – Febr. 2007 1. FC Nürnberg (Gewinn des DFB-Pokals 2006 / 07, danach wg. Erfolglosigkeit beurlaubt), Okt. 2008 – Mai 2009 Borussia Mönchengladbach (Erhalt der 1. Bundesliga); danach Vertragsauflösung auf eigenen Wunsch; einziger Fußballtrainer, der sowohl den FDGB-Pokal als auch den DFB-Pokal gewonnen hat.Volker Kluge

Wer war wer in DDR

Meyer, Julius

* 17.9.1909 – ✝ 2.12.1979

Geb. in Krojanke (Krs. Flatow, Westpr. / Krajenka, Polen); Volksschule; erlernte den Beruf des Leder-Zuschneiders; dann Arbeit in der Landw.; 1930 KPD; 1935 Flucht nach Berlin; 1936 – 39 Vertreter in der Lederbranche; lebte 1940 kurze Zeit illeg.; 1941 – 43 bei versch. Firmen zwangsverpflichtet; Febr. 1943 Verhaftung u. KZ, zul. in Auschwitz u. Ravensbrück, Kapo im KZ. 1945 KPD; Ltr. der Abt. »Opfer der Nürnberger Gesetzgebung« beim Hauptamt OdF im Magistrat von Berlin; 1946 SED; 1946 – 53 Vorstandmitgl. der Jüd. Gemeinde von Groß-Berlin, verantw. für Soziales; seit Juni 1947 Vertreter der Jüd. Gemeinden der SBZ im Direktorium der Arbeitsgemeinschaft Jüd. Gemeinden in Dtl.; 1949 – Jan. 1953 Abg. der Volkskammer als Vertreter der VVN; Vorst.-Mitgl. der VVN; 1950 Mitgl. des NR der NF; 1952/53 Präs. des Verb. der Jüd. Gemeinden in der DDR; 16.1.1953 aus Furcht vor antizionist. Kampagne zus. mit anderen Vors. der Jüd. Gemeinden in der DDR Flucht nach Berlin (West); 1953 – 76 langwierige Prüfung seiner Biogr. im Bundesnotaufnahmeverfahren zur Anerkennung als pol. Flüchtling in der Bundesrep. Dtl. u. zum Rechtsstreit um Wiedergutmachung; Ausreise nach Brasilien; dort gest.Weigelt, A., Simon, H.: Zwischen Bleiben u. Gehen. Begleitbuch zur gleichnamigen Ausstellung. Berlin 2008.Karin Hartewig

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Michalski, Wilhelm

* 22.10.1872

Geboren am 22. Oktober 1872 in Berlin. Er war Krankenkassenangestellter, gehörte bereits vor der Jahrhundertwende der SPD an und war seit 1916 Vorstandsmitglied und Kassierer in der sozialdemokratischen Organisation (SPD, später USPD) von Berlin-Charlottenburg. Michalski war Mitbegründer der Spartakusgruppe und Teilnehmer der Konferenz am 1. Januar 1916. Aktiv bei den Berliner Revolutionären Obleuten, war eng mit Leo Jogiches verbunden und wurde mit diesem zusammen im März 1918 verhaftet. Nach der Revolution Führer des Spartakusbundes in Charlottenburg, Delegierter des Gründungsparteitags der KPD im Dezember 1918, übernahm aber keine weiteren Parteiaufgaben. Wilhelm Michalski überlebte die Nazizeit, wurde Mitglied der SED, aber ohne Funktionen. Das Todesdatum von Wilhelm Michalski konnte nicht ermittelt werden.