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BioLex

In der Kategorie BioLex finden Sie drei biografische Lexika mit über 5500 Personeneinträgen.

 

Das Handbuch "Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945" wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam. Kurzbiografien zu Personen des poltischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 vor. Zudem ist das Onlinlexikon www.dissidenten.eu komplett in dieser  Rubrik recherchierbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Inforamtionen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Matthies, Frank-Wolf

* 4.10.1951

Geb. in Berlin; Vater Betriebswirt, Mutter kfm. Angest.; 1970 Abitur; 1970/71 Ausbildung als Kunstschlosser; Arbeit in versch. Berufen; 1973 halbjährige Verhaftung während der X. Weltfestspiele wegen »Beleidigung u. Herabwürdigung eines Repräsentanten der Partei- u. Staatsführung«; 1974 FDJ-Förderpreis für ein iron. gemeintes Gedicht »Auf einen MfS-Genossen« (»Rote Feder« 1974); 1975/76 während der Zeit des Wehrersatzdienstes Verfahren wegen »Meuterei«; u. a. von  Franz Fühmann gefördert; galt mit  Uwe Kolbe als Repräsentant einer neuen Autorengeneration (Sinn u. Form (1976) 6); nach Protesten gegen die Ausbürgerung  Wolf Biermanns bis 1989 Publikationsverbot in der DDR; organisierte 1978 – 80 in seiner Wohnung monatl. Lesungen u. Diskussionsveranstaltungen u. a. mit  Robert Havemann,  Adolf Endler,  Elke Erb,  Heinz Kahlau,  Martin Stade,  Lutz Rathenow; F.-W. M. schuf damit das Modell einer liter. Gegenöffentlichkeit, das in den 80er Jahren u. a. von  Gerd Poppe,  E. Maaß,  St. Bickhardt u.  Ludwig Mehlhorn fortgesetzt wurde; nach einer Lesung von Günter Grass u. Johano Strasser sowie Debatten über das Konzept einer alternativen Dtl.-Pol. im Nov. 1980 verhaftet (mit Lutz Rathenow); nach vielfachem Protest (u. a. von Franz Fühmann,  Christa Wolf,  Stephan Hermlin,  Heiner Müller u. Günter Grass) wieder entlassen; Dez. 1980 Beginn eines Briefwechsels mit Grass über den Begriff der Nation (in der Ztschr. »L’80«, H. 17); siedelte im Jan. 1981 nach Berlin (West) über; zahlr. liter. Debatten, u. a. zum Exil (»Exil«. Köln 1983) u. zur Haltung des Autors unter den Bedingungen der Diktatur; 1992 Prom.; schreibt unter Ps. für versch. Tagesztg. u. Magazine; lebt seit 1994 in Joachimsthal (Landkrs. Barnim).Morgen. Gedichte u. Prosa. Reinbek 1979; Unbewohnter Raum mit Möbeln. Zwei Erzählungen. Reinbek 1980; Tagebuch Fortunes. Frankfurt (Main) 1985; Omerus Volkmund. Prosa. Berlin 1994; Aenis. Berlin 1997; Manifeste des DaDeRismus. Berlin 1998; zahlr. Grafikbücher (»Geisterbahn« u. »Der Ubuist in der Geisterbahn«, 1 – 19, 2004 – 2009).Klaus Michael

Handbuch Deutsche Kommunisten

Mätzig, Reinhard

* 2.7.1895 – ✝ 9.11.1980

Geboren am 2. Juli 1895 in Lichtenberg bei Zittau, Sohn eines Webers und Waldarbeiters; Metallarbeiter. 1914 Mitglied der SPD, 1916 Frontsoldat. Im November 1918 gehörte er dem Soldatenrat in Verdun an. 1919 kehrte Mätzig nach Deutschland zurück und wurde Angehöriger des militärischen Grenzschutzes, ab 1920 Arbeiter, Betriebsrat. 1920 Mitglied der KPD, trat er schon 1921 wegen Differenzen aus der Partei aus, 1924 Wiedereintritt, gehörte bereits 1925 der UBL Zittau an und zog 1929 als Abgeordneter in den Sächsischen Landtag ein. Ab 1932 hauptamtlicher Mitarbeiter für Massenorganisationen der BL Sachsen, zuletzt UB-Sekretär für Bautzen. 1933 zunächst illegale Arbeit im Raum Dresden, flüchtete dann aber in die âSR und war von 1935 bis 1938 Leiter des KPD-Grenzabschnitts Teplitz-Schönau. Im März 1939 emigrierte er über Polen nach Großbritannien, dort Gärtner und Hausmeister. 1940 in Liverpool und auf der Isle of Man interniert, wurde nach Australien gebracht und kam im Herbst 1941 wieder nach Großbritannien. Von 1942 bis 1948 Schlosser in einem chemischen Betrieb, wurde Mitglied der Trade Unions. Im Mai 1948 kehrte Mätzig nach Deutschland zurück und wurde 1948 2. Sekretär der SED Großenhain. Von 1952 bis 1965 war er Stellvertreter des Vorsitzendes des Rates des Kreises, 1975 erhielt er den VVO in Gold. Reinhard Mätzig starb am 9.November 1980.

Wer war wer in DDR

Mauersberger, Peter

* 10.9.1928 – ✝ 17.2.2007

Geb. in Zwickau; Vater Dipl.-Berging. u. Dipl.-Markscheider; 1939 – 44 OS in Stollberg (Erzgeb.); 1944/45 Kriegseinsatz u. Tätigkeit als Rohrschlosser. 1946/47 erneut OS, Abitur; 1947 – 51 Studium der Geophysik an der Bergakad. Freiberg u. der HU Berlin; 1951 – 57 wiss. Assistent am Inst. für Meteorol. u. Geophysik, 1956 Prom.; 1957 – 69 wiss. Mitarb., ab 1968 stellv. Dir. am Inst. für physikal. Hydrogr. der DAW; 1964 Habil. an der HU; 1965 – 71 hier nebenamtl. Doz.; 1969 – 75 wiss. Mitarb. in versch. Inst. der DAW/AdW; 1971 Berufung zum Prof. an der AdW u. Lehre an der HU Berlin; 1973 Mitgl. der Leopoldina; 1976 – 88 u. 1990/91 Ltr. des Bereichs Hydrol. im Inst. für Geogr. u. Geoökol. der AdW; ab Jan. 1990 in versch. Funktionen an der Neuformierung der Forschung beteiligt. 1992 – 95 Dir. des Inst. für Gewässerökol. u. Binnenfischerei im Forschungsverbund Berlin e. V.; Ruhestand; gest. in Leer (Friesland). Hauptarbeitsgebiete: Hydrol., Limnol., Ökol., Geophysik; mehr als 140 wiss. Publ.Beobachtungsergebnisse über das Hauptfeld u. die Säkulärvariation. Berlin 1961; Über die Grundlagen der theoret. Magnetohydrodynamik. Berlin 1964; Theorie der elektromagnet. Felder. Berlin 1964.Peter Nötzold

Wer war wer in DDR

Maurer, Georg

* 11.3.1907 – ✝ 4.8.1971

Geb. in Sächsisch-Regen (Siebenbürgen / Reghin, Rumänien); Vater Lehrer u. Musiker; 1911 Übersiedl. nach Bukarest; Besuch dt.-ev. Schulen; Gymnasium; 1926 – 32 Studium der Kunstgeschichte, Germanistik u. Philos. in Berlin u. Leipzig; erste Gedichtveröff.; 1934 Kunstkritiker u. Lokalreporter der »Neuen Leipziger Ztg.«; 1939 – 44 Soldat, v. a. Dolmetscher in Rumänien; 1944 – 46 sowj. Gefangenschaft, u. a. als Bergarb. eingesetzt. 1946 freischaff. Schriftst.; freier Mitarb. des Senders Leipzig; 1948 erster Gedichtband »Gesänge der Zeit«, Lit.-Preis der Stadt Weimar; 1955 Mitgl. der DAK; Mitgl. des PEN-Zentrums Ost u. West; 1955 – 61 Doz. u. 1961 – 70 Prof. u. Ltr. des Lyrikseminars am Lit.-Inst. »Johannes R. Becher« in Leipzig; 1961 »Dreistrophenkalender«; Johannes-R.-Becher-Medaille; 1965 NP; F.-C.-Weiskopf-Preis 1972 (posthum). G. M. wurde durch seine lyriktheoret. u. essayist. Arbeiten (u. a. »Welt in der Lyrik«, 1967), aber v. a. durch seine pädagogische Be- gabung zum Mentor der mittleren DDR- Lyrikergeneration ( Volker Braun,  Kurt Bartsch,  Adolf Endler,  Heinz Czechowski,  Bernd Jentzsch,  Sarah u.  Rainer Kirsch,  Karl Mickel u. a.) mit Wirkung v. a. auf die sog. Sächs. Dichterschule; zu seiner Tätigkeit als Ltr. des Lyrikseminars am Lit.-Inst. vermerkte das MfS ästhetische »Weltfremdheit«, die u. a. zur »Immatrikulation ungeeigneter Personen« führte, u. die Unterstützung »negativer Personen wie  Wolf Biermann, Sarah u. Rainer Kirsch sowie Andreas Reimann«; die eigenen Gedichte standen in der Tradition philosoph. Gedankenlyrik, von teilw. pathet. Harmoniesehnsucht durchzogen.Ausgewählte Werke in 9 Bänden. Berlin 1964 ff.; Was vermag Lyrik: Essays, Reden, Briefe. Leipzig 1982; Werke in 2 Bänden. Berlin 1987 (Hrsg. W. u. Ch. Hartinger, E. Maurer). Wolf, G. (Hrsg.): Dichtung ist deine Welt. Selbstaussagen u. Versuche zum Werk G. M.s. Berlin 1973; Emmerich, W.: G. M. In: Krit. Lexikon zur dt-spr. Gegenwartslit. München 1978 ff.; Arendt, E.: Bleib ich, was ich bin? Teufelswort, Gotteswort: zum Werk des Dichters G. M. Berlin 1998.Leonore Krenzlin / Andreas Kölling

Handbuch Deutsche Kommunisten

Mayenburg, Herbert von

* 2.10.1883 – ✝ 6.3.1954

Der Sohn des adligen Schriftstellers Richard Adalbert Heinsius von Mayenburg wurde am 2.Oktober 1883 in Blasewitz bei Dresden geboren und besuchte die Mittelschule in Bautzen und Dresden. Aus Protest gegen den Reichtum seiner Familie und das soziale Elend der arbeitenden Klasse brach er mit seiner Familie und brannte von zu Hause durch. Er arbeitete zunächst bei dörflichen Handwerkern und verdingte sich als jugendlicher Landarbeiter. Später wurde er Buchhalter und Handelsreisender. 1906 trat er in die SPD ein und war von 1910 bis 1919 hauptamtlicher Funktionär des Handlungsgehilfenverbandes in Düsseldorf. Von 1914 bis 1918 Soldat bei der Artillerie. 1917 Mitglied der USPD, ab Juli 1919 Landesparteisekretär für Mecklenburg-Schwerin und -Strelitz. Mayenburg reiste mehrmals nach Moskau, traf dort mit Lenin, Trotzki sowie Sinowjew zusammen und plädierte für den Anschluß an die Komintern und die Vereinigung mit der KPD. Im Juni 1920 wurde er für die USPD in den Landtag von Mecklenburg-Schwerin gewählt, dem er bis 1922 als KPD-Mitglied angehörte. Auf dem Vereinigungsparteitag von USPD-Linke und KPD zur VKPD im Dezember 1920 wurde von Mayenburg in den ZA gewählt. Von 1920 bis 1922 Chefredakteur der KPD-Zeitung »Volkswacht« in Rostock, Anfang 1923 kam er als Instrukteur nach Pommern. Mayenburg, ein glänzender Redner, war als »Wanderprediger« der KPD vor allem bei Landarbeitern bekannt. Den Strapazen nicht mehr gewachsen und durch mehrere Gefängnisaufenthalte geschwächt, legte er die hauptamtliche Parteifunktion nieder und kam zur deutsch-russischen Handelsgesellschaft (Derutra) in Hamburg. Enttäuscht von dem Auftreten der sowjetischen Handelsvertreter und den innerparteilichen Fraktionskämpfen trennte er sich von der KPD. Sein Onkel Ottomar von Mayenburg, Chef der Dresdener Chlorodont-Werke, schickte ihn als Leiter der Chlorodont-Filiale nach Wien. Im September 1941 übersiedelte von Mayenburg nach Budapest und wurde Direktor der dortigen Chlorodont-Filiale. Ungarn verließ er 1947, kehrte nach Deutschland zurück und zog 1950 mit seiner nunmehr dritten Frau nach Ludwigsburg, wo Herbert von Mayenburg am 6. März 1954 starb.

Wer war wer in DDR

Mayer, Hans

* 19.3.1907 – ✝ 19.5.2001

Geb. in Köln in einer jüd. Fam.; Vater Kfm., Kunstsammler (die Eltern wurden im KZ Auschwitz ermordet); Volksschule; Schillergymn. in Köln; 1925 – 29 Studium der Staats- u. Rechtswiss., Geschichte u. Musik an den Univ. Köln, Berlin u. Bonn; 1931 Dr. jur. bei Hans Kelsen, Univ. Köln; Mitgl. der SAP; 1932 – 35 KPD(O); 1933 Große Jur. Staatsprüfung; Emigr. nach Paris; 1935 – 38 u. 1939 – 45 Schweizer Exil (Genf, Zürich), 1938 Paris; Arbeit am Rockefeller-Inst. für internat. Studien (Genf), Stipendiat des Inst. für Sozialforschung; erste germanist. Arbeit »Georg Büchner u. seine Zeit« (veröff. 1946, 1948 als Habil.-Schrift in Leipzig anerkannt); 1938 Aberkennung der dt. Staatsbürgerschaft; 1945 in der Schweiz Bestätigung der KPD-Mitgliedschaft. 1945 Rückkehr nach Dtl. (Frankfurt (Main)); Kulturred.; 1946/47 pol. Chefred. von Radio Frankfurt (Main), Bruch wegen marxist. Grundpositionen; 1947/48 Doz. an der Akad. der Arbeit Frankfurt (Main) (Ausbildung von Gewerkschaftsfunktionären); 1948 Prof. für Geschichte der Nationallit. an der Univ. Leipzig; 1950 Ordinarius für Kultursoziol. u. Lit.-Geschichte; Lehrer u. a. von  Christa Wolf,  Götz Friedrich,  Uwe Johnson,  Volker Braun,  Irmtraud Morgner; 1955 NP; 1956 im trotz Radiozensur (versehentlich?) in der Ztschr. »Sonntag« abgedruckten Sendemanuskript »Zur Gegenwartslage unserer Lit.« Eintritt für eine erweiterte Lit.-Rezeption (Franz Kafka, William Faulkner, Thornton Wilder), der DDR-Lit. wurde ein »Krankheitszustand« attestiert u. der Reichtum der 20er Jahre beschworen, Revisionismusvorwürfe; Jan. 1957 Prof. für Neuere dt. Literaturgesch. u. Dir. des neugegr. Inst. für Dt. Literaturgesch. an der Philos. Fak. der KMU Leipzig; nach dem Mauerbau Aug. 1961 trotz Aufenthalts in England Rückkehr in die DDR; 1962 »Ansichten. Zur Lit. der Zeit«, soziolog. Lit.-Betrachtungen u. a. zu  Brecht, Pasternak, Sartre, Beckett, Ionesco, danach öffentl. Angriffe (»eine Lehrmeinung zuviel«) u. kulturpol. Auseinandersetzungen; Sept. 1963 blieb H. M. nach einer Vortragsreise in der Bundesrep. Dtl.; 1964 Mitgl. der AdK Berlin (West); 1965 Prof. für dt. Sprache u. Lit. an der TU Hannover; danach Gastprof. in Frankreich, Schweden u. den USA; Mitgl. des PEN-Zentrums Bundesrep. Dtl.; 1969 Dr. h. c. der Univ. Brüssel; 1971 Dir. der Abt. Lit. der AdK Berlin (West); 1972 Ehrensenator der Univ. Wisconsin (USA); 1973 em.; große Goethe-Biogr. »Goethe. Ein Versuch über den Erfolg«; 1974 Gastprof. am »College de France«; 1975 Honorarprof. der Univ. Tübingen; Ehrenmitgl. der Modern Language Association of America; erfolgr. Hauptwerk »Außenseiter«; 1986 erster Vortragsauftritt in Berlin (Ost); 1987 Korr. Mitgl. der AdK der DDR; 1987 Großes Bundesverdienstkreuz mit Stern u. Schulterband. 1992 Ehrensenator der Univ. Leipzig; 1993 Offz. des frz. Ordens für Kunst u. Wiss.; 1995 Ernst-Bloch-Preis; Heinrich-Mann-Preis; 1996 Ehrenpräs. des Dt. PEN-Zentrum (Ost); 1998 Bestätigung als Ehrenpräs. des wiedervereinigten PEN-Zentrums Dt.; 2001 Ehrenbürger von Leipzig; gest. in Tübingen. Bedeutender Verf. zahl- u. einflußr. wiss. u. essayist. Arbeiten zur dt. Lit.- u. Kulturgeschichte v. a. unter soziol.-hist. Aspekt, u. a. »Georg Büchner u. seine Zeit«, 1946; »Unendliche Kette. Goethestudien«, 1949; »Thomas Mann. Werk u. Entw.«, 1950; »Thomas Mann«, 1980); »Friedrich Schiller u. die Nation«, 1953; »Richard Wagner«, 1959; »Richard Wagner. Mitwelt u. Nachwelt«, 1978; »Bertolt Brecht u. die Tradition«, 1961; »Brecht in der Geschichte«, 1971; »Erinnerungen an Brecht«, 1996; engagierter Lit.-Kritiker, Hrsg., Übersetzer u. Zeitzeuge; in seiner Dtl.-Trilogie (»Der Turm von Babel«, 1991; »Wendezeiten«, 1993; »Der Widerruf«, 1994) plädiert H. M. für eine hist. gerechte Beurteilung der DDR.Ein Deutscher auf Widerruf. 2 Bde. Autobiogr. Frankfurt (Main) 1984, 1986; Die umerzogene Lit. Berlin 1988; Die unerwünschte Lit. Berlin 1989; Reisen nach Jerusalem. Erfahrungen 1968 bis 1995. Frankfurt (Main) 1997; Zeitgenossen: Erinnerung u. Deutung. Frankfurt (Main) 1998; Erinnerungen an Willy Brandt. Frankfurt (Main) 2001; Briefe 1948 – 63. Leipzig 2006 (hrsg. von M. Lehmstedt). Jens, I.: Über H. M. Fs. Frankfurt (Main) 1977; Klein, A.: Unästhetische Feldzüge: der siebenjährige Krieg gegen H. M. Leipzig 1997; Sandig, A.: Erinnerungen an H. M. Hamburg 2002; Berger, C.: Der späte H. M. Wien 2003; Moebius, S.: Die Zauberlehrlinge. Konstanz 2006; Lehmstedt, M. (Hrsg.): Der Fall H. M. Dokumente 1956 – 1963. Leipzig 2007.Andreas Kölling

dissidenten.eu

Meckel, Markus

* 1952

Markus Meckel wurde durch sein Elternhaus protestantisch geprägt. Er verweigerte 1970 sowohl den bewaffneten als auch den unbewaffneten Dienst als Bausoldat in der Nationalen Volksarmee. Nach seinem Theologiestudium wurde er Pfarrer in Mecklenburg, gründete den Friedenskreis Vipperow und war in der Koordination der Friedensgruppen in Mecklenburg und der DDR-weiten Vernetzung von unabhängigen Friedensinitiativen engagiert. Meckel wurde von der SED und dem Ministerium für Staatssicherheit in den 80er Jahren zur Gruppe der gefährlichen oppositionellen Aktivisten gerechnet. Mit #Martin Gutzeit initiierte er die Gründung der Sozialdemokratischen Partei in der DDR. In der letzten DDR-Regierung war er Außenminister. Geboren wurde Markus Meckel als zweites von fünf Kindern am 18. August 1952 in Müncheberg (Kreis Strausberg). Sein Vater kam erst 1949 aus russischer Kriegsgefangenschaft zurück, studierte Theologie in Wuppertal und Berlin und wollte eigentlich Missionar werden. Obwohl die gesamte Verwandtschaft in der Bundesrepublik lebte, blieb er bewusst in der DDR und nahm mit großem Engagement die seelsorgerische Arbeit in der durch Flüchtlinge völlig neu zusammengesetzten Gemeinde Hermersdorf auf. Er habe seinen Vater nach dem Krieg immer als Pazifist wahrgenommen, erinnerte sich Markus Meckel später, den Offizier aber habe man dennoch herausgehört. Da sein Vater während des Nationalsozialismus Mitglied der Bekennenden Kirche war, wurden dem Sohn, der bereits in jungen Jahren den Vater zu Jugendrüstzeiten begleitet hatte, die Namen Barth, Niemöller, Gollwitzer, Heinemann und Scharf früh ein Begriff. 1959 zog die Familie nach Berlin und lebte im Haus der Berliner Mission. Für Markus Meckel begann die Schulzeit, vor allem aber war er früh im Gemeindeleben aktiv: Er sang in der Marienkantorei, spielte Trompete, mit 14 Jahren leitete er bereits seine erste Jungscharrüstzeit. Der Bau der Mauer 1961 war für die Familie ein Schock. Markus Meckel wuchs jedoch durch die neue Funktion seines Vaters – dieser knüpfte internationale Kontakte für die Evangelische Kirche der Union – in einem internationalen Klima auf. Darüber hinaus begleitete er seinen Vater bei Reisen durch Ostmitteleuropa. Willy Brandt, so Meckel im Rückblick, war in der Familie der beliebteste Politiker. Man lebte in der Überzeugung, dass die Politik der westdeutschen SPD im gesamtdeutschen Interesse lag. 1967–69 besuchte Meckel die Erweiterte Oberschule. Wegen vorangegangener Konflikte, zum Beispiel 1968 aufgrund des *Einmarsches von Truppen des Warschauer Paktes in die Tschechoslowakei, wurde er nicht in die 11. Klasse delegiert und musste deshalb sein Abitur am Kirchlichen Oberseminar in Potsdam-Hermannswerder ablegen. Ganz anders als in der staatlichen Schule erlebte er hier – die Hälfte der Schüler waren Pfarrerskinder – ein Klima geistiger Freiheit. Meckel wurde Sprecher der Seminaristen. 1970 verweigerte er – mit Hinweis auf die von Deutschland ausgelösten beiden Weltkriege und auf die Verwandtschaft in der Bundesrepublik, auf die er niemals schießen wolle – den Wehrdienst vollständig. Obwohl darauf üblicherweise Haft stand, geschah ihm nichts. Da der Abschluss des Oberseminars staatlicherseits nicht als Abitur anerkannt wurde, studierte Meckel 1971–78 Theologie an kirchlichen Hochschulen in Naumburg und am Berliner Sprachenkonvikt, wo er 1974 Vorsitzender der Studentenvertretung wurde. Ab 1973 koordinierte er einen Kreis von Theologiestudenten aus der ganzen DDR. Dieser Kreis protestierte 1978 gegen die Einführung des Wehrkundeunterrichts. Ebenso wie die theologische Ausbildung beeindruckte Meckel jedoch das zusammen mit anderen Studenten (Martin Gutzeit, Jörg Milbrandt) selbst organisierte Philosophiestudium. Hier las man Plato, Aristoteles, Kant und Hegel und begann – ab 1976, dem Jahr der Ausbürgerung Wolf Biermanns – mit dem Nachdruck und der Verbreitung illegaler Literatur. In seiner Abschlussarbeit befasste sich Meckel mit Nietzsches „Zarathustra“. Um sich weiter dem Studium der Philosophie widmen zu können, arbeitete Meckel von 1978 bis 1980 zunächst als Putzhilfe, Nachtwächter, Transportarbeiter und schob Nachtschichten bei der Post. Martin Gutzeit und er traten in Kontakt zu Michael Theunissen, einem Philosophieprofessor an der Freien Universität in West-Berlin. Mit ihm, seinen Mitarbeitern und Studenten entstand ein kontinuierlicher Austausch, eine lange andauernde politische und philosophische Debatte. Erst 1980–82 absolvierte Meckel seine Vikarsausbildung. Der Wechsel aufs Dorf war für ihn kompliziert, der Kontakt zu Martin Gutzeit blieb jedoch bestehen, denn 1982 zog dieser in die unmittelbare Nachbarschaft nach Mecklenburg. Ab 1983 wirkte Meckel im Arbeitskreis Theologie/Philosophie beim Bund der Evangelischen Kirchen der DDR mit. Dorthin lud er später auch Richard Schröder, Ibrahim Böhme (Inoffizieller Mitarbeiter der Staatssicherheit), Wolfgang Templin und andere ein, um ein Netzwerk für intellektuelle Debatten zu schaffen. In seiner Gemeinde Vipperow/Müritz in Mecklenburg organisierte Meckel 1982 einen Friedenskreis, der unter anderem jährliche Friedensdekaden organisierte. Seit seiner Vikarsausbildung arbeitete Meckel zudem in der Arbeitsgemeinschaft Frieden (AGF) der Landeskirche Mecklenburg mit, die Friedensgruppen in ganz Mecklenburg koordinierte. Ab 1982 organisierte er auch jährlich einwöchige sogenannte Mobile Friedensseminare. Die Gruppen arbeiteten dabei zu unterschiedlichen Themen in verschiedenen Orten und Pfarrhäusern Mecklenburgs. Zum Abschluss traf man sich zu einem gemeinsamen Gedenkwochenende, an dem die rund 120–150 Teilnehmer der Opfer der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki gedachten. Ab 1983 wurden in Vorbereitung dieser Seminare auch thematische Arbeitshefte zusammengestellt. Im Zusammenhang mit seinen koordinierenden Aktivitäten für Friedenskreise in Mecklenburg und ab 1983 darüber hinaus im Rahmen des Netzwerks unabhängiger Friedensgruppen „Frieden Konkret“ lud Meckel 1984/85 zu mehreren Treffen ein. In verschiedenen Zusammenhängen trat er für eine klarere politische Konzeption im gemeinsamen politischen Handeln ein. Eine Reihe solcher Treffen in Vipperow, Grünheide und Berlin nannte das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) „Konzeptionsgruppe Vipperow“. Bei diesen Treffen sprachen die Teilnehmer über Möglichkeiten, die Aktivitäten der Friedensgruppen zu einer politischen Opposition zu formieren. „Das Ergebnis dieser Treffen“, so Meckel im Rückblick, „war ausgesprochen unbefriedigend, zeigte sich doch, dass zwar weitgehend Einigkeit herrschte in der Ablehnung des politischen Systems der DDR, in Selbstverständnis und Zielstellung aber recht unterschiedliche Haltungen vertreten wurden. Wir waren letztlich sehr hilflos. So kamen wir nicht über das Vorhaben hinaus, weiterhin die Arbeit der Gruppen, ihre Vernetzung und den Grad an Verbindlichkeit zu verstärken und wo irgend möglich, zu kooperieren.“ 1988–90 war Meckel Leiter einer ökumenischen Begegnungs- und Bildungsstätte der Evangelischen Kirche in Niederndodeleben bei Magdeburg. Seine Überlegungen zur Umbildung des Netzwerks von Friedensgruppen in eine politische Opposition führte er zusammen mit Martin Gutzeit fort. So diskutierten beide im Frühjahr und Sommer 1988 den Plan zu einer „Vereinigung Bürgerbeteiligung“. Um nicht nur gegenüber SED und MfS zu reagieren, sollten Absprachen und Koordination verbindlicher werden. Martin Gutzeit und Markus Meckel ließen den Plan einer gemeinsamen Organisation aller Oppositionellen jedoch wieder fallen. Die Vorstellung, mit einer Gruppe für die ganze Gesellschaft sprechen zu wollen, hielten sie letztlich für undemokratisch. Unabhängig voneinander dachten sie mehr und mehr an eine Parteigründung. Parallel war Meckel außerdem an der Gestaltung der Ökumenischen Versammlungen in der DDR beteiligt. Diese Versammlungen unter dem Motto „Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung“ wurden von den protestantischen und der katholischen Kirche gemeinsam getragen und stellten faktisch Delegiertenversammlungen von Kirchenfunktionären und kirchlichen wie nichtkirchlichen Gruppen dar, die bereits seit Ende der 60er Jahre an Friedens-, Umwelt- und anderen Aktivitäten beteiligt waren. Dort wurden nicht nur die gesellschaftlichen Verhältnisse in der DDR in großer Offenheit diskutiert, sondern auch Programme erarbeitet, die zur Überwindung der beschriebenen Zustände führen sollte. Meckel war an der Vorbereitung der Programmvorschläge zum Thema Gerechtigkeit beteiligt, zu dem sowohl Fragen der DDR-Innenpolitik als auch des Verhältnisses zur sogenannten „Dritten Welt“ gehörten. Ab Januar 1989 diskutierten und dachten Markus Meckel und Martin Gutzeit über den Plan nach, eine sozialdemokratische Partei in der DDR ins Leben zu rufen. Der Aufruf selbst unterschied sich durch die klare Benennung demokratischer Grundsätze und präzise definierter Parteistrukturen deutlich von allen anderen programmatischen Entwürfen oppositioneller Gruppen im Sommer und Herbst 1989. Im Juli 1989 schrieben sie den endgültigen Gründungsaufruf der neuen Partei, mit dem sie als Initiativgruppe am 26. August 1989 an die Öffentlichkeit traten. Am 7. Oktober schließlich, dem 40. Jahrestag der DDR-Gründung, vollzog eine Gruppe von etwa 40 Personen die formelle Gründung der Sozialdemokratischen Partei in der DDR (SDP) in Schwante. Für die SDP arbeitete Meckel am Zentralen Runden Tisch mit und wurde amtierender Parteivorsitzender, nachdem Ende März/Anfang April 1990 der erste Vorsitzende lbrahim Böhme als Inoffizieller Mitarbeiter der Staatssicherheit enttarnt worden war. Von März bis Oktober 1990 war Meckel Abgeordneter der zwischenzeitlich in SPD umbenannten Partei in der ersten freigewählten Volkskammer. Vom 12. April bis 20. August 1990 bekleidete er das Amt des Ministers für Auswärtige Angelegenheiten. In dieser Funktion vertrat er die DDR auch bei den sogenannten „2+4-Gesprächen“ zwischen den USA, Großbritannien, der Sowjetunion und Frankreich mit den beiden deutschen Staaten, durch die die Besatzungsrechte der Alliierten beendet werden und das vereinte Deutschland bei Anerkennung seiner Ostgrenze die volle Souveränität erhalten sollte. Nach den ersten gesamtdeutschen Wahlen im Oktober 1990 wurde Meckel für die SPD Abgeordneter des Deutschen Bundestages, was er bis 2009 blieb. Im Parlament arbeitete er im Auswärtigen Ausschuss mit, war stellvertretender Fraktionssprecher, Leiter der deutschen Delegation in der Parlamentarischen Versammlung der NATO und Vorsitzender der Deutsch-Polnischen Parlamentariergruppe. Er fungierte außerdem als Sprecher des Gesprächskreises Ostmittel- und Südosteuropa der SPD-Bundestagsfraktion und war 1996–2000 Vorsitzender der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Bundesverband e. V. Die Einrichtung der zwei Enquete-Kommissionen des Deutschen Bundestages, die sich 1992–98 mit der Geschichte der DDR und ihren Folgen für das vereinte Deutschland beschäftigten, ging mit auf seine Initiative zurück. In diesen Kommissionen agierte er als Sprecher der SPD. Seit 1998 ist Meckel ehrenamtlicher Vorsitzender des Stiftungsrates der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, deren Errichtung die Enquete-Kommission 1998 empfohlen hatte; 2013–16 war er Präsident des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge.Martin Jander Letzte Aktualisierung: 03/17

dissidenten.eu

Medwedew, Roi

* g1925

Historiker und Autor der unabhängigen Studie „Das Urteil der Geschichte“. Redakteur zweier unabhängiger Zeitschriften sowie Vordenker des kommunistischen Flügels der Dissidentenbewegung.Roi Medwedew wurde 1925 im georgischen Tiflis (Tbilissi) geboren. Sein Vater, Parteifunktionär und Philosophiedozent, wurde in der Zeit des Großen Terrors erschossen. Den Vornamen Roi hatte er seinem Sohn zu Ehren eines indischen Revolutionärs gegeben. Der Zwillingsbruder von Roi wurde Schores Medwedew genannt. Roi Medwedew leistete 1945 Militärdienst. Seinen Wunsch, eine Offiziersschule zu besuchen, durfte er als Sohn eines sogenannten „Volksfeindes“ nicht realisieren. 1951 gelang es ihm, einen Studienplatz in Philosophie an der Universität Leningrad zu erhalten. Zwischen 1951 und 1957 war er Lehrer und Direktor in verschiedenen Gymnasien in den Gebieten Swerdlowsk und Leningrad. Zugleich nahm er 1954 ein Fernstudium am Pädagogischen Institut „W. I. Lenin“ in Moskau auf. 1958 zog er nach Moskau, wo er in einem Schulbuchverlag arbeitete. 1959 wurde er Mitglied der KPdSU. 1961–71 war er zuerst wissenschaftlicher Mitarbeiter und später Abteilungsleiter im Forschungsinstitut für Berufsbildung der Akademie der Pädagogischen Wissenschaften der UdSSR. Dort leitete er auch die Betriebsparteiorganisation. In der ersten Hälfte der 60er Jahre begann er, schriftliche und mündliche Informationen über Stalins Machtübernahme seiner 30-jährigen Herrschaft zu sammeln. Medwedew verfasste eine über 1.000 Seiten umfassende Monografie mit dem Titel „Das Urteil der Geschichte“ (K sudu istorii). Die ursprüngliche Fassung dieses Werks erschien ab Mitte der 60er Jahre im Samisdat. Bis 1968 arbeitete er an der endgültigen Fassung, die er dann dem Zentralkomitee der KPdSU übergab. Durch dieses Manuskript erlangte Medwedew Bekanntheit. Er wurde zu einer herausragenden Persönlichkeit des unabhängigen Geisteslebens der Sowjetunion, knüpfte Kontakte zu Alexander Solschenizyn und Andrei Sacharow. Um ihn herum bildete sich ein Kreis Intellektueller der sowjetischen Hauptstadt, zu dem Journalisten, Schriftsteller, Wissenschaftler und auch einige Mitglieder des Parteiapparats des ZK der KPdSU gehörten – die meisten von ihnen Anhänger eines „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“. Zu dem Kreis gehörten auch einige alte Bolschewiken, die unter den Repressionen der Stalin-Zeit gelitten hatten. 1970 zerfiel die Gruppe teils durch staatlichen Druck, teils infolge der Enttäuschung, die sich hinsichtlich der Perspektiven für den Sozialismus nach dem *Einmarsch von Truppen des Warschauer Paktes in die Tschechoslowakei breitmachte. Viele junge Leute aus dem damaligen Umfeld Medwedews wurden Ende der 80er Jahre zu Vordenkern und Aktivisten der Perestroika. Es war der Kreis um Medwedew, der Andrei Sacharow zu seinen „Gedanken über Fortschritt, friedliche Koexistenz und geistige Freiheit“ (Razmyšlenia o progresse, mirnom sosuščestvovanii i intelektualnoj svobode) inspirierte. Die ersten Leser und Gutachter des Manuskripts waren Medwedew und seinen Freunde. Auch seiner Vermittlung war es zu verdanken, dass der Text im Samisdat erscheinen konnte. 1964 gründete Medwedew eine Monatsschrift als erste regelmäßig erscheinende, unabhängige Zeitschrift, in der politische und gesellschaftliche Probleme erörtert wurden. Von diesem Bulletin wurden – von Medwedew redigiert – bis 1971 insgesamt 75 Nummern herausgebracht. Die Auflage war auf zirka 20 Exemplare begrenzt, was zum Teil auf die Herausgeber selbst zurückging, die sich recht deutlich sowohl von anderen Samisdat-Initiativen als auch von den Aktivisten der damals entstehenden Menschenrechtsbewegung, der von ihnen so genannten „Grigorenko-Litwinow-Gruppe“, distanzierten. Der Leserkreis bestand somit in erster Linie aus Personen in Medwedews Umfeld. Später wurden ausgewählte Beiträge im Westen unter dem Namen „Politisches Tagebuch“ (Političeskij dnevnik) nachgedruckt. In Medwedews Bulletin wurden ZK-Dokumente veröffentlicht und diskutiert, darunter auch Geheimdokumente, die Medwedew von einem Mitarbeiter der Zeitschrift „Kommunist“ erhielt. Außerdem erschienen dort Informationen über aktuelle Ereignisse des gesellschaftlichen Lebens, über die nichts in der offiziellen Presse stand, wie etwa Kundgebungen, Demonstrationen, Neuerscheinungen im Samisdat sowie auch Beiträge zu Tabuthemen der sowjetischen Geschichte. Von der ideologischen Ausrichtung her stand das „Politische Tagebuch“ dem sich in jenen Jahren im Westen herausbildenden Eurokommunismus nahe. Unmittelbar vor dem 90. Geburtstag Stalins 1969 übersandte Medwedew der Redaktion der Zeitschrift „Kommunist“ seinen Beitrag „Ist heute eine Rehabilitierung Stalins möglich?“ (Vozmožno li segodnja reabilitirovat‘ Stalina?), in dem er die Verbrechen Stalins aufzählte. Der Aufsatz wurde selbstverständlich nicht veröffentlicht, fand aber im Samisdat Verbreitung und erschien später in Frankreich in einer eigenständigen Broschüre. Aufgrund dieses Beitrags sowie wegen seines als „parteifeindlich“ eingestuften Buches „Das Urteil der Geschichte“ wurde Medwedew aus der Partei ausgeschlossen. Am 19. März 1970 richtete er gemeinsam mit Andrei Sacharow und Walentin Turtschin einen Brief an die Partei- und Staatsführung mit einem Programm für liberal-demokratische Reformen der sowjetischen Gesellschaft unter Führung der KPdSU. Dieses Schreiben fand sowohl in der UdSSR als auch im Ausland ein breites Echo. Es handelte sich dabei um einen der letzten Versuche für einen Dialog zwischen Dissidenten und Staatsmacht. Ende Mai, Anfang Juni 1970 war Medwedew einer der Organisatoren einer sehr wirkungsvollen Solidaritätsbewegung für seinen Bruder Schores Medwedew, der zwangsweise in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen worden war. Der Kampf um seine Freilassung wurde in dem im Ausland herausgegebenen Buch der beiden Brüder „Wer ist hier verrückt?“ (Kto sumasšedšij?) thematisiert. Am 25. Februar 1971 legte er dem *Komitee für Menschenrechte in der UdSSR sein Referat „Zu politisch motivierten Fällen von Zwangseinweisungen in psychiatrische Einrichtungen“ (О prinuditel‘nych psichiatričeskich gospitalizacijach po političeskim motivam) vor. Am 12. November 1971 wurde Medwedews Wohnung durchsucht. Dabei wurde ein bedeutender Teil seines Archivs – sechs Säcke mit Manuskripten – beschlagnahmt. Im selben Jahr wurde ihm gekündigt, so dass er sich mit Honoraren über Wasser halten musste, die er für im Westen erschienene Bücher und Aufsätze erhielt.Internationale Bekanntheit erlangte Medwedew vor allem durch seine Bücher „Das Urteil der Geschichte“ und „Sozialismus und Demokratie“ (Socializm i demokracija), die in eine ganze Reihe von Sprachen übersetzt wurden. Im Westen galt er als einer der hervorragendsten unabhängigen Experten auf dem Gebiet der sowjetischen Innen- und Außenpolitik. Er war ein begehrter Gesprächspartner bei den in Moskau akkreditierten Korrespondenten westlicher Zeitungen. In den 70er und 80er Jahren erschienen von Medwedew außerhalb der Sowjetunion etwa 30 Bücher, die in zwölf Sprachen übersetzt wurden. Im Herbst 1973 wandte er sich in seinem Aufsatz „Das Problem der Demokratisierung und die Frage der Entspannung“ (Problema demokratizacii i problema razrjadki) entschieden gegen die Ausübung politischen und ökonomischen Drucks auf die Sowjetunion, um eine innere Liberalisierung des Landes zu erreichen. Der Beitrag löste eine polemische Diskussion aus, an der sich Andrei Sacharow, Alexander Solschenizyn, Michail Agurski, Wladimir Maximow, Waleri Tschalidse und auch einige westliche Sowjetologen sowie Moskauer Korrespondenten ausländischer Zeitungen beteiligten. Medwedew verurteilte die Verhaftung von Alexander Solschenizyn und seine Ausweisung aus der UdSSR im Februar 1974. Den fortlaufend erscheinenden Bänden von dessen Werk *„Archipel Gulag“ widmete er umfassende Rezensionen, in denen er die Bedeutung dieses Buches unterstrich, zugleich jedoch den ideologischen Aussagen Alexander Solschenizyns widersprach. Im Oktober 1975 unterzeichnete er ein Protestschreiben, das die Hetze der Presse gegen Andrei Sacharow verurteilte. Nach einer weiteren Wohnungsdurchsuchung erhielt Medwedew von der Moskauer Staatsanwaltschaft eine „offizielle Verwarnung“ auf Grundlage des *Dekrets des Präsidiums des Obersten Sowjets vom 25. Dezember 1972 wegen angeblicher „feindlicher Betätigung“. Im März 1975 gründete Medwedew gemeinsam mit Raissa Lert die unabhängige Zeitschrift „XX vek“ (20. Jahrhundert), von der unter ihrer Redaktion insgesamt zehn Nummern erschienen. Im Geleitwort zum ersten Heft umriss Medwedew die Ausrichtung der Zeitschrift mit Hilfe der eurokommunistischen Formel der „Verknüpfung von Sozialismus und Demokratie“. Zwei Nummern ließ Schores Medwedew in London nachdrucken, die wichtigsten Texte erschienen auch auf Deutsch, Englisch und Französisch. 1977 verließ Raissa Lert die Redaktion, da sie den Standpunkt Medwedews als „zu loyalistisch“ beurteilte. Zu weiteren Unstimmigkeiten zwischen Medwedew und den Moskauer Dissidenten kam es 1978 nach dem Prozess gegen Alexander Ginsburg. In einem offenen Brief an die Zeitschrift *„Poiski“ (Suche) gab Medwedew eine negative Einschätzung Alexander Ginsburgs als Disponent des *Hilfsfonds für politische Häftlinge und ihre Familien ab. Jelena Bonner und andere Bürgerrechtler bezeichneten diesen Brief als verleumderisch, zumindest jedoch als unangebracht. Im Februar 1979 gab die unabhängige Gruppe „Wahlen 79“ bekannt, sie wolle in Übereinstimmung mit der Verfassung zu den für den März geplanten Wahlen zu den Obersten Sowjets der UdSSR und der RSFSR einen eigenen Kandidaten aufstellen. Nachdem Andrei Sacharow abgelehnt hatte, wandte sich die Gruppe an Medwedew. Dieser erklärte sich bereit, für den Obersten Sowjet zu kandidieren, jedoch gelang es nicht, ihn als unabhängigen Kandidaten registrieren zu lassen. Die Situation Medwedews verkomplizierte sich weiter nach dem Tod von Staats- und Parteichef Leonid Breschnew und der Machtübernahme zunächst durch Juri Andropow und danach durch Konstantin Tschernenko. Im Januar 1983 erhielt Medwedew eine weitere Verwarnung, diesmal schon von der Generalstaatsanwaltschaft der UdSSR. Er solle es unterlassen, im Ausland zu publizieren und „einer gesellschaftlich nützlichen Arbeit nachgehen“, hieß es. Medwedew verweigerte jedoch seine Unterschrift unter dem Verwarnungsprotokoll und lehnte es ab, die gestellten Forderungen zu erfüllen. 1984 wurden vor seiner Wohnungstür Milizangehörige postiert, deren Aufgabe es war, ausländische Besucher abzuweisen. Dieser Zustand dauerte bis zur Machtübernahme durch Michail Gorbatschow im März 1985 an. In den Jahren der Perestroika kam der neuen Staatsführung der antistalinistische Ansatz von Medwedews Werken sehr entgegen. Ab 1988 wurden seine Texte, insbesondere die zu historischen Themen, in auflagenstarken Presseorganen wie der „Pravda“, dem Zentralorgan des ZK der KPdSU, veröffentlicht. Halboffiziell war er der führende Parteihistoriker, für das breite Publikum jedoch als der Mann, der die stalinistischen Verbrechen an die Öffentlichkeit brachte, Symbol der Destalinisierung. 1988 wurde er in den Gesellschaftsrat der Menschenrechtsorganisation *Memorial gewählt. Im März 1989 wurde Medwedew Volksdeputierter für den Bezirk Moskau. Auf dem I. Kongress der Volksdeputierten der UdSSR von Mai bis Juni 1989 wurde er in den Obersten Sowjet gewählt, wo er den Ausschuss für Gesetzgebung und Rechtsstaatlichkeit leitete. Seine Mitgliedschaft in der KPdSU wurde wiederhergestellt, auf dem letzten Parteitag der KPdSU wurde er im Juli 1990 Mitglied des Zentralkomitees. Nach dem Augustputsch 1991 und der Auflösung der KPdSU war Medwedew einer der Gründer der Sozialistischen Partei der Werktätigen, welche heute eine kleine und gemäßigt linksorientierte Partei ist, und einer ihrer Vorsitzenden. Im Unterschied zu vielen Aktivisten der Perestroika blieb Medwedew seinen linken Idealen treu. Während des KPdSU-Prozesses vor dem Verfassungsgericht der Russischen Föderation von Mai bis Oktober 1992 trat er als Experte auf der Seite der Vertreter der Kommunistischen Partei auf. Bis heute veröffentlicht Roi Medwedew, der in Moskau lebt, regelmäßig historische und politische Bücher unter anderem über Juri Andropow, Dmitri Medwedew und Wladimir Putin.Nikolai Mitrochin Aus dem Polnischen von Gero Lietz Letzte Aktualisierung: 04/16

Handbuch Deutsche Kommunisten

Mehring, Franz

* 26.2.1846 – ✝ 29.1.1919

(* 1846 – † 1919) Geboren am 26. Februar 1846 in Schlawe/Pommern, Sohn eines Steuerbeamten und preußischen Offiziers. Nach dem Besuch des Gymnasiums studierte er von 1866 bis 1870 klassische Philologie an den Universitäten Leipzig und Berlin. 1882 erhielt er von der Leipziger Universität den Titel Dr. phil verliehen. Seit 1870 Journalist, vertrat er radikal-demokratische Positionen. Mehring entwik- kelte sich zum wichtigsten Historiker der deutschen Arbeiterbewegung vor dem Weltkrieg. Seine 1875 erschienene Schrift gegen den preußischen Hofhistoriker Treitschke fand bei den Linken großen Anklang. Zunächst rückte er politisch allerdings nach rechts, weil er Hoffnung in die Bismarckschen Sozialreformen setzte. Nach 1875 verfaßte er mehrere antisozialistische Arbeiten. Vor allem sein Buch »Die Deutsche Socialdemokratie, ihre Geschichte und ihre Lehre« (1877) wurde von der SPD heftig kritisiert. Denn sowohl Ferdinand Lassalle als vor allem Karl Marx, dem er einen »keifenden, kleinlichen, versteckten, widerwärtigen Zug« vorwarf, wurden darin geradezu bösartig angegriffen und auch August Bebel und Wilhelm Liebknecht hat er (»heuchlerische Maske seiner communistischen Tendenzen«) nicht verschont. In den achtziger Jahren stand Mehring als bürgerlicher Demokrat gegen die Sozialdemokratie, näherte sich jetzt allerdings als Gegner des Sozialistengesetzes den Anschauungen des historischen Materialismus von Marx an. Er verwarf nun seine These von 1877 (»Wie der innerste Kern der Socialdemokratie Haß gegen das Vaterland ist, so ist unsere mächtigste Waffe gegen sie die Liebe zum Vaterland«) und wurde Internationalist. 1891 trat er der SPD bei, war bald auf deren linkem Parteiflügel aktiv und nun als Publizist, als Literaturhistoriker und als Historiograph tätig, nicht zuletzt an der »Neuen Zeit«, dem theoretischen Organ der SPD. Seine 1892 erschienene Schrift »Die Lessing-Legende« wurde von Friedrich Engels als beste Darstellung der Entwicklung des preußischen Staates gelobt. Mehrings Hauptwerk, die vierbändige »Geschichte der deutschen Sozialdemokratie«, kam 1898 heraus. Seitdem war er allgemein als der sozialdemokratische Historiker anerkannt, engagierte sich indes auch weiterhin praktisch. Er leitete bis 1895 den Verein Freie Volksbühne in Berlin, und von 1902 bis 1907 prägte er als Chefredakteur der sozialdemokratischen »Leipziger Volkszeitung« deren Bild als linkes und bekanntestes SPD-Blatt. Mehring wurde eine Autorität in der deutschen Sozialdemokratie. Im persönlichen Leben blieb er freilich konservativ, wohl nicht untypisch für ihn, daß er die Benutzung von Schreibmaschinen in der Redaktion der »Leipziger Volkszeitung« lange Zeit untersagte, weil er wollte, daß die Redakteure ihre Manuskripte mit sauberer Handschrift verfaßten. Er galt als einer der glänzendsten Journalisten seiner Zeit. Doch verstand er sich vor allem als Historiker, der die Legenden der preußisch-deutschen Geschichtsschreibung widerlegte. Auch der von ihm 1902 veröffentlichte Teil des literarischen Nachlasses von Marx, Engels und Lassalle waren eine Pioniertat für die Aufarbeitung der Geschichte des Sozialismus. In der praktischen Politik hatte er weniger Erfolg. Er nahm als Delegierter Sachsens am Parteitag der SPD 1902 in München teil, doch Versuche, ihm ein Reichstagsmandat zu verschaffen scheiterten. Heftiger Streit um Mehring entbrannte auf dem Dresdner Parteitag 1903, der ja durch die »Revisionismusdebatte« geprägt war. Heinrich Braun, der von sich behauptete, Mehring in die Sozialdemokratie gebracht zu haben, griff diesen verbal an. Es gab Tumulte, weil er nicht wie üblich »Genosse Mehring«, sondern »Herr Mehring« sagte. Der Parteitagsvorsitzende Paul Singer verwarnte Braun und auch Bebel ging ihn schwer an. Braun hatte die bekannten antisozialistischen Beschuldigungen Mehrings gegen die Sozialdemokratie (damals 25 Jahre her) noch einmal gegen ihn vorgebracht. Der Hintergrund der Schlammschlacht war offensichtlich Mehrings Attacke in der »Leipziger Volkszeitung« gegen die Revisionisten. Karl Kautsky verteidigte den Historiker: »Mehring hat sich um die Partei wohl verdient gemacht, das kann niemand leugnen. Er ist einer der ersten Vertreter des wissenschaftlichen Sozialismus, es gibt unter den heute Lebenden keinen, der ihn darin überragt. Er ist ein hervorragender Historiker, das erkennen auch seine bürgerlichen Gegner an.« Zugleich verwahrte er sich unter großem Beifall gegen das »Denunziantentum« an Mehring. Bebel trat ebenfalls für ihn ein: »Und wenn Braun, Edmund Fischer, Bernhard usw. längst vergessen sein werden, dann werden die Werke eines Mehring in der deutschen Literatur noch als eine große Tat angesehen werden.« Trotz solcher mit großer Zustimmung aufgenommenen (richtigen) Prophezeiung war Mehring offenbar von den Angriffen tief gekränkt. Schließlich hatte Braun sogar noch nach Bebels Verteidigung gesagt, »Mehring steht am Pranger und Bebel wird sich vergeblich bemühen, ihn von dort wieder herunterzuholen«. Empört wandte sich Mehring gegen diesen »Überfall« auf ihn, der »an feiger, schmutziger Perfidie in der Geschichte der verfaultesten Gesellschaftsklasse seinesgleichen nicht hat«. Auch aus dieser persönlichen Betroffenheit erklärt sich, daß Mehring von nun an einer der erbittersten Bekämpfer des Revisionismus wurde. Als Koryphäe der Geschichtswissenschaft erwarb er bei den linken Sozialdemokraten großen Einfluß. Mehring begrüßte die russische Revolution von 1905 bis 1907 und vertrat den Standpunkt Rosa Luxemburgs zum Massenstreik. Von 1906 bis 1911 Lehrer an der zentralen Parteischule der SPD in Berlin entstand aus dieser Lehrtätigkeit sein Werk »Deutsche Geschichte vom Ausgang des Mittelalters« (1910). Wie Rosa Luxemburg fühlte er sich 1913 an den Rand der SPD gedrängt, stellte die Mitarbeit an der »Neuen Zeit« und an der »Leipziger Volkszeitung« ein und gab mit Rosa Luxemburg und Julian Marchlewski die »Sozialdemokratische Korrespondenz« als Organ der radikalen Linken in der SPD heraus. Im Weltkrieg zählte Mehring zu den konsequentesten Internationalisten und Gegnern der Politik des Burgfriedens. Er publizierte gemeinsam mit Rosa Luxemburg im April 1915 »Die Internationale« als »Monatsschrift für Praxis und Theorie des Marxismus«, in der außer Luxemburg mit ihm auch Johannes Kämpfer (Julian Marchlewski), Paul Lange, Käte Duncker, Clara Zetkin, August Thalheimer schrieben. Die Zeitschrift wurde sofort verboten, später erschien unter gleichem Namen das theoretische Organ der KPD. Mehring nahm an der Konferenz der Gruppe Internationale am 1. Januar 1916 teil, mit der sich die Spartakusgruppe konstituierte. Er wurde, obwohl schon siebzig Jahre alt und krank, im August 1916 für vier Monate in »militärische Schutzhaft« genommen. Im März 1917 wurde Mehring (anstelle des verurteilten Karl Liebknecht) in dessen Berliner Wahlkreis in das Preußische Abgeordnetenhaus gewählt, wo er im Januar 1918 gegen die Diktatur der Militärs auftrat. Er gehörte zu denjenigen Linken, die (im Gegensatz zu Rosa Luxemburg und Leo Jogiches) die bolschewistische Revolution in Rußland sofort unkritisch verteidigten und verherrlichten. Im Juni 1918 druckte die Moskauer »Prawda« seinen wohlwollenden Brief an die »russischen Revolutionäre« ab. Mehrings letztes bedeutendes Werk, die Biographie von Karl Marx, erschien 1918. Im Vorwort vom März 1918 dankte er Rosa Luxemburg und widmete das Buch »Clara Zetkin-Zundel, der Erbin marxistischen Geistes«. Die Freundschaft mit diesen beiden Frauen bewertete er als einen »unschätzbaren Trost« in »einer Zeit, in deren Stürmen so viele mannhafte und unentwegte Vorkämpfer des Sozialismus davongewirbelt sind wie dürre Blätter im Herbstwind«. Für die äußerste Linke war Mehring nach der Revolution weiterhin aktiv, konnte aber wegen Krankheit am Gründungsparteitag der KPD nicht teilnehmen. Franz Mehring starb am 29. Januar 1919 in Berlin.

Wer war wer in DDR

Meier, Felix

* 20.8.1936

Geb. in Lieskau (Saalekrs.); Vater Arbeiter; Grund- u. Oberschule, Abitur; 1954 – 60 Studium an der TH Dresden, Dipl.-Ing. für Schwachstromtechnik; 1960 – 62 Entwicklungsing. im VEB Funkmechanik Leipzig; 1962 – 67 Mitarb., Dir. für Technik u. Dir. für Plandurchführung in der VVB Nachrichten- u. Meßtechnik Leipzig; 1963 SED; 1967 – 78 Werkdir. im VEB Funkwerk Köpenick; 1969 – 78 Mitgl. der SED-KL Berlin-Köpenick; 1978/ 79 Sekr. der KL Berlin-Lichtenberg; 1979 – 84 Mitgl. der SED-BL Berlin u. bis 1982 deren Sekr. für Wirtschaftspol.; 1981 – März 1990 Abg. der Volkskammer; 1982 – 89 Minister für Elektrotechnik/Elektronik (Nachf. von  Otfried Steger); 1989/90 Staatssekr. u. 1. Stellv. des Min. für Maschinenbau; anschl. Prokurist bei Elektro-Consult.Hagen Schwärzel / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Meier, Else

* 24.2.1901 – ✝ 2.8.1933

Über die Sozialisation und die politische Entwicklung der am 24. Februar 1901 in Magdeburg als Else Wagner geborenen Else Meier ist fast nichts bekannt. Von Beruf Metallarbeiterin, heiratete sie den Lackierer Otto Meier und war in der KPD aktiv. Die 31jährige wurde im April 1932 als Abgeordnete in den Preußischen Landtag und dann im März 1933 im Wahlkreis Potsdam noch in den Reichstag gewählt. Die Umstände ihres Todes am 2. August 1933 sind nicht zweifelsfrei geklärt. Entweder starb Else Meier an den Folgen eines SA-Überfalls oder an einer unheilbaren Krankheit.

Wer war wer in DDR

Meißer, Otto Franz

* 19.6.1899 – ✝ 23.7.1966

Geb. in Apolda; Vater Postsekretär; Schulbesuch in Weimar, 1919 Abitur; Studium der Physik u. Math. in Jena, 1923 Prom.; 1923 – 40 wiss. Mitarb. u. später Regierungsrat in der Reichsanstalt für Erdbebenforschung Jena; 1928 Habil. u. Privatdoz. an der Univ. Jena; 1933 NSDAP u. SA; 1939 außerord. Prof. für Geophysik an der Univ. Jena; 1940 außerord. Prof. für angew. Geophysik u. Dir. des Inst. für Angew. Geophysik an der Bergakad. Freiberg; 1941 – 44 Militärdienst. 1945 Entlassung von der Bergakad. u. aus dem Staatsdienst, Mitarb. des Techn. Büros für Buntmetalle der SMAD in Freiberg; 1947 – 50 Berater des Bergbaumin. in Jugoslawien; 1950 in Göttingen; 1951 erneute Berufung an die Bergakad. Freiberg u. bis 1964 dort Prof. für angew. Geophysik; 1955 – 57 Rektor der Bergakad. (Nachf. von  Helmut Kirchberg); 1957 ord. Mitgl. der DAW, 1957 – 63 Sekretar der Klasse Bergbau, Hüttenwesen u. Montangeologie; 1964 Dir. des Inst. für Geodynamik der DAW in Jena; Mitgl. im Forschungsrat der DDR u. im Nationalkomitee für Geophysik u. Geodäsie der DDR, Mitgl. der European Association of Explorative Geophysicists, Mitgl. der Seismological Sociecty of America; 1960 VVO; 1966 Ehrensenator der Bergakad. Freiberg; gest. in Freiberg, beigesetzt in Jena. Forschungsschwerpunkte: Seismik (Tiefenseismik u. Erschütterungsmeßtechnik), Gravimetrie, Magnetik, Geoelektrik, Geothermie, Geodynamik (rezente Krustenbewegungen), Ingenieurgeophysik; Entwicklung Geophysikalischer Geräte wie Schlauchwaage, Seismometer, Tellurik-Apparaturen; mehr als 120 Veröffentl.Prakt. Geophysik für Lehre, Forschung u. Praxis. Dresden u. Leipzig 1943; Schlauchwaage nach O. M. Jena 1956. O. M. Gedenkkolloquium zum 80. Geburtstag. Freiberger Forschungsheft C 356, Leipzig 1980; Freiberger Forschungsheft D 210, Freiberg 2002.Martin Guntau

Wer war wer in DDR

Matthus, Siegfried

* 13.4.1934

Geb. in Mallenuppen (Ostpr. / Sadoroschje, Rußland); Vater Bauer; OS in Rheinsberg, Abitur; 1952 SED; 1952 – 58 Studium als Chordirigent an der HS für Musik Berlin, ab 1956 Komposition bei  Rudolf Wagner-Régeny; 1958 – 60 Mstr.-Schüler bei  Hanns Eisler an der DAK; 1960 – 64 freischaff.; ab 1964 Komponist u. Dramaturg an der Komischen Oper Berlin; 1969 DAK; 1972 dort Sekr. der Sekt. Musik; 1976 Mitgl. der AdK Berlin (West) u. 1978 Korr. Mitgl. der Bayr. Akad. der Schönen Künste; Mitgl. des Musikrats der DDR u. des Präs. des VDK; 1979 VVO; 1972 u. 1984 NP; 1984 Ehrenbürger von Rheinsberg; 1985 Prof.; komponierte zunächst Vokalmusik, dann sinfon. Musik, u. a. mehrere Sinfonien, Bühnenmusik sowie Hörspiel- u. Fernsehmusiken, »Die Ermittlung« von Peter Weiss, »Der Stellvertreter« von Rolf Hochhuth, u. Opern, u. a. »Der letzte Schuß« (1967), »Noch einen Löffel Gift, Liebling?« (1972), »Judith« (1985), »Die Weise von Liebe u. Tod des Cornets Rilke« (1985), »Desdemona und ihre Schwestern« (1991), »Furi – oder die Macht des Gesangs« (1998) sowie das Oratorium »Laudate pacem«; »Kronprinz Friedrich« (Libretto von Thomas Höft, 1998/99); »Die unendliche Geschichte« (nach Michael Ende, 2004); »De vacuo spatio« (nach Texten von Otto von Guericke, 2005); »Phantast. Zauberträume« (2005); »Te Deum« (zur Weihe der wiederaufgebauten Dresdner Frauenkirche, 2005); »Cosima« (Opernfragmente v. Friedrich Nietzsche, 2007). Seit 1991 Künstler. Ltr. der Kammeroper Schloß Rheinsberg; 1995 Preis des Internat. Theaterinst. in der Bundesrep. Dtl.; 1997 Kulturpreis der Landsmannschaft Ostpreußen für Musik; 2000 Bundesverdienstkreuz; 2007 Einweihung der Veranstaltungshalle im Hafendorf Rheinsberg unter dem Namen S.-M.-Arena; lebt in Berlin.Die Weise von Liebe u. Tod des Cornets Christoph Rilke. Berlin 1989; Opern des 21. Jh. Libretti. Rheinsberg 2004. Döhnert, H.: S. M. Für Sie porträtiert. Leipzig 1979; Liedtke, U.: S. M. Tendenzen im Schaffen eines Komponisten. Leipzig 1985; Martin, S.: Analyt. Untersuchungen zum Opernschaffen des Komponisten S. M. Potsdam 1995.Torsten Musial

Handbuch Deutsche Kommunisten

Mauer, Wilhelm

* 25.2.1903 – ✝ 21.2.1974

Geboren am 25. Februar 1903 in Raunheim am Main, Sohn einer Arbeiterfamilie; lernte Dreher und Schlosser. Er arbeitete u. a. bei Opel in Gummersbach und war dort auch zeitweise im Betriebsrat. 1920 Mitglied des DMV und 1926 der KPD, leitete bis 1929 die Ortsgruppe der KPD in Raunheim. Die BL Hessen-Frankfurt beauftragte ihn 1927 mit der Leitung der KPD-Betriebszelle bei Opel in Rüsselsheim. 1929 wurde Mauer als Abgeordneter in den Provinziallandtag Starkenburg, 1931 in den Hessischen Landtag gewählt. 1930/31 zunächst Orgleiter, 1931/32 Polleiter des RGO-Bezirkskomitees Hessen-Frankfurt. Ab Januar 1932 Volontär in der Orgabteilung des ZK, als Instrukteur für zwei Unterbezirke in Hessen-Frankfurt eingesetzt. Er flüchtete 1933 in die Schweiz und leitete unter dem Decknamen Theodor Braun die Emigrantenstelle in Binningen bei Basel. 1934 wegen politischer Betätigung nach Frankreich ausgewiesen, ging er 1941 wieder in die Schweiz, dort verhaftet und bis Kriegsende interniert. Mauer kehrte 1945 nach Deutschland zurück, arbeitete als Angestellter in der Gemeindeverwaltung der Stadt Raunheim und war Mitvorsitzender der Entnazifizierungs-Spruchkammer Groß-Gerau. Ab 1952 Rentner, betätigte er sich politisch in der 1956 gebildeten »Unabhängigen Wählergruppe« und amtierte bis 1961 als 1. Beigeordneter im Gemeindevorstand der Stadt Raunheim. Wilhelm Mauer starb am 21. Februar 1974 in Rüsselsheim.

Wer war wer in DDR

Mauersberger, Rudolf

* 29.1.1889 – ✝ 22.2.1971

Geb. in Mauersberg (Erzgeb.); Vater Kantor u. Lehrer, Bruder  Erhard M.; 1903 – 09 königl. Lehrerseminar in Annaberg (Ltr. des Seminarchors); 1909 – 12 beim Militär u. Hilfslehrer; 1912 – 14 u. 1918 / 19 Studium am Konservatorium in Leipzig; 1915 – 18 Soldat u. Militärmusikltr. in Bad Lausick (b. Leipzig); 1919 – 25 Kantor u. Organist in Aachen; 1925 – 30 Kirchenmusikwart der ev. Landeskirche Thüringens u. Kantor an Bachs Taufkirche St. Georg in Eisenach (gründete den Bachchor Eisenach u. den Georgenchor); ab 1.7.1930 Kreuzkantor u. Ltr. des Dresdner Kreuzchors; 1931 Kirchenmusikdir.; 1933 NSDAP; 1938 Prof.; 1938 u. a. Gastauftritte in den USA; bewahrte den liturgischen Charakter des Chors gegen ideol. Vereinnahmung u. führte trotz Verbots auch Werke jüd. Komponisten wie F. M. Bartholdy auf. 4.8.1945 Uraufführung seines A-capella-Werkes »Wie liegt die Stadt so wüst« über die Zerstörung Dresdens in den Ruinen der Kreuzkirche; Neubelebung des Kreuzchors, den er bis zu seinem Tod leitete; Komponist zahlr. Chorzyklen, u. a. »Dresden«, »Erzgebirge«, »Weihnachten«, zahlr. Einzelkompositionen, wie »Dresdner Requiem«, »Geistliche Sommermusik«, »Lukas-Passion«, »Dresdner Te Deum«, u. Chorarrangements; besonders Pflege der Werke von Johann Sebastian Bach u. Heinrich Schütz, aber auch zeitgenöss. Musik; 1950 NP; 1954 Ehrendoktor an der HU Berlin u. 1959 an der Philipps-Univ. Marburg; 1964 Martin-Andersen-Nexö-Kunstpreis u. Ehrenmitgl. der Internat. Schütz-Gesell.; 1969 Ehrenmitgl. der Neuen Bach-Gesell. u. 1970 der Dresdner Philharmonie; zahlr. Gastspiele u. Schallplattenaufnahmen, u. a. von den jährl. Heinrich-Schütz-Tagen des Kreuzchors (1955 – 70). gest. in Dresden (beigesetzt in Mauersberg). Seit 1991 gibt es das jährl. verliehene Rudolf-Mauersberger-Stipendium zur Förderung der musikal. Ausbildung von Kruzianern (aktive oder ehemal. Mitgl. des Kreuzchors).Werksverzeichnis (RMWV). Hrsg. M. Herrmann. Sächs. Landesbibliothek. Dresden 1991. Schicha, U.: M., R. In: Neue Dt. Biographie (1990) 16; Mauersberger, H.: Dresdner Kreuzchor u. Thomanerchor Leipzig: Zwei Kantoren u. ihre Zeit – R. u. Erhard M. Marienberg 2007.Ingrid Kirschey-Feix

Wer war wer in DDR

Mausch, Helga

* 26.9.1945

Geb. in Neuberend (Schleswig); Vater Elektriker, Mutter kfm. Angest.; 1952 – 64 Grund- u. EOS in Cottbus, Abitur; 1964 – 66 Ausb. zum Industriekfm. an der Handels-HS Leipzig; 1966 – 70 Fernstudium der Wirtschaftswiss., Dipl.-Ök.; 1966 – 2001 beim Braunkohlenbergbau Cottbus tätig; Mitgl. der IG Bergbau; 1971 – 90 NDPD; 1980 – 89 Abg. der Stadtverordnetenvers. Cottbus; 1.2.1990 Wahl zur Vors. des Geschäftsf. Vorst. des FDGB (fakt. Nachf. der letzten FDGB-Vors.  Annelies Kimmel); nach Konflikten über die Haltung des FDGB zum DGB u. zum dt.-dt.-Staatsvertrag über die Wirtschafts- u. Währungsunion am 9.5.1990 Auflösung des Geschäftsf. Vorst. 2001 Ruhestand; lebt in Cottbus.Helmut Müller-Enbergs

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Mayer, August (Gustl)

* 9.6.1898 – ✝ 11.10.1969

Geb. in München; Vater Arbeiter, Mutter Köchin; Volks- u. Fortbildungsschule; Arbeit als Presser, Angest.; 1916 Arbeiterjugend u. SPD; 1917/18 Militärdienst; 1919 FSJ; 1920 KPD; zeitw. Org.-Sekr. der FSJ im Bez. Südbayern; 1921 Mitarb. im ZK der FSJ bzw. Mitarb der Ungarnhilfe der KJI; 1921/22 Org.-Sekr. der KPD-BL Nordbayern in Nürnberg; ab 1922 Mitarb. bzw. Abt.-Ltr. des ZK der KPD; im März 1924 inhaftiert u. am 22.4.1925 durch das Reichsgericht wegen »Vorber. zum Hochverrat« u. »Sprengstoffverbrechen« zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt (»Tscheka-Prozeß«), Haft in den Strafanstalten Plassenburg bei Kulmbach u. in Luckau, Okt. 1927 durch »Hindenburgerlaß« amnestiert; 1928 – 30 Angest. des ZK der KPD; Statistiker in der Org.-Abt.; 1930/31 Verantwortl. der KPD für Waffenbeschaffung im gesamten Reich; März 1931 nach Enttarnung Flucht in die UdSSR; 1931/32 Ausbildung an der M-Schule in Moskau; 1932 – 45 illeg. Arbeit für die KI (»Anton Keller«); Instrukteur der Org.-Abt. bzw. Ltr. des OMS-App. in Prag, Den Haag u. Amsterdam, 1937 Rückruf nach Moskau zur Überprüfung, dann in Paris, Amsterdam u. Den Haag, dort Ltr. der KPD-Emigrationsgr. Sept. 1945 Rückkehr nach Dtl.; 1945/46 stellv. Dir. des Suchdienstes beim Alliierten Kontrollrat; 1946 SED; 1946 – 48 Dir./Präs. des Suchdienstes für vermißte Dt. in der sowj. Okkupationszone/SBZ; Wechsel in die DVdI, Gen.-Inspekteur; Dez. 1948 Ltr. der HA Kriminalpolizei; 1949 Stellv. des Chefs der DVP u. Ltr. der HA Kriminalpolizei in der HV der DVP; 1951 – 59 Ltr. der Verw. Strafvollzug in der HV der DVP; Gen.-Major; 1968 VVO; gest. in Berlin.Bernd-Rainer Barth / Andreas Herbst

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Mayer, Lothar

* 17.4.1945

Geb. in Bernau; Vater im Krieg vermißt, Mutter Hausfrau, Stiefvater Buchdrucker; 1951 – 59 Grundschule in Bernau, dann bis 1961 Mittelschule in Werneuchen; FDJ; 1961 – 64 Berufsausbildung mit Abitur als Rohbaumonteur in Eisenhüttenstadt; 1964 – 70 Studium an der TU Dresden, Dipl.-Ing. Architekt; ab Febr. 1970 wiss. Mitarb. beim VE Bau- u. Montagekombinat Ingenieurhochbau Berlin, Okt. 1970 Wechsel zum Zentrum für Org. u. Datenverarbeitung Berlin als Problemanalytiker; 1974 / 75 bezahlte Freistellung u. Ltg. des Ausbaus von 23 Dachwohnungen in Berlin-Karlshorst; 1975 / 76 stellv. Gruppenltr. Standortplanung der Kreisplankommission beim Rat des Stadtbez. Berlin-Prenzlauer Berg; anschl. bis Ende 1979 unter der Ltg. von  Heinz Graffunder beim Magistrat von Berlin mit dem Aufbauprojekt Berlin-Marzahn befaßt; ab 1980 beschäftigt im Baubüro des Diakon. Werks in Berlin; Mitgl. im BDA; veranstaltete ab 1975 in seiner Wohnung in Berlin-Karlshorst wöchentl. einen gesellschaftskrit. Gesprächskreis, an dem u. a.  Monika Palm,  Gerd Poppe,  Rupert Schröter u.  Reinhold Weißhuhn teilnahmen u. der darüber diskutierte, wie unterhalb der Schwelle der strafrechtl. Relevanz die polit. u. gesellschaftl. Verhältnisse in der DDR kritisiert werden könnten; in diesem Zusammenhang 1976 Bildung einer ehrenamtl. Arbeitsgr. zur sozialist. Umgestaltung der Wohnumwelt; 1976 Eingabe an den Magistrat gegen die Unterbindung der krit. Veranstaltungsreihe »Kramladen« im Jugendklubhaus Berlin-Weissensee; Unterz. eines Protestbriefs gegen die Verunglimpfung der Selbstverbrennung des Pfarrers  Oskar Brüsewitz in der SED-Ztg. »Neues Dtl.«, daraufhin im Sept. 1976 Festnahme u. Verhör; Okt. 1976 Eingabe an das ZK der SED mit kritischen Anmerkungen zur Rechtspraxis in der DDR u. zum Begriff der »staatsfeindlichen Hetze«; bis Anfang der 1980er Jahre aktiv im Kreis um Gerd Poppe u. Teiln. an kritischen Gesprächskreisen im Szenecafé »Burger«; Kontakt zu ungar. Dissidenten; danach Rückzug vom politischen Engagement, aktiv in der Kirchgemeinde Zur frohen Botschaft in Berlin-Karlshorst; vom MfS erfaßt u. »bearbeitet« im OPK »Treffpunkt« u. im OV »Monolith«; 1988 Ausreise mit der Fam. in die Bundesrep. Dtl. Lebt als Architekt in Bad Hersfeld.Christian Halbrock; Jg. 1963; ab 1993 Studium der Neueren/Neuesten Geschichte, Mittelalterlichen Geschichte und Europäischen Ethnologie an der HU Berlin, 2003 Promotion; seitdem wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Bildung und Forschung bei der BStU in Berlin.

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Meckel, Johannes Markus

* 18.8.1952

Geb. in Müncheberg (Krs. Strausberg); Vater Pfarrer; 1959 – 67 OS, 1967 – 69 EOS, aus pol. Gründen relegiert; 1969 – 71 Kirchl. Oberseminar Potsdam-Hermannswerder, Abschluß mit HS-Reife (staatl. nicht anerkannt); 1971 – 78 Theol.-Studium in Naumburg (Saale) u. am Sprachenkonvikt Berlin; bildete 1977 – 81 mit  Martin Gutzeit u. a. einen »Hegel-Krs.« (vom MfS so bezeichnet u. beobachtet); 1978 – 80 Hausmstr., Philosophiestudent (Georg W. F. Hegel, Friedrich Nietzsche); 1980 – 82 Vikar; 1982 – 88 Pfarrer in Vipperow / Müritz (Mecklenb.); 1988 – 90 Ltr. einer ökumen. Begegnungs- u. Bildungsstätte der Ev. Kirche in Niederndodeleben (Krs. Wolmirstedt); 1988/ 89 Delegierter der Ökumen. Vers. in der DDR u. der Europ. Ökumen. Vers.; seit den 70er Jahren Engagement in der kirchl. Friedens- u. Menschenrechtsbew.; Mitarb. im Arbeitskrs. Theol. u. Philos. beim Bund der Ev. Kirchen; 24.7.1989 Verf. des Initiativaufrufs zur Gründung der SDP (mit Martin Gutzeit), 7.10. Mitbegr. der SDP in Schwante (b. Oranienburg), Wahl in den Vorst. (2. Sprecher); Febr. – Sept. 1990 stellv. Vors., April – Juni amt. Vors. der SPD (DDR); März – Okt. Abg. der Volkskammer; 12.4. – 20.8. Minister für Ausw. Angelegenh. (Nachf. von  Oskar Fischer); seit März Verhandlungen in Warschau, Moskau, Washington, Bonn, Genf, Strasbourg, Mai 1990 DDR-Vertreter bei den »2+4-Gesprächen«. 3.10.1990 – Okt. 2009 Abg. des Dt. Bundestags; Mitgl. des Außenpol. Aussch. seiner Fraktion; Vors. der Dt.-Poln. Ges.; Vors. der AG Polen der SPD-Bundestagsfraktion; seit 1991 stellv. Mitgl., seit 1998 ord. Mitgl. u. Ltr. der dt. Deleg. in der Nordatlant. Versamml., 2000 – 02 deren Vizepräs.; 1992 – 98 Sprecher der Enquete-Kommission zur Aufarbeitung der SED-Diktatur; Vors. des Rats der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur; Nov. 2000 – Nov. 2002 Vizepräs. der Parlamentar. Vereinigung; 2001 – 09 stellv. außenpol. Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion; 2003 Viadrina-Preis; 2004 Orden des Kreuzes der Terra Marina der Rep. Estland; 2005 Kommandeur des Drei-Sterne-Ordens der Rep. Lettland; Ratsvors. der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur u. Mitgl. des Beirats der BStU.Gesellsch. Erneuerung in der DDR. Bonn 1990; Opp. in der DDR. Köln 1994 (zus. mit M. Gutzeit); Selbstbewußt in die Dt. Einheit. Berlin 2001.Helmut Müller-Enbergs

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Mehlhorn, Ludwig

* 5.1.1950 – ✝ 3.5.2011

Geb. in Bernsbach (Erzgeb.); Vater Werkzeugmacher, Mutter Sparkassenangest.; 1969 Abitur; 1969 – 74 Studium der Mathematik an der Bergakad. Freiberg; anschl. bis 1985 Programmierer im Rechenzentrum der HfÖ Berlin; seit 1969 Mitarb. bei der Aktion Sühnezeichen u. in der Ev. Studentengemeinde, Begegnungsarbeit mit Polen; seit 1975 Mitarb. in versch. Friedens- u. Menschenrechtskrs.; 1977 Haussuchung u. Verhöre durch das MfS; 1981 – 87 Auslandsreiseverbot; 1984 Verweigerung des Reservistenwehrdienstes; 1985 Berufsverbot, dann Hilfspfleger für geistig behinderte Kinder in der Stephanusstiftung Berlin; 1986 Mitinitiator des Antrags auf »Absage an Praxis u. Prinzip der Abgrenzung« an die Synode der Ev. Kirche Berlin-Brandenb. u. die Bundessynode, Mitbegr. des gleichnamigen opp. Arbeitskrs.; Hrsg. u. Autor illeg. Publ., u. a. »Aufrisse«, »Spuren«, »ODER«; Übersetzungen aus dem Poln.; 1987 – 89 Veranstalter von liter. Lesungen in Privatwohnungen (gem. mit  Stephan Bickhardt); Sept. 1989 Mitbegr. der Bürgerbew. Demokratie Jetzt (DJ), 1990 DJ-Mitarb.; Mitarb. in versch. ehrenamtl. Gremien, u. a. Stiftung Kreisau für europ. Verständigung, Heinrich-Böll-Stiftung. 1991 Ref. im Min. für Bildung, Jugend u. Sport des Landes Brandenb.; seit 1992 Studienltr. für den Bereich Osteuropa an der Ev. Akad. Berlin; 2010 Dankbarkeitsmedaille des Europäischen Solidarność-Zentrum Gdańsk; gest. in Berlin.Findeis, H., Pollack, D., Schilling, M.: Die Entzauberung des Pol. Berlin, Leipzig 1994; Kowalczuk, I.-S.: Für ein freies Land mit freien Menschen. Berlin 2006.Helmut Müller-Enbergs / Jan Wielgohs

Wer war wer in DDR

Meier, Artur

* 4.4.1932

Geb. in Berlin-Wedding; 1951 – 55 zunächst Lehramtsanwärter, dann Lehrer für Geschichte u. stellv. Dir. der Schinkel-OS in Berlin; zugl. Fernstudium an der PH Berlin; 1954 St.-Ex. als Fachlehrer für Geschichte; 1954 – Jan. 1990 SED; 1956 – 58 Schulinspektor in Berlin-Prenzlauer Berg; danach bis 1970 Lehrer; ab 1961 Dir. der VHS Berlin-Prenzlauer Berg; 1959 – 64 Aspirantur an der HU Berlin; 1964 Prom. zum Dr. paed. mit einer Arbeit zur Geschichte der Erwachsenenbildung in Dtl.; im gleichen Jahr Ernennung zum Studienrat; ab 1966 Zusatzstudium bzw. Aspirant in den Fächern Industriesoziol. u. Org.-Wiss. an der HU Berlin, u. a. bei Georg Assmann u.  Erich Hahn; 1970 Habil. mit der Arbeit »Das Bildungssystem als soziale Org.«; ab 1970 Ltr. der Abt. »Soziol. des Bildungswesens« an der APW in Berlin; ab 1971 Doz. u. ab 1976 ord. Prof. für Bildungssoziol. der APW; Lehraufträge an den Univ. Berlin, Halle u. Leipzig; seit 1975 versch. Funktionen in der Internat. Soziolog. Assoziation (ISA), u. a. 1978 – 86 Vizepräs. des ISA Research Committee »Sociology of Education«; ab 1976 Mitgl. u. ab 1986 stellv. Vors. des Nat.-Komitees für Soziolog. Forschung in der DDR; 1986 Umberufung zum ord. Prof. für Soziol.; seitdem Ltr. des Bereichs »Soziolog. Theorie« u. Dir. des Inst. für Soziol. an der HU Berlin; Lehre u. Forschung auf den Gebieten Makrosoziol., Bildungssoziol., Sozialstrukturforschung, sozialer u. techn. Wandel; versch. Vortragsreisen u. a. in die Bundesrep. Dtl., nach Italien u. Spanien; 1988 Gastprof. an der Univ. of California, Berkeley (USA); 1986 – 90 Vizepräs. der ISA; 1990 Präs. des XII. Weltkongresses für Soziol. in Madrid; Bestätigung als Inst.-Dir. nach geheimer Wahl (bis 1991). 1991 – 97 ord. Prof. für Bildungssoziol. am Fachber. Sozialwiss. der HU Berlin; 1991 Vorst.-Mitgl. der Sekt. »Bildung u. Erziehung« der Dt. Ges. für Soziol.; lebt in Berlin. A. M. gilt als Begründer der Bildungssoziol. in der DDR; sein Buch »Soziol. des Bildungswesens« (Berlin, Köln 1974) wurde in fünf Sprachen übersetzt u. 1976 mit dem Internat. Preis der Poln. AdW ausgezeichnet; als Inst.-Dir. an der HU Berlin hat er sich v. a. für die Ausweitung internat. Arbeitskontakte u. eine verstärkte Berücksichtigung mod. westl. Soziologieentw. in der Lehre engagiert; in der soziolog. Diskussion um die Ursachen des Systemzusammenbruchs im sowj. Machtbereich hat A. M. insbes. mit dem weithin umstrittenen Aufsatz »Abschied von der soz. Ständeges.« (in: Aus Pol. u. Zeitgeschichte, (1990) 16 – 17) Aufmerksamkeit erregt.Proletar. Erwachsenenbildung. Hamburg 1971. Weiterbildung, Lebenslauf, Sozialer Wandel (Mithrsg.). Neuwied 1993; Die letzte Generation? Jugend u. Fam. auf dem Land in Ostdtl. u. den USA. Berlin 1997 (mit J. Müller); Liebesglück u. Wissenschaftslust. Berlin 2002 (Autobiogr.).Jan Wielgohs

Wer war wer in DDR

Meier, Heinrich

* 9.12.1916 – ✝ 23.3.1989

Geb. in Detmold; Vater Maurer; Volks- u. Bau-FS; 1931 – 35 Ausbildung zum Maurer; danach im Beruf tätig, 1938 Mstr.; ab 1939 Wehrmacht, zul. Hptm.; 1943 bei Stalingrad sowj. Kriegsgefangenschaft, Besuch von Antifa-Schulen u. Lehrtätigkeit. 1949 Rückkehr nach Dtl.; Hauptref. im Min. für Aufbau; 1950 NDPD; hauptamtl. Mitarb. der HA Personalpol. des PV; Mitgl. des Hauptaussch. u. ab 1951 des PV bzw. Präs.; 1950 – 54 Fernstudium an der DASR Potsdam, Dipl.-Wirtsch.; 1952 – 58 Pol. Geschäftsf., bis 1964 Sekr. des Hauptaussch. der NDPD; 1953 – 86 Abg. der Volkskammer; 1954 – 58 Mitgl. des Verfassungsaussch.; 1958 – 63 Mitgl. des ständ. Wirtschaftsaussch.; 1963 – 67 stellv. Vors. des Aussch. für Industrie, Bauwesen u. Verkehr; ab 1961 Vizepräs. der Dt.-Südostasiat. Ges. der DDR; 1964/65 Abt.-Ltr. u. 1965 – 72 stellv. Vors. der SPK, verantw. für Wohnungsbau, kommunale Wirtschaft, Kultur u. Gesundheitswesen; 1972 – 84 stellv. Minister für Glas- u. Keramikindustrie; 1976 VVO; 1985 Ruhestand; ehrenamtl. Mitgl. des PV bzw. Präs. des Hauptaussch. der NDPD.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Meier, Karl

* 19.7.1902 – ✝ 4.12.1989

Geboren am 19. Juli 1902 in Buchholz/Krs. Bückeburg, Sohn einer Arbeiterfamilie; Glasarbeiter. Nach dem Weltkrieg von 1921 bis 1924 als Telegraphenarbeiter bei der Reichspost in Hannover. Von 1924 bis 1932 war er Leitungsaufseher bei der Wasserstraßenverwaltung in Minden/Westfalen. Seit 1918 im Gesamtverband der städtischen Beschäftigten, sowohl Betriebsrat und von 1924 bis 1933 Bevollmächtigter der Ortsverwaltung Stadthagen des deutschen Verkehrsbundes. 1919 Mitglied der USPD, Ende 1920 KPD-Funktionär im UB Hamm, zeitweise Polleiter des Unterbezirks. Am 3. Mai 1931 kam er als einziger KPD-Abgeordneter in den Landtag von Schaumburg-Lippe, dem er bis 1933 angehörte. Im November 1932 wurde Meier im Wahlkreis Südhannover-Braunschweig in den Reichstag gewählt. Am 21. April 1933 verhaftet, ins KZ Moringen gebracht und am 30. April 1934 aus dem KZ Oranienburg freigelassen. Meier wurde zwei Monate später erneut festgenommen, aber Ende 1934 aus dem KZ entlassen. Unter Polizeiaufsicht stehend, lebte er zunächst von Wohlfahrtsunterstützung, bis er 1937 Arbeit als Fernmeldemonteur in Hannover fand. Im August 1944 kurzzeitig inhaftiert. Die britische Besatzungsmacht ernannte Meier im August 1945 zum Landrat von Stadthagen. Da der Kreistag ihn aber nicht in diese Funktion wählte, wurde er von der Niedersächsischen Staatsregierung im Oktober 1948 aus seinem Amt entlassen. Meier kandidierte noch 1949 für die KPD zur Bundestagswahl, zog sich später aus der Politik zurück und betrieb in Stadthagen einen Tabakwarenladen. Karl Meier starb am 4.Dezember 1989 in Stadthagen.

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Meißgeier, Siegfried

* 6.2.1924 – ✝ 23.4.1988

Geb. in Pausa (Vogtland); Vater Gewerbetreibender; Volks- u. Berufsschule; 1938 – 41 Lehre u. Arbeit als Maschinenschlosser; 1941 – 45 Wehrmacht; April – Dez. 1945 brit. Kriegsgef. 1946 Waldarbeiter; SED; 1946 – 49 Volontär, Ass. u. Hilfsred. der »Freien Presse« in Plauen; 1949 – 52 Red. u. Abt.-Ltr. der »Freien Presse« in Zwickau; 1952 – 57 Abt.-Ltr. u. stellv. Chefred. der Ztg. »Das Volk« in Erfurt; Fernstudium der Journalistik an der KMU Leipzig, 1960 Dipl.-Journalist; 1957 – 61 stellv. Chefred. u. 1961 – 65 Chefred. der »Wochenpost«; später Mitarb. im DFF; ab 1973 stellv. Vors. des Staatl. Komitees für Unterhaltungskunst.Sibirien ohne Geheimnis (zus. mit G. Linde). Leipzig 1960. Polkehn, K.: Das war die Wochenpost: Geschichte u. Geschichten einer Ztg. Berlin 1997.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Matusche, Alfred

* 8.10.1909 – ✝ 31.7.1973

Geb. in Leipzig; Vater Mechaniker; Volksschule, daneben Arbeit als Botenjunge; Schlosserlehre; Studium an einer TH, 1927 abgebrochen; Wanderschaft durch Dtl. u. die Schweiz, Besuch u. a. bei Hermann Hesse, Anregungen durch Expressionisten, erste Gedichte u. Hörspiele für den Sender Leipzig; Inszenierungen an versch. Arbeitertheatern; Kontakte zur KPD; 1933 aus pol. Gründen Beendigung der Arbeit beim Rundfunk; danach illeg. pol. Arbeit; Vernichtung seiner Manuskripte bei einer Hausdurchsuchung; Arbeit als Schlosser u. Tischler in Schlesien, ab 1942 wieder in Leipzig. Ab 1945 wieder für den Sender Leipzig tätig; schrieb ab 1951 seine wesentl. Werke; ab 1969 freischaff., überwiegend für Theater u. TV, u. a. »Die Dorfstraße« (Schauspiel, 1955), »Nacktes Gras« (Drama, 1958), »Der Regenwettermann« (Fernsehspiel, 1963), »Kap der Unruhe« (Schauspiel, 1970); A. M.s Werke wurden selten aufgeführt, er lebte daher in ständ. sozialer Unsicherheit; 1973 später Erfolg mit der Aufführung des Dramas »Van Gogh« in Karl-Marx-Stadt; 1973 Lessing-Preis; lebte in Portitz (b. Leipzig), im Raum Berlin u. in Karl-Marx-Stadt; gest. in Karl-Marx-Stadt.Dramen. Berlin 1971; Welche von den Frauen u. andere Stücke. Berlin 1979. Trilse, Ch.: A. M. In: Autorenkoll. unter Ltg. von Geerdts, H. J. Lit. der DDR. Einzeldarstellungen. Bd. 2. Berlin 1974; Serke, J.: Zuhause im Exil. München 1998.Bernd-Rainer Barth

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Mauersberger, Erhard

* 29.12.1903 – ✝ 11.12.1982

Geb. in Mauersberg (Erzgeb.); Vater Kantor u. Lehrer, Bruder  Rudolf M.; ab 1914 an der Leipziger Thomasschule; 1920 – 25 Studium am Leipziger Konservatorium; 1925 Organist, Chorltr. u. Ltr. des Bachvereins in Aachen (Nachf. seines Bruders Rudolf M.); 1928 – 30 Doz. an der Musikhochschule Mainz u. Gründung eines Knabenchors an der Christuskirche; ab 1930 Kirchenmusikdir. der Evang.-Luth. Landeskirche Thüringen sowie Kantor u. Ltr. des Bachchors an der St. Georg Kirche in Eisenach (erneut Nachf. von R. M.); ab 1932 zugl. Doz. an der Musikhochschule Weimar; seit 1932 Mitarb. des Inst. zur »Erforschung u. Beseitigung des jüd. Einflusses auf das dt. kirchl. Leben«. 1946 Prof. an der Musikhochschule »Franz Liszt« in Weimar; ab 1950 Ltr. der Thüring. Kirchenmusikschule in Eisenach; Febr. 1961 – Apr. 1972 Thomaskantor u. Ltr. des Thomaschors in Leipzig (Nachf. von Kurt Thomas); zeitw. auch Ltr. des Leipziger Gewandhauschors; 1964 – 73 Präs. des Bach-Komitees der DDR; zahlr. Schallplatten- u. Rundfunkaufnahmen; komponierte auch A-capella-Werke für den Thomanerchor; gest. in Leipzig.Loh-Kliesch, A.: Leipzig-Lexikon. Leipzig ab 1998; Mauersberger, H.: Dresdner Kreuzchor u. Thomanerchor Leipzig: Zwei Kantoren u. ihre Zeit. Rudolf u. E. M. Marienberg 2007.Ingrid Kirschey-Feix

Wer war wer in DDR

Maul, Arthur

* 12.10.1935

Geb. in Eicha (Krs. Hildburghausen); OS; Studium an der Seeoffiziersschule »Karl Liebknecht« der Volksmarine u. der Seefahrtschule Wustrow; 1957 SED; 1959 – 65 Offizier bzw. Kapitän auf Schiffen der Dt. Seereederei; 1965 – 68 Studium an der PHS der SED, Dipl.-Gesellschaftswiss.; 1968 – 75 Ltr. des Seefahrtsamts der DDR (Nachf. von  Karl-Heinz Landahn); 29.1.1976 – 18.6.1990 GD des VEB Kombinat Seeverkehr u. Hafenwirtsch. – Deutfracht / Seereederei (Nachf. von  Heinz Neukirchen); Mitgl. des Präs. der KfA.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

May, Gisela

* 31.5.1924 – ✝ 2.12.2016

Geb. in Wetzlar; Vater Schriftst. Ferdinand M., Mutter Schauspielerin; Grundschule, Höhere Mädchenschule u. Haushaltsschule; Pflichtjahr; 1940 – 42 Schauspielstudium in Leipzig; anschl. Engagements in Dresden, Landesbühne Danzig, Stadttheater Görlitz. 1945 – 51 Engagement als Schauspielerin in Schwerin u. Halle, 1951 – 61 am Dt. Theater Berlin; 1959 Kunstpreis der DDR; 1961 Berliner Ensemble; 1963 Präs. der Dt.-Ital. Ges. der DDR; zeitw. Mitgl. des Vorst. des Verb. der Theaterschaffenden; 1972 DAK; 1963, 1973 NP; Doz. an der Staatl. Schauspielschule Berlin, danach an der HS für Musik »Hanns Eisler«; 1980 VVO; SED; war in erster Ehe verh. mit  Georg Honigmann; danach Lebensgemeinschaft mit  Wolfgang Harich; versch. Chansonprogramme, u. a.  Bertolt Brecht,  Peter Hacks, Tucholsky, frz. Chansons; in den 80er Jahren TV-Sendereihe »Pfundgrube«; 1988 NP. Rollen u. a. in: 1952 »Minna von Barnhelm«, 1957 »Nora«, 1958 »Wozzeck«, 1962 »Der Biberpelz«, 1962 »Die Tage der Commune«, »Esther«, 1964 »Jenny Marx«, 1973 »Frau Warrens Beruf«, 1979 »Fleur Lafontaine«, 1983 »Zwei Ärztinnen«; künstler. Zusammenarbeit mit  Helene Weigel,  Paul Dessau,  Ernst Busch; wichtige  Hanns-Eisler-Interpretin, große internat. Erfolge als Interpretin von Brecht-Songs. 1991 Bundesfilmpreis für ihre Rolle in »Die Hallo-Sisters« (zus. mit Ilse Werner u. Harald Juhnke); weitere TV-Filmrollen, u. a. »Adelheid u. ihre Mörder« (1994 – 2000); 1999 Ehrenmitgl. der Kurt-Tucholsky-Ges.; 2000 Verdienstorden der Stadt Berlin; 2004 Bundesverdienstkreuz; gest. in Berlin.Mit meinen Augen. Begegnungen u. Impressionen. Biogr. Berlin 1977; Es wechseln die Zeiten. Leipzig 2002 (Autobiogr.). Carlé, W.: G. M. Berlin 1960; Kranz, D.: G. M. – Schauspielerin u. Diseuse. Bildbiogr. Berlin 1982; Gaus, G.: Zur Person Bd. 5. Berlin 2001.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Mayer, August (Gustl)

* 9.6.1898 – ✝ 11.10.1969

(* 1898 – † 1969) Geboren am 9. Juni 1898 in München, Sohn einer Arbeiterfamilie; Laufbursche, dann ungelernter Metallarbeiter und 1913 Bürohilfsarbeiter. 1916 Mitglied der Arbeiterjugend und der SPD. Wegen eines Herzleidens nicht an die Front geschickt, gehörte er 1919 mit Karl Thoma ( Ewald Blau) zu den Mitbegründern der FSJ in Südbayern. 1920 trat er in die KPD ein, zunächst Orgsekretär der FSJ Südbayern, dann Mitarbeiter in der Reichszentrale der FSJ in Berlin. Im Sommer 1921 Parteiangestellter der BL in Nürnberg, zeitweise Orgleiter für Nordbayern. 1922 in die Zentrale der KPD nach Berlin geholt, trat Mayer an die Stelle von Willi Mielenz in der Orgabteilung. Mit Karl Gröhl ( Karl Retzlaw) baute er den geheimen Paßapparat und den illegalen Verbindungsdienst für das ganze Reich auf. Im September 1923 übernahm er die Waffenbeschaffung für Groß-Berlin, Brandenburg und die Lausitz. Am 11. März 1924 mit zwei anderen Mitarbeitern verhaftet und nach einem Jahr Untersuchungshaft am 22.April 1925 vom Reichsgericht im sogenannten Tscheka-Prozeß wegen »Vorbereitung zum Hochverrat« sowie Sprengstoffverbrechens zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt. Durch die »Hindenburg-Amnestie« im Oktober 1927 freigelassen und 1928 erneut Parteiangestellter des ZK der KPD. Offiziell Statistiker in der Orgabteilung, tatsächlich aber seit Anfang 1931 verantwortlich für Waffenbeschaffung im gesamten Reich. Mayer wurde enttarnt und flüchtete 1931 über Wien nach Moskau, kam an eine Militärschule. Danach in der Orgabteilung der Komintern und ab Januar 1932 Instrukteur für Spezialfragen auf illegalem Gebiet, Nachfolger von Wilhelm Zaisser. Bis 1938 arbeitete er für die OMS vorwiegend in Prag und Amsterdam, ab Frühjahr 1938 in Paris. Von 1939 bis 1945 lebte er illegal in Den Haag und Amsterdam und war dort auch Leiter der KPD-Emigrantengruppe. Im September 1945 kehrte Mayer nach Deutschland zurück, wurde Ende Dezember 1945 im Auftrag der SMAD einer der drei Vertreter der SBZ im »Gesamtdeutschen Suchdienst für vermißte Deutsche beim Alliierten Kontrollrat«. 1946/47 Präsident des Suchdienstes für vermißte Deutsche in der SBZ, wechselte er im November 1948 zur Deutschen Verwaltung des Innern als Generalinspekteur und Leiter der Hauptabteilung der Kriminalpolizei. Ab 1949 Stellvertreter des Chefs der DVP, wurde 1951 Leiter der Verwaltung Strafvollzug in der Hauptverwaltung Deutsche Volkspolizei. 1959 als Generalmajor ausgeschieden, er erhielt 1968 den VVO in Gold. August Mayer starb am 11. Oktober 1969 in Ost-Berlin.Bernd-Rainer Barth / Andreas Herbst

dissidenten.eu

Mazowiecki, Tadeusz

* 1927 – ✝ 2013

Jurist, katholischer Publizist, Politiker; langjähriges Mitglied des Warschauer *Klubs der Katholischen Intelligenz und Chefredakteur der Monatsschrift „Więź“; 1961–72 Parlamentsabgeordneter für die Gruppe „Znak“, ab 1978 Mitglied der *Gesellschaft für Wissenschaftliche Kurse, 1980 Vorsitzender des Expertenausschusses des Überbetrieblichen Streikkomitees in der Danziger Lenin-Werft, anschließend Berater Lech Wałęsas und des Landeskoordinierungsausschusses, ab 1981 Berater des Landesausschusses der *Solidarność, 1981 und 1989 Chefredakteur des „Tygodnik Solidarność“, ab 1988 Mitarbeit im *Bürgerkomitee beim Vorsitzenden der *Solidarność; 1989 erster nichtkommunistischer Regierungschef im Ostblock.Tadeusz Mazowiecki wurde 1927 in Płock geboren. Er studierte Jura an der Universität Warschau. 1949–51 engagierte er sich für die Wochenzeitschrift „Dziś i jutro“. Diese war von katholischen Aktivisten um Bolesław Piasecki gegründet worden, die einen Modus vivendi mit den Kommunisten suchten. 1950–52 war er stellvertretender Chefredakteur der von der gleichen Gruppe herausgegebenen Tageszeitung „Słowo Powszechne“ und wurde dann auch Mitglied der 1952 von Piasecki gegründeten katholischen Vereinigung PAX. 1953–55 arbeitete er als Chefredakteur der Breslauer katholischen Wochenzeitung „Wrocławski Tygodnik Katolicki“. 1955 trat er gemeinsam mit einer Gruppe junger Leute, die wie er mit der politischen Linie Piaseckis nicht einverstanden waren, aus der Vereinigung PAX aus. 1956 gehörte Mazowiecki zu den Gründern des Gesamtpolnischen Klubs der Fortschrittlichen Katholischen Intelligenz (Ogólnopolski Klub Postępowej Inteligencji Katolickiej), in dem er auch einer der Sekretäre war. 1957–63 war er Vorstandsmitglied des Warschauer *Klubs der Katholischen Intelligenz (Klub Inteligencji Katolickiej; KIK). Mazowiecki zielte in seinen Aktivitäten nicht so sehr darauf, fundamentalen Widerstand gegen das Regime zu leisten, sondern wollte das System vielmehr menschlicher gestalten und setzte sich für die Achtung der Menschenrechte ein. 1978 führte er im Warschauer *Klub der Katholischen Intelligenz aus, dass es in der politischen Wirklichkeit Volkspolens einen gleitenden Übergangsbereich zwischen dissidentischem und offiziellem Handeln gebe. Die Staatsmacht trachte jedoch danach, Gruppen, die Forderungen stellten, grundsätzlich als Opposition zu behandeln. Deshalb gelte es, so Mazowiecki, diesen Übergangsbereich zu verteidigen. Diesem Übergangsbereich war die Bewegung Znak (Zeichen) zuzurechnen, in der Mazowiecki von Anfang an eine bedeutsame Rolle spielte. Von 1958 an leitete er 23 Jahre lang eine der wichtigsten Einrichtungen der Znak-Bewegung, die Warschauer Monatsschrift „Więź“. Hinter dieser Zeitschrift stand ein Kreis von jungen katholischen Publizisten, die vor 1956 mit der Vereinigung PAX liiert gewesen waren, sich dann jedoch radikal von deren Ideologie und politischen Vorstellungen abgewandt hatten. 1961 zog Mazowiecki als einer von fünf Abgeordneten der Znak-Gruppe in das polnische Parlament (Sejm) ein. Er war Mitinitiator zahlreicher parlamentarischer Anfragen, so unter anderem am 11. März 1968, als die Znak-Abgeordneten sich für die Studenten einsetzten, die wegen ihrer Teilnahme an den Ereignissen im *März 1968 Repressionen ausgesetzt waren. Als Redakteur der Zeitschrift „Więź“ suchte Mazowiecki den Dialog mit humanistisch orientierten Marxisten. Er gehörte auch zu denjenigen, die den deutsch-polnischen Dialog anstießen mit dem Ziel der Versöhnung auf Grundlage der Anerkennung der Grenze an Oder und Neiße und des Bekenntnisses zu gemeinsamen europäischen und christlichen Werten. Nach den Ereignissen im *März 1968 druckte er in „Więź“ Texte von Personen, die in der offiziellen Presse nicht mehr publizieren durften. Unmittelbar nach den Arbeiterprotesten im *Dezember 1970 begab sich Mazowiecki nach Danzig, um sich ein genaues Bild von Ablauf und Zahl der Opfer zu machen. Er forderte die Einsetzung eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses, um die Umstände der Ereignisse zu klären. In „Więź“ forderte er Systemreformen, die Ermöglichung einer freien Diskussion, die Anerkennung der Autonomie von Wissenschaft und Kultur sowie die Schaffung „einer effizienten Arbeitervertretung“. Wiedergewonnen werden müssten das gesellschaftliche Bewusstsein einer gemeinsamen Verantwortung für das Land und die authentische Teilnahme am öffentlichen Leben. Die Reaktion der Staatsmacht auf diese Einlassungen war die Streichung Mazowieckis von der Kandidatenliste für die Parlamentswahl 1972.In der ersten Hälfte der 70er Jahre befürwortete Mazowiecki den allmählichen Rückzug der Znak-Bewegung aus den offiziellen Strukturen. Der Schwerpunkt der Arbeit sollte vielmehr auf langfristige Erziehungs- und Kulturarbeit gelegt werden. 1975–81 war er stellvertretender Vorstandsvorsitzender des *Klubs der Katholischen Intelligenz in Warschau. Anfang 1976 gehörte er zu den Initiatoren eines Briefes, in dem sich Vertreter der Znak-Bewegung gegen geplante Verfassungsänderungen wandten. Im November 1976 setzte sich Mazowiecki in einem Interview der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ für die Opfer der Repressionen nach den Arbeiterprotesten im *Juni 1976 ein und sprach sich für eine Demokratisierung des öffentlichen Lebens aus. Er forderte unabhängige Gewerkschaften und eine Begrenzung der staatlichen Zensur. Außerdem sagte er, gesellschaftlichen Organisationen und Gruppen müssten eine wahre Autonomie zugestanden werden. Abgeschafft gehöre die Unterstützung des Staates für atheistische Propaganda und allen Bürgern müssten gleiche berufliche Entwicklungsmöglichkeiten garantiert werden. Im Mai 1976 übernahm Mazowiecki die Vertretung von Bürgerrechtlern, die sich vom 24. bis 30. Mai 1977 in der Warschauer St.-Martin-Kirche mit einem Hungerstreik für die inhaftierten Arbeiter und die festgenommenen Mitglieder und Mitarbeiter des Komitees zur Verteidigung der Arbeiter (Komitet Obrony Robotników; *KOR) eingesetzt hatten. Mit diesem Schulterschluss mit den Protestierenden riskierte er ein Verbot der Zeitschrift „Więź“. Im November 1977 veranstaltete Mazowiecki im Warschauer *Klub der Katholischen Intelligenz eine Tagung zum Thema Menschenrechte, an der viele Oppositionelle und Bürgerrechtler aus verschiedenen Oppositionsgruppen teilnahmen. Mazowiecki sagte damals: „Ein Christ kann sich in vielerlei Weise für Menschenrechte einsetzen und ihnen dienen. Eines darf er jedoch nicht: Wo immer Freiheit und Menschenrechte mit Füßen getreten werden, wo immer für Menschenrechte gekämpft wird – nie darf ein Christ die Rolle des Pilatus übernehmen.“ Die „Więź“-Redaktion wurde dank Mazowiecki zu einer Plattform des Dialogs unterschiedlicher oppositioneller Richtungen. Im Januar 1978 gehörte Mazowiecki zu den Gründern der *Gesellschaft für Wissenschaftliche Kurse (Towarzystwo Kursów Naukowych; TKN) und war Mitglied von deren Programmrat. Er arbeitete auch mit der *Polnischen Unabhängigkeitsallianz (Polskie Porozumienie Niepodległościowe; PPN) zusammen, deren Publikation „Die Kirche und die Katholiken in Volkspolen“ (Kościół i katolicy w Polsce Ludowej) in erster Linie aus seiner Feder stammte. Während der Streiks im August 1980 gehörte Mazowiecki am 20. August zu den Initiatoren und Autoren eines Appells von 64 Intellektuellen, in dem diese die Forderungen der Streikenden unterstützten und die Regierung zur Aufnahme von Gesprächen aufriefen. Mit diesem Appell begaben sich Tadeusz Mazowiecki und Bronisław Geremek am 22. August in die Danziger Lenin-Werft, wo sie sich dem Überbetrieblichen Streikkomitee (Międzyzakładowy Komitet Strajkowy; MKS) auf Bitten von Lech Wałęsa als Berater zur Verfügung stellten. Mazowiecki wurde am 24. August Vorsitzender einer eingesetzten Expertenkommission und spielte in den Verhandlungen mit der Regierungsseite eine wesentliche Rolle.Nach Unterzeichnung der *Danziger Vereinbarung wurde Mazowiecki zum wichtigsten Berater Lech Wałęsas und des Landeskoordinierungsausschusses (Krajowa Komisja Porozumiewawcza; KKP) der *Solidarność. Er stand für eine Politik des Augenmaßes, die forderte, die Herrschenden müssten allmählich an die Tatsache gewöhnt werden, dass sie es mit einer mächtigen, von ihnen unabhängigen Organisation zu tun hätten. Er ging von der Möglichkeit aus, dass die Machthaber auf Dauer die Existenz unabhängiger Gewerkschaften akzeptieren könnten, was allerdings Änderungen in der Regierungsarbeit zur Folge haben müsse. Zugleich verwies er auf die Grenzen in Bezug auf mögliche Systemveränderungen. Mazowiecki war dagegen, allzu radikale Forderungen vorzubringen und eine die Kommunisten provozierende Sprache zu benutzen. Später gab er zu Protokoll, damals sei es sein Wunsch gewesen, dass die *Solidarność nicht nur wie ein Strohfeuer abbrenne wie in so vielen erhabenen Momenten der polnischen Geschichte, sondern dauerhaft bestehe und dadurch die Gesellschaft und die Gestalt des ganzen Landes verändern werde. In diesem Sinn arbeitete Mazowiecki mit den Gewerkschaftsführern zusammen und formte das Profil der Zeitung „Tygodnik Solidarność“ (Solidarność-Wochenblatt), dessen Redakteur er bis zur Verhängung des *Kriegsrechts am 13. Dezember 1981 war, als die Zeitschrift verboten wurde. Mazowiecki nahm an vielen Gesprächen mit der Regierungsseite teil. In Krisensituationen (beispielsweise im Zusammenhang mit der Registrierung der *Solidarność im Oktober 1980 oder während der Polizeigewalt in der sogenannten Bromberger Krise im März 1981) erwies er sich als sehr ausdauernder Verhandlungspartner, der immer eine Ebene zur Verständigung suchte. Seine Position und seinen Einfluss hatte Mazowiecki nicht nur seinen persönlichen Eigenschaften und seinen engen Kontakten zu Lech Wałęsa zu verdanken, sondern vor allem seiner Verwurzelung in den meinungsbildenden Gremien der Warschauer und Krakauer Intelligenz, aus der die meisten *Solidarność-Berater hervorgegangen waren. Mit der Ausrufung des *Kriegsrechts am 13. Dezember 1981 wurde Mazowiecki nach einer Sitzung des *Solidarność-Landesausschusses in Danzig festgenommen und durchlief mehrere Internierungslager (Strzebielinek, Jaworze, Darłówko). Am 23. Dezember 1982 kam er aus der Internierungshaft frei. Im November 1983 übernahm Mazowiecki die Leitung des Programmrates des Warschauer *Klubs der Katholischen Intelligenz, damals ein Ort der Begegnung für katholische Intellektuelle aus dem *Solidarność-Umfeld. Der Programmrat wurde auf Betreiben der Behörden aufgelöst, nachdem er im Juni 1984 das Dokument „Zum Zustand des gesellschaftlichen Bewusstseins“ (Stan świadomości społecznej) veröffentlicht hatte. Darin wurde argumentiert, dass die Gesellschaft in den *Solidarność-Jahren 1980/81 das Gefühl der Selbstbestimmung erlangt habe, weswegen eine Rückkehr zu einer Situation wie vor dem August 1980 unmöglich sei. Mazowiecki beriet in jener Zeit in erster Linie Lech Wałęsa, in geringerem Maße war er auch für die konspirativen Strukturen der Gewerkschaft tätig. Er beteiligte sich an der Erarbeitung des umfangreichen Rapports „Polen fünf Jahre nach dem August“ (Polska 5 lat po sierpniu) und verfasste gemeinsam mit Bronisław Geremek eine politische Konzeption für den Dialog zum Erreichen einer politischen Vereinbarung mit dem Regime. Immer wieder hielt er in zahlreichen Kirchen Referate und wurde vom Staatssicherheitsdienst mehrfach verhaftet.1986 gründete Mazowiecki gemeinsam mit Ryszard Bugaj, Kazimierz Dziewanowski, Bronisław Geremek, Andrzej Celiński und Andrzej Wielowieyski die Untergrundzeitschrift „21“. Am 31. Mai 1987 unterzeichnete er eine Deklaration, in der die generellen Ziele der Opposition aufgelistet waren. Nachdem sich der belgische Außenminister für Mazowiecki eingesetzt hatte, erhielt er 1987 von den polnischen Behörden einen Reisepass. In Belgien, Frankreich, West-Deutschland, Italien und Österreich hielt er Vorträge über die *Solidarność, gab Interviews, traf sich mit Gewerkschaftern und Politikern. In Rom hatte er ein Gespräch mit Papst Johannes Paul II., bei dem die Situation vor der nächsten Reise des Papstes nach Polen erörtert wurde. Im Mai 1988 schlichtete Mazowiecki als Bevollmächtigter des Episkopats zwischen Regierung und dem Streikkomitee der Danziger Werft und blieb nach dem Scheitern der Gespräche bis zum Ende des Streiks auf dem Werftgelände. Während der nächsten Streikwelle im August 1988 besuchte er die St.-Brigitten-Gemeinde in Danzig, wo er Lech Wałęsa und dem Streikkomitee als Berater zur Seite stand. Mazowiecki gehörte zum engen Kreise jener Gewerkschaftsführer der *Solidarność, die die Verhandlungen am *Runden Tisch vorbereiteten. Im Dezember 1988 war er einer der Gründer des *Bürgerkomitees (Komitet Obywatelski) beim Vorsitzenden der *Solidarność, wo er den Ausschuss für gewerkschaftlichen Pluralismus leitete. Während der vorbereitenden Gespräche zum *Runden Tisch im Januar 1989 bestand er auf der Wiederzulassung der *Solidarność als Vorbedingung für eine Einigung in anderen Fragen. Er sprach sich gegen eine Beteiligung der *Solidarność an einer künftigen Regierung aus, favorisierte die parlamentarische Ebene als Aktionsfeld und setzte auf eine allmähliche Umgestaltung des Systems. Während der Gespräche am *Runden Tisch spielte Mazowiecki eine wesentliche Rolle. Er nahm an den Plenarsitzungen teil, war Ko-Vorsitzender der Arbeitsgruppe Gewerkschaftlicher Pluralismus, koordinierte die Arbeit der Verhandlungsdelegationen und nahm auch an zahlreichen vertraulichen Verhandlungen teil. Bei den halbfreien Parlamentswahlen im Juni 1989 kandidierte Mazowiecki nicht, da er Vorbehalte gegenüber der Kandidatenauswahl durch das *Bürgerkomitee hatte. Er übernahm jedoch die Redaktion des im Juni 1989 reaktivierten „Tygodnik Solidarność“. Die von Adam Michnik formulierte Devise „Euer Präsident, unser Premierminister“, nach der den Kommunisten das Präsidentenamt und der Opposition das Amt des Ministerpräsidenten zugesprochen werden sollten, zog er in Zweifel. Nachdem die neue Regierungskoalition aus *Solidarność und den bis dato nur als Blockparteien in Erscheinung getretenen Gruppierungen Vereinigte Bauernpartei (ZSL) und Demokratische Partei (SD) stand und er auf Betreiben von Lech Wałęsa als Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten nominiert worden war, nahm Mazowiecki jedoch den Auftrag zur Regierungsbildung an. Am 24. August 1989 wählte ihn der Sejm zum ersten nichtkommunistischen Ministerpräsidenten im Ostblock, am 12. September 1989 sprach das Parlament der von ihm gebildeten Regierung das Vertrauen aus. Das Amt des Ministerpräsidenten übte Mazowiecki bis Dezember 1990 aus.1991–94 war Mazowiecki Parteivorsitzender der Demokratischen Union (Unia Demokratyczna), 1994/95 der Freiheitsunion (Unia Wolności). Er leitete den Verfassungsausschuss der Nationalversammlung und den Sejm-Ausschuss für Europäische Integration. Ab 1992 war er Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen zur Lage der Menschenrechte im ehemaligen Jugoslawien. Aus Protest gegen die Gleichgültigkeit der internationalen Gemeinschaft und der westlichen Staaten gegenüber dem Völkermord auf dem Balkan legte er dieses Mandat 1995 nieder. 2005 gehörte Mazowiecki zu den Gründern der Demokratischen Partei (Partia Demokratyczna), die aus der einstigen Freiheitsunion unter Einbeziehung jüngerer und einiger linker Politiker entstanden war. Er war Mitglied des Politischen Rates dieser Partei. Tadeusz Mazowiecki starb am 28. Oktober 2013 in Warschau.Andrzej Friszke Aus dem Polnischen von Gero Lietz Letzte Aktualisierung: 08/16

Wer war wer in DDR

Mecklenburg, Ernst

* 3.6.1927

Geb. in Blöcken (Krs. Labiau, Ostpr./Osokino, Rußland); Vater Landarb., Bauer; Volksschule; landw. Lehre, Landw.-Gehilfe; 1943/44 Lehrerbildungsanstalt Memel; 1944 NSDAP (Anwärter); 1944 Wehrmacht; kurzz. engl. Gefangenschaft. Anschl. Bergarb. in den Westzonen; ab 1947 Neubauer in Torisdorf (Krs. Schönberg); 1950 DBD u. FDJ; Vors. des Krs.-Vorst. Grevesmühlen der DBD; 1950 – 52 Bürgermstr. in Rehna (Krs. Gadebusch); 1952 Abt.-Ltr. Kommunalpol. beim DBD-Landesvorst. Mecklenb.; anschl. Abt.-Ltr. Agrarpol.; 1954 – 63 Org.-Sekr. beim Bez.-Vorst. Rostock der DBD; 1953 FDGB; 1953 – 58 Fernstudium an der DASR Potsdam u. der HS für Landw. Bernburg, Dipl.-Agrarökon.; 1954 – 67 Abg. des Bez.-Tags Rostock; 1963 – 67 Vors. des Bez.-Vorst. Rostock; 1963 – 90 Mitgl. des PV, ab 1968 des Präs. der DBD; 1967 – 74 Sekr., 1974 – 82 stellv. Vors. des PV der DBD; 1967 Mitgl. des Zentralvorst. der DSF; 1968 Prom. zum Dr. agr. an der Univ. Rostock mit einer Diss. zur Entw. der genossenschaftl. Agrarprod.; 1983 in dessen Präs.; 1971 Abg. der Volkskammer, 1971 – 81 Mitgl. im Aussch. für Volksbildung, 1981/82 Mitgl. ihres Präs.; 1977 VVO; 1982 – 87 Vors. der DBD (Nachf. von  Ernst Goldenbaum), stellv. Vors. des Staatsrats (Nachf. von Ernst Goldenbaum); 1983 Ehrenspange zum VVO; 1983 Mitgl. des Präs. des NR der NF; März 1987 aus der hauptamtl. Tätigkeit aus gesundheitl. Gründen ausgeschieden; 1987 KMO.Siegfried Kuntsche / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Mehlhorn, Willi

* 11.1.1892 – ✝ 5.9.1963

Geboren am 11. Januar 1892 in Hartenstein/ Sachsen, Sohn einer Arbeiterfamilie; Land- und Bergarbeiter, Weltkriegsteilnehmer. 1917 trat er der SPD bei, 1920 der KPD. Er war Mitglied des Bergarbeiterverbandes und später der RGO. Ab 1923 Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats der Grube »Deutschland« in Oelsnitz und Abgeordneter der Stadtverordnetenversammlung von Zwickau. 1930 wurde Mehlhorn in den Sächsischen Landtag gewählt, dem er bis 1933 angehörte. 1931 Leiter des UB Zwickau, vom Januar bis Juni 1932 Orgleiter der KPD in Dresden. Im September 1932 wurde er Leiter des Kampfbundes gegen den Faschismus in Sachsen. Ab Februar 1933 arbeitete er illegal als Polleiter des KPD-Bezirks Westsachsen u. a. zusammen mit Karl Ferlemann. Anfang November 1933 verhaftet, kam Mehlhorn ins KZ und wurde am 17.November 1934 vom VGH zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Im Dezember 1936 zwar aus dem Zuchthaus Waldheim entlassen, aber sofort in »Schutzhaft« im KZ Sachsenburg und später im KZ Buchenwald. Nach seiner Freilassung im April 1939 Bergarbeiter, dann am 22.August 1944 in der Gestapo-Verhaftungsaktion »Gewitter« erneut festgenommen und drei Monate in »Schutzhaft«. Mehlhorn, der danach bis zum Einmarsch amerikanischer Truppen illegal lebte, wurde nach der Befreiung Sekretär des KPD-UB Zwickau. 1946/47 zunächst Vorsitzender der SED Zwickau, dann Kommunalsekretär, ab Mai 1948 Werkleiter des Steinkohlewerks »Karl Liebknecht« in Oelsnitz. Seit 1951 Invalidenrentner, er bekam 1958 die Medaille »Kämpfer gegen den Faschismus«. Willi Mehlhorn starb am 5. September 1963 in Hartenstein.

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Meier, Bernd

* 28.12.1944 – ✝ 30.5.2005

Geb. in Cainsdorf (b. Zwickau); Vater Tischler; Grund- u. OS; 1960 FDJ; Ausb. zum Isolierklempner im PCK Schwedt, dort im Beruf tätig; 1963 SED; 1965/66 NVA; 1967/68 Studium an der BPS Frankfurt (Oder); 1968 – 71 Sekr. der FDJ-KL Angermünde u. Schwedt; 1971 – 74 Studium an der PHS, Dipl.-Gesellschaftswiss.; 1974 – 78 2. Sekr., 1979 – 85 1. Sekr. der FDJ-BL Frankfurt (Oder) (Nachf. von Hans Andreas); Mitgl. der SED-BL Frankfurt (Oder) u. Mitgl. des Sekr.; 1985 – 89 Sekr. der Zentralen Parteiltg. des PCK Schwedt u. Parteiorganisator des ZK der SED; Nov. 1989/90 1. Sekr. der SED-BL Frankfurt (Oder) (Nachf. von  Christa Zellmer); Dez. 1989 Mitgl. des Arbeitsaussch. zur Vorbereitung des außerord. SED-Parteitags; März – Okt. 1990 Mitgl. der Volkskammer, parl. Geschäftsf. der PDS-Fraktion.Helmut Müller-Enbergs

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Meier, Kurt

* 7.12.1914 – ✝ 25.1.1985

Geb. in Wilkau-Haßlau (b. Zwickau); Vater Arbeiter; Volksschule; 1928 Bergarbeiterverb.; ATSB; 1929 – 35 Ausbildung zum Hauer, danach im Beruf tätig; 1935 – 45 Militär- u. Kriegsdienst, Artillerie, Hauptwachtmstr.; 1945 – 48 sowj. Kriegsgefangenschaft, Vors. des Antifa-Aussch. im Lager Welikije Luki. 1948 Rückkehr nach Dtl.; Entroster im RAW »7. Okt.« Zwickau; 1950 – 52 2. bzw. 1. BGL-Vors.; 1950 SED; 1952 – 82 Mitgl. des FDGB-Bundesvorst., bis 1963 Mitgl. des Präs.; 1956/ 57 Studium an der PHS; 1964 – 77 Vors. des FDGB-Bez.-Vorst. Schwerin (Nachf. von Gerhard Völkner).Die Bedeutung der Gewerkschaftswahlen 1952/53. Berlin 1952 (zus. mit H. Warnke u. L. Saillant); Wie arbeitet die BGL mit dem Gewerkschaftsaktiv. Berlin 1952.Helmut Müller-Enbergs

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Meinel, Paul

* 24.7.1914 – ✝ 5.1.1999

Geb. in Falkenstein (Vogtl.); Vater Weber; Grundschule; 1929 SAJ; 1929 – 34 Lehrling u. Gehilfe bei einem Rechtsanwaltsbüro in Falkenstein u. in Schloppe; 1934 – 36 Gehilfe u. Bürovorsteher bei einem Rechtsanwaltsbüro in Magdeburg; 1936 – 45 Wehrmacht. 1945 / 46 SPD / SED; 1945 / 46 Hilfstischler in Klingenthal; 1946 / 47 Ltr. der Stadthauptkasse u. Stadtrat in Klingenthal; 1947 / 48 kaufm. Ltr. der Industrie-Verwaltung Musikinstrumente Klingenthal; 1948 / 49 Ltr. der Haupt- u. Personalabt. der VVB Musik / Kultur Klingenthal; 1949 – 52 Planungsltr. im VEB Klingenthaler Harmonikawerke, 1952 – 54 Planungsltr., 1955 / 56 Ltr. der VVB Musikinstrumente u. Kulturwaren Plauen; 1956 – 58 Ökonom. Ltr. im Min. für Leichtindustrie, HV Musikinstrumente u. Kulturwaren in Leipzig; 1958 – 60 Ökonom. Ltr., 1960 – 63 Hauptdir. der VVB(B) Musikinstrumente und Kulturwaren Plauen; Sonderstudium Industrieökonomik, 1961 Industrie-Ökonom; 1964 – 77 GD der VVB Musikinstrumente u. Kulturwaren Plauen; 1974 VVO; gest. in Plauen.Andreas Herbst

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Meisner, Heinrich Otto

* 1.4.1890 – ✝ 26.11.1976

Geb. in Berlin; 1908 – 13 Studium der Fächer Geschichte, Germanistik, Staats- u. Verw.-Recht, 1913 Prom.; 1913/14 Staatsarchiv Stettin; 1914 Preuß. Geheimes Staatsarchiv Berlin; Staatsprüfung für wiss. Archivdienst; 1914 – 18 Soldat im 1. Weltkrieg; 1918 – 45 tätig im preuß. Archivdienst; 1921 Staatsarchivar; 1925 – 27 Ltg. des Brandenb.-Preuß. Hausarchivs Berlin; seit 1922 am Preuß. Geheimen Staatsarchiv; seit 1930 nebenamtl. als Doz. am Inst. für Archivwiss. u. geschichtswiss. Fortbildung tätig; 1928 als erster dt. Archivar längere Studienreise in die UdSSR; 1935 – 45 ltd. Funktionen im Reichsarchiv Potsdam. 1950 – 53 Doz. am Inst. für Archivwiss. Potsdam; 1953 – 61 Prof. mit vollem Lehrauftrag für Hist. Hilfswiss. an der HU Berlin; anschl. em.; 1959 Korr., 1961 Ord. Mitgl. der DAW; gest. in Potsdam. H. M. hat die universitäre archivwiss. Ausbildung in der DDR begründet u. bis zu seiner Em. maßgebl. geprägt.Urkunden- u. Aktenlehre der Neuzeit. Berlin 1935; Archivalienkunde vom 16. Jh. bis 1918. Leipzig 1969.Ilko-Sascha Kowalczuk

Handbuch Deutsche Kommunisten

Mätzchen, Bruno

* 13.6.1901 – ✝ 5.6.1979

Geboren am 13. Juni 1901 in Berlin-Pankow, Sohn eines Maurers; lernte Maschinenschlosser und arbeitete bis 1924 in Berliner Metallbetrieben. Seit 1918 Mitglied des DMV, 1919 der USPD, trat 1920 in die KPD ein. Er war 1924 Polleiter des Verwaltungsbezirks Berlin-Pankow und von 1925 bis 1927 Sekretär und Gauleiter des RFB Berlin-Brandenburg. Als Anhänger von Ruth Fischer 1927 wegen »Fraktionstätigkeit« aus der KPD ausgeschlossen, wurde er Mitglied des Leninbunds. Im August 1927 stellte er gemeinsam mit 17 prominenten Linkskommunisten, darunter Wolfgang Bartels, Ruth Fischer, Anton Grylewicz, Werner Scholem, Hugo Urbahns und anderen einen Antrag auf Wiederaufnahme in die KPD, der aber am 17.September 1927 vom Präsidium des EKKI als provokatorisch abgelehnt wurde. Mätzchen blieb bis 1932 im Leninbund aktiv, arbeitete von 1928 bis 1931 als Bierfahrer, dann bis 1945 als Werkmeister in Berlin-Reinickendorf. 1945 wieder Mitglied der KPD, die russische Besatzungsmacht ernannte ihn im Juni 1945 zum Bürgermeister von Berlin-Pankow. Ab Anfang 1947 Sekretär der SED Berlin-Pankow, 1950 Hauptreferent in der SED-Landesleitung, anschließend beim Magistrat von Ost-Berlin. Wegen seiner früheren Mitgliedschaft im Leninbund als »Renegat der Arbeiterklasse« am 5. Oktober 1951 aus der SED ausgeschlossen. Von 1951 bis 1953 beim Konsum Berlin-Lichtenberg. Der Parteiausschluß wurde im Januar 1957 aufgehoben, ab Januar 1958 war er Direktor bei der BVG in Ost-Berlin, 1976 erhielt er den VVO in Bronze. Bruno Mätzchen starb am 5. Juni 1979 in Ost-Berlin.

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Mauersberger, Heinrich

* 11.2.1909 – ✝ 16.2.1982

Geb. in Neukirchen (Krs. Zwickau); Webschule in Crimmitschau u. Akad. für Technik in Chemnitz mit Ausbildung zum Färbereitechniker; ab 1934 Handschuhfabrik Kühnert AG. 1949 Patentierung des Vliesfaden-Nähwirkverfahrens Maliwatt; ab 1950 VEB Spezialnähmaschinenfabrik Limbach-Oberfrohna; 1954 NP; der anfängl. Skepsis verantw. Stellen hinsichtl. der Möglichkeiten effektiver Anwendung begegnete H. M. mit der Herstellung von Mustern auf einer selbstgebauten, »Handmalimo« genannten Nähmaschine; ab Anfang der 60er Jahre setzte sich das Verfahren unter dem Namen Malimo (Mauersberger Limbach-Oberfrohna) internat. durch; es gehörte zu den wenigen in der DDR entw. Patenten von vergleichbarer weltweiter Beachtung; 1963 Held der Arbeit; in den letzten Lebensjahren Ehrenvors. des Warenzeichenverb.Jan Wielgohs

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Maurer, Eduard Georg

* 3.11.1886 – ✝ 21.2.1969

Geb. in Königstein (Taunus); Besuch der Abt. Industrieschule des Athenäums (Luxemburg), Abitur; 1904 Chemiestudium an der TH Braunschweig, 1905 – 08 an der TH Karlsruhe u. der Sorbonne Paris, 1907 Dipl.; 1909 Prom. zum Dr.-Ing. an der TH Aachen mit der Diss. »Untersuchungen über das Härten u. Anlassen von Eisen u. Stahl«; 1909 – 19 Mitarb., Assistent, später Abt.-Ltr. in der chem.-physikal. Versuchsanstalt der Fa. F. Krupp AG Essen; 1919 Habil. an der TH Aachen; Doz.; 1919 – 22 Ltr. der chem., metallograph. u. metallurg. Abt. des Kaiser-Wilhelm-Inst. für Eisenforschung in Düsseldorf; 1922 – 25 Ltr. der Versuchsanstalt Krupp Essen; 1925 ord. Prof. u. Dir. des Inst. für Eisenhüttenkunde an der Bergakad. Freiberg. 1946 – 48 Ltr. des techn. Büros des Min. für Schwarzmetallurgie der UdSSR in Freiberg; 1948 beratender Ing. für Eisenhüttenkunde bei der DWK; zugl. Prof. für Eisenhüttenkunde an der HU Berlin; 1949 – 59 Dir. des Eisenforschungsinst. in Hennigsdorf; 1950 u. 1954 NP; 1951 Ord. Mitgl. der DAW; 1959 em.; 1960 Ltr. der Forschungsstelle der DAW für Eisen u. Stahl in Freiberg; Dr. h. c. (TH Aachen u. HU Berlin); gest. in Berlin. Arbeitsgebiete: Eisenhüttenwesen, Stahlerzeugung, -verarbeitung u. -verwendung; Erfinder des V2A-Stahls; Maurersches Gußeisendiagramm (Gattierungsgrundlage in Gießereien); Entw. des Schrott-Kohle-Verfahrens in basischen Siemens-Martin-Öfen; mehr als 100 Veröff.Klaus-Peter Meinecke

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May, Torsten

* 10.9.1969

Geb. in Glauchau (Sachsen); KJS Frankfurt (Oder); Lehre als Mechaniker; NVA; ASK Vorwärts Frankfurt (Oder) (Trainer  Manfred Wolke); 1989 Bronze im Halbschwergewicht bei den DDR-Meisterschaften. 1990 – 93 Sportförderkompanie der Bundeswehr; Märk. Boxverein Frankfurt (Oder) (Trainer Karl-Heinz Krüger); 1991 WM; 1992 Olympiasieger; 1992 Dt. Vizemstr.; 1993 Übertritt zum Sauerland-Boxstall (Trainer Manfred Wolke, später Darkie Smith u. Ulli Wegner); 18.9.1993 Profi-Debüt in Düsseldorf gegen Eric Cole, Sieg durch K.o. in der 1. Runde; 31.8.1996 WM-Punktniederlage im Cruisergewicht gegen Adolpho Washington (USA); 9.12.1997 Rücktritt nach Niederlage durch techn. K.o. gegen Stefan Angehrn (Schweiz); 10.10.1998 Comeback mit Punktsieg gegen Pascal Warusfel (Frankreich); 27.11.1999 Europameister im Cruisergewicht durch Punktsieg gegen Alexej Iljin (Rußland); 21.4.2001 Rücktritt nach EM-Niederlage (techn. K.o.) gegen Alexander Gurow (Ukraine); Bilanz: 155 Amateurkämpfe (110 Siege), 25 Profikämpfe (22 Siege, davon 12 K.o.); seit Sept. 2001 Trainer im Sauerland Box Camp in Köln (u. a. von Bruder Rüdiger u. Jerry Elliott), Assistent von Trainer Ulli Wegner; Inhaber der Firma May Life Professional; lebt in Frechen-Königsdorf (b. Köln).Volker Kluge

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Mayer, Georg

* 26.12.1892 – ✝ 21.6.1973

Geb. in Horb am Neckar; Vater Rechnungsrat; Realgymnasium; 1911 – 21 Studium der Wirtschaftswiss. sowie Staats- u. Rechtswiss. an den Univ. Tübingen, Halle, Würzburg u. Gießen; 1914 – 18 Militärdienst; 1919 – 27 DDP; 1921 Prom. mit einer Diss. zur Freihandelslehre in Dtl.; anschl. wiss. Assistent an der Univ. Gießen; 1928 Habil. auf dem Gebiet der wirtschaftl. Staatswiss., bis 1933 Privatdoz. der Univ. Gießen; 1931 Mitbegr. der »Arbeitsgemeinschaft zum Studium der sowjetruss. Planwirtschaft«; 1933 von der Univ. aus pol. Gründen entlassen, verhaftet u. 1934 wegen Verstoßes gegen das »Heimtückegesetz« zu drei Mon. Gefängnis verurteilt; danach Repetitor u. Privatgelehrter für Volkswirtschaftslehre in München; 1939 Angest. der Reichsstelle für Lederindustrie in Berlin; 1941 Wehrmachtsbeamter auf Kriegsdauer; 1945/46 Gefangenschaft. 1946 wiss. Berater der Hess. Landesreg. für Fragen der Sozialisierung; 1947 Berufung an die Univ. Leipzig als Prof. mit Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre unter besonderer Berücksichtigung der Weltwirtschaftslehre u. Agrargeschichte; Übersiedl. in die SBZ; SED; 1948/49 Dir. des Weltwirtschaftsinst. an der Wirtschafts- u. Sozialwiss. Fak.; bis 1951 zugl. Kodir. des Planökon. Inst. der Ges.-Wiss. Fak.; 1948 Prorektor, 1950 – 63 Rektor der Univ. Leipzig (ab 1953 KMU) (Nachf. von Julius Lips); ab 1952 zugl. Dir. des Inst. für Agrarwesen/Agrarökon. an der Landw.-Gärtner. Fak.; 1950 – 67 Abg. der Volkskammer, bis 1954 Mitgl. im Rechtsaussch.; 1956 – 63 Vors. der Rektorenkonferenz der DDR; 1962 – 64 Präs. der Dt.-Frz. Ges. in der DDR; 1963 em.; 1957 u. 1959 VVO; KMO; Dr. h. c. der Univ. Leipzig.Zum Leben u. Wirken von G. M. Ein Vermächtnis für die soz. Univ. In: Wiss. Ztschr. der KMU Leipzig, Ges.- u. Sprachwiss. Reihe (1977) 6.Jan Wielgohs

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Mebel, Moritz

* 23.2.1923

Geb. in Erfurt; 1932 Emigr. mit den Eltern in die UdSSR (Moskau); Besuch der Karl-Liebknecht-Schule, ab 1937 der 118. Mittelschule in Moskau; 1938 Mitgl. des Komsomol; 1940 Abitur; ab 1940 Med.-Studium am 1. Med. Inst. in Moskau; ab Okt. 1941 – 47 Militärdienst in der Roten Armee, u. a. Offz. der Pol.-Abt. der 53. Armee; 1943 sowj. Orden Roter Stern; 1944 Orden des Vaterländ. Krieges; 1943 – 58 Mitgl. der KPdSU. 1945 – 47 Offz. in der Abt. Prop. der SMAD in Halle u. Merseburg, zul. Obltn.; 1947 Forts. des Studiums in Moskau, 1951 Examen am Moskauer Med. Inst.; 1951 – 54 Oberarzt u. Chirurg im Krs.-Krankenhaus Keila (Estland); 1954 – 58 Aspirant am Lehrstuhl für Urol. des ZI für Ärztl. Fortbildung in Moskau, dort 1958 Prom.; 1958 Übersiedl. in die DDR; SED; ab 1958 in Berlin als Urologe in versch. Kliniken tätig; 1958 – 60 Assistent an der Chirurg. Klinik der Charité der HU Berlin; 1959 Medaille für Kämpfer gegen den Fasch.; 1960 – 62 im Städt. Hufelandkrankenhaus; 1963 Habil.; bis 1981 Chefarzt der Urol. Klinik u. Poliklinik des Städt. Krankenhauses Berlin-Friedrichshain; seit Juni 1962 Aufbau des ersten Nierentransplantationszentrums in der DDR, 1967 erste erfolgr. Nierentransplantation (in Zusammenarbeit mit den Prof. Harald Dutz u.  Otto Prokop); 1967 – 71 Mitgl. der Stadtverordnetenvers. Berlin; 1970 VVO; 1970 ord. Prof. für Urol. an der HU Berlin (Charité); ab 1971 Kand., 1986 – 89 Mitgl. des ZK der SED; 1972 NP; 1973 Korr. u. 1975 Ord. Mitgl. der AdW; 1982 – 88 Chef der Urolog. Klinik der Charité; 1983 Ehrenspange zum VVO; 1988 KMO; 1983 – 90 Vors. des Komitees »Ärzte der DDR zur Verhütung eines Nuklearkrieges«, DDR-Sekt. von International Physicians for the Prevention of Nuclear War; Ord. Auswärt. Mitgl. der Akad. der Med. Wiss. der UdSSR; em. 1990 Mitgl. der PDS; 1992 Ausw. Mitgl. der Russ. AdW; lebt in Berlin.178 wiss. Veröff., u. a. Mitautor am »Handbuch für allg. u. spezielle Urologie« (11 Bde.), am »Handbuch Chirurg. Operationslehre«, Monographien z. Organtransplantation. Schütt, H.-D.: Rot u. Weiß. Gespräche mit M. M. Berlin 1999.Annette Vogt

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Mecklinger, Ludwig

* 14.11.1919 – ✝ 22.6.1994

Geb. in Buchdorf (b. Donauwörth); Vater Glaser; Gymnasium in Eichstätt (Bayern); 1938 RAD; 1939 – 45 Studium der Med. in Leipzig, Hamburg u. Berlin, dort 1945 Prom.; Wehrmacht, zul. Unterarzt; 1945 amerik. Kriegsgefangenschaft im Lager Traunstein. Herbst 1945 ärztl. Praxis in Bayern; 1945/46 KPD/SED; 1945 – 47 in der Provinzialverw. Sachsen-Anh. für Seuchenbekämpfung zuständig; 1947/48 Mitarb. des Landesgesundheitsamts u. 1948 – 52 im Min. für Arbeit u. Gesundheit von Sachsen-Anh.; 1949 – 54 Jura-Fernstudium an der DASR Potsdam; 1952 – 55 stellv. Vors. des ZA des DRK; 1955 – 57 stellv. Chef des Med. Dienstes der KVP bzw. NVA; 1957 – 64 Ltr. der militärmed. Sekt. der EMAU Greifswald, Oberst; 1959 – 64 nebenamtl. Ltr. der Abt. für Sozialhygiene des Hygiene-Inst. der EMAU Greifswald; hier 1963 Habil.; 1964 Prof. mit Lehrauftrag, Prorektor für Militärmed.; 1964 – 69 stellv. Min. für Gesundheitswesen; 1969 – 71 Staatssekr. u. 1. stellv. Minister für Gesundheitswesen; 1971 – 89 Minister für Gesundheitswesen (Nachf. von  Max Sefrin); 1972 VVO; 1981 – März 1990 Abg. der Volkskammer; ab 1976 Kand., 1986 – 89 Mitgl. des ZK der SED; Jan. 1989 als Minister »auf eigenen Wunsch« abberufen; gest. in Berlin.Gesundheitsschutz u. soziale Betreuung der Bürger. Berlin 1974 (zus. mit H. Kriewald u. R. Lämmel); Für Frieden u. Gesundheit. Dresden 1984.Peter Schneck

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Mehnert, Gerhard

* 14.12.1914 – ✝ 20.7.1983

Geb. in Leipzig; Vater Lithograph, Mutter Hausangest.; Volksschule; 1925 – 34 Thomas-Gymnasium, Abitur; 1931 KJVD; 1931 – 33 Agit.-Prop.-Ltr. des KJVD Leipzig-Süd u. Mitte; ab 1933 illeg. Arbeit; Mai – Okt. 1934 RAD; 1934 – 36 Werkstud. für Orientalistik, Publizistik u. Wirtschaftswiss. an der Univ. Leipzig; dort Ltr. einer Widerstandsgr.; Juli – Sept. 1935 u. Dez. 1936 – Okt. 1938 U-Haft, Verurteilung wegen »Vorber. zum Hochverrat«, Haftanstalten in Leipzig u. Dresden, danach unter Polizeiaufsicht; Ausschl. vom Studium u. Publikationsverbot; freiberufl. Tätigkeit; Jan. – April 1939 Ausbildung zum engl. Dolmetscher u. Stenografen an der Dolmetscherschule Leipzig; Kontakte zur Widerstandsgr. Herbert Bochow; Mai / Juni 1939 Sekr. bei Gerhart Hauptmann; freiberufl. in Berlin tätig; Okt. 1940 – 45 Wehrdienst, Uffz; 1945 Ltr. einer illeg. NKFD-Gruppe in seiner Komp.; kurzz. amerik. Gefangenschaft in Westsachsen. Mai 1945 Entlassung; Juni 1945 KPD; Arbeit als Kultur- u. Agit.-Prop.-Funktionär der KPD Pegau u. Leipzig; Okt. 1945 – 47 Chefred. u. HA-Ltr. beim Mitteldt. Rundfunk; Gründungsmitgl. u. Vors. des VDP-Bez.-Vorst. Leipzig; 1947/48 Forts. des Studiums der Japanologie an der KMU Leipzig, Prom. zum Dr. rer. oec.; Juni 1948 – Aug. 1950 dort Assistent bzw. Lehrbeauftr. für Rundfunk-Publizistik; 1949/ 50 Dozentenlehrgang an der PHS; Sept – Dez. 1950 Ltr. des 1. Lehrgangs für Arbeiterschriftst.; Mai 1951 – Aug. 1953 Ltr. der Pressestelle im Staatssekr. für HFS-Wesen; 1953 –59 Chefred. der Ztschr. »Das Hochschulwesen«; 1954 – 56 Lehrbeauftr. für mod. Japanisch an der KMU Leipzig; 1959 ord. Prof. für Japanologie an der HU Berlin; 1962 Präs. des Freundschaftskomitees DDR – Japan; 1965 VVO; 1963 Mitgl. des Präs., ab 1966 Vizepräs. der Liga für Völkerfreundschaft; 1968 Mitgl. des Wiss.-Rats der HU Berlin; 1979 em.Elke Reuter

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Meier, Edgar

* 17.9.1927

Geb. in Neustädtel (Erzgeb.); dort 1934 – 42 Schulbesuch; 1942 – 44 Handelsschule Schneeberg; 1945 – 47 Angest. im Rat der Stadt Schneeberg; 1947 / 48 ABF Zwickau, ab 1948 Studium an der TH u. der HS für Verkehrswesen Dresden (HfV), dort 1952 Dipl.-Ing. der Fachrichtung Betrieb u. Verkehr; 1952 – 56 Angest. der DR, u. a. Fahrdienstltr.; 1956 – 60 Ass. an der HfV Dresden, dort 1960 Prom. mit einer Arbeit zur Ermittl. u. Auswertung von Güterwagenströmen; 1960 – 66 leitende Tätigkeit in der Reichsbahndir. Dresden; 1966 – 71 Dir. des Inst. für sozialist. Wirtschaftsführung im Verkehrswesen Finsterwalde; 1966 – 88 Mitgl. des Forschungsrats; 1971 – 73 stellv. GD der DR für Eisenbahnbetrieb u. Vorhaltung von Transportmitteln; 1973 zunächst Honorarprof., ab Juli 1973 ord. Prof. für sozialist. Wirtschaftsführung, 1973 – 84 Rektor der HfV Dresden (Nachf. von Hermann Wagener); 1975 Banner der Arbeit; 1982 VVO; ab 1984 Prof. für Schienensicherheit u. Dir. des Wiss.-Bereichs Schienenverkehrssicherheit an der HfV; 1987 aus gesundheitl. Gründen vorzeitig em.; lebt in Schlema.Dieter Hoffmann

Wer war wer in DDR

Meier, Otto

* 3.1.1889 – ✝ 10.4.1962

Geb. in Magdeburg; Vater Steindrucker; 1895 – 1903 Bürgerschule; 1903 – 06 Ausbildung zum Kfm.; anschl. bis 1918 mit Unterbrechungen Handelsangest. in Magdeburg u. Berlin; 1909/10 Militärdienst; 1911 SPD; Zentralverb. der Angest.; 1914 – 16 Militärdienst im Reserve-Infanterieregt. 234, schwer verwundet; 1917 USPD; 1918/19 Parteisekr. in Berlin; 1917 – 22 Red. bei Ztgn. der USPD u. SPD in Berlin, Hannover u. Gotha; 1920 – 33 Abg. des Preuß. Landtags; 1922 SPD; Mitgl. des Bez.-Vorst. Berlin; 1922 – 33 Vors. der Pressekommission des SPD-Zentralorgans »Vorwärts«; bis 1938 arbeitslos; ab 1938 kfm. Angest. bei den Siemens-Schuckert-Werken Berlin; illeg. Arbeit in der sozialdemokrat. Widerstandsgr. um  Max Fechner, Franz Künstler u.  Richard Weimann, Polizeiaufsicht, 1.9. – 16.10.1939 u. 30.7. – 15.9.1944 Haft im KZ Sachsenhausen. 1945 Mitgl. des ZA der SPD; Chefred. des Zentralorgans »Das Volk«; Mitunterz. des Aufrufs der SPD vom 15.6.1945; 1946 – 50 Mitgl. des PV u. des ZS der SED; mit  Anton Ackermann u. a. verantw. für Kultur, Schulung u. Presse; 1947 DSF; seit 1947 Abg. des Brandenb. Landtags; 1949 – 52 sein Präs., Ausschußvors.; 1948/49 Mitgl. des Dt. Volks- rats; 1949/50 Abg. der Prov. Volkskammer, 1950 – 58 der Länderkammer; seit 1952 Abg. des Bez.-Tags Potsdam; seit 1952 1. Vors. der DSF Brandenb.; ab Juli 1952 GD des Staatl. Archivwesens bzw. ab 1.4.1953 – 1958 Ltr. der HA Staatl. Archivwesen im Staatssekr. für Innere Angelegenh.; 1954 VVO; 1956 Mitgl. der Zentr. Veteranenkommission beim ZK der SED; 1958 Dr. h. c. der MLU Halle; 1959 KMO; gest. in Berlin.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Meinig, Valeska

* 12.3.1879 – ✝ 25.10.1967

Geboren am 12. März 1879 in Ullersdorf bei Dresden, Tochter eines Volksschullehrers. Arbeiterin in der sächsischen Textilindustrie. 1912 wurde Valeska Meinig Mitglied der SPD, von 1915 bis 1933 gehörte sie als Aufsichtratsmitglied dem Konsumverband Limbach an. Während des Krieges in der Spartakusgruppe, ab 1917 Mitglied der USPD. Nach Ausbruch der Novemberrevolution im Limbacher Arbeiterrat. Am Jahresende 1918 nahm sie als Delegierte am Gründungsparteitag der KPD teil und gehörte nach ihrer Rückkehr zu den Mitbegründern der KPD in Limbach. Ab 1919 dort Stadtverordnete, von 1924 bis 1932 Stadträtin. Sie wurde 1924 für einige Monate inhaftiert. 1924 war sie Mitbegründerin und bis zu deren Verbot Mitglied der Leitung des Roten Frauen- und Mädchenbundes in Sachsen. Von März bis Juni 1933 war Valeska Meinig in »Schutzhaft«. Nach ihrer Entlassung beteiligte sie sich am Widerstandskampf gegen die Nazis, wurde 1934 verurteilt und bis 1936 im Zuchthaus Waldheim inhaftiert. Ab Juni 1944 für mehrere Monate im KZ Ravensbrück. Von 1945 bis 1947 war Valeska Meinig Vorsitzende des antifaschistischen Frauenausschusses in Limbach. 1946 Mitglied der SED, mehrere Jahre Leiterin der Volkssolidarität in Limbach, 1959 erhielt sie den VVO in Silber. Valeska Meinig starb am 25. Oktober 1967.

Wer war wer in DDR

Meisner, Joachim

* 25.12.1933 – ✝ 5.7.2017

Geb. in Breslau-Deutsch Lissa (Wrocław Lesnica, Polen); 1945 Flucht mit der Familie nach Körner bei Mühlhausen (Thür.); 1948 Schulabschl. in Körner; Lehre u. Tätigkeit als Bankkfm.; 1953 Eintritt in das kath. Spätberufenenseminar »Norbertuswerk« in Magdeburg; 1956 Abitur, 1956 – 62 Theol.-Studium in Magdeburg; 1962 Priesterweihe; 1963 – 66 Kaplan in Heiligenstadt u. Erfurt; 1966 – 75 Rektor der Diözesancaritas in Erfurt; 1969 Prom. zum Dr. theol.; 25.3.1975 Ernennung zum Weihbischof der Apostol. Administratur Erfurt-Meiningen; Bekanntschaft mit Karol Wojtyła, Erzbischof von Krakau (1978 – 2005 Papst Johannes Paul II.); 25.4.1980 Ernennung zum Bischof von Berlin (Nachf. von  Alfred Bengsch); Sept. 1982 Wahl zum Vors. der Berliner Bischofskonferenz (Nachf. von  Gerhard Schaffran); 5.1.1983 Ernennung zum Kardinal durch den Vatikan, Mitgl. vatikan. Kongregationen; 23.10.1987 Kurztreffen mit  Erich Honecker im Palast der Rep. in Berlin als Vorbedingung zur Vorber. des für 1991 geplanten Papstbesuches in der DDR; 20.12.1988 Ernennung zum Erzbischof von Köln nach längeren Auseinandersetzungen zw. Vatikan, Kölner Domkapitel u. nordrhein-westf. Landesreg.; Feb. 1989 Übersiedl. aus der DDR nach Köln u. Amtseinführung (Nachf. von Joseph Höffner). Vors. der Liturgie-Kommission u. der Unterkommission für Mittel- u. Osteuropa der Dt. Bischofskonferenz; Präs. des Dt. Vereins vom Heiligen Lande, 2003 Bundesverdienstkreuz; Ehrendoktor der Univ. Wrocław (1996) u. der Kath. Univ. Lublin (2005); Ehrenbürger von Levoča (Slowakei). Sek.-Lit.: Mynarek, H.: Erster Diener Seiner Heiligkeit. Ein krit. Porträt des Kölner Erzbischofs J. M. Köln 1993; Schäfer, B.: Staat u. kath. Kirche in der DDR. Köln, Weimar 1998; Marschler, T., Ohly, C. (Hrsg.): Spes nostra firma. Fs. für J. Kardinal M. zum 75. Geb. Münster 2009.Nachreformat. Frömmigkeitsformen in Erfurt. Leipzig 1971; Wider die Entsinnlichung des Glaubens. Graz 1991; Geborgen in Gott. Köln 2005.Bernd Schäfer