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BioLex

In der Kategorie BioLex finden Sie drei biografische Lexika mit über 5500 Personeneinträgen.

 

Das Handbuch "Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945" wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam. Kurzbiografien zu Personen des poltischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 vor. Zudem ist das Onlinlexikon www.dissidenten.eu komplett in dieser  Rubrik recherchierbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Inforamtionen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Meyer, Ernst Hermann

* 8.12.1905 – ✝ 8.10.1988

Geb. in Berlin in einer dt.-jüd. Fam.; Vater Arzt (Nov. 1938 in der Pogromnacht ermordet), Mutter Kunstmalerin (1942 in Auschwitz ermordet); 1915 – 24 Gymnasium in Berlin; 1919 Unterricht bei Walter Hirschberg (Klavier, Musiktheorie); 1924 – 26 Auszubildender u. Angest. im Berliner Bankgewerbe; 1926 – 30 Studium der Musikwiss. in Berlin (b. Johannes Wolf u. a.) u. Heidelberg (b. Heinrich Besseler); 1929 Beginn der Freundschaft u. Zusammenarbeit mit  Hanns Eisler; 1930 Prom. zur mehrstimmigen Spielmusik des 17. Jh.; 1930 KPD; 1930 – 32 Mitarb. »Die Rote Fahne« Berlin; Wirken in der Arbeiter-Musikbew.; Red. der Ztschr. »Kampfmusik«; 1931 Reise in die UdSSR; Forschungsreise in mehrere westeurop. Länder; Kompositionsunterricht an der HS für Musik Berlin (b. James Simon u. Paul Hindemith) u. an der Rundfunkversuchsstelle (b.  Max Butting); 1933 Illegalität; Emigr. nach London; dort 1933 – 38 Mitgl. der Ltg. der KPD-Gruppe; Arbeit u. a. als Kopist; 1936 Dirigent von Arbeiterchören; 1938 Aktivitäten im Freien Dt. KB; 1939 Vorlesungen über Musik am Bedford College; 1944 Gastprof. an der Univ. Cambridge; Komponist; 1946/47 Tbc-Kur in der Schweiz; 1948 erneut in London. 1948 Rückkehr nach Dtl.; 1949 Prof. für Musiksoziol. an der HU Berlin; SED; 1950 Gründungsmitgl. der DAK; 1950 (im Koll.), 1952, 1963 NP; 1951 Gründungsmitgl. des VDK; 1951 Gründer u. Hrsg. der Ztschr. »Musik u. Ges.«; 1963 – 71 Kand. des ZK der SED; 1965 Dr. h. c. der MLU Halle; 1965 – 69 Vizepräs. der DAK; 1965 – 71 Präs. des Musikrats der DDR; 1967 – 72 Präs. der Georg-Friedrich-Händel-Ges.; 1967 Direktoriumsmitgl. der Internat. Ges. für Musikwiss.; ab 1968 Präs. des VDK (Nachf. von  Ottmar Gerster); 1971 VVO; ab 1971 Mitgl. des ZK der SED; 1975 NP; 1982 Ehrenpräs. des VDK; 1980 KMO; gest. in Berlin. Zwischen 1916 u. 1988 entstanden über 500 Kompositionen fast aller musikal. Gattungen; M.s Ausführungen über die sog. marxist.-leninist. Erbetheorie in einer Bach-Gedenkrede 1950 galten in der DDR als wegweisend für die offizielle Sicht auf klass. Musik; einer der wichtigsten Vertreter des soz. Realismus in der Musik.English Chamber Music. London 1951; Musik im Zeitgeschehen. Berlin 1952; Aufsätze über Musik. Berlin 1957; Kontraste – Konflikte. Berlin 1979 (Hrsg. Brennecke, D. u. Hansen, M., mit Auswahl-Bibl.). Knepler, G. (Hrsg.): Fs. für E. H. M. Leipzig 1973; Hansen, M. (Hrsg.): H. E. M. das kompositorische u. theoret. Werk. Leipzig 1989; Schmidt, A.-K.: Musik als Instrument der Indoktrination. Mainz 2009.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Meyer, Hartmut

* 18.9.1943

Geb. in Merseburg; 1962 Abitur in Rudolstadt; Ausbildung zum Techn. Zeichner; Studium des Kraft- u. Maschinenbaus an der Ing.-Schule für Maschinenbau u. an der Ing.-Schule für Bauwirtsch., 1968 Dipl.-Ing.; 1966 – 69 EDV-Programmierer, Abt.-Ltr. beim Staatl. Komitee für Meliorationen Berlin, fristlos entlassen wg. mangelnder polit. Eignung; 1970 – 80 Ltr. des Org.- u. Rechenzentrums des Landbaukombinats Frankfurt (Oder); 1976 Dipl.-Ing. für Bauwirtsch. in Leipzig; 1980 – 89 Dir. für Ökon. im Landbaukombinat Frankfurt (Oder); 1990 / 91 Vorstandsmitgl. der Märk. Bau AG u. Aufsichtsratsvors. der Wohnungsbau GmbH in Bad Freienwalde. 1990 SPD; 1990 – 94 Mitgl. des Kreistags Bad Freienwalde, ab 1993 Märkisch-Oderland; 1990 Landrat; 1990 – 2004 MdL Brandenb.; 1993 – 2003 Minister für Stadtentw., Wohnen u. Verkehr des Landes Brandenb. u. somit dienstältester Brandenburger Minister (drei Kabinette Stolpe, ein Kabinett Platzeck), Rücktritt; anschl. Gutachtertätigkeiten für die Dt. Bahn.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Michaelis, Paul

* 13.12.1914 – ✝ 1.1.2005

Geb. in Weimar; mittl. Reife; 1931 – 34 Gebrauchswerberlehre; 1934 – 40 Studium an der HS für bildende Kunst Weimar, seit 1938 Meisterschüler von Alfred Hierl u. Walter Klemm; 1940 – 45 Soldat. 1946 – 48 freischaffend in Weimar; 1949 KB; 1948 – 50 Fachlehrer an der Meisterschule für Handwerk u. angew. Kunst in Weimar; 1950 – 52 Künstlervertrag mit dem Kunstfaserwerk in Schwarza; 1952 VBKD; 1952 Oberassistent u. Doz. für Malerei an der HS für Bildende Künste (HfBK) Dresden, 1953 – 59 dort Prorektor für student. Angelegenheiten Dresden; 1955 Prof.; SED; 1959 – 64 Rektor (Nachf. von  Rudolf Bergander) u. ab 1960 zugl. Abt.-Ltr. Malerei der HfBK; 1958 – 71 Abg. des Bezirkstags Dresden; 1955 – 64 Mitgl. des ZV, 1959 – 64 u. 1971 – 74 des Präs. des VBKD; 1963 – 88 Mitgl. u. 1971 – 74 Vors. des BV des VBK Dresden; Mitgl. im Beirat für bildende Kunst u. Stadtgestaltung des Bez. Dresden; 1972 – 87 Mitgl. des BV Dresden u. ab 1977 des Präsidialrats des KB; seit 1968 Künstler-Vertrag mit Brigade Albert Einstein im Kombinat Robotron; 1961 u. 1962 Kunstpreis des FDGB; 1962 Kunstpreis der DDR; 1966 u. 1984 VVO; 1971 NP; Ehrenmitgl. des VBK; gest. in Weimar M. war Vertreter des Sozialist. Realismus u. ab 1953 auf nat. u. internat. Kunstausstellungen mit Porträts u. Arbeiten wie »Junger Traktorist« (1953), »Glückliches Leben« (1962), »Nach der Landung« (1971) oder »Waffenbrüder« (1972) vertreten.Beatrice Vierneisel

Wer war wer in DDR

Michel, Peter

* 14.10.1938

Geb. in Freyburg (Unstrut); Vater Schuhmacher (1942 bei Kursk gefallen), Mutter Lehrerin; Volksschule in Freyburg u. Berlin, 1956 Abitur an der Kant-OS Berlin-Lichtenberg; 1956 – 59 Studium am Pädagog. Inst. Erfurt, 1959 St.-Ex. als Oberstufenlehrer für Dt. u. Kunsterziehung; 1959 – 64 Lehrer an der OS Neudorf (Erzgeb.); Mitgl. der Krs.-Fachkommission Kunsterziehung in Annaberg; 1963 SED; 1964 – 70 Vors. der Krs.-Pionierorg.; 1. Sekr. der FDJ-KL Annaberg; Abt.-Ltr. der FDJ-BL Karl-Marx-Stadt; 1970 – 74 Aspirantur am IfG beim ZK der SED, 1972 Dipl.-Ges.-Wiss.; 1974 Prom.; 1974 VBK, Sekt. Kunstwiss. u. Mitgl. des Zentralvorst.; 1974 – 87 Chefred. der Ztschr. »Bildende Kunst«; 1976 Reglementierung durch das Min. für Volksbildung wegen öffentl. Kritik am Lehrplan Kunsterziehung; 1977 Kontroverse mit  Hans Koch über die Zeitgemäßheit des Begriffs »Soz. Realismus«; 1979 – 91 Mitgl. der AICA (UNESCO-Org. der Kunstkritiker); Mitarb. in der Jury 100 ausgewählte Grafiken, der Jury 100 Beste Plakate der X. Kunstausstellung der DDR; Dok.-Film Szenarien für das Fernsehen der DDR, Rezensionen für den Rundfunk; 1987 – 89 Sekr. des Zentralvorst. des VBK der DDR; 1989 Austritt aus VBK; Austritt aus der SED/PDS; 1990 künstler.-techn. Ltr. im Kinderbuchverlag Berlin, nach Auflösung der Verlagsstruktur arbeitslos. Ab 1991 freier Mitarbeiter eines Münchener Verlags; Engagement in der Gesell. zum Schutz von Bürgerrecht u. Menschenwürde e.V., Autor der Ztschr. »Icarus«; lebt in Berlin. Zahlr. Artikel in »Bildende Kunst« (1973 – 90) u. anderen in- u. ausländ. Kunstztschr., zahlr. Katalogtexte.Die Staffelei im Hühnerhof. Berlin 1981; Buchbilder. Berlin 1989; Fünf Schwierigkeiten beim Umgang mit der Kunst W. Sittes. In: Marxist. Blätter (1994) 4; Ostkunst. Impressionen u. Reflexionen. In: Marxist. Blätter (1998) 6 u. (1999) 1.Anke Scharnhorst

Wer war wer in DDR

Mielatz, Arno

* 26.6.1916

Geb. in Berlin; Vater Schmied; Volks- u. Werkschule, Ausbildung zum Werkzeugmacher; Studium an einer Ingenieurschule; 1930 KJVD; 1933 antifasch. Arbeit, u. a. im Kabelwerk der Siemens-Schuckert-Werke in Berlin-Spandau; Nov. 1934 Festnahme, drei Wochen U-Haft, vom Jugendrichter »aus Mangel an Beweisen« freigesprochen; später Wehrmacht. 1945 Werkzeugmacher; 1946 SED; 1946 – 48 Lehrer an der SED-LPS Brandenburg in Schmerwitz; 1949 – 54 Chefred. der »Märkischen Volksstimme« (ab 1952 Organ der SED-BL) in Potsdam (Nachf. von  Alfred Sicker); zeitw. Vors. des LV Brandenburg der Dt. Presse bzw. des VDJ-BV Potsdam; später Red. der »Leipziger Volkszeitung« in Leipzig.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Mierdel, Georg

* 5.3.1899 – ✝ 29.6.1987

Geb. in Rathenow; dort 1917 Abitur am Realgymnasium; danach Studium der Math., Physik u. Biologie in Marburg u. Greifswald; 1920 Prom. bei  Rudolf Seeliger an der EMAU Greifswald mit einer Arbeit zur Gasentladungsphysik; 1920 – 30 dort Ass. am Physikal. Inst., 1928 Habil.; 1930 zunächst wiss. Mitarb. der Siemens-Schuckert-Werke, später Ltr. des Laboratoriums des Stromrichterwerks; 1944 kriegsbedingte Verlagerung des Laboratoriums nach Rokytnice (ČSR), anschl. mehrjähriger Arbeitsaufenthalt als Industrie-Physiker in der ČSR, nebenamtl. leitender Mitarb. an der Zentralen Physikal. Anstalt u. Doz. an der TH Prag. 1953 Rückkehr in die DDR, zunächst stellv. Dir. u. Abt.-Ltr. am Inst. für Gasentladungsphysik der DAW in Greifswald; ab Sept. 1953 Prof. für Theoret. Elektrotechnik u. Dir. des Inst. für Allg. Elektrotechnik an der TH / TU Dresden; 1964 em. bei Fortsetzung der Vorlesungstätigkeit bis 1974. Führender Gasentladungsphysiker seiner Zeit; Verdienste um die Einbeziehung neu aufkommender techn. Disziplinen (Festkörperelektronik, Regelungstechnik) in die akadem. Ausbildung.Der elektr. Strom im Hochvakuum u. in Gasen. Leipzig 1938 (mit J. Dosse); Gasentladungs-Gleichrichter. In: Wiss. Annalen (1953) 2; Selengleichrichter. Berlin 1959 (mit J. Kroczek); Aufgaben zur theoretischen Elektrotechnik. Berlin 1959 (mit S. Wagner); Elektrophysik. Berlin 1970; Was ist Plasma? Berlin 1973.Günter Dörfel

Handbuch Deutsche Kommunisten

Mieves, Peter

* 11.1.1897 – ✝ 16.7.1939

Geboren am 11. Januar 1897 in Köln, Sohn eines Tagelöhners; Maschinenarbeiter bei der Reichsbahn. Seit 1919 Mitglied der KPD, 1921/22 leitete Mieves den Bezirk Mittelrhein. Anfang 1921 war er auch Vorsitzender der Kölner Ortsleitung des Deutschen Eisenbahnerverbandes, wurde aber wegen Agitation für die VKPD aus dem Verband ausgeschlossen. Als Delegierter des Bezirks Mittelrhein nahm er am VII. Parteitag in Jena teil und wurde zum Mitglied des ZA gewählt. Der VIII. Leipziger Parteitag 1923 bestätigte diese Wahl. Mieves, der auf dem linken Flügel stand, nahm im Sommer 1921 als Delegierter am III. Weltkongreß der Komintern teil. Später Mitarbeiter der Roten Hilfe. Im Oktober 1926 wurde er aller seiner Funktionen enthoben und aus der KPD ausgeschlossen. Ihm wurde vorgeworfen, ein Polizeispitzel zu sein. Ob dies zutrifft oder ob persönliche Differenzen in der BL dadurch verdeckt werden sollten, ließ sich nicht ermitteln. 1932 stellte er einen Wiederaufnahmeantrag. Die Bezirksleitung entschied, daß sich Mieves in der Unterorganisation »bewähren« solle. Tatsächlich wurde er im Kampfbund gegen den Faschismus in Köln-Nippes aktiv und befand sich von Mai 1933 bis Januar 1934 in Köln in »Schutzhaft«. Peter Mieves starb am 16. Juli 1939 an Magenkrebs.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Mildenstrey, Richard

* 7.7.1884 – ✝ 25.4.1956

Geboren als Sohn eines Landwirts am 7. Juli 1884 im Buckow/Prignitz; lernte Schlosser. Von 1904 bis 1906 leistete er seinen Militärdienst und trat 1907 in die SPD ein. Mildenstrey war während des Krieges Schlosser in einem Rüstungsbetrieb in Berlin-Spandau. 1917 wechselte er zur USPD, schloß sich der Spartakusgruppe an und wurde 1919 Mitglied der KPD. Er arbeitete bis 1927 bei einer Plauener Firma als Schlosser und war dort seit 1922 Betriebsrat. 1927 hauptamtlicher Leiter des UB Plauen, von 1923 bis 1933 Stadtverordneter in Plauen. Er wurde von 1928 bis 1930 Abgeordneter im Sächsischen Landtag, bis 1933 gehörte er auch der Sächsischen Gemeindekammer an. Anfang März 1933 verhaftet und zunächst in das KZ Zwickau gebracht, blieb er bis Mitte September 1934 in »Schutzhaft« im KZ Sachsenburg und dem KZ Hohnstein. Im Zusammenhang mit der Gestapoaktion »Gewitter« wurde Mildenstrey am 8. August 1944 abermals verhaftet und bis Anfang Dezember im KZ Sachsenhausen festgehalten. Im April 1945 baute er in Plauen die Stadtverwaltung mit auf und wurde am 15. Juli 1945 Landrat des Kreises Plauen. 1947 Betriebsleiter bei der Trümmerbeseitigung Plauen, ab 1949 Rentner. Richard Mildenstrey starb am 25. April 1956 in Plauen.

Wer war wer in DDR

Miltenberger, Emil

* 4.8.1900 – ✝ 9.4.1981

Geb. in Mainz; Vater Tapezierer; 1906 – 14 Volksschule in Frankfurt (Main); 1914 – 17 Ausbildung zum Kfm., dann im Beruf tätig; 1918 Militärdienst; 1919 Freikorps »Landes-Jäger-Korps« in Gotha; 1919 – 23 kfm. Angest. in Hanau; 1923 – 32 Bühnenmstr., ab 1925 Masseur u. ab 1927 Arbeiter in Frankfurt (Main); 1929 RGO, ab 1930 KPD, ab 1931 RH, IAH, RFB; 1932/33 Org.-Ltr. der RFB-Gaultg. Hessen-Frankfurt; 1933 Mitgl. der illeg. KPD-Ltg. Frankfurt (Main); 1933 verhaftet, Apr. 1934 vom Sondergericht Kassel zu drei Jahren Zuchthaus wegen »Vorber. zum Hochverrat« verurteilt; Dez. 1933 – Dez. 1936 Zuchthaus Kassel u. Frankfurt (Main); Dez. 1936 – Febr. 1937 in Frankfurt (Main), März 1937 vor drohender Verhaftung Flucht nach Frankreich; in Paris im Spanienhilfskomitee; Juni 1937 – Febr. 1939 Kämpfer im span. Bürgerkrieg, Artillerie-Abt. »Skoda«, Thälmann-Bat., Sergeant; 1938 KP Spaniens; 1939/40 interniert in den Lagern St. Cyprien, Gurs u. Albi; seit 1940 in Bordeaux; bis Okt. 1942 Arbeitskomp.; 1942 – 45 illeg. in Frankreich; Mitarb. im KFDW u. in der »Gruppe T. A. in Lyon« (»Charles«); 1944/45 in versch. Kriegsgefangenenlagern pol. Arbeit; 1945 Überprüfung u. Betreuung von KPD-Emigranten. Mitte Juni 1945 Rückkehr nach Dtl.; 1945 – 47 Mitarb. bzw. Ltr. der Kaderabt. im KPD-LV in Frankfurt (Main); 1946 vom CIC wegen »sowj. Spionage« verhaftet u. angeklagt, wegen »Urkundenfälschung« zu einem Jahr Gefängnis verurteilt u. vorz. entlassen; 1946/47 Übersiedl. in die SBZ; 1947 – 49 Ltr. des Ref. Abwehr der Personalpol. Abt. des SED-LV Mecklenb.; 1949 Kaderltr. der Vereinig. Volkseig. Werften der DWK in Schwerin; dort 1949/50 Mitgl. der LPKK Mecklenb.; 1950/51 Mitarb. der HV Ausbildung des MdI, PK-Stellv. der HV Versorgung; ab Okt. 1951 Ltr. der Verw. der HS für Planökon. (der späteren HfÖ Berlin); Mitarb. im Min. für Nat. Verteidigung; 1965 Rentner; 1975 VVO; ehrenamtl. Mitgl. der Kommission »Soz. Wehrerziehung« beim Rat des Stadtbez. Berlin-Lichtenberg; Ltr. des Aktivs der ehem. Spanienkämpfer; gest. in Berlin.Die Waisenkinder von Biar. In: Brigada Internacional. Berlin 1974.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Minster, Karl

* 25.12.1873 – ✝ 10.2.1943

Geboren am 25. Dezember 1873 in Edenkoben/Pfalz; Kaufmann und Reisevertreter, lernte und arbeitete im Geschäft seines Vaters. 1896 wanderte er in die USA aus und war von 1899 bis 1901 Sekretär der deutschen Gewerkschaften in Philadelphia, von 1901 bis 1906 Redakteur der New Yorker »Volkszeitung«. Während eines vorübergehenden Aufenthaltes in Deutschland – er war 1904 als Korrespondent beim SPD-Parteitag in Bremen – wurde er Nachfolger des bisherigen Berichterstatters des »Vorwärts« in den Vereinigten Staaten von Amerika und zugleich Korrespondent der »Wiener Arbeiterzeitung«, des »Hamburger Echos«, der Leipziger und Dresdener Volkszeitung. 1905 erwarb Minster die amerikanische Staatsbürgerschaft, kehrte aber 1912 nach Deutschland zurück, wurde Mitglied der SPD und Redakteur der »Bergischen Arbeiterstimme« in Solingen, ab Januar 1914 des Duisburger SPD-Organs »Niederrheinische Arbeiterzeitung«. Nach Ausbruch des Krieges organisierte er dort die Opposition gegen die Politik des PV und der Reichstagsfraktions-Mehrheit. Deshalb aus der Redaktion entlassen, er gab das Mitteilungsblatt des sozialdemokratischen Vereins Duisburg und das radikale Blatt »Der Kampf«, Propagandablatt für Rheinland und Westfalen, heraus. Minster schloß sich der Spartakusgruppe an und war Teilnehmer der Reichskonferenz am 1. Januar 1916, wirkte auch in der Gruppe Internationale Sozialisten Deutschlands ( Julian Borchardt). Ab Oktober 1916 Redakteur des braunschweigischen SPD-Organs »Volksfreund«, aber auch hier wegen der Ablehnung der Burgfriedenspolitik entlassen. Im Mai 1917 flüchtete er in die Niederlande, war in Amsterdam Herausgeber der revolutionären Wochenzeitung »Kampf«. Minster wurde im Dezember 1917 von deutschen Agenten entführt, bereits an der Grenze festgenommen und inhaftiert. Durch die Novemberrevolution 1918 aus der Haftanstalt Berlin-Moabit befreit, war er in der Spartakusgruppe Mülheim/Ruhr aktiv, für die er am Gründungsparteitag der KPD Ende 1918 in Berlin teilnahm. Minster war (mit Leo Jogiches) gegen die Gründung der Partei, er plädierte dann in der Diskussion für die Beteiligung an den Wahlen zur Nationalversammlung. 1919 übersiedelte er nach Frankfurt/M., wo er sich unter den Decknamen Otto Degner, Peter, Schädke und Moosmann politisch betätigte und einige Zeit Orgleiter der KPD war. Auf dem II. Parteitag der KPD im Oktober 1919 trennte er sich von der KPD und ging 1920 zur KAPD. In der Folgezeit von einer politischen Strömung zur anderen schwankend, löste er sich 1921 von der KAP und wechselte zur USPD. 1922 Redakteur des USPD-Organs »Freiheit«, blieb er auch nach 1922 bei der kleinen Rest-USPD. Ab 1923 war er Redakteur am USPD-Organ »Weckruf« in Essen bzw. der USPD-Tageszeitung »Volksfreund« in Hagen. Gegen Minster wurde wegen »Agententätigkeit« ermittelt, deshalb mehrfach inhaftiert. Schließlich in der separatistischen Bewegung aktiv, wurde er im Januar 1924 Staatssekretär der »Autonomen Regierung« der Pfalz. Nach deren Zusammenbruch war Minster einige Jahre Betriebsleiter einer Firma, lebte von 1928 bis 1933 in Essen als freier Schriftsteller und veröffentlichte Artikel und politische Aufsätze in sozialistischen Zeitungen wie der »Welt am Abend« und der »Rhein-Ruhr-Fackel«. Ab 1929 in der KPO, kam er 1931 zur SAP. Minster emigrierte 1933 ins Saargebiet, wo er sich der frankophilen Saarländischen Wirtschaftsvereinigung SWV anschloß. Er arbeitete am SWV-Organ »Freie Saar« sowie an anderen saarländischen Zeitungen und Zeitschriften für die Status-quo-Bewegung gegen den Anschluß an Deutschland. Nach dem Saar-Referendum emigrierte er in das lothringische Metz, wirkte dort in zahlreichen antifaschistischen Organisationen. Nach Kriegsausbruch flüchtete er nach Paris, sein Versuch, 1941 in die USA zu kommen, mißglückte, da er seine frühere US-Staatsbürgerschaft verloren hatte. Er wurde am 10. Dezember 1941 von der Gestapo verhaftet, am 27. Juli 1942 durch den 2.Senat des VGH zum Tode verurteilt. Karl Minster ist wenige Tage vor dem Vollstrekkungstermin, am 10. Februar 1943, in der Haftanstalt Berlin-Plötzensee ums Leben gekommen.

Wer war wer in DDR

Misselwitz, Hans-Jürgen

* 29.3.1950

Geb. in Altenburg; 1969 Abitur, 1970 – 72 Studium der Biol. u. Biophysik an der Universität in Jena u. 1972 – 74 in Berlin; 1974 – 81 wiss. Ass. in der medizin. Grundlagenforschung am ZI für Herz-Kreislauf-Forsch. der AdW in Berlin-Buch u. an der HU Berlin; nach Verweigerung der Einberufung zur NVA im Nov. 1980 Beendigung der Arbeit an der HU; 1981 – 84 Theologiestudium am Sprachenkonvikt Berlin; Nov. 1981 mit  Ruth Misselwitz (Pfarrerin an der ev. Kirchgemeinde Berlin-Pankow), Martin Hoffmann,  Werner Schulz,  Vera Wollenberger u. a. Mitbegr. des Friedenskreises Pankow; Sept. 1989 – März 1990 Pfarrer in Hennigsdorf (b. Berlin); Okt. 1989 Gründungsmitgl. der SDP, ab Jan. 1990 Mitwirkung am Aufbau der zentralen SDP-Arbeitsgremien; März – Okt. 1990 Mitgl. der Volkskammer (SPD); April – Aug. 1990 Parlamentar. Staatssekr. im Außenmin. der DDR, Ltr. der DDR-Deleg. bei den Zwei-plus-Vier-Verhandlungen. Okt. – Dez. 1990 MdB; 1991 – 99 Ltr. der Brandenburger Landeszentrale für polit. Bildung; Nov. 1999 – 2005 Ltr. des Büros von  Wolfgang Thierse im Parteivorstand der SPD; seit 2006 GF des Forum Ostdtl. der Sozialdemokratie e. V. u. Sekr. der Grundwertekommission der SPD; Vorstandsmitgl. des Willy-Brandt-Kreises; seit 1974 verh. mit  Ruth M.; lebt in Berlin.Nicht länger mit dem Gesicht nach Westen. Das neue Selbstbewußtsein der Ostdeutschen. Bonn 1996; Der ostdeutsche Beitrag zur Berliner Republik In: Sabrow, M. (Hrsg.): Grenzen der Vereinigung: die geteilte Vergangenheit im geeinten Deutschland. Leipzig 1999; Deutsche Vergangenheiten – eine gemeinsame Herausforderung. Der schwierige Umgang mit der doppelten Nachkriegsgeschichte. Berlin 1999 (Mithrsg.); 1989: Später Aufbruch – frühes Ende? Eine Bilanz nach der Zeitenwende. Berlin 2000 (Hrsg. mit K. Werlich); Mandat für Deutsche Einheit. Die 10. Volkskammer zwischen DDR-Verfassung u. Grundgesetz. Opladen 2000 (Hrsg. mit R. Schröder); Die 2+4-Verhandlungen aus der Sicht eines Zeitzeugen. In: Timmermann, H. (Hrsg.): Die DDR – Analysen eines aufgegebenen Staates. Berlin 2001. Subklew, M. (Hrsg.): Ich wurde mutiger. Der Pankower Friedenskreis – Polit. Selbstbehauptung u. öff. Widerspruch. Berlin 2003; Subklew-Jeutner, M.: Der Pankower Friedenskreis. Geschichte einer Ost-Berliner Gruppe innerhalb der Ev. Kirchen in der DDR 1981 – 1989. Osnabrück 2004.Bernd Florath

Wer war wer in DDR

Mitić, Gojko

* 13.6.1940

Geb. in Leskovac (Jugosl.); 1958 – 63 Studium an der HS für Körperkultur u. Sport in Belgrad; nahm Schaupielunterricht u. profilierte sich als Darsteller in Indianerfilmen: Winnetou I – III (1963/64 in der Bundesrep. Dtl.); »Die Söhne der großen Bärin«, 1967 »Chingachgook. Die große Schlange«, 1972 »Tecumseh«, 1984 »Der Scout« (seit 1966 bei der DEFA); weitere Filmrollen bei der DEFA u. a.: 1971 »Osceola« (R: Konrad Petzold), 1972 »Der Mann, der nach der Oma kam« (R: Roland Oehme), 1978 »Ich will euch sehen. In memoriam Fritz Schmenkel« (R: Hans Werner), 1984 »Front ohne Gnade« (TV). 1992 – 2006 als Winnetou bei den Karl-May-Spielen in Bad Seegeberg (1024 Aufführungen); 2007 – 09 am Schweriner Staatstheater in »Einer flog über das Kuckucksnest«, ab 2009 dort als Sorbas in »Alexis Sorbas«; Rollen in versch. TV-Filmen u. -Serien; lebt in Berlin.Erinnerungen. Berlin 1996. Habel, F. B.: Gojko Mitić, Mustangs, Marterpfähle. Berlin 1997.Gerd Dietrich

Wer war wer in DDR

Meyer, Hans

* 3.11.1942

Geb. in Briesen (b. Bilin) (Sudeten / Bílina Kyselka / Březina, Tschechien); 1945 Flucht nach Rossleben (Unstrut); aufgew. in Dietlas (Rhön); Grundschule; 1956 – 59 Lehre als Maschinenschlosser in Suhl; 1956 – 63 Fußballspieler bei Motor Dietlas bzw. Motor Suhl; 1963 – 70 Verteidiger beim SC Motor bzw. FC Carl Zeiss Jena (ab 1968 / 69 1. Mannschaft, 30 Oberligaspiele, 1 Tor); Lehrer für Sport u. Gesch.; danach Trainerstudium an der DHfK Leipzig; 1970 – 71 Trainerass. von  Georg Buschner; 1971 – 83 Trainer der Oberligamannschaft des FC Carl Zeiss Jena (jüngster Trainer der Oberliga); fünfmal Vizemeister u. dreimal Pokalsieger (1972, 1974, 1980); 1981 Finale im Europacup der Pokalsieger gegen Dynamo Tbilissi (1:2); 1984 – 87 Trainer des FC Rot-Weiß Erfurt, 1988 – 90 des FC Karl-Marx-Stadt. Trainerstationen nach 1990: Okt. 1993 – Aug. 1994 FC Carl Zeiss Jena; 1995 1. FC Union Berlin (10 Spieltage); Jan. 1996 – Sept. 1999 FC Twente Enschede (u. a. UEFA-Cup-Teiln.), Sept. 1999 – März 2003 Borussia Mönchengladbach (auf eigenen Wunsch Vertragsauflösung); Dez. 2003 – Juni 2004 Hertha BSC, Nov. 2005 – Febr. 2007 1. FC Nürnberg (Gewinn des DFB-Pokals 2006 / 07, danach wg. Erfolglosigkeit beurlaubt), Okt. 2008 – Mai 2009 Borussia Mönchengladbach (Erhalt der 1. Bundesliga); danach Vertragsauflösung auf eigenen Wunsch; einziger Fußballtrainer, der sowohl den FDGB-Pokal als auch den DFB-Pokal gewonnen hat.Volker Kluge

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Meyer, Julius

* 17.9.1909 – ✝ 2.12.1979

Geb. in Krojanke (Krs. Flatow, Westpr. / Krajenka, Polen); Volksschule; erlernte den Beruf des Leder-Zuschneiders; dann Arbeit in der Landw.; 1930 KPD; 1935 Flucht nach Berlin; 1936 – 39 Vertreter in der Lederbranche; lebte 1940 kurze Zeit illeg.; 1941 – 43 bei versch. Firmen zwangsverpflichtet; Febr. 1943 Verhaftung u. KZ, zul. in Auschwitz u. Ravensbrück, Kapo im KZ. 1945 KPD; Ltr. der Abt. »Opfer der Nürnberger Gesetzgebung« beim Hauptamt OdF im Magistrat von Berlin; 1946 SED; 1946 – 53 Vorstandmitgl. der Jüd. Gemeinde von Groß-Berlin, verantw. für Soziales; seit Juni 1947 Vertreter der Jüd. Gemeinden der SBZ im Direktorium der Arbeitsgemeinschaft Jüd. Gemeinden in Dtl.; 1949 – Jan. 1953 Abg. der Volkskammer als Vertreter der VVN; Vorst.-Mitgl. der VVN; 1950 Mitgl. des NR der NF; 1952/53 Präs. des Verb. der Jüd. Gemeinden in der DDR; 16.1.1953 aus Furcht vor antizionist. Kampagne zus. mit anderen Vors. der Jüd. Gemeinden in der DDR Flucht nach Berlin (West); 1953 – 76 langwierige Prüfung seiner Biogr. im Bundesnotaufnahmeverfahren zur Anerkennung als pol. Flüchtling in der Bundesrep. Dtl. u. zum Rechtsstreit um Wiedergutmachung; Ausreise nach Brasilien; dort gest.Weigelt, A., Simon, H.: Zwischen Bleiben u. Gehen. Begleitbuch zur gleichnamigen Ausstellung. Berlin 2008.Karin Hartewig

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Michalski, Wilhelm

* 22.10.1872

Geboren am 22. Oktober 1872 in Berlin. Er war Krankenkassenangestellter, gehörte bereits vor der Jahrhundertwende der SPD an und war seit 1916 Vorstandsmitglied und Kassierer in der sozialdemokratischen Organisation (SPD, später USPD) von Berlin-Charlottenburg. Michalski war Mitbegründer der Spartakusgruppe und Teilnehmer der Konferenz am 1. Januar 1916. Aktiv bei den Berliner Revolutionären Obleuten, war eng mit Leo Jogiches verbunden und wurde mit diesem zusammen im März 1918 verhaftet. Nach der Revolution Führer des Spartakusbundes in Charlottenburg, Delegierter des Gründungsparteitags der KPD im Dezember 1918, übernahm aber keine weiteren Parteiaufgaben. Wilhelm Michalski überlebte die Nazizeit, wurde Mitglied der SED, aber ohne Funktionen. Das Todesdatum von Wilhelm Michalski konnte nicht ermittelt werden.

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Michelberger, Julius

* 27.10.1919 – ✝ 24.1.1990

Geb. in Engerau (Krs. Bratislava, ČSR / Bratislava-Petržalka, Slowakei); Vater Stellmacher; Volks- u. Bürgerschule; 1934 – 36 Handelsschule in Preßburg; 1937 – 39 kfm. Angest. in Gablonz; 1939 Militärdienst; 1942 sowj. Gefangenschaft, 1943/44 Antifa-Schule u. Zentralschule Krasnogorsk; 1944/45 Frontbeauftr. des NKFD. 1945 Bürgermstr. in Altentreptow; KPD, 1946 SED; 1949 Einstellung in die Verw. zum Schutz der Volkswirtschaft, dann MfS, Ltr. der Abt. III (Sicherung der Volkswirtschaft) der Länderverw. Mecklenb.; 1952 stellv. Operativ des Ltr. der BV Schwerin; 1956 – 62 Ltr. der BV Gera u. Mitgl. der SED-BL Gera (Nachf. von Kurt Kretzschmar); 1958/59 Besuch der PHS; 1963 Ltr. der BV Potsdam (Nachf. von  Rudi Mittig) u. Mitgl. der SED-BL Potsdam; 1964 Oberst; 1966 – 68 Fernstudium an der JHS Potsdam-Eiche, Dipl.-Jur.; 1971 Abt.-Ltr. in der Arbeitsgr. des Min.; 1979 Entlassung, Rentner; 1980 VVO.Jens Gieseke

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Mielenz, Willi

* 14.3.1895 – ✝ 1.8.1942

Geboren am 14. März 1895 in Berlin, Sohn einer Arbeiterfamilie; wurde nach einer abgebrochenen Lehre Metallarbeiter. Die Wanderschaft führte Mielenz durch Norddeutschland, Dänemark und Schweden, wo er 1913/14 für sieben Monate Kurse an einer Volkshochschule belegte. 1914 kehrte er nach Deutschland zurück und wurde 1915 Soldat. Fronteinsatz, mehrfach verwundet, 1918 Schriftführer und für die SPD Mitglied des Vollzugsausschusses des Arbeiter- und Soldatenrates Liegnitz. Mielenz war im Dezember 1918 Delegierter zum 1. Reichsrätekongreß in Berlin (SPD-Fraktion), er verfaßte 1919 das Buch: »Liegnitz in den Tagen der Revolution«. Im April 1919 flüchtete er vor den Freikorps-Truppen nach Schweden und bekam hier Kontakt zu Linkssozialisten. Im Dezember 1919 wurde er gemeinsam mit anderen aus Schweden ausgewiesen und kehrte unter dem Decknamen Lorenz nach Deutschland zurück. Er trat der KPD bei, arbeitete im Apparat der KJI und war zeitweise stellvertretendes Mitglied im Exekutivkomitee der KJI für Skandinavien. Ab März 1921 in der Zentrale der KPD mitverantwortlich für Kurierdienste, die Paßfälscherwerkstatt und die Beschaffung illegaler Quartiere, ab März 1922 wurde er Referent in der Informationsabteilung der Komintern in Moskau. Von September 1923 bis August 1924 wieder in Deutschland, aktiv an den Aufstandsvorbereitungen für den »deutschen Oktober« beteiligt. Mielenz arbeitete von September 1924 bis Herbst 1929 erneut in der Sowjetunion, im skandinavischen Ländersekretariat der Komintern. Er ging nach Deutschland zurück, wurde Mitarbeiter im ZK der KPD, technischer Sekretär des ZK-Sekretariats, Mitte 1932 auf Veranlassung von Ernst Thälmann wegen seiner Zugehörigkeit zur Neumann-Gruppe abgesetzt. Durch Vermittlung Münzenbergs wechselte Mielenz in die IAH-Zentrale nach Moskau, dort abermals auf persönliche Intervention Thälmanns abgelöst und als IAH-Instrukteur in Skandinavien eingesetzt. 1933 begann er eine umfangreiche Rednertätigkeit gegen das NS-Regime in Norwegen, daraufhin entzogen ihm die Nazi-Behörden im März 1934 die deutsche Staatsbürgerschaft. Mielenz war schwer erkrankt, deshalb längere Krankenhausaufenthalte in Oslo und Moskau. 1935 aus der IAH entlassen, blieb er als Übersetzer bei der Komintern, wurde aber im Juni 1937 auch aus dem Apparat der Komintern entfernt. Eine genehmigte Emigration nach Frankreich war wegen Krankheit nicht möglich. Er geriet in die stalinistischen Säuberungen, wurde am 13. Oktober 1938 wegen »Spionage für einen ausländischen Dienst« in Moskau verhaftet und am 14.Mai 1939 wegen »Rechtstrotzkismus, Verbindungen zu Neumann, Remmele, Pjatnitzki, Kun und Knorin« zu zehn Jahren Lagerhaft verurteilt. Willi Mielenz ist am 1. August 1942 in einem Gulag im Gebiet Kemerowo in Sibirien umgekommen. Erst am 28. September 1988 wurde er vom Obersten Gericht der UdSSR posthum »rehabilitiert«.

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Mießner, Rudolf

* 7.11.1907 – ✝ 16.1.1973

Geb. in Berlin-Neukölln; Vater Buchbinder, Mutter Hausfrau; 1913 – 23 Volksschule u. Reformgymn. in Berlin; 1924 – 27 kaufm. Lehre; 1924 KJVD, 1926 KPD; 1928 ehrenamtl. Sekr. des KJVD-Bez. Schles., später KJVD-Sekr. für Ostsachsen; Sept. 1929 Mitgl. des ZK des KJVD, hauptamtl. KPD-Funktionär in Dresden; 1930 vom Reichsgericht Leipzig wg. »Vorbereitung zum Hochverrat« zu 15 Mon. Festungshaft verurteilt, Haft auf der Festung Gollnow (Pommern); 1931 / 32 Chefred. der KJVD-Ztg. »Die junge Garde« in Berlin, Korr. der »Breslauer Arbeiterzeitung«; Anf. 1932 Instrukteur im Verlag der KJI; Juni 1932 Instrukteur der Orgabt. des ZK der KPD in Berlin u. Oberschles.; ab Jan. 1933 Org.-Instrukteur des ZK des illeg. KJVD bei der BL-Hamburg (Deckn. »Flodur«, »Hans«), arbeitete in Berlin, Mannheim u. Hamburg; Febr. 1934 in Hamburg verhaftet, Juni 1934 vom Hanseat. Oberlandesgericht zu zwei Jahren u. neun Mon. Zuchthaus verurteilt, Haft in Hamburg-Fuhlsbüttel, anschl. »Schutzhaft« im KZ Sachsenhausen; 1939 Entlassung; 1939 – 45 Expedient in Berlin. Mai 1945 KPD, Mitgl. des Zentralen Jugendaussch. der SBZ; Sept. – Nov. 1945 Ltr. der Red. »Aktuelle Fragen« beim Berliner Rundfunk; Dez. 1945 – 48 Ltr. der Red. »Jugend u. Erziehung« beim Berl. Rundfunk (»Jugendfunk«); 1946 SED; Mitbegr. der FDJ; 1946 – 52 Mitgl. des ZR der FDJ, 1947 / 48 Mitgl. des Sekretariats (für Kultur u. Erziehung) des FDJ-ZR; ab 1947 Mitgl. der Red. der FDJ-Ztschr. »Junge Generation«; 1948 / 49 Chefred. der FDJ-Ztg. »Junge Welt« (Nachf. von  Horst Brasch); ab Sept. 1949 Mitarb. im ZK der SED; 1949 – 56 Chefred. der SED-Ztschr. »Neuer Weg« (im Rang eines Abt.-Ltr. des ZK der SED, Nachf. von  Emmi Dölling); 1956 – 58 1. Vors. des Sekretariats des Zentralvorst. der DSF; 1958 – 66 Redaktionsltr. im DFF; ab 1966 Rentner; gest. in Berlin.Bernd-Rainer Barth

dissidenten.eu

Miklós, Gáspár

* 1948

Philosoph, Autor von Samisdat-Texten, Sprecher des Netzes Freier Initiativen, 1989/90 Mitglied des Parteivorstands des *Bundes Freier Demokraten.Gáspár Miklós Tamás wurde 1948 im rumänischen Klausenburg (Cluj; Ungarisch: Kolozsvár) in Siebenbürgen geboren. Nach dem Abitur am dortigen Unierten Kolleg studierte er 1966/67 Philosophie an der Babeş-Bolyai-Universität Klausenburg, 1967–69 klassische Philologie in Bukarest, 1969–72 erneut Philosophie in Klausenburg. Gemeinsam mit Vilmos Ágoston und Gusztáv Molnár gehörte er der Schule des Philosophen György Bretter an. 1972–78 war er für die in Klausenburg erscheinende Wochenzeitschrift „Utunk“ tätig. Als er sich 1978 weigerte, einen die Politik von Staats- und Parteichef Nicolae Ceauşescu in höchsten Tönen lobenden Beitrag abzudrucken, begannen mehrmonatige Schikanen der Geheimpolizei Securitate gegen ihn, die damit endeten, dass Tamás Rumänien verließ und nach Ungarn ging. Noch während seiner Zeit in Siebenbürgen hatte er in Ungarn philosophische Texte und Rezensionen veröffentlicht. Er unterhielt enge Kontakte zur Schule des Philosophen György Lukács und war mit den Schülern von György Márkus befreundet. In den Jahren 1979 bis 1981 hielt er Vorlesungen in Philosophiegeschichte am Lehrstuhl für Philosophie der Loránd-Eötvös-Universität Budapest; aus dem Kreise seiner Studenten gingen die „führenden“ Köpfe der unabhängigen Studentenbewegung „Dialog“ hervor: István Szent-Iványi, Roza Hodosán, András Kovács, Ákos Róna-Tass. Zur Jahreswende 1979/80 hielt Tamás drei aufsehenerregende Vorlesungen zur Siebenbürgen-Problematik, in denen er sowohl dem ungarischen Nationalismus als auch linken romantischen Illusionen eine Abfuhr erteilte. Ende 1981 arbeitete er für die Redaktion der Samisdat-Schrift „Kisugó“ (in etwa „Hinausplauderer“). Im Gegensatz zu den meisten anderen Bürgerrechtlern ließ sich Tamás durch die Einführung des *Kriegsrechts in Polen nicht niederschmettern, sondern fühlte sich zu vermehrter Aktivität angeregt. 1982 druckte der Unabhängige Verlag *AB (AB Független Kiadó) drei politische Essays von ihm. In dem Beitrag „Das stille Europa“ (A csendes Európa) schrieb er, die polnische Niederlage sei kein Grund für die Ungarn, auf den Kampf für die Demokratie zu verzichten. In seinen Essays „Die ungarische Frage“ (A magyar kérdés) und „Der Nationalismus als Zeichen und Metapher“ (A nacionalizmus mint rejtjel és metafora) lernten die Leser Tamás als modernen, demokratischen und den Nationalismus ablehnenden Patrioten kennen. Der Preis für seine oppositionelle Tätigkeit waren Repressalien der Staatsmacht: Nachdem er von der Universität entfernt worden war, war er zunächst einige Monate in einer Vorstadtbibliothek beschäftigt, bevor er seine Arbeit ganz verlor. Tamás war innerhalb der ungarischen Opposition eine besondere Erscheinung. Einerseits war er ein Idealist, der in seiner politischen Arbeit stets Wert auf ideologische und moralische Inhalte legte. Zugleich wollte er weder aus der Tradition des linksorientierten Marxismus noch aus der sozialdemokratischen Ideologie schöpfen – auch nicht aus deren neueren, kritischen Strömungen. Seine Ansichten wurzelten im Anarchosyndikalismus und hatten eine gewisse libertär-patriotische Färbung. Zum Ausdruck kommen sie in seinen Essays. Dazu gehören unter anderen „Auge und Hand“ (A szem és a kéz) sowie „Einführung in die Politik“ (Bevezetés a politikába), beide 1983 im Verlag *AB veröffentlicht und später dann auch in einer Reihe von westlichen Verlagen. In späteren Veröffentlichungen unternahm Tamás den Versuch, eine moderne Spielart des Konservatismus zu erarbeiten. 1985 kandierte er, wie auch László Rajk, im Rahmen der sogenannten Bürgerliste zur ungarischen Parlamentswahl. 1986 stellten ihm die ungarischen Behörden aus Sorge um die öffentliche Meinung im Westen einen Reisepass aus. Tamás reiste nach New York, wo er als Gastprofessor an der Columbia University arbeitete. Gemeinsam mit den ebenfalls in New York weilenden Ferenc Kőszeg und Sándor Szilágyi initiierte er eine Erklärung prominenter osteuropäischer Bürgerrechtler aus Anlass des 30. Jahrestages der *Ungarischen Revolution von 1956, im Westen bekannt als „Osteuropäische Unabhängigkeitserklärung“. 1988 wurde Tamás Sprecher des Netzes Freier Initiativen. Nach dem Ende des kommunistischen Regimes war er zunächst 1991–94 Direktor des Instituts für Philosophie der Ungarischen Akademie der Wissenschaften und zugleich Parlamentsabgeordneter des *Bundes Freier Demokraten (Szabad Demokraták Szövetsége; SZDSZ), aus dem er 2000 austrat. Er engagiert sich weiterhin sowohl wissenschaftlich – als Gastprofessor an der Budapester Central European University – als auch politisch links unter anderem im globalisierungskritischen Netzwerk Attac Ungarn und in der Partei Grüne Linke (Zöld Baloldal Párt).Sándor Szílágyi Aus dem Polnischen von Gero Lietz Letzte Aktualisierung: 06/15

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Milkert, Felix

* 14.1.1894 – ✝ 7.1.1919

Geboren am 14. Januar 1894 in Gatow/Krs. Osthavelland, Sohn eines Stellmachers. Felix Milkert war Vorarbeiter, gehörte der SPD und ab 1917 der USPD an. Auf dem linken Flügel seiner Partei stehend, bestimmte er maßgeblich die Politik der USPD-Ortsgruppe Spandau. Während der Novemberrevolution als Vorsitzender der USPD im Spandauer Arbeiter- und Soldatenrat, an der Bildung eines »Revolutionären Sicherheitsausschusses« beteiligt. Milkert nahm als Delegierter am Gründungsparteitag der KPD teil, er erreichte, daß am 31. Dezember 1918 die Mitglieder der USPD-Ortsgruppe Spandau mit 400 gegen fünf Stimmen beschlossen, der KPD beizutreten. Zum Vorsitzenden der KPD Spandau gewählt, gehörte Milkert zu jener Gruppe von Spandauer Kommunisten, die am 7. Januar 1919 das Rathaus stürmten und nach der Rückeroberung durch regierungstreue Truppen am 10.Januar 1919 gefangengenommen wurden. Am 17. Januar 1919 wurde Felix Milkert beim Transport von Spandau nach Tegel am Schiffahrtskanal im Tegeler Forst zusammen mit anderen Häftlingen angeblich »auf der Flucht« erschossen.

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Minetti, Hans-Peter Theodor

* 21.4.1926 – ✝ 10.11.2006

Geb. in Berlin; Vater Schauspieler Bernhard M.; Volksschule, 1936 – 43 Realgymnasium Berlin-Steglitz; 1940 – 45 HJ; 1943/44 RAD, Luftwaffenhelfer, 1944/45 Wehrmacht, Gefr. (Kanonier). 1946 KPD/SED; Studium der Philos. u. Kunstgeschichte in Kiel (1945/46), Berlin (1947) u. Hamburg (1947/48); 1945/46 Mitgl. der KPD-Ltg., Sekr. der KPD-Studentengr. der Univ. Kiel; Jan. – Dez. 1947 Mitarb. des ADN; 1948 Lehrgang an der PHS in Liebenwalde; 1948 – 50 Studium am Dt. Theaterinst. Weimar; Auftritte an Studentenbühnen; 1950/51 Mitgl. des Jungen Ensembles in Weimar, 1951 – 53 Engagement am Mecklenb. Staatstheater Schwerin; 1952 – 56 am Maxim-Gorki-Theater Berlin; 1954 Auszeichnung als »Partisan des Friedens« (WBDJ); ab 1954 Darsteller in Film u. Fernsehen, so in  Kurt Maetzigs Thälmann-Filmen (1954/55),  Konrad Wolfs »Lissy« (1957), Achim Hübners »Dr. Schlüter« (TV, 1965/66),  Frank Beyers »Spur der Steine« (1966), »Ich – Axel Caesar Springer« (TV, 1970), »Martin Luther« (TV, 1983), »Johann Sebastian Bach« (TV-Koprod. mit Ungarn, 1983) u. a.; 1953 Kand., 1955 – 63 Mitgl. des ZR der FDJ; 1956 – 59 am Dt. Theater Berlin; danach Bühnenrollen an der Volksbühne, am Berliner Ensemble, der Dt. Staatsoper; 1958 Mitgl. des Dt. Friedensrats; 1958 – 86 Kand., 1986 – 89 Mitgl. des ZK der SED; ab 1959 Schauspieler im DEFA-Studio Babelsberg; 1959 Verdienstmedaille der NVA; 1965 Banner der Arbeit; 1966 NP (im Koll.); 1966 – 74 Vors. der Gewerkschaft Kunst; 1975 Mitgl. des Präs. der Liga für Völkerfreundschaft; 1975 – 81 Dir. der Staatl. Schauspielschule »Ernst Busch« Berlin (Nachf. von  Rudolf Penka); 1978 Goethe-Preis; 1979 NP; 1980 Prof.; 1981 Kunstpreis der Stadt Rostock; 1981 – 87 Rektor der HS für Schauspielkunst Berlin; 1984 – 89 Mitgl. der Kulturkommission beim PB des ZK der SED; gleichz. Präs. des Verb. der Theaterschaffenden (Nachf. von  Wolfgang Heinz); 1986 VVO; seit 1987 freischaff. Schauspieler; gest. bei einem Kurzaufenthalt in Cheb (Tschechien).Erinnerungen. Berlin 1997.  Creutz, L.: H.-P. M. Berlin 1962.Bernd-Rainer Barth

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Misersky, Antje

* 10.5.1967

Geb. in Magdeburg; Vater Trainer, Mutter Ilse Schönemann (1961 DDR-Mstr. über 800 m); begann als Skilangläuferin; KJS Zella-Mehlis, SC Motor Zella-Mehlis (Trainer: Vater Henrich M.); 1979 Spartakiadesiegerin in der Staffel; 1984 DDR-Mstr. 20 km; 1984 Staffel-Bronze bei der Junioren-WM; 1985 DDR-Meisterin 5 km u. Staffel, Staffel-Bronze bei Senioren- u. Junioren-WM; danach zeitw. Abschied v. Leistungssport wegen Entlassung des Vaters als Verbandstrainer; 1987 – 91 Pädagogikstudium an der PH Potsdam; ab Frühj. 1989 Biathletin beim ASK Vorwärts Oberhof, NVA. Ab 1990 beim WSV Oberhof (Trainer: Harald Böse), Zivilangest. der Sportfördergruppe Oberhof der Bundeswehr; Dt. Mstr. 1991 7,5 km u. 1992 15 km; 1991 WM-Bronze in der Staffel; 1992 Olympiasiegerin 15 km, Silber 7,5 km u. Staffel; 1994 Olympia-Silber in der Staffel; 1993 Heirat mit dem US-Biathleten Mark Harvey; 1994 Rücktritt; seit 2000 US-Staatsbürgerin, lebt in Heber City, Utah, USA.Volker Kluge

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Misselwitz, Helke

* 18.7.1947

Geb. in Planitz (b. Zwickau); Vater Ing. für Ökon., Mutter Handelskfm.; Grundschule u. EOS in Zwickau, 1965 Abitur mit Berufsausbildung als Möbeltischlerin; anschl. Ausbildung zur Physiotherapeutin; im Fernsehen der DDR als Regieassistentin u. Regisseurin im Bereich Jugendpublizistik von 1969 – 78; SED; Regiestudium an der HFF »Konrad Wolf«, Diplom 1982 mit dem Kurzspielfilm »Die fidele Bäckerin«; verweigerte die Rückkehr zum Fernsehen der DDR, wie es das Delegationsprinzip vorschrieb; Arbeit als Abräumerin in einer Berliner Bahnhofsgaststätte; gehörte zum Freundeskrs. von  Volker Koepp u.  Jürgen Böttcher; Mitinitiatorin des Forums junger Filmemacher im Haus der Ungar. Kultur 1983, das am Ende einen filmpol. Forderungskatalog erstellte, der  Kurt Hager übergeben werden sollte; 1983 – 85 freischaff., vorw. im DEFA-Studio für Dok.-Filme; Arbeiten für das Magazin »Kinobox«; 1985 – 88 Mstr.-Schülerin an der AdK bei  Heiner Carow; in dieser Zeit Realisierung des abendfüllenden Dok.-Films »Winter adé« über Frauen unterschiedl. Generationen u. sozialer Schichten in der DDR; 1988 – 91 Festanstellung als Regisseurin im DEFA-Studio für Dok.-Filme; ihre Filme stellen fast ausschließl. Frauenschicksale in den Mittelpunkt u. diskutieren Werte u. Lebenssinn; nat. u. internat. Auszeichnungen; freie Regisseurin seit 1990; Gründung einer eigenen Produktionsfirma; seit 1997 Prof. für Regie an der HFF Potsdam-Babelsberg; 1997 Dt. Kritikerpreis. Werke: Ein Leben (1980, HFF); Aktfotogr. z. B. Gundula Schulze (1983); Stilleben – eine Reise zu den Dingen (1984); Tango-Traum (1985); Wer fürchtet sich vorm schwarzen Mann (1990); Sperrmüll (1990); Herzsprung (1992, Spielfilm); Engelchen (1996, Spielfilm); diverse Dok.-Filme; Das 7. Jahr – Ansichten zur Lage der Nation (1997); Fremde Oder (2001); Quartier der Illusionen (2004).Schieber, E.: ... u. das Weib sei nicht mehr untertan. In: Außerhalb von Mittendrin. Berlin 1991; Das zweite Leben der Filmstadt Babelsberg 1946 – 92 (Hrsg. vom Filmmuseum Potsdam). Berlin 1994; Schwarzweiß u. Farbe. DEFA-Dokumentarfilme 1946 – 92 (Hrsg. vom Filmmuseum Potsdam). Berlin 1996.Elke Schieber

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Mitscherlich, Eilhard Alfred

* 29.8.1874 – ✝ 3.2.1956

Geb. in Berlin; Vater Univ.-Prof.; 1895 – 98 Studium der Mathematik, der Naturwiss. u. der Physik an der Univ. Kiel u. der Landw. HS Berlin; 1898 Prom. mit einer Diss. zur Benetzungswärme versch. Bodenarten; 1901 Habil.; 1900 – 06 Assistent bzw. Privatdoz. an der Univ. Kiel; 1906 – 41 Prof. (1920 Ordinarius) u. Dir. des Inst. für Pflanzenbau an der Univ. Königsberg; mehrmals Rektor; nach Em. 1941 – 45 Forschungen auf dem Familiengut Kutschlau bei Schwiebus (Ostbrandenb.); Jan. 1945 Flucht in das Havelland. 1946 – 50 Prof. u. Dir. des Inst. für Kulturtechnik der Univ. Berlin; 1949/50 Dekan der Landw.-Gärtner. Fak.; 1947 – 51 Präs. der Dt. Landw.-Ges. der SBZ/DDR; 1947 Ord. Mitgl. der DAW; 1949 NP; 1949 – 56 Dir. des Inst. zur Steigerung der Pflanzenerträge Paulinenaue der DAW bzw. DAL; 1950 Vors. des Gesamtdt. Arbeitskrs. der Land- u. Forstw.; Okt. 1951 trotz seines vorherigen Votums in der DAW gegen die Gründung einer »Zweigakad.« Gründungsmitgl. der DAL; 1954 VVO; gest. in Paulinenaue. E. M. gilt als Begründer der pflanzenphysiolog. Bodenkunde in Dtl.; er war Mitgl. der Leopoldina, der Tschechoslowak. u. der Schwed. Landw.-Akad., Dr. h. c. der Univ. Kiel (1948), Gießen (1950) u. der HU Berlin (1954), Mithrsg. mehrerer wiss. Ztschr., Ehrenmitgl. der Internat. Bodenkundl. Ges., Ehrenvors. der VdgB.Das Gesetz vom abnehmenden Bodenertrag. Berlin 1942; Lebenserinnerungen. Halle 1945; Bodenkunde für Land- u. Forstwirte. 7. Aufl., Berlin 1954 (Übers. in mehrere Sprachen). Bredel, O., Kaltofen, H.: E. A. M. 1874 – 1956. Leben u. Werk. Berlin u. a. 1998.Siegfried Kuntsche

Wer war wer in DDR

Meyer, Hansgünter

* 13.10.1929 – ✝ 26.4.2015

Geb. in Tangermünde, aufgew. u. a. in Hamburg u. Neukirch (b. Bautzen); Vater Polizeiwachtmstr., Mutter Hausgehilfin; nach Besuch der OS ab 1944 Landw.-Lehre; 1948 – 90 SED; FS für Landw. u. Ausbildung zum landw. Berufsschullehrer (Neulehrer); ab 1951 Doz. an der FS für Landw. u. Ing.-Schule für Meliorationswesen in Greifswald; 1953 Fachlehrerprüfung; anschl. bis 1958 Fernstudium der Ges.-Wiss. an der KMU Leipzig; 1960 Assistent am Philosoph. Inst. der EMAU Greifswald, erste empir. soziolog. Untersuchungen; 1964 Prom. mit einer Arbeit zur Methodol. soziolog. Forschung; 1965 Wechsel zur soziolog. Abt. am Inst. für Wirtschaftswiss. der DAW in Berlin; gem. mit  Manfred Lötsch Ltg. umfgr. empir. industrie- u. organisationssoziolog. sowie Sozialstrukturuntersuchungen; 1969, ebenfalls gem. mit Manfred Lötsch, Habil. zur Begründung einer organisationssoziolog. Forschung in der DDR (Verbot der Buchpubl. 1971); 1970 – 74 Mitgl. des Wiss. Rats für Soziol.; 1973 Ernennung zum Prof. für Soziol.; bis 1974 Aufbau u. Ltg. der Abt. Soziol. am Inst. für Philos. der AdW, Erarbeitung eines strukturfunktionalen Konzepts zur Sozialstrukturforschung (mit Manfred Lötsch), 1974 Auflösung der Abt. wegen »unzureichenden marxist.-leninist. Niveaus«; anschl. am Inst. für Theorie, Geschichte u. Org. der Wiss. (ITW) der AdW, u. a. internat. vergleichende wiss.-soziolog. Untersuchungen; Nov. 1989 Mitbegr. u. ab Febr. 1990 bis zur Selbstauflösung Ende 1992 Vors. der Ges. für Soziol. der DDR / Ostdtl., in dieser Funktion Veranstalter des Leipziger Soziologentags 1991 u. Gründungsmithrsg. des »Berliner Journals für Soziol.«. 1990 bis zur Abwicklung im Dez. 1991 Mitgl. des Direktoriums des ITW; 1992 – 94 wiss. Mitarb. am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung, Untersuchungen zur Neuordnung des ostdt. HS-Wesens u. der Entw. der gesamtstaatl. Wissenschaftslandschaft; Mitarb. im Vorst. der Dt. Ges. für Soziol.ca. 160 Arbeiten, u. a.: Das Kaderpotential in der Wiss. 10 Bde. Ms.-Druck der AdW Berlin 1979 – 89 (Hrsg.); Intelligenz, Wiss. u. Forschung in der DDR. Berlin, New York 1990; 25 Jahre Wissenschaftsforschung in Ostberlin. Berlin 1997 (Hrsg.).Jan Wielgohs

Wer war wer in DDR

Meynhardt, Heinz

* 21.4.1935 – ✝ 27.10.1989

Geb. in Burg (b. Magdeburg); Vater Fleischermstr.; Grundschule; 1949 – 52 Lehre als Elektroinstallateur; ABF; 1954 – 56 Ausbildung zum Elektromstr., anschl. Ltr. eines Handwerksbetriebs; nebenberufl. intensive Beschäftigung mit Verhaltensforschung; mehrjährige Studien an Elchen u. Wisenten in Polen, ab 1971 verhaltensbiolog. Untersuchungen an freilebenden Wildschweinen; seit 1975 Forschungsaufträge vom Inst. für Forstw. Eberswalde u. seit 1980 vom Forschungszentrum für Tierprod. der AdL in Dummerstorf-Rostock; ab 1976 Tierfilmautor beim DFF; bis 1989 32 Fernsehfilme, u. a. »Wildschwein ehrenhalber« (1977), »Meynhardt über Meynhardt« (1986) u. »Mein Leben unter Wildschweinen« (1987); 1977 LDPD; 1987 Prom. an der KMU Leipzig; Vortrags- u. Forschungsreisen durch Osteuropa, Österreich, die Bundesrep. Dtl., die Schweiz, Frankreich u. Nordafrika.Schwarzwild-Report. Mein Leben unter Wildschweinen. 1982; Wildschweingeschichten. 1982.Peter Nötzold

Wer war wer in DDR

Micheel, Hans-Jürgen

* 23.11.1936

Geb. in Stargard; Vater Autoschlosser, Mutter Schneiderin; Grund- u. OS, Abitur; 1952 FDJ; 1956 – 60 Studium an der DASR Potsdam bzw. am Moskauer Inst. für Internat. Beziehungen (MIMO), Dipl.-Staatswiss., 1968 Prom. zum Dr. rer. pol.; ab 1960 Mitarb. des MfAA, Referent, Attaché, Oberreferent, Kulturattaché, 2. u. 1. Sekr. an der Botschaft der DDR in Guinea; ab 1972 Mitarb. im Bereich Internat. Organisationen des MfAA; 1975 – 1978 stellv. Ltr. der DDR-Deleg. im Genfer Abrüstungsaussch.; 1976 – 78 Botschaftsrat bei der Ständigen Vertretung der DDR in Genf; später Mitarb. der Abt. Nordeuropa des MfAA; 1978/79 SED-BPS Potsdam; 1985 Sektorltr., 1986 stellv. Ltr. der Abt. UNESCO des MfAA; 1987 – 90 Ständiger Vertreter der DDR bei der UNESCO in Paris (Nachf. von  Ferdinand Thun), Außerord. u. Bevollmächtigter Botschafter.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Michelfeit, Josef

* 3.1.1937

Geb. in Simmersdorf (Krs. Deutschbrodt, ČSR/ Smrena, Tschechien); 1945 Vertreibung nach Mecklenb.; Schule in Rostock, Gymnasium u. Abitur in Berlin (West); 1957 – 62 Studium der Theol. in Erfurt u. auf der Huysburg bei Halberstadt, 1962 Priesterweihe; 1963 – 67 Vikar in Tessin (b. Rostock), Neukloster u. Schwerin; 1967 – 73 Jugendseelsorger im Bischöfl. Kommissariat Schwerin; 1973 – 83 Pastor in Crivitz (b. Schwerin); 1973 – 77 Assessor u. Ordinariatsrat im Bischöfl. Amt Schwerin; 1978 – 87 Gen.-Vikar im Bischöfl. Amt Schwerin; Beauftr. zu Verhandlungen mit den Räten der Bez. Rostock, Schwerin u. Neubrandenb.; 1987 Prälat; 1987 – 90 Gen.-Sekr. der Berliner Bischofskonferenz in Berlin (Nachf. von  Paul Dissemond); Beauftr. des Vors. der Berliner Bischofskonferenz zu Verhandlungen mit dem MfS, von diesem nach einem IM-Vorlauf ab 1987 in den Jahren 1988/ 89 als IM »Anton« erf.; Sept. 1990 – Sept. 1996 Ltr. der Außenstelle Berlin des Sekr. der Dt. Bischofskonferenz. 1996 – 2005 Domkapitular in Hamburg; Beauftr. des Erzbistums Hamburg für Außenvertr. u. Sonderaufg.; Ruhestand, lebt in Rostock.Bernd Schäfer

Wer war wer in DDR

Mielke, Erich

* 28.12.1907 – ✝ 21.5.2000

Geb. in Berlin; Vater Holzarb., Stiefmutter Näherin; Besuch der 43. Gemeindeschule, anschl. bis 1924 Kölln. Gymnasium in Berlin; 1921 KJV, später RFB; 1924 – 27 Ausbildung u. Tätigkeit als Speditionskfm. bei der Fa. Koch in Berlin; 1927 KPD; 1927 im Beruf tätig bei den Berliner Gütersammelstellen, 1927 – 31 bei der Fa. Autofabag, Entlassung; 1928 – 31 Lokalreporter der »Roten Fahne« u. Mitgl. des Parteiselbstschutzes; 1930 vier Tage U-Haft wegen Teiln. an einer verbotenen Demonstration; 1931 tätig im Arbeitsamt Berlin-Kreuzberg; 1931 Flucht in die UdSSR (nach der Ermordung von zwei Polizisten auf dem Berliner Bülowplatz); dort Besuch der militär.-pol. Schule; 1932 – 34 Lenin-Schule; 1934/35 Ausbildung zum militär.-pol. Lektor der Lenin-Schule, anschl. bis 1936 dort im Beruf tätig; Sept. 1936 – 39 nach Spanien (»Fritz Leissner«); Soldat im Stab der 14. Internat. Brigade, Kapitän, Chef der Operationsabt. der Brigade; danach Ausbildungsoffz. der 11. Internat. Brigade in Albacete, dort Adjutant; März 1939 – Mai 1940 in Belgien; Mitarb. bei der »Neuen Rhein. Ztg.«; ab 1940 bei den »Informationsblättern« für die belg. Emigr.; Mai 1940 – April 1941 in Frankreich interniert; danach bis Dez. 1943 in Südfrankreich tätig, u. a. als Holzfäller; legalisiert sich als Lette mit dem Namen »Richard Hebel«; 1940 – 43 Mitarb. in der illeg. KPD-Ltg. in Frankreich; Dez. 1943 verhaftet; Jan. – Dez. 1944 Angeh. der Org. Todt; Jan. – Mai 1945 Aufenthalt in der frz. u. amerik. Zone. Juni 1945 Rückkehr nach Berlin; Ltr. einer Polizeiinspektion; 1945/46 Abt.-Ltr. Polizei u. Justiz beim ZK der KPD; Juli 1946 – Okt. 1949 Vizepräs. der DVdI; 1949/50 Ltr. der HV zum Schutz der Volkswirtschaft des MdI, Gen.-Inspekteur; 1950 – 89 Mitgl. des ZK der SED; 1950 – 53 Staatssekr. im MfS, 1953 – 55 stellv. Staatssekr., 1955 – 57 stellv. Min., seit Nov. 1957 Min. für Staatssicherheit (Nachf. von  Ernst Wollweber); 1953 – 89 1. Vors. der SV Dynamo; 1954 VVO; 1958 – 89 Abg. der Volkskammer; 1960 – 89 Mitgl. des Nat. Verteidigungsrats; 1964 u. 1967 Held der Arbeit; 1971 Kand., ab 1976 Mitgl. des PB des ZK der SED; 1973 Lenin-Orden; 1973, 1977, 1982 u. 1987 KMO; 1975 u. 1982 Held der DDR; 1980 Armee-Gen.; 7.11.1989 Rücktritt als Min. mit der Reg.  Willi Stoph, 8.11. Rücktritt als PB-Mitgl.; 17.11.1989 Aufhebung des Abgeordnetenmandats, 3.12.1989 Ausschl. aus ZK u. SED; ab 7.12.1989 U-Haft (mit kurzz. Unterbrechung im März 1990). 26.10.1993 Verurteilung zu sechs Jahren Gefängnis wegen der Polizistenmorde am Bülowplatz 1931, 1.8.1995 vorzeitige Haftentlassung auf Bewährung; gest. in einem Altersheim in Berlin-Hohenschönhausen.Soz. u. Frieden – Sinn unseres Kampfes. Berlin 1987. von Lang, J.: E. M. Eine dt. Karriere. Berlin 1991; Schwan, H.: E. M. Der Mann, der die Stasi war. München 1997; Kießling, W.: Leistner ist Mielke. Berlin 1998; Otto, W.: E. M. Biogr. Berlin 2000; Bästlein, K.: Der Fall Mielke. Die Ermittlungen gegen den Min. für Staatssicherheit der DDR. Berlin 2002; Gieseke, J.: Revolverheld u. oberster DDR-Tschekist. In: Krüger, D., Wagner, A. (Hrsg.): Konspiration als Beruf. Berlin 2003.Jens Gieseke

Handbuch Deutsche Kommunisten

Mießner, Rudolf

* 7.11.1907 – ✝ 16.1.1973

Geboren am 7. November 1907 in Berlin-Neukölln, Sohn eines Buchbinders; besuchte das Gymnasium, kaufmännische Lehre. 1924 Eintritt in die KJD, 1926 in die KPD, 1928 ehrenamtlicher Sekretär des KJVD-Bezirks Schlesien, ein Jahr später übernahm er diese Funktion in Ostsachsen. Auf dem 11. KJVD-Kongreß im September 1929 kam er in das ZK des KJVD, dort von 1929 bis 1931 unter Kurt Müller für Agitation und Propaganda verantwortlich. 1930 verurteilte ihn das Reichsgericht in Leipzig wegen »Vorbereitung zum Hochverrat« zu 15 Monaten Haft, die er auf der Festung Gollnow in Pommern absaß. Nach der Entlassung zunächst Redakteur des KJVD-Organs »Die junge Garde« bzw. Instrukteur im Verlag der Jugendinternationale, ab Mitte 1932 Instrukteur der Orgabteilung des ZK in Berlin und Oberschlesien. Unter dem Decknamen Flodur arbeitete Mießner 1933/34 als Orginstrukteur des ZK des illegalen KJVD in Berlin, Mannheim und Hamburg. Im Februar 1934 in Hamburg verhaftet, vom Hanseatischen OLG zu zwei Jahren und neun Monaten Zuchthaus verurteilt, kam er anschließend bis 1939 in das KZ Sachsenhausen, war dann bis 1945 Expedient in Berlin. Nach der Befreiung bis 1947 Chefredakteur beim Berliner Rundfunk. Mießner war Mitglied des Zentralen Jugendausschusses der SBZ und Mitbegründer der FDJ. 1947/48 Mitglied des Sekretariats (für Kultur und Erziehung) des FDJ-Zentralrates, 1948/49 Chefredakteur der FDJ-Zeitung »Junge Welt«. 1949 Wechsel in den Parteiapparat, Chefredakteur der Zeitschrift »Neuer Weg«, von 1958 bis 1966 Redaktionsleiter beim DDR-Fernsehen. Er erhielt 1955 den VVO in Silber. Rudolf Mießner starb am 16.Januar 1973 in Ost-Berlin.Bernd-Rainer Barth

dissidenten.eu

Milan, Martin

* 1957

Schriftsteller, Journalist und Publizist. Redakteur von Samisdatzeitschriften und Gründungsmitglied der Organisation *Öffentlichkeit gegen Gewalt. Martin Milan Šimečka wurde 1957 in Bratislava (Pressburg) geboren und ist der Sohn von Eva und Milan Šimečka. Nachdem seine Eltern 1968 wegen sogenannter „antikommunistischer Aktivitäten“ aus der Kommunistischen Partei (KSČ) ausgeschlossen wurden, war Martin Milan der mittlere Schulabschluss verwehrt. 1972 kam er an die Berufsschule des Pressburger Unternehmens Slovnaft und legte das Fernabitur ab. Fünfmal bemühte er sich vergeblich um die Aufnahme zum Hochschulstudium. Er leistete Wehrdienst und arbeitete dann bis zur *Samtenen Revolution 1989 unter anderem als Rettungsschwimmer, Verkäufer, Krankenpfleger und Heizer. Seit 1981 arbeitete er mit der ersten slowakischen Samisdatzeitschrift *„Kontakt“ zusammen, die viele seiner Erzählungen und Artikel druckte. Nach seiner Entlassung aus der Armee im Juni 1981 wurde er dort Redaktionsmitglied. In der zweiten Ausgabe veröffentlichte er eine Übersetzung von George Orwells Essay „Warum ich schreibe?“. Seit 1987 war er gemeinsam mit Ján Budaj und Ján Langoš Redakteur der Zeitschrift „K“. Er pflegte Kontakt zu tschechischen Dissidenten, unter anderem beteiligte er sich an den alle drei Monate stattfindenden Treffen der Mitarbeiter der Samisdatzeitschrift „Obsah“ (Inhalt). Im Verlag *Edice Petlice erschienen seine autobiografischen Erzählungen „Wehrpass“ (Vojenská knižka; 1981), „Äußerung“ (Výpoveď; 1982) und „Froschjahr“ (Žabí rok; 1983), die zusätzlich noch einmal gesammelt im Exilverlag „Index“ unter dem Titel „Žabí rok“ herausgegeben wurden. Bei „Index“ veröffentlichte Šimečka ebenfalls eine Auswahl der Korrespondenz mit seinem Vater – „Signalzeichen“ (Světelné znamení; 1984) – und die Novelle „Flaschengeist“ (Džin; 1988). Letztere erschien auch in der Slowakei. Zur Erinnerung an Dominik Tatarka schrieb er mit Langoš den Band „Schwätzereien“ (Navrávački). Šimečkas Wohnung wurde häufig durchsucht, er wurde verhört und von der Staatssicherheit überwacht. Šimečka selbst beurteilte seine Tätigkeit nicht als regimefeindlich, sondern eher als Suche nach einer alternativen Lebensweise. Obwohl er Kontakt zu den Unterzeichnern der *Charta 77 hielt, unterschrieb er die Petition nicht, galt sie ihm doch als Versuch, mit dem kommunistischen Regime in einen Dialog zu treten. Während der Sanften Revolution 1989 war er Mitgründer der Bewegung *Öffentlichkeit gegen Gewalt (Verejnosť proti násiliu) und Anfang 1990 Mitglied in ihrem Koordinationskomitee. In den folgenden Jahren arbeitete Šimečka jeweils als Chefredakteur bei verschiedenen publizistischen Institutionen: 1990–97 beim Verlag „Archa“, 1997–99 bei der liberalen politischen Wochenzeitschrift „Domino fórum“, 1999–2006 bei der Tageszeitung „Sme“ (Wir sind) und 2006–09 beim einflussreichen tschechischen Wochenmagazin „Respekt“. 1993–94 war er außerdem Vorsitzender des slowakischen PEN-Zentrums. Martin Milan Šimečka ist weiterhin literarisch und publizistisch tätig. Er ist Autor vieler Analysen und Artikel, die sich mit der politischen Situation in der Slowakei auseinandersetzen. 1997 veröffentlichte er den autobiographischen Roman „Sympathie“ (Záujem), in dem er seine Enttäuschung über die Entwicklungen nach 1989 zum Ausdruck bringt. 1998 erschien in der Slowakei eine einbändige Auswahl seiner bis dahin veröffentlichten Publikationen.Juraj Marušiak Aus dem Polnischen von Jonas Grygier Letzte Aktualisierung: 08/15

Wer war wer in DDR

Miller, Josef (Sepp)

* 27.8.1883 – ✝ 23.3.1964

Geb. in Scheppach (Bayern); Vater Mittelbauer; Volksschule; Ausbildung zum Schlosser; 1901 DMV; Wanderschaft; 1903 – 05 Militärdienst; 1907 Werftarb. in Bremen; Fortbildungsschule, 1912 Mstr.; Mitgl. der Bremer Linksradikalen; während der Novemberrev. Mitgl. eines Arbeiterrats; Teiln. an der Errichtung der Bremer Räterep.; 1919 Gründungsmitgl. der KPD; Mitgl. der Bremer Nat.-Vers.; hauptamtl. DMV-Sekr.; 1920/21 KPD-Sekr. in Bremen; 1920 – 23 Mitgl. der Brem. Bürgerschaft; Mitgl. der KPD-BL Niedersachsen; 1923/24 Mitgl. des ZA der KPD, 1924 Anhänger der sog. Rechten; 1928 Anschluß an die »Versöhnler«, bis 1930 aktive Opp. gegen das ZK der KPD; 1928 – 30 Abg. des Dt. Reichstags; 1930 – 33 Org.-Sekr. der RH; Mitgl. des EK der IRH; Juli 1933 Emigration in die ČSR u. Frankreich (»Rohde«); 1933 – 36 Gen.-Sekr. der RH, wegen »doktrinärer Einheitsfrontpol.« abgesetzt; 1935 Gastdelegierter des VII. Weltkongresses der KI; Ausbürgerung 9.9.1938 (Liste 64); 1939 Flucht nach Norwegen, 1940 weiter nach Schweden; 1940 – 42 interniert, kurzz. in Loka-Brunn, dann im offenen Lager Lenhovda; anschl. Arbeit als Schlosser; Mitgl. der Landesgr. dt. Gewerkschaften; 1944 Gründungsmitgl. des Freien Dt. KB, Mitgl. der KPD-Ltg. in Schweden. Jan. 1946 Rückkehr nach Dtl.; Mitarb. in der Dt. ZV für Umsiedler; ab April 1946 Hauptref. der Abt. Personalpol. des PV der SED; Feb. 1949 – Jan 1952 Ltr. des Personalbüros (zuständig für Personalfragen des Apparats des SED-PV); 1946 – 54 Mitgl. der ZRK der SED; nach 1952 wiss. Mitarb. u. Ltr. der Abt. Gedenkstätten im Museum für dt. Geschichte; 1954 VVO; 1957 KMO; gest. in Berlin.Nach zwölfjähriger Emigr. zurück nach Dtl. In: Wir sind die Kraft. Berlin 1959. Scholz, M. F.: Skandinav. Erfahrungen erwünscht? Nachexil u. Remigration. Stuttgart 2000.Bernd-Rainer Barth / Michael F. Scholz

dissidenten.eu

Minew, Ilija

* 1917 – ✝ 2000

Ilija Minew wurde 1917 in Septemwri im Bezirk Plowdiw in eine wohlhabende Bauernfamilie geboren. Nach dem Abitur in Plowdiw ging er nach Frankreich, wo er 1941 an der Universität Toulouse sein Studium der Industriechemie abschloss. Nach seiner Rückkehr nach Bulgarien diente er in der Reserveoffiziersschule. Er gehörte den Bulgarischen Nationalen Legionen an, einer in den 30er Jahren gegründeten, extrem nationalistischen Organisation mit faschistischer Ausrichtung. Sein Vorbild war Wassil Lewski (1837–73), ein Vordenker der nationalen Befreiungsbewegung, die sich gegen das Osmanische Reich (dessen Teil Bulgarien zu seinen Lebzeiten war) richtete. Sich selbst sah Minew als Nationalist. In diesem Sinne agitierte er unablässig Offiziere und Soldaten an der Reserveschule. Insbesondere war ihm daran gelegen, den antihumanitären und repressiven Charakter der kommunistischen Ideologie darzustellen, die sich damals auch im Militär den Weg bahnte. Wegen dieser Aktivitäten wurde er einen Tag nach dem *Umsturz vom 9. September 1944 verhaftet. Nach kurzen Ermittlungen entließ man ihn aus der Haft und schickte ihn an die Front. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und der schrittweisen Festigung der kommunistischen Macht wurde Minew 1946 erneut vom Staatssicherheitsdienst verhaftet. Die Vorwürfe gegen ihn im Strafprozess lauteten Widerstand gegen die kommunistische Partei und „Bildung einer staatsfeindlichen Organisation zum Sturz der Volksmacht“. Trotz fehlender Beweise verurteilte ihn das Gericht auf Druck der Staatssicherheitsbehörden zum Tode; das Todesurteil wurde jedoch später in 20 Jahre Haft umgewandelt. Die folgenden 18 Jahre verbrachte Minew in Gefängnissen in Schumen und Stara Sagora. Er trat mehrfach in den Hungerstreik und wurde mit Karzerhaft bestraft. In seinen Erinnerungen schrieb Minew später: „Im Gefängnis planten meine Leidensgenossen und ich, nach unserer Entlassung eine unabhängige Vereinigung zum Schutz der Menschenrechte zu gründen. Es war uns klar, dass der Marxismus-Leninismus sowohl in seiner Theorie als auch in der Praxis des Sozialismus unabwendbar danach streben würde, diese Rechte mit Füßen zu treten.“ Am 24. April 1964 wurde Minew aus der Haft entlassen. Aufgrund seiner unverändert strikt antikommunistischen Ansichten war er den Herrschenden jedoch weiterhin ein Dorn im Auge. Ganze neun Jahre verbrachte er nach seiner Haftentlassung in der Verbannung in entlegenen Gegenden der bulgarischen Provinz. 1975 verurteilte man ihn wegen sogenannter antisowjetischer Propaganda erneut – Minew hatte gesagt, dass der „leninsche Kommunismus der Unterdrückung der Völker der UdSSR“ diene. Diesmal erhielt er fünf Jahre Haft. Ab 1981 stand Minew in seiner Wohnung in Septemwri unter Hausarrest. Er musste sich dreimal täglich bei der viereinhalb Kilometer entfernten Dienststelle der Miliz melden. Vor seinem Haus war rund um die Uhr ein Streifenwagen postiert. 1984 beschlagnahmte die Staatssicherheit bei einer der zahlreichen Durchsuchungen von Minews Wohnung ein Manuskript, in der er sich zur Politik der kommunistischen Regierung gegenüber den demokratischen Ländern des Westens äußerte. Aus Protest gegen diese Beschlagnahmung trat Minew in einen 20-tägigen Hungerstreik. Im Mai 1985 beschrieb er in einem Brief an den US-amerikanischen Außenminister George Shultz zahlreiche Fälle von Menschenrechtsverletzungen in Bulgarien. Nachdem der Brief von den Behörden konfisziert worden war, trat Minew erneut in den Hungerstreik, diesmal für 15 Tage. Im Dezember 1986 verfasste Minew gemeinsam mit seinen Freunden Grigor Boschilow, #Eduard Genow und anderen einen „Offenen Brief – Appell“, der an die KSZE-Folgekonferenz in Wien gerichtet war und Fälle von Gewalt und Menschenrechtsverletzungen in Bulgarien dokumentierte. Die Unterzeichner regten die Schaffung einer ständigen europäischen Regierungskommission an, deren Aufgabe es sein sollte, „die Regierungen zu überwachen und zur Rechenschaft zu ziehen, die es in den elf seit Helsinki vergangenen Jahren noch immer nicht geschafft haben, ihren Völkern auch nur ein einziges Menschenrecht zu gewähren“. Am 19. Dezember 1986 gelang es Grigor Boschilow, den Brief in die US-amerikanische Botschaft in Sofia zu schleusen. Er wurde so Bestandteil der Dokumente für das Wiener KSZE-Treffen.Silwija Radewa Aus dem Polnischen von Gero Lietz Letzte Aktualisierung: 06/17

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Misgeld, Gerhard

* 25.12.1913 – ✝ 13.4.1991

Geb. in Recklinghausen; Vater Arzt; 1934 – 39 Med.-Studium in Berlin; 1939 – 43 zunächst als Assistenzarzt, später als Oberarzt der Patholog.-anatom. Abt. des Berliner Stadtkrankenhauses Moabit tätig; 1941 Prom. in Berlin; 1943 – 45 als Militärarzt Wehrmachtskriegsdienst; 1945 – 49 sowj. Kriegsgefangenschaft. Rückkehr nach Berlin; 1950 Anerkennung als Facharzt für Pathologie, Ltr. der Patholog.-anatom. Abt. des Krankenhauses der Dt. VP in Berlin; 1952 SED; 1959 Abschl. einer außerplanm. Aspirantur mit der Habil. an der HU Berlin und Ernennung zum Doz.; 1958 – 87 Chefred. der Ztschr. »Deine Gesundheit«; 1959 – 67 nebenamtl. Ltr. der Abt. für Physiol. der höheren Nerventätigkeit an der Charité; 1963 Prof. mit Lehrauftrag an der HU Berlin; 1960 – 67 Ltr. der Abt. Wissenschaft im Min. für Gesundheitswesen und Sekr. des Rats für Planung und Koord. der med. Wiss.; 1965 zunächst nebenamtl. Ltr. des neu eingerichteten Lehrstuhls für med. Zeitgeschichte des Inst. für Geschichte der Med. an der HU Berlin; 1967 Prof. mit Lehrstuhl; 1970 – 77 Dir. dieses Inst.; 1978 em.; gest. in Berlin.Med. und soz. Kulturpol. – Entw., gegenwärtige Probleme. In: Kolloquium zur Einheit von Gesundheits- und Kulturpol. der Arbeiterkl. (Hrsg.). Berlin 1973. Tutzke D.: G. M. zum 70. Geburtstag. In: Charité-Annalen N. F. (1983) Bd. 3. Berlin 1984; Hertel U.: Prof. em. Dr. med. G. M. Deine Gesundheit (1991) 7 (Nachruf).Peter Schneck

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Misselwitz, Ruth

* 4.2.1952

Geb. in Zützen (Krs. Luckau), Tochter eines Pfarrerehepaars; 1970 Abitur; bis 1971 Schwesternschülerin im kath. Krankenhaus St. Hedwig in Berlin; anschl. Studium der Theol. an der HU Berlin u. am Predigerseminar in Gnadau; seit 1981 Pfarrerin in der Ev. Kirchgemeinde Alt-Pankow in Berlin; 1981 Gründung des Friedenskrs. Pankow mit  Hans-Jürgen M. u. a.; seither Teiln. an den Nachtgebeten der »Frauen für den Frieden«, den Friedensseminaren in Mecklenb. u. jährl. Delegiertentreffen des DDR-weiten Netzwerks kirchl. Friedens-, Umwelt- u. Menschenrechtsgr. »Konkret für den Frieden«; 1988/89 Mitarb. in der Untergr. »Mehr Gerechtigkeit in der DDR« der Ökumen. Vers. der Kirchen u. Christen in der DDR; 1989 Delegierte des Bunds der Ev. Kirchen bei der Europ. Ökumen. Vers. »Frieden in Gerechtigkeit« in Basel; 1989/90 Moderatorin des Runden Tischs Berlin-Pankow. Nach 1990 Engagement für die Aufarbeitung der DDR-Geschichte u. a. durch zahlr., z. T. öffentl. Gespräche mit ehem. hauptberufl. MfS-Mitarb.; 1991 Gründungsmitgl. des Ost-West-Europ. Frauennetzwerks e. V.; während des Balkankriegs Engagement für die Unterstützung von Flüchtlingen aus Bosnien; seit 1998 Mitarb. im »Bürgerkomitee Pankow« gegen Rechtsradikalismus; seit 2001 Vorstandsvors. des Vereins Aktion Sühnezeichen Friedensdienste in Berlin; 1991 Verdienstorden des Landes Berlin, 2000 Gustav-Heinemann-Preis; lebt in Berlin.Ehrhart Neubert

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Mittag, Günter

* 8.10.1926 – ✝ 18.3.1994

Geb. in Scheune (b. Stettin / Szczecin Gumience, Polen); Vater Reichsbahnsekr., Mutter Arbeiterin; Volks- u. Mittelschule; 1943 Luftwaffenhelfer im Flak.-Regt. 44; 1943 – 45 Ausbildung als Eisenbahner bei der Reichsbahn. Aug./Sept. 1945 Landarb.; 1945/46 KPD/SED; 1946/47 Mitgl. des SED-Ortsvorst. in Pasewalk u. Greifswald; Amts- u. Bez.-Betriebsrat Bahnhof Pasewalk u. Mitgl. des Ortsvorst. der IG Eisenbahn in Pasewalk; 1947/48 Amts- u. Bez.-Jugendltr. im Bahnhof Pasewalk; Personalsachbearb. u. Mitgl. des Parteiaktivs der Reichsbahndirektion Greifswald sowie der IG Eisenbahn, 1947 – 50 Mitgl. der SED-KL Greifswald; 1948/49 Jugendsekr./Org.-Sekr. im FDGB-Bez.-Vorst. Greifswald; 1950 – 51 Vors. des FDGB-Bez.-Vorst. der IG Eisenbahn Greifswald; 1952 – 53 Instrukteur im Apparat des ZK; März 1953 Ltr. des Sektors »Eisenbahnen« in der Abt. Eisenbahn, Verkehr u. Verbindungswesen; Okt. 1953 – 61 Ltr. dieser ZK-Abt.; 1956 Fernstudium an der HS für Verkehrswesen Dresden, Dipl.-Wirtsch.; 1958 Prom. zu Problemen der soz. Entw. des Verkehrswesens; seit dem V. Parteitag Juli 1958 Kand. des ZK der SED; 1958 – 61 Sekr. der von  Erich Apel geleiteten Wirtschaftskommission beim PB des ZK; 1961/62 Sekr. des Volkswirtschaftsrats; DDR-Vertreter im Wirtschaftsaussch. DDR – ČSSR; ab Juni 1962 Mitgl. des ZK der SED u. (bis Sept. 1973) Sekr. für Wirtschaft (Nachf. von Erich Apel); seit dem VI. Parteitag Jan. 1963 Kand. u. Sept. 1966 – Okt. 1989 Mitgl. des PB; 1962 – 89 Mitgl. des Forschungsrats; 1963 – 66 Ltr. des Büros für Industrie u. Bauwesen des ZK der SED; 1963 – 89 Abg. der Volkskammer; 1963 – 73 u. 1976 – 89 Vors. seines Aussch. für Industrie, Bauwesen u. Verkehr; 1963 – 71 u. 1979 – 89 Mitgl., 1984 – 89 stellv. Vors. des Staatsrats; 1963 – 89 Mitgl. des FDGB-Bundesvorst.; 1973 – 76 Erster Stellv. des Vors. des Min.-Rats (Nachf. von  Horst Sindermann); 1976 – 89 wiederum Sekr. des ZK der SED für Wirtschaft (Nachf. von  Werner Krolikowski); 1976 – 89 Ltr. der Wirtschaftskommission beim PB des ZK der SED; zugl. 1976 – 81 Ltr. der Arbeitsgr. Bundesrep. Dtl. u. des Koordinierungsbüros beim PB, 1976 – 89 Ltr. der Arbeitsgr. Zahlungsbilanz beim PB u. 1981 – 89 Ltr. der Kommission zur Koordinierung der ökon., kulturellen u. wiss.-techn. Beziehungen der DDR zu Ländern Asiens, Afrikas u. des arab. Raums beim PB; 1982 – 89 Mitgl. des Nat. Verteidigungsrats; 1959 VVO; 1963 Banner der Arbeit; 1964 VVO; 1969 u. 1986 Held der Arbeit; 1976 u. 1986 KMO; 11.1.1982 Dr. h. c. Tokai-Univ. (Japan); 25.1.1982 Dr. h. c. Montan-Univ. Leoben (Österreich); 4.10.1986 Dr.-Ing. h. c. TU Dresden; am 18.10.1989 von allen ltd. Funktionen entbunden, von der 10. ZK-Tagung (8. – 10.11.1989) gem. mit  Joachim Herrmann »wegen gröblichster Verstöße gegen die innerparteiliche Demokratie, gegen die Partei- u. Staatsdisz. sowie Schädigung des Ansehens der Partei aus dem ZK ausgeschl.«, am 23.11.1989 aus der SED ausgeschl.; 3.12.1989 – 2.8.1990 U-Haft, aus gesundheitl. Gründen entlassen; Rentner. Juli 1991 Anklage wegen »Verwendung von Staatsgeldern für Eigenheime«, nach einem ärztl. Gutachten von 1992 nicht verhandlungsfähig (Diabetes), die Eröffnung des Hauptverfahrens wurde im Mai 1993 wegen Verhandlungsunfähigkeit abgelehnt; gest. in Berlin.Die Pol. Ökon. des Soz. u. ihre Anwendung in der DDR (Ltr. des Autorenkoll.) 1969; Konsequent auf dem Kurs der Hauptaufgabe. Ausgew. Reden u. Aufsätze. Berlin 1986; Um jeden Preis. Im Spannungsfeld zweier Systeme. Berlin, Weimar 1991. Hertle, H.-H.: Vor dem Bankrott der DDR. Berlin 1991; Janson, C.-H.: Totengräber der DDR. Düsseldorf 1991; Przybylski, P.: Tatort Politbüro. Reinbek 1992.Monika Kaiser / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Meyer, Hans-Joachim

* 13.10.1936

Geb. in Rostock; 1952 – 61 CDU; 1955 Abitur in Rostock; 1955 – 58 Studium an der DASR in Potsdam, aus polit. Gründen exmatrikuliert (wg. »mangelnder Verbindung zur Arbeiterkl.«), anschl. Hilfsarb. im VEB Lokomotivbau Potsdam-Babelsberg; 1959 – 64 Studium der Anglistik u. Amerikanistik an der HU Berlin, Dipl.-Philologe; 1964 – 82 Lehrer u. wiss. Oberass. an der HU, Sektion Fremdsprachen; 1973 – 77 dort stellv. Dir. für Erziehung u. Ausbildung, 1978 – 90 Ltr. des Bereichs Sprachintensivausbildung; 1971 Prom. Phil.; 1973 – 75 Mitgl. der Pastoralsynode des Jurisdiktionsbez. der kath. Kirche der DDR; 1976 – 82 Mitarb. im Pastoralrat des Bistums Berlin-Ost; 1981 Habil.; 1982 Doz. für angew. Sprachen u. 1985 Berufung zum außerord. Prof. für angew. Sprachwiss. an der HU; stellv. Dir. der Sektion Fremdsprachen. 1990 CDU; 12.4. – 3.10.1990 Min. für Bildung u. Wissenschaft (Nachf. von  Peter-Klaus Budig), 22.8. – 3.10.1990 auch Min. für Forschung u. Technologie (Nachf. von  Frank Terpe); 1990 – 94 Vors. des Aktionsaussch. kath. Christen in der DDR bzw. den neuen Bundesländern; 1990 Thomas-Morus-Preis. 1990 – 2002 Sächs. Staatsmin. für Wiss. u. Kunst; seit 1990 Mitgl. des Geschäftsf. Aussch., 1992 Vizepräs. u. seit 1997 Präs. des ZK der Dt. Katholiken; 2003 Ehrenmitgl. der Sächs. AdW; 2005 Bundesverdienstkreuz.Zur Untersuchung von Kommunikationsverfahren unter linguist. Aspekt. Halle 1977; Am Ende der Ichgesellschaft. Freiburg 2003 (mit Jürgen Hoeren).Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Michaelis, Holger

* 18.9.1944

Geb. in Halberstadt; Vater Schneider; Grund- u. OS; FDJ; 1961 – 64 Studium an IfL Quedlinburg; 1964 / 65 Lehrer, 1966 – 68 Schulltr. an einer POS; 1968 – 70 Mitarb. beim Kreisaussch. für Jugendweihe; 1970 – 72 Lehrer an einer POS; 1972 / 73 Ltr. der Bildungsstätte u. 1973 / 74 polit. Mitarb. der SED-KL Stendal; 1974 / 75 Lehrgang an der SED-BPS; 1975 / 76 erneut Ltr. der Bildungsstätte der KL Stendal; 1976 – 82 Abt.-Ltr. der SED-KL Stendal; 1982 / 83 Studium an der AfG in Moskau; 1983 / 84 polit. Mitarb. der SED-BL Magdeburg; 1984 – 86 1. Sekr. der SED-KL Osterburg; 1986 – 89 polit. Mitarb. des ZK der SED; am 12. Nov. 1989 zum 2. Sekr. der SED-BL Magdeburg gewählt.Mario Niemann

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Michel, Horst

* 25.9.1904 – ✝ 21.4.1990

Geb. in Zicher (Krs. Königsberg, Ostbrandenb./Cychry, Polen); 1923 – 25 Lehre als Musterzeichner in den Vereinigten Smyrna-Teppichfabriken Cottbus; 1926 – 29 Studium an den Vereinigten Staatsschulen für freie u. angewandte Kunst Berlin; 1929 – 33 Mitarb. für Innengestaltung im Atelier Prof. Bruno Paul u. Künstler. Ltr. einer Weberei für Dekorations- u. Möbelstoffe; ab 1930 Doz., ab 1943 Prof. für Textilentwurf u. Weben an der HS für bildende Künste Berlin; daneben bis 1945 freischaff. als Formgestalter u. Gebrauchsgrafiker. 1945 Prof. mit Lehrstuhl für Industrieform- bzw. Innengestaltung an der HS für Baukunst u. bildende Künste, ab 1951 an der HS für Architektur u. Bauwesen Weimar; 1951 – 69 dort Dir. des Inst. für Innengestaltung; Gestaltung: 1946 – 49 Schreibmaschine Olympia, Mehrzweckgeschirr, 1950 Service Marietta, 1959 Anbaumöbel Weimar, Einzelmöbelstücke, Gläser, Stoffdessin sowie Wohnraumgestaltungen; 1961 Vors. des Vorst. der Sekt. Formgestaltung im VBKD; 1961 Dr. h. c. der TU Dresden; 1965 Vorstandsmitgl. des Rats für Gestaltung beim DAMW; 1970 em.; 1981 NP.Tradition oder Neuheit. Weimar 1956; Warum ist das Angemessene modern? Weimar 1957; Über den Wert der Dinge um uns. Weimar 1960. Beispiele aus der Arbeit des Inst. für Innengestaltung an der HS für Architektur u. Bauwesen Weimar. Weimar 1962; Industrieformgestalter auf dem Bitterfelder Weg. Weimar 1966.Gerd Dietrich

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Mickel, Karl

* 12.8.1935 – ✝ 20.6.2000

Geb. in Dresden; Vater Mühlenbautischler, Mutter Verkäuferin; 1953 Abitur in Dresden; 1953 – 58 Studium der Volkswirtschaftsplanung u. Wirtschaftsgeschichte in Berlin; SED; 1958 Mitarb. im Verlag »Die Wirtschaft« Berlin, Red. der Ztschr. »Dt. Export«; 1959 – 63 Red. der Ztschr. »Junge Kunst«; 1961 – 65 freischaff. Schriftst.; danach wiss. Assistent an der HfÖ Berlin; viele seiner Gedichte (Sammlungen u. a., 1963 »Lobverse u. Beschimpfungen«, 1966 »Vita nova mea«) provozierten heftige, auch pol. Diskussionen; 1966 Hrsg. der DDR-Lyrik-Anthologie »In diesem besseren Land« (mit  Adolf Endler); 1970 – 78 wiss. Mitarb. der Intendantin, Dramaturg u. Mitgl. der Ltg. des Berliner Ensembles; 1972 PEN-Zentrum DDR; 1978 Heinrich-Mann-Preis; seit 1978 Doz. für Diktion an der Schauspielschule »Ernst Busch« Berlin; vom MfS in der OPK »Bertold« erf.; schrieb auch Essays, Libretti (u. a. 1974 für die Oper »Einstein«, Musik  Paul Dessau) u. Nachdichtungen, v. a. aus dem Russ.; 1983 NP. 1992 Prof. an der HS für Schauspielkunst »Ernst Busch«; Wilhelm-Müller-Preis des Landes Sachsen-Anh., 1998 Christian-Wagner-Preis; gest. in Berlin.Volks Entscheid. 7 Stücke. Leipzig 1987; Gedichte 1957 – 74. Halle, Leipzig 1989; Gelehrtenrep. Aufsätze u. Studien. 1990; Schriften. Halle, Leipzig 1990 ff.; Kants Affe. Ein Todtengespräch. Berlin 1993 (zus. mit N. Quevedo u. F. Schenker); Schriften. Bd. 1 – 6. Halle 1990 – 99. Heukenkamp, U. u. R.: K. M. Berlin 1985; Zekert, R.: Die poetologische Konzeption des Lyrikers K. M.: Genesis, Grundbegriffe, Wirkungsintention u. literaturgeschichtl. Umfeld. 1986.Herbert Mayer / Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Mierau, Fritz

* 15.5.1934 – ✝ 29.4.2018

Geb. in Breslau (Wrocław, Polen); Vater Bankangest.; OS, Abitur; 1952 – 56 Studium der Slawistik an der HU Berlin; 1956/57 wiss. Mitarb. im Zentralvorst. der DSF; 1957 – 62 wiss. Assistent an der HU; 1962 – 65 freiberufl. tätig; 1965 Reise durch die UdSSR; 1966 – 80 wiss. Mitarb. am Inst. für Slawistik bzw. am ZI für Lit.-Geschichte der DAW bzw. AdW; seit 1980 freischaff.; 1966 – 90 (bis zur Auflösung) Mitgl. des SV; 1974 – 91 Mitgl. des PEN-Zentrums der DDR; zahlreiche Ehrungen u. a. 1988 mit Heinrich-Mann-Preis der AdK der DDR, 1992 mit der Ehrengabe der Dt. Schillerstifung Weimar, 1996 mit dem Leipziger Buchpreis zur Europ. Verständigung, 1999 mit dem Karl-Otten-Preis des Dt. Literaturarchivs Marbach. Wiss. Arbeiten über russ. Lyriker u. Avantgardeautoren der 20er Jahre; Hrsg., Kommentierung u. Übersetzung von Anna Achmatowa, Isaak Babel, Andrej Bely, Alexander Blok, Ilja Ehrenburg, Pawel Florenski, Sergej Jessenin, Michail Kusmin, Wladimir Majakowski, Os-sip Mandelstam, Boris Pasternak, Alexander Puschkin, Sergej Tretjakow, Juri Tynjanow, Marina Zwetajewa u. a.; insgesamt hat M. mehr als 100 Bücher geschrieben, übersetzt und herausgegeben.Erfindung u. Korrektur. Tretjakows Ästhetik der Operativität. Leipzig 1976; Zwölf Arten die Welt zu beschreiben. Essays zur russ. Lit. Leipzig 1988; S. Jessenin. Eine Biogr. Leipzig 1992; P. Florenski: Leben und Denken. Eine Biogr. in Dok. Ostfildern 1995/ 96; Das Verschwinden von F. Jung. Stationen einer Biogr. Hamburg 1998; Mein russ. Jahrhundert. Autobiogr. Hamburg 2002.Christoph Links

Wer war wer in DDR

Miethe, Peter

* 27.1.1944

Geb. in Prieros; Mutter Stenotypistin; Grund- u. OS, 1962 Abitur; ab 1962 NVA; 1962 – 66 Studium an der Offiziersschule der Volksmarine »Karl Liebknecht«; 1963 SED; 1966/67 1. Wachoffizier der 1. Flottille; 1967 – 69 dort Instrukteur für Jugendarbeit; 1968 Besuch eines Sonderlehrgangs des MfNV; 1968 – 73 Instrukteur für Jugendarb. in der Land-Brigade bzw. Oberinstrukteur für Jugendarb. in der 1. Flottille; 1973 – 76 Studium an der Militärakad. »Friedrich Engels«, Dipl.-Gesellschaftswiss.; 1976/77 stellv. Ltr., 1977 – 84 Ltr. der Abt. Bewaffnete Kräfte im ZR der FDJ; 1984 –86 polit. Mitarb., 1986 – 89 stellv. Ltr. der Abt. Sicherheitsfragen des ZK der SED (Nachf. von  Wolfgang Herger); Okt. 1989 Konteradmiral; Nov./Dez. 1989 Ltr. der Abt. Sicherheitsfragen des ZK der SED; 1990 Dienstausübung b. Chef Staatsbürgerl. Arbeit des MfNV; 31.3. 1990 entlassen.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Mildenberg, Grete

* 5.1.1902 – ✝ 2.6.1969

Die als Grete Hill am 5. Januar 1902 in Elbing geborene Tochter einer Arbeiterfamilie war später als Arbeiterin in Berlin tätig. Sie heiratete den jüdischen Kaufmann Walter Mildenberg. Grete Mildenberg gehörte 1929/30 für die KPD der Berliner Stadtverordnetenversammlung an und wurde im September 1930 im Wahlkreis Potsdam in den Reichstag gewählt, in dem sie die KPD als Abgeordnete bis 1932 vertrat. 1931 wurde sie vom Schöffengericht Berlin-Mitte wegen schweren Landfriedensbruchs zu einer achtmonatigen Gefängnisstrafe verurteilt. Nach dem Machtantritt der NSDAP betätigte sich Grete Mildenberg weiterhin illegal für die KPD und wurde im September 1933 verhaftet. Wie lange sie inhaftiert war, ließ sich nicht ermitteln. 1939 emigrierte Grete Mildenberg zusammen mit ihrem Ehemann und ihrem 1935 in Berlin geborenen Sohn Peter. Am 15. Februar 1939 reiste sie mit dem Schiff "Ile de France" über Le Havre nach New York und beantragte ihre Einbürgerung als Greta Mildenberg. Sie lebte in Chicago, wo sie am 2. Juni 1969 verstarb.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Miller, Josef (Sepp)

* 27.8.1883 – ✝ 23.3.1964

Geboren am 27. August 1883 in Scheppach/Bayern, entstammte einer katholischen Kleinbauernfamilie; lernte in Augsburg Schlosser. Anschließend auf Wanderschaft, danach ließ er sich in Bremen nieder, arbeitete auf verschiedenen Werften und trat 1907 der SPD bei. 1913 nach dem Streik der Werftarbeiter entlassen, während des Krieges aber wieder auf der Weser-Werft. Miller war Mitglied der Linksradikalen unter Führung von Johann Knief, Paul Frölich und Felix Schmidt und gehörte bald zu deren leitendem Kern. Nach der Revolution beteiligte er sich 1919 aktiv an der Bremer Räterepublik. Seit Gründung der KPD Mitglied der Partei, wurde im März 1919 in die Bremer Bürgerschaft gewählt, der er bis 1923 angehörte, ab 1921 Vorsitzender der KPD-Fraktion. Miller war als Leiter des Metallarbeiterverbandes in Bremen hauptamtlicher Gewerkschaftssekretär, 1920/21 (nach Karl Jannack) Orgsekretär der KPD. Ab 1921 Sekretär im Bezirk Niedersachsen, zugleich Leiter von Verlag und Druckerei der Arbeiterpresse in Hannover. Der VIII. Leipziger Parteitag 1923 wählte ihn zum Mitglied des ZA. Von Herbst 1923 bis März 1924 war er im Munsterlager inhaftiert. Miller zählte zum rechten Parteiflügel. Nachdem die Linken 1924 die Führung übernommen hatten, stand er in Opposition zu ihnen, behielt aber seine hauptamtliche Funktion. Nach dem »Offenen Brief« 1925 und dem Ausschluß der Gruppe um Iwan Katz war Miller in Hannover und Niedersachsen der führende Kopf der KPD, Fraktionsführer in der Stadtverordnetenversammlung von Hannover und Abgeordneter des Provinziallandtages. Er wurde im Mai 1928 im Wahlkreis Südhannover-Braunschweig in den Reichstag gewählt, dem er bis 1930 angehörte. Während der Parteiauseinandersetzung 1928/29 schloß sich Miller den Versöhnlern an und arbeitete aktiv gegen die ZK-Linie. Anfang 1930 kapitulierte er, wurde in Berlin Sekretär im Zentralsekretariat der RHD und Mitglied des Präsidiums der IRH. Ab 1932 Orgleiter der RHD, auch nach dem Machtantritt der Nazis blieb er bis Juli 1933 in dieser Funktion illegal in Berlin. Im Juli 1933 ging er in die Emigration, zunächst vier Monate IRH-Instrukteur in Großbritannien, von Dezember 1933 bis April 1934 in Wien. Anschließend für drei Monate in den Niederlanden, dann übernahm er die Leitung der RHD in Paris bzw. in Prag. Im Juni 1936 wurde Sepp Miller von der Funktion als Leiter der RHD entbunden. Denn ein Gestapospitzel, den Miller trotz aller Warnungen förderte, hatte sich in München in den illegalen RH-Apparat für Süddeutschland eingeschlichen und die gesamte Organisation hochgehen lassen. Bis 1939 arbeitete Miller in der tschechischen Organisation »Solidarität« in Prag. Nach dem Einmarsch deutscher Truppen flüchtete er über Polen nach Norwegen und wurde Mitglied der Leitung der Emigrationsgruppe. Ende April 1940 nach Schweden, dort bis Ende 1940 in einem Internierungslager, anschließend in einem sogenannten offenen Lager in Süd-Schweden, arbeitete als Schlosser und leitete die dortige KPD-Gruppe. Im Januar 1946 kehrte Miller nach Deutschland zurück, wieder Mitglied der KPD und Mitarbeiter des ZK, dann Hauptreferent in der Personalpolitischen Abteilung des PV der SED. 1949 Leiter des neugeschaffenen Personalbüros, wurde Miller 1952 nach Kritik an der Arbeit dieses Büros pensioniert. Er gehörte von 1946 bis 1954 der ZRK an, erhielt 1957 den Karl-Marx-Orden. Josef (Sepp) Miller starb am 23. März 1964 in Ost-Berlin. Millers Frau Charlotte (* 3. 10. 1910 – † 22. 10. 2005) war Stenotypistin, einige Zeit Sekretärin bei Professor Alfons Goldschmidt. Seit 1932 Mitglied der KPD, leistete sie nach 1933 illegale Arbeit für die RGO. Sie emigrierte zunächst nach Frankreich, dann nach Prag, 1939 folgte sie ihrem Lebensgefährten nach Oslo, 1940 nach Schweden und unterstützte ihn in seiner Tätigkeit als Leiter der KPD-Gruppe. Im Januar 1946 Rückkehr nach Deutschland, sie wurde Sekretärin bzw. Sachbearbeiterin im ZS der SED, zuletzt in der Abteilung Internationale Verbindungen des ZK der SED.Bernd-Rainer Barth / Michael F. Scholz

dissidenten.eu

Minew, Ilija

* 1917 – ✝ 2000

Der Staatssicherheitsdienst reagierte darauf mit der Beschlagnahme des gesamten Archivs von Minew. Minew wurde von der Miliz vorgeladen, auf dem Revier geschlagen und er erhielt Todesdrohungen. 1987 äußerte die American Broadcasting Company ABC in einem ihrer Kommentare die Besorgnis der amerikanischen Regierung angesichts der Nichteinhaltung der Menschenrechte in Bulgarien. Der Sender zitierte dabei Passagen aus Minews Appell an die Wiener KSZE-Konferenz. Am 16. Januar 1988 gelang es Minew, eine schon lange gehegte Idee umzusetzen: In seiner Wohnung gründeten sieben Personen die *Unabhängige Gesellschaft zum Schutz der Menschenrechte. Dieses Datum gilt als Beginn der organisierten Dissidentenbewegung in Bulgarien. In Punkt 1 des Statuts der Gesellschaft hieß es, diese sei keine politische Organisation. Dennoch wurde sie von den Behörden nicht zugelassen. Auf Anordnung von Staats- und Parteichef Todor Schiwkow wurde ein halbes Jahr darauf vielmehr ein regimetreues Menschenrechtskomitee ins Leben gerufen. Einige Monate darauf druckte das Zentralorgan der Partei „Rabotničesko delo“ einen Artikel, in dem die Forderungen der *Unabhängigen Gesellschaft zum Schutz der Menschenrechte als „verfassungsfeindlich, staatsfeindlich, antisozialistisch“ bezeichnet wurden. Die Gesellschaft sei darauf gerichtet, das „bestehende politische System und die rechtmäßig gewählten Machtorgane zu stürzen“. Weiter hieß es, die Menschenrechtsorganisation könne „nur schwer verbergen, dass sie Merkmale einer illegalen Organisation [besitze], die zu ihren Kampfmethoden durchaus auch extreme Formen des politischen, moralischen und physischen Terrors“ zähle. Ende 1988 hatte die *Unabhängige Gesellschaft zum Schutz der Menschenrechte 25 Mitglieder. Als sie in Ichtiman versuchte, ihre erste Versammlung abzuhalten, wurden die Teilnehmer bereits auf dem Bahnhof verhaftet. Viele der Gründungsmitglieder zwangen die Behörden später zur Ausreise aus Bulgarien. Minew trat daraufhin erneut für 63 Tage in den Hungerstreik. Vom 12. Januar bis zum 16. März 1989 protestierte er so gegen die Beschlagnahme des literarischen Archivs des Sekretärs der Gesellschaft, Petar Manolow. Insgesamt verbrachte Minew 33 Jahre seines Lebens wegen seines Einsatzes gegen Totalitarismus und für Menschenrechte in kommunistischen Gefängnissen. 480 Tage lang befand er sich im Hungerstreik. Nach dem politischen Umbruch gab Minew 1991–95 die Zeitschrift „Svobodno slowo“ (Freies Wort) heraus, von der 48 Ausgaben erschienen. Ilija Minew starb 2000 in einem Pflegeheim in Pasardschik. Posthum wurde er noch im Jahr seines Todes mit der höchsten staatlichen Auszeichnung Bulgariens geehrt. Silwija Radewa Aus dem Polnischen von Gero Lietz Letzte Aktualisierung: 06/17

Wer war wer in DDR

Mißlitz, Heinz Hermann Clemens

* 9.5.1912 – ✝ 1.2.1979

Geb. in Leipzig; Vater Werkzeugschlosser; Mutter Arbeiterin; Volksschule, Realschule, Reformrealgymnasium, FS; 1926 – 28 Buchhändlerlehre, anschl. Buchhandlungsgehilfe u. Buchhändler in Leipzig; 1927 ZdA; 1928 SAJ; 1929 kfm. Angest. in Leipzig; 1929 SPD; 1930 – 33 meist arbeitslos; 1931 Schüler der Heim-VHS Schaller; 1931 Übertritt zum KJVD; Pol.-Ltr. eines Stadtteils in Leipzig; 1932 RGO, RH; ab März 1933 illeg. in Leipzig (in der KJVD-Gr., u. a. zus. mit  Hermann Axen); Juni 1933 verhaftet, Sept. 1933 vom LG Leipzig wg. Verbreitung illeg. Schriften u. Körperverletzung zu einem Jahr Gefängnis verurteilt, 1933/34 Haft im Zuchthaus Waldheim u. Gefängnis Bautzen; Juli – Nov. 1934 selbst. Futtermittelhändler in Leipzig; Dez. 1934 erneut verhaftet, U-Haft in Dresden; Okt. 1935 vom OLG Dresden wg. »Vorber. zum Hochverrat« zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt (Prozeß »Mißlitz u. Genossen«), 1935 –37 Zuchthaus Waldheim, Dez. 1937 – 45 KZ Buchenwald, u. a. Kapo in der Effektenkammer, Apr. 1945 Befreiung durch US-Truppen. Apr./Mai 1945 im Krankenrevier des KZ Buchenwald; Juli 1945 KPD; Juli/Aug. 1945 Zensor beim Rat der Stadt Leipzig, Überprüfung des Schriftguts der Dt. Bücherei; Aug. 1945 im KPD-Auftrag Gründer u. bis März 1949 Geschäftsf. des Verlags für Wiss. u. Lit. Leipzig; Apr. 1947 (mit Zustimmung des ZK der SED) Zeuge vor dem US-Militärgericht im Dachauer Buchenwaldprozeß; 1949/50 stellv. Ltr. des Dietz Verlags in Berlin; 1950 SED-KPS; 1950 – 55 Sektorenltr. Verlage in der Abt. Wiss. u. Prop. des ZK der SED; 1955/56 PHS; 1956 – 59 Ltr. des Verlags Kultur u. Fortschritt; 1958 Med. für Kämpfer gegen den Fasch.; 1960 – 63 Ltr. der Univ.-Buchhandlung Berlin; 1963 – 73 kfm. Ltr. im VEB Dt. Verl. der Wiss.; ab Sept. 1973 Mitarb. im MfAA; 1975 Invalidenrentner; 1977 VVO; gest. in Berlin.Niethammer, L. (Hrsg.): Der »gesäuberte« Antifa. Die SED u. die kommunist. Kapos von Buchenwald. Berlin 1994; Barck, S. u. a.: »Jedes Buch ein Abenteuer«. Zensur-System u. liter. Öffentlichkeit(en) in der DDR bis Anfang der 60er Jahre. Berlin 1997; Barck, S., Lokatis, S. (Hrsg.): Fenster zur Welt. Berlin 2005.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Mitdank, Joachim

* 27.6.1931 – ✝ 11.4.2017

Geb. in Leipzig; Vater Arbeiter; Volksschule; 1945 – 49 kaufm. Lehre u. Arbeit als kaufm. Angest. im VEB Kühlbetrieb Leipzig; 1947 SED; 1949/50 Instrukteur bei der Dt. Volksbühne in Leipzig; 1950 – 53 Abitur an der ABF Leipzig, 1953 – 56 Studium an der ASR in Potsdam, Dipl.-Staatswiss.; ab 1956 Mitarb. des MfAA, Referent, Oberreferent, Hauptreferent, 1959 Attaché; 1960 – 62 zunächst kommissar. Ltr., dann Ltr. der Abt. Bundesrep. Dtl. des MfAA; 1962 – 64 Rat u. stellv. Ltr. der DDR-Vertretung in Finnland; 1965 Sektorenltr. Bundesrep. Dtl. im MfAA; 1966 – 68 wiss. Mitarb. im Büro des Ministerrats der DDR bei Staatssekr. Michael Kohl; ab 1968 Ltr. der Abt. Westberlin/Bundesrep. Dtl. im MfAA; 1968 Prom. zum Dr. rer. pol.; 1978 – 82 Botschafter der DDR in Finnland; 1983 – 89 Ltr. der Abt. Nordeuropa/Großbritannien im MfAA; 1989/90 Botschafter in Großbritannien u. Irland (Nachf. von Gerhard Lindner).Die Berlin-Politik zwischen 17. Juni 1953, dem Viermächteabkommen u. der Grenzöffnung 1989. Berlin 2003; Die DDR zwischen Gründung, Aufstieg u. Verkauf. Berlin 2008.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Mittag, Rudolf

* 31.3.1929 – ✝ 19.6.2012

Geb. in Kamenz (Sachsen); Vater Unternehmer; Volksschule, Handelsschule; 1945 RAD; 1945 Wald- u. Hilfsarb.; dann kfm. Lehre; 1946 KPD; 1947 Polizei-Krs.-Amt Kamenz, erst Verw.-Angest., dann Übernahme zur K 5 (Pol. Polizei); 1949 Dienststelle Kamenz der Verw. zum Schutz der Volkswirtschaft Sachsen; 1950 Abt. IV (Spionageabwehr) der Landesverw. Sachsen des MfS; 1951 – 55 Tätig-keit in den Objektdienststellen Breitenbrunn, Schwarzenberg u. Oberschlema der Objektverw. Wismut des MfS; 1954/55 Qualifikationslehrgang an der MfS-Schule Eberswalde; 1955 Ltr. der Objektdienststelle Oberschlema, 1959 der Objektdienststelle Aue; 1960 – 65 Fernstudium an der JHS Potsdam-Eiche, Dipl.-Jur.; 1962 stellv. Operativ des Ltr., 1970 Ltr. der Objektverw. Wismut; 1975 Ltr. der BV des MfS (Nachf. von Alfred Krauss) u. Mitgl. der SED-BL Rostock; 1985 VVO; 1989 Gen.-Ltn; 1990 Entlassung. Gest. in Großröhrsdorf.Jens Gieseke