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BioLex

In der Kategorie BioLex finden Sie drei biografische Lexika mit über 5500 Personeneinträgen.

 

Das Handbuch "Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945" wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam. Kurzbiografien zu Personen des poltischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 vor. Zudem ist das Onlinlexikon www.dissidenten.eu komplett in dieser  Rubrik recherchierbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Inforamtionen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Bergmann, Werner

* 14.1.1921 – ✝ 25.10.1990

Geb. in Niederkaina (b. Bautzen, Lausitz); Vater Tischler u. Nachtwächter; Volksschule; Ausbildung als Porträt- u. Industriefotograf; 1938/39 Fotolaborant u. Kameraassistent bei Boehner-Film Dresden; ab 1939 als Soldat Kriegsberichterstatter für die »Dt. Wochenschau«, später Ltn. in einer Prop.-Komp. der Wehrmacht; drehte zahlr. Kriegssujets in Polen, Belgien, Frankreich u. der UdSSR, u. a. die Ausgrabungen im Wald von Katyn; Aug. 1943 Verlust des rechten Arms. Ab 1946 Kameramann bei der DEFA, zunächst Arbeit an populärwiss. u. anderen Kurzfilmen, ab 1953 ausschließl. an Spielfilmen; in seinem Gesamtwerk von 21 Spielfilmen nehmen die 14 Filme, die er mit  Konrad Wolf als Regisseur drehte, eine zentr. Bedeutung ein, in ihnen entwickelte er einen klar-nüchternen opt. Stil von Fotogr. u. Kameraführung, insbes. beim Blick auf Menschen u. in Gesichter (Großaufnahmen), u. prägte ihn aus, u. a. in »Sterne« (1959), »Der geteilte Himmel« (1964), »Ich war neunzehn« (1967); 1966 debütierte er als Regisseur mit »DEFA 70«, einem Experimentalfilm, dem die Spielfilme »Nachtspiele« (1980) u. »Die dicke Tilla« (1982) folgten; 1952 Heinrich-Greif-Preis; 1959, 1968, 1971 NP (auch im Koll.).Günter Agde

Wer war wer in DDR

Bergner, Herbert

* 31.1.1907 – ✝ 16.6.1987

Geb. in Leipzig; Vater Arbeiter; Ausbildung zum Buchbinder; 1926 SAJ u. SPD, 1931 KJVD u. KPD; Mitarb. an KPD-Betriebsztg.; 1933 illeg. Tätigkeit; April 1933 erste Verhaftung, KZ Colditz; nach Entlassung erneute illeg. Arbeit in Leipzig; 1934 erneut inhaftiert, Okt. 1936 durch den VGH zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt, anschl. zwei Jahre KZ Sachsenhausen; 1940 nach Entlassung Polizeiaufsicht u. dienstverpfl. als Rüstungsarbeiter. 1945 Red. der »Sächsischen Volkszeitung« in Leipzig, anschl. der »Sächsischen Zeitung« in Dresden; 1946 Wirtschaftsred. bei der »Leipziger Volkszeitung« (LVZ, ab 1952 Organ der SED-BL Leipzig); 1947 / 48 Red. bzw. Chefred. beim Sender Leipzig; Kurzlehrgang an der PHS der SED Kleinmachnow; 1948 – 50 Chefred. der LVZ (Nachf. von  Gerhard Dengler); 1950 Intendant des Landessenders Dresden; Ende 1951 Aufbau der Betriebsztg. im VEB Zeiss-Ikon Dresden; ab 1954 im Berliner Verlag, später Red. im Staatl. Rundfunkkomitee, stellv. Chefred. der »Berliner Zeitung«; 1954 – 72 stellv. Chefred. der »Wochenpost«; gest. in Berlin.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Berndt, Georg Wilhelm

* 22.4.1880 – ✝ 2.8.1972

Geb. in Grabow (Krs. Stettin/Grabowo, Polen); Vater Schlossermstr.; Gymnasium; 1898 – 01 Physikstudium an der Univ. Halle-Wittenberg; 1900 – 04 Assistent an den Physikal. Inst. der Univ. Halle-Wittenberg u. Breslau, 1901 Prüfung für höheres Lehramt, Prom. mit einer Diss. »Über den Einfluß der Selbstinduktion auf die durch den Induktionsfunken erzeugten Metallspektra im Ultravioletten«; 1903 Habil. in Breslau mit der Arbeit »Beiträge zur Kenntnis der Gasspektra«; Privatdoz. an der TH Breslau; 1904 – 09 Doz. für Physik am Polytechnikum Köthen; 1909 – 12 Prof. für Physik u. Dir. des Physikal. Inst. der Univ. Buenos Aires; 1913 – 20 wiss. Mitarb. bei der Opt. Anstalt C. P. Goerz Berlin sowie Privatdoz. für Physik an der TH Berlin-Charlottenburg; 1920 – 24 Ltr. des Meßlaboratoriums der Werkzeugmaschinen- u. Meßzeugfabrik Ludwig Loewe Berlin; 1924 Berufung als a. o. Prof. an die TH Dresden, Gründung des Inst. für Meßtechnik u. wiss. Grundlagen des Austauschbaus (IMA), 1938 Mitbegr. der Arbeitsgemeinschaft für industrielle Meßtechnik. 1946 ord. Prof. mit Lehrstuhl an der TH Dresden, Wiederaufbau des IMA; 1955 em.; 1961 Gründungsmitgl. u. Ernennung zum Ehrenmitgl. des Vorst. der Dt. Ges. für Automatisierung u. Meßtechnik in der KdT; gest. in Dresden. Begründer der Wiss. des Feinmeßwesens, zus. mit O. Eppenstein auch des wiss. Feinmeßgerätebaus in Jena; setzte Maßstäbe bei der Ausbildung von Maschinenbauing. u. Meßtechnikern. Hauptarbeitsgebiete: angewandte Physik, Betriebswiss.; 26 Buchpubl. u. mehr als 440 weitere wiss. Veröff.; Hrsg. der Ztschr. »Feinmechanik« bzw. »Feinmechanik u. Präzision« (1922 – 27, 1931 – 34), seit 1949 Mithrsg. der Ztschr. »Feinwerktechnik«.Klaus-Peter Meinecke

Wer war wer in DDR

Bernstein, Rudolf

* 29.2.1896 – ✝ 6.10.1977

Geb. in einer dt.-jüd. Fam. in Berlin; Vater Posamentenmacher, Mutter Kleinhändlerin u. Zuschneiderin; 1902 – 06 jüd. Knabenschule in Berlin, 1906 – 12 Gymnasium, danach Handelsschule Berlin; Ausbildung zum Kfm.; 1908 – 12 Wandervogel scharz-rot-gold; 1915 – 18 Militärdienst, Infanterist an der Ostfront, nach Verbrüderung mit russ. Soldaten Strafversetzung an die Westfront; Okt. 1918 desertiert; Nov. 1918 Teiln. an den Straßenkämpfen in Berlin; 1918/19 Angest. der Handelsges. Dt. Apotheken, aus pol. Gründen entlassen, 1919 – 25 kfm. Angest.; 1919 USPD, 1920 KPD; 1925 Austritt aus der Jüd. Gemeinde; 1925 – 33 hauptamtl. KPD-Funktionär u. Geschäftsf. von Parteibetrieben (Peuvag u. Bürohaus Vulkan, Stern-Druckerei GmbH); 1925 – 33 KPD-Bez.-Verordn. in Berlin-Mitte, Vors. der KPD-Fraktion u. unbesold. Stadtrat; 1930 – 33 Mitgl. der Geschäftsfinanzkommission des ZK der KPD; Febr. – Dez. 1933 inhaftiert in den Gefängnissen Alexanderplatz u. Spandau, dann KZ Sonnenburg, zweimal als Zeuge im Reichstagsbrandprozeß; entlassen im Zuge der Weihnachtsamnestie; Jan. – Juni 1934 Reisender für Staubsauger; Juni 1934 Emigr. in die UdSSR; ab 1934 sowj. Staatsbürgerschaft u. Mitarb. des EKKI, Juli – Okt. 1934 zur Regulierung von Finanzangelegenh. franz. Genossenschaftsorg. in Frankreich, 1935 Umbruchred. u. stellv. Redaktionssekr. der DZZ in Moskau, anschl. bis Sept. 1937 im EKKI-Sekretariat Michail Moskwin Instukteur für Geschäftsfragen der Parteidruckereien, längere Zeit in den Niederlanden, Dänemark, Schweden, u. in Norwegen eingesetzt; 1937 – 38 Mitarb. u. Übers. des EKKI-Sekr. Wilhelm Florin, danach bis Okt. 1940 Referent für die IRH (MOPR), zuletzt in der Informationsabt., dann bis März 1941 Deutschlehrer im Lehrkombinat Rostokino (EKKI-App.) in Moskau u. am Pädagog. Inst. des Gebiets Moskau; Febr. 1940 – 43 Deutschlehrer an der Moskauer Allunionsakad. für Außenhandel, Okt. 1941 – März 1942 Evakuierung aus Moskau; 1943 – 47 Offz. der Roten Armee (Hptm.), Mitarb. der Polit. HV u. in Stäben an versch. Fronten; 1945 Med. für den Sieg im Großen Vaterländ. Krieg; 1945 – 47 GRU-Offizier in Ungarn u. der ČSR, zuletzt Mitarb. der Informationsabt. der SKK in Wien, von dort auf Anforderung von  Wilhelm Pieck Versetzung nach Berlin. Juni 1947 Rückkehr nach Dtl. als sowj. Offizier, demobilisiert; 1947 – 50 Ltr. der Abt. Parteibetriebe beim ZS bzw. ZK der SED (Nachf. von  Rudolf Appelt); 1950 – 55 Dir. der Progress-Filmvertrieb GmbH; 1955 – 58 Ltr. des Staatl. Filmarchivs; 1956 VVO; Sept. 1958 aus gesundheitl. Gründen ausgeschieden; 1970 Lenin-Med.; 1971 VVO; 1976 Ehrenspange zum VVO; gest. in Berlin.Folterhölle Sonnenburg. Ein Tatsachen- u. Augenzeugenbericht eines ehem. Schutzhäftlings. Zürich, Paris 1934.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Bertag, Christa

* 16.12.1942

Geb. in Sondershausen-Jecha; Vater Porzellandreher, Mutter Montiererin; Grund- u. Oberschule; 1957 FDJ; 1961 Abitur (ABF), 1961 / 62 Arbeiterin im VEB ECK Bitterfeld, Chemiefacharb.; 1962 – 67 Studium an der THC Leuna-Merseburg, Dipl.-Chemikerin; 1965 SED; 1967 – 69 Chemikerin im VEB Leuna-Werke »Walter-Ulbricht«; 1970 – 73 Sektorenltr. Wissenschaftsorg. / EDV, 1973 / 74 Gruppenltr. Konsumgüterprod. im VEB Leuna-Werke »Walter-Ulbricht«; 1971 – 74 Mitgl. der FDJ-BL Halle; 1974 – 77 Studium an der SED-PHS, Dipl.-Gesellschaftswiss.; 1977 – 85 pol. Mitarb. in der Abt. Grundstoffind. des ZK der SED; 1985 – 90 GD VEB Kosmetik-Kombinat Berlin; ab 1. Juli 1990 Geschäftsf. der Berlin Kosmetik GmbH, (Übernahme durch die Treuhandanstalt). Ab 1992 nach Übernahme der Berlin Kosmetik GmbH i. L. (»Berlin Kosmetik«) durch die amerikan. Investoren Agriculture and Industrial Trading Inc. (»AIT«) sowie Agrinde Overseas Inc. als Chief Operating Officer bzw. Geschäftsf. tätig.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Berthold, Lothar

* 30.8.1926 – ✝ 12.9.2007

Geb. in Hindenburg (Oberschles./Zabrze, Polen); Vater Zollbeamter; Abitur; 1943/44 Luftwaffenhelfer, 1944 RAD, 1944/45 Wehrmacht, Uffz. 1946 KPD/SED, 1946 – 50 Studium der Fächer Geschichte u. Dt. an der Univ. Jena, 1. Lehrerprüfung, 1950 – 52 Assistent an der PHS, 1952 – 62 dort Doz.; 1960 Ernennung zum Prof.; 1955 Prom. mit einer Arbeit über die KPD 1930; 1962 – 68 Ltr. der Abt. Geschichte der dt. Arbeiterbew. am IML, 1962 – 64 stellv. Dir. des IML, 1962 – 68 Chefred. der Ztschr. »Beiträge zur Geschichte der Arbeiterbew.«, 1963 – 66 Sekr. des von  Walter Ulbricht geleiteten Autorenkoll. für die »Geschichte der dt. Arbeiterbew.« (8 Bde., Berlin 1966), 1964 – 68 Dir. des IML (Nachf. von  Roland Bauer), 1964 – 68 Mitgl. der Ideolog. Kommission beim PB des ZK der SED; 1969 – 72 wiss. Mitarb. u. 1972 – 76 stellv. Dir. des ZI für Geschichte der AdW, 1976 – 90 Dir. des Akad.-Verlags (Nachf. von  Werner Mussler) u. Dir. für Verlags- u. Druckereiwesen der AdW, 1979 – 90 auch Dir. des Verlags H. Böhlaus Nachf. Weimar; 1966 u. 1979 NP; 1990 Invalidenrentner; gest in Berlin. B. war als Autor u. Inhaber versch. administrativer Funktionen v. a. in den 60er Jahren vornehml. im Bereich der Geschichtsprop. der SED engagiert. Ab 1992 aktive Mitarbeit im Marxist. Arbeitskrs. zur Gesch. der dt. Arbeiterbew. bei der PDS, Mitorg. versch. Konferenzen, zahlr. Beiträge in versch. linken u. kommunist. Periodika.Das Programm der KPD zur nat. u. sozialen Befreiung des dt. Volkes vom Aug. 1930. Berlin 1956; Unbewältigte Vergangenheit (Mithrsg.). Berlin 1970; Ernst Thälmann (Mitautor). Berlin 1979; Geschichtskalender. Berlin 1998.Ilko-Sascha Kowalczuk

Wer war wer in DDR

Bertram, Hans

* 16.7.1915 – ✝ 22.12.1992

Geb. in Wachau (b. Leipzig); Vater Arbeiter; Volks- u. Handelsschule in Leipzig; 1930 – 33 SAJ u. ZdA; 1932 – 34 Lehre als kaufm. Angest., anschl. in diesem Beruf tätig; Wehrmacht; Kriegsgef. 1945 / 46 Monteur u. Schaltwärter im Umspannwerk Großenhain; 1945 FDGB, 1946 LDPD; 1946 – 50 1. Vors. des LDPD-KV Großenhain; Stadtrat u. 1946 / 47 stellv. Bürgermeister von Großenhain; 1947 FDJ; 1947 – 50 Kreisrat u. stellv. Landrat des Krs. Großenhain; 1948 Lehrgang an der Landesverwaltungsschule Sachsen, 1949 Lehrgang an der DVA Forst Zinna, 1950 – 54 Fernstud. an der HfÖ Berlin, Dipl.-Wirtschaftler; Ende 1949 – April 1953 stellv. OB bzw. OB von Cottbus (Nachf. von  Otto Weihrauch); 1951 / 52 stellv. Vors. des LDPD-Landesvorst. Brandenb. u. Mitgl. des Krs.- u. Bez.-Friedenskomitees Cottbus; ab 1950 Mitgl. des Zentralvorst. der LDPD; 1950 – 63 Abg. der Volkskammer; 1953 – 57 Abg. u. stellv. Vors. des Rats des Stadtbez. Berlin-Prenzlauer Berg; ab 1953 Mitgl. des LDPD-BV u. 1957 stellv. Vors. des LDPD-BV Berlin; 1957 / 58 Vizepräs. der IHK der DDR; ab 1958 Ltr. der Abt. Kommunale Wirtschaft beim Wirtschaftsrat Berlin; gest. in Berlin.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Beschnitt, Eberhard

* 9.11.1933

Geb. in Chemnitz; Vater Schlosser; 1940 – 48 Grundschule; 1948 – 50 Lehre als Werkzeugmaschinenschlosser bei der Fa. Niles in Chemnitz; 1951 – 53 Abitur an der ABF Chemnitz; 1953 – 59 Stud. der Textilmaschinenbaukonstruktion an der TH Karl-Marx-Stadt, Dipl.-Ingenieur; 1958 – 60 1. Sekr. der FDJ-GO an der TH Karl-Marx-Stadt; 1960 – 65 Ass., Konstrukteur, Abt.-Ltr. u. Chefkonstrukteur im VEB Webstuhlbau Karl-Marx-Stadt; 1965 – 70 Abt.-Ltr., dann Techn. Dir. in der VVB Textilmaschinenbau Karl-Marx-Stadt; 1967 – 71 Kombinatsdir. des VEB Kombinat Wirk- u. Strickmaschinenbau Karl-Marx-Stadt; 1967 – 71 Mitgl. der SED-BL Karl-Marx-Stadt; 1986 Prom. zum Dr.-Ing. an der TU Karl-Marx-Stadt mit einer Arbeit zu den Bedingungen hoher Innovationsraten im Maschinenbau; 1978 – 83 Dir. für Außenwirtschaft u. Binnenhandel des VEB Kombinat Textilmaschinenbau Karl-Marx-Stadt; 1972 – 89 Mitgl. des Forschungsrates der DDR; 1983 / 84 stellv. Minister für Werkzeug- u. Verarbeitungsmaschinenbau; 1984 – 89 GD des VEB Kombinat Polygraph, Leipzig; 1989 – 91 Geschäftsf. der Contacta GmbH, Leipzig; 1992 – 94 Ltr. eines Architekturbüros in Leipzig; 1990 – 2001 Mitbegr. u. Vorstandsmitgl. des Bildungswerks Ost – West BOW e. V. Leipzig / Dresden.Der Textilmaschinenbau in Sachsen, 1760 bis 2005. Weilrod 2005.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Besson, Benno

* 4.11.1922 – ✝ 23.2.2006

Geb. in Yverdon (Schweiz); Vater Lehrer; 1942 Schauspielunterricht in Lyon; 1942 – 46 Studium der Romanistik u. Anglistik in Zürich u. Neuenburg (Schweiz); seit 1943 Regiemitarb. am Schauspielhaus Zürich. 1947 – 49 Übersetzer einer Schweizer Presseagentur; 1947 Bekanntschaft mit  Bertolt Brecht; 1948/49 Schauspielunterricht u. Engagement am Théâtre Jean-Marie-Serreau in Paris; 1949 – 58 Schauspieler, Regieassistent u. Regisseur am Berliner Ensemble (BE), Inszenierungen u. a.: 1954 »Don Juan« von Molière/Brecht, 1955 »Pauken u. Trompeten« von Farquhar/Brecht; nach Auseinandersetzungen mit  Helene Weigel u. BE-Regisseuren Trennung vom BE; Gastinszenierungen am Dt. Theater Berlin (DT) (1960 »Die Holländerbraut« von  Erwin Strittmatter); 1962 – 68 Engagement am DT Berlin, hier auch Chefregisseur, Inszenierungen u. a.: 1963 »Der Frieden« von Aristophanes/ Peter Hacks, 1963 »Die zwei Herren aus Verona«, 1963 »Der Tartuffe« von Molière, 1964 »Die schöne Helena« von Meilhac/Halévy/Offenbach/Hacks, 1965 »Der Drache« von Jewgeni Schwarz, 1967 »Ödipus Tyrann« von Sophokles/Hölderlin/ Heiner Müller; 1965 u. 1974 NP; seit 1965 Regiearbeit an der Volksbühne Berlin, u. a. »Moritz Tassow« von Hacks, dort 1968 – 74 Künstler. Oberltr., Inszenierungen u. a.: »Horizonte« von Winterlich/Müller, 1971 »Der Arzt wider Willen« von Molière; 1975 »Wie es euch gefällt«; 1974 – 78 Intendant Volksbühne Berlin, Volkstheaterkonzeption; nach Auseinandersetzungen mit dem Min. für Kultur über den Spielplan, bes. wegen der Werke von Heiner Müller, Ausreise aus der DDR; anschl. an versch. Theatern in Österreich, der Schweiz, in Frankreich u. am Schiller-Theater Berlin (1991 »Hase Hase« von Coline Serreau); 1982 Josef-Kainz-Medaille der Stadt Wien; 1969 – 83 Mitgl. DAK, 1983 Korr. Mitgl., 1990 AdK Berlin-Brandenb.; 1969 – 95 verh. mit  U. Karusseit). 1994 Molière-Preis der Stadt Paris; seit 1995 Inszenierungen im Schauspielhaus Zürich, u. a. »Die heilige Johanna der Schlachthöfe«, 1998; gest. in Berlin.Jahre mit Brecht. Willisau 1990; Theater spielen in acht Ländern. Berlin 1998. Macasdar, R. P.: B. B. – Der fremde Freund. Filmporträt. 1994.Aune Renk

Wer war wer in DDR

Bettin, Karl

* 7.4.1930

Geb. in Bernsdorf / Oberlausitz; Vater Arbeiter; Volks- u. Mittelschule; Lehre u. Arbeit als Maschinenbauer, 1948 – 52 Teilkonstrukteur bzw. Wärmetechniker bei der SAG Schwarzheide, im VEB Glas-Keramik Kamenz u. im VEB Mitteglas Cottbus; 1952 / 53 Betriebsing. im VEB Glaswerk Berlin-Friedrichshain; 1953/54 Oberreferent bei der VVB Glas Weißwasser; 1954 Brennstoffbeauftragter in der SPK beim Rat des Bez. Cottbus; 1954 – 61 stellv. Ltr. bzw. Abt.-Ltr. Örtl. Wirtschaft bzw. Industrie im Rat des Bez. Cottbus; 1955 – 60 Fernstudium der Wirtschaftswiss. an der HfÖ Berlin, Dipl.-Wirtschaftler; 1956 SED; 1961 – 65 Ltr. bzw. Vors. des Bezirkswirtschaftsrats Cottbus, 1963 – 65 stellv. Vors. des Rats des Bez. Cottbus, 1962 / 63 Mitgl. des Büros der SED-BL Cottbus; 1963 Prom. zum Dr. rer. oec.; ab 1965 Abt.-Ltr. Glas u. Keramik im VWR; 1966 Stellv. des Ministers, 1967 Staatssekr., 1971/72 Minister für Glas- u. Keramikindustrie, 1972 – 78 Minister für Leichtind. (Nachf. von  Johann Wittik); später wiss. Mitarb. am ZI für soz. Wirtschaftsführung.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Bewilogua, Ludwig

* 28.8.1906 – ✝ 26.7.1983

Geb. in Helbigsdorf (b. Freiberg); Vater Pfarrer; 1913 – 17 Volksschule, anschl. Gymnasium in Freiberg, 1925 Abitur; 1925 – 27 Studium der Math. an der Univ. Tübingen, 1927 –30 Studium der Physik an der Univ. Leipzig, dort 1930 Prom. mit der Arbeit »Interferometrische Messung an einzelnen Molekülen der Chlorsubstitutionsprodukte des Methans« bei Peter Debye; 1932 – 33 Ass. von Arnold Eucken am Inst. für Physikal. Chemie der Univ. Göttingen; 1933 – 37 Ass. von P. Debye am Physikal. Inst. der Univ. Leipzig; 1937 zus. mit Debye Wechsel an das Kaiser-Wilhelm-Inst. für Physik in Berlin-Dahlem, dort Aufbau u. Ltg. der Abt. für Tieftemperaturphysik. Sommer 1945 Übersiedl. in die UdSSR u. als »dt. Spezialist« Fortsetzung der Tieftemperaturforschungen im Rahmen des sowj. Atomprogramms; 1954 Rückkehr in die DDR, Aufbau u. Ltg. des Inst. für Tieftemperaturphysik der DAW in Dresden; ab 1955 zugl. Prof. für Experimentalphysik an der TU Dresden, dort 1959 Prof. mit vollem Lehrauftrag u. ab 1963 ord. Prof. für Tieftemperaturphysik; 1961 Verdienter Techniker der DDR; 1966 NP; 1971 em.; 1975 Verdienter Hochschullehrer der DDR; Dr. h. c. FSU Jena; gest. in Dresden. B. begründete die Tieftemperaturphysik in der DDR und hat auf diesem Gebiet international anerkannte Beiträge u. a. zur Aufklärung des elektrokalorischen Effektes geleistet sowie schulenbildend gewirkt. Darüber hinaus schuf er die wiss. Voraussetzungen für die industrielle Prod. von kryogenen Gasen wie Helium oder Neon u. ebnete damit den Weg für eine breite Anwendung tiefer Temperaturen in der DDR, insb. bei der Aufbereitung von Erdgasvorkommen, in der Energietechnik oder der Kryobiologie u. -medizin; Mitbegr. der Ztschr. »Wissen u. Leben«, Mithrsg. der »Wiss. Abhandlungen aus der Sowjetunion« u. Editor von »Cryogenics«.R. Knöner: Nachruf auf L. B. Wiss. Ztschr. der TU Dresden (1983) 5.Dieter Hoffmann

Wer war wer in DDR

Beyer, Alfred

* 24.12.1885 – ✝ 9.10.1961

Geb. in Woldenberg (Ostbrandenb./Dobigniew, Polen); Gymnasium in Stade; Med.-Studium in Göttingen, Jena u. Kiel, hier 1912 Prom.; Assistenzarzt am Hygiene-Inst. u. an der Univ.-Kinderklinik in Kiel; 1914 – 18 Militärdienst, Truppenarzt; ab 1919 im Preuß. Min. des Innern, zunächst als wiss. Hilfsarb., 1920 Reg.-Rat, 1922 Oberreg.-Rat, 1925 Ministerialrat u. Mitgl. des Landesgesundheitsrats, plante u. org. die 1921 in Preußen eingeführte ärztl. Gewerbeaufsicht; SPD; 1933 entlassen. 1946 – 48 Vizepräs. der Dt. ZV für Gesundheitswesen, maßgebl. Mitwirkung am Aufbau des Betriebsgesundheitswesens; 1945/46 SPD/ SED; 1947 – 56 Ordinarius für Sozialhygiene u. 1949 – 56 Dir. des Inst. für Sozialhygiene der HU Berlin, 1948/49 Dekan der Med. Fak., später Prorektor der HU Berlin, 1955 – 58 Ärztl. Dir. der Charité; Vors. des Wiss. Rats des Min. für Gesundheitswesen; 1956 VVO; 1956 em.; gest. in Berlin.Lehrbuch der Sozialhygiene (Hrsg. mit Kurt Winter). Berlin 1953.Peter Schneck

Wer war wer in DDR

Bergmann-Pohl, Sabine

* 20.4.1946

Geb. in Eisenach, Vater Arzt; POS, ab 1960 in Berlin EOS, 1964 Abitur; nicht zum Studium zugelassen, 1964 – 66 Praktikum als Laborantin am Inst. für Gerichtsmed. der HU Berlin, 1966 – 72 dort Studium der Med., 1972 – 80 Facharztausbildung am Klinikum Berlin-Buch; 1980 Prom.; 1979 Fachärztin für Lungenkrankheiten, 1980 – 85 Ärztl. Ltr. der poliklin. Abt. für Lungenkrankheiten u. Tuberkulose in Berlin-Friedrichshain; 1981 CDU, Mitgl. des BV Berlin; 1985 – 90 Ärztl. Dir. der Bez.-Stelle für Lungenkrankheiten u. Tuberkulose in Berlin (Ost); Vors. des Aktivs Gesundheits- u. Sozialwesen der BV der CDU. 1990 Mitgl. des CDU-LV Berlin, März – Okt. 1990 Abg. der Volkskammer, 5.4. – 2.10. deren Präs. (Nachf. von  Günther Maleuda) u. de jure Staatsoberhaupt der DDR (Nachf. von  Manfred Gerlach); 2.10. Mitgl. des Präs. der CDU Dtl., 3.10.1990 Min. ohne Geschäftsbereich im Kabinett Kohl, 3.10.1990 – 22.9. 2002 Mitglied des Dt. Bundestages; seit 1990 Schirmherrin des Allgem. Behindertenverb. in Dtl.; Jan. 1991 – Okt. 1998 parl. Staatssekr. im Gesundheitsmin. (Nachf. von  Anton Pfeifer); 2003 – 07 Präs. des Berliner Roten Kreuzes, dann Vizepräs.Häufigkeit anamnestisch-klinischer Befunde chronisch obstruktiver Lungenerkrankungen im Kindesalter. Berlin 1981; Abschied ohne Tränen. Rückblick auf das Jahr der Einheit. Berlin 1991. Elitz, E.: Sie waren dabei. Stuttgart 1991.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Bergold, Wolfgang

* 19.4.1913 – ✝ 14.8.1987

Geb. in Dresden; Vater Lithograph, Porzellanmaler, später Büchereiverwalter; 1919 – 32 Volksschule, Gymnasium, 1932 Abitur in Dresden; 1932/33 Studium der Volksw., Russ. u. Chinesisch an der TH Dresden; 1930 Mitbegr. des Soz. Schülerbund (SSB); 1930 KJVD, RH, Freisoz. Studentengr. Dresden; April 1933 – Juli 1934 Haft in Hohenstein; illeg. pol. Arbeit; Dez. 1934 erneut verhaftet, Nov. 1935 wegen »Vorber. zum Hochverrat« zu einem Jahr Gefängnis verurteilt; 1935/36 Haft in Dresden u. im KZ Sachsenburg; 1937 – 41 Werkstattschreiber in Dresden; Mitorg. der Widerstandsgr. Stein u. Bochow; Jan./Febr. 1938 Militärdienst, Sonderabt. IV in Königsbrück; April 1941 in Dresden verhaftet u. im März 1942 vom VGH zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt; 1942 – 45 Haft in Waldheim, Juli – Sept. 1943 Strafbat. 999. Mai – Sept. 1945 Aufbau der Gemeindeverw. Wilschdorf (Dresden); Sept. – Nov. 1945 Dt.-Lehrer für sowj. Offz. bei der SMA Dresden; 1945/46 KPD/SED; 1945 – 47 Reg.-Rat der Landesreg. Sachsen, Ltr. der Abt. Statistik/ Org. in der Abt. für Umsiedler; 1947 KPS; Nov. 1947 techn. Einkäufer, dann Sekr. des kfm. Dir. im Sachsenwerk Radeberg, dort Dez. 1948 – 54 Kulturdir. u. Parteisekr.; 1953 – 61 Fernstudium an der PHS, ohne Abschluß; 1954/55 Instrukteur der SED-BL Dresden; 1955 – 65 Instrukteur der Abt. Internat. Verb. des ZK der SED; 1963 – 68 Botschafter in der DR Vietnam (Nachf. von Karl Nohr); 1966 Banner der Arbeit; 1969 Sekr. des Komitees der Antifa. Widerstandskämpfer in Berlin, ab 1969 Sekr. der FIR in Wien; 1982 Vors. der Finanz-Kontrollkommission in der ZL der FIR in Wien; 1983 VVO; gest. in Berlin.Bernd-Rainer Barth

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Berndt, Herbert

* 28.2.1908 – ✝ 24.10.1992

Geboren am 28. Februar 1908 in Berlin, Sohn eines Schlossers; lernte selbst Schlosser und arbeitete als Elektromaschinenbauer in den Siemens-Schuckert-Werken. Seit 1923 in der KJD, ab Anfang 1927 Mitglied der KPD, er arbeitete ehrenamtlich im AM-Apparat des Berliner UB Berlin Prenzlauer Berg. Er besuchte die M-Schule in Moskau und arbeitete anschließend für den geheimen Nachrichtendienst der Komintern (OMS) und für das Auslandssekretariat des ZK in Paris. Bei Kriegsausbruch im September 1939 interniert. Nach der Besetzung Südfrankreichs flüchtete er nach Spanien, wurde dort am 10. April 1943 festgenommen und kam in ein Lager nach Miranda. Hier nannte er sich Henri Barré. Ende 1945 wurde Berndt auf Antrag der sowjetischen Vertreter in der Alliierten Repatriierungskommission gegen in sowjetischer Kriegsgefangenschaft befindliche Angehörige der Blauen Division, einer spanischen Hilfsorganisation der deutschen Wehrmacht, ausgetauscht und kehrte über Italien nach Deutschland zurück. Er meldete sich im ZK der KPD und erhielt die Weisung, ab sofort wieder seinen bürgerlichen Namen Herbert Berndt anzunehmen. Bis Mai 1951 Referent in der Personalpolitischen Abteilung, ab Sommer 1948 Referent in der von Richard Stahlmann geleiteten geheimen Abteilung Verkehr des ZK der SED. Nach einem Unfall Kaderleiter der Außenhandelsfirma China Export, später Schulleiter der Nachrichtenschule der GST in Oppin (Saalkreis). Von 1955 bis 1957 Kaderleiter im Institut für Bekleidungskultur in Ost-Berlin, anschließend als Offizier für Funktechnik im Hauptstab Verwaltung 15 des Ministeriums für Nationale Verteidigung und 1962 kam er ins Ministerium des Innern. Er erhielt 1988 den Stern der Völkerfreundschaft in Gold. Herbert Berndt starb am 24. Oktober 1992 in Berlin.

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Bernstein, Rudolf

* 29.2.1896 – ✝ 6.10.1977

Geboren am 29. Februar 1896 in Berlin, Sohn eines Schneidermeisters. Nach Gymnasium und kaufmännischer Lehre Angestellter der Handelsgesellschaft Deutscher Apotheken. Ab 1915 Soldat im Ersten Weltkrieg, wurde Bernstein 1919 USPD-Mitglied und trat 1920 in die KPD ein. Ab Mai 1925 Leiter der Peuvag und Mitarbeiter der Geschäftsabteilung des ZK sowie Geschäftsführer des Bürohauses Vulkan. Von 1925 bis 1933 Abgeordneter der Bezirksversammlung Berlin-Mitte, Vorsitzender der KPD-Fraktion und unbesoldeter Stadtrat. Im Februar 1933 festgenommen, kam er in das KZ Sonnenburg, trat als Zeuge im Reichstagsbrandprozeß auf und wurde Ende 1933 aus dem KZ entlassen. Er emigrierte im Juni 1934 in die Sowjetunion, Umbruchredakteur und Redaktionssekretär an der »Deutschen Zentral-Zeitung« in Moskau. Bernstein reiste im Auftrag der OMS in verschiedene westeuropäische Länder, ab 1943 Mitarbeiter des EKKI der IRH, dann Mitarbeiter der PHV der Roten Armee (Hauptmann). Im Januar 1945 Kursant eines Lehrgangs für Politoffiziere in Moskau, ab April 1945 Einsatz an der 3. Ukrainischen Front; anschließend Mitarbeiter der Redaktion der »Arbeiterzeitung« in Wien. Im April 1947 Rückkehr nach Deutschland, wurde Leiter der Verwaltung der Wirtschaftsbetriebe/Parteibetriebe im ZS der SED. 1950 übernahm er die Leitung des VEB Progress-Filmverleih und war von 1955 bis 1958 Direktor des Staatlichen Filmarchivs der DDR. Rudolf Bernstein starb am 4.Oktober 1977 in Ost-Berlin.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Berthel, Kurt Hermann

* 9.7.1897 – ✝ 18.1.1960

Geb. in Gera; aufgew. in Chemnitz, Vater Maschinenspinner, Mutter Heimarbeiterin; 1904 – 12 Volksschule in Chemnitz; 1912 – 15 Zimmererlehre in Chemnitz, anschl. Wanderschaft über versch. Baustellen in Dtl.; 1915 – 17 Zentralverb. der Zimmerer; 1916 – 20 SPD; 1918 / 19 Militärdienst in Wittenberg; 1919 – 30 bei versch. Firmen in Dortmund u. Chemnitz; 1920 KPD, 1923 RFB, organisierte die Proletar. Hundertschaften im UB Chemnitz; 1924 RH u. IAH, Mitgl. der Unterbezirksltg. Chemnitz; RGO; 1927 – 33 Stadtrat in Chemnitz; 1928 – 33 Ltr. des KPD-Stadtteils Chemnitz-West; 1929 Delegationsreise in die UdSSR, Mitgl. im Bund der Freunde der SU; 1930 nach einem Streik in Chemnitz als Zimmerer entlassen; 1930 – 33 arbeitslos; organisierte 1933 mit  Max Schneider,  Kurt Fischer u. a. den Übergang der KPD in die Illeg.; 1933 – 36 KPD-Instrukteur für Chemnitz-West u. weitere Stadtteile; 1936 wg. »Vorbereitung zum Hochverrat« in Haft, Freilassung mangels Beweisen, anschl. unter Polizeiaufsicht; 1937 – 1939 Zimmerer in Chemnitz; Jan. 1940 Wehrmacht, Wach- u. Baukompanie, 1943 – 45 Zimmerer in einer Baukompanie, Feldw. (Einsatz hauptsächl. beim Brückenbau in Graudenz), 1945 verwundet; März – Okt. 1945 sowj. Kriegsgef. in Graudenz. Nov. 1945 Rückkehr nach Chemnitz; KPD; Nov. 1945 – Sept. 1948 Versorgungsinspekteur im Min. für Handel u. Versorgung der Landesreg. Sachsen, Ltr. der Ernährungsinsp. Bezirk Chemnitz; 1946 SED; Sept. – Nov. 1948 Dir. des Städt. Schlacht- u. Viehhofs Chemnitz; Nov. 1948 – Juni 1950 Stadtrat in Chemnitz, Dezernat Innere Verw.; 1949 1. Bürgermeister, ab Juni 1950 stellv. OB, ab 1951 komissar. OB, März 1953 – Dez. 1959 erster OB u. Vors. des Rats der Stadt Chemnitz bzw. Karl-Marx-Stadt (Nachf. von  Max Müller); 1955 Mitgl. des Präsidiums des Dt. Städtetags; gest. in Karl-Marx-Stadt.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Berthold, Rolf

* 4.8.1938

Geb. in Chemnitz in einer Arbeiterfamilie; 1956 Abitur an der ABF II in Halle; 1956 – 61 Studium am Inst. für Internat. Beziehungen in Peking; 1958 SED; 1961/62 Mitarb. der DASR Potsdam, ab Febr. 1962 Mitarb. des MfAA, 1962 – 64 Referent bzw. Oberreferent in der Abt. Ferner Osten, 1964/65 III. u. 1965/ 66 II. Sekr. an der DDR-Botschaft in Peking; 1966 – 70 u. 1974 – 76 Ltr. der Sektion China der Abt. Ferner Osten des MfAA, 1971 – 74 Rat u. stellv. Ltr. der DDR-Botschaft in der DR Vietnam; 1976 – 82 Ltr. der Abt. Ferner Osten des MfAA (Nachf. von  Helmut Liebermann); 1982 – 90 Botschafter der DDR in der VR China (Nachf. von  Helmut Liebermann).Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Bertsch, Heinrich

* 11.1.1897 – ✝ 19.3.1981

Geb. in Rosenfeld (Württ.); Chemiestudium an der TH Stuttgart, 1923 Dr.-Ing.; 1922/23 Chemiker in der Dt. DEGRAS AG Dres- den, 1923 – 40 zunächst Chemiker, dann auch Vorstand bei Böhme Fettchemie Chemnitz, 1940 – 45 Vorstand bei Henkel & Cie. Düsseldorf. 1946 – 48 Ltr. der Volkseigenen Chemie-Industrie im Land Sachsen; 1948 – 54 Ltr. der HV Chemie in der DWK bzw. im entsprechenden Min. der DDR-Reg., zul. im Staatssekr. für Chemie, Steine, Erden in Berlin; seit 1950 zugl. Prof. für chem. Technol. an der HU Berlin; 1953 NP; Ord. Mitgl. der DAW, 1954 – 58 Dir. des DAW-Inst. für Organ. Chemie, 1958 – 65 des DAW-Inst. für Fettchemie in Berlin sowie 1958 – 61 des DAW-Inst. für Dokumentation, zudem 1957 – 61 Sekretar der Kl. für Chemie, Geol. u. Biol. der DAW (Nachf. von  Kurt Noack); Mitgl. des Forschungsrats; 1957 – 69 Hrsg. des »Chem. Zentralblatts«; 1965 em.; gest. in Berlin. Hauptarbeitsgebiete: Synthese grenzflächenaktiver Stoffe u. Herstellung synthet. Waschmittel; erarbeitete die Grundlagen der Synthese der Natriumalkylsulfate (erstes neutrales Feinwaschmittel »Fewa«).Horst Kant

Wer war wer in DDR

Besenbruch, Walter

* 25.12.1907 – ✝ 23.6.2003

Geb. in Wuppertal-Barmen; Vater Bandwirker; 1914 – 28 Grundschule u. Realgymnasium mit Abitur; 1929 – 32 Studium der Geschichte u. Philos. in Berlin u. Kiel, Abbruch des Studiums aus Geldmangel; 1930 KPD; ab 1932 wiederholte Verhaftungen u. Gefängnisstrafen; 1935 wegen antifasch. Aktivitäten Verurteilung zu einer Haftstrafe von 12 Jahren, Zuchthaus Hamburg-Fuhlsbüttel, anschl. KZ Moorlager Emsland. 1945 – 47 Polizeipräs. von Merseburg; 1948 wiss. Aspirantur an der MLU Halle; 1949/50 Dozentenlehrgang an der PHS; 1950 – 53 Hauptred. der SED-Ztschr. »Einheit«; gleichzeitig Lehraufträge für dialekt. u. histor. Materialismus an der HU Berlin; 1953 Wahrnehmungsprof. mit Lehrauftrag für »Philosoph. Ästhetik«; 1956 Prom. mit der Schrift »Zum Problem des Typischen in der Kunst«; 1956/57 im Kontext des XX. Parteitags der KPdSU Konflikte wegen krit. Veröff.; ab 1959 Prof. mit Lehrauftrag für Ästhetik u. Kulturpolitik, 1964 invalidisiert, 1973 em. B. war u. a. Lehrer von  Rudolf Bahro, der ihn eine »moralische Instanz« nannte.Zum Problem des Typischen in der Kunst. Weimar 1956; Dialektik u. Ästhetik. In: 2. Theoret. Konferenz im Inst. für Angewandte Kunst. Berlin 1958. Herzberg, G.: Schwierigkeiten mit der Erinnerung. Porträt des Kommunisten u. Philosophen W. B.: In: Ders.: Aufbruch u. Abwicklung. Berlin 2000; Panitz, E.: Gedenkrede für W. B. vom 14.7.2003 (unveröff. Manuskript).Hans-Christoph Rauh

Wer war wer in DDR

Beste, Niklot

* 30.6.1901 – ✝ 24.5.1987

Geb. in Ilow (Krs. Wismar); Gymnasium in Doberan; 1920 – 25 Studium der Theol. u. Geschichte in Marburg, Innsbruck, Breslau, Rostock, 1924 Prom. zum Dr. phil.; 1925 1. Theolog. Examen; 1925/26 Besuch des Predigerseminars in Schwerin; 1927 – 32 Vikar u. Pastor in Benthen (b. Lübz); 1929 2. Theolog. Examen; 1932 Pastor in Schwerin, Mitgl. der Jungreformator. Bew.; 1933 – 45 Pastor in Neubukow, Ltr. des Pfarrernotbunds in Mecklenb. u. ab 1934 Vors. des Mecklenb. Landesbruderrats, ab 1936 Mitgl. des Reichsbruderrats der Bekennenden Kirche; 1939/40 Wehrmacht. 1945 Oberkirchenrat; 20.6.1946 Wahl zum Bischof der Ev.-Luth. Landeskirche Mecklenb.; 1947 – 57 Mitgl. des EK des Luth. Weltbunds; 1948 Dr. h. c. der Theolog. Fak. der Univ. Rostock; 1948 maßgebl. Beteiligung an der Gründung u. ab 1953 stellv. Ltr. der Vereinigten Ev.-Luth. Kirche Dtl. (VELK); 1957 Dr. h. c. der Columbus-Univ. Ohio (USA); 1961 – 67 Mitgl. des Rats der EKD; 1968/69 Vors. der Konferenz der ev. Kirchenltg. der DDR, maßgebl. Mitwirkung bei der Bildung des Bunds der Ev. Kirchen in der DDR; ab 1968 – 71 Ltd. Bischof der VELK in der DDR; Febr. 1971 Ruhestand; gest. an den Folgen eines Verkehrsunfalls.Roger Sitter / Ehrhart Neubert

Handbuch Deutsche Kommunisten

Betz, Adolf

* 11.5.1897 – ✝ 9.8.1970

Geboren am 11. Mai 1897 in Pirmasens; Zuschneider in einer Schuhfabrik. 1919 Mitbegründer der KPD-Ortsgruppe Pirmasens. Seit 1921 Mitglied der BL Pfalz und Vorsitzender der Ortsgruppe Pirmasens. Betz gehörte mit der Mehrheit der BL zu den Ultralinken, dann zur Weddinger Opposition, im September 1926 Mitunterzeichner des oppositionellen »Briefes der 700«. Er wurde als Vertreter der Weddinger Opposition der Pfalz vom XI. Parteitag 1927 in die Politische Kommission und dann ins ZK gewählt. Auf der ZK-Tagung am 8./9. Dezember 1927 trennte sich Betz, der sich schon auf dem XI. Parteitag von seiner Fraktion entfernt hatte, offiziell von der Opposition und ging zur Thälmann-Mehrheit über. 1929 nicht mehr ins ZK gewählt, war er von 1929 bis 1933 Angestellter beim Neuen Deutschen Verlag, Zweigstelle Essen. Von Februar bis November 1933 in »Schutzhaft« in Duisburg, anschließend arbeitslos, von 1935 bis 1940 lebte er als selbständiger Schuhwarenhändler in Essen, danach bis 1945 Angestellter der Firma Krupp in Essen. Betz kehrte im Oktober 1945 nach Pirmasens zurück, wurde Leiter der Feststellungsbehörde. Betz war Kreisvorsitzender der KPD und Mitglied der BL Pfalz, von 1946 bis 1948 Stadtrats- und Kreistagsmitglied, 1946/47 Dritter Bürgermeister in Pirmasens und dann von 1947 bis 1959 dort Verwaltungsangestellter, von 1946 bis 1951 Abgeordneter im Landtag von Rheinland-Pfalz. Adolf Betz starb am 9. August 1970 in Pirmasens.

Wer war wer in DDR

Bey, Hannelore

* 6.11.1941

Geb. in Leipzig; 1956 – 61 Studium an der  Palucca-Schule Dresden, 1965/66 Zusatzstudium an der Waganowa Akad. Leningrad; 1961 – 65 Staatstheater Dresden, 1966 Tanztheaterensemble der Komischen Oper Berlin, 1969 Primaballerina; 1973 NP; 1981 VVO; 1983 – 91 Mitgl. der AdK; 1987 Ehrenmitgl. der Komischen Oper Berlin; Auslandsgastspiele u. a. in der UdSSR, in Ägypten, Frankreich, Finnland, Norwegen, Jugosl., Rumänien, Kuba; Preisträgerin nat. u. internat. Ballettwettbewerbe; sechs Kritikerpreise der »Berliner Ztg.«. 1996 Berufung als Prof. an die Palucca-Schule Dresden – HS für Tanz. Hauptrollen u. a. in »Abraxas« (1966), »Phantast. Sinfonie« (1967), »Cinderella« (1968), »Dornröschen« (1968); »La Mer« (1969), »Undine« (1970), »Match« (1971), »Romeo u. Julia« (1972), »Party« (1973), »Schwarze Vögel« (1975), »Revue« (1977), »Pastorale« (1979), »Schwanensee« (1980); »Darf ich Petruschka zu Dir sagen?« (1981); »Shakespeare-Gestalten« (1982), »Wahlverwandtschaften« (1983), »Walzer« (1988), »Bernarda Albas Haus« (1990).Gommlich, W.: H. B., Roland Gawlik. Ein Porträt. Berlin 1977; Schubert, H.: Und morgen wieder. Berlin 1985.Kornelia Knospe / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Beyer, Frank

* 26.5.1932 – ✝ 1.10.2006

Geb. in Nobitz (b. Altenburg, Thür.); Vater kfm. Angest., Mutter Verkäuferin; 1950 Abitur; SED; 1950/51 Krs.-Sekr. des KB in Altenburg; 1951/52 Dramaturgie- u. Regieassistent am Krs.-Theater Crimmitschau/Glauchau; ab Nov. 1952 Studium an der Fak. für Regie der Film-HS in Prag; 1955 unter  Kurt Maetzig (Regie/Drehbuch),  Willi Bredel u.  Michael Tschesno-Hell (bd. Drehbuch) als Praktikant an der Prod. des Films »Ernst Thälmann – Führer seiner Kl.« beteiligt, Regieassistent bei der Verfilmung von »Zar und Zimmermann« (1956) und »Schlösser und Katen« (1957); 1957 – 66 Regisseur im DEFA-Spielfilmstudio, Regie-Debüt 1957 mit »Zwei Mütter«, dann Regisseur, später zumeist auch Mitautor der Filme: »Eine alte Liebe« (1959), »Fünf Patronenhülsen« (1960), »Königskinder« (1962) u. »Nackt unter Wölfen« (1963), für den er auf dem Filmfestival in Moskau 1963 mit dem Silberpreis für die beste Regieleistung u. in der DDR mit dem NP ausgezeichnet wurde; große Popularität erlangte seine im Nachkriegsmilieu der SBZ angesiedelte Filmkomödie »Karbid u. Sauerampfer« (1963) mit  Erwin Geschonneck in der Hauptrolle, wogegen sein Film »Spur der Steine« nach dem preisgekrönten Roman von  Erik Neutsch 1966 nach wenigen Aufführungen mit inszenierten Krawallen vom Spielplan abgesetzt u. erst im Okt. 1989 wiederaufgeführt wurde, F. B. erhielt eine schwere Rüge der SED u. 1967/68 eine Anstellung als Regisseur am Dresdener Staatstheater; anschließend arbeitete er von 1969 – 90 als Regisseur beim DFF; hier Fernsehdebüt 1971 mit »Rottenknechte« (5 Teile), dann nach dem Buch von Eberhard Panitz 1973 »Die sieben Affären der Dona Juanita« (4 Teile) u. 1974 nach dem Buch von  Jurek Becker »Jakob der Lügner«, der als erster u. einziger DDR-Film eine Oscar-Nominierung erhielt; 1975 NP; 1976 Mitunterz. der Protestresolution von Schriftst. u. a. Künstlern gegen die Ausbürgerung  Wolf Biermanns; 1977 Film »Das Versteck«, der wegen der Ausreise des Hauptdarstellers  Manfred Krug erst 1979 freigegeben wurde; der Film »Geschlossene Gesellschaft« nach einem Buch von  Klaus Poche wurde nach der Erstsendung 1978 verboten u. erst 1989 wiederaufgeführt; 1980 Ausschl. aus der SED; seit 1981 auch Fernsehfilme in der Bundesrep. Dtl., z. B. 1981 »Der König und sein Narr« (Drehbuch von  Ulrich Plenzdorf nach dem gleichn. Roman von  Martin Stade) u. »Die zweite Haut« nach einem Buch von Klaus Poche; 1983 dann in der DDR »Der Aufenthalt« nach dem gleichn. Roman von  Hermann Kant, 1984 »Bockshorn«; 1984 Heinrich-Greif-Preis; 1989 die dt.-dt. Koproduktion »Der Bruch«. Nach 1989 vor allem Filme für ARD u. ZDF: 1991 »Ende der Unschuld« (2 Teile) u. »Der Verdacht« nach einer unvollendeten Erzählung von  Volker Braun, 1992 »Sie u. er« (2 Teile) u. »Das große Fest« (zu bd. Drehbuch von Klaus Poche), 1993 »Das letzte U-Boot«, »Wenn alle Deutschen schlafen« (1994 prod., 1996 gesendet), 1995 »Nikolaikirche«, 1997 »Der Hauptmann von Köpenick«, 1998 »Abgehauen« nach dem autobiogr. Buch von Manfred Krug; seit 1990 Mitgl. der AdK; 1991 Filmband (Bundesfilmpreis); gest. in Berlin.Wenn der Wind sich dreht. Meine Filme, mein Leben. München 2001. Schenk, R. (Hrsg.): Regie: F. B. Berlin 1995.Monika Kaiser

Wer war wer in DDR

Bergner, Christoph

* 24.11.1948

Geb. in Zwickau; 1961 Umzug nach Saalfeld, dort 1964 – 67 Berufsausb. zum Rinderzüchter mit Abitur; 1967 – 69 Studium der Landwirtsch. an der FSU Jena, 1969 – 71 an der MLU Halle (Saale); 1971 CDU; 1972 – 74 Forschungsstudium u. Prom. an der MLU; 1974 – 90 wiss. Mitarb. am Inst. für Bio- chemie der Pflanzen der AdW in Halle (Saale); 1986 – 91 Gemeindekirchenrat der Petrusgemeinde Krollwitz; Sept. 1989 – Jan. 1990 Neues Forum; 1990 Ressortchef in der Bez.-Verwaltungsbehörde Halle (Saale). 1990 – 2002 MdL Sachsen-Anh., 1991 – 93 u. 1994 – 2001 Vors. der CDU-Fraktion; 1991 – 93 stellv. Landesvors. der CDU Sachsen-Anh.; Dez. 1993 – Juli 1994 Ministerpräs. von Sachsen-Anh. (Nachf. von Werner Münch); 1995 – 98 stellv. Bundesvors. der CDU; 1996 – 2000 Mitgl. des Vorst. der Europ. Volkspartei; seit Okt. 2002 MdB, Mitgl. im Aussch. für Bildung, Forschung u. Technologiefolgenabschätzung; seit 23.11.2005 Parl. Staatssekr. beim Bundesmin. des Innern; seit Febr. 2006 Beauftragter der Bundesreg. für Aussiedlerfragen u. nat. Minderheiten.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Bergtel, Rudolf

* 25.12.1897 – ✝ 18.7.1981

Geboren am 25. Dezember 1897 in Immenhof/Ostpreußen, Sohn einer Arbeiterfamilie. Gehilfe in einer Gastwirtschaft, ab 1913 in Berlin. 1915 Soldat im Ersten Weltkrieg, trat Bergtel Anfang 1919 in die USPD ein und wurde 1923 Mitglied der KPD. 1932 Instrukteur des RGO Bezirksausschusses Berlin, bis November 1933 illegal in Charlottenburg. Wegen drohender Festnahme Flucht in die âSR, nach kurzer Schulung zur illegalen Arbeit nach Deutschland, hier Orgleiter der RGO für Berlin. Zusammenarbeit mit Erich Hanke und Wienand Kaasch. Am 8. August 1935 festgenommen, am 10. Mai 1936 vom VGH im Prozeß zusammen mit Kaasch u. a. angeklagt und zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt. Er kam ins Zuchthaus Luckau, dann in die Lager Aschendorfer Moor und Esterwegen. Im Juni 1939 gelang ihm die Flucht in die Schweiz, dort interniert, konnte er im Oktober 1945 nach Berlin zurückkehren. Mitarbeiter bei der BVG und 2. Sekretär der SED-Gesamtbetriebsgruppe. Rudolf Bergtel starb am 18. Juli 1981 in Ost-Berlin. Seine zweite Frau Lotte Schleif (* 4. 7. 1903 – † 26. 2. 1965) war Bibliothekarin in Berlin-Neukölln. Sie half Rudolf Bergtel bei seiner Flucht in die Schweiz und arbeitete selbst eng mit Wilhelm Guddorf u. a. zusammen. Am 18. September 1942 festgenommen, am 6. Februar 1943 durch das Reichskriegsgericht zu acht Jahren Zuchthaus (Strafantrag Todesstrafe) verurteilt. Im April 1945 durch die US-Armee befreit. 1945/46 in der Abteilung Volksbildung des Magistrats von Berlin tätig. Als Mitglied der SED ab 1950 Dozentin der Berliner Fachschule für Bibliothekswesen.

Wer war wer in DDR

Berner, Helene

* 13.12.1904 – ✝ 22.12.1992

Geb. in Berlin; Vater Bildhauer u. SPD-Funktionär; 1911 – 19 Volksschule in Berlin; 1919 – 30 Dienstmädchen, Angest., Lehre im Großbuchhandel; ab 1927 Krankenschwester, Orthopädin; 1923 KJVD, 1927 KPD; ab 1927 Mitarb. des M-Apparats der KPD (Industriespionage); 1931 – 35 Ltr. des Orthopäd. Turninst. der Krankenkassen Berlin; 1933 – Juni 1935 illeg. pol. Arbeit, zunächst Kurier im Grenzapparat, dann für den sowj. Geheimdienst GRU (»Leni«, »Lore«); Juni 1935 Emigr. über die ČSR in die UdSSR; 1935/36 Tätigkeit im Stab der Roten Armee (GRU); Apr. 1936 – Mai 1937 Mitarb. in einem Moskauer Orthopäd. Inst.; 1936 in Abwesenheit zum Tode verurteilt; Juli 1936 sowj. Staatsbürgerschaft; 1937 – 41 Sprachlehrerin im Generalstab der Roten Armee; 1941/42 Lehrerin an einer Militärschule in Moskau, dann in Stawropol; Anf. 1941 in der Sonderfahndungsliste »UdSSR« der Gestapo erf.; 1942/43 Kursantin an der KI-Schule in Kuschnarenkowo, danach Spezialausbildung bei Moskau als Fallschirmagentin; Offz. der Roten Armee, 1944 Lehrerin in einer Frontschule für Kriegsgefangene im Bereich der 2. Balt. Front, dort an der Vorbereitung von Spezialabteilungen für den Einsatz im dt. Hinterland beteiligt. 1945 als Angeh. der Roten Armee Rückkehr nach Dtl.; Mai – Sept. 1945 Lehrgänge im Kriegsgefangenenlager in Rüdersdorf; Jan. 1946 – April 1948 Doz. an der Schule der SMAD für die Ausbildung von Kadern der Blockparteien in Königs Wusterhausen, 1949 Demobilisierung; danach Funktionärin der DSF, 1949 – 59 ltd. Mitarb. im Min. für Ausw. Angelegenh., Ltr. der Abt. Schulung; überwachte als GI im Auftrag des MfS den Außenmin. der DDR  G. Dertinger, dessen persönl. Referentin sie war; 1957 Ehrennadel der DSF; 1959 – 68 Ltr. des Zentralhauses der DSF in Berlin (Nachf. von  Gerhard Körbel); 1968 Rentnerin; Orden des Vaterländ. Krieges; 1974 VVO; 1979 Ehrenspange zum VVO; 1984 u. 1989 Stern der Völkerfreundschaft. 1990 PDS; gest. in Berlin.Mit der Sowjetarmee nach Berlin. In: Im Zeichen des roten Sterns. Berlin 1974. Scheidemann, Ch.: H. B. Im Dienst für den Außenminister. In: Müller, U., Scheidemann, Ch. (Hrsg.): Gewandt, geschickt u. abgesandt. Frauen im diplomat. Dienst. München 2000; Grundmann, S.: Der Geheimapparat der KPD im Visier der Gestapo. Berlin 2008.Peter Erler / Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Bernum, Theodor van (Theo)

* 13.2.1903 – ✝ 31.7.1951

Geboren am 13. Februar 1903 in Rees am Rhein, Sohn eines Arbeiters, der 1905 starb, und einer Zigarrenmacherin. Metallhandwerkslehre, anschließend Bauarbeiter in Duisburg. Seit 1926 im DMV, seit 1931 in der KPD, wurde sofort führender Mitarbeiter im Reichsliteraturvertrieb. Von Oktober 1931 bis Juli 1933 als Facharbeiter in Stalinsk (Sibirien), kehrte er im Juli 1933 zur Parteiarbeit nach Duisburg zurück und wurde im April 1934 Kassierer der illegalen BL Ruhr. Ende 1934 Emigration nach den Niederlanden, dort bis Januar 1937 Instrukteur der Emigrationsleitung, verantwortlich für den Literaturvertrieb nach Deutschland. Ab Januar 1937 in Spanien Angehöriger eines Spezialbataillons der Internationalen Brigaden (Organisierung und Zentralisierung der Kassen). Ab August 1938 in Frankreich Lazarett- und Krankenhausaufenthalt, wurde im Februar 1939 festgenommen und in Südfrankreich interniert. Van Bernum erhielt Anfang April 1939 ein Ausreisevisum für die Sowjetunion, lag bis November 1939 in einem Moskauer Krankenhaus, anschließend Dreher in Woroschilowgrad. Er wurde invalidisiert und nach Mittelasien evakuiert. Ende 1947 kam er in die SBZ, nach Aufenthalt im Erholungsheim Lehrer an der SED-Parteischule in Bad Blankenburg, zuletzt an der Landesverwaltungsschule in Weimar. Theodor van Bernum starb am 31. Juli 1951 in Eisenberg.

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Berthelé, Georg

* 2.8.1877 – ✝ 4.11.1949

Geboren am 2. August 1877 in Berlin als Sohn eines Maschinenbauers; Lehre und Beruf als Schriftsetzer. Berthelé besuchte Kurse der Humboldt-Hochschule und der Arbeiter-Bildungsschule. 1897 wurde er Mitglied der SPD und 1899 der Gewerkschaft. Er war SPD-Abteilungs- und Bezirksführer und hatte im 4. Berliner Wahlkreis zahlreiche Funktionen, u. a. Parteivorstandsmitglied im Wahlkreisverband Berlin-Brandenburg. Ab September 1915 Soldat, kehrte als Schwerkriegsbeschädigter zurück. 1917 trat er zur USPD über und war Distriktleiter im 6. Distrikt Berlin-Brandenburg, bis 1920 Beisitzer im USPD-Zentralvorstand. Ab 9. November 1918 war Berthelé Sekretär von Emil Eichhorn im Berliner Polizeipräsidium, nur mit knapper Not konnte er im Januar 1919 der Erschießung in der Alexanderkaserne entgehen. Mit der linken USPD kam er Ende 1920 zur KPD und gehörte als Beisitzer dem VKPD-Bezirksverband Berlin-Brandenburg an. Er war im Juni 1920 für die USPD in den Deutschen Reichstag gewählt worden. Berthelé zählte zu den USPD-Abgeordneten, die nach der Vereinigung mit der KPD zur VKPD mit Clara Zetkin und Paul Levi eine gemeinsame kommunistische Reichstagsfraktion bildeten. Am 24. Januar 1922 trat er mit Otto Brass, Emil Eichhorn, Heinrich Malzahn u. a. zur Fraktion der KAG über. Anfang November 1922 trennte er sich dann mit Eichhorn, Malzahn und Hermann Reich wieder von der KAG und schloß sich als Hospitant der KPD-Fraktion an. Er wurde 1924 nicht mehr für den Reichstag aufgestellt. Bethelé wirkte im Internationalen Bund der Opfer des Krieges und der Arbeit und war Mitglied des Bundesvorstandes des IB, von 1925 bis 1933 Leiter der Anzeigen-Expedition von kommunistischen Presseorganen. Ab 1933 illegale Arbeit im Rahmen der Roten Hilfe, wurde er am 19. Juli 1935 inhaftiert und schwer mißhandelt. Im Januar 1936 von der Moabiter Strafkammer zu 15 Monaten Gefängnis verurteilt, blieb er nach der Haftentlassung aus der Strafanstalt Berlin-Tegel unter Polizeiaufsicht. Bis 1945 u. a. als Kassenbote und Kontorist tätig. Im Mai 1945 wurde Berthelé Mitarbeiter der Kartenstelle des Bezirksamtes Berlin-Pankow. Er trat der KPD, bzw. 1946 der SED bei. Georg Berthelé starb am 4.November 1949 in Berlin.

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Bertram, Ernst

* 24.3.1909 – ✝ 28.10.1938

Geboren am 24. März 1909 in Solingen als Sohn eines Fabrikarbeiters; kaufmännische Lehre, Mitglied des KJVD und der KPD. Ab Februar 1929 Leiter der KJVD-BL Niederrhein, auf dem 11. Verbandskongreß des KJVD im September 1929 Wahl in das ZK des KJVD, ab Juli 1930 Mitglied der engeren Reichsleitung und Redakteur der Zeitung »Junge Garde« in Berlin. Im Juli 1931 vom ZK des KJVD nach Moskau delegiert, dort blieb er bis Juli 1932 Sekretär der Delegation des KJVD beim EK der KJI. Danach wegen Zugehörigkeit zur Neumann-Gruppe innerhalb der KJVD-Führung abberufen und als Instrukteur nach Erfurt entsandt, anschließend nach Leverkusen, im Dezember 1932 kehrte Bertram nach Solingen zurück. Anfang 1933 leistete er illegale Arbeit und geriet am 28. Februar 1933 in Leverkusen zeitweilig in »Schutzhaft«. Nach der Freilassung Ende Dezember 1933 aus dem Zuchthaus Lüttringhausen illegal in Hagen und Wuppertal, beteiligt am Wiederaufbau gewerkschaftlicher Betriebsgruppen. Bertram wurde durch einen Zufall im Mai 1935 verhaftet, weil ihn ein Gestapobeamter im D-Zug Berlin-Düsseldorf erkannte. Am 22. November 1935 vom 1. Senat des Volksgerichtshofes in Wuppertal als Hauptangeklagter im sogenannten Wuppertaler »Gewerkschaftsprozeß« zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. Obwohl schwer lungenkrank, wurde er im Zuchthaus Münster in der staubigen Mattenflechterei beschäftigt. Ernst Bertram starb am 28. Oktober 1938 im Gefängnislazarett des Zuchthauses Brandenburg-Görden.

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Bertz, Paul

* 2.8.1886 – ✝ 19.4.1950

Geb. in Mühlhausen (Thür.); Vater Schuhmacher, Mutter Heimwerkerin; Volksschule; 1900 – 03 Ausbildung zum Werkzeugschlosser; 1903 DMV; 1904 – 06 Wanderschaft durch Dtl. u. Matrose auf versch. Schiffen, dann Werkzeugmacher in Hamburg, 1906 Militärdienst in Metz; 1909 SPD in Hamburg; ab 1910 Werkzeugmacher in Chemnitz, mehrfach entlassen wg. Streikführerschaft; 1912 SPD-Parteischule in Chemnitz; 1914 – 18 Werkzeugmacher in Kiel, dann Rückkehr nach Chemnitz; Spartakusbund, 1919 KPD; 1920 – 22 in den Wanderer-Werken Chemnitz, Betriebsratsmitgl., aus pol. Gründen entl.; 1922 – 24 Pol.-Sekr. des KPD-UB Chemnitz, 1924 / 25 Org.- u. Pol.-Ltr. des UB Erzgeb. (Vogtl.), führender Vertreter der »Chemnitzer Linken«; 1922 – 25 MdL; 1924 – 30 Abg. des Dt. Reichstags; 1925 – 27 u. ab 1929 Kand. des ZK der KPD, Mitarb. der ZK-Abt. Gewerkschaften; Mitgl. des RGO-Reichskomitees; 1930 wg. »linker Abweichungen« abgelöst; 1932 Ltr. der Abt. Betriebsräte im RGO-Reichskomitee; ab 1933 illeg. pol. Arbeit, Verbindungsmann des ZK der KPD zu den KPD-BL, Instrukteur u. Pol.-Ltr. des Bez. Wasserkante (»Karl«) in Hamburg, 1933 / 34 Oberberater der Bez. Mittelrhein, Oberrhein u. Ruhr in Düsseldorf (»Albert«), dann der KPD-BL Berlin; Okt. 1934 Emigr. nach Frankreich, Dez. 1934 in die UdSSR; Juni 1935 – Febr. 1936 Ltr. der KPD-Emigr. in der Schweiz, Grenzarbeit für die KPD-Bez. Baden, Bayern, Hessen-Frankfurt u. Württemberg (»Schiller«); Juli / Aug. 1935 Teiln. am VII. Weltkongreß der KI in Moskau, ab Aug. 1935 Mitgl. des ZK der KPD, 1936 Ltr. der Abschnittsltg. West der KPD in den Niederl. (»Johann«); ab Mai 1937 Mitarb. im Sekr. der KPD-Auslandsltg. Paris, 1937 – 39 Mitgl. des Sekr. des ZK der KPD in Frankreich; ab 1938 Kader- u. Abwehrltr. der KPD-Auslandsltg (»Helm«, »Christoph«), zuständig für alle KPD-Abschnittsleitungen in Europa; Sept. 1939 interniert in Orléans, Le Vernet u. Nîmes; Juli 1940 im KPD-Auftrag mit  Leo Bauer Flucht in die Schweiz, bis Mai 1945 illeg. in Basel, dort führende Rolle in der KPD-Emigr. (»Helm«); Zusammenarb. mit Noel H. Field (Geldtransfer, Nachrichtenübermittl.); ab 1943 wg. seiner Ablehnung illeg. Einsätze in Dtl. zunehmende Konflikte, Ende 1944 Bruch mit der KPD-Ltg. in Zürich. Mai 1945 illeg. Rückkehr nach Dtl., von französ. Besatzungstruppen sechs Wochen in Wyhlen inhaftiert, Juli 1945 Ankunft in Berlin; 1945 / 46 stellv. Ltr. der Dt. ZV für Justiz; nach Konflikten mit dem Präs. der ZV  Eugen Schiffer,  Wilhelm Pieck,  Hilde Benjamin u. a. zum stellv. Ltr. der Abt. Werkstätten der Dt. ZV für Verkehr herabgesetzt; 1948 / 49 stellv. Abt.-Ltr. im ZA für Sozialhilfe Groß-Berlin; ab Mai 1949 Dir. der kommunalen Wirtschaftsunternehmen Chemnitz; im Zusammenhang mit der Noel-H.-Field-Affäre von der ZPKK der Agententätigkeit für die USA beschuldigt; erlitt bei Erhalt der Anklagedokumente einen tödl. Herzanfall; gest. in Chemnitz. Nach dem Tod öff. beschuldigt, im Dienst des angebl. US-Agenten Noel Field gestanden u. den antifasch. Widerstand sabotiert zu haben.Kaufmann, B. u. a.: Der Nachrichtendienst der KPD. Berlin 1994; Kießling, W.: Partner im »Narrenparadies«. Berlin 1994; Amos, H.: Justizverw. in der SBZ / DDR. Köln 1996; Barth, B.-R., Schweizer, W. (Hrsg.): Der Fall Noel Field. Berlin 2005 u. 2007; Barth, B.-R.: »Misstrauen war sein ganzes Wesen«. Zur Biogr. u. illeg. Arbeit von P. B. (1886 – 1950) in Dtl., den Niederlanden, in Frankreich u. der Schweiz, oder: Wie aus einem KPD-Spitzenkader ein »Agent Noel Fields« wurde. In: IWK H. 4 / 2008.Bernd-Rainer Barth

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Besener, Willi

* 2.2.1894 – ✝ 1960

Geb. in Berlin; Ausbildung zum Eisenbahner im Bahnbetriebswerk Berlin, Potsdamer Güterbf., Lokomotivführer; 1918 – 33 Mitarb. der DR, aus pol. Gründen entlassen; Ingenieurschule, 1919 Examen; 1918 Mitgl. der SPD u. Reichsgewerkschaft der Eisenbahner, dort Funktionär; 1933 – 45 Inhaber eines Konstruktionsbüros in Berlin. 1945 Mitbegr. u. Bez.-Ltr. des FDGB; 1945/ 46 SPD/SED; Vizepräs., dann Präs. der Reichsbahndirektion Berlin; 1946 GD der HV, 1948/49 Ltr. der Gen.-Direktion der DR; 19.1. 1949 Amtsenthebung durch die SMAD, weil er angebl. für die miserable finanzielle Lage der DR verantwortlich sei; 26.1.1949 fristlos entlassen; lebte in Berlin-Grunewald; Ausschl. aus der SED; 1950 – 57 zahlr. Prozesse gegen die Reichsbahn.Kramer, E.: Die Entw. des Verkehrswesens in der DDR. Berlin 1978; Preuß, E.: Der Reichsbahn-Report 1945 – 1993. Berlin 1993; Ztschr. »Der Verkehr« (1947) 1.Alfred Gottwaldt

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Bethge, Heinz

* 15.11.1919 – ✝ 9.5.2001

Geb. in Magdeburg; Vater Tischlermstr.; Abitur als Externer; nach prakt. Tätigkeit Studium an der HS für Angew. Technik Köthen, ab 1941 an der TH Berlin-Charlottenburg; Unterbrechung des Studiums durch RAD u. Wehrmacht; kurzz. Kriegsgefangenschaft. Nach 1945 Wiederaufnahme des Physikstudiums an der MLU Halle, 1949 Dipl., 1954 Prom.; ab 1948 Assistent, ab 1954 Oberassistent u. Lehrbeauftr. am 1. Physikal. Inst. der MLU Halle, 1959 Habil.; 1960 Prof. für Experimentalphysik an der MLU Halle sowie Ltr. der neugegr. Arbeitsstelle für Elektronenmikroskopie der DAW in Halle, Ausbau der Arbeitsstelle zu einem internat. anerkannten Forschungsinst., 1968 – Jan. 1985 Dir. dieses Inst. für Festkörperphysik u. Elektronenmikroskopie der AdW; 1984 em.; 1964 Mitgl. der Leopoldina, 1971 – 74 Adjunkt für Halle-Magdeburg, 1974 – 90 Präs. der Leopoldina (Nachf. von  Kurt Mothes); 1964 NP; 1969 Korr. u. 1972 Ord. Mitgl. der DAW, weiterhin Mitgl. in fünf dt. u. drei ausländ. Akad.; zahlr. Medaillen u. Ausz.; 1982 Ehrenkreuz für Kunst u. Wiss. der Rep. Österreich. 1991 Großes Verdienstkreuz mit dem Stern des Verdienstordens der Bundesrep. Dtl.; 1994 Ehrenmitgl. der wiedergegr. Berlin-Brandenb. Akad.; 1995 Kulturpreis der Eduard-Rhein-Stiftung; 1999 NP der Dt. Nationalstiftung. Arbeitsgebiete: Defektstruktur der Kristalle, Plastizität u. Bruch kristalliner Stoffe, Bildung u. Wachstum dünner Schichten im Zusammenhang mit Grenzflächenproblemen, Elementarprozesse auf Kristalloberflächen, nichtkonventionelle Elektronenmikroskopie, Mitarb. u. z. T. Mitbegr. in zahlr. internat. Fachgremien vorstehender Gebiete, langjährig auch Mithrsg. entsprechender Fachztschr.; gest. in Halle.Electron Microscopy in Solid State Physics (Hrsg. mit J. Heydenreich). Berlin 1987. Die Wellen schlagen hoch. Fs. zum 75. Geburtstag. Halle 1999.Sybille Gerstengarbe

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Beutling, Theodor

* 22.1.1898 – ✝ 1942

Geboren am 22. Januar 1898 in Odessa, Sohn eines Glasbläsers, der nach Rußland ausgewandert war. Bereits 1898 verließen die Eltern Odessa und übersiedelten nach Graz und später nach Wien. Beutling wurde Glasbläser und Metallarbeiter in Rädnitz bei Crossen bzw. in Berlin. Von 1916 bis 1918 Militärdienst, 1918 Mitglied der USPD, ab 1920 der KPD. In Berliner Metallbetrieben tätig, als Betriebsrat wegen der Organisierung von Streiks 1921 und 1923 gemaßregelt. Das ZK der KPD schickte Beutling 1926 an die Internationale Leninschule nach Moskau. Nach seiner Rückkehr 1928 zunächst Polleiter des UB Berlin-Neukölln und Ende 1928 bis Oktober 1929 Nachfolger von Max Frenzel als Sekretär für Gewerkschaftsfragen der BL Berlin-Brandenburg. Im Mai 1928 zog er als Abgeordneter in den Reichstag ein (Wahlkreis 3 Potsdam II). Doch da er sich während der Wittorf-Affäre 1928 innerhalb der Reichstagsfraktion nicht entschieden genug von den Rechten und Versöhnlern distanzierte, wurde er 1930 nicht wieder aufgestellt. Im Herbst 1929 als Sekretär der BL Berlin-Brandenburg abgesetzt, danach Reichssekretär des Bundes der Freunde der Sowjetunion, bis April 1933 arbeitete er als Angestellter der sowjetischen Handelsvertretung in Berlin. 1933 emigrierte Beutling in die Sowjetunion, wo er zunächst Mitarbeiter der RGI bzw. bis 1937 Leiter der deutschen Sektion der KUNMS war. Anschließend Redakteur im Verlag für fremdsprachige Literatur. Am 27. Januar 1938 in Moskau vom NKWD festgenommen und während seiner Haft schwer gefoltert und so zu Aussagen gezwungen. Im April 1938 schrieb Wilhelm Pieck an Georgi Dimitroff und setzte sich u. a. für Beutlings Freilassung ein. Obwohl Beutling die erzwungenen Aussagen vor dem Militärgericht im März 1939 widerrief, wurde er weiter im Moskauer Butyrka-Gefängnis festgehalten. Nachdem ihm am 21. April 1941 das Urteil »acht Jahre wg. Teilnahme an einer antisowjetischen Organisation« bekanntgegeben und er in ein Lager in der ASSR der Komi gebracht wurde, wandte er sich verzweifelt am 24. Februar 1941 an die Spezialabteilung des NKWD sowie am 28. Mai 1941 an den Generalstaatsanwalt Wyschinski mit der Bitte um Aufhebung des Urteils und Freilassung oder Ausreise nach Deutschland »auf eigene Gefahr«. Theodor Beutling soll 1942 in Shelesnodoroshny »verstorben« sein. Seine Ehefrau Maria Beutling (*27. 4. 1901 – †2. 4. 1991) hatte sich nach der Verhaftung ihres Mannes geweigert, sich von ihm zu distanzieren. Sie kam im Dezember 1945 in die SBZ und war von 1946 bis 1953 technische Mitarbeiterin des ZK der SED. Auf Antrag seines Sohnes Horst, der im April 1946 nach Deutschland zurückkehren konnte, wurde Theodor Beutling am 19.November 1956 von der SED-ZPKK posthum »rehabilitiert«.

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Beyer, Achim

* 1932 – ✝ 2009

Als Oberschüler an politischen Protestaktionen und der Verteilung von Flugblättern beteiligt, dafür fünfeinhalb Jahre Haft im Zuchthaus; Flucht in die Bundesrepublik und Tätigkeit als Wirtschaftswissenschaftler.So sehr sich die SED gerade um die Jugend bemühte, so sehr durchzieht gleichermaßen jugendliche Opposition von Beginn an die Geschichte der DDR. Insbesondere in den 50er Jahren reagierte die SED-Justiz, darin zunächst noch von Sowjetischen Militärtribunalen unterstützt, mit terroristischen Strafen auf alle Zeichen jugendlichen Widerstands. Das Schicksal von Achim Beyer und seiner Mitschüler der Oberschule im kleinen sächsischen Städtchen Werdau steht hier beispielhaft für viele ähnliche Zeichen jugendlichen Aufbegehrens und staatlichen Terrors. Am 3. Oktober 1951 begann in Werdau/Sachsen pünktlich 10 Uhr vor der politischen Strafkammer des Landgerichts Zwickau gegen 19 Mitglieder einer Widerstandsgruppe der Prozess. Die „öffentliche“ Verhandlung fand vor etwa 50 ausgesuchten Funktionären statt; den Eltern der Jugendlichen war die Teilnahme verwehrt worden. Bereits vierzehneinhalb Stunden später (am 4. Oktober um 0:30 Uhr) endete das Verfahren mit der Verkündung von Strafen zwischen zwei und 15 Jahren Zuchthaus. Zu den Verurteilten gehörten 15 Schüler der örtlichen Oberschule, darunter sechs Jugendliche unter 18 Jahren und drei Mädchen. Achim Beyer, 1932 geboren, wurde zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt. Er musste das Urteil auf den Tag genau an seinem 19. Geburtstag anhören. Die Anklageschrift enthielt den Vorwurf: „Sie haben im bewussten und gewollten Zusammenwirken Anfang Oktober 1950 eine Widerstandsgruppe in Werdau/Sachsen gegen die DDR gegründet, Verbindung mit der ‚Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit‘ in West-Berlin aufgenommen und auf Weisung dieser die Herstellung und Verbreitung von Hetzzetteln vorgenommen; darüber hinaus sich bereiterklärt, als Partisanen mit Waffen gegen die DDR und die Sowjetunion für den amerikanischen und wiedererstehenden deutschen Imperialismus im Falle eines Dritten Weltkrieges zu kämpfen.“ Achim Beyer selbst schrieb 1998 zu diesen Vorwürfen: ,,Wir haben Flugblätter selbst entworfen, hergestellt, verteilt und geklebt, insbesondere gegen die Volkskammerwahl 1950, haben gegen das Todesurteil im Fall des Oberschülers Hermann Josef Flade protestiert und zum Widerstand gegen das SED-Regime aufgerufen. […] Wir hielten die Sicherheitsorgane mehrere Monate in Aufregung. In der Stadt wurde heftig diskutiert […]. Wir wurden beobachtet, es gab Verdächtigungen […]. In der Nacht vom 9. zum 20. Mai 1951 wurden während einer Flugblattaktion zwei unserer Freunde verhaftet. Am darauf folgenden Morgen gab es Absprachen und Diskussionen über Fluchtwege und -zeiten; alles dilettantisch, wenig oder nicht vorbereitet.“ Unbestritten hatten die Oberschüler Kontakte zur „Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit“ (KgU) aufgenommen, jene von West-Berlin aus operierende antikommunistische Widerstandsorganisation. Doch die Behauptungen über eine Verpflichtung zur bewaffneten „Partisanentätigkeit“ waren eine der SED-üblichen Propagandalügen. Auch war der Wille zum Widerstand auf dem Boden der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) bzw. DDR selbst gewachsen – in Werdau wie in vielen anderen Orten, wo in diesen frühen Jahren junge Menschen den Widerspruch zwischen stalinistischer Realpolitik und den Propagandaphrasen vom „Aufbau einer neuen demokratischen Ordnung“ erlebten. Zu seinen eigenen und den Motiven seiner Mitstreiter erklärte Achim Beyer 1998: „Nach dem Ende des Krieges und des Nationalsozialismus erfuhren wir von den Verbrechen dieser Diktatur. So war der Sommer 1945 für uns ein befreiender Neuanfang. […] Das Angebot zur Mitarbeit wurde von uns angenommen, als Aufforderung zur politischen Aktivität betrachtet. Zu unserem Demokratieverständnis gehörten: die Gewährung von Meinungsfreiheit, die Ablehnung jeglicher Diktatur […]. Doch bereits kurz nach der Zwangsvereinigung von SPD und KPD im April 1946 und noch vor Gründung der DDR war jegliche politische Opposition weitgehend ausgeschaltet. […] Bei der Lektüre der Flugblätter der Geschwister Scholl (Weiße Rose) aus dem Jahre 1943 wurde uns die Ähnlichkeit – besser Analogie – zwischen dem NS-Regime und dem Stalinismus von 1950 besonders bewusst: ein Austausch der Begriffe NSDAP gegen SED, HJ gegen FDJ, Gestapo gegen Stasi bot sich an und charakterisierte unsere damalige politische Situation.“ Wie ein Leitmotiv findet sich bei dieser frühen Generation von Schülern und Studenten der soeben gegründeten DDR die Beschäftigung mit der Geschichte der Geschwister Scholl als Antrieb zum Widerstand wieder. Die antifaschistische Erziehung trug unbeabsichtigt dazu bei, eine antistalinistische Haltung herauszubilden und den Geschwistern Scholl nachzueifern. Etwa die Hälfte der verurteilten Werdauer Schüler musste fünfeinhalb Jahre unter sehr harten, unwürdigen Haftbedingungen in verschiedenen Zuchthäusern leiden. Achim Beyer verbrachte die meisten Haftjahre im Zuchthaus Waldheim. In der kurzen Phase des ,,Tauwetters“ nach dem XX. Parteitag der KPdSU im Februar 1956 wurde auch seine Reststrafe auf Bewährung ausgesetzt. Als letzter der Verurteilten kam er am 13. Oktober 1956 frei. Beyer floh umgehend in die Bundesrepublik, holte hier das Abitur nach und absolvierte ein wirtschaftswissenschaftliches Studium. Der DDR blieb Achim Beyer sein Leben lang „treu“: Nach dem Studium arbeitete er 30 Jahre in einem auf Fragen der Wissenschaftsentwicklung in der DDR spezialisierten Forschungsinstitut in Erlangen (IWG), zu dessen Gründungsmitgliedern er gehörte. Aber auch die DDR behielt ihn in Gestalt der Staatssicherheit bis 1989 im Auge, wie seine Stasi-Akten zeigen. Die staatliche Förderung seines Instituts wurde zum Jahresende 1992 eingestellt und Achim Beyer in die Arbeitslosigkeit entlassen. So wurde er Opfer der Wiedervereinigung, für die er sich seit seiner Flucht in die Bundesrepublik, unter anderem im „Kuratorium unteilbares Deutschland“, ununterbrochen eingesetzt hatte. Seit 1997 erinnert im Werdauer Alexander-von-Humboldt-Gymnasium eine Tafel an den Mut, aber auch an das Leid jener Schüler, die 1951 verurteilt worden waren.Falco Werkentin Letzte Aktualisierung: 08/16

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Beyer, Hans

* 6.10.1905 – ✝ 1.2.1971

Geb. in Berlin; Vater Tischler, Mutter Kindergärtnerin; 1925 Abitur; danach Studium der Chemie, Physik u. Mathematik an der Friedrich-Wilhelms-Univ. Berlin, 1930 Dipl., 1932 Prom.; 1933 NSDAP u. SA; 1932 – 39 Assistent u. Aspirant am Chem. Inst. der Berliner Univ.; 1939 dort Habil. u. anschl. Doz. für organ. Chemie; ab 1939 Militärdienst, Oltn., Teiln. an der Schlacht bei Stalingrad, 1943 – 46 sowjet. Kriegsgefangenschaft, dort Antifa-Umschulung, NKFD. 1946 Rückkehr in die SBZ, zentrale ostdt. Entnazifizierung mit bes. Vertrauensvotum der Minister  Paul Wandel u.  Lothar Bolz, die jedoch von der Belegschaft des Chem. Inst. der Berliner Univ. wegen der NS-Vergangenheit nicht anerkannt wird; 1947 Versetzung als Prof. an die Univ. Greifswald; 1948 dort Mitbegr. der NDPD u. Mitgl. des NDPD-Hauptvorst., DSF, KB; seit 1950 ord. Prof. u. 1951 – 68 Dir. des Inst. für Organ. Chemie, 1949 Dekan der Philosoph. Fak. u. 1950 – 54 Rektor der EMAU Greifswald (Nachf. von Rudolf Gross); 1951 Einzelvertrag; seit 1953 Mitgl. der Sektion Chemie der DAW u. seit 1955 der Ges. Dt. Naturforscher u. Ärzte (Leopoldina); 1954 – 58 Abg. der Volkskammer für die NDPD; 1958 Prorektor für naturwiss. u. medizin. Forschung der EMAU; 1959 Mitgl. des Wiss. Beirats für Chemie beim Staatssekr. für Hoch- u. Fachschulwesen; 1962/63 Vors. der Chem. Ges. der DDR; 1964 ord. Mitgl. der DAW; 1965 nach universitärer Kritik an seiner Arbeit u. Ablauf seines Einzelvertrags Rücktritt als Prorektor der EMAU u. Fachrichtungsltr. Chemie; stirbt nach schwerer Krankheit kurz vor der Em. Bedeutsamste wiss. Leistung: »Lehrbuch für organische Chemie« (Leipzig 1953, zahlreiche Nachaufl. u. a. in Frankfurt (Main), Zürich), dafür 1956 VVO u. 1961 NP.Hans-Christoph Rauh

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Bergner, Dieter

* 5.2.1928 – ✝ 7.10.1984

Geb. in Bautzen; Vater Arbeiter; 1943 – 46 Luftwaffenhelfer, RAD; Kriegsgefangenschaft. 1946 – 48 LDP; 1947 Abitur in Bautzen; 1948 – 53 Studium der Geschichtswiss. mit den Nebenfächern Philos. u. Germanistik; 1949 SED; 1953 Aspirant am Philosoph. Seminar der MLU Halle, dann mit  Georg Mende Wechsel an die FSU Jena; 1956 dort Prom. an der Philosoph. Fak. mit der Arbeit »Die Behandlung der nat. Frage in Dtl. durch den Patrioten J. G. Fichte«; danach Lehrbeauftr. für ML im ges.-wiss. Grundstudium; 1958 Rückkehr an die MLU Halle u. Berufung zum Prof. für dial. u. hist. Materialismus, bis 1968 zugl. Dir. des Inst. für Philos.; 1969 durch Fak.-Beschluß mit bis dahin veröff. Texten auf dem Gebiet »Analyse u. Kritik der bürgerl. Philos. u. Ideol. der Gegenwart« zum Dr. sc. phil. habil. u. zum Prof. für Geschichte der Philos. berufen; 1971 – 84 Mitgl. der SED-BL Halle; 1972 – 77 Dekan der Philosoph. Fak., 1977 – 80 Rektor der MLU Halle (Nachf. von  Eberhard Poppe). Hrsg. zahlr. ausgewählter philosophiehist. Texte (u. a.: J. G. Fichte, I. Kant, L. Feuerbach, F. Mehring) sowie von Monographien zur Auseinandersetzung mit (spät-)bürgerl. Weltanschauungs- u. Ges.-Denken.Neue Bemerkungen zu J. G. Fichte. Berlin 1957; Der Kreuzzug der ev. Akad. gegen den Marxismus (mit W. Jahn). Berlin 1960; Bürgerl. Ges.-Theorien (mit R. Mocek). Berlin 1976; Ges.-Denken: Philos. u. Lebensanspruch im Weltbild ges.-theoret. Denkens der Neuzeit (mit R. Mocek). Berlin 1986.Hans-Christoph Rauh

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Berlau, Ruth

* 24.8.1906 – ✝ 16.1.1974

Geb. in Kopenhagen (Dänemark); Vater Kaufmann; Klosterschule, 1919 vorzeitig wegen Schwangerschaft verlassen; Schauspielunterricht u. Arbeit am Königlichen Theater in Kopenhagen, dort erste Rolle im Experimentiertheater in »Trommeln in der Nacht« von Brecht; Heirat mit dem Arzt Robert Lund (Scheidung 1936); 1926 Fahrradtour nach Paris; 1930 in die Sowjetunion; Berichte in dän. Tageszeitungen; 1930 Mitgl. der KP Dänemarks; 1933 erste Begegnung mit  Bertolt Brecht auf der Insel Thurö; Gründung des ersten dän. Arbeitertheaters, für das sie auch Stücke schrieb u. übersetzte; ab 1936 auch Brechts Mitarbeiterin (neben  Elisabeth Hauptmann u. Margarete Steffin), Mitautorin, Übersetzerin u. Dokumentalistin; 1944 Geburt u. Tod des mit Brecht gemeinsamen Sohnes Michael; 1940 Veröffentlichung der von Brecht inspirierten Erzählung »Ethvert dyr kann det« (dt. »Jedes Tier kann es«, 1989); 1941 folgte sie Brecht u.  Helene Weigel ins Exil in die USA. Ab 1948 (zus. mit Brecht u. Weigel) in Berlin (SBZ); Aufbau des Bertolt-Brecht-Archivs, auch fotografische Dokumentation der Arbeit Brechts am Theater am Schiffbauerdamm (Berl. Ensemble); 1950 Bruch in den Beziehungen zu Brecht, Depressionen; nach Brechts Tod 1956 Kündigung des Arbeitsverhältnisses durch das Berl. Ensemble, Hausverbot; Vereinsamung u. Alkoholsucht; gest. in Berlin.Brechts Lai-tu. Erinnerungen u. Notate, hrsg. von Hans Bunge. Darmstadt / Neuwied 1985. Kebir, S.: Ein akzeptabler Mann? Streit um Bertolt Brechts Partnerbeziehungen. Berlin 1987; Häntzschel, H.: Brechts Frauen. Reinbek 2002; Meyer, G. (Hrsg.): R. B. Fotografin an Brechts Seite. München 2003.Ingrid Kirschey-Feix

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Bernhardt, Karl-Heinz

* 24.12.1935

Geb. in Zwickau; Vater Lehrer; 1942 – 53 Volks- u. Oberschule, Abitur in Auerbach/ Vogtland; 1953 SED; 1953 – 57 Studium der Meteorol. an der KMU Leipzig; 1957 – 61 Aspirant u. 1961 – 69 Oberassistent am Geophysikal. Inst. der KMU; 1962 Prom., 1967 Habil.; 1969 Doz. u. 1970 – 94 ord. Prof. für Meteorol. an der HU Berlin; 1969 – 90 Ltr. des Bereiches Meteorol. u. Geophysik der Sektion Physik der HU, 1981 – 90 Ltr. von Projekten zur Physik der atmosphär. Grenzschicht im Rahmen der Kommission der Akad. der Wiss. der sozialist. Länder zum Thema »Planetare Geophysikal. Erscheinungen«; 1970 – 91 Vorstandsmitgl. u. 1982 – 90 Präs. der Meteorolog. Ges. d. DDR; 1972 – 91 Mithrsg. der »Ztschr. für Meteorol.«; Reinhard-Süring-Plakette der Meteorolog. Ges. (1978 Silber, 1989 Gold), 1989 Verdienter Hochschullehrer. 1990 korr. Mitgl. AdW der DDR; 1993 Gründungsmitgl. Leibniz-Sozietät, seit 1996 Sekretar d. Klasse Naturwiss. Arbeitsgebiete: Physik der Atmosphäre, insbes. Probleme der atmosphär. Grenzschicht, Klimatol., globale Umweltprobleme, Geschichte der Meteorol.; über 230 wiss. Publ.Horst Kant

Wer war wer in DDR

Bersarin, Nikolai Erastowitsch

* 19.3.1904 – ✝ 16.6.1945

Geb. in St. Petersburg; Vater Arbeiter; Ausbildung zum Buchbinder; ab 1918 Berufssoldat; Teiln. am Bürgerkrieg; 1926 KPdSU; Besuch von Militär-FS u. der Militärakad.; ab 1935 Rgt.-, ab 1938 Div.- u. ab 1941 Armeekdr.; ab Mai 1944 Oberbefehlshaber der 5. Stoßarmee; 1945 Gen.-Oberst; im Frühj. 1945 leitete er die Eroberung des Berliner Regierungsviertels; 1945 Held der Sowjetunion; ab 24.4.1945 erster Stadtkommandant u. Garnisonschef der sowj. Truppen in Berlin; gest. bei einem Verkehrsunfall; zweimal Lenin- u. Rotbannerorden; 1975 posthume Ernennung zum Ehrenbürger von Berlin (Ost); 1992 zunächst Ablehnung der Übernahme in die Gesamtberliner Ehrenbürgerliste, 2003 nach heftiger Kontroverse Ernennung zum Ehrenbürger der Stadt Berlin durch den Berliner Senat.Jan Foitzik

Wer war wer in DDR

Berthold, Arno

* 12.3.1908 – ✝ 29.2.1984

Geb. in Weißig (Krs. Dresden); Vater Arbeiter; Volksschule; Ausbildung zum Tischler, Ingenieur- u. Mstr.-Schule; 1925 DHV, 1928 SPD; 1921 – 33 2. Vors. der SPD-Ortsgr. Weißig; ab 1933 illeg. Arbeit, Mitgl. der Gr. »Rev. Kommunisten«, März 1937 verhaftet u. Verurteilung zu vier Jahren Zuchthaus, bis 1941 im Zuchthaus Zwickau inhaftiert. Mai – Juli 1945 Bürgermstr. der Gemeinde Weißig; KPD; Aug./Sept. 1945 stellv. Landrat in Weißig, Okt. Eintritt in die Polizei, 1945/46 Kaderltr. der Landespolizei Sachsen; 1946 SED; 1946 – 49 Ltr. der Landespolizeischule Sachsen, 1949/50 Ltr. der Polizeischule Döbeln, 1951/52 Kdr. der VP-Bereitschaft Meiningen; Juli 1952 Mitgl. des Initiativaussch. zur Gründung der GST, ab 1.8.1952 Freistellung, Aug. 1952 – März 1955 erster Ltr. der GST in Halle; März 1955 mit dem Dienstgrad Gen.-Major Beendigung des Dienstes in der DVP; 16.3.1955 – 8.7.1955 Schüler an der BPS Halle; infolge Arbeitsunfähigkeit durch längere Krankheit Aufnahme des aktiven Dienstes in der VP ab 1.7.1956, zunächst Stellv. für Pol. Arbeit im Vermessungsdienst Ost in Dresden; 1.2.1958 – Aug. 1960 im Range eines Oberst stellv. Abt.-Ltr. Kader im Min. des Innern; 1958 Medaille Kämpfer gegen den Fasch.; Sept. 1960 – 68 Ltr. der Abt. Nachrichten II des Min. des Innern; Mitgl. der SED-KL u. Vors. des Krs.-Komitees der Antifa. Widerstandskämpfer in Königs Wusterhausen; 1978 VVO; 1983 Ehrenspange zum VVO.Helmut Müller-Enbergs / Andreas Herbst

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Bertram, Axel

* 26.3.1936

Geb. in Dresden; Vater Graphologe u. Kaufm.; Grund- u. Oberschule; 1954 / 55 Lehre als techn. Zeichner; 1955 – 60 Studium an der HS für angew. Kunst Berlin-Weißensee (u. a. bei  Werner Klemke,  Arno Mohr, Ernst Vogenauer,  Klaus Wittkugel), Dipl.-Grafiker; 1960 – 72 freischaff., u. a. Mitbegr. des Berliner Grafikerkollektivs »Gruppe 4«; 1972 / 73 Oberass., ab 1973 Doz., ab 1977 Prof. u. bis 1982 auch Fachgebietsltr. für Gebrauchsgrafik an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee; 1961 VBK, ab 1970 im VBK-ZV; 1977 SED; 1977 Kunstpreis der DDR; 1988 Vizepräs. des VBK; entwarf versch. Werk- u. Auszeichnungsschriften, u. a. die Bildschirmschrift »videtur« für den DFF; zu B.s umfangr. gestalter. Werk gehören Bücher (von Goethe bis Simonow), Plakate (für das Jugendradio DT64), Briefmarken (1979 – 81 zum Thema histor. Spielzeug), Gedenkmünzen (für Gutenberg, Kepler, Dürer, Cranach, Schinkel, Brecht sowie 1969 die 20-Pfennig-Münze der DDR), Signets (1962 – 97 für Metropoltheater Berlin, 1973 zu den X. Weltfestspielen der Jugend u. Studenten in Berlin), Zeitschriften (Modejournal Sibylle, NBI, Wochenpost), kalligraf. Blätter; zahlr. Auszeichn. für »Schönste Bücher« u. »Beste Plakate« des Jahres. 1989 – 92 erneut Hochschullehrer an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee; danach freischaff., insb. Gestaltung für den Verlag Neue Musik u. die Staatsbibliothek Berlin, Buchgestaltungen (u. a. 2003 illustr. Ausgabe »Das Buch Hiob«), Vorträge u. Ausstellungen (u. a. »Gebrauchsgrafik aus vier Jahrzehnten«, 2001 in Frankfurt (Main), »Zeit: Zeichen«, 2009 in Wittenberge); lebt in Berlin. Sek.-Lit.: Nowak, B.: Grafikerkollektiv Gr. 4. In: Bildende Kunst (1969) 12; Rademacher, H.: A. B. Künstler, Lehrer, Funktionär. In: neue werbung (1974) 6; Gubig, M.: Schriftbild. Zu einer Ausstellung gebrauchsgraf. Arbeiten von Prof. A. B. In: neue werbung (1982) 3; A. B. Gebrauchsgrafik. Monografie. Berlin 1985; A. B. Zwischenbilanz. Berlin 1994; Polkehn, H.: Romantisch u. rational. A. B. zum 65. Geb. am 26. März. In: Marginalien (2001) 1.Gebrauchsgrafik heute. Einige Überlegungen zur Wirkungsweise der Gebrauchsgrafik in der soz. Gesell. In: neue werbung (1979) 1; Wir über uns. In: neue werbung (1982) 5; Vom Anachronismus alter Lesekultur. In: Marginalien (Wiesbaden), (1998) 2; Das wohltemperierte Alphabet. Eine Kulturgeschichte. Leipzig 2004.Ingrid Kirschey-Feix

Handbuch Deutsche Kommunisten

Bertz, Paul

* 2.8.1886 – ✝ 19.4.1950

Geboren am 2. August 1886 in Mühlhausen/ Thüringen als Sohn eines Schuhmachers; lernte Werkzeugschlosser, 1902 Mitglied des DMV. Nach der Militärzeit ging er 1909 auf Wanderschaft und trat 1910 der SPD bei. Er ließ sich in Chemnitz nieder, wo er dem Spartakusbund und der KPD seit ihrer Gründung angehörte. Delegierter des Vereinigungsparteitages 1920 und des VII. Parteitags. In Chemnitz stand Bertz, der von 1922 bis 1924 Polleiter des UB Chemnitz war, auf dem linken Flügel der Partei. Seit Dezember 1924 KPD-Abgeordneter im Sächsischen Landtag, im Dezember 1924 (und erneut 1928) auch in den Reichstag gewählt. 1924 Orgleiter des Bezirks Erzgebirge-Vogtland, dann vorübergehend Polleiter in diesem Bezirk. Auf dem X. Parteitag der KPD (Juli 1925) Mitglied der Politischen Kommission und zum Kandidaten des ZK berufen. Delegierter des Erweiterten EKKI und der Orgkonferenz des EKKI in Moskau 1925. Ab August 1925 in der Gewerkschaftsabteilung des ZK, dort Leiter der Industriegruppe Textil. Der XII. Parteitag 1929 wählte Bertz als Kandidat ins ZK, er gehörte zur sogenannten Chemnitzer Richtung, die in den Jahren 1926/28 eine linke Opposition betrieb. Nach der Kursschwenkung 1928/29 trat er rasch in den Vordergrund. Doch wurde er schon 1930 zusammen mit Paul Merker wegen »linker Abweichung« angegriffen und deshalb 1930 nicht mehr in den Reichstag gewählt. 1931/32 leitete er die Betriebsräteabteilung im RGO-Reichskomitee. Im Dezember 1932 wurde Bertz wegen Auseinandersetzungen mit Fritz Schulte über die Taktik bei den kommenden Betriebsrätewahlen als hauptamtlicher RGO-Angestellter entlassen. Dann erwerbslos, bis ihn das ZK im Februar 1933 als Instrukteur nach Bayern schickte. Im Frühjahr 1933 Polleiter der KPD Hamburg, Anfang Dezember Oberberater im Westen (Ruhrgebiet, Nieder- und Mittelrhein) sowie ab Mai 1934 Oberberater im Bezirk Berlin-Brandenburg. Im Oktober 1934 emigrierte Bertz, er leitete von der Schweiz aus die Grenzarbeit für die KPD-Bezirke in Süddeutschland. Ab 1935 gehörte er dem Sekretariat des ZK in Frankreich an. 1936 übernahm er als Johann die AL West der illegalen KPD (vom Ausland her) und war dann Oberberater in Amsterdam. Bertz nahm 1935 am VII. Weltkongreß der Komintern teil und wurde auf den Parteikonferenzen der Emigrations-KPD 1935 und 1939 ins ZK gewählt. Bis Kriegsausbruch blieb er Sekretär des ZK in Paris, wurde 1939 dort interniert, konnte aber 1940 in die Schweiz fliehen. Bertz hatte sich 1939 gegen den Stalin-Hitler-Pakt ausgesprochen und übte deshalb offiziell keine Funktion mehr aus. Trotzdem spielte er in der KPD-Emigration in der Schweiz eine führende Rolle und stand in engem Kontakt mit Noel H. Field. 1945 nach Berlin zurückgekehrt, wurde er stellvertretender Chef der Deutschen Zentralverwaltung für Justiz. Da er die Vereinigung mit der SPD ablehnte und die Politik der KPD bzw. der SED nicht billigte, erhielt er 1946 (obwohl SED-Mitglied) keine hauptamtliche Parteifunktion. Er war 1948/49 stellvertretender Abteilungsleiter im Zentralauschuß für Sozialhilfe von Ost-Berlin, ab Mai 1949 Direktor der Kommunal-Wirtschaftlichen Unternehmung Chemnitz. Paul Bertz verübte am 19. April 1950 Selbstmord. Kurz nach seinem Tode (am 24. August 1950) veröffentlicht das ZK der SED eine Erklärung zur Verbindung ehemaliger Emigranten mit Noel Field. Darin wurde Bertz (gemeinsam mit Willi Kreikemeyer, Lex Ende, Leo Bauer u.a.) beschuldigt, ein »Agent« gewesen zu sein.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Besser, Erich

* 27.2.1890 – ✝ 5.4.1972

Geboren am 27. Februar 1890 in Aschersleben, Sohn eines Kürschnermeisters. Nach dem Besuch der Mittelschule Gärtner. 1910 Mitglied der SPD und des Deutschen Transportarbeiterverbandes. 1912 Militärdienst, anschließend Soldat im Weltkrieg. 1919 führender Funktionär der USPD in Bernburg, trat er Ende 1920 mit der linken USPD zur KPD über. 1924 in den Landtag von Anhalt gewählt, übernahm er die Orgleitung des Bezirks Magdeburg-Anhalt. Delegierter des IX. und X. Parteitages, auf dem X. Parteitag 1925 in die Politische Kommission gewählt. Besser war 1925 Anhänger der Ultralinken und nach dem »Offenen Brief« aktiver Anhänger der linken Opposition und einer der wenigen, die auf der I. Parteikonferenz im Oktober 1925 gegen den Ausschluß Werner Scholems aus dem ZK protestierten. Ende 1925 als Orgleiter abgesetzt; er solidarisierte sich 1926 mit der russischen Opposition. 1927 aus der KPD ausgeschlossen, blieb aber bis 1928 im Landtag von Anhalt. Nachdem er 1928 vor dem ZK kapitulierte, wurde er wieder in die Partei aufgenommen und 1928 sowie 1932 erneut Abgeordneter des Landtags von Anhalt. Anfang April 1933 verhaftet, saß er bis 1935 in »Schutzhaft«. Nach seiner Freilassung eröffnete Besser ein Kolonialwarengeschäft. Er wurde 1944 erneut inhaftiert, weil er zur kommunistischen Widerstandsgruppe Martin Schwantes Verbindung hatte. Besser wurde im Juni 1945 Leiter des KPD-UB Dessau und im Sommer 1945 berief ihn die SMA Sachsen-Anhalt zum 1. Vizepräsidenten der Bezirksverwaltung Dessau. Ab 1946 Vorsitzender des SED-Bezirksvorstands Dessau und von 1946 bis 1950 Abgeordneter des Landtages von Sachsen-Anhalt. Seit 1947 Mitglied des Sekretariats des LV Sachsen-Anhalt, 1949 Vorsitzender der LPKK Sachsen-Anhalt. Aufgrund der Denunziation eines einstigen Genossen wurde Besser am 13. Juli 1950 durch sowjetische Militärorgane verhaftet. Er hatte während der Nazizeit Mitgenossen erklärt, daß er Trotzki Stalin vorziehe, zugleich seine Ablehnung der Moskauer Prozesse bekundet und 1939 den Stalin-Hitler-Pakt kritisiert. Das Militärtribunal der SMA verurteilte Besser am 29. Dezember 1950 in Halle zu 25 Jahren Arbeits- und Besserungslager. Auf dem III. Parteitag 1950 erwähnte Wilhelm Pieck eine Reihe von »Trotzkisten«, die inzwischen »entlarvt« seien, unter diesen Wolfgang Leonhard und »Erich Besser, der sich in den Vorsitz der Landespartei-Kontrollkommission eingeschlichen« hatte. Besser kam in den Gulag, im Oktober 1955 konnte er in die DDR zurückkehren. In einem Gespräch mit der ZPKK wegen seiner Wiederaufnahme in die SED blieb Besser bei seinem ablehnenden Standpunkt zu den Moskauer Prozessen und zum Pakt. Doch 1965 verlieh ihm der Staatsrat den VVO in Silber. Besser lebte als Parteiveteran in Bernburg, seine strafrechtliche Rehabilitierung durch die Russische Förderation erfolgte erst am 14. August 1996. Erich Besser war am 5. April 1972 gestorben.

Wer war wer in DDR

Bethke, Arthur

* 29.7.1934

Geb. in Resehl (Krs. Naugard, Pomm./Reszel, Polen); Vater Bauer, Mutter Hausfrau; Grund- u. OS, Sonderreifeprüfung an der ABF Greifswald; 1955 SED; 1957 – 62 Studium der Nordistik an der EMAU Greifswald; 1967 Prom. mit der Diss. »Die Gestaltung des Landproletariats, insbes. der ?statare?, in Romanen Ivar Lo-Johanssons«; 1971 Doz. für Kulturpolitik Nordeuropas an der Sektion Nordeuropawiss. der EMAU; 1977 Habil. mit der Arbeit »Kultur u. Klassenkampf in Schweden«, anschl. Berufung zum ord. Prof. für die Kultur Nordeuropas, Lehre u. Forschung zur schwed. Lit. u. zur Kulturgeschichte Nordeuropas; 1973 – 81 Mitgl. des Wiss. Beirates für Asien-, Afrika- u. Lateinamerikawiss. beim Min. für Hoch- u. Fachschulwesen; 1978 – 85 Prorektor für Gesellschaftswiss. u. 1985 – 88 Rektor der EMAU (Nachf. von  Dieter Birnbaum); 1988 VVO; 1989/90 stellv. Minister für Hoch- u. Fachschulwesen der DDR (Internat. Beziehungen); 1990 Rückkehr ans Nordeuropa-Inst. der EMAU; 1991 einvernehml. Abberufung durch das Kultusmin. des Landes Mecklenb.-Vorpomm., Vorruhestand u. Honorardozent für Schwedisch an versch. VHS; lebt auf Usedom. Zahlr. Veröff. in Sammelbänden u. Fachztschr.; umfangreiche Hrsg.-Tätigkeit, u. a.: August Strindberg. Dramen. Bd. 1 – 3, Rostock 1983; Selma Lagerlöf. Erzählungen, Leipzig 1980; 1966 – 90 Mithrsg. der »Nordeuropa-Studien«, Greifswald, 1970 – 90 Mitgl. des Advisory Editorial Board der Ztschr. »Scandinavica Norwich«.Nordeurop. Literaturen (mit H. Bien u. a.). Leipzig 1978.Hans-Christoph Rauh

Handbuch Deutsche Kommunisten

Beuttel, Wilhelm

* 10.8.1900 – ✝ 27.7.1944

Geboren am 10. August 1900 in Durlach/Baden als Sohn eines Lederarbeiters und einer Tabakarbeiterin; lernte das Schneiderhandwerk. Er trat 1917 in die USPD ein und ging mit deren linkem Flügel 1920 zur KPD. Von 1921 bis 1923 Leiter des Bezirks Hessen der kommunistischen Jugend. 1929 Orgleiter des Bezirks Hessen-Kassel. 1929 kam Beuttel auf die Leninschule nach Moskau, von der er 1931 zurückkehrte und Orgleiter des Bezirks Hessen-Frankfurt wurde. Er gehörte bis 1933 als Abgeordneter dem Hessischen Landtag an. 1933 für die KPD in Hessen illegal tätig, übernahm er Anfang 1934 die Leitung der Roten Hilfe in Berlin. Im Herbst 1934 mußte er flüchten, arbeitete in der Emigration für die KPD und leitete bis 1938 in Paris die Schulung der Partei. 1942 kehrte Beuttel zur illegalen Arbeit nach Deutschland zurück, er gehörte zur Widerstandsgruppe Knöchel. Nachdem Willi Seng, Alfred Kowalke und Wilhem Knöchel bereits verhaftet waren und ausgesagt hatten, konnte die Gestapo im Januar 1943 auch Beuttel festnehmen. Wilhelm Beuttel wurde zum Tode verurteilt und am 27. Juli 1944 hingerichtet. In seinem letzten Brief an seine Frau hatte er geschrieben: »Dieser Brief ist das letzte Lebenszeichen und Liebeszeichen von mir. Heute, am 27.Juli, 15 Uhr, wird mein Kopf, der so viele liebe Gedanken für Dich barg, in den Sand rollen. ... Aber ich schrieb Dir schon im letzten Brief, daß gegen Verrat noch kein Kraut gewachsen ist.«

Handbuch Deutsche Kommunisten

Beyer, Paul

* 13.6.1890 – ✝ 27.8.1968

Geboren am 13. Juni 1890 in Danzig als Sohn einer Arbeiterfamilie; lernte Former. Von 1914 bis 1918 Soldat im Weltkrieg, Kriegsinvalide. Beyer wurde 1919 Mitglied der USPD, 1921 der KPD, von der er sich 1923 trennte und zur SPD zurückging. Im Juni 1920 war er für die USPD in den Volkstag Danzig gewählt worden, er gehörte 1921 bis 1923 der VKPD-Fraktion an, danach der SPD. Bei Kriegsende 1945 flüchtete Beyer aus Danzig, er lebte zunächst in Gütersloh, ab Juli 1953 in Verl, wo Paul Beyer am 27.August 1968 starb.

Wer war wer in DDR

Beyer, Hermann

* 30.5.1943

Geb. in Altenburg (Thür.); Vater kfm. Angestellter, 1943 gefallen, Mutter Verkäuferin, Bruder Regisseur  Frank B.; Abitur; NVA; 1963 – 66 Staatl. Schauspielschule Berlin-Schöneweide; 1966 – 69 Engagement am Maxim-Gorki-Theater in Berlin; daneben Philosophiestudium an der HU Berlin; 1969 – 71 Hans-Otto-Theater Potsdam (u. a. als Beckmann in »Draußen vor der Tür« von Wolfgang Borchert); 1971 – 77 u. 1980 – 82 Volksbühne Berlin, Arbeit unter der Regie u. a. von  Benno Besson (u. a. in »Margarete in Aix« von  Peter Hacks),  Manfred Karge u.  Matthias Langhoff (u. a. in »Schlacht / Traktor« von  Heiner Müller, »Der Bürgergeneral« von J. W. Goethe), Fritz Marquardt (u. a. »Der Menschenhasser« von Molière sowie »Die Bauern«, »Der Bau« von H. Müller); 1979 als Gast am Berliner Ensemble unter  Manfred Wekwerth (u. a. »Großer Frieden« von  Volker Braun); 1983 – 99 festes Engagement am Berliner Ensemble, Rollen in Stücken von Goethe, Sternheim u. O’Casey, in Inszenierungen von F. Marquardt u. H. Müller, wobei er vor allem in den 1990er Jahren in Stücken von H. Müller zu sehen war; seit 1968 auch Film- u. Fernsehrollen, Debüt in »Ich war neunzehn« (R:  Konrad Wolf); in »Jakob der Lügner« (R: F. Beyer, 1975), »Unser kurzes Leben« (R:  Lothar Warneke, 1981), »Märkische Forschungen« (R:  Roland Gräf, 1982, Darstellerpreis), »Gritta von Rattenzuhausbeiuns« (R: Jürgen Brauer, 1985), »Der Bruch« (R: F. Beyer, 1989), »Treffen in Travers« (R:  Michael Gwisdek, 1989; 1990 Darstellerpreis). Ab 1999 ohne festes Theaterengagement, Gastrollen in Chemnitz, Weimar, Hamburg u. 2003/04 an den Münchner Kammerspielen; verstärkt Film- u. Fernseharbeit u. a. in »Der Tangospieler« (R: R. Gräf, 1991), »Kaspar Hauser« (R: Peter Sehr, 1993), in Filmen seines Bruders F. Beyer »Der Hauptmann von Köpenick« (1997) u. »Abgehauen« (1998), in dem zweiteiligen TV-Doku-Drama »Deutschlandspiel« (2000), ab 2001 im »Polizeiruf 110«, im TV-Film »Die Nachrichten« (nach einer Vorlage von Alexander Osang), in den Kinofilmen »Elementarteilchen« (2006), »Novemberkind« (2008); lebt in Berlin.Schenk, R. (Hrsg.): Vor der Kamera. Fünfzig Schauspieler in Babelsberg. Berlin 1995.Ingrid Kirschey-Feix