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BioLex

In der Kategorie BioLex finden Sie drei biografische Lexika mit über 5500 Personeneinträgen.

 

Das Handbuch "Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945" wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam. Kurzbiografien zu Personen des poltischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 vor. Zudem ist das Onlinlexikon www.dissidenten.eu komplett in dieser  Rubrik recherchierbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Inforamtionen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Mittenzwei, Werner

* 7.8.1927 – ✝ 14.2.2014

Geb. in Limbach (Sachsen); Vater Textilarb.; 1944 RAD u. Wehrmacht; 1945 sowj. Gefangenschaft. Ab 1946 Neulehrer; Studium der Pädagogik, Germanistik u. Ges.-Wiss.; SED; 1953 Assistent an der Dt. HS für Musik in Berlin; 1956 Aspirant; 1960 Prom. u. Doz.; 1964 Habil.; 1966 Prof. am IfG; ab 1967 Mitarb. der DAW; 1969 – 73 Dir. des ZI für Lit.-Geschichte; 1969 Korr. u. 1972 Ord. Mitgl. der AdW; 1978 – 94 PEN-Zentrum DDR bzw. Ost; seit 1983 Mitgl. der AdK; Mitarb. in den Ltg.-Gremien des Berliner Ensembles; NP 1973, 1982 (im Koll.), 1988; 1979 VVO. 1992 – 95 Zentrum für Literaturforschung der Förderungsges. für wiss. Neuvorhaben; lebte in Bernau (b. Berlin). Vielfältige liter.- u. theaterwiss. Arbeiten, u. a. zur Exillit. (»Handbuch des Exiltheaters«, »Exil in der Schweiz«; Mithrsg. »Kunst u. Lit. im antifa. Exil 1933 – 1945« 7 Bde., Leipzig 1978 ff.), zu  Bertolt Brecht (»Das Leben des Bertolt Brecht oder Umgang mit den Welträtseln« 2 Bde., 3. Aufl. Berlin 1988), zur internat. Dramatik (»Kampf der Richtungen«), zu Dramentheorie u. Schauspieltheater der DDR (Ltr. des Autorenkoll. »Theater in der Zeitenwende«, 1972); Beiträge zur Ästhetik; Mithrsg. der Großen Kommentierten Berliner u. Frankfurter Brecht-Ausgabe (1988 – 2000); Der Untergang einer Akad. Berlin 1992; Die Intellektuellen. Leipzig 2001; Zwielicht. Auf der Suche nach dem Sinn einer vergangenen Zeit. Leipzig 2004; Die Brocken-Legende. Ein dt. Mentalitätsspiegel. Leipzig 2007.Engelberg, A.: Wo aber endet Europa? Berlin 2008.Leonore Krenzlin

Wer war wer in DDR

Mitzinger, Wolfgang

* 18.2.1932

Geb. in Lichtenstein (Erzgeb.); Vater Arbeiter; 1946 – 49 Ausbildung zum Elektriker in Espenhain, Betriebselektriker; dreijähriger Besuch der Berging.-Schule Zwickau; Elektroing. in Geiseltal; Hauptenergetiker; SED; 1960 Mitarb. der SPK; 1962 – 64 stellv. Ltr. der Abt. Kohleindustrie im Volkswirtschaftsrat; 1964 – 68 GD der VVB Kraftwerke Cottbus; 1967 Abg. des Bez.-Tags Cottbus; Mitgl. der SED-BL Cottbus; 1968 – 71 Staatssekr. u. 1. stellv. Minister für Grundstoffindustrie; 1971/72 Studium an der PHS; 1972 – 79 Staatssekr. im Min. für Kohle u. Energie; 1979 – 89 Minister für Kohle u. Energie (Nachf. von  Klaus Siebold) u. Mitgl. des Min.-Rats; 1989/90 Stellv. des Min. für Schwerindustrie (verantw. für Energie); 1970 VVO.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Mocek, Reinhard

* 12.11.1936

Geb. in Chemnitz; Vater Hufschmied u. Verwaltungsangest., Mutter Weißnäherin; Abitur in Borna (b. Leipzig); 1954 – 59 Studium der Philos. an der KMU Leipzig u. a. bei  Ernst Bloch,  Rugard Otto Gropp u.  Helmut Seidel; 1956 SED; 1959 – 61 Lehrtätigkeit im Grundlagenstudium Marxismus-Leninismus an der TH für Chemie Leuna-Merseburg; danach Aspirant am Philosoph. Inst. der KMU Leipzig bei  Gerhard Harig, u.  Klaus Zweiling, 1965 Prom. zum Thema »Philosoph. u. wissenschaftshist. Aspekte der Entwicklungsmechanik«; ab 1965 Doz. am Inst. für Philos. der MLU Halle; 1969 Habil. zum Thema »Die Ideologiefunktion der Philos. gegenüber der modernen Naturwiss.«, 1970 – 91 ord. Prof. für dialekt. Materialismus an der MLU; 1970 – 80 Ltr. des Wissenschaftsbereiches Histor. Materialismus; 1976 Gründung eines interdisziplinären Arbeitskreises Wissenschaftsgeschichte u. -theorie; 1978 – 81 Dir. der Sektion Philos. der MLU; 1983 NP; 1985 – 88 Dekan der Philosoph. Fak. der MLU; 1984 Forschungssemester in den USA; seit 1978 Mitgl. des Wiss. Beirates für Philos. beim Min. für Hoch- u. Fachschulwesen sowie des Wiss. Rats für philosoph. Forschung an der AfG; Dez. 1989 Wahl in den PV der SED / PDS, März 1990 Abg. der Volkskammer für die PDS. 1991 – 93 ABM-Stelle im Luisenstädt. Bildungsverein Berlin; 1993/94 Gast im Wissenschaftskolleg Berlin, danach wiss. Mitarb. am Inst. für Soziol. der Univ. Bielefeld; 1998 wiss. Mitarb. am Max-Planck-Inst. für Wissenschaftsgeschichte in Berlin; 2000 vorzeitiger Ruhestand, danach mehrmals Gastprof. in Konstanz; Mitgl. der Leibniz-Sozietät; seit 2004 Vors. des Vorstands der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Arbeitsgebiete: philosoph. Probleme d. Naturwiss., Gesch. der Biol.; Wissenschaftstheorie.Ideologie u. Naturwiss. Berlin 1969 (Hrsg. mit G. Domin); Wilhelm Roux – Hans Driesch. Zur Geschichte der Entwicklungsphysiol. der Tiere. Jena 1974; Neugier u. Nutzen. Blicke in die Wissenschaftsgeschichte. Berlin 1988; Johann Christian Reil (1759 – 1813). Das Problem des Überganges von der Spätaufklärung zur Romantik in Biol. u. Medizin in Dtl. Frankfurt (Main) 1995; Biol. u. soziale Befreiung. Frankfurt (Main) 2002; Ansichten zur Geschichte der DDR. Bd. 6 – 11. Eggersdorf 1996 – 98 (Mithrsg.).Hans-Christoph Rauh

Wer war wer in DDR

Modrow, Hans

* 27.1.1928

Geb. in Jasenitz (Krs. Ueckermünde); Vater Arbeiter; Volksschule; 1942 – 45 Ausbildung zum Maschinenschlosser; 1945 Volkssturm; bis 1949 Kriegsgefangenschaft in der UdSSR, Besuch einer Antifa-Schule. Rückkehr nach Dtl.; 1949 Maschinenschlosser; SED, FDJ, FDGB, DTSB; 1949 – 51 Abt.-Ltr. u. Sekr. des FDJ-Landesvorst. Brandenb., anschl. FDJ-Landesvors. Mecklenb.; 1952 – 61 Mitgl. des ZR der FDJ; 1952/53 Besuch der Komsomol-HS in Moskau; 1953 – 61 1. Sekr. der BL Berlin u. Sekr. des ZR der FDJ (Nachf. von Heinz Kimmel); 1954 – 71 Mitgl. der SED-BL Berlin; 1954 –57 Fernstudium an der PHS, Dipl.-Ges.-Wiss.; 1958 – Okt. 1990 Berliner Vertreter bzw. Abg. der Volkskammer; seit 1973 Vors. der Parl. Freundschaftsgr. DDR – Japan; 1958 – 67 Kand., 1967 – 89 Mitgl. des ZK der SED; 1959 – 61 externes Studium an der HfÖ Berlin, Dipl.-Wirtsch.; 1961 – 67 1. Sekr. der SED-KL Berlin-Köpenick; 1966 Prom. zum Dr. rer. oec. an der HU Berlin mit einer Arbeit zu soziolog. Problemen der Wirtschaftsltg.; 1967 – 71 Sekr. für Agit. u. Prop. der SED-BL Berlin; 1971 – 73 Ltr. der Abt. Agit. des ZK der SED (Nachf. von  Werner Lamberz); 1973 – 89 1. Sekr. der SED-BL Dresden (Nachf. von  Werner Krolikowski); 1975 VVO; 1978 KMO; Anfang Okt. 1989 Mitinitiator des Dresdener Dialogs mit der opp. »Gruppe der 20«; 8.11. – 3.12.1989 Mitgl. des PB des ZK der SED; 13.11.1989 – 12.4. 1990 Vors. des Min.-Rats (Nachf. von  Willi Stoph); Dez. 1989 stellv. Vors. der SED / PDS; legte am 1.2.1990 das Konzept »Für Dtl., einig Vaterland« vor, bildete am 5.2. mit Vertretern vom Runden Tisch die »Reg. der nat. Verantw.«; ab Febr. 1990 Ehrenvors. der PDS; 18.3. – 2.10.1990 Abg. der Volkskammer. Okt. 1990 – 94 Abg. des Dt. Bundestags; am 27.5.1993 vom LG für schuldig befunden, in drei Fällen Weisungen zur Wahlmanipulation gegeben zu haben, Verwarnung u. Geldstrafe; Nov. 1993 Forderung der Dresdener Staatsanwaltschaft nach Aufhebung seiner Immunität wegen falscher Aussage vor dem Sächs. Landtag; seit Febr. 1994 Immunität aufgehoben; März 1994 Anklageerhebung, 1995 Prozeß, zu einer zehnmon. Bewährungsstrafe verur- teilt; 1999 – 2004 Abg. im Europ. Parlament; Aussch. für Entwicklungshilfe.Aufbruch u. Ende. Hamburg 1990 (mit W. Meyer); Für ein neues Dtl., besser als DDR u. BRD. Berlin 1990; Ich wollte ein neues Dtl. Berlin 1998; Die Perestroika, wie ich sie sehe. Berlin 1998; Von Schwerin bis Strasbourg. Erinnerungen an ein halbes Jh. Parlamentsarbeit. Berlin 2001; Überholt wird links. Berlin 2005; In hist. Mission. Berlin 2007. Arnold, K.-H.: Die ersten hundert Tage des H. M. Berlin 1990; Küchenmeister, D.: Mit Vernunft u. Anstand. H. M. zum Achtzigsten. Berlin 2008.Monika Kaiser / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Moese, Willy

* 21.7.1927 – ✝ 14.2.2007

Geb. in Barcelona; Vater Gen.-Vertreter bei Siemens; span. Klosterschule, dt. Oberrealschule in Barcelona; 1937 nach Dtl.; Lehre als Industriekfm.; Einberufung, Kriegsgefangenschaft. Entlassung nach Bayern; Gelegenheitsarbeiten, dann Pressezeichner; 1953 erste Arbeiten für die DDR-Ztschr. »Zeit im Bild« u. »Wochenpost«; 1955 Übersiedl. in die DDR; Mitgl. im VBKD/VBK (Sekt. Pressezeichner); freier Mitarb. für versch. Ztschr., vor allem »Wochenpost«; 1957 erschien hier »Klaus u. Choko«, der längste Pressecomic der DDR; wegen seiner krit. Haltung zur DDR-Kulturpol. leitete das MfS gegen W. M. den OV »Stift« ein; nach 1989 scheiterte sein Ztschr.-Projekt »Spaßvogel«; später Arbeit als Werbegrafiker; gest. in Berlin.Bunte Kiste. Berlin 1966; Zum Beispiel Fünflinge. Berlin 1972; Klaus und Choko. Sammlerauflage, Berlin 1994. Scholz, M.: W. M. Interview. In: Die Sprechblase (1993) 4.Michael F. Scholz

Handbuch Deutsche Kommunisten

Moldmann, Otto

* 21.12.1880

Geboren am 21. Dezember 1880 in Brunow/ Prignitz. Er war später als städtischer Arbeiter beim Vieh- und Schlachthof der Stadt Berlin beschäftigt. Seit 1911 in der SPD, nach dem Ersten Weltkrieg wurde er Mitglied der KPD. Von 1925 bis 1929 Abgeordneter in der Berliner Stadtverordnetenversammlung. 1930 wegen Kritik am ultralinken Kurs aus der KPD ausgeschlossen, gehörte Moldmann zur »Gruppe 60«, dann zu jenen 30 ehemaligen KPD-Funktionären und Mandatsträgern (wie Hermann Letz, Erich Raddatz, Frieda Rosenthal), die im Februar 1931 im SPD-Organ »Vorwärts« öffentlich ihren Übertritt zur SPD erklärten. Im März 1933 kandidierte er auf der Liste der SPD (Stadtwahlvorschlag) zur Stadtverordnetenversammlung. Über seinen weiteren Lebensweg ließ sich lediglich ermitteln, daß er in der NS-Zeit unter Beobachtung der Gestapo stand.

Wer war wer in DDR

Möller, Silke

* 20.6.1964

Geb. in Stralsund; begann 1974 bei der BSG Motor Warnowwerft mit der Leichtathletik; 1977 KJS Rostock, SC Empor Rostock (Trainer: Wolfgang Meier), 1979 Bronze bei der Spartakiade 100 m u. 200 m; 1981 Junioren-EM 4 x 100 m; 1982 DDR-Juniorenmstr. 100/ 200 m; 1983 DDR-Mstr. 100/200 m (Bronze); DDR-Mstr. 1986 100 m, 1987 100/200 m, 1989 200 m; 1983 WM 4 x 100 m, 1987 WM 100/200 m u. WM-Silber 4 x 100 m; EM 1986 u. 1990 4 x 100 m, 1986 EM-Bronze 200 m, 1990 EM-Silber 100 m; Hallen-EM 60 m: 1983 u. 1988 Silber, 1986 Bronze; 1988 Olympia-Silber 4 x 100 m; 1989 Weltcup-Siegerin 200 m; WR 4 x 100 m (1983 u. 1985) u. 60 m (7,00 s als offz. Zwischenzeit beim WM-Sieg über 100 m 1987 in Rom); 1987 DDR-Sportlerin des Jahres. 1992 Bronze über 100 m bei den Dt. Meisterschaften; 1992 Rücktritt vom Leistungssport; Studium der Geschichtswiss. an der Univ. Rostock; danach Lehrerin für Geschichte u. Sport; lebt in Rostock.Volker Kluge

Wer war wer in DDR

Molt, Rudolf

* 30.5.1952

Geb. in Berlin; Vater Maurer, Mutter Lohnbuchhalterin; 1958 – 66 3. OS Berlin-Prenzlauer Berg, danach 1966 – 70 Abitur an der EOS »Carl v. Ossietzky« in Berlin-Pankow; 1970 – 74 Physikstudium an der HU Berlin; 1974 – 76 wiss. Mitarb. am ZI für Math. u. Mechanik der AdW; ab 1974 Aktivitäten im Arbeiter- u. Studenten-Klub Berlin u. im Jugendclub »Die Box«, Mitwirkung an Veranstaltungen über die Arbeiterselbstverwaltung in Jugoslawien u. über gleitende Arbeitszeiten; ab 1975 Beteiligung an versch. gesellschaftskrit. Zirkeln, u. a. an Diskussionsrunden zu alternativen Sozialismusmodellen, China u. Trotzkij in den Wohnungen von  Carlo Jordan u.  Monika Palm (vom MfS erfaßt im OV »Monolith«); Aug. 1976 zusammen mit  Rupert Schröter Verfasser eines Protestbriefs an  Erich Honecker gegen die Verunglimpfung der Selbstverbrennung des Pfarrers  Oskar Brüsewitz im SED-Organ »Neues Dtl.«, der später durch einen Bericht des Nachrichtenmagazins »Der Spiegel« als »Brief krit. Sozialisten« bekannt wurde; zuvor am 16.9.1976 (nach Abschluß der Unterschriftensamml.) verhaftet u. zusammen mit Rupert Schröter wg. »Diversion« zu 2 Jahren u. 4 Monaten Haftstrafe verurteilt, Haft in Cottbus u. Brandenburg; Nov. 1977 Entlassung in die Bundesrep. Dtl.; 1977 – 84 wiss. Mitarb. an der TU Berlin (West), seitdem als Physiker am West-Berliner Heinrich-Hertz-Inst. tätig. 1990 – 2008 Mitgl. von Bündnis 90 / Die Grünen; 1991 – 93 Vors. der Antistalinist. Aktion (ASTAK); Betriebsrat im Heinrich-Hertz-Inst.; lebt in Berlin.Christian Halbrock; Jg. 1963; ab 1993 Studium der Neueren/Neuesten Geschichte, Mittelalterlichen Geschichte und Europäischen Ethnologie an der HU Berlin, 2003 Promotion; seitdem wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Bildung und Forschung bei der BStU in Berlin.

Wer war wer in DDR

Monden, Erhard

* 19.2.1947

Geb. in Berlin; Vater Maler u. Grafiker, Mutter Sekr.; 1953 – 63 POS; 1964 – 66 Theatermaleleve an der Volksbühne Berlin; 1966 – 69 Studium der Theatermalerei an der HS für Bildende Kunst Dresden; 1969 – 73 Kinospezialgrafiker; 1973 – 75 Anlagenfahrer; gegenstandslose Malerei; 1975 – 77 Fotografie u. Fotomalerei; 1979 – 90 VBK; 1977 – 89 26 handlungssymbol. Aktionen u. Performances; seit 1977 Zeit-Raum-Bild Realisationen 01; 1981 Ausstellung in der Galerie Arkade Berlin (Stand- u. Laufperformance); seit 1981 Arbeit mit u. am erweiterten Kunstbegriff; 1981 – 84 Schule für bildner. Arbeit; 1983 Parallelaktion Sender-Empfänger (Joseph Beuys – Eugen Blume – E. M.) T. 1, 1984 T. 2 – Formgebung der nichtsichtbaren Org.; 1985 – 95 Schule für erweiterte bildner. Arbeit. E. M. wirkte durch Person u. Werk in der DDR als Multiplikator von Idee u. Praxis des Erweiterten Kunstbegriffs Joseph Beuys’, konsequente Forts. der künstler. Haltung bis in die Gegenwart. Ausstellungen, Performances: 1990 – 95 Sozialplast. Arbeiten in Oldenburg, Hannover, Bregenz; FIU Studiengänge Soziale Skulptur in Wangen u. Achberg; Kunst. Was soll das? Teiln. an der 3. Bitterfelder Konferenz 1992; Avantgarde Reflex Ost-West. Potsdam 1992; Galerie Andreas Weiss, Berlin 1995; Galerie am Prater, Berlin 1996; seit 1996 Tankstelleninstallationen; Teiln. an der Ausstellung »Boheme u. Diktatur in der DDR«, Berlin 1997.Gabriele Ivan. In: Bildende Kunst (1981) 10, Diskussion (1982) in Heft 4, 5, u. 6; Freitag, M. In: Kat. Permanente Kunstkonferenz. Dokumentation der Galerie Weißer Elefant Berlin 1990; Blume, E.: Joseph Beuys u. die DDR – der Einzelne als Politikum. In: Muschter G., Thomas, R. (Hrsg.): Jenseits der Staatskultur. Traditionen autonomer Kunst in der DDR. München, Wien 1992; Billig, Müller: Über die bildner. Intervention zur Transformation des Kunstbegriffs. Gespräch mit dem Maler/Grafiker/Performer E. M. In: Reiterin (1990) 5; Blume, E. In: Kunstdokumentation SBZ/DDR. Hrsg. G. Feist u. a. Köln 1996.Anke Scharnhorst

Wer war wer in DDR

Moog, Leonhard

* 11.10.1882 – ✝ 6.1.1962

Geb. in Ansbach; Vater Gaswerkmstr.; nach Volks- u. Handelsschule kfm. Lehre u. Handelsvertreter; 1899 – 1933 Mitgl. der Dt. Angest.-Gewerkschaft, ehrenamtl. 2. Vors.; 1920 – 33 deren Vors. in Thür.; 1906 – 33 DDP bzw. Dt. Staatspartei; 1919 – 33 Mitgl. des Stadtrats von Weimar; 1925 – 30 Abg. des Thür. Landtags; 1933 – 45 Handelsvertreter. 29.7.1945 in Weimar Mitbegr. des Landesverb. Thüringen der Demokr. Partei (ab Dez. 1945 LDP) u. bis 1949 Vors. des Landesverb. Thür. der LDP; Mai 1945 – Dez. 1946 Dir. des Landesamts für Finanzen der Landesverw. Thür.; 1948/49 Mitgl. des Dt. Volksrats; 1948/ 49 (Mit-)Vors.; Dez. 1946 – 49 stellv. Min.-Präs. u. Finanzmin. des Landes, 18.1.1950 Rücktritt; Vorwürfe der »Schädlingstätigkeit u. Spionage«, um einer befürchteten Verhaftung zu entgehen, Jan. 1950 Übersiedl. nach Berlin (West), später München; in Abwesenheit in einem Schauprozeß »wegen finanzieller Schädigung des Landes Thür.« am 8.12.1950 vom OG der DDR zu einer Zuchthausstrafe verurteilt.Broszat, M. u. a. (Hrsg.): SBZ-Handbuch. München 1993.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Moreth, Peter

* 28.7.1941 – ✝ 4.2.2014

Geb. in Chemnitz; Vater Einzelhändler; Grundschule; 1955 – 57 Ausbildung zum Maurer; 1957 – 59 als Fachverkäufer; 1959 – 61 Verkäufer; 1961 – 68 Einzelhändler in Mittweida (Sachsen); 1962 LDPD; 1968 Mitarb. ihres Bez.-Vorst. Karl-Marx-Stadt; 1970 stellv. OB von Karl-Marx-Stadt u. Ltr. der Abt. Handel u. Versorgung; 1971 – 83 Vors. des Bez.-Verb. Cottbus der LDPD; ab 1972 Mitgl. des ZV, ab 1977 in dessen Pol. Aussch.; ab 1983 Vors. des Bez.-Verb. Magdeburg; 1968 – 73 Fernstudium Betriebswirtschaft an der KMU Leipzig, 1977 dort Prom. zum Dr. oec.; 1986 – 90 Abg. der Volkskammer u. bis Nov. 1989 zugl. Mitgl. des Staatsrats; 18.11. 1989 – 17.3.1990 Stellv. des Vors. des Min.-Rats für örtl. Staatsorgane; 18.3. – 15.6.1990 Vors. des Direktoriums der Treuhandanstalt; anschl. Unternehmensberater.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Morgner, Gertrud

* 8.8.1887 – ✝ 20.7.1978

Geboren am 8. August 1887 als Gertrud Müller in Gera, Tochter eines Webers; Schneiderin. 1907 Heirat mit Edwin Morgner. 1909 Eintritt in die SPD und von 1909 bis 1913 Mitglied des Ortsvorstandes und Leiterin der Frauenabteilung der SPD in Jena, 1916 Mitglied der Spartakusgruppe, 1917 der USPD. Im November 1918 wurde Gertrud Morgner 2. Vorsitzende des Arbeiter- und Soldatenrates in Jena. Sie nahm als Gast am Gründungsparteitag der KPD teil. 1919 im Vorstand der KPD-Ortsgruppe Jena, zeitweilig Mitglied der BL Thüringen. Wegen ihrer Beteiligung am Mitteldeutschen Aufstand im März 1921 gesucht (als Mitglied des »Revolutionskomitees« in Thüringen), ging sie nach Berlin in die Illegalität. Nach einer Amnestie übte sie von 1922 bis 1926 in Berlin Funktionen in der Reichsfrauenleitung der KPD aus und wirkte als Propagandistin des ZK. Von 1927 bis 1929 war Gertrud Morgner Sekretärin und Lebensgefährtin von Emil Höllein. Danach leitete sie eine KPD-Betriebszelle. Im März 1932 reiste sie mit ihrem Ehemann, Edwin Morgner, in die UdSSR, wurde in Moskau Leiterin des Frauenaktivs der Ausländerabteilung und von Klubs. Im Juni 1941 Redakteurin am Moskauer Rundfunk, aber nach der Verhaftung ihres Mannes Edwin Morgner durch das NKWD im September wurde sie aus der KPdSU ausgeschlossen und später nach Kasachstan evakuiert, Schneiderin in der Siedlung Ossakarowka. Noch im Juni 1953 verweigerte die ZPKK der SED mit den Worten »es handele sich bei Gertrud Morgner um ein ausgeschlossenes Mitglied der KPD« die Genehmigung zu ihrer Rückkehr nach Deutschland. Im Mai 1954 konnte sie dann in die DDR ausreisen. Sie schrieb 1956, durch die Verhaftung ihres Mannes sei sie an tiefen seelischen Erschütterungen erkrankt und könne sich davon nie ganz erholen. Schon in Karaganda hatte sie versucht zu erfahren, was aus Edwin Morgner geworden war, bekam aber erst 1949 die Antwort, daß er bereits am 31. Januar 1943 verstorben sei. In der DDR wurde sie als Parteiveteranin geehrt, aber wie üblich ihr Schicksal und das ihres Mannes in der UdSSR verschwiegen. Sie erhielt 1972 den VVO in Gold. Ihre Tochter Hilde (* 5. 7. 1907 – †6.11. 1980) war mit dem Redakteur der »Roten Fahne« und Angehörigen der Widerstandsgruppe »Rote Kapelle« Wilhelm Guddorf verheiratet. Gertrud Morgner starb am 20.Juli 1978.

Wer war wer in DDR

Mitter, Armin

* 1.5.1953

Geb. in Schönbach (Sachsen), Vater Dipl.-Agrarökon., Mutter Handelskauffrau u. selbständige Unternehmerin; 1971 Abitur, 1971 – 73 Grundwehrdienst, 1973 – 78 Studium der Geschichte an der HU Berlin; 1988 Diss. über die poln. Frage in der dt. Pol. gegenüber Rußland u. Österreich-Ungarn 1904 – 14; 1979 – 90 wiss. Mitarb. am ZI für Geschichte bzw. am Inst. für Allg. Geschichte der AdW; Jan. 1990 Initiator (gem. mit  Stefan Wolle) der Gründung des Unabh. Hist.-Verb. (Konstituierung im April 1990); Jan. 1990 Sachverständiger der Arbeitsgr. Sicherheit des Zentr. Runden Tisches; Mitgl. des Bürgerkomitees Normannenstraße; im März 1990 gem. mit Stefan Wolle Veröff. der ersten Dokumentation von Befehlen u. Berichten des MfS (Absatz von 200.000 Exemplaren binnen weniger Tage); März – Okt. 1990 Arbeitsgr.-Ltr. des Staatl. Komitees für die Auflösung des ehem. MfS/AfNS. Okt. 1990 Mitarb. beim Bundesbeauftr. für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehem. DDR; nach Veröff. seiner Auffassung, wonach IM-Tätigkeit des Synodalen u. letzten Min.-Präs. der DDR,  Lothar de Maizière, erwiesen sei, sowie öffentl. Kritik an einer diesbzgl. Interpret. durch den Bundesinnenmin. Wolfgang Schäuble im März 1991 fristlos entlassen; anschl. bis Jan. 2000 Assistent am Inst. für Geschichtswiss. der HU Berlin; seit 2001 freischaffend; 1991 – 94 sachverständ. Mitgl. in der Enquete Kommission des Dt. Bundestags für d. »Aufarbeitung von Gesch. u. Folgen d. SED-Diktatur in Dtl.«; Mitgl. d. Fachbeirats Wiss. d. Stiftung zur Aufarb. d. SED-Diktatur. Arbeitsgebiete: osteurop. Geschichte u. Geschichte der Beziehungen Dtl. zu Ost- u. Ostmitteleuropa.»Ich liebe Euch doch alle!« Berlin 1990 (Hrsg. mit S. Wolle); Die Gestaltung der dt. Einheit. Bonn 1992 (Hrsg. mit E. Jesse); Untergang auf Raten. München 1993 (mit S. Wolle); Der Tag X – 17. Juni 1953. Berlin 1995 (Hrsg. mit I.-S. Kowalczuk / S. Wolle); Brennpunkt 13. August 1961. Berlin 2001.Ilko-Sascha Kowalczuk

Wer war wer in DDR

Mitzner, Rolf

* 23.1.1931

Geb. in Riga (Lettland); 1937 – 39 Volksschule in Tartu (Estland); 1939 Übersiedl. nach Dtl., Volks- u. Oberschule in Birnbaum bei Posen, 1945 Umsiedl. nach Hennigsdorf bei Berlin. 1945 – 49 Oberschule Hennigsdorf, Abitur; 1949 / 50 Laborant im Stahlwerk Hennigsdorf; 1950 – 56 Studium der Chemie, Physik u. Math. an der Brandenb. Landeshochschule / PH Potsdam, Dipl.-Chemiker; ab 1955 Ass. an der PH Potsdam, Prom. zum Dr. rer. nat.; 1962 mit der Wahrnehmung einer Dozentur für Physikal. Chemie beauftragt; 1964 Habil., Berufung zum Doz., 1967 Ernennung zum Prof. mit vollem Lehrauftrag, 1968 ord. Prof. für Physikal. Chemie, 1968 – 90 Ltr. des Fachbereichs Physikal. Chemie, ab 1.9. 1990 Inh. des Lehrstuhls für Physikal. Chemie an der PH Potsdam; 26.9. 1990 Wahl zum Rektor der neuen Brandenburgischen Landeshochschule (Nachf. von Axel Gzik). 1.7.1991 Ernennung zum Gründungsrektor, 1994 – 96 Rektor der Univ. Potsdam; 1993 Überleitung auf eine C4-Professur für Physikal. Chemie, 1999 em.; 1993 – 99 Verfassungsrichter des Landes Brandenburg, 1998 bis 2003 Stadtverordn. in Potsdam. Forschungen auf dem Gebiet der physikal. Chemie: Kinetik photochromer Verbindungen, Stoffkonstanten.Andreas Herbst / Dieter Hoffmann

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Moczulski, Leszek

* 1930

Historiker und Publizist; ab 1977 einer der führenden Vertreter der Bewegung zur Verteidigung der Menschen- und Bürgerrechte (*ROPCiO), ab 1979 Vorsitzender der *Konföderation Unabhängiges Polen; Pseudonym: „Natalia Naruszewicz“.Leszek Moczulski wurde 1930 in Warschau geboren. 1947/48 war er Mitglied der kommunistischen Jugendorganisation „Kampfbund der Jugend“ (Związek Walki Młodych; ZWM), 1948/49 trat er dann dem staatlichen Bund der Polnischen Jugend (Związek Młodzieży Polskiej; ZMP) bei. 1948 wurde er Mitglied der Polnischen Arbeiterpartei (Polska Partia Robotnicza; PPR) und blieb auch in deren Nachfolgepartei, der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei (Polska Zjednoczona Partia Robotnicza; PZPR), aus der er 1950 ausgeschlossen wurde. 1952 schloss er sein Jurastudium an der Universität Warschau ab. Mitte der 50er Jahre fand Moczulski, wie er selbst berichtet, Anschluss an die sogenannte Unabhängigkeitsströmung. Diese war eine konspirative Gruppe, die hauptsächlich aus ehemaligen Offizieren der *Heimatarmee (Armia Krajowa; AK) bestand. Er arbeitete als Journalist unter anderem für die Zeitungen „Życie Warszawy“, „Wieś“ und „Dookoła Świata“. Auch mit der westlichen Presse pflegte er Kontakte, was 1957 zu seiner Verhaftung führte. Die Anklage lautete auf „Verleumdung der Staatsführung der Volksrepublik Polen im Ausland“, der Prozess endete 1958 jedoch mit einem Freispruch. Nach einigen Jahren Berufsverbot (in dieser Zeit schrieb er unter Pseudonym weiter) nahm er wieder seine normale Arbeit als Journalist auf. 1961–77 war er für die Wochenzeitschrift „Stolica“ tätig. 1972 veröffentlichte Moczulski sein Buch „Der polnische Krieg 1939“ (Wojna polska 1939), in dem er über die sowjetische Aggression gegen Polen am 17. September 1939 berichtete und die Maßnahmen der polnischen Staatsführung während des Verteidigungskrieges in Schutz nahm. Dieses Werk, das später von den Behörden aus den Bibliotheken und aus dem Buchhandel verbannt wurde, brachte ihm Anerkennung und Popularität in den oppositionell eingestellten Kreisen der Kriegsveteranen ein. Moczulski war der wichtigste Verfasser des 1976 verkündeten „Programms 44“. Die darin dargelegten Forderungen nach Systemreformen und der Wiederherstellung von Rechtsstaatlichkeit waren Teil der Vorbereitungen zur Gründung einer oppositionellen Organisation, wie sie in Moczulskis Umfeld zu beobachten waren. In den Jahren 1977/78 gehörte er zum engen Führungszirkel der konspirativ agierenden Unabhängigkeitsströmung (Nurt Niepodległościowy). In der 1977 gegründeten Bewegung zur Verteidigung der Menschen- und Bürgerrechte (Ruch Obrony Praw Człowieka i Obywatela; *ROPCiO) übernahm er neben Andrzej Czuma den Posten eines der beiden Sprecher. Zugleich war er Redakteur der unabhängigen Schrift „Opinia“ (Meinung). Schon bald zeigte sich, dass *ROPCiO für Moczulski lediglich eine Übergangsetappe auf dem Weg zur Gründung einer politischen Partei war. Einfluss darauf hatte auch sein Konflikt mit Andrzej Czuma, der in der Bewegung ebenfalls Führungsansprüche anmeldete. Auf dem gesamtpolnischen Treffen von *ROPCiO im Juni 1978 in Zalesie Górne kam es dann zur Spaltung. Der seiner Funktion als Redakteur von „Opinia“ beraubte Moczulski gründete die Zeitschrift „Droga“ (Weg) und versammelte um sich die ihm gegenüber loyalen Weggefährten aus der Bewegung.Im Juni 1978 gab er im Vorfeld der von ihm angestrebten Parteigründung die Broschüre „Revolution ohne Revolution“ (Rewolucja bez rewolucji) heraus. Darin prophezeite er einen jähen Ausbruch des gesellschaftlichen Unmuts und schlug einen Plan zur friedlichen Demontage des kommunistischen Systems in fünf Etappen vor. „Bei der ganzen Angelegenheit“, so schrieb er, „geht es also darum, die provozierte soziale Explosion in Aktivitäten mit Massenbasis umzuwandeln, die sich auf drei Grundpfeiler stützen: Besetzungsstreik statt Konfrontation auf der Straße, allumfassender Streik in allen Regionen und Bereichen der Wirtschaft, Selbstorganisierung.“ „Revolution ohne Revolution“ stellte das informelle Programm der am 1. September 1979 gegründeten *Konföderation Unabhängiges Polen (Konfederacja Polski Niepodległej; KPN) dar – der ersten politischen Oppositionspartei in Polen, seit in der Nachkriegszeit Stanisław Mikołajczyks Polnische Bauernpartei (Polskie Stronnictwo Ludowe; PSL) zerschlagen worden war. Moczulski wurde Vorsitzender des Politischen Rates der Partei, des höchsten Parteigremiums. Seine Wahl wurde vom Ersten Kongress der *Konföderation Unabhängiges Polen im Juli 1980 bestätigt. Zwischen 1976 und 1980 wurde Moczulski Dutzende Male von der Staatssicherheit verhaftet und jeweils für 48 Stunden festgehalten, immer wieder wurde seine Wohnung durchsucht. Im Sommer 1980 gab er angesichts der sich verstärkenden Arbeiterproteste in Polen die als Instruktion konzipierte Broschüre „Streiken in der Volksrepublik Polen – das Jahr 1980“ (Walka strajkowa w PRL – rok 1980) heraus, in der er zu Besetzungsstreiks und zur Aufrechterhaltung der Kommunikation zwischen den einzelnen bestreikten Betrieben aufrief. Die radikalen Unabhängigkeitsforderungen der Konföderation wurden für die kommunistischen Machthaber besonders gefährlich, als mit der *Solidarność eine wahre Massenorganisation entstand. Deshalb wurde Moczulski im September 1980 verhaftet und der Verleumdung der Staatsführung sowie des Versuchs eines gewaltsamen Umsturzes angeklagt. Im Juni 1981 wurde er aus dem Gefängnis beurlaubt, nachdem das Episkopat und das Komitee zur Verteidigung Politischer Gefangener der *Solidarność interveniert hatten. Nach nur wenigen Wochen kam er jedoch erneut in Haft, was auf Druck der Sowjetführung geschah, die die Freilassung Moczulskis als Beleg für die sich „verstärkenden konterrevolutionären Stimmungen“ in Polen betrachtete. Der im Juni 1981 begonnene Prozess gegen die Anführer der *Konföderation Unabhängiges Polen (Leszek Moczulski, Tadeusz Jandziszak, Tadeusz Stański, Romuald Szeremietiew) dauerte 17 Monate und war damit der längste politische Prozess in der Geschichte der Volksrepublik. Im Oktober 1982 wurde Moczulski zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt. Nach seiner Freilassung im August 1984 (im Rahmen einer Amnestie) machte er sich an den Wiederaufbau der in der Zeit des *Kriegsrechts zerschlagenen Strukturen der *Konföderation Unabhängiges Polen. Es gelang ihm tatsächlich, die Konföderation zu reaktivieren, wovon der im Dezember 1984 abgehaltene Zweite Kongress der Partei zeugte. Auf diesem Kongress wurde Moczulski erneut zum Vorsitzenden des Politischen Rates gewählt. Zusammen mit weiteren führenden Vertretern der Konföderation wurde Moczulski im März 1985 erneut verhaftet, im April 1986 fand der sogenannte zweite Prozess gegen die *Konföderation Unabhängiges Polen statt, in dem neben Moczulski auch Krzysztof Król, Andrzej Szomański, Adam Słomka und Dariusz Wójcik angeklagt waren. Moczulski erhielt vier Jahre Haft. Dank einer weiteren Amnestie kam er jedoch bereits im September 1986 wieder auf freien Fuß. In der ersten Hälfte des Jahres 1987 weilte er in Großbritannien, Frankreich und den USA, wo er für die Konföderation warb und seinen Gesprächspartnern darlegte, dass es erforderlich sei, sich auf einen baldigen Sturz des kommunistischen Systems in Polen und in den anderen Ländern des Ostblocks vorzubereiten. Moczulskis Reise durch westliche Länder war auch eine Fortsetzung seiner seit den 70er Jahren gepflegten Kontakte mit polnischen Exilkreisen. In seinem nach der Rückkehr nach Polen publizierten Text „Landschaft vor der Schlacht“ (Krajobraz przed bitwą, erschienen 1987 bei Wydawnictwo Polskie), der zugleich eine Polemik mit den Ansichten von Jacek Kuroń darstellte, schrieb er: „Das gegenwärtige Kräfteverhältnis und die gesellschaftlichen Stimmungen können relativ schnell zu einer gewaltsamen Destabilisierung führen.“ In diesem Zusammenhang formulierte als Aufgaben der Konföderation und der gesamten Opposition wie folgt: „Unser Hauptziel ist die Unabhängigkeit, und der Weg dorthin führt über den Wiederaufbau der *Solidarność.“In den zwei Streikwellen 1988 in Polen sah er eine Bestätigung seiner Prognosen. Daher kritisierte er auch die Vereinbarungen am *Runden Tisch, indem er argumentierte, die am Rande des Abgrunds stehende Parteiführung ziehe aus diesen Vereinbarungen wesentlich mehr Nutzen als die Opposition. Im Gegensatz zu radikaleren Kräften der Opposition boykottierte die *Konföderation Unabhängiges Polen die „halbfreien“ Parlamentswahlen im Juni 1989 jedoch nicht, sondern stellte eigene Kandidaten auf. Moczulski kandidierte in Krakau, verlor jedoch die Abstimmung gegen den Vertreter des *Bürgerkomitees (Komitet Obywatelski) Jan Rokita. 1990 kandidierte er ohne Erfolg für das Amt des polnischen Staatspräsidenten. Mit einem Stimmenanteil von 2,5 Prozent belegte er Platz sechs. In das polnische Parlament (Sejm) zog er erst nach dem Ende der Diktatur 1991 ein und blieb zwei Legislaturperioden lang Abgeordneter. 1993–97 hatte er den Vorsitz im Sejm-Ausschuss für die Kontakte mit den Auslandspolen inne, 1992–96 war er zusätzlich Abgeordneter der Parlamentarischen Versammlung des Europarates. 1995 promovierte er auf dem Gebiet der internationalen politischen Beziehungen. Das für die Überprüfungen öffentlicher Ämter zuständige polnische Lustrationsgericht urteilte im April 2005, dass Moczulski verschwiegen habe, 1969–77 wissentlich mit der kommunistischen Staatssicherheit (als IM „Lech“) zusammengearbeitet zu haben und damit als „Lustrationslügner“ zu gelten habe. In diversen Gerichtsverfahren, die bis vor den Obersten Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg führten, versuchte Moczulski erfolglos das Gegenteil zu beweisen. Die Lustrationsverfahren dauern bis heute an.Jan Kowalski Aus dem Polnischen von Gero Lietz Letzte Aktualisierung: 07/16

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Modzelewski, Karol

* 1937

Historiker und Mediävist; führender Vertreter der sogenannten Revisionisten der 60er Jahre; Mitautor des „Offenen Briefes an die Mitglieder der Partei“, ab 1980 in der *Solidarność Niederschlesien, Mitglied in Landeskoordinierungs- und Landesausschuss, bis April 1981 Pressesprecher der *Solidarność; Pseudonyme: „Krzysztof Kwiecień”, „Czesław Bednarski”, „CB”.Karol Modzelewski wurde 1937 in Moskau geboren. Er war der Adoptivsohn von Zygmunt Modzelewski, einem kommunistischen Funktionär, der nach dem Zweiten Weltkrieg unter anderem polnischer Außenminister war. Er wurde im Geiste der kommunistischen Ideologie erzogen, an die er fest glaubte, jedoch nicht auf vollkommen konformistische Weise. Als Student in Polen war Modzelewski Mitglied des offiziellen kommunistischen Jugendverbandes Bund der Polnischen Jugend (Związek Młodzieży Polskiej; ZMP). Er gehörte jedoch zu denjenigen Aktivisten, die 1956 die politischen Vorgaben der Politik scharf kritisierten und Kontakt zu Arbeitern suchten. Mehrmals war er in der Pkw-Fabrik FSO in Warschau-Żerań zu Gast. Nach dem *Oktober 1956 gehörte er dem Revolutionären Jugendverband (Rewolucyjny Związek Młodzieży; RZM) an, ab 1957 war er Mitglied des Sozialistischen Jugendverbandes (Związek Młodzieży Socjalistycznej; ZMS) und der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei (Polska Zjednoczona Partia Robotnicza; PZPR). 1959 schloss er sein Geschichtsstudium an der Universität Warschau ab und arbeitete bis 1964 als wissenschaftlicher Assistent an der Historischen Fakultät der Universität Warschau. Ab Herbst 1962 leitete Modzelewski an der Universität den Politischen Diskussionsklub, einem der PZPR gegenüber kritischen Forum. Der Klub wurde nach nur einem Jahr auf Beschluss der Parteiführung aufgelöst. Modzelewski erarbeitete gemeinsam mit seinem Freund Jacek Kuroń ein für die konspirative Verbreitung bestimmtes Programm, in dem das politische und ökonomische System der Volksrepublik Polen aus marxistischer Sicht kritisiert wurde. Das herrschende „Establishment“ wurde als zentrale Politbürokratie bezeichnet, die sich den Staat angeeignet habe. Das auf dieser Grundlage errichtete System beute die Arbeiterklasse aus, weswegen die wirtschaftliche und soziale Krise zu einer Revolution führen müsse. In deren Ergebnis werde die Bürokratenherrschaft gestürzt. Dabei könne eine wahre klassenlose Gesellschaft entstehen, in der die unmittelbare Herrschaft durch Arbeiterräte ausgeübt werde. Das Programm sah verschiedene Arbeiterparteien vor und beschrieb freie Gewerkschaften, Streikrecht, Meinungs- und Pressefreiheit als wichtige Elemente der neuen Gesellschaft. In diesem Konzept waren nicht nur Einflüsse von Milovan Đilas und Leo Trotzki unverkennbar, sondern auch von Artikeln der Jahre 1956/57 aus dem führenden Wochenblatt des *Oktober 1956 „Po prostu“ (Geradeheraus). Die Vervielfältigung dieses Textes gelang jedoch nicht, denn in der Nacht vom 14. auf den 15. November 1964 wurden die beiden Verfasser vom Staatssicherheitsdienst verhaftet. Der Text wurde beschlagnahmt, Modzelewski aus der Partei ausgeschlossen und auch der Universität Warschau verwiesen, an der er promovierte. Jacek Kuroń und Karol Modzelewski rekonstruierten ihr verloren gegangenes Programm in Form des „Offenen Briefes an die Mitglieder der Partei“ (List otwarty do członków PZPR). Am 18. März 1965 verteilten sie ein gutes Dutzend davon an der Universität, unter anderem an die Universitätsparteileitung und an die Hochschulleitung des Jugendverbandes. Einen Tag später wurden beide verhaftet und im Juli vor Gericht gestellt. Ihr Prozess weckte allgemeines Interesse und Solidaritätsbekundungen vonseiten Intellektueller, die mit den sogenannten Revisionisten sympathisierten. Während der Gerichtsverhandlung waren als Vertrauenspersonen der Angeklagten Leszek Kołakowski und der Schriftsteller Marian Brandys anwesend, in den Korridoren vor dem Gerichtssaal hatten sich Dutzende Warschauer Intellektuelle und Studenten eingefunden. Modzelewski wurde zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.Dieser Prozess und die Solidaritätsbekundungen waren die Initialzündung für die Aktionen des sogenannten „Kommandotrupps“ an der Universität Warschau. Der „Offene Brief“ wurde unter anderen vom Literarischen Institut in Paris veröffentlicht. Die Affäre um Jacek Kuroń und Karol Modzelewski erschien auch in der westlichen Presse. Die beiden Angeklagten gehörten so zu den prominentesten politischen Gefangenen im gesamten Ostblock. Modzelewski wurde am 3. August 1967 aus der Haft entlassen und beteiligte sich schon bald gemeinsam mit Jacek Kuroń an den Aktivitäten des „Kommandotrupps“. Er distanzierte sich zunehmend von den Thesen im „Offenen Brief“ und überhaupt von der Konzeption des radikalen Marxismus, obgleich er sich weiterhin linken Werten verbunden fühlte. Nach der von den Behörden erzwungenen Absetzung des Theaterstücks „Totenfeier“ (Dziady) von Adam Mickiewicz in der Inszenierung von Kazimierz Dejmek am Warschauer Nationaltheater war Modzelewski einer der Ersten, die zu Protesten aufriefen. Er verfasste Flugblätter und stimmte während der letzten Vorstellung am 30. Januar 1968 den Sprechchor „Unabhängigkeit ohne Zensur!“ (Niepodległość bez cenzury!) an. Obwohl er sich damals in Diskussionen zunächst gegen Protestkundgebungen als Widerstandsform ausgesprochen hatte, änderte er seine Meinung nach der Zwangsexmatrikulation von Adam Michnik und Henryk Szlajfer am 3. März 1968. Wie Jacek Kuroń wurde auch Modzelewski am Abend des 8. März verhaftet. Die Parteipresse und der Erste Sekretär des Zentralkomitees Władysław Gomułka attackierten ihn öffentlich. Gemeinsam mit Jacek Kuroń wurde er für die Ereignisse des *März 1968 verantwortlich gemacht. Im Januar 1969 wurde beiden wegen angeblicher Mitgliedschaft in einer konspirativen Vereinigung (gemeint war der „Kommandotrupp“) der Prozess gemacht. Beide erhielten je dreieinhalb Jahre Haft. Im September kam Modzelewski aus dem Gefängnis frei. Er fand einen Arbeitsplatz am Institut für die Geschichte der Materiellen Kultur der Polnischen Akademie der Wissenschaften, allerdings nicht in Warschau. Seinen Wohnsitz hatte er fortan in dem Städtchen Sobótka unweit von Breslau. An oppositionellen Aktivitäten nahm er nicht mehr teil, sondern erklärte, er wolle sich der wissenschaftlichen Arbeit widmen. Er sei von den Jahren im Gefängnis erschöpft und glaube nicht mehr an die Möglichkeit, bessere politische Bedingungen durchsetzen zu können. Nach den Ereignisse im *Juni 1976 meldete er sich dennoch mit einer Protesterklärung an den Ersten ZK-Sekretär Edward Gierek zu Wort. Darin wies er auf die sich vertiefende politische und wirtschaftliche Krise hin und prangerte die gegen die Arbeiter gerichteten Repressionen an. Er sei Anhänger des politischen Pluralismus, sehe jedoch unter den existierenden Bedingungen keine Chance, diesen zu realisieren. Das von ihm in dem Schreiben vorgestellte Programm sprach sich für begrenzte Reformen aus, darunter für autonome Gewerkschaften. 1978 veröffentlichte Modzelewski unter dem Pseudonym „Krzysztof Kwiecień“ zusammen mit dem Exil-Publizisten Jan Drewnowski in der unabhängigen politischen Quartalsschrift *„Krytyka“ (Kritik) eine Polemik zum Thema Revisionismus. Er verteidigte den Revisionismus als einen Denkansatz, der einen großen kulturellen Gewinn und Entwürfe für antitotalitäres Handeln hervorgebracht habe. Zugleich stellte er fest, der Opposition der 70er Jahre sei die kommunistische Ideologie völlig fremd, obwohl viele ihrer Akteure einst Revisionisten gewesen seien. Diese Feststellung bezog er nicht zuletzt auch auf sich selbst.Während des Streiks im August 1980 kam er zwar auf die Danziger Lenin-Werft, wollte jedoch als jemand, der von den Herrschenden eindeutig mit dem *März 1968 in Verbindung gebracht wurde, nicht die Verhandlungen der Streikenden mit der Regierungsdelegation erschweren. Er fuhr deswegen nach Breslau zurück, wo er Anfang September zum stellvertretenden Vorsitzenden des Gründungskomitees der neuen Gewerkschaften für die Breslauer Dienststellen der Polnischen Akademie der Wissenschaften gewählt wurde. Als solcher trat er dem regionalen Überbetrieblichen Gründungskomitee (Międzyzakładowy Komitet Założycielski; MKZ) bei und wurde bald dessen Präsidiumsmitglied. Er wurde in den Ausschuss gewählt, der Breslau auf der Konferenz zur Gründung neuer Gewerkschaften am 17. September in Danzig vertreten sollte. Auf dieser Konferenz spielte Modzelewski eine wesentliche Rolle. Ähnlich wie auch Jan Olszewski trat er dafür ein, dass alle regionalen Gewerkschaftsverbände einen gemeinsamen Registrierungsantrag stellen und einen einheitlichen Landesausschuss bilden sollten. Modzelewski schlug auch den Namen *Solidarność für die neue Gewerkschaft vor. Am 9. November 1980 wurde er vom Landeskoordinierungsausschuss (KKP) der *Solidarność zum Pressesprecher ernannt. Modzelewski war ein fest in seiner Region verwurzelter Gewerkschafter, der die Stimmungen im Volk einzuschätzen wusste und darüber hinaus ein begnadeter Redner war. Viele sahen in ihm jedoch auch einen Radikalen. So forderte er während der sogenannten Bromberger Krise, bei der die Miliz Gewerkschafter verprügelt hatte, zu einem Generalstreik auf, um die Staatsführung zu Zugeständnissen zu zwingen. Nach der Warschauer Übereinkunft zwischen *Solidarność und Staatsführung am 30. März 1981 kritisierte er auf der KPP-Sitzung am 31.03./01.04.1981 grundlegend die Arbeit der Verhandlungsdelegation und auch die Art und Weise der Beendigung des Streiks, bei der gegen die gewerkschaftliche Demokratie verstoßen worden sei. Er kritisierte auch Lech Wałęsa wegen dessen monarchischen Führungsstils in der *Solidarność. Aus all dem zog er die Konsequenzen und trat als Pressesprecher zurück. Modzelewski blieb jedoch Mitglied des Landeskoordinierungsausschusses und wurde im Oktober 1981 auf dem Ersten Landeskongress *Solidarność in deren Landeskommission (Komisja Krajowa) gewählt. Er sprach sich in Bezug auf das Gesetz über die Zensur für eine Kompromisslösung aus und war dagegen, freie Wahlen zum Sejm zu fordern. Zugleich warb er für die Weiterentwicklung der Selbstverwaltung in der Industrie und die Vertiefung demokratischer Prozesse, unter anderem durch freie Wahlen zu den Nationalräten und die Einsetzung einer gesellschaftlichen Vertretung, die auf zentraler Ebene in der Lage sein müsse, mit Parlament und Regierung die Sozial- und Wirtschaftspolitik abzustimmen. Während der Ausrufung des Kriegsrechts wurde Modzelewski in der Nacht vom 12. auf den 13. Dezember 1981 zunächst in das Internierungslager Strzebielinek und dann nach Białołęka gebracht. Es gelang ihm, aus der Internierungshaft einige Artikel herauszuschmuggeln, die in der Untergrundpresse unter dem Pseudonym „Czesław Bednarski“ abgedruckt wurden. Er war einer von sieben *Solidarność-Führern, die im Dezember 1982 nicht wie die anderen aus der Internierungshaft entlassen wurden. Sie blieben inhaftiert, da ihnen ein gewaltsamer Umsturzversuch vorgeworfen wurde. Ohne Prozess weiter hinter Gittern, kamen diese Aktivisten erst im Rahmen der Amnestie im Juli 1984 wieder auf freien Fuß.Während der Internierungshaft verlor Modzelewski auch seinen Arbeitsplatz. Dennoch kehrte er in die Forschung zurück. 1987 wurde er von der Polnischen Akademie der Wissenschaften angestellt. Er gehörte weder den seit dem Kriegsrecht konspirativen Führungsstrukturen der *Solidarność an, noch trat er dem 1988 gebildeten *Bürgerkomitee beim Vorsitzenden der *Solidarność (Komitet Obywatelski przy Przewodniczącym NSZZ „Solidarność“) bei. Er nahm auch nicht an den Gesprächen am *Runden Tisch teil, obwohl er in einem Beitrag für den *„Tygodnik Powszechny“ (Allgemeines Wochenblatt) im Oktober 1988 diesen Ansatz für eine Kompromisslösung zwischen der Regierung und der *Solidarność befürwortet hatte. Im Juni 1989 wurde Modzelewski in den ersten halbfreien Wahlen als Kandidat des *Bürgerkomitees in die zweite Kammer des polnischen Parlaments (Senat) gewählt. Sein Mandat als Senator nahm er bis 1991 wahr. Nach dem Ende der Diktatur initiierte Modzelewski 1990 die Bildung der Abgeordnetengruppe „Solidarność Pracy“ (Solidarität der Arbeit). 1992–95 engagierte er sich in der Partei Arbeitsunion (Unia Pracy). Bereits 1990 wurde er zum Professor ernannt und arbeitete fortan wissenschaftlich, ab 1994 an der Historischen Fakultät der Universität Warschau. Er ist Autor einer Vielzahl von Publikationen im Bereich der Mediävistik. Im Dezember 2006 wurde er Vizepräsident der Polnischen Akademie der Wissenschaften.Andrzej Friszke Aus dem Polnischen von Gero Lietz Letzte Aktualisierung: 07/16

Wer war wer in DDR

Möglich, Friedrich

* 12.10.1902 – ✝ 17.6.1957

Geb. in Berlin-Schöneberg; Vater Ministerialbeamter; 1908 – 20 Schule u. Gymnasium; 1920 – 27 Studium der Mathematik u. Physik an der Univ. Berlin, 1927 Prom.; 1928 Assistent an der TH Berlin; 1929 Assistent u. nach Habil. 1930 Privatdoz. an der Univ. Berlin; 1932 NSDAP, 1938 Ausschl.; 1935 Aufenthalt in Paris u. London; Jan. 1936 Verhaftung wegen »Rassenschande« u. angebl. Devisenschiebung, nach halbjähriger Haft mangels Beweisen freigesprochen; 1937 durch die Univ. gekündigt, Entzug der Lehrerlaubnis; 1937 – 45 freiberufl. wiss. Berater in der Elektroindustrie, u. a. für Osram u. Siemens; hat jüdischen Kollegen zu vermeintlich kriegswichtiger Beschäftigung verholfen und sie so vor der Verfolgung geschützt; kurzz. Militärdienst für das Reichsluftfahrtmin. 1945/1946 Ref. bei der Dt. ZV für Volksbildung; 1946 – 57 Prof. u. Dir. des Inst. für theoret. Physik an der HU Berlin; 1946 Ltr. der physikal. Abt. des Inst. für Med. u. Biol. in Berlin-Buch, das bis zur Übergabe an die DAW im Juli 1947 der SMAD unterstand; 1947 – 57 Dir. des Inst. für Festkörperforschung der DAW; 1946 Initiator der Wiederherausgabe der »Annalen der Physik« u. bis 1957 Mithrsg.; 1952 Mitverf. eines Memorandums zur Entw. der Physik in der DDR; 1952 Mitbegr. der Physikal. Ges.; Vors. des Beirats für Physik beim Staatssekr. für HFS-Wesen; 1953 NP; gest. in Berlin. Hauptarbeitsgebiete: Quantenphysik, Festkörperphysik, Theorie der Halbleiter u. Kristallphosphore, Supraleitung, Biophysik, Hydrodynamik geladener Medien.Hoffmann, D.; Walker, M.: F. M. In: Hoffmann, D.; Macrakis, K. (Hrsg.): Naturwiss. u. Technik in der DDR. Berlin 1998.Peter Nötzold / Dieter Hoffmann

Wer war wer in DDR

Moldt, Ewald

* 22.4.1927

Geb. in Greifswald; Vater Zimmermann; Mittelschulabschl.; 1943/44 Mitarbeit im Hauptzollamt Stralsund; Wehrmacht, im Frühj. 1945 verwundet. 1945 – 47 Eisenbahner in der Reichsbahndir. Greifswald; 1945 Mitbegr. u. Mitgl. von Antifa. Jugendaussch.; FDJ; 1945/46 SPD/SED; 1947 – 50 Jugendamtsltr. der Krs.- u. Stadtverw.-Akad. Forst-Zinna; 1950 – 52 Studium an der DASR in Forst-Zinna; ab 1952 Mitarb. des MfAA, 1953 – 58 persönl. Ref. von Außenmin.  Lothar Bolz; 1958/59 1. Sekr. der Botschaft in Rumänien; 1959 – 63 Botschaftsrat in Polen; 1963 – 65 Ltr. der Presseabt. des MfAA; 1965 – 70 Botschafter in Rumänien (Nachf. von  Anton Ruh); 1970 – 78 stellv. Außenmin.; 1978 – 88 Ltr. der Ständ. Vertr. der DDR in der Bundesrep. Dtl. (Nachf. von  Michael Kohl); 1973 – 75 Vors. der UNESCO-Kommission der DDR; 1981 Kand., 1986 – 89 Mitgl. des ZK der SED; 1988 – März 1990 stellv. Außenmin.; 1990 Vorruhestand; 1964, 1965 u. 1984 VVO; 1987 Großer Stern der Völkerfreundschaft.Wentker, H.: Außenpolitik in engen Grenzen. München 2007.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Möller, Heinz

* 1897 – ✝ 1941

Über den 1897 in Tarnow geborenen Heinz Möller ist aus der Frühzeit wenig bekannt, Möller war sein Pseudonym, sein richtiger Name Moses Grzyb. Als Funktionär im »Bund«, der jüdisch-sozialistischen Arbeiterbewegung in Polen, seit frühester Jugend mit Karl Radek befreundet. 1919 kam er nach Deutschland, wurde Mitglied der KPD und wirkte zuerst für die Partei in Chemnitz, wo auch seine enge politische Verbindung mit Heinrich Brandler begann. Nach Berlin übergesiedelt, Redakteur an KPD-Zeitungen. Nach dem KPD-Verbot 1923 ging Möller zunächst nach Moskau, von dort nach China und wurde Pressechef von Tschiang Kai-schek. Er blieb bis 1927 in China und war in der Redaktions- und Übersetzungsabteilung der Politischen Hauptverwaltung der Nordfeldzugsarmee beschäftigt. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland arbeitete er als China-Spezialist der »Roten Fahne« und des KPD-Pressedienstes, zeitweise Chefredakteur. 1929 von der Komintern als Brandlerianer ausgeschlossen, war er ab Anfang 1929 aktiv in der KPO, veröffentlichte zahlreiche Artikel in deren Zeitschrift »Gegen den Strom« und war zugleich Redakteur des Offenbacher »Volksrechts«, der Wochenzeitung der KPO. Möller hielt in vielen KPO-Ortsgruppen Vorträge über die chinesische Revolution. Nach 1933 kehrte er (wahrscheinlich über die Sowjetunion) wieder nach China zurück, ob im Auftrag der Komintern, ist nicht geklärt. Er lebte u. a. in Shanghai, schrieb für die KP Chinas auch in linken amerikanischen Zeitschriften und leitete eine Gruppe kommunistischer Emigranten in China. Nach 1939 besuchte er mehrfach die Achte Feldarmee und die Neue Vierte Armee (kommunistische Armee-Einheiten) unter Mao und berichtete in der Presse darüber. Heinz Möller fiel im November 1941 im Kampf gegen die japanischen Truppen im Yimeng-Gebirge, Provinz Shandong in Ostchina. Von Dimitroff 1941 rehabilitiert, ehrte ihn die KP Chinas, indem sie ihn im Revolutionsmuseum in Peking erwähnte und an seinem Todesort 1994 ein Denkmal für Heinz Möller enthüllte.

Wer war wer in DDR

Moltmann, Carl

* 23.9.1884 – ✝ 5.2.1960

Geb. in Brüz (Mecklenb.); Vater Ziegler; 1891 – 98 Volksschule; 1898 – 1901 Ausbil- dung zum Tischler in Parchim; 1902 SPD; Dt. Holzarbeiterverb.; 1903 – 07 Wanderschaft; 1911 – 15 Vors. der SPD-Ortsgr. Schwerin; 1915 – 18 Militärdienst, Armierungssoldat; 1919 – 28 Parteisekr. für den südwestl. Teil Mecklenb. u. Red. der sozialdemokrat. Ztg.; 1919 – 33 Mitgl. des Landtags Mecklenb.-Schwerin; 1928 – 33 Ltr. des Landesarbeitsamts Schwerin; 1929 – 33 Stadtverordn. u. Stadtrat in Schwerin; 1932/33 MdR; 1934 – 45 Tabakwarenhändler in Schwerin; 1944 wegen antifa. Haltung kurze Zeit inhaftiert. 1945 Gründer u. Vors. der SPD-Ortsgruppe Schwerin; 1945/46 1. Vors. des Landesverb. Mecklenb.-Vorpom. u. Mitglied des Parteiaussch. der SPD; 1945/46 Ltr. des Landesarbeitsamts, später der Abt. Arbeit u. Sozialfürsorge der Landesverw.; 1946 SED; seitdem Mitgl. des PV bzw. ZK; 1946 – 48 mit  Kurt Bürger Vors. des Landesvorst. Mecklenb.-Vorpom. der SED, danach dessen Mitgl.; 1946 – 52 Abg. u. Präs. des Mecklenb. Landtags; ab 1952 Mitgl. der BL Schwerin der SED; ab 1952 Abg. des Bez.-Tags Schwerin u. Vors. des Bez.-Komitees des DRK; 1954 VVO; 1959 KMO; gest. in Schwerin.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Monden, Richard

* 1903 – ✝ 21.9.1989

Geboren 1903 bei Breslau; Maschinenschlosser. 1920 Mitglied der KJD und der KPD. 1921 wegen Solidarisierung mit Paul Levi ausgeschlossen, aber 1922 Wiedereintritt. 1923 Bezirksleiter der KJD in Breslau, wurde im gleichen Jahr zu vier Jahren Festungshaft verurteilt, nach Amnestie 1925 entlassen. In Berlin im RFB aktiv, 1926 war er Mitarbeiter der Agitpropabteilung des ZK der KPD. 1927/28 Kursant der Internationalen Leninschule in Moskau, dort aber wegen »rechter Abweichungen« von der Schule relegiert und lebenslänglich aus der Sowjetunion ausgewiesen. Monden kehrte nach Breslau zurück und schloß sich der KPO an, Mitglied der BL Schlesien. 1933 Emigration über Prag nach Paris, ging Monden 1936 nach Spanien. Um die Republik zu verteidigen, kämpfte er in den Reihen der POUM, wurde deshalb aber von der GPU verhaftet. Nach der Freilassung 1938 zurück in Paris, verließ er die KPO und ging zur SAP. 1941 gelangte er in die USA und war als Fabrikarbeiter beschäftigt. Er hielt Kontakt zu seinen Genossen in den USA und Deutschland, betätigte sich aber nicht mehr politisch. Richard Monden starb am 21.September 1989 in Sun City, Kalifornien.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Moogk, Georg

* 26.5.1900 – ✝ 30.6.1948

Geboren am 26. Mai 1900 in Forst, Sohn eines Schuhmachers. Weber in Cottbus, 1919 gemeinsam mit Berta und Paul Hornick Mitbegründer der KPD in Forst. Anfang der zwanziger Jahre Sekretär des Bezirks Lausitz und Mitglied des Zentralausschusses. Delegierter des XI. Parteitages der KPD 1927 in Essen. Nach 1933 zeitweise inhaftiert, wurde 1939 zur Wehrmacht einberufen und kam Ende 1946 schwerkrank aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft zurück. Politisch war er nicht mehr aktiv. Georg Moogk starb am 30. Juni 1948 in Berlin.

Wer war wer in DDR

Morgner, Irmtraud

* 22.8.1933 – ✝ 6.5.1990

Geb. in Chemnitz; Vater Lokführer; 1952 Abitur; 1952 – 56 Germanistikstudium in Leipzig (u. a. bei  Hans Mayer u.  Ernst Bloch); 1956 – 58 Red.-Assistentin bei der Ztschr. »Neue Dt. Lit.«; seit 1958 freischaff. Schriftst. in Berlin (Romane, Erzählungen); verh. mit  Paul Wiens; 1959 erste Erzählung »Das Signal steht auf Fahrt«; 1963 Mitgl., später Vorstandsmitgl. des DSV; 1965 nach Kritik auf dem 11. Plenum des ZK Publikationsverhinderung des schon angekündigten Romans »Rumba auf einen Herbst«, Teile werden später in den »Trobadora«-Roman eingearb.; 1968 mit »Hochzeit in Konstantinopel« Hinwendung zum Frauenthema; 1970 Mitgl. des PEN-Zentrums der DDR; 1974 in »Leben u. Abenteuer der Trobadora Beatriz ...« u. 1983 in »Amanda« (Teil 1 u. 2 der unvollendeten Salman-Trilogie, Teil 3 unter dem Titel »Das heroische Testament. Ein Roman in Fragmenten« 1998 aus dem Nachlaß erschienen) erfolgr., v. a. auch in der Bundesrep. Dtl. stark rezipierte Entfaltung des »Feminismus im Sinne Marx’«; 1975 Heinrich-Mann-Preis; 1977 NP; Scheidung von Paul Wiens, nachdem I. M. dessen MfS-Tätigkeit (inklusive ihrer Aushorchung durch ihn) erkennt, später vom MfS »operativ bearb.«; 1984 Lesereise in die USA; 1985 Roswitha-Gedenkmedaille der Stadt Gandersheim; 1986 Mitgl. der AdK; 1987 – 88 Gastdoz. der Univ. Zürich; 1989 Kasseler Lit.-Preis für grotesken Humor; wortmächtige Vorreiterin einer feminist.-lustvollen Weltaneignung, vielschichtige Zustandsprüfung der Frauenemanzipation im »Wunderland« DDR, Ausprägung einer – die »patriarchalen Formen sprengenden« – märchenhaft phantast. Montagetechnik.Hochzeit in Konstantinopel. Berlin, Weimar 1968; Gauklerlegende. Berlin 1970; Die wundersamen Reisen Gustavs des Weltfahrers. Berlin, Weimar 1972; Der Schöne u. das Tier. Frankfurt (Main) 1991, Rumba auf einen Herbst. Hamburg 1992. Die Hexe im Landhaus. Gespräch in Solothurn. Zürich 1984; Gerhardt, M. (Hrsg.): I. M.: Auskunft für Leser. Darmstadt 1989; Linklater, B. V.: »Und immer zügelloser wird die Lust ...«. Bern 1997; Hanel, S.: Liter. Widerstand zwischen Phantastischem und Alltäglichem ... Pfaffenweiler 1995.Andreas Kölling

Handbuch Deutsche Kommunisten

Moritz (Becker), Martha

* 16.6.1904 – ✝ 8.4.1938

(* 1904 – † 1938) Geboren am 16. Juni 1904 in Hamburg, Kontoristin. Sie trat 1921 der KPD bei und arbeitete bei der BL Wasserkante. Zeitweilig Frauenleiterin und Mitglied im Sekretariat. Mitte der zwanziger Jahre heiratete Martha Moritz den Funktionär Ernst Becker und lebte mit ihm zeitweise in Berlin. 1929 wurde sie als Rechte ausgeschlossen und ging wie Becker in die KPO. Nach dessen Tode im Juli 1932 kehrte Martha Moritz in die KPD zurück. Sie wurde nach Finnland geschickt und war dort für das Auslandsbüro der KP tätig. Im April 1933 emigrierte sie in die Sowjetunion, dort bei der Komintern in Moskau beschäftigt. Vom NKWD im September 1937 verhaftet, wurde Martha Moritz am 8. April 1938 zum Tode verurteilt und erschossen. Das Militärkollegium des Obersten Gerichts in Moskau »rehabilitierte« sie im März 1958.

Wer war wer in DDR

Mittig, Rudi

* 26.1.1925 – ✝ 28.8.1994

Geb. in Reichenberg (ČSR / Liberec, Tschechien); Vater Fabrikbesitzer; mittlere Reife; 1939 – 42 Ing.-Schule; 1943 RAD, dann Kriegsdienst; 1945 – 49 sowj. Gefangenschaft, 1948 Antifa-Schule. 1950 Ing.-Schule, Ing. für Hochbau; 1950 SED; 1950 – 52 Statiker; 1952 Einstellung beim MfS, Abt. III (Sicherung der Volkswirtschaft) der BV Potsdam; 1953 Ltr. der Abt. III; 1954 stellv. Operativ des Ltr. der BV Potsdam, 1955 Ltr. der BV Potsdam (Nachf. von  Emil Wagner); 1956 – 63 Mitgl. der SED-BL Potsdam; 1964 Ltr. der HA XVIII (Volkswirtschaft) des MfS Berlin; 1966 – 68 externes Studium an der JHS Potsdam-Eiche, Dipl.-Jur.; 1975 Stellv. des Ministers für Staatssicherheit; 1975 VVO; 1976 Kand., 1986 – 89 Mitgl. des ZK der SED; 1986 Gen.-Oberst; Dez. 1989 von seiner Funktion entbunden; Jan. 1990 Entlassung. Rentner; gest. in Berlin.Jens Gieseke

dissidenten.eu

Mlynář, Zdeněk

* 1930 – ✝ 1997

Politiker und Politikwissenschaftler. Führender Vertreter der tschechischen Linken und Mitautor des reformorientierten „Aktionsprogramms“ der KPČ im *Prager Frühling. Mitbegründer der Bürgerrechtsbewegung *Charta 77.Zdeněk Mlynář wurde 1930 im mährischen Vysoké Mýto (Hohenmaut) geboren. Sein Vater Hubert Müller (1945 ließ er den Familiennamen in die tschechische Form Mlynář ändern) war Berufsoffizier. Aus diesem Grund wechselte die Familie häufig den Wohnort und lebte die meiste Zeit in slowakischen Garnisonsstädten. Während des Zweiten Weltkrieges ging Mlynář auf ein Gymnasium im Prager Stadtteil Žižkov, wo er 1949 das Abitur ablegte. 1946 trat er gemeinsam mit der Familie in die Kommunistische Partei der Tschechoslowakei (KPČ) ein. Nach dem Abitur ging Mlynář zum Jurastudium nach Moskau, wo er sich an der Lomonossow-Universität mit Michail Gorbatschow anfreundete. Nach seiner Rückkehr 1955 in die Tschechoslowakei heiratete er Rita Budínová, die Tochter Stanislav Budínás, des ehemaligen Chefredakteurs des Zentralorgans der KPČ „Rudé právo“ (Rotes Recht). 1955–56 arbeite Mlynář bei der Generalstaatsanwaltschaft und danach bis 1968 am Institut für Staats- und Rechtswissenschaften der Tschechoslowakischen Akademie der Wissenschaften. Seine dort betriebenen Forschungen wurden zum theoretischen Grundstock des späteren Reformprozesses. In den 60er Jahren stieg er weiter in der Kommunistischen Partei auf. Er war mehrere Jahre Parteisekretär im Rechtsausschuss des Zentralkomitees, im Januar 1968 wurde er Sekretär im Zentralkomitee der KPČ und danach Mitglied des Parteipräsidiums, dem obersten Führungsgremium der Partei. Während des *Prager Frühlings stand Mlynář auf Seiten der Reformer und war unter anderem Mitautor des reformorientierten Aktionsprogramms der Kommunistischen Partei, das im April 1968 beschlossen wurde und den Übergang zu einem demokratischen Sozialismus vorsah. Nach der Niederschlagung des *Prager Frühlings und dem *Einmarsch von Truppen des Warschauer Paktes in die Tschechoslowakei wurden er und andere hohe Parteifunktionäre der KPČ nach Moskau beordert, wo sie an den Verhandlungen mit der sowjetischen Parteiführung teilnahmen. Die Erlebnisse dieser Tage beschrieb er 1978 in seinem Buch „Nachtfrost. Das Ende des Prager Frühlings“ (Mráz přichází z Kremlu): „Dass ich jetzt in Moskau saß, teils als Geisel, teils als Staatsgast, war eine logische Folge meines ganzen Lebens, meiner eigenen politischen Tätigkeit. Ich hatte mich selbst in diese Situation gebracht. Entscheidend dafür war eigentlich nicht der 20. August 1968, sondern der 25. Februar 1948. Denn damals schloss ich mich aus eigenem Entschluss und eigener Überzeugung denjenigen an, die ebenfalls aus eigener Entscheidung sich Moskau und seinen Zielen ‚auf ewige Zeiten‘ untergeordnet hatten. Es war gegenwärtig unwesentlich, warum ich es und warum es die anderen getan hatten, ob die Ansichten und Ideale, die dahinter standen, gut gemeint waren oder nicht. Es war geschehen, und aus meinem eigenen freien Entschluss. Allerdings wusste ich jetzt seit über zehn Jahren, dass Moskau der Sitz des Verbrechens war und dass ich dem nicht mehr dienen wollte. Was tat ich aber? Ich wollte das bei uns, in der Tschechoslowakei, durch Reformen ändern und hoffte zugleich, dass auch in Moskau der aufrichtige Wille bestand, mit dem Verbrechen Schluss zu machen, und dass sie mir deshalb meine Reformen hier erlauben würden. Ich hatte gewiss auch Gründe dafür, aber gleichzeitig gab es bereits seit Jahren schwerwiegende Gründe für eine ganz entgegengesetzte Auffassung; ich unterschätzte oder übersah sie jedoch, denn sie passten nicht in mein reformkommunistisches Konzept.“ (Nach der deutschen Ausgabe, Athenäum-Verlag Frankfurt am Main, 1988)Im Oktober 1968 verzichtete Mlynář auf alle seine Ämter in der Partei und wurde 1970 aus der Partei ausgeschlossen. Von 1968 bis 1977 war er in der entomologischen Abteilung des Nationalmuseums in Prag angestellt, Insekten hatten ihn schon seit seiner Kindheit fasziniert. Er nahm an Diskussionen ehemaliger kommunistischer Parteimitglieder teil, die dem Eurokommunismus nahe standen. Nach Abschluss der KSZE-Konferenz in Helsinki 1975 war er einer der Initiatoren des Zusammenschlusses aller Oppositionsgruppen, was zur Entstehung der Bürgerrechtsbewegung *Charta 77 führte. Mlynář gehörte zum inneren Gründerkreis der *Charta 77 und war einer der ersten Unterzeichner. Nach der Veröffentlichung der Petition der *Charta 77 im Januar 1977 verlor er seine Arbeit und emigrierte im Mai auf Druck der Staatssicherheit nach Österreich.Im Ausland nahm er an soziologischen und politikwissenschaftlichen Forschungsprojekten teil, unterrichtete an der Bremer Universität und arbeitete seit 1982 am Wiener Institut für Internationale Politik. 1985 wurde er Professor für Politikwissenschaft an der Universität Innsbruck. Er publizierte regelmäßig in österreichischen Medien und in tschechoslowakischen Exilzeitschriften, vor allem in der sozialistischen Monatszeitschrift *„Listy“ (Briefe). Während der *Samtenen Revolution kehrte er Ende 1989 nach Prag zurück, blieb aber ohne Einfluss auf das *Bürgerforum (Občanské fórum; OF). Von seinem sozialistischen Standpunkt aus kritisierte er wiederholt die politischen Veränderungen nach dem Umbruch 1989 und wurde im Juni 1995 Ehrenvorsitzender des dem demokratischen Sozialismus verschriebenen Linken Blocks (Levý blok; LB). Im Herbst desselben Jahres klagte die *Behörde für die Dokumentation und Untersuchung der Verbrechen des Kommunismus (Úřad dokumentace a vyšetřování zločinů komunismu; ÚDV), dessen Leiter Václav Benda zu diesem Zeitpunkt war, Mlynář für seine Teilnahme an den Verhandlungen im Kreml 1968 wegen Staatsverrates an. Die Anklage wurde allerdings wieder zurückgezogen. 1997 starb Zdeněk Mlynář in Wien an Lungenkrebs. Sein Sohn Vladimír (geboren 1966) engagierte sich zu kommunistischer Zeit in der Dissidentenbewegung und war nach 1989 Journalist, 1999–2001 stellvertretender Vorsitzender der liberal-konservativen Partei Freiheitsunion – Demokratische Union (Unie svobody – Demokratická unie) und mehrmals Minister in verschiedenen Regierungen.Petr Pospíchal Aus dem Polnischen von Jonas Grygier Letzte Aktualisierung: 05/15

Wer war wer in DDR

Mode, Heinz

* 15.8.1913 – ✝ 6.6.1992

Geb. in Berlin in einer jüd. Fam.; Vater Apotheker; Volksschule u. Gymnasium in Berlin, 1931 Abitur; 1932 Studium der Archäol. u. Kunstgesch. an der Univ. Berlin; 1933 Emigr. u. Studienreise nach Ceylon u. Indien, dort Hinwendung zur Indologie u. Kontakte zu Rabindranath Tagore; 1935 von den brit. Kolonialbehörden ausgewiesen; Emigr. in die Schweiz; Forts. der Studiums der Archäol. u. Orientalistik an der Univ. Basel, dort 1939 Prom. mit einer Studie zu Skulpturen der Insel Ceylon; 1944 Habil. mit einer Schrift über indische Frühkulturen. Aug. 1945 Rückkehr nach Dtl.; KPD, Mitarb. der Kulturabt. des KPD-LV Bayern; 1945 – 48 Sekr. der Bayer. Künstlervereinigung in München; 1948 Übersiedl. in die SBZ; Prof. mit Lehrauftrag für Oriental. Archäol. an der MLU Halle, dessen Indienschwerpunkt in Dtl. Pioniercharakter besaß; seit Sept. 1950 im Kontext der Noel-Field-Affäre zunehmende Auseinandersetzungen um seine Person; 1951 wg. »Fraktionsbildung in der Partei« Ausschluß aus der SED, 1956 parteiinterne Rehabilitierung u. Wiederaufnahme in die SED; 1962 Prof. mit Lehrstuhl für Oriental. Archäol. an der MLU Halle; ab 1966 Präsidiumsmitgl. der Dt.-Südostasiat. Gesell. u. Ltr. des Buddhist. Zentrums der DDR; Gründungsmitgl. der Gesell. DDR–Indien; 1974 Tagore-Preis (Indien); 1978 em.; VVO; 1978 NP; gest. in Halle. M. hat sich neben seinen Forschungen zur Indol. u. Orientalistik auch als Schulbuchautor Verdienste um die Darstellung eines marxist. Geschichtsbildes der Urgesell. u. des Altertums erworben u. trat darüber hinaus auch mit populärwiss. bzw. belletrist. Publ. hervor; 1950 – 65, 1968 / 69 u. 1980 – 85 als IM / GMS »Pfeil« des MfS erf.Indische Frühkulturen u. ihre Beziehungen zum Westen. Basel 1944; Das frühe Indien. 1959; Die buddhistische Plastik auf Ceylon. 1963; Bengalische Märchen. Leipzig 1967 (Hrsg. mit A. Ray); Die Frau in der indischen Kunst. 1970; 30 Jahre unabhängiges Sri Lanka. Halle 1979; Der Beitrag Indiens zur Weltkultur. Halle 1979. Teubner, H.: Exilland Schweiz. Dokumentar. Bericht über den Kampf emigrier-Bernd-Rainer Barth / Dieter Hoffmann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Moelders, Theodor

* 11.4.1888 – ✝ 10.1.1967

Geboren am 11. April 1888 in Kleve/Rheinland, Sohn eines Gefängnisaufsehers; lernte das Klempner- und Rohrlegerhandwerk. Moelders arbeitete als Klempner am Städtischen Schlachthof in Berlin und wurde dort Betriebsratsvorsitzender. Seit 1911 war er gewerkschaftlich organisiert, zuerst im Christlichen später im Metallarbeiterverband, dann im Gesamtverband der Gemeindearbeiter. Er war seit 1916 in der SPD, 1917 in der USPD und ab 1920 in der KPD, mehrere Jahre Mitglied der BL Berlin-Brandenburg. In der Partei tendierte er zum rechten Flügel und war eng mit Wilhelm Pieck befreundet. 1927 Delegierter des XI. Parteitags, im selben Jahr nahm er an einer Reise in die Sowjetunion teil. 1928 zog er für die KPD in den Preußischen Landtag ein. Er war Polleiter des Berliner Bezirks Friedrichshain und nach der Wittorf-Affäre 1928 aktiver Anhänger der Versöhnler. Deshalb stand der Bezirk Friedrichshain unter Moelders Leitung bis Frühjahr 1929 hinter den Versöhnlern. Mitte 1929 kapitulierte er vor dem ZK, wurde 1932 nicht mehr in den Landtag gewählt. Am 28.Februar 1933 verhaftet, saß Moelders bis Ende September 1933 im KZ Sonnenburg, im November 1939 erneut festgenommen. Seine illegale Tätigkeit bestand nun (wie er 1946 schrieb) – wie bei den meisten Oppositionellen – »lediglich in Zusammenkünften mit gut bekannten Genossen und Diskussionen über den Ausgang des hitlerischen Krieges auf den Arbeitsstätten sowie im Abhören der russischen und englischen Sender«. 1945 wieder in der KPD und 1946 in der SED, spielte Moelders keine herausragende politische Rolle mehr. Er war von August 1945 bis März 1949 Verwaltungsangestellter des Magistrats von Groß-Berlin als Schlachthofinspektor und Obmann des Betriebsrates. Von April 1949 bis Juni 1952 Personalleiter in den Ostberliner Wasser- und Entwässerungswerken, wohnte aber bis 1963 in West-Berlin. Auf Beschluß der Westberliner Leitung der SED übersiedelte er als Parteiveteran am 4. Juni 1963 zu seinem Sohn nach Ost-Berlin. Theodor Moelders starb am 10.Januar 1967.

Wer war wer in DDR

Mohr, Arno

* 29.7.1910 – ✝ 23.5.2001

Geb. in Posen (Poznań, Polen); Vater Uffz.; 1924 – 27 in Berlin Lehre als Schildermaler, anschl. Geselle; 1930 Besuch von Abendkursen an der Mstr.-Schule für Grafik; 1933/34 Studium an der Vereinigten Staatsschule für bildende u. angewandte Kunst Berlin-Charlottenburg, Lehrer M. Klever, E. Wolfsfeld; anschl. freischaff.; 1940 – 46 Militärdienst u. Gefangenschaft. 1946 – 75 Prof. an der HS für bildende u. angewandte Kunst Berlin-Weißensee; SED; 1970 DAK; 1974 Vors. des VBK Berlin; Mitgl. des Präs. des VBK; ab 1974 Ltr. einer Mstr.-Kl. an der HS für bildende u. angewandte Kunst Berlin-Weißensee; 1970 u. 1980 NP; gest. in Berlin. Werke: Am 1. Mai 1946 – SED (Plakat); Gemälde: Zwei lesende Jungen (1949), Im Jahre 45 (1973); Wandbilder: Metallurgie Hennigsdorf (gem. mit  Horst Strempel u.  René Graetz 1949), Wendepunkt Dtl. (1956/57); Zeichn.: Erntebinderinnen (1947), Trümmerfrauen (1948), Bodenreform (1953), Trieselnde (1956), Porträts  Helene Weigel,  Bertolt Brecht (1971), In der Werkstatt (1976), Künstlercafé (1958).Mein Lebenslauf (44 Kaltnadelradierungen, Text L. Lang). Berlin 1969. Kat. AdK Berlin 1975; A. M. Das druckgraf. Werk. Galerie Arkade Berlin 1979; A. M. Gemälde u. Druckgrafik. Staatl. Museum Schloß Burgk 1983; Märk. Museum: Zeichnen ist wie schreiben, nur subtiler. A. M. zum 85. Geburtstag. Berlin 1995.Anke Scharnhorst

Wer war wer in DDR

Molkenbur, Norbert

* 15.4.1938 – ✝ 6.12.2009

Geb. in Frankfurt (Oder); Vater Orchestermusiker, Mutter Musikalienhändl.; 1944 – 56 Grund- u. Oberschule in Frankfurt (Oder); 1956 Volontariat bei Radio DDR; 1956 – 58 Mitarb. für Volkskunst beim Rat des Krs. Seelow; 1958 – 62 Stud. der Musikwiss. u. Gesch. an der KMU Leipzig, 1963 Dipl.; 1962 – 82 Mitarb. im Zentralhaus für Kulturarbeit der DDR; Red. der im Hofmeister-Verlag Leipzig hrsg. Ztschr. »Volkskunst«; Aufbau u. Ltg. des Verlags Zentralhaus-Publikation; 1983 – 90 Dir. des Musikverlags VEB Edition Peters; 1958 – 90 SED; 1977 Banner der Arbeit; 1974 Verdienstmed. der DDR; 1988 Johannes-R.-Becher-Med.; 1986 Mitgl. des Bezirksvorst. Leipzig des Verb. der Komponisten u. Musikwissenschaftler; 1987 Mitgl. der BL Leipzig des KB (Vors. der Kommission Musik); 1987 Berufs- u. Rechtskommission des Zentralvorst. des Komponistenverb.; 1987 Vors. der Sekt. Kultur- u. Kunstwiss. der URANIA Leipzig; Lehrtätigkeit an der Zentralen Volkskunstschule u. an versch. Bezirkskulturakad. 1990 Geschäftsf. der Edition Peters Leipzig GmbH u. der C. F. Peters Leipzig Vertrieb GmbH innerhalb der Verlagsgruppe C. F. Peters Frankfurt (Main), Leipzig, London, New York; 2003 Ruhestand, in der Edition Peters Beauftragter der Verlagsarchive im Sächs. Staatsarchiv Leipzig; 1998 Gründungsmitgl. u. Vereinsvorstand der Edvard-Grieg-Gedenk- u.-Begegungsstätte Leipzig e. V.; Mitgl. der Lene-Voigt-Gesell.; zahlr. Zeitschriftenartikel, Musikrezensionen u. Buchbeiträge; gest. in Leipzig.u. a. Lexikon der Tanzkunst. Leipzig 1972; Oda Schottmüller. Leipzig 1983; C. F. Peters 1800 – 2000. Stationen einer Verlagsgeschichte. Leipzig 2001.Christoph Links

Handbuch Deutsche Kommunisten

Möller, Walter

* 2.1.1912 – ✝ 1.10.1992

Geboren am 2. Januar 1912 in Elgersburg/Thüringen, Sohn eines Glasbläsers; technischer Kaufmann. 1927 wurde er Mitglied des KJVD, Polleiter des KJVD in Arnstadt und gehörte der KJVD-BL Thüringen an. 1930 wegen »Rechtsabweichnungen« aus dem KJVD ausgeschlossen, wurde er Mitglied der KPO-Jugend und arbeitete im KPO-nahen Junius-Verlag als Expedient. 1933 illegal tätig, emigrierte zunächst in die Schweiz, im Sommer 1933 nach Prag, und Ende 1933 zu den Eltern, die seit 1931 als Facharbeiter in der Sowjetunion lebten. Möller wurde in Moskau wieder in den KJVD aufgenommen und arbeitete bis 1937 als Laborant. Nachdem sein Vater Otto 1937 vom NKWD verhaftet und erschossen wurde, kehrte Möller mit Hilfe des deutschen Konsulats nach Deutschland zurück. Bereits in Tilsit verhaftet, lehnte er eine Propagandaarbeit gegen die Sowjetunion ab und wurde daraufhin zu anderthalb Jahren Gefängnis verurteilt. 1939 Arbeiter in einer Glasfabrik in Ilmenau, zog er 1940 nach Hamburg, illegale Tätigkeit für die KPD auf der Deutschen Werft. Von 1945 bis 1947 Angestellter. 1945 Mitglied der KPD, 1947 hauptamtlich, bis 1950 Mitglied des Sekretariats der KPD-Landesleitung Hamburg, von 1947 bis 1953 Abgeordneter der Bürgerschaft. Im Zusammenhang mit den Kampagnen gegen Titoisten wurde Möller wegen angeblicher fraktioneller Tätigkeit in der Hamburger Leitung der KPD (Harry Naujoks, Karl Grunert) im Januar 1950 abgelöst. Möller erhielt eine »Rüge« und für ein Jahr Funktionsverbot; später stillschweigend rehabilitiert, arbeitete er als Angestellter. 1968 trat er der DKP bei, war viele Jahre stellvertretender Vorsitzender der ZRK der DKP und leitete von 1975 bis 1987 das Kuratorium der »Gedenkstätte Ernst Thälmann« in Hamburg. Walter Möller starb am 1.Oktober 1992 in Hamburg.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Mommer, Karl

* 13.3.1910 – ✝ 3.9.1990

(* 1910 – † 1990) Geboren am 13. März 1910 in Wevelinghofen/ Niederrhein, Sohn eines kommunistischen Funktionärs und späteren Metalldrehers. 1929 Abitur, Studium der Sozialwissenschaften in Graz, Wien und Berlin. Dort führendes Mitglied der Kostufra und 1930 Mitglied der KPD. 1933 illegale Tätigkeit für die KPD, im Januar 1934 in Düsseldorf verhaftet und zu 21 Monaten Gefängnis verurteilt. Im November 1935 flüchtete er vor einer erneut drohenden Verhaftung nach Brüssel. Er setzte das Studium fort und promovierte 1938 bei Hendrik de Man mit einer Dissertation »Der junge Marx und der Staat«. Privatlehrer und Buchhalter, hielt weiter Verbindung zur KPD-Emigrationsleitung in Brüssel. Zu dieser gehörte seit 1936 auch seine Schwester Elvira (*1905 – † ?), sie flüchtete später in die UdSSR, wurde dort 1938 verhaftet und in einen Gulag deportiert. Karl Mommer trat 1938 aus der KPD aus und wurde Mitglied der SPD. Er war bis 1941 in Frankreich interniert und anschließend bis 1944 landwirtschaftlicher Pächter mit Verbindungen zur französischen Résistance. 1945 in Paris Mitarbeiter der Landesgruppe deutscher Sozialdemokraten, im Juli 1946 kehrte er nach Deutschland zurück. Hier war er bis 1949 im Büro für Friedensfragen tätig, Mitglied des SPD-Landesvorstands in Stuttgart, dort saß er 1948/49 im Wirtschaftsrat. Von 1949 bis 1969 war Mommer Abgeordneter im Deutschen Bundestag, von 1957 bis 1966 auch Geschäftsführer der SPD-Fraktion und von 1966 bis 1969 Vizepräsident des Bundestages. Er galt als führender Vertreter des rechten SPD-Flügels, wandte sich besonders scharf gegen die DDR und die anderen kommunistischen Diktaturen. 1969 erhielt er das Große Bundesverdienstkreuz mit Schulterband. Karl Mommer starb am 3.September 1990.

Wer war wer in DDR

Mönkemeyer, Gerd

* 25.5.1927

Geb. in Leipzig; 1941 – 44 Berufsausbildung; Wehrdienst. 1946 CDU; 1946 – 50 Studium, Dipl.-Wirtsch.; 1950 – 53 Sachbearb., zul. Abt.-Ltr.; 1953 – 60 Hauptbuchhalter u. Finanzdir. im Außenhandelsmin.; 1958 – 71 Mitgl. der Stadtvertretervers. Berlin; 1960 – 68 FS-Lehrer an der FS für Außenhandel; seit 1966 Mitgl. des Bez.-Vorst. Berlin der CDU; 1968 – 77 Stellv. des Min. für Außenwirtschaft; seit 1977 Vizepräs. der Kammer für Außenhandel; 1968 – 72 Kand., seit 1972 Mitgl. des Hauptvorst. der CDU; Präs. der gem. Handelskammer DDR-Jugosl.; 1987 Stern der Völkerfreundschaft.Helmut Müller-Enbergs

dissidenten.eu

Morawiecki, Kornel

* 1941

Physiker; langjähriger Redakteur und Herausgeber des im Untergrund erscheinenden „Biuletyn Dolnośląski“, Gründer und Anführer der *Kämpfenden Solidarność; Pseudonyme: „Andrzej“, „K. M.“.Kornel Morawiecki wurde 1941 in Warschau geboren. 1959–63 studierte er Physik an der Universität Breslau (Wrocław) und war dort bis 1973 als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig. Im *März 1968 nahm er an den Studentenstreiks und Demonstrationen in Breslau teil. Im August 1968 verfasste er Flugblätter gegen den *Einmarsch von Truppen des Warschauer Paktes in die Tschechoslowakei und hängte im Januar 1969 in der Stadt Traueranzeigen für den tschechischen Studenten Jan Palach, der sich aus Protest gegen die Invasion in Prag selbst verbrannt hatte. Nach den Streiks an der Küste im *Dezember 1970 verteilte er in Breslau oppositionelle Flugblätter. Ab 1973 arbeitete er am Breslauer Polytechnikum. Ab Juni 1979 engagierte sich Morawiecki im seit Frühjahr desselben Jahres bestehenden Klub der gesellschaftlichen Selbstverteidigung (Klub Samoobrony Społecznej), der das niederschlesische Äquivalent des Komitees für Gesellschaftliche Selbstverteidigung „KOR“ (Komitet Samoobrony Społecznej; *KSS „KOR“) war. Ab Januar 1980 gab er gemeinsam mit Romuald Lazarowicz, Jan Waszkiewicz und Michał Wodzinski das unabhängige „Biuletyn Dolnośląski“ (Niederschlesisches Bulletin) heraus, das seit Juni 1979 erschien und über staatliche Repressionen der Machthaber und den gesellschaftlichen Widerstand berichtete, die internationale Entwicklung analysierte und eine unverfälschte Darstellung der neuesten polnischen Geschichte brachte. Schon damals war Morawiecki der Ansicht, man müsse gegenüber den kommunistischen Machthabern offensiv und kompromisslos auftreten und die Opposition in anderen Ostblockländern unterstützen. Während des „Sommers der Solidarność“ schrieb Morawiecki an Informationsblättern über die Streiks an der Küste mit. In einem der Flugblätter sowie im „Biuletyn Dolnośląski“ vom 23. August veröffentlichte er die 21 Forderungen des Danziger „Überbetrieblichen Streikkomitees“ (Międzyzakłokowy Komitet Strajkowy), die ihm Zenon Pałka übermittelt hatte. Er wurde Mitglied der Betriebskommission (Komisja Zakładowa) der *Solidarność am Breslauer Polytechnikum und stand ab 15. August er an der Spitze der fünfköpfigen niederschlesischen Delegiertenkommission, die die Liste der Abgeordneten für die Landesdelegiertenkommission (Krajowa Komisja Zjazdowa) der *Solidarność aufstellte. Morawiecki nahm im September/Oktober 1981 am Ersten Landesdelegiertenkongress der *Solidarność in Danzig teil, auf dem er vorschlug, eine Handreichung zu erarbeiten, um für den Fall vorbereitet zu sein, dass in Polen das *Kriegsrecht ausgerufen wird oder es zu einer Invasion der anderen Ostblockstaaten kommt. Nach Veröffentlichung des „Appells an die in Polen stationierten Sowjetsoldaten“ (Apel do żółnierzy sowieckich stacjonujących w Polsce) im „Biuletyn Dolnośląski“ (Juli/August 1981) wurde er am 14. September verhaftet. Unter dem Druck der niederschlesischen *Solidarność und dank der Hilfe von Polytechnikum-Direktor Tadeusz Zipser und Prorektor Andrzej Wiszniewski kam er bereits nach 48 Stunden wieder auf freien Fuß. Trotzdem erwartete ihn ein Gerichtsprozess, der im November und Dezember 1981 anfing, dann jedoch aufgrund der Verhängung des *Kriegsrechts nicht weitergeführt wurde. Vom 11. November bis zum 9. Dezember 1981 gab Morawiecki unter dem Dach der *Solidarność-Regionalleitung Niederschlesien die Plakatzeitung „Nasze Słowo“ (Unser Wort) heraus. Für den Fall eines Verbots der *Solidarność bereitete Morawiecki in Breslau ein konspiratives Netz von Druckereien vor, das während des *Kriegsrechts genutzt werden konnte. Nach dem 13. Dezember 1981 arbeitete er im Untergrund. Er trat dem geheim operierenden niederschlesischen Regionalen Streikkomitee der *Solidarność (Regionalny Komitet Strajkowy; RKS) bei und gab bis zum 7. Juni 1982 dessen Zeitschrift „Z dnia na dzień“ (Tag für Tag) heraus. Nach einem Konflikt mit dem Vorsitzenden des Regionalen Streikkomitee Władysław Frasyniuk gründete Morawiecki, der sich für die offene Konfrontation mit dem kommunistischen System aussprach und auch den Einsatz von Gewalt befürwortete, die *Kämpfende Solidarność (Solidarność Walcząca). Am 1. Juni 1982 gab er die Funktion des Propagandachefs des Regionalen Streikkomitees auf und gab eine Woche später das Bulletin der *Kämpfenden Solidarność herauszugeben. Als Władysław Frasyniuk verhaftet und das Regionale Streikkomitee teilweise zerschlagen war, gliederte Morawiecki am 11. November 1982 die *Kämpfende Solidarność um und wurde Vorsitzender ihres Exekutivkomitees. In dem programmatischen Artikel „Wer sind wir? Wofür kämpfen wir?“ (veröffentlicht im September 1982) schrieb er: „Wir, die wir seit 38 Jahren betrogen wurden, glauben nicht mehr an die Reformierbarkeit dieses Systems. Wir wollen es ändern und den Machthabern die Macht entreißen.“ 1986 prognostizierte er den Untergang des Kommunismus in drei Phasen: Abzug der sowjetischen Truppen aus Polen, freie Wahlen zu den Selbstverwaltungsorganen und zum Sejm, Zerfall der Sowjetunion. Er sprach sich für gesellschaftliche Solidarität und soziale Sicherheit für die Schwächsten aus, sowie für einen freien Markt, der teilweise unter staatlicher Kontrolle stehen sollte. Diese Standpunkte fanden 1986 ihren Niederschlag im Programm der *Kämpfenden Solidarność, dessen Mitautor er war.Morawiecki wirkte an der Bildung von Organisationen der Kämpfenden Solidarność in Niederschlesien und in Städten anderer Regionen (Kattowitz, Posen, Rzeszów, Danzig, Warschau, Stettin) mit und war Herausgeber und Redakteur der Zeitschriften „Solidarność Walcząca“ (*Kämpfende Solidarność), „Biuletyn Solidarności Walczącej“ (Bulletin der *Kämpfenden Solidarność) und „Biuletyn Dolnośląski“. Er betreute die Arbeit zahlreicher Untergrunddruckereien und des Radiosenders der Kämpfenden Solidarność. 1986/87 initiierte er den Transport unabhängiger Literatur von London in die Ukraine und koordinierte die Beschaffung von Druck- und Radiotechnik aus Deutschland. Am 9. November 1987 wurde er gemeinsam mit Hanna Łukowska-Karniej aus der Kämpfenden Solidarność in Breslau verhaftet und nach Warschau ins Gefängnis gebracht. Der Vorwurf: Schmuggel und Fälschung von Personaldokumenten. Die Breslauer Opposition – beteiligt war auch Władysław Frasyniuk – organisierte verschiedene Aktionen für seine Freilassung. Am 12. April 1988 schrieb Morawiecki einen Brief an General Wojciech Jaruzelski und protestierte gegen die Kriminalisierung seiner Handlungen. Am 30. April 1988 wurde er gemeinsam mit dem vermutlich krebskranken Vorsitzenden der Kämpfenden Solidarność aus der Dreistadt, Andrzej Kołodziej, gezwungen Polen zu verlassen. Am 4. Mai versuchte er, wieder in seine Heimat einzureisen, wurde aber auf dem Warschauer Flughafen Okęcie gewaltsam zurück in das Flugzeug gebracht und nach Wien geflogen. Von dort aus ging er in die USA, konnte jedoch dank der Unterstützung von Freunden im August 1988 illegal nach Polen zurückkehren. Morawiecki war gegen Kompromisse mit den kommunistischen Machthabern und lehnte die Verhandlungen am *Runden Tisch ab. Die getroffenen Übereinkünfte mit der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei betrachtete er als den Beginn der Anerkennung der kommunistischen Nomenklatur und der Enteignung des Gesellschaftsvermögens durch die Kommunisten und durch einen Teil der Opposition. Er protestierte gegen die Kandidatur General Jaruzelskis für das Amt des Staatspräsidenten. Erst 1990 beendete Morawiecki seine Untergrundtätigkeit. Im Juli gründete er die Freiheitspartei (Partia Wolności) als Fortsetzung der Ideen der *Kämpfenden Solidarność. Er forderte, ehemaligen Parteifunktionären für zehn Jahre das Recht zu entziehen, zum Sejm oder den Selbstverwaltungsorganen zu kandidieren oder leitende Funktionen auszuüben. Seit 1991 lehrt Morawiecki am Breslauer Polytechnikum. Im selben Jahr gelang es ihm nicht, für die Präsidentschaftswahlen zugelassen zu werden, da er nicht die dafür erforderlichen 100.000 Unterschriften zusammenbringen konnte. Vor den Parlamentswahlen 1993 ging seine Freiheitspartei in der Bewegung für die Republik (Ruch dla Rzeczpospolitej; RdR) auf, Morawiecki errang jedoch genauso wenig ein Abgeordnetenmandat wie in den Parlamentswahlen 1997, als er für die Bewegung zum Aufbau Polens (Ruch Odbudowy Polski; ROP) kandidierte und 2007, als er als parteiloser Kandidat auf der Liste der Partei „Recht und Gerechtigkeit“ (Prawo i Sprawiedliwość; PiS) antrat. Bei den Präsidentenwahlen 2010 kam Morawiecki auf den letzten Platz. Auch in den Wahlen zum Niederschlesischen Sejm 2010 und den Senatswahlen 2011 blieb er erfolglos, wurde jedoch Chefredakteur des Magazins „Prawda jest ciekawa – Gazeta Obywatelska“ (Die Wahrheit ist interessant – Bürgerzeitung). Bei den Parlamentswahlen 2015 errang Kornel Morawiecki über die Liste der kurz zuvor gegründeten Wahlverbindung „Kukiz‘ 15“ des Rocksängers Paweł Kukiz einen Sitz im Sejm, wo er zu einem der Alterspräsidenten ernannt wurde.Jan Ryszard Sielezin Aus dem Polnischen von Markus Pieper und Wolfgang Templin Letzte Aktualisierung: 11/15

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Morgner, Michael

* 6.4.1942

Geb. in Chemnitz; 1960 Abitur; 1961 – 66 Studium an der HS für Grafik u. Buchkunst in Leipzig bei Harry Blume u.  Irmgard Horlbeck-Kappler; ab 1966 freischaff. in Dittersdorf u. Karl-Marx-Stadt / Chemnitz; 1973 Umzug nach Einsiedel; Gründungsmitgl. der »Galerie oben«, bis in die Gegenwart konzeptionelle Arbeiten für das Programm der Galerie; 1974 Reise nach Irkutsk (Sibirien); 1975 Teiln. an Pleinairs in Ahrenshoop u. Hiddensee, drehte einen 8-mm-Kamerafilm mit Thomas Ranft u. Ralf-Rainer Wasse; 1976 Pleinair Ostrauer Scheibe; Reise nach Krakau; Ausstellung in der Galerie Arkade, Berlin; 1977 Mitbegr. der Künstlergr. »Clara Mosch« u. der gleichn. Produktionsgalerie in Adelsberg, dort stattfindende Ausstellungen, Aktionen u. Künstlerfeste wurden zum Treffpunkt der Szene, Beobachtungen durch das MfS führten zur Auflösung der Künstlergr.; Pleinair in Leussow, Aktion Leussow-Recycling, erneut 8-mm-Kamerafilm mit Thomas Ranft u. Ralf-Rainer Wasse; 1981 Pleinair in Gallenthin, Videodokumentation; 1982 Reisen nach Georgien u. Armenien; 1984 Austritt aus dem Bez.-Vorst. des VBK; 1988 Ablehnung weiterer Mitarb. im VBK; 1989 Aussöhnung der Mitgl. der Künstlergr. »Clara Mosch« nach Auffinden des Maßnahmeplans des MfS. 1991 Gründungsmitgl. der Sächs. AdK Dresden u. der Freien AdK Leipzig; 1992 Kunstpreis der Großen Kunstausst. NRW, Düsseldorf; Arbeitsreisen nach Italien, Mexiko u. in die USA; seit 1995 auch Arbeiten als Bildhauer, u. a. die Großskulptur »Reliquie Mensch« (2001 aufgestellt in Frankfurt (Main) u. die Skultur »Spannung« (2001 Chemnitz); 2003 Gastprof. an der Sommerakad. Salzburg; lebt in Einsiedel (b. Chemnitz). Werke: Außenwandbild Harlaß-Gießerei Wittgensdorf (1976 – 80); Diptychon »A« u. »Z« (1982/83); Grafikmappen; M. überschreitet den See bei Gallenthin (1983); Jahreszeiten – Tageszeiten (1984); Ecce Homo (1986).Kat. M. M. Galerie Arkade. Berlin 1976; Kat. M. M. Werkübersicht 1972 – 1991. Städt. Kunstsammlung Chemnitz 1992; Kat. M. M. Inst. für Auslandsbeziehungen Stuttgart 1993 (mit Bibl.).Anke Scharnhorst

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Mosler, Heinrich

* 29.1.1911 – ✝ 22.8.1969

Geb. in Schmiedeberg (Krs. Hirschberg, Schles. / Kowary, Polen); Vater Maschinist; Volksschule; 1925 – 29 Lehre u. Arbeit als Glasschleifer; 1927 RFB, 1929 KPD; 1929 –33 arbeitslos; 1932 Mitgl. der KPD-Ortsltg. in Schmiedeberg; nach 1933 illeg. antifasch. Arbeit; im März 1933 festgenommen u. bis Jan. 1934 in Breslau in U-Haft; am 29.11.1933 durch das OLG Breslau wg. »Vorbereitung zum Hochverrat u. Verbrechen gegen das Sprengstoffgesetz« zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt; 1934 – 41 in den Zuchthäusern Groß-Strehlitz u. Luckau sowie im Moorlager Emsland inhaftiert; anschl. erneut illeg. Arbeit; 1941 – 45 Arbeit als Weber. 1945 Bürgermstr. in Schmiedeberg; 1945 / 46 Org.-Sekr., 1946 – 49 Vors. des KPD- bzw. SED-KV Kyritz; 1946 Lehrgang an der SED-PHS; 1947 – 52 Mitgl. der SED-LL u. MdL Brandenb.; 1949 – 52 Vors. der SED-LPKK Brandenb.; 1950 – 58 Kand. der ZPKK der SED; 1952 – 55 Vors. der SED-BPKK Chemnitz / Karl-Marx-Stadt; 1954 / 55 Studium an der PHS der KPdSU in Moskau; 1955 – 63 2. Sekr. der SED-BL Schwerin; 1958 – 63 Mitgl. der ZRK der SED; 1963 / 64 polit. Mitarb. der SED-BL u. 1964 – 69 Vors. der SED-BPKK Cottbus.Mario Niemann

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Mitzenheim, Moritz

* 17.8.1891 – ✝ 4.8.1977

Geb. in Hildburghausen; Vater Oberstudienrat; Abitur am Gymnasium Georgianum; 1911 – 14 Studium der Theol. in Leipzig, Heidelberg, Berlin u. Jena; 1914 Ordination; anschl. bis 1916 Pfarrvikar in Grabe (b. Saalfeld); 1917 – 29 Diakonus in Saalfeld; danach bis 1945 Pfarrer in Eisenach; 1936 Mitgl. der Bekenntnisgem.; 1943 Ltr. des Landesbruderrats der Bekennenden Kirche; Mai 1945 Vors. des Thür. Landeskirchenrats; ab 1947 Landesbischof der Ev.-Luth. Kirche in Thür.; 1947 Dr. h. c. der FSU Jena; Teiln. an der Gründungsvers. des Luth. Weltbunds in Lund; 1948 Delegierter zum 1. Dt. Volkskongreß in Berlin; 1955 – 61 Mitgl. des Rats der EKD; Befürworter kooperativer Beziehungen zw. Kirche u. Staat u. bevorzugter Gesprächspartner der DDR-Reg.; Teiln. an den Verhandlungen zur Vorber. des Kommuniqués vom 21.7.1958, maßgebl. Initiator des umstrittenen »Thür. Wegs«, der im Gegensatz zur Mehrheit der Landeskirchen in der DDR konsequent staatsloyale Kirchenpol. betrieb; zahlr. Reisen u. Kontakte zu Kirchenvertretern in der UdSSR u. Osteuropa; 1959 Wladimir-Orden der Russ.-Orthodoxen Kirche; 1961 VVO; 1961 Teiln. an der Vollvers. des Ökumen. Rats der Kirchen in Neu-Delhi; 1962 Dr. h. c. in Bratislava; 1964 Teilnehmer der II. CFK in Prag; 18.8.1964 Treffen mit dem Staatsratsvors.  Walter Ulbricht auf der Wartburg; 1966 Stern der Völkerfreundschaft; Ehrenmitgl. der CDU; 1970 Ruhestand; gest. in Eisenach. M. M. galt als konservativer Lutheraner, der unter Berufung auf die »Zwei-Reiche-Lehre« Luthers erklärte, die Christen hätten »Gott u. der Staatsreg.« zu dienen; der Bischof stand während seiner Amtszeit unter dem Einfluß seines jur. Stellv., Oberkirchenrat  Gerhard Lotz, der als IM »Karl« vom MfS erf. war.Pol. Diakonie. Reden – Erklärungen – Aufsätze 1946 – 1964. Berlin 1967; Aus christlicher Verantw. Berlin 1971. Björkmann, Th.: Ein Lebensraum für die Kirche. Die Rundbriefe von Landesbischof M. M. 1945 – 1970. Lund 1991.Ehrhart Neubert

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Möbis, Harry

* 16.5.1930

Geb. in Hackpüffel (Kyffhäuser); Grundschule; Ausbildung u. Arbeit als Maschinenschlosser; FDJ, SED; Studium der Wirtschaftswiss. / Industrieökonomik an der HfÖ Berlin-Karlshorst, Dipl.-Wirtschaftswiss.; zeitw. Sekr. der SED-GO an der HfÖ; 1956 – 89 Mitarb. im MfS, ab 1967 als OibE; ab 1961 Ltr. der Abt. Org. u. Inspektion beim VWR; Prom. zum Dr. rer. oec.; 1966 – 89 Staatssekr. beim Ministerrat; ab 1967 Staatssekr. u. Ltr. der Arbeitsgr. Org. u. Inspektion beim Vors. des Min.-Rats (führte dort als OibE weitere 24 OibE); Nov. 1989 – März 1990 Ltr. des Sekretariats des Ministerpräs.  Hans Modrow.Die Nutzung eisenhaltiger Industrieabfälle. Berlin 1965; Zur sozialist. Betriebswirtsch. Berlin 1968; Leistung + Qualifikation = Wohlstand. Berlin 1987; Von der Hoffnung gefesselt. Zwischen Stoph u. Mittag – unter Modrow. Frankfurt (Oder) 1999. Haendcke-Hoppe-Arndt, M.: Die Hauptabteilung XVIII. Berlin 1997; Süß, W.: Staatssicherheit am Ende. Berlin 1999.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

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Modes, Lutz

* 19.12.1944

Geb. in Dresden; Mutter Betriebswirtschaftl.; Grund- u. Oberschule; Ausbildung zum Maschinenbauzeichner; 1959 FDJ; 1964 – 70 Stud. an der Bergakad. Freiberg, Dipl.-Ing. für Metallurgie, Werkstofftechnik u. Metallformung; 1970 – 75 Metallurge bzw. Mitarb. des Betriebsdir. des VEB Preß- u. Schmiedewerke »Einheit« in Brand-Erbisdorf; 1972 SED; 1976 / 77 wiss. Mitarb. des Betriebsdir., 1977 / 78 Dir. für Technik; 1980 – 84 Dir. für Prod. bzw. 1. Stellv. des Betriebsdir. des VEB Preß- u. Schmiedewerke »Einheit« in Brand-Erbisdorf; 1978 / 79 Stud. an der SED-BPS Mittweida; 1980 Prom. zum Dr.-Ing.; ab 1984 Betriebsdir., 1985 – 90 GD des VEB Schwermaschinenbaukombinat »Karl Liebknecht« Magdeburg (Nachf. von Lothar Schiffel); Frühjahr 1990 Vorstandsvors. der aus dem Kombinat hervorgegangenen SKL Motoren- u. Systemtechnik AG Magdeburg; am 5.7.1990 auf Vorschlag des Ministerpräs. Lothar de Maizière von der Volkskammer in den Verwaltungsrat der Treuhandanstalt gewählt, dort Mitgl. bis 16.11.1990. Nach 1990 Geschäftsf. der Gesell. für Aus- u. Fortbildung in Hoyerswerda mbH.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Moericke, Franz

* 29.3.1885 – ✝ 29.5.1956

Geboren am 29. März 1885 als sechstes von acht Kindern in Apolda, der Vater war Sattler, die Mutter Heimarbeiterin; er lernte Modelltischler, arbeitete bis 1910 in seinem Beruf, dann Gewerkschaftssekretär. 1902 Mitglied der SPD, 1904 des Holzarbeiterverbandes. 1914 trat Moericke aus der SPD aus; 1915 Soldat, simulierte er nach einer Verschüttung ein Herzleiden. Demobilisiert kam er nach Halberstadt in die Flugzeugwerke. 1917 ging er zur USPD und wurde Sekretär im UB Halberstadt, 1920 führte er fast die gesamte Ortsgruppe zur VKPD. Ab 1920 hauptamtlich für die KPD tätig, zunächst Leiter der Partei in Halberstadt, dann Sekretär für Landarbeiter- und Kleinbauernfragen der BL Magdeburg-Anhalt und schließlich Redakteur in Magdeburg. 1923 Chefredakteur der »Roten Fahne des Ostens« (»Echo des Ostens«) in Königsberg. Dort 1924 als Anhänger der Linken im Wahlkreis Ostpreußen zum Abgeordneten des Preußischen Landtages gewählt. Im gleichen Jahr kam Moericke wieder nach Magdeburg, wo er bis 1927 als Chefredakteur die »Tribüne« leitete. 1928 holte ihn die Zentrale nach Berlin in die Landabteilung. Hier gab er mit Robert Neddermeyer im Auftrag der Komintern die Zeitung »Balas«, Organ der KP Litauens, heraus. 1928 erneut in den Preußischen Landtag gewählt, mußte er jedoch im September 1928 zurücktreten, um dem Landarbeiter Fritz Kahmann sein Mandat zu überlassen. Mitarbeiter des ZK, Leiter der Landabteilung, dann der »Industriegruppe Land« der RGO. Im September 1930 kam er (im Wahlkreis Ostpreußen) als Abgeordneter in den Reichstag, dem er bis 1932 angehörte. 1931 Redakteur der »Roten Fahne«, für die er auch verantwortlich zeichnete. Am 1. März 1933 verhaftet, kam Moericke durch eine offensichtliche Namensverwechslung zunächst wieder frei, wurde aber am 6. September 1933 erneut verhaftet und bis Ende November 1935 im Zuchthaus Luckau festgehalten. Er arbeitete dann wieder als Tischler, hatte Kontakte zu Anton Saefkow und wurde am 6. August 1944 abermals festgenommen. Gemeinsam mit Neddermeyer und Werner Jurr vom VGH am 6. Oktober 1944 zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt, im April 1945 aus dem Zuchthaus Brandenburg befreit. Moericke schloß sich wieder der KPD bzw. SED an, Mitbegründer des FDGB, dessen 1. Kongreß im Februar 1946 von ihm eröffnet wurde. Seit August 1945 Vorsitzender des FDGB im Land Brandenburg, diese Funktion gab er im Juli 1948 aus »gesundheitlichen Gründen« auf, dann Sachbearbeiter für agrarpolitische Fragen beim FDGB-Bundesvorstand und 1949 bis 1955 Chefredakteur der FDGB-Zeitung »Land und Forst«. Träger des Karl-Marx-Ordens. Nach längerer Krankheit starb Franz Moericke – zuletzt Parteiveteran in Neuenhagen bei Berlin – am 29. Mai 1956. Siegfried Mielke und Matthias Oden veröffentlichten 2005 eine biographische Skizze über Franz Moericke.

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Möhwald, Gertraud

* 15.6.1929 – ✝ 20.12.2002

Geb. in Dresden; 1948 – 50 Lehre als Steinbildhauerin; 1950 – 54 Studium am Inst. für künstler. Werkgestaltung Halle, 1959 – 64 an der HS für industrielle Formgestaltung Burg Giebichenstein, u. a. bei  Gustav Weidanz; 1964 – 70 künstler.-wiss. Mitarb., 1970 – 73 Ltr. des Fachber. Keramik an der HS für industrielle Formgestaltung; freischaff.; Lehrerin im HS-Dienst in Halle; 1990 Mitgl. der AdK. Mitgl. der Academie internationale de la Ceramique, Genf; gest. bei einem Verkehrsunfall in Halle. Freies u. figürl. Gestalten in u. mit versch. Materialien; gilt als eine der bedeutendsten dt. Keramikerinnen.Schneider, K. (Hrsg.): G. M. Keramik. Stiftung Moritzburg 2005.Gerd Dietrich

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Möller, Günter

* 28.3.1934 – ✝ 28.12.2008

Geb. in Förtha (Thür.); Vater Schlosser; Mutter Hausfrau; Volksschule; 1948 – 52 Lehre u. Arbeit als Werkzeugmacher; 1952 Einstellung beim MfS, Krs.-Dienststelle Eisenach; dann Kursant an der Schule des MfS Potsdam-Eiche; 1952 SED; 1953 BV Gera, Abt. IV (Spionageabwehr); dann Krs.-Dienststelle Jena des MfS; 1954 Versetzung zur HA II (Spionageabwehr), MfS Berlin; 1964/65 SED-BPS Eberswalde des MfS; 1965 stellv. Abt.-Ltr., dann Abt.-Ltr. in der HA II; 1977 Prom. zum Dr. jur. an der JHS; 1978 stellv. Ltr. der HA II; 1982 Offz. für Sonderaufg.; dann Ltr. der HA Kader u. Schulung; 1985 VVO; 1988 Gen.-Ltn.; Mai 1990 Entlassung; Berater des Staatl. Komitees zur Auflösung des AfNS; gest. in Berlin.Grimmer, R. u. a. (Hrsg.): Die Sicherheit. Berlin 2002 (Mitautor).Jens Gieseke

Handbuch Deutsche Kommunisten

Möller, Werner

* 6.2.1888 – ✝ 5.1.1919

Geboren am 6. Februar 1888 in Barmen, Sohn eines Schuhmachers; lernte Klempner und schloß sich früh der sozialdemokratischen Jugend an. Vor dem Ersten Weltkrieg in der Berliner SPD auf dem linken Flügel aktiv, trat er 1913 als lyrischer Arbeiterdichter hervor. Bei Kriegsausbruch gehörte er zur Berliner oppositionellen Gruppe um Julian Borchardt und publizierte in dessen Organ »Lichtstrahlen«. Möller war führend in der Borchardt-Gruppe Internationale Sozialisten Deutschlands, der ISD, und saß wegen seiner Anti-Kriegsarbeit neun Monate im Gefängnis Cottbus. Er wurde enger Mitarbeiter bei der »Arbeiterpolitik« von Johann Knief. 1918 einer der Führer der IKD, nahm als einer ihrer Delegierten am Gründungsparteitag der KPD Ende 1918 teil. Der linksradikale Aktivist Möller zählte zu den Kommunisten, die am Abend des 5. Januar 1919 das SPD-Organ »Vorwärts« in Berlin besetzten. Er gab dort gemeinsam mit Eugen Leviné den »Vorwärts« als eine kommunistische Zeitung, »Organ der revolutionären Arbeiterschaft Groß-Berlins« heraus. Beim Angriff von Truppen auf das Vorwärts-Gebäude befand sich Möller unter den »Parlamentären«, die eine Übergabe anboten, doch zusammen mit sechs weiteren von ihnen wurde auch Werner Möller am 11. Januar 1919 von Soldaten erschossen. Später wurde er von Linkskommunisten als »Wegbereiter ihrer Bewegung angesehen« (H. M. Bock). Möllers Buch »Krieg und Kampf« erschien posthum 1920 in Chemnitz.

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Mönch, Harry

* 25.1.1925

Geb. in Berlin; Vater Gießereiarbeiter, Mutter Arbeiterin; Volks- u. Berufsschule in Berlin; 1939 / 40 Landjahrpflichtiger im Rheinl.; 1940 – 42 Junghelfer bei der DR in Berlin; 1942 kaufm. Angest. in Berlin; 1942 RAD; 1942 – 45 Wehrmacht; Mai / Juni 1945 amerik. Kriegsgef. in Oberösterr. 1945 / 46 Hilfsschlosser in Bietigheim (Württemb.); 1946 / 47 Transportarb. in Berlin; 1947 / 48 Mechaniker-Umschüler in Berlin; ab Januar 1949 Arbeitsgebietsltr. der IG Metall in Falkensee; 1949 SED; 1949 Landesgewerkschaftsschule Belzig des FDGB; 1949 / 50 Instrukteur u. Abt.-Ltr. für Arbeit u. Löhne im Landesvorst. Brandenb. der IG Metall in Potsdam; 1950 Bundesschule des FDGB in Bernau; 1950 – 52 Sekr. u. Ltr. der Abt. Arbeit/ Löhne sowie Abt. Soziales im FDGB-Landesvorst. Brandenburg; 1952 – 60 Vors. des FDGB-Bezirksvorst. Frankfurt (Oder); 1952 – 69 Abg. des Bezirkstags Frankfurt (Oder); 1954 – 60 Fernstud. an der PHS »Karl Marx«, Dipl.-Gesellschaftswiss.; 1955 – 63 Kand. des FDGB-Bundesvorst.; 1960 – 63 Stellv. des Vors. des Rats des Bez. u. Vors. des Bezirkswirtschaftsrats Frankfurt (Oder); 1963 – 69 Vors. des Rats des Bez. Frankfurt (Oder); 1968 / 69 Stud. an der PHS beim ZK der KPdSU in Moskau; 1969 – 71 wiss. Mitarb., 1971 – 73 Abt.-Ltr. beim Ministerrat; 1972 / 73 Ltr. der Beratergruppe beim Ministerrat der Volksdemokrat. Rep. Jemen; 1974 – 80 Stellv. des Ltr. der Staatl. Verw. der Staatsreserve beim Ministerrat; 1981 – 89 wiss. Mitarb. im Sekretariat des Ministerrats; danach Rentner.Andreas Herbst

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Montag, Martin

* 12.3.1954

Geb. in Wendehausen (Krs. Mühlhausen, Thür.); 1960 – 68 Grundschule u. POS in Wendehausen u. Diedorf, 1968 – 72 EOS in Eisenach; 1972 – 80 Studium der Theol. in Erfurt u. Neuzelle; 1980 Priesterweihe in Erfurt; 1980 – 83 Stadtjugendseelsorger u. Kaplan in Erfurt; 1983 – 89 Kaplan in Arnstadt; 1989 – 99 Pfarrer in Zella-Mehlis; Sept. 1989 Mitarb. im Neuen Forum, Vorber. von Friedensgebeten, Bittgottesdiensten u. Informationsabenden in Suhl u. Zella-Mehlis; 31.10.1989 Gründung u. Ltg. der AG Menschenrechte in Zella-Mehlis; 20.11.1989 Mitw. an der Gründung der SDP in Zella-Mehlis in Räumen der kath. Gemeinde; Dez. 1989 aktive Mitw. an der Besetzung u. Auflösung der MfS-BV Suhl, Dez. 1989 – Juni 1990 Mitarb. in der Zeitw. Kommission zur Auflösung des MfS/AfNS des Bez.-Tags Suhl, 14./15.1.1990 Mitw. an der Auflösung der MfS-Zentr. in Berlin-Lichtenberg. Okt. 1990 Gründung des Bürgerkomitees des Landes Thür. e. V. mit Sitz in Suhl, seither dessen Vors.; Aufgabenbereiche: Betreuung von SED-Opfern, Mitarbeit an Gesetzesinitiativen zu Fragen der Rehabil. u. Wiedergutmachung von SED-Unrecht sowie pol. Bildung u. öffentl. Geschichtsaufarbeitung durch Herausgabe einer Schriftenreihe; seit Sept. 1999 Pfarrer in Beuren (Eichsf.).Bernd Schäfer

Wer war wer in DDR

Morche, Helmut

* 25.2.1930

Geb. in Pratau (Krs. Wittenberg); Vater Gleisbauarb.; 1936 – 44 Grundschule; 1944 – 47 Berufsschule, Lehre als Lokomotivschlosser; 1947 – 50 Arbeit als Schlosser im Stickstoffwerk Piesteritz, 1950 / 51 dort FDJ-Sekr.; 1951 Instrukteur, 1951 / 52 Ltr. der Abt. Arbeiterjugend der FDJ-KL Halle; 1952 / 53 1. Sekr. der FDJ-Stadtbezirksltg. Halle 2; 1953 SED; 1953 – 55 2. Sekr. der FDJ-Stadtltg. Halle; 1955 / 56 Lehrgang an der SED-BPS Halle; 1956 – 61 1. Sekr. der FDJ-Stadtltg. Halle; 1961 – 63 Ltr. der Abt. Org. / Kader der SED-Stadtltg. Halle; 1962 – 66 Abendstudium an der Ingenieurschule Leipzig, Abschluß als Technologe; 1963 – 66 2. Sekr. der SED-Stadtltg. Halle; 1966 – 69 Studium an der SED-PHS, Dipl.-Gesellschaftswiss.; 1969 – 80 1. Sekr. der SED-KL Bitterfeld; 1973 VVO; 1980 – 89 Sekr. für Landw. der SED-BL Halle; 1986 – 89 Kandidat des ZK der SED; Nov. / Dez. 1989 2. Sekr. der SED-BL Halle; 1990 Vorruhestand.Mario Niemann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Morgner, Edwin

* 1.11.1884 – ✝ 31.1.1943

Geboren am 1. November 1884 in Meerane/ Sachsen, Sohn einer Arbeiterfamilie; lernte von 1899 bis 1903 Dreher. Nach Wanderschaft mit Arbeitsstätten in Solingen und Köln, von 1905 bis 1909 in Gera, er war Mitglied und Funktionär des DMV. Bereits 1902 in die SPD eingetreten, beteiligte er sich von 1907 bis 1909 als DMV-Funktionär maßgeblich an Streikaktionen und wurde deswegen auf eine »schwarze Liste« der Unternehmer gesetzt. Seit 1907 mit Gertrud Müller ( Gertrud Morgner) verheiratet, beide übersiedelten 1909 nach Jena, er war dort Dreher in den Optischen Werken von Carl Zeiss. 1916 Mitbegründer der Spartakusgruppe in Jena, Edwin Morgner nahm als Delegierter am Gründungsparteitag der KPD Ende 1918 in Berlin teil. Im Anschluß daran gründete er mit Gertrud Morgner die KPD-Ortsgruppe in Jena. Vom V. Parteitag 1920 für Thüringen in den Zentralausschuß gewählt, verließ er 1921 Jena und wurde Abnahmebeamter für Werkzeugmaschinen in der sowjetischen Handelsvertretung in Berlin. Seit 1931 lebte Morgner wieder mit seiner Frau zusammen und beide reisten im März 1932 in die Sowjetunion. Hier arbeitete er als Spezialist für Werkzeugmaschinen und Inspekteur für die Kontrolle von importierten Maschinen aus Deutschland. Als Politemigrant anerkannt, wurde er im Juli 1938 (offiziell wegen Personalabbaus) von seiner Funktion entbunden und fing als einfacher Kontrolleur für Schneidewerkzeuge in einem Moskauer Betrieb an. Morgner wandte sich mehrmals erfolglos wegen dieser unterqualifizierten Beschäftigung an sowjetische Behörden. In der Nacht zum 11.September 1941 wurde Edwin Morgner in Moskau verhaftet, die näheren Umstände seiner Verhaftung und seines Todes sind bis heute nicht bekannt. Gertrud Morgner erfuhr 1949 lediglich, daß ihr Mann bereits am 31. Januar 1943 gestorben sei.

Wer war wer in DDR

Most, Edgar

* 21.3.1940 – ✝ 12.12.2015

Geb. in Tiefenort (Thür.); Grundschule, 1954 – 62 Lehrling u. Ökonom bei der Dt. Notenbank in Bad Salzungen; 1962/63 Ökonom in der Dt. Investitionsbank, Sonderbankfiliale Schwedt; 1964 Abschluß eines Fernstudiums an der FS für Finanzwirtsch. Gotha; 1964 SED; 1964 – 67 Abt.-Ltr. in der Dt. Investitionsbank, Sonderbankfiliale Schwedt; 1967 – 74 Dir. in der Industrie- u. Handelsbank, Industriebankfiliale Schwedt; 1971 Abschluß eines Fernstudiums an der HfÖ Berlin, Dipl.-Finanzwirtsch.; 1974 – 90 Sektorenltr. u. Abt.-Ltr. in der Zentrale der Staatsbank der DDR in Berlin; ab Febr. 1990 Vizepräs. der Staatsbank der DDR, April 1990 – Juni 1991 Vors. des Vorst. der Dt. Kreditbank AG.; Juli – Dez. 1990 Mitgl. des Vorst. der Dt. Bank – Kreditbank AG; 1980 – 85 als IM »Heinrich« des MfS erf. Dez. 1990 – 2004 Mitgl. der Geschäftsltg. der Dt. Bank AG, Filiale Berlin, 1999 – 2005 Vors. des Vorst. des Ostdt. Bankenverbands; 1999 Ehrensenator der Europa-Univ. Viadrina Frankfurt (Oder); 2004/05 Mitgl. des Beraterkreises der Bundesreg. für den Aufbau Ost; gest. in Berlin.50 Jahre im Auftrag des Kapitals. Berlin 2009.Andreas Herbst