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BioLex

In der Kategorie BioLex sind drei wichtige Lexika mit über 5500 Biografien von überzeugten Kommunistinnen und Kommunisten, Renegatinnen und Dissidenten im Volltext recherchierbar.

 

Das Handbuch „Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945“ wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam.

Kurzbiografien zu Personen des politischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 bereit.

Zudem ist das Online-Lexikon www.dissdenten.eu ebenfalls auf unserer Seite aufrufbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Informationen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Handbuch Deutsche Kommunisten

Müller, Anton

* 15.1.1888 – ✝ 25.8.1943

Geboren am 15. Januar 1888 in Wehringen/Krs. Augsburg; Lehre und Arbeit als Bäckergehilfe. Von 1910 bis 1912 Militärdienst in Mainz, anschließend Bäcker in Frankfurt am Main. Bereits vor 1914 Mitglied der SPD, bis 1918 Soldat im Ersten Weltkrieg, Verwundung. Danach wieder Bäcker in Frankfurt am Main. Seit 1918 Mitglied der USPD, ab 1920 der KPD. 1931 Kursant der Reichsparteischule »Rosa Luxemburg« in Fichtenau bei Berlin. Im April 1932 für den Wahlkreis Hessen-Nassau in den Preußischen Landtag gewählt. Ab Februar 1933 hielt sich Müller einige Monate verborgen und leitete die RGO im Bezirk Hessen-Frankfurt. Später reiste er nach Mitteldeutschland, lebte zunächst illegal in Leipzig und war ab Dezember 1933 in Gera Leiter der illegalen RH für Thüringen, Deckname Theo. Am 2. Juni 1934 festgenommen und am 7. Januar 1935 vom Thüringischen OLG zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt. Anton Müller kam am 25. August 1943 im Zuchthaus Untermaßfeld ums Leben.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Müller, Franz

* 10.1.1896 – ✝ 25.8.1968

Geboren am 10. Januar 1896 in Berlin, Sohn eines Glasbläsers; lernte Schriftsetzer und war später Transportarbeiter. Seit 1910 Mitglied der Arbeiterjugend, von 1916 bis 1920 Kriegsdienst und Gefangenschaft. Ab 1920 in der KPD, von 1924 bis 1933 Schriftsetzer bei der »Roten Fahne«. 1925 Leiter der deutschen Delegation zur ersten internationalen Arbeiterspartakiade in Moskau. Ab 1929 1. Vorsitzender der Kampfgemeinschaft für rote Sporteinheit Berlin-Brandenburg, er gehörte auch der KPD-BL Berlin-Brandenburg an. Von 1929 bis 1933 Mitglied der Berliner Stadtverordnetenversammlung, am 12. März 1933 erneut gewählt, konnte er sein Mandat nicht mehr wahrnehmen. Bis 1935 Instrukteur der illegalen Landesleitung der kommunistischen Rot-Sport-Organisation. Während der Olympischen Spiele 1936 für einige Tage festgenommen, in den folgenden Jahren hatte er Verbindung zu den von Robert Uhrig und Anton Saefkow geleiteten Widerstandsgruppen. Ab 1945 wieder Mitglied der KPD/SED, leitete er von 1945 bis 1949 das Hauptsportamt des Berliner Magistrats. Er war später Verlagsleiter des Sport-Verlags und außerdem von 1957 bis 1960 stellvertretender Vorsitzender des Staatlichen Komitees für Körperkultur und Sport. Franz Müller starb am 25. August 1968 in Ost-Berlin.

Wer war wer in DDR

Müller-Stoll, Wolfgang R.

* 21.4.1909 – ✝ 16.4.1994

Geb. in Karlsruhe; Vater Justizbeamter; Volksschule u. Realgymnasium in Karlsruhe; 1928 – 33 Studium der Naturwiss., insbes. Botanik u. Mikrobiol. an der TH Karlsruhe u. der Univ. Heidelberg, 1933 Dr. phil. nat.; 1933 wiss. Hilfsarb. an den Bad. Landessammlungen für Naturkunde in Karlsruhe; 1933 – 34 Assistent am Botan. Inst. der Univ. Gießen; 1934 – 38 Regierungsbotaniker am Bad. Weinbauforschungsinst. Freiburg i. Br.; 1938 Stipendiat am Botan. Inst. der TH Stuttgart u. Beginn einer Forschungsreise nach Südwestafrika; 1940 – 44 Zivilinternierung in Südafrika; dort 1941 – 44 Doz. an der »Dt. Schule Andalusia«; 1944 Repatriierung durch Gefangenenaustausch; 1944 – 46 Assistent am Forstbotan. Inst. der TH Dresden in Tharandt. 1946 Habil. für Botanik an der TH Dresden u. stellv. Ltr. des Forstbotan. Inst. u. Gartens Tharandt; hier 1947 – 49 Forschungsbeauftr. des Sächs. Min. für Volksbildung; 1949 Dir. des Inst. für Biol. u. Prof. mit vollem Lehrauftrag für Botanik an der 1948 gegr. Brandenb. Landes-HS (ab 1951 PH) Potsdam; 1950 Dir. des Botan. Inst. u. Gartens; 1951 Prof. mit Lehrstuhl für Allg. Botanik; 1953 – 61 Prorektor für Forschung; 1952 Mitgl. der Sekt. Landeskultur u. Naturschutz der DAL; 1953 – 61 Ltr. der Zweigstelle Potsdam des Inst. für Landesforschung u. Naturschutz der DAL; 1961 Korr. u. 1964 Ord. Mitgl. der DAW; 1959 VVO; 1961 nach öffentl. Protest gegen den Mauerbau »Beurlaubung« u. Verlust aller Lehrämter u. Ltg.-Funktionen an der PH; 1962 –70 Ltr. der Abt. Ökologische Pflanzenphysiologie Potsdam des Inst. für Kulturpflanzenforschung der DAW in Gatersleben; 1970 em. 1991 öffentl. Rehabil. durch die damalige Brandenb. Landes-HS (seit 1991 Univ.) Potsdam; 1996 posthum von der Landesreg. bestätigt; gest. in Potsdam. Pionier der ökolog. Pflanzenphysiol., grundlegende Arbeiten in den Gebieten Mikrobiol. u. Paläobotanik, Holzanatomie, Pflanzenphysiol. u. -ökol., Pflanzengeogr. u. -soziol., Landeskultur u. Naturschutz; Anwalt der Einheit von Forschung u. Lehre in der Lehrerbildung, Gegner pol. Doktrinen in der Biol.Mikroskopie des zersetzten und fossilisierten Holzes. Frankfurt (Main) 1951; Die Pflanzenwelt Brandenb. Berlin-Kleinmachnow 1955 (Hrsg.). Krausch, H.-D.: W. R. M.-S. und die geobotanische Forschung in Brandenb. In: Gleditschia (1979) 7; Mitzner, R.: Laudatio zum Ehrenkolloquium im Rahmen der Rehabil. In: Wiss. Ztschr. der Univ. Potsdam (1992) 36; Kössler, F., Höxtermann, E. (Hrsg.): Zur Geschichte der Botanik in Berlin und Potsdam. Berlin 1999 (mit Schriftenverz.).Ekkehard Höxtermann

Wer war wer in DDR

Mundt, Rainer

* 3.12.1944

Geb. in Oberhof (Thür.); Grundschule; 1959 – 62 Ausbildung zum Mechaniker in Zella-Mehlis; 1962 – 70 Mechaniker in Erfurt; Eishockeyspieler beim Oberligisten SC Turbine Erfurt; 1970 Elektromechaniker in Dresden; 1971/72 Mitarb. im Krs.-Vorstand des DTSB Dresden-Stadt; 1972 Sportlehrer für Eisschnellauf an der KJS Dresden; 1973 – 78 Fernstudium an der DHfK Leipzig, Dipl.-Sportlehrer; SED; 1979 – 88 Eisschnellauf-Auswahltrainer Mehrkampf (Frauen), Trainer beim SC Einheit u. a. von  Karin Kania, Andrea Ehrig, Gabi Zange-Schönbrunn u. Sabine Brehm; 1988 Prom. zum Dr. paed. an der DHfK Leipzig; VVO; Banner der Arbeit; 1988 – 90 Nachwuchstrainer; nach 1990 Trainer in Österreich.Volker Kluge / Klaus Gallinat

Handbuch Deutsche Kommunisten

Münzenberg, Willi

* 14.8.1889 – ✝ 1940

Am 14. August 1889 in Erfurt geboren, wuchs unter sehr ärmlichen Verhältnissen auf. Sein Vater, illegitimer Sohn eines Freiherrn von Sekkendorff, war Förster, betrieb später eine Dorfschenke und praktizierte harte Erziehungsmethoden. Er ließ Münzenberg nur unregelmäßig die Volksschule besuchen, doch dieser las alles, was er in die Hände bekommen konnte. Die harte Kindheit im ärmlichen Thüringen, der Wissensdurst und die Verbindung zur sozialistischen Bewegung prägten das Leben Münzenbergs, der fortan in der radikalen Arbeiterbewegung aktiv war und sich ein umfassendes Wissen selbst aneignete. Seine organisatorische Begabung und erstaunliche Menschenkenntnis brachten ihn bald in führende Positionen. Nach einer abgebrochenen Barbierlehre begann er 1904 in einer Erfurter Schuhfabrik. 1906 Kontakte zur sozialistischen Jugendbewegung, 1908 Delegierter Erfurts am Berliner Kongreß der Sozialistischen Jugend. In Erfurt wegen seiner radikalen Tätigkeit gemaßregelt, ging er auf Wanderschaft und kam im Juli 1910 in die Schweiz. Er wurde Zapfbursche in einem Berner Hotel, später Austräger einer Apotheke in Zürich. Hier schloß er sich einer sozialistischen Gruppe, dem Jungburschenverein um den radikalen Arzt Fritz Brupbacher, an und bekam Verbindung zu russischen Emigranten. Münzenberg wurde einer der Organisatoren der sozialistischen Jugend der Schweiz, 1914 leitete er als hauptamtlicher Sekretär diese Organisation. Während des Krieges Internationalist, geriet er bald unter den Einfluß Lenins, der die Fähigkeiten des jungen Münzenberg erkannte. 1916 Teilnehmer der Konferenz der Kriegsgegner in Kienthal und 1917 beim Kongreß der Sozialistischen Internationalisten in Stockholm. Er bekannte sich in der Schweiz offen zur bolschewistischen Oktoberrevolution, wurde Sekretär der Sozialistischen Jugendinternationale (Linke). Als Mitorganisator eines Generalstreiks in Zürich ins Zuchthaus gesperrt und sofort nach Kriegsende aus der Schweiz ausgewiesen. Übersiedlung nach Stuttgart, Mitglied der Spartakusgruppe und dann der KPD. Von Januar bis Juni 1919 auf der Festung Ulm bzw. im Gefängnis Rottenburg eingesperrt. Auf dem Gründungskongreß der KJI im November 1919 in Berlin referierte er über das Programm und trat für die Autonomie der Jugendverbände gegenüber der KPD ein. Münzenberg war bis 1921 Sekretär der KJI. Auch in der KPD aktiv, wo er z. B. auf dem II. Parteitag 1919 eine Mittelgruppe zwischen der Führung Paul Levi und den dort ausgeschlossenen Ultralinken Heinrich Laufenberg und Fritz Wolffheim bildete. Auf dem II. Kongreß der Jugendinternationale bzw. dem III. Weltkongreß der Komintern 1920 wurde er von Sinowjew abgesetzt und schied aus der Jugendarbeit aus. Lenin hatte Münzenberg beauftragt, im Westen Hilfe gegen die große Hungersnot in Rußland zu organisieren. Das war der Anstoß zur Bildung der IAH, der ersten großen politischen Organisation, die Münzenberg ins Leben rief. Im Laufe der Jahre entstand diese Hilfsorganisation in allen Ländern, sie gab Zeitungen und Zeitschriften heraus, unterhielt Volksküchen und Kinderheime und unterstützte Streikende. Münzenberg verstand es geschickt, vor allem linke Intellektuelle, die keine Kommunisten waren, für Mithilfe zu gewinnen. In den folgenden Jahren konnte er nach diesen Erfahrungen den berühmten »Münzenberg-Konzern« ausbauen, ein Unternehmen mit Verlagen, Zeitschriften mit Massenauflagen (wie die berühmte AIZ, eine progressive und damals modernste Illustrierte) usw. Dadurch erlangte er auch innerhalb der KPD eine beachtliche Position, er war von Mai 1924 bis März 1933 ununterbrochen KPD-Reichstagsabgeordneter, 1924 in den ZA der KPD gewählt, auf dem XI. Parteitag 1927, dem XII. Parteitag 1929 und der »Brüsseler Konferenz« 1935 als Mitglied ins ZK berufen. Die Schwester seiner Lebensgefährtin Babette Gross, Margarete Buber-Neumann, schrieb über Münzenbergs Tätigkeit in jenen Jahren: »Er schien weniger ein Revolutionär als ein Manager zu sein und wenn dieser untersetzte, breitschultrige Mann die Angestellten seiner zahlreichen Büros in ständiger Bewegung durcheinanderwirbelte, bei Sitzungen alles andere als demokratisch verfuhr und aus seinen Mitarbeitern das Letzte an Arbeitskraft herausholte, dann begriff ich, warum man ihn in der Kommunistischen Partei als ?Unternehmer? bezeichnete und seinen Betrieben den Namen ?Münzenberg-Konzern? gab ... Er umgab sich in seinen Unternehmungen, den Zeitungsredaktionen der ?Welt am Abend?, ?Berlin am Morgen?, der ?Arbeiter-Illustrierten?, der Zeitschrift ?Roter Aufbau?, dem Filmunternehmen ?Meshrabpom?, dem ?Neuen Deutschen Verlag? und der ?Universum-Bibliothek? nicht nur mit den besten Köpfen der kommunistischen Intelligenz und mit KP-freundlichen Intellektuellen aller Schattierungen, er zog auch häufig Kommunisten zur Mitarbeit heran, die sich in der Partei irgendwelcher ?Abweichungen? schuldig gemacht hatten.« Münzenberg hat selbst bemerkenswerte Schriften verfaßt, z. B. »Die Dritte Front. Aufzeichnungen aus 15 Jahren proletarischer Jugendbewegung« (1930), »Solidarität. Zehn Jahre IAH« (1931) und »Propaganda als Waffe« (1937). Er hatte bis 1932 maßgebenden Einfluß auf die Linie der KPD, zählte allerdings 1932 zur Remmele-Neumann-Gruppe. Im März 1933 Emigration nach Paris, wo er mit großer Aktivität den propagandistischen Kampf gegen Hitler aufnahm, wiederum Verlage und Zeitungen schuf, so u. a. den berühmten Verlag Editions du Carrefour sowie das »Braunbuch über den Reichstagsbrand« und andere Anti-Hitler-Literatur publizierte. Er warb ab 1934 für die neue Linie der Komintern und war einer der Initiatoren des »Lutetia-Kreises« zur Begründung einer deutschen Volksfront. Münzenberg, der noch 1935 unter dem Namen Max am VII. Weltkongreß der Komintern und der »Brüsseler Konferenz« teilnahm, geriet zunehmend in Widerspruch zur Komintern und besonders zur Leitung der KPD unter Walter Ulbricht. Deshalb 1936 in Moskau vor die IKK geladen; er erreichte aber, daß er wieder nach Paris zurückkehren konnte und war so den Stalinschen Säuberungen entronnen. 1937 folgte er Aufforderungen, nach Moskau zu kommen, nicht mehr, da er schon 1936 in der Sowjetunion das Klima der Repressalien gespürt hatte. Im Oktober 1937 wurde Münzenberg aus der KPD ausgeschlossen. Seinen Einspruch gegen den Ausschluß aus dem ZK und der Partei behandelte die IKK erst am 20. Januar und 16. Februar 1939. Nachdem sein Ausschluß bestätigt worden war, erklärte Münzenberg selbst in einem »Offenen Brief« vom 10. März 1939 seinen Austritt aus der KPD. Er kämpfte weiter gegen den Faschismus, wandte sich zugleich gegen den Stalin-Hitler-Pakt. 1939 gründete er in Paris die Organisation »Freunde der Sozialistischen Einheit Deutschlands« und die von ihm geführte Zeitung »Zukunft« sammelte antistalinistische Kommunisten um sich. Bei Kriegsausbruch in Frankreich interniert. Im Januar 1940 beendete er seinen Artikel »Demokratie und Diktatur« mit dem Ausruf »Der Verräter, Stalin, bist Du!« Als die deutsche Armee auf Lyon vorrückte, floh er im Sommer mit drei anderen Deutschen aus dem Lager Chambarran bei Lyon, erst Ende Oktober 1940 wurde seine stark verweste Leiche gefunden. Münzenberg verlor im Hochsommer 1940 sein Leben, ein Selbstmord und auch ein Raubmord gelten so gut wie ausgeschlossen. Vielmehr ist die Ermordung durch Agenten Hitlers oder eher Stalins zu vermuten, Kurt Kersten kam 1957 zu dem Schluß, ein stalinistischer Fememord sei die wahrscheinlichste Erklärung. Diese Ansicht vertrat auch Münzenbergs Lebensgefährtin, Babette Gross (* 16. 7. 1898), die durch verschiedene Arbeiten über die Volksfront publizistisch hervortrat, in ihrem Buch: »Willi Münzenberg. Eine politische Biographie«, Stuttgart 1967. Babette Gross, geborene Thüring, war die Tochter eines Braumeisters und Schwester von Margarete Buber-Neumann. Sie absolvierte nach dem Oberlyzeum das Lehrerinnenseminar und trat 1920 in die KPD ein. Seit 1922 Mitarbeiterin der IAH, leitete sie von 1924 bis 1933 als Geschäftsführerin den Neuen Deutschen Verlag, ein Unternehmen des »Münzenberg-Konzerns«. Seit 1925 lebte und arbeitete Babette Gross mit Münzenberg zusammen, flüchtete mit ihm im März 1933 nach Paris und brach 1937 ebenfalls mit der KPD und der Komintern. 1940 zeitweise in Gurs interniert, gelang ihr über Portugal die Flucht nach Mexiko. 1947 kehrte sie nach Deutschland zurück, war 1949 Mitbegründerin und bis 1951 Mitglied der Geschäftsleitung der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung«. Babette Gross starb am 8. Februar 1990 an einem Schlaganfall in Berlin. Willi Münzenberg gehörte weltweit zu den bekanntesten Kommunisten Er verkörperte einerseits als Arbeiter die typische Entwicklung in der Arbeiterbewegung: Wissensdurst und Weiterbildung; andererseits führten Organisationserfahrung und voller Einsatz der Person für die Sache zu seinem Aufstieg. Ein beachtliches Organisationstalent ließ ihn zum ersten kommunistischen »Manager« werden, der lange Zeit die Strategie des Stalinismus duldete und mitmachte. Doch als er diese Strategie durchschaute und zu den ursprünglichen Zielen der Arbeiterbewegung zurückfand, wurde Münzenberg ein Opfer des Stalinismus

Wer war wer in DDR

Müssemeier, Friedrich

* 1.3.1876 – ✝ 13.4.1957

Geb. in Müssen (Krs. Detmold); Vater Landwirt; Realgymnasium; Studium an der Tierärztl. HS in Hannover, 1897 tierärztl. St.-Ex.; 1897 – 99 prakt. Tierarzt in Braunschweig; 1899 – 1903 Assistent an den Veterinärinst. der Univ. Halle, Leipzig u. Hannover; 1905 – 14 Krs.-Tierarzt; 1914 – 20 Ref. für Veterinärwesen beim Oberpräs. in Potsdam; 1919 Mitgl. der Leopoldina; 1921 Berufung in die Veterinärabt. des Preuß. Min. für Landw., Domänen u. Forsten; ab 1924 als Ministerialdirigent Ltr. der Abt. u. Vors. des Preuß. Landesveterinäramts (Mitgl. bereits seit 1917); ab 1927 dt. Delegierter beim Internat. Tierseuchenamt in Paris, seit 1935 ständ. dt. Vertreter; 1928 Lehrbeauftr., 1930 Honorarprof. für allg. Veterinärpolizei an der Tierärztl. HS Berlin; 1935 Ausscheiden aus der Veterinärverw. bei ihrer Zuordnung zum Reichsinnenmin.; später Dir. der Veterinärabt. des Reichsgesundheitsmin.; 1941 – 45 zusätzl. Ltr. der neu geschaffenen Unterabt. Bekämpfung der Tierseuchen im Innenmin. Nach 1945 CDU; 1946 bei Wiedereröffnung der Veterinärmedizinischen Fakultät der Univ. Berlin ord. Prof. für Tierseuchenbekämpfung u. Staatsveterinärwesen sowie Dir. des Inst. für Veterinärpolizei; 1952 Ord. Mitgl. der DAL; NP. Initiator der mod. dt. Veterinärverw. mit internat. Beispielwirkung, Organisierung der staatl. Tierseuchenvorbeugung u. -bekämpfung sowie Übertragung der Erfahrungen auf das Veterinärwesen der SBZ/DDR; zahlr. wiss. Ehrungen, u. a. Ehrenprom. durch die Tierärztl. HS Hannover (1925 u. 1953) u. die HU Berlin (1951).Lötsch, D.: Zum 25. Todestag von F. M. In: Humboldt-Univ. vom 29.4.1982.Siegfried Kuntsche

Wer war wer in DDR

Naas, Josef (Joseph)

* 16.10.1906 – ✝ 3.1.1993

Geb. in Köln; Volksschule, Gymnasium, Abitur; 1928 – 33 Studium an den Univ. Köln, Berlin u. Hamburg; 1932 KPD; 1933 – 35 Assistent an der Univ. Köln; 1935 Prom. mit einer Arbeit auf dem Gebiet der Differentialgeometrie bei Hans Ludwig Hamburger; 1936 – 42 als Mathematiker in der Berliner Industrieforschung, u. a. bei der Dt. Versuchsanstalt für Luftfahrt u. der C. Lorenz-AG; illeg. pol. Arbeit, u. a. in der Gruppe um Robert Uhrig; 4.2.1942 Verhaftung des Ehepaars N., ohne Prozeß in KZ verschleppt (Martha N. nach Ravensbrück, J. N. nach Mauthausen). 1945 Ltr. des Aussch. für Wiss.-Ltg. beim Magistrat von Groß-Berlin; später Ltr. der Kulturabt. des ZK der KPD; 1946 SED; 1946 zeitw. parität. bzw. stellv. Ltr. der Abt. Kultur u. Erziehung im ZS des SED-PV; Nov. 1946 – April 1953 Dir. der DAW; 1953 – 59 Abt.-Ltr. u. Prof. am Forschungsinst. für Mathematik; danach Ltr. des Bereichs Differentialgeometrie u. zeitw. Dir. des Inst. für reine Mathematik der DAW; bes. bekannt das gem. mit H. L. Schmid hrsg. Standardwerk »Mathemat. Wörterbuch«, 1961 nach über 30jähriger Bearbeitung gleichz. in drei Verlagen erschienen; gest. in Berlin.Über die Seitenkrümmung. Berlin 1936; Der Begriff des Raumes in der Geometrie. Berlin 1957; Große Sätze u. schöne Beweise der Mathematik. Berlin 1986.Annette Vogt

Wer war wer in DDR

Nagel, Gerhard

* 29.12.1929

Geb. in Hamburg; Vater Versicherungsangest.; Grund- u. Oberschule; 1949 SED; 1949 – 51 Volontär, Red.-Ass. bzw. Kreisred. der Ztg. »Das Volk« in Gotha u. Rudolstadt; 1952 / 53 Hilfsred., 1954 – 56 Red. u. Abt.-Ltr., 1956 – 60 stellv. Chefred. sowie Mitgl. des Red.-Koll. der Ztg. »Das Volk« in Erfurt; 1960 – 63 Stud. an der SED-PHS, Dipl.-Gesellschaftswiss.; 1963 – 67 stellv. Chefred. der Ztg. »Neuer Tag« in Frankfurt (Oder); 1967 – 90 Chefred. der Satireztg. »Eulenspiegel«; zeitw. Mitgl. des VDJ-ZV; Ruhestand; lebt in Berlin.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Namslauer, Hugo

* 24.5.1922 – ✝ 8.1.1999

Geb. in Altwarp (Vorpomm.); Vater Handwerker; Ausbildung zum Gärtner; 1939 – 48 Gärtner in versch. Betrieben in Berlin u. in Oldenburg. 1948 / 49 Gartenbaustudium an der FS Dresden-Pillnitz; 1950 Gartentechniker beim Magistrat von Berlin; 1950 – 55 VVB Industrieentwurf Berlin; 1954 Mitgl. des Kollektivs Buchenwald (mit Hans Grothewohl, Kurt Tausendschön,  Hubert Matthes u. a.); 1954 – 58 Gedenkstätte Buchenwald; 1954 – 59 Gedenkstätte Ravensbrück; dazwischen 1956 / 57 Auslandsaufenthalt in Korea; Projektierung versch. Sportstadien u. Kulturparks; 1959 NP; 1959 – 61 Gestaltung der Mahn- u. Gedenkstätte Oranienburg-Sachsenhausen (mit H. Matthes); 1961 – 87 mit der Gründung des Inst. für Denkmalpflege wiss. Mitarb., Abt.-Ltr. Hist. Garten- u. Parkanlagen; 1968 Wettbewerb Gestaltung Gedenkstätte Fünfeichen (b. Neubrandenburg); Schinkelmed.; 1978 Rekonstruktion des Schloßgartens Güstrow.Zur gartendenkmalpfleger. Rekonstruktion des Parks Schloß Freyenstein. In: Denkmalpflege in der DDR (1978) 5 (mit A. Miehte); Zur Gestaltung u. Pflege polit. Gedenkstätten – Denkmalpflege in der DDR. Berlin 1981 (mit A. Miethe); Wiss. Grundlagen der Denkmalpflege. Hrsg. vom Min. für Kultur. Berlin 1981; Zur Bedeutung u. gesell. Nutzung der Landschaftsgärten. In: Hermann Ludwig Heinrich Fürst v. Pückler-Muskau. Hrsg. v. Gartenkunst u. Denkmalpflege. Weimar 1989. Barth, H., Topfstedt, T. u. a.: Vom Baukünstler zum Komplexprojektanten. Architekten in der DDR. Erkner 2000; Fibich, P., Wolschke-Bulmahn, J., H. N., Stadt u. Grün. In: Das Gartenamt (2002) 9.Volker Wagner

Wer war wer in DDR

Natonek, Wolfgang

* 3.10.1919 – ✝ 21.1.1994

Geb. in Leipzig; Vater Hans N. Schriftsteller, dessen Schriften 1933 von den Nazis öff. verbrannt wurden, emigrierte über die ČSR u. Frankreich in die USA; nach der Emigr. des Vaters mit der Mutter in Leipzig von den NS-Behörden für »staatenlos« erklärt; 1938 Abitur in Leipzig, anschl. Aufnahme eines Studiums der Vet.-Med. in Leipzig; 1940 Wehrmacht, 1941 als »wehrunwürdig« erklärt; anschl. Hilfsarb. in Leipzig, versteckt während dieser Zeit drei geflohene sowj. Kriegsgefangene. Sept. 1945 LDP; Febr. 1946 Stud. der Germanistik, Anglistik u. Zeitungswiss. an der Univ. Leipzig; dort Gründer der LDP-Hochschulgruppe u. ab Febr. 1947 Vors. des Studentenrats; aktiver LDP-Politiker u. Gegner der SED-Politik, setzt sich u. a. für die Würdigung der antifasch. Widerstandsgr. »Weiße Rose« ein; Dez. 1947 Wiederwahl als Vors. des Studentenrats; 11. / 12.11.1948 von der sowj. Besatzungsmacht wg. »Handlungen gegen Maßnahmen der SMA« verhaftet; 30.3.1949 vom Sowj. Militärtribunal Dresden zu 25 Jahren Lagerhaft verurteilt, Haft in Bautzen u. Torgau; 1956 Freilassung im Zuge einer Amnestie, anschl. Übersiedl. in die Bundesrep. Dtl. Studium Germanistik u. Päd. in Göttingen, danach tätig als Lehrer in Göttingen. 1990 Ehrenvors. der Jungliberalen Aktion in der DDR; 1992 Prof. ehrenhalber der Univ. Leipzig; gest. in Göttingen. Die Friedrich-Naumann-Stiftung eröffnete 1996 die W.-N.-Akad. in Kottenheide (Vogtl.); seit 1996 vergibt die Univ. Leipzig jährlich den W.-N.-Preis an Studierende.Ihr aber steht im Licht. Tübingen 1962 (mit K. Pförtner); Hans Natonek – W. N. Briefwechsel 1946 – 1962. Hrsg. von St. Böttger, Leipzig 2008. Fricke, K. W.: W. N. In: Kowalczuk, I.-S., Sello, T. (Hrsg.): Für ein freies Land mit freien Menschen. Opposition und Widerstand in Biographien und Fotos. Berlin 2006; Marx, H.: Liberale Studenten im Widerstand. Bonn o. J.; Wiemers, G., Blecher, J.: Studentischer Widerstand an der Univ. Leipzig 1945 – 55. Beucha 1998.Ilko-Sascha Kowalczuk

Handbuch Deutsche Kommunisten

Naujoks, Martha

* 2.12.1903 – ✝ 26.1.1998

Geboren am 2. Dezember 1903 in Krefeld als Martha Pleuel, Tochter eines Webers und einer Schneiderin. Stenotypistin und Sekretärin, seit 1919 Mitglied der FJS, ab Ende 1920 der KPD. Angestellte in der KPD-BL Halle-Merseburg, 1921 der KPD-BL in Hannover und Funktionärin der KJD. Ende 1922 zur »Hamburger Volkszeitung« (HVZ), wegen Teilnahme am Hamburger Aufstand im Oktober 1923 drei Monate in Untersuchungshaft, danach wieder in der Redaktion der HVZ. 1926 Heirat mit Harry Naujoks (* 18. 9. 1901 – † 20. 10. 1983). Sie wurde im Juli 1933 durch die Gestapo festgenommen, saß drei Monate in »Schutzhaft«, dann illegale Arbeit mit Hans Westermann. Im September 1935 nach Prag, bis Anfang 1936 Grenz- und Kurierarbeit. Emigration in die Sowjetunion, dort unter dem Parteinamen Inge Karst beim Verlag für ausländische Arbeiter. Im Juni 1937 wurde sie wegen »politischer Unzuverlässigkeit« aus der Exil-KPD ausgeschlossen, sie hatte verschwiegen, daß ihre Mutter zeitweise dem Leninbund angehört hatte. Im April 1939 wieder in die Partei aufgenommen und im Apparat der MOPR, später in der Schule der Komintern tätig. Im Juni 1945 Rückkehr nach Deutschland, Redaktionssekretärin. Ihr Mann Harry war 1934 verhaftet und zu zwei Jahren und drei Monaten Zuchthaus verurteilt worden, kam später in das KZ Sachsenhausen, dort zeitweise »Lagerältester«. Nach dem KPD-Parteitag 1946 in Berlin wurde sie Sekretärin des Zonenbüros der KPD in Hamburg, dann bis 1950 in der BL Wasserkante. Sie hatte großen Anteil an der Herausgabe des Sachsenhausen-Buches von Harry Naujoks (»Mein Leben im KZ Sachsenhausen 1936-1942. Erinnerungen des ehemaligen Lagerältesten«). Martha Naujoks starb am 26. Januar 1998 in Hamburg. Hans Matthaei und Erna Mayer veröffentlichten 1998 eine Skizze über Martha Naujoks.

Wer war wer in DDR

Naumann, Herbert

* 11.9.1929

Geb. in Großstädten (b. Rochlitz); Vater Arbeiter; 1936 – 42 Volksschule in Zetteritz, 1944 – 46 Volkshandelsschule in Mittweida; anschl. bis 1948 Angest. im Krs.-Rat Rochlitz, Rechtsabt. Bodenreform; 1946 FDJ u. SED; 1948 Ltr. des Krs.-Nachrichtenamts; dann bis 1949 Angest. bei der SED-KL Rochlitz; anschl. Krs.-Red. der »Volksstimme« (Chemnitz); ab 1950 in der Red. des »Neuen Dtl.«; Journalistikstudium; 1960 – 63 Auslandskorrespondent des »Neuen Dtl.« in Prag; 1963 stellv. Ltr. der Abt. Wirtschaft, 1966 Mitgl. des Red.-Kolleg. des »Neuen Dtl.«; 1967 stellv., 1983 1. stellv. u. 1985 – 89 Chefred. des »Neuen Dtl.« (Nachf. von  Günter Schabowski); 1985 – 89 Mitgl. des Zentralvorst. des VDJ; 1986 – 89 Mitgl. des ZK der SED.Müller-Enbergs, H.: Meinungsoffiziere der Parteiführung. In: JHK. Berlin 1997.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Müller, Bruno

* 15.12.1883 – ✝ 3.6.1960

Geboren am 15. Dezember 1883 in Olbernhau/Krs. Marienberg, Sohn eines Schlossers; Lehre als Tischler. Wanderschaft, danach von 1903 bis 1905 Militärdienst. 1905 wurde er Mitglied der SPD; 1906/07 Tischler in Berlin, nach erneuter Wanderschaft kam er Ende 1909 nach Deutsch-neudorf/Erzgebirge. Hier wurde er Bevollmächtigter der Zahlstelle des DHV und war von 1909 bis 1913 Berichterstatter der »Erzgebirgischen Volksstimme«. Ende 1913 zog er nach Blumenthal bei Bremen, Werftarbeiter auf der Vulkan-Werft. Im August 1914 Soldat, im Juli 1915 schwere Verwundung und Lazarettaufenthalt, danach legte er die Meisterprüfung in der Kunstgewerbeschule in Breslau ab. Von 1917 bis 1919 Zeichner auf der Vulkan-Werft in Bremen. 1917 Übertritt zur USPD, Oktober 1918 zu den IKD. Im November 1918 2. Vorsitzender des Arbeiter- und Soldatenrates in Vegesack. Müller war Delegierter des Gründungsparteitags der KPD. Als aktiver Teilnehmer an den Kämpfen der Bremer Räterepublik mußte er nach deren Niederlage im Februar 1919 nach Braunschweig flüchten, hier bei der sogenannten Roten Wehr unter Heinrich Dorrenbach. Im September 1919 Delegierter des II. KPD-Parteitags in Heidelberg, 1920 wurde Müller Vorstandsmitglied der KPD in Bremen und war zwei Jahre lang Geschäftsführer der Bremer KP-Zeitung »Der Kommunist«. Ab Ende 1921 in Chemnitz wohnhaft, hatte er in der KPD nur noch ehrenamtliche Funktionen. Am 8. November 1933 verhaftet und zu 14 Monaten Zuchthaus verurteilt, nach der Entlassung unter Polizeiaufsicht. Ab Juni 1945 war er Polleiter und Sekretär der KPD in Altchemnitz, wurde dort 1946 für einige Jahre Vorsitzender der SED-Stadtteilleitung. Bruno Müller starb am 3. Juni 1960 in Karl-Marx-Stadt.

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Müller, Georg

* 19.11.1878 – ✝ 31.12.1963

Geboren am 19. November 1878 in Krappitz/ Oberschlesien; lernte Schuhmacher. 1905 Mitglied der SPD. Anfang 1914 Berichterstatter der SPD-Presse in Trier. Georg Müller kam 1920 über die USPD zur KPD. Seit 1921 Redakteur an verschiedenen KPD-Zeitungen, von 1924 bis Anfang 1927 Chefredakteur der Mannheimer »Arbeiter-Zeitung«. Kurze Zeit in Köln, war er dann 1928 Chefredakteur der »Volkswacht« in Rostock, Ende 1929 Redakteur in Dortmund, schließlich in Berlin. Bis 1933 in Breslau in der Freien Gewerkschaft aktiv, seit 1930 war Müller nicht mehr für die KPD tätig. 1938 dienstverpflichtet, als Arbeiter beschäftigt. Bei Kriegsende kam er nach Niedersachsen, wohnte in Northeim und war politisch nicht mehr organisiert. Georg Müller starb am 31. Dezember 1963 in Trier.

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Münchenhagen, Walter

* 29.9.1918

Geb. in Berlin-Lankwitz; Vater selbst. Maler; 1924 – 32 Volksschule; 1932 – 35 Berufsschule u. Lehre als Handlungsgehilfe; 1935 Landhelfer; 1935 – 39 nebenberufl. Statist an der Berliner Staatsoper; 1937 – 40 Angest. im Büro der Vereinigten Landschaftsgärtnereien bzw. deren Nachfolgebetrieb in Berlin; 1939 RAD; 1940 – 43 Wehrmacht; 1943 – 45 sowj. Kriegsgef., Besuch von Antifa-Schulen u. Mitarb. im Antifa-Aktiv des NKFD. Juli 1946 Rückkehr nach Dtl.; SED; 1946 – 48 Referent in der Abt. Umsiedler u. Heimkehrer der Provinzialverw. Brandenb.; 1949 – 52 Instrukteur u. Ltr. der Abt. Staatl. Verwaltung in der SED-LL Brandenb.; 1952 – 54 2. Sekr. der SED-BL Cottbus; 1954 – 57 Studium an der PHS der KPdSU in Moskau, Dipl.-Gesellschaftswiss.; 1957 – 60 1. Sekr. der SED-Stadt-Ltg. Dresden u. Mitgl. des Büros der SED-BL Dresden; später Sekr. der SED-KL Dresden-Land u. Ltr. der Ideolog. Kommission; 1965 stellv. Vors. des Rats des Bez. Dresden für Kultur u. Sport, später Abt.-Ltr. Kultur im Rat des Bez. Dresden.Mario Niemann

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Mundt, Wolfgang

* 3.10.1935

Geb. in Berlin; Vater Versicherungskfm.; 1942 – 54 Volks- u. Oberschule in Berlin u. Danzig; 1954 – 59 Geophysikstudium an der HU Berlin mit Diplomabschl.; 1959 – 69 Assistent, Oberassistent u. Abt.-Ltr. am Geomagnet. Inst. Potsdam; 1963 Prom. u. 1968 Habil. an der KMU Leipzig; 1969 – 73 Bereichsltr. am ZI für Physik der Erde der AdW in Potsdam; 1972 – 86 Ltg.-Mitgl. des Fachber. Geophysik der Ges. für geolog. Wiss.; 1973 – 81 wiss. Sekr. bzw. stellv. Ltr. des Forschungsber. Geo- u. Kosmoswiss. der AdW; 1975 – 89 SED; 1976 Prof. für Geophysik; 1981 – 91 Dir. des ZI für solar-terrestr. Physik (1984 umgewandelt zum Heinrich-Hertz-Inst. für Atmosphärenforschung u. Geomagnetismus) der AdW; 1981 Korr. u. 1988 Ord. Mitgl. der AdW; 1984 – 91 stellv. Vors. der Kl. Geo- u. Kosmoswiss. der AdW; 1983 – 91 gewählter stellv. Vors. der Arbeitsgr. Magnet. Hauptfeld u. Säkularvariation der Internat. Assoziation für Geomagnetismus u. Aeronomie; 1986 – 89 Vors. des neugegr. Wiss. Rats für Fragen der Umweltgestaltung u. des Umweltschutzes beim Präs. der AdW; 1986 – 90 Mitgl. des Präs. der Urania. Forschungen u. Publ. hauptsächl. zum geomagnet. Innenfeld.Klaus-Harro Tiemann

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Münzner, Rolf

* 3.1.1942

Geb. in Geringswalde (b. Rochlitz, Sachsen); Schulbesuch u. Lehre als Maschinenschlosser in Leisnig; 1960 – 62 Armeedienst; 1962 – 67 Studium an der HS für Grafik u. Buchkunst Leipzig; danach ansässig in Geithain; 1969 – 72 Aspirantur, seit 1973 Lehrauftrag an der HS für Grafik u. Buchkunst; 1977 Preis der Intergrafik Berlin; 1983 Kunstpreis der DDR; 1984 Sonderpreis der Grafik-Biennale Bradford (Großbritannien); 1986 Kunstpreis des FDGB; 1986 Hauptpreis der Grafik-Biennale Krakau. 1990 Goldmedaille der Grafik-Biennale Fredrikstad (Norw.); 1990 Künstler. Ltr. der lithograph. Werkstatt der HS für Grafik u. Buchkunst; 1992 dort Prof. für Freie Grafik, Ltr. der Fachkl. für Grafik; 2005 Vorruhestand; lebt in Geithain. Werke: Grafikzyklen zu Heinrich Mann: Empfang bei der Welt (1970 – 73), Michail Bulgakow: Der Meister u. Margarita (1976), Alexander Blok: Die Zwölf (1977), Simplicius Simplicissimus (1991); Arena-Gewalt (1973), Für Majakowski (1978), Radballspiel (1978), Die neue Melusine (1980), Die alte Singer (1981), Der Waffenschmied (1983), Für Senefelder (1984), Ausstieg (1989), Das Narrenkarussell (1991).Das druckgraf. Werk. Altenburg 1996. Kat. R. M. Zeichnungen. Altenburg 1987; Kat. R. M. Leipzig 1992; Kat. R.Dieter Gleisberg

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Muth, Walter

* 10.9.1908 – ✝ 15.11.1992

Geboren am 10. September 1908 in Berlin-Rummelsburg, Sohn eines Maurers. Muth studierte an den Universitäten Berlin, Hamburg, Göttingen und Frankfurt/M., wurde 1928 Mitglied des KJVD, 1929 der KPD. Anfang der dreißiger Jahre Mitarbeiter im AM-Apparat der KPD, bereits ab September 1932 lebte er illegal. 1933/34 unter dem Decknamen Josef Kursant an der M-Schule der Komintern in Moskau. Nach seiner Rückkehr wurde er Mitarbeiter der illegalen Landesleitung der KPD. Am 24. Mai 1935 in Berlin verhaftet, am 9. Juni 1936 durch den VGH zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt. Er verbüßte die Haft in den Zuchthäusern Lukkau und Brandenburg. 1945/46 Bürgermeister in Nauen, anschließend Referent bzw. Abteilungsleiter in verschiedenen Zentralverwaltungen der SBZ. 1948 Hauptabteilungsleiter des Statistischen Zentralamts der DWK, dann im Ministerium für Lebensmittelindustrie. 1954 Leiter der Hauptabteilung Fachschulen im Staatssekretariat für Hoch- und Fachschulwesen. 1958 Sekretär des Zentralen Ausschusses für Jugendweihe der DDR. Im Frühjahr 1960 wurde von der ZPKK gegen Muth, der sich kritisch über die SED-Parteiführung äußerte, ein Parteiverfahren eröffnet. Von seiner Funktion entbunden und Ende des Jahres als Mitglied der ZRK abberufen, begann er im VEB Funkwerk Berlin-Köpenick als Montierer. Ein gegen ihn geplantes Parteiverfahren wurde allerdings nicht durchgeführt. Walter Muth starb am 15.November 1992.

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Nachbar, Herbert

* 12.2.1930 – ✝ 25.5.1980

Geb. in Greifswald; Vater Fischer; 1936 – 44 Volksschule in Wolgast; 1950 Abitur in Rostock; Stud. der Med. an der HU Berlin, Abbruch nach zwei Semestern; bis 1953 Lokalred. u. Reporter versch. Berliner Tageszeitungen; 1953 – 57 Lektor für den Aufbau-Verlag; ab 1957 freier Schriftsteller; 1957 Heinrich-Mann-Preis für den ersten Roman »Der Mond hat einen Hof« (1956); lebte 1957 – 59 auf der Insel Ummanz, danach in Graal-Müritz u. Berlin; 1968 Chefdramaturg am Volkstheater Rostock; 1969 Dramaturg beim DFF; SED; Mitgl. des Vorst. des SV u. des Präs. des P.E.N-Zentrums der DDR, zeitw. Abg. des Kreistags Rostock-Land. Verfasser von Romanen, Erzählungen u. Drehbüchern, die sich durch präzise Charakter- u. Milieustudien auszeichnen; das Werk ist eng mit der Ostseelandschaft verbunden; geht in frühen Texten von einer natürl. Entw. der Gesell. in den Sozialismus aus (»Die Hochzeit von Länneken«, 1960), in späteren Werken sind nordische u. Sagen des Ostseeraums verarbeitet (»Pumpendings seltsame Reise. Irrfahrt u. Gleichnis«, 1976); erzählt wird in einer klaren, sinnl.-phantast. Sprache, die Bezüge zur Romantik aufweist. 1961 Lit.-Preis des FDGB; 1966 Johannes-R.-Becher-Med.; 1976 NP; 1980 VVO; nach langer Krankheit gest. in Berlin.u. a. Die gestohlene Insel. Eine Robinsonade. Berlin 1958; Haus unterm Regen. Berlin 1965; Die Million des Kurt Brümmer. Rostock 1971; Dunkler Stern. Berlin 1973; Keller der alten Schmiede. Berlin 1979. Killy, W. (Hrsg.): Literaturlexikon. Autoren und Werke dt. Sprache. Berlin 1998.Christian Krause

Wer war wer in DDR

Nagel, Otto

* 27.9.1894 – ✝ 12.7.1967

Geb. in Berlin-Wedding; Vater Tischler; Mutter Fabrikarb.; 1900 – 08 Volksschule; 1908 SAJ; 1908 – 10 Ausbildung zum Glasmaler in den Werkstätten für Mosaik- u. Glasmalerei Gottfried Heinersdorff in Berlin, Abbruch der Lehre; anschl. als Hilfsarbeiter in versch. Berliner Betrieben; Abendschule; 1915 SPD, 1917 USPD u. Spartakusgr.; 1917/18 Militärdienst, wg. Kriegsdienstverweigerung 1917 Strafgefangenenlager; 1918 Mitgl. des Soldatenrats in Köln; 1919 KPD; bis 1921 Transportarb.; 1921 Teiln. an der März-Aktion, deshalb fristl. Entlassung bei Bergmann-Borsig; erste Ausstellung in Berlin; zeitw. arbeitslos; dann als Autodidakt freischaff. Maler des Arbeiterlebens; 1921 Mitbegr. der Künstlerhilfe in der IAH; Freundschaft mit Käthe Kollwitz, Heinrich Zille u. Ursula Wendorff-Weidt; 1924 Mitorganisator der 1. Allg. Dt. Kunstausstellung in der UdSSR; 1924 – 32 mehrere Reisen in die UdSSR, 1925 in Moskau Heirat mit der russ. Schauspielerin u. Sängerin Valentina (Walli) Nikitina; 1926 – 33 Mitgl. des Bunds Rev. Künstler Dtl.; 1928 mit Heinrich Zille Gründung der satir. Ztschr. »Eulenspiegel«, bis 1931 deren Chefred.; Lehrer an der MASCH in Berlin; 1933 Ausschluß aus dem Verb. dt. Künstler, kurzzeitige Inhaftierungen durch die Gestapo; 1934 Malverbot, Beschlagnahme u. Vernichtung vieler Werke als »entartet«; Gründung einer illeg. Malschule; April 1937 einige Tage Haft im KZ Sachsenhausen; ab 1938 Hilfe für untergetauchte Juden in Berlin; ab 1943 evakuiert in Forst (Lausitz). Mai 1945 in Potsdam-Rehbrücke, Mitbegr. der KPD-Ortsgruppe; Juli 1945 Mitbegr. des KB im Land Brandenburg; 1946 SED, Abg. des Landtags Brandenb.; 1948 Ernennung zum Prof.; 1949 Mitgl. des Dt. Volksrats; 1950 NP; 1950 – 54 Abg. der Volkskammer; 1950 Gründungsmitgl. der DAK; 1951 Mitgl. der Kommission für Kunstangelegenh.; 1950 – 52 u. 1953 – 59 Vors. bzw. Präs. des VBKD (Nachf. von  Fritz Dähn); 1953 – 56 u. 1962 – 67 Vizepräs., 1956 – 62 Präs. der DAK (Nachf. von  Johannes R. Becher); Malerschüler an der AdK u. a. Horst Bartsch,  Harald Metzkes, Dietrich Kaufmann,  Ronald Paris u. Rolf Schubert; 1958 Med. für Kämpfer gegen den Fasch.; Ehrenmitgl. der AdK der UdSSR; 1964 VVO; 1965 Ehrenbürger der Stadt Potsdam; gest. in Berlin; 1970 posthum Ehrenbürger von Berlin. Sek.-Lit.: Kat. u. Fs. O. N. Ausstellung zu seinem 65. Geb. Berlin 1959; Pommeranz-Liedtke, G.: O. N. u. Berlin. Dresden 1964; Frommhold, E.: O. N. Zeit, Leben, Werk. Berlin 1974; Huett, W.: O. N. Berlin 1976; Nagel, W.: Das darfst Du nicht! Erinnerungen. Halle, Leipzig 1981; Forster, R.: Bibliogr. O. N. (1894 – 1967). Kuhwalk, Berlin 2000; Dok.-Film »... als ob es gestern war«. Walli Nagel betrachtet ihr Leben. Berlin 1976 (R.: W. Dietzel).Leben u. Werk. Berlin 1952; Heinrich Zille. Berlin 1953; Käthe Kollwitz. Dresden 1963; Die weiße Taube oder Das nasse Dreieck (Roman aus dem Nachlaß). Köln 1987.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Nathan, Hans

* 2.12.1900 – ✝ 12.9.1971

Geb. in Görlitz; Vater Rechtsanwalt; Volksschule u. Gymnasium; 1918 Militärdienst, 1919 – 22 Studium der Rechtswiss. an den Univ. Berlin, Marburg, München u. Breslau, 1921 Prom. zum Dr. jur.; 1922 – 24 Mitarb. in d. väterl. Anwaltspraxis bzw. 1925 – 33 selbst. Rechtsanwalt in Görlitz; 1928 – 33 DDP; 1933 Emigr. in die ČSR; Mithrsg. der »Weltbühne« u. der antifa. satir. Ztschr. »Der Simpel«; 1937 Kand., 1944 KPD; 1939 Emigr. nach Großbritannien; 1940 drei Mon. Internierung; 1940 –42 Arbeiter; dann bis 1946 Angest. in der Verkehrsverw. von Manchester; Mitbegr. einer Gruppe des NKFD in Manchester. Sept. 1946 Rückkehr nach Dtl.; SED; zunächst Hauptref., 1948 HA-Ltr. in der Dt. ZV für Justiz; 1949 – 52 Ltr. der HA Gesetzgebung im Min. für Justiz u. Präs. des Justizprüfungsamts; 1952/53 Chefred. der Ztschr. »Neue Justiz«; ab 1955 Mitgl. im Kolleg. des Min. der Justiz; 1952 ord. Prof., 1952 – 63 Dir. für Zivilrecht u. 1954 – 62 Dekan der Jurist. Fak. der HU Berlin; ab 1963 Dir. des Inst. für Erfinder- u. Urheberrecht; 1966 em.; 1959, 1960 u. 1971 VVO.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Natschinski, Gerd

* 23.8.1928 – ✝ 4.8.2015

Geb. in Chemnitz; 1945/46 Studium an der HS für Musik Dresden; 1946 – 48 in Chemnitz Privatunterricht in Theorie, Komposition, Klavier; ab Ende 1948 Komponist, Arrangeur, Dirigent beim Capitol-Orchester Leipzig; dann mit eigenem Orchester Live-Konzerte; ca. 150 Prod. beim Mitteldt. Rundfunk Leipzig; 1951 – 53 Mstr.-Schüler bei  Hanns Eisler in Berlin; 1952 – 54 Chefdirigent des Großen Tanz- u. Unterhaltungsorchesters des Berliner Rundfunks; 1969 LDPD; ab 1969 Mitgl. des NR der NF; 1977 – 89 Vizepräs. des VDK; 1978 – 81 Intendant des Metropol-Theaters Berlin; Sohn  Thomas N. (Gründer der ersten DDR-Beatband »Team 4«); 1961, 1974 u. 1989 NP; gest. in Berlin. Kompositionen: Musiken für 70 DEFA-Filme, nach 1990 für versch. TV-Filme u. Serien; ca. 400 Lieder, Schlager (u. a. »Zwei gute Freunde«, »Die Sterne der Heimat« für  Fred Frohberg, »Damals«, »Treu sein« für  Bärbel Wachholz) u. Chansons (u. a. für  Gisela May; »Die Rose war rot« für  Gerry Wolff); 13 Stücke für Musiktheater, u. a. »Messeschlager Gisela« (1960), »Servus Peter« (1961), »Mein Freund Bunbury« (1964), »Casanova« (1976), »Hoffmanns Erzählungen« (Ballett frei nach Jacques Offenbach, 1986 für die Komische Oper Berlin); Orchesterwerke der E- sowie der U-Musik; Dirigate in Theater u. Konzert, für Schallplatte, Rundfunk, Film u. Fernsehen.Bernhard Hönig

Handbuch Deutsche Kommunisten

Naumann, Minna

* 27.1.1882 – ✝ 17.1.1967

Geboren am 27. Januar 1882 in Neusalza-Spremberg in der Oberlausitz als Minna Schreiber, Tochter eines Briefträgers; lernte Buchdruckanlegerin. 1899 wurde sie Mitglied im Buchdruckerhilfsverband, 1901 trat sie der SPD in Dresden bei. 1904 Heirat mit dem Maurer Max Naumann. Ab 1910 Kreisleiterin eines Wahlkreises der SPD in Dresden, 1913 ordentliche Delegierte zum Parteitag in Jena. Minna Naumann gehörte seit Kriegsausbruch zur Opposition gegen die Politik der Mehrheit des PV und der Reichstagsfraktion. Im Januar 1917 trat sie der USPD bei und nahm als Delegierte am Internationalen Kongreß in Bern teil. Im November 1917 wurde sie wegen antimilitaristischer Propaganda verhaftet und im Mai 1918 in einem Prozeß vor dem Reichsgericht zusammen mit oppositionellen Jungsozialisten zu eineinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt. Im November 1918 durch die Revolution befreit, schloß sie sich den Internationalen Kommunisten Deutschlands an, Mitglied des Arbeiter- und Soldatenrates in Dresden, schon wenige Wochen später trat sie mit anderen IKD-Mitgliedern zurück. Als Delegierte Dresdens nahm Minna Naumann mit Karl Becker und Karl Plättner am Gründungsparteitag der KPD Ende 1918 in Berlin teil. Ab 1920 war sie zeitweilig Mitglied der KAP, später wieder in der KPD, ohne besondere Funktionen auszuüben. Zwischen 1933 und 1945 war sie vorübergehend inhaftiert. 1945 lokale Funktionärin der KPD in Dresden, bis 1948 hauptamtliche Parteiarbeit, danach Parteiveteranin der SED in Dresden, 1958 erhielt sie den VVO in Bronze. Minna Naumann starb am 17. Januar 1967.

Wer war wer in DDR

Naumann, Konrad

* 25.11.1928 – ✝ 25.7.1992

Geb. in Leipzig; Vater Finanzrevisor, Mutter Schneiderin; 1935 – 39 Volksschule in Holzhausen (b. Leipzig), bis 1941 Mittelschule in Engelsdorf (b. Leipzig) u. von 1941 – 45 Aufbauschule in Leipzig; 1939 Beitritt zum Jungvolk, Jungenschaftsführer; Febr. 1944 mit seiner Schulkl. als Luftwaffenhelfer zur Flak eingezogen; zeitw. zum Besuch eines Fallschirmjägerkurses an die Sprungschule nach Stendal-Gardelegen abkommandiert; Anfang 1945 zur RAD-Flak nach Bad Lausick (b. Leipzig) eingezogen, kurz vor Einmarsch der amerik. Truppen von dort desertiert. 1945 Landarb. bei einem Bauern in Holzhausen; Juni 1945 Antifa-Jugend; Nov. 1945 KPD; im Herbst 1945 als Freiw. zum Jugendeinsatz im Braunkohlenrevier Espenhain; Jan. – März 1946 Besuch der KPD-LPS; danach hauptamtl. Tätigkeit bei der FDJ; 1946/47 SED u. FDGB; Abt.-Ltr. im FDJ-Krs.-Vorst. Leipzig; 1947 Abt.-Ltr. im FDJ-Landesvorst. Sachsen in Dresden; dann bis Frühjahr 1948 Vors. des FDJ-Krs.-Vorst. Leipzig; wegen »pol. Fehler« von der SED-KL seiner Funktion enthoben, Arbeit als Hilfsschlosser im Braunkohlenwerk Hirschfelde; 1948/49 Instrukteur des ZR der FDJ; 1949 – 51 Sekr. für Arbeit u. Soziales im FDJ-Landesvorst. Mecklenb.; 1950/51 Abg. des Landtags Mecklenb.; 1951/ 52 Studium an der Komsomol-HS in Moskau; 1953 – 57 1. Sekr. der FDJ-BL Frankfurt (Oder); Kand. des Büros der SED-BL; Abg. des Bez.-Tags; 1952 – 67 Mitgl. u. 1957 – 64 Sekr. des ZR der FDJ; Juli/Aug. 1959 Ltr. der DDR-Delegation zu den VII. Weltfestspielen der Jugend u. Studenten in Wien; Jan. 1963 – Aug. 1966 Kand. u. Sept. 1966 – Nov. 1985 Mitgl. des ZK der SED; 1964 – 71 2. Sekr. u. 1971 – 85 1. Sekr. der SED-BL Berlin (Nachf. von  Paul Verner); 1967 – 86 Abg. der Berliner Stadtverordnetenvers. u. Abg. der Volkskammer; ab Okt. 1973 Kand. u. seit dem IX. Parteitag im Mai 1976 Mitgl. des PB; 1974 VVO; 1978 KMO; 1984/85 Sekr. des ZK der SED; 1984 – 86 Mitgl. des Staatsrats; auf der 11. ZK-Tagung am 22.11.1985 angebl. aus gesundheitl. Gründen von allen seinen Funktionen entbunden, Anlaß dafür war seine Rede vor Prof. u. Doz. der AfG beim ZK der SED am 17.10.1985, die das PB als Angriff auf die »Generallinie« der SED bewertete; Dez. 1986 – Ende 1989 wiss. Mitarb. in der Staatl. Archivverw. Potsdam. 1990 Vorruhestand; ab April 1991 in Quito (Ekuador); dort gest.Zu einigen Erfahrungen der Berliner Parteiorg. Berlin 1981; Mit revolutionärem Optimismus. Berlin 1982. Oelschlegel, V.: Wenn das meine Mutter wüßt. (Autobiogr.). Berlin, Frankfurt 1991; Müller, H.: Wendejahre 1949 – 1989. Berlin 1999.Monika Kaiser / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Müller, Carl H.

* 22.9.1879 – ✝ 7.9.1953

Geboren am 22. September 1879 in Stuttgart, Sohn eines Malers; lebte vor dem Weltkrieg in der Schweiz, wo er sich der sozialistischen Bewegung anschloß. Als Maler und Schriftsteller tätig, führte er ein Bohemien-Leben. Nach dem Krieg Rückkehr nach Deutschland, Mitglied der USPD, ab April 1920 Parteisekretär der USPD in Weingarten. Delegierter des USP-Spaltungsparteitages 1920, mit der linken USPD 1920 zur KPD. Carl Müller – ein bekannter Volksredner in Württemberg – war 1920 für die USPD in den Württembergischen Landtag eingezogen, wurde 1924 dann für die KPD erneut Landtagsabgeordneter. Im Januar 1924 verhaftet, jedoch bald wieder freigelassen, kam es im Landtag zu einer scharfen Debatte, weil die Polizei Müllers Post überwachte. Die Postkontrolle wurde mit dem Verdacht auf Hochverrat begründet; die Polizei erklärte aber, der Briefwechsel sei fast ausschließlich erotischer Natur übelster Art gewesen. Carl Müller, einige Zeit Redakteur des KPD-Organs »Süddeutsche Arbeiterzeitung«, stand auf dem rechten Parteiflügel; er wurde im Januar 1927 aus der KPD ausgeschlossen. Die SPD hatte Müller bereits zuvor in einem Flugblatt beschuldigt, er habe 1912 in Basel Gelder (600 Franken) des Arbeitervereins »Eintracht« unterschlagen und sei während des Krieges für die deutsche Spionage tätig gewesen. Ein Brief des Schweizer Kommunisten und Lenin-Freundes Fritz Platten aus Moskau untermauerte angeblich die Vorwürfe, so daß Carl Müllers Parteiausschluß vom ZK der KPD bestätigt wurde. Der Ausschluß erfolgte wegen »Nichtdurchführung von Parteibeschlüssen« und weil Müller ein »moralisch korruptes Element« sei. Die Rechten sahen im Ausschluß des fähigen und beliebten Genossen jedoch einen politischen Schachzug. Müller lebte eine Zeitlang mit der Hauptkassiererin und Orgleiterin der württembergischen KPD Anna Stegmaier (*4. 11. 1899 – † 27. 7. 1973) zusammen. Er trat später politisch nicht mehr hervor, emigrierte 1933 zunächst nach Frankreich, dann lebte und arbeitete er als Kunstmaler in Österreich. Carl Müller starb am 7. September 1953 in Mödling.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Müller, Gustav

* 8.8.1875 – ✝ 5.6.1946

Geboren am 8. August 1875 in Halberstadt, Sohn eines Bahnbeamten; nach dem Besuch des Realgymnasiums bis 1893 Kupferschmied, später Rechtsanwaltsgehilfe. Die Wanderschaft führte ihn außer durch Deutschland nach Dänemark und Holland. Von 1895 bis 1897 leistete er seinen Militärdienst in Altona, übersiedelte 1902 nach Berlin und besuchte von 1909 bis 1912 die Arbeiterbildungsschule und die Humboldt-Hochschule. Seit 1900 Mitglied der SPD, war Müller auch Referent für die Partei. 1917 trat er zur USPD über und lebte illegal in Berlin, da er den Kriegsdienst verweigerte. 1920 ging er mit dem linken Flügel in die VKPD, war ab 1922 hauptamtlicher Sekretär der BL Berlin-Brandenburg für die Abteilung Land, ab 1923 Polsekretär für die KPD in Frankfurt/Oder. Im Mai 1924 zog Gustav Müller als Abgeordneter in den Reichstag ein, nach Auflösung des Reichstages und des Preußischen Landtages 1924 für beide Parlamente als Spitzenkandidat der KPD (für den Wahlkreis Frankfurt/Oder) aufgestellt und im Dezember 1924 in den Preußischen Landtag gewählt. Im Juni 1924 Delegierter des V. Kongresses der Komintern in Moskau, schloß sich nach dem »Offenen Brief« des EKKI 1925 aktiv der linken Opposition an. Er unterschrieb im Juni 1926 den oppositionellen »Brief der 700«. Daraufhin wurde Gustav Müller (zusammen mit 34 seiner Anhänger) am 18. Mai 1927 aus der KPD ausgeschlossen, er gehörte zu den Mitbegründern des Leninbundes. Die Reichstagung des Leninbundes im April 1928 wählte Gustav Müller (neben Hugo Urbahns und Guido Heym) in das Präsidium dieser Organisation. Bis 1933 war er für den Leninbund, aber auch den KPD-nahen Siedlerbund aktiv, dort stellvertretender Vorsitzender, Schriftleiter der Bundeszeitschrift und Leiter der zentralen Rechtsberatungsstelle. Im Sommer 1932 stellte Müller den Antrag auf Wiederaufnahme an die KPD Berlin-Brandenburg. Nach Rücksprache mit Hans Pfeiffer und ausdrücklicher Unterstützung Wilhelm Piecks wurde Gustav Müller wieder in die Partei aufgenommen. Nach 1933 wirkte er in einer Widerstandsgruppe »Zelle Küstrin« in Alt-Landsberg-Seeberg, die im April 1944 durch Verrat aufflog. Müller tauchte unter. Er lebte 1946 in Berlin-Kreuzberg und wurde als Opfer des Faschismus anerkannt. Gustav Müller starb am 5.Juni 1946 in Berlin.

Wer war wer in DDR

Mund, Karlheinz

* 11.9.1937

Geb. in Eberswalde; Vater Landwirt, Kohlenhändler, Heizer, Mutter Hausfrau; Lehre als Kfz-Schlosser; 1958 Abitur an der ABF der HU Berlin; 1958 / 59 Beleuchter im DEFA-Studio für Wochenschau u. Dokumentarfilme Berlin, 1959 – 63 Regiestud. an der HFF Potsdam-Babelsberg; ab 1963 Regieass. im DEFA-Studio für Wochenschau u. Dokumentarfilme, u. a. bei Joachim Hellwig u.  Walter Heynowski; Arbeiten für die DEFA-Wochenschau »Der Augenzeuge«; ab 1964 Regisseur, Filme: »Memento« (1965 / 66, nach Erinnerungen von  Martin Riesenburger u. nach Motiven eines Gedichts von  Günter Kunert), »Canto de Fé – Gesang einer Hoffnung« (1965), »Helft Vietnam« (1967), »Oxi – Nein« (1969 / 70), »Otto Nagel 1894 – 1967« (1970), u. a. mit  Wolfgang Thierse an »Physiker in Wrocław« (1970), »Die Mit-Arbeiterin« (1972) über  Elisabeth Hauptmann, »WML – Steiger oder Maler« (1976), »Stadtlandschaften« (1981, mit Gemälden von  Konrad Knebel, Klaus Magnus, Uwe Pfeiffer) u. »In Polnowat am Ob« (1987, nach Tagebuchnotizen von  Wolfgang Steinitz), »Theodor Fontane: Wanderungen durch die Mark« (1971, mit Gotthard Erler) ist eine der ersten dt.-dt. Koproduktionen auf dem Gebiet des Dokumentarfilms zwischen DEFA u. Manfred-Durniok-Produktion Berlin (West); Filme über die SU: »Nordzuschlag – Sibirische Charaktere« (1975, mit  Karl-Heinz Jakobs), »Köchin in der Taiga« (1975, mit Christiane Hein); außerdem: »De Geyter – Geschichte eines Liedes« (1978), »Erinnerung an Otto René Castillo« (1979), »Walter Ballhause – Einer von Millionen« (1982), »Vom Büchermachen in finsterer Zeit« (1984), »Ein Bild malen ist wie Mais anbauen – Bauernmalerei in Nicaragua« (1984), »Spanien im Herzen – Hans Beimler und andere« (1985), »Geschichte eines Bildes – ?Der Turm der blauen Pferde?, Franz Marc« (1988), »Probleme am laufenden Band« (1989), »Schulstunde mit Torso« (1989) u. »Schulstunde mit Ton« (1991); weitere Co- u. Textautoren seiner Filme sind u. a.  Daniela Dahn,  Fritz Rudolf Fries, Rolf Liebmann,  Günther Rücker,  Helga Schütz,  Klaus Wischnewski, an der Kamera steht häufig  Christian Lehmann; 1970 Preis der Kurzfilmtage Oberhausen; 1975 Silberner Preis des Internat. Filmfestivals Moskau; 1979 Kunstpreis der DDR; 1988 NP. Nach 1989 kritisch-reflektierende Auseinandersetzung mit der DDR-Geschichte: »Aufgeben oder neu beginnen – Walter Janka« (1989 / 1990), »Zeitschleifen – im Dialog mit Christa Wolf« (1990 / 1991); ab 1992 als freischaff. Regisseur u. Autor »ABF-Memoiren« (1992 / 93) mit Auskünften von  Erich Loest,  Hermann Kant,  Dieter Mann,  Dieter Schlenstedt,  Karlheinz Lohs u.  Hans Mayer, »Das Bergwerk – Franz Fühmann« (1997 / 98, mit  Sigrid Damm), Film über die Malerin » Núria Quevedo – Berlinerin aus Barcelona« (2002 / 03), mit der er seit 1960 verh. ist; lebt in Berlin.Günter Agde

Wer war wer in DDR

Munkelt, Thomas

* 3.8.1952

Geb. in Zedtlitz (Krs. Borna); EOS in Bor- na (b. Leipzig); Studium der Zahnmed. an der KMU Leipzig; 1969 – 85 Leichtathletik (110-m-Hürdenlauf) in Großzössen, von 1971 an beim SC Leipzig bzw. SC DHfK Leipzig (Trainer: Dieter Bachmann u. ab 1980 Frank Rüdiger); bei den Europameisterschaften 1974 4. Platz, 1978 Sieger u. 2. Platz mit der 4 x 100-m-Staffel; 1976 Olymp. Spiele 5. Platz; 1980 Olymp. Spiele: Sieger u. 5. Platz mit der 4 x 100-m-Staffel; bei den Halleneuropameisterschaften 1977, 1978, 1979 u. 1983 Sieger; beim Europacup 1975 Sieger mit der 4 x 100-m-Staffel, 1977, 1979 u. 1983 im 110-m-Hürdenlauf; 1977 Sieger beim Weltcup; 1983 bei den Weltmeisterschaften 5. Platz; Zahnarzt in Kitzscher b. Borna.Klaus Gallinat

Wer war wer in DDR

Murgott, Rudolf

* 21.8.1922 – ✝ 2.10.1980

Geb. in Bobrek-Karf (Krs. Beuthen, Oberschles. / Bobrek, Polen); Vater Bergsekretär; Volksschule, Gymnasium in Beuthen; 1939/40 Höhere Handelsschule in Oppeln; 1940/41 Baupraktikant; 1941/42 ein Semester Staatsbauschule Beuthen; 1942 – 44 Wehrmacht, Gefr.; 1944 – 49 sowj. Kriegsgefangenschaft, 1949 Antifa-Zentralschule Riga. 1949 Rückkehr nach Dtl.; 1950 Gruppenltr. in der Abt. Personal u. Schulung der HO-LL Potsdam; 1950 SED; 1950 – 52 Studium an der DASR Potsdam, Fachrichtung Außenhandel, Dipl.-Wirtsch.; 1952 – 59 Instrukteur der Abt. Handel u. Verkehr des ZK der SED; 1959/60 PHS der KPdSU in Moskau; 1960 – 63 stellv. Sektorenltr., 1964 – 68 stellv. Ltr. der Abt. Handel, Versorgung u. Außenhandel des ZK der SED; 1968 – 80 Präs. der KfA (Nachf. von Hans Bahr); 1976 Mitgl. des Wirtschaftsaussch. DDR – USA; 1965 Verdienstmedaille der NVA; 1972 VVO.Elke Reuter

Wer war wer in DDR

Müther, Ulrich

* 21.07.1934 – ✝ 21.8.2007

Geb. in Binz (Rügen); Vater Bauunternehmer; Volksschule; Ausb. zum Zimmermann, 1951 – 54 Ingenieurstudium an der FS Neustrelitz; 1954 – 58 Planung von Kraftwerken in Berlin; 1956 – 63 Fernstudium der Architektur an der TU Dresden; 1958 techn. Ltr. des familieneigenen Bauunternehmens (seit 1960 PGH, ab 1972 VEB Spezialbau Rügen) in Binz; 1960 – 90 Ltr. zahlr. Bauprojekte in der DDR u. im Ausland: 1966 Restaurierung des »Inselparadieses« Baabe; 1967/68 Restaurant »Teepott« Warnemünde (mit Erich Kaufmann u. Hans Fleischhauer); 1967/68 Mehrzweckhalle Rostock-Lütten Klein (mit E. Kaufmann); 1967/ 68 Restaurant »Ostseeperle« Glowe; 1968 Rettungsturm Binz; 1969 Stadthalle Neubrandenb.; 1969 Ausstellungszentrum Kulturpark Magdeburg; 1969 Sport- u. Kongreßhalle Rostock; 1970 – 72 Kath. Kirche Rostock; 1970 Ruderzentrum Dresden; 1972 Rennschlittenbahn Oberhof; 1972/73 Restaurant »Ahornblatt« Berlin; 1974 Gemeindehaus Stralsund; 1976 – 80 Raumfahrtplanetarium Tripolis (Libyen); 1980 Raumflugplanetarium Wolfsburg; 1980 Restaurant »Seerose« Potsdam; 1984 Moschee Amman (Jordanien); 1986/87 Planetarium Berlin; 1987 Radrennbahn Stettin (Polen); 1989 Radrennbahn Havanna (Kuba). 1990 Rückübertragung des Familienunternehmens (1999 Insolvenz); 1990 Entwurf Planetarium »Marine« Algier; 1992 Projektltr. Michael-Kirche Hannover; gest. in Binz (Rügen). Der parteilose M. gilt als weltweit anerkannter Pionier des Schalenbetonbaus u. bedeutendster Architekt der DDR im Umgang mit Flächentragwerken. M. lieferte für mehr als 60 Schalenbauten im In- u. Ausland die Entwürfe. Insb. seine Schalenentwürfe aus Beton für Planetariumsbauten fanden im Ausland große Beachtung.Dechau, W.: Kühne Solitäre: U. M. – Schalenbaumeister der DDR. Stuttgart 2000; Topfstedt, T., Barth, H.: Vom Baukünstler zum Komplexprojektanten. Architekten in der DDR. Berlin 2000; Seegert, T.: Abschied von einer Legende. Zum Tode des pommerschen Architekten U. M. In: Ztschr. für Kultur u. Geschichte (2007) 4; Lämmler, R., Wagner, M.: U. M. Schalenbauten in Mecklenburg-Vorpommern. Sulgen 2008.Volker Wagner

Wer war wer in DDR

Nadolski, Dieter

* 3.11.1939

Geb. in Rathenow; Vater u. Mutter Arbeiter; 1958 – 67 Studium der Chemie u. Pädagogik an der MLU Halle; 1963 – 67 Lektor im Dt. Verlag für Grundstoffindustrie Leipzig; 1971 SED; 1966 Prom. A »Prinzipien für ein Standardlehrbuch der anorganischen Chemie«; 1967 – 73 Fachgebietsltr. am Inst. für Büroorg., Leipzig; 1976 Prom. B »Möglichkeiten u. Probleme verbesserter Informationsdarstellung von naturwiss.-techn. Hochschullehrbüchern«; 1973 – 83 Oberassistent am Inst. für Verlagswesen u. Buchhandel der Univ. Leipzig, ab 1976 dessen Ltr.; 1983 – 90 Ltr. des Verlags Edition Leipzig (Nachf. von  Elmar Faber); 1987 Professur für Theorie u. Methodik der Literaturvermittlung an der KMU Leipzig. Seit 1991 Verleger des Tauchaer Verlags (v. a. Regionalia) u. 1991 Mitgl. des Vorstands des Kuratoriums »Haus des Buches« in Leipzig.Didaktische Typografie (Hrsg.). Leipzig 1984; Kleines Lexicon der Schwartzen Kunst. Leipzig 1984; Bücher über Zinn (80er Jahre) sowie landes- und regionalgeschichtl. Lit., u. a. Wahre Geschichten um August den Starken. Taucha 1997; Wahre Geschichten um Gräfin Cosel. Taucha 2000; Wahre Geschichten aus dem Erzgeb. Taucha 2008 (mit Jost N.).Frank Wagner

Handbuch Deutsche Kommunisten

Nagel, Otto

* 27.9.1894 – ✝ 12.7.1967

Geboren am 27. September 1894 in Berlin, Sohn eines Tischlers; lernte Glasmaler und trat 1915 in die SPD ein. 1917/18 Soldat im Weltkrieg, wegen Kriegsdienstverweigerung kam er in das Straflager Wahn bei Köln. 1917 Mitglied der USPD und der Spartakusgruppe, seit ihrer Gründung gehörte er der KPD an. Nagel war zunächst Transportarbeiter, als Autodidakt dann freischaffender Maler, wandte sich sozialkritischen Themen zu, bereits 1921 bekam er eine eigene Ausstellung. Er war 1922 Mitbegründer der Künstlerhilfe in der IRH und gründete 1928 gemeinsam mit Max Keilson, Heinrich Vogeler u. a. die Assoziation Revolutionärer Bildender Künstler Deutschlands. Bis 1933 war Nagel in deren Vorstand aktiv. Er hatte seit 1934 Malverbot, seine Bilder wurden beschlagnahmt und viele Darstellungen des Arbeitermilieus gingen durch die NS-Aktion »Entartete Kunst« verloren. 1936/37 war Nagel Häftling im KZ Sachsenhausen. Nach 1945 gehörte er in der SBZ zu den Mitbegründern des Kulturbundes, als Mitglied der KPD/SED war er von 1946 bis 1950 Abgeordneter des Landtages von Brandenburg und dann bis 1954 der Volkskammer. 1948 wurde er zum Professor ernannt. Nagel war von 1956 bis 1962 Präsident der Deutschen Akademie der Künste der DDR, von 1953 bis 1955 bzw. 1963/64 deren Vizepräsident. Otto Nagel starb am 12. Juli 1967 in Ost-Berlin.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Näther, Joachim

* 11.3.1925

Geb. in Waldau (Krs. Zeitz); Vater Maschinenbauing.; 1931 – 41 Grund- u. Oberschule; Ausbildung zum Maurer, 1943 – 45 Militärdienst; 1945/46 Kriegsgefangenschaft. 1946 – 49 Ing.-Studium an der Ing.-Schule Magdeburg., Bauing.; 1950/51 LDPD; 1950 – 52 Architekt in Projektierungsbetrieben in Magdeburg u. Schwerin; 1952 Wohnungsbau in Wismar u. Pasewalk; 1953 SED; 1953 – 63 Chefarchitekt im VEB Projektierung Rostock, leitete den Aufbau der »ersten soz. Straße« (Lange Straße); 1957 – 61 Studium an der HAB Weimar, Dipl.-Ing.; 1963/64 Chefarchitekt im VEB Typenprojektierung Berlin; 1964 – 74 Chefarchitekt von Berlin, Arbeit am Gen.-Bebauungsplan Berlin, maßgebl. Einfluß auf die Neugestaltung des Alexanderplatzes (1964 – 69), der Fischerinsel (1963 – 72), der Rathaus- u. Liebknechtstraße (1968 – 72), des Leninplatzes (1968 – 70) u. der Leipziger Straße (1969 – 72) in Berlin; 1968 – 90 Mitgl. der DBA; 1969 Dr.-Ing.; 1969 NP; 1974 – 90 Dir. des Inst. für Kulturbauten; Mitw. am Aufbau der Semperoper in Dresden, des Gewandhauses in Leipzig, der Rekonstruktion des Dt. Theaters u. der Kammerspiele in Berlin; 1979 – 90 Honorarprof. an der HS für Industrielle Formgestaltung Burg Giebichenstein. Leitete nach 1992 eine Bürgerinitiative für die behutsame u. sozialverträgl. Erneuerung des Alexanderplatzes in Berlin.Simone Hain

Wer war wer in DDR

Natschinski, Thomas

* 25.10.1947

Geb. in Claußnitz (Krs. Karl-Marx-Stadt); Vater  Gerd N. Schlagerkomponist; 1964 – 70 Studium der Fächer Klavier, Komposition u. Musiktheorie an der HS für Musik »Hanns Eisler« in Berlin; 1964 mit  Hartmut König Gründung der Beatgr. »Team 4«, 1966 erste Single, 1968 umbenannt in Thomas N. & Gruppe, Erfolgstitel »Die Straße«, »Maja«, »Mokka-Milch-Eisbar«; LP »Die Straße« (1968), »Geschichten« (1970), »Wir über uns« (1972); nach Auflösung der Band 1973 – 76 bei der Gr. »Brot u. Salz«; ab 1977 erfolgr. Soloprod., u. a. »Mein Herz muß barfuß gehen«, »Eine Mütze voller Träume«; 1978/79 Bandleader bei  Veronika Fischer, 1981 u. 1983/84 als Vertreter des erkrankten Ulrich Swillms Keyborder bei »Karat«; seit Mitte der 1970er Jahre Konzentration auf kompositor. Aufgaben, zahlr. Titel u. a. für Gaby Rückert,  Barbara Thalheim u.  Jürgen Walter; zahlr. Kindermusikprod., 1980 LP »Kinderfest«, MC »Im dunklen Bauch von Walfisch Jonas«; mehr als 150 Filmmusiken, u. a. mit Vater Gerd N. für den 1968 uraufgeführten DDR-Kultfilm »Heißer Sommer« (mit  Chris Doerk u.  Frank Schöbel) u. die Kinderfilme »Spuk unterm Riesenrad« u. »Spuk im Hochhaus«, 1987 Musik für die Revue »Traumvisionen«, seitdem regelmäßige Mitwirkung als Komponist u. Arrangeur an Revue-Prod. für den Berliner Friedrichstadtpalast. Nach 1990 Kompositionen für die TV-Prod. »Die Trotzkis«, »Agentur Herz« u. »Täter, Opfer, Polizei«; 1996 u. 1997 erster ostdt. Komponist im dt. Vorausscheid für den Grand Prix Eurovision, jeweils 4. Platz durch die Interpretinnen Anett Kölpin u. Anke Lauterbach; 2002 Musik für die Show »Wunderbar – Die 2002. Nacht« des Friedrichstadtpalastes, 2005 Mitarb. an der Bühnenfassung von »Heißer Sommer« am Volkstheater Rostock. CDs »Die Straße« (Reihe Rock aus Dtl.), »Die frühen Jahre 1966 – 71«, »Heißer Sommer«; »Weit, weit u. wild« (2007); zahlr. Titel auf versch. Samplern.Verdammt, wer hat das Klavier erfunden? Berlin 2008 (Autobiogr., mit Ch. Dähn).Jan Wielgohs

Wer war wer in DDR

Naumann, Gerhard

* 1.2.1929

Geb. in Kötschenbroda (Krs. Dresden-Land); Vater Arbeiter; Volksschule; Ausb. zum Büchsenmacher u. Werkzeugschlosser; 1945/46 KPD/SED; 1946 FDJ; 1947 hauptamtl. FDJ-Funktionär; 1950/51 stellv. Ltr. der Pionierleiterschule in Ludwigsfelde; 1952 Studium an der LPS in Schmerwitz; Mitarb., dann Sekr. der FDJ-BL Potsdam; 1956 – 61 Aspirant, 1960 Prom. zum Dr. phil. am IfG beim ZK der SED; 1961 – 74 Mitarb., stellv. Ltr. u. Ltr. der Abt. Jugend im ZK der SED (Nachf. von  Arno Goede); Mitgl. der Jugendkommission beim PB des ZK der SED; 1974 – 78 Ltr. des Forschungsbereichs Jugend an der AfG beim ZK der SED; 1978 dort Habil.; 1978 – 89 wiss. Mitarb., ab 1981 Sektorenltr. am IML; 1986 Prof.; Ruhestand.Über die Rolle u. die Aufgaben der FDJ bei der Herausbildung eines soz. Jugendlebens. Berlin 1960; FDJ-Wohngruppen – stets aktuell. Berlin 1962; Kämpfende Jugend der Welt. Berlin 1978; Die Leninsche Auffassung über die Spezifik des Weges jeder jungen Generation zum Soz. Berlin 1978; Von Ulbricht zu Honecker. 1970 – ein Krisenjahr der DDR. Berlin 1990 (zus. mit E. Trümpler).Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Naumann, Robert

* 18.12.1899 – ✝ 10.4.1978

Geb. in Berlin; Vater Arbeiter; 1906 – 14 Volksschule; dann Hausdiener; 1915 – 17 SAJ; 1915 – 19 Werkzeugmacherlehrling; 1917 Gewerkschaft; 1919 »Interessengem. der Auswandererorg. nach Rußland«; geht im Mai 1920 im Zusammenhang mit einer Aktion der Roten Arbeiterhilfe nach Sowjetrußland; 1920/ 21 Werkzeugmacher in der Lokomotivfabrik in Kolomna; Sept. 1920 RKP(B); 1921 Viermonatskurs an der dt. Parteischule in Moskau; Praktikum bei Odessa; dann Seminarltr. an der dt. Parteischule; 1922 – 26 Seminarltr. für pol. Ökon. am dt. Sektor der KUNMZ; 1924 Heirat mit einer Sowjetbürgerin; 1926 – 30 Studium am Inst. der »Roten Professur«; gleichz. bis 1937 Seminarltr., Doz. u. Prof. für pol. Ökon. an der KUNMZ; außerdem Kursusltr. im anglo-amerik. Sektor der Lenin-Schule u. an der Kommunist. Univ. der Völker des Ostens; 1930 – 43 Mitarb. im EKKI; tätig im Sekr. von Dimitri S. Manuilski, der Abt. Agit. / Prop. u. ab 1935 im anglo-amerik. Sekr. des EKKI; 1943 – 50 Lektor, Sektor- u. stellv. Schulltr. in den Kriegsgefangenenschulen in Taliza, Ogre u. Krasnogorsk. Juli 1950 Übersiedl. in die DDR; SED; 1950 Red. für Politökon. in der »Einheit«; gleichz. Lehrtätigkeit an der HU Berlin; Jan. 1951 Berufung zum Prof. für Pol. Ökon. u. Dir. des Inst. für Pol. Ökon. an der HU Berlin; Okt. 1951 Prorektor für das ges.-wiss. Grundstudium, erster Stellv. des Rektors; 1951 Vors. des wiss. Beirats des Staatssekr. für Hochschulwesen für das ges.-wiss. Grundstudium u. Mitgl. des wiss. Beirats für pol. Ökon.; ab 1952 Mitgl. der SED-BL Berlin; 1953 Mitgl. der Volksvertr. Groß-Berlins; Mitgl. des Zentralvorst. der DSF; Mitgl. des Aussch. für die Verleihung der NP für Wiss. u. Technik; 1954 Mitgl. der Sekt. Wirtschaftswiss. der DAW; 1954 – 63 Mitgl. des ZK der SED; 1955 Mitgl. des wiss. Beirats des Lehrstuhls für Pol. Ökon. des IfG; 1956 Mitgl. der Univ.-Parteiltg. der SED; 1957 Ernst-Moritz-Arndt-Medaille; 1959 Prom. zum Dr. rer. oec. an der HU Berlin; Banner der Arbeit; stellv. Vors. der Sekt. Wirtschaftswiss. u. Mitgl. des Kolleg. des Inst. für Wirtschaftswiss. der DAW; 1960 Mitgl. der ideolog. Kommission des PB beim ZK der SED; 1964 VVO; 1965 em.; dann Krs.-Vors. Berlin-Mitte u. Mitgl. des Bez.-Vorst. Berlin der DSF; Verdienstmedaille der DDR; gest. in Berlin.Theorie u. Praxis des Neoliberalismus. Berlin 1957 (Diss.).Peter Erler

Handbuch Deutsche Kommunisten

Müller, Erna

* 6.8.1903 – ✝ 31 bis 193

Geboren am 6. August 1903 in Berlin, Tochter eines Angestellten; Handelsschule, Stenotypistin, Schreibkraft und Kontoristin. Seit 1921 in der KPD, war sie bis 1927 technische Mitarbeiterin im »Führer-Verlag« bzw. beim MEB der RGI. Sie lebte 1927 in Wien und ab Anfang 1928 in der Sowjetunion, dort arbeitete sie unter dem Parteinamen Lucie (Lydia) Otto Rontke bzw. Lucie Müller zunächst als Stenotypistin in der Frauenabteilung des EKKI. Von 1931 bis 1937 war sie Gehilfin des Leiters, dann stellvertretende Leiterin des Büros des EKKI-Sekretariats. Sie wohnte zuletzt im Hotel »Lux«, dort wurde sie am 26.Juli 1937 vom NKWD verhaftet und der »Spionage« beschuldigt. Vom Militärkollegium des Obersten Gerichts am 14. September 1937 zum Tode verurteilt, Erna Müller wurde noch am selben Tag erschossen.

Wer war wer in DDR

Müller-Mertens, Eckhard

* 28.8.1923 – ✝ 14.1.2015

Geb. in Berlin; Vater KPD-Funktionär, 1933 Emigr. nach Schweden, wo er auch nach 1945 verblieb, Mutter Lehrerin; 1939 – 41 kfm. Lehre; 1941 – 45 Wehrmacht u. Gefangenschaft. 1945 Abitur in Oslo; 1949 SED; 1946 – 51 Studium der Geschichte, Soziol. u. Philos. an der HU Berlin; 1951 Prom. über Herrschaftsverhältnisse in brandenb. Dörfern nach 1375; ab 1952 Lehrtätigkeit an der HU Berlin, 1953 auch an der PH Potsdam; 1956 Habil. mit Untersuchungen zur Geschichte brandenb. Städte im Mittelalter; 1956 Doz.; 1956 – 58 Revisionismusvorwürfe; 1960 Prof. mit Lehrauftrag; 1964 Prof. mit vollem Lehrauftrag; 1968 ord. Prof.; 1963 – 68 Fachrichtungsltr. Geschichte an der HU Berlin, 1963 – 88 Ltr. des Bereichs Mittelalter; seit 1966 Ltr. des Langzeitvorhabens »Monumenta Germaniae Historica«; 1966 – 90 Vors. der Hansischen Arbeitsgemeinschaft in der DDR; Mitgl. versch. internat. Fachgremien, u. a. Ehren-Mitgl. der »Commission internationale pour l’histoire des villes«; 1987 NP; 1988 em.; Dez. 1989 Austritt aus der SED; lebte zuletzt in Berlin. E. M.-M. gehörte zu den Begründern einer marxist. Mediävistik in der DDR; er war einer der ersten Hochschulangeh. überhaupt, die auf dieser Grundlage lehrten; darüber hinaus gilt er als einer der anerkanntesten Mediävisten. Bibliogr.: Engel, E. (Hrsg.): Hansische Stadtgeschichte u. brandenb. Landesgeschichte. Fs. zum 65. Geb. von E. M.-M. Weimar 1989.Das Zeitalter der Ottonen. Berlin 1955; Karl der Große, Ludwig der Fromme und die Freien. Berlin 1963; Regnum Teutonicum. Berlin 1970; Feudalismus. Berlin 1985 (Hrsg.); Reichsintegration im Spiegel der Herrschaftspraxis Kaiser Konrad II. Weimar 1992; Pol. Wende und dt. Einheit. Berlin 1997; Konzeptionelle Ansätze der Hanse-Historiogr. Erlangen 2003 (Mithrsg.).Ilko-Sascha Kowalczuk

Wer war wer in DDR

Mundstock, Karl

* 26.3.1915 – ✝ 31.8.2008

Geb. in Berlin; Vater Tapezierer, Mutter Näherin; Besuch der Schulfarm Insel Scharfen- berg; 1932 – 34 Karl-Marx-Schule in Berlin-Neukölln (später Kaiser-Friedrich-Realgymnasium); 1933 KJVD; Sept. / Okt. ein Mon. »Schutzhaft«; 1934 verhaftet, verurteilt wegen »Verbreitung einer illeg. Broschüre«, 1934 – 36 Jugendhaft; erste Gedichte; 1936 – 39 Arbeit als Metallarb., Packer, Bauarb., Fräser; 1936 Mitgl. der illeg. KPD; 1938 – 39 vier Semester Fernstudium im Fach Maschinenbau, exmatrikuliert; 1939 – 44 Wehrmacht; 1944 verhaftet wegen »Wehrkraftzersetzung«; engl. Kriegsgefangenschaft. Nach der Rückkehr freischaffender Schriftsteller; 1952 erster, vieldiskutierter Gegenwartsroman »Helle Nächte«; 1965 Mitgl. des Dt. PEN-Zentrums Ost u. West; 1970 wurde auf Veranlassung des ZK der SED der schon ausgelieferte Reportageband über Eisenhüttenstadt (»Wo der Regenbogen steigt«) wegen »grobianischer« Arbeitersprache eingezogen u. eingestampft; 1974 VVO; 1982 Kunstpreis des FDGB für die Autobiogr. »Meine tausend Jahre Jugend«; 1982 – 89 Mitgl. des Präs. des PEN-Zentrums der DDR; 1984 Goethe-Preis der Stadt Berlin; 1985 NP; gest. in Berlin. Verf. von Romanen mit antifa. u. Gegenwartsthemen, Reportagen, Lyrik sowie im Berliner proletar. Milieu angesiedelter Kinder- u. Jugendbücher.Ali u. die Bande vom Lauseplatz. Ein Berliner Jungenroman. Berlin 1958; Die Stunde des Dietrich Conradie. Berlin 1958; Gespenster-Edes Tod und Auferstehung. Berlin 1962; Frech & frei. Gedichte. Halle 1974; Meine tausend Jahre Jugend. Halle 1981; Zeit der Zauberin. Halle 1985; Die unsterbl. Macke – Verse aus dem Stiefel. Rostock 2001; Der Tod des Millionenjägers. Berlin 2001; Meine tausend Jahre Jugend. Rostock 2005; Der Regenbogen steigt. Rostock 2006.Andreas Kölling

Wer war wer in DDR

Munschke, Ewald

* 20.3.1901 – ✝ 21.10.1981

Geb. in Berlin; Vater Steinsetzer, Mutter Köchin; Volks- u. Handelsschule; Lehre als Versicherungsangest.; 1917/18 Angeh. einer Jugendwehr; 1917/18 Soldat im 1. Weltkrieg; 1918 – 20 Arbeit als Kutscher bzw. Angeh. eines Eisenbahnregt.; 1920 – 31 Arbeiter in einer Seifenfabrik, Packer bzw. Bauarb.; 1920 Mitgl. der Transportarbeitergewerkschaft; 1923 KPD, 1924 Austritt aus der KPD, 1930 erneut Mitgl. der KPD; Mitarb. des AM-Apparates der KPD-BL Berlin-Brandenb., (Zersetzungsarbeit innerhalb der Polizei u. Reichswehr); Febr. 1933 Ltr. des AM-Apparats; Okt. 1933 Emigr. in die UdSSR; 1934 – 36 Studium an der Kommunist. Univ. der nat. Minderheiten des Westens in Moskau; 1936 – 38 in Spanien Politkommissar im Bat. »Tschapajew« der XIII. Internat. Brigaden; militär. Ltr. der 1. Parteischule in Benecassime; anschl. Ltr. der 1. Kommissarschule in Pozo-Rubio; ab Juli 1938 Parteiarbeit in Frankreich, anschl. in Belgien u. den Niederl.; Pol.-Ltr. der KPD-Emigranten in den Niederl. u. Angeh. der niederländ. kommunist. Widerstandsbew. »de Wahrheet«. Sept. 1945 Rückkehr nach Dtl.; kurzz. Mitarb. der Kaderabt. der KPD-BL Berlin; anschl. bis April 1946 Sekr. der KPD-Betriebsgr. bei der Berliner Polizei; 1946 – 49 stellv. Ltr. bzw. Ltr. der Abt. Kader der SED-LL Berlin; ab 15.12. 1949 – 1952 Hauptref. in der Kaderabt. des SED-PV bzw. des ZK der SED; zeitw. amtierender Ltr. der Kaderabt.; 1.10.1952 Gen.-Major der KVP; 1952 – 61 Stellv. des Ministers des Innern bzw. der NVA u. Chef der Verw. Kader der Hauptverw. Ausbildung des MdI bzw. KVP, ab 1956 der NVA; 1961 – 70 Kand. der ZPKK der SED; 1961 – 69 Vors. der PKK in der Pol. HV der NVA; Mitgl. des Präs. der ZL des Komitees der Antifa. Widerstandskämpfer; 31.1.1969 Ruhestand.Grabner, H.; Mildner, H.: Der Weg nach Hause. Lebensweg von Gen.-Major E. M. Berlin 1963.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Muschter, Gabriele

* 6.10.1946

Geb. in Oranienbaum (b. Dessau), aufgew. in Berlin; 1965 Abitur; 1965 – 67 Volontariat beim Fernsehen der DDR; 1967 – 69 Red.-Assistentin, 1970 – 74 Red. der Mitteilungen des VBK; 1974 – 79 Studium der Kunstwiss. u. Ästhetik an der HU Berlin; 1979 Ltr. der Galerie Mitte in Dresden; 1984 – 87 Aspirantur an der HU Berlin; danach freischaff. Tätigkeit mit Schwerpunkt auf jungen, noch unbekannten Künstlern, DDR-Fotografie der 70er u. 80er Jahre sowie Grenzüberschreitungen von Fotografie zur Malerei; Mai – Okt. 1990 Staatssekr. im Min. für Kultur der DDR. Seit 1990 freiberufl. Tätigkeit als Kunsthist. u. a. in der Kulturberatung u. Stiftungsarbeit; 1991 – 92 beratende u. gutachterl. Tätigkeit für den Staatsmin. im Bundeskanzleramt, die Kulturabt. im Bundesmin. des Innern sowie den kulturpol. Sprecher der CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus; ab 1994 Mitgl. der Geschäftsltg. der Kulturbrauerei in Berlin; Kuratorin von Ausstellungsprojekten in Bonn, Berlin u. Dresden; bis Dez. 2004 pers. Referentin beim Koordinator des Regierenden Bürgermeisters von Berlin für Mittel- u. Osteuropa W. O. Martinsen; seit 2005 Geschäftsf. des Mittel- u. Osteuropa-Clubs; Vorstandsmitgl. der Stiftung Neue Kultur.Der eigene Blick. Berliner Kritiker zeigen Kunst ihrer Wahl. Kat. zur Ausstellung Ephraim Palais. Berlin, Nov. / Dez. 1988 (Mitautorin); Sehen mit anderen Augen. In: Jenseits der Staatskultur. Traditionen autonomer Kunst in der DDR. München, Wien 1992 (Hrsg. G. M. u. Rüdiger Thomas); Faltblatt Kuratoren zu Gast. Olaf Stüber Kunstvermittlung. Berlin-Mitte 1998/99 (Mitautorin).Anke Scharnhorst

Wer war wer in DDR

Mylius, Karin

* 11.1.1934 – ✝ 13.12.1986

Geb. in Münster (Westf.) als Tochter eines Polizeihauptwachtmstr. (nach eig. Angaben dessen Adoptivkind), aufgew. in Halle; Volksschule; Stenotypistin; 1955 zeitw. illeg. Übersiedl. nach Stuttgart; 1957 Rückkehr in die DDR; Sekr. des Präs. der Jüd. Gemeinden in der DDR u. des Vors. der Jüd. Gemeinde Halle,  Hermann Baden; nach dessen Tod 1966 – 86 Vors. der Jüd. Gemeinde Halle; seit 1960 operative Bearbeitung durch das MfS zur pol. Orientierung des Vaters im Nat.-Soz. u. seiner Beteiligung an Judenverfolgungen in Lettland u. Litauen, zu falschen Angaben über K. M.s jüd. Herkunft, zu fingierten Aktionen antisemit. Inhalts; 1976 setzte K. M. durch, daß ihr Vater – obwohl nichtjüd. – auf dem Jüd. Friedhof beerdigt wurde; später Exhumierung u. Überführung auf den Gertraudenfriedhof; 1984 Wahl zur Stadtverordn.; VVO; seit 1984 verstärkte Kritik innerhalb der Jüd. Gemeinden der DDR zur Herkunft von K. M. u. zu ihrer Amtsführung als Vors. der Jüd. Gemeinde u. erhöhtes Interesse des MfS an ihrer Absetzung; 1986 Beendigung der Tätigkeit für die Jüd. Gemeinde; gest. in Halle.Biogr. Kurzporträt von K. M. In: Eschwege, H.: Fremd unter meinesgleichen. Erinnerungen eines Dresdner Juden. Berlin 1991; Hirschinger, F.: Fälschung u. Instrumentalisierung antifasch. Biographien. Das Beispiel Halle/Saale 1945 – 2005. Göttingen 2007.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Nagel, Arthur

* 19.11.1890 – ✝ 13.2.1945

Geboren am 19. November 1890 in Leipzig, Sohn eines Mühlenarbeiters; erlernte das Malerhandwerk. 1908 trat er in Leipzig in die Arbeiterjugendbewegung, 1909 in die SPD ein. Von 1910 bis 1912 Militärdienst beim Infanterie-Regiment in Zwickau, anschließend Malergeselle in Leipzig. Während des Krieges Soldat, kehrte im November 1918 nach Leipzig zurück, wurde Mitglied der USPD, mit deren linkem Flügel 1920 zur KPD. Als ehrenamtlicher Funktionär nahm er an den Kämpfen während des Kapp-Putsches und der März-Aktion 1921 teil. 1922 einer der sächsischen Delegierten auf dem IV. Weltkongreß der Komintern in Petrograd und Moskau. Er vertrat dort zusammen mit Hugo Urbahns und Ruth Fischer die linke Opposition. Ab 1922 Redakteur der »Sächsischen Arbeiterzeitung«, von Anfang 1924 bis 1933 Stadtverordneter in Leipzig. Nagel gehörte von 1922 bis 1930 der erweiterten BL Westsachsen an, war Mitglied der linken Fraktion und kam 1924 als Sekretär für Gewerkschaftsfragen hauptamtlich in die BL Westsachsen. Im Mai 1924 Abgeordneter des Reichstages, wurde aber im Dezember 1924 nicht wiedergewählt. Delegierter des X. Parteitags 1925, aktiver Anhänger der Ultralinken, Ende 1925 einige Zeit inhaftiert. Er trennte sich von den Ultralinken, wurde als Kandidat aufgestellt und 1926 als Abgeordneter in den Sächsischen Landtag gewählt und deshalb aus dem Gefängnis entlassen. Nagel war bis 1929 im Sächsischen Landtag, arbeitete bis 1932 als Redakteur für Gewerkschaftsfragen an der »Sächsischen Arbeiterzeitung« in Leipzig, 1932/33 Sprecher der RGO Leipzig. Am 1.August 1933 verhaftet, bis Februar 1934 »Schutzhaft«. Nach seiner Entlassung wurde er in die Leipziger Zylindergießerei zwangsverpflichtet. Nagel hatte Kontakt zu Otto Engert und Georg Schumann, er half französischen und sowjetischen Zwangsarbeitern. Ende Juli 1944 festgenommen und ins KZ Sachsenhausen eingeliefert, dort im Klinkerbau schweren Folterungen ausgesetzt. Am 13. Februar 1945 nach Mauthausen überführt, wo Arthur Nagel am 18. Februar 1945 ermordet wurde.

Wer war wer in DDR

Namokel, Karl

* 9.8.1927 – ✝ 25.7.1988

Geb. in Demmin; Vater Arbeiter; Volksschule; 1942 – 44 Ausbildung zum Schiffbauer in Stettin; 1944/45 Soldat. 1945 Gelegenheitsarb.; 1945 KPD, 1946 SED, FDJ; 1947/48 1. Sekr. der FDJ-KL Demmin; 1949/50 Sekr. der FDJ-GO u. 1950/51 1. Sekr. der SED-PO der Volkswerft Stralsund; 1951/ 52 PHS; 1952 – 55 Sekr. für Wirtschaft der SED-BL Rostock; 1954/55 Abg. des Bez.-Tags Rostock; Mai 1955 – 59 1. Sekr. des ZR der FDJ (Nachf. von  Erich Honecker); 1958 – 63 Mitgl. des ZK der SED u. Abg. der Volkskammer; ab 1959 Ingenieurstudium Schiffbau in Rostock-Warnemünde; bis 1988 Mitarb. im Bereich Berufsausbildung der VVB Schiffbau u. der Nachfolgeeinrichtung; 1970 VVO.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Natho, Eberhard

* 24.6.1932

Geb. in Dessau in einer Pfarrersfamilie; wegen christl. Engagements von der OS relegiert; nach dem Abitur an der kirchl. Ausbildungsstätte in Potsdam-Hermannswerder 1954 – 58 Studium der Theol. an der EMAU Greifswald; Vikariat in Roßlau; 1960 Ordination; 1961 – 71 Pfarrer in Güsten u. Abg. in der Stadtverordnetenvers. zunächst für den KB, dann für die CDU; 1969 theolog. Ehrenprom. an der MLU Halle; 1970 Mitgl. des Präs. der anhaltin. Landessynode u. ab Nov. 1970 Kirchenpräs. der Ev. Landeskirche Anhalt (Nachf. von Martin Müller); seit 1971 zugleich Pfarrer an der St.-Georgs-Kirche in Dessau; Mitgl. der Konferenz der Ev. Kirchenltg.; 1979 – 82 Vors. des Rats der Ev. Kirche der Union in der DDR (Nachf. von  Werner Krusche); 1981 – 90 Vors. der Arbeitsgemeinschaft Christl. Kirchen in der DDR; 1994 Ruhestand.Findeis, H., Pollack D. (Hrsg.): Selbstbewahrung u. Selbstverlust. Berlin 1999.Roger Sitter / Ehrhart Neubert

Wer war wer in DDR

Naue, Gert

* 21.7.1934

Geb. in Leipzig, aufgewachsen in einer antifasch. Arbeiterfam.; 1953 Abitur an der Petri-Oberschule Leipzig; anschl. Studium der Luftfahrttechnik an der TH Dresden, dort 1958 Dipl. auf dem Gebiet der Aerodynamik; 1958 – 61 Aspirantur, 1962 Prom. bei  Werner Albring mit einer Arbeit über Wärmeübergangsprobleme an rotierenden Scheiben; 1961 – 65 Abt.-Ltr. für Thermodynamik in der Forschungs- u. Versuchsanstalt für Strömungsmaschinen Pirna, Arbeitsgebiet: Wärmeübergang in Kraftwerksprozessen; 1966 Habil. an der TU Dresden zu numerischen Lösungsmethoden für Impuls- u. Wärmetransportmechanismen in homogenen Medien; 1965 Berufung zum Doz. an die TH für Chemie »Carl Schorlemmer« Leuna-Merseburg (THC), dort 1967 Prof. für Techn. Strömungsmechanik; 1971 / 72 Studienaufenthalt an der Sibir. Abt. der AdW der UdSSR; 1970 Dekan, 1973 – 75 Prorektor für Forschung, 1975 – 81 Rektor der THC (Nachf. von  Heinz Emons); 1974 Held der Arbeit. 1992 Ruhestand; 1992 Mitbegr. eines Ingenieurbüros u. Tätigkeit als Ing. u. Gutachter; lebt in Dresden. Beiträge zur numer. Verfahrenstechnik durch Strömungsmodellierung u. -simulation; Anwendung auf komplexe Ausbreitungsrechnungen; grundlegende Arbeiten zur Modellierung von Transportprozessen mit Hilfe von Spinfeldern.Technische Strömungsmechanik. Leipzig 1975; Transportprozesse in Fluiden. Leipzig 1992 (mit G. Bärwolf).Klaus Krug

Wer war wer in DDR

Naumann, Harald

* 3.1.1923

Geb. in Dresden; Vater Eisenbahner; Volks-, Wirtschaftsober- u. Finanzschule; 1941 – 50 Zolldienst, durch Wehrdienst (Luftnachrichten) unterbrochen; zul. Regierungsrat u. Hauptzollamtsltr. 1946 – 49 BGL-Vors., FDGB, 1949 CDU; 1950 – 52 Studium der Finanzwirtschaft an der DVA Forst-Zinna; 1952 – 54 Oberref., Unterabt.-Ltr. Finanzen in der Abgabenverw.; 1954 – 66 Abt.-Ltr. Wirtschaft beim Sekr. des CDU-Hauptvorst.; 1957 – 59 Fernstudium der Industrieökon. an der HfÖ Berlin, Dipl.-Ökonom; 1966 dort Prom. zum Dr. oec.; 1966 – 77 Sekr. des CDU-Hauptvorst.; 1967 – März 1990 Abg. der Volkskammer; 1971 – 81 stellv. Vors. des Aussch. für Industrie, Bauwesen u. Verkehr; 1981 – 86 stellv. Vors. des Aussch. für Haushalt u. Finanzen; 1972 – 89 Mitgl. des Präs. des CDU-Hauptvorst.; 1977 – 89 stellv. Min. für Handel u. Versorgung; 1983 VVO; 1989/90 stellv. Vors. der Arbeitsgr. »Mittelständische Wirtschaft« der CDU u. zeitweiliger Vertreter der CDU am Zentr. Runden Tisch.Die Mitarbeit der CDU bei der Schaffung u. Entw. halbstaatl. Betriebe in der DDR. Berlin 1967.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Naumann, Rosemarie (Rosel)

* 30.7.1926

Geb. in Lommatzsch (Krs. Meißen); Vater Arbeiter; Grund- u. Berufsschule; Ausb. zum Kfm.; im Beruf tätig. 1945/46 KPD/SED; 1945 – 49 Angest. in der Stadtverw. Meißen; 1949 – 51 1. Vors. des DFD-Kreisverb. Meißen; 1952 Studium an der PHS; 1953/54 Abt.-Ltr. im DFD-Bundesvorst.; 1954 Instrukteurin, Sektorenltr. u. 1955 amt. Ltr. der Arbeitsgr. Frauen des ZK der SED (Nachf. von  Käte Selbmann); danach Kaderinstrukteurin im MfAA.Helmut Müller-Enbergs