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BioLex

In der Kategorie BioLex sind drei wichtige Lexika mit über 5500 Biografien von überzeugten Kommunistinnen und Kommunisten, Renegatinnen und Dissidenten im Volltext recherchierbar.

 

Das Handbuch „Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945“ wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam.

Kurzbiografien zu Personen des politischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 bereit.

Zudem ist das Online-Lexikon www.dissdenten.eu ebenfalls auf unserer Seite aufrufbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Informationen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Handbuch Deutsche Kommunisten

Nawrey, Jack

* 1910 – ✝ 25.3.1943

Geboren 1910 in Stryj/Galizien als Jack Nußbaum (oder Nüssenblatt), kam in den zwanziger Jahren nach Deutschland. Er wurde als Jack Nawrey ein bekannter Journalist, 1929 Mitglied der KPD und Redakteur der »Roten Fahne« in Berlin. Nawrey soll auch dem AM-Apparat angehört haben. 1934 emigrierte er in die Sowjetunion und wurde in Moskau Redakteur an der »Deutschen Zentral-Zeitung«. Im Februar 1938 vom NKWD verhaftet und daraufhin als »Konterrevolutionär« verbannt. Zuletzt wurde er noch in den Goldfeldern an der Kolyma gesehen. Die Tochter Ruth (* 1936 in Moskau), die 1996 mit Nawreys Witwe (* 1910) und ihrer Familie nach Deutschland kam, hatte 1995 die Rehabilitierungsurkunde erhalten. Jack Nawrey war am 25.März 1943 im Gulag gestorben.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Neddermeyer, Robert

* 3.4.1887 – ✝ 18.10.1965

Geboren am 3. April 1887 in Altona, Sohn eines Hafenarbeiters; Schiffsjunge zur See, später Fischer, Matrose und Eisenbahner. 1907 Mitglied der SPD, von 1909 bis 1912 Militärdienst bei der Matrosen-Artillerie-Abteilung in Hamburg, 1913/14 Telegraphenarbeiter in Hamburg. Während des Krieges kam er zur Marine, aktiver Teilnehmer des Matrosenaufstandes 1918 in Kiel, dann wieder Schiffer bzw. 1919/20 Hofverwalter auf einem Gut. 1919 Mitglied der KPD, 1922/23 UB-Sekretär in Bielefeld, 1923/24 Bezirks-Militärleiter in Hannover. Als Anhänger des linken Flügels der Partei 1924 Polleiter in Niedersachsen. Im Mai 1924 wurde Neddermeyer im Wahlkreis Westfalen-Nord in den Reichstag gewählt, dem er bis 1928 angehörte. Anfang 1925 schloß er sich den Ultralinken an. Er wurde nach Kassel versetzt, war dort Polleiter der KPD Hessen-Kassel. Zusammen mit den ultralinken Reichstagsabgeordneten Arthur Rosenberg, Werner Scholem, Karl Korsch, Theodor Neubauer, Ernst Schwarz und Hans Bohla protestierte Neddermeyer im April 1926 gegen den Parteiausschluß von Iwan Katz. Ebenso wie Neubauer trennte er sich Ende 1926 von den Ultralinken und schwenkte zu Ernst Thälmann über. Nach Berlin geholt und Mitglied der Landabteilung des ZK, unterhielt Neddermeyer seit 1930 auch eine eigene Geflügelzucht in Liebenwalde. 1927/28 nochmals als Polleiter nach Kassel entsandt und im Mai 1928 in den Preußischen Landtag gewählt, dessen Abgeordneter er bis 1933 blieb. Von 1928 bis 1932 leitete er die Landabteilung in der BL Ostpreußen, dann 1931 Vorsitzender des Einheitsverbandes der Land- und Forstarbeiter, einer Gliederung der RGO. 1932/33 Mitglied des Reichskomitees der RGO und Redakteur der »Landarbeiter-Zeitung«. Von Ende Februar 1933 bis zu seiner Verhaftung am 10. Oktober 1933 illegaler Instrukteur in Mecklenburg, Schlesien und dem Rheinland. Am 6. Oktober 1934 durch den 1. Strafsenat des OLG in Hamm zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Nach der Freilassung wieder Geflügelzüchter in Liebenwalde, aber am 18. Juli 1944 erneut verhaftet und im Prozeß gegen »Saefkow und Genossen« im Oktober 1944 zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Am 27. April 1945 aus dem Zuchthaus Brandenburg befreit, schloß sich Neddermeyer wieder der KPD an, wurde zunächst 2. Bürgermeister in Liebenwalde, dann stellvertretender Landrat von Niederbarnim bzw. Oberlandrat in Bernau-Liebenwalde. Ab Dezember 1948 Vorsitzender des VdgB-Landesverbandes Brandenburg, seit Herbst 1946 für die VdgB Landtagsabgeordneter in Brandenburg und ab 1952 Vorsitzender des VdgB-Bezirks Potsdam, 1965 Parteiveteran; er erhielt 1957 den Karl-Marx-Orden. Robert Neddermeyer starb am 18. Oktober 1965 in Ost-Berlin. Ingo Ganz veröffentlichte 2003 eine biographische Skizze über Robert Neddermeyer.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Nehmer, Meinhard

* 13.1.1941

Geb. in Boblin (b. Stettin/Bobolin, Polen); Vater Landwirt; Grundschule; 1955 – 63 Ausbildung zum Landwirt u. tätig im väterl. Betrieb; 1961 – 63 zugleich Ausbildung zum Wetterdiensttechniker u. Tätigkeit in der Wetterdienststelle Arkona; ab 1963 NVA, zul. Fregattenkapitän; 1963 – 73 Leichtathlet (Speerwerfer) beim ASK Vorwärts Potsdam; 1965 – 67 Abschl. der 10. Kl. erworben; 1973 – 80 Bobfahrer beim ASK Vorwärts Oberhof; 1976 – 78 u. 1980 – 82 Studium an der Ing.-FS Nordhausen, Ing. für Landmaschinentechnik; 1971 Bestleistung im Speerwurf: 81,50 m; Bobfahren: bei den Europameisterschaften 1978 2. Platz (Vierer), 1979 EM (Vierer) u. 2. Platz (Zweier), 1980 4. Platz (Zweier); bei den Weltmeisterschaften 1977 WM (Vierer), 1978 2. Platz (Zweier) u. 3. Platz (Vierer); bei den Olymp. Spielen 1976 Sieger (Zweier u. Vierer), 1980 Sieger (Vierer), 3. Platz (Zweier); VVO; 1982 endete seine sportl. Laufbahn; bis Dez. 1990 Trainer in Oberhof u. Angest. der Bundeswehr. 1991 – 93 Trainer der amerik. Nationalmannschaft; anschl. Trainer in Italien; 2000 – 06 Assistent von Bundestrainer Raimund Bethge, 2006 Trainerlaufbahn beendet; 1999 bis Juni 2009 für die FDP im Kreistag Rügen; lebt in Varnkewitz (Rügen).Klaus Gallinat / Olaf W. Reimann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Neitzel, Otto

* 19.10.1902 – ✝ 25.6.1947

Geboren am 19. Oktober 1902 in Leipzig, Sohn eines Metallarbeiters; lernte Buchhändler. Seit Januar 1919 Mitglied der FSJ und der KPD, Jugendfunktionär der BL Leipzig. Wegen Beteiligung am Mitteldeutschen Aufstand 1921 und an Aktionen der Plättner-Gruppe ( Karl Plättner) inhaftiert, zu drei Jahren Gefängnis verurteilt, anläßlich der Rathenau-Amnestie 1922 freigekommen. Nach 1923 lebte er illegal unter dem Namen Karl Wagner, war Metallarbeiter in Berlin, von 1925 bis 1927 Reporter für die »Rote Fahne«, 1927/28 Kursant an der Moskauer KUNMS. Einsatz im Apparat der Komintern, war er zunächst Sekretär des Übersetzungsbüros, dann Sekretär des Mitteleuropäischen Ländersekretariats unter Gussew, später unter Knorin und zuletzt Sekretär des deutschen Klubs in Moskau. Ende 1931 Rückkehr nach Deutschland. Neitzel wurde offiziell Sekretär im Internationalen Arbeiter-Verlag, gehörte tatsächlich dem AM-Apparat der BL Berlin-Brandenburg als Leiter der Nachrichtenabteilung und des SPD-Ressorts an. Ab 1933 illegal stellvertretender Leiter des Emigrationsapparates der BL Berlin-Brandenburg. Am 5. März 1934 festgenommen und im Oktober 1934 vom Kammergericht Berlin zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Nach Freilassung Pflichtarbeiter, flüchtete er Ende 1936 in die âSR und wurde Polleiter der Partei- und Emigrantengruppe in Mährisch-Ostrau. Im März 1939 Emigration nach Großbritannien. Rückkehr nach Deutschland im August 1946, Mitglied der SED und Redakteur beim SNB. Otto Neitzel starb am 25. Juni 1947 in Berlin.

Wer war wer in DDR

Nerlich, Günter

* 7.1.1926

Geb. in Berlin; Vater Gewerbetreibender; Grund- u. OS; 1944 RAD; 1944 / 45 Wehrmacht. 1945 – 49 sowj. Kriegsgef., 1947 Antifa-Gebietsschule, 1947 – 49 Kursant bzw. zuletzt Lehrer an der Zentralen Antifaschule 2041. 1949 Rückkehr nach Dtl.; 1950 SED; 1950 – 52 Red., Redaktionsltr. beim Berliner Rundfunk; 1952 – 54 Redaktionsltr. beim Staatl. Rundfunkkomitee; 1952 – 57 Fernstudium an der HU Berlin u. der HS für Außenhandel, Dipl.-Wirtschaftler; ab 1954 Arbeitsgruppenltr., Redaktionsltr., Chefred. der Nachrichtensendung »Aktuelle Kamera«; 1958 – 61 Auslandskorresp. des DFF in Moskau; 1961 – 64 Chefred. für Reportagen u. Dokumentationen beim DFF, Mitgl. des Kollegiums des DFF; 1964 Einsatz als Korresp. des DFF in Kairo; 1967 – 71 Chefred. für Reportagen u. Dokumentationen beim DFF; 1971 – 79 Korresp. des Fernsehens der DDR im Regionalbüro in Südostasien in Singapur, später in Delhi, anschl. Auslandsreportagen u. Tätigkeit als Experte für versch. Fernsehstationen (Ägypten, Jemen, Zypern, Afghanistan); 1989 Entsendung in das UNESCO-Studio nach Lusaka; 1990 Ruhestand.? und weiter fließt der Ganges – Reisebilder aus Indien. Berlin 1962; Goldgräber u. Diamantensucher. Leipzig 1968; Maghreb. Marokko, Algerien, Tunesien – damals u. heute. Leipzig 1971; Die verschleierten Männer. Begegnungen mit Japan. Leipzig 1980; Indien – Antlitz eines Subkontinents. Leipzig 1983.Kirsten Nies

Handbuch Deutsche Kommunisten

Neubauer, Theodor

* 12.12.1890 – ✝ 8.1.1945

(* 1890 – † 1945) Geboren als Sohn eines Gutsinspektors am 12.Dezember 1890 in Ernschwert an der Werra. 1900 übersiedelte die Familie nach Erfurt. Hier besuchte er von 1901 bis 1910 mit seinen drei Geschwistern das Gymnasium. Der Vater war kaisertreuer Nationalist und erzog Theodor Neubauer entsprechend. Nach der Reifeprüfung studierte er von 1910 bis 1913 in Brüssel, Jena und Berlin Geschichte sowie neuere Sprachen und promovierte mit der Dissertation »Die sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse der Stadt Erfurt vor der Reformation«. Neubauer, damals Nationalliberaler, meldete sich 1914 freiwillig als Soldat und kam an die Ostfront. Nach einer Gasvergiftung an der Westfront in die Heimat entlassen, schied er 1917 als Leutnant aus. Anhänger der Deutschen Vaterlandspartei, im Dezember 1918 wurde er Mitglied der Deutschen Demokratischen Partei und in deren Erfurter Vorstand gewählt. Dann rückte er rasch nach links und schloß sich im Spätsommer 1919 der USPD an. Zunächst Hilfslehrer am Lyzeum in Erfurt, übersiedelte nach Verlust seines Lehrerpostens nach Ruhla, wo er im Dezember 1920 mit der linken USPD zur KPD stieß. Lehrer in Ruhla, im September 1921 für die KPD in den Thüringer Landtag gewählt. Ab 1. Oktober 1922 Studienrat am Realgymnasium in Weimar. Bei Bildung der sozialdemokratisch-kommunistischen Regierung in Thüringen im Oktober 1923 wurde Neubauer Staatsrat. Nach der Oktoberniederlage polizeilich gesucht, flüchtete er ins Rheinland. Unter dem Pseudonym Lorenz hauptamtlicher Parteisekretär, stand auf dem linken Flügel der KPD. Mitte 1924 Chefredakteur der »Freiheit« in Düsseldorf. Im August 1924 legte er sein Thüringer Landtagsmandat nieder und zog im Dezember 1924 im Wahlkreis Düsseldorf-Ost in den Reichstag ein. Anfang 1925 löste er Wilhelm Schwan als Polleiter des Ruhrgebiets ab, dort wurde Neubauer aber im Juni wieder abgesetzt, da er sich den Ultralinken angeschlossen hatte. Danach Mitarbeiter des KPD-Pressedienstes in Berlin. Neubauer unterschrieb im Januar 1926 gemeinsam mit den übrigen ultralinken Reichstagsabgeordneten einen Protest gegen das ZK im Falle Iwan Katz. Mitte 1926 schwenkte er von den Ultralinken zur Parteimehrheit über und wurde im Juni 1926 wieder Chefredakteur der »Freiheit« und von Januar bis März 1927 Leiter des KPD-Bezirks Niederrhein. Er bekämpfte die linke Opposition besonders scharf, war dann bis 1929 erneut Chefredakteur der »Freiheit« und wurde auch 1928 in den Reichstag gewählt, dem er bis 1933 angehörte. 1930 Mitarbeiter des ZK in Berlin, vor allem für außenpolitische Fragen verantwortlich, vorübergehend auch für Sozialpolitik. Neubauer publizierte (neben zahlreichen Aufsätzen) 1932 das Buch: »Deutsche Außenpolitik heute und morgen«, schrieb aber auch etwa 150 Gedichte. In Berlin arbeitete Neubauer 1933 illegal als Krüger, wurde am 3. August verhaftet und in verschiedenen KZs festgehalten. Im Oktober 1933 verteidigte er als Zeuge im Reichstagsbrandprozeß seine kommunistische Überzeugung. Bis 1939 Häftling in Zuchthäusern und KZs, zuletzt in Buchenwald, entwickelte Neubauer ab 1937 »Prinzipien« für den Aufbau einer illegalen Parteiorganisation. Anfang Juli 1939 nach einem Gnadenerlaß überraschend frei, kehrte er zu seiner Familie nach Tabarz zurück, wurde Lagerverwalter beim Opel-Dienst. Wieder in Kontakt zu kommunistischen Kreisen, schuf er zusammen mit Magnus Poser in Thüringen eine illegale kommunistische Gruppe (Neubauer-Poser-Gruppe). Bis zum Herbst 1943 baute Neubauer illegale KPD-Gruppen auf und bekam Verbindung zu anderen kommunistischen Zellen. Anfang Juli 1944 noch Teilnehmer an einem illegalen Treffen in Leipzig, dann am 14. Juli 1944 verhaftet, nach Berlin gebracht und hier am 8. Januar 1945 zum Tode verurteilt. Theodor Neubauer wurde am 5.Februar 1945 im Zuchthaus Brandenburg hingerichtet. Sein Sohn Hartmut fiel 1942 als Soldat im Kaukasus. Die Tochter Sonja Neubauer (*24.4.1923), Kindergärtnerin, seit 1945 Mitglied der KPD, absolvierte in Jena ein Lehrerstudium und begann 1954 eine hauptamtliche Karriere im ZK der SED. Von 1958 bis 1972 war sie stellvertretende Leiterin der Abteilung Volksbildung, von 1963 bis 1989 gehörte sie der ZRK der SED an.

Wer war wer in DDR

Neubert, Rudolf

* 31.1.1898 – ✝ 13.5.1992

Geb. in Dresden; Vater Lehrer; Gymnasium in Dresden; 1916 – 18 Militärdienst, als Frontsoldat bei Verdun; 1918 – 22 Med.-Studium in Jena, Freiburg u. München, hier 1923 Prom.; danach Assistent im Krs.-Wohlfahrtsamt in Lennep u. in der Tbc-Heilstätte Hohwald; 1924 – 33 Mitarb. am Dt. Hygienemuseum in Dresden (u. a. bei Martin Vogel); 1933 – 39 Arztpraxis in Dresden-Hellerau; 1939 – 45 Militärdienst, zul. Ober-Stabsarzt; NSDAP; bereits in den letzten Kriegsmon. (gem. mit dem Ende 1944 hingerichteten Militärarzt Johannes Kreiselmeier) Vorber. für die Seuchenbekämpfung im Nachkriegsdtl. 1945/46 stellv. Dezernent für Gesundheitswesen in Dresden (Seuchen- u. Geschlechtskrankheitenbekämpfung); 1946/47 Wiss. Dir. am Dt. Hygienemuseum in Dresden; 1947 wegen früherer NSDAP-Mitgliedschaft entlassen; 1948 – 52 Doz. für Anatomie an der HS für Bildende Künste in Dresden, erste sexualpädagog. Schriften; 1952 – 63 Prof. für Sozialhygiene u. Dir. des Inst. für Sozialhygiene der FSU Jena; 1956 – 63 nebenamtl. (mit Lehrauftrag) u. ab 1959 als kommissar. Dir. des Inst. für Sozialhygiene an der Med. Akad. Erfurt; Mitbegr. u. später Vors. der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- u. Jugendgesundheitsschutz (1955); Vizepräs., dann Ehrenvors. des Komitees für Gesundheitserziehung; Mitgl. des Präs. des DRK; 1963 em.; 1964 Verdienter Arzt des Volkes; gest. in Dresden. Arbeitsgebiete: Schulgesundheitspflege, Hygiene des Kindes- u. Jugendalters, Gesundheits- u. Sexualerziehung.Lehrbuch für Gesundheitshelfer. Berlin 1953; Das neue Ehebuch. Rudolstadt 1957 (21. Aufl. 1976); Grundriß der Sozialhygiene. Jena 1958 (mit G. Schrödel); Mein Arztleben. Erinnerungen. Rudolstadt 1974.Peter Schneck

Wer war wer in DDR

Neugebauer, Werner

* 27.8.1922 – ✝ 24.11.1990

Geb. in Burgstädt (Krs. Rochlitz); Vater Arbeiter; Volks- u. Berufsschule in Chemnitz; Lehre u. Arbeit als Schriftsetzer; 1941 RAD, 1942 Wehrmacht; Mai – Sept. 1945 brit. Kriegsgefangenschaft. 1945 Arbeit als Schriftsetzer; 1945 – 53 Neulehrer bzw. Lehrer an Grundschulen in Burgstädt u. Taura sowie Schulltr. in Lunzenau u. an der »Ernst-Schneller-Grundschule« in Burgstädt; 1946 SED; 1948/49 Erste bzw. Zweite Lehrerprüfung; 1949/50 Vors. des Krs.-Vorst. der Gewerkschaft der Lehrer u. Erzieher Rochlitz; 1952/53 Krs.-Schulrat in Chemnitz-Land; 1953/54 Ltr. der Abt. Volksbildung bzw. Krs.-Schulrat beim Rat der Stadt Chemnitz/Karl-Marx-Stadt; 1954/55 Sekr. für Erziehung u. Wiss. der SED-BL Karl-Marx-Stadt (Nachf. von Herta Bergmann); 1954 – 81 Mitgl. des ZK der SED; 1955 stellv. Ltr. bzw. Ltr. der Abt. für allgemeinbildende Schulen des ZK der SED; 1955 – 63 Ltr. der Abt. Volksbildung des ZK der SED (Nachf. von  Isolde Oschmann); ab 1963 stellv. Ltr. der Ideolog. Kommission bzw. Ltr. der Abt. Volksbildung u. Wiss. der SED-BL Berlin; 1982 – 89 Präs. der Freundschaftsges. DDR – Spanien; 1985 – 89 Mitgl. der Zentr. Kommission alter verdienter Parteimitgl. der SED; 1970 u. 1981 VVO; gest. in Berlin.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Neumann, Friedrich

* 1900 – ✝ 2.5.1925

(* 1900 – † 1925) Geboren 1900, entstammte einer kleinbürgerlichen Familie. Während des Krieges war er für die Spartakusgruppe aktiv und trat als Student 1919 der Freien Sozialistischen Jugend und 1920 der KPD bei. Studierte in Berlin, wo er auch zum Dr. phil. promovierte. Seit 1921 gehörte er zum linken Flügel der Partei und übte in der Berliner Parteiorganisation verschiedene Funktionen aus; 1923 in den Berliner Zentralvorstand gewählt. 1922/23 städtischer Jugendpfleger, doch als Kommunist gemaßregelt und entlassen. Nach dem Sieg der Linken in der Partei hauptamtlicher KPD-Funktionär. Delegierter des IX. Parteitags 1924. Leiter des KPD-Pressedienstes in Berlin, dann im Dezember 1924 Chefredakteur des »Echos des Ostens«, der KPD-Zeitung in Königsberg. Zugleich einige Monate Polleiter des KPD-Bezirks Ostpreußen. Neumann war trotz seiner Jugend bereits ein wichtiger Parteiführer. Bei einem Eisenbahnunglück im »Polnischen Korridor« zwischen Ostpreußen und dem Reich kam Friedrich Neumann am 2. Mai 1925 ums Leben. Zu seinem Gedenken erschien auf der ersten Seite der »Roten Fahne« und anderer Parteizeitungen ein Nachruf.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Neumann, Richard

* 1894

Geboren 1894 in Wien, Sohn eines Kaufmanns; nach dem Abitur Soldat im Weltkrieg. 1919 in der kommunistischen Bewegung der âSR tätig, 1921 Mitglied der Statutenkommission auf dem III. Weltkongreß der Komintern. Richard Neumann kam 1922 nach Berlin und war dort Redakteur an der »Inprekorr«. Nach dem KPD-Verbot wurde die Redaktion im Dezember 1923 nach Wien verlegt und Neumann Chefredakteur der Pressekorrespondenz, er war dies dann auch noch einige Zeit nach seiner Rückkehr nach Berlin. Ab 1925 gehörte er zur linken Opposition und war als Trotzkist in Berlin mit Anton Grylewicz sowie Joseph Kohn (Joko) eng verbunden; er wurde 1930 in die Reichsleitung der Vereinigten Linken Opposition der KPD/ Bolschewiki-Leninisten gewählt. 1933 Emigration in die Schweiz, 1938 nach Schweden, Neumann kehrte 1947 nach Österreich zurück. Hier zunächst Redakteur der SPÖ, dann der Abspaltung SAPÖ, von der er sich vor deren Vereinigung mit der KPÖ trennte. Anschließend arbeitete Richard Neumann in Wien, wo er noch Ende der siebziger Jahre lebte, als Theater- und Wirtschaftskorrespondent sozialdemokratischer Zeitungen.

Wer war wer in DDR

Neumann, Anni

* 13.11.1926

Geb. in Stettin (Szczecin, Polen); Vater Arbeiter; Volksschule; 1941 – 43 Landarb.; 1943 – 45 RAD; 1946 – 49 Landarb. auf dem VEG Christinenfeld; 1947 FDJ; 1949 – 51 Abt.-Ltr. der KL Grevesmühlen der FDJ u. 1. Sekr. der KL Güstrow der FDJ; Mitgl. des ZR der FDJ; 1952/53 Sekr. der BL Rostock der GST; 1949 SED; 1953 Arbeiterin auf der Neptun-Werft Rostock; 1953/54 Abg. des Bez.-Tags Rostock, Mitgl. der Ständ. Kommission für Kultur; seit 1954 Abg. der Volkskammer, Mitgl. des Wirtschaftsaussch.; 1955 Facharbeiter-Prüfung als Stahlschiffbauerin; 1956 – 58 Abendstudium an der FS für Schiffbautechnik Warnemünde, Schiffbaumstr.; 1959 Schiffbautechnologin; 1959 – 61 Studium am Industrie-Inst. für Schiffbau der Univ. Rostock, Dipl.-Ing.-Ökon.; 1961 – 64 persönl. Ref. des Werkltr. der Neptun-Werft Rostock; 1964 – 70 HA-Ltr. für Arbeitsökon.; 1964 – 71 Mitgl. des Staatsrats; 1969/70 Sonderstudium an der HfÖ Berlin; 1971 – 81 Dir. für Kader u. Bildung im VEB Schiffswerft Neptun; seit 1974 Vors. der Frauenarbeitsgr. des Ministers für Schwermaschinen- u. Anlagenbau; seit 1976 Mitgl. des Verfassungs- u. Rechtsaussch. der Volkskammer; 1981 Ruhestand.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Neumann, Margarete

* 19.2.1917 – ✝ 4.3.2002

Geb. in Pyritz (Pomm. / Pyrzyce, Polen); kleinbürgerl. Elternhaus; Lyzeum; 1934 Vorpraktikum, anschl. Stud. am sozialpäd. Seminar Königsberg; 1939 – 45 Fürsorgerin in Heilsberg (Ostpr.); 1939 Heirat, 1945 Tod des Ehemanns. Nach der Flucht Neubäuerin in Cosa (Mecklenb.); 1948 kurzzeitig für den DFD in Halle (Saale) tätig, dann Leichtmetallschweißerin; SED; von  Kurt Barthel 1951 nach Berlin geholt, dort Teiln. an der Vorbereitung der Weltfestspiele; lebte seit 1952 als freie Schriftst. in Hohen Neuendorf (b. Berlin), seit 1961 in Neubrandenb.; veröff. 1955 mit »Der Weg über den Acker« ihren ersten Roman; 1957 mit dem Heinrich-Mann-Preis ausgezeichnet; 1956 DSV; Arbeiten für Rundfunk u. DEFA; Hilfsarb. im Neubrandenb. Ölheizgerätewerk; 1970 – 74 im Petrol-Chem. Kombinat Schwedt tätig; Verfasserin von Romanen, Erzählungen, Gedichten, Kinderbüchern, Hörspielen u. Agitproplit.; vor dem Hintergrund biogr. Erfahrungen wird die Entw. der Lebensverhältnisse auf dem Lande zum Gegenstand der lit. Auseinandersetzung, in deren Zentrum meist Frauenfiguren stehen; 1964 Fritz-Reuter-Preis; 1977 Lit.-Preis des DFD. Lebte 1991 – 2001 in Sousse u. Hergla in Tunesien; gest. in Rostock; Sohn Schriftst. Gert N.Der grüne Salon. Berlin 1972; Die Webers. Berlin 1976; Orenburger Tagebuch. Berlin 1977.Christian Krause

Handbuch Deutsche Kommunisten

Nawrocki, Josef

* 10.2.1880 – ✝ 29.1.1941

Geboren am 10. Februar 1880 in Biniew/Provinz Posen, in Berlin aufgewachsen, lernte Former, im Ersten Weltkrieg Soldat. Er war seit 1898 Mitglied der SPD, 1917 der USPD und kam 1920 mit deren linkem Flügel zur KPD. Seit Anfang 1919 als Kriegsinvalide Bürohilfsarbeiter bei der Gemeinde Friedrichshagen bei Berlin. Von Juni 1920 bis 1924 war er zunächst für die USPD, dann für die KPD Abgeordneter der Berliner Stadtverordnetenversammlung, von 1922 bis 1924 unbesoldeter Stadtrat in Köpenick. Seit 1923 gehörte er der BL Berlin-Brandenburg an und war enger Mitarbeiter von Wilhelm Pieck. Wegen Beteiligung an der militärischen Vorbereitung für den KPD-Oktoberaufstand 1923 im Hochverrats-Prozeß von 1925 gegen Arkadi Maslow und andere wurde er in Abwesenheit zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt. Nawrocki lebte in Königsberg und arbeitete in der BL Ostpreußen, anschließend bis 1928 im Apparat der Komintern in Moskau. 1928 illegale Rückkehr nach Deutschland, UB-Leiter in Elbing. 1929 amnestiert, übernahm er die Filialleitung der Zeitungsexpedition für die »Rote Fahne«. Am 28. Februar 1933 verhaftet, kam er acht Wochen in »Schutzhaft«, danach in der illegalen KPD im Norden Berlins aktiv. Im Juni 1936 erneut festgenommen und am 15.Juli 1937 vom Kammergericht Berlin zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt. Zunächst im Zuchthaus Brandenburg, dann im Zuchthaus Sonnenburg. Dort kam Josef Nawrocki am 29.Januar 1941 ums Leben.

Wer war wer in DDR

Nedo, Paul (Pawol)

* 1.11.1908 – ✝ 24.5.1984

Geb. in Kotitz (b. Löbau, Krs. Bautzen); Vater Lokomotivheizer, Mutter Schneiderin; Volksschule, 1922 – 28 Landständische OS in Bautzen, Abitur; 1928 – 32 Studium der Pädagogik u. Volkskunde an der Univ. Leipzig, 1931 St.-Ex. als Lehrer; Mitgl., später stellv. Vors. des Verb. sorb. Studenten; 1932 in Klix, 1932 – 34 in Quatitz, 1934 – 37 in Rackel als Hilfsleh- rer bzw. als kommunist. Schulltr.; 1933 – 37 1. Vors. der Domowina; 1937 – 39 tätig im Bund der Polen in Dtl.; 1939 – 45 mehrf. inhaftiert wegen des »Verdachts des Hochverrats«; 1942 Wehrmacht. Juni 1945 Rückkehr in die Lausitz; wieder Vors. der Domowina bis 1950; Sept. 1945 – 46 2. Stellv. Vors. des Sorb. Nationalrats; 1945/46 KPD/SED; 1945 – 48 Schulrat in Bautzen-Nord; 1948 Ltg. des Sorb. Kultur- u. Volksbildungsamts beim Min. für Volksbildung des Landes Sachsen; 1949 Ltr. der Kommission für künstler. Angelegenh. bei der Landesreg. Sachsen; 1955 Prom. zum Dr. phil. an der HU Berlin; 1958 Staatspreis J.-Bart-Cisinski-Preis; 1959 Prof. für sorb. u. dt. Volkskunde an der KMU Leipzig; 1963 habil.; 1964 Ruf an die HU Berlin als Prof. für Völkerkunde; ab 1966 Dir. des Inst. für Völkerkunde u. Dt. Völkerkunde der HU Berlin; 1953 – 68 Vors. der Sekt. für Ethnographie der DAW; Mitgl. der International Society for Folknarrative Research; 1955 Ehrenmitgl. der Vereinigung für europ. Ethnographie u. Folkloristik; 1968 em.; weiter Mitarb. im Red.-Kolleg. der Ztschr. »Ethnologia Slavica« u. Mithrsg. der Märchen westslawischer Völker. P. N.s hauptsächl. Forschungsgeb. waren die dt.-slaw. Beziehungen, vornehml. in der Folkloristik sowie in der sorb. Volksdichtung; gem. mit  Wolfgang Steinitz war er seit 1952 maßgebl. am Aufbau einer marxist.-leninist. Volkskunde in der DDR beteiligt.Sorb. Trachten im Gebiet um Schleife. 1955 (zus. mit M. Nawak-Neumann); Lachende Lausitz – Sorbische Volksschwänke. 1957; Grundriß der sorb. Volksdichtung. 1966; Probleme u. Methoden volkskundl. Gegenwartsforschung. Berlin 1969 (Hrsg. mit W. Jacobeit). Bibl. In: Letopis (1968/69) Reihe C 11/12.Ilko-Sascha Kowalczuk

Wer war wer in DDR

Nehring, Kurt

* 29.5.1898 – ✝ 29.4.1988

Geb. in Posen (Poznań, Polen); Vater Landwirt u. Kfm.; Realgymnasium; 1915 – 18 Kriegsdienst; 1918 – 21 Studium der Naturwiss. an den Univ. Freiburg i. Br. u. Königsberg; Prom. zum Dr. phil. zu einem agrikulturchem. Thema; 1921 Assistent am Agrikulturchem. Inst. der Univ. Königsberg; 1928 Habil.; 1934 Prof.; 1933 NSDAP; 1935/36 Prof. an der Univ. Jena u. Ltr. der Landw. Versuchsstation; 1936 Dir. der Landw. Versuchsstation Rostock u. Lehrauftrag an der Univ. Mai – Okt. 1945 kommissar. Dekan der Landw. Fak. der Univ. Rostock; Nov. 1945 – Sept. 1962 wiss. Ltr. bzw. Dir. der Landw. Versuchsstation Rostock bzw. des Inst. für landw. Versuchs- u. Untersuchungswesen; ab 1948 Prof. (1951 mit Lehrstuhl) für Agrikulturchemie u. Bodenkunde; 1952 Dekan der Landw. Fak.; Okt. 1951 Ord. Mitgl. der DAL (em. 1966, ausgeschieden auf eigenen Wunsch 1971); 1953 – 62 Sekretar der Sekt. landw. Versuchs- u. Untersuchungswesen; 1952 NP; 1952 – 63 Dir. des Inst. für Tierernährung u. Bodenkunde der DAL in Leipzig-Möckern u. bis 1965 Dir. des Oskar-Kellner-Inst. für Tierernährung der DAL in Rostock; hier Erarbeitung eines neuen Systems der energet. Bewertung von Futtermitteln; ab 1955 Chefred. der Ztschr. für Landw. Versuchs- u. Untersuchungswesen; 1957 Vizepräs. der Dt. Bodenkundl. Ges. in Göttingen; Mitgl. der Leopoldina sowie versch. ausländ. Akad.; Ehrenprom. in Berlin (1956 u. 1965) u. Rostock (1968); 1963 Erwin-Baur-Medaille der DAL; nach der Em. Behinderung weiterer wiss. Tätigkeit, insbes. hinsichtlich der Teiln. an ausländ. Kongressen, März 1990 diesbezügl. Rehabilitierungsbeschluß des Plenums der DAL; ca. 400 Veröff.Lehrbuch der Tierernährung u. Futtermittelkunde (ab 1950 neun Aufl. u. Übers. in mehrere Sprachen); Handbuch der Futtermittel. 1965 – 69 (Mithrsg.); Futtermitteltabellenwerk. 1970 (Hrsg.).Siegfried Kuntsche

Wer war wer in DDR

Nelhans, Erich

* 12.2.1899 – ✝ 15.2.1950

Geb. in Berlin; aufgewachsen in einer streng religiösen jüd. Fam., Vater Kaufm. u. Vorsteher der Alten Synagoge in der Berliner Heidereutergasse; Mittelschule; 1918 Eintritt in die kaiserl. Armee; danach tätig als Kaufm. in Berlin, betrieb eine kleine Druckerei, die u. a. Postkarten vertrieb; ab 1934 nebenbei versch. Arbeiten, u. a. bei der DR; 1934 Heirat; 1938 endgültige Aufgabe der Druckerei; ab 1942 in der Illegalität, z. T. unter falscher Identität; Anstellung in einer Kartonagenfabrik. Mai 1945 Umzug in den Berliner Stadtbez. Prenzlauer Berg, Engagement für die Wiederherstellung der Synagoge Rykestraße, beteiligt an der Wiedergründung u. kommissar. Vors. der Jüd. Gemeinde Berlin; Vors. der religiös-zionist. Vereinigung Misrachi in Berlin, die sich für den Aufbau des Staates Israel einsetzte u. für die Übersiedl. nach Palästina warb; Engagement für »Displaced Persons« in der SBZ, das vom NKWD zunehmend beargwöhnt wurde; versorgte zudem jüd. Rotarmisten, die nach Palästina wollten, mit Papieren u. Zivilkleidung u. ermöglichte so ihre Flucht in die Westsektoren; Einbestellung u. Verwarnung durch die sowj. Kommandantur in Berlin; nach weiterem Engagement für auswanderungswillige Juden, die als Bewohner der UdSSR in die Rote Armee eingezogen worden u. in Berlin stationiert waren, am 7.3.1948 vom NKWD verhaftet, Haft im NKWD-Gefängnis Magdalenenstraße in Berlin-Lichtenberg, am 4.8. 1948 zu 25 Jahren Arbeitslager verurteilt, Überstellung in das Speziallager Sachsenhausen, nach zwei Monaten Transport in die UdSSR, inhaftiert im Gefängnis Brest; nach schwerer Hepatitis-Erkrankung gest. im Krankenhaus Dubrawlag (Moldawien), beigesetzt auf dem Friedhof des Lagerpunkts Nr. 2. 1997 Aufhebung des Urteils u. Rehabilitierung.Leo, A.: E. N. In: Karl Wilhelm Fricke, K. W. u. a. (Hrsg.): Opposition u. Widerstand in der DDR. Polit. Lebensbilder. München 2002.Christian Halbrock; Jg. 1963; ab 1993 Studium der Neueren/Neuesten Geschichte, Mittelalterlichen Geschichte und Europäischen Ethnologie an der HU Berlin, 2003 Promotion; seitdem wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Bildung und Forschung bei der BStU in Berlin.

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Nerlinger, Oskar

* 23.3.1893 – ✝ 25.8.1969

Geb. in Schwann (Schwarzw.); 1908 – 12 Studium an der Kunstgewerbeschule in Straßburg, 1912 – 15 an der Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums Berlin bei Emil Orlik; 1915 – 18 Kriegsdienst; ab 1919 freischaff. in Berlin; 1921 Kontakte zu Herwarth Walden u. der Künstlervereinigung »Sturm«; Mitgl. der »Internat. Vereinigung der Expressionisten, Futuristen, Kubisten u. Konstruktivisten e. V.«, 1925 trennt sich diese Gruppe vom »Sturm«, Gruppe firmiert danach als »Die Abstrakten«; 1928 KPD; Mitgl. der ASSO Berlin; Ltg. der »Abstrakten« (1932 umbenannt in »Die Zeitgemäßen«); unter Ps. »Nilgreen« Mitarb. in der kommunist. Presse, Texte u. a. für »Rote Post«, »Eulenspiegel«, »Rote Fahne«; Bühnenbilder für die Agitpropgr. »Truppe 31«; 1933 Verhaftungen, Hausdurchsuchungen u. Ausstellungsverbot; Tätigkeit als Zeichenlehrer. 1945 – 51 Prof. an der Kunst-HS Berlin-Charlottenburg; 1946 Mitgl. des Gründungsaussch. des Schutzverb. Bildender Künstler; 1947 – 49 mit Karl Hofer Hrsg. der Ztschr. »Bildende Kunst«; ab 1949 Personalausstellungen; 1951 zus. mit  Waldemar Grzimek Entlassung aus dem Lehramt wegen solidar. Haltung zu Nordkorea; Übersiedl. nach Berlin (Ost); 1952/53 Werkvertrag mit dem Eisenhüttenkombinat Ost; 1955 – 58 Prof. an der Kunst-HS Berlin-Weißensee; danach freischaff.; Reisen nach Paris, Italien, Ungarn u. ČSSR; gest. in Berlin. Werke: An die Arbeit. 1930; Straßen der Arbeit. 1930; Im Gefängnis. 1933; Inbesitznahme der Fabriken. 1947.O. N. Kat. der Ausstellung in Berlin (West), 1969; Olbrich, H.: O. N. In: Wegbereiter. Dresden 1975; Kat. O. N. Alice Lex-Nerlinger, Berlin 1974/75.Anke Scharnhorst

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Neubauer, Edith

* 3.5.1934

Geb. in Greiz; Eltern Friseurmstr.; OS u. Abitur in Greiz; Studium der Archäologie u. Kunstgeschichte an der HU Berlin; Prom. u. Mitarb. am Inst. für Kunstgeschichte der AdW der DDR; Studienreisen ab Anfang der 60er Jahre nach Armenien u. Georgien führten zu verstärktem Interesse an den Beziehungen zwischen der kaukas. mittelalterl. Baukunst u. der mitteleurop. Romanik; ab 1965 über Kontakte zum Dir. des Inst. für Geschichte der Georg. Kunst an der AdW der Georgischen SSR, Giorgi Tschubinaschwili; u. dessen Nachf., Wachtang Beridse, Wiederbelebung der seit den 30er Jahren unterbrochenen dt.-georg. Beziehungen auf dem Gebiet der Kunstgeschichte; 1969 – 90 SED; 1976 Doz. an der KMU Leipzig für frühchristl., byzantin., armen., georg. u. altruss. Kunst; 1979 Gastprof. der Ohio Cleveland State University, USA; 1982 Prof. für Kunstgeschichte der KMU; 1994 em.; lebt in Berlin. E. N. hat mit ihren Veröff. zur altgeorg. Baukunst erhebl. zu einer Neubelebung des kunsthist. Interesses an Georgien in Mittel- u. Westeuropa beigetr.; versch. Editionen, u. a. »Russ. Kunst« (1992) u. »Kunst der USA« (1993).Armen. Baukunst vom 4. – 14. Jh. Dresden 1970; Die roman. skulptierten Bogenfelder in Sachsen u. Thür. Berlin 1972 (Corpus der roman. Kunst im sächs.-thüring. Gebiet, Reihe B. Bd. 1. Hrsg. R. Hamann u. E. Lehmann); Altgeorg. Baukunst. Leipzig, Wien, München 1976; Die Baukunst des Mittelalters in Georgien. Berlin, Wien, München 1981 (mit W. Beridse); Kunst u. Lit. im alten Rußland. Architektur, Ikonenmalerei, Dichtkunst. Leipzig, Düsseldorf 1988.Anke Scharnhorst

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Neubert, Werner

* 22.11.1929

Geb. in Wilsdruff (Krs. Meißen, Sachsen); Volksschule, OS (kriegsbedingter Abbruch); Volkssturm im Raum Dresden u. Böhmen; OS; 1945 KPD, 1946 SED; 1946 Lehrgangsteiln. an der Landesjugendschule Sachsen; ehrenamtl. Mitarb. der FDJ-KL Meißen u. Bauhilfsarbeiter; 1948 Sonderreifeprüfung in Chemnitz, ab 1948 Volontär, Red. u. Journalist bei der »Volksstimme Chemnitz«; 1951 – 53 Red. der Ztschr. »Neuer Weg«; 1953 – 55 Studium an der PHS; 1955 – 61 erneut Red. der Ztschr. »Neuer Weg«; 1961 Aspirantur am IfG, Prom. zum Dr. phil., später Prom. B.; ab 1964 Doz. am IfG; Mitarb. des ZK der SED; 1966 – 74 Chefred. der Ztschr. des DSV »Neue Dt. Lit.« (Nachf. von  Wolfgang Joho); 1969 – 78 Sekr. des DSV bzw. SV, Mitgl. seines Präs.; Doz. für Kunst u. Literatur an der ASR Potsdam; 1975 – 90 Prof., Leiter des Lehrstuhls für Kulturtheorie/Ästhetik an der ASR Potsdam; 1969 – 89 als IM bzw. IME »Wolfgang Köhler« des MfS erf.; 1971 Heinrich-Heine-Preis; Theodor-Körner-Preis; 1979 VVO. Ab 1990 Rentner; lebt in Kleinmachnow.Literatur, Geschichte, Wehrmotiv, Essays u. Rezensionen. Berlin 1982; Die Beschießung Almerías. Berlin 1984; Und wenn der Zügel reißt ? Ein Roman um Prinz Louis Ferdinand von Preußen. Berlin 1986; Soldat u. Buch – Legende u. Wirklichkeit. Essays zur Literatur. Berlin 1989. Joachim Walther: Sicherungsbereich Literatur. Berlin 1996.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Neukirchen, Heinz

* 13.1.1915 – ✝ 8.12.1986

Geb. in Duisburg; Vater Gemüsegärtner, Stiefvater Schlosser; 1921 – 25 Volksschule in Krefeld u. Duisburg, 1925 – 31 Mittelschule in Duisburg; 1931/32 Volontär in der Gemeindeverw. Hüls (b. Krefeld); 1932/33 freier Mitarb. der Ztg. »Düsseldorfer Nachr.« in Krefeld; 1933/34 Marine SA; 1935 – 45 Militärdienst, 1936 auf dem dt. Kreuzer »Köln« am Einsatz für Francisco Franco im span. Bürgerkrieg beteiligt, Auszeichnung mit dem Spanienkreuz; 1937 Schiffsartillerieschule in Kiel, zul. Obltn. z. S.; 10.5.1945 – 1949 sowj. Kriegsgefangenschaft, 1948/49 Antifa-Zentralschule in Krasnogorsk, dort Assistent. 7.10.1949 Rückkehr nach Dtl.; 1949 – 61 NDPD, Austritt; 1949/50 Landessekr. u. Mitgl. des LV der NDPD Mecklenb.; 1950/51 stellv. Vors. der NDPD; 1950/51 1. Vors. der DSF Berlin; 1950 – 52 Abg. der Volkskammer; 1951 stellv. Vors. des Präs. des NR der NF; 1951 – 56 Chef des Stabs der Verw. VP See; 1952 Konteradmiral; 1954/55 Akadem. Kurs an der Seekriegsakad. Leningrad (UdSSR); 1956 – 61 Chef des Stabs der Verw. Seestreitkräfte/Volksmarine; 1961 – 63 Chef der Volksmarine (Nachf. von  Wilhelm Ehm); 1961 Kand., 1963 Mitgl. der SED; 1964 Vizeadmiral; 30.11.1965 Ausscheiden aus dem aktiven Dienst; 1964 – 76 Präs. der Dir. Seeverkehr u. Hafenwirtschaft; Hrsg. von Schriften über Seeverkehr sowie Häfen u. Schiffe der DDR; 1974 VVO; 1974 – 76 GD des VEB Kombinat Seeverkehr u. Hafenwirtschaft; zeitw. Vors. des Fußballclubs Hansa in Rostock.Seefahrt gestern u. heute. Berlin 1970; Seefahrt im Wandel der Jahrtausende. Berlin 1985; Seemacht im Spiegel der Geschichte. Kaiserslautern 1988.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Neumann, Hedwig

* 13.7.1890 – ✝ 10.12.1978

Geboren am 13. Juli 1890 in Berlin, Tochter des Werkzeugmachers Richard Neumann. Sie erhielt nach der Schulentlassung eine Freistelle in der Fröbelschen Kinderpflegerinnenschule in Berlin. 1905 ging sie als Kinderpflegerin nach Bergen auf Rügen, ein Jahr später nach Plaue an der Havel. 1907 gab sie den Beruf auf und begann als Arbeiterin bei der Firma Siemens, um zum Familienunterhalt beizutragen. Von 1911 bis 1922 in verschiedenen Berliner Metallfabriken beschäftigt, 1920 Mitglied der USPD, 1923 der KPD. 1925 kandidierte Hedwig Neumann bei den Wahlen im Metallarbeiterverband für die Liste der Kommunisten. Sie war im Betriebsrat der Firma Lorenz, dem sie bis zu ihrer Maßregelung anläßlich des großen Metallarbeiterstreiks 1930 angehörte. 1928 von der KPD als Landtagsabgeordnete aufgestellt und gewählt, gehörte sie dem Preußischen Landtag bis 1932 an. Danach war sie in der Redaktion und im Verlag »Die Arbeiterin« tätig. Von Frühjahr bis September 1933 erwerbslos, dann Arbeiterin bis zu ihrer Verhaftung im März 1934. Sie wurde am 17. Dezember 1934 vom Kammergericht Berlin zu zwei Jahren und drei Monaten Zuchthaus verurteilt und kam nach Verbüßung der Strafe im Zuchthaus Jauer ins Frauen-KZ Moringen, Ende September 1937 entlassen. Von Ende November 1937 bis März 1945 war sie in Berlin-Schöneberg als Kabellöterin beschäftigt. 1945 wieder Mitglied der KPD, Vorsitzende des antifaschistischen Frauenausschusses und Frauenleiterin der KPD in Berlin-Tiergarten. 1946 Mitglied der SED, ab 1949 zeitweise persönliche Mitarbeiterin von Elli Schmidt im ZS der SED und im DFD-Bundesvorstand. Von 1954 bis 1957 Leiterin der Bibliothek bzw. des Archivs des Bundesvorstands des DFD, danach trat sie politisch nicht mehr hervor. Sie erhielt 1958 die Medaille »Kämpfer gegen den Faschismus« und wohnte viele Jahre in West-Berlin. Hedwig Neumann starb am 10.Dezember 1978 in Ost-Berlin.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Neumann, Siegmund (Siggi)

* 14.2.1907 – ✝ 27.11.1960

(* 1907 – † 1960) Geboren am 14. Februar 1907 in Tarnow/Galizien, seit dem Weltkrieg in Berlin. Er war Arbeiter-Abiturient an der Karl-Marx-Schule in Berlin und studierte an der Deutschen Hochschule für Politik. 1926 Mitglied der KPD, führend in der Kostufra. Seit 1928 aktiv bei den Versöhnlern, übte er verschiedene Funktionen in der Berliner KPD aus, eng verbunden mit Karl Volk. 1933 emigrierte Neumann nach Paris, wurde 1934 als »Bucharinist« aus der KPD ausgeschlossen und trat der KPO bei. 1937 kämpfte er als Freiwilliger im Spanischen Bürgerkrieg, wurde verwundet. Er ging nach Schweden, wo er in Stockholm als Mitarbeiter der »Landesgruppe deutscher Gewerkschafter in Schweden« zusammen mit Fritz Rück wirkte. Im April 1946 Rückkehr nach Deutschland, hier wegen der kommunistischen Deutschlandpolitik Mitglied der SPD. 1946 wurde seine antistalinistische Schrift »Ist die Sowjet-Union sozialistisch?« in Hamburg veröffentlicht. Siggi Neumann leitete 1947 das Ostbüro des PV der SPD in Hannover, das die Sozialdemokraten in der SBZ unterstützen sollte. Danach bis 1954 Leiter des Betriebsgruppen-Referats beim PV der SPD. Anschließend beim Hauptvorstand der IG-Metall tätig, mit der Abfassung einer Geschichte der Metallarbeiterbewegung beauftragt. Sigmund (Siggi) Neumann starb am 27. November 1960 in Frankfurt/M.

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Neumann, Gert

* 2.7.1942

Geb. in Heilsberg (Ostpr. / Lidzbark Warmiński, Polen); Mutter Schriftst. Margarete N.; Grundschule; Ausbildung zum Schlosser u. Traktorist; Schreibversuche seit früher Jugend, erste Veröff. in Anthologien ab 1966; 1967 – 69 Studium am Inst. für Lit. »Johannes R. Becher« in Leipzig, exmatrikuliert u. SED-Ausschl. wegen »ideolog.-ästhet. Bekenntnisse« mit »revisionist. Charakter«; Arbeit als Bühnenhandwerker, Kesselreiniger, Bauschlosser u. schließl. als Haushandwerker bei der kath. Kirche; 1979 erste aufsehenerregende Veröff. (Erzählband »Die Schuld der Worte«) in der Bundesrep. Dtl.; vom MfS im OV »Anthologie II« erf.; größte Wertschätzung seiner moral. Rigorosität u. liter. Originalität durch westdt. Kritiker, besonders durch Martin Walser, der seine Inhaftierung verhinderte; nach halbjährigem Studienaufenthalt 1987 in Amsterdam u. Rolandseck (b. Bonn) Rückkehr nach Leipzig; dort u. a. Red. der unabh. Ztschr. »Anschlag«; Umzug nach Berlin (Ost). 1993 durch die Robert-Bosch-Stiftung ganzjähriger Studienaufenthalt in Frankreich; Preis der AdK Berlin (West); 1999 Uwe-Johnson-Preis.Elf Uhr. Frankfurt (Main) 1981, Rostock 1990 u. Köln 1999; Die Klandestinität der Kesselreiniger. Frankfurt (Main) 1989; Übungen jenseits der Möglichkeit. Frankfurt (Main) 1991; Sprechen in Dtl. Berlin 1993; Verhaftet: Dresdner Politikvorlesung. Dresden 1999; Anschlag. Köln 1999; Das Gespräch im Osten. Berlin 2000; Innenmauer. Gedichte. Warmbronn 2003.Siegmar Faust / Bernd-Rainer Barth

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Neuner, Gerhart

* 18.6.1929 – ✝ 5.1.2008

Geb. in Pschoblik (ČSR/Pšovlky, Tschechien) als Sohn eines Zimmermanns; 1935 zweiklassige Volksschule, ab 1940 Hauptschule; 1943 Lehrerbildungsanstalt in Lobositz. 1946 Aussiedl. der Familie in den Krs. Salzwedel; kurzz. Landarb.; Aug. 1947 Abschl. eines Neulehrerkurses in Wittenberg; anschl. Lehrer in Rheinsberg u. Beetzendorf (Altmark); Ltr. für Kultur u. Erziehung in einer FDJ-Gruppe; Jan. 1949 SED; März 1949 1. Lehrerprüfung; ab Okt. 1949 Studium der Chemie u. Biol. an der Pädagog. Fak. der Univ. Halle; ab Juni 1952 wiss. Hilfsassistent am Inst. für prakt. Pädagogik; Sept. 1952 Oberref. für Kinder- u. Jugendorg. am Dt. Pädagog. ZI (DPZI); 1953 – 56 Aspirantur am Pädagog. Inst. Leningrad, dort 1956 Prom.; danach Mitarb. am DPZI; 1957 – 63 Chefred. der Ztschr. »Pädagogik«; 1961 Dir. des DPZI; 1963 Kand., 1976 – 89 Mitgl. des ZK der SED; 1970 Habil. in Leningrad; mit Gründung der APW 1970 deren Ord. Mitgl. u. Präs.; 1972 Ord. Mitgl. der AdW; 1974 NP; Dez. 1989 Rücktritt als Präs. der APW; Mitgl. der Leibniz-Sozietät; gest. in Zeuthen (b. Berlin). Publ. zur Bildungspol. u. Bildungstheorie, u. a.: Allgemeinbildung. Berlin 1989; Zwischen Wiss. u. Politik. Ein Rückblick aus lebensgeschichtl. Perspektive. Köln 1996; Soziale Befreiung – Emanzipation – Bildung. Berlin 2001 (Mithrsg.).Gert Geißler

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Nebenzahl, Leon

* 26.8.1910 – ✝ 6.1.1996

Geb. in Woronesch am Don (Russl.) in einer jüd. Fam.; Vater Kaufm.; 1918 Übersiedl. der Fam. nach Dtl.; dt.-russ. Realgymnasium in Berlin; Chemiestud. in Berlin, aus Geldmangel abgebrochen; Werbegrafiker u. -texter bei der Nero-Film Produktionsgesell.; Anf. der 30er Jahre wirtschaftl. Bankrott der Fam.; 1933 aus »rass. Gründen« Berufsverbot; kunstgewerbl. Arbeiten; nach »Arisierungsverfahren« im Nov. 1944 als »Mischling« zur »Organisation Todt« nach Thür. zwangsverpflichtet; Apr. 1945 Flucht nach Berlin. Ab Mai 1945 Dolmetscher der SMA Berlin; KPD; 1945 – 49 Mitarb. Übersetzer beim SNB in Berlin, übers. u. a. die sowj. Fassung des Potsdamer Abkommens für die »Tägl. Rundschau« u. die »Berliner Zeitung«; Übers. zahlr. Verlautbarungen u. Dokumente der SMAD, Dolmetscher bei Pressekonferenzen, ab 1946 auch Übers. des SMA-Verlags, u. a. Übers. der Anklageschrift des sowj. Hauptanklägers im Nürnberger Prozeß; ab Ende der 1940er Jahre auch Einsatz als Kontrolleur der dt. Synchrontexte sowj. Filme; nach Auflösung des SNB ab 1950 Mitarb. im Amt für Information (AfI), dort 1950 – 58 Chefred. der Ztschr. »Die Presse der Sowjetunion u. der Volksdemokratien«; übertrug 1949 / 50 das offizielle Protokoll des Schauprozesses gegen den bulgar. KP-Führer Traitscho Kostoff; 1955 längere Delegationsreise in die UdSSR; 1957 / 58 Schüler der SED-PHS »Karl Marx« in Berlin; 1958 – 1981 Chefred. der dt. Ausgabe der internat. Ztschr. »Probleme des Friedens u. des Soz.«; Übers. von Lehrbüchern zum Marxismus-Leninismus, zur Ök. u. Gesch., der Memoiren zahlr. sowj. Diplomaten, Militärs u. Politiker (u. a. Valentin Bereshkow, Iwan Maiski, Kliment Woroschilow) sowie auch belletrist. Lit. (u. a. Wassili Grossman); 1989 SED / PDS; gest. in Berlin.Mein Leben beginnt von neuem. Autobiogr. Berlin 1985; Der Zarenadler weicht dem Sowjetstern. Eine postgeschichtl. Studie. Berlin 1987. Hartewig, K.: Die geliehene Stimme: L. N. In: dies.: Zurückgekehrt. Die Gesch. der jüd. Kommunisten in der DDR. Köln, Weimar 2000.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Neefe, Günther

* 14.6.1928 – ✝ 27.3.1998

Geb. in Lichtenstein (Sachsen); Vater Nadelmacher, Mutter Strumpflegerin; Volksschule; 1943 – 46 Weberlehre; unterbrochen 1945 durch RAD, Wehrmacht, sowj. Kriegsgefangenschaft, Antifa-Kurse. Aug. 1945 Rückkehr; 1946 SED; Landarb.; 1947 Weber; 1949 Instrukteur der SED-KL Glauchau; 1950 1. Sekr. der FDJ-KL Glauchau; Nov. 1950 Kadersekr. der FDJ-LL Sachsen; 1951 Kaderinstrukteur der SED-LL Sachsen; dann stellv. Abt.-Ltr. beim ZR der FDJ; 1952 Personalltr. beim Verlag Junge Welt; 1954 Einstellung beim MfS; Kursant der HVA-Schule; 1955 HVA-HA I (pol. Spionage); 1959 stellv. Ltr., 1960 Ltr. der HVA-Abt. VI (Ausbildung, Legalisierung); 1963/64 Fernstudium an der JHS Potsdam-Eiche, ohne Abschl.; 1968 Ltr. der HVA-Abt. II (Parteien u. Org. in der Bundesrep. Dtl.); 1971 Oberst; 1972 – 75 Externstudium an der JHS Potsdam-Eiche, Dipl.-Jur.; 1983 Versetzung zur HA KuSch, Ltr. der Abt. Kader 3 (HV A); 1987 von seiner Funktion entbunden; 1988 Entlassung aus gesundheitl. Gründen, Rentner; gest. in Berlin.Jens Gieseke

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Neiber, Gerhard

* 20.4.1929 – ✝ 13.2.2008

Geb. in Neu-Titschein (ČSR / Jičín, Tschechien); Vater Arbeiter; Mittelschule ohne Abschl.; 1945 Landarb.; 1948 Einstellung bei der VP, Revier Erfurt, dann Grenzkommandantur Gudersleben, danach Kripo Erfurt; 1949 Einstellung bei der Verw. zum Schutz der Volkswirtschaft Thür. (ab 1950 MfS, Länderverw. Thür.); 1950 Krs.-Dienststelle Weimar; 1952 Versetzung zur Abt. Politkultur der BV Erfurt; 1953 stellv. Ltr. der Abt. Politkultur der BV Schwerin; 1954 Ltr. der Abt. II (Spionageabwehr); 1955 stellv. Operativ des Ltr. der BV; 1959 stellv. Operateur des Ltr., 1960 Ltr. der BV Frankfurt (Oder) (Nachf. von  Helmut Grubert); 1960 – 65 Fernstudium an der JHS Potsdam-Eiche, Dipl.-Jur.; 1961 – 80 Mitgl. der SED-BL Frankfurt (Oder); 1970 Prom. zum Dr. jur. an der JHS Potsdam-Eiche; 1980 stellv. Minister für Staatssicherheit; 1982 Gen.-Ltn.; 1988 VVO; Dez. 1989 von seinen Funkt. entbunden; 1990 Entlassung, Rentner. Ab 1993 zeitw. in U-Haft wegen des »Verdachts der versuchten Entführung u. des versuchten Mords an einem geflüchteten Grenzsoldaten«; gest. in Berlin.Grimmer, R. u. a. (Hrsg.): Die Sicherheit. Berlin 2002 (Mitautor); Allertz, R. in Zusammenarbeit mit G. N.: Die RAF u. das MfS. Fakten u. Fiktionen. Berlin 2008.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Nelken, Peter

* 28.1.1919 – ✝ 4.7.1966

Geb. in Berlin-Wilmersdorf in einer jüd. Fam.; Vater Kfm. u. Chemiker, Mutter Schriftst. Dinah N.; wg. Scheidung der Eltern (1919) aufgew. bei der Mutter; Grundschule u. bis 1934 Realgymnasium in Berlin-Reinickendorf; Kinderheim in Berlin-Frohnau; 1936/37 Volontär beim liter. Pressedienst u. 1937/38 im Theaterverlag Eirich in Wien; 1938 über Budapest nach London emigriert; Gelegenheitsarb.; Mitgl. des Left Book Club; Dez. 1938 nach Belgien; dort Mitgl. der FDJ Brüssel, später deren Vors.; 1939 Jugendemigrantenlager in Exaarde (b. Gent); Juni 1940 Rückkehr nach Berlin; dort Dreher; illeg. Arbeit; 1941 wegen Verdachts der »Vorber. zum Hochverrat« u. Vergehens gegen das »Heimtückegesetz« für zwei Mon. verhaftet; Gelegenheitsarbeiten; Okt. 1944 – Mai 1945 illeg. in Berlin lebend. Mai 1945 Mitarb. eines Polizeireviers in Berlin-Charlottenburg, Reviervorsteher u. Dolmetscher; 1945/46 KPD/SED; Sept. 1945 Mitarb. des Jugendsekr. der KPD; ab 1946 Ref. in der Abt. Jugend des ZS der SED; 1946 Besuch der PHS; 1946 – 48 Mitgl. des ZR der FDJ; 1946 Chefred. der Jugendztschr. »Neues Leben«; Verf. von Schulungsheften (»Der junge Marxist«); 1949/50 Hauptref. in der Abt. Parteischulung des ZS der SED, wegen seiner Westemigration entlassen u. Funktionsbeschränkung (1956 aufgehoben); 1950 Mitarb. des Amts für Information, Chefred. für Agit.-Lit.; 1950 – 52 Ltr. der HA Friedens- u. Planprop.; ab 1953 Mitgl. des Büros u. Chefred. beim NR der NF, 1953 – 66 Mitgl. seines Präs.; 1956 Londoner Korrespondent der Ztg. »Junge Welt«; ab 1958 Chefred. der satir. Ztschr. »Eulenspiegel« (Nachf. des abgesetzten Heinz Schmidt); 1964 als VdN anerkannt; 1966 VVO; gest. in Berlin.Hinter den Kulissen des Hitlerkrieges. Berlin 1946; J. W. Stalin. Lehrer, Vorbild u. Freund der Jugend. Berlin 1949; Lachen will gelernt sein. Berlin 1963. Hartewig, K.: Zurückgekehrt. Die Geschichte der jüd. Kommunisten in der DDR. Köln, Weimar 2000.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Nettelbeck, Walter

* 29.11.1901 – ✝ 24.6.1975

Geboren am 29. November 1901 in Krefeld; lernte Bäcker. Zunächst im Anti-Alkoholiker Guttempler-Orden organisiert, kam er 1922 zur Kommunistischen Jugend und wurde 1924 Mitglied der KPD. Ortsgruppenleiter der Partei in Krefeld, übersiedelte 1926 nach Stuttgart, arbeitete als Malergeselle und leitete in der BL Württemberg die Agitpropabteilung. Ab 1928 als Pressefotograf im Volksverband für Filmkunst aktiv. 1930 Vorsitzender und hauptamtlicher Funktionär der kommunistischen Vereinigung der Arbeiter-Fotografen. 1930/31 war Nettelbeck für die AIZ in Moskau, danach Redakteur an Publikationen des »Münzenberg-Konzerns«, wie »Der Rote Aufbau«. Seit dem Moskau-Aufenthalt Kritiker Stalins, im Mai 1933 wurde Nettelbeck aus der KPD ausgeschlossen. Im Herbst ging er zu den Trotzkisten und war in Berlin in deren 60 Personen umfassenden illegalen Gruppe aktiv. 1935 Emigration in die âSR, dann in Paris Mitherausgeber der trotzkistischen Zeitung »Unser Wort« (Pseudonym Jan Bur). Im August 1937 aus der trotzkistischen Gruppe ausgeschlossen, arbeitete Nettelbeck nun mit Ruth Fischer zusammen. 1939 interniert, 1940 von den deutschen Behörden verhaftet und 1942 vom VGH zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt. 1945 befreit, war er zunächst Landarbeiter, dann für die SPD von 1946 bis 1966 Leiter des Dezernats für Soziales der Stadt Krefeld. Walter Nettelbeck starb dort am 24. Juni 1975.

Wer war wer in DDR

Neubauer, Horst

* 6.7.1936

Geb. in Pockau (Krs. Marienberg, Erzgeb.); Vater Arbeiter; Grund- u. OS; Lehre u. Arbeit als Fachverkäufer in Marienberg u. Dresden; 1953 – 56 Abiturausb. an der ABF Dresden, 1956 – 60 Studium am Inst. für Internat. Beziehungen der DASR Potsdam, 1960 Dipl.-Staatswiss.; 1958 SED; ab 1960 Mitarb. des MfAA, 1960/61 Referent in der 5. Europ. Abt., 1961 – 63 Oberreferent in der 4. Außereurop. Abt., 1963/64 Oberreferent in der 1. Europ. Abt.; 1964 – 66 pers. Referent der Stellv. Min.  Johannes König u.  Oskar Fischer; 1966 –70 2. Sekr. an der DDR-Botschaft in Moskau; 1970 – 1973 polit. Mitarb., 1973 – 1980 Ltr. des Sektors. Sozialist. Länder der Abt. Internat. Beziehungen des ZK der SED; 1980 – 88 Botschafter der DDR in der VR Polen (Nachf. von  Günter Sieber), 1988 – 90 Ltr. der Ständigen Vertretung der DDR in der Bundesrep. Dtl. (Nachf. von  Ewald Moldt); 1981 – 88 Kand., 1988/89 Mitgl. des ZK der SED; 1985 VVO; 1986 Banner der Arbeit; Mitgl. des Verb. für Internat. Pol. u. Völkerrecht e. V. 1990 – 2000 Mitarbeiter einer Bauträgerfirma in Bremen; seitdem Rentner; lebt in Berlin.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Neubert, Willi

* 9.11.1920 – ✝ 7.8.2011

Geb. in Brandau (ČSR/Brandov, Tschechien); 1934 – 38 Hilfsarb. u. Schlosser; Weiterbildung an der Abendschule zum techn. Zeichner; 1938 – 40 Konstruktionszeichner in Plauen; 1940 – 45 Kriegsdienst. 1945 – 50 Stahlwerker u. Konstrukteur in den Eisen- u. Hüttenwerken Thale (Harz); 1950 – 52 Studium an der Kunst-HS Burg Giebichenstein in Halle, u. a. bei Carl Crodel; seit 1953 freischaff. in Thale, Werkvertrag mit dem VEB Eisen- u. Hüttenwerk; 1958 Reise nach Albanien; 1959 – 67 mehrere Reisen in die UdSSR; 1960 Kunstpreis des Bez. Halle; 1960 – 62 u. 1970 – 71 Lehrtätigkeit an der Kunst-HS Burg Giebichenstein; 1963 Kunstpreis der DDR; Reise nach Indien; 1965 NP für das Bild »Der Schachspieler«; 1968 Kunstpreis des FDGB; 1971 Prof.; 1974 Mitgl. der AdK; zahlr. baugebundene Arbeiten. 2005 retrosp. Werkschau »Der Maler von der Hütte – 85. Geburtstag W. N.« in Quedlinburg; 2006 Ehrenbürger von Thale. Gest. in Ballenstedt. Werke: Diskussion in der Brigade. 1960; Parteidiskussion. 1962; Emaille-Wandgestaltung am Redaktionsgebäude der »Freiheit« in Halle, 1963/64; Wasserkraftwerk Bratsk. 1968; Neuererdiskussion. 1969; Emaillewand am Pressecafé am Alexanderplatz Berlin, 1969 – 73; Gestern – heute (Bild für den Palast der Republik). 1975.Farbige Gemäldewiedergaben. Leipzig 1969. Schulze, I.: W. N. – ein Repräsentant des »Bitterfelder Weges« auf dem Gebiet der Bildenden Kunst. In: Wiss. Ztschr. der Univ. Halle XIX (1970) 6 G; Kuhirt, U.: W. N. (Reihe Maler u. Werk). Dresden 1973; Hütt, W.: Künstler in Halle (Welt der Kunst). Berlin 1977.Anke Scharnhorst

Wer war wer in DDR

Neukrantz, Heinz

* 9.2.1917

Geb. in Berlin; Vater Arbeiter; Bruder von  Ilse Thiele; Volksschule u. Realgymnasium, Abitur; 1936 – 39 Ausbildung zum Kfm.; 1939 – 45 Wehrmacht, Kriegsgefangenschaft. 1945 FDGB; 1945/46 KPD/SED; 1945 – 50 Verw.-Angest., seit 1949 Personalref. im Arbeitsamt, anschl. im Bez.-Amt Berlin-Lichtenberg; 1950 – 52 2. Sekr. der SED-KL Berlin-Lichtenberg; 1953 – 55 Vors. der Gewerkschaft Verwaltungen-Banken-Versicherungen in Berlin; 1953 – 56 Mitgl. u. 1956 – 65 Vors. des FDGB-Bez.-Vorst. Berlin; 1954 – 67 Berliner Vertreter, 1967 – 86 Abg. der Volkskammer; 1967 – 71 Mitgl., ab 1971 stellv. Vors. des Aussch. für Ausw. Angelegenh.; 1955 – 66 Mitgl. der SED-BL Berlin; 1958 – 67 Stadtverordn. in Berlin; 1959 – 90 Mitgl. des FDGB-Bundesvorst. u. 1959 – 82 seines Präs.; 1960/ 61 Studium an der PHS; 1966 – 82 Sekr. des FDGB-Bundesvorst., dort zuständig für internat. Fragen, 1968 – 71 für Agit. u. Propaganda; 1966 – 74 Mitgl. des Präs. des Zentralvorst. der DSF; 1971 – 86 stellv. Vors. des Volkskammeraussch. für Ausw. Angelegenh.; Vors. der Parl. Freundschaftsgr. DDR – Norwegen; 1977 VVO; 1982 – 89 ehrenamtl. Vors. der Zentr. Beschwerdekommission der Sozialversicherung der Arbeiter u. Angest.; Ruhestand.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Neumann, Heinz

* 6.7.1902 – ✝ 26.11.1937

Am 6. Juli 1902 in Berlin geboren, entstammte einem bürgerlichen Elternhaus. Besuchte in Berlin das Gymnasium, studierte nach der Reifeprüfung Philologie. In dieser Zeit kam er erstmals mit dem Kommunismus in Berührung. Neumann, durch unstillbare Aktivität gekennzeichnet, wurde vom damaligen Generalsekretär der KPD Ernst Reuter (Friesland) 1920 in die KPD aufgenommen und von August Thalheimer gefördert. 1921 arbeitete Heinz Neumann für die KPD-Presse, schrieb Leitartikel und kam ins Pressebüro. Er gab 1922 sein Studium auf und wurde hauptamtlicher Parteifunktionär, zunächst Redakteur an der »Roten Fahne«. 1922 wegen illegaler Tätigkeit sechs Monate im Gefängnis, lernte in dieser Zeit Russisch. Als er im selben Jahr eine Delegation nach Sowjetrußland begleitete, war er der einzige, der Russisch sprach. Das verschaffte ihm Zugang zu den führenden russischen Kommunisten, die nun auf den beweglichen Intellektuellen aufmerksam wurden. Vermutlich hatte Neumann als einer der ersten deutschen Kommunisten direkte Beziehungen zu Stalin, der 1922 Generalsekretär der russischen KP geworden war, und näherte sich diesem an. Zunächst gehörte Heinz Neumann zur linken Opposition um Ruth Fischer, Delegierter des VIII. Parteitags im Januar 1923. Gemeinsam mit Arthur Ewert, Gerhart Eisler und Hans Pfeiffer trennte er sich im April 1923 von der linken Opposition und nahm eine vermittelnde Haltung ein. Aktiv an den Vorbereitungen des Oktober 1923 beteiligt, arbeitete er kurze Zeit im AM-Apparat (Zersetzung). Anfang 1924 für die Mittelgruppe Polleiter in Mecklenburg. Nachdem die Linke im April 1924 die Führung übernahm, wurde Neumann etwas in den Hintergrund gedrängt und lebte illegal. Er war aus dem Gefängnis entflohen und wurde polizeilich gesucht. Im »Tscheka-Prozeß« von einem Zeugen belastet, ging er zunächst nach Wien. Dort verhaftet und abgeschoben, emigrierte er nach Moskau. Nach der Ablösung von Iwan Katz als Vertreter der KPD bei der Komintern (1925) trat Neumann dessen Nachfolge an und war einer der aktivsten Streiter für die Bolschewisierung der KPD und gegen die linke Opposition. Damals entstanden u. a. seine Broschüren »Was ist Bolschewisierung?« (Oktober 1924) und »Der ultralinke Menschewismus« (1925). Im Juni 1925 wurde er als »Gutachter« im Moskauer Prozeß gegen Karl Kindermann und andere Deutsche hinzugezogen. Immer deutlicher vertrat der umstrittene Neumann die Politik Stalins in DeutschIand. In seiner wichtigen Position wirkte er von Moskau aus maßgeblich auf die KPD-Politik ein. Der XI. Parteitag 1927 wählte ihn als Kandidat ins ZK der KPD. Als Ende 1927 die Moskauer Politik in China Bankrott erlitt, versuchte Stalin während des XV. Parteitags der KPdSU (2. bis 19. Dezember 1927) durch ein Fanal in China die Dinge zu seinen Gunsten zu beeinflussen. Neumann und sein persönlicher Freund, der führende KPdSU-Funktionär Wissarion (Besso) Lominadse, wurden nach China entsandt. Sie organisierten den Kantoner Aufstand, der im Dezember 1927 ausbrach und in einem dreitägigen blutigen Kampf zur Vernichtung der dortigen Kommunisten führte. Neumann wurde seit dieser von Stalin gewünschten Aktion von seinen Gegnern »Henker von Kanton« genannt. Er konnte entkommen und wurde 1928 von Stalin wieder nach Deutschland geschickt. Bei der Diskussion des ZK der KPD über die Wittorf-Affäre setzte sich Neumann sehr stark für Ernst Thälmann ein. Als Stalin zu Thälmanns Gunsten eingriff, gelangte Neumann auf den Höhepunkt seiner Macht: Er kam ins Polsekretariat, womit der 26jährige neben Thälmann und Hermann Remmele zum entscheidenden Führer der deutschen KP wurde. Neumann übernahm die Chefredaktion der »Roten Fahne«, wurde auf dem XII. Parteitag 1929 ins ZK und als Kandidat ins Polbüro gewählt und zog im September 1930 im Wahlkreis Potsdam I auch als Abgeordneter in den Reichstag ein. Der von der Komintern eingeleitete ultralinke Kurs wurde in der KPD gerade durch den Draufgänger Neumann forciert, der eng mit Remmele zusammenarbeitete. 1930 gab er die Parole aus: »Schlagt die Faschisten, wo ihr sie trefft!« und war zugleich für einen verschärften Kampf gegen die »Sozialfaschisten« (d. h. die Sozialdemokraten), besonders aber gegen alle innerparteilichen Abweichungen. Als Sprachrohr Stalins hatte Neumann bei dieser Politik das gesamte Polbüro hinter sich. Bei der Frage, wie der Kampf gegen den Faschismus zu führen sei, geriet er 1931 in einen gewissen Gegensatz nicht nur zu Thälmann, sondern auch zu Stalin. (Dieser soll Neumann Ende 1931 gesagt haben: »Glauben Sie nicht auch, daß, falls in Deutschland die Nationalisten zur Macht kommen sollten, sie so ausschließlich mit dem Westen beschäftigt sein würden, daß wir in Ruhe den Sozialismus aufbauen könnten?«) Durch Fraktionskampf und Doppelzüngigkeit versuchte Neumann, seine Stellung zu stabilisieren, unterlag aber. Er wurde Anfang April 1932 seiner Funktionen in Deutschland enthoben und nach Moskau kommandiert. Im Juli 1932 nochmals in den Reichstag gewählt, im Oktober des gleichen Jahres auf der III. Parteikonferenz der KPD nun auch offiziell verdammt, degradiert und dann zur Komintern-Delegation nach Spanien geschickt. Als ein Brief Neumanns an Remmele im November 1933 in die Hände der Parteispitze geriet, worin er diesen aufgefordert hatte, den Fraktionskampf fortzuführen, war seine politische Karriere zu Ende. Im Januar 1934 mußte er selbstkritisch bekennen: »Der gesamte Fraktionskampf, den ich im Jahre 1932 und bis zum März 1933 gegen das ZK der KPD geführt habe, war von Anfang bis Ende eine Kette von schweren Fehlern und Vergehen gegen die Linie und die Disziplin unserer Partei.« Seinen Brief vom März 1933, in dem er Remmele bewegen wollte, er solle »Karl Liebknecht sein« (also gegen die Mehrheit kämpfen), verwarf Neumann nun als einen »parteischädigenden Appell«. Er wurde nach Zürich abgeschoben, dort Ende 1934 von der Schweizer Fremdenpolizei verhaftet. NS-Deutschland verlangte seine Auslieferung, der er nur mit Mühe entgehen konnte. Neumann verbrachte ein halbes Jahr als Auslieferungsgefangener im Schweizer Zuchthaus Regensdorf. Als keiner der umliegenden demokratischen Staaten den »berüchtigten Kommunisten Neumann« aufnehmen wollte, bot ihm die Sowjetunion Asyl an. Er fuhr im Juni 1935 von Le Havre an Bord des sowjetischen Frachters »Wolga« in die UdSSR und lebte fast zwei Jahre gemeinsam mit seiner Frau Margarete Buber-Neumann (* 21. 1. 1901 – † 6. 11. 1989) in Moskau, dort in der VAA beschäftigt. Am 27. April 1937 verhaftete ihn das NKWD, und am 26. November 1937 wurde Heinz Neumann vom Militärkollegium des Obersten Gerichts zum Tode verurteilt und erschossen. In Deutschland hätten ihn die Nationalsozialisten umgebracht und er wäre als Märtyrer des Kommunismus in die Geschichte eingegangen. Da er später ein Opfer Stalins wurde, blieb er eine »Unperson«. Margarete Buber-Neumann, geborene Thüring, aufgewachsen in Potsdam, trat 1926 in die KPD ein, ab 1928 Redakteurin der Zeitschrift »Inprekorr«. Sie war in erster Ehe mit einem Sohn des jüdischen Religionsphilosophen Martin Buber verheiratet gewesen und flüchtete 1933 aus Deutschland. Auch sie ist am 20.Juni 1938 in Moskau verhaftet und am 19. Januar 1939 als »sozial gefährliches Element« zu fünf Jahren Freiheitsentzug verurteilt worden. Nach unmenschlicher Lagerhaft in Karaganda wurde sie am 5.Februar 1940 als »unerwünschte Ausländerin« aus der Sowjetunion ausgewiesen und in Brest-Litowsk an NS-Deutschland ausgeliefert. Hier sofort in das Frauen-KZ Ravensbrück eingeliefert, wo sie von den kommunistischen Häftlingen geächtet wurde, da sie über die stalinistische Wirklichkeit und ihre Gulag-Erfahrungen berichtete. Im April 1945 flüchtete sie westwärts, aus Furcht, erneut inhaftiert zu werden. In der Bundesrepublik wurde Margarete Buber-Neumann als Publizistin und Schriftstellerin bekannt. In ihren Büchern »Als Gefangene bei Stalin und Hitler«, »Von Potsdam nach Moskau« und »Schauplätze der Weltrevolution« beschrieb sie ihr eigenes und Heinz Neumanns Schicksal.

Wer war wer in DDR

Neumann, Alfred

* 15.12.1909 – ✝ 8.1.2001

Geb. in Berlin-Schöneberg; Vater Tischler, Mutter Falzerin; Volksschule; Ausbildung zum u. Arbeit als Tischler; seit 1919 Mitgl. im Arbeitersportverein »Fichte«, der 1928 der Kampfgem. für Rote Sporteinheit (KG) beitrat; seit 1925 Mitgl. des Dt. Holzarbeiterverb. der Gewerkschaft; 1929 KPD; 1930 Mitgl. der LL der KG; 1932/33 Landestechniker der KG; seit 1933 Teiln. am illeg. Widerstand, 1933 in engerer Zusammenarbeit mit  Karl Maron am Aufbau der illeg. KG beteiligt; Frühjahr – Okt. 1934 Pol.-Ltr. der KG-LL Berlin-Brandenb.; galt als Zehnkämpfer als einer der hoffnungsvollsten dt. Leichtathleten für die Olymp. Spiele 1936 in Berlin (Mitgl. der dt. Kernmannschaft für die Olympiade); Okt. 1934 Emigr. nach Dänemark, danach über Schweden (Stockholm) u. Finnland in die UdSSR; dort bis Ende 1937 Sportlehrer zunächst bei der Gewerkschaft, dann beim ZI für Körperkultur in Moskau; Feb. 1938 wegen fehlender sowj. Staatsbürgerschaft Ausweisung aus der UdSSR; fuhr über Frankreich im März 1938 nach Spanien; dort 1938/39 Mitgl. der Internat. Brigaden im 42. Bat. der XI. Internat. Brigade, verwundet; ab Feb. 1939 in Frankreich (St. Cyprien, Gurs u. Vernet) inhaftiert; 1941 an die Gestapo ausgeliefert u. vom VGH am 26.2. 1942 wegen »Hochverrats« zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt; Feb. 1945 aus Zuchthaus Brandenb.-Görden in SS-Strafbat. Dirlewanger überstellt, Flucht u. am 21.4.1945 Übertritt zur Roten Armee; sowj. Gefangenschaft, bis 1946 in versch. sowj. Kriegsgefangenenlagern in Dtl., dann Verlegung in ein Lager bei Breslau u. von dort in die UdSSR in ein Lager bei Saransk bis zum Frühjahr 1947. Juni 1947 Rückkehr nach Dtl.; SED; 1947 – 49 hauptamtl. Tätigkeit als Verw.-Angest. im Bez.-Amt Berlin-Treptow; 1947 – 49 ehrenamtl. als SED-Org.-Sekr. in Berlin-Treptow tätig, vertretungsw. für kurze Zeit SED-Krs.-Sekr. in Berlin-Tempelhof, dann wieder in Treptow; 1948/49 parität. SED-Krs.-Vors. in Berlin-Neukölln; dort im März 1949 verhaftet wg. »Verstoßes gegen das Kontrollratsgesetz« (er hatte eine schwarz-rot-goldene Fahne aus dem Parteibüro in der Neuköllner Karl-Marx-Str. gehängt); Verhandlung vor einem amerik. Gericht, Freilassung gegen Kaution; 1949 Sekr. für Prop. in der SED-LL Berlin; 1951 – 53 stellv. OB von Berlin; 1953 – 57 1. Sekr. der SED-BL Berlin (Nachf. des abgelösten  Hans Jendretzky); seit 1954 Mitgl. des ZK der SED; 1949 – 90 Abg. der Volkskammer; 1954 Kand. u. 1958 – 89 Mitgl. des PB; 1957 – 61 zugl. Sekr. des ZK der SED; 1961 – 65 Minister u. Vors. des Volkswirtschaftsrats; seit 1962 Mitgl. des Präs. des Min.-Rats; 1965 – 68 Minister für Materialwirtschaft u. stellv. Vors. des Min.-Rats, seit 1968 1. Stellv. des Vors.; 1960 – 89 Mitgl. des Nat. Verteidigungsrats; 1956 u. 1964 VVO; 1974 u. 1984 KMO; 1984 sowj. Orden der Oktoberrev.; Nov. 1989 mit dem Min.-Rat zurückgetreten u. aus dem PB des ZK der SED ausgeschieden; 20.1.1990 aus der SED-PDS ausgeschl. Seit 1992 Ermittlungen wegen »Totschlags u. Körperverletzung an der innerdt. Grenze«, 1993 Anklageschrift erstellt, aber keine Eröffnung des Verfahrens, 1999 stellte die 32. Kammer des Berliner LG das Verfahren ohne Ansetzung einer Hauptverhandlung ein.Arbeit für den Soz. Ausgew. Reden. Berlin 1979; Die DDR stärken – den Frieden sichern. Ausgew. Reden. Berlin 1984. Prokop, S.: Poltergeist im PB. S. Prokop im Gespräch mit A. N. Frankfurt (Oder) 1996 (von A. N. nicht autorisiert); ders.: Ulbrichts Favorit. Auskünfte von A. N. Berlin 2009.Monika Kaiser / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Neumann, Hilde

* 13.4.1905 – ✝ 11.9.1959

Geb. in Berlin in einer jüd. Familie; Vater Kurt Rosenfeld, Rechtsanwalt u. SPD-Abg. des Dt. Reichstags; Realgymnasium in Berlin; Jura-Studium an den Univ. Freiburg i. Br., Berlin u. Bonn; Mitgl. der Marxist. Studentengr.; 1925 Mitgl. der SPD Berlin-Wilmersdorf; Referendariat in Erfurt u. Berlin; 1929 Heirat mit dem Juristen Otto Kirchheimer, 1931 Trennung; 1932/33 Rechtsanwältin am KG Berlin, Verteidigerin von Ernst Thälmann u. Georgi Dimitroff; April 1933 nach Frankreich emigriert; 1933 – 39 Funktionärin der MOPR; Mitarb. im »Verteidigungskomitee für die Angeklagten des Reichstagsbrandprozesses« u. in der »Internat. Juristen-Vereinigung«; 1936 KPD; Frühj. 1940 ein Mon. interniert in Riencros (b. Pamiers); 1940/41 Emigr. in die USA, 1941 – 47 nach Mexiko. 1947 Rückkehr nach Dtl.; SED; 1947 Hauptref. in der Abt. Justiz im ZV der SED, Ltr. des Ref. Gerichtsaufbau u. Schulung, maßgebl. beteiligt am Aufbau des Gerichtswesens; Juli 1948 – Febr. 1949 stellv. Ltr. der Abt. Justiz des ZS der SED; 1948 PHS; 1949/50 Ltr. der Abt. Justiz im Zentralsekr. der SED u. gewählte Präs. des LG Berlin (sowj. Sektor); 1950 – 53 Magistratsdir. für Justiz in Berlin; 1953 Sekr. des Internat. Komitees der Demokrat. Juristen; Nov. 1953 – Juli 1959 Chefred. der Ztschr. »Neue Justiz« (Nachf. von  Hans Nathan); Sekr. der Vereinigung Demokrat. Juristen Dtl.; 1958 VVO; 1959 Rentnerin; Banner der Arbeit; gest. in Berlin.Bernd-Rainer Barth

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Neupert, Wolfgang

* 18.11.1931

Geb. in Plauen; Vater Arbeiter; Grundschule, 1950 – 52 Kontorist, Gruppenltr. für Kalkulation u. Preisfestsetzung bei der Einkaufsaußenstelle Plauen der zentrale Ltg. der HO; 1952 / 53 Inventurltr., Instrukteur, Ltr. des Hauptreferats Preise in der Zentralverwaltung der HO Sportartikel im Min. für Handel u. Versorgung in Berlin; 1953 – 56 Sachbearb. für organisator. Vorplanung, Arbeitskräfteplaner u. stellv. ök. Ltr. der VVB Musik-Kultur Plauen; 1956 SED; 1956 – 58 Absatzltr. im Min. für Leichtind., HA-Verw. Musikinstrumente u. Kulturwaren Leipzig; 1958 – 64 Absatzltr. u. ök. Ltr. der VVB Musikinstrumente u. Kulturwaren Plauen; 1956 – 61 Fernstud. der Industrieökonomik an der HfÖ Berlin, Dipl.-Wirtschaftler; 1964 – 66 Dir. für Beschaffung u. Absatz, 1966 – 70 Dir. für Prod., Beschaffung u. Absatz, 1970 1. Stellv. des GD der VVB Musikinstrumente u. Kulturwaren Plauen; 1969 – 90 Dir. der Branchenausstellung für Freizeiterzeugnisse EXPOVITA im Rahmen der Leipziger Herbstmessen; 1971 Banner der Arbeit; 1974 – 80 Mitbegr. u. Kuratoriumsmitgl. der Vogtländ. Musiktage Klingenthal-Markneukirchen; 1981 – Juni 1990 GD des VEB Kombinat Sportgeräte »GERMINA« Schmalkalden, eines der größten Sportartikelproduzenten der Welt u. wichtigen Exporteurs der DDR-Volkswirtschaft; 1983 Auszeichn. Verdienter Techniker des Volkes. Juni 1990 – 92 von der Treuhandanstalt als Geschäftsf. der Germina Vertriebs- u. Dienstleistungs-GmbH Schmalkalden eingesetzt, nach der Privatisierung durch Management-Buy-Out bis 1998 Geschäftsf. Gesellschafter; 1990 – 92 Präs. des Branchenverb. der Sport- u. Campingartikelind.; Gründung u. Geschäftsf. des »Sporthotels Oberhof« bis zur Überleitung der ehemaligen Sportschule des DTSB an den Landessportbund Thür.; 1990 – 93 Mitgl. in den Aufsichtsräten der Interhotel AG (bzw. GmbH) Berlin und der ZEKIWA Kinderwagenfabrik GmbH Zeitz; 1999 Ruhestand; wiss. Arbeiten u. Vorträge zu Fragen der Wirtschaftsorg.; lebt in Plauen.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Neddermeyer, Robert

* 3.4.1887 – ✝ 18.10.1965

Geb. in Altona; Vater Seemann; Volks- u. Fortbildungsschule; 1901 Mitgl. der freien Gewerkschaften; 1904 SPD; 1904 – 08 Matrose, Hafenarb., Eisenbahner; 1908/09 Telegraphenarb. in Hamburg; 1909 – 12 Soldat bei der Matrosen-Artillerie-Abt.; 1912 – 14 erneut Telegraphenarb.; 1914 – 18 Soldat, zul. Obermatrose; 1918 aktiv bei der Rev. in Kiel; 1919/20 Hofverwalter auf dem Gut Noer; 1921 Besuch der Reichsparteischule; 1920 KPD; 1920/21 Bau- u. Bergarb.; 1922 – 23 UB-Sekr. der KPD in Bielefeld; 1923/24 Militär. Ltr. der KPD in Hannover; 1924/25 Bez.-Ltr. der KPD Hessen-Waldeck in Kassel; 1924 Teiln. am V. Kongreß der KI; 1925/26 Anhänger der Ultralinken; 1926 – 33 Mitarb. der Landabt. des ZK der KPD; 1926 – 28 Ltr. der Sekt. Seeleute u. Schiffer bzw. Sekr. der Reichsltg. Schiffahrt der RGO; 1928 – 32 Mitgl. der KPD-BL Ostpr. u. Abt.-Ltr. Land der KPD-BL Ostpr.; Hrsg. der »Dorfztg.«; 1932/33 Mitarb. im Reichskomitee der RGO u. Red. der Landarb.-Ztg.; gleichz. Instrukteur des Westeurop. Büros der RGI; 1924 – 28 Abg. des Dt. Reichstags, 1928 – 33 des Preuß. Landtags u. 1930 – 33 der Stadtverordnetenvers. von Königsberg; 1931 Mitbegr. des revolutionären Landarbeiterverb.; 1930 – 45 Inhaber eines eigenen Geflügelhofs in Liebenwalde u. Arbeit als Geflügelzüchter; ab 28.2.1933 Instrukteur des ZK in Mecklenb., Schles. u. dem Rheinl.; Okt. 1933 wegen illeg. Tätigkeit verhaftet u. Okt. 1934 durch ein Sondergericht in Hamm zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt, 1935/36 in den KZ Esterwegen u. Sachsenhausen; anschließend unter Polizeiaufsicht; am 18.7.1944 als Mitgl. der Gruppe von Anton Saefkow erneut verhaftet u. am 6.10.1944 zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt, bis zur Befreiung April 1945 im Zuchthaus Brandenb.-Görden. 1945 zunächst 2. Bürgermstr. von Liebenwalde; anschließend stellvertretender Landrat von Niederbarnim; 9.8.1945 – 28.2.1947 Oberlandrat u. Mitgl. der Landesbodenreformkommission; ab 1.3.1947 Landesbauernsekr., bzw. ab 1949 Landesvors. der VdgB Brandenb.; ab 1952 Vors. des Bez.-Verb. Potsdam u. Mitgl. des Präs. des Zentralvorst. der VdgB; 1946 – 52 Abg. des Landtags Brandenb., danach des Bez.-Tags Potsdam, seit 1949 der Länderkammer der DDR u. ihres Präs.; 1955 VVO; 1957 KMO.Es begann in Hamburg. Ein deutscher Kommunist erzählt aus seinem Leben. Berlin 1980.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Neheimer, Kurt

* 14.5.1924 – ✝ 14.10.1995

Geb. in Siegen (Westf.); Vater Arbeiter; Volksschule; Lehre als Tischler; 1933 Emigr. nach Palästina; Gärtnerlehre; 1941/42 Transportarb.; 1943 – 46 Soldat der Infanterieeinheit Palästina der 8. Brit. Armee. 1946 Rückkehr nach Dtl.; SED; 1946 – 48 Ref. der FDJ-LL Brandenb. u. Lehrer an der FDJ-Landesschule in der Schorfheide; 1948 – 50 Doz. bzw. Schulltr. der Richterschule in Potsdam; 1951/52 Hauptref. im Min. für Justiz; 1951/52 Fernstudium an der ASR Potsdam; 1952/53 stellv. Dir. der HS für Justiz; 1953/54 Red. im Verlag »Wissen u. Technik«; 1954 – 60 Redaktionssekr. bzw. stellv. Chefred. der »Märkischen Volksstimme« Potsdam; 1960 – 67 Chefred. der »Schweriner Volksztg.« (Nachf. von Karl Klenke); Mitgl. der SED-BL Schwerin; 1967 – 83 Chefred. der »Wochenpost« (Nachf. von  Dieter Kerschek); 1967 – 72 Mitgl. des Zentralvorst. des VdJ; 1974 VVO.Polkehn, K.: Das war die Wochenpost. Berlin 1997.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Neidhardt, Wolfgang

* 29.4.1930

Geb. in Chemnitz; Vater Arbeiter; Grundschule; Lehre u. Arbeit als Maschinenschlosser im RAW Chemnitz; 1948 SED; 1948 Eintritt in die DVP, Dienst im VP-Krs.-Amt Chemnitz u. der VP-Bereitschaft Frankenberg; 1949/50 Kursant an der VP-Schule in Eggesin; 1950/51 Abt.-Ltr. in der VP-Dienststelle Prenzlau; 1952 Stellv. des Stabschefs Artillerie der VP-Dienststelle Prenzlau; 1952 – 58 Offiziershörer an der Militärakad. für Artillerie-Ing. in der UdSSR, Dipl.-Ing.; 1959 Ltr. der Unterabt. Bewaffnung der 9. Panzerdiv.; 1959/60 Ltr. des Lehrstuhls an der Artillerie- u. Panzerschule; 1961 – 63 Stellv. des Kdr. der Artillerie-Schule (für techn. Ausbildung); 1962 Speziallehrgang in der UdSSR; 1963 Chef der Verw. Artillerie-Technik des MfNV; 1963/64 Stellv. des Chefs der Verw. Artillerie-Technik u. Bewaffnung beim Chef Artillerie des MfNV; 1964 – 69 Stellv. des Ministers (Ausrüstung) u. Chef der Verw. Technik des MfNV; 1966 Oberst; 1969 – 73 Stellv. des Chefs des Techn. Komitees der Vereinten Streitkräfte; ab 1973 Stellv. des Chefs Technik u. Bewaffnung des MfNV; 1974 Gen.-Major; 1976 Studium an der sowj. Gen.-Stabsakad. »M. W. Frunse»; 1979 Gen.-Ltn.; 1982 – 90 stellv. Vors. der SPK, Chef Militärbereich (Nachf. von  Friedrich Zeiler); 1981 VVO; 31.3.1990 Entlassung.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Nelles, Johannes

* 25.11.1910 – ✝ 7.5.1968

Geb. in Frankfurt (Main); Vater Angest. bei der Straßenbahn; 1929 – 33 Studium der Chemie in Frankfurt (Main); 1933 Prom. bei Julius v. Braun; ab 1935 zunächst Mitarb., dann Ltr. des Hauptlabors der Farbenwerke der Bayer AG in Leverkusen; 1941 Versetzung in die Buna-Werke nach Schkopau; Aufbau u. ab 1942 Ltg. des dortigen wiss. Labors; renommierter Spezialist für Kautschuksynthesen. Frühj. 1945 Mitgl. im Antifa-Aussch. der Buna-Werke; dann kurzz. Aufenthalt in der amerik. Besatzungszone; nach der Rückkehr in die SBZ von der SMAD im Nov. 1945 zum Werkltr. der Buna-Werke ernannt; 1949 NP; 1949/50 Abg. des Volksrats bzw. der (Prov.) Volkskammer; 1951 NP; 1952 Dr. h. c. der Univ. Halle; 1953 Ord. Mitgl. u. 1956 Prof. der DAW; zugl. Prof. für organ. Technol. an der TH für Chemie Leuna-Merseburg; Mitgl. des akad. Senats der MLU Halle; 1954 Gründungsmitgl. der Ges. zur Verbreitung wiss. Kenntnisse, der späteren Urania in Halle; VVO; 1957 Gründungsmitgl. u. bis 1966 stellv. Vors. des Forschungsrats der DDR; Ltr. der DDR-Delegation in der RGW-Arbeitsgr. Synthese-Kautschuk; Jan. 1967 nach Differenzen mit der SED-Führung Rücktritt von der Werkltg. als damals dienstältester Werkdir. in der DDR. Seit 1998 vergibt die Buna Sow Leuna Olefinverbund GmbH jährl. den Prof.-J.-N.-Preis für innovative Leistungen in der Polymerforsch. u. Kunststoffanwendung.»Nelles-Fibel«. Fs. zum 20jährigen Jubiläum von Prof. Nelles als Dir. des Buna-Werkes. Halle 1965.Jan Wielgohs

Wer war wer in DDR

Netzker, Otto

* 15.6.1921 – ✝ 28.11.2009

Geb. in Wittichow (Krs. Stargard, Pommern/ Witowo Drugie, Polen) in einer Arbeiterfamilie, Kaufmannslehre; Großhandelskaufmann in einem Mühlenbetrieb; ab 1941 Wehrmacht. 1946 Kassenltr. am Landestheater Altenburg; 1948 – 51 Verwaltungsdir. des Landestheaters Gotha; 1949 SED; 1951 – 52 Dir. des neugegr. Landessinfonieorchesters Thüringen in Gotha; 1952 Hauptreferent in der Staatl. Kommission für Kunstangelegenh. (ab 1954 Min. für Kultur), Hauptref. Verwaltungs- u. ökonom. Grundsatzfragen der Theater, 1954 – 59 Fachgebietsltr. »Artistik u. Kleinkunst«, verantw. für Veranstaltungs- u. Zirkuswesen u. der Reorg. des ges. Veranstaltungswesens; ab 1960 Dir., ab 1965 GD des 1960 gegr. VEB Zentral-Zirkus (ab 1980 Staatszirkus der DDR); 1973 – 86 Mitgl. des Präs. des Komitees für Unterhaltungskunst; maßgebl. beteiligt an der Zusammenführung der drei Unternehmen Aeros, Barlay (später Berolina) u. Busch im staatl. Zirkusbetrieb; verantw. für die Anleitung der DDR-Privatzirkusse; 1971, 1981 u. 1986 VVO; 1986 Ruhestand; gest. in Schkeuditz bei Leipzig.Zirkus Internat. Berlin 1982 (Mithrsg.). Winkler, D.: O. N. zum 65. Geburtstag. In: Unterhaltungskunst (1986) 17; Liese, B., Winkler, D.: Es kamen 60 Millionen ? Der Staatszirkus der DDR in Zahlen u. Fotos. 2006.Dietmar Winkler

Wer war wer in DDR

Neubert, Ehrhart

* 2.8.1940

Geb. in Herschdorf (Thür.) in einer Pastorenfamilie, aufgew. in Großenbehringen u. Sonneberg; 1958 Abitur; 1958 – 63 Studium der Theol. an der FSU Jena; 1964 – 84 Vikar u. Pfarrer in Niedersynderstedt (Kirchenkrs. Weimar); ab 1973 auch Studentenpfarrer in Weimar; 1967 – 75 Teiln. an versch. informellen Zirkeln, die (beeinflußt durch  Robert Havemann) philosoph. u. soziolog. Themen bearbeiteten; 1976 CDU (Austritt 1984); seit 1979 Mitarb. in Friedenskrs. der ESG; Konflikte mit staatl. u. kirchl. Instanzen im Kontext der Bew. »Schwerter zu Pflugscharen«; Mitarb. in Thür. Friedensgr., Kontakte zu sozialeth. Gruppen in der gesamten DDR; seit 1984 Ref. für Gemeindesoziol. in der Theolog. Studienabt. beim Bund der Ev. Kirchen in Berlin; zahlr. soziolog. Studien zur Sozialstruktur u. zu sozialeth. Fragen, u. a. die erste soziolog. Interpretation der opp. Gruppen der 80er Jahre in »Religion in der DDR-Ges. Zum Problem der sozialisierenden Gruppen ...« (1985); Publ. in der Bundesrep. Dtl. unter dem Ps. »Christian Joachim«; Juni 1989 Mitgl. des Initiativkrs. zur Gründung der Partei Demokrat. Aufbruch (DA), maßgebl. beteiligt an der Ausarbeitung des Parteiprogramms; Dez. 1989 – Jan. 1990 stellv. Vors. u. Vertreter des DA am Zentr. Runden Tisch; Mitarb. in versch. Untersuchungskommissionen; Jan. 1990 Parteiaustritt nach der konservativen Wende des DA; seitdem wieder im kirchl. Dienst; Mitarb. in versch. informellen Gruppen, u. a. Komitee Freies Baltikum, Initiative Recht u. Versöhnung. 1992 – 94 Mitarb. der Fraktion Bündnis 90 im Untersuchungsaussch. des Brandenb. Landtags zu den Vorwürfen gegen den Min.-Präs. des Landes Brandenb.  Manfred Stolpe; E. N.s Untersuchung war maßgebl. Grundlage für das Minderheitenvotum des Bündnis-Abg.  Günter Nooke gegen den Abschlußbericht des Untersuchungsaussch.; 1996 CDU; Gründungsmitgl. u. stellv. Vors., seit 2005 Vors. des Bürgerbüros zur Aufarbeitung von Folgeschäden der SED-Diktatur; 1996 Prom. an der Freien Univ. Berlin mit einer Arbeit zur Geschichte der DDR-Opp.; 1997 – 2005 Fachbereichsltr. in der Abt. Bildung u. Forschung beim Bundesbeauftr. für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehem. DDR; 1998 Vorstandsmitgl. der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur; 2005 Ruhestand, lebt in Erfurt.Gesellsch. Kommunikation im sozialen Wandel. Berlin 1989; Eine protestant. Rev. Berlin 1990; Untersuchung zu den Vorwürfen gegen den Min.-Präs. des Landes Brandenb. Dr. M. Stolpe. Berlin 1993. Geschichte der Opp. in der DDR 1949 – 89. Berlin 1998; Die verdrängte Rev. Der Platz des 17. Juni in der dt. Geschichte. Bremen 2004 (mit B. Eisenfeld u. I.-S. Kowalczuk); Unsere Rev. – Geschichte der Jahre 1989/90. München 2008.Jan Wielgohs

Wer war wer in DDR

Neudert, Roland

* 9.7.1939

Geb. in der Nähe von Karlsbad in Böhmen, aufgewachsen in Unterlind bei Sonneberg (Thür.); dort erste Ausbildung in Gesang, Geige u. Trompete; 1960 Sieger im Wettbewerb der Jungen Talente, anschl. bis 1963 Gesangsausb. beim Staatl. Komitee für Rundfunk u. Fernsehen, dann Berufsmusiker; eigene TV-Sendereihe »Heimat, wir grüßen Dich«, zahlr. Rundfunk- u. TV-Aufnahmen, LPs bei Amiga: »Guten Tag, schönes Kind« (1980), »Unsere schönsten Volkslieder« (1983), »Hohe Berge – grüne Täler« (1989). Ab 1994 wieder Auftritte in diversen TV-Sendungen, u. a. ZDF-Hitparade, MDR-Schlagermagazin, »Musikantenscheune« der ARD; Heirat mit der früheren DFF-Moderatorin Petra Kusch-Lück, gemeinsame Tourneen, Veranstaltung eines monatl. Livemusikprogramms in Schloß Diedersdorf; sieben CDs, darunter »Petra Kusch-Lück & R. N.«, »Und wieder ist Weihnacht« (2002), »Meine größten Hits« (2004), »Fernweh – Heimweh« (2005).Jan Wielgohs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Neumann, Felix

* 23.12.1889

Geboren am 23. Dezember 1889 in Berlin, Sohn eines Zugführers, sein Großvater war Geheimer Kanzleirat. Neumann lernte Schriftsetzer und blieb in diesem Beruf. Bis August 1923 war er u. a. bei der Druckerei August Scherl und zuletzt in der Reichsdruckerei tätig, von 1915 bis 1918 bei den Eisenbahnpionieren. 1910 Mitglied der SPD, während des Krieges der USPD, 1919 der KPD. Bei der Spaltung 1920 ging er zur KAPD, 1921 zur VKPD, wo er kleinere Funktionen in Frankfurt/M. und Berlin übernahm. Ab Mitte September 1923 wurde Neumann besoldeter Orgsekretär bei der Zentrale der KPD in Berlin. Bis Anfang November 1923 Sekretär des sogenannten Revkom (Revolutionskomitee), er überbrachte Gelder an die Oberbezirke für die Aufstandsvorbereitungen. Nach späteren Aussagen hatte er unmittelbar von Heinrich Brandler den Auftrag erhalten, militärische Formationen und deren Bewaffnung zu organisieren und ein Revolutionskomitee zu bilden, rätselhaft bleibt, warum der unerfahrene Neumann damit betraut wurde. Nach dem Scheitern des Aufstands wurde er Sekretär des AM-Apparates unter Leitung von Peter Skoblewski und sollte Mitte November 1923 eine T-Gruppe leiten (das T stand für »Terror«, die Presse machte daraus später »Tscheka«). Am 7. Januar 1924 schoß Neumann in Berlin zweimal auf den als Spitzel verdächtigten Johann Rausch, der später seinen Verletzungen erlag; ein geplantes Attentat auf den Reichswehrchef Hans von Seeckt wurde nicht durchgeführt. Am 28.Februar 1924 ist eine von Neumann geführte Gruppe wegen Überschreitung der Polizeistunde in einer Stuttgarter Gaststätte festgehalten und nach einem Fluchtversuch verhaftet worden. In der Untersuchungshaft verweigerte Neumann zunächst jede Auskunft über seine Tätigkeit. Inzwischen wurden Skoblewski und zahlreiche andere Parteifunktionäre festgenommen. Als die »Rote Fahne« Felix Neumann am 27. April 1924 als Spitzel bezeichnete, distanzierte er sich von der T-Gruppe und sagte umfassend und im wesentlichen wahrheitsgemäß über seine Aktivitäten aus. Im sogenannten Tscheka-Prozeß, der als Auftakt einer Reihe politischer Prozesse geplant war, avancierte er zum Kronzeugen und wurde am 22. April 1925 zum Tode verurteilt, die Strafe dann in lebenslängliche Haft umgewandelt und mehrfach durch Amnestien gemildert (schließlich im Oktober 1930 ganz aufgehoben). Bereits 1928 fand der öffentlich inszenierte Übertritt Felix Neumanns zu den Nationalsozialisten statt, im Herbst 1928 floh er aus dem Zuchthaus – vermutlich unter Mithilfe von NS-Funktionären – und blieb bis zum Oktober 1930 illegal. Am 1.November 1930 offizielle Aufnahme in die NSDAP (Mitgliedsnr. 359.649). Von 1930 bis 1933 ist Felix Neumann als Propagandist, Organisator und »begabter Redner mit großem fanatischen Einsatz« für die NSDAP aufgetreten; im April 1933 Leiter einer NSDAP-Kreisgeschäftsstelle, aus der er 1934 wegen seiner Vergangenheit entlassen wurde. Danach zwei Jahre als Vertreter tätig, wurde er im November 1936 durch das Oberste Parteigericht der NSDAP rehabilitiert und erhielt eine Anstellung als hauptamtlicher Mitarbeiter in der NS-»Deutschen Arbeitsfront«. Die chronologisch letzte Eintragung in der NSDAP-Kartei vermeldet 1943 den Umzug von Kattowitz nach Berlin. Das weitere Schicksal von Felix Neumann ist bis heute nicht geklärt.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Neumann, Paul

* 7.2.1888 – ✝ 1934

Geboren am 7. Februar 1888 in Berlin; Metallarbeiter. Als Mitglied des SPD-Vorstandes in Nowawes gehörte er 1917 zu jenen Sozialdemokraten, die zur USPD wechselten. Paul Neumann, der auch im Kreis der Revolutionären Obleute mitarbeitete, nahm im Dezember 1918 als Delegierter für den Wahlbezirk Berlin am 1.Reichsrätekongreß der Arbeiter- und Soldatenräte teil. Ende 1920 wurde er Mitglied der VKPD, kam hauptamtlich als Sekretär in die KPD-BL Berlin-Brandenburg. Im Februar 1921 wurde Paul Neumann in den Preußischen Landtag gewählt, in dem er bis 1925 blieb. Er verließ bereits 1922 die KPD und trat der KAG bei, mit der er zur USPD zurückkehrte. Sein weiterer Lebensweg konnte nicht exakt ermittelt werden, Paul Neumann soll bald nach Errichtung der NS-Diktatur einem Unfall zum Opfer gefallen sein.

Wer war wer in DDR

Neumann, Alfred Bruno

* 10.4.1927 – ✝ 25.2.2010

Geb. in Berlin; Beruf Rohrleger; Kriegsdienst; nach Kriegsgef. im antifasch. Jugendaussch. beim Bezirksamt Berlin-Weißensee; danach Sekr. der FDJ-KL Berlin-Weißensee; 1951 stellv. Ltr. des Amtes für Jugendfragen u. Leibesübungen; 1952 – 60 stellv. Vors. des Staatl. Komitees für Körperkultur u. Sport, 1958 amt. Vors. u. 1960 – 68 Vors. (Nachf. von  Manfred Ewald), Ablösung nach Richtungsstreit mit Ewald über seinen Vorschlag zur Gründung eines Staatl. Komitees für Volkssport; 1968 – 90 Generalsekretär des MfAA; 1957 – 74 Mitgl. des DTSB-Bundesvorst.; 1964 – 74 u. 1990 Präs. des Dt. Ruder-Sport-Verb.; 1990 Mitgl. des NOK; 1968 VVO; 1970 Ehrenspange zum VVO.Volker Kluge

Wer war wer in DDR

Neumann, Irmgard

* 16.10.1925 – ✝ 22.2.1989

Geb. in Hamburg; Volksschule; Hausgehilfin; nach 1949 Neu- bzw. Genossenschaftsbäuerin u. Lehrausbilderin in der LPG Typ III in Niendorf (Krs. Teterow); 1955 DBD, stellv. Vors. des Krs.-Verb. Teterow; 1958 – 63 Abg. des Bez.-Tags Neubrandenb.; ab 1960 Mitgl. des Präs. des DFD-Bundesvorst.; Sept. 1960 – Nov. 1963 Mitgl. des Staatsrats der DDR; 1963 – 77 Mitgl. des DBD-Parteivorst; 1966 VVO; im Beruf tätig; Ruhestand; in Niendorf (Teterow) verstorben.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Neutsch, Erik

* 21.6.1931 – ✝ 20.8.2013

Geb. in Schönebeck (Elbe); Vater Arbeiter; OS; 1949 FDJ u. SED; 1950 – 53 Journalistikstudium in Leipzig; 1953 – 60 Mitarb. bzw. Kulturred. der Ztg. »Freiheit« (Halle); ab 1960 DSV u. freischaff. in Halle; zeitw. in Industriebetrieben u. in der NVA; 1961 »Bitterfelder Geschichten«; ab 1963 langj. Mitgl. der SED-BL Halle; 1964 NP, 1971 Heinrich-Mann-Preis der AdK; 1974 – 91 AdK; schrieb v. a. Romane u. Erzählungen, auch Essays, Gedichte, Features, Kinderbücher, Drehbücher; sein vieldiskutierter Roman »Spur der Steine« war Vorlage für  Heiner Müllers Drama »Der Bau« u. wurde 1966 verfilmt (R:  Frank Beyer, Verbot nach UA); 1973 erschien der seit 1965 fertiggestellte Roman »Auf der Suche nach Gatt«; 1974 VVO; 1979 Kunstpreis der FDJ; 1981 NP; 1984 Banner der Arbeit. Seit 1990 Mitgl. des VS; Mai 2006 Gründung der unselbst. gemeinnützigen »Erik-Neutsch-Stiftung« in der Rosa-Luxemburg-Stiftung; gest. in Halle. Werke: Die Regengeschichte. 1960; Spur der Steine. 1964; Die Prüfung. 1967; Tage unseres Lebens. 1972; Zwei leere Stühle. 1979; Der Friede im Osten. 1. – 4. Buch 1974 – 1989, 5. Buch 1990 vor der Veröff. zurückgezogen; Fast die Wahrheit. 1979; Claus u. Claudia. 1989; Totschlag. 1994; Der Hirt u. Stockheim kommt: zwei Erzählungen. Berlin 1998; Die Liebe u. der Tod. Gedichte. Halle 1999; Verdämmerung. Kückenshagen 2003; Nach dem großen Aufstand. Ein Matthias-Grünewald-Roman. Leipzig 2003.Commichau, H.: E. N. Leben u. Werk. 1974; Haas, K.-D. (Hrsg.): Wie Spuren im Stein – Das literar. Werk von E. N. Berlin 2007.Herbert Mayer / Bernd-Rainer Barth