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BioLex

In der Kategorie BioLex finden Sie drei biografische Lexika mit über 5500 Personeneinträgen.

 

Das Handbuch "Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945" wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam. Kurzbiografien zu Personen des poltischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 vor. Zudem ist das Onlinlexikon www.dissidenten.eu komplett in dieser  Rubrik recherchierbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Inforamtionen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Mothes, Kurt

* 3.11.1900 – ✝ 12.2.1983

Geb. in Plauen; Vater Ratsbeamter; Volks- u. Oberrealschule, 1918 Kriegsabitur; danach Apothekerlehre u. Apothekenassistent in Plauen; 1921 – 23 Studium der Pharmazie u. Chemie an der Univ. Leipzig, Pharmazeut. St.-Ex.; 1923 – 25 Studium der Chemie, Physiol. u. Pharmakol., 1925 Prom. an der Univ. Leipzig; 1925 – 34 Assistent am Botan. Inst. der Univ. Halle; hier 1928 Habil. für Botanik u. Pharmakognosie; 1927 Approbation als Apotheker; 1935 – 45 ord. Prof. der Univ. Königsberg; 1940 Mitgl. der Leopoldina; 1945 – 49 sowj. Kriegsgefangenschaft. 1949 – 57 Ltr. der Abt. Chem. Physiol. am Inst. für Kulturpflanzenforschung Gatersleben der DAW; zugl. 1950 nebenamtl., 1951 – 62 ord. Prof. u. Dir. des Inst. für Pharmakognosie der MLU Halle; 1951 – 56 kommissar. Ltr. des Pharmazeut. Inst. der MLU; 1953 NP; Ord. Mitgl. der DAW; 1954 – 74 Präs. der Leopoldina (Nachf. von  Otto Schlüter); 1957 – 63 ord. Prof. für Botanik u. 1957 – 66 Dir. der Botan. Anstalten der MLU; 1963 – 66 Lehrstuhl für Biochemie der Pflanzen; 1958 – 67 Dir. des Inst. für Biochemie der Pflanzen der DAW in Halle; u. a. Mitgl. der AdW der UdSSR u. der Royal Society London; 1968 Orden Pour le Mérite für Wiss. u. Künste; gest. in Ribnitz-Damgarten. 1960 – 75 Ehrendoktortitel der Univ. Halle-Wittenberg, Kiel, Wien, Szeged u. Greifswald. Arbeitsgebiete: Physiol. des Eiweißstoffwechsels u. seine Regulation; Stoffwechsel des Stickstoffs u. seiner Verbindungen; Biochemie sekundärer Pflanzenstoffe, insbes. d. Alkaloide; experiment. Ökol. (Waldforsch.); Biochemie u. Pharmakol. von Arzneimitteln aus Pflanzen.Schriftenverz. K. M. (zusammengestellt von W. Heese u. B. Parthier). In: Biochem. Physiol. Pflanzen (1983) 178; Fs. Präs. der Leopoldina: K. M. zum 3.11.1980. Biogr. Halle 1980.Michael Kaasch

Wer war wer in DDR

Mucchi-Wiegmann, Jenny

* 1.12.1895 – ✝ 2.7.1969

Geb. in Berlin; 1917 Studium an der Levin-Funcke-Schule in Berlin bei A. Kraus u. L. Corinth, 1918 Studien in München, 1917 – 23 Studium an der HS für Bildende Künste Berlin bei H. Peratoner; 1924 – 25 Aufenthalt in Rom; 1926 – 27 in Hagen (Westf.); 1927 – 30 freischaff. in Berlin; 1927 – 28 Reise nach Spanien u. Italien; 1931 – 33 Aufenthalt in Paris; 1932 Ausstellung in der Galerie Bonaparte; 1933 in Paris Heirat mit  Gabriele Mucchi; Übersiedl. nach Mailand, dort Freundschaft mit Renato Guttuso, Giacomo Manzu u. Marino Marini; 1934 Teiln. an der Biennale in Venedig; 1937 Goldmedaille auf der Weltausstellung in Paris; 1938 Ausstellung in der Galleria Genoveva, Genua; 1943 – 45 im antifa. Widerstand; nach 1944 Mitgl. der Gruppe »Realismo«. 1949 Ausstellung in Mailand, Galleria Boronuovo; Reise nach Berlin; ab 1956 abwechselnd in Berlin u. Mailand lebend; 1958 Bronzeplastik »Verhör in Algerien«, 1959 Denkmal der gefallenen Partisanen in Bologna; 1962 Ausstellung in der Nationalgalerie Berlin; gest. in Berlin.Kat. J. M.-W. Staatl. Museen zu Berlin, Nationalgalerie, Berlin 1970; Grada, R. de: Genni. J. M.-W. Milano 1980; Feist, U.: Künstlerinnen in der DDR – die Generation der Anfänge. In: Kunstdokumentation SBZ / DDR. Hrsg. G. Feist u. a. Köln 1996.Anke Scharnhorst

Wer war wer in DDR

Mucks, Werner

* 17.11.1919 – ✝ 9.4.2003

Geb. in Berlin; Vater Polsterer; Ausbildung zum Tapezierer u. Dekorateur; Besuch der Kunstgewerbeschule; 1939 – 45 Kriegsdienst. 1945 – 48 Internierung durch die sowj. Besatzungsmacht; ab 1949 Mitarb. im väterl. Handwerksbetrieb in Petershagen (b. Berlin); ab 1952 industrielle Herstellung von Polstermöbeln; ab 1956 mit staatl. Beteiligung, Ausbau des Unternehmens zum Exportbetrieb mit rund 200 Beschäftigten, Lieferung insbes. in die Bundesrep. Dtl. u. nach Schweden; nach der Enteignung 1972 – 85 Dir. des nunmehr staatl. Betriebs; April 1990 Reprivatisierung, danach Inhaber u. Ltr. der W. M. GmbH u. Co. KG Polstermöbel Petershagen; stellv. Vors. des Unternehmerverb. Berlin.Jan Wielgohs

Wer war wer in DDR

Mühlmann, Manfred

* 26.12.1931 – ✝ 4.6.2014

Geb. in Leipzig; Vater Arbeiter; OS, Abitur; 1946 FDJ u. FDGB; 1950 Transportarb.; 1950 NDPD; 1950 – 54 Jura-Studium an der Univ. Leipzig, Dipl.-Jur.; danach bis 1968 Lehrtätigkeit in Sozial-, Zivil- u. Zivilprozeßrecht an der Jurist. Fak. der KMU Leipzig; 1961 Dr. jur. in Zivilprozeßrecht; 1966 Dr. sc.; seit 1968 ord. Prof. für Zivilrecht; 1969 – 75 stellv. Dir. für Forschung der Sekt. Rechtswiss. an der KMU Leipzig; 1965 – 71 Vors. des Krs.-Verb. Leipzig, 1967 – 90 Mitgl. des Hauptaussch. der NDPD, 1982 – 90 seines Präs.; ab 1970 Vizepräs. des NR der NF; 1974, 1979 u. 1986 VVO; 1976 – März 1990 Abg. der Volkskammer; 1976 – 86 Mitgl., seit 1986 1. Stellv. Vors. des Verfassungs- u. Rechtsaussch.; 1986 VVO; 13.11.1989 erfolglose Kandidatur bei der Wahl des Präsidenten der Volkskammer; 17.11.1989 – 3.4.1990 stellv. Vors. des Staatsrats; danach wieder kurzz. Lehrtätigkeit an der KMU, gest. in Leipzig.Die Erziehungsaufgaben im Zivilprozeß u. die Rolle der gerichtl. Entscheidungen. Berlin 1962; Konfliktursachen u. Aufgaben der Zivil- u. Familienrechtspflege. Berlin 1969 (zus. mit H. Kietz); Soz. Lebensweise u. persönl. Eigentum. Berlin 1978; Einführung in das BGB. München 1991 (Mithrsg.).Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Müller, Herbert

* 13.9.1900 – ✝ 24.11.1994

Geboren am 13. September 1900 in Ludwigshafen/Rhein, Sohn eines Maurers und Sozialdemokraten; lernte Schriftsetzer. 1917 Vorsitzender der sozialistischen Jugend in Ludwigshafen und Mitbegründer der Freien Sozialistischen Jugend (später kommunistische Jugend) in der Pfalz. 1919 Mitglied der KPD, 1924 Parteivorsitzender der KPD in Ludwigshafen und Mitglied der BL Pfalz. 1924 (nach der Verhaftung Max Frenzels) einer der Leiter der anti-separatistischen Bewegung. Bis 1928 ehrenamtlicher Gewerkschaftsleiter der BL Pfalz, Herbert Müller war während der Auseinandersetzungen in diesem ultralinken Bezirk führender ZK-Anhänger. 1928 in den Bayerischen Landtag und den Ludwigshafener Stadtrat gewählt, ab 1929 als Orgleiter des Bezirks Pfalz hauptamtlicher Funktionär der KPD. Er blieb bis zur Zusammenlegung der Bezirke Baden und Pfalz (1931) Orgleiter der Pfalz, Landtagsabgeordneter bis 1933, ebenso bis 1933 Sekretär der KPD. Dann leitete er zusammen mit Franz Doll die illegale Arbeit der KPD im Bezirk Baden-Pfalz. Im Mai 1933 verhaftet, kam er für 23 Monate ins KZ Dachau. Nach der Freilassung im April 1935 arbeitete er wieder illegal und sollte erneut verhaftet werden. Müller floh ins Exil nach Frankreich, kämpfte während des Bürgerkriegs in Spanien. Als Kaderoffizier der Internationalen Brigaden und Stellvertreter Franz Dahlems an der Front verantwortlich für die deutschen, englischen, skandinavischen und österreichischen Einheiten, zuletzt im Range eines Hauptmannes, zugleich Parteisekretär. 1939 Flucht nach Frankreich, dort zum Spengler und Installateur umgeschult. Bei Kriegsausbruch interniert, entkam Herbert Müller 1940 nach Südfrankreich, lebte illegal in Toulouse und war in Frankreich verantwortlicher KP-Funktionär. Im August 1945 kehrte er nach Deutschland zurück und wurde Vorsitzender des KPD-Bezirks Pfalz bzw. bis 1948 Landesleiter der KPD Rheinland-Pfalz. Müller gehörte vom November 1946 bis April 1947 der Beratenden Landesversammlung Rheinland-Pfalz und von der 1. bis 6. Wahlperiode dem Landtag von Rheinland-Pfalz an, dort von Mai 1947 bis Januar 1949 Fraktionsvorsitzender der KPD. Im September 1949 verließ er die KPD, trat zur SPD über. Er erklärte: »Meine Hoffnung, eine Partei mitzuentwickeln, in der der Mensch zur Geltung kommt, in der der Wille der Mitgliedschaft oberstes Gesetz ist, hat sich nicht verwirklicht. Die Kommunistische Partei fällt von einem Extrem ins andere.« Daraufhin verfemte ihn die KPD-Leitung als »titoistischen Agenten«, unter dessen »zersetzende Tätigkeit« ein »Schlußstrich« gezogen werde. Müller wurde Schriftleiter und Lizenzträger der »Rheinpfalz«, Geschäftsführer beim Rheinverlag, und leitete von 1950 bis 1966 als Geschäftsführer den SPD-Unterbezirk Ludwigshafen. Er war bis 1971 Abgeordneter im Rheinland-Pfälzischen Landtag und Stadtrat in Ludwigshafen. Nach seinem Ausscheiden 1965 wurde er mit dem Großen Bundesverdienstkreuz, 1969 mit dem Ehrenring der Stadt Ludwigshafen geehrt, die ihm 1983 auch noch die Ehrenbürgerschaft verlieh. Herbert Müller starb am 24. November 1994 in Ludwigshafen/Rhein.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Müller, Peter

* 24.10.1879 – ✝ 22.6.1963

Geboren am 24. Oktober 1879 in Gemmingen/ Baden; Verwaltungsangestellter. 1918 Mitglied der USPD, stellvertretender Vorsitzender in der Pfalz und Führer der Parteilinken, 1920 Stadtratsmitglied in Ludwigshafen/Rhein. Nach der Vereinigung mit der KPD Vorsitzender der kommunistischen Stadtratsfraktion sowie Organisationssekretär der pfälzischen VKPD. Im August 1921 Delegierter des VII. KPD-Parteitages in Jena und als Ersatzmitglied des ZA für den Bezirk Pfalz gewählt. 1922 als Organisationssekretär abgelöst, 1924 wurde er erneut Mitglied des Stadtrates sowie erneut Fraktionsvorsitzender der KPD. Müller trat 1925 zur SPD-Fraktion über, der er bis zum Ende der Wahlperiode 1929 angehörte. 1945 wieder Mitglied der KPD, Kandidat auf dem aussichtslosen 45. Platz zum Stadtrat Ludwigshafen/Rh. Er trat dann politisch nicht mehr hervor. Peter Müller starb am 22.Juni 1963 in Ludwigshafen.

Wer war wer in DDR

Müller, Alfred

* 4.7.1926 – ✝ 2.12.2010

Geb. in Berlin; Vater Hilfsarb. u. Taxifahrer; 1940 – 43 Lehre als Mechaniker; Kriegsdienst u. franz. Gefangenschaft. 1949 – 52 Musikstudium; 1952 – 55 Studium an der Staatl. Schauspielschule Berlin-Schöneweide; 1955 erstes Engagement am Theater in Senftenberg, Zusammenarb. mit  Horst Schönemann, u. a. 1956 in »Urfaust« u. 1959 in »Herr Puntila u. sein Knecht Matti«; 1959 – 65 u. 1972 – 84 Schauspieler am Maxim-Gorki-Theater in Berlin, u. a. in »Der zerbrochene Krug« (1961), »Reise um die Erde in 80 Tagen« (1962); SED; Vors. der BGL am Gorki-Theater, 1968 Mitgl. im ZV der Gewerkschaft Kunst; seit Anfang der 1970er Jahre Vors. des BV Berlin der Gewerkschaft Kunst; 1960 von Kurt Jung-Alsen für den Film entdeckt, Protagonist in zahlr. Literaturadaptionen u. Krimis bei Jung-Alsen, erlangte besondere Popularität als Kundschafter Hansen im DEFA-Spionagefilm »For Eyes Only« (1963); 1965 – 72 Mitgl. des DEFA-Ensembles, Rollen u. a. in »Solange Leben in mir ist« (1965), in der verbotenen  Bieler-Verfilmung »Das Kaninchen bin ich« (1965); 1969 NP für die Darstellung des Karl Marx in »Mohr u. die Raben von London«; weitere Filmrollen u. a. in »Das Versteck« (1978) u. in den Silvesterschwankgeschichten um das »Ferienheim Bergkristall« (1983 – 89), ab 1977 literar.-musikal. Programme mit  Gisela May; 1987 Revue »Hallo Berlin 7-5-0« mit  Helga Hahnemann im Berliner Friedrichstadtpalast; 1964 Kunstpreis der DDR; VVO; Goethepreis; Kunstpreis des FDGB; 1985 »Fernsehliebling« der Programmztschr. »FF dabei«. Nach 1990 Gastspiele u. a. in Dessau, Hagen u. Dresden, in Berlin am Theater am Kurfürstendamm sowie am Theater des Westens in Musicals wie »Anything Goes« u. »Blue Jeans«; gelegentl. TV-Rollen, u. a. in »Polizeiruf 110« (1994 u. 1997) u. »Das Bernsteinamulett« (2004); gest. in Berlin.Matthias Braun / Christian Krause

Wer war wer in DDR

Müller, Erich

* 7.5.1907 – ✝ 20.1.1992

Geb. in Havelberg; 1921 – 24 Lehre als Glasmaler; 1924 – 42 Tätigkeit in versch. Betrieben, u. a. in der Werkstatt Richard Süßmuth, Penzig (Oberl.); 1946 – 52 Zeichner in der Glashütte Fürstenberg; 1952 – 57 Techn. Zeichner u. Teilkonstrukteur im VEB Eisenhüttenkombinat Ost Eisenhüttenstadt; 1957 – 60 künstler. Mitarb. im Inst. für angewandte Kunst Berlin; hier 1960 – 63 Ltr. der Arbeitsgr. Gefäße, verantw. für Glas u. Keramik; 1963 – 72 wiss. Mitarb. im ZI für Gestaltung Berlin; 1966 – 75 Lehrauftrag für Glasgestaltung an der HS für industrielle Formgestaltung Burg Giebichenstein. U. a. Gestaltung von Hotelgeschirr: Preßglassortiment Europa 1964, Hotelporzellan Rationell u. Wirtegläser 1970 (zus. mit  Margarete Jahny) sowie freie Glasgestaltung.Gerd Dietrich

Wer war wer in DDR

Müller, Fritz

* 7.1.1919

Geb. in Salzheim (Krs. Sensburg, Ostpr. / Polen); Vater Landarb.; Volksschule; Ausbildung zum Elektroschweißer; 1934 – 39 Landarb. in Salzheim; 1938/39 RAD; 1939 – 45 Wehrdienst, Uffz.; 1945 Kriegsgefangenschaft in Polen u. UdSSR. Rückkehr nach Dtl.; 1946 – 48 Elektroschweißer in Weimar; 1947 KPS; 1948 LPS; 1949 – 51 Schulltr. MAS-Landesschule bzw. der Vereinigung Volkseigener Güter (VVEG) Thür. in Bad Frankenhausen; 1951 Gebietsltr. VVEG in Erfurt; 1953 – 55 u. 1958 – 62 Sekr. der SED-BL Erfurt (Nachf. von  Paul Roscher); 1958 – 62 Abg. des Bez.-Tags Erfurt; 1955 – 58 PHS, Dipl.-Ges.-Wiss.; 1962 – 81 Vors. des ZV der IG Land u. Forst bzw. IG Land, Nahrungsgüter u. Forst (Nachf. von Karl Svihalek); 1962 – 77 Mitgl. des FDGB-Bundesvorst., 1963 – 68 auch seines Sekr. sowie bis 1977 seines Präs.; 1963 – 81 Kand. des ZK der SED; 1972 Mitgl. des Rats für landw. Prod. u. Nahrungsgüterwirtschaft; 1965 u. 1969 VVO; 1979 Fritz-Heckert-Medaille; Ruhestand.Siegfried Kuntsche / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Müller, Gerhard

* 4.2.1928

Geb. in Chemnitz; Vater u Stiefvater Arbeiter, Mutter Kaffeeköchin; 1934 – 41 Volksschule in Bad Brambach; 1942 – 44 HJ, Oberkameradschaftsführer; kommis. Gefolgschaftsführer; 1942 Handelsschule in Oelsnitz (Vogtl.); 1942 – 45 Lehrerbildungsanstalt in Auerbach (Vogtl.), ohne Abschl.; 1945 RAD, Arbeitsmann; Landarb. in Landwüst (Vogtl.). 1946 SPD/SED; 1946 Neulehrerausbildung in Bad Elster; 1946 – 48 Neulehrer; 1948 – 50 Schulltr. in Breitenfeld (Vogtl.); 1950 KPS in Schilbach; 1950 – 52 Krs.-Ausbildungsltr. u. stellv. Krs.-Schulrat, 1952/53 Krs.-Schulrat beim Rat des Krs. Oelsnitz; 1953 – 55 PHS, Dipl.-Ges.-Wiss.; 1955 – 65 Sekr. für Kultur u. Erziehung der SED-BL Neubrandenb. (Nachf. von Walter Genz), anschl. Ltr. der Abt. Schulen, Fach- u. Hochschulen; 1964 – 66 Fernstudium an der FS für Landw. in Tollenseheim, staatl. gepr. Landwirt; 1965 – 74 1. Sekr. der KL Neubrandenb. u. Mitgl. des Sekr. der SED-BL Neubrandenb. (Nachf. von  Hans Gerlach); dort 1974 – 80 2. Sekr. (Nachf. von Gerhard Zettler); 1980 – 11.11.1989 1. Sekr. der SED-BL Erfurt (Nachf. von  Alois Bräutigam); 1981 – 3.12.1989 Mitgl. des ZK der SED; 1981 – 16.11.1989 Abg. der Volkskammer; 1985 – 8.11.1989 Kand. des PB des ZK der SED; 1978 VVO; 1984 KMO; 1988 Held der Arbeit; 3.12.1989 aus der SED ausgeschl.; 1.6.1990 Anklage wegen »mehrf. Vertrauensmißbrauchs, Anstiftung zu Untreue u. Diebstahl«, zehn Mon. U-Haft. 20.2.1992 zu acht Mon. Freiheitsstrafe verurteilt, durch U-Haft abgegolten; Mitgl. der DKP; lebt in Neubrandenburg.Mestrup, H.: »Wir können ja offen reden ?« Erfurt 1997.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Müller, Gustav Alfred

* 7.12.1895 – ✝ 20.3.1978

Geb. u. aufgewachsen in Dresden; Lehre u. Arbeit als Lithograph; Soldat im 1. Weltkrieg; 1914/15 u. 1919 – 27 Studium an der Kunstgewerbeschule u. der Akad. der Bildenden Künste in Dresden, u. a. bei Otto Dix; Gründer der »Gruppe 30«, einer Abspaltung von der »Asso«, ab 1932 in der »Dresdner Sezession«; trat in Anlehnung an Dix mit einem Antikriegs-Triptychon (»Selbstzerfleischung«) u. eigenständig mit sozialkrit. Gemälden u. Zeichnungen hervor (Fabrik- u. Stadtlandschaften, Milieu-Studien, Porträts, heimatl. Motive); 1932 Übersiedlung nach Löbau; 1941 Arbeits- u. Ausstellungsverbot; 1939 – 45 dienstverpflichtet als Munitionsarbeiter. 1945 Mitgl. des KB u. Mitbegr. der Gewerkschaft Kunst sowie des VBK; bald weitgehender Rückzug aus dem öffentl. Leben, zeitw. Kunsterzieher, zunächst im Schulwesen, danach in Volkskunstzirkeln, ab 1962 freischaffend. Nach seinem Tod in Löbau Wiederentdeckung u. zahlr. Ausstellungen, u. a. Leipzig 1979, Liberec 1979, Frankfurt (Oder) 1980, Berlin 1981, Dresden 1982 u. 2000, Magdeburg 1983, Löbau 1979, 1985 u. 1995.Blank, G.: Der wiederentdeckte Maler G. A. M. In: NBI (1981) 37; Dreißiger, Chr.-M.: Lange aus den Augen – aber nicht vergessen: zum 85. Geburtstag des proletar. Malers G. A. M. In: Neues Dtl. 6./7. 12. 1980; Kober, K. M., Olbrich, H.: G. A. M. – Malerei, Aquarelle, Zeichnungen, Lithographien. Leipzig 1979.Günter Dörfel

Wer war wer in DDR

Müller, Heinrich

* 18.2.1916 – ✝ 22.5.1973

Geb. in Berlin; Vater Mechaniker; Grund- u. Oberschule; 1929 ATSB; 1932 Lehre als Werkzeugmacher; 1933 – 38 Studium an der FS für Maschinenbau, Abschl. als Werkzeugmacher; 1938 – 45 Teilkonstrukteur, Werkzeugkonstrukteur im Werkzeugkonstruktionsbüro Gema in Berlin-Köpenick. 1945/46 KPD/SED; 1945 – 50 Transportarb., Werkzeugkonstrukteur, Betriebs- u. Werkltr. im Werk für Fernmeldewesen Berlin-Oberschöneweide; 1951 Studium an der LPS der SED; 1952 Instrukteur bzw. Ltr. der Abt. Wirtschaft in der SED-KL Berlin-Köpenick; 1952 – 55 Werkltr. des VEB Berliner Glühlampenwerk (BGW); 1955 – 57 Ltr. der Abt. Maschinenbau des ZK der SED; 1957/58 Sektorltr.; 1958 – 60 Mitarb. der Arbeitsgr. Ökonomik bei der Wirtschaftskommission des PB des ZK der SED; 1960/61 Techn. Ltr. des VEB Schnitt- u. Formenbau; 1961 – 64 erneut Werkltr. des BGW; 1964 – 73 Dir. des VEB Schnitt- u. Formenbau im Kombinat Elektroapparatewerke (EAW) Berlin; gest. in Berlin.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Mottek, Hans

* 26.10.1910 – ✝ 24.10.1993

Geb. in Posen (Poznán, Polen); 1929 – 32 Studium der Rechtswiss. an den Univ. Freiburg u. Berlin; 1932/33 Referendar am Amtsgericht Bernau (b. Berlin); 1933 Emigr. nach Palästina; 1935 KPD; 1936 – 46 Großbritannien; während der Emigr. tätig als Land- u. Bauarb.; nach 1939 zeitw. interniert; Mitbegr. der FDJ. 1946 Jurist in der ZV für Arbeit u. Sozialfürsorge Berlin; 1947 Aspirantur an der Univ. Berlin; 1950 Prom. mit einer Studie über die preuß. Eisenbahnverstaatlichung von 1879; 1950 Lehrauftrag für Wirtschaftsgeschichte an der PH Groß-Berlin; begründete im gleichen Jahr das Seminar für Wirtschaftsgeschichte an der HfÖ Berlin; 1951 Doz., 1952 ord. Prof., 1952 – 75 Dir. des Inst. für Wirtschaftsgeschichte an der HfÖ Berlin; 1954 Prorektor für Forschungsangelegenh.; Dekan der Volkswirtschaftl. Fak.; 1960 – 65 Prorektor für wiss. Nachwuchs; 1968 NP; 1969 Korr. Mitgl. der DAW; 1970 Dr. h. c. der HfÖ Berlin; 1971 Ord. Mitgl. der DAW; 1971 – 74 Ltr. der Kommission für Umweltforschung bei der AdW; 1975 em.; 1975 VVO; gest. in Berlin. H. M. war einer der bekanntesten Wirtschaftshist. der DDR, seine dreibändige »Wirtschaftsgeschichte Dtl.« gilt internat. gleichermaßen als marxist. Klassiker u. Handbuch.Wirtschaftsgeschichte Dtl. 3 Bde. Berlin 1957, 1967, 1974; Zu den Entwicklungsgesetzmäßigkeiten des kap. Geldsystems. Berlin 1982. Ges. u. Umwelt. Fs. zum 65. Geburtstag. Sitzungsberichte der AdW 1976 (2).Ilko-Sascha Kowalczuk

Wer war wer in DDR

Mucke-Wittbrodt, Helga

* 11.9.1910 – ✝ 4.5.1999

Geb. in Hamburg-Altona; Vater Lehrer u. Reformpädagoge Jens Nydahl; Lyzeum u. Oberlyzeum in Berlin, Abitur; ab 1929 Studium der Med. in Berlin, 1936 med. St.-Ex. u. Prom.; 1929 – 33 SAJ, 1932/33 SPD; 1936 – 45 Volontär-, Hilfs-, Assistenz-, ab 1943 Ober- u. Fachärztin für innere Krankheiten am Urban-Krankenhaus in Berlin; ab Ende der 30er Jahre Kontakte zum kommunist. Widerstand, u. a. Hilfe für Verfolgte durch manipulierte ärztl. Atteste; Heirat mit  Hans Wittbrodt. 1945/46 KPD/SED; 1946 – 48 Stadtverordn.; 1945 – 48 Oberärztin, dann Chefärztin u. Dir. des Städt. Krankenhauses Berlin-Tempelhof, 1948 entlassen; Übersiedl. nach Berlin (Ost); 1948/49 Internistin an der Charité; ab Okt. 1949 Chefärztin bzw. Ärztl. Dir. des Reg.-Krankenhauses; 1950 – 52 Mitgl. der SED-LL von Groß-Berlin; 1950 – 90 Abg. der Volkskammer, DFD-Fraktion; Mitgl. der Ärzte-Kommission beim PB des ZK der SED; 1959 Ernennung zum Prof.; 1971 – 76 stellv. Vors. des Aussch. für Gesundheitswesen; 1959 Prof.; 1970 VVO; 1975 KMO; 1985 Dr. h. c.; 1990 PDS; gest. in Berlin.Peter Nötzold / Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Mueller-Stahl, Armin

* 17.12.1930

Geb. in Tilsit (Ostpr. / Sowjetsk, Rußland); Vater Bankbeamter; Violinstudium am Städt. Konservatorium in Berlin, 1949 Examen als Musiklehrer; abgebrochenes Schauspielstudium; 1952 Engagement am Berliner »Theater am Schiffbauerdamm«; 1954 – 79 Volksbühne, Rollen in klass. Bühnenstücken, u. a. in: »Romeo u. Julia« (Mercurio), »Don Carlos« (Marquis Posa), »Emilia Galotti« (Prinz); Filmdebüt 1956 mit »Heiml. Ehen« (R:  Gustav von Wangenheim); weitere Rollen in DEFA-Filmen u. a.: 1960 in dem Abenteuerfilm (TV) »Flucht aus der Hölle«, unter der Regie von  Frank Beyer, 1960 in »Fünf Patronenhülsen«, 1962 in »Königskinder« u. 1963 in »Nackt unter Wölfen«; 1963 in »Preludio 11«, 1965 als Wolfgang Pagel in der vierteiligen Hans-Fallada-Verfilmung »Wolf unter Wölfen« (TV, R:  Hans-Joachim Kasprzik), 1966 in »Columbus 64« (TV); 1966 Kunstpreis der DDR; 1967 in »Ein Lord am Alexanderplatz« (R:  Günter Reisch), 1968 in dem fünfteiligen TV-Film »Wege übers Land« (R: Martin Eckermann), 1970 als Hilfs-Sheriff u. Halbbruder des Häuptlings in dem Indianerfilm »Tödlicher Irrtum«, 1972 in »Der Dritte« (R:  Egon Günther) u. »Januskopf«; 1972 NP; 1973 in »Die Hosen des Ritters von Bredow«, 1973 – 76 als Achim Deetjen in der DFF-Agenten-Serie »Das unsichtbare Visier« (R:  Peter Hagen), 1974 in »Jakob der Lügner« nach dem Buch von  Jurek Becker (R: Frank Beyer), 1977 »Die Flucht« (R:  Roland Gräf), 1978 in der TV-Prod. »Geschlossene Gesellschaft« (R: Frank Beyer); Chansonsänger mit eigenen Kompositionen, Maler; 1976 Mitunterz. der Protestresolution gegen die Ausbürgerung  Wolf Biermanns; nachdem attraktive Rollenangebote unterbleiben, verläßt er 1980 die DDR; nach der Übersiedl. Rollen in zahlr. Filmen in der Bundesrep. Dtl. (1981 »Lola«, 1982 »Die Sehnsucht der Veronika Voss«, R: Rainer Werner Fassbinder); 1982 Filmband der Bundesrep. Dtl.; in Österreich u. Ungarn: 1984 »Oberst Redl« (R: István Szabó); in Frankreich u. in den USA: 1989 »Music Box« (R: Costa-Gavras), 1990 »Avalon« (USA, R: Barry Levinson), 1991 »Night on Earth« (R: Jim Jarmusch), 1992 »Kafka« (USA/F), 1993 »Der Kinoerzähler«, 1997/98 »Gespräch mit einer Bestie« (auch Regie), 1999 »Jakob der Lügner« (USA); mehrf. »Oscar«-Nom. mit erfolgr. Hollywood-Filmen; Thomas Mann in »Die Manns – ein Jahrhundertroman« (TV); 2003 »Goldene Henne«; 2006 Ankündigung des Rückzugs aus dem Filmgeschäft; 2007 gestaltete Lithographien für die 30-bändige Brockhaus-Enzyklopädie; 2007 Ehrenpreis des Dt. Filmpreises für sein Lebenswerk; 2008 Bundesverdienstkreuz; lebt an der Ostsee u. in Berlin.A. M.-S., Verordneter Sonntag. Autobiogr. Roman. München 1990; Drehtage. »Music Box« u. »Avalon«. Hrsg. v. F. Duve. München 1991; Unterweges nach Hause. Zürich 1997; Venice. Ein amerikan. Tagebuch. Berlin 2005. Hölzl, G.; Lassoncyk, T.: A. M.-S. – Seine Filme, sein Leben. 1992; Michel, G.: A. M.-S. Die Biogr. Ein intimes Porträt des Charakterdarstellers. München 2000.Monika Kaiser

Wer war wer in DDR

Mühlpfordt, Günter

* 28.7.1921

Geb. in Halle; Vater Kfm.; Grundschule u. Absolvent der Franckeschen Stiftung Halle, 1939 Abitur; 1939 RAD; 1939 – 41 Studium der Geschichte, Vor-, Ur- u. Rechtsgeschichte, Philos., Slawistik u. Germanistik an der Univ. Halle; 1941 Prom. über den böhm.-mähr. Raum in der Zeit Maria Theresias u. Joseph II.; 1941 – 45 Kriegsmarine; kanad. Kriegsgefangenschaft. SPD; ab 1946 SED; 1947 Doz. der VHS Halle; 1947 – 52 Assistent u. 1949 – 52 Lehrbeauftr. an der Univ. Halle; 1950 – 51 Lehrbeauftr. an der HU Berlin; 1951 – 54 kommissar. Dir. des Inst. für osteurop. Geschichte der MLU Halle; 1952 Habil. mit einer Studie über die poln. Krise 1863; 1953 – 54 Doz., 1954 – 58 Prof. mit Lehrauftrag für osteurop. Geschichte u. Wiss.-Geschichte u. Dir. des Inst. für osteurop. Geschichte der MLU Halle; 1957/58 Fachrichtungsltr. für Geschichte; begründete 1956 das »Jb. für Geschichte Ost- u. Mitteleuropas«; ab 1957 massive Vorwürfe u. Kampagnen wegen sog. »Objektivismus u. Revisionismus«, im April 1958 auf Anweisung  Walter Ulbrichts Abberufung aus allen Univ.-Ämtern, Ausschl. aus der SED u. Lehrverbot; 1962 fristlose Entlassung; bis 1983 Berufsverbot; während dieser Zeit erhielt er zeitw. Forschungsaufträge u. war als Privatgelehrter tätig, gleichz. profilierte er sich – trotz zeitw. Publikationsverbots u. des Verbots, selbständige Schriften in der DDR zu veröffentlichen – zu einem der produktivsten Historiker in der DDR; G. M.s Hauptforschungsgebiete sind die Aufklärung u. Reformation, die Universitäts-, Akad.- u. Sozietätsgeschichte; er publizierte über die Geschichte der Geschichtswissenschaft, die Ideen-, Philos.-, Med.- u. Astronomiegeschichte; weiterhin legte er Arbeiten über die dt.-russ. Beziehungen u. über ost- u. südosteurop. Geschichte vor; schließlich hat er auch als Slawist, Germanist, Gräzist, Byzantinist, als Begriffs- u. Namenforscher sowie als Demograph publiziert; 1983 – 90 Forschungsauftrag bei der Forschungsstelle Akad.-Geschichte des ZI für Geschichte der AdW; 1986 Mitgl. der Hist. Kommission der Sächs. AdW u. 1990 Ausw. Mitgl. der Erfurter Wissenschaftsakad.; 1990 wurde G. M. von der MLU Halle rehabil. u. als ord. Prof. em.Europa in der Frühen Neuzeit. Fs. für G. M. 6 Bde. Köln 1997 – 2000 (mit Bibl.). Herzberg, G.: Anpassung u. Aufbegehren. Berlin 2006.Ilko-Sascha Kowalczuk

Handbuch Deutsche Kommunisten

Müller, Johannes (Hans)

* 14.7.1912 – ✝ 7.1.1987

(* 1912 – † 1987) Geboren am 14. Juli 1912 in Leipzig, Sohn eines Bäckers; lernte Buchdrucker. 1927 Mitglied des KJVD, 1931 der KPD, ab 1932 Mitglied des Sekretariats der KJVD-BL Sachsen, zuletzt Bezirkskassierer. Von August bis Dezember 1933 »Schutzhaft« im KZ Colditz. Nach Freilassung illegale Arbeit, 1934 Emigration in die âSR, Grenzkurier, ab Januar 1937 Instrukteur des ZK. Er kam im Dezember 1937 nach Frankreich, dort im Juli 1938 festgenommen und zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Im Januar 1939 ging er nach Malmö, als Mitarbeiter der AL Mitte unternahm Müller Kurierfahrten nach Deutschland, zuletzt nach Hamburg. Hier bei der Ankunft am 22. Juli 1940 festgenommen, im August 1941 durch den VGH zu lebenslanger Haft verurteilt, saß bis 1943 in den Zuchthäusern Brandenburg und Waldheim, anschließend im KZ Mauthausen. 1945/46 Sekretär des KPD-UB Leipzig, später bis 1952 Abteilungsleiter im DDR-Ministerium für Leichtindustrie bzw. im Innenministerium. Von 1952 bis 1981 Sektorenleiter des ZK der SED, Mitglied im Internationalen Mauthausen-Komitee und ab 1970 Vorsitzender der Lagerarbeitsgemeinschaft Mauthausen. Er erhielt 1982 die Ehrenspange zum VVO in Gold. Johannes Müller starb am 7. Januar 1987 in Ost-Berlin.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Müller, Richard

* 9.12.1880 – ✝ 11.5.1943

Geboren am 9. Dezember 1880 in Weira/Sachsen-Weimar, Sohn eines Land- und Gastwirts; Dreher. Seit 1906 Mitglied des DMV und der SPD, zunächst in Hannover tätig, dann in Berlin und seit 1915 Branchenleiter der Dreher im Berliner Metallarbeiterverband. Müller ging 1917 zur USPD und wurde einer der bekanntesten Führer der innergewerkschaftlichen Opposition und Mitorganisator der Berliner Revolutionären Obleute und der Rätebewegung. Ab Januar 1918 Vorsitzender des Berliner Arbeiterrates. Im April 1917 sowie von Januar bis Oktober 1918 zum Militärdienst einberufen. Vom 10. November 1918 bis Ende 1919 war er Vorsitzender des Berliner Vollzugsrates der Arbeiter- und Soldatenräte, Delegierter des 1. und 2. Reichsrätekongresses und dort stellvertretender Vorsitzender. 1919 gehörte Müller zu der USPD-dominierten neuen DMV-Führung. Er war Schriftleiter des Gewerkschaftsorgans »Metallarbeiterzeitung« mit Sitz in Stuttgart. Von dieser Funktion trat er im Juni 1920 zurück, ging Ende 1920 mit der linken USPD zur KPD und blieb bis März 1921 Leiter der Reichsgewerkschaftsabteilung in der Zentrale der KPD. Im Juli 1921 reiste er als Mitglied der deutschen Delegation zum RGI-Gründungskongreß nach Moskau, wurde nach einer Kampfabstimmung Mitglied des RGI-Zentralrates. Im Zusammenhang mit der Parteikrise 1922 Parteiausschluß, zunächst Mitarbeit in der von Paul Levi geführten KAG. Er war später parteilos, arbeitete zeitweise in der sowjetischen Handelsvertretung. 1924/25 veröffentlichte Müller im KPD-nahen »Neuen Deutschen Verlag« seine dreibändige Geschichte der deutschen Revolution (»Vom Kaiserreich zur Republik«, »Die Novemberrevolution« und »Der Bürgerkrieg in Deutschland«). In den zwanziger Jahren war er Teilhaber und Geschäftsführer der Phöbus-Bau GmbH, einer Immobilienfirma. Anfang 1930 soll er laut einem Zeitungsbericht der NSDAP-Zeitung »Der Angriff« in einen Skandal verwikkelt gewesen sein: Angeblich habe er mehrere Häuser mit über 300 Wohnungen besessen und seinen Mietern überhöhte Kautionen und dubiose Auskunftsgebühren abgenommen. Richard Müller blieb nach 1933 in Deutschland und starb am 11. Mai 1943 in Berlin. Ralf Hoffrogge veröffentlicht 2008 eine biographische Arbeit über Richard Müller.

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Müller, Anna-Maria

* 23.2.1949

Geb. in Schnepfenthal (Krs. Gotha, Thür.); erst Leichtathletin, dann Rennschlittensportlerin beim SG Friedrichroda; ab 1967 Mitgl. des SC Traktor Oberwiesenthal; Spezialdisz.: Damen-Einsitzer (Trainer: Walter Jentzsch); 1968 Olymp. Spiele: wie  Ortrun Enderlein disqualifiziert wegen angebl. angeheizter Kufen; 1969 bei den Weltmeisterschaften: 2. Platz; 1970 EM; 1970 Abitur; 1970 – 75 Studium der Pharmazie an der KMU Leipzig; 1972 Olymp. Spiele: Siegerin; seit 1982 Apothekerin in Berlin.Olaf W. Reimann

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Müller, Erich

* 4.10.1921 – ✝ 16.2.1996

Geb. in Massanei (b. Döbeln, Sachsen); Vater Maschinenschlosser, Mutter Näherin; nach Besuch der Volksschule Schlosserlehre; 1940 NSDAP; Kriegsdienst bei der Luftwaffe, Mai – Dez. 1945 Internierung in Nordnorwegen u. amerik. Kriegsgefangenschaft in Darmstadt. 1946 – 49 Gelegenheitsarb. u. Schlosser am Forschungsinst. für chem. Technologie in Meinzberg (b. Waldheim); 1949 SED; 1949/50 Vors. des Ortsvorst. der IG Chemie Döbeln; 1950 Instrukteur des ZV der IG Chemie; 1951/ 52 Vorstandsmitgl. u. stellv. Org.-Ltr. beim ZV der IG Chemie; 1952/53 Ref. des Vors. des ZV der IG Chemie; 1953 – 55 Org.-Ltr. u. Sekr. des ZV der IG Chemie; 1955 – 58 Studium an der PHS, Dipl.-Ges.-Wiss.; 1958 – 63 Sekr. für chem. Industrie der SED-BL Halle; 1961 VVO; 1963 – 68 Vors. des Bez.-Wirtschaftsrats Halle; Abg. des Bez.-Tags Halle; Nov. 1968 – Okt. 1988 GD des VEB Kombinat Leuna-Werke »Walter Ulbricht« – des ersten petrolchem. Großbetriebs u. eines der drei größten Chemiekombinate der DDR; 1969 NP; 1971 VVO; E. M. gehörte zu den dienstältesten Kombinatsdir. in der DDR-Wirtschaftsgeschichte; Juni 1971 Kand., Mai 1976 Mitgl. des ZK der SED; 1974 VVO; 1980 Held der Arbeit; 1981 KMO; 1986 Ehrenspange zum VVO; 1988 Großer Stern der Völkerfreundschaft; April 1988 Dr. oec. h. c. der TH Leuna-Merseburg; gest. in Halle.Hagen Schwärzel / Andreas Herbst

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Müller, Fritz

* 3.12.1920 – ✝ 15.4.2001

Geb. in Forst (Lausitz); Vater Zigarettenmacher; Mittelschule; 1937 – 39 Ausbildung zum Kfm.; 1938 NSDAP; 1939 – 45 Wehrmacht, zul. Fw.; Mai 1945 – Dez. 1947 sowj. Kriegsgefangenschaft, Antifazirkel, Lager Nishni Tagil, Arbeit im Bergbau. Ende Dez. 1947 Rückkehr nach Dtl.; Febr. – Okt. 1948 Sachbearb. beim Rat des Krs. Forst; 1948 – 50 Abt.-Ltr. Planung beim Rat des Krs. Forst; 1950/51 Abt.-Ltr. Planung beim Rat des Krs. Frankfurt (Oder); 1951/52 Instrukteur für Planung in der Abt. Wirtschaftspol. der SED-LL Brandenb.; Aug. 1952 – Febr. 1953 Ltr. der Abt. Wirtschaftspol. der SED-BL Cottbus; ab März 1953 Studium an der LPS in Ballenstedt; 1954/55 stellv. Schulltr. bzw. Lehrstuhlltr. für Wirtschaftspol. in Ballenstedt; Juni 1955 – 60 Ltr. der Abt. Planung u. Finanzen des ZK (Nachf. von Helmut Sandig); 1959 VVO; ab Mai 1960 – 89 Ltr. der Abt. Kader des ZK (Nachf. von  Heinz Wieland); ab 1963 Kand., 1967 – 89 Mitgl. des ZK der SED; 1969 Banner der Arbeit; 1964 u. 1970 VVO; 1980 Ehrenspange zum VVO; 1981 Banner der Arbeit; 1984 u. 1985 KMO; April 1979 – Nov. 1989 1. Sekr. der ZL der SED-PO im Apparat des ZK (Nachf. von  Kurt Tiedke); 28.11. 1989 Abberufung aus der Funktion des Abt.-Ltr; 10.2.1990 aus der SED/PDS ausgeschl.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

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Müller, Gerhard Kurt

* 1.10.1926

Geb. in Leipzig; 1941 – 43 Lehre als Tiefdruckretuscheur; 1943 – 48 Soldat, französ. Kriegsgefangenschaft. 1948 – 52 Studium an der HS für Grafik u. Buchkunst (HGB) Leipzig bei  Kurt Massloff u.  Elisabeth Voigt; 1953 Aspirantur; 1955 – 68 Ltr. der Fachklasse freie Grafik u. Illustration; Lehrtätigkeit, 1961 Prof., 1964 – 68 Rektor der HGB (Nachf. von  Bernhard Heisig); seitdem freischaffend, 1970 – 72 u. 1976 Gastprof. an der HGB; ab 1970 Ltr. der Holzschnitt-Werkstatt der HGB; 1970 – 72 Vors. des BV Leipzig des VBK; 1964 Kunstpreis der Stadt Leipzig; 1979 NP; 1983 FDGB-Kunstpreis; lebt in Leipzig. Seit 1953 Teiln. an nat. u. internat. Ausstellungen vornehml. mit Arbeiten zur Geschichte der internat. Arbeiterbew., u. a. »Interbrigadisten vor Teruel« (1966/67), »Memento España«, Triptychon (1975), u. »Hamburger Aufstand« (1979/80); Holzstich-Illustrationen u. a. zu Gogol, Weerth,  Brecht, Kleist u. Heine.Beatrice Vierneisel

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Müller, Hanfried

* 4.11.1925 – ✝ 3.3.2009

Geb. in Celle; Vater Richter; nach dem Abitur 1943 – 45 Kriegsteiln.; Gefangenschaft. 1945 – 52 Studium der Theol. an den Univ. Bonn u. Göttingen; 1949 Delegierter zum III. Dt. Volkskongreß, 1950 Gründungsmitgl. der HS-Gruppe der FDJ in Göttingen; Vors. des Komitees junger Friedenskämpfer in Niedersachsen; 1952 Disziplinarverfahren u. Ablehnung des Prüfungsantrags, anschl. Übersiedl. in die DDR u. 1. theolog. Examen bei der Ev. Kirche Berlin-Brandenb.; Aspirantur u. 1956 Prom. an der HU Berlin; ab 1958 Mitarb. im »Weißenseer Arbeitskrs.«, zeitw. in dessen Ltg.; 1963 Mitautor der Sieben Sätze »Von der Freiheit der Kirche zum Dienen«; Mitarb. in der CFK, von 1961 – 68 in ltd. Position; 1959 Doz. u. 1964 Prof. für Systemat. Theol. an der Theolog. Fak. der HU Berlin; Mitgl. der Synoden der Ev. Kirche Berlin-Brandenb. u. der Ev. Kirche der Union; Mitgl. des Friedensrats der DDR; 1969 VVO; 1982 Mitbegr. u. Hrsg. der »Weißenseer Blätter«; 1990 em.; gest. in Berlin. H. M. galt als für die Theologen der DDR nicht repräsentativer u. extremer Vertreter der SED-Interessen in Kirche u. Theol., er propagierte die Auflösung der Kirche im Kommunismus u. griff wiederholt staatskrit. Kirchenvertreter u. opp. Gruppen an; 1954 – 85 teils als GI »Hans Meier« des MfS erf; hat sich zu »partieller Zusammenarbeit« mit dem MfS bekannt; in der Diskussion um die DDR-Geschichte appellierte er an die Träger des SED-Regimes, keine Schuld zu bekennen.Der Christ in Kirche u. Staat. Berlin o. J.; Von der Kirche zur Welt. Leipzig 1961; Ev. Dogmatik im Überblick. Berlin 1978; Bibl. In: Standpunkt (1985) 10. Linke, D.: Theologiestudenten an der Humboldt-Universität Berlin. Neukirchen-Vluyn 1994; Kraft, D. (Hrsg.): Aus Kirche u. Welt. Fs. zum 80. Geburtstag von H. M. Berlin 2005.Ehrhart Neubert

Wer war wer in DDR

Müller, Helmut

* 12.6.1930

Geb. in Reichenberg (ČSR / Liberec, Tschechien); Vater Textilarb.; Besuch der Volks- u. Hauptschule in Kratzau (ČSR); 1944 – 46 Drogistenlehre in Reichenberg. Jan. 1946 Umsiedl. in die SBZ; FDJ; 1946 – 48 Bauarb. in Merkers (Thür.); 1947 SED; 1948/ 49 Sekr. für Junge Pioniere der FDJ-KL Eisenach; April 1948 Lehrgang FDJ-Landeshelferschule der Kindervereinigungen Thür. (Vorläufer der Pionierorg.); 1949/50 stellv. Abt.-Ltr. für Junge Pioniere im Landesvorst. Thür.; Juli 1950 dort Sekr. für Studenten (Nachf. von  Kurt Turba); 1950/51 Sekr. der FDJ-LL Thür.; 1951/52 Besuch der Komsomol-HS in Moskau; 1952 – 55 1. Sekr. der FDJ-BL Gera; Mitgl. der SED-BL Gera u. Abg. des Bez.-Tags; 1954/55 Kand. des Büros der SED-BL Gera; 1955 – 66 Sekr. des ZR der FDJ u. Mitgl. des Büros des ZR der FDJ, dort u. a. Ltr.-Abt. Verbände/Org.-Fragen; ab März 1957 Sekr. für Kader; ab Mai 1959 Agit.-Prop.-Sekr.; 1960 – 62 Fernstudium an der KMU Leipzig; 1958 – 67 Abg. der Volkskammer; 1971 – 76 Berliner Vertreter in der Volkskammer u. Mitgl. des Jugendaussch.; 1966 – 71 Ltr. der Abt. Parteiorgane in der SED-BL Berlin (Nachf. von  Siegfried Lorenz); seit 1971 2. Sekr. der SED-BL Berlin (Nachf. von  Konrad Naumann); seit 1967 Mitgl. der Stadtverordnetenvers. Berlin.; 1975 Kampforden für Verdienste um Volk u. Vaterland; ab 1976 Mitgl. des ZK der SED; 1965 u. 1978 VVO; 1969 u. 1973 Banner der Arbeit; 1980 Stern der Völkerfreundschaft; 1987 Held der Arbeit; Ende Nov. 1989 Rücktritt als 2. Sekr. der BL; dann bis Jan. 1990 Mitarb. der BL; März – Juni 1990 Lagerarb. im HO-Großhandel Schuhe; seit Juli 1990 Vorruhestand. Juni 1991 Austritt aus der PDS; Sept. 1993 Prozeß vor der Zivilstrafkammer des LG Berlin, Anklage wegen »Anstiftung zur Wahlfälschung«, Verurteilung zu einem Jahr Freiheitsentzug auf Bewährung; lebt in Berlin. Wendejahre 1949 – 89. Berlin 1999.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Mrochen, Thomas

* 2.12.1902 – ✝ 2.8.1979

Geb. in Neudorf (Bolko) (Krs. Oppeln, Oberschles./Nowa Wieś Królewska, Polen); Vater Arbeiter; Volksschule; Lehre u. Arbeit als Bau- u. Kunstschlosser; 1922 KPD, versch. Funktionen in Schles.; 1932 Kursant der Internat. Lenin-Schule in Moskau; 1933 – 45 Haft im KZ Sonnenburg u. im Zuchthaus Brandenb. 1945/46 KPD-Funktionär in Thür.; 1946 SED; 1946 – 50 zunächst Ltr. des Arbeits- bzw. Jugendamts; anschl. Krs.-Rat in Meiningen; zeitw. Sekr. des FDGB-Krs.-Vorst. Arnstadt; 1950 Eintritt in die DVP/KVP; Inspekteur der HV A der KVP; Ltr. der PKK der Pol. Verw. der KVP/NVA; 1954 – 56 Kand. der ZPKK der SED; Studium an der Politschule der KVP; 1956 Oberst; März 1956 Abberufung als Kand. der ZPKK; später ltd. Mitarb. des MfNV; 1960 – 62 Ltr. der Pol.-Abt. im Bez.-Kommando der NVA Frankfurt (Oder) bzw. Polit-Offz. im Militärbez. 5 in Neubrandenb.; 1962 Oberst a. D.; 1972 u. 1977 VVO; gest. in Berlin.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Mückenberger, Erich

* 8.6.1910 – ✝ 10.2.1998

Geb. in Chemnitz; Vater Bäcker, Mutter Strumpfformerin, Bruder von  Joachim M.; 1916 – 24 Volks- u. Mittelschule; 1924 – 27 Ausbildung zum Schlosser; 1924 SAJ; 1925 – 33 Jungbanner; 1925/26 Jugendltr. in Chemnitz-Gablenz; 1927/28 Krs.-Jugend-Ltr., 1928 – 33 Gaujugend-Ltr. in Chemnitz; 1927 SPD; 1927/28 Höhere FS für Textilindustrie in Chemnitz; 1927 – 30 Schlosser u. Weber in Chemnitz; 1930 – 33 arbeitslos; 1934 – 42 Schlosser u. Automateneinsteller in Chemnitz; 1933 – 35 illeg. Arbeit in Chemnitz; Aug. 1935 verhaftet, 9.11.1935 – 30.8.1936 KZ Sachsenburg; 20.1.1938 nach mehreren Prozessen von der großen Strafkammer Chemnitz zu zehn Mon. Gefängnis wegen »Hochverrats« verurteilt; Sept. 1942 inhaftiert u. Wehrmacht, Strafbat.; Jan. 1945 verwundet; April – Aug. 1945 engl. Kriegsgefangenschaft. Aug. – Nov. 1945 Arbeiter bei den Wolfsburger Motorenwerken in Hannover; Nov. 1945 Sekr. im Antifa-Block in Chemnitz; Dez. 1945 Sekr. im Büro zur Schaffung der Einheit der Arbeiterkl.; 1946 SED-LPS; 1946 – 48 parität. 1. Krs.-Sekr. Stadtkrs., Mitgl. des Krs.-Vorstands der SED Chemnitz u. Stadtverordn.; 1948 Mitgl. des Dt. Volksrats; 1948 PHS, nach drei Mon. abberufen; 1948/49 parität. 1. Sekr. des SED-LV Sachsen; seit 1949 Mitgl. des Komitees der Antifa. Widerstandskämpfer der DDR, später der ZL u. des Präs.; 1949 – 52 1. Sekr. der SED-LL Thür.; 1950 – 89 Abg. der Volkskammer; 1958 – 63 Mitgl. des Aussch. für Land-, Forst- u. Nahrungsgüterwirtschaft; 1971 – 89 Mitgl. seines Präs., Vors. der SED-Fraktion (Nachf. von  Friedrich Ebert); 1950 – 89 Mitgl. des ZK u. Kand. des PB, seit 1958 Mitgl. des PB; 1952/53 1. Sekr. des SED-BL Erfurt; 1952 – 54 Abg. des Bez.-Tags Erfurt; 1953 – 61 Sekr. des ZK der SED; seit 1956 Mitgl. des Präs. u. des Gen.-Rats der FIR; 1957 VVO; 1960/61 PHS der KPdSU in Moskau; 1961 – 71 1. Sekr. der SED-BL Frankfurt (Oder) (Nachf. von  Eduard Götzl); 1963 – 71 Abg. des Bez.-Tags Frankfurt (Oder); 1963 – 16.11.89 DSF; Mitgl. des Präs., seit 1978 Präs. (Nachf. von  Lothar Bolz); 1970 u. 1985 KMO; 1971 – 89 Vors. der ZPKK des ZK der SED (Nachf. von  Hermann Matern); 1979 Mitgl. des Präs. des NR der NF; 1986 – 89 Mitgl. des Komitees der Interparl. Gruppe der DDR; 8.11.1989 mit dem PB des ZK der SED zurückgetreten u. Jan. 1990 aus der SED/PDS ausgeschl.; Rentner. Nov. 1995 Anklage u. Prozeß vor dem Berliner LG wegen »Totschlags u. Mitverantw. für das Grenzregime der DDR«; im Aug. 1996 wurde das Verfahren gegen ihn wegen Verhandlungsunfähigkeit abgetrennt u. vorläufig eingestellt; gest. in Berlin.Der Jugend jede Unterstützung. Berlin 1952; Die pol. Massenarbeit im Dorf u. die nächsten Aufgaben in der Landw. Berlin 1954; Kommunisten werden im Kampf erzogen. Berlin 1980; Der Menschheit ein Leben in Frieden. Ausgew. Reden u. Aufsätze. Berlin 1985.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Mühe, Ulrich

* 20.6.1953 – ✝ 22.7.2007

Geb. in Grimma; Vater Kürschnermeister; POS, Abitur mit Ausbildung als Baufacharb.; 1975 – 79 Schauspielstudium an der Theater-HS Leipzig; 1979 – 82 Engagement in Karl-Marx-Stadt; 1982 Gastspiel an der Volksbühne Berlin; seit 1983 am Dt. Theater u. den Kammerspielen Berlin; 1984 – 90 in zweiter Ehe verh. mit  Jenny Gröllmann; 1985 Kritikerpreis »Die große Klappe«; 1988 Helene-Weigel-Medaille; Mitinitiator der Demonstration vom 4. Nov. 1989 auf dem Berliner Alexanderplatz. 1990 Dt. Darstellerpreis; nach 1990 u. a. Engagement am Burgtheater Wien; Mitgl. der Abt. Darstellende Kunst der Bayer. Akad. der Schönen Künste; 1991 Gertrud-Eysoldt-Ring der Stadt Rosenheim; 1998 u. 2005 Dt. Fernsehpreis; 2006 Dt. Filmpreis u. Bernhard-Wicki-Filmpreis; Aug. 2006 wurde ihm gerichtl. untersagt, seine ehem. Ehefrau Jenny Gröllmann als IM zu bezeichnen; 2007 Ehrenbürger von Grimma; gest. in Walbeck (Sachsen-Anh.). Haupt- bzw. tragende Rollen u. a. in Henrik Ibsens »Gespenster«, Christian D. Grabbes »Herzog Theodor von Gotland«, Pedro Calderón de la Barcas »Das Leben ein Traum«, William Shakespeares »Der Kaufmann von Venedig«, Johann W. v. Goethes »Egmont«, Gotthold E. Lessings »Philotas«,  Heiner Müllers »Lohndrücker«, William Shakespeare / Heiner Müllers »Hamlet / Hamletmaschine«, Brendan Behans »Die Geisel«; im Film- u. Fernsehen u. a. Johann C. F. Hölderlin in »Hälfte des Lebens« (R:  Christa Kožik, 1984), Hauptrolle in Heinrich v. Kleists »Prinz von Homburg« (TV) u. in »Die Poggenpuhls« (nach Theodor Fontane, TV); 1991 Hauptrolle in »Der kleine Herr Friedemann«; nach 1990 hauptsächl. TV-Filmrollen, u. a. 1986 – 89 »Das Spinnennetz« (R: Bernhard Wicki), 1992 »Stonk«, 1995 »Nikolaikirche« (R.  Frank Beyer), 1997 – 2006 »Der letzte Zeuge« TV-Serie; 2006 Hauptrolle in »Das Leben der Anderen« (R: Florian Henckel v. Donnersmarck, 2007 Oscar für den besten nicht-englischsprachigen Film), für diese Darstellung Dt. Filmpreis 2006, Europ. Filmpreis 2006 u. »Goldene Henne« 2006.Bernd-Rainer Barth

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Mühlpforte, Robert

* 27.3.1911 – ✝ 17.8.1972

Geb. in Halle; Vater Klempner; Volksschule; 1925 – 29 Ausbildung zum Maler, danach im Beruf tätig; 1927 KJVD; 1932/33 Mitgl. der BL des KJVD Halle-Merseburg; 1933 nach illeg. Arbeit verhaftet, 1934/35 KZ Esterwegen; danach erneut illeg. Arbeit; 1937 verhaftet, zweieinhalb Jahre Zuchthaus, dann KZ Dachau; 1944 zum Strafbat. Dirlewanger eingezogen, beim ersten Einsatz im Dez. 1944 zur Roten Armee übergelaufen; Kriegsgefangenschaft bis Sept. 1945. 1945 Rückkehr nach Dtl.; tätig in der KPD-BL Halle-Merseburg; 1946 Mitarb. der SED-LL Sachsen-Anh.; 1950 Eintritt in das MfS; Ltr. der Abt. VI der Landesverw. Sachsen-Anh.; 1952 stellv. Operativ des Ltr. der BV Rostock; 1956 stellv. Ltr. der HA II (Spionageabwehr), MfS Berlin; 1957 Ltr. der HA Kader u. Schulung; 1969 Gen.-Major.Jens Gieseke

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Müller, Oskar

* 25.7.1896 – ✝ 14.1.1970

Geboren am 25. Juli 1896 in Wohlau/Schlesien, Sohn eines Landwirtes; besuchte das humanistische Gymnasium. Im Weltkrieg als Offizier an der Front. Im November 1918 wurde er in den Soldatenrat gewählt, nach dem Weltkrieg Bankangestellter. 1922 Mitglied der KPD; im gleichen Jahr Leiter der Angestelltengewerkschaft in Frankfurt/M. 1924 hauptamtlicher Sekretär der KPD (Gewerkschaftsleitung der BL Hessen), Abgeordneter der KPD im Preußischen Landtag von 1924 bis 1933. 1928 Orgleiter des KPD-Bezirks Hessen, eine Funktion, die Müller mehrere Jahre ausübte. In der Illegalität noch Orgleiter des Bezirks Berlin-Brandenburg, am 22.November 1933 verhaftet und zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt, anschließend kam er bis 1939 ins KZ Sachsenhausen. Von Juni 1939 bis August 1944 Angestellter in der Lederindustrie in Offenbach, dann erneut verhaftet und ins KZ Dachau gebracht, bis zur Befreiung durch die amerikanischen Truppen dort Lagerältester. In einer 1945 einstimmig angenommenen Dankadresse an Oskar Müller hatte das Internationale Lagerkomitee (dem Vertreter aller Nationen angehörten) erklärt: »Wenn in den letzten kritischen Tagen des SS-Regimes alle Kameraden der ernsten Situation entkommen konnten, so ist das zu einem sehr großen Teil Ihr Werk gewesen.« Auch der Pater Johannes Maria Lang bemerkte dazu in seinem Buch: »Christus in Dachau«: »Er [Oskar Müller] ist wirklich der einzige Mann im Lager, der die Ordnung noch retten kann. Er hat auch seinerzeit zwei Brüder aus Nürnberg heimlich aus dem Lager entsandt. Sie sollten die Amerikaner eiliger herbeirufen, zur Rettung des Lagers. Er kannte wie keiner die drohenden Gefahren. Der eine dieser Gesandten, Karl Riemer, erreichte sein Ziel. So wurden wir gerettet, drei Stunden vor der geplanten Niedermetzelung.« 1945 trat Oskar Müller wieder der KPD bei, zog für sie in den Hessischen Landtag und 1949 in den ersten Deutschen Bundestag ein. Von November 1945 bis Mai 1947 Minister für Arbeit und Wohlfahrt in Hessen. Im April 1948 Vorsitzender der KPD in Hessen, jedoch schon 1949 wieder abgesetzt. Dann Mitarbeiter des Parteivorstandes der KPD und bis 1953 Abgeordneter im Bundestag. 1953 kurz verhaftet, war er dann aktiv in der VVN und einer der vier Präsidenten der VVN. Oskar Müller starb am 14.Januar 1970 durch einen Unglücksfall.

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Müller, Wilhelm

* 19.2.1890 – ✝ 28.9.1957

Geboren am 19. Februar 1890 in Alsenborn/ Pfalz; lernte Tischler. Vor 1914 Mitglied der SPD. Im Krieg vier Jahre Soldat, ausgezeichnet mit der goldenen Tapferkeitsmedaille (mit der eine Rente verbunden war). 1918 Übertritt zur USPD, 1919 zur KPD. Für die Partei in Kaiserslautern tätig, aktiv bei der Bekämpfung der Separatisten. Auf dem VIII. Leipziger Parteitag im Januar 1923 als Kandidat in den ZA gewählt. Die französische Militärregierung verurteilte ihn 1923 zu drei Jahren Gefängnis und wies ihn 1924 aus der Pfalz aus. Der populäre Wilhelm Müller gehörte in der KPD zum linken Flügel und zog im Mai 1924 als Abgeordneter in den Reichstag ein; im Dezember nicht wiedergewählt. Ab 1924 hauptamtlicher Parteisekretär in verschiedenen Bezirken, u. a. 1925 in Württemberg. Im April 1926 vom ZK nach Bremen entsandt, Polleiter des Bezirks Nordwest. Müller hatte sich der linken Opposition nicht angeschlossen, sondern war für Ernst Thälmann eingetreten. Im November 1926 verhaftet, angeklagt, den kommunistischen Z-Apparat (Zersetzungsapparat) geleitet zu haben. Er blieb bis Januar 1927 in Haft, mußte dann mangels Beweisen entlassen und 1928 im Prozeß vor dem Reichsgericht freigesprochen werden. Leiter des UB Bielefeld, wo der ultralinke Wilhelm Kötter abgelöst worden war. Anfang der dreißiger Jahre ging Müller wieder nach Kaiserslautern zurück und machte sich als Schreinermeister selbständig. Nach 1933 zunächst nicht verhaftet, wohl weil er Inhaber der goldenen Tapferkeitsmedaille und vor 1933 nicht mehr politisch hervorgetreten war. Er arbeitete als erfolgreicher Tischlermeister, wurde aber 1940 wegen Abhörens ausländischer Sender verwarnt. Seinen Antrag vom 1. Februar 1941 auf Aufnahme in die NSDAP hat das NSDAP-Kreisgericht abgelehnt. Im August 1944 wurde Müller zusammen mit mehreren Kaiserslauterer Antifaschisten verhaftet, aber bald wieder freigelassen. 1945 Mitbegründer der pfälzischen KPD und Mitarbeiter der pfälzischen Bezirksleitung, saß bis 1948 für die Partei auch im Stadtrat Kaiserslautern. Wegen mangelnder Linientreue verlor er seinen früheren Einfluß innerhalb der KPD, schied 1948 aus dem Stadtrat aus, trat politisch nicht mehr hervor, blieb aber bis zum Parteiverbot 1956 Mitglied der KPD. Wilhelm Müller starb am 28.September 1957 in Kaiserslautern.

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Müller, Arno Hermann

* 25.8.1916 – ✝ 11.4.2006

Geb. in Erfurt; Vater Förster; 1936 Abitur an der Oberrealschule in Gotha; 1936 – 38 Wehrdienst; anschl. Studium der Geologie an der FSU Jena; während des Krieges nach Fronteinsätzen u. schweren Verwundungen Fortsetzung des Studiums in Jena, Göttingen u. Halle; 1945 – 47 französ. Kriegsgef. 1948 Prom. an der Univ. Göttingen mit der Dissertation »Stratonomische Untersuchungen im oberen Muschelkalk des Thüringer Bekkens«; 1948 – 50 Ass. im Geolog. Inst. bei  Serge von Bubnoff an der EMAU Greifswald, dort 1950 Habil. mit der Arbeit »Grundlagen der Biostratigraphie« u. ab 1951 Doz. für Allg. Geologie u. Paläontol.; 1957 Prof. mit Lehrauftrag für Paläontol., Allg. u. Histor. Geologie an der FSU Jena; 1958 – 81 Prof. mit Lehrstuhl für Paläontol. an der Bergakad. Freiberg; 1965 Mitgl. der Dt. Akad. der Naturforscher Leopoldina Halle; 1967 Mitgl. der DAW; 1977 NP; 1981 Korr. Mitgl. der Österreich. AdW; 1989 Ehrenmitgl. der Dt. Paläontolog. Gesell. 1992 Verdienstkreuz Erster Klasse des Verdienstordens der Bundesrep. Dtl.; 2003 Ehrensenator der TU Bergakad. Freiberg. Forschungsschwerpunkte: Paläozoologie, Stratigraphie, Evolution, Allgemeine Geologie, Synthese von disziplinärer paläobiolog. Grundlagenforschung u. angew. Geowiss. Forsch.; über 200 Veröff.Diagenetische Untersuchungen in der obersenonen Schreibkreide Rügens. 1951; Großabläufe der Stammesgeschichte: Erscheinungen und Probleme. 1961; Aus Jahrmillionen: Tiere der Vorzeit. 1962; Zur Ichnologie, Taxiologie und Ökologie fossiler Tiere. 1962; Lehrbuch der Paläontologie, 7 Bände (1957 – 94). Jordan, H.-P.: Persönl. Erinnerungen – Prof. Dr. A. H. M. In Freiberger Forschungshefte, Reihe C, 1996; Schneider, W., Eliecki, O.: Aus der Laudatio zur Verleihung der Ehrensenatorenwürde der TU Bergakad. Freiberg an Prof. A. H. M. Freiberg 2003.Martin Guntau

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Müller, Fred

* 8.7.1913 – ✝ 11.10.2001

Geb. in Pawlowsk (Rußland); Vater Kaufmann u. Inh. eines orthopäd. Schuhgeschäfts in St. Petersburg, Mutter Russin; 1914 mit Kriegsbeginn Internierung im Gebiet Kamischlowsk / Ural; 1917 Rückkehr nach Petrograd; 1920 Übersiedl. nach Frankfurt (Main); Volks- u. Oberschule; 1931 Lehre als Orthopädie-Mechaniker; 1932 KPD; ab 1933 illeg. Tätigkeit; 19.6.1935 Verhaftung, 6.11.1935 Verurteilung »wg. Vorbereitung zum Hochverrat«, 2 Jahre Gefängnis in Preungesheim u. KZ Papenburg (»Moorsoldaten«); Mai 1937 Entlassung, Emigr. über Paris nach Spanien; Mitgl. der XI. Internat. Brigade (Polit-Delegierter des Bataillons »12. Februar«); Sommer 1938 Teiln. an der Ebro-Schlacht; Jan. 1939 Rückkehr nach Frankreich, Internierung in der Hospitalsiedl. Clairvivre; 1940 Lager Ilot I; 1941 Auslieferung an Dtl., Verurteilung zu 5 Jahren Zuchthaus, Strafverbüßung in Ludwigsburg (Entschärfung von Blindgängern). 1945 Rückkehr nach Frankfurt (Main); Ltr. der KPD-Org. Riederwald; Vertreter der KPD in der Entnazifizierungskommission für Gesamtdtl.; 1946 Flucht in die SBZ mit V-Männer-Kartei u. Wechsel des Vornamens in »Fred«; 1946 – 48 Aufbau, Ltr. u. Referent der Landesjugendschule der FDJ auf Schloß Semper bei Lietzow (Rügen), in Burg Stargard bzw. Teterow; 1948 Vors. des FDJ-LV Mecklenburg-Vorpommern (Nachf. von  Waldemar Borde); 1949 Politchef der Landesbehörde der DVP in Schwerin; 1949 / 50 Lehrgang an der SED-PHS Kleinmachnow; danach kommissar. Kadersekr. des FDJ-ZR; 31.10. – 15.12.1950 Ltr. der ersten dt. Sportlerdeleg. in die UdSSR; 1951 – 53 Ltr. des Dt. Sportaussch. (Nachf. von  Ernst Horn); 1951 Verantw. für die Akadem. Sommerspiele während der III. Weltfestspiele in Berlin; 1953 – 57 1. Sekr. der BPO der Horch- bzw. Sachsenring-Werke Zwickau; 1957 Stellv. Ltr. der pol. HV der Dt. Grenzpolizei; 1960 – 62 Studium am IfG beim ZK der SED in Berlin, Dr. phil.; 1962 Habil.; 1963 Prof., Lehrstuhl für marx.-len. Ethik an der HU Berlin; 1965 – 67 Berater des kuban. Erziehungsmin. bei der Einführung des gesellschaftspolit. Studiums; 1959 – 67 Präs. des Dt. Sportverb. für Modernen Fünfkampf; 1959 – 67 Mitglied des DTSB-Bundesvorst.; 1967 Dr. rer. oec.; 1967 – 76 Prof. für Histor. Materialismus, zeitw. Prorektor der HU Berlin; 1976 em.; 1959 u. 1965 VVO; gest. in Berlin.Volker Kluge

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Müller, Georg

* 13.10.1917 – ✝ 23.12.2004

Geb. in Budaörs (Ungarn); Vater Maurer; Volksschule in Budaörs; Bürgerschule in Budapest; 1937 Abitur an der Handelsschule Budapest; 1938 – 42 Studium der Agrarwiss. an der Techn. u. Wirtschaftswiss. Univ. Budapest; ab 1942 Pflanzenschutzinspektor im Pflanzenschutzdienst des Landkrs. Budapest; 1943 Militärdienst; 1945 sowj. Kriegsgef. 1947 Umsiedl. nach Sachsen; 1947 – 49 Erfassungsinspektor am Landratsamt Großenhain (Sachsen); 1949 – 50 Ltr. der Abt. Landwirtschaftl. Planung Großenhain; 1950 Ltr. der Abt. für Kartoffelzüchtung in der Zentralen Forschungsanstalt für Pflanzenzüchtung Müncheberg; 1952 Prom. u. 1956 Habil. an der HU Berlin; ab 1954 stellv. Dir. des Inst. für Acker- u. Pflanzenbau Müncheberg; 1958 Prof. u. ab 1961 Dir. des Inst. für Bodenkunde u. Mikrobiol. der KMU Leipzig, 1961 – 63 Dekan der Landwirtschaftl. Fak., 1963 – 67 Rektor der KMU Leipzig (Nachf. von  Georg Mayer); Mitgl. der DAL; 1969 Berufung an die MLU Halle u. Übernahme des Lehrstuhls u. des Instituts für Bodenkunde u. Mikrobiol., Dekan der Fak. Pflanzenprod.; 1982 em.; Leiter der AG Bodenbiologie der DAL, Mitgl. des ZV der Dt. Agrarwiss. Gesell., Ltr. der Sektion Bodenbiologie in der Internat. Bodenkundl. Gesell.; gest. in Leipzig. Arbeitsgebiete: Bodenkunde, Mikrobiologie, Pflanzenschutz, Pflanzenzüchtung; Mithrsg. des Zentralblatts für Bakteriologie, Abt. II.Bodenbiologie. Jena 1965; Bodenkunde. Berlin 1980; Ökologie. Jena 1984 (Hrsg.).Stefanie Müller

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Müller, Gottfried

* 16.8.1934

Geb. in Schweina (Krs. Meiningen); Vater Pfarrer; 1953 Abitur in Eisenach; Studium der ev. Theol. an der KMU Leipzig u. der FSU Jena; 1960 Dipl.-Theologe; 1964 Prom. zum Dr. theol.; 1960 – 72 Pfarrer in versch. Gemeinden der Ev.-Luth. Landeskirche in Thür.; 1972 CDU; zeitw. Mitgl. des Krs.-Vorst. Jena; Vors. der Arbeitsgr. »Christl. Krs.« beim Bez.-Aussch. Erfurt der NF; 1972 – 81 Ltr. der Altenburger Bibelanstalt; 1981 – 90 Chefred. der Kirchenztg. »Glaube u. Heimat«; 1987 – April 1990 Ltr. des Wartburg-Verlags Jena; Mitverf. des »Briefs aus Weimar«; Dez. 1989 – Okt. 1990 stellv. CDU-Vors.; April – Okt. 1990 Minister für Medienpol. Okt. 1990 – Okt. 1994 Landtagspräs. von Thüringen; 1994 – 99 Präs. der Kirchen- u. Klosterkammer in Erfurt; 1999 Ruhestand; Präs. der Vereinigung der ehem. Landtagsabgeordneten; lebt in Jena.Das Feuer brennt. Bericht über Dr. M. Luther. Berlin 1963; Das Rosenwunder. Bilder u. Sagen aus Thür. Berlin 1967; Die Kirchenmaus. Berlin 1988.Helmut Müller-Enbergs

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Müller, Hans

* 4.3.1933

Geb. in Reichenberg (ČSR / Liberec, Tschechien); Vater Kfm.; 1951 Abitur; anschl. bis 1958 Studium der Physik an der FSU Jena, Dipl. bei Wilhelm Schütz; 1958 – 64 Assistent am Inst. für Physikal. Chemie der FSU; 1963 Prom. bei Heinz Dunken (Fak.-Preis); 1964 –69 Oberassistent; 1968 Habil.; 1969 Berufung zum Hochschuldoz. u. 1971 zum ord. Prof. für Theoret. Chemie; 1969 Einführung des Spezialstudiums »Theoret. Chemie« (erstmals in der DDR); 1969 – 90 Ltr. des Wiss.-Bereichs Quantenchemie der FSU; 1971 – 90 als Ltr. der Arbeitsgr. »Fachstudium Theoret. u. Physikal. Chemie« Mitgl. des Wiss. Beirats für Chemie beim MHF; ab 1977 Mitgl. des erweiterten Vorstands der Chem. Ges. der DDR u. Ltr. der Arbeitgr. Quantenchemie; 1985 NP. 1990 – 93 Geschäftsführender u. Gründungsdir. des Inst. für Physikal. Chemie der FSU; ab 1992 dort Prof. für Physikal. Chemie; Mithrsg. der Ztschr. für Physikal. Chemie (Leipzig); langjährige Kooperationsbeziehungen zur Karls-Univ. Prag u. zur Univ. Łódź. Bes. Verdienste um die Koordination der Aktivitäten der Quantenchemiker in der DDR sowie die Begründung der »Arbeitstagungen über Probleme der Quantenchemie« Mitte der 60er Jahre. Forschungsschwerpunkte: Theoret. Chemie/ Quantenchemie (Modellierung, Chemisorption, Elementarschritte heterogener Reaktionen, »Ballon-Effekt«), Clusterverbindungen, hochdisperser Zustand der Materie, analyt. Clustermodelle, period. System d. Metallcluster, Chemie der Metallcluster, Clustermaterie.Hans-Georg Bartel

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Müller, Horst

* 24.11.1933

Geb. in Mühlhausen (Thür.); Vater Angest.; 1949 SED; 1952 Abitur; 1952 – 56 Studium an der HfÖ Berlin, Dipl.-Wirtsch.; 1956 Planungsing. in Böhlen; 1959 Einstellung beim MfS, HVA-Abt. V (Wirtschaftsspionage); 1960/61 Lehrgang an der HVA-Schule; 1971 Versetzung zur HVA-Abt. XIII (Atom-, Kosmosspionage); 1973 HVA-Abt. III (legal abgedeckte Residenturen); 1978 stellv. Ltr., 1981 Ltr. der HVA-Abt. XIV (Elektronikspionage); 1982 Oberst; 1989 zugl. stellv. Ltr. des HVA-Sektors Wissenschaft u. Technik; 1990 Entlassung.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Mucchi, Gabriele

* 25.6.1899 – ✝ 10.5.2002

Geb. in Turin; Vater Kunstmaler; Abitur; 1916 – 23 Bauing.- u. Architekturstudium an der Univ. Bologna; 1917/18 Kriegsdienst; 1924 – 25 Arbeit in einem Bauunternehmen in Rom; ab 1927 im Büro des Malers u. Architekten Gigiotti Zanini in Mailand; 1928 – 30 Aufenthalt in Berlin; 1929 Teiln. an einer Ausstellung der ital. Künstlergr. Novecento in Berlin; 1931 – 34 Aufenthalt in Paris; 1932 gem. mit Jenny Wiegmann Ausstellung in der Galerie Bonaparte, Paris; seit 1933 verh. mit  Jenny Mucchi-Wiegmann; seitdem in Mailand; Wandmalerei im Palazzo dell’ Arte als Auftragsarbeit für die V. Triennale Mailand; sein Atelier wird zum Zentrum der antifa. Gruppe Corrente; Lebensunterhalt durch Wandmalereien, Architektur- u. Designarbeiten; 1942 Einberufung zum Militär, Hptm.; 1943 Partisan, illeg Arbeit für die kommunist. Presse; Mitbegr. der wichtigsten linken ital. Künstlergr. der Nachkriegszeit; Mitbegr. der Ztschr. Realismo; 1948 Einzelausstellung in einer Fabrik in Sesto San Giovanni; 1949 Ausstellung in der Casa della Cultura, dem Sitz der KPI Mailand; KPI; 1948/49 architekton. u. städtebaul. Entwürfe; 1950 – 52 Teiln. an den Biennalen von Venedig; 1955 Ausstellungen in Prag, Bratislava, Amsterdam u. in der AdK in Berlin. 1956 – 61 Lehrtätigkeit an der Kunst-HS Berlin-Weißensee, ord. Prof.; 1958/59 Wandgemälde »Die Holzfäller« (Boscaioli al lavoro) im Einrichtungshaus am Frankfurter Tor in Berlin; 1961 – 63 Lehrtätigkeit am Inst. für Kunsterziehung der EMAU Greifswald; lebt seitdem abwechselnd in Mailand u. Berlin; 1977 Personalausstellung in der Galerie Poll, Berlin (West); 1983 Retrospektive im Alten Museum Berlin; 1984 Dr. h. c. phil. der HU Berlin; gest. in Berlin. Werke: Zeichnungen zu Voltaires Candide, 1933; Französische Partisanin. Gemälde 1943; Fischerbilder. 1950 – 53; Fischerfrauen. 1957 – 59; Bildnis  Fritz Cremer. 1963; Algerische Partisanen. 1959; Ché Guevara. 1968; Illustrationen zu: Hanns Cibulka: Sizilianisches Tagebuch. Halle 1960; Carlo Goldoni: Krach in Chioggia. Berlin 1970; Voltaire: Candide. Leipzig 1972; Erasmus v. Rotterdam: Lob der Torheit. Leipzig 1985.Le occasioni perdute: memorie 1899 – 1993. Milano 1994 (dt.: Verpaßte Gelegenheiten. Ein Künstlerleben in zwei Welten. Berlin 1997). De Grada, R.: G. M. Dresden 1957; Kat. G. M. Altes Museum Berlin 1983; Mucchi, Realismo + Razionalismo. Galerie Poll Berlin 1989; Kat. G. M. Castello Sforzesco Milano 1999.Anke Scharnhorst

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Mückenberger, Joachim

* 11.8.1926

Geb. in Chemnitz; Vater Bäcker, Bruder von  Erich M.; Volksschule in Chemnitz; Lehre bei der DR, Reichsbahninspektor; Wehrmacht; 1944 NSDAP. 1946 Vorstudienanstalt; 1947 SED; 1947 – 50 Studium an der Univ. Leipzig, Dipl.-Ges.-Wiss.; 1950 – 61 Mitarb., dann stellv. Ltr. der ZK-Abt. Kultur; 1961 – 66 GD der DEFA (Nachf. von  Albert Wilkening); 1966 Sekr. des Komitees zum 450. Jahrestag der Reformation; 1967 – 90 GD der Staatl. Schlösser u. Gärten Potsdam-Sanssouci; 1970 Vors. der Gewerkschaft Kunst des Bez. Potsdam; 1976 Vors. des Rats für Museumswesen beim Min. für Kultur; 1979 VVO; verh. mit der Filmwissenschaftlerin Christiane M.Für den Frieden der Welt ? Halle (Saale) 1952. Poss, I., Warnecke, P.: Spur der Filme. Zeitzeugen über die DEFA. Berlin 2006.Helmut Müller-Enbergs

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Mühlberg, Dietrich

* 29.2.1936

Geb. in Berlin; Vater Techniker, Mutter Sozialarb.; aufgew. in Berlin; 1954 Abitur; 1954 – 59 Studium der Philos. (u. a. bei A. Cornu,  Kurt Hager,  Wolfgang Harich,  Wolfgang Heise,  Georg Klaus) mit Spezialisierung Ästhetik sowie Germanistik u. Kunstgeschichte im Nebenfach an der HU Berlin; 1959 – 61 wiss. Assistent an der EMAU Greifswald; 1961 – 63 wiss. Assistent an der Univ. Sofia (Bulgarien); danach Teiln. am Aufbau der 1963 eingeführten Ausbildungsrichtung »Kulturwiss.« an der HU Berlin; Prom. mit einer Arbeit zur Theorie der Kulturgeschichte; seit 1965 Ltr. der Abt. Kulturtheorie (später Kulturwiss.); 1972 – 77 gewählter Dir. der Sekt. Ästhetik u. Kunstwiss. der HU Berlin; Mitgl. versch. Herausgebergremien, Hrsg. der »Mitteilungen aus der kulturwiss. Forschung«; Forschung u. Lehre zur Kulturtheorie u. zur Kulturgeschichte des Alltags, der sog. »kleinen« Leute u. ihrer sozialen Bew.; 1973 Bildung u. Ltg. einer Arbeitsgr. zur Kulturgeschichte der dt. Arbeiterkl.; 1974 Prof. für Kulturgeschichte an der HU Berlin; Koordinator dt.-dt. Projekte zur Geschichte der Arbeiterkultur, mit  Wolfgang Jacobeit Projektierung u. wiss. Betreuung des Museums »Berliner Arbeiterleben« (eröffn. 1987 in Berlin); Mitgl. der »Multilateralen Kommission soz. Länder für Probleme der Kulturwiss.«; seit 1983 Bemühungen um ein europ. Kulturverständnis u. entsprechende Kulturforschung, des weiteren Studien zu kulturgeschichtl. Aspekten der »sexuellen Frage« u. mod. Geschlechterverhältnisse; mit einsetzender Reformdiskussion ab 1986 Entwürfe zur Neugestaltung von Lehre u. Forschung der Kulturwiss.; ab 1986 beteiligt an Plänen zur Gründung eines kulturwiss. Berufsverb., die im Herbst 1989 mit erweiterter Zielstellung zur »Kulturinitiative 89 – Ges. für demokrat. Kultur« führen, seitdem Vors. des Vereins. 1990 – 96 Forts. der Tätigkeit als HS-Lehrer an der HU-Berlin; danach Forschungstätigkeit am Zentrum für Zeithist. Forschung in Potsdam; Ruhestand; lebt in Berlin. Zahlr. Veröff. u. Editionen zur Geschichte der Arbeiterkultur u. Kultur sozialer Bew.Woher wir wissen, was Kultur ist. Berlin 1983; Lit. u. proletar. Kultur. Berlin 1983; Arbeiterleben um 1900. Berlin 1985; Proletariat – Kultur u. Lebensweise im 19. Jh. Leipzig (engl. Ausg.) 1988 u. Wien 1988; Anfänge der Arbeiterfreizeit. Berlin (West) 1989. Fs. Vorwärts u. nicht vergessen. Nach dem Ende der Gewißheit. 56 Texte für D. M. zum Sechzigsten. Berlin 1996 (Bibl.).Anke Scharnhorst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Muhsal, Carl

* 13.2.1899 – ✝ 25.4.1962

Geboren am 13. Februar 1899 in Wuppertal; Gemeindearbeiter in Düsseldorf, aktiv für die KPD. Im September 1930 für den Wahlkreis Düsseldorf-West und im November 1932 für den Wahlkreis Düsseldorf-Ost als Abgeordneter in den Reichstag gewählt. Muhsal leitete 1932 die RGO im Bezirk Niederrhein. Er war Kursant an der Reichsparteischule in Berlin-Fichtenau, flüchtete 1933 aus Deutschland, kehrte aber zurück und lebte in Plettenberg in Westfalen. Muhsal wurde 1940 zur Wehrmacht einberufen. Nach der Kriegsgefangenschaft wieder in Plettenberg, arbeitete in einem heimischen Betrieb, war aber nicht mehr politisch tätig. Carl Muhsal starb am 25. April 1962 in Plettenberg/Westfalen.

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Müller, Paul (Gerhard)

* 12.9.1882 – ✝ 6.5.1953

(* 1882 – † 1953) Geboren am 12. September 1882 in Völlener Königsfehn, jetzt Westoverledingen, Landkreis Leer. Gerhard Müller (genannt Paul) war der Sohn einer sehr christlich geprägten Arbeiterfamilie. Lehre als Kupferschmied, von 1913 bis 1932 arbeitete er als Installateur in Oldenburg und 1934/35 als Kupferschmied. 1902 Mitglied im Metallarbeiterverband, Mitbegründer und ab 1924 Vorsitzender der Zahlstelle des Metallarbeiterverbandes in Oldenburg. Von 1903 bis 1914 in der SPD, schloß sich 1918 dem Spartakusbund an, war seit Gründung Mitglied der KPD und Polleiter der KPD in Oldenburg. Müller war 1920 nur kurz Mitglied der KAPD, dann gehörte er bis 1933 wieder dem KPD-UB Oldenburg an und war Mitglied der BL Nordwest. 1922 kam er erstmals in den Oldenburger Landtag, im dem er bis 1924 blieb, 1928 bis 1932 wieder Landtagsabgeordneter und von 1922 bis 1933 auch Stadtrat in Oldenburg. Im März 1933 einige Zeit inhaftiert, lebte Müller seit 1935 in Sandkrug. Nach dem 20. Juli 1944 verhaftet, kam mehrere Monate ins Gestapogefängnis in Oldenburg-Osternburg. Er war nach 1945 für die KPD wieder Mitglied des Oldenburger Kreistages. Paul Müller starb am 6.Mai 1953 in Sandkrug.

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Müller, Rainer

* 1966

Rainer Müller steht im Leipziger Raum für die Generation der Basisaktivisten, die um das Jahr 1982 erste Konfrontationen mit der Staatsmacht zu Zeiten der Friedensbewegung hatten, sich in diversen Bürgerrechtsgruppen engagierten und schließlich mit öffentlichen Aktionen die Massenproteste von 1989 gegen die SED-Herrschaft animierten.Rainer Rudolf Müller wurde am 26. September 1966 in Borna bei Leipzig geboren und wuchs in Benndorf im Südharz auf. Trotz sehr guter schulischer Leistungen erhielt er 1983 keine Möglichkeit, das Abitur abzulegen, da er nicht an der obligaten Jugendweihe teilgenommen hatte, sich in der kirchlichen Jugendarbeit engagierte und als 15-Jähriger wegen Tragens des Aufnähers „Schwerter zu Pflugscharen“ in Konflikte mit den Repressionsorganen der DDR geraten war. Während seiner Maurerlehre beteiligte er sich 1984 an einem fünfwöchigen Streik für bessere Arbeitsbedingungen. Daraufhin erhielt er nach seinem Berufsabschluss 1985 keine Anstellung, obwohl das den Gesetzen der DDR widersprach. Er arbeitete dann in kirchlichen Einrichtungen in Borna südlich von Leipzig. 1984 beantragte Müller den waffenlosen Wehrdienst, kündigte 1986 seine Totalverweigerung an und wurde nicht einberufen. 1987 entzog ihm jedoch die Karl-Marx-Universität Leipzig wegen seiner Wehrdienstverweigerung die Studienzulassung, die er 1986 durch eine Sonderreifeprüfung für künftige Theologiestudenten erlangt hatte. Ein Jahr später begann er ein Studium am Theologischen Seminar Leipzig und arbeitete in den Semesterferien als Behindertenbetreuer und Altenpfleger. Vom Theologischen Seminar wurde er 1988 wegen seiner Kritik, die er im Rahmen der Friedensgebete in der Nikolaikirche am SED-freundlichen Kirchenkurs übte, exmatrikuliert. Er konnte an der staatlich nicht anerkannten kirchlichen Hochschule fortan nur noch Gasthörer sein. In Leipzig unterstützte der oppositionelle Arbeitskreis Gerechtigkeit (AKG), zu dessen Sprecherkreis er ab 1988 gehörte, den nun Erwerbslosen mit monatlich rund 125 Mark. Müller arbeitete in verschiedenen Umwelt-, Friedens- und Menschenrechtsgruppen mit. Ab 1986 hatte er engeren Kontakt zur Initiative Frieden und Menschenrechte (IFM), ab 1987 engagierte er sich im Arbeitskreis Solidarische Kirche, 1987–89 in der Umweltgruppe Borna, 1987 in der Arbeitsgruppe Menschenrechte (AGM) um Pfarrer Christoph Wonneberger, 1988/89 im ,Arbeitskreis Gerechtigkeit und zudem ab 1988 in der Arbeitsgruppe zur Situation der Menschenrechte in der DDR. Das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) verfolgte ihn im Operativen Vorgang (OV) „Märtyrer“, plante Ende 1988 seine Inhaftierung (zusammen mit Gesine Oltmanns und Thomas Rudolph) und schreckte nicht davor zurück, ihn im Mai 1989 körperlich zu misshandeln. Mehrfach wurde er bei Demonstrationen festgenommen, inhaftiert, mit Aufenthaltsverboten oder Geldstrafen belegt. Während der Friedensbewegung hielt er Kontakte zu Kreisen in anderen Orten wie Großhennersdorf und Vipperow, wo er am Fasten für den Frieden teilnahm. Zudem galten seine Aktivitäten vornehmlich der Umweltpolitik. Er gab 1985–87 mit Hartmut Rüffert in Borna die Samisdat-Zeitschrift „Namenlos“ heraus. Die Umweltgruppe Borna vertrat er im Netzwerk „Frieden konkret“. Anlässlich einer Demonstration gegen das im Bau befindliche Atomkraftwerk Stendal wurde er festgenommen. Leipzig avancierte ab 1988 zu einem Zentrum der Opposition. Die Massendemonstrationen, die das Ende der kommunistischen Diktatur besiegelten, fanden hier ihren Ausgang. Dies war das Ergebnis der fruchtbaren Zusammenarbeit mehrerer Leipziger Basisgruppen und ihrer auf Öffentlichkeit und Durchsetzung von Menschenrechten gerichteten Aktivitäten. Ausreiseantragsteller wurden nicht ausgegrenzt und damit das Widerstandspotenzial derer genutzt, die in der DDR nichts mehr zu verlieren hatten und zu existenzgefährdenden Aktivitäten bereit waren. Nach den Verhaftungen und Zwangsausweisungen Berliner Oppositioneller im Januar 1988 verstärkten Thomas Rudolph, Bernd Oehler, Rainer Müller und andere Leipziger ihre Bemühungen um eine überregionale Koordinierung und riefen im Sommer 1988 den Sonnabendskreis ins Leben. Monatlich luden sie Vertreter von unabhängigen Bibliotheken, Samisdatredaktionen, Friedens-, Umwelt- und Menschenrechtskreisen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Berlin nach Leipzig ein, um Erfahrungen und Informationsmaterialien auszutauschen, gemeinsame Aktionen vorzubereiten und politische Erklärungen zu verfassen. Aus dem Sonnabendskreis ging die Arbeitsgruppe zur Situation der Menschenrechte in der DDR hervor, die am Internationalen Tag der Menschenrechte 1988 ihre Arbeit aufnahm. In dem Gründungsaufruf wurden grundlegende Bürgerrechte eingefordert. Informationen über Menschenrechtsverletzungen sollten zu gesellschaftlichen Veränderungen führen. Mit Mahnwachen und Fürbittgottesdiensten wurden im November 1987 und im Januar 1988 die Freilassung der in Ost-Berlin Inhaftierten gefordert. Anfang 1989 riefen die Arbeitsgruppe Menschenrechte und der Arbeitskreis Gerechtigkeit zu einem DDR-weiten Aktionstag für die aus politischen Gründen Inhaftierten in der Tschechoslowakei auf. Müller lernte Tschechisch, um Oppositionsdokumente übersetzen und in der DDR in den Untergrundzeitschriften „Ostmitteleuropa“ und „Varia“ verbreiten zu können. In der Arbeitsgruppe Ostmitteleuropa des Arbeitskreises Gerechtigkeit hielt er mit Thomas Rudolph Kontakte in die ČSSR. Mit Petr Uhl, der die gemeinsame Gegenöffentlichkeit osteuropäischer Oppositioneller vorantrieb, wurden regelmäßig Informationen ausgetauscht. Auch in die meisten anderen Länder Ost- und Ostmitteleuropas bestanden stabile Kontakte zu Oppositionsgruppen.  Im Januar 1989 wurde Müller mit zehn weiteren Aktiven nach dem Verteilen von Flugblättern festgenommen. Sie hatten zu einer Demonstration für Meinungs-, Versammlungs-, Vereinigungs- und Pressefreiheit aufgerufen, die aus Anlass des Todestages von Rosa Luxemburg diesmal in Leipzig stattfand. Anders als im Vorjahr in Berlin wurden die Inhaftierten nach in- und ausländischen Protesten eine Woche später in die DDR freigelassen. Die Leipziger Basisgruppen drängten mit fantasievollen Aktionen in den öffentlichen Raum. Zum Weltumwelttag 1988 war der „Pleiße-Gedenk-Marsch“ durch die Leipziger Innenstadt entlang des verseuchten und versiegelten Flusses Pleiße initiiert worden. Müller hatte sich auch hier engagiert. Beim zweiten Pleiße-Marsch 1989 kam es zu Festnahmen. Nach dem Nachweis der Fälschung der DDR-Kommunalwahlen im Mai 1989 durch die Opposition begannen Nichtwählerdemonstrationen. Am 10. Juni fand das von Jochen Läßig und Katrin Hattenhauer organisierte Straßenmusikfestival „Freiheit mit Musik“ statt. Immer wieder reagierte der Staat mit brutalen Festnahmen und empfindlichen Ordnungsstrafen. Zum Abschluss des Sächsischen Kirchentages im Juli demonstrierten Müller, Christoph Motzer und Kathrin Walther mit einem Transparent in deutscher und chinesischer Aufschrift für „Demokratie“; Anlass war das von der SED gutgeheißene Massaker auf dem Pekinger Platz des Himmlischen Friedens vom 4. Juni 1989. Seit dem sogenannten „Beat-Aufstand“ Jugendlicher im Jahr 1965 war dies die größte Demonstration in Leipzig, da sich rund 1.000 Kirchentagsbesucher angeschlossen hatten. Im Angesicht westlicher Journalisten blieben Festnahmen aus. Dass das von den Berlinern Katrin Hegewald und Stephan Weiß gefertigte Transparent gegen Wahlbetrug außerhalb des Kirchentagsgeländes gezeigt wurde, wusste der Rechtsanwalt und inoffizielle Stasi-Mitarbeiter Wolfgang Schnur zu verhindern. Stetiger Treffpunkt war das montägliche Friedensgebet in der Leipziger Nikolaikirche. Unterstützung erhielten die Gruppen nur von wenigen Pfarrern wie Christoph Wonneberger, Klaus Kaden, Rolf-Michael Turek und dem Katholiken Hans-Friedrich Fischer. Als Superintendent Friedrich Magirius im Sommer 1988 die politisch motivierten Gruppen von der Gestaltung der Friedensgebete ausschloss, verteilte Müller Mundtücher mit der Aufschrift „Redeverbot“ und verlas zusammen mit Gesine Oltmanns, Thomas Rudolph, Jochen Läßig und anderen die Informationen auf dem Kirchvorplatz. Daraus entwickelte sich im Herbst 1988 für ein paar Wochen ein „Speakers Corner“. Im April 1989 durften sich die Gruppen wieder an den Friedensgebeten beteiligen, anschließende montägliche Demonstrationsversuche ab Mai endeten in Polizeikesseln. Eine Woche nach der Demonstration zur Herbstmesse 1989 unter dem Motto „Für ein offenes Land mit freien Menschen“ reagierte der Staat mit massiven Verhaftungen (unter anderem von Katrin Hattenhauer und Carola Bornschlegel). Das löste eine Solidarisierungswelle auch in anderen Städten aus. Die in der Lukasgemeinde arbeitende Infogruppe um Thomas Rudolph, Kathrin Walther, Rainer Müller und Pfarrer Wonneberger organisierte Proteste und dokumentierte die brutalen Übergriffe des Staatsapparates bei den folgenden Montagsdemonstrationen, an denen immer mehr Menschen teilnahmen – am 25. September stieg die Teilnehmerzahl auf 8.000. Als es in Ost-Berlin und anderen Städten am 7. und 8. Oktober zu gewalttätigen Erniedrigungen festgenommener Demonstranten gekommen war und kommunistische Kampfgruppenkommandeure in der Presse am 9. Oktober in Leipzig mit der „chinesischen Lösung“ drohten, verfasste Müller mit anderen Leipzigern einen Aufruf, der von mehreren Oppositionsgruppen unterzeichnet wurde. Sie appellierten an die staatlichen Einsatzkräfte: „Reagiert auf Friedfertigkeit nicht mit Gewalt! Wir sind ein Volk!“ Leipziger Oppositionelle und Theologiestudenten verteilten etwa 20.000 dieser Flugblätter. Erst Wochen später verband sich mit dem gleichlautenden Ruf die Forderung nach der Einheit Deutschlands. 1990 gehörte Rainer Müller dem DDR-Sprecherrat der Initiative Frieden und Menschenrechte an, die 1991 im Bündnis ‘90 aufging. 1993 trat er mit anderen Leipzigern aus diesem mit den bundesdeutschen Grünen fusionierenden Bündnis aus und dem Neuen Forum bei. Heute lebt Müller als Historiker mit seiner Partnerin und vier Kindern in Leipzig, wo er nach 1990 Mittelalterliche und Neuzeitliche Geschichte studiert hat. Er engagierte sich kommunal und landesweit für das Neue Forum, arbeitet bis heute in verschiedenen gesellschaftspolitischen Gruppen mit und leitet das IFM-Archiv Sachsen e. V., das die Geschichte des Widerstandes gegen die SED-Diktatur erforscht.Gerold Hildebrand Letzte Aktualisierung: 08/16

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Müller, Erhard

* 23.3.1926

Geb. in Chemnitz; Vater Koch; Volksschule; 1940 Hilfsarbeiter, 1940 – 43 Lehre u. Arbeit als Maschinenschlosser, 1944 / 45 Wehrmacht; 1945 – 49 sowj. Kriegsgef. 1949 Rückkehr nach Dtl.; 1949 / 50 Maschinenschlosser bei der Plamag Plauen; 1950 / 51 Ltr. der Zwangsvollstreckungsstelle beim Rat des Krs. Plauen; 1951 SED; 1951 / 52 Stellv. des Personalltr. des Rats der Stadt Plauen, 1952 – 58 Stellv. des Verwaltungsdir.; Studium, 1955 Fachlehrer für Gesellschaftswiss.; 1958 –65 Dir. der Verwaltungsschule in Schleife; 1962 Dipl.-Staatswiss.; 1964 / 65 kombiniertes Zusatzstudium Päd. an der KMU Leipzig; 1965 –67 Mitarb. der SED-BL Cottbus; 1967 – 73 Vors. des Rats des Krs. Senftenberg; 1973 VVO; 1973 / 74 Studium an der PHS der SED; 1974 – Dez. 1989 OB von Cottbus (Nachf. von  Heinz Kluge); 13.12.1989 nach Demonstrationen u. Empfehlung des Runden Tisches Rücktritt wg. Mitverantw. für die Fälschungen der Kommunalwahlergebnisse vom 7.5.1989.Andreas Herbst

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Müller, Fritz

* 28.11.1900 – ✝ 5.3.1973

Geb. in Elbing (Ostpr. / Elbląg, Polen); Vater Handwerker; bis 1921 Lehrerseminar; 1925 –29 Studium der Fächer Deutsch, Gesch. u. Geographie an den Univ. Jena u. Hamburg mit Staatsexamen für das höhere Lehramt u. Prom. zum Dr. rer. nat. mit spez. Studien zur Meteorol. u. Klimatol.; 1929 SPD; 1929 – 38 Studienassessor an einer Schule in Berlin-Neukölln, danach Studienrat am Arndt-Gymnasium in Berlin-Steglitz; ab 1940 Militärdienst. 1945 – 49 Hochschulreferent u. Ltr. der Hochschulabt. der Landesreg. Mecklenburg in Schwerin; 1946 SED; 1949 Prof. für Gesch. der Pädagogik an der Univ. Rostock, 1949 – 52 Dekan der Pädagog. Fak. u. 1952 – 58 Dir. des Pädagog. Inst., 1955 – 57 Prorektor für wiss. Nachwuchs u. Forschung, 1956 – 57 Rektor der Univ. Rostock (Nachf. von Erich Schlesinger); 1961 Dekan der Philosoph. Fak. u. 1965 Ehrensenator der WPU Rostock; 1953 Friedrich-Wilhelm-Wander-Med.; 1962 Theodor-Neubauer-Med.; 1964 VVO; 1966 Pestalozzi-Med.; gestorben in Rostock.Martin Guntau

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Müller, Gerda

* 30.6.1895 – ✝ 26.4.1951

Geb. in Tornienen (Krs. Rößel, Ostpr. / Tarniny, Polen); Vater Kfm.; 1917 Unterricht bei Lucie Höflich, Hermine Körner u.  Eduard von Winterstein an der Max-Reinhardt-Schule des Dt. Theaters (DT) Berlin; 1918 Engagement am Schauspielhaus Frankfurt (Main); 1922 am Staatstheater Berlin u. bis 1928 Gastrollen an zahlr. Theatern in Dtl.; 1933 – 45 Auftrittsverbot wegen Verweigerung der Trennung von Hermann Scherchen. 1945 – 51 Mitgl. des Ensembles des DT; Mitarb. von  Fritz Wisten bei der »Nathan«-Inszenierung von 1945 u. Rolle der Daja; weitere Rollen: Frau Képes (»Haben« von Julius Hay, DT 1948, R: Falk Harnack), Berta Sonnenbruck (»Die Sonnenbrucks« von Leon Kruczkowski, DT/Kammerspiele 1949, R:  Martin Hellberg), Elisabeth (»Maria Stuart« von Friedrich Schiller, DT/Kammerspiele 1951, R:  Herwart Grosse), Kabanowa (»Das Gewitter« von Alexander N. Ostrowski, DT 1951, R:  Wolfgang Heinz); 1946 – 50 Pädagogin für Rollenstudium an der wiedereröffneten Schauspielschule des DT; 1949 NP (im Koll.); 1950 Gründungsmitgl. der DAK; gest. in Berlin.Heß-Wynecken, S.: G. M. In: Berliner Modenblatt (1950) 6.Aune Renk

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Müller, Gustav

* 9.8.1919 – ✝ 11.5.1980

Geb. in Köln; Vater Schauspieler; Gesangs- u. Schauspielunterricht; Engagements u. a. in Köln; daneben Kabarettarbeit am »Kom(m)ödchen« Düsseldorf, an der »Barberina« München, an Willi Schaeffers »Kabarett der Komiker« in Berlin (West). 1950 Übersiedl. in die DDR; anfangs bei der »Kleinen Bühne«, seit Eröffnung der Berliner »Distel« 1953 einer ihrer profiliertesten Darsteller; Auftritte beim Fernsehen (z. B. »Da lacht der Bär«) u. Film (z. B. »Silvesterpunsch«); 1961 NP; gest. in Berlin.Unterhaltungskunst A – Z, Berlin 1975; Krause, H.: Erinnerungen an G. M. In: Kassette 5. Berlin 1981.Gisela Winkler

Wer war wer in DDR

Müller, Heiner

* 9.1.1929 – ✝ 30.12.1995

Geb. in Eppendorf (Sachsen); Vater Verw.-Angest. u. Jurist; OS, erste Schreibversuche; 1944 Reichsarbeitsdienst, 1945 Volkssturm, amerik. Kriegsgefangenschaft. 1945 – 47 Landratsamt Waren (Müritz), Arbeit in der Bibliothek; 1947 – 51 Frankenberg; Hilfsbibliothekar, Angest.; Abschl. der OS; 1947 – 52 SED; 1949 u. 1950 Schriftst.-Lehrgänge des KB zur demokrat. Erneuerung Dtl.; ab 1951 in Berlin; journalist. Tätigkeit, u. a. für den »Sonntag« u. Red. der FDJ-Ztschr. »Junge Kunst«; 1954/55 Wiss. Mitarb. des DSV; 1954 – 66 Ehe mit Ingeborg M., geb. Schwenkner, mit der er gem. an einigen Stükken arbeitete; in zweiter und dritter Ehe war H. M. mit Glinka Tscholokowa und Brigitte Mayer verheiratet; seit 1957 Schriftst. u. Dramaturg; 1958 – 60 Mitarb. im Maxim-Gorki-Theater Berlin; 1960 – 61 Mitgl. des DSV, Ausschl. im Anschluß an eine Studentenaufführung des als konterrev. eingestuften Stücks »Die Umsiedlerin oder Das Leben auf dem Lande« (1988 Wiederaufnahme); 1966/67 Arbeit mit  Benno Besson am Dt. Theater Berlin (DT) am »Bau«, dessen Aufführung verboten wurde, u. an »Ödipus Tyrann«; 1970 Dramaturg am Berliner Ensemble; ab 1970 Reisen in die Bundesrep. Dtl.; ab 1976 Dramaturg Volksbühne Berlin; 1975 Reise durch die USA (Vorlesungen in Texas) u. Mexiko; 1984 Mitgl., 1990 – 93 Präs. der AdK der DDR bzw. AdK zu Berlin (Nachf. von  Manfred Wekwerth); 1986 Mitgl. der AdK Berlin-West; seit 1993 AdK Berlin-Brandenb.; 1990 Mitgl. der Dt. Akad. für Darstellende Kunst Frankfurt (Main); 1987 Mitgl. des Beirats für Dramatik beim Min. für Kultur; 1986 NP; zahlr. Dramatikerpreise, u. a. 1985 Büchner-Preis, 1990 Kleist-Preis u. 1991 Europ. Theaterpreis; 1992 – 95 einer der Direktoren des Berliner Ensembles, ab 1995 alleiniger künstler. Ltr. Etwa 35 Bühnenwerke; 1969 Libretto zu  Paul Dessaus Oper »Lancelot«; Inszenierungen eigener Stücke: 1980 UA »Der Auftrag«, Volksbühne Berlin, 1988 »Lohndrücker« u. 1990 »Hamletmaschine«, beide DT; H. M. ist ein über die Grenzen der ehem. DDR hinaus bedeutender u. bekannter Dramatiker; er gestaltete Gegenwartsthemen u. Themen der dt. Geschichte u. bearbeitete klassische Werke; durch die realist. Schilderung des DDR-Alltags geriet H. M. wiederholt in Kollision mit der SED-Führung, ein Großteil seiner Stücke durfte nicht bzw. erst in späteren Jahren aufgeführt werden, einige Werke erlebten ihre Uraufführungen in der Bundesrep. Dtl. oder Frankreich; gest. in Berlin. 1997 Gründung der Internat. H.-M.-Ges. in Berlin.Geschichten aus der Produktion 1 (Stücke, Prosa, Gedichte, Protokolle). Berlin 1974; Stücke (Der Lohndrücker, Die Bauern, Der Bau, Herakles 5, Philoktet, Der Horatier, Weiberkomödie, Macbeth, Zement). Berlin 1975; Theaterarbeit (Glücksgott, Drachenoper, Horizonte, Weiberkomödie, Sechs Punkte zur Oper, Stellasonett, Elektratext, Froschkönig). Berlin 1975; Geschichten aus der Prod. 2 (Bilder, Traktor, Prometheus, Liebesgeschichte, Zement). Berlin 1979; Gesammelte Irrtümer. Interviews u. Gespräche. Frankfurt (Main) 1986; Krieg ohne Schlacht. Leben in zwei Diktaturen. Köln 1994; Werke (Hrsg. F. Hörnigk), Bd. 1 ff. Frankfurt (Main) 1998 ff. Schulz, G.: H. M. Stuttgart 1980; Hauschild, J.-C.: H. M. oder das Prinzip Zweifel. Berlin 2001; Lehmann, H.-T.: H. M.-Handbuch Stuttgart 2003; Schulte, C. u. a. (Hrsg.): Der Text ist der Coyote. Frankfurt (Main) 2004; Mayer B. M.: Der Tod ist ein Irrtum. Frankfurt (Main) 2005.Renate Rätz

Wer war wer in DDR

Müller, Horst-Guido

* 13.4.1910 – ✝ 21.9.2002

Geb. in Halle; Vater Lehrer; dort 1928 Abitur am Reformrealgymnasium in Halle; anschl. Studium der Physik an der MLU Halle-Wittenberg, dort 1934 / 35 Ass. am Inst. für theoret. Physik, 1935 Prom. bei Adolph Smekal mit der Arbeit »Zur Natur der Rekristallisationsvorgänge«; 1935 – 1945 Mitarbeiter bzw. Laborltr. bei Siemens in Berlin. 1946 – 50 Ass. am Inst. für Angew. Physik an der MLU Halle, dort 1950 Habil. mit der Arbeit »Der metamikte Zustand« u. Doz. für Physik; ab 1953 Prof. für Physik an der HS für Verkehrswesen (HfV) Dresden, dort 1956 – 60 Ltr. der Abt. Math.-Naturwiss., 1960 – 64 u. 1968 – 72 Prorekt. für Forschung, 1964 – 68 Rektor der HfV (Nachf. von Gerhard Rehbein); 1975 em.; 1957 Verdienter Erfinder; 1961 NP; 1968 Banner der Arbeit; gest. in Dresden. Forschungsgebiet: Ferromagnetismus u. Entw. hartmagnet. Werkstoffe mit ihrer Anwendung in der Elektroindustrie u. im Maschinenbau.Dieter Hoffmann