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BioLex

In der Kategorie BioLex sind drei wichtige Lexika mit über 5500 Biografien von überzeugten Kommunistinnen und Kommunisten, Renegatinnen und Dissidenten im Volltext recherchierbar.

 

Das Handbuch „Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945“ wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam.

Kurzbiografien zu Personen des politischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 bereit.

Zudem ist das Online-Lexikon www.dissdenten.eu ebenfalls auf unserer Seite aufrufbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Informationen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Neye, Walter

* 25.8.1901 – ✝ 12.8.1989

Geb. in Arnsberg (Westfalen); Vater Kanzleisekretär; 1919 Abitur am Humanist. Gymnasium Potsdam; anschl. Studium der Rechtswiss. an der Univ. Berlin, 1923 1. Staatsexamen, 1927 2. Staatsexamen; 1924 Prom. an der Univ. Breslau; anschl. Rechtsanwalt u. Notar in Berlin; 1940 Dienstverpflichtung als Referent des Luftfahrtmin. 1945 – 47 wieder als Rechtsanwalt u. Notar in Berlin tätig, ab 1946 Lehrtätigkeit an der Univ. Berlin; 1947 Prof. mit vollem Lehrauftrag, 1948 ord. Professor für bürgerl. Recht, Zivilprozeß; 1951 Dir. des Inst. für Zivilrecht, 1950 – 52 Dekan der Jurist. Fak., 1952 – 57 Rektor der HU Berlin (Nachf. von  Walter Friedrich), ab 1956 Dir. des Inst. für westdt. u. ausländ. Zivilrecht, 1966 em.; 1954 u. 1960 VVO; Präsident Vereinigung Demokrat., Mitinitiator des Grosscourth-Aussch.; Mitgl. im Präs. des Dt. Friedensrats; gest. in Berlin. Arbeitsgebiet: dt. Zivilrecht, u. a. Studien zum Versuchs- u. Mittäterbegriff.Dieter Hoffmann

Wer war wer in DDR

Nickel, Uta

* 19.7.1941

Geb. in Leipzig; Vater Klempner; Grundschule; 1955 – 60 Lehre u. Arbeit als Buchbinder; 1955 FDJ, 1960 SED; 1960 / 61 Meisterqualifikation an der Ingenieurschule für Polygraphie Leipzig; 1961 – 63 Abt.-Ltr. im VEB Metallätzwerk Magrafa; 1963 – 76 Mitarb. im Bezirkswirtschaftsrat des Rats des Bez. Leipzig; Fernstudium, 1968 Ingenieurökon.; 1973 Dipl.-Wirtschaftler; 1976 – 79 Abt.-Ltr. im Leipziger Bezirksbauamt; 1979 – 81 Stellv. des Vors. der Bezirksplankommission, 1982 – 86 Mitgl. des Rats des Bez. Leipzig; 1986 – 88 Abg. des Bezirkstags Leipzig; 1985 – 87 Fernstudium an der SED-BPS Leipzig; 1988 / 89 Stellv. des Ministers, Nov. 1989 – Jan. 1990 Minister der Finanzen u. Preise in der Reg. Modrow (Nachf. von  Ernst Höfner), 22.1. 1990 Rücktritt wg. Ermittl. des Bezirksstaatsanwalts Leipzig im Zusammenhang mit ihrer Tätigkeit als Finanzverantwortliche im Bez. Leipzig, März 1990 Einstellung der Ermittl. 1990 Beraterin für zwei Kölner Bauträgerfirmen (GEG u. FTG); ab 1991 selbst. Grundstücksentwicklerin, maßgebl. am Um- u. Neubau des Leipziger Stadtbildes beteiligt, u. a. Baugebiete im Leipziger Stadtzentrum u. in Leipzig-Paunsdorf.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Niebergall, Otto

* 5.1.1904 – ✝ 14.2.1977

Geboren am 5. Januar 1904 bei Kusel/Pfalz, Sohn einer Arbeiterfamilie; Lehre und Arbeit als Schlosser, Elektriker und Bergmann. 1918 Mitbegründer der Arbeiterjugend in Saarbrücken, wurde 1923 Leiter der KJD Saarbrücken und gehörte von 1924 bis 1935 dem Sekretariat der KPD-BL Saar an, ab 1925 auch Gauführer des RFB Saar. Von 1929 bis 1935 war Niebergall Stadtverordneter von Saarbrücken, 1932 für elf Monate wegen »Fortführung des RFB« in Zweibrücken inhaftiert. Im Juni 1933 wurde er Polleiter der KPD Saar. Von März bis Oktober 1934 Kursant an der Internationalen Leninschule in Moskau, im Februar 1935 Emigration nach Frankreich, zeitweise Leiter des Abschnitts Saar-Pfalz bzw. von 1937 bis 1940 Leiter des Abschnitts Rheinland in Brüssel. Im Januar 1939 nahm Niebergall an der »Berner Konferenz« teil. Am 11. Mai 1940 in Brüssel verhaftet und nach Frankreich in das Lager St. Cyprien gebracht, aus dem er am 13.Juli 1940 floh. Ab September 1940 Mitglied der KPD-Leitung in Toulouse, avancierte Niebergall im April 1941 zum Leiter der illegalen KPD für Frankreich, Belgien und Luxemburg. Bis 1945 führendes deutsches Mitglied in der Résistance, 1944 Präsident des »Komitees Freies Deutschland im Westen«. Im August 1945 Rückkehr nach Deutschland, bis 1948 Vorsitzender des Verbindungssekretariats (Zonenleitung) der KPD in der französischen Zone. Er war von Mai 1948 bis Februar 1950 Vorsitzender der KPD Rheinland-Pfalz und gehörte auch dem KPD-PV an. Von 1949 bis 1953 war er Abgeordneter der KPD im Bundestag. Von Ost-Berlin aus leitete er von 1953 bis 1955 die ZPKK der KPD. 1955 offiziell in das Saarland zurückgekehrt, 1956/57 Stadtrat in Saarbrücken. Nach dem Verbot des saarländischen Landesverbandes der KPD ging Niebergall erneut in die DDR. Er gehörte dem ZK und dem von Ost-Berlin aus agierenden Politbüro der westdeutschen KPD an. 1971 zurück in der Bundesrepublik, wurde er Mitglied des DKP-Vorstands Rheinland-Pfalz. Er erhielt von der DDR 1970 den Karl-Marx-Orden. Otto Niebergall starb am 14. Februar 1977.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Niekisch, Ernst

* 23.5.1889 – ✝ 23.5.1967

Geb. in Trebnitz (Schles. / Trzebnica, Polen); Vater Feilenhauer; 1907 – 18 Volksschullehrer in Nürnberg; 1917 – 19 SPD; 1918 Vors. des Arbeiter- u. Soldatenrats in Augsburg; 1919 Vors. des ZR der Arbeiter-, Bauern- u. Soldatenräte Bayerns; 1919 – 22 USPD; nach der Niederschlagung der bayr. Räterep. zu zwei Jahren Festungshaft verurteilt; 1921 Abg. des Bayr. Landtags, Vors. der Fraktion, nach der Vereinigung von USPD u. SPD, 1922/23 stellv. Vors. der Fraktion; 1922 – 26 SPD; 1923 – 26 Sekr. des Dt. Textilarbeiterverb.; anschl. Mitgl. der Altsoz. Partei (Abspaltung der SPD in Sachsen); leitete bis 1928 als Chefred. deren Ztg. »Der Volksstaat« in Dresden; 1928 bis zum Verbot 1935 Hrsg. von »Widerstand – Blätter für nat.-rev. Pol.«; Inhaber des Verlags Der Widerstand in Dresden, später Berlin; E. N. galt als Nationalbolschewist; 1937 Verhaftung wegen konsp. Tätigkeit u. 1939 Verurteilung zu lebenslanger Haft durch den VGH, Zuchthaus Brandenb.-Görden; durch eine schwere Erkrankung teilw. gelähmt u. fast erblindet. 1945 KPD, Ltr. der VHS Berlin-Wilmersdorf, Mitbegr. des KB u. Mitgl. des Berliner Landesvorst.; 1948 ord. Prof. u. Dir. des Inst. zur Erforschung des Imp. an der Univ. Berlin; 1949/50 Mitgl. der Prov. Volkskammer, 1949 – 58 Mitgl. des Präsidialrats des KB; verweigerte 1951 die SED-»Parteiüberprüfung«; nach dem 17.6.1953 Bruch mit der SED; seit 1955 nach eigenem Dafürhalten nicht mehr Mitgl. der SED, 1958 Einzug des SED-Mitgliedsbuchs; wohnte seit 1945 in Berlin (West), wo ihm die Wiedergutmachungsrente als VdN verweigert wurde, dort gest. U. a. mit seinem Buch »Hitler, ein dt. Verhängnis« (Berlin 1932) hatte E. N. frühzeitig vor Adolf Hitler gewarnt; in seinen Nachkriegsarbeiten thematisierte er v. a. das Versagen der dt. Mittelschicht.Dt. Daseinsverfehlung. Berlin 1946; Zum Problem der Freiheit. Berlin 1948; Europ. Bilanz. Potsdam 1951; Das Reich der niederen Dämonen. Berlin 1953; Erinnerungen eines dt. Revolutionärs. 2 Bde. Autobiogr. Köln 1958, 1968. Kabermann, F.: Widerstand u. Entscheidung eines dt. Revolutionärs. Köln 1973.Ilko-Sascha Kowalczuk

Wer war wer in DDR

Nierade, Kunz

* 7.11.1901 – ✝ 2.12.1976

Geb. in Wohlau (Niederschlesien/Wolow, Polen), Vater Gerichtssekr.; Gymnasium; Maurerlehre, 1925 Abschluß der Staatl. Baugewerbeschule Chemnitz; 1925 versch. Arbeiten in Chemnitz u. Braunschweig; 1931 Architekt in Leipzig; 1931 NSDAP; 1939 – 45 Projektant in Schlesien u. im besetzten Polen (u. a. in Poznań u. Łódź). 1949 1. Preis im Wettbewerb für den Umbau der Bachgruft in der Thomaskirche in Leipzig; 1951 Architekt im Kollektiv Hanns Hopp; Projekte: 1951 – 62 DHfK Leipzig, Univ. Leipzig; 1954 – 60 Opernhaus Leipzig; 1966/67 Projektierung zum Umbau der Komischen Oper Berlin; 1967 – 69 Berater des Karl-Liebknecht-Forums Potsdam, gest. in Berlin. Das Leipziger Opernhaus war der erste große Theaterneubau der DDR u. nimmt hinter der sog. Architektur der Nat. Tradition schon die Moderne der späten 1950er u. 60er Jahre beispielhaft vorweg.Planung u. Gestaltung des neuen Leipziger Opernhauses. In: FS zur Eröffnung des neuen Leipziger Opernhauses. Leipzig 1960. Topfstedt, T.: Oper Leipzig. Das Gebäude. Leipzig 1993; Schulze, I.-K.: K. N. Das architekton. Werk. Univ. Leipzig 2000 (Magisterarbeit).Volker Wagner

Wer war wer in DDR

Niggemeier, Adolf

* 21.5.1931

Geb. in Riesa (Sachsen); Vater Arbeiter; OS, 1949 Abitur; 1948 CDU; FDJ u. FDGB; 1949/50 Justizpraktikant am Amtsgericht Riesa; 1950 – 52 Mitgl. des Krs.-Vorst. der CDU Riesa; 1950 – 54 Jurastudium an der Univ. Leipzig, Dipl.-Jur.; 1952 – 54 Mitgl. des Bez.-Vorst. der CDU Leipzig; 1955 – 77 Mitarb., dann Ltr. der Abt. Pol., Westdtl. u. Internat. Verbindungen beim Sekr. des Hauptvorst. der CDU; 1967 – März 1990 als Berliner Vertreter Abg. der Volkskammer, 1981 – 86 Mitgl., 1986 – 90 stellv. Vors. des Verfassungs- u. Rechtsaussch.; 1966 – 77 Mitgl. des Arbeitsaussch. der Berliner Konferenz kath. Christen aus europ. Staaten; 1977 – 89 Mitgl. des Präs. u. Sekr. für Agit. des Hauptvorst. der CDU (Nachf. von  Hermann Kalb); Mitgl. des DDR-Komitees für Sicherheit u. Zusammenarbeit; 1980 VVO; vom MfS als IM »Benno Roth« erf.; 11.11.1989 – Ende März 1990 Vors. der CDU-Frakt. in der Volkskammer (Nachf. von  Wolfgang Heyl), ab 17.11.1989 Mitgl. des Präs. (Nachf. von W. Heyl) u. Apr. – Okt. 1990 Ltr. bzw. Dir. der Verw. der Volkskammer. 1991 pers. Referent des MdB Else Ackermann; lebt als Rechtsanwalt in Berlin.Weg u. Ziel der Adenauer-CDU. Burgscheidungen 1961 (zus. mit H. Kalb u. K.-H. Puff).Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Nitsche, Franz

* 15.11.1905 – ✝ 28.3.1986

Geb. in Neunz (Krs. Neiße, Oberschles. / Niwnice, Polen); Bischöfl. Knabenkonvikt u. Gymnasium in Neisse, 1925 Abitur; Eintritt in das Theologenkonvikt; Studium der Philos. u. Theol. an der Univ. Breslau; Mitgl. der Vinzenzkonferenz; 1926/27 Studium der Theol. u. Caritaswiss. am Inst. für Caritaswiss. der Univ. Freiburg i. Br., Abschl. des Studiums in Breslau; 1930 Priesterweihe; 1930 Vikar in Naumburg (Saale) / Queis; 1932 Vikar in Breslau, Hl. Kreuz; 1934 Caritasdir. in Oppeln für Oberschles.; nach 1939 Berater des Kattowitzer Bischofs Stanisław Adamski. 1946 Caritasdir. zunächst in Weimar, dann nach Errichtung des Gen.-Vikariats in Erfurt für den Ostteil der Diözese Fulda; Gen.-Vikariatsrat; 1947 Monsignore; Päpstl. Ehrenprälat; 1949 – 75 Caritasdir. in Erfurt; regelm. Teiln. an den Zentralsitzungen des Caritasverb.; Kuratoriumsmitgl. des Kath. Krankenhauses in Erfurt; 1965 Ordinariatsrat in Erfurt; 1975 Vors. des Vorst. der Diözesancaritas Erfurt; 1980 Ruhestand; 1985 Apostol. Protonotar; gest. in Erfurt.Clemens Brodkorb

Wer war wer in DDR

Noack, Axel

* 8.11.1949

Geb. in Biesnitz (b. Görlitz); Vater Betriebswirtsch., Mutter Sachbearb.; Schulbesuch in Halle; 1968 Abitur u. Abschl. einer Ausbildung als Betriebsschlosser; wegen Wehrdienstverweigerung nicht zum Mathematikstudium zugelassen; 1968/69 diakon. Helfer in den Hoffnungsthaler Anstalten in Lobetal; ab 1968 Jugendsynodaler, später Mitgl. der Synode der Kirchenprovinz Sachsen; 1969 – 75 Studium der Theol. an der Kirchl. HS Naumburg (Saale); nach dem Vikariat in Merseburg Repetent an der o. g. HS mit einer Arbeit zur Geschichte der Ev. Studentengemeinden in der DDR; 1978 – 84 Studenten- u. Krs.-Jugendpfarrer in Merseburg; seit 1985 Gemeindepfarrer in Wolfen; 1986 Mitgl. der Bundessynode u. der Konferenz der ev. Kirchenltg.; 1989/90 Beteiligung an der Bürgerbew.; Mitarb. am lokalen Runden Tisch u. im MfS-Überprüfungsaussch.; 1990 engagiert im kirchl. Vereinigungsprozeß, Mitgl. der Gem. Kommission von EKD u. Bund der Ev. Kirchen der DDR. 1991 Ord. Mitgl. des Rats der EKD; 1997 – 2008 Bischof der Kirchenprovinz Sachsen mit Sitz in Magdeburg (Nachf. von  Christoph Demke); Jan. – Mai 2009 nach deren Fusion mit der Ev.-Luth. Kirche in Thür. Bischof der neuen Ev. Kirche in Mitteldtl. (neben  Christoph Kähler); Aug. 2009 Ruhestand. A. N. gilt als Vertreter einer strikten Unabhängigkeit der ev. Kirche vom Staat.Ehrhart Neubert

Handbuch Deutsche Kommunisten

Noffke, Ernst

* 11.12.1903 – ✝ 16.11.1973

Geboren am 11. Dezember 1903 in Hamburg, Sohn eines Bekleidungsarbeiters. Er besuchte von 1918 bis 1924 das Lehrerseminar und studierte von 1925 bis 1929 Volkswirtschaft an der Universität Hamburg. 1931/32 setzte Noffke sein Studium in Berlin fort und promovierte 1932 zum Dr. phil. Seit 1921 Mitglied der SPD, schloß er sich 1923 der KPD an. Er war bis 1929 Lehrer in Hamburg, dort 1929 Mitglied der KPD-BL Wasserkante, ab 1930 hauptamtlich im Apparat der BL. Bis April 1931 Leiter des Verlages der »Hamburger Volkszeitung«, anschließend Lehrer und Leiter der Reichsparteischule in Berlin-Fichtenau. Ende 1932 setzte ihn das Polbüro als Nachfolger Alexander Emels als Leiter der Abteilung Propaganda des ZK ein, zusätzlich mußte er die Informationsabteilung führen. Nach dem Reichstagsbrand wirkte Noffke im März und April 1933 als ZK-Instrukteur für die BL Ruhr und die BL Mittelrhein. Nach einer kurzzeitigen Verhaftung Mitte Mai 1933 lebte er bis 15. Juli 1933 illegal in Berlin, dann emigrierte er über Danzig, die Niederlande, Österreich und die Tschechoslowakei in die Sowjetunion. Dort 1934/35 Angestellter bei der VAA in Moskau, anschließend Redakteur am Verlag für fremdsprachige Literatur. Noffke geriet 1937 in die stalinistischen Säuberungen und war zeitweilig inhaftiert. 1941/42 wieder als Redakteur und Übersetzer tätig, anschließend politischer Mitarbeiter am Institut 99. Bis zu seiner Rückkehr im Januar 1952 nach Deutschland erneut Redakteur im Verlag für fremdsprachige Literatur. Mitglied der SED, begann Noffke im Februar 1952 als Sektorleiter, später Abteilungsleiter am IML. 1960 Redakteur beim Presseamt des DDR-Ministerrates, ab 1965 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Hochschule für Ökonomie in Berlin-Karlshorst. Er erhielt 1968 den VVO in Silber. Ernst Noffke starb am 16. November 1973 in Ost-Berlin. Er war in erster Ehe mit der deutschen Kommunistin Else Noffke, geb. Jandera (* 29. 6. 1905), verheiratet, die 1943 im Auftrag der GRU mit dem Fallschirm über Deutschland absprang, von der Gestapo gefaßt wurde und im KZ Ravensbrück umkam. Noffkes aus zweiter Ehe stammende Tochter Inga drehte 1998 den Dokumentarfilm »Wir Kommunistenkinder«. In Form eines fiktiven Dialogs mit ihrem Vater Ernst Noffke rekonstruierte sie seinen Lebensweg aus Tagebüchern und Briefen sowie seiner Komintern-Akte im Moskauer Archiv.

Wer war wer in DDR

Nolte, Claudia

* 7.2.1966

Geb. in Rostock; 1972 – 82 POS in Rostock; 1982 – 85 Berufsausb. mit Abitur, Facharb. für Elektronik; 1985 – 90 Studium der Automatisierungstechnik u. Kybernetik an der TH Ilmenau, Dipl.-Ing.; 1990 wiss. Mitarb. der TH Ilmenau; Mitarb. in der Kath. Studentengemeinde; Okt. 1989 – Febr. 1990 Neues Forum; seit Febr. 1990 CDU, Mitgl. des CDU-KV Ilmenau; März – Okt. 1990 Mitgl. der Volkskammer. Okt. 1990 – 98 u. 2002 – 05 MdB, Mitgl. des Vorst. der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, 1991 – 94 deren frauen- u. jugendpolit. Sprecherin; 1990 – 94 Mitgl., bis 1992 stellv. Vors. des CDU-LV Thür., Vors. des Landesfachaussch. Familienpolitik; Nov. 1994 – Okt. 1998 Bundesmin. für Familie, Senioren, Frauen u. Jugend (Nachf. von Hannelore Rönsch für Fam. u. Senioren; Nachf. von  Angela Merkel für Frauen u. Jugend); Okt. 1996 – Apr. 2000 Mitgl. des CDU-Präs.; seit 2004 Mitgl. im Lenkungsaussch. des Petersburger Dialogs u. ord. Mitgl. des Vorst. der Europ. Volkspartei; Mitgl. im Ausw. Aussch. des Dt. Bundestages; Berichterstatterin der CDU/CSU-Bundestagsfrakt. zu Teilen Osteuropas u. Lateinamerikas; stellv. Vors. des Unteraussch. Vereinte Nationen u. Länderbeauftr. des Dt. Bundestages für die Rep. Moldau; seit Jan. 2006 Ltr. des Auslandsbüros der Konrad-Adenauer-Stiftung in Belgrad, seit April 2010 Ltr. des KAS-Auslandsbüros Großbritannien in London.Jansen, M.: Das Claudia-Nolte-Phänomen. Bonn 1997; Martenstein, H.: Die Mönchsrepublik. Leipzig 1997.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Norden, Albert

* 4.12.1904 – ✝ 30.5.1982

Geb. in Myslowitz (Krs. Kattowitz, Oberschles. / Myslowice, Polen) in einer jüd. Fam.; Vater Rabbiner (1943 im KZ Theresienstadt verst.); 1907 Umzug der Fam. nach Wuppertal-Elberfeld; 1911 eingeschult, bis 1920 Realgymnasium an der Aue in Wuppertal-Elberfeld, Schulverweis, ohne Abschl.; 1918 Freie Soz. Jugend; 1919 KJVD; in dessen Auftrag Mitarb. im Jungjüd. Wanderbund; Entw. eines linken Flügels, Hrsg. der »Rundbriefe der radikalsoz. jüd. Jugend«; Handelsschule; 1921 KPD; 1920 – 23 Ausbildung zum Schreiner; 1921 Mitgl. der Holzarbeitergewerkschaft; 1923 KPD-Parteischule in Jena; 1923 – 30 Volontär, Red. u. Chefred. an Ztgn. der KPD, u. a. »Freiheit« (Düsseldorf); 1923 Red. »Rote Fahne des Westens« (Remscheid); 1923/24 pol. Haft im Gefängnis Düsseldorf-Benrath; nach Entlassung 1924/25 Red. der KPD-Ztg. »Klassenkampf« (Halle); 1925 Red. in Bremen; 1925 –27 Red. u. stellv. Chefred. der »Hamburger Volksztg.«; 1927 Haftstrafe aus pol. Gründen in Hamburg-Fuhlsbüttel; 1928 im Zusammenhang mit der Versöhnler-Affäre Ausschl. aus der Red., Versetzung als Lokalred. nach Stettin; 1930 Chefred. des »Ruhr-Echos« (Essen); 1931 – 33 Red. u. stellv. Chefred. der »Roten Fahne«; publ. in der »Linkskurve«; ab 1932 als Anhänger der ultralinken Hermann Remmele / Heinz Neumann-Gruppe gemaßregelt; März 1933 Emigr. nach Dänemark; dort u. ab Mai 1933 in Paris Chefred. der Ztschr. »Antifa. Front«, Kopenhagen / Paris; 1933 – 35 Emigr. nach Frankreich, Mitarb. am »Braunbuch über Reichstagsbrand u. Hitlerterror«; später Red. der Ztg. »Front mondial«, Organ der »Weltfront gegen imp. Krieg u. Fasch.« Paris; Ende 1934 mit der Red. nach Saarbrücken; 1934/35 Teiln. am »Abstimmungskampf« im Saargeb.; 1935 Red. der »Rundschau«, zunächst in Paris (dort Mitarb. am »Braunbuch über Reichstagsbrand u. Hitlerterror«), Ende 1935 nach Prag; dort 1936/37 Mitarb. zahlr. Exilztschr., u. a. »Dt. Volksztg.«, »Inprekorr«, »Rundschau über Pol., Wirtschaft u. Arbeiterbew.« (Basel), an der illeg. »Roten Fahne« u. in der »Internationalen« (»Hans Behrend«); 1938 Rückkehr nach Paris; Mitarb. der ZK-Kommission 20 Jahre KPD; KPD-Verbindungsmann zur »L’Humanité«; Juli 1938 Aberkennung der dt. Staatsbürgerschaft; Sept. 1938 Doz. am ZK-Lehrgang in Draveil; 1938/ 39 Sekr. des von  Heinrich Mann gegr. Aktionsaussch. dt. Oppositioneller; 1939/40 in Frankreich interniert, krankheitshalber entlassen; Jan. 1940 Verhaftung, interniert in Damigny-sur-Orne, Bassens (b. Bordeaux), dort Mitgl. der illeg. KPD-Parteiltg., Juni 1940 geflohen; Aug. 1940 Mitgl. der KPD-Ltg. Toulouse; 1941 nach Marseille, dann in die USA; 1942 – 45 Fabrikarb. in New York; Funktionär des »Dt.-Amerik. Kulturverb.«; journalist. Arbeit für »German American« u. die Ztschr. »Freies Dtl.« (Mexiko); 1944 Mitbegr. des »Council for a Democratic Germany« in den USA; Hrsg. von »German today«; zus. mit  Gerhart Eisler u.  Albert Schreiner Verf. von »The Lesson of Germany«. Okt. 1946 Rückkehr nach Dtl.; KPD/SED; Nov./Dez. 1946 polit. Red. des »Vorwärts«, daneben Arbeit am Buch »Lehren dt. Geschichte«; Jan. – Sept. 1947 Hauptred. der Abt. Wirtschaft im ZS der SED; anschl. Pressechef der DWK; Jan. 1948 – Sept. 1949 Chefred. von »Dtl. Stimme« im Progreß Verlag Berlin; ab 1947 Vorst.-Mitgl. des VDP; 1949/ 50 Mitgl. des Dt. Volksrats bzw. Abg. der (Prov.) Volkskammer; ab Sept. 1949 Pressechef der HV für Information der DWK (Ltr. Gerhart Eisler); Okt. 1949 – Dez. 1952 Ltr. der HA Presse des Amts für Information beim Min.-Präs.; 1951 NP; 1952/53 Prof. für neuere Geschichte an der HU Berlin; Ltr. des Büros der Ständ. Delegation für die friedl. Lösung der dt. Frage bzw. nach dessen Umbenennung 1954/ 55 Sekr. bzw. Staatssekr. des Aussch. für Dt. Einheit; seit 1954 Mitgl. des Präs. des NR der NF; ab März 1955 – 81 Mitgl. u. Sekr. des ZK des SED; März 1955 – 67 Ltr. der Agit.-Kommission beim PB des ZK der SED; Juli 1958 – 81 Mitgl. des PB des ZK der SED, hier bis 1979 verantw. für die Abt. Auslandsinformation, Westabt., Befreundete Parteien, ZK-Arbeitsgr. Soz. Wehrerziehung, NR der NF u. Friedensrat; als Propagandachef der SED entscheidender Anteil an der Gestaltung der Dtl.-Pol. der DDR, vertrat 1967 als erster die These von der Existenz zweier dt. Nationen; 1958 – 81 Abg. der Volkskammer; Mitgl. des Präs. des Friedensrats der DDR u. des Büros des Weltfriedensrats, seit 1977 dessen Vizepräs.; 1960 – 79 Ltr. der Westkommission beim PB des ZK der SED; 1963 – Jan. 1979 Mitgl. des Nat. Verteidigungsrats; ab 1963 Präs.-Mitgl. der Dt.-Brit. Ges. in der DDR; 1976 – 81 Mitgl. des Staatsrats; 1964 VVO u. Held der Arbeit; 1969 KMO; 1974 Stern der Völkerfreundschaft u. (sowj.) Orden der Völkerfreundschaft; 1979 Großer Stern der Völkerfreundschaft, Dr. h. c. der HU Berlin; 1981 KMO; gest. in Berlin.Die wahren Herren Dtl. 1939 (Ps. Hans Behrend); Lehren dt. Geschichte. Berlin 1947; So werden Kriege gemacht. Berlin 1950; Die Nation u. wir. Ausgew. Reden u. Aufsätze, 2 Bde. Berlin 1964; In Aktion für das soz. Vaterland. Ausgew. Reden u. Aufsätze. Berlin 1969. Schaul, D.: Résistance. Berlin 1973; Kießling, W.: Alemania Libre in Mexiko. Berlin 1974; ders.: Exil in Lateinamerika. Leipzig 1980; Staadt, J.: Die geheime Westpol. der SED 1960 – 70: von der gesamtdt. Orientierung zur soz. Nation. Berlin 1993; Podewin, N.: Der Rabbinersohn im SED-Politbüro. Berlin 2001.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Notowicz, Nathan

* 31.7.1911 – ✝ 15.4.1968

Geb. in Tyczyn (Galizien, Österr.-Ungarn/Bez. Rzeszów/Polen) in einer poln.-jüd. Fam.; Vater Kfm.; 1913 Übersiedl. nach München; dort Volksschule; 1928 – 32 Konservatorium in Düsseldorf; Ausbildung in Köln, Amsterdam u. Brüssel; 1932 Lehrer für Musiktheorie am Düsseldorfer Konservatorium; 1933 Emigr. in die Niederlande; 1933 – 41 freischaff. Musiker u. Lehrer in Amsterdam; Kontakte zur KPD; Teiln. am Widerstand in den Niederlanden; Kulturarbeit im Ghetto Amsterdams; 1940 KPD u. 1944/45 Ltg. der KPD-Gruppe in den Niederlanden (»Gerard Fischer«). 1946 Rückkehr nach Dtl., Düsseldorf; 1946/47 Ltr. der Abt. Kultur u. Erziehung der KPD-BL Niederrh. bzw. 1947/48 der KPD-LL Niederrh.; 1948 Übersiedl. in die SBZ, Berlin; 1950 Prorektor u. Prof. an der Dt. HS für Musik Berlin, Dir. für Studienangelegenh.; 1951 Verleihung der dt. Staatsbürgerschaft (vorher poln.); Gründungsmitgl. des VDK, 1951 – 61 1. Sekr. u. Gen.-Sekr. des VDK; zeitw. stellv. Vors. der Neuen-Bachges.; 1956 Staatspreis für künstler. Volksschaffen; 1959 VVO; ab 1962 Vors. des VDK; 1962 Ltr. des Hanns-Eisler-Archivs der DAK, Vorarb. für die Einrichtung des Arbeiterlied-Archivs; 1961/62 Mitgl. des Kolleg. des Min. für Kultur; 1962 Sekr. des Musikrats; ab 1964 Präs. der Dt.-Brit. Ges.; Mitgl. des Präsidialrats des KB; Forschungen u. Publ. zu Hanns Eisler u. Johann S. Bach; gest. in Berlin.Ein Zeugnis von J. S. Bach. In: MuG (1952) 2; Zur Geschichte der Arbeitermusikbew. in der Weimarer Rep. Leipzig 1958; Hanns Eisler. Quellennachweis. Leipzig 1966 (zus. mit J. Elsner); H. Eisler. Lieder u. Kantaten (Hrsg. zus. mit S. Eisler); »Wir reden hier nicht von Napoleon. Wir reden hier von Ihnen!« Gespräche mit H. u. G. Eisler. Berlin 1971 (Hrsg. v. J. Elsner). Laux, K.: N. N. zum Gedächtnis. In: Die Musikforschung, Bd. 21. Kassel 1968; Meyer, E.-H.: N. N. In: Sammelbde. zur Musikgesch. der DDR. Berlin 1971.Torsten Musial / Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Nick, Harry

* 15.8.1932

Geb. in Borowo (Krs. Łódź, Polen); Vater Forstarb.; 1951 Abitur an der OS Hettstedt; SED; 1951 – 54 Studium der Industrieökonomik an der HfÖ Berlin; anschl. bis 1962 Assistent, Oberassistent u. Wahrnehmungsdoz. am dortigen Inst. für pol. Ökon., Fachgeb. pol. Ökon. des Soz.; 1959 Prom. zum Dr. oec. (»Die Akkumulation von Grundfonds in den LPG«, Berlin 1961); ab 1962 wiss. Mitarb. am IfG/AfG; 1964 Doz.; 1965 Habil. mit einer Arbeit zum Fondsvorschuß als bes. ökonom. Aufwandsart; 1967 Prof. für pol. Ökon., Ltr. der Forschungsber. »Ökon. der Grundfonds« bzw. »Ökonom. Probleme des wiss.-techn. Fortschritts«; stellv. Vors. des Wiss.-Rats für ökonom. Fragen des wiss.-techn. Fortschritts; 1979 NP. 1991 Ruhestand; Mitarb. in der Arbeitsgr. Wirtschaftspol. beim PV der PDS; Vorstandsmitgl. des Forums Wirtschaft u. Demokratie. H. N. galt in der DDR als prominenter Autor zu ökonom. Problemen der wiss.-techn. Entw. im Soz. Arbeitsgebiete: Grundfondsökon., wirtschaftl. Rechnungsführung.Techn. Rev. u. Ökon. der Produktionsfonds. Berlin 1961; Ges. u. Betrieb im Soz. Berlin 1970; Ökon. u. soziale Wirksamkeit des wiss.-techn. Fortschritts. Berlin 1986 (Ltr. des Autorenkoll.); Die Marxsche Lehre im Lichte des soz. Desasters. Schkeuditz 1997; Gemeinwesen DDR. Erinnerungen u. Überlegungen eines Politökonomen. Hamburg 2003.Hagen Schwärzel

Wer war wer in DDR

Nickolay, Friedrich (Fritz)

* 28.10.1909 – ✝ 15.10.1953

Geb. in Dudweiler (Saar); Vater Bergmann; Volksschule in Dudweiler; Arbeit als Bergmann u. Bauarb.; 1924 KJVD Saar; ab Jan. 1928 KPD; ab 1933 Jugendsekr. der KPD-BL Baden-Pfalz; Juni 1933 in Speyer verhaftet, 1933/34 Haft im Gefängnis Speyer, dann im KZ Dachau; anschl. KPD-Funktionär im Saargebiet; Emigr. nach Frankreich; 1938/39 Mitgl. der Ltg. des KJVD-Abschn. Saar in Forbach; Mitbegr. u. Vors. der FDJ Paris; Sept. 1939 in Paris verhaftet, versch. Internierungslager (u. a. Colombes), wegen Krankheit entlassen; erneut verhaftet; beteiligt an einer Befreiungsaktion aus dem Lager Bassens (b. Bordeaux); aktiv in der Résistance; 1943 – 45 Mitgl. der KPD-Ltg. in Lyon; Mitgl. u. Funktionär der Komitees Freies Dtl. für den Westen. 1945 Rückkehr nach Dtl.; 1946 – 51 Vors. bzw. 1. Sekr. des KPD-LV Saar; 1946 – 49 Mitgl. des SED-PV; April 1948 Mitgl. des PV der KPD; 1950 infolge der Saarbrücker Mai-Demonstration wegen »offenen Aufruhrs« angeklagt, deshalb von einem Kuraufenthalt aus der ČSR nicht zurückgekehrt; April 1951 Übersiedl. in die DDR; SED; 1951/52 Hauptdir. des VEB Steinkohlenrevier Zwickau/Oelsnitz/Erzg.; 1952/53 dort Ltr. der HV Steinkohle; gest. in Berlin.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Niebling, Gerhard

* 16.7.1932 – ✝ 27.4.2003

Geb. in Markneukirchen (Krs. Eisenach); Vater Bergmann; 1937 – 47 Volksschule in Marksuhl; 1947 – 51 Ernst-Abbe-OS in Eisenach; 1950 SED; 1951/52 Fördermann im SAG Kaliwerk Heiligenroda; 1952 Einstellung beim MfS; 1952/53 Kursant der Schule des MfS Potsdam-Eiche; 1953 HA IX (Unters.-Organ), MfS Berlin; 1959/60 Besuch der BPS; 1964 – 68 Fernstudium an der HU Berlin, Dipl.-Kriminalist; 1965 stellv. Abt.-Ltr., anschl. Abt.-Ltr., 1979 stellv. Ltr. der HA IX; 1979 Prom. zum Dr. jur. an der JHS; 1983 Ltr. der Zentr. Koordinierungsgr. Übersiedl. (ZKG); 1984 Gen.-Major; 1990 Entlassung; bis Mai 1990 Berater des Staatl. Komitees zur Auflösung des AfNS. 1999 – 2003 Mitgl. der DKP; gest. in Berlin.Grimmer, R. u. a. (Hrsg.): Die Sicherheit. Berlin 2002 (Mitautor).Jens Gieseke

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Niemann-Stirnemann, Gunda

* 7.9.1966

Geb. in Sondershausen; begann als Volleyballspielerin, ab 1981 Leichtathletin beim SC Turbine Erfurt, KJS Erfurt; Lehre als Textilverkäuferin; 1983 Bronze bei der Spartakiade 400 m Hürden; Sept. 1983 Wechsel zum Eisschnellauf beim SC Turbine Erfurt (ab 1990 ESC Erfurt) (Trainer: Gabi Fuß, später Stephan Gneupel, Klaus Ebert); 1985 Spartakiadesiegerin 1.000 u. 3.000 m; 1986 Bronze bei den DDR-Meisterschaften 5.000 m; 1987 DDR-Mstr. 3.000 u. 5.000 m. Olympiasiegerin 1992 3.000 u. 5.000 m, 1998 3.000 m, Olympia-Silber 1992 1.500 m, 1994 5.000 m, 1998 1.500 u. 5.000 m; Olympia-Bronze 1994 1.500 m; Mehrkampf-WM 1991 – 93 u. 1995 – 99, Vize-WM 1989, 2000; Einzelstrecken-WM: 1996 3.000 m, 1997 1.500 u. 3.000 m, 1998 3.000 u. 5.000 m, 1999 3.000 u. 5.000 m, 2000 5.000 m, 2001 5.000 m; Mehrkampf-EM 1989 – 92, 1994 – 96 u. 2001; EM-Zweite im Mehrkampf 1988, 1997 u. 2000; 1991 Heirat mit DDR-Judomeister Detlef Niemann; 1997 Heirat mit ihrem Schweizer Manager Oliver Stirnemann; 1992 Silbernes Lorbeerblatt; ab 1993 Bibliotheksangest. der Thür. Staatskanzlei; Eisschnellauf-Profi; 1995 – 97 Oscar-Mathisen-Preis (»Eis-Oscar«); 1998 »Goldene Henne«; 1998 Ehrenbürgerin von Erfurt; 2001 Eröffnung der Gunda-Niemann-Stirnemann-Eishalle in Erfurt; Okt. 2005 Beendigung der sportl. Laufbahn; Inh. einer Werbeagentur u. Trainerin für Eisschnelllauf am Erfurter Olympiastützpunkt; lebt in Riechheim (Ilm-Kreis).Ich will. Traumkarriere mit Tränen u. Triumphen. Berlin 2000 (Autobiogr.).Volker Kluge

Wer war wer in DDR

Nierich, Max

* 16.5.1890 – ✝ 11.4.1976

Geb. in Berlin; Vater Tischler, Mutter Fabrikarb.; Volksschule in Berlin; 1900 Mitgl. des Arbeiter-Turn-u.-Sportbunds, später der Arbeiterjugend; Ausbildung zum Tischler; 1908 Mitgl., ab 1909 Funktionär des Holzarbeiterverbandes; 1908 SPD; 1910 – 14 Angest. in der Zentrale des Arbeiter-Turn-u.-Sportbunds in Leipzig; Veröff. in der »Leipziger Volksztg.«; 1927 – 30 Red. des »Volksblatts« (Kassel); 1930 – 33 Chefred. der Ztg. »Volksstimme« in Frankfurt (Main); 1933 vorübergehend verhaftet; 1944 – 45 illeg. pol. Tätigkeit in Frankfurt (Main) u. Berlin, Verbindungen zur Gruppe um Wilhelm Leuschner u. Dr. Julius Leber. 1945/46 SPD/SED; Chefred. »Das Volk«; 1946 – 49 zus. mit  Lex Ende Chefred. des »Neuen Dtl.«; ab 1949 Mitgl. des Sekr. des Dt. Volksrats; anschl. Mitgl. des Büros des Präs. des NR der NF, dann auch von dessen Präs.; in dieser Eigenschaft auch Chefred. von »Dtl. Stimme« u. »Stimme des Patrioten«; 1960 Ruhestand; Mithrsg. der »Soz. Briefe«; gest. in Berlin.Müller-Enbergs, H.: Meinungsoffiziere der Parteiführung. In: JHK. Berlin 1997.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Nischwitz, Margarete

* 17.10.1891 – ✝ 10.12.1979

Margarete Stock wurde am 17. Oktober 1891 in Sachsen als Tochter einer ledigen Spinnereiarbeiterin geboren; Trikotagennäherin. Seit 1912 mit Paul Nischwitz verheiratet, 1912 Mitglied der SPD, 1917 der USPD, 1918 des Spartakusbundes. Margarete Nischwitz war Mitbegründerin der KPD in Chemnitz-Nord und Frauenleiterin der KPD in Chemnitz. Von 1921 bis 1933 Abgeordnete der Chemnitzer Stadtverordnetenversammlung, von 1929 bis 1932 Leiterin des Frauensekretariats der BL Sachsen in Dresden. Sie wurde 1925 Vorsitzende des Roten Frauen- und Mädchenbundes (RFMB) in Sachsen. Delegierte des VI. Weltkongresses der Komintern 1928 in Moskau, wo sie zur Frauenfrage sprach. 1929 zog sie als Abgeordnete in den Sächsischen Landtag ein, kandidierte auch 1930 wieder (an dritter Stelle), wurde erneut gewählt und blieb bis 1931/32 stellvertretende Fraktionsvorsitzende und Mitglied des Sekretariats der BL Sachsen. Sie schied aus familiären Gründen aus der hauptamtlichen Parteiarbeit aus. Als ihr die BL riet, sich scheiden zu lassen, lehnte sie das ab. Nachdem ihr Mann schon 1930 aus der KPD ausgetreten und Mitglied der SPD geworden war, hat auch sie 1932 die KPD verlassen. Die Zerrüttung der Familie und politische Probleme verursachten ein längeres Nervenleiden, deshalb war sie zeitweise in einer Nervenheilanstalt untergebracht. Nach 1933 mehrmals inhaftiert, schloß sie sich 1945 wieder der KPD bzw. der SED an, bekam aber nur noch untergeordnete Funktionen. 1976 erhielt sie den VVO in Gold, wohnte als Parteiveteranin in Frohnau im Erzgebirge. Margarete Nischwitz starb dort am 10. Dezember 1979.

Wer war wer in DDR

Nitz, Jürgen

* 9.8.1927

Geb. in Berlin; Vater Ofensetzer, Mutter Sekr.; 1934 – 42 Volksschule in Friedrichshain; Dt. Jugend; HJ; 1942 – 44 Handelsschule, dann Höhere Handelsschule in Berlin-Charlottenburg u. Zehlendorf; 1944 RAD, Arbeitsmann; 1944/45 Wehrmacht, Offz.-Anwärter; April – Sept. 1945 sowj. Kriegsgefangenschaft in Oppole (Polen). Rückkehr nach Dtl.; 1945/46 Bauarb. in Berlin; April 1946 – 49 Angest. der Abt. Arbeit, dann Finanzen u. Wirtschaft des Magistrats von Berlin; 1947 – 49 Ltr. des Büros des Stadtrats  Karl Maron; 1946 – Dez. 1989 SED; 1949 – 61 Mitarb. des »Neuen Dtl.«; Sekr. von  Rudolf Herrnstadt; anschl. Wirtschaftsred., Auslandskorrespondent Balkan, Chef. vom Dienst; 1953 – 57 Studium der Wirtschaftswiss. an der HU Berlin, Dipl.-oec.; 1962 – 66 stellv. Ltr. des Presseamts beim Min.-Präs.  Willi Stoph; 1966 Ausschl. aus der SED wegen »Entfernung von der Pol. der Arbeiterkl. u. ihrer Partei«, 1969 rehabil.; 1966 – 69 Berufsverbot für journalist. u. wiss. Tätigkeit, Arbeitsplatzzwangszuweisung zum VEB Elektrokohle in Berlin-Lichtenberg, dort Maschinenarbeiter, Betr.-Ökon. u. stellv. Betr.-Ltr.; Doz. an der VHS Lichtenberg; 1969 – 91 wiss. Mitarb. u. stellv. Ltr. der Informationsabt. im DIZ; dann Ltr. der Forschungsgr. bzw. des Forschungsber. im IPW für Ost-West-Wirtschaftsbez. u. Innerdt. Handel; ab 1975 Konsultant der Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen; 1975 Prom. zum Dr. oec. über Ost-West-Wirtschaftsprobleme; ab 1979 Mitgl. des Internat. Rates für Ost-West-Kooperation in Wien, ausgew. als Berater des Minister  Gerhard Beil; ab 1983 Mitw. am »Züricher Modell«, dann »Länderspiel«, bei denen es um dt.-dt. Annäherung ging; 1986 Habil.; ord. Prof. 1991 – 94 Ltr. des Sigma-Verlags-GmbH u. Vors. der Ges. für Wirtschaftskoop. u. Marktinformation; danach Sachbuchautor u. freier Wirtsch.-Berater.Worin unsere Stärke besteht. Berlin 1959; Embargo und Boykott: Hintergründe imp. Wirtschaftspol. Berlin 1984 (zus. mit C. Fiedler); Wirtschaftsregion Berlin-Brandenb. Berlin 1992 (Hrsg.); Länderspiel. Ein Insider-Report. Berlin 1995; Lauschangriff: Das Buch zur Wanze. Berlin 1995; Vertane Chancen für eine dt.-dt. Annäherung. Berlin 1995; Unterhändler zwischen Berlin u. Bonn. Berlin 1999.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Noack, Else

* 23.9.1913 – ✝ 17.2.2001

Geb. in Züllichau (Prov. Brandenb. / Sulechów, Polen); Vater Arbeiter; Volksschule; Lehre u. Arbeit als Verkäuferin; 1937 – 46 Hausfrau. 1945 KPD, 1946 SED; Jan. / Febr. 1946 Lehrgang an der KPD-BPS in Schmerwitz; 1946 / 47 Frauenreferentin in der Kreisverw. Beeskow; 1947 – 51 Kreisgeschäftsf. der Konsumgenossenschaft Storkow; 1951 Abt.-Ltr. in der SED-KL Finsterwalde; 1951 – 53 Org.-Instrukteurin u. Sekr. beim Rat des Krs. Finsterwalde; 1953 / 54 Einjahreslehrgang an der DASR Potsdam; 1954 / 55 Sekr. des Rats des Krs. Angermünde; 1955 – 60 OB von Frankfurt (Oder); (Nachf. von  Erwin Hinze); Fernstud. an der DASR Potsdam, 1959 Dipl.-Juristin; Juli 1960 aus dem Rat der Stadt Frankfurt (Oder) ausgeschieden.Targiel, R.-R.: Die Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt (Oder) vom Beginn des 18. Jh. bis zur Wiedererlangung der kommunalen Selbstverwaltung im Jahr 1990. Frankfurt (Oder) 2000.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Noll, Alfred

* 19.4.1896 – ✝ 7.8.1985

Geboren am 19. April 1896 in Porta Westfalica, Sohn eines Glasmachers; lernte Köbelmacher (Glaser) in Hildburghausen und arbeitete anschließend bei Schott in Jena. Später legte er in diesem Beruf die Meisterprüfung ab. 1914 Mitglied der SPD. Während des Krieges Soldat. 1918 Mitglied der USPD, mit der linken USPD zur KPD. Zunächst Notstandsarbeiter, ab 1920 wieder bei Schott, wo er dem Betriebsrat angehörte. Später beschäftigt bei Zeiss in Jena, leitete dort die KPD-Betriebszelle und gehörte dem Betriebsrat an. Im Winter 1921/22 nahm Noll an der ersten Reichsparteischule der KPD teil. Von 1922 bis 1932 Mitglied der BL Thüringen, 1926 Sekretär für Agitprop. Auf dem XI. Essener Parteitag 1927 (als Betriebsarbeiter) zum Kandidaten des ZK gewählt, ebenso auf dem XII. Weddinger Parteitag 1929. Während der Auseinandersetzungen 1928/29 zwischen Rechten und ZK-Anhängern gehörte Noll zu den ZK-treuen Mitgliedern, im Herbst 1928 vom ZK als hauptamtlicher Orgleiter der BL Großthüringen eingesetzt. Er übte diese Funktion bis Februar 1932 aus, wurde dann von Polleiter Walter Duddins entlassen. Ab 1932 Sekretär des kommunistischen Freidenkerverbandes Großthüringen, übernahm im Februar 1933 illegal die Leitung des Verbandes in Berlin. Es wurde das Gerücht verbreitet, Noll sei ermordet worden. Tatsächlich kam er im September 1935 nach Moskau, wo er bis 1937 Internationaler Sekretär im Zentralrat des Gottlosen-Verbandes, dann 1937/38 Journalist in Moskau war. Im Februar 1938 nach Stockholm entsandt, blieb er bis Februar 1946 als Emigrant in Schweden, Druckereiarbeiter. Anfang 1946 kam Noll in die SBZ, Abteilungsleiter für Sozialpolitik in Thüringen, 1947 Sekretär im FDGB-LV Thüringen. 1949/50 Leiter für Arbeit und Sozialwesen im SED-Landesvorstand, dann bei der Volkssolidarität in Thüringen. Später Abteilungsleiter in der MfS-Bezirksdienstelle Erfurt. Wegen »moralischer Vergehen« entlassen, dann von 1956 bis 1960 Kulturleiter des FDGB-Feriendienstes in Stadtroda. Zuletzt Leiter der Bildungsstätte der SED-Stadtleitung Jena, er erhielt 1981 den Karl-Marx-Orden. Alfred Noll starb am 7. August 1985 in Erfurt.

Wer war wer in DDR

Nooke, Günter

* 21.1.1959

Geb. in Forst (Lausitz); Vater Finanzbeamter, Mutter Bankkfm.; 1975 – 78 Ausbildung zum Baufacharb. mit Abitur in Cottbus; 1978 – 80 Grundwehrdienst, anschl. Tischlergehilfe; 1980 – 85 Studium der Physik an der KMU Leipzig; 1985 – 90 Physiker bei der Arbeitshygieneinspektion des Bez.-Rats Cottbus, interdisz. Gutachter- u. Forschertätigkeit; 1986 – 90 postgraduales Studium zum Fachphysiker der Med.; ab 1986 Mitarb. in der kirchl. Friedens- u. Umweltbew., Veranstaltungsorg. für die jährl. Friedensdekade der Ev. Kirche u. die »Ökumen. Vers. für Gerechtigkeit, Frieden u. Bewahrung der Schöpfung«; 1987 Mitbegr. des Ökumen. Friedenskrs. der Region Forst; Jan. 1988 Mitbegr. des kirchl. Oppositionsblatts »Aufbruch«, deswegen Auseinandersetzungen mit Staat u. Kirche (Druckeinstellung); Mitarb. im opp. Netzwerk »Frieden konkret«; Sept. 1989 Verbreitung des Gründungsaufrufs von Demokratie Jetzt (DJ) in Forst; 1.10.1989 Mitbegr. des Demokrat. Aufbruchs (DA); Vorst.-Mitgl. u. Mitarb. am Zentr. Runden Tisch; 18.3. – 2.10.1990 Mitgl. der Volkskammerfraktion Bündnis 90/Grüne; Juli – Okt. 1990 Mitgl. des Verw.-Rats der Treuhandanstalt. Okt. 1990 – 94 Abg. des Brandenb.Landtags u. Vors. der Fraktion Bündnis 90; Mitgl. im Koalitionsaussch. sowie im  Manfred-Stolpe-Untersuchungsaussch.; 1991 – 93 Mitgl. im Geschäftsf. Aussch. des Bündnis 90 Landesverb. Brandenb., entschiedener Gegner der Parteienvereinigung Bündnis 90 / Die Grünen; Mai 1993 Austritt aus dem Bündnis 90 u. Mitbegr. der pol. Vereinigung »BürgerBündnis«; nachdem G. N. im Frühjahr 1994 die Glaubwürdigkeit von Aussagen des Min.-Präs. Manfred Stolpe im Untersuchungsaussch. zu dessen früheren MfS-Kontakten öffentl. in Frage stellte, kündigte die SPD die Koalitionsvereinbarung mit der Fraktion »Bündnis« auf; 1995 – 98 Abt.-Ltr. Controlling in der Braunkohlesanierung; 1995 Bundesverdienstkreuz; 1996 CDU; 1996 Gründungsmitgl. des Bürgerbüros zur Aufarbeitung von Folgeschäden der SED-Diktatur; seit 1998 – 2005 Abg. des Dt. Bundestags; ab Febr. 2000 – Okt. 2005 stellv. Vors. der CDU-Fraktion im Dt. Bundestag; ab 8.3.2006 Beauftragter der Bundesreg. für Menschenrechtspolitik u. humanitäre Hilfe; 2008 Nationalpreis.Gelten Menschenrechte universal? Freiburg 2008 (Mithrsg.); Lexikon des DDR-Sozialismus. Paderborn 1996 (Mithrsg.). Nooke, M.: Für Umweltverantw. u. Demokratisierung. Berlin 2008.Jan Wielgohs / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Norden, Albert

* 4.12.1904 – ✝ 30.5.1982

Als Sohn des Rabbiners Dr. Joseph Norden (*1870 – † 1942), der als Opfer der Hitler-Diktatur im KZ Theresienstadt ums Leben kam, und seiner Frau Emelie Norden (* 1876 – † 1931) am 4. Dezember 1904 in Myslowitz/Krs. Kattowitz geboren. Verlebte seine Jugend in Elberfeld, wohin sein Vater als Gemeinderabbiner berufen war, besuchte dort von 1911 bis 1920 das Realgymnasium. 1919 Mitglied der FSJ und 1921 der KPD. 1921 Herausgeber der »Rundbriefe der radikalsozialistischen jüdischen Jugend«. Norden begann eine Schreinerlehre. Er trat 1923 (nach dem Besuch der KPD-Parteischule in Jena) als Volontär bei der KPD-Zeitung »Freiheit« in Düsseldorf ein und wurde dann Chefredakteur der »Roten Fahne des Westens« in Remscheid. 1923/24 ein halbes Jahr inhaftiert, danach stellvertretender Chefredakteur des »Klassenkampfes« in Halle. Ab Juni 1925 Redakteur der »Hamburger Volkszeitung«, dann bis 1928 stellvertretender Chefredakteur der HVZ bzw. Redakteur an der »Arbeiterzeitung« in Bremen. Norden gehörte (als Konny in der Partei tätig) zu den Ultralinken, trennte sich aber 1926 von ihnen. Ab Herbst 1928 politischer Redakteur der »Roten Fahne« in Berlin, löste er im Juni 1930 Alexander Abusch als Chefredakteur des »Ruhr-Echos« in Essen ab. Im April 1931 wieder zur »Roten Fahne« zurück, blieb er bis Anfang 1933 stellvertretender Chefredakteur des Zentralorgans. Als Anhänger Heinz Neumanns im Herbst 1932 kritisiert, aber weiterhin Redakteur der »Roten Fahne«. Ende April 1933 emigrierte er nach Dänemark und übernahm in Kopenhagen die Chefredaktion der Zeitschrift »Die antifaschistische Front«, danach Sekretär des »Aktionsausschusses deutscher Oppositioneller« und Redakteur bei der von der Komintern in Paris herausgegebenen Zeitung »Weltfront«. Von 1935 bis 1938 in Basel und Prag Redakteur der Komintern-Zeitschrift »Rundschau«. 1938/39 Mitglied der KPD-Leitung in Paris, Anfang 1940 interniert. Im Juni Flucht nach Toulouse, lebte illegal und konnte im Mai 1941 auf einem französischen Schiff nach Mexiko entkommen. Von dort gelangte Norden in die USA und arbeitete bis 1945 in einer Fabrik für Radioteile in Brooklyn bzw. in einer Fabrik für die Herstellung von Industriediamanten in Manhattan. Er war Mitglied des »Rates für ein demokratisches Deutschland« und Herausgeber des Bulletins »Germany today«. Norden hatte 1940 die in Frankreich internierte Herta Fischer (* 19. 2. 1908 – † 8. 8. 1990) geheiratet, mit ihr und dem im Oktober 1942 geborenen Sohn Johnny reiste er im August 1946 auf dem sowjetischen Schiff »Nikolajew« nach Odessa und kam über Moskau nach Deutschland. Norden wurde Redakteur des »Vorwärts«, der Berliner Abendzeitung der SED, im Juli 1947 Pressechef der Deutschen Wirtschaftskommission, Anfang 1948 Chefredakteur der Zeitschrift »Deutschlands Stimme«. Im Oktober 1949 holte ihn Gerhart Eisler in das Amt für Information, hier Leiter der Hauptabteilung Presse. Im Zusammenhang mit den Auswirkungen des Slánsk´y-Prozesses Ende 1952 als Westemigrant und Jude sowie früherer Abweichler gefährdet, wurde Norden in den Hintergrund gedrängt. Am 1. Dezember 1952 zum Professor für Geschichte der Neuzeit ernannt, erhielt er im Frühjahr 1953 einen Lehrauftrag an der Humboldt-Universität. Im Januar 1954 begann seine erneute politische Karriere: Er wurde Sekretär des Ausschusses für deutsche Einheit. Im April 1955 ins ZK der SED kooptiert, Sekretär des ZK der SED. Seit dem V. Parteitag der SED 1958 Mitglied des ZK und des Politbüros sowie des Sekretariats der SED. Damit gehörte Norden bis 1971 zu den Spitzenfunktionären der Partei und war sowohl für die Agitation als auch vor allem für die Westarbeit der SED verantwortlich. Den Brief der Mitglieder des Politbüros 1971 an Breshnew mit der Bitte um Unterstützung bei der Ablösung Walter Ulbrichts hat Norden nicht unterschrieben. Auch unter Honecker blieb er protokollarisch im Spitzengremium, geriet aber mehr und mehr ins »Abseits«. Bei ihm wurde eine fortschreitende Parkinsonsche Krankheit diagnostiziert, auf dem X. SED-Parteitag 1981 kam er nicht mehr ins Politbüro. Norden veröffentlichte zahlreiche Bücher und Broschüren, u. a. »Um die deutsche Nation« (1952), »Zwischen Berlin und Moskau« (1954), »Fälscher« (1959). Eine zweibändige Auswahl seiner Schriften »Die Nation und wir« kam 1964 heraus, eine weitere Auswahl 1974 (Fünf Jahrzehnte im Dienst seiner Klasse). Er erhielt 1969 und 1981 den Karl-Marx-Orden. Albert Norden starb am 30. Mai 1982 in Ost-Berlin. Eine Biographie von Norbert Podewin »Albert Norden. Der Rabbinersohn im Politbüro« erschien 2001.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Nottrodt, Rolf-Dietrich

* 17.5.1927

Geb. in Plauen (Vogtl.); Vater Arbeiter; Volks- u. Oberschule; 1944 RAD; NSDAP; 1944 / 45 Wehrmacht; Mai / Juni 1945 amerikan. Kriegsgef. 1945 Landarb.; 1945 KPD, 1946 SED; 1945 / 46 Vors. des Antifa-Jugendaussch. beim Rat der Stadt Erfurt; 1946 Orstvors. der FDJ Erfurt; 1946 Abitur an der Vorstudienanstalt, 1946 – 50 Stud. Gesellschaftswiss., Dipl.; 1950 pers. Referent des OB von Erfurt; 1950 / 51 Dir. der Sozialversicherungskasse Erfurt; 1951 – 54 Sekr. für Agit. u. Prop. der SED-Stadtltg. Erfurt; 1954 Sektorenltr. in der SED-BL Erfurt; 1954 – 60 1. Sekr. des Bezirksaussch. der NF Erfurt; 1960 / 61 Stellv. des Vors. des Rats des Bez. Erfurt; 1961 – 68 OB von Erfurt (Nachf. von  Georg Boock); 1969 – 72 Sekr. des wiss. Rats an der DASR Potsdam-Babelsberg, gleichz. Aspirant, 1970 Prom. zum Dr. rer. pol.; 1972 – 90 Doz. für Staats- u. Verwaltungsrecht an der FS für Staatswiss. »Edwin Hoernle« in Weimar; 1990 Ruhestand; lebt in Erfurt.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Nickel, Egon

* 5.4.1893 – ✝ 28.3.1941

Geboren am 5. April 1893 in Lübeck; von Beruf Schlosser. Nickel wurde 1920 Mitglied der KPD und für sie 1921 und 1924 in die Lübecker Bürgerschaft gewählt. 1929 war er Stadtteilleiter der KPD in Altona und Hamburg, von 1931 bis 1933 wirkte Nickel als Orgleiter der KPD-Bezirksleitung Nordwest (Bremen). Im April 1933 mit der Leitung der illegalen Stadtparteiorganisation Groß-Hamburg beauftragt, er wurde bereits am 14. Juli 1933 verhaftet. Am 21. Februar 1935 zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt, anschließend kam er in das KZ Sachsenhausen, wo Egon Nickel am 28. März 1941 beim Einsatz in einem Bombenräumkommando umkam.

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Nickolay, Friedrich (Fritz)

* 28.10.1909 – ✝ 15.10.1953

(* 1909 – † 1953) Geboren am 28. Oktober 1909 in Dudweiler/ Saar, Sohn eines Bergmanns; Bergmann und Bauarbeiter. 1924 Mitglied der KJD Saar, 1928 Mitglied der KPD. Nickolay wirkte als Jugendsekretär des KJVD, ab 1933 illegaler Sekretär des KJVD im Saargebiet, Baden und der Pfalz. Im Juni 1933 inhaftiert, saß er 1933/34 im Gefängnis in Speyer und im KZ Dachau, danach erneut KPD-Funktionär im Saargebiet. Er emigrierte nach dem Anschluß des Saargebietes an Deutschland nach Frankreich und leitete in Paris die »Freie Deutsche Jugend«, leistete 1938/39 Grenzarbeit für die KPD. Ab September 1939 Internierung im Lager Colombes bei Paris, seit 1943 Mitglied der KPD-Leitung in Lyon, Anschluß an die Résistance und Funktionär des »Komitees Freies Deutschland im Westen«. 1945 kehrte Nickolay in das Saargebiet zurück, war von 1948 bis 1950 Vorsitzender der KP im Saargebiet und gehörte bis 1951 dem KPD-PV und von 1946 bis 1949 auch dem SED-PV an. Im August 1951 mußte er wegen seiner Westemigration in die DDR übersiedeln, wurde in die SED übernommen und war von 1951 bis 1953 Direktor im VEB Steinkohlerevier Zwickau/ Oelsnitz. Zuletzt arbeitete er im DDR-Staatssekretariat Kohle. Friedrich (Fritz) Nickolay starb am 15.Oktober 1953.Bernd-Rainer Barth

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Niederkirchner, Michael

* 3.9.1882 – ✝ 19.8.1949

(* 1882 – † 1949) Geboren am 3. September 1882 in Budapest, Sohn eines Steinhauers; begann eine Lehre als Rohrleger. 1903 trat er in die Sozialdemokratische Partei Ungarns ein, leistete 1904 seinen Militärdienst in der österreichischen Armee und übersiedelte im Mai 1905 nach Deutschland, Rohrleger in Berlin. 1914/15 Soldat, geriet 1915 in russische Kriegsgefangenschaft. Im April 1918 nahm er am 1. Kongreß der ausländischen Arbeiter- und Bauerndeputierten in Moskau teil, wurde Mitglied der deutschsprachigen Sektion der Bolschewiki und kehrte im Januar 1919 nach Berlin zurück. Mit dem linken Flügel der USPD 1920 zur KPD. Seit 1920 Branchenleiter der Berliner Rohrlegergewerkschaft und deren Sekretär. 1921 tendierte Niederkirchner zu den rechten Kommunisten und unterschrieb einen Protest gegen den Ausschluß der KAG-Gruppe. Mitglied der BL Berlin, 1927 wurde er Mitglied des ZK. 1929 als Leiter des Berliner Rohrlegerstreiks populär geworden, aber wegen des wilden Streiks aus der Gewerkschaft ausgeschlossen. Auf dem Weddinger Parteitag 1929 wieder ins ZK gewählt und im Dezember 1929 auf dem VII. Kongreß der RGI in Moskau in den Zentralrat und das Vollzugsbüro berufen, blieb er von Februar bis September 1930 als Orgsekretär der RGI in Moskau. Im Oktober 1930 kehrte er nach Deutschland zurück, wurde Generalsekretär der RGI Sektion Metall und gehörte sowohl der RGO-Reichsleitung als auch dem europäischen Sekretariat der RGI an. Am 28. Februar 1933 verhaftet, im Juni 1934 als lästiger Ausländer (Niederkirchner hatte noch immer seine ungarische Staatsangehörigkeit) aus Deutschland ausgewiesen. Ab Juli 1934 wieder in Moskau, dort in der RGI tätig und seit Ende 1935 Sekretär der Profintern. Von 1936 bis 1938 verantwortlicher Sekretär des Büros für internationale Beziehungen der Metallarbeiterverbände der Sowjetunion, im Februar 1938 wurde er Referent, ab September 1939 Inspektor für Arbeitsbesorgung für Politemigranten aus Spanien und der Tschechoslowakei. Mitte 1940 Staatspensionist, 1945 kam Niederkirchner nach Berlin zurück. Er unterschrieb als ZK-Mitglied den Aufruf der KPD vom Juni 1945. In der Zonenleitung der IG Metall des FDGB tätig, wurde er Leiter der Schulungsarbeit des FDGB. Michael Niederkirchner starb am 19.August 1949. Sein ältester Sohn, Paul Niederkirchner (*1907), seit 1927 in der KPD, wurde in Moskau vom NKWD verhaftet und dort am 19.Oktober 1938 erschossen. Seine Tochter Katja Niederkirchner (*7.10. 1909 – † 27. 9. 1944), während des Krieges in der Sowjetunion als Fallschirmspringerin ausgebildet, sprang über Deutschland ab, wurde verhaftet und im KZ Ravensbrück erschossen. Seine Frau Helene (* 8. 3. 1889 – † 2. 6. 1967), mit der er fünf Kinder hatte, wurde nach ihrer Rückkehr aus der Sowjetunion nicht Mitglied der SED, sie lebte als Rentnerin in Ost-Berlin. Die Tochter Mia Niederkirchner (* 19. 8. 1911 – † 2. 1. 1982) war nach einem Studium an der KUNMS in Moskau 1937 Referentin im EK der KJI, ab 1938 arbeitete sie bei der deutschen Sektion der Komintern in Moskau bzw. im Volkskommissariat für Außenhandel. 1946 nach Deutschland zurückgekehrt, war sie von 1948 bis 1950 im Büro des Sekretariats der SED-Landesleitung Groß-Berlin, bis 1971 im Apparat des ZK der SED.

Wer war wer in DDR

Niemeyer-Holstein, Otto

* 11.5.1896 – ✝ 20.2.1984

Geb. in Kiel; Vater Völkerrechtler; Gymnasium; 1914 Kriegsfreiw., Fronteinsatz; 1915 Entlassung aus dem Militärdienst als zu 50 Prozent Kriegsversehrter; 1916 Aufenthalt in der Schweiz; begann hier als Autodidakt zu malen u. zu zeichnen; ging 1918 auf Empfehlung von Werner von der Schulenburg nach Ascona; 1919 Ergänzung des Familiennamens um den Namen der Heimat Holstein; ab 1919 Malunterricht bei Arthur Segal; 1920 Ansiedl. in Schlesw.-Holstein; 1924 Gründungsmitgl. der Künstlergr. »Der große Bär« in Ascona; 1925 erste Einzelausstellung in Halle; 1925 Übersiedl. nach Berlin; dort freischaff. Maler; 1927 erneut Unterricht bei Arthur Segal; 1933 wurden Werke d. Künstl. aus Museen entfernt; ab 1933 zeitw., 1939 ständ. Aufenthalt auf Usedom; dienstverpflichtet als Eisenbahner. 1945 intensive künstler. Arbeit; Freundeskrs. mit den Künstlern Otto Manigk u. Herbert Wegehaupt führte zur Gründung der »Usedomer Malerschule«; Finanzierung der künstler. Arbeit durch Landw.; 1948 erste Einzelausstellung nach dem Krieg in Schwerin; 1953 Ablehnung der Bilder des Malers durch die Jury der 3. Dt. Kunstausstellung Dresden; 1954 Ausstellung in der Kunsthalle Mannheim, es folgten zahlr. Ausstellungen im In- u. Ausland; Studienreisen nach Bulgarien, Rumänien, Italien u. in die Schweiz; 1963 Präs. des internat. Komitees der Biennale der Ostseeländer in Rostock; 1964 Prof.; 1969 Mitgl. der AdK; 1974 NP; 1977 Stern der Völkerfreundschaft; 1981 VVO; gest. in Lüttenort (Usedom). Nachimpressionist., an frz. Malkultur geschulte Porträts, Landschaften, bes. die der Ostseeküste, Gartenstücke u. Stilleben; wichtiger Anreger für jüngere Künstler. Werke: Interieur (1931); Tulpe in japan. Vase (1945); Am Achterwasser (1968); Winter auf der Ostsee (1969).Lüttenort. Das Bilder-Leben u. Bild-Erleben des Malers O. N.-H. nach seinem Erzählen wiedergegeben von A. Roscher. Berlin 1989. Kat. O. N.-H. Kulturhist. Museum Magdeburg 1957; Kat. O. N.-H. Nat.-Gal. Berlin 1961; Kat. O. N.-H. Nat.-Gal. Berlin, Kunsthalle Rostock, Staatl. Museum Schwerin 1976; O. N.-H. Werkverz. der Druckgrafik 1918 – 1980. Kunsthalle Rostock 1980; Mayer, R.: O. N.-H. (mit Bibl.). Berlin 1983.Anke Scharnhorst

Wer war wer in DDR

Nieswand, Hans

* 19.10.1923 – ✝ 30.8.2014

Geb. in Wittenberge; Vater Arbeiter; Volks- u. Handelsschule; Lehre u. Arbeit als Sparkassenangest.; später Qualifizierung zum Agraring.; 1941 RAD; 1942 – 45 Wehrmacht. 1945 Arbeiter; 1946 SPD / SED; 1946 – 48 Rechnungsprüfer bei der Stadtverw. bzw. Ltr. des Schulamts Wittenberge; 1948 / 49 1. Sekr. der SED-KL Wittenberge; 1949 / 50 Kulturdir. im VEB »Textima« Wittenberge; 1950 – 52 Abt.-Ltr. in der SED-LL Brandenb.; 1952 / 53 polit. Ltr. der MAS im Bez. Potsdam; 1954 – 56 Studium an der SED-PHS, Dipl.-Gesellschaftswiss.; 1956 – 61 1. Sekr. der SED-KL Gransee; 1961 – 63 2. Sekr. der SED-BL Potsdam; 1963 – 88 Sekr. für Landw. der SED-BL Potsdam, dann Vors. des VdgB-BV Potsdam; 1983 VVO.Mario Niemann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Nischwitz, Paul Alexander

* 2.8.1891 – ✝ 14.5.1950

(* 1891 – † 1950) Geboren am 2. August 1891 in Schönau bei Chemnitz, Sohn eines Gärtners; Arbeiter in verschiedenen Textil- und Metallbetrieben. 1912 Mitglied der SPD und Eheschließung mit Margarete Nischwitz. Von 1914 bis 1918 Armierungssoldat, 1918 Vorsitzender des Soldatenrates in Zeithain bei Riesa, 1918 Mitglied der USPD. Bei Gründung der KPD 1919 in Chemnitz Mitglied der Partei. Bis 1927 übte Nischwitz verschiedene ehrenamtliche Funktionen aus. 1928 hauptamtlicher Parteisekretär. Ende 1928 besuchte er einen Halbjahreslehrgang der Internationalen Leninschule in Moskau und übernahm nach seiner Rückkehr Mitte 1929 für einige Monate die Funktion eines Orgleiters in Westsachsen. Nischwitz kam dann als UB-Sekretär nach Zwickau. Einen Tag vor der Landtagswahl im Mai 1930 trat er aus der KPD aus und zur SPD über. Bei den SED-Überprüfungen Ende der vierziger Jahre sagte Nischwitz, die Gewerkschaftspolitik der KPD sei Grund für den Austritt gewesen. Wie üblich wurden ihm nichtpolitische Gründe des Bruchs vorgeworfen, z. B. eine unmoralische Lebensweise, er habe seine Ehefrau vor und nach dem Besuch der Leninschule betrogen und Parteigelder unterschlagen. Entsprechend behauptete die SED-Kreisleitung Annaberg-Buchholz 1947 in einem Bericht: »Seinem Ausschluß aus der KPD ist er [1930] durch Übertritt zur SPD zuvorgekommen. Es waren aber keine politischen Gründe, die ihn dazu bewegten, sondern sein moralisches Abgleiten.« Tatsächlich gehörte Nischwitz jedoch 1932 der SPD-Bezirksleitung Chemnitz an, die nach 1933 ihren Sitz in Karlsbad hatte. 1933/34 Häftling in den KZs Sachsenburg, Hohenstein/Elbe und Colditz. Von 1934 bis 1938 selbständiger Kaufmann und Vertreter der Siemens-Schuckert-Werke, 1939 dienstverpflichtet. Als er 1945 in Chemnitz der KPD beitreten wollte, wurde das wegen seines »parteischädigenden Verhaltens« 1930 abgelehnt. Daraufhin wieder Mitglied der SPD, zunächst Vorstandsmitglied der SPD in Chemnitz-Nord und Angestellter beim Nachrichtenamt Chemnitz. Von der Chemnitzer SPD-BL im Herbst 1945 nach Annaberg versetzt, wo er UB-Leiter der SPD war. Als Vorsitzender des SPD-Kreisvorstandes Annaberg trat er für die Vereinigung von KPD und SPD ein, wurde 1946 Vorsitzender des SED-Kreisvorstandes Annaberg, aber 1948 an die Bergbauschule des Objektes 13 der SDAG Wismut abgeschoben. Nach einem Besuch der Gaststätte »Zum Wohle« am Abend des 14. Mai 1950 blieb er verschwunden. Neun Tage später fand man die Leiche von Paul Nischwitz im Stadtteich. Das polizeiärztliche Gutachten ging von einem Unfall aus, die eigenartigen Umstände des Todes eines politischen Abweichlers gaben Anlaß zu vielen Spekulationen.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Nixdorf, Kurt

* 30.11.1903 – ✝ 14.9.1937

Geboren am 30. November 1903 in Breslau. Nach dem Gymnasium Studium an der staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Breslau. 1919 Mitglied der USPD, 1920 der KPD. Von 1920 bis 1922 hauptamtlicher Funktionär im Bezirk Schlesien, bis 1927 Sekretär der Gewerkschaftsabteilung, Kursuslehrer und Mitglied der Redaktion der Schlesischen »Arbeiter-Zeitung«. Durch seine historischen Recherchen in schlesischen Archiven bekam er enge Kontakte zum Moskauer Marx-Engels-Institut. Ende 1927 reiste er in die Sowjetunion und wurde 1928 Mitglied der KPdSU. Von 1928 bis 1931 Mitarbeiter der Marx-Engels-Abteilung am gleichnamigen Institut in Moskau. 1929 als Versöhnler angegriffen. Nach der Säuberung des Instituts abgeschoben, Dozent am Pädagogischen Institut für Neue Sprachen. Von 1931 bis 1933 war er stellvertretender Wirtschaftsredakteur der »Moskauer Rundschau«. Am 3. Februar 1935 vom NKWD verhaftet und am 20. Juni 1935 zu fünf Jahren Lagerhaft verurteilt. Nixdorf verbüßte die Strafe in der 3. Schweinefarm der Nowo-Iwanokowsker Filiale des Gulag. Sein Gesuch an den VII. Weltkongreß der Komintern 1935 um Wiederaufnahme in die KPdSU wurde am 23. September 1935 von der IKK abgelehnt. Kurt Nixdorf wurde am 14. September 1937 vom MKOG zum Tode verurteilt und am gleichen Tag auf dem Donskoje-Friedhof erschossen, erst am 30.November 1989 durch sowjetische Behörden posthum rehabilitiert.

Wer war wer in DDR

Noack, Kurt

* 22.1.1888 – ✝ 10.11.1963

Geb. in Stuttgart; Vater Chemiker u. Fabrikant; 1906 Abitur am Karlsgymnasium Stuttgart; 1906 – 09 Studium der Medizin u. Naturwiss. in Tübingen u. München, ärztl. Vorexamen; 1909 – 12 Studium der Botanik u. Chemie in London, Berlin u. Leipzig, 1912 Prom.; 1912 Assistent am Botan. Inst. der Univ. Tübingen; 1913 nach Straßburg; 1915 – 18 dort Bakteriologe u. Feldhilfsarzt; 1918 Habil., Privatdoz. für Botanik an der Univ. Straßburg, ab 1919 am Bot. Inst. der Univ. Freiburg i. Br.; 1921 außerord. Prof. für Botanik u. Kustos an der Univ. Bonn; 1922 ord. Prof. u. Dir. des Botan. Inst. u. Gartens der Univ. Erlangen; 1931 – 56 ord. Prof. für Botanik u. Dir. des Pflanzenphysiol. Inst. der Univ. Berlin; 1932 – 59 Mitgl. der Leopoldina. 1945 – 53 Dekan der Math.-Naturwiss. Fak. der Univ. Berlin, Jan. 1949 Wahl zum Rektor der Univ. Berlin, durch die SMA nicht bestätigt; 1946 Ord. Mitgl. der DAW, 1949 Sekretar der Klasse für Math. u. allg. Naturwiss., 1954 – 57 der Kl. für Chemie, Geol. u. Biol., 1958/59 Vors. der Sektion Biol. der DAW; gest. in West-Berlin. Begründer einer bedeutenden Schule der Stoffwechselphysiol. der Pflanzen in Berlin; Wegbereiter der Pflanzenbiochemie in Dtl.; große Verdienste um den Wiederaufbau u. die Erneuerung der Wiss. in Berlin nach 1945.Photosynthese. In: Handwörterbuch der Naturwiss. (1932) 7; Die Ausgestaltung der Organismen – ein chem. Problem. Berlin 1949. Nachruf von A. Pirson in: Berichte der Dt. Botan. Ges. (1965) 78 (mit Schriftenverz.); Höxtermann, E.: Auf den Spuren des Botanikers K. N. In: Nova Acta Leopoldina, Suppl. (1998) 15; Kössler, F., Höxtermann, E. (Hrsg.): Zur Geschichte der Botanik in Berlin u. Potsdam. Berlin 1999.Ekkehard Höxtermann

Wer war wer in DDR

Noll, Chaim (früher Hans)

* 13.7.1954

Geb. in Berlin; Großeltern in der NS-Zeit verfolgt, Vater Schriftst.  Dieter N.; 1972 – 75 Studium der Mathematik in Jena u. Berlin; 1975 – 80 Studium an der Kunst-HS Berlin-Weißensee; Mstr.-Schüler an der AdK; Studienaufenthalte in der Sowjetunion; 1980 Wehrdienstverweigerung; Einweisung in psychiatr. Kliniken (neun Mon.); 1984 Ausreise nach Berlin (West); seitdem freischaff. Schriftst.; C. N. wurde zu einer »Symbolfigur für die Abwendung der staatstragenden soz. Nachwuchskader vom System ihrer Väter«. 1989 – 91 Forschungsauftrag an der FU Berlin; 1990 Bekenntnis zum praktizierenden Judentum u. aus Anlaß des Golfkriegs Ablegen des dt. Vornamens; lebt seit 1992 im Ausland, erst Italien, dann Israel, seit 1998 israel. Staatsbürger; Mitgl. des PEN-Centre of German-speaking Writers Abroad, London.Der Abschied – Journal meiner Ausreise aus der DDR. Hamburg 1985; Rußland, Sommer, Loreley. Hamburg 1986; Berliner Scharade. Hamburg 1987; Nachtgedanken über Dtl. Reinbek 1992; Taube u. Stern. Reinbek 1994; Leben ohne Dtl. Reinbek 1995; Meine Sprache wohnt woanders. Frankfurt (Main) 2006 (mit L. Fleischmann); Der Kithara-Spieler. Berlin 2008.Siegmar Faust

Wer war wer in DDR

Nord, Kathleen

* 26.12.1965

Geb. in Magdeburg; Eltern Sportler; 1972 mit dem Schwimmsport im TZ Einheit Pädagogik Magdeburg begonnen; 1977 Mitgl. des SC Magdeburg (Trainer seit 1982: Bernd Henneberg); 1982 Weltmeisterschaften: 2. Platz über 400 m Lagen; bei den Europameisterschaften 1983 Siegerin über 400 m u. 2. Platz über 200 m Lagen; 1983 – 89 SED; 1985 bei den Europameisterschaften Siegerin über 200 m u. 400 m Lagen; bei den Weltmeisterschaften 1986: Siegerin über 400 m u. 3. Platz über 200 m Lagen; bei den Europameisterschaften 1987: Siegerin über 100 m Delphin, 3. Platz über 200 m Delphin u. 400 m Lagen; 1988 Olymp. Spiele: Siegerin; 1988 Abitur; 1989 EM über 200 m Delphin; VVO; nach 1989 in die USA übergesiedelt.Olaf W. Reimann

Wer war wer in DDR

Nordwig, Wolfgang

* 27.8.1943

Geb. in Siegmar (Krs. Chemnitz); Ausbildung zum Feinmechaniker bei Carl Zeiss Jena; 1958 – 73 Leichtathlet (Stabhochsprung) beim SC Motor Jena (Trainer: Arthur Linß); 1962 – 67 Abendschule, Ing. für Betriebs-, Meß- u. Regeltechnik; Fernstudium an der TU Dresden, 1972 Dipl.-Physiker; bei den Europameisterschaften 1966, 1969 u. 1971 Sieger; bei den Hallen-Europameisterschaften 1968, 1969, 1971 u. 1972 Sieger, 1967 u. 1970 3. Platz; bei den Olymp. Spielen 1968 3. Platz, 1972 Sieger; 1970 zweimal WR; 1972 DDR-Sportler des Jahres; 1974 – 78 Präs.-Mitgl. des Dt. Verb. für Leichtathletik; Forschungsdir. im VEB Carl Zeiss Jena; VVO; 1989 Prom. zum Dr. Ing. über Innovationsprozesse. 1991 – 2003 Geschäftsf. des Reiseveranstalters Germania Express BFR Berliner Flug Ring GmbH; lebt bei Saalburg (Thür.).Klaus Gallinat / Olaf W. Reimann

Wer war wer in DDR

Novak, Helga M.

* 8.9.1935 – ✝ 24.12.2013

Geb. in Berlin, adoptiert; OS-Internatschule b. Berlin, Abitur; FDJ, SED; 1954 – 57 Studium der Philos. u. Journalistik an der Univ. Leipzig; danach Monteurin, Laborantin u. Buchhändlerin; 1961 Heirat nach Island; bis 1965 dort in einer Fischfabrik u. Teppichweberei tätig; Reisen nach Frankreich, Spanien u. Amerika; Rückkehr nach Leipzig; Studium am Inst. für Lit. »Johannes R. Becher«; 1966 wurde ihr, die den Soz. beim Wort nehmen wollte u. gegen die ideolog. Verplanung des Lebens protestierte, die DDR-Staatsbürgerschaft aberkannt; wieder in Island, dann 1967 Übersiedl. in die Bundesrep. Dtl.; lebte zeitw. in Jugosl., Frankfurt (Main) u. überwiegend in Berlin (West); 1972 Mitgl. im Verb. Dt. Schriftsteller, 1973 PEN-Zentrum; 1979 Stadtschreiberin von Bergen-Enkheim; lebte seit 1987 in Legbąd (Polen); gest. in Rüdersorf. 1992 bekannte sie sich öffentl. zu früherer IM-Tätigkeit für das MfS; Mitgl. des dt. PEN-Zentrums (West). Preise: Bremer Lit.-Preis 1968; Kranichsteiner Lit.-Preis der Stadt Darmstadt 1985; Roswitha-Gedenkmedaille der Stadt Gandersheim 1989; Gerrit-Engelke-Preis der Stadt Hannover 1994; Brandenb. Literaturpreis 1997; Ehrengabe der Bayer. Akad. der Schönen Künste 1998; Ida-Dehmel-Literaturpreis 2001.Aufenthalt in einem irren Haus. Neuwied 1971; Die Eisheiligen. Darmstadt 1979; Palisaden. Darmstadt 1980; Vogel federlos. Darmstadt 1982; Grünheide, Grünheide. Darmstadt 1983; Legende Transit. 1985; Silvatica. Frankfurt (Main) 1997; Solange noch Liebesbriefe eintreffen. Frankfurt (Main) 1999; Wo ich jetzt bin. Frankfurt (Main) 2005; Aus Wut. Berlin 2005; zahlr. Hörspiele. Salzmann, M.: Die Kommunikationsstruktur der Autobiogr. Bern 1988; Radisch, I.: Die verlorene Tochter. In: Die Zeit (2004) 48; Bellmann, Q.: H. M. N. »Abgefertigt«. In: Dt. Kurzprosa der Gegenwart. Stuttgart 2006.Siegmar Faust / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Nickel, Gitta

* 28.5.1936

Geb. in Briensdorf (Ostpr./Borzynowo, Polen); Vater Molkereibesitzer; aufgew. im Harz; Schulbesuch in Blankenburg; Studium der Pädagogik u. Germanistik an der HU Berlin, 1957 Staatsexamen; 1959 – 63 Regieassistentin im DEFA-Studio für Spielfilme (u. a. bei Joachim Kunert,  Konrad Wolf,  Ralf Kirsten); ab 1963 für Wochenschau u. Dok.-Filme bei  Karl Gass; ab 1965 Regisseurin im DEFA-Studio für Dok.-Filme; 1965 – 90 Mitgl. der künstler. Arbeitsgr. »Effekt«; 1964 – 70 verh. mit  Karl Gass; SED; zeitw. Mitgl. im Präs. bzw. Vorst. des Verb. der Film- u. Fernsehschaffenden der DDR, des Komitees der Internat. Leipziger Dok.- u. Kurzfilmwoche; 1974 NP; 1980/81 Präs. des Nat. Festivals für Dok.- u. Kurzfilme Neubrandenb.; zahlr. nat. u. internat. Preise. Seit 1990 freie Regisseurin; ab 1991 kontinuierl. Arbeit für versch. Fernsehsender. Werke: Emanzipation der Frau: ... dann springt mein Herz (1966); ... u. das Weib sei nicht mehr untertan (1978); Künstlerporträts:  Walter Felsenstein (1971);  Gret Palucca (1971);  Paul Dessau (1974); Konrad Wolf (1976/77); Damit man sich auf uns berufen kann. Vladimir Pozner (1984); Krieg u. Frieden: Tay Ho – Das Dorf in der 4. Zone (1973); 99 Tage Frieden (1973); Leben u. Arbeiten in der DDR: ... u. dann springt mein Herz (1966); ... u. morgen kommen die Polinnen (1974); Wir von Esda (1976); Den Wind auf der Haut spüren (1989); brisante hist. Ereignisse u. Biogr.: Zwei Dt. (1988); China – mein Traum, mein Leben – EVA SIAO – ein Porträt (1990); Leb wohl Dtl. Der lange Marsch der sowj. Armee (1991); Babelsberg. Glanz u. Elend einer Filmstadt (1991); Es begann in Eberswalde – Borgelt u. Dengler. Dt. Journalisten (1994/95).Matschke, E.: G. N. In: Filmdokumentaristen der DDR. Berlin 1969; Sylvester, R.: Den Vorhang beiseite schieben. Die Dokumentaristin G. N. In: Prisma (1987) 17 (Hrsg. H. Knietzsch); Schieber, E.: ... u. das Weib sei nicht mehr untertan. In: Außerhalb von Mittendrin. Berlin 1991; Schwarzweiß u. Farbe. DEFA-Dok.-Filme 1946 – 92. Berlin 1996 (hrsg. vom Filmmuseum Potsdam).Elke Schieber

Wer war wer in DDR

Niebergall, Otto

* 5.1.1904 – ✝ 14.2.1977

Geb. in Kusel (Pfalz); Vater Arbeiter; Volksschule in Kusel; Ausbildung zum Schlosser, Elektriker u. Bergmann, im Beruf tätig; 1918 Mitbegr. der Arbeiterjugend in Saarbrücken; 1920 KJV, Funktionär; 1924 – 35 Mitgl. des Sekr. der KPD-BL Saar; ab 1925 Gauführer des RFB Saar, Mitarb. des M-Apparats der KPD; 1926 – 35 Stadtverordn. von Saarbrükken; Jan. – Juni 1934 Besuch des VIII. Lehrgangs der M-Schule in Moskau; 1935 Emigr. nach Frankreich; Abschnittsltr. der illeg. KPD Saar-Pfalz; 1936 Sonderauftrag in Spanien; 1937 – 40 Ltr. des KPD-Abschnitts Rheinl. in Brüssel; 1939/40 interniert in St. Cyprien, Flucht; 1940 Mitgl. der KPD-Ltg. in Toulouse; ltd. Mitgl. der Résistance u. Ltr. deren Sektors »Travail Alemand«; ab 1942 Mitgl. der KPD Westltg., die für Frankreich, Belgien u. Luxemburg zuständig war; 1943 – 45 Präs. des illeg., ab 1944 des leg. Komitees Freies Dtl. für den Westen (»René«, »Gaston«, »Florian«, »Alwin Flamerd«, »Martin Lange« u. »Alfred Kubin«); wußte neben  Willi Kreikemeyer u.  Harald Hauser von den von Noel H. Field vermittelten Geldtransfers an das Komitee Freies Dtl. für den Westen (CALPO). 1945 Rückkehr in das Saargeb.; Vors. der KPD Saarl.; 1945 – 48 1. Vors. des Verbindungssekr. in der frz. Besatzungszone; 1946/ 47 u. 1953 – 57 Stadtverordn. in Saarbrücken; 1946 – 49 Mitgl. des SED-PV; 1947 von der frz. Militärreg. aus dem Saarl. ausgewiesen; 1948 Vors. des KPD-Landesvorst. Rheinl.-Pfalz u. Mitgl. des KPD-PV; Sekr. des KPD-PV; 1949 – 53 Abg. des Dt. Bundestags, Mitgl. des KPD-Fraktionsvorst.; ab 1949 Vors. der PKK der KPD; Mitgl. des PB; 1968 Mitgl. der DKP Rheinl.-Pfalz, Ltr. ihrer Geschichtskommission; Rentner; Vors. der IG ehem. dt. Widerstandskämpfer in den vom Fasch. okkupierten Ländern; Mitgl. des Kuratoriums der Thälmann-Gedenkstätte Hamburg; KMO; Stern der Völkerfreundschaft; Lenin-Medaille; frz. Medaille de la Libération; Ehrenurkunde der Forces Françaises de l’Interieur; gest. in Mainz.Der antifasch. Widerstandskampf in Frankreich – seine Ltg. u. Entw. In: Schaul, D. (Hrsg.): Résistance. Berlin 1973. Schaul, D.: Résistance. Berlin 1973; Pech, K.: An der Seite der Résistance. Zum Kampf der Bew. »Freies Dtl.« für den Westen in Frankreich (1943 – 1945). Berlin 1974; DKP Rheinland-Pfalz (Hrsg.): O. N. 1904 – 1977. Mainz 1977; Mallmann, K.-M., Paul, G.: Das zersplitterte Nein. Saarländer gegen Hitler. Bonn 1989; Bungert, H.: Das Nationalkomitee und der Westen. Die Reaktion der Westaliierten auf das NKFD und die Freien Dt. Bew. 1943 – 1948. Stuttgart 1997.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Nieke, Franz

* 5.4.1901 – ✝ 5.11.1979

Geboren am 5. April 1901 in Berlin; Bauarbeiter. Seit 1919 in der KPD, aktiver Funktionär in Berlin, wurde bereits für die Wahlen zum Preußischen Landtag vom Mai 1932 ohne Erfolg aufgestellt, aber dann im November 1932 im Wahlkreis Potsdam II in den Reichstag gewählt. Nach 1933 wieder Bauarbeiter in Berlin, mehrfach kurz inhaftiert, zog er sich von der Politik zurück. Nach 1945 Mitglied der KPD/SED, war er Betriebsleiter der Osthafenmühle. Während der Parteiüberprüfung 1951 stellte sich heraus, daß Nieke während seiner Haftzeit andere Mitgefangene schwer belastet hatte. Deshalb als Betriebsleiter abgelöst, durfte er fortan keine leitenden Funktionen in Partei und Massenorganisationen oder der Wirtschaft ausüben. Franz Nieke wohnte zuletzt in West-Berlin und starb dort am 5. November 1979.

Wer war wer in DDR

Nier, Kurt

* 23.7.1927

Geb. in Antoniwald (ČSR / Antonínow, Tschechien); Volks-, Bürger- u. Handelsschule; 1943/44 kaufm. Ausb.; 1944 NSDAP; 1944/45 Wehrmacht, Apr./Mai 1945 Lazarett. 1945/46 Waldarbeiter; Umsiedl.; 1946 SED; 1947 – 50 Angest. in der Kreisverw. Wernigerode; 1950/51 Kurzlehrgang an der DASR Potsdam; 1951 – 55 Hauptreferent in der HA Asien-Afrika-Amerika des MfAA; 1956 Einsatz als MfAA-Vertreter in der DDR-Handelsvertretung in Neu Deli; 1956/57 an der DDR-Botschaft in Ungarn, 1957 – 59 in Indien tätig; 1960 – 62 Gen.-Konsul in Indonesien; 1968 – 73 Ltr. der Abt. Nordeuropa im MfAA (Nachf. von Günther Seyfert); Botschafter; 1973 – 89 stellv. Minister für Ausw. Angelegenh. (zul. zuständig für Westeuropa, Bundesrep. Dtl., Berlin (West); USA, Kanada, Australien u. Japan); 1977 VVO.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Niggeling, Willi

* 3.2.1900 – ✝ 9.4.1973

Geb. in Iserlohn; Pianist, Enkelschüler Franz Liszts, Konzerte in Dtl. u. versch. europ. Ländern; 1931 NSDAP; Vorträge über das »Judentum in der Musik«; Wehrmacht; sowj. Kriegsgef., Besuch der Antifa-Schule bei Moskau. 1949 Rückkehr nach Dtl.; SED; an der Bildung der Staatl. Kommission für Kunstangelegenh. beteiligt; 1951 – 55 Rektor der Musikhochschule »Franz Liszt« in Weimar (Nachf. von  Ottmar Gerster); geriet zunehmend in Widerspruch zur Kulturpolitik der SED; 1955 – 58 Klavierdoz. in Halle; 1958 Übersiedl. nach West-Berlin; 1959 Doz. an der HS für Musik Hannover, 1961 an der HS für Musik Frankfurt (Main), 1964 – 68 deren stellv. Dir.; danach Ruhestand; gest. in Frankfurt (Main).Klavier-Improvisation. Methodische Übungen u. Anregungen. Wiesbaden 1979. Huschke, W.: Zukunft Musik. Eine Geschichte der Hochschule FRANZ LISZT Weimar. Köln u. a. 2006.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Nitsche, Gustav

* 27.4.1892 – ✝ 9.4.1966

Geboren am 27. April 1892 in Greppin/Krs. Bitterfeld, Sohn eines Fabrikarbeiters; Lehre und Arbeit als Maschinenschlosser, 1911 Mitglied der SPD. Nach seinem Militärdienst arbeitete Nitsche bis April 1933 als Schlosser bei der A.G. für Anilinfabrikation in Wolfen. Bis 1931 war er Mitglied des dortigen Betriebs- und Arbeiterrates. Er trat 1918 der USPD bei und wurde im Dezember 1920 Mitglied der KPD. Zeitweilig Polleiter der Ortsgruppe Greppin, Mitglied der UBL Bitterfeld und der BL Halle-Merseburg. Ab Mai 1924 Gemeindevertreter in Greppin, 1929 Abgeordneter des Kreistages Bitterfeld. Er wurde 1930 aus dem DMV ausgeschlossen und trat in die RGO ein. Als »Vertreter der mitteldeutschen chemischen Betriebsarbeiter« Delegierter des XII. KPD-Parteitags 1929 in Berlin-Wedding, dort wurde Nitsche als Mitglied in das ZK gewählt, dem er bis 1931 angehörte. Die Gründe für Nitsches Ausscheiden aus dem ZK und der KPD sind unbekannt. In einer späteren Aufstellung der KPD-Führung über das Schicksal der ZK-Mitglieder steht bei Nitsche nur der Zusatz »1931 aus der Partei ausgeschlossen«. Am 6. Mai 1933 wurde er verhaftet und saß bis 29. April 1934 in »Schutzhaft« im KZ Lichtenburg bei Torgau, stand dann bis 1940 unter Polizeiaufsicht. Nitsche wurde Notstandsarbeiter bzw. Schlosser im Kraftwerk Bitterfeld. Ende April 1945 von der amerikanischen Militärkommandantur als Bürgermeister von Greppin eingesetzt, behielt er diese Funktion bis 1950. Anschließend erneut Schlosser in der Farbenfabrik Wolfen, seit 1946 Mitglied der SED. Gustav Nitsche starb am 9.April 1966.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Noack, Georg

* 4.9.1904 – ✝ 18.8.1975

Geboren am 4. September 1904 in Berlin, Sohn eines Maurers; lernte Rabitzspanner. Über seinen Lebenslauf hieß es 1929 in einem Gutachten des Bezirksjugendamts Berlin-Lichtenberg, Noacks Kindheit und Jugend »waren nicht gerade rosig zu nennen. Der Vater war 1915 im Felde gefallen und so mußte N. beizeiten mithelfen, die Mutter zu unterstützen. In der Zeit von Ostern 1918 bis 1925 hat N. in den verschiedensten Betrieben als Arbeitsbursche gearbeitet, um dann im Jahre 1925 in einer einjährigen Lehrzeit den Beruf des Rabitzspanners zu erlernen ... N. ist Epileptiker, jedoch zeigen sich die Anfälle immer seltener und nur als Folge von Aufregungen ... Er raucht nicht, meidet jeden Alkohol und überhaupt alles, was sein Leiden verschlimmern könnte. N. ist ganz intelligent, geweckt und strebsam.« 1925 wurde er Mitglied der Roten Jungfront, 1927 der KPD. Im Juni 1927 Agitpropleiter, später Polleiter des KPD-Verwaltungsbezirks Berlin-Lichtenberg. Ab September 1929 Orgleiter der KJVD-BL Berlin-Brandenburg, 1930 Polsekretär im Ruhrgebiet. Noack kam im Juli 1931 nach Moskau, war dort bis Oktober 1932 Mitarbeiter der KJI und zugleich Jugendsekretär bei der RGI. Ins ZK des KJVD kooptiert, nahm er als KJVD-Vertreter 1931 und 1932 an den Kongressen der KJI in Moskau teil. Ende 1932 zurückgekehrt, ab Februar 1933 illegaler Instrukteur der Berliner BL, von April bis Juni 1934 Orgleiter der KPD in Lichtenberg. Noack wurde am 19. Juni 1934 von der Gestapo verhaftet und am 6. September 1935 vom VGH zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach der Haft im Zuchthaus Luckau noch bis Mai 1945 in den KZs Esterwegen und Aschendorfer Moor. 1945 Angestellter im Bezirksamt Berlin-Lichtenberg, 1947/48 2.Sekretär der SED Lichtenberg, später Magistratsdirektor für Personal im Ostberliner Magistrat, ab 1952 Arbeitsdirektor im VEB Gasversorgung in Ost-Berlin. Georg Noack starb am 18.August 1975.

Wer war wer in DDR

Nöcker, Josef

* 18.10.1919 – ✝ 5.8.1989

Geb. in Düsseldorf; Gymnasium; 1937 Leichtathlet u. Olympiakader für 1940 (Weit- u. Dreisprung); 1939 Medizinstudium an den Univ. Leipzig, Jena, Rostock, Freiburg u. Wien; Mitgl. der Landsmannschaft Afrania im CC zu Heidelberg. 1945 ärztl. Approbation u. Prom. an der Univ. Leipzig; 1948 Mitgl. der SG Leipzig-Lindenau, Ostzonenmeister 4x100 m, 2. Pl. Dreisprung (13,12 m); 1950 Habil. an der Univ. Leipzig mit der Arbeit »Die Nährhefe. Heil- u. Zusatznahrung«; 1955 apl. Prof., Forschung über dosierte Belastungsuntersuchungen zur Bearbeitung organ. Leistungsfähigkeit; 1956 Arzt der gesamtdt. Olympiamannschaft in Melbourne; 1957 kommissar. Ltr. der Universitätsklinik Leipzig; 1958 Carl-Diem-Preis für eine unveröff. Arbeit zur »Bedeutung des Mineralstoffwechsels für Leistungsfähigkeit u. Training des Muskels« (sein Vater nahm die Auszeichnung in Warendorf entgegen, da N. die Reise in die Bundesrep. verweigert wurde); 30.6.1959 auf der Fahrt zum Leichtathletik-Länderkampf England – DDR in London Flucht in die Bundesrep. Dtl.; danach Chefarzt der städt. Krankenanstalten Leverkusen u. ärztl. Betreuer der Leichtathletik-Abt. der SV Bayer Leverkusen; 1959 – 61 Vors. des Wiss. Aussch. des Dt. Sportärztebundes; 1961 – 69 Vors. des Aussch. zur wiss. u. prakt. Förderung des Hochleistungssports (Vorläufer des Bundesaussch. Leistungssport / BAL); 1961 – 69 persönl. Mitgl. im NOK für Dtl.; 1964 u. 1976 Arzt sowie 1968 u. 1972 Chef de Mission der bundesdt. Olympiamannschaften; Mitgl. des Gutachteraussch. der Stiftung Dt. Sporthilfe; schwere Erkrankung in Mexiko; kam bei einem Verkehrsunfall auf der Autobahn nahe Leverkusen ums Leben; ca. 150 Publ.; 1970 Bundesverdienstkreuz; 1976 Bergmann-Med.; 1988 Goldenes Ehrenzeichen der Dt. Gesell. für Sportmed.Grundriss der Biologie der Körperübungen. Berlin 1953.Volker Kluge

Wer war wer in DDR

Noll, Dieter

* 31.12.1927 – ✝ 6.2.2008

Geb. in Riesa; Vater Apotheker; OS; 1943/44 Luftwaffenhelfer u. Wehrmacht; 1945 kurzz. amerik. Kriegsgefangenschaft. 1946 KPD / SED; 1948 – 50 Studium der Germanistik, Kunstgeschichte u. Philos. an der Univ. in Jena; Hilfsheizer im RAW Chemnitz; lebt seit 1950 in Berlin; zunächst Red. der Ztschr. »Aufbau«, dann Mitarb. des »Neuen Dtl.«; 1954 Mitgl. des DSV; ab 1956 freischaff.; 1957 – 89 mit Unterbrechungen als IM »Schreiber«, »Romanze«, »Georg« u. »Klaus-Dieter« erf.; 1964 – 67 Mitgl. der SED-BL Berlin; 1969 Mitgl. der DAK; Mitgl. des DSV-Vorst.; 1963 u. 1979 NP; sein bekanntestes Werk »Die Abenteuer des Werner Holt. Roman einer Jugend« (2 Bde. 1960 u. 1963, 1. Bd. verfilmt, R: Joachim Kunert, UA 1965) erreichte eine Aufl. von mehr als einer Mio. u. wurde zur Pflichtlektüre in den OS; 1976 maßgebl. beteiligt an der Parteikampagne gegen die Unterzeichner der »Wolf-Biermann-Resolution«, die er im »Neuen Dtl.« als »kaputte Typen« denunzierte; gest. in Zeuthen (b. Berlin).Die Dame Perlon u. andere Reportagen. Berlin 1953; Kippenberg. Roman. Berlin, Weimar 1979; In Liebe leben. Gedichte 1962 – 82. Berlin 1985. Geerdts, H. J.: D. N. Berlin 1976; Glanc-Boteva, E.: Die Auseinandersetzung mit dem Fasch. in der DDR-Lit., untersucht an ausgew. epischen Werken von D. N., M. W. Schulz u. F. Fühmann. Diss. Berlin 1979.Herbert Mayer / Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Nordalm, Wolfgang

* 31.3.1929

Geb. in Stettin (Szczecin, Polen); Vater Arzt; Volks- u. Oberschule, 1947 Abitur; 1947 / 48 Praktikant an der landw. Versuchsanstalt Aschersleben; 1948 Schriftführer bei der Gewerkschaft Kunst u. Schrifttum in Aschersleben; 1948 SED; 1948 – 54 Volontär, später Red. u. Abt.-Ltr. sowie Mitgl. des Red.-Koll. der Ztg. »Freiheit« in Halle; 1954 – 59 Red., Abt.-Ltr. u. Mitgl. des Red.-Koll. der Ztg. »Neuer Tag« in Frankfurt (Oder); 1959 – 67 1. stellv. Chefred. der »Leipziger Volkszeitung«; Fernstudium an der PHS der SED, 1962 Dipl.-Gesellschaftswiss.; 1967 – 89 Chefred. d. »NBI« (Nachf. von  Rudolf Röhrer); 1967 –72 Mitgl. des Präs. des ZV des VDJ.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Noth, Gottfried

* 26.1.1905 – ✝ 9.5.1971

Geb. in Dresden; Vater Konrektor; Kreuzschule in Dresden, 1924 Abitur; Studium der Theol. an den Univ. Leipzig u. Erlangen; 1930 Lic. theol. bei Werner Elert, Ordination; 1930 Hilfsgeistlicher an der Diakonissenanstalt; 1932 Pfarrer in Zethau (Erzgeb.) u. ab 1942 in der Trinitatisgemeinde in Dresden; Mitgl. im Landesbruderrat der Bekennenden Kirche in Sachsen; 1944/45 Sanitätssoldat, Kriegsgefangenschaft. 1945 kommissar. Oberlandeskirchenrat u. ab 1950 Dezernent im Landeskirchenamt Sachsen; 1953 Dr. h. c. der Univ. Erlangen; ab 1953 Landesbischof der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsen (Nachf. von D. Hugo Hahn); 1953 – 68 Mitgl. der Bischofskonferenz, der Kirchenltg. der Vereinigten Ev.-Luth. Kirchen Dtl. u. des Rats der EKD; 1954 – 71 Mitgl. des ZA des Ökumen. Rats der Kirchen; 1957 Ehrendoktor der Capitol-University in Columbus (USA); 1964 stellv. Vors. des Arbeitsaussch. der ständ. Konferenz Europ. Kirchen; 1969 Stellv. Vors. der Konferenz der Ev. Kirchenltg. in der DDR; gest. in Dresden.Gehorsam in Christus. Ausgew. Zeugnisse aus Predigten, Vorträgen u. schriftl. Äußerungen. Berlin 1976.Ehrhart Neubert

Wer war wer in DDR

Nowak, Leopold

* 17.3.1929

Geb. in Magdeburg; Studium der Theol. in Erfurt u. auf der Huysburg bei Halberstadt; 1956 Priesterweihe in Magdeburg; 1956 – 58 Vikar in Seehausen; 1958 – 60 Kuratus in Großkorbetha; 1960 – 65 Vikar in Lützen u. Jugendseelsorger für das Dekanat Halle; 1965 – 67 Pfarrvikar in Ziesar u. Jugendseelsorger für das Dekanat Burg; 1967 – 72 Vikar in Stendal u. Pastoralref. für das Dekanat Stendal; 1972 – 75 Ref. für die Erwachsenenseelsorge im Erzbischöfl. Kommissariat Magdeburg; 1975 – 90 Ltr. des Seelsorgeamts u. Assessor im Bischöfl. Amt Magdeburg; 1976 Wirkl. Geistlicher Rat; Feb. 1990 Ernennung u. März 1990 Weihe zum Apostol. Administrator u. Bischof in Magdeburg (Nachf. von  Johannes Braun), 2004 Ruhestand; 2007 Bundesverdienstkreuz.Bernd Schäfer