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BioLex

In der Kategorie BioLex finden Sie drei biografische Lexika mit über 5500 Personeneinträgen.

 

Das Handbuch "Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945" wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam. Kurzbiografien zu Personen des poltischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 vor. Zudem ist das Onlinlexikon www.dissidenten.eu komplett in dieser  Rubrik recherchierbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Inforamtionen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Nagel, Otto

* 27.9.1894 – ✝ 12.7.1967

Geb. in Berlin-Wedding; Vater Tischler; Mutter Fabrikarb.; 1900 – 08 Volksschule; 1908 SAJ; 1908 – 10 Ausbildung zum Glasmaler in den Werkstätten für Mosaik- u. Glasmalerei Gottfried Heinersdorff in Berlin, Abbruch der Lehre; anschl. als Hilfsarbeiter in versch. Berliner Betrieben; Abendschule; 1915 SPD, 1917 USPD u. Spartakusgr.; 1917/18 Militärdienst, wg. Kriegsdienstverweigerung 1917 Strafgefangenenlager; 1918 Mitgl. des Soldatenrats in Köln; 1919 KPD; bis 1921 Transportarb.; 1921 Teiln. an der März-Aktion, deshalb fristl. Entlassung bei Bergmann-Borsig; erste Ausstellung in Berlin; zeitw. arbeitslos; dann als Autodidakt freischaff. Maler des Arbeiterlebens; 1921 Mitbegr. der Künstlerhilfe in der IAH; Freundschaft mit Käthe Kollwitz, Heinrich Zille u. Ursula Wendorff-Weidt; 1924 Mitorganisator der 1. Allg. Dt. Kunstausstellung in der UdSSR; 1924 – 32 mehrere Reisen in die UdSSR, 1925 in Moskau Heirat mit der russ. Schauspielerin u. Sängerin Valentina (Walli) Nikitina; 1926 – 33 Mitgl. des Bunds Rev. Künstler Dtl.; 1928 mit Heinrich Zille Gründung der satir. Ztschr. »Eulenspiegel«, bis 1931 deren Chefred.; Lehrer an der MASCH in Berlin; 1933 Ausschluß aus dem Verb. dt. Künstler, kurzzeitige Inhaftierungen durch die Gestapo; 1934 Malverbot, Beschlagnahme u. Vernichtung vieler Werke als »entartet«; Gründung einer illeg. Malschule; April 1937 einige Tage Haft im KZ Sachsenhausen; ab 1938 Hilfe für untergetauchte Juden in Berlin; ab 1943 evakuiert in Forst (Lausitz). Mai 1945 in Potsdam-Rehbrücke, Mitbegr. der KPD-Ortsgruppe; Juli 1945 Mitbegr. des KB im Land Brandenburg; 1946 SED, Abg. des Landtags Brandenb.; 1948 Ernennung zum Prof.; 1949 Mitgl. des Dt. Volksrats; 1950 NP; 1950 – 54 Abg. der Volkskammer; 1950 Gründungsmitgl. der DAK; 1951 Mitgl. der Kommission für Kunstangelegenh.; 1950 – 52 u. 1953 – 59 Vors. bzw. Präs. des VBKD (Nachf. von  Fritz Dähn); 1953 – 56 u. 1962 – 67 Vizepräs., 1956 – 62 Präs. der DAK (Nachf. von  Johannes R. Becher); Malerschüler an der AdK u. a. Horst Bartsch,  Harald Metzkes, Dietrich Kaufmann,  Ronald Paris u. Rolf Schubert; 1958 Med. für Kämpfer gegen den Fasch.; Ehrenmitgl. der AdK der UdSSR; 1964 VVO; 1965 Ehrenbürger der Stadt Potsdam; gest. in Berlin; 1970 posthum Ehrenbürger von Berlin. Sek.-Lit.: Kat. u. Fs. O. N. Ausstellung zu seinem 65. Geb. Berlin 1959; Pommeranz-Liedtke, G.: O. N. u. Berlin. Dresden 1964; Frommhold, E.: O. N. Zeit, Leben, Werk. Berlin 1974; Huett, W.: O. N. Berlin 1976; Nagel, W.: Das darfst Du nicht! Erinnerungen. Halle, Leipzig 1981; Forster, R.: Bibliogr. O. N. (1894 – 1967). Kuhwalk, Berlin 2000; Dok.-Film »... als ob es gestern war«. Walli Nagel betrachtet ihr Leben. Berlin 1976 (R.: W. Dietzel).Leben u. Werk. Berlin 1952; Heinrich Zille. Berlin 1953; Käthe Kollwitz. Dresden 1963; Die weiße Taube oder Das nasse Dreieck (Roman aus dem Nachlaß). Köln 1987.Bernd-Rainer Barth

dissidenten.eu

Nakow, Wolodja

* 1953 – ✝ 1985

ArrayWolodja Nakow wurde 1953 in Lom geboren. 1962–66 besuchte er eine französische Schule in Tunesien. 1966 kehrte er nach Bulgarien zurück, bekam jedoch Probleme mit den Schulbehörden, die ihn 1967 für ein Jahr völlig vom Schulbesuch ausschlossen. 1974/75 arbeitete er als Reiseleiter. Durch den ständigen Kontakt mit ausländischen Touristen festigten sich seine oppositionellen Überzeugungen. Seinen Lebensunterhalt verdiente er außerdem als Arbeiter auf Baustellen und in Fabriken. Ab 1980 lieferte Nakow regelmäßig Informationen an die Rundfunksender *Radio Freies Europa, Voice of America und Deutsche Welle, wodurch er zunehmend ins Visier der Sicherheitsorgane geriet. Immer häufiger wurde er vorgeladen, verhört und verwarnt. Zu allen wichtigeren kommunistischen Feiertagen und in der Zeit von Staatsbesuchen westlicher Politiker verwiesen die Behörden ihn als „gefährlichen Feind des Sozialismus“ zwangsweise der Stadt. Nakow wandte sich daraufhin in Appellen an die Staatsmacht und verlangte das Recht zur ständigen Ausreise aus Bulgarien. Über westliche Botschaften schickte er auch Briefe an *Amnesty International und an die UNO. Während des Besuches des bundesdeutschen Außenministers Hans-Dietrich Genscher in Bulgarien gelang es Nakow, diesem ein Schreiben zu übermitteln, in dem er schwere Bürgerrechtsverletzungen und politische Verfolgungen in Bulgarien anprangerte und seine eigene hoffnungslose Situation schilderte. Genscher zeigte diesen Brief dem bulgarischen Außenminister Petar Mladenow und kündigte an, dass es eine wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Bulgarien nur geben könne, wenn sich das Land strikt an die KSZE-Vereinbarungen halte. Nur wenige Stunden später wurde Nakow unter dem Vorwand verhaftet, er sei psychisch krank und stelle eine Gefahr für seine Umgebung dar. Es folgte die Zwangseinweisung in die psychiatrische Klinik in der Ortschaft Kurilo. Die dortigen Ärzte ließen sich jedoch von den Sicherheitsorganen nicht unter Druck setzten und weigerten sich, Nakow für psychisch krank zu erklären. Schon bald nach der Entlassung aus der Klinik wurde er jedoch erneut verhaftet, diesmal zusammen mit seiner Familie. Nach Protesten der amerikanischen Botschaft kam er wieder frei. Im Februar 1984 verurteilte ihn ein Gericht auf Grundlage fingierter Anschuldigungen zu einem Jahr Verbannung in das nordbulgarischen Dorf Kajnardscha. Am 19. August 1984 leistete er anlässlich einer völlig unbegründeten Festnahme Widerstand gegen die Beamten des Staatssicherheitsdienstes, was ihm in einem Schnellprozess eine Anklage wegen „Rowdytums“ einbrachte. Am 28. August 1984 fiel das Urteil über vier Jahre Freiheitsentzug. Zur Begründung hieß es, Nakows Taten zeigten „einen evidenten Mangel an Respekt gegenüber der Gesellschaft, sind durch Zynismus und Unverschämtheit gekennzeichnet und mit Widerstand gegen die Staatsgewalt verbunden“. Erschwerend kämen seine Kontakte zu Botschaften westlicher Staaten hinzu. Die Strafe verbüßte Nakow im Gefängnis Belene und später unter extremen Haftbedingungen in Pasardschik, wo es in seiner Zelle nicht einmal eine Pritsche gab. Nakow trat in einen fünfmonatigen Hungerstreik. Von der Gefängnisverwaltung wurde er entgegen den geltenden Vorschriften zusammen mit einem schwerkriminellen Wiederholungstäter zusammen in einer Zelle untergebracht, der ihn am 25. September 1985 auf bestialische Weise ermordete. Fünf Stunden lang war Nakow niemand zu Hilfe gekommen. Am nächsten Tag starb Wolodja Nakow auf dem Weg ins Krankenhaus. Auf seinem Totenschein fand sich die zynische Todesursache: „Tod nach Schlägerei im Suff“. Einige Zeit später wurde der Mörder Nakows auf der Grundlage einer Geheimverfügung von Parteichef Todor Schiwkow rehabilitiert.Iwan Spassow Aus dem Polnischen von Gero Lietz Letzte Aktualisierung: 06/17

Wer war wer in DDR

Näther, Joachim

* 11.3.1925

Geb. in Waldau (Krs. Zeitz); Vater Maschinenbauing.; 1931 – 41 Grund- u. Oberschule; Ausbildung zum Maurer, 1943 – 45 Militärdienst; 1945/46 Kriegsgefangenschaft. 1946 – 49 Ing.-Studium an der Ing.-Schule Magdeburg., Bauing.; 1950/51 LDPD; 1950 – 52 Architekt in Projektierungsbetrieben in Magdeburg u. Schwerin; 1952 Wohnungsbau in Wismar u. Pasewalk; 1953 SED; 1953 – 63 Chefarchitekt im VEB Projektierung Rostock, leitete den Aufbau der »ersten soz. Straße« (Lange Straße); 1957 – 61 Studium an der HAB Weimar, Dipl.-Ing.; 1963/64 Chefarchitekt im VEB Typenprojektierung Berlin; 1964 – 74 Chefarchitekt von Berlin, Arbeit am Gen.-Bebauungsplan Berlin, maßgebl. Einfluß auf die Neugestaltung des Alexanderplatzes (1964 – 69), der Fischerinsel (1963 – 72), der Rathaus- u. Liebknechtstraße (1968 – 72), des Leninplatzes (1968 – 70) u. der Leipziger Straße (1969 – 72) in Berlin; 1968 – 90 Mitgl. der DBA; 1969 Dr.-Ing.; 1969 NP; 1974 – 90 Dir. des Inst. für Kulturbauten; Mitw. am Aufbau der Semperoper in Dresden, des Gewandhauses in Leipzig, der Rekonstruktion des Dt. Theaters u. der Kammerspiele in Berlin; 1979 – 90 Honorarprof. an der HS für Industrielle Formgestaltung Burg Giebichenstein. Leitete nach 1992 eine Bürgerinitiative für die behutsame u. sozialverträgl. Erneuerung des Alexanderplatzes in Berlin.Simone Hain

Wer war wer in DDR

Natschinski, Gerd

* 23.8.1928 – ✝ 4.8.2015

Geb. in Chemnitz; 1945/46 Studium an der HS für Musik Dresden; 1946 – 48 in Chemnitz Privatunterricht in Theorie, Komposition, Klavier; ab Ende 1948 Komponist, Arrangeur, Dirigent beim Capitol-Orchester Leipzig; dann mit eigenem Orchester Live-Konzerte; ca. 150 Prod. beim Mitteldt. Rundfunk Leipzig; 1951 – 53 Mstr.-Schüler bei  Hanns Eisler in Berlin; 1952 – 54 Chefdirigent des Großen Tanz- u. Unterhaltungsorchesters des Berliner Rundfunks; 1969 LDPD; ab 1969 Mitgl. des NR der NF; 1977 – 89 Vizepräs. des VDK; 1978 – 81 Intendant des Metropol-Theaters Berlin; Sohn  Thomas N. (Gründer der ersten DDR-Beatband »Team 4«); 1961, 1974 u. 1989 NP; gest. in Berlin. Kompositionen: Musiken für 70 DEFA-Filme, nach 1990 für versch. TV-Filme u. Serien; ca. 400 Lieder, Schlager (u. a. »Zwei gute Freunde«, »Die Sterne der Heimat« für  Fred Frohberg, »Damals«, »Treu sein« für  Bärbel Wachholz) u. Chansons (u. a. für  Gisela May; »Die Rose war rot« für  Gerry Wolff); 13 Stücke für Musiktheater, u. a. »Messeschlager Gisela« (1960), »Servus Peter« (1961), »Mein Freund Bunbury« (1964), »Casanova« (1976), »Hoffmanns Erzählungen« (Ballett frei nach Jacques Offenbach, 1986 für die Komische Oper Berlin); Orchesterwerke der E- sowie der U-Musik; Dirigate in Theater u. Konzert, für Schallplatte, Rundfunk, Film u. Fernsehen.Bernhard Hönig

Handbuch Deutsche Kommunisten

Naumann, Minna

* 27.1.1882 – ✝ 17.1.1967

Geboren am 27. Januar 1882 in Neusalza-Spremberg in der Oberlausitz als Minna Schreiber, Tochter eines Briefträgers; lernte Buchdruckanlegerin. 1899 wurde sie Mitglied im Buchdruckerhilfsverband, 1901 trat sie der SPD in Dresden bei. 1904 Heirat mit dem Maurer Max Naumann. Ab 1910 Kreisleiterin eines Wahlkreises der SPD in Dresden, 1913 ordentliche Delegierte zum Parteitag in Jena. Minna Naumann gehörte seit Kriegsausbruch zur Opposition gegen die Politik der Mehrheit des PV und der Reichstagsfraktion. Im Januar 1917 trat sie der USPD bei und nahm als Delegierte am Internationalen Kongreß in Bern teil. Im November 1917 wurde sie wegen antimilitaristischer Propaganda verhaftet und im Mai 1918 in einem Prozeß vor dem Reichsgericht zusammen mit oppositionellen Jungsozialisten zu eineinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt. Im November 1918 durch die Revolution befreit, schloß sie sich den Internationalen Kommunisten Deutschlands an, Mitglied des Arbeiter- und Soldatenrates in Dresden, schon wenige Wochen später trat sie mit anderen IKD-Mitgliedern zurück. Als Delegierte Dresdens nahm Minna Naumann mit Karl Becker und Karl Plättner am Gründungsparteitag der KPD Ende 1918 in Berlin teil. Ab 1920 war sie zeitweilig Mitglied der KAP, später wieder in der KPD, ohne besondere Funktionen auszuüben. Zwischen 1933 und 1945 war sie vorübergehend inhaftiert. 1945 lokale Funktionärin der KPD in Dresden, bis 1948 hauptamtliche Parteiarbeit, danach Parteiveteranin der SED in Dresden, 1958 erhielt sie den VVO in Bronze. Minna Naumann starb am 17. Januar 1967.

Wer war wer in DDR

Naumann, Konrad

* 25.11.1928 – ✝ 25.7.1992

Geb. in Leipzig; Vater Finanzrevisor, Mutter Schneiderin; 1935 – 39 Volksschule in Holzhausen (b. Leipzig), bis 1941 Mittelschule in Engelsdorf (b. Leipzig) u. von 1941 – 45 Aufbauschule in Leipzig; 1939 Beitritt zum Jungvolk, Jungenschaftsführer; Febr. 1944 mit seiner Schulkl. als Luftwaffenhelfer zur Flak eingezogen; zeitw. zum Besuch eines Fallschirmjägerkurses an die Sprungschule nach Stendal-Gardelegen abkommandiert; Anfang 1945 zur RAD-Flak nach Bad Lausick (b. Leipzig) eingezogen, kurz vor Einmarsch der amerik. Truppen von dort desertiert. 1945 Landarb. bei einem Bauern in Holzhausen; Juni 1945 Antifa-Jugend; Nov. 1945 KPD; im Herbst 1945 als Freiw. zum Jugendeinsatz im Braunkohlenrevier Espenhain; Jan. – März 1946 Besuch der KPD-LPS; danach hauptamtl. Tätigkeit bei der FDJ; 1946/47 SED u. FDGB; Abt.-Ltr. im FDJ-Krs.-Vorst. Leipzig; 1947 Abt.-Ltr. im FDJ-Landesvorst. Sachsen in Dresden; dann bis Frühjahr 1948 Vors. des FDJ-Krs.-Vorst. Leipzig; wegen »pol. Fehler« von der SED-KL seiner Funktion enthoben, Arbeit als Hilfsschlosser im Braunkohlenwerk Hirschfelde; 1948/49 Instrukteur des ZR der FDJ; 1949 – 51 Sekr. für Arbeit u. Soziales im FDJ-Landesvorst. Mecklenb.; 1950/51 Abg. des Landtags Mecklenb.; 1951/ 52 Studium an der Komsomol-HS in Moskau; 1953 – 57 1. Sekr. der FDJ-BL Frankfurt (Oder); Kand. des Büros der SED-BL; Abg. des Bez.-Tags; 1952 – 67 Mitgl. u. 1957 – 64 Sekr. des ZR der FDJ; Juli/Aug. 1959 Ltr. der DDR-Delegation zu den VII. Weltfestspielen der Jugend u. Studenten in Wien; Jan. 1963 – Aug. 1966 Kand. u. Sept. 1966 – Nov. 1985 Mitgl. des ZK der SED; 1964 – 71 2. Sekr. u. 1971 – 85 1. Sekr. der SED-BL Berlin (Nachf. von  Paul Verner); 1967 – 86 Abg. der Berliner Stadtverordnetenvers. u. Abg. der Volkskammer; ab Okt. 1973 Kand. u. seit dem IX. Parteitag im Mai 1976 Mitgl. des PB; 1974 VVO; 1978 KMO; 1984/85 Sekr. des ZK der SED; 1984 – 86 Mitgl. des Staatsrats; auf der 11. ZK-Tagung am 22.11.1985 angebl. aus gesundheitl. Gründen von allen seinen Funktionen entbunden, Anlaß dafür war seine Rede vor Prof. u. Doz. der AfG beim ZK der SED am 17.10.1985, die das PB als Angriff auf die »Generallinie« der SED bewertete; Dez. 1986 – Ende 1989 wiss. Mitarb. in der Staatl. Archivverw. Potsdam. 1990 Vorruhestand; ab April 1991 in Quito (Ekuador); dort gest.Zu einigen Erfahrungen der Berliner Parteiorg. Berlin 1981; Mit revolutionärem Optimismus. Berlin 1982. Oelschlegel, V.: Wenn das meine Mutter wüßt. (Autobiogr.). Berlin, Frankfurt 1991; Müller, H.: Wendejahre 1949 – 1989. Berlin 1999.Monika Kaiser / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Nawrey, Jack

* 1910 – ✝ 25.3.1943

Geboren 1910 in Stryj/Galizien als Jack Nußbaum (oder Nüssenblatt), kam in den zwanziger Jahren nach Deutschland. Er wurde als Jack Nawrey ein bekannter Journalist, 1929 Mitglied der KPD und Redakteur der »Roten Fahne« in Berlin. Nawrey soll auch dem AM-Apparat angehört haben. 1934 emigrierte er in die Sowjetunion und wurde in Moskau Redakteur an der »Deutschen Zentral-Zeitung«. Im Februar 1938 vom NKWD verhaftet und daraufhin als »Konterrevolutionär« verbannt. Zuletzt wurde er noch in den Goldfeldern an der Kolyma gesehen. Die Tochter Ruth (* 1936 in Moskau), die 1996 mit Nawreys Witwe (* 1910) und ihrer Familie nach Deutschland kam, hatte 1995 die Rehabilitierungsurkunde erhalten. Jack Nawrey war am 25.März 1943 im Gulag gestorben.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Neddermeyer, Robert

* 3.4.1887 – ✝ 18.10.1965

Geboren am 3. April 1887 in Altona, Sohn eines Hafenarbeiters; Schiffsjunge zur See, später Fischer, Matrose und Eisenbahner. 1907 Mitglied der SPD, von 1909 bis 1912 Militärdienst bei der Matrosen-Artillerie-Abteilung in Hamburg, 1913/14 Telegraphenarbeiter in Hamburg. Während des Krieges kam er zur Marine, aktiver Teilnehmer des Matrosenaufstandes 1918 in Kiel, dann wieder Schiffer bzw. 1919/20 Hofverwalter auf einem Gut. 1919 Mitglied der KPD, 1922/23 UB-Sekretär in Bielefeld, 1923/24 Bezirks-Militärleiter in Hannover. Als Anhänger des linken Flügels der Partei 1924 Polleiter in Niedersachsen. Im Mai 1924 wurde Neddermeyer im Wahlkreis Westfalen-Nord in den Reichstag gewählt, dem er bis 1928 angehörte. Anfang 1925 schloß er sich den Ultralinken an. Er wurde nach Kassel versetzt, war dort Polleiter der KPD Hessen-Kassel. Zusammen mit den ultralinken Reichstagsabgeordneten Arthur Rosenberg, Werner Scholem, Karl Korsch, Theodor Neubauer, Ernst Schwarz und Hans Bohla protestierte Neddermeyer im April 1926 gegen den Parteiausschluß von Iwan Katz. Ebenso wie Neubauer trennte er sich Ende 1926 von den Ultralinken und schwenkte zu Ernst Thälmann über. Nach Berlin geholt und Mitglied der Landabteilung des ZK, unterhielt Neddermeyer seit 1930 auch eine eigene Geflügelzucht in Liebenwalde. 1927/28 nochmals als Polleiter nach Kassel entsandt und im Mai 1928 in den Preußischen Landtag gewählt, dessen Abgeordneter er bis 1933 blieb. Von 1928 bis 1932 leitete er die Landabteilung in der BL Ostpreußen, dann 1931 Vorsitzender des Einheitsverbandes der Land- und Forstarbeiter, einer Gliederung der RGO. 1932/33 Mitglied des Reichskomitees der RGO und Redakteur der »Landarbeiter-Zeitung«. Von Ende Februar 1933 bis zu seiner Verhaftung am 10. Oktober 1933 illegaler Instrukteur in Mecklenburg, Schlesien und dem Rheinland. Am 6. Oktober 1934 durch den 1. Strafsenat des OLG in Hamm zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Nach der Freilassung wieder Geflügelzüchter in Liebenwalde, aber am 18. Juli 1944 erneut verhaftet und im Prozeß gegen »Saefkow und Genossen« im Oktober 1944 zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Am 27. April 1945 aus dem Zuchthaus Brandenburg befreit, schloß sich Neddermeyer wieder der KPD an, wurde zunächst 2. Bürgermeister in Liebenwalde, dann stellvertretender Landrat von Niederbarnim bzw. Oberlandrat in Bernau-Liebenwalde. Ab Dezember 1948 Vorsitzender des VdgB-Landesverbandes Brandenburg, seit Herbst 1946 für die VdgB Landtagsabgeordneter in Brandenburg und ab 1952 Vorsitzender des VdgB-Bezirks Potsdam, 1965 Parteiveteran; er erhielt 1957 den Karl-Marx-Orden. Robert Neddermeyer starb am 18. Oktober 1965 in Ost-Berlin. Ingo Ganz veröffentlichte 2003 eine biographische Skizze über Robert Neddermeyer.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Nehmer, Meinhard

* 13.1.1941

Geb. in Boblin (b. Stettin/Bobolin, Polen); Vater Landwirt; Grundschule; 1955 – 63 Ausbildung zum Landwirt u. tätig im väterl. Betrieb; 1961 – 63 zugleich Ausbildung zum Wetterdiensttechniker u. Tätigkeit in der Wetterdienststelle Arkona; ab 1963 NVA, zul. Fregattenkapitän; 1963 – 73 Leichtathlet (Speerwerfer) beim ASK Vorwärts Potsdam; 1965 – 67 Abschl. der 10. Kl. erworben; 1973 – 80 Bobfahrer beim ASK Vorwärts Oberhof; 1976 – 78 u. 1980 – 82 Studium an der Ing.-FS Nordhausen, Ing. für Landmaschinentechnik; 1971 Bestleistung im Speerwurf: 81,50 m; Bobfahren: bei den Europameisterschaften 1978 2. Platz (Vierer), 1979 EM (Vierer) u. 2. Platz (Zweier), 1980 4. Platz (Zweier); bei den Weltmeisterschaften 1977 WM (Vierer), 1978 2. Platz (Zweier) u. 3. Platz (Vierer); bei den Olymp. Spielen 1976 Sieger (Zweier u. Vierer), 1980 Sieger (Vierer), 3. Platz (Zweier); VVO; 1982 endete seine sportl. Laufbahn; bis Dez. 1990 Trainer in Oberhof u. Angest. der Bundeswehr. 1991 – 93 Trainer der amerik. Nationalmannschaft; anschl. Trainer in Italien; 2000 – 06 Assistent von Bundestrainer Raimund Bethge, 2006 Trainerlaufbahn beendet; 1999 bis Juni 2009 für die FDP im Kreistag Rügen; lebt in Varnkewitz (Rügen).Klaus Gallinat / Olaf W. Reimann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Neitzel, Otto

* 19.10.1902 – ✝ 25.6.1947

Geboren am 19. Oktober 1902 in Leipzig, Sohn eines Metallarbeiters; lernte Buchhändler. Seit Januar 1919 Mitglied der FSJ und der KPD, Jugendfunktionär der BL Leipzig. Wegen Beteiligung am Mitteldeutschen Aufstand 1921 und an Aktionen der Plättner-Gruppe ( Karl Plättner) inhaftiert, zu drei Jahren Gefängnis verurteilt, anläßlich der Rathenau-Amnestie 1922 freigekommen. Nach 1923 lebte er illegal unter dem Namen Karl Wagner, war Metallarbeiter in Berlin, von 1925 bis 1927 Reporter für die »Rote Fahne«, 1927/28 Kursant an der Moskauer KUNMS. Einsatz im Apparat der Komintern, war er zunächst Sekretär des Übersetzungsbüros, dann Sekretär des Mitteleuropäischen Ländersekretariats unter Gussew, später unter Knorin und zuletzt Sekretär des deutschen Klubs in Moskau. Ende 1931 Rückkehr nach Deutschland. Neitzel wurde offiziell Sekretär im Internationalen Arbeiter-Verlag, gehörte tatsächlich dem AM-Apparat der BL Berlin-Brandenburg als Leiter der Nachrichtenabteilung und des SPD-Ressorts an. Ab 1933 illegal stellvertretender Leiter des Emigrationsapparates der BL Berlin-Brandenburg. Am 5. März 1934 festgenommen und im Oktober 1934 vom Kammergericht Berlin zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Nach Freilassung Pflichtarbeiter, flüchtete er Ende 1936 in die âSR und wurde Polleiter der Partei- und Emigrantengruppe in Mährisch-Ostrau. Im März 1939 Emigration nach Großbritannien. Rückkehr nach Deutschland im August 1946, Mitglied der SED und Redakteur beim SNB. Otto Neitzel starb am 25. Juni 1947 in Berlin.

dissidenten.eu

Němcová, Dana

* 1934

Psychologin und Aktivistin in der Untergrundkultur. Mitbegründerin des *Komitees zur Verteidigung der zu Unrecht Verfolgten und des *Tschechoslowakischen Helsinki-Komitees. Sprecherin der Bürgerrechtsbewegung *Charta 77.Dana Němcová wurde 1934 in Brüx (Most) im Norden der Tschechoslowakei geboren und entstammte einer Lehrerfamilie. Als Kind wurde sie Zeugin der von Tschechen bei der Vertreibung der Deutschen verübten Gewalt. Die öffentliche Kampagne für die Todesstrafe in politischen Prozessen zu Beginn der 50er Jahre war für sie eine ähnlich aufrüttelnde Erfahrung. Eine der damaligen Hauptangeklagten war Milada Horáková. Nach ihrem Abitur 1952 war sie als Grundschullehrerin tätig. Sie studierte 1953–58 Psychologie und Philosophie an der Karls-Universität in Prag. Während des Studiums konvertierte sie zum Katholizismus und ließ sich taufen. Němcová heiratete 1955 den katholischen Intellektuellen Jiří Němec. Unter dem Eindruck ihres Mannes nahm sie an privaten Seminaren Jan Patočkas teil. Seit den 50er Jahren unterhielt sie gemeinsam mit ihrem Mann zahlreiche Kontakte zu polnischen Katholiken, insbesondere zum Umfeld der Zeitschriften „Znak“ (Zeichen), „Więź“ (Band, Bindung) und *„Tygodnik Powszechny“ (Allgemeines Wochenblatt). Sie half bei illegalen Transporten polnischer katholischer Literatur in die Tschechoslowakei. Die Kontakte zu polnischen Katholiken blieben bis Ende der 60er Jahre bestehen. Nach dem Studium arbeitete Němcová in einer psychiatrischen Klinik. Sie engagierte sich für den Dialog zwischen christlichen Gruppen, der sich im Laufe der Zeit zu einem Dialog zwischen gläubigen Christen und Marxisten entwickelte. Von Mitte der 50er Jahre bis Ende der 60er Jahre wurde sie von der Staatssicherheit überwacht, härtere Repressionsmaßnahmen blieben ihr allerdings erspart. Nach dem *Einmarsch von Truppen des Warschauer Paktes in die Tschechoslowakei emigrierte sie nach Österreich, kehrte jedoch nach drei Monaten wieder nach Prag zurück. Ihre Familie war mit Persönlichkeiten aus katholischen Kreisen und aus der Kultur- und Musikszene des Undergrounds befreundet, die der Politik der sogenannten *„Normalisierung“ Widerstand leisteten. In den 70er Jahren organisierte sie gemeinsam mit anderen Konzerte der Musikgruppe „Plastic People of the Universe“ und Musikfestivals für Underground-Bands. Da diesen Gruppen öffentliche Auftritte verboten waren, mussten ihre Konzerte auf Privatgelände stattfinden, wo sie häufig von der Staatssicherheit erheblich gestört und viele Teilnehmer verhaftet wurden. Nach der Festnahme der Bandmitglieder der „Plastic People of the Universe“ und anderen Persönlichkeiten aus Dana Němcovás Umfeld im Frühjahr 1976 organisierte sie Protestaktionen gegen diese Verhaftungen. Als eine der ersten unterschrieb sie die Petition der *Charta 77 und machte ihre Prager Wohnung zum Treffpunkt für Anhänger dieser Bürgerrechtsbewegung. Im April 1978 war sie an der Gründung des *Komitees zur Verteidigung der zu Unrecht Verfolgten (Výbor na obranu nespravedlivě stíhaných; VONS) beteiligt, woraufhin sie im Mai 1979 mit neun anderen Vertretern verhaftet wurde und bis Oktober 1979 in Untersuchungshaft saß. Für den angeblichen „Versuch, die Republik zu stürzen“ wurde sie zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt. In den 70er und 80er Jahren genoss Němcová hohes Ansehen und großen Einfluss auf die jüngere Generation. 1988 gehörte sie zu den Gründern des *Tschechoslowakischen Helsinki-Komitees (Československý helsinský výbor), ein Jahr später wurde sie Sprecherin der Bürgerrechtsbewegung *Charta 77. Kurz nach der *Samtenen Revolution wurde sie als Abgeordnete nachträglich in das tschechoslowakische Parlament, die Föderalversammlung, gewählt (kooptiert) und konnte ihr Abgeordnetenmandat auch nach den ersten freien Wahlen im Juni 1990 behaupten. Im Rahmen des Helsinki-Komitees beschäftigte sie sich in jenen Jahren mit Flüchtlingsfragen und gründete 1993 mit anderen ein Beratungszentrum für Flüchtlinge beim Tschechischen Helsinki-Komitee. Nach dem Tod von Václav Havels Ehefrau Olga 1996 wurde sie zur Vorsitzenden im Verwaltungsrat der Olga-Havlová-Stiftung gewählt.Petr Pospíchal Aus dem Polnischen von Jonas Grygier Letzte Aktualisierung: 05/15

Wer war wer in DDR

Netzker, Otto

* 15.6.1921 – ✝ 28.11.2009

Geb. in Wittichow (Krs. Stargard, Pommern/ Witowo Drugie, Polen) in einer Arbeiterfamilie, Kaufmannslehre; Großhandelskaufmann in einem Mühlenbetrieb; ab 1941 Wehrmacht. 1946 Kassenltr. am Landestheater Altenburg; 1948 – 51 Verwaltungsdir. des Landestheaters Gotha; 1949 SED; 1951 – 52 Dir. des neugegr. Landessinfonieorchesters Thüringen in Gotha; 1952 Hauptreferent in der Staatl. Kommission für Kunstangelegenh. (ab 1954 Min. für Kultur), Hauptref. Verwaltungs- u. ökonom. Grundsatzfragen der Theater, 1954 – 59 Fachgebietsltr. »Artistik u. Kleinkunst«, verantw. für Veranstaltungs- u. Zirkuswesen u. der Reorg. des ges. Veranstaltungswesens; ab 1960 Dir., ab 1965 GD des 1960 gegr. VEB Zentral-Zirkus (ab 1980 Staatszirkus der DDR); 1973 – 86 Mitgl. des Präs. des Komitees für Unterhaltungskunst; maßgebl. beteiligt an der Zusammenführung der drei Unternehmen Aeros, Barlay (später Berolina) u. Busch im staatl. Zirkusbetrieb; verantw. für die Anleitung der DDR-Privatzirkusse; 1971, 1981 u. 1986 VVO; 1986 Ruhestand; gest. in Schkeuditz bei Leipzig.Zirkus Internat. Berlin 1982 (Mithrsg.). Winkler, D.: O. N. zum 65. Geburtstag. In: Unterhaltungskunst (1986) 17; Liese, B., Winkler, D.: Es kamen 60 Millionen ? Der Staatszirkus der DDR in Zahlen u. Fotos. 2006.Dietmar Winkler

Handbuch Deutsche Kommunisten

Nagel, Otto

* 27.9.1894 – ✝ 12.7.1967

Geboren am 27. September 1894 in Berlin, Sohn eines Tischlers; lernte Glasmaler und trat 1915 in die SPD ein. 1917/18 Soldat im Weltkrieg, wegen Kriegsdienstverweigerung kam er in das Straflager Wahn bei Köln. 1917 Mitglied der USPD und der Spartakusgruppe, seit ihrer Gründung gehörte er der KPD an. Nagel war zunächst Transportarbeiter, als Autodidakt dann freischaffender Maler, wandte sich sozialkritischen Themen zu, bereits 1921 bekam er eine eigene Ausstellung. Er war 1922 Mitbegründer der Künstlerhilfe in der IRH und gründete 1928 gemeinsam mit Max Keilson, Heinrich Vogeler u. a. die Assoziation Revolutionärer Bildender Künstler Deutschlands. Bis 1933 war Nagel in deren Vorstand aktiv. Er hatte seit 1934 Malverbot, seine Bilder wurden beschlagnahmt und viele Darstellungen des Arbeitermilieus gingen durch die NS-Aktion »Entartete Kunst« verloren. 1936/37 war Nagel Häftling im KZ Sachsenhausen. Nach 1945 gehörte er in der SBZ zu den Mitbegründern des Kulturbundes, als Mitglied der KPD/SED war er von 1946 bis 1950 Abgeordneter des Landtages von Brandenburg und dann bis 1954 der Volkskammer. 1948 wurde er zum Professor ernannt. Nagel war von 1956 bis 1962 Präsident der Deutschen Akademie der Künste der DDR, von 1953 bis 1955 bzw. 1963/64 deren Vizepräsident. Otto Nagel starb am 12. Juli 1967 in Ost-Berlin.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Namokel, Karl

* 9.8.1927 – ✝ 25.7.1988

Geb. in Demmin; Vater Arbeiter; Volksschule; 1942 – 44 Ausbildung zum Schiffbauer in Stettin; 1944/45 Soldat. 1945 Gelegenheitsarb.; 1945 KPD, 1946 SED, FDJ; 1947/48 1. Sekr. der FDJ-KL Demmin; 1949/50 Sekr. der FDJ-GO u. 1950/51 1. Sekr. der SED-PO der Volkswerft Stralsund; 1951/ 52 PHS; 1952 – 55 Sekr. für Wirtschaft der SED-BL Rostock; 1954/55 Abg. des Bez.-Tags Rostock; Mai 1955 – 59 1. Sekr. des ZR der FDJ (Nachf. von  Erich Honecker); 1958 – 63 Mitgl. des ZK der SED u. Abg. der Volkskammer; ab 1959 Ingenieurstudium Schiffbau in Rostock-Warnemünde; bis 1988 Mitarb. im Bereich Berufsausbildung der VVB Schiffbau u. der Nachfolgeeinrichtung; 1970 VVO.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Natho, Eberhard

* 24.6.1932

Geb. in Dessau in einer Pfarrersfamilie; wegen christl. Engagements von der OS relegiert; nach dem Abitur an der kirchl. Ausbildungsstätte in Potsdam-Hermannswerder 1954 – 58 Studium der Theol. an der EMAU Greifswald; Vikariat in Roßlau; 1960 Ordination; 1961 – 71 Pfarrer in Güsten u. Abg. in der Stadtverordnetenvers. zunächst für den KB, dann für die CDU; 1969 theolog. Ehrenprom. an der MLU Halle; 1970 Mitgl. des Präs. der anhaltin. Landessynode u. ab Nov. 1970 Kirchenpräs. der Ev. Landeskirche Anhalt (Nachf. von Martin Müller); seit 1971 zugleich Pfarrer an der St.-Georgs-Kirche in Dessau; Mitgl. der Konferenz der Ev. Kirchenltg.; 1979 – 82 Vors. des Rats der Ev. Kirche der Union in der DDR (Nachf. von  Werner Krusche); 1981 – 90 Vors. der Arbeitsgemeinschaft Christl. Kirchen in der DDR; 1994 Ruhestand.Findeis, H., Pollack D. (Hrsg.): Selbstbewahrung u. Selbstverlust. Berlin 1999.Roger Sitter / Ehrhart Neubert

Wer war wer in DDR

Natschinski, Thomas

* 25.10.1947

Geb. in Claußnitz (Krs. Karl-Marx-Stadt); Vater  Gerd N. Schlagerkomponist; 1964 – 70 Studium der Fächer Klavier, Komposition u. Musiktheorie an der HS für Musik »Hanns Eisler« in Berlin; 1964 mit  Hartmut König Gründung der Beatgr. »Team 4«, 1966 erste Single, 1968 umbenannt in Thomas N. & Gruppe, Erfolgstitel »Die Straße«, »Maja«, »Mokka-Milch-Eisbar«; LP »Die Straße« (1968), »Geschichten« (1970), »Wir über uns« (1972); nach Auflösung der Band 1973 – 76 bei der Gr. »Brot u. Salz«; ab 1977 erfolgr. Soloprod., u. a. »Mein Herz muß barfuß gehen«, »Eine Mütze voller Träume«; 1978/79 Bandleader bei  Veronika Fischer, 1981 u. 1983/84 als Vertreter des erkrankten Ulrich Swillms Keyborder bei »Karat«; seit Mitte der 1970er Jahre Konzentration auf kompositor. Aufgaben, zahlr. Titel u. a. für Gaby Rückert,  Barbara Thalheim u.  Jürgen Walter; zahlr. Kindermusikprod., 1980 LP »Kinderfest«, MC »Im dunklen Bauch von Walfisch Jonas«; mehr als 150 Filmmusiken, u. a. mit Vater Gerd N. für den 1968 uraufgeführten DDR-Kultfilm »Heißer Sommer« (mit  Chris Doerk u.  Frank Schöbel) u. die Kinderfilme »Spuk unterm Riesenrad« u. »Spuk im Hochhaus«, 1987 Musik für die Revue »Traumvisionen«, seitdem regelmäßige Mitwirkung als Komponist u. Arrangeur an Revue-Prod. für den Berliner Friedrichstadtpalast. Nach 1990 Kompositionen für die TV-Prod. »Die Trotzkis«, »Agentur Herz« u. »Täter, Opfer, Polizei«; 1996 u. 1997 erster ostdt. Komponist im dt. Vorausscheid für den Grand Prix Eurovision, jeweils 4. Platz durch die Interpretinnen Anett Kölpin u. Anke Lauterbach; 2002 Musik für die Show »Wunderbar – Die 2002. Nacht« des Friedrichstadtpalastes, 2005 Mitarb. an der Bühnenfassung von »Heißer Sommer« am Volkstheater Rostock. CDs »Die Straße« (Reihe Rock aus Dtl.), »Die frühen Jahre 1966 – 71«, »Heißer Sommer«; »Weit, weit u. wild« (2007); zahlr. Titel auf versch. Samplern.Verdammt, wer hat das Klavier erfunden? Berlin 2008 (Autobiogr., mit Ch. Dähn).Jan Wielgohs

Wer war wer in DDR

Naumann, Gerhard

* 1.2.1929

Geb. in Kötschenbroda (Krs. Dresden-Land); Vater Arbeiter; Volksschule; Ausb. zum Büchsenmacher u. Werkzeugschlosser; 1945/46 KPD/SED; 1946 FDJ; 1947 hauptamtl. FDJ-Funktionär; 1950/51 stellv. Ltr. der Pionierleiterschule in Ludwigsfelde; 1952 Studium an der LPS in Schmerwitz; Mitarb., dann Sekr. der FDJ-BL Potsdam; 1956 – 61 Aspirant, 1960 Prom. zum Dr. phil. am IfG beim ZK der SED; 1961 – 74 Mitarb., stellv. Ltr. u. Ltr. der Abt. Jugend im ZK der SED (Nachf. von  Arno Goede); Mitgl. der Jugendkommission beim PB des ZK der SED; 1974 – 78 Ltr. des Forschungsbereichs Jugend an der AfG beim ZK der SED; 1978 dort Habil.; 1978 – 89 wiss. Mitarb., ab 1981 Sektorenltr. am IML; 1986 Prof.; Ruhestand.Über die Rolle u. die Aufgaben der FDJ bei der Herausbildung eines soz. Jugendlebens. Berlin 1960; FDJ-Wohngruppen – stets aktuell. Berlin 1962; Kämpfende Jugend der Welt. Berlin 1978; Die Leninsche Auffassung über die Spezifik des Weges jeder jungen Generation zum Soz. Berlin 1978; Von Ulbricht zu Honecker. 1970 – ein Krisenjahr der DDR. Berlin 1990 (zus. mit E. Trümpler).Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Naumann, Robert

* 18.12.1899 – ✝ 10.4.1978

Geb. in Berlin; Vater Arbeiter; 1906 – 14 Volksschule; dann Hausdiener; 1915 – 17 SAJ; 1915 – 19 Werkzeugmacherlehrling; 1917 Gewerkschaft; 1919 »Interessengem. der Auswandererorg. nach Rußland«; geht im Mai 1920 im Zusammenhang mit einer Aktion der Roten Arbeiterhilfe nach Sowjetrußland; 1920/ 21 Werkzeugmacher in der Lokomotivfabrik in Kolomna; Sept. 1920 RKP(B); 1921 Viermonatskurs an der dt. Parteischule in Moskau; Praktikum bei Odessa; dann Seminarltr. an der dt. Parteischule; 1922 – 26 Seminarltr. für pol. Ökon. am dt. Sektor der KUNMZ; 1924 Heirat mit einer Sowjetbürgerin; 1926 – 30 Studium am Inst. der »Roten Professur«; gleichz. bis 1937 Seminarltr., Doz. u. Prof. für pol. Ökon. an der KUNMZ; außerdem Kursusltr. im anglo-amerik. Sektor der Lenin-Schule u. an der Kommunist. Univ. der Völker des Ostens; 1930 – 43 Mitarb. im EKKI; tätig im Sekr. von Dimitri S. Manuilski, der Abt. Agit. / Prop. u. ab 1935 im anglo-amerik. Sekr. des EKKI; 1943 – 50 Lektor, Sektor- u. stellv. Schulltr. in den Kriegsgefangenenschulen in Taliza, Ogre u. Krasnogorsk. Juli 1950 Übersiedl. in die DDR; SED; 1950 Red. für Politökon. in der »Einheit«; gleichz. Lehrtätigkeit an der HU Berlin; Jan. 1951 Berufung zum Prof. für Pol. Ökon. u. Dir. des Inst. für Pol. Ökon. an der HU Berlin; Okt. 1951 Prorektor für das ges.-wiss. Grundstudium, erster Stellv. des Rektors; 1951 Vors. des wiss. Beirats des Staatssekr. für Hochschulwesen für das ges.-wiss. Grundstudium u. Mitgl. des wiss. Beirats für pol. Ökon.; ab 1952 Mitgl. der SED-BL Berlin; 1953 Mitgl. der Volksvertr. Groß-Berlins; Mitgl. des Zentralvorst. der DSF; Mitgl. des Aussch. für die Verleihung der NP für Wiss. u. Technik; 1954 Mitgl. der Sekt. Wirtschaftswiss. der DAW; 1954 – 63 Mitgl. des ZK der SED; 1955 Mitgl. des wiss. Beirats des Lehrstuhls für Pol. Ökon. des IfG; 1956 Mitgl. der Univ.-Parteiltg. der SED; 1957 Ernst-Moritz-Arndt-Medaille; 1959 Prom. zum Dr. rer. oec. an der HU Berlin; Banner der Arbeit; stellv. Vors. der Sekt. Wirtschaftswiss. u. Mitgl. des Kolleg. des Inst. für Wirtschaftswiss. der DAW; 1960 Mitgl. der ideolog. Kommission des PB beim ZK der SED; 1964 VVO; 1965 em.; dann Krs.-Vors. Berlin-Mitte u. Mitgl. des Bez.-Vorst. Berlin der DSF; Verdienstmedaille der DDR; gest. in Berlin.Theorie u. Praxis des Neoliberalismus. Berlin 1957 (Diss.).Peter Erler

Handbuch Deutsche Kommunisten

Nawrocki, Josef

* 10.2.1880 – ✝ 29.1.1941

Geboren am 10. Februar 1880 in Biniew/Provinz Posen, in Berlin aufgewachsen, lernte Former, im Ersten Weltkrieg Soldat. Er war seit 1898 Mitglied der SPD, 1917 der USPD und kam 1920 mit deren linkem Flügel zur KPD. Seit Anfang 1919 als Kriegsinvalide Bürohilfsarbeiter bei der Gemeinde Friedrichshagen bei Berlin. Von Juni 1920 bis 1924 war er zunächst für die USPD, dann für die KPD Abgeordneter der Berliner Stadtverordnetenversammlung, von 1922 bis 1924 unbesoldeter Stadtrat in Köpenick. Seit 1923 gehörte er der BL Berlin-Brandenburg an und war enger Mitarbeiter von Wilhelm Pieck. Wegen Beteiligung an der militärischen Vorbereitung für den KPD-Oktoberaufstand 1923 im Hochverrats-Prozeß von 1925 gegen Arkadi Maslow und andere wurde er in Abwesenheit zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt. Nawrocki lebte in Königsberg und arbeitete in der BL Ostpreußen, anschließend bis 1928 im Apparat der Komintern in Moskau. 1928 illegale Rückkehr nach Deutschland, UB-Leiter in Elbing. 1929 amnestiert, übernahm er die Filialleitung der Zeitungsexpedition für die »Rote Fahne«. Am 28. Februar 1933 verhaftet, kam er acht Wochen in »Schutzhaft«, danach in der illegalen KPD im Norden Berlins aktiv. Im Juni 1936 erneut festgenommen und am 15.Juli 1937 vom Kammergericht Berlin zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt. Zunächst im Zuchthaus Brandenburg, dann im Zuchthaus Sonnenburg. Dort kam Josef Nawrocki am 29.Januar 1941 ums Leben.

Wer war wer in DDR

Nedo, Paul (Pawol)

* 1.11.1908 – ✝ 24.5.1984

Geb. in Kotitz (b. Löbau, Krs. Bautzen); Vater Lokomotivheizer, Mutter Schneiderin; Volksschule, 1922 – 28 Landständische OS in Bautzen, Abitur; 1928 – 32 Studium der Pädagogik u. Volkskunde an der Univ. Leipzig, 1931 St.-Ex. als Lehrer; Mitgl., später stellv. Vors. des Verb. sorb. Studenten; 1932 in Klix, 1932 – 34 in Quatitz, 1934 – 37 in Rackel als Hilfsleh- rer bzw. als kommunist. Schulltr.; 1933 – 37 1. Vors. der Domowina; 1937 – 39 tätig im Bund der Polen in Dtl.; 1939 – 45 mehrf. inhaftiert wegen des »Verdachts des Hochverrats«; 1942 Wehrmacht. Juni 1945 Rückkehr in die Lausitz; wieder Vors. der Domowina bis 1950; Sept. 1945 – 46 2. Stellv. Vors. des Sorb. Nationalrats; 1945/46 KPD/SED; 1945 – 48 Schulrat in Bautzen-Nord; 1948 Ltg. des Sorb. Kultur- u. Volksbildungsamts beim Min. für Volksbildung des Landes Sachsen; 1949 Ltr. der Kommission für künstler. Angelegenh. bei der Landesreg. Sachsen; 1955 Prom. zum Dr. phil. an der HU Berlin; 1958 Staatspreis J.-Bart-Cisinski-Preis; 1959 Prof. für sorb. u. dt. Volkskunde an der KMU Leipzig; 1963 habil.; 1964 Ruf an die HU Berlin als Prof. für Völkerkunde; ab 1966 Dir. des Inst. für Völkerkunde u. Dt. Völkerkunde der HU Berlin; 1953 – 68 Vors. der Sekt. für Ethnographie der DAW; Mitgl. der International Society for Folknarrative Research; 1955 Ehrenmitgl. der Vereinigung für europ. Ethnographie u. Folkloristik; 1968 em.; weiter Mitarb. im Red.-Kolleg. der Ztschr. »Ethnologia Slavica« u. Mithrsg. der Märchen westslawischer Völker. P. N.s hauptsächl. Forschungsgeb. waren die dt.-slaw. Beziehungen, vornehml. in der Folkloristik sowie in der sorb. Volksdichtung; gem. mit  Wolfgang Steinitz war er seit 1952 maßgebl. am Aufbau einer marxist.-leninist. Volkskunde in der DDR beteiligt.Sorb. Trachten im Gebiet um Schleife. 1955 (zus. mit M. Nawak-Neumann); Lachende Lausitz – Sorbische Volksschwänke. 1957; Grundriß der sorb. Volksdichtung. 1966; Probleme u. Methoden volkskundl. Gegenwartsforschung. Berlin 1969 (Hrsg. mit W. Jacobeit). Bibl. In: Letopis (1968/69) Reihe C 11/12.Ilko-Sascha Kowalczuk

Wer war wer in DDR

Nehring, Kurt

* 29.5.1898 – ✝ 29.4.1988

Geb. in Posen (Poznań, Polen); Vater Landwirt u. Kfm.; Realgymnasium; 1915 – 18 Kriegsdienst; 1918 – 21 Studium der Naturwiss. an den Univ. Freiburg i. Br. u. Königsberg; Prom. zum Dr. phil. zu einem agrikulturchem. Thema; 1921 Assistent am Agrikulturchem. Inst. der Univ. Königsberg; 1928 Habil.; 1934 Prof.; 1933 NSDAP; 1935/36 Prof. an der Univ. Jena u. Ltr. der Landw. Versuchsstation; 1936 Dir. der Landw. Versuchsstation Rostock u. Lehrauftrag an der Univ. Mai – Okt. 1945 kommissar. Dekan der Landw. Fak. der Univ. Rostock; Nov. 1945 – Sept. 1962 wiss. Ltr. bzw. Dir. der Landw. Versuchsstation Rostock bzw. des Inst. für landw. Versuchs- u. Untersuchungswesen; ab 1948 Prof. (1951 mit Lehrstuhl) für Agrikulturchemie u. Bodenkunde; 1952 Dekan der Landw. Fak.; Okt. 1951 Ord. Mitgl. der DAL (em. 1966, ausgeschieden auf eigenen Wunsch 1971); 1953 – 62 Sekretar der Sekt. landw. Versuchs- u. Untersuchungswesen; 1952 NP; 1952 – 63 Dir. des Inst. für Tierernährung u. Bodenkunde der DAL in Leipzig-Möckern u. bis 1965 Dir. des Oskar-Kellner-Inst. für Tierernährung der DAL in Rostock; hier Erarbeitung eines neuen Systems der energet. Bewertung von Futtermitteln; ab 1955 Chefred. der Ztschr. für Landw. Versuchs- u. Untersuchungswesen; 1957 Vizepräs. der Dt. Bodenkundl. Ges. in Göttingen; Mitgl. der Leopoldina sowie versch. ausländ. Akad.; Ehrenprom. in Berlin (1956 u. 1965) u. Rostock (1968); 1963 Erwin-Baur-Medaille der DAL; nach der Em. Behinderung weiterer wiss. Tätigkeit, insbes. hinsichtlich der Teiln. an ausländ. Kongressen, März 1990 diesbezügl. Rehabilitierungsbeschluß des Plenums der DAL; ca. 400 Veröff.Lehrbuch der Tierernährung u. Futtermittelkunde (ab 1950 neun Aufl. u. Übers. in mehrere Sprachen); Handbuch der Futtermittel. 1965 – 69 (Mithrsg.); Futtermitteltabellenwerk. 1970 (Hrsg.).Siegfried Kuntsche

Wer war wer in DDR

Nelhans, Erich

* 12.2.1899 – ✝ 15.2.1950

Geb. in Berlin; aufgewachsen in einer streng religiösen jüd. Fam., Vater Kaufm. u. Vorsteher der Alten Synagoge in der Berliner Heidereutergasse; Mittelschule; 1918 Eintritt in die kaiserl. Armee; danach tätig als Kaufm. in Berlin, betrieb eine kleine Druckerei, die u. a. Postkarten vertrieb; ab 1934 nebenbei versch. Arbeiten, u. a. bei der DR; 1934 Heirat; 1938 endgültige Aufgabe der Druckerei; ab 1942 in der Illegalität, z. T. unter falscher Identität; Anstellung in einer Kartonagenfabrik. Mai 1945 Umzug in den Berliner Stadtbez. Prenzlauer Berg, Engagement für die Wiederherstellung der Synagoge Rykestraße, beteiligt an der Wiedergründung u. kommissar. Vors. der Jüd. Gemeinde Berlin; Vors. der religiös-zionist. Vereinigung Misrachi in Berlin, die sich für den Aufbau des Staates Israel einsetzte u. für die Übersiedl. nach Palästina warb; Engagement für »Displaced Persons« in der SBZ, das vom NKWD zunehmend beargwöhnt wurde; versorgte zudem jüd. Rotarmisten, die nach Palästina wollten, mit Papieren u. Zivilkleidung u. ermöglichte so ihre Flucht in die Westsektoren; Einbestellung u. Verwarnung durch die sowj. Kommandantur in Berlin; nach weiterem Engagement für auswanderungswillige Juden, die als Bewohner der UdSSR in die Rote Armee eingezogen worden u. in Berlin stationiert waren, am 7.3.1948 vom NKWD verhaftet, Haft im NKWD-Gefängnis Magdalenenstraße in Berlin-Lichtenberg, am 4.8. 1948 zu 25 Jahren Arbeitslager verurteilt, Überstellung in das Speziallager Sachsenhausen, nach zwei Monaten Transport in die UdSSR, inhaftiert im Gefängnis Brest; nach schwerer Hepatitis-Erkrankung gest. im Krankenhaus Dubrawlag (Moldawien), beigesetzt auf dem Friedhof des Lagerpunkts Nr. 2. 1997 Aufhebung des Urteils u. Rehabilitierung.Leo, A.: E. N. In: Karl Wilhelm Fricke, K. W. u. a. (Hrsg.): Opposition u. Widerstand in der DDR. Polit. Lebensbilder. München 2002.Christian Halbrock; Jg. 1963; ab 1993 Studium der Neueren/Neuesten Geschichte, Mittelalterlichen Geschichte und Europäischen Ethnologie an der HU Berlin, 2003 Promotion; seitdem wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Bildung und Forschung bei der BStU in Berlin.

Wer war wer in DDR

Nerlich, Günter

* 7.1.1926

Geb. in Berlin; Vater Gewerbetreibender; Grund- u. OS; 1944 RAD; 1944 / 45 Wehrmacht. 1945 – 49 sowj. Kriegsgef., 1947 Antifa-Gebietsschule, 1947 – 49 Kursant bzw. zuletzt Lehrer an der Zentralen Antifaschule 2041. 1949 Rückkehr nach Dtl.; 1950 SED; 1950 – 52 Red., Redaktionsltr. beim Berliner Rundfunk; 1952 – 54 Redaktionsltr. beim Staatl. Rundfunkkomitee; 1952 – 57 Fernstudium an der HU Berlin u. der HS für Außenhandel, Dipl.-Wirtschaftler; ab 1954 Arbeitsgruppenltr., Redaktionsltr., Chefred. der Nachrichtensendung »Aktuelle Kamera«; 1958 – 61 Auslandskorresp. des DFF in Moskau; 1961 – 64 Chefred. für Reportagen u. Dokumentationen beim DFF, Mitgl. des Kollegiums des DFF; 1964 Einsatz als Korresp. des DFF in Kairo; 1967 – 71 Chefred. für Reportagen u. Dokumentationen beim DFF; 1971 – 79 Korresp. des Fernsehens der DDR im Regionalbüro in Südostasien in Singapur, später in Delhi, anschl. Auslandsreportagen u. Tätigkeit als Experte für versch. Fernsehstationen (Ägypten, Jemen, Zypern, Afghanistan); 1989 Entsendung in das UNESCO-Studio nach Lusaka; 1990 Ruhestand.? und weiter fließt der Ganges – Reisebilder aus Indien. Berlin 1962; Goldgräber u. Diamantensucher. Leipzig 1968; Maghreb. Marokko, Algerien, Tunesien – damals u. heute. Leipzig 1971; Die verschleierten Männer. Begegnungen mit Japan. Leipzig 1980; Indien – Antlitz eines Subkontinents. Leipzig 1983.Kirsten Nies

Handbuch Deutsche Kommunisten

Neubauer, Theodor

* 12.12.1890 – ✝ 8.1.1945

(* 1890 – † 1945) Geboren als Sohn eines Gutsinspektors am 12.Dezember 1890 in Ernschwert an der Werra. 1900 übersiedelte die Familie nach Erfurt. Hier besuchte er von 1901 bis 1910 mit seinen drei Geschwistern das Gymnasium. Der Vater war kaisertreuer Nationalist und erzog Theodor Neubauer entsprechend. Nach der Reifeprüfung studierte er von 1910 bis 1913 in Brüssel, Jena und Berlin Geschichte sowie neuere Sprachen und promovierte mit der Dissertation »Die sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse der Stadt Erfurt vor der Reformation«. Neubauer, damals Nationalliberaler, meldete sich 1914 freiwillig als Soldat und kam an die Ostfront. Nach einer Gasvergiftung an der Westfront in die Heimat entlassen, schied er 1917 als Leutnant aus. Anhänger der Deutschen Vaterlandspartei, im Dezember 1918 wurde er Mitglied der Deutschen Demokratischen Partei und in deren Erfurter Vorstand gewählt. Dann rückte er rasch nach links und schloß sich im Spätsommer 1919 der USPD an. Zunächst Hilfslehrer am Lyzeum in Erfurt, übersiedelte nach Verlust seines Lehrerpostens nach Ruhla, wo er im Dezember 1920 mit der linken USPD zur KPD stieß. Lehrer in Ruhla, im September 1921 für die KPD in den Thüringer Landtag gewählt. Ab 1. Oktober 1922 Studienrat am Realgymnasium in Weimar. Bei Bildung der sozialdemokratisch-kommunistischen Regierung in Thüringen im Oktober 1923 wurde Neubauer Staatsrat. Nach der Oktoberniederlage polizeilich gesucht, flüchtete er ins Rheinland. Unter dem Pseudonym Lorenz hauptamtlicher Parteisekretär, stand auf dem linken Flügel der KPD. Mitte 1924 Chefredakteur der »Freiheit« in Düsseldorf. Im August 1924 legte er sein Thüringer Landtagsmandat nieder und zog im Dezember 1924 im Wahlkreis Düsseldorf-Ost in den Reichstag ein. Anfang 1925 löste er Wilhelm Schwan als Polleiter des Ruhrgebiets ab, dort wurde Neubauer aber im Juni wieder abgesetzt, da er sich den Ultralinken angeschlossen hatte. Danach Mitarbeiter des KPD-Pressedienstes in Berlin. Neubauer unterschrieb im Januar 1926 gemeinsam mit den übrigen ultralinken Reichstagsabgeordneten einen Protest gegen das ZK im Falle Iwan Katz. Mitte 1926 schwenkte er von den Ultralinken zur Parteimehrheit über und wurde im Juni 1926 wieder Chefredakteur der »Freiheit« und von Januar bis März 1927 Leiter des KPD-Bezirks Niederrhein. Er bekämpfte die linke Opposition besonders scharf, war dann bis 1929 erneut Chefredakteur der »Freiheit« und wurde auch 1928 in den Reichstag gewählt, dem er bis 1933 angehörte. 1930 Mitarbeiter des ZK in Berlin, vor allem für außenpolitische Fragen verantwortlich, vorübergehend auch für Sozialpolitik. Neubauer publizierte (neben zahlreichen Aufsätzen) 1932 das Buch: »Deutsche Außenpolitik heute und morgen«, schrieb aber auch etwa 150 Gedichte. In Berlin arbeitete Neubauer 1933 illegal als Krüger, wurde am 3. August verhaftet und in verschiedenen KZs festgehalten. Im Oktober 1933 verteidigte er als Zeuge im Reichstagsbrandprozeß seine kommunistische Überzeugung. Bis 1939 Häftling in Zuchthäusern und KZs, zuletzt in Buchenwald, entwickelte Neubauer ab 1937 »Prinzipien« für den Aufbau einer illegalen Parteiorganisation. Anfang Juli 1939 nach einem Gnadenerlaß überraschend frei, kehrte er zu seiner Familie nach Tabarz zurück, wurde Lagerverwalter beim Opel-Dienst. Wieder in Kontakt zu kommunistischen Kreisen, schuf er zusammen mit Magnus Poser in Thüringen eine illegale kommunistische Gruppe (Neubauer-Poser-Gruppe). Bis zum Herbst 1943 baute Neubauer illegale KPD-Gruppen auf und bekam Verbindung zu anderen kommunistischen Zellen. Anfang Juli 1944 noch Teilnehmer an einem illegalen Treffen in Leipzig, dann am 14. Juli 1944 verhaftet, nach Berlin gebracht und hier am 8. Januar 1945 zum Tode verurteilt. Theodor Neubauer wurde am 5.Februar 1945 im Zuchthaus Brandenburg hingerichtet. Sein Sohn Hartmut fiel 1942 als Soldat im Kaukasus. Die Tochter Sonja Neubauer (*24.4.1923), Kindergärtnerin, seit 1945 Mitglied der KPD, absolvierte in Jena ein Lehrerstudium und begann 1954 eine hauptamtliche Karriere im ZK der SED. Von 1958 bis 1972 war sie stellvertretende Leiterin der Abteilung Volksbildung, von 1963 bis 1989 gehörte sie der ZRK der SED an.

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Nagy, Jenö

* 1952

Verleger, Gründer der unabhängigen Verlage Hítel und *ABC, wichtiger Vertreter der ungarischen nationalen Opposition.Jenő Nagy wurde 1952 in Budapest geboren. 1972–76 studierte er an der Loránd-Eötvös-Universität Budapest Soziologie und ungarische Philologie. Nach dem Studium war er als Assistent am Lehrstuhl für Philosophie beschäftigt. Er war außerdem als Dokumentalist in dem landesweiten Forschungsprojekt „Sozialistisches Bewusstsein“ tätig, kümmerte sich um die Einwerbung von Beiträgen mit den dazugehörigen Übersetzungen. Er beschäftigte bei der Gelegenheit auch Menschen, über die ein Publikationsverbot verhängt worden war oder die als Bürgerrechtler arbeitslos waren. 1980 wurde sein Arbeitsvertrag nicht verlängert, ab Herbst 1981 arbeitete er für den von Gábor Demszky geleiteten, unabhängigen Verlag *AB. Er nahm verschiedene Redaktions-, Druck und Vertriebsaufgaben wahr und stellte der Redaktion seine Wohnung zur Verfügung. Bei einer 1982 von der Polizei durchgeführten Wohnungsdurchsuchung wurde eine große Anzahl von Büchern beschlagnahmt. Nagy wurde mit aufs Polizeirevier genommen, wo ihm eine Verwarnung ausgesprochen wurde. Im Herbst 1982 gründete er seinen eigenen Verlag „Hítel“ (Glaube). Er gab Bücher, aber auch das Protokoll der Hauptversammlung des Ungarischen Schriftstellerverbandes heraus. 1983 gründete er den Unabhängigen Verlag *ABC (ABC Független Kiadó) als zu jener Zeit zweiten maßgebenden Samisdat-Verlag in Ungarn. Im Mai desselben Jahres erhielt er nach einer weiteren Wohnungsdurchsuchung die nächste Verwarnung von der Polizei. 1985 gab er die Zeitschrift für Politik und Kultur „Vakond“ (Blind seiend) heraus, es blieb allerdings bei einer einzigen Nummer. In den Jahren 1986–92 war er Redakteur und Herausgeber der etwas radikaleren Zeitschrift „Demokrata“. Da er jedoch die dem Samisdat-Geschäft innewohnenden Regeln nicht befolgte und auch mit der konspirativen Praxis der oppositionellen Verleger nicht einverstanden war, waren Wohnungsdurchsuchungen bei ihm immer häufiger an der Tagesordnung. Insgesamt gab er in den 80er Jahren über 20 Bücher heraus. 1986/87 wurden gegen ihn mehrfach Geldstrafen wegen Verstößen gegen das Presserecht verhängt. Am 23. Oktober 1986 fand in seiner Wohnung eine Gedenkveranstaltung zum 30. Jahrestag der *Ungarischen Revolution von 1956 statt. Im Dezember 1986, im Januar, Juni und August 1987 wurde seine Wohnung erneut von der Polizei durchsucht. Die von Nagy publizierten Schriften warben für einen radikalen, kompromisslosen Wechsel des politischen Systems in Ungarn. Oft kamen darin auch tabuisierte Themen der ungarischen Außenpolitik zur Sprache. 1987 riefen die Autoren des „Demokrata“ den „Klub der Demokraten“ ins Leben. Bis 1988 traf man sich jeden Donnerstag in Nagys Wohnung und diskutierte verschiedene Themen. Im April 1988 folgte der „Kreis der Republikaner“ mit einem eindeutig antikommunistisch und national ausgerichteten Programm. Am 15. März 1988 wurden Nagy und weitere acht Oppositionelle für 24 Stunden von der Polizei festgenommen; dabei handelte es sich um eine präventive Maßnahme der Polizei im Vorfeld einer geplanten unabhängigen Demonstration. Im November 1988 sprach sich der Kreis um Nagy klar gegen die Umgestaltung des Netzes Freier Initiativen in den *Bund Freier Demokraten (Szabad Demokraták Szövetsége; SZDSZ) aus. Im November 1989 nahmen Nagy und József Talata an einem Sitzstreik vor dem Innenministerium teil. Gefordert wurden eine vollständige Rehabilitierung der oppositionellen Verlage und eine Rückgabe der beschlagnahmten Materialien. Nach dem Systemwechsel schloss er sich 1989/90 der von György Krassó gegründeten Partei „Magyar Október“ (Ungarischer Oktober) an, die er jedoch – desillusioniert von der politischen Tätigkeit – bald wieder verließ und sich in der Folgezeit für christliche Glaubensgemeinschaften engagierte. 1993 erhielt er den Imre-Nagy-Orden.Péter Hermann Aus dem Polnischen von Gero Lietz Letzte Aktualisierung: 01/15

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Namslauer, Hugo

* 24.5.1922 – ✝ 8.1.1999

Geb. in Altwarp (Vorpomm.); Vater Handwerker; Ausbildung zum Gärtner; 1939 – 48 Gärtner in versch. Betrieben in Berlin u. in Oldenburg. 1948 / 49 Gartenbaustudium an der FS Dresden-Pillnitz; 1950 Gartentechniker beim Magistrat von Berlin; 1950 – 55 VVB Industrieentwurf Berlin; 1954 Mitgl. des Kollektivs Buchenwald (mit Hans Grothewohl, Kurt Tausendschön,  Hubert Matthes u. a.); 1954 – 58 Gedenkstätte Buchenwald; 1954 – 59 Gedenkstätte Ravensbrück; dazwischen 1956 / 57 Auslandsaufenthalt in Korea; Projektierung versch. Sportstadien u. Kulturparks; 1959 NP; 1959 – 61 Gestaltung der Mahn- u. Gedenkstätte Oranienburg-Sachsenhausen (mit H. Matthes); 1961 – 87 mit der Gründung des Inst. für Denkmalpflege wiss. Mitarb., Abt.-Ltr. Hist. Garten- u. Parkanlagen; 1968 Wettbewerb Gestaltung Gedenkstätte Fünfeichen (b. Neubrandenburg); Schinkelmed.; 1978 Rekonstruktion des Schloßgartens Güstrow.Zur gartendenkmalpfleger. Rekonstruktion des Parks Schloß Freyenstein. In: Denkmalpflege in der DDR (1978) 5 (mit A. Miehte); Zur Gestaltung u. Pflege polit. Gedenkstätten – Denkmalpflege in der DDR. Berlin 1981 (mit A. Miethe); Wiss. Grundlagen der Denkmalpflege. Hrsg. vom Min. für Kultur. Berlin 1981; Zur Bedeutung u. gesell. Nutzung der Landschaftsgärten. In: Hermann Ludwig Heinrich Fürst v. Pückler-Muskau. Hrsg. v. Gartenkunst u. Denkmalpflege. Weimar 1989. Barth, H., Topfstedt, T. u. a.: Vom Baukünstler zum Komplexprojektanten. Architekten in der DDR. Erkner 2000; Fibich, P., Wolschke-Bulmahn, J., H. N., Stadt u. Grün. In: Das Gartenamt (2002) 9.Volker Wagner

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Natonek, Wolfgang

* 1919 – ✝ 1994

Zu den Enttäuschungen politisch bewusster Menschen, die sich in der Nachkriegszeit in der sowjetischen Besatzungszone Deutschlands in den Aufbau einer neuen, antifaschistisch-demokratischen Ordnung einbringen wollten, trug frühzeitig die Erkenntnis von der Notwendigkeit bei, Freiheit und Demokratie gegen erneut drohende Gefährdungen zu verteidigen. Dies betraf auch und nicht zuletzt den akademischen Raum, wo es um die Unabhängigkeit der Wissenschaft in Lehre und Forschung ging. Der Fall des liberalen Vorsitzenden des Studentenrates an der Universität Leipzig, Wolfgang Natonek, sollte dies in dramatischer Weise demonstrieren.Wolfgang Natonek wurde am 3. Oktober 1919 in Leipzig als Sohn eines Schriftleiters und Schriftstellers geboren. Nach vierjährigem Besuch der Grundschule wechselte er zu Ostern 1930 auf ein Real-Reformgymnasium, das er bis zum Abitur zu Ostern 1938 absolvieren konnte. Zu dieser Zeit hatte sein Vater, der einer jüdischen Familie entstammte, das nationalsozialistische Deutschland bereits verlassen müssen. Verfolgt und diskriminiert, fand er zunächst in der Tschechoslowakei, danach in Frankreich Zuflucht, wo er während des Zweiten Weltkrieges verschollen ist. Seine Frau und seine beiden Kinder, Sohn Wolfgang und eine Tochter, blieben in Leipzig, sie wurden nach der Ausbürgerung des Vaters für „staatenlos“ erklärt und lebten in sozialer Not. Das Vermögen des Vaters war beschlagnahmt worden. Trotz aller widrigen Umstände konnte Wolfgang Natonek nach dem Abitur ein Studium der Veterinärmedizin an der Universität Leipzig beginnen. Er wollte Tierarzt werden, aber die politischen Verhältnisse zwangen ihn, sein Studium nach zwei Semestern abzubrechen. 1940 wurde er zum Kriegsdienst in einer Artillerie-Einheit der Wehrmacht einberufen, jedoch 1941 für „wehrunwürdig“ erklärt und entlassen. Das Kriegsende, das für ihn Befreiung hieß, erlebte er als Hilfsarbeiter in einem Leipziger Autoreparaturbetrieb. Es entsprach seiner antifaschistischen Gesinnung, dass er kurz vor Kriegsende gemeinsam mit anderen Arbeitern drei geflohene russische Kriegsgefangene in Leipzig bis zur Befreiung verbergen half – ein damals lebensgefährliches Wagnis. Zum frühestmöglichen Zeitpunkt, im Februar 1946, nahm er sein Studium an der Universität Leipzig wieder auf – entschied sich allerdings für die Fächer Germanistik, Anglistik und Zeitungswissenschaft. Vor dem Hintergrund dieser Biografie konnte es für Natonek kein politisches Abseitsstehen geben. Bereits am 15. September 1945 trat er in Leipzig der Liberal-Demokratischen Partei Deutschlands (LDPD) bei, einer bürgerlich-liberalen Partei, die damals von der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) noch nicht politisch gleichgeschaltet war. Folgerichtig gründete er an der Universität auch eine LDPD-Hochschulgruppe. Schließlich wurde er im Februar 1947 von einer Mehrheit der Leipziger Studenten als Vorsitzender des Studentenrates gewählt. Wie sehr er sich dem Erbe des antifaschistischen Widerstands verpflichtet fühlte, bewies er, als er zum fünften Jahrestag der Hinrichtung der Geschwister Hans und Sophie Scholl ihre öffentliche Ehrung an der Universität Leipzig einforderte. Beide, Studierende an der Münchner Universität, hatten gemeinsam mit gleichgesinnten Kommilitonen und Professoren die Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ gebildet. Sie wurden vom nationalsozialistischen Volksgerichtshof zum Tode verurteilt, weil sie Flugblätter gegen den Krieg verteilt hatten, und am 22. Februar 1943 hingerichtet. Auf dem 2. Parteitag der LDPD 1947 in Eisenach umriss Natonek die Motive seines politischen Wollens mit den Worten: „Als wir nach einem sechsjährigen Krieg wieder an die Universitäten kamen, glaubten wir, dass nun endlich die Zeit angebrochen sei, dass wir uns wissenschaftlicher Arbeit hingeben könnten. Keiner hatte die Absicht, an der Universität Politik zu treiben, aber noch viel weniger, in eine Partei einzutreten. Wir sehen jedoch, dass es nötig ist, Parteipolitik zu treiben, damit wir nicht von einer anderen Partei majorisiert werden. Wir wissen, was auf dem Spiele steht.“ Es war eine kaum verschlüsselte Kampfansage an die SED, die Natonek – zumal nach seiner Wiederwahl als Studentenratsvorsitzender im Dezember 1947 – zunehmend als „Idol der reaktionären Studentenschaft“ öffentlich zu brandmarken begann. Die Auseinandersetzungen mit ihm waren keineswegs nur akademischer Natur. Vielmehr hatte der Studentenrat konkrete Mitwirkungsrechte bei der Zulassung zum Studium und bei der Vergabe von Stipendien, für die nach dem Willen der SED nicht die Begabung, sondern die politische Einstellung und soziale Herkunft entscheidend waren. Verbrieft ist Natoneks bitteres Bonmot, wonach es 1937 die „nicht-arische“ Großmutter gewesen wäre, die ein Studium verhindert habe, 1947 dagegen die „nicht-proletarische“ Großmutter. Um seine Wiederwahl als Studentenratsvorsitzender zu verhindern, intrigierten die Leipziger Kommunisten mit der sowjetischen Besatzungsmacht. Natonek wurde in der Nacht vom 11. auf den 12. November 1948 von der sowjetischen Geheimpolizei festgenommen und in deren Gefängnis nach Dresden gebracht. In dem heute zugänglichen Haftbefehl wurde die Festnahme mit der Beschuldigung begründet, dass Natonek Mitglied einer illegalen Organisation sei und Handlungen gegen die Maßnahmen der Sowjetischen Militär-Administration unternehme. Zeitgleich wurden mindestens weitere zehn Studenten in Leipzig verhaftet. Es war, wie die Untersuchungen ergaben, eine haltlose Beschuldigung, aber das änderte nichts daran, dass der weit über seine Vaterstadt hinaus populäre Studentenführer, ein glänzender Redner übrigens, am 30. März 1949 von einem sowjetischen Militärtribunal in Dresden nach Artikeln 17 und 58-6 des Strafgesetzbuches der RSFSR wegen angeblicher „Beihilfe zur Spionage“ zu 25 Jahren Zwangsarbeit verurteilt wurde. Bei seiner Einweisung in die Strafvollzugsanstalt Bautzen, die damals unter sowjetischer Verwaltung stand, lag vor Natonek ein Leidensweg von acht Jahren Zuchthaus. Auch als der Strafvollzug 1950 von der Volkspolizei der DDR übernommen wurde, unterblieb die Revision dieses Unrechtsurteils. Stattdessen fristete Natonek zunächst in Bautzen und später in Torgau ein Dasein als politischer Strafgefangener. 1956 „amnestiert“, verließ er nach kurzem Aufenthalt in Leipzig die DDR. Natonek, nun bereits im 37. Lebensjahr, fand die Kraft, noch einmal ein Studium zu beginnen. An der Universität Göttingen absolvierte er ein Studium der Germanistik und Pädagogik. Fast drei Jahrzehnte lang arbeitete er danach im Schuldienst – zuletzt als Fachleiter für Geschichte am Staatlichen Studienseminar in Göttingen. Die Universität Leipzig verlieh ihm 1992 den Titel eines Professors ehrenhalber. Wolfgang Natonek starb am 21. Januar 1994 in Göttingen.Karl Wilhelm Fricke Letzte Aktualisierung: 09/16

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Naue, Gert

* 21.7.1934

Geb. in Leipzig, aufgewachsen in einer antifasch. Arbeiterfam.; 1953 Abitur an der Petri-Oberschule Leipzig; anschl. Studium der Luftfahrttechnik an der TH Dresden, dort 1958 Dipl. auf dem Gebiet der Aerodynamik; 1958 – 61 Aspirantur, 1962 Prom. bei  Werner Albring mit einer Arbeit über Wärmeübergangsprobleme an rotierenden Scheiben; 1961 – 65 Abt.-Ltr. für Thermodynamik in der Forschungs- u. Versuchsanstalt für Strömungsmaschinen Pirna, Arbeitsgebiet: Wärmeübergang in Kraftwerksprozessen; 1966 Habil. an der TU Dresden zu numerischen Lösungsmethoden für Impuls- u. Wärmetransportmechanismen in homogenen Medien; 1965 Berufung zum Doz. an die TH für Chemie »Carl Schorlemmer« Leuna-Merseburg (THC), dort 1967 Prof. für Techn. Strömungsmechanik; 1971 / 72 Studienaufenthalt an der Sibir. Abt. der AdW der UdSSR; 1970 Dekan, 1973 – 75 Prorektor für Forschung, 1975 – 81 Rektor der THC (Nachf. von  Heinz Emons); 1974 Held der Arbeit. 1992 Ruhestand; 1992 Mitbegr. eines Ingenieurbüros u. Tätigkeit als Ing. u. Gutachter; lebt in Dresden. Beiträge zur numer. Verfahrenstechnik durch Strömungsmodellierung u. -simulation; Anwendung auf komplexe Ausbreitungsrechnungen; grundlegende Arbeiten zur Modellierung von Transportprozessen mit Hilfe von Spinfeldern.Technische Strömungsmechanik. Leipzig 1975; Transportprozesse in Fluiden. Leipzig 1992 (mit G. Bärwolf).Klaus Krug

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Naumann, Harald

* 3.1.1923

Geb. in Dresden; Vater Eisenbahner; Volks-, Wirtschaftsober- u. Finanzschule; 1941 – 50 Zolldienst, durch Wehrdienst (Luftnachrichten) unterbrochen; zul. Regierungsrat u. Hauptzollamtsltr. 1946 – 49 BGL-Vors., FDGB, 1949 CDU; 1950 – 52 Studium der Finanzwirtschaft an der DVA Forst-Zinna; 1952 – 54 Oberref., Unterabt.-Ltr. Finanzen in der Abgabenverw.; 1954 – 66 Abt.-Ltr. Wirtschaft beim Sekr. des CDU-Hauptvorst.; 1957 – 59 Fernstudium der Industrieökon. an der HfÖ Berlin, Dipl.-Ökonom; 1966 dort Prom. zum Dr. oec.; 1966 – 77 Sekr. des CDU-Hauptvorst.; 1967 – März 1990 Abg. der Volkskammer; 1971 – 81 stellv. Vors. des Aussch. für Industrie, Bauwesen u. Verkehr; 1981 – 86 stellv. Vors. des Aussch. für Haushalt u. Finanzen; 1972 – 89 Mitgl. des Präs. des CDU-Hauptvorst.; 1977 – 89 stellv. Min. für Handel u. Versorgung; 1983 VVO; 1989/90 stellv. Vors. der Arbeitsgr. »Mittelständische Wirtschaft« der CDU u. zeitweiliger Vertreter der CDU am Zentr. Runden Tisch.Die Mitarbeit der CDU bei der Schaffung u. Entw. halbstaatl. Betriebe in der DDR. Berlin 1967.Helmut Müller-Enbergs

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Naumann, Rosemarie (Rosel)

* 30.7.1926

Geb. in Lommatzsch (Krs. Meißen); Vater Arbeiter; Grund- u. Berufsschule; Ausb. zum Kfm.; im Beruf tätig. 1945/46 KPD/SED; 1945 – 49 Angest. in der Stadtverw. Meißen; 1949 – 51 1. Vors. des DFD-Kreisverb. Meißen; 1952 Studium an der PHS; 1953/54 Abt.-Ltr. im DFD-Bundesvorst.; 1954 Instrukteurin, Sektorenltr. u. 1955 amt. Ltr. der Arbeitsgr. Frauen des ZK der SED (Nachf. von  Käte Selbmann); danach Kaderinstrukteurin im MfAA.Helmut Müller-Enbergs

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Nebenzahl, Leon

* 26.8.1910 – ✝ 6.1.1996

Geb. in Woronesch am Don (Russl.) in einer jüd. Fam.; Vater Kaufm.; 1918 Übersiedl. der Fam. nach Dtl.; dt.-russ. Realgymnasium in Berlin; Chemiestud. in Berlin, aus Geldmangel abgebrochen; Werbegrafiker u. -texter bei der Nero-Film Produktionsgesell.; Anf. der 30er Jahre wirtschaftl. Bankrott der Fam.; 1933 aus »rass. Gründen« Berufsverbot; kunstgewerbl. Arbeiten; nach »Arisierungsverfahren« im Nov. 1944 als »Mischling« zur »Organisation Todt« nach Thür. zwangsverpflichtet; Apr. 1945 Flucht nach Berlin. Ab Mai 1945 Dolmetscher der SMA Berlin; KPD; 1945 – 49 Mitarb. Übersetzer beim SNB in Berlin, übers. u. a. die sowj. Fassung des Potsdamer Abkommens für die »Tägl. Rundschau« u. die »Berliner Zeitung«; Übers. zahlr. Verlautbarungen u. Dokumente der SMAD, Dolmetscher bei Pressekonferenzen, ab 1946 auch Übers. des SMA-Verlags, u. a. Übers. der Anklageschrift des sowj. Hauptanklägers im Nürnberger Prozeß; ab Ende der 1940er Jahre auch Einsatz als Kontrolleur der dt. Synchrontexte sowj. Filme; nach Auflösung des SNB ab 1950 Mitarb. im Amt für Information (AfI), dort 1950 – 58 Chefred. der Ztschr. »Die Presse der Sowjetunion u. der Volksdemokratien«; übertrug 1949 / 50 das offizielle Protokoll des Schauprozesses gegen den bulgar. KP-Führer Traitscho Kostoff; 1955 längere Delegationsreise in die UdSSR; 1957 / 58 Schüler der SED-PHS »Karl Marx« in Berlin; 1958 – 1981 Chefred. der dt. Ausgabe der internat. Ztschr. »Probleme des Friedens u. des Soz.«; Übers. von Lehrbüchern zum Marxismus-Leninismus, zur Ök. u. Gesch., der Memoiren zahlr. sowj. Diplomaten, Militärs u. Politiker (u. a. Valentin Bereshkow, Iwan Maiski, Kliment Woroschilow) sowie auch belletrist. Lit. (u. a. Wassili Grossman); 1989 SED / PDS; gest. in Berlin.Mein Leben beginnt von neuem. Autobiogr. Berlin 1985; Der Zarenadler weicht dem Sowjetstern. Eine postgeschichtl. Studie. Berlin 1987. Hartewig, K.: Die geliehene Stimme: L. N. In: dies.: Zurückgekehrt. Die Gesch. der jüd. Kommunisten in der DDR. Köln, Weimar 2000.Bernd-Rainer Barth

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Neefe, Günther

* 14.6.1928 – ✝ 27.3.1998

Geb. in Lichtenstein (Sachsen); Vater Nadelmacher, Mutter Strumpflegerin; Volksschule; 1943 – 46 Weberlehre; unterbrochen 1945 durch RAD, Wehrmacht, sowj. Kriegsgefangenschaft, Antifa-Kurse. Aug. 1945 Rückkehr; 1946 SED; Landarb.; 1947 Weber; 1949 Instrukteur der SED-KL Glauchau; 1950 1. Sekr. der FDJ-KL Glauchau; Nov. 1950 Kadersekr. der FDJ-LL Sachsen; 1951 Kaderinstrukteur der SED-LL Sachsen; dann stellv. Abt.-Ltr. beim ZR der FDJ; 1952 Personalltr. beim Verlag Junge Welt; 1954 Einstellung beim MfS; Kursant der HVA-Schule; 1955 HVA-HA I (pol. Spionage); 1959 stellv. Ltr., 1960 Ltr. der HVA-Abt. VI (Ausbildung, Legalisierung); 1963/64 Fernstudium an der JHS Potsdam-Eiche, ohne Abschl.; 1968 Ltr. der HVA-Abt. II (Parteien u. Org. in der Bundesrep. Dtl.); 1971 Oberst; 1972 – 75 Externstudium an der JHS Potsdam-Eiche, Dipl.-Jur.; 1983 Versetzung zur HA KuSch, Ltr. der Abt. Kader 3 (HV A); 1987 von seiner Funktion entbunden; 1988 Entlassung aus gesundheitl. Gründen, Rentner; gest. in Berlin.Jens Gieseke

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Neiber, Gerhard

* 20.4.1929 – ✝ 13.2.2008

Geb. in Neu-Titschein (ČSR / Jičín, Tschechien); Vater Arbeiter; Mittelschule ohne Abschl.; 1945 Landarb.; 1948 Einstellung bei der VP, Revier Erfurt, dann Grenzkommandantur Gudersleben, danach Kripo Erfurt; 1949 Einstellung bei der Verw. zum Schutz der Volkswirtschaft Thür. (ab 1950 MfS, Länderverw. Thür.); 1950 Krs.-Dienststelle Weimar; 1952 Versetzung zur Abt. Politkultur der BV Erfurt; 1953 stellv. Ltr. der Abt. Politkultur der BV Schwerin; 1954 Ltr. der Abt. II (Spionageabwehr); 1955 stellv. Operativ des Ltr. der BV; 1959 stellv. Operateur des Ltr., 1960 Ltr. der BV Frankfurt (Oder) (Nachf. von  Helmut Grubert); 1960 – 65 Fernstudium an der JHS Potsdam-Eiche, Dipl.-Jur.; 1961 – 80 Mitgl. der SED-BL Frankfurt (Oder); 1970 Prom. zum Dr. jur. an der JHS Potsdam-Eiche; 1980 stellv. Minister für Staatssicherheit; 1982 Gen.-Ltn.; 1988 VVO; Dez. 1989 von seinen Funkt. entbunden; 1990 Entlassung, Rentner. Ab 1993 zeitw. in U-Haft wegen des »Verdachts der versuchten Entführung u. des versuchten Mords an einem geflüchteten Grenzsoldaten«; gest. in Berlin.Grimmer, R. u. a. (Hrsg.): Die Sicherheit. Berlin 2002 (Mitautor); Allertz, R. in Zusammenarbeit mit G. N.: Die RAF u. das MfS. Fakten u. Fiktionen. Berlin 2008.Jens Gieseke

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Nelken, Peter

* 28.1.1919 – ✝ 4.7.1966

Geb. in Berlin-Wilmersdorf in einer jüd. Fam.; Vater Kfm. u. Chemiker, Mutter Schriftst. Dinah N.; wg. Scheidung der Eltern (1919) aufgew. bei der Mutter; Grundschule u. bis 1934 Realgymnasium in Berlin-Reinickendorf; Kinderheim in Berlin-Frohnau; 1936/37 Volontär beim liter. Pressedienst u. 1937/38 im Theaterverlag Eirich in Wien; 1938 über Budapest nach London emigriert; Gelegenheitsarb.; Mitgl. des Left Book Club; Dez. 1938 nach Belgien; dort Mitgl. der FDJ Brüssel, später deren Vors.; 1939 Jugendemigrantenlager in Exaarde (b. Gent); Juni 1940 Rückkehr nach Berlin; dort Dreher; illeg. Arbeit; 1941 wegen Verdachts der »Vorber. zum Hochverrat« u. Vergehens gegen das »Heimtückegesetz« für zwei Mon. verhaftet; Gelegenheitsarbeiten; Okt. 1944 – Mai 1945 illeg. in Berlin lebend. Mai 1945 Mitarb. eines Polizeireviers in Berlin-Charlottenburg, Reviervorsteher u. Dolmetscher; 1945/46 KPD/SED; Sept. 1945 Mitarb. des Jugendsekr. der KPD; ab 1946 Ref. in der Abt. Jugend des ZS der SED; 1946 Besuch der PHS; 1946 – 48 Mitgl. des ZR der FDJ; 1946 Chefred. der Jugendztschr. »Neues Leben«; Verf. von Schulungsheften (»Der junge Marxist«); 1949/50 Hauptref. in der Abt. Parteischulung des ZS der SED, wegen seiner Westemigration entlassen u. Funktionsbeschränkung (1956 aufgehoben); 1950 Mitarb. des Amts für Information, Chefred. für Agit.-Lit.; 1950 – 52 Ltr. der HA Friedens- u. Planprop.; ab 1953 Mitgl. des Büros u. Chefred. beim NR der NF, 1953 – 66 Mitgl. seines Präs.; 1956 Londoner Korrespondent der Ztg. »Junge Welt«; ab 1958 Chefred. der satir. Ztschr. »Eulenspiegel« (Nachf. des abgesetzten Heinz Schmidt); 1964 als VdN anerkannt; 1966 VVO; gest. in Berlin.Hinter den Kulissen des Hitlerkrieges. Berlin 1946; J. W. Stalin. Lehrer, Vorbild u. Freund der Jugend. Berlin 1949; Lachen will gelernt sein. Berlin 1963. Hartewig, K.: Zurückgekehrt. Die Geschichte der jüd. Kommunisten in der DDR. Köln, Weimar 2000.Bernd-Rainer Barth

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Nerlinger, Oskar

* 23.3.1893 – ✝ 25.8.1969

Geb. in Schwann (Schwarzw.); 1908 – 12 Studium an der Kunstgewerbeschule in Straßburg, 1912 – 15 an der Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums Berlin bei Emil Orlik; 1915 – 18 Kriegsdienst; ab 1919 freischaff. in Berlin; 1921 Kontakte zu Herwarth Walden u. der Künstlervereinigung »Sturm«; Mitgl. der »Internat. Vereinigung der Expressionisten, Futuristen, Kubisten u. Konstruktivisten e. V.«, 1925 trennt sich diese Gruppe vom »Sturm«, Gruppe firmiert danach als »Die Abstrakten«; 1928 KPD; Mitgl. der ASSO Berlin; Ltg. der »Abstrakten« (1932 umbenannt in »Die Zeitgemäßen«); unter Ps. »Nilgreen« Mitarb. in der kommunist. Presse, Texte u. a. für »Rote Post«, »Eulenspiegel«, »Rote Fahne«; Bühnenbilder für die Agitpropgr. »Truppe 31«; 1933 Verhaftungen, Hausdurchsuchungen u. Ausstellungsverbot; Tätigkeit als Zeichenlehrer. 1945 – 51 Prof. an der Kunst-HS Berlin-Charlottenburg; 1946 Mitgl. des Gründungsaussch. des Schutzverb. Bildender Künstler; 1947 – 49 mit Karl Hofer Hrsg. der Ztschr. »Bildende Kunst«; ab 1949 Personalausstellungen; 1951 zus. mit  Waldemar Grzimek Entlassung aus dem Lehramt wegen solidar. Haltung zu Nordkorea; Übersiedl. nach Berlin (Ost); 1952/53 Werkvertrag mit dem Eisenhüttenkombinat Ost; 1955 – 58 Prof. an der Kunst-HS Berlin-Weißensee; danach freischaff.; Reisen nach Paris, Italien, Ungarn u. ČSSR; gest. in Berlin. Werke: An die Arbeit. 1930; Straßen der Arbeit. 1930; Im Gefängnis. 1933; Inbesitznahme der Fabriken. 1947.O. N. Kat. der Ausstellung in Berlin (West), 1969; Olbrich, H.: O. N. In: Wegbereiter. Dresden 1975; Kat. O. N. Alice Lex-Nerlinger, Berlin 1974/75.Anke Scharnhorst

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Neubauer, Edith

* 3.5.1934

Geb. in Greiz; Eltern Friseurmstr.; OS u. Abitur in Greiz; Studium der Archäologie u. Kunstgeschichte an der HU Berlin; Prom. u. Mitarb. am Inst. für Kunstgeschichte der AdW der DDR; Studienreisen ab Anfang der 60er Jahre nach Armenien u. Georgien führten zu verstärktem Interesse an den Beziehungen zwischen der kaukas. mittelalterl. Baukunst u. der mitteleurop. Romanik; ab 1965 über Kontakte zum Dir. des Inst. für Geschichte der Georg. Kunst an der AdW der Georgischen SSR, Giorgi Tschubinaschwili; u. dessen Nachf., Wachtang Beridse, Wiederbelebung der seit den 30er Jahren unterbrochenen dt.-georg. Beziehungen auf dem Gebiet der Kunstgeschichte; 1969 – 90 SED; 1976 Doz. an der KMU Leipzig für frühchristl., byzantin., armen., georg. u. altruss. Kunst; 1979 Gastprof. der Ohio Cleveland State University, USA; 1982 Prof. für Kunstgeschichte der KMU; 1994 em.; lebt in Berlin. E. N. hat mit ihren Veröff. zur altgeorg. Baukunst erhebl. zu einer Neubelebung des kunsthist. Interesses an Georgien in Mittel- u. Westeuropa beigetr.; versch. Editionen, u. a. »Russ. Kunst« (1992) u. »Kunst der USA« (1993).Armen. Baukunst vom 4. – 14. Jh. Dresden 1970; Die roman. skulptierten Bogenfelder in Sachsen u. Thür. Berlin 1972 (Corpus der roman. Kunst im sächs.-thüring. Gebiet, Reihe B. Bd. 1. Hrsg. R. Hamann u. E. Lehmann); Altgeorg. Baukunst. Leipzig, Wien, München 1976; Die Baukunst des Mittelalters in Georgien. Berlin, Wien, München 1981 (mit W. Beridse); Kunst u. Lit. im alten Rußland. Architektur, Ikonenmalerei, Dichtkunst. Leipzig, Düsseldorf 1988.Anke Scharnhorst

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Najder, Zdzisław

* 1930

Literaturkritiker und Literaturhistoriker (Schwerpunkt: Leben und Werk des Schriftstellers Joseph Conrad-Korzenowski), Publizist, Politiker; 1976 Gründer der *Polnischen Unabhängigkeitsallianz, 1982–87 Direktor des polnischen Programms von *Radio Freies Europa, 1990–92 Vorsitzender des *Bürgerkomitees beim Vorsitzenden der *Solidarność; Pseudonyme: „Exul“, „Bogusław Grodzicki“, „Marian Kowalski“, „Bronisław Lasocki“, „Socjusz“.Zdzisław Najder wurde 1930 in Warschau geboren, wo er ab 1949 Polonistik und Philosophie studierte. 1952 schrieb er unter dem Pseudonym „Bogusław Grodzicki“ im *„Tygodnik Powszechny“ (Allgemeines Wochenblatt). Aus diesem Grund erhielt er keine Zulassung zur Magisterprüfung, was gleichbedeutend mit der Relegierung von der Hochschule war. Sein Studium konnte er erst 1954 abschließen. 1952–57 war er Assistent am Institut für Literaturwissenschaft der Polnischen Akademie der Wissenschaften und 1958/59 am Lehrstuhl für Ästhetik der Warschauer Universität. 1957/58 beteiligte er sich am *Klub des Krummen Kreises (Klub Krzywego Koła; KKK), 1957–83 war Mitglied des Polnischen Schriftstellerverbandes und seit 1958 auch im polnischen P.E.N.-Club. Während Auslandsaufenthalten im Jahr 1957 nahm Najder mit der Londoner und Pariser politischen Emigration Kontakt auf. Im Herbst desselben Jahres fing die Staatssicherheit einen Brief von ihm an Jerzy Giedroyc, den Redakteur der Pariser Exilzeitschrift *„Kultura“, ab, in dem er die Situation in Warschau nach der Schließung der Zeitschrift „Po prostu“ (Geradeheraus) beschrieb. Najder wurde vorgeworfen, mit Emigrationskreisen zusammenzuarbeiten, und verhört. Anfang 1958 unterschrieb er eine Verpflichtungserklärung zur Zusammenarbeit mit der Sicherheitsdienst (Deckname „Zapalniczka“/Feuerzeug) in der Absicht – wie er sagte –, die Geheimpolizei zu desinformieren und seine Bekannten warnen zu können, dass sie verfolgt oder überwacht würden (er informierte unter anderen den in London lebenden Dichter und Übersetzer Bolesław Taborski darüber, dass er der Spionage verdächtigt wurde, und 1958 seine Kollegen aus dem *Klub des Krummen Kreises, dass sie observiert wurden). Im Sommer 1958 zog er sich aus dem *Klub des Krummen Kreises zurück, weil er befürchtete, den übrigen Mitgliedern zu schaden. Über seine Kontakte zur Staatssicherheit informierte er seine Freunde Jan Olszewski und Jan Józef Szczepański. Als sich Najder 1959 im Ausland befand, wurde ihm auf Anweisung des Innenministeriums an der Warschauer Universität gekündigt. Ab dieser Zeit konnte er in Polen keine akademische Tätigkeit mehr aufnehmen. Nachdem er von einem Stipendienaufenthalt in England (1961–63) zurückgekehrt war, lehnte er jede weitere Zusammenarbeit mit dem Staatssicherheitsdienst ab. In den folgenden Jahren lehrte er polnische und englische Literatur und Philosophie an Universitäten im Ausland. Im Mai 1975 veröffentlichte er unter dem Pseudonym „Marian Kowalski“ in der Pariser Exilzeitschrift „Kultura“ (Nr. 5) den Artikel „Von der Notwendigkeit eines Programms“ (O potrzebie programu), in dem er an die Emigration appellierte, ein Programm zur Erlangung der Unabhängigkeit zu formulieren, das Initialzündung für die Zusammenarbeit von Arbeitern und Intellektuellen in Polen sein könne. Grundlage eines solchen Programmes müsse die Erkenntnis sein, dass Polen seine völlige Unabhängigkeit nicht ohne Unterstützung einer der Großmächte erreichen werde. Najder unterschrieb den *Brief der 101 vom 31. Januar 1976, der beim Verfassungsausschuss des Sejms gegen geplante Verfassungsänderungen protestierte. Im gleichen Jahr gründete er die konspirative *Polnische Unabhängigkeitsallianz (Polskie Porozumienie Niepodległościowe; PPN), deren Programm er gemeinsam mit Jan Olszewski, Jan Zarański und Wojciech Karpiński verfasste. Es erschien am 3. Mai 1976 im Londoner Exil im „Tygodnik Polski“ (Polnische Wochenzeitung), einige Tage später als maschinengeschriebenes Manuskript in Polen und im Juli 1976 in der Pariser Exilzeitschrift *„Kultura“. Als Ziele der *Polnischen Unabhängigkeitsallianz wurden genannt: die Erringung der Souveränität Polens – womit die völlige Unabhängigkeit von der Sowjetunion und der Austritt aus dem Warschauer Pakt verbunden wären –, die Einführung der Demokratie, die Garantie von Bürgerrechten, Meinungs- und Versammlungsfreiheit und die Zulassung eines Privatsektors in der Wirtschaft. Neben der Unterstützung der Unabhängigkeitsbewegungen in der Ukraine, Belarus und Litauen wurde auch die Versöhnung mit den Deutschen gefordert, die Voraussetzung für den Beitritt zur Europäischen Gemeinschaft wäre. (In späteren Veröffentlichungen der *Polnischen Unabhängigkeitsallianz wurde die These formuliert, die Unabhängigkeit Polens sei Voraussetzung für die Vereinigung Deutschlands und die Vereinigung Deutschlands wiederum sei Voraussetzung für die Unabhängigkeit Polens.)Zusammen mit Andrzej Kijowski, Jan Olszewski und Jan Józef Szczepański bildete Najder die konspirative Leitung der *Polnischen Unabhängigkeitsallianz, die deren Texte redigierte und drucken ließ. Von Mai 1976 bis Ende 1981 erschienen 50 Veröffentlichungen der Gruppe, anfangs als maschinengeschriebene Durchschläge, dann als Fotokopien und später als Abzüge einer Kopiermaschine. Gekennzeichnet waren sie meist im Namen einer Arbeitsgruppe oder mit Pseudonym. Mitglieder der *Polnischen Unabhängigkeitsallianz waren Władysław Bartoszewski, Alexander Gieysztor, Józefa Hennelowa, Jerzy Holzer, Marcin Król, Wiktor Kulerski, Stanisław Lem, Jan Józef Lipski, Tadeusz Mazowiecki, Stanisław Szczuka, Wojciech Roszkowski, Andrzej Szczypiorski, Witold Trzeciakowski, Roman Zimand und andere. Najder schrieb hauptsächlich über historische Themen, Innen- und Gesellschaftspolitik und über die künftige polnische Außenpolitik. Er verfasste ebenso zahlreiche Erklärungen der *Polnischen Unabhängigkeitsallianz. Seitdem 1977 sein Brief an den Bevollmächtigten der *Polnischen Unabhängigkeitsallianz im Ausland, Jerzy Lerski, abgefangen worden war, wurde Najder von der Staatsicherheit verfolgt und bedroht (die Reifen seines Autos wurden zerstochen; seine Wohnung wurde beobachtet und verwanzt; in sein Haus auf dem Land wurde eingebrochen). Im November 1981 reiste Najder nach England, um die englische Ausgabe seiner Biografie des Schriftstellers Joseph Conrad-Korzenowski vorzubereiten. Als ihn die Nachricht von der Verhängung des *Kriegsrechts in Polen und von einem am 14. Dezember 1981 gegen die *Polnische Unabhängigkeitsallianz eröffneten Gerichtsprozess erreichte, und ihn das britische Außenministerium darüber informierte, dass die polnischen Behörden nach ihm fahnden, entschied er sich, in Großbritannien zu bleiben. Im Januar 1982 erhielt er politisches Asyl. Fortan arbeitete er eng mit der Pariser *„Kultura“ zusammen. Im April 1982 wurde Najder Direktor des polnischen Programms von *Radio Freies Europa. Daraufhin wurde er im Mai 1983 in Polen wegen Spionage angeklagt, durch das Militärgericht in Warschau in Abwesenheit zum Tode verurteilt, sein Vermögen wurde beschlagnahmt und anschließend wurde ihm die polnische Staatsbürgerschaft aberkannt. Nach fünf Jahren bei Radio Freies Europa in München zog Najder nach Frankreich. Dort schrieb er für die polnischen Exilzeitungen „Spotkania“ (Begegnungen), „Arka“ (Arche) und in Paris für „Kontakt“ (1986–91), dessen Redaktionsmitglied er 1987–91 war. Im Sommer 1988 nahm er noch einmal eine Arbeit für *Radio Freies Europa als Kommentator an.Als Berater des Brüsseler Koordinierungsbüros der *Solidarność, der er seit 1982 war, begleitete er Lech Wałęsa während dessen Reise nach Paris im Dezember 1988 und in die Bundesrepublik im Herbst 1990. Das über Najder verhängte Todesurteil wurde 1989 aufgehoben. Im Juli 1990 zog er nach Polen zurück, wo er 1990–92 das *Bürgerkomitee beim Vorsitzenden der *Solidarność (Komitet Obywatelski przy Przewodniczącym NSZZ „Solidarność“) leitete. 1992 wurde er Vorsitzender einer Beratergruppe von Ministerpräsident Jan Olszewski. 1991–93 führte er den von ihm gegründeten Atlantischen Klub (Klub Atlantycki), ab 1994 dann die Polnische Joseph-Conrad-Gesellschaft. 1997–2003 hatte er eine Professur am Institut für Englische Philologie der Oppelner Universität. 1998–2001 war er Berater des Vorsitzenden des Komitees für europäische Integration (Komitet Integracji Europejskiej). 2003 wurde Zdzisław Najder emeritiert, hielt jedoch noch Vorlesungen an der Europäischen Hochschule „Józef Tischner“ in Krakau und war 2009–13 Mitglied im Beirat des Museums des Zweiten Weltkriegs in Danzig.Joanna Rutkowska Aus dem Polnischen von Markus Pieper und Wolfgang Templin Letzte Aktualisierung: 11/15

Wer war wer in DDR

Nathan, Hans

* 2.12.1900 – ✝ 12.9.1971

Geb. in Görlitz; Vater Rechtsanwalt; Volksschule u. Gymnasium; 1918 Militärdienst, 1919 – 22 Studium der Rechtswiss. an den Univ. Berlin, Marburg, München u. Breslau, 1921 Prom. zum Dr. jur.; 1922 – 24 Mitarb. in d. väterl. Anwaltspraxis bzw. 1925 – 33 selbst. Rechtsanwalt in Görlitz; 1928 – 33 DDP; 1933 Emigr. in die ČSR; Mithrsg. der »Weltbühne« u. der antifa. satir. Ztschr. »Der Simpel«; 1937 Kand., 1944 KPD; 1939 Emigr. nach Großbritannien; 1940 drei Mon. Internierung; 1940 –42 Arbeiter; dann bis 1946 Angest. in der Verkehrsverw. von Manchester; Mitbegr. einer Gruppe des NKFD in Manchester. Sept. 1946 Rückkehr nach Dtl.; SED; zunächst Hauptref., 1948 HA-Ltr. in der Dt. ZV für Justiz; 1949 – 52 Ltr. der HA Gesetzgebung im Min. für Justiz u. Präs. des Justizprüfungsamts; 1952/53 Chefred. der Ztschr. »Neue Justiz«; ab 1955 Mitgl. im Kolleg. des Min. der Justiz; 1952 ord. Prof., 1952 – 63 Dir. für Zivilrecht u. 1954 – 62 Dekan der Jurist. Fak. der HU Berlin; ab 1963 Dir. des Inst. für Erfinder- u. Urheberrecht; 1966 em.; 1959, 1960 u. 1971 VVO.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Natonek, Wolfgang

* 3.10.1919 – ✝ 21.1.1994

Geb. in Leipzig; Vater Hans N. Schriftsteller, dessen Schriften 1933 von den Nazis öff. verbrannt wurden, emigrierte über die ČSR u. Frankreich in die USA; nach der Emigr. des Vaters mit der Mutter in Leipzig von den NS-Behörden für »staatenlos« erklärt; 1938 Abitur in Leipzig, anschl. Aufnahme eines Studiums der Vet.-Med. in Leipzig; 1940 Wehrmacht, 1941 als »wehrunwürdig« erklärt; anschl. Hilfsarb. in Leipzig, versteckt während dieser Zeit drei geflohene sowj. Kriegsgefangene. Sept. 1945 LDP; Febr. 1946 Stud. der Germanistik, Anglistik u. Zeitungswiss. an der Univ. Leipzig; dort Gründer der LDP-Hochschulgruppe u. ab Febr. 1947 Vors. des Studentenrats; aktiver LDP-Politiker u. Gegner der SED-Politik, setzt sich u. a. für die Würdigung der antifasch. Widerstandsgr. »Weiße Rose« ein; Dez. 1947 Wiederwahl als Vors. des Studentenrats; 11. / 12.11.1948 von der sowj. Besatzungsmacht wg. »Handlungen gegen Maßnahmen der SMA« verhaftet; 30.3.1949 vom Sowj. Militärtribunal Dresden zu 25 Jahren Lagerhaft verurteilt, Haft in Bautzen u. Torgau; 1956 Freilassung im Zuge einer Amnestie, anschl. Übersiedl. in die Bundesrep. Dtl. Studium Germanistik u. Päd. in Göttingen, danach tätig als Lehrer in Göttingen. 1990 Ehrenvors. der Jungliberalen Aktion in der DDR; 1992 Prof. ehrenhalber der Univ. Leipzig; gest. in Göttingen. Die Friedrich-Naumann-Stiftung eröffnete 1996 die W.-N.-Akad. in Kottenheide (Vogtl.); seit 1996 vergibt die Univ. Leipzig jährlich den W.-N.-Preis an Studierende.Ihr aber steht im Licht. Tübingen 1962 (mit K. Pförtner); Hans Natonek – W. N. Briefwechsel 1946 – 1962. Hrsg. von St. Böttger, Leipzig 2008. Fricke, K. W.: W. N. In: Kowalczuk, I.-S., Sello, T. (Hrsg.): Für ein freies Land mit freien Menschen. Opposition und Widerstand in Biographien und Fotos. Berlin 2006; Marx, H.: Liberale Studenten im Widerstand. Bonn o. J.; Wiemers, G., Blecher, J.: Studentischer Widerstand an der Univ. Leipzig 1945 – 55. Beucha 1998.Ilko-Sascha Kowalczuk

Handbuch Deutsche Kommunisten

Naujoks, Martha

* 2.12.1903 – ✝ 26.1.1998

Geboren am 2. Dezember 1903 in Krefeld als Martha Pleuel, Tochter eines Webers und einer Schneiderin. Stenotypistin und Sekretärin, seit 1919 Mitglied der FJS, ab Ende 1920 der KPD. Angestellte in der KPD-BL Halle-Merseburg, 1921 der KPD-BL in Hannover und Funktionärin der KJD. Ende 1922 zur »Hamburger Volkszeitung« (HVZ), wegen Teilnahme am Hamburger Aufstand im Oktober 1923 drei Monate in Untersuchungshaft, danach wieder in der Redaktion der HVZ. 1926 Heirat mit Harry Naujoks (* 18. 9. 1901 – † 20. 10. 1983). Sie wurde im Juli 1933 durch die Gestapo festgenommen, saß drei Monate in »Schutzhaft«, dann illegale Arbeit mit Hans Westermann. Im September 1935 nach Prag, bis Anfang 1936 Grenz- und Kurierarbeit. Emigration in die Sowjetunion, dort unter dem Parteinamen Inge Karst beim Verlag für ausländische Arbeiter. Im Juni 1937 wurde sie wegen »politischer Unzuverlässigkeit« aus der Exil-KPD ausgeschlossen, sie hatte verschwiegen, daß ihre Mutter zeitweise dem Leninbund angehört hatte. Im April 1939 wieder in die Partei aufgenommen und im Apparat der MOPR, später in der Schule der Komintern tätig. Im Juni 1945 Rückkehr nach Deutschland, Redaktionssekretärin. Ihr Mann Harry war 1934 verhaftet und zu zwei Jahren und drei Monaten Zuchthaus verurteilt worden, kam später in das KZ Sachsenhausen, dort zeitweise »Lagerältester«. Nach dem KPD-Parteitag 1946 in Berlin wurde sie Sekretärin des Zonenbüros der KPD in Hamburg, dann bis 1950 in der BL Wasserkante. Sie hatte großen Anteil an der Herausgabe des Sachsenhausen-Buches von Harry Naujoks (»Mein Leben im KZ Sachsenhausen 1936-1942. Erinnerungen des ehemaligen Lagerältesten«). Martha Naujoks starb am 26. Januar 1998 in Hamburg. Hans Matthaei und Erna Mayer veröffentlichten 1998 eine Skizze über Martha Naujoks.

Wer war wer in DDR

Naumann, Herbert

* 11.9.1929

Geb. in Großstädten (b. Rochlitz); Vater Arbeiter; 1936 – 42 Volksschule in Zetteritz, 1944 – 46 Volkshandelsschule in Mittweida; anschl. bis 1948 Angest. im Krs.-Rat Rochlitz, Rechtsabt. Bodenreform; 1946 FDJ u. SED; 1948 Ltr. des Krs.-Nachrichtenamts; dann bis 1949 Angest. bei der SED-KL Rochlitz; anschl. Krs.-Red. der »Volksstimme« (Chemnitz); ab 1950 in der Red. des »Neuen Dtl.«; Journalistikstudium; 1960 – 63 Auslandskorrespondent des »Neuen Dtl.« in Prag; 1963 stellv. Ltr. der Abt. Wirtschaft, 1966 Mitgl. des Red.-Kolleg. des »Neuen Dtl.«; 1967 stellv., 1983 1. stellv. u. 1985 – 89 Chefred. des »Neuen Dtl.« (Nachf. von  Günter Schabowski); 1985 – 89 Mitgl. des Zentralvorst. des VDJ; 1986 – 89 Mitgl. des ZK der SED.Müller-Enbergs, H.: Meinungsoffiziere der Parteiführung. In: JHK. Berlin 1997.Helmut Müller-Enbergs

dissidenten.eu

Navrátil, Augustin

* 1928 – ✝ 2003

Katholischer Bürgerrechtler, Autor mehrerer offener regimekritischer Briefe und Gründer des Katholischen Laienverbandes „Friede auf Erden“.Augustin Navrátil wurde 1928 in Lutopecny (Lutopetz) im mährischen Landkreis Kroměříž geboren, wo er auch durchgehend lebte. Seine Eltern waren Landwirte, er selbst erlernte den Beruf des Tischlers. Navrátil ging auf eine Abendschule für die mittlere Reife, die er jedoch nicht abschloss. In den 50er Jahren lehnten seine Eltern den Beitritt zu einer der staatlichen Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften ab, was ihm später seine Arbeitssuche erschwerte. Er wechselte häufig seine Arbeitsstellen, schließlich wurde er bei der Bahn beschäftigt, bei der er bis zu seiner Pensionierung auf verschiedenen Stellen arbeitete. Schon in den 50er Jahren trat er immer wieder gegen die gesellschaftlichen Verhältnisse ein und engagierte sich in der katholischen Laienbewegung. Er war zwar Mitglied in der von den Kommunisten zugelassenen Tschechoslowakischen Volkspartei (Československá strana lidová), Aktivitäten in unpolitischen Verbänden wie etwa im Imkerverein oder im Verband der Kleingärtner wurden ihm dagegen untersagt. Bekannt wurde Navrátil vor allem durch seine an verschiedene staatliche Institutionen gerichteten regimekritischen offenen Briefe. Diese wurden auch im Samisdat veröffentlicht. In den Briefen machte er unter anderem darauf aufmerksam, dass Gesetze nicht eingehalten wurden oder Bürger unrechtmäßigen Repressionen ausgesetzt waren. Besonderes Augenmerk richtete er auf die Verteidigung der Rechte von Gläubigen. Ende 1977 unterschrieb er die *Charta 77. Ein Jahr später wurde er deshalb festgenommen und wegen „Hetzerei“ angeklagt. Er wurde allerdings nicht inhaftiert, sondern zur Beobachtung in eine psychiatrische Klinik in Kroměříž eingewiesen. Durch einen Verfahrenstrick urteilten die Richter auf Grundlage seiner Briefe, dass er nicht zurechnungsfähig sei. Das Gericht verurteilte ihn zwar nicht zu Freiheitsentzug, schränkte aber seine Rechtsmündigkeit ein. Nach seiner Entlassung aus der Psychiatrie verfasste Navrátil weiter kritische Briefe, in denen er die verschiedenen Repressionsformen der kommunistischen Machthaber analysierte. Innerhalb von zehn Jahren schrieb er mehr als 50 Briefe, die Themen berührten wie das Petitionsrecht, geheimnisvolle Todesfälle von Mitgliedern der katholischen Untergrundkirche wie beispielsweise des Priesters Přemysl Coufal, die Instrumentalisierung der Psychiatrie als Repressionsmittel oder die Nichtgewährung der Religionsfreiheit. Von Oktober 1985 bis März 1986 wurde er erneut in Untersuchungshaft eingesperrt – wieder wurde ihm „Hetzerei“ vorgeworfen, die er in den offenen Briefen praktiziert habe. Er wurde auch dieses Mal nicht zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, sondern abermals in die Psychiatrie eingewiesen. Im Frühling 1988 verfasste Navrátil die Petition *„Impulse von Katholiken zur Verbesserung der Situation gläubiger Bürger in der ČSSR“ (Podněty katolíků k řešení situace věřících občanů v ČSSR), in der 31 Forderungen zu religiösen Freiheiten aufgelistet waren. Das bedeutete einen wirklichen Tabubruch – die Petition wurde von 600.000 Menschen unterschrieben, darunter auch von vielen Nichtgläubigen. Die Regierung musste erkennen, dass diese oppositionelle Aktion große Unterstützung in der Gesellschaft gefunden hatte. Im September 1988 gründete sich das Komitee zur Verteidigung Augustin Navrátils, hunderttausende Menschen unterschrieben Petitionen für seine Entlassung aus der Psychiatrie. Das Komitee erreichte mit seinen Aktivitäten, dass die stationäre psychiatrische Behandlung durch eine ambulante ersetzt wurde. Im Oktober 1988 gründete Navrátil den Katholischen Laienverband „Friede auf Erden“ (Mír na Zemi), dessen Hauptprogrammpunkt das Vorhaben war, einen Raum des Vertrauens, der Zusammenarbeit und guten nachbarschaftlichen Beziehungen zwischen den Warschauer-Pakt-Staaten und den NATO-Staaten zu schaffen. Andere Punkte betrafen unter anderem Gebetsaktionen für die Besetzung von Bischofssitzen und für die Entwicklung der ökumenischen Bewegung. Mit den Jahren wurde Navrátil immer selbstbewusster. Er kooperierte mit den bekannten Aktivisten der *Charta 77 und gab die Zweiwochenschrift „Christliche Horizonte“ (Křesťanske obzory) heraus. Bis in den November 1989 hinein wurde er von den kommunistischen Machthabern verfolgt. Nach der *Samtenen Revolution von 1989 engagierte sich Navrátil in der Christlichen und Demokratischen Union – Tschechoslowakische Volkspartei (Křesťanská a demokratická unie – Československá strana lidová; KDU-ČSL), aus der er 1999 austrat. 2001 übernahm er das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden der strikt antikommunistischen Partei „Rechter Block“ (Pravý Blok). Augustin Navrátil starb 2003 in Lutopecny.Petr Pospíchal Aus dem Polnischen von Jonas Grygier Letzte Aktualisierung: 05/15

Wer war wer in DDR

Neddermeyer, Robert

* 3.4.1887 – ✝ 18.10.1965

Geb. in Altona; Vater Seemann; Volks- u. Fortbildungsschule; 1901 Mitgl. der freien Gewerkschaften; 1904 SPD; 1904 – 08 Matrose, Hafenarb., Eisenbahner; 1908/09 Telegraphenarb. in Hamburg; 1909 – 12 Soldat bei der Matrosen-Artillerie-Abt.; 1912 – 14 erneut Telegraphenarb.; 1914 – 18 Soldat, zul. Obermatrose; 1918 aktiv bei der Rev. in Kiel; 1919/20 Hofverwalter auf dem Gut Noer; 1921 Besuch der Reichsparteischule; 1920 KPD; 1920/21 Bau- u. Bergarb.; 1922 – 23 UB-Sekr. der KPD in Bielefeld; 1923/24 Militär. Ltr. der KPD in Hannover; 1924/25 Bez.-Ltr. der KPD Hessen-Waldeck in Kassel; 1924 Teiln. am V. Kongreß der KI; 1925/26 Anhänger der Ultralinken; 1926 – 33 Mitarb. der Landabt. des ZK der KPD; 1926 – 28 Ltr. der Sekt. Seeleute u. Schiffer bzw. Sekr. der Reichsltg. Schiffahrt der RGO; 1928 – 32 Mitgl. der KPD-BL Ostpr. u. Abt.-Ltr. Land der KPD-BL Ostpr.; Hrsg. der »Dorfztg.«; 1932/33 Mitarb. im Reichskomitee der RGO u. Red. der Landarb.-Ztg.; gleichz. Instrukteur des Westeurop. Büros der RGI; 1924 – 28 Abg. des Dt. Reichstags, 1928 – 33 des Preuß. Landtags u. 1930 – 33 der Stadtverordnetenvers. von Königsberg; 1931 Mitbegr. des revolutionären Landarbeiterverb.; 1930 – 45 Inhaber eines eigenen Geflügelhofs in Liebenwalde u. Arbeit als Geflügelzüchter; ab 28.2.1933 Instrukteur des ZK in Mecklenb., Schles. u. dem Rheinl.; Okt. 1933 wegen illeg. Tätigkeit verhaftet u. Okt. 1934 durch ein Sondergericht in Hamm zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt, 1935/36 in den KZ Esterwegen u. Sachsenhausen; anschließend unter Polizeiaufsicht; am 18.7.1944 als Mitgl. der Gruppe von Anton Saefkow erneut verhaftet u. am 6.10.1944 zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt, bis zur Befreiung April 1945 im Zuchthaus Brandenb.-Görden. 1945 zunächst 2. Bürgermstr. von Liebenwalde; anschließend stellvertretender Landrat von Niederbarnim; 9.8.1945 – 28.2.1947 Oberlandrat u. Mitgl. der Landesbodenreformkommission; ab 1.3.1947 Landesbauernsekr., bzw. ab 1949 Landesvors. der VdgB Brandenb.; ab 1952 Vors. des Bez.-Verb. Potsdam u. Mitgl. des Präs. des Zentralvorst. der VdgB; 1946 – 52 Abg. des Landtags Brandenb., danach des Bez.-Tags Potsdam, seit 1949 der Länderkammer der DDR u. ihres Präs.; 1955 VVO; 1957 KMO.Es begann in Hamburg. Ein deutscher Kommunist erzählt aus seinem Leben. Berlin 1980.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Neheimer, Kurt

* 14.5.1924 – ✝ 14.10.1995

Geb. in Siegen (Westf.); Vater Arbeiter; Volksschule; Lehre als Tischler; 1933 Emigr. nach Palästina; Gärtnerlehre; 1941/42 Transportarb.; 1943 – 46 Soldat der Infanterieeinheit Palästina der 8. Brit. Armee. 1946 Rückkehr nach Dtl.; SED; 1946 – 48 Ref. der FDJ-LL Brandenb. u. Lehrer an der FDJ-Landesschule in der Schorfheide; 1948 – 50 Doz. bzw. Schulltr. der Richterschule in Potsdam; 1951/52 Hauptref. im Min. für Justiz; 1951/52 Fernstudium an der ASR Potsdam; 1952/53 stellv. Dir. der HS für Justiz; 1953/54 Red. im Verlag »Wissen u. Technik«; 1954 – 60 Redaktionssekr. bzw. stellv. Chefred. der »Märkischen Volksstimme« Potsdam; 1960 – 67 Chefred. der »Schweriner Volksztg.« (Nachf. von Karl Klenke); Mitgl. der SED-BL Schwerin; 1967 – 83 Chefred. der »Wochenpost« (Nachf. von  Dieter Kerschek); 1967 – 72 Mitgl. des Zentralvorst. des VdJ; 1974 VVO.Polkehn, K.: Das war die Wochenpost. Berlin 1997.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Neidhardt, Wolfgang

* 29.4.1930

Geb. in Chemnitz; Vater Arbeiter; Grundschule; Lehre u. Arbeit als Maschinenschlosser im RAW Chemnitz; 1948 SED; 1948 Eintritt in die DVP, Dienst im VP-Krs.-Amt Chemnitz u. der VP-Bereitschaft Frankenberg; 1949/50 Kursant an der VP-Schule in Eggesin; 1950/51 Abt.-Ltr. in der VP-Dienststelle Prenzlau; 1952 Stellv. des Stabschefs Artillerie der VP-Dienststelle Prenzlau; 1952 – 58 Offiziershörer an der Militärakad. für Artillerie-Ing. in der UdSSR, Dipl.-Ing.; 1959 Ltr. der Unterabt. Bewaffnung der 9. Panzerdiv.; 1959/60 Ltr. des Lehrstuhls an der Artillerie- u. Panzerschule; 1961 – 63 Stellv. des Kdr. der Artillerie-Schule (für techn. Ausbildung); 1962 Speziallehrgang in der UdSSR; 1963 Chef der Verw. Artillerie-Technik des MfNV; 1963/64 Stellv. des Chefs der Verw. Artillerie-Technik u. Bewaffnung beim Chef Artillerie des MfNV; 1964 – 69 Stellv. des Ministers (Ausrüstung) u. Chef der Verw. Technik des MfNV; 1966 Oberst; 1969 – 73 Stellv. des Chefs des Techn. Komitees der Vereinten Streitkräfte; ab 1973 Stellv. des Chefs Technik u. Bewaffnung des MfNV; 1974 Gen.-Major; 1976 Studium an der sowj. Gen.-Stabsakad. »M. W. Frunse»; 1979 Gen.-Ltn.; 1982 – 90 stellv. Vors. der SPK, Chef Militärbereich (Nachf. von  Friedrich Zeiler); 1981 VVO; 31.3.1990 Entlassung.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Nelles, Johannes

* 25.11.1910 – ✝ 7.5.1968

Geb. in Frankfurt (Main); Vater Angest. bei der Straßenbahn; 1929 – 33 Studium der Chemie in Frankfurt (Main); 1933 Prom. bei Julius v. Braun; ab 1935 zunächst Mitarb., dann Ltr. des Hauptlabors der Farbenwerke der Bayer AG in Leverkusen; 1941 Versetzung in die Buna-Werke nach Schkopau; Aufbau u. ab 1942 Ltg. des dortigen wiss. Labors; renommierter Spezialist für Kautschuksynthesen. Frühj. 1945 Mitgl. im Antifa-Aussch. der Buna-Werke; dann kurzz. Aufenthalt in der amerik. Besatzungszone; nach der Rückkehr in die SBZ von der SMAD im Nov. 1945 zum Werkltr. der Buna-Werke ernannt; 1949 NP; 1949/50 Abg. des Volksrats bzw. der (Prov.) Volkskammer; 1951 NP; 1952 Dr. h. c. der Univ. Halle; 1953 Ord. Mitgl. u. 1956 Prof. der DAW; zugl. Prof. für organ. Technol. an der TH für Chemie Leuna-Merseburg; Mitgl. des akad. Senats der MLU Halle; 1954 Gründungsmitgl. der Ges. zur Verbreitung wiss. Kenntnisse, der späteren Urania in Halle; VVO; 1957 Gründungsmitgl. u. bis 1966 stellv. Vors. des Forschungsrats der DDR; Ltr. der DDR-Delegation in der RGW-Arbeitsgr. Synthese-Kautschuk; Jan. 1967 nach Differenzen mit der SED-Führung Rücktritt von der Werkltg. als damals dienstältester Werkdir. in der DDR. Seit 1998 vergibt die Buna Sow Leuna Olefinverbund GmbH jährl. den Prof.-J.-N.-Preis für innovative Leistungen in der Polymerforsch. u. Kunststoffanwendung.»Nelles-Fibel«. Fs. zum 20jährigen Jubiläum von Prof. Nelles als Dir. des Buna-Werkes. Halle 1965.Jan Wielgohs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Nettelbeck, Walter

* 29.11.1901 – ✝ 24.6.1975

Geboren am 29. November 1901 in Krefeld; lernte Bäcker. Zunächst im Anti-Alkoholiker Guttempler-Orden organisiert, kam er 1922 zur Kommunistischen Jugend und wurde 1924 Mitglied der KPD. Ortsgruppenleiter der Partei in Krefeld, übersiedelte 1926 nach Stuttgart, arbeitete als Malergeselle und leitete in der BL Württemberg die Agitpropabteilung. Ab 1928 als Pressefotograf im Volksverband für Filmkunst aktiv. 1930 Vorsitzender und hauptamtlicher Funktionär der kommunistischen Vereinigung der Arbeiter-Fotografen. 1930/31 war Nettelbeck für die AIZ in Moskau, danach Redakteur an Publikationen des »Münzenberg-Konzerns«, wie »Der Rote Aufbau«. Seit dem Moskau-Aufenthalt Kritiker Stalins, im Mai 1933 wurde Nettelbeck aus der KPD ausgeschlossen. Im Herbst ging er zu den Trotzkisten und war in Berlin in deren 60 Personen umfassenden illegalen Gruppe aktiv. 1935 Emigration in die âSR, dann in Paris Mitherausgeber der trotzkistischen Zeitung »Unser Wort« (Pseudonym Jan Bur). Im August 1937 aus der trotzkistischen Gruppe ausgeschlossen, arbeitete Nettelbeck nun mit Ruth Fischer zusammen. 1939 interniert, 1940 von den deutschen Behörden verhaftet und 1942 vom VGH zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt. 1945 befreit, war er zunächst Landarbeiter, dann für die SPD von 1946 bis 1966 Leiter des Dezernats für Soziales der Stadt Krefeld. Walter Nettelbeck starb dort am 24. Juni 1975.

Wer war wer in DDR

Neubauer, Horst

* 6.7.1936

Geb. in Pockau (Krs. Marienberg, Erzgeb.); Vater Arbeiter; Grund- u. OS; Lehre u. Arbeit als Fachverkäufer in Marienberg u. Dresden; 1953 – 56 Abiturausb. an der ABF Dresden, 1956 – 60 Studium am Inst. für Internat. Beziehungen der DASR Potsdam, 1960 Dipl.-Staatswiss.; 1958 SED; ab 1960 Mitarb. des MfAA, 1960/61 Referent in der 5. Europ. Abt., 1961 – 63 Oberreferent in der 4. Außereurop. Abt., 1963/64 Oberreferent in der 1. Europ. Abt.; 1964 – 66 pers. Referent der Stellv. Min.  Johannes König u.  Oskar Fischer; 1966 –70 2. Sekr. an der DDR-Botschaft in Moskau; 1970 – 1973 polit. Mitarb., 1973 – 1980 Ltr. des Sektors. Sozialist. Länder der Abt. Internat. Beziehungen des ZK der SED; 1980 – 88 Botschafter der DDR in der VR Polen (Nachf. von  Günter Sieber), 1988 – 90 Ltr. der Ständigen Vertretung der DDR in der Bundesrep. Dtl. (Nachf. von  Ewald Moldt); 1981 – 88 Kand., 1988/89 Mitgl. des ZK der SED; 1985 VVO; 1986 Banner der Arbeit; Mitgl. des Verb. für Internat. Pol. u. Völkerrecht e. V. 1990 – 2000 Mitarbeiter einer Bauträgerfirma in Bremen; seitdem Rentner; lebt in Berlin.Andreas Herbst