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BioLex

In der Kategorie BioLex finden Sie drei biografische Lexika mit über 5500 Personeneinträgen.

 

Das Handbuch "Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945" wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam. Kurzbiografien zu Personen des poltischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 vor. Zudem ist das Onlinlexikon www.dissidenten.eu komplett in dieser  Rubrik recherchierbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Inforamtionen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Neubert, Ehrhart

* 2.8.1940

Geb. in Herschdorf (Thür.) in einer Pastorenfamilie, aufgew. in Großenbehringen u. Sonneberg; 1958 Abitur; 1958 – 63 Studium der Theol. an der FSU Jena; 1964 – 84 Vikar u. Pfarrer in Niedersynderstedt (Kirchenkrs. Weimar); ab 1973 auch Studentenpfarrer in Weimar; 1967 – 75 Teiln. an versch. informellen Zirkeln, die (beeinflußt durch  Robert Havemann) philosoph. u. soziolog. Themen bearbeiteten; 1976 CDU (Austritt 1984); seit 1979 Mitarb. in Friedenskrs. der ESG; Konflikte mit staatl. u. kirchl. Instanzen im Kontext der Bew. »Schwerter zu Pflugscharen«; Mitarb. in Thür. Friedensgr., Kontakte zu sozialeth. Gruppen in der gesamten DDR; seit 1984 Ref. für Gemeindesoziol. in der Theolog. Studienabt. beim Bund der Ev. Kirchen in Berlin; zahlr. soziolog. Studien zur Sozialstruktur u. zu sozialeth. Fragen, u. a. die erste soziolog. Interpretation der opp. Gruppen der 80er Jahre in »Religion in der DDR-Ges. Zum Problem der sozialisierenden Gruppen ...« (1985); Publ. in der Bundesrep. Dtl. unter dem Ps. »Christian Joachim«; Juni 1989 Mitgl. des Initiativkrs. zur Gründung der Partei Demokrat. Aufbruch (DA), maßgebl. beteiligt an der Ausarbeitung des Parteiprogramms; Dez. 1989 – Jan. 1990 stellv. Vors. u. Vertreter des DA am Zentr. Runden Tisch; Mitarb. in versch. Untersuchungskommissionen; Jan. 1990 Parteiaustritt nach der konservativen Wende des DA; seitdem wieder im kirchl. Dienst; Mitarb. in versch. informellen Gruppen, u. a. Komitee Freies Baltikum, Initiative Recht u. Versöhnung. 1992 – 94 Mitarb. der Fraktion Bündnis 90 im Untersuchungsaussch. des Brandenb. Landtags zu den Vorwürfen gegen den Min.-Präs. des Landes Brandenb.  Manfred Stolpe; E. N.s Untersuchung war maßgebl. Grundlage für das Minderheitenvotum des Bündnis-Abg.  Günter Nooke gegen den Abschlußbericht des Untersuchungsaussch.; 1996 CDU; Gründungsmitgl. u. stellv. Vors., seit 2005 Vors. des Bürgerbüros zur Aufarbeitung von Folgeschäden der SED-Diktatur; 1996 Prom. an der Freien Univ. Berlin mit einer Arbeit zur Geschichte der DDR-Opp.; 1997 – 2005 Fachbereichsltr. in der Abt. Bildung u. Forschung beim Bundesbeauftr. für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehem. DDR; 1998 Vorstandsmitgl. der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur; 2005 Ruhestand, lebt in Erfurt.Gesellsch. Kommunikation im sozialen Wandel. Berlin 1989; Eine protestant. Rev. Berlin 1990; Untersuchung zu den Vorwürfen gegen den Min.-Präs. des Landes Brandenb. Dr. M. Stolpe. Berlin 1993. Geschichte der Opp. in der DDR 1949 – 89. Berlin 1998; Die verdrängte Rev. Der Platz des 17. Juni in der dt. Geschichte. Bremen 2004 (mit B. Eisenfeld u. I.-S. Kowalczuk); Unsere Rev. – Geschichte der Jahre 1989/90. München 2008.Jan Wielgohs

Wer war wer in DDR

Neudert, Roland

* 9.7.1939

Geb. in der Nähe von Karlsbad in Böhmen, aufgewachsen in Unterlind bei Sonneberg (Thür.); dort erste Ausbildung in Gesang, Geige u. Trompete; 1960 Sieger im Wettbewerb der Jungen Talente, anschl. bis 1963 Gesangsausb. beim Staatl. Komitee für Rundfunk u. Fernsehen, dann Berufsmusiker; eigene TV-Sendereihe »Heimat, wir grüßen Dich«, zahlr. Rundfunk- u. TV-Aufnahmen, LPs bei Amiga: »Guten Tag, schönes Kind« (1980), »Unsere schönsten Volkslieder« (1983), »Hohe Berge – grüne Täler« (1989). Ab 1994 wieder Auftritte in diversen TV-Sendungen, u. a. ZDF-Hitparade, MDR-Schlagermagazin, »Musikantenscheune« der ARD; Heirat mit der früheren DFF-Moderatorin Petra Kusch-Lück, gemeinsame Tourneen, Veranstaltung eines monatl. Livemusikprogramms in Schloß Diedersdorf; sieben CDs, darunter »Petra Kusch-Lück & R. N.«, »Und wieder ist Weihnacht« (2002), »Meine größten Hits« (2004), »Fernweh – Heimweh« (2005).Jan Wielgohs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Neumann, Felix

* 23.12.1889

Geboren am 23. Dezember 1889 in Berlin, Sohn eines Zugführers, sein Großvater war Geheimer Kanzleirat. Neumann lernte Schriftsetzer und blieb in diesem Beruf. Bis August 1923 war er u. a. bei der Druckerei August Scherl und zuletzt in der Reichsdruckerei tätig, von 1915 bis 1918 bei den Eisenbahnpionieren. 1910 Mitglied der SPD, während des Krieges der USPD, 1919 der KPD. Bei der Spaltung 1920 ging er zur KAPD, 1921 zur VKPD, wo er kleinere Funktionen in Frankfurt/M. und Berlin übernahm. Ab Mitte September 1923 wurde Neumann besoldeter Orgsekretär bei der Zentrale der KPD in Berlin. Bis Anfang November 1923 Sekretär des sogenannten Revkom (Revolutionskomitee), er überbrachte Gelder an die Oberbezirke für die Aufstandsvorbereitungen. Nach späteren Aussagen hatte er unmittelbar von Heinrich Brandler den Auftrag erhalten, militärische Formationen und deren Bewaffnung zu organisieren und ein Revolutionskomitee zu bilden, rätselhaft bleibt, warum der unerfahrene Neumann damit betraut wurde. Nach dem Scheitern des Aufstands wurde er Sekretär des AM-Apparates unter Leitung von Peter Skoblewski und sollte Mitte November 1923 eine T-Gruppe leiten (das T stand für »Terror«, die Presse machte daraus später »Tscheka«). Am 7. Januar 1924 schoß Neumann in Berlin zweimal auf den als Spitzel verdächtigten Johann Rausch, der später seinen Verletzungen erlag; ein geplantes Attentat auf den Reichswehrchef Hans von Seeckt wurde nicht durchgeführt. Am 28.Februar 1924 ist eine von Neumann geführte Gruppe wegen Überschreitung der Polizeistunde in einer Stuttgarter Gaststätte festgehalten und nach einem Fluchtversuch verhaftet worden. In der Untersuchungshaft verweigerte Neumann zunächst jede Auskunft über seine Tätigkeit. Inzwischen wurden Skoblewski und zahlreiche andere Parteifunktionäre festgenommen. Als die »Rote Fahne« Felix Neumann am 27. April 1924 als Spitzel bezeichnete, distanzierte er sich von der T-Gruppe und sagte umfassend und im wesentlichen wahrheitsgemäß über seine Aktivitäten aus. Im sogenannten Tscheka-Prozeß, der als Auftakt einer Reihe politischer Prozesse geplant war, avancierte er zum Kronzeugen und wurde am 22. April 1925 zum Tode verurteilt, die Strafe dann in lebenslängliche Haft umgewandelt und mehrfach durch Amnestien gemildert (schließlich im Oktober 1930 ganz aufgehoben). Bereits 1928 fand der öffentlich inszenierte Übertritt Felix Neumanns zu den Nationalsozialisten statt, im Herbst 1928 floh er aus dem Zuchthaus – vermutlich unter Mithilfe von NS-Funktionären – und blieb bis zum Oktober 1930 illegal. Am 1.November 1930 offizielle Aufnahme in die NSDAP (Mitgliedsnr. 359.649). Von 1930 bis 1933 ist Felix Neumann als Propagandist, Organisator und »begabter Redner mit großem fanatischen Einsatz« für die NSDAP aufgetreten; im April 1933 Leiter einer NSDAP-Kreisgeschäftsstelle, aus der er 1934 wegen seiner Vergangenheit entlassen wurde. Danach zwei Jahre als Vertreter tätig, wurde er im November 1936 durch das Oberste Parteigericht der NSDAP rehabilitiert und erhielt eine Anstellung als hauptamtlicher Mitarbeiter in der NS-»Deutschen Arbeitsfront«. Die chronologisch letzte Eintragung in der NSDAP-Kartei vermeldet 1943 den Umzug von Kattowitz nach Berlin. Das weitere Schicksal von Felix Neumann ist bis heute nicht geklärt.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Neumann, Paul

* 7.2.1888 – ✝ 1934

Geboren am 7. Februar 1888 in Berlin; Metallarbeiter. Als Mitglied des SPD-Vorstandes in Nowawes gehörte er 1917 zu jenen Sozialdemokraten, die zur USPD wechselten. Paul Neumann, der auch im Kreis der Revolutionären Obleute mitarbeitete, nahm im Dezember 1918 als Delegierter für den Wahlbezirk Berlin am 1.Reichsrätekongreß der Arbeiter- und Soldatenräte teil. Ende 1920 wurde er Mitglied der VKPD, kam hauptamtlich als Sekretär in die KPD-BL Berlin-Brandenburg. Im Februar 1921 wurde Paul Neumann in den Preußischen Landtag gewählt, in dem er bis 1925 blieb. Er verließ bereits 1922 die KPD und trat der KAG bei, mit der er zur USPD zurückkehrte. Sein weiterer Lebensweg konnte nicht exakt ermittelt werden, Paul Neumann soll bald nach Errichtung der NS-Diktatur einem Unfall zum Opfer gefallen sein.

Wer war wer in DDR

Neumann, Alfred Bruno

* 10.4.1927 – ✝ 25.2.2010

Geb. in Berlin; Beruf Rohrleger; Kriegsdienst; nach Kriegsgef. im antifasch. Jugendaussch. beim Bezirksamt Berlin-Weißensee; danach Sekr. der FDJ-KL Berlin-Weißensee; 1951 stellv. Ltr. des Amtes für Jugendfragen u. Leibesübungen; 1952 – 60 stellv. Vors. des Staatl. Komitees für Körperkultur u. Sport, 1958 amt. Vors. u. 1960 – 68 Vors. (Nachf. von  Manfred Ewald), Ablösung nach Richtungsstreit mit Ewald über seinen Vorschlag zur Gründung eines Staatl. Komitees für Volkssport; 1968 – 90 Generalsekretär des MfAA; 1957 – 74 Mitgl. des DTSB-Bundesvorst.; 1964 – 74 u. 1990 Präs. des Dt. Ruder-Sport-Verb.; 1990 Mitgl. des NOK; 1968 VVO; 1970 Ehrenspange zum VVO.Volker Kluge

Wer war wer in DDR

Neumann, Irmgard

* 16.10.1925 – ✝ 22.2.1989

Geb. in Hamburg; Volksschule; Hausgehilfin; nach 1949 Neu- bzw. Genossenschaftsbäuerin u. Lehrausbilderin in der LPG Typ III in Niendorf (Krs. Teterow); 1955 DBD, stellv. Vors. des Krs.-Verb. Teterow; 1958 – 63 Abg. des Bez.-Tags Neubrandenb.; ab 1960 Mitgl. des Präs. des DFD-Bundesvorst.; Sept. 1960 – Nov. 1963 Mitgl. des Staatsrats der DDR; 1963 – 77 Mitgl. des DBD-Parteivorst; 1966 VVO; im Beruf tätig; Ruhestand; in Niendorf (Teterow) verstorben.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Neutsch, Erik

* 21.6.1931 – ✝ 20.8.2013

Geb. in Schönebeck (Elbe); Vater Arbeiter; OS; 1949 FDJ u. SED; 1950 – 53 Journalistikstudium in Leipzig; 1953 – 60 Mitarb. bzw. Kulturred. der Ztg. »Freiheit« (Halle); ab 1960 DSV u. freischaff. in Halle; zeitw. in Industriebetrieben u. in der NVA; 1961 »Bitterfelder Geschichten«; ab 1963 langj. Mitgl. der SED-BL Halle; 1964 NP, 1971 Heinrich-Mann-Preis der AdK; 1974 – 91 AdK; schrieb v. a. Romane u. Erzählungen, auch Essays, Gedichte, Features, Kinderbücher, Drehbücher; sein vieldiskutierter Roman »Spur der Steine« war Vorlage für  Heiner Müllers Drama »Der Bau« u. wurde 1966 verfilmt (R:  Frank Beyer, Verbot nach UA); 1973 erschien der seit 1965 fertiggestellte Roman »Auf der Suche nach Gatt«; 1974 VVO; 1979 Kunstpreis der FDJ; 1981 NP; 1984 Banner der Arbeit. Seit 1990 Mitgl. des VS; Mai 2006 Gründung der unselbst. gemeinnützigen »Erik-Neutsch-Stiftung« in der Rosa-Luxemburg-Stiftung; gest. in Halle. Werke: Die Regengeschichte. 1960; Spur der Steine. 1964; Die Prüfung. 1967; Tage unseres Lebens. 1972; Zwei leere Stühle. 1979; Der Friede im Osten. 1. – 4. Buch 1974 – 1989, 5. Buch 1990 vor der Veröff. zurückgezogen; Fast die Wahrheit. 1979; Claus u. Claudia. 1989; Totschlag. 1994; Der Hirt u. Stockheim kommt: zwei Erzählungen. Berlin 1998; Die Liebe u. der Tod. Gedichte. Halle 1999; Verdämmerung. Kückenshagen 2003; Nach dem großen Aufstand. Ein Matthias-Grünewald-Roman. Leipzig 2003.Commichau, H.: E. N. Leben u. Werk. 1974; Haas, K.-D. (Hrsg.): Wie Spuren im Stein – Das literar. Werk von E. N. Berlin 2007.Herbert Mayer / Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Nickel, Gitta

* 28.5.1936

Geb. in Briensdorf (Ostpr./Borzynowo, Polen); Vater Molkereibesitzer; aufgew. im Harz; Schulbesuch in Blankenburg; Studium der Pädagogik u. Germanistik an der HU Berlin, 1957 Staatsexamen; 1959 – 63 Regieassistentin im DEFA-Studio für Spielfilme (u. a. bei Joachim Kunert,  Konrad Wolf,  Ralf Kirsten); ab 1963 für Wochenschau u. Dok.-Filme bei  Karl Gass; ab 1965 Regisseurin im DEFA-Studio für Dok.-Filme; 1965 – 90 Mitgl. der künstler. Arbeitsgr. »Effekt«; 1964 – 70 verh. mit  Karl Gass; SED; zeitw. Mitgl. im Präs. bzw. Vorst. des Verb. der Film- u. Fernsehschaffenden der DDR, des Komitees der Internat. Leipziger Dok.- u. Kurzfilmwoche; 1974 NP; 1980/81 Präs. des Nat. Festivals für Dok.- u. Kurzfilme Neubrandenb.; zahlr. nat. u. internat. Preise. Seit 1990 freie Regisseurin; ab 1991 kontinuierl. Arbeit für versch. Fernsehsender. Werke: Emanzipation der Frau: ... dann springt mein Herz (1966); ... u. das Weib sei nicht mehr untertan (1978); Künstlerporträts:  Walter Felsenstein (1971);  Gret Palucca (1971);  Paul Dessau (1974); Konrad Wolf (1976/77); Damit man sich auf uns berufen kann. Vladimir Pozner (1984); Krieg u. Frieden: Tay Ho – Das Dorf in der 4. Zone (1973); 99 Tage Frieden (1973); Leben u. Arbeiten in der DDR: ... u. dann springt mein Herz (1966); ... u. morgen kommen die Polinnen (1974); Wir von Esda (1976); Den Wind auf der Haut spüren (1989); brisante hist. Ereignisse u. Biogr.: Zwei Dt. (1988); China – mein Traum, mein Leben – EVA SIAO – ein Porträt (1990); Leb wohl Dtl. Der lange Marsch der sowj. Armee (1991); Babelsberg. Glanz u. Elend einer Filmstadt (1991); Es begann in Eberswalde – Borgelt u. Dengler. Dt. Journalisten (1994/95).Matschke, E.: G. N. In: Filmdokumentaristen der DDR. Berlin 1969; Sylvester, R.: Den Vorhang beiseite schieben. Die Dokumentaristin G. N. In: Prisma (1987) 17 (Hrsg. H. Knietzsch); Schieber, E.: ... u. das Weib sei nicht mehr untertan. In: Außerhalb von Mittendrin. Berlin 1991; Schwarzweiß u. Farbe. DEFA-Dok.-Filme 1946 – 92. Berlin 1996 (hrsg. vom Filmmuseum Potsdam).Elke Schieber

Wer war wer in DDR

Niebergall, Otto

* 5.1.1904 – ✝ 14.2.1977

Geb. in Kusel (Pfalz); Vater Arbeiter; Volksschule in Kusel; Ausbildung zum Schlosser, Elektriker u. Bergmann, im Beruf tätig; 1918 Mitbegr. der Arbeiterjugend in Saarbrücken; 1920 KJV, Funktionär; 1924 – 35 Mitgl. des Sekr. der KPD-BL Saar; ab 1925 Gauführer des RFB Saar, Mitarb. des M-Apparats der KPD; 1926 – 35 Stadtverordn. von Saarbrükken; Jan. – Juni 1934 Besuch des VIII. Lehrgangs der M-Schule in Moskau; 1935 Emigr. nach Frankreich; Abschnittsltr. der illeg. KPD Saar-Pfalz; 1936 Sonderauftrag in Spanien; 1937 – 40 Ltr. des KPD-Abschnitts Rheinl. in Brüssel; 1939/40 interniert in St. Cyprien, Flucht; 1940 Mitgl. der KPD-Ltg. in Toulouse; ltd. Mitgl. der Résistance u. Ltr. deren Sektors »Travail Alemand«; ab 1942 Mitgl. der KPD Westltg., die für Frankreich, Belgien u. Luxemburg zuständig war; 1943 – 45 Präs. des illeg., ab 1944 des leg. Komitees Freies Dtl. für den Westen (»René«, »Gaston«, »Florian«, »Alwin Flamerd«, »Martin Lange« u. »Alfred Kubin«); wußte neben  Willi Kreikemeyer u.  Harald Hauser von den von Noel H. Field vermittelten Geldtransfers an das Komitee Freies Dtl. für den Westen (CALPO). 1945 Rückkehr in das Saargeb.; Vors. der KPD Saarl.; 1945 – 48 1. Vors. des Verbindungssekr. in der frz. Besatzungszone; 1946/ 47 u. 1953 – 57 Stadtverordn. in Saarbrücken; 1946 – 49 Mitgl. des SED-PV; 1947 von der frz. Militärreg. aus dem Saarl. ausgewiesen; 1948 Vors. des KPD-Landesvorst. Rheinl.-Pfalz u. Mitgl. des KPD-PV; Sekr. des KPD-PV; 1949 – 53 Abg. des Dt. Bundestags, Mitgl. des KPD-Fraktionsvorst.; ab 1949 Vors. der PKK der KPD; Mitgl. des PB; 1968 Mitgl. der DKP Rheinl.-Pfalz, Ltr. ihrer Geschichtskommission; Rentner; Vors. der IG ehem. dt. Widerstandskämpfer in den vom Fasch. okkupierten Ländern; Mitgl. des Kuratoriums der Thälmann-Gedenkstätte Hamburg; KMO; Stern der Völkerfreundschaft; Lenin-Medaille; frz. Medaille de la Libération; Ehrenurkunde der Forces Françaises de l’Interieur; gest. in Mainz.Der antifasch. Widerstandskampf in Frankreich – seine Ltg. u. Entw. In: Schaul, D. (Hrsg.): Résistance. Berlin 1973. Schaul, D.: Résistance. Berlin 1973; Pech, K.: An der Seite der Résistance. Zum Kampf der Bew. »Freies Dtl.« für den Westen in Frankreich (1943 – 1945). Berlin 1974; DKP Rheinland-Pfalz (Hrsg.): O. N. 1904 – 1977. Mainz 1977; Mallmann, K.-M., Paul, G.: Das zersplitterte Nein. Saarländer gegen Hitler. Bonn 1989; Bungert, H.: Das Nationalkomitee und der Westen. Die Reaktion der Westaliierten auf das NKFD und die Freien Dt. Bew. 1943 – 1948. Stuttgart 1997.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Nieke, Franz

* 5.4.1901 – ✝ 5.11.1979

Geboren am 5. April 1901 in Berlin; Bauarbeiter. Seit 1919 in der KPD, aktiver Funktionär in Berlin, wurde bereits für die Wahlen zum Preußischen Landtag vom Mai 1932 ohne Erfolg aufgestellt, aber dann im November 1932 im Wahlkreis Potsdam II in den Reichstag gewählt. Nach 1933 wieder Bauarbeiter in Berlin, mehrfach kurz inhaftiert, zog er sich von der Politik zurück. Nach 1945 Mitglied der KPD/SED, war er Betriebsleiter der Osthafenmühle. Während der Parteiüberprüfung 1951 stellte sich heraus, daß Nieke während seiner Haftzeit andere Mitgefangene schwer belastet hatte. Deshalb als Betriebsleiter abgelöst, durfte er fortan keine leitenden Funktionen in Partei und Massenorganisationen oder der Wirtschaft ausüben. Franz Nieke wohnte zuletzt in West-Berlin und starb dort am 5. November 1979.

Wer war wer in DDR

Nier, Kurt

* 23.7.1927

Geb. in Antoniwald (ČSR / Antonínow, Tschechien); Volks-, Bürger- u. Handelsschule; 1943/44 kaufm. Ausb.; 1944 NSDAP; 1944/45 Wehrmacht, Apr./Mai 1945 Lazarett. 1945/46 Waldarbeiter; Umsiedl.; 1946 SED; 1947 – 50 Angest. in der Kreisverw. Wernigerode; 1950/51 Kurzlehrgang an der DASR Potsdam; 1951 – 55 Hauptreferent in der HA Asien-Afrika-Amerika des MfAA; 1956 Einsatz als MfAA-Vertreter in der DDR-Handelsvertretung in Neu Deli; 1956/57 an der DDR-Botschaft in Ungarn, 1957 – 59 in Indien tätig; 1960 – 62 Gen.-Konsul in Indonesien; 1968 – 73 Ltr. der Abt. Nordeuropa im MfAA (Nachf. von Günther Seyfert); Botschafter; 1973 – 89 stellv. Minister für Ausw. Angelegenh. (zul. zuständig für Westeuropa, Bundesrep. Dtl., Berlin (West); USA, Kanada, Australien u. Japan); 1977 VVO.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Niggeling, Willi

* 3.2.1900 – ✝ 9.4.1973

Geb. in Iserlohn; Pianist, Enkelschüler Franz Liszts, Konzerte in Dtl. u. versch. europ. Ländern; 1931 NSDAP; Vorträge über das »Judentum in der Musik«; Wehrmacht; sowj. Kriegsgef., Besuch der Antifa-Schule bei Moskau. 1949 Rückkehr nach Dtl.; SED; an der Bildung der Staatl. Kommission für Kunstangelegenh. beteiligt; 1951 – 55 Rektor der Musikhochschule »Franz Liszt« in Weimar (Nachf. von  Ottmar Gerster); geriet zunehmend in Widerspruch zur Kulturpolitik der SED; 1955 – 58 Klavierdoz. in Halle; 1958 Übersiedl. nach West-Berlin; 1959 Doz. an der HS für Musik Hannover, 1961 an der HS für Musik Frankfurt (Main), 1964 – 68 deren stellv. Dir.; danach Ruhestand; gest. in Frankfurt (Main).Klavier-Improvisation. Methodische Übungen u. Anregungen. Wiesbaden 1979. Huschke, W.: Zukunft Musik. Eine Geschichte der Hochschule FRANZ LISZT Weimar. Köln u. a. 2006.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Neubert, Rudolf

* 31.1.1898 – ✝ 13.5.1992

Geb. in Dresden; Vater Lehrer; Gymnasium in Dresden; 1916 – 18 Militärdienst, als Frontsoldat bei Verdun; 1918 – 22 Med.-Studium in Jena, Freiburg u. München, hier 1923 Prom.; danach Assistent im Krs.-Wohlfahrtsamt in Lennep u. in der Tbc-Heilstätte Hohwald; 1924 – 33 Mitarb. am Dt. Hygienemuseum in Dresden (u. a. bei Martin Vogel); 1933 – 39 Arztpraxis in Dresden-Hellerau; 1939 – 45 Militärdienst, zul. Ober-Stabsarzt; NSDAP; bereits in den letzten Kriegsmon. (gem. mit dem Ende 1944 hingerichteten Militärarzt Johannes Kreiselmeier) Vorber. für die Seuchenbekämpfung im Nachkriegsdtl. 1945/46 stellv. Dezernent für Gesundheitswesen in Dresden (Seuchen- u. Geschlechtskrankheitenbekämpfung); 1946/47 Wiss. Dir. am Dt. Hygienemuseum in Dresden; 1947 wegen früherer NSDAP-Mitgliedschaft entlassen; 1948 – 52 Doz. für Anatomie an der HS für Bildende Künste in Dresden, erste sexualpädagog. Schriften; 1952 – 63 Prof. für Sozialhygiene u. Dir. des Inst. für Sozialhygiene der FSU Jena; 1956 – 63 nebenamtl. (mit Lehrauftrag) u. ab 1959 als kommissar. Dir. des Inst. für Sozialhygiene an der Med. Akad. Erfurt; Mitbegr. u. später Vors. der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- u. Jugendgesundheitsschutz (1955); Vizepräs., dann Ehrenvors. des Komitees für Gesundheitserziehung; Mitgl. des Präs. des DRK; 1963 em.; 1964 Verdienter Arzt des Volkes; gest. in Dresden. Arbeitsgebiete: Schulgesundheitspflege, Hygiene des Kindes- u. Jugendalters, Gesundheits- u. Sexualerziehung.Lehrbuch für Gesundheitshelfer. Berlin 1953; Das neue Ehebuch. Rudolstadt 1957 (21. Aufl. 1976); Grundriß der Sozialhygiene. Jena 1958 (mit G. Schrödel); Mein Arztleben. Erinnerungen. Rudolstadt 1974.Peter Schneck

Wer war wer in DDR

Neugebauer, Werner

* 27.8.1922 – ✝ 24.11.1990

Geb. in Burgstädt (Krs. Rochlitz); Vater Arbeiter; Volks- u. Berufsschule in Chemnitz; Lehre u. Arbeit als Schriftsetzer; 1941 RAD, 1942 Wehrmacht; Mai – Sept. 1945 brit. Kriegsgefangenschaft. 1945 Arbeit als Schriftsetzer; 1945 – 53 Neulehrer bzw. Lehrer an Grundschulen in Burgstädt u. Taura sowie Schulltr. in Lunzenau u. an der »Ernst-Schneller-Grundschule« in Burgstädt; 1946 SED; 1948/49 Erste bzw. Zweite Lehrerprüfung; 1949/50 Vors. des Krs.-Vorst. der Gewerkschaft der Lehrer u. Erzieher Rochlitz; 1952/53 Krs.-Schulrat in Chemnitz-Land; 1953/54 Ltr. der Abt. Volksbildung bzw. Krs.-Schulrat beim Rat der Stadt Chemnitz/Karl-Marx-Stadt; 1954/55 Sekr. für Erziehung u. Wiss. der SED-BL Karl-Marx-Stadt (Nachf. von Herta Bergmann); 1954 – 81 Mitgl. des ZK der SED; 1955 stellv. Ltr. bzw. Ltr. der Abt. für allgemeinbildende Schulen des ZK der SED; 1955 – 63 Ltr. der Abt. Volksbildung des ZK der SED (Nachf. von  Isolde Oschmann); ab 1963 stellv. Ltr. der Ideolog. Kommission bzw. Ltr. der Abt. Volksbildung u. Wiss. der SED-BL Berlin; 1982 – 89 Präs. der Freundschaftsges. DDR – Spanien; 1985 – 89 Mitgl. der Zentr. Kommission alter verdienter Parteimitgl. der SED; 1970 u. 1981 VVO; gest. in Berlin.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Neumann, Friedrich

* 1900 – ✝ 2.5.1925

(* 1900 – † 1925) Geboren 1900, entstammte einer kleinbürgerlichen Familie. Während des Krieges war er für die Spartakusgruppe aktiv und trat als Student 1919 der Freien Sozialistischen Jugend und 1920 der KPD bei. Studierte in Berlin, wo er auch zum Dr. phil. promovierte. Seit 1921 gehörte er zum linken Flügel der Partei und übte in der Berliner Parteiorganisation verschiedene Funktionen aus; 1923 in den Berliner Zentralvorstand gewählt. 1922/23 städtischer Jugendpfleger, doch als Kommunist gemaßregelt und entlassen. Nach dem Sieg der Linken in der Partei hauptamtlicher KPD-Funktionär. Delegierter des IX. Parteitags 1924. Leiter des KPD-Pressedienstes in Berlin, dann im Dezember 1924 Chefredakteur des »Echos des Ostens«, der KPD-Zeitung in Königsberg. Zugleich einige Monate Polleiter des KPD-Bezirks Ostpreußen. Neumann war trotz seiner Jugend bereits ein wichtiger Parteiführer. Bei einem Eisenbahnunglück im »Polnischen Korridor« zwischen Ostpreußen und dem Reich kam Friedrich Neumann am 2. Mai 1925 ums Leben. Zu seinem Gedenken erschien auf der ersten Seite der »Roten Fahne« und anderer Parteizeitungen ein Nachruf.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Neumann, Richard

* 1894

Geboren 1894 in Wien, Sohn eines Kaufmanns; nach dem Abitur Soldat im Weltkrieg. 1919 in der kommunistischen Bewegung der âSR tätig, 1921 Mitglied der Statutenkommission auf dem III. Weltkongreß der Komintern. Richard Neumann kam 1922 nach Berlin und war dort Redakteur an der »Inprekorr«. Nach dem KPD-Verbot wurde die Redaktion im Dezember 1923 nach Wien verlegt und Neumann Chefredakteur der Pressekorrespondenz, er war dies dann auch noch einige Zeit nach seiner Rückkehr nach Berlin. Ab 1925 gehörte er zur linken Opposition und war als Trotzkist in Berlin mit Anton Grylewicz sowie Joseph Kohn (Joko) eng verbunden; er wurde 1930 in die Reichsleitung der Vereinigten Linken Opposition der KPD/ Bolschewiki-Leninisten gewählt. 1933 Emigration in die Schweiz, 1938 nach Schweden, Neumann kehrte 1947 nach Österreich zurück. Hier zunächst Redakteur der SPÖ, dann der Abspaltung SAPÖ, von der er sich vor deren Vereinigung mit der KPÖ trennte. Anschließend arbeitete Richard Neumann in Wien, wo er noch Ende der siebziger Jahre lebte, als Theater- und Wirtschaftskorrespondent sozialdemokratischer Zeitungen.

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Neumann, Anni

* 13.11.1926

Geb. in Stettin (Szczecin, Polen); Vater Arbeiter; Volksschule; 1941 – 43 Landarb.; 1943 – 45 RAD; 1946 – 49 Landarb. auf dem VEG Christinenfeld; 1947 FDJ; 1949 – 51 Abt.-Ltr. der KL Grevesmühlen der FDJ u. 1. Sekr. der KL Güstrow der FDJ; Mitgl. des ZR der FDJ; 1952/53 Sekr. der BL Rostock der GST; 1949 SED; 1953 Arbeiterin auf der Neptun-Werft Rostock; 1953/54 Abg. des Bez.-Tags Rostock, Mitgl. der Ständ. Kommission für Kultur; seit 1954 Abg. der Volkskammer, Mitgl. des Wirtschaftsaussch.; 1955 Facharbeiter-Prüfung als Stahlschiffbauerin; 1956 – 58 Abendstudium an der FS für Schiffbautechnik Warnemünde, Schiffbaumstr.; 1959 Schiffbautechnologin; 1959 – 61 Studium am Industrie-Inst. für Schiffbau der Univ. Rostock, Dipl.-Ing.-Ökon.; 1961 – 64 persönl. Ref. des Werkltr. der Neptun-Werft Rostock; 1964 – 70 HA-Ltr. für Arbeitsökon.; 1964 – 71 Mitgl. des Staatsrats; 1969/70 Sonderstudium an der HfÖ Berlin; 1971 – 81 Dir. für Kader u. Bildung im VEB Schiffswerft Neptun; seit 1974 Vors. der Frauenarbeitsgr. des Ministers für Schwermaschinen- u. Anlagenbau; seit 1976 Mitgl. des Verfassungs- u. Rechtsaussch. der Volkskammer; 1981 Ruhestand.Helmut Müller-Enbergs

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Neumann, Margarete

* 19.2.1917 – ✝ 4.3.2002

Geb. in Pyritz (Pomm. / Pyrzyce, Polen); kleinbürgerl. Elternhaus; Lyzeum; 1934 Vorpraktikum, anschl. Stud. am sozialpäd. Seminar Königsberg; 1939 – 45 Fürsorgerin in Heilsberg (Ostpr.); 1939 Heirat, 1945 Tod des Ehemanns. Nach der Flucht Neubäuerin in Cosa (Mecklenb.); 1948 kurzzeitig für den DFD in Halle (Saale) tätig, dann Leichtmetallschweißerin; SED; von  Kurt Barthel 1951 nach Berlin geholt, dort Teiln. an der Vorbereitung der Weltfestspiele; lebte seit 1952 als freie Schriftst. in Hohen Neuendorf (b. Berlin), seit 1961 in Neubrandenb.; veröff. 1955 mit »Der Weg über den Acker« ihren ersten Roman; 1957 mit dem Heinrich-Mann-Preis ausgezeichnet; 1956 DSV; Arbeiten für Rundfunk u. DEFA; Hilfsarb. im Neubrandenb. Ölheizgerätewerk; 1970 – 74 im Petrol-Chem. Kombinat Schwedt tätig; Verfasserin von Romanen, Erzählungen, Gedichten, Kinderbüchern, Hörspielen u. Agitproplit.; vor dem Hintergrund biogr. Erfahrungen wird die Entw. der Lebensverhältnisse auf dem Lande zum Gegenstand der lit. Auseinandersetzung, in deren Zentrum meist Frauenfiguren stehen; 1964 Fritz-Reuter-Preis; 1977 Lit.-Preis des DFD. Lebte 1991 – 2001 in Sousse u. Hergla in Tunesien; gest. in Rostock; Sohn Schriftst. Gert N.Der grüne Salon. Berlin 1972; Die Webers. Berlin 1976; Orenburger Tagebuch. Berlin 1977.Christian Krause

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Neye, Walter

* 25.8.1901 – ✝ 12.8.1989

Geb. in Arnsberg (Westfalen); Vater Kanzleisekretär; 1919 Abitur am Humanist. Gymnasium Potsdam; anschl. Studium der Rechtswiss. an der Univ. Berlin, 1923 1. Staatsexamen, 1927 2. Staatsexamen; 1924 Prom. an der Univ. Breslau; anschl. Rechtsanwalt u. Notar in Berlin; 1940 Dienstverpflichtung als Referent des Luftfahrtmin. 1945 – 47 wieder als Rechtsanwalt u. Notar in Berlin tätig, ab 1946 Lehrtätigkeit an der Univ. Berlin; 1947 Prof. mit vollem Lehrauftrag, 1948 ord. Professor für bürgerl. Recht, Zivilprozeß; 1951 Dir. des Inst. für Zivilrecht, 1950 – 52 Dekan der Jurist. Fak., 1952 – 57 Rektor der HU Berlin (Nachf. von  Walter Friedrich), ab 1956 Dir. des Inst. für westdt. u. ausländ. Zivilrecht, 1966 em.; 1954 u. 1960 VVO; Präsident Vereinigung Demokrat., Mitinitiator des Grosscourth-Aussch.; Mitgl. im Präs. des Dt. Friedensrats; gest. in Berlin. Arbeitsgebiet: dt. Zivilrecht, u. a. Studien zum Versuchs- u. Mittäterbegriff.Dieter Hoffmann

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Nickel, Uta

* 19.7.1941

Geb. in Leipzig; Vater Klempner; Grundschule; 1955 – 60 Lehre u. Arbeit als Buchbinder; 1955 FDJ, 1960 SED; 1960 / 61 Meisterqualifikation an der Ingenieurschule für Polygraphie Leipzig; 1961 – 63 Abt.-Ltr. im VEB Metallätzwerk Magrafa; 1963 – 76 Mitarb. im Bezirkswirtschaftsrat des Rats des Bez. Leipzig; Fernstudium, 1968 Ingenieurökon.; 1973 Dipl.-Wirtschaftler; 1976 – 79 Abt.-Ltr. im Leipziger Bezirksbauamt; 1979 – 81 Stellv. des Vors. der Bezirksplankommission, 1982 – 86 Mitgl. des Rats des Bez. Leipzig; 1986 – 88 Abg. des Bezirkstags Leipzig; 1985 – 87 Fernstudium an der SED-BPS Leipzig; 1988 / 89 Stellv. des Ministers, Nov. 1989 – Jan. 1990 Minister der Finanzen u. Preise in der Reg. Modrow (Nachf. von  Ernst Höfner), 22.1. 1990 Rücktritt wg. Ermittl. des Bezirksstaatsanwalts Leipzig im Zusammenhang mit ihrer Tätigkeit als Finanzverantwortliche im Bez. Leipzig, März 1990 Einstellung der Ermittl. 1990 Beraterin für zwei Kölner Bauträgerfirmen (GEG u. FTG); ab 1991 selbst. Grundstücksentwicklerin, maßgebl. am Um- u. Neubau des Leipziger Stadtbildes beteiligt, u. a. Baugebiete im Leipziger Stadtzentrum u. in Leipzig-Paunsdorf.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Niebergall, Otto

* 5.1.1904 – ✝ 14.2.1977

Geboren am 5. Januar 1904 bei Kusel/Pfalz, Sohn einer Arbeiterfamilie; Lehre und Arbeit als Schlosser, Elektriker und Bergmann. 1918 Mitbegründer der Arbeiterjugend in Saarbrücken, wurde 1923 Leiter der KJD Saarbrücken und gehörte von 1924 bis 1935 dem Sekretariat der KPD-BL Saar an, ab 1925 auch Gauführer des RFB Saar. Von 1929 bis 1935 war Niebergall Stadtverordneter von Saarbrücken, 1932 für elf Monate wegen »Fortführung des RFB« in Zweibrücken inhaftiert. Im Juni 1933 wurde er Polleiter der KPD Saar. Von März bis Oktober 1934 Kursant an der Internationalen Leninschule in Moskau, im Februar 1935 Emigration nach Frankreich, zeitweise Leiter des Abschnitts Saar-Pfalz bzw. von 1937 bis 1940 Leiter des Abschnitts Rheinland in Brüssel. Im Januar 1939 nahm Niebergall an der »Berner Konferenz« teil. Am 11. Mai 1940 in Brüssel verhaftet und nach Frankreich in das Lager St. Cyprien gebracht, aus dem er am 13.Juli 1940 floh. Ab September 1940 Mitglied der KPD-Leitung in Toulouse, avancierte Niebergall im April 1941 zum Leiter der illegalen KPD für Frankreich, Belgien und Luxemburg. Bis 1945 führendes deutsches Mitglied in der Résistance, 1944 Präsident des »Komitees Freies Deutschland im Westen«. Im August 1945 Rückkehr nach Deutschland, bis 1948 Vorsitzender des Verbindungssekretariats (Zonenleitung) der KPD in der französischen Zone. Er war von Mai 1948 bis Februar 1950 Vorsitzender der KPD Rheinland-Pfalz und gehörte auch dem KPD-PV an. Von 1949 bis 1953 war er Abgeordneter der KPD im Bundestag. Von Ost-Berlin aus leitete er von 1953 bis 1955 die ZPKK der KPD. 1955 offiziell in das Saarland zurückgekehrt, 1956/57 Stadtrat in Saarbrücken. Nach dem Verbot des saarländischen Landesverbandes der KPD ging Niebergall erneut in die DDR. Er gehörte dem ZK und dem von Ost-Berlin aus agierenden Politbüro der westdeutschen KPD an. 1971 zurück in der Bundesrepublik, wurde er Mitglied des DKP-Vorstands Rheinland-Pfalz. Er erhielt von der DDR 1970 den Karl-Marx-Orden. Otto Niebergall starb am 14. Februar 1977.Bernd-Rainer Barth

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Niekisch, Ernst

* 23.5.1889 – ✝ 23.5.1967

Geb. in Trebnitz (Schles. / Trzebnica, Polen); Vater Feilenhauer; 1907 – 18 Volksschullehrer in Nürnberg; 1917 – 19 SPD; 1918 Vors. des Arbeiter- u. Soldatenrats in Augsburg; 1919 Vors. des ZR der Arbeiter-, Bauern- u. Soldatenräte Bayerns; 1919 – 22 USPD; nach der Niederschlagung der bayr. Räterep. zu zwei Jahren Festungshaft verurteilt; 1921 Abg. des Bayr. Landtags, Vors. der Fraktion, nach der Vereinigung von USPD u. SPD, 1922/23 stellv. Vors. der Fraktion; 1922 – 26 SPD; 1923 – 26 Sekr. des Dt. Textilarbeiterverb.; anschl. Mitgl. der Altsoz. Partei (Abspaltung der SPD in Sachsen); leitete bis 1928 als Chefred. deren Ztg. »Der Volksstaat« in Dresden; 1928 bis zum Verbot 1935 Hrsg. von »Widerstand – Blätter für nat.-rev. Pol.«; Inhaber des Verlags Der Widerstand in Dresden, später Berlin; E. N. galt als Nationalbolschewist; 1937 Verhaftung wegen konsp. Tätigkeit u. 1939 Verurteilung zu lebenslanger Haft durch den VGH, Zuchthaus Brandenb.-Görden; durch eine schwere Erkrankung teilw. gelähmt u. fast erblindet. 1945 KPD, Ltr. der VHS Berlin-Wilmersdorf, Mitbegr. des KB u. Mitgl. des Berliner Landesvorst.; 1948 ord. Prof. u. Dir. des Inst. zur Erforschung des Imp. an der Univ. Berlin; 1949/50 Mitgl. der Prov. Volkskammer, 1949 – 58 Mitgl. des Präsidialrats des KB; verweigerte 1951 die SED-»Parteiüberprüfung«; nach dem 17.6.1953 Bruch mit der SED; seit 1955 nach eigenem Dafürhalten nicht mehr Mitgl. der SED, 1958 Einzug des SED-Mitgliedsbuchs; wohnte seit 1945 in Berlin (West), wo ihm die Wiedergutmachungsrente als VdN verweigert wurde, dort gest. U. a. mit seinem Buch »Hitler, ein dt. Verhängnis« (Berlin 1932) hatte E. N. frühzeitig vor Adolf Hitler gewarnt; in seinen Nachkriegsarbeiten thematisierte er v. a. das Versagen der dt. Mittelschicht.Dt. Daseinsverfehlung. Berlin 1946; Zum Problem der Freiheit. Berlin 1948; Europ. Bilanz. Potsdam 1951; Das Reich der niederen Dämonen. Berlin 1953; Erinnerungen eines dt. Revolutionärs. 2 Bde. Autobiogr. Köln 1958, 1968. Kabermann, F.: Widerstand u. Entscheidung eines dt. Revolutionärs. Köln 1973.Ilko-Sascha Kowalczuk

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Nierade, Kunz

* 7.11.1901 – ✝ 2.12.1976

Geb. in Wohlau (Niederschlesien/Wolow, Polen), Vater Gerichtssekr.; Gymnasium; Maurerlehre, 1925 Abschluß der Staatl. Baugewerbeschule Chemnitz; 1925 versch. Arbeiten in Chemnitz u. Braunschweig; 1931 Architekt in Leipzig; 1931 NSDAP; 1939 – 45 Projektant in Schlesien u. im besetzten Polen (u. a. in Poznań u. Łódź). 1949 1. Preis im Wettbewerb für den Umbau der Bachgruft in der Thomaskirche in Leipzig; 1951 Architekt im Kollektiv Hanns Hopp; Projekte: 1951 – 62 DHfK Leipzig, Univ. Leipzig; 1954 – 60 Opernhaus Leipzig; 1966/67 Projektierung zum Umbau der Komischen Oper Berlin; 1967 – 69 Berater des Karl-Liebknecht-Forums Potsdam, gest. in Berlin. Das Leipziger Opernhaus war der erste große Theaterneubau der DDR u. nimmt hinter der sog. Architektur der Nat. Tradition schon die Moderne der späten 1950er u. 60er Jahre beispielhaft vorweg.Planung u. Gestaltung des neuen Leipziger Opernhauses. In: FS zur Eröffnung des neuen Leipziger Opernhauses. Leipzig 1960. Topfstedt, T.: Oper Leipzig. Das Gebäude. Leipzig 1993; Schulze, I.-K.: K. N. Das architekton. Werk. Univ. Leipzig 2000 (Magisterarbeit).Volker Wagner

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Niggemeier, Adolf

* 21.5.1931

Geb. in Riesa (Sachsen); Vater Arbeiter; OS, 1949 Abitur; 1948 CDU; FDJ u. FDGB; 1949/50 Justizpraktikant am Amtsgericht Riesa; 1950 – 52 Mitgl. des Krs.-Vorst. der CDU Riesa; 1950 – 54 Jurastudium an der Univ. Leipzig, Dipl.-Jur.; 1952 – 54 Mitgl. des Bez.-Vorst. der CDU Leipzig; 1955 – 77 Mitarb., dann Ltr. der Abt. Pol., Westdtl. u. Internat. Verbindungen beim Sekr. des Hauptvorst. der CDU; 1967 – März 1990 als Berliner Vertreter Abg. der Volkskammer, 1981 – 86 Mitgl., 1986 – 90 stellv. Vors. des Verfassungs- u. Rechtsaussch.; 1966 – 77 Mitgl. des Arbeitsaussch. der Berliner Konferenz kath. Christen aus europ. Staaten; 1977 – 89 Mitgl. des Präs. u. Sekr. für Agit. des Hauptvorst. der CDU (Nachf. von  Hermann Kalb); Mitgl. des DDR-Komitees für Sicherheit u. Zusammenarbeit; 1980 VVO; vom MfS als IM »Benno Roth« erf.; 11.11.1989 – Ende März 1990 Vors. der CDU-Frakt. in der Volkskammer (Nachf. von  Wolfgang Heyl), ab 17.11.1989 Mitgl. des Präs. (Nachf. von W. Heyl) u. Apr. – Okt. 1990 Ltr. bzw. Dir. der Verw. der Volkskammer. 1991 pers. Referent des MdB Else Ackermann; lebt als Rechtsanwalt in Berlin.Weg u. Ziel der Adenauer-CDU. Burgscheidungen 1961 (zus. mit H. Kalb u. K.-H. Puff).Helmut Müller-Enbergs

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Neubert, Werner

* 22.11.1929

Geb. in Wilsdruff (Krs. Meißen, Sachsen); Volksschule, OS (kriegsbedingter Abbruch); Volkssturm im Raum Dresden u. Böhmen; OS; 1945 KPD, 1946 SED; 1946 Lehrgangsteiln. an der Landesjugendschule Sachsen; ehrenamtl. Mitarb. der FDJ-KL Meißen u. Bauhilfsarbeiter; 1948 Sonderreifeprüfung in Chemnitz, ab 1948 Volontär, Red. u. Journalist bei der »Volksstimme Chemnitz«; 1951 – 53 Red. der Ztschr. »Neuer Weg«; 1953 – 55 Studium an der PHS; 1955 – 61 erneut Red. der Ztschr. »Neuer Weg«; 1961 Aspirantur am IfG, Prom. zum Dr. phil., später Prom. B.; ab 1964 Doz. am IfG; Mitarb. des ZK der SED; 1966 – 74 Chefred. der Ztschr. des DSV »Neue Dt. Lit.« (Nachf. von  Wolfgang Joho); 1969 – 78 Sekr. des DSV bzw. SV, Mitgl. seines Präs.; Doz. für Kunst u. Literatur an der ASR Potsdam; 1975 – 90 Prof., Leiter des Lehrstuhls für Kulturtheorie/Ästhetik an der ASR Potsdam; 1969 – 89 als IM bzw. IME »Wolfgang Köhler« des MfS erf.; 1971 Heinrich-Heine-Preis; Theodor-Körner-Preis; 1979 VVO. Ab 1990 Rentner; lebt in Kleinmachnow.Literatur, Geschichte, Wehrmotiv, Essays u. Rezensionen. Berlin 1982; Die Beschießung Almerías. Berlin 1984; Und wenn der Zügel reißt ? Ein Roman um Prinz Louis Ferdinand von Preußen. Berlin 1986; Soldat u. Buch – Legende u. Wirklichkeit. Essays zur Literatur. Berlin 1989. Joachim Walther: Sicherungsbereich Literatur. Berlin 1996.Bernd-Rainer Barth

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Neukirchen, Heinz

* 13.1.1915 – ✝ 8.12.1986

Geb. in Duisburg; Vater Gemüsegärtner, Stiefvater Schlosser; 1921 – 25 Volksschule in Krefeld u. Duisburg, 1925 – 31 Mittelschule in Duisburg; 1931/32 Volontär in der Gemeindeverw. Hüls (b. Krefeld); 1932/33 freier Mitarb. der Ztg. »Düsseldorfer Nachr.« in Krefeld; 1933/34 Marine SA; 1935 – 45 Militärdienst, 1936 auf dem dt. Kreuzer »Köln« am Einsatz für Francisco Franco im span. Bürgerkrieg beteiligt, Auszeichnung mit dem Spanienkreuz; 1937 Schiffsartillerieschule in Kiel, zul. Obltn. z. S.; 10.5.1945 – 1949 sowj. Kriegsgefangenschaft, 1948/49 Antifa-Zentralschule in Krasnogorsk, dort Assistent. 7.10.1949 Rückkehr nach Dtl.; 1949 – 61 NDPD, Austritt; 1949/50 Landessekr. u. Mitgl. des LV der NDPD Mecklenb.; 1950/51 stellv. Vors. der NDPD; 1950/51 1. Vors. der DSF Berlin; 1950 – 52 Abg. der Volkskammer; 1951 stellv. Vors. des Präs. des NR der NF; 1951 – 56 Chef des Stabs der Verw. VP See; 1952 Konteradmiral; 1954/55 Akadem. Kurs an der Seekriegsakad. Leningrad (UdSSR); 1956 – 61 Chef des Stabs der Verw. Seestreitkräfte/Volksmarine; 1961 – 63 Chef der Volksmarine (Nachf. von  Wilhelm Ehm); 1961 Kand., 1963 Mitgl. der SED; 1964 Vizeadmiral; 30.11.1965 Ausscheiden aus dem aktiven Dienst; 1964 – 76 Präs. der Dir. Seeverkehr u. Hafenwirtschaft; Hrsg. von Schriften über Seeverkehr sowie Häfen u. Schiffe der DDR; 1974 VVO; 1974 – 76 GD des VEB Kombinat Seeverkehr u. Hafenwirtschaft; zeitw. Vors. des Fußballclubs Hansa in Rostock.Seefahrt gestern u. heute. Berlin 1970; Seefahrt im Wandel der Jahrtausende. Berlin 1985; Seemacht im Spiegel der Geschichte. Kaiserslautern 1988.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Neumann, Hedwig

* 13.7.1890 – ✝ 10.12.1978

Geboren am 13. Juli 1890 in Berlin, Tochter des Werkzeugmachers Richard Neumann. Sie erhielt nach der Schulentlassung eine Freistelle in der Fröbelschen Kinderpflegerinnenschule in Berlin. 1905 ging sie als Kinderpflegerin nach Bergen auf Rügen, ein Jahr später nach Plaue an der Havel. 1907 gab sie den Beruf auf und begann als Arbeiterin bei der Firma Siemens, um zum Familienunterhalt beizutragen. Von 1911 bis 1922 in verschiedenen Berliner Metallfabriken beschäftigt, 1920 Mitglied der USPD, 1923 der KPD. 1925 kandidierte Hedwig Neumann bei den Wahlen im Metallarbeiterverband für die Liste der Kommunisten. Sie war im Betriebsrat der Firma Lorenz, dem sie bis zu ihrer Maßregelung anläßlich des großen Metallarbeiterstreiks 1930 angehörte. 1928 von der KPD als Landtagsabgeordnete aufgestellt und gewählt, gehörte sie dem Preußischen Landtag bis 1932 an. Danach war sie in der Redaktion und im Verlag »Die Arbeiterin« tätig. Von Frühjahr bis September 1933 erwerbslos, dann Arbeiterin bis zu ihrer Verhaftung im März 1934. Sie wurde am 17. Dezember 1934 vom Kammergericht Berlin zu zwei Jahren und drei Monaten Zuchthaus verurteilt und kam nach Verbüßung der Strafe im Zuchthaus Jauer ins Frauen-KZ Moringen, Ende September 1937 entlassen. Von Ende November 1937 bis März 1945 war sie in Berlin-Schöneberg als Kabellöterin beschäftigt. 1945 wieder Mitglied der KPD, Vorsitzende des antifaschistischen Frauenausschusses und Frauenleiterin der KPD in Berlin-Tiergarten. 1946 Mitglied der SED, ab 1949 zeitweise persönliche Mitarbeiterin von Elli Schmidt im ZS der SED und im DFD-Bundesvorstand. Von 1954 bis 1957 Leiterin der Bibliothek bzw. des Archivs des Bundesvorstands des DFD, danach trat sie politisch nicht mehr hervor. Sie erhielt 1958 die Medaille »Kämpfer gegen den Faschismus« und wohnte viele Jahre in West-Berlin. Hedwig Neumann starb am 10.Dezember 1978 in Ost-Berlin.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Neumann, Siegmund (Siggi)

* 14.2.1907 – ✝ 27.11.1960

(* 1907 – † 1960) Geboren am 14. Februar 1907 in Tarnow/Galizien, seit dem Weltkrieg in Berlin. Er war Arbeiter-Abiturient an der Karl-Marx-Schule in Berlin und studierte an der Deutschen Hochschule für Politik. 1926 Mitglied der KPD, führend in der Kostufra. Seit 1928 aktiv bei den Versöhnlern, übte er verschiedene Funktionen in der Berliner KPD aus, eng verbunden mit Karl Volk. 1933 emigrierte Neumann nach Paris, wurde 1934 als »Bucharinist« aus der KPD ausgeschlossen und trat der KPO bei. 1937 kämpfte er als Freiwilliger im Spanischen Bürgerkrieg, wurde verwundet. Er ging nach Schweden, wo er in Stockholm als Mitarbeiter der »Landesgruppe deutscher Gewerkschafter in Schweden« zusammen mit Fritz Rück wirkte. Im April 1946 Rückkehr nach Deutschland, hier wegen der kommunistischen Deutschlandpolitik Mitglied der SPD. 1946 wurde seine antistalinistische Schrift »Ist die Sowjet-Union sozialistisch?« in Hamburg veröffentlicht. Siggi Neumann leitete 1947 das Ostbüro des PV der SPD in Hannover, das die Sozialdemokraten in der SBZ unterstützen sollte. Danach bis 1954 Leiter des Betriebsgruppen-Referats beim PV der SPD. Anschließend beim Hauptvorstand der IG-Metall tätig, mit der Abfassung einer Geschichte der Metallarbeiterbewegung beauftragt. Sigmund (Siggi) Neumann starb am 27. November 1960 in Frankfurt/M.

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Neumann, Gert

* 2.7.1942

Geb. in Heilsberg (Ostpr. / Lidzbark Warmiński, Polen); Mutter Schriftst. Margarete N.; Grundschule; Ausbildung zum Schlosser u. Traktorist; Schreibversuche seit früher Jugend, erste Veröff. in Anthologien ab 1966; 1967 – 69 Studium am Inst. für Lit. »Johannes R. Becher« in Leipzig, exmatrikuliert u. SED-Ausschl. wegen »ideolog.-ästhet. Bekenntnisse« mit »revisionist. Charakter«; Arbeit als Bühnenhandwerker, Kesselreiniger, Bauschlosser u. schließl. als Haushandwerker bei der kath. Kirche; 1979 erste aufsehenerregende Veröff. (Erzählband »Die Schuld der Worte«) in der Bundesrep. Dtl.; vom MfS im OV »Anthologie II« erf.; größte Wertschätzung seiner moral. Rigorosität u. liter. Originalität durch westdt. Kritiker, besonders durch Martin Walser, der seine Inhaftierung verhinderte; nach halbjährigem Studienaufenthalt 1987 in Amsterdam u. Rolandseck (b. Bonn) Rückkehr nach Leipzig; dort u. a. Red. der unabh. Ztschr. »Anschlag«; Umzug nach Berlin (Ost). 1993 durch die Robert-Bosch-Stiftung ganzjähriger Studienaufenthalt in Frankreich; Preis der AdK Berlin (West); 1999 Uwe-Johnson-Preis.Elf Uhr. Frankfurt (Main) 1981, Rostock 1990 u. Köln 1999; Die Klandestinität der Kesselreiniger. Frankfurt (Main) 1989; Übungen jenseits der Möglichkeit. Frankfurt (Main) 1991; Sprechen in Dtl. Berlin 1993; Verhaftet: Dresdner Politikvorlesung. Dresden 1999; Anschlag. Köln 1999; Das Gespräch im Osten. Berlin 2000; Innenmauer. Gedichte. Warmbronn 2003.Siegmar Faust / Bernd-Rainer Barth

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Neuner, Gerhart

* 18.6.1929 – ✝ 5.1.2008

Geb. in Pschoblik (ČSR/Pšovlky, Tschechien) als Sohn eines Zimmermanns; 1935 zweiklassige Volksschule, ab 1940 Hauptschule; 1943 Lehrerbildungsanstalt in Lobositz. 1946 Aussiedl. der Familie in den Krs. Salzwedel; kurzz. Landarb.; Aug. 1947 Abschl. eines Neulehrerkurses in Wittenberg; anschl. Lehrer in Rheinsberg u. Beetzendorf (Altmark); Ltr. für Kultur u. Erziehung in einer FDJ-Gruppe; Jan. 1949 SED; März 1949 1. Lehrerprüfung; ab Okt. 1949 Studium der Chemie u. Biol. an der Pädagog. Fak. der Univ. Halle; ab Juni 1952 wiss. Hilfsassistent am Inst. für prakt. Pädagogik; Sept. 1952 Oberref. für Kinder- u. Jugendorg. am Dt. Pädagog. ZI (DPZI); 1953 – 56 Aspirantur am Pädagog. Inst. Leningrad, dort 1956 Prom.; danach Mitarb. am DPZI; 1957 – 63 Chefred. der Ztschr. »Pädagogik«; 1961 Dir. des DPZI; 1963 Kand., 1976 – 89 Mitgl. des ZK der SED; 1970 Habil. in Leningrad; mit Gründung der APW 1970 deren Ord. Mitgl. u. Präs.; 1972 Ord. Mitgl. der AdW; 1974 NP; Dez. 1989 Rücktritt als Präs. der APW; Mitgl. der Leibniz-Sozietät; gest. in Zeuthen (b. Berlin). Publ. zur Bildungspol. u. Bildungstheorie, u. a.: Allgemeinbildung. Berlin 1989; Zwischen Wiss. u. Politik. Ein Rückblick aus lebensgeschichtl. Perspektive. Köln 1996; Soziale Befreiung – Emanzipation – Bildung. Berlin 2001 (Mithrsg.).Gert Geißler

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Nick, Harry

* 15.8.1932

Geb. in Borowo (Krs. Łódź, Polen); Vater Forstarb.; 1951 Abitur an der OS Hettstedt; SED; 1951 – 54 Studium der Industrieökonomik an der HfÖ Berlin; anschl. bis 1962 Assistent, Oberassistent u. Wahrnehmungsdoz. am dortigen Inst. für pol. Ökon., Fachgeb. pol. Ökon. des Soz.; 1959 Prom. zum Dr. oec. (»Die Akkumulation von Grundfonds in den LPG«, Berlin 1961); ab 1962 wiss. Mitarb. am IfG/AfG; 1964 Doz.; 1965 Habil. mit einer Arbeit zum Fondsvorschuß als bes. ökonom. Aufwandsart; 1967 Prof. für pol. Ökon., Ltr. der Forschungsber. »Ökon. der Grundfonds« bzw. »Ökonom. Probleme des wiss.-techn. Fortschritts«; stellv. Vors. des Wiss.-Rats für ökonom. Fragen des wiss.-techn. Fortschritts; 1979 NP. 1991 Ruhestand; Mitarb. in der Arbeitsgr. Wirtschaftspol. beim PV der PDS; Vorstandsmitgl. des Forums Wirtschaft u. Demokratie. H. N. galt in der DDR als prominenter Autor zu ökonom. Problemen der wiss.-techn. Entw. im Soz. Arbeitsgebiete: Grundfondsökon., wirtschaftl. Rechnungsführung.Techn. Rev. u. Ökon. der Produktionsfonds. Berlin 1961; Ges. u. Betrieb im Soz. Berlin 1970; Ökon. u. soziale Wirksamkeit des wiss.-techn. Fortschritts. Berlin 1986 (Ltr. des Autorenkoll.); Die Marxsche Lehre im Lichte des soz. Desasters. Schkeuditz 1997; Gemeinwesen DDR. Erinnerungen u. Überlegungen eines Politökonomen. Hamburg 2003.Hagen Schwärzel

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Nickolay, Friedrich (Fritz)

* 28.10.1909 – ✝ 15.10.1953

Geb. in Dudweiler (Saar); Vater Bergmann; Volksschule in Dudweiler; Arbeit als Bergmann u. Bauarb.; 1924 KJVD Saar; ab Jan. 1928 KPD; ab 1933 Jugendsekr. der KPD-BL Baden-Pfalz; Juni 1933 in Speyer verhaftet, 1933/34 Haft im Gefängnis Speyer, dann im KZ Dachau; anschl. KPD-Funktionär im Saargebiet; Emigr. nach Frankreich; 1938/39 Mitgl. der Ltg. des KJVD-Abschn. Saar in Forbach; Mitbegr. u. Vors. der FDJ Paris; Sept. 1939 in Paris verhaftet, versch. Internierungslager (u. a. Colombes), wegen Krankheit entlassen; erneut verhaftet; beteiligt an einer Befreiungsaktion aus dem Lager Bassens (b. Bordeaux); aktiv in der Résistance; 1943 – 45 Mitgl. der KPD-Ltg. in Lyon; Mitgl. u. Funktionär der Komitees Freies Dtl. für den Westen. 1945 Rückkehr nach Dtl.; 1946 – 51 Vors. bzw. 1. Sekr. des KPD-LV Saar; 1946 – 49 Mitgl. des SED-PV; April 1948 Mitgl. des PV der KPD; 1950 infolge der Saarbrücker Mai-Demonstration wegen »offenen Aufruhrs« angeklagt, deshalb von einem Kuraufenthalt aus der ČSR nicht zurückgekehrt; April 1951 Übersiedl. in die DDR; SED; 1951/52 Hauptdir. des VEB Steinkohlenrevier Zwickau/Oelsnitz/Erzg.; 1952/53 dort Ltr. der HV Steinkohle; gest. in Berlin.Bernd-Rainer Barth

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Niebling, Gerhard

* 16.7.1932 – ✝ 27.4.2003

Geb. in Markneukirchen (Krs. Eisenach); Vater Bergmann; 1937 – 47 Volksschule in Marksuhl; 1947 – 51 Ernst-Abbe-OS in Eisenach; 1950 SED; 1951/52 Fördermann im SAG Kaliwerk Heiligenroda; 1952 Einstellung beim MfS; 1952/53 Kursant der Schule des MfS Potsdam-Eiche; 1953 HA IX (Unters.-Organ), MfS Berlin; 1959/60 Besuch der BPS; 1964 – 68 Fernstudium an der HU Berlin, Dipl.-Kriminalist; 1965 stellv. Abt.-Ltr., anschl. Abt.-Ltr., 1979 stellv. Ltr. der HA IX; 1979 Prom. zum Dr. jur. an der JHS; 1983 Ltr. der Zentr. Koordinierungsgr. Übersiedl. (ZKG); 1984 Gen.-Major; 1990 Entlassung; bis Mai 1990 Berater des Staatl. Komitees zur Auflösung des AfNS. 1999 – 2003 Mitgl. der DKP; gest. in Berlin.Grimmer, R. u. a. (Hrsg.): Die Sicherheit. Berlin 2002 (Mitautor).Jens Gieseke

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Niemann-Stirnemann, Gunda

* 7.9.1966

Geb. in Sondershausen; begann als Volleyballspielerin, ab 1981 Leichtathletin beim SC Turbine Erfurt, KJS Erfurt; Lehre als Textilverkäuferin; 1983 Bronze bei der Spartakiade 400 m Hürden; Sept. 1983 Wechsel zum Eisschnellauf beim SC Turbine Erfurt (ab 1990 ESC Erfurt) (Trainer: Gabi Fuß, später Stephan Gneupel, Klaus Ebert); 1985 Spartakiadesiegerin 1.000 u. 3.000 m; 1986 Bronze bei den DDR-Meisterschaften 5.000 m; 1987 DDR-Mstr. 3.000 u. 5.000 m. Olympiasiegerin 1992 3.000 u. 5.000 m, 1998 3.000 m, Olympia-Silber 1992 1.500 m, 1994 5.000 m, 1998 1.500 u. 5.000 m; Olympia-Bronze 1994 1.500 m; Mehrkampf-WM 1991 – 93 u. 1995 – 99, Vize-WM 1989, 2000; Einzelstrecken-WM: 1996 3.000 m, 1997 1.500 u. 3.000 m, 1998 3.000 u. 5.000 m, 1999 3.000 u. 5.000 m, 2000 5.000 m, 2001 5.000 m; Mehrkampf-EM 1989 – 92, 1994 – 96 u. 2001; EM-Zweite im Mehrkampf 1988, 1997 u. 2000; 1991 Heirat mit DDR-Judomeister Detlef Niemann; 1997 Heirat mit ihrem Schweizer Manager Oliver Stirnemann; 1992 Silbernes Lorbeerblatt; ab 1993 Bibliotheksangest. der Thür. Staatskanzlei; Eisschnellauf-Profi; 1995 – 97 Oscar-Mathisen-Preis (»Eis-Oscar«); 1998 »Goldene Henne«; 1998 Ehrenbürgerin von Erfurt; 2001 Eröffnung der Gunda-Niemann-Stirnemann-Eishalle in Erfurt; Okt. 2005 Beendigung der sportl. Laufbahn; Inh. einer Werbeagentur u. Trainerin für Eisschnelllauf am Erfurter Olympiastützpunkt; lebt in Riechheim (Ilm-Kreis).Ich will. Traumkarriere mit Tränen u. Triumphen. Berlin 2000 (Autobiogr.).Volker Kluge

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Nierich, Max

* 16.5.1890 – ✝ 11.4.1976

Geb. in Berlin; Vater Tischler, Mutter Fabrikarb.; Volksschule in Berlin; 1900 Mitgl. des Arbeiter-Turn-u.-Sportbunds, später der Arbeiterjugend; Ausbildung zum Tischler; 1908 Mitgl., ab 1909 Funktionär des Holzarbeiterverbandes; 1908 SPD; 1910 – 14 Angest. in der Zentrale des Arbeiter-Turn-u.-Sportbunds in Leipzig; Veröff. in der »Leipziger Volksztg.«; 1927 – 30 Red. des »Volksblatts« (Kassel); 1930 – 33 Chefred. der Ztg. »Volksstimme« in Frankfurt (Main); 1933 vorübergehend verhaftet; 1944 – 45 illeg. pol. Tätigkeit in Frankfurt (Main) u. Berlin, Verbindungen zur Gruppe um Wilhelm Leuschner u. Dr. Julius Leber. 1945/46 SPD/SED; Chefred. »Das Volk«; 1946 – 49 zus. mit  Lex Ende Chefred. des »Neuen Dtl.«; ab 1949 Mitgl. des Sekr. des Dt. Volksrats; anschl. Mitgl. des Büros des Präs. des NR der NF, dann auch von dessen Präs.; in dieser Eigenschaft auch Chefred. von »Dtl. Stimme« u. »Stimme des Patrioten«; 1960 Ruhestand; Mithrsg. der »Soz. Briefe«; gest. in Berlin.Müller-Enbergs, H.: Meinungsoffiziere der Parteiführung. In: JHK. Berlin 1997.Bernd-Rainer Barth

dissidenten.eu

Niklus, Mart-Olav

* 1934

Biologe, Menschenrechtsaktivist, Autor und Verbreiter des Samisdat, politischer Häftling; in den 90er Jahren Mitglied des estnischen Parlaments.Niklus wurde 1934 in einer Lehrerfamilie in Tartu (Dorpat) geboren. Dort besuchte er die Höhere Schule und studierte 1953–57 an der Universität Tartu Biologie mit dem Schwerpunkt auf Ornithologie. Nach dem Abschluss des Studiums war er als Übersetzer wissenschaftlicher Literatur tätig. Zusammen mit seinem Freund, dem Studenten Vell Pällin, fotografierte er Stationen von Störsendern, die gegen die Ausstrahlung westlicher Rundfunksender (zum Beispiel Radio Freies Europa) eingesetzt wurden. Die Bilder schmuggelte er mithilfe von ausländischen Besuchern in den Westen, wo sie veröffentlicht wurden. In einem Brief formulierte er seine Kritik an der sowjetischen Wirklichkeit und übermittelte diesen an die „Stimme Amerikas“ (Voice of America). Am 21. August 1958 wurde er verhaftet; kurz danach wurde auch Vell Pällin festgenommen. Am 15. Januar 1959 verurteilte ihn das Oberste Gericht der Estnischen SSR nach Artikel 58, Paragraf 4 Strafgesetzbuch der RSFSR wegen sogenannter „Betätigung im Dienste der internationalen Bourgeoisie“ und nach *Artikel 58, Paragraf 10 Strafgesetzbuch der RSFSR zu einer Freiheitsstrafe von zehn Jahren und zu drei Jahren Verbannung; Vell Pällin erhielt vier Jahre. Niklus verbüßte seine Strafe in den *mordwinischen Lagern und in der sogenannten Wladimirowka, dem Zentralgefängnis der russischen Stadt Wladimir. Im Sommer 1966 wurde auf Beschluss des Obersten Gerichts der Estnischen SSR die Strafe auf sieben Jahre reduziert. Am 30. Juli 1966 kam Niklus frei. Er kehrte er nach Tartu zurück, durfte jedoch nicht mehr in seinem Beruf arbeiten. 1966–71 verdiente er seinen Lebensunterhalt als Chauffeur, als Fahrdienstleiter und als Organist in der Kirche. Ab 1968 unterrichtete er Fremdsprachen. Seine oppositionelle Tätigkeit setzte Niklus jedoch fort. Mit den Moskauer Dissidenten stand er in gutem Kontakt, besonders mit Natalja Gorbaniewska, die öfters in Tartu war, aber auch mit Tatjana Welikanowa und Malwa Landa. Er informierte sie für die *„Chronik der laufenden Ereignisse“ immer wieder über die Situation in Estland. Auch übersetzte er die *Allgemeine Erklärung der Menschenrechte ins Estnische. 1974 schrieb er seine Erinnerungen an seinen Prozess nieder, die später im Samisdat publiziert wurden. In den Jahren 1977 bis 1980 unterzeichnete Niklus zahlreiche Protestschreiben: den *Baltischen Appell vom 23. August 1979, die *Petition gegen den Einmarsch sowjetischer Truppen in Afghanistan vom 17. Januar 1980, den Protest gegen die Verbannung Andrei Sacharows vom 3. Februar 1980 sowie Verteidigungsschriften für Aleksander Ginsburg und Juri Orlow Anfang 1977, für Viktoras Petkus am 14. und 20. November 1977 sowie für Tatjana Welikanowa, Gleb Jakunin und Antanas Terleckas im November 1979. Darüber hinaus knüpfte er enge Kontakte zu litauischen Dissidenten und verfasste einige Artikel über sie, unter anderem eine Reportage über den Prozess gegen Viktoras Petkus im August 1978. Niklus war durch Miliz und KGB ständigen Repressionen wie Hausdurchsuchungen und Verhören ausgesetzt. Im Oktober 1976 (später noch einmal im März 1980) wurde er erneut verhaftet. Als er im Gefängnis in Hungerstreik trat, veröffentlichte die *Litauische Helsinki-Gruppe am 23. Dezember 1976 eine Schrift zu seiner Verteidigung. Wieder in Freiheit, wurde er im November 1979 von seiner Arbeitsstelle entlassen. Am 29. April 1980 verhaftete man ihn ein weiteres Mal. Nachdem er Kenntnis von der Anklage erhalten hatte, beschrieb er detailliert die staatlichen Rechtsverletzungen gegen seine Person. Am 8. Januar 1981 verurteilte ihn das Oberste Gericht der Estnischen SSR nach Artikel 68, Paragraf 2 Strafgesetzbuch der ESSR (siehe *Artikel 70 Strafgesetzbuch der RSFSR) zu zehn Jahren Haft in einer Spezialkolonie und zu fünf Jahren Verbannung. Niklus und der mit ihm verurteilte Jüri Kukk bekannten sich nicht schuldig und weigerten sich, am Prozess teilzunehmen. Die Strafe verbüßte Niklus dieses Mal in den *Permer Lagern und im *Gefängnis von Tschistopol in Russland. Er beteiligte sich an Hungerstreiks und Widerstandsaktionen und unterzeichnete Protestschreiben. Während seiner Lagerzeit trat er 1982 als ausländisches Mitglied der *Ukrainischen Helsinki-Gruppe bei. Er wurde immer wieder dafür bestraft und 1983 für drei Jahre aus dem Lager verlegt und in ein Gefängnis gesperrt. Im Juni und Juli 1988 kam es in Estland zu zahlreichen Protesten (Streiks, Versammlungen, Hungerstreiks), auf denen die Freilassung der politischen Gefangenen gefordert wurde, auch die von Mart-Olav Niklus. Dieser wurde schließlich am 8. Juli 1988 aus der Haft entlassen und 1990 vollkommen rehabilitiert.Niklus betätigte sich aktiv für die Wiedererlangung der Unabhängigkeit Estlands und wurde Ehrenmitglied der Gruppe zur Öffentlichmachung des *Hitler-Stalin-Paktes. 1990–92 war er Mitglied des *Kongresses Estlands und des *Estnischen Komitees sowie 1992–95 Abgeordneter des estnischen Parlaments. Niklus gehört zahlreichen estnischen und internationalen Organisationen an, wie zum Beispiel dem Estnischen Naturschutzverein, dem Estnischen Ornithologischen Verein, dem Estnischen Verband ehemaliger politischer Häftlinge, der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte und anderen. 1990–92 war er zudem Vorsitzender der Estnischen Stiftung für den Naturschutz. 1996 wurde er für seinen Beitrag zur Befreiung Estlands mit dem Orden des Staatswappens II. Klasse ausgezeichnet. Außerdem erhielt er 1999 den litauischen Orden des Großfürsten Gedymin III. Grades. Heute lebt Niklus als Pensionär in Tartu.Viktor Niitsoo Aus dem Polnischen von Beata Kosmala und Markus Pieper Letzte Aktualisierung: 07/15

Wer war wer in DDR

Neubert, Willi

* 9.11.1920 – ✝ 7.8.2011

Geb. in Brandau (ČSR/Brandov, Tschechien); 1934 – 38 Hilfsarb. u. Schlosser; Weiterbildung an der Abendschule zum techn. Zeichner; 1938 – 40 Konstruktionszeichner in Plauen; 1940 – 45 Kriegsdienst. 1945 – 50 Stahlwerker u. Konstrukteur in den Eisen- u. Hüttenwerken Thale (Harz); 1950 – 52 Studium an der Kunst-HS Burg Giebichenstein in Halle, u. a. bei Carl Crodel; seit 1953 freischaff. in Thale, Werkvertrag mit dem VEB Eisen- u. Hüttenwerk; 1958 Reise nach Albanien; 1959 – 67 mehrere Reisen in die UdSSR; 1960 Kunstpreis des Bez. Halle; 1960 – 62 u. 1970 – 71 Lehrtätigkeit an der Kunst-HS Burg Giebichenstein; 1963 Kunstpreis der DDR; Reise nach Indien; 1965 NP für das Bild »Der Schachspieler«; 1968 Kunstpreis des FDGB; 1971 Prof.; 1974 Mitgl. der AdK; zahlr. baugebundene Arbeiten. 2005 retrosp. Werkschau »Der Maler von der Hütte – 85. Geburtstag W. N.« in Quedlinburg; 2006 Ehrenbürger von Thale. Gest. in Ballenstedt. Werke: Diskussion in der Brigade. 1960; Parteidiskussion. 1962; Emaille-Wandgestaltung am Redaktionsgebäude der »Freiheit« in Halle, 1963/64; Wasserkraftwerk Bratsk. 1968; Neuererdiskussion. 1969; Emaillewand am Pressecafé am Alexanderplatz Berlin, 1969 – 73; Gestern – heute (Bild für den Palast der Republik). 1975.Farbige Gemäldewiedergaben. Leipzig 1969. Schulze, I.: W. N. – ein Repräsentant des »Bitterfelder Weges« auf dem Gebiet der Bildenden Kunst. In: Wiss. Ztschr. der Univ. Halle XIX (1970) 6 G; Kuhirt, U.: W. N. (Reihe Maler u. Werk). Dresden 1973; Hütt, W.: Künstler in Halle (Welt der Kunst). Berlin 1977.Anke Scharnhorst

Wer war wer in DDR

Neukrantz, Heinz

* 9.2.1917

Geb. in Berlin; Vater Arbeiter; Bruder von  Ilse Thiele; Volksschule u. Realgymnasium, Abitur; 1936 – 39 Ausbildung zum Kfm.; 1939 – 45 Wehrmacht, Kriegsgefangenschaft. 1945 FDGB; 1945/46 KPD/SED; 1945 – 50 Verw.-Angest., seit 1949 Personalref. im Arbeitsamt, anschl. im Bez.-Amt Berlin-Lichtenberg; 1950 – 52 2. Sekr. der SED-KL Berlin-Lichtenberg; 1953 – 55 Vors. der Gewerkschaft Verwaltungen-Banken-Versicherungen in Berlin; 1953 – 56 Mitgl. u. 1956 – 65 Vors. des FDGB-Bez.-Vorst. Berlin; 1954 – 67 Berliner Vertreter, 1967 – 86 Abg. der Volkskammer; 1967 – 71 Mitgl., ab 1971 stellv. Vors. des Aussch. für Ausw. Angelegenh.; 1955 – 66 Mitgl. der SED-BL Berlin; 1958 – 67 Stadtverordn. in Berlin; 1959 – 90 Mitgl. des FDGB-Bundesvorst. u. 1959 – 82 seines Präs.; 1960/ 61 Studium an der PHS; 1966 – 82 Sekr. des FDGB-Bundesvorst., dort zuständig für internat. Fragen, 1968 – 71 für Agit. u. Propaganda; 1966 – 74 Mitgl. des Präs. des Zentralvorst. der DSF; 1971 – 86 stellv. Vors. des Volkskammeraussch. für Ausw. Angelegenh.; Vors. der Parl. Freundschaftsgr. DDR – Norwegen; 1977 VVO; 1982 – 89 ehrenamtl. Vors. der Zentr. Beschwerdekommission der Sozialversicherung der Arbeiter u. Angest.; Ruhestand.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Neumann, Heinz

* 6.7.1902 – ✝ 26.11.1937

Am 6. Juli 1902 in Berlin geboren, entstammte einem bürgerlichen Elternhaus. Besuchte in Berlin das Gymnasium, studierte nach der Reifeprüfung Philologie. In dieser Zeit kam er erstmals mit dem Kommunismus in Berührung. Neumann, durch unstillbare Aktivität gekennzeichnet, wurde vom damaligen Generalsekretär der KPD Ernst Reuter (Friesland) 1920 in die KPD aufgenommen und von August Thalheimer gefördert. 1921 arbeitete Heinz Neumann für die KPD-Presse, schrieb Leitartikel und kam ins Pressebüro. Er gab 1922 sein Studium auf und wurde hauptamtlicher Parteifunktionär, zunächst Redakteur an der »Roten Fahne«. 1922 wegen illegaler Tätigkeit sechs Monate im Gefängnis, lernte in dieser Zeit Russisch. Als er im selben Jahr eine Delegation nach Sowjetrußland begleitete, war er der einzige, der Russisch sprach. Das verschaffte ihm Zugang zu den führenden russischen Kommunisten, die nun auf den beweglichen Intellektuellen aufmerksam wurden. Vermutlich hatte Neumann als einer der ersten deutschen Kommunisten direkte Beziehungen zu Stalin, der 1922 Generalsekretär der russischen KP geworden war, und näherte sich diesem an. Zunächst gehörte Heinz Neumann zur linken Opposition um Ruth Fischer, Delegierter des VIII. Parteitags im Januar 1923. Gemeinsam mit Arthur Ewert, Gerhart Eisler und Hans Pfeiffer trennte er sich im April 1923 von der linken Opposition und nahm eine vermittelnde Haltung ein. Aktiv an den Vorbereitungen des Oktober 1923 beteiligt, arbeitete er kurze Zeit im AM-Apparat (Zersetzung). Anfang 1924 für die Mittelgruppe Polleiter in Mecklenburg. Nachdem die Linke im April 1924 die Führung übernahm, wurde Neumann etwas in den Hintergrund gedrängt und lebte illegal. Er war aus dem Gefängnis entflohen und wurde polizeilich gesucht. Im »Tscheka-Prozeß« von einem Zeugen belastet, ging er zunächst nach Wien. Dort verhaftet und abgeschoben, emigrierte er nach Moskau. Nach der Ablösung von Iwan Katz als Vertreter der KPD bei der Komintern (1925) trat Neumann dessen Nachfolge an und war einer der aktivsten Streiter für die Bolschewisierung der KPD und gegen die linke Opposition. Damals entstanden u. a. seine Broschüren »Was ist Bolschewisierung?« (Oktober 1924) und »Der ultralinke Menschewismus« (1925). Im Juni 1925 wurde er als »Gutachter« im Moskauer Prozeß gegen Karl Kindermann und andere Deutsche hinzugezogen. Immer deutlicher vertrat der umstrittene Neumann die Politik Stalins in DeutschIand. In seiner wichtigen Position wirkte er von Moskau aus maßgeblich auf die KPD-Politik ein. Der XI. Parteitag 1927 wählte ihn als Kandidat ins ZK der KPD. Als Ende 1927 die Moskauer Politik in China Bankrott erlitt, versuchte Stalin während des XV. Parteitags der KPdSU (2. bis 19. Dezember 1927) durch ein Fanal in China die Dinge zu seinen Gunsten zu beeinflussen. Neumann und sein persönlicher Freund, der führende KPdSU-Funktionär Wissarion (Besso) Lominadse, wurden nach China entsandt. Sie organisierten den Kantoner Aufstand, der im Dezember 1927 ausbrach und in einem dreitägigen blutigen Kampf zur Vernichtung der dortigen Kommunisten führte. Neumann wurde seit dieser von Stalin gewünschten Aktion von seinen Gegnern »Henker von Kanton« genannt. Er konnte entkommen und wurde 1928 von Stalin wieder nach Deutschland geschickt. Bei der Diskussion des ZK der KPD über die Wittorf-Affäre setzte sich Neumann sehr stark für Ernst Thälmann ein. Als Stalin zu Thälmanns Gunsten eingriff, gelangte Neumann auf den Höhepunkt seiner Macht: Er kam ins Polsekretariat, womit der 26jährige neben Thälmann und Hermann Remmele zum entscheidenden Führer der deutschen KP wurde. Neumann übernahm die Chefredaktion der »Roten Fahne«, wurde auf dem XII. Parteitag 1929 ins ZK und als Kandidat ins Polbüro gewählt und zog im September 1930 im Wahlkreis Potsdam I auch als Abgeordneter in den Reichstag ein. Der von der Komintern eingeleitete ultralinke Kurs wurde in der KPD gerade durch den Draufgänger Neumann forciert, der eng mit Remmele zusammenarbeitete. 1930 gab er die Parole aus: »Schlagt die Faschisten, wo ihr sie trefft!« und war zugleich für einen verschärften Kampf gegen die »Sozialfaschisten« (d. h. die Sozialdemokraten), besonders aber gegen alle innerparteilichen Abweichungen. Als Sprachrohr Stalins hatte Neumann bei dieser Politik das gesamte Polbüro hinter sich. Bei der Frage, wie der Kampf gegen den Faschismus zu führen sei, geriet er 1931 in einen gewissen Gegensatz nicht nur zu Thälmann, sondern auch zu Stalin. (Dieser soll Neumann Ende 1931 gesagt haben: »Glauben Sie nicht auch, daß, falls in Deutschland die Nationalisten zur Macht kommen sollten, sie so ausschließlich mit dem Westen beschäftigt sein würden, daß wir in Ruhe den Sozialismus aufbauen könnten?«) Durch Fraktionskampf und Doppelzüngigkeit versuchte Neumann, seine Stellung zu stabilisieren, unterlag aber. Er wurde Anfang April 1932 seiner Funktionen in Deutschland enthoben und nach Moskau kommandiert. Im Juli 1932 nochmals in den Reichstag gewählt, im Oktober des gleichen Jahres auf der III. Parteikonferenz der KPD nun auch offiziell verdammt, degradiert und dann zur Komintern-Delegation nach Spanien geschickt. Als ein Brief Neumanns an Remmele im November 1933 in die Hände der Parteispitze geriet, worin er diesen aufgefordert hatte, den Fraktionskampf fortzuführen, war seine politische Karriere zu Ende. Im Januar 1934 mußte er selbstkritisch bekennen: »Der gesamte Fraktionskampf, den ich im Jahre 1932 und bis zum März 1933 gegen das ZK der KPD geführt habe, war von Anfang bis Ende eine Kette von schweren Fehlern und Vergehen gegen die Linie und die Disziplin unserer Partei.« Seinen Brief vom März 1933, in dem er Remmele bewegen wollte, er solle »Karl Liebknecht sein« (also gegen die Mehrheit kämpfen), verwarf Neumann nun als einen »parteischädigenden Appell«. Er wurde nach Zürich abgeschoben, dort Ende 1934 von der Schweizer Fremdenpolizei verhaftet. NS-Deutschland verlangte seine Auslieferung, der er nur mit Mühe entgehen konnte. Neumann verbrachte ein halbes Jahr als Auslieferungsgefangener im Schweizer Zuchthaus Regensdorf. Als keiner der umliegenden demokratischen Staaten den »berüchtigten Kommunisten Neumann« aufnehmen wollte, bot ihm die Sowjetunion Asyl an. Er fuhr im Juni 1935 von Le Havre an Bord des sowjetischen Frachters »Wolga« in die UdSSR und lebte fast zwei Jahre gemeinsam mit seiner Frau Margarete Buber-Neumann (* 21. 1. 1901 – † 6. 11. 1989) in Moskau, dort in der VAA beschäftigt. Am 27. April 1937 verhaftete ihn das NKWD, und am 26. November 1937 wurde Heinz Neumann vom Militärkollegium des Obersten Gerichts zum Tode verurteilt und erschossen. In Deutschland hätten ihn die Nationalsozialisten umgebracht und er wäre als Märtyrer des Kommunismus in die Geschichte eingegangen. Da er später ein Opfer Stalins wurde, blieb er eine »Unperson«. Margarete Buber-Neumann, geborene Thüring, aufgewachsen in Potsdam, trat 1926 in die KPD ein, ab 1928 Redakteurin der Zeitschrift »Inprekorr«. Sie war in erster Ehe mit einem Sohn des jüdischen Religionsphilosophen Martin Buber verheiratet gewesen und flüchtete 1933 aus Deutschland. Auch sie ist am 20.Juni 1938 in Moskau verhaftet und am 19. Januar 1939 als »sozial gefährliches Element« zu fünf Jahren Freiheitsentzug verurteilt worden. Nach unmenschlicher Lagerhaft in Karaganda wurde sie am 5.Februar 1940 als »unerwünschte Ausländerin« aus der Sowjetunion ausgewiesen und in Brest-Litowsk an NS-Deutschland ausgeliefert. Hier sofort in das Frauen-KZ Ravensbrück eingeliefert, wo sie von den kommunistischen Häftlingen geächtet wurde, da sie über die stalinistische Wirklichkeit und ihre Gulag-Erfahrungen berichtete. Im April 1945 flüchtete sie westwärts, aus Furcht, erneut inhaftiert zu werden. In der Bundesrepublik wurde Margarete Buber-Neumann als Publizistin und Schriftstellerin bekannt. In ihren Büchern »Als Gefangene bei Stalin und Hitler«, »Von Potsdam nach Moskau« und »Schauplätze der Weltrevolution« beschrieb sie ihr eigenes und Heinz Neumanns Schicksal.

Wer war wer in DDR

Neumann, Alfred

* 15.12.1909 – ✝ 8.1.2001

Geb. in Berlin-Schöneberg; Vater Tischler, Mutter Falzerin; Volksschule; Ausbildung zum u. Arbeit als Tischler; seit 1919 Mitgl. im Arbeitersportverein »Fichte«, der 1928 der Kampfgem. für Rote Sporteinheit (KG) beitrat; seit 1925 Mitgl. des Dt. Holzarbeiterverb. der Gewerkschaft; 1929 KPD; 1930 Mitgl. der LL der KG; 1932/33 Landestechniker der KG; seit 1933 Teiln. am illeg. Widerstand, 1933 in engerer Zusammenarbeit mit  Karl Maron am Aufbau der illeg. KG beteiligt; Frühjahr – Okt. 1934 Pol.-Ltr. der KG-LL Berlin-Brandenb.; galt als Zehnkämpfer als einer der hoffnungsvollsten dt. Leichtathleten für die Olymp. Spiele 1936 in Berlin (Mitgl. der dt. Kernmannschaft für die Olympiade); Okt. 1934 Emigr. nach Dänemark, danach über Schweden (Stockholm) u. Finnland in die UdSSR; dort bis Ende 1937 Sportlehrer zunächst bei der Gewerkschaft, dann beim ZI für Körperkultur in Moskau; Feb. 1938 wegen fehlender sowj. Staatsbürgerschaft Ausweisung aus der UdSSR; fuhr über Frankreich im März 1938 nach Spanien; dort 1938/39 Mitgl. der Internat. Brigaden im 42. Bat. der XI. Internat. Brigade, verwundet; ab Feb. 1939 in Frankreich (St. Cyprien, Gurs u. Vernet) inhaftiert; 1941 an die Gestapo ausgeliefert u. vom VGH am 26.2. 1942 wegen »Hochverrats« zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt; Feb. 1945 aus Zuchthaus Brandenb.-Görden in SS-Strafbat. Dirlewanger überstellt, Flucht u. am 21.4.1945 Übertritt zur Roten Armee; sowj. Gefangenschaft, bis 1946 in versch. sowj. Kriegsgefangenenlagern in Dtl., dann Verlegung in ein Lager bei Breslau u. von dort in die UdSSR in ein Lager bei Saransk bis zum Frühjahr 1947. Juni 1947 Rückkehr nach Dtl.; SED; 1947 – 49 hauptamtl. Tätigkeit als Verw.-Angest. im Bez.-Amt Berlin-Treptow; 1947 – 49 ehrenamtl. als SED-Org.-Sekr. in Berlin-Treptow tätig, vertretungsw. für kurze Zeit SED-Krs.-Sekr. in Berlin-Tempelhof, dann wieder in Treptow; 1948/49 parität. SED-Krs.-Vors. in Berlin-Neukölln; dort im März 1949 verhaftet wg. »Verstoßes gegen das Kontrollratsgesetz« (er hatte eine schwarz-rot-goldene Fahne aus dem Parteibüro in der Neuköllner Karl-Marx-Str. gehängt); Verhandlung vor einem amerik. Gericht, Freilassung gegen Kaution; 1949 Sekr. für Prop. in der SED-LL Berlin; 1951 – 53 stellv. OB von Berlin; 1953 – 57 1. Sekr. der SED-BL Berlin (Nachf. des abgelösten  Hans Jendretzky); seit 1954 Mitgl. des ZK der SED; 1949 – 90 Abg. der Volkskammer; 1954 Kand. u. 1958 – 89 Mitgl. des PB; 1957 – 61 zugl. Sekr. des ZK der SED; 1961 – 65 Minister u. Vors. des Volkswirtschaftsrats; seit 1962 Mitgl. des Präs. des Min.-Rats; 1965 – 68 Minister für Materialwirtschaft u. stellv. Vors. des Min.-Rats, seit 1968 1. Stellv. des Vors.; 1960 – 89 Mitgl. des Nat. Verteidigungsrats; 1956 u. 1964 VVO; 1974 u. 1984 KMO; 1984 sowj. Orden der Oktoberrev.; Nov. 1989 mit dem Min.-Rat zurückgetreten u. aus dem PB des ZK der SED ausgeschieden; 20.1.1990 aus der SED-PDS ausgeschl. Seit 1992 Ermittlungen wegen »Totschlags u. Körperverletzung an der innerdt. Grenze«, 1993 Anklageschrift erstellt, aber keine Eröffnung des Verfahrens, 1999 stellte die 32. Kammer des Berliner LG das Verfahren ohne Ansetzung einer Hauptverhandlung ein.Arbeit für den Soz. Ausgew. Reden. Berlin 1979; Die DDR stärken – den Frieden sichern. Ausgew. Reden. Berlin 1984. Prokop, S.: Poltergeist im PB. S. Prokop im Gespräch mit A. N. Frankfurt (Oder) 1996 (von A. N. nicht autorisiert); ders.: Ulbrichts Favorit. Auskünfte von A. N. Berlin 2009.Monika Kaiser / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Neumann, Hilde

* 13.4.1905 – ✝ 11.9.1959

Geb. in Berlin in einer jüd. Familie; Vater Kurt Rosenfeld, Rechtsanwalt u. SPD-Abg. des Dt. Reichstags; Realgymnasium in Berlin; Jura-Studium an den Univ. Freiburg i. Br., Berlin u. Bonn; Mitgl. der Marxist. Studentengr.; 1925 Mitgl. der SPD Berlin-Wilmersdorf; Referendariat in Erfurt u. Berlin; 1929 Heirat mit dem Juristen Otto Kirchheimer, 1931 Trennung; 1932/33 Rechtsanwältin am KG Berlin, Verteidigerin von Ernst Thälmann u. Georgi Dimitroff; April 1933 nach Frankreich emigriert; 1933 – 39 Funktionärin der MOPR; Mitarb. im »Verteidigungskomitee für die Angeklagten des Reichstagsbrandprozesses« u. in der »Internat. Juristen-Vereinigung«; 1936 KPD; Frühj. 1940 ein Mon. interniert in Riencros (b. Pamiers); 1940/41 Emigr. in die USA, 1941 – 47 nach Mexiko. 1947 Rückkehr nach Dtl.; SED; 1947 Hauptref. in der Abt. Justiz im ZV der SED, Ltr. des Ref. Gerichtsaufbau u. Schulung, maßgebl. beteiligt am Aufbau des Gerichtswesens; Juli 1948 – Febr. 1949 stellv. Ltr. der Abt. Justiz des ZS der SED; 1948 PHS; 1949/50 Ltr. der Abt. Justiz im Zentralsekr. der SED u. gewählte Präs. des LG Berlin (sowj. Sektor); 1950 – 53 Magistratsdir. für Justiz in Berlin; 1953 Sekr. des Internat. Komitees der Demokrat. Juristen; Nov. 1953 – Juli 1959 Chefred. der Ztschr. »Neue Justiz« (Nachf. von  Hans Nathan); Sekr. der Vereinigung Demokrat. Juristen Dtl.; 1958 VVO; 1959 Rentnerin; Banner der Arbeit; gest. in Berlin.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Neupert, Wolfgang

* 18.11.1931

Geb. in Plauen; Vater Arbeiter; Grundschule, 1950 – 52 Kontorist, Gruppenltr. für Kalkulation u. Preisfestsetzung bei der Einkaufsaußenstelle Plauen der zentrale Ltg. der HO; 1952 / 53 Inventurltr., Instrukteur, Ltr. des Hauptreferats Preise in der Zentralverwaltung der HO Sportartikel im Min. für Handel u. Versorgung in Berlin; 1953 – 56 Sachbearb. für organisator. Vorplanung, Arbeitskräfteplaner u. stellv. ök. Ltr. der VVB Musik-Kultur Plauen; 1956 SED; 1956 – 58 Absatzltr. im Min. für Leichtind., HA-Verw. Musikinstrumente u. Kulturwaren Leipzig; 1958 – 64 Absatzltr. u. ök. Ltr. der VVB Musikinstrumente u. Kulturwaren Plauen; 1956 – 61 Fernstud. der Industrieökonomik an der HfÖ Berlin, Dipl.-Wirtschaftler; 1964 – 66 Dir. für Beschaffung u. Absatz, 1966 – 70 Dir. für Prod., Beschaffung u. Absatz, 1970 1. Stellv. des GD der VVB Musikinstrumente u. Kulturwaren Plauen; 1969 – 90 Dir. der Branchenausstellung für Freizeiterzeugnisse EXPOVITA im Rahmen der Leipziger Herbstmessen; 1971 Banner der Arbeit; 1974 – 80 Mitbegr. u. Kuratoriumsmitgl. der Vogtländ. Musiktage Klingenthal-Markneukirchen; 1981 – Juni 1990 GD des VEB Kombinat Sportgeräte »GERMINA« Schmalkalden, eines der größten Sportartikelproduzenten der Welt u. wichtigen Exporteurs der DDR-Volkswirtschaft; 1983 Auszeichn. Verdienter Techniker des Volkes. Juni 1990 – 92 von der Treuhandanstalt als Geschäftsf. der Germina Vertriebs- u. Dienstleistungs-GmbH Schmalkalden eingesetzt, nach der Privatisierung durch Management-Buy-Out bis 1998 Geschäftsf. Gesellschafter; 1990 – 92 Präs. des Branchenverb. der Sport- u. Campingartikelind.; Gründung u. Geschäftsf. des »Sporthotels Oberhof« bis zur Überleitung der ehemaligen Sportschule des DTSB an den Landessportbund Thür.; 1990 – 93 Mitgl. in den Aufsichtsräten der Interhotel AG (bzw. GmbH) Berlin und der ZEKIWA Kinderwagenfabrik GmbH Zeitz; 1999 Ruhestand; wiss. Arbeiten u. Vorträge zu Fragen der Wirtschaftsorg.; lebt in Plauen.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Nickel, Egon

* 5.4.1893 – ✝ 28.3.1941

Geboren am 5. April 1893 in Lübeck; von Beruf Schlosser. Nickel wurde 1920 Mitglied der KPD und für sie 1921 und 1924 in die Lübecker Bürgerschaft gewählt. 1929 war er Stadtteilleiter der KPD in Altona und Hamburg, von 1931 bis 1933 wirkte Nickel als Orgleiter der KPD-Bezirksleitung Nordwest (Bremen). Im April 1933 mit der Leitung der illegalen Stadtparteiorganisation Groß-Hamburg beauftragt, er wurde bereits am 14. Juli 1933 verhaftet. Am 21. Februar 1935 zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt, anschließend kam er in das KZ Sachsenhausen, wo Egon Nickel am 28. März 1941 beim Einsatz in einem Bombenräumkommando umkam.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Nickolay, Friedrich (Fritz)

* 28.10.1909 – ✝ 15.10.1953

(* 1909 – † 1953) Geboren am 28. Oktober 1909 in Dudweiler/ Saar, Sohn eines Bergmanns; Bergmann und Bauarbeiter. 1924 Mitglied der KJD Saar, 1928 Mitglied der KPD. Nickolay wirkte als Jugendsekretär des KJVD, ab 1933 illegaler Sekretär des KJVD im Saargebiet, Baden und der Pfalz. Im Juni 1933 inhaftiert, saß er 1933/34 im Gefängnis in Speyer und im KZ Dachau, danach erneut KPD-Funktionär im Saargebiet. Er emigrierte nach dem Anschluß des Saargebietes an Deutschland nach Frankreich und leitete in Paris die »Freie Deutsche Jugend«, leistete 1938/39 Grenzarbeit für die KPD. Ab September 1939 Internierung im Lager Colombes bei Paris, seit 1943 Mitglied der KPD-Leitung in Lyon, Anschluß an die Résistance und Funktionär des »Komitees Freies Deutschland im Westen«. 1945 kehrte Nickolay in das Saargebiet zurück, war von 1948 bis 1950 Vorsitzender der KP im Saargebiet und gehörte bis 1951 dem KPD-PV und von 1946 bis 1949 auch dem SED-PV an. Im August 1951 mußte er wegen seiner Westemigration in die DDR übersiedeln, wurde in die SED übernommen und war von 1951 bis 1953 Direktor im VEB Steinkohlerevier Zwickau/ Oelsnitz. Zuletzt arbeitete er im DDR-Staatssekretariat Kohle. Friedrich (Fritz) Nickolay starb am 15.Oktober 1953.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Niederkirchner, Michael

* 3.9.1882 – ✝ 19.8.1949

(* 1882 – † 1949) Geboren am 3. September 1882 in Budapest, Sohn eines Steinhauers; begann eine Lehre als Rohrleger. 1903 trat er in die Sozialdemokratische Partei Ungarns ein, leistete 1904 seinen Militärdienst in der österreichischen Armee und übersiedelte im Mai 1905 nach Deutschland, Rohrleger in Berlin. 1914/15 Soldat, geriet 1915 in russische Kriegsgefangenschaft. Im April 1918 nahm er am 1. Kongreß der ausländischen Arbeiter- und Bauerndeputierten in Moskau teil, wurde Mitglied der deutschsprachigen Sektion der Bolschewiki und kehrte im Januar 1919 nach Berlin zurück. Mit dem linken Flügel der USPD 1920 zur KPD. Seit 1920 Branchenleiter der Berliner Rohrlegergewerkschaft und deren Sekretär. 1921 tendierte Niederkirchner zu den rechten Kommunisten und unterschrieb einen Protest gegen den Ausschluß der KAG-Gruppe. Mitglied der BL Berlin, 1927 wurde er Mitglied des ZK. 1929 als Leiter des Berliner Rohrlegerstreiks populär geworden, aber wegen des wilden Streiks aus der Gewerkschaft ausgeschlossen. Auf dem Weddinger Parteitag 1929 wieder ins ZK gewählt und im Dezember 1929 auf dem VII. Kongreß der RGI in Moskau in den Zentralrat und das Vollzugsbüro berufen, blieb er von Februar bis September 1930 als Orgsekretär der RGI in Moskau. Im Oktober 1930 kehrte er nach Deutschland zurück, wurde Generalsekretär der RGI Sektion Metall und gehörte sowohl der RGO-Reichsleitung als auch dem europäischen Sekretariat der RGI an. Am 28. Februar 1933 verhaftet, im Juni 1934 als lästiger Ausländer (Niederkirchner hatte noch immer seine ungarische Staatsangehörigkeit) aus Deutschland ausgewiesen. Ab Juli 1934 wieder in Moskau, dort in der RGI tätig und seit Ende 1935 Sekretär der Profintern. Von 1936 bis 1938 verantwortlicher Sekretär des Büros für internationale Beziehungen der Metallarbeiterverbände der Sowjetunion, im Februar 1938 wurde er Referent, ab September 1939 Inspektor für Arbeitsbesorgung für Politemigranten aus Spanien und der Tschechoslowakei. Mitte 1940 Staatspensionist, 1945 kam Niederkirchner nach Berlin zurück. Er unterschrieb als ZK-Mitglied den Aufruf der KPD vom Juni 1945. In der Zonenleitung der IG Metall des FDGB tätig, wurde er Leiter der Schulungsarbeit des FDGB. Michael Niederkirchner starb am 19.August 1949. Sein ältester Sohn, Paul Niederkirchner (*1907), seit 1927 in der KPD, wurde in Moskau vom NKWD verhaftet und dort am 19.Oktober 1938 erschossen. Seine Tochter Katja Niederkirchner (*7.10. 1909 – † 27. 9. 1944), während des Krieges in der Sowjetunion als Fallschirmspringerin ausgebildet, sprang über Deutschland ab, wurde verhaftet und im KZ Ravensbrück erschossen. Seine Frau Helene (* 8. 3. 1889 – † 2. 6. 1967), mit der er fünf Kinder hatte, wurde nach ihrer Rückkehr aus der Sowjetunion nicht Mitglied der SED, sie lebte als Rentnerin in Ost-Berlin. Die Tochter Mia Niederkirchner (* 19. 8. 1911 – † 2. 1. 1982) war nach einem Studium an der KUNMS in Moskau 1937 Referentin im EK der KJI, ab 1938 arbeitete sie bei der deutschen Sektion der Komintern in Moskau bzw. im Volkskommissariat für Außenhandel. 1946 nach Deutschland zurückgekehrt, war sie von 1948 bis 1950 im Büro des Sekretariats der SED-Landesleitung Groß-Berlin, bis 1971 im Apparat des ZK der SED.

Wer war wer in DDR

Niemeyer-Holstein, Otto

* 11.5.1896 – ✝ 20.2.1984

Geb. in Kiel; Vater Völkerrechtler; Gymnasium; 1914 Kriegsfreiw., Fronteinsatz; 1915 Entlassung aus dem Militärdienst als zu 50 Prozent Kriegsversehrter; 1916 Aufenthalt in der Schweiz; begann hier als Autodidakt zu malen u. zu zeichnen; ging 1918 auf Empfehlung von Werner von der Schulenburg nach Ascona; 1919 Ergänzung des Familiennamens um den Namen der Heimat Holstein; ab 1919 Malunterricht bei Arthur Segal; 1920 Ansiedl. in Schlesw.-Holstein; 1924 Gründungsmitgl. der Künstlergr. »Der große Bär« in Ascona; 1925 erste Einzelausstellung in Halle; 1925 Übersiedl. nach Berlin; dort freischaff. Maler; 1927 erneut Unterricht bei Arthur Segal; 1933 wurden Werke d. Künstl. aus Museen entfernt; ab 1933 zeitw., 1939 ständ. Aufenthalt auf Usedom; dienstverpflichtet als Eisenbahner. 1945 intensive künstler. Arbeit; Freundeskrs. mit den Künstlern Otto Manigk u. Herbert Wegehaupt führte zur Gründung der »Usedomer Malerschule«; Finanzierung der künstler. Arbeit durch Landw.; 1948 erste Einzelausstellung nach dem Krieg in Schwerin; 1953 Ablehnung der Bilder des Malers durch die Jury der 3. Dt. Kunstausstellung Dresden; 1954 Ausstellung in der Kunsthalle Mannheim, es folgten zahlr. Ausstellungen im In- u. Ausland; Studienreisen nach Bulgarien, Rumänien, Italien u. in die Schweiz; 1963 Präs. des internat. Komitees der Biennale der Ostseeländer in Rostock; 1964 Prof.; 1969 Mitgl. der AdK; 1974 NP; 1977 Stern der Völkerfreundschaft; 1981 VVO; gest. in Lüttenort (Usedom). Nachimpressionist., an frz. Malkultur geschulte Porträts, Landschaften, bes. die der Ostseeküste, Gartenstücke u. Stilleben; wichtiger Anreger für jüngere Künstler. Werke: Interieur (1931); Tulpe in japan. Vase (1945); Am Achterwasser (1968); Winter auf der Ostsee (1969).Lüttenort. Das Bilder-Leben u. Bild-Erleben des Malers O. N.-H. nach seinem Erzählen wiedergegeben von A. Roscher. Berlin 1989. Kat. O. N.-H. Kulturhist. Museum Magdeburg 1957; Kat. O. N.-H. Nat.-Gal. Berlin 1961; Kat. O. N.-H. Nat.-Gal. Berlin, Kunsthalle Rostock, Staatl. Museum Schwerin 1976; O. N.-H. Werkverz. der Druckgrafik 1918 – 1980. Kunsthalle Rostock 1980; Mayer, R.: O. N.-H. (mit Bibl.). Berlin 1983.Anke Scharnhorst

Wer war wer in DDR

Nieswand, Hans

* 19.10.1923 – ✝ 30.8.2014

Geb. in Wittenberge; Vater Arbeiter; Volks- u. Handelsschule; Lehre u. Arbeit als Sparkassenangest.; später Qualifizierung zum Agraring.; 1941 RAD; 1942 – 45 Wehrmacht. 1945 Arbeiter; 1946 SPD / SED; 1946 – 48 Rechnungsprüfer bei der Stadtverw. bzw. Ltr. des Schulamts Wittenberge; 1948 / 49 1. Sekr. der SED-KL Wittenberge; 1949 / 50 Kulturdir. im VEB »Textima« Wittenberge; 1950 – 52 Abt.-Ltr. in der SED-LL Brandenb.; 1952 / 53 polit. Ltr. der MAS im Bez. Potsdam; 1954 – 56 Studium an der SED-PHS, Dipl.-Gesellschaftswiss.; 1956 – 61 1. Sekr. der SED-KL Gransee; 1961 – 63 2. Sekr. der SED-BL Potsdam; 1963 – 88 Sekr. für Landw. der SED-BL Potsdam, dann Vors. des VdgB-BV Potsdam; 1983 VVO.Mario Niemann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Nischwitz, Margarete

* 17.10.1891 – ✝ 10.12.1979

Margarete Stock wurde am 17. Oktober 1891 in Sachsen als Tochter einer ledigen Spinnereiarbeiterin geboren; Trikotagennäherin. Seit 1912 mit Paul Nischwitz verheiratet, 1912 Mitglied der SPD, 1917 der USPD, 1918 des Spartakusbundes. Margarete Nischwitz war Mitbegründerin der KPD in Chemnitz-Nord und Frauenleiterin der KPD in Chemnitz. Von 1921 bis 1933 Abgeordnete der Chemnitzer Stadtverordnetenversammlung, von 1929 bis 1932 Leiterin des Frauensekretariats der BL Sachsen in Dresden. Sie wurde 1925 Vorsitzende des Roten Frauen- und Mädchenbundes (RFMB) in Sachsen. Delegierte des VI. Weltkongresses der Komintern 1928 in Moskau, wo sie zur Frauenfrage sprach. 1929 zog sie als Abgeordnete in den Sächsischen Landtag ein, kandidierte auch 1930 wieder (an dritter Stelle), wurde erneut gewählt und blieb bis 1931/32 stellvertretende Fraktionsvorsitzende und Mitglied des Sekretariats der BL Sachsen. Sie schied aus familiären Gründen aus der hauptamtlichen Parteiarbeit aus. Als ihr die BL riet, sich scheiden zu lassen, lehnte sie das ab. Nachdem ihr Mann schon 1930 aus der KPD ausgetreten und Mitglied der SPD geworden war, hat auch sie 1932 die KPD verlassen. Die Zerrüttung der Familie und politische Probleme verursachten ein längeres Nervenleiden, deshalb war sie zeitweise in einer Nervenheilanstalt untergebracht. Nach 1933 mehrmals inhaftiert, schloß sie sich 1945 wieder der KPD bzw. der SED an, bekam aber nur noch untergeordnete Funktionen. 1976 erhielt sie den VVO in Gold, wohnte als Parteiveteranin in Frohnau im Erzgebirge. Margarete Nischwitz starb dort am 10. Dezember 1979.