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BioLex

In der Kategorie BioLex finden Sie drei biografische Lexika mit über 5500 Personeneinträgen.

 

Das Handbuch "Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945" wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam. Kurzbiografien zu Personen des poltischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 vor. Zudem ist das Onlinlexikon www.dissidenten.eu komplett in dieser  Rubrik recherchierbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Inforamtionen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Handbuch Deutsche Kommunisten

Nischwitz, Paul Alexander

* 2.8.1891 – ✝ 14.5.1950

(* 1891 – † 1950) Geboren am 2. August 1891 in Schönau bei Chemnitz, Sohn eines Gärtners; Arbeiter in verschiedenen Textil- und Metallbetrieben. 1912 Mitglied der SPD und Eheschließung mit Margarete Nischwitz. Von 1914 bis 1918 Armierungssoldat, 1918 Vorsitzender des Soldatenrates in Zeithain bei Riesa, 1918 Mitglied der USPD. Bei Gründung der KPD 1919 in Chemnitz Mitglied der Partei. Bis 1927 übte Nischwitz verschiedene ehrenamtliche Funktionen aus. 1928 hauptamtlicher Parteisekretär. Ende 1928 besuchte er einen Halbjahreslehrgang der Internationalen Leninschule in Moskau und übernahm nach seiner Rückkehr Mitte 1929 für einige Monate die Funktion eines Orgleiters in Westsachsen. Nischwitz kam dann als UB-Sekretär nach Zwickau. Einen Tag vor der Landtagswahl im Mai 1930 trat er aus der KPD aus und zur SPD über. Bei den SED-Überprüfungen Ende der vierziger Jahre sagte Nischwitz, die Gewerkschaftspolitik der KPD sei Grund für den Austritt gewesen. Wie üblich wurden ihm nichtpolitische Gründe des Bruchs vorgeworfen, z. B. eine unmoralische Lebensweise, er habe seine Ehefrau vor und nach dem Besuch der Leninschule betrogen und Parteigelder unterschlagen. Entsprechend behauptete die SED-Kreisleitung Annaberg-Buchholz 1947 in einem Bericht: »Seinem Ausschluß aus der KPD ist er [1930] durch Übertritt zur SPD zuvorgekommen. Es waren aber keine politischen Gründe, die ihn dazu bewegten, sondern sein moralisches Abgleiten.« Tatsächlich gehörte Nischwitz jedoch 1932 der SPD-Bezirksleitung Chemnitz an, die nach 1933 ihren Sitz in Karlsbad hatte. 1933/34 Häftling in den KZs Sachsenburg, Hohenstein/Elbe und Colditz. Von 1934 bis 1938 selbständiger Kaufmann und Vertreter der Siemens-Schuckert-Werke, 1939 dienstverpflichtet. Als er 1945 in Chemnitz der KPD beitreten wollte, wurde das wegen seines »parteischädigenden Verhaltens« 1930 abgelehnt. Daraufhin wieder Mitglied der SPD, zunächst Vorstandsmitglied der SPD in Chemnitz-Nord und Angestellter beim Nachrichtenamt Chemnitz. Von der Chemnitzer SPD-BL im Herbst 1945 nach Annaberg versetzt, wo er UB-Leiter der SPD war. Als Vorsitzender des SPD-Kreisvorstandes Annaberg trat er für die Vereinigung von KPD und SPD ein, wurde 1946 Vorsitzender des SED-Kreisvorstandes Annaberg, aber 1948 an die Bergbauschule des Objektes 13 der SDAG Wismut abgeschoben. Nach einem Besuch der Gaststätte »Zum Wohle« am Abend des 14. Mai 1950 blieb er verschwunden. Neun Tage später fand man die Leiche von Paul Nischwitz im Stadtteich. Das polizeiärztliche Gutachten ging von einem Unfall aus, die eigenartigen Umstände des Todes eines politischen Abweichlers gaben Anlaß zu vielen Spekulationen.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Nixdorf, Kurt

* 30.11.1903 – ✝ 14.9.1937

Geboren am 30. November 1903 in Breslau. Nach dem Gymnasium Studium an der staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Breslau. 1919 Mitglied der USPD, 1920 der KPD. Von 1920 bis 1922 hauptamtlicher Funktionär im Bezirk Schlesien, bis 1927 Sekretär der Gewerkschaftsabteilung, Kursuslehrer und Mitglied der Redaktion der Schlesischen »Arbeiter-Zeitung«. Durch seine historischen Recherchen in schlesischen Archiven bekam er enge Kontakte zum Moskauer Marx-Engels-Institut. Ende 1927 reiste er in die Sowjetunion und wurde 1928 Mitglied der KPdSU. Von 1928 bis 1931 Mitarbeiter der Marx-Engels-Abteilung am gleichnamigen Institut in Moskau. 1929 als Versöhnler angegriffen. Nach der Säuberung des Instituts abgeschoben, Dozent am Pädagogischen Institut für Neue Sprachen. Von 1931 bis 1933 war er stellvertretender Wirtschaftsredakteur der »Moskauer Rundschau«. Am 3. Februar 1935 vom NKWD verhaftet und am 20. Juni 1935 zu fünf Jahren Lagerhaft verurteilt. Nixdorf verbüßte die Strafe in der 3. Schweinefarm der Nowo-Iwanokowsker Filiale des Gulag. Sein Gesuch an den VII. Weltkongreß der Komintern 1935 um Wiederaufnahme in die KPdSU wurde am 23. September 1935 von der IKK abgelehnt. Kurt Nixdorf wurde am 14. September 1937 vom MKOG zum Tode verurteilt und am gleichen Tag auf dem Donskoje-Friedhof erschossen, erst am 30.November 1989 durch sowjetische Behörden posthum rehabilitiert.

Wer war wer in DDR

Noack, Kurt

* 22.1.1888 – ✝ 10.11.1963

Geb. in Stuttgart; Vater Chemiker u. Fabrikant; 1906 Abitur am Karlsgymnasium Stuttgart; 1906 – 09 Studium der Medizin u. Naturwiss. in Tübingen u. München, ärztl. Vorexamen; 1909 – 12 Studium der Botanik u. Chemie in London, Berlin u. Leipzig, 1912 Prom.; 1912 Assistent am Botan. Inst. der Univ. Tübingen; 1913 nach Straßburg; 1915 – 18 dort Bakteriologe u. Feldhilfsarzt; 1918 Habil., Privatdoz. für Botanik an der Univ. Straßburg, ab 1919 am Bot. Inst. der Univ. Freiburg i. Br.; 1921 außerord. Prof. für Botanik u. Kustos an der Univ. Bonn; 1922 ord. Prof. u. Dir. des Botan. Inst. u. Gartens der Univ. Erlangen; 1931 – 56 ord. Prof. für Botanik u. Dir. des Pflanzenphysiol. Inst. der Univ. Berlin; 1932 – 59 Mitgl. der Leopoldina. 1945 – 53 Dekan der Math.-Naturwiss. Fak. der Univ. Berlin, Jan. 1949 Wahl zum Rektor der Univ. Berlin, durch die SMA nicht bestätigt; 1946 Ord. Mitgl. der DAW, 1949 Sekretar der Klasse für Math. u. allg. Naturwiss., 1954 – 57 der Kl. für Chemie, Geol. u. Biol., 1958/59 Vors. der Sektion Biol. der DAW; gest. in West-Berlin. Begründer einer bedeutenden Schule der Stoffwechselphysiol. der Pflanzen in Berlin; Wegbereiter der Pflanzenbiochemie in Dtl.; große Verdienste um den Wiederaufbau u. die Erneuerung der Wiss. in Berlin nach 1945.Photosynthese. In: Handwörterbuch der Naturwiss. (1932) 7; Die Ausgestaltung der Organismen – ein chem. Problem. Berlin 1949. Nachruf von A. Pirson in: Berichte der Dt. Botan. Ges. (1965) 78 (mit Schriftenverz.); Höxtermann, E.: Auf den Spuren des Botanikers K. N. In: Nova Acta Leopoldina, Suppl. (1998) 15; Kössler, F., Höxtermann, E. (Hrsg.): Zur Geschichte der Botanik in Berlin u. Potsdam. Berlin 1999.Ekkehard Höxtermann

Wer war wer in DDR

Noll, Chaim (früher Hans)

* 13.7.1954

Geb. in Berlin; Großeltern in der NS-Zeit verfolgt, Vater Schriftst.  Dieter N.; 1972 – 75 Studium der Mathematik in Jena u. Berlin; 1975 – 80 Studium an der Kunst-HS Berlin-Weißensee; Mstr.-Schüler an der AdK; Studienaufenthalte in der Sowjetunion; 1980 Wehrdienstverweigerung; Einweisung in psychiatr. Kliniken (neun Mon.); 1984 Ausreise nach Berlin (West); seitdem freischaff. Schriftst.; C. N. wurde zu einer »Symbolfigur für die Abwendung der staatstragenden soz. Nachwuchskader vom System ihrer Väter«. 1989 – 91 Forschungsauftrag an der FU Berlin; 1990 Bekenntnis zum praktizierenden Judentum u. aus Anlaß des Golfkriegs Ablegen des dt. Vornamens; lebt seit 1992 im Ausland, erst Italien, dann Israel, seit 1998 israel. Staatsbürger; Mitgl. des PEN-Centre of German-speaking Writers Abroad, London.Der Abschied – Journal meiner Ausreise aus der DDR. Hamburg 1985; Rußland, Sommer, Loreley. Hamburg 1986; Berliner Scharade. Hamburg 1987; Nachtgedanken über Dtl. Reinbek 1992; Taube u. Stern. Reinbek 1994; Leben ohne Dtl. Reinbek 1995; Meine Sprache wohnt woanders. Frankfurt (Main) 2006 (mit L. Fleischmann); Der Kithara-Spieler. Berlin 2008.Siegmar Faust

Wer war wer in DDR

Nord, Kathleen

* 26.12.1965

Geb. in Magdeburg; Eltern Sportler; 1972 mit dem Schwimmsport im TZ Einheit Pädagogik Magdeburg begonnen; 1977 Mitgl. des SC Magdeburg (Trainer seit 1982: Bernd Henneberg); 1982 Weltmeisterschaften: 2. Platz über 400 m Lagen; bei den Europameisterschaften 1983 Siegerin über 400 m u. 2. Platz über 200 m Lagen; 1983 – 89 SED; 1985 bei den Europameisterschaften Siegerin über 200 m u. 400 m Lagen; bei den Weltmeisterschaften 1986: Siegerin über 400 m u. 3. Platz über 200 m Lagen; bei den Europameisterschaften 1987: Siegerin über 100 m Delphin, 3. Platz über 200 m Delphin u. 400 m Lagen; 1988 Olymp. Spiele: Siegerin; 1988 Abitur; 1989 EM über 200 m Delphin; VVO; nach 1989 in die USA übergesiedelt.Olaf W. Reimann

Wer war wer in DDR

Nordwig, Wolfgang

* 27.8.1943

Geb. in Siegmar (Krs. Chemnitz); Ausbildung zum Feinmechaniker bei Carl Zeiss Jena; 1958 – 73 Leichtathlet (Stabhochsprung) beim SC Motor Jena (Trainer: Arthur Linß); 1962 – 67 Abendschule, Ing. für Betriebs-, Meß- u. Regeltechnik; Fernstudium an der TU Dresden, 1972 Dipl.-Physiker; bei den Europameisterschaften 1966, 1969 u. 1971 Sieger; bei den Hallen-Europameisterschaften 1968, 1969, 1971 u. 1972 Sieger, 1967 u. 1970 3. Platz; bei den Olymp. Spielen 1968 3. Platz, 1972 Sieger; 1970 zweimal WR; 1972 DDR-Sportler des Jahres; 1974 – 78 Präs.-Mitgl. des Dt. Verb. für Leichtathletik; Forschungsdir. im VEB Carl Zeiss Jena; VVO; 1989 Prom. zum Dr. Ing. über Innovationsprozesse. 1991 – 2003 Geschäftsf. des Reiseveranstalters Germania Express BFR Berliner Flug Ring GmbH; lebt bei Saalburg (Thür.).Klaus Gallinat / Olaf W. Reimann

Wer war wer in DDR

Novak, Helga M.

* 8.9.1935 – ✝ 24.12.2013

Geb. in Berlin, adoptiert; OS-Internatschule b. Berlin, Abitur; FDJ, SED; 1954 – 57 Studium der Philos. u. Journalistik an der Univ. Leipzig; danach Monteurin, Laborantin u. Buchhändlerin; 1961 Heirat nach Island; bis 1965 dort in einer Fischfabrik u. Teppichweberei tätig; Reisen nach Frankreich, Spanien u. Amerika; Rückkehr nach Leipzig; Studium am Inst. für Lit. »Johannes R. Becher«; 1966 wurde ihr, die den Soz. beim Wort nehmen wollte u. gegen die ideolog. Verplanung des Lebens protestierte, die DDR-Staatsbürgerschaft aberkannt; wieder in Island, dann 1967 Übersiedl. in die Bundesrep. Dtl.; lebte zeitw. in Jugosl., Frankfurt (Main) u. überwiegend in Berlin (West); 1972 Mitgl. im Verb. Dt. Schriftsteller, 1973 PEN-Zentrum; 1979 Stadtschreiberin von Bergen-Enkheim; lebte seit 1987 in Legbąd (Polen); gest. in Rüdersorf. 1992 bekannte sie sich öffentl. zu früherer IM-Tätigkeit für das MfS; Mitgl. des dt. PEN-Zentrums (West). Preise: Bremer Lit.-Preis 1968; Kranichsteiner Lit.-Preis der Stadt Darmstadt 1985; Roswitha-Gedenkmedaille der Stadt Gandersheim 1989; Gerrit-Engelke-Preis der Stadt Hannover 1994; Brandenb. Literaturpreis 1997; Ehrengabe der Bayer. Akad. der Schönen Künste 1998; Ida-Dehmel-Literaturpreis 2001.Aufenthalt in einem irren Haus. Neuwied 1971; Die Eisheiligen. Darmstadt 1979; Palisaden. Darmstadt 1980; Vogel federlos. Darmstadt 1982; Grünheide, Grünheide. Darmstadt 1983; Legende Transit. 1985; Silvatica. Frankfurt (Main) 1997; Solange noch Liebesbriefe eintreffen. Frankfurt (Main) 1999; Wo ich jetzt bin. Frankfurt (Main) 2005; Aus Wut. Berlin 2005; zahlr. Hörspiele. Salzmann, M.: Die Kommunikationsstruktur der Autobiogr. Bern 1988; Radisch, I.: Die verlorene Tochter. In: Die Zeit (2004) 48; Bellmann, Q.: H. M. N. »Abgefertigt«. In: Dt. Kurzprosa der Gegenwart. Stuttgart 2006.Siegmar Faust / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Nowotny, Joachim

* 16.6.1933 – ✝ 15.1.2014

Geb. in Rietschen (Oberlausitz); Vater Arbeiter; aufgew. bei den Großeltern; Lehre als Zimmermann; SED; 1951 – 54 Abitur an der ABF, 1954 – 58 Stud. der Germanistik an der KMU Leipzig; danach Lektor im Leipziger Fachbuchverlag; 1963 – 67 freier Schriftst.; 1967 – 70 Oberass., 1970 – 82 Doz. am Leipziger Lit.-Inst. »Johannes R. Becher«; seit 1982 wieder freischaff.; seit Mitte der 1970er Jahre bis 1981 vom MfS als IM »Dozent« erfaßt; ab 1974 im Präsidium des SV, 1978 – 89 dessen Vizepräs., Vors. des Aktivs Kinder- u. Jugendlit. im SV; Verfasser von Romanen, Erzählungen, Hör- u. Fernsehspielen, v. a. aber von Kinder- u. Jungendbüchern; in seinen Werken der Oberlausitzer Heimat verpflichtet; in den frühen Romanen drückt sich Technikoptimismus aus (»Der Riese im Paradies«, 1969), der später der Kritik an der Landschaftszerstörung durch den Braunkohletagebau weicht (»Letzter Auftritt der Komparsen«, 1981); 1970 u. 1971 Kunstpreis der Stadt Leipzig (im Koll.); 1971 Alex-Wedding-Preis; 1977 Heinrich-Mann-Preis; 1979 NP; 1986 Kunstpreis des FDGB. Seit den 1990er Jahren durch einen Unfall querschnittsgelähmt; zuletzt erschien die autobiograph. Erzählung »Als ich Gundas Löwe war« (2001); gest. in Leipzig.Hochwasser im Dorf. Berlin 1963; Labyrinth ohne Schrecken. Halle 1967; Ein gewisser Robel. Halle 1976; Ein seltener Fall von Liebe. Halle 1978; Der erfundene Traum. Berlin 1984; Adebar u. Kunigunde. Berlin 1990. Neubert, R.: Ansichten zur Lit. für Kinder u. Jungendliche u. zur poetischen Konzeption J. Ns. Berlin 1987; Straub, M.: J. N. Berlin 1989; Walther, J.: Sicherungsber. Lit. Schriftst. u. Staatssicherheit in der DDR. Berlin 1996.Christian Krause

Handbuch Deutsche Kommunisten

Nuding, Hermann

* 3.7.1902 – ✝ 31.12.1966

Geboren am 3. Juli 1902 im württembergischen Ober-Urbach, Sohn einer Arbeiterfamilie; Lehre und Arbeit als Weißgerber. 1919 Mitglied der FSJ und der KPD. Nuding gehörte bis 1926 der KJVD-BL Württemberg an. Im Auftrag der IAH reiste er 1923 als Instrukteur in die USA. Nach seiner Rückkehr 1925 Polleiter des KJVD in Württemberg und Mitglied der dortigen KPD-BL, sowie Mitglied des ZK des KJVD. 1927/28 Kursant an der Internationalen Leninschule in Moskau, danach Polleiter des KPD-UB Hagen, von Mai bis Dezember 1929 Instrukteur des ZK in Oberschlesien, anschließend Polleiter des UB Chemnitz. Nach längerer Krankheit im Oktober 1931 Agitpropsekretär der Reichsleitung des »Verbandes der proletarischen Freidenker«. Unter Walter Ulbricht war Nuding von Mai bis Dezember 1932 Orgleiter der BL Berlin-Brandenburg, Ende 1932 bis zum Reichstagsbrand Leiter der Orgabteilung des ZK. Am 28.Februar 1933 verhaftet, blieb er bis Anfang Juli 1934 in »Schutzhaft«, dann Emigration in die âSR, anschließend in die Sowjetunion. Im EKKI tätig und von 1935 bis 1938 Mitarbeiter des ZK der KPD für Kader und Abwehrfragen, nach Ablösung Hans Kippenbergers für die Überprüfung des AM-Apparates zuständig. Unter dem Parteinamen Claus Degen 1935 Teilnehmer der »Brüsseler Konferenz« der KPD, 1935/36 instruierte er von Zürich aus die illegale KPD in Württemberg. Das Politbüro beschloß am 28. Februar 1937, Nuding habe Leo Flieg im Auslandssekretariat des ZK der KPD in Paris abzulösen. Diese Tätigkeit mußte Nuding bereits Ende 1938 aufgeben, denn wegen »schwerwiegender Wachsamkeitsvergehen« wurde er sämtlicher Funktionen entbunden. 1939/40 im Lager Gurs interniert, Landarbeiter in Südfrankreich. Unter dem Namen Jean Bauer beteiligte sich Nuding an illegaler Arbeit der Résistance und der Bewegung »Freies Deutschland«. 1945 wurde Nuding 2. Vorsitzender der KPD Württemberg, später Baden-Württemberg. Er war von April 1948 bis Juli 1950 Mitglied des Sekretariats des PV der KPD (verantwortlich für Arbeit und Soziales), bis 1950 Abgeordneter des Landtags Baden-Württemberg und im September 1949 in den Deutschen Bundestag gewählt. Auf dem III. Parteitag der SED im Juli 1950 von Wilhelm Pieck öffentlich kritisiert, wurde Nuding »schwerer opportunistischer Fehler« (u. a. versöhnlerisches Verhalten gegenüber Kurt Müller, Ablehnung der Arbeitsgemeinschaft SED-KPD usw.) bezichtigt. Die Empfehlung der PKK, ihn wegen »parteischädigenden Verhaltens« aus der KPD auszuschließen, wurde aber vom Sekretariat abgelehnt. Im Oktober 1950 schwer erkrankt, widersetzte er sich der dringenden »Empfehlung« auf Übersiedlung in die DDR und zog sich aus der aktiven politischen Arbeit zurück. Hermann Nuding starb am 31.Dezember 1966 in Stuttgart. Er war von 1923 bis 1947 mit Paula Kopp (*1902 – †1980), spätere Paula Rueß, verheiratet, einer bekannten württembergischen Kommunistin. Sie war 1923 Redakteurin der »Süddeutschen Arbeiterzeitung« in Stuttgart, später u. a. Kurier zwischen dem KJVD und der KJI. Nach 1933 im Auslandssekretariat des ZK in Frankreich, im Januar 1940 verhaftet, schloß sie sich der Résistance an. Am 1. November 1943 in Paris festgenommen, schwer gefoltert, kam in das KZ Ravensbrück. 1945 Frauensekretärin des DGB Heidelberg, später aktive Arbeit für die KPD/DKP und die VVN.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Oberdorf, Fritz

* 30.5.1898 – ✝ 15.7.1976

Geb. in Gerchsheim (Amt Tauberbischofsheim; Baden), Vater Bauer; Volksschule, Landw.-Schule, 1912/13 Ackerbauschule in Triesdorf (Bayern); 1915 – 17 landw. Praxis; 1917/18 Kriegsdienst; ab 1919 Gutsbeamter, Zuchtgartenverwalter u. Techniker in versch. Saatzuchtwirtschaften der Firma Rabbethge u. Giesecke; 1931 – 43 in Puchow bei Penzlin (Mecklenb.); 1940 – 42 Studium an der Landw. HS Berlin, Dipl.-Landwirt; Prom. mit einer Diss. zur Bodenkunde; 1943 – 49 Hauptsaatzuchtltr. auf dem Gut bzw. Landesgut Klein Wanzleben (Bez. Magdeburg). 1949 – 63 Dir. des Inst. für Pflanzenzüchtung der DAL in Bernburg; 1951 NP; 1952 Ord. Mitgl. der DAL; 1951 Ernennung zum Prof. mit Lehrauftrag für Agrarbiol.; 1960 – 62 Prof. mit Lehrstuhl u. Dir. des Inst. für Grünland u. Feldfutterbau an der Landw. Fak. der KMU Leipzig; Okt. 1961 erster Rektor der neugegr. HS für Landw. Bernburg; 1964 Erwin-Baur-Medaille der DAL; 1966 Em. u. Ehrenprom. durch die DAL.Siegfried Kuntsche

Handbuch Deutsche Kommunisten

Obitz, Gustav

* 12.9.1893 – ✝ 17.10.1950

Geboren am 12. September 1893 in Berlin, Sohn eines Fabrikarbeiters. Nach der Handelsschule kaufmännische Lehre, dann Milchausträger, Hilfsarbeiter bei Korrespondenten ausländischer Zeitungen. Seit 1912 SPD-Mitglied, ging 1917 zur USPD, 1920 zur KPD. 1920 Sekretär der USPD, dann bis 1922 Sekretär der KPD-Reichstagsfraktion, anschließend Redakteur der »Internationalen Presse-Korrespondenz«, danach ein halbes Jahr lang Chefredakteur der »Süddeutschen Arbeiter-Zeitung« in Stuttgart, später in KPD-Verlagen (»Führer-Verlag«, »Arbeiterwille« Suhl, »Arbeiterstimme« Stettin) tätig. Zuletzt Redaktionssekretär der von Willi Münzenberg herausgegebenen Zeitung »Berlin am Morgen«. Nach 1933 arbeitslos, 1934 Arbeitszuweisung als Hilfsschreiber. 1935/36 inhaftiert, Anklageerhebung wegen illegaler Arbeit für die KPD, im August 1936 aus »Mangel an Beweisen« freigelassen. Danach Angestellter in einem Patentbüro bzw. bei der Hauptvereinigung der deutschen Gartenbauwirtschaft. Er wurde Ende 1945 Redakteur im ZK der KPD und dann stellvertretender Chefredakteur der SED-Funktionär-Zeitschrift »Neuer Weg«. Gustav Obitz starb am 17.Oktober 1950 in Ost-Berlin.

Wer war wer in DDR

Odpadlik, Paul

* 2.1.1902 – ✝ 21.3.1973

Geb. in Neu-Titschein (Mähren / Nový Jičin, Tschechien); Vater Arbeiter; Volks- u. Bürgerschule; Lehre als Dreher; ab 1916 Kursant an der österr. Marine-Unteroffiziersschule in Pola; anschl. Schiffsjunge bei der österr. Kriegsmarine; 1918/19 Minensuchflotte in Wilhelmshaven; 1919 Handelsmarine; ab 1920 in der Fremdenlegion, Einsätze in Algerien, Marokko u. Syrien; 1926 Desertion nach Transjordanien u. Rückkehr in die ČSR; Militärdienst; anschl. Hutarb.; Angest. beim städt. Bauamt Neu-Titschein, Notstandsarb.; 1929 KPČ, Parteifunktionär; 1930, 1931 u. 1934 Verurteilung wegen pol. Tätigkeit; 1931 Ltr. der KPČ-Stadtorg. Neu-Titschein; Mitgl. der KPČ-KL Mährisch-Ostrau; 1937 – 39 Teiln. am span. Bürgerkrieg in den Internat. Brigaden, zul. Major; KP Spaniens; Sommer 1938 Verwundung; ab Febr. 1939 in den frz. Lagern Argelès sur Mer, Gurs u. Bas Primes interniert; Juli 1939 Emigr. in die UdSSR; bis 1941 Schmied im Traktorenwerk Tschljabinsk; 1941 Krankenhausaufenthalt u. Spezialsanatorium für Spanieninvaliden; anschl. Gärtner, Kutscher u. Landarb.; 1943 – 46 Angeh. der Roten Armee, Parteiinstrukteur in Stalingrad. Juli 1947 Rückkehr nach Dtl.; SED u. Eintritt in die DVP; Ref. der Dt. ZV des Innern; 1949 VP-Inspektor; zeitw. stellv. Ltr. u. 1955 – 59 Ltr. der HA Kriminalpolizei in der DVP-HV (Nachf. von Paul Dombrowsky), Oberst; im Aug. 1959 aus dem aktiven Dienst ausgeschieden; 1955, 1967 u. 1972 VVO.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Nitsche, Gustav

* 27.4.1892 – ✝ 9.4.1966

Geboren am 27. April 1892 in Greppin/Krs. Bitterfeld, Sohn eines Fabrikarbeiters; Lehre und Arbeit als Maschinenschlosser, 1911 Mitglied der SPD. Nach seinem Militärdienst arbeitete Nitsche bis April 1933 als Schlosser bei der A.G. für Anilinfabrikation in Wolfen. Bis 1931 war er Mitglied des dortigen Betriebs- und Arbeiterrates. Er trat 1918 der USPD bei und wurde im Dezember 1920 Mitglied der KPD. Zeitweilig Polleiter der Ortsgruppe Greppin, Mitglied der UBL Bitterfeld und der BL Halle-Merseburg. Ab Mai 1924 Gemeindevertreter in Greppin, 1929 Abgeordneter des Kreistages Bitterfeld. Er wurde 1930 aus dem DMV ausgeschlossen und trat in die RGO ein. Als »Vertreter der mitteldeutschen chemischen Betriebsarbeiter« Delegierter des XII. KPD-Parteitags 1929 in Berlin-Wedding, dort wurde Nitsche als Mitglied in das ZK gewählt, dem er bis 1931 angehörte. Die Gründe für Nitsches Ausscheiden aus dem ZK und der KPD sind unbekannt. In einer späteren Aufstellung der KPD-Führung über das Schicksal der ZK-Mitglieder steht bei Nitsche nur der Zusatz »1931 aus der Partei ausgeschlossen«. Am 6. Mai 1933 wurde er verhaftet und saß bis 29. April 1934 in »Schutzhaft« im KZ Lichtenburg bei Torgau, stand dann bis 1940 unter Polizeiaufsicht. Nitsche wurde Notstandsarbeiter bzw. Schlosser im Kraftwerk Bitterfeld. Ende April 1945 von der amerikanischen Militärkommandantur als Bürgermeister von Greppin eingesetzt, behielt er diese Funktion bis 1950. Anschließend erneut Schlosser in der Farbenfabrik Wolfen, seit 1946 Mitglied der SED. Gustav Nitsche starb am 9.April 1966.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Noack, Georg

* 4.9.1904 – ✝ 18.8.1975

Geboren am 4. September 1904 in Berlin, Sohn eines Maurers; lernte Rabitzspanner. Über seinen Lebenslauf hieß es 1929 in einem Gutachten des Bezirksjugendamts Berlin-Lichtenberg, Noacks Kindheit und Jugend »waren nicht gerade rosig zu nennen. Der Vater war 1915 im Felde gefallen und so mußte N. beizeiten mithelfen, die Mutter zu unterstützen. In der Zeit von Ostern 1918 bis 1925 hat N. in den verschiedensten Betrieben als Arbeitsbursche gearbeitet, um dann im Jahre 1925 in einer einjährigen Lehrzeit den Beruf des Rabitzspanners zu erlernen ... N. ist Epileptiker, jedoch zeigen sich die Anfälle immer seltener und nur als Folge von Aufregungen ... Er raucht nicht, meidet jeden Alkohol und überhaupt alles, was sein Leiden verschlimmern könnte. N. ist ganz intelligent, geweckt und strebsam.« 1925 wurde er Mitglied der Roten Jungfront, 1927 der KPD. Im Juni 1927 Agitpropleiter, später Polleiter des KPD-Verwaltungsbezirks Berlin-Lichtenberg. Ab September 1929 Orgleiter der KJVD-BL Berlin-Brandenburg, 1930 Polsekretär im Ruhrgebiet. Noack kam im Juli 1931 nach Moskau, war dort bis Oktober 1932 Mitarbeiter der KJI und zugleich Jugendsekretär bei der RGI. Ins ZK des KJVD kooptiert, nahm er als KJVD-Vertreter 1931 und 1932 an den Kongressen der KJI in Moskau teil. Ende 1932 zurückgekehrt, ab Februar 1933 illegaler Instrukteur der Berliner BL, von April bis Juni 1934 Orgleiter der KPD in Lichtenberg. Noack wurde am 19. Juni 1934 von der Gestapo verhaftet und am 6. September 1935 vom VGH zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach der Haft im Zuchthaus Luckau noch bis Mai 1945 in den KZs Esterwegen und Aschendorfer Moor. 1945 Angestellter im Bezirksamt Berlin-Lichtenberg, 1947/48 2.Sekretär der SED Lichtenberg, später Magistratsdirektor für Personal im Ostberliner Magistrat, ab 1952 Arbeitsdirektor im VEB Gasversorgung in Ost-Berlin. Georg Noack starb am 18.August 1975.

Wer war wer in DDR

Nöcker, Josef

* 18.10.1919 – ✝ 5.8.1989

Geb. in Düsseldorf; Gymnasium; 1937 Leichtathlet u. Olympiakader für 1940 (Weit- u. Dreisprung); 1939 Medizinstudium an den Univ. Leipzig, Jena, Rostock, Freiburg u. Wien; Mitgl. der Landsmannschaft Afrania im CC zu Heidelberg. 1945 ärztl. Approbation u. Prom. an der Univ. Leipzig; 1948 Mitgl. der SG Leipzig-Lindenau, Ostzonenmeister 4x100 m, 2. Pl. Dreisprung (13,12 m); 1950 Habil. an der Univ. Leipzig mit der Arbeit »Die Nährhefe. Heil- u. Zusatznahrung«; 1955 apl. Prof., Forschung über dosierte Belastungsuntersuchungen zur Bearbeitung organ. Leistungsfähigkeit; 1956 Arzt der gesamtdt. Olympiamannschaft in Melbourne; 1957 kommissar. Ltr. der Universitätsklinik Leipzig; 1958 Carl-Diem-Preis für eine unveröff. Arbeit zur »Bedeutung des Mineralstoffwechsels für Leistungsfähigkeit u. Training des Muskels« (sein Vater nahm die Auszeichnung in Warendorf entgegen, da N. die Reise in die Bundesrep. verweigert wurde); 30.6.1959 auf der Fahrt zum Leichtathletik-Länderkampf England – DDR in London Flucht in die Bundesrep. Dtl.; danach Chefarzt der städt. Krankenanstalten Leverkusen u. ärztl. Betreuer der Leichtathletik-Abt. der SV Bayer Leverkusen; 1959 – 61 Vors. des Wiss. Aussch. des Dt. Sportärztebundes; 1961 – 69 Vors. des Aussch. zur wiss. u. prakt. Förderung des Hochleistungssports (Vorläufer des Bundesaussch. Leistungssport / BAL); 1961 – 69 persönl. Mitgl. im NOK für Dtl.; 1964 u. 1976 Arzt sowie 1968 u. 1972 Chef de Mission der bundesdt. Olympiamannschaften; Mitgl. des Gutachteraussch. der Stiftung Dt. Sporthilfe; schwere Erkrankung in Mexiko; kam bei einem Verkehrsunfall auf der Autobahn nahe Leverkusen ums Leben; ca. 150 Publ.; 1970 Bundesverdienstkreuz; 1976 Bergmann-Med.; 1988 Goldenes Ehrenzeichen der Dt. Gesell. für Sportmed.Grundriss der Biologie der Körperübungen. Berlin 1953.Volker Kluge

Wer war wer in DDR

Noll, Dieter

* 31.12.1927 – ✝ 6.2.2008

Geb. in Riesa; Vater Apotheker; OS; 1943/44 Luftwaffenhelfer u. Wehrmacht; 1945 kurzz. amerik. Kriegsgefangenschaft. 1946 KPD / SED; 1948 – 50 Studium der Germanistik, Kunstgeschichte u. Philos. an der Univ. in Jena; Hilfsheizer im RAW Chemnitz; lebt seit 1950 in Berlin; zunächst Red. der Ztschr. »Aufbau«, dann Mitarb. des »Neuen Dtl.«; 1954 Mitgl. des DSV; ab 1956 freischaff.; 1957 – 89 mit Unterbrechungen als IM »Schreiber«, »Romanze«, »Georg« u. »Klaus-Dieter« erf.; 1964 – 67 Mitgl. der SED-BL Berlin; 1969 Mitgl. der DAK; Mitgl. des DSV-Vorst.; 1963 u. 1979 NP; sein bekanntestes Werk »Die Abenteuer des Werner Holt. Roman einer Jugend« (2 Bde. 1960 u. 1963, 1. Bd. verfilmt, R: Joachim Kunert, UA 1965) erreichte eine Aufl. von mehr als einer Mio. u. wurde zur Pflichtlektüre in den OS; 1976 maßgebl. beteiligt an der Parteikampagne gegen die Unterzeichner der »Wolf-Biermann-Resolution«, die er im »Neuen Dtl.« als »kaputte Typen« denunzierte; gest. in Zeuthen (b. Berlin).Die Dame Perlon u. andere Reportagen. Berlin 1953; Kippenberg. Roman. Berlin, Weimar 1979; In Liebe leben. Gedichte 1962 – 82. Berlin 1985. Geerdts, H. J.: D. N. Berlin 1976; Glanc-Boteva, E.: Die Auseinandersetzung mit dem Fasch. in der DDR-Lit., untersucht an ausgew. epischen Werken von D. N., M. W. Schulz u. F. Fühmann. Diss. Berlin 1979.Herbert Mayer / Bernd-Rainer Barth

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Nordalm, Wolfgang

* 31.3.1929

Geb. in Stettin (Szczecin, Polen); Vater Arzt; Volks- u. Oberschule, 1947 Abitur; 1947 / 48 Praktikant an der landw. Versuchsanstalt Aschersleben; 1948 Schriftführer bei der Gewerkschaft Kunst u. Schrifttum in Aschersleben; 1948 SED; 1948 – 54 Volontär, später Red. u. Abt.-Ltr. sowie Mitgl. des Red.-Koll. der Ztg. »Freiheit« in Halle; 1954 – 59 Red., Abt.-Ltr. u. Mitgl. des Red.-Koll. der Ztg. »Neuer Tag« in Frankfurt (Oder); 1959 – 67 1. stellv. Chefred. der »Leipziger Volkszeitung«; Fernstudium an der PHS der SED, 1962 Dipl.-Gesellschaftswiss.; 1967 – 89 Chefred. d. »NBI« (Nachf. von  Rudolf Röhrer); 1967 –72 Mitgl. des Präs. des ZV des VDJ.Andreas Herbst

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Noth, Gottfried

* 26.1.1905 – ✝ 9.5.1971

Geb. in Dresden; Vater Konrektor; Kreuzschule in Dresden, 1924 Abitur; Studium der Theol. an den Univ. Leipzig u. Erlangen; 1930 Lic. theol. bei Werner Elert, Ordination; 1930 Hilfsgeistlicher an der Diakonissenanstalt; 1932 Pfarrer in Zethau (Erzgeb.) u. ab 1942 in der Trinitatisgemeinde in Dresden; Mitgl. im Landesbruderrat der Bekennenden Kirche in Sachsen; 1944/45 Sanitätssoldat, Kriegsgefangenschaft. 1945 kommissar. Oberlandeskirchenrat u. ab 1950 Dezernent im Landeskirchenamt Sachsen; 1953 Dr. h. c. der Univ. Erlangen; ab 1953 Landesbischof der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsen (Nachf. von D. Hugo Hahn); 1953 – 68 Mitgl. der Bischofskonferenz, der Kirchenltg. der Vereinigten Ev.-Luth. Kirchen Dtl. u. des Rats der EKD; 1954 – 71 Mitgl. des ZA des Ökumen. Rats der Kirchen; 1957 Ehrendoktor der Capitol-University in Columbus (USA); 1964 stellv. Vors. des Arbeitsaussch. der ständ. Konferenz Europ. Kirchen; 1969 Stellv. Vors. der Konferenz der Ev. Kirchenltg. in der DDR; gest. in Dresden.Gehorsam in Christus. Ausgew. Zeugnisse aus Predigten, Vorträgen u. schriftl. Äußerungen. Berlin 1976.Ehrhart Neubert

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Nowak, Leopold

* 17.3.1929

Geb. in Magdeburg; Studium der Theol. in Erfurt u. auf der Huysburg bei Halberstadt; 1956 Priesterweihe in Magdeburg; 1956 – 58 Vikar in Seehausen; 1958 – 60 Kuratus in Großkorbetha; 1960 – 65 Vikar in Lützen u. Jugendseelsorger für das Dekanat Halle; 1965 – 67 Pfarrvikar in Ziesar u. Jugendseelsorger für das Dekanat Burg; 1967 – 72 Vikar in Stendal u. Pastoralref. für das Dekanat Stendal; 1972 – 75 Ref. für die Erwachsenenseelsorge im Erzbischöfl. Kommissariat Magdeburg; 1975 – 90 Ltr. des Seelsorgeamts u. Assessor im Bischöfl. Amt Magdeburg; 1976 Wirkl. Geistlicher Rat; Feb. 1990 Ernennung u. März 1990 Weihe zum Apostol. Administrator u. Bischof in Magdeburg (Nachf. von  Johannes Braun), 2004 Ruhestand; 2007 Bundesverdienstkreuz.Bernd Schäfer

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Nowotny, Kurt

* 1.12.1908 – ✝ 1.6.1984

Geb. in Heynitz (Landkrs. Meißen); Vater Schlosser; Ausbildung zum Tischler u. Zimmermann; 1928 – 31 Studium an der Akad. für Kunstgewerbe in Dresden u. 1931 – 33 an der Akad. der Bildenden Künste Dresden; 1934 – 36 Architekt im Büro Fritz Steudtner in Dresden, Meisterschüler von Heinrich Tessenow; 1936 – 38 Planung des Flughafens Nohra (b. Weimar) für das Luftgaukommando III (Dresden-Weimar); 1938 Architekt im Reichspostmin. in Chemnitz; 1942 – 45 Kriegsdienst. 1945 – 49 Bauleiter in der UdSSR; Rückkehr nach Dtl., 1950 – 72 Chefarchitekt im Min. für Post- u. Fernmeldewesen in Berlin; in den 1950er Jahren Beteiligung an zahlr. Wettbewerben; Entwürfe: 1950 – 55 Funkamt in Wilsdruff, 1961 – 64 Hauptpostamt Leipzig, 1962 – 64 Hauptpostamt Dresden-Neustadt (m. Wolfram Starke u. Günter Biermann), 1964 – 69 Fernsehturm am Kulpenberg (b. Leipzig), 1964 – 69 Fernsehturm Dresden-Wachwitz; 1973 – 75 Umgestaltung Inneres der Pfarr- u. Klosterkirche St. Albert in Leipzig.Bauten der Dt. Post. Dt. Architektur (1965) 2. Topfstedt, T., Barth, H.: Vom Baukünstler zum Komplexprojektanten. Architekten in der DDR. Berlin 2000.Volker Wagner

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Nuschke, Otto

* 23.2.1883 – ✝ 27.12.1957

Geb. in Frohburg (b. Leipzig); Vater Druckereibesitzer; Bürgerschule in Frohburg; Besuch der Akad. für graph. Künste in Leipzig; 1897 –1901 Ausbildung zum Buchdrucker in Leipzig; 1902 Volontär, 1904 – 08 Chefred. der von Hellmut von Gerlach hrsg. »Hessischen Landesztg.« Marburg; 1902 Mitgl. des Nat.-sozialen Vereins, 1903 der Freisinnigen Vereinigung, 1906 deren Gen.-Sekr. in Marburg; 1908 in Hessen-Nassau u. Waldeck; 1910 Gen.-Sekr. der Fortschrittl. Volkspartei in Kassel; 1910 – 15 Red. des »Berliner Tageblatts«; 1915 – 30 Chefred. der »Berliner Volks-Ztg.«; 1915 Wehrdienst, Gefr. im Garde-Landsturmbat. Zossen; EK; 1918 Mitbegr. der DDP; Mitgl. ihres Geschäftsf. Aussch., Ltr. ihrer Reichsgeschäftsstelle, 1920/21 stellv. Vors. ihres PV; 1919/20 Mitgl. der Verfassungsgebenden Nationalvers.; 1921 – 33 Abg. des Preuß. Landtags; Mitgl. des Vorst. der Dt. Friedensges.; 1919 Gründer u. Vors. des Dt. Demokrat. Pressevereins; 1931 – 33 Reichsgeschäftsf. der DDP bzw. Dt. Staatspartei, verantw. Red. ihres Wochenblatts »Dt. Aufstieg«; 1933 Berufsverbot; Landwirt in Nieder Neuendorf/Havel; illeg. Tätigkeit; verhört u. verhaftet; da er von den Akteuren des 20. Juli 1944 als Ltr. des Rundfunks vorgesehen war, mußte er seit Juli 1944 illeg. leben. Juni 1945 kurzz. Mitarb. im LDP-Gründungsaussch. Berlin; 1945 Mitbegr. der CDU; Verlagsltr. »Neue Zeit«; 1946 – 52 Abg. des Landtags Brandenb., 1946/47 Mitgl. des Rechts- u. Verfassungsaussch.; 1946/47 Mitgl. des PV, 1947/48 kommissar. PV, ab 1948 1. Vors. der CDU (Nachf. von  Jakob Kaiser); 1948/49 Ko-Vors. des Dt. Volksrats; ab 1949 Abg. der (Prov.) Volkskammer; 1949 – 57 stellv. Min.-Präs. bzw. Stellv. des Vors. des Min.-Rats, u. a. Ltr. der HA Kirchen; 1954 VVO; 1955 Dr. rer. pol. h. c. der KMU Leipzig.Bürgermstr. Schickenriß Verteidigung u. die Anschuldigungsschrift der preuß. Reg. Berlin 1908; Friedrich Naumann. Berlin 1919; Reden u. Aufsätze 1919 – 1950. Berlin 1957; Mahnung u. Beispiel. Reden u. Aufsätze 1951 – 1957. Berlin 1958. Götting, G.: Vom Werden u. Wirken der CDU – O. N. zum Gedächtnis. Berlin 1958; Wirth, G.: O. N. Berlin 1965; Erinnerungen an O. N. Berlin 1973; Fischer, G.: O. N. Berlin 1983; Schalück, A.: Eine Agentur der Kirchen im Staatsapparat. Berlin 1999; Buchstab, G. (Hrsg.): Christl. Demokraten gegen Hitler. Freiburg 2004.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Oberdörster, Ernst

* 6.4.1888 – ✝ 19.9.1972

Geboren am 6. April 1888 in Leichlingen/Krs. Solingen, Sohn eines sozialdemokratischen Arbeiters; lernte Lackierer. 1910 Mitglied der SPD. Soldat im Krieg, 1916 Übertritt zur USPD und mit deren linkem Flügel 1920 zur KPD. Von 1920 bis 1922 Sekretär der Freien Gewerkschaften in Solingen. Als Kommunist entlassen, arbeitete er dann als Lackierer bei der Reichsbahn in Opladen, wo er von 1919 bis 1926 Stadtverordneter war. 1922 Delegierter des IV. Weltkongresses der Komintern. Mitte 1923 als hauptamtlicher Funktionär Orgleiter des Bezirks Niederrhein. Oberdörster gehörte zur Mittelgruppe, blieb aber auch 1924 in seiner Funktion und schloß sich dann den Linken an. Von 1924 bis 1927 Abgeordneter des Rheinischen Provinziallandtages, bis 1926 Orgleiter für den Bezirk Niederrhein in Düsseldorf. 1927 Kursant der Internationalen Leninschule in Moskau. Nach seiner Rückkehr zog er 1928 als Abgeordneter in den Preußischen Landtag ein. Sekretär in Düsseldorf, ab 1929 Mitarbeiter des ZK (Sozialpolitische Abteilung) in Berlin. 1932 Reichsleiter der IAH, aber nicht mehr in den Landtag gewählt. Oberdörster wurde am 28. Februar 1933 während einer Versammlungstour in Ost-Thüringen in Greiz verhaftet. Er blieb bis zum 1. September 1934 im KZ und war dann bis 1937 erwerbslos. 1937 erneut festgenommen, wurde aber bald wieder freigelassen, da nach einer Anweisung der Berliner an die Düsseldorfer Gestapo nichts gegen ihn unternommen werden sollte (»die Stapo Berlin ist über O. genauestens unterrichtet«). Am 28. Juni 1944 wurde Oberdörster zur Wehrmacht eingezogen, er desertierte Ende April 1945 und kam am 2. Mai noch kurzzeitig in sowjetische Kriegsgefangenschaft. 1945/46 Referent im ZK der KPD bzw. SED für Ernährungsfragen. Anschließend in der Konsumgenossenschaft Berlin beschäftigt, ab 1954 Angestellter beim VE Versorgungs- und Lagerungskontor der Lebensmittelindustrie – Pflanzliche Erzeugnisse. Politische Bedeutung erlangte er nicht mehr. Ernst Oberdörster starb am 19. September 1972 in Ost-Berlin. Sein Sohn Friedrich Oberdörster (* 22. 12. 1915 – † 8. 3. 1984) war Mitglied des KJVD, nach 1945 studierte und promovierte er, ab 1956 Leiter der Verwaltung Medizinische Dienste im DDR-Ministerium des Innern. Später als Dozent und Professor für Medizinische Epidemiologie an der Humboldt-Universität, 1970 Direktor des Staatlichen Kontrollinstituts für Seren und Impfstoffe. 1973 wurde Friedrich Oberförster als international anerkannter Mikrobiologe und Hygieniker Präsident der Gesellschaft für die gesamte Hygiene der DDR.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Obuch, Gerhard

* 14.3.1884 – ✝ 17.2.1960

Geboren als Sohn eines Justizrates und einer adligen Mutter am 14. März 1884 in Lauenburg/ Pommern; besuchte das humanistische Gymnasium und studierte an den Universitäten Königsberg, Berlin und Leipzig Jura und Sozialwissenschaften. 1906 Mitglied der SPD. Er ließ sich 1912 als Rechtsanwalt in Düsseldorf nieder. 1914 Heirat und Übersiedlung nach Berlin. Als Gegner der Kriegskreditbewilligung geriet er in Opposition zur SPD und schloß sich 1917 der USPD an. Während des Krieges arbeitete Obuch ein Jahr lang bei der deutschen Verwaltung Ober-Ost. Nach der Revolution 1918 Mitglied des Reichsausschusses des zentralen Vollzugsrates der Arbeiter- und Soldatenräte in Berlin. Im Januar 1919 für die USPD in die Preußische Landesversammlung gewählt. Auf dem USPD-Parteitag im März 1919 Vertreter und Sprecher des linken Flügels, Vertrauter Georg Ledebours. 1921 Abgeordneter des Preußischen Landtags, dem er ununterbrochen bis 1933 angehörte. Bei der Spaltung der USPD blieb Obuch zunächst – als Gegner des Anschlusses an die Komintern – bei der USPD. Als sich die USPD 1922 mit der SPD verschmolz, stemmte er sich gemeinsam mit Ledebour gegen diese Vereinigung. Obuch trat 1922 zur KPD über. Nach 1923 aktiv in der Roten Hilfe tätig und Mitglied der Juristischen Zentralstelle der KPD. Zusammen mit seinem Associé Hermann Horstmann (der Opfer der Stalinschen Säuberung wurde) machte er sich vor allem als Verteidiger kommunistischer Angeklagter einen Namen. 1933 verhaftet und bis Ende 1933 im KZ Sonnenburg. Weihnachten 1933 entlassen, mußte er als Arbeitslosenfürsorge-Empfänger im Straßenbau arbeiten. 1935 konnte er in einem Umschulungskurs Buchhaltung lernen und ab 1936 als Buchhalter tätig sein. In den NS-Juristenbund wurde er nicht aufgenommen, so daß er nicht als Rechtsanwalt praktizieren durfte. 1938 hatte sein Bemühen, Rechtsberater in der Industrie zu werden, Erfolg. Politisch trat er nicht mehr hervor. Nach 1945 lebte er in Westdeutschland, war politisch nicht mehr aktiv. Gerhard Obuch starb am 17. Februar 1960 in Rauenthal im Rheingau.

Wer war wer in DDR

Oechelhaeuser, Gisela

* 22.1.1944

Geb. in Schmauch (Ostpr./Skowrony, Polen); Vater Pfarrer, Mutter Seelsorgerin; Lehre als Uhrmacherin, 1965 – 73 Studium der Germanistik u. Romanistik an der KMU Leipzig, Dr. phil.; 1966 Mitbegr. des Kabaretts »academixer« (anfangs Amateurkabarett der KMU Leipzig, seit 1976 Berufskabarett); 1975 – 78 Hauptabt.-Ltr. Kultur, 1985 – 90 Doz. an der HS für Schauspielkunst »Ernst Busch« in Berlin; Auftritte als Kabarettistin, Regiearbeiten an der »Herkuleskeule« Dresden, an der »Distel« u. dem »Theater im Palast« in Berlin; Schauspielarbeit in Zürich, Werkstattarbeit u. Unterricht bei Amateurkabarettisten; Vors. der Sozialkommission u. 1984 – 89 Vizepräs. des Komitees für Unterhaltungskunst; 1980 – 95 verh. mit  Dietmar Keller. Von 1990 – 99 Intendantin des Berliner Kabaretts »Die Distel«, Rücktritt wegen Kontakten zum MfS (1976 – 78 als IM »Gisela« erf.), danach freiberufl. Autorin u. Kabarettistin, u. a. im Berliner Kabarett »Sündikat«; Mitwirkung bei der TV-Serie »Der scharfe Kanal«; 1992 – 97 Moderatorin der ORB-Sendung »Am Tag, als ?«; 1998 Verdienstorden des Landes Berlin; 2002 CD »G. O. singt u. spielt Lene Voigt« (Leipzig); 2006 Auftritte im Kabarett »Kartoon« in Berlin; gibt Schauspiel- u. Kabarettunterricht; 2007 Kabarettpreis der Bundesvereinigung Kabarett.Hiergeblieben! Leben in Geschichten. Berlin 2005. Schütt, H.-D.: Das halbstarke Lachen. Gespräche mit G. O. Berlin 1997.Gisela Winkler

Wer war wer in DDR

Nitsche, Franz

* 15.11.1905 – ✝ 28.3.1986

Geb. in Neunz (Krs. Neiße, Oberschles. / Niwnice, Polen); Bischöfl. Knabenkonvikt u. Gymnasium in Neisse, 1925 Abitur; Eintritt in das Theologenkonvikt; Studium der Philos. u. Theol. an der Univ. Breslau; Mitgl. der Vinzenzkonferenz; 1926/27 Studium der Theol. u. Caritaswiss. am Inst. für Caritaswiss. der Univ. Freiburg i. Br., Abschl. des Studiums in Breslau; 1930 Priesterweihe; 1930 Vikar in Naumburg (Saale) / Queis; 1932 Vikar in Breslau, Hl. Kreuz; 1934 Caritasdir. in Oppeln für Oberschles.; nach 1939 Berater des Kattowitzer Bischofs Stanisław Adamski. 1946 Caritasdir. zunächst in Weimar, dann nach Errichtung des Gen.-Vikariats in Erfurt für den Ostteil der Diözese Fulda; Gen.-Vikariatsrat; 1947 Monsignore; Päpstl. Ehrenprälat; 1949 – 75 Caritasdir. in Erfurt; regelm. Teiln. an den Zentralsitzungen des Caritasverb.; Kuratoriumsmitgl. des Kath. Krankenhauses in Erfurt; 1965 Ordinariatsrat in Erfurt; 1975 Vors. des Vorst. der Diözesancaritas Erfurt; 1980 Ruhestand; 1985 Apostol. Protonotar; gest. in Erfurt.Clemens Brodkorb

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Noack, Axel

* 8.11.1949

Geb. in Biesnitz (b. Görlitz); Vater Betriebswirtsch., Mutter Sachbearb.; Schulbesuch in Halle; 1968 Abitur u. Abschl. einer Ausbildung als Betriebsschlosser; wegen Wehrdienstverweigerung nicht zum Mathematikstudium zugelassen; 1968/69 diakon. Helfer in den Hoffnungsthaler Anstalten in Lobetal; ab 1968 Jugendsynodaler, später Mitgl. der Synode der Kirchenprovinz Sachsen; 1969 – 75 Studium der Theol. an der Kirchl. HS Naumburg (Saale); nach dem Vikariat in Merseburg Repetent an der o. g. HS mit einer Arbeit zur Geschichte der Ev. Studentengemeinden in der DDR; 1978 – 84 Studenten- u. Krs.-Jugendpfarrer in Merseburg; seit 1985 Gemeindepfarrer in Wolfen; 1986 Mitgl. der Bundessynode u. der Konferenz der ev. Kirchenltg.; 1989/90 Beteiligung an der Bürgerbew.; Mitarb. am lokalen Runden Tisch u. im MfS-Überprüfungsaussch.; 1990 engagiert im kirchl. Vereinigungsprozeß, Mitgl. der Gem. Kommission von EKD u. Bund der Ev. Kirchen der DDR. 1991 Ord. Mitgl. des Rats der EKD; 1997 – 2008 Bischof der Kirchenprovinz Sachsen mit Sitz in Magdeburg (Nachf. von  Christoph Demke); Jan. – Mai 2009 nach deren Fusion mit der Ev.-Luth. Kirche in Thür. Bischof der neuen Ev. Kirche in Mitteldtl. (neben  Christoph Kähler); Aug. 2009 Ruhestand. A. N. gilt als Vertreter einer strikten Unabhängigkeit der ev. Kirche vom Staat.Ehrhart Neubert

Handbuch Deutsche Kommunisten

Noffke, Ernst

* 11.12.1903 – ✝ 16.11.1973

Geboren am 11. Dezember 1903 in Hamburg, Sohn eines Bekleidungsarbeiters. Er besuchte von 1918 bis 1924 das Lehrerseminar und studierte von 1925 bis 1929 Volkswirtschaft an der Universität Hamburg. 1931/32 setzte Noffke sein Studium in Berlin fort und promovierte 1932 zum Dr. phil. Seit 1921 Mitglied der SPD, schloß er sich 1923 der KPD an. Er war bis 1929 Lehrer in Hamburg, dort 1929 Mitglied der KPD-BL Wasserkante, ab 1930 hauptamtlich im Apparat der BL. Bis April 1931 Leiter des Verlages der »Hamburger Volkszeitung«, anschließend Lehrer und Leiter der Reichsparteischule in Berlin-Fichtenau. Ende 1932 setzte ihn das Polbüro als Nachfolger Alexander Emels als Leiter der Abteilung Propaganda des ZK ein, zusätzlich mußte er die Informationsabteilung führen. Nach dem Reichstagsbrand wirkte Noffke im März und April 1933 als ZK-Instrukteur für die BL Ruhr und die BL Mittelrhein. Nach einer kurzzeitigen Verhaftung Mitte Mai 1933 lebte er bis 15. Juli 1933 illegal in Berlin, dann emigrierte er über Danzig, die Niederlande, Österreich und die Tschechoslowakei in die Sowjetunion. Dort 1934/35 Angestellter bei der VAA in Moskau, anschließend Redakteur am Verlag für fremdsprachige Literatur. Noffke geriet 1937 in die stalinistischen Säuberungen und war zeitweilig inhaftiert. 1941/42 wieder als Redakteur und Übersetzer tätig, anschließend politischer Mitarbeiter am Institut 99. Bis zu seiner Rückkehr im Januar 1952 nach Deutschland erneut Redakteur im Verlag für fremdsprachige Literatur. Mitglied der SED, begann Noffke im Februar 1952 als Sektorleiter, später Abteilungsleiter am IML. 1960 Redakteur beim Presseamt des DDR-Ministerrates, ab 1965 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Hochschule für Ökonomie in Berlin-Karlshorst. Er erhielt 1968 den VVO in Silber. Ernst Noffke starb am 16. November 1973 in Ost-Berlin. Er war in erster Ehe mit der deutschen Kommunistin Else Noffke, geb. Jandera (* 29. 6. 1905), verheiratet, die 1943 im Auftrag der GRU mit dem Fallschirm über Deutschland absprang, von der Gestapo gefaßt wurde und im KZ Ravensbrück umkam. Noffkes aus zweiter Ehe stammende Tochter Inga drehte 1998 den Dokumentarfilm »Wir Kommunistenkinder«. In Form eines fiktiven Dialogs mit ihrem Vater Ernst Noffke rekonstruierte sie seinen Lebensweg aus Tagebüchern und Briefen sowie seiner Komintern-Akte im Moskauer Archiv.

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Nolte, Claudia

* 7.2.1966

Geb. in Rostock; 1972 – 82 POS in Rostock; 1982 – 85 Berufsausb. mit Abitur, Facharb. für Elektronik; 1985 – 90 Studium der Automatisierungstechnik u. Kybernetik an der TH Ilmenau, Dipl.-Ing.; 1990 wiss. Mitarb. der TH Ilmenau; Mitarb. in der Kath. Studentengemeinde; Okt. 1989 – Febr. 1990 Neues Forum; seit Febr. 1990 CDU, Mitgl. des CDU-KV Ilmenau; März – Okt. 1990 Mitgl. der Volkskammer. Okt. 1990 – 98 u. 2002 – 05 MdB, Mitgl. des Vorst. der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, 1991 – 94 deren frauen- u. jugendpolit. Sprecherin; 1990 – 94 Mitgl., bis 1992 stellv. Vors. des CDU-LV Thür., Vors. des Landesfachaussch. Familienpolitik; Nov. 1994 – Okt. 1998 Bundesmin. für Familie, Senioren, Frauen u. Jugend (Nachf. von Hannelore Rönsch für Fam. u. Senioren; Nachf. von  Angela Merkel für Frauen u. Jugend); Okt. 1996 – Apr. 2000 Mitgl. des CDU-Präs.; seit 2004 Mitgl. im Lenkungsaussch. des Petersburger Dialogs u. ord. Mitgl. des Vorst. der Europ. Volkspartei; Mitgl. im Ausw. Aussch. des Dt. Bundestages; Berichterstatterin der CDU/CSU-Bundestagsfrakt. zu Teilen Osteuropas u. Lateinamerikas; stellv. Vors. des Unteraussch. Vereinte Nationen u. Länderbeauftr. des Dt. Bundestages für die Rep. Moldau; seit Jan. 2006 Ltr. des Auslandsbüros der Konrad-Adenauer-Stiftung in Belgrad, seit April 2010 Ltr. des KAS-Auslandsbüros Großbritannien in London.Jansen, M.: Das Claudia-Nolte-Phänomen. Bonn 1997; Martenstein, H.: Die Mönchsrepublik. Leipzig 1997.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Norden, Albert

* 4.12.1904 – ✝ 30.5.1982

Geb. in Myslowitz (Krs. Kattowitz, Oberschles. / Myslowice, Polen) in einer jüd. Fam.; Vater Rabbiner (1943 im KZ Theresienstadt verst.); 1907 Umzug der Fam. nach Wuppertal-Elberfeld; 1911 eingeschult, bis 1920 Realgymnasium an der Aue in Wuppertal-Elberfeld, Schulverweis, ohne Abschl.; 1918 Freie Soz. Jugend; 1919 KJVD; in dessen Auftrag Mitarb. im Jungjüd. Wanderbund; Entw. eines linken Flügels, Hrsg. der »Rundbriefe der radikalsoz. jüd. Jugend«; Handelsschule; 1921 KPD; 1920 – 23 Ausbildung zum Schreiner; 1921 Mitgl. der Holzarbeitergewerkschaft; 1923 KPD-Parteischule in Jena; 1923 – 30 Volontär, Red. u. Chefred. an Ztgn. der KPD, u. a. »Freiheit« (Düsseldorf); 1923 Red. »Rote Fahne des Westens« (Remscheid); 1923/24 pol. Haft im Gefängnis Düsseldorf-Benrath; nach Entlassung 1924/25 Red. der KPD-Ztg. »Klassenkampf« (Halle); 1925 Red. in Bremen; 1925 –27 Red. u. stellv. Chefred. der »Hamburger Volksztg.«; 1927 Haftstrafe aus pol. Gründen in Hamburg-Fuhlsbüttel; 1928 im Zusammenhang mit der Versöhnler-Affäre Ausschl. aus der Red., Versetzung als Lokalred. nach Stettin; 1930 Chefred. des »Ruhr-Echos« (Essen); 1931 – 33 Red. u. stellv. Chefred. der »Roten Fahne«; publ. in der »Linkskurve«; ab 1932 als Anhänger der ultralinken Hermann Remmele / Heinz Neumann-Gruppe gemaßregelt; März 1933 Emigr. nach Dänemark; dort u. ab Mai 1933 in Paris Chefred. der Ztschr. »Antifa. Front«, Kopenhagen / Paris; 1933 – 35 Emigr. nach Frankreich, Mitarb. am »Braunbuch über Reichstagsbrand u. Hitlerterror«; später Red. der Ztg. »Front mondial«, Organ der »Weltfront gegen imp. Krieg u. Fasch.« Paris; Ende 1934 mit der Red. nach Saarbrücken; 1934/35 Teiln. am »Abstimmungskampf« im Saargeb.; 1935 Red. der »Rundschau«, zunächst in Paris (dort Mitarb. am »Braunbuch über Reichstagsbrand u. Hitlerterror«), Ende 1935 nach Prag; dort 1936/37 Mitarb. zahlr. Exilztschr., u. a. »Dt. Volksztg.«, »Inprekorr«, »Rundschau über Pol., Wirtschaft u. Arbeiterbew.« (Basel), an der illeg. »Roten Fahne« u. in der »Internationalen« (»Hans Behrend«); 1938 Rückkehr nach Paris; Mitarb. der ZK-Kommission 20 Jahre KPD; KPD-Verbindungsmann zur »L’Humanité«; Juli 1938 Aberkennung der dt. Staatsbürgerschaft; Sept. 1938 Doz. am ZK-Lehrgang in Draveil; 1938/ 39 Sekr. des von  Heinrich Mann gegr. Aktionsaussch. dt. Oppositioneller; 1939/40 in Frankreich interniert, krankheitshalber entlassen; Jan. 1940 Verhaftung, interniert in Damigny-sur-Orne, Bassens (b. Bordeaux), dort Mitgl. der illeg. KPD-Parteiltg., Juni 1940 geflohen; Aug. 1940 Mitgl. der KPD-Ltg. Toulouse; 1941 nach Marseille, dann in die USA; 1942 – 45 Fabrikarb. in New York; Funktionär des »Dt.-Amerik. Kulturverb.«; journalist. Arbeit für »German American« u. die Ztschr. »Freies Dtl.« (Mexiko); 1944 Mitbegr. des »Council for a Democratic Germany« in den USA; Hrsg. von »German today«; zus. mit  Gerhart Eisler u.  Albert Schreiner Verf. von »The Lesson of Germany«. Okt. 1946 Rückkehr nach Dtl.; KPD/SED; Nov./Dez. 1946 polit. Red. des »Vorwärts«, daneben Arbeit am Buch »Lehren dt. Geschichte«; Jan. – Sept. 1947 Hauptred. der Abt. Wirtschaft im ZS der SED; anschl. Pressechef der DWK; Jan. 1948 – Sept. 1949 Chefred. von »Dtl. Stimme« im Progreß Verlag Berlin; ab 1947 Vorst.-Mitgl. des VDP; 1949/ 50 Mitgl. des Dt. Volksrats bzw. Abg. der (Prov.) Volkskammer; ab Sept. 1949 Pressechef der HV für Information der DWK (Ltr. Gerhart Eisler); Okt. 1949 – Dez. 1952 Ltr. der HA Presse des Amts für Information beim Min.-Präs.; 1951 NP; 1952/53 Prof. für neuere Geschichte an der HU Berlin; Ltr. des Büros der Ständ. Delegation für die friedl. Lösung der dt. Frage bzw. nach dessen Umbenennung 1954/ 55 Sekr. bzw. Staatssekr. des Aussch. für Dt. Einheit; seit 1954 Mitgl. des Präs. des NR der NF; ab März 1955 – 81 Mitgl. u. Sekr. des ZK des SED; März 1955 – 67 Ltr. der Agit.-Kommission beim PB des ZK der SED; Juli 1958 – 81 Mitgl. des PB des ZK der SED, hier bis 1979 verantw. für die Abt. Auslandsinformation, Westabt., Befreundete Parteien, ZK-Arbeitsgr. Soz. Wehrerziehung, NR der NF u. Friedensrat; als Propagandachef der SED entscheidender Anteil an der Gestaltung der Dtl.-Pol. der DDR, vertrat 1967 als erster die These von der Existenz zweier dt. Nationen; 1958 – 81 Abg. der Volkskammer; Mitgl. des Präs. des Friedensrats der DDR u. des Büros des Weltfriedensrats, seit 1977 dessen Vizepräs.; 1960 – 79 Ltr. der Westkommission beim PB des ZK der SED; 1963 – Jan. 1979 Mitgl. des Nat. Verteidigungsrats; ab 1963 Präs.-Mitgl. der Dt.-Brit. Ges. in der DDR; 1976 – 81 Mitgl. des Staatsrats; 1964 VVO u. Held der Arbeit; 1969 KMO; 1974 Stern der Völkerfreundschaft u. (sowj.) Orden der Völkerfreundschaft; 1979 Großer Stern der Völkerfreundschaft, Dr. h. c. der HU Berlin; 1981 KMO; gest. in Berlin.Die wahren Herren Dtl. 1939 (Ps. Hans Behrend); Lehren dt. Geschichte. Berlin 1947; So werden Kriege gemacht. Berlin 1950; Die Nation u. wir. Ausgew. Reden u. Aufsätze, 2 Bde. Berlin 1964; In Aktion für das soz. Vaterland. Ausgew. Reden u. Aufsätze. Berlin 1969. Schaul, D.: Résistance. Berlin 1973; Kießling, W.: Alemania Libre in Mexiko. Berlin 1974; ders.: Exil in Lateinamerika. Leipzig 1980; Staadt, J.: Die geheime Westpol. der SED 1960 – 70: von der gesamtdt. Orientierung zur soz. Nation. Berlin 1993; Podewin, N.: Der Rabbinersohn im SED-Politbüro. Berlin 2001.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Notowicz, Nathan

* 31.7.1911 – ✝ 15.4.1968

Geb. in Tyczyn (Galizien, Österr.-Ungarn/Bez. Rzeszów/Polen) in einer poln.-jüd. Fam.; Vater Kfm.; 1913 Übersiedl. nach München; dort Volksschule; 1928 – 32 Konservatorium in Düsseldorf; Ausbildung in Köln, Amsterdam u. Brüssel; 1932 Lehrer für Musiktheorie am Düsseldorfer Konservatorium; 1933 Emigr. in die Niederlande; 1933 – 41 freischaff. Musiker u. Lehrer in Amsterdam; Kontakte zur KPD; Teiln. am Widerstand in den Niederlanden; Kulturarbeit im Ghetto Amsterdams; 1940 KPD u. 1944/45 Ltg. der KPD-Gruppe in den Niederlanden (»Gerard Fischer«). 1946 Rückkehr nach Dtl., Düsseldorf; 1946/47 Ltr. der Abt. Kultur u. Erziehung der KPD-BL Niederrh. bzw. 1947/48 der KPD-LL Niederrh.; 1948 Übersiedl. in die SBZ, Berlin; 1950 Prorektor u. Prof. an der Dt. HS für Musik Berlin, Dir. für Studienangelegenh.; 1951 Verleihung der dt. Staatsbürgerschaft (vorher poln.); Gründungsmitgl. des VDK, 1951 – 61 1. Sekr. u. Gen.-Sekr. des VDK; zeitw. stellv. Vors. der Neuen-Bachges.; 1956 Staatspreis für künstler. Volksschaffen; 1959 VVO; ab 1962 Vors. des VDK; 1962 Ltr. des Hanns-Eisler-Archivs der DAK, Vorarb. für die Einrichtung des Arbeiterlied-Archivs; 1961/62 Mitgl. des Kolleg. des Min. für Kultur; 1962 Sekr. des Musikrats; ab 1964 Präs. der Dt.-Brit. Ges.; Mitgl. des Präsidialrats des KB; Forschungen u. Publ. zu Hanns Eisler u. Johann S. Bach; gest. in Berlin.Ein Zeugnis von J. S. Bach. In: MuG (1952) 2; Zur Geschichte der Arbeitermusikbew. in der Weimarer Rep. Leipzig 1958; Hanns Eisler. Quellennachweis. Leipzig 1966 (zus. mit J. Elsner); H. Eisler. Lieder u. Kantaten (Hrsg. zus. mit S. Eisler); »Wir reden hier nicht von Napoleon. Wir reden hier von Ihnen!« Gespräche mit H. u. G. Eisler. Berlin 1971 (Hrsg. v. J. Elsner). Laux, K.: N. N. zum Gedächtnis. In: Die Musikforschung, Bd. 21. Kassel 1968; Meyer, E.-H.: N. N. In: Sammelbde. zur Musikgesch. der DDR. Berlin 1971.Torsten Musial / Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Nowak, Siegfried

* 17.4.1930 – ✝ 7.9.2013

Geb. in Wählitz (Krs. Hohenmölsen); Vater Ziegelbrenner; Volksschule; Lehre als Industriekfm.; FDJ, 1948 SED; ABF-Besuch; 1951 – 56 Chemiestudium an der Moskauer Univ., Dipl.; 1956 – 59 Mitarb. am Inst. für Verfahrenstechnik der organ. Chemie der DAW in Leipzig; 1959 Prom. an der KMU Leipzig; danach Gruppenltr. u. stellv. Dir. am o. g. Inst.; 1971 Habil.; Prof.; 1972 stellv., 1974 – 87 Dir. des ZI für Organ. Chemie der AdW in Berlin (Nachf. von Günter Hilgetag); 1973 Korr. u. 1978 Ord. Mitgl. der AdW; 1986 NP; 1987 – 90 Ltr. des Forschungsber. Chemie der AdW (Nachf. von Gerhard Keil); 1988 Ausw. Mitgl. der AdW der UdSSR; seit 1988 Mitgl. des Advisory Board des »Journal of Applied Catalysis«; 1990 Vizepräs. der AdW (Nachf. von  Ulrich Hofmann). Seit 1992 Geschäftsf. des Inst. für Techn. Chemie u. Umweltschutz mbH Berlin. Hauptarbeitsgebiete: techn. organ. Chemie u. Petrolchemie, insbes. zur therm. u. katalyt. Stoffumwandlung petrolchem. Produkte.Horst Kant

Wer war wer in DDR

Nowotny, Paul (Pawol)

* 6.1.1912

Geb. in Bautzen; Vater Arbeiter; Kath. Aufbauschule, Abitur; 1931 – 33 Studium der Pädagogik u. Volkskunde am Pädagog. Inst. in Dresden; 1933 – 37 Studium der Germanistik u. Anglistik an der Univ. Posen; wegen führender Tätigkeit in der sorb. Studentenbew. während der NS-Zeit Gefängnis- u. KZ-Haft. Nach 1945 Lehrer; 1947 SED u. Mitgl. des BV der Domowina; 1947/48 Gen.-Sekr. des Vorst.; 1948 Krs.-Schulrat; 1951 erster Dir. des Inst. für sorb. Volksforschung in Bautzen; erstellte 1956 die erste Übersetzung des Kommunist. Manifests ins Sorb.; 1958 Prom. zum Dr. phil. an der KMU Leipzig über ein sorabist. Thema; 1970 Prof. u. Dr. h. c. der Univ. Wrocław; Mitgl. des Internat. Slawistenkomitees u. a. wiss. Gremien; 1973 em.; Anfang der 80er Jahre Übersiedl. in die Bundesrep. Dtl.; 1990 Rückkehr in die DDR; lebt in Bautzen. Forschungen u. Publ. zur Kultur, Lit. u. Geschichte des sorb. Volks u. zur Geschichte der Sorabistik; Hrsg. von Briefeditionen; Chefred. der Jahresschrift des Inst. für sorb. Volksforschung »Letopis«.Beitr. zur Geschichte der Slawistik. Berlin 1964 (Mitautor); Probleme u. Methoden volkskundl. Gegenwartsforschung. Berlin 1969; Dolnoserbske pismojstwo 1918 – 1945 [Niedersorb. Schrifttum 1918 – 1945]. Bautzen 1983. Leksikon autorow serbskich kuihow 1945 – 1978 [Lexikon sorb. Buchautoren 1945 – 1978] Bautzen 1979; Zur Geschichte der sorbischen Volksforschung. In: Berliner Blätter. 1992.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Nussbaum, Helga

* 3.8.1928 – ✝ 17.5.2015

Geb. in Berlin; Vater Metallarbeiter, Mutter Schneiderin; 1935 – 39 Grundschule in Klein-Besten, 1939 – 46 Jungen-Gymnasium in Königs Wusterhausen (b. Berlin), Abitur; 1946 – 52 Studium der Chemie, Physik u. Pädagogik an der HU Berlin; 1952/53 Assistentin an der HU Berlin für das Grundstudium im Fach Polit. Ökon.; 1953 – 60 Oberassistentin mit Lehrauftrag für Grundlagen der Polit. Ökon. an der Kunst-HS Berlin; 1960 – 64 Aspirantur an der DAW in Berlin, 1964 Prom. auf dem Gebiet der Wirtschaftsgeschichte mit einer Arbeit über antimonopolist. Strömungen in der dt. Bourgeoisie vor dem 1. Weltkrieg an der HU Berlin; 1964 bis zur Em. 1988 am Inst. für Wirtschaftsgeschichte der DAW/AdW, zuerst Assistentin, ab 1969 stellv. Abt.-Ltr., ab 1975 als Abt.-Ltr., 1977 – 87 als Institutsdir.; 1975 Habil. u. Berufung zur Prof. der AdW; seit 1970 Mitgl. des Red.-Koll. »Jahrbuch für Wirtschaftsgeschichte«; 1978 – 88 Vors. des Problemrats Wirtschaftsgeschichte; 1977 René-Kuczynski-Preis; 1979 – 90 Vors. des Nationalkomitees der Wirtschaftshistoriker der DDR; 1980 Korr. Mitgl. der AdW; 1986 – 91 Mitgl. des Exekutivkomitees der Internat. Wirtschaftshistoriker-Assoziation, Austritt aus Protest gegen die Abwickl. der wirtschaftshist. Inst. in Ostdtl.; Mitgl. der Leibniz-Sozietät; lebte in Hamburg; gest. in Winsen/Luhe. Forschungsschwerpunkte: Geschichte der Dt. Monopole, Entw. der dt. Wirtschaft bis 1918.Unternehmer gegen Monopole. Berlin 1966; Wirtschaft u. Staat in Dtl. vom Ende des 19. Jh. bis 1945. 3 Bände. Berlin, Verduz 1978 (Hrsg. mit L. Zumpe), Multinational Enterprise in Historical Perspective. Cambridge 1986 (Mithrsg.); Historical Studies in international corporate business. Cambridge 1989 (Mithrsg.). AnV

Wer war wer in DDR

Obermann, Karl

* 22.9.1905 – ✝ 10.7.1987

Geb. in Köln; Vater Fabrikarb.; tätig als Techniker, seit 1928 arbeitslos; Arbeit als freischaff. Journalist; Gasthörer an der Kölner Univ. (Soziol., Wirtschaftsgeschichte); 1931 SPD; zeitw. SAP; 1933 Emigr. nach Frankreich; 1936 KPD; Gasthörer an der Sorbon- ne; tätig als freier Journalist, Veröff. erster hist. Aufsätze; 1939 – 41 Internierungslager; 1941 – 46 Emigr. in die USA; 1943 – 46 Red. der antifa. Ztschr. »The German American«. Okt. 1946 über die UdSSR Rückkehr nach Dtl.; SED; 1947 – 49 Red. der HS-Ztschr. »Forum«; gleichz. Gasthörer an der Univ. Berlin; 1950 Prom. über die dt. Rev. 1848 an der HU Berlin; 1950 – 52 Wahrnehmungsprof. an der Brandenb. Landes-HS Potsdam; 1952 Habil. mit einer Studie über die dt.-amerik. Beziehungen während der Weimarer Rep.; 1952 – 53 Prof. mit vollem Lehrauftrag, Ltr. des Hist. Inst.; 1953 – 56 Prof. mit vollem Lehrauftrag u. 1956 – 70 ord. Prof. an der HU Berlin; 1956 im Nebenamt erster Dir. des Inst. für Geschichte der DAW (bis 1960); dort 1956 – 70 Ltr. der Abt. »1789 – 1871«; 1961 NP; 1965 Ehrenmedaille der AdW der ČSSR; 1975 VVO; 1982 Dr. h. c. der HU Berlin; 1985 Stern der Völkerfreundschaft; gest. in Berlin. K. O. gehörte zur ersten Generation marxist.-leninist. Hist. der DDR; sein hauptsächl. Forschungsgebiet war die dt. Geschichte des 19. Jh., bes. Beachtung fanden seine Studien zur Rev. von 1848.J. Weydemeyer. New York 1947; Die dt. Arbeiter in der Rev. von 1848. Berlin 1950; Einheit u. Freiheit. Berlin 1950; Dtl. von 1815 – 1849. Berlin 1961; Die Wahlen zur Frankfurter Nationalvers. im Frühj. 1848. Berlin 1987.Ilko-Sascha Kowalczuk

Handbuch Deutsche Kommunisten

Ochel, Ewald

* 3.10.1875 – ✝ 8.12.1957

Geboren am 3. Oktober 1875 in Dortmund. Nach Besuch des Gymnasiums Steinbildhauer, schloß sich um die Jahrhundertwende der SPD an. Er übersiedelte nach Düsseldorf. In der SPD aktiv, gehörte zum linken Flügel, als Kriegsgegner 1916 zur Spartakusgruppe. Im Frühjahr 1917 verweigerte er den Fronteinsatz, flüchtete nach Holland, kehrte Mitte November 1918 nach Düsseldorf zurück. Von Rosi Wolfstein wurde er als Funktionär im Spartakusbund gewonnen und mit ihr zusammen von der USPD in den Arbeiter- und Soldatenrat kooptiert. Ochel zählte rasch zu den führenden Kommunisten im Düsseldorfer Raum, wo es Anfang 1919 zu schweren, auch bewaffneten Auseinandersetzungen radikaler Arbeiter gegen die Staatsmacht kam, er war einer der Wortführer der bewaffneten Arbeiterwehr. Im Februar mußte er als ein bekannter »Rädelsführer« fliehen, ging nach München, wirkte im April 1919 in der Bayerischen Räterepublik und saß nach deren Niederschlagung längere Zeit im Gefängnis. Mitte der zwanziger Jahre kehrte er nach Düsseldorf zurück, wurde KPD-Stadtverordneter, Redakteur der »Freiheit« (zeitweise Chefredakteur) und Mitglied der BL Niederrhein. Ochel stand auf dem rechten Parteiflügel. Überraschend trat er am 1. Mai 1929 aus der KPD aus und zur SPD über, was großes Aufsehen erregte. Bis 1933 in der SPD aktiv, kam er danach mehrfach in »Schutzhaft«. Sein Sohn Peter wurde 1935 zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt und Ochel selbst erneut ins KZ gesperrt. Er überlebte die NS-Diktatur, war nach 1945 wieder in der KPD, trat aber politisch nicht mehr in Erscheinung. Ewald Ochel starb am 8.Dezember 1957 in Düsseldorf. Erstaunlicherweise wurde 1958 in einem SED-Band mit Erinnerungen zur Novemberrevolution ein Erlebnisbericht von Ochel über Düsseldorfs »Rote Volkswehr« veröffentlicht (ohne nähere Quellenangabe). Seine darin erwähnten alten Freunde waren als »Abweichler« in der SED verfemt (Rosi Wolfstein, Gustav Triebel, Erich Melcher u. a.), nun erschienen ihre Namen jedoch in einer DDR-Darstellung.

Wer war wer in DDR

Oehlke, Horst

* 7.11.1931

Geb. in Oberheinsdorf (Vogtl.); 1951 – 54 Studium an den Vereinigten Textillehranstalten in Chemnitz u. an der FS für angewandte Kunst Heiligendamm; 1954 – 57 Textilgestalter am Inst. für Bekleidungskultur Berlin; 1957 – 61 Studium an der HS für bildende u. angewandte Kunst Berlin-Weißensee; 1961 – 65 Formgestalter im VEB Secura-Werke Berlin, im VEB Buchungsmaschinenwerk Karl-Marx-Stadt u. im Wiss.-Techn. Zentrum der VVB Büromaschinen Karl-Marx-Stadt; 1965 – 68 Formgestalter im Inst. für Regelungstechnik Berlin; Gestaltung u. Arbeit u. a. zur Standardisierung von Meß- u. Prüfgeräten: ursumat-System 1967; seit 1968 Lehrtätigkeit; 1971 – 76 Dir. der Sekt. Produkt- u. Umweltgestaltung im Bereich Prod., 1976 – 83 Ltr. der Abt. Theorie u. Methodik an der HS für industrielle Formgestaltung Burg Giebichenstein; 1976 Prof.; 1982 Prom. im Fachgeb. Ästhetik an der HU Berlin. 1997 Ehrung Dank der Burg Giebichenstein; 2001 Ruhestand.Produkterscheinung – Produktbild – Produktleitbild. Berlin 1982; Design-Entwicklungen in Dtl. Bonn 1992; Ethik & Design. Halle 1994; Virtualität contra Realität? Halle 1995.Gerd Dietrich

Wer war wer in DDR

Nitz, Jürgen

* 9.8.1927

Geb. in Berlin; Vater Ofensetzer, Mutter Sekr.; 1934 – 42 Volksschule in Friedrichshain; Dt. Jugend; HJ; 1942 – 44 Handelsschule, dann Höhere Handelsschule in Berlin-Charlottenburg u. Zehlendorf; 1944 RAD, Arbeitsmann; 1944/45 Wehrmacht, Offz.-Anwärter; April – Sept. 1945 sowj. Kriegsgefangenschaft in Oppole (Polen). Rückkehr nach Dtl.; 1945/46 Bauarb. in Berlin; April 1946 – 49 Angest. der Abt. Arbeit, dann Finanzen u. Wirtschaft des Magistrats von Berlin; 1947 – 49 Ltr. des Büros des Stadtrats  Karl Maron; 1946 – Dez. 1989 SED; 1949 – 61 Mitarb. des »Neuen Dtl.«; Sekr. von  Rudolf Herrnstadt; anschl. Wirtschaftsred., Auslandskorrespondent Balkan, Chef. vom Dienst; 1953 – 57 Studium der Wirtschaftswiss. an der HU Berlin, Dipl.-oec.; 1962 – 66 stellv. Ltr. des Presseamts beim Min.-Präs.  Willi Stoph; 1966 Ausschl. aus der SED wegen »Entfernung von der Pol. der Arbeiterkl. u. ihrer Partei«, 1969 rehabil.; 1966 – 69 Berufsverbot für journalist. u. wiss. Tätigkeit, Arbeitsplatzzwangszuweisung zum VEB Elektrokohle in Berlin-Lichtenberg, dort Maschinenarbeiter, Betr.-Ökon. u. stellv. Betr.-Ltr.; Doz. an der VHS Lichtenberg; 1969 – 91 wiss. Mitarb. u. stellv. Ltr. der Informationsabt. im DIZ; dann Ltr. der Forschungsgr. bzw. des Forschungsber. im IPW für Ost-West-Wirtschaftsbez. u. Innerdt. Handel; ab 1975 Konsultant der Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen; 1975 Prom. zum Dr. oec. über Ost-West-Wirtschaftsprobleme; ab 1979 Mitgl. des Internat. Rates für Ost-West-Kooperation in Wien, ausgew. als Berater des Minister  Gerhard Beil; ab 1983 Mitw. am »Züricher Modell«, dann »Länderspiel«, bei denen es um dt.-dt. Annäherung ging; 1986 Habil.; ord. Prof. 1991 – 94 Ltr. des Sigma-Verlags-GmbH u. Vors. der Ges. für Wirtschaftskoop. u. Marktinformation; danach Sachbuchautor u. freier Wirtsch.-Berater.Worin unsere Stärke besteht. Berlin 1959; Embargo und Boykott: Hintergründe imp. Wirtschaftspol. Berlin 1984 (zus. mit C. Fiedler); Wirtschaftsregion Berlin-Brandenb. Berlin 1992 (Hrsg.); Länderspiel. Ein Insider-Report. Berlin 1995; Lauschangriff: Das Buch zur Wanze. Berlin 1995; Vertane Chancen für eine dt.-dt. Annäherung. Berlin 1995; Unterhändler zwischen Berlin u. Bonn. Berlin 1999.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Noack, Else

* 23.9.1913 – ✝ 17.2.2001

Geb. in Züllichau (Prov. Brandenb. / Sulechów, Polen); Vater Arbeiter; Volksschule; Lehre u. Arbeit als Verkäuferin; 1937 – 46 Hausfrau. 1945 KPD, 1946 SED; Jan. / Febr. 1946 Lehrgang an der KPD-BPS in Schmerwitz; 1946 / 47 Frauenreferentin in der Kreisverw. Beeskow; 1947 – 51 Kreisgeschäftsf. der Konsumgenossenschaft Storkow; 1951 Abt.-Ltr. in der SED-KL Finsterwalde; 1951 – 53 Org.-Instrukteurin u. Sekr. beim Rat des Krs. Finsterwalde; 1953 / 54 Einjahreslehrgang an der DASR Potsdam; 1954 / 55 Sekr. des Rats des Krs. Angermünde; 1955 – 60 OB von Frankfurt (Oder); (Nachf. von  Erwin Hinze); Fernstud. an der DASR Potsdam, 1959 Dipl.-Juristin; Juli 1960 aus dem Rat der Stadt Frankfurt (Oder) ausgeschieden.Targiel, R.-R.: Die Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt (Oder) vom Beginn des 18. Jh. bis zur Wiedererlangung der kommunalen Selbstverwaltung im Jahr 1990. Frankfurt (Oder) 2000.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Noll, Alfred

* 19.4.1896 – ✝ 7.8.1985

Geboren am 19. April 1896 in Porta Westfalica, Sohn eines Glasmachers; lernte Köbelmacher (Glaser) in Hildburghausen und arbeitete anschließend bei Schott in Jena. Später legte er in diesem Beruf die Meisterprüfung ab. 1914 Mitglied der SPD. Während des Krieges Soldat. 1918 Mitglied der USPD, mit der linken USPD zur KPD. Zunächst Notstandsarbeiter, ab 1920 wieder bei Schott, wo er dem Betriebsrat angehörte. Später beschäftigt bei Zeiss in Jena, leitete dort die KPD-Betriebszelle und gehörte dem Betriebsrat an. Im Winter 1921/22 nahm Noll an der ersten Reichsparteischule der KPD teil. Von 1922 bis 1932 Mitglied der BL Thüringen, 1926 Sekretär für Agitprop. Auf dem XI. Essener Parteitag 1927 (als Betriebsarbeiter) zum Kandidaten des ZK gewählt, ebenso auf dem XII. Weddinger Parteitag 1929. Während der Auseinandersetzungen 1928/29 zwischen Rechten und ZK-Anhängern gehörte Noll zu den ZK-treuen Mitgliedern, im Herbst 1928 vom ZK als hauptamtlicher Orgleiter der BL Großthüringen eingesetzt. Er übte diese Funktion bis Februar 1932 aus, wurde dann von Polleiter Walter Duddins entlassen. Ab 1932 Sekretär des kommunistischen Freidenkerverbandes Großthüringen, übernahm im Februar 1933 illegal die Leitung des Verbandes in Berlin. Es wurde das Gerücht verbreitet, Noll sei ermordet worden. Tatsächlich kam er im September 1935 nach Moskau, wo er bis 1937 Internationaler Sekretär im Zentralrat des Gottlosen-Verbandes, dann 1937/38 Journalist in Moskau war. Im Februar 1938 nach Stockholm entsandt, blieb er bis Februar 1946 als Emigrant in Schweden, Druckereiarbeiter. Anfang 1946 kam Noll in die SBZ, Abteilungsleiter für Sozialpolitik in Thüringen, 1947 Sekretär im FDGB-LV Thüringen. 1949/50 Leiter für Arbeit und Sozialwesen im SED-Landesvorstand, dann bei der Volkssolidarität in Thüringen. Später Abteilungsleiter in der MfS-Bezirksdienstelle Erfurt. Wegen »moralischer Vergehen« entlassen, dann von 1956 bis 1960 Kulturleiter des FDGB-Feriendienstes in Stadtroda. Zuletzt Leiter der Bildungsstätte der SED-Stadtleitung Jena, er erhielt 1981 den Karl-Marx-Orden. Alfred Noll starb am 7. August 1985 in Erfurt.

Wer war wer in DDR

Nooke, Günter

* 21.1.1959

Geb. in Forst (Lausitz); Vater Finanzbeamter, Mutter Bankkfm.; 1975 – 78 Ausbildung zum Baufacharb. mit Abitur in Cottbus; 1978 – 80 Grundwehrdienst, anschl. Tischlergehilfe; 1980 – 85 Studium der Physik an der KMU Leipzig; 1985 – 90 Physiker bei der Arbeitshygieneinspektion des Bez.-Rats Cottbus, interdisz. Gutachter- u. Forschertätigkeit; 1986 – 90 postgraduales Studium zum Fachphysiker der Med.; ab 1986 Mitarb. in der kirchl. Friedens- u. Umweltbew., Veranstaltungsorg. für die jährl. Friedensdekade der Ev. Kirche u. die »Ökumen. Vers. für Gerechtigkeit, Frieden u. Bewahrung der Schöpfung«; 1987 Mitbegr. des Ökumen. Friedenskrs. der Region Forst; Jan. 1988 Mitbegr. des kirchl. Oppositionsblatts »Aufbruch«, deswegen Auseinandersetzungen mit Staat u. Kirche (Druckeinstellung); Mitarb. im opp. Netzwerk »Frieden konkret«; Sept. 1989 Verbreitung des Gründungsaufrufs von Demokratie Jetzt (DJ) in Forst; 1.10.1989 Mitbegr. des Demokrat. Aufbruchs (DA); Vorst.-Mitgl. u. Mitarb. am Zentr. Runden Tisch; 18.3. – 2.10.1990 Mitgl. der Volkskammerfraktion Bündnis 90/Grüne; Juli – Okt. 1990 Mitgl. des Verw.-Rats der Treuhandanstalt. Okt. 1990 – 94 Abg. des Brandenb.Landtags u. Vors. der Fraktion Bündnis 90; Mitgl. im Koalitionsaussch. sowie im  Manfred-Stolpe-Untersuchungsaussch.; 1991 – 93 Mitgl. im Geschäftsf. Aussch. des Bündnis 90 Landesverb. Brandenb., entschiedener Gegner der Parteienvereinigung Bündnis 90 / Die Grünen; Mai 1993 Austritt aus dem Bündnis 90 u. Mitbegr. der pol. Vereinigung »BürgerBündnis«; nachdem G. N. im Frühjahr 1994 die Glaubwürdigkeit von Aussagen des Min.-Präs. Manfred Stolpe im Untersuchungsaussch. zu dessen früheren MfS-Kontakten öffentl. in Frage stellte, kündigte die SPD die Koalitionsvereinbarung mit der Fraktion »Bündnis« auf; 1995 – 98 Abt.-Ltr. Controlling in der Braunkohlesanierung; 1995 Bundesverdienstkreuz; 1996 CDU; 1996 Gründungsmitgl. des Bürgerbüros zur Aufarbeitung von Folgeschäden der SED-Diktatur; seit 1998 – 2005 Abg. des Dt. Bundestags; ab Febr. 2000 – Okt. 2005 stellv. Vors. der CDU-Fraktion im Dt. Bundestag; ab 8.3.2006 Beauftragter der Bundesreg. für Menschenrechtspolitik u. humanitäre Hilfe; 2008 Nationalpreis.Gelten Menschenrechte universal? Freiburg 2008 (Mithrsg.); Lexikon des DDR-Sozialismus. Paderborn 1996 (Mithrsg.). Nooke, M.: Für Umweltverantw. u. Demokratisierung. Berlin 2008.Jan Wielgohs / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Norden, Albert

* 4.12.1904 – ✝ 30.5.1982

Als Sohn des Rabbiners Dr. Joseph Norden (*1870 – † 1942), der als Opfer der Hitler-Diktatur im KZ Theresienstadt ums Leben kam, und seiner Frau Emelie Norden (* 1876 – † 1931) am 4. Dezember 1904 in Myslowitz/Krs. Kattowitz geboren. Verlebte seine Jugend in Elberfeld, wohin sein Vater als Gemeinderabbiner berufen war, besuchte dort von 1911 bis 1920 das Realgymnasium. 1919 Mitglied der FSJ und 1921 der KPD. 1921 Herausgeber der »Rundbriefe der radikalsozialistischen jüdischen Jugend«. Norden begann eine Schreinerlehre. Er trat 1923 (nach dem Besuch der KPD-Parteischule in Jena) als Volontär bei der KPD-Zeitung »Freiheit« in Düsseldorf ein und wurde dann Chefredakteur der »Roten Fahne des Westens« in Remscheid. 1923/24 ein halbes Jahr inhaftiert, danach stellvertretender Chefredakteur des »Klassenkampfes« in Halle. Ab Juni 1925 Redakteur der »Hamburger Volkszeitung«, dann bis 1928 stellvertretender Chefredakteur der HVZ bzw. Redakteur an der »Arbeiterzeitung« in Bremen. Norden gehörte (als Konny in der Partei tätig) zu den Ultralinken, trennte sich aber 1926 von ihnen. Ab Herbst 1928 politischer Redakteur der »Roten Fahne« in Berlin, löste er im Juni 1930 Alexander Abusch als Chefredakteur des »Ruhr-Echos« in Essen ab. Im April 1931 wieder zur »Roten Fahne« zurück, blieb er bis Anfang 1933 stellvertretender Chefredakteur des Zentralorgans. Als Anhänger Heinz Neumanns im Herbst 1932 kritisiert, aber weiterhin Redakteur der »Roten Fahne«. Ende April 1933 emigrierte er nach Dänemark und übernahm in Kopenhagen die Chefredaktion der Zeitschrift »Die antifaschistische Front«, danach Sekretär des »Aktionsausschusses deutscher Oppositioneller« und Redakteur bei der von der Komintern in Paris herausgegebenen Zeitung »Weltfront«. Von 1935 bis 1938 in Basel und Prag Redakteur der Komintern-Zeitschrift »Rundschau«. 1938/39 Mitglied der KPD-Leitung in Paris, Anfang 1940 interniert. Im Juni Flucht nach Toulouse, lebte illegal und konnte im Mai 1941 auf einem französischen Schiff nach Mexiko entkommen. Von dort gelangte Norden in die USA und arbeitete bis 1945 in einer Fabrik für Radioteile in Brooklyn bzw. in einer Fabrik für die Herstellung von Industriediamanten in Manhattan. Er war Mitglied des »Rates für ein demokratisches Deutschland« und Herausgeber des Bulletins »Germany today«. Norden hatte 1940 die in Frankreich internierte Herta Fischer (* 19. 2. 1908 – † 8. 8. 1990) geheiratet, mit ihr und dem im Oktober 1942 geborenen Sohn Johnny reiste er im August 1946 auf dem sowjetischen Schiff »Nikolajew« nach Odessa und kam über Moskau nach Deutschland. Norden wurde Redakteur des »Vorwärts«, der Berliner Abendzeitung der SED, im Juli 1947 Pressechef der Deutschen Wirtschaftskommission, Anfang 1948 Chefredakteur der Zeitschrift »Deutschlands Stimme«. Im Oktober 1949 holte ihn Gerhart Eisler in das Amt für Information, hier Leiter der Hauptabteilung Presse. Im Zusammenhang mit den Auswirkungen des Slánsk´y-Prozesses Ende 1952 als Westemigrant und Jude sowie früherer Abweichler gefährdet, wurde Norden in den Hintergrund gedrängt. Am 1. Dezember 1952 zum Professor für Geschichte der Neuzeit ernannt, erhielt er im Frühjahr 1953 einen Lehrauftrag an der Humboldt-Universität. Im Januar 1954 begann seine erneute politische Karriere: Er wurde Sekretär des Ausschusses für deutsche Einheit. Im April 1955 ins ZK der SED kooptiert, Sekretär des ZK der SED. Seit dem V. Parteitag der SED 1958 Mitglied des ZK und des Politbüros sowie des Sekretariats der SED. Damit gehörte Norden bis 1971 zu den Spitzenfunktionären der Partei und war sowohl für die Agitation als auch vor allem für die Westarbeit der SED verantwortlich. Den Brief der Mitglieder des Politbüros 1971 an Breshnew mit der Bitte um Unterstützung bei der Ablösung Walter Ulbrichts hat Norden nicht unterschrieben. Auch unter Honecker blieb er protokollarisch im Spitzengremium, geriet aber mehr und mehr ins »Abseits«. Bei ihm wurde eine fortschreitende Parkinsonsche Krankheit diagnostiziert, auf dem X. SED-Parteitag 1981 kam er nicht mehr ins Politbüro. Norden veröffentlichte zahlreiche Bücher und Broschüren, u. a. »Um die deutsche Nation« (1952), »Zwischen Berlin und Moskau« (1954), »Fälscher« (1959). Eine zweibändige Auswahl seiner Schriften »Die Nation und wir« kam 1964 heraus, eine weitere Auswahl 1974 (Fünf Jahrzehnte im Dienst seiner Klasse). Er erhielt 1969 und 1981 den Karl-Marx-Orden. Albert Norden starb am 30. Mai 1982 in Ost-Berlin. Eine Biographie von Norbert Podewin »Albert Norden. Der Rabbinersohn im Politbüro« erschien 2001.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Nottrodt, Rolf-Dietrich

* 17.5.1927

Geb. in Plauen (Vogtl.); Vater Arbeiter; Volks- u. Oberschule; 1944 RAD; NSDAP; 1944 / 45 Wehrmacht; Mai / Juni 1945 amerikan. Kriegsgef. 1945 Landarb.; 1945 KPD, 1946 SED; 1945 / 46 Vors. des Antifa-Jugendaussch. beim Rat der Stadt Erfurt; 1946 Orstvors. der FDJ Erfurt; 1946 Abitur an der Vorstudienanstalt, 1946 – 50 Stud. Gesellschaftswiss., Dipl.; 1950 pers. Referent des OB von Erfurt; 1950 / 51 Dir. der Sozialversicherungskasse Erfurt; 1951 – 54 Sekr. für Agit. u. Prop. der SED-Stadtltg. Erfurt; 1954 Sektorenltr. in der SED-BL Erfurt; 1954 – 60 1. Sekr. des Bezirksaussch. der NF Erfurt; 1960 / 61 Stellv. des Vors. des Rats des Bez. Erfurt; 1961 – 68 OB von Erfurt (Nachf. von  Georg Boock); 1969 – 72 Sekr. des wiss. Rats an der DASR Potsdam-Babelsberg, gleichz. Aspirant, 1970 Prom. zum Dr. rer. pol.; 1972 – 90 Doz. für Staats- u. Verwaltungsrecht an der FS für Staatswiss. »Edwin Hoernle« in Weimar; 1990 Ruhestand; lebt in Erfurt.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Nowojski, Walter

* 12.11.1931 – ✝ 8.11.2012

Geb. in Annahütte (Niederlausitz); Vater Bergarb.; Volksschule, 1946 Wirtschaftsschule, 1948 Verwaltungsschule; 1949 Besuch der ABF Potsdam; 1952 – 56 Germanistikstudium an der HU Berlin; SED; 1956 Lektor im Verlag Neues Leben; 1959 Red., später Ltr. der Red. Lit. u. Kulturpol. von Radio DDR; 1966 Chefdramaturg des Staatl. Rundfunkkomitees; 1969 stellv. Ltr., später Ltr. des Bereichs dramat. Kunst des Fernsehens der DDR; 1974 nach pol. Differenzen Entlassung u. Hausverbot; 1975 – 90 Chefred. der Ztschr. des SV »Neue Dt. Lit.« (Nachf. von  Werner Neubert); gleichzeitig Mitgl. des Präs. des SV; seit 1978 Arbeit am Nachlaß von  Victor Klemperer; 1984 – 96 Mitgl. des PEN; 1987 VVO. Gest. in Potsdam. Hrsg. der Tagebücher Victor Klemperers; erhielt dafür 1995 den Geschw.-Scholl-Preis der Stadt München.In dunkler Zeit: Künstlerschicksale zw. 1933 und 1945. Berlin 1963; Mein Vater – meine Mutter. Berlin 1986; Berlin – ein Ort für den Frieden. Berlin 1987 (Hrsg.); Mein Ort. Berlin 1989; Der Kinnhaken. Berlin 1993; Rudolf Hirsch – Aus einer verlorenen Welt. Berlin 2003 (Hrsg.).Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Nuding, Hermann

* 3.7.1902 – ✝ 31.12.1966

Geb. in Oberurbach (Württemb.); Vater Fabrikarb.; 1909 – 16 Volksschule in Oberurbach; Ausbildung zum Weißgerber u. Lederarb.; 1918 Mitgl. des Zentralverb. der Lederarbeiter Dtl. u. des Spartakusbunds; dann KPD; 1919 Mitgl. der Freien Soz. Jugend; Mitbegr. von KPD-Ortsgr. in Württemberg; Vors. der KPD Oberurbach; 1920 Mitgl. der KJVD-BL Württemberg; Sept. 1923 – Dez. 1924 im Auftrag der IAH in den USA eingesetzt (»Jimmy Hill«), 1923/24 Mitgl. der KP der USA; bis 1925/26 führend im KJVD in Württemberg; Mai 1925 Pol.-Sekr. der KPD-BL Württemberg; Mitgl. des ZK des KJVD; 1926 – 28 Aufenthalt in der UdSSR, Mitgl. der VKP(b); 1927/28 Schüler der Internat. Lenin-Schule der KI in Moskau; ab Okt. 1928 hauptamtl. KPD-Funktionär zunächst in Düsseldorf, dann in Solingen; Mitarb. des M-Apparats der KPD; 1929 Sekr. des KPD-UB Hagen (Niederrh.); Mai – Dez. 1929 Instrukteur des ZK der KPD im Bez. Oberschles.; Jan. – Febr. 1930 Pol.-Sekr. (Pol.-Ltr.) der KPD in Chemnitz; Feb. 1930 – Okt. 1931 erkrankt; Okt. 1931 – Mai 1932 Agit.-Prop.-Ltr. im Verb. proletar. Freidenker; Mai – Dez. 1932 Org.-Sekr. der KPD-BL Berlin-Brandenb.-Lausitz-Grenzmark u. Mitarb. der Org.-Abt. des ZK der KPD; Dez. 1932/33 Ltr. der Org-Abt. des ZK der KPD in Berlin; 28.2.1933 verhaftet u. »Schutzhaft« im KZ, 1934 vermutl. wegen schwerer Erkrankung (Tbc) entlassen; 1934 Emigr. nach Prag, anschl. in die UdSSR; 1934/35 Mitarb. des Mitteleurop. Ländersekr. des EKKI (»Hermann Degen«); 1935 Lehrer für Parteiaufbau an der KUNMZ in Moskau; Okt. 1935 – März 1937 in Prag u. Paris Ltr. des KPD-Abwehrapparats/ Nachrichtendienstes, verantw. für Kader- u. Ltr. »Abwehrarbeit« (Nachf. von Hans Kippenberger); Apr. 1937 – Ende 1938 wg. angebl. »schwerwiegender Wachsamkeitsfehler« aller Funktionen enthoben, Funktionsverbot; 1939/ 40 in Frankreich interniert im Lager Chambaron (Isére); anschl. in der Résistance (»Jean Bauer«), 1942 in einer Widerstandsgr. u. a. mit Louis Aragon; später aktiv bei den Maquis in Haut Savogon; ab Okt. 1944 Red. der BFD für den Westen. Okt. 1945 Rückkehr nach Dtl.; Mitarbeit am Wiederaufbau der KPD Stuttgart u. Württemberg; 2. Vors. des KPD-LV Württemberg / Baden; Mitgl. der KPD-BL Baden-Württemberg; 1946 Mitgl. des PV der SED; 1946 – 49 Mitgl. der KPD-Fraktion in der Verfassungsgebenden Vers. bzw. des Landtags Württemberg-Baden, Vors. des Rechtsaussch.; Juni 1948 Wahl zum Mitgl. des Sekr. des PV der KPD; 1949 – 51 Abg. des Dt. Bundestags, Sprecher der KPD-Fraktion; verlor Anf. Juli 1950 auf KPD-Beschluß alle Parteiämter u. legte auf Weisung des PB der SED das Bundestagsmandat nieder; bis Mai 1955 formal Angest. der KPD; lebte als Rentner in Stuttgart; nach längerer Krankheit dort gest.Klocksin, J. U.: Kommunisten im Parlament. Bonn 1993; Kaufmann et. al.: Der Nachrichtendienst der KPD 1919 – 1937. Berlin 1994; Mayer, H.: Durchsetzt von Parteifeinden, Agenten, Verbrechern ... Zu den Parteisäuberungen in der KPD (1948 – 1952) u. der Mitw. der SED. Berlin 1995.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Obendiek, Wilhelm

* 3.5.1885 – ✝ 13.2.1955

Geboren am 3. Mai 1885 in Lage/Lippe, Sohn eines Bahnarbeiters; Zigarrenmacher, bis 1919 in diesem Beruf tätig. 1910 Mitglied der SPD, Vorsitzender des Gewerkschaftskartells und Funktionär der SPD in Pasewalk. Obendiek übersiedelte während des Krieges nach Stettin, war im April 1919 Delegierter zum 2. Reichsrätekongreß und gehörte der SPD-Fraktion an. Mitte 1919 wechselte er zur USPD, im Dezember 1920 zur VKPD. Von 1919 bis 1925 Abgeordneter des Provinziallandtags Pommern. Ab 1921 war er Parteisekretär des KPD-Bezirks Pommern in Stettin, gehörte zu den Linken. Auf dem VII. Jenaer Parteitag 1921 für Pommern in den ZA berufen. Im Mai sowie im Dezember 1924 im Wahlkreis Pommern in den Reichstag gewählt. 1925 trat Obendiek von der Funktion als Polleiter in Pommern zurück, war aber weiterhin Sekretär der KPD. Anhänger der linken Opposition, er protestierte im März 1927 gegen den Ausschluß von Anton Grylewicz, Paul Schlecht u. a. und opponierte im August zusammen mit Karl Vierath und Hans Bohla gegen den Ausschluß von Georg Kenzler und Jakob Ritter. Er bekam dafür eine Parteirüge, doch während Vierath und Bohla die KPD verließen, blieb Obendiek in der Partei. Er ging nicht zu den linken Kommunisten, obwohl diese darauf gehofft hatten, denn mit Hilfe seines Mandates hätten sie im Reichstag Fraktionsstärke erlangt. Anfang 1928 brach Obendiek seine Beziehungen zur linken Opposition ab, verurteilte sie und wurde daraufhin für die KPD 1928 in den Preußischen Landtag gewählt, dem er bis April 1932 angehörte. Im Januar 1929 trat er jedoch aus der KPD aus, blieb zunächst fraktionslos und wurde im April 1929 Mitglied der SPD. 1933 kurze Zeit inhaftiert. Nach der Freilassung führte er in Pommern sein Zigarrengeschäft weiter, das er schon vor 1933 eröffnet hatte. Obendiek trat 1945 in Mecklenburg wieder der SPD bei und kam durch die Vereinigung in die SED. 1947 übersiedelte er nach Schierke/Harz, wo er als Gemeindevorsteher und ab 1948 als Bürgermeister fungierte. Er arbeitete eng mit dem Ministerium für Staatssicherheit zusammen und war für Regierungsmitglieder sowie Präsident Wilhelm Pieck verantwortlich, wenn diese ihren Urlaub in Schierke verbrachten. Bis 1952 Bürgermeister, dann Parteiveteran. Wilhelm Obendiek starb am 13.Februar 1955 in Schierke.

Wer war wer in DDR

Oberück, Lothar

* 3.6.1927

Geb. in Leipzig; Vater Kesselschmied; Grund- u. Mittelschule; 1944 RAD; 1945 Wehrmacht; brit. Kriegsgef. 1945 – 49 Schmiedehilfsarb.; 1946 – 48 Studium an der Wirtschaftsschule Mühlhausen; 1948 SED; 1949 – 60 Volontär bzw. Red. in der Kreisred. Heiligenstadt bzw. Saalfeld der Ztg. »Das Volk«; 1956 – 63 Fernstud. an der Fak. für Journalistik der KMU Leipzig, Dipl.-Journalist; 1960 stellv. Chefred., 1964 – 89 Chefred. der SED-Bezirksztg. »Volkswacht« in Gera (Nachf. von  Rolf Lehnert); 1967 – 89 Mitgl. der SED-BL Gera; Mitgl. des VDJ-ZV u. Vors. des VDJ-BV Gera.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Oder, Helmut

* 26.5.1940

Geb. in Eisfeld (Krs. Ohlau, Schles. / Stanowice, Polen); Vater Schmiedemeister; Volks- u. Berufsschule; Lehre als Schlosser, 1958 – 61 Stud. an der Ingenieurschule Wildau, Ing., 1972 Dipl.-Ing.; 1963 SED; 1964 Werkltr. im VEB Reißzeug- u. Gerätebau Bad Liebenwerda; 1965 – 70 Mitarb. im Bezirkswirtschaftsrat Cottbus; 1970 – 72 Abt.-Ltr. im Konsortium Schwerin-Süd; 1973 – 75 Bereichsltr. Anlagenbau, Baustelle Schwerin; 1975 – 77 zeitw. Dir. der Großbaustelle Schwerin-Süd des VEB INEX Berlin; 1977 – 84 Stellv. des Vors. des Rats des Bez. Schwerin für bezirksgeleitete u. Lebensmittelind.; 1977 Banner der Arbeit; 1981 Prom. zum Dr. oec.; 1982 / 83 Stud. an der AfG beim ZK der KPdSU in Moskau; 1981 – 90 Abg. des Bezirkstags, 1984 – Mai 1990 OB von Schwerin (Nachf. von  Frank Grimm). Nach 1990 Umzug nach Hannover, dort Angest. einer Versicherungsgesell.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Oehring, Otto

* 17.11.1892 – ✝ 1945

Geboren am 17. November 1892 in Hamburg; kaufmännischer Angestellter. Im Oktober 1914 zur Infanterie an die Westfront, nach Verwundung im Januar 1915 bis August 1916 an der flandrischen Front. Danach wegen schwerer Erkrankung bis Juni 1919 in Kriegslazaretten. Im Frühjahr 1920 Übersiedlung nach Berlin, arbeitete bis 1928 bei verschiedenen Firmen. Nach längerer Arbeitslosigkeit fand er 1929 Anstellung beim Arbeitsamt und von 1930 bis 1933 zeitweilig bei der Berliner Stadtbank. Seit 1924 in der KPD, wurde er 1928 als Rechter ausgeschlossen, da er gegen die Gewerkschaftsspaltung sowie das Fehlen innerparteilicher Demokratie opponierte. Er trat der KPO bei und arbeitete im Büro der IHV, der Internationalen Hilfsvereinigung der KPO, mit. 1933 als Angestellter der Stadtbank entlassen, er nahm aktiv teil an der illegalen Arbeit der KPO im Berliner Unterbezirk Süd. Ab März 1935 Mitglied der illegalen KPO-Reichsleitung, mit den anderen Leitungsmitgliedern am 22. Februar 1937 verhaftet und am 24.November 1937 vom VGH wegen »Vorbereitung zum Hochverrat unter erschwerenden Umständen« zu acht Jahren Zuchthaus und acht Jahren Ehrverlust verurteilt. Otto Oehring kam ins Zuchthaus Sonnenburg und wurde Ende Januar 1945 von der SS ermordet.