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BioLex

In der Kategorie BioLex finden Sie drei biografische Lexika mit über 5500 Personeneinträgen.

 

Das Handbuch "Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945" wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam. Kurzbiografien zu Personen des poltischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 vor. Zudem ist das Onlinlexikon www.dissidenten.eu komplett in dieser  Rubrik recherchierbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Inforamtionen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Oelschlegel, Vera

* 5.7.1938

Geb. in Leipzig; Abitur an der Thomas-Schule in Leipzig; Studium an der Film-HS Potsdam-Babelsberg; dort FDJ-Sekr.; 1958 – 61 am Theater Putbus; 1961 am Ensemble des DFF; 1966 Gründung des »Ensembles 66«; Auslandsgastspiele in mehr als 20 Ländern mit Chansons u. Liedern von  Bertolt Brecht,  Peter Hacks,  Erwin Strittmatter u. den Komponisten Kurt Weill,  Hanns Eisler,  Paul Dessau u. a.; 1975 Gründung des Theaters im Palast (TiP), Intendantin, zugl. Schauspielerin u. Regisseurin; in erster Ehe verh. mit  Günther Rücker, in zweiter Ehe mit  Hermann Kant, 1977 – 87 in dritter Ehe mit  Konrad Naumann; 1981 Goethe-Preis der Stadt Berlin; 1984 Prof. für Schauspiel; 1984 NP; Bühnenrollen u. a. in Günter Kaltofens/Hans Pfeiffers »Salut an alle. Marx«, in »Heines letzte Liebe« u. Johann W. v. Goethes »Stella«; Inszenierungen von Stücken Friedrich Dürrenmatts u. Michail Bulgakows, Veranstaltung von Dichterlesungen mit Günter Grass,  Christoph Hein, Daniil Granin,  Stefan Heym u. a.; 1988 Paul-Dessau-Tage. 1990 Gründung des Tourneetheaters »Theater des Ostens«; dort auch Rollen in den Stücken »Ich bin die Einsamkeit als Mensch« (1990), »Brechtrevue« (1998), »Gefährliche Liebschaften« (2001); außerdem führte sie Regie in: »Der Kirschgarten«, »Gespenster« u. »Kinder der Sonne«; zudem erfolgreiche Hörbuchsprecherin.Wenn das meine Mutter wüßt. (Autobiogr.). Frankfurt (Main), Berlin 1991.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Oelßner, Fred (Larew)

* 27.2.1903 – ✝ 7.11.1977

Geb. in Leipzig; Sohn des Gewerkschafts- u. KPD-Funktionärs  Alfred O.; Mutter Falzerin; Mittelschule in Weißenfels; 1917 – 19 Lehre als Kfm. u. Müller im Mühlenwerk Beuditz (b. Weißenfels); gleichz. Fortbildungsschule; 1917 SAJ; 1918 FSJ; wegen pol. Tätigkeit nach eineinhalb Jahren Entlassung aus der Lehre; 1919 – 21 Kontorist im Genossenschaftsdienst in Halle; 1919 – 21 Bez.-Ltr. der Soz. Proletarierjugend bzw. KJVD in Halle-Merseburg; Mai 1919 USPD, Dez. 1920 KPD; März 1921 Teilnehmer des mitteldt. Aufstandes, einige Mon. illeg. in Berlin; dann Mitarb. des ZK der KPD; Herbst 1921 – Jan. 1922 Volontär an der »Hamburger Volksztg.«; Febr. 1922 – 23 Red. der »Schles. Arbeiterztg.« in Breslau; dann Red. in Chemnitz u. Stuttgart; Dez. 1923 verhaftet, wegen »Vorber. zum Hochverrat« im Sept. 1924 vom Reichsgericht in Leipzig zu einem Jahr Gefängnis verurteilt, im Jan. 1925 aus Cottbus entlassen; dann Red. in Remscheid u. Aachen; im April 1926 Delegierung nach Moskau; 1926 – 32 RKP(B); 1926 – 28 Schüler u. 1929 Aspirant an der Lenin-Schule; danach Mitarb. an der ökonom. Fak. des Inst. der »Roten Professur« in Moskau; Sommer 1932 Rückkehr nach Dtl.; Mitarb. der Agitpropabt. des ZK der KPD; Lektor an der Reichsparteischule der KPD »Rosa Luxemburg« in Fichtenau (b. Berlin); 1933 illeg. Tätigkeit; Dez. 1933 Emigr. in das Saargeb.; danach Mitarb. der KPD-Führung in Paris, persönl. Sekr. von  Walter Ulbricht; 1934 Ltr. von Parteischulungskursen in Amsterdam, Zürich u. Prag; ab März 1935 UdSSR; Doz. für Politökon. an der Lenin-Schule u. der KUNMZ in Moskau, 1.10.1936 Entlassung wegen angebl. ideolog. Abweichungen; danach ohne feste Anstellung, Übersetzungen u. schriftsteller. Tätigkeit; Sept. 1938 – 22.6.1941 Tätigkeit in der Papierfabrik »Bop« in Moskau, Ltr. der Planabt.; März 1940 sowj. Staatsbürgerschaft; Anf. 1941 in der Sonderfahndungsliste »UdSSR« der Gestapo erf.; Juni 1941 – Herbst 1944 zunächst Red. u. dann Chefred. der dt. Red. des Moskauer Rundfunks; Evakuierung im Okt. 1941 nach Kuibyschew, dort Parteisekr. der dt. Gruppe beim Moskauer Rundfunk; Anf. 1943 Mitgl. einer von der KPD-Führung initiierten Arbeitsgr. über Propagandafragen; Febr. – Aug. 1944 Mitarb. in einer Arbeitskommission zur Ausarbeitung des Nachkriegsprogramms der KPD, Mitgl. der Unterkommission zur »Rolle der Gewerkschaft« u. zu Wirtschaftsfragen; ab Sept. 1944 Lehrer an der Parteischule der KPD Nr. 12 bei Moskau; ab 1.5.1945 Einsatz unter Ltg. von  Anton Ackermann in einer Gruppe dt. Kommunisten im Bereich der 1. Ukrain. Front in Sachsen; Red. einer Ztg. der Roten Armee in Dresden. 1945 Ltr. der Abt. Agit. u. Prop. des ZK der KPD; 1946 Ltr. der Abt. Parteischulung u. Okt. 1947 – Febr. 1949 der zusammengelegten Abt. Parteischulung, Kultur u. Erziehung im PV der SED; 1947 – 58 Mitgl. des PV bzw. ZK der SED; 1949 NP; 1949 – 58 Mitgl. der Volkskammer; Febr. 1949 – 55 Mitgl. des Kleinen Sekr. bzw. Sekr. u. von 1950 – 58 des PB des ZK der SED; 1950 – 56 Chefred. der »Einheit«; gleichz. Hrsg. des wiss. Bulletins »Konjunktur u. Krise«; Dez. 1951 nichthauptamtl. Ltr. des Lehrstuhls »Pol. Ökon.« am IfG beim ZK der SED; 1953 Mitgl. der DAW; ab 1954 Vors. der Sekt. Wirtschaftswiss. der DAW; 1955 u. 1965 VVO; 1955 – 58 Stellv. des Vors. des Min.-Rats u. Vors. der Kommission für Konsumgüterprod. u. Versorgung der Bevölkerung beim Präs. des Min.-Rats; 1956 Prof. für pol. Ökon. am IfG; Febr. 1958 im Zusammenhang mit der  Ernst-Wollweber- Karl-Schirdewan-Affäre wegen »wiederholter Verletzung der Disziplin des PB« aus diesem Gremium ausgeschl., März 1958 Enthebung von allen Funktionen im Staats- u. Parteiapparat; 1958 – 69 Dir. des Inst. für Wirtschaftswiss. der DAW; Sept. 1959 öffentl. Selbstkritik wegen »Opportunismus u. pol. Blindheit« in den Jahren 1956/57; 1961 – 68 Mitgl. des Präs. der DAW, zunächst Sekretar, dann stellv. Vors. der Kl. für Ges.-Wiss. (Philos., Geschichte, Staats-, Rechts- u. Wirtschaftswiss.) der DAW; Vors. des Nationalkomitees für Wirtschaftswiss.; 1968 Dr. h. c. der HU Berlin; 1973 KMO; gest. in Berlin. F. O. zählt zu den Gründern der pol.-ökonom. Lehre u. Forschung in der DDR. Arbeitsthemen: Sozialdemokrat. Theoretiker (Franz Mehring, Rudolf Hilferding, Rosa Luxemburg); marxist. Krisen- u. Monopoltheorie; Kritik bürgerl. Konjunkturtheorien; marxist. Arbeitswerttheorie; ökonom. Gesetze, Preisbildung u. Rechnungsführung im soz. Wirtschaftssystem.u. a. Der Marxismus der Gegenwart u. seine Kritiker. Berlin 1948; Die Wirtschaftskrisen. 1. Bd. Berlin 1949; Rosa Luxemburg. Berlin 1952; Probleme der Krisenforschung. Berlin 1959; Ein Beitrag zur Monopoltheorie. Berlin 1960; Die Arbeitswerttheorie als wiss. Grundlage der Marx’schen pol. Ökon. Berlin 1967.Hagen Schwärzel / Peter Erler

Handbuch Deutsche Kommunisten

Ohnsmann, Gustav

* 16.12.1881 – ✝ 26.10.1924

Geboren am 16. Dezember 1881; lernte Schlosser. Er trat 1904 der SPD bei und wurde vor dem Weltkrieg Gewerkschaftsangestellter in Esslingen. Im Krieg war er in der Spartakusgruppe aktiv, seit 1919 in der KPD. Ohnsmann war Delegierter auf dem 1. Kongreß der Arbeiter- und Soldatenräte in Berlin. Er stand auf dem rechten Flügel der KPD, wurde aber als bekannter Gewerkschafter im Mai 1924 für die Partei als Abgeordneter in den Württembergischen Landtag gewählt. Gustav Ohnsmann starb bereits am 26. Oktober 1924 in Stuttgart.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Olbrysch, Karl

* 24.11.1902 – ✝ 30.7.1940

Geboren am 24. November 1902 in Essen-Katernberg, Sohn eines Arbeiters, wurde streng religiös erzogen; Bergmann. 1921 Mitglied der KPD, 1925 hauptamtlicher Sekretär der Roten Jungfront (RJ) in Berlin, 1926 Vorsitzender der RJ im Reich. 1927 Mitglied der KPD-BL Berlin-Brandenburg und Gauführer des RFB in Berlin, 1928 Sekretär der Reichsleitung. Delegierter des VI. Weltkongresses der Komintern in Moskau 1928. In Wien half er 1928 beim Aufbau des RFB für Österreich, wurde aber ausgewiesen. Ende 1928 besuchte Olbrysch für ein halbes Jahr einen Führerkurs in Moskau. Nach seiner Rückkehr übernahm er Mitte 1929 nochmals die Leitung der (illegalen) RJ und wurde im gleichen Jahr auch Stadtverordneter in Berlin. Ab 1930 wieder Sekretär des RFB, verlangte er gemeinsam mit Hans Jendretzky eine Untersuchung gegen den RFB-Führer Willy Leow, da die Gerüchte über dessen finanzielle Verfehlungen nicht verstummten. Daraufhin wurde Olbrysch vom RFB zur KPD versetzt, zunächst Sekretär in Hamburg. 1931 mußte er für drei Monate ins Gefängnis. Im Juli 1932 zog er als Abgeordneter in den Reichstag ein, dem er bis März 1933 angehörte. Er wurde anstelle von Albert Kuntz (der als Anhänger der Neumann-Gruppe abgesetzt worden war) Orgleiter des Bezirks Berlin und kam Anfang 1933 in den ZK-Apparat. Im Juni 1933 verhaftet, soll er nach Angaben des »Völkischen Beobachters« ein umfassendes Geständnis abgelegt haben und wurde am 20. November 1934 zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach der Strafverbüßung freigelassen, da er sich nach zweitägiger Bedenkzeit bereit erklärt hatte, »für eine interne Arbeit« der Gestapo tätig zu sein. Olbrysch ging nach Prag, gab aber der Gestapo »außer Auskunftsbestätigungen keine Meldung« und wurde als »rückfällig« registriert. Er meldete der KPD sofort, auf welchem Wege er freigekommen war, wurde dennoch am 8. August 1938 aus der Partei ausgeschlossen. Karl Olbrysch gelangte nach England und fand den Tod, als das Schiff, auf dem er nach Kanada reisen sollte, am 30. Juli 1940 versenkt wurde.

Wer war wer in DDR

Olszak, Gerd

* 5.9.1929 – ✝ 21.1.2004

Geb. in Eythra (b. Leipzig); Vater Bergarbeiter; 1936 – 46 Schulbesuch; 1946 – 49 Elektriker-Lehre; 1949 – 52 ABF Halle, dort Abitur; 1952 – 57 Studium der Geophysik u. Geol. an der KMU Leipzig, Dipl.-Geophysiker; anschl. wiss. Ass. im VEB Geophysik Leipzig; 1960 SED; 1960 / 61 Zusatzstudium am Erdöl- bzw. Gubkin-Inst. in Moskau; 1961 / 62 stellv. Ltr. der Abt. Forsch. u. Entw. im VEB Geophysik Leipzig; 1962 / 63 Chefgeophysiker im VEB Erdöl-Erdgas Gommern; 1962 als IM »Gerd« des MfS erf.; 1963 – 66 wiss. Mitarb. beim VEB Geophysik Leipzig; zugl. außerpl. Aspirant an der KMU Leipzig, dort 1962 Prom. mit der Arbeit »Zur Anwendung der Frequenzanalyse in der seismischen Erkundung« bei R. Lauterbach; 1965 Habil. mit der Studie »Zur Stellung tiefer Brüche im Rahmen von Schwächezonen der Erdkruste, erläutert an einigen Beispielen Mitteleuropas«; 1966 Doz., 1968 ord. Prof. für Geonomie an der KMU Leipzig; ab 1977 stellv. Vors. des wiss. Beirats für Geowiss. beim Min. für Hoch- u. Fachschulbildung; 1970 – 73 Vorsitzender der Gesellschaft für Geologie. 1990 Entlassung aus dem Hochschuldienst; 1994 Ruhestand; gest. in Leipzig. O.s Forschungen zur angewandten Geol. u. Seismik betrafen method. Fragen der geophysikal. Komplexintegration u. die Struktur des europ. Krustenbaus u. deren Verknüpfung mit thermodynam. Prozessen des oberen Erdmantels. Diese Forschungen waren u. a. für die lagerstättenkundl. Analyse (Erdgasprogramm) relevant.Dieter Hoffmann

Wer war wer in DDR

Opitz, Max

* 11.9.1890 – ✝ 7.1.1982

Geb. in Bernsdorf (Erzgeb.); Vater Bergarb.; Volksschule; 1905 – 08 Ausbildung zum Tischler, Gewerbeschule; 1908 Dt. Holzarbeiterverb. (DHV); Soldat im 1. Weltkrieg; 1918 Mitgl. des Soldatenrats des Ulanenregt. 21 in Chemnitz; 1919 Mitbegr. der KPD-Ortsgr. in Gersdorf (b. Chemnitz); 1920 Verzug nach Chemnitz; Ltr. des Stadtbez. West der KPD; Fraktionsltr. des DHV für Chemnitz u. für den Bezirk; ab 1923 Mitgl. u. ab 1926 Org.- bzw. Pol.-Ltr. des KPD-Bez. Erzgeb.-Vogtl.; 1928 Teiln. am VI. Kongreß der KI in Moskau; ab 1929 Mitgl. des ZK der KPD; 1925 – 30 Abg. des Sächs. Landtags, 1931 – 33 des Preuß. Landtags; ab Febr. 1931 Sekr. im KPD-Bezirk Niederrh.; ab Herbst 1931 Bez.-Ltr. der KPD Hessen-Frankfurt; 1932 Bez.-Ltr. der KPD Ruhr in Essen; März 1933 in den Reichstag gewählt; bis April 1933 illeg. Arbeit im Ruhrgeb.; anschl. Ltr. der illeg. BL der KPD Württemberg in Stuttgart; 2.11.1933 Verhaftung in Stuttgart, 1934 Verurteilung wegen »Vorber. zum Hochverrat« zu drei Jahren u. einem Mon. Zuchthaus, Okt. 1936 Verlegung vom Zuchthaus Ludwigsburg nach Essen; bis Pfingsten 1938 Verhöre bei der Gestapo in Essen mit dem Ziel eines neuen Prozesses wegen der »Erschießung eines Polizeiangest. im Jahre 1932«, Schwurgericht Essen verwarf die Anklage auf »Beihilfe zum Mord« u. verurteilte M. O. wegen »Totschlags« zu vier Jahren Zuchthaus, das Urteil wurde durch Revision beim Reichsgericht aufgehoben; neuer Hochverratsprozeß, 1938 vom OLG Hamm zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt, Haft im Zuchthaus Ludwigsburg, 20.6.1941 Entlassung; anschl. Überführung zur Gestapo nach Welzheim / Württemberg, ab Okt. 1941 KZ Sachsenhausen, 1.5.1945 durch die Rote Armee bei Flecken Zechlin befreit. Ab 12.7.1945 Polizeipräs. von Dresden; ab Mai 1949 – 51 OB von Leipzig (Nachf. von  Erich Zeigner); bis zur Bildung der LPKK war M. O. Vors. des SED-Landesparteischiedsgerichts; 1951 – 60 Chef der Präsidialkanzlei u. Staatssekr. beim Präs. der DDR  Wilhelm Pieck; 1950 – 63 Abg. der Volkskammer, stellv. Vors. der Interparl. Gruppe der DDR; 1954 u. 1965 VVO; 1960 KMO; Mitgl. der ZL des Komitees der Antifa. Widerstandskämpfer.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Opitz, Willi

* 25.7.1928 – ✝ 20.3.2011

Geb. in Goddula-Vesta (b. Merseburg); Vater Konditor u. Maurer, Mutter Landarb.; Volksschule; 1943 – 47 Lehre als Verw.-Angest.; dazwischen 1944 RAD, 1945 amerik. Kriegsgefangenschaft. 1946 KPD/SED; 1948 Einstellung bei der VP, Krs.-Amt Merseburg; 1951 Einstellung beim MfS, Länderverw. Sachsen-Anh.; dann Objekt-Verw. Wismut, Abt. Pol.-Kultur bzw. KL der SED; 1954 stellv. Ltr. der Abt. V, 1955 der Abt. C; 1957 Ltr. der Objekt-Dienststelle Aue; 1959 Lehrer, 1960 Lehrstuhlltr. an der HS des MfS Potsdam-Eiche; 1960 – 66 Fernstudium an der HU Berlin, Dipl.-Jur.; 1966 Offz. für Sonderaufg.; 1967 Brigadeltr. in der Abt. Anleitung u. Kontrolle (später Zentr. Auswertungs- u. Informationsgr.) des MfS Berlin; 1975 dort stellv. Bereichsltr.; 1976 Arbeitsgr.-Ltr.; 1976 Prom. zum Dr. jur. an der JHS Potsdam-Eiche; 1985 erneut Offz. für Sonderaufg.; dann Rektor der JHS (Nachf. von  Willy Pösel); Berufung zum ord. Prof.; Dr. sc. jur.; 1986 Gen.-Major; Dez. 1989 von seiner Funktion entbunden; Jan. 1990 Entlassung, Rentner.Grimmer, R. u. a. (Hrsg.): Die Sicherheit. Berlin 2002 (Mitautor).Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Orlopp, Josef

* 29.8.1888 – ✝ 7.4.1960

Geb. in Essen; Vater Tischler; 1895 – 1903 Volksschule; 1903 – 07 Ausbildung zum Dreher in Essen; 1907 – 10 Wanderschaft; 1907 DMV; 1910 SPD; bis 1919 Dreher, später Werkmstr. u. Kalkulator in den Krupp-Werken Essen; 1917 USPD; 1919 – 25 Stadtverordn. in Essen; 1920 – 25 Abg. des Rhein. Prov.-Landtags; Vors. des Ortsaussch. Essen des ADGB; 1922 erneut SPD; 1925 Mitgl. des Vorst. des Verb. der Gemeinde- u. Staatsarb. in Berlin; Mitbegr. der Reichssekt. der Gas-, Elektrizitäts- u. Wasserwerksarb. u. 1926 – 33 deren Vors.; 1930 – 33 Mitgl. des vorläufigen Reichswirtschaftsrats; 1933 reglementiert; 1933 – 45 Landarb. in Bad Harzburg bzw. Einzelhändler in Berlin. 1945 Mitgl. des ZA der SPD, Mitunterz. seines Aufrufs vom 15.6.1945; 1945/46 Mitgl. des Magistrats von Groß-Berlin u. Stadtrat für Handel u. Handwerk; 1946 Stellv. des OB; danach Ltr. des Haupternährungsamts; 1946 – 48 Stadtverordn. in Berlin; ab 1946 Mitgl. des Landesvorst. bzw. der BL Groß-Berlin der SED; 1947 Vizepräs. der Dt. ZV für Handel u. Versorgung; danach Präs. der Dt. ZV für Interzonen- u. Außenhandel; 1948 Präs. der HV für Interzonen- u. Außenhandel bei der DWK; 1948 Mitgl. des Dt. Volksrats, 1949/50 der Prov. Volkskammer; 1949 – 51 HA-Ltr. im Min. für Innerdt. Handel, Außenhandel u. Materialversorgung; anschl. Regierungsbevollm. für Innerdt. Handel; Okt. 1953 aus gesundheitl. Gründen ausgeschieden; 1957 – 60 Mitgl. des Präs. u. Sekr. des Bundesvorst. des FDGB; Mitgl. des NR der NF; 1950 u. 1958 – 60 Abg. der Volkskammer; 1958 – 60 Vizepräs. des Dt. Friedensrats u. Mitgl. des Weltfriedensrats; 1958 KMO; gest. in Berlin.Zusammenbruch u. Aufbau Berlins 1945/46. Berlin 1947; Eine Nation handelt über Zonengrenzen. Berlin 1957; Die Grundlagen der dt.-poln. Freundschaft. Berlin 1949.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Orzechowski, Bernhard

* 19.8.1925

Geb. in Oberhausen (Rheinland); Vater Rangierer; 1931 – 37 Volksschule in Oberhausen, 1938 / 39 in Bornit (Ostpr.); 1939 / 40 Landarbeiter; ab 1940 Wehrmacht; 1940 – 42 Unteroffiziersvorschule Dresden u. Mewe a. d. Weichsel, 1942 – 44 Unteroffiziersschule Bergzaber u. Ortelsburg, danach Ostfront; Mai 1945 – Dez. 1949 sowj. Kriegsgef. 1950 SED; 1950 – 52 VP-Bereitschaft; 1952 – 56 KVP; 1956 – 61 NVA (letzter Dienstgrad Oberst); 1954 – 56 Studium an der HS der KVP in Dresden; 1956 – 57 Ltr. des Sekretariats der ASV, Mitgl. des Präs. der ASV; 1957 – 61 stellv. Vors. des Staatl. Komitees für Körperkultur u. Sport; 1961 – 66 Sekr., 1966 – 75 Vizepräs. des DTSB-Bundesvorst. für Leistungssport bzw. 1975 – 89 für Großsportveranstaltungen; 1979 externes Studium an der DHfK Leipzig (Diplomsportlehrer); 1968 u. 1972 Chef de Mission der DDR-Olympiamannschaften; 1960 Verdienter Meister des Sports; 1964, 1968 u. 1972 VVO; 1970 Ehrenspange zum VVO; 1980 u. 1984 Stern der Völkerfreundschaft; 1987 Großer Stern der Völkerfreundschaft; seit 1990 Rentner.Volker Kluge

dissidenten.eu

Ossipow, Wladimir

* 1938

Historiker, Publizist, politischer Aktivist und Teilnehmer an den *Dichterlesungen auf dem Majakowski-Platz. Leitfigur der russischen Nationalisten in der Dissidentenbewegung, Gründer und Redakteur des unabhängigen Journals *„Veče“.Wladimir Ossipow wurde 1938 in Slanzy im Leningrader Gebiet geboren. Sein Vater war Offizier und Dozent an der Armeeschule, die Mutter Lehrerin. 1955 wurde Ossipow an der Historischen Fakultät der Moskauer Universität immatrikuliert. Nach der Abrechnung Chruschtschows mit dem Stalinismus in seiner Geheimrede auf dem XX. Parteitag der KPdSU und der Niederschlagung der *Ungarischen Revolution 1956 fühlte er sich von der offiziellen Ideologie abgestoßen und begann, sich für den Anarchosyndikalismus zu interessieren. Er fand zu einer Gruppe von Studenten, die sich um seinen Kommilitonen Anatoli Iwanow gebildet hatte. Ab Herbst 1958 wurden in der Gruppe die theoretischen Grundlagen und die Praxis des Kommunismus diskutiert und es entstanden Pläne, eine Zeitschrift herauszugeben. Gleichzeitig nahm Ossipow an einem inoffiziellen Seminar teil, das Grigori Pomeranz bei sich zu Hause abhielt. Nach der Verhaftung von Anatoli Iwanow im Februar 1959 wegen angeblicher „antisowjetischer Tätigkeit“ trat Ossipow öffentlich zu dessen Verteidigung auf. Daraufhin wurde er aus dem kommunistischen Jugendverband „Komsomol“ und aus der Hochschule ausgeschlossen. 1960 beendete er erfolgreich sein Abendstudium an der Historischen Fakultät des Moskauer Pädagogischen Institutes und arbeitete fortan als Leiter eines Dorfklubhauses und unterrichtete Geschichte an einer Schule. Ossipow nahm regelmäßig an den *Dichterlesungen auf dem Majakowski-Platz teil, wo er mehrfach festgenommen wurde. 1960 stellte er mit dem Buch „Bumerang“ eine der ersten Lyrik-Anthologien des Samisdat von Autoren aus dem Umfeld der Majakowski-Lesungen zusammen und schrieb in dieser Zeit selbst Gedichte. Im engeren Kreis der Teilnehmer der Dichterlesungen, zu dem Ossipow sich zählte, wurde über die Bildung einer konspirativen Jugendorganisation diskutiert, die gegen den sowjetischen Staat kämpfen sollte. Im Sommer 1961 trafen sich Anhänger dieser Idee im Ismailowoer Park in Moskau. Sie besprachen unter anderem einen geplanten Anschlag auf Parteichef Nikita Chruschtschow, da sie der Meinung waren, dieser führe das Land mit seiner verantwortungslosen Politik in einen Dritten Weltkrieg. Am 5. Oktober 1961 wurde Ossipow gemeinsam mit Eduard Kusnezow und Anatoli Iwanow vom KGB verhaftet. Sie wurden wegen der „Bildung einer antisowjetischen anarchosyndikalistischen Organisation“ und wegen „antisowjetischer Propaganda“ am Majakowski-Denkmal angeklagt. In den Gerichtsakten wurde auch die Planung eines Terroranschlags erwähnt, jedoch ohne Verweis auf entsprechende Paragrafen des Strafgesetzbuches. Am 9. Februar 1962 verurteilte das Moskauer Stadtgericht Ossipow nach Paragraf 1 des *Artikels 70 Strafgesetzbuch der RSFSR und *Artikel 72 Strafgesetzbuch der RSFSR zu sieben Jahren Freiheitsentzug. Er wurde gemeinsam mit Eduard Kusnezow und Ilja Bokstejn verurteilt, der mit der konspirativen Tätigkeit gar nichts zu tun hatte. Anatoli Iwanow wurde dagegen als unzurechnungsfähig erklärt und in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Die Haft verbüßte Ossipow in den *mordwinischen Lagern, wo er orthodoxer Christ und unter dem Einfluss der dort einsitzenden Mitglieder des *Allrussischen Sozial-Christlichen Verbandes zur Befreiung des Volkes (Vserossijskij social-christianskij sojuz osvoboždenija naroda; WSChSON) eine russisch-nationale Weltsicht entwickelte. Nach der Rückkehr in die Freiheit im Oktober 1968 ließ sich Ossipow in Alexandrow im Wladimirer Gebiet nieder und war als Lagerarbeiter und Feuerwehrmann tätig. Im Januar 1971 gründete er mit *„Veče“ (Volksversammlung) die erste zwischen 1971 und 1974 regelmäßig erscheinende unabhängige nationalpatriotische Zeitschrift, von der neun Ausgaben unter seiner Redaktion erschienen. Die Zeitschrift wurde öffentlich herausgegeben und die Behörden von ihrer Gründung informiert. Auf dem Deckblatt waren Name und Adresse des Redakteurs offen angegeben. Ossipow publizierte unter eigenem Namen auch in den Exil-Zeitschriften *„Vestnik russkogo christianskogo dviženija“ (Bote der Russischen Christlichen Bewegung), *„Posev“ und *„Grani“. Im Ausland erschienen unter anderem seine Erinnerungen an die *Dichterlesungen auf dem Majakowski-Platz in Moskau. Außerdem wurde er in den internationalen P.E.N.-Club aufgenommen. Ossipow unterhielt relativ enge Kontakte zu liberalen und demokratischen Dissidenten sowie Menschenrechtlern wie zum Beispiel zu Piotr Jakir, der die erste Ausgabe von *„Veče“ ins Ausland schmuggelte. Im liberalen dissidentischen Milieu hatte Ossipow damals den Ruf eines gemäßigten Nationalisten, der in seinen Publikationen chauvinistische und antisemitische Töne vermied. Ossipow engagierte sich aber auch für die Menschenrechte. Seine Unterschrift fand sich Anfang der siebziger Jahre unter vielen Protestbriefen. Er wurde regelmäßig verhaftet, seine Wohnung durchsucht und seine gesamten Unterlagen konfisziert. Anfang 1974 kam es innerhalb der Zeitschrift *„Veče“ zur Spaltung. Der Leitartikel der letzten und zehnten Ausgabe, die von Iwan Owtschinnikow herausgegeben wurde, der kurze Zeit später die Einstellung der Zeitschrift bekannt gab, enthielt schwerwiegende politische und persönliche Anschuldigungen gegen Ossipow. Dieser gab daraufhin die Redaktion auf und gründete mit „Zemlja“ (Erde) eine ähnliche Zeitschrift mit gleichem Profil. Er konnte jedoch nur zwei Nummern herausgeben, bevor er am 28. November 1974 verhaftet wurde. Das Gebietsgericht Wladimir verurteilte Ossipow am 26. September 1975 nach Paragraf 2 des *Artikels 70 Strafgesetzbuch der RSFSR zu acht Jahren Lagerhaft. Ihm wurde vorgeworfen, „eine antisowjetische Zeitschrift herausgegeben und verleumderische Artikel und Briefe verfasst“ zu haben. Ossipow bekannte sich nicht schuldig und saß seine Haft erneut in den *mordwinischen Lagern ab, wo er eine der zentralen Persönlichkeiten des Widerstandes im Lager war. Im Januar 1977 verfasste er mit Paruir Hairikian und Wjatscheslaw Tschornowil einen Entwurf für die Anerkennung ihres „Status eines politischen Häftlings“ Wieder in Freiheit ließ sich Ossipow im November 1982 in Tarussa im Gebiet Kaluga nieder und arbeitete in der Wirtschaft und im Handel. Bis 1985 befand er sich unter behördlicher Aufsicht. 1988 nahm Ossipow sein gesellschaftliches Wirken wieder auf: Er gründete eine christlich-patriotische Gruppe und leitete diese. Aus dieser Gruppe entstand zu Beginn der 90er Jahre eine monarchistische Gruppierung, die 1990 „Christliche Wiedergeburt“ (Christianskoe Vozroždenie) hieß, mehrmals ihren Namen wechselte und 1998 als Partei registriert wurde. 1989/90 leitete Ossipow die Verlagsabteilung der Moskauer Vereinigung der Russischen Kultur. Nach 1990 kandidierte er mehrfach erfolglos bei den Duma-Wahlen. Heute ist Wladimir Ossipow Buchautor und Mitglied des russischen Schriftstellerverbandes. Er lebt in Moskau.Nikolai Mitrochin Aus dem Polnischen von Tim Bohse Letzte Aktualisierung: 02/16

Wer war wer in DDR

Othma, Paul

* 14.11.1905 – ✝ 20.6.1969

Geb. in Radzionkau (Krs. Tarnowitz, Schles./ Radzionków, Polen); Vater Malermeister; Volksschule; Lehre im Elektrohandwerk; 1921 – 41 Arbeit im Elektrowerk Bitterfeld, anschl. in den Dessauer Junkerswerken, lebte seit 1936 mit seiner Ehefrau in Sandersdorf. 1945 – 50 LDP; 1945 Mitarb. in Antifa-Ausschüssen, Mitgl. des Gemeinderats, 1946 bis Febr. 1953 Inh. eines Elektroreparaturgeschäfts, Aufgabe wegen hoher Steuerbelastung, anschl. Elektriker im Elektrochem. Kombinat Bitterfeld; 17. Juni 1953 Teiln. am Volksaufstand in Bitterfeld, Wahl ins allg. Streikkomitee in Bitterfeld, erster Redner vor 50. – 70.000 Demonstranten; Versuch, das Streikkomitee als neues Machtorgan durchzusetzen, zugl. Verhinderung von Plünderungen u. dgl.; 20.6. Verhaftung, 31.10. Verurteilung durch das BG Halle zu 12 Jahren Zuchthaus, 1.9.1964 Entlassung nach schwerer Erkrankung; Invalidenrentner; gest. in Sandersdorf. 2003 Enthüllung einer Gedenktafel am Bitterfelder Rathaus durch O.s Ehefrau, Benennung des Sport- u. Gemeindezentrums Sandersdorf nach O.Schmidt, H., Wagner, P. W.: »... man muß doch mal zu seinem Recht kommen ...« P. O. – Streikführer am 17. Juni 1953 in Bitterfeld. Magdeburg 2001; Wahl, S., Wagner, P. W. (Hrsg.): Der Bitterfelder Aufstand. Leipzig 2003.Ilko-Sascha Kowalczuk

Wer war wer in DDR

Otto, Herbert

* 15.3.1925 – ✝ 24.8.2003

Geb. in Breslau (Wrocław, Polen); Vater Arbeiter, Mutter Näherin; Volksschule; kfm. Ausbildung in Breslau; Bankangest.; 1943 NSDAP; 1943/44 Wehrmacht; 1944 – 48 in rumän., dann in sowj. Kriegsgefangenschaft; 1949 Besuch der Antifa-Zentralschule in Moskau. 1949 Rückkehr nach Dtl.; Funktionär der DSF; Dramaturg; Lektor im Verlag Kultur u. Fortschritt; danach freischaff. Schriftst. in Kleinmachnow; Vors. des DSV im Bez. Potsdam; Mitgl. des Präs. des Vorst. des DSV; 1956 u. 1961 Theodor-Fontane-Preis; 1971 Heinrich-Mann-Preis der AdK; 1977 VVO; 1978 NP; 1987 Mitgl. des PEN-Zentrums DDR, dann Dt. PEN-Zentrum (Ost) bzw. Dt. PEN; gest. in Rostock. Debütierte 1956 mit dem autobiogr. geprägten Roman »Die Lüge«, andere Werke waren thematisch in der DDR-Gegenwart angesiedelt.Zeit der Störche. Berlin 1968 (Film 1970); Die Sache mit Maria. Berlin 1975; Der Traum vom Elch. Berlin 1983 (Film 1986); Die Lüge. Berlin 1991; Das Hundeohr. Berlin 1997.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Oelsner, Oskar Walter

* 13.2.1902 – ✝ 13.8.1963

Geb. in Trier; Volksschule u. Realgymnasium in Dresden, 1921 Abitur; Hauer u. Fördermann im Steinkohlenrevier; 1924 – 27 Studium an der Bergakad. Freiberg, Dipl.-Bergbauing; 1927/28 Hilfsassistent am Geolog. Inst. der Bergakad.; 1928 – 39 Arbeit als Bergbauing. u. Montangeologe in der Türkei, 1928 – 33 Grubenbetriebsltr. in Camtas u. Istanbul; 1930 Prom. zum Dr.-Ing.; 1933 NSDAP; 1933/34 Betriebsobering. bei Paterson & Co in Izmir; 1934/35 erneut Grubenbetriebsltr. in Camtas u. Istanbul, 1935 – 39 Montangeologe u. Betriebsobering. bei M.T.A. Enstitüsü in Ankara; 1939 Rückkehr nach Freiberg, 1939 – 46 Sachbearb. u. Montangeologe beim Oberbergamt Freiberg. 1947 SED; 1948 – 52 Referent im Techn. Büro des Bergbaus u. der Brennstoffindustrie; 1950 Lehrbeauftragter, 1951 Habil., Doz. für Mineral. u. Lagerstättenlehre, 1952 Prof. mit Lehrauftrag, 1954 Prof. mit vollem Lehrauftrag für Erzlagerstättenkunde u. Dir. des gleichnamigen Inst. an der Bergakad. Freiberg; 1953 – 56 Prorektor, 1959 – 61 Rektor der Bergakad. Freiberg (Nachf. von  Helmut Härtig).Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Oertel, Heinz Florian

* 11.12.1927

Geb. in Cottbus; Vater Weber; 1934 – 44 Mittel- u. Oberrealschule; 1944/45 Kriegsdienst; 1945/46 brit. Gefangenschaft. 1946 – 48 Schauspieler am Stadttheater Cottbus; 1946 SED; 1948 – 50 Lehrer; 1950 – 52 freier Mitarb. am Landessender Potsdam; 1952 – 90 Sportreporter beim Berliner Rundfunk u. freier Mitarb. des DDR-Fernsehens, u. a. Moderator von »Sieben bis zehn – Sonntagmorgen in Spree-Athen«, »He-he-he – Sport an der Spree«, »Porträt per Telefon«, »Ein Kessel Buntes«; 1982 Prom. zum Dr. rer. pol. an der KMU Leipzig. Arbeitete nach 1990 für den Rundfunk u. das Fernsehen (z. B. ORB u. NDR); zeitw. Dozent an der Univers. Göttingen; lebt in Berlin.u. a.: Mit dem Mikrofon um die Welt. Berlin 1958; Immer wieder unterwegs. Berlin 1968; 30 Jahre wie ein Sprint. Berlin 1984; Höchste Zeit. Erinnerungen. Berlin 1997; Nachspiel-Zeit. Biogr. Berlin 1999; Gott sei Dank. Schluß mit der Schwatzgesellschaft. Berlin 2007; Olympiabücher 2000 – 08 (Mithrsg.); Gott sei Dank. Schluss mit der Schwatzgesellschaft. Berlin 2007; Pfui Teufel. Über Verdrängtes und Vergessenes. Berlin 2009.Klaus Gallinat / Volker Kluge

Handbuch Deutsche Kommunisten

Olberg, Valentin

* 26.6.1907 – ✝ 5.1.1936

Geboren am 26. Juni 1907 in Zürich, Sohn des bekannten menschewistischen Publizisten Paul Szmuszkewicz, später Olberg. Valentin kam 1927 nach Berlin, studierte Geschichte und trat der KPD bei. Er tendierte zur Weddinger Opposition, hatte Verbindungen zu Alexander Müller, war zeitweilig Redakteur der »Inprekorr«, blieb aber im Hintergrund. Anfang 1930 begann Olberg einen intensiven Briefwechsel mit Trotzki und nahm im März 1930 als ein Vertreter der Weddinger Opposition an der gemeinsamen Tagung mit der Leninbund-Opposition teil, wurde in die Reichsleitung der LO gewählt und war danach führend bei den deutschen Trotzkisten aktiv. Besonders von Kurt Landau gefördert, sammelte er offenbar eifrig Nachrichten über den Trotzkismus. In einem Brief an Trotzki warnte Franz Pfemfert vor Olberg: »Wir müssen doch die Stalin-Horde nicht unterschätzen ... Sie wird nichts unversucht lassen, um in unseren Reihen Spitzel zu haben ... Gerade weil die deutsche Gruppe winzig ist ..., ist Vorsicht dreimal und hundertmal geboten ... Vielleicht ist der O. Journalist und noch kein Agent Stalins. Aber ... er ist ein hysterischer, aufdringlicher Typ ... O. hat bei Ihnen dort nichts zu suchen ...« Olberg wurde nicht, wie er geplant hatte, Sekretär bei Trotzki, sondern arbeitete im Auftrag Landaus in der KPD, bis diese ihn Anfang 1932 als »Trotzkist« ausschloß. Im März 1933 übersiedelte er in die âSR, dann in die Sowjetunion, war dort als Ingenieur tätig. Am 5. Januar 1936 vom NKWD verhaftet, mußte er im August 1936 als Angeklagter beim ersten großen Schauprozeß gegen Sinowjew u. a. vor Gericht. Wie Fritz David, Alexander Emel (Lurje) oder Hans Stauer (Berman-Jurin), die in der KPD aktiv gewesen waren, gestand Olberg alle »Verbrechen«. Da er tatsächlich zu den Trotzkisten gehört hatte, eignete er sich in der Konstruktion des Staatsanwalts Wyschinski als »Kronzeuge« gegen Trotzki, obwohl er seit 1932 keinerlei Verbindung mehr zu Trotzkisten hatte. Entsprechend den Anweisungen der sowjetischen Geheimpolizei und Anklage gestand er seine »Verbindungen mit der Gestapo«. Sein ebenfalls vom NKWD verhafteter Bruder Paul Olberg (der dann im Oktober 1936 erschossen wurde), belastete Valentin und »bestätigte« diese Legende. Alles sei von Trotzki angeordnet worden, auch die befohlenen »Terrorakte«, »gestand« Valentin Olberg. Stalin sollte von ihm ermordet werden, aber auch Kliment Woroschilow, Andrej Shdanow, Lasar Kaganowitsch, ebenso Stanislaw Kossior und Pawel Postyschew. Diese vom Ankläger Andrej Wyschinski zusammengestellte Namensliste mußte in den nächsten Prozessen geändert werden, weil Kossior und Postyschew tatsächlich umgebracht worden waren, aber im Zuge der Stalinschen Säuberungen. In seinem Schlußwort im August 1936 bat Olberg um Gnade, um »wenigstens zum Teil meine ungeheuren Verbrechen wieder gut zu machen«. Da Wyschinski in seinem Schlußplädoyer gefordert hatte, »diese tollgewordenen Hunde allesamt zu erschießen«, wurde auch Valentin Olberg wie alle 16 Angeklagten am 24. August zum Tode verurteilt und am 25. August 1936 erschossen. Seine erste Frau Sulamith Olberg, geborene Braun (* 1909 – † 1937), kam im Juli 1932 von Berlin nach Moskau, Stenotypistin und Übersetzerin beim EKKI. Nach Valentin Olbergs Festnahme 1936 verhaftet, kam sie in den Gulag von Solowki, im Oktober 1937 nach Karelien überführt und neben weiteren 1110 Häftlingen nach NKWD-Beschluß am 3. November 1937 ermordet. Die zweite Ehefrau Betty, geborene Siermann (* 10. 4. 1906 in Neuruppin), wurde 1936 zu zehn Jahren Gulag verurteilt und im Februar 1940 an NS-Deutschland ausgeliefert, ihr weiteres Schicksal war nicht zu ermitteln. Bezüglich Valentin Olbergs Rolle in Deutschland, insbesondere bis 1933 bei den Trotzkisten, ist sich die Forschung nicht darüber einig, ob er bereits damals ein Agent der sowjetischen Geheimpolizei war.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Oldenburg, Emil

* 1901 – ✝ 11.5.1938

Geboren 1901 in Büdersdorf bei Rendsburg; lernte Schlosser und arbeitete in Hamburg als Motorenschlosser. Er trat 1927 der KPD bei und übte in der BL Wasserkante verschiedene Funktionen aus, war u. a. im AM-Apparat tätig. Im Frühjahr 1933 in »Schutzhaft«, konnte Oldenburg nach der Entlassung im November 1933 nach Dänemark flüchten, dann emigrierte er in die Sowjetunion und ist dort in die stalinistischen Säuberungen geraten. Er soll als Angehöriger des Apparats von Hans Kippenberger bereits am 11. Oktober 1936 inhaftiert worden sein, am 10. Juni 1937 wurde er zu fünf Jahren Freiheitsentzug verurteilt und anschließend in den Gulag Jagajewo (Nordost) eingeliefert. Am 11. Mai 1938 wurde Emil Oldenburg von einer »Troika« des NKWD zum Tode verurteilt und am 22. Mai 1938 in der Sowjetunion erschossen.

dissidenten.eu

Olszewski, Jan

* 1930

Rechtsanwalt, Verteidiger in vielen politischen Prozessen; Mitglied der *Polnischen Unabhängigkeitsallianz; in den 80er Jahren einer der führenden Berater der *Solidarność.Jan Olszewski wurde 1930 in Warschau geboren. Ab 1943 war er in den sogenannten Grauen Reihen (Szare Szeregi) der Pfadfinder aktiv, die mit der *Heimatarmee (Armia Krajowa; AK) zusammenarbeiteten. 1946/47 unterstützte er den Wahlkampf der in Opposition zu den Kommunisten stehenden und von Stanisław Mikołajczyk geführten Polnischen Bauernpartei (Polskie Stronnictwo Ludowe; PSL). 1953 schloss er sein Jurastudium an der Universität Warschau ab, arbeitete bis 1954 im Justizministerium (die Stelle wurde ihm im Rahmen der Absolventenlenkung zugewiesen) und anschließend 1954–56 in der Abteilung Rechtswissenschaften der Polnischen Akademie der Wissenschaften (PAN). 1956/57 war Olszewski Redaktionsmitglied der von jungen Intellektuellen herausgegebenen Wochenzeitschrift „Po prostu“ (Geradeheraus), die sich sehr für die nach dem *Oktober 1956 eingeleiteten Veränderungen einsetzte. Dort schrieb er gemeinsam mit Walery Namiotkiewicz und Jerzy Ambroziewicz einen aufsehenerregenden Appell zur Rehabilitierung der Soldaten der *Heimatarmee. In seinen Beiträgen machte er auch auf den Machtmissbrauch in der Justiz aufmerksam und konstatierte eine Symbiose des provinziellen Parteiapparats mit dem kriminellen Milieu. Nach dem Verbot der Zeitschrift 1957 wurde gegen Olszewski bis 1959 ein Publikationsverbot erlassen. 1956–62 gehörte Olszewski zum *Klub des Krummen Kreises (Klub Krzywego Koła; KKK), einem Ort der Begegnung für Intellektuelle, die dem System gegenüber kritisch eingestellt waren. 1958–61 war er Mitglied des Vorstandes. Nach der Auflösung des Klubs 1962 nahm er an Zusammenkünften bei Jan Józef Lipski teil, zu denen auch ehemalige Klubmitglieder eingeladen waren. Ab Mitte der 60er Jahre nahm Olszewski seine Tätigkeit als Verteidiger in politischen Prozessen auf. 1964 verteidigte er den Schriftsteller Melchior Wańkowicz, dem vorgeworfen wurde, dem Sender *Radio Freies Europa Informationen übermittelt zu haben. 1965 waren Jacek Kuroń und Karol Modzelewski seine Mandanten, die wegen ihres „Offenen Briefes an die Mitglieder der Partei“ (List otwarty do członków PZPR) vor Gericht standen. 1968 vertrat er den Dichter und Satiriker Janusz Szpotański vor Gericht. Im Zusammenhang mit der Übernahme des Mandats für die bei den Ereignissen im *März 1968 festgenommenen Studenten wurde er für zwei Jahre von seiner Anwaltstätigkeit suspendiert und war in dieser Zeit arbeitslos. Gleichzeitig bereitete der Staatssicherheitsdienst gegen ihn einen fingierten Prozess vor, in dem er wegen angeblicher Falschaussagen verurteilt werden sollte. Nach fast anderthalbjährigen Ermittlungen und einem Gerichtsprozess wurde Olszewski jedoch letztlich freigesprochen. 1970 nahm er seinen Anwaltsberuf wieder auf und war weiter Verteidiger in politischen Prozessen, so unter anderem 1971 im Prozess gegen Mitglieder der Oppositionsgruppe *Ruch (Bewegung). Gemeinsam mit Jakub Karpiński und Jacek Kuroń war er Initiator, Autor und Unterzeichner des im Dezember 1975 an das polnische Parlament (Sejm) übersandten *Briefes der 59, in dem gegen die vorgesehenen Verfassungsänderungen protestiert wurde. Dieser Brief stellte zugleich eine Programmerklärung mit den Zielen der Opposition dar. Im Januar 1976 verfasste er zusammen mit Antoni Pajdak, Stanisław Szczuka und Wojciech Ziembiński den *Brief der 14 gegen die geplante Verankerung des unverbrüchlichen Bündnisses mit der UdSSR in der Verfassung. Im Juni 1976 unterschrieb er außerdem eine Erklärung von 14 Intellektuellen, in der er sich mit den Arbeiterprotesten solidarisierte. 1976 verfasste Olszewski gemeinsam mit Zdzisław Najder das Programm der konspirativen *Polnischen Unabhängigkeitsallianz (Polskie Porozumienie Niepodległościowe; PPN). Einer der bekanntesten PPN-Texte stammt ebenfalls aus seiner Feder: der im Juli 1977 herausgegebene Ratgeber „Der Bürger und der Staatssicherheitsdienst“ (Obywatel a Służba Bezpieczeństwa), in dem er über die Rechte des Einzelnen bei Kontakten mit der Staatssicherheit aufklärte. Er gehörte gemeinsam mit Andrzej Kijowski, Zdzisław Najder und Jan Józef Szczepański zu dem aus vier Personen bestehenden anonymen Führungsgremium der *Polnischen Unabhängigkeitsallianz.1976 war Olszewski an der Gründung des Komitees zur Verteidigung der Arbeiter (Komitet Obrony Robotników; *KOR) beteiligt und Mitverfasser von dessen „Appell an Gesellschaft und Staatsführung der Volksrepublik Polen“ (Apel do społeczeństwa i władz PRL) vom 23. September 1976. Mit Bedacht wurde er nicht in die Mitgliederliste des *KOR aufgenommen, denn das hätte es ihm erschwert, den nach den Ereignissen im *Juni 1976 von Repressionen und Gerichtsprozessen Betroffenen rechtlichen Beistand zu leisten. Er unterzeichnete am 18. September 1977 die „Deklaration der Demokratischen Bewegung“ (Deklaracja Ruchu Demokratycznego), eine Programmerklärung der *KOR-Bewegung. Im August 1980 war Olszewski Mitglied des Expertenausschusses des Überbetrieblichen Streikkomitees in der Danziger Lenin-Werft. Gemeinsam mit Wiesław Chrzanowski und Władysław Siła-Nowicki verfasste er den Entwurf des Statuts der neuen, unabhängigen Gewerkschaften. Olszewski war Berater des Landeskoordinierungsausschusses KKP (ab Oktober 1981 des Landesausschusses) der *Solidarność und auch in der Region Masowien. Gemeinsam mit Wiesław Chrzanowski nahm er an der Erarbeitung des Statuts der neuen Gewerkschaft teil. Beide waren auch für das Registrierungsverfahren der *Solidarność vor dem zuständigen Gericht in Warschau zuständig, später auch für die Registrierung der *Solidarność der Einzelbauern. Im Dezember 1980 war Olszewski am Zustandekommen des Komitees zur Verteidigung Politischer Häftlinge beteiligt, das vom Landeskoordinierungsausschuss eingesetzt worden war. Ab Januar 1981 saß er auch im Programm- und Konsultationsrat des Zentrums für Beruflich-Soziale Arbeiten, ebenfalls ein *Solidarność-Gremium. Im März 1981 spielte er eine wesentliche Rolle bei der Entschärfung der sogenannten Bromberger Krise. Gemeinsam mit anderen Beratern gelang es ihm, die *Solidarność-Führer davon zu überzeugen, ihre Entscheidung zum Generalstreik zu widerrufen. Olszewski gilt als gemäßigt, er neigte dazu, Konflikte eher zu vermeiden. Während der Sitzung des Landesausschusses der *Solidarność am 12. Dezember 1981 in Danzig schlug er vor, eine „Waffenruhe“ mit den kommunistischen Machthabern zu vereinbaren. Nach der Ausrufung des Kriegsrechts verhandelte Olszewski im Auftrag von Erzbischof Bronisław Dąbrowski mit der Staatsführung über die Entlassung von kranken Inhaftierten aus den Gefängnissen und Internierungslagern. Weiterhin trat er als Verteidiger in vielen Prozessen in Erscheinung, die gegen Untergrundverlage und gegen die Organisatoren von Streiks geführt wurden. Im Frühjahr 1983 war Olszewski Initiator einer gemeinsamen Erklärung der seit dem Kriegszustand im Untergrund agierenden *Solidarność, der Branchengewerkschaften und der autonomen Gewerkschaften, in der diese gegen das Verbot sämtlicher unabhängiger Gewerkschaften protestierten. Er wurde daraufhin für 48 Stunden in Polizeigewahrsam genommen. Sofort nach der Entlassung aus dem Arrest nahm er seine Tätigkeit im Gerichtssaal wieder auf, wo er das Überbetriebliche Arbeiterkomitee (Międzyzakładowy Robotniczy Komitet) der *Solidarność vertrat. Ausgestattet mit einer Vollmacht des polnischen Primas Józef Glemp war er 1984/85 Nebenkläger im Prozess gegen die Mörder des Priesters Jerzy Popiełuszko in Toruń. In seinem vom Rundfunk übertragenen Plädoyer stellte Olszewski seine Version der Ereignisse vor: Der Mord sei eine politische Provokation gewesen, deren Ziel die Auslösung von Unruhen im Land gewesen sei. Olszewski war einer der Unterzeichner der Erklärung vom 31. Mai 1987, in der von Lech Wałęsa eingeladene Persönlichkeiten die grundlegenden Ziele der Opposition formuliert hatten. Im Mai 1988 betätigte er sich im Auftrag des Episkopats als Schlichter während eines Streiks in der Lenin-Hütte (gemeinsam mit Halina Bortnowska und Andrzej Stelmachowski). Im Dezember 1988 war er einer der Gründer des Bürgerkomitees beim Vorsitzenden der *Solidarność (Komitet Obywatelski przy Przewodniczącym NSZZ „Solidarność“). Während der Gespräche am *Runden Tisch (6. Februar bis 5. April 1989) nahm er an den Arbeiten der Arbeitsgruppe „Reformen in Recht und Justiz“ teil. Nach dem Ende des Kommunismus in Polen war Olszewski 1990–92 in der Zentrumsallianz (Porozumienie Zentrum) aktiv und von Dezember 1991 bis Juni 1992 Premierminister der Republik Polen. Ab 1992 war er Vorsitzender der Bewegung für die Republik (Ruch dla Rzeczpospolitej), 1995–2011 der Bewegung für den Wiederaufbau Polens (Ruch Odbudowy Polski; ROP). Olszewski war 1991–93 und 1997–2005 Abgeordneter des Sejm und 2005/06 stellvertretender Vorsitzender des Staatstribunals, eines der höchsten polnischen Gerichte. Von 2006 bis 2010 arbeitete er als Berater von Staatspräsident Lech Kaczyński.Bogusław Kopka Aus dem Polnischen von Gero Lietz Letzte Aktualisierung: 07/16

Handbuch Deutsche Kommunisten

Opitz, Max

* 11.9.1890 – ✝ 7.1.1982

Geboren am 11. September 1890 in Bernsdorf/ Krs. Glauchau, viertes von zehn Kindern einer Arbeiterfamilie; lernte Tischler. Von Oktober 1911 bis 1913 und von 1914 bis 1918 Soldat bei den Ulanen, Träger des EK II, mehrfach verwundet und deshalb ab 1915 nur noch garnisonsdienstfähig. Im November 1918 Mitglied des Soldatenrates in Chemnitz. Im Februar 1919 Mitbegründer der KPD-Ortsgruppe Gersdorf bei Chemnitz, seit 1923 Mitglied der BL Erzgebirge-Vogtland. Er zog 1926 für die KPD in den Sächsischen Landtag ein, in dem er bis 1930 blieb. 1927 Orgleiter des Bezirks Erzgebirge-Vogtland, gehörte zur linken Gruppe um Paul Bertz (Chemnitzer Linke). 1928 Polleiter von Erzgebirge-Vogtland, Delegierter des VI. Weltkongresses der Komintern in Moskau. Er wurde auf dem XII. Parteitag im Juni 1929 als Kandidat ins ZK der KPD gewählt. Als Mitglied der Spitzenführung der KPD übernahm er (mehrmals wegen der Zugehörigkeit zur Chemnitzer Linken angegriffen) verschiedene leitende Funktionen, Ende 1929 (nach dem Zusammenschluß der drei sächsischen Bezirke) Sekretär für kommunalpolitische Arbeit. Im Februar 1931 wurde Opitz Sekretär im Bezirk Niederrhein, im Herbst Polleiter in Hessen-Frankfurt. 1932 schickte ihn das ZK als Polleiter ins Ruhrgebiet. Im April 1932 in den Preußischen Landtag und im März 1933 noch in den Reichstag gewählt. Auf dem Bezirksparteitag Ruhr am 8. Januar 1933 diffamierte Opitz die SPD als »Hauptstütze der faschistischen Diktatur«. Bis April 1933 illegale Arbeit im Ruhrgebiet, anschließend Leiter der BL Württemberg. Am 2. November 1933 verhaftet, 1934 zu drei Jahren und einem Monat Zuchthaus verurteilt, er wurde im Oktober 1936 nach Essen verlegt und bis Pfingsten 1938 von der Gestapo verhört. Wegen der Ermordung eines Polizeiangestellten durch einen Arbeiter im Rheinland im Jahr 1932 sollte er erneut vor Gericht. Er bekam in Essen wegen »Totschlags« zusätzlich vier Jahre Zuchthaus, das OLG Hamm bestätigte das Urteil. Opitz wurde dann am 20. Juni 1941 aus dem Zuchthaus Ludwigsburg der Gestapo übergeben, die ihn in ein kleines Lager nach Welzheim/Württemberg brachte. Vermutlich hat die Furcht vor weiterer »Schutzhaft« in einem KZ Opitz veranlaßt, im Juni 1941 einen Brief an das RSHA der Gestapo zu richten, in dem es hieß: »Im Laufe der Jahre habe ich die Feststellung machen können, daß der Führer in ungeahnter Weise die großen, das Wohlergehen des Volkes angehenden Fragen gelöst hat. Ich erkenne vorbehaltlos Adolf Hitler als Führer der Deutschen an. Man kann eine Gesinnung selbstverständlich nicht von heute auf morgen ablegen, sondern muß sich eine andere Meinung erkämpfen ... Ich habe die Überzeugung gewonnen, daß nur Adolf Hitler die für Deutschland und darüber hinaus für Europa brennenden Fragen lösen kann und wird. Zur Frage meiner Inschutzhaftnahme kann ich nur sagen, daß es sehr bitter für mich wäre, wieder in Haft genommen zu werden ... Durch Inschutzhaftnahme ist mir jede Möglichkeit genommen, zum Beweis meiner positiven Gesinnung für das Dritte Reich etwas zu tun bzw. meiner jetzigen ablehnenden Haltung gegenüber dem Kommunismus Ausdruck zu verleihen ...« (Brief-Abschrift in HStA Düsseldorf [Gestapoakten], Nr. 32 938). In den ersten Jahren nach 1933 hätte die NSDAP sicherlich mit Freude zugegriffen und ein solches Überlaufen eines ehemaligen prominenten Kommunisten propagandistisch ausgewertet, 1941 schien ihr das offenbar nicht mehr vonnöten oder möglich, die Behauptung, seine Gesinnung geändert zu haben, reichte nicht aus. Opitz wurde nicht freigelassen, sondern kam im Oktober 1941 in das KZ Sachsenhausen, wo er bis 1945 blieb. Er wurde während des »Todesmarsches« bei Flecken Zechlin in Brandenburg am 1. Mai 1945 durch die Rote Armee befreit. Von Juni 1945 bis 1949 war Opitz, inzwischen wieder der KPD bzw. der SED beigetreten, Polizeipräsident in Dresden, von 1949 bis 1951 Oberbürgermeister in Leipzig und bis zur Bildung der LPKK Vorsitzender des Landesparteischiedsgerichts der SED in Sachsen. Er leitete von 1951 bis 1960 als Staatssekretär und Chef die Präsidialkanzlei des Präsidenten der DDR Wilhelm Pieck. Nach dem Tode Piecks Stellvertretender Vorsitzender der Interparlamentarischen Gruppe der DDR. Er erhielt 1960 den Karl-Marx-Orden, 1970 den VVO in Gold. Zu Opitz 75. Geburtstag (am 11. September 1965) wurde bei einer Gratulationscour in der Volkskammer sein »standhaftes Verhalten während der zwölf Jahre Haft in faschistischen Zuchthäusern und KZ« gerühmt. Max Opitz starb am 7. Januar 1982 in Ost-Berlin. Er war seit August 1946 in zweiter Ehe mit der Witwe des noch im März 1945 von den Nazis ermordeten Widerstandskämpfers Albert Hähnel, Erna Opitz-Hähnel, geborene Baldauf (*13.6. 1911 – † 26. 2. 1967), verheiratet gewesen. Klaus Kühnel veröffentlichte 2006 eine biographische Skizze über Max Opitz.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Oppermann, Lothar

* 23.10.1930

Geb. in Glogau (Głogów, Polen); Vater Arbeiter; Volksschule; 1945 Umsiedl. in die SBZ; OS in Grimma, 1949 Abitur; 1950 SED; Studium der Mathematik u. Physik an der Univ. Leipzig, 1956 St.-Ex. u. Abschl. als Dipl.-Lehrer; Lehrer an versch. OS; später wiss. Assistent u. Lehrbeauftr. am Inst. für Pädagogik; zeitw. Lehrbeauftr. für Schulprakt. Übungen u. polytechn. Ausbildung an der KMU Leipzig; 1961 Prom. zum Dr. paed.; 1962/63 stellv. Dir. des DPZI, Oberstudienrat; 1963 – 89 Ltr. der Abt. Volksbildung des ZK der SED (Nachf. von  Werner Neugebauer); 1964 u. 1970 VVO; 1970 Ord. Mitgl. der APW.Andreas Herbst

dissidenten.eu

Orlow, Juri

* 1924

Physiker, Menschenrechtler sowie Gründer und Leiter der *Moskauer Helsinki-Gruppe. Politischer Häftling und Bürgerrechtsaktivist.Juri Orlow ist Kind einer Arbeiterfamilie aus Moskau, wo er 1924 geboren wurde. In den ersten Jahren des Zweiten Weltkrieges arbeitete er in Waffenfabriken, 1944 wurde er in die Armee eingezogen und kam nach Abschluss der Artillerieschule als Leutnant an die Front. Schon während seiner Armeezeit wurde er Kandidat der KPdSU, 1948 dann Mitglied. 1946 wurde er aus der Armee entlassen, 1947–49 war Orlow Student des Moskauer Institutes für Physik und Technik, danach studierte er an der Physikalischen Fakultät der Moskauer Universität. Zwischen 1952 und 1956 arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Laboratorium für Wärmetechnik des Ministeriums für Maschinenbau, später am Institut für theoretische und experimentelle Physik der Akademie der Wissenschaften der UdSSR. Er spezialisierte sich auf dem Gebiet der Elementarphysik, schrieb und veröffentlichte seine Dissertation, ohne sie jedoch verteidigen zu können. Schon seit Mitte der 40er Jahre entwickelte Orlow dank eigener Beobachtungen und unter dem Einfluss von Gesprächen mit Offizierskollegen in der Armee eine kritische Einstellung zum sowjetischen System. In der Armee zog er sogar in Betracht, sich an einem konspirativen Zirkel zu beteiligen. Nachdem er 1956 von der Geheimrede Chruschtschows und dessen Verurteilung des stalinistischen Systems auf dem XX. Parteitag der KPdSU erfahren hatte, wurde sich Orlow endgültig über den repressiven Charakter des Kommunismus im Klaren. Kurz nach dem XX. Parteitag wurde aus Anlass von Chruschtschows Geheimrede eine Parteiversammlung in Orlows Labor einberufen. In seiner Stellungnahme bezeichnete Orlow Geheimpolizeichef Beria und Stalin als „mörderische Machthaber“ und forderte eine „Demokratie auf Basis des Sozialismus“. Andere Redner befürworteten seine Position. Ein vertraulicher Brief des ZK der KPdSU an die Parteiorganisationen befasste sich daraufhin eigens mit diesen „Exzessen gegen die Partei“. Am 21. April 1956 erschien ein Artikel darüber in der „Pravda“. Orlow und drei andere Teilnehmer der Diskussion wurden entlassen und aus der Partei ausgeschlossen. Um den entlassenen Kollegen zu helfen, sammelten die Physiker Geld. Mehrere Monate lang hatte Orlow keine Beschäftigung. Damals lernte er Walentin Turtschin kennen, mit dem er sich anfreundete. Im August 1956 stellte Abram Alichanow, der Direktor des Institutes für theoretische und experimentelle Physik der Akademie der Wissenschaften der Armenischen Sowjetrepublik, Orlow in seiner Einrichtung ein. Während der folgenden 16 Jahre arbeitete und lebte Orlow in Eriwan. Dort verteidigte er 1958 seine Doktorarbeit und anschließend 1963 die Habilitation. 1968 wurde er korrespondierendes Mitglied der Akademie der Wissenschaften der Armenischen Sowjetrepublik. 1972 kehrte Orlow nach Moskau zurück und nahm eine Stelle am Institut für Erdmagnetismus, Ionosphäre und Verbreitung von Radiowellen an der Akademie der Wissenschaften der UdSSR an. Unter dem Einfluss der Pressekampagne gegen Andrei Sacharow wendete er sich im September 1973 wieder dem gesellschaftlichen Engagement zu. Er richtete einen offenen Brief an Parteichef Leonid Breschnew unter der Überschrift „Die Gründe der intellektuellen Rückständigkeit der UdSSR und Vorschläge zu ihrer Überwindung“ (O pričinach intellektual‘nogo otstavanija SSSR i o predloženijach jego preodolenija), der auch als „13 Fragen an Breschnew“ (Trinadcat‘ voprosov Brežnevu) bekannt wurde. Orlow schlug darin eine Lockerung der staatlichen Kontrolle über die Wirtschaft vor und verlangte die Demokratisierung des politischen Lebens. Sein Appell verbreitete sich im Samisdat und er lernte sehr schnell eine ganze Reihe der Moskauer Dissidenten kennen. Im Oktober 1973 gründete er zusammen mit #Walentin Turtschin und Andrei Twerdochlebow die *Sowjetische Sektion von Amnesty International. Anfang 1974 wurde Orlow abermals entlassen und musste sich fortan seinen Lebensunterhalt mit Nachhilfestunden verdienen. Er beteiligte sich an den Kampagnen zur Verteidigung von #Alexander Solschenizyn, Alexander Woronel, Juri Gastew, Paruir Hairikian, #Wladimir Ossipow, Sergei Kowaljow, Andrej Twerdochlebow, Mustafa Dschmilew, Andrei Sacharow und Leonid Pljuschtsch. Am 30. Oktober 1974 nahm er an der Pressekonferenz aus Anlass des *Tages des politischen Häftlings in der UdSSR teil. Er organisierte in seiner Wohnung Seminare für Wissenschaftler, die aus politischen Gründen aus ihrer Arbeit gedrängt worden waren. In seinem im Dezember 1975 im Samisdat erschienenen Artikel „Ist ein nichttotalitärer Sozialismus möglich?“ (Vozmožen li socializm nie totalitarnogo tipa?) entwickelte er das „Konzept eines Sozialismus mit dezentralisierter, individueller wirtschaftlicher und politischer Selbstständigkeit ohne Privateigentum“ und war der Überzeugung, dass für den damaligen Zeitpunkt die Entwicklung einer „ethischen, antitotalitären Bewegung“ am wichtigsten sei. Nach Unterzeichnung der KSZE-Schlussakte von Helsinki diskutierte Orlow mit einigen Bekannten, darunter Andrei Amalrik und Natan Scharanski, die Idee, in den Unterzeichnerländern der Helsinki-Akte nationale Komitees zu gründen, die unabhängig von den Staatsorganen die Umsetzung der Bestimmungen im Bereich der Menschenrechte kontrollieren sollten. Am 12. Mai 1976 wurde in der Wohnung von Andrei Sacharow die Gründung der „Öffentlichen Gruppe zur Förderung der Umsetzung der Beschlüsse von Helsinki in der UdSSR“ (*Moskauer Helsinki-Gruppe) mit Orlow als Vorsitzendem bekannt gegeben. Andrei Amalrik erinnert sich daran wie folgt: „Orlow erwies sich als ausgezeichnete Führungspersönlichkeit. Er tolerierte andere Ansichten und war in der Lage, Menschen zu vereinen, ohne ihnen einen fremden Willen aufzuzwingen. Die Helsinki-Gruppe wurde zum Bindeglied für verschiedene Strömungen innerhalb der Opposition – von den Menschenrechtlern bis hin zur nationalen und ökonomischen Opposition – und verband außerdem die Intelligenz und die Arbeiter. Gleichzeitig drängte sie den Westen dazu, auf Verstöße der sowjetischen Regierung gegen die Helsinki-Beschlüsse zu reagieren.“1976/77 entstanden nach dem Vorbild der *Moskauer Helsinki-Gruppe mehrere andere gleichartige Organisationen in der Sowjetunion: die *Ukrainische Helsinki-Gruppe, die *Litauische Helsinki-Gruppe, die *Georgische Helsinki-Gruppe und die *Armenische Helsinki-Gruppe. Später überschritt die Bewegung auch die Grenzen der UdSSR. Noch heute ist die Internationale Helsinki-Föderation eine der bekanntesten und bedeutendsten Vereinigungen für die Verteidigung der Menschenrechte weltweit. Das Wirken der *Moskauer Helsinki-Gruppe traf auf starken Widerstand der Machtorgane. Schon am 15. Mai 1976 wurde Orlow vom KGB vorgeladen. Ihm wurden eine Verwarnung verlesen und mögliche Konsequenzen seiner angeblich „rechtswidrigen Tätigkeit“ angedroht; die sowjetische Nachrichtenagentur TASS verbreitete unverzüglich im Ausland eine Meldung mit dem unmissverständlichen Titel „Warnung an einen Provokateur“ (Predupreždenie provokatoru). Juri Orlow war ab sofort ständiger und demonstrativ offener Überwachung ausgesetzt und wurde immer wieder zu Verhören vorgeladen. Im Januar 1977 wurde in seiner Wohnung eine Hausdurchsuchung durchgeführt. Dessen ungeachtet setzte er sein Wirken fort, unterschrieb Briefe zur Verteidigung von Andersdenkenden, nahm an Treffen der *Sowjetischen Sektion von Amnesty International teil, war Mitautor von Appellen zur Verteidigung von verfolgten Autoren der tschechoslowakischen *Charta 77, der Mitglieder des polnischen „Komitees zu Verteidigung der Arbeiter“ (*KOR) sowie des jugoslawischen Schriftstellers Michail Michajlow. Am 10. Februar 1977 wurde Orlow verhaftet und in ein Untersuchungsgefängnis Lefortovo des KGB überstellt. Im Verlauf des Ermittlungsverfahrens, das sich über ein ganzes Jahr hinzog, wies er jede Schuld von sich und unterstrich den Wahrheitsgehalt der Veröffentlichungen der *Moskauer Helsinki-Gruppe. Vom 15. bis 18. Mai 1978 wurde über den Fall Orlow, der nach Paragraf 1 des *Artikels 70 Strafgesetzbuch der RSFSR angeklagt war, vor dem Moskauer Stadtgericht verhandelt. Orlow verweigerte ein Schuldeingeständnis und wurde zu sieben Jahren Lagerhaft mit strengem Regime und zu fünf Jahren Verbannung verurteilt. Am Tag der Urteilsverkündung versammelten sich vor dem Gebäude des Gerichts zirka 200 Personen. Andrei Sacharow, Jelena Bonner und andere wurden verhaftet weil sie versuchten, in den Verhandlungssaal vorzudringen. Zur Verteidigung des Verurteilten wurde eine internationale Kampagne organisiert, an der sich herausragende Wissenschaftler und Personen des öffentlichen Lebens in den USA, Großbritannien, Frankreich, der Bundesrepublik und der Schweiz beteiligten. Gleich nach der Ankunft in den *Permer Lagern erklärte Orlow, dass er Mitglied der *Moskauer Helsinki-Gruppe bleiben würde und beabsichtige, die Rolle eines Beobachters einzunehmen. Hierbei handelte es sich keineswegs um ein Lippenbekenntnis: Der Bericht der *Moskauer Helsinki-Gruppe „Die Situation politischer Häftlinge in den Lagern der UdSSR“ (O položenii zaključënnych v lagerjach SSSR) vom 25. April 1979 wurde auf der Grundlage eines Textes von Orlow und anderen politischen Gefangenen zusammengestellt. Trotz Behinderungen durch die Lagerleitung setzte Orlow seine wissenschaftliche Arbeit in Haft fort und versuchte, die Ergebnisse nach draußen weiterzuleiten. Juri Orlow wurde 1978 von Andrei Sacharow für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen. 1979 verlieh ihm die Internationale Liga für Menschenrechte ihre Medaille. Im gleichen Jahr wurde ihm insgeheim der Titel des korrespondierenden Mitgliedes der Akademie der Wissenschaften der Armenischen SSR entzogen. Die Verbannung im Anschluss an seine Haft verbrachte Orlow in der Sowjetrepublik Jakutien. Am Vorabend des Treffens von Michail Gorbatschow und Ronald Reagan Ende September 1986 im isländischen Reykjavik wurde bekannt gegeben, dass die UdSSR dem Austausch Orlows gegen einen Mitarbeiter des sowjetischen Geheimdienstes, der in den USA inhaftiert war, zustimme. Orlow wurde mit dem Flugzeug nach Moskau gebracht und drei Tage lang intensiv im Lefortovo-Gefängnis verhört. Durch Beschluss des Präsidiums des Obersten Sowjets verlor er die sowjetische Staatsbürgerschaft, welche er erst im August 1990 zurückbekam. Am 5. Oktober 1986 wurde Orlow in die USA ausgewiesen. Im Ausland nahm er an den Treffen der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) 1986 und 1988 in Wien, 1989 in Paris und 1991 in Moskau teil und organisierte Kampagnen zur Verteidigung sowjetischer politischer Häftlinge. Ende 1986 wurde Orlow zum Ehrenvorsitzenden der Internationalen Helsinki-Föderation ernannt. Ab Juni 1989 fuhr Orlow regelmäßig in die Sowjetunion. 1989 appellierte er an die demokratischen Kräfte, nach dem Vorbild der polnischen *Solidarność eine Massenpartei zu gründen. Er unterstützte Boris Jelzin aktiv in den Jahren 1990 und 1991 und nahm an den Aktivitäten der 1989 reaktivierten *Moskauer Helsinki-Gruppe teil. Später veröffentlichte er seine Erinnerungen (Deutsch „Ein russisches Leben“, 1992). Sein gesellschaftliches Wirken verbindet Juri Orlow bis heute mit seiner wissenschaftlichen Arbeit. Er war Physikprofessor an der Cornell University in Ithaca im US-Bundesstaat New York, wo er bis heute als Emeritus lehrt.Dmitri Subarew, Gennadi Kusowkin Aus dem Polnischen von Tim Bohse Letzte Aktualisierung: 02/16

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Osche, Ulrich

* 5.1.1911 – ✝ 27.2.1975

Geb. in Berlin; Vater Schneider; Volksschule u. Gymnasium, 1929 Abitur; Lehre u. Arbeit als Chemigraph; 1929 KJVD; 1930 KPD; versch. Funktionen der RGO-Jugend Graphisches Gewerbe; 1933 illeg. Arbeit; 1934 Emigr. in die Niederl.; ab Sept. 1934 illeg. Arbeit als Instrukteur in Mörs, Essen u. Duisburg, zul. Pol.-Sekr. der illeg. KPD im Ruhrgeb.; 1935 Aufenthalt in Moskau; Teiln. am VII. Weltkongreß der KI, am VI. Weltkongreß der KJI u. an der Brüssler Konferenz der KPD in Moskau; Jan. 1936 Rückkehr nach Dtl.; Sekr. der illeg. KPD im Bez. Köln; im März 1936 verhaftet u. im Jan. 1937 durch den VGH zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt, Haft im Zuchthaus Siegburg, Juli 1943 – April 1945 im KZ Buchenwald. 1945 – 49 Abt.-Ltr. u. Personalchef in der Dt. ZV für Land- u. Forstw.; 1946 SED; 1949/50 Ltr. des Postzeitungsvertriebs; 1950 – 52 Vertriebsltr. u. Kulturdir. des Verlags u. der Red. des »Neuen Dtl.«; 1952 – 54 Verlagsltr. der »Märk. Volksstimme« Potsdam; 1954 – 59 Mitarb. im ZK der SED; Abt.-Ltr. für Verlage in der Zentrag; 1959 – 74 Hauptdir. der ZL bzw. GD der DEWAG (Nachf. von  Alfred Adolph); 1959, 1961 u. 1970 VVO; 1974 KMO.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Osten, Maria

* 23.3.1908 – ✝ 8.8.1942

Geboren am 23. März 1908 als Maria Greßhöner in Muckum/Krs. Lemgo, Tochter einer Großgrundbesitzerfamilie. Die Eltern übersiedelten 1911 mit den drei Töchtern (Maria war die jüngste) in einen größeren Gutshof nach Westpreußen. Dort besuchte sie die Höhere Mädchenschule in Deutsch Krone und dann ein Lyzeum in Berlin-Lichterfelde. Nach mehreren Tätigkeiten 1926 im kommunistischen Malik-Verlag angestellt, lebte sie mit dem Verleger Wieland Herzfelde zusammen. In der Berliner Boheme umtriebig, wurde sie rasch als Schriftstellerin bekannt, z. B. mit einer Erzählung in dem von Hermann Kesten 1929 herausgegebenen Band »24 Neue Deutsche Erzähler«. Seit 1927 in der KPD, gläubige Anhängerin der Sowjetunion (vor allem nach einer kurzen Heirat 1929 mit dem russischen Regisseur Jewgeni Tscherwiakow) und wählte als Zeichen ihrer Sympathie zur Sowjetunion das Pseudonym Osten, übernahm in der KPD verschiedene Funktionen, offensichtlich auch in deren Geheimapparat. Seit 1932 führte sie mit dem sowjetischen Schriftsteller, KP-Funktionär und »Prawda«-Redakteur Michail Kolzow (* 1898 – † 1940) eine Lebensgemeinschaft. Ab Herbst 1932 in Moskau Redakteurin bei der »Deutschen Zentral-Zeitung«. Nach Hitlers Machtantritt 1933 arbeitete Maria Osten in der KPD-Emigration, reiste zusammen mit Kolzow 1934 zu Reportagen nach Frankreich und ins Saargebiet. Dort trafen sie auf den Kommunisten Johann L’Hoste und nahmen dessen Sohn Hubert mit zu sich nach Moskau. Das Leben des deutschen Jungen schilderte sie in dem Buch »Hubert im Wunderland«. Während des Bürgerkrieges in Spanien wurde Kolzow ein wichtiger Vertreter der Sowjetunion in Madrid, wohin ihm Maria Osten folgte, die aus Spanien für die DZZ berichtete. Ab 1937 arbeitete sie in Paris für die kommunistische Zeitschrift »Wort«. Kolzow ging im Dezember 1937 wieder nach Moskau, wurde dort am 12. Dezember 1938 verhaftet und am 2. Februar 1940 in Butowo erschossen. Um zur Aufklärung beim vermeintlichen »Mißverständnis« der Verhaftung ihres Lebensgefährten beizutragen, reiste Maria Osten nach Moskau. Hier geriet sie selbst in die Stalinschen Säuberungen und wurde am 25. Juni 1941 verhaftet. Maria Osten wurde wegen »Spionage« am 8. August 1942 zum Tode verurteilt und sofort von einem NKWD-Kommando erschossen, 1957 vom Militärtribunal in Moskau »rehabilitiert«.

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Ott, Harry

* 15.10.1933 – ✝ 24.6.2005

Geb. in Chemnitz; Vater u. Mutter Weber; 1940 – 48 Grundschule in Kappel; 1944/45 HJ; 1945 Mitbegr. der Antifa-Jugendgr. in Kappel; 1948 – 52 EOS in Chemnitz, Abitur; 1952 SED; 1952/53 Studium der Wirtschaftswiss. an der KMU Leipzig; 1953 – 59 Studium am Inst. für Internat. Beziehungen in Moskau, Dipl.-Staatswiss.; 1959 Ref. im MfAA; 1959 – 62 Instrukteur, ab 1962 kommissar. Sektorenltr., 1963 – 66 Ltr. des Sektors Soz. Länder, bis 1966 war er Mitarb. des MfAA; 1966 – 74 stellv. Ltr. der Abt. Internat. Verbindungen des ZK der SED; 1971 – 76 Mitgl. der ZRK der SED; 1974 – 80 Botschafter der DDR in der UdSSR (Nachf. von  Horst Bittner); 1976 – 89 Mitgl. des ZK der SED; 1980 – 82 Botschafter; 1982 – 88 Ltr. der Ständ. Vertr. der DDR bei der UNO in New York, Botschaf- ter der DDR (Nachf. von  Peter Florin); 1982 – 88 Stellv. Min. für Ausw. Angelegenh.; 1983 KMO u. VVO; 1988 Stern der Völkerfreundschaft; gest. in Berlin.Helmut Müller-Enbergs

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Otto, Kristin

* 7.2.1966

Geb. in Leipzig; Vater Physikprof., Mutter Physiotherapeutin; ab 1970 Schwimmsport; KJS Leipzig; Schwimmerin beim SC DHfK Leipzig; 1982 WM über 100 m Rücken, 4 x 100 m Freistil u. 4 x 100 m Lagen; 1984 Siegerin über 100 u. 200 m Freistil u. 4 x 100 m Freistil bei den Wettkämpfen der Freundschaft in Moskau; 1986 WM über 50 u. 100 m Freistil, 100 m Schmetterling, 200 m Lagen, 4 x 100 m Freistil u. 4 x 100 m Lagen; 1987 EM über 100 m Freistil, 100 m Rücken, 100 m Schmetterling, 4 x 100 m Freistil u. 4 x 100 m Lagen; 1988 Olymp. Spiele: Siegerin über 50 u. 100 m Freistil, 100 m Rücken, 100 m Schmetterling, 4 x 100 m Freistil u. 4 x 100 m Lagen (erfolgreichste Teiln.); 1989 EM über 100 m Rücken; 1988 DDR-Sportlerin des Jahres; 1988 Abitur; 1988 – 90 Volontärin beim Sender Leipzig; 1990 Vizepräs. des Dt. Schwimmsportverb. Sportjournalistin beim ZDF; 1993 bei 3SAT; anschl. Sportberichterstattung bei den ZDF-Nachrichten; ab Aug. 1998 Sport-Moderatorin im ZDF, u. a. der »Sport-Reportage«; 2000 Einstellung des Verfahrens gegen Strafbefehl von 15.000 DM Geldstrafe wg. Körperverletzung durch Doping gegen ihren früheren Mannschaftarzt u. Trainer Stefan Hetzer durch das Amtsgericht Leipzig; O. widerspricht dem Vorwurf der Dopingmitwisserschaft durch die ehemaligen DDR-Schwimmer  Ulrike Tauber, Karen König u. Jörg Hoffmann; lebt in Wiesbaden.Olympiabücher 2000 u. 2004 – 08 (Mithrsg.).Volker Kluge / Olaf W. Reimann

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Oelßner, Alfred Franz (auch: Oelssner)

* 30.8.1879 – ✝ 13.6.1962

Geb. in Greiz (Vogtl.); Vater Buchbindermstr.; 1886 – 1894 Bürgerschule in Greiz; Ausbildung zum Buchbinder; 1897 – 1900 Wanderschaft; 1902 – 17 Mitgl. der SPD in Leipzig; 1903 – 06 dort Besuch der SPD-Parteischule; 1903 Geburt des Sohnes  Fred O.; 1904 Streikltr. der Leipziger Buchbinder, gemaßregelt; 1909 Expeditient des »Halleschen Volksblatts« in Weißenfels; dort Mitgl. des SPD-Krs.-Vorst. u. 1911 – 14 Parteisekr.; Aufsichtsratsvors. des »Volksboten«; 1912 wegen »Majestätsbeleidigung« angeklagt, freigesprochen; 1915 – 17 Militärdienst; 1917 Gewerkschaftsvors. in Weißenfels; 1917 – 20 dort Mitgl. der USPD u. Sekr. des Krs.-Vorst.; 1918 Vors. des Arbeiter- u. Soldatenrats in Halle-Merseburg; Kommissar der Reg. in Merseburg, dort Stadtverordn.; Stadtrat in Weißenfels; 1919/20 Sekr. der USPD Halle; 1920 KPD; Ltr. der »mitteldt. Märzaktion«, danach illeg.; 1920 – 23 Sekr. der KPD Schles. u. Mitgl. des KPD-ZA; 1923 wegen »Hochverrats« vom Reichsgericht zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt, 1924 – 25 Haft im Zentralgefängnis Cottbus; 1925 – 28 Angest. beim ZK der KPD, Vors. der Parteischiedsgerichte; 1928/29 RFB-Bundeskassierer; 1929 – 32 Geschäftsf. im Versandhaus für Arbeiterkultur in Berlin; 1933 kurzz. verhaftet; illeg. pol. Arbeit; im Auftrag der KPD Mitgl. der DAF u. NSV; 1933 – 36 arbeitslos; 1936 – 45 Arbeiter auf Rieselfeldern u. als Buchbinder in der Volksbücherei Berlin-Weißensee. 1945/46 KPD/SED; Bez.-Vorsteher von Berlin-Prenzlauer Berg; Juni 1945 Ltr. der Abt. Kasse der KPD; 1946 – 50 Hauptkassierer des SED-PV; ab 1950 neben  Stefan Heymann Vors. der Stipendienkommission des SED-PV; 1950 – 54 Vors. der ZRK der SED; 1954 Ruhestand; 1959 KMO; gest. in Berlin.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Oettinghaus, Walter

* 26.2.1883 – ✝ 17.9.1950

Geboren am 26. Februar 1883 in Gevelsberg/ Westfalen; Metallarbeiter, trat 1901 in die SPD ein. 1905 zunächst ehrenamtlich, ab 1910 hauptamtlicher Geschäftsführer des DMV in Gevelsberg. Oettinghaus wurde 1910 Gemeindevertreter in Milpse sowie Abgeordneter des Provinziallandtages Westfalen. Kurzfristig Soldat im Weltkrieg, ging 1917 zur USPD. Während der Novemberrevolution war er Volkskommissar des Kreises Hagen-Schwelm und Mitglied des Arbeiter- und Soldatenrates Milpse. Nach dem Kapp-Putsch gehörte Oettinghaus zur politischen Leitung der Roten Ruhrarmee. Im Juni 1920 im Wahlkreis Westfalen-Süd in den Reichstag gewählt, dem er bis 1924, zunächst als USPD-, ab 1922 als SPD-Abgeordneter angehörte. Vorsitzender der SPD-Kreisorganisation Schwelm, wurde im September 1930 erneut im Wahlkreis Westfalen-Süd in den Reichstag gewählt. Er stand auf dem linken Flügel der SPD, zählte zu den Kritikern der Tolerierungspolitik der SPD gegenüber der Brüning-Regierung. Im März 1931 stimmte er mit acht anderen SPD-MdR gegen den Marine-Etat und damit gegen den Bau des Panzerkreuzers A. Im Juni 1931 auf dem Parteitag in Leipzig Kandidat der Linksopposition für den SPD-Parteivorstand, aber nicht gewählt. Am 28. September 1931 erklärte Oettinghaus trotz seiner Kritik an deren RGO-Gewerkschaftspolitik demonstrativ seinen Übertritt zur KPD, um die Gründung der SAP zu verhindern. Im Oktober aus dem DMV ausgeschlossen, soll er später in der RGO-Reichsleitung gewirkt haben. Im Juli und November 1932 im Wahlkreis Westfalen-Süd nun für die KPD in den Reichstag gewählt. In der Nacht des Reichstagsbrandes ging Oettinghaus in die Illegalität und flüchtete im Mai zunächst in die Niederlande, später nach Frankreich. Er war im »Koordinationsausschuß deutscher Gewerkschafter« und arbeitete eng mit Willi Münzenberg zusammen. Nach Kritik an den Moskauer Prozessen und am Hitler-Stalin-Pakt wurde Oettinghaus aus der KPD ausgeschlossen. 1940 zeitweilig interniert, entkam er 1941 einem deutschen Auslieferungsersuchen über Algier nach Mexiko. Er erlitt einen Schlaganfall, übersiedelte in die USA und kehrte 1948 schwerkrank nach Deutschland zurück, war aber noch in der Gewerkschaft aktiv. Walter Oettinghaus starb am 17. September 1950 in Ennepetal.

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Olbrich, Harald

* 14.5.1936

Geb. in Neustadt / Tafelfichte (ČSR); Vater Textiling., Mutter später Abt.-Ltr. bei der Sozialversicherung der DDR; aufgew. in Neustadt, Brno u. Potsdam; 1952 – 89 SED; 1954 Abitur an der Landes-OS in Wiesenburg/Mark; 1955 – 60 Studium der Kunstgeschichte an der Karls-Univ. Prag; dort 1960/61 wiss. Aspirant bei J. Pesina; 1961 – 67 wiss. Aspirant bzw. Assistent am Kunsthist. Inst. der KMU Leipzig; 1966 Prom. zum Dr. phil mit der Arbeit »Zur künstler. u. kulturpol. Leistung dt. bildender Künstler im Exil 1933 – 45, mit bes. Berücksichtigung der Emigranten in der Tschechoslowakei«; 1967 – 70 wiss. Oberassistent am Kunstgeschichtl. Inst. der HU Berlin; 1968/69 – 94 Mithrsg. u. nebenamtl. Chefred. des »Lexikons der Kunst« beim E. A. Seemann Verlag Leipzig; 1970 Hochschuldoz. für Kunstwiss. in Berlin; Mitte der 70er bis Anf. der 80er Jahre Ltr. der Zentr. Kommission Bildende Kunst im KB; 1977 Habil. mit »Studien zu Theorie u. Geschichte des Konstruktivismus«; ord. Prof. für Kunstgeschichte der soz. Länder an der HU Berlin; 1977 – 83 Dir. der Sekt. Ästhetik u. Kunstwiss. an der HU Berlin; 1982 – 92 dort Ltr. des Bereichs Kunstwiss.; 1989 Vizepräs. u. Vors. der Zentr. Sektionsltg. Kunstwiss. des VBK. 1992 vorz. Ruhestand auf eigenen Wunsch; 1994 – 98 Vertretungsprof. für Kunstgeschichte an der Univ. Trier; seit 1999 Rentner.(Hrsg., Mitautor) Geschichte der dt. Kunst 1890 – 1918. Leipzig 1988; (Hrsg., Mitautor) Geschichte der dt. Kunst 1918 – 1945. Leipzig 1990; (mit H. Möbius) Holländische Malerei des 17. Jh. Leipzig 1990.Anke Scharnhorst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Oldenburg, Otto

* 21.6.1898 – ✝ 11.3.1942

Geboren am 21. Juni 1898 in Berlin; lernte Mechaniker und arbeitete u. a. bei Siemens. Nach dem Weltkrieg trat er in die FSJ ein und wurde bereits im Februar 1919 Mitglied der Zentrale des Jugendverbandes. 1919 Eintritt in die KPD. Der Siemenskonzern kündigte Oldenburg wegen »Aufhetzung der Arbeiter«; daraufhin bekam er eine Stelle zunächst als Registrator bei der russisch-österreichischen Handelsgesellschaft, später war er offiziell Korrespondent der sowjetischen Handelsvertretung in Berlin. Oldenburg war für den AM-Apparat der KPD tätig. Er wurde 1926 verhaftet, vom 4. Strafsenat des Reichsgerichts in Leipzig zusammen mit Otto Braun und Olga Benario angeklagt und wegen »Vorbereitung zum Hochverrat« zu eineinhalb Jahren Festung verurteilt, im Juli 1928 wurde die Reststrafe durch Amnestie erlassen. Wieder in der KPD aktiv und ab November 1929 in der Berliner Stadtverordnetenversammlung. Als Oldenburg am 12. März 1933 erneut in die Berliner Stadtverordnetenversammlung gewählt wurde, befand er sich bereits in »Schutzhaft« im KZ Sonnenburg und saß dort bis Juli 1934. Im April 1937 wegen des Verdachts illegaler Widerstandstätigkeit erneut festgenommen, saß er bis Juni 1937 im KZ Sachsenhausen. Am Tag des Kriegsausbruchs, am 1. September 1939, ein drittes Mal verhaftet und wieder ins KZ Sachsenhausen eingeliefert. Dort starb Otto Oldenburg am 11.März 1942 an den Entbehrungen der KZ-Haft.

Wer war wer in DDR

Opitz, Heinrich

* 26.6.1929 – ✝ 15.7.2018

Geb. in Hindenburg (Oberschles. / Zabrze, Polen); Vater Former; Volksschule u. Gymnasium; 1945 Kriegsteiln. (RAD) u. amerik. Kriegsgefangenschaft. 1946/47 Landw.-Gehilfe; 1948 – 52 hauptamtl. FDJ-Funktionär sowie Lehrer bzw. Ltr. der Landesjugendschule der FDJ in Waldbärenburg (Sachsen); 1952 – 60 Studium der Ges.-Wiss. u. Philos. an der PHS; daselbst 1965 Prom. zum Dr. phil. mit der Arbeit »Die Genesis des Marxschen Praxisbegriffs u. seine Bedeutung für die Begründung der Erkenntnistheorie des dial. Materialismus« (Veröff. 1968); 1966 Doz. für das Fachgeb. marxist.-leninist. Philos. u.1970 Prof. für Dial. Materialismus; 1974 – 90 Dir. des Bereichs Philos. der PHS; 1970 – 89 Mitgl. des Wiss. Rats für Marx-Engels-Forschung sowie des Wiss. Rats für Philos. der DDR; 1978 – 89 Mitgl. des Red.-Kolleg. der »Dt. Ztschr. für Philos.« u. 1982 – 89 Mitgl. des Präs. der Urania; 1985 NP; nach Selbstauflösung der SED-PHS 1990 Invalidisierung. 1992 Vorst.-Mitgl. des Glienicker Kulturvereins u. seit 1994 Mitarb. im Rosa-Luxemburg-Verein Brandenb. sowie im Förderkrs. Marx-Engels-Ausgaben e. V. Berlin.Grundlagen der Erkenntnistheorie des dial. Materialismus. Berlin 1966; Philos. der Arbeiterkl. (Vorlesungen zum dial. Materialismus). Berlin 1975 (Mitautor); Dial. u. hist. Materialismus (Lehrbuch für Ausländer). Berlin 1982 (Ltr. des Autorenkoll.); Mitautor des Geschenkbuchs zur Jugendweihe der DDR: »Vom Sinn unseres Lebens«. Berlin 1983; Hrsg. einer dreibändigen Textsammlung der PHS »Philosophen-Lesebuch«. Berlin 1988.Hans-Christoph Rauh

Wer war wer in DDR

Opitz, Roland

* 23.5.1934 – ✝ 1.1.2015

Geb. in Stollberg (Sachsen); Vater Korrektor, Mutter Stenotypistin, Hausfrau; 1940 – 51 Schulbesuch in Leipzig, 1951 Abitur; 1951 / 52 Stud. der Slawistik in Leipzig; 1952 – 57 Stud. der Russistik in Moskau; 1957 – 75 wiss. Mitarb. an der KMU Leipzig; 1962 Diss. über Michail Lermontow; 1972 Dr. sc. mit einer Habilitationsschrift über Leonid Leonow; 1975 Prof. für Russ. Lit. u. Literaturtheorie an der KMU, außerdem 1967 – 90 Seminare zur russ. Lit. am Inst. für Lit. »Johannes R. Becher« in Leipzig; 1982 – 85 Dir. der Sekt. Germanistik u. Literaturwiss. der KMU; 1987 – 90 Dir. des Verlags Philipp Reclam jun. Leipzig; parallel dazu Honorarprof. 1990 – 97 Prof. für Russ. Lit. an der HU Berlin; 1997 Rentner; 1999 – 03 Präs. der Dt. Dostojewskij-Gesell.; Hg. von Werkausgaben von Lermontow, Leonow, Aitmatow, Pilnjak, Dostojewski u. zahlr. Anthologien; lebte zuletzt in Leipzig.Leonid Leonow. Philosophie u. Komposition. Berlin 1975; Krise des Romans? Halle 1984; Fjodor Dostojewskij. Weltbild u. Werkstruktur. Frankfurt (Main) 2000; Dichter in den Brüchen der Zeit (mit A. Opitz). Schkeuditz 2005; Russ. Dichter. Leipzig 2009; Der russ. Roman. Leipzig 2009.Christoph Links

dissidenten.eu

Orbán, Viktor

* 1963

Jurist, Gründer des Bundes Junger Demokraten *Fidesz, nach dem Ende des Kommunismus Vorsitzender der Partei „Fidesz – Ungarischer Bürgerbund“, 1998–2002 und seit 2010 Ministerpräsident Ungarns.Viktor Orbán wurde 1963 in Székesfehérvár geboren. 1981/82 leistete er seinen Wehrdienst, 1982–87 studierte er Rechtswissenschaft an der Loránd-Eötvös-Universität Budapest. 1983 wirkte er an der Einrichtung des Geisteswissenschaftlichen Kollegs mit. 1984 war er einer der Mitbegründer und Herausgeber der teilweise unabhängigen Studentenzeitschrift „Századvég“ (Jahrhundertende). Nach dem Hochschulabschluss 1987 wohnte er zwei Jahre in Szolnok. Er arbeitete kurzzeitig als Aspirant des Instituts für Führungskader des Landwirtschaftsministeriums und dann ab 1988 für die Soros Foundation of Central Europe Research Group. Am 30. März 1988 nahm er an der Zusammenkunft des Geisteswissenschaftlichen Kollegs teil, auf der die Entscheidung getroffen wurde, *Fidesz (Fiatal Demokraták Szövetsége/Bund Junger Demokraten) zu gründen. Orbán sollte eines der wichtigsten Mitglieder werden. Er sprach sich für die Idee des Rechtsstaates aus, war absolut gegen die Verwendung des Wortes „Sozialismus“ im Statut des Bundes sowie gegen die Anerkennung der führenden Rolle der Ungarischen Sozialistischen Arbeiterpartei. Im April 1988 erhielt er eine *Polizeiliche Verwarnung, wurde mehrfach von der Staatsanwaltschaft vorgeladen, vor ernsteren Konsequenzen musste er sich jedoch in jener Zeit nicht mehr fürchten. Er gründete eine Ortsgruppe von *Fidesz in Szolnok, wurde einer der Parteisprecher und im Oktober 1988 Mitglied des Landespräsidiums. Am 16. Juni 1989 hielt er anlässlich der symbolischen Beisetzung von Imre Nagy in Budapest eine vom staatlichen Fernsehen übertragene, radikale Rede, in der er freie Wahlen und den Abzug der sowjetischen Truppen aus Ungarn forderte. Diese Rede machte ihn zu einem der beliebtesten Politiker mit landesweitem Bekanntheitsgrad.Im Sommer 1989 nahm er als Vertreter von *Fidesz an den Verhandlungen zwischen Regierung und Opposition am sogenannten „Dreieckigen Tisch“ teil, der den geordneten Übergang zur Demokratie aushandelte. Orbán ergriff dort vor allem zu verfassungsrechtlichen Fragen das Wort. Im September ging er nach England, um dort am Pembroke College als Stipendiat der Soros-Stiftung die Geschichte der englischen Liberalen zu studieren, brach sein Stipendium jedoch im Januar 1990 ab und kehrte nach Ungarn zurück, um dort an den ersten freien Parlamentswahlen teilzunehmen. Orbán wurde für *Fidesz ins Parlament gewählt und war dort drei Jahre lang Fraktionsvorsitzender. 1993 wurde Orbán Parteichef von *Fidesz. Im Januar 1994 verkündete er das Parteiprogramm, das sowohl zum *Ungarischen Demokratischen Forum (Magyar Demokrata Forum; MDF) als auch zur Ungarischen Sozialistischen Partei (MSZP) auf Distanz ging. Während des Wahlkampfes ging er eine Koalition mit dem *Bund Freier Demokraten (Szabad Demokraták Szövetsége; SZDSZ) und zwei kleineren liberalen Parteien ein und errang mit einem Mandat des Komitats Fejér erneut ein Parlamentsmandat. 1995 änderte der Bund Junger Demokraten (*Fidesz) seinen Namen in „Fidesz – Ungarische Bürgerpartei“ (Fidesz – Magyar Polgári Párt). Die Partei gab sich jetzt ein klar national-liberales Profil, mit dem sie 1998 die Parlamentswahlen gewann. Viktor Orbán wurde Ministerpräsident Ungarns. Als Fidesz 2000 den Beschluss fasste, die Ämter des Partei- und des Regierungschefs voneinander zu trennen, verzichtete Orbán auf den Parteivorsitz und war fortan nur noch einfaches Vorstandsmitglied. Ministerpräsident blieb er bis 2002, als seine Partei die Parlamentswahlen gegen die oppositionellen Sozialisten verlor. Neuer Regierungschef wurde bis 2004 Péter Medgyessy (MSZP). Auf dem Parteitag 2003 wurden Name und Statut der Partei abermals geändert. Die Partei heißt seitdem „Fidesz – Ungarischer Bürgerbund“ (Fidesz – Magyar Polgári Szövetség). Orbán wurde erneut Parteivorsitzender, seit Oktober 2005 ist er auch Vizepräsident der Europäischen Volkspartei. In den Parlamentswahlen 2010 errang Fidesz einen klaren Sieg und Orbán wurde zum zweiten Mal ungarischer Ministerpräsident. Vor allem seine zweite Amtszeit brachte ihm wegen seiner rechtskonservativen Äußerungen, seines autoritären Regierungsstils und der Einschränkung von Menschen- und Bürgerrechten in Ungarn international massive Kritik ein.Péter Hermann Aus dem Polnischen von Gero Lietz Letzte Aktualisierung: 06/15

Wer war wer in DDR

Ortleb, Rainer

* 5.6.1944

Geb. in Gera; Abitur; bis 1964 Wehrdienst; 1964 – 71 Mathematikstudium u. 1971 Prom. zum Dr. rer. nat. an der TU Dresden; 1971 – 81 dort Assistent u. Oberassistent; 1968 Mitgl. der LDPD; später u. a. Vors. eines Dresdener Stadtbez.-Verb.; 1983 Prom. zum Dr. sc. techn. an der WPU Rostock; 1984/85 Doz. an der Sekt. Informatik u. 1986 – 89 an der Sekt. Schiffstechnik der WPU; Sept. 1989 a. o. Prof.; 1987 – 90 Vors. des Krs.-Verb. Rostock-Stadt u. Mitgl. des Bez.-Vorst. der LDPD; 10.2. – März 1990 Vors. der LDPD (Nachf. von  Manfred Gerlach); März – 12.8.1990 Vors. des Bundes Freier Demokraten; seitdem stellv. Bundesvors. der FDP; Apr. – Okt. 1990 Vors. der Volkskammerfraktion der Liberalen. Okt. 1990 – Jan. 1991 Bundesmin. für besondere Aufgaben; Okt. 1990 – 98 Abg. des Dt. Bundestags; 20.1.1991 – 3.2.1994 Bundesmin. für Bildung u. Wiss. (Nachf. von Jürgen Möllemann); April 1991 – April 1994 FDP-Landesvors. Mecklenb.-Vorpom.; März 1996 – Sept. 1999 FDP-Landesvors. Sachsen, Rücktritt aus gesundheitl. Gründen; 1999 – 2001 stellv. Vors. der FDP; 2001 Austritt aus der FDP; unterstützte 2009 Die Linke bei der Wahl zum Dt. Bundestag.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Osche, Ulrich

* 5.1.1911 – ✝ 27.2.1975

Geboren am 5. Januar 1911 in Berlin, Sohn eines Schneiders; besuchte das Gymnasium, wo er 1929 das Abitur ablegte und eine Lehre als Chemigraph begann. 1929 trat er in den KJVD ein, 1930 in die KPD. Funktionär der RGO-Jugend Graphisches Gewerbe, gehörte dem Reichsjugendausschuß der RGO an. 1933 ging er in die Illegalität, die NS-Behörden aberkannten Osche die deutsche Staatsangehörigkeit, da sein Vater Lette war. Im Mai 1934 emigrierte er in die Niederlande und setzte von dort die Arbeit für die KPD fort, zunächst als Instrukteur in Moers, Essen und Duisburg, zuletzt als Polleiter der KPD im Ruhrgebiet. Im August 1935 reiste Osche nach Moskau und nahm unter dem Namen Johann Lewald sowohl am VII. Weltkongreß der Komintern, dem VI. Weltkongreß der KJI und der »Brüsseler Konferenz« der KPD in Moskau teil. Im Januar 1936 kehrte er nach Deutschland zurück, Parteisekretär der illegalen KPD im Kölner Bezirk. Bereits am 30. März 1936 verhaftet und im Januar 1937 vom VGH zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. Zunächst im Zuchthaus Siegburg inhaftiert, dann von Juli 1943 bis 1945 im KZ Buchenwald. Im August 1945 wurde Osche Personalchef in der Deutschen Zentralverwaltung für Land- und Forstwirtschaft, ab 1950 des Verlages und des SED-Zentralorgans »Neues Deutschland«. Von 1959 bis 1974 Generaldirektor der »Deutschen Werbe- und Anzeigen Gesellschaft« (DEWAG), dem einzigen Betrieb für Messen und Ausstellungen in der DDR, er erhielt 1970 den VVO in Gold. Ulrich Osche starb am 27. Februar 1975.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Osterloh, Hermann

* 19.6.1886 – ✝ 12.10.1961

Geboren am 19. Juni 1886 in Bremen, Sohn eines Arbeiters; lernte Schlosser. 1908 Mitglied der SPD. Bei Kriegsausbruch Soldat, geriet in russische Gefangenschaft. Nach der russischen Oktoberrevolution besuchte er eine kommunistische Schule und schloß sich den Bolschewiki an. Osterloh sollte Ende 1918 mit Karl Radek, Ernst Reuter-Friesland u. a. zur KPD-Gründung nach Berlin fahren, wurde aber an der Grenze zurückgeschickt und kam erst Mitte 1919 nach Deutschland. In Bremen trat er der KPD bei, die Osterloh als hauptamtlichen Sekretär für Landfragen einsetzte. Ab 1923 Abgeordneter der Bremer Bürgerschaft, 1926 Orgleiter für den Bezirk Nordwest. In dieser Funktion nahm er am XI. Parteitag in Essen teil. Im Oktober 1928 wurde Osterloh, der dem rechten Flügel der Partei zuneigte, aus der KPD ausgeschlossen. Während einige KPD-Zeitungen schrieben, sein Ausschluß habe nichts mit Unterschlagungen zu tun, kolportierten andere, er habe 10 Mark und 40 Pfennig unpünktlich abgeliefert und sei deswegen ausgeschlossen worden, was zeige, »welch eiserne Strenge« in der KPD auch bei »kleinsten Summen« herrsche. Da der Ausschluß gerade zur Zeit der Wittorf-Affäre geschah, war eine solche Behauptung Zynismus. Osterloh legte im Dezember 1928 sein Bürgerschaftsmandat nieder, obwohl ihm die KPD zuvor noch ausdrücklich bestätigt hatte, daß sein Ausschluß nur aus politischen Gründen erfolgt sei. Er trat 1930 zur SPD über, für die er ebenfalls in die Bremer Bürgerschaft gewählt wurde, gab sein Mandat aber nach Verwicklungen in den Konkurs der Bremer Beamtenbank auf. Von 1928 bis 1934 arbeitete er bei einer Bremer Firma und war dort Betriebsrat, ab 1933 leitete Osterloh eine SPD-Widerstandsgruppe gegen den Nationalsozialismus, wurde 1934 verhaftet und zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt. 1945 aus der Haft befreit, wieder Mitglied der SPD, war Osterloh von 1947 bis 1955 auch Abgeordneter der Bremer Bürgerschaft, hier Mitglied der Baudeputation, dann der Deputation für Wiedergutmachung. Er wirkte acht Jahre lang als Amtsvorsteher des Ortsamtes Bremen-Hemelingen und war zugleich Leiter der sozialdemokratischen politischen Verfolgten in Bremen. Hermann Osterloh starb nach langer Krankheit am 12. Oktober 1961 in Bremen.

Wer war wer in DDR

Otte, Volkmar

* 6.4.1942

Geb. in Jena; Studium der Werbegestaltung; ab 1966 freiberufl. Mitarb. für Pantomime u. Co-Regie an zahlr. Schauspieltheatern; zugl. Lehrbeauftr. für Pantomime an den Schauspiel-HS in Berlin, Leipzig u. der HS für Film u. Fernsehen Potsdam-Babelsberg; 1968 Gründung der Pantomimebühne Berlin als erstes Off-Theater der DDR, dort bis 1974 Ltr., Regisseur u. Autor; 1974 Gründung des Pantomime-Ensembles am Dt. Theater Berlin, dort bis 1981 Ltr., Regisseur u. Autor; seit 1981 freiberufl. als Schauspielregisseur sowie Autor von Kinder- u. Jugendstücken; Ltr. von Pantomimekursen auf internat. Schauspiel- u. Regieseminaren. Nach 1990 überwiegend Lehrbeauftr. für Pantomime an mehreren Schauspiel-HS, darunter der HS für Schauspielkunst »Ernst Busch« Berlin.Christoph Links

Wer war wer in DDR

Otto, Rainer

* 9.4.1939

Geb. in Chemnitz; Lehrer; Studium am Leipziger Lit.-Institut »Johannes R. Becher«; 1964 scheiterte sein Versuch, in Karl-Marx-Stadt ein Profi-Kabarett zu gründen, das Programm wurde vor der Premiere verboten; ab 1964 Dramaturg der »Leipziger Pfeffermühle« (für die er zus. mit  Siegfried Mahler in den 1970er Jahren die meisten Texte verfaßte); 1981 – 92 Dir. der »Pfeffermühle«; schrieb für fast alle DDR-Kabaretts u. für die Ztschr. »Unterhaltungskunst«; wirkte in Kinderfilmen des DFF mit; Lehrer an der Zentralen Volkskunstschule der DDR; 1988 NP. Seit 1993 freiberufl. Autor u. Regisseur für Kabaretts (z. B. »SanftWut« Leipzig), Rundfunk u. Fernsehen; lebt in Leipzig.Kabarettgeschichte. Berlin 1977 (zus. mit W. Rösler); Pfeffermüllereien. Kabarett-Texte (Hrsg.). Berlin 1978. Budzinski, K., Hippen, R.: Metzler-Kabarett-Lexikon. Stuttgart 2000; Hoerning, H.: Die Leipziger Pfeffermühle. Geschichten aus fünf Jahrzehnten. Leipzig 2004.Christian Krause

Handbuch Deutsche Kommunisten

Oelßner, Alfred Franz (auch: Oelssner)

* 30.8.1879 – ✝ 13.6.1962

Geboren am 30. August 1879 in Greiz als ältester Sohn eines Buchbindermeisters; lernte Buchbinder, von 1897 bis 1900 Wanderschaft. Im Januar 1902 trat er in die SPD ein, besuchte 1906 die Parteischule der SPD. Ab 1910 Expedient beim sozialdemokratischen »Volksboten« und Leiter der Parteibuchhandlung in Weißenfels, anschließend hauptamtlicher Sekretär der SPD in Weißenfels. Von 1914 bis 1917 Armierungssoldat, 1917 Vorsitzender des Gewerkschaftskartells in Weißenfels und Übertritt zur USPD, 1919/20 Sekretär der USPD in Weißenfels. Dort in der Revolution 1918 Vorsitzender des Arbeiter- und Soldatenrates. Oelßner nahm an beiden Reichsrätekongressen teil. 1920 Delegierter des Spaltungsparteitages, ging mit der linken USPD zur KPD. Anfang 1921 KPD-Sekretär im Bezirk Halle-Merseburg. Nach der März-Aktion 1921 polizeilich gesucht, bis 1923 Bezirkssekretär der KPD für Schlesien und Oberschlesien. Auf dem VIII. Parteitag 1923 in die Beschwerde- und Orgkommission und für Schlesien in den ZA gewählt. Am 18. Juni 1924 vom Reichsgericht zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt, die er im Zentralgefängnis Cottbus verbüßte. 1925 aufgrund der »Hindenburg-Amnestie« vorzeitig entlassen, danach in der Orgabteilung des ZK tätig. Oelßner wurde 1925 Vorsitzender des Parteischiedsgerichts und war aktiv am Kampf gegen die linke und später die rechte Opposition beteiligt. 1928 Bundeskassierer des RFB, von 1929 bis 1932 Leiter des Versandhauses »Arbeiterkult« und der »Proletarischen Schallplattenzentrale« in Berlin, 1932/33 Reichskassierer des Kampfbundes gegen den Faschismus. Nach 1933 zunächst als Anlaufstelle für Instrukteure des ZK der KPD tätig, zog er sich von aktiver illegaler Arbeit zurück und blieb bis 1945 Buchbinder in Berlin. 1945 trat Alfred Oelßner wieder der KPD bei, wurde im Juni 1945 von Walter Ulbricht als Kassierer des ZK der KPD eingesetzt und war von April 1946 bis Juli 1950 Hauptkassierer der SED. Auf dem III. Parteitag der SED 1950 zum Vorsitzenden der Zentralen Revisionskommission gewählt, er blieb bis März 1954 in dieser Funktion, danach Parteiveteran, erhielt 1959 den Karl-Marx-Orden. Alfred Oelßner starb am 13. Juni 1962 in Ost-Berlin. Sein Sohn Fred Oelßner (* 27. 2. 1903), bis 1921 Leiter der Sozialistischen Proletarierjugend bzw. der KJD in Halle-Merseburg, trat 1920 in die KPD ein. Ab 1921 Volontär, dann Redakteur kommunistischer Zeitungen. Im Dezember 1923 verhaftet und im September 1924 vom Reichsgericht wegen »Vorbereitung zum Hochverrat« zu einem Jahr Gefängnis verurteilt, er saß bis 1925 im Zentralgefängnis Cottbus. 1925/26 Redakteur in Remscheid und Aachen, von 1926 bis 1929 Kursant an der Internationalen Leninschule, anschließend war Fred Oelßner am Institut der Roten Professur in Moskau. 1932/33 Mitarbeiter der Agitpropabteilung des ZK der KPD in Berlin. Er emigrierte im Dezember 1933 nach Paris, im März 1935 nach Moskau, dort Lektor an der Internationalen Leninschule. Anfang Oktober 1936 wegen »ideologischer Abweichung« entlassen, von 1936 bis 1938 Übersetzer, anschließend Arbeiter in einer Moskauer Papierfabrik, ab 1941 Leiter der Deutschland-Abteilung des Moskauer Rundfunks. Im Mai 1945 als Mitglied der Gruppe um Anton Ackermann Rückkehr nach Deutschland, Leiter der Agitpropabteilung des ZK der KPD, ab 1946 Leiter der Abteilung Parteischulung des SED-PV. 1947 Mitglied des PV, dann bis 1958 Mitglied des ZK. 1949 bzw. 1950 als Vertrauter Ulbrichts in das Sekretariat und das Politbüro berufen, galt er eine Zeitlang als »Chefideologe der SED«. Oelßner sympathisierte nach dem XX. Parteitag der KPdSU mit Karl Schirdewan und Ernst Wollweber, die Ulbricht absetzen wollten, er wurde deshalb im Februar 1958 wegen »wiederholter Verletzung der Disziplin des Politbüros« aus dem obersten Machtzirkel ausgeschlossen und auf dem folgenden V. Parteitag der SED nicht wieder in das ZK gewählt. Er erhielt 1973 den Karl-Marx-Orden. Fred Oelßner starb am 7. November 1977.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Ohlhof, Fritz

* 3.12.1889 – ✝ 18.2.1946

Geboren am 3. Dezember 1889 in Hamburg; Anwaltslehre und Bürogehilfe in Hamburg und Mainz. Ab 1908 Kontorist der Konsumgenossenschaft und Vorsitzender der Filiale des Handlungsgehilfenverbands in Mainz. Von 1912 bis 1921 Angestellter des Handlungsgehilfen- bzw. des Angestelltenverbands in Berlin, er gehörte zeitweilig dem Vorstand im SPD-Wahlverein Berlin-Charlottenburg und der Pressekommission des »Vorwärts« an. Wegen eines körperlichen Leidens kriegsdienstuntauglich, dann aber als Armierungssoldat eingezogen. 1917 Übertritt zur USPD und zur Spartakusgruppe, wurde Ende 1920 Bezirkssekretär der VKPD Pommern und auf dem Vereinigungsparteitag der USPD (Linke) und der KPD im Dezember 1920 in Berlin zum Mitglied des Zentralausschusses gewählt. Im Zusammenhang mir der Levi-Krise 1921 ( Paul Levi) trat Ohlhof aus der KPD aus, wurde wieder SPD-Mitglied und arbeitete bis 1931 als Redakteur der »Volkszeitung« in Mainz. Von 1924 bis 1933 dort auch Stadtverordneter. 1931 verließ er die SPD und wurde Mitbegründer der SAP-Ortsgruppe Mainz, gehörte deren BL Hessen/Hessen-Nassau an. Im November 1931 in den Hessischen Landtag gewählt, im Juni 1932 nicht wiedergewählt. Ab 1931 Vertreter der Dreiturm-Seifen-Industrie GmbH in Schlüchtern, im März 1933 kam Ohlhof für vier Wochen in »Schutzhaft«. Er leistete danach weiterhin illegale Arbeit gegen das NS-Regime, deshalb am 4. Mai 1936 wegen »Weiterführung der SAP in Frankfurt am Main und Mainz« festgenommen und am 7. Oktober 1936 vom OLG Kassel zu sieben Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach der Haftzeit in Frankfurt am Main und im Zuchthaus Butzbach Ende 1943 in das KZ Buchenwald eingeliefert. Im Mai 1945 kehrte er nach Mainz zurück, Mitglied der KPD, Redakteur beim überparteilichen »Neuen Mainzer Anzeiger«. Er war aktiv am Aufbau einer demokratischen Verwaltung in Mainz beteiligt. Am 18. Februar 1946 kam Fritz Ohlhof bei einem Autounfall ums Leben.

Wer war wer in DDR

Olbrich, Johanna

* 26.10.1926 – ✝ 18.2.2004

Geb. in Lauban (Niederschles./Lubań, Polen); Vater Eisenbahner, Mutter Hausfrau; 1933 – 42 Schulbesuch; 1942 – 45 Lehrerausb. in Neustadt (Neiße), Nikolai (Schles.) u. Löbau (Sachsen). 1945 Lehrerin in Löbau, Ebersbach u. Görlitz; 1946 – 2000 SED bzw. PDS; 1950 – 60 Pädagogik-Fernstudium am der PH Potsdam; 1960 – 66 Mitarb. im Min. für Volksbildung; 1962 – 88 als IM »Anna« für die HV A II/1 erf.; 1966 als »Sonja Lüneburg« über Frankreich Übersiedl. in die Bundesrep. Dtl.; 1966 – 69 Versicherungsangest.; 1969 – 72 Sekretärin des MdB William Borm, 1972/73 Sekretärin des FDP-Generalsekretärs Hermann Flach u. 1974/75 dessen Nachf. Martin Bangemann; 1975 Mitarb. Bangemanns in der liberalen Fraktion im Europ. Parlament u. 1984/85 B.s Sekretärin in dessen Zeit als Bundesmin. für Wirtschaft; 1985 aus Sicherheitsgründen Rückkehr in die DDR; Rentnerin. 1991 kurzzeitig inhaftiert, 1992 wegen Spionage zu 30 Mon. Haft verurteilt, nach Revision 1994 zur Bewährung ausgesetzt; gest. in Bernau. O. gehörte von 1969 – 85 zu den wichtigsten Quellen der HV A in der FDP, ihre Informationen boten dem MfS erhebl. Einblick in die Politik dieser Partei, die damals über viele Jahre an der Bundesreg. beteiligt war.Ich wurde Sonja Lüneburg. In: Eichner, K., Schramm, G. (Hrsg.): Kundschafter im Westen. Berlin 2003. Wolf, M.: Freunde sterben nicht. Berlin 2002.Wolfgang Hartmann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Ollrogge, Albert

* 14.2.1896 – ✝ 6.12.1970

Geboren am 14. Februar 1896 in Gudow/Krs. Herzogtum Lauenburg, Sohn eines Landarbeiters; graphischer Hilfsarbeiter. 1919 Eintritt in die USPD, Ende 1920 der VKPD. Ollrogge arbeitete in der Druckerei der »Hamburger Volkszeitung«, ab 1923 in Lübeck. 1924 Orgleiter der KPD Lübeck, von 1929 bis 1932 dort in der Bürgerschaft. Von Ende 1928 bis 1931 hauptamtlicher Sekretär der KPD in Itzehoe, Ollrogge wurde 1932 wegen »Unterstützung der Neumann-Fraktion« aus der KPD ausgeschlossen. Im März 1933 in Lübeck inhaftiert und im Juli durch das Sondergericht Altona wegen des »Versuchs der gemeinschaftlichen Sprengung einer Eisenbahnbrücke zwischen Wilster und Burg/Dithmarschen im Jahre 1931« zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach der Haft ab 1939 Bauhilfsarbeiter in Lübeck. 1944/45 unterstützte er Zwangsarbeiter und wurde am 23. März 1945 nochmals inhaftiert und in das Zuchthaus Bützow-Dreibergen überführt, aus dem ihn die Rote Armee befreite. Ollrogge trat der KPD bei und gehörte seit Anfang der fünfziger Jahre der KPD-Landesleitung Schleswig-Holstein an. Ab 1957 war er Herausgeber des »Volksboten«, der Zeitung der illegalen KPD in Schleswig-Holstein. Albert Ollrogge starb am 6.Dezember 1970 in Lübeck.

Wer war wer in DDR

Opitz, Kurt

* 2.9.1918 – ✝ 6.8.1991

Geb. in Venusberg (Krs. Zschopau); Vater Maurer; Volksschule; 1933 – 39 Lehre u. Arbeit als Maschinenschlosser; 1939 RAD, Wehrmacht, bis 1943 Militärmusiker, dann Einsatz an der Ostfront. 1945/46 sowj. Gefangenschaft; 1946 SED; 1946 – 49 Tanzmusiker; 1949 Kulturltr. in einer MAS; Jan. 1952 Einstellung beim MfS, Krs.-Dienststelle Marienberg; Febr. 1952 Krs.-Dienststelle Bautzen; Aug. 1952 Abt. Politkultur der BV Dresden; 1953 1. Sekr. der SED-PO der BV Dresden; 1954 stellv. Allgemein des Ltr. der BV Dresden; 1958/59 Lehrgang an der PHS; 1959 stellv. Operativ des Ltr. der BV Cottbus; 1963 zum Büro der Ltg., MfS Berlin, kommandiert; 1964 Ltr. der AG Sicherung des Reiseverkehrs; 1966/67 Lehrgang für Datenverarbeitung an der Zentr. Betriebsakad. beim Büro des Min.-Rats; 1966 – 68 Externstudium an der JHS Potsdam-Eiche, Dipl.-Jur.; 1969 Ltr. der AG XIII (Rechenzentrum); 1972 Oberst; 1976 von seiner Funktion entbunden; 1977 Entlassung, Rentner; bis 1980 ehrenamtl. Tätigkeit für die HA KuSch in der Rentnerbetreuung; gest. in Berlin.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Opitz, Rolf

* 3.8.1929 – ✝ 11.5.2006

Geb. in Weißig (Krs. Freital); Vater ungelernter Arbeiter, Mutter Wäschereiarb.; 1936 – 47 Volks- u. Berufsfachschule, Lehre als Verwaltungsangestellter bei der AOK in Freital u. bei der SVK in Dresden. 1945 KPD, 1946 SED; 1948 / 49 Abt.-Ltr. in der Sozialversicherungsanstalt Dresden; 1949 –51 Pressereferent im Min. für Volksbildung bzw. Mitarb. im Min. für Gesundheitswesen der Landesreg. Sachsen; 1951 Personalltr. bei der DHZ in Dresden; 1952 – Stud. an der DASR Potsdam, Dipl.-Jurist; 1955 / 56 Stellv. des Vors. des Rats des Krs. Görlitz; 1956 / 57 stellv. Ltr. der Org.-Instrukteur-Abt. beim Rat des Krs. Dresden; 1957 – 59 Sekr. u. Stellv. des Vors. des Rats des Krs. Riesa; 1959 – 62 Vors. des Rats des Krs. Freital; 1962 – 66 1. Stellv. des Vors. des Rats des Bez. Dresden; 1966 – 68 Berater in Sansibar; 1968 / 69 1. Stellv. des Vors. des Rats des Bez. Dresden; 1962 – 69 Abg. des Bezirkstags Dresden; 1969 – 72 Stellv. des Min. für die Anleitung u. Kontrolle der Bezirks- u. Kreisräte; 1972 – 74 stellv. Ltr. der Instrukteurabt. beim Vors. des Ministerrats der DDR; 1974 – 89 Vors. des Rats des Bez. Leipzig; 1976 – 89 Abg. des Bezirkstags Leipzig; 1989 Ehrenspange zum VVO in Gold; vom 14.12.1989 bis 8.5.1990 in Leipzig in U-Haft, am 1.2.1990 angeklagt wg. des Verdachts der Untreue; am 23.9.1993 endgültige Einstellung des Verfahrens durch das Landgericht Leipzig; ab Dez. 1989 parteilos. 1990 – 94 Vorruhestand; ab 1994 Rentner.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Ordnung, Carl

* 18.10.1927 – ✝ 6.3.2012

Geb. in Lengenfeld (Vogtl.); Vater Verkaufsstellenltr.; Besuch der Höheren Handelslehranstalt in Reichenbach u. der Wirtschafts-OS in Plauen; 1944 RAD, 1944/45 Kriegsdienst in der Wehrmacht. 1946 Abschl. eines Neulehrerkurses; SPD/ SED; Eintritt in die Ev.-methodist. Kirche (EmK); 1948 – 51 Studium der Germanistik, Geschichte, Psychol. u. Theol. an der Univ. Leipzig; anschl. Lehrer in Reichenbach; 1950 Austritt aus der SED u. 1952 Eintritt in die CDU; 1957 Red. der Ztg. »Neue Zeit«; 1958 Abt.-Ltr. für Kirchenfragen im CDU-Hauptvorst.; zugl. Mitgl. des Friedensaussch. der Ev.-methodist. Kirche in der DDR; 1962 Sekr. des DDR-Regionalaussch. der CFK; Mitgl. des Friedensrats der DDR; 1965 wiss. Mitarb. im CDU-Hauptaussch.; 1966 Teiln. an der Weltkonferenz für Kirche u. Ges. in Genf; Teiln. an ökumen. Tagungen in Europa, Indien, Japan, Kuba, Libanon, Panama u. den USA; 1967 Sekr. der internat. CFK-Studienkommission »Pol. u. Ökon.«; ab 1968 Mitgl. des NR der NF; 1969 VVO; 1983 Vizepräs. der Freundschaftsges. DDR-USA; 1988/89 Delegierter der EmK zur Ökumen. Vers. der Kirchen u. Christen in der DDR; 1990 Ref. in der Abt. Außen- u. Sicherheitspol. im Amt des Min.-Präs.  Lothar de Maizière. 1990 Austritt aus der CDU; 1990 – 2003 Vors. von Solidaritätsdienst Internat. e. V. (SODI), der Nachfolgeorg. des Solidaritätskomitees der DDR, seitdem Mitgl. des Vorst.; lebt in Berlin.Christ u. Rev. Berlin 1974; Erziehung zum Frieden. Berlin 1980; Feindbild und Friedenshoffnung. Berlin 1985.Jan Wielgohs / Ehrhart Neubert

Wer war wer in DDR

Ortmann, Hans-Werner

* 13.2.1923 – ✝ 10.4.1983

Geb. in Bobrek-Karf II (Krs. Beuthen, Schles. / Bobrek-Karb, Polen); Vater Kriminalbeamter; Grund- u. Oberschule; 1941 Studium an der Univ. Breslau; 1941 Wehrmacht; 1945 – 49 sowj. Kriegsgef., Antifaschule. 1949 Rückkehr nach Dtl.; 1950 SED; 1949 / 50 Redaktionsvolontär u. Hilfsred. in Erfurt; 1951 / 52 Presseinstrukteur bei der SED-LL Thüringen; 1952 stellv. Chefred., 1956 – 58 Chefred. der SED-Bezirksztg. »Märkische Volksstimme« in Potsdam (Nachf. von  Walter Franze); 1956 – 58 Vors. des VDJ-BV Potsdam; 1958 – 60 Red. beim Dietz Verlag; ab 1962 stellv. Abt.-Ltr. bzw. Programmdir. Übersee des Staatl. Rundfunkkomitees, Radio Berlin International, später Mitarb. der deutschsprach. Red. der Ztschr. »Probleme des Friedens u. des Sozialismus« in Prag.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Oschmann, Isolde

* 20.5.1913

Geb. in Berlin; Volksschule; Ausbildung u. Arbeit als Kindergärtnerin; 1945/46 KPD/ SED; 1946 – 48 Abg. der Stadtbez.-Verordnetenvers. Berlin-Treptow; Mitarb. im Stadtjugendamt; 1948 – 50 Studium an der PHS, Dipl.-Ges.-Wiss.; anschl. Assistentin am Lehrstuhl Geschichte der PHS; 1950 – 52 Min. für Volksbildung in der Landesreg. Thür.; Landesvors. der Dt.-Poln. Ges. u. Mitgl. der LL des KB Thür.; 1952 – 55 stellv. bzw. amt. Ltr. der Abt. Allgemeinbildende Schulen des ZK der SED; dann Sektorenltr. u. zeitw. Mitgl. der Frauenkommission beim PB des ZK der SED; später wiss. Mitarb. im Min. für Volksbildung, Studienrätin; 1973 VVO; 1977 – 82 Mitgl. des Zentralvorst. der Gewerkschaft Unterricht u. Erziehung.Andreas Herbst

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Ostrowski, Otto

* 28.1.1883 – ✝ 18.6.1963

Geb. in Spremberg; Vater Tuchmacher, Werkmeister; 1889 – 97 Grundschule, Gymn.; als Werkstudent Studium der Literaturwiss. u. Romanistik an der Kaiser-Wilhelm-Univ. Berlin; 1909 Prom. mit »Le Mystère de Saint Crespin et Crespinien nach dem Manuskript No. 219 der Bibliothek in Chantilly« an der Univ. Greifswald; anschl. Privatlehrer in Luckenwalde, Lyon u. Sheffield; ab 1914 wiss. Hilfslehrer in Lankwitz (b. Berlin); 1918 Oberlehrer am Realgymn. Lankwitz; 1918 SPD; 1919 SPD-Vertreter in der Gemeindevertretung Lankwitz (ab 1920 Berlin-Lankwitz); 1920 Mitgl. der Bezirksverw. Steglitz; 1922 aus dem Schuldienst ausgeschieden, 1922 – 26 Bürgermstr. von Finsterwalde; 1926 –33 Bürgermstr. des Berliner Bez. Prenzlauer Berg; März 1933 von der SA verhaftet u. entlassen; Arbeit als Hausverwalter in Berlin, half untergetauchten Juden in Berlin u. Umgebung; 1943 Berentung, versch. Tätigkeiten, u. a. Eröffn. einer Buchhandlung in Berlin (Treffpunkt von Widerstandskreisen); lebte ab 1944 in Calau, wo seine jüd. Frau versteckt war. 1945 SPD; Mai 1946 Bezirksbürgermstr. von Berlin-Wilmersdorf; Nov. 1946 erster gewählter OB von Groß-Berlin (Nachf. von  Arthur Werner); trotz Vorbehalten gegen die Vereinigung von KPD u. SPD (Ost) Bereitschaft zur Kooperation mit der SED; nach der Weigerung, SED-Funktionäre aus dem Magistrat zu entlassen, Mißtrauensantrag der eigenen Fraktion, Apr. 1947 Rücktritt; 1947 – 51 Ltr. des neugeschaffenen Hauptprüfungsamts in Berlin-West (Vorläufer des Rechnungshofs); 1951 Ruhestand; gest. in Kokken (Belgien).Gniffke, E.: Jahre mit Ulbricht. Köln 1966; Schlegelmilch, A.: O. O. u. die Neuorientierung der Sozialdemokratie in der Viersektorenstadt Berlin. In: Jahrbuch für die Gesch. Mittel- u. Ostdeutschlands (1994) 42; Podewin, N.: O. O. – der gelöschte Oberbürgermeister. Ein Schicksal im Berlin des Kalten Krieges. Berlin 2004.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Otten, Hans

* 13.7.1923 – ✝ 24.3.1971

Geb. in Köln-Stammheim; Vater Arbeiter; Volks- u. Handelsschule; 1940 – 43 kaufm. Lehre in der Fabrik Leybold Optische Geräte in Köln; 1943 – 45 Wehrmacht; Mai – Sept. 1945 brit. Kriegsgef. 1946 Besuch der Handelsschule in Leverkusen; 1947 Angest. bei Ford als Korrespondent; 1947 / 48 Student an der Journalistenschule in Aachen; 1948 Übersiedl. in die SBZ; Mitarb. im Berliner Verlag, Volontär bei der »NBI« (Neue Berliner Illustrierte); 1949 Lehrgang an der FDJ-Jugendhochschule »Wilhelm Pieck« in Bogensee; 1949 – 57 Red., Kollegiumsmitgl. der Ztg. »BZ am Abend«; 1951 SED, 1953 Sekr. der SED-GO an der Red., ab 1955 Mitgl. der Zentralen SED-Parteiltg. im Berliner Verlag; 1957 Red. bei der »Wochenpost«; Fernstudium der Journalistik an der KMU Leipzig; 1957 – 61 Chefred. der »Wochenpost« (Nachf. von  Rudi Wetzel), 1961 – 65 Chefred. der »NBI« (Nachf. von  Heinz Knapp); 1966 / 67 Studium an der HU Berlin, Dipl.-Historiker; 1967 – 71 stellv. Chefred. beim Dt. Verlag der Wissenschaften; 1970 zeitw. Aspirantur am ZI für Gesch. der AdW; gest. in Berlin.Kirsten Nies

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Otto, Silke

* 7.7.1969

Geb. in Karl-Marx-Stadt; 1983 KJS Oberwiesenthal, SC Traktor Oberwiesenthal; 1988 Junioren-EM (6. Pl.); 1989 WM (7. Pl.), DDR-Mstr. (6. Pl.); 1990 Oberwiesenthaler SV 90 (Trainer: Andreas Estel), später WSC Erzgebirge Oberwiesenthal; 1989 – 93 Ausbildung zur pharmazeut.-techn. Assistentin; seit 1996 Sportfördergruppe der Bundeswehr Frankenberg (z. Zt. Oberfeldwebel); dreimal Olymp. Spiele: 1992 (13. Pl.); 2002 (Gold), 2006 (Gold); viermal Einzel-WM (2000/01, 2003, 2005); zweimal WM-Dritte (1999, 2004); zweimal Mannschafts-WM (2003, 2005); zweimal EM (2000, 2002), EM-Dritte (2004); viermal Mannschafts-EM (1990, 1992, 2000); viermal Siegerin Gesamt-Weltcup (1995, 2000, 2003, 2004); dreimal Zweite im Gesamt-Weltcup (1999, 2001, 2002); 37 Weltcupsiege; dreimal Dt. Mstr. (2000, 2003, 2006); 2002 Silbernes Lorbeerblatt; 2007 Rücktritt; seit 2008 Mitgl. des Stadtrats von Zirndorf über SPD-Liste; wohnt in Zirndorf/Mittelfranken.Volker Kluge