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BioLex

In der Kategorie BioLex finden Sie drei biografische Lexika mit über 5500 Personeneinträgen.

 

Das Handbuch "Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945" wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam. Kurzbiografien zu Personen des poltischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 vor. Zudem ist das Onlinlexikon www.dissidenten.eu komplett in dieser  Rubrik recherchierbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Inforamtionen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Otto, Walter

* 16.7.1920 – ✝ 1.10.1989

Geb. in Wurzen; Vater Kraftfahrer; Volksschule; Ausbildung u. Arbeit als Tapezierer; 1940 RAD, dann Wehrmacht u. Gefangenschaft. 1946/47 Tapezierer; 1947 – 50 Sattler bei einer sowj. Militäreinheit; 1949 SED; 1950/51 Sachbearb. im Arbeitsamt Grimma; 1951/52 Arbeitsschutz-Inspektor beim Rat des Krs. Grimma; 1952 Einstellung beim MfS, Krs.-Dienststelle Grimma, dann Wurzen; 1953 Ltr. der Abt. II (Spionageabwehr) der BV Leipzig; 1954 Abt.-Ltr. in der HA II, MfS Berlin; 1957 zunächst Instrukteur, dann Ltr. der Arbeitsgr. Anleitung u. Kontrolle; 1960 – 65 Fernstudium an der JHS Potsdam-Eiche; 1962 Versetzung zur HA Kader u. Schulung des MfS Berlin; dort Abt.-Ltr., 1965 stellv. Ltr., 1972 Ltr. der HA; 1977 Gen.-Major; 1982 aus gesundheitl. Gründen von seiner Funktion entbunden; 1983 Rentner.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Overlach, Helene

* 19.7.1894 – ✝ 7.8.1983

Geb. in Greiz; Vater Arzt/parteilos; Realgymnasium; Handelslehre; 1920 Freie Soz. Jugend; Mitarbeit in der Red. »Junge Garde«; 1920 KJVD, VKPD; ab 1921 Mitarb. im Parteiapparat in Berlin (zeitw. bei  Wilhelm Pieck) u. Düsseldorf (b. Walter Stoecker); 1924/25 Red. »Ruhr-Echo«, zeitw. Chefred. »Niedersächs. Arbeiter Ztg.« Hannover; ab 1925 gem. mit Clara Zetkin Vors. des Roten Frauen- u. Mädchen-Bunds; ab 1927 Frauenvertreterin im ZK u. Ltr. der Frauenabt.; 1927 u. 1929 ZK-Mitgl.; 1929 Kand. des PB; Mai 1928 – März 1933 MdR; Herbst 1931 – Mitte 1932 Schulungskurs in Moskau; Juli 1933 illeg. Arbeit für die RH im Ruhrgeb.; Dez. 1933 verhaftet, Schutz- u. U-Haft, Aug. 1934 wegen »Vorber. zum Hochverrat« zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt, Dez. 1936 »Schutzhaft«, KZ Mohringen u. Lichtenburg; Mai 1938 entlassen; Mitgl. DAF u. NSV; Arbeit an einer Handelsschule; unter Polizeiaufsicht; Aug. 1944 erneut verhaftet (Aktion »Gitter«), KZ Ravensbrück; 22.4.1945 über Rotkreuz-Aktion nach Schweden, Juni 1945 in Västerås. 1946 Rückkehr in die SBZ; Ltr. der gewerbl. Mädchenberufsschule; Hauptref. im Berliner Magistrat für das ges. kfm. Berufsschulwesen; dann Abt.-Ltr. für die Ausbildung von Berufsschullehrern in der Pädagog. HS Berlin; 1950 dort als Prof. berufen; nach Auflösung der Schule von 1952 – 54 Inst.-Ltr. für Ausbildung von Berufsschullehrern; Ende 1954 wegen Krankheit ausgeschieden; gest. in Berlin.Frauen-KZ Ravensbrück. In: Pol. Information, (1945) 8. Arendt, H.-J.: Sie stritt mit Herz und Verstand für den Soz. H. O. In: Beiträge zur Geschichte der Arbeiterbew. (1988) 6. MFS

Wer war wer in DDR

Paczinsky, Artur

* 8.12.1893 – ✝ 28.9.1967

Geb. in Pless (Oberschles. / Psczyna, Polen); Vater Schlosser; Volksschule; 1908 – 33 Lehre u. Arbeit als Schlosser; 1921 KPD; 1933 – 45 wegen »Vorber. zum Hochverrat u. von Sprengstoffverbrechen« zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt, Haft in verschiedenen Zuchthäusern u. KZ. 1945/46 KPD/SED; Sekr. der KPD-KL Flöha (Sachsen); 1946 Sekr. des Krs.-Vorst. der SED Flöha; 1949 Einstellung bei der Verw. zum Schutz der Volkswirtschaft Sachsen (ab Febr. 1950 Länderverw. Sachsen des MfS), Ltr. der Abt. IVa (Spionage/Westarbeit); 1952 Ltr. der Abt. E (Verkehr), MfS Berlin; 1953 Ltr. der HA XIII (Verkehr), Oberst; 1959 Rentner.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Palitzsch, Peter

* 11.9.1918 – ✝ 18.12.2004

Geb. in Deutschmannsdorf (Krs. Löwenberg, Niederschl. / Zbylutów, Polen); verbrachte die Kindheit in Dresden; Vater Kfm.; FH (kfm. Lehre); 1940 – 45 Kriegsdienst u. Gefangenschaft. 1945 Dramaturg an der Dresdener Volksbühne; 1949 – 61 Assistent, Dramaturg u. später Regisseur am Berliner Ensemble, dort 1955 Regiedebüt »Der Tag des großen Gelehrten Wu«; 1959 NP (im Koll.); 1961 Übersiedl. in die Bundesrep. Dtl.; Gastinszenierungen in Schweden, Norwegen, Dänemark, den Niederl. u. in versch. westdt. Städten; 1967 – 72 Regisseur am Württembergischen Staatstheater Stuttgart, Start mit William Shakespeares Trilogie der Rosenkriege; 1972 – 80 Vorstandsmitgl. u. Dir. des Schauspiels Frankfurt (Main), dort wesentl. beteiligt an der Entw. des einzigen Mitbestimmungsmodells im westdt. Theater; Haltung zu P. P. wegen der starken Politisierung seines Theaters kontrovers; 1980 – 91 Gastregisseur u. a. in Düsseldorf, München, Hamburg, Berlin, Wien u. Zürich. 1992 – 98 neben  Matthias Langhoff, Fritz Marquardt,  Heiner Müller u. Peter Zadek Mitgl. des Direktoriums bzw. künstler. Berater des Berliner Ensembles. Als  Bertolt-Brecht-Schüler u. Sachwalter von Brechts Erbe bemühte sich P. P. zunächst unter  Helene Weigels Ltg. gem. u. a. mit  Benno Besson u.  Manfred Wekwerth um die Fortentw. des Brechtschen Theaters: u. a. 1958 »Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui« in Stuttgart, 1959 am BE u. 1966 in Stockholm, 1960 »Der kaukas. Kreidekrs.« in Ulm u. 1962 in Oslo, 1961 »Der gute Mensch von Sezuan« in Ulm u. 1965 in Stuttgart, 1961 »Der Prozeß der Jeanne d’Arc zu Rouen 1431« in Ulm u. 1963 in Bremen; außerdem Neudeutungen Shakespeares: 1974 »Viel Lärm um nichts« in Frankfurt (Main), 1982 »Othello« in München u. anderer Klassiker (Friedrich Schiller, Johann W. v. Goethe, Georg Büchner); Hinwendung zur dt. Moderne: 1968 UA von Tankred Dorsts »Toller« in Stuttgart, 1965  Heinar Kipphardts »In der Sache J. Robert Oppenheimer« in Odense (Dänemark), 1964 UA von Martin Walsers »Der schwarze Schwan« in Stuttgart u. 1971 UA von Peter Weiss’ »Hölderlin« in Stuttgart; TV-Film »Der Prozeß der Jeanne d’Arc zu Rouen«; seit 1972 Vizepräs. der Dt. Akad. für Darstellende Künste Frankfurt (Main); 1992 Mitgl. der AdK Berlin (West); 1993 Mitgl. der AdK Berlin-Brandenb.; 1991 Berliner Theaterpreis; gest. in Havelberg.Laube, H., Loschütz, G.: War da was? Theaterarbeit und Mitbestimmung am Schauspiel Frankfurt 1972 – 1980. Frankfurt (Main) 1980; Mennicken, R.: P. P. Regie im Theater. Frankfurt (Main) 1993.Renate Rätz

Wer war wer in DDR

Pannach, Gerulf

* 24.6.1948 – ✝ 3.5.1998

Geb. in Arnsdorf (b. Dresden); Vater Fußballtrainer, Mutter Sekr.; 1967 Abitur; 1967 – 69 NVA; 1969/70 Jurastudium an der MLU Halle (abgebrochen); 1969 – 71 Songgr. Leipzig; 1970/71 Ref. für Singebew. im Kabinett für Kulturarbeit der Stadt Leipzig; 1971 Chansonklub Leipzig; Expedient; 1971 – 75 Zusammenarbeit mit der  Klaus-Renft-Combo bzw. Renft (Texte, gem. Auftritte); 1972 Sachbearb.; seit 1972 freischaff.; Freundschaft mit dem Schriftst.  Jürgen Fuchs, gem. Auftritte; ab 1974 auch mit Christian Kunert (Renft); Verbote, befristete Spielerlaubnisse, Auftritte schließl. nur noch in inoffiz. Veranstaltungen; Mitschnitt 1977: LP »Pannach, Fuchs u. Kunert« (in der Bundesrep. Dtl. erschienen); 1976 Mitunterz. der Protesterklärung gegen die Ausbürgerung  Wolf Biermanns; mit Jürgen Fuchs u. Christian Kunert Flucht auf das Grundstück  Robert Havemanns in Grünheide (b. Berlin); Nov. 1976 Verhaftung; 26.8.1977 Abschiebung in die Bundesrep. Dtl; Auftritte mit Wolf Biermann; Zusammenarbeit mit Christian Kunert; 1979 LP »Pannach & Kunert«; 1981 LP »Fluche Seele Fluche«; 1991 CD »Pretty Woman guck nicht so«; Textautor u. Schauspieler in Film (u. a. Filme von  Thomas Brasch) u. Theater (u. a. Rockoper in Essen). 2.12.1989 mit anderen ausgebürgerten Liedermachern erste Auftritte in der DDR nach der Wende (Haus der Jungen Talente Berlin); Texte für die Puhdys u.  Veronika Fischer; CD »York 17«; gest. in Berlin. 2000 CD Pannach & Kunert: Gib mir ’ne Hand voll Glück. Live 1977 – 1993.Sallmann, S. (Hrsg.): Als ich wie ein Vogel war. G. P.: Die Texte. Berlin 1998.Rainer Bratfisch

Wer war wer in DDR

Papenfuß-Gorek, Bert

* 11.1.1956

Geb. in Reuterstadt Stavenhagen; Vater Wissenschaftler u. NVA-Offz.; Schulzeit in Leningrad, Strausberg u. Greifswald; 1972 – 75 Ausbildung zum Elektronikfacharb.; Bausoldat; Theaterbeleuchter in Schwerin u. Berlin, lebt seit 1976 in Berlin; seit 1980 freiberufl. Autor; erste Texte in der Ztschr. »Temperamente« (77/2) u. in »Auswahl 78. Neue Lyrik Neue Namen«; u. a. von Richard Pietraß,  Karl Mickel u.  Gerhard Wolf gefördert; wegen Publikationsbeschränkungen trug B. P.-G. seine Texte in Begleitung versch. Rock- u. Punkbands vor, u. a. mit »Rosa Extra«, »Aufruhr zur Liebe« u. »klick & aus«; zahlr. Grafikmappen mit Ronald Lippok,  Helge Leiberg u. mit eigenen Zeichnungen; mit seinen sprachkrit. u. sprachspieler. Texten zählt er zu den wichtigsten Autoren der Literaturszene am Prenzlauer Berg; Mitarb. an zahlr. nichtoffiz. Ztschr. (»Anschlag«, »Ariadnefabrik«, »Kontext«, »Liane«, »Mikado«, »Schaden«, »Verwendung«); 1988 erste eigenständ. Publ. in der DDR nach fast zehnj. Wartezeit. 1991 F.-C.-Weiskopf-Preis der AdK; 1994 – 97 Mithrsg. der Ztschr. »Sklaven«, 1998 der Ztschr. »Sklavenaufstand« u. ab 1999 der Ztschr. »Gegner«; 1998 Erich-Fried-Preis; seit 1999 Mitbetreiber der Tanzwirtschaft »Kaffee Burger« in Berlin; Koordinator des Kulturprogramms Salon Brükkenkopf.harm. Berlin 1985; dreizehntanz. Berlin, Weimar 1988; SoJa. Berlin 1990; LED SAUDAUS. notdichtung. karrendichtung. Berlin 1991; vorwärts im zorn usw. Berlin 1991; NUNFT. Göttingen 1993; SBZ: Berliner Zapfenstreich: schnelle Eingreifgesänge. Berlin 1996; Land u. Leute. Berlin 1998; Hetze. Gedichte 1994 bis 1998. Berlin 1998; hetze. Berlin 1998; Tanzwirtschaft. Ein angewandter Forsetzungsroman. Berlin 2001; Haarbogensturz. Versuche über Staat u. Welt (mit Zeichnungen von Tom Platt). Berlin 2001; Rumbalotte. Gedichte 1998 – 2002. Basel 2005; Ation – Aganda. Gedichte. 1983/1990. Basel u. a. 2008. Wolf, G.: Wortlaut Wortbruch Wortlust. Dialog mit Dichtung. Leipzig 1988; Hesse, E. (Hrsg.): Sprache & Antwort. Köln 1988; Die andere Sprache. Neue DDR-Lit. der 80er Jahre. Text+Kritik. München 1990; Cosentino, C., Müller, W. (Hrsg.): »im widerstand/in mißverstand«? Zur Lit. u. Kunst des Prenzlauer Bergs. New York u. a. 1995; Böthig, P.: Grammatik einer Landschaft. Lit. aus der DDR in den 80er Jahren. Berlin 1997.Klaus Michael / Bernd-Rainer Barth

dissidenten.eu

Paraschiv, Vasile

* 1928 – ✝ 2011

Kämpfer für Arbeiterrechte, Mitbegründer der *Freien Gewerkschaft der Werktätigen in Rumänien.Vasile Paraschiv wurde 1928 in Ploiești geboren. Er erlernete den Beruf des Fermeldetechnikers. Ab 1946 war er Mitglied der Rumänischen Kommunistischen Partei. 1968 erklärte er seinen Parteiaustritt, mit der Begründung, die Arbeiter seien „Opfer des Machtmissbrauchs und der Ungerechtigkeit seitens der Parteifunktionäre“. Am 29. Juli 1969 wurde er an seinem Arbeitsplatz im Petrolchemischen Kombinat Brazi verhaftet. Nach kurzen Ermittlungen wies man ihn in die Psychiatrische Klinik Urlați ein, wo er sofort in den Hungerstreik trat. Nach fünf Tagen wurde er wieder entlassen. 1976 schickte er einen offenen Brief an *Radio Freies Europa, in dem er die Repressalien gegen Mitglieder der von den Kommunisten aufgelösten Sozialdemokratischen Partei an den Pranger stellte. Aufgrund dieses Briefes wurde er erneut festgenommen und am 1. Dezember in die Psychiatrie eingewiesen, wo man ihn bis zum 23. Dezember 1976 festhielt. Die Diagnose lautete „rezidivierende manische Psychose“. Am 8. Februar 1977 unterzeichnete Paraschiv einen von Paul Goma verfassten offenen Brief, der sich an das Belgrader KSZE-Nachfolgetreffen richtete und gegen Menschenrechtsverletzungen in Rumänien protestierte. Daraufhin wurde er am 23. Februar 1977 erneut verhaftet und in die psychiatrische Anstalt in Săpoca überstellt, wo man ihn 45 Tage lang festghielt. Die französischen Psychiater Gerard Blis und Dominique Bonnet äußerten öffentlich Zweifel an der Diagnose der rumänischen Ärzte und versicherten Paraschiv in einem Schreiben vom 24. April 1978 ihrer Solidarität. Paraschiv erhielt ein französisches Visum und fuhr nach Paris. Dort nahm er Kontakt zu Vertretern französischer und österreichischer Gewerkschaften auf und nahm an einer Pressekonferenz teil, auf der er zur Unterstützung bei der Etablierung freier Gewerkschaften in den Ländern des Sowjetblocks aufrief. Als Paraschiv 1978 den Versuch unternahm, nach Rumänien zurückzukehren, widersetzten sich die rumänischen Behörden zunächst seiner Einreise, beugten sich schließlich den internationalen Protesten und ließen ihn einreisen. Im Februar 1979 gründete Paraschiv gemeinsam mit Ionel Cana und Gheorghe Brașoveanu die *Freie Gewerkschaft der Werktätigen in Rumänien. Die Securitate verhaftete Paraschiv am 28. Mai 1979, brachte ihn in einen Wald in der Nähe von Ploiești und folterte ihn dort. Am 14. November wurde er erneut bestialisch misshandelt. Paraschiv erinnert sich so: „Sie brachten mich wieder in den Wald. Sie schlugen mir mit Sandsäcken gegen den Kopf, bis ich das Bewusstsein verlor. Ich erhielt Faustschläge in die Leber, in den Bauch und Schläge mit dem Gummiknüppel auf die Füße.“ Auch in den 80er Jahren rissen die Misshandlungen der Geheimpolizei nicht ab. Er wurde permanent überwacht, abgehört, seine Wohnung durchsucht. Wiederholt nahm ihn die Securitate fest, verschleppte und misshandelte ihn. Den *Umsturz im Dezember 1989 erlebte er in der psychiatrischen Klinik in Voila, in die er zwangseingewiesen worden war. Nach dem Systemwechsel 1989 engagierte sich Paraschiv als Gewerkschafter in Ploiești. 2005 und 2007 veröffentlichte er zwei autobiografische Bücher, in denen er die Methoden beschreibt, die das kommunistische Regime anwandte, um seinen Willen zu brechen. 2011 starb Vasile Paraschiv in Ploiești.Doru Radosav Aus dem Polnischen von Gero Lietz Letzte Aktualisierung: 05/17

Wer war wer in DDR

Paris, Ronald

* 12.8.1933

Geb. in Sondershausen (Thür.); Vater Theaterschauspieler u. Sänger, Mutter Weißnäherin u. Hausfrau; 1948 – 50 Lehre als Kunstglaser u. Glasmaler in Weimar; 1950/51 ABF Jena; 1952 SED; 1952/53 Restauratorenlehrgang am Schloßmuseum in Gotha; 1953 – 58 Studium an der HS für bildende u. angewandte Kunst in Berlin-Weißensee; seit 1958 freischaff.; 1960/ 61 Studienaufenthalt in der LPG Wartenberg b. Berlin; 1961 VBK; 1963 – 66 Mstr.-Schüler b.  Otto Nagel an der AdK; 1964 – 74 verh. mit  Helga P.; 1967 Käthe-Kollwitz-Medaille der Intergrafik; lebte 1975 – 85 in Rostock, seitdem in Rangsdorf (b. Berlin); 1970 Kunstpreis der FDJ; 1976 NP; 1977 Kunstpreis des FDGB; 1979 – 89 Vors. des Komitees der Intergrafik; 1989 Vizepräs. des VBK. 1993 – 99 Prof. an der HS für Kunst u. Design Burg Giebichenstein. Werke: Stilleben mit Sonnenblumen (1961), Regenbogen über dem Marx-Engels-Platz (1962), Bildnis der Mutter (1964), Bildnis  Ernst Busch (1970), Wandbild Lob des Kommunismus (1969/70), Brunnen-Wandbild Jugend u. Soz., Karl-Marx-Stadt (1970 – 75), Bühnenausstattung zu »König Hirsch«, Volksbühne Berlin (1973), Unser die Welt – trotz alledem, Palast der Rep. Berlin (1973/74), Streit zw. Marsyas u. Apollon, Neues Gewandhaus Leipzig (1978), Wandgemälde Triumph des Todes – Triumph des Lebens, Theater- u. Kulturhaus Schwedt (1978 – 82).Lob des Realismus. Leipzig 2008 (Hrsg. v. P. Betthausen). Timm, W.: R. P. In: Weggefährten. Dresden 1970; Schumann, H.: Ateliergespräche. Leipzig 1976; Werner, K.: R. P. In: Künstler der DDR. Dresden 1981; Kat. R. P. Rostock 1977; Kat. R. P. Handzeichnungen. Rostock 1983; Arlt, P., Frommhold, E., Meier, G.: R. P. Malerei, Wirklichkeit u. Annäherung. Leipzig 2004.Dieter Gleisberg

Wer war wer in DDR

Passauer, Martin-Michael

* 20.1.1943

Geb. in Angerapp (Ostpr./Osjorsk, Rußland) in einer Pfarrersfamilie, aufgew. in Brandenb. (Havel); aus pol. Gründen nicht zur EOS zugelassen, ab 1957 Besuch eines ev. Gymnasiums in Berlin (West), nach Schließung der Grenze im Aug. 1961 Forts. der Ausbildung am Kirchl. Oberseminar in Potsdam-Hermannswerder; ab 1962 Studium der Theol. an der EMAU Greifswald, 1964 – 67 an der HU Berlin; anschl. Vikar in Bad Wilsnack (Prignitz); 1968/69 Besuch des Predigerseminars in Brandenb. (Ltg.  Gottfried Forck); danach Pfarrer in Berlin-Weißensee, insbes. Jugendarbeit u. integrative Gemeindearbeit; 1975/76 amtl. Superintendent; 1976 – 83 erster hauptamtl. Jugendpfarrer von Berlin; aktiv in der kirchl. Friedensbew. u. in der »Offenen Arbeit«, Org. zahlr. größerer Veranstaltungen (Stadtjugendsonntage, Bluesmessen, Friedenswerkstätten u. -seminare), kirchl. Mitverantw. beim Olof-Palme-Friedensmarsch; Mitgl. der Synoden der Ev. Kirche Berlin-Brandenb., der Ev. Kirche der Union u. des Bunds der Ev. Kirchen in der DDR; Mitgl. der Konferenz der ev. Kirchenltg.; seit 1984 Pfarrer der Sophiengemeinde in Berlin-Mitte; beteiligt u. a. an der Org. des Protestes opp. u. kirchl. Gruppen gegen die Manipulation der Kommunalwahlergebnisse vom 7.5.1989; 1988 – 90 zugl. persönl. Ref. des Bischofs Gottfried Forck; ab Nov. 1989 Mitgl. der Kommission zur Untersuchung der Übergriffe von Polizei u. MfS auf die Demonstranten vor der Berliner Gethsemanekirche am 7. – 9.10.1989. 1991 Verdienstorden des Landes Berlin; ab 1992 zusätzl. zum Pfarrerdienst in der Sophiengemeinde Superintendent des Kirchenkrs. Berlin-Stadt III; Mitgl. der Enquete-Kommission des Dt. Bundestags »Aufarbeitung von Geschichte u. Folgen der SED-Diktatur in Dtl.«; seit 1996 – 2008 Gen.-Superintendent in Berlin; 2008 Ruhestand. Publ. insbes. zu Fragen der kirchl. Jugendarbeit.Ehrhart Neubert

Wer war wer in DDR

Pätzold, Kurt

* 3.5.1930 – ✝ 18.8.2016

Geb. in Breslau (Wrocław, Polen); 1948 – 53 Studium der Geschichte, Pol. Ökon. u. Philos. an der Univ. Jena; SED; 1953 – 63 dort Assistent u. Aspirant; Lehrtätigkeit an der ABF; als Mitgl. der SED-Parteiltg. u. zeitw. als Univ.-Parteisekr. an der FSU Jena v. a. von 1956 – 58 maßgebl. an der Verfolgung, Diskriminierung u. Ausgrenzung Andersdenkender beteiligt; 1963 Prom. über den Zeiss-Konzern in der Weltwirtschaftskrise 1929 – 33; 1963 – 67 wiss. Sekr. der Sekt. Geschichte bei der DAW; 1967 – 73 Assistent an der HU Berlin; 1973 Diss. B »Zur pol. Strategie u. Taktik des fasch. dt. Imp.«; 1973 – 92 ord. Prof. an der HU Berlin; 1988 NP. Nach 1989 geriet K. P. aufgrund maßgebl. Beteiligung an der pol. motivierten Relegation von Studenten der Sekt. Geschichte an der HU Berlin in den Jahren 1968, 1971/72 u. 1976 unter heftige öffentl. Kritik; 1992 Entlassung, seitdem Vorruhestand; PDS; Mitgl. des Marxist. Forums; Mitgl. der Leibniz-Sozietät; K. P. publizierte hauptsächl. zur dt. Geschichte 1933 – 45; er galt als prominenter Vertreter der DDR-Geschichtswiss., insbes. der marxist.-leninist. Fasch.-Forschung.Fasch., Rassenwahn, Judenverfolgung. Berlin 1975; Hakenkreuz und Totenkopf. Berlin 1981 (mit M. Weißbecker); Pogromnacht 1938. Berlin 1988 (mit I. Runge); Auschwitz war für mich nur ein Bahnhof. Berlin 1994 (mit E. Schwarz); Adolf Hitler. Leipzig 1995 (mit M. Weißbecker); Geschichte der NSDAP. Köln 1997 (mit M. Weißbecker); Rudolf Hess. Leipzig 1999 (mit M. Weißbecker); Stalingrad u. kein Zurück. Leipzig 2002; Der Führer ging, die Kopflanger blieben. Köln 2005; im Rückspiegel: Nürnberg. Der Prozess gegen die dt. Hauptkriegsverbrecher 1945/46. Köln 2006; Die Geschichte kennt kein Pardon. Erinnerungen eines dt. Historikers. Berlin 2008.Ilko-Sascha Kowalczuk

Wer war wer in DDR

Paul, Rudolf

* 30.7.1893 – ✝ 28.2.1978

Geb. in Gera; Gymnasium; Studium der Staats- u. Rechtswissensch. in Berlin u. Leipzig; 1919 Referendarsexamen, danach Prom. zum Dr. jur.; 1922 Assessor; Staats- u. Rechtsanwalt in Gera; 1922 DDP; 1925 – 33 Vors. des Landesverb. Thür.; 1933 Berufsverbot; 1934 – 45 Landwirt. 7.5.1945 vom amerikan. Stadtkommandanten als OB von Gera eingesetzt; April 1946 SED; ab 16.7.1945 Präs. der Landesverw., 1946/47 Min.-Präs. des Landes Thür. (Nachf. von  Hermann Brill); 9.10.1947 Flucht nach Berlin (West), dann in die amerik. Besatzungszone; ab 1948 Rechtsanwalt, Notar u. Mitbegr. der Kanzlei Knauthe-Paul-Schmitt in Frankfurt (Main).Werdender Staat. Ein Zeitdok. über thür. Neuaufbau. Gera 1946; Gestern, heute u. morgen! Weimar 1946 (zus. mit W. Eggerath). Domkowsky, G.: Oberbürgermeister der Stadt Gera. Gera 2007.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Paulus, Friedrich

* 23.9.1890 – ✝ 1.2.1957

Geb. in Breitenau (Guxhagen, Schwalm-Eder-Krs.); Vater Beamter; Gymnasium, 1909 Abitur in Kassel; 1910 kaiserl. Armee, Laufbahn als Berufsoffz., 1911 Ltn.; im 1. Weltkrieg in Stabs- u. Adjutantenstellungen; danach Grenzschutz Ost, 1919 Reichswehr, Hptm.; dann überwiegend Dienst als Gen.-Stabsoffz., 1.6. 1933 Obltn.; 1934 Major u. Kdr. der Kraftfahrabt. in Wünsdorf (b. Zossen); 1935 Chef des Gen.-Stabs des Kdo. Kraftfahrtruppen (Panzer) in Berlin, Oberst; Teiln. an den Überfällen Dtl. auf Polen, Belgien u. Frankreich sowie an der Planung des Einfalls in die UdSSR, 1.1.1939 Gen.-Major; Mitte 1940 Oberquartiermstr. I im Gen.-Stab des Heeres (erster Berater des Gen.-Stabschefs, zugl. dessen Stellv.); 1942 Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes; 1943 Eichenlaubträger; Anfang 1942 Oberbefehlshaber der 6. Armee, Weisung zur Nichtbefolgung des »Kommissars-Befehls« u. Aufhebung des »Härte-Befehls«; 31.1.1943 als Gen.-Feldmarschall im Raum Stalingrad Kapitulation u. sowj. Gefangenschaft; im Aug. 1944 Beitritt zum Bund Dt. Offz. u. Anschluß an die BFD; Verhaftung der Ehefrau durch die Gestapo, Sohn in Sippenhaft. Sommer 1946 vor dem Internat. Militärgerichtshof in Nürnberg Zeuge der Anklage gegen den ehem. dt. Gen.-Stab, Aussagen über die Ausarbeitung des Plans »Barbarossa«; Okt. 1953 Rückkehr nach Dtl.; freischaff. Schriftst. in Dresden; 1953 Mitgl. der DSF; Mai 1954 auch Vortragstätigkeit an der HS für Offz. der KVP; gest. in Dresden.Feldmarschall P. spricht. Berlin 1954; »Ich stehe hier auf Befehl!« Lebensweg des Gen.-Feldmarschalls F. P. (Hrsg. W. Görlitz). Frankfurt (Main) 1960. Goerlitz, W. (Hrsg.): P. u. Stalingrad. Frankfurt (Main) 1964; Reschin, L.: Feldmarschall im Kreuzverhör. F. P. in sowj. Gefangenschaft. Berlin 1996; Diedrich, T.: P. Das Trauma von Stalingrad. Eine Biogr. Paderborn 2008.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Otto, Emil

* 24.11.1903 – ✝ 1.9.1977

Geboren am 24. November 1903 in Kolberg, Sohn einer Arbeiterfamilie; Land- und Bauarbeiter. 1923 trat er in die KJD und in die KPD ein. Er war von 1924 bis 1927 erwerbslos, begann 1929 als hauptamtlicher Mitarbeiter bei der BL Pommern. Otto reiste 1931 nach Moskau, dort Kursant der Internationalen Leninschule. 1932 kehrte er nach Deutschland zurück und wurde Leiter des KPD-UB Stettin und Mitglied des Sekretariats der BL Pommern. Im Frühjahr 1933 entsandte ihn das ZK als Leiter der illegalen KPD nach Mecklenburg, er wurde jedoch von der Gestapo verhaftet und zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Bis 1936 im Zuchthaus Bützow-Dreibergen, anschließend »Schutzhaft« im KZ Sachsenhausen, aus dem Otto 1941 entlassen wurde. 1943 zur Wehrmacht einberufen, desertierte er noch im selben Jahr an der Ostfront und kam nach kurzer sowjetischer Kriegsgefangenschaft als Lehrer an die Antifa-Schule in Taliza. 1946 kehrte er nach Deutschland zurück, arbeitete zunächst im Apparat des SED-Landesvorstandes Mecklenburg, wurde 1947 Vorsitzender des FDGB Mecklenburg, 1950 Vorsitzender des Zentralvorstandes der IG Metall, war von 1955 bis 1961 Vorsitzender des FDGB im Bezirk Gera. Emil Otto starb am 1. September 1977.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Overlach, Helene

* 19.7.1894 – ✝ 7.8.1983

Geboren als Tochter eines Arztes am 19. Juli 1894 in Greiz; besuchte die höhere Mädchenschule und das Realgymnasium bis zur Obersekunda. 1915/16 absolvierte sie das Handelslehrerinnenseminar und war anschließend drei Jahre als Handelslehrerin tätig, dann ein Jahr Stenotypistin bei einem Rechtsanwalt in München. Sie trat 1919 der FSJ in München bei und wurde im Dezember 1920 Mitglied der KPD in Berlin. 1921 Redakteurin der Zeitschrift »Junge Garde«. Nach der März-Aktion 1921 illegale Arbeit als Stenotypistin in der Zentrale und 1922/23 im Oberbezirk West in Düsseldorf. 1924/25 Redakteurin beim »Ruhr-Echo« und zeitweise Chefredakteurin der »Niedersächsischen Arbeiterzeitung« in Hannover. Bei Gründung des RFMB zur 2. Vorsitzenden dieser Frauenorganisation der KPD (in Wirklichkeit aber Leiterin, da die 1.Vorsitzende Clara Zetkin, nur formal führte). Auf dem XI. Parteitag der KPD 1927 in Essen wurde Helene Overlach Mitglied des ZK, zugleich übernahm sie 1928 die Leitung der Frauenabteilung im Apparat des ZK. Im Mai 1928 im Wahlkreis Düsseldorf-Ost in den Reichstag gewählt, dem sie bis 1933 angehörte. Vom XII. Weddinger Parteitag 1929 erneut ins ZK berufen, wurde Helene Overlach auch Kandidatin des Polbüros. 1930 bei einer Demonstration schwer verletzt, nahm sie von Herbst 1931 bis Mitte 1932 an einem Schulungskurs in Moskau teil, danach schied sie aus dem Polbüro aus, war aber in der IAH und 1932/33 als Frauenleiterin im RGO-Reichskomitee aktiv. Ab Juli 1933 Instrukteurin der illegalen RGO im Ruhrgebiet, dann Bezirksleiterin der Roten Hilfe. Am 23. Dezember 1933 wurde sie in Essen verhaftet. Im August 1934 vom OLG Hamm zur damals höchsten Strafe verurteilt: drei Jahre Zuchthaus. Da sie sich nach der Strafverbüßung (in Aichach/Bayern) noch als überzeugte Kommunistin erklärte, zunächst ins KZ Moringen, dann in das KZ Lichtenburg eingeliefert. Sie litt an einer Herzmuskelerkrankung und wurde deshalb am 8.Juni 1938 aus der KZ-Haft entlassen. Von 1939 bis 1941 Stenotypistin, bis 1944 Handelsschullehrerin, bzw. Techniklehrerin in Berlin. Am 22.August 1944 erneut festgenommen (Aktion »Gewitter«), kam sie in das KZ Ravensbrück. Helene Overlach gelang Ende April 1945 mit einem »Polen-Transport« die Flucht nach Schweden. Bis Juli 1945 interniert, kehrte sie im August 1945 nach Berlin zurück, wurde Hauptreferentin in der Verwaltung für das berufliche Schulwesen Berlin und Leiterin der gewerblichen Mädchenberufsschule. Ab 1950 Professorin an der Pädagogischen Hochschule Berlin, Ende 1954 schied sie wegen schwerer Herzkrankheit aus. Sie erhielt 1974 den Karl-Marx-Orden. Helene Overlach starb am 7.August 1983 in Ost-Berlin.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Paffrath, Emil

* 17.8.1904 – ✝ 7.9.1985

Geboren am 17. August 1904 in Köln, Sohn eines Tischlers; lernte Tischler. 1923 Mitglied der KJD und der KPD. Von 1927 bis 1929 Polleiter des KJVD Mittelrhein. Paffrath wurde 1927 auf dem 10. Reichskongreß in Hamburg in das ZK des KJVD gewählt. Im Januar 1929 anstelle des ausgeschlossenen Werner Jurr hauptamtlicher Sekretär des RFB und Reichsführer der Roten Jungfront. Von 1929 bis 1933 gehörte er dem Büro des ZK des KJVD an und war Kandidat des EK der KJI, 1931 übernahm er in der illegalen RFB-Bundesführung die Agitproparbeit, von September bis Dezember 1932 in Haft. Ende Januar 1933 Instrukteur der RFB-Bundesführung in Ostpreußen, am 28. April 1933 in Königsberg verhaftet und Ende September 1934 vom OLG Königsberg zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt, kam danach ins KZ Sachsenhausen bzw. Buchenwald. Im Juni 1939 wurde Paffrath zu Verhören in die Gestapozentrale nach Berlin verlegt, vier Tage vor Weihnachten überraschend entlassen und durfte nach Köln zurückkehren. Von 1940 bis 1942 Stellmacher in Köln, dort im Januar 1943 zur Wehrmacht eingezogen und Angehöriger des Strafbataillons 999 in Griechenland und auf der Krim. Paffrath desertierte Mitte April 1944 zur Roten Armee, wurde Leiter des antifaschistischen Klubs im Lager 188 Tambow, von Mai bis September 1945 Kursant an der Zentralen Antifa-Schule und von September bis Dezember 1945 an der Parteischule der KPD (Objekt 12). Im Januar 1946 kehrte er nach Deutschland zurück, Mitarbeiter im ZK der KPD, dann Referent beim PV der SED. Er erhielt am 31. Januar 1950 eine »strenge Rüge« und zwei Jahre Funktionsverbot durch die ZPKK wegen »partei- und gewerkschaftsschädigenden Verhaltens«, wurde zunächst Transportarbeiter im VEB Bergmann Borsig. Später Sekretär der SED-Kreisleitung Pankow, von 1962 bis zur Rente Kaderleiter des Volkseigenen Metallurgiehandels der DDR. Er erhielt 1979 den VVO in Gold. Emil Paffrath starb am 7. September 1985.

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Pallapies, Otto

* 11.10.1899 – ✝ 18.1.1989

Geboren am 11. Oktober 1899 in Wißwainen/ Krs. Tilsit, Sohn eines Maurers. Hirtenknabe, Landwirtschaftsgehilfe, 1914 Kriegsfreiwilliger, anschließend Angehöriger des Grenzschutzes im Memelland. Ende 1920 aus dem Heer entlassen, Kanalarbeiter und Bauhilfsarbeiter. Ab 1922 Mitglied der Union der Hand- und Kopfarbeiter, im März 1923 trat er in die KPD ein. 1932 Polleiter des UB Duisburg, von 1929 bis 1932 Stadtverordneter in Duisburg und Kandidat der KPD zur Reichstagswahl. 1933 Flucht in die Sowjetunion, dort Kursant an der Internationalen Leninschule, 1934 Rückkehr nach Deutschland, übernahm die illegale Leitung der RGO in Berlin. Am 21. Januar 1935 in Berlin verhaftet und am 29. April 1936 im Hochverratsverfahren mit Konrad Behrendt u. a. zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt, zuletzt im Zuchthaus Brandenburg. Von 1945 bis 1949 bei Borsig und AEG beschäftigt. Später Sekretär der Parteischule des SED-Landesvorstandes Groß-Berlin, in West-Berlin aktiv. Pallapies war nach 1945 mit Margarete Behrendt, geborene Reddmann (* 24. 6. 1902 – † ?), der Witwe von Konrad Behrendt verheiratet. 1987 Übersiedlung nach Ost-Berlin. Otto Pallapies starb am 18. Januar 1989 in Ost-Berlin.

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Panzer, Albin

* 25.3.1886 – ✝ 22.1.1967

Geboren am 25. März 1886 in Scheubengrobsdorf bei Gera; Gärtner. Mitglied der SPD, ging während des Weltkrieges, den er als Soldat mitmachte, zur USPD. Er übersiedelte nach Remscheid und kam mit der linken USPD 1920 zur KPD. 1921 war er UB-Sekretär in Essen, 1923 in den »proletarischen Hundertschaften« aktiv. Panzer war 1925 einer der Gründer des RFB im Rheinland. Von 1927 bis 1928 leitete er als Gauführer den RFB Niederrhein und war Mitglied der KPD-BL. Er wurde nach dem Verbot des RFB im Rheinland im Juli 1929 hauptamtlicher Sekretär des »Antifaschistischen Schutzbundes«, aber bereits im Oktober 1929 wegen »Parteischädigung« aus der KPD ausgeschlossen. Es hieß damals, Panzer habe Unterschlagungen begangen, was bei den ständigen Finanzaffären des RFB unter Leitung Willy Leows kaum überraschte. 1933 trat er nach Berichten der Gestapo zunächst »nicht in Erscheinung«, wurde aber 1934 wegen »Vorbereitung zum Hochverrat« angeklagt, jedoch freigesprochen. Nach 1945 trat er politisch nicht mehr hervor. Albin Panzer starb am 22. Januar 1967 in Langenfeld/Rheinland.

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Papke, Paul

* 18.9.1896 – ✝ 4.2.1970

Geboren am 18. September 1896 in Staffelde/ Krs. Soldin, Sohn eines Arbeiters; lernte Tischler und übersiedelte nach Landsberg a. d. Warthe, im Krieg von 1915 bis 1918 Soldat. Er trat nach der Revolution der USPD bei und ging mit deren linkem Flügel 1920 zur KPD, von 1920 bis 1928 Möbeltischler in Landsberg. Viele Jahre ehrenamtlicher Funktionär, dann hauptamtlicher Leiter des Bezirks Ost der BL Berlin-Brandenburg und Redakteur des »Volksechos«, eines Kopfblattes der »Roten Fahne«. Papke wurde im Mai 1928 als Abgeordneter in den Reichstag gewählt, in dem er die KPD bis 1930 vertrat. Ende 1928 wurde er zur Internationalen Leninschule nach Moskau gesandt, danach wieder Sekretär der KPD, 1931 für kurze Zeit inhaftiert. In einem Brief an das ZK beschwerte sich Papke im August 1932 darüber, daß er nicht in den Reichstag gewählt bzw. nicht auf einen sicheren Platz gesetzt worden war. Seine zuständige BL antwortete, er habe sich im Reichstag nicht bewährt. Wegen Differenzen mit der Führung verließ Papke 1932 die KPD. Ab Februar 1933 leistete er illegale Arbeit, schloß sich wieder der KPD an und emigrierte Ende 1933 über die âSR und Frankreich in die Sowjetunion. Er wurde jedoch zur illegalen Arbeit nach Deutschland zurückbeordert. Hier 1935 verhaftet und am 31. Oktober 1935 zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt, anschließend kam er im Juni 1940 ins KZ Sachsenhausen, aus dem er im Mai 1945 befreit wurde. Papke trat wieder der KPD bei, wurde 1945 zunächst Landrat im Kreis Seelow, später im Kreis Müncheberg. Ab 1947 in Potsdam Kommissar der Oderbruchhilfe, dann 1948 Bürgermeister der Stadt Fürstenwalde. Dort 1952 während der SED-Säuberung abgesetzt, von 1954 bis 1957 Leiter der Bezirksschule für landwirtschaftliche Produktion in Finkenheerd, ab 1960 Veteran in Strausberg. Er bekam zum 65.Geburtstag 1961 den VVO in Silber. Paul Papke starb am 4.Februar 1970.

Wer war wer in DDR

Parchmann, Ernst

* 13.3.1930 – ✝ 24.9.1988

Geb. in Lübz (Mecklenb.); Vater Tischler; Volksschule; Landarb.; 1944 / 45 Besuch der Lehrerbildungsanstalt Güstrow. 1945 – 48 erneut Landarb.; 1948 / 49 Studium am IfL Neukloster; 1948 SED; Arbeit als Lehrer in Eggesin; 1950 / 51 Grenzpolizei, Ltr. (Politkultur) der VP-Grenzbereitschaft Wittenburg; 1951 – 54 Schulltr. in Granzin (Krs. Lübz); 1954 / 55 Ass. am Pädagog. Inst. Güstrow; 1955 / 56 SED-BPS in Güstrow; 1956 – 61 Red. beim SED-Bezirksorgan »Schweriner Volkszeitung«; 1961 – 64 Studium an der PHS des ZK der KPdSU in Moskau, Dipl.-Gesellschaftswiss.; 1964 – 67 Red., stellv. Chefred., Aug. 1967 – März 1971 Chefred. der »Schweriner Volkszeitung« (Nachf. von  Kurt Neheimer); 1967 – 71 Mitgl. des ZV des VDP bzw. des VDJ u. Vors. des Bezirksverb. Schwerin; 1971 – 73 Sekr. für Wiss., Volksbildung u. Kultur der SED-BL Schwerin; 1973 / 74 Red., Abt.-Ltr. (Kultur) u. Mitgl. des Red.-Koll. der Ztg. »Neues Deutschland« in Berlin; 1974 – 79 erneut Sekr. für Wiss., Volksbildung u. Kultur der SED-BL Schwerin; 1979 – 88 Dir. der Bezirksred. des Senders Schwerin von Radio DDR; gest. in Schwerin.Kirsten Nies

Wer war wer in DDR

Parthier, Benno

* 21.8.1932

Geb. in Holleben (Saalkrs.); Vater Landwirt; OS, Abitur; ab 1952 Biologiestudium an der MLU Halle; 1957 Dipl. bei  Kurt Mothes am Akad.-Inst. für Kulturpflanzenforschung in Gatersleben; 1958 – 61 Assistent am Inst. für Allg. Botanik der MLU, hier 1961 Prom. u. bis 1965 Oberassistent; 1965/66 Studienaufenthalt am Wenner-Gren-Inst. für experiment. Biol. der Univ. Stockholm bei Tore Hultin; 1966 wiss. Mitarb. am Inst. für Biochemie der Pflanzen (IBP) der DAW in Halle; 1967 Habil. an der MLU; ab 1967 Ltr. der Abt. für Molekularbiol. im IBP; 1968 Honorardoz. an der MLU; 1975 Prof. der AdW; 1984 – 86 stellv. Inst.-Dir.; 1990 Gründungsdir. des umgegr. Inst. für Pflanzenbiochemie (Wiss.-Gemeinschaft G. W. Leibniz), 1992 – 97 geschäftsf. Dir. u. Abt.-Ltr.; 1974 Mitgl. der Leopoldina, 1978 Mitgl. des Präs. als Sekretar für Naturwiss., 1987 Vizepräs. für Naturwiss., seit 1990 Präs. der Leopoldina; 1978 Ord. Mitgl. der Sächs. AdW zu Leipzig; 1982 Korr., 1988 Ord. Mitgl. der AdW; Korr. Mitgl. der Bayr. Akad. (1988) u. der Nordrhein-Westf. AdW (1989). 1990 Mitgl. der Acad. Europaea; 1991 Auswärt. Mitgl. der Akad. Gemeinnütz. Wiss. Erfurt; 1992 Mitgl. der Acad. Sci. et Art. Europaea Salzburg; 1992 Auswärt. Mitgl. der Ukrain. Akad. der Wiss.; 1994 a. o. Mitgl. der Berlin-Brandenb. AdW; 1998 Auswärt. Mitgl. der Poln. Akad. der Wiss. u. Künste Krakau; seit 1990 Prof. für Zellbiol. der MLU; ab 1991 Mitgl. versch. wiss.-pol. Gremien, u. a. des Wissenschaftsrats (stellv. Vors. 1995 – 97); seit 1993 ständ. Gast des Senats der Max-Planck-Ges.; 1997 Verdienstkreuz. des Verdienstordens der Bundesrep. Dtl. Forschungstätigkeit zur Molekular- u. Zellbiol., spez. Biosynthesen von Nukleinsäuren u. Proteinen in Pflanzen, Regulation der Genexpression; Zelldifferenzierung u. genet. Wechselbeziehungen zw. Zellkompartimenten, Biochemie u. Molekularbiol. der Chloroplasten sowie Cytosymbiose u. Evolutionsfragen, Wirkungsweisen von Phytohormonen.Sybille Gerstengarbe

dissidenten.eu

Pastier, Oleg

* 1952

Dichter, Journalist und Publizist. Herausgeber der Samisdatzeitschriften *„Kontakt“ und „Fragment K“. Pseudonyme: Jakub Sojka, Pavol Országh. Oleg Pastier wurde 1952 im südslowakischen Tekovská Nová Ves (heute Nová Dedina) geboren. Nach seinem Abitur 1970 arbeitete er als Heizer. Pastier war Mitglied einer Pressburger Gruppe von Undergroundkünstlern, die jede staatliche Kontrolle der Kultur ablehnten. 1980 gab er mit anderen die politisch unabhängige Zeitschrift *„Kontakt“ heraus und war Teil ihres ersten Redaktionsteams. Die Idee zur Herausgabe der Zeitschrift entstand während der Treffen mit Unterzeichnern der *Charta 77 und Prager Undergroundkünstlern. Pastier veröffentlichte in *„Kontakt“ vor allem seine Gedichte. In der ersten Ausgabe 1981 erschienen dort sein Prosawerk „K. B. Z.“ und Gedichte aus dem Band „Der Schatten Schamraj“ (Tieň Chamraj). In der zweiten Ausgabe veröffentlichte er den Band „Kontakt 2“, in dem er die Diskrepanz zwischen Kunst und Wirklichkeit einer moralisch verwahrlosten Gesellschaft beschrieb. Ende 1986 gab er die Zeitschrift *„Fragment“ mit heraus, die sich Anfang 1988 mit der Zeitschrift „K“ zusammenschloss. Die neue Publikation hieß fortan „Fragment K“. In deren zweiter Ausgabe erschienen Gedichte aus Pastiers Band „Dumpfe Stille“ (Duté ticho), die später auch in einem Buchband von *„Fragment“ veröffentlicht wurden. Anfang 1989 verschärften sich die Übergriffe der Staatssicherheit auf die Redaktion der Zeitschrift. Pastier wurde verhaftet, die übrigen Redaktionsmitglieder Jiří Olič, Ivan Hoffman und #Martin M. Šimečka verhört. Vor 1989 erschienen von Pastier im Samisdat die Gedichtbände „Der Schatten Schamraj“ (Tieň Chamraj), „Spinnennetz“ (Pavúčie hniezda; 1982) und „Dumpfe Stille“ (Duté ticho; 1987). Nach 1990 veröffentlichte er neben dem Gedichtband „Zaun“ (Plot; 1992) auch die Bände „Auge um Zahn“ (Oko za zub; 1995) und „Man darf“ (Možno; 1998). Seine Gedichte hatte er zuvor bereits im Samisdat publiziert. Zudem war er Herausgeber des zweiten Bandes des „Forums für literarische Kritik“ (Fórum literárnej kritiky; 1994). Seit dem Ende des Kommunismus widmet sich Oleg Pastier der schriftstellerischen und verlegerischen Tätigkeiten als Chefredakteur der Zeitschrift „Fragment“ und des Verlages F. R. & G., der sich vor allem der ostmitteleuropäischen Literatur widmet. Eine gewisse Zeit war er auch stellvertretender Chefredakteur der Wochenzeitschrift *„Kultúrny život“ (Kulturelles Leben) und Chefredakteur der tschechisch-slowakischen Wochenzeitschrift „Mosty“ (Brücken). 2012 war er Träger des Dominik-Tatarka-Preises, der nach #Dominik Tatarka benannten bedeutendsten Literaturauszeichnung der Slowakei.Juraj Marušiak Aus dem Polnischen von Jonas Grygier Letzte Aktualisierung: 08/15

Handbuch Deutsche Kommunisten

Patzschke, Kurt

* 22.2.1898 – ✝ 23.12.1968

Geboren am 22. Februar 1898 in Großzschocher bei Leipzig, Arbeitersohn; Maurer, von 1916 bis 1919 Soldat. 1918 Mitglied der USPD, 1919 der KPD. Bis Ende 1933 Instrukteur der BL Sachsen, übernahm unter dem Decknamen der »Dicke« nach der Liquidierung der illegalen BL unter Karl Ferlemann die Leitung des Bezirks. Gemeinsam mit Walter Philippi (Orgleiter) und der Oberberaterin Maria Krollmann bemühte sich Patzschke, die illegalen Strukturen im Bezirk Sachsen wiederaufzubauen. Im August 1934 reiste er mit Philippi nach Prag zu einer Beratung mit Vertretern der KPD-Auslandsleitung. Beide wurden auf der Rückreise am 5.September 1934 beim Grenzübertritt in Bad Schandau festgenommen. Nach schweren Mißhandlungen durch die Gestapo machte Patzschke auch Aussagen über die illegale BL. Am 21.November 1935 vom OLG Dresden zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt, er kam ins Zuchthaus Waldheim, ab 1943 ins Untersuchungsgefängnis Leipzig. Im Juni 1944 lehnte der Generalstaatsanwalt beim OLG Dresden einen Antrag auf Bewährung ab. Nach Kriegsende Funktionär der KPD/SED und 2. Sekretär der IG Bau-Holz in Leipzig, dann im Sekretariat der IG Bau-Holz im FDGB in Berlin tätig. Nach einer parteiinternen Untersuchung wegen seines Verhaltens bei der Aufrollung der illegalen BL wurde er im Oktober 1947 beim ZV der IG Bau-Holz entlassen. Er arbeitete zunächst als Maurerpolier, dann bis 1960 als BGL-Vorsitzender im Hoch-Ingenieur und Tiefbau. Im Frühjahr 1953 von der ZPKK wegen »falschen Verhaltens vor der Gestapo« aus der SED ausgeschlossen. Nach seiner Rehabilitierung im Juni 1957 erhielt er 1958 die Medaille »Kämpfer gegen den Faschismus«. Kurt Patzschke starb am 23.Dezember 1968 in Leipzig.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Paul, Ernst

* 4.9.1901 – ✝ 15.10.1939

Geboren am 4. September 1901 in Berlin, Sohn eines Arbeiters, der im Weltkrieg gefallen ist. Paul lernte Dreher und arbeitete in diesem Beruf. 1919 Mitglied der Freien Sozialistischen Jugend, 1922 der KPD. Zunächst arbeitslos, war er ehrenamtlich und dann hauptamtlich bei der »Roten Fahne« beschäftigt. 1927 kam er als Kursant an die Internationale Leninschule in Moskau und sollte nach der Rückkehr Ende 1928 in den AM-Apparat aufgenommen werden, aber als Brandler-Anhänger wurde Paul aus der KPD ausgeschlossen. Bis 1933 erwerbslos; aktiver Funktionär der KPO. Als Mitglied des Berliner Komitees der KPO wurde er im Februar 1937 verhaftet und zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt. Am 15. Oktober 1939 schwerkrank (Krebs) aus der Haft entlassen, starb Ernst Paul am 31.Oktober 1939.

Wer war wer in DDR

Pauly, Charlotte E.

* 6.12.1886 – ✝ 24.3.1981

Geb. in Stampen (Krs. Oels, Schles. / Stepin, Polen); Vater Großpächter; Gymnasium u. Abitur in Breslau; 1908 – 13 Studium der Biol., Lit., Archäol. u. Kunstgeschichte in Breslau, Heidelberg, Berlin u. Freiburg; 1914 Italien-Reise; 1915 Prom. »Der venezianische Lustgarten« an der Univ. Würzburg; während des Krieges Krankenschwester in Oels; 1917 Studium an der Stuttgarter Kunstschule bei Bernhard Pankok; 1925 – 31 Aufenthalt in Spanien u. Portugal, Reisen nach Paris u. Span.-Marokko; 1927 Studium der Malerei bei Vázquez Díaz in Madrid; 1932/33 Reise nach Griechenland u. in den Vorderen Orient; 1933 Teiln. an einer Großausstellung in Breslau; Beginn der Diffamierungen durch die Nazis, Ausschl. aus dem Künstlerbund, Ausstellungsverbot; 1933 – 45 in Agnetendorf (Riesengeb.); 1938 Reise nach England, Verbindung zur Quäkerbew.; bis 1943 Mitarb. von Alfons Paquet an der »Frankfurter Ztg«. 1946 Übersiedl. nach Berlin; Reisen nach England, in die Schweiz, nach Ungarn, Bulgarien u. in die Bundesrep. Dtl.; 1958 Bekanntschaft mit dem Grafiker  Herbert Tucholski, der ihr die Technik der Radierung vermittelte; Beginn des graf. Spätwerks, das als Motive Reiseeindrücke aufnahm u. durch seine Unbekümmertheit in den 60er Jahren starken Einfluß auf die Berliner Kunst gewann; gest. in Berlin.Die glückliche Halbinsel. Autobiogr. Strasbourg 1928; Der Tiger u. die Harfe. Hamburg 1944; Die Zigeunerromanzen von Federico García Lorca. Übertr. ins Dt. u. Illustr. Berlin 1978; Gemälde: Zigeuner vor der Höhle (1930), Junger Portugiese (1932), Erinnerung an Spanien (1962), Grafikmappe Sprung nach Bulgarien (1972). Werner, K.: C. E. P. Dresden 1984; Kat. C. E. P. Kupferstichkabinett der Staatl. Museen Berlin 1986; Kühnel, A.: C. E. P. Verz. der Tiefdrucke (mit Bibl.). Berlin 1993.Anke Scharnhorst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Otto, Heinrich

* 29.7.1892 – ✝ 7.7.1944

Geboren am 29. Juli 1892 in Mittel-Gründau/Hessen, Sohn eines Landwirts. Heinrich Otto betrieb in Mittel-Gründau selbst einen kleinen Bauernhof und kam über die kommunistische Bauernbewegung zur KPD, der er Ende der zwanziger Jahre beitrat. Otto wurde 1931 als KPD-Abgeordneter in den Hessischen Landtag gewählt, dem er bis 1932 angehörte. Nach 1933 polizeilich überwacht, starb Heinrich Otto am 7.Juli 1944 in Gelnhausen.

Wer war wer in DDR

Pabst, Peter (»Bluespabst«)

* 3.8.1954

Geb. in Leipzig, aufgewachsen bei der Großmutter in Berlin-Köpenick; 1961 – 71 POS; Berufsausb. zum Fußbodenleger; Arbeit als Bergmann, Friedhofsgärtner u. Reinigungskraft; 1977 Gründungsmitgl. von »Hollys Blues Band«, 1979 Mitinitiator der ersten Bluesmessen in Berliner Kirchen; 1980 Verweigerung des Wehrdienstes in der NVA; 1982 Gründer u. seitdem musikal. Ltr., Sänger u. Gitarrist der »Jonathan Blues Band«; 1982 – 84 Ausbildung an der Musikschule Berlin-Friedrichshain u. der Bezirkskulturakad., 1985 Zulassung als Berufsmusiker; nach Mitwirkung auf versch. Samplern 1987 Amiga-LP »Überdruck«, u. a. mit den Titeln »Wer ich bin«, »Deady’s Boogie« u. »Hautnah«; Mitwirkung an Filmmusiken u. Rundfunkprod., u. a. mit »Peter Hiller and Earl of East«, »Jessica« u. »Modern Soul Band«; div. Auftritte im DFF; DDR-Tourneen mit ausländ. Gastmusikern; mehrere Tourneen mit »Jonathan« über die von der DDR betriebenen Baustellen der Erdgastrasse in der UdSSR; Konzerte in der Bundesrep. Dtl. u. Dänemark; Projekte in Zusammenarb. mit nat. u. internat. bekannten Musikern, darunter  Wolfram »Boddy« Bodag,  Hansi Biebl, Bernd Kleinow, Hans die Geige (Hans Wintoch), Peter Tourup, Al Cooper, Colin Hodgkinson, Paul Millns, Frank Dietz u. Champion Jack Dupree. Nach 1990 Ltr. des Probezentrums für Nachwuchsmusiker im Stadtbez. Berlin-Köpenick, 1995 – 2000 dort Ltr. versch. soziokultureller Einrichtungen, seit 2000 Ltr. des Eventbüros d. Berliner Stadtbez. Treptow-Köpenick; daneben Fortsetzung der Konzerttätigk. mit »Jonathan«, häufig mit Gastmusikern, insb.  Christiane Ufholz,  Reinhard Fißler,  Ulrich »Ed« Swillms, Pete »Wyoming« Bender,  Henry Kotowski, Bernd »Kule« Kühnert u. Prinz of Hearp (Andreas Teuber); lebt in Berlin. »Jonathan« gehörte neben »Engerling«, »Monokel« und der Gruppe Jürgen Kehrt zu den führenden DDR-Bluesrockbands.Jan Wielgohs

Wer war wer in DDR

Pahnke, Martin

* 10.10.1924 – ✝ 1.12.1993

Geb. in Trebbin (Krs. Teltow); Vater Klempner; Volksschule; Lehre u. Arbeit als Klempner; 1942 – 45 Wehrmacht, Flieger; 1945 amerik. Kriegsgefangenschaft. 1945 – 49 Landarb. u. Klempner; 1946 FDJ u. SED; 1949 Eintritt in die DVP/KVP; 1949/50 Kursant bzw. Seminarltr. an der VP-Politschule in Torgau; 1950 – 52 Stellv. Kdr. für pol. Arbeit bzw. Propagandist; 1952/53 stellv. Kdr. für pol. Arbeit an der Offiziersschule in Kamenz; 1953 – 56 stellv. Kdr. für pol. Arbeit II-AK; 1956 – 59 Ltr. der Politabt. der 1. Fliegerdiv.; 1957 zugl. Sekr. der SED-Org. im Kdo. Luftstreitkräfte/Luftverteidigung (LSK/ LV) der NVA; 1958 – 60 Mitgl. der SED-BL Cottbus; 1960/61 Stellv. des Ltr. der Pol. Verw. des Kdo. LSK/LV; 1961 Oberst-Ltn.; 1962 u. 1965 – 67 Studium an der Militärakad. »Friedrich Engels« in Dresden; 1962 – 65 Ltr. der Pol. Verw. u. Stellv. des Chef der LSK/LV der NVA (Nachf. von  Werner Rothe); 1964 Oberst; Okt. 1969 Gen.-Major; 1973 – 89 Vors. der SED-PKK in der Pol. HV der NVA; 1973 – 89 Kand. der ZPKK der SED; 1981 Gen.-Ltn.; 1969, 1974 u. 1976 VVO.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Palm, Monika

* 20.5.1951

Geb. in Berlin; Vater Bauing., Mutter Berufsschullehrerin; 1957 – 65 Grund- u. OS in Berlin-Mitte u. Köpenick, 1965 – 69 EOS »Alexander von Humboldt« Berlin-Köpenick, 1969 Abitur u. Berufsabschluß als Mechanikerin für elektron. Bauelemente im Werk für Fernsehelektronik Berlin; 1969 – 73 Ingenieur-Psychologiestudium an der HU Berlin, Dipl.; 1973 –75 Arbeit als Arbeits- u. Ingenieurpsychologin im VEB Steremat Berlin; 1976 – 78 Klin. Psychologin im Kinderheim für verhaltensgestörte Kinder des Kombinats der Sonderheime für päd.-psycholog. Diagnostik u. Therapie; ab 1978 Gelegenheitsarbeiten, u. a. als freischaff. Red. bzw. Lektorin für versch. Verlage sowie Kindertheater in kirchl. Heimen; seit 1974 aktives Mitglied der vom MfS als »feindlich« eingestuften konspirativen Gruppe um  Rupert Schröter, die – in Orientierung an Trotzki – polit. Bildungszirkel veranstaltete u. die soz. Überwindung der DDR anstrebte; engagiert bei der Gründung der Publikumsbeiräte der später vom Staat eingestellten Veranstaltungsreihen »Eintopp« im Berliner Haus der jungen Talente bzw. »Kramladen« im Jugendklub Berlin Langhansstraße; 1976 im Zusammenhang mit den Verhaftungen von R. Schröter,  Rudi Moldt u. a. wg. deren Protest gegen die Verunglimpfung v.  Oskar Brüsewitz nach dessen Selbstverbrennung monatelang Festnahmen, Hausdurchsuchungen u. a. Schikanen durch das MfS ausgesetzt; 1979 demonstrative Solidarität mit  Robert Havemann anläßl. dessen Prozesses vor dem Kreisgericht Fürstenwalde, vorläufige Festnahme u. »polizeil.« Vernehmungen; 1980 / 81 Mitbegr. des einzigen unabh. Kinderladens in Ost-Berlin; vom MfS bearbeitet in den OV »Monolith« u. »Zirkel«; 1980 Ausreiseantrag, nach diversen behördl. Verzögerungen 1981 Ausreise nach West-Berlin; 1983 / 84 tätig im Gesundheitsamt Berlin-Wedding in der Risikoberatungsstelle für Kleinkinder; 1985 Umzug nach Bremen, 1986 / 87 dort tätig in der Onkologie des Kinderkrankenhauses; körpertherapeut. Ausbildung (psychoorg. Analyse); 1988 Eröffn. einer psychotherapeut. Praxis, zunächst Körpertherapeutin, ab 1998 tiefenpsycholog. fundierte Therapeutin, ab 2007 als spirituelle Therapeutin (Elph-Therapie); 2008 Eröffn. einer Praxis in Berlin.Neue Untersuchungen zu den Seesand-Bionen von Wilhelm Reich. In: James DeMeo, Bernd Senf (Hrsg.): Nach Reich. Neue Forschungen zur Orgonomie. Frankfurt (Main) 1997 (mit D. Döring). Bohley, Bärbel u. a. (Hrsg.): Mut-Frauen in der DDR. München 2005.Arno Polzin, Jg. 1962; 1978 – 90 Facharbeiterausbildung und Arbeit als Werkzeugmacher; 1982 – 84 Bausoldat in der NVA; 1984 – 89 Technologie-Fernstudium an der Fach- / Hochschule für Maschinenbau und Elektrotechnik Berlin; 1990 Mitarbeit im Bürgerkomitee zur Kontrolle der Auflösung der Staatssicherheit Berlin; seit 1990 in verschiedenen Positionen bei dem / der BStU in Berlin, seit 2003 dort Mitarbeiter in der Abt. Bildung und Forschung.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Panzner, Adolf

* 4.8.1892 – ✝ 6.2.1944

Geboren am 4. August 1892 in Hamburg; kaufmännische Lehre, arbeitete in einem Anwaltsbüro und war später Angestellter einer Berufsgenossenschaft. 1916 Soldat im Weltkrieg, danach Schriftführer bei der Staatsanwaltschaft Hamburg, 1923 dort entlassen. Mitglied der KPD und der RHD. Panzner leitete eine Filiale des Literaturvertriebs der KPD Hamburg und wurde im März 1931 als Nachfolger des ermordeten Ernst Henning Abgeordneter der Hamburger Bürgerschaft. 1933 arbeitete er illegal für die KPD in Altona, Barmbek und Wandsbek, wurde am 10. August 1933 verhaftet und schwer mißhandelt, 1936 zu 18 Monaten Zuchthaus verurteilt, starb Adolf Panzner am 6. Februar 1944 an den Haftfolgen.

Wer war wer in DDR

Pappe, Christel

* 4.5.1935

Geb. in Berlin; Vater Dreher; während des 2. Weltkriegs Übersiedl. von Berlin nach Sömmerda; Besuch der OS; 1951 – 54 Ausbildung zur Laborantin im Büromaschinenwerk Sömmerda; 1951 FDGB, 1958 DFD; Mitgl. des Krs.-Vorst. Sömmerda; Mitgl. des Krs.-Vorst. der Urania Sömmerda; 1956 – 61 Fernstudium an der FS für Chemie in Köthen, Chem.-Ing.; danach Chem.-Ing. im Büromaschinenwerk Sömmerda; 1961 SED; 1963 – 65 Nachfolgekand. der Volkskammer, 1965 – 67 Abg. der Volkskammer; 1963 – 67 Mitgl. des Staatsrats; 1966 Dir. für Kader u. Ausbildung im Büromaschinenwerk Sömmerda; danach Techn. Dir. im VEB Optima Sömmerda; 1967 aus allen Funktionen ausgeschieden.Gast, G.: Die pol. Rolle der Frau in der DDR. Köln 1973.Helmut Müller-Enbergs

dissidenten.eu

Parek, Lagle

* 1941

Autorin und Verbreiterin des Samisdat, Mitgründerin und Vorsitzende der Estnischen Nationalen Partei der Unabhängigkeit.Lagle Parek wurde 1941 in Pärnu (Pernau) geboren. Ihr Vater Karl Parek war Hauptmann der estnischen Armee und wurde im gleichen Jahr vom NKWD erschossen. Im März 1949 wurde ihre Familie in den Oblast Nowosibirsk deportiert. Erst 1954 erhielt sie die Erlaubnis, nach Pärnu zurückzukehren. Parek studierte an der Technischen Hochschule in Tallinn (Reval) Bauwesen. Nach dem Abschluss 1960 spezialisierte sie sich auf Glastechnologie. Sie arbeitete zunächst im Institut für Ländliches Bauen, später im Institut für Denkmalschutz in Tartu (Dorpat). Ende der 70er Jahre schloss sie sich der estnischen Unabhängigkeitsbewegung an. Sie sammelte und veröffentlichte Informationen über Menschenrechtsverletzungen der sowjetischen Behörden, vervielfältigte und verbreitete Schriften des Samisdat. Außerdem unterhielt sie Kontakte zu in Moskau akkreditierten ausländischen Journalisten und informierte diese über die Situation in Estland. Darüber hinaus unterstützte sie Familien politischer Häftlinge. Parek unterzeichnete Sammelappelle und offene Briefe zur Verteidigung von Tatjana Welikanowa, Gleb Jakunin und Antanas Terleckas im November 1977, von Mart-Olav Niklus am 27. Juni 1980 und das Glückwunschtelegramm an Lech Wałęsa am 11. November 1980, die *Petition gegen den Einmarsch sowjetischer Truppen in Afghanistan vom 17. Januar 1980 und den Protest gegen die Verbannung von Andrei Sacharow am 3. Februar 1980. Außerdem unterschrieb sie eine Reihe von Aufrufen, die sich an die internationale Öffentlichkeit richteten: die Erklärung zur Verteidigung der *Solidarność, den *Appell an die Regierungschefs der UdSSR und der nordischen Ländern vom 10. Oktober 1981 und den *Offenen Brief an die Bürger Finnlands vom 1. Oktober 1982. Im Frühjahr 1981 nahm sie am Begräbnis des im Gefängnis gestorbenen estnischen Wissenschaftlers und Menschenrechtsaktivisten Jüri Kukk teil.Am 5. März 1983 wurde sie verhaftet. Vom 13. bis 16. Dezember 1983 fand der Prozess gegen Lagle Parek sowie gegen ihren Schwager Heiki Ahonen und gegen Arvo Pesti vor dem Obersten Gericht der Estnischen SSR statt. Außer Verbreitung des Samisdat wurde den Angeklagten vorgeworfen, dass sie Kontakte zur estnischen Emigrantenorganisation „Hilfszentrum für Estnische Politische Gefangene“ in Stockholm unterhalten hätten. Sie alle bekannten sich nicht schuldig. Parek wurde nach Artikel 68, Paragraf 1 Strafgesetzbuch der ESSR (siehe *Artikel 70 Strafgesetzbuch der RSFSR) zu sechs Jahren Arbeitslager und drei Jahren Verbannung verurteilt. Ihre Strafe verbüßte sie in der Frauenabteilung der *mordwinischen Lager. Dort beteiligte sie sich an Protestaktionen der politischen Häftlinge. Am 30. Januar 1987 wurde sie im Zuge der sogenannten „Gorbatschow-Amnestie“ freigelassen. Nach ihrer Rückkehr nach Estland lebte sie in Tartu. Sie war Gründungsmitglied der Gruppe zur Bekanntmachung des *Hitler-Stalin-Paktes in der Öffentlichkeit und gehörte zu den Organisatoren der *Kundgebung im Hirve-Park am 23. August 1987. Der KGB machte im Dezember 1987 einen vergeblichen Versuch, sie zur Emigration zu bewegen. Im Januar 1988 gründete sie zusammen mit anderen die „Estnische Nationale Partei der Unabhängigkeit“. In dieser Zeit trat sie bei zahlreichen patriotischen Demonstrationen als Rednerin auf, weshalb sie immer wieder durch den KGB festgenommen wurde. Von 1989 bis 1993 war sie Vorsitzende ihrer Partei.Parek wurde in den *Kongress Estlands abgeordnet und war 1990–92 Mitglied des *Estnischen Komitees. Nach der Unabhängigkeit Estlands kandidierte sie 1992 erfolglos für das Amt des Staatspräsidenten, war 1992–93 jedoch Innenministerin. 1994 zog sie sich aus der Politik zurück. Am 23. Februar 1996 erhielt sie für ihren Einsatz zur Wiederentstehung Estlands den Orden des Staatswappens II. Klasse. Heute lebt Parek in einem Kloster in einem Vorort von Tallinn. Sie ist geschäftsführende Direktorin der estnischen „Caritas“ und Vorstandsmitglied der Kistler-Ritso-Stiftung (Kistler-Ritso Eesti Sihtasutus).Viktor Niitsoo Aus dem Polnischen von Beata Kosmala Letzte Aktualisierung: 07/15

Wer war wer in DDR

Paryla, Katja

* 25.1.1940

Geb. in Zürich; Vater Schauspieler u. Regisseur Emil P. (Ps. Emil Stöhr); ab 1946 aufgew. in Wien; kam 1956 mit ihren Eltern nach Berlin u. studierte an der HS für bildende u. angewandte Kunst in Berlin-Weißensee Modegestaltung, Dipl.-Modegestalterin; 1961 – 63 Studium an der Schauspielschule Berlin; 1963 – 67 Engagement an der Volksbühne Berlin, 1967 – 77 am Maxim-Gorki-Theater Berlin; 1977 – 90 am Dt. Theater Berlin; 1990 am Schauspielhaus Zürich. 1991 am Schiller-Theater in Berlin; 1994 – 2001 Schauspielerin u. Regisseurin am Dt. Nationaltheater in Weimar; 2004 – 08 Schauspieldir. der Städt. Theater Chemnitz; seit 2008 am Düsseldorfer Schauspielhaus; Mitgl. der AdK. Rollen u. a. in: 1965 »Moritz Tassow« von  Peter Hacks, 1967 »Die seltsame Reise des Alois Fingerlein« von  Rainer Kerndl, 1975 »Die Letzten« von Maxim Gorki, 1982 »Die traurige Geschichte von Friedrich dem Großen« von Heinrich Mann, 1983 »Die Rundköpfe u. die Spitzköpfe« von  Bertolt Brecht, 1984 »Iphigenie auf Tauris« von Johann W. v. Goethe, »Elektra« von Sophokles u. »Medea« von Euripides, 1988 »Transit Europa« von Volker Braun (Wirtin); seit den 1960er Jahren auch Film- u. Fernsehrollen, u. a. in TV-Mehrteilern »Spuk unterm Riesenrad« (1978) u. »Spuk im Hochhaus« (1982). 2003 Inszenierung »Was ihr wollt« (Shakespeare) in Chemnitz; 2005/06 Inszenierung »Wilder Sommer« von Goldoni, »Die Verschwörung des Fiesco zu Genua« von Friedrich Schiller, Rolle in »Süßer Vogel Jugend« (Prinzessin).Gerd Dietrich / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Paterna, Erich

* 19.2.1897 – ✝ 22.4.1982

Geb. in Genschmar (Oderbruch); Vater Postagent; 1916 – 18 Vizefw. im 1. Weltkrieg; 1919 Beendigung der 1916 abgebrochenen Volksschullehrerausbildung; 1920 – 27 Volksschullehrer; 1927 Attestation als Mittelschullehrer; 1927 – 32 SPD, seit 1932 KPD; 1927 – 30 Mittelschullehrer; 1930 – 33 Rektor einer weltl. Schule in Frankfurt (Oder); 1933 Entlassung; Aug. 1933 – 1936 Lehrer in der Niederlausitz; 1933 – 36 Rottenführer in der SA-Brigade 122 in Sorau; zugl. aktiv im illeg. Widerstand, 1936 Verhaftung, 1936 – 40 Zuchthaus Brandenb.-Görden; 1940 – Jan. 1945 Aushilfsbuchhalter; Jan. – Mai 1945 Sonderaufträge für die sowj. Armee. Mai – Juli 1945 stellv. Ltr. des Bez.-Schulamts Berlin-Schöneberg; Juli 1945 – Mitte 1946 wiss. Mitarb. beim PV der KPD; hier beteiligt an der Ausarbeitung der »Richtlinien für den Unterricht in dt. Geschichte«; 1946 SED; 1946 – 53 Lehrer, ab 1947 Ltr. des Lehrstuhls für Geschichte der dt. Arbeiterbew. an der PHS; 1953 – 63 Dir. des Inst. für dt. Geschichte an der HU Berlin; 1953 – 58 Wahrnehmung einer Professur für dt. Geschichte; 1955 Prom. u. 1958 Habil. mit einer zweibändigen Studie über Klassenkämpfe der Mansfeld. Bergarb. vom 15. bis 17. Jh.; 1958 – 63 ord. Prof.; 1963 em.; 1972 VVO; 1977 Dr. h. c. der HU Berlin; 1982 KMO; gest. in Berlin. E. P. war u. a. Mitautor des HS-Lehrbuchs zur Geschichte Dtl. 1933 – 39 (Berlin 1969); obgleich selbst ohne universitäre geschichtswiss. Ausbildung, war er von nachhaltiger Bedeutung für die DDR-Geschichtswiss.; als HS-Lehrer u. Parteifunktionär hat er die Ausbildung der ersten u. bis 1989 dominierenden Historikergeneration der DDR maßgebl. mitgeprägt.»Da stunden die Bergleute auff«. Berlin 1960. Pätzold, K.: E. P. In: Wegbereiter der DDR-Geschichtswiss. Berlin 1989; Kowalczuk, I.-S.: Legitimation eines neuen Staates. Berlin 1997.Ilko-Sascha Kowalczuk

Wer war wer in DDR

Pau, Petra

* 9.8.1963

Geb. in Berlin; POS; 1979 – 83 Ausbildung zur Pionierltr. u. Unterstufenlehrerin für Dt. Sprache u. Kunsterziehung am ZI der Pionierorg. »Ernst Thälmann« in Droyßig; 1983 SED; Lehrerin u. Pionierltr. in Berlin-Prenzlauer Berg; 1985 – 88 Studium an der PHS der SED, Dipl.-Gesellschaftswiss.; 1988 – 90 Mitarb. im ZR der FDJ, 1990 zuständig für die Auflösung der Pionierorg.; Jan. – Okt. 1990 PDS-Bezirksvors. u. Mai 1990 – 95 Abg. der Bezirksverordnetenversamml. Berlin-Hellersdorf. 1991 stellv., 1992 – 2001 Landesvors. der PDS Berlin, 1995 – 98 Mitgl. im Abgeordnetenhaus von Berlin; Okt. 2000 – Okt. 2002 stellv. Bundesvors. der PDS; seit 1998 MdB (1998, 2002, 2005 u. 2009 jeweils Direktmandat), 2000 – 02 u. 2005 – 08 stellv. Fraktionsvors. u. Ltr. des Fraktionsarbeitskreises Demokratie u. BürgerInnenrechte; seit April 2006 Vizepräs. des Dt. Bundestags; wird innerhalb der PDS bzw. Linkspartei dem reformorientierten Flügel zugerechnet; lebt in Berlin.P. P.: Einer trage des anderen Last. Berlin 2007 (Red.). Fehrle, B.: Bundestagspräsidentin P. P. In: Feldkamp, M. F. (Hrsg.): Der Bundestagspräsident. München 2007.Jan Wielgohs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Paul, Hugo

* 28.10.1905 – ✝ 12.10.1962

Geboren am 28. Oktober 1905 in Hagen/Westfalen, Sohn einer Arbeiterfamilie; lernte Autoschlosser. Mitglied des KJVD, 1923 trat er der KPD bei und gehörte ab 1928 der KPD-BL Niederrhein an. 1929 Volontär in der Redaktion der »Freiheit« in Düsseldorf. Im Juli 1932 wurde Paul im Wahlkreis Düsseldorf-Ost in den Reichstag gewählt, dem er jedoch nur bis November angehörte. Ab Februar 1933 Instrukteur für die illegalen UB Düsseldorf und München-Gladbach, bereits am 22. Juni wurde er in Düsseldorf verhaftet, im November 1934 vom VGH zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt, kam anschließend 1936 in »Schutzhaft«, dann in das KZ Sachsenhausen. Im April 1939 entlassen, arbeitete Paul als Schlosser. Im Januar 1943 erneut festgenommen und im August 1944 durch den 2. Senat des VGH zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt, bis zur Befreiung 1945 im Zuchthaus Butzbach. Paul wurde 1949 1. Sekretär der KPD-BL Niederrhein, war 1946/47 als KPD-Vertreter auch im SED-PV, 1948/49 Vorsitzender der KPD Nordrhein-Westfalen und bis zum Parteiverbot 1956 Mitglied des KPD-PV. Im Dezember 1949 wurde Paul wegen »titoistischer Abweichungen« seiner Funktion als Landesvorsitzender der KPD enthoben. Er war von 1946 bis 1950 Abgeordneter des Nordrhein-Westfälischen Landtags, von 1946 bis 1948 Minister für Wiederaufbau in der Landesregierung Nordrhein-Westfalen und gehörte von September 1949 bis Juli 1953 als Abgeordneter der KPD dem Deutschen Bundestag an. 1953 wurde er kurzzeitig inhaftiert, lebte später in der DDR. Hugo Paul starb am 12. Oktober 1962 in Ost-Berlin. Seine Frau Luise Paul, geborene Klesper (* 3. 4. 1912 – † 3. 11. 1998), war Stenotypistin bei der KPD-Leitung in Remscheid, Solingen und im Einheitsverband der Metallarbeiter (RGO). 1926 KJVD. Am 13. Oktober 1933 festgenommen und im November 1934 zu 17 Monaten Gefängnis verurteilt. Anschließend Stenotypistin und Kontoristin in verschiedenen Betrieben. Nach 1945 Mitglied der KPD, Kontoristin, u. a. im Garten- und Friedhofsamt in Remscheid. Ilse Faesekorn veröffentlichte 1998 eine biographische Skizze über Hugo und Luise Paul.

Wer war wer in DDR

Pech, Cyrill

* 23.8.1938

Geb. in Neudörfel (Krs. Kamenz); Vater Landwirt, Sorbe; OS, 1956 Abitur; 1956 – 63 Theol.- u. Philosophiestudium an der MLU Halle; 1963 Priesterweihe; danach Pfarrer in Riesa bzw. Berlin; 1952 DSF; 1979 – Dez. 1989 CDU; 1981 – 84 Abg. des Bez.-Tags Dresden; 1985 – 89 Mitgl. des Bez.-Vorst. Berlin der CDU u. des Krs.-Vorst. Berlin-Marzahn der DSF; Mitw. im Friedensrat; 1990 ehrenamtl. Vors. des ZA der DSF (Nachf. von  Heinz Kuhrig); mit der Liquidation der DSF beauftragt; stellv. Vors. der DSF-Nachfolgeorg. Stiftung West-Östl. Begegnungen in Berlin; Vors. der »Berliner Freunde der Völker Russlands«; Pfarrer; Rentner; lebt in Berlin.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Ottwalt, Ernst

* 13.11.1901 – ✝ 24.8.1943

Geboren am 13. November 1901 als Ernst Nicolas in Tippenow/Westpreußen, Sohn eines Pfarrers; besuchte das Gymnasium in Halle. Nach der Novemberrevolution und im Kapp-Putsch 1920 Angehöriger des Freikorps Halle, das gegen die Arbeiterbewegung und insbesondere die Kommunisten kämpfte. Während des Studiums in Halle und Jena wurde er durch seine Erlebnisse als Werkstudent Kommunist. Als Romanautor und Essayist nannte er sich Ottwalt und wurde einer der bekanntesten deutschen kommunistischen Schriftsteller, aktiv im Bund proletarisch-revolutionärer Schriftsteller in Berlin. Sein 1929 veröffentlichter Roman »Ruhe und Ordnung« war eine schonungslose Abrechnung mit der eigenen Jugend und mit den nationalistischen Freikorps. Auch sein Werk »Denn sie wissen, was sie tun« (1931) richtete sich gegen den Rechtsradikalismus. 1932 erschien von Ottwalt »Deutschland erwache! Geschichte des Nationalsozialismus«. In der kommunistischen Zeitschrift »Die Linkskurve« setzte sich Ottwalt im Oktober 1932 mit Georg Lukács auch theoretisch auseinander und arbeitete zeitweilig mit Bertolt Brecht zusammen. Er floh 1933 nach Dänemark und kam über Prag 1934 in die Sowjetunion. Mitarbeiter kommunistischer Zeitschriften in Moskau, Ottwalt wurde im November 1936 gemeinsam mit seiner Frau Waltraut Nicolas, geb. Bartels (*5. 1. 1897), vom NKWD verhaftet. Sie wurde zu fünf Jahren verurteilt, dann nach NS-Deutschland ausgeliefert und 1942 in Berlin zu einem Jahr Gefängnis verurteilt, blieb danach unter Gestapoüberwachung. Nach 1945 in Westdeutschland, Waltraut Nicolas berichtete 1960 (»Viele Tausend Tage«) über den Gulag. Ernst Ottwalt wurde 1939 wegen »Spionage« für Deutschland zum Tode verurteilt (nach anderen Angaben zu fünf Jahren Lager), aber in den Gulag verbannt und ist am 24. August 1943 in einem Lager in Sibirien ums Leben gekommen. Im Nürnberger Kriegsverbrecherprozeß 1946 benutzte der sowjetische Ankläger Rudenko drei Jahre nach Ottwalts Tod dessen Buch »Deutschland erwache!« noch als Beweismittel und erwähnte den in den stalinistischen Säuberungen ermordeten Autor – es klingt wie Zynismus – sogar namentlich. Die Werke von Ernst Ottwalt wurden bereits 1977 im Westen von Andreas Mytze herausgegeben, dem Verfasser seiner Biographie.

Wer war wer in DDR

Packenius, Gerhard

* 8.10.1951

Geb. in Aschersleben; 1978 Priesterweihe in Magdeburg; 1978 – 81 Vikar u. Dekanatsjugendseelsorger in Torgau; 1981 – 86 Vikar in Salzwedel; 1986 – 89 Vikar in Weißenfels; Gründung u. Ltg. der einzigen ökumen. Umweltgr. unter dem Dach der kath. Kirche in der DDR, Veranstaltungen mit Ausreiseantragstellern in kirchl. Räumen; vom MfS bearbeitet in der OPK »Vikar«, in deren Ergebnis durch kirchenleitende IM betriebene Versetzung; 1989 Pfarrvikar in Wettin u. kommissar. Studentenpfarrer in Halle; Mitgl. im Komitee zur Auflösung der MfS-BV Halle. 1990 Studentenpfarrer in Halle; 1995 zusätzl. Stadtpfarrer der Gemeinde Hl. Kreuz, seit 2002 Polizei-Pfarrer für Sachsen-Anh.Bernd Schäfer

Wer war wer in DDR

Pahnke, Rudi Karl

* 30.6.1943

Geb. in Berlin; Eltern Arbeiter bzw. Angest.; nach Schulabschl. Berufsausbildung zum Feinmechaniker; 1962 – 65 theolog.-seminarist. Ausbildung; 1965 – 70 Studium der Theol. an der HU Berlin; wegen krit. Distanz zu Kirche u. Staat nicht zur Aspirantur zugelassen; zunächst in der kirchl. Kinder- u. Jugendarbeit tätig; 1972 – 82 Pfarrer in Berlin-Prenzlauer Berg; seit Ende der 60er Jahre vielfältige Kontakte zu Dissidentenkrs. u. opp. Schriftst., Dialogversuche mit krit. Marxisten, später aktive Unterstützung für die Tätigkeit von Friedens-, Umwelt- u. Menschenrechtsgr. unter dem Dach der ev. Kirche, Beteiligung am »Berliner Appell« von 1982, zeitw. Sprecher der Berliner Friedenswerkstatt, Konflikte mit der Kirchenltg.; 1982 – 88 Doz. in der kirchl. Ausbildungsstätte für Sozialpädagogen; aktive Mitarbeit an Dokumenten der »Ökumen. Vers. von Kirchen u. Christen in der DDR zu Frieden, Gerechtigkeit u. Bewahrung der Schöpfung«; ab 1988 Sekr. für Jugendfragen des Bunds der Ev. Kirchen; Okt. 1989 Mitbegr. u. Vorstandsmitgl. des DA, Dez. Parteiaustritt nach der Wahl  Wolfgang Schnurs zum Parteivors. u. der konservativen Wende des DA. 1992 Studienltr. an der Ev. Akad. Berlin-Brandenb.; mehrere Studienreisen nach Israel u. Org. von Begegnungen zw. dt. u. israel. Jugendlichen; 1999 Vorruhestand in Borgsdorf (b. Berlin); seit 2005 Ltr. des Vereins »Inst. Neue Impulse«, der u. a. dt.-israelische Jugendbegegnungen organisiert.zu Bibelinterpretation, mod. Theol., Recht sowie zu Grenzen der Religionskritik, kirchlicher Jugendarbeit u. Jugendproblemen, Rechtsextremismus, Antisemitismus, dem Verhältnis zw. Kirche u. Gruppen u. a. m.Ehrhart Neubert

Wer war wer in DDR

Palucca, Gret

* 8.1.1902 – ✝ 22.3.1993

Geb. in München; Vater Apotheker; 1908 Übersiedl. nach Kalifornien; 1909 Rückkehr nach Dresden; 1914 – 16 Ballettunterricht bei Heinrich Kröller; 1916 Internatsschule in Plauen; 1918 Ballettunterricht bei Heinrich Kröller in München, 1920 bei Mary Wigman in Dresden; 1923 Mitgl. der ersten Wigman-Tanzgr.; 1924 erster Solotanzabend; fortan alljährl. Tourneen im In- u. Ausland; Studentin am Bauhaus in Weimar; 1925 Eröffnung der Palucca-Schule in Dresden, Filialen in Berlin (1928) u. Stuttgart (1931); 1926/27 erste Palucca-Tanzgr.; 1927 erster Solotanzabend in der Aula des Bauhauses Dessau; ab 1934 Mitgl. der Reichstheaterkammer; 1936 Teiln. am Eröffnungsabend der Olymp. Spiele in Berlin; G. P. konnte sogen. Ariernachweis nicht erbringen, durfte nur noch mit Sondergenehmigung (6.11.1936) außerhalb staatl. u. NS-Veranstaltungen auftreten; Übernahme der Palucca-Schule durch Adolf Havlik u. Eva Glaser; 1939 – 44 Solotanzabende. 1945 Wiederaufn. der Tanztätigkeit; Neueröffnung der Palucca-Schule in Dresden; 1945 – 49 Gastspielreisen in allen vier Besatzungszonen; 1949 Verstaatl. der Palucca-Schule; Abg. im Sächs. Landtag; 1950 letzte Tournee; 1950 Gründungsmitgl. der DAK; 1951 letzter Soloauftritt; 1953 Unterbrechung der Lehrtätigkeit wegen staatl. Eingriffe; 1954 Neuberufung zur Künstler. Ltr. der Schule; ab 1957 Ltr. der jährl. Sommerkurse der Palucca-Schule; 1962 Prof.; 1965 – 70 Vizepräs. der AdK; 1970 – 74 Gastprof. in Stockholm, Gastunterricht u. a. in Bern u. Leningrad; 1960, 1976 u. 1981 NP; 1972 VVO; 1980 Stern der Völkerfreundschaft; 1983 Dt. Tanzpreis (der Stadt Essen); 1985 Ehrenspange zum VVO; 1985 Mitgl. des Kuratoriums der Semperoper Dresden; Mitgl. des Internat. Musikzentrums in Wien; 1987 Großer Stern der Völkerfreundschaft. 1991 Ehrenmitglied der vereinten AdK; 1992 Großes Verdienstkreuz der Bundesrep. Dtl.; eine der großen Persönlichkeiten des modernen dt. Tanzes, Tanztitel u. a. »Technische Improvisationen« (1927), »Im weiten Schwung« (1928), »Wechselndes Temperament« (1930), »Habanera« (1941) u. »Dunkle Stimmung« (1949); gest. in Dresden.Krull, E., Gommlich, W.: P. Berlin 1964; Schumann, G. (Hrsg.): P. Berlin 1972; P. zum Fünfundachtzigsten. Glückwünsche, Selbstzeugnisse, Äußerungen. Berlin 1985; Erdmann-Rajski, K.: G. P. Tanz, Palucca! Die Verkörperung einer Leidenschaft. Berlin 2001 (Biogr.).Kornelia Knospe

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Papapetrou, Achilles

* 2.2.1907 – ✝ 12.8.1997

Geb. in Serres (Griechenl.); Vater Lehrer; 1924 Abitur Gymnasium Serres; 1925 – 30 Studium der Elektrotechnik an der TH Athen, dort 1930 Dipl.; anschl. Militärdienst und Tätigkeit in der Industrie; 1932 / 34 Ass. für Mathematik an der TH Athen; 1934 / 35 Physikstudium an der TH Stuttgart, dort 1935 Promotion bei Peter Paul Ewald; 1935 / 40 Ass., ab 1940 Prof. an der TH Athen; 1946 Entlassung und anschließend Fellow am Institute for Advanced Studies in Dublin (Irl.); 1948 – 52 Mitarb. am Department of Physics der Univ. Manchester. 1952 Übersiedl. in die DDR; Ltr. des Bereichs mathemat. Physik am Inst. für reine Math. der DAW u. ab 1957 auch ord. Prof. für theoret. Physik an der HU Berlin; 1961 Korr. Mitgl. der DAW; ab 1962 Übersiedl. nach Frankreich und Forschungsdir. des Inst. für theoret. Physik am Centre National de la Recherche Scientifique (CNRS) in Paris; 1977 em.; gest. in Paris. Forschungen zur Allg. Relativitätstheorie u. Gravitationstheorie, die nach den Jahren der Diffamierung im Dritten Reich dem Gebiet in der Tradition Einsteins wieder zur Anerkennung verhalfen u. in der DDR eine Forschungstradition begründeten, die insb. von P.s Schüler  Hans-Jürgen Treder aufgenommen u. fortgeführt wurden; insgesamt trug er zur Profilierung der theoret. Physik in der DDR u. ihrer internat. Anerkennung bei.Max-Planck-FS 1958. Berlin 1959 (Mithrsg.). Stachel, J.: A. P. 1907 – 1997. In: Physics Today (1998) 12.Dieter Hoffmann

Wer war wer in DDR

Pappenheim, Günter

* 3.8.1925

Geb. in Schmalkalden; Vater Ludwig P., Redakteur u. SPD, 1934 von den Nationalsozialisten im KZ Börgermoor ermordet, Mutter Arbeiterin; Knabenbürgerschule in Schmalkalden; 1939 – 43 Lehre u. Arbeit als Schlosser; Zusammenarb. mit Kriegsgef. u. Widerstandsarb. gegen den Nationalsoz.; im Juni 1943 bei der Gestapo Suhl denunziert u. im Betrieb verhaftet, Juni bis Aug. 1943 Haft im Gestapo-Gefängnis Suhl u. im Arbeitslager »Am Gleichberg« in Römhild; Aug. 1943 bis April 1945 Häftling im KZ Buchenwald. 1945 – 51 Angest. beim Rat des Krs. Schmalkalden bzw. Bad Salzungen; 1945 SPD, 1946 SED; 1951 Ltr. für Kader u. Schulung der Sozialversicherungsanstalt Bad Salzungen; 1952 / 53 Instrukteur für Kultur u. Volksbildung in der SED-KL Bad Salzungen; 1953 Stud. an der BPS Meiningen; 1954 / 55 Ltr. der Org-Abt. der SED-KL Bad Salzungen; 1955 – 57 Instrukteur bzw. stellv. Ltr. der Abt. Parteien u. Massenorg. der SED-BL Suhl; 1957 – 60 Stud. an der PHS des ZK der KPdSU in Moskau, Dipl.-Gesellschaftswiss.; 1960 – 1. Sekr. der SED-KL Schmalkalden u. Kand. bzw. Mitgl. der SED-BL Suhl; 1964 – 66 Stud. an der HfÖ Berlin, Dipl.-Ökonom; 1966 – 71 1. Sekr. der SED-KL Luckenwalde; 1971 – 74 Vors. des Rats des Bez. Potsdam; 1971 – 74 Abg. des Bezirkstags Potsdam, Jan. 1974 Ablösung aus gesundheitl. Gründen; 1974 – 89 Mitgl. der ZPKK; am 15.1.1990 auf eigenen Wunsch aus dem Parteiapparat der SED-PDS ausgeschieden. Seit 1990 Mitgl. u. Schatzmeister, seit 2005 Vors. der Lagerarbeitsgemeinschaft Buchenwald-Dora; ab 2001 stellv. Vors. u. 1. Vizepräsident des Internat. Komitees Buchenwald-Dora u. Kommandos; Mitgl. der Linkspartei.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Paris, Helga

* 21.5.1938

Geb. in Gollnow (Hinterpomm. / Goleniów, Polen); 1956 Abitur in Zossen (b. Berlin); 1956 – 60 Studium der Modegestaltung an der FS für Bekleidung Berlin; kurzz. Doz. für Kostümkunde an einer Berufsschule; Tätigkeit als Gebrauchsgrafikerin bei der DEWAG Berlin; 1964 – 74 verh. mit  Ronald P.; ab 1965 intensive fotogr. Arbeiten, autodidakt. Aneignung der Grundlagen; 1967/68 Fotolaborantin, Übergang zur freiberufl. Arbeit; ab 1972 VBK; 1975 Fotografien der Inszenierung von  Benno Besson an der Volksbühne sowie von  Alexander Lang u.  Friedo Solter am Dt. Theater Berlin; Finanzierung des Lebensunterhalts durch Reprod. von Kunstwerken für Kat.; 1978 erste Personalausstellung in der HS für Bildende Künste Dresden; 1986 kurz vor Eröffnung Verbot der Ausstellung »Häuser u. Gesichter. Halle 1983 – 85« in der Galerie Marktschlößchen Halle, da in den Fotos der Verfall der Stadt dokumentiert wird; 1989 Ausstellung Fotogalerie Berlin-Friedrichshain; Soziale Fotografie, Serien: Müllfahrer (1974), Berliner Kneipen (1975), Möbelträger (1975), Altersheim, Berlin-Gürtelstraße (1980), Berliner Jugendliche (1981/82), ab 1981 Selbstporträts, Häuser u. Gesichter, Halle (1983 – 85), Frauenporträts VEB Treffmodelle (1984); seit 1996 Mitgl. der AdK; 2004 Hanna-Höch-Preis; lebt in Berlin.Tasso 75. Berlin 1978 (Text C. Funke); In Siebenbürgen. Leipzig 1982 (Text W. Knape); Gesichter – Frauen in der DDR. Berlin 1986; Diva in Grau. Häuser u. Gesichter in Halle. Halle 1991 (Text J. Kowalski, D. Winklhofer); Peripherie als Ort. Das Hellersdorf-Projekt. Galerie der NGBK. Berlin 1999 (Mitautorin). Kat. H. P. Galerie Sophienstr. 8. Berlin 1982; Kat. H. P. Kunsthalle Rostock 1988; Kat. H. P. Fotogalerie Berlin-Friedrichshain 1988; Kat. H. P. Berlinische Galerie 2004.Anke Scharnhorst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Paschke, Richard

* 20.5.1901 – ✝ 17.2.1938

Geboren am 20. Mai 1901 in Berlin; Metallarbeiter. Er trat 1919 der USPD bei und kam 1920 mit deren linkem Flügel zur KPD. Zunächst Parteifunktionär in Berlin, dann Mitarbeiter der sowjetischen Agentur TASS und illegal im AM-Apparat des ZK der KPD tätig. Von 1933 bis 1935 besuchte er die KUNMS in Moskau, war dann dort leitender Redakteur der »Deutschen Zentral-Zeitung« (DZZ). Am 17. Februar 1938 wurde er vom NKWD verhaftet, der Spionage beschuldigt und am 27. März 1938 zum Tode verurteilt. Richard Paschke wurde am 7. April 1938 in der UdSSR erschossen und im September 1957 »rehabilitiert«.

dissidenten.eu

Patočka, Jan

* 1907 – ✝ 1977

Philosoph. Unterzeichner der *Charta 77, Verfasser von mehreren Grundsatzprogrammen der *Charta 77 und einer ihrer ersten Sprecher.Jan Patočka wurde 1907 in Turnau (Turnov) geboren. Sein Vater war Gymnasiallehrer für klassische Sprachen, seine Mutter Opernsängerin. Ab 1925 studierte er Philosophie, Romanistik und Slawistik an der Karls-Universität in Prag. 1928–29 studierte er im Ausland, unter anderem an der Pariser Sorbonne, wo er das erste Mal Edmund Husserl begegnete. 1931 erhielt er den Doktorgrad in der Philosophie. Ein Jahr später ging er zum Studium nach Berlin und danach nach Freiburg, wo er Vorlesungen von Martin Heidegger und Edmund Husserl besuchte. Nach seiner Rückkehr 1934 in die Tschechoslowakei unterrichtete er zehn Jahre an einem Prager Gymnasium, war Sekretär des Prager Philosophiekreises und Redakteur der wichtigsten philosophischen Zeitschrift „Tschechisches Denken“ (Česká mysl). 1936 habilitierte er sich mit der Arbeit „Die natürliche Welt als philosophisches Problem“ (Přirozený svět jako filosofický problém), mit der er zum Kreis der bedeutendsten europäischen Philosophen jener Zeit aufschloss. Während der deutschen Besatzung arbeitete er als Gymnasiallehrer, wurde im Herbst 1944 jedoch zur Zwangsarbeit im Tunnelbau verpflichtet. Nach der Befreiung von den Deutschen unterrichtete Patočka Geschichte der Philosophie an der Karls-Universität Prag. Als er von den Kommunisten bei einer politischen Überprüfung negativ eingestuft wurde, musste er die Universität verlassen. Obwohl er weder zu den politischen Ereignissen noch gegen das Regime öffentlich Stellung bezogen hatte, behandelten ihn die Machthaber als einen potenziellen Feind. Dass er den Eintritt in die Kommunistische Partei (KPČ) verweigerte, obwohl er damit seine Karriere hätte retten können, schadete ihm zusätzlich. In den 50er Jahren handelte er nach dem Prinzip, sich nicht in aussichtslose Konfrontationen mit dem kommunistischen System zu begeben, blieb jedoch trotz allem seinen Grundsätzen treu. Nachdem er die Universität verlassen musste, wechselte Patočka an das Tomáš-Garrigue-Masaryk-Institut, wo er sich als wissenschaftlicher Mitarbeiter mit dem Fall Leopold Hilsners befasste. Dieser war 1899 angeklagt worden, einen jüdischen Ritualmord an einer christlichen Mitbürgerin begangen zu haben und dafür ohne ausreichende Beweise verurteilt worden. Nebenbei organisierte Patočka für Kollegen und ehemalige Studenten private Seminare. Nach der Auflösung des Institutes 1954 wechselte er zum pädagogischen Institut der Tschechoslowakischen Akademie der Wissenschaften. Hier forschte er zum philosophischen und theologischen Schaffen von Jan Amos Comenius und leistete so einen Beitrag zur Wiederentdeckung dessen Werke. Mit dem politischen Tauwetter 1958 konnte er zur Verlagsabteilung des philosophischen Instituts der Akademie der Wissenschaften wechseln. Hier befasste er sich mit der Vorbereitung wissenschaftlicher Publikationen und arbeitete im Projekt „Philosophische Bibliothek“ mit. In der zweiten Hälfte der 60er Jahre hielt er gelegentlich Vorträge an belgischen und deutschen Universitäten. Nachdem er 1968 vollständig rehabilitiert wurde, konnte er wieder an der Karls-Universität lehren, wo er zum ordentlichen Professor berufen wurde. Gleichzeitig wurde ihm die Aufgabe der Neugründung des Masaryk-Instituts übertragen. Nach der Niederschlagung des *Prager Frühlings und dem *Einmarsch von Truppen des Warschauer Paktes in die Tschechoslowakei entschied sich Patočka gegen die Emigration, da er sich kein Leben außerhalb der Tschechoslowakei vorstellen konnte. Als die Aachener Universität ihm 1971 die Ehrendoktorwürde verlieh, erlaubte ihm die Regierung nicht, diese anzunehmen. Er erhielt den Doktortitel dann aber 1975 in der Botschaft der Bundesrepublik in Prag. 1972 wurde er zum zweiten Mal in seinem Leben vom kommunistischen Regime bei einer politischen Überprüfung als verdächtig eingestuft und anschließend gezwungen, sich pensionieren zu lassen. Seine Bücher wurden aus den Buchhandlungen entfernt. 1973 gelang es ihm zum letzten Mal, zum Internationalen Philosophen-Kongress ins bulgarische Warna zu fahren, wo jedoch einer der sowjetischen Teilnehmer verhinderte, dass er sein Referat zu Ende halten konnte. Die tschechoslowakische Regierung erhoffte sich von seinem erzwungenen Ruhestand, ihm die Motivation für weitere wissenschaftliche und pädagogische Arbeiten zu nehmen. Es kam allerdings anders. Junge Menschen, ehemalige Studenten und Bekannte suchten den Kontakt zu ihm. Patočka gab weiterhin private Philosophieseminare in seiner Prager Wohnung. Seine Bücher und Vorträge wurden im Samisdat sowie in ausländischen Zeitschriften und Sammelbänden publiziert. Von entscheidender Bedeutung für die tschechoslowakische Oppositionsbewegung war seine 1975 im Untergrundverlag *Edice Petlice (Türriegel) veröffentlichte Arbeit „Ketzerische Essays zur Philosophie der Geschichte“ (Kacířské eseje o filosofii dějin), in der er die Notwendigkeit zur „Solidarität mit den Erschrockenen“ betonte und zur Rettung der Seelen, wenn „die Welt der alltäglichen Hoffnungen um uns herum zerfällt“, aufrief. In seinem Essay „Die Kriege des 20. Jahrhunderts und das 20. Jahrhundert als Krieg“ schrieb er: „Die bestehenden Deutungen des Ersten Weltkriegs stützen sich durchweg auf Ideen des 19. Jahrhunderts. Das aber sind Ideen des Friedens, des Tages und seiner Interessen. Es nimmt daher nicht wunder, dass sie nicht imstande sind, die Grundgestalt des so ganz anders gearteten 20. Jahrhunderts zu erklären, denn dieses Jahrhundert ist eine Epoche der Nacht, des Krieges und des Todes. Nicht dass es nicht notwendig wäre, zu seinem Verständnis auf die vorangehende Zeit zu rekurrieren. Doch aus ihren Ideen, Programmen und Zielen lässt sich nur die Entstehung des furchtbaren Willens erklären, der über Jahre hinweg Millionen von Menschen ins Feuer und noch mehr Menschen in die gigantischen, nicht enden wollenden Vorbereitungen dieses monumentalen Autodafés getrieben hat. Nicht erklären dagegen lässt sich aus ihnen der eigentliche Inhalt dieses Jahrhunderts und seine tiefe Verfallenheit an den Krieg.“ (Zitiert nach der deutschen Ausgabe, Suhrkamp-Verlag, 2010) In der Tschechoslowakei jener Zeit wurden Patočkas Essays abgeschrieben und einzelne Teile auswendig gelernt. Seine Texte wurden zu den geistigen Stützen der künftigen Bürgerrechtsbewegung *Charta 77. Das Jahr 1976 markierte für Patočka eine Scheidelinie, ab der er nicht mehr schweigen und nicht mehr „mit den Lügen leben konnte“. Also entschloss er sich, die „Alltäglichkeit der Faktenmacher und Routiniers zu erschüttern.“ Patočka gehörte zu den ersten von 272 Unterzeichnern, deren Name sich unter der Petition der *Charta 77 befand, woraufhin ihm angeboten wurde, zusammen mit Václav Havel und Jiří Hájek einer der Sprecher der *Charta 77 zu werden. Er zögerte lange mit der Entscheidung, da er nicht den Optimismus der anderen teilte, dass die kommunistische Regierung diese Bürgerrechtsbewegung tolerieren würde. Die Aufgabe des Charta-Sprechers übernahm er erst, als Václav Černý, den er als besonders geeigneten Kandidaten für dieses Amt ansah, abgelehnt hatte. Seine Tätigkeit als Charta-Sprecher begann er mit großem Elan. In den ersten Monaten übten seine kurzen, auf Schreibmaschinen vervielfältigten Essays und seine unermüdliche tägliche Arbeit einen entscheidenden Einfluss auf die Gestalt der *Charta 77 aus. Seine Schlüsselerklärungen vom Januar und März 1977 erklärten den Kern und die Botschaft der Bewegung; sie hießen: „Was ist die Charta 77 und was ist sie nicht“ (Čím je a čím není Charta 77), „Was können wir von der Charta 77 erwarten“ (Co můžeme očekávat od Charty 77) und „Über die Notwendigkeit, sich gegen das Unrecht zu wehren“ (O nutnosti bránit se proti bezpráví). Patočka legte darin dar, dass sich die Menschen wieder klar darüber geworden seien, dass es Fragen gebe, für die eingestanden werden müsse. Seine Texte wurden zu seinem politischen und moralischen Testament. Am 2. März 1977 traf er sich mit dem niederländischen Außenminister Max van der Stoel im Prager Hotel Intercontinental, den er über die Aktivitäten der *Charta 77 informierte und ihm versicherte, dass die Charta zu keinen ungesetzlichen Maßnahmen greifen werde. Dieses Treffen mit einem westlichen Staatsmann kam den damaligen Machthaber außerordentlich ungelegen. Gleich am nächsten Tag holte die Staatssicherheit den bereits kranken und erschöpften Patočka zum Verhör ab, das fast zehn Stunden dauerte. Patočka musste daraufhin in ein Krankenhaus gebracht werden, wo ihm jedoch weiter zugesetzt wurde. Er starb nach wenigen Tagen am 13. März 1977. Das drei Tage später stattfindende Begräbnis nutzte die Staatssicherheit, um ihre Allmacht zu demonstrieren. Vor Beginn der Trauerfeier auf dem Friedhof in Prag-Břevnov wurden viele Bürgerrechtler der *Charta 77 festgehalten und verhört. Die Staatssicherheit schikanierte auch die ausländischen Gäste. Um die Teilnahme am Begräbnis zu verhindern, wurde der Straßenverkehr umgeleitet. Die Abschiedsreden wurden von einem tief fliegenden Polizeihubschrauber übertönt, auf der benachbarten Rennbahn wurde zudem genau zu diesem Zeitpunkt ein Speedwaytraining gestartet. Trotz alledem kamen über 1.200 Menschen, um sich von Jan Patočka zu verabschieden.Jan Pospíchal Aus dem Polnischen von Jonas Grygier Letzte Aktualisierung: 06/15

Wer war wer in DDR

Paul, Elfriede

* 14.1.1900 – ✝ 30.8.1981

Geb. in Köln; Vater Lithograph; Lyzeum in Harburg; Lehrerinnenseminar; 1921 – 23 im Schuldienst; anschl. bis 1926 Ltr. eines Kinderheims; 1926 – 33 Med.-Studium in Hamburg u. Berlin, hier 1936 Prom.; 1934 – 38 Schulärztin; seit 1936 auch ärztl. Privatpraxis in Berlin; 1936 – 42 Mitarbeit in der antifa. Widerstandsgr. »Rote Kapelle«; 1942 wegen »Hochverrats« zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt, ihr Lebensgefährte Walter Küchenmeister wurde zum Tode verurteilt u. 1943 hingerichtet. 1945 in Hannover; 1946 KPD-Abg. im Hess. Landtag; 1947 hess. Min. für Arbeit u. Volkswohlfahrt; 1947 Teiln. am Gründungskongreß des DFD u. Übersiedl. nach Berlin; SED; 1947 – 50 Abt.-Ltr. in der Dt. ZV für Gesundheitswesen; 1950 – 56 am Inst. für Sozialhygiene der HU Berlin; hier 1954 Habil. über »Häufigkeit u. Dauer der Arbeitsunfähigkeit der Frau«; 1956 Übernahme des Lehrstuhls für Sozialhygiene u. Gründung des Inst. für Sozialhygiene an der neuerrichteten Med. Akad. Magdeburg; wiss. Arbeitsschwerpunkte: med. u. soziale Probleme der berufstätigen Frau; 1964 em.; 1980 VVO; gest. in Ahrenshoop.Ein Sprechzimmer der Roten Kapelle. Berlin 1981.Peter Schneck

Wer war wer in DDR

Paulick, Richard

* 7.11.1903 – ✝ 4.3.1979

Geb. in Roßlau (Krs. Zerbst); Vater Red., SPD-Funktionär, Landtagspräs. von Sachsen-Anh.; Gymnasium u. pol. Arbeit in linken Gruppen; 1923 – 27 Architekturstudium an der TH Dresden u. in Berlin (u. a. bei Hans Poelzig), Dipl.-Ing.; 1925 SPD; 1927 – 30 Assistent von Walter Gropius in Dessau; 1930 – 33 selbst. Architekt in Dessau u. Berlin; 1933 Mitbegr. der SAP; 1933 Emigr. nach Shanghai (China); 1933 – 46 ltd. Architekt für das Entwurfs- u. Ausführungsbüro Bauwesen u. Innenarchitektur »The Modern Home«; 1934 Ausstattung chin. Speiseräume für das Walldorf Astoria Hotel New York, Inneneinrichtungen für Hotels u. Bars in Shanghai; illeg. pol. Arbeit in der Gruppe um Agnes Smedley u. Richard Sorge; 1940 Lehramt an der amer. St. Jones University in Shanghai; 1942 Prof.; 1945 – 49 Dir. des Stadtplanungsamts Shanghai (Hochbauabt. Shanghai-Nanking-Eisenbahn). 1949 Flucht aus China, Rückkehr nach Europa; seit 1950 in Berlin; SED; 1950 Inst. für Bauwesen der DAW unter Hans Scharoun, Wiederaufbauplanung für das hist. Zentrum Berlins (nach den Vorbildern von Knobelsdorff u. Schinkel); 1951 Mitgl. der DBA; Dir. des Inst. für Wohnbauten u. Ltr. des Aufbaustabs Stalinallee in Berlin, Projekt Block C-Nord u. C-Süd; Wiederaufbau des »Forum Fredericianum« Unter den Linden in Berlin mit Dt. Staatsoper (1951 – 55), Prinzessinnenpalais (1953/54) u. Kronprinzenpalais (1967 – 69); 1955 – 65 Vizepräs. der DBA; 1959 – 63 Chefarchitekt von Hoyerswerda, 1962 – 66 Schwedt u. 1964 – 68 Halle-Neustadt; 1964 – 70 Thälmann-Platz in Halle; 1968 Verdienstmedaille der DDR; 1952, 1956 u. 1969 NP; 1969 Entw. im industr. Wohnungsbau, prakt. Einführung der Vollmontage u. Fließfertigung, Planung u. Baultg. für den Akad.-Komplex Berlin-Wuhlheide; gest. in Berlin. R. P. galt als vielseitig begabter u. fachl. kompetenter Architekt u. Stadtplaner. Sein Können reichte vom historisierenden Wiederaufbau über die Architektursprache der »nat. Traditionen« bis hin zu mod. Tragwerkplanungen.Hoyerswerda – eine soz. Stadt in der DDR. In: Dt. Architektur (1960) 7. Müller, M.: Das Leben eines Architekten. Halle 1975; Durth, W. u. a.: Ostkreuz – Städte, Themen. Frankfurt (Main) 1999; Barth, H., Topfstedt, T.: Vom Baukünstler zum Komplexprojektanten. Erkner 2000.Simone Hain / Volker Wagner

Wer war wer in DDR

Pech, Ottomar

* 2.1.1914 – ✝ 13.12.2000

Geb. in Weißenfels (Saale); Mittelschule; 1928 – 31 Lehre u. Arbeit als Stricker; Funktionär in der SAJ; 1931 – 34 erwerbslos; 1934/35 u. 1937 – 39 Stricker; 1935 – 37 u. 1939 – 45 Wehrmacht. 1945/46 KPD/SED; Juli 1945 Einstellung bei der Polizei Chemnitz; 1946 Sekr. der SED-Betriebsgr. im Polizeipräs. Chemnitz; 1948 Kdr. der Schutzpolizei in Berlin; 1949/50 Sonderlehrgang in der UdSSR; danach 1950 MfS; 1951 Ltr. der Abt. VII (MdI/DVP); 1952 Ltr. der Abt. VII/G (Abwehr Grenzpolizei); 1953 Gen.-Major, Ltr. der HA I (KVP bzw. NVA) des MfS; 1955 Kdr. der Inneren Truppen/Bereitschaftspolizei des MfS; 1956 Stabschef der HV Innere Sicherheit; Versetzung zur NVA; 1957 stellv. Chef des Hauptstabs der NVA; 1960 Lehrgang an der Militärakad. »Friedrich Engels«; 1961 Chef der Verw. Kader des MfNV (Nachf. von  Ewald Munschke), 1969 Gen.-Ltn.; 1979 Entlassung, Rentner; KMO.Jens Gieseke