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BioLex

In der Kategorie BioLex finden Sie drei biografische Lexika mit über 5500 Personeneinträgen.

 

Das Handbuch "Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945" wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam. Kurzbiografien zu Personen des poltischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 vor. Zudem ist das Onlinlexikon www.dissidenten.eu komplett in dieser  Rubrik recherchierbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Inforamtionen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Handbuch Deutsche Kommunisten

Pfordt, Friedrich

* 18.2.1900 – ✝ 12.10.1957

Geboren am 18. Februar 1900 in Landweiler/ Saar, Sohn eines Bergmanns. Ab 1917 Schlosser in den Neunkirchner Eisenbahnwerkstätten. Während des Weltkrieges vom Militärdienst reklamiert und als Lokomotivheizer eingesetzt. 1920 besuchte er vier Semester lang die Eisenbahnfachschule, wurde aber vom Vertrauensarzt der Eisenbahndirektion für »farbuntüchtig« erklärt. 1917 trat Pfordt in den Eisenbahnerverband ein, wurde 1921 Mitglied der USPD und 1923 der KPD. Als Bevollmächtigter verschiedener Ortsverwaltungen des Eisenbahnerverbandes 1926 in den Bezirksvorstand Saar des Einheitsverbandes der Eisenbahner Deutschlands gewählt, aber im Oktober 1928 aus dem Verband ausgeschlossen. Im Juni 1929 begann Pfordt als Redakteur der »Arbeiterzeitung«, war von Januar bis Mai 1930 Orgleiter der KPD-BL Saar. Anschließend kam er als Instrukteur des Westeuropäischen Büros der Komintern nach Luxemburg, wurde dort verhaftet. Ab August 1930 wieder in Saarbrücken, Chefredakteur der »Arbeiterzeitung«, zusätzlich Leiter der Kommunalabteilung der BL Saar. 1931 wurde er als Abgeordneter in den Landesrat Saar gewählt. Im Oktober 1932 reiste er nach Moskau, Kursant der Internationalen Leninschule. Mitte Juni 1934 löste er Paul Lorenz als Polleiter der BL Saar ab, war zugleich Herausgeber und Redakteur der »Arbeiterzeitung«. Gemeinsam mit Max Braun, dem Vorsitzenden der SPD-Saar, war er führend in der Einheitsfrontbewegung und im Kampf gegen den Anschluß des Saargebietes an Deutschland aktiv. Pfordt nahm am VII. Weltkongreß der Komintern teil, arbeitete bis zu seinem Bruch mit der KPD im Jahre 1939 als Instrukteur der MOPR und war auch nachrichtendienstlich tätig. In einem Brief an Stalin hat Pfordt den Hitler-Stalin-Pakt scharf verurteilt. Er wurde dann in Schweden zeitweise interniert. Nach dem Krieg kehrte er in das Saargebiet zurück und leitete von 1946 bis 1949 die frankophile Anschlußbewegung »Mouvement pour le Rattachement de la Sarre à la France«. Er war Mitherausgeber der Zeitschrift »Die Neue Saar« und 1952 Mitbegründer der Saarländisch-Französischen Wirtschaftsunion »Freie Saar«. Friedrich Pfordt starb am 12. Oktober 1957 in Saarbrücken.

Wer war wer in DDR

Philipps, Horst

* 29.1.1905 – ✝ 8.11.1962

Geb. in Bautzen; Vater Lithograph; 1924 – 29 Studium der Mathematik u. Physik an der Univ. Berlin; 1929 – 33 Privatassistent des Mathematikers R. v. Mises u. Hilfsassistent am Preuß. Geodät. Inst. Potsdam; 1933 – 35 Meteorologiestudium an der Univ. Frankfurt (Main), 1935 Prom.; bis 1939 Assistent bei Hans Bauer; 1939 – 45 Wehrmacht, Zentr. Wetterdienstgr. Potsdam-Wildpark. Nach der Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft trotz lukrativen Angebots aus Westdtl. Annahme einer Stelle in der SBZ; 1946 – 49 zunächst Oberwiss., Abt.-Ltr., dann stellv. Dir. des Meteorolog. Zentralobservatoriums Potsdam; 1949 Prof. mit Lehrauftrag für Meteorol. an der HU Berlin; 1950 – 62 Dir. des neugegr. Meteorolog. u. ab 1952 des Hydrolog. Dienstes; 1953 zugl. Dir. des neugegr. Inst. für Großwetterforschung Potsdam; 1957 Mitbegr. u. Vors. der Meteorolog. Ges.; seit 1960 auch Prof. mit Lehrstuhl an der KMU Leipzig; wiss. Sekr. u. 1962 Präs. d. Nat.-Komitees f. Geodäsie u. Geophysik; 1960 NP; gest. in Potsdam. Anerkannte Beiträge zur theoret. Meteorol.; Ltg. des Neuaufbaus u. der Zentralisierung des meteorolog. u. hydrolog. Dienstes; Hrsg. der »Ztschr. für Meteorol.«; Initiator der DDR-Beteiligung am Internat. Geophysikal. Jahr 1957/58.Klaus-Harro Tiemann

Wer war wer in DDR

Piehl, Marianne

* 14.8.1935

Geb. in Berlin; Vater Reichsbahnbeamter; 1941 – 45 Volksschule, 1945 – 53 Gymnasium u. OS, Abitur; 1953 – 58 Studium der Geodäsie an FS u. TU Dresden, Dipl.-Ing.; 1953 – 56 FDJ; 1958 – 91 Vermessungsing. bei der DR; 1958 – 90 FDGB; 1962 KB; 1974 – 92 Mitgl. der KL u. 1982 – 91 Krs.-Vors. des KB in Berlin-Köpenick, 1982 – 90 Mitgl. der BL Berlin; 1989/90 Sprecherin des KB am Berliner Runden Tisch; 24.3.1990 Präs. des KB (Nachf. von  Hans Pischner), später KB e. V. Ab 1992 Ing. bei einem Planungsbüro in Berlin; Rentnerin.Richtlinien für den Eisenbahnvermessungsdienst. Berlin 1973; Transpress-Handbuch Eisenbahnvermessung. Berlin 1981; Handbuch Ingenieurvermessung, Verkehrsbau, Eisenbahnbau. Bd. 4. Berlin 1991 u. Bd. 5. Karlsruhe 1993.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Pieser, Robert

* 1890 – ✝ 1.1.1919

Geboren ca. 1890 in Berlin; Arbeiter. Vor dem Weltkrieg Mitglied der SPD, 1917 der USPD, war in der Spartakusgruppe aktiv und wurde 1918 Vorsitzender des Spartakusbundes in Spandau. Pieser war auch Vorsitzender des Spandauer Arbeiterrates und nahm als Delegierter am Gründungsparteitag der KPD Ende 1918 teil. Er wurde am 1. Januar 1919 zum 2. Vorsitzenden der KPD in Spandau gewählt und arbeitete eng mit Felix Milkert zusammen. Beim Sturm der Regierungstruppen auf das Spandauer Rathaus am 10. Januar 1919 wurde Robert Pieser gefangengenommen und erschossen.

Wer war wer in DDR

Pilz, Waldemar

* 15.2.1922 – ✝ 3.6.2004

Geb. in Alt-Tschau; Vater Arbeiter; Volksschule; 1936 – 39 kfm. Lehre, 1939/40 Angest. in Hirschberg; 1940 – 44 Wehrmacht; 1944 – 48 sowj. Kriegsgefangenschaft, 1944/45 Antifa-Schule Nr. 165 in Taliza. 1948 Rückkehr nach Dtl.; SED; 1948 – 51 pol. Betreuer bzw. Ltr. des Durchgangslagers Heiligenstadt; 1951/52 Ref. im Min. des Innern der Landesreg. Thür.; ab Aug. 1952 Instrukteur in der Abt. Staats- u. Rechtsfragen des ZK; 1954/55 Studium an der PHS, 1956 – 60 Studim an der ASR Potsdam, Dipl.-Staatswiss.; ab 1955 Sektorltr. Zentr. Staatsorgane, ab 1962 kommissar. stellv. Abt.-Ltr.; ab 1963 stellv. Ltr. der Abt. Staats- u. Rechtsfragen des ZK; 1969 – 85 Ltr. der Abt. Befreundete Parteien des ZK der SED (Nachf. von  Irene Köhler); 1981 – 86 Abg. der Volkskammer; 1964, 1968 u. 1982 VVO.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Piontek, Isidor

* 1.7.1890 – ✝ 23.10.1939

Geboren am 1. Juli 1890 in Alt-Ujest/Groß-Strelitz, Sohn eines Arbeiters; erlernte keinen Beruf, sondern ging als Hilfsarbeiter in verschiedene Fabriken; nach dem frühen Tod des Vaters mußte er die elfköpfige Familie ernähren. Später auch Bergmann in Oberschlesien. Von 1912 bis 1914 Soldat bei der Infanterie, nahm dann vier Jahre als Unteroffizier am Weltkrieg teil, erhielt das EK II. Ab 1918 in Metallbetrieben des Ruhrgebiets. tätig, seit 1919 Mitglied in der Gewerkschaft, lange Jahre Betriebsrat in der Zinkhütte Hamborn. 1925 Mitglied der KPD, Anfang 1929 wurde Piontek hauptamtlicher Parteifunktionär, UB-Leiter in Hamborn und ab Mitte 1929 (Nachfolger August Creutzburgs) Orgleiter des Bezirks Ruhr. 1932 zog Piontek als KPD-Abgeordneter in den Preußischen Landtag ein, im gleichen Jahr übernahm er auch anstelle von Anton Saefkow die Leitung der RGO Ruhr und wurde 1933 als Nachfolger Karl Jannacks Sekretär der Roten Hilfe Niederrhein. In den ersten Wochen der Illegalität wurde er wegen Differenzen mit der Parteilinie (man warf ihm vor, »die Geschäfte nicht einwandfrei« geführt zu haben) aus der KPD ausgeschlossen. Am 5. Mai 1933 von der Gestapo verhaftet, kam in »Schutzhaft«, 1934 entlassen, dann als Hilfsarbeiter beschäftigt. Am 17. April 1937 erneut verhaftet und ins KZ Sachsenhausen gebracht, wo Isidor Piontek am 23. Oktober 1939 (angeblich an Lungenentzündung) starb. Er war geschieden, sein einziger Sohn mußte sich Geld leihen, um den Vater in Berlin bestatten zu können. Günter Morsch veröffentlichte 2003 eine biographische Skizze über Isidor Piontek.

Wer war wer in DDR

Pischner, Hans

* 20.2.1914 – ✝ 15.10.2016

Geb. in Breslau (Wrocław, Polen); Vater Klavierbauer, Mutter Klavierlehrerin; 1931 Ausbildung zum Klavierbauer; Klavierstudium; Fachabitur; 1934 – 39 Cembalostudium, Besuch musikwiss. Vorlesungen an der Univ. Breslau; Prüfung als Musiklehrer; tätig als Cembalist u. Musikpädagoge; 1939 – 45 Kriegsdienst (Feldersatzbat.), Ltn.; 1945/46 sowj. Kriegsgefangenschaft u. Besuch der Antifa-Schule in Taliza. 1946 Rückkehr; 1946 Doz. für Klavier, Theorie u. Musikgeschichte an der HS für Musik Weimar; SED; 1947 stellv. Dir. der HS; 1949 Prof.; 1950 – 54 Ltr. der HA Musik beim Dt. Demokrat. Rundfunk in Berlin; 1950 – 53 Fernstudium an der PHS; 1954 – 56 Ltr. der HA Musik im Min. für Kultur, 1956 – 63 stellv. Minister für Kultur; 1961 musikwiss. Prom. an der HU Berlin; 1963 – 84 Intendant der Dt. Staatsoper Berlin; 1969 DAK u. Ausbildung von Mstr.-Schülern im Fach Cembalo; 1970 – 78 Vizepräs. der AdK; 1973 VVO; 1961 u. 1976 NP; 1975 – 90 Vors. der Neuen Bachges.; 1976 – 81 Mitgl. des EK des Internat. Musikrats; 1977 – 89 Präs. des KB (Nachf. von  Max Burghardt); 1981 – 89 Mitgl. des ZK der SED; Konzerte u. Schallplattenaufn., internat. anerkannter Bach-Interpret; Bundesverdienstkreuz; 2007 Ehrenmitgl. des Europ. Kulturwerkstatt e.V. Berlin/Wien.Musik in China. Berlin 1955; Die Harmonielehre J.-Ph. Rameaus. Leipzig 1963; Musik – Theater – Wirklichkeit. Ausgew. Schriften u. Reden. Berlin 1979; Premieren eines Lebens. Autobiogr. Berlin 1986; Tasten, Taten, Träume. Musik u. Pol. zwischen Utopie u. Realität (Autobiogr.) Berlin 2006.Christiane Niklew

Handbuch Deutsche Kommunisten

Plättner, Karl

* 3.1.1893 – ✝ 4.6.1945

Geboren am 3. Januar 1893 im Opperode bei Ballenstedt, Sohn einer Arbeiterfamilie; lernte Former. Nach dem Ende der Lehrzeit Wanderschaft durch ganz Deutschland, Ende 1912 kam er nach Hamburg. 1911 war er in den Metallarbeiterverband und in die SPD eingetreten. Er engagierte sich in der sozialdemokratischen Jugend, war seit Sommer 1913 Distriktleiter in Hamburg und gehörte vor dem Weltkrieg zu den Linken in der Partei. Im September 1914 als Soldat eingezogen, mußte an die Westfront, im Herbst 1915 wegen einer Schußverletzung im Lazarett, Ende 1915 Kriegsinvalide. Plättner war ein entschiedener Kriegsgegner und gehörte zu den aktiven Hamburger Jugendfunktionären. Ostern 1917 wurde er in Berlin auf einer Reichskonferenz der oppositionellen sozialdemokratischen Jugend mit Karl Becker und Reinhold Schoenlank in die Redaktionskommission gewählt, die »Leitsätze« für die oppositionelle Jugend »ausarbeiten sollte«. Mitte September 1917 verhaftet, die Verhandlung vor dem Reichsgericht war für den 14. Oktober 1918 angesetzt. Anfang November durch die Revolution befreit, sein Verfahren wurde eingestellt. Plättner gehörte in Dresden zu den Mitbegründern der Internationalen Kommunisten Deutschlands, war zeitweilig Mitglied des Arbeiter- und Soldatenrates in Dresden. Mit anderen IKD-Mitgliedern trat er am 16. November aus Protest gegen die Politik der Mehrheit aus diesem Gremium zurück. Plättner war mit Minna Naumann und Karl Becker Delegierter der IKD Dresden auf dem KPD-Gründungsparteitag Ende 1918 in Berlin. Anfang Januar 1919 war er in Bremen in der Räterepublik aktiv und führte den KPD-Bezirk Nordwest. Er flüchtete Anfang Februar 1919 vor den anrükkenden Freikorpstruppen, nahm vermutlich an den Berliner März-Kämpfen teil und zog dann als Wanderredner der KPD durch Mitteldeutschland. Im September 1919 verhaftet, gelang ihm aber bereits im Dezember die Flucht. Während der Richtungskämpfe innerhalb der KPD stand Plättner 1919/20 auf seiten der Linksopposition. Er konnte die Mehrheit der Magdeburger KPD-Ortsgruppe in die KAPD bringen. Ab Mitte 1920 war Plättner Führer der Kampforganisation der KAPD, führte die Parteiorganisation in Bremen und wurde deswegen ab 1921 polizeilich gesucht. Aktiv an der März-Aktion 1921 beteiligt, leitete von April 1921 bis zu seiner Verhaftung am 3. Februar 1922 mehrere »Bandenaktionen«. Die Plättner-Gruppe überfiel Bankfilialen und plünderte Werkskassen. Nach eineinhalbjähriger Untersuchungshaft wurde er am 30.November 1923 vom Reichsgericht zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt. Im Juli 1928 amnestiert, näherte er sich wieder der KPD an und arbeitete in Leipzig für die Rote Hilfe. Unter anderem veröffentlichte er Ende 1928 eine Broschüre über den Strafvollzug und 1930 das vielbeachtete Werk: »Eros im Zuchthaus«. 1933 und 1937 für einige Zeit inhaftiert, im September 1939 ins KZ Buchenwald und im Januar 1944 ins KZ Majdanek eingeliefert, von dort im Sommer 1944 nach Auschwitz. Anfang 1945 kam Plättner mit einem »Todesmarsch« in Melk an, einem Nebenlager des KZ Mauthausen und wurde noch im April 1945 in das KZ Ebernsee im österreichischen Salzkammergut verschleppt. Dort am 6.Mai von amerikanischen Truppen befreit, machte er sich auf die Reise nach Leipzig. Unterwegs starb Karl Plättner am 4. Juni 1945 im Lazarett in Freising an den Haftfolgen. Über Plättner erschien 2000 von Volker Ullrich eine Biographie.

Wer war wer in DDR

Plenikowski, Anton

* 19.11.1899 – ✝ 3.3.1971

Geb. in Zoppot (b. Danzig / Sopot, Polen); Vater Arbeiter; Volksschule; Präparandenanstalt u. Lehrerseminar in Langfuhr (b. Danzig); Militärdienst; 1918 Mitgl. des Soldatenrats in Breslau; 1919 Abschl. der Lehrerausbildung; ab 1920 im Beruf tätig; 1925 – 28 Gemeindevertreter in Liesau; 1926 SPD; 1926 – 30 Mitgl. des Krs.-Tags Groß-Werder (b. Danzig); 1927 KPD; 1928 – 37 Abg. des Danziger Volkstags, Vors. der KPD-Fraktion; 1937 – 46 Emigr. nach Schweden. März 1946 Rückkehr nach Dtl.; April – Okt. 1946 Ltr. der Abt. Landespol. u. Inneres des ZS bzw. ZK der SED; 1946 – 54 Ltr. der Abt. Staatl. Verw. des ZK der SED; 1950 – 67 Abg. der Volkskammer, Vors. ihres Verfassungs- u. Rechtsaussch.; 1954 – 67 Kand. des ZK der SED; 1954 stellv. Ltr., Mai 1956 – Nov. 1963 Ltr. des Büros des Präs. des Min.-Rats, Staatssekr.; 1963 – 67 Vors. der Interparl. Gruppe der DDR.Die Aufgaben der PO in der Justiz. Berlin 1952.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Plesse, Karl

* 13.2.1906 – ✝ 18.7.1978

Geboren am 13. Februar 1906 in Leipzig, Sohn eines Straßenbahners; wurde Kraftfahrer. Im August 1927 Mitglied der KPD, zunächst ehrenamtlich, übernahm er im Mai 1932 die Leitung des AM-Apparates für Sachsen. Bereits vorher war er im Nachrichtendienst der KPD tätig. Von November 1932 bis April 1933 war Plesse unter dem Decknamen Klaus Kursant an der M-Schule der Komintern in Moskau. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland übernahm er den AM-Apparat in Essen. Im Januar 1934 ging er nach Leipzig und wurde dort am 9. März 1935 verhaftet. Nach schweren Mißhandlungen wurde Plesse am 27. Januar 1937 vom VGH zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt, anschließend kam er ins KZ Buchenwald. Im August 1939 in die Gestapozentrale Prinz-Albrecht-Straße überführt und dort bis April 1940 als Kalfaktor eingesetzt. Zum Schein bot er sich als V-Mann der Gestapo an und wurde deshalb freigelassen. Plesse setzte seine antifaschistische Arbeit in Leipzig fort und hatte u. a. enge Kontakte zu Theodor Neubauer, Bruno Plache und Kurt Roßberg. Im Februar 1942 zur Wehrmacht einberufen, wurde er im August 1944 erneut verhaftet. Spätere Behauptungen, Plesse wäre nur deshalb von der Gestapo festgenommen worden, da sie ihn als V-Mann unter den Häftlingen einsetzen wollte, sind falsch. Am 9.März 1945 wurde Plesse von der Gestapo entlassen, er hielt sich bis zum Einmarsch der Amerikaner in Leipzig versteckt. 1945 zunächst Orgsekretär der KPD Leipzig, am 17. September 1945 wurde er gemeinsam mit Kurt Roßberg von allen Verwaltungs- und Parteifunktionen entbunden, ihnen wurde Zusammenarbeit mit der Gestapo vorgeworfen. Es begann eine Untersuchung durch sowjetische Organe und durch die KPD Sachsens. Die Anschuldigungen ließen sich nicht beweisen, aber beide durften keine Parteifunktionen mehr ausüben. Bis 1951 war Plesse Hauptdirektor der VVB Braunkohle in Welzow und von 1949 bis 1950 Abgeordneter der Volkskammer, 1949 Kursant eines Halbjahreslehrgangs an der PHS. Anfang der fünfziger Jahre gab es erneut Vorwürfe, er habe mit der Gestapo zusammengearbeitet. Deshalb am 1. September 1951 verhaftet, am 5. Dezember 1952 wegen »Verbrechens gegen die Menschlichkeit« durch das Bezirksgericht Cottbus zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt. Am 29. April 1956 aus der Haft entlassen, arbeitete er bis 1968 im VEB Kombinat »Schwarze Pumpe« bzw. VEB Kraftwerke Lübbenau/Vetschau. Er bemühte sich vergeblich um seine vollständige Rehabilitierung. Karl Plesse starb am 18. Juli 1978.

Wer war wer in DDR

Ploog, Arthur

* 17.6.1904 – ✝ 26.7.1993

Geb. in Lübeck; Vater Schneider; Anfang der 1920er Jahre dreijährige Wanderschaft (»auf der Walz«); seit Mitte der 1920er Jahre in Berlin; Ausbildung zum Schriftsetzer; 1927 – 39 Hersteller u. Gestalter; 1939 – 45 Wehrmacht, Funker in Frankreich; Jan. 1945 wegen Wehrunwürdigkeit (Ehe mit jüd. Frau) entlassen; April 1945 Volkssturm. Sommer 1945 mit Gründung des Schulbuchverlags Volk u. Wissen dort tätig als Hersteller u. dann Technischer Dir., 1955 – 73 Hauptdir. des Verlags; 1950 NP, VVO, Neubauer-Med. u. Bracke-Med.; seit 1956 Mitgl. des künstler.-wiss. Rats beim MfK, später auch des Kollegiums des Min. für Volksbildung; 1973 Rentner, gest. in Berlin.Christoph Links

Wer war wer in DDR

Pniower, Georg Bela

* 29.4.1896 – ✝ 19.3.1960

Geb. in Breslau (Wrocław, Polen); Vater Literaturhistoriker u. Dir. des Märk. Museums in Berlin; 1911 nach Schulabbruch Lehre als Gärtner; Gärtnergehilfe in der städt. Gartenverw. Trier u. in der Parkverw. Beuten (Oberschles.); 1916 – 20 Studium an der Staatl. Lehranstalt für Obst- u. Gartenbau in Proskau (Schles.), Abschluß als Gartentechniker; 1920 / 21 beim Gartenbauamt Hannover persönl. Ass. des Gartenbaudir. Hermann Kube; 1922 – 24 Ltr. des Entwurfsbüros der Baumschule Späth, Berlin-Treptow; Prüfung zum Gartenbauinspektor; 1922 / 23 gleichzeitig Ausbildung zum Gartenbaudir. in Proskau; 1925 selbständig beim Provinzialverband der Kleingärtner Groß-Berlin; bis 1933 Mitgl. der SPD; 1933 Einladung nach Mailand zur Triennale (mit Erich Mendelsohn, Hans Poelzig u. Mies van der Rohe); 1935 Berufsverbot wg. jüd. Abstammung; bis 1938 Gestaltung Volkspark Wilmersdorf (Berlin); 1938 nach England, Gartengestaltungen in London u. in der Grafschaft Surrey; 1939 Rückkehr nach Dtl.; kurze Einberufung; 1940 selbständiger Gemüsegärtner; 1944 Verhaftung durch die Gestapo u. Zwangsarbeit in Berlin-Zehlendorf. 1945 Auftrag der amerik. Streitkräfte zur Neugestaltung des Kleistparks in Berlin-Schöneberg (Sitz des Alliierten Kontrollrats); 1946 Berufung zum ord. Prof. u. Dir. des Inst. für Gartenkunst u. Landschaftsgestaltung an der Univ. Berlin (Berlin-Dahlem); 1951 Umzug nach Ost-Berlin; 1951 – 60 Weiterführung des Lehrstuhls unter dem Namen Inst. für Garten- u. Landeskultur Berlin-Mitte an der HU Berlin; 1959 Sommerblumengarten im Treptower Park; 1960 Promotion; gest. in Berlin. P. gilt in Fachkreisen als einer der führenden Landschaftsarchitekten u. -planer in der frühen DDR.Gröning, G., Wolschke-Bulmahn, J.: Zum 90. Geburtstag des Gartenarchitekten G.B.P. In: Gartenamt (1986) 12; Gandert, K.-D.: G.B.P. – Sein Leben u. Wirken für die Garten- u. Landeskultur. In: Inst. für Umweltgesch. u. Regionalentw. (Hg.): Landschaft u. Planung in den neuen Bundesländern – Rückblicke. Berlin 1999; Fibich, P.: G. P. Hannover 2004; Giese, H., Sommer, S.: Leben u. Werk. Dresden 2005; Landschaftsarchitektur der DDR im Land Brandenburg, Ausstellungskatalog 2006.Volker Wagner

Wer war wer in DDR

Pforte, Wolfgang

* 21.6.1943

Geb. in Bad Frankenhausen; Vater kaufm. Angest.; Grund- u. OS, 1961 Abitur; 1961 / 62 Lehre als Facharb. für Grobkeramik; 1962 – 68 Studium an der HAB Weimar, Dipl.-Ing.; 1968 / 69 Arbeit als Technologe, 1970 – 74 Dir. für Prod. im VEB Kombinat Elektroinstallation, Stammbetrieb Sondershausen; 1969 SED; 1972 / 73 Lehrgang an der SED-BPS Erfurt; 1975 – 77 Sekr. der SED-BPO im VEB Kombinat Elektroinstallation, Stammbetrieb Sondershausen; 1977 / 78 Lehrgang an der SED-PHS; 1978 – 84 2. Sekr. der SED-KL Sondershausen; 1984 – 88 1. Sekr. der SED-KL Arnstadt; 1988 / 89 2. Sekr. der SED-BL Erfurt.Mario Niemann

Wer war wer in DDR

Pieck, Arthur

* 28.12.1899 – ✝ 13.01.1970

Geb. in Bremen; Vater  Wilhelm P.; 1906 –14 Volks- u. Realschule in Bremen u. Berlin; April 1914 – Jan. 1918 Lehre als Schriftsetzer; 1914 Ltr. der SAJ in Berlin-Steglitz; 1915 Ltr. der Groß-Berliner SAJ; 1916 Mitgl. der Spartakusgr. u. der prov. Zentr. der opp. Arbeiterjugend; USPD; 1917 Verhaftung u. Anklage wegen »Hoch- u. Landesverrats«, Dez. 1917 Verweigerung der Rekrutierung zum Militärdienst; Febr. – Nov. 1918 Emigr. in die Niederlande; Hrsg. der Ztschr. für dt. Deserteure in den Niederlanden »Der Kampf«; Nov. 1918 Rückkehr nach Dtl.; Spartakusbund; Druckarbeiten für den Spartakusbund; Teilnehmer am Gründungsparteitag der KPD; Jan. 1919 Schriftsetzer in der Druckerei des »Vorwärts«; Teiln. an den Rev.-Kämpfen in Berlin; Febr. – Herbst 1919 Schriftsetzer in versch. illeg. Druckereien der KPD; Kurier der Parteizentr.; Jan. – März 1920 Haft im Gefängnis Moabit; ab März 1920 Ltr. des Nachrichtendienstes in Berlin-Steglitz u. Mitgl. des Ordnerdienstes; bis 1920 gleichz. Ortsgr.-Ltr. der KPD in Berlin-Steglitz; April 1920 – Okt. 1921 Angest. im Parteiverlag der KPD; 1921 – 25 Mitgl. der Berliner Ltg. des Nachrichtendienstes; Okt. 1921 – Okt. 1932 Angest. der sowj. Handelsvertr. in Berlin, Transportabt. u. landwirtschaftl. Abt.; 1922 Ltr. der Arbeiterwanderbew. zunächst in Berlin-Steglitz u. dann in Berlin; Ende 1922 Mitbegr. der »Proletar. Sprech- u. Spielgem. Steglitz«; 1923 Mitgl. der Bundesltg. des Arbeiter-Wanderbunds »Naturfreunde«; 1924 Ltr. des Berliner Sprechchors; Juni 1924 Arbeiter-Theater-Bund Dtl. (ATBD); 1925/26 Ltr. der Groß-Berliner Agitprop-Truppe »Rote Blusen«; 1927 Ltr. des ATBD in Berlin u. 1927 – 32 Ltr. der kommunist. Reichsfraktion im ATBD, 1928 – 32 1. Vors. des ATBD; 1929 Mitbegr. u. bis 1938 Mitgl. des Präs. des Internat. Arbeitertheater-Bunds (ab 1932 Internat. Rev. Theater-Bund, IRTB); Ltr. dessen Westeurop. Büros in Berlin; 1930 – 38 Mitgl. des Sekr. des IRTB; Okt. 1932 – 38 ständ. Mitarb. im Moskauer Sekr. des IRTB; zunächst bis 1933 Ltr. der Repertoire-Kommission; 1932 Lenin-Schule; Dez. 1932 – Febr. 1933 Aufenthalt in Berlin; ab 14.2.1933 – 34 zusätzl. Dir. der »Kolonne Links« / »Dt. Theater Kolonne Links«; Mai – Juni 1933 Ltr. des Org.-Komitees der Ersten Internat. Olympiade des Rev. Theaters in Moskau; ab 1934 Red. des IRTB-Organs »Ztschr. für Theater, Musik, Film, Tanz«; 1935 – 38 im Auftrag der IRTB Reisen ins Ausland; am 24.3.1937 Aberkennung der dt. Staatsbürgerschaft; Mai 1938 – Juni 1941 Mitarb. der Presseabt. der KI; Anf. 1941 in der Sonderfahndungsliste »UdSSR« der Gestapo erf.; 8.7. 1941 – Mai 1945 Oberpolitkommissar bzw. Hptm. in der pol. HV der Roten Armee; Prop.-Arbeit an der Front u. in Kriegsgefangenenlagern, Dez. 1941 mit  Walter Ulbricht Einsatz im Kriegsgefangenenlager Spaskij Zavod bei Karaganda; Sommer 1942 Prop.-Tätigkeit an der Kaukasusfront; Ende Nov. 1942 – Ende Jan. 1943 Hrsg. der dt.-spr. Ztg. »Neueste Nachrichten« an der Stalingrader Front; Orden des Vaterländ. Krieges; leitete im Sommer 1943 die organisator. Vorber. für die Einrichtung des NKFD; Ende April 1945 mit der Roten Armee Rückkehr nach Berlin. Demobilisierung; 16.5.1945 – Dez. 1946 Mitgl. des Magistrats von Groß-Berlin u. Stadtrat für Personalfragen u. Verw.; April 1946 Delegierter des Vereinigungsparteitags von KPD u. SPD; 1946 Anerkennung als OdF; 14.3. – Juni 1947 Mitarb. der Wirtschaftsabt. des PV der SED; 16.6.1947 – 15.10.1949 HA-Ltr. des Hauptamtes für Personalfragen u. Verw. der DWK; 16.10.1949 – 55 HA-Ltr. des Verw.-Amts der Reg.; 1.7.1955 – 59 Hauptdir. der Lufthansa (DDR), ab 1958 Interflug; 1.1. 1960 – 65 Stellv. des Ministers für Verkehrswesen u. ab 15.3.1961 Ltr. der HV der zivilen Luftfahrt; Mitgl. der Delegation der DDR in der Ständ. Kommission für Transport des RGW; Mitgl. des Komitees der Antifa. Widerstandskämpfer; Mai 1965 Pensionierung auf persönl. Wunsch, Ehrenrente; Ehrenbürger von Berlin; 1957 Ernst-Moritz-Arndt-Medaille; 1959 u. 1960 Banner der Arbeit; 1969 Ehrenspange zum VVO; gest. in Berlin.Voßke, H.: Ein Wegbereiter der dt.-sowj. Freundschaft: A. P. In: BzG (1980) 3; Selesnjow, K. L.: Genosse Politruk. In: Militargeschichte (1975) 6; Fischer, E.: A. P. In: Für ein soz. Vaterland. Lebensbilder dt. Kommunisten u. Aktivisten der ersten Stunde. Berlin 1981; Heuer, L.: A. P. (1899 – 1970). Ein Leben im Schatten des Vaters. Berlin 2005.Peter Erler

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Pielasch, Helmut

* 24.3.1917 – ✝ 28.4.1986

Geb. in Gelsenkirchen; Vater Bergmann; in Lissau (Masuren) aufgew.; Volksschule; Ausbildung zum Stellmacher u. Karosseriewagenbauer, danach ein Jahr im Beruf tätig; 1936 RAD; 1938 – 41 Wehrmacht (Kavallerieregt.), zul. Ofw., 1941 Erblindung durch Kopfschuß; blindentechn. Ausbildung an der Silex-Handelsschule, bis März 1945 Heeres-FS für Verwundete, mit Abschl. Nov. 1945 – Sept. 1953 Abt.-Ltr. für Sozialwesen beim Landratsamt Grevesmühlen; 1946 FDGB; KPD / SED; 1953/54 Dir. der Blindenanstalt Neukloster (Nachf. von Ernst Puchmüller) u. Fernstudium am IfL in Neukloster, Unterstufenlehrer; anschl. bis 1972 Hauptref. für Schwerbeschädigtenfragen im Min. für Arbeit u. Berufsausbildung bzw. im Min. für Gesundheitswesen; hatte entscheidenden Anteil an der Gründung des Blindenverb.; 1957 – 86 Präs. des Allg. Dt. Blindenverb. bzw. Blinden- u. Sehschwachen-Verb., seit 1972 hauptamtl.; ab 1958 Mitgl. des NR der NF; 1961 – 64 Fernstudium an der DASR Potsdam, Dipl.-Staatswiss.; 1967 Prom. an der HfÖ Berlin zum Dr. rer. oec. mit einer Diss. zur berufl. Rehabil. Blinder im Bereich der materiellen Prod.; 1969 Prom. zum Dr. phil. an der KMU Leipzig mit einer Diss. zur Geschichte des dt. Blindenwesens u. des Allg. Dt. Blindenverb. von 1945 bis zur Gegenwart; 1967 – 86 Mitgl. des EK des Weltrats für die Blindenwohlfahrt u. seines Europ. Regionalkomitees, ab Mai 1972 Gen.-Sekr., ab 1979 dessen Vizepräs.; 1971 Vizepräs. des Dt. Verb. für Versehrtensport, Mitinitiator der Weltorg. des Blindensports IBSA; 1981 – 85 ihr Präs.; 1977 VVO; 1981 Louis-Braille-Medaille; gest. in Berlin.Geschichte des Blindenwesens in Dtl. u. in der DDR. Leipzig 1972 (zus. mit M. Jaedicke); Das Recht der Sehgeschädigten in der DDR. Leipzig 1988 (Hrsg.).Elke Reuter / Helmut Müller-Enbergs

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Pietsch, Horst

* 7.6.1934

Geb. in Gnoien (Krs. Güstrow); Vater Angest.; Volksschule; Lehre u. Arbeit als kaufm. Angest., 1949 – 51 Sachbearb. in Schwerin; 1951 Stud. an der Finanzschule in Königs Wusterhausen u. Fernstud. an der Univ. Rostock, 1966 Dipl.-Ök.; 1953 SED; 1951 – 60 Abt.-Ltr. bei den Räten der Krs. Ludwigslust u. Gadebusch, 1962 – 68 Mitgl. u. Stellv. des Vors. des Rats des Krs. sowie Vors. der Kreisplankommission Gadebusch; Mitgl. des Sekr. der SED-KL Gadebusch; 1968 – 71 wiss. Mitarb. beim Vors. des Rats des Bez. Schwerin; 1971 – 77 OB von Schwerin (Nachf. von  Franz Schönbeck); Mitgl. des Sekr. der SED-KL Schwerin-Stadt, 1974 Kand., 1976 –89 Mitgl. der SED-BL Schwerin, 1977 – 89 1. Sekr. der SED-KL Schwerin-Stadt, Mitgl. des Sekr. der SED-BL Schwerin, zeitw. Abg. des Bezirkstags Schwerin.Andreas Herbst

dissidenten.eu

Pimenow, Rewolt

* 1931 – ✝ 1990

Mathematiker, Historiker und politischer Aktivist. Herausgeber eines unabhängigen Nachrichtenmagazins, Autor und Verleger des Samisdat, inhaftiert wegen konspirativer Tätigkeit. Pseudonyme: „LPN“, „L. P. Nestor“ und „Sergei Spektorski“.Rewolt Pimenow wurde 1931 im südrussischen Nowotscherkassk geboren. Sein Vater war Kosake aus dem nordkaukasischen Kuban-Gebiet, der während des sowjetischen Bürgerkrieges in die Kommunistische Partei eingetreten war und bei der Staatssicherheit (Tscheka) arbeitete. Zwischen 1940 und 1944 lebte die Familie in Magadan, der Hauptstadt des im Fernen Osten gelegenen Straflagerkomplexes Dalstroi. Als Kind wurde Pimenow Zeuge der unmenschlichen Behandlung der Häftlinge. Ab 1947 wohnte er in Leningrad, dem heutigen Sankt Petersburg, wo er 1948 die Mittelschule abschloss und ein Universitätsstudium an der Fakultät für Mathematik und Mechanik aufnahm. Pimenow begann sich für die neueste Geschichte Russlands zu interessieren: Es gelang ihm, an viele Bücher über die revolutionäre Bewegung vor 1917 zu kommen, obwohl sie offiziell aus dem Umlauf genommen worden waren. Im Oktober 1949 erklärte Pimenow aus Protest gegen die antijugoslawische Pressekampagne in der Sowjetunion seinen Austritt aus dem kommunistischen Jugendverband Komsomol. Er wurde daraufhin in ein psychiatrisches Krankenhaus eingeliefert, wo er von November bis Dezember 1949 blieb. Da er seinen Austritt wieder zurücknahm, wurde er entlassen. Anfang der 50er Jahre lernte Pimenow Ernst Orlowski kennen, einen Mathematiker und späteren Dissidenten. Von der Universität wurde Pimenow mehrfach wegen angeblicher „Disziplinlosigkeit“, in Wahrheit jedoch wegen seiner nonkonformistischen Ansichten relegiert. Dank der Interventionen des Rektors Professor Alexander Alexandrow konnte Pimenow jedoch jedes Mal an die Universität zurückkehren. Alexandrow war zwar ein erbitterter ideologischer Gegner Pimenows, schätzte jedoch dessen großes wissenschaftliches Talent. 1954 schloss Pimenow sein Studium ab und wurde Assistent am Lehrstuhl für Höhere Mathematik des Leningrader Institutes für Lebensmitteltechnik. Er schrieb eine Doktorarbeit über die Axiomatik der Geometrie und machte seine ersten Entdeckungen auf dem Gebiet der nichteuklidischen Geometrie und Kosmologie. 1954/55 schrieb Pimenow einen Zyklus unveröffentlichter Stücke über russische Revolutionäre, Provokateure und Verbannte mit den Titeln „Degajev“, „Šelabov“, „Karijskaja tragedija“ (Kara-Tragödie) und „Gappon“. Zur gleichen Zeit verfasste er aus Anlass des 110. Geburtstages des Philosophen Friedrich Nietzsche eine Arbeit über ihn sowie einen Aufsatz mit dem Titel „Schicksale der russischen Revolution“ (Sudby russkoj revolucji). Im Frühjahr 1956 erhielt Pimenow ein Exemplar von Nikita Chruschtschows Geheimrede auf dem XX. Parteitag der KPdSU, in dem dieser mit dem Stalinismus abrechnete. Pimenow vervielfältigte und verteilte die Rede, der er einen eigenen Kommentar beigefügt hatte. Nach diesen politischen Aktivitäten beschäftigte sich Pimenow bis Oktober 1956 nur noch mit seiner wissenschaftlichen Arbeit und Lehre. Dies änderte sich am 10. November auf einer Konferenz an der Leningrader Universität über Wladimir Dudinzews Roman „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“ (Ne chlebom edinym)“. Dort rief Pimenow die Öffentlichkeit zum Widerstand gegen die sowjetische Bürokratie auf. Nach der Niederschlagung der *Ungarischen Revolution durch die Rote Armee 1956 wandte sich Pimenow brieflich an mehrere Dutzend Abgeordnete des Obersten Sowjets und forderte die Verurteilung der Invasion und das gesetzliche Verbot eines Einsatzes der Armee außerhalb der sowjetischen Grenzen ohne Zustimmung des Parlaments. Dieser Brief diente später als Belastungsmaterial. Bis März 1957 entstanden um Pimenow in Leningrad und Moskau mehrere Zirkel, die hauptsächlich aus Studenten bestanden. Dort hielt er Vorlesungen über die Geschichte Russlands und der UdSSR und verbreitete seine Thesen über die *Ungarische Revolution. Zu jener Zeit gab er außerdem gemeinsam mit seiner Frau Irina Werblowskaja das Bulletin „Informacji“ (Informationen) mit Berichten zu aktuellen Ereignissen, die auf der Grundlage von Berichten polnischer, ungarischer und jugoslawischer Medien erstellt wurden, heraus. „Informacji“ war die erste nichtoffizielle regelmäßig erscheinende politische Publikation in der Nachkriegsgeschichte der UdSSR. Einige von Pimenows Aktionen, wie zum Beispiel sein Auftritt auf der Leningrader Dudinzew-Konferenz oder sein Brief an die Abgeordneten des Obersten Sowjet, aber auch seine publizistischen Aktivitäten nahmen bereits typische Formen dissidentischen Wirkens vorweg, wie sie sich erst Ende der 60er Jahre etablierten sollten. Unterdessen setzte Pimenow seine konspirative Arbeit fort. Im Dezember 1956 lernte er Boris Wail kennen und gründete unter dessen Mitwirkung einen politischen Untergrundzirkel am Institut für Bibliothekswesen. Im Januar 1957 verfasste Pimenow auf Drängen Wails programmatische Thesen für diesen Kreis, in dem es hieß: „Die Macht in die Hände der Räte, Boden für die Bauern, Fabriken für die Arbeiter, Kultur für die Intelligenz, Freiheit und gleiches Recht für alle!“ Im Februar 1957 verfasste Pimenow dann ein Flugblatt, das er vor den Kommunalwahlen verteilen wollte. Am 25. März 1957 wurde Pimenow vom KGB verhaftet. Er wurde angeklagt, eine antisowjetische Organisation gegründet und angeführt zu haben. Zeitgleich mit ihm wurden noch fünf weitere Personen verhaftet, insgesamt wurden etwa 20 Personen strafrechtlich zur Verantwortung gezogen – unter anderem auch seine Frau und sein Vater. Während des Untersuchungsverfahrens gestand Pimenow, dass seine Tätigkeit „gegen die Regierung gerichtet, aber nicht antisowjetisch“ war, denn – so argumentierte er – die Sowjets besäßen in der UdSSR sowieso keine Macht. Während des Prozesses gegen Pimenow und die anderen Angeklagten vom 26. August bis 6. September 1957 am Leningrader Stadtgericht bekannte er sich nicht schuldig. In seinem Schlussplädoyer sagte er: „Die einzige Garantie, dass sich der Personenkult nicht wiederholt, ist meiner Meinung nach die Bildung gesellschaftlicher Initiativen. Genau dazu hat meine Tätigkeit beigetragen. […] Ich denke, dass es für die Entwicklung des Sozialismus nötig ist, dass das Handeln der Regierung frei erörtert und manchmal auch scharf kritisiert wird.“ Pimenow wurde nach *Artikel 58, Paragraf 10 Strafgesetzbuch der RSFSR sowie nach Paragraf 11 desselben Artikels zu sechs Jahren Lagerhaft verurteilt. Nach dem Einspruch des Leningrader Staatsanwaltes, der das Urteil für zu milde hielt, fand vom 28. Januar bis 4. Februar 1958 ein Folgeprozess statt, der mit einer Verurteilung zu zehn Jahren Arbeitslager endete. Seine Strafe verbüßte Pimenow von Mai bis Juni 1958 in Lagern in Workuta am nördlichen Polarkreis, von Juli 1958 bis Dezember 1960 im Oserlag im Krasnojarsker Gebiet und von Dezember 1960 bis 1963 im *Wladimir-Gefängnis. Während dieser Zeit setzte er seine wissenschaftliche Arbeit fort, schrieb 69 wissenschaftliche Arbeiten auf den Gebieten der Mathematik, Physik und Linguistik, unter anderen auch die Monografie „Geometrie, Kosmometrie und Ökonometrie“. Einige dieser Arbeiten konnte er sogar veröffentlichen. Um seine vorzeitige Entlassung bemühten sich unter anderem der Präsident der Akademie der Wissenschaften der UdSSR Mstislaw Keldysch, das Mitglied der Akademie der Wissenschaften und Sekretär der Abteilung für Literatur Wiktor Winogradow und der Redakteur der Zeitschrift „Novyj Mir“ Alexander Twardowski.Nachdem der Oberste Sowjet der RSFSR Peminow begnadigt hatte, wurde er am 26. Juli 1963 entlassen. 1963–70 lebte er in Leningrad, war wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Leningrader Zweigstelle des Steklow-Institutes für Mathematik der sowjetischen Akademie der Wissenschaften, hielt an der Fakultät für Mathematik und Mechanik der Leningrader Universität Vorlesungen über Geometrie und war Mitglied der Kommission für Schwerkraft der Akademie der Wissenschaften der UdSSR. Auf einer Konferenz über Schwerkraft lernte er 1968 Andrei Sacharow kennen. 1964 verteidigte Pimenow seine Doktorarbeit und im November 1969 seine Habilitation. In der zweiten Hälfte der 60er Jahre sammelte und vervielfältigte Pimenow unabhängige Publikationen. 1968 erschienen im Samisdat mit „Ein politischer Prozess“ (Odin političeskij process) seine Erinnerungen an den Gerichtsprozess von 1957. Auszüge daraus wurden in den 70er Jahren im Westen veröffentlicht, in Russland erschien das vollständige Buch erst 1996. Außerdem wurde die historische Streitschrift „Wie ich den Spion Reilly suchte“ (Kak ja iskal špiona Rejli) gedruckt, die vor allem im Samisdat weite Verbreitung fand und 1972 im Ausland und nach 1990 in mehreren Auflagen in Russland veröffentlicht wurde. 1969 zeichnete Pimenow den Verlauf des Prozesses gegen Juri Gendler, Lew Kwatschewski und Anatoli Studenkow auf. Der Text wurde unter dem Pseudonym „L. P. Nestor“ veröffentlicht. Am 18. April 1970 wurde bei Pimenow eine Hausdurchsuchung durchgeführt, bei der über 250 im Samisdat herausgegebene Publikationen konfisziert wurden. Das Protokoll der Durchsuchung wurde damals auch im Samisdat bekannt gemacht. Gleichzeitig fand eine Durchsuchung bei Boris Wail statt. Nach einigen Tagen wurde Pimenow von Wadim Medwedew, dem Sekretär für Ideologiefragen des Leningrader Parteikomitees einbestellt. Eine Aufzeichnung dieses Gespräches übergab Pimenow der *„Chronik der laufenden Ereignisse“ (Nr. 15/1970). Am 23. Juli 1970 wurde er unter dem Vorwurf der „Verbreitung verleumderischer Informationen, die das sowjetische Staats- und Gesellschaftssystem herabwürdigen“ erneut verhaftet. Der Prozess gegen Pimenow und Boris Wail, der am 14. und vom 20. bis 22. Oktober 1970 stattfand, löste ein großes gesellschaftliches Echo aus. Viele Moskauer Dissidenten kamen, um ihre Unterstützung für die Angeklagten zum Ausdruck zu bringen. Juri Aichenwald widmete dem Prozess das Poem „Blätterfall in Kaluga“ (Listopad v Kaluge). Die Beschuldigten wurden angeklagt, nicht genehmigte Literatur aufbewahrt und weitergeleitet zu haben, darunter Milovan Đilas‘ Buch „Die neue Klasse“ sowie einen der zentralen Texte des *Prager Frühlings, das *„Manifest der 2.000 Worte“ (Dva tisíce slov). Die Angeklagten bekannten sich nicht schuldig und wurden zu jeweils fünf Jahren Verbannung verurteilt. Pimenow gelang es, dem im Gerichtssaal anwesenden Andrei Sacharow heimlich Notizen aus den Untersuchungsakten und den Prozessmaterialien zu übergeben. Die Verbannung verbüßte Pimenow in der nordrussischen Sowjetrepublik Komi in der Siedlung Krasny Saton, wo er in einer Sägemühle arbeitete. Anschließend kam er nach Syktywkar, in die Hauptstadt von Komi, wo er ab März 1972 wissenschaftlicher Mitarbeiter der Außenstelle der Akademie der Wissenschaften der UdSSR wurde. Nach Ablauf seiner Verbannungszeit lebte und arbeitete Pimenow weiter in Syktywkar. Zwischen 1972 und 1980 schrieb und veröffentlichte er im Samisdat unter dem Pseudonym „Sergei Spektorski“ vier Bände der historischen Abhandlung „Die Ursprünge der heutigen Machthaber“ (Proischoždenie sovrjemennoj vlasti), in der er die politische Entwicklung der russischen Gesellschaft zwischen 1855 und 1980 beschrieb: „Ich wollte am Beispiel der vaterländischen Geschichte zeigen, was die Bedeutung von ‚Staat‘, ‚Volk‘ und ‚Regierung‘ ausmacht und was Russland hinsichtlich dieser Phänomene Neues in die Geschichte des 20. Jahrhunderts eingebracht hat.“ 1976–81 arbeitete Pimenow für unabhängige Zeitschriften. Im historischen Journal *„Pamjat‘“ (Gedächtnis) veröffentlichte er einige Kapitel seines Buches „Ein politischer Prozess“, Dokumente über die Verteidigung der Menschenrechte aus der Zeit seiner ersten Verhaftung sowie Rezensionen zu Büchern von Awraam Schifrin und Anatoli Martschenko über die Lager in der poststalinistischen Zeit. Pimenow war einer der aktivsten Autoren der Samisdat-Zeitschrift *„Summa“ (Summe), in der er unter den Pseudonymen „LPN“ und „L. P. Nestor“ schrieb. 1978–80 veröffentlichte er dort ungefähr 20 Rezensionen und Analysen. Er publizierte außerdem in der Zeitschrift *„Poiski“ (Suche) und schrieb seine Memoiren. Wegen der Verbreitung von Literatur im Samisdat, beispielsweise Gedichte von Alexander Galitsch, wurde er 1978 auf seiner Arbeit degradiert. Am 30. November 1982 wurde in seiner Wohnung in Syktywkar eine Durchsuchung durchgeführt, bei der seine Manuskripte sowie „illegale“ in- und ausländische Publikationen konfisziert wurden. Im Dezember 1982 und im Mai 1983 wurde Pimenow vom KGB verhört, er verweigerte jedoch die Aussage. Zwar wurde ein Verfahren gegen ihn eingeleitet, dieses später jedoch eingestellt. Erst 1988 wurde Pimenows Habilitation offiziell bestätigt, wozu es bis dahin wegen seiner Verurteilung 1970 nicht gekommen war. 1989 wurde er Professor an der Universität Syktywkar. Seine Arbeiten erschienen sowohl in offiziellen Zeitschriften wie „Novy Mir“, „Neva“, „Ural“, „Novoje Vremja“ und „Knižnoe obosrenie“ als auch in der inoffiziellen Presse der Perestroika-Periode. 1988/89 hielt Pimenow in Syktywkar eine Serie von Vorlesungen zur Geschichte Russlands. Im Herbst nahm er an der Gründung der Gesellschaft *Memorial in Syktywkar teil und wurde dessen Vorsitzender. Im Januar 1989 war er Delegierter des sowjetischen Gründungskongresses von *Memorial in Moskau und kam in den Vorstand. Bei der Wahl der Volksdeputierten der UdSSR im April 1989 war Pimenow Bevollmächtigter von Andrei Sacharow und kandidierte gleichzeitig mit dessen Unterstützung selbst als Volksdeputierter der Sowjetrepublik Komi. Pimenow erreichte den zweiten Wahlgang, unterlag aber im Mai 1990. Im März 1990 wurde Pimenow jedoch zum Volksdeputierten der Russischen Sowjetrepublik gewählt. Er nahm vom 16. Mai bis 22. Juni 1990 an den Sitzungen des Ersten Kongresses der Volksdeputierten teil, gehörte zur Abgeordnetengruppe „Demokratisches Russland“ und wurde Mitglied der Verfassungskommission. Rewolt Pimenow starb am 19. Dezember 1990 nach einer Operation in einem Krankenhaus in Berlin. Er wurde auf dem Schuwalowski-Nordfriedhof in Leningrad beigesetzt.Dmitri Subarew Aus dem Polnischen von Tim Bohse Letzte Aktualisierung: 03/16

Wer war wer in DDR

Piontek, Ferdinand

* 5.11.1878 – ✝ 2.11.1963

Geb. in Leobschütz (Oberschles. / Głubczyce, Polen); Studium der Theol. in Breslau; 1903 Priesterweihe in Breslau; 1903 – 09 Kaplan u. Studium in Berlin; 1910 – 23 Pfarrer in Köslin (Pommern); 1923 – 31 Domprediger u. Domkapitular, 1931 – 45 Dompfarrer u. Domdechant (ab 1939) in Breslau. Juli 1945 Wahl zum Kapitelsvikar der Erzdiözese Breslau nach dem Tod von Kardinal Adolf Bertram, 1946 erzwungener Verzicht auf die Amtsausübung durch den poln. Primas August Kardinal Hlond, 1947 Ausweisung durch die poln. Behörden; 1947 – 63 Amtierender Kapitelsvikar der Erzdiözese Breslau mit Sitz in Görlitz; Juni 1959 Weihbischof in Görlitz; dort gest.Bernd Schäfer

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Pisnik, Alois

* 8.9.1911 – ✝ 2.10.2004

Geb. in Leoben (Steiermark, Österreich); Vater Arbeiter, Mutter Dienstmädchen; Volks- u. Realschule in Donawitz, Mittelschule in Bruck an der Mur; 1920 Mitgl. der Sozialdemokrat. Kinderfreunde, dann der soz. Kinder- u. Jugendorg. Österreich; 1926 der sozialdemokrat. Sportbew. u. der Freien gewerkschaftl. Metallarbeiterorg.; 1926 – 29 Ausbildung zum Maschinen- u. Elektroschlosser in Knittelfeld; 1928 SPÖ; 1930 – 33 Fernstudium am Rustinschen Lehrinst. in Potsdam, Elektro-Ing.; 1933 KPÖ; Pol.-Ltr. des Bez. Obersteiermark; 1934 Teiln. an den Februarkämpfen; Pol.-Ltr. der obersteier. LL der KPÖ; 1935 zu sieben Jahren schweren Kerkers verurteilt, 1936 amnestiert; 1937 – 40 Radiotechniker in Leoben; illeg. Tätigkeit als Instrukteur der KPÖ in der Obersteiermark; Febr. 1940 Verhaftung, Juni 1941 durch ein Sondergericht in Graz zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt, inhaftiert in Halle. 1945/46 Org.-Sekr. u. Bez.-Ltr. Halle-Merseburg der KPD; 1946 SED; 1946 – 49 Org.-Sekr. u. ab Jan. 1951 – 52 2. Sekr. der SED-LL Sachsen-Anh. (Nachf. von Otto Gehre); 1950 – Dez. 1989 Mitgl. des ZK der SED; 1952 – 58 Abg. des Bez.-Tags Magdeburg; 1952 – 79 1. Sekr. der SED-BL Magdeburg; 1958 – 63 Kand. des PB des ZK der SED; zeitw. Mitgl. des Nat. Verteidigungsrats; 1958 – März 1990 Abg. der Volkskammer; 1980 – März 1990 Mitgl. des Staatsrats (Nachf. von  Friedrich Ebert); 1958 Medaille für Kämpfer gegen den Fasch.; 1961 Banner der Arbeit; 1961, 1965 u. 1969 VVO; 1970 u. 1975 Kampforden für Verdienste um Volk u. Vaterland; 1971 Ehrenspange zum VVO; 1974 KMO; 1976 Held der Arbeit; 1981 Stern der Völkerfreundschaft; 1986 Großer Stern der Völkerfreundschaft. Nov. 1993 Anklage vor dem Berliner LG wegen »Mitverantw. für das Grenzregime der DDR«, Einstellung des Verfahrens aus gesundheitl. Gründen; gest. in Rostock.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

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Platzeck, Matthias

* 29.12.1953

Geb. in Potsdam; Vater Arzt, Mutter med.-techn. Assistentin; 1972 Abitur an der Erw. Spezial-OS in Kleinmachnow; 1972 – 74 NVA; 1974 – 79 Studium der Biomed. Kybernetik an der TH Ilmenau, Dipl.-Ing., 1982 – 87 postgraduiertes Studium der Umwelthygiene an der Akad. für Ärztl. Fortbildung Berlin; 1979/80 wiss. Mitarb. am Inst. für Lufthygiene Karl-Marx-Stadt; 1980 – 82 Dir. für Technik u. Ökon. im Krs.-Krankenhaus Bad Freienwalde; 1982 – 90 Abt.-Ltr. für Umwelthygiene in der Potsdamer Krs.-Hygieneinspektion; April 1988 Gründungsmitgl. der Potsdamer Bürgerinitiative ARGUS u. der »AG Pfingsberg«; Nov. 1989 Gründungsmitgl. u. Sprecher der Grünen Liga der DDR; Dez. 1989 Mitarb. am Zentr. Runden Tisch; Febr. – Apr. 1990 parteiloser Min. ohne Geschäftsber. in der zweiten Reg.  Hans Modrow; März – Okt. 1990 Abg. der Volkskammer u. Parl. Geschäftsf. der Fraktion Bündnis 90/Grüne. Okt. – Dez. 1990 Abg. des Dt. Bundestags; Okt. 1990 Wahl in den Landtag Brandenb. auf der Liste Bündnis 90; Nov. 1990 – Nov. 1998 Min. für Umwelt, Naturschutz u. Raumordnung des Landes Brandenb.; 1991 bis zur Vereinigung mit den Grünen im Mai 1993 Mitgl. der Partei Bündnis 90; Bundessprecher; 1991 – 94 Mitgl. des Bundesrats, dann bis 1998 stellv. Mitgl. im Bundesrat; Frühjahr 1994 nach dem Bruch der »Ampelkoalition« Austritt aus der Landtagsfraktion »Bündnis«; 1995 SPD; 1998 – 2002 OB der Stadt Potsdam (Nachf. von Horst Gramlich); seit Dez. 1999 Mitgl. des Bundesvorst. der SPD; seit 8.7.2000 SPD-Landesvorsitzender Brandenburg (Nachf. von  Steffen Reiche), seit 26.6.2002 Ministerpräs. des Landes Brandenburg (Nachf. von  Manfred Stolpe); seit 2002 Mitgl. des Bundesrats, ab Nov. 2003 2. Vizepräs., Nov. 2004 – Okt. 2005 Bundesratspräs.; Nov. 2005 – Apr. 2006 SPD-Bundesvorsitzender (Nachf. von Franz Müntefering); Rücktritt aus gesundheitl. Gründen); 1998 Bundesverdienstkreuz u. Umweltpreis der Stiftung Europ. Kulturerbe »Euronatur«.Auf der Höhe der Zeit: soziale Demokratie u. Fortschritt im 21. Jahrhundert. Berlin 2007 (Mithrsg.); Zukunft braucht Herkunft. Dt. Fragen – ostdt. Antworten. Hamburg 2009.Helmut Müller-Enbergs / Jan Wielgohs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Plenikowski, Anton

* 19.11.1899 – ✝ 3.3.1971

Geboren am 19. November 1899 in Zoppot bei Danzig, Sohn eines Arbeiters; besuchte von 1914 bis 1917 die Präparandenanstalt und das Lehrerseminar in Danzig-Langfuhr. Mitglied der Arbeiterjugend. 1917 als Soldat eingezogen, schwer verwundet, Lazarettaufenthalt, wurde während der Revolution 1918 Mitglied des Soldatenrates in Breslau. Plenikowski setzte das Lehrerseminar fort und schloß sich 1920 kurze Zeit der Jugendorganisation der KAPD an. Von 1920 bis 1928 Volksschullehrer. 1926 Mitglied der Danziger Sozialdemokratie und von 1926 bis 1930 Abgeordneter des Kreistages Groß-Werder/Danzig, zunächst für die SPD, dann für die KPD. Am 1.August 1927 trat Plenikowski zur KPD über, wurde Mitglied der BL und Agitpropsekretär. Im Herbst 1927 in den Danziger Volkstag gewählt, dem er bis 1937 angehörte. Redakteur der »Danziger Volkszeitung«, 1929 Orgleiter der KPD Danzig. 1937 emigrierte er nach Schweden, zeitweilig Leiter der kommunistischen Emigranten, aber im Frühjahr 1939 nach einem Parteiverfahren von allen Parteifunktionen entbunden. Er war von März 1940 bis Juni 1941 interniert, anschließend Landarbeiter bzw. Angestellter an der landwirtschaftlichen Hochschule in Uppsala. 1944 rehabilitiert, Ende 1945 wurde Plenikowski Leiter der KPD-Parteigruppe. Im März 1946 kehrte er nach Deutschland zurück, wurde im April Mitarbeiter im ZS der SED. Plenikowski war von 1954 bis 1967 Kandidat des ZK, von 1956 bis 1963 Leiter des Büros des Präsidiums des DDR-Ministerrats und Staatssekretär. Er erhielt 1969 den Karl-Marx-Orden. Anton Plenikowski starb am 3. März 1971 in Ost-Berlin.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Plettner, Hans

* 9.12.1887 – ✝ 7.9.1961

Geboren am 9. Dezember 1887 in Berlin, Sohn eines Schlossers und Werkmeisters; Modelltischlerlehre, anschließend auf Wanderschaft, die ihn durch Deutschland, die Schweiz, Italien, Großbritannien und Frankreich führte. Bis 1919 Tischlergeselle in Berlin. Von 1915 bis 1918 Soldat im Weltkrieg. Seit 1907 Mitglied der SPD und der Gewerkschaft, 1917 trat er in die USPD ein, war 1919 kurzfristig Funktionär in Berlin und wirkte von Mai 1919 bis Oktober 1920 als USPD-Sekretär in Hannover. Im Juni 1920 wurde Hans Plettner auf dem Reichswahlvorschlag der USPD in den Reichstag gewählt, dem er bis 1924 angehörte. Von Oktober bis Dezember 1920 Mitglied der Zentralen Kontrollkommission der USPD-Linken, trat für die Fusion mit der KPD ein. Er gehörte zu den USPD-Abgeordneten, die nach der Vereinigung des linken Flügels der USPD mit der KPD Ende 1920 zur VKPD eine gemeinsame kommunistische Reichstagsfraktion bildeten. Im Streit zwischen der Mehrheit der Zentrale und Paul Levi 1921 unterstützte er diesen und wurde deshalb aus der KPD ausgeschlossen. Im Januar 1922 trat Plettner gemeinsam mit Otto Brass und Emil Eichhorn zur Fraktion der KAG über. Drei Mo-nate später wurde er wieder Mitglied der SPD und übte in ihr verschiedene Funktionen aus. Nach 1933 gründete er ein Anzeigengeschäft, das 1936 aufgelöst wurde. Plettner war 1945 Funktionär der SPD in Berlin-Spandau, von 1946 bis 1950 Abgeordneter der Bezirksverordnetenversammlung, ab 1948 Fraktionsvorsitzender und Bürgerdeputierter der SPD in Spandau. Hans Plettner starb am 7. September 1961.

Wer war wer in DDR

Plötner, Klaus Otto Gustav

* 8.9.1940

Geb. in Stadtroda; Vater Versicherungsinspektor; nach dem Abitur 1959 – 65 Studium Landmaschinentechnik an der TU Dresden; 1964 SED; 1965 – 71 Ass. im Inst. für Landtechnik der WPU Rostock, Aufbau u. Ltg. eines Landmaschinenlabors, 1970 dort Prom.; 1971 / 72 Zusatzstudium an der HS für Ingenieure der Landw. Prod. in Moskau; 1972 Hochschuldoz. für Landmaschinentechnik an der WPU, 1976 dort Prom. B zum Dr. sc. techn. mit Untersuchungen zur Methodik der Entw. von Landmaschinen; 1976 – 82 Prorektor für Erziehung u. Ausbildung, 1977 Berufung zum ord. Prof. für Landmaschinenkonstruktion, 1983 – 88 Dir. der Sektion Landtechnik, 1989 / 90 Rektor der WPU Rostock (Nachf. von  Wolfgang Brauer). 1990 als Rektor abberufen u. 1991 als Hochschullehrer ausgeschieden; danach freiberufl. Gutachtertätigkeit; lebt in Dierhagen. Forschungsschwerpunkte: Konstruktion von Landmaschinen für Bodenmechanik u. Bodenbearbeitung; ca. 50 Veröff., u. a. das Lehrbuch »Grundsätze für die Konstruktion von Landmaschinen«, Berlin 1978 (Mitgl. des Autorenkollektivs).Martin Guntau

Wer war wer in DDR

Poche, Klaus

* 18.11.1927 – ✝ 9.1.2007

Geb. in Halle; Vater Angest.; Volksschule, Oberrealschule; Wehrmacht, 1945 amerik. Kriegsgefangenschaft. Nach 1945 Krankenpfleger, Lehrer u. Zeichenlehrer; 1950 journalist. Arbeit, Red. beim »Nachtexpress« (Berlin); dann Red. u. Zeichner bei der »BZ am Abend«; 1954 – 79 freischaff. Schriftst. u. Grafiker (Romanillustrationen, Schutzumschläge, Filmplakate) in Berlin; verf. anfangs Reportagen u. Kurzgeschichten (»Das OKW gibt nicht mehr bekannt«, 1961 zus. mit Hans-Oliva Hagen); 1965 erster Roman »Der Zug hält nicht im Wartesaal«, der Kriegserlebnisse u. die Auseinandersetzung mit der NS-Zeit propagandist. gegen die Bundesrep. Dtl. aufbereitet; 1970 Drehbuch für das Fernsehspiel »Rottenknechte« (5 Folgen, R:  Frank Beyer); zunehmend krit. Arbeiten; zahlr. Fernsehfilme (teils mit  Jurek Becker); 1976 Mitunterz. der Protestresolution gegen die Ausbürgerung  Wolf Biermanns; 1978 sein Fernsehfilm »Geschlossene Ges.« wurde nach der Erstsendung verboten u. erst 1989 wieder ausgestrahlt; 1978 Veröff. seines autobiogr. gefärbten Romans »Atemnot« in der Schweiz, der auch die Zensurpraxis behandelt; zunehmend Konflikte u. berufl. Behinderungen, vom MfS im OV »Buch« als »feindlich eingestellter Schriftst.« erf.; 1979 Mitunterz. eines offenen Briefs an  Erich Honecker, in dem die kulturpol. Praxis kritisiert wurde; Juni 1979 deshalb zus. mit  Stefan Heym u. a. Schriftst. aus dem SV ausgeschl.; Ende 1979 Übersiedl. in die Bundesrep. Dtl.; hier zahlr. Fernsehspiele (u. a. 1981 »Collin« nach dem Roman von Stefan Heym); gest. in Pulheim (bei Köln). 1993 Mitgl. des Dt. PEN-Zentrums; Mitgl. der AdK; 1991 »Das große Fest«; 1994 »Ich klage an«; 1996 Drehbuch zu »Rosa Roth – Verlorenes Leben« (ZDF).Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Pfützner, Rudolf

* 15.1.1910 – ✝ 29.1.1999

Geb. in Leipzig; Vater Arbeiter; Volksschule; kaufm. Lehre; Bau- u. Transportarbeiter; 1926 KJVD, 1928 KPD; 1933 antifasch. Arbeit, Aug. – Nov. 1933 »Schutzhaft«; Sept. 1934 inhaftiert, April 1935 Verurteilung durch das OLG Dresden zu drei Jahren u. sechs Monaten Haft, Zuchthaus Waldheim u. Lager Aschendorfer Moor; nach Entlassung Dienstverpflichtung in Leipzig; Ltr. einer Leipziger Widerstandsgr.; 1941 Verhaftung, 1942 Verurteilung durch den VGH zu 15 Jahren Zuchthaus, Haft im Zuchthaus Waldheim u. KZ Mauthausen. 1945 Hrsg. u. Chefred. der »Sächsischen Zeitung«; 1945 – 51 Intendant des MDR, Sender Leipzig, des Berliner Rundfunks u. des Deutschlandsenders; 1946 SED; 1949 / 50 Studium an der PHS der SED; 1951 – 55 stellv. Intendant bzw. Intendant des Berliner Rundfunks u. des Deutschlandsenders; 1952 – 55 Mitgl. des Staatl. Rundfunkkomitees; 1955 – 59 Botschafter in der VR Vietnam, anschl. Abt.-Ltr. Information u. Mitgl. des Kollegiums des MfAA; später stellv. Vors. u. Sekr. der Dt. Lagergemeinschaft Mauthausen; 1974 VVO; gest. in Berlin.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Pieck, Wilhelm (Friedrich Wilhelm Reinhold)

* 3.1.1876 – ✝ 7.9.1960

Geb. in Guben; Vater Kutscher, Mutter Wäscherin; 1882 – 90 Volksschule u. 1890 – 94 Tischlerlehre in Guben; 1894 – 96 Wanderjahre als Geselle; ab Okt. 1896 – 1906 als Tischlergeselle in Bremen; 1898 Heirat mit der Schneiderin Christine Häfker (3 Kinder: Elly P., verh.  Winter, geb.: 1.11.1898,  Arthur P., geb.: 28.12.1899, Eleonore P., verh.  Staimer, geb. 14.4.1906); 1894 Dt. Holzarb.-Verb.; Ende 1895/96 einige Mon. Vors. von dessen Ortsverein Osnabrück; 1.7.1895 SPD; 1899 Stadtbez.-Vors. der SPD in Bremen; 1900 Vors. der Zahlstelle Bremen des Dt. Holzarb.-Verb.; 1904 Vorstandsmitgl. u. Hauptkassierer des Bremer Gewerkschaftskartells; unter Einfluß von Heinrich Schulz (Chefred. der sozialdemokrat. »Bremer Bürger-Ztg.«), marxist. Entw. u. linke Parteiposition; Teiln. am Bremer Parteitag der SPD 1904; 1905 Vors. der Pressekommission des Bremer SPD-Organs; 1905 stellv. Vors. des SPD-Bildungsaussch. in Bremen; 1905 – 10 Mitgl. der Bremer Bürgerschaft; Juli 1906 – 10 hauptamtl. Sekr. des Sozialdemokrat. Vereins in Bremen; 1907/08 Teiln. am Halbjahreskurs der zentr. Parteischule der SPD in Berlin (Lehrer u. a. Rosa Luxemburg, Franz Mehring, Heinrich Cunow); Delegierter der SPD-Parteitage 1908 in Nürnberg u. 1909 in Leipzig; März 1910 vom PV zum 2. Sekr. des Zentr. Bildungsaussch. der SPD (Vors.: Heinrich Schulz) u. Sekr. der zentr. Parteischule berufen, enger Kontakt mit Franz Mehring; Delegierter des Chemnitzer Parteitags der SPD 1912; 2. Vors. des Sozialdemokrat. Wahlvereins Berlin-Steglitz; nach Ausbruch des 1. Weltkriegs an Bemühungen zur Sammlung der opp. Kräfte in der Partei beteiligt (zus. mit Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg, Franz Mehring,  Hermann Duncker); April 1915 beauftragt mit Druck u. Verbreitung der Zschr. »Die Internationale«; Mai 1915 führend beteiligt an der Frauendemonstration gegen den Krieg in Berlin, daraufhin Mai – Okt. 1915 »Schutzhaft«, anschl. Militärdienst (Infanterie) an Neiße u. Westfront (u. a. Verdun); Jan. 1916 Teiln. an der Reichskonferenz der Gruppe Internationale (fortan Spartakusgr.) in Berlin; Dez. 1916 vom PV der SPD als Parteiangest. gekündigt; April 1917 Teiln. an der Reichskonferenz der Spartakusgr. u. Gründungsparteitag der USPD in Gotha; Juni – Okt. 1917 U-Haft, anschl. Desertion u. illeg. Arbeit in Berlin (u. a. an der Vorber. des Streiks der Berliner Rüstungsarb. Jan. 1918 beteiligt); Febr. 1918 Emigr. nach Amsterdam; dort i. A. der Spartakusgr. neben Erwerbstätigkeit als Tischler Arbeit für die Red. des »rev.-soz.« Wochenblatts »Der Kampf«; 26.10.1918 Rückkehr nach Berlin; Mitgl. des illeg. Vollzugsaussch. der Berliner rev. Obleute; seit Bildung des Spartakusbunds (11.11.1918) Mitgl. seiner Zentr., verantw. für rev. Agit.-Arbeit in Berlin; (zus. mit  Jacob Walcher) Vors. des Gründungsparteitags der KPD (30.12.1918 – 1.1.1919 in Berlin); Mitgl. der Zentr. bzw. (ab 1925) des ZK der KPD – 1946, bei den Januarkämpfen 1919 mit Karl Liebknecht eingetreten für den Sturz der Reg. durch bewaffn. Aufstand, 15.1.1919 zus. mit Karl Liebknecht u. Rosa Luxemburg verhaftet, 17.1.1919 Flucht (unter umstrittenen Umständen); Juli – Nov. 1919 erneut verhaftet u. Flucht; März 1920 von der KPD-Zentr. als pol. Berater der Roten Ruhrarmee entsandt; seit April 1920 Mitgl. einer Militärkommission der KPD-Zentr.; Referat auf dem 4. Parteitag der KPD (April 1920 in Berlin) zur Wahlagit. für die Reichstagswahlen; auf dem Vereinigungsparteitag der USPD-Linken mit der KPD (Dez. 1920 in Berlin) Wahl zum Sekr. der Zentr.; 1920 – 24 Ltr. ihres Org.-Büros; Berichterstatter der Geschäftsberichte der Zentr. auf dem 7. u. 8. Parteitag der KPD (1921 bzw. 1923); Sept. – Nov. 1921 erste Reise nach Sowjetrußland (zus. mit Fritz Heckert) zur Berichterstattung vor dem EKKI u. Beratungen mit Wladimir I. Lenin u. a. Führern der KPR(B); 1921 – 28 Mitgl. des Preuß. Landtags; seit 1922 Mitgl. des EK der IRH, Nov. 1937 – Juli 1941 (Auflösung) dessen Vors.; 1924 Ltg. der RHD (zus. mit Clara Zetkin), ab März 1925 – 33 Vors. ihres ZK bzw. Zentralvorst.; Aug. 1923 Mitgl. eines Aussch. zur Aufstandsvorber. u. Ltr. einer Kommission für Waffenbeschaffung; Dez. 1923/Jan. 1924 (zus. mit anderen Mitgl. der Partei-Zentr.) zu Beratungen im EKKI; Teiln. an Trauerfeierlichkeiten anläßl. des Todes von Wladimir I. Lenin u. erste Begegnung mit Jossif W. Stalin; ab Okt. 1925 Ltr. der Geschäftsabt. u. ab Dez. 1925 des Org.-Büros, Febr. 1926 – Nov. 1929 Pol.-Sekr. der BL Berlin-Brandenb.-Lausitz (im Zuge innerparteilicher Cliquenkämpfe von  Walter Ulbricht abgelöst); seit 18.11.1926 Mitgl. des PB bis zu dessen Auflösung März 1937; ab Dez. 1929 Ltr. der Kommunalpol. Abt. des ZK der KPD; 1928 – 43 Mitgl. des EKKI, ab 1931 auch des Präs. u. des Pol.-Sekr. des EKKI; 1928 – 33 Mitgl. des Dt. Reichstags; 1929 – 33 Mitgl. der Stadtverordnetenvers. Berlin u. Fraktionsvors. der KPD; 1929 – 33 Mitgl. des Preuß. Staatsrats; 1932 – 33 Mitgl. des Preuß. Landtags u. Fraktionsvors. der KPD; Nov. 1930 – Juni 1932 Vertreter der KPD beim EKKI; Jan. – Mai 1932 Rektor der Internat. Lenin-Schule der KI in Moskau; Juli 1932 Kand. des Sekr. des ZK der KPD u. mit der Ltg. der parl. Tätigkeit der KPD beauftragt; zugl. Anleitung einer Abt. Waffen- u. Materialbestände; 7.2.1933 Teiln. an der illeg. Funktionärsberatung des ZK in Ziegenhals (b. Berlin); 23.2.1933 Auftreten auf der letzten legalen Massenkundgebung der KPD in Berlin (Sportpalast); bei der Reichstagswahl 5.3.1933 erneutes Mandat (annuliert), illeg. Führungsarbeit; ab 25.5.1933 auf Anweisung der KI zus. mit  Franz Dahlem u. Wilhelm Florin als illeg. »Auslandsltg.« der KPD in Paris; Mitte Nov. – Ende Dez. 1933 in Moskau; Berichterstatter auf dem XIII. Plenum des EKKI über Lage in Dtl. u. Tätigkeit der KPD, vertrat in Auseinandersetzungen innerhalb der Auslandsltg. (seit April 1934) zus. mit Walter Ulbricht die sich verändernde taktische Linie der KI-Führung (Einheits -u. Volksfront); Reisen nach Moskau 10. – 25.7., 15.9. – 3.10. u. zus. mit der Auslandsltg. ab 17.12.1934 zur Klärung der Differenzen (bes. mit F. Schulte, H. Schubert, Franz Dahlem u. Wilhelm Florin) u. Vorber. des VII. Weltkongresses der KI; 3. – 17.1.1935 zu Beratungen der Politkommission des EKKI (u. a. Georgi Dimitroff, Manuilski) mit den KPD-Führungskadern; Verbleib in Moskau zur Vorber. des VII. Weltkongr. (25.7. – 20.8. 1935), erstattet den Tätigkeitsbericht des EKKI; Wahl zum Sekr. des EKKI; auf sog. Brüsseler Parteikonferenz der KPD (3. – 15.10. 1935 b. Moskau) Hauptreferat (»Der neue Weg zum gem. Kampf für den Sturz der Hitlerdiktatur«) im Sinne der takt. Neuorientierung der KI auf Einheits- u. Volksfrontpol.; Wahl zum Parteivors. für die Zeit der Haft Ernst Thälmanns, pol. Führungstätigkeit zus. mit den bei der KI verbleibenden PB-Mitgl. Wilhelm Florin u. Fritz Heckert (gest. 7.4. 1936); seit 3.10.1935 zugl. Ltr. des Balkansekr. des EKKI; 28.5. – 28.6.1936 Aufenthalt in Paris zur Aktivierung der Volksfrontarbeit i. A. der KI, u. a. erw. PB-Sitzung; Teiln. an Sitzungen des Aussch. zur Vorber. einer dt. Volksfront (Vors.:  Heinrich Mann), Entwurf von »Richtlinien für die Ausarbeitung einer pol. Plattform der dt. Volksfront«; zwischenzeitl. auch Beratungen in Amsterdam mit dortiger KPD-Abschnittsltg.; März 1937 Aufhebung des PB der KPD auf Beschluß des EKKI-Sekr.; Febr. – Mai 1938 intensive Beratungen im EKKI mit den KPD-Führungskadern wegen Differenzen im Pariser Volksfrontaussch. (Ablösung  Walter Ulbrichts als Ltr. des Pariser KPD-Sekr.), 14.9.1938 – 14.2.1939 erneuter Aufenthalt in Paris zwecks Überwindung der Schwierigkeiten im Volksfrontaussch. u. Vorber. einer erw. ZK-Sitzung, u. a. Gespräche mit Heinrich u. Thomas Mann, F. Stampfer (SPD) u. Jacob Walcher (KPO), Teiln. an Sitzungen des Volksfrontaussch., Hauptreferat auf sog. Berner Parteikonferenz der KPD (30.1. – 1.2.1939 b. Paris); 10. – 21.3.1939 Teiln. am XVIII. Parteitag der KPdSU(B); nach Internierung der Pariser KPD-Sekr.-Mitgl. bei Ausbruch des 2. Weltkriegs erklären sich die bei der KI in Moskau agierenden ZK-Mitgl. (neben W. P., Wilhelm Florin, Walter Ulbricht u. Herbert Wehner bzw. »Funk«) Sept. 1939 zur Führung der KPD; 23.5. – 6.7.1940 Krankenhausaufenthalt u. Kur; Anleitung des in der UdSSR ab 10.9. 1941 tätigen »Dt. Volkssenders« als propagandist. Hauptorgan der KPD-Führung, Okt. 1941 Aufruf »An das dt. Volk u. an das dt. Heer«; 15.10.1941 Evakuierung mit EKKI nach Ufa, 5.11. – 27.12.1941 Erkrankung; 27.3.1942 Rückkehr nach Moskau; 25.1.1942 Mitunterz. eines Aufrufs von 60 KPD-Funktionären u. dt. Schriftst. u. Künstlern in der UdSSR; Dez. 1942 Mitverf. eines mit der KI-Führung erarbeiteten fiktiven »Friedensmanifests der westdt. Beratung der nat. Friedensbew.« als aktuelle Programmatik der KPD-Führung für den antifa. Kampf; 1942 – 45 Ansprachen im Rahmen der dt.-spr. Sendungen des Moskauer Rundfunks; ab Febr. 1943 Konzipierung differenzierter Arbeitsgr. der KPD-Führung zur Einflußn. auf den antifa. Widerstandskampf in Dtl. (Gewerkschaften, Militär, Bauern, Frauen, Jugend, Org.-Fragen der Partei), Auftreten in Kriegsgefangenenlagern (April 1942 u. Febr. bzw. Juni 1943 in Krasnogorsk, Juni 1943 im Offizierslager Susdal u. a.); seit Mai 1943 mit sowj. Parteifunktionären u. Politorganen der Roten Armee Vorber. zur Gründung des Nationalkomitees Freies Dtl., Teiln. an der Gründungskonferenz des NKFD (12./13.7.1943 in Krasnogorsk), Mitgl. des NKFD u. aktive Einflußn.; Teiln. an der Gründungskonferenz des Bunds Dt. Offz. (11./12.9.1943); März 1944 – April 1945 Ltg. der »Arbeitskommission des ZK der KPD« zur Ausarbeitung der Programmatik für die Nachkriegszeit; Okt. 1944 Entwurf eines »Aktionsprogramms des Blocks der kämpfer. Demokratie«; ab Sept. 1944 Lektionen an neugeschaff. Parteischule der KPD bei Moskau u. in der Abendschule zur Vorber. leitender Kader für den Einsatz im Nachkriegsdtl.; Anf. April 1945 zus. mit sowj. Partei- u. Armeeorganen Ausarbeitung von »Richtlinien für die Arbeit der dt. Antifaschisten in dem von der Roten Armee besetzten dt. Gebiet«. 4. – 9.6.1945 Beratungen mit den Ltr. der drei nach Dtl. entsandten, i. A. der Roten Armee tätigen Gruppen von KPD-Funktionären (Walter Ulbricht,  Anton Ackermann,  Gustav Sobottka) bei Jossif W. Stalin u. a. PB-Mitgl. der KPdSU sowie Georgi Dimitroff zur Ausarbeitung des Aufrufs der KPD vom 11.6.1945 u. der nächsten Aufgaben der Partei; Juli 1945 Rückkehr nach Dtl. (Berlin); Vors. des am 2.7.1945 gebildeten Sekr. des ZK der KPD; 19.7.1945 Auftreten auf der ersten Großkundgebung der KPD in Berlin-Neukölln; führend beteiligt an der Schaffung des Blocks der antifa.-demokrat. Parteien (14.7.1945) u. bei der Vereinigung von KPD/SPD in der SBZ (im gem. zentr. Arbeitsaussch., bei den gem. »Sechziger-Konferenzen« (20./21.12.1945 u. 26.2.1946) u. ab 15.1.1946 in der zus. mit  Otto Grotewohl geleiteten gem. Studienkommission zur Ausarbeitung der »Grundsätze u. Ziele der SED« u. des Parteistatuts); engste Zusammenarbeit mit Vertretern der SMAD ( Wladimir S. Semjonow,  Fjodor J. Bokow,  Sergej I. Tulpanow u. a.); 2.9.1945 Rede vor Landarb. / Bauern in Kyritz zum Auftakt der Bodenreform in der SBZ, Rede auf der Zentr. Kulturtagung der KPD (3. – 5.2.1946 in Berlin); Auftreten auf der Reichskonferenz der KPD (2./3.3.1946 Berlin), dem 15. Parteitag der KPD (19./20.4.1946) u. dem Vereinigungsparteitag KPD/SPD (21./22.4.1946 in Berlin); gem. mit Otto Grotewohl parität. Vors. der SED bis April 1954 u. Mitgl. des ZS bzw. (ab Jan. 1949) des PB des PV bis zu seinem Ableben; gem. mit Otto Grotewohl propagandist. Auftreten in der brit. u. amerik. Zone (Juli 1946 bzw. März 1947); 1946 – 49 Abg. des Brandenb. Landtags; Pol. Bericht des PV auf dem II. Parteitag der SED (20. – 24.9.1947 in Berlin); maßgebl. beteiligt an der ab Mitte 1948 forcierten Entw. der SED zu einer Partei neuen Typus nach Stalinschem Vorbild; 1947 – 52 Teiln. an sieben Beratungen der SED-Führungsspitzen in Moskau mit Jossif W. Stalin u. a. PB-Mitgl. der KPdSU: 30.1. – 7.2.1947 (31.1. Stalin), 25. – 31.3.1948, 12. – 24.12.1948 (18.12. Stalin), 16. – 28.9.1949, 3. – 6.5.1950 (Stalin), 29.3. – 10.4.1952 (1. u. 7.4. Stalin); 10. – 16.10.1952 Teiln. am XIX. Parteitag der KPdSU (11.10. Begrüßungsansprache); Juni 1948 gem. mit Otto Grotewohl Reisen nach Ungarn, Rumänien, Bulgarien u. in die ČSR bzw. Mai 1949 nach Polen u. Sept. 1949 in die ČSR zum Ausbau der Verbindungen mit den »Bruderparteien« der »volksdemokrat. Staaten« bzw. zur Anbahnung von Wirtschaftsbeziehungen; führende Rolle bei der Entw. der »Volkskongreßbew. für Einheit u. gerechten Frieden: Kovors. des auf dem ersten Dt. Volkskongreß (6./7.12.1947 in Berlin) gewählten Ständ. Aussch. bzw. des auf dem zweiten Dt. Volkskongreß (17./18.3.1848) gewählten Dt. Volksrats; 11.10.1949 von Prov. Volkskammer u. Prov. Länderkammer der DDR zum Präs. der DDR gewählt; erstattet auf dem III. Parteitag der SED (20. – 24.7.1950 in Berlin) den Bericht des PV; Rede auf dem I. Nationalkongreß der NF (25./26.8.1950 in Berlin), der die offiz. Vorber. der ersten Einheitslistenwahlen zur DDR-Volkskammer einleitete; Staatsreisen Dez. 1950 in die VR Polen u. Okt. 1951 in die ČSR; Auftreten auf der II. Parteikonferenz der SED (9. – 12.7.1952 in Berlin), die den planm. Aufbau der Grundlagen des Soz. in der DDR beschließt; 19.2.1953 Beginn einer schweren Erkrankung, nach klinischer Behandlung 27.4. – 30.7.1953 Kuraufenthalt in Barwicha b. Moskau; während dieser Zeit Gespräche mit Wjatscheslaw Molotow (28.5. u. 25.6.) u. Michail Suslow (29.5. u. 16.7.); 5.8.1953 Wiederaufn. der Amtsgeschäfte, weitgehend auf Repräsentationspflichten beschränkt; Begrüßungsansprache auf dem IV. Parteitag (30.3. –6.4.1954 in Berlin); bes. ab März 1956 wegen erneut verschlechtertem Gesundheitszustand stark eingeschränkte Amtsausübung; 31.1.1957 letztmalige Teiln. an einer ZK-Tagung; Teiln. am V. Parteitag der SED nur zur Eröffnung am 10.7.1958; 1951 Held der Arbeit; 1953 KMO; 1954 VVO; zahlr. ausländische Orden; gest. in Berlin.Reden u. Aufsätze, Bd. I/II. Berlin 1954; Gesammelte Reden u. Schriften, Bd. I-VI, IML beim ZK der SED. Berlin 1959 – 1981; Badstübner, R., Loth, W. (Hrsg.): W. P. Aufzeichnungen zur Deutschlandpol. 1945 – 53. Berlin 1994. Voßke, H., Nitzsche, G.: W. P. Biogr. Abriß. IML. Berlin 1975; Voßke, H.: W. P. Leipzig 1975; W. P.: Bilder u. Dok. aus dem Leben des ersten dt. Arbeiterpräs. Berlin 1955; Unser Wilhelm (Erinnerungen an W. P.), zusammengest. u. eingel. von H. Voßke. IML. Berlin 1979.Horst Laude / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Pieper, Cornelia

* 4.2.1959

Geb. in Halle; Abitur in Halle; Studium der Sprachwiss. (Poln. u. Russ.) in Leipzig u. Warschau, 1982 Dipl.-Sprachmittlerin; ab 1985 Dolmetscherin im Tourismus u. Kulturbereich; EDV-Mitarb. im Halleschen Fernsehgerätewerk; 1987 – 90 Mitarb. der Abt. Kultur u. Bildung beim LDPD-BV Halle. 1990 – 94 MdL u. 1990 – 94 Vizepräs. des Landtags Sachsen-Anh.; seit 1990 stellv. Vors. des FDP-KV Halle u. Mitgl. des FDP-LV Sachsen-Anh., seit 1993 Mitgl. des FDP-Bundesvorst., seit 1995 Vors. des FDP-LV Sachsen-Anh.; 1995/96 Bundesgeschäftsf. des Humanist. Verb.; ab 1996 freiberufl. Übersetzerin; 1997 – 2001 stellv. FDP-Bundesvors.; seit 1998 MdB, bis 2001 stellv. Vors. der FDP-Frakt.; 2001 – 05 Generalsekr. der FDP (Nachf. von Guido Westerwelle); Apr. – Sept. 2002 MdL u. Vors. der FDP-Frakt. im Landtag Sachsen-Anh.; seit 2002 forschungspolit. Sprecherin der FDP-Frakt. im Dt. Bundestag u. seit 2005 Vors. des Aussch. für Bildung, Forschung u. Technologiefolgenabschätzung, seit 2009 Staatsministerin im Auswärtigen Amt.Helmut Müller-Enbergs

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Pietzsch, Frank-Michael

* 24.8.1942

Geb. in Lutherstadt Wittenberg; 1960 Abitur in Berlin; 1960 – 66 Studium der Humanmed. an der HU Berlin, 1966 – 71 Facharztausb., 1971 – 78 Ltr. für Innere Med. am Kreiskrankenhaus Belzig; 1975 CDU; 1978 – 81 Facharztausb. für Radiol. an der Zentralen Klinik für Herz- u. Lungenkrankheiten Bad Berka (Krs. Weimar); 1981 Prom. mit einer Arbeit zur Röntgenmorphol. der Herzkontur an der FSU Jena; seit 1985 CDU-Stadtverordn. in Bad Berka; 1985 Oberarzt in der Abt. für kardio-vaskuläre Diagnostik der Klinik Bad Berka; seit Febr. 1990 Vors. bzw. Ehrenvors. des CDU-KV Weimar. Okt. 1990 – 2004 MdL; 1994 – 99 Präs. des Thür. Landtags (Nachf. von  Gottfried Müller); 1992 – 94 u. 1999 – 2003 Min. für Soziales u. Gesundheit des Freistaats Thür. (Nachf. von  Hans-Henning Axthelm); Präs. des Thür. Volkshochschulverb., 2003/04 Vors. der CDU-Landtagsfraktion; 2005 Bundesverdienstkreuz.Helmut Müller-Enbergs

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Pink, Hans

* 14.4.1906 – ✝ 14.5.1974

Geboren am 14. April 1906 in Saarbrücken, Sohn einer Arbeiterfamilie; wurde Metallarbeiter. 1924 trat er in die KPD ein. Im Oktober 1930 im Betrieb gemaßregelt, weil er an der Gedenkfeier für die 98 Opfer der Schlagwetterkatastrophe auf der Grube Maybach teilgenommen hatte. Mitarbeiter in der Roten Hilfe, später hauptamtlicher Orgleiter der RHD Saar. 1932 in den Landesrat Saar gewählt, 1933 illegal in Idar-Oberstein in Rheinland-Pfalz, wurde dort verhaftet und saß bis August 1933 in »Schutzhaft«. Pink organisierte als Funktionär der Roten Hilfe im Saargebiet Solidaritätsaktionen für Georgi Dimitroff und Ernst Thälmann. Er erreichte, daß eine dreiköpfige Arbeiterdelegation aus dem Saargebiet nach Berlin reisen und Ernst Thälmann am 19. Mai 1934 im Gefängnis sprechen durfte. Nach dem Anschluß des Saargebiets emigrierte er 1935 nach Frankreich, arbeitete dort im Steinbruch und wurde im September 1939 interniert. Aus dem Internierungslager geflüchtet, fand er Anschluß an die Résistance und organisierte 1944/45 in Paris ein Büro für die Repatriierung von Saarländern. Pink kehrte in das Saargebiet zurück, trat wieder in die KP ein und wurde hauptamtlicher Funktionär des Industrieverbandes Metall, der späteren IG Metall Saar. Auch nach dem Verbot der KP des Saarlandes 1957 deren Mitglied, schied aber aus der hauptamtlichen Gewerkschaftsarbeit aus. Im September 1961 war er Vertrauensmann für die Kandidatur seines KPD-Genossen August Hey, der als Unabhängiger zur Bundestagswahl kandidierte. Hans Pink starb am 14. Mai 1974 in Völklingen.

Wer war wer in DDR

Pippig, Uta

* 7.9.1965

Geb. in Leipzig; begann in Petershagen (b. Berlin) als Turnerin, Handballspielerin u. Keglerin; ab 1978 Leichtathletin bei der TSG Blau-Weiß Petershagen; ab 1983 beim ASK Vorwärts Potsdam (Trainer: Fritz Janke, Dieter Hogen); NVA (zuletzt Stfw.); 1983 Spartakiade-Bronze 3.000 m; 1986 u. 1987 DDR-Mstr. im Marathon; 1989 3. Platz beim Marathon-Weltcup; 1987 – 89 vier Länderkämpfe für die DDR. Frühjahr 1990 Wechsel zur LG VfB/Kickers Stuttgart, 1991 – 96 beim SCC Berlin, 1996/97 bei der LG Nike Berlin; 1991 WM-Bronze 15 km; Siege: Berlin-Marathon (1990, 1992 u. 1995), Boston-Marathon 1994 – 96; Titel bei Dt. Meisterschaften: 1990 Cross, 1991 3.000 m (Halle), 1995 5.000 m; 1991 WR 5.000 m Halle (15:13,72 min); 1990 – 96 acht Länderkämpfe DLV; April 1998 positive Dopingkontrolle; Sperre für zwei Jahre; Medizinstudium an der HU Berlin u. später FU Berlin; US-Staatsangehörigkeit; seit 2006 Präs. einer Fa. für ihr eigenes Gesundheits- u. Fitnessprogramm mit Sitz in Boca Raton, Florida; lebt seit 1992 in Boulder, Colorado, USA.Volker Kluge

Wer war wer in DDR

Plachy, Erwin

* 23.9.1904 – ✝ 30.9.1991

Geb. in Leitmeritz (Nordböhmen / Litoměřice, Tschechien); Vater Berufsoffz.; Gymnasium, Höhere landw. Lehranstalt; 1922 – 27 Studium an der TH Prag, Dipl.-Ing. agr.; 1927 – 29 u. 1938 Dienst im tschechoslowak. Heer, Ltn.; 1929 – 38 Beamter in Staatsgütern; 1939 – 44 RAD, aus pol. Gründen entlassen; 1941 Prom. an der HS für Bodenkultur in Wien mit einer Diss. über antibakterielle Hemmstoffe; 1944/ 45 dort wiss. Mitarb. am Inst. für Mikrobiol. Juli 1945 Umsiedl. nach Leipzig; 1946 SPD/ SED; 1945 – 49 Assistent bzw. Oberassistent mit Lehrauftrag an der Univ. Leipzig, mit dem Neuaufbau der Inst. für landw. Bakteriol. u. Bodenkunde sowie für Kulturtechnik betraut; 1948 Habil. mit einer Arbeit zur Wirkung der Sulfonamide bei Rinderkrankheiten; 1949 – 58 Prof. mit Lehrstuhl u. Dir. des Inst. für Bodenkunde u. Mikrobiol.; 1950/51 Prorektor; 1951 – 70 Ord. Mitgl. der DAL, bis 1969 Mitgl. des Präs. u. Wiss. Dir. der DAL, maßgebl. an deren Aufbau beteiligt; 1958 – 63 Prof. mit Lehrstuhl u. Dir. des Inst. für Bodenkunde u. Pflanzenernährung der Landw.-Gärtner. Fak. der HU Berlin; 1952 – 64 stellv. Vors. des Wiss. Beirats für Landw.-Wiss. beim Staatssekr. für HFS-Wesen; 1959 – 66 Mitgl. der Agrarkommission beim PB des ZK der SED; 1964 VVO; 1959 Kleine Goldmedaille der Landw. Unionsausstellung Moskau; 1959 – 68 Mitgl. des Kolleg. des Min. für Landw., Erfassung u. Forstw. bzw. des Landw.-Rats u. seiner Produktionsltg.; 1963 – 70 Ltr. der Arbeitsgr. Perspektivplanung der Landw. der SPK; 1963 Ltr. der Arbeitsgr. Agrarwiss. in der Ständ. Kommission Landw. des RGW; Mitgl. des Vorst. der Dt. Agrarwiss. Ges.; Ehrenmitgl. der Tschechoslowak. AdL Prag; Veröff. zur landw. Bakteriol. sowie zur Entw. der Agrarwiss., u. a.: Entw. u. Ergebnisse der DAL 1951 – 61. Berlin 1962; Chefred. der Ztschr. »Die Dt. Landw.« (ab 1950) u. des Albrecht-Thaer-Archivs (ab 1957); Hrsg. der Jahrbücher der DAL; gest. in Berlin.Siegfried Kuntsche

Wer war wer in DDR

Pleißner, Marie

* 17.5.1891 – ✝ 21.12.1983

Geb. in Chemnitz; Besuch der Volksschule, der höheren Schule u. des Lehrerseminars; ab 1911 Lehrerin, zunächst Privatlehrerin, 1912 im Schuldienst; 1912 Mitgl. im Lehrerverein, dort Vorstandsmitgl.; 1919 DPD; 1928 – 33 Vors. des DFD; 1934 Entlassung als Lehrerin; Gelegenheitsarb.; 1939 – 40 KZ Ravensbrück. 1945/46 Mitbegr. der LDPD in Chemnitz; 1946 Vors. des LDPD-Krs.-Verb. Chemnitz/ Karl-Marx-Stadt; Lehrerin an einer OS in Chemnitz; Schuldir.; 1953 pensioniert; zeitw. Doz. der Lehrerbildungsanstalt; 1946 – 50 Abg. des Landtags Sachsen, Aussch.-Vors.; 1951/52 Mitgl. des Landesvorst. Sachsen der LDPD; Vors. der Gruppe der Quäker in Dtl.; 1973 – 83 Mitgl. des Bez.-Komitees Karl-Marx-Stadt der Antifa. Widerstandskämpfer; 1976 VVO; 1981 Stern der Völkerfreundschaft.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Plenzdorf, Ulrich

* 26.10.1934 – ✝ 9.8.2007

Geb. in Berlin-Kreuzberg; Vater Maschinenbauer; 1946 – 49 Volksschule in Berlin-Kreuzberg; 1950 Umzug nach Ost-Berlin; 1949 – 52 Besuch des Schulfarm-Internats Scharenberg in Himmelpfort (b. Fürstenberg); 1954 Abitur in Berlin-Lichtenberg; 1954/55 Marx.-Lenin.-Studium am Franz-Mehring-Inst. Leipzig; 1955 – 58 Bühnenarb. bei der DEFA; 1958 Mitgl. der SED; 1958/59 NVA; 1959 – 63 Studium an der Film-HS Potsdam-Babelsberg; ab 1964 Szenarist u. Filmdramaturg bei der DEFA; 1964 erster Filmerfolg mit »Mir nach, Kanaillen«; der 1965 abgedrehte Film »Karla« kam (nach dem 11. Plenum des ZK der SED im Dez. 1965) nicht in den Verleih; das 1968 fertiggestellte Szenarium »Die neuen Leiden des jungen W.« (in der DDR nicht verfilmt, in der Bundesrep. Dtl. 1976) wurde 1972/73 als Theaterstück in Halle aufgeführt, in der Ztschr. »Sinn u. Form« gedruckt u. machte erstmals den Generationskonflikt zum Thema öffentl. Diskussion; 1973 Heinrich-Mann-Preis; U. P. wurde vom MfS im OV »Selbstverlag« überwacht; er erhielt 1984 für die Erzählung »kein runter kein fern« den Klagenfurter Ingeborg-Bachmann-Preis; weitere wichtige Werke u. a.: Szenarien für die DEFA-Filme »Die Legende von Paul u. Paula« (1973), »Insel der Schwäne« (1983, nach  Benno Pludra); Schauspiele: »Ein Tag, länger als ein Leben« (1986, nach Tschingis Aitmatow), »Freiheitsberaubung« (1988, nach  Günter de Bruyn); 1994 Forts. der Fernsehserie »Liebling Kreuzberg«; »Vater Mutter Mörderkind« (Drehbuch), ZDF 1993; Drehbuch zum Fernsehfilm »Der Laden« (1999); 1995 Adolf-Grimme-Preis; 2004 Gastdozent am Dt. Literaturinst. Leipzig; gest. in Berlin.Legende vom Glück ohne Ende. Rostock 1979; kein runter kein fern. Frankfurt (Main) 1984; Filme. 2 Bde. Rostock 1986; Vater, Mutter, Mörderkind. Rostock 1994; Berliner Geschichten. Op. Schwerpunkt Selbstverlag. Frankfurt (Main) 1995; Der Trinker (Drehbuch). 1995; Der Laden (Drehbuch). 1997; Abgehauen (Drehbuch). 1998; Eins und Eins ist Uneins. 1999; Der König u. sein Narr (Drama). 2001.Leonore Krenzlin

Handbuch Deutsche Kommunisten

Plievier, Theodor

* 12.2.1892 – ✝ 12.3.1955

Als Theodor Plivier am 12. Februar 1892 in Berlin-Wedding geboren, durchlebte als Proletarierkind eine harte Jugend. 1909 brach er seine Lehre als Stukkateur ab, begab sich auf Wanderschaft durch Europa, fuhr als Matrose nach Australien und Südamerika. Im Weltkrieg bei der Kriegsmarine auf dem Hilfskreuzer »Wolf«, beteiligte sich dann am Matrosenaufstand 1918 in Wilhelmshaven. Ab Ende 1920 lebte er als freier Schriftsteller, Übersetzer und Redner wieder in Berlin. Plivier war im Bund proletarisch-revolutionärer Schriftsteller aktiv und galt als kommunistischer Autor. Sein Erstlingswerk »Des Kaisers Kulis. Roman der deutschen Kriegsflotte« (1930) wurde in 18 Sprachen übersetzt. In seinem zweiten Roman »Der Kaiser ging, die Generäle blieben« (1932 ) schilderte der sozialkritische Schriftsteller den Zusammenbruch 1918. Ab 1933 nannte er sich Plievier. Nach einigen Wochen illegalen Aufenthalts in Berlin ging er nach dem Reichstagsbrand in die Tschechoslowakei. Seine Bücher wurden 1933 in Deutschland öffentlich verbrannt, und 1934 entzogen ihm die Nazi-Behörden die deutsche Staatsbürgerschaft. Aus der âSR emigrierte Plievier über verschiedene europäische Staaten in die Sowjetunion. Hier arbeitete er an einem Roman über die Wolgadeutschen, wäre fast in die Säuberungen geraten und fühlte sich – vom Stalinismus desillusioniert – gezwungen, Manuskripte, darunter einen Roman, zu verbrennen. 1945 wurde er Verlagsleiter in Weimar und Vorsitzender des Kulturbundes in Thüringen, zählte zunächst zur Kulturprominenz der SBZ. Sein Roman »Stalingrad« (1945), eine Anklage gegen den Krieg, erreichte eine millionenfache Auflage. 1947 brach er jedoch mit der SED und kehrte nach einer Vortragsreise in Westdeutschland nicht mehr in die SBZ zurück, 1953 ging er in die Schweiz. Seine Romane »Moskau« (1952) und »Berlin« (1954) sind durch die Abkehr vom Kommunismus geprägt. Theodor Plievier starb am 12. März 1955 in Avegno in der Schweiz.

Wer war wer in DDR

Pludra, Benno

* 1.10.1925 – ✝ 27.8.2014

Geb. in Mückenberg (Niederlausitz); Vater Metallgußformer; Mittelschule; 1942 – 45 Schiffsjunge auf dem Segelschulschiff »Padua« bei der Handelsmarine, dann Vollmatrose. 1945 Rückkehr nach Riesa; KPD; 1946 Neulehrerkurs in Riesa, kurzz. Neulehrer; 1947/48 ABF; 1948 erste Kurzgeschichten u. Reportagen veröff.; 1948 – 50 Studium der Germanistik, Geschichte u. Kunstgeschichte an Univ. in Halle u. Berlin, abgebrochen; gleichz. Zeitungsreporter; 1950 – 52 Red. u. Journalist der Ztschr. »Der Rundfunk«; seit 1952 freischaff. Schriftst.; Mitgl. des DSV; 1964 Erich-Weinert-Medaille; 1966 u. 1981 NP; seit 1970 Mitgl. des PEN-Zentrums DDR, dann PEN-Zentrum Dtl. 1990 PDS; lebte in Potsdam-Nedlitz; gest. in Potsdam. Einflußr. Kinder- u. Jugendbuchautor; mehr als 30 Bücher mit einer Gesamtaufl. von über 5 Mio. Exemplaren, darunter Lizenzausgaben in anderen Sprachen; besonders erfolgr. Bücher: »Sheriff Teddy« (1956, als Fsp. 1957), »Haik u. Paul« (1956), die Kinderbücher »Lütt Matten u. die weiße Muschel« (1963, auch als Film u. Hsp.), »Die Reise nach Sundevit« (1965, Film 1966), »Tambari« (1969, Film 1977), »Insel der Schwäne« (1980, Film 1983), »Drinnen schläft die Zaubermaus« (Kinderverse 1980); »Das Herz des Piraten« (1985); mit »Aloa-hé« (1989) legte er einen poet. autobiogr. Roman vor; für »Siebenstorch« (1991) ausgezeichnet mit dem Dt. Jugendliteraturpreis 1992; 2000 Alex-Wedding-Preis der AdK; 2004 Sonderpreis des Dt. Jugendliteraturpreises für sein Gesamtwerk; immer wieder Neuaufl. seiner Kinderbücher.Siebenstorch. Berlin 1991; Die Märchen. Berlin 1994; Jakob Heimatlos. Berlin 1999. Hormann, H.: Menschenbild u. Perspektive im ep. Schaffen B. P.s. Berlin 1975; Kuhnert, H.: Attraktivität u. Wirkung. Berlin 1983; Freundeskrs. des Inst. für Jugendbuchforschung (Hrsg.): Schreiben für Kinder: Ganz hinten sollte Hoffnung sein. Frankfurt (Main) 1993 (mit Werkverz.).Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Podubecky, Rudolf

* 23.5.1896 – ✝ 14.12.1941

Geboren am 23. Mai 1896 in Karlsruhe; bei Kriegsausbruch als Gymnasiast Freiwilliger, kam an die Front und diente bis zu seiner Verwundung als Leutnant der Feldartillerie. Er wurde Kriegsgegner und schloß sich dem radikalen Flügel des Sozialismus an. Kurz nach Beginn seines Philologiestudiums trat er im Februar 1919 in die USPD ein und beteiligte sich an der Errichtung der kommunistischen Räterepublik in München. Er leitete im Generalstab der Roten Armee das Post- und Fernmeldewesen. Podubecky wurde am 4.Mai 1919 in München verhaftet und zu dreijähriger Festungshaft verurteilt, die er in Niederschönenfeld verbüßen mußte. Noch während seiner Haft trat er zur KPD über. 1922 freigelassen, war er zunächst Hilfsarbeiter in einer Nähmaschinenfabrik, kam dann in Mannheim als Volontär zur »Arbeiter-Zeitung«. Bei der Vorbereitung des bewaffneten Aufstandes wurde er 1923 in die Oberleitung Süd-West berufen und war führend im AM-Apparat in Südwestdeutschland. Am 4.Mai 1924 verhaftet und vom Staatsgerichtshof wegen »Vorbereitung zum Hochverrat« verurteilt. Nach seiner Entlassung arbeitete er von 1926 bis 1930 als Redakteur an der Frankfurter »Arbeiter-Zeitung« und war Mitglied der BL Hessen-Frankfurt, ab 1928 wieder im AM-Apparat tätig. Weil Podubecky in Deutschland polizeilich gesucht wurde, wies ihn das ZK 1930 an, in die Sowjetunion überzusiedeln. Hier wirkte er bis zum Januar 1937 für die OMS der Komintern und wurde in Deutschland und der Schweiz als Spionage-Funker eingesetzt. In Moskau lebte er unter dem Parteinamen Franz Riedel. Am 26. Juli 1937 wurde er vom NKWD verhaftet und am 4. Mai 1939 vom Militärkollegium des Obersten Gerichts zu 20 Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Rudolf Podubecky wurde ins Lager Norilsk verbannt, wo er am 14. Dezember 1941 ums Leben kam. Seine Ehefrau Berta Podubecky (* 9. 2. 1900), geborene Cotiaux aus Karlsruhe, Bankangestellte, seit 1920 Mitglied des KJVD und 1924 in der KPD, war eine Zeitlang Sekretärin von Karl Wittfogel und ging mit ihrem Mann in die Sowjetunion, studierte an der Moskauer KUNMS unter dem Parteinamen Irene. Zwei Tage nach Rudolf Podubecky ebenfalls verhaftet und am 14. Mai 1939 zu acht Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Auch Berta Podubecky kam im Gulag ums Leben.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Philippi, Walter

* 5.2.1901 – ✝ 10.12.1975

Geboren am 5. Februar 1901 in Halle/Saale, Sohn eines Polizeioberwachtmeisters. Schriftsetzer, ab 1930 erwerbslos, seit 1923 Mitglied der SPD, später auch des Reichsbanners. 1927 trat Philippi in die KPD ein, wurde Funktionär in der RHD und in der RGO (Fraktionsleiter). Ab 1933 unter dem Decknamen Knorke illegal tätig, zuletzt Orgleiter der KPD-BL Sachsen. Er organisierte zusammen mit Kurt Patzschke (Polleiter) und der Oberberaterin Maria Krollmann die illegale Arbeit in Sachsen. Am 5. September 1934 wurde er festgenommen, am 21.November 1935 vom OLG Dresden zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt, saß im Zuchthaus Waldheim und in Zwickau. Nach vorzeitiger Begnadigung am 5. Juni 1939 aus dem Zuchthaus entlassen, soll er später als Auskunftsperson für die Gestapo gearbeitet haben. Walter Philippi starb am 10. Dezember 1975 in Leipzig.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Pieck, Wilhelm (Friedrich Wilhelm Reinhold)

* 3.1.1876 – ✝ 7.9.1960

Geboren am 3. Januar 1876 in Guben, Sohn eines Kutschers und einer Wäscherin. Nach einer Tischlerlehre von 1890 bis 1894 ging er auf Wanderschaft. 1894 wurde er Mitglied der Gewerkschaft, im folgenden Jahr der SPD. Von 1896 bis 1910 in Bremen, anschließend in Berlin wohnhaft, arbeitete er bis 1906 als Tischler, danach hauptamtlich als Parteisekretär. Er unterhielt von 1910 bis 1914 als Sekretär des SPD-Bildungsausschusses enge Verbindungen zu Friedrich Ebert. Bei Kriegsausbruch schloß sich Pieck als Kriegsgegner der Gruppe Internationale, der späteren Spartakusgruppe an, deshalb vom SPD-Parteivorstand seines Postens enthoben. Von Mai bis Oktober 1915 inhaftiert und anschließend zum Militär eingezogen, kam er 1916 an die Front. Nach einem Lazarettaufenthalt 1917 desertierte er und flüchtete im Februar 1918 nach Holland. Im Oktober 1918 kehrte er nach Berlin zurück und wurde hier enger Mitarbeiter Karl Liebknechts. Auf dem Gründungsparteitag der KPD wurde Pieck in die Parteizentrale gewählt. In diesem Gremium konnte er sich bis 1933 halten, weil er sich (eher dem rechten Flügel zugehörig) immer der jeweiligen Linie anpaßte, was ihm den Ruf eines Opportunisten eintrug. Clara Zetkin wandte sich im Dezember 1921 strikt dagegen, daß Pieck als Nachfolger von Ernst Reuter (Friesland) Generalsekretär der KPD werde, denn ihm mangele »jeder politische Sinn, er ist so fanatisch eingestellt, daß er als Generalsekretär unmöglich ist, wenn wir nicht der KPD den Totenschein schreiben wollen«. Von 1921 bis 1928 und wieder 1932 war Pieck Abgeordneter des Preußischen Landtags, von 1928 bis 1933 auch des Deutschen Reichstags. In der KPD arbeitete er bis 1924 im zentralen Orgbüro, leitete von 1926 bis 1929 den stärksten KPD-Bezirk Berlin-Brandenburg. Dort nach dem ultralinken Kurswechsel 1929 von Walter Ulbricht abgelöst, nicht zuletzt weil er bei der vorübergehenden Absetzung des KPD-Vorsitzenden Ernst Thälmann (Wittorf-Affäre) keine klare Position bezogen hatte. Zunächst hatte Pieck sich gegen Thälmann gestellt, war aber nach einem Gespräch mit Stalin – dieser hatte ihm erklärt, die KPD käme ohne Pieck aus, dieser aber nicht ohne die Partei – sofort umgeschwenkt. Er war von November 1930 bis Mai 1932 KPD-Vertreter bei der Komintern-Führung in Moskau, schon der VI. Kongreß der Komintern 1928 hatte ihn zum Mitglied des Spitzenorgans EKKI gewählt, in dessen Präsidium kam er 1931. Im Mai 1932 kehrte Pieck nach Berlin zurück und wurde als Kandidat des Sekretariats des ZK der KPD in deren oberste Führung berufen, denn inzwischen hatte er sich der Politik Stalins völlig unterworfen. Ein Blatt der kommunistischen Opposition schrieb damals über ihn: »Die Moskauer haben ihn Teddy [Thälmann] auf die Nase gesetzt, denn es muß doch wenigstens einer im Sekretariat sein, der bis drei zählen kann. Pieck kann bis drei zählen, wenn er es auch manchmal verbirgt ... Der Generalsekretär Pieck von 1932 ist nicht der Revolutionär von 1918 und 1920, sondern ein ausgestopfter Papagei.« Im Mai 1933 emigrierte Pieck nach Paris, wo er sich bis Januar 1935 aufhielt. Mit Ulbricht gehörte er im Politbüro zunächst zur Minderheit, die eine Änderung des ultralinken Kurses der KPD forderte. Als der VII. Weltkongreß der Komintern 1935 die neue Linie der »Einheits- und Volksfront« festgelegt hatte, wurde Pieck auf der »Brüsseler Konferenz« als Nachfolger des in Deutschland inhaftierten Thälmann zum Parteivorsitzenden gewählt. Ab 1935 in Moskau, blieb er während der blutigen Stalinschen Säuberungen, der zwei Drittel der gleich ihm emigrierten deutschen Kommunisten zum Opfer fielen, Leiter der Exil-Führung. 1943 gehörte er zu den Mitbegründern des Nationalkomitees Freies Deutschland. Der Auflösungsbeschluß der Komintern im Mai 1943 trug auch Piecks Unterschrift. 1944/45 war er in Moskau an den Beratungen über den Wiederaufbau der KPD nach dem Krieg und die Möglichkeit der Regierungsübernahme nach der »Vernichtung« der Sozialdemokratie maßgeblich beteiligt. Am 1. Juli 1945 kehrte Pieck als KPD-Vorsitzender nach Berlin zurück, wo inzwischen durch Ulbricht – mit Billigung und Unterstützung der Sowjetischen Besatzungsmacht (SMAD) – die KPD wieder gegründet worden war. Mit seiner verbindlichen Art gegenüber den Führern der anderen SBZ-Parteien (SPD, CDU, LDP) gelang es ihm, die Kommunisten koalitionsfähig zu machen und insbesondere Otto Grotewohl vom Zentralausschuß der SPD in Berlin zu beeindrucken. Offensiv vertrat Pieck die neue strategische Linie der KPD, in Deutschland ein parlamentarisches, demokratisches Regime aufzubauen (»antifaschistisch-demokratische Ordnung«), aber die stalinistische Zielsetzung zunächst noch zu verbergen. So vermochte die KPD mit Zwang (Einschaltung der SMAD gegen sozialdemokratische Gegner der »Einheitspartei«) und Betrug im April 1946 in der SBZ die SPD in die SED einzuschmelzen. Pieck wurde Vorsitzender der SED (gemeinsam mit Grotewohl) und Mitglied des Zentralsekretariats bzw. seit 1949 des Politbüros. Obwohl bei mehreren Verhandlungen der SED mit Stalin zugegen, nahm sein politischer Einfluß ab. Am 11.Oktober 1949 von der Provisorischen Volkskammer zum ersten Präsidenten der neugegründeten DDR gewählt, war Pieck nunmehr auf einen eher repräsentativen Posten abgeschoben. Mit seinem jovialen Auftreten entsprach der damals 73jährige zwar dem erwünschten Typus eines »Landesvaters«, doch zu politischen Entscheidungen in der SED und der DDR wurde er kaum noch herangezogen. Wegen schwerer Krankheit konnte er zuletzt auch seine Amtspflichten nicht mehr wahrnehmen. Wilhelm Pieck starb am 7. September 1960.Horst Laude / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Pieper, Katrin

* 10.6.1936

Geb. in Berlin-Wilmersdorf; Vater Studienrat, Mutter Literaturwiss.; 1942 – 45 Grundschule. 1954 Abitur; 1954 – 58 Stud. der Germanistik u. Theaterwiss.; 1958 – 60 Red. u. Reporterin beim Berliner Rundfunk, 1961 – 75 Lektorin im Kinderbuchverlag; 1967 Dr. phil.; 1974 –89 SED; 1975 – 2003 Cheflektorin des Kinderbuchverlags Berlin (ab 1994 auch München); 1979 NP. Seit 1992 auch freie Mitarb. beim Leipziger Kinderbuchverlag (Leiv); ab 2005 freies Lektorat für versch. Verlage; Autorin u. Hrsg.; lebt in Schöneiche (b. Berlin).u. a. Die große Reise des kleinen Jonas. Berlin 1962; Die Schuleule Paula. Berlin 1973; Mein Kind und ich. Berlin 1984; Ein kleines Ei ist auch ein Huhn. Berlin 1994 (unter Ps.); Süße Lust Tochter. Berlin 1997 (unter Ps.); Mehr als Eisbein und Bulette. Berlin 1998 (unter Ps.); Die Blüten-Küche. Leipzig 2003 (mit C. Schlüssel); Herr Fuchs lernt fliegen. Leipzig 2004; Die Blüten-Apotheke. Leipzig 2005 (mit C. Schlüssel); Kulinarisches Brandenburg. Schöneiche 2007; Jüdische Feste, Geschichte(n) und Gerichte. Leipzig 2008 (mit K. Ensikat).Christoph Links

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Pietzuch, Emil

* 9.3.1899 – ✝ 4.12.1943

Geboren am 9. März 1899 in Neurode/Breslau, stammte aus ärmlichen Verhältnissen; lernte Zimmerer. Gegen Kriegsende noch als Soldat eingezogen, danach ließ er sich in Berlin nieder, im August 1922 Mitglied der KPD. 1924 Leiter des Zersetzungsapparates (Reichswehr und Polizei) im Bezirk Berlin-Brandenburg. Ende 1925 verhaftet und im Juni 1926 vom Reichsgericht wegen »Vorbereitung zum Hochverrat« (antimilitaristische Propaganda unter der Reichswehr und der Schutzpolizei) zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt, Mitte 1927 bedingt entlassen. Orgleiter für den KPD-Bezirk Baden in Mannheim, 1928 kam Pietzuch wieder nach Berlin, Mitarbeiter in der Gewerkschaftsabteilung des ZK. Er nahm am VI. Weltkongreß der Komintern 1928 teil und wurde dort in verschiedene Kommissionen gewählt. 1929 in die Reichsleitung der RGO aufgenommen, in der er mehrere Jahre arbeitete, im April 1932 kehrte er als Orgleiter nach Baden zurück. 1932/33 war er als Artur auf der Moskauer M-Schule Aspirant. Über Pietzuchs weiteren Lebensweg ist wenig bekannt. In einem 1940 beim VGH anhängigen Verfahren heißt es: »Etwa Anfang 1934 wurde der jetzt flüchtige Arbeiter Emil Pietzuch mit dem Aufbau einer illegalen kommunistischen Sabotage- und Terror-Organisation in Deutschland beauftragt ... und verstand es in der Folgezeit, eine größere Anzahl von Mitarbeitern zu werben, die er dann, soweit sie nicht als Kuriere, zur Einrichtung von Postanlaufstellen und bei der Vermittlung von Treffs verwendet wurden, in Gruppen zusammenfaßte und mit besonderen Aufgaben betraute ... Pietzuch verließ 1936 Deutschland und hielt sich eine Zeitlang in Prag auf, wo er unter der Beschuldigung, zum Nachteil der Tschecho-Slowakei Spionage betrieben zu haben, festgenommen wurde. Er wurde jedoch bald wieder auf freien Fuß gesetzt und begab sich nach Moskau. Anfang 1937 tauchte er wieder in Berlin auf ... Am 2. April 1937 wurde er in seiner damaligen Wohnung in der Kurfürstenstraße, in der er sich mit der Herstellung von Sprengstoffen und dem Bau von Zündvorrichtungen beschäftigte, durch eine Sprengstoffexplosion schwer verletzt, konnte aber mit Unterstützung mehrerer Gesinnungsfreunde nach Prag entkommen.« Pietzuch flüchtete 1939 nach der Besetzung der âSR in die Sowjetunion. Hier wurde er jedoch bereits 1936 von der KPD verdächtigt: Er habe in Prag keine Funktion, »früher aber BB«, mache er sich an Emigranten heran, »ohne mit irgend jemanden von uns in Verbindung zu stehen ...« Die Kaderabteilung empfahl im Juni 1936, »ihn zweckmäßigerweise aus der Partei auszuschließen«. Dies geschah damals nicht. Aber in Moskau wurde er Opfer der stalinistischen Säuberungen. Am 22. Juni 1941 vom NKWD verhaftet und am 4. Dezember 1943 durch das Militärtribunal des Obersten Gerichts zu fünf Jahren Freiheitsentzug verurteilt. Emil Pietzuch überlebte die Haft nicht, er starb (vermutlich 1943) im Gulag. Erst 1990 erfuhr seine in der DDR lebende Mitkämpferin, Margarete Forszpaniak, geb. Lipke (*2. 2. 1915), daß und wo Emil Pietzuch ums Leben kam. Auf ihre immer wieder vorgetragene Frage nach Pietzuchs Schicksal hatte zuvor der stellvertretende Leiter der Kaderabteilung des ZK gelogen und behauptet, Pietzuch wäre bei München mit dem Fallschirm abgesprungen und sei von der SS ermordet worden.

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Pinnecke, Wilhelm

* 28.5.1897 – ✝ 12.3.1938

Geboren am 28. Mai 1897 in Honnef/Rheinland, Sohn eines Schneiders; wurde Ankerwickler. Anfang der zwanziger Jahre Mitglied der KPD, Vorsitzender der Ortsgruppe Honnef. Als Anführer einer Proletarischen Hundertschaft beteiligte er sich mit gehorteten Waffenbeständen im September 1923 am Kampf gegen die rheinländischen Separatisten (»Schlacht am Ägidienberg«). Aufgrund des Waffenbesitzes wurde Pinnecke am 13. Dezember 1926 vom Reichsgericht in Leipzig wegen »Vorbereitung zum Hochverrat« zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Nach seiner Entlassung Redakteur der Kölner KPD-Zeitung »Sozialistische Republik« und später Orgleiter des KPD-Bezirks Mittelrhein. Im Mai 1928 hatte er vergebens für den Preußischen Landtag kandidiert, im Juli 1932 wurde er im Wahlkreis Köln-Aachen in den Reichstag gewählt. Noch am 5. März 1933 kam er als Abgeordneter in den Preußischen Landtag, dann ging Pinnecke in die Illegalität und lebte zeitweilig unter dem Decknamen Leo in Köln, wo er als Polleiter bzw. Oberberater des ZK wirkte. Entgegen der Weisungen des ZK emigrierte Pinnecke im Sommer 1933 in die Niederlande, später über die Tschechoslowakei in die Sowjetunion. 1937 ging er nach Spanien und kämpfte in den Internationalen Brigaden, zuletzt Kommissar im »Edgar-André-Bataillon«. Wilhelm Pinnecke fiel am 12. März 1938 in Alcaila. Sein Tod blieb den deutschen Behörden unbekannt, die ihm noch am 26. November 1938 die deutsche Staatsbürgerschaft entzogen.

Wer war wer in DDR

Pisarek, Abraham

* 24.12.1901 – ✝ 24.4.1983

Geb. in Przedbórz (Rußland / Polen); Vater Rabbiner; 1919 illeg. Einwanderung nach Dtl.; Ausbildung zum Elektromonteur in Leipzig; als »lästiger Ausländer« aus dem Land Sachsen ausgewiesen; gewerkschaftl. aktiv; Kranführer in Herne (Ruhrgebiet); Arbeit im Handel in Berlin; 1924 Auswanderung nach Palästina; Arbeit im Straßenbau, als Steinmetz u. Kellner; wg. Malariafiebers mit Kurierauftrag der palästinens. Arbeiterpartei über Frankreich zurück nach Berlin; fotograf. Ausbildung an der Kunst- u. Gewerbeschule; 1928 / 29 Gewinn eines Fotopreisausschreibens; 1929 Mitgl. im Reichsverb. der dt. Presse; Arbeit für Bildverlage (Mauritius), als Pressefotograf, v. a. im Bereich Theater, »Piscator-Inszenierungen« (u. a.  Ernst Busch, Fritz Kortner, Ernst Deutsch, Fritzi Massary, Paul Graetz, Max Ehrlich,  H. Weigel,  E. von Winterstein,  W. Langhoff,  W. Heinz); Freundschaft mit Erich Salomon u. Alexander Granach; Verbindungen zur KPD u. ihrer Presse; Zusammenarb. mit  John Heartfield; Mitgl. der Arbeiterfotografengr. Berlin-Nord (bis 1938 illeg.); 1933 Berufsverbot, Zulassung als einziger Fotograf für fünf bis 1941 fortbestehende jüd. Zeitungen u. für den Jüd. Kulturbund Berlins (Alibieinrichtung der Nazis); fotografiert in der Kristallnacht zerstörte Geschäfte, ausgebrannte Synagogen, Ruinen in den Straßen Berlins, aber auch bei Auftritten von Ernst Thälmann u.  Wilhelm Pieck; entging nach mißlungener Auswanderung der Familie durch glückl. Umstände der Deportation; während des Zweiten Weltkriegs illeg. Tätigkeit; ab 1941 Zwangsarb. als Stanzer, Heizer, Transportarb., Bügler u. Dolmetscher für poln. u. sowj. Ostarbeiter. Nach Kriegsende Tätigkeit für die SMAD als Dolmetscher; Bildreportagen in der »Täglichen Rundschau«; einer der bedeutendsten Chronisten der Nachkriegsjahre u. ersten Aufbauzeit der DDR; seit Ende der 1950er Jahre vorrangig Theaterfotografie in Ost- u. West-Berlin; gest. in Berlin (West). Wichtige Arbeiten: Kinder u. Betreuerinnen des Jüd. Kinderheims e. V. (1934 – 36), heiml. Aufnahmen von der Beisetzung des Malers Max Liebermann (12.2.1935), Porträtserie Thomas Mann (1955). Einzelausstellung Kl. Kulturbundgalerie Treptow 1981. NL (100.000 Negative ab 1945): Deutsche Fotothek Dresden.»Aber Abraham, du bringst uns alle um«. In: Sonntag, Berlin (1972) 29. Unikower, I.: Suche nach dem gelobten Land. Berlin 1978; Kil, W.: Hinterlassenschaft und Neubeginn. Leipzig 1989.Astrid Volpert, Jg. 1952; 1971 – 78 Studium der Kultur- und Kunstwissenschaften sowie Journalistik an der KMU Leipzig; bis 1991 Redakteurin für Kultur, Literatur und bildende Kunst in Berliner Verlagen (Junge Welt, Neues Leben, Henschelverlag); 2001 – 04 wissenschaftliche Mitarbeiterin und Mitherausgeberin der Kopelew-Studien »Russen und Deutsche im 20. Jahrhundert« am Lotman-Institut der Ruhr-Universität Bochum; seit 2004 freiberufliche Lektorin, Kuratorin und Kunstkritikerin in Berlin bzw. Russland.

Wer war wer in DDR

Planer-Friedrich, Götz

* 30.3.1939

Geb. in Jena; Vater Kinderarzt; nach dem Abitur Praktikum im Bauhandwerk; 1958 – 63 Studium der Theol. an der FSU Jena; anschl. Vikar u. bis 1976 Pfarrer in Gieba (Superintendentur Altenburg); 1967 Prom. mit einer systemat.-theolog. Arbeit über den Religionsphilosophen Rudolf Hermann an der FSU Jena; 1976 – 85 Studienref. für Sozialethik in der Theolog. Studienabt. des Bunds der Ev. Kirchen der DDR in Berlin, verantw. für die Herstellung kircheninterner sozialeth. u. ges.-krit. Studien; seit 1980 auch Ltr. der Theolog. Studienabt. (Nachf. von  Christof Ziemer); Ltr. des Studienkrs. für med. Ethik u. Mitgl. der Menschenrechtsgr. der ev. Kirchen (zus. mit  Christa Lewek,  Manfred Stolpe,  Günter Krusche); 1986 – 91 Studiensekr. für sozialeth. Fragen in der Studienabt. des Luth. Weltbunds in Genf, beteiligt an der Vorber. der Europ. Ökumen. Vers. 1989 in Basel u. der Weltvers. 1990 in Seoul; seit 1988 ständ. Mitarb. der Monatsztschr. »Ev. Kommentare« (Stuttgart), Aufsätze u. Studien zu kirchenpol., -rechtl. u. sozialeth. Themen sowie zur Problematik Kirche – MfS. 1990 Kommissar. Dir. der neuen Abt. für Theol. u. Studien beim Luth. Weltbund; Sept. 1991 – 94 Dir. der Ev. Akad. Thür. mit Sitz in Neudietendorf (b. Erfurt); 1996 – 2002 Chefredakteur der »Ev. Kommentare«, Stuttgart.Charismat. Erneuerung u. Kirche (Mitautor). 1984; Frieden u. Gerechtigkeit (Hrsg.). München 1989. Frieden u. Bekenntnis. Die Lehre vom gerechten Krieg im lutherischen Bekenntnis. Genf 1991.Ehrhart Neubert

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Plenge, Oskar

* 10.4.1890 – ✝ 11.11.1944

Geboren am 10. April 1890 in Northeim; lernte Buchdrucker, dann Fabrikarbeiter. Als Handwerksbursche durchwanderte er 1910/11 Dänemark, Schweden und später Ungarn. 1912 kam er nach Iserlohn, wurde dort Leiter der Jungsozialisten. 1913 verpflichtete er sich als Maschinenmeister nach Petersburg, nach Kriegsausbruch 1914 festgenommen, lebte er bis 1917 als Zivilgefangener im Gouvernement Wologda. 1918 nach Solingen zurückgekehrt, schloß er sich der USPD an. Seine Niederschrift »Zivilgefangen in Rußland – Erlebnisse eines Solinger Arbeiters« erschien in einer Fortsetzungsreihe in der Solinger »Bergischen Arbeiterstimme«, wo er später Mitglied der Redaktion war. Als Vorsitzender der Betriebsräte des gesamten Solinger Gebietes leitete Plenge erfolgreich Streiks. Während des Kapp-Putsches im Ruhrgebiet von Freikorpstruppen verhaftet, konnte er dank seiner Geistesgegenwart entkommen. Die »Bergische Arbeiterstimme« hatte schon in großen Schlagzeilen verkündet: »Oscar Plenge tot!« Er war Delegierter der USPD auf dem Vereinigungsparteitag mit der KPD 1920. Im Februar 1921 wurde Plenge als Abgeordneter der KPD in den Preußischen Landtag gewählt, im gleichen Jahr von einem britischen Militärgericht in Solingen verhaftet, zu fünf Monaten Gefängnis verurteilt und nach Siegburg zur Strafverbüßung gebracht. 1922 verfaßte er das Vorwort zu Richard Sorges Ausgabe von Rosa Luxemburgs Werk »Akkumulation des Kapitals«. Von 1923 bis 1925 Redakteur der »Bergischen Arbeiterstimme« in Solingen, auch von 1924 bis 1928 wieder im Preußischen Landtag. Nach dem »Offenen Brief« 1925 schickte ihn die KPD als Leiter der Peuvag-Druckereien nach Bremen, wo er im März/April 1926 für einige Wochen auch Polleiter des Bezirks Nordwest war. Längere Zeit Chefredakteur der Bremer »Arbeiterzeitung« und zugleich Abgeordneter der Bremer Bürgerschaft. 1928 kam er nicht mehr in den Landtag, leitete aber weiterhin die Peuvag-Betriebe in Bremen, bis er im Mai 1931 als Redakteur nach Dresden versetzt wurde. Ab 1933 illegal für die KPD tätig, wurde verhaftet und am 3. Mai 1934 vom OLG Dresden zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt, kam danach für sechs Monate ins KZ Sachsenburg. Krank und abgemagert nach Leipzig zurückgekehrt, starb Oskar Plenge am 11.November 1944.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Pless, Philipp

* 16.3.1906 – ✝ 7.12.1973

Geboren am 16. März 1906 in Frankfurt am Main; Dreher. Seit 1919 Mitglied der FSJ, dann der KJD und seit 1922 in der BL der KJD Hessen-Frankfurt. 1927/28 Besuch der Akademie der Arbeit in Frankfurt am Main. 1927 Eintritt in die KPD, wurde aber bereits im November 1928 wegen seiner Kritik an der RGO-Politik der Thälmann-Führung als »Versöhnler« ausgeschlossen. Er ging zur KPO und gehörte mit Heinrich Galm und Alwin Heucke der BL der KPO an. Nach 1933 leitete er im Raum Frankfurt-Offenbach die Widerstandsgruppe »Einheit« und gab regelmäßig die gleichnamige illegale Druckschrift heraus. Im Februar 1934 emigrierte er mit seiner Familie ins Saargebiet, später nach Frankreich. Arbeiter in einem Eisenhüttenwerk, nach Kriegsausbruch interniert und erst 1945 wieder freigelassen. Im Oktober 1945 Rückkehr nach Frankfurt am Main, Mitbegründer der Deutschen Journalisten-Union. Er war seit 1946 Vorsitzender der Frankfurter Ortsgruppe und Sekretär der Arbeiterpartei (AP) um Heinrich Galm. Nach vergeblichen Versuchen eine eigenständige marxistische Partei zu gründen, traten Pless und seine Anhänger 1952 der SPD bei. Pless wurde Redaktionsmitglied des DGB-Organs »Welt der Arbeit«, 1958 für die SPD in den hessischen Landtag gewählt, blieb er bis 1973 MdL. Von 1967 bis 1972 Landesvorsitzender des DGB Hessen, in den sechziger Jahren aktiv in der Ostermarsch-Bewegung. Philipp Pless starb am 7. Dezember 1973 in Frankfurt am Main. Seine Frau Toni Pless, geborene Elsinger (* 19.8. 1910 – † 18. 12. 1999), war Stepperin in Schuhfabriken. 1925 Mitglied des KJVD, 1930 ebenfalls wegen »Rechtsabweichung« ausgeschlossen und Mitglied der KPO, 1933 illegale Arbeit, folgte ihrem Mann ins Saargebiet, später nach Frankreich. Dort kurz interniert, im Oktober 1945 nach Frankfurt am Main zurückgekehrt.

Wer war wer in DDR

Plitt, Walter

* 1.11.1905 – ✝ 9.11.1956

Geb. in Gnadenfrei an der Eule (Krs. Reichenbach, Schles./Pilawa Gorna, Polen); Va- ter Gutsgärtner; Volksschule, Realgymnasium in Reichenbach; 1921 – 23 Ausbildung zum Bankangest. in Nimtsch (Bez. Breslau); 1923 – 25 im Beruf tätig in Reichenbach; Mitgl. im »Wandervogel«; 1925 – 28 Studium der Volks- u. Betriebswirtschaft an der HS für Wirtschaftswiss. in Berlin; journalist. Arbeiten für versch. Ztgn.; 1926 Abitur in Berlin; 1925/26 Mitgl. des Soz. Studentenbunds; 1926 – 30 SPD u. »Rev. Sozialdemokrat. Studenten«; Red. von deren gleichn. Ztg.; ab 1928 freischaff. Journalist u. Schriftst.; 1929 Mitgl. der KPD u. der Reichsltg. der Roten Studenten; dort Red. des gleichn. Organs; Mitgl. der Pressekommission der KPD-BL Berlin; 1931 – 34 Finanzangest. an der Handelsvertr. der UdSSR in Berlin; 1933 für die KPD-UBL Berlin-Tempelhof u. -Schöneberg tätig (»Herrmann«); ab 1933 Mitarb. des sowj. Nachrichtendienstes GRU, Einsätze in Dtl., Prag u. Wien; Studium an der HS für Weltwirtschaft in Wien; 1937 – 39 Angeh. der Interbrigaden in Spanien; 1939/40 in Frankreich interniert; Flucht u. illeg. Tätigkeit in Montauban (Mittelfrankreich); 1941 illeg. in die Schweiz; 1942 – 45 für die KPD-Abschnittsltg. Süd tätig u. Hrsg. der Ztg. »Der Dt.« u. »Süddt. Volksstimme«. Juli 1945 Rückkehr nach Dtl.; 1945/46 KPD/ SED; 1945 Wirtschaftsred. der »Dt. Volksztg.«; VdN; 1946 Wirtschafts- u. Landw.-Red. der Ztg. »Neues Dtl.«; 1946 – 55 Chefred. »Der Freie Bauer« (Nachf. von  Lex Ende); 1949 Mitbegr. u. Chefred. der Ztgn. »Dt. Gärtner-Post« u. »Der Kleingärtner«; 1951 Fernstudium an der PHS; 1955/56 Chefred. der Ztschr. »Der Genossenschaftsbauer«; gest. in Berlin.Kießling, W.: Partner im »Narrenparadies«. Berlin 1994; Dietrich, I.: Hammer, Zirkel, Gartenzaun. Die Politik der SED gegenüber den Kleingärtnern. Berlin 2003.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Plum, Agnes

* 9.4.1869 – ✝ 9.8.1951

Geboren am 9. April 1869 in Bardenberg bei Aachen als Agnes Jansen; arbeitete nach der Schulentlassung als Dienstmädchen, war später Arbeiterin. 1905 im Ruhrgebiet Mitglied der SPD. Während des Krieges Übertritt zur USPD; 1920 Delegierte des Spaltungsparteitags, mit der linken USPD zur KPD. Agnes Plum gehörte zum linken Parteiflügel. 1924 Frauenleiterin der Bezirksleitung Ruhr, Mitbegründerin des RFMB. Delegierte des X. Parteitags 1925 in Berlin, rückte sie im Dezember 1925 für Arthur König, der sein Mandat niedergelegt hatte, in den Reichstag nach. Bis 1928 Reichstagsabgeordnete, seit 1927 in der IAH tätig. 1929 zog sie sich von der aktiven Politik zurück und war auch nach 1945 nicht mehr politisch organisiert. Agnes Plum starb am 9. August 1951 in Essen

Wer war wer in DDR

Pöffel, Adolf

* 11.12.1914 – ✝ 22.9.1961

Geb. in Bremen; Vater Arbeiter, Mutter Weberin; 1920 – 28 Volksschule in Bremen; 1926 – 29 Mitgl. des Holzarb.-Verb.; 1927 – 29 Jungspartakusbunds; 1929 – 33 Ausbildung zum Bautischler in Bremen; ab 1929 RH, RGO; 1929 – 39 KJVD; versch. örtl. Funktionen; 1932 U-Haft wegen »Vorber. zum Hochverrat«, mangels Beweisen freigesprochen; 1933 – 35 illeg. Arbeit für den KJVD u. den AM-Apparat der KPD; 1934 dreimonatiger Lehrgang in Moskau (»Ernst Apfel«); 1936/37 Interbrigadist in Spanien, verwundet; 1937 – 39 Mitgl. der FDJ-Ltg. in Paris u. ab 1938 der KPD; 1939/40 in Frankreich interniert, geflohen u. illeg. in Frankreich; 1943/44 in der Normandie Instrukteur der von der Frz. KP gegr. Organisation für eingewanderte Arbeiter; ab 1944 Mitarbeiter des Komitees Freies Dtl. für den Westen; 1945 Mitgl. der KPD-Kaderkommission in Frankreich. Mai 1946 Rückkehr nach Dtl.; 1946 Studium an der PHS in Liebenwalde; 1946 KPD/SED; 1946 u. 1948/49 Mitarb. u. Ref. der Abt. Personalpol. des ZS der SED; 1946/47 Instrukteur in der PHS; 1947/48 Mitarb. der Kaderabt. der ZV Verkehr der DWK; 1949 – 51 Mitarb. u. Ref. der Abt. Westkommission des ZK der SED, dort verantw. für die KPD-Personalpol.; 1951 – 56 Ref. für Westkader der Kaderabt. des ZK der SED; 1954 Frz. Befreiungsmedaille; 1954 Fernstudium an der PHS; 1956 – 60 stellv. Abt.-Ltr. des Arbeitsbüros im ZK der SED, neben  Walter Hähnel verantw. für Kaderarbeit; 1959 VVO; 1960 von allen Funktionen entbunden; gest. in Berlin.Bernd-Rainer Barth