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BioLex

In der Kategorie BioLex sind drei wichtige Lexika mit über 5500 Biografien von überzeugten Kommunistinnen und Kommunisten, Renegatinnen und Dissidenten im Volltext recherchierbar.

 

Das Handbuch „Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945“ wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam.

Kurzbiografien zu Personen des politischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 bereit.

Zudem ist das Online-Lexikon www.dissdenten.eu ebenfalls auf unserer Seite aufrufbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Informationen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Handbuch Deutsche Kommunisten

Biefang, Johann (Julius)

* 2.8.1893 – ✝ 1937/38

Geboren am 2. August 1893 in Moers; Bergarbeiter, nach dem Weltkrieg Mitglied der USPD, ab 1920 Mitglied und ehrenamtlicher Funktionär der KPD. Bis 1929 Bergarbeiter und 1. Vorsitzender des Betriebsrates einer Schachtanlage. 1927 auf dem XI. Parteitag der KPD in Essen zum Mitglied des ZK der KPD gewählt. Dort war er einer der »Arbeitervertreter« und hatte die Zahlen-Deckbezeichnung »38« sowie »44«, wurde aber auf dem XII. Parteitag 1929 nicht wiedergewählt. Im Mai 1929 anläßlich der Organisierung eines Proteststreiks wegen des »Blutmais 1929« von der Grubendirektion entlassen, wurde Biefang zunächst als Lokalredakteur an die »Niederrheinische Arbeiterzeitung« nach Duisburg bzw. an die »Arbeiterzeitung« nach Dortmund geschickt, zuletzt Redakteur am »Ruhr-Echo« in Essen. 1930 Übersiedlung in die Sowjetunion, dort Anerkennung als Politemigrant. Mitarbeiter der deutschen Sektion bei der Komintern bzw. Bergarbeiter im Donbass. 1932 erschien in Moskau seine Broschüre: Hans Biefang, Ruhrkumpel in Sowjetstädten. Bis heute ist das weitere Schicksal Johann Biefangs ungeklärt. Wahrscheinlich ist, daß er – wie tausende andere – Opfer der stalinistischen Säuberungen wurde. Seine mit ihm 1930 in die Sowjetunion übergesiedelte Frau Helene Biefang, geborene Dolleck (* 30. 6. 1895 – † 18. 3. 1988), kam im Mai 1950 in die DDR. Von 1933 bis 1936 war sie Kursantin an der KUNMS in Moskau, von 1937 bis 1946 Sekretärin im Verlag für ausländische Literatur, von 1947 bis 1950 in gleicher Funktion beim Ministerium für Innere Angelegenheiten in Moskau. Seit ihrer Ankunft in der DDR Mitglied der SED, arbeitete sie von 1950 bis 1958 und von 1965 bis 1970 als Hilfsredakteurin am IML. 1980 erhielt sie den VVO in Gold. Aus ihren Kader-Unterlagen geht hervor, daß ihr Sohn Hans Biefang (* 15. 6. 1920) 1941 wegen Papierdiebstahls in der UdSSR zu eineinhalb Jahren Gefängnis verurteilt, 1942 in Engels (Wolgagebiet) krank aus der Haft entlassen wurde und 1944 gestorben ist. Über ihren Mann gab sie lediglich zu Protokoll, er sei 1937 nach Spanien gegangen und dort 1938 gefallen. Auch die Gedenktafel für die im »Spanischen Freiheitskampf Gefallenen« auf dem Zentralfriedhof Berlin-Friedrichsfelde verzeichnet Biefang. Das ist aber kein Beweis dafür, daß er nicht doch ein Opfer der stalinistischen Säuberungen wurde.

Wer war wer in DDR

Bielfeldt, Hans Holm

* 6.3.1907 – ✝ 30.9.1987

Geb. in Lübeck; Vater Kfm.; Oberrealschule, Gymnasium, Abitur; 1925 – 31 Studium der Germanistik u. Slawistik an den Univ. Marburg, München u. Berlin, 1931 Prom. zum Dr. phil. an der Univ. Berlin; 1931 – 39 wiss. Hilfsarb. beim Dt. Wörterbuch der Gebrüder Grimm an der Preuß. AdW; 1939 – 45 Wehrmacht, Dolmetschertätigkeit; 1942 Habil. über die alttschech. Lit. an der Univ. Berlin; 1945 Kriegsgefangenschaft. 1945/46 Dolmetscher der brit. Hafenkommandantur in Hamburg; 1946 Lehrbeauftr. für Slaw. Philol. an der Univ. Hamburg; ab 1946 wiss. Mitarb. am Dt. Wörterbuch der DAW, 1947 Abt.-Ltr. am Inst. für Slawistik der DAW; 1948 Prof. für Slawistik an der Brandenb. Landes-HS Potsdam; 1950 – 72 Prof. für Slawist. Philol. u. Dir. des Slawist. Inst. der HU Berlin; 1951 – 69 Dir. des Inst. für Slawistik der DAW, 1953 Ord. Mitgl. der DAW; 1956 Vors. des Dt. Slawistenkomitees bzw. Nat.-Komitees der Slawisten der DDR u. Mitgl. des Internat. Slawistenkomitees; 1961 NP; 1973 Dr. phil. h. c. der Univ. Warschau; gest. in Berlin. Forschungen u. Publ. zum dt.-slaw. Sprachkontakt, zur sorb. Lexikol., alttschech. Lit. u. russ. Grammatik sowie zur Geschichte der Slawistik; Verf. von Wörterbüchern; Hrsg. der »Slawist. Bibl.« (1954 – 59), Mitbegr. u. Mithrsg. der »Ztschr. für Slawistik« (1956 – 87) u. der »Veröff. des Inst. für Slawistik der DAW« (1951 – 69). Bibl. In: Slaw.-dt. Wechselbeziehungen in Sprache, Lit. u. Kultur. Berlin 1969 (Fs.); Forts. der Bibl. In: Ztschr. für Slawistik (1972) 17 u. (1977) 22.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Bierbaum, Werner

* 17.6.1928

Geb. in Chemnitz; Vater Schlosser, Mutter Näherin; 1944/45 Wehrmacht, Luftwaffenhelfer. 1946 SED; 1947 Abitur; 1947 – 50 Ökon.-Studium an der Univ. Leipzig; 1950 – 52 Arbeit als Statistiker; 1952 Einstellung beim MfS, operativer Mitarb. der HA III (Volkswirtschaft), Versetzung zur BV Dresden, dann BV Chemnitz/Karl-Marx-Stadt; 1954 Versetzung zur HA III; 1956 HV A-HA II (Militärspionage); 1958 HV A-Abt. VII (Auswertung / Information); 1967 Prom. zum Dr. rer. oec. an der HU Berlin; 1976 Oberst; 1983 Ltr. der HV A-Abt. VII; 1990 Entlassung.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Biermann, Wolfgang

* 29.11.1927 – ✝ 18.7.2001

Geb. in Leipzig; Vater Buchdrucker; RAD; 20.4.1944 als NSDAP-Mitgl. erf.; Wehrmacht; Kriegsgefangenschaft. 1945 – 48 Ausbildung zum Maschinenbauschlosser; 1946/47 LDPD; 1948 – 51 Studium an der Ing.-Schule für Maschinenbau Leipzig; ab 1951 Konstrukteur u. Assistent des Techn. Dir. im VEB Bagger-, Förderbrücken- u. Gerätebau Lauchhammer; 1955 – 57 Techn. Dir. im VEB Nobas Nordhausen; 1956 SED; 1958/59 Prod.-Dir. im VEB Schwermaschinenbau »Heinrich Rau« Wildau; 1959 – 62 Techn. Dir. der VVB Chemie- u. Klimaanlagen Berlin; 1962 Haupttechnologe VEB Preßluftwerke Niles Berlin-Pankow; ab Febr. 1963 Techn. Dir., ab Dez. 1964 Werkdir., 1965 – 75 GD des VEB Großdrehmaschinenbau »7. Oktober« Berlin; 1966 u. 1979 Held der Arbeit; 1967 – 75 Mitgl. der SED-BL Berlin, 1967 Kand. des ZK der SED; Okt. 1975 – Febr. 1990 GD des VEB Kombinat Carl Zeiss Jena (Nachf. von  Helmut Wunderlich); Prom. mit einer Arbeit über »Die Entwicklung soz. Industriekombinate«; 1976 – 89 Mitgl. des ZK der SED; 1977 VVO; 1980 Dr. h. c. der City-Univ. London; ab 1985 Honorarprof. an der FSU Jena; 1987 KMO; 1988 NP (im Koll.); 9.2.1990 Übersiedl. nach Saarbrücken; später Mitarb. der Kölner Flugges. Germania Air. Unter der Ltg. B.s, der erhebl. Einfluß auf die DDR-Wirtschaftspol. nahm, wurde das Kombinat Carl Zeiss Jena zu einem der größten u. leistungsstärksten Exportunternehmen (70.000 Beschäftigte) mit einem der bedeutendsten Industrieforschungszentren der DDR umstrukturiert. Das Kombinat galt als herausragendes Beispiel für den gewaltigen Konzentrationsprozeß in der DDR-Industrie während der 70er u. 80er Jahre.Hagen Schwärzel / Elke Reuter

Wer war wer in DDR

Bilkenroth, Georg

* 24.4.1898 – ✝ 20.4.1982

Geb. in Osendorf (b. Halle); Vater Bergmann; 1919 – 23 Studium an der Bergakad. Clausthal, Dipl.-Ing; 1923 Berging. in Halle; 1924 stellv. Werkltr., 1935 Werkdir. der Niederlausitzer Kohlenwerke Kraftwerk II in Deuben; 1940 Techn. Oberltr. der Braunkohlenwerke Salzdetfurth AG in Berlin; 1942 Prom. zum Dr.-Ing. an der Bergakad. Freiberg (Preßdruck u. Preßdruckmessungen bei der Braunkohlenbrikettierung); Internierung, Kriegsgefangenschaft. 1947 wiss. Mitarb. der HA Kohle der DWK in Berlin, Erfinder der Braunkohlenhochtemperaturverkokung (mit  Erich Rammler), 1949 zunächst Techn.-Wiss., ab 1958 Techn. Dir. des Kohle-Projektierungs-Büros, Ltg. der Planung, Projektierung u. Inbetriebnahme der Großkokerei Lauchhammer sowie des weltgrößten Braunkohleveredlungswerks Kombinat Schwarze Pumpe; 1951 NP; 1955 Ord. Mitgl. der DAW, Ltg. ihrer Sekt. Bergbau; Prof.; 1957 stellv. Vors. des Forschungsrats der DDR, Ltr. der Gruppe Bergbau, Geowiss., Kohle u. Energie; 1958 Vors. des Internat. Büros für Gebirgsmechanik bei der DAW, Hrsg. der Veröff. des Büros; Mitbegr. der Brennstofftechn. Ges.; Ehrenprom. an der Bergakad. Freiberg. Arbeitsgebiete: Kohlebergbau, Braunkohleveredlung, Hüttenwesen, Gebirgsmechanik, Kohlechemie; mehr als 50 Veröff.Klaus-Peter Meinecke

Handbuch Deutsche Kommunisten

Bingen, Gerhard

* 24.2.1900 – ✝ 22.8.1940

Geboren am 24. Februar 1900 in Köln, Sohn eines Tagelöhners, des später führenden Kölner SPD-Funktionärs Johann Bingen. Lehre als Dreher. Während des Krieges Mitglied der USPD, im November 1918 Mitglied des Kölner Arbeiter- und Soldatenrates, Ende 1918 Delegierter für Köln-Niehl auf dem Gründungsparteitag der KPD in Berlin. Im Januar 1919 wurde Bingen wegen »revolutionärer Propaganda« unter den britischen Besatzungstruppen von einem Kriegsgericht zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt, die er in Siegburg verbüßte. In den folgenden Jahren agitatorisch für die KPD tätig, ohne eine erkennbare Parteifunktion auszuüben. Bingen trat aus der KPD aus und wurde später wieder Mitglied der SPD. Er arbeitete seit dem 1.Oktober 1923 bei den Kölner Verkehrsbetrieben, von denen er am 12. Juni 1939 entlassen wurde. Er war wegen »Vorbereitung zum Hochverrat« von Juli bis September 1936 in Köln inhaftiert. Gerhard Bingen starb am 22. August 1940 in Köln-Weidenpesch an den Folgen der Mißhandlungen, die er 1936 während seiner Haft erlitten hatte.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Birkert, Emil

* 14.8.1895 – ✝ 14.3.1985

Geboren am 14. August 1895 in Stuttgart, Sohn eines Schreiners; lernte Schriftsetzer. Birkert trat 1910 der Sozialistischen Jugend und 1913 der SPD bei, gehörte zum linken, antimilitaristischen Flügel um Friedrich Westmeyer. Mit Fritz Wiest und Fritz Rück auf Wanderschaft. 1915 als Soldat eingezogen, in Verbindung zur Spartakusgruppe betrieb er Antikriegspropaganda. Als Gas-Vergifteter kam er ins Seuchenlazarett. 1918 schloß Birkert sich dem Spartakusbund an und bei ihrer Gründung der KPD. Zunächst in der Spartakus-Druckerei in Stuttgart-Degerloch, später in illegalen Druckereien in Berlin tätig. Auf dem 6. Reichskongreß der Kommunistischen Jugend Deutschlands im September 1921 in Halle in deren Reichszentrale gewählt, schied Birkert bereits im Dezember 1921 aus. Zusammen mit Walter Gollmick und Eugen Herbst unterstütze er die Politik Paul Levis und der KAG, blieb jedoch in der KPD, arbeitete bis 1926 in parteinahen Verlagen in Berlin bzw. als Lektor im Mitteleuropäischen Büro der RGI. Nach Stuttgart zurückgekehrt, wurde er 1929 aktives Mitglied der KPO. Seit 1926 Bildungsarbeit im Touristenverein der Naturfreunde (TVdN). 1933 arbeitslos, unterhielt ein kleines Textilgeschäft, 1939 zum Zollgrenzschutz einberufen. Bei Struthof im Elsaß interniert. Ab 1945 bei den Naturfreunden und der IG Druck und Papier aktiv, zweiter Vorsitzender der Bundesleitung der Naturfreunde und Angestellter der IG Druck und Papier, stellvertretender Redakteur des Verbandsorgans, wo er mit dem aus der Emigration zurückgekehrten Fritz Rück wieder zusammenarbeitete. 1960 Rentner, weiterhin aktiv im TVdN. Emil Birkert starb am 14. März 1985 in Stuttgart. Unter dem Titel »Am Rande des Zeitgeschehens« hatte er 1983 autobiographische Erinnerungen veröffentlicht.

Wer war wer in DDR

Birthler, Marianne

* 22.1.1948

Geb. in Berlin-Friedrichshain; Eltern Einzelhändler; 1954 – 62 Grund-, 1962 – 66 OS in Berlin, Abitur; 1967 – 71 Exportbearb. bei der Dt. Kamera- u. ORWO-Film Export GmbH; Fernstudium an der FS für Außenhandel in Berlin, Außenhandelswirtschaftlerin; 1972 – 83 Hausfrau, in Schwedt Ausbildung zur Katechetin u. Gemeindehelferin der ev. Kirche in Berlin, 1983 – 87 Katechetin in der ev. Elias-Gemeinde in Berlin-Prenzlauer Berg; 1986 Mitbegr. des Arbeitskrs. »Solidar. Kirche«; 1987 – 90 Jugendref. im ev. Stadtjugendpfarramt Berlin; 1987 Kontakte zur IFM, seit 1988 dort Mitarb.; 1989 Mitarb. in der Arbeitsgr. Bildung, Erziehung u. Jugend am Zentr. Runden Tisch; März – Okt. 1990 Abg. der Volkskammer, Sprech. der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen u. Mitgl. im Aussch. für Familie u. Frauen. Okt. – Dez. 1990 MdB, Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen; Okt. 1990 Abg. des Brandenb. Landtags, Min. für Bildung, Jugend u. Sport; Mai 1992 – Mai 1993 Mitgl. im Geschäftsf. Aussch. von Bündnis 90; Okt. 1992 Rücktritt vom Ministeramt im Kontext der Debatte um die früheren Kontakte des Min.-Präs.  Manfred Stolpe zum MfS; Mai 1993 – Dez. 1994 Bundessprecherin von Bündnis 90 / Die Grünen; 1993 – 2005 Mitgl. des Präs. des Dt. Ev. Kirchentages; Jan. 1995 – Juli 1999 Ltr. des Berliner Büros der Bundestagsfraktion von Bündnis 90 / Die Grünen; 1995 Bundesverdienstkreuz; 1999 Gründungsmitgl. der Grünen Akad. bei der Heinrich-Böll-Stiftung; Aug. 1999 – Okt. 2000 Referentin für Personal- entw. u. Weiterbildung in der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen; Okt. 2000 - 2011 Bundesbeauftragte für die MfS-Unterlagen (Nachf. von  Joachim Gauck); 2009 Mitgl. der 13. Bundesversammlung zur Wahl des Bundespräsidenten.Findeis, H., Pollack, D., Schilling, M.: Die Entzauberung des Pol. Berlin, Leipzig 1994; Kowalczuk, I.-S., Sello, T.: Für ein freies Land mit freien Menschen. Berlin 2006.Jan Wielgohs / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Bischoff, Hermann

* 18.10.1875 – ✝ 16.12.1959

Geboren am 18. Oktober 1875 in Gräfenroda, Sohn eines Kleinbauern; Streckenarbeiter, erlernte während seiner Wanderschaft das Müllerhandwerk. Er kehrte in seine Thüringer Heimat zurück, wo er sich noch vor dem Weltkrieg der SPD anschloß. 1916 wurde er Soldat und ging 1917 zur USPD. 1920 Mitglied der KPD und Mitbegründer der Notgemeinschaft der Roggenschuldner, einer der KPD nahestehenden Kleinbauernorganisation in Thüringen. Im Oktober 1923 delegierte ihn die Zentrale der KPD zum 1. Internationalen Bauernkongreß nach Moskau. Von 1924 bis 1927 KPD-Landtagsabgeordneter in Thüringen (Wahlkreis Arnstadt) und Mitglied der BL (Abt. Land). Eine erneute Kandidatur für den Landtag wurde 1927 durch die BL verhindert. Bischoff zog sich aus der Parteiarbeit zurück und machte sich selbständig auf einem Waldgut in Ölschroda bei Friedersdorf. Hier nach 1933 Pächter einer Gastwirtschaft. Am 22.August 1944 verhaftet und ins KZ Buchenwald eingeliefert, am 2.September 1944 wieder freigelassen. 1945 trat Bischoff der KPD bei, bis 1956 Vorsitzender des VdgB-Ortsausschusses Holzhausen und Parteisekretär am Ort. 1957 Übersiedlung nach Arnstadt; er erhielt den VVO in Bronze. Hermann Bischoff starb am 16. Dezember 1959 in Arnstadt.

Wer war wer in DDR

Bittel, Karl

* 22.6.1892 – ✝ 18.4.1969

Geb. in Darmstadt; Vater Bankbeamter; Volks- u. Oberrealschule in Freiburg i. Br.; Mitbegr. der Jugendorg. »Wandervogel«; 1911 Abitur; 1911 – 15 Studium der Volkswirtschaft, Rechtswiss. u. Geschichte an den Univ. Heidelberg, Freiburg u. Tübingen; ab 1911 zugl. Volontär an der »Freiburger Volksstimme«; 1913 – 16 Sekr. beim Konsumverein Esslingen; 1915 Prom. zum Dr. rer. pol. mit der Arbeit »Eduard Pfeiffer u. die dt. Konsumgenossenschaftsbew.«; 1917 Geschäftsf. im Lebensmittelamt Mannheim u. im Badischen Landeswohnungsverein Karlsruhe; 1918 Angehöriger des Arbeiter- u. Soldatenrats in Karlsruhe; 1918 – 24 Hrsg. u. Red. der linksradikalen Jugendztschr. »Pol. Rundbriefe«; 1919 KPD; 1920 Doz. an der Zentr. Parteischule der KPD in Jena; 1920/21 Red. der KPD-Ztg. »Kämpfer« (Chemnitz); 1922/23 Ltr. der Genossenschaftsabt. des ZK der KPD (Hrsg. der Ztschr. »Der kommunist. Genossenschaftler« u. »Die Genossenschaft im Klassenkampf«) u. von 1922/23 zugl. besoldeter Sekr. des Konsumvereins u. Stadtverordneter von Weißenfels; Nov. 1922 Ltr. der 1. Dt. Genossenschaftssekt., 1923 Deleg. auf dem 1. Weltkongreß der KI-Bauernorg. »Krestintern«; 1923 – 27 Aufenthalt in der UdSSR, 1925 – 27 Sekr. der COOP-Sekt. des EKKI; Aug. 1927 Rückkehr nach Dtl.; 1928 – 30 Ltr. des Org.-Büros der sowj. Handelsvertr. sowie von 1930 – April 1933 in gleicher Funktion bei der dt.-sowj. Derop AG in Berlin; Übersiedl. nach Ludwigshafen; Mai 1933 von der Gestapo am Bodensee verhaftet, bis 1934 in den KZ Heuberg u. Ulm inhaftiert, 1934 – 45 unter Polizeiaufsicht; wiss. Arbeiten, u. a. »Mesmer u. sein Problem« (1940) sowie 1942 eine Dokumentation über Paracelsus. 1945 Mitgl. des Sekr. u. der KPD-LL Baden; Vors. der VVN in Baden; 1946 – 48 Mitbegr. der KPD-Ztg. »Unser Tag« (Offenburg), Lizenzträger u. Chefred.; Mitgl. der KPD-LL.; Mai 1949 Übersiedl. in die SBZ; 1.6.1949 – 51 Geschäftsf., stellv. Ltr., 1951 – 57 Dir. des DIZ; 1949 – 57 Chefred. der Halbmonatsschrift »Dokumentation der Zeit«; 1951 – 53 1. Vors. des VDP (Nachf. von  Fritz Apelt); Honorarprof. an der KMU Leipzig; 1954 VVO; seit 1957 ord. Prof. für Allg. Geschichte der neuesten Zeit an der HU Berlin; Ende 1957 Gastvorlesungen in der UdSSR; 1958 wiss. Berater des Min. für Ausw. Angelegenh.; 1958 Medaille Kämpfer gegen den Fasch.; 1962 KMO; 1963 – 69 Mitgl. des Präs.-Rats des KB; Übersiedl. nach Ahrenshoop; stellv. Vors. des KB im Bez. Rostock; Fritz-Heckert-Medaille u. Franz-Mehring-Medaille; gest. in Berlin.Der Kommunistenprozeß zu Köln 1852 im Spiegel der zeitgenöss. Presse. Berlin 1955; Zeitgeschichte als Wissenschaft. Berlin 1956. Prokop, S.: K. B. als Publizist u. Zeithistoriker. In: Helsinki 1975. Genutzte Möglichkeiten u. verpasste Chancen. Berlin 2000.Bernd-Rainer Barth / Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Blankenhagen, Marianne

* 21.2.1928 – ✝ 5.6.2011

Geb. in Dresden; Vater Arbeiter; Volksschule; 1942 / 43 Landdienst; 1943 – 45 Lehrerinnenbildungsanstalt. 1945 Gärtnereiarb.; 1945 / 46 KPD / SED; 1946 / 47 Arbeitsgebietsltr., 1947 / 48 Sekr. einer FDJ-KL; 1947 – 49 Mitgl. des FDJ-ZR; 1948 – 50 Sekr., 1950 / 51 2. Sekr. einer SED-KL; 1951 / 52 Studium an der PHS der KPdSU in Moskau; 1952 2. Sekr. der SED-LL Brandenb.; 1952 – 56 2. Sekr., 1956 – 58 Sekr. für Agit. u. Prop. der SED-BL Frankfurt (Oder); ab 1960 Ltr. der SED-BPS »Wilhelm Liebknecht« in Ballenstedt; 1969 Prom. zum Dr. phil. an der MLU Halle-Wittenberg; 1964 – 69 Kandidat, 1969 – 86 Mitgl. der SED-BL Halle. Gest. in Berlin.Mario Niemann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Blau, Ewald (Thoma

* 12.6.1903 – ✝ 29.1.1939

Geboren am 12. Juni 1903 als Karl Thoma in Kaufbeuren, Sohn einer Arbeiterfamilie. Metallarbeiter in München, Bremen und Berlin. Im Januar 1919 Mitglied der FSJ. Thoma nahm an den Kämpfen der Bayerischen Räterepublik teil, er trat im März 1920 in die KPD ein und trug ab dieser Zeit den Parteinamen Ewald Blau. Im September 1920 inhaftiert und wegen Hochverrats angeklagt, gelang ihm die Flucht aus der Psychiatrischen Klinik in München, in die er zur Untersuchung seines Geisteszustandes gebracht worden war. Als blinder Passagier floh Blau über Stettin und Riga nach Moskau. Im Frühjahr 1922 nach Deutschland zurückgekehrt, arbeitete er als Maschinenschlosser in Berlin-Borsigwalde, wurde aber wegen seiner Beteiligung am Cuno-Streik 1924 entlassen. Er war seit 1923 im AM-Apparat tätig, ab 1924 Sekretär im illegalen Apparat des KJVD. Thoma-Blau war außerdem seit 1926 Archivar im ZK der KPD und zugleich von 1925 bis 1929 Polleiter der KPD Berlin-Moabit. Seine Zugehörigkeit zum AM-Apparat war bekannt, deshalb wurde er Ende 1925 verhaftet, aber nach einer nichtöffentlichen Sitzung des Staatsgerichtshofes am 11. März 1926 außer Verfolgung gesetzt. 1927 Delegierter des XI. Parteitages, in die Politische Kommission gewählt. Nach der Linkswendung von 1928 übernahm der dem linken Flügel angehörige Thoma-Blau auch wichtige politische Funktionen. Er gewann wesentlichen Einfluß auf die Geschäftsführung der KPD und nahm als Delegierter Berlins am XII. Parteitag 1929 teil. Nach dem Zusammenschluß der drei sächsischen Parteibezirke ging er im Juli 1930 als Agitpropsekretär nach Sachsen. 1931 war er Kursant an der Internationalen Leninschule in Moskau, dann nach seiner Rückkehr im August 1932 Mitarbeiter der Orgabteilung des ZK. Er galt 1932 als aktiver Anhänger der Neumann-Gruppe. Im April 1933 wurde Blau-Thoma gemeinsam mit Arthur Vogt in Berlin inhaftiert und zu zwei Jahren und drei Monaten Gefängnis verurteilt. Nach seiner Freilassung emigrierte er in die UdSSR und ging 1937 nach Spanien. Dort unter dem Namen Ernst Blank Politkommissar der XI. Internationalen Brigade, ist Ewald Blau am 29.Januar 1939 bei Cranolliers/Katalonien gefallen. Es gab Vermutungen, nach denen Blau in der KPD-Zentrale Polizeiagent gewesen war und der Abteilung IA des Berliner Polizeipräsidiums wichtige Informationen lieferte. Seine erstaunliche Freilassung 1926 nährte diesen Verdacht, der nie bewiesen wurde, da der tatsächliche Vertrauensmann der politischen Polizei im ZK nicht bekannt wurde. Blau war seit 1928 mit Emmi Christoph verheiratet gewesen, der späteren Frau von Georg Handke.

Wer war wer in DDR

Biege, Holger

* 19.9.1952 – ✝ 25.4.2018

Geb. in Greifswald; Mutter Lehrerin, Vater Biologe; 1960 nach Berlin, Klavierunterricht; 1969/70 Lehre als BMSR-Techniker in Hettstedt, Abbruch; 1970/71 Studium an der HS für Musik »Hanns Eisler« in Berlin, Abbruch; 1972 NVA; 1974 Ausbildung an der Musikschule Friedrichshain (Klavier, Gesang); Beginn der berufl. Laufbahn als Musiker u. Sänger, 1975 Mitgl. der Schubert-Formation, erste Soloprod. »Wenn der Abend kommt«; 1976/77 erste Gastspiele in Polen, der ČSSR u. Berlin (West); 1978 erste LP »Wenn der Abend kommt«; »Interpret des Jahres«; 1979 LP »Circulus«, Kompositionen u. Produktionen für Bruder Gerd Christian u. Marion Scharf, wiederum »Interpret des Jahres«, 1980 Gründung einer eigenen Band; blieb 1983 bei einem Gastspiel in Berlin (West) u. ging dann mit seiner Familie nach Hamburg; 1984 LP »Das eigene Gesicht«; 1985 – 87 vereinzelt Konzerte u. Singles, Arbeit als Arrangeur u. musikal. Sachverständiger für Musikverlage, 1990 Solo-Konzerttournee durch die DDR. 1991 Rückkehr nach Berlin, 1994 CD »Leiser als laut«, 1996 CD »Die schönsten Balladen«, 1997 CD »Zugvögel«, 1998 Umzug der Familie nach Niedersachsen, 1999 erstes gem. Album mit Gerd Christian; 2001 Live-Album »Lieder atmen, Lieder tanken« (Konzerthaus Berlin).Rainer Bratfisch

Wer war wer in DDR

Bielka, Heinz

* 19.3.1929

Geb. in Gersdorf; Vater Angest.; Abitur 1948; Neulehrer, 1949 – 54 Studium der Biol. in Dresden u. Leipzig, 1954 Dipl., 1956 Prom. an der Univ. Leipzig; 1961 Habil. an der HU Berlin; 1954 – 91 Mitarb. der DAW/AdW, 1965 – 72 Dir. des Inst. für Zellphysiol. (Nachf. von Erwin Negelein), 1968 Prof. der DAW, ab 1971 Abt.-Ltr. im ZI für Molekularbiol., dort seit 1981 stellv. Dir.; 1970 Mitgl. der Leopoldina (seit 1991 Senat); 1974 Virchow-Preis; 1976 Korr. Mitgl., 1978 Ord. Mitgl der AdW; 1979 NP. 1990 Kand. für Präs. der AdW; 1992 Mitgl. der Berlin-Brandenb. AdW; Sekr. der Biowiss.-Med. Kl.; seit 1992 im Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Med.; 1993 Domagk-Preis; 1994 em.; lebt in Berlin. Internat. anerkannte Arbeiten zur Biochemie u. Molekularbiol. auf den Gebieten Tumorentstehung, Proteinbiosynthese, zellulare Streßproteine; zahlr. Lehr- u. Handbücher zur Molekularbiol. u. Krebsforschung (1959, 1966, 1968, 1982, 1985), ca. 160 Originalpubl.H. B. In: Pasternak, L. (Hrsg.): Wissenschaftler im biomedizin. Forschungszentrum: Berlin-Buch 1930 – 2004. Frankfurt (Main) 2004.Dieter Hoffmann

Wer war wer in DDR

Biering, Walter

* 2.12.1898 – ✝ 21.4.1964

Geb. in Söhesten (Krs. Merseburg); Vater Kleinbauer; Volksschule; 1913 – 16 Ausbildung zum Maurer, anschl. im Beruf tätig; 1917/18 Militärdienst, Mitgl. eines Soldatenrats; 1919 SPD; nach Entlassung aus dem Lazarett, Mithilfe in der väterl. Wirtschaft, ab 1925 selbst. Bauer, Engagement in der Kriegsopferbew.; 1927 KPD; 1927 – 33 Mitgl. der KPD-BL Halle-Merseburg, Bauernref., Mitbegr. des Bunds der Kleinen Landw., beteiligt an der Ausarbeitung des Bauernhilfsprogr. der KPD (1931); 1929 – 33 Mitgl. des Krs.-Tags u. des Provinziallandtags Sachsen; 1933 sieben Mon. KZ Sonnenburg, 1944/45 erneut inhaftiert. 1945/46 KPD/SED; Sept. 1945 Mitgl. der Bodenreformkommission der Provinz Sachsen u. Mitbegr. der VdgB, Neubauer; 1946 – 50 Mitgl. des PV der SED, 1950 – 63 Kand. des ZK der SED; 1946 – 63 Mitgl. des SED-LV Sachsen-Anh. bzw. der BL Halle; 1946 – 50 Abg. des Landtags Sachsen-Anh., Mitgl. des Präs., 1949 – 63 Abg. der Volkskammer; ab 1946 Mitgl. des Landesaussch. Sachsen-Anh. der VdgB, 1947 – 49 Landesbauernsekr., danach Vors. des LV bzw. ab 1952 des Bez.-Vorst. Halle der VdgB, 1949 – 63 Mitgl. des ZV der VdgB (BHG), ab 1954 stellv. Vors.; 1954 Auszeichnung als Meisterbauer; 1954 – 58 Mitgl. des Präs. des NR der NF; 1956 VVO u. Mitgl. der LPG »Banner des Friedens« in Muschwitz (Krs. Hohenmölsen).Siegfried Kuntsche

Wer war wer in DDR

Bierwisch, Manfred

* 28.7.1930

Geb. in Halle, Vater Angest. 1949 Abitur; 1951 – 56 Studium der Germanistik an der KMU Leipzig; Beginn der Freundschaft mit  Uwe Johnson; 1952 / 53 Studienunterbrechung, Verurteilung u. Haft wegen »Boykotthetze«; ab 1957 Mitarb. des Inst. für dt. Sprache u. Lit.; 1961 Dr. phil. an der KMU Leipzig mit der Arbeit »Zur Morphol. des dt. Verbalsystems«; 1962 – 73 Mitarb. der Arbeitsstelle für strukturelle Grammatik der DAW, Auflösung der Arbeitsstelle wegen ideolog. Vorbehalte der SED gegen eine Rezeption des frz. Strukturalismus in der DDR; 1964 – 66 vom MfS im OV »Forum« wegen »staatsgefährdender Prop. u. Hetze« erf.; 1973 – 80 wiss. Mitarb., ab 1980 Forschungsgr.-Ltr. »Kognitive Linguistik« im ZI für Sprachwiss. der AdW; 1981 Dr. sc. phil. auf dem Gebiet der kognitiven Linguistik an der AdW; 1981 Fellow am Center for Advanced Study in Behavioral Sciences, Stanford, Kalifornien; 1985 Prof. für theoret. Linguistik / Syntax u. Semantik an der AdW, 1985 ausw. wiss. Mitgl. des Max-Planck-Inst. für Psycholinguistik Nijmegen (Niederl.). 1991 / 92 Fellow am Wissenschaftskolleg Berlin; 1992 – 96 Ltr. der Max-Planck-Arbeitsgr. »Strukturelle Grammatik« u. ord. Prof. an der HU Berlin; 1992 Dr. h. c. der FSU Jena; 1993 Gründungsmitgl. u. bis 1998 Vizepräs. der Berlin-Brandenb. AdW; 1995 em.; 1995 Ehrenmitgl. der Ungarischen AdW; 1998 Ehrenmitgl. der Sächs. AdW; 2005 Dr. h. c. Univ. Leipzig; lebt in Berlin. Bedeutende theoret., methodolog. u. empir. Arbeiten in den Bereichen Sprachtheorie, Psycholinguistik, Syntax u. Semantik; seit 1962 Mithrsg., ab 1993 verantw. Hrsg. der Studia grammatica.Das Nibelungenlied. In Prosa übertragen von M. B. u. U. Johnson. Leipzig 1961; Grammatik des dt. Verbes. Berlin 1963; Modern Linguistics. Den Haag 1971; Essays in the psychology of language. Berlin 1983; Grammat. u. konzeptuelle Aspekte von Dimensionsadjektiven. Berlin 1987 (mit E. Lang); Sprachtheoret. Grundlagen für die Computerlinguistik. Stuttgart 1995 (mit P. Bosch); Aspekte der Sprachfähigkeit: Struktur, Biol., Kultur. Frankfurt (Main) 2003. Bibl. In: Crossing the boundaries in linguistics (Fs.). Dordrecht 1981; Fügungspotenzen: zum 60. Geburtstag von M. B. Berlin 1992.Andreas Kölling / Dieter Hoffmann

Wer war wer in DDR

Bille, Manfred

* 28.5.1937

Geb. in Luckenwalde; Vater Schmied; Volksschule, 1951 – 54 Lehre u. Arbeit als Fernmeldemechaniker bei der DR; 1954 – 58 Transportpolizei (Wachtmeister); 1958 – 60 Kraftfahrer; 1960 – 62 Abt.-Ltr., dann 1962 – 1969 Dir. eines Betriebs; Fernstud. der Ök. an der FS für Verkehrs- u. Betriebstechnik, Ingenieurök.; 1963 SED; 1970 – 75 Ltr. u. Beauftragter für Autobahnbau u. 1975 – 79 Dir. des Büros für Verkehrsplanung, 1976 – 86 Ltr. der Abt. Verkehrs- u. Nachrichtenwesen beim Rat des Bez. Potsdam; Fernstudium, 1978 Dipl.-Staatswiss.; 1982 VVO; 1986 – 89 Stellv. des Vors. des Rats des Bez. Potsdam für Verkehrs- u. Nachrichtenwesen; Mai 1989 – Mai 1990 OB von Potsdam (Nachf. von  Wilfried Seidel). Seit 1990 Beauftragter des Vorst. der Iveco Magirus AG für die Zusammenarb. mit gewerbenahen Verbänden, bes. mit den Verkehrsverbänden.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Birke, Wolfgang

* 2.11.1931 – ✝ 12.8.2015

Geb. in Pirna; Vater Musiker; Volksschule. 1947 – 49 Ausbildung zum Bäcker, danach im Beruf tätig; 1950 Kursant der VP-Nachrichtenschule Pirna, dann Kommissar bei der KVP-Bereitschaft; 1950 SED; 1951 Offz. für Nachrichtenverb. bei der HV Ausbildung der VP Berlin, 7. Abt. (später Stab der KVP); 1956 Dienstantritt im MfS, Abt. XI (Chiffrierwesen); 1965 – 71 Fernstudium an der JHS Potsdam-Eiche, Dipl.-Jur.; 1971 stellv. Ltr., 1974 Ltr. der Abt. XI; 1984 Gen.-Major; 1990 Entlassung; gest. in Berlin.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Birkigt, Rolf

* 3.11.1921 – ✝ 2.10.2008

Geb. in Dresden; Vater Arbeiter; Volks- u. Oberrealschule, kaufm. Lehre u. Arbeit; 1940 RAD; 1941 Wehrmacht; 1942 – 49 sowj. Kriegsgef. u. Antifaschule; 1944 Mitgl. des Bundes Dt. Offiziere u. des NKFD. 1949 Rückkehr nach Dtl.; 1949 – 52 Dispatcher, Lagerltr. u. techn. Übers. bei der SDAG Wismut; 1953 techn. Übers. beim VEB IFA Motorenwerk in Chemnitz; 1953 – 56 Doz. für Russisch an der Ingenieurschule für Werkstofftechnik in Karl-Marx-Stadt; 1956 – 63 Dolmetscher, Offizier der Bereitschaftspolizei bzw. der Dt. Grenzpolizei; 1959 SED; 1963 – 65 Außenstellenltr. von INTERTEXT in Karl-Marx-Stadt; 1965 – 79 Dir. für Dolmetscher- u. Übersetzerwesen, Dir. für Prod., stellv. Dir. u. Abt.-Ltr, ab 1979 Dir. des Fremdsprachendienstes INTERTEXT (Nachf. von  Walter Graul); gest. in Berlin.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Birthler, Wolfgang

* 28.1.1947

Geb. in Magdeburg; Vater Produktionsdir.; 1953 – 61 Grundschule in Böhlen; 1961 – 65 EOS Borna, 1962 – 65 Ausbildung zum Rinderzüchter, 1965 Abitur; 1965 – 71 Studium der Veterinärmed. an der HU Berlin, Dipl.-Vet.-med.; 1971 – 73 u. 1975 – 90 Tierarzt im Krs. Angermünde; 1973 – 75 Bausoldat in Saßnitz (Rügen); 1971 – 88 FDGB, Austritt; 1971 – 90 Mitarb. der Ev. Kirche, Organisator u. Ltr. von monatl. Gesprächskreisen, offenen Abenden u. Wochenendrüsten der Ev. Gemeinde Schwedt, Mitgl. des Gemeindekirchenrats, verantw. für die Junge Gemeinde, Mitarb. im Arbeitskrs. »Kirchen in Neubaugebieten«; Nov. 1989 SDP, Aufbau der Ortsvereine in Schwedt u. Angermünde; März – Sept. 1990 Abg. des Kreistags Angermünde; zeitw. verh. mit  Marianne Birthler. Seit Okt. 1990 MdL Brandenburg u. bis 1999 Vors. der SPD-Fraktion; 1999 – 2004 Landesmin. für Landw., Umweltschutz u. Raumordnung (Nachf. von Eberhard Henne); medienpolit. Sprecher der SPD-Fraktion u. Mitglied des Rundfunkrats des RBB.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Bischoff, Charlotte

* 5.1.1901 – ✝ 4.11.1994

Geb. in Berlin-Schöneberg; Vater Schriftsetzer; Ausbildung zur Kontoristin/Stenotypistin; 1915 SAJ; 1920 KJVD; 1923 KPD; unterstützte ihren Mann Fritz B. im Nachrichten- u. Abwehrdienst der KPD; 1926 nach Hamburg; 1930 als Sekr., später Sachbearb., zum ZK der KPD in Berlin; Febr. 1933 in illeg. ZK-Apparat übernommen; Dez. 1933 nach Moskau, Jan. 1934 in der MOPR als Stenotyp., 1934 – 38 Chiffreur des OMS-Apparats, Febr. 1935 – Nov. 1937 in den Niederl. u. Dänemark; zurück nach Moskau; Dez. 1938 illeg. nach Schweden; Jan./Febr. 1939 in Haft; Haushaltshilfe beim sowj. Handelsvertreter, bis Juni 1941 aktiv in Emigrantenbetreuung der RH in Stockholm, als Instrukteur der KPD von Herbert Wehner nach Berlin geschickt (liter. verarbeitet bei Peter Weiss, Ästhetik des Widerstands); 1941 – 45 illeg. pol. Arbeit in Berlin. Nach Mai 1945 Sekr. bei sowj. Besatzungsmacht, tätig u. a. am Amtsgericht Berlin-Charlottenburg, bei der Nachrichtenred. des Berliner Rundfunks; SED; April 1946 – Mai 1947 beim FDGB in Berlin-Charlottenburg, Frauenarbeit; Mai 1947 – Sept 1950 stellv. bzw. Abt.-Ltr. FDGB Groß-Berlin (Abt. Sozialpol., Arbeit u. Löhne); von März 1952 – März 1957 Vors. der Sozialhilfe des Magistrats von Groß-Berlin, Westarbeit; ab Dez. 1958 freie Mitarb. beim IML in Berlin; Parteiarbeit im Wohnbez. (NF); gest. in Berlin.Siegel, E.-M.: »An ihrem Lachen kann man eine Frau doch erkennen«. Dok. u. Anmerkungen zum Verhältnis von Fiktion u. Authentizität in Peter Weiss’ Ästhetik des Widerstands am Beispiel Charlotte Bischoffs. In: Peter Weiss Jb. 5. Opladen 1996.Michael F. Scholz

Handbuch Deutsche Kommunisten

Bittel, Karl

* 22.6.1892 – ✝ 18.4.1969

Geboren am 22. Juni 1892 in Darmstadt, Sohn eines hessischen Staatsbeamten. 1911 Abitur am Realgymnasium in Freiburg, Mitglied der von ihm 1909 mitgegründeten bürgerlichen Jugendbewegung Wandervogel. Er studierte in Heidelberg, Freiburg und Tübingen, wo er am 11.März 1915 mit einer Dissertation über das Thema: »Eduard Pfeiffer und die deutsche Konsumgenossenschaft« promovierte. Gleichzeitig von 1913 bis 1916 Sekretär beim Konsumverein in Esslingen. Von 1917 bis 1919 Geschäftsführer im Lebensmittelamt Mannheim und im Badischen Landeswohnungsverein Karlsruhe. Während der Krieges betätigte sich Bittel als Journalist; er gab die Zeitschrift »Politische Rundbriefe« heraus und gehörte der »Freideutschen-Jugend« an. Nach der Novemberrevolution 1918 wurde er in den Arbeiter- und Soldatenrat in Karlsruhe gewählt, trat der SPD bei, wechselte aber schon im Februar 1919 in Stuttgart zur KPD. In der Folgezeit hauptamtlicher Funktionär der KPD, zunächst als Redakteur (u. a. beim Chemnitzer »Kämpfer«). 1921 Leiter der Abteilung Genossenschaft in der Berliner Zentrale und von 1922/23 zugleich besoldeter Sekretär des Konsumvereins und Stadtverordneter von Weißenfels. Ende 1924 ging Bittel als Spezialist für Genossenschaftswesen nach Moskau und arbeitete in der Gewerkschaftsabteilung des EKKI. Im Januar 1927 Rückkehr nach Deutschland, erneut in der Genossenschaftsabteilung des ZK der KPD tätig. Da er zum rechten Flügel der Partei tendierte, trat er in der ultralinken Periode nach 1928 politisch in den Hintergrund. Von 1928 bis 1930 in der sowjetischen Handelsvertretung beschäftigt, von 1930 bis April 1933 bei der Derop in Berlin. Im Mai 1933 von der Gestapo am Bodensee verhaftet, blieb er bis 1934 in den KZs Heuberg und Ulm. Bittel stand bis 1945 unter Polizeiaufsicht, konnte aber unbehelligt am Bodensee leben und wissenschaftlich arbeiten. 1940 erschien seine Arbeit »Messmer und sein Problem«, 1942 eine Paracelsus-Dokumentation. Seine Werke wurden in NS-Deutschland gedruckt. 1945 wurde Bittel wieder journalistisch aktiv und trat der KPD bei. 1946 Chefredakteur und Lizenzträger der KPD-Zeitung »Unser Tag« in Offenburg und Mitglied des Sekretariats der KPD-Landesleitung in Südbaden. Bittel war bis zu seiner Übersiedlung im Frühjahr 1949 in die SBZ auch Vorsitzender der VVN Baden. Im Juni 1949 wurde er Geschäftsführer und stellvertretender Leiter, 1951 bis 1957 Direktor des Deutschen Instituts für Zeitgeschichte in Ost-Berlin, gleichzeitig gab er die Halbmonatsschrift »Dokumentation der Zeit« heraus. Er wurde am 1. Oktober 1957 zum Professor mit Lehrauftrag an die Humboldt-Universität berufen. Bittel erhielt zu seinem 70. Geburtstag den Karl-Marx-Orden. Auch nach 1945 Autor zahlreicher Schriften, u. a. »Die Feinde der deutschen Nation«, 1952; »Zeitgeschichte als Wissenschaft«, 1956. Er übersiedelte in den sechziger Jahren nach Ahrenshoop und wirkte als stellvertretender Vorsitzender des Kulturbundes im Bezirk Rostock. Karl Bittel starb am 18. April 1969 in Ost-Berlin.Bernd-Rainer Barth / Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Blaschke, Karlheinz

* 4.10.1927

Geb. in Schönlinde (Krs. Rumburg, Nordböhmen/Krásná Lípa, Tschechien); Vater Maschinenschlosser; Volksschule, Gymnasium, OS; 1943/44 Luftwaffenhelfer, RAD; 1945 Wehrmacht (Marine); bis Juni 1945 Kriegsgefangenschaft. 1946 Abitur; bis 1956 Mitgl. der CDU; 1946 – 50 Studium der Fächer Geschichte, Germanistik u. latein. Sprache an der Univ. Leipzig, 1948 Landw.-Gehilfenprüfung, 1950 Prom. über die »fünf neuen Leipziger Univ.-Dörfer«; 1950 – 51 Inst. für Archivwiss. Potsdam, 1951 – 68 wiss. Archivar am Sächs. Landeshauptarchiv Dresden; 1962 Habil. mit einer Studie über die Bevölkerungsgeschichte Sachsens bis zur industriellen Rev.; nach Maßregelung durch die SED 1969 – 90 Doz., 1990 – 92 Prof. für Geschichte an der Kirchl. HS Leipzig, 1972 Domdechant des Hochstifts Meißen. 1990 CDU; Mitgl. der Hist. Kommission bei der Bayr. AdW, Honorarprof. an der Univ. Marburg, 1991 Mitgl. der Sächs. AdW zu Leipzig; 1991/92 Ltr. des Referats Archivwesen im Sächs. Staatsmin. des Innern; 1992 – 98 Prof. für Sächs. Landesgeschichte an der TU Dresden, dort zeitweilig geschäftsf. Dir. des Inst. für Geschichte; 1998 em.; 1999 Bundesverdienstkreuz. B. ist einer der wenigen nichtmarxist. Historiker, die bis 1989 in der DDR arbeiteten u. zu internat. Anerkennung kamen. Er mußte seit 1969 unter dem Dach der Kirche wirken, da er der offiziellen Geschichtswiss. ablehnend gegenüberstand. Sein Hauptarbeitsgebiet ist die sächs. Landesgeschichte u. hist. Landeskunde. Sek.-Lit.: Landesgeschichte als Herausforderung u. Programm. K. B. zum 70. Geb. Stuttgart 1997 (Bibl.); Die Oberlausitz. Fs. zum 75. Geburtstag. Görlitz 2003.Sachsen im Zeitalter der Reformation. Dresden 1967; Bevölkerungsgeschichte von Sachsen. Weimar 1967; Geschichte Sachsens im Mittelalter. Berlin 1990; Pol. Geschichte Sachsens u. Thür. München 1991; (autobiogr.) Geschichtswissenschaft im SED-Staat. In: Aus Politik u. Zeitgeschehen (1992) 17/18; Stadtgrundriß u. Stadtentw. Köln 1997; Als bürgl. Historiker am Rande der DDR. In: Pohl. K. H. (Hrsg.): Historiker in der DDR. Göttingen 1997; Hrsg. des Neuen Archivs für Sächs. Geschichte: Beiträge zur Geschichte der Oberlausitz. Görlitz 2000; Beiträge zur Verfassungs- u. Verwaltungsgeschichte. Leipzig 2002; Geschichte der Stadt Dresden, Bd. 1: Von den Anfängen bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges. Dresden 2005; Moritz von Sachsen. Stutgart 2008.Ilko-Sascha Kowalczuk

Wer war wer in DDR

Blecha, Johanna

* 28.1.1916 – ✝ 22.3.2000

Geb. in Breslau (Wrocław, Polen); Vater Schneider; Volks- u. Mittelschule; kaufm. Lehre u. Arbeit als Bürobotin, 1934 – 45 Sekr. u. Stenotypistin im elterl. Geschäft, im Landmaschinengroßhandel »Weide« Breslau sowie bei der Siemens-Bau-Union in Pillau, Graudenz u. Bromberg. 1945 – 47 Dienststellen-Ltr. des Jugendamtes Schwerin; 1945 KPD, 1946 SED; 1947 – 49 Ltr. der Hauptabt. Umsiedl. in der Landesreg. Mecklenb.; 1949 – 53 OB von Schwerin (Nachf. von  Christoph Seitz); 1950 – 52 Vors. des DSF-LV Mecklenb.; 1950 – 53 Fernstud. an der PHS der SED; 1952 / 53 Vors. des DSF-BV Schwerin; 1953 – 60 Sekr. des Magistrats, Stellv. des OB u. Stadtrat für Kultur, Volksbildung u. Sport in Berlin; 1960 – 77 Sekr. für Kultur u. Erziehung, 1960 – 82 Mitgl. des Präs. des Bezirksvorst. Berlin des DFD; 1976 VVO in Gold.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Biel, Hans-Peter

* 15.8.1945

Geb. in Wendorf; Vater Steinsetzer; OS, Abitur; 1959 FDJ; 1964 / 65 Lehre als Betriebs- u. Verkehrseisenbahner; Studium an der Zentralschule für Pionierltr.; 1965 – 67 Pionierltr. u. Lehrer an einer POS; 1967 – 71 Referent für Jugendfragen beim Rat des Kreises Bützow; 1969 SED; 1971 / 72 NVA; 1973 / 74 Ltr. der Kreisschule bzw. Ltr. der Bildungsstätte der SED-KL Bützow; 1974 / 75 Lehrgang an der SED-BPS in Güstrow; 1975 – 77 Instrukteur u. Lektor der Bildungsstätte der SED-BL Schwerin; 1978 – 80 Studium an der PHS der KPdSU in Moskau, Dipl.-Gesellschaftswiss.; 1980 polit. Mitarb. der SED-BL Schwerin; 1980 – 82 Sekr. für Agit. u. Prop., 1982 – 85 2. Sekr. der SED-KL Hagenow; 1985 – 89 1. Sekr. der SED-KL Parchim; ab Nov. 1989 2. Sekr. der SED-BL Schwerin.Mario Niemann

Wer war wer in DDR

Bienek, Horst

* 7.5.1930 – ✝ 7.12.1990

Geb. in Gleiwitz, Schles. (Gliwice, Polen); Vater Bahnbeamter, Mutter Klavierlehrerin; Besuch der Bürgerschule in Oberschles.; nach dem Einmarsch sowj. Truppen als Demontagearbeiter zwangsverpflichtet. 1946 Übersiedl. nach Köthen; später nach Potsdam, dort Beendigung der Oberschule, Abitur; 1949 / 50 Redaktionsvolontär bei der »Tagespost« in Potsdam; erste Gedichte; 1950 Teiln. am ersten Lehrgang für junge Schriftsteller in Bad Saarow (Vorläufer des Leipziger Literaturinst.), von  Johannes R. Becher u.  Stephan Hermlin lobend erwähnt, galt im Sinne der DDR-Kulturpolitik als förderungswürdig; 1951 Meisterschüler bei  Bertolt Brecht am »Berliner Ensemble«; Nov. 1951 wg. »antisowj. Hetze« vom MfS verhaftet u. den sowj. Besatzungsbehörden überstellt; Apr. 1952 Verurteilung wg. angebl. Spionage u. versuchtem Sturz der DDR-Regierung zu 25 Jahren Zwangsarbeit; Mai 1952 – Okt. 1955 Arbeitslager in Workuta; Amnestie u. Entlassung in die Bundesrep. Dtl. 1957 – 61 Red. beim Hess. Rundfunk in Frankfurt (Main); 1958 – 61 Mithrsg. der Ztschr. »blätter + bilder« u. Hrsg. der Buchreihe »studio 58«; 1960 Aufenthalt in Rom (Villa-Massimo-Stipendium); 1961 – 69 zunächst Lektor, dann Cheflektor des Dt. Taschenbuchverlages (dtv) München; anschl. freischaff. Schriftsteller; seit 1966 Mitgl. des PEN-Zentrums der Bundesrep. Dtl.; Vortragsreisen durch Europa, Amerika u. Australien; Mitgl. der Bayer. Akad. der Schönen Künste u. der Dt. Akad. für Sprache u. Dichtung Darmstadt; sein literar. Werk umfaßt Lyrik, Prosa u. Essays u. beschäftigt sich vornehmlich mit der Kriegs- u. Nachkriegszeit sowie der menschl. Selbstbehauptung gegenüber staatl. Obrigkeit; zahlr. Auszeichnungen, u. a. für seine autobiograf. Romantetralogie »Gleiwitz. Eine oberschlesische Chronik« (1975 – 82); gest. in München.Traumbuch eines Gefangenen. Gedichte und Prosa. München 1957; Nachtstücke. Erzählung. München 1959; Die Zelle. München 1968 (1970 verfilmt, Buch u. Regie H. B.); Bakunin, eine Invention. Erzählung. München 1972; Solschenizyn und andere. Essays. München 1972; Gleiwitzer Kindheit. Gedichte aus 20 Jahren. München 1976. Helbig, L. F.: H. B. 1930 – 1990. Leben u. Werk. München 2000.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Biermann, Kurt-Reinhard

* 5.12.1919 – ✝ 24.5.2002

Geb. in Bernburg; 1940 – 43 Studium des Maschinenbaus an den TH Berlin u. Stuttgart; Wehrmacht u. Kriegsgefangenschaft. 1952 – 55 Forts. des Studiums an der TH Dresden u. der HU Berlin; 1956 Sekr. der Kommission bei der DAW zur Vorbereitung des Euler-Jubiläums; 1957 Dipl., 1964 Prom.; ab 1958 an der DAW in Berlin tätig, ab 1969 Ltr. der Alexander-von-Humboldt-Forschungsstelle; 1984 em.; Vizepräs. der Académie Internationale d’Histoire des Sciences; gest. in Berlin. Mathematikgeschichtl. Arbeit zu drei Themenkrsen.: Institutionengeschichte, Quellenedition, Erforschung der Biogr. von Gauss.Geschichte der Mathematik an der Berliner Univ. 1988; Wahlvorschläge von Mathematikern für die Berliner Akad. 1960; Neuedition des Briefwechsels zwischen A. v. Humboldt u. C. F. Gauss. 1977; Gauss-Biogr. in Briefen. 1991.Annette Vogt

Handbuch Deutsche Kommunisten

Biewald, Wilhelm

* 2.11.1897 – ✝ 1938

Geboren am 2. November 1897 in Rostow am Don als Sohn einer deutschen Familie, die vor dem Weltkrieg nach Schlesien übersiedelte. 1920 Mitglied der USPD, im gleichen Jahr der KPD. Biewald gehörte zu den führenden kommunistischen Funktionären in Schlesien. 1931 hauptamtlicher KPD-Sekretär in Düsseldorf, dann Redakteur am »Klassenkampf« in Halle. Zu 15 Monaten Gefängnis verurteilt, floh er Ende 1932 in die Sowjetunion nach Rostow, seinem Geburtsort. Redakteur an der Zeitung »Molat«. Dort lebte er mit seiner Frau Johanna Biewald, geb. Hertwig (*9. 10. 1902 – † 3. 10. 1985), einer Beamtentochter, seit 1924 Mitglied der KPD und aktive Funktionärin. Nach der Heirat 1926 in der Redaktion der schlesischen »Arbeiterzeitung«, später für den gesamten Pressevertrieb der RGO verantwortlich und von 1932 bis 1935 ebenfalls in der Redaktion »Molat«. Wilhelm Biewald wurde im November 1937 in Rostow verhaftet, er kam 1938 im Gulag ums Leben. Johanna Biewald war von 1941 bis 1943 evakuiert. Von 1943 an als Politinstrukteurin in sowjetischen Kriegsgefangenenlagern. 1948/49 im Bergwerk, bis 1955 Bibliothekarin in Rostow. Im April 1955 durfte sie in die DDR und wurde Mitglied der SED und Lektorin im Verlag Tribüne. 1963 mit dem VVO in Silber ausgezeichnet.

Wer war wer in DDR

Billhardt, Thomas

* 2.5.1937

Geb. in Chemnitz; Mutter Fotografin; Grundschule; 1951 – 54 Ausbildung zum Fotografen; 1954 – 57 Studium an der FS für angew. Kunst Magdeburg, staatl. geprüfter Fotografiker, 1957/58 Qualifikation zum Fotomstr.; 1958/59 Verlagsfotograf im Verlag Bild u. Heimat Reichenbach; 1959 – 63 Studium an der HS für Grafik u. Buchkunst Leipzig, Dipl.-Fotografiker; 1962 VDJ; 1963 – 71 freischaff. Fotograf; ab 1967 Mitgl. des Präs. des Solidaritätsfonds der DDR; 1968 SED; 1969 Kunstpreis der DDR; 1972 – 81 Ltr. einer Arbeitsgr. bei der Dt. Werbeagentur für Berlin; 1982 – 89 Ltg. des Studios Billhardt beim Verlag für Agit.- u. Anschauungsmittel; Fotoausstellungen in vielen Ländern, u. a. UNICEF-Ausstellung »Kinder der Welt« New York 1989; 1987 NP; 1988 Korr., 1990 Ord. Mitgl. der Dt. Ges. für Photogr. Köln; 1989 Dt. Journalisten Verb; lebt in Italien u. Berlin.Sehnsucht Frieden – Vietnam. Leipzig 1973; Die Palästinenser. Hanau 1979; Als die Muchachos kamen. Berlin 1982; Die Deutsche Alleenstraße. Zwischen Rheinsberg und Wittenberge. Berlin 1995; Alles war so. Alles war anders. Bilder aus der DDR. Leipzig 1999; Alexanderplatz in Berlin-Mitte. Berlin 2002. Ratsch, D. (Regie): Eislimonade für Hong Li. SWR 2003.Bernd-Rainer Barth

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Birkemeyer, Gisela

* 22.12.1931

Geb. in Fahsendorf (Erzgeb.); Vater Ing.; begann 1944 in Schmölln mit der Leichtathletik; 1951 Angest. im Landessportaussch. Thür.; 1951 – 53 BSG Motor Nord Erfurt; 1953 – 1956 BSG Motor Zeiss bzw. SC Motor Jena; 1956 – 1964 SC Dynamo Berlin; zweimal Teiln. an Olymp. Spielen: 1956 Silber 80 m Hürden, 6. Platz 200 m u. 4 x 100, 1960 Bronze 80 m Hürden; EM 1958 Bronze über 80 m Hürden; fünfmal Gold bei Studenten-WM: 1953 4 x 200 m, 1954 80 m Hürden, 1955 4 x 100 m, 1957 200 m, 1959 80 m Hürden; 1951 – 1964 40mal DDR-Mstr. (davon neunmal über 80 m Hürden); zehn WR über 80 m Hürden (10,6 u. 10,5 s) u. in den Staffeln 4 x 100 m, 4 x 110 y, 4 x 200 m, 4 x 220 y; ER über 100 m (11,5 s) u. 200 m (23,4 s); 1952 – 64 25 Länderkämpfe; 1959 DDR-Sportlerin des Jahres; 1957 Heirat mit Trainer Heinz Birkemeyer; 1965 – 68 Nachwuchstrainerin beim SC Dynamo Berlin; 1956 Zivilangest. der VP; 1957 VP (zuletzt Hptm.); 1968 – 86 Mitarb. im Sportbüro d. SC Dynamo, danach Vorrentnerin; lebt in Berlin.Volker Kluge

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Birnbaum, Dieter

* 21.12.1931

Geb. in Stralsund; Vater Schriftsetzer; 1938 – 51 Schulbesuch u. Abitur an der Goethe-OS in Demmin; 1950 SED; 1951/52 Lehramtsbewerber an der Zentralschule Tentzerow (Kr. Demmin); 1952 – 57 Studium der Biol. (Fachrichtung Botanik) an der EMAU Greifswald, 1957 – 60 dort Aspirant am Phytopatholog. Inst., 1960 Prom. zum Dr. rer. nat. mit »Untersuchungen über den Stickstoff- u. Kohlenhydrathaushalt von Kartoffelblättern u. ihre Beziehungen zum Phytophthorabefall«; 1960/61 hauptamtl. SED-Parteisekretär an der Math.-Naturwiss. Fak. der EMAU; 1961/62 Zusatzstudium am Biochem. Inst. der Lomonossow-Univ. Moskau; 1962 – 66 Habilitationsaspirant am Botan. Inst. der EMAU, 1966 – 71 dort wiss. Ass. bzw. Oberass.; 1971 Habil. mit »Untersuchungen über RNS-Metabolismus von Amaranthus caudatus«, 1971 – 73 Doz. für Biochemie an der Sektion Biol.; 1973 – 77 hauptamtl. Sekretär der SED-Ltg. der EMAU, verantwortl. für die Math.-Naturwiss. Fak.; 1977 Berufung zum ord. Prof. für Biochemie u. 1978/79 Dir. der Sektion Biol.; 1979 – 85 Rektor der EMAU Greifswald (Nachf. von  Werner Irmig); 1986 VVO; 1986 – 90 Ltr. des Lehrstuhls Biochemie u. des Wissenschaftsbereichs Molekularbiol. der EMAU; 1986 – 89 stellv. Vors. der Zentralen Arbeitsgr. Biotechnol. u. stellv. Vors. des Wiss. Beirats für Biolog. beim Min. für Hoch- u. Fachschulwesen. 1990/91 frei gewählter Dir. des Inst. für Biochemie u. Vors. des Kollegiums der Fachrichtung Biol. der EMAU Greifswald; 1991 einvernehml. Abberufung durch das Kultusmin. von Mecklenb.-Vorpomm., Vorruhestand.Hans-Christoph Rauh

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Bischof, Hugo

* 4.10.1892 – ✝ 11.10.1971

Geboren am 4. Oktober 1892 in Hamburg als Sohn einer Arbeiterfamilie; Metallarbeiter in Hamburg und Hannover. 1912 Eintritt in die Gewerkschaft und in die SPD. August 1914 Einberufung als Soldat, 1916 wegen schwerer Verwundung entlassen, anschließend Bürodienst. 1918 Mitglied der USPD in Elmshorn, im November Mitglied des Arbeiter- und Soldatenrates und Ende 1920 dort VKPD-Vorsitzender. Bischof wurde auf dem VIII. Parteitag der KPD 1923 als Ersatzmitglied für den Bezirk Wasserkante in den ZA gewählt und kam im März 1923 als Volontär in die BL nach Thüringen, anschließend Orgsekretär der BL Thüringen. Von November 1923 bis Januar 1924 inhaftiert, wurde er anschließend aus Thüringen ausgewiesen. Die Zentrale schickte ihn zunächst als Parteisekretär nach Hagen/Westfalen bzw. nach Auflösung des Parteibezirks Hagen als Orgsekretär nach Siegen. Ende 1924 Rückkehr nach Elmshorn, von 1927 bis 1929 Kreistagsabgeordneter in Pinneberg. 1929 wurde Bischof aus der KPD ausgeschlossen und trat der KPO bei. Von Juni bis September 1933 war er in KZs inhaftiert. Nach seiner Entlassung arbeitete er auf der Deutschen Werft als Lohnbuchhalter. 1945 hauptamtlicher KPD-Sekretär für Pinneberg und Mitglied der BL Wasserkante. 1946 MdL Schleswig-Holstein und stellvertretender Vizepräsident des Landtages. Von 1946 bis 1950 Mitglied der KPD-Landesleitung Wasserkante bzw. Schleswig-Holstein, verantwortlicher Sekretär für Landwirtschaft. Wegen einer schweren Nervenerkrankung beendete er 1950 die hauptamtliche Parteiarbeit und ging in Rente. 1968 übersiedelte er zu seinen Angehörigen in die DDR, nach Rostock, wo Hugo Bischof am 11.Oktober 1971 starb.

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Bisky, Lothar

* 17.8.1941 – ✝ 13.8.2013

Geb. in Zollbrück (Krs. Rummelsburg, Hinterpomm./Korzybie, Polen); Vater Arbeiter; in Brekendorf (Schlesw.-Holst.) aufgew.; Volksschule; 1955 FDJ; 1959 Flucht in die DDR; 1961 Abitur; 1961/62 Arbeiter im VEB Blechverformungswerk Leipzig; 1962 – 65 Studium der Kulturwiss. an der HU Berlin u. KMU Leipzig, 1966 Dipl.-Kulturwiss.; 1966 – 70 als IM »Bienert« und ab 1987 als GMS »Klaus Heine« für die HV A erf.; 1963 SED; 1966/67 Assistent an der KMU Leipzig, 1967 – 70 wiss. Mitarb. am ZI für Jugendforschung Leipzig, 1970 – 75 Ltr. der Forschungsgem. »Freizeitgestaltung der Jugend«, 1975 – 80 Abt.-Ltr. am ZI, zuständig für den Bereich Massenkommunikation/Kunst, Honorardoz. an der Fak. für Journalistik der KMU; 1969 Prom. zum Dr. phil. mit einer soziol. Arbeit, 1975 Prom. zum Dr. sc. phil. mit einer Arbeit zu Problemen der Journalistik; 1978 Doz. u. 1980 Prof. für Kulturtheorie an der AfG; 1986 – 90 Rektor der HS für Film u. Fernsehen in Potsdam-Babelsberg (Nachf. von Konrad Schwalbe), ab 1986 Schatzmstr. der Internat. Org. der Film- u. Fernseh-HS; 3.12.1989 Mitgl. des Arbeitsaussch. zur Vorber. des a. o. Parteitags der SED, seit 8.12. Mitgl. des Präs. des PV der SED/PDS bzw. PDS, 9.12.1989 – 4.2.1990 Ltr. der Kommissionen Bildungs- u. Schulpolitik, Presse u. Medien; März – Okt. 1990 Abg. der Volkskammer; ord. Prof. für Film- u. Fernsehwiss., Mitgl. des Vorst. der Dt. Ges. für Kommunikationsforschung. Okt. 1990 – 2005 Abg. des Brandenb. Landtags, 1990 – 2004 Frakt.-Vors.; Febr. 1992 – Mai 1994 Vors. des Untersuchungsaussch. zu den MfS-Kontakten von  Manfred Stolpe; 1993 – 2000 PDS-Vors. (Nachf. von  Gregor Gysi) und seit 2003-2010 Bundesvors. der PDS bzw. Linkspartei (Nachf. von  Gabriele Zimmer); Mitgl. des Präs. des Brandenb. Landtages, 2004/05 Vizepräs. des Landtages von Brandenb.; Okt. 2005 – 09 Mitgl. des Dt. Bundestages; Okt./Nov. 2005 in vier Wahlgängen nicht zum Vizepräs. des Dt. Bundestages gewählt; seit 2007 Vors. der Europ. Linken; seit Juni 2009 Mitgl. des Europaparlaments, Vors. der Frakt. Vereinte Europ. Linke/ Nordische Grüne; gest. in Leipzig.Zur Kritik der bürgerl. Massenkommunikationsforschung. Berlin 1976; Die Funktion der Massenmedien bei der Herausbildung der soz. Kultur. Berlin 1981; The Show Must Go On. Unterhaltung am Konzernkabel. Berlin 1984; Rücksichten. Pol. u. jur. Aspekte der DDR-Geschichte (Mithrsg.). Hamburg 1993; Wut im Bauch. Berlin 1995; Der »Brandenb. Weg«. Potsdam 1999; So viele Träume. Berlin 2004. Dorlach, S.: In alle Ewigkeit Stasi? Berlin 2003.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Bittner, Horst

* 14.6.1927 – ✝ 16.4.2013

Geb. in Taucha (b. Leipzig); Vater Arbeiter; Volksschule; Ausbildung zum u. Arbeit als Drucker; 1945 Antifa-Jugend. 1946 SED; 1946 – 49 Studium der Wirtschaftswiss. an der Univ. Leipzig, Dipl.-Volkswirt; ab 1950 Mitarb. des Min. für Ausw. Angelegenh. bzw. des Min. für Außenhandel u. Innerdt. Handel, dort zeitw. Ltr. der Abt. UdSSR; 1957 – 63 Handelsattaché u. stellv. Ltr. der DDR-Handelsvertr. in der UdSSR; 1964/65 Stellv. Min. für Außenhandel u. Innerdt. Handel; 1965 – 74 Botschafter der DDR in der UdSSR (Nachf. von  Rudolf Dölling); ab 1974 Bereichsltr. im Min. für Ausw. Angelegenh.; 1984 – 89 Handelsrat an der DDR-Botschaft in der ČSSR; 1971 – 76 Kand. des ZK der SED; 1970 VVO; gest. in Berlin.Andreas Herbst

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Bläss, Petra

* 12.6.1964

Geb. in Leipzig; Vater Theaterintendant, Mutter Souffleuse; 1970 – 82 POS u. EOS in Cottbus; 1982 – 87 Studium der Geschichte, Pädagogik u. Germanistik an der HU Berlin, Dipl.-Lehrer; 1986 – 90 SED u. 1997 – 2005 PDS/ Linkspartei; 1987 – 90 Forschungsstudium am Bereich Lit.-Wiss. der Sekt. Germanistik der HU Berlin; 1990 Gründungsmitgl. des UHV; Dez. 1989 Mitbegr. des UFV; Jan. 1990 Austritt aus SED/PDS; Febr. – Aug. 1990 Vors. der Wahlkommission der DDR für die Volkskammer- u. Kommunalwahlen; Juni – Dez. 1990 Red. beim DFF. 1990 – 2002 Abg. des Dt. Bundestags; frauen- u. sozialpol. Sprecherin der PDS/Linke Liste; Mitarb. in versch. Fraueninitiativen u. Netzwerken; 1997 Eintritt in die PDS; 1998 – 2002 Vizepräs. des Dt. Bundestages, frauenpol. Sprecherin der PDS-Fraktikon; Mitgl. der Anna-Seghers-Ges.; 2005 Austritt aus der PDS; verh. Bläss-Rafailovski; arbeitet als Politikberaterin.Rechts-Einheit bei Renten, Sicherung o. Absturz. Bonn 1991 (zus. mit M. Bunge).Helmut Müller-Enbergs

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Blecha, Kurt

* 25.2.1923 – ✝ 1.3.2013

Geb. in Aussig (ČSR / Ústí nad Labem, Tschechien); Sept. 1941 NSDAP; Wehr- macht (Offz.), 1943 sowj. Kriegsgefangenschaft, NKFD, Antifa-Schulen in Gorki u. Krasnogorsk. 1945 Rückkehr nach Dtl.; Teiln. am 1. Journalisten-Lehrgang der PHS; 1946 SED; 1947 –52 Red. der »Schweriner Volksztg.«, Abt. Prop.; dann Mitarb. des Amts für Information; 1953 – 58 stellv. Ltr., 1958 – Nov. 1989 Ltr. des Presseamts beim Vors. des Min.-Rats (Nachf. von  Fritz Beyling); 1953 – 89 Mitgl. des Vorst. des VDP; 1958 – 89 Mitgl. der Agit.-Kommission beim PB des ZK der SED; 1959 –89 Mitgl. des Präs. des ZV des VDJ; 1983 VVO; 1988 Ehrenspange zum VVO; im Nov. 1989 »auf eigenen Wunsch« von der Funktion als Ltr. des Presseamts entbunden; gest. in Berlin.Zimmermann, M. (Hrsg.): Was macht eigentlich ?? 100 DDR-Prominente heute. Berlin 1994.Frank Wagner / Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Bieler, Manfred

* 3.7.1934 – ✝ 23.4.2002

Geb. in Zerbst (Anh.); Vater Baumstr., Mutter Stenotypistin; Schule in Zerbst u. Asch (Westböhmen), 1952 Abitur am Philanthropinum Dessau; 1952 – 56 Studium der Germanistik an der HU Berlin, Abschluß Dipl.-Philologe; 1955 Preis der V. Weltfestspiele der Jugend u. Studenten in Warschau für die Erz. »Der Vogelherd«; 1956/57 wiss. Mitarb. des DSV; Ende Juni 1956 auf dem 2. Kongreß junger Künstler in Karl-Marx-Stadt zus. mit  Heinz Kahlau, Manfred Streubel u. Jens Gerlach öff. Eintreten für mehr kulturellen Spielraum u. Klärung »ideolog. Fehler«; war im Herbst 1956 aktiv im sog. »Donnerstags-Krs.«, laut MfS der »Dt. Petöfi-Club«; 25.10.1957 im »Neuen Dtl.« von  H. Rodenberg als Teil einer Gr. um  Ernst Bloch u.  Hans Mayer denunziert; Entlassung aus dem DSV, seitdem freier Schriftst.; ausgedehnte Reisen ins europ. Ausland u. 1960 auf dem Fangschiff »Bertolt Brecht« bis Neufundland; 1964 – 67 Mitgl. des PEN-Zentrums Ost u. West; 1965 Ehe mit einer Tschechin, Übersiedl. nach Prag; 1965 Theaterstück »Zaza« für die Volksbühne Berlin, starke Kritik durch das PB des ZK der SED auf dem 11. Plenum, PB-Beschluß vom 9.11.1965 verpflichtete ihn zur Zurückzahlung eines Vorschusses, gleichz. Verbot des DEFA-Films »Das Kaninchen bin ich« (R:  Kurt Maetzig, Drehbuch: M. B. nach seinem Roman »Maria Morzeck oder Das Kaninchen bin ich«, UA erst im Herbst 1989, der Roman erschien 1969 in München), Diffamierung fast der gesamten systemkrit. DEFA-Jahresprod. als »Kaninchenfilme« durch  Horst Sindermann; 1967 ČSSR-Staatsbürgerschaft; 1968 Mitgl. des SV der ČSSR; Aug. 1968 nach dem Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen Übersiedl. in die Bundesrep. Dtl., die tschech. Ausgabe des »Kaninchen« wurde verboten, die Aufführung des Stücks »Zaza« am Prager Nationaltheater abgesetzt; 1969 Gastdozentur an der Univ. Texas; Andreas-Gryphius-Preis; 1971 Staatsbürger der Bundesrep. Dtl.; 1973 Mitgl. der Bayr. Akad.; 1977 Jakob-Kaiser-Preis; 1980 PEN-Zentrum Bundesrep. Dtl; gest. in München.Der Schuß auf die Kanzel. Berlin 1958; Bonifaz oder Der Matrose in der Flasche. Berlin 1963; Die Person. Mit Materialien zusammengestellt von Gerold Meyer. Stuttgart 1970; Der Mädchenkrieg. München 1975; Der Kanal. München 1978; Naida. Gesammelte Erz. Hamburg 1991.Carsten Wurm / Andreas Kölling

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Bierbach, Martin

* 30.11.1926 – ✝ 9.4.1984

Geb. in Kalbsrieth (b. Artern); Vater Arbeiter; Volks- u. Mittelschule; Lehre u. Arbeit als Maschinenschlosser; 1943 RAD, 1943 – 45 Wehrmacht, 1945 – 48 sowj. Kriegsgefangenschaft. 1948 Rückkehr nach Dtl.; SED; 1948 – 50 Lehre als Schlosser (Umschüler), Maschinenschlosser im VEB Zuckerfabrik Artern; 1950 – 52 Instrukteur der SED-KL Sangerhausen, 1952 Lehrgang an einer SED-LPS; 1953 Eintritt in das MfAA, Hauptsachbearb., Referent, Oberreferent, 1953 – 57 hauptamtl. Sekr. der SED-BPO im MfAA; Fernstudium an der DASR Potsdam, Dipl.-Staatswiss.; 1957 – 59 1. Sekr. bzw. Botschaftsrat in der VR China (Nachf. von Franz Everhartz), 1959 – 62 Generalkonsul der DDR in der Vereinigten Arab. Rep. bzw. kurzz. Geschäftsträger in Algerien (Nachf. von Walfried Lange), 1963 – 66 Ltr. der 3. Außereurop. Abt. des MfAA (Nachf. von Norbert Jaeschke); 1966 – 68 Botschafter der DDR in der VR China (Nachf. von  Günter Kohrt), 1969 – 73 Botschafter der DDR in Ägypten (Nachf. von Wolfgang Konschel), 1980 – 84 Botschafter der DDR in Großbritannien (Nachf. von  Karl-Heinz Kern) u. 1981 – 84 zusätzl. in der Rep. Irland (Nachf. von  Karl-Heinz Kern).Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Biermann, Wolf

* 15.11.1936

Geb. in Hamburg; Vater Arbeiter (als Jude u. Kommunist im KZ Auschwitz ermordet); Gymnasium; 1953 Übersiedl. in die DDR; 1955 Abitur, 1955 – 57 Studium der Pol. Ökon. an der HU Berlin (ohne Abschluß), 1957 – 59 Eleve am Berliner Ensemble, 1959 – 63 Studium der Philos. u. Mathematik an der HU Berlin; erste eigene Lieder (Vorbilder: Villon,  Brecht, Heine, Brassens), 1960 Bekanntschaft mit  Hanns Eisler, machte den aus dem 18. Jh. stammenden Begriff »Liedermacher« zu seiner Berufsbezeichnung; 1961 – 63 Aufbau des Berliner Arbeiter- u. Studententheaters b.a.t., Verbot noch vor der Eröffnung; 1962/63 Mitwirkung bei Lyrikabenden, u. a. an der DAK (hier von  Stephan Hermlin vorgestellt); Kand. der SED, Streichung; seit 1963 freischaff., zeitw. Auftrittsverbot; Beginn der Freundschaft mit  Robert Havemann; 1964 erste Gastspielreise in die Bundesrep. Dtl.; während in der DDR B.s Lieder als private Tonbandmitschnitte verbreitet u. nur einzelne Texte in Anth. veröff. wurden, erschienen 1965 in der Bundesrep. Dtl. die erste LP »Wolf Biermann (Ost) zu Gast bei Wolfgang Neuss (West)« u. der erste Gedichtband »Die Drahtharfe«; Dez. 1965 (im Vorfeld des 11. Plenums des ZK der SED) totales Auftritts- u. Publikationsverbot; weitere Veröff. in der Bundesrep. Dtl., inoffiz. Verbreitung in der DDR, u. a. Buch »Mit Marx- u. Engelszungen« (1968) u. LP »Chausseestr. 131« (1969); 1969 Fontane-Preis Berlin (West); 1974 Offenbach-Preis Köln; Sept. 1976 erster öff. Auftritt nach elf Jahren in einer Prenzlauer Kirche, Genehmigung einer Tournee durch die Bundesrep. Dtl., nach dem Kölner Konzert vom 13.11.1976 (mit TV-Übertragung, Mitschnitt auf der LP »Das geht sein’ soz. Gang«) Ausbürgerung aus der DDR, dagegen Protestaktion von DDR-Künstlern; lebt seitdem in Hamburg; April 1982 einmalige Einreiseerlaubnis für seinen letzten Besuch bei Robert Havemann; 1989 Friedrich-Hölderlin-Preis; 1./2.12.1989 erster DDR-Besuch nach Maueröffng., Gespräch mit Kulturmin.  Dietmar Keller, Entschuldigung der Reg. für das an B. begangene Unrecht, Konzerte in Leipzig (vom DFF übertragen) u. Berlin; 1990 LP »Gut Kirschenessen DDR – ça ira!«, ab 1990 umfgr. Publ. 1991 Mörike-Preis, Büchner-Preis; LP »Nur wer sich ändert«; 1993 Heinrich-Heine-Preis; ab 1996 Wiederveröff. aller seit 1965 erschienenen LPs auf CD; 1998 Dt. NP; Progr. »Brecht, Deine Nachgeborenen«; 2001 Heinz-Galinski-Preis; 2006 Joachim-Ringelnatz-Preis u. Gr. Bundesverdienstkreuz; 2007 Ehrenbürger v. Berlin; 2008 Ehrendoktorwürde der HU Berlin.Klartexte im Getümmel. Köln 1990; Alle Lieder. Köln 1991; Alle Gedichte. Köln 1995; Wie man Verse macht u. Lieder. Eine Poetik in acht Gängen. Köln 1997; Über Deutschland. Unter Deutschen. Köln 2002; Bob Dylan. Eleven Outlined Epitaphs. Köln 2003; Das ist die feinste Liebeskunst. 40 Shakespeare-Sonette. Köln 2004; Heimat. Neue Gedichte. Hamburg 2006; Berlin, du deutsche deutsche Frau. Hamburg 2008. Rothschild, T. (Hrsg.): W. B. – Liedermacher u. Soz. Reinbek 1976; Keller, D., Kirchner, M.: B. u. kein Ende. Eine Dokumentation zur DDR-Kulturpol. Berlin 1991; Rosellini, J.: W. B. München 1992; Berbig, R. u. a. (Hrsg.): In Sachen Biermann. Protokolle, Berichte u. Briefe zu den Folgen einer Ausbürgerung. Berlin 1994; Pleitgen, F. (Hrsg.): Die Ausbürgerung. Berlin 2001.Lutz Kirchenwitz

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Bilke, Paul

* 2.6.1928 – ✝ 2008

Geb. in Lucka (Krs. Altenburg); Volksschule; Ausbildung zum Elektriker; 1945/46 KPD/ SED; 1946 – 50 Besuch der Ing.-Schule Zwikkau, Ing.; 1953 Einstellung beim MfS, HA III (Volkswirtschaft); 1956 Abt.-Ltr. in der WTA-Arbeitsgr. Berlin; 1961 Besuch der Politschule der NVA; 1962 stellv. Ltr. der HV A-Abt. V (Wirtschaftsspionage); 1964/65 Besuch der Schule der HV A; 1971 Abt.-Ltr.; 1973 Oberst; 1976 Entlassung.Jens Gieseke

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Binder, Erwin

* 18.9.1932 – ✝ 28.10.1999

Geb. in Groß Godems (Krs. Parchim); Vater Arbeiter; Volksschule. 1947 – 49 Harzfacharbeiter im Harzgewinnungsbetrieb Parchim; 1949 Landw.-Gehilfe; 1949/50 Besuch der FS für Landw. in Lübz, Mstr. der Landw.; 1951 DBD; 1950/51 Gemeindesekr. in Groß Godems; 1951/52 pol. Mitarb. der Krs.-Verb. Parchim u. Rostock; 1952/53 1. Sekr. des DBD-KV Bad Doberan; 1953 – 55 pol. Mitarb. des PV der DBD; 1956 – 69 Sekr. des DBD-BV Rostock, 1969 – 82 Vors. des BV Rostock der DBD (Nachf. von Otto Lange); 1959 – 66 Mitgl. des BV Rostock der DSF; 1957 – 82 Mitgl. des Bez.-Aussch. Rostock der NF; 1957 – 82 Mitgl. des BV Rostock, seit 1972 Mitgl. des PV der DBD, seit 1977 Mitgl. des Präs., seit 1982 Sekr. des PV der DBD; 1965 – 81 Abg. des Bez.-Tags Rostock; 1968 – 73 Fernstudium an der Univ. Greifswald, Dipl.-Phil.; 1969 Verdienstmedaille der DDR; 1981 – 90 Abg. der Volkskammer, 1981 – 86 Mitgl. des Aussch. für Arbeit u. Sozialpol.; seit 1986 Mitgl. des Aussch. für Ausw. Angelegenh. der Volkskammer u. Vors. der DBD-Fraktion (Nachf. v.  Leonhard Helmschrott); 1987 – 89 Mitgl. des Präs. der Volkskammer (Nachf. von  Günther Maleuda).Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Birkenhauer, Erich

* 21.1.1903 – ✝ 8.9.1941

Geboren am 21. Januar 1903 in Essen; besuchte bis 1922 das Lehrerseminar, ohne seine Ausbildung zu beenden. 1919 Mitglied der FSJ, er und sein Bruder Wilhelm traten 1924 der KPD bei. Ende 1925 war er Leiter des UB Essen des KJVD. Anfang 1928 Redaktionsvolontär, anschließend Lokalredakteur an der »Niederrheinischen Arbeiterzeitung« in Duisburg, Ende 1928 politischer Redakteur. Von Oktober 1929 bis Oktober 1930 saß Birkenhauer wegen »literarischen Hochverrats« in der Festung Gollnow und im Gefängnis Bielefeld. Im November 1930 wurde er Agitpropsekretär der BL Ruhrgebiet, ab März 1931 Nachfolger von Albert Norden als Chefredakteur des »Ruhr-Echos«. Birkenhauer übersiedelte im Mai 1932 nach Berlin und gehörte neben Werner Hirsch und Heinrich Meyer zu jenen engen Mitarbeitern Ernst Thälmanns, welche auf die Politik der KPD großen Einfluß hatten. Nach einem Treffen mit Herbert Wehner und Sepp Schwab wurde Birkenhauer am 3. März 1933 verhaftet. Bei seiner Vernehmung erklärte er: »Ich bin heute in Berlin aus Essen angekommen, traf einige Freunde und bin dann zur Wohnung Thälmanns in der Lützowstr. 9 verwiesen worden. Darüber, mit wem ich in Essen zu tun gehabt habe, möchte ich nichts sagen. Die Bezeichnung ?Sekretär? des Herrn Thälmann ist dahingehend zu verstehen, daß ich einer seiner Mitarbeiter bin.« Birkenhauer saß bis zum 22.September 1933 im Polizeipräsidium Berlin, in Berlin-Plötzensee und im KZ Sonnenburg. Er war als Zeuge zum Reichstagsbrandprozeß geladen, erschien aber nicht. Birkenhauers Aussage in der Voruntersuchung belastete allerdings Ernst Torgler im Reichstagsbrandprozeß: Um nicht selbst in Verdacht zu geraten, hatte Birkenhauer die Unwahrheit gesagt und damit Torgler schwer geschadet. Birkenhauer emigrierte im Oktober 1933 zunächst nach Paris, wo er bis Februar 1935 Sekretär bzw. Mitarbeiter beim ZK war. Er schloß sich Ende 1934 der Mehrheit des Politbüros unter Hermann Schubert und Fritz Schulte an. Vor dem VII. Weltkongreß und der »Brüsseler Konferenz« 1935 kapitulierte er und erklärte Pieck gegenüber seinen Bruch mit der »Sektierer-Clique«. Im Juli 1935 wurde er Sekretär des Internationalen Thälmann-Befreiungskomitees in Paris. Birkenhauer mußte im Juni 1937 zur Berichterstattung nach Moskau, wurde dort im November 1937 verhaftet und am 21. Juli 1939 durch das MKOG zu zwölf Jahren Arbeitslager verurteilt. Während der NKWD-Haft hatte er einen Antrag auf Ausreise nach Deutschland gestellt. Bei erneuter Verhandlung seiner Angelegenheit am 8. September 1941 wurde Erich Birkenhauer vom gleichen Gremium zum Tode verurteilt und am 11. September 1941 im Wald von Orjol erschossen. 1958 durch das MKOG »rehabilitiert«. Seine Frau Herta Birkenhauer, geborene Pigorsch (*28. 9. 1904 – † 2. 4. 1982), Verkäuferin, wurde 1921 Mitglied des KJVD, 1928 der KPD. Von 1926 bis 1932 arbeitete sie als Stenotypistin in der Redaktion des »Ruhr-Echos« in Essen. 1930 Heirat mit Erich Birkenhauer, 1932 Übersiedlung nach Berlin, wo sie Mitarbeiterin ihres Mannes im Sekretariat von Ernst Thälmann war. Ende 1933 Emigration nach Frankreich, 1936/37 im »Thälmann-Komitee«, anschließend im Frauenkomitee tätig. 1940 im Lager Gurs interniert, gelang ihr die Flucht nach Toulouse, wo sie ab 1943 illegale Arbeit leistete. Im Dezember 1947 kehrte sie nach Deutschland zurück und wurde Mitarbeiterin im PV bzw. ab 1950 im ZK der SED, zuletzt Sekretärin in der Kaderabteilung bzw. in der Abteilung Internationale Verbindungen.

Wer war wer in DDR

Birr, Dieter (»Maschine«)

* 18.3.1944

Geb. in Köslin (Hinterpomm./Koszalin, Polen); Ausbildung zum Universalschleifer, zugl. autodidakt. Gitarre gelernt; Gitarrist in versch. Gruppen; 1966 – 72 Musikschule Berlin-Friedrichshain (Spezialklasse Tanzmusik, Theorie u. Gitarre); seit 1969 bei den Puhdys, 19.11.1969 erstes Konzert der Gruppe in Freiberg; 1971 erster Puhdys-Titel »Türen öffnen sich zur Stadt«; 1973 mit Puhdys Filmmusik zu »Die Legende von Paul u. Paula« (R:  Heiner Carow), Aug. 1973 erste Großveranstaltung der Puhdys (X. Weltfestspiele Berlin), Filmmusik »Geh dem Wind nicht aus dem Wege«; 1974 Exklusivvertrag mit der GD beim Komitee für Unterhaltungskunst, LP »Die Puhdys«; 1975 Internat. Liederfestival Sopot (Polen); 1976 LP »Sturmvogel«, Sommer 1976 erste Auftritte in der Bundesrep. Dtl. (Dortmund: »Fest der Jugend«); 1977 Vertrag mit Hansa Musikprod. GmbH (Bundesrep. Dtl.) u. Lied der Zeit Musikverlag Berlin, erste große Tournee in der Bundesrep. Dtl., LP »Rock’n’Roll Music«, »Die großen Erfolge« u. »Perlenfischer«, Fernsehshow »Puhdys – made in GDR«; 1979 LP »Wilde Jahre«, »Puhdys live«, drei Konzerte im Friedrichstadtpalast Berlin (10 Jahre Puhdys); 1980 LP »Heiß wie Schnee«, Konzert in der Dtl.-Halle in Berlin (West); 1981 LP »Far From Home« (in London abgemischt), »Schattenreiter«, Juni 1981 Konzert in der Waldbühne Berlin (West) (12.000 Besucher), Promotion-Tour durch die USA; 1982 LP »Computer-Karriere«; 1982 NP; 1984 LP »Das Buch«, »Live in Sachsen«, 1986 Solo-LP »Intim«, LP »Ohne Schminke«, 1989 LP »Neue Helden« (Koprod. Amiga u. Koch-Records/Bundesrep. Dtl.), erschien zeitgl. in der Schweiz, Österreich, der Bundesrep. Dtl. u. der DDR), LP »Das Jubiläums-Album« (mit Rosalili, The Lords u. a.); vorübergehende Auflösung der Band. 1990 Band Maschine u. Männer; seit 1992 wieder mit den Puhdys; 1992 CD »Wie ein Engel«; 1994 Jubiläumstournee »25 Jahre Puhdys«, CDs »Zeiten ändern sich«, »Puhdys Live – 25 Jahre totale Action«, »Die Legende von Paul u. Paula« (Filmmusik); 1995 CDs »Bis ans Ende der Welt« u. »Das Beste aus 25 Jahren 2«; 1997 CDs »Frei wie ein Geyer« u. »Puhdys Live in Flagranti«; 1999 bundesweite Tournee zum 30jährigen Jubiläum der Band, CDs »Wilder Frieden«, »Die Puhdys 1969 – 1999« u. Video »Live – das 3.000. Konzert« (Waldbühne, Berlin 19.6.1999/2003 auf DVD); 2000 CD »Was bleibt«, TV-Film »Comeback für Freddy Baker« (mit Mario Adorf); 2001 CD »Live im Friedrichstadtpalast« u. »Dezembertage«; eigene Sendung beim Rundfunksender Rockland Sachsen-Anh.; 2003 CD »undercover«, Tournee mit  Ute Freudenberg u. »City«; 2004 CD »Puhdys forever«, 17.4. Auftritt in der ZDF-Sendung »50 Jahre Rock«.Tilgner, W., Ettelt, V.: Die Puhdys. Berlin 1983; Fehlberg, M.: Lebenszeit. Ein Puhdys-Porträt. Berlin 1979; Hannover, I., Wicke, P. (Hrsg.): Puhdys. Eine Kultband aus dem Osten. Berlin 1994; Jeske, H.: Mein wildes Leben u. die Puhdys. Berlin 1997. Beyer, U.: 30 Jahre Puhdys. Berlin 1999.Rainer Bratfisch

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Bischoff, Fritz

* 1.7.1900 – ✝ 3.5.1945

Geboren am 1. Juli 1900 in Rixdorf bei Berlin, Sohn einer Arbeiterfamilie. Nach kaufmännischer Lehre Angestellter. Er schloß sich 1916 der Spartakusgruppe und 1918 der KPD an. Ab 1921 arbeitete er bei der Universum-Film AG (UFA). Wegen seiner kommunistischen Tätigkeit 1922 gemaßregelt, war er anschließend bis Dezember 1930 Angestellter bei der sowjetischen Handelsvertretung in Berlin und Hamburg. Bischoff leitete ehrenamtlich die Agitpropabteilung der BL Berlin-Brandenburg bzw. Wasserkante in Hamburg. Ende 1930 Vorsitzender der Interessengemeinschaft für Arbeiterkultur und des Verbandes der proletarischen Freidenker, 1933 Polleiter der BL Hessen- Frankfurt/M. Im September 1934 in Heidelberg verhaftet und Ende Dezember zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt, 1942 aus dem Zuchthaus Kassel-Wehlheiden in das KZ Sachsenhausen und 1944 in das KZ Neuengamme verbracht. Er gehörte Anfang Mai 1945 zu den tausenden Gefangenen, die von der SS auf das Schiff »Cap Arcona« in der Lübecker Bucht getrieben wurden. Bei der Versenkung des Schiffs am 3. Mai 1945 durch die britische Luftwaffe kam Fritz Bischoff ums Leben. Seine Frau Charlotte Bischoff, geborene Wielepp (* 5. 10. 1901 – † 4. 11. 1994), Kontoristin und Stenotypistin, wurde 1920 Mitglied des KJVD, 1923 der KPD. 1923 Heirat mit Fritz Bischoff, ab 1930 Stenotypistin im ZK der KPD. 1933 illegale Arbeit. Im Dezember 1933 Emigration mit ihrer Tochter Renate (* 9. 9. 1924, spätere Ehefrau des SED-Politbüromitglieds Bruno Leuschner) in die UdSSR. Mitarbeiterin der MOPR bzw. der Abteilung Internationale Verbindungen des EKKI in Moskau. Von Februar 1935 bis November 1937 im Auftrag der Komintern in den Niederlanden und in Dänemark, ab Dezember 1938 in Schweden. Dort Anfang 1939 inhaftiert, anschließend Haushaltshilfe beim sowjetischen Handelsvertreter. Im Juni 1941 reiste Charlotte Bischoff im Auftrag von Herbert Wehner und Karl Mewis zur illegalen Arbeit nach Deutschland, bekam Ende Juli 1941 Verbindungen zu Widerstandsgruppen, auch zur Saefkow-Gruppe. 1942 arbeitete sie zeitweise mit Wilhelm Knöchel zusammen. Ab Mai 1945 zunächst Stenotypistin für die sowjetische Kommandantur in Berlin-Charlottenburg. Von 1947 bis 1952 Leiterin der Abteilung Sozialpolitik des FDGB Groß-Berlin, von 1952 bis 1957 Vorsitzende der Sozialhilfe in Ost-Berlin.

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Bitsch, Wilhelm

* 1.6.1893 – ✝ 28.11.1941

Geboren am 1. Juni 1893 in Walldorf, lernte Maurer und wurde im Krieg Soldat. 1918 trat er der USPD, 1922 der KPD bei. Mitglied der BL Hessen-Frankfurt und Funktionär in Mörfelden, wo er 1. Beigeordneter der Stadt wurde. Nach den Unruhen in Mörfelden 1932, die der KPD als stärkster Partei angelastet wurden, flüchtete er in die UdSSR. Seine Frau und zwei Töchter folgten ihm. Bitsch arbeitete in Stalinogorsk, wo er am 13. Juli 1937 verhaftet wurde. Das Sondertribunal beim NKWD verurteilte ihn am 27.Dezember 1937 zu zehn Jahren Arbeitslager, Frau und Kinder wurden nach Hitler-Deutschland ausgewiesen. Wilhelm Bitsch starb am 28.November 1941 im Gulag, 1989 wurde das Urteil in der UdSSR aufgehoben.

Wer war wer in DDR

Bittrich, Hans-Joachim

* 1.6.1923

Geb. in Dresden; Vater Angest. 1946 Abitur; bis 1951 Studium der Chemie an der Univ. Leipzig; 1954 Prom. bei  E. Leibnitz zur Kaustifizierung von Natriumsulfat; 1961 Habil. zur Berechnung der Phasengleichgewichte ternärer Dampf-Flüssigkeitssysteme; ab 1955 HS-Lehrer an der TH für Chemie »Carl Schorlemmer« Leuna-Merseburg, bis 1960 Oberass., 1958 – 60 Prorektor, 1960 Doz., 1962 Prof. für Physikal. Chemie, 1963 / 64 Dekan, 1964 – 68 Rektor (Nachf. von Rolf Landsberg), 1969 – 74 u. 1985 – 88 erneut Dekan; 1.6.1988 em.; 1969 – 75 Vors. (Nachf. von Hans Singer), 1975 – 88 Ehrenmitglied der Chem. Ges. der DDR; 1967 Ehrendoktor des Leningrader Technolog. Inst.; 1975 Kekule-Medaille der Chem. Ges. der DDR; 1979 Ehrenmitglied der Poln. u. 1983 der Tschechoslowak. Chem. Ges.; lebt in Merseburg.Klaus Krug

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Blatt, Max

* 1905 – ✝ 1978

Geboren 1905 als Moses Blad, Sohn eines polnisch-jüdischen Arbeiters; er kam als Lederarbeiter vor dem Ersten Weltkrieg nach Breslau. 1923 Mitglied des KJVD, Mitglied der BL Schlesien des KJVD und später auch des ZK des Jugendverbandes. Funktionär bei der Gewerkschaft der Lederarbeiter, 1927 hauptamtlicher Mitarbeiter in der Gewerkschaftsabteilung des ZK der KPD in Berlin. Aus Protest gegen die Spaltungspolitik der RGO legte er schon 1928 seine Funktion nieder und ging nach Breslau zurück, wo er aktiv in der KPO wirkte. Mit der Minderheit der KPO trat Blatt 1932 der SAP bei. 1933 wurde er verhaftet und als polnischer Staatsbürger ausgewiesen. In Polen arbeitete er für die Gruppe »Neu Beginnen« und gelangte 1939 über die Sowjetunion nach Shanghai, wo er bis Kriegsende (unter japanischer Besatzung) im jüdischen Ghetto lebte. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam er nach Australien, Max Blatt soll 1978 in Melbourne gestorben sein.

Wer war wer in DDR

Blechinger, Beate

* 22.5.1947

Geb. in Dresden; 1964 Abitur; 1964 – 69 Lehrerstudium an der EMAU Greifswald (Math. u. Russ.), Dipl.-Lehrerin; 1969 – 72 Lehrerin in Bad Sulza (Krs. Apolda), 1972 – 86 in Fredersdorf (Krs. Strausberg); FDGB; 1986 – Apr. 1990 Ing. für Betriebsorg. u. Datenverarb. im Rechenzentrum in Neuenhagen (Krs. Strausberg); Jan. – Juni 1990 DSU, ab Febr. stellv. Parteivors. u. Mitgl. des Präs. der DSU; April – Okt. 1990 Ltr. des Ministerbüros des Min. für wirtsch. Zusammenarb., 3. – 27.10. 1990 Referatsltr. in der Außenstelle Berlin; Aug. 1990 CDU. Mai 1990 – 98 Abg. des Kreistags Märk. Oderland; Okt. 1990 – 94 u. seit 1999 MdL Brandenb., 1990 – 92 Parl. Geschäftsf. der CDU-Fraktion; 1995 – 99 Lehrerin am Gymnasium Bernhardinum in Fürstenwalde, 1998/99 stellv. Schulltr.; 1999 – 2004 Vors. der CDU-Fraktion im Landtag Brandenb. (Nachf. von Wolfgang Jackel); seit 2004 Min. der Justiz des Landes Brandenb. (Nachf. von Barbara Richstein); seit März 2006 Krs.-Vors. der CDU Märkisch-Oderland.Helmut Müller-Enbergs