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BioLex

In der Kategorie BioLex finden Sie drei biografische Lexika mit über 5500 Personeneinträgen.

 

Das Handbuch "Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945" wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam. Kurzbiografien zu Personen des poltischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 vor. Zudem ist das Onlinlexikon www.dissidenten.eu komplett in dieser  Rubrik recherchierbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Inforamtionen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Beyer, Karin

* 30.7.1941

Geb. in Halberstadt; aktive Schwimmerin 1955 – 65; begann bei BSG Motor Halle, danach BSG Chemie Buna-Schkopau, 1956 – 61 KJS Halle; 1957 – 61 SC Wiss. bzw. SC Chemie Halle (Trainerin Erika Kaufmann); 1961 – 65 SC Rotation Leipzig (Trainer Max Reihe); zweimal EM-Teilnahme: 1958 4 x 100 m Lagen (4. Pl.), 1962 200 m Brust (6. Pl.), viermal WR: 1958 100 m Brust (1:20,3 u. 1:19,6 min), 1961 100 m Brust (1:19,2 min) u. 200 m Brust (2:48,0 min); DDR-Mstr. 100 m Brust (1961, 1962), 200 m Brust (1959, 1961, 1962); 1958 DDR-Sportlerin des Jahres; 1961 – 1965 Studium an der Med. FS Leipzig, Abschluß als Physiotherapeutin; 1965 – 1969 KJS-Trainerin, 1972 – 2001 Schulschwimmlehrerin; seit 2002 Rentnerin; lebt in Halle.Volker Kluge

Wer war wer in DDR

Beyling, Fritz

* 4.1.1909 – ✝ 9.2.1963

Geb. in Burgörner (b. Hettstedt, Krs. Mansfeld); Vater Bergarbeiter; Volks- u. Mittelschule; 1923 Freie Soz. Jugend, dann KJVD; 1925 – 27 Landarbeiter u. Angest. im Saalkrs.; 1927 Jugendsekr. des KJVD Halle-Merseburg; KPD; 1928 Mitarb., später Red. der KPD-Ztg. »Klassenkampf«; 1928 PHS des ZK der KPD; 1928 – 30 Mitarb. in der Landesltg. der Roten Sportbew.; 1930/31 Chefred. der Ztg. »Tribüne« (Magdeburg), 1931/32 Red. des »Kämpfers« (Chemnitz), 1932/33 Chefred. der »Arbeiterstimme« (Dresden); 1933 illeg. Arbeit in Mageburg (»Alwin«), verhaftet; 1934 wegen »Vorber. zum Hochverrat« zu drei Jahren Haft verurteilt, 1934/35 Zuchthaus Zwickau; 1935 arbeitslos, 1936 – 39 Gelegenheitsarb., 1939 – 42 Angest. in Dresden; ab Okt. 1942 Strafbat. 999, Mai 1943 in franz. Gefangenschaft in Tunesien, 1943 – 45 Lager Djelfa, 1946 Lager Boghar, Pont du Fahs (Algerien), antifa. Arbeit unter dt. Kriegsgefangenen. Herbst 1946 Rückkehr nach Dtl.; 1946 KPD/SED; 1946 – 48 Red., 1948 – 50 Chefred. der Ztg. »Freiheit« (Sachsen-Anh.); 1947 Landesvors. der VVN Sachsen-Anh.; 1949/50 Sanatoriumsaufenthalt in Sülzhayn (Südharz); 1950/51 Ltr. der Zentr. Redakteur-Nachwuchsschule der ZK-Abt. Agit. der SED bei der PHS in Kleinmachnow (1951 in das Publizist. Inst. an der KMU Leipzig überführt); 1950 – 58 Abg. der Volkskammer; 1951 – 53 Gen.-Sekr. der VVN (Nachf. von  Harry Kuhn), Vizepräs. der FIR; 1953 – 58 Ltr. des Presseamtes beim Vors. des Min.-Rats (Nachf. von  Gerhart Eisler); 1958 – 63 Vors. des Sekr. des DSF-ZV (Nachf. von  Rudolf Mießner); gest. in Berlin.Ein Leben für Frieden u. Sozialismus. Halle 1987. Reuter, E., Hansel, D.: Das kurze Leben der VVN von 1947 bis 1953. Die Geschichte der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes in der sowj. Besatzungszone u. in der DDR. Berlin 1997.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Bialek, Robert

* 23.6.1915 – ✝ 4.2.1956

Geb. in Breslau (Wrocław, Polen); Vater Arbeiter; Mittelschule; Ausbildung zum Kfm.; 1929 SAJ, 1933 KJVD; KPD (O); ab 1933 illeg. pol. Arbeit; 1935 Verhaftung; Verurteilung zu fünf Jahren Haft, danach »Schutzhaft«; ab 1943 illeg. in Breslau. 1945 nach Sachsen, dort Bez.-Jugendsekr. der KPD, Landesjugendltr. Sachsen, 1. Vors. der FDJ in Sachsen, Mitgl. des FDJ-ZR; 1946 – 48 Abg. im Sächs. Landtag; 1946/47 Sekr. der SED-LL; 1947/48 PHS; danach in der DVdI HA-Ltr. für pol. Schulung im Rang eines Generalinspekteurs der DVP; Okt. 1948 Amtsenthebung wegen pol. Differenzen; kam zur Bewährung nach Großenhain, dort zunächst 1. Sekr. der SED-KL; nach erneuter Ablösung Kulturdir. im VEB Lokomotiv- u. Waggonbau Bautzen; nach Konflikten mit  Walter Ulbricht 1952 SED-Ausschl.; nach dem Aufstand vom 17.6.1953 Flucht mit der Familie nach Berlin (West); SPD; aufsehenerregende Interviews u. Sendungen im dt.-spr. Dienst der BBC; Mitarb. des Ostbüros der SPD (»Bruno Wallmann«), Aufbau eines Kontaktnetzes in der DDR; am 4.2.1956 Entführung durch das MfS nach Berlin (Ost) mittels Betäubung auf einer fingierten Geburtstagsfeier; starb unter ungeklärten Umständen als Gefangener des MfS.Gotschlich, H. u. a.: »Das neue Leben muß anders werden ...« Berlin 1996; Klier, F.: Das kurze Leben des R. B. Dok.-Film 1997; Herms, M., Noack G.: Aufstieg u. Fall des R. B. Berlin 1998; Kellerhoff, S. F.: Stasi-Mord nach 52 Jahren aufgeklärt. In: Die Welt, 7.4.2008.Michael Herms

Wer war wer in DDR

Bickhardt, Stephan

* 3.9.1959

Geb. in Dresden; Eltern Theologen; seit 1976 Mitgl. der Aktion Sühnezeichen; 1977/78 Berufsausbildung zum Werkzeugmacher; 1979 – 86 Studium der Theol. u. der Pädagogik am Katechet. Oberseminar in Naumburg (Saale), ab 1983 am Sprachenkonvikt in Berlin; erste Kontakte zu opp. Krs. um  Wolfgang Templin u.  Gerd Poppe; seitdem Engagement in versch. Gruppen, Org. von Verbindungen zwischen Basiskirche, unabh. Kulturszene u. opp. Gruppen, Mai 1985 Mitorg. der »Initiative für Blockfreiheit in Europa«; 1986/87 Studienref. in der Geschäftsstelle der ESG in Berlin, anschl. Vikar bis 1989; seit 1986 Kontakte zur IFM, zentr. Funktion für die Herstellung u. Verbreitung von Samizdat-Lit., u. a. der Reihe »radix-blätter«; Herbst 1986 Mitinitiator des Antrags auf »Absage an Praxis u. Prinzip der Abgrenzung« an die Synode der Ev. Kirchen Berlin-Brandenb. u. die Bundessynode, Mitbegr. des gleichn. opp. Arbeitskrs., 1987 – 89 Veranstalter von 30 unabh. Dichterlesungen in Privatwohnungen (mit  Ludwig Mehlhorn), Frühj. 1989 Mitautor des »Aufruf Neues Handeln« (Aufruf zur Aufstellung unabh. Kand. u. zur Kontrolle der Auszählung der Kommunalwahlergebnisse vom 7.5.1989); Sept. 1989 Mitgl. des Gründerkrs. der Bürgerbew. Demokratie Jetzt (DJ), 1990 deren Geschäftsf., Mitgl. des DJ-Sprecherrats u. des Länderaussch. 1990/91 Abschluß des Vikariats; 1991 Pfarrer in Eberswalde, 1995 – 2006 Studentenpfarrer der Ev. Stud.-Gemeinde in Leipzig; 2006/07 Pfarrer der Kirchengemeinde Großstädteln/ Großdeuben; seit Nov. 2007 Polizeiseelsorger für den Bereich Leipzig.SPUREN. Zur Geschichte der Friedensbew. in der DDR (Mithrsg.). Berlin 1988; Recht ströme wie Wasser (Hrsg.). Berlin (West) 1988. Lotz, Ch.: radix-blätter. In: Dtl. Archiv 33 (2000) 3; Bindernagel, F.: radix-blätter. Leipzig 1999; Gerechtigkeit aus Recht und Gesetz. Leipzig 2007 (Hrsg.).Jan Wielgohs / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Biel, Hans-Peter

* 15.8.1945

Geb. in Wendorf; Vater Steinsetzer; OS, Abitur; 1959 FDJ; 1964 / 65 Lehre als Betriebs- u. Verkehrseisenbahner; Studium an der Zentralschule für Pionierltr.; 1965 – 67 Pionierltr. u. Lehrer an einer POS; 1967 – 71 Referent für Jugendfragen beim Rat des Kreises Bützow; 1969 SED; 1971 / 72 NVA; 1973 / 74 Ltr. der Kreisschule bzw. Ltr. der Bildungsstätte der SED-KL Bützow; 1974 / 75 Lehrgang an der SED-BPS in Güstrow; 1975 – 77 Instrukteur u. Lektor der Bildungsstätte der SED-BL Schwerin; 1978 – 80 Studium an der PHS der KPdSU in Moskau, Dipl.-Gesellschaftswiss.; 1980 polit. Mitarb. der SED-BL Schwerin; 1980 – 82 Sekr. für Agit. u. Prop., 1982 – 85 2. Sekr. der SED-KL Hagenow; 1985 – 89 1. Sekr. der SED-KL Parchim; ab Nov. 1989 2. Sekr. der SED-BL Schwerin.Mario Niemann

Wer war wer in DDR

Bielfeldt, Hans Holm

* 6.3.1907 – ✝ 30.9.1987

Geb. in Lübeck; Vater Kfm.; Oberrealschule, Gymnasium, Abitur; 1925 – 31 Studium der Germanistik u. Slawistik an den Univ. Marburg, München u. Berlin, 1931 Prom. zum Dr. phil. an der Univ. Berlin; 1931 – 39 wiss. Hilfsarb. beim Dt. Wörterbuch der Gebrüder Grimm an der Preuß. AdW; 1939 – 45 Wehrmacht, Dolmetschertätigkeit; 1942 Habil. über die alttschech. Lit. an der Univ. Berlin; 1945 Kriegsgefangenschaft. 1945/46 Dolmetscher der brit. Hafenkommandantur in Hamburg; 1946 Lehrbeauftr. für Slaw. Philol. an der Univ. Hamburg; ab 1946 wiss. Mitarb. am Dt. Wörterbuch der DAW, 1947 Abt.-Ltr. am Inst. für Slawistik der DAW; 1948 Prof. für Slawistik an der Brandenb. Landes-HS Potsdam; 1950 – 72 Prof. für Slawist. Philol. u. Dir. des Slawist. Inst. der HU Berlin; 1951 – 69 Dir. des Inst. für Slawistik der DAW, 1953 Ord. Mitgl. der DAW; 1956 Vors. des Dt. Slawistenkomitees bzw. Nat.-Komitees der Slawisten der DDR u. Mitgl. des Internat. Slawistenkomitees; 1961 NP; 1973 Dr. phil. h. c. der Univ. Warschau; gest. in Berlin. Forschungen u. Publ. zum dt.-slaw. Sprachkontakt, zur sorb. Lexikol., alttschech. Lit. u. russ. Grammatik sowie zur Geschichte der Slawistik; Verf. von Wörterbüchern; Hrsg. der »Slawist. Bibl.« (1954 – 59), Mitbegr. u. Mithrsg. der »Ztschr. für Slawistik« (1956 – 87) u. der »Veröff. des Inst. für Slawistik der DAW« (1951 – 69). Bibl. In: Slaw.-dt. Wechselbeziehungen in Sprache, Lit. u. Kultur. Berlin 1969 (Fs.); Forts. der Bibl. In: Ztschr. für Slawistik (1972) 17 u. (1977) 22.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Bierbaum, Werner

* 17.6.1928

Geb. in Chemnitz; Vater Schlosser, Mutter Näherin; 1944/45 Wehrmacht, Luftwaffenhelfer. 1946 SED; 1947 Abitur; 1947 – 50 Ökon.-Studium an der Univ. Leipzig; 1950 – 52 Arbeit als Statistiker; 1952 Einstellung beim MfS, operativer Mitarb. der HA III (Volkswirtschaft), Versetzung zur BV Dresden, dann BV Chemnitz/Karl-Marx-Stadt; 1954 Versetzung zur HA III; 1956 HV A-HA II (Militärspionage); 1958 HV A-Abt. VII (Auswertung / Information); 1967 Prom. zum Dr. rer. oec. an der HU Berlin; 1976 Oberst; 1983 Ltr. der HV A-Abt. VII; 1990 Entlassung.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Biermann, Wolf

* 15.11.1936

Geb. in Hamburg; Vater Arbeiter (als Jude u. Kommunist im KZ Auschwitz ermordet); Gymnasium; 1953 Übersiedl. in die DDR; 1955 Abitur, 1955 – 57 Studium der Pol. Ökon. an der HU Berlin (ohne Abschluß), 1957 – 59 Eleve am Berliner Ensemble, 1959 – 63 Studium der Philos. u. Mathematik an der HU Berlin; erste eigene Lieder (Vorbilder: Villon,  Brecht, Heine, Brassens), 1960 Bekanntschaft mit  Hanns Eisler, machte den aus dem 18. Jh. stammenden Begriff »Liedermacher« zu seiner Berufsbezeichnung; 1961 – 63 Aufbau des Berliner Arbeiter- u. Studententheaters b.a.t., Verbot noch vor der Eröffnung; 1962/63 Mitwirkung bei Lyrikabenden, u. a. an der DAK (hier von  Stephan Hermlin vorgestellt); Kand. der SED, Streichung; seit 1963 freischaff., zeitw. Auftrittsverbot; Beginn der Freundschaft mit  Robert Havemann; 1964 erste Gastspielreise in die Bundesrep. Dtl.; während in der DDR B.s Lieder als private Tonbandmitschnitte verbreitet u. nur einzelne Texte in Anth. veröff. wurden, erschienen 1965 in der Bundesrep. Dtl. die erste LP »Wolf Biermann (Ost) zu Gast bei Wolfgang Neuss (West)« u. der erste Gedichtband »Die Drahtharfe«; Dez. 1965 (im Vorfeld des 11. Plenums des ZK der SED) totales Auftritts- u. Publikationsverbot; weitere Veröff. in der Bundesrep. Dtl., inoffiz. Verbreitung in der DDR, u. a. Buch »Mit Marx- u. Engelszungen« (1968) u. LP »Chausseestr. 131« (1969); 1969 Fontane-Preis Berlin (West); 1974 Offenbach-Preis Köln; Sept. 1976 erster öff. Auftritt nach elf Jahren in einer Prenzlauer Kirche, Genehmigung einer Tournee durch die Bundesrep. Dtl., nach dem Kölner Konzert vom 13.11.1976 (mit TV-Übertragung, Mitschnitt auf der LP »Das geht sein’ soz. Gang«) Ausbürgerung aus der DDR, dagegen Protestaktion von DDR-Künstlern; lebt seitdem in Hamburg; April 1982 einmalige Einreiseerlaubnis für seinen letzten Besuch bei Robert Havemann; 1989 Friedrich-Hölderlin-Preis; 1./2.12.1989 erster DDR-Besuch nach Maueröffng., Gespräch mit Kulturmin.  Dietmar Keller, Entschuldigung der Reg. für das an B. begangene Unrecht, Konzerte in Leipzig (vom DFF übertragen) u. Berlin; 1990 LP »Gut Kirschenessen DDR – ça ira!«, ab 1990 umfgr. Publ. 1991 Mörike-Preis, Büchner-Preis; LP »Nur wer sich ändert«; 1993 Heinrich-Heine-Preis; ab 1996 Wiederveröff. aller seit 1965 erschienenen LPs auf CD; 1998 Dt. NP; Progr. »Brecht, Deine Nachgeborenen«; 2001 Heinz-Galinski-Preis; 2006 Joachim-Ringelnatz-Preis u. Gr. Bundesverdienstkreuz; 2007 Ehrenbürger v. Berlin; 2008 Ehrendoktorwürde der HU Berlin.Klartexte im Getümmel. Köln 1990; Alle Lieder. Köln 1991; Alle Gedichte. Köln 1995; Wie man Verse macht u. Lieder. Eine Poetik in acht Gängen. Köln 1997; Über Deutschland. Unter Deutschen. Köln 2002; Bob Dylan. Eleven Outlined Epitaphs. Köln 2003; Das ist die feinste Liebeskunst. 40 Shakespeare-Sonette. Köln 2004; Heimat. Neue Gedichte. Hamburg 2006; Berlin, du deutsche deutsche Frau. Hamburg 2008. Rothschild, T. (Hrsg.): W. B. – Liedermacher u. Soz. Reinbek 1976; Keller, D., Kirchner, M.: B. u. kein Ende. Eine Dokumentation zur DDR-Kulturpol. Berlin 1991; Rosellini, J.: W. B. München 1992; Berbig, R. u. a. (Hrsg.): In Sachen Biermann. Protokolle, Berichte u. Briefe zu den Folgen einer Ausbürgerung. Berlin 1994; Pleitgen, F. (Hrsg.): Die Ausbürgerung. Berlin 2001.Lutz Kirchenwitz

Wer war wer in DDR

Bilke, Paul

* 2.6.1928 – ✝ 2008

Geb. in Lucka (Krs. Altenburg); Volksschule; Ausbildung zum Elektriker; 1945/46 KPD/ SED; 1946 – 50 Besuch der Ing.-Schule Zwikkau, Ing.; 1953 Einstellung beim MfS, HA III (Volkswirtschaft); 1956 Abt.-Ltr. in der WTA-Arbeitsgr. Berlin; 1961 Besuch der Politschule der NVA; 1962 stellv. Ltr. der HV A-Abt. V (Wirtschaftsspionage); 1964/65 Besuch der Schule der HV A; 1971 Abt.-Ltr.; 1973 Oberst; 1976 Entlassung.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Binder, Erwin

* 18.9.1932 – ✝ 28.10.1999

Geb. in Groß Godems (Krs. Parchim); Vater Arbeiter; Volksschule. 1947 – 49 Harzfacharbeiter im Harzgewinnungsbetrieb Parchim; 1949 Landw.-Gehilfe; 1949/50 Besuch der FS für Landw. in Lübz, Mstr. der Landw.; 1951 DBD; 1950/51 Gemeindesekr. in Groß Godems; 1951/52 pol. Mitarb. der Krs.-Verb. Parchim u. Rostock; 1952/53 1. Sekr. des DBD-KV Bad Doberan; 1953 – 55 pol. Mitarb. des PV der DBD; 1956 – 69 Sekr. des DBD-BV Rostock, 1969 – 82 Vors. des BV Rostock der DBD (Nachf. von Otto Lange); 1959 – 66 Mitgl. des BV Rostock der DSF; 1957 – 82 Mitgl. des Bez.-Aussch. Rostock der NF; 1957 – 82 Mitgl. des BV Rostock, seit 1972 Mitgl. des PV der DBD, seit 1977 Mitgl. des Präs., seit 1982 Sekr. des PV der DBD; 1965 – 81 Abg. des Bez.-Tags Rostock; 1968 – 73 Fernstudium an der Univ. Greifswald, Dipl.-Phil.; 1969 Verdienstmedaille der DDR; 1981 – 90 Abg. der Volkskammer, 1981 – 86 Mitgl. des Aussch. für Arbeit u. Sozialpol.; seit 1986 Mitgl. des Aussch. für Ausw. Angelegenh. der Volkskammer u. Vors. der DBD-Fraktion (Nachf. v.  Leonhard Helmschrott); 1987 – 89 Mitgl. des Präs. der Volkskammer (Nachf. von  Günther Maleuda).Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Birkenhauer, Erich

* 21.1.1903 – ✝ 8.9.1941

Geboren am 21. Januar 1903 in Essen; besuchte bis 1922 das Lehrerseminar, ohne seine Ausbildung zu beenden. 1919 Mitglied der FSJ, er und sein Bruder Wilhelm traten 1924 der KPD bei. Ende 1925 war er Leiter des UB Essen des KJVD. Anfang 1928 Redaktionsvolontär, anschließend Lokalredakteur an der »Niederrheinischen Arbeiterzeitung« in Duisburg, Ende 1928 politischer Redakteur. Von Oktober 1929 bis Oktober 1930 saß Birkenhauer wegen »literarischen Hochverrats« in der Festung Gollnow und im Gefängnis Bielefeld. Im November 1930 wurde er Agitpropsekretär der BL Ruhrgebiet, ab März 1931 Nachfolger von Albert Norden als Chefredakteur des »Ruhr-Echos«. Birkenhauer übersiedelte im Mai 1932 nach Berlin und gehörte neben Werner Hirsch und Heinrich Meyer zu jenen engen Mitarbeitern Ernst Thälmanns, welche auf die Politik der KPD großen Einfluß hatten. Nach einem Treffen mit Herbert Wehner und Sepp Schwab wurde Birkenhauer am 3. März 1933 verhaftet. Bei seiner Vernehmung erklärte er: »Ich bin heute in Berlin aus Essen angekommen, traf einige Freunde und bin dann zur Wohnung Thälmanns in der Lützowstr. 9 verwiesen worden. Darüber, mit wem ich in Essen zu tun gehabt habe, möchte ich nichts sagen. Die Bezeichnung ?Sekretär? des Herrn Thälmann ist dahingehend zu verstehen, daß ich einer seiner Mitarbeiter bin.« Birkenhauer saß bis zum 22.September 1933 im Polizeipräsidium Berlin, in Berlin-Plötzensee und im KZ Sonnenburg. Er war als Zeuge zum Reichstagsbrandprozeß geladen, erschien aber nicht. Birkenhauers Aussage in der Voruntersuchung belastete allerdings Ernst Torgler im Reichstagsbrandprozeß: Um nicht selbst in Verdacht zu geraten, hatte Birkenhauer die Unwahrheit gesagt und damit Torgler schwer geschadet. Birkenhauer emigrierte im Oktober 1933 zunächst nach Paris, wo er bis Februar 1935 Sekretär bzw. Mitarbeiter beim ZK war. Er schloß sich Ende 1934 der Mehrheit des Politbüros unter Hermann Schubert und Fritz Schulte an. Vor dem VII. Weltkongreß und der »Brüsseler Konferenz« 1935 kapitulierte er und erklärte Pieck gegenüber seinen Bruch mit der »Sektierer-Clique«. Im Juli 1935 wurde er Sekretär des Internationalen Thälmann-Befreiungskomitees in Paris. Birkenhauer mußte im Juni 1937 zur Berichterstattung nach Moskau, wurde dort im November 1937 verhaftet und am 21. Juli 1939 durch das MKOG zu zwölf Jahren Arbeitslager verurteilt. Während der NKWD-Haft hatte er einen Antrag auf Ausreise nach Deutschland gestellt. Bei erneuter Verhandlung seiner Angelegenheit am 8. September 1941 wurde Erich Birkenhauer vom gleichen Gremium zum Tode verurteilt und am 11. September 1941 im Wald von Orjol erschossen. 1958 durch das MKOG »rehabilitiert«. Seine Frau Herta Birkenhauer, geborene Pigorsch (*28. 9. 1904 – † 2. 4. 1982), Verkäuferin, wurde 1921 Mitglied des KJVD, 1928 der KPD. Von 1926 bis 1932 arbeitete sie als Stenotypistin in der Redaktion des »Ruhr-Echos« in Essen. 1930 Heirat mit Erich Birkenhauer, 1932 Übersiedlung nach Berlin, wo sie Mitarbeiterin ihres Mannes im Sekretariat von Ernst Thälmann war. Ende 1933 Emigration nach Frankreich, 1936/37 im »Thälmann-Komitee«, anschließend im Frauenkomitee tätig. 1940 im Lager Gurs interniert, gelang ihr die Flucht nach Toulouse, wo sie ab 1943 illegale Arbeit leistete. Im Dezember 1947 kehrte sie nach Deutschland zurück und wurde Mitarbeiterin im PV bzw. ab 1950 im ZK der SED, zuletzt Sekretärin in der Kaderabteilung bzw. in der Abteilung Internationale Verbindungen.

Wer war wer in DDR

Birr, Dieter (»Maschine«)

* 18.3.1944

Geb. in Köslin (Hinterpomm./Koszalin, Polen); Ausbildung zum Universalschleifer, zugl. autodidakt. Gitarre gelernt; Gitarrist in versch. Gruppen; 1966 – 72 Musikschule Berlin-Friedrichshain (Spezialklasse Tanzmusik, Theorie u. Gitarre); seit 1969 bei den Puhdys, 19.11.1969 erstes Konzert der Gruppe in Freiberg; 1971 erster Puhdys-Titel »Türen öffnen sich zur Stadt«; 1973 mit Puhdys Filmmusik zu »Die Legende von Paul u. Paula« (R:  Heiner Carow), Aug. 1973 erste Großveranstaltung der Puhdys (X. Weltfestspiele Berlin), Filmmusik »Geh dem Wind nicht aus dem Wege«; 1974 Exklusivvertrag mit der GD beim Komitee für Unterhaltungskunst, LP »Die Puhdys«; 1975 Internat. Liederfestival Sopot (Polen); 1976 LP »Sturmvogel«, Sommer 1976 erste Auftritte in der Bundesrep. Dtl. (Dortmund: »Fest der Jugend«); 1977 Vertrag mit Hansa Musikprod. GmbH (Bundesrep. Dtl.) u. Lied der Zeit Musikverlag Berlin, erste große Tournee in der Bundesrep. Dtl., LP »Rock’n’Roll Music«, »Die großen Erfolge« u. »Perlenfischer«, Fernsehshow »Puhdys – made in GDR«; 1979 LP »Wilde Jahre«, »Puhdys live«, drei Konzerte im Friedrichstadtpalast Berlin (10 Jahre Puhdys); 1980 LP »Heiß wie Schnee«, Konzert in der Dtl.-Halle in Berlin (West); 1981 LP »Far From Home« (in London abgemischt), »Schattenreiter«, Juni 1981 Konzert in der Waldbühne Berlin (West) (12.000 Besucher), Promotion-Tour durch die USA; 1982 LP »Computer-Karriere«; 1982 NP; 1984 LP »Das Buch«, »Live in Sachsen«, 1986 Solo-LP »Intim«, LP »Ohne Schminke«, 1989 LP »Neue Helden« (Koprod. Amiga u. Koch-Records/Bundesrep. Dtl.), erschien zeitgl. in der Schweiz, Österreich, der Bundesrep. Dtl. u. der DDR), LP »Das Jubiläums-Album« (mit Rosalili, The Lords u. a.); vorübergehende Auflösung der Band. 1990 Band Maschine u. Männer; seit 1992 wieder mit den Puhdys; 1992 CD »Wie ein Engel«; 1994 Jubiläumstournee »25 Jahre Puhdys«, CDs »Zeiten ändern sich«, »Puhdys Live – 25 Jahre totale Action«, »Die Legende von Paul u. Paula« (Filmmusik); 1995 CDs »Bis ans Ende der Welt« u. »Das Beste aus 25 Jahren 2«; 1997 CDs »Frei wie ein Geyer« u. »Puhdys Live in Flagranti«; 1999 bundesweite Tournee zum 30jährigen Jubiläum der Band, CDs »Wilder Frieden«, »Die Puhdys 1969 – 1999« u. Video »Live – das 3.000. Konzert« (Waldbühne, Berlin 19.6.1999/2003 auf DVD); 2000 CD »Was bleibt«, TV-Film »Comeback für Freddy Baker« (mit Mario Adorf); 2001 CD »Live im Friedrichstadtpalast« u. »Dezembertage«; eigene Sendung beim Rundfunksender Rockland Sachsen-Anh.; 2003 CD »undercover«, Tournee mit  Ute Freudenberg u. »City«; 2004 CD »Puhdys forever«, 17.4. Auftritt in der ZDF-Sendung »50 Jahre Rock«.Tilgner, W., Ettelt, V.: Die Puhdys. Berlin 1983; Fehlberg, M.: Lebenszeit. Ein Puhdys-Porträt. Berlin 1979; Hannover, I., Wicke, P. (Hrsg.): Puhdys. Eine Kultband aus dem Osten. Berlin 1994; Jeske, H.: Mein wildes Leben u. die Puhdys. Berlin 1997. Beyer, U.: 30 Jahre Puhdys. Berlin 1999.Rainer Bratfisch

Wer war wer in DDR

Beyer, Udo

* 9.8.1955

Geb. in Stalinstadt (später Eisenhüttenstadt); Schwester Gisela (Diskuswerferin), Brüder Hans-Georg u. Peter (Handballer); 1968 Handballspieler; 1968 BSG Stahl Eisenhüttenstadt (Trainer: Ingo Schlieter); 1969 KJS, Abitur; aktiver Leichtathlet (Kugelstoßen); Studium an der HS für Bauwesen; NVA, Offz.; Studium an der PH Potsdam, Dipl.-Sportlehrer; Vorwärts Frankfurt u. ASK Potsdam (Trainer: Fritz Kühl u. Lothar Hillebrand), 1973 Junioren-EM, 1973/74 fünfmal Junioren-ER, fünfmal Teiln. an Europameisterschaften: 1974 8. Platz, 1978 u. 1982 Sieger, 1986 3. u. 1990 6. Platz, viermal Teiln. an Olymp. Spielen: 1976 Sieger, 1980 3. u. 1988 4. Platz, 1977 – 87 elfmal hintereinander DDR-Mstr., 1977, 1979 u. 1981 Sieger bei Europacup sowie Weltcup, 1978 – 86 dreimal WR; 1978 Sportler des Jahres; VVO. 1990 Hptm. der Bundeswehr; 1992 Ende der sportl. Laufbahn; Sportlehrer der Leichtathletik; Inhaber von Reisebüros; 1997 Sumoringer bei Europameisterschaften in Riesa.Klaus Gallinat / Olaf W. Reimann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Beyling, Fritz

* 4.1.1909 – ✝ 9.2.1963

Geboren am 4. Januar 1909 in Hettstedt/Krs. Mansfeld als Sohn eines Bergarbeiters; Mittelschule, danach Land- und Bergarbeiter bzw. Angestellter der Krankenkasse in Halle. 1923 wurde Beyling Mitglied des KJVD, Anfang 1927 Sekretär der KJVD-BL Halle-Merseburg, im gleichen Jahr Mitglied der KPD. Von 1928 bis 1930 zunächst Volontär, später Redakteur der KPD-Zeitung »Klassenkampf« in Halle. 1930/31 war Beyling Chefredakteur der »Tribüne« in Magdeburg, im Sommer 1931 politischer Redakteur der KPD-Zeitung »Kämpfer« in Chemnitz und im Frühjahr 1932 Chefredakteur der Zeitung »Arbeiterstimme« in Dresden. Ab Ende Januar 1933 arbeitete Beyling illegal in Dresden und Leipzig. Zusammen mit Karl Raddatz, Fritz Selbmann u. a. gab er die illegale Zeitung »Rote Sturmfahne« heraus. Im Juni 1933 wurde er in Magdeburg verhaftet und im September 1934 zu zwei Jahren und zehn Monaten verurteilt. Nach seiner Haftentlassung Lagerarbeiter bzw. Angestellter in einer Seifenfabrik in Dresden. 1942 zum Strafbataillon 999 eingezogen, kam er von April 1943 bis September 1946 in französische Kriegsgefangenschaft in Algerien. Im Herbst 1946 Rückkehr nach Deutschland und Mitglied der SED. Redakteur, ab Mai 1948 Chefredakteur der SED-Zeitung »Freiheit« in Halle, seit 1948 1. Vorsitzender des VVN-LV Sachsen-Anhalt. 1951 wurde er Generalsekretär der VVN und führte Ende 1952 Anfang 1953 alle Weisungen des ZK der SED zur Auflösung der VVN bedingungslos aus, er spielte eine unrühmliche Rolle bei der Ausschaltung jüdischer Mitglieder im Zentralvorstand der VVN. Er war im April 1953 Gründungsmitglied des Komitees der Antifaschistischen Widerstandskämpfer, von April 1953 bis Frühjahr 1958 Leiter des Presseamtes beim Vorsitzenden des Ministerrates der DDR, von 1958 bis 1963 1. Vorsitzender des Sekretariats des DSF-Zentralvorstandes. Er erhielt 1959 den VVO in Silber. Fritz Beyling starb am 9.Februar 1963.Bernd-Rainer Barth

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Bibó, István

* 1911 – ✝ 1979

Historiker, Politikwissenschaftler, Vordenker des sogenannten „Dritten Weges“. Während der *Ungarischen Revolution von 1956 war er drei Tage Minister im Kabinett von Imre Nagy. In den Jahren der Samisdat-Verlage (1977–89) galt er als Muster moralischer und intellektueller Integrität in Ungarn.István Bibó wurde 1911 in Budapest als Sohn eines hochrangigen Staatsbeamten geboren. Nach seinem Jura-Studium nahm er eine Arbeit in der staatlichen Verwaltung auf. Über seinen engen Freund Ferenc Erdei bekam er Kontakt zur Märzfront, einer Bewegung, die von Schriftstellern ins Leben gerufen worden war, denen die Bauernfrage am Herzen lag. Während des Zweiten Weltkriegs und in der Nachkriegszeit (bis zur Machtübernahme durch die Kommunisten) lehrte er Politikwissenschaft an den Universitäten in Klausenburg (ungarisch Kolozsvár, heute rumänisch Cluj-Napoca) und Szeged. Er war zudem Autor von Aufsätzen zu rechts- und politikwissenschaftlichen Themen. 1942–43 begann er mit der Arbeit an seinem Buch „Über das europäische Gleichgewicht und den Frieden“ (Az europai egyensúlyról és békéről), das er zwar nicht vollendete, das aber für ihn dennoch eine Inspiration für spätere Werke bildete. In einem umfangreichen Manuskript, bekannt unter dem Titel „Friedensstifter“ (Békecsinálók) erklärte er die deutsche Machtbesessenheit mit den Niederlagen in den Napoleonischen Kriegen. Zwei Tage nach der Machtübernahme durch die ungarischen Faschisten, die sogenannten Pfeilkreuzler, wurde Bibó am 16. Oktober 1944 festgenommen. Der Vorwurf lautete, er habe Juden ohne Genehmigung des Ministers des Innern (Bibó war damals Mitarbeiter des Innenministeriums) falsche Papiere ausgestellt. Obwohl er nach zwei Tagen unter Auflagen freigelassen wurde, musste er sich bis Kriegsende verstecken. Im Februar 1945 brachte er sich auf Bitten seines engen Freundes Ferenc Erdei in die Arbeit der am 22. Dezember 1944 in Debrecen gebildeten, nur scheinbar unabhängigen Provisorischen Regierung ein. Er wurde Abteilungsleiter für Öffentliche Verwaltung im Ministerium des Innern, dann Leiter der Abteilung Gesetzgebung. Zeitgleich war er weiterhin als Hochschullehrer tätig. 1945–47 erweckte er einiges Aufsehen mit seinen in der literarischen Zeitschrift „Válasz“ (Antwort) veröffentlichten politischen Analysen. Darin wandte er sich gegen die Gewalt und die diktatorischen Anmaßungen der kommunistischen Partei, kritisierte jedoch zugleich den rechtslastigen Kurs der Partei der Kleinlandwirte und die Bestrebungen zu einer Restaurierung des Horthy-Regimes. Zu seiner auch in dem Werk „Die Krise der ungarischen Demokratie“ (A magyar demokrácia válsága) geübten Kritik an der kommunistischen Partei gab es Widerspruch von führenden kommunistischen Intellektuellen, unter ihnen Georg Lukács und József Révai. Nach der Machtübernahme durch die Kommunisten verlor er seine Stellung als Hochschullehrer. Man wollte ihn zwingen, in den Ruhestand zu gehen, er erhielt schließlich aber eine Stelle als Bibliothekar in der Universitätsbibliothek. Dort erreichten ihn die Nachrichten vom Ausbruch der *Ungarischen Revolution 1956. Am 2. November 1956 entsandte ihn die Bauernpartei (die aus der Petőfi-Partei hervorgegangen war) gemeinsam mit Ferenc Farkas in die neu gebildete Koalitionsregierung von Imre Nagy. Im Morgengrauen des 4. November 1956 begab er sich angesichts der Nachrichten über die sowjetischen Aggressionen ins Parlament, wo er jedoch nur einige Politiker der Partei der Kleinlandwirte und Primas Jozséf Mindszenty antraf. Die sich im Parlamentsgebäude aufhaltenden Politiker mussten zusammen mit dem Primas vor den anrückenden sowjetischen Truppen fliehen. Nur István Bibó blieb vor Ort. Dort verfasste er seinen Aufruf (Kiáltvány) und einen Entwurf für eine Kompromisslösung der ungarischen Frage (Tervezet a magyar kérdés kompromisszumos megoldására). Diese Texte wurden an vielen Orten in der Stadt ausgehängt, für den *Zentralen Arbeiterrat von Groß-Budapest (Nagy Budapesti Központi Munkástanács) stellte der Text ein politisches Manifest und zugleich eine Grundlage für die Verhandlungen mit János Kádár, dem Leiter der prosowjetischen Gegenregierung, dar. Im Dezember 1956 verfasste Bibó weitere Lösungsvorschläge (Kibontakozási javaslat), die – vermittelt über den Schriftsteller Árpád Göncz – dem indischen Botschafter in Moskau, Kumar P. S. Menon, übermittelt wurden, der sich zur Zeit der Revolution in Budapest aufhielt. Im Frühjahr beschrieb Bibó in seinen Erinnerungen (Emlékiratok) die Erfahrungen der Revolution von 1956. Diese Erinnerungen wurden am 8. September von der „Presse“ in Österreich publiziert.Nach der blutigen Niederschlagung des Aufstandes wurde Bibó am 23. Mai 1957 verhaftet und nach 15-monatigen Ermittlungen am 2. August 1958 zu einer lebenslangen Gefängnisstrafe verurteilt – er habe sich einer „verschwörerischen Tätigkeit“ schuldig gemacht, die „den Sturz der volksdemokratischen Staatsordnung“ zum Ziel gehabt habe. Im Rahmen einer allgemeinen Amnestie kam er 1963 wieder auf freien Fuß. Er fand Arbeit in der Bibliothek des Amtes für Statistik, wo er bis 1971 tätig war. 1967 wandte er sich in einem Brief an Jean-Paul Sartre sowie 1969 und 1970 an Parteichef János Kádár, um die Freilassung von Revolutionsteilnehmern zu erreichen. Letztere saßen ungeachtet der Amnestie von 1963 weiterhin als gewöhnliche Verbrecher in den Gefängnissen, da ihnen „eine unbestimmte Anzahl von Mordversuchen“ zur Last gelegt wurde. Seine Schreiben blieben unbeantwortet. Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis war Bibó im Gegensatz zu den meisten Intellektuellen der 1956er-Generation nicht dazu bereit, Kompromisse mit den Machthabern einzugehen. Der Preis für diese Haltung war ein Publikationsverbot, der Name Bibó war bis in die 80er Jahre hinein ausschließlich in Oppositionskreisen bekannt. Jedoch fand sein intellektuelles Lebenswerk bei den meisten gesellschaftlichen Kräften Ungarns Anerkennung. Das betraf sowohl national als auch liberal gesinnte Kräfte sowie literarische Kreise, die zwar dem Marxismus fernstanden, sich aber trotzdem von der Opposition distanzierten. Beredtes Zeugnis dieser breiten Anerkennung war die *Bibó-Festschrift (Bibó Emlékkönyv), in der anderthalb Jahre nach Bibós Tod Beiträge von 70 Autoren erschienen. István Bibó starb am 10. Mai 1979 in Budapest. Nach 1981 konnten viele Werke Bibós, die offiziell nicht erscheinen durften, die Leser über oppositionelle Zeitschriften erreichen, unter anderen *„Beszélő“ (Sprecher), „Magyar Október“ (Ungarischer Oktober), „Magyar Figyelő“ (Ungarischer Beobachter), *„ABC“ (ABC Független Kiadó/Unabhängiger Verlag ABC). Seine Universitätsvorlesung „Vom Sinn der gesellschaftlichen Entwicklung (A társadalomfejlődés értelméről) wurde zur Jahreswende 1981/82 den Teilnehmern der *Freien Montagsuniversität als Tonbandaufnahme präsentiert. Die Redaktion der Jugendzeitschrift „Mozgó Világ“ (Bewegte Welt) wurde entlassen, weil sie die Vorlesung in ihrer Dezemberausgabe abgedruckt hatte. Die gesamte Nummer der Zeitschrift wurde von den Machthabern beschlagnahmt. Im Jahre 1985 gab jedoch der Verlag *ABC einen Reprint der Zeitschrift heraus.Sándor Szilágyi Aus dem Polnischen von Gero Lietz Letzte Aktualisierung: 08/15

Wer war wer in DDR

Biebl, Johannes (Hansi)

* 20.2.1945

Geb. in Berlin; Ausbildung zum Funkmechaniker; 1964 Reichert Combo; 1965 Atlantics; 1966 – 69 Musikschule Berlin-Friedrichshain (Spezialkl. Tanzmusik, Gitarre); Gitarrist bei den Berolina-Singers, den Alexanders, der Modern-Soul-Band, der  Klaus-Lenz-Band,  Reinhard Lakomy; 1975 Johannes Biebl Bluesband; 1976  Veronika Fischer & Band; 1977 Gruppe 4 PS, Grand Prix beim Internat. Schlagerfestival in Dresden für »Zweigroschenlied«; ab Mitte 1978 Hansi Biebl Band in versch. Besetzungen; 1979 LP »Hansi Biebl Band«, Erfolgstitel »Es gibt Momente«; 1981 LP »Der lange Weg«; 1984 Ausreise nach Berlin (West); 1986 Auftritte mit  Gerulf Pannach u. Christian Kunert; 1987 Übersiedl. nach Bremen; Frühjahr 1990 erste Tournee in der DDR nach der Wende. 1991 Übersiedl. nach Berlin, seitdem zahlr. Auftritte, vor allem in den neuen Bundesländern. CD »Die frühen Jahre«, »Unter den Wolken« (1998).Rainer Bratfisch

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Bielecki, Czesław

* 1948

Architekt; in den 80er Jahren Leiter des Untergrundverlages CDN, einer der wichtigsten unabhängigen politischen Publizisten, Pseudonyme: „M. R.“, „Maciej“, „Maciej Poleski“, „Marcin“, „Marcin Rawski“, „Zośka“.Czesław Bielecki wurde 1948 in Warschau geboren. Er studierte 1968–73 an der Fakultät für Architektur des Warschauer Polytechnikums, wo er am 21. und 22. März 1968 am Studentenstreik teilnahm. Für seinen Versuch, die studentischen Proteste am Polytechnikum und der Warschauer Universität zu koordinieren, kam er ins Gefängnis, wo er Kontakt mit Adam Michnik aufnahm, den er aus der Mittelschule kannte. Nach Einstellung des Verfahrens kam er im Juni 1968 in Freiheit. 1970–79 gehörte er der konspirativen Gruppe „Polska Walcząca“ (Kämpfendes Polen) an, in der sich Freunde aus seiner Pfadfinderzeit sammelten (ab 1972 war er Instrukteur der 23. Warschauer Pfadfinderabteilung „Orange“, sowie der 105. Warschauer Pfadfinderabteilung „Romuald Traugutt“). Die Mitglieder der Gruppe organisierten Flugblattaktionen auf den Straßen, 1977 entrollten sie an den Häuserblocks des Warschauer Wohnviertels „Za Żelazną Bramą“ (Hinter dem Eisernen Tor), Transparente mit der Forderung nach Freilassung inhaftierter Mitglieder des Komitees zur Verteidigung der Arbeiter (Komitet Obrony Robotników; *KOR). 1977–81 war Bielecki Mitglied des Redaktionskollegiums der legal erscheinenden Monatszeitschrift „Architektura“ und leitete 1979–81 die Druckerei der konspirativen *Polnischen Unabhängigkeitsallianz (Polskie Porozumienie Niepodległościowe; PPN). Im April 1979 debütierte er als Publizist in der Pariser *„Kultura“ mit dem Artikel „Freiheit im Lager“ (Wolność w obozie). Bis 1989 veröffentlichte er dort zahlreiche Texte, viele davon wurden anschließend im polnischen Samisdat nachgedruckt, unter anderem in dem Sammelband „Freiheit im Lager“ (Wolność w obozie). Von 1980 war er Mitglied der *Solidarność in der Kulturkommission des überbetrieblichen Gründungskomitees (später Regionalkomitees) in Masowien (Mazowsze). Nach der Verhängung des Kriegszustands arbeitete Bielecki in der Konspiration. Ende 1981, Anfang 1982 gründete er den Verlag „CDN“ (Abkürzung für: Fortsetzung folgt), der binnen Kurzem eines der größten Verlagsunternehmen des Untergrundes war. Die Redaktion wurde nacheinander geführt von Magda Leja, Zygmunt Stępinski und Adam Rysiewicz. CDN publizierte über Hundert Bücher und druckte einen Teil der Auflage des *„Tygodnik Mazowsze“ (Masowisches Wochenblatt). In Zusammenarbeit mit den jeweiligen Redaktionen gab CDN auch einige Zeitschriften heraus, finanzierte die technische Produktion der Ausgaben und übernahm die Autorenhonorare. Diese waren: ab 1984 „Obóz“ (Lager), das der Situation in den Ostblockländern gewidmet war (hier waren unter anderen Andrzej Ananicz, Wojciech Maziarski und Kazimierz Stembrowicz tätig), ab 1983 die für Soldaten produzierte „Reduta“ (Schanze; Mitarbeit: Barbara Gleb, Stanisław Dronicz, Wincenty Heinrich, Marian Rajski), ab 1983 die Militärzeitschrift „Godność“ (Würde; Mitarbeit: Michał Jankowski) und von 1984 an das von Jerzy Jackl redigierte „Verlagsübergreifende Bulletin BMW“. Der mit der Produktion von Kassetten befasste phonographische Verlagsteil von CDN machte sich schnell vom Mutterverlag unabhängig (Mitarbeit: Jan Bartyś, Bogusław Bobula, Jan Krzysztof Kelus, Urszula Sikorska). CDN beteiligte sich auch an der Vorbereitung konspirativer Rundfunksendungen. Insgesamt wurde die Verlagsarbeit von Czesław Bielecki koordiniert, dem ein Kreis von Managern (Andrzej Kiepurski, Tomasz Kowalewski, Tomasz Krawczyk, Mirosław Laskowski, Zbigniew Ostaszewski, Maria Twardowska und andere) zur Seite stand. In den 80er Jahren gehörte Bielecki zu den wichtigsten unabhängigen politischen Publizisten Polens. Bei einer Diskussion über die Strategie der Opposition nach der Ausrufung des *Kriegsrechts am 13. Dezember 1981 sprach er sich für die Schaffung einer breiten gesellschaftlichen Widerstandsbewegung aus, die sich sowohl auf konspiratives Handeln als auch auf den massiven passiven Widerstand der Bevölkerung gegen das Repressionsregime stützen sollte. Er warnte vor einer offenen Konfrontation in Form eines Generalstreiks, schloss jedoch die Anwendung von Gewalt nicht aus: „Man darf nicht glauben, Terroristen durch Überredungskünste oder allein mit der Androhung von Gewalt überzeugen zu können. Gegen Terroristen angewandte Gewalt ist kein Gegenterror, sondern normale Selbstverteidigung, ohne die eine Nation verkümmern würde.“ („21 uwag o dialogu z terrorystą“/21 Bemerkungen über den Dialog mit dem Terroristen, in: *„Kultura“, Nr. 9/1982) Ab Juli 1982 führte Bielecki über Kuriere eine regelmäßige Korrespondenz mit Jerzy Giedroyc, dem Chefredakteur der Pariser Exilzeitschrift *„Kultura“, und schuf damit einen konspirativen Kanal für den Austausch von Geld, Literatur und polygrafischer Ausrüstung. Auf diese Weise gelangten Untergrundpublikationen, Materialien über den Kriegszustand und – auf spezielle Anforderung von Giedroyc – sogar ein kurzer Dokumentarfilm über die Opposition aus Polen heraus und in westliche Massenmedien. Auf Initiative von Bielecki organisierte CDN einige Kampagnen, die gegen den Apparat der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei gerichtet waren. So erhielten vor Weihnachten 1983 einige Parteiaktivisten eine Postsendung, die ein russischsprachiges Diplom enthielt, das auf den Tag der Aufrufung des *Kriegsrechts am 13. Dezember 1981 datiert war. Die gefälschte Unterschrift von General Jaruzelski bestätigte die Auszeichnung für die Kollaboration mit dem kommunistischen Regime. Beigelegt war außerdem die Kopie einer Medaille des russischen Zaren „Für die Niederschlagung des polnischen Aufstandes 1863“. 1984 erhielten Parteifunktionäre regionaler Parteiinstanzen gefälschte Einladungen zu einem Kongress nach Warschau. Ihre unerwartete Ankunft löste dort das beabsichtigte organisatorische Chaos aus. Der für solche Aktionen zuständige Bereich von CDN arbeitete auch für andere Initiativen des Untergrunds und produzierte diverse andere amtliche Dokumente. Insgesamt waren kontinuierlich zwischen 100 und 150 Personen in die Arbeit von CDN eingebunden. Bielecki arbeitete mit der Regionalen Arbeitskommission der *Solidarność zusammen, einige besondere Aktionen bereitete er mit Widerstandsgruppen aus dem Kreis der sogenannten Solidarischen (Solidarni) vor, die von Teodor Klincewicz geführt wurden. Für den Verlag CDN nahm er an den Sitzungen des Konsortiums des Fonds Unabhängiger Verlage (Fundusz Wydawnictw Niezależnych) teil, in dem die größten Untergrundverlage vertreten waren, um ihre Verlagspolitik zu koordinieren und Finanzhilfen aus dem Ausland aufzuteilen. Das Konsortium unterhielt eine eigene Versicherung, die unter anderem für die Kosten von Autos aufkam, die von der Staatssicherheit konfisziert worden waren, weil sie zum Transport von Untergrundliteratur genutzt wurden.Pawel Sowiński Aus dem Polnischen von Markus Pieper und Wolfgang Templin Letzte Aktualisierung: 09/15

Wer war wer in DDR

Bielka, Heinz

* 19.3.1929

Geb. in Gersdorf; Vater Angest.; Abitur 1948; Neulehrer, 1949 – 54 Studium der Biol. in Dresden u. Leipzig, 1954 Dipl., 1956 Prom. an der Univ. Leipzig; 1961 Habil. an der HU Berlin; 1954 – 91 Mitarb. der DAW/AdW, 1965 – 72 Dir. des Inst. für Zellphysiol. (Nachf. von Erwin Negelein), 1968 Prof. der DAW, ab 1971 Abt.-Ltr. im ZI für Molekularbiol., dort seit 1981 stellv. Dir.; 1970 Mitgl. der Leopoldina (seit 1991 Senat); 1974 Virchow-Preis; 1976 Korr. Mitgl., 1978 Ord. Mitgl der AdW; 1979 NP. 1990 Kand. für Präs. der AdW; 1992 Mitgl. der Berlin-Brandenb. AdW; Sekr. der Biowiss.-Med. Kl.; seit 1992 im Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Med.; 1993 Domagk-Preis; 1994 em.; lebt in Berlin. Internat. anerkannte Arbeiten zur Biochemie u. Molekularbiol. auf den Gebieten Tumorentstehung, Proteinbiosynthese, zellulare Streßproteine; zahlr. Lehr- u. Handbücher zur Molekularbiol. u. Krebsforschung (1959, 1966, 1968, 1982, 1985), ca. 160 Originalpubl.H. B. In: Pasternak, L. (Hrsg.): Wissenschaftler im biomedizin. Forschungszentrum: Berlin-Buch 1930 – 2004. Frankfurt (Main) 2004.Dieter Hoffmann

Wer war wer in DDR

Biering, Walter

* 2.12.1898 – ✝ 21.4.1964

Geb. in Söhesten (Krs. Merseburg); Vater Kleinbauer; Volksschule; 1913 – 16 Ausbildung zum Maurer, anschl. im Beruf tätig; 1917/18 Militärdienst, Mitgl. eines Soldatenrats; 1919 SPD; nach Entlassung aus dem Lazarett, Mithilfe in der väterl. Wirtschaft, ab 1925 selbst. Bauer, Engagement in der Kriegsopferbew.; 1927 KPD; 1927 – 33 Mitgl. der KPD-BL Halle-Merseburg, Bauernref., Mitbegr. des Bunds der Kleinen Landw., beteiligt an der Ausarbeitung des Bauernhilfsprogr. der KPD (1931); 1929 – 33 Mitgl. des Krs.-Tags u. des Provinziallandtags Sachsen; 1933 sieben Mon. KZ Sonnenburg, 1944/45 erneut inhaftiert. 1945/46 KPD/SED; Sept. 1945 Mitgl. der Bodenreformkommission der Provinz Sachsen u. Mitbegr. der VdgB, Neubauer; 1946 – 50 Mitgl. des PV der SED, 1950 – 63 Kand. des ZK der SED; 1946 – 63 Mitgl. des SED-LV Sachsen-Anh. bzw. der BL Halle; 1946 – 50 Abg. des Landtags Sachsen-Anh., Mitgl. des Präs., 1949 – 63 Abg. der Volkskammer; ab 1946 Mitgl. des Landesaussch. Sachsen-Anh. der VdgB, 1947 – 49 Landesbauernsekr., danach Vors. des LV bzw. ab 1952 des Bez.-Vorst. Halle der VdgB, 1949 – 63 Mitgl. des ZV der VdgB (BHG), ab 1954 stellv. Vors.; 1954 Auszeichnung als Meisterbauer; 1954 – 58 Mitgl. des Präs. des NR der NF; 1956 VVO u. Mitgl. der LPG »Banner des Friedens« in Muschwitz (Krs. Hohenmölsen).Siegfried Kuntsche

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Biermann, Wolfgang

* 29.11.1927 – ✝ 18.7.2001

Geb. in Leipzig; Vater Buchdrucker; RAD; 20.4.1944 als NSDAP-Mitgl. erf.; Wehrmacht; Kriegsgefangenschaft. 1945 – 48 Ausbildung zum Maschinenbauschlosser; 1946/47 LDPD; 1948 – 51 Studium an der Ing.-Schule für Maschinenbau Leipzig; ab 1951 Konstrukteur u. Assistent des Techn. Dir. im VEB Bagger-, Förderbrücken- u. Gerätebau Lauchhammer; 1955 – 57 Techn. Dir. im VEB Nobas Nordhausen; 1956 SED; 1958/59 Prod.-Dir. im VEB Schwermaschinenbau »Heinrich Rau« Wildau; 1959 – 62 Techn. Dir. der VVB Chemie- u. Klimaanlagen Berlin; 1962 Haupttechnologe VEB Preßluftwerke Niles Berlin-Pankow; ab Febr. 1963 Techn. Dir., ab Dez. 1964 Werkdir., 1965 – 75 GD des VEB Großdrehmaschinenbau »7. Oktober« Berlin; 1966 u. 1979 Held der Arbeit; 1967 – 75 Mitgl. der SED-BL Berlin, 1967 Kand. des ZK der SED; Okt. 1975 – Febr. 1990 GD des VEB Kombinat Carl Zeiss Jena (Nachf. von  Helmut Wunderlich); Prom. mit einer Arbeit über »Die Entwicklung soz. Industriekombinate«; 1976 – 89 Mitgl. des ZK der SED; 1977 VVO; 1980 Dr. h. c. der City-Univ. London; ab 1985 Honorarprof. an der FSU Jena; 1987 KMO; 1988 NP (im Koll.); 9.2.1990 Übersiedl. nach Saarbrücken; später Mitarb. der Kölner Flugges. Germania Air. Unter der Ltg. B.s, der erhebl. Einfluß auf die DDR-Wirtschaftspol. nahm, wurde das Kombinat Carl Zeiss Jena zu einem der größten u. leistungsstärksten Exportunternehmen (70.000 Beschäftigte) mit einem der bedeutendsten Industrieforschungszentren der DDR umstrukturiert. Das Kombinat galt als herausragendes Beispiel für den gewaltigen Konzentrationsprozeß in der DDR-Industrie während der 70er u. 80er Jahre.Hagen Schwärzel / Elke Reuter

Wer war wer in DDR

Bilkenroth, Georg

* 24.4.1898 – ✝ 20.4.1982

Geb. in Osendorf (b. Halle); Vater Bergmann; 1919 – 23 Studium an der Bergakad. Clausthal, Dipl.-Ing; 1923 Berging. in Halle; 1924 stellv. Werkltr., 1935 Werkdir. der Niederlausitzer Kohlenwerke Kraftwerk II in Deuben; 1940 Techn. Oberltr. der Braunkohlenwerke Salzdetfurth AG in Berlin; 1942 Prom. zum Dr.-Ing. an der Bergakad. Freiberg (Preßdruck u. Preßdruckmessungen bei der Braunkohlenbrikettierung); Internierung, Kriegsgefangenschaft. 1947 wiss. Mitarb. der HA Kohle der DWK in Berlin, Erfinder der Braunkohlenhochtemperaturverkokung (mit  Erich Rammler), 1949 zunächst Techn.-Wiss., ab 1958 Techn. Dir. des Kohle-Projektierungs-Büros, Ltg. der Planung, Projektierung u. Inbetriebnahme der Großkokerei Lauchhammer sowie des weltgrößten Braunkohleveredlungswerks Kombinat Schwarze Pumpe; 1951 NP; 1955 Ord. Mitgl. der DAW, Ltg. ihrer Sekt. Bergbau; Prof.; 1957 stellv. Vors. des Forschungsrats der DDR, Ltr. der Gruppe Bergbau, Geowiss., Kohle u. Energie; 1958 Vors. des Internat. Büros für Gebirgsmechanik bei der DAW, Hrsg. der Veröff. des Büros; Mitbegr. der Brennstofftechn. Ges.; Ehrenprom. an der Bergakad. Freiberg. Arbeitsgebiete: Kohlebergbau, Braunkohleveredlung, Hüttenwesen, Gebirgsmechanik, Kohlechemie; mehr als 50 Veröff.Klaus-Peter Meinecke

Handbuch Deutsche Kommunisten

Bingen, Gerhard

* 24.2.1900 – ✝ 22.8.1940

Geboren am 24. Februar 1900 in Köln, Sohn eines Tagelöhners, des später führenden Kölner SPD-Funktionärs Johann Bingen. Lehre als Dreher. Während des Krieges Mitglied der USPD, im November 1918 Mitglied des Kölner Arbeiter- und Soldatenrates, Ende 1918 Delegierter für Köln-Niehl auf dem Gründungsparteitag der KPD in Berlin. Im Januar 1919 wurde Bingen wegen »revolutionärer Propaganda« unter den britischen Besatzungstruppen von einem Kriegsgericht zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt, die er in Siegburg verbüßte. In den folgenden Jahren agitatorisch für die KPD tätig, ohne eine erkennbare Parteifunktion auszuüben. Bingen trat aus der KPD aus und wurde später wieder Mitglied der SPD. Er arbeitete seit dem 1.Oktober 1923 bei den Kölner Verkehrsbetrieben, von denen er am 12. Juni 1939 entlassen wurde. Er war wegen »Vorbereitung zum Hochverrat« von Juli bis September 1936 in Köln inhaftiert. Gerhard Bingen starb am 22. August 1940 in Köln-Weidenpesch an den Folgen der Mißhandlungen, die er 1936 während seiner Haft erlitten hatte.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Birkert, Emil

* 14.8.1895 – ✝ 14.3.1985

Geboren am 14. August 1895 in Stuttgart, Sohn eines Schreiners; lernte Schriftsetzer. Birkert trat 1910 der Sozialistischen Jugend und 1913 der SPD bei, gehörte zum linken, antimilitaristischen Flügel um Friedrich Westmeyer. Mit Fritz Wiest und Fritz Rück auf Wanderschaft. 1915 als Soldat eingezogen, in Verbindung zur Spartakusgruppe betrieb er Antikriegspropaganda. Als Gas-Vergifteter kam er ins Seuchenlazarett. 1918 schloß Birkert sich dem Spartakusbund an und bei ihrer Gründung der KPD. Zunächst in der Spartakus-Druckerei in Stuttgart-Degerloch, später in illegalen Druckereien in Berlin tätig. Auf dem 6. Reichskongreß der Kommunistischen Jugend Deutschlands im September 1921 in Halle in deren Reichszentrale gewählt, schied Birkert bereits im Dezember 1921 aus. Zusammen mit Walter Gollmick und Eugen Herbst unterstütze er die Politik Paul Levis und der KAG, blieb jedoch in der KPD, arbeitete bis 1926 in parteinahen Verlagen in Berlin bzw. als Lektor im Mitteleuropäischen Büro der RGI. Nach Stuttgart zurückgekehrt, wurde er 1929 aktives Mitglied der KPO. Seit 1926 Bildungsarbeit im Touristenverein der Naturfreunde (TVdN). 1933 arbeitslos, unterhielt ein kleines Textilgeschäft, 1939 zum Zollgrenzschutz einberufen. Bei Struthof im Elsaß interniert. Ab 1945 bei den Naturfreunden und der IG Druck und Papier aktiv, zweiter Vorsitzender der Bundesleitung der Naturfreunde und Angestellter der IG Druck und Papier, stellvertretender Redakteur des Verbandsorgans, wo er mit dem aus der Emigration zurückgekehrten Fritz Rück wieder zusammenarbeitete. 1960 Rentner, weiterhin aktiv im TVdN. Emil Birkert starb am 14. März 1985 in Stuttgart. Unter dem Titel »Am Rande des Zeitgeschehens« hatte er 1983 autobiographische Erinnerungen veröffentlicht.

Wer war wer in DDR

Birthler, Marianne

* 22.1.1948

Geb. in Berlin-Friedrichshain; Eltern Einzelhändler; 1954 – 62 Grund-, 1962 – 66 OS in Berlin, Abitur; 1967 – 71 Exportbearb. bei der Dt. Kamera- u. ORWO-Film Export GmbH; Fernstudium an der FS für Außenhandel in Berlin, Außenhandelswirtschaftlerin; 1972 – 83 Hausfrau, in Schwedt Ausbildung zur Katechetin u. Gemeindehelferin der ev. Kirche in Berlin, 1983 – 87 Katechetin in der ev. Elias-Gemeinde in Berlin-Prenzlauer Berg; 1986 Mitbegr. des Arbeitskrs. »Solidar. Kirche«; 1987 – 90 Jugendref. im ev. Stadtjugendpfarramt Berlin; 1987 Kontakte zur IFM, seit 1988 dort Mitarb.; 1989 Mitarb. in der Arbeitsgr. Bildung, Erziehung u. Jugend am Zentr. Runden Tisch; März – Okt. 1990 Abg. der Volkskammer, Sprech. der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen u. Mitgl. im Aussch. für Familie u. Frauen. Okt. – Dez. 1990 MdB, Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen; Okt. 1990 Abg. des Brandenb. Landtags, Min. für Bildung, Jugend u. Sport; Mai 1992 – Mai 1993 Mitgl. im Geschäftsf. Aussch. von Bündnis 90; Okt. 1992 Rücktritt vom Ministeramt im Kontext der Debatte um die früheren Kontakte des Min.-Präs.  Manfred Stolpe zum MfS; Mai 1993 – Dez. 1994 Bundessprecherin von Bündnis 90 / Die Grünen; 1993 – 2005 Mitgl. des Präs. des Dt. Ev. Kirchentages; Jan. 1995 – Juli 1999 Ltr. des Berliner Büros der Bundestagsfraktion von Bündnis 90 / Die Grünen; 1995 Bundesverdienstkreuz; 1999 Gründungsmitgl. der Grünen Akad. bei der Heinrich-Böll-Stiftung; Aug. 1999 – Okt. 2000 Referentin für Personal- entw. u. Weiterbildung in der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen; Okt. 2000 - 2011 Bundesbeauftragte für die MfS-Unterlagen (Nachf. von  Joachim Gauck); 2009 Mitgl. der 13. Bundesversammlung zur Wahl des Bundespräsidenten.Findeis, H., Pollack, D., Schilling, M.: Die Entzauberung des Pol. Berlin, Leipzig 1994; Kowalczuk, I.-S., Sello, T.: Für ein freies Land mit freien Menschen. Berlin 2006.Jan Wielgohs / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Beyer, Wolf-Dieter

* 18.12.1938

Geb. in Halle; Vater Lehrer; 1956 Abitur; 1957 – 63 Maschinenbaustudium an der TH Magdeburg, Dipl.; 1964 – 68 PKW-Entwicklungsing. im Bereich theoret. u. angew. Mechanik im VEB Bremsenwerk Limbach-Oberfrohna, 1968 – 72 Techn. Ltr. der PGH Fahrzeugdienst Limbach-Oberfrohna, nach deren Verstaatlichung zum VEB Bremsbelag dort von 1972 – 81 Betriebsdir.; 1983 – 90 selbständiger Maschinenbauer in Limbach-Oberfrohna; 1989 Gründungsmitgl. des DA-BV Karl-Marx-Stadt, Bezirkssprecher u. Vors. des DA der Region Chemnitz, Mitgl. im zentralen Vorstand des DA; Apr. – Sept. 1990 hauptberufl. Generalsekr. des DA. Seit Okt. 1990 CDU; 1990 – 2004 MdL Sachsen; Mitgl. des Beirats des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des MfS (BStU).»Sozialismus mit Westgeld ist unmöglich«. In: Jesse, E. (Hrsg.): Friedl. Rev. u. dt. Einheit. Berlin 2006. Jesse, E. (Hrsg.): Friedl. Rev. u. dt. Einheit. Berlin 2006.Eckhard Jesse

Wer war wer in DDR

Beyreuther, Wolfgang

* 16.6.1928 – ✝ 1.2.2012

Geb. in Böhlitz-Ehrenberg (b. Leipzig); Vater Arbeiter; Volksschule; 1942 – 44 Ausbildung zum Maschinenschlosser, 1945 – 48 im Beruf tätig. 1945 FDGB, Jugendvertrauensmann in einem Leipziger Metallbetrieb; 1946 SPD/SED; seit 1948 hauptamtl. Funktionen im FDGB, 1947 – 51 Mitgl. des Ortsvorst. Leipzig der IG Metall, 1953 – 56 Mitgl. u. Sekr. des ZV der IG Metall; 1956 – 59 Studium an der PHS der KPdSU in Moskau, Dipl.-Ges.-Wiss.; 1959 – Dez. 1989 Mitgl. des FDGB-BV, 1959 – 77 seines Präs. u. Sekr., Okt. 1959 – Dez. 1961 u. 1963 – 66 Sekr. für Agit./Prop., Okt. 1959 – Dez. 1963 Sekr. für Zentralbibliothek u. Gewerkschaftshochschule, Okt. 1959 – 1964 u. Apr. – Mai 1968 Sekr. für Kultur, Okt. 1959 – Juli 1968 Sekr. für Verlag Tribüne u. Nov. 1963 – 1965 Sekr. für Internat. Verbindungen, Nov. 1959 – Nov. 1960 Sekr. für Presse, 1971 – 77 stellv. Vors. des FDGB u. Ltr. des Sekr. (Nachf. von  Rolf Berger); 1964 – 77 Mitgl. bzw. stellv. Mitgl. im Büro des Gen.-Rats des WGB; 1966 – 71 Vizepräs. der Liga für die Vereinten Nationen in der DDR, 1982 – 90 Präs. der Freundschafts-Ges. DDR-Demokrat. Rep. Afghanistan in der Liga für Völkerfreundschaft; 1969 Banner der Arbeit; Held der Arbeit; 1971 Kand. u. 1973 – Nov. 1989 Mitgl. des ZK der SED; 1971 – März 1990 Abg. der Volkskammer, 1976 – 81 stellv. Vors. ihres Aussch. für Nat. Verteidigung; 1977 – 90 Staatssekr. für Arbeit u. Löhne u. Mitgl. des Min.-Rats (Nachf. von Horst Rademacher); 1977 – 89 Ltr. der DDR-Delegationen auf den Internat. Arbeitskonferenzen der International Labour Organization (ILO); 1978 VVO.Erfahrungen u. Aufgaben der gewerkschaftl. Kulturarbeit. Berlin 1960; Gewerkschaftl. Aufgaben zur Meisterung des Volkswirtschaftsplanes 1971. Berlin 1971. Die Alternativen der Alternativbew. Diskussion u. Kritik ihrer ges.-pol. Konzeptionen. Frankfurt (Main) 1983.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Bick, Wilhelm (Willi)

* 1.12.1903 – ✝ 13.7.1980

Geb. in Essen; Vater Arbeiter; 1919 Ausbildung zum Kfm. beim Kohlensäurewerk Essen; 1921 – 23 Angest. bei der Konsumgenossensch. Essen, entlassen; Hilfsarbeitertätigkeit im Stein- u. Marmorwerk Essen; seit 1925 Funktionär in der Arbeitersportbew.; 1926 KPD; 1927 – 31 Hauptbuchhalter u. 2. Geschäftsf. im KPD-Verlag »Ruhr-Echo« (Essen), Mitgl. der KPD-BL; 1930 mit einer Delegation fünf Wochen in der UdSSR; 1932 – 34 Geschäftsf. im KPD-Verlag »Arbeiter-Ztg.« (Saarbrücken); 1933 – 35 illeg. pol. Arbeit im Saargebiet; 1935/36 Verlagsarbeit in Frankreich, Schweiz, Belgien; Nov. 1936 – 38 in Spanien im Thälmann-Bat., zunächst 12., dann 11. Brigade, Zahlmstr. des Bat. an den Fronten Madrid, Jarama, Guadalajara, Dez. 1936 Ltn; 1937 KP Spaniens; ab Mai 1937 in Albacete, Kommandant der Kaserne Garde national (Kapitän); Mai 1938 wegen Krankheit nach Dänemark, 7.6.1939 Ausbürgerung aus Dtl.; 1940 – 43 illeg. pol. Arbeit; 1943 zus. mit Richard Rösner, Paul Werther u. a. nach Schweden, Okt. 1943 – März 1944 in Smedsbo interniert, ab Sommer 1944 Arbeit in Borås; im Sommer 1945 nach Kopenhagen. Dez. 1945 Rückkehr in die SBZ; im KPD/ SED-LV Schwerin, Ltr. Genossenschaftsabt., dann Abt. Kommunalpol.; 1946 – 49 stellv. Vors. des Konsumvorst. Mecklenb.; 1946 – 52 Abg. des Landtags Mecklenb.; 1947 – 58 Sekr. SED-LV Mecklenb. bzw. BL Schwerin; Jan. 1948 – Okt. 1949 Gen.-Staatsanwalt; 1950 Sonderlehrgang des MdI in Berlin; 1950 – 52 Innenmin. in Mecklenb. (Nachf. von  Hans Warnke); 1950 – 53 Abg. der Volkskammer; 1952 – Mai 1958 Vors. des Rates des Bez. Schwerin u. Mitgl. des Bez.-Tags; Aug. 1958 – 63 Botschafter in Rumänien (Nachf. von  Georg Stibi); 1963 – 65 Ltr. der 4. Europ. Abt. (Nordeuropa) im Min. für Ausw. Angelegenh. (Nachf. von Gerhard Lindner); ab April 1965 Rentner; gest. in Berlin.Wie ich Gen.-Staatsanwalt in Mecklenb. wurde. In: Wir sind die Kraft. Berlin 1959. Scholz, M. F.: Skandinav. Erfahrungen erwünscht? Nachexil u. Remigration. Stuttgart 2000.Michael F. Scholz

Handbuch Deutsche Kommunisten

Biefang, Johann (Julius)

* 2.8.1893 – ✝ 1937/38

Geboren am 2. August 1893 in Moers; Bergarbeiter, nach dem Weltkrieg Mitglied der USPD, ab 1920 Mitglied und ehrenamtlicher Funktionär der KPD. Bis 1929 Bergarbeiter und 1. Vorsitzender des Betriebsrates einer Schachtanlage. 1927 auf dem XI. Parteitag der KPD in Essen zum Mitglied des ZK der KPD gewählt. Dort war er einer der »Arbeitervertreter« und hatte die Zahlen-Deckbezeichnung »38« sowie »44«, wurde aber auf dem XII. Parteitag 1929 nicht wiedergewählt. Im Mai 1929 anläßlich der Organisierung eines Proteststreiks wegen des »Blutmais 1929« von der Grubendirektion entlassen, wurde Biefang zunächst als Lokalredakteur an die »Niederrheinische Arbeiterzeitung« nach Duisburg bzw. an die »Arbeiterzeitung« nach Dortmund geschickt, zuletzt Redakteur am »Ruhr-Echo« in Essen. 1930 Übersiedlung in die Sowjetunion, dort Anerkennung als Politemigrant. Mitarbeiter der deutschen Sektion bei der Komintern bzw. Bergarbeiter im Donbass. 1932 erschien in Moskau seine Broschüre: Hans Biefang, Ruhrkumpel in Sowjetstädten. Bis heute ist das weitere Schicksal Johann Biefangs ungeklärt. Wahrscheinlich ist, daß er – wie tausende andere – Opfer der stalinistischen Säuberungen wurde. Seine mit ihm 1930 in die Sowjetunion übergesiedelte Frau Helene Biefang, geborene Dolleck (* 30. 6. 1895 – † 18. 3. 1988), kam im Mai 1950 in die DDR. Von 1933 bis 1936 war sie Kursantin an der KUNMS in Moskau, von 1937 bis 1946 Sekretärin im Verlag für ausländische Literatur, von 1947 bis 1950 in gleicher Funktion beim Ministerium für Innere Angelegenheiten in Moskau. Seit ihrer Ankunft in der DDR Mitglied der SED, arbeitete sie von 1950 bis 1958 und von 1965 bis 1970 als Hilfsredakteurin am IML. 1980 erhielt sie den VVO in Gold. Aus ihren Kader-Unterlagen geht hervor, daß ihr Sohn Hans Biefang (* 15. 6. 1920) 1941 wegen Papierdiebstahls in der UdSSR zu eineinhalb Jahren Gefängnis verurteilt, 1942 in Engels (Wolgagebiet) krank aus der Haft entlassen wurde und 1944 gestorben ist. Über ihren Mann gab sie lediglich zu Protokoll, er sei 1937 nach Spanien gegangen und dort 1938 gefallen. Auch die Gedenktafel für die im »Spanischen Freiheitskampf Gefallenen« auf dem Zentralfriedhof Berlin-Friedrichsfelde verzeichnet Biefang. Das ist aber kein Beweis dafür, daß er nicht doch ein Opfer der stalinistischen Säuberungen wurde.

dissidenten.eu

Bielecki, Czeslaw

* 1948

Im Mai 1983 wurde Bielecki verhaftet. In der Zelle führte er ein langes Interviewgespräch mit Adam Michnik, das als „Dialog durch Gitterstäbe“ (Dialog przez kraty) bekannt wurde (*„Tygodnik Mazowsze“ vom 8. September 1983). Nach zweieinhalb Monaten wurde er im Rahmen einer Amnestie freigelassen; der Staatssicherheit war es nicht gelungen herauszufinden, dass er es war, der sich hinter dem Samisdat-Pseudonym „Maciej Poleski“ verbarg. Bielecki kehrte in den Untergrund zurück und veröffentlichte noch im gleichen Jahr gemeinsam mit Krzysztof Kelus und Urszula Sikorska das Handbuch „Der kleine Konspirateur“ (Mały konspirator), das zum Untergrund-Bestseller wurde und zahlreiche Nachauflagen erfuhr. 1984 beurteilte Bielecki die Lage der polnischen Opposition wie folgt: „In unserem eigenartigen, bereits zwei Jahre dauernden Krieg ist die einzige Front, die sich stabilisiert hat, die lokale Front. Denn hier vor Ort geht es um die Verteidigung konkreter Dinge, die Leute mobilisieren andere zum Kampf. […] Was schlage ich also vor? Anstatt auf den Sieg in einer frontalen Konfrontation zu setzen, gilt es, sich auf kleine erreichbare Ziele zu konzentrieren, die in der Summe ihrer Ergebnisse den politischen Druck auf das System bedeutend verstärken. Das Zentrum – also die Vorläufige Koordinierungskommission der *Solidarność und Lech Wałęsa – sollten diejenigen Initiativen unterstützen, die die ersten Attacken des Regimes überstehen können.“ („Pomysły polityczne“/Politische Überlegungen, in: *„Krytyka“, Nr. 17–18/1984) Am 13. April 1985 wurde er zusammen mit seiner Frau Maria Twardowska im Zusammenhang mit dem Auffliegen der Untergrundzeitschrift „Reduta“ verhaftet. Die Leitung von CDN übernahm daraufhin Tomasz Krawczyk. In Untersuchungshaft wurde Bielecki vorgeworfen, eine Organisation zu führen, die der Staatsmacht gegenüber geheim gehalten worden sei, was später in den Vorwurf der „Vorbereitung des Sturzes der staatlichen Ordnung Volkspolens mit gewaltsamen Mitteln“ abgeändert wurde. Am 13. Oktober 1985 trat Bielecki im Rakowiecka-Gefängnis in Warschau-Mokotów in einen elfmonatigen Hungerstreik, während dessen er zwangsernährt wurde. Er forderte unter anderem den Status eines politischen Häftlings. Seine publizistische Tätigkeit unterbrach er nicht und warnte vor einem Pakt mit den Machthabern, wie ihn einige Kreise um die Zeitschriften „Głos“ (Stimme) und „Polityka Polska“ (Polnische Politik) sowie einige *Solidarność-Berater vorgeschlagen hatten. „Der Zustand des schwankenden Gleichgewichts, in dem sich das Land relativer Freiheit erfreut, dauert an. Dieses schwankende Gleichgewicht, das trotz aller Defizite besser ist als eine stabile Sowjetisierung, verdanken wir der Untergrund-*Solidarność und nicht den Verhandlungen“, schrieb er aus dem Gefängnis. Er forderte, dass die Opposition ein Regierungsprogramm vorbereiten, sich vom „politischen Zigeunertum“ verabschieden und ein Schattenkabinett aufstellen müsse. „Eine Opposition, die sich nicht vorstellen kann, die Macht zu übernehmen, wird kein Vertrauen in die bereits von ihr verwirklichten Maßnahmen erwecken.“ („Minimum polityczne“/Politisches Minimum, in: *„Kultura“, Nr. 1–2/1986). Im Gefängnis führte er mit seiner gleichfalls inhaftierten Frau eine lebhafte Korrespondenz, die in dem Buch „Von Zelle zu Zelle. Briefe an die Ehefrau“ (Z celi do zeli. Listy do żony) veröffentlicht wurde. Ebenfalls veröffentlicht wurde sein Briefwechsel mit den Kindern: „Meine geliebten Söhne …“ (Kochani moi synkowie…, in: „Kultura“, Nr. 1–2/1986). Bielecki schrieb zahlreiche Briefe mit Beschwerden über die Arbeit der Staatsorgane (von denen einige aus dem Gefängnis geschmuggelt und im *„Tygodnik Mazowsze“ veröffentlicht wurden). Darüber hinaus korrespondierte er mit dem Priester Bronislaw Dąbrowski, für dessen Verteidigung er sich einsetzte. In Marseille gründeten einige französische Verleger ein Komitee zur Verteidigung von Czesław Bielecki. 1986 schmuggelte er Plakatentwürfe für einen Wettbewerb zum 40-jährigen Bestehen der Pariser *„Kultura“ aus dem Gefängnis und gewann den Wettbewerb. In den offiziellen Massenmedien dauerte die Verleumdungskampagne gegen ihn währenddessen an. Am 10. Mai 1986 nannte ihn Innenminister General Czesław Kiszczak im Sejm einen „langjährigen Agenten politischer Diversionszentren, der illegal nach Paris gelangen wollte, um im Auftrag der CIA in Nachfolge von Jerzy Giedroyc die Leitung der *„Kultura“ zu übernehmen.“ Am 12. September 1986 konnte Bielecki das Gefängnis im Rahmen einer Amnestie verlassen. Noch am 30. Dezember 1986 unterschrieb er mit anderen einen Brief an den Staatsratsvorsitzenden, in dem die Freilassung der noch im Gefängnis sitzenden politischen Gefangenen gefordert wurde. Bielecki wurde 1985 mit dem Preis der Zeitschrift „Puls“ sowie der Gruppe Unabhängiger Journalisten geehrt. 1987 war er Träger des Alfred-Jurzykowski-Emigrationspreises für soziales Engagement. Gemeinsam mit Anatol Lawina und Maciej Zalewski veröffentlichte er 1987 den Text „Fragen der Solidarność-Leute“ (Pytania ludzi „Solidarności, in: *„Tygodnik Mazowsze“ vom 21. Januar 1987), der zur Schaffung offener lokaler Gesellschaftsstrukturen unter dem Dach der *Solidarność aufrief. Seine Broschüre „Mały jawniak“ (etwa „Der kleine Öffentlich-Macher“; bei CDN, Warschau 1988), war der Versuch, das Vorgehen und die Ziele der Opposition unter den Bedingungen offener Arbeit zu beschrieben. Angesichts der sich anbahnenden Verhandlungen mit den Machthabern forderte Bielecki von der *Solidarność-Führung die Ausarbeitung demokratischer Prinzipien innerhalb der Opposition und kritisierte die von Minderheiten geführten Führungsgremien („Gdyby…“/Wenn …, in: *„Kultura“, Nr. 9/1988). Einen Monat später veröffentlichte er in der *„Kultura“ elf Thesen zum Wirtschaftsprogramm als seine Vorschläge für die inhaltliche Ziele bei den Verhandlungen mit den Machthabern. Er hatte die Idee eines „Schattenparlaments“ als politischer Werkstatt der Opposition. 1989 war Bielecki Mitgründer der Gruppe „Verständigung über Trennendes hinweg“ (Klub „Porozumienie ponad Podziałami“). Nach dem Systemwechsel wurde er 1990–95 Berater von Staatspräsident Lech Wałęsa und 1992 auch Berater der Regierung von Jan Olszewski. 1995 gründete er die Mitte-Rechts-Partei „Ruch Stu“, 1997–2001 war er Parlamentsabgeordneter der „Wahlaktion Solidarność“ (Akcja Wyborcza Solidarność) und Vorsitzender der Sejmkommission für Auswärtige Angelegenheiten. 1997 erwarb er den Doktortitel und war 2000 einer der Sponsoren von „SocLand“, dem geplanten Kommunismus-Museum in Warschau. Seitdem Bielecki 2001 nicht wieder in den Sejm gewählt wurde, führt er ein Architekturbüro in Warschau und publiziert zu den Themen Architektur und Politik.Pawel Sowiński Aus dem Polnischen von Markus Pieper und Wolfgang Templin Letzte Aktualisierung: 09/15

Wer war wer in DDR

Bienek, Horst

* 7.5.1930 – ✝ 7.12.1990

Geb. in Gleiwitz, Schles. (Gliwice, Polen); Vater Bahnbeamter, Mutter Klavierlehrerin; Besuch der Bürgerschule in Oberschles.; nach dem Einmarsch sowj. Truppen als Demontagearbeiter zwangsverpflichtet. 1946 Übersiedl. nach Köthen; später nach Potsdam, dort Beendigung der Oberschule, Abitur; 1949 / 50 Redaktionsvolontär bei der »Tagespost« in Potsdam; erste Gedichte; 1950 Teiln. am ersten Lehrgang für junge Schriftsteller in Bad Saarow (Vorläufer des Leipziger Literaturinst.), von  Johannes R. Becher u.  Stephan Hermlin lobend erwähnt, galt im Sinne der DDR-Kulturpolitik als förderungswürdig; 1951 Meisterschüler bei  Bertolt Brecht am »Berliner Ensemble«; Nov. 1951 wg. »antisowj. Hetze« vom MfS verhaftet u. den sowj. Besatzungsbehörden überstellt; Apr. 1952 Verurteilung wg. angebl. Spionage u. versuchtem Sturz der DDR-Regierung zu 25 Jahren Zwangsarbeit; Mai 1952 – Okt. 1955 Arbeitslager in Workuta; Amnestie u. Entlassung in die Bundesrep. Dtl. 1957 – 61 Red. beim Hess. Rundfunk in Frankfurt (Main); 1958 – 61 Mithrsg. der Ztschr. »blätter + bilder« u. Hrsg. der Buchreihe »studio 58«; 1960 Aufenthalt in Rom (Villa-Massimo-Stipendium); 1961 – 69 zunächst Lektor, dann Cheflektor des Dt. Taschenbuchverlages (dtv) München; anschl. freischaff. Schriftsteller; seit 1966 Mitgl. des PEN-Zentrums der Bundesrep. Dtl.; Vortragsreisen durch Europa, Amerika u. Australien; Mitgl. der Bayer. Akad. der Schönen Künste u. der Dt. Akad. für Sprache u. Dichtung Darmstadt; sein literar. Werk umfaßt Lyrik, Prosa u. Essays u. beschäftigt sich vornehmlich mit der Kriegs- u. Nachkriegszeit sowie der menschl. Selbstbehauptung gegenüber staatl. Obrigkeit; zahlr. Auszeichnungen, u. a. für seine autobiograf. Romantetralogie »Gleiwitz. Eine oberschlesische Chronik« (1975 – 82); gest. in München.Traumbuch eines Gefangenen. Gedichte und Prosa. München 1957; Nachtstücke. Erzählung. München 1959; Die Zelle. München 1968 (1970 verfilmt, Buch u. Regie H. B.); Bakunin, eine Invention. Erzählung. München 1972; Solschenizyn und andere. Essays. München 1972; Gleiwitzer Kindheit. Gedichte aus 20 Jahren. München 1976. Helbig, L. F.: H. B. 1930 – 1990. Leben u. Werk. München 2000.Bernd-Rainer Barth

dissidenten.eu

Biermann, Wolf

* 1936

Wolf Biermann war der Künstler, der der DDR-Opposition ab den 60er Jahren eine eigene, unverwechselbare Stimme gab. Als politischer Denker war und ist Wolf Biermann umstritten und streitbar. Er fordert zur Parteinahme heraus, wie sonst kaum jemand.Wolf Biermann wurde am 15. November 1936 in Hamburg in eine kommunistische Familie geboren. Sein Vater war im antinationalsozialistischen Widerstand aktiv und wurde 1943 als  Kommunist und Jude in Auschwitz ermordet. Kurz vor dem Volksaufstand vom 17. Juni 1953, jedoch bereits nach Stalins Tod im März 1953, siedelte Wolf Biermann in die DDR über. Das Abitur legte er 1955 in der Internatsschule Gadebusch ab, anschließend nahm er ein Studium der Politischen Ökonomie an der Humboldt-Universität zu Berlin auf, das er 1957 abbrach, um bis 1959 als Regieassistent am Berliner Ensemble zu arbeiten, wo Biermanns großes Vorbild Bertolt Brecht bis zu seinem Tod 1956 gewirkt hatte. 1959–63 studierte er Philosophie und Mathematik/Physik wieder an der Berliner Humboldt-Universität. Gleichzeitig begann er erste Lieder und Gedichte zu schreiben. Zu seinen Vorbildern zählten neben Bertolt Brecht auch François Villon und Heinrich Heine. 1960 lernte Biermann Hanns Eisler kennen, der ihn förderte. In dieser Zeit „erfand“ Biermann in Anlehnung an das Wort „Stückeschreiber“ den Begriff „Liedermacher“. 1961 wurde er zwar Kandidat der SED, doch nahm ihn diese nach Ablauf der Kandidatenzeit 1963 wegen politischer Differenzen nicht als Mitglied auf. Auch sein Hochschuldiplom bekam er nicht ausgehändigt. 1961–63 baute er das Berliner Arbeiter- und Studententheater (b.a.t.) auf, das noch vor der Eröffnung verboten wurde. Seine Gedichte, die er 1962 an der Akademie der Künste auf Anregung Stephan Hermlins und 1963 in einem Kulturhaus vortrug, wurden als „lebensfremd“ und „nach innen gerichtet“ parteiamtlich abgelehnt. Ab 1963 arbeitete Biermann freischaffend, wobei von Anfang an Auftrittsverbote seine Entwicklung behinderten, wenn auch nicht verhindern konnten. Im März 1964 gab er während der öffentlichen Auseinandersetzungen um seinen Freund Robert Havemann ein Konzert im Philosophenclub der Ost-Berliner Universität, im selben Jahr trat er mit Wolfgang Neuss in West-Berlin auf (seine erste Schallplatte erschien 1965 als Mitschnitt dieses Konzerts), anschließend auch in anderen westlichen Ländern. Im Dezember 1965 griff die SED Biermann nach Erscheinen seines ersten Gedichtbandes „Die Drahtharfe“ in West-Berlin zusammen mit anderen Künstlern erneut an. Auf dem 11. („Kahlschlag-“)Plenum des Zentralkomitees (ZK) im Dezember 1965 wurde er von Walter Ulbricht kritisiert und beschimpft („Wir haben [...] keine Freiheit für Verrückte“). Trotz westlicher Proteste verhängte die SED-Führung ein generelles Auftritts- und Publikationsverbot, das bis zu seiner Ausbürgerung 1976 galt. 1965 begannen Biermanns Jahre der staatlich erzwungenen Isolation in der Ost-Berliner Chausseestraße 131. Im Westen konnte er jedoch mehrere Bücher und Schallplatten mit seinen Liedern veröffentlichen, im westlichen Fernsehen und Rundfunk auftreten, zahlreiche Interviews geben. In 26 Anthologien wurden seine Gedichte abgedruckt, die Veröffentlichungen einzelner Lieder und Gedichte sind kaum zu zählen, genauso die Beiträge über ihn in Büchern, Zeitungen und Zeitschriften. Bis 1976 entstanden etwa dreißig Fernsehsendungen über ihn. Ab 1969 wurde Biermann mehrfach mit Preisen ausgezeichnet (Fontane-, Jacques-Offenbach-, Deutscher-Schallplatten-Preis). In München wurde sein Stück „Der Dra-Dra“ im April 1971 uraufgeführt. In der DDR wurde Biermann – abgesehen von gelegentlichen Ausfällen der SED-Führung (Kurt Hager, Erich Honecker, Horst Sindermann, Paul Verner und andere) gegen ihn – als Künstler totgeschwiegen. Zeitgleich war er mit vielen kritischen Intellektuellen befreundet oder bekannt und hat im Land eine unüberschaubare Zahl von Anhängern, die seine Gedichte in Abschriften, seine Lieder in Tonbandkopien lieben und verbreiten. Das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) verfolgte ihn seit 1965 zunächst im Operativen Vorgang (OV) „Lyriker“, später in einem sogenannten Zentralen OV. Bis zum Ende der DDR wuchs das MfS-Material gegen ihn auf rund 100 Bände mit etwa 40.000 Seiten an. Nur gegen Robert Havemann, Biermanns engstem Freund, sammelte die Geheimpolizei noch mehr Material. Biermann verstand sich bei aller Kritik an der SED und der verspießerten DDR-Gesellschaft als Marxist und Kommunist, als Antifaschist, Antimilitarist und Gegner des Kapitalismus, worin auch die Freundschaft mit Robert Havemann begründet lag. Später fühlte er sich dem Eurokommunismus verbunden. Dieses politische Bekenntnis für eine bessere und solidarischere Welt verband er mit unbändiger Lebenslust, Sinnlichkeit, Freiheits- und Menschenliebe. Ab 1973 versuchte die SED-Führung, den unbequemen Sänger und Kritiker loszuwerden (ursprünglich war seine Ausbürgerung anlässlich einer Besuchsreise nach Hamburg für 1974 geplant). Trotz Auftrittsverbots gab Biermann im Herbst 1976 in Prenzlau in einer Kirche ein Konzert – sein letzter Auftritt in der DDR. Auf Einladung der westdeutschen Industriegewerkschaft Metall gab er am 13. November 1976 in Köln vor 7.000 Zuschauern ein Konzert, das live vom WDR (und drei Tage später in voller Länge in der ARD) übertragen wurde. Drei Tage darauf verkündete das SED-Politbüro die schon länger geplante Ausbürgerung, was ungeahnte weitreichende Folgen nach sich ziehen sollte. Nach dem Protest von anfänglich 13 bekannten DDR-Künstlern setzte eine große Solidaritätsbewegung für Biermann ein sowie gleichzeitig eine staatlich organisierte Gegenbewegung. Jürgen Fuchs, Gerulf Pannach, Christian Kunert und viele andere kamen in Haft, gegen Robert Havemann wurde ein achtzehnmonatiger Hausarrest verhängt und Verfahren gegen mehrere Schriftsteller eingeleitet. Damit setzte eine scharfe Polarisierung unter den DDR-Schriftstellern ein und der Exodus bedeutender Autoren und Künstler begann. Für Biermann selbst begann mit seiner Ausbürgerung eine Zeit der Krisen. Er wurde von einem vom MfS gesteuerten Manager bei seinen Kontakten und Auftritten beraten (und an die Staatssicherheit verraten, die ihn auch im Westen observierte) und erhielt von rechten Kreisen Schmähbriefe und Drohungen. In einem neuen politischen Kräftefeld musste er seine Identität überdenken. Er verstand sich weiterhin als Sozialist, wurde ein scharfer Kritiker der westlichen Gesellschaft, war in den Medien präsent, produzierte in schneller Folge Schallplatten und gab im In- und Ausland Konzerte. Im Hamburger Exil entwickelte sich Biermann – vergleichbar mit Heinrich Heine im Pariser Exil – von einem politischen Liedermacher zum Dichter und Essayisten. Wenige Tage vor dem Tod Robert Havemanns 1982 gestattete die SED-Führung Biermann, seinen väterlichen Freund in Grünheide bei Berlin streng abgeschirmt zu besuchen.Während der Friedlichen Revolution 1989 trat Biermann wieder in der DDR auf: Zwar konnte Staats- und Parteichef Egon Krenz seinen Auftritt auf der Großkundgebung am 4. November 1989 auf dem Berliner Alexanderplatz noch verhindern, aber am 1. Dezember gab er bereits in Leipzig vor 4.000 begeisterten Besuchern ein auch im DDR-Fernsehen übertragenes Konzert. Seither ist Biermann ein kritischer Begleiter des Vereinigungsprozesses. Öffentlich schwörte er vom Kommunismus jeglicher Spielart ab und erklärte auf seine ihm typische Art, warum er sich so lange geirrt hatte, aber trotzdem Recht behielt. Anfang September 1990 unterstützte er die Protestaktion von Bürgerrechtlern, die die Zentrale der Staatssicherheit in Berlin besetzt hatten, enttarnte den Stasispitzel Sascha Anderson („Sascha Arschloch“) und äußerte sich wiederholt zur MfS-Problematik. Gemeinsam mit früheren Bürgerrechtlern wie Bärbel Bohley, Ehrhart Neubert, Ralf Hirsch, Jürgen Fuchs, Katja Havemann, Wolfgang Templin, Konrad Weiß, Arnold Vaatz und Freya Klier sowie mit prominenten Bundespolitikern aus allen demokratischen Parteien gründete Biermann am 17. Juni 1996 das zur Aufarbeitung von SED-Unrecht gegründete „Bürgerbüro“ in Berlin. Neben seinem Engagement für die Aufarbeitung kommunistischer Verbrechen tritt Wolf Biermann nach wie vor regelmäßig mit politischen Essays und Stellungnahmen an die Öffentlichkeit, die nicht minder polarisieren und zur Meinungsbildung anregen sollen. Im Zentrum des Schaffens des zehnfachen Vaters steht aber nach wie vor sein künstlerisches Werk, das mittlerweile über zwei Dutzend Schallplatten sowie mehrere Gedichtbände, Aufsatz- und Essaysammlungen umfasst. In den letzten Jahren hat sich Biermann vermehrt der Verbreitung jüdischer Selbstzeugnisse und künstlerischer Werke zugewandt, in denen es um die Verarbeitung der Shoa geht. 2016 erschien seine hochgelobte und vielbeachtete, eindrucksvolle Autobiographie „Warte nicht auf bessere Zeiten“.Guntolf Herzberg, Ilko-Sascha Kowalczuk Letzte Aktualisierung: 10/18

Wer war wer in DDR

Bierwisch, Manfred

* 28.7.1930

Geb. in Halle, Vater Angest. 1949 Abitur; 1951 – 56 Studium der Germanistik an der KMU Leipzig; Beginn der Freundschaft mit  Uwe Johnson; 1952 / 53 Studienunterbrechung, Verurteilung u. Haft wegen »Boykotthetze«; ab 1957 Mitarb. des Inst. für dt. Sprache u. Lit.; 1961 Dr. phil. an der KMU Leipzig mit der Arbeit »Zur Morphol. des dt. Verbalsystems«; 1962 – 73 Mitarb. der Arbeitsstelle für strukturelle Grammatik der DAW, Auflösung der Arbeitsstelle wegen ideolog. Vorbehalte der SED gegen eine Rezeption des frz. Strukturalismus in der DDR; 1964 – 66 vom MfS im OV »Forum« wegen »staatsgefährdender Prop. u. Hetze« erf.; 1973 – 80 wiss. Mitarb., ab 1980 Forschungsgr.-Ltr. »Kognitive Linguistik« im ZI für Sprachwiss. der AdW; 1981 Dr. sc. phil. auf dem Gebiet der kognitiven Linguistik an der AdW; 1981 Fellow am Center for Advanced Study in Behavioral Sciences, Stanford, Kalifornien; 1985 Prof. für theoret. Linguistik / Syntax u. Semantik an der AdW, 1985 ausw. wiss. Mitgl. des Max-Planck-Inst. für Psycholinguistik Nijmegen (Niederl.). 1991 / 92 Fellow am Wissenschaftskolleg Berlin; 1992 – 96 Ltr. der Max-Planck-Arbeitsgr. »Strukturelle Grammatik« u. ord. Prof. an der HU Berlin; 1992 Dr. h. c. der FSU Jena; 1993 Gründungsmitgl. u. bis 1998 Vizepräs. der Berlin-Brandenb. AdW; 1995 em.; 1995 Ehrenmitgl. der Ungarischen AdW; 1998 Ehrenmitgl. der Sächs. AdW; 2005 Dr. h. c. Univ. Leipzig; lebt in Berlin. Bedeutende theoret., methodolog. u. empir. Arbeiten in den Bereichen Sprachtheorie, Psycholinguistik, Syntax u. Semantik; seit 1962 Mithrsg., ab 1993 verantw. Hrsg. der Studia grammatica.Das Nibelungenlied. In Prosa übertragen von M. B. u. U. Johnson. Leipzig 1961; Grammatik des dt. Verbes. Berlin 1963; Modern Linguistics. Den Haag 1971; Essays in the psychology of language. Berlin 1983; Grammat. u. konzeptuelle Aspekte von Dimensionsadjektiven. Berlin 1987 (mit E. Lang); Sprachtheoret. Grundlagen für die Computerlinguistik. Stuttgart 1995 (mit P. Bosch); Aspekte der Sprachfähigkeit: Struktur, Biol., Kultur. Frankfurt (Main) 2003. Bibl. In: Crossing the boundaries in linguistics (Fs.). Dordrecht 1981; Fügungspotenzen: zum 60. Geburtstag von M. B. Berlin 1992.Andreas Kölling / Dieter Hoffmann

Wer war wer in DDR

Bille, Manfred

* 28.5.1937

Geb. in Luckenwalde; Vater Schmied; Volksschule, 1951 – 54 Lehre u. Arbeit als Fernmeldemechaniker bei der DR; 1954 – 58 Transportpolizei (Wachtmeister); 1958 – 60 Kraftfahrer; 1960 – 62 Abt.-Ltr., dann 1962 – 1969 Dir. eines Betriebs; Fernstud. der Ök. an der FS für Verkehrs- u. Betriebstechnik, Ingenieurök.; 1963 SED; 1970 – 75 Ltr. u. Beauftragter für Autobahnbau u. 1975 – 79 Dir. des Büros für Verkehrsplanung, 1976 – 86 Ltr. der Abt. Verkehrs- u. Nachrichtenwesen beim Rat des Bez. Potsdam; Fernstudium, 1978 Dipl.-Staatswiss.; 1982 VVO; 1986 – 89 Stellv. des Vors. des Rats des Bez. Potsdam für Verkehrs- u. Nachrichtenwesen; Mai 1989 – Mai 1990 OB von Potsdam (Nachf. von  Wilfried Seidel). Seit 1990 Beauftragter des Vorst. der Iveco Magirus AG für die Zusammenarb. mit gewerbenahen Verbänden, bes. mit den Verkehrsverbänden.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Birke, Wolfgang

* 2.11.1931 – ✝ 12.8.2015

Geb. in Pirna; Vater Musiker; Volksschule. 1947 – 49 Ausbildung zum Bäcker, danach im Beruf tätig; 1950 Kursant der VP-Nachrichtenschule Pirna, dann Kommissar bei der KVP-Bereitschaft; 1950 SED; 1951 Offz. für Nachrichtenverb. bei der HV Ausbildung der VP Berlin, 7. Abt. (später Stab der KVP); 1956 Dienstantritt im MfS, Abt. XI (Chiffrierwesen); 1965 – 71 Fernstudium an der JHS Potsdam-Eiche, Dipl.-Jur.; 1971 stellv. Ltr., 1974 Ltr. der Abt. XI; 1984 Gen.-Major; 1990 Entlassung; gest. in Berlin.Jens Gieseke

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Birkigt, Rolf

* 3.11.1921 – ✝ 2.10.2008

Geb. in Dresden; Vater Arbeiter; Volks- u. Oberrealschule, kaufm. Lehre u. Arbeit; 1940 RAD; 1941 Wehrmacht; 1942 – 49 sowj. Kriegsgef. u. Antifaschule; 1944 Mitgl. des Bundes Dt. Offiziere u. des NKFD. 1949 Rückkehr nach Dtl.; 1949 – 52 Dispatcher, Lagerltr. u. techn. Übers. bei der SDAG Wismut; 1953 techn. Übers. beim VEB IFA Motorenwerk in Chemnitz; 1953 – 56 Doz. für Russisch an der Ingenieurschule für Werkstofftechnik in Karl-Marx-Stadt; 1956 – 63 Dolmetscher, Offizier der Bereitschaftspolizei bzw. der Dt. Grenzpolizei; 1959 SED; 1963 – 65 Außenstellenltr. von INTERTEXT in Karl-Marx-Stadt; 1965 – 79 Dir. für Dolmetscher- u. Übersetzerwesen, Dir. für Prod., stellv. Dir. u. Abt.-Ltr, ab 1979 Dir. des Fremdsprachendienstes INTERTEXT (Nachf. von  Walter Graul); gest. in Berlin.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Birthler, Wolfgang

* 28.1.1947

Geb. in Magdeburg; Vater Produktionsdir.; 1953 – 61 Grundschule in Böhlen; 1961 – 65 EOS Borna, 1962 – 65 Ausbildung zum Rinderzüchter, 1965 Abitur; 1965 – 71 Studium der Veterinärmed. an der HU Berlin, Dipl.-Vet.-med.; 1971 – 73 u. 1975 – 90 Tierarzt im Krs. Angermünde; 1973 – 75 Bausoldat in Saßnitz (Rügen); 1971 – 88 FDGB, Austritt; 1971 – 90 Mitarb. der Ev. Kirche, Organisator u. Ltr. von monatl. Gesprächskreisen, offenen Abenden u. Wochenendrüsten der Ev. Gemeinde Schwedt, Mitgl. des Gemeindekirchenrats, verantw. für die Junge Gemeinde, Mitarb. im Arbeitskrs. »Kirchen in Neubaugebieten«; Nov. 1989 SDP, Aufbau der Ortsvereine in Schwedt u. Angermünde; März – Sept. 1990 Abg. des Kreistags Angermünde; zeitw. verh. mit  Marianne Birthler. Seit Okt. 1990 MdL Brandenburg u. bis 1999 Vors. der SPD-Fraktion; 1999 – 2004 Landesmin. für Landw., Umweltschutz u. Raumordnung (Nachf. von Eberhard Henne); medienpolit. Sprecher der SPD-Fraktion u. Mitglied des Rundfunkrats des RBB.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Beyes, Fritz

* 5.11.1901 – ✝ 1.6.1942

Beyes, Fritz (* 1901 – † 1942?) Geboren am 5. November 1901 in Berlin, Sohn eines Molkereibesitzers. Im Lehrerseminar in Kyritz machte er 1922 die Lehrerprüfung, bekam aber keine Anstellung. Zunächst SAJ-, ab 1923 KPD-Mitglied. Mit finanzieller Unterstützung seiner Mutter eröffnete Beyes einen Sportladen in der Berliner Wilhelmstraße, der auch Anlauf- und Treffpunkt der KPD war. Er organisierte Kinder- und Jugendarbeit in Berlin-Lichtenberg. 1925 Volksschullehrer in Berlin-Adlershof und in Berlin-Reinickendorf, nach kurzer Zeit entlassen, machte er 1927 zusätzliche Abschlüsse als Sport- und Turnlehrer. Ab 1925 gehörte er der Bezirksversammlung Berlin-Lichtenberg an, wurde stellvertretender Vorsitzender der Berliner Lehrergewerkschaft und Mitglied der Berliner Lehrerdeputation. Wegen seines politischen Engagements für die KPD ab 1929 endgültiges Berufsverbot. Beyes wurde Mitarbeiter im AM-Apparat, übernahm Kurieraufgaben und war einer der Schutzbegleiter für Ernst Thälmann. Ab Oktober 1930 Lehrer für Deutsch, Musik und Sport an der sowjetischen Botschaftsschule in Berlin-Neukölln. 1933 zeitweise verhaftet (Anklage wegen Verwicklung in einen Polizistenmord), emigrierte Beyes im Sommer 1933 nach Prag, von dort in die Sowjetunion. Hier war er bis August 1935 Lehrer an der Karl-Liebknecht-Schule, dann von der MOPR beauftragt, ein Kinderheim für Schutzbundkinder aus Österreich aufzubauen. Am 2. August 1937 vom NKWD festgenommen, ermordet im Lager Tscherdyn (Gebiet Perm), wo er am 1. Juni 1942 umgekommen sein soll. Seit April 1925 mit Frida Kupke (* 24. 4. 1903 – † 17. 3. 1980) verheiratet, Tochter eines Holzarbeiters und einer Textilarbeiterin. Sie war Lichtpauserin, später Schneiderin. Im Januar 1934 folgte sie ihrem Mann mit den Kindern Volker (* 1926) und Adeline (*1929) in die Sowjetunion. Von 1934 bis 1937 Angestellte bei Mosfilm, dann bis 1941 Schneiderin. 1941 mit den Kindern nach Sibirien verbannt, mußte dort im Bergwerk arbeiten, konnte im Mai 1947 nach Deutschland zurückkehren. 1950/51 Sekretärin bei der VVN, anschließend Sachbearbeiterin beim Außenhandel der DDR.

Wer war wer in DDR

Bialas, Hans

* 20.6.1911 – ✝ Oktober 19

Geb. in Tworkau (Krs. Ratibor, Oberschles./ Tworkowo, Polen); Vater Maurer, Mutter Zigarrenarb.; Volksschule; 1926 – 33 Drainagearbeiter; 1929 KPD; 1933/34 »Schutzhaft«; 1934/35 arbeitslos; 1935 – 37 Drainagearbeiter; 1937/38 U-Haft wegen Verteilens von Flugblättern; 1938 – 43 Brauereifahrer; 1943 – 45 Wehrmacht; 1945 sowj. Kriegsgefangenschaft, Dolmetscher. Nov. 1945 Rückkehr nach Dtl., Einstellung bei der Kripo Berlin; 1946 SED; 1950 Einstellung beim MfS, Abt. U-Haft (ab 1952 Abt. XIV); 1951 Ltr. der Haftanstalt I; 1957 stellv. Ltr., 1958 Ltr. der Abt. XIV (U-Haft/Strafvollzug); 1959 Oberst-Ltn.; 1962 Entlassung, Rentner.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Bickhardt, Peter

* 13.6.1933

Geb. in Dresden; Vater prakt. Arzt; Kreuzschule in Dresden, 1951 Abitur; 1951 – 55 Studium der Theol. in Leipzig, Mitgl. der ESG, deren Bibelstunden zeitw. durch Übergriffe der Polizei u. der FDJ gestört wurden; 17.6.1953 Teiln. an der Demonstration in Leipzig; 1956 Arbeit in einem Industriefotolabor, u. a. Fotoarbeit auf den Hochöfen im Eisenhüttenkombinat Ost in Stalinstadt; 1957 Vikariat, Predigerseminar, anschl. bis 1969 Pfarrer in Dresden-Niedersedlitz, dann bis 1977 in Dresden-Prieschen; wiederholt Konflikte mit staatl. Stellen aufgrund von Protesten gegen die Israel-Pol. der DDR, die Invasion der Warschauer-Pakt-Staaten in der ČSSR sowie die Fälschung von Wahlergebnissen; seit Mitte der 70er Jahre vom MfS in verschiedenen OV erf.; Mitarb. in der kirchl. Gruppe »Arzt u. Seelsorger«; 1977 Mitarb. in der »Offenen Jugendarbeit« der Dresdener Weinbergsgemeinde; 1977 – 88 Landespfarrer für Krankenhausseelsorge in Berlin; ab 1982 Mitarb. in der kirchl. Friedensbew. in Berlin, u. a. 1983 Teiln. am ersten DDR-weiten Treffen opp. u. kirchl. Friedensgr. »Frieden konkret«, 1984 Mitbegr. der opp. Gruppe »Ärzte für den Frieden« in Berlin (mit  Sebastian Pflugbeil u. dem Ehepaar Seidel), ab 1988 Unterstützung des von seinem Sohn  Stephan B. mitgegr. Arbeitskrs. »Absage an Praxis u. Prinzip der Abgrenzung«, u. a. Bereitstellung der eigenen Wohnung für illeg. Druckarbeiten; seit 1988 Pfarrer in Neuenhagen-Dahlwitz (b. Berlin); Herbst 1989 Mitgl. der Bürgerbewegung Demokratie Jetzt. 1990 Mitarb. in der Wahlkommission; zeitw. Sprecher des Krs.-Verb. Bündnis 90 / Die Grünen Märkisch-Oderland; Mitgl. der Aufklärungsgr. »Recht u. Versöhnung«; 1998 Ruhestand.Ehrhart Neubert

Wer war wer in DDR

Biege, Holger

* 19.9.1952 – ✝ 25.4.2018

Geb. in Greifswald; Mutter Lehrerin, Vater Biologe; 1960 nach Berlin, Klavierunterricht; 1969/70 Lehre als BMSR-Techniker in Hettstedt, Abbruch; 1970/71 Studium an der HS für Musik »Hanns Eisler« in Berlin, Abbruch; 1972 NVA; 1974 Ausbildung an der Musikschule Friedrichshain (Klavier, Gesang); Beginn der berufl. Laufbahn als Musiker u. Sänger, 1975 Mitgl. der Schubert-Formation, erste Soloprod. »Wenn der Abend kommt«; 1976/77 erste Gastspiele in Polen, der ČSSR u. Berlin (West); 1978 erste LP »Wenn der Abend kommt«; »Interpret des Jahres«; 1979 LP »Circulus«, Kompositionen u. Produktionen für Bruder Gerd Christian u. Marion Scharf, wiederum »Interpret des Jahres«, 1980 Gründung einer eigenen Band; blieb 1983 bei einem Gastspiel in Berlin (West) u. ging dann mit seiner Familie nach Hamburg; 1984 LP »Das eigene Gesicht«; 1985 – 87 vereinzelt Konzerte u. Singles, Arbeit als Arrangeur u. musikal. Sachverständiger für Musikverlage, 1990 Solo-Konzerttournee durch die DDR. 1991 Rückkehr nach Berlin, 1994 CD »Leiser als laut«, 1996 CD »Die schönsten Balladen«, 1997 CD »Zugvögel«, 1998 Umzug der Familie nach Niedersachsen, 1999 erstes gem. Album mit Gerd Christian; 2001 Live-Album »Lieder atmen, Lieder tanken« (Konzerthaus Berlin).Rainer Bratfisch

Wer war wer in DDR

Bieler, Manfred

* 3.7.1934 – ✝ 23.4.2002

Geb. in Zerbst (Anh.); Vater Baumstr., Mutter Stenotypistin; Schule in Zerbst u. Asch (Westböhmen), 1952 Abitur am Philanthropinum Dessau; 1952 – 56 Studium der Germanistik an der HU Berlin, Abschluß Dipl.-Philologe; 1955 Preis der V. Weltfestspiele der Jugend u. Studenten in Warschau für die Erz. »Der Vogelherd«; 1956/57 wiss. Mitarb. des DSV; Ende Juni 1956 auf dem 2. Kongreß junger Künstler in Karl-Marx-Stadt zus. mit  Heinz Kahlau, Manfred Streubel u. Jens Gerlach öff. Eintreten für mehr kulturellen Spielraum u. Klärung »ideolog. Fehler«; war im Herbst 1956 aktiv im sog. »Donnerstags-Krs.«, laut MfS der »Dt. Petöfi-Club«; 25.10.1957 im »Neuen Dtl.« von  H. Rodenberg als Teil einer Gr. um  Ernst Bloch u.  Hans Mayer denunziert; Entlassung aus dem DSV, seitdem freier Schriftst.; ausgedehnte Reisen ins europ. Ausland u. 1960 auf dem Fangschiff »Bertolt Brecht« bis Neufundland; 1964 – 67 Mitgl. des PEN-Zentrums Ost u. West; 1965 Ehe mit einer Tschechin, Übersiedl. nach Prag; 1965 Theaterstück »Zaza« für die Volksbühne Berlin, starke Kritik durch das PB des ZK der SED auf dem 11. Plenum, PB-Beschluß vom 9.11.1965 verpflichtete ihn zur Zurückzahlung eines Vorschusses, gleichz. Verbot des DEFA-Films »Das Kaninchen bin ich« (R:  Kurt Maetzig, Drehbuch: M. B. nach seinem Roman »Maria Morzeck oder Das Kaninchen bin ich«, UA erst im Herbst 1989, der Roman erschien 1969 in München), Diffamierung fast der gesamten systemkrit. DEFA-Jahresprod. als »Kaninchenfilme« durch  Horst Sindermann; 1967 ČSSR-Staatsbürgerschaft; 1968 Mitgl. des SV der ČSSR; Aug. 1968 nach dem Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen Übersiedl. in die Bundesrep. Dtl., die tschech. Ausgabe des »Kaninchen« wurde verboten, die Aufführung des Stücks »Zaza« am Prager Nationaltheater abgesetzt; 1969 Gastdozentur an der Univ. Texas; Andreas-Gryphius-Preis; 1971 Staatsbürger der Bundesrep. Dtl.; 1973 Mitgl. der Bayr. Akad.; 1977 Jakob-Kaiser-Preis; 1980 PEN-Zentrum Bundesrep. Dtl; gest. in München.Der Schuß auf die Kanzel. Berlin 1958; Bonifaz oder Der Matrose in der Flasche. Berlin 1963; Die Person. Mit Materialien zusammengestellt von Gerold Meyer. Stuttgart 1970; Der Mädchenkrieg. München 1975; Der Kanal. München 1978; Naida. Gesammelte Erz. Hamburg 1991.Carsten Wurm / Andreas Kölling

Wer war wer in DDR

Bierbach, Martin

* 30.11.1926 – ✝ 9.4.1984

Geb. in Kalbsrieth (b. Artern); Vater Arbeiter; Volks- u. Mittelschule; Lehre u. Arbeit als Maschinenschlosser; 1943 RAD, 1943 – 45 Wehrmacht, 1945 – 48 sowj. Kriegsgefangenschaft. 1948 Rückkehr nach Dtl.; SED; 1948 – 50 Lehre als Schlosser (Umschüler), Maschinenschlosser im VEB Zuckerfabrik Artern; 1950 – 52 Instrukteur der SED-KL Sangerhausen, 1952 Lehrgang an einer SED-LPS; 1953 Eintritt in das MfAA, Hauptsachbearb., Referent, Oberreferent, 1953 – 57 hauptamtl. Sekr. der SED-BPO im MfAA; Fernstudium an der DASR Potsdam, Dipl.-Staatswiss.; 1957 – 59 1. Sekr. bzw. Botschaftsrat in der VR China (Nachf. von Franz Everhartz), 1959 – 62 Generalkonsul der DDR in der Vereinigten Arab. Rep. bzw. kurzz. Geschäftsträger in Algerien (Nachf. von Walfried Lange), 1963 – 66 Ltr. der 3. Außereurop. Abt. des MfAA (Nachf. von Norbert Jaeschke); 1966 – 68 Botschafter der DDR in der VR China (Nachf. von  Günter Kohrt), 1969 – 73 Botschafter der DDR in Ägypten (Nachf. von Wolfgang Konschel), 1980 – 84 Botschafter der DDR in Großbritannien (Nachf. von  Karl-Heinz Kern) u. 1981 – 84 zusätzl. in der Rep. Irland (Nachf. von  Karl-Heinz Kern).Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Biermann, Kurt-Reinhard

* 5.12.1919 – ✝ 24.5.2002

Geb. in Bernburg; 1940 – 43 Studium des Maschinenbaus an den TH Berlin u. Stuttgart; Wehrmacht u. Kriegsgefangenschaft. 1952 – 55 Forts. des Studiums an der TH Dresden u. der HU Berlin; 1956 Sekr. der Kommission bei der DAW zur Vorbereitung des Euler-Jubiläums; 1957 Dipl., 1964 Prom.; ab 1958 an der DAW in Berlin tätig, ab 1969 Ltr. der Alexander-von-Humboldt-Forschungsstelle; 1984 em.; Vizepräs. der Académie Internationale d’Histoire des Sciences; gest. in Berlin. Mathematikgeschichtl. Arbeit zu drei Themenkrsen.: Institutionengeschichte, Quellenedition, Erforschung der Biogr. von Gauss.Geschichte der Mathematik an der Berliner Univ. 1988; Wahlvorschläge von Mathematikern für die Berliner Akad. 1960; Neuedition des Briefwechsels zwischen A. v. Humboldt u. C. F. Gauss. 1977; Gauss-Biogr. in Briefen. 1991.Annette Vogt

Handbuch Deutsche Kommunisten

Biewald, Wilhelm

* 2.11.1897 – ✝ 1938

Geboren am 2. November 1897 in Rostow am Don als Sohn einer deutschen Familie, die vor dem Weltkrieg nach Schlesien übersiedelte. 1920 Mitglied der USPD, im gleichen Jahr der KPD. Biewald gehörte zu den führenden kommunistischen Funktionären in Schlesien. 1931 hauptamtlicher KPD-Sekretär in Düsseldorf, dann Redakteur am »Klassenkampf« in Halle. Zu 15 Monaten Gefängnis verurteilt, floh er Ende 1932 in die Sowjetunion nach Rostow, seinem Geburtsort. Redakteur an der Zeitung »Molat«. Dort lebte er mit seiner Frau Johanna Biewald, geb. Hertwig (*9. 10. 1902 – † 3. 10. 1985), einer Beamtentochter, seit 1924 Mitglied der KPD und aktive Funktionärin. Nach der Heirat 1926 in der Redaktion der schlesischen »Arbeiterzeitung«, später für den gesamten Pressevertrieb der RGO verantwortlich und von 1932 bis 1935 ebenfalls in der Redaktion »Molat«. Wilhelm Biewald wurde im November 1937 in Rostow verhaftet, er kam 1938 im Gulag ums Leben. Johanna Biewald war von 1941 bis 1943 evakuiert. Von 1943 an als Politinstrukteurin in sowjetischen Kriegsgefangenenlagern. 1948/49 im Bergwerk, bis 1955 Bibliothekarin in Rostow. Im April 1955 durfte sie in die DDR und wurde Mitglied der SED und Lektorin im Verlag Tribüne. 1963 mit dem VVO in Silber ausgezeichnet.

Wer war wer in DDR

Billhardt, Thomas

* 2.5.1937

Geb. in Chemnitz; Mutter Fotografin; Grundschule; 1951 – 54 Ausbildung zum Fotografen; 1954 – 57 Studium an der FS für angew. Kunst Magdeburg, staatl. geprüfter Fotografiker, 1957/58 Qualifikation zum Fotomstr.; 1958/59 Verlagsfotograf im Verlag Bild u. Heimat Reichenbach; 1959 – 63 Studium an der HS für Grafik u. Buchkunst Leipzig, Dipl.-Fotografiker; 1962 VDJ; 1963 – 71 freischaff. Fotograf; ab 1967 Mitgl. des Präs. des Solidaritätsfonds der DDR; 1968 SED; 1969 Kunstpreis der DDR; 1972 – 81 Ltr. einer Arbeitsgr. bei der Dt. Werbeagentur für Berlin; 1982 – 89 Ltg. des Studios Billhardt beim Verlag für Agit.- u. Anschauungsmittel; Fotoausstellungen in vielen Ländern, u. a. UNICEF-Ausstellung »Kinder der Welt« New York 1989; 1987 NP; 1988 Korr., 1990 Ord. Mitgl. der Dt. Ges. für Photogr. Köln; 1989 Dt. Journalisten Verb; lebt in Italien u. Berlin.Sehnsucht Frieden – Vietnam. Leipzig 1973; Die Palästinenser. Hanau 1979; Als die Muchachos kamen. Berlin 1982; Die Deutsche Alleenstraße. Zwischen Rheinsberg und Wittenberge. Berlin 1995; Alles war so. Alles war anders. Bilder aus der DDR. Leipzig 1999; Alexanderplatz in Berlin-Mitte. Berlin 2002. Ratsch, D. (Regie): Eislimonade für Hong Li. SWR 2003.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Birkemeyer, Gisela

* 22.12.1931

Geb. in Fahsendorf (Erzgeb.); Vater Ing.; begann 1944 in Schmölln mit der Leichtathletik; 1951 Angest. im Landessportaussch. Thür.; 1951 – 53 BSG Motor Nord Erfurt; 1953 – 1956 BSG Motor Zeiss bzw. SC Motor Jena; 1956 – 1964 SC Dynamo Berlin; zweimal Teiln. an Olymp. Spielen: 1956 Silber 80 m Hürden, 6. Platz 200 m u. 4 x 100, 1960 Bronze 80 m Hürden; EM 1958 Bronze über 80 m Hürden; fünfmal Gold bei Studenten-WM: 1953 4 x 200 m, 1954 80 m Hürden, 1955 4 x 100 m, 1957 200 m, 1959 80 m Hürden; 1951 – 1964 40mal DDR-Mstr. (davon neunmal über 80 m Hürden); zehn WR über 80 m Hürden (10,6 u. 10,5 s) u. in den Staffeln 4 x 100 m, 4 x 110 y, 4 x 200 m, 4 x 220 y; ER über 100 m (11,5 s) u. 200 m (23,4 s); 1952 – 64 25 Länderkämpfe; 1959 DDR-Sportlerin des Jahres; 1957 Heirat mit Trainer Heinz Birkemeyer; 1965 – 68 Nachwuchstrainerin beim SC Dynamo Berlin; 1956 Zivilangest. der VP; 1957 VP (zuletzt Hptm.); 1968 – 86 Mitarb. im Sportbüro d. SC Dynamo, danach Vorrentnerin; lebt in Berlin.Volker Kluge

Wer war wer in DDR

Birnbaum, Dieter

* 21.12.1931

Geb. in Stralsund; Vater Schriftsetzer; 1938 – 51 Schulbesuch u. Abitur an der Goethe-OS in Demmin; 1950 SED; 1951/52 Lehramtsbewerber an der Zentralschule Tentzerow (Kr. Demmin); 1952 – 57 Studium der Biol. (Fachrichtung Botanik) an der EMAU Greifswald, 1957 – 60 dort Aspirant am Phytopatholog. Inst., 1960 Prom. zum Dr. rer. nat. mit »Untersuchungen über den Stickstoff- u. Kohlenhydrathaushalt von Kartoffelblättern u. ihre Beziehungen zum Phytophthorabefall«; 1960/61 hauptamtl. SED-Parteisekretär an der Math.-Naturwiss. Fak. der EMAU; 1961/62 Zusatzstudium am Biochem. Inst. der Lomonossow-Univ. Moskau; 1962 – 66 Habilitationsaspirant am Botan. Inst. der EMAU, 1966 – 71 dort wiss. Ass. bzw. Oberass.; 1971 Habil. mit »Untersuchungen über RNS-Metabolismus von Amaranthus caudatus«, 1971 – 73 Doz. für Biochemie an der Sektion Biol.; 1973 – 77 hauptamtl. Sekretär der SED-Ltg. der EMAU, verantwortl. für die Math.-Naturwiss. Fak.; 1977 Berufung zum ord. Prof. für Biochemie u. 1978/79 Dir. der Sektion Biol.; 1979 – 85 Rektor der EMAU Greifswald (Nachf. von  Werner Irmig); 1986 VVO; 1986 – 90 Ltr. des Lehrstuhls Biochemie u. des Wissenschaftsbereichs Molekularbiol. der EMAU; 1986 – 89 stellv. Vors. der Zentralen Arbeitsgr. Biotechnol. u. stellv. Vors. des Wiss. Beirats für Biolog. beim Min. für Hoch- u. Fachschulwesen. 1990/91 frei gewählter Dir. des Inst. für Biochemie u. Vors. des Kollegiums der Fachrichtung Biol. der EMAU Greifswald; 1991 einvernehml. Abberufung durch das Kultusmin. von Mecklenb.-Vorpomm., Vorruhestand.Hans-Christoph Rauh

Handbuch Deutsche Kommunisten

Bischof, Hugo

* 4.10.1892 – ✝ 11.10.1971

Geboren am 4. Oktober 1892 in Hamburg als Sohn einer Arbeiterfamilie; Metallarbeiter in Hamburg und Hannover. 1912 Eintritt in die Gewerkschaft und in die SPD. August 1914 Einberufung als Soldat, 1916 wegen schwerer Verwundung entlassen, anschließend Bürodienst. 1918 Mitglied der USPD in Elmshorn, im November Mitglied des Arbeiter- und Soldatenrates und Ende 1920 dort VKPD-Vorsitzender. Bischof wurde auf dem VIII. Parteitag der KPD 1923 als Ersatzmitglied für den Bezirk Wasserkante in den ZA gewählt und kam im März 1923 als Volontär in die BL nach Thüringen, anschließend Orgsekretär der BL Thüringen. Von November 1923 bis Januar 1924 inhaftiert, wurde er anschließend aus Thüringen ausgewiesen. Die Zentrale schickte ihn zunächst als Parteisekretär nach Hagen/Westfalen bzw. nach Auflösung des Parteibezirks Hagen als Orgsekretär nach Siegen. Ende 1924 Rückkehr nach Elmshorn, von 1927 bis 1929 Kreistagsabgeordneter in Pinneberg. 1929 wurde Bischof aus der KPD ausgeschlossen und trat der KPO bei. Von Juni bis September 1933 war er in KZs inhaftiert. Nach seiner Entlassung arbeitete er auf der Deutschen Werft als Lohnbuchhalter. 1945 hauptamtlicher KPD-Sekretär für Pinneberg und Mitglied der BL Wasserkante. 1946 MdL Schleswig-Holstein und stellvertretender Vizepräsident des Landtages. Von 1946 bis 1950 Mitglied der KPD-Landesleitung Wasserkante bzw. Schleswig-Holstein, verantwortlicher Sekretär für Landwirtschaft. Wegen einer schweren Nervenerkrankung beendete er 1950 die hauptamtliche Parteiarbeit und ging in Rente. 1968 übersiedelte er zu seinen Angehörigen in die DDR, nach Rostock, wo Hugo Bischof am 11.Oktober 1971 starb.