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BioLex

In der Kategorie BioLex finden Sie drei biografische Lexika mit über 5500 Personeneinträgen.

 

Das Handbuch "Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945" wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam. Kurzbiografien zu Personen des poltischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 vor. Zudem ist das Onlinlexikon www.dissidenten.eu komplett in dieser  Rubrik recherchierbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Inforamtionen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Handbuch Deutsche Kommunisten

Pohl, Käthe (Rabinowitsch)

* 21.7.1892 – ✝ 23.2.1948

Dr. phil.; geboren am 21. Juli 1892 in St. Petersburg als Lydia Rabinowitsch, Tochter einer begüterten Familie; studierte und promovierte zum Dr. phil. Im Ersten Weltkrieg schloß sie sich den Bolschewiki an. Nach dem Krieg mit August Kleine verheiratet, zog 1920 nach Deutschland. Hier spielte sie in der KPD eine vielfältige und wichtige Rolle. Sie wurde 1922 Sekretärin des Polbüros (neben Leo Flieg) und hatte 1923, zusammen mit ihrem Mann, erheblichen Einfluß innerhalb der Partei. Obwohl von den Linken 1924 abgelöst, kam noch 1924 im KPD-Verlag ihre weitverbreitete Broschüre heraus: Käthe Pohl: »Ebert oder Lenin? Der Bankrott der sozialdemokratischen Politik«. Käthe Pohl wurde 1923 von Kleine geschieden, sie soll einige Zeit mit Emil Höllein zusammengelebt haben, heiratete dann in Hamburg Hans Westermann und gehörte mit ihm zunächst zu den Versöhnlern. Nach ihrer Trennung von dieser Oppositionsgruppe arbeitete Käthe Pohl, die als ein sehr kluger, aber »diktatorischer Typ« galt, bei der Peuvag, 1932 leitete sie die Rote Hilfe in Hamburg. Anfang 1933 flüchtete sie – als Jüdin und Kommunistin besonders gefährdet – aus Deutschland in die Sowjetunion und war dort bei der Komintern beschäftigt. Vom NKWD 1936 zeitweise verhaftet, hat sie später im Institut 99 (einer Parteischule der KPD) sowie in der Antifaschule Krasnogorsk als Lehrerin gearbeitet. Sie starb am 23. Februar 1948 in Moskau.

Wer war wer in DDR

Pohl, Siegfried

* 2.2.1928

Geb. in Lyck (Ostpr. / Ełk, Polen); Vater Reichswehr-Unteroffz. u. später Briefträger; Volks- u. Handelsschule, anschl. Finanzgehilfe u. Landarb.; 1944 RAD; 1945 Wehrmacht. 1945 Landarb.; 1946 KPD / SED; 1946 – 50 Gemeindesekr., 1950 / 51 Bürgermstr. von Wilmersdorf (Krs. Pritzwalk); 1951 / 52 Instrukteur, 1952 – 55 Sekr. für Agit. u. Prop. der SED-KL Kyritz u. Pritzwalk; 1955 – 58 1. Sekr. der SED-KL Brandenb.-Land; 1958 – 61 Studium an der PHS der KPdSU in Moskau, Dipl.-Gesellschaftswiss.; 1961 – 63 Ltr. der Abt. Org. u. Kader der SED-BL Potsdam; 1963 – 66 2. Sekr. der SED-BL Potsdam, abgelöst wg. »Mängeln in der Leitungstätigkeit«; 1966 – 89 Einsatz als Sekr. des Bezirksaussch. der NF Potsdam.Mario Niemann

Wer war wer in DDR

Pohlmeyer, Heinz-Alois

* 05.08.1893 – ✝ 18.05.1956

Geb. in Münster (Westfalen); Vater Arbeiter; Volksschule, Gymn., Abitur; 1920 / 21 u. 1923 / 24 Studium der Nationalökon., Literaturgesch., Sozial- u. Arbeitsrechtswesen am Staatswiss. Inst. der Univ. Münster; 1912 SPD; 1912 – 15 Volontär, Lokal- u. polit. Red. beim »Volksblatt« in Mühlhausen, bei der »Volkszeitung« in Ibbenbühren u. der »Volkswacht« in Herford; 1915 – 18 Soldat im Ersten Weltkrieg; 1918 / 19 Vors. des Soldatenrats auf dem Truppenübungsplatz in Zossen / Wünsdorf; 1919 Parteisekr. u. Vors. des SPD-KV Münster u. der Arbeiterwohlfahrt; 1919 – 33 Red. beim »Volkswillen« in Münster, später bei versch. sozialdemokrat. Ztgn. in Dortmund u. Hamburg; Jan. – März 1933 Hrsg. der »Wirtschafts- u. Kommunalpolit. Korrespondenz« in Hamburg; 1933 Festnahme, Anklage wg. »Landesverrats«, mangels Beweisen zunächst außer Verfolgung gesetzt, dann erneut verhaftet, KZ Fuhlsbüttel; 1938 – 45 dienstverpflichtet in versch. Arbeitslagern in Mecklenb., Westfalen u. Schlesien; Ende Jan. 1945 Flucht nach Hamburg, von dort nach Mecklenb. 1945 SPD; 1946 durch Vermittl. v. Carl Moltmann Berufung zum Chefred. der »Volksstimme«; 1946 SED, parit. Chefred. der »Landes-Zeitung« Mecklenb.; zeitw. Mitgl. des SED-LV Mecklenb. u. Vors. des Parteischiedsgerichts; Mitbegr. des VDP im Land Mecklenb., Ehrenvors.; 1947 zunächst Hörer, dann Lehrgangsltr. für Journalistenlehrgänge an der SED-PHS in Kleinmachnow; Herbst 1948 Wechsel nach Berlin, im Sept. auf dem Weg nach Berlin schwerer Verkehrsunfall; 1949 – 51 Ltr. der Abt. Presse u. Rundfunk im SED-PV; 1950 / 51 stellv. Vors. des VDP; 1951 / 52 Ltr. des Inst. für Journalistik; 1952 – 55 Chefred. u. Cheflektor im Kongreß-Verlag in Berlin; Umzug nach Thüringen; gest. in Eisenach.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Pollatschek, Walther

* 10.9.1901 – ✝ 1.3.1975

Geb. in Neu-Isenburg; Vater Ing.; Grund- u. Oberschule in Harburg, Worms, Amsterdam, Heidelberg; studierte nach dem Ersten Weltkrieg Germanistik, Theater- u. Musikgesch. in Heidelberg, München u. Frankfurt (Main); 1924 Prom. über »Hofmannsthal u. die Bühne« zum Dr. phil.; anschl. Red. u. Kritiker in Schwelm (Westfalen), 1933 entlassen; 1934 Übersiedl. nach Berlin; Verhaftung durch die Gestapo, nach der Haftentlassung Emigr. nach Spanien; 1936 erneut vorübergehend verhaftet; 1936 / 37 in Südfrankreich; Mitgl. der KPF; 1937 – 45 in der Schweiz; Arbeitsverbot, aktiv im antifasch. Widerstand; am Aufbau des BFD beteiligt. 1945 Rückkehr nach Dtl.; KPD; bis 1950 Mitarb. der »Frankfurter Rundschau«, nach Diff. über seine kommunist. Anschauungen 1950 Übersiedl. nach Berlin / DDR; SED, KB; bis 1952 Mitgl. der Red. u. Theaterkritiker der »Tägl. Rundschau«; seit 1952 freischaff. Theaterkritiker u. Publizist; machte sich einen Namen als Förderer sozialist. Gegenwartsdramatik, v. a. aber mit der Erschließung u. editor. Betreuung des Werkes von  Friedrich Wolf, das er zus. mit Else Wolf herausgab; bis 1970 Ltr. des Friedrich-Wolf-Archivs der DAK; im Zentrum des eigenen schriftsteller. Schaffens stand die Kinderlit. mit Werken wie »Bezwinge die Meere, ?Thälmann Pionier!? Ein Buch über unsere volkseigene Seefahrt« (1956); als einer der ersten sozialist. Autoren versuchte er das Gegensätzliche der Entw. nach 1945 darzustellen (»Herren des Landes«, 1951); Johannes-R.-Becher-Med.; Med. Kämpfer gegen den Faschismus; gest. in Berlin.Mut u. Geist. Heinrich Heine. Gadernheim 1947; Pusteblumenkinder. Eine Löwenzahngeschichte. Illustriert von L. Scherbauer. Neu-Isenburg 1949; Philip Müller. Held der Nation. Berlin 1952; Das Bühnenwerk Friedrich Wolfs. Berlin 1958; Friedrich Wolf. Sein Leben in Bildern. Leipzig 1960. Kosch, W.: Dt. Lit.-Lexikon. Bern 1963.Christian Krause

Wer war wer in DDR

Pommer, Heinz

* 24.3.1929

Geb. in Gera; Vater Heizer; Volksschule; 1943 – 46 Ausbildung u. Arbeit als Bauschlosser; 1947 Bau- u. Transportarb.; 1948 Einstellung bei der VP, Inspektion Thür./Ost; 1948 SED; 1949/50 Besuch der VP-Schule für Kriminol.; 1951 Einstellung beim MfS, Krs.-Dienststelle Gera; dann Abt. IX (Untersuchungsorgan) der Länderverw. Thür.; 1952 stellv. Abt.-Ltr.; 1954 Ltr. der Abt. IX der BV Leipzig; 1960 – 63 Fernstudium an der DASR Potsdam, 1964 – 66 an der HU Berlin, Dipl.-Jur.; 1964 stellv. Operativ des Ltr. der BV Leipzig; 1973 Prom. zum Dr. jur. an der JHS Potsdam-Eiche; 1975 Offz. für Sonderaufg.; dann Ltr. der BV Suhl (Nachf. von Kurt Richter); 1980 Gen.-Major; 1981 Offz. für Sonderaufg.; 1982 Ltr. des Büros der ZL der SV Dynamo Berlin (Nachf. von Heinz Eggebrecht); Nov. 1989 von seiner Funktion entbunden; Jan. 1990 Entlassung, Rentner.Jens Gieseke

dissidenten.eu

Poppe, Gerd

* 1941

Politisiert in den 60er Jahren und elektrisiert von den mannigfachen Ereignissen, die mit dem symbolträchtigen Jahr 1968 in Ost und West verbunden werden können, zählte Gerd Poppe in den 70er und 80er Jahren zu den schillerndsten, einflussreichsten und auch streitbarsten Köpfen der oppositionellen und subkulturellen Szene in Ost-Berlin. Er verweigerte sich bis 1989 langen Märschen durch Institutionen, gehörte zu den Wegbereitern der Revolution von 1989 und blieb auch seither streitbar und unangepasst.In Rostock am 25. März 1941 geboren, legte Gerd Poppe 1958 das Abitur ab. Von seinem Elternhaus – sein Vater war Ingenieur, seine Mutter Sekretärin – wurde er politisch nicht nachhaltig beeinflusst. Allerdings erfuhr er insbesondere durch seine Mutter kulturelle Prägungen, die sich in Poppes vielseitigen Interessen für Literatur, Musik und Film widerspiegeln. Freunde und Wegbereiter von ihm schätzen seine geradezu frappierenden Kenntnisse der Musik- und Filmgeschichte. 1959 begann er an der Universität Rostock ein Physikstudium, das er 1964 mit Diplom abschloss. Anschließend arbeitete er bis 1976 im Halbleiterwerk in Stahnsdorf am Rande von Berlin. Unter dem Einfluss der westeuropäischen antiautoritären Studentenproteste und des *Prager Frühlings 1968 begann Poppe, sich in oppositionellen Gruppierungen zu engagieren. Er verband dabei von Anfang an seine Aktivitäten in der Kulturopposition mit jenen der politischen Opposition. Einerseits bewegte er sich in alternativen Kulturkreisen und stellte seine Wohnung nonkonformistischen Personen zur Verfügung. Andererseits artikulierte er frühzeitig seinen Protest gegen die kommunistische Diktatur, so zum Beispiel als er am 22. August 1968 in der tschechoslowakischen Botschaft in Berlin eine Protesterklärung gegen den *Einmarsch von Truppen des Warschauer Paktes in die Tschechoslowakei unterzeichnete. Das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) teilte dies seiner Arbeitsstelle einige Tage später mit. Poppe wurde seitdem vom MfS systematisch beobachtet und verfolgt – unter anderem in den Operativen Vorgängen (OV) „Monolith“ und „Atelier“ sowie 1976–89 gemeinsam mit seiner damaligen Ehefrau Ulrike Poppe im OV „Zirkel“, der über 30 Bände umfasst. Er war von langjährigen Zersetzungsmaßnahmen, häufigen Zuführungen und Ordnungsstrafen betroffen. Die Staatssicherheit zählte ihn zum kleinen harten Kern unversöhnlicher Feinde des SED-Systems. 1975 ging Poppe als ungedienter Reservist sechs Monate zu den Bausoldaten der Nationalen Volksarmee (NVA), nachdem er den Dienst an der Waffe verweigert hatte. Nach der Ausbürgerung Wolf Biermanns im November 1976 richtete er ein Protestschreiben an Erich Honecker, weswegen ihm eine fest zugesicherte Anstellung an der Akademie der Wissenschaften verweigert und über ihn ein faktisches Berufsverbot verhängt wurde. Er war deshalb 1977–84 als Maschinist in einer Schwimmhalle sowie 1984–89 als Ingenieur im Baubüro des Diakonischen Werkes Berlin tätig. Die Biermann-Ausbürgerung mit der Folge, dass viele kritische Personen die DDR verließen, und die Diskussionen im Anschluss an die im Westen erfolgte Veröffentlichung des Buches „Die Alternative“ von Rudolf Bahro 1977 verfestigten in Poppe die Meinung, dass politisches Engagement in der DDR nur außerhalb der bestehenden offiziellen Institutionen und Strukturen sinnvoll und die Herstellung einer oppositionellen Gegenöffentlichkeit notwendig sei. In seiner Wohnung in Berlin-Prenzlauer Berg fanden zwischen 1980 und 1983 regelmäßig Lesungen kritischer und zum Teil verbotener Autoren statt. Dieses Veranstaltungsformat hatte in Berlin mit den Lesungen des Dichters Frank-Wolf Matthies bereits eine gewisse Tradition gehabt, und wurde vom Ehepaar Poppe weitergeführt, als Matthies in den Westen ging. Solche Veranstaltungen fanden auch in der Wohnung des Ehepaars Ekkehard und Wilfriede Maaß sowie bei Stephan Bickhardt und Ludwig Mehlhorn statt. Poppe hatte außerdem zusammen mit seiner Frau Ulrike Poppe und anderen Aktivisten einen Kinderladen in Berlin-Prenzlauer Berg eröffnet. Dies stellte den Versuch dar, die beiden eigenen jüngeren Kinder und die von Freunden der staatlichen Verfügungsgewalt zu entziehen. Der Kinderladen bestand von Anfang 1981 bis zum 14. Dezember 1983, ehe er zerstört und verboten wurde. Anfang der 70er Jahre hatte Poppe Robert Havemann und Wolf Biermann oder auch Rudi Dutschke persönlich kennen- und schätzen gelernt. Solche Begegnungen und Freundschaften waren nicht nur politisch prägend, sondern zeigten zugleich, dass er mit seinen Überzeugungen nicht allein war. Ab Ende der 70er Jahre begann er, Kontakte nach Ostmitteleuropa aufzubauen und zu intensivieren, etwa zu Mitgliedern der tschechoslowakischen *Charta 77 oder zur ungarischen Opposition. Gleichzeitig profilierte er sich ab Anfang der 80er Jahre zu einem maßgeblichen Protagonisten der unabhängigen Friedens- und Menschenrechtsbewegung in der DDR. Seine eigene Politisierung und seine Ablehnung des Systems verstärkten sich in dem Maße, in dem er und seine Familie Repressalien und Zersetzungsmaßnahmen des Staates ausgesetzt waren. Dabei überlagerten sich stets die eigenen Erfahrungen und Anschauungen mit denen der osteuropäischen Opposition und der westlichen Friedensbewegung. Zu beiden Strömungen unterhielt er umfangreiche Kontakte, obwohl seit 1980 über ihn ein totales Reiseverbot verhängt worden war. Als 1983/84 die unabhängige Friedensbewegung in Ost wie West ihren Zenit bereits überschritten hatte, rückten Fragen der Menschenrechte immer stärker in den Mittelpunkt der Arbeit. Für Poppe war dies mit zwei wichtigen Entscheidungen verbunden: Zum einen sollte auch diese Arbeit blockübergreifend erfolgen, was dazu führte, dass nicht nur mit Nichtregierungsorganisationen oder westdeutschen Oppositionsparteien gesprochen wurde, sondern ebenso mit an der Regierung beteiligten Parteien. Als Poppe 1987 an einem Gespräch mit bundesdeutschen CDU-Politikern in der Wohnung von Ralf Hirsch teilnahm und dies anschließend in der Samisdat-Zeitschrift „Grenzfall“ verteidigte, kam es innerhalb der Oppositionsszene zu harschen Auseinandersetzungen und gegenseitigen Vorwürfen. Zum anderen war Poppe seit 1983/84 ein Vertreter derjenigen, die intensiv und systematisch mit Westmedien zusammenarbeiteten, was ebenfalls Anlass zu scharfen Kontroversen bot: Ein Teil der linken Opposition lehnte dies strikt ab – ohne dies selbst freilich ernsthaft durchhalten zu können. Hinzu kam noch, dass Poppe in eben dieser Zeit bewusst wurde, dass die Opposition das schützende Dach der Kirchen verlassen musste, weil die Kirche zum „Ersatzfeind“ geworden war: Statt Diskussionen über den Zustand des Staates und der Gesellschaft zu führen, absorbierten immer mehr jene Diskussionen Kräfte und Zeit, in denen es um die Klärung des komplizierten Verhältnisses zwischen den oppositionellen Basisgruppen einerseits und den Kirchenleitungen andererseits ging.In Anlehnung an die *Charta 77 bildete sich Ende 1985/Anfang 1986 in Berlin die Initiative Frieden und Menschenrechte (IFM), eine der wichtigsten Oppositionsgruppen in der DDR der 80er Jahre. Diese Gruppe, zu deren Mitbegründern neben Gerd und Ulrike Poppe auch Wolfgang Templin, Werner Fischer, Bärbel Bohley, Peter Grimm, Reinhard Weißhuhn und Ralf Hirsch gehörten, trat entschieden für Demokratie, Freiheit, Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit in der DDR ein. Sie beteiligte sich an Aufrufen der osteuropäischen Opposition ebenso wie sie sich etwa für die Freilassung politischer Häftlinge engagierte. Die Mitglieder diskutierten auch über die Lösung der deutschen Frage, was damals angesichts der Blockkonfrontation und der gültigen Breschnew-Doktrin den meisten ostdeutschen Oppositionellen nur im Rahmen eines gemeinsamen Hauses Europas möglich schien. Die IFM geriet 1988 an den Rand der Arbeitsunfähigkeit, nachdem einige ihrer bekanntesten Vertreter wie Wolfgang Templin, Bärbel Bohley und Werner Fischer aus der DDR ausgewiesen wurden. Dies geschah nach dem alljährlich abgehaltenen offiziellen Massenaufmarsch in Erinnerung an die Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht. Im Januar 1988 hatten daran Oppositionelle und Ausreisewillige auch mit der in Anlehnung an einen Satz von Luxemburg gebildeten Losung „Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden“ teilgenommen. Es kam zu über 160 Verhaftungen und der Abschiebung einiger prominenter Oppositioneller in den Westen. Poppe war in den 80er Jahren Initiator, Autor, Mitverfasser und Mitunterzeichner einer ganzen Reihe von offenen Briefen, Aufrufen und Samisdat-Publikationen. Dazu zählen zum Beispiel der „Offene Brief Robert Havemanns an Breschnew“ (1981), die Antwort auf den *Prager Aufruf vom 8. Juni 1985, die „Erklärung zum 30. Jahrestag der ungarischen Revolution“ (1986), der Brief der IFM an die *Charta 77 (1987) sowie die Zeitschriften „Grenzfall“, „Ostkreuz“ oder „Spuren“. Im März 1989 öffnete sich die Berliner Initiative für Frieden und Menschenrechte DDR-weit, was zwar keine große Resonanz erfuhr, aber Ausgangspunkt dafür war, dass sie im Herbst 1989 als eine der wesentlichen Gruppierungen in der gesamten DDR agieren und dabei zugleich auf eine mehrjährige Oppositionsarbeit zurückblicken konnte. Sie wurde neben den neuen Gruppierungen wie Neues Forum, „Demokratie Jetzt, Demokratischer Aufbruch, Böhlener Plattform/Vereinigte Linke oder der Sozialdemokratischen Partei in der DDR (SDP) zur politisch agierenden Triebfeder der ostdeutschen Revolution. Poppe zählte dabei zu jenen Akteuren, die 1989/90 in der Volksbewegung gegen die Diktatur zu den Führungspersönlichkeiten gerechnet wurden. Als einer der Sprecher der IFM war er Teilnehmer am Zentralen Runden Tisch von Dezember 1989 bis März 1990, wobei er sich insbesondere als Gründer der Arbeitsgruppe „Neue Verfassung der DDR“ für Elemente der direkten Demokratie und für die deutsche Einheit auf dem Wege der Einberufung einer deutschen Nationalversammlung aussprach, die eine neue Verfassung für Gesamtdeutschland ausarbeiten sollte (nach Artikel 146 des Grundgesetzes). Als die Regierung von Hans Modrow im Februar 1990 Oppositionelle zu Ministern ohne Geschäftsbereich berief, war Gerd Poppe einer von ihnen. Nach den ersten demokratischen Wahlen in der DDR zog er als Abgeordneter in die DDR-Volkskammer ein, wobei er stellvertretender parlamentarischer Geschäftsführer der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen war. Schon in dieser Zeit begann sich Poppe als Außenpolitiker zu profilieren, womit er seinen eigenen Intentionen aus den 80er Jahren folgte. Als er nach der Einheit von 1990 bis zum September 1998 für Bündnis 90/Die Grünen Mitglied des Deutschen Bundestages war, nahm er das Amt des außenpolitischen Sprechers wahr und vertrat seine Fraktion im Auswärtigen Ausschuss. Neben diesen Tätigkeitsfeldern ist es ihm bis heute ein wichtiges Anliegen, über die Geschichte der kommunistischen Diktatur aufzuklären. Er publizierte Aufsätze über die Oppositionsgeschichte und war Mitglied der Enquete-Kommissionen des Deutschen Bundestages „Geschichte und Folgen der SED-Diktatur in Deutschland“ (1992–94) sowie „Überwindung der Folgen der SED-Diktatur im Prozess der deutschen Einheit“ (1995–98). In der 1998 gegründeten Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur ist Poppe ehrenamtliches Vorstandsmitglied. Hauptsächlich aber galt und gilt Poppes Engagement dem Schutz und der Förderung von Menschen- und Bürgerrechten. Da seine diesbezügliche Arbeit parteiübergreifend geschätzt und geachtet wird, war es beinahe folgerichtig, dass er im November 1998 die neu geschaffene Position eines Beauftragten für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe beim Auswärtigen Amt übertragen bekam und diese bis März 2003 innehatte. Mit Gerd Poppe füllte nicht nur ein strikter Verfechter der Achtung und Einhaltung von Menschenrechten dieses Amt aus, sondern zudem ein Mensch, der selbst jahrzehntelang erfahren musste, was es heißt, wenn diktatorische Regime die Menschenrechte mit Füßen treten. Von April 2003 bis zum Frühjahr 2005 arbeitete Poppe als Berater der Heinrich-Böll-Stiftung für Projekte der Demokratisierungshilfe in Russland und im südlichen Kaukasus. Insofern hat sich mit diesen zuletzt genannten Tätigkeitsfeldern seine politische und oppositionelle Biografie in einem Maße abgerundet, wie es nur wenigen einstigen Oppositionellen vergönnt gewesen ist.Ilko-Sascha Kowalczuk Letzte Aktualisierung: 08/16

Wer war wer in DDR

Poppe, Helmut

* 8.10.1926 – ✝ 26.7.1979

Geb. in Niederhannsdorf (Krs. Glatz, Niederschl./Jaszkowa Dolna, Polen); Vater Arbeiter; Grundschule; Elektrikerlehre; 1944/45 Wehrmacht; 1945 – 48 sowj. Kriegsgefangenschaft, Antifa-Schule in Gorlowka. Sept. 1948 Rückkehr nach Dtl.; Eintritt in die DVP; Kursant an der VP-Schule Apollensdorf; VP-Kommissar, 1949/50 Zugführer bzw. Kompaniechef an der VP-Schule Naumburg (Saale); 1950 VP-Oberkommissar u. VP-Rat; 1950 SED; 1950/51 Lehrgangsltr. der VP-Dienststelle Weißenfels; 1951 Kompaniechef an der VP-Schule Erfurt; 1951/52 Sonderlehrgang in der UdSSR; 1952/53 stellv. Kdr. (Allgemeines) der VP-Dienststelle Kochstedt; 1952 Major; 1953 – 56 Ltr. der Abt. Planung u. zugl. Stellv. des Chefs der Verw. Ausbildung der KVP; 1954 Oberst-Ltn.; 1956 – 59 Chef der Verw. Ausbildung des MfNV; Oberst; 1959 – 61 Offiziershörer an der Militärakad. des Gen.-Stabs der Streitkräfte der UdSSR, Dipl. rer. mil.; 1961/62 Kdr. der 4. Mot. Schützendiv. in Erfurt (Nachf. von  Hans Ernst); Mitgl. der SED-BL Erfurt; 1962 – 71 Stadtkommandant von Berlin; 1962 Gen.-Major; 1962 – 71 Mitgl. der SED-BL Berlin; 1971 Gen.-Ltn.; 1971/72 1. Stellv. des Chefs des Militärbez. 5 (Neubrandenb.) (Nachf. von Rudi Lindner), 1972 – 79 stellv. Minister für Nat. Verteidigung u. Chef der Rückwärt. Dienste (Nachf. von  Walter Allenstein); 1964 u. 1976 VVO.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Pöschel, Hermann

* 28.9.1919 – ✝ 30.12.2007

Geb. in Zeitz; Vater ungelernter Arbeiter; Mittelschule; 1935 – 38 Ausbildung zum Schlosser; 1938 – 40 Studium an der Höheren Techn. Lehranstalt Magdeburg; 1940 – 45 Versuchsingenieur in den Junkers-Flugzeugwerken Dessau. 1945 Schlosser, Vorarbeiter, Werkmstr. in Dessau; 1945/46 SPD/SED; 1946 – 50 Techn. Ltr. im VEB Zeitzer Kinderwagenfabrik; 1951 SED-LPS Ballenstedt; 1952 HA-Ltr. in der Landesreg. Sachsen-Anh.; 1952/53 Abt.-Ltr. im Rat des Bez. Halle; 1953/54 Instrukteur, 1954 – 56 Sektorenltr., 1956 – 58 stellv. Ltr. der Abt. Maschinenbau des ZK der SED; 1958 – 61 Ltr. der Arbeitsgr. Forschung, technolog. Entwicklung u. Investitionspol., ab 1961 Ltr. der Abt. Forschung u. technolog. Entw. des ZK der SED; ab 1963 Kand., 1967 – 89 Mitgl. des ZK der SED; 1966 – 71 Mitgl. des »Strateg. Arbeitskrs.« beim PB; 1962, 1964, 1975 u. 1989 VVO; 1979 Ehrenspange zum VVO; 1963 u. 1969 Banner der Arbeit; 1975 u. 1981 Kampforden für Verdienste um Volk u. Vaterland; 1984 KMO; gest. in Berlin.Probleme der Standardisierung in der DDR. Berlin 1961; Erhöhung der Wirksamkeit von Wissenschaft u. Technik. Berlin 1984.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Poser, Lydia

* 30.1.1909 – ✝ 30.12.1984

Geb. in Heidersbach (Krs. Suhl); Vater Arbeiter; Grundschule u. Lyzeum in Jena; Handelsschule; 1923 / 24 Lehre als Stenotypistin; Angest. in einer Schlosserei in Jena; 1925 KJVD; 1925 – 30 Stenotypistin u. Angest. im Wahlaussch. der KPD-BL Jena u. Erfurt; 1927 – 30 Vors. der KJVD-Ortsgruppe Jena; 1929 KPD; 1930 – 1933 arbeitslos; KJVD-Org.-Ltr. der Bezirke in Thüringen; 1933 Org.-Ltr. im Unterbez. Jena der KPD; am 26.11.1933 verhaftet, am 20.4.1934 durch das OLG Jena wg. »Vorbereitung zum Hochverrat« zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt; 1936 / 37 Angest.; Sept. 1936 Heirat mit Magnus Poser, KPD-Funktionär u. antifasch. Widerstandskämpfer, der 1944 ermordet wurde; 1937 – 41 Stenotypistin u. Hausfrau; 1941 – 46 Kassiererin. 1945 Vorstandsmitgl. im Versorgungsring Jena; 1946 – 50 MdL Thüringen; 1946 – 48 Bürgermeisterin von Jena; 1948 – 50 Mitgl., 1950 – 52 Vors. der Landeskommission für Staatl. Kontrolle Thüringen; 1950 LPS; 1950 – 63 Abg. der Volkskammer; 1952 – 59 Vors. des Rats des Bez. Gera, dann aus gesundheitl. Gründen auf eigenen Wunsch Niederlegung dieser Funktion; 1952 – 59 Abg. des Bezirkstags Gera; später Vors. des Bezirkskomitees der Antifasch. Widerstandskämpfer Gera; 1974 Verleihung der Ehrenbürgerwürde der Stadt Jena, die im März 1991 wieder aberkannt wurde; gest. in Jena.Einiges aus meinem Leben. In: Amlacher C. / Ebert, D. / Horn, G. (Hg.): Anpassung, Verfolgung, Widerstand. Frauen in Jena 1933 – 1945. Jena 2007. Beyer, R., Mann, C.: Die Ehrenbürger der Stadt Jena. Jena 2007.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Potrykus, Folkert

* 25.8.1900 – ✝ 8.3.1971

Geboren am 25. August 1900 in Geestemünde, ältestes von fünf Kindern einer sozialdemokratischen Werftarbeiterfamilie; lernte Dreher. 1917 wegen antimilitaristischer Arbeit zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Seit Dezember 1918 Mitglied des Spartakusbundes, 1919 der KPD, beteiligte sich an der Bremer Räterepublik. Von 1925 bis 1930 zunächst Expedient, dann Redakteur der »Arbeiterzeitung« in Bremen. Potrykus gab 1933 mit zwei Gesinnungsgenossen die »Kleine Arbeiter-Zeitung« heraus, die über den SA-Terror und den kommunistischen Widerstand berichtete. Am 8. Oktober 1933 verhaftet, verurteilte ihn das OLG Hamm im Juli 1934 zu zwei Jahren Zuchthaus, anschließend kam er in die KZs Esterwegen und Sachsenhausen. 1938 mit schweren gesundheitlichen Schäden entlassen, wieder Dreher auf der Unterweserwerft, bis Kriegsende mehrmals festgenommen. 1945 Funktionär der KPD in Bremerhaven, u. a. 1.Sekretär der Kreisleitung, bis 1955 gehörte Potrykus der dortigen Stadtverordnetenversammlung an. Am 26. November 1951 aus der KPD wegen »parteifeindlicher und trotzkistischer Haltung« ausgeschlossen, übte er sein Stadtverordnetenmandat als Unabhängiger weiter aus und schloß sich der Gruppe Arbeiterpolitik an. Da er sich engagiert für die Belange der sozial Benachteiligten einsetzte, galt er in Bremerhaven als »Edelkommunist«. Folkert Potrykus starb am 8. März 1971 in Bremerhaven.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Pötzsch, Gustav

* 19.8.1898 – ✝ 28.5.1963

Geboren am 19. August 1898 in Rixdorf/Berlin-Neukölln, Sohn eines Arbeiters; Ausbildung bei der Deutschen Reichsbahn, von 1917 bis 1919 Soldat in einer Maschinengewehrkompanie, Fronteinsatz in Flandern, wurde schwer verwundet (Amputation des linken Unterschenkels). Nach dem Krieg war er u. a. als Schaffner bei der BVG tätig. 1919 trat er in die USPD und in den Transportarbeiterverband ein, Ende 1920 Mitglied der KPD in Berlin-Neukölln. Im Juni 1929 wurde Gustav Pötzsch auf dem XII. Weddinger Parteitag als Arbeiter in das Zentralkomitee gewählt. Da er im Februar 1933 die illegale Arbeit innerhalb der BVG organisierte, wurde er verhaftet und saß von August bis Dezember 1933 in »Schutzhaft«. Im April 1935 emigrierte er nach Prag, anschließend in die Sowjetunion, dort Kursant an der Internationalen Leninschule. Im Juli 1937 kam er wieder nach Prag und wurde Instrukteur für die Kuriere, die zur illegalen Arbeit nach Berlin gingen. Pötzsch flüchtete im April 1939 nach Polen, von dort nach Norwegen und lebte von 1940 bis 1946 in Schweden, wo er zeitweilig interniert wurde. Im Mai 1946 kehrte er nach Deutschland zurück, wurde Mitglied der SED und Dienststellenleiter bei der BVG. Bis 1961 war er für die SED-Betriebsgruppen im West-Berlins verantwortlich. Gustav Pötzsch starb am 28. Mai 1963 in Berlin-Lichtenberg.

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Prasser, Manfred

* 12.7.1932

Geb. in Chemnitz; Vater Büroangest.; 1938 – 46 Volksschule Kuhschnappel (b. Chemnitz); 1946 – 49 Ausbildung zum Zimmermann u. 1949 – 51 Arbeit bei der SAG Wismut; 1951 / 52 Studium an den Techn. Lehranstalten Chemnitz; 1952 – 54 Studium an der FS für Bauwesen Görlitz, Bauing.; 1954 / 55 Bauing. beim Rat der Stadt Görlitz; 1955 / 56 NVA in Cottbus; 1956 – 60 Architekt am Zentr. Entwurfs- u. Konstruktionsbüro des MfNV; 1960 – 90 Architekt beim VEB Berlin-Projekt, Abt. Sonderbauten; 1964 – 67 Appartementhäuser im Bereich Alt-Cölln im Zentrum Berlins (mit  Heinz Graffunder); 1973 – 76 Entwurf Palast der Republik (mit H. Graffunder u. Karl-Ernst Swora), hier vor allem: Großer Saal (Abbruch bis 2008); 1976 u. 1984 NP; 1979 –84 Ltg. des Wiederaufbaus des Platzes der Akad. (Gendarmenmarkt) in Berlin, Umbau des Schauspielhauses zum Konzerthaus, Wiederaufbau des Franz. u. des Dt. Doms einschl. der Türme sowie Wohnbebauung am Platz der Akad.; 1980 Friedrichstadtpalast (mit Dieter Bankert), gilt als Hauptwerk seiner zahlr. Gebäude in Plattenbauweise; 1986 Schinkelmed.; 1986 Grand Hotel Friedrichstraße (heute: Westin Grand Hotel); 1987 Domhotel Mohrenstraße (heute: Hilton Berlin Domhotel); 1987 Goethepreis; 1988 – 90 Friedrichstraßenpassagen (Abriß 1990 – 92). Seit 1990 Architektur- u. Stadtplanungsbüro in Berlin u. Oranienburg; lebt in Zehlendorf (b. Oranienburg).Palast der Rep. In: Architektur der DDR (AdDDR) (1976) 9; Zum Wiederaufbau des ehem. Schauspielhauses als Konzerthaus am Platz der Akad. in Berlin. In: AdDDR (1981) 2; Karl-Friedrich Schinkel, Ausgewählte Beiträge zum 200. Geburtstag. Hg. BA der DDR 1982; Das Schauspielhaus am Platz der Akad. In: AdDDR (1985) 3. Barth, H., Topfstedt, T. u. a.: Vom Baukünstler zum Komplexprojektanten. Architekten in der DDR. Erkner 2000; Laduch, P., Abel, I.: Flexibler Raum – Durch 132 Podien. In: Bühnentechnische Rundschau 2003; Hartung, U.: Gewagtes Gegenüber – Zwei deutsche Architekturen 1949 – 89. In: Baumeister – Ztschr. für Architektur, München, Nr. 9; Müller, P.: Symbolsuche – Ostberlin. Berlin 2005; Urban, F.: Berlin / DDR – neohistorisch. Berlin 2007; Hohlfelder, M.: Palast der Rep. Berlin 2008.Volker Wagner

Wer war wer in DDR

Pohl, Gerhard

* 16.8.1937 – ✝ 30.5.2012

Geb. in Guben; Vater Webmeister u. mittelständ. Unternehmer; 1953 – 55 Ausb. zum Tuchmacher; 1953 FDGB; 1955 – 58 Studium an der Ing.-Schule für Textiltechnik in Forst; anschl. Betriebsassistent, dann Technologe im VEB Vereinigte Feintuchwerke Forst; 1959 CDU; 1963 – 69 Fernstudium an der TU Dresden, Dipl.-Ök.; 1967 – 77 Ing. für Chemiefasern bei der VVB Volltuch Cottbus, dort 1969 – 77 Abt.-Ltr.; 1972 – 90 Vors. des CDU-KV Forst; 1977 Dir. für Forschung u. Erzeugnisentw. im VEB Forster Tuchfabriken; 1978 Prom. zum Dr. oec. an der TU Dresden mit einer Arbeit über den VEB Textilkombinat Cottbus; 1979 – 84 Abg. im Kreistag Forst, 1981 – 90 Mitgl. der Volkskammer; 1990 Mitgl. des CDU-Parteivorst., parl. Geschäftsf. der CDU-Frakt. in der Volkskammer; 12.4. – 15.8.1990 Min. für Wirtschaft in der Reg.  de Maizière (Nachf. von  Christa Luft). 1990/91 Geschäftsführer der Gubener Textil GmbH, später Geschäftsführer einer Firma für Kunststoffentw. in Forst (Lausitz), Vors. des Vereins der Forster Tuchmacher. Am 30.5.2012 im Schwielochsee (bei Cottbus) tot aufgefunden.Helmut Müller-Enbergs

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Pohl, Sieghard

* 11.9.1925 – ✝ 13.6.1994

Geb. in Breslau (Schles./Wrocław, Polen); Rudolf-Steiner-Schule; 1943 RAD, danach Wehrmacht, verwundet; Kriegsgefangenschaft. 1947 Abitur; anschl. Neulehrer; 1951 – 55 Studium am Inst. für Kunsterziehung Leipzig bei Prof.  Elisabeth Voigt u. Prof. Dr. Hans Schulze; 1961 erste u. 1965 zweite Inhaftierung wegen »staatsfeindl. Bilder«, zwischenzeitl. als freischaff. Maler tätig; 1965 Haftentlassung u. Freikauf; Verlust seines künstler. Werks von 20 Jahren; bis 1987 in Berlin (West) Kunsterzieher im Schuldienst; anschl. freiberufl. als Maler u. Publizist tätig; aktiv gegen militar. u. totalitäre Strukturen, streitbar auch im Einsatz für bedrängte Kollegen; gest. in Berlin. Werke: Glotzt nicht so romantisch oder der Strafgefangene (1962), In der Menschenveredlungsanstalt (1962), Erinnerungen an einen Leipziger Wahlauftrieb (1962/63), Genosse, was hast du mit der roten Fahne gemacht? (1978), Schießtafeln (1983 – 86); Illustrationen zu Texten von Wolfgang Borchert,  Siegmar Faust, Siegfried Heinrichs u. a.; Einzelausstell. in Leipzig u. mehrf. in Berlin, beteiligt an div. Gruppenausstellungen im In- u. Ausland.Die ungehorsamen Maler der DDR. Anspruch u. Wirklichkeit der SED-Kulturpol. 1965 – 1979. Berlin 1977/1979 (in zwei Teilen, zus. mit seiner Frau Edda P.); extra muros. Koblenz 1990.Siegmar Faust / Bernd-Rainer Barth

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Polak, Karl

* 12.12.1905 – ✝ 27.10.1963

Geb. in Westerstede bei Oldenburg; Vater Schlächter, Händler, Mittelbauer; jüd. Pensionsschule in Oldenburg, Abitur; 1925 – 29 Studium der Rechtwiss. an den Univ. Heidelberg u. Frankfurt (Main); 1927 – 29 Mitgl. einer Roten Studentengr.; Erstes jurist. St.-Ex.; anschl. Referendar am Kammergericht Berlin; Besuch der MASCH; 1932 Prom. zum Dr. jur. in Freiburg; 1.4.1933 wegen jüd. Abstammung aus dem Justiz-Vorbereitungsdienst entlassen; Emigr. nach Dänemark; Okt. 1933 auf Einladung der AdW zu Probevorlesungen in die UdSSR; dann wiss. Mitarb. am Inst. für Recht der AdW u. an der Gen.-Staatsanwaltschaft in Moskau; Sekr. des Komitees zur Verteidigung Ernst Thälmanns; Sommer 1941 Mobilisierung für den Bau von Verteidigungsanlagen (Panzergräben); Nov. 1941 Evakuierung des Inst. für Recht nach Taschkent; 1942 – 45 Lehr- u. Forschungstätigkeit im Jurist. Inst. der Usbek. SSR in Taschkent; ab Aug. 1945 erneut Mitarb. am Inst. für Recht der AdW in Moskau; 4.2.1946 Verteidigung als Kand. der Rechtswiss. am Zentr. Forschungsinst. für jurist. Wiss. beim Volkskommissariat für Justiz. Febr. 1946 Rückkehr nach Dtl.; März 1946 Ltr. der Rechtsabt. des ZK der KPD; April/ Mai 1946 – April 1948 Ltr. der Abt. für Justiz im ZS der SED; Ende Juli 1946 Entwurf für die Verfassung einer »Demokrat. Rep. Dtl.«; 1.9.1946 SED; VVN; März 1948/49 Mitgl. des Dt. Volksrats; ab April 1948 Vorlesungen für Staatslehre u. Staatsrecht an der KMU Leipzig; gleichz. persönl. Ref. von  Wilhelm Pieck u.  Otto Grotewohl für »Verfassungsfragen«; als Vertreter von Otto Grotewohl im Verfassungsaussch. des Dt. Volksrats, Ltr. des Unteraussch. für die Kodifizierung der Verfassung; nach Berufung zum Prof. für allg. Staatslehre, Staats- u. Rechtswiss. an die KMU Leipzig am 31.5.1949 Ausscheiden aus dem ZS der SED; ab Okt. 1949 Abg. der (Prov.) Volkskammer; Mitarb. in den Aussch. für Verfassung u. Recht sowie für örtl. Volksvertr.; maßgebend beteiligt an der Ausarbeitung der Verfassung der DDR; Mitgl. des Staats- u. Verfassungspol. Aussch. beim ZK der SED; Mithrsg. der Ztschr. »Sowjetwiss.«; Vorlesungen über Staats- u. Verfassungslehre an der MLU in Halle; 1.4.1952 – 1.10.1953 wiss., jurist. Mitarb. beim Büro des Präs. des NR der NF; 1.10.1953 – 15.7.1954 Ltr. der Abt. Staat u. Recht im Aussch. für dt. Einheit; 15.7.1954 –1960 wiss. Mitarb. der Abt. Staatl. Verw. des ZK der SED; 1959 VVO; 1960 – 63 Mitgl. des Staatsrats; 1961 Ord. Mitgl. der DAW; ab 1963 Ltr. des Inst. für staats- u. rechtswiss. Forschung der AdW u. Vors. des gleichn. Wiss. Rats; maßgebl. beteiligt an der Erarbeitung des Erlasses des Staatsrats vom April 1963 zur Neugestaltung der Rechtspflege in der DDR; Mitgl. des Zentralvorst. der Vereinigung Demokrat. Juristen Dtl.; gest. in Berlin. Sek.-Lit.: Poppe, E., Weichelt, W.: K. P.s Beitrag zur Herausbildung einer marxist.-leninist. Staats- u. Rechtswiss. in der DDR. Fs. zum 80. Geb. Berlin 1987; Laufer, J.: Die Verfassungsgebung in der SBZ 1946 – 1949. In: Aus Pol. u. Zeitgeschichte. Beilage zur Wochenztg. Das Parlament vom 31.7.1998.Marxismus u. Staatsrecht. Berlin 1947; Die Weimarer Verfassung, ihre Errungenschaften u. Mängel. Berlin 1949; Die Demokratie der Arbeiter-u.-Bauern-Macht. Berlin 1957; Zur Dialektik in der Staatslehre. Berlin 1963; Zur Entw. der Arbeiter-u.-Bauern-Macht. Reden u. Aufsätze (mit Gesamtbibl.). Berlin 1968.Jan Wielgohs / Peter Erler

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Polte, Wilhelm

* 11.1.1938

Geb. in Niegripp (Krs. Burg); Lehre u. Ar- beit als Maschinenschlosser, 1955 – 58 Stud. im Fach Maschinenbau; 1958 – 60 Techno- loge; Hochschulstud., 1965 Dipl.-Ing.; 1965 –68 Projektierungsing. in einem Großbetrieb in Leipzig, anschl. in einem Magdeburger Forschungsinst. im Bereich Technol. tätig; 1978 –90 wiss. Mitarb. an der TU Magdeburg; 1989 Gründungsmitgl. der SDP in der DDR, 1990 SPD-Vors. im Bez. Magdeburg; März – Okt. 1990 Abg. der Volkskammer. 1990 – 2001 OB von Magdeburg (Nachf. von Werner Nothe); Präs. des Städte- u. Gemeindebunds Sachsen-Anh. u. Mitgl. des Präs. des Dt. Städtetags; 2002 – 2006 MdL Sachsen-Anh., Vors. des Aussch. für Inneres; seit 2002 Ortsbürgermstr. von Niegripp in der Stadt Burg (bei Magdeburg); 2001 Bundesverdienstkreuz; 2003 Ehrenbürger von Magdeburg; lebt in Niegripp.Andreas Herbst

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Pommer, Kurt

* 5.5.1904 – ✝ 13.8.1993

Geb. in Schmölln; Vater Reichsbahnassistent; Volks- u. Realschule, Lehre u. Arbeit als Schlosser; 1922 – 25 Studium an der Staatl. Akad. für Technik in Chemnitz, Ing. für Maschinenbau; 1925 – 29 Konstrukteur bei Siemens & Halske in Berlin-Siemensstadt; 1929 – 36 Studium der Elektrotechnik an der TH Darmstadt, Dipl.-Ing.; 1936/37 Assistent, Prom. zum Dr.-Ing.; ab 1937 Versuchsing. in den Sachsenwerken Dresden-Niedersedlitz. 1946 SED; 1946 – 52 Haupting. u. GD sowie Ltr. der techn.-wiss. Arbeiten des VEB Sachsenwerk Niedersedlitz; ab 1952 TH Dresden, 1953 Berufung zum Prof. mit Lehrstuhl für Elektromaschinenbau, 1955 Dir. des Inst. u. Prof. mit Lehrstuhl für elektr. Maschinen u. Antriebe; 1956 – 58 Rektor der TH Dresden (Nachf. von  Karl Horst Peschel); 1960 NP; 1966 Ord. Mitgl. der DAW; gest. in Dresden.Andreas Herbst

dissidenten.eu

Poppe, Ulrike

* 1953

Zu einer der bekanntesten Oppositionellen avancierte in den 80er Jahren Ulrike Poppe. Mutig ging sie einen dornenreichen Weg. Dabei zeigte sie sich dem Staat gegenüber gesprächsbereit, was nicht immer allen Mitstreiterinnen und Mitstreitern gefiel. Das selbst erlittene, noch mehr aber das anderen vom Staat zugefügte Unrecht ließ sie in der Gewissheit leben, dass allen Widrigkeiten zum Trotz ihr Recht auf Wahrheit, Anstand, Selbstbestimmung und Würde unumstößlich ist.Ulrike Poppe wurde 1953 in Rostock geboren und wuchs in wohlsituierten Verhältnissen in Hohen-Neuendorf bei Berlin auf. Ihr Vater arbeitete als Historiker zunächst am neu gegründeten Museum für Deutsche Geschichte in Berlin, später an der Akademie der Wissenschaften. Ihre Mutter hatte Slawistik und Anglistik studiert und arbeitete als Übersetzerin. Poppe legte 1971 in Oranienburg bei Berlin das Abitur ab. Schon während ihrer Schulzeit begann sich bei ihr eine kritische Einstellung zum System herauszubilden. Dies hing zunächst mit Erfahrungen zusammen, die den Widerspruch zwischen offiziell propagierter Jugendkultur und eigenen Vorstellungen offenbarten. Die Musik, die Kleidung, die Haarfrisuren und die Verhaltensweisen vieler Jugendlicher passten nicht ins offizielle Jugendbild, deshalb kam es auch bei ihr bereits in der Schulzeit zu Auseinandersetzungen. Auf diese Weise sammelte sie erste Erfahrungen, wie der Staat mit eigenständigen politischen Anschauungen umging. Gemeinsam mit einer Mitschülerin und einem Mitschüler schrieb sie 1967 einen Brief an die Volkskammer, der auch Fragen in Bezug auf die Wiedervereinigung Deutschlands enthielt. Statt einer Antwort gab es Aussprachen, in denen die politische Einstellung der drei Schreiber hinterfragt wurde. Die beiden Schülerinnen durften an der Schule bleiben, weil ihre Eltern in der SED waren und es deshalb Grund zu der Annahme gab, sie seien noch nicht für die Sache des Sozialismus verloren. Dagegen flog der Mitschüler, obwohl er Klassenbester war, von der Schule: Seine Eltern waren nicht in der Partei, und er war zudem in der Jungen Gemeinde aktiv. Diese konkrete Erfahrung, aber auch der *Prager Frühling und die westliche antiautoritäre Studentenbewegung prägten Poppe politisch. Als Ulrike Poppe 1971 nach Berlin kam, um an der Humboldt-Universität ein Lehrerstudium für Kunsterziehung und Geschichte aufzunehmen, kam sie in Kontakt mit einer „Szene“, in der sich junge Menschen bewegten, die nicht bereit waren, sich der herrschenden und verordneten Norm zu unterwerfen. Ihr wurde zudem bewusst, dass historische Tatsachen und Zusammenhänge für die Legitimation der herrschenden Ordnung und ihrer Repräsentanten zurechtgestutzt, verzerrt oder verfälscht wurden. Sie las verbotene Bücher, diskutierte darüber in verschiedenen Kreisen und lernte soziale und kulturelle Realitäten kennen, die weder in den offiziellen Medien noch in Lehrbüchern eine Widerspiegelung fanden. 1973 brach sie ihr Studium ab, weil sie zum einen erkannt hatte, dass sie diesem System nicht als Lehrerin dienen konnte und weil sie zum anderen Psychologie studieren wollte. Der Versuch eines Fachrichtungswechsels war ihr aufgrund eines Vetos der FDJ verwehrt worden. Anschließend arbeitete sie zunächst in einem Durchgangsheim für Kinder und Jugendliche und ab 1974 in einer geschlossenen Abteilung des Krankenhauses Charité als Hilfspflegerin. In beiden Arbeitsbereichen wurde sie mit tabuisierten bzw. verleugneten Seiten des real existierenden Sozialismus konfrontiert. Der staatliche Umgang mit milieugeschädigten Kindern bzw. mit Opfern von innerfamiliärer Gewalt, den Poppe im Kinderheim kennenlernte, war nicht nur deprimierend. Ihr wurde bewusst, dass ein System, das derart menschenverachtend mit den Schwächsten der Gesellschaft verfährt, im Kern krank sein musste. Zwar steckte für sie im Kommunismus immer noch eine Befreiungsidee, aber in der SED-Führung glaubte sie, die Verräter des Sozialismus erkannt zu haben. Zugleich bewirkten diese Erfahrungen eine zunehmende Distanz zu den erlernten ideologischen Grundmustern. Mitte der 70er Jahre lernte sie Gerd Poppe kennen, den sie 1978 heiratete. Durch ihn kam sie auch mit anderen Oppositionellen, darunter Robert Havemann, in Kontakt. Ab 1976 arbeitete sie am Berliner Museum für Deutsche Geschichte. Zusammen mit anderen Kollegen organisierte sie in den dortigen Räumen kulturelle Veranstaltungen, die bald von Hunderten Teilnehmern besucht wurden. Allerdings sah die Parteileitung des Museums darin bald „staatsfeindliche Aktionen“ und reagierte mit Verbot. Poppe geriet daraufhin in erhebliche Konflikte mit ihrem Arbeitgeber. Zur gleichen Zeit kam sie mit vorwiegend konspirativ arbeitenden Zirkeln in Kontakt, in denen neue Gesellschaftsmodelle diskutiert wurden. Daneben gab es aber auch Kreise, in denen konkrete Themen wie Erziehung, Bildung, Wohnungspolitik und politische Mitsprache in der DDR erörtert wurden. Diese erschienen ihr sympathischer und produktiver, weil sie weniger männerdominiert, abgeschottet und intellektuell überheblich waren. Diese Kreise begannen Ende der 70er Jahre, sich mehr und mehr nach außen zu öffnen und wurden Teil der sich formierenden unabhängigen Friedensbewegung. Zusammen mit ihrem Mann Gerd Poppe organisierte sie in ihrer Wohnung 1980–83 Lesungen von kritischen oder auch verfolgten Literaten. Diese zuerst vom Dichter Frank-Wolf Matthies organisierten Lesungen hatten in Berlin mittlerweile Tradition, die das Ehepaar Poppe fortführte, als Matthies in den Westen ging. Außerdem organisierten die Poppes (1979 und 1981 wurden ihre Kinder geboren) zusammen mit anderen Müttern und Vätern einen Kinderladen in Berlin-Prenzlauer Berg, wo sie wohnten. Damit schufen sie eine Möglichkeit, ihre Kinder unabhängig von staatlicher Einflussnahme zu betreuen und berufstätig zu bleiben. Der Kinderladen bestand von Anfang 1981 bis zum 14. Dezember 1983, ehe er auf staatliche Anweisung zerstört und verboten wurde.Die unabhängige Friedensbewegung in der DDR reagierte auf zwei politische Entwicklungen: zum einen auf das Wettrüsten der Supermächte und zum anderen auf die fortschreitende Militarisierung der DDR-Gesellschaft. In der Schule zum Beispiel wurde 1978 das Pflichtfach Wehrkunde eingeführt. Als 1982 ein neues Wehrdienstgesetz verabschiedet wurde, das unter anderem vorsah, dass auch Frauen mobilisiert werden könnten, verfasste Poppe zusammen mit anderen Frauen eine Eingabe, in der sie sich gegen dieses Gesetz aussprach, und sammelte Unterschriften. Aus dieser Initiative heraus entwickelte sich 1982 die Gruppe „Frauen für den Frieden“, die bis zur Friedlichen Revolution eine der wichtigsten Oppositionsgruppen außerhalb der Kirchen war. Die Frauen engagierten sich gegen die Militarisierung der Gesellschaft, für blockübergreifende Abrüstung sowie für Demokratie und Menschenrechte in der DDR. Am 12. Dezember 1983 wurde Poppe gemeinsam mit Bärbel Bohley wegen des Verdachts auf „landesverräterische Nachrichtenübermittlung“ (§ 99 StGB) vom Ministerium für Staatssicherheit (MfS) verhaftet. Inner- und außerhalb der DDR erhob sich gegen diese Verhaftung Protest. Es entwickelte sich eine breite Solidaritätswelle. Nach sechs Wochen musste das MfS die beiden Protagonistinnen der „Frauen für den Frieden“ wieder freilassen. Ulrike Poppe wurde vom MfS seit 1976 gemeinsam mit ihrem Mann im Operativen Vorgang (OV) „Zirkel“ verfolgt und beobachtet. Dieser OV zählt zu den umfangreichsten, die der Staatssicherheitsdienst angelegt hatte. Ulrike Poppe war von langjährigen Zersetzungsmaßnahmen, häufigen Zuführungen und Ordnungsstrafen betroffen. Das MfS zählte sie zum kleinen harten Kern unversöhnlicher Feinde des SED-Systems. Gemeinsam mit Gerd Poppe, Wolfgang Templin, Bärbel Bohley, Reinhard Weißhuhn, Peter Grimm, Ralf Hirsch, Werner Fischer, Antje und Martin Böttger und anderen zählte sie Ende 1985/Anfang1986 zu den Mitbegründern der wichtigsten Oppositionsgruppe der 80er Jahre, der Initiative Frieden und Menschenrechte (IFM). Diese Gruppe trat entschieden für Demokratie, Freiheit, Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit ein und befand sich darüber hinaus in einem ständigen Dialog mit der osteuropäischen Opposition sowie mit Nichtregierungsorganisationen, Politikern und Journalisten aus dem Westen. Im Gegensatz zu einem Teil der IFM-Mitglieder führte Ulrike Poppe zahlreiche Gespräche und Diskussionen mit SED-Mitgliedern und Funktionären. Sie wollte ihre eigenen Vorstellungen und Ideen in die Gesellschaft transportiert wissen. Gleichzeitig äußerte sie sich im Samisdat und unterzeichnete eine Fülle von Aufrufen, offenen Briefen und Erklärungen der Opposition. 1987 wurde Poppe zur Berlin-Brandenburgischen Regionalvertreterin im Fortsetzungsausschuss „Frieden konkret“ gewählt, einem DDR-weiten Netzwerk der oppositionellen Gruppen und kirchlichen Basisgruppen. Ab 1987 war sie auch im Arbeitskreis „Absage an Praxis und Prinzip der Abgrenzung“ bei der Bartholomäus-Gemeinde in Berlin aktiv. Hier diskutierten unter anderen Hans-Jürgen Fischbeck, Stephan Bickhardt, Konrad Weiß und Wolfgang Ullmann. Aus dieser Initiative entwickelte sich 1989 die Bürgerbewegung Demokratie Jetzt (DJ), zu deren Erstunterzeichnern des Gründungsaufrufes im September 1989 Ulrike Poppe gehörte. Demokratie Jetzt gehörte 1989 zu den Motoren der Friedlichen Revolution. In dieser Zeit war Poppe Mitglied des Sprecherrates und saß zusammen mit Wolfgang Ullmann am Zentralen Runden Tisch, der von Dezember 1989 bis März 1990 tagte. Anschließend war sie Mitarbeiterin der Volkskammerfraktion Bündnis 90/Die Grünen. Nach der deutschen Einheit arbeitete Poppe ab 1991 als Studienleiterin bei der Evangelischen Akademie Berlin-Brandenburg. Hier organisierte sie Veranstaltungen zu Themen der Zeitgeschichte und Politik. Ihr politisches Engagement wollte Poppe nie zum Beruf machen. In vielfältigen Formen ist sie in den öffentlichen Debatten präsent, wobei ihr Engagement insbesondere um die Aufarbeitung der kommunistischen Diktaturen, um diesbezügliche internationale Vernetzung und die Einhaltung und Achtung der Menschenrechte hervorzuheben ist. Gerade im Rahmen ihrer gegenwärtigen Arbeit als Brandenburger Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur (LAkD) kann Poppe seit 2009 deutlich machen, was ihr schon während ihres Engagements in der Opposition wichtig war: Verständigung über Parteigrenzen und ideologische Grenzen hinweg suchen, Standpunkte und Meinungen diskursiv austauschen. Im Gegensatz zu früher muss sie heute keine Angst haben, drangsaliert, verhaftet oder aus dem Land verwiesen zu werden. Insofern sind ihr jahrelanger Mut belohnt und ihre jahrelangen Hoffnungen – wenigstens teilweise – erfüllt worden.Ilko-Sascha Kowalczuk Letzte Aktualisierung: 08/16

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Poppe, Ulrike

* 26.1.1953

Geb. in Rostock, aufgew. in Hohen Neuendorf (b. Berlin); Vater Historiker, Mutter Slawistin; 1971 Abitur; 1971 – 73 Studium der Kunsterziehung u. Geschichte an der HU Berlin (abgebrochen); anschl. versch. Tätigkeiten, u. a. Hilfserzieherin in einem Durchgangsheim für Kinder u. Jugendl., Hilfspflegerin in der Psychiatr. Klinik der Charité; 1976 – 88 Mitarb. im Museum für Dt. Geschichte in Berlin; 1980 Mitinitiatorin des ersten unabh. Berliner Kinderladens; 1982 Gründungsmitgl. des Netzwerks »Frauen für den Frieden«; 1983 sechs Wochen U-Haft beim MfS wegen Verdachts auf landesverräter. Nachrichtenübermittlung (zus. mit  Bärbel Bohley); seit 1985 Mitgl. der IFM; 1987/88 Berlin-Brandenb. Regionalvertreterin im Fortsetzungsaussch. des DDR-weiten Netzwerks der unabh. Gruppen »Frieden konkret«; 1987 – 89 Beteiligung am Arbeitskrs. »Absage an Praxis u. Prinzip der Abgrenzung«; Sept. 1989 Erstunterz. des Gründungsaufrufs der Bürgerbew. Demokratie Jetzt (DJ); 1989 – 91 Mitgl. des DJ-Sprecherrats; Dez. 1989 – März 1990 DJ-Vertreterin am Zentr. Runden Tisch; 1990 Mitarb. der Volkskammerfraktion Bündnis 90/Grüne. 1992 – 2010 Studienltr. an der Ev. Akad. Berlin-Brandenb.; 1999 Mitgl. des Gründungsvorst. der Grünen Akad. bei der Heinrich-Böll-Stiftung; Mitgl. des Beirats der BStU; 2000 Gustav-Heinemann-Preis; 1979 –97 verh. mit  Gerd P.; seit 2001 verh. mit dem Sozialwissenschaftler Claus Offe; Dez. 2009 Wahl zur brandenb. Landesbeauftr. zur Aufarb. der Folgen der kommunist. Diktatur; lebt in Berlin.Zw. Selbstbehauptung u. Anpassung. Berlin 1995 (Mithrsg.); Wer schreibt DDR-Geschichte? Berlin 1995 (Mithrsg.). Jesse, E. (Hrsg.): Eine Rev. u. ihre Folgen. Berlin 2000.Jan Wielgohs

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Pose, Waldemar

* 23.9.1920 – ✝ 12.8.1994

Geb. in Erfurt; Vater Arbeiter; Volksschule; 1932/33 Bünd. Jugend; 1935 – 38 Ausbildung zum Kfm.; 1938/39 im Beruf tätig; 1939 – 44 Wehrmacht, Fw.; 1944 – 48 sowj. Kriegsgefangenschaft, Kursant an einer Antifa-Schule. 1948 Rückkehr nach Dtl.; SED, FDGB; 1948/ 49 Konsum-Angest. in Erfurt; 1949/50 Presse-Sekr. zunächst des LV Thür., dann des ZV der Gewerkschaft Verw., Banken, Versicherungen; 1950/51 PHS; 1951/52 Red. u. 1953 – 75 Chefred. des FDGB-Zentralorgans »Tribüne« (Nachf. von  Günter Erxleben); 1955 – 82 Mitgl. des FDGB-BV, 1972 – 77 seines Präs.; 1969 VVO; gest. in Berlin.Bernd-Rainer Barth

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Poßner, Wilfried

* 13.9.1949

Geb. in Neustadt (Orla, Krs. Pößneck); Vater Weber u. Traktorist, Mutter Gemeindeschwester; 1964 FDJ; 1964 – 68 EOS, Abitur mit Berufsausbildung zum Maurer; 1968 Erziehungshelfer in Hütten (Pößn.); 1968 – 70 NVA, Gefr.; 1969 SED; 1970 Erziehungshelfer in Kospoda; 1970 – 74 Studium an der PH Potsdam, Dipl.-Lehrer für Germanistik u. Geschichte; dort 1974 – 76 Sekr. der FDJ-GO; 1976 – 79 Aspirant an der Akad. für Ges.-Wiss. beim ZK der KPdSU, Dr. phil.; 1979/80 Ltr. der Abt. Studenten beim, 1980 – 84 Sekr. u. Mitgl. des Büros des ZR der FDJ; 1984 – 25.11.1989 Vors. der Pionierorg. »Ernst Thälmann« (Nachf. von  Helga Labs) u. Sekr. des ZR der FDJ; 1984 – 86 Mitgl. der Jugendkommission beim PB des ZK der SED; 1986 – Dez. 1989 Mitgl. des ZK der SED; 1986 – März 1990 Abg. der Volkskammer; Nov. 1989 – April 1990 Staatssekr. u. Ltr. des Amts für Jugend u. Sport (Nachf. von  Hans-Ulrich Sattler); danach u. a. Mitarb. der Ges. Bildung, Information, Tourismus (BIT) im Landkrs. Potsdam-Mittelmark.Immer bereit. Parteiauftrag: kämpfen, spielen, fröhlich sein. Berlin 1995.Helmut Müller-Enbergs

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Pötschke, Günter

* 28.7.1929 – ✝ 11.9.2006

Geb. in Halle; Vater Friseur; Volksschule, 1940 – 48 OS in Halle, Abitur; Okt. 1948 Beginn der journalist. Tätigkeit als freier Mitarb., Volontär, ab 1949 Reporter der ADN-Außenstelle Halle; 1949 Mitgl. des VDP; 1950/51 stellv. Bez.-Stellenltr. des ADN in Halle; 1951 – 90 VDJ; ab 1951 in Berlin; Red. bzw. Chef vom Dienst der Abt. Dtl.-Dienst/Ostred., stellv. Ltr. der DDR-Red.; 1957 Ltr. der Auslandsred.; 1952 Kand., 1954 SED; 1954 – 56 Fernstudium Journalistik an der KMU Leipzig, ohne Abschl.; 1951 – 66 Sonderkorrespondent bei wichtigen internat. Ereignissen u. Konferenzen, so in den Wochen nach dem ungar. Volksaufstand im Okt. 1956 in Budapest, bei den UNO-Vollvers. 1957 u. 1962 in New York, der Genfer Außenmin.-Konferenz 1959; auch Korrespondent bei pol. Prozessen in der DDR; 1957 – 59 Mitgl. der ZPL des ADN; 1959/60 ADN-Korrespondent in London; 1960 Chefred. u. stellv. GD des ADN; erster Leiter der Zentr. Pol. Red.; 1961 – 68 Fernstudium an der PHS, Dipl.-Ges.-Wiss.; ab 1963 Mitgl. der UNESCO-Kommission der DDR; Mitgl. der Dt.-Brit. Ges.; 1966 – 74 stellv. Ltr. der Westabt. des ZK der SED (Arbeitsber. Agit.); Mitgl. der Westkommission beim PB; 1974 – 77 stellv. Ltr. der Abt. Agit. des ZK der SED; 1976 Ltr. des Pressebüros des Treffens der kommunist. u. Arbeiterparteien Europas in Berlin; 1977 – 89 GD des ADN (Nachf. von  Deba Wieland); 1977 – 90 mehrmals Vizepräs., zeitw. Präs. der Allianz der europ. Nachrichtenagenturen; 1979 VVO; 1980 – 89 Mitgl. des ZV des VDJ; Mitgl. der Agit.-Kommission beim PB des ZK; 1981 Kand., 1986 – 89 Mitgl. des ZK der SED; 1989 KMO; 1990 Vorruhestand; gest. in Berlin.Bernd-Rainer Barth

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Pötzsch,  Anett

* 3.9.1960

Geb. in Karl-Marx-Stadt; Vater Trainer; 1965 mit dem Eiskunstlauftraining begonnen; EOS, ab 1967 KJS; Mitgl. des SC Karl-Marx-Stadt (Trainerin: ab 1970  Gaby Seyfert, danach  Jutta Müller); 1977 – 80 viermal EM; 1979 u. 1980 WM; 1980 Olymp. Spiele: Siegerin; 1980 – 89 SED; nach beendeter sportl. Laufbahn Sportstudium an der DHfK Leipzig, Dipl.-Sportlehrer; danach bis 1990 wiss. Mitarb. an der DHfK Leipzig u. dort verantw. für die Ausbildung von Eiskunstlauftrainern; Verdienter Meister des Sports. Ab 1990 Vertriebsassistentin bei einer Bank; internat. Eiskunstlaufpreisrichterin der ISU; seit 1994 verh. mit dem ehem. Eistänzer Axel Rauschenbach.Klaus Gallinat

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Pratsch, Eckhard

* 23.2.1953

Geb. in Bernburg; Vater Handelskaufm., Mutter Verkäuferin; Grund- u. Oberschule, 1951 Abitur; 1971 – 1975 stellv. Abt.-Ltr. im Rat des Krs. Bernburg, 1975 stellv. Vors. der Bezirksrevisionskomm. der FDJ-BL Halle; 1976 Mitarb., 1977 / 78 u. 1979 – 81 Abt.-Ltr. im Rat des Krs. Bernburg; 1978 / 79 Lehrgang an der SED-BPS; 1981 – 84 Mitgl. des Rats für Öff. Versorgungswirtschaft des Rats des Bez. Halle; Fernstud. an der ASR Potsdam, 1984 Dipl.-Staatswiss.; 1985 – 89 Kombinatsdir. des VEB Kombinat Hauswirtschaftl. Dienstleistungen bzw. des VEB Dienstleistungskombinat Halle; ab 1986 Fernstud. an der PHS der SED, außerplanm. Aspirantur an der AfG beim ZK der SED, 1989 Prom. zum Dr. rer. pol.; Juni 1989 – Frühjahr 1990 OB von Halle (Nachf. von  Christoph Anders), jüngster OB der DDR; Frühjahr 1990 Rücktritt als OB. Seit 1990 selbst. Unternehmer in der Immobilienwirtschaft u. Projektltr.; Dir. der NAWARO Engineering GmbH Leipzig.Andreas Herbst

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Pohl, Horst

* 1.3.1923

Geb. in Breslau (Wrocław, Polen); Vater Arbeiter; Volksschule; Lehre als Industriekaufm.; 1941 – 45 Wehrmacht; 1945 – 48 sowj. Kriegsgef. 1948 Rückkehr nach Dtl.; 1949 SED; 1949 Arbeit in einer Ziegelei in Eisenberg; später Ltr. einer Ziegelei; 1950 Abg. u. Stadtverordnetenvorsteher in Eisenberg; 1953 – 55 Bürgermstr. von Eisenberg; 1955 – 59 Vors. des Rats des Krs. Rudolstadt; 1960 – 62 Stud. an der PHS der SED, Dipl.-Gesellschaftswiss; 1962 – 1988 OB von Gera (Nachf. von  Wilhelm Weber); Mitgl. des Präs. des Hauptaussch. des Städte- u. Gemeinderats; Mitgl. des Sekr. u. Präs. der Dt.-Französ. Gesellsch.; 1983 VVO; 1990 PDS.Bernd-Rainer Barth

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Pohl, Wolfgang

* 10.2.1940

Geb. in Königsberg (Ostpr./Kaliningrad, Rußland); Vater Arbeiter; 1946 – 54 Volksschule im Krs. Weimar; 1954 – 57 Ausbildung zum Stahlschiffbauer; 1956 FDJ; 1957 – 60 Wehrdienst (Bereitschaftspolizei); 1960 SED; 1961/ 62 Verw.-Schule Staßfurt; 1964 Abitur; 1965 – 70 Studium der Rechtswiss. an der HU Berlin, Dipl.-Jur.; 1970 – 74 stellv. OB von Magdeburg; 1974 – 77 Studium an der PHS, Dipl.-Ges.-Wiss.; 1978 – 89 1. Sekr. der SED-Stadt-BL; Magdeburg-Nord; 13.11.1989 1. Sekr. der SED-BL Magdeburg (Nachf. von  Werner Eberlein); 3.12. Mitgl. des Arbeiteraussch. zur Vorber. des a. o. Parteitags der SED, ab 8.12. stellv. Vors. der SED-PDS bzw. PDS; Ltr. der Kommission Org. u. Parteileben; Vors. der Statutenkommission; März – Okt. 1990 Abg. der Volkskammer. Okt. 1990 im Zusammenhang mit Finanzmanipulationen Rücktritt von allen Ämtern; danach Mitarb. einer Rechtsanwaltskanzlei in Leipzig; 5.4.1991 vor dem LG Berlin angeklagt wegen »gemeinschaftl. Untreue«, 20.3.1992 schuldig gesprochen, 20.10.1993 erfolgreiche Revision beim BGH, 20.6.1995 vom LG Berlin freigesprochen.Helmut Müller-Enbergs

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Pollack, Peter

* 30.8.1930 – ✝ 20.10.2017

Geb. in Dresden; 1949 Abitur in Dresden; 1949 – 52 Landwirtschaftsgehilfe; 1952 – 55 Studium der Landwirtsch. an der MLU Halle, Dipl.-Landw.; 1955 – 63 wiss. Mitarb. im Inst. für Futterbau u. Kulturtechnik, Außenstelle Falkenberg (Krs. Osterburg); 1963 – 68 wiss. Mitarb. der Forschungsstelle Altmärk. Wische in Falkenberg; 1969 – 90 Dir. des Wiss. Zentrums für landwirtsch. Vorbereitung von Meliorationen für den Bez. Magdeburg in Falkenberg; 1964 Prom. an der MLU mit einer Diss. über Ertragsleistungen, Inhaltsstoffe u. Entw. des Pflanzenbestands auf Grünlandflächen in der Wische; 12.4. – 15.8.1990 Min. für Ernährung, Land- u. Forstwirtsch. in der Reg.  de Maizière auf Vorschlag der SPD (Nachf. von  Hans Watzek). Nach 1990 SPD; Agrarberater in Sachsen-Anhalt u. Brandenburg; lebte in Paulinenaue (b. Nauen), dort stellv. Bürgermstr.; gest. in Paulinenaue.Helmut Müller-Enbergs

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Polzin, Gerhard

* 8.1.1945

Geb. in Lietzow (Rügen); Vater Angestellter; Grundschule und EOS für Sehgeschädigte in Königs Wusterhausen, Abitur; 1965 – 70 Pädagogikstudium mit den Fachrichtungen Russisch / Englisch an der KMU Leipzig, Dipl.-Fremdsprachenlehrer für Erwachsenenbildung; 1970 – 84 pädagog. Mitarb. beim Rat des Krs. Rügen; 1973 – 84 Vors. des KV Rügen des Blinden-u.-Sehschwachen-Verbandes (BSV); 1980 SED; 1984 Dir. des Rehabilitationszentrums für Blinde »Ernst Puchmüller« in Neukloster (Krs. Wismar); 1981 – 84 Aspirantur u. Prom. zum Dr. paed. an der WPU Rostock; 1985 – 90 Mitgl. im ZV des BSV, ab 1.9.1986 Sektorltr. Organisation, 1987 – 90 Präs. des BSV (Nachf. von Helmut Pielasch). Nach 1990 Mitarb. im Arbeitsstab des Beauftragten der Bundesreg. für die Belange behinderter Menschen Karl Hermann Haack.Andreas Herbst

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Pommeranz-Liedke, Gerhard

* 12.12.1909 – ✝ 27.6.1974

Geb. in Mewe (Krs. Marienwerder, Westpr. / Gniew, Polen); Vater Apotheker; 1910 Tod des Vaters, Mutter Hausfrau; Stiefvater Apotheker; Realschule in Mewe, Humanist. Gymnasium in Marienwerder u. Oppeln; 1927 Reifeprüfung; 1927 – 31 Studium der Malerei an der Kunstakad. Breslau, dann an der Staatl. Akad. für graph. Künste u. Buchgewerbe in Leipzig; zugleich journalist. tätig; 1934 – 40 freischaff. Maler u. Journalist; 1940 / 41 Wehrmacht; März – Juni 1941 Pressereferent im Ausw. Amt; ab Juni 1941 Wehrmacht, Sold. in Holland, Nord-Belgien, im Saargebiet; Dez. 1944 amerikan. Kriegsgef., u. a. im Lager Compiegne / Frankreich u. Ascot / England, dort Arbeit für die BBC, im Lager verantw. für eine Kriegsgefangenenztg.; Sept. 1945 Entlassung nach Hannover. Sept. 1945 im Auftrag der US-Besatzungsbehörden Teiln. am Aufbau der demokrat. Presse, enge Kontakte zu Karl-Eduard von Schnitzler; 1946 außenpolit. Red. der »Rheinischen Ztg.« in Köln; Juni 1946 Übersiedl. in die SBZ; 1946 – 48 Bild- u. Umbruch-Red. der »Tägl. Rundschau« in Berlin; 1947 SED; 1948 / 49 Chefred. der Ztschr. »Bildende Kunst«; Nov. 1949 Hauptreferent der DAK in Berlin, 1950 – 60 Ltr. der Abt. Ausstellung u. Publikationen der DAK; 1960 – 67 freischaff. Mitarb. u. a. beim Berliner Rundfunk; zahlr. Publ. u. Ausstellungskataloge zur Kunst des 20. Jh. u. zur sozialist. Gegenwartskunst; 1967 – 74 Dir. der Staatl. Kunstsammlung zu Weimar (Nachf. von Walther Scheidig), dort Aufbau einer Abt. sozialist. Gegenwartskunst, veranlaßte wichtige Erwerbungen; Mitgl. des VBK; 1972 Kunstpreis der Stadt Weimar; gest. in Weimar.Franz Masereel. Malerei u. Graphik 1918 – 1957. Berlin 1957; Heinrich Zille. Berlin 1958; Bühnenbilder aus den Jahren 1945 – 1958. Berlin 1959; Graphikspiegel. Bildner. Volksschaffen der DDR. 100 Bildtafeln. Dresden 1969; Walter Womacka. Dresden 1969; Moritz von Schwind. Maler u. Poet. Leipzig 1974.Bernd-Rainer Barth

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Poppe, Eberhard

* 12.9.1931

Geb. in Wiesenburg (Krs. Zwickau) in einer Angest.-Familie; Besuch einer FS für Wirtschaft u. Verw., 1950 Abitur; 1950 – 54 Studium der Rechtswiss. an der Univ. Leipzig; 1952 SED; 1956 – 59 Assistent u. Oberassistent zunächst an der KMU Leipzig, dann an der MLU in Halle; 1958 Prom. mit der Arbeit »Volkssouveränität u. Abgeordneten-Stellung«; 1959 – 64 Doz. für Staatsrecht; 1963 Habil.; 1965 Prof. mit Lehrauftrag für Verfassungstheorie u. Staatsrecht an der MLU in Halle; bis 1968 zugl. Prorektor für Studienangelegenh.; anschließend bis 1970 für Ges.-Wiss.; 1967/68 Mitgl. der Kommission zur Ausarbeitung der neuen Verfassung der DDR; 1971 – 77 Rektor der MLU Halle-Wittenberg (Nachf. von Friedrich Wolf); ord. Prof. für Staatsrecht u. Verfassungstheorie; ab 1971 Mitgl. des Präsidialrats des KB; 1971 – März 1990 Mitgl. der KB-Fraktion in der Volkskammer, ab 1976 stellv. Vors. der Interparl. Gruppe; 1972 Korr. u. 1975 Ord. Mitgl. der AdW; 1973 Mitgl. des Rats für staats- u. rechtswiss. Forschung bei der AdW; 1975 – 80 Mitgl. des Verw.-Rats der Internat. Univ.-Assoziation; 1981 – 83 Ord. Mitgl., 1993/94 Korresp. Mitgl. der Sächs. AdW (Austritt); 1983 Mitgl. des DDR-Komitees für wiss. Fragen der Sicherung des Friedens u. der Abrüstung; 1969 u. 1974 VVO; 1984 KMO; 1990 Ruhestand.Der soz. Abg. u. sein Arbeitsstil. Berlin 1959; Menschenrechte – eine Klassenfrage. Berlin 1971; Grundrechte des Bürgers in der soz. Ges. Berlin 1980 (Ltr. des Autorenkoll.); Pol. u. persönl. Grundrechte in den Kämpfen unserer Zeit. Berlin 1984 (Ltr. des Autorenkoll.); Menschenrechte im Wandel. Berlin 1988; Die verfassungsrechtl. Stellung des Freistaates Sachsen als Bundesland. Berlin 1992.Jan Wielgohs

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Porombka, Vinzent

* 2.1.1910 – ✝ 28.11.1975

Geb. in Hindenburg (Oberschles./Zabrze, Polen); Vater Bergmann (1945 im KZ Groß-Rosen ermordet); 1925/26 Molkereiarb.; 1926 – 30 Bergarb.; 1927 RFB; 1930 – 35 Erwerbslosigkeit u. Kurzarbeit; 1930 KJVD; 1931 zehn Mon. Haft wegen Landfriedensbruchs; 1933 KPD; März 1933 U-Haft, Juni 1933 Überführung in das KZ-Lager II Esterwegen, Dez. 1933 Entlassung; danach illeg. Tätigkeit; Ltr. des KPD-UB Beuthen in Oberschles.; Instrukteur des ZK des KJVD; Aug. 1935 Flucht in die ČSR; Steinarb. in Steinau; danach Grenzarbeit für die KPD in Karwin u. Mährisch-Ostrau; Juli 1936 Verhaftung, Flucht während der Ausweisung nach Dtl.; nach weiteren drei Mon. illeg. in der ČSR; ab Nov. 1936 Teiln. am span. Bürgerkrieg in der XIII. Internat. Brigade; Mitgl. der KP Spaniens; Febr. – Juni 1939 Internierung in Frankreich; dann mit einem Verwundetentransport in die UdSSR; Dreher im Traktorenwerk in Tscheljabinsk; 1942 zeitw. in der Arbeitsarmee; 1942/ 43 Kursant einer Spezialschule für Fallschirmspringer bei Moskau; am 27.4.1943 als Funker einer dreiköpfigen Gruppe Absprung in der Nähe von Insterburg (Ostpr.); Versuch, in Oberschles. die Widerstandstätigkeit zu organisieren, Kontaktaufnahme zu örtl. KPD-Mitgl.; nach Einstellung der Funkkontakte wegen Gefährdung durch die Gestapo im Juli 1944 Reise nach Mährisch-Ostrau, danach Rückkehr nach Oberschles. u. gelegentl. Wiederaufn. der Funkverbindung nach Moskau; Jan 1945 Kontaktaufn. mit der anrückenden Roten Armee; März 1945 Fallschirmeinsatz in der Nähe von Chemnitz. 1945 Dolmetscher in einem Stab der Roten Armee; dann bis 1946 pol. Tätigkeit in Westdtl.; 1946 SED; ab Mai 1946 Transportbegleiter bzw. Kurier in der Zonenltg. u. ab 1950 in der Allg. Abt. im ZS bzw. ZK der SED; 1955 u. 1965 VVO; 1970 aus gesundheitl. Gründen aus dem ZK ausgeschieden; Orden des Vaterländ. Krieges; gest. in Berlin.Als Fallschirmspringer im illeg. Einsatz. In: Voßke, H. (Hrsg.): Im Kampf bewährt. Berlin 1969.Peter Erler

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Pösel, Willy

* 13.5.1923 – ✝ 21.10.1992

Geb. in Calbe (Saale); Vater Bergarbeiter, Mutter Tabakarb.; Volksschule; 1937 – 42 kfm. Lehrling bzw. Angest.; 1942 RAD, dann Wehrmacht; 1945 sowj. Kriegsgefangenschaft, Antifa-Schule. 1948 SED; Ltr. der SED-KPS Bad Kösen; 1950 Einjahreslehrgang an der PHS; 1951 Einstellung beim MfS, stellv. Ltr. der Schule des MfS Potsdam-Eiche; 1956 – 61 Fernstudium an der DASR Potsdam, Dipl.-Staatswiss.; 1959 Ltr. der HS, ab 1965 Rektor der JHS Potsdam-Eiche; 1961/62 vom operativen Einsatz in der HA V (Staatsapparat, Kultur, Kirchen, Untergrund) entbunden; 1964/65 freigestellt, Prom. an der DASR Potsdam, Dr. jur.; Juni – Okt. 1967 zur Fertigstellung der Habil.-Schrift freigestellt, Habil. an der JHS; 1969 Berufung zum Prof. für Rechtswiss.; 1971 Gen.-Major; 1985 wegen Krankheit von seiner Funktion entbunden; 1985 VVO; 1986 Entlassung, Rentner; gest. in Potsdam.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Posselt, Anna

* 28.12.1914 – ✝ 22.10.2009

Geb. in Althabendorf (Krs. Reichenberg, Böhmen); Vater Textilarb.; 1929 – 45 Weberin u. Hilfskraft in Betrieben der Textilindustrie, des Handels u. der Landw.; 1930 – 38 KPČ u. Textilarbeiterverb. Dez. 1945 Umsiedl. nach Dtl.; 1945/46 KPD/ SED; FDGB; 1946 – 50 Stadträtin für Sozial- u. Gesundheitswesen u. Jugendfragen in Wismar; 1950/51 PHS; 1951 – Febr. 1990 Mitgl. des Zentralvorst. der IG Textil-Bekleidung-Leder, 1952 – 75 deren Vors.; 1952 – 76 Mitgl. der Ltg.-Organe der Internat. Vereinigungen der Gewerkschaften der Werktätigen der Textil-, Bekleidungs- u. der Leder- u. Häuteindustrie im WGB; 1952 – Dez. 1989 Mitgl. des Bundesvorst. des FDGB u. 1952 – 63 seines Präs.; 1974 VVO; 1977 – Anf. 1989 Vors. der Veteranenkommission beim Bundesvorst. des FDGB; gest. in Berlin.Die gewerkschaftl. Aufgaben in den privatkap. Betrieben beim Aufbau des Soz. Berlin 1952.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Potteck, Uwe

* 1.5.1955

Geb. in Wittenberge (Elbe); zuerst Ringer; darin bei den DDR-Schülermeisterschaften 3. Platz; 1973 NVA (Volksmarine) in Stralsund, Offiziersschüler, zul. Kapitänleutnant a. D.; dort mit dem Training im Sportschießen beim ASK Stralsund begonnen (Trainer: Gerhard Boldt); 1974 – 90 SED; ab 1976 ASK Vorwärts Frankfurt (Oder) (Trainer: Gert Schreiber); Olymp. Spiele: 1976 Sieger (Freie Pistole), 1980 (16.), 1988 (9.); 1978 – 85 Sportstudium an der DHfK Leipzig, Dipl.-Sportlehrer; 1979 EM (Luftpistole), bei den Weltmeisterschaften 1986 2. Platz (Freie Pistole); bei den Weltmeisterschaften 1990 3. Platz mit der DDR-Mannschaft (Luftpistole). 1990 Mitgl. der Frankfurter Schützengilde; Servicemann beim Sportwaffenhersteller Feinwerkbau; 1991 WM (Luftpistole); 1995 EM; Servicetechniker u. Geschäft für Sportwaffen in Wandlitz; lebt in Berlin.Olaf W. Reimann

Wer war wer in DDR

Prachtl, Rainer

* 15.1.1950

Geb. in Neubrandenburg; 1966 – 68 Ausb. zum Koch; 1968 Abitur an der Abendschule; 1971 – 75 Studium der Wirtschaftswiss. an der Handels-HS Leipzig, Dipl.-Ökon.; 1975 – 78 wiss. Mitarb. u. Fachdir. für Ökon. im Binnenhandel; 1978 – 90 Ausbildungsltr. an der Hauswirtschaftsschule der Caritas Mecklenb. in Neustrelitz; Mitbegr. der Regionalgr. des konzilaren Prozesses für Frieden, Gerechtigkeit u. Bewahrung der Schöpfung; Dez. 1989 CDU; Mai – Okt. 1990 Vors. der CDU-Frakt. in der Ratsversamml. Neubrandenb.; Juni – Okt. 1990 Stellv. des Regierungsbevollm. des Bez. Neubrandenb. für regionale u. kommunale Angelegenh. Seit Okt. 1990 MdL Mecklenb.-Vorpomm.; Okt. 1990 – Okt. 1998 Präs. des Landtags; Okt. 1990 amt. Dir. der Regionalverw. Neubrandenb.; seit März 1991 Präs. der Schutzgemeinschaft Dt. Wald Mecklenb.-Vorpomm.; seit Nov. 2002 Vors. des Petitionsaussch. des Landtags.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Preil, Hans-Joachim

* 26.6.1923 – ✝ 2.11.1999

Geb. in Köslin; Schauspielausbildung; Engagements u. a. in Quedlinburg, Aschersleben, Bernburg vorwiegend als jugendlicher Komiker; Oberspielltr. in Magdeburg; danach freiberufl. als Bühnenkomiker; 25jährige Zusammenarbeit mit  Rolf Herricht; Auftritte in Rundfunk u. Fernsehen; Tourneeprogramme; erfolgr. Textautor, Verf. aller Herricht / Preil-Texte, schrieb Revuen, Musicals, Operetten (»Sportskanonen«), Boulevardstücke für das Fernsehen; auch Regiearbeit beim Fernsehen; mehrere Schallplatten mit Herricht/Preil-Dialogen; 1998 »Goldene Henne«; gest. in Berlin.Aber Herr Preil! Erinnerungen. Berlin 1994; Mückentötolin. Berlin 1995; Neue Mükkenstiche. Berlin 1996; Die schönsten Sketche des legendären Komikerduos Preil & Herricht. Berlin 1996.Dietmar Winkler

Wer war wer in DDR

Pohl, Johannes

* 27.7.1951

Geb. in Heidenau bei Dresden; 1970 Abitur; NVA; 1972 – 76 Studium der Wasserwirtschaft an der TU Dresden; Engagement in der kath. Studentengemeinde; 1976/77 Projektierungsing. beim Komplexen Wohnungsbau in Dresden; 1977 – 90 Verfahrens- u. Projekting. bei der Firma Trinkwasseraufbereitungsanlagen; seit 1980 Mitarb. an den Friedensseminaren in Meißen; Engagement für Wehrdienst- u. Reservistendienstverweigerer, Solidaritätsaktionen für verhaftete Verweigerer u. Aktionen im Kontext von »Schwerter zu Pflugscharen«, vom MfS bearbeitet im OV »Mineral«; 1982 – 90 Aufbau u. Ltg. eines ökumen. offenen Friedenskrs. in der kath. Gemeinde Dresden-Johannstadt; Beschäftigung mit Friedens- u. Menschenrechtsarbeit u. Org. von Seminaren; Kontakte zu Bürgerrechtlern in Berlin, vom MfS bearbeitet im OV »Johann«, keine Unterstützung durch die kath. Kirchenltg.; Mai 1989 Teiln. an der Aufdeckung des Kommunalwahlbetrugs in Dresden; Herbst 1989 Mitbegr. des DA in Dresden; Dez. 1989 – Mai 1990 Ansprechpartner für MfS-Opfer in Dresden; Mai 1990 Wahl in die Dresdener Stadtverordnetenvers. als Mitgl. der CDU-Fraktion. 1990 – 94 Beigeordn. u. Dezernent für Umwelt der Stadt Dresden; seit 1994 Betriebsltr. des kommunalen Eigenbetriebs Stadtentwässerung Dresden.Bernd Schäfer

Wer war wer in DDR

Pohler, Georg

* 23.11.1913 – ✝ 28.3.1997

Geb. in Kamenz (Schles./Kamieniec Zabkowicki, Polen) in einer Arbeiterfamilie; 1920 – 28 Volksschule; 1928 – 31 Lehre als Elektromechaniker; 1931 – 34 Ingenieurstudium am Technikum Mittweida, St.-Ex. Meßtechnik, Werkstofftechnik, Kabeltechnik; ab 1934 Meßing. bei der H. Römmler AG Spremberg; ab 1935 im Berliner AEG-Kabelwerk Oberspree (KWO) als Laboring., ab 1941 als Entwicklungsltr. im Laboratorium. 1945 – 49 Betriebsltr. der Wickeldrahtfabrik; 1949 – 52 Techn. Dir. im SAG-Betrieb KWO; 1952 – 66 Dir. des VEB KWO; 1966 u. 1970 NP; 1967 – 82 GD des Kombinats KWO; 1973 SED; Vors. der Berliner KdT; 1977 Prom. an der TH Ilmenau; 1978 Dr.-Ing. e. h. der TU Dresden; Inhaber von 28 Patenten; 1982 Rentner; gest. in Berlin.Hagen Schwärzel

Wer war wer in DDR

Pollak, Andrea

* 8.5.1961

Geb. in Schwerin; 1967 mit dem Schwimmsport in Berlin begonnen; ab 1968 Mitgl. des SC Dynamo Berlin (Trainer: Rolf Gläser); KJS »Werner Seelenbinder«; Spezialdisz.: Delphin; Olymp. Spiele 1976: Siegerin über 200 m u. mit der 4 x 100-m-Lagenstaffel, 2. Platz über 100 m Delphin u. mit der 4 x 100-m-Freistilstaffel; bei den Weltmeisterschaften 1978: 2. Platz über 100 m u. mit der 4 x 100-m-Lagenstaffel, 3. Platz über 200 m; 1979 EM über 100 m u. mit der 4 x 100-m-Lagenstaffel; Olymp. Spiele 1980: Siegerin mit der 4 x 100-m-Lagenstaffel, 2. Platz über 100 m; insges. sieben WR; VVO; 1980 sportl. Laufbahn beendet; Studium an einer Med. FS; ab 1985 Physiotherapeutin beim SC Dynamo Berlin bzw. ab 1990 SC Berlin; 1988 auch in der Olympiamannschaft der DDR.Olaf W. Reimann

dissidenten.eu

Pomeranz, Grigori

* 1918 – ✝ 2013

Philosoph, Kulturwissenschaftler und Publizist. Autor philosophischer Werke, die im Samisdat verbreitetet wurden und in den 60er und 70er Jahren einen entscheidenden Einfluss auf liberale Intellektuelle hatten.Grigori Pomeranz wurde 1918 in Wilna (Vilnius) im heutigen Litauen geboren und lebte seit seinem siebten Lebensjahr in Moskau. Er absolvierte ein Studium an der Fakultät für russische Literatur am Moskauer Institut für Philosophie, Literatur und Geschichte, das er 1940 abschloss. Während des Studiums beschäftigte er sich mit dem Werk von Fjodor Dostojewski, so auch in seiner Abschlussarbeit, die von seinen Hochschullehrern allerdings als antimarxistisch eingeschätzt wurde. Im Zweiten Weltkrieg ging Pomeranz 1941 freiwillig an die Front, wo er verwundet wurde. Seine Verhaftung erfolgte 1949. Die bereits fertige Dissertation über Dostojewski wurde im Verlauf des Untersuchungsverfahrens konfisziert und als „Dokument ohne Relevanz für das Gerichtsverfahren“ vernichtet. Auf Grundlage von *Artikel 58, Paragraf 10 Strafgesetzbuch der RSFSR wurde er zu fünf Jahren Haft verurteilt. 1950–53 war er im „KargopolLag“, einem Gulag-Lager im Gebiet Archangelsk, inhaftiert. Im Zuge einer Amnestie wurde er entlassen und 1958 rehabilitiert. 1953–56 unterrichtete Pomeranz als Lehrer an einer Dorfschule im Donezbecken in der Ukraine. Nach seiner Rückkehr nach Moskau arbeitete er als Bibliograf und wurde Mitarbeiter an der Bibliothek für Gesellschaftswissenschaften. 1959 starb seine erste Frau, die Romanistin Irina Murawjowa. Für lange Zeit prägte die Erinnerung an sie Pomeranz‘ philosophische und literarische Arbeit. Zwischen 1953 und 1959 entstanden unter dem Titel „Durchlebte Abstraktionen“ (Perežitye abstrakcii) seine ersten Essays, die in der traditionellen Form des philosophischen Dialogs verfasst, aber in der Realität des stalinistischen Lagers angesiedelt waren. Die *Ungarische Revolution 1956 und die öffentliche Hetzjagd auf den sowjetischen Schriftsteller Boris Pasternak ließen Pomeranz über direkten politischen Widerstand gegen das Regime nachdenken. Zwischen 1959 und 1960 begann er, ein Seminar für Philosophie, Geschichte und Politökonomie im privaten Rahmen abzuhalten, das halb konspirativ und ohne feste organisatorische Formen stattfand. Unter den Besuchern befanden sich viele aktive Teilnehmer der *Dichterlesungen auf dem Majakowski-Platz, darunter auch Wladimir Ossipow. Diese Erfahrungen seines philosophischen und politischen Engagements, das im politischen Untergrund verortet war, gefielen Pomeranz jedoch nicht. Die 1960 geschlossene Bekanntschaft mit Alexander Ginsburg, Natalja Gorbanewskaja und Juri Galanskow eröffnete bald eine andere Perspektive auf ein Wirken ohne Rücksicht auf die Zensur, das die „uneingeschränkte Öffentlichkeit und die Freiheit von Angst“ in den Mittelpunkt stellte. In dieser neuen Atmosphäre entstand nicht nur die Moskauer Samisdatzeitschrift *„Sintaksis“ (Syntax), zu deren Redaktion Pomeranz gehörte, sondern auch ein freier und kreativer Geist, der sowohl zwischen seinen neuen Bekannten als auch zwischen den Künstlern der *Lianosowo-Gruppe herrschte, mit denen er zu dieser Zeit Kontakt hielt. Einen großen Einfluss auf die Entwicklung seines Denkens hatte auch die Begegnung mit der Dichterin Sinaida Mirkina im Jahr 1961, die er dann heiratete. Ab 1962 veröffentlichte Pomeranz in wissenschaftlichen Zeitschriften Artikel zu Themen der Orientalistik und der vergleichenden Kulturwissenschaft, die sein Interesse am geistigen Leben Indiens und Chinas widerspiegelten und hielt Referate und Vorlesungen an unterschiedlichen wissenschaftlichen Einrichtungen und Hochschulen. Gleichzeitig schrieb er Essays über kulturwissenschaftlich-historische, gesellschaftliche und politische Themen, die weite Verbreitung im Samisdat fanden. Vor allem die Texte „Billiarde“ (Kvadrilion) und „Das moralische Antlitz der historischen Persönlichkeit“ (Nravstvennyj oblik istoričeskoj ličnosti), die 1966 in dem unabhängigen Almanach *„Feniks“ (Phönix) veröffentlicht wurden, lösten ein großes Echo aus. 1967 und 1968 wurden beide Essays im Ausland in der Exilzeitschrift *„Grani“ (Nr. 64 und 67) veröffentlicht. Pomeranz hielt Kontakt zu Dissidenten verschiedener Strömungen und beteiligte sich an privat abgehaltenen wissenschaftlichen Seminaren. 1970 nahm er an einer Vorlesung teil, die in der Wohnung von Walentin Turtschin stattfand. Andrei Sacharow schrieb später über dieses Seminar: „Das Interessanteste und Tiefste waren die Vorträge von Grigori Pomeranz. Ich traf ihn damals das erste Mal und war tief von seiner Gelehrtheit, der Breite seines Wissens und seinem akademischen Format berührt. […] Die zentralen Konzepte von Pomeranz waren […] der außerordentliche Wert einer Kultur, die durch gemeinsame Anstrengungen aller Völker des Ostens und Westens im Verlauf eines Jahrtausends geschaffen worden ist; die Notwendigkeit der Toleranz, des Kompromisses und des weiten Horizonts; das Elend und die Ärmlichkeit der Diktatur und des Totalitarismus und ihre historische Sinnlosigkeit sowie die Ärmlichkeit und Nutzlosigkeit eines eng verstandenen provinziellen Nationalismus.“Nach Unterzeichnung eines Briefes zur Verteidigung von Alexander Ginsburg, Juri Galanskow und anderen (siehe *Prozess der Vier) wurde Pomeranz 1968 verweigert, seine Dissertation am Asiatischen Institut zu verteidigen. 1972 erschien eine Auswahl seiner Texte unter dem Titel „Unveröffentlichtes“ (Neopublikovannoe) in München. Ab 1976 konnte er in der Sowjetunion nicht mehr offiziell veröffentlichen. Seine Texte fanden jedoch im Samisdat weite Verbreitung und wurden im Ausland in Exilzeitschriften wie zum Beispiel in *„Sintaksis“ (Paris) und *„Strana i mir“ (Land und Welt) nachgedruckt. In der zweiten Hälfte der 70er Jahre erschienen seine Essays in der unabhängigen Zeitschrift *„Poiski“ (Suche). Für die Veröffentlichungen benutzte er kein Pseudonym, sondern schrieb unter seinem eigenen Namen. In seinen publizistischen Arbeiten verteidigte Pomeranz Ideen der persönlichen Freiheit und der europäische Demokratie, setzte sich gegen das verlogene Ideal von „Blut und Boden“ und gegen eine neue Welle des Nationalismus ein. Die konsequente und energische Verteidigung dieses Standpunktes machte ihn zu einem der herausragenden Kritiker der rechtskonservativen Strömungen in der Dissidentenbewegung. Eine besondere Bedeutung hatte auch die jahrelange polemische Auseinandersetzung mit Alexander Solschenizyn. In seinen Artikeln „Mensch von nirgendwo“ (Čelovek niotkuda), „Leidenschaftliche Parteilichkeit und Leidenschaftslosigkeit der Seele“ (Strastnaja Odnostoronnost‘ i besstrastie ducha), „Traum von einer gerechten Rache“ (Son o spravedlivom vozmezdii) und „Stil der Polemik“ (Stil polemiki) kritisierte er Alexander Solschenizyns verbissene Parteilichkeit, seine Rachsucht und Unversöhnlichkeit sowie seinen Utopismus. Alexander Solschenizyn dagegen attackierte Pomeranz in seinem Aufsatz „Die Intelligenzler“ (Obrazovanščina) als ein der einheimischen Tradition entfremdetes Produkt der sowjetischen Halbbildung. Pomeranz hatte sich mittlerweile den Kreisen der Menschenrechtler angenähert. In der ersten Nummer des „Informationsbulletins“ des Verteidigungskomitees für Tatjana Welikanowa, das kurz nach ihrer Verhaftung Ende 1979 herausgegeben worden war, erschien sein Essay „Vor dem Jubiläum des Molochs“ (Nakanune jubileja molocha), das auf den hundertsten Geburtstag von Josef Stalin Bezug nahm. Der Text endete mit den Worten: „Unsere gemeinsame Verpflichtung ist es, dem Schatten Stalins, dem man am Vorabend seines Jubiläums neue Opfer bringt, Widerstand zu leisten. Noch ein paar Köpfe zu 30, 40 oder 60 Millionen Opfern.“ Im März 1980 erschien im Samisdat sein Essay „Mein Gesprächspartner Viktor Sokirko“ (Moj sobesednik Viktor Sokirko) über die Verhaftung eines Redakteurs der Zeitschrift *„Poiski“. Die Publizistik von Pomeranz weckte verstärkt Aufmerksamkeit des KGB. Fragmente seines Buchs „Die Träume der Erde“ (Sny zemli), das in Nummer 6 und 7 von *„Poiski“ veröffentlicht worden war, stuften die Ermittlungsbeamten als „verleumderisch“ ein. Am 14. November 1984 erhielt Pomeranz in Verbindung mit drohenden strafrechtlichen Konsequenzen für seine Veröffentlichungen im Ausland eine Verwarnung auf Grundlage des *Dekrets des Präsidiums des Obersten Sowjets vom 25. Dezember 1972. Am 26. Mai 1985 fand in seiner Wohnung eine Hausdurchsuchung statt, wobei sein literarisches Archiv konfisziert wurde. Im gleichen Jahr erschien in Paris die vollständige Ausgabe von „Träume der Erde“. Seit der Perestroika Ende der 80er Jahre konnte Pomeranz wieder in offiziellen Verlagen veröffentlichen. Es erschienen seine philosophischen und literaturwissenschaftlichen Arbeiten „Offenheit gegenüber dem Abgrund. Begegnungen mit Dostojewski“ (Otkrytost‘ bezdne. Vstreči s Dostojevskim), „Vorlesungen zur Geschichtsphilosophie“ (Lekcii po filosofii istorii), „Selbstsammlung“ (Sobiranie sebja), die Sammlung von Essays und kulturwissenschaftlichen Artikeln „Ausweg aus der Trance“ (Wychod iz transa) und das gemeinsam mit Sinaida Mirkina verfasste Buch „Bilder des Ewigen“ (Obrazy wečnogo). Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion hielt Pomeranz auch Referate und Vorlesungsreihen an der Russischen Staatlichen Humanistischen Universität und an der Universität der Geschichte der Kulturen. Nachdem Pomeranz den Marxismus hinter sich gelassen und sich dem Idealismus zugewandt hatte, begann er die Tiefe von Religion und Philosophie als Grundlage des menschlichen Seins zu sehen. Der Abschied von pseudowissenschaftlichen und mythologisierenden Ideologien, die Verwurzelung des Individuums in Religion und Kultur, der Weg in die Tiefe des eigenen Selbst anstelle der Auflösung in der Masse betrachtete er als Ausweg aus der geistigen und politischen Krise der Moderne. „Nur ein neuer Geist“, schrieb er, „der in der Tiefe des Selbst zu finden ist, kann uns aus dem Morast führen. Und davon handeln alle meine Bücher.“ Grigori Pomeranz starb am 16. Februar 2013 in Moskau.Dmitri Jermolcew Aus dem Polnischen von Tim Bohse Letzte Aktualisierung: 02/16

Wer war wer in DDR

Pommert, Hans-Joachim

* 26.1.1929

Geb. in Klostermansfeld (Krs. Eisleben); Vater Bergmann; Volksschule; 1943 – 45 Lehre als Dreher im Junkers-Werk Aschersleben. Juni – Dez. 1945 Landarb. auf der Domäne Klostermansfeld; Dez. 1945 SPD, 1946 SED; 1946 – 48 Lehre (Facharb.) u. Arbeit als Dreher im Walzwerk Hettstedt; Mai – Dez. 1948 Sachbearb. in der SED-LL Sachsen-Anh. in Halle; 1948 SED-LPS; 1949 / 50 Sekr. für Prop. der SED-BPO im VEB Walzwerk Hettstedt; Juli – Aug. 1950 Instrukteur der SED-LL Sachsen-Anh. in Halle; 1950 – 54 Red., dann Chefred. der vom ZK der SED hrsg. Ztschr. »Notizbuch des Agitators« u. Sektorenltr. im ZK der SED; 1954 – 57 Studium an der PHS des ZK der KPdSU in Moskau, Dipl.-Gesellschaftswiss.; 1957 – 63 Chefred. der SED-Bezirksztg. »Märkische Volksstimme« in Potsdam (Nachf. von  Hans-Werner Ortmann); Mitgl. der SED-BL Potsdam u. zeitw. Kandidat bzw. Mitgl. des Büros der SED-BL; 1961 – 72 Mitgl. im Präs. des VDJ-ZV; 1963 – 69 Chefred. der SED-Bezirksztg. »Leipziger Volkszeitung« (Nachf. von  Hans Teubner); Juni 1969 – Nov. 1989 Sekr. für Agit. u. Prop. der SED-BL Leipzig; 1971 – 90 Abg. des Bezirkstags Leipzig; mitbeteiligt am Appell der »Leipziger Sechs« vom 9.10.1989 an die 70.000 Demonstranten u. die Staatsmacht zur Gewaltfreiheit bei der Montagsdemonstration in Leipzig. Seit Dez. 1990 Rentner; seit 1991 parteilos.Kirsten Nies

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Poppe, Gerd

* 25.3.1941

Geb. in Rostock; Vater Ing., Mutter Sekr.; 1958 Abitur; 1959 – 64 Physikstudium in Rostock; 1965 – 76 Physiker im Halbleiterwerk Stahnsdorf; seit 1968 Engagement in opp. Krs.; liter. Abende mit krit. Autoren; Mitarb. in versch. Friedenskrs.; 1975 sechs Mon. Bausoldat; 1976 Rücknahme eines Einstellungsversprechens der AdW wegen Protests gegen die Ausbürgerung  Wolf Biermanns; 1977 – 84 Maschinist in einer Berliner Schwimmhalle; 1980 – 89 Auslandsreiseverbot; 1984 – 89 Ing. im Baubüro des Diakon. Werks; 1985/86 Mitbegr. der IFM; Mithrsg. u. Autor mehrerer illeg. Samizdat-Publ., u. a. »grenzfall« (1986/ 87), »SPUREN. Zur Geschichte der Friedensbew. der DDR« (1988), »Ostkreuz« (1989); maßgebl. beteiligt an der Org. von Kontakten zur osteurop. Opp.; 1989/90 Sprecher der IFM, Vertreter der IFM am Zentr. Runden Tisch; Mitgl. der Arbeitsgr. »Neue Verfassung der DDR«; Febr. – April 1990 Min. ohne Geschäftsber. in der zweiten Reg.  Hans Modrow; März – Okt. 1990 Mitgl. u. stellv. parl. Geschäftsf. der Volkskammerfraktion Bündnis 90/Grüne. 1990 – 98 Abg. des Dt. Bundestags, außenpol. Sprecher der Abg.-Gruppe Bündnis 90 / Die Grünen; Mai 1992 Mitgl. des Bundessprecherrats der Partei Bündnis 90; prominenter Befürworter der Fusion mit den Grünen; 1998 – 2003 Beauftr. der Bundesreg. für Menschenrechte u. humanitäre Hilfe; 2003 – 05 Berater der Heinrich-Böll-Stiftung für Demokratieprojekte in Rußland; Mitgl. des Vorst. der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur; 1979 – 97 verh. mit  Ulrike P.; lebt in Berlin.Gesteinsammlung. Fs. für G. P. Berlin 1991.Jan Wielgohs

Wer war wer in DDR

Porsch, Peter

* 15.10.1944

Geb. in Wien; Volksschule u. Gymnasium in Wien, Abitur; 1962 – 68 Studium der Germanistik, Anglistik u. Politol. in Wien u. 1968 – 72 an der FU Berlin; ab 1970 als IM »Christoph« beim MfS erf.; 1972 Prom.; 1973 Übersiedl. in die DDR; ab 1973 Assistent bzw. Oberassistent an der KMU Leipzig; 1982 SED; 1981 Habil., 1982 Doz. u. ab 1988 ord. Prof. für Dialektol. u. Soziolinguistik am Inst. für Germanistik der KMU; stellv. Vors. der Ges. für Germanistik; Mitgl. im Beirat der Ges. für Sprachwiss. Okt. 1990 – Okt. 2009 Mitgl. des Sächs. Landtags, 1990 – 94 Pressesprecher der Fraktion Linke Liste/PDS; 1990 – 95 u. 1997 – 2001 Landesvors. der PDS Sachsen; 1994 – 2009 Vors. der PDS-Fraktion u. Mitgl. des Präs. des Sächs. Landtags; 2000 – 02 stellv. Bundesvors. der PDS; 2002 – Juli 2007 stellv. Landesvors. der PDS-Sachsen; 2004 fristlose Kündigung als Prof. der Univ. Leipzig, 2005 Umwandl. in ord. Kündigung.Textbeurteilung als Methode zur Erhebung sprachl.-kommunikativer Normen. Leipzig 1981.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Poser, Magnus

* 26.1.1907 – ✝ 14.7.1944

Geboren am 26. Januar 1907 in Jena, Sohn eines Zimmermanns; Tischlerlehre, anschließend Wanderschaft durch die Schweiz, Österreich, Dänemark, Finnland und die Sowjetunion. Mitglied einer sozialdemokratischen Jugendgruppe, trat während des Jugendtages in Gotha im Oktober 1923 mit der Gruppe in die KJD ein. Arbeiter in den Zeiss-Werken in Jena. 1928 Mitglied der KPD. 1929 bis 1933 im Verband proletarischer Freidenker tätig. Nach 1933 zunächst Mitglied der illegalen UB-Leitung von Jena, wurde am 26. November 1933 verhaftet und am 20. April 1934 zu zwei Jahren und vier Monaten Zuchthaus verurteilt. Nach seiner Freilassung wieder Tischler, baute dann in Jena eine Widerstandsgruppe auf. Nach Kontaktaufnahme zu Theodor Neubauer Anfang 1942 gehörte er mit zu den führenden Mitgliedern einer in Thüringen weitverzweigten Widerstandsorganisation, die Verbindungen nach Berlin und Sachsen hatte. Magnus Poser wurde am 14. Juli 1944 an seiner Arbeitsstelle verhaftet und in den Weimarer Marstall, den Gestapositz, überführt. Nach unmenschlichen Folterungen in der Nacht vom 20. zum 21. Juli 1944 versuchte er zu fliehen, wurde aber im angrenzenden Park von fünf Schüssen getroffen und in das Krankenrevier des KZ Buchenwald transportiert, wo Magnus Poser starb. Seine Frau Lydia Poser, geborene Orban (*30.1. 1909 – † 30. 12. 1984), war Stenotypistin, seit 1929 in der KPD. Bis 1933 Mitarbeiterin der BL in Jena und Erfurt, übernahm im Frühjahr 1933 die Funktion einer Orgleiterin im UB Jena, wurde aber schon am 26.November 1933 verhaftet und mit Magnus Poser am 20. April 1934 vom OLG Jena zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Im September 1936 heiratete sie Magnus Poser. Bis 1945 Stenotypistin, von 1946 bis 1948 Bürgermeisterin von Jena. Von 1948 bis 1950 Mitglied, 1951 Vorsitzende der Kommission für Staatliche Kontrolle im Land Thüringen. Von 1952 bis 1959 Vorsitzende des Rates des Bezirks Gera.

Wer war wer in DDR

Postler, Erich

* 25.11.1940

Geb. in Märzdorf (Nordböhmen / Matinkovice, Tschechien); Vater Landwirt; Grundschule; Ausb. zum Landwirt; tätig auf dem elterl. Hof; 1962 staatl. gepr. Landwirt; Agrar-Ing. in der LPG »Komsomol« in Fürstenwerder (Krs. Prenzlau); Studium an der Komsomol-HS in Moskau; 1959 – 80 Mitgl. des ZR der FDJ; 1961 SED; 1963 – 65 Sekr., 1965 – 69 1. Sekr. der FDJ-BL Schwerin (Nachf. von Franz Schepanski); 1969 Sekr. für Landjugend des ZR der FDJ; 1976 – 80 2. Sekr. des ZR der FDJ (Nachf. von  Wolfgang Herger); 1976 – 89 Mitgl. des ZK der SED; 1981 – 89 2. Sekr. der SED-BL Schwerin (Nachf. von  Bruno Lindemann); Nov. 1989/90 1. Sekr. der SED-BL Gera (Nachf. von  Herbert Ziegenhahn); Dez. 1989 Mitgl. des Arbeitsaussch. zur Vorbereitung des außerord. SED-Parteitags. Seit 1990 in versch. linkssoz. Initiativen engagiert, u. a. im Solidaritätsbereich.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Potthoff, Gerhart

* 9.5.1908 – ✝ 25.9.1989

Geb. in Frankenthal (Sachsen); Vater ev. Pfarrer; 1927 – 32 Studium des Bauingenieurwesens an der TH Dresden; 1932 – 35 Ausbildung zum Reg.-Baumstr. bei der Reichsbahndirektion (RBD) Dresden; 1935 – 45 Wiss. Mitarb. bei der RBD Dresden bzw. Dezernent bei der RBD Oppeln; 1938 Prom. u. 1942 Habil. an der TH Berlin zur Eisenbahn-Betriebstechnik; 1945 als Eisenbahner in Uniform in sowj. Gefangenschaft geraten. Nov. 1949 Rückkehr nach Dresden; 1950 Prüfstatiker bei der RBD Dresden; 1950 – 52 Prof. für Betriebstechnik der Verkehrsmittel an der Fak. für Verkehrswiss. der TH Dresden u. 1952 – 73 an der aus ihr hervorgegangenen HS für Verkehrswesen »Friedrich List« Dresden; hier 1952 – 56 u. 1962 – 66 Dekan der Fak. für Verkehrstechnik; 1952 – 60 Prorektor für Forschungsangelegenh.; 1969 – 72 Dir. der Sekt. Techn. Verkehrskybernetik; 1965 Ehrenprom. der TU Budapest; 1978 Ehrensenator der Dresdener HS; gest. in Dresden. Begr. einer eigenständ. Verkehrsing.-Ausbildung u. Mitbegr. der HS in Dresden; Lehr- u. Forschungstätigkeit zu Betriebstechnik der Verkehrsmittel auf Schiene u. Straße, zu Fern- u. städt. Nahverkehr sowie innerbetriebl. Transport in determinist. u. stochast. Betrachtungsweise; veröff. zahlr. Aufsätze in Fachztschr. des In- u. Auslands sowie zehn Monogr.; G. P.s Hauptwerk »Verkehrsströmungslehre« (5 Bde.) war die erste zusammenhängende Darstellung zu dieser Thematik im dt. Sprachraum.G. P. – ein Leben für die Verkehrswiss. Dresden 1991.Dieter Preuß

Handbuch Deutsche Kommunisten

Prange, Fritz

* 2.2.1895

Geboren am 2. Februar 1895 in Berlin; Arbeiter. Seit 1920 Mitglied der KPD, war in der Partei in Berlin-Wedding aktiv. Prange gehörte 1930 dem zentralen AM-Apparat an und mußte deswegen Anfang 1931 in die Sowjetunion flüchten. Dort leitete er das Traktorenwerk in Tscheljabinsk. Im Oktober 1937 vom NKWD verhaftet, ist Fritz Prange später im Gulag umgekommen. Seine Frau Valentine Prange (* 3. 3. 1896 – † 4. 1. 1970) war Köchin und gehörte der KPD seit 1922 an. Sie war mit ihrem Mann 1931 in die Sowjetunion emigriert und wurde dort ebenfalls 1937 verhaftet, überlebte und konnte 1956 in die DDR ausreisen. Beider Tochter Ruth Prange (* 1921) wurde zusammen mit dem Vater verhaftet und kam wie er im Gulag ums Leben.

Wer war wer in DDR

Preiß, Manfred

* 22.10.1939

Geb. in Wernigerode; Vater Angestellter; 1946 – 54 Grundschule in Wernigerode; 1954 – 57 Ausbildung u. 1957 – 61 tätig als Lokomotivschlosser beim RAW in Blankenburg; 1961 – 64 Studium an der Ing.-Schule für Maschinenbau u. Elektrotechnik Magdeburg, Technologe; 1964 LDPD; 1964 – 68 Technologe im RAW Blankenburg; 1968 Ing. für Arbeitsschutz an der FSU Jena; 1968 – 70 Sicherheitsing. in der Zellstoff- u. Papierfabrik Blankenstein; 1971 – 84 wieder Technologe im RAW Blankenburg, dann Sicherheitsing. im Metall-Leichtbau-Kombinat Blankenburg; 1970 – 79 Abg. u. Mitgl. des Rats der Stadt Blankenburg; 1978 – 84 Fernstudium Jura an der HU Berlin, Dipl.-Jur.; 1981 – 90 Mitgl. des Sekr. des Bez.-Vorst. Magdeburg der LDPD; Abg. des Bez.-Tags; 1986 – 90 stellv. Vors. des Rats des Bez. u. Ltr. der Abt. Wohnungspol. u. -wirtschaft; Jan. – April 1990 Staatssekr. im Min. für örtl. Staatsorgane; 12.2.1990 Mitgl. des Bunds Freier Demokraten, später FDP; 12.4.1990 – 2.10.1990 Minister für Regionale u. Kommunale Angelegenh. Okt. 1990 Wahl in den Landtag Sachsen-Anh., Verzicht auf das Mandat; 1991 – 93 Gesamtgebietsltr. einer Autoservicefirma aus Braunschweig in den neuen Bundesländern; Dez. 1993 – Okt. 2004 Sicherheitsing. bei Firmen in Magdeburg; Rentner.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs