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BioLex

In der Kategorie BioLex sind drei wichtige Lexika mit über 5500 Biografien von überzeugten Kommunistinnen und Kommunisten, Renegatinnen und Dissidenten im Volltext recherchierbar.

 

Das Handbuch „Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945“ wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam.

Kurzbiografien zu Personen des politischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 bereit.

Zudem ist das Online-Lexikon www.dissdenten.eu ebenfalls auf unserer Seite aufrufbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Informationen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Rauchfuß, Wolfgang

* 27.11.1931 – ✝ 15.8.2005

Geb. in Grüna (Krs. Chemnitz); Vater Arbeiter; Volksschule; 1946 FDJ; 1946 – 49 Ausbildung u. Tätigkeit als Mechaniker; 1949/50 hauptamtl. Instrukteur des FDJ-LV Berlin; 1951 SED; ab 1950 Außenhandelsfunktionär; 1952 Besuch der FS für Außenhandel; anschl. Verkaufsleiter im DIA Feinmechanik / Optik; 1957 – 59 stellv. GD von Polygraph-Export; 1958 – 63 Fernstudium an der HfÖ Berlin, Dipl.-Wirtsch.; 1960 GD von Büromaschinen-Export; 1961 – 65 stellv. Minister bzw. Staatssekr. im Min. für Außen- u. Innerdt. Handel; Dez. 1965 – 89 stellv. Vors. des Min.-Rats; 1967 – 89 Mitgl. des ZK der SED, Nov. – Dez. 1989 des PB u. des Sekr. des ZK der SED; 1967 – März 1990 Abg. der Volkskammer; 1974 – 89 Minister für Materialwirtschaft (Nachf. von  Manfred Flegel); Ltr. der Zentr. Energiekommission beim Min.-Rat, sowie des dt.-ungar. u. des dt.-jugosl. Wirtschaftskomitees; 1979 VVO; 7.11.1989 Rücktritt mit der Reg.  Willi Stoph; Nov. 1989 – März 1990 Staatssekr. in der Reg.  Hans Modrow; ab März 1990 Mitarb. der Treuhandanstalt bzw. zeitw. Beauftr. des »East German Investment Trust«; gest. in Grüna.Reserven erschließen – wie u. wo. Berlin 1975.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Rebling, Eberhard

* 4.2.1911 – ✝ 2.8.2008

Geb. in Berlin-Mariendorf; Vater Offz.; Realgymnasium, Abitur; während der Schulzeit Klavierunterricht bei Prof. Lydia Lenz; ab 1924 Konzerte als Solist; 1930 – 35 Studium der Musikwiss. an der Friedrich-Wilhelm-Univ. Berlin (b. Arnold Schering, Kurt Sachs, Erich M. Hornborstel); 1934 Prom. zum Dr. phil. in Berlin über »Die soziolog. Grundlagen der Stilwandlung der Musik in Dtl. um die Mitte des 18. Jh.«; während des Studiums u. danach Auftritte mit Klavierkonzerten meist von zeitgenöss. Komponisten in zahlr. europ. Ländern; 1936 Emigr. in die Niederl.; 1940 – 45 dort illeg. pol. Arbeit u. beteiligt an Rettungsaktionen für untergetauchte Juden; 1944 verhaftet, zum Tode verurteilt u. geflohen. 1946 – 59 Mitgl. der KP der Niederl.; Reisen in Europa u. Asien (als Begleiter der Sängerin u. seiner Ehefrau  Lin Jaldati); 1952 Übersiedl. in die DDR; mit Lin Jaldati verbreitete er das jidd. Lied in der DDR; 1952 – 59 Chefred. der Ztschr. »Musik u. Ges.«; 1954 NP; 1959 – 71 Prof. u. Rektor an der HS für Musik »Hanns Eisler« in Berlin (Nachf. von  Georg Knepler); 1960 SED; seit 1963 Abg. der Volkskammer; 1970 – 91 DAK/AdK; Mitgl. des Forschungsrats für musikal. Berufsausbildung beim Min. für Kultur; Mitgl. des Friedensrats u. des Präsidialrats des KB; 1972 VVO; 1981 Stern der Völkerfreundschaft; 1986 KMO. 1990 PDS; 2007 Ehrung in Yad Vashem als »Gerechter unter den Völkern«; gest. in Königs Wusterhausen.Die Verbürgerlichung der dt. Kunst, Lit. u. Musik im 18. Jh. (Ps. E. Gerhard, mit L. Balet) Frankfurt (Main) 1972/73; Ballett – Gestern u. heute. Berlin 1957; Tanz der Völker. Berlin 1972; Die Tanzkunst Indonesiens. Berlin 1989; Sag nie, du gehst den letzten Weg. Erinnerungen. Berlin 1986, erw. Auflage Marburg 1995 (Biogr., zus. mit L. Jaldati). Hermsdorf, K. et al.: Exil in den Niederlanden u. Spanien. Leipzig 1981.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Redlich, Paul

* 17.1.1893 – ✝ 3.3.1944

Geboren am 17. Januar 1893 in Braunschweig; Lehre und Arbeit als Maler. Übersiedlung nach Brandenburg/Havel. 1914 bis 1918 Kriegsdienst. Wegen eines Augenleidens Aufgabe des Malerberufs, Angestellter bei der Reichsbahn in Brandenburg, hier Mitglied des Betriebsrates am Hauptbahnhof Brandenburg/Havel. Ab 1920 Mitglied und Funktionär der KPD in Brandenburg, zeitweise Polleiter des UB Brandenburg, von 1924 bis Januar 1932 Stadtverordneter, 1926 Wahl zum 2. Vorsteher der Stadtverordnetenversammlung. Er war von 1925 bis 1929 Abgeordneter des Brandenburgischen Provinziallandtages, ab 1927 unbesoldeter Stadtrat in Brandenburg, Ein Disziplinarverfahren führte 1929 zu seiner Amtsenthebung. Im September 1930 wurde Redlich im Wahlkreis Potsdam in den Reichstag gewählt, dem er bis März 1933 als Abgeordneter angehörte. Er war zeitweise auch Gauleiter des Einheitsverbandes der Land- und Forstarbeiter für den Bezirk Brandenburg und gehörte der Reichsleitung der RGO-Industriegruppe der Land- und Forstarbeiter an, er lebte in Berlin. Am 26. Februar 1933 verhaftet, saß er bis zum 25. Januar 1934 in »Schutzhaft« im KZ Sonnenburg. Danach wieder in Berlin wohnhaft, Anfang 1944 zog er nach Brandenburg/Havel. Paul Redlich starb am 3. März 1944 an den Folgen der Haft (Tuberkulose und Magenleiden).

Wer war wer in DDR

Regler, Fritz

* 9.3.1901 – ✝ 25.8.1976

Geb. in Wien; Vater Bankbeamter; 1912 – 20 Karl-Ludwig-Gymnasium in Wien, Matura; 1920 – 24 Studium der Physik u. Math. an der Univ. Wien, dort 1924 Prom.; anschl. Industrietätigkeit bei Siemens u. Halske Wien; 1925 – 28 Ltr. des Laboratoriums der Fa. für Röntgen- u. elektromedizin. Apparate Ing. Ludwig Schulmeister Wien; 1929 – 41 Gründer u. Inh. der »Staatl. autorisierten Versuchsanstalt für röntgentechn. Materialuntersuchungen« in Wien; 1933 Habil. u. Privatdoz. für angew. Physik an der TH Wien; 1928 – 32 Mitgl. der Christlichsozialen Partei Österreichs; 1941 Doz. mit Lehrauftrag für angew. Physik u. Ltr. des Röntgen-Inst. der Bergakad. Freiberg, dort 1942 außerplanmäßiger Prof. für Physik. 1945 ord. Prof. für Physik u. Dir. des Physikal. Inst., 1945 / 46 Rektor der Bergakad. Freiberg (Nachf. von Heinz Uhlitzsch), 1946 – 47 in Vertretung Ltr. des Inst. für Elektrotechnik; 1947 – 71 ord. Prof. u. Dir. des Inst. für Experimentalphysik der TH Wien, 1958 / 59 Rektor; 1954 Mitgl. der Österreichischen AdW; 1962 Großes Silbernes Ehrenzeichen für Verdienste um die Rep. Österreich; 1973 Österreich. Ehrenkreuz für Wiss. u. Kunst; 1976 Ehrenmitgl. der Österreich. Physikal. Gesell.; gest. in Wien. Hauptarbeitsgebiete: Angew. Physik, insb. medizin. u. techn. Röntgenkunde; Untersuchungen der zerstörungsfreien Werkstoffprüfung mit Röntgenstrahlen; über 90 wiss. Veröff.Grundzüge der Röntgenphysik. 1937; Verformung u. Ermüdung metallischer Werkstoffe im Röntgenbild. 1939. Hittmair, O.: Nachruf. In: Elektrotechnik u. Maschinenbau (Zeitschrift des Elektrotechnischen Vereins in Wien), (1976) 11; Verband der Freunde u. Förderer der TU Wien (Hrsg.): Sonderausgabe zur Festveranstaltung zum 100. Geburtstag von Prof. F. R. am 9. März 2001; Lauterbach, W.: F. R. In: Mitteilungen des Freiberger Altertumsvereins (2003) 92.Roland Volkmer

Handbuch Deutsche Kommunisten

Rehbein, Karl

* 14.10.1885 – ✝ 3.3.1956

Geboren am 14. Oktober 1885 in Hanau; lernte Goldschmied. 1902 Mitglied der Gewerkschaft und 1905 der SPD. In Hanau gehörte er zum Kreis um den Arzt Dr. Georg Wagner. Dadurch kam er während des Krieges zur Spartakusgruppe, die dort einen ihrer Hauptstützpunkte hatte. Nach dem Weltkrieg wurde Rehbein Sekretär des Deutschen Metallarbeiterverbandes in Hanau. Seit Gründung Mitglied der KPD, Delegierter des Vereinigungsparteitages mit der USPD im Dezember 1920. Bei der KAG-Krise 1921 neigte der Kreis um Dr. Wagner Paul Levi zu. Rehbein protestierte gegen den Ausschluß Levis, blieb aber in der Partei. 1924 wurde Rehbein in den Preußischen Landtag gewählt, und obwohl er zum rechten Flügel der Partei zählte, auch 1928 wieder Landtagsabgeordneter. Nach der Wittorf-Affäre im Dezember 1928 als Rechter aus der Partei ausgeschlossen. Mitbegründer der KPO, im April 1929 trat er jedoch zur SPD über, für die er auch sein Landtagsmandat weiterführte. Im DMV Hanau bestand seit 1919 eine KPD-Mehrheit, durch Rehbeins Übertritt fiel diese Mehrheit an die SPD. Rehbein blieb, in Hanau sehr populär, Sekretär des DMV. 1932 kam er für die SPD erneut in den Preußischen Landtag, im Mai 1933 legte er sein Mandat nieder. Von 1933 bis 1936 war Rehbein erwerbslos und mußte mit einer Unterstützung von 13,50 Mark seine fünfköpfige Familie ernähren. 1936 verhaftet, war er bis 1940 im KZ Sachsenhausen. Nach dem 20. Juli 1944 erneut festgenommen, kam er ins KZ Dachau, aus dem er 1945 befreit wurde. Durch eine Proklamation der Alliierten Militärregierung am 1. April 1945 zum Polizeidirektor von Hanau ernannt. Die Stadtverordnetenversammlung wählte Rehbein – der sich 1945 wieder der SPD angeschlossen hatte – am 18.Juli 1946 zum Oberbürgermeister der Stadt Hanau. Beide Ämter behielt er zehn Jahre lang. Karl Rehbein starb am 3. März 1956. Bei der Totenfeier wurde Rehbein als »Vater der Stadt« gerühmt und die Vertreter aller Parteien (SPD, CDU, FDP, BHE und auch die KPD) fanden lobende Worte für den Verstorbenen. Jochen Reibeling veröffentlichte 2003 einen biographischen Artikel über Karl Rehbein.

Wer war wer in DDR

Rehfeldt, Robert

* 5.1.1931 – ✝ 28.9.1993

Geb. in Stargard (Pommern / Stargard Szczeciński, Polen); 1933 Tod des Vaters, aufgew. bei Pflegeeltern, dann bei der Mutter in Berlin u. 1940 – 45 in Bad Ischl (Österreich); Volkssturm; Desertion bei Kriegsende. 1945 Berlin; Transportarb. u. Steinmetz; daneben Tätigkeit im Antifa-Jugendaussch.; Besuch der Kunstschule des Westens in Berlin-Lichterfelde, nach Ablehnung an der Kunst-HS Berlin-Weißensee 1948 – 53 Studium an der HS für Bildende Künste in Berlin-Charlottenburg u. a. b. Willy Robert Huth, Wolf Hoffmann u. Alexander Camaro, Besuch von Vorlesungen zur Kunstgeschichte bei Will Grohmann; nach 1953 versch. Gelegenheitsarbeiten in Berlin (Ost), u. a. als Hilfsgrafiker, Pressezeichner, Bildjournalist; dann freischaff. Künstler; gehörte in den 50er Jahren zu einer Gruppe experiment. Künstler (Ingo Kirchner, Hanfried Schulz, Dieter Tucholke), nach 1961 illeg. Org. von Ausstellungsbeteiligungen für diese Künstler; ab 1972 Ltr. des Kreativstudios »Palette Nord« in Berlin-Pankow, dort wichtiger Anreger u. Vermittler der Kunst der westeurop. Moderne (z. B. Joseph Beuys’) für den künstler. Nachwuchs; 1972 in der Bundesrep. Dtl. irrtüml. Verhaftung als mutmaßl. Mitgl. der RAF; 1975 Gründungsmitgl. der Galerie Arkade Berlin (mit  Klaus Werner); Teiln. an zahlr. internat. Grafikbiennalen. R. R. experimentierte in versch. künstler. Techniken, auch als Filmemacher u. Visueller Poet, initiierte durch die Mail Art zahlr. internat. Kontakte u. förderte die Ausweitung der Mail Art nach Osteuropa; er trug wesentl. zum Entstehen einer aktiven Mail-Art-Szene in der DDR bei u. war an wichtigen Ausstellungen in Europa u. Übersee beteiligt. Ausstellungen: Ateliergem. Erfurt, 1973; Galerie Siegmundshof Berlin (West), 1974; Galerie Arkade Berlin, 1975; Galerie Club der Intelligenz Budapest, 1976; Galerie am Prater, 1980; Leonhardi-Museum, 1987; Galerie Johannes Zielke Berlin, 1991.Walter, J.: R. R.s Postkunst. In: Ders. (Hrsg.): Mir scheint, der Kerl lasiert. Berlin 1978; Staeck, K.: Von J. Heartfield zur Mail Art. In: Kunst in der DDR. Hrsg. von E. Gillen u. R. Haarmann. Köln 1990; Kat. R. R. Galerie vier u. Galerie Johannes Zielke, Berlin 1991 (Bibl.); Eugen B.: J. Beuys u. die DDR – der Einzelne als Politikum. In: Muschter, G., Thomas, R. (Hrsg.): Jenseits der Staatskultur. München, Wien 1993; Eugen, B.: Ich dachte gerade daran, woran sie gar nicht dachten, wenn ich daran denke. Der Kunstarb. R. R. In: neue bildende kunst (1993) 6.Anke Scharnhorst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Reich, Jakob (Thomas)

* 23.5.1886 – ✝ 15.3.1955

Geboren am 23. Mai 1886 in Lemberg. Schon während der Schulzeit gehörte er einer sozialistischen Schülervereinigung an, übersiedelte mit 19 Jahren nach Warschau und war in einer illegalen sozialistischen Kampforganisation. Reich beteiligte sich am Aufbau illegaler Druckereien, angeblich auch an Attentaten, u. a. auf den Warschauer Gouverneur. Nach der Niederlage der Revolution von 1905 über Deutschland in die Schweiz emigriert, leitete er in Zürich ein chemisches Labor und experimentierte auch mit Sprengstoff. Von 1906 bis 1912 Pädagogikstudium und Mitarbeiter mehrerer sozialistischer Blätter sowie Mitbegründer der Zeitschrift »Wolna Szko?a« (»Die Freie Schule«). Mitglied der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz, 1914/15 Angehöriger der österreichischen Armee, aus Gesundheitsgründen (Herzkrankheit) entlassen, ging zurück nach Zürich und wurde Lehrer. Unter den Parteinamen James Gordon, James Reich und Thomas (unter letzterem am bekanntesten) arbeitete er in internationalen sozialistischen Jugendorganisationen und hatte enge Kontakte zu russischen Emigranten u. a. zu Grigori Sinowjew. Er stand auf Seiten der Bolschewiki, war Mitarbeiter und faktischer Pressesprecher der diplomatischen Vertretung Sowjetrußlands in der Schweiz. Wegen seines aktives Engagements für die Bolschewiki – er war u. a. Gründer eines Verlages, der die Schriften Wladimir I. Lenins, Karl Radeks und Leo Trotzkis in deutsch herausgab – von der Schweizer Regierung vorübergehend verhaftet, verließ Reich im Januar 1919 die Schweiz und ging nach Moskau. Hier war er mitbeteiligt am Gründungskongreß der Komintern. Unter seinem Parteinamen James Gordon bzw. Thomas reiste er anschließend im Auftrag von Sinowjew nach Berlin und baute das Westeuropäische Sekretariat (WES) der KI auf. Mitglieder des WES waren u. a. Paul Levi, August Thalheimer, Willi Münzenberg und als Kassierer Eduard Fuchs. Reichs Sekretärin, Ruth Österreich-Jensen, war seine zeitweilige Lebensgefährtin (* 6. 6. 1894). Sie war seit 1912 in der SPD und seit Gründung in der KPD. Sie heirateten und bekamen eine Tochter. Ab 1925 arbeitete Ruth Österreich in der sowjetischen Handelsvertretung in Berlin. Da sie den ultralinken Kurs der KPD und der Komintern ablehnte, wurde sie im Mai 1929 aus der KPD ausgeschlossen und verlor ihre Stellung in der sowjetischen Handelsvertretung. Sie ging zur KPO, wurde 1931 Mitglied der SAPD, emigrierte 1933 nach Prag und schloß sich der sozialistischen Gruppe »Neu Beginnen« an. Ruth Österreich, die Kontakte zu Karl Retzlaw (Gröhl), einem ehemaligen Mitarbeiter des Nachrichtendienstes der KPD hatte, sammelte wichtige, vor allem militärische Nachrichten aus Deutschland und leitete sie weiter. Seit Dezember 1939 in Brüssel, bemühte sie sich, weitere militärische Informationen über die Kriegsvorbereitungen aus Deutschland zu bekommen. Am 24. April 1941 wurde Ruth Österreich in Brüssel verhaftet, am 18. Februar 1943 vom VGH wegen »Vorbereitung zum Hochverrat, Feindbegünstigung und Wehrkraftzersetzung« zum Tode verurteilt und am 25.Juni 1943 in Berlin-Plötzensee hingerichtet. 2011 veröffentlichte Birgit Schmidt eine biografische Skizze über Ruth Oesterreich. Über Jakob Reich (Genosse Thomas) wurden 1919/20 nicht nur immense Komintern-Gelder an die kommunistischen Parteien in Westeuropa transferiert, sondern die Komintern-Spitze auch mit Literatur, Zeitschriften und Zeitungen in zwei eigens gecharterten Flugzeugen versorgt. Er organisierte den Aufbau des KI-Verlages Carl Hoym und eröffnete ein legales Büro in Hamburg und ein illegales in Berlin. Hier waren Ruth Österreich und Werner Rakow (Felix Wolf) beschäftigt. Als »rechte Hand« von Reich-Thomas galt die Russin »Genossin Fritzmann«, die unter dem Namen Hertha Sturm wirkte, tatsächlich handelte es sich um Jelena Stassowa. Da Reich-Thomas eine Art Geheimberichterstattung über die Lage in der KPD durchführte, gab es ständige Konflikte zwischen ihm und der KPD-Zentrale. Formal wurde das WES 1920 aufgelöst, er führte es aber weiter, und die KPD-Spitze beschwerte sich darüber bei allen Instanzen in Moskau. Zusätzlich kam es zwischen Reich-Thomas und dem Leiter der Budget-Kommission der Komintern, Ossip Pjatnitzki, zum Streit über die Verwendung der Gelder. Dies veranlaßte die IKK, gegen Thomas ein Verfahren einzuleiten. Er mußte sich 1925 in Moskau verteidigen und durfte durch Fürsprache von Radek und Sinowjew wieder nach Deutschland. Reich lebte dann legal unter dem Namen Rubinstein in Berlin-Reinickendorf, publizierte 1928 als Herausgeber unter seinem Parteinamen J. Thomas mit anderen bekannten kommunistischen Intellektuellen die »Illustrierte Geschichte der Russischen Revolution« und ein Jahr später die »Illustrierte Geschichte des Bürgerkrieges in Rußland«. Reich-Thomas verließ 1931 die KPD und schloß sich der SAP an. Nach 1933 emigrierte er – als Jude und Kommunist doppelt gefährdet – nach Prag, später in die USA. Er hielt Verbindung zu ehemaligen Mitkämpfern, z. B. besuchte er noch 1951 Franz Pfemfert in Mexiko. Jakob Reich-Rubinstein, der zuletzt mit der Psychoanalytikerin Annie Reich, geborene Pink (* 9. 4. 1902 - † 5. 1. 1971) verheiratet war, starb am 15. März 1955 in New York City. Alexander Watlin und Markus Wehner veröffentlichten 1993 in der IWK über Jakob Reich einen biographischen Aufsatz. Jakob Reich war in erster Ehe mit Berta Reich, geborene Brutzkus (* 1. 5. 1887 – † 12. 8. 1965), verheiratet. Die in Polzangen bei Memel geborene Tochter einer jüdischen Familie studierte ab 1904 in der Schweiz Medizin und promovierte 1912. In Zürich wurde ihre gemeinsame Tochter Hanna (* 8. 4. 1914 – † 17. 3. 1992) geboren. Bis 1915 Kinderärztin an der Universitätsklinik Zürich, von 1915 bis 1918 Ärztin in einem Flüchtlingslager in Österreich. Von 1920 bis 1931 Ärztin in Berlin, ab 1924 bei der sowjetischen Handelsvertretung. 1929 trat sie in die KPD ein und ging 1931 als Spezialistin in die Sowjetunion, arbeitete bis 1943 im Ministerium für Gesundheitswesen. 1949 Rückkehr nach Deutschland.

Wer war wer in DDR

Reichardt, Hans

* 2.4.1908 – ✝ 4.4.1991

Geb. in Altenburg; 1926 – 34 Studium der Mathematik u. Physik in Jena, Königsberg, Berlin (u. a. bei Issai Schur), Hamburg u. Marburg; 1932 Prom. mit einer Arbeit auf dem Gebiet der Algebra bei Helmut Hasse in Marburg, hier 1934 St.-Ex.; Assistent an der Univ. Frankfurt (Main), 1935 an der Univ. Jena, 1937 an der Univ. Leipzig; 1939 hier Habil. u. Doz.; ab 1943 wiss. Mitarb. bei der Telefunken AG in Berlin. Als Spezialist nach dem Krieg zu Reparationsarbeiten herangezogen; 1946 – 52 in der UdSSR an der Raketenentw. beteiligt; 1952 Rückkehr; Prof. u. Dir. des ersten Mathemat. Inst. an der HU Berlin; ab 1959 Ltr. der Forschungsgr. Zahlentheorie u. zeitw. im Direktorat des Inst. für reine Mathematik der DAW; 1961 VVO; 1961 u. 1966 NP; 1962 Korr. u. 1964 Ord. Mitgl. der DAW; Mitgl. der Leopoldina Halle; gest. in Berlin. Arbeitsgebiete: Algebra, bes. Theorie der algebraischen Zahlen u. Funktionen; Differentialgeometrie; Geschichte der Mathematik; Autor, Hrsg. u. Red. zahlr. Publ.; ab 1961/62 Mitinitiator der mathemat. Schülerolympiaden u. 1965 mit Heinrich Grell der Gründung der Spezialschule für Mathematik u. Physik »Heinrich Hertz« in Berlin.Annette Vogt

Wer war wer in DDR

Reichel, Käthe

* 3.3.1926 – ✝ 19.10.2012

Geb. in Berlin; Vater Glaser, im KZ Dachau ermordet; Schauspielautodidaktin; ab 1945 am Theater am Schiffbauerdamm in Berlin; Theaterengagement in Greiz, Gotha u. Rostock; 1950 von  Bertolt Brecht ans Berliner Ensemble geholt; wichtige Rollen: 1952 erstmals als Jeanne d’Arc; 1954 als Grusche unter Brechts Regie im Stück »Der kaukasische Kreidekreis« in Frankfurt (Main), 1957 als Shen Te / Shui Ta in  Benno Bessons Inszenierung »Der gute Mensch von Sezuan« in Rostock; 1961 Wechsel ans Deutsche Theater Berlin, u. a. als »Minna von Barnhelm« in der Inszenierung von  Thomas Langhoff; im Film seltener in Hauptrollen: u. a. in »Levins Mühle« (1980, Regie Horst Seemann), »Muhme Mehle« (1980, Regie T. Langhoff), »Die Verlobte« (1980, Regie  Günter Reisch u.  Günther Rücker); 1976 sammelte sie Unterschriften gegen die Ausbürgerung  Wolf Biermanns. Auftritt am 4. Nov. 1989 auf dem Alexanderplatz; 1995 Initiatorin (zus. mit  Heiner Müller) der Aktion »Mütter, versteckt eure Söhne« gegen den Krieg in Tschetschenien, 1996 Preis für »Bürgerrecht u. Menschenwürde«; nach 1990 weiterhin am Deutschen Theater; tritt mit Lit.-Lesungen auf; gest. in Buckow.Windbriefe an den Herrn b.b. Leipzig 2006.Ingrid Kirschey-Feix

Wer war wer in DDR

Reichenbach, Klaus

* 22.9.1945

Geb. in Altenburg (b. Leipzig); Vater Inhaber einer Damenunterwäschefirma; EOS, Abitur; Ausbildung zum Maschinenbauer; ab 1965 Studium der Ingenieurökon. an der Textil-FS Reichenbach (Vogtl.), Ing. für Textiltechnik; Fernstudium der Staats- u. Rechtswiss., 1975 – 80 Fernstudium an der DASR Potsdam, Dipl.-Staatswiss.; 1982 – 86 Jurafernstudium an der HU Berlin, Dipl.-Jur.; 1969 Geschäftsf. der Firma Hermann Reichenbach KG Hartmannsdorf (b. Chemnitz); 1969 CDU; ab 1985 Betriebsltr. bzw. -Dir. des VEB Feinstrickwaren »Goldfasan« Burgstädt u. a. volkseigener Textilbetriebe; 1974 Vors. des CDU-Krs.-Verb. Karl-Marx-Stadt (Land) u. stellv. Vors. des Krs.-Aussch. der NF; ab 1987 Mitgl. des CDU-Hauptvorst., 1988 – 90 Vors. des CDU-Bez.-Verb. Karl-Marx-Stadt; März 1990 Vors. des CDU-Landesverb. Sachsen; März – Okt. Abg. der Volkskammer; April – Okt. Minister im Amt des Min.-Präs.; 2.10.1990 Mitgl. des Präs. der CDU Dtl. Okt. 1990 – 94 Abg. des Dt. Bundestags; 14.9. 1991 Rücktritt vom Amt als sächs. CDU-Landesvors.; Vizepräs. des Nordostdt. Fußball-Verb., 1998 bestätigt; Präs. des Sächs. Fußball-Verb.; Mitgl. des Vorst. des Dt. Fußballbundes; lebt u. arbeitet als Rechtsanwalt in Hartmannsdorf (b. Chemnitz).Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Reimann, August

* 11.4.1895 – ✝ 11.6.1948

Geboren am 11. April 1895 in Striegau; lernte Steinmetz, als Soldat im Weltkrieg an der Front. 1918 Mitglied der USPD, 1920 mit deren linkem Flügel zur KPD. Er übte zunächst in Niederschlesien verschiedene Funktionen aus, u.a. Sekretär der KPD im UB Striegau, dann Orgleiter der BL Schlesien und Orgleiter des RFB, 1925 zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Reimann vertrat bei den Auseinandersetzungen mit den Rechten 1928/29 die Linie des ZK, blieb bis 1931 Orgleiter des Bezirks Schlesien. Anschließend Verlagsleiter der »Arbeiter-Zeitung«, Leiter der IAH und des illegalen RFB in Breslau. 1932 wegen Weiterführung des verbotenen RFB festgenommen. Reimann wurde im Februar 1932 aus der KPD ausgeschlossen und soll in die SAP übergetreten sein. 1933 verhaftet, schwer mißhandelt, er saß längere Zeit im KZ. Nach 1945 kam Reimann nach Sachsen, wurde zunächst Bürgermeister von Bad Brambach und im September 1947 Vorsitzender der SED in Oelsnitz. In einer Charakteristik äußerten Karl Schirdewan und Ernst Wollweber 1947 über Reimann: »August Reimann ist nicht frei vom Hang zur Intrige, jedenfalls ist die Art und Weise, wie er sich auftretende Meinungsverschiedenheiten mit anderen Genossen bewußt macht, nicht frei von starker Subjektivität.« Weihnachten 1947 erkrankt, schied er aus der hauptamtlichen Funktion aus. August Reimann starb am 11. Juni 1948 im Sanatorium Coswig an einem Lungenleiden.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Reimann, Paul

* 12.11.1902 – ✝ 1.11.1976

Geboren am 12. November 1902 in Brünn als Pawel Reiman; besuchte das Gymnasium und studierte von 1921 bis 1923 an der Universität Leipzig. Er war seit 1921 Mitglied der KPD und der Kostufra und gehörte von 1921 bis 1923 deren Reichsleitung an. Reimann trat vor allem bei den kulturpolitischen Debatten der Partei, u.a. in der »Roten Fahne« hervor. 1923 ging er in die Tschechoslowakei zurück, wurde Mitglied der KSâ, Studium an der Deutschen Universität in Prag. Von 1924 bis 1926 Redakteur der âKK (âeskoslovenska kommunisti?cka korespondence), anschließend Chefredakteur des Parteiorgans »Vorwärts« in Reichenberg und Mitglied der dortigen Kreisleitung. Reimann war 1928 als führender deutscher Vertreter der linken (Gottwald)-Fraktion der KPâ auf dem VI. Weltkongreß der Komintern. 1929 wurde er zum Kandidaten des Politbüros gewählt und nach Moskau als Vertreter der KPâ in der Komintern delegiert, Kandidat des EKKI und Kandidat des Politsekretariats des EKKI (von 1929 bis 1931). Zugleich wurde er in die Redaktion der »Kommunistischen Internationale« aufgenommen. Im Januar 1931 aus dem EKKI ausgeschieden wegen rechtsopportunistischen Verhaltens. 1931/32 Chefredakteur des theoretischen Organs der KPâ »Kommunistische Revue« und Leiter der Agitpropabteilung des ZK, wurde aber 1933 wegen rechter Abweichung bei der Einheitsfrontpolitik nach Moskau gerufen und arbeitete dort im EKKI-Apparat. Später wieder im ZS der KPâ, nahm Reimann, einer der Hauptvertreter der linken deutschen Intelligenz in der Tschechoslowakei, nach 1933 aktiv am politischen und kulturellen Leben der reichsdeutschen Emigration teil. Mitarbeiter der »Rundschau«, des »Gegen-Angriffs« u. a. Emigrationsblätter und gehörte 1938/39 dem Nachrichtenapparat der illegalen KPâ an. Er emigrierte im April 1939 über Polen nach Großbritannien und war hier Redakteur des Organs »Einheit«, der Gruppe um den sudentendeutschen KPâ-Funktionär Gustav Beuer (* 24. 2. 1893 – †21.3. 1947). Im Dezember 1945 Rückkehr nach Prag, hier bis 1951 Mitarbeiter des ZK der KPâ, vorwiegend auf dem Gebiet der Kulturpropaganda. Von 1949 bis 1951 Chefredakteur des theoretischen Organs »Nova mysl«. Im Slánsk´y-Prozeß 1952 als Zeuge der Anklage zum Punkt Zionismus herangezogen. Ab 1952 Mitarbeiter, 1955 stellvertretender Direktor und von 1962 bis 1968 Direktor des Instituts für Geschichte der KPâ. Als korrespondierendes Mitglied der tschechoslowakischen AdW und Vorsitzender der Germanistenkommission war Reimann 1963 an der Organisation der Kafka-Konferenz in Libli?ce und der Prager Konferenz über die deutsche Literatur 1965 maßgeblich beteiligt. Hier wurde durch die Neubewertung der humanistischen Traditionen der bürgerlichen Literatur und ihre Integration in die »marxistische« Ideologie eine wichtige Voraussetzung des Prager Frühlings geschaffen. 1968 aktiv in der tschechoslowakischen Erneuerungsbewegung, er gehörte zu den Kritikern der sowjetischen Intervention vom August 1968. Im Mai 1969 noch zum Professor für deutsche Literatur an die Prager Karls-Universität berufen, wurde Reimann 1970 aus der KPâ ausgeschlossen und erhielt Berufsverbot. Seine Bücher wurden aus den Bibliotheken entfernt, aus Protest gegen die DDR, die den Einmarsch in die âSSR unterstützt hatte, gab er den ihm von der Karl-Marx-Universität Leipzig verliehenen Ehrendoktortitel zurück. Paul Reimann starb am 1.November 1976 in Prag. Sein Sohn Michal Reiman (* 1930) Historiker, wurde als Reformer 1970 ebenfalls aus der KPâ ausgeschlossen. Nach Berufsverbot übersiedelte er 1976 in die Bundesrepublik und wurde Professor an der Freien Universität Berlin.

Wer war wer in DDR

Rauls, Wolfgang

* 17.6.1948

Geb. in Rohrsheim (Aue-Fallstein, b. Halberstadt); Vater Transportarb.; Abitur (nach Vorkurs) an der TH Magdeburg; 1967 – 69 Ausbildung zum Elektromonteur, danach im Beruf tätig; 1968 NDPD; 1969 – 73 hauptamtl. Arbeit in der NDPD auf Stadtbez.- u. Krs.-Ebene; 1974 – 79 Fernstudium an der DASR Potsdam, Dipl.-Staatswiss.; 1974 – 79 Stadtbez.-Sekr. in Magdeburg u. Mitgl. des Krs.-Vorst. der NDPD; 1979 – 87 Stadtbez.-Rat für Kultur in Magdeburg-Mitte; 1987/88 Sekr. des Bez.-Vorst. Magdeburg, 1989/90 des Krs.-Verb. Magdeburg der NDPD; Jan. / Febr. 1990 Präs. der Stadtverordnetenvers. Magdeburg; Aug. 1990 Ltr. des Ressorts Inneres der BV-Behörde in Magdeburg; ab 11.2.1990 Vors. der NDPD (Nachf. von  Wolfgang Glaeser); nach dem kooperativen Beitritt der NDPD zum Bund Freier Demokraten am 28.3. dessen Vizevors., nach der Vereinigung mit der FDP im Aug. Mitgl. ihres Bundesvorst.; Mitarb. beim Aufbau der Landesreg. Sachsen-Anh. Okt 1990 – 94 u. 2002 – 06 Abg. des Land- tags Sachsen-Anh.; Nov. 1990 – 94 Min. für Umwelt u. Naturschutz von Sachsen-Anh.; April 1993 stellv. Vors. des FDP-Landesverb. Sachsen-Anh.; Aug. 1991 – 94 Stellv. des Min.-Präs. von Sachsen-Anh. (Nachf. von Gerd Brunner); Bürgermstr. von Wahlitz; seit 2004 Mitgl. des Kreistags Jerichower Land; Stellv. Vors. des Stiftungsrats Umwelt u. Naturschutz; Mitgl. des Vorstands der Stiftung Familie in Not; seit Okt. 2005 Bürgermstr. von Gommern.Helmut Müller-Enbergs

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Reck, Karl-Heinz

* 14.2.1949

Geb. in Magdeburg; 1955 – 65 POS; 1965 – 68 Berufsausbildung zum Landmaschinen-Traktoren-Schlosser, Abitur; 1968 – 72 Studium der Math. u. Physik an der MLU Halle-Wittenberg, Dipl.-Lehrer; 1972 – 91 Lehrer an POS u. EOS in Salzwedel; seit 1985 Fachberater Physik; Jan. 1990 SPD; Mitgl. der Stadtverordnetenvers. Salzwedel; seit 1990 Abg. des Kreistagstags Salzwedel, Vors. der SPD-Frakt. Okt. 1990 – 2006 MdL Sachsen-Anh.; ab 1991 Lehrer am Käthe-Kollwitz-Gymnasium Salzwedel; seit 1993 stellv. Bundesvors. der AG Bildung in der SPD, Mitgl. der Kommission Bildung u. Wiss. beim SPD-Parteivorst.; 1994 – 98 Kultusminister des Landes Sachsen-Anh.; 2008 Austritt aus der SPD.Helmut Müller-Enbergs

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Reed, Dean (Cyril)

* 22.9.1938 – ✝ 12.6.1986

Geb. in Denver, Colorado (USA); Vater Lehrer; OS, Kadettenschule; mit 16 Jahren erste Kompositionen u. Auftritte als Sänger; Studium der Meteorol.; 1958 Schallplattenverträge in Hollywood; 1959 Schauspielunterricht bei Paton Price; 1961 erster Erfolg mit dem Song »Our Summer Romance«; Auftritte in Chile; 1962 offener Brief an eine chilen. Ztg. zur Einstellung der Kernwaffentests (erste pol. Aktivität); 1965 Übersiedl. nach Argentinien; Teiln. am Weltfriedenskongreß in Helsinki, Repressalien u. Verhaftungen aufgrund progressiver Fernsehsendung; 1966 Übersiedl. nach Italien; erste Tournee in der UdSSR; 1970 Ehrengast bei der Amtseinführung des chilen. Präs. Salvador Allende; 1970 u. 1971 Teiln. an der Leipziger Dok.-Filmwoche; 1972 Übersiedl. in die DDR; Mitgl. des Weltfriedensrats (Kulturkommission); 1973 Teiln. an den Weltfestspielen der Jugend u. Studenten; Film »Aus dem Leben eines Taugenichts«; 1974 Film »Kit & Co.«; 1975 Film »Blutsbrüder«; Gastspiele u. Schallplatten in der UdSSR, ČSSR, Bulgarien, Polen, Ungarn u. der Mongolei; 1977 Besuch bei Yasser Arafat; 1978 in den USA zur Aufführung des Films »El Cantor«, Verhaftung wegen Beteiligung an einer Farmer-Demonstration; 1981 Ehe mit  Renate Blume; Film »Sing, Cowboy, sing«; 1986 Drehbuch zu »Bloody Heart«; Suizid, offiz. als »Unglücksfall« bezeichnet.Bräuer, H.-D.: D. R. erzählt aus seinem Leben. Berlin 1980; Eik, J.: Besondere Vorkommnisse – Pol. Affären und Attentate. Berlin 1995; Schrenk, P.: Sängers Fluch. Berlin 1998; Wolter, C.: D. R. – Aus dem Leben eines Taugenichts. Berlin 1998; Ernsting, St.: Der rote Elvis – D. R. oder Das kuriose Leben eines US-Rockstars in der DDR. Berlin 2004.Rainer Bratfisch

Wer war wer in DDR

Rehahn, Arne

* 29.8.1924 – ✝ 14.10.1975

Geb. in Stuttgart; Vater Innenarchitekt, Mutter Lehrerin, pazifist. Elternhaus; 1935 – 42 Schadow-Reform-Realgymnasium in Berlin, Abitur; 1940 – 42 antifa. Arbeit mit frz. Kriegsgefangenen in Berlin-Zehlendorf; Juni – Sept. 1942 RAD; Dez. 1942 freiw. zur Luftwaffe, Ausbildung an versch. Flugzeugführerschulen; März 1945 mit einem Jagdflugzeug desertiert, März/April 1945 Vernehmungslager der Royal Air Force in London, April – Sept. 1945 Antifa-Lager Ascot bei London; Mitarb. der Kriegsgefangenensendungen der BBC. 1945 Rückkehr nach Dtl.; Okt. – Dez. durch die brit. Besatzungsmacht Einsatz beim Nordwestdt. Rundfunk Hamburg; danach Übersiedl. in die SBZ; 1946 KPD/SED; VDP; Jan. – April 1946 Red.-Volontär bei der »Berliner Ztg.«; 1946 – 49 Red. u. Chefred. der Jugendztg. »Start« (zus. mit Hugo Hilb); Mai 1949 Red., später 2. stellv. Chefred. der Ztg. »Neues Dtl.«, Ltr. der pol.-ideolog. Red.; 1951 – 53 Einjahreslehrgang (Fernstudium) an der PHS; 17.6. 1953 Aufenthalt in Polen; 1.9.1953 fristlos entlassen im Zusammenhang mit den Repressalien gegen  Rudolf Herrnstadt; ab Sept. 1953 Mitgl., 1955 – 59 Ltr. der HA II (EVG- u. Gen.-Vertragspol., fasch. Org., bürgerl. Parteien u. Parlamente, Jugendfragen u. Sport) u. stellv. Dienststellenltr. im Aussch. für dt. Einheit; Red. des Schwarzbuchs »Verschwörung gegen Dtl.«; 1955 – 59 externes Studium am IfG; Okt./Nov. 1955 Mitarb. der Beobachterdelegation der DDR-Reg. bei der Genfer Außenmin.-Konferenz; Sonderaufg.; 1959 – 65 Ltr. der Westabt. im ZK der SED; Mitgl. der neugebildeten Westkommission beim PB, verantw. für den Bereich »Entlarvung des Charakters des Bonner Staates«; 1966 Abschl. an der FS für Journalistik; 1966 – 71 Mitarb. im Staatssekr. für westdt. Fragen, ab Jan. 1966 Mitgl. der Ltg. dieses Staatssekr., stellv. Staatssekr.; hier maßgebl. beteiligt an der Hrsg. der Schriftenreihe »Aus erster Hand«, die in der Bundesrep. Dtl. vertrieben wurde; 1968 VVO für »seinen Anteil an der Enthüllung der Kriegsvorber. der westdt. Revanchisten u. Militaristen«; 1971 – 75 wiss. Mitarb., dann HA-Ltr. im IPW; verheiratet mit  Rosemarie R.Warum völkerrechtl. u. nicht »innerdt.«? Berlin 1971.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Rehbein, Gerhard

* 19.5.1926

Geb. in Osterfeld (Thür.); Vater Arbeiter; Volks- u. OS, Lehre bei der Dt. Reichspost; 1944 Wehrmacht, Kriegsgefangenschaft. 1946 Tätigkeit bei der Dt. Post; 1947 SED; Abitur an der ABF Leipzig, 1949 – 51 Studium der Wirtschaftswiss. an der Univ. Leipzig, Dipl.-Wirtsch.; 1951/52 wiss. Assistent bzw. Oberassistent, 1952 Doz. u. Prorektor der DVA »Walter Ulbricht« in Forst-Zinna; Prom. zum Dr. rer. oec., 1955 Wahrnehmungsprof. an HS für Verkehrswesen Dresden, 1956 dort Dir. des Inst. für Ökonomik des Post- u. Fernmeldewesens, 1958 Prof. für Ökon., 1956 – 60 Dekan der Fak. für Ökon. des Transport- u. Nachrichtenwesens, 1960 – 64 Rektor der HS für Verkehrswesen »Friedrich List« Dresden (Nachf. von  Joachim Günther); 1969 NP; 1991 Ruhestand; 1997 – 2004 Mitgl. in der Jury der Vodafone-Stiftung für Forschung; lebt in Dresden.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Rehhahn, Helmut

* 29.8.1947

Geb. in Dabrun (Krs. Wittenberg); Vater u. Mutter Landwirte; 1953 – 61 Grundschule u. POS in Dabrun; 1961 – 65 EOS in Wittenberg, Abitur; Ausb. zum Landwirt in Globig (Krs. Wittenberg); 1966 – 70 Studium der Landw. in Halle u. Leipzig, Dipl.-Agraring.; 1970 – 73 WPU in Rostock, 1973 Prom. in Rostock; 1973 – 79 Prod.-Ltr. in der Jungrinderanlage Seegrehna (Krs. Wittenberg); 1980 – 85 Ltr. der Zentralen Bullenprüfstation Bietegast (Krs. Wittenberg); 1986 – 89 Abt.-Ltr. im VEG Seegrehna; Jan. 1990 SDP in Wittenberg, 1990 – 92 Krs.-Vors. SPD Wittenberg; 1990 – 98 Mitgl. des Gem.-Rats Seegrehna; Mai 1990 – 2006 Mitgl. im Kreistag Wittenberg u. bis 1994 Vors. der SPD-Frakt. Okt. 1990 – 2002 MdL Sachsen-Anh.; Juli 1994 – Mai 1996 Minister für Ernährung, Landw. u. Forsten (Nachf. von  Petra Wernicke); ab 1994 stellv. SPD-Fraktionsvors. im Kreistag Wittenberg; Vorsteher der Gemeindevertretung in Seegrehna, Ltr. des Arbeitskreises Landw. u. Umwelt; Unternehmens- u. Managementberater in Magdeburg; lebt in Bülzig.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Reich, Wilhelm

* 24.3.1897 – ✝ 3.11.1957

(* 1897 – † 1957) Geboren am 24. März 1897 in Dobzau (Dobrzcynica /Galizien), Sohn wohlhabender assimilierter nichtreligiöser Juden. Kurz nach seiner Geburt übersiedelte die Familie in die Bukowina, wo der Vater ein Gut gekauft hatte. Die Mutter nahm sich 1911 das Leben, der Vater starb 1914. Wilhelm war nach dem Besuch des Gymnasiums in Czernowitz von 1916 bis 1918 Frontsoldat (Leutnant) der österreichischen Armee, dann Medizinstudium, 1922 Promotion zum Dr. med. Sechs Jahre lang leitete er als Assistent von Siegmund Freud ein Seminar für psychoanalytische Therapie. Er trat für eine Verbindung von Psychoanalyse und Marxismus ein und veröffentlichte 1929 die Schrift »Dialektischer Materialismus und Psychoanalyse«. 1928 übersiedelte Reich nach Berlin, wurde Mitglied der KPD, gründete die Sex-Pol, die Organisation für Sexualität und Politik, die 40000 Mitglieder gezählt haben soll. Er richtete Sexualberatungsstellen ein, hielt für die KPD öffentliche Vorträge, Grundlage war sein Buch »Die Funktion des Orgasmus« (1927). Reich war als Kommunist bekannt, innerhalb der Partei waren seine Ansichten umstritten. 1933 aus der KPD ausgeschlossen, wurden seine Theorien als entpolitisierend kritisiert. Über Dänemark floh er 1934 nach Oslo und nahm an den Diskussionen zum Charakter des Faschismus teil (»Massenpsychologie des Faschismus«, 1933). Ab 1934 gab er die »Zeitschrift für Politische Psychologie und Sexualökonomie« heraus. 1939 wurde Reich Professor für medizinische Psychologie in New York. Auf seinem Landsitz Orgonon in Maine experimentierte er ab 1942 mit der sogenannten Orgonenergie. Reichs »Orgonakkumulatoren« wurden durch Gerichtsbeschluß 1954 verboten, 1955 sogar die Verbrennung seiner Bücher angeordnet. Zuletzt soll er an Paranoia gelitten haben. 1957 mußte er eine zweijährige Gefängnisstrafe in Lewisburg/Pennsylvania antreten, dort starb Wilhelm Reich am 3. November 1957. Reichs Ideen erlebten dann in der Studentenrevolution nach 1968 eine Renaissance, vor allem seine Theorien zum Faschismus und zur sexuellen Befreiung. 1975 erschienen in Köln seine Ausgewählten Schriften.

Wer war wer in DDR

Reiche, Erwin

* 20.1.1894 – ✝ 22.9.1970

Geb. in Berlin in einer jüd. Fam.; Vater Arzt, Sanitätsrat, Mutter Hausfrau; 1901 – 12 Besuch der Volksschule u. des Kölln. Gymnasiums in Berlin; 1912 – 15 u. 1917 – 21 Studium der Rechts-, Staats-, Lit.- u. Theaterwiss. an der Kaiser-Wilhelm-Univ. Berlin; 1915 – 17 Sold. im Ersten Weltkrieg, Gefr. der Garde-Train-Ersatzabt.; 1921 Gerichtsassessor, Prom. an der Univ. Greifswald; Verfasser expressionist. Dramen (»Der Schrei der Stille«, 1920) u. novellist. Prosa (»Der zuckende Altar«, 1921); 1923 – 33 Rechtsanwalt u. Notar in Berlin (v. a. Urheberrecht u. Sozialversicherung), zugl. Schriftst. u. Theaterkritiker; 1931 / 32 Teiln. an marxist. Kursen des Berliner Clubs der Geistesarbeiter (u. a. bei  Hermann Duncker) u. 1932 / 33 Mitgl. der Ltg. des Clubs; 1931 Heirat mit der Schauspielerin Friedl Nowack; 1931 – 34 als Rechtsanwalt illeg. Arbeit für die RH u. KPD (aus konspirativen Gründen kein Parteieintritt); 1933 Berufverbot aus »rass. Gründen«; Aug. 1934 zus. mit seiner Frau Verhaftung durch die Gestapo im Zusammenhang mit einem Spionagefall, »Schutzhaft« ohne Urteil im Polizeipräs. Berlin-Alexanderplatz; Sept. 1934 Entlassung, anschl. arbeitslos; Dez. 1935 Flucht nach Wien, dort künstl. Ltr. u. Regisseur am »Theater für 49«; Aug. 1937 Emigr. nach Bern; Schriftsteller (»Luginsschweizerland«. Bern 1939) u. Theaterkritiker (»17 Kapitel von Schauspielern u. vom Theater«. Bern 1937); 1944 KPD in der Schweiz; Regional-Ltr. der BFD für die Kantone Bern, Aargau, Solothurn u. Fribourg. Mai 1946 Rückkehr nach Berlin; Mai 1946 – Aug. 1947 Ltr. des Theater-Referats bei der Dt. Verw. für Volksbildung (auf Vorschlag von  Anton Ackermann); Aug. 1947 – Apr. 1948 Chefred. u. Ltr. der Abt. Kulturpol. im Berliner Rundfunk; schwere Erkrankung, Sanatorium; Juli 1948 – Aug. 1949 Aufbau u. Ltg. des Verlags »Werden u. Wirken« in Weimar; Aug. 1949 – März 1950 Theaterkritiker im Thür. Volksverlag bzw. in der SED-Ztg. »Das Volk«; März – Juni 1950 Sanatoriumsaufenthalt; Juni 1950 – Apr. 1956 Chef des Besetzungsbüros u. Dramaturg im Studio für Spielfilme der DEFA; ab 1955 Hrsg. der Werkausgabe  Erich Weinert; seit Mai 1956 freischaff. Schriftst., Theater- u. Fernsehkritiker; Mitgl. im Vorst. des DSV; 1958 Med. für Kämpfer gegen den Faschismus; 1964 VVO; gest. in Berlin.»Dies Blut gehört der Freiheit« (Anthologie, Hrsg.). Berlin 1949; Der Kasematten-Wolff (Hrsg.). Berlin 1950; Aus Funken werden Flammen. Dt. Lesebuch (Hrsg.). Berlin 1955.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Reichelt, Hans

* 30.3.1925

Geb. in Proskau (Krs. Oppeln, Oberschles./ Proszkow, Polen); Mutter Hausnäherin; Volks- u. Oberschule; 20.4.1943 NSDAP (Anwärter); 1943 RAD; 1943 – 45 Wehrmacht, zul. Ltn.; ab 1945 sowj. Kriegsgefangenschaft, Antifa-Schule. 1949 Rückkehr nach Dtl.; DBD; Ltr. der HA Org. im PV; seit 1950 Mitgl. des PV u. des Sekr.; 1955 auch des Präs. des PV der DBD; 1950 – März 1990 Abg. der Volkskammer, u. a. 1971 – 76 stellv. Vors. des Geschäftsordnungsaussch.; 1953 kurzz. Minister für Land- u. Forstw. (Nachf. von  Wilhelm Schröder); dann Besuch der Zentralschule für Agrarpol. des ZK der SED in Schwerin; 1954 Staatssekr. im Min. für Land- u. Forstw.; 1955 – 63 erneut Minister für Land- u. Forstw. (Nachf. von  Paul Scholz); stellv. Vors. des Zentr. Beirats für LPG beim Min.-Rat; 1956 Mitschurin-Medaille (UdSSR); 1959 Mitgl. des ZV der VdgB (BHG); 1963/64 Hochschulstudium, Dipl.-Wirtsch.; 1963 – 67 stellv. Vors. des Landw.-Rats u. Minister, 1966 – 72 Stellv. des Vors. des Landw.-Rats bzw. Rats für landw. Prod. u. Nahrungsgüterwirtschaft u. Vors. des Staatl. Komitees für Melioration beim Landw.-Rat; 1971/72 stellv. Minister für Land-, Forst- u. Nahrungsgüterwirtschaft; 1972 Prom. an der HfÖ Berlin mit einer Diss. zur Rolle des Meliorationswesens; VVO; Vizepräs. des KB; März 1972 – Nov. 1989 Stellv. des Vors. des Min.-Rats u. Minister für Umweltschutz u. Wasserwirtschaft (Nachf. von  Werner Titel); Vors. der DDR-Sekt. des Wirtschaftsaussch. DDR – Mongolei u. KVDR sowie des Komitees für wirtschaftl. Zusammenarbeit DDR – Kuwait; 1973 Roter Arbeitsbannerorden (Mong.); 1982 stellv. Vors. der DBD; 18.11.1989 – 11.1.1990 Minister für Naturschutz, Umweltschutz u. Wasserwirtschaft in der Reg.  Hans Modrow; Dez. 1989 als Mitgl. des Präs. u. stellv. Vors. der DBD zurückgetr., kandidierte auf dem a. o. Parteitag am 27./28.1.1990 nicht mehr für den neuen PV u. beteiligte sich nachf. nicht an der Fusion von DBD u. CDU; parteilos; 1990 Altersrentner. 1994 – 2003 Vors. der Ges. zur rechtl. u. humanitären Unterstützung (in den neuen Bundesländern).Die Landw. in der ehem. DDR. Hamburg, Berlin 1992 (Berichte über Landw., Bd. 70); Blockflöten, oder was? Zur Geschichte der DBD 1948 – 90. Berlin 1997; Die dt. Kriegsheimkehrer. Was hat die DDR für sie getan? Berlin 2007. Klemm, V.: Korruption u. Amtsmißbrauch in der DDR. Stuttgart 1991 (Anhörung von H. R. durch den Untersuchungsaussch. der Volkskammer am 18.1.1990).Siegfried Kuntsche

Handbuch Deutsche Kommunisten

Reichert, Minna

* 22.9.1869 – ✝ 3.4.1946

Geboren am 22. September 1869 im schlesischen Nieder-Bielau als Minna Fettke, Tochter einer Arbeiterfamilie. Bereits vor dem Weltkrieg unter dem Namen Reichert im sozialdemokratischen Frauenverein Berlin aktiv, 1906 Funktionärin im 6. Groß-Berliner SPD-Wahlkreis, ab 1914 im SPD-Zentralvorstand Groß-Berlin. 1915 nahm Minna Reichert an der »Zimmerwalder Konferenz« teil und wurde 1917 Mitglied der USPD. Sie setzte sich für den Anschluß an die Komintern und die Verschmelzung mit der KPD ein und war von Oktober bis Dezember 1920 in der Kontrollkommission der USPD (Linke). Im Dezember 1920 Mitglied der VKPD und ab Frühjahr 1921 hauptamtliche Sekretärin für Frauenarbeit im KPD-Bezirk Halle-Merseburg. Minna Reichert gehörte von Juli 1920 bis Anfang 1921 für die USPD der Preußischen Landesversammlung (als Nachrückerin für den in den Reichstag gewählten Kurt Rosenfeld) an. Sie blieb bis 1933 Referentin und Instrukteurin des ZK der KPD, u. a. in Mecklenburg. Nach Kriegsende wohnte sie in Berlin-Heiligensee. Minna Reichert starb am 3. April 1946 in Berlin.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Reimann, Else

* 6.9.1893 – ✝ 6.9.1975

Geboren am 6. September 1893 in Barleben/Krs. Wolmirstedt als Else Drähne, Tochter eines Malermeisters. Von 1908 bis 1913 Dienstmädchen in Magdeburg, danach Arbeiterin. 1914 trat sie der SPD bei, war später Putz- und Waschfrau. 1917 Hauptkassiererin der USPD in Magdeburg. Gemeinsam mit den Delegierten Albert Wildt und Ernst Kindl nahm sie als Gast am Gründungsparteitag der KPD 1918 in Berlin teil. Sie war 1919 Mitglied der KPD und nahm 1920 am Frauenkongreß in Mannheim teil. Nach dem II. Parteitag 1919 in Heidelberg verließ sie unter dem Einfluß Karl Plättners die KPD und blieb bis 1923 Mitglied der KAPD, danach unorganisiert. 1945 wurde sie Mitglied der KPD, 1946 der SED, ab 1950 Stadtbezirksvorsitzende der Wohnparteiorganisation in Werder/Magdeburg. Else Reimann starb am 6. September 1975. Ihr Mann, Karl Reimann (* 25. 5. 1900 – † 13. 2. 1950), gehörte Anfang der zwanziger Jahre der Plättner-Gruppe an. Er wurde im Dezember 1921 verhaftet und am 30. November 1923 vom Staatsgerichtshof zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt, aber im März 1926 begnadigt und aus dem Zentralgefängnis in Cottbus entlassen.

Wer war wer in DDR

Reimann, Brigitte

* 21.7.1933 – ✝ 20.2.1973

Geb. in Burg (b. Magdeburg); Vater Journalist; OS, 1951 Abitur; 1951 – 53 Lehrerin; später in versch. Berufen tätig; 1953 Mitgl. der AG Junger Autoren des SV in Magdeburg; 1956 erste Erzählung »Die Frau am Pranger«; ab 1956 freischaff. Schriftst.; Mitgl. der SED u. des DSV; 1960 in Hoyerswerda Zusammenarbeit mit einer Brigade des Kombinats »Schwarze Pumpe«; ihre Erzählung »Ankunft im Alltag« (1961) reflektiert Alltagskonflikte der DDR-Ges. u. gilt als Prototyp der sog. Ankunftslit.; 1963 Mitgl. des Vorst. des DSV; 1964 Sibirienreise mit einer Delegation des ZR der FDJ; 1965 Heinrich-Mann-Preis; 1968 Umzug nach Neubrandenb.; Krebserkrankung; gest. in Berlin; 1974 erschien posthum u. unvollendet ihr Roman »Franziska Linkerhand«, eines der wichtigsten gesellschaftskrit. Erzählwerke der 70er Jahre.B. R. in ihren Briefen u. Tagebüchern. Eine Auswahl. Berlin 1983 (Hrsg. E. Elten-Krause u. W. Lewerenz); Sei gegrüßt u. lebe. Briefwechsel mit Christa Wolf. Berlin 1993 (Hrsg. A. Drescher); B. R. – Henselmann, H.: Briefwechsel. Berlin 1994 (Hrsg. I. Kirschey-Feix); »Ich bedaure nichts«. Tagebücher Krause, B.: Gefesselte Rebellin. B. R. – Biogr. Roman. Berlin 1994; von Törne, D.: B. R. – einfach wirklich leben. Eine Biogr. Berlin 2001; Bircken, M. (Hrsg.): B. R. Eine Biogr. in Bildern. Berlin 2004; Hampel, H. (Hrsg.): Wer schrieb Franziska Linkerhand? – B. R. 1933 – 1973. Neubrandenburg 1998.Leonore Krenzlin / Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Rebe, Alfred

* 25.12.1893 – ✝ 19.2.1938

Geboren am 25. Dezember 1893 in Berlin; Metallarbeiter. 1912 zur Marine eingezogen, blieb er auch im Krieg Matrose, Oberheizer auf der »Moltke«, hatte großen Einfluß auf die Matrosen und war einer der Führer der Rebellion von 1917. Rebe erhielt im Dezember 1917 acht Jahre Zuchthaus und kam durch die Novemberrevolution von 1918 frei. Mitglied der USPD, 1919 am Berliner Januaraufstand beteiligt. Mit der linken USPD kam er Ende 1920 zur KPD, wurde 1921 von der Zentrale nach Mecklenburg entsandt, dort Redakteur der KPD-Zeitung und Vorsitzender der KPD in Rostock. 1927 Redakteur der »Roten Fahne«, wo er seit 1929 im politischen Ressort arbeitete und im Jahre 1928 für die »Rote Fahne« verantwortlich zeichnete. 1933 verhaftet und für einige Monate in den KZs Oranienburg und Sonnenburg inhaftiert, Rebe emigrierte 1934 in die Sowjetunion. Er arbeitete unter dem Parteinamen Winkel an verschiedenen deutschsprachigen Zeitungen, zuletzt als verantwortlicher Redakteur der Zeitung »Rote Fahne« in der Georgischen SSR. Alfred Rebe wurde 1938 ein Opfer der Stalinschen Säuberungen. Im Februar 1938 vom NKWD im Nordkaukasus verhaftet und im Oktober verurteilt und erschossen. Seine Tochter Erika (* 6. 12. 1919) setzte sich im August 1948 mit Margarete Buber-Neumann, der Lebensgefährtin Heinz Neumanns in Verbindung, die in einem Artikel der »Neuen Zeitung« auch auf das Schicksal Alfred Rebes eingegangen war. Sie berichtete Erika Rebe dann am 18. September in einem Brief, »daß Ihr Vater, Herr Alfred Rebe, 1935 zur Wiederherstellung seiner Gesundheit in einen Ort am Kaukasus geschickt wurde, wo er zugleich als Journalist tätig sein sollte ... Es gefiel Ihrem Vater, wie er mir brieflich mitteilte, anfangs sehr gut dort, und auch sein Gesundheitszustand schien sich wesentlich gebessert zu haben. Als ich nach einigen Monaten kein Lebenszeichen mehr von ihm erhielt, fragte ich bei der deutschen Parteivertretung, was mit ihm los sei und erfuhr dort, daß auch die Partei keine Nachricht mehr über ihn habe ... Da damals fast ausnahmslos alle Politemigranten außerhalb Moskaus von den besonders argwöhnischen und brutalen Behörden in der Provinz pauschal verhaftet wurden, hat wohl auch Ihr Vater dieses Schicksal gefunden.« Alle Nachforschungen, die Erika Pentschke, geborene Rebe, später anstellte, blieben bis Anfang der sechziger Jahre ergebnislos. Ende März 1963 erhielt sie vom Obersten Gericht der UdSSR folgende Bescheinigung: »Die Strafsache in der Anklage Winkel (Rebe) Alfred (Adolf) Wilhelm, geboren 1893, bis zur Inhaftierung am 19. Februar 1938 – eines verantwortlichen Sekretärs der Redaktion der Zeitung ?Rote Fahne? im Luxemburger Rayon der Georgischen SSR, ist am 28. November 1962 von dem Militärgericht des Transkaukasischen Militärbezirks erneut überprüft worden. Die Gerichtsentscheidung vom 9. Oktober 1938 bezüglich Winkel (Rebe), Alfred (Adolf) Wilhelm ist abgeschafft und seine Strafsache ist wegen der Abwesenheit des Tatbestandes eingestellt. Winkel (Rebe) A. W. ist posthum (nach dem Tode) rehabilitiert.«

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Recknagel, Alfred

* 22.11.1910 – ✝ 19.12.1994

Geb. in Eisfeld (Thür.); Abitur in Hildburghausen; 1929 – 33 Studium der Physik in Jena u. Leipzig; 1934 Prom. bei  Friedrich Hund u. Werner Heisenberg in Leipzig, 1943 Habil. an der Univ. Jena; 1934 – 45 Mitarb. im Forschungsinst. der AEG in Berlin. 1945 – 47 Mitarb. bei Carl Zeiss Jena, zugl. Doz. u. Assistent an der Univ. Jena; 1948 – 75 Prof. für Experimentalphysik u. Elektronenphysik sowie Dir. des Inst. für Experimentalphysik (ab 1969 Sektion Physik) der TH / TU Dresden (in den Anfangsjahren Neuaufbau des Inst.); 1960 – 68 Prorektor für Forschung der TU Dresden; Ltr. des Fachverb. »Elektronenphysik« der Physikal. Ges.; 1961 NP; 1975 em.; gest. in Dresden. Arbeitsgebiete: Elektronenoptik u. Elektronenmikroskopie.Elektronengeräte. Berlin 1941 (mit Ernst Brüche); Lehrbuch Physik. Bd. 1 – 4. Berlin 1955 – 62.Horst Kant

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Reese, Maria

* 5.1.1889 – ✝ 9.10.1958

Als Maria Meyer am 5. Januar 1889 in Michelbach/Krs. Daun geboren; besuchte nach dem Lyzeum das Bonner Lehrerinnenseminar bis zum Abschluß als Volksschullehrerin. 1923 heiratete sie den sozialdemokratischen Redakteur und ehemaligen preußischen Landtagsabgeordneten Gottlieb Reese (* 24. 5. 1880 – † 25. 1. 1949), von dem sie sich 1928 trennte, aus dieser Ehe stammte der Sohn Dagobert. Ab 1919 Mitglied der SPD, von 1920 bis 1924 war sie Redakteurin der SPD-»Volkswacht« in Trier und Referentin für Frauen- und Jugendfragen. Nachdem sie und ihr Mann im Oktober 1923 aus dem französischen Besatzungsgebiet ausgewiesen wurden, lebte Maria Reese als Schriftstellerin in Hannover. Im Mai 1928 wurde sie im Wahlkreis Südhannover-Braunschweig für die SPD in den Reichstag gewählt, dem sie bis März 1933 angehörte. Mit einem »Offenen Brief an die SPD-Arbeiter« verkündete sie in der »Roten Fahne« am 9. November 1929 demonstrativ ihren Übertritt zur KPD, die sie 1930 und 1932 als Kandidatin für den Reichstag aufstellte. Maria Reese war von 1930 bis 1932 Herausgeberin und Redakteurin der Zeitschrift »Die rote Einheitsfront« und arbeitete eng mit Clara Zetkin zusammen. Am 28. Februar 1933 flüchtete sie zunächst nach Dänemark, dann nach Schweden, wo sie Ende März vorübergehend verhaftet und dann ausgewiesen wurde. Nach einem kurzen Aufenthalt in Leningrad kam sie nach Moskau. Da sie der Politik der KPD-Führung und der Komintern zunehmend kritisch gegenüberstand, sollte sie aber aus der Hauptstadt verbannt werden. Dank der Hilfe von Clara Zetkin gelang es ihr, die Sowjetunion zu verlassen. Maria Reese ging nach Paris, überwarf sich hier mit Willi Münzenberg, der sie für das von ihm gegründete Weltkomitee gegen Faschismus und Krieg gewinnen wollte. Einer Aufforderung, erneut nach Moskau zu kommen, widersetzte sie sich, wandte sich enttäuscht von der KPD ab und hielt sich bis Ende 1933 in Frankreich auf. Maria Reese trat am 26. Oktober 1933 aus der KPD aus und schloß sich kurzzeitig der trotzkistischen Gruppe Internationale Kommunisten Deutschlands an. Im November 1933 veröffentlichte sie in der Zeitschrift »Unser Wort« einen »Brief an das ZK der KPD und das EKKI«, in dem sie sich von der kommunistischen Politik stalinistischer Prägung distanzierte. Ihr Antrag bei einem jüdischen Hilfskomitee um Unterstützung wurde auf ausdrücklichen Wunsch der KPD abgelehnt. Sie ging zunächst in das Saargebiet, dann Ende 1934 wieder nach Deutschland zurück und wurde Mitarbeiterin der Anti-Komintern-Abteilung des NS-Propagandaministerium. Maria Reese, die mehrmals im Rundfunk über ihre Abkehr vom Kommunismus sprach, veröffentlichte 1938 ihr Buch »Abrechnung mit Moskau«. Im Zusammenhang mit dem Attentat auf Hitler im Juli 1944 kurz inhaftiert, konnte sie aber dann wieder zur Pflege ihrer Mutter nach Lüxem/Trier. Ihr Sohn Dagobert wurde im Juni 1944 wegen Fahnenflucht erschossen. Nach 1945 konvertierte sie zum katholischen Glauben. Maria Reese starb am 9.Oktober 1958 in Zell an der Mosel.

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Rehahn, Rosemarie

* 22.1.1923 – ✝ 11.7.2010

Geb. in Ortelsburg (Ostpr./Szczytno, Polen); Vater Hotelier; OS, Abitur; 1942 – 44 Studium der Germanistik, Geschichte, Kunstgeschichte u. Journalistik an den Univ. Breslau, Straßburg u. Prag. 1945 – 46 Mitarb. der »Dt. Volksztg.« (Zentralorgan der KPD); danach kurzz. Red. bei der Wochenztschr. »Frau von heute«; 1946 Mitbegr. u. bis 1949 stellv. Chefred. der Jugendztg. »Start«; ab 1950 Kulturred. »Neues Dtl.«; 1951 SED; verheiratet mit  Arne R.; 1953 im Kontext der Repressalien gegen Chefred.  Rudolf Herrnstadt aus der Red. des »Neuen Dtl.« entfernt; 1954 – 90 Filmkritikerin der Ztschr. »Wochenpost«; 1965 – 67 Fernstudium an der journalist. Fak. der KMU Leipzig; 1967 Anerkennungsdipl. der FS für Journalistik Leipzig, seit Gründung Mitgl. des VDJ u. seit 1955 des Verb. der Film- u. Fernsehschaffenden; 1990 – 96 freie Mitarb. der Red. der »Wochenpost«; gest. in Berlin.Polkehn, K.: Das war die Wochenpost. Berlin 1997.Helmut Müller-Enbergs

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Rehberg, Eckhardt Harald

* 3.4.1954

Geb. in Bartelshagen (Krs. Ribnitz-Damgarten); 1960 – 70 POS, 1970 – 73 Abitur u. Ausb. zum Facharb. für Datenverarb.; 1973 – 75 NVA; ab 1973 im Bereich EDV tätig; 1977 – 83 Fernstudium der Informatik in Berlin u. Dresden, Dipl.-Ing.; 1984 CDU; 1984 Bezirksschöffe am Arbeitsgericht Ribnitz-Damgarten; Dez. 1989 – Sept. 1990 Mitgl. des CDU-Parteivorst.; Aug. 1990 – Nov. 1993 Vors. des CDU-KV Ribnitz-Damgarten. 1990 Geschäftsf. der Fa. Ostseeschmuck; Okt. 1990 – 2005 MdL, bis 2005 Vors. der CDU-Frakt. im Landtag Mecklenb.-Vorpomm.; Okt. 1991 – Nov. 2001 stellv. Vors. der CDU Mecklenb.-Vorpomm.; 1997 – 2001 Vorstandsvors. des FC Hansa Rostock; seit Nov. 1998 Mitgl. des CDU-Bundesvorst.; seit 1999 Mitgl. der Gemeindevertretung Marlow; Okt. 2001 – 2005 Landesvors. der CDU Meckl.-Vorpomm.; 2002 CDU-Spitzenkand. bei der Landtagswahl in Mecklenb.-Vorpomm.; seit Okt. 2005 MdB, Sept. 2009 Direktmandat.Helmut Müller-Enbergs

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Rehme, Anna

* 6.8.1899 – ✝ 21.1.1980

Geboren am 6. August 1899 in Würzburg, Tochter eines Konsumangestellten; Stenotypistin und Kontoristin. Seit 1912 in der Arbeiterjugend, zog 1916 nach Berlin und wurde Stenotypistin in der Kanzlei der Rechtsanwälte Oskar Cohn und Alfons Goldschmidt. Kurz nach Ausbruch der Revolution 1918 wurde sie Sekretärin von Emil Eichhorn im Berliner Polizeipräsidium, später Stenotypistin und Korrespondentin in der Verlagsgenossenschaft der USPD-«Freiheit«. Sie war Mitbegründerin des Spartakusbundes in Berlin und gehörte seit 1920 der KPD an. Von 1921 bis 1928 war sie im Büro von Wilhelm Pieck beschäftigt, persönliche Freundin von Clara Zetkin. Von 1928 bis zum 28. Februar 1933 Sekretärin der KPD-Reichstagsfraktion, mußte als Zeugin im Reichstagsbrandprozeß auftreten. Sie arbeitete später im Verlag des »Kirchlichen Amtsblattes« der Kirchenprovinz Mark Brandenburg. Im Juni 1945 Verwaltungsangestellte in der Abteilung für Sozialwesen beim Magistrat von Groß-Berlin. Mitglied der KPD/SED, ab 1947 bei der Zeitschrift des FDGB-Bundesvorstandes »Die freie Gewerkschaft«, dann bei der Tageszeitung »Tribüne«. Sie war mit Otto Willert verheiratet. Anna Rehme starb am 21. Januar 1980 in Ost-Berlin.

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Reich, Jens

* 26.3.1939

Geb. in Göttingen, aufgew. in Halberstadt; Vater Arzt, Mutter Heilgymnastin; 1956 – 62 Med.-Studium an der HU Berlin; anschl. Arzt in Halberstadt u. Umgebung; 1964 – 68 Wissenschaftler an der FSU Jena; seit 1968 am ZI für Molekularbiol. der AdW in Berlin-Buch (ZIM); seit 1969/70 Teiln. am »Freitagskrs.« um  Guntolf Herzberg; seit 1968 unveröff. Essays; 1974/75 u. 1979/80 längere Arbeitsaufenthalte am Inst. für Biophysik in Puschtschino bei Moskau; 1980 Prof. für Biomathematik; zeitw. Abt.-Ltr. im ZIM; 1984 Rückstufung zum wiss. Mitarb. wegen der Weigerung, Kontakt zu Bundesbürgern abzubrechen; seit 1985 Mitarb. in opp. Zirkeln, Auftritte in der Gethsemanekirche u. Teiln. an Veranstaltungen in der Umweltbibliothek in Berlin; Mitarb. im Krs. »Ärzte in sozialer Verantw.«; 1988 Artikelserie in »Lettre International« (Ps.: Thomas Asperger); Sept. 1989 Koautor des Aufrufs »Aufbruch 89 – Neues Forum«; März – Okt. 1990 Abg. der Volkskammer des Neuen Forums in der Fraktion Bündnis 90/Grüne. Okt. – Dez. 1990 Abg. des Dt. Bundestags; 1990 – 92 Vors. der ostdt. Sekt. der IPPNW »Ärzte in sozialer Verantw.«; 1992 – 2004 Ltr. der Abt. Bioinformatik des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Med. (MDC/Nachfolgeeinrichtung des ZIM) u. ab 1995 zugl. ord. Prof. der HU Berlin (Charité); 2004 em., seitdem Forts. wiss. Aktivitäten am MDC; 1994 unabh. Kand. zur Wahl des Bundespräs.; 1999 Gründungsmitgl. der Grünen Akad. bei der Heinrich-Böll-Stiftung; 2001 – 2008 Mitgl. des Nat. Ethikrats, ab 2005 dessen stellv. Vors., seit 2008 Mitgl. des Dt. Ethikrats; 1983 Rudolf-Virchow-Preis, 1991 Theodor-Heuss-Preis, 1996 Lorenz-Oken-Med. der Gesell. Dt. Naturforscher u. Ärzte, 2000 Nationalpreis der Dt. Nationalstiftung; Mitgl. der Berlin-Brandenb. AdW; 2009 Carl-Friedrich-von-Weizsäcker-Preis der Leopoldina Halle; zahlr. wiss. Artikel u. polit. Essays; lebt in Berlin.Rückkehr nach Europa. München, Wien 1991; Abschied von den Lebenslügen. Berlin 1992; J. R. im Gespräch mit M. Greffrath u. K. Adam. München, Wien 1994; Spiel. Raum. Sprache. Göttingen 1998; Forschen u. tun, was möglich ist? Münster 2002; Es wird ein Mensch gemacht. Berlin 2003; Teufelsfragen. Eth. Konflikte in der Biomed. Köln 2005 (Hörbuch).Jan Wielgohs

Wer war wer in DDR

Reiche, Steffen

* 27.6.1960

Geb. in Potsdam-Babelsberg; EOS, 1979 Abitur; 1981/82 Lehre als Tischler; Studium der Theol. am Sprachenkonvikt Berlin; Verweigerung des Wehrdiensts; 1988 – 90 Pfarrer in Christinendorf (Bez. Potsdam); 7.10.1989 Gründungsmitgl. der SDP in Schwante (b. Oranienburg), Jan. 1990 Mitgl. des PV der SPD (DDR); März – Okt. Abg. der Volkskammer; Mai 1990 – Juli 2000 Landesvors. der SPD Brandenb. Okt. 1990 – Okt. 2005 Abg. des Brandenb. Landtags; 1994 – 99 Minister für Wiss. u. Kultur (Nachf. von Hinrich Enderlein) u. 1999 – 2004 Minister für Bildung, Jugend u. Sport des Landes Brandenb. (Nachf. von Angelika Peter); 2005 – 09 MdB, dort Mitgl. des Vorst. der SPD-Bundestagsfraktion; Vors. der Dt.-Kaukas. Parlamentsgr.; Mitgl. des Parlamentar. Rates der Stiftung für das sorb. Volk.Schule in Bewegung. Bad Heilbrunn 2005 (CD).Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Reichenbach, Bernhard

* 12.12.1888 – ✝ 19.2.1975

(* 1888 – † 1975) Geboren am 12. Dezember 1888 in Berlin, Sohn eines jüdischen Kaufmanns; nach dem Gymnasium Schauspieler in Bochum und Hamburg, von 1912 bis 1914 Studium der Literatur und Kunstgeschichte in Berlin. Dort zusammen mit seinen Brüdern Hans (* 1891 – † 1953) und Herrmann (* 1898 – † 1958) in der »Freien Studentenschaft«, Mitherausgeber des »Aufbruchs«. Von 1915 bis 1917 Soldat (Sanitäter) im Weltkrieg, dann in der Pressestelle des Auswärtigen Amtes. Reichenbach war 1917 Gründungsmitglied der USPD und im Spartakusbund; eng mit Karl Schröder verbunden, gehörte zu den Mitbegründern der KPD. Mit der linken Opposition der Partei ausgeschlossen, wurde Reichenbach 1920 einer der Führer der KAPD, hier zeitweilig Redakteur von deren »Kommunistischer Arbeiterzeitung«, ab März 1921 Vertreter der KAPD beim EKKI in Moskau, Teilnehmer am III. Weltkongreß im Juni/Juli 1921 (Pseudonym Seemann). Im März 1922 mit der Gruppe um Karl Schröder (Essener Richtung) aus der KAPD ausgeschlossen, trat er 1925 der SPD bei und arbeitete als Prokurist in einer Weberei in Krefeld. 1928 publizierte er den ersten Beitrag zur Geschichte der KAPD. Ab 1930 war Reichenbach an der Schaffung der Gruppe Rote Kämpfer beteiligt, 1931/32 auch in der SAP, gehörte 1933 zur illegalen Reichsführung der Roten Kämpfer. Im April 1935 emigrierte er nach Großbritannien und wurde Mitglied der Labour Party. 1940/41 auf der Isle of Man interniert, danach Redakteur der Kriegsgefangenenzeitung »Die Wochenpost«. Reichenbach blieb auch nach 1945 in London, arbeitete als Korrespondent für deutsche Zeitungen und den Rundfunk (1959 erste Darstellung der Geschichte der Roten Kämpfer), er erhielt 1958 das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse. Bernhard Reichenbach starb am 19. Februar 1975.

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Reichert, Rudi

* 17.11.1922 – ✝ 7.8.1999

Geb. in Güstin (Rügen); Vater Landarb.; Volksschule auf Rügen; 1937 – 41 Ausbildung zum Metallarb. u. Flugzeugbauer in Leipzig u. Lübeck; anschl. Kriegsteilnehmer, zul. Uffz. der Luftwaffe. 1945/46 KPD/SED; 1946 – 48 Krs.-Vors. der FDJ Neustrelitz u. Kaderref. der FDJ-LL Mecklenb.; 1948 – 50 Vors. des Landessportaussch. Mecklenb.; 1950 – 52 Sekr. u. 1952 – 57 Ltr. des DS; 1950 – 57 Präs. des Dt. Seglerverb.; 1951 Mitgl. des NOK; 1952 Mitgl. des Staatl. Komitees für Körperkultur u. Sport; 1955 – 63 Mitgl. des FDJ-ZR; 1957 Mitgl. des Präs. des NR der NF; 1957 – 61 erster Präs. des DTSB, anschl. bis 1966 Vizepräs. u. danach bis 1989 Mitgl. des DTSB-Bundesvorst.; 1958 – 63 Mitgl. des ZK der SED u. Abg. der Volkskammer; 1966 – 74 DTSB-Bez.-Vors. in Karl-Marx-Stadt; ab 1970 Vizepräs. für Eisschnellauf des Eislaufverb.; 1974 – 90 Dir. der Sportschule Warnemünde; 1956 u. 1960 VVO; 1990 Ruhestand.Volker Kluge / Jan Wielgohs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Reimann, Günter

* 13.11.1904 – ✝ 5.2.2005

Geboren am 13. November 1904 in Angermünde als Hans Steinicke, Sohn eines jüdischen Kaufmanns. Nach dem Gymnasium studierte er in Berlin von 1923 bis 1927 Nationalökonomie. Hier erhielt er 1926 sein Diplom als Volkswirt und 1927 als Diplom-Kaufmann. Hans Steinikke, der sich zunächst in einer radikal-pazifistischen Jugendorganisation betätigte, trat 1923 in die KJD, 1925 in die KPD ein und stand 1925/26 an der Spitze des Revolutionären Studentenbundes in Berlin. Ab 1925 Mitarbeiter in der Wirtschaftsredaktion der »Roten Fahne« unter dem Pseudonym Günter Reimann. Er galt bald als ausgewiesener Experte der kapitalistischen Weltwirtschaft, schrieb auch für die Zeitschrift »Die Internationale« und blieb bis 1930 Redakteur der »Roten Fahne«, reiste u. a. in die Sowjetunion. Ab 1930 freier Schriftsteller. Reimann soll 1932 zu einer Gruppe gehört haben, die mit Unterstützern der Komintern angeblich Jossif Stalin durch Nikolai Bucharin ablösen wollte. Inzwischen von der KPD entfremdet, soll er in Berlin eine Widerstandsgruppe aus oppositionellen Sozialdemokraten und Kommunisten gebildet haben. 1933 flüchtete Reimann über Wien nach Paris und London, trennte sich 1935 endgültig von der KPD. Er kam in die USA und war von 1940 bis 1947 Mitarbeiter bei International Statistical Bureau. Bekannt wurde Reimann als Autor mehrerer Bücher zu Fragen der Weltfinanzwirtschaft. Die von ihm 1947 gegründete Agentur International Reports on Finance and Currencies leitete er bis 1983. Ein Briefwechsel zwischen Günter Reimann und Herbert Wehner wurde 1998 veröffentlicht. Am 5.Februar 2005 verstarb Günter Reimann in der Nähe von New York.

Wer war wer in DDR

Reimann, Max

* 31.10.1898 – ✝ 18.1.1977

Geb. in Elbing (Westpr./Elbląg, Polen); Vater Kellner; 1904 – 12 Volksschule in Elbing; 1912 – 16 Nieter in Elbing; 1913 Mitgl. des DMV u. deren Jugendltg.; der SAJ; 1916 Spartakusbund; 1918/19 wegen Teiln. an Kämpfen gegen das Freikorps von der Goltz in Elbing zu einem Jahr Festungshaft verurteilt, Haft in Königsberg; 1920 Bergarb. in Ahlen; Mitgl. des Dt. Bergarbeiterverb.; Pol.-Ltr. der KPD Ahlen; ab 1921 hauptamtl. KPD-Funktionär; 1923 Teiln. an den bewaffneten Kämpfen im Ruhrgeb., deswegen in Haft; 1920 – 28 Gewerkschaftsarbeit im KPD-UB Hamm; Mitbegr. des KJV-UB Buer-Recklinghausen; ab 1926 Mitgl. der RGO-Ltg. des Dt. Bergarbeiterverb.; 1929 – 32 Sekr. des KPD-UB Hamm; 2. Sekr. der RGO für das Ruhrgeb.; ab 1933 illeg. pol. Arbeit; Pol.-Ltr. der RGO Ruhr u. ab Juni 1933 Oberberater der RGO Mittelrhein u. Köln (»Erwin«); 1934 Reichsltr. der RGO; 1934 Mitarb. des Westeurop. Sekr. der Gewerkschaft in Paris; 1935 im Saargeb. (Saarabstimmung); 1935 Teiln. am 7. KI-Kongreß in Moskau; danach im KPD-Auslandssekr. in Prag bis 1939; mehrf. illeg. in Dtl.; nach dt. Einmarsch in die ČSR Ltr. des Abtransports von KPD-Kadern ins Ausland bis zur Verhaftung; 4.4.1939 verhaftet, Mai 1940 wegen »Vorber. zum Hochverrat« zu drei Jahren Gefängnis verurteilt, 1940 Haft im Gefängnis Hamm, ab 1942 KZ Sachsenhausen; dort Mitgl. der illeg. Lagerltg., ab 1944 Lager Falkensee. Juni 1945 Mitbegr. der KPD in Brandenb. u. im Ruhrgeb.; 1946 1. Sekr. des KPD-Bez. Ruhrgeb.-West; ab Mai 1947 1. Vors. der KPD-LV NRW; Mitgl. des Zonenbeirats der brit. Besatzungszone u. Vors. der KPD für die brit. Zone; 1947 – 49 KPD-Vertreter im Bizonen-Wirtschaftsrat; Mitgl. des Parl. Rats; 1947 Abg. des Landtags von NRW; ab 1948 Vors. der KPD in den drei Westzonen; 1949 – 53 Abg. des Dt. Bundestags, KPD-Fraktionsvors.; lebte ab 1950 aus »Sicherheitsgründen« hauptsächl. in der DDR; Aug. 1954 wegen drohender Verhaftung erneut in der DDR, Nov. 1954 Rückkehr in die Bundesrep. Dtl., nachdem ihm vom BGH freies Geleit zugesichert worden war; ab Dez. 1954 1. Sekr. des PV der KPD; wieder in die DDR; Febr. 1956 Teiln. am XX. Parteitag der KPdSU in Moskau; 1969 Übersiedl. nach Düsseldorf; 1971 DKP, Nov. 1971 Ehrenpräs. der DKP; gest. in Düsseldorf.Aus Reden u. Aufsätzen 1946 – 1963. Berlin 1963; Entscheidungen 1945 – 1956. Autobiogr. Frankfurt (Main) 1973. Ahrens, F.: Über M. R. Streiflichter aus dem Leben eines Kommunisten. Hamburg 1968; Schädel, G.: Die KPD in NRW von 1945 – 1956. Bochum 1973 (Diss.); M. R. 1898 – 1977. Neuss 1977 (Hrsg. vom PV der DKP).Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Rebel, Jakob Michael

* 7.2.1892 – ✝ 1939

Geboren am 7. Februar 1892 in Offenbach am Main; Schlosser, Schmirgeldreher. 1916 Mitglied der SPD, seit 1919 der KPD. In den zwanziger Jahren Leiter des Volksbuchbetriebes (Buchhandlungs- und Zeitungsvertrieb der KPD) und hauptamtlicher Angestellter der BL Hessen-Frankfurt, zuletzt Bezirkskassierer und Mitglied des Sekretariats der BL. Bis 1928 auch Gemeindevertreter der KPD in Fechenheim und nach der Eingemeindung zu Frankfurt/M., im April 1928 dort Stadtverordneter, seit 1930 ehrenamtlicher Stadtrat. Ab 1933 illegale Arbeit, Mitglied der BL, emigrierte im August 1933 in das Saargebiet, dann nach Frankreich, später Leiter der Emigrantenkommission. Im Oktober 1935 kam er als Politemigrant in die Sowjetunion. Er wurde am 29. Juli 1937 vom NKWD verhaftet und in einen Gulag verbannt. Dort kam Jakob Michael Rebel (vermutlich 1939) ums Leben. Michael Bermejo veröffentlichte 2006 eine biographische Skizze über Jakob Rebel.

Wer war wer in DDR

Recknagel, Helmut

* 20.3.1937

Geb. in Steinbach-Hallenberg; Vater Zangenmacher; Volksschule; 1951 – 53 Ausbildung zum Werkzeugmacher; 1951 erste Sprünge von der Schanze; 1953 bei den DDR-Jugendmeisterschaften Sieger (Nord. Kombination); 1953/54 im Beruf tätig; 1955 – 60 Meßtechniker; 1955 – 64 aktiver Skisportler (Spezialspringer) beim SC Motor Zella-Mehlis (Trainer: Hans Renner); 1961 – 63 Studium an der DHfK Leipzig, abgebrochen; 1964 ABF Leipzig; 1957 Sieger am Holmenkollen (als erster Mitteleuropäer seit 1883), 1958/59 Sieger der Vierschanzentournee; 1960 Olymp. Spiele: Sieger; 1960 Sieger am Holmenkollen; 1962 WM (Großschanze); 1957, 1958, 1960, 1961 u. 1962 Sieger der Skiflugwoche; 1964 – 70 Studium der Veterinärmed. an der HU Berlin; 1970/71 Pflichtassistent in Berlin u. Frankfurt (Oder); 1970 – 90 Mitgl. des NOK; 1971 – 72 Mitarb. am Staatl. Veterinärmed. Prüfungsinst. in Berlin; 1973 – Dez. 1990 Hygienetierarzt u. Fachtierarzt für tierärztl. Lebensmittelhygiene in Fürstenwalde (b. Berlin); 1974 Prom. zum Dr. med. vet. an der HU Berlin über Leberegelerkrankungen beim Rind u. kleinen Wiederkäuern; VVO. 1991 arbeitslos; FIS-Kampfrichter, Sprungrichter, techn. Delegierter u. Wertungsrichter; 1990 – 93 persönl. Mitgl. NOK; 1994/95 Koordinator bei einem priv. Krankentransportunternehmen; ab 1.11.1996 Inhaber eines Sanitätsfachgeschäfts mit Orthopädie-Werkstatt in Berlin-Friedrichshain; lebt in Berlin.Eine Frage der Haltung. Berlin 2007.Volker Kluge / Olaf W. Reimann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Regler, Gustav

* 25.5.1898 – ✝ 14.1.1963

(* 1898 – † 1963) Geboren am 25. Mai 1898 in Merzig/Saarland, Sohn eines Buchhändlers. Als Offizier im Weltkrieg verwundet, verteidigte er 1919 die Münchner Räterepublik. Die Erfahrungen der Kindheit und des Krieges machten ihn zum überzeugten Sozialisten. Er studierte in Heidelberg und München Germanistik und promovierte 1922. Zunächst Journalist, 1928 trat er der KPD bei, kam nach Worpswede und lebte seit den zwanziger Jahren mit Heinrich Vogelers Tochter Marie Luise (Mieke) (* 1901 – †1945) zusammen. Aktiv in der kommunistischen Partei und der Freidenkerbewegung, arbeitete Regler dann als Schriftsteller in Berlin. 1933 Emigration, zunächst wirkte er als Agitator während der Saarabstimmung. Er nahm aktiv am Internationalen Schriftstellerkongreß im Juni 1935 in Paris teil, wurde aber von der KPD-Führung wegen seines offenen Auftretens als Kommunist gerügt. 1936 war er in Moskau an der Redigierung des Protokolls des 1. Schauprozesses (gegen Sinowjew u. a.) beteiligt. Er kämpfte 1937 in den Reihen der Internationalen Brigaden im Spanischen Bürgerkrieg, war eng mit Ernest Hemingway befreundet und kam schwer verwundet in ein Feldhospital und erhielt die spanische Staatsbürgerschaft. 1939 im französischen Lager Vernet interniert. Regler distanzierte sich vom Stalinismus, trennte sich von der kommunistischen Bewegung und wurde aus der KPD ausgeschlossen. 1940 emigrierte er über New York – wo Regler und Mieke Vogeler heirateten – nach Mexiko. Dort war er im Vorstand der Liga für deutsche Kultur und wurde von der KI als »Verräter« angegriffen. Regler kam 1952 in die Bundesrepublik, hier journalistisch und politisch aktiv, ein engagierter Kämpfer für die Freiheit. Zeitweilig Korrespondent von Radio Saarbrücken in Rom, pendelte er zwischen Mexiko und Europa. Gustav Regler starb am 14.Januar 1963 überraschend in einem Hotel in Neu Delhi. Seine Bücher wurden in mehrere Sprachen übersetzt und sind in fast 50 Ausgaben in aller Welt erschienen. Sein bekanntestes Buch ist die Autobiographie »Das Ohr des Malchus«. Ab 1994 erschien eine 15bändige Werkausgabe Reglers.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Rehbach, Paul

* 26.2.1874 – ✝ 17.3.1934

Geboren am 26. Februar 1874 in Finsterwalde; lernte Bürstenmacher und ließ sich nach der Wanderschaft in Württemberg nieder. Zu Beginn des Jahrhunderts Mitglied der SPD, im Krieg Übertritt zur USPD, mit der linken USPD 1920 zur KPD. Seit 1922 Gemeinderat in Göppingen, von 1924 bis 1928 Landtagsabgeordneter in Württemberg. Rehbach gehörte dem rechten Parteiflügel an und wurde deswegen 1928 nicht mehr zur Wahl aufgestellt. 1929 trat er aus der KPD aus. Er schloß sich 1931 der SAP an, für die er in Württemberg aktiv war. Im November 1932 kandidierte er noch auf der Reichsliste der SAP auf Platz 4, doch erhielt die SAP kein Reichstagsmandat. 1933 einige Zeit inhaftiert, starb Paul Rehbach am 17. März 1934 in Göppingen, es ließ sich nicht ermitteln, ob in Freiheit oder in Haft.

Wer war wer in DDR

Reher, Lothar

* 29.6.1932 – ✝ 6.4.2018

Geb. in Marienburg; 1947 – 51 Ausbildung zum Schriftsetzer mit Mstr.-Abschl.; 1951 – 78 Buchgestalter, ab 1962 künstler. Ltr. des Verlags Volk u. Welt, Berlin; seit 1978 freischaff. Buchgestalter u. Grafiker; 1973 Kunstpreis der DDR; 1983 Banner der Arbeit; 1984 Wilhelm-Bracke-Medaille; 1986 Mitgl. der AdK; seit 1966 Gesamtgestaltung der Buchreihe »Spektrum« u. »Lyrik-Reihe« des Verlags Volk u. Welt; 1983 Neugestaltung von Reclams Universalbibliothek; Gestaltung zahlr. Einzeltitel; 1988 Gutenberg-Preis der Stadt Leipzig; Autor v. Fotobüchern, u. a. »Die Straße der Kinder«. Berlin 1960, gem. mit  Fritz R. Fries (Text) »Erlebte Landschaft. Bilder aus Mecklenb.« Rostock 1979; Bücher u. Bilder. Berlin 1992. Gest. in Berlin.Barck, S., Lokatis, S.: Fenster zur Welt. Eine Geschichte des Verlags Volk & Welt. Berlin 2003.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Reich, Hermann

* 16.1.1886 – ✝ 7.4.1955

Geboren am 16. Januar 1886 in Klein-Opitz, Sohn eines Bergarbeiters; lernte zunächst Gießer, später besuchte er die staatliche Handelsakademie in Dresden und studierte Nationalökonomie an der Universität Berlin. Von 1903 bis 1914 Angestellter in Hamburg, zuletzt Lagerhalter. Trat 1903 in die SPD ein, aktive Tätigkeit, 1911 Delegierter des 1. Hamburger Wahlkreises zum Parteitag in Jena. Von 1914 bis 1918 Soldat im Weltkrieg, gehörte im November 1918 zum Obersten Soldatenrat von Hamburg. Im Dezember 1918 Delegierter zum 1. Reichsrätekongreß (»Fraktion der Vereinigten Revolutionäre«, Wahlbezirk Hamburg). 1919/20 Parteisekretär der USPD in Hamburg, im Juni 1920 wurde er als Abgeordneter für die USPD in den Reichstag gewählt. Ende 1920 Übertritt mit dem linken Flügel zur KPD, im September 1921 schloß er sich der KAG an. Ab November 1922 zeitweilig Hospitant bei der KPD-Fraktion, wurde bis Ende der Legislaturperiode 1924 dann Mitglied der SPD-Reichstagsfraktion. Hermann Reich gehörte von 1919 bis 1922 auch der Hamburger Bürgerschaft an, siedelte später von Hamburg nach Berlin über, dort Inhaber einer Gastwirtschaft. Er ging 1931 zur SAP, wurde im Frühjahr 1933 Nachfolger von Max Köhler als Organisationsleiter der SAP Groß-Berlin und gehörte der illegalen Reichsleitung an. Am 15. September 1933 verhaftet und am 1. Dezember 1934 vom VGH (zusammen mit Max Köhler, Edith Baumann u. a.) zu einem Jahr und drei Monaten Gefängnis verurteilt. Im Jahre 1942 vom Sondergericht Berlin wegen »Vergehens gegen das Heimtückegesetz« zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Im November 1944 zur Wehrmacht eingezogen, desertierte er kurz vor Kriegsende im April 1945. Nach 1945 Mitglied in der SPD. Hermann Reich starb am 7. April 1955 in West-Berlin.

Wer war wer in DDR

Reich, Konrad

* 29.6.1928 – ✝ 13.1.2010

Geb. in Magdeburg; Vater Angest.; Besuch der Buchhändlerlehranstalt Leipzig u. der Abenduniv. der SED; danach Buch- u. Musikalienhändler, Antiquar; externes Studium der Germanistik an der Univ. Rostock; Buchhandelsltr.; 1959 – 77 Ltr. des Hinstorff Verlags Rostock, Profilierung zu einem maßgebl. belletrist. Verlag; nach öffentl. Angriffen des Sekr. der SED-BL,  Harry Tisch, im Zusammenhang mit Protesten von Hinstorff-Autoren gegen die  Wolf-Biermann-Ausbürgerung Aufgabe der Verlagsfunktion auf eigenen Wunsch; 1977 – 90 freier Schriftst., Autor einer  Ehm-Welk-Biogr. u. Hrsg. Mecklenb. u. maritimer Anthologien u. Reportagen. 1990 – 94 Inhaber des Konrad-Reich-Verlags Rostock (seit 2006 Edition K. R. im Hinstorff-Verlag); ab 1990 auch Betreiber mehrerer Buchhandlungen; gest. in Güstrow.Ehm Welk. Der Heide von Kummerow. Rostock 2008.Carsten Wurm

Handbuch Deutsche Kommunisten

Reichel, Heinrich

* 1.10.1901 – ✝ 30.4.1943

Geboren am 1. Oktober 1901 in Amberg, Sohn einer Arbeiterfamilie; wurde Tischler. 1915 Mitglied der Arbeiterjugend, 1917 der SPD und 1919 der KPD. Bis 1924 Tischlergeselle u. a. in Regensburg, Hamburg und im besetzten Rheinland, ab Mai 1924 in Magdeburg. 1923 wegen Sprengstoffdiebstahls polizeilich gesucht, lebte Reichel unter dem Namen Max Dobrin bis zur Amnestie 1928 illegal. Er war Zellenleiter, Stadtteilleiter und zuletzt Leiter des AM-Apparats der BL Magdeburg. Ende 1932 Kursant eines M-Lehrgang in Moskau, Schuldeckname Fritz. Im August 1933 über die Tschechoslowakei Rückkehr zur illegalen Arbeit nach Deutschland, Instrukteur für den Bezirk Frankfurt/M. und den Stuttgarter Raum, Deckname Ernst Görlich. Er kam im März 1934 zur Berichterstattung nach Berlin, wurde hier festgenommen, doch gelang ihm die Flucht in die âSR. Mit Wilhelm Firl leitete er die in Süddeutschland operierenden KPD-Funktionäre Stefan Lovacz und Liselotte Herrmann an und organisierte die Weitergabe geheimer Informationen über Rüstungsprojekte an die Sowjetunion. Reichel wurde am 3. Juni 1935 in Zürich verhaftet, nach Frankreich ausgewiesen, kehrte aber illegal in die Schweiz zurück und kam dann Ende 1935 über Frankreich und Belgien in die Niederlande. Hier war er Leiter der »Überprüfungskommission« der Emigrationsleitung in Amsterdam. Am 18.Januar 1940 interniert, lieferten ihn die niederländischen Behörden nach der deutschen Besetzung Ende Mai 1940 an die Gestapo aus. Am 30. April 1943 vom 2. Senat des VGH zum Tode verurteilt, wurde Heinrich Reichel am 22.Juli 1943 in Berlin-Plötzensee hingerichtet.

Wer war wer in DDR

Reichenbach, Erwin

* 1.8.1897 – ✝ 24.1.1973

Geb. in Augsburg; Vater LG-Rat; Volksschule, dann humanist. Gymnasium, 1916 Reifeprüfung; 1916 – 18 Sanitätskomp., 1919 Entlassung aus dem Heeresdienst; 1919 – 21 Studium der Zahnheilkunde an der Univ. München; 1921 zahnärztl. St.-Ex. u. Approbation; 1921 Prom.; 1921 – 24 Assistent; 1924 Vollassistent an der prothet.-orthodont. Abt., 1929 1. ord. Assistent der Aufnahmeabt. des zahnärztl. Inst. an der Univ. München; 1927 – 29 Studium der Med.; 1929 med. St.-Ex. u. 1930 Approbation; 1929 Oberarzt; 1930 med. Prom.; 1930 Habil. u. Lehrberechtigung als Priv.-Doz.; 1935 a. o. Prof. an der Univ. München; 1936 ord. Prof. an der Univ. Leipzig u. Dir. der Abt. für vorklin. u. klin. Prothetik u. zahnärztl. Orthopädie; 1939 – 42 im Sanitätsdienst an der Front u. zeitw. an der Univ. Leipzig; 1943 – 45 Kieferchirurg in Fachlazaretten, 1944 schwere Verwundung. Mai 1945 in Leipzig entlassen; ab Nov. 1945 wieder als Arzt im Notdienstverhältnis beschäftigt; 1947 ord. Prof. für Zahnheilkunde u. Dir. der Klinik für Zahn-, Mund- u. Kieferkrankheiten an der Univ. Halle; 1956 NP; Ende 1961 beurlaubt, 1962 zwangsw. em. u. von der Funktion als Senatsmitgl. der Akad. für ärztl. Fortbildung entbunden nach Auseinandersetzung mit DDR-Regierungsstellen im Zusammenhang mit seinem Wirken als Vors. der Med.-Wiss. Ges. für Zahn-, Mund- u. Kieferheilkunde an der Univ. Halle; 1962 Dr. med. dent. h. c. Univ. Hamburg; 1964 Wiederaufn. einer Tätigkeit an der Univ. Halle; 1967 Dr. med. h. c. Univ. Halle-Wittenberg; 1950 Mitgl., seit 1955 Vizepräs. der Leopoldina; 1961 Mitgl. der AdW; gest. in Halle. Arbeitsgebiete: Kiefer- u. Gesichtschirurgie, Kieferorthopädie, zahnärztl. Prothetik; Hrsg. d. Ztschr. »Dt. Zahn-, Mund- u. Kieferheilkunde«.Hübner, G., Müller, M.: Leben u. wiss. Werk E. R. Diss. Univ. Halle 1990; Bibl. von E. R. Leipzig 1972.Michael Kaasch

Wer war wer in DDR

Reider, Sybille

* 8.10.1949

Geb. in Wengelsdorf (Krs. Weißenfels); Ausbildung zur Krankenschwester; 1968 Abitur; 1968 – 72 Studium der Rechtswiss. an der MLU Halle, Dipl.-Jur.; 1972 – 80 Justitiarin der Interhotels Leipzig; ab 1980 Lehrerin für Recht an der FS für Gaststätten u. Hotelwesen Leipzig; 1985 FS-Pädagogin; Jan. 1990 SDP, dann SPD; März – Okt. 1990 Mitgl. der Volkskammer; April – Aug. 1990 Ministerin für Handel u. Tourismus in der Reg.  de Maizière (Nachf. von  Bruno Benthien); Aug. 1990 Austritt aus der SPD; danach arbeitslos bzw. Hausfrau. Seit 2001 Bürgermeisterin von Wengelsdorf (Burgenlandkrs., Sachsen-Anh.); Geschäftsf. im Bauunternehmen ihres Mannes.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Reimann, Karl

* 21.5.1900 – ✝ 20.7.1973

Geboren am 21. Mai 1900 in Ilmenau; lernte Gürtler. Seit 1917 Mitglied der USPD und enger Weggefährte von Walter Stoecker. 1918 Funktionär der FSJ bzw. der KJD im Bezirk Halle-Merseburg, seit 1919 Mitglied der KPD. Er nahm am Mitteldeutschen Aufstand im März 1921 teil, konnte flüchten und lebte kurze Zeit in Berlin unter dem Namen Willi Setzkorn. Reimann fand Anschluß an die Plättner-Gruppe ( Karl Plättner) und war an deren Bandenaktionen beteiligt. Im Dezember 1921 festgenommen und vom Schwurgericht Halle-Dresden zunächst zu drei Jahren, dann vom Staatsgerichtshof zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt, die er in Bautzen und Cottbus verbüßte. Ab 1926 Leiter der RHD Thüringen, leistete er nach 1933 illegale Arbeit, 1934 festgenommen und zu einer zweieinhalbjährigen Zuchthausstrafe verurteilt, anschließend in das KZ Lichtenburg bzw. in das KZ Buchenwald überführt. Nach der Befreiung Mitarbeit in der Such- und Auskunftsstelle für ehemalige KZ-Häftlinge in Erfurt. 1946 Mitglied der SED und Viehprüfer im Kreis Erfurt-Weißensee. Ab 1947 Sekretär der Landesleitung Thüringen der Gewerkschaft Land- und Forstwirtschaft, später Sekretär der VVN Thüringen, 1953 Mitarbeiter im Rat des Kreises Erfurt. Karl Reimann starb am 20. Juli 1973 infolge eines Unfalls in Erfurt.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Reimann, Max

* 31.10.1898 – ✝ 18.1.1977

Geboren am 31. Oktober 1898 in Elbing/Westpreußen, Sohn eines Kellners; Werftarbeiter, Soldat im Weltkrieg. 1919 Mitglied der KPD, Bergarbeiter im Revier von Hamm, 1926 Mitglied der RGO-Leitung des Bergarbeiterverbandes, 1931 UB-Leiter der RGO in Hamm, 1932 Sekretär der RGO Ruhr. Ende 1933 Flucht in das Saargebiet, im Mai 1934 in die âSR, dort Mitarbeiter im Auslandssekretariat der KPD und im Juli/August 1935 Teilnehmer am VII. Weltkongreß in Moskau. Anfang April 1939 inhaftiert, im Mai 1940 vom OLG Hamm zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt, ab 1942 im KZ Sachsenhausen. Nach der Befreiung 1945 bis zum Sommer im FDGB in Brandenburg, Reimann übersiedelte im September 1945 in die britische Zone. Er war bis 1947 1. Vorsitzender der KPD-BL Ruhrgebiet und gehörte von 1946 bis 1948 als KPD-Vertreter dem SED-PV an. Von April 1947 bis Juni 1954 Abgeordneter des Landtages von NRW, von 1949 bis 1953 auch MdB. Ab 1948 bis zum Verbot 1956 war Reimann Vorsitzender der KPD der Bundesrepublik. In dieser Funktion war er maßgebend an der Stalinisierung der KPD und ihrer Ausrichtung an den jeweiligen programmatischen wie organisationspolitischen Vorgaben des SED-Politbüros beteiligt. Wegen laufender Ermittlungen und Haftbefehlen (u. a. Mitwirkung an der Freiheitsberaubung Kurt Müllers) hielt er sich bereits ab 1952 ständig in Ost-Berlin auf, leitete ab 1956 als 1.Sekretär des ZK die illegale KPD in der Bundesrepublik. Nach Aufhebung des Haftbefehls (Verfolgungsverjährung) kehrte Reimann im Oktober 1968 in die Bundesrepublik zurück. 1971 trat er in die DKP ein und wurde später deren Ehrenvorsitzender. Max Reimann starb am 18. Januar 1977 in Düsseldorf.Bernd-Rainer Barth