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BioLex

In der Kategorie BioLex sind drei wichtige Lexika mit über 5500 Biografien von überzeugten Kommunistinnen und Kommunisten, Renegatinnen und Dissidenten im Volltext recherchierbar.

 

Das Handbuch „Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945“ wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam.

Kurzbiografien zu Personen des politischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 bereit.

Zudem ist das Online-Lexikon www.dissdenten.eu ebenfalls auf unserer Seite aufrufbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Informationen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Handbuch Deutsche Kommunisten

Reimers, Johann

* 5.4.1885 – ✝ 4.5.1947

Geboren am 5. April 1885 in Wittmund/Ostfriesland, Sohn eines Maurers; lernte Maurer. Von 1923 bis 1925 gehörte er der KPD-Fraktion im Oldenburger Landtag an. 1925 trat er aus der KPD aus, zeitweilig Mitglied der USPD, Ende 1932 wieder KPD-Mitglied. 1931 beim Gartenamt der Stadt Rüstringen beschäftigt, nach 1933 wurde er aus dem städtischen Dienst entlassen. 1935/36 Maurer, von Oktober 1939 bis Juni 1942 Arbeiter auf der Kriegsmarinewerft in Wilhelmshaven, dann Invalide, 1945 Maurer bei der Stadt Wilhelmshaven. Mitglied der KPD, ohne Funktionen anzunehmen. Johann Reimers starb am 4. Mai 1947 in Wilhelmshaven.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Reinhard, Fritz

* 3.3.1904 – ✝ 1954

Geboren am 3. März 1904 in Mannheim, Sohn eines Eisenbahners; kaufmännischer Angestellter. Seit 1921 Mitglied der kommunistischen Jugend, im gleichen Jahr wurde er bei einer Demonstration durch Schüsse schwer verletzt. Reinhard war seit 1922 in der BL Baden der KJD, dann wurde er nach Berlin ins ZK der Jugendorganisation berufen. 1925 Vertreter des KJVD beim Exekutivkomitee der KJI in Moskau, blieb bis 1928 in dieser führenden Funktion. Dann wurde er wegen seiner engen Beziehungen zu Heinrich Brandler und August Thalheimer nach Berlin zurückbeordert und 1929 als Rechter aus der KPD ausgeschlossen. 1929 in der KPO-Jugend aktiv; 1930 wurde er Werbeleiter einer Firma in Berlin, 1936 in Wien. Aus der Politik zurückgezogen, starb Fritz Reinhard 1954 in Wien.

Wer war wer in DDR

Reinhold, Otto

* 8.12.1925 – ✝ 27.4.2016

Geb. in Altrohlau (b. Karlsbad, ČSR/Stara Role, Tschechien); Vater Porzellanmaler; Ausbildung zum Schreibmaschinenmechaniker; 1945/46 KPD/SED; 1946 – 50 Studium der Wirtschaftswiss. an der FSU Jena u. der Univ. Berlin; 1950 – 53 Red. der SED-Ztschr. »Einheit«; zugl. 1951 Prof. für pol. Ökon. an der HU Berlin; 1953 Ltr. des Lehrstuhls Pol. Ökon. der PHS; ab Mai 1956 – Jan. 1961 stellv. Ltr. der Abt. Prop. des ZK der SED; 1959 VVO; Febr. 1961 – Mai 1962 Lehrstuhlltr. Pol. Ökon. u. stellv. Dir., 1962 Dir. des IfG bzw. Rektor der AfG; 1964 VVO; 1965 NP (Koll.); 1967 – 89 Mitgl. des ZK der SED; 1969 Ord. Mitgl. der DAW; 1970 Banner der Arbeit u. NP; 1974 VVO; 1976 Auswärt. Mitgl. der AdW der UdSSR; 1982 Banner der Arbeit; 1984 Dr. h. c. (HfÖ Berlin); 1985 KMO; 1987 für die SED Mitverf. des Dok. »Der Streit der Ideologien u. die gemeinsame Sicherheit«; 25.11.1989 Rücktritt als Rektor der AfG. Wiss. Arbeiten u. Lehre zu Fragen der pol. Ökon. des Soz. u. Kap., Kritik der bürgerl. Ideol. u. Propagierung der Theorie der »entw. soz. Ges.«.Die Akkumulation des Kapitals u. die Verelendung der Arbeiterkl. im Kap. Berlin 1957; Die Gestaltung unserer Ges. Berlin 1986; Pol. Ökonomie. Berlin 1989 (21. Aufl.). Hahn, E.: SED u. SPD. Ein Dialog. Berlin 2002; Reißig, R.: Dialog durch die Mauer. Die umstrittene Annäherung von SPD u. SED. Frankfurt (Main) 2002; Mertens, L.: Rote Denkfabrik? Die AfG beim ZK der SED. Münster 2004.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Reinmuth, Ernst

* 11.3.1901 – ✝ 30.8.1986

Geb. in Heidelberg-Kohlhof; Vater Obstbautechniker; 1920 / 21 Studium der Naturwiss. an der Univ. Heidelberg; 1921 / 22 landw. Lehre; 1922 – 24 Studium der Landw. an den Univ. Jena u. Halle, Dipl. für Landw. sowie Saatzuchtinspektor-Examen; 1925 / 26 Fachlehrer an der Landwirtschaftsschule in Eppingen (Baden); 1926 – 31 Ass., anschl. Ltr. der Abt. Pflanzenkrankheiten der Landw. Versuchsstelle Rostock; 1929 Prom. an der Univ. Rostock; 1937 Ltr. des Mecklenburg. Pflanzenschutzamts; 1935 Habil. an der Univ. Rostock, ab 1936 dort Doz. für Angew. Botanik; 1938 NSDAP; 1944 außerplanm. Prof. 1948 ord. Prof. u. Dir. des Inst. für Phytopathologie u. Pflanzenschutz, 1952 – 55 Prorektor für wiss. Aspirantur, 1956 / 57 Dekan der Landw. Fak., 1957 – 59 Rektor der Univ. Rostock (Nachf. von  Fritz Müller); seit 1952 Mitarb. der Sektion Pflanzenbau u. Pflanzenschutz der DAL zu Berlin; Mitgl. des wiss. Rats des DAL-Inst. für Pflanzenzüchtung in Groß Lüsewitz u. des wiss. Rats des Dt. Entomolog. Inst. der DAL in Eberswalde; 1959 Humboldt-Med. der AdW; 1961 VVO; 1966 NP. Forschungsschwerpunkte: Pflanzenkrankheiten, Pflanzenschutz, Bodenhygiene; über 150 wiss. Veröff.Pflanzenkrankheiten u. Pflanzenschädlinge. Berlin 1952 (Mitautor); Probleme der Bodenhygiene. Berlin 1960 (Mitautor); Phytopathologie u. Pflanzenschutz. 3 Bde., Berlin 1974 (Mitautor); Krankheiten u. Schädlinge gärtnerischer Kulturpflanzen. 3 Bde., Berlin 1976 (Mitautor).Martin Guntau

Handbuch Deutsche Kommunisten

Reith, Wilhelm von der

* 3.7.1897 – ✝ 28.2.1967

(* 1897 – † 1967) Geboren am 3. Juli 1897 in Altenwerder bei Hamburg; Bauarbeiter, trat 1913 in die Arbeiterjugend und 1915 in die SPD ein. Während der Novemberrevolution Mitglied der USPD, ging 1919 zur AAU, wurde 1921 Mitglied der KPD und Polleiter eines Hamburger Stadtteils. 1930 Kursant der M-Schule der Komintern in Moskau. Reith kam 1930 als Nachrücker in die Hamburger Bürgerschaft und gehörte ihr bis 1933 an. Mitglied der BL Wasserkante, 1933 in Rostock für die Anleitung der illegalen mecklenburgischen Parteiorganisationen verantwortlich. Er emigrierte in die âSR, war 1936 in Spanien Angehöriger der XI. Internationalen Brigade, Kommissar für Kultur. Später in Djelfa in Nordafrika interniert, diente 1942 als Zivilbeschäftigter bei den britischen Streitkräften und gehörte zu der Gruppe deutscher Kommunisten, die Ende 1943 in die Sowjetunion reisen durften. Dort Politinstrukteur in Kriegsgefangenenlagern, 1946 kehrte er nach Hamburg zurück. Er war wieder in der KPD und arbeitete für die Hamburger kommunistische Wochenzeitung »Blinkfüer«. Wilhelm von der Reith starb am 28.Februar 1967 in Hamburg.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Remmele, Hermann

* 5.11.1880 – ✝ 7.3.1939

Am 5. November 1880 in Ziegelhausen bei Heidelberg geboren, entstammte einer Müllerfamilie, sein Vater war Besitzer einer Bauernmühle. Hermann Remmele stieß ebenso wie sein Bruder Adam ([* 1877 – † 1951], später badischer SPD-Innenminister und Ministerpräsident) früh zur Arbeiterbewegung. Die Kindheit verlebte er in einem Bauerndorf im Odenwald und kam mit 14 Jahren nach Ludwigshafen/Rhein in eine Lehre als Eisendreher. 1897 Mitglied der Metallarbeitergewerkschaft und der SPD. Nach der Gesellenprüfung 1898 auf Wanderschaft. Remmele war einer der ersten, die 1901/03 in badischen Garnisonen illegal für die Sozialdemokratie warben, und er zählte zu den Mitbegründern der süddeutschen Arbeiterjugendbewegung. Die sozialistische Jugend Offenbachs delegierte ihn 1907 zum Jugendkongreß, er wurde Sekretär der Konferenz. 1907/08 besuchte er die SPD-Parteischule in Berlin, anschließend Parteifunktionär in Mannheim. Mitarbeiter der »Leipziger Volkszeitung«, ab 1910 Redakteur der Mannheimer SPD-Zeitung »Volksstimme«. Hermann Remmele stand auf dem linken Flügel der SPD, deren Mehrheit in Baden revisionistisch war. Am 12. August 1910 schrieb er in einem Brief an Karl Kautsky, die linken Delegierten bäten zum Badischen Parteitag um Unterstützung durch einen guten Referenten, nicht Hermann Müller oder Friedrich Ebert, sondern möglichst Hermann Molkenbuhr und betonte: »Selbstverständlich verkriechen wir uns nicht angesichts der großen Übermacht ins Mauseloch.« Von 1914 bis 1918 war Remmele als Soldat an der Front. Während eines Urlaubs 1916 sammelte er die Opposition der SPD in Mannheim. Delegierter auf dem Gründungsparteitag der USPD 1917, wurde er nach der Revolution 1918 zunächst Führer der USPD in Mannheim, Vorsitzender des Arbeiter- und Soldatenrates. Remmele war 1919 einer der Initiatoren und Organisatoren der kurzlebigen Räterepublik in Mannheim. Im Frühjahr 1919 Übersiedlung nach Stuttgart, hauptamtlicher Sekretär und Redakteur der USPD in Württemberg. 1920 für die USPD in den Reichstag gewählt. Delegierter des Spaltungsparteitages, Mitglied des Reichsausschusses, der Kontrollkommission und später des ZK der USPD. Mit dem linken Flügel der USPD kam er 1920 zur KPD. Auf dem Vereinigungsparteitag in die Zentrale der VKPD gewählt, gehörte Remmele seit dieser Zeit bis 1933 ununterbrochen der Zentrale bzw. dem ZK der KPD an. Als Zentralemitglied zog er nach Berlin, wo er verschiedene Funktionen im Orgapparat ausübte. Er war auch in der 1923 gewählten Brandler-Zentrale und beteiligte sich aktiv an der Vorbereitung des »Oktober 1923«. Als Kurier der Zentrale überbrachte er deren Aufstandsbefehl an die KP Hamburg. Nach der Niederschlagung von der Polizei gesucht (Steckbrief: »1,68 m groß, blaugraue Augen, volles, fahles Gesicht«), hielt er sich mit einem falschen Paß (Werner Luchholdt) in Deutschland auf. Remmele trennte sich von der Brandler-Spitze und wurde ein Wortführer der Mittelgruppe, die nach der Moskauer Beratung vom Januar 1924 die Parteileitung übernahm, er war bis April 1924 Vorsitzender der KPD. Auf dem IX. Parteitag 1924 geriet die Mittelgruppe zwar in die Minderheit, doch Remmele kam als ihr Vertreter auch in die neue, linke Zentrale. 1924 Mitglied des Polbüros; er gehörte bis 1932 zu diesem höchsten Parteigremium. Im Mai 1924 auch wieder in den Reichstag gewählt, behielt er das Mandat bis 1933. Hermann Remmele und Ernst Thälmann wurden 1924 von Grigori Sinowjew als »das Beste und Kostbarste, was die deutsche Partei besitzt ..., das Gold der Arbeiterklasse« bezeichnet. Seit Herbst 1925 Mitglied des EKKI-Präsidiums, übernahm Remmele 1925 auch die Chefredaktion der »Roten Fahne«. Nach dem »Offenen Brief« vom September 1925 gegen die Ruth-Fischer-Führung stieg sein Einfluß beträchtlich. Von November 1925 bis Juni 1926 war er Polleiter des Bezirks Berlin-Brandenburg. Vom VI. Weltkongreß der Komintern 1928 erneut ins EKKI-Präsidium berufen, hielt er sich als Vertreter der KPD längere Zeit in Moskau auf. Als das ZK der KPD wegen der Wittorf-Affäre 1928 Thälmann absetzte, wurde Remmele von Stalin nach Deutschland geschickt, um diesen Beschluß sofort rückgängig zu machen. In den folgenden Jahren spielte Remmele neben Thälmann und Heinz Neumann die entscheidende Rolle in der deutschen Partei, diese drei Mitglieder des Politsekretariats bildeten als Triumvirat von 1929 bis 1932 die eigentliche Parteiführung. Auf dem XII. Parteitag der KPD 1929 hielt Remmele ein Referat über die Verteidigung der Sowjetunion und wurde ebenso wie Thälmann begeistert umjubelt. 1930 dann zum Leiter des Kampfbundes gegen den Faschismus ernannt und in der KPD neben Thälmann immer deutlicher als Führer herausgestellt. An Remmeles 50. Geburtstag 1930 feierte ihn das ZK als »einen der Besten der eisernen bolschewistischen Garde«. Außer zahlreichen Broschüren veröffentlichte er das zweibändige Werk »Die Sowjetunion«, das von der KPD in über 30000 Exemplaren vertrieben wurde. Am 25. Mai 1931 wegen »Vorbereitung zum Hochverrat« zu zwei Jahren und neun Monaten Festung verurteilt; brauchte die Strafe aber als Reichstagsabgeordneter nicht abzusitzen. Neben Thälmann und Neumann trat Remmele als einer der Hauptverfechter des von der Komintern bestimmten ultralinken Kurses der KPD auf. Sein Versuch 1931/32, zusammen mit Neumann und der Mehrheit des Polbüros Thälmann abzusetzen und sowohl gegen Nationalsozialisten wie gegen die Sozialdemokraten einen schärferen Kurs zu steuern, mißlang. Im Zusammenhang mit der Maßregelung der Neumann-Gruppe wurde er ebenfalls verwarnt, doch während Neumann degradiert wurde, behielt Remmele seinen Platz im ZK und im Polbüro. Im Oktober 1932 mußte er aus dem Sekretariat des ZK ausscheiden, blieb aber bis 1933 in Berlin, emigrierte dann nach Moskau und wohnte im Hotel »Lux«. Nachdem sein Briefwechsel mit Neumann gefunden wurde (Neumann hatte ihm geraten »Liebknecht und nicht Haase zu sein«, es also zur Spaltung kommen zu lassen), war Remmeles politische Laufbahn beendet. Im Januar 1934 mußte er Selbstkritik üben und seine Theorien über den Faschismus widerrufen. Auch die »Behauptung, daß die deutsche Arbeiterklasse [1933] die schwerste Niederlage seit 1914 erlitten habe«, erklärte er nun als »falsch«. Hermann Remmele lebte mit seiner Frau Anna Remmele, geborene Lauer (* 22. 9. 1888), in Moskau; bis zu seiner Verhaftung durch das NKWD am 15. Mai 1937 war er dort Mitarbeiter der Agitation- und Propagandaabteilung der Komintern. Am 7. März 1939 wurde Hermann Remmele der »Teilnahme an einer konterrevolutionären terroristischen Organisation« beschuldigt, vom Militärkollegium des Obersten Gerichts zum Tode verurteilt und noch am selben Tag auf dem Donskoje-Friedhof erschossen. Anna Remmele wurde im Juli 1937 ebenfalls vom NKWD festgenommen, aus der Partei ausgeschlossen und nach achtzehn Monaten Haft Mitte Januar 1939 nach Sibirien verbannt, wo sie am 5. Juli 1947 im Tomsk starb. Der Sohn Helmut Remmele war schon vor dem Vater 1938 erschossen worden. Die Tochter Hedwig Remmele (* 20. 10. 1907 – †17.4. 1984) verlor nach der Verhaftung der Eltern ihre Arbeit im ZK der IRH, kam als Schlosserin in einen Moskauer Betrieb und wurde mit ihren beiden Töchtern im August 1941 ebenfalls nach Tomsk verbannt. Ende August 1956 durfte sie in die DDR ausreisen. Hermann Remmele wurde erst am 30.September 1988 durch Beschluß des Obersten Sowjet der UdSSR offiziell rehabilitiert.

Wer war wer in DDR

Renk, Silke

* 30.6.1967

Geb. in Querfurt; begann als Leichtathletin bei der BSG MK Sangerhausen, 1979 KJS Halle, SC Chemie Halle, Spezialdisz. Speerwerfen; 1981, 1993 u. 1995 Spartakiadesiegerin; 1985 Silber bei den DDR-Juniorenmeisterschaften; 1988 – 90 DDR-Vizemstr.; 1989 Gold bei der Universiade; ab 1987 Studium an der DHfK bzw. der KMU, Dipl.-Sportlehrerin. 1990 – 98 beim SV Halle (Trainerin: Maria Ritschel); 1991 WM-Bronze; 1992 Olympiasiegerin; 1992 u. 1993 Dt. Mstr.; Bestleistung: 71,00 m (1988); 1992 Silbernes Lorbeerblatt; 1998 Rücktritt vom Leistungssport, anschl. Koordinatorin im Facility Management der Energiegemeinschaft Halle (Saale); Vizepräs. Leistungssport des SV Halle.Volker Kluge

Handbuch Deutsche Kommunisten

Renner, Rudolf

* 27.3.1894 – ✝ 30.7.1940

Geboren am 27. März 1894 in Beule/Krs. Schwelm, Sohn eines Bierhändlers; lernte Steindrucker. 1910 Eintritt in die Gewerkschaft und die sozialistische Jugend. Bei Kriegsausbruch zur Infanterie eingezogen, später Flugzeugbeobachter an der Front. 1916 schloß er sich der Spartakusgruppe an. Kurz vor Kriegsende wegen illegaler politischer Betätigung festgenommen, durch die Revolution befreit und in den Soldatenrat gewählt. Anfang 1919 zog Renner nach Elberfeld, Mitglied der KPD. Als geschickter Redner, der sich eine gute Allgemeinbildung angeeignet hatte, von der Parteiführung schon 1919 als Sekretär eingesetzt, zunächst in einigen Städten des Rheinlands. 1920 ging er nach Sachsen, wurde Volontär bei der Chemnitzer KP-Zeitung »Kämpfer«, übernahm dann in Dresden das »Volksblatt« (ein Kopfblatt des »Kämpfers«). Als jüngster Abgeordneter zog er 1921 für die KPD in den Sächsischen Landtag ein, dem er ununterbrochen bis 1933 angehörte. Renner war bald einer der führenden Kommunisten in Ostsachsen. 1923 Kursant eines Halbjahreslehrgangs an der Internationalen Leninschule. Anfangs Anhänger der Brandler-Führung, wechselte er in der Ruth-Fischer-Ära zu den Linken und wurde nach dem »Offenen Brief« 1925 Gefolgsmann des Thälmann-ZK. Von 1925 bis 1928 war er in Dresden Chefredakteur der neuen KPD-Zeitung für Ostsachsen, der »Arbeiterstimme«. Der XII. Parteitag 1929 wählte Renner zum Mitglied des ZK. Von 1928 bis 1933 Vorsitzender der Landtagsfraktion und dort bekannt als schlagfertiger Parlamentarier. Als ihn z. B. der NSDAP-Abgeordnete Studentowski beschimpfte: »Du mit deiner Glatze!«, antwortete ihm Renner prompt: »Wenn ich so viel Mist im Kopf hätte wie du, würden mir wahrscheinlich auch Haare wachsen.« Anfang 1929 als Kommissar des ZK nach Leipzig geschickt, löste er den Versöhnler Georg Schumann als Polleiter ab, doch bereits im Februar 1929 übergab er diese Funktion Jean Winterich. Renner ging nach Berlin, um die Leitung des Pressedienstes der KPD zu übernehmen. Nach der Zusammenlegung der sächsischen Bezirke Ende 1929 wieder Chefredakteur der »Sächsischen Arbeiterzeitung«, dann 1932 vom ZK in die Redaktion der »Roten Fahne« nach Berlin berufen und Ende 1932 erneute Rückkehr nach Leipzig. Hier wurde Renner am 11. April 1933 verhaftet und schwer mißhandelt. Im April 1934 zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt, wurde er nach Ablauf der Strafe in die KZs Sachsenburg, Oranienburg und zuletzt nach Buchenwald gebracht, wo Rudolf Renner am 30.Juli 1940 ums Leben kam.

Wer war wer in DDR

Rentzsch, Egon

* 28.9.1915 – ✝ 28.7.1992

Geb. in Mobschatz (b. Dresden); Vater Schneidermstr.; Volks- u. Bürgerschule; kfm. Lehre; SAJ; 1930 KJVD; 1933 illeg. Arbeit; Nov. 1934 Verhaftung, 1933 – 36 Haft im Zuchthaus Bautzen, anschl. KZ Sachsenberg, Sept. 1936 entlassen; April 1937 erneut verhaftet, bis April 1939 Haft in den KZ Sachsenberg, Sachsenhausen u. Buchenwald; »wehrunwürdig«, bis 1945 Arbeit als Lagerist u. Monteur in Dresden. 1945/46 KPD / SED; Ltr. der KPD-LPS Sachsen in Ottendorf; 1946 – 48 Stadtrat für Volksbildung in Dresden; 1949/50 Lehrgang an der PHS; 1950 – 53 Ltr. der Abt. Schöne Künste u. Kultur des ZK der SED (Nachf. von  Stefan Heymann), Mai 1953 wegen »Versöhnlertums« u. eines Fehlers im von E. R. verantworteten Kulturprogramm anläßl. der zentr. »Karl-Marx-Feier« (Kantate auf Karl Marx von  Jean K. Forest /  Kurt Barthel) der Funktion enthoben; anschl. 1953/54 2. Sekr. der SED-BL Rostock (Nachf. von  Peter Pries); 1954 Sekr. für Kultur (Nachf. von Lore Wulf), 1954/55 Sekr. für Agit./Prop. (Nachf. von Willi Schult); 1955 – 59 Mitgl. des Präs. u. Sekr. für Kultur des FDGB-Bundesvorst.; 1959 aus gesundheitl. Gründen aus dem FDGB-Bundesvorst. ausgeschieden; 1963 wiss. Mitarb. Abt. Lit. u. Buchwesen im Min. für Kultur; Invalidenrentner; gest. in Berlin.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Reschke, Erich

* 14.3.1902 – ✝ 21.11.1980

Geb. in Dortmund; Volksschule; Ausbildung u. Arbeit als Stahlbauschlosser auf der Hamburger Werft Blohm & Voss; 1922 KPD; 1923 Teiln. am Hamburger Aufstand; 1925 RFB; Abt.-Ltr. des RFB in Hamburg-Altona; Mitgl. der RFB-Gaultg. Wasserkante; 1933 – 35 U-Haft, verurteilt zu fünf Jahren Zuchthaus, inhaftiert in Rendsburg, dann Straflager Esterwegen u. KZ Lichtenburg, 1938 – 44 KZ Buchenwald (zeitw. Lagerältester I), danach Strafgefängnis Ichtershausen. 1945/46 Chef der Landespolizei Thür.; 1946 SED; 1946 – 48 Präs. der DVdI; 1948/49 Mitarb. der Zentr. Kontrollkommission; Jan. 1950 als VP-Kdr. Ltr. der Strafvollzugsanstalt Bautzen; Juni 1950 unter unzutreffenden Beschuldigungen vom sowj. Sicherheitsdienst NKWD verhaftet, Parteiausschl., am 16.5.1951 zu lebenslängl. Haft verurteilt, bis Okt. 1955 Lager in der UdSSR; 1956 jur. u. pol. rehabil.; danach in der Verw. Strafvollzug (SV) des MdI als Ltr. Zuchthaus Bautzen tätig; 1.7.1962 Ruhestand, Oberst-Ltn. des SV a. D.; VVO; Banner der Arbeit.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Retzlaw, Karl

* 10.2.1896 – ✝ 20.6.1979

Geboren am 10. Februar 1896 in Schneidemühl als Karl Gröhl, Sohn eines Tischlers; wurde Industriearbeiter. Er trat in den Arbeiterjugendbildungsverein und 1916 in die SPD ein. Retzlaw war im Weltkrieg aktiv in der Berliner Spartakusgruppe und seit 1917 in der USPD organisiert. Noch 1918 verweigerte er den Kriegsdienst, ging in die Illegalität, wurde verhaftet und verurteilt. Ab 1919 Mitglied der KPD und Teilnahme an den Januarkämpfen in Berlin. Im März 1919 reiste er mit Willi Budich nach München, war dort Kommissar für das Polizeiwesen bzw. Polizeipräsident in der Münchner Räterepublik. Nach deren Niederschlagung polizeilich gesucht, tauchte er in Berlin unter und arbeitete als Sekretär der KPD-BL Berlin-Brandenburg. Von Paul Levi erhielt er 1920 den Auftrag, den illegalen Apparat (Nachrichtendienst) der KPD aufzubauen und dessen Leitung zu übernehmen (Pseudonym Karl Friedberg). 1921 versuchte er, Max Hoelz aus dem Gefängnis zu befreien. Er war von 1921 bis 1926 offiziell Geschäftsführer der Verlagsbuchhandlung Carl Hoym, des deutschen Komintern-Verlages, tatsächlich aber Leiter des Geheimapparates, wurde verhaftet und vom Reichsgericht zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Im Juli 1928 amnestiert, dann bis Anfang 1933 Geschäftsführer des Neuen Deutschen Verlages (NDV). Im Februar 1933 reiste Retzlaw nach Moskau und berichtete der Komintern-Führung über die Situation in Deutschland. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich Retzlaw-Gröhl schon vom Stalinismus gelöst. In Moskau übergab er konspirative Briefe des Trotzki-Sohnes Leo Sedow an Gesinnungsgenossen und traf sich mit Erich Wollenberg. Vor seiner fluchtartig organisierten Abreise aus der UdSSR hinterließ er in der Poststelle der Komintern noch einen Brief an Jossif Stalin und Ossip Pjatnitzki. In diesem Schreiben vom 1. März 1933 rechnete er scharf mit der Politik des ZK der KPD und der Komintern ab, er kritisierte, das ZK übersehe die Lage in Deutschland nicht in ihrer ganzen Tragweite und stehe der neuen Situation hilf- und ratlos gegenüber. Retzlaw forderte eine wirkliche Einheitsfront, die sich nicht nur als durchsichtiges Manöver an die SPD-Mitglieder, sondern auch an die Leitungen wenden müsse. Anschließend ging er in die Schweiz, nach Frankreich und Österreich, leitete in Saarbrücken ein Emigrantenheim der saarländischen Liga für Menschenrechte. Damals näherte sich Retzlaw den Trotzkisten an und wählte das Pseudonym Karl Erde. Schließlich traf er Leo Trotzki persönlich und brach im November 1933 öffentlich mit der KPD und der Komintern. In der trotzkistischen Zeitschrift »Unser Wort« publizierte er einen Nachruf auf Max Hoelz und richtete einen »Offenen Brief« an Pjatnitzki, in dem er seinen Bruch mit der »offiziellen kommunistischen Partei und der Komintern« mitteilte. Nun Journalist, half er Emigranten u. a. mit Paßfälschungen und arbeitete vorübergehend mit alliierten Diensten zusammen. 1939/40 kurzfristig interniert, flüchtete er nach Südfrankreich und gelangte über Spanien nach Portugal. Im Oktober 1940 wurde Gröhl-Retzlaw nach London ausgeflogen und war Gründer des Bundes deutscher revolutionärer Sozialisten. Auf französische Einladung kam er 1946 in das Saargebiet, wirkte dort zeitweilig als Kultursekretär der saarländischen Sozialdemokratie. Im April 1949 jedoch ausgewiesen, lebte Retzlaw ab 1950 in der Bundesrepublik, arbeitete bis 1963 als Verlagsangestellter bei der »Frankfurter Rundschau«, war dort lange Jahre Betriebsratsvorsitzender und gehörte der SPD an. Seine Memoiren publizierte er 1971 unter dem Titel »Spartakus. Aufstieg und Niedergang. Die Erinnerungen eines Parteiarbeiters«. Karl Retzlaw (bis 1953 amtlich Karl Gröhl) starb am 20. Juni 1979 in Frankfurt/ Main.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Reuter (Friesland), Ernst

* 29.7.1889 – ✝ 29.9.1953

(* 1889 – † 1953) Geboren am 29. Juli 1889 in Apenrade/Nordschleswig, Sohn eines Kapitäns und Navigationslehrers. 1907 machte Reuter in Leer das Abitur und studierte dann Germanistik, Geschichte, Geographie und Volkswirtschaft an den Universitäten Marburg, München und Münster. 1911/12 Hauslehrer in Bielefeld, 1912 philosophisches Staatsexamen; er trat der SPD bei, damit hatte sich die Aussicht, Oberlehrer/Studienrat zu werden, verringert. Ab 1913 in Berlin, hielt er Vorträge und Kurse im Rahmen des sozialdemokratischen Bildungsausschusses, der ihn schließlich als Wanderlehrer anstellte. Wegen der Haltung des SPD-Vorstandes beim Ausbruch des Weltkrieges ging Reuter zum von Hellmut von Gerlach gegründeten pazifistischen »Bund Neues Deutschland«, dessen Geschäftsführer er bis zur Einberufung im März 1915 war. Nach einer schweren Verwundung an der Front geriet Reuter im August 1916 in russische Kriegsgefangenschaft. Er näherte sich den Bolschewiki, für die er unter den deutschen Kriegsgefangenen agitierte, lernte die russische Sprache und wurde mit der Geschäftsführung einer Kohlegrube beauftragt. Beim Ausbruch der Oktoberrevolution 1917 Vorsitzender eines Kriegsgefangenenkomitees. In dieser Funktion kam Reuter nach Moskau, lernte Lenin kennen, der entsandte ihn im Mai 1918 als Volkskommissar, um (von Saratow aus) die chaotischen Verhältnisse in der Wolgadeutschen Republik zu ordnen. Nach dem Ausbruch der deutschen Revolution reiste Reuter mit Karl Radek und Felix Wolf ( Werner Rakow) nach Berlin und nahm am Gründungsparteitag der KPD teil. Im Februar 1919 schickte ihn die Zentrale unter dem Decknamen Friesland nach Oberschlesien, um dort die Partei aufzubauen. Von April bis September 1919 inhaftiert, wurde er anschließend mit der Reorganisation der Berliner KPD-Organisation beauftragt. Auf dem II. illegalen Parteitag der KPD in Heidelberg/Mannheim im Oktober 1919 wurde Reuter Ersatzmitglied der Zentrale. Nach der Einrichtung eines politischen (Polbüro) und organisatorischen Büros Ende September 1920 gehörte er dem Orgbüro als Vertreter der KPD Berlin an. Seit dem V. Parteitag Anfang November 1920 als Kandidat in die Zentrale der KPD aufgestiegen, berief ihn einen Monat später der Vereinigungsparteitag von USPD-Linke und KPD zur VKPD in den ZA. Als Anhänger der »Offensivtheorie« zählte Reuter nach der März-Aktion 1921 zu den schärfsten Kritikern Paul Levis. Auf dem III. Weltkongreß der Komintern im Juni 1921 Referent, bekannte er sich aus voller Überzeugung zu Lenins neuem Kurs. Der VII. Parteitag im August 1921 in Jena wählte Reuter-Friesland in die Zentrale und übertrug ihm die neue Funktion eines Generalsekretärs der KPD. Bei dieser Abstimmung hatte er sich gegen den anderen Kandidaten, Wilhelm Pieck, durchgesetzt. Als KPD-Generalsekretär wurde Reuter-Friesland allerdings bald von der Komintern kritisiert, weil er eine weitgehend eigenständige Linie verfolgte, dabei die politische und materielle Unabhängigkeit der KPD von der Komintern anstrebte. Auch innerparteilich wurde gegen ihn intrigiert. Reuters Vorstellungen über Charakter, Strategie und Zielsetzungen des Kommunismus näherten sich nun denen Paul Levis. Die Komintern-Führung wurde mißtrauisch und ließ Reuter im Dezember 1921 als Generalsekretär abberufen. Dagegen wehrte er sich und veröffentliche die Broschüre »Über die Krise in unserer Partei«, in der er die Zentrale und das EKKI scharf kritisierte. Daraufhin wurde Reuter am 27. Dezember aus der Zentrale und am 22. Januar 1922 aus der KPD ausgeschlossen. Er ging zur von Levi gegründeten KAG, dann zur USPD, für die er als Redakteur der »Freiheit« arbeitete. Nach der Vereinigung der USPD mit der SPD im Oktober 1922 wieder Mitglied der SPD und Redakteur des »Vorwärts«. Reuter gehörte seit 1921 der Berliner Stadtverordnetenversammlung an und wurde im Oktober 1926 besoldeter Stadtrat für das Verkehrswesen, wo er sich große Verdienste beim Aufbau der Berliner Verkehrsgesellschaft (BVG) erwarb. Im April 1931 zum Oberbürgermeister von Magdeburg gewählt, wurde Ernst Reuter im Juli 1932 im Wahlkreis Magdeburg auch Abgeordneter des Reichstags, in dem er bis März 1933 blieb. Am 11. März 1933 als Oberbürgermeister von SA-Leuten gewaltsam aus dem Magdeburger Rathaus entfernt und zwei Tage später »beurlaubt«. Dann am 9. Juni 1933 verhaftet, zunächst kam Reuter in das Polizeigefängnis Magdeburg, von dort ins KZ Lichtenburg bei Torgau, aus dem er am 7. Januar 1934 entlassen wurde. Reuter hielt weiterhin Kontakt zu Wilhelm Leuschner und Carl Severing, wurde am 16. Juni 1934 erneut inhaftiert und kam wieder in das KZ Lichtenburg. Nach internationalen Hilfskampagnen am 1. September freigelassen, emigrierte Reuter Ende Januar 1935 über die Niederlande nach Großbritannien. Schließlich folgte er im Mai 1935 einem Ruf der türkischen Regierung und begann in Ankara als Sachbearbeiter für allgemeine Tariffragen im Wirtschaftsministerium. Ab November 1938 Professor für Kommunalpolitik und Städtebau, ab 1939 kam er ins neuerrichtete Verkehrsministerium der Türkei. Reuter wollte nach Kriegsende rasch nach Deutschland zurückkehren, erhielt aber erst im Sommer 1946 von den Alliierten dazu die Erlaubnis. Anfang November 1946 verließ er mit seiner Familie Ankara und reiste nach Hannover. Die SPD-Führung schickte Reuter nach Berlin, dort Anfang Dezember 1946 zunächst Stadtrat für Verkehr im Berliner Magistrat. Nach dem Rücktritt Otto Ostrowskis am 17. April wurde Reuter im Juni 1947 zum Oberbürgermeister der Stadt Berlin gewählt. Wegen des Einspruchs der sowjetischen Besatzungsmacht konnte er dieses Amt jedoch erst nach der Spaltung der Stadt im Dezember 1948 antreten und wurde im Januar 1951 dann zum Oberbürgermeister von West-Berlin gewählt. Reuter zählte zu den berühmtesten Nachkriegspolitikern der SPD und hat in der »Frontstadt« West-Berlin (etwa während der Berlinblockade 1948) den Widerstandswillen der Bevölkerung gegen Stalins Regime gefestigt. Ernst Reuter starb am 29. September 1953 in Berlin an einer Herzlähmung.

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Reimers, Wilhelm

* 7.11.1897 – ✝ 4.2.1982

Geboren am 7. November 1897 in Hamburg-Altona, Sohn eines Zimmermanns; lernte Maschinenbauer. 1912 Mitglied des Arbeiter-Jugendbundes Hamburg, von Mitte 1916 bis Ende 1918 Soldat im Weltkrieg. 1919 trat er in die USPD, 1922 in die KPD ein, ab 1924 Stadtverordneter in Hamburg-Altona, von 1927 bis 1933 dort auch unbesoldeter Senator. Anfang 1929 Redaktionsvolontär der »Hamburger Volkszeitung«, nach einem halben Jahr Gewerkschaftsredakteur. Er wurde Ende 1930 Geschäftsführer des KPD-Unternehmens Norddeutscher Verlag, im Januar 1932 in Berlin Leiter der Verlagszentrale der KPD. Reimers gehörte damit automatisch der Gescha (Geschäftsabteilung) unter Leitung von Willi Budich an. Nach der Verhaftung von Budich übernahm er 1933 die Funktion des »Reichstechnikers« und arbeitete eng mit Eugen Schönhaar zusammen. Nachdem die meisten Bezirkstechniker festgenommen bzw. emigriert waren, gab es Gerüchte, daran sei Reimers schuld, Ende 1933 machte ihm Walter Ulbricht schwere Vorwürfe. Reimers kehrte nach Deutschland zurück, arbeitete dann in Prag unter dem Parteinamen Peter Dahlen und hatte in Paris Aussprachen mit Wilhelm Florin, Hermann Schubert und Wilhelm Pieck, wobei sie alle Vorwürfe Ulbrichts für grundlos erklärten. Anschließend Geschäftsführer der Saar-Nahe-Druck AG, einem von der KPD finanzierten Verlagsunternehmen. Im April 1935 in Frankreich, im Auftrag der Komintern reiste Reimers im Januar 1936 nach Kopenhagen, um den heruntergewirtschafteten Verlag der KP Dänemarks zu reorganisieren. Trotz erfolgreicher Arbeit bekam er Differenzen mit der KP Dänemarks. Hier wuchs auch seine Skepsis über die Moskauer Prozesse, den Spanischen Bürgerkrieg und über die Volksfrontpolitik. Um sich einer Befragung durch die IKK zu stellen, mußte Reimers im August 1937 nach Moskau, durfte im April 1938 wieder nach Kopenhagen, legalisierte sich und blieb dort auch nach der deutschen Besetzung. Er trennte sich von der KPD, stellte sich am 5. August 1940 der dänischen Polizei, wurde interniert und am 27. Mai 1941 an NS-Deutschland ausgeliefert. Hier wurde Reimers am 17. Dezember 1941 vom VGH zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt. 1945 schloß er sich der SPD an, arbeitete als Journalist, Pressereferent und Gewerkschaftssekretär. Von 1955 bis 1964 war Reimers Geschäftsführer der SPD-Zeitungen »Hamburger Echo« und »Hamburger Morgenpost« und von 1949 bis 1957 SPD-Abgeordneter der Hamburger Bürgerschaft. Wilhelm Reimers starb am 4. Februar 1982 in Hamburg.

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Reinhardt, Philipp

* 15.2.1891 – ✝ 29.6.1968

Geboren am 15. Februar 1891 in Ludweiler (heute Völklingen)/Saar, Sohn eines Bergmanns; ging ebenfalls in den Bergbau. Von 1914 bis 1917 Soldat bzw. Unteroffizier im Weltkrieg. Nach der Rückkehr arbeitete er zunächst wieder als Bergmann, später war er Sekretär des lothringischen Bergarbeiterverbandes (zuständig für die Mitglieder im Saargebiet). 1920 wurde Reinhardt Mitglied der USPD, Ende des Jahres trat er der VKPD bei und war zeitweise Redakteur der »Arbeiterzeitung«. Von 1922 bis 1929 Vertreter der KPD im Landesrat Saar, da er zu den Rechten gehörte, wurde er am 30. Mai 1929 aus der KPD ausgeschlossen. Bis 1933 Mitglied der KPO und deren 2. Vorsitzender an der Saar, für die KPO Abgeordneter im Landesrat Saar, seit 1932 Hausmeister in einer Ludweiler Schule. Reinhardt reiste gemeinsam mit dem Polleiter der KPD von Ludweiler, Karl Ulrich, auf Einladung der Nationalsozialisten im November 1933 nach Berlin, dort wurden beide von Adolf Hitler zu einem Gespräch empfangen. Daraufhin schloß ihn die KPO aus. 1934 trat er im Saargebiet in die von den Nazis unterstützte »Deutsche Front« ein und redigierte die Zeitschrift »Der Rufer im Warndt«. Kurzzeitig Mitglied der NSDAP, wurde Reinhardt nach Auseinandersetzungen mit lokalen NSDAP-Funktionären aber auch hier wieder ausgeschlossen. 1945 durch die französischen Militärbehörden vorübergehend interniert, dann Mitglied der SPS und 1955 der SPD, von 1956 bis 1960 war er Abgeordneter des Kreistages Saarbrücken-Land. Philipp Reinhardt starb am 29. Juni 1968.

Wer war wer in DDR

Reinhold, Wolfgang

* 16.4.1923 – ✝ 2.9.2012

Geb. in Berlin-Friedrichshagen; Vater Kraftfahrer; Volksschule; 1938 – 40 kfm. Ausbildung; anschl. Bankangest.; 1941 – 45 Luftwaffe, Uffz. in einem Schlachtgeschwader; Mai 1945 – Juli 1949 sowj. Gefangenschaft, Antifa-Gebiets- u. -Zentralschule 999 bei Moskau, Mitgl. eines Lageraktivs. Juli 1949 Rückkehr nach Dtl.; Hilfsdreher u. Stanzer im VEB Pentacon in Dresden; 1949 – 51 Polit-Lehrer bzw. Ltr. der FDJ-Landesschule Zschorna; 1951/52 Sektorenltr. des ZR der FDJ; 1950 SED; Mai 1952 Eintritt in die KVP als Propagandist / Politstellv. VPD Pirna; 1952 – 54 bei der VP-Luft / Aeroklub Kdr. einer Fliegereinheit in Cottbus, Major; 1954 – 57 Kdr. der Fliegerdiv. in Drewitz; 1957/58 sowj. Militärakad. der Luftstreitkräfte; 1958 – 60 Ltr. der Abt. Ausbildung im Kdo. Luftstreitkräfte/ Luftverteidigung (LSK / LV), Oberst; 1960 – 65 Stellv. des Chefs der LSK / LV (Nachf. von Paul Wilpert); 1963 Gen.-Major; 1965 – 67 sowj. Gen.-Stabsakad., Dipl. rer. mil.; 1967 – 72 Stellv. des Chefs der LSK / LV u. Chef des Stabs; 1972 – 30.11.1989 Stellv. des Ministers u. Chef der LSK / LV (jeweils Nachf. von  Herbert Scheibe); 1974 Gen.-Ltn.; 1979 Gen.-Oberst; 1981 – 89 Kand. des ZK der SED; 1960, 1969 u. 1983 VVO; 1984 Ehrenspange zum VVO; 1981 u. 1986 Scharnhorst-Orden; 1988 KMO; 1989/90 überprüft durch den NVA-Aussch. zur Untersuchung von Amtsmißbrauch, Korruption u. persönl. Bereicherung, keine strafrechtl. Konsequenzen; 31.12. 1989 Ruhestand.Diedrich, T. u. a.: Im Dienste der Partei. Berlin 1998.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Reisch, Günter

* 24.11.1927 – ✝ 24.2.2014

Geb. in Berlin; Vater Bäcker; 1943 – 45 Kriegsdienst; danach amerik. Kriegsgefangenschaft. 1946 Gründung eines Kulturensembles der Antifa-Jugend mit sowj. Lizenz; 1947 Aufnahme in das Nachwuchsstudio der DEFA in Berlin, Unter den Linden; 1949 Regieassistent von Gerhard Lamprecht bei »Quartett zu fünft«; 1949 – 58 von  Kurt Maetzig bei »Rat der Götter« (1950), bei »Ernst Thälmann – Sohn seiner Kl./Führer seiner Kl.«, 1958 »Das Lied der Matrosen«; 1956 Regiedebüt mit »Junges Gemüse« (DEFA); 1956 SED; ab 1958 Theaterarbeit in Rostock, u. a. Inszenierung von »Krieg u. Frieden« nach Leo N. Tolstoi; 1959 NP (im Koll.); 1961 »Gewissen in Aufruhr«, DFF-Mehrteiler, dafür 1961 NP (im Koll.); 1962 »Ach, du fröhliche« (DEFA, Drehbuch:  Hermann Kant); 1965 »Solange Leben in mir ist«, dafür 1966 u. 1970 NP; 1967 – 88 Vizepräs. des Verb. der Film- u. Fernsehschaffenden; 1970 »Unterwegs zu Lenin«, 1971 »Trotz alledem!«, 1974 »Wolz, Leben u. Verklärung eines dt. Anarchisten«, 1978 »Anton der Zauberer«, 1980 »Die Verlobte« (gem. mit  Günther Rücker), dafür 1980 NP (im Koll.) u. Grand Prix bei den Internat. Filmfestspielen in Karlovy Vary; 1983 – 91 AdK; ab 1989 Ruhestand; Gastvorlesungen an Filminst. u. -schulen in Kassel, München, Graz, Bozen.Aune Renk

Handbuch Deutsche Kommunisten

Reitler, Anna

* 3.6.1894 – ✝ 23.6.1948

Geboren am 3. Juni 1894 in Liblar als Anna Schnitzler, Tochter eines Arbeiters; in ihrer Jugend Dienstmädchen. Sie kam nach Köln, wo sie einen Arbeiter namens Reitler heiratete. Anna Reitler schloß sich 1918 der USPD an und kam mit der linken USPD 1920 zur KPD, in der sie verschiedene ehrenamtliche Funktionen ausübte. Längere Zeit Frauenleiterin der BL Mittelrhein. Sie zeichnete vorrübergehend verantwortlich für die Kölner KPD-Zeitung »Sozialistische Republik«, 1923 Delegierte des VIII. Parteitages. Im Mai 1924 zog sie als kommunistische Abgeordnete in den Reichstag ein, wurde aber im Dezember des gleichen Jahres nicht wiedergewählt. Später trat sie politisch nicht mehr hervor und war auch nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr politisch tätig. Anna Reitler starb am 23. Juni 1948 in Markkleeberg bei Leipzig.

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Renau, José

* 17.5.1907 – ✝ 11.10.1982

Geb. in Valencia (Spanien); Vater Maler u. Restaurator; erster Unterricht beim Vater; 1919 – 25 Studium an der Kunst-HS San Carlos in Valencia; anschl. als Werbegrafiker tätig; 1928 erste Ausstellung in Madrid; 1931 KP Spaniens; 1932 – 39 Prof. an der Kunst-HS Valencia; Wandbilder u. Fotomontagen; 1936 Dir. der KP-Ztg. »Verdad«; 1936 – 39 GD der Schönen Künste der span. Rep. u. pol. Komissar im Bürgerkrieg; 1938 Ltg. der bildkünstler. Prop. der Armee; 1939 Emigr. nach Mexiko; Mitarb. von David Alfaro Siqueiros. 1958 Übersiedl. in die DDR; baugebundene Arbeiten, Collagen u. Fotomontagen; nach dem Tod Francos Reisen nach Spanien; in den 70er Jahren als Ltr. eines Mal- u. Zeichenzirkels in seinem Haus in Berlin Inspirator von Künstlern der jüngeren Generation; zeitw. Mitgl. im künstler. Beirat für die Gestaltung des Palastes der Rep. Werke: Fata Morgana USA (Fotomontagen) Berlin 1967; Wandbilder »Einheit der Arbeiterkl.« u. »Gründung der DDR«, Halle-Neustadt 1968 – 74.Suárez, L.: Interview mit J. R. »Meine Wurzeln liegen in Spanien«. In: Bildende Kunst (1968) 8; Thiele, E.-M: J. R. (Reihe Maler u. Werk) Dresden 1975; Haupt, G.: Zur Fotomontage von J. R. In: Bildende Kunst (1978) 12; Scharnhorst, A.: Trojanische Pferde im soz. Kunstbetrieb? In: Kunstdokumentation SBZ/DDR. Hrsg. von G. Feist u. a. Köln 1996.Anke Scharnhorst

Wer war wer in DDR

Renn, Ludwig

* 22.4.1889 – ✝ 21.7.1979

Geb. in Dresden; Vater Prof. für Math. u. Prinzenerzieher Johann V. v. G.; 1903 – 10 Königl. Gymnasium in Dresden, Abitur; 1910 – 20 Offz. im Leibgrenadierreg. 100 in Dresden, 1911 Ltn., 1914 Regt.-Adj., Einsatz an der Westfront, mehrere Auszeichn.; später Lehrer an einer Feldkriegsschule; 1918 zunächst Wahlführer eines Bat. der sozialdemokrat. ausgerichteten Sicherheitstruppe Dresdens, später Hundertschaftsführer der Sicherheitspolizei; weigerte sich, während des Kapp-Putsches auf Arbeiter zu schießen, deshalb 1920 als Hptm. ausgeschieden; anschl. Gelegenheitsarbeiten; 1920 – 23 Studium des Russ., Jura u. Nationalökon. an den Univ. Göttingen, München u. 1926/27 Kunstgeschichte u. Geschichte in Wien; 1923 – 26 freischaff. Schriftst. u. Kunsthändler in Dresden, danach in Wien; 1925/26 Wanderungen durch Dtl., Südeuropa, Türkei u. Ägypten; 1927 in Berlin; Jan. 1928 KPD u. RFB Zwickau-Pölbitz; seit Ende der 1920er Jahre Mitarb. des M-Apparats der KPD, hauptsächl. in der illeg. Schulung von »Kampfkadern« tätig; 1928 – 32 Sekr. des BPRS; Mithrsg. der Ztschr. »Die Linkskurve«; 1929 u. 1932 in der UdSSR; ab 1930 Mithrsg. der militärtheoret. Ztschr. »Aufbruch«; Nov. 1932 während eines Vortrags über militär. Aufstand verhaftet, Jan. 1933 entlassen; in der Nacht des Reichstagsbrands verhaftet, 1933 – 35 »Schutzhaft« in Berlin-Spandau u. Moabit, Leipzig, Bautzen; Jan. 1934 wegen »Vorber. zum Hochverrat« zu 30 Mon. Gefängnis verurteilt, Haft im Zuchthaus Bautzen; Aug. 1935 Zwangsansiedl. am Bodensee; Jan. 1936 Emigr. in die Schweiz, dann nach Spanien; Mitgl. der KP Spaniens; 1936/37 Thälmann-Bat., Chef des Stabs der 11. Internat. Brigade im span. Bürgerkrieg; 1936 Mitgl. der Katalan. Einheitspartei; 1937 span. Staatsbürgerschaft; 1937 im Auftrag der rep. span. Reg. Propagandareise durch die USA, Kanada u. Kuba; 1939 in Frankreich interniert (Lager St. Cyprien), 15.2.1939 befreit; illeg. in Paris; 1939 – 47 in Mexiko; 1939 – 42 KP Mexikos, dann Dt. KPD-Gruppe; 1940/41 Lehrtätigkeit an der Univ. Morelia (mod. Europ. Geschichte u. Sprachen); 1942 Präs. der BFD u. 1943 des Lateinamerik. Komitees der freien Dt., der Dachorg. der antifa. Org. Lateinamerikas; ab 1941 auch Studium der mexikan. Archäol. u. Anthropol. in Mexiko-City. März 1947 Rückkehr nach Dtl. (Berlin); Prof. für Anthropol. an der TH Dresden; 1947 Mitgl. des SV; Landessekr. des KB in Dresden; 1948 Vors. des KB in Sachsen; 1949 Dr. h. c. der TH Dresden; lehrte ab 1949 Kulturgeschichte an der HS für Bildende Kunst in Dresden; 1950 – 53 Untersuchungen u. Befragungen durch die ZPKK im Kontext der Field-Affäre; ab 1952 freischaff. Schriftst. in Berlin; 1952 Mitgl. u. später Ehrenpräs. der DAK; 1955 u. 1961 NP; Vors. des Arbeitskrs. zur Pflege der dt. Kultur u. Sprache; April 1959 VVO; Ehrenpräs. des PEN-Zentrums DDR; 1961 Vizepräs. der Liga für Völkerfreundschaft der DDR; 1964 Held der Arbeit; ab Juli 1964 Präs. der Ges. »Neue Heimat« bzw. »Ges. Neue Heimat«; 1969 KMO; 1969 – 75 Ehrenpräs. der AdK; ab 1973 Ehrenmitgl. des Vorst. des DSV; April 1974 Ehrenspange zum VVO; April 1979 Großer Stern der Völkerfreundschaft; gest. in Berlin. Gilt als Mitbegr. der proletar.-rev. dt. Lit. u. führender Repräsentant der DDR-Lit.; v. a. Romane (auch autobiogr.), Jugend- u. Reisebücher, Reportagen, Erzählungen, Lyrik, auch Übers. Werke: Rußlandfahrten. Berlin 1932; Adel im Untergang 1944; Morelia. Eine Universitätsstadt in Mexiko. Berlin 1950; Trini 1954; Der Neger Nobi 1955; Im span. Krieg 1955; Krieg ohne Schlacht 1957; Meine Kindheit u. Jugend 1957; In Mexiko 1979; Ges. Werke in Einzelausg., 10 Bde. Berlin u. Weimar 1964 – 70; Anstöße in meinem Leben. (Autobiogr.) Berlin u. Weimar 1980; Vor großen Wandlungen. Berlin Weimar 1989; seit 2001 Neuausg. der Ges. Werke in Einzelausg. im Verl. Das Neue Berlin (Hrsg. G. Drommer).Auer, A.: L. R. – ein ungewöhnliches Leben. Berlin 1964; Sauter, J.-H.: Interviews mit Schriftst. Leipzig, Weimar 1982; Roscher, A.: Also fragen sie mich! Gespräche. Halle, Leipzig 1983; Kießling, W.: Brücken nach Mexiko: Traditionen einer Freundschaft. Berlin 1989; Römer, S., Coppi, H. (Hrsg.): Aufbruch. Dokumentation einer Ztschr. zwischen den Fronten. Koblenz 2001; Barth, B.-R., Schweizer, W. (Hrsg.): Der Fall Noel Field. Berlin 2005 u. 2007.Herbert Mayer / Bernd-Rainer Barth

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Rennert, Jürgen

* 12.3.1943

Geb. in Berlin-Neukölln; Vater Gebrauchswerber, Mutter Kontoristin; aufgew. bei der Großmutter in Berlin (West); 1953 Übersiedl. zu den Eltern in die DDR; 1959 – 62 Schriftsetzerlehre, dann Hilfspfleger in einem Krankenhaus; 1963 erste Veröff. in der Ztschr. »Neue Dt. Lit.«; 1964 – 75 Werbetexter u. Red. im Verlag Volk u. Welt; dazw. 1966/67 Wehrersatzdienst als Bausoldat; 1966 Beiträge in der eingestampften Ausgabe der »Neuen Texte 6«; 1968 Beitrag in der nach Drucklegung makulierten Anthol. »Saison für Lyrik«; ab 1972 wieder Publikationsmöglichkeiten, u. a. »Poesiealbum 75« (1973) u. »Märkische Depeschen. Gedichte« (1976); Engagement für jidd. Lit. u. jüd. Tradition, zahlr. Übers. aus dem Jidd. (u. a. Mark Rasumny, Scholem Alechem); Nachdichtungen russ., tschech. u. ungar. Lyrik (u. a. Alexander Twardowski, František Hrubín, Vladimír Holan); 1974 – 90 Mitgl. des SV; 1975 – 90 freischaff. Schriftst. in Berlin; 1979 Heinrich-Heine-Preis; 1980 Mitgl. des PEN-Zentrums DDR, dann Dtl.; bereits 1968 geriet er ins Visier des MfS, das 1984 über ihn die OPK „Igel“ anlegte; 1986 unwissentlich vom MfS als IMS „Reinhardt“ erfasst, ohne das im Weiteren konkrete Aktivitäten ersichtlich sind. 1990 – 2005 Sachbearb. im Kunstdienst der Ev. Kirche Berlin, ab 1996 dessen stellv. Ltr., zuletzt dessen Ltr.; 1991 Ehrengabe der Dt. Schillerstift. Weimar.Hoher Mond. Gedichte. Berlin 1983; Angewandte Prosa. Erfragtes, Zwischengefunktes, Vermittelndes. Berlin 1983; Dialog mit der Bibel. Berlin 1984; Noahs Kasten. Gedichte. Berlin 1996; Die Weihnachtsgeschichte der Christen. Berlin 1998; Verlorene Züge. Gedichte. Norderstedt 2001; Hiobs Botschaft. Gedichte. Berlin 2008.Hannelore Fischer

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Rentzsch, Hermann

* 27.5.1913 – ✝ 12.4.1978

Geb. in Schmiedeberg (Krs. Dresden); Va- ter techn. Angest.; 1919 – 27 Volksschule; 1927 – 30 Ausbildung zum Kunst-, Bau- u. Möbeltischler; 1927 – 33 SAJ u. Reichsbanner; 1931 – 34 im Beruf tätig, zeitw. arbeitslos; 1934 – 43 Reichswehr, dann Wehrmacht, 1941 – 43 in der Sowjetunion, zul. Obltn.; 29.1.1943 in Stalingrad mit 5.000 Soldaten übergelaufen; 1943 – 45 sowj. Kriegsgefangenschaft; 1943/44 Besuch der Marx. Schule; Mitgl. des NKFD, Frontbeauftr. u. Lektor an versch. Antifa-Schulen. Juni 1945 Rückkehr nach Dtl.; 1946 KPD/ SED; 1945/46 Bürgermstr. in Stollberg (Sachsen); bis 1948 dort Landrat; 1948/49 HA-Ltr. in der DVdI; ab 1949 Ltr. der HV Schulung der DVdI; 1949/50 Studium an der sowj. Militärakad. Privolsk; 1952 Gen.-Major u. bis 1956 Befehlshaber des Armeekorps Nord der KVP, 1956 – 58 Befehlshaber NVA-MB 5 u. Ltr. der Verw. Artillerie im Stab der NVA; 1958/59 Chef Ausbildung im MfNV (Nachf. von  Helmut Borufka); 1959 Versetzung in die Reserve; 1959 – 62 1. Hauptdir. der VVB Unimak; 1961 – 65 stellv. Vors. des Volkswirtschaftsrats; 1963 Banner der Arbeit; 1966/67 stellv. Minister für Schwermaschinen- u. Anlagenbau; 1967 – 72 Verw.-Ltr. in der HV für Planung beim Vors. des Min.-Rats; 1972 – 76 Stellv. Chef Techn. Bewaffnung; 1973 VVO; gest. in Berlin.Bernd-Rainer Barth / Andreas Herbst

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Reschke, Thomas

* 4.6.1932

Geb. in Danzig (Gdańsk, Polen); Vater Buchbinder, Mutter Hortnerin; Sept. 1945 Umsiedl. nach Ludwigslust; 1951 dort Abitur an der Goethe-OS; 1951 – 55 Studium der Slawistik an der HU Berlin, Dipl.-Slawist; 1955 – 90 Übersetzungsred. u. Lektor in den Verlagen Kultur u. Fortschritt sowie Volk u. Welt, Berlin, seit 1956 Übers. russ. Belletristik; 1965 – 90 Mitgl. des SV, Mitgl. der Ltg. seiner Berliner Bez.-Org., zul. stellv. Vors.; 1975 F.-C.-Weiskopf-Preis; 1987 Maxim-Gorki-Preis des sowj. SV. 1990 Wahl in das PEN-Zentrum DDR, dann Dtl.; seit 1990 freiberufl.; 1993 Mitgl. des Präs. des Dt. PEN-Zentrums (Ost); 1991 – 94 Mitgl. des Bundesvorst. VS, Mitgl. der Bundessparte Übersetzer; 1991 Bundesjugendliteraturpreis; 1992 u. 1998 Stipendium des Dt. Literaturfonds; 2000 Bundesverdienstkreuz, 2001 Übersetzerpreis der Stiftung Kunst u. Kultur des Landes NRW; lebt in Berlin. Übers. von mehr als 160 Werken russ. bzw. sowj. Lit. u. a. von Michail Bulgakow (Sämtl. Werke), Ales Adamowitsch, Wassil Bykau, Friedrich Gorenstein, Jlja Ilf, Jewgeni Petrow, Jewgeni Jewtuschenko, Anatoli Kim, Bulat Okudshawa, Boris Pasternak (»Doktor Shiwago«), Anatoli Pristawkin, Jewgeni Samjatin, Warlam Schalamow, Michail Sostschenko, Wassili M. Schukschin, Wladimir Tendrjakow, Juri Tynjanow u. Artjom Wesjoly, Jus Aleschkowski, Wassili Axjonow, Übers. auch von Kriminalromanen, Stücken von Tschingis Aitmatow, Nikolai Erdman u. Alexander Wampilow sowie Kinderbüchern.Heimliche Märchen. Berlin 1983 (Auswahl u. Übers.); Michail Bulgakow. Texte, Daten, Bilder. Frankfurt (Main) 1991 (Hrsg.).Bernd-Rainer Barth

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Reuter, Fritz

* 4.7.1911 – ✝ 26.3.2000

Geb. in Berlin; Vater Arbeiter; Volksschule; 1925 – 28 Ausb. zum Maurer; 1927 – 33 KJVD-Funktionär, Mitgl. des ZK des KJVD, Org.-Ltr. im Unterbez. Berlin-Wedding, Mitarb. der KJVD-BL Berlin, Ltr. der KJVD-BL Leipzig; 1930 KPD; ab 1933 illeg. Tätigkeit; Ltr. des KJVD Düsseldorf, verhaftet u. verurteilt; 1934 – 38 Zuchthaus u. KZ Sachsenhausen; abermals illeg. Tätigkeit; 1939 erneut verhaftet u. 1940 vom VGH zu drei Jahren u. sechs Mon. Haft verurteilt. 1946 SED; 1946 – 48 Stadtverordn. von Berlin; FDGB-Funktionär; Sekr. des SED-Landesvorst. bzw. der SED-BL Berlin; 1954 – 57 2. Sekr. (Nachf. von Max Bosselt), 1957 – 60 1. Sekr. der SED-BL Dresden (Nachf. von  Hans Riesner); 1954 – 58 Abg. des Bez.-Tags Dresden; Mitgl. der ZRK der SED; 1958 – 63 Mitgl. des ZK der SED; 1958 – 63 Mitgl. der Volkskammer; 1960 – 66 1. Stellv. des Vors. des Rats des Bez. Erfurt; 1969 VVO; 1972 – 89 stellv. ltd. Sekr., dann stellv. Vors. der Zentralltg. des KdAW; 1976 KMO.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Reuther, Werner

* 16.2.1925 – ✝ April 2016

Geb. in Harthau; Vater Gußputzer; Volks- u. Berufsschule; Lehre u. Arbeit als techn. Zeichner; 1943 RAD u. Wehrmacht; Mai/Juni 1945 brit. Kriegsgefangenschaft. 1945/46 KPD/SED; 1945 Waldarb.; Eintritt in die DVP; 1946 – 50 Schutzpolizist in Har- thau bzw. Ref.-Ltr. beim VPKA Chemnitz; 1950 – 55 Hauptsachbearb. bzw. Abt.-Ltr. in der DVP-HV; Fernstudium der Rechtswiss., 1959 Dipl.-Jur.; 1955 2. Sekr., 1956 1. Sekr. der SED-GO der DVP-HV, 1956 – 60 2. Sekr. der SED-KL im MdI; 1960 – 70 Ltr. der HA Paß- u. Meldewesen des MdI; 1961 Oberst; Beauftr. für die Durchführung der Passierscheinabkommen; 1970/71 Kursant an der Militärakad. der Grenztruppen der UdSSR; 1971 – 74 Stellv. des Chefs der DVP; 1973 Gen.-Major; 1973/74 Studium an der PHS; 1974 – 89 Chef der Pol. Verw. des MdI u. Stellv. des Ministers des Innern (Nachf. von  Ewald Eichhorn), 1990 ausgeschieden; 1976 – 89 Kand. des ZK der SED; Mitgl. des Präs. der ZL der SV Dynamo; 1978 Gen.-Ltn.; 1964, 1975 u. 1985 VVO.Andreas Herbst

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Reinelt, Joachim

* 21.10.1936

Geb. in Neurode (Niederschl./Nowa Ruda, Polen); Studium der Theol. in Erfurt u. Neuzelle; 1961 Priesterweihe in Bautzen; 1961 – 64 Kaplan in Gera u. Freiberg; 1964 – 66 Pfarradjutor in Ebersbach (Sachsen); 1966 – 70 Kaplan in Dresden; 1970 – 74 Pfarradministrator in Freiberg; 1974 – 86 Pfarrer u. Dekan (ab 1980) in Altenburg (Thür.); Mitgl. der Focolare-Bew.; 1986 – 88 Ordinariatsrat u. Diözesancaritasdir. des Bistums Dresden-Meißen in Dresden; Jan. 1988 Ernennung zum Bischof der Diözese Dresden-Meißen (Nachf. von  Gerhard Schaffran); Febr. 1988 Bischofsweihe in Dresden; Vors. der Caritas-Kommission der Dt. Bischofskonferenz.Christl. Perspektiven im geeinten Dtl. Köln 1992; Fest des Geistes. Gedanken zur Firmung. Leipzig 2004; Die Liebe zählt. Gedanken zur Caritas. Leipzig 2006.Bernd Schäfer

Wer war wer in DDR

Reinhardt, Rudolf

* 11.4.1914 – ✝ 9.8.2004

Geb. in Chemnitz; Vater Ingenieur; Volks- u. Oberrealschule; 1931 KJVD, 1932 / 33 Mitarbeit an der KPD-Ztg. »Kämpfer«; 1933 Abitur; 1933 – 35 kaufm. Lehre; ab 1936 Arbeit als Werbeltr. u. Reklamefachmann; 1944 / 1945 Wehrmacht (Ersatz-Grenadier-Bat. 514 Dresden). 1945 Red. der »Dresdener Nachrichten«; anschl. bis 1955 Red. u. Sonderkorresp. der »Täglichen Rundschau«; 1947 SED; 1948 – 50 Pressereferent in der Landesreg. Sachsen; 1955 – 57 Red. u. Sonderkorresp. des »Neuen Deutschlands«; ab 1950 Red., dann stellv. Abt.-Ltr. bei der »Täglichen Rundschau« in Berlin; 1957 / 58 Chefred. der NBI (Nachf. von  Bernt v. Kügelgen); Mitgl. des ZV des VDP; Febr. 1958 Flucht in die Bundesrep. Dtl.; Korrektor in der Societäts-Druckerei; freischaff. Autor der Ztschr. »Die Gegenwart«, Lokalreporter der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung« (FAZ), 1961 Red. der FAZ, 1962 – 75 Ltr. des Ressorts Lokalpolitik, Mitgl. der Politikred.; Lehrbeauftragter an der Univ. Mainz; gest. in Gravenbruch.Zeitungen und Zeiten. Journalist im Berlin der Nachkriegszeit, Köln 1988.Andreas Herbst

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Reinisch, Rica

* 6.4.1965

Geb. in Seifhennersdorf (Lausitz); 1976 mit dem Schwimmsport begonnen, Mitgl. des SC Einheit Dresden (Trainer: Uwe Neumann); 1980 Olymp. Spiele: Siegerin (100 m u. 200 m Rücken, 4 x 100-m-Lagenstaffel), dabei vier WR aufgestellt; 1982 sportl. Laufbahn krankheits- u. verletzungsbedingt abgebrochen; 1989 nach Koblenz übergesiedelt. 1991 Comeback beim SSV Rhenania Köln versucht; hat sich 1994 zur Einnahme von Dopingmitteln während der aktiven Laufbahn bekannt.Olaf W. Reimann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Reischmann, Maria

* 4.3.1905 – ✝ 13.3.1989

Geboren am 4. März 1905 in Wertheim/Main, Tochter einer Arbeiterfamilie; besuchte die Handelsschule, anschließend Textilarbeiterin und Stenotypistin. 1923 Mitglied der KPD, von 1924 bis 1929 in der BL Württemberg, zunächst Stenotypistin, dann Leiterin der Frauenabteilung. Ab Dezember 1930 Stenotypistin im ZK der KPD, stieg zur Mitarbeiterin der Frauenabteilung des ZK auf. Mitte Februar 1933 arbeitete Maria Reischmann illegal an der Seite von Walter Beling, dem Leiter der Kasse des ZK der KPD. Im Juli 1934 emigrierte sie über Frankreich, wo sie zeitweise im »Thälmann-Komitee« in Paris aktiv war, nach Moskau. Dort Sekretärin im Apparat der Komintern, zeitweilig auch von Wilhelm Pieck. Sie nahm 1935 an der »Brüsseler Konferenz« teil und war nach Auflösung der Komintern am Institut 205. Im Juni 1945 kehrte sie nach Deutschland zurück, in Sachsen Leiterin der Kasse des SED-LV. Von Januar 1950 bis 1952 in der DDR-Botschaft in Budapest, von 1957 bis 1964 in der Abteilung Finanzverwaltung des ZK der SED tätig, sie erhielt den VVO in Gold. Maria Reischmann war seit Mitte der zwanziger Jahre mit Max Gohl verheiratet. Sie trennten sich 1929. Dann 1931/32 zeitweilig Lebensgefährtin von Willi Kreikemeyer und in Moskau Partnerin eines ungarischen KP-Funktionärs, der Opfer der Stalinschen Säuberungen wurde. Maria Reischmann starb am 13. März 1989 in Ost-Berlin.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Rembte, Adolf

* 21.7.1902 – ✝ 4.11.1937

Geboren am 21. Juli 1902 in Kirchsteinbig/Krs. Stormann; Lehre als Bäcker, später Gelegenheitsarbeiter. Anfang 1919 Mitglied der SAJ, nach anderthalb Jahren trat er wieder aus, 1922 Mitglied der KPD. Als Teilnehmer am Hamburger Aufstand wurde er nach längerer Untersuchungshaft am 23. März 1925 wegen »Beihilfe zum Hochverrat« zu zweieinhalb Jahren Festungshaft verurteilt. Anfang 1926 zunächst als Volontär, dann als Redakteur bei der »Hamburger Volkszeitung«. Von November 1927 bis zum Frühjahr 1930 war Rembte Kursant an der Internationalen Leninschule, danach im Herbst 1930 am Institut für Geschichte und Recht in Moskau. Im Sommer 1931 begann er als Kursusleiter und Lehrer an der Reichsparteischule »Rosa Luxemburg« in Berlin-Fichtenau. Im August 1931 wurde Rembte in Stuttgart verhaftet, am 8. Juni 1932 vom Reichsgerichts wegen »Vorbereitung zum Hochverrat« zu zwei Jahren Festung verurteilt, kam im Dezember 1932 durch Amnestie frei. Nach der Besetzung des Karl-Liebknecht-Hauses 1933 illegal, traf Rembte sich mehrmals mit dem Politbüromitglied Hermann Schubert, der ihn als Polleiter nach Halle-Merseburg schickte. In diesem Bezirk von Juni bis November 1933 Oberberater unter dem Decknamen Rudolf, dann ging er im Dezember 1933 unter den Decknamen Poser bzw. Oskar als Polleiter der illegalen BL Niederrhein nach Düsseldorf. Mitte Mai 1934 wurde er in Berlin anstelle von Wilhelm Kox Mitglied der illegalen Landesleitung, die sich in jener Zeit aus Otto Wahls und Philipp Daub bzw. Paul Merker zusammensetzte. Da Wahls ein Anhänger von Schubert war, wurde Rembte an dessen Stelle Ende 1934 nach Moskau gerufen, um als Vertreter der Landesleitung den neuen Kurs zu unterstützen. Er reiste Anfang Februar 1935 von Moskau nach Prag, traf sich täglich mit Robert Stamm und mit Herbert Wehner, um die neue Landesleitung in Berlin vorzubereiten. Rembte kam am 2. März 1935 in Berlin an, hier wurde er bereits am 27. März 1935 zusammen mit Käthe Lübeck, Robert Stamm und Max Maddalena verhaftet, dann im Juni 1937 vom VGH zum Tode verurteilt. Adolf Rembte wurde am 4. November 1937 in Berlin-Plötzensee hingerichtet.

Wer war wer in DDR

Renckwitz, Fritz

* 12.3.1921

Geb. in Sautzschen (Krs. Zeitz); Vater Arbeiter; Volksschule; Lehre u. Arbeit als Tischler; 1940/41 RAD, 1941 – 45 Wehrmacht; 1945 – 48 sowj. Kriegsgefangenschaft, 1947 Antifa-Schule, anschl. Lehrer. 1948 Rückkehr nach Dtl.; SED; 1949 Schüler bzw. Assistent an einer KPS; 1949 – 51 Abt.-Ltr. bzw. 2. Sekr. der SED-KL Zeitz; 1951 Eintritt in das MfS; 1951 Politinstrukteur in der MfS-LV Sachsen-Anh.; 1951 – 54 Lehrer bzw. stellv. Lehrstuhlltr. an der Schule des MfS; 1954/55 Studium an der PHS; 1955 – 60 pol. Mitarb. der Abt. Sicherheitsfragen des ZK der SED; 1960 – 75 Sektorenltr. MfS im ZK der SED; Fernstudium an der JHS Potsdam-Eiche, 1969 Dipl.-Jur.; Oberst; 1974 Gen.-Major; 1975 – 86 Stellv. des Ltr. der Abt. für Sicherheitsfragen des ZK der SED; VVO.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Renn, Ludwig

* 22.4.1889 – ✝ 21.7.1979

Geboren am 22. April 1889 als Arnold Friedrich Vieth von Golßenau in Dresden. Sein Vater, Johann Vieth von Golßenau, war Mathematikprofessor und Erzieher am Sächsischen Hof. Nach dem Abitur 1910 begann er eine Offizierslaufbahn, von 1914 bis 1918 zunächst Regimentsadjutant, dann Kompanie- und Bataillonsführer an der Westfront. 1919 kehrte er nach Dresden zurück, war 1920 Hundertschaftsführer der sozialdemokratisch ausgerichteten Sicherheitspolizei. Von 1920 bis 1923 studierte er Jura und Kunstgeschichte in Göttingen und München, danach im Kunsthandel tätig, 1926/27 setzte er in Wien sein Studium fort. Ab Januar 1928 in Berlin Mitglied der KPD, wurde auch Mitglied des RFB und des BPRS. Im September 1928 veröffentlichte die »Frankfurter Zeitung« Vorabdrucke seines Romans »Krieg«. Seinen Adelstitel aufgebend, nannte er sich fortan nur noch Ludwig Renn. Von 1928 bis 1932 war er Mitherausgeber der kommunistischen militärpolitischen Zeitschrift »Aufbruch« sowie – u. a. mit Johannes R. Becher – der Monatsschrift des BPRS »Die Linkskurve«. 1930 erschien Renns zweiter Roman »Nachkrieg«, in dem er die innenpolitischen Kämpfe von der Revolution bis zum Kapp-Lüttwitz-Putsch schilderte. Wegen »literarischen Hochverrats« wurde er 1932 während eines Vortrags verhaftet, Anfang Januar 1933 durch die Weihnachtsamnestie wieder freigelassen. In der Nacht des Reichstagsbrandes in »Schutzhaft« genommen, am 16. Januar 1934 zu dreißig Monaten Zuchthaus verurteilt. Über die Schweiz flüchtete Renn im Januar 1936 nach Spanien, wurde im Oktober 1936 Kommandeur des »Thälmann-Bataillons« und Stabschef der XI. Internationalen Brigade. Er wurde 1939 in Frankreich interniert, gelangte dann über Großbritannien und die USA nach Mexiko. Hier war er von 1941 bis 1946 Präsident der Bewegung Freies Deutschland. 1947 kehrte Renn über Murmansk nach Deutschland zurück, trat in die SED ein, wurde in Dresden Leiter des Kulturwissenschaftlichen Instituts und Professor für Anthropologie an der TH. Ab 1948 Vorsitzender des Kulturbundes Sachsen, erhielt 1949 die Ehrendoktorwürde der TH Dresden. Renn lebte ab 1952 als Schriftsteller in Berlin. In der Politik hielt sich Renn zurück, spielte oft den »Ahnungslosen«. Immerhin ließ er die Beziehungen zu Paul Merker nicht abreißen, selbst als dieser ab 1950 von der SED-Führung verfolgt wurde, er schickte Merker sogar Päckchen ins Gefängnis. Von 1969 bis 1975 war Renn Ehrenpräsident der DDR-Akademie der Künste, erhielt zweimal den Nationalpreis der DDR. Ludwig Renn starb am 21. Juli 1979 in Ost-Berlin. Renns Autobiographie »Anstöße in meinem Leben« erschien posthum 1980. Seine Werke erreichten in der DDR Millionenauflagen.Herbert Mayer / Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Rennhack, Heinz

* 5.3.1937

Geb. in Danzig (Gdańsk, Polen); Lehre u. ab 1954 Arbeit als Tischler, 1959 – 64 Operngesangsstudium an der HS für Musik »Carl Maria v. Weber« in Dresden, anschl. Engagements an der Staatsoperette in Dresden; ab 1968 Mitgl. des Schauspielensembles des DDR-Fernsehens, zahlr. Rollen, u. a. auch in Kinderfilmen u. Komödien, u. a. »Das tapfere Schneiderlein«, »Spuk im Hochhaus«, »Oben geblieben ist noch keiner«; Personality-Shows u. Moderation von Unterhaltungssendungen, u. a. »Ein Kessel Buntes«, »Der Wunschbriefkasten« (1973), »Wieder mal Heinz Rennhack« (1976); 1985 LP »Eine Runde Rennhack«, LP »Erschröckliche Moritaten« mit  Helga Hahnemann; neben der Fernseharb. zahlr. Gastspiele an Theaterbühnen, u. a. an der Kom. Oper u. der Volksbühne in Berlin, in Dresden, Görlitz, Halberstadt u. Zittau; 1983 NP. 1988 Übersiedl. nach West-Berlin, seitdem freiberufl. Schauspieler, Hauptrollen u. a. am Theater des Westens u. am Theater am Kurfürstendamm; 1993 ARD-Comedy-Serie »Heinz bleibt Heinz«, Filmrollen u. a. in den TV-Serien »Wie gut, daß es Maria gibt«, »Das Traumschiff« (1993), »Diese Drombuschs« (1993), »Die Trotzkis« (1993), »Liebling Kreuzberg« (1996), »Unser Charly« (2004); Moderation u. Mitwirkung in versch. TV-Shows, u. a. MDR-Show »Männer sind auch Menschen« (2002); seit 1997 Solotourneen mit versch. Liederprogrammen; 2004 – 06 Oberspielltr., Regisseur u. Schauspieler des Hamburger Kulturdampfers »Das Schiff« mit jährl. wechselnden literar. Kabarettprogrammen; 2009 MDR Fernsehshow »Rennhack TV 2009«, Engagement als Gefängniswärter Frosch in der Operette »Die Fledermaus« am Schloßgartentheater Neustrelitz. CDs: »Über die Liebe u. andere Grausamkeiten« (1997 / Lieder von Georg Kreisler), »Die Liebe u. der Dienstweg« (1999).Jan Wielgohs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Repschläger, Wilhelm

* 17.3.1870 – ✝ 1945

Geboren am 17. März 1870 in Strasburg/Uckermark; lernte von 1884 bis 1887 das Zimmererhandwerk. Er bereiste Deutschland und ließ sich 1893 in Berlin nieder. 1894 Mitglied der Gewerkschaft und 1897 der SPD. Repschläger war aktiv im Zimmererverband tätig und übte viele Jahre ehrenamtliche Funktionen aus. 1917 trat er der USPD bei und kam mit deren linkem Flügel 1920 zur KPD. Ab 1921 Vorsitzender des Zentralverbandes der Zimmerer Berlins und Umgebung und zugleich hauptamtlicher Sekretär dieser Gewerkschaft. 1925 in die Berliner Stadtverordnetenversammlung berufen. Repschläger zog 1928 als Abgeordneter der KPD in den Reichstag ein, wurde aber 1930 nicht wiedergewählt. Seit 1929 leitete er den kommunistischen Zimmererverband in der RGO. Im November 1930 vor Gericht gestellt, da einige Artikel in einer KPD-Zeitung, für die Repschläger verantwortlich zeichnete, als »hochverräterisch« angesehen wurden. Dabei stellte sich heraus, daß er nur »Sitzredakteur« war, von Redaktionsarbeit nichts verstand, er wurde freigesprochen. Später trat er politisch nicht mehr hervor. Wilhelm Repschläger starb im Juli 1945 in Berlin.

Wer war wer in DDR

Rettmann, Fritz

* 5.2.1902 – ✝ 20.7.1981

Geb. in Berlin; Vater Arbeiter; Volksschule; Ausbildung zum Werkzeugmacher; 1916 DMV; 1919 Freie Soz. Jugend; 1920 – 28 KAPD u. Allg. Arbeiter-Union; 1920 – 30 Werkzeugmacher in Berlin, u. a. bei AEG, Siemens, C. Lorenz; 1921 – 28 Mitgl. des geschäftsf. Vorst. der Allg. Arbeiter-Union; 1928 KPD; Mitgl. der Betriebszelle der AEG Ackerstr.; 1929 Mitgl., 1930 – 33 Gewerkschaftssekr. des Einheitsverb. der Berliner Metallarb. (EVBM); danach illeg. Arbeit als Pol-Ltr. des EVBM u. Aug. 1933 – Mai 1943 als Instrukteur für die KPD-UB Weißensee, Lichtenberg, Friedrichshain u. Kreuzberg in Berlin; Juni 1934 Emigr. in die UdSSR; 1934/35 Lenin-Schule (»Fritz Norden«); 1935 vier Wochen illeg. Arbeit in Dtl. (als Tscheche (»Egon Fuchs«); dann Emigr. in die Niederl., dort Schulungsarbeit unter KPD-Emigranten; Okt. 1936 – Juli 1938 als Angeh. der Internat. Brigaden Teiln. am span. Bürgerkrieg, IX. Internat. Brigade, Kapitän u. Politkommissar im Etkar-André-Bat.; Jan. 1937 bei Madrid schwer verwundet; März 1937 KP Spaniens; nach Verwundung Pol.-Ltr. der 2. Parteischule u. Instrukteur der Offz.-Schule in Benicasim u. bei Pozo Rubio in Spanien; Juli 1938 nach Frankreich, Schulungsltr. der KPD in Paris; 1939 Kurier der KPD-Auslandsltg. Paris; Sept. 1939 – 43 Internierung in Frankreich, zul. im KZ Gurs; Juni 1943 Auslieferung nach Dtl., Haft in der Gestapo-Zentrale in Berlin; Aug. 1943 – Apr. 1945 KZ Sachsenhausen; Apr. 1945 Todesmarsch nach Schwerin, dort befreit. Mai 1945 Rückkehr nach Berlin; Juni/Juli 1945 Kulturltr. im Bez.-Amt Reinickendorf; Aug. 1945 – 51 1. Vors. der IG-Metall Groß-Berlin; Vorstandsmitgl. des FDGB; 1946 SED; 1952 Magistratsdir. für Berufsausbildung in Berlin; 1953 Dir. für Arbeit im VEB Großdrehmaschinenbau »7. Okt.« Berlin-Weißensee; 1955 1. Sekr. der GST-BL Berlin u. stellv. Vors. der GST; 1957 – 62 Ltr. der Abt. Gewerkschaft, Sozialpolitik des ZK der SED (Nachf. von Fritz Schellhorn); 1958 Mitgl. der SED-BL Berlin; 1959 – 72 Mitgl. des FDGB-Bundesvorst.; 1962 Mitarb. des Lehrstuhls Geschichte der HS des FDGB; ehrenamtl. Mitarb. der Westkommission des ZK der SED; 1963 Mitbegr. u. stellv. Vors. des Solidaritätskomitees für das span. Volk; Fachberatung bei der Publ. »Brigada Internacional ist unser Ehrenname«, Berlin 1974; 1962 VVO; 1975 KMO; verh. mit Maria Rentmeister; gest. in Berlin.Aus dem Leben eines Sozialisten. Berlin 1963; Aus dem Leben eines Spanienkämpfers. Erinnerungen eines Veteranen der rev. dt. Arbeiterbew. Berlin 1972.Elke Reuter / Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Reuter, Fritz

* 4.7.1911 – ✝ 26.3.2000

Geboren am 4. Juli 1911 in Berlin, Sohn einer Arbeiterfamilie; Maurerlehre. 1926 trat er in die SAJ, 1927 in den KJVD ein, wurde Orgleiter in Berlin-Wedding, anschließend hauptamtlicher Mitarbeiter der KJVD-BL Berlin-Brandenburg. Er leitetet zeitweise den KJVD im Bezirk Leipzig, 1930 auch Mitglied der KPD. Von 1930 bis 1933 gehörte er dem ZK des KJVD an. Ab Februar 1933 bis zu seiner Verhaftung 1934 wirkte er für den illegalen KJVD in Düsseldorf. Das OLG Hamm verurteilte Reuter im Dezember 1934 zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus, anschließend ins KZ eingeliefert. Nach seiner Entlassung im Februar 1938 wieder Maurer; er knüpfte Kontakte zur Widerstandsgruppe Saefkow-Bästlein. Am 16. Dezember 1939 erneut festgenommen und im Juni 1940 durch den VGH zu dreieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt. Anschließend in das KZ Sachsenhausen überführt, im Juni 1944 gelang Reuter die Flucht aus dem KZ-Außenlager in Berlin-Lichtenrade, er lebte dann bis April 1945 unter dem Namen Josef Kunz illegal in Berlin. Von 1946 bis 1953 Sekretär der SED Groß-Berlin, ab 1954 in Erfurt 2. Sekretär, von 1957 bis 1960 1. Sekretär der SED Dresden. Mitglied der ZRK und von 1958 bis 1963 des ZK der SED. Dem unter Erich Honecker aufgewerteten Komitee der Antifaschistischen Widerstandskämpfer gehörte er von 1972 bis 1988 als »zweiter Mann« der Zentralleitung in Berlin an, er erhielt 1976 den Karl-Marx-Orden. Fritz Reuter starb am 26.März 2000 in Berlin.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Reutter, Rudolf

* 28.3.1897 – ✝ 8.8.1980

Geb. in Göttingen; Vater kfm. Angest.; aufgewachsen bei den Großeltern; 1903 – 11 Volksschule in München; 1911 – 14 Fortbildungsschule u. Ausbildung zum Elektromonteur in Würzburg; 1914 – 16 Militärdienst, Sold. an der Westfront (Frankreich), schwere Verwundung; 1917 stellv. Waffenmstr. in Amberg; 1917/18 Waffenmeistergehilfe einer Garnison; 1919 USPD u. Teiln. an den Kämpfen in Würzburg während der Bayer Räterep.; 1920 KPD; 1925 – 27 Ltr. des KPD-UB Unterfranken; 1927 – 31 Kursant (mit Unterbrechung 1929/30) an der Internat. Lenin-Schule in Moskau; 1928 – 31 KPdSU; 1929/30 illeg. nach Dtl., Aufbau einer illeg. Funkverbindung Berlin– Moskau (OMS-Apparat der KI); ab Frühj. 1931 Studium am Internat. Agrarinst. in Moskau bzw. in der Landw.-Abt. der KI; 1931 Rückkehr nach Dtl.; zentr. KPD-Instrukteur für Hessen; 1931 – 33 Mitarb. in der Landabt. des ZK der KPD; ab 1933 illeg. pol. Arbeit (»Fred«); 1933 Vertrieb illeg. Ztg. von Prag nach Dtl.; Veröff. in der KPČ-Ztg. »Rudé Právo« u. »Vorwärts« (Reichenbach); ab Juni 1933 illegal in Dtl., Ltr. der »zentralen illegalen Abt. Land«, Nov. 1933 verhaftet, Nov. 1934 vom VGH wegen »Vorber. zum Hochverrat« zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt, 1934 – 37 Haft im Zuchthaus Luckau; 1937 – 45 KZ Sachsenhausen; dort Mitgl. der illeg. Parteiltg. (mit  Max Reimann,  Hans Seigewasser,  Kurt Müller) u. des internat. Lagerkomitees; Apr. 1945 Befreiung durch die Rote Armee. 1945/46 KPD/SED; 1945 Bez.-Vorsteher in Bernau; 1945 Mitbegr. des Antifa-Aussch. in Berlin-Zehlendorf; Mai – Juli 1945 dort stellv. Kdr. der Polizeiinspektion; Aug. 1945 – Okt. 1949 Ltr. der Abt. Landw. des ZK der KPD bzw. PV der SED, ab Apr. 1946 parität. mit  Fritz Scholz; 1949/50 persönl. Ref. des Staatssekr. für Landw.,  Paul Merker; Okt. 1950 kommissar., Apr. 1951 – Sept. 1952 Ltr. der HA Agrarpol. im Min. für Landw. (Nachf. von  Heinke Heinks); 1952 – 54 Ltr. der HA Buch u. Ztschr. im Dt. Bauernverlag; Okt. 1954 – März 1958 Ltr. der Abt. Landw. im Aussch. für Dt. Einheit; 1957 Banner der Arbeit; 1958 Ruhestand; 1972 VVO; 1977 Ehrenspange zum VVO; gest. in Berlin.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Reingruber, Hans

* 30.4.1888 – ✝ 14.1.1964

Geb. in Wuppertal; Vater Chemiker; Gymnasium; 1908 – 12 Studium des Bauingenieurwesens u. a. an der TH Hannover; 1924 Prom. zum Dr.-Ing.; 1920 Reg.-Baurat bei der RBD Hannover; 1916 – 33 Ministerialrat im Reichsverkehrsmin.; 1933 Weigerung, der NSDAP u. ihren Gliederungen oder Verbänden beizutreten; 1934 – 45 Prof. für Eisenbahn- u. Verkehrswesen an der TH Dresden. 1945 KB; 1946 Stadtverordn. in Dresden (parteilos, SED-Liste); Vors. des Bau- u. Verkehrsaussch.; Mitgl. im Ratsaussch. für den Wiederaufbau der Stadt; 1946 – 50 für den KB Abg. des Sächs. Landtags; 1946/47 Dekan der Fak. für Bauwesen, 1947/48 Prorektor u. Dekan der Fak. für Verkehrswesen der TH Dresden; Wiss. Sekr. u. Mitgl. des Gelehrten Rats für Wiss., Forschung u. Lehre der Dt. ZV für Volksbildung; 1948/49 Ltr. der HV Verkehr der DWK; Mitgl. des Dt. Volksrats; 1949/50 Mitgl. der Prov. Volkskammer; 1949 – 53 Minister für Verkehr (parteilos), aus Gesundheitsgründen abberufen; 1953 Dr.-Ing. h. c. der HS für Verkehrswesen Dresden; 1953 – 64 Prof. für Eisenbahn- u. Verkehrswesen der Fak. für Verkehrswesen an der TH bzw. TU Dresden; 1958 u. 1963 VVO.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Reinhold, Johannes

* 15.6.1897 – ✝ 22.8.1971

Geb. in Zoppot (b. Danzig / Sopot, Polen); Vater Buchdrucker; Realgymnasium; 1914 – 16 Gärtnerlehre; 1916 – 19 Militärdienst; 1919 – 22 Studium an der Höheren Gärtnerlehranstalt in Berlin-Dahlem u. 1921 – 24 an der Landw. HS Berlin, 1926 – 28 Landw.-Studium an den Univ. Kiel u. Königsberg, Dipl.-Landwirt; Prom. zum Dr. phil. mit einer Diss. zur Wertabschätzung der Obstbäume; 1922 – 37 Angest. der Lehr- u. Forschungsanstalt für Gartenbau in Berlin-Dahlem; ab 1925 mit der Ltg. des Versuchsfelds für Gemüsebau in Großbeeren beauftragt; 1930 Privatdoz. für Gemüsebau u. -gärtner. Betriebslehre an der Landw. HS Berlin sowie Studienrat an der o. g. Anstalt in Berlin-Dahlem, 1932 Habil. mit einer Arbeit zur gärtner. Siedlung in Dtl.; 1937 – Nov. 1945 Dir. der sächs. Versuchs- u. Forschungsanstalt für Gartenbau in Pillnitz; Mitarb. im Forschungsrat des Reichsnährstands; 1938 – 45 a. o. Prof. an der Landw.-Gärtner. Fak. der Univ. Berlin; 1941 NSDAP. 1946 SED; 1946 – 50 Abt.-Ltr. an der o. g. Forschungsanstalt in Pillnitz; 1952 – 55 kommissar. Dir.; 1950 – 64 Dir. des Inst. für Gemüsebau Großbeeren der DAL; ab 1950 Prof. mit Lehrstuhl an der HU Berlin; 1958 – 60 Dekan der Landw.-Gärtner. Fak., bis 1962 Dir. des Univ.-Inst. für Gemüsebau; 1952 Ord. Mitgl. der DAL, Sekretar der Sekt. Gemüse-, Obst- u. Zierpflanzenbau; 1961 NP; 1963 Dr. h. c. der Gartenbau-Univ. Budapest; 1964 em. J. R. brachte den wiss. Höchststand der Vorkriegszeit in die weitere Entw. von Gemüsebau sowie die gartenbaul. Lehre u. Forschung ein; Mitarb. in zahlr. Gremien, so in der Forschungsgem. Gemüse des DDR-Forschungsrats u. der Agrarkommission beim PB des ZK der SED; mehr als 450 Publ., u. a.: Der Garten. Handbuch des Kleingartenbaus, 7. Aufl. 1958; Begründer u. Hrsg. der Ztschr. »Der dt. Gartenbau«; Chefred. des Archivs für Gartenbau (1953 – 65).Siegfried Kuntsche

Handbuch Deutsche Kommunisten

Reinke, Ernst

* 28.11.1891 – ✝ 28.4.1943

Geboren am 28. November 1891 in Adlig-Schmelz (Memel)/Ostpreußen; Arbeiter, seit 1920 Mitglied der KPD. Aktive Arbeit für die KPD in Tilsit, beteiligt am großen Eisenbahnerstreik, deshalb entlassen, 1925 Übersiedlung nach Berlin. Im September 1930 im Wahlkreis Berlin als Abgeordneter in den Reichstag gewählt, aber bereits am 30. Juni 1931 durch Hanna Sandtner ersetzt. Unter Hermann Remmele war Reinke Sekretär des am 28. September 1930 gegründeten Kampfbundes gegen den Faschismus bzw. der Antifaschistischen Aktion und Mitglied der RGO-Reichsleitung. Schon am 28. Februar 1933 verhaftet, kam Reinke in das Polizeipräsidium am Alexanderplatz und wurde nach schweren Mißhandlungen in das KZ Esterwegen gebracht. Im August 1934 entlassen, arbeitete er dann als Mischer bei Siemes-Plania. Hier bemühte sich Reinke um den Aufbau einer illegalen Zelle. Bei Kriegsausbruch im September 1939 erneut inhaftiert, zunächst in das KZ Sachsenhausen eingeliefert, im April 1940 in das KZ Flossenbürg/Oberpfalz überstellt, wo Ernst Reinke am 28. April 1943 von der SS ermordet wurde.

Wer war wer in DDR

Reißig, Rolf

* 28.9.1940

Geb. in Gelenau (Erzgeb.); Vater Maschinenschlosser, Mutter Strumpfnäherin; Lehrabschl. als Werkzeugschlosser u. Reifeprüfung; 1958 SED; 1958 – 62 Studium der Philos. u. Geschichte an der KMU Leipzig; anschl. bis 1964 Assistent an der MLU Halle; ab 1967 Aspirant am Franz-Mehring-Inst. Leipzig; 1968 dort Prom. mit einer Arbeit über die Funktion von Gewerkschaften in westl. Industrieges.; 1970 Doz. an der Sekt. Philos./Wiss. Soz. der KMU Leipzig, Aufbau u. bis 1978 Ltg. eines Lehrstuhls für soziale Bew.; 1976 im Zusammenhang mit einer Diss.-Betreuung Parteiverfahren wegen »abweichender«, »anarcho-syndikalist.« Positionen; 1978 Wechsel an die AfG; 1980 Habil. mit einer Arbeit zu Arbeiter- u. sozialen Bew. in westl. Ges.; 1981 ord. Prof. an der AfG; seit 1982 tätig auf dem Gebiet der Friedensforschung (sein Buch »Aufstehen für den Frieden. Friedensbew. heute«, Berlin 1982, wurde nach Erscheinen auf Veranlassung  Kurt Hagers eingestampft); ab 1983 Ltr. des Inst. für Wiss. Soz., Mithrsg. des Lehrbuchs »Wiss. Soz.«; Teiln. an gem. Kolloquien der AfG u. der Grundwertekommission der SPD, für die DDR-Seite maßgebl. Mitautor des Positionspapiers »Der Streit der Ideologien u. die gem. Sicherheit« (1987), nach Darstellung seiner Position zu Dialogfähigkeit u. Wettbewerb der Systeme sowie zu Demokratie u. Menschenrechten in der »Berliner Ztg.« sowie bei Veranstaltungen der Friedrich-Ebert-Stiftung in Freudenberg u. des Aspen-Inst. in Berlin (West) 1987/88 heftige Kritik durch Mitgl. des PB; Ende 1987 maßgebl. beteiligt an der Bildung einer ost-westdt. Arbeitsgr. zu Problemen des Systemvergleichs, galt seitdem unter westl. Kollegen als »krit. Reformer«; 1987/88 Bemühungen um eine Umprofilierung des Inst. für Wiss. Soz. zu einem politikwiss. Inst., 1988 Ausarbeitung einer Konzeption zum Aufbau der Disziplin Politikwiss. in der DDR, Ablehnung durch die SED-ZK-Abt. Wiss. mit der Begründung, daß die »DDR keine gesonderte Politikwiss. benötigt«; im Nov. 1989 nach Rücktritt der Rektoren von den Mitarbeitern zum Ltr. für die Umstrukturierung der AfG gewählt; 1989/90 Mitbegr. der Ges. für Politikwiss. in der DDR (Auflösung im Kontext der dt. Vereinigung); März 1990 Umberufung zum Prof. für Pol.-Wiss.; Mitbegr. u. seit März 1990 gewählter Ltr. des Brandenburg-Berliner Inst. für sozialwiss. Studien (BISS e. V.); lebt in Berlin. 1996 Mitarb. im Arbeitsstab zur Gründung des »Forums Ostdtl. der Sozialdemokratie«; Mitgl. des wiss. Beirats der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Mitgl. im Willy-Brandt-Kreis. [i]Forschungsthemen[/i] seit 1990: Transformation der ostdt. Ges. u. der dt. Vereinigungsges., Demokratie u. Parteienentw.Arbeiterbew. u. demokrat. Alternative. Berlin 1986; Das Ende eines Experiments. Berlin 1991 (Hrsg. mit G.-J. Glaeßner); Rückweg in die Zukunft (Hrsg.). Frankfurt (Main), New York 1993; Die gespaltene Vereinigungsges. Berlin 2000; Dialog durch die Mauer. Frankfurt (Main) 2002; Neue Chancen für alte Regionen? (Hrsg. mit M. Thomas). Münster 2005; Mitregieren in Berlin. Die PDS auf dem Prüfstand. Berlin 2005; Gesellschaftstransformation im 21. Jh. Wiesbaden 2009.Jan Wielgohs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Remmele, Helmut

* 13.1.1910 – ✝ 21.1.1938

Geboren am 13. Januar 1910 in Mannheim als Sohn von Anna und Hermann Remmele. 1920 mit den Eltern nach Berlin übergesiedelt, wo er nach dem Abschluß der Realschule Werkzeugmacher lernte. Helmut Remmele trat 1924 in die KJD und 1928 in die KPD ein. Ab 1927 hielt er sich in Moskau auf, besuchte hier eine Berufsschule und wurde Mitglied des Komsomol. 1929 nach Berlin zurückgekehrt, begann er in Berlin-Wedding seine hauptamtliche Karriere als KJVD-Funktionär. Von 1929 bis 1932 war Helmut Remmele Mitglied des ZK des KJVD und Redakteur an der Zeitschrift »Junge Garde«. Weil er in der KJVD-Führung im Sommer 1932 die Position Heinz Neumanns vertrat und die Kritik seines Vaters an Ernst Thälmann unterstützte, wurde Helmut Remmele wegen »Zugehörigkeit zur Neumann-Remmele-Opposition« von seiner Funktion im ZK des KJVD entbunden. An der Jahreswende 1932/33 war er noch KPD-Funktionär im Berliner UB Süd-West und Süd-Ost. Im Februar ging er in die Illegalität, emigrierte später nach Frankreich und kam Anfang 1934 in die Sowjetunion. Von Februar 1934 bis Anfang 1936 konnte Helmut Remmele durch Protektion von Wilhelm Knorin an der KUNMS studieren. Anschließend Schlosser in Magnitogorsk; dort verlor er seine Arbeit, als auf NKWD-Befehl vom Juli 1937 alle in der Rüstungsindustrie beschäftigten Deutschen entlassen wurden. Helmut Remmele wurde am 19.September 1937 vom NKWD verhaftet, am 21. Januar 1938 vom Militärtribunal des Obersten Gerichts in Moskau zum Tode verurteilt und noch am gleichen Tag erschossen.

Wer war wer in DDR

Renft, Klaus

* 30.6.1942 – ✝ 9.10.2006

Geb. in Jena; 1957 Gründung des Klaus-Renft-Quartetts, ab 1961 Klaus-Renft-Quintett; 1963 – 65 Ltr. der Butlers; 1969 Klaus Renft Progressiv; ab 1971 Ltr. der Klaus Renft Combo (später nur Renft), Besetzung: Thomas »Monster« Schoppe (Ges., Git.),  Peter »Cäsar« Gläser (Ges., Git.), Christian »Kuno« Kunert (Ges., Keyboards), K. R. (Baßgit.), Peter »Pjotr« Kschentz (Ges., Flöte, Sax.), Jochen Hohl (Schlagzeug); enge Zusammenarbeit mit dem Liedermacher  Gerulf Pannach (Texte, gem. Auftritt); erste Erfolgstitel: »Wer die Rose ehrt« (Gläser/ Kurt Demmler), »Zwischen Liebe u. Zorn« (Gläser/Pannach); 1972 »Cäsars Blues« (Gläser/Pannach); 1973 Goldmed. bei der III. Leistungsschau der Unterhaltungskunst; »Ketten werden knapper« (Lied zu den X. Weltfestspielen in Berlin), »Chilen. Metall« (Kunert / Demmler) – nach dem Militärputsch in Chile; LP »Klaus Renft Combo«; 1973/74 Musik für den DEFA-Film »Für die Liebe noch zu mager«; 1974 LP »Renft«; 1975 »Rockballade vom kleinen Otto« (Schoppe / Pannach) – letzter Anlaß zum Verbot in der DDR (22.9.1975), »weil die Texte mit unserer soz. Wirklichkeit nicht das geringste zu tun haben«; bereits produzierte dritte LP erschien nicht; K. R. wurde gedrängt, einen Ausreiseantrag zu stellen; 1975 Ausreise nach West-Berlin; 1975 – 81 beim Rias; 1980 LP »Rock aus Leipzig«; 1981 – 89 Tonmstr. beim Renaissance-Theater in Berlin; ab Mai/Juni 1990 wieder Tourneen von Renft, jedoch ohne Gläser u. Kunert (LP »Renft Live 1990«); Neuaufl. der Renft-LP bei Dt. Schallpl. GmbH (Rock aus Dtl., Vol. 3 u. 4). 1993 CD »Zwischen Liebe u. Zorn«; 1994 CD »Das Erbe – Wer die Rose ehrt«; auch Maler (zahlr. Ausstellungen); CD 1996 »Die schönsten Balladen«, 1996 »Live in Concert«, 1997 »40 Jahre Klaus Renft Combo«; 1996 »wegen unüberbrückbarer persönl. Differenzen« aus der Band entlassen, die Band heißt ab 1998 »Monsters Renft«, da sich K. R. den Bandnamen »Renft« 1994 patentieren ließ; 1999 CD »Als ob nichts gewesen wär«; Sommer 2001 wieder gemeinsame Auftritte; 2002 Eröffn. der Kunstausstellung »Berlin Artists« auf Malta, Ausbau eines alten Pfarrhauses in Löhma (Thür.) zu einer Kultur- u. Begegnungsstätte; 2003 CD »Unbequem woll’n wir sein – Raritäten aus den Jahren 1971 – 1975« (auch Interview-DVD unter diesem Titel); gest. in Löhma.Zwischen Liebe und Zorn. Autobiogr. Berlin 1997; Nach der Schlacht (Die Renft Story – von der Band selbst erzählt). Berlin 1998.Rainer Bratfisch

Handbuch Deutsche Kommunisten

Renner, Heinz

* 6.1.1892 – ✝ 11.1.1964

Geboren am 6. Januar 1892 in Lückenburg/Krs. Bernkastel an der Mosel, Sohn eines Volksschullehrers. Besuchte das Gymnasium, lernte Dentist. 1913 Mitglied der SPD, von 1914 bis 1918 Weltkriegsteilnehmer, schwer verwundet. Ab 1918 selbständiger Dentist in Essen. 1919 Mitglied der USPD, 1920 der KPD, bis 1933 Vorsitzender der KPD-Ortsgruppe Essen. Von 1923 bis 1933 Leiter des Gaus Rheinland und Westfalen des Internationalen Bundes der Opfer des Krieges und der Arbeit. Von 1922 bis 1933 Stadtverordneter in Essen und ab 1924 auch des Provinziallandtages Rheinland. Im Mai 1933 emigrierte Renner in das Saargebiet, war im Apparat der IAH bzw. von 1937 bis 1939 Mitarbeiter im Sekretariat der KPD-Auslandsleitung in Paris. Von 1939 bis 1943 in Frankreich interniert, dann Auslieferung an die Gestapo, bis April 1945 in Haft. Nach der Befreiung führender Funktionär der KPD im Ruhrgebiet, von der britischen Militärverwaltung im Februar 1946 zum Oberbürgermeister von Essen berufen (bis Oktober 1946), von August bis Dezember 1946 war Renner Sozialminister der ersten Nordrhein-Westfälischen Landesregierung. Von 1946 bis 1949 MdL in NRW und 1948/49 Mitglied des Parlamentarischen Rates. Seine Unterschrift zum Grundgesetz verweigerte er am 23. Mai 1949 (gemeinsam mit Max Reimann) mit den Worten: »Ich unterschreibe nicht die Spaltung Deutschlands.« Renner war von 1949 bis 1953 Bundestagsabgeordneter und bis zum KPD-Verbot 1956 Leiter des Parlamentarischen Büros der KPD in Bonn. Im März 1960 vom Generalbundesanwalt angeklagt, übersiedelte Renner in die DDR und erhielt 1961 den Karl-Marx-Orden. Renner gehörte zu den bekanntesten westdeutschen Kommunisten, seine Wortgefechte mit Bundeskanzler Adenauer in der frühen Bundesrepublik wurden legendär. Heinz Renner starb am 11. Januar 1964 in Ost-Berlin. 2000 veröffentlichte Günter Gleising eine Biographie über Renner.

Wer war wer in DDR

Rentmeister, Maria

* 27.1.1905 – ✝ 10.5.1996

Geb. in Oberhausen-Sterkrade (Ruhr); Vater Schneider; Volks- u. Handelsschule in Oberhausen; Ausbildung zum Kfm.; 1927 SAJ; 1929 – 32 Arbeiterin in den USA; Rückkehr nach Dtl.; 1932 KPD u. Frauenltr. des UB Oberhausen; KPD-Stadtverordn.; nach 1933 illeg. pol. Arbeit im Saargeb.; Herbst 1934 Emigr. nach Paris; Mitarb. im Weltkomitee gegen Krieg u. Fasch.; administrativ verantw. für die Ztg. »Weltfront«; Mitarb. im Weltfrauenkomitee; 1936 Emigr. in die Niederlande; dort Schulungsarbeit; Mitarb. an der illeg. Ztschr. »Westdt. Kampfblätter«; 1937 in die Schweiz; dort Mitgl. der Emigr.-Ltg., Schulungsarbeit; 1938 zurück in die Niederlande; Frauenarbeit nach Westdtl.; nach der dt. Besetzung der Niederlande 1939 verhaftet; 1941 vom OLG Hamm wegen »Vorber. zum Hochverrat« verurteilt, 1941 – 45 Haft im Zuchthaus Anrath (Krefeld). 1945/46 KPD/SED; 1945 Mitbegr. der KPD Dessau; 1945 – 47 Vors. des Frauenaussch.; 1946 – 50 Mitgl. des PV der SED; 1946 – 48 Abg. der Stadtverordnetenvers. von Groß-Berlin; Mitbegr. u. Mitgl. des BV des DFD; 1947 – 49 Gen.-Sekr. des DFD; 1949 – 54 Ltr. der HA für kultur. Aufklärung (Aufbau der kultur. Auslandsbeziehungen) im Min. für Volksbildung; 1951 – 54 Mitgl. u. stellv. Vors. der Staatl. Kommission für Kunstangelegenh.; 1954 – 58 kommissar. Ltr. der HA Kunst im Min. für Kultur; 1958 – 60 Ltr. des Bereichs Presse u. Werbung bei VEB Progress Filmvertrieb; aus gesundheitl. Gründen ausgeschieden; arbeitete ehrenamtl. für das IML; Mitarb. der Kommission für die Geschichte der örtl. Arbeiterbew. der SED-BL Berlin; 1990 PDS; verh. mit  Fritz Rettmann; gest. in Berlin.Vierneisel, B.: Das Erinnerungsarchiv – Zum Beispiel M. R. In: Sabrow, M. (Hrsg.): Verwaltete Vergangenheit. Geschichtskultur u. Herrschaftslegitimation in der DDR. Leipzig 1997.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Rescher, Wilhelm (Willi)

* 1.3.1911 – ✝ 25.9.1983

Geb. in Forst (Lausitz); Vater Arbeiter; 1912 – 20 Volksschule in Forst; kaufm. Lehre, abgebrochen; anschl. ungelernter Arbeiter in der Textilind. u. Landwirtschaft; 1925 KJVD; 1931 – 33 Mitgl. der Unterbezirksltg. des KJVD Forst; 1932 Verhaftung in Forst; Ende 1932 KPD; Febr. – Okt. 1933 Haft im KZ Sonnenburg; 1934 – 36 KPD-Kurier nach Prag; 1936 Emigr. in die ČSR; 1939 in Prag verhaftet, 1941 vom VGH zu 7 Jahren Haft verurteilt, Haft im Zuchthaus Brandenburg-Görden; Apr. 1945 Befreiung durch die Rote Armee. 1945 / 46 KPD / SED, versch. Funktionen im Partei- u. Staatsapparat; bis 1951 SED-Sekretär in Forst u. Senftenberg; 1951 / 52 Vors. des Rats des Krs. Osthavelland; 1952 – 57 Bürgermstr. von Luckenwalde; Dez. 1957 – Sept. 1961 OB von Potsdam (Nachf. von Kurt Promitz); gest. in Potsdam.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Rettner, Gunter

* 28.1.1942 – ✝ 11.12.1998

Geb. in Zeitz; Vater Industrie- u. Handelskfm., Mutter Schneiderin; Grund- u. Oberschule; Lehre u. Arbeit als Maurer in Zeitz u. Gera; 1956 FDJ; 1962 – 64 Sekr. der KL der FDJ Gera-Stadt; 1963 SED; 1964/65 Studium an der Komsomol-HS in Moskau; 1965 – 68 Sekr. für Agit. u. Prop. der BL der FDJ Gera; 1968 – 71 stellv. Ltr. der Abt. Zentr. Arbeitsgr. (ZAG) des FDJ-ZR; 1971 – 74 Studium an der PHS der KPdSU in Moskau, Dipl.-Ges.-Wiss.; 1974/75 Ltr. der Abt. ZAG des FDJ-ZR; 1975 – 83 Sekr. u. Mitgl. des Büros des ZR der FDJ, verantw. für die Westarbeit; ab 1975 Mitgl. des Präs. des Friedensrats; 1977 VVO; 1983 – 85 stellv. Ltr. der Abt. West (ab 1984 Abt. Internat. Pol. u. Wirtschaft); 1983 VVO; 1985 – 89 Ltr. der Abt. Internat. Pol. u. Wirtschaft im ZK der SED (Nachf. von  Herbert Häber); 1986 – 88 Kand., 1988 – 3.12.1989 Mitgl. des ZK der SED; 1990 Mitarbeit am Buch von Egon Krenz »Wenn Mauern fallen«.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Reuter, Fritz

* 3.12.1900 – ✝ 23.11.1968

Geboren am 3. Dezember 1900 in Grieben/Krs. Stendal, Sohn einer Landarbeiterfamilie; Hütejunge und Ackerknecht bei einem preußischen Junker, wurde 1918 Soldat, nach dem Krieg Bauarbeiter. Seit 1931 in der KPD und der RGO, war von 1931 bis Anfang 1933 2. Vorsitzender des RGO-Einheitsverbandes für das Baugewerbe Berlin (EVFDB). Im Mai 1933 übernahm er die illegale Leitung der Berliner RGO, emigrierte 1934 nach Moskau und war Kursant an der Leninschule. 1936 kam Reuter in die Niederlande und reiste von Amsterdam als Kurier der AL West unter Paul Bertz nach Deutschland. Er wurde am 1. Mai 1936 in Düsseldorf angeblich durch Verrat von Artur Schubotz festgenommen und am 23. Oktober 1936 vom VGH zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt. Am 27. April 1945 aus dem Zuchthaus Brandenburg-Görden befreit, trat der KPD/SED bei und wurde Vorsitzender der IG Holz im Landesvorstand des FDGB Groß-Berlin. Von 1953 bis 1956 war er Bürgermeister und Vorsitzender des Rates des Stadtbezirks Berlin-Friedrichshain, später Abteilungsleiter in verschiedenen VEB. Fritz Reuter starb am 23. November 1968 in Ost-Berlin.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Reutter, Rudolf

* 28.3.1897 – ✝ 8.8.1980

Geboren am 28. März 1897 in Göttingen, Sohn eines kaufmännischen Angestellten; lernte Elektromonteur in Würzburg. Von 1914 bis 1918 Soldat im Weltkrieg, wo er schwer verwundet wurde. 1919 Eintritt in die USPD, 1920 in die KPD. Reutter stand von 1925 bis 1927 an der Spitze des UB Unterfranken. Von 1927 bis 1931 Kursant an der Internationalen Leninschule in Moskau (allerdings im Auftrag der OMS, für ein Jahr illegal in Deutschland). Danach arbeitete er zunächst als Instrukteur des ZK im hessischen Landtagswahlkampf. Von Ende 1931 bis Anfang 1933 war Reutter Mitarbeiter in der Landabteilung des ZK der KPD. Im Februar 1933 ging er in die Illegalität, um von Prag aus die Herausgabe der illegalen »Roten Fahne« zu organisieren. Mitte 1933 wieder in Berlin, übernahm er die Leitung der Abteilung Land und gab die »Bauernbriefe« heraus. Durch Verrat von August Lass am 23. November 1933 verhaftet und am 8.November 1934 vom VGH zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach der Haft in Luckau kam er ins KZ Sachsenhausen, wo er bis 1945 bleiben mußte. Im Mai 1945 zunächst stellvertretender Leiter der Polizeiverwaltung in Berlin-Zehlendorf, dann leitete er im ZK der KPD die Landabteilung, danach in der SED Funktionär für Agrarfragen. Ab 1951 im Deutschen Bauern-Verlag, von 1954 bis 1958 Leiter der Landwirtschaftsabteilung im Ausschuß für Deutsche Einheit. Er erhielt 1972 den VVO in Gold. Rudolf Reutter starb am 8. August 1980 in Ost-Berlin.Bernd-Rainer Barth