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BioLex

In der Kategorie BioLex finden Sie drei biografische Lexika mit über 5500 Personeneinträgen.

 

Das Handbuch "Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945" wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam. Kurzbiografien zu Personen des poltischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 vor. Zudem ist das Onlinlexikon www.dissidenten.eu komplett in dieser  Rubrik recherchierbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Inforamtionen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Preißler, Helmut

* 16.12.1925 – ✝ 20.12.2010

Geb. in Cottbus; Vater Spinnmstr.; Volksschule; Ausbildung zum Straßen- u. Tiefbauer; Studium der Wasserwirtschaft, währenddessen zur Wehrmacht einberufen; 1945 – 47 belg. Kriegsgefangenschaft; 1948 bei der Entminung des Rheins eingesetzt. 1948 Rückkehr nach Dtl.; 1948 – 55 Lehrer in Cottbus; 1955 – 57 Studium am Lit.-Inst. »Johannes R. Becher« in Leipzig; ab 1958 kulturpol. Tätigkeit im Eisenhüttenkombinat Ost; 1960 Kunstpreis der FDJ; ab 1960 als IM »Anton« beim MfS erf.; leitete ab 1962 den Zirkel schreibender Soldaten des Kdo. der Grenztruppen; ab 1965 Kulturfunktionär am Kleist-Theater Frankfurt (Oder); 1966 Heinrich-Heine-Preis; Mitgl. des Vorst. des DSV; 1967 – 72 Red. u. Mitgl. des Red.-Kolleg. der Ztschr. »Neue Dt. Lit.«; 1971 NP; 1974 Mitgl. der SED-BL Frankfurt (Oder); zeitw. Abg. des Bez.-Tags Frankfurt (Oder); 1974 VVO; gest. in Bad Saarow. Verf. von holzschnittartigen Agit.-Prop.-Gedichten, oft mit Hang zur Idyllik; war einer der meistgedruckten DDR-Autoren, da er schnell das für tagespol. Interessen Verwertbare lieferte; seine affirmative Lyrik über den Aufbau des Soz. galt der SED als vorbildl. Publ.: Wer – Wen? Songs u. Agit.-Prop.-Verse. Berlin 1960; Wer – wenn nicht wir. Gedichte zum 100. Geb. Lenins. Berlin 1970; Gedichte 1957 – 72. Berlin 1972; Ausgew. Gedichte. Berlin 1983; Gründe oder wer nicht die Kehre macht. Autobiogr. 1990 – 1997. Schkeuditz 1997.Walther, J.: Sicherungsber. Lit. Berlin 1996.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Preßler, Otto

* 29.12.1895 – ✝ 8.7.1981

Geboren am 29. Dezember 1895 in Gaarden bei Kiel, war ein Findelkind und wurde in einer Arbeiterfamilie aufgezogen; Schlosser. Ab Januar 1914 Mitglied der SPD, 1915 zum Militärdienst einberufen, bekam er während des Krieges Kontakt zur Spartakusgruppe. Im November 1918 gehörte er dem Arbeiter- und Soldatenrat in Braunschweig an, war 1919 Mitbegründer der KPD in Kiel, leitete dort die Ortsgruppe der Partei. 1923 Sekretär der KPD-BL Westsachsen. Preßler war Teilnehmer der berühmten Chemnitzer Betriebsrätekonferenz, von der das Signal zum Oktoberaufstand ausgehen sollte. Er begann 1924 gegen den ultralinken Kurs der KPD zu opponieren, zuerst in Leipzig, dann wieder in Kiel. Bei den Auseinandersetzungen nach der Wittorf-Affäre 1928 sympathisierte er anfangs mit den Versöhnlern um Hans Westermann. Als sich Anfang 1929 in Kiel eine Ortsgruppe der KPO gründete, war Preßler die treibende Kraft und bis 1931 deren Schriftführer, auch danach führender KPO-Funktionär im Bezirk. Ab 1934 Arbeiter, im Widerstand aktiv, näherte sich der KPD an und war dann ab August 1945 Polleiter der KPD in Kiel. Ende Januar 1946 in den von der britischen Militärregierung eingesetzten Landtag berufen, Vorsitzender der KPD-Fraktion und 1.Vorsitzender der KPD-Landesleitung für Schleswig-Holstein, später Sekretär für Kommunalpolitik der BL Wasserkante. Bei den Säuberungen der KPD ab September 1949 vertrat er diszipliniert die stalinistische Parteilinie, das rief Proteste der Opposition hervor. Preßler schwieg über seine KPO-Vergangenheit und forderte von anderen das gleiche. Den DGB-Revers, sich 1950 von der gewerkschaftsfeindlichen KPD-Politik (These 37) zu distanzieren, unterschrieb er nicht, daraufhin als 1.Bevollmächtigter der IG Metall abgesetzt und ausgeschlossen. Dennoch bald danach in der KPD des Opportunismus angeklagt und aus der Gesellschaft für deutsch-sowjetische Freundschaft ausgeschlossen. Er zog sich aus der Parteiarbeit zurück, ging aber 1968 bei Gründung zur DKP. Otto Preßler starb am 8. Juli 1981.

Wer war wer in DDR

Preysing, Konrad Graf von

* 30.8.1880 – ✝ 21.12.1950

Geb. auf Schloß Kronwinkl (b. Moosburg, Isar); 1898 Abitur in Landshut; 1898 – 1902 Jurastudium in München u. Würzburg; 1902 – 06 Mitarb. in einem Anwaltsbüro in München; 1906 Bayr. Staatsmin. des Äußeren; 1907 Legationsrat an der bayr. Gesandtschaft in Italien in Rom; 1908 – 12 Studium der Theol. in Innsbruck; 1912 Priesterweihe; 1912 – 17 Erzbischöfl. Sekr. in München; 1913 Prom. zum Dr. theol.; 1917 – 21 Stadtpfarrprediger in München; 1921 – 32 Domprediger u. Domkapitular (ab 1928) in München; 1932 – 35 Bischof der Diözese Eichstätt (Niederbayern); 1935 – 50 Bischof von Berlin; in der NS-Zeit in der Fuldaer Bischofskonferenz Protagonist einer Distanz zum NS-Staat. Seit 1945 residierend im amerik. Sektor von Berlin; 1946 Ernennung zum Kardinal durch den Vatikan; 1947 Runderlaß zum pol. Kontakt- u. Erklärungsverbot kirchl. Amtsträger in der SBZ, Vertreter eines öffentl. krit. Kurses gegen Sowjetunion u. SBZ / DDR; 1950 Vors. der Berliner Ordinarienkonferenz; Divergenzen mit in der DDR residierenden Bischöfen über die Existenzmöglichkeit der kath. Kirche in der DDR; gest. in Berlin.Adolph, W.: Kardinal P. und sein Widerstand gegen zwei Diktaturen. Berlin 1971; Leugers, A.: Gegen eine Mauer bischöfl. Schweigens. Frankfurt (Main) 1996; Knauft, W.: K. v. P., Anwalt des Rechts. Berlin 2002.Bernd Schäfer

Wer war wer in DDR

Priess, Heinz

* 3.4.1915 – ✝ 12.1.2001

Geb. in Hamburg; Vater Steinsetzer, Straßenbauarb.; Volksschule; Jungspartakus, 1927 als Pionier in die UdSSR geschickt; 1929 KJVD, Rote Front; 1932 KPD; 1933/34 illeg. Tätigkeit für den KJVD Hamburg; Okt. 1934 Emigr. nach Dänemark, 1934 – 36 in Kopenhagen; wegen seiner Kontakte zu den »Versöhnlern« von der KPD nicht als Emigrant anerkannt; 1936 – 39 Interbrigadist in Spanien, XIV. Internat. Brigade, 1937 Kommissar des 2. Bat. Hans-Beimler der XI. Internat. Brigade, dann Bat.-Kommissar in der 35. Division; 1937 KP Spaniens; Febr. 1939 nach Frankreich; interniert in den Lagern St. Cyprien, Gurs u. Le Vernet, 1941 Gefängnis Castres; sollte an die Gestapo ausgeliefert werden, floh im Sept. 1943 mit frz. Hilfe; Ltr. der KPD-Gruppe Lyon (»Georges«); Teiln. an der Résistance (»Henri Flaminck«); gehörte ab Herbst 1943 im KPD-Auftrag einer Gaullistischen Widerstandsgr. (»Mouvement national des Prisonnier de Guerre et Deportés«) an, dort Informationschef über feindl. Kräfte (Wehrmacht); Nov. 1944 in Paris; im KPD-Auftrag Kontakte zur OSS u. zu Noel H. Field; 1944 Verbindung zur BFD u. der Schweizer Partei der Arbeit; Jan. 1945 Ltr. der Militärkommission der BFD. Okt. 1945 Rückkehr nach Dtl., Hamburg; 1945 – 51 Funktionär der KPD Hamburg, Mitgl. der KPD-Ltg. Wasserkante, Agit.-Prop.-Sekr.; ab Jan 1947 auch Red. der »Hamburger Volksztg.«; ab Dez. 1949 Chefred. der »Hamburger Volksztg.« (Nachf. von Erich Hoffmann); Mitgl. des Landessekr. der KPD Hamburg; Dez. 1950 im Zusammenhang mit der Noel-H.-Field-Affäre lt. Beschluß der ZPKK der SED »aus Sicherheitsgründen« Funktionsverbot für höhere Leitungsebenen in der KPD; Juli 1951 Übersiedl. in die DDR; Chefred. des Mitteldt. Rundfunks in Leipzig (Nachf. von  Hans Maaßen); ab 1952 Ltr. der Nachrichtenred. des Staatl. Rundfunkkomitees beim Min.-Rat; bis 1956 Chefred. des Dtl.-Senders; Aug. 1956 – 69 Chefred. des (konsp. arbeitenden) Dt. Freiheitssenders 904; 1969 – 75 im SED Auftrag in der Bundesrep. Dtl., dort in der DKP-Abwehrabt. Arbeit gegen »parteifeindl. Gruppen«; ab 1975 Mitgl. des Präs. des Komitees der Antifa. Widerstandskämpfer der DDR, ab 1978 dort Vors. der Sektion ehem. Spanienkämpfer; 1985 VVO; 1990 Mitgl. der PDS; gest. in Berlin.Bei General Walter am Vorabend der Schlacht. In: Brigada Internacional. Berlin 1974; Spaniens Himmel u. keine Sterne. Ein dt. Geschichtsbuch. Erinnerungen an ein Leben u. ein Jh. Berlin 1996 Kießling, W.: Partner im »Narrenparadies«. Berlin 1994; Barth, B.-R., Schweizer, W. (Hrsg.): Der Fall Noel Field. Berlin 2005 u. 2007.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Prilipp, Willi

* 18.1.1887 – ✝ 16.8.1938

Geboren am 18. Januar 1887 in Neumünster/ Holstein; lernte Holzbildhauer. Nach dem Weltkrieg trat er in die KPD ein, wurde Bauhilfsarbeiter in Berlin-Weißensee. Prilipp war Leiter des RFB in Berlin-Weißensee, zeitweilig auch Polleiter des KPD-UB und Anhänger der Linken Opposition. Im November 1932 wurde er im Wahlkreis Potsdam II als Abgeordneter in den Reichstag gewählt, im Februar 1933 ging er in die Illegalität, emigrierte 1934 nach Dänemark und war dort zeitweise Leiter der kommunistischen Emigranten. Im Dezember reiste Prilipp wegen einer schweren Erkrankung in die Sowjetunion, wurde dort im Januar 1936 als Politemigrant anerkannt. Er lebte unter dem Parteinamen Friedrich Kercher in Moskau und geriet 1938 in die stalinistischen Säuberungen. Willi Prilipp wurde vom NKWD verhaftet und am 16. August 1938 erschossen. Seine Frau Frida Prilipp (*31.12. 1898 – † 8. 1. 1979) erhielt später die falsche Auskunft, daß ihr Mann als Interbrigadist in Spanien gefallen sei. Sie galt in der DDR als Hinterbliebene eines »Kämpfers gegen den Faschismus«.

Wer war wer in DDR

Prokop, Otto

* 29.9.1921 – ✝ 20.1.2009

Geb. in St. Pölten (Niederösterreich), Vater Arzt; Gymnasium in Salzburg; 1941/42 Med.-Studium in Wien; 1942 – 45 Militärdienst in der dt. Wehrmacht, zul. als Hilfsarzt in einem Feldlazarett. 1945 – 48 Forts. des Med.-Studiums in Bonn, 1948 Prom.; 1948 – 56 am Inst. für Gerichtl. Med. der Univ. Bonn; 1953 Habil. (b. Herbert Elbel) über »Experiment. Untersuchungen über die Sensibilisierung gegen Blutgruppenantigene«; 1956 – 87 ord. Prof. u. Dir. des Inst. für Gerichtl. Med. an der HU Berlin; 1958 – 61 nebenamtl. kommissar. Dir. des Inst. für Gerichtl. Med. u. Kriminalistik in Leipzig sowie 1958/59 nebenamtl. Lehrauftrag an der MLU Halle; 1964 Ord. Mitgl. der DAW; 1967 Mitgl. der Leopoldina; 1980 – 89 Mitgl. des Rats für Med. Wiss. beim Min. für Gesundheitswesen; 1961 u. 1981 NP; VVO; Stern der Völkerfreundschaft; Ehrenkreuz für Wissenschaft u. Kunst der Rep. Österreich; Dr. h. c. der Univ. Szeged, Leipzig, Tokio; 1987 em.; gest. in Ottendorf (b. Kiel). Arbeitsgebiete: Immunol. der menschl. Blut- u. Serumgr., forens. Spurenkunde, Serogenetik, 1965 Entdeckung der Protectine.über 60 Publ., darunter Lehrbuch der Gerichtl. Med. Berlin 1960; Med. Okkultismus u. Paramed. Jena 1962 (Hrsg.); Lehrbuch der menschl. Blut- u. Serumgr. Leipzig 1963 (mit G. Uhlenbruck); Genetik erbl. Syndrome u. Mißbildungen. Berlin 1976 (mit R. Witkowski); Atlas der gerichtl. Medizin. Berlin 1992 (Mitautor); Homöopathie. Was leistet sie wirklich? Frankfurt (Main) 1995; Mozarts Tod u. die großen Schwindel: Erlebnisse eines Gerichtsmediziners. Frankfurt (Oder) 1996 (hrsg. v. Th. Grimm).Peter Schneck

Wer war wer in DDR

Püchel, Manfred

* 20.5.1951

Geb. in Etgersleben (Krs. Staßfurt); Eltern Landwirte; 1957 – 65 POS in Etgersleben, 1965 – 69 EOS, Abitur u. Ausbildung zum Agrotechniker in Egeln; 1969 – 73 Studium der Chemie an der MLU Halle, Dipl.-Chemiker; 1973 – 82 wiss. Mitarb. am ZI für Genetik u. Kulturpflanzenforsch. der AdW in Gatersleben, 1982 – 85 am Inst. für Rübenforschung der AdL in Klein Wanzleben; 1974 – 82 u. 1986 – 89 DBD; 1978 Prom. zum Dr. rer. nat.; 1986 – 92 Laborltr. im Kreiskrankenhaus Bahrendorf (Krs. Wanzleben). Jan. 1990 SPD, Vors. des SPD-Ortsvereins Etgersleben u. Vors. SPD-KV Staßfurt, Mitgl. des SPD-BV Magdeburg; 1990 – 93 stellv. Vors. des SPD-Unterbez. Börde; 1990 – 94 u. seit 2004 Mitgl. des Gemeinderats u. 1990 – 94 Bürgermstr. von Etgersleben; seit Okt. 1990 MdL Sachsen-Anh.; seit 1992 Mitgl. u. 2000 – 02 stellv. Vors. des SPD-Landesvorst. Sachsen-Anh.; 1993 – 2002 Vors. des SPD-KV Aschersleben-Staßfurt.; seit 1994 Mitgl. der Parl. Versamml. der NATO; 1994 – 2002 Min. des Innern von Sachsen-Anh., 1998 – 2002 Mitgl. des Bundesrats; Jan. – Mai 2002 Min. der Justiz von Sachsen-Anh.; 2002 – 04 Landesvors. der SPD u. Vors. der SPD-Landtagsfraktion; 2003 – 2005 Mitgl. des SPD-Bundesvorst.Untersuchungen über die Beziehungen zwischen Transkriptions- u. Translationsaktivitäten während der Reserveproteinbiosynthese in sich entwickelnden Samen der Ackerbohne Vicia faba L. Halle 1978.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Puppe, Wolfgang

* 12.2.1948

Geb. in Oranienburg; Vater Arbeiter; Oberschule; 1962 – 66 Lehre u. Arbeit als Elektromechaniker; 1966 – 71 Stud. an der TU Dresden, Dipl.-Ingenieurök.; 1972 SED; 1971 – 75 Mitarb., Abt.-Ltr. bzw. Ltr. des Büros des Kombinatsdir., 1979 – 86 Dir. für Org. u. Datenverarbeitung bzw. für Plandurchführung u. ab 1983 1. Stellv. des GD des VEB Kombinat EAW »Friedrich Ebert« Berlin; 1986 – 89 Mitgl. der SED-BL Berlin; Stellv. des OB von Berlin u. Vors. der Bezirksplankomm., 1986 – April 1989 Mitgl. des Sekr. der SED-BL Berlin; 1989 / 90 GD des VEB Kombinat EAW »Friedrich Ebert« Berlin (Nachf. von  Wolfgang Jacob). Nach 1990 Unternehmensberater bei der Ost-West-Consult in Frankfurt (Main), einer Tochtergesell. der Dresdner Bank. AnH Puschkin, Georgi Maximowitsch 1909 – 2.4.1963 Chef der Diplomatischen Mission u. Botschafter der UdSSR Aus Adelsfamilie, verwandt mit dem Dichter Alexander S. Puschkin; bis 1932 Moskauer polytechn. u. wirtschaftswiss. Plechanow-Inst.; danach in Sibirien u. Moskau beschäftigt; bis 1937 Ausbildung für den diplomat.-konsular. Dienst; 1937 – 39 Mitarb. im Zentralapparat des Volkskommissariats für Ausw. Beziehungen der UdSSR; 1940/41 pol. Vertreter der UdSSR beim Slowak. Staat; Mitarb. der sowj. Botschaft in Berlin u. Stockholm; 1942 Ltr. der III. Europa-Abt. im Moskauer Volkskommissariat für Ausw. Beziehungen der UdSSR; 1942 – 44 Gen.-Konsul in China; 1944 – 48 pol. Berater der Alliierten Kontrollkommission, Gesandter u. 1948/49 Botschafter in Ungarn; galt dort als »Sowjetisierer«. 1949 – 52 Chef der Diplomat. Mission der UdSSR in der DDR; Grenzverträge mit Polen u. der ČSR; 1952/53 stellv. Außenminister der UdSSR; 1953/54 Ltr. der Abt. Naher u. Mittlerer Osten, dann der III. Europa-Abt.; 1954 – 58 Botschafter in der DDR; 1954/55 zugl. Hoher Kommissar der UdSSR in Dtl.; 1959 – 63 stellv. Außenminister der UdSSR; gest. in Moskau.Scherstjanoi, E.: Das SKK-Statut. Zur Geschichte der Sowj. Kontrollkommission in Dtl. 1949 bis 1953. München 1997.Jan Foitzik

Handbuch Deutsche Kommunisten

Pütz, Heinrich

* 3.8.1898 – ✝ 10.10.1927

Geboren am 3. August 1898 in Köln, Sohn eines Eisengießers; Lehre als Buchdrucker. 1917 kam er an die rumänische Front, wo er an Gelbsucht erkrankte, die eine Ursache seines frühen Todes wurde. Pütz desertierte 1918 und war illegal für die Spartakusgruppe tätig. Er wurde Mitglied des Kölner Arbeiter- und Soldatenrates, schloß sich dem Spartakusbund und Anfang 1919 der KPD an. 1919 wurde er wegen antimilitaristischer Propaganda unter den Besatzungstruppen ein halbes Jahr eingesperrt. Ab 1920 hauptamtlich für die FSJ bzw. für die KJD Ruhr tätig, 1922 ins ZK der Kommunistischen Jugend berufen, ab Ende 1922 in der Reichszentrale der KJD in Berlin. Auf dem 7.Reichsjugendkongreß Ende März/Anfang April 1923 in Chemnitz zum Mitglied des ZK der KJD gewählt, wurde im Mai Polleiter und damit faktisch Vorsitzender der KJD und war zugleich Mitglied der Zentrale der KPD. Nach dem Verbot der KJD am 23. November 1923 bildete er mit dem Orgleiter, dem Russen Raffael Chitarow, Gertrud Graeser und Harry Kuhn das sogenannte Direktorium. Als Anhänger der Rechten bzw. der Mittelgruppe 1924 abgelöst, wurde Pütz für die Arbeit im besetzten Gebiet (gegen die Separatisten) verantwortlich gemacht. Auf dem 8. Reichskongreß im Mai 1924 in Leipzig zwar erneut in das ZK der KJD gewählt, aber die Führung übernahm Hermann Jacobs, Pütz war nur für Agitation und Propaganda zuständig. Ende 1925 reiste er nach Moskau und begann im EK der KJI zu arbeiten. Wegen seiner Krankheit 1927 nach Berlin, dort operiert, starb Heinrich Pütz am 10.Oktober 1927.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Quast, Richard

* 17.3.1896 – ✝ 17.8.1966

Geboren am 17. März 1896 in Berlin; Lithograph, seit 1915 Mitglied der SPD. Untauglich für den Heeresdienst, arbeitete bis 1922 als Techniker und Registrator bei Siemens. 1919 Eintritt in die KPD, ab 1922 Mitarbeiter in der Zentrale der KPD, gehörte der Paßfälscherwerkstatt unter Richard Großkopf an. 1934 Emigration zunächst in die âSR, dann ins Saargebiet, Ende 1937 nach Frankreich. 1939 in Le Vernet interniert, wo ihm beide Füße erfroren, später mußte ein Bein amputiert werden. Im Dezember 1941 gelang die Flucht nach Mexiko, hier war Quast unter dem Namen Paul Hartmann Mitglied der Bewegung Freies Deutschland und des »Heinrich-Heine-Klubs«.1947 Rückkehr nach Deutschland. Er war Referent bzw. Instrukteur in der Abteilung Verkehr im ZS der SED. Richard Quast starb am 17. August 1966 in Ost-Berlin. In zweiter Ehe mit Cläre Quast, geborene Riedesel, verwitwete Muth (* 4. 5. 1902 – † 26. 4. 1984), verheiratet. Die Tochter eines Steindrukkers, Dienstmädchen und Näherin, trat 1922 in die KPD ein und arbeitete im RFMB. November 1931 Heirat mit dem Wuppertaler KPD-Funktionär Willy Muth (* 1899), den die Nazis 1935 ermordeten. Im März 1935 in die Niederlande emigriert, 1936 nach Frankreich, seit 1941 war sie in Mexiko. 1947 Rückkehr nach Deutschland, hauptamtliche Funktionärin des FDGB, zuletzt Mitarbeiterin am IML. Tania Ünlüdag veröffentlichte 1994 eine biographische Skizze über Cläre Quast.

Wer war wer in DDR

Quevedo, Nuria

* 18.3.1938

Geb. in Barcelona; Vater rep. Offz.; 1939 Emigr. der Fam. aus Spanien; 1952 Übersiedl. in die DDR; 1955 – 58 ABF Berlin; 1958 – 63 Studium an der HS für bildende u. angewandte Kunst Berlin-Weißensee, Lehrer  Arno Mohr,  Werner Klemke,  Klaus Wittkugel; seit 1960 verh. mit  Karlheinz Mund; 1963 – 69 freischaff.; 1969 bis 1972 Mstr.-Schülerin an der DAK bei Werner Klemke; seit 1972 freischaff. in Berlin; 1975 Mitgl. der Sekt.-Ltg. Malerei / Grafik des VBK; 1986 AdK; 1989 NP. 1991 Austritt aus der AdK (Ost); 1994 – 96 Gastprof. an der EMAU Greifswald; 2003 Ausstellung »Künstlerinnen im Exil« in Berlin; 2004 Ausstellung »Retrospektive« im Dt. Dom Berlin; 2006 erste Ausst. in Katalonien im Museu d’Història de Sant Feliu de Guixols; lebt in Berlin u. Sant Feliu de Guixols in Katalonien (Spanien). Werke: Blattfolgen zu »Celestina« von Fernando de Rojas, »Zwischenspiel« von Miguel de Cervantes (1967), Illustr. zu Gedichten von Pablo Neruda (1969), »Kassandra« von  Christa Wolf (1983); Gemälde: 30 Jahre Exil (1971), Fischer am Baikal (1974), Der Weg (1975), An der Ostrauer Scheibe (1976), Eine Art, den Regen zu beschreiben – für  Hanns Eisler (1980/81), Erinnerung (1981), Gehender (1987).Fremdsein ist meine Identität. In: Förster, G. (Hrsg.): Es zählt nur, was ich mache. Gespräche mit bild. Künstlerinnen aus Berlin (Ost) seit 1990. Berlin 1992; Die Nähe des Vergessens. Ein Gespräch. Berlin 2004 (mit M. Alvarez). Kat. N. Q. Galerie Arkade Berlin 1976; Staatl. Kunstsammlung Dresden Galerie Neue Meister Dresden 1986; N. Q. Malerei u. Zeichnung. Berlin 1992 (Hrsg. AdK Berlin).

Handbuch Deutsche Kommunisten

Rackwitz, Herbert

* 12.2.1904 – ✝ 15.2.1939

Geboren am 12. Februar 1904 in Leipzig; Angestellter. Er trat 1924 der KPD bei und wurde später in den AM-Apparat der Partei aufgenommen. Als Mitarbeiter der Verwaltung Aufklärung der Roten Armee war er (Pseudonym Rudolf Steifer) in den dreißiger Jahren als Spion in mehreren Ländern Europas eingesetzt. Am 2. März 1938 in Moskau vom NKWD mit den üblichen Vorwürfen verhaftet und vom Militärkollegium des Obersten Gerichts der UdSSR am 15. Februar 1939 zum Tode verurteilt. Herbert Rackwitz wurde am 7. März 1939 in Moskau erschossen.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Preissner, Karl (Kast

* 1.8.1894 – ✝ 23.5.1959

(* 1894 – † 1959) Geboren am 1. August 1894 in Barmen, Sohn eines Küfermeisters. Kunstschlosser, Arbeit in Gelsenkirchen und Bremen. 1913 meldete er sich freiwillig zur Kriegsmarine und nahm auf Torpedobooten am Ersten Weltkrieg teil. 1918 Mitglied des Arbeiter- und Soldatenrates in Emden, trat 1919 in die KPD ein. Bis 1928 in Bremen auf der AG Weserwerft tätig, Arbeiterkorrespondent für die Bremer »Arbeiterzeitung«, 1926/27 Korrespondent für die »Welt am Abend«; kam als Peter Kast 1928 nach Berlin. Zunächst Reporter und Gerichtsberichterstatter, ab 1930 Redakteur der »Roten Fahne«. Autor von Novellen, Dramen und Komödien, wurde Mitglied des BPRS. Er emigrierte 1933 zunächst nach Prag, dann nach Moskau, dort Reporter für die DZZ. Von 1937 bis 1939 Angehöriger der Internationalen Brigaden in Spanien, Propaganda- und Presseoffizier. 1939 in Frankreich, später in der Schweiz, Mitglied der Bewegung Freies Deutschland. Ende 1945 kam Kast nach Berlin, Redakteur an der »Deutschen Volkszeitung«, Feuilletonredakteur beim SED-«Vorwärts«, später Chefredakteur der Zeitschrift »Blick nach Polen«, ab 1951 freischaffender Schriftsteller. Peter Kast (Karl Preissner) starb am 23. Mai 1959 in Ost-Berlin.

Wer war wer in DDR

Pretsch, Karl

* 15.8.1896 – ✝ 19.7.1954

Geb. in Halle; Vater Maurer; 1902 – 10 Volksschule, Lehre u. Arbeit als Steinsetzer; 1913 –15 als Handwerksbursche auf Wanderschaft; 1915 – 19 Militärdienst; 1919 USPD, 1920 KPD; 1920 – 30 Mitgl. des Verbands der Steinsetzer, Ortsgr. Halle; 1928 / 29 Steinsetzer beim Allg. Konsumverein Halle; 1929 – 33 Stadtverordn. der KPD in Halle; 1930 – 35 arbeitslos; 1935 – 45 Steinsetzer in der Fa. Meißner in Halle. Mai – Okt. 1945 Ltr. der Industriegruppe (Gewerkschaft) Halle; 1945 / 46 KPD / SED; Okt. 1945 Einsatz als Bürgermstr. durch Befehl der sowj. Besatzungsmacht; Sept. 1946 – 51 OB von Halle (Nachf. von Heinrich Mertens); Okt. 1948 – Feb. 1949 Teiln. am 1. Lehrgang der DVA Forst Zinna; 1950 / 51 MdL Sachsen-Anhalt; 1951 Ausschluß aus der SED; gest. in Stralsund.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Prien, Paul

* 10.1.1885 – ✝ 26.12.1958

Geb. in Magdeburg; Vater Kaufm.; Volksschule u. Realgymn., Abitur; Eintritt in die Justizverw.; 1907 SPD; 1908 – 19 Red. der SPD-Ztg. »Brandenburger Zeitung«; 1919 – 21 Red. beim »Hamburger Echo«; 1921 – 28 Red. beim »Volksblatt« für Anhalt in Dessau; 1928 – 33 Red. der SPD-Ztg. »Volksstimme« in Chemnitz; 1933 zeitw. Verhaftung, sechs Jahre arbeitslos. 1945 Red., 1946 – 52 Chefred. der von der SED übernommenen »Volksstimme« (Nachf. von  Heinz Friedrich); 1946 SED; gest. in Karl-Marx-Stadt.Ingrid Kirschey-Feix

Handbuch Deutsche Kommunisten

Prietzel, Elise

* 6.7.1900 – ✝ 12.9.1964

Geboren am 6. Juli 1900 als Elise Ott, später Ehefrau von Willi Prietzel; kaufmännische Angestellte, 1918 USPD, 1920 KPD, war zeitweise Leiterin des RFMB im Bezirk Berlin-Brandenburg und Mitglied der RFMB-Reichsleitung. Von 1931 bis 1933 Berliner Stadtverordnete, arbeitete von 1932 bis 1936 bei der sowjetischen Handelsvertretung in Berlin. 1937 folgte sie ihrem Mann in die Emigration nach Frankreich, kehrte im Januar 1942 nach Deutschland zurück und lebte bis Kriegsende zurückgezogen in Blankenfelde bei Berlin. Bis 1952 Mitarbeiterin der KPD/SED Teltow, zuletzt Kaderleiterin im VEB Reparaturwerk Wünsdorf. Elise Prietzel starb am 12. September 1964 in Blankenfelde.

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Prinz, Wilhelm (Willi)

* 10.8.1909 – ✝ 28.12.1973

Geboren am 10. August 1909 in Köln, Sohn eines Anstreichers; Schlosser, trat 1923 in den Metallarbeiterverband ein und kam 1926 zum KJVD, Orgleiter der Ortsgruppe Köln-Kalk, 1928 Polleiter. 1928 Mitglied der KPD, besuchte im Juni 1928 die Gewerkschaftsschule des KJVD in Brieselang bei Berlin, lernte den KJVD-Spitzenfunktionär Kurt Müller kennen. Prinz wurde im Dezember 1930 überraschend nach Moskau delegiert, wo ihn das ZK des KJVD als Volontär im ZK des Komsomol einsetzen wollte, er wurde aber Mitarbeiter in der Orgabteilung des EK der KJI. Er geriet in die Auseinandersetzungen zwischen der Thälmann-Fraktion und der zu diesem Zeitpunkt von Heinz Neumann geführten Leitung des KJVD und stellte Ende 1931 den Antrag, zur Parteiarbeit nach Deutschland zurückkehren zu dürfen. Im März 1932 Instrukteur des ZK des KJVD im Ruhrgebiet, dann 1. Sekretär des KJVD im Ruhrgebiet. Da Prinz aber weiterhin mit dem politischen Kurs Neumanns, Kurt Müllers und Alfred Hillers sympathisierte, schließlich vom KJVD »an die Partei überwiesen«. Er erhielt in Köln nur noch ehrenamtliche Funktionen. Von Februar 1933 bis Mai 1933 illegal in Köln, dann ins Saargebiet, dort von Juni 1933 bis Februar 1935 als UB-Sekretär Mitglied der BL Saargebiet. Anschließend in Paris, wurde im Juni 1935 nach Amsterdam geschickt und gehörte bis Dezember 1939 der Emigrationsleitung in den Niederlanden an. Bei einer Razzia wurde Prinz am 27. Mai 1941 in Amsterdam durch die holländische Polizei verhaftet und dem SD überstellt. Als vermeintlicher Holländer zunächst im KZ Schoorl festgesetzt, anschließend ins KZ Sachsenhausen, später vom Sondergericht zu zwei Jahren und drei Monaten Zuchthaus verurteilt, aber schon im November 1942 zur Strafdivision 999 eingezogen. Im Mai 1945 in britischer Kriegsgefangenschaft in Suez/Ägypten, 1947 nach Deutschland zurück, danach stellvertretender KPD-Vorsitzender in Rheinland-Pfalz. Nachdem er gemeinsam mit Kurt Müller die »Säuberung« der Hamburger KPD durchgeführt hatte, im September 1949 zum 1. Landesvorsitzenden der KPD in Hamburg gewählt und von 1949 bis 1952 Abgeordneter der Hamburger Bürgerschaft. Im Februar 1951 nach Ost-Berlin beordert, dort von Richard Stahlmann verhaftet, saß Prinz zunächst in einem MfS-Gefängnis in Berlin-Mitte, ab März 1951 im berüchtigten Untersuchungsgefängnis in Berlin-Hohenschönhausen. Nach drei Jahren Einzelhaft und schwerer psychischer Folter wurde Prinz am 28. April 1954 freigelassen und durfte zunächst mit seiner Frau in das SED-Erholungsheim »August Bebel« in Altenhof am Werbellinsee. Doch er litt weiterhin unter der Haft, geriet deshalb nach einer zufälligen Begegnung mit seinem MfS-Vernehmer in Panik und flüchtete am 15. Juni 1954 über West-Berlin nach Hamburg. Bereits im September/Oktober 1954 veröffentlichte Prinz u. a. in der »Rhein-Neckar-Zeitung« einen Bericht über seine Haftzeit in der DDR. Er wandte sich scharf gegen den sowjetischen Kommunismus, zog sich aus der Politik zurück und wohnte in Köln. Wilhelm Prinz starb am 28.Dezember 1973 in Garmisch-Partenkirchen.

Wer war wer in DDR

Prosetzky, Werner

* 21.9.1929 – ✝ 24.12.2004

Geb. in Friedrichsthal (Krs. Oranienburg); Vater Arbeiter, Mutter Schneiderin; Volksschule, Handelsschule; 1945 Angest. beim Rat der Gemeinde Friedrichsthal; 1947 SED; 1949 Mitarb. der FDJ-KL Bernau, 1950 der FDJ-KL Belzig; 1952 Besuch der LPS Schmerwitz; 1953 Einstellung beim MfS, HA XV (später HV A); 1954 dort stellv. Abt.-Ltr.; 1969 – 72 Fernstudium an der JHS Potsdam-Eiche, Dipl.-Jur.; 1971 Ltr. der Abt. III (legal abgedeckte Residenturen); 1983 stellv. Ltr. der HV A; 1984 Gen.-Major; 1990 Entlassung; gest. in Berlin.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Puchert, Herbert

* 2.4.1914 – ✝ 31.12.1997

Geb. in Grunewald (Krs. Guben); Vater Hutarbeiter, Mutter Tucharbeiterin; Volksschule; 1928 – 32 Dreherlehre, 1932 / 33 Arbeit als Dreher in Guben; 1933 / 34 Arbeitsdienst; 1934 / 35 Arbeit als Dreher in Guben; 1935 – 45 Wehrmacht; 1945 – 1949 sowj. Kriegsgef., dort Arbeit in einem Torflager u. im Schachtlager Stalinogorsk. 1949 Antifa-Zentralschule 20 / 40 in Ohre bei Riga; 1949 Rückkehr nach Dtl.; SED; Aufbau der Abt. Organisationsinstrukteure in der SED-KL Guben; 1951 2. Sekr. der SED-KL Teltow; 1952 – 54 1. Sekr. der SED-KL Zossen; 1954 / 55 Besuch des Einjahreslehrgangs an der PHS »Karl Marx«; 1955 – 1958 1. Sekr. der SED-KL Jüterbog; 1959 Ltr. der Abt. Landw. beim Rat des Bez. Potsdam; 1959 – 62 1. Sekr. der SED-KL Potsdam-Stadt; 1963 – 71 Vors. des Rats des Bez. Potsdam; 1971 – 81 Vors. der Revisionskomm. der SED-BL Potsdam; ab 1981 Rentner; ehrenamtl. Tätigkeit als Mitgl. der SED-BL u. ihrer Revisionskomm., Abg. des Bezirkstags Potsdam; ab 1989 PDS.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Pustiovsky, Hermann

* 25.6.1912 – ✝ 23.3.1978

Geb. in Franzendorf (b. Reichenberg, Böhmen / Františkov, Tschechien); Eltern Textilarb.; Volksschule; 1927 – 34 Lehre u. Arbeit als Tischler; 1934 – 36 Wehrmacht; 1936 KPČ; 1936/37 Tischler; 1937 – 39 Interbrigadist im span. Bürgerkrieg; 1939 – 41 Internierung in Frankreich; 1941 – 45 KZ Sachsenhausen. 1945 Mitarb. der Antifa-Kontrollkommission für Umsiedler-Transporte im Sudetenland; 1946 Umsiedl.; Einstellung bei der Polizei Naumburg (Saale); später Grenzbereitschaft Oebisfelde; 1950 Einstellung beim MfS, Länderverw. Sachsen-Anh.; dann Abt. bzw. HA II (Spionageabwehr), MfS Berlin; 1959 Ltr. der Abt. IV (Vorber. von Sabotageakten); 1962 Oberst-Ltn.; 1966 Entlassung; 1977 VVO.Jens Gieseke

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Putz, Ernst

* 20.1.1896 – ✝ 19.7.1933

Geboren am 20. Januar 1896, verlebte er die Kindheit auf dem bäuerlichen Anwesen seiner Eltern in Sinnthalshof in der bayerischen Rhön. Der Vater war christlich-konservativ und nach 1918 Landtagsabgeordneter der Bayerischen Volkspartei. Ernst Putz besuchte das Gymnasium in Aschaffenburg und Würzburg und machte im März 1915 sein Abitur in Berlin-Lichterfelde. 1915 Kriegsfreiwilliger, Ende 1917 bis Sommer 1918 ein Semester Studium der Agrarwissenschaften in Jena, dann Rückkehr als Soldat an die Front. Nach dem Krieg übernahm er den elterlichen Hof und gründete im April 1919 gemeinsam mit dem Wickersdorfer Pädagogen B. Uffrecht eine Freie Schul- und Werkgemeinschaft – eine höhere Schule mit Produktionsunterricht. 1920/21 studierte er erneut einige Semester Agrarwissenschaften in Jena, wurde 1924 Mitbegründer des »Bundes schaffender Landwirte«, einer Organisation der KPD, bereits ab Ende 1923 Mitglied der KPD. Im Dezember 1924 wurde Putz erstmals über die Reichswahlvorschlagsliste der KPD als Abgeordneter in den Reichstag gewählt, vertrat die Partei bis 1933 im Reichstag und blieb Vorsitzender des »Bundes schaffender Landwirte«. Ab 1925 Mitarbeiter der Abteilung Land des ZK der KPD. Putz genoß auch über die Kreise seiner Partei hinaus Ansehen, da er sich vor allem für die kleinen Landwirte einsetzte, obwohl er selbst einen großen Hof besaß. Am 19. Juli 1933 verhaftet, wurde Ernst Putz am 15. September 1933 im Untersuchungsgefängnis Berlin-Moabit ermordet. Putz zu Ehren trägt die nach Sinnthalshof führende Straße in Brückenau seinen Namen.

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Quellmalz, Udo

* 8.3.1967

Geb. in Leipzig; begann 1975 im TZ Leipzig mit Judo; KJS Leipzig, 1979 – 90 beim SC Leipzig (Trainer: Norbert Littkopf, Helmut Howiller); 1981 u. 1983 Spartakiadesieger; 1984 Junioren-EM, 1986 EM-Bronze Junioren; 1987 u. 1988 DDR-Mstr.; 1988 EM-Bronze; 1989 Vize-WM; 1990 DDR-Vizemstr. 1990 – 92 beim TSV Abensberg, 1992 – 98 beim MTV Ingolstadt (Trainer: Karl-Heinz Deblitz, Harald Heinke); Dt. Mstr. 1990, 1992, 1994 u. 1996; 1990 Vize-EM; 1991 u. 1995 WM; 1992 Olympia-Bronze; 1993 WM- u. EM-Bronze; 1996 Olympiasieger, 3. Platz World Masters (alles im Halbleichtgewicht); 1997 3. Platz bei den Dt. Meisterschaften im Leichtgewicht; 5. Dan; Studium an der DHfK Leipzig, Dipl.-Sportlehrer; 1998 – 2004 Koordinator bzw. Cheftrainer der brit. Nationalmannschaft; danach Rückkehr nach Ingolstadt.Volker Kluge

Wer war wer in DDR

Raab, Karl

* 3.5.1906 – ✝ 11.5.1992

Geb. in Berlin; Vater Tischler; 1912 – 20 Volksschule; Aug. 1920 Bürobursche bei der Dresdner Bank; Anf. 1921 Mitgl. des Zentralverb. der Angest.; nach eineinhalbjährigem Abendschulstudium Obersekundarreife; März 1924 – 26 Lehre bei der Dresdner Bank; Mitgl. u. Funktionär im Arbeitersportverein »Fichte«; 1925 Mitgl. des freigewerkschaftl. Allg. Verb. der Dt. Bankangest.; Mitgl. der Berliner BL; 1927 KPD; Gründer u. Pol.-Ltr. der Betriebszelle Dresdner Bank, Mitgl. der UBL Zentrum; RGO, Ltr. der Industriegr. »Banken u. Versicherungen« des Bez.-Aussch. Berlin; Artikel für die »Rote Fahne« u. für die Angest.-Ztg. »Kampfstimme« u. »Angest.-Kampf«; Mitgl. der Zentr. Arbeiterkorrespondentenkommission beim ZK der KPD; 1928 – 34 Gründer u. Red. der KPD-Betriebsztg. »Rote Bilanz«; Mai 1931 als Delegierter der VI. Dt. Arbeiterdelegation in die UdSSR; 30.6.1931 Entlassung aus der Dresdner Bank wegen eines Berichts über die Sowjetunionreise; Wiedereinstellung durch Urteil des Landesarbeitsgerichts Berlin; Hausverbot durch die Bankdirektion; bis Febr. 1932 Mitgl. des Betriebsrats der Dresdner Bank; 24.2.1932 Bestätigung der Kündigung durch das Reichsarbeitsgericht in Leipzig; 1932 Oberbuchhalter im Verlag »Rote Fahne«; Jan. – März 1933 Geschäftsf. des Internat. Arbeiterverlags der KPD in Berlin; dann illeg. Tätigkeit für die RGO, u. a. bis Herbst 1934 Hrsg. einer illeg. Ztg. für Bankmitarb.; ab Okt. 1933 unter dem Deckn. »Karl Sperling« Schleusungen u. Quartierbeschaffung für die Berliner LL der KPD; Jan. 1935 Emigr. in die UdSSR; zunächst als »Karl Specht« Kursant an der KUNMZ; Sept. 1935 – Aug. 1937 Besuch der Lenin-Schule in Moskau (»Arthur Fiedler«); 1.9.1937 – April 1945 stellv. Chefred. des dt. Sektors im Moskauer Rundfunk; 1939 Aberkennung der dt. Staatsbürgerschaft; Okt. 1941 mit dem Sender Evakuierung nach Kuibyschew. Kehrte als Mitgl. der Gruppe  Gustav Sobottka am 6.5.1945 nach Dtl. zurück; zunächst Red. der Ztg. der 2. Beloruss. Front »Dt. Ztg.« in Vorpom.; dann ab Juli 1945 Chefred. der »Volksztg.« bzw. »Schweriner Volksztg.«; Mitgl. der LL der KPD; ab 1.3.1946 Sekr. für Kultur, Agit. u. Parteischulung in der LL der KPD; 7.4.1946 3. Sekr. des Landesvorst. Mecklenb. der SED; Sommer – Dez. 1946 persönl. Mitarb. von  Anton Ackermann im ZS der SED; Jan. 1947 – Nov. 1948 stellv. Ltr. bzw. Ltr. der Abt. Parteischulung, Kultur u. Erziehung im ZS der SED; Mitbegr. versch. Ztg. u. Verlage, u. a. »Sportecho« u. »Sportverlag«; 1.12.1948 HA-Ltr. in der HV Finanzen der DWK; Chefred. der Ztschr. »Dt. Finanzwirtschaft«; 1.12.1949 Stellv. des Hauptkassierers im Sekr. der SED; 25.7.1950 – 1.9. 1982 als Ltr. der Abt. Finanzverw. u. Parteibetriebe des ZK Hauptkassierer der SED; 1950 Mitgl. der ZRK der SED; 1974 Mitgl. der ZL des Komitees der antifa. Widerstandskämpfer; nach Pensionierung 1982 ehrenamtl. Mitgl. der Zentr. Veteranenkommission des ZK der SED; 1971 Ehrenspange zum VVO; 1978 KMO; 1981 Stern der Völkerfreundschaft; 1986 VVO; gest. in Berlin.Peter Erler / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Rackwitz, Werner

* 3.12.1929 – ✝ 14.3.2014

Geb. in Breslau (Wrocław, Polen); Studium am Inst. für Musikwiss. der MLU Halle; 1957 – 63 Assistent; 1963 Prom. zum Dr. phil.; 1963 – 69 Ltr. der Abt. Musik im Min. für Kultur; 1969 – 81 Stellv. des Ministers für Kultur; 1976 Prom. zum Dr. sc. phil.; 1981 – Jan. 1994 Intendant der Komischen Oper Berlin (Nachf. von  Joachim Herz); Honorarprof. für Musikwiss. an der MLU Halle; seit Juni 1981 Abg. der Berliner Stadtverordnetenvers.; seit 1984 Mitgl. der SED-BL Berlin; 1984 VVO; 1986 AdK; Mitgl. des Zentralvorst. u. des Präs. des Verb. der Komponisten, des Vorst. der Georg-Friedrich-Händel-Ges., des Direktoriums des Zentrums DDR des Internat. Theaterinst., des Musikrats der DDR u. der Internat. Ges. für Musikwiss.; Febr. 1994 Rentner; gest. in Berlin.G. F. Händel. Persönlichkeit – Umwelt – Vermächtnis. Leipzig 1962 (zus. mit H. Steffens); Geschichte u. Gegenwart der Hallischen Händel-Renaissance. Halle 1977; G. P. Telemann. Dokumentensammlung. Leipzig 1982; Il carosassone, G. F. Händel. Leipzig 1988.Helmut Müller-Enbergs

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Presche, Willy

* 1.12.1888 – ✝ 1937

Geboren am 1. Dezember 1888 in Berlin; lernte Schlosser, Soldat im Weltkrieg, danach Übersiedlung nach Hamburg, 1918 Mitglied der USPD, 1920 mit der linken USPD zur KPD. 1924 auf eine Schule nach Moskau delegiert, erhielt dort eine neunmonatige politische und militärische Ausbildung. Nach seiner Rückkehr baute er im Bezirk Wasserkante den »Ordnerdienst« und dann den RFB mit auf. Von 1926 bis 1931 war Presche Abgeordneter der Hamburger Bürgerschaft, Mitglied der BL Wasserkante und der Beschwerdekommission. Im Zusammenhang mit der Wittorf-Affäre und der Absetzung Ernst Thälmanns 1928 wurde er wie John Schehr und Ludwig Rieß als Mitwisser der Unterschlagungen kurze Zeit seiner Funktion enthoben, dann aber durch Thälmann rehabilitiert und erneut in die BL Hamburg aufgenommen. 1930 in den AM-Apparat des ZK der KPD unter Hans Kippenberger nach Berlin geholt. Wegen Verdachts an der Beteiligung am Doppelmord an zwei Berliner Polizeibeamten im August 1931 wurde nach Presche gefahndet. Er entzog sich der drohenden Verhaftung, flüchtete in die Sowjetunion, lebte in Odessa und geriet dort in die Stalinschen Säuberungen. Willy Presche wurde 1937 verhaftet, seine Spur verliert sich im Gulag.

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Preuß (Totzki), Meta

* 18.1.1903 – ✝ 25.12.1981

Geboren am 18. Januar 1903 in Danzig als Meta Kroll, Tochter einer Arbeiterfamilie; ab 1917 in Berlin Apothekenhelferin. Im Mai 1924 heiratete sie Hermann Totzki, (*21. 1. 1894 – † 13. 11. 1965) und zog mit ihm nach Danzig. Hier trat sie 1927 in die KPD ein und leitete ab 1928 den RFMB. Ab 1929 Frauenleiterin des Bezirks und Mitglied der KPD-BL Danzig. Im November 1930 in den Volkstag Danzig gewählt, besuchte sie im Juni 1931 einen Lehrgang an der Reichsparteischule »Rosa-Luxemburg« in Berlin-Fichtenau. Bereits ab Ende 1932 wirkte sie illegal als Instrukteurin in Danzig und wurde am 2. April 1934 verhaftet und vom Schwurgericht Danzig zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Im November 1935 durch eine Amnestie freigelassen, arbeitete sie als Anzeigenwerberin für die noch halblegale KP-Zeitung in Danzig. Meta Totzki flüchtete im Juni 1936 nach Warschau, war dort zeitweise Angestellte der sowjetischen Botschaft, im September 1938 emigrierte sie nach Schweden und gehörte der KPD-Parteigruppe an. Anfang Juni 1946 kehrte sie mit ihrem zweiten Mann, Karl Preuß (*16. 11. 1904 – † 11. 12. 1981), den sie in Schweden geheiratet hatte, nach Deutschland zurück, Mitglied der SED, Leiterin der Sozialhilfe im Bezirksamt Berlin-Mitte. Später war Meta Preuß in Sangerhausen Vorsitzende der SED-Ortsgruppe. 1949 schwer erkrankt, wurde sie 1950 Rentnerin, sie erhielt 1968 den VVO in Bronze. Meta Preuß starb am 25.Dezember 1981.

Wer war wer in DDR

Pries, Peter

* 6.6.1930 – ✝ 9.3.1960

Geb. in Potsdam; Vater Krankenpfleger; Volks- u. Oberschule; 1945 Hilfsarb. u. Zeitungsfahrer bei der KPD-KL Ludwigslust; 1946 FDJ u. SED; 1948 LPS Klein Trebbow; anschl. Jugendsekr. der SED-KL Ludwigslust; Okt. 1948 Jugendinstrukteur der SED-LL Mecklenb.; 1950 Sekr. für Kultur u. Erziehung der FDJ-LL Mecklenb.; dann Ltr. der Abt. Massenagit. der SED-LL Mecklenb.; 1950/51 Studium an der PHS; 1951/52 Sekr. für Agit./ Prop. der SED-LL Mecklenb.; 1952/53 2. Sekr. der SED-BL Rostock; 1953/54 Ltr. der Abt. Agit. des ZK der SED; 1955 – 57 Parteiorganisator des ZK u. 1. Sekr. der SED-BPO Maxhütte Unterwellenborn; Mitgl. des Büros der SED-KL Saalfeld; 1956 – 60 Mitgl. der SED-BL u. ab 1957 des Büros der SED-BL Gera; 1957 –60 1. Sekr. der SED-BPO im VEB Carl Zeiss Jena; 1959 VVO; Suizid.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Prietzel, Willi

* 11.7.1901 – ✝ 19.9.1961

Geboren am 11. Juli 1901 in Berlin, Sohn einer Arbeiterfamilie; wurde Schlosser. Seit 1915 Mitglied der Arbeiterjugend, trat Prietzel 1918 in die FSJ und 1919 in die USPD ein, Funktionär der USPD in Berlin-Neukölln. Ende 1920 Mitglied der KPD, Funktionär im Arbeitersport, aktiv bei den »Naturfreunden«, dort zeitweise Mitglied des Bundesvorstandes und Redakteur der Verbandszeitschrift. Da er sich am Spaltungskurs der kommunistischen Opposition im Sportverband betätigte, 1928 vom ATSB-Bundestag in Leipzig ausgeschlossen. Verheiratet mit Elise Prietzel. Ab 1928 hauptamtlicher Sportsekretär beim ZK der KPD wurde Prietzel seit Bildung der Kampfgemeinschaft für rote Sporteinheit deren Sekretär und enger Mitarbeiter von Ernst Grube. Dann ab 1930 Sekretär des Internationalen Arbeiter-Sportverlags. Am 28. Februar 1933 festgenommen, kam in das KZ Sonnenburg. Weihnachten 1933 entlassen, Ende 1934 emigrierte er über Paris nach Moskau, leitete von Kopenhagen die Sportarbeit, später von Paris aus. Prietzel organisierte u. a. Gegenaktionen zur Olympiade 1936 in Berlin. Im September 1939 interniert, Anfang 1942 Verlegung nach Djelfa/Nordafrika, nach der Landung der Alliierten Angehöriger einer britischen Arbeitskompanie. Im Mai 1946 kehrte er nach Berlin zurück, wurde 1947 Vorsitzender der SED Teltow, später Mitglied des Rates des Kreises Teltow und kam 1949 in die brandenburgische Landesregierung. Willi Prietzel starb am 19. September 1961 in Blankenfelde.

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Probst, Rudolf

* 29.12.1922

Geb. in Strach (b. Coswig) in einer Zirkusfamilie; bereits als Kind Mitarbeit im elterl. Zirkus; Akrobat u. Dresseur; 1947 Gründung des Zirkus »Probst«, 1953 Beschlagnahme wegen angebl. Steuerschulden, 1954 Rückgabe; in den folgenden Jahren einer der führenden Familienzirkusse der DDR, Spezialität Tierdressuren; 1966 – 72 zahlr. Auslandsgastspiele, vorw. in Polen u. Ungarn; 1973 erneute Beschlagnahme wegen des Vorwurfs von Steuer- u. Zollvergehen, Einstellung des Zirkus, Verurteilung zu drei Jahren Haft; 1980 erneute Lizenzerteilung durch das Min. für Kultur, 1981 Neugründung des Zirkus »Probst«. Nach 1990 rehabilitiert; CDU; 1994 Umwandlung des Zirkus in eine GmbH, als »Ostdeutschlands Zirkus Nr. 1« eines der acht größten Zirkusunternehmen in Dtl. (Übernahme des Zirkus durch den Sohn Rüdiger Probst); 1998 Ernst-Renz-Plakette der Ges. der Circusfreunde Dtl. e. V.; lebt im Magdeburger Winterquartier.Dietmar Winkler

Handbuch Deutsche Kommunisten

Prüser, Hermann

* 9.6.1903 – ✝ 1992

Geboren am 9. Juni 1903 in Bremen; lernte Schlosser, anschließend Schiffbauer. 1923 Mitglied der KPD, 1924 Jugendleiter der Roten Jungfront und später Leiter des KPD-UB Vegesack. Von 1931 bis 1933 gehörte er der Bremer Bürgerschaft an, war ab März 1931 Orgleiter des Kampfbundes gegen den Faschismus Bremen. Von Juni bis Dezember 1933 »Schutzhaft« und von Mitte bis Ende 1935 erneut inhaftiert, danach arbeitete Hermann Prüser auf der AG Weser. Nach 1945 zeitweise 2. Vorsitzender der Ortsverwaltung der IG Metall Bremen, Prüser weigerte sich, einen Revers der Gewerkschaft gegen die DGB-feindliche These 37 der KPD zu unterschreiben und sich damit von der KPD-Politik zu distanzieren. Deshalb aus der IG Metall ausgeschlossen, in den sechziger Jahren revidierte die Gewerkschaft den Ausschluß. Er trat 1968 bei Gründung der DKP bei. Hermann Prüser starb 1992.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Puchmüller, Ernst

* 7.3.1897 – ✝ 14.6.1976

Geboren am 7. März 1897 in Dassow/Krs. Grevesmühlen, Sohn eines Schuhmachers; Lehre und Arbeit als Bäcker. 1916 zum Militär einberufen, erblindete infolge einer Kriegsverletzung zu 75 Prozent und begann als Landbriefträger in seinem Heimatort Dassow. Er schloß sich 1917 der SPD, ein Jahr später der USPD an. 1920 ging er mit deren linkem Flügel zur KPD. Er leitete in Lübeck die Rote Hilfe, 1932 dort in die Bürgerschaft gewählt. Am 13. Oktober 1935 verhaftet und am 12. Dezember 1936 im sogenannten Lübecker Kommunistenprozeß (u. a. mit Erich und Minna Klann) zu 13 Jahren Zuchthaus verurteilt. Aufgrund der Erblindung Puchmüllers hatte der Staatsanwalt von der Todesstrafe abgesehen und lebenslänglich gefordert. Von 1945 bis 1947 stand Puchmüller an der Spitze der KPD bzw. der SED im Kreis Grevesmühlen. 1947/48 Vorsitzender der VVN Mecklenburg, 1948 Direktor der Landesblindenanstalt bzw. des Rehabilitations-Zentrums für Blinde in Neukloster. Ab 1957 war er Vizepräsident des Allgemeinen Deutschen Blindenverbandes der DDR. Ernst Puchmüller starb am 14. Juni 1976.

Wer war wer in DDR

Putlitz, Wolfgang Gans Edler Herr zu

* 16.7.1899 – ✝ 3.9.1975

Geb. in Laaske (Prignitz); Vater Landwirt; Ritterakad. in Brandenb.; Militärdienst, zul. Ltn.; 1919 – 24 Studium der Volkswirtschaft in Berlin u. Hamburg; 1922/23 Volontär bei der Stinnes AG für Überseehandel in Hamburg; 1924 in Hamburg Prom. zum Dr. rer. pol. über die »Ursachen der Inflation«; 1924/25 Sprachstudien in Oxford; ab Juli 1925 als Attaché im Ausw. Amt; 1925/26 Attaché am Dt. Konsulat in Posen; ab 1926/27 in Berlin Jahreslehrgang für Attachés; 1927 Mitarb., 1928 – 31 Attaché an der dt. Botschaft in Washington; 1931 dt. Geschäftsträger in Haiti; 1932/33 Mitarb. der Presseabt. des Ausw. Amts in Berlin; ab April 1933 in Genf Presseattaché der dt. Delegation für die Abrüstungskonferenz des Völkerbunds; 1933/34 Mitarb. der Wirtschaftsabt. der Dt. Botschaft in Paris; 1934 – 38 Ltr. der Konsulatsabt. der Dt. Botschaft in London; Verbindungen zum brit. Nachrichtendienst SIS; 1936 NSDAP; 1936/37 in London; 1938/39 Gesandtschaftsrat an der Dt. Gesandtschaft in Den Haag; 14.9.1939 im Zuge einer mögl. Enttarnung vom SIS in die Niederlande gebracht, die Bildung einer dt. Exilreg. scheiterte; 1939/ 40 als Drehbuchautor, Berater bei Filmstudios in London; 1940 in Jamaika, dort interniert; 1942 – 44 USA; 1944 Rückkehr nach England, 1945 Lehrer an der »Umerziehungsschule« in Wilton Park. 1946 Rückkehr nach Dtl.; 1947 – 52 brit. Staatsbürgerschaft; persönl. Ref. (Oberreg.-Rat) des schlesw.-holst. Min.-Präs.; 1949 engl. Sprachlehrer in der Schweiz; 1950 in London Mitarb. einer Schiffsmakler- u. Versicherungsfirma; später Hauslehrer in Schottland; 1952 Übersiedl. in die u. Staatsbürgerschaft der DDR; Lektor beim Verlag Volk u. Wissen; freischaff. Schriftst. in Bad Saarow-Pieskow, später in Berlin; zeitw. »Berater« des Min. für Ausw. Angelegenh.; Mitarb. der Arbeitsgemeinschaft ehem. Offz.; Mitgl. u. pol. Mitarb. des NR der NF; 1963 Ernst-Moritz-Arndt-Medaille; gest. in Berlin.Unterwegs nach Dtl. Erinnerungen eines ehem. Diplomaten. Berlin 1956, 1971; The Putlitz Dossier. London 1957; Laaske, London u. Haiti – Zeitgeschichtl. Miniaturen. Berlin 1965. Delmer, S.: Black Boomerang. London 1962; Wright, P.: Spycatcher. Enthüllungen aus dem Secret Service. Frankfurt (Main), Berlin 1988; West, W. J.: Spy Master. The Betrayal of MI 5. New York 1990; Potratz, R.: W. G. E. Herr zu P. 1899 bis 1975. Zwischen allen Stühlen. In: Adelige Rückkehrer im Land Brandenburg. Berlin 2001. BRB

Wer war wer in DDR

Quandt, Bernhard

* 14.4.1903 – ✝ 2.8.1999

Geb. in Rostock; Vater Arbeiter; Volksschule in Wismar u. Gielow (Krs. Malchin); 1917 – 20 Ausbildung zum Eisendreher; anschl. im Beruf in Waren (Müritz) u. Hamburg tätig; 1920 SAJ, SPD; 1923 KPD; 1925/26 Agit.-Prop.-Ltr. des KJVD in Rostock; 1927 – 32 Vors. der KPD-Ortsgr. in Gielow; ab 1927 Mitgl. der Gemeindevertr. Gielow u. der Amtsvers. Malchin; 1929 – 32 zunächst Mitgl., später Ltr. des KPD-UB Malchin; 1932 militärpol. Lehrgang in Moskau; 1932/33 Abg. des Mecklenb. Landtags; 25.3.1933 Verhaftung in Wismar, schwere Mißhandlungen, Jan. 1934 Verurteilung zu zwei Jahren u. sechs Mon. Gefängnis, Haft im Zuchthaus Dreibergen (Bützow); nach Entlassung am 19.12.1935 Notstandsarb. bzw. Schachtmstr. in Friedland u. Lübz; 1.8.1937 – 1.10.1937 »Schutzhaft«; 1.9.1939 erneute Verhaftung u. bis 28.3.1940 Häftling im KZ Sachsenhausen, anschl. KZ Dachau, von frz. Truppen befreit. Juni – 11.8.1945 1. Sekr. der KPD-KL Güstrow; 11.8.1945 – 1.2.1946 Landrat in Güstrow; 1.2.1946 – 26.2.1948 Org.-Sekr. der KPD bzw. ab April 1946 der SED-LL Mecklenb.; 1946 SED; 1946 – 52 Abg. des Landtags; 26.2. 1948 – Juli 1951 Minister für Landw.; 1949/50 Studium an der PHS; ab Aug. 1951 Min.-Präs. des Landes Mecklenb. (Nachf. von  Wilhelm Höcker); 1952 – 74 1. Sekr. der SED-BL Schwerin; 1958 – 3.12.1989 Mitgl. des ZK der SED; 1953/54 u. 1958 – März 1990 Abg. der Volkskammer; 1973 – 90 Mitgl. des Staatsrats (Nachf. des Sitzes von  Walter Ulbricht); 1974 – 89 Vors. des Bez.-Komitees der Antifa. Widerstandskämpfer Schwerin; 1955 u. 1963 VVO; 1958 Medaille für Kämpfer gegen den Fasch.; 1965 Banner der Arbeit; 1969 Ehrenspange zum VVO; 1973 u. 1988 KMO; 1978 Stern der Völkerfreundschaft; ab 12.1.1990 Mitgl. des Rats der Alten der SED-PDS; gest. in Schwerin.Podewin, N.: B. Q. (1903 – 1999). Ein Urgestein Mecklenburgs. Rostock 2006.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Quermann, Heinz

* 10.2.1921 – ✝ 14.10.2003

Geb. in Hannover; Vater Bäckermstr.; Volksschule; 1936 Bäckerlehre; daneben Violin- u. Schauspielunterricht; 1939 Schauspielprüfung; Engagements an Theatern in Bernburg, Magdeburg u. Köthen; dort 1945/46 Intendant; 1946 am Landessender Halle; LDPD; ab 1947 mit Unterbrechung Ltr. der Abt. Unterhaltung beim Mitteldt. Rundfunk Leipzig; ab 1953 Mitarb. des Staatl. Rundfunkkomitees in Berlin, HA Unterhaltung; ab 1962 Arbeitsgr.-Ltr. im DFF; seit 1953 Red. u. Moderator der »Schlagerlotterie«, ab 1958 der »Schlagerrevue« (mit über 36 Jahren langlebigste Rundfunk-Hitparade der Welt); 1953 – 65 bei »Da lacht der Bär« (erste Fernsehshow der DDR) Autor u. einer der drei Mikrofonisten (neben  Gustav Müller u. Gerhard Wollner, ab 1961  Herbert Köfer); 1958 – 73 »Herzklopfen kostenlos«: TV-Talenteförderer für Schlagersänger, Artisten, E-Musiker; 1957 – 67 Präsentation des »Amiga-Cocktails« in Rundfunk u. Fernsehen; 1957 – 91 Autor u. Co-Moderator (neben  Margot Ebert) der Fernsehweihnachtssendung »Zw. Frühstück u. Gänsebraten«; Autor u. Gestalter zahlr. Fernsehshows; Autor u. Entertainer von zwölf Revuen im Friedrichstadtpalast Berlin, von 15 Pressefest-Tourneeprogrammen; insges. gestaltete er rund 2.500 Sendungen in Rundfunk u. Fernsehen der DDR sowie rund 7.500 Veranstaltungen; 1977 NP; 2000 »Goldene Henne«; gest. in Berlin.Ihr Heinz, der Quermann – Meine bunten Erinnerungen. Berlin 1992.Bernhard Hönig

Handbuch Deutsche Kommunisten

Rabe, Kurt

* 21.2.1907 – ✝ 25.12.1962

Geboren am 21. Februar 1907 in Frankfurt/ Oder, kam 1916 nach Berlin, dort zunächst Hilfsarbeiter in einer Druckerei, später Maschinenarbeiter. Seit Februar 1923 Mitglied der KJD, ehrenamtliche Funktionen im Bezirk Berlin-Brandenburg, bis 1926 auch Angehöriger des OD. Im Mai 1927 aus dem KJVD ausgeschlossen, als Anhänger Hugo Urbahns ab 1928 im Leninbund. Als Jugendvertreter gehörte er der Reichsleitung des Leninbundes an und arbeitete als Expedient im Verlag Volkswille. Nach einem Zusammenstoß mit Nationalsozialisten im Juli 1932 schwer verletzt, wurde er dennoch vom Schöffengericht Neuruppin im August 1932 wegen »unerlaubten Waffenbesitzes« zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Ab 1933 illegale Arbeit, Anfang Februar 1934 Festnahme, von der Gestapo gefoltert, vom Kammergericht Berlin am 25.Juli 1934 zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt, Haft in Brandenburg-Görden. Nach der Freilassung Arbeiter bei Osram. Im März 1943 Einberufung zur Wehrmacht, wegen Verwundung im Lazarett, im April 1945 geriet er in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Im Mai 1946 Rückkehr nach Berlin. Rabe wurde Mitarbeiter des Bezirksamts Berlin-Friedrichshain bzw. beim Magistrat von Groß-Berlin. Zunächst Mitglied der SED, er kritisierte öffentlich die zunehmende Stalinisierung und trat im Mai 1948 aus der SED aus. Ein zusätzlicher Grund: Sein Bruder und sein Neffe wurden in Frankfurt/Oder wegen »antisowjetischer Propaganda« verhaftet und zu sechs bzw. drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Er flüchtete im Juni 1951 nach West-Berlin, dort Notstandsangestellter. Kurt Rabe starb am 25. Dezember 1962 an den Folgen einer schweren Tuberkulose in Rheda/ Wiedenbrück.

dissidenten.eu

Rácz, Sándor

* 1933 – ✝ 2013

Arbeiter, Teilnehmer an der *Ungarischen Revolution von 1956, Gründungsmitglied des *Komitees für Historische Gerechtigkeit.Sándor Rácz wurde 1933 in Hódmezővásárhely als Sohn einer armen Bauernfamilie geboren. Ab 1946 war er in Budapest Tischler-, später Böttchergeselle. 1948–50 arbeitete er im Elektrotechnik-Werk Standard (später Elektrokommunikationswerk Beloiannisz). 1950 bekam er seinen Meisterbrief. Von 1953 bis 1955 leistete er seinen Wehrdienst. Während der *Ungarischen Revolution wurde Rácz am 29. Oktober 1956 in den Arbeiterrat gewählt und er war Verbindungsmann zum Revolutionskomitee seines Stadtbezirks. Am 15. November wurde er Mitglied der Leitung des *Zentralen Arbeiterrates für Groß-Budapest (Nagy Budapesti Központi Munkástanács). Er war Mitglied der Delegation, die am Abend desselben Tages der prosowjetischen Gegenregierung unter János Kádár die Forderungen des Rates vorlegte. Nach dem Einmarsch sowjetischer Truppen und der blutigen Niederschlagung des Aufstandes verhandelte er als Vertreter des Arbeiterrates im November und Dezember 1956 mit der Regierung János Kádárs und mit der sowjetischen Kommandantur über den Rückzug der Besatzungstruppen, die Wiedereinsetzung der Reformregierung von Imre Nagy, die Legalisierung der Arbeiterräte und die Definierung ihrer Kompetenzen.Am 11. Dezember 1956 wurde er zu Gesprächen ins Parlament eingeladen und dort verhaftet. Am 27. März 1958 wurde Sándor Rácz wegen „verschwörerischer Tätigkeit gegen die demokratische Staatsordnung“ zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Aus Furcht vor einem noch härteren Urteil entschloss er sich, das Urteil nicht anzufechten. 1960 nahm er an einem Hungerstreik der in Vác inhaftierten politischen Gefangenen teil. 1963 kam er im Rahmen einer Amnestie wieder frei. Er fand Arbeit in einer Industriegenossenschaft für Kommunikationstechnik. Auch nach seiner Freilassung stand er unter ständiger Beobachtung, sein Antrag auf einen Reisepass wurde abgelehnt. Rácz hatte trotz allem weiterhin ständigen Kontakt mit den Kameraden aus der Zeit der Revolutionskämpfe. Ende der 70er Jahre ließ er sich in der Kleinstadt Izsák nieder, wo er bis zum Rentenalter seinen Lebensunterhalt als Werkzeugmacher verdiente. 1981 nahm er an einer illegalen Konferenz zur *Ungarischen Revolution von 1956 teil und meldete sich ein Jahr später erstmals öffentlich mit einer Vorlesung für die *Freie Montagsuniversität (auch „Fliegende Universität“) zu Wort. In der zweiten Hälfte der 80er Jahre war er aktiver Teilnehmer an Veranstaltungen der Opposition zum Gedenken an die *Ungarische Revolution von 1956 und an andere Jubiläen ungarischer Freiheitskämpfe. Für die junge Generation von Oppositionellen war er als Vertreter der Arbeiter, die den Kampf gegen die vermeintliche „Arbeitermacht“ aufnahmen, eine authentische Wissensquelle der *Ungarischen Revolution. Er arbeitete mit Jenő Nagy und der Samisdat-Schrift *„Hírmondó“ (Nachrichtensprecher) zusammen. Im Dezember 1986 nahm er an einer in der Wohnung von István Eörsi stattfindenden illegalen Tagung über die *Ungarische Revolution von 1956 teil und hielt am 23. Oktober 1987 an der Technischen Universität Budapest während der ersten legalen Gedenkveranstaltung für die *Ungarische Revolution eine Rede. Aber auch bei der in der Wohnung von György Krassó stattfindenden illegalen Veranstaltung war er dabei. Im selben Jahr wurde er Gründungsmitglied des *Komitees für Historische Gerechtigkeit (Történelmi Igazságtétel Bizottság; TIB). Im Juni 1989 hielt Rácz eine Rede auf den Begräbnisfeierlichkeiten in Budapest für Imre Nagy. Nach dem Ende der Diktatur kandidierte er 1990 in den ersten freien Wahlen für das Parlament, erlangte jedoch kein Abgeordnetenmandat. Im selben Jahr wählte ihn der wiedererstandene *Zentrale Arbeiterrat von Groß-Budapest zu seinem Vorsitzenden. 1993 wurde er Mitglied der Unabhängigen Partei der Kleinlandwirte und Vorsitzender des Verbandes der Revolutionsteilnehmer von 1956. 1999 wurde er mit dem Imre-Nagy-Orden geehrt, im August 2003 wurde er Ehrenvorsitzender des Weltbundes der Ungarn. Sándor Rácz starb 2013 in Budapest.Katalin Somlai Aus dem Polnischen von Gero Lietz Letzte Aktualisierung: 06/15

Wer war wer in DDR

Prescher, Clemens Richard Hans

* 8.5.1926 – ✝ 29.9.1996

Geb. in Strehla an der Elbe; Vater Bäcker- u. Konditormeister; 1932 – 36 Schulbesuch in Strehla, ab 1936 Kreuzschule Dresden; 1943 – 45 Kriegsdienst. 1946 – 50 Studium der Geol. an der Bergakad. Freiberg u. der EMAU Greifswald, anschl. wiss. Mitarb. u. 1953 – 85 Dir. des Staatl. Museums für Mineral. u. Geol. zu Dresden; 1952 Dipl., 1954 Prom. an der Bergakad.; 1959 Lehrauftrag für Geol. u. 1963 – 65 kommissar. Dir. des Inst. für Mineral. u. Geol. der TH Dresden; 1981 Habil. an der HU Berlin. 1994 Bundesverdienstkreuz am Bande u. Ehrendoktor der Univ. Basel; gest. in Dresden. Forschungsschwerpunkte: obere Kreide in Sachsen, geowiss. Leistungen v. Agricola u. Goethe; Geschichte der Geowiss. (Biographien), Museologie; mehr als 300 Publ.; bedeutendste Leistung: Herausgabe der Werke von Georgius Agricola in zehn Bänden, einem Ergänzungsband u. Register (1955 bis 1996).Sedimentpetrograph. Untersuchungen oberturoner Sandsteine im Elbsandsteingebirge. Berlin 1954; Goethes Samml. zur Mineral., Geol. u. Paläontol. Berlin 1978 (mit O. Wagenbreth); Georgius Agricola – seine Zeit u. ihre Spuren. Leipzig-Stuttgart 1994. H.-P.-Gedenkband. Abhandl. der Staatl. Museen Mineral. u. Geol. Dresden. Bd. 43/44, 1998; Hebig, Chr.: H. P. In: Ztschr. Fossilien (2001) 3.Martin Guntau

Wer war wer in DDR

Prey, Günter

* 13.4.1930 – ✝ 7.5.1983

Geb. in Berlin; Vater Kaufm.; Volks- u. Mittelschule; 1947 – 49 Studium an der Chemie-Ingenieurschule Groß-Berlin, Chemo-Techniker; 1949 – 51 Arbeit als Chemo-Techniker im VEB Plasta Erkner; 1951/52 erneutes Studium an der Chemie-Ingenieurschule, Chemie-Ing.; 1952/53 Ltr. der Produktionsabt. des VEB Plasta Erkner; 1953 SED; 1953 – 59 Hauptkontrolleur bei der Zentralen Kommission für Staatl. Kontrolle, Abt. Chemie; 1951 – 59 Fernstudium an der TH Dresden, 1959 Dipl.-Ingenieurökon.; ab Juli 1959 stellv. Aufbaultr., 1960 – 66 Dir. des VEB Chemiefaserkombinat Guben; 1960 Kand., 1962 – 64 Mitgl. der SED-BL Cottbus; 1966/67 Stellv. Min. für Chem. Industrie; 1967 – 74 Mitgl. des Ministerrats u. Min. für Wiss. u. Technik; ab 1974 erneut Stellv. Min. für Chem. Industrie bzw. Dir. des Zentralen Informationsinst. der chem. Industrie; 1963 Kand., 1964 – 71 Mitgl. des ZK; ab 1968 stellv. Vors. des Forschungsrats der DDR.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Priess, Viktor

* 21.7.1908 – ✝ 23.11.1999

Geboren am 21. Juli 1908 in Hamburg; Maschinenbauer, seit 1925 Mitglied der KPD. Ab 1928 im AM-Apparat, 1930/31 Kursant eines Lehrgangs an der M-Schule der Komintern in Moskau. Priess war u. a. für den Personenschutz Ernst Thälmanns während dessen Aufenthalten in Hamburg zuständig sowie für sowjetische Waffenlieferungen nach China. Diese wurden als »Landwirtschaftsmaschinen« deklariert, um im Hamburger Hafen nicht das Mißtrauen der Schauer- und Seeleute zu erregen. Weihnachten 1933 emigrierte Priess dank Vermittlung der Versöhnler-Gruppe und ohne Genehmigung der Partei als Blinder Passagier eines norwegischen Postschiffs nach Oslo. Dabei erlitt er schwere Erfrierungen an den Beinen. Bei einer der letzten Zusammenkünfte mit Hans Kippenberger beauftragt, im Ausland dafür zu sorgen, daß das Umfeld von Walter Ulbricht beobachtet werde. Als er mit dieser Anweisung in Kopenhagen auftauchte, führte das – neben seiner nicht genehmigten Emigration – zum Ausschluß aus der KPD. Priess ging Ende 1936 nach Spanien, gehörte den Internationalen Brigaden an und leitete eine Partisanengruppe. Franz Dahlem teilte ihm mit, daß er, so wie die anderen aus der Versöhnler-Gruppe, wieder in die KPD aufgenommen worden war. 1939 in Frankreich interniert, später in Algier, 1942/43 Angehöriger der britischen Armee. Er fuhr zusammen mit 30 anderen Spanienkämpfern in die Sowjetunion. Priess war zunächst Mitarbeiter in einem Spezialdienst der sowjetischen Aufklärung GRU. Auf Drängen Walter Ulbrichts wurde er erneut aus der KPD ausgeschlossen und nach Sibirien deportiert, Fabrikarbeiter. Im März 1947 verhaftet und wegen antisowjetischer Tätigkeit zum Tode verurteilt, die Strafe wurde in 25 Jahre Arbeitslager umgewandelt, er blieb bis 1956 im Gulag Workuta. Erst mit den kriegsgefangenen »Spätheimkehrern« kam Priess zurück. Aber er weigerte sich, in Frankfurt/O. den Zug zu verlassen und fuhr weiter in seine Heimatstadt Hamburg. Er arbeitete als Maschinenbauer, schloß sich nicht mehr der KPD an, engagierte sich aber in der IG Metall. Viktor Priess starb am 23. November 1999 in Hamburg. Seine Brüder Bruno Priess (* 20. 6. 1911) und Heinz Priess (* 2. 4. 1920) gehörten vor 1933 dem KJVD bzw. dem JSB an. Bruno Priess emigrierte zunächst nach Dänemark, ging später nach Spanien und fiel am 21. September 1938 als Angehöriger der Internationalen Brigaden in der Ebro-Schlacht. Heinz wurde Maschinenschlosser. Gemeinsam mit seiner Mutter Marie Priess (geb. Drews) half er den im Sommer 1942 über Ostpreußen abgesprungenen deutschen Kommunisten Erna Eifler und Wilhelm Fellendorf, die nach vergeblicher Kontaktaufnahme in Berlin nach Hamburg kamen. Im Oktober 1942 wurden Heinz und Marie Priess verhaftet. Nach schweren Luftangriffen auf Hamburg erhielten sie den danach üblichen »Bombenurlaub« mit der Weisung, sich nach zwei Monaten wieder zu melden. Sie lebten illegal in Hamburg, wurden beide am 19. Juni 1944 erneut festgenommen und im Oktober 1944 zum Tode verurteilt. Heinz Priess wurde am 12. März 1945 im Zuchthaus Brandenburg hingerichtet. Marie Priess blieb nur deshalb am Leben, weil das Transportchaos in den letzten Kriegsmonaten die Vollstreckung des Urteils verhinderte.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Priewe, Albert

* 27.11.1901 – ✝ 8.4.1975

Geboren 27. November 1901 in Kolberg, war wegen verschiedener Diebstähle in einer Fürsorgeanstalt in Züllchow bei Stettin; lernte Melker und trat Anfang 1919 in das Infanterieregiment in Pasewalk ein, anschließend bis zur Auflösung im Herbst 1920 Angehöriger des Freikorps. Danach Landarbeiter in Wismar und Fischer in Kolberg, 1922 übersiedelte Priewe nach Hamburg, wo er u. a. als Kraftfahrer arbeitete. Im September 1923 Mitglied der KPD, wegen Beteiligung am Hamburger Aufstand wurde er zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt, in Festungshaft umgewandelt, durch Amnestie 1925 entlassen. Funktionär des RFB und der KPD in Hamburg, 1932 kam er in den zentralen AM-Apparat der KPD, dann Kursant eines M-Lehrgangs in Moskau, Schuldeckname Heinrich. Er wurde Ende Mai 1933 in Berlin als Nachfolger von Lucian Iltis als Reichsleiter »Zersetzung der Polizei« eingesetzt. Priewe wollte in enger Zusammenarbeit mit Hermann Dünow und Karl Langowski die unterbrochenen Kontakte mit den AM-Leitern der Bezirke wiederherstellen. Am 20. Dezember 1933 verhaftet, am 4.September 1935 vom 2. Senat des VGH zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt, anschließend kam er in das KZ Sachsenhausen. Albert Priewe starb am 8. April 1975 in Hamburg.

Wer war wer in DDR

Profft, Elmar

* 28.5.1905 – ✝ 12.1.1978

Geb. in Halle; Vater Beamter; Schulbesuch in Hannover u. Berlin, 1924 am dortigen Paulsen-Real-Gymnasium Abitur; anschl. Studium der Chemie u. Technol. an der Univ. Berlin, 1928 Dipl. Chemiker; 1930 Prom. mit der Arbeit »Über den 2,3-Oxynaphthaldehyd u. die Naphthocumarine« bei Theodor Böhm u. Carl Mannich; 1930 – 35 Ass. an der Preuß. Landwirtschaftl. Versuchs- u. Forschungsanstalt Landsberg / Warthe; 1935 / 36 Ltr. der Patentabt. der Flesch Werke Oberlahnstein; 1937 – 47 Abt.-Ltr. im Forschungsinst. der Vereinigte Glanzstoffabriken Teltow-Seehof. 1945 – 51 CDU; 1947 – 55 Forschungsltr. im VEB Fahlberg-List Magdeburg; 1953 kumulative Habil. an der KMU Leipzig u. venia legendi für das Fachgebiet organ. Chemie; 1955 Prof. mit vollem Lehrauftrag für organ. Chemie an der TH für Chemie Leuna-Merseburg (THC), dort 1956 Prof. mit Lehrstuhl u. Dir. des Inst. für organ. Chemie, ab 1960 auch Dir. des Inst. für Organ. Technol., 1955 Prorektor für Forschung u. ab 1958 ständiger Vertreter des Rektors; Mai – Dez. 1961 Rektor der THC (Nachf. von  Heinz Schmellenmeier), Dez. 1961 Entpflichtung als Rektor u. Beurlaubung als Hochschullehrer wg. Äußerungen gegen die SED u. ihre Politik, insb. den Mauerbau; ab 1962 Aufbau u. Ltg. einer Abt. Tierarzneiforschung der VVB Pharmazeutische Industrie; 1970 Ruhestand; 1950 Verdienter Erfinder; 1960 NP; gest. in Wernigerode. P.s Arbeiten über Hydroxyaminonitrobenzol erbrachten wichtige u. industriell verwertbare Erkenntnisse über den Zusammenhang zwischen Konstitution u. Geschmack von synthet. Süßstoffen. Mit der Entw. des Falicains stellte P. der Medizin ein neues Pharmakon zur Verfügung, das den damals in der DDR bestehenden Mangel an Anästhetika zu überwinden half, da es aus heimischen Roh- u. Zwischenprodukten synthetisiert werden konnte. P. hat darüber hinaus zahlr. Tierarzneimittel entwickelt.Die Falicaine, ihre Chemie, Pharmakologie sowie die Anwendungsweise des Falicains in der Medizin als Anästhetikum u. Therapeutikum. Berlin 1954. Nachruf. In: Ztschr. für Chemie (1978) 18.Dieter Hoffmann

Wer war wer in DDR

Przybylski, Peter

* 26.9.1935

Geb. in Breslau (Wrocław, Polen); Vater Autoschlosser, Mutter Krankenschwester; 1946 Umsiedl. nach Riesa, OS, 1953 Abitur an der Max-Planck-OS in Riesa; 1953/54 Schmelzer im Stahl- u. Walzwerk Gröditz; 1954 – 58 Studium der Rechtswiss. an der KMU Leipzig; 1958 SED; 1958 Staatsanwalt in Zerbst; 1959 – 63 Red. bzw. stellv. Chefred. der Ztschr. »Neue Justiz«; 1963 – 90 Staatsanwalt beim Gen.-Staatsanwalt der DDR; seit 1964 mit Öffentlichkeitsarbeit beauftragt u. ab 1971 Abt.-Ltr.; Mitw. an der Abfassung der Anklageschriften gegen Staatssekr. Hans Globke u. den KZ-Arzt Fischer; ab 1965 Fachberater u. Kommentator der DFF-Sendereihe »Der Staatsanwalt hat das Wort«; 1971 Dr. jur. an der HU Berlin, Diss. mit einer strafrechtl. Thematik; seit den 80er Jahren schriftsteller. tätig; Sommer 1990 Zulassung als Rechtsanwalt in Berlin.Mordsache Thälmann. Berlin 1986; Täter neben Hitler. Berlin 1990; Tatort PB. Die Akte Honecker. Berlin 1991; Tatort PB II. Berlin 1992.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Pulz, Christian

* 14.12.1944

Geb. in Plauen (Vogtl.); Vater Handelsvertreter, Mutter Buchhalterin; 1951 – 61 OS in Bad Elster, 1961 – 63 Vorschule für kirchl. Dienst in Moritzburg (b. Dresden); 1963 – 67 Theolog. Seminar in Leipzig; 1967 – 70 Ausbildung zum Buchhändler; 1970 – 84 Tätigkeit in versch. Verlagen u. Buchhandlungen; Kand. der Arbeitsgemeinschaft Junger Autoren im SV; 1982 Gründung des ersten Arbeitskrs. Homosexualität der ESG Leipzig; 1982 Übersiedl. nach Berlin; 1983 Gründung einer informellen Schwulengr. im kirchl. Rahmen in Kontakt mit  Rainer Eppelmann; erster öffentl. Auftritt einer Schwulengr. der DDR bei der Friedenswerkstatt in Berlin, erstmalig öffentl. Ehrung der homosexuellen NS-Opfer im KZ Sachsenhausen durch diese Gruppe; Gründung des Arbeitskrs. Homosexualität – Schwule in der Kirche; 1984 – 90 Arbeit als Sozialfürsorger; 1984 – 89 Bearbeitung durch das MfS im OV »Orion« wegen pol. Untergrundtätigkeit; 1985 Hrsg. eines Info-Briefs »Schwule in der Kirche«; Org. schwuler Basistreffen, Aufbau einer schwulen Bürgerrechtsbew. in enger Koop. mit der Friedensbew.; 1986 – 90 Fernstudium Sozialfürsorge in Potsdam; 1985 – 90 CDU; 1990 Bündnis 90. 1990 – 95 MdA Berlin, Schwulen- u. jugendpol. Sprecher der Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen; 1996 Buchhändler in Berlin, zunächst im Bezirk Mitte, dann in der Gedenkstätte Hohenschönhausen mit Spezialisierung auf DDR-Geschichte; 2009 Altersrente; lebt in Berlin.Brühl, O.: Rebekkas schwule Väter. Filmporträt, ZDF/3sat 1992; Starke, K.: Schwuler Osten. Berlin 1994.Christoph Links

Handbuch Deutsche Kommunisten

Pütz, Hans

* 2.9.1894 – ✝ 1.11.1933

Geboren am 2. September 1894 in Borbeck/ Essen, Sohn eines Bergmanns. Mitglied der SPD, 1920 der KPD, hauptamtlicher Funktionär, u. a. Vorsitzender des UB Buer-Recklinghausen und Geschäftsführer der dortigen KP-Zeitung. Im Oktober 1923 Einsatz als Bezirkssekretär der KPD in Schlesien, zwei Wochen nach Ankunft in Breslau durch vermutlichen Verrat von Alfred Hamann verhaftet. 1924 Verurteilung zu neun Monaten Gefängnis wegen »Vorbereitung zum Hochverrat«. Er kam Mitte 1926 nach Berlin, wurde unter dem Parteinamen Walter Frank Geschäftsführer der Bundesleitung des RFB. Nach Auseinandersetzungen mit den beiden Bundesvorsitzenden Ernst Thälmann und Willi Leow 1927 von der Funktion abgesetzt, Redakteur der »Sächsischen Arbeiterzeitung« in Leipzig. 1929 Ausschluß aus der Partei gemeinsam mit den Rechten Paul Böttcher und Arthur Lieberasch. Ende 1931 publizierte Hans Pütz in einem Leipziger Verlag seine Broschüre »Dokumente kommunistischer Führerkorruption. Die KPD im Dienste der russischen Außenpolitik«. Darin bezichtigte er KPD-Führer der Korruption und beschrieb als typisch die Fälle Willi Leow und die Wittorf-Affäre, brachte interne Beispiele seiner Arbeit im RFB und nannte den »Scheringer-Kurs« der KPD »Faschismus«. Besonders heftig griff er Heinz Neumann und Thälmann an. Pütz rief zur Einheit mit den Sozialdemokraten auf. Hans Pütz starb am 1. November 1933 in Leipzig.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Quandt, Bernhard

* 14.4.1903 – ✝ 2.8.1999

Geboren am 14. April 1903 in Rostock, Arbeitersohn; wurde Eisendreher. 1920 trat er in die SAJ, 1923 in die KPD ein. 1925/26 war er Agitpropleiter des KJVD Mecklenburg in Rostock, ab 1929 Leiter des KPD-UB Malchin und wurde 1932 in den Landtag von Mecklenburg-Schwerin gewählt. 1932 in Moskau Kursant eines M-Lehrgangs, zurück in Deutschland wurde er bereits am 25. März 1933 in Wismar verhaftet, schwer mißhandelt, im Januar 1934 zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Nach der Entlassung aus dem Zuchthaus Dreibergen Ende Dezember 1935 Notstandsarbeiter bzw. Schachtmeister in Friedland und Lübz. Von August bis Oktober 1937 in »Schutzhaft«, später erneut festgenommen, kam in das KZ Sachsenhausen, anschließend nach Dachau. Dort befreit, kehrte er im Mai 1945 nach Güstrow zurück und wurde 1. Sekretär der KPD Güstrow, von der sowjetischen Militäradministration am 11. August zum Landrat ernannt. 1946 Orgsekretär der KPD bzw. ab April 1946 der SED-Landesleitung Mecklenburg. Im Februar 1948 Minister für Landwirtschaft, 1951 als Nachfolger von Kurt Bürger Ministerpräsident des Landes Mecklenburg. Quandt war 22 Jahre lang, von 1952 bis 1974, 1. Sekretär der SED-BL Schwerin sowie von 1958 bis zur Auflösung der SED 1989 Mitglied des ZK. Er erhielt zweimal, 1973 und 1988, den Karl-Marx-Orden. Aufmerksamkeit erlangte Quandt, als er in der letzten, dramatisch verlaufenden Sitzung des ZK der SED am 2.Dezember 1989, die standrechtliche Erschießung von Mitgliedern des Politbüros forderte. Bernhard Quandt starb am 2. August 1999 in Schwerin. 2006 veröffentlichte Norbert Podewin eine Biographie über Bernhard Quandt.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Querner, Curt

* 7.4.1904 – ✝ 10.3.1976

Geb. in Börnchen (b. Dresden); Vater Schuhmacher; 1918 – 26 Schlosserlehre u. Tätigkeit als Fabrikschlosser; 1926 – 30 Studium an der Kunstakad. Dresden bei Richard Müller, 1929/30 auch bei Otto Dix u. Georg Lührig; 1930 Mitgl. der ASSO u. der KPD; 1930 – 45 in Dresden ansässig; lebte bis 1937 von der Arbeitslosenfürsorge; 1940 – 45 Kriegsdienst; 1945 – 47 frz. Gefangenschaft. 1945 Verlust des Ateliers mit einem großen Teil des Frühwerks durch die Zerstörung Dresdens; seit 1947 ansässig u. freischaff. in Börnchen, wo er seine wichtigsten Motive in der ländl. Umwelt fand; 1971 Käthe-Kollwitz-Preis der AdK; 1972 NP; gest. in Kreischa (Sachsen). Werke u. a.: Demonstration (1930), Der Agitator (1931), Selbstbildnis mit Brennessel (1933), Bauernbild (1933), Die Säer (1934), Sächs. Winter (1936), Elternbild (1948), Bildnisse des Bauern Rehn (40er/50er Jahre), Junge Bäuerin (1955); umfgr. Aquarellwerk (Landschaften, Bildnisse, Akte); 2004 Werkausstellung in Dresden.Heinz, H.: C. Q. Dresden 1968; Claußnitzer, G.: C. Q. Berlin 1970; Kat. C. Q. Freital 1979; Kat. C. Q. 1904 – 1976. Wien 1980.Dieter Gleisberg

Wer war wer in DDR

Rachowski, Utz

* 23.1.1954

Geb. in Plauen (Vogtl.); Eltern kfm. Angest.; 1971 wegen Beleidigung von NVA-Offz. u. »Zersetzung des Klassenkoll.« Relegation von der EOS Reichenbach, Ausschl. aus der FDJ; Lehre als Elektriker; Grundwehrdienst bei der NVA; 1977 Abitur; zwei Semester Med. in Leipzig; ein Jahr als Heizer tätig; 1975 – 78 vom MfS im OV »Renegat«, danach »Wolke« bearbeitet; 1979 wegen der Verbreitung eigener liter. Texte u. solcher  Wolf Biermanns,  Jürgen Fuchs’ u.  Reiner Kunzes Verurteilung zu 27 Mon. Freiheitsentzug; 1980 Freikauf in die Bundesrep. Dtl.; Studium der Kunstgeschichte u. Philos. in Berlin u. Göttingen; lebt in Berlin-Kreuzberg u. im Vogtland; 1988 Austritt aus dem VS; 1987 Andreas-Gryphius-Förderpreis; 1989 Alfred-Döblin-Stipendium. 1991 Eduard-Mörike-Förderpreis; seit 2006 Mitgl. des P.E.N.-Zentrum dt.-sprach. Autoren im Ausl.; 2007 Rainer-Kunze-Preis; lebt in Berlin u. im Vogtl.Die Blicke der Nachbarn. Hörspiel. 1983; Erzählungen, so traurig wie Sie. Berlin 1983; Der letzte Tag der Kindheit. Berlin 1986; Die Stimmen des Sommers. Berlin 1992; Namenlose. Berlin 1993; Erinnerungen an eine Jugend. Chemnitz 1995; Red’ mir nicht von Minnigerode. Dresden 2006.Siegmar Faust

Handbuch Deutsche Kommunisten

Raddatz, Erich

* 28.11.1886 – ✝ 16.2.1964

Geboren am 28. November 1886 in Konikow/ Krs. Köslin; lernte Schlosser und kam schon in jungen Jahren nach Berlin. 1907 Mitglied der Gewerkschaft, 1910 der SPD. Raddatz nahm ab 1916 als Soldat am Weltkrieg teil. Danach Gemeindebeamter in Berlin-Neukölln. Er schloß sich 1917 der USPD an und kam 1920 zur KPD, in der er als Kommunalpolitiker eine Rolle spielte. Von 1920 bis 1925 Mitglied der Neuköllner Bezirksverordnetenversammlung, von 1926 bis 1930 unbesoldeter Stadtrat in Neukölln, von 1928 bis 1932 Mitglied des Magistrats von Berlin. 1928 als Abgeordneter in den Preußischen Landtag gewählt. Raddatz gehörte zu den 60 Funktionären der KPD, die am 28. Februar 1930 einen »Offenen Brief« herausgaben, dieser – von namhaften Berliner Funktionären unterschrieben – richtete sich gegen die Linie des ZK und gegen die Theorie des »Sozialfaschismus«. Daraufhin aus der KPD ausgeschlossen, gemeinsam mit dem Berliner Stadtrat Hermann Letz führte Raddatz die »Gruppe 60« noch eine Zeitlang weiter. Bis 1931 als fraktionsloser Abgeordneter im Landtag, dann Übertritt zur SPD. 1933 gemaßregelt, kehrte in seinen erlernten Beruf zurück, verdiente sich seinen Lebensunterhalt als Werkstattschreiber und Werkmeister in Berlin-Lichtenberg. Raddatz wurde 1945 Leiter der Abteilung Sozialwesen beim Bezirksamt Berlin-Neukölln, von amerikanischen Besatzungsbehörden im November 1945 zum Bezirksstadtrat für Sozialwesen in Neukölln berufen. Ab Juni 1945 wieder Mitglied der SPD, im April 1946 der SED, wurde am 20. Oktober 1946 auf der Liste der SED in die Bezirksverordnetenversammlung Berlin-Neukölln gewählt und blieb Sozialstadtrat. Während der Berlin-Blockade verließ Raddatz Anfang August 1948 die SED und ging wieder zur Sozialdemokratischen Partei. Bis 1959 SPD-Bezirksstadtrat und von 1955 bis 1959 auch stellvertretender Bürgermeister von Berlin-Neukölln. Durch seine Hilfsbereitschaft war »Opa Raddatz« weithin populär. 1959 verzichtete er aus Altersgründen auf seine Wiederwahl, blieb aber 2.Vorsitzender der Arbeiterwohlfahrt in Berlin. In Anerkennung seiner Verdienste wurde ihm durch das Abgeordnetenhaus von Berlin am 21. Januar 1959 die Würde eines Stadtältesten verliehen. Nach einer schweren Operation starb Erich Raddatz am 16.Februar 1964 in West-Berlin.