...

 

BioLex

In der Kategorie BioLex finden Sie drei biografische Lexika mit über 5500 Personeneinträgen.

 

Das Handbuch "Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945" wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam. Kurzbiografien zu Personen des poltischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 vor. Zudem ist das Onlinlexikon www.dissidenten.eu komplett in dieser  Rubrik recherchierbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Inforamtionen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Handbuch Deutsche Kommunisten

Raddatz, Karl

* 7.11.1904 – ✝ 12.2.1970

Geboren am 7. November 1904 in Magdeburg, Sohn einer Arbeiterfamilie; wurde Schriftsetzer. 1919 Mitglied der FSJ und der SPD, 1921 der USPD, 1922 erneut der SPD. 1924 Austritt aus der SPD. Nach Wanderschaft durch Österreich und Italien 1927 Mitglied der KPD. Zunächst Mitarbeiter des AM-Apparates der KPD-BL Magdeburg, im Frühjahr 1933 wurde Raddatz Org- dann Polleiter der KPD in Magdeburg bzw. in Thüringen. Am 15. November 1933 festgenommen und am 2. Juli 1934 vom Kammergericht Berlin zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Aus dem Zuchthaus Luckau im Dezember 1936 entlassen, aber am 22. Juni 1941 erneut verhaftet, saß Raddatz bis 1945 im KZ-Sachsenhausen. Ab 1. Juni 1945 Leiter des Hauptausschusses Opfer des Faschismus beim Magistrat von Groß-Berlin, ab Februar 1947 Generalsekretär der VVN für die SBZ. Wegen »parteischädlichen Verhaltens« 1949 abgesetzt, von 1949 bis 1953 Redakteur am Deutschen Institut für Zeitgeschichte, anschließend Leiter der Westarbeit im Ausschuß für Deutsche Einheit, Mitglied des Präsidiums des Komitees der Antifaschistischen Widerstandskämpfer der DDR. Karl Raddatz wurde wegen seiner offenen Kritik an der Politik Walter Ulbrichts, seiner Freundschaft zu Karl Schirdewan und seiner Kontakte zu dem 1958 in den Westen geflüchteten Heinz Brandt am 22. Juni 1960 verhaftet und in einem Geheimprozeß am 10. Mai 1962 vom Obersten Gericht der DDR wegen angeblicher Spionage und Verletzung des Amtsgeheimnisses zu siebeneinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt. Im Zuge der Amnestie im Dezember 1964 aus dem Zuchthaus Bautzen entlassen, danach 1965 Mitarbeiter im Archiv der Deutschen Staatsbibliothek. Karl Raddatz starb am 12.Februar 1970 in Ost-Berlin.

Wer war wer in DDR

Radmann, Martin

* 6.4.1931 – ✝ 8.8.2007

Geb. in Beuthen (Oberschles./Bytom, Polen); Vater Bergassessor; Grund- u. Oberschule, 1949 Abitur; 1948 – 53 CDU; Bürokraft im Stadtjugendamt beim Rat der Stadt Magdeburg; 1950/51 Volontär bei der Ztg. »Neue Zeit« im Union Verlag; Studium der Journalistik; Redakteurslehrgang des VDJ, Journalist; 1952 – 55 Red. am DIZ; ab 1955 Mitarb., Reporter u. Kommentator des Dtl.-Senders bzw. (ab 1971) von Stimme der DDR; Red.-Ltr. der Sendung »Zeitfunk«; 1958 SED; 1972 – 77 Chefred., 1978 – 90 Intendant von Stimme der DDR (Nachf. von  Kurt Julius Goldstein); 1977 – 90 Mitgl. des Zentralvorst. des VDJ; 1968 u. 1981 VVO.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Raetz, Martin

* 10.10.1890

Geboren am 10. Oktober 1890 in Altena; von Beruf Musiker. Er trat 1917 der SPD bei, wurde später Mitglied des Spartakusbundes und 1919 der KPD. Einige Zeit war er Vorsitzender der Ortsgruppen von KPD, RH und RFB in Neubrandenburg sowie Stadtverordneter und gehörte der BL Mecklenburg an. Von 1923 bis 1927 war Raetz Abgeordneter der KPD im Landtag von Mecklenburg-Strelitz. Ende der dreißiger Jahre zog er nach Magdeburg und wirkte ehrenamtlich im Bund der Freunde der Sowjetunion. Während der NS-Zeit stellte er (nach eigenen Angaben zum Schein) einen Antrag auf Mitgliedschaft in der SS. Raetz hatte verschiedene Engagements als Musiker, u. a. an Kurorchestern. Wegen Unterstützung von Zwangsarbeitern im August 1944 verhaftet und anschließend zur Wehrmacht eingezogen. Nach der Entlassung aus britischer Kriegsgefangenschaft kehrte er nach Mecklenburg zurück, wurde 1946 Mitglied der SED und arbeitete zunächst in der Provinzialverwaltung Mecklenburg. Später wirkte Raetz als Kreissekretär der Volkssolidarität in Neubrandenburg. Unklar sind die Gründe für seinen im März 1947 erfolgten Ausschluß aus der SED und 1951 die endgültige Aberkennung des Status eines VdN. Weitere Daten über Martin Raetz waren nicht zu ermitteln.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Rakow, Werner

* 30.8.1893 – ✝ 22.7.1936

Werner Waldemar Richard Rakow wurde am 30.August 1893 in Kreuzburg an der Düna im Gouvernement Livland des zaristischen Rußlands als Sohn des Forstwissenschaftlers Paul Gotthold Rakow geboren. 1900 übersiedelte die Familie nach Deutschland, zunächst nach Neubeckum in Westfalen, 1906 nach Hannover. Hier besuchte Rakow das Gymnasium und machte das Abitur mit Auszeichnung. Nach einer Lehre im renommierten Bankhaus »Peretz« in Hannover, reiste Werner Rakow mit seinem älteren Bruder Nikolai (* 26. 8. 1890) im Frühjahr 1914 nach St. Petersburg. Dort arbeitete er als Buchhalter und gab zusätzlich noch Deutschunterricht in der Berlitzschule. Bei Kriegsausbruch als feindlicher Ausländer interniert, kam er nach Irbit im Gouvernement Perm, Eisenbahnarbeiter. Im Februar 1917 war Werner Rakow Mitbegründer einer bolschewistischen Gruppe in Irbit, flüchtete im April 1917 wegen drohender Verhaftung in das 800 km entfernte Omsk und war hier bei den Bolschewiki aktiv. Bis Anfang 1918 Buchhalter; er organisierte den Aufbau der deutschen Sektion einer revolutionären Kriegsgefangenenorganisation in Omsk. Er kämpfte an der Seite der Roten Armee in Sibirien und im Ural, wurde bei Gefechten mit der tschechischen Legion verwundet und in ein Hospital nach Moskau gebracht. Im September 1918 wurde er in die deutsche Sprachgruppe der RKP(B) aufgenommen und redigierte die Zeitschrift »Welt-Revolution«. Dann Propagandist in Weißrußland, zeitweise stand er in Minsk dem Rat der Arbeiterdeputierten vor. Ende 1918 reiste Rakow mit Karl Radek und Ernst Reuter (Friesland) nach Deutschland. Getarnt als entlassene österreichische Kriegsgefangene gelangten sie über Wilna und Königsberg nach Berlin und nahmen am Gründungsparteitag der KPD teil. Rakow überschritt die Grenze mit dem Paß des Schriftstellers Karl Felix Wolf (* 1. 4. 1890 in Reichenberg). Unter diesen Namen agierte er in Deutschland und wurde von den Polizei- und Justizorganen steckbrieflich gesucht. Von Mai 1919 bis November 1920 war er in Hamburg Bezirkssekretär der KPD und führend an der Verschmelzung von USPD und KPD zur VKPD beteiligt. Später gründete er mit dem Moskauer Emissär Samuel Sachs-Gladnew ( Fritz Sturm) den deutschsprachigen Komintern-Verlag Carl Hoym Nachf. Rakow-Wolf gehörte in dieser Zeit zum Führungskreis der KPD, ohne offiziellen Sitz in der Zentrale oder dem ZA. Anfang 1921 Oberbezirkssekretär für die Bezirke Hamburg, Hannover und Bremen und für die putschistische März-Aktion in Hamburg zuständig. Rakow-Wolf berichtete als »Vertrauensmann« über alle Interna der KPD nach Moskau. Im Sommer 1922 wurde er im Auftrag der Komintern nach Wien und auf den Balkan geschickt. Zur Vorbereitung des »deutschen Oktober« 1923 zurückgekehrt nach Deutschland, gehörte er zur militärischen Leitung des »Revolutionskomitees« und führte ab September 1923 die Informationsabteilung. Nach dem Scheitern des »Oktober« von der neuen linken Führung im Mai 1924 aller Parteifunktionen enthoben und als Brandlerianer nach Moskau abgeschoben. Hier traf Rakow-Wolf sich mehrmals mit den »kaltgestellten« Heinrich Brandler und August Thalheimer sowie mit Karl Radek, wurde denunziert und erhielt durch die IKK einen Verweis mit dem ausdrücklichen Verbot, sich in deutsche Parteiangelegenheiten einzumischen. 1925 in die USA entsandt, wo er getarnt als Student an der Columbia-Universität für die sowjetischen Nachrichtendienste spionierte. Er kehrte 1927 nach Moskau zurück, schloß sich der Trotzki-Fraktion an, wurde daraufhin 1928 aus der KPdSU ausgeschlossen und von der GPU zeitweise inhaftiert. Er übersetzte den Band 10 der deutschen Lenin-Ausgabe. Nach einer »Reueerklärung« wurde er wieder in die Partei aufgenommen und mußte zur Bewährung in die chemische Industrie. Während eines privaten Familienbesuchs in Deutschland bat Rakow in einem Gespräch mit Ernst Thälmann um Rückkehr in die deutsche Parteiarbeit, dies wurde abgelehnt. 1932 setzte er seine Mitarbeit am Band 11 der deutschen Lenin-Ausgabe fort und war ab Januar 1933 in Moskau Angestellter in der VAA. Rakow-Wolf befand sich am Abend des 5. März 1933 in jener Runde von KPD-Emigranten, die in der Wohnung von Else und Hermann Taubenberger mit Erich Wollenberg die Ergebnisse der Reichstagswahl analysierten und scharfe Kritik an der deutschen Parteiführung übten. Dieses Gespräch war Gegenstand einer Verhandlung vor der IKK, in deren Folge Rakow-Wolf und Wollenberg aus der KPdSU ausgeschlossen wurden. Im Juni 1933 erneut zur Bewährung in das westsibirische Nowosibirsk verbannt, traf sich Rakow-Wolf Ende 1933 nochmals mit Wollenberg in Moskau. Als dieser ihm seine grundsätzlichen Zweifel an der Politik der Komintern erläuterte, denunzierte er Wollenberg bei den entsprechenden Komintern-Stellen, die sich, nach entsprechender Selbstkritik, für Rakows dritte Wiederaufnahme in die KPdSU einsetzten. Erneut in der VAA, dort aber im Januar 1935 während der »Reinigung« entlassen und nach Chabarowsk geschickt. Zu jener Zeit war er bereits im Visier des NKWD, das ihn nach seiner Rückkehr nach Moskau, wo er als Übersetzer bei der »Deutschen Zentral-Zeitung« arbeitete, am 22. Juli 1936 verhaftete. Werner Rakow-Wolf wurde am 14. September 1936 vom Militärtribunal des Obersten Gerichts zum Tode verurteilt und am selben Tag erschossen. Seine beiden Brüder Nikolai und Paul Rakow gerieten ebenfalls in die stalinistischen Säuberungen. Paul wurde am 20. Dezember 1937 in Stalino erschossen, über Nikolais Schicksal, der lange Jahre für die OMS gearbeitet hatte, sind bis heute keine genauen Fakten bekannt. Einen biographischen Aufsatz über die Brüder Rakow veröffentlichte Markus Wehner 1994 in der IWK.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Rambow, Ernst

* 8.4.1887 – ✝ 12.11.1945

Geboren am 8. April 1887 in Pampow/Krs. Randow, Sohn eines Schuhmachermeisters; lernte selbst Schuhmacher. Von 1915 bis 1918 Soldat im Ersten Weltkrieg, 1918 Mitglied der USPD, ab 1920 der KPD. Bis 1927 Angestellter bei der Straßenbahn bzw. Arbeiter in einer Schuhfabrik. Ab 1927 Parteiangestellter im ZK der KPD, Mitarbeiter des AM-Apparates und Leiter der Nachrichtenabteilung für Berlin unter Hans Kippenberger. Ende 1931 offiziell Angestellter der sowjetischen Handelsvertretung. Vom 28. Februar 1933 bis Mitte Juni 1933 »Schutzhaft« im KZ Sonnenburg. Nach Freilassung illegale Arbeit unter Leitung von Paul Bertz u. a. in Hamburg. Ende 1933 in Hamburg-Altona verhaftet und im November 1934 vom OLG zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt. Am 6. Februar 1940 aus dem Zuchthaus Bremen entlassen, danach Schuhmacher in einer Reparaturwerkstatt in Berlin-Lichtenberg. Hier wurde Rambow V-Mann der Gestapo und konnte sich aufgrund seiner politischen Biographie das Vertrauen von Anton Saefkow erschleichen. In seinem OdF-Antrag vom 4. Juli 1945 schrieb er: »Im Januar 1944 suchte mich Anton Sewkow [Saefkow] in meiner Arbeitsstelle auf. In der Unterhaltung stellte er mir die Frage, ob ich gewillt bin, illegal mitzuarbeiten. Ich arbeitete unter seiner Leitung mit ihm von Januar bis Mai 1944. Danach habe ich die Verbindung zu ihm verloren.« Doch Rambow informierte die Gestapo nicht nur über Saefkow, er war auch Teilnehmer der Gespräche zwischen Franz Jacob und Bernhard Bästlein mit den Sozialdemokraten Adolf Reichwein und Julius Leber am 22. Juni 1944 in Berlin, die danach verhaftet wurden. Nach Kriegsende als Spitzel der Gestapo enttarnt, wurde er Ende Juli 1945 verhaftet und am 25. September 1945 durch ein sowjetisches Militärgericht zum Tode verurteilt. Am 29. Oktober wurde sein Gnadengesuch abgelehnt und am 12. November 1945 das Urteil gegen Ernst Rambow vollstreckt.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Ranke, Hans Hubert von

* 24.9.1902 – ✝ 31.3.1978

(* 1902 – † 1978) Geboren am 24. September 1902 in München, Sohn des königlichen Offiziers Heinrich von Ranke. 1921 Abitur, kurzfristig Angehöriger des Freikorps Oberland, Beginn der Freundschaft zu Beppo Römer. Ab 1922 Angestellter von Fluggesellschaften, kam 1926 zur Lufthansa und wurde auf dem Flughafen Berlin-Tempelhof Chef des An- und Abflugs. Durch seine erste Ehefrau Olga von Abonyi (* 1904 – † 1933) erhielt er Anschluß an linksintellektuelle Kreise. Hans Kippenberger gewann ihn für den AM-Apparat, und er wurde Mitglied des »Aufbruch-Arbeitskreises« (unter dem Pseudonym Ludwig Bayer). Im März 1933 kurze Festnahme durch die Gestapo, danach illegale Arbeit für den AM-Apparat, reiste im Oktober 1934 in die Schweiz bzw. nach Frankreich (Deckname Moritz). Als Quartiermacher enger Mitarbeiter von Kippenberger, dann Zusammenarbeit mit Hermann Nuding, später auch mit Willi Münzenberg. Ausgestattet mit Empfehlungen von Münzenberg, Herbert Wehner und André Malraux ging er als Freiwilliger mit einem luxemburgischen Paß auf den Namen Mathias Bresser nach Spanien zur Internationalen Brigade. Nach Kämpfen an der Aragon-Front Ende 1936 in Barcelona gehörte er zum republikanischen Nachrichtendienst (Departamento del Estado). Dort schied er im Herbst 1937 aus und kehrte ohne Genehmigung der Partei nach Frankreich zurück. Ranke veröffentlichte eine Broschüre über den Spanischen Bürgerkrieg, die von der KPD-Führung scharf angegriffen wurde. Im Frühjahr 1938 brach er mit der KPD, von Katia Landau und später von Pierre Broué wurde er fälschlich als Komintern- und GPU-Agent beschuldigt. Im Herbst 1939 als Arbeitssoldat dienstverpflichtet, betätigte er sich für den französischen Nachrichtendienst. Im Juni 1940 Flucht nach Bordeaux, anschließend Hilfsdienstsoldat in Algier, dann lebte er unter dem Namen Henri-Georges Frank, später Hubert Martin, halblegal im unbesetzten Teil Frankreichs. 1942 schloß er sich der gaullistisch orientierten Résistance an und schrieb nach dem Krieg als Journalist für verschiedene französische und deutsche Zeitungen. Zuletzt Mitarbeiter des Bayerischen Rundfunks. 1960 Übersiedlung nach München, wo Hans Hubert von Ranke am 31. März 1978 starb.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Rasch, Fritz

* 13.2.1889

Geboren am 13. Februar 1889 in Berlin; lernte Schneider. Er lebte zunächst in Hamburg und trat vor 1914 der SPD bei. Während des Weltkriegss gehörte er zu den Bremer Linksradikalen, die in Hamburg eine größere Gruppe hatten, in der er wirkte. Rasch übersiedelte 1916 nach Berlin und war in der Spartakusgruppe aktiv. 1918 Mitglied des Vollzugsrates der Arbeiter- und Soldatenräte in Berlin, nahm als Vertreter des Spartakusbundes aus Berlin-Lichtenberg am Gründungsparteitag der KPD Ende 1918 teil. Er gehörte zum radikalen Flügel der Berliner Kommunisten und war 1920 einer der Mitbegründer der KAPD. Von 1920 bis 1923 in der Führung der KAPD tätig, zog er sich danach von der Politik zurück. Der inzwischen politisch indifferente Fritz Rasch lebte als Arbeiter in Hamburg, weitere Daten eines Lebenslaufs ließen sich nicht ermitteln.

Wer war wer in DDR

Raskop, Johann

* 13.11.1911 – ✝ 15.7.1988

Geb. in Berlin; Vater Anstreicher u. SPD-Mitgl., Mutter Fabrikarbeiterin, Hausgehilfin; 1918 – 26 Volksschule u. Mittelschule; 1926 – 30 Friseurlehre; 1927 KJVD; 1930 / 31 Arbeit bei der Müllabfuhr; ab 1929 mehrere kurze Inhaftierungen nach Zusammenstößen mit Faschisten bei Demonstrationen u. Versammlungen, gehörte einer radikalen Gruppe an; 1931 – 35 arbeitslos; 1932 KPD; Juli 1932 4 Monate Haft wg. unbefugten Waffenbesitzes; ab Nov. 1932 – Febr. 1933 Gefängnis wg. Anstiftung zum Bandendiebstahl; Febr. –Juni 1933 »Schutzhaft« in Berlin-Plötzensee; danach illeg. Arbeit für die KPD in der Widerstandsgr. »Theo Schulz«; Nov. 1933 kurze Verhaftung; 1943 / 44 Verbindung zur Widerstandsgr. »Rote Kapelle«; 1935 – 38 Tiefbauarbeiter in versch. Betrieben, dann Möbelträger u. Gerüstbauer; 1940 – 44 Wehrmacht, Sanitäts-Uffz. in Frankreich, Jugoslawien u. an der Ostfront; 1944 – 48 sowj. Kriegsgef. in Aleschky-Saporoshje, dort Antifa-Schule, Propagandist im Fronteinsatz, 1946 – 48 stellv. Lagerkommandant. Juli 1948 Rückkehr nach Dtl.; SED; 1948 – 50 Lehrer an der SED-KPS »August Bebel« Berlin-Kaulsdorf; 1950 / 51 1. Sekr. der SED-KL Berlin-Weissensee; 1951 – 1953 persönl. Referent des 1. Sekr. der SED-BL Berlin  Hans Jendretzky; Aug. 1953 Ltr. der Abt. leitende Organe der Parteien u. Massenorg. der SED-BL Berlin; 1954 / 55 Sonderlehrgang an der PHS beim ZK der KPdSU in Moskau; dann Instrukteur der Abt. Leitende Organe, Parteien u. Massenorg. des ZK der SED; 1955 / 56 1. Sekr. der SED-KL Berlin-Köpenick; ab Jan. 1957 Mitarb. des ZK der SED, Beauftragter Instrukteur in der Abt. Leitende Organe, Parteien u. Massenorg.; ab 1958 Mitgl. der Zentralen Parteileitung im ZK-Apparat, hatte aktiven Anteil an der Zerschlagung der »parteifeindl. Gruppe Schirdewan«, nach Absetzung von  Karl Schirdewan ab Nov. 1958 / 59 stv. Ltr. der Abt. Org. des ZK der SED; 1959 – 63 Red. der Ztschr. »Neuer Weg«; 1960 – 63 stellv. Ltr. der ZK-Abt. Parteiorgane; 1963 – 69 2. Sekr. der SED-BL Schwerin, ab 1964 Sekr. für Org.- u. Kaderfragen der BL Schwerin; 1969 Banner der Arbeit; 1969 – 71 Ltr. der Abt. Kader im Komitee der ABI in Berlin; 1981 VVO; 1986 Ehrenspange zum VVO; gest. in Berlin.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Rathenow, Lutz

* 22.9.1952

Geb. in Jena; Vater Bankkfm., Mutter Schneiderin; 1971 Abitur; Wehrdienst; ab 1973 Studium der Pädagogik, Dt. u. Geschichte in Jena; Mitbegr. u. Ltr. des Arbeitskrs. Lit. u. Lyrik in Jena (1973 – 75); im Zuge der Wolf-Biermann-Affäre 1977 Exmatrikulation aus pol. Gründen; anschl. Transportarb., Prod.- u. Regieassistent in Jena u. Berlin; 1978 Mitgl. im Verb. der Theaterschaffenden; seitdem freiberufl. tätig; erste Texte in »Auswahl 78. Neue Lyrik Neue Namen«, dann starke Publikationsbeschränkungen; Nov. 1980 nach dem Erscheinen des Prosadebüts »Mit dem Schlimmsten wurde schon gerechnet« in der Bundesrep. Dtl. zus. mit  Frank-Wolf Matthies verhaftet; nach Protesten wieder entlassen; lehnte Ausreiseangebot der DDR-Behörden ab; mit zahlreichen Demonstrationen, Aufrufen u. Petitionen für den Abbau der Ost-West-Konfrontation, Meinungsfreiheit u. pol. Pluralismus aktiv in der unabh. Friedens- u. Bürgerrechtsbew., u. a. mit  Bärbel Bohley u.  Gerd Poppe in der IFM; mit seiner umfangreichen Essayistik u. krit. Publ. (zumeist in der Bundesrep. Dtl. erschienen) zählt er zu den bekanntesten Autoren der unabh. Lit.-Szene Berlins; Mitarbeit an den nichtoffiz. Ztschr. »Anschlag«, »Ariadnefabrik«, »Entwerter Oder« (Hrsg. Uwe Warnke), »Der Kaiser ist nackt«, »Mikado«, »Radix-Blätter«, »Schaden«. 1990 Förderpreis zum Marburger Lit.-Preis für »Ostberlin – die andere Seite einer Stadt.«; trat mit Wolf Biermann u.  Jürgen Fuchs für die umfassende Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit in der Stasi-Lit.-Debatte 1991/92 ein; 1992 rehabilitiert, nachträgl. Verleihung des Diplomabschlusses durch die FSU Jena; arbeitet als Red. für die Ztschr. »liberal«; zahlr. Kinderbücher, Grafikbücher, Hörspiele u. Theaterstücke; umfgr. Publizistik in Ztgn. u. Ztschr. des In- u. Auslands; 1996 Konrad-Adenauer-Preis; seit 2011 Sächs. Landesbeauftragter für die MfS-Unterlagen (Nachf. v. → Michael Beleites); lebt in Berlin.Zangengeburt. Gedichte. München, Zürich 1982; Einst war ich Fänger im Schnee. Neue Texte u. Bilder aus der DDR. Berlin (West) 1984 (Hrsg.); Ost-Berlin – die andere Seite einer Stadt. München, Zürich 1987/89; Sisyphos. Berlin 1995; Jahrhundert der Blicke. Weilerswist 1997; Der Wettlauf mit dem Licht. Weilerswist 1999; Der Himmel ist heut blau. Berlin 2000; Ost-Berlin. Leben vor dem Mauerfall. Berlin 2005 (mit H. Hauswald). Scheer, U.: Von der Kunst, aufrecht zu gehen. Der Schriftst. L. R. In: MUT (1993) 312; Trotzig lächeln – Der Schriftst. L. R. MDR 2003.Jan Wielgohs / Klaus Michael / Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Rätzsch, Margit Theresa

* 13.9.1934

Geb. in Teplitz-Schönau (ČSR / Teplice-Šanov, Tschechien); Vater Bergmann; Grund- u. OS, Abitur; 1952 – 56 Physikstudium an der Univ. Leipzig; 1954 SED; 1956/57 Doz. an der ABF Leipzig; 1957 – 59 wiss. Mitarb. im VEB Rundfunk- u. Fernsehtechnik Leipzig; 1959 – 64 wiss. Assistentin u. pers. Referentin des Prorektors für Forschung an der TH Leuna-Merseburg, 1964 – 68 wiss. Oberassistentin; 1964 Prom. zum Dr. rer. nat.; 1968 Habil., 1969 Doz. u. Berufung als Prof. für physikal. Chemie u. Dir. der Sektion Verfahrenschemie an der TH Leuna-Merseburg; 1979 Kand., 1981 – 89 Mitgl. der SED-BL Halle; 1976 Korr., 1980 Ord. Mitgl. der AdW; 1981 – 90 Rektorin der TH Leuna-Merseburg (Nachf. von Gerd Naue); 1984 NP. 1993 Vorruhestand; lebt in Merseburg. Forschungen auf dem Gebiet der physikal. Chemie u. chem. Thermodynamik.Andreas Herbst / Dieter Hoffmann

Wer war wer in DDR

Rauch, Heinz

* 23.11.1914 – ✝ 19.12.1962

Geb. in Leipzig-Schönefeld; Vater Arbeiter; Lehre bei der Bank; 1929 – 32 Angest. bei der Dresdner Bank; 1933 KPD in Leipzig; Juli 1933 Emigr. nach Dänemark, weiter nach Schweden; Nov. 1934 verhaftet; 1935/36 Werkzeugschlosser in Stockholm; Sommer 1936 nach Spanien; zuerst bei der XIV., dann bei der XI. Brigade; Offz.-Schule Pozo Rubio; nach schwerer Verwundung zum Ltn. ernannt; 1938 in KP Spaniens überführt; Ingenieurausbildung; 1938 wieder in Schweden; ab 1940 Mitgl. der Exilltg.; 1940 Heirat mit einer schwed. Kommunistin; 1941 kurzz. illeg. Parteiarbeit in Norwegen; Ausbürgerung 2.3.1942 (Liste 264). Jan. 1946 Rückkehr nach Dtl. (SBZ); bis März 1946 LPS Ottendorf (Sachsen); 1946/47 SED-Sekr. in Bautzen; Mitgl. des Bez.-Vorst. Ostsachsen; 1947 – 53 VVN; 1947/48 Ltr. des Sowj. Nachrichtenbüros für Ostsachsen; 1948 folgt ihm die Familie in die SBZ; 1948 – 50 Abt.-Ltr. Agit. beim FDGB-Bundesvorst. in Berlin; Nov. 1950/51 Presseref. im Min. für Arbeit; Febr. 1951 Vors. einer Überprüfungskommission im Regierungsapparat; seit 1951 Ref. beim Statist. Zentralamt, ab Jan 1952 1. Stellv.; 1953 – 55 Fernstudium an der PHS Berlin; Sept. 1956 – Sept. 1957 PHS Moskau; 1954 u. 1958 Mitgl. der Revisionskommission der Parteitage; wiederholte Reisen in die Schweiz u. die UdSSR; seit Okt. 1957 Ltr. des Statist. Zentralamts (Nachf. von  Friedrich Behrens); mit Frau u. zwei Kindern bei Flugzeugabsturz in der Nähe von Warschau umgekommen.Michael F. Scholz

Handbuch Deutsche Kommunisten

Rebe, Alfred

* 25.12.1893 – ✝ 19.2.1938

Geboren am 25. Dezember 1893 in Berlin; Metallarbeiter. 1912 zur Marine eingezogen, blieb er auch im Krieg Matrose, Oberheizer auf der »Moltke«, hatte großen Einfluß auf die Matrosen und war einer der Führer der Rebellion von 1917. Rebe erhielt im Dezember 1917 acht Jahre Zuchthaus und kam durch die Novemberrevolution von 1918 frei. Mitglied der USPD, 1919 am Berliner Januaraufstand beteiligt. Mit der linken USPD kam er Ende 1920 zur KPD, wurde 1921 von der Zentrale nach Mecklenburg entsandt, dort Redakteur der KPD-Zeitung und Vorsitzender der KPD in Rostock. 1927 Redakteur der »Roten Fahne«, wo er seit 1929 im politischen Ressort arbeitete und im Jahre 1928 für die »Rote Fahne« verantwortlich zeichnete. 1933 verhaftet und für einige Monate in den KZs Oranienburg und Sonnenburg inhaftiert, Rebe emigrierte 1934 in die Sowjetunion. Er arbeitete unter dem Parteinamen Winkel an verschiedenen deutschsprachigen Zeitungen, zuletzt als verantwortlicher Redakteur der Zeitung »Rote Fahne« in der Georgischen SSR. Alfred Rebe wurde 1938 ein Opfer der Stalinschen Säuberungen. Im Februar 1938 vom NKWD im Nordkaukasus verhaftet und im Oktober verurteilt und erschossen. Seine Tochter Erika (* 6. 12. 1919) setzte sich im August 1948 mit Margarete Buber-Neumann, der Lebensgefährtin Heinz Neumanns in Verbindung, die in einem Artikel der »Neuen Zeitung« auch auf das Schicksal Alfred Rebes eingegangen war. Sie berichtete Erika Rebe dann am 18. September in einem Brief, »daß Ihr Vater, Herr Alfred Rebe, 1935 zur Wiederherstellung seiner Gesundheit in einen Ort am Kaukasus geschickt wurde, wo er zugleich als Journalist tätig sein sollte ... Es gefiel Ihrem Vater, wie er mir brieflich mitteilte, anfangs sehr gut dort, und auch sein Gesundheitszustand schien sich wesentlich gebessert zu haben. Als ich nach einigen Monaten kein Lebenszeichen mehr von ihm erhielt, fragte ich bei der deutschen Parteivertretung, was mit ihm los sei und erfuhr dort, daß auch die Partei keine Nachricht mehr über ihn habe ... Da damals fast ausnahmslos alle Politemigranten außerhalb Moskaus von den besonders argwöhnischen und brutalen Behörden in der Provinz pauschal verhaftet wurden, hat wohl auch Ihr Vater dieses Schicksal gefunden.« Alle Nachforschungen, die Erika Pentschke, geborene Rebe, später anstellte, blieben bis Anfang der sechziger Jahre ergebnislos. Ende März 1963 erhielt sie vom Obersten Gericht der UdSSR folgende Bescheinigung: »Die Strafsache in der Anklage Winkel (Rebe) Alfred (Adolf) Wilhelm, geboren 1893, bis zur Inhaftierung am 19. Februar 1938 – eines verantwortlichen Sekretärs der Redaktion der Zeitung ?Rote Fahne? im Luxemburger Rayon der Georgischen SSR, ist am 28. November 1962 von dem Militärgericht des Transkaukasischen Militärbezirks erneut überprüft worden. Die Gerichtsentscheidung vom 9. Oktober 1938 bezüglich Winkel (Rebe), Alfred (Adolf) Wilhelm ist abgeschafft und seine Strafsache ist wegen der Abwesenheit des Tatbestandes eingestellt. Winkel (Rebe) A. W. ist posthum (nach dem Tode) rehabilitiert.«

Wer war wer in DDR

Raddatz, (Albert

* 7.11.1904 – ✝ 12.2.1970

Geb. in Magdeburg; Vater Arbeiter; Bürgerschule; 1919 – 23 Ausbildung zum Schriftsetzer; 1919 »Bildungsverein junger Arbeiter u. Arbeiterinnen« bzw. »Freie Sozialistische Proletarierjugend«; 1920 Verb. der Buchdrucker; 1921 USPD; 1922 – 24/26 SPD, Austritt we- gen Funktionsverbots für ein Jahr; 1923 – 33 Schriftsetzer; 1925/26 Wanderschaft durch Österreich u. Italien; 1927 KPD; RH; tätig in der Ortszelle u. im militärpol. Abwehrapparat der KPD in Magdeburg; 1931 – 33 Ltg einer illeg. Druckerei; 1933 Pol.-Ltr. der BL Magdeburg u. Aug. 1933 Org.-Ltr. der BL Thür.; 15.11.1933 verhaftet u. Juli 1934 wegen »Hochverrats« zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt, Häftling in Luckau; Dez. 1936 entlassen, unter Polizeiaufsicht; 1937 – 40 Druckereiarb. u. ab Ende 1938 illeg. antifa. Tätigkeit; im Zusammenhang mit dem fasch. Überfall auf die UdSSR im Juli 1941 erneut verhaftet, 1941 – 45 KZ Sachsenhausen, Haftkamerad von  Karl Schirdewan; dort in der Ltg. der illeg. KPD; auf dem Evakuierungsmarsch nach Mecklenb. geflüchtet u. zur Roten Armee übergelaufen. 1945 Pol.-Ltr. der KPD in Berlin-Hermsdorf; 12.6.1945 Ltr. des Hauptaussch. OdF beim Berliner Magistrat, März 1946 von den Westkommandanten der Stadt gekündigt; 1946 SED; Febr. 1947 – Frühjahr 1949 Gen.-Sekr. der VVN in der SBZ (an der Seite des Vors.  Ottomar Geschke); mit Hans Schwarz Geschäftsf. des Interzonensekr. der VVN u. für die Bildung einer überparteilichen, überkonfessionellen Org. aller Gruppen des antifa. Widerstands; Febr. 1948 in den engeren Zentralvorst. der VVN gewählt, April 1949 als Gen.-Sekr. zurückgezogen, strenge Rüge; ab 1.6. 1949 in der Abt. Parteibetriebe beim PV der SED; Aug. 1949 – 53 verantw. Red. der Ztschr. »Dokumentation der Zeit« u. Abt.-Ltr. am DIZ; Okt. 1953 – 60 Abt.-Ltr. beim Aussch. für Dt. Einheit; 1952/53/54 wiederholt Parteiverfahren; 1955 Erwerb eines Fachbriefs als Red.; 1956 VVO; 1958 Medaille für Kämpfer gegen den Fasch; 1959 Ernst-Moritz-Arndt-Medaille; 13.4.1960 Beschluß der ZPKK zur Löschung aller Parteistrafen; 22.6.1960 in U-Haft wg. öff. Kritik an  Walter Ulbricht u. seiner Freundschaft zu  Karl Schirdewan u.  Heinz Brandt); Okt. 1961 Ausschl. aus der SED (am 3.10.1992 von der PDS rehabil.); 10.5.1962 gem. mit  Heinz Brandt u. Wilhelm Fickenscher vom Obersten Gericht wegen »schwerer Spionage« u. »Verletzung des Amtsgeheimnisses im besonders schweren Fall« zu siebeneinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt, 18.12.1964 amnestiert; 15.2.1965 bis zu seinem Tod Archivbearb. in der Dt. Staatsbibliothek in Berlin, Aufbau dieses Archivs; Ltr. der Veteranenkommission in der Bibliothek u. Mitgl. der Veteranenkommission beim Bundesvorst. der Gewerkschaft Wiss.; gest. in Berlin; 5.4.1994 vom LG Berlin rehabilitiert.Fasch. und Krieg. Berlin 1952; Der Herrenspiegel. Berlin 1954; Urlaub auf Sylt. Berlin 1958; Unternehmen Teutonenschwert. Berlin 1959 (zus. mit Annelie u. Andrew Thorndike).Wilfriede Otto

Wer war wer in DDR

Radomski, Aram

* 19.2.1963

Geb. in Neubrandenburg; Vater Schriftsteller Gert Neumann, Mutter Lehrmeisterin; trug ab Juni 1963 den Namen des Vaters u. nahm 1983 wieder den von der Mutter stammenden Geburtsnamen an; 1978 / 79 Ausbildung zum Agrotechniker in Neubrandenburg, danach Handwerker an der FS Plauen; Febr. 1983 nach einem gewaltsamen Übergriff auf ihn in einem Jugendclub von der Polizei festgenommen u. wg. Protests gegen die Festnahme vom Kreisgericht Plauen zu 3.000 Mark Strafe u. elf Monaten Haft wg. »öff. Herabwürdigung« u. »Widerstand gegen die Staatsgewalt« verurteilt, Herabsetzung der Strafe in der Berufungsverhandlung auf sechs Monate; Kollegen des Vaters, der als systemkrit. Schriftsteller galt, interpretierten den Prozeß als Inszenierung, die den Vater zur Ausreise drängen sollte, u. solidarisierten sich mit dem Verurteilten; Aug. 1983 Entlassung aus der Haft; Ausbildung als Fotograf in Leipzig; 1984 Umzug nach Berlin, hier freischaff. tätig, diverse Plakate, Postkarten u. Aufkleber, u. a. für die Rockgruppe »Herbst in Peking«, auch ohne Druckgenehmigung; seit 1985 Mitarbeit im Berliner »Theater ohne Namen«; seit 1987 zusammen mit  Siegbert Schefke illeg. Berichterstattung für westdt. Fernsehsender, u. a. über die Umweltzerstörung in Espenhain, Städtezerfall (1989), die Gründung der SDP in Schwante (7.10.1989) u. die Montagsdemonstration in Leipzig (9.10.1989). 1991 Siebenpfeiffer-Preis des Saar-Pfalz-Kreises für »journalist. Arbeit, die demokrat. Bewußtsein fördert«; 1995 Ausbildung zum Multimedia-Manager, Lehrtätigkeit für Internet / Grafikdesign an der Multimedia-Akad. Berlin.Christian Halbrock; Jg. 1963; ab 1993 Studium der Neueren/Neuesten Geschichte, Mittelalterlichen Geschichte und Europäischen Ethnologie an der HU Berlin, 2003 Promotion; seitdem wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Bildung und Forschung bei der BStU in Berlin.

Wer war wer in DDR

Ragwitz, Ursula

* 15.2.1928

Geb. in Cottbus; Vater Kraftfahrer; 1942 – 45 Studium der Musikerziehung u. Dt. am Lehrerbildungsinst. Exin (Krs. Bromberg). 1945 Lehramtsanwärterin in einer Dorfschule im Spreewald; 1946 SED; 1946 – 51 Lehrerin an der 7. Grundschule in Cottbus; 1951/52 Doz. am IfL Cottbus; 1953 Gründerin u. Dir. der Musikschule Cottbus; anschl. Ltr. der Abt. Kultur des Rats des Bez. Cottbus; Mai / Juni 1954 Abt.-Ltr. in der Staatl. Kunstkommission; danach Assistent, Oberassistent u. Doz. an der Musik-HS Dresden; bis 1963 Dir. der Musikschule Hoyerswerda; 1963 – 69 stellv. Vors. des Rats des Bez. Cottbus für Kultur, Körperkultur u. Sport; 1967 Weiterbildungslehrgang ltd. Kulturkader am IfG beim ZK der SED; 1968 Mitgl. des Zentralvorst. des VDK; 1969 – 73 pol. Mitarb., 1973 – 75 stellv. Ltr., 1975/76 kommissar. Ltr. u. 1976 – Nov. 1989 Ltr. der Abt. Kultur des ZK der SED (Nachf. von  Peter Heldt); 1976 – 89 Mitgl. der Kulturkommission beim PB u. der Kommission des PB der Ltr. der ges.-wiss. Inst. des ZK der SED; 1980 Banner der Arbeit; 1981 Kampforden für Verdienste um Volk u. Vaterland; 1981 – 3.12.1989 Mitgl. des ZK der SED; 1985 VVO; 1986 – 89 Mitgl. der Parität. Regierungskommission für kulturelle Zusammenarbeit DDR – UdSSR; 1987 – 89 Mitgl. des Präsidialrats u. Mitgl. des Präs. des KB; 1988 Dr. h. c. der MLU Halle; Ehrenspange zum VVO; verh. mit Prof. Erhard R.; Rentnerin; lebt in Berlin.Bernd-Rainer Barth

dissidenten.eu

Ralin, Radoj

* 1923 – ✝ 2004

Die Herrschenden brachen gegen Ralin eine Propagandakampagne vom Zaun. Zunächst wurden seine Werke mit „gerade gelegten Eiern“, die „nicht mehr ganz frisch“ waren, verglichen – so 1968 von Bogomil Rajnow in der Zeitschrift „Literaturen front“. Der Schriftsteller verlor erneut seine Arbeit und sah sich mit dem Vorwurf konfrontiert, „parteifeindlichen Tendenzen“ aufzusitzen. 1968–76 war er ohne feste Einkommensquelle und lebte in fast völliger Isolation. Das Regime ergriff jedoch keine härteren Maßnahmen gegen ihn, dazu war der Name Ralin auch im Ausland zu bekannt. In zahlreichen Ländern erschienen Übersetzungen seiner Epigrammsammlung „Luti čuški“. Seine 1975 herausgegebene Gedichtsammlung „Baladi za săprotiwata“ (Balladen über die Widerstandsbewegung) bewertete die offizielle Kritik als Verspottung führender Parteifunktionäre. In den 80er Jahren war Ralin trotz aller Hindernisse, die ihm in den Weg gelegt wurden, weiterhin ein sehr aktiver Künstler. Er machte sich über gesellschaftliche Missstände und die regierende Staatspartei lustig, sprach sich offen gegen den sogenannten *Prozess der Wiedergeburt aus und verfasste in dieser Angelegenheit Protestschreiben an *Radio Freies Europa und an den bulgarischen Ministerrat. 1985 wurde er genau wie #Schelju Schelew Mitglied der illegalen Organisation Patriotische Allianz (Patriotičen obchwat), die sich zum Ziel gesetzt hatte, alle Gegner des Totalitarismus und des Personenkultes zu vereinen. Ralin unterstützte die Gründung der *Unabhängigen Gesellschaft zum Schutz der Menschenrechte, des *Klubs für Glasnost und Perestroika, der Föderation der Klubs der Demokratie und anderer demokratischer Organisationen. Am 19. Januar 1989 gehörte er zu einer Gruppe führender bulgarischer Intellektueller und Dissidenten, die vom französischen Staatspräsidenten François Mitterand zu einem Frühstück in die französische Botschaft in Sofia eingeladen wurden. Nach dem Ende des Kommunismus war Radoj Ralin weiterhin schriftstellerisch tätig und veröffentlichte zahlreiche Gedichte und Romane. Er starb 2004 in Sofia.Iwan Spassow Aus dem Polnischen von Gero Lietz Letzte Aktualisierung: 06/17

Wer war wer in DDR

Rambusch, Karl

* 15.1.1918 – ✝ 25.6.1999

Geb. in Jena; Vater Mechaniker; Volksschule, 1932 – 36 Mechanikerlehre; 1936 – 38 Mechaniker bei Carl Zeiss Jena; ab 1938 Maschinenbaustudium in Hildburghausen; Kriegsdienst. Seit 1945 KPD / SED; Vorstudienanstalt; 1946 – 52 Physikstudium an der FSU Jena, Dipl.; 1953 Ltr. des Naut.-Hydrograf. Inst. Berlin-Friedrichshagen des Hydrograph. Dienstes der DDR; 1955 Ernennung zum Prof.; 1955 – 61 Ltr. des Amts für Kernforschung u. Kerntechnik der DDR in Berlin; danach Dir. des VEB Entw. u. Projektierung kerntechn. Anlagen sowie 1963 – 66 u. 1967 – 69 Werkdir. des VEB Atomkraftwerk Rheinsberg; 1966 – 69 GD des Kombinats Kernenergetik; 1969 – 83 Bereichsdir. im VEB Kombinat Kraftwerksanlagenbau in Berlin; 1975 Korr. Mitgl. der AdW; gest. in Berlin.Horst Kant

Wer war wer in DDR

Ranke, Kurt

* 28.7.1920 – ✝ 26.2.1999

Geb. im Benndorf / Mansfeld-Land; Vater Schlosser, Mutter Hausfrau; Volks- u. Mittelschule, mittl. Reife; 1937 / 38 Hilfsarb.; 1938 – 40 RAD; 1940 – 44 Wehrmacht; 1944 – 47 sowj. Kriegsgef., dort Besuch von Antifa-Schulen. 1947 Rückkehr nach Dtl.; Hauptsachbearb. beim Rat des Mansfelder Gebirgskreises; 1948 SED; 1950 – 52 Abt.-Ltr. im Rat des Krs. Eisleben; 1952 / 53 Sekr. im Rat des Krs. Hettstedt; 1953 – 59 Vors. des Rats des Krs. Hettstedt; 1959 / 60 Stud. an der PHS beim ZK der KPdSU in Moskau; 1960 – 85 Vors. des Rats des Bez. Magdeburg; 1962 – 72 Vors. des DSF-Bezirksvorst. Magdeburg; Juni 1985 »aus gesundheitlichen Gründen und auf persönlichen Wunsch« von der Funktion als Ratsvors. entbunden u. in den Ruhestand versetzt; 1980 – 90 Ehrenbürger von Magdeburg, durch Beschluß der Stadtverordnetenversamml. vom 15.11.1990 wurde das Ehrenbürgerrecht wieder aberkannt.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Rasch, Horst

* 9.3.1953

Geb. in Ober-Mittelebersbach (Krs. Großenhain); Kreuzschule in Dresden, 1971 Abitur; 1973 – 77 Studium des Maschinenbaus an der TU Dresden, Dipl.; Berufsverbot; 1977 – 89 tätig als Problemanalytiker, Systemprogrammierer, Betriebsorg. u. Projektltr. in versch. Industriezweigen u. in der Landw.; aktiv in versch. ev. Kirchengemeinden u. Synoden sowie der kirchl. Friedens- u. Ökologiebew., zul. Vors. der Bezirkssynode Kamenz; 1989 / 90 Mitgl. des DA, 1990 DA-Landesvors. in Sachsen; Mai 1990 Gemeindevertreter in Bärnsdorf (Krs. Dresden) bzw. Promnitztal; Juni 1990 Ltr. des Presseamts u. Pressesprecher des OB von Dresden; Sept. 1990 CDU. Seit Okt. 1990 MdL Sachsen, 1998 – 2002 Vors. des Innenaussch.; 1991 – 2005 Vors. des CDU-KV Großenhain; seit 1992 Vors. des Kuratoriums der Sächs. Landeszentrale für polit. Bildung; 1993 – 2002 Mitgl. des Kuratoriums der Sächs. Kulturstiftung; 1999 – 2003 Mitgl. des CDU-LV Sachsen; Mai 2002 – Nov. 2004 Sächs. Staatsminister des Innern; seit 2007 Vors. des Landesfachaussch. für Wirtschaftspol., Wiss. u. Innovation des CDU-LV Sachsen.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Raspe, Hans-Dieter

* 28.12.1937

Geb. in Kühlungsborn (Krs. Bad Doberan); Vater Landwirt; OS, 1956 Abitur; 1956/57 Krankenpfleger in Rostock; 1957 – 60 Med.- u. Physikstudium an der Univ. Rostock; 1961 LDPD; 1961 – 63 Red. Mitarb. ihrer »Norddt. Ztg.«; danach Fernstudium an der FS für Journalismus in Leipzig sowie der Rechtswissenschaften an der HU Berlin, 1967 Dipl.-Jur.; 1963 – 66 Pol. Mitarbeiter des LDPD-Bez.-Verb. Rostock, 1966 – 82 stellv. Vors.; 1964 – 75 Mitgl. des Sekr. des Bez.-Vorst. Rostock der DSF; 1966 – 82 Mitgl. des Sekr. des Bez.-Aussch. Rostock der NF, 1982 – 84 Vors. des Bez.-Verb. (Nachf. von Erich Uschner); 1966 – 82 Mitgl. des Bez.-Tags; 1982 – 90 Mitgl. des Pol. Aussch., 1984 – 90 Sekr. des ZV, 1987 – 90 zugl. stellv. Vors. der LDPD; als IM »Jurist« des MfS erf.; 1986 – März 1990 Abg. der Volkskammer, Mitgl. des Verfassungs- u. Rechtsaussch. u. Mitgl. ihres Präs.; Dez. 1989 – März 1990 Vertreter der LDPD am zentralen »Runden Tisch«; März – Aug. 1990 Bund Freier Demokraten, danach FDP; April – Okt. gemeinsam mit  Armin Behrendt geschäftsf. Vorstandsmitglied der Ges. für liberale Politik e. V. in Berlin, danach von der Friedrich-Naumann-Stiftung übernommen. 1991/92 Berater für Entwicklungspol. der Friedrich-Naumann-Stiftung in Guatemala; bis 2002 Berater in Jakarta (Indon.); 2002 Austritt aus der FDP.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Rathke, Heinrich

* 12.12.1928

Geb. in Mölln (Krs. Malchin); Vater Pastor; Studium der Theol. in Kiel, Erlangen u. Tübingen; Erstes Theolog. Examen in Amberg; 1953 Besuch des Predigerseminars in Blücher, 1954 Ordination; 1955 Zweites Theolog. Examen; anschl. Vikar in Bad Doberan; Pastor in Warnkenhagen (Mecklenb.); 1960 Prom. in Rostock; ab 1962 Pastor der St. Andreas-Gemeinde im Neubaugeb. Rostock-Südstadt, in Ermangelung eines Kirchenbaus Abhaltung von Gottesdiensten u. a. kirchl. Veranstaltungen in einem alten Zirkuswagen; ab 1970 Landespastor für Gemeindedienst (Volksmission) in Güstrow; Nov. 1970 Wahl u. März 1971 Amtsantritt als Bischof der Ev.-Luth. Landeskirche Mecklenb. (Nachf. von Niklot Beste); 1970 auf der Bundessynode des BEK Vorstellung der Thesen »Kirche für andere« als Interpretation der Formel »Kirche im Soz.« mit der Aufforderung an die Christen in der DDR zu aktiver ges.-pol. Beteiligung; 1977 – 81 ltd. Bischof der Vereinigten Ev.-Luth. Kirche (Nachf. von  Ingo Braecklein); in dieser Funktion u. a. intensive Kontakte zu Kirchen in der UdSSR; 1978 – 80 Vors. des Nat.-Komitees des Luth. Weltbunds in der DDR; 13.12.1981 Begrüßungsansprache an den Bundeskanzler Helmut Schmidt bei dessen offiz. Besuch im Dom zu Güstrow; seit Anfang der 80er Jahre verstärktes Engagement in der Friedens- u. Menschenrechtsarbeit, u. a. Kritik an der Einführung des Wehrkundeunterrichts u. der verschärften Strafverfolgung pazifist. Jugendlicher in der DDR, von der SED als »feindl. negativ« eingestuft; Nov. 1983 Ablehnung einer zweiten Amtsperiode als Bischof; ab 1984 Pastor in Crivitz bei Schwerin; 1989 Mitbegr. des Neuen Forums in Crivitz u. Vertrauensperson bei der Auflösung von MfS-Einrichtungen im Landkrs. 1991 Ruhestand; seitdem wiederholt längere Aufenthalte in Rußland u. Kasachstan zur Betreuung der dortigen dt. Luth. Gemeinden; bis 1994 Bischöfl. Visitator in Kasachstan; Mitgl. des Beirats des Bundesbeauftr. für die Stasiunterlagen bis 1998; 1999 Dr. h. c. der Univ. Rostock; Ehrenbürger der Stadt Crivitz; lebt in Schwerin.Widerstehen. Leipzig 2002 (Hrsg. mit B. Mensing); Mitmenschlichkeit, Zivilcourage, Gottvertrauen. Ev. Opfer von Nationalsoz. u. Stalinismus. Leipzig 2003 (mit B. Mensing). Findeis, H., Pollack, D. (Hrsg.): Selbstbewahrung u. Selbstverlust. Berlin 1999.Roger Sitter / Ehrhart Neubert

Handbuch Deutsche Kommunisten

Rau, Fritz

* 12.5.1904 – ✝ 20.12.1933

Geboren am 12. Mai 1904 in Stuttgart, Sohn einer Arbeiterfamilie; Buchdrucker, Mitglied der Kommunistischen Jugend Deutschlands. Im Herbst 1923 wurde er verhaftet und mit zwölf anderen württembergischen KJD-Funktionären zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Nach seiner Freilassung begann er als Volontär, später als Redakteur an der »Süddeutschen Arbeiterzeitung« in Stuttgart. Mitte der zwanziger Jahre kam er nach Berlin und wurde Redakteur der Zeitung »Die junge Garde«. Für Robert Leibbrand, der im Juli 1926 in den Apparat der KJI nach Moskau berufen wurde, übernahm Fritz Rau das Agitpropressort im Sekretariat des ZK des KJVD. Im Sommer 1928 reiste auch er nach Moskau und wurde auf dem V. Weltkongreß der KJI in das Exekutivkomitee gewählt. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland wurde Rau erneut Redakteur der »Süddeutschen Arbeiterzeitung« in Stuttgart, übernahm 1932 die Chefredaktion der Zeitung »Klassenkampf« in Halle und gehörte in dieser Eigenschaft dem Sekretariat der BL Halle-Merseburg an. 1933 illegal aktiv, bereits im September 1933 in Berlin verhaftet, wurde Fritz Rau am 20.Dezember 1933 in seiner Gefängniszelle tot aufgefunden. An seinen Selbstmord glaubten die Angehörigen nicht, vermutlich wurde er ermordet. Im Mai 1934 wurde Fritz Raus Sohn Walter geboren, dessen Mutter war Liselotte Herrmann, die im Juni 1938 hingerichtete Widerstandskämpferin.

Wer war wer in DDR

Rauch, Neo

* 18.4.1960

Geb. in Leipzig; Vater u. Mutter starben bei einem Zugunglück, aufgew. bei den Großeltern in Aschersleben; 1981 – 86 Studium an der HS für Grafik u. Buchkunst (HGB) Leipzig bei Wolfgang Peuker u.  Arno Rink; 1986 – 90 Meisterschüler bei  Bernhard Heisig; ab 1986 Ausstellungsbeteiligungen, u. a. Junge Künstler im Bez. Leipzig, Altenburg; 1987 Galerie Schaufenster Berlin, 1988 Maler in Leipzig, Galerie im Thomaskirchhof; Studienergebnisse der HGB in Duisburg; 1988 X. Kunstausstellung der DDR, Leipziger Sezession; Junge Künstler DDR-UVR, Berlin, Rostock. 1993 – 98 Ass. an der HGB Leipzig bei A. Rink, 2005 – 09 dort Prof. f. Malerei; 1999 Kunst am Bau für das Paul-Löbe-Haus, Berlin, 2007 drei Fenstervorlagen für Elisabethkapelle im Naumburger Dom; ab 1993 über 50 Einzelausstellungen im In- u. Ausland u. zahlr. Auszeichnungen; lebt in Leipzig.Sammlung Deutsche Bank. Leipzig 2000; Neue Rollen. Köln 2006; Strauß, B. / Rauch, N.: Der Mittler. (mit Botho Strauß, 8 Lithogr.) Münster 2006; Der Zeitraum. Leipzig 2006. Brandler, G.: N. R. Ohne Titel. In Bildende Kunst (1988) 1; Smith, R.: More Space for Young Artists. In: New York Times (NYT), 19.2.1999; Ders.: N. R. at the Met. In: NYT, 15.6.2007.Astrid Volpert, Jg. 1952; 1971 – 78 Studium der Kultur- und Kunstwissenschaften sowie Journalistik an der KMU Leipzig; bis 1991 Redakteurin für Kultur, Literatur und bildende Kunst in Berliner Verlagen (Junge Welt, Neues Leben, Henschelverlag); 2001 – 04 wissenschaftliche Mitarbeiterin und Mitherausgeberin der Kopelew-Studien »Russen und Deutsche im 20. Jahrhundert« am Lotman-Institut der Ruhr-Universität Bochum; seit 2004 freiberufliche Lektorin, Kuratorin und Kunstkritikerin in Berlin bzw. Russland.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Rebel, Jakob Michael

* 7.2.1892 – ✝ 1939

Geboren am 7. Februar 1892 in Offenbach am Main; Schlosser, Schmirgeldreher. 1916 Mitglied der SPD, seit 1919 der KPD. In den zwanziger Jahren Leiter des Volksbuchbetriebes (Buchhandlungs- und Zeitungsvertrieb der KPD) und hauptamtlicher Angestellter der BL Hessen-Frankfurt, zuletzt Bezirkskassierer und Mitglied des Sekretariats der BL. Bis 1928 auch Gemeindevertreter der KPD in Fechenheim und nach der Eingemeindung zu Frankfurt/M., im April 1928 dort Stadtverordneter, seit 1930 ehrenamtlicher Stadtrat. Ab 1933 illegale Arbeit, Mitglied der BL, emigrierte im August 1933 in das Saargebiet, dann nach Frankreich, später Leiter der Emigrantenkommission. Im Oktober 1935 kam er als Politemigrant in die Sowjetunion. Er wurde am 29. Juli 1937 vom NKWD verhaftet und in einen Gulag verbannt. Dort kam Jakob Michael Rebel (vermutlich 1939) ums Leben. Michael Bermejo veröffentlichte 2006 eine biographische Skizze über Jakob Rebel.

Wer war wer in DDR

Raddatz, Klaus

* 8.7.1932

Geb. in Berlin; Eltern Angest.; Volksschule in Berlin; 1945 Mitgl. der Antifa-Jugend in Havelberg (Mark Brandenb.); 1946 FDJ, 1948 SED; 1951 Abitur; anschl. bis 1955 Studium der Journalistik an der KMU Leipzig; anschl. Assistent; 1958 Red. der FDJ-Ztschr. »Forum«; 1959 – 65 Abt.-Ltr. in der Redaktion der »Jungen Welt«; FDJ-Funktionär; 1959 Red., 1965 – 71 stellv. Chefred., 1971 – 77 Chefred. des Zentralorgans der FDJ »Junge Welt« (Nachf. von  Horst Pehnert) u. Mitgl. des Büros des ZR der FDJ; 1977 – 84 stellv. Ltr. der Abt. Agit. im ZK der SED; seit Juni 1982 Mitgl. des Präs. des Zentralvorst. des VDJ; 1981 Banner der Arbeit; 1982 VVO; 1984 – Okt. 1989 stellv. Vors. des Staatl. Komitees für Fernsehen; Okt. 1989 – Okt. 1990 Red. der Abt. Zuschauerverbindung des DDR-Fernsehens/DFF; 1989 – 91 PDS; Nov. 1990 Vorruhestand, 1993 Rentner; lebt in Berlin. .Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Radusch, Hilde

* 6.11.1903 – ✝ 2.8.1994

Geboren am 6. November 1903 in Altdamm/ Krs. Randow in Pommern, Tochter eines Postbeamten. 1921 Ausbildung am Berliner Pestalozzi-Fröbel-Haus, 1922 staatliche Prüfung zur Hortnerin. 1922 Mitglied der KJD und 1924 der KPD, gemeinsam mit Hedwig Remmele, der Tochter von Hermann Remmele, beim Aufbau der RJ und der Roten Frauenliga aktiv. Bis 1930 arbeitete sie als Telefonistin bei der Reichspost, Reichsagitpropleiterin und »Gegnerobmann« des RFMB, trat später nach internen Auseinandersetzungen aus der RFMB-Reichsleitung aus. Von 1928 bis 1933 Reichs- und Schriftleiterin der zur RGO gehörenden IG Post und Staat, wurde erster »roter Betriebsrat« in einem deutschen Fernsprechamt. Von 1929 bis 1933 Abgeordnete in der Berliner Stadtverordnetenversammlung. Im September 1932 Reise in die Sowjetunion, besuchte dort bis März 1933 sowjetische Postbetriebe. Von April bis September 1933 in Berlin in »Schutzhaft«, danach Telefonistin und Bankangestellte. 1939 lernte sie ihre künftige Lebensgefährtin Else Klopsch kennen, beide kauften 1940 ein Grundstück mit Laube in Prieros, wo sie Ende 1943 Erna Hackbarth, die Lebensgefährtin von Richard Stahlmann versteckten, die aus einem Lager geflohen war. Seit dem Sommer 1945 wieder KPD-Mitglied, trat sie im Januar 1946 aus politischer »Enttäuschung« aus der Partei aus. Seit 1948 Mitglied der SPD, engagierte sich Hilde Radusch in den siebziger Jahren in der Neuen Frauenbewegung in West-Berlin. Sie war Mitbegründerin einer Berliner Gruppe älterer Lesben und des Frauenforschungs-, Bildungs- und Informationszentrums (FFBIZ). Hilde Radusch starb am 2. August 1994 in Berlin. 1985 porträtierten Pieke Biermann und Petra Hafner sie in dem NDR-Dokumentarfilm »Muß es denn gleich beides sein?« Reingart Jäkl veröffentlichte 1993 eine biographische Skizze über Hilde Radusch.

dissidenten.eu

Rajk, László

* 1949

Architekt, Politiker, einer der wichtigsten Vertreter der demokratischen Opposition, Gründer des Samisdat-Buchladens „Butik“, Mitgründer des Netzes Freier Initiativen und des *Bundes Freier Demokraten.László Rajk wurde 1949 in Budapest geboren. Sein Vater gleichen Namens hatte in den 30er Jahren im spanischen Bürgerkrieg gekämpft; während des Zweiten Weltkriegs engagierte er sich in der illegalen kommunistischen Bewegung in Ungarn und bekleidete dann nach Kriegsende hohe Funktionen in der Partei (Mitglied des Politbüros) und in der kommunistischen Regierung (1946–48 Innenminister, 1948/49 Außenminister). Im Mai 1949 wurde László Rajk sen. unter dem Vorwurf der „Anführung einer Gruppe titoistischer Spione“ verhaftet und in einem Schauprozess zum Tode verurteilt. Seine Hinrichtung fand am 15. Oktober 1949 statt. Noch vor dem Ausbruch der *Ungarischen Revolution 1956 wurde er rehabilitiert. Sohn László Rajk wurde zwei Wochen nach der Verhaftung seines Vaters in ein Kinderheim eingewiesen, wo er bis 1953 unter dem Namen István Kovács lebte. Während dieser Zeit wurde auch seine Mutter verhaftet, die nächsten Verwandten verloren ihre Arbeit. Im Frühjahr 1953, nach dem Tod Stalins, nahm die Schwester seiner Mutter ihn zu sich. Er trug ihren Namen und lebte in dem Glauben, die Tante und der Onkel seien seine Eltern. Nach der Niederschlagung der *Ungarischen Revolution wurde er gemeinsam mit seiner Mutter (die 1954 aus der Haft entlassen wurde) und einer Gruppe von Mitarbeitern Imre Nagys nach Rumänien deportiert. Von dort kehrte er erst 1958 nach Ungarn zurück. Er kam wieder in seine alte Schulklasse; sein einjähriges Fehlen in der Schule wurde auf dem Zeugnis mit dem Vermerk „Krankheit“ begründet. 1967 legte er das Abitur ab und bekam einen Studienplatz an der Fakultät für Architektur der Technischen Universität Budapest. 1969 kam es zu einem ersten Konflikt mit der Staatsmacht. Während einer Tanzveranstaltung im Budapester Park der Jugend gab es eine tätliche Auseinandersetzung zwischen den Ordnungskräften einerseits und Rajk und einigen ihn begleitenden polnischen und französischen Studenten andererseits. Sie wurden verhaftet und erst am nächsten Tag mittags wieder freigelassen. Nach Verhören, die die ganze Nacht dauerten, wurde ihnen die „Beteiligung an einer gegen die Staatsmacht gerichteten bewaffneten Gruppierung“ vorgeworfen. Aus Mangel an Beweisen wurde das Verfahren jedoch eingestellt. Zur Dissidentenbewegung stieß Rajk über das Künstlermilieu. Da er sich bereits als Architekturstudent für Theater interessierte, knüpfte er Kontakte zu Studenten der Fachrichtung Regie. Er entwarf Bühnenbilder für Stücke, deren Autoren nach alternativen Ausdrucksformen suchten. So schloss er unter anderem Bekanntschaft mit dem Grafiker György Galántai, der für seine Happenings in Balatonboglár und seine Vernissagen in kleinen ungarischen Dorfkirchen bekannt war. Im Gefolge seiner Zusammenarbeit mit Galántai musste Rajk eine Hausdurchsuchung an seinem Arbeitsplatz über sich ergehen lassen. Rajk war auch Mitglied des István-Kovács-Studios, einer alternativen Theatergruppe, deren Vorstellungen schon kurze Zeit später von den Behörden verboten wurden. Er knüpfte Kontakte zu Miklós Haraszti und János Kenedi. Als er 1973 sein Studium abschloss, war er bereits ein recht engagierter Oppositioneller. Er unterzeichnete alle möglichen Protestbriefe, so unter anderem eine Petition zur Legalisierung der Abtreibung, die auch von dem mit ihm gemeinsam im Projektbüro Iparterv arbeitenden Bálint Nagy unterschrieben wurde. In jener Zeit kam Rajk auch in Kontakt mit György Konrád, der gerade zusammen mit Iván Szelényi das Buch „Die Intelligenz auf dem Weg zur Macht“ (Az értelmiség utja a hatalomhoz) verfasste. 1976 übermittelte er dem Almanach *„Profil“ einen Text über Architektur ohne die erforderlichen Genehmigungen. Dieser Text war zuvor von der Monatszeitschrift „Valóság“ mit der fadenscheinigen Begründung abgelehnt worden, er passe nicht zum Profil der Zeitschrift. 1977 und 1979 unterzeichnete er Solidaritätsbekundungen mit den inhaftierten Sprechern der tschechoslowakischen *Charta 77. Auf Bitten von György Bence reiste Rajk 1979 nach Polen, um sich dort in der Produktion und Vervielfältigung von Untergrundliteratur weiterzubilden. Während seines Aufenthalts in Polen traf er auch Adam Michnik, der ihn mit polnischen Bürgerrechtlern bekannt machte. Im Februar 1979 eröffnete er noch vor dem Startschuss für *„Beszélő“ (Sprecher) einen Buchladen speziell für Untergrundliteratur, die sogenannte Samisdat-„Butik“. Im September 1981 ließen die Behörden ein ganzes Netzwerk auffliegen – ein von Magda Matolay und Zsuzsa Horváth betriebenes „Schreibzentrum für Texte“, von wo aus die „Butik“ beliefert wurde. Während der Durchsuchung wurden viele illegale Materialien beschlagnahmt, die Organisatoren hingegen erhielten eine *Polizeiliche Verwarnung. Auch die Wohnung Rajks wurde durchsucht, woraufhin gegen ihn Ermittlungen wegen Verletzung des Presserechts eingeleitet wurden. Er wurde für 24 Stunden in Haft genommen; die in seiner Wohnung gefundenen Druckerzeugnisse wurden beschlagnahmt. Die nächste Wohnungsdurchsuchung erfolgte am 21. Dezember 1981. Am 23. Januar 1983 wurde er aus der Wohnung geworfen, in der er die „Butik“ betrieben hatte. Der Buchladen wurde zwar an einen anderen Ort verlegt, aber die ständigen Polizeieinsätze führten schließlich dazu, dass Rajk dieses Projekt beendete. 1983 entwarf Rajk auf Bitten ungarischer Emigranten in Frankreich einen symbolischen Grabstein für Imre Nagy und seine Kampfgefährten. Das Ehrenmal ist auf dem Pariser Friedhof Père-Lachaise zu sehen. In den 80er Jahren war die Situation an Rajks Arbeitsplatz bereits so schwierig geworden, dass er (gemeinsam mit Bálint Nagy) letztlich selbst die Kündigung einreichte. 1985 wollte er eigentlich bei der Parlamentswahl antreten, aber durch eine Fälschung bekam er keinen Platz auf der erstmals von der Staatsmacht genehmigten unabhängigen Kandidatenliste. 1988 war Rajk einer der Mitgründer des Netzes Freier Initiativen sowie des *Bundes Freier Demokraten (Szabad Demokraták Szövetsége; SZDSZ), dessen Sprecher er bis 2001 blieb. Nach dem Ende der Diktatur wurde er 1990 als Abgeordneter ins freigewählte Parlament gewählt. 1996 reichte er im Zusammenhang mit einer Korruptionsaffäre, in die der *Bund Freier Demokraten verwickelt war, seinen Rücktritt ein. Ab 1998 war er Vorsitzender des Präsidiums der Partei in Budapest. László Rajk ist ein anerkannter Architekt. 1989 entwarf er gemeinsam mit Gábor Bachman die baulichen Installationen anlässlich der Beisetzungsfeierlichkeiten für Imre Nagy auf dem Budapester Heldenplatz. Weitere architektonische Werke von ihm sind die Rekonstruktion des Wiener Collegium Hungaricum, der Corvin-Filmpalast in Budapest, die Lehel-Halle in Budapest, das Archäologische Zentrum Aquincum, die ungarische Ausstellung in Auschwitz. Bis heute ist er sowohl als Architekt als auch wissenschaftlich tätig, so unter anderem als Professor an der Budapester Hochschule für Theater, Film und Fernsehen (SZFE).Fanny Havas Aus dem Polnischen von Gero Lietz Letzte Aktualisierung: 06/15

dissidenten.eu

Ralin, Radoj

* 1923 – ✝ 2004

Radoj Ralin wurde 1923 in Sliwen geboren. Als Schüler war er Mitglied des Verbandes der Arbeiterjugend, der Jugendorganisation der Bulgarischen Kommunistischen Partei. Im Zweiten Weltkrieg meldete er sich 1944 freiwillig an die Front. Zurück in Bulgarien, wurde er 1945 in Sofia Zeuge der systematischen Verleumdungskampagne der Kommunisten gegen die „bürgerliche“ und „reaktionäre“ Intelligenz. Besonders nahe ging ihm die Hetze gegen den Dichter Atanas Daltschew. Die Repressalien gegen Anna Achmatowa und Michail Soschtschenko in der UdSSR sowie der Prozess gegen das kommunistische Regierungsmitglied Trajtscho Kostow, der des Verrats an der UdSSR beschuldigt wurde, ließen Ralin an der Richtigkeit der kommunistischen Ideologie zweifeln. 1949 erschien sein erstes Buch mit dem Titel „Stichotvorenija“ (Gedichte), das sofort von der kommunistischen Kritik gebrandmarkt. Fortan zog jede größere künstlerische oder soziale Aktivität Ralins wütende Angriffe des Regimes nach sich. Zum Beispiel wurde sein Versuch vereitelt, in Sliwen eine Zeitschrift mit dem Titel „Smjana“ herauszugeben. Von September 1949 bis August 1951 hielt sich Ralin im Rahmen eines Kulturaustausches in der Tschechoslowakei auf. Nach der Rückkehr war er fast ein Jahr lang arbeitslos, nur mit viel Mühe gelang es ihm, eine Anstellung in der Redaktion des Satiremagazins „Stăršel“ (Hornisse) zu bekommen. Dies war das einzige Magazin, in dem eine wenn auch nur verdeckte Kritik an den Machtverhältnissen möglich war. Ralin rief ein der Zeitschrift nahestehende Satiretheater ins Leben. Dort wurde die Premiere des Stücks „Misija v Evropa“ (Mission in Europa), in dem die strengen Vorgaben des sozialistischen Realismus aufs Korn genommen wurden, im März 1953 enthusiastisch gefeiert. Nach mehr als 40 Aufführungen musste das Stück jedoch auf persönliche Anordnung des damaligen Ersten Sekretärs der Kommunistischen Partei Walko Tscherwenkow vom Spielplan genommen werden. Das gleiche Schicksal ereilte 1955 sein Stück „Sofija naša, zdravej!“ (Unser Sofia, sei gegrüßt!). Auch die Produktion seines Films „Laura“ wurde unterbunden. 1956 erschien Ralins Buch „Srogo poveritelno“ (Streng geheim), das die Parteipresse als „fremdes Werk, das sich im Fahrwasser kleinbürgerlicher Zügellosigkeit bewegt“, verunglimpfte. Ähnlich erging es 1960 seinem Buch „Bezopasni igli“ (Sicherheitsnadeln). Die künstlerischen Arbeiten Ralins wurden zur Zielscheibe nicht enden wollender Attacken. Schon bald wurde Ralin zum bekanntesten Satiriker Bulgariens, der nicht davor zurückschreckte, die kommunistische Staatsmacht in der Öffentlichkeit zu kritisieren und die vom Staat mit Füßen getretene Freiheit und Gerechtigkeit zu verteidigen. Viele Jahrzehnte hindurch stellte er für den durchschnittlichen Bulgaren die Verkörperung des zivilgesellschaftlichen Gewissens dar. 1961 verlor Ralin seine Arbeit in der Redaktion des Satiremagazins „Stăršel“, fing im Literaturmagazin „Literaturni novini“ an, musste aber auch dort bald wieder aufhören. Ab Anfang 1963 arbeitete er für eine Filmproduktionsgesellschaft. Sein in Zusammenarbeit mit Waleri Petrow entstandenes Stück „Improvizacija“ (Improvisation) war von Anfang an äußerst populär, wurde dann aber zensiert und schließlich ganz verboten. Der im gleichen Jahr nach Ralins Drehbuch produzierte Film „Neverojatna istorija“ (Unglaubliche Geschichte) kam erst mit erheblicher Verspätung in die Kinos. 1967 begann Ralin, mit dem Verlag Bălgarski pisatel zusammenzuarbeiten. Die Machthaber versuchten, ihn für sich zu vereinnahmen und zugleich durch die Gewährung von Privilegien und Auszeichnung mit Preisen in den Augen der Öffentlichkeit zu diskreditieren. Parteichef Todor Schiwkow höchstpersönlich schickte ihm Glückwunschkarten. Die Antwort des Künstlers auf derlei Bemühungen waren bissige Epigramme. 1968 gab Ralin gemeinsam mit dem Zeichner Boris Dimowski eine Sammlung paraphrasierter Volkssprüche unter dem Titel „Luti čuški“ (Peperoni) heraus. Das Buch stellte den unumstrittenen Höhepunkt der damaligen politischen Satire dar. Es verschwand schon bald aus dem Buchhandel und wurde zu einer bibliophilen Kostbarkeit, unter anderem weil es die Zeichnung eines Schweineschwänzchens in der Gestalt der Unterschrift von Parteichef Schiwkow als Illustration zu dem Epigramm „Ein voller Bauch studiert nicht gern“ enthielt.Iwan Spassow Aus dem Polnischen von Gero Lietz Letzte Aktualisierung: 06/17

Wer war wer in DDR

Ramin, Günther

* 15.10.1898 – ✝ 27.2.1956

Geb. in Karlsruhe; Vater Superintendent; 1910 – 14 Thomasschüler in Leipzig; 1914 – 17 Studium am Leipziger Konservatorium unter Robert Teichmüller, Stephen Krehl u. Straube; 1917/18 Kriegsdienst in Frankreich; 1918 – 39 Organist an der Thomaskirche Leipzig; 1920 Organist am Gewandhaus Leipzig u. Orgellehrer; 1923 – 35 Ltr. des Lehrergesangvereins Leipzig; 1931 – 33 Gastprof. an der Berliner Musik-HS; 1935 – 43 Dirigent des Gewandhauschors in Leipzig; 1933 – 41 Ltr. d. Berliner Philharmon. Chors, den er wieder aufbaute; ab 1940 Thomaskantor (Nachf. von Karl Straube). 1945 – 51 Ltr. des Gewandhauschors u. Dirigent des Kirchenmusikal. Inst. der HS für Musik; 1950 Dr. h. c. der Univ. Leipzig; NP; 1950 Präs. des Bach-Aussch., Mitgl. des Vorst. der Internat. Bach-Ges.; 1951 Mitgl. des Gesamtvorst. des Verb. Dt. Komponisten u. Musiktheoretiker; 1953 Ehrensenator der Univ. Mendoza; 1952 Mitgl. der DAK; schuf Orgel- u. Orchesterwerke; Gastspiele u. Dirigate in zahlr. Ländern; gest. in Leipzig.Der Thomaschor in der Gegenwart. Zürich 1950; J. S. Bachs Kantaten in heutiger Sicht. München 1948.Bernd-Rainer Barth / Elke Reuter

Wer war wer in DDR

Rapoport, Samuel Mitja

* 27.11.1912 – ✝ 7.7.2004

Geb. in Woloczysk (Ukraine); Vater Kfm.; 1930 – 36 Studium der Med. u. Chemie an der Univ. Wien; hier 1936 Prom. u. bis 1937 am Med.-Chem. Inst.; 1932 Soz. Partei; 1934 KPÖ; 1937 Emigr. in die USA; Stipendiat an der Research Foundation in Cincinnati (USA); 1939 Prom. auf dem Gebiet der Biochemie; 1942 Associate Prof. für Biochemie u. Pädiatrie; 1950 Rückkehr nach Wien. 1952 Berufung an die HU Berlin; bis 1978 Prof. für Biochemie u. Dir. des Inst. für Biolog. u. Physiolog. Chemie; 1956 – 90 Mitgl. bzw. Ehrenmitgl. des Forschungsrats der DDR; 1960 NP; 1969 Ord. Mitgl. der DAW; 1978 – 82 Vors. der Biochem. Ges.; 1980 – 84 Vors. des Koordinierungsrats der med.-wiss. Ges.; 1980 – 85 Präs. der Ges. für experiment. Med.; 1978 VVO; Mitgl. u. Ehrenmitgl. zahlr. in- u. ausländ. wiss. Ges. u. Akad., Ehrendoktor mehrerer Univ. 1992 – 99 Präs. der Leibniz-Sozietät e. V. (Nachf. von AdW-Präs.  Horst Klinkmann auf dem Gebiet der Gelehrtengesellschaft); gest. in Berlin. Grundlegende Arbeiten über Phosphatstoffwechsel u. Glykolyse der roten Blutzellen sowie Konservierung des Bluts, Erforschung der Gesetzmäßigkeiten u. Abweichung des Wasser/Elektrolythaushalts, Reifung u. Differenzierung von Zellen u. mathemat. Modellierung von Stoffwechselvorgängen, Enzymforschung, zelluläre Reifungsprozesse, erythroide Lipoxygenase; Hrsg. u. a. von »Acta biologica et medica« u. des »European Journal of Biochemistry«; mehr als 180 wiss. Aufsätze.Physikol.-Chem. Praktikum. Berlin 1956 (mit H.-J. Raderecht); Lehrbuch Med. Biochemie. Berlin 1962; The Reticulocyte. Boca Raton 1986 (mit H.-J. Raderecht). Rapoport, I.: Meine ersten drei Leben – die Erinnerungen von Ingeborg Rapoport. Berlin 2002; Jacobasch, G., Roland, L. (Hrsg.): S. M. R. (1912 – 2004). In: Med. u. Gesell. Bd. 52, Berlin 2005.Peter Nötzold

Handbuch Deutsche Kommunisten

Rasch (Enderle), Irmgard

* 28.4.1895 – ✝ 20.9.1985

(* 1895 – † 1985) Geboren am 28. April 1895 in Frankfurt/M. als Tochter des Gymnasiallehrers Otto Rasch; legte 1917 ein Lehrerinnenexamen ab und studierte mehrere Semester Pädagogik und Volkswirtschaft an der Universität Berlin. Sie kam über die Freideutsche Jugend und eine sozialistische Studentengruppe an der Berliner Universität im November 1918 zum Spartakusbund. Von Mitte 1919 bis Anfang 1929 im zentralen Apparat der KPD, zuerst in der Abteilung Land, dann als Instrukteurin in der Gewerkschaftsabteilung. Nachdem die Gewerkschaftsabteilung 1924 durch die Linke unter Ruth Fischer aufgelöst und neu besetzt wurde, ging Irmgard Rasch als Gewerkschaftsredakteurin zum »Klassenkampf« nach Halle. Mitte 1927 Gewerkschaftsredakteurin der »Roten Fahne« in Berlin. Anfang 1929 als Mitglied der rechten Brandler-Gruppe aus der Partei ausgeschlossen. Sie war nun aktiv in der KPO, seit 1932 in der SAP. Irmgard Rasch heiratete August Enderle, kam dadurch nach Breslau, wo sie bald Mitglied der dortigen Ortsleitung der SAP war. Im Juni 1933 von der Gestapo verhaftet, konnte sie zwei Monate später entkommen und lebte in Holland, Belgien und ab 1934 in Schweden in der Emigration. Hier bildete sie mit ihrem Mann August Enderle eine SAPD-Auslandsstelle, die den Widerstand in Norddeutschland unterstützte. Rasch-Enderle engagierte sich in der Volksfontbewegung, trennte sich aber mit anderen SAPD-Mitglieder nach den Moskauer Schauprozessen davon. Sie schrieb unter dem Pseudonym J. Reele für die schwedische Gewerkschaftspresse und die Züricher »Rote Revue«. Anfang April 1941 wurden August und Irmgard Rasch-Enderle von den Nazibehörden ausgebürgert. Beide kehrten im Sommer 1945 nach Deutschland zurück. Sie wurde im September 1945 Mitbegründerin und Redakteurin am »Weser-Kurier« in Bremen und 1947 am »Bund« in Köln, zuletzt von 1949 bis 1951 Redakteurin der »Welt der Arbeit«, danach freie Journalistin. Seit 1945 Mitglied der SPD, war sie führend am Wiederaufbau der SPD und der Gewerkschaften in Bremen beteiligt, zeitweise auch Vorsitzende der Deutschen Journalisten-Union. Irmgard Enderle starb am 20. September 1985 in Köln.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Rast, Gertrud

* 25.5.1897 – ✝ 24.9.1993

Geboren am 25. Mai 1897 in Hamburg als Gertrud Graeser, Tochter eines Tischlers; besuchte die Handelsschule, wurde kaufmännische Angestellte und Buchhalterin in Hamburg. 1912 Mitglied der Arbeiterjugend, 1915 der Gewerkschaft. Bereits 1917 wegen Antikriegspropaganda inhaftiert, schloß sie sich der Spartakusgruppe an. Sie war während der Novemberrevolution Sekretärin des Arbeiter- und Soldatenrates in Hamburg, Anfang 1919 Gründungsmitglied der Hamburger KPD, arbeitete in der FSJ. Auf dem 7. Reichsjugendkongreß der KJD Ende März 1923 in Chemnitz wurde sie in die Reichszentrale gewählt und war zeitweise verantwortliche Redakteurin der Zeitschrift »Junge Garde«. Während der Illegalität 1923/24 gehörte Gertrud Graeser mit Heinrich Pütz u. a. zum »Direktorium«, dem Führungskopf der kommunistischen Jugend. Sie emigrierte danach in die Sowjetunion und war dort politische Mitarbeiterin der KJI, anschließend in der Internationale der Seeleute und Hafenarbeiter. Zurückgekehrt nach Deutschland, arbeitete sie hauptamtlich in der KPD-BL Wasserkante in Hamburg, aber 1930 als Versöhnlerin angegriffen. So hieß es über sie in einem Schreiben der BL Wasserkante an das ZK: »Man kann von dieser Genossin wirklich sagen, daß sie bei dem Ausschluß der Versöhnler s. Zt. vergessen wurde. Sie gehört eigentlich gar nicht mehr in die Partei.« 1933 emigrierte sie ins Ausland, im September 1939 in Paris inhaftiert und in ein Internierungslager gebracht. Sie wurde 1943 nach Deutschland ausgeliefert und zunächst in das KZ Fuhlsbüttel und anschließend in ein Zwangsarbeitslager gesperrt. Ihr Mann Richard Rast kam wenige Tage vor Kriegsende als Häftling im KZ Neuengamme ums Leben. Ab 1945 gehörte sie zu den führenden Funktionären der KPD in Schleswig-Holstein, war von 1946 bis 1948 als Mitglied der KPD auch im SED-Parteivorstand. Bis 1956 politische Mitarbeiterin des KPD-PV, nach Gründung 1969 Mitglied der DKP. Gertrud Rast starb am 24. September 1993.

Wer war wer in DDR

Rathmann, Lothar

* 16.2.1927

Geb. in Werdau (Sachsen); Kfm.-Lehre; 1944 Wehrmacht; NSDAP, Kriegsgefangenschaft. Nach der Rückkehr aus der Gefangenschaft Neulehrer; SED; 1948 Beginn eines Studiums an der Pädagog. Fak. der Univ. Leipzig; 1956 Prom. mit einer Arbeit über die Getreidezollpol. im frühen Kaiserreich unter Berücksichtigung der nordamerik. Agrarkonkurrenz; 1961 Habil. über die wirtschaftspol. Komponenten der dt. Bagdadbahnpol. vor 1914; 1963 Prof. mit Lehrauftrag; 1964 Dir. des Oriental. Inst. der KMU Leipzig; 1966 Prof. mit vollem Lehrauftrag; 1966 – 88 Vors. des Zentr. Rats für Asien-, Afrika- u. Lateinamerikawiss. in der DDR; 1968 ord. Prof.; 1975 – 88 Rektor der KMU Leipzig (Nachf. von  Gerhard Winkler); 1975 Korr. Mitgl. der AdW; 1976 –81 Abg. der SED im Leipziger Bez.-Tag; 1979 Berufung zum Vors. des Nationalkomitees für Asien-, Afrika- u. Lateinamerikawiss. beim Min. für HFS-Wesen; 1983 Ord. Mitgl. der AdW; 1972 u. 1983 NP; 1987 VVO; Dr. h. c. der San-Marcos-Univ. (Peru). L. R. galt als ein maßgebl. Vertreter der marxist. Nordafrika- u. Nahostwiss.Berlin-Bagdad. Berlin 1962; Stoßrichtung Nahost. Berlin 1963; Geschichte der Araber. 7 Bde. Berlin 1971 ff. (Ltg.); Grundfragen des antiimp. Kampfes der Völker Asiens, Afrikas u. Lateinamerikas der Gegenwart. 2 Bde. Berlin 1974 (Hrsg.).Ilko-Sascha Kowalczuk

Wer war wer in DDR

Rau, Heinrich

* 2.4.1899 – ✝ 23.3.1961

Geb. in Feuerbach (Stuttgart); Vater Landwirt u. Fabrikarb.; Volks- u. Fortbildungsschule; Ausbildung zum Stanzer u. Metallpresser; 1913 Gewerkschaftsmitgl. u. SAJ; 1913 – 33 Mitgl. der Arbeitersportbew.; 1915 – 17 u. 1919/20 Metallpresser bei den Boschwerken in Stuttgart-Feuerbach; dort 1916 SAJ-Gruppenfunktionär u. Gewerkschaftsfunktionär; 1916 Spartakusgr.; 1917 USPD; 1917/18 Kriegsdienst; Nov. 1918 Teiln. an der Rev. in Stuttgart u. Ernennung zum Ltr. der Militärpolizei in Stuttgart-Zuffenhausen; 1919 – 22 Freie Sozialisten, dann KJD; 1919 KPD; 1919/20 Vors. der KPD-Ortsgr. in Zuffenhausen; 1920 – 23 Mitarb., 1923 – 33 Ltr. der Abt. Land der Zentr. bzw. des ZK der KPD u. Red. der kommunist. Bauernztg. »Land- u. Forstarb.« u. »Pflug«; 1921 – 30 Lehrer an Landes- u. Zentralschulen der KPD; 1923 – 33 Mitgl. des Sekr. des Internat. Komitees der Land- u. Forstarb.; 1924 – 33 Mitgl. des Vorst. des Reichsbauernbunds; 1928 – 33 Abg. des Preuß. Landtags; 1930 – 33 Mitgl. des Internat. Bauernrats in Moskau; 1931 – 33 Büromitgl. des Europ. Bauernkomitees; anschl. bis zur Verhaftung am 23.5.1933 in Frankfurt (Main) Instrukteur des ZK der KPD für die Bez. Baden, Saar, Frankfurt (Main), Kassel; vom VGH am 11.12.1934 neben Bernhard Bästlein wegen »Vorber. zum Hochverrat« zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt, Jan. – Juni 1935 Zuchthaus Luckau, davor U-Haft in Frankfurt (Main) u. Berlin-Moabit; Juli – Nov. 1935 Emigr. in die ČSR, Nov. 1935 – Febr. 1937 UdSSR; dort stellv. Ltr. des Internat. Agrarinst. in Moskau; März 1937 Spanien; nach Besuch einer Offz.-Schule Kriegskommissar, Herbst 1937 Stabschef, Jan. 1938 Kdr. der XI. Internat. Brigade im span. Bürgerkrieg, verwundet; Mai 1938 – 39 Ltr. des Hilfskomitees der dt. u. österr. Spanienkämpfer u. Mitgl. der KPD-LL in Paris; 1.9.1939 Verhaftung durch frz. Behörden, Gefängnis u. KZ Le Vernet; dort Sekr. der Internat. Parteiltg. des Lagers B; 1941 sowj. Staatsbürgerschaft (1939 aus Dtl. ausgebürgert), erhielt keine Ausreiseerlaubnis; 1942 Auslieferung an die Gestapo, Aug. 1942 – März 1943 Gestapogefängnis Prinz-Albrecht-Str., März 1943 – Mai 1945 Häftling im KZ Mauthausen, Arbeit im Baukdo. u. als Vorarb. im Lebensmittel-Magazin; ltd. tätig beim Aufbau militär. Gruppen, Teiln. am Lageraufstand. Juli 1945 Rückkehr über Wien nach Berlin; Aug. 1945 2. Vizepräs. der Provinzialverw. Brandenb., verantw. für die Abt. Ernährung, Landw. u. Forsten sowie Wirtschaft u. Verkehr bzw. Industrie; 1945 Mitgl. der Prov. Kommission zur Durchführung der Bodenreform; 1946 Vors. der Landessequesterkommission; 1946 SED; 1946 – 48 Abg. des Landtags Brandenb.; 1946 – 48 Minister für die Wirtschaftsplanung des Landes; 1948/49 Vors. der DWK; 1949 Mitgl. des Dt. Volksrats; 1949/50 Minister für Planung in der Prov. Reg. der DDR; 1949 – 61 Abg. der (Prov.) Volkskammer; ab 1949 Mitgl. des PV bzw. ZK der SED u. 1949/50 Kand., 1950 – 61 Mitgl. seines PB; 1950 – 52 Vors. der SPK; 1950 – 61 Stellv. des Min.-Präs. bzw. des Vors. des Min.-Rats; 1952/53 Ltr. der Koordinierungsstelle für Industrie u. Verkehr beim Min.-Rat; 1953 Mitgl. des Komitees der antifa. Widerstandskämpfer; 1953 – 55 Minister für Maschinenbau (Nachf. von  Gerhart Ziller); 1955 – 61 Minister für Außenhandel u. Innerdt. Handel (Nachf. von  Kurt Gregor); 1954 VVO; gest. in Berlin.Für die Arbeiter-u.-Bauern-Macht. Ausgew. Reden u. Aufsätze 1922 – 61. Berlin 1984.  Woitinas, E.: H. R. Berlin 1977; Amos, H.: H. R. In: Neue Dt. Biogr. Berlin 2003; Weber, H., Herbst, A.: Dt. Kommunisten. Berlin 2004.Elke Reuter / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Rauchfuß, Wolfgang

* 27.11.1931 – ✝ 15.8.2005

Geb. in Grüna (Krs. Chemnitz); Vater Arbeiter; Volksschule; 1946 FDJ; 1946 – 49 Ausbildung u. Tätigkeit als Mechaniker; 1949/50 hauptamtl. Instrukteur des FDJ-LV Berlin; 1951 SED; ab 1950 Außenhandelsfunktionär; 1952 Besuch der FS für Außenhandel; anschl. Verkaufsleiter im DIA Feinmechanik / Optik; 1957 – 59 stellv. GD von Polygraph-Export; 1958 – 63 Fernstudium an der HfÖ Berlin, Dipl.-Wirtsch.; 1960 GD von Büromaschinen-Export; 1961 – 65 stellv. Minister bzw. Staatssekr. im Min. für Außen- u. Innerdt. Handel; Dez. 1965 – 89 stellv. Vors. des Min.-Rats; 1967 – 89 Mitgl. des ZK der SED, Nov. – Dez. 1989 des PB u. des Sekr. des ZK der SED; 1967 – März 1990 Abg. der Volkskammer; 1974 – 89 Minister für Materialwirtschaft (Nachf. von  Manfred Flegel); Ltr. der Zentr. Energiekommission beim Min.-Rat, sowie des dt.-ungar. u. des dt.-jugosl. Wirtschaftskomitees; 1979 VVO; 7.11.1989 Rücktritt mit der Reg.  Willi Stoph; Nov. 1989 – März 1990 Staatssekr. in der Reg.  Hans Modrow; ab März 1990 Mitarb. der Treuhandanstalt bzw. zeitw. Beauftr. des »East German Investment Trust«; gest. in Grüna.Reserven erschließen – wie u. wo. Berlin 1975.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Rebling, Eberhard

* 4.2.1911 – ✝ 2.8.2008

Geb. in Berlin-Mariendorf; Vater Offz.; Realgymnasium, Abitur; während der Schulzeit Klavierunterricht bei Prof. Lydia Lenz; ab 1924 Konzerte als Solist; 1930 – 35 Studium der Musikwiss. an der Friedrich-Wilhelm-Univ. Berlin (b. Arnold Schering, Kurt Sachs, Erich M. Hornborstel); 1934 Prom. zum Dr. phil. in Berlin über »Die soziolog. Grundlagen der Stilwandlung der Musik in Dtl. um die Mitte des 18. Jh.«; während des Studiums u. danach Auftritte mit Klavierkonzerten meist von zeitgenöss. Komponisten in zahlr. europ. Ländern; 1936 Emigr. in die Niederl.; 1940 – 45 dort illeg. pol. Arbeit u. beteiligt an Rettungsaktionen für untergetauchte Juden; 1944 verhaftet, zum Tode verurteilt u. geflohen. 1946 – 59 Mitgl. der KP der Niederl.; Reisen in Europa u. Asien (als Begleiter der Sängerin u. seiner Ehefrau  Lin Jaldati); 1952 Übersiedl. in die DDR; mit Lin Jaldati verbreitete er das jidd. Lied in der DDR; 1952 – 59 Chefred. der Ztschr. »Musik u. Ges.«; 1954 NP; 1959 – 71 Prof. u. Rektor an der HS für Musik »Hanns Eisler« in Berlin (Nachf. von  Georg Knepler); 1960 SED; seit 1963 Abg. der Volkskammer; 1970 – 91 DAK/AdK; Mitgl. des Forschungsrats für musikal. Berufsausbildung beim Min. für Kultur; Mitgl. des Friedensrats u. des Präsidialrats des KB; 1972 VVO; 1981 Stern der Völkerfreundschaft; 1986 KMO. 1990 PDS; 2007 Ehrung in Yad Vashem als »Gerechter unter den Völkern«; gest. in Königs Wusterhausen.Die Verbürgerlichung der dt. Kunst, Lit. u. Musik im 18. Jh. (Ps. E. Gerhard, mit L. Balet) Frankfurt (Main) 1972/73; Ballett – Gestern u. heute. Berlin 1957; Tanz der Völker. Berlin 1972; Die Tanzkunst Indonesiens. Berlin 1989; Sag nie, du gehst den letzten Weg. Erinnerungen. Berlin 1986, erw. Auflage Marburg 1995 (Biogr., zus. mit L. Jaldati). Hermsdorf, K. et al.: Exil in den Niederlanden u. Spanien. Leipzig 1981.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Rädel, Siegfried

* 7.3.1893 – ✝ 25.2.1943

Geboren am 7. März 1893 in Copitz bei Pirna, entstammte einer kinderreichen Beamtenfamilie; lernte Zimmermann. 1912 Mitglied der SPD. 1913 zum Militär einberufen, bei Kriegsausbruch kam er sofort an die Front. 1918 Übertritt zur USPD, gehörte 1918/19 zum Arbeiter- und Soldatenrat in Pirna und arbeitete bis 1921 als Betriebshandwerker in der Kunstseidespinnerei in Pirna, in der er auch Betriebsrat war. 1919 Mitglied der KPD, er blieb in der Partei, als die große Mehrheit der Ortsgruppe Pirna 1920 zur KAPD ging. Ab 1921 Stadtverordneter in Pirna, hauptamtlicher UB-Leiter. Auf dem VII. Parteitag 1921 und auf dem VIII. Parteitag 1923 für den Bezirk Ostsachsen in den ZA berufen. Nach dem Oktober 1923 polizeilich gesucht, lebte Rädel zunächst illegal. Als Anhänger der Parteilinken wurde er im Mai 1924 in den Reichstag gewählt, dem er ununterbrochen bis 1933 angehörte. 1924/25 Orgleiter und nach dem »Offenen Brief« 1925 Polleiter des Bezirks Ostsachsen. 1926 ins ZK nach Berlin geholt, im Apparat für Sozialpolitik zuständig, 1928 zunächst wieder Polleiter des Bezirks Ostsachsen, dann einige Zeit Polleiter von Westsachsen. Rädel übersiedelte 1931 endgültig nach Berlin, um die Leitung der Abteilung Sozialpolitik beim ZK der KPD zu übernehmen. Auf dem XII. Parteitag 1929 als Kandidat ins ZK der KPD gewählt, war Rädel seit 1930 Vorsitzender der ARSO, der kommunistischen Arbeitsgemeinschaft sozialpolitischer Organisationen. Am 7. Februar 1933 nahm er noch an der letzten Sitzung der Parteiführer in Ziegenhals bei Berlin teil, danach zum Leiter der illegalen KPD in Sachsen berufen. Im Dezember 1933 verließ er Deutschland, ging zunächst nach Prag, von dort über Wien nach Paris und kam anschließend wieder nach Prag, wo er die Betreuung der kommunistischen Emigranten und den illegalen Grenzverkehr nach Deutschland leitete. Am 24. Dezember 1934 traf Rädel unter dem Parteinamen Sachs in Moskau zur Berichterstattung ein, erhielt wegen Unachtsamkeit bei der Durchführung einer illegalen Konferenz im Oktober eine »einfache Parteirüge«. Anfang 1935 Emigrationsleiter in der Schweiz, dort am 24. Oktober 1936 verhaftet und nach Frankreich ausgewiesen. Hier konnte er zur Zeit der Volksfrontregierung legal leben und arbeiten, gründete die Sozialvereinigung deutscher politischer Emigranten und organisierte die internationale Unterstützung. Anfang 1939 war Rädel Teilnehmer der »Berner Konferenz« der KPD (bei Paris), auf der er als Friedrich ins ZK gewählt wurde. Bei Kriegsausbruch im Lager Vernet drei Jahre lang interniert. Um Rädel zu retten, verlieh ihm die Sowjetunion (durch ihren Botschafter in Vichy) im März 1941 die sowjetische Staatsangehörigkeit, er sollte per Schiff in die Sowjetunion gelangen, was der Ausbruch des deutsch-sowjetischen Krieges verhinderte. Obwohl im Besitz eines Einreisevisums nach Mexiko, lieferte ihn die Regierung Petain-Laval im August 1942 an die Gestapo aus. Am 25. Februar 1943 beschloß der 5. Senat des VGH: »Der Angeklagte Rädel hat durch den Ausbau und maßgebliche Betreuung deutscher kommunistischer Emigrantenorganisationen im Ausland den kommunistischen Hochverrat vorbereitet und wird deshalb zum Tode verurteilt.« Sein von ihm verfaßtes Gnadengesuch wurde abgelehnt. Am 10. Mai 1943 wurde Siegfried Rädel in Berlin-Plötzensee hingerichtet. Rädel hatte 1919 geheiratet, sich sechs Jahre später von seiner Frau Frieda getrennt und lebte seit 1928 mit Maria Weiterer zusammen.

Wer war wer in DDR

Radzimanowski, Kersten

* 21.5.1948

Geb. in Alt-Landsberg (Krs. Niederbarnim); Sohn einer alleinerziehenden Angest.; Grund- u. Oberschule; 1964 – 67 Lehrling u. Facharbeiter für Funktechnik bei Studiotechnik Rundfunk Berlin; 1966 Abitur an der Volkshochschule; 1967 – 69 NVA; 1969 – 76 Volontär, red. Mitarb. beim Zentralorgan der CDU »Neue Zeit«; 1971 CDU; 1976 / 77 Red. bei der Ztschr. »Standpunkt«; Fernstudium an der HU Berlin, 1976 Dipl.-Historiker; außerplanm. Aspirantur, 1981 Prom. zum Dr. phil.; 1978 Fachgebietsltr. bei »Neue Zeit«; 1978 – 84 Sektorenltr. beim Sekr. des CDU-HV, ab 1984 dort stellv. Abt.-Ltr. Internat. Beziehungen, 1989 Abt.-Ltr. beim Sekr. des CDU-HV; ab Herbst 1989 Berater des CDU-Vors. Lothar de Maizière; ab Dez. 1989 Ltr. der Abt. Außen- u. Deutschlandpolitik u. der gleichnamigen Kommission des CDU-PV; ab Mai 1990 Mitarb. im MfAA; nach dem Bruch der Koalition zwischen der Allianz für Deutschland und der SPD und dem Rücktritt von  Markus Meckel als Außenminister am 20.8.1990 Berufung zum Staatssekr. im MfAA. 1991 Geschäftsf. der CDU im Land Brandenburg; 1992 – 97 Ltr. eines Bildungswerkes, später freier Autor, Historiker, Publizist u. Hrsg. von Publ. mit Schwerpunkt Ostpreußen; seit 2008 Mitgl. der NPD, Direktkandidat für den Bundestag im Wahlkreis 60 (Märkisch-Oderland – Barnim II).Stimme der Stimmlosen. Dokumente zum sozialen Engagement kath. Christen in Lateinamerika. Berlin 1983; Berliner Europa Forum. In: Beiträge zur dt. Geschichte (1995) IV, Sonderheft; Die Rolle des militär. Faktors bei der Entstehung, Entw. u. Auflösung der DDR. Berlin 1995.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Rakow, Paul

* 1901 – ✝ 15.4.1937

Geboren 1901 in Neubeckum/Westfalen, Sohn des Forstwissenschaftlers Paul Gotthold Rakow. Die Familie, darunter sein Bruder 4 Werner Rakow (Felix Wolf), war 1900 aus Rußland übergesiedelt, 1906 zogen sie nach Hannover. Paul Rakow trat 1919 als Gymnasiast der KPD bei und war dann als Student der TH Hannover für die Partei aktiv. Mitte der zwanziger Jahre in den AM-Apparat aufgenommen, übte er dort in Berlin Leitungsfunktionen aus. Von 1928 bis 1930 war Rakow in Moskau im Komintern-Apparat tätig. Danach studierte er von 1931 bis 1934 an der KUNMS in Moskau und wurde anschließend Instrukteur der OMS des EKKI, u. a. in China. Er wurde am 15. April 1937 nach Moskau zurückgerufen und sofort vom NKWD verhaftet. Hier war sein Bruder Werner bereits im September 1936 erschossen worden, und sein Bruder Nikolai blieb im Gulag verschwunden. Paul Rakow wurde am 20.Dezember 1937 in Stalino erschossen.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Rambauseck, Lotte

* 5.5.1908 – ✝ 25.4.1990

Geboren am 5. Mai 1908 in Breslau, Tochter eines Tapezierers und einer Schneiderin, seit 1908 in Berlin; sie arbeitete als Kindermädchen, Fabrikarbeiterin und Sprechstundenhilfe. Über die Wandervogelbewegung kam sie 1929 zum KJVD und wurde später Mitglied der KPD. Sie arbeitete zunächst als Stenotypistin in der KJVD-BL Berlin-Brandenburg, ab Sommer 1932 als Sekretärin im Aufbruch-Verlag. Anfang 1933 im Berliner AM-Apparat, ab Mitte 1934 im zentralen AM-Apparat eingesetzt. Bis 1937 Instrukteurin der AL Zentrum, Deckname Hete, dazwischen besuchte sie die M-Schule in Moskau, Schulname Else Braun. Illegal nach Berlin gereist, bemühte sie sich, Verbindung zu den Polleitern der Bezirke herzustellen und sie von der Notwendigkeit zu überzeugen, Abwehrleiter in die illegalen Leitungen einzubauen. Sie arbeitete eng mit Hermann Nuding zusammen und war später Mitarbeiterin von Konrad Blenkle in der Schweiz. Im Mai 1938 kam sie nach Brüssel, nach dem deutschen Einmarsch in Belgien flüchtete sie nach Frankreich, kehrte später aber wieder nach Brüssel zurück. Aus Sicherheitsgründen von weiterer illegaler Arbeit »abgeschaltet«, konnte sie später nach Deutschland zurück, arbeitete zunächst in einem Lazarett und war ab 1942 in einem Luftwaffenlazarett in Berlin als ärztliche Schreibkraft tätig. 1944/45 lebte sie in Hamburg, später im Ruhrgebiet, wo sie Sekretärin des bekannten Hirnchirurgen Wilhelm Tönnis wurde. Lotte Rambauseck trat nach 1945 politisch nicht mehr hervor, sie starb am 25. April 1990 in Köln.

Wer war wer in DDR

Rammler, Erich

* 9.7.1901 – ✝ 6.11.1986

Geb. in Tirpersdorf (Vogtl.); Vater Bautechniker; Bürger- u. Oberrealschule in Halle; 1920 –25 Studium an der Bergakad. Freiberg (BAF); Versuchsingenieur bei Paul Rosin im Staatl. Hütten- u. Blaufarbenwerk Freiberg; 1927 Prom. mit experiment. Arbeiten zur Feinheit von Kohlenstaub; anschl. u. a. im Kraftwerk Böhlen, Schwelwerk Gölzau, Ing.-Büro Rosin in Dresden tätig; seit 1927 Zusammenarbeit mit der sowj. Industrie; 1933 RRS-Formel (Rosin, Rammler, Sperling) für Korngrößenzusammensetzung; 1935 ehrenamtl. Leiter einer Abt. im Braunkohlenforschungsinst. der BAF; 1936 erwarb R. Rosins Büro (dieser emigrierte 1938); 1937 NSDAP; ab 1941 Arbeit für den Dt. Braunkohle-Industrie-Verein Halle; beim Bombenangriff am 13./14.2.1945 Zerstörung des Dresdener Büros, Notbüro in Bitterfeld. Nach dem Krieg Mitarb. im Techn. Büro Kohle des sowj. Kohlemin. u. im Inst. für Brikettierung der BAF, später hier Dir.; gleichz. Arbeit für das Techn. Büro Energie; 1949 Prof. mit Lehrauftrag u. Ltr. der Versuchsanlage »Reiche Zeche«; 1951 ord. Prof. an der BAF; entwickelte mit  Georg Bilkenroth den Braunkohle-Hochtemperatur-Koks (BHT-Koks, Probebetrieb in Lauchhammer 1952, Prioritätsstreitigkeiten mit Gabriel Hoffmann u. Arno Nichterlein); 1951 NP; 1953 Ord. Mitgl. der DAW; 1954 – 58 Mitarb. in der Europ. Wirtschaftskommission der UNO (ECE); Ltr. des 1956 gegr. Dt. Brennstoffinst. Freiberg; 1956 Dr. h. c. (TH Aachen); 1965 em.; 1971 Ehrensenator der BAF; 1976 VVO; gest. in Freiberg.Wächtler, E. u. a.: E. R. Biogr., Bibl. Leipzig 1976.Petra Kahlow-Vorwerk

Wer war wer in DDR

Rapoport, Tom A.

* 17.6.1947

Geb. in Cincinnati (USA); Vater Biochemiker  Mitja Samuel R., Mutter Ärztin; 1952 Übersiedl. der Fam. nach Berlin, dort ab 1954 Schulbesuch u. 1966 Abitur an der Spezialklasse für Math. u. Naturwiss. an der HU Berlin, dort anschl. Studium der Chemie; Annahme der DDR-Staatsbürgerschaft; 1969 SED; 1972 Prom. an der HU Berlin mit der biochem. Arbeit »Untersuchungen zum Reaktionsmechanismus der anorgan. Pyrophosphatase aus Bäckerhefe« (Kollektivarbeit mit W. Höhne), 1977 gemeinsame Diss. B mit  Reinhart Heinrich »Theoret. Untersuchungen zur Regulation von Stoffwechselsystemen, insb. Erythrozytenglykolyse«, Dr. sc.; 1972 – 92 Mitarbeiter am ZI für Molekularbiol. der AdW (ZIM); 1982 Studienaufenthalt im Labor von Günter Blobel (Medizin-Nobelpreisträger 1999) an der Rockefeller Univ. in New York; Arbeitsgruppenltr., 1985 Prof. für Zellbiol.; 1985 Ltr. der Abt. molekulare Zellforsch. am ZIM; 1988 Korr. Mitgl. der ADW. Ab 1992 am Max-Delbrück-Centrum für molekulare Med. Berlin-Buch; 1995 Übersiedl. in die USA u. seitdem Prof. für Zellbiologie an der Medical School der Harvard Univ. Cambridge (Massachussets), seit 1997 dort am Howard Hughes Medical Institute; seit 2006 ausw. wiss. Mitgl. des Max-Planck-Inst. für biophysikal. Chemie Göttingen; 2003 Mitgl. der Akad. der Naturforscher Leopoldina, 2005 Mitgl. der American Academy of Arts and Sciences, Mitgl. der National Academy of Science (USA) u. der Academia Europaea. R. hat mit seinen Beiträgen zum intrazellulären Proteintransport sowie zum Proteintransport durch Biomembranen einen wesentl. Beitrag zum molekularen Verständnis der komplexen Vorgänge in biolog. Zellen geleistet. Die von ihm betriebene Aufklärung der molekularen Architektur von Proteintransport-Mechanismen ist von grundlegender Bedeutung für die Zellforschung.; über 200 wiss. Veröff.; die aus der Kooperation mit Heinrich hervorgegangene Arbeit »Metabolic Regulation and Mathematical Models« (Progress in Biophysics & Molecular Biology 32 (1977) 1 – 82) gehört zu den meistzitierten Aufsätzen eines DDR-Wissenschaftlers; Mithrg. versch. Fachztschr., u. a. Journal of Cell Biology; Johannes-Müller-Preis (1973); Virchow-Preis; Otto-Warburg-Med. (2004); Sir-Hans-Krebs-Med. (2005); Max-Delbrück-Med. (2006).Rapoport, I.: Meine ersten drei Leben. Erinnerungen. Berlin 1997; Davis, T. H.: Profile T. A. R.. Proceedings of the National Academy of Science (2005) 102.Dieter Hoffmann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Raschke, Felix (Fritz)

* 9.5.1884 – ✝ 5.7.1957

Geboren am 9. Mai 1884 in Danzig, Sohn eines Bernsteindrechslers; Tischler. Von 1906 bis 1908 leistete er seinen Militärdienst, trat 1908 in den Deutschen Holzarbeiterverband ein, Funktionär des DHV in Danzig. 1912 Mitglied der SPD. Von 1914 bis 1918 Soldat im Krieg; 1920 ging Raschke zur KPD. Von 1923 bis 1934 war er Abgeordneter des Volkstages Danzig und gehörte auch dem engeren Führungskreis der Danziger KPD an, außerdem Redakteur an der Danziger KP-Zeitung »Das freie Volk«. Am 3. Mai 1934 wurde Felix Raschke verhaftet und im Juni 1934 durch die Große Danziger Strafkammer wegen der »Herausgabe illegaler Zeitschriften bzw. Zeitungen« zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Im November 1937 entlassen, danach Tischler bei der AEG in Danzig. Raschke, der auch nach Kriegsbeginn illegal für die KPD tätig war, wurde am 22.August 1944 erneut festgenommen und in das KZ Stutthof bei Danzig gebracht. Im August 1945 kam er mit einem »Antifa-Umsiedler-Transport« nach Dammgarten im Kreis Stralsund, arbeitete bis 1947 als Personalreferent beim KPD- bzw. beim SED-Landesvorstand Mecklenburg. Von 1947 bis 1949 war er Kreisrat für Inneres im Kreis Rügen und leitete ab August 1949 die Strafanstalt Dreibergen. Felix Raschke starb am 5. Juli 1957.

Wer war wer in DDR

Rataizick, Siegfried

* 29.5.1931

Geb. in Halle, Pflegevater Lokführer; Volksschule; 1945 Ausbildung zum Klempner, dann Geselle; 1950 Kraftfahrer; 1951 SED; Einstellung beim MfS, Wachmann in der Verw. Sachsen-Anh.; 1950 Versetzung zum MfS Berlin, Abt. XIV (U-Haft/Strafvollzug); 1957/58 SED-BPS Bad Blankenburg; 1962 stellv. Abt.-Ltr., 1963 Abt.-Ltr. der Abt. XIV; 1964 – 68 Fernstudium Kriminalistik an der HU Berlin, Dipl.-Kriminologe; 1975 Oberst; 1984 Prom. zum Dr. jur. an der JHS Potsdam-Eiche; 1990 Entlassung.Grimmer, R. u. a. (Hrsg.): Die Sicherheit. Berlin 2002.Jens Gieseke

Handbuch Deutsche Kommunisten

Rattai, Karl

* 1.6.1901 – ✝ 30.10.1953

Geboren am 1. Juni 1901 in Bochum, Sohn eines Bergmanns; Erd- und Holzarbeiter. 1919 Mitglied der SPD, ab 1920 der KPD. Einem Verfahren wegen »Vorbereitung zum Hochverrat« entzog er sich durch Flucht, später amnestiert. Er wurde Expedient beim »Ruhr-Echo«, arbeitete vor allem für den AM-Apparat der BL Ruhrgebiet. Von September 1930 bis April 1931 Kursant an der M-Schule der Komintern in Bakowka bei Moskau (Deckname Felix Burg). Nach Rückkehr offiziell wieder beim »Ruhr-Echo« angestellt, übernahm er die Leitung der AM-Arbeit der BL Ruhrgebiet. Von November 1932 bis April 1933 erneut Kursant an der M-Schule. Mitte Juni 1933 über Prag Rückkehr zur illegalen Arbeit nach Deutschland, Einsatz in Hamburg (Leiter des AM-Apparates). Am 14. September 1933 in Hamburg festgenommen und am 21.Februar 1935 vom VGH zu viereinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt. Bis November 1939 in Haft, zuletzt im KZ Sachsenhausen. Ab 1940 Lagerist und Monteur bei einer Essener Großhandelsfirma. Karl Rattai starb am 30.Oktober 1953 in Essen-Rüttenscheid. Wilhelm Mensing ging 2004 im Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung (»Vertrauensleute kommunistischer Herkunft bei der Gestapo und NS-Nachrichtendiensten«) im Zusammenhang mit dessen Frau Margarethe, geborene Finkenstein (* 1904 – † 1942), auch auf Karl Rattai ein. Rattais jüngerer Bruder Willi (* 1913 – † 1996) war 1928 Mitglied des KJVD und der KPD, bis März 1933 Jugendsekretär der RGO und Orgleiter des KJVD im Ruhrgebiet. Im August 1933 Festnahme, 1934 vom OLG Hamm zu zwei Jahren und drei Monaten Zuchthaus verurteilt, von September bis Dezember 1939 im KZ Sachsenhausen, später zur Wehrmacht eingezogen. 1945 KPD-Mitglied, ab 1968 Mitglied der DKP. Anna Hennig veröffentlichte 2002 einen biographischen Artikel über Willi Rattai.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Rau, Heinrich

* 2.4.1899 – ✝ 23.3.1961

Geboren am 2. April 1899 in Feuerbach bei Stuttgart, Sohn eines Fuhrwerkbesitzers und Landwirts; Arbeiter (Stanzer und Metallpresser bei Bosch). 1913 Mitglied der Arbeiterjugend, 1916 Anschluß an die Spartakusgruppe, 1917 kam er zur USPD. 1917/18 Soldat an der Westfront. Seit Gründung der KPD 1919 in Stuttgart Mitglied und Funktionär der Partei, zeitweise Vorsitzender der Stuttgarter Ortsgruppe. Im November 1920 kam Rau als hauptamtlicher Mitarbeiter der KPD in die Zentrale nach Berlin, zunächst Sekretär der Abteilung Land, Mitherausgeber verschiedener KPD-Zeitungen für die Bauernschaft (»Land- und Forstarbeiter«, »Der Pflug«). Er blieb als einer der wenigen Apparat-Funktionäre bis 1932 ununterbrochen Sekretär bzw. Leiter dieser Abteilung des ZK und war außerdem in zahlreichen internationalen Organisationen (vom 1923 bis 1933 Mitglied des internationalen Komitees der Land- und Forstarbeiter). Rau wurde 1928 in den Preußischen Landtag gewählt, dem er bis 1933 angehörte. Er war der typische Spezialist im ZK-Apparat, der sich aus allen internen Auseinandersetzungen heraushielt und versuchte, nur in seinem Ressort zu arbeiten. Rau heiratete 1923 Helene Heß, geschiedene Hoernle (*14. 11. 1886 – † 24. 10. 1956), von der er sich aber später wieder trennte. Von Januar bis Mai 1933 illegal ZK-Instrukteur für Süddeutschland, wurde am 23.Mai 1933 verhaftet, am 11.Dezember 1934 vom VGH zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt, die er in Luckau verbüßte. Im August 1935 emigrierte er in die Tschechoslowakei, drei Monate später in die Sowjetunion und arbeitete bis Februar 1937 als stellvertretender Leiter des internationalen Agrarinstituts in Moskau. Von März 1937 bis Mai 1938 kämpfte Heinrich Rau in den Internationalen Brigaden, war Politkommissar, Stabschef und Kommandeur der XI. Internationalen Brigade. Er kam im Mai 1938 verwundet nach Frankreich, leitete vom Herbst 1938 bis zum Kriegsausbruch das Hilfskomitee der deutschen und österreichischen Spanienkämpfer und gehörte zur KPD-Landesleitung in Paris. Dann in Vernet interniert, wurde ihm im März 1941 die sowjetische Staatsbürgerschaft verliehen, doch die Regierung Petain-Laval verhinderte seine Ausreise und lieferte ihn im Juni 1942 an Deutschland aus. Rau kam zunächst in das Berliner Gestapogefängnis Prinz-Albrecht-Straße und im März 1943 ins KZ Mauthausen, aus dem er im Mai 1945 befreit wurde. Über Wien gelangte er Mitte Juli 1945 nach Berlin und wurde im August 1945 2. Vizepräsident der Provinzialverwaltung Brandenburg, ab Herbst 1946 Minister für Wirtschaft der Landesregierung Brandenburg. Im Februar 1948 übernahm er den Vorsitz der Deutschen Wirtschaftskommission der SBZ. Ab Juli 1949 Mitglied des Parteivorstands bzw. des ZK der SED und auch des Politbüros, 1949 Minister für Wirtschaftsplanung in der ersten DDR-Regierung, von 1950 bis 1961 Stellvertretender Ministerpräsident, von 1950 bis 1952 Vorsitzender der Staatlichen Plankommission. Rau gehörte als Spezialist für Wirtschaftsfragen stets zur Spitzenführung der SED, er hielt sich aus den innerparteilichen Kämpfen heraus, rieb sich im Dienst seiner »Sache« auf, führte letztlich jedoch immer den Willen der Parteileitung bzw. der UdSSR aus. Er erhielt 1954 den VVO in Gold. In der Weimarer Republik veröffentlichte Rau eine Reihe Broschüren, in denen er die kommunistische Bauernpolitik erläuterte, darunter 1925: »Zur Vierhundertjahrfeier des deutschen Bauernkrieges« und 1936: »Hitler, Hunger, Krieg«. Heinrich Rau starb am 23. März 1961 an einem Herzinfarkt.Elke Reuter / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Rauls, Wolfgang

* 17.6.1948

Geb. in Rohrsheim (Aue-Fallstein, b. Halberstadt); Vater Transportarb.; Abitur (nach Vorkurs) an der TH Magdeburg; 1967 – 69 Ausbildung zum Elektromonteur, danach im Beruf tätig; 1968 NDPD; 1969 – 73 hauptamtl. Arbeit in der NDPD auf Stadtbez.- u. Krs.-Ebene; 1974 – 79 Fernstudium an der DASR Potsdam, Dipl.-Staatswiss.; 1974 – 79 Stadtbez.-Sekr. in Magdeburg u. Mitgl. des Krs.-Vorst. der NDPD; 1979 – 87 Stadtbez.-Rat für Kultur in Magdeburg-Mitte; 1987/88 Sekr. des Bez.-Vorst. Magdeburg, 1989/90 des Krs.-Verb. Magdeburg der NDPD; Jan. / Febr. 1990 Präs. der Stadtverordnetenvers. Magdeburg; Aug. 1990 Ltr. des Ressorts Inneres der BV-Behörde in Magdeburg; ab 11.2.1990 Vors. der NDPD (Nachf. von  Wolfgang Glaeser); nach dem kooperativen Beitritt der NDPD zum Bund Freier Demokraten am 28.3. dessen Vizevors., nach der Vereinigung mit der FDP im Aug. Mitgl. ihres Bundesvorst.; Mitarb. beim Aufbau der Landesreg. Sachsen-Anh. Okt 1990 – 94 u. 2002 – 06 Abg. des Land- tags Sachsen-Anh.; Nov. 1990 – 94 Min. für Umwelt u. Naturschutz von Sachsen-Anh.; April 1993 stellv. Vors. des FDP-Landesverb. Sachsen-Anh.; Aug. 1991 – 94 Stellv. des Min.-Präs. von Sachsen-Anh. (Nachf. von Gerd Brunner); Bürgermstr. von Wahlitz; seit 2004 Mitgl. des Kreistags Jerichower Land; Stellv. Vors. des Stiftungsrats Umwelt u. Naturschutz; Mitgl. des Vorstands der Stiftung Familie in Not; seit Okt. 2005 Bürgermstr. von Gommern.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Reck, Karl-Heinz

* 14.2.1949

Geb. in Magdeburg; 1955 – 65 POS; 1965 – 68 Berufsausbildung zum Landmaschinen-Traktoren-Schlosser, Abitur; 1968 – 72 Studium der Math. u. Physik an der MLU Halle-Wittenberg, Dipl.-Lehrer; 1972 – 91 Lehrer an POS u. EOS in Salzwedel; seit 1985 Fachberater Physik; Jan. 1990 SPD; Mitgl. der Stadtverordnetenvers. Salzwedel; seit 1990 Abg. des Kreistagstags Salzwedel, Vors. der SPD-Frakt. Okt. 1990 – 2006 MdL Sachsen-Anh.; ab 1991 Lehrer am Käthe-Kollwitz-Gymnasium Salzwedel; seit 1993 stellv. Bundesvors. der AG Bildung in der SPD, Mitgl. der Kommission Bildung u. Wiss. beim SPD-Parteivorst.; 1994 – 98 Kultusminister des Landes Sachsen-Anh.; 2008 Austritt aus der SPD.Helmut Müller-Enbergs