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BioLex

In der Kategorie BioLex finden Sie drei biografische Lexika mit über 5500 Personeneinträgen.

 

Das Handbuch "Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945" wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam. Kurzbiografien zu Personen des poltischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 vor. Zudem ist das Onlinlexikon www.dissidenten.eu komplett in dieser  Rubrik recherchierbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Inforamtionen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Ritter, Kurt

* 13.4.1894 – ✝ 21.2.1984

Geb. in Berlin; Vater landw. Berater; Realgymnasium; 1913/14 landw. Lehre; 1914 – 18 Kriegsdienst; 1918 – 20 Studium der Landw. u. Volkswirtschaft an der Univ. Berlin, Dipl.-Landwirt; 1920 Prom. zum Dr. agr.; 1920 – 28 Oberlandw.-Rat an der Preuß. Hauptlandw.-Kammer; 1923 Habil. für Volkswirtschaftslehre; 1928 – 35 ord. Prof. mit Lehrstuhl u. Dir. des Inst. für Volkswirtschaftslehre an der Landw. HS Berlin; nebenamtl. Lehrbeauftr. an der Handels-HS u. Lehr- u. Forschungsanstalt für Gartenbau in Berlin-Dahlem; 1935 wegen Dissens zur NS-Wirtschaftspol. vom Lehramt entpflichtet; ab 1937 im Versicherungswesen tätig; wurde 1938 ohne Antrag Mitgl. der NSDAP, beantragte sofort Streichung wegen jüd. Vorfahren; 1939 – 41 Wehrdienst in der Panzerabwehr-Ersatzabt. Potsdam, Hptm. 1945 – 48 HA-Ltr. in der Dt. Verw. für Handel u. Versorgung; 1948/49 in der DWK; 1949/50 im Min. für Planung; 1947 SED; 1950 – 57 ord. Prof. mit Lehrstuhl u. Dir. des Inst. für Agrarpol. u. Agrargeschichte an der Landw.-Gärtner. Fak. der HU Berlin; 1950 – 53 Prof. mit Lehrstuhl u. Dir. des Inst. für Landw.-Planung der HfÖ Berlin; Okt. 1951 Ord. Mitgl. der DAL; 1951 – 54 Sekretar der Sekt. Agrarökonomik; 1954 – 61 Ltr. der Forschungsstelle bzw. Dir. des Inst. für Agrargeschichte; 1956 NP; 1962 em. Publ. zur internat. Agrarwirtschaft.Agrarwirtschaft u. -pol. im Kap., 2 Bde. Berlin 1955 u. 1959.Siegfried Kuntsche

Wer war wer in DDR

Röbelen, Gustav

* 3.4.1905 – ✝ 28.4.1967

Geb. in Bregenz/Bodensee (Österr.); Vater Eisenwarenhändler und Schlosser; 1911 – 19 Volksschule in Bregenz; 1919 – 21 Ausbildung zum Kfm. im Geschäft des Vaters; 1921 – 29 kfm. Angest. in Karlsruhe, Oppeln, Dresden, Weimar u. Bremerhaven; 1929 KPD Bremen; Straßenzellen-Pol.-Ltr., Stadtteil-Pol.-Ltr.; 1929 RGO, RH, IAH u. 1933 Kampfbund gegen Fasch.; 1933 Flucht nach Belgien wegen Sprengstoffdiebstahls u. Körperverletzung; 1933/34 Grenzarbeit für die KPD; 1934 verhaftet; Ltr. der Emigrantengr. für Flandern in Gent; 1936 – 39 Interbrigadist im span. Bürgerkrieg, Kapitän der span. Volksarmee, Teiln. an den Kämpfen um Madrid; Jan. 1937 Partisanenschule; ab Feb. 1937 zu den Partisanen, Kdr. einer Panzerspezialgr.; 1938 KP Spaniens; »besondere Arbeit« für das NKWD in mehreren europ. Ländern; Febr. 1939 in Frankreich; April 1939 in Moskau; 1939/40 Schlosser in Mytischtschi (b. Moskau); Jan. – Juni 1941 Parteischule des ZK der KPdSU(B) in Moskau (Puschkino), durch Kriegsausbruch abgebrochen; Mobilisierung als Offz. des NKWD; 1941 – 45 Offz. der Roten Armee; Sept. 1941 – Aug. 1943 nachrichtendienstl. Arbeit im Orient (Iran); 1943/44 Schulungsarbeit unter dt. Kriegsgefangenen; Sept. 1944 – Okt. 1945 Partisan in Belorußland u. Litauen (NKWD-»Spezialarbeiten«). März 1946 Rückkehr nach Dtl. (SBZ); April 1946 – April 1948 Dt. Kommission für Sequestierung u. Beschlagnahme, Ltr. der Abt. Allg. Verw. u. Personal, dort Kontrolle der Enteignungen von Kriegsverbrechern in Thür.; Mai – Aug. 1948 stellv. Ltr. des Amts für Verw. der DWK; 1948/49 Mitgl. der ZKSK, nach Konflikten mit  Fritz Lange, der die Anwendung »unzulässiger Verhörmethoden« durch R. ablehnte, abgelöst; Mai 1949 – Nov. 1956 Ltr. der HV zum Schutz der Volkswirtschaft bzw. ab 1950 der M-Abt. im ZK der SED (auch »Abt. 202 VW«) u. ab 1953 der neugeschaffenen Abt. für Sicherheitsfragen des ZK der SED; beteiligt am Aufbau von DVP, KVP, MfS u. NVA; 1949 – 56 Chefinspekteur, dann Gen.-Major der DVP; ab Herbst 1956 Ltr. der Abt. Patriot. Erziehung (»Dienststelle R.«, später Verw. 15) beim MfNV, zuständig für »Partisanenaktionen« in der Bundesrep. Dtl.; 1957 – 59 Oberst der NVA, Verw.-Ltr. im MfNV; 1959 – 64 Ltr. der Schulverw. im Min. für Verkehrswesen; März 1964 Ruhestand; 1965 VVO; gest. in Berlin.Fingerle, S.; Gieseke, J.: Partisanen des Kalten Krieges. Die Untergrundtruppe der Nat. Volksarmee 1957 – 1962 u. ihre Übernahme durch die Staatssicherheit. Berlin 1996; Auerbach, T.: Einsatzkommandos an der unsichtbaren Front. Die Sabotagevorber. des MfS gegen die Bundesrep. Berlin 1999; Horstmann, Th.: Logik der Willkür. Köln u. a. 2002.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Rodenberg, Hans Rudolph

* 2.10.1895 – ✝ 7.3.1978

Geb. in Lübbecke (Westf.); Vater Zigarrenmacher u. Kfm.; Volksschule, bis 1912 Gymnasium in Schwerte u. Berlin; Laienspieltätigkeit; 1912 – 14 Schauspielschule des Dt. Theaters Berlin u. Schule des Schauspielers Alexander Moissi; Bruch mit der Familie; 1914 Kriegsfreiw., Uffz.; 1918 Teiln. an Verbrüderungen an der Ostfront; Ausbildung zum Flugzeugbeobachter, Absturz; Sept. 1918 Artilleriemeßtruppausbildung in Köln; dort Nov. 1918 Mitgl. eines Arbeiter- u. Soldatenrats; 1919 in versch. Berufen in Berlin; Schüler des Regisseurs Karl-Heinz Martin in Hamburg; Sept. 1919 – 23 Schauspieler in Berlin; gleichz. Agitproparbeit; 1921 Annahme des Künstlernamens Rodenberg; 1923 – Juli 1926 Schauspieler u. ab 1925 Regisseur am Dt. Volkstheater in Wien; 1924 Regisseur von Kulturveranstaltungen der RH in Wien; Febr. 1926 KPÖ (»Hans Müller«); Herbst 1926 – Juli 1927 Oberspielltr. am Schauspielhaus in Zürich; Partei der Arbeit der Schweiz; Herbst 1927 – Juli 1930 Regisseur am Schauspielhaus in Köln; 1927 KPD; Ltr. der Agitproptruppe »Rote Blusen«; ab 1930 Schauspieler u. Regisseur in Berlin; 1931 Instrukteur u. dann bis 1932 Sekr. der RGO Film, Bühne, Musik; 1931/32 Ltr. der Jungen Volksbühne in Berlin; 1932 Mitgl. der Ges. der Freunde des Neuen Rußlands; Juni 1932 im Auftrag der KPD Übersiedl. nach Moskau; 1932 – 35 stellv. Dir. des Filmstudios Meshrabpom-Film, Produktionsltr.; Nov. 1932 Mitgl. des Präs. des IRTB; zeitweilig in der ČSR; 1935 – 38 Szenarist u. Konsultant beim Studio Mosfilm; dann bis 1941 freischaff. Schriftst. in Moskau, unter den Ps. »Curt Baumann«, »H. Berg«, »Rudolf Müller« u. »Hans Berliner« Beiträge für die Ztschr. »Das Wort« u. »Internat. Lit.«; 1936 – 49 sowj. Staatsbürgerschaft; am 26.3.1940 wurde ihm vom Plenum der dt. Sekt. des sowj. Schriftst.-Verb. wegen der ungenügenden Zahl der Veröff. die Mitgliedschaft verweigert; Anf. 1941 in der Sonderfahndungsliste »UdSSR« der Gestapo erf.; 22.6.1941 – Febr. 1948 Regisseur, Sprecher u. Autor der dt. Red. des Moskauer Rundfunks; Aug. 1941 Aufbau einer Ausweichstation des Moskauer Rundfunks in Swerdlowsk, 1942 nach Kuibyschew; 1944 – 48 nebenberufl. Übersetzer sowj. Lit.; Anf. 1945 Mitgl. einer Kommission der Moskauer KPD-Führung für Filmfragen. März 1948 Rückkehr nach Berlin; SED; 1948 Angest. bei der SMAD; 1948 – 50 Oberref. für Theaterwesen u. Regisseur im Haus der Kultur der Sowjetunion in Berlin; Mitgl. des Zentralvorst. der DSF; 1949 Korrespondent des »Neuen Dtl.« beim Prozeß gegen Traitscho Kostov in Bulgarien; Jan. 1950 Staatsbürgerschaft der DDR; NP; 1950 – 52 Intendant am »Theater der Freundschaft« in Berlin; 1950 – 54 Mitgl. der BL Berlin der SED; 1951 Mitgl. der Staatl. Kommission für Kunstangelegenh.; Nov. 1952 – 56 Hauptdir. des DEFA-Studios für Spielfilme; 1952 Mitgl. der DAK; Mitgl. des künstler.-wiss. Rats beim Min. für Kultur; stellv. Vors. des Förderaussch. u. Mitgl. des Präs. der Ges. für Kulturelle Verbindung mit dem Ausland; 1954 – 78 Mitgl. des ZK der SED; 1957 Mitgl. der Kulturkommission beim PB des ZK der SED; Ernst-Moritz-Arndt-Medaille; 1957 – 60 Dekan der dramaturg. Fak. an der Dt. HS für Filmkunst in Potsdam-Babelsberg, 1958 Prof. für Dramaturgie; Mitgl. des DSV; 1959 Vizepräs. der Ges. für kulturelle Verbindungen mit dem Ausland; 1960 Held der Arbeit; 1960 – 63 Stellv. des Min. für Kultur; 1960 – 76 Mitgl. des Staatsrats; seit 1963 Abg. der Volkskammer, 1965 stellv. Vors. des Aussch. für Kultur; KMO; Verdienstmedaille der DDR; 1966 Mitgl. des Präsidialrats des KB; NP; 1967 Mitgl. des Vorst. des Verb. der Film- u. Fernsehschaffenden der DDR, ab 1977 Ehrenmitgl. seines Präs.; 1969 Dr. phil. h. c. (HU Berlin); 1969 – 74 Vizepräs. DAK; 1970 Ehrenmitgl. des Verb. der Theaterschaffenden; VVO; 1976 Pensionierung; war verh. mit  Ilse R.; gest. in Berlin.Das Gewissen. Moskau 1939; Das große Vorbild und der soz. Realismus in der darstellenden Kunst, Film und Theater. Berlin 1952 (Vorträge mit H. Brandes); Protokoll eines Lebens. Berlin 1980; Briefe aus unruhigen Jahren. Berlin 1985. Leonhard, S.: Gestohlenes Leben. Frankfurt (Main) 1956; Müller, R.: Menschenfalle Moskau. Hamburg 2001.Peter Erler

Wer war wer in DDR

Rodrian, Fred

* 14.7.1926 – ✝ 25.5.1985

Geb. in Berlin; Vater Buchdrucker; Volksschule; Lehre als Reproduktionsfotograf; 1944/ 45 Wehrmacht u. Kriegsgefangenschaft. 1946 SPD/SED; FDJ; 1946 – 52 FDJ-Kulturfunktionär; Mitbegr. der FDJ in Berlin-Friedrichshain; 1952 Lehrgang für Mitarb. des Verlagswesens an der DVA; 1952 – 55 Lektor im Kinderbuchverlag Berlin, 1955 – 74 dort Cheflektor; ab 1975 Verlagsltr.; 1957/58 Lehrgang am Inst. für Lit. »Johannes R. Becher« Leipzig; seit 1958 erfolgr. Kinderbuchautor; 1970/ 71 Studium der Kulturpol. an der Parteischule »Hans Marchwitza«; 1963 Medaille für hervorragende Arbeit in der Pionierorg.; 1979 NP (im Koll.); langj. Mitgl. des Vorst. des Börsenvereins der Dt. Buchhändler; Korr. Mitgl. d. APW; 1984 VVO u. a. Auszeichnungen.Hirsch Heinrich. Berlin 1960; Wir haben keinen Löwen. Berlin 1969; Wir gehen mal zu Fridolin. Berlin 1971.Carsten Wurm

Handbuch Deutsche Kommunisten

Rogalla, Hans

* 1893 – ✝ 1938

Geboren 1893 in Recklinghausen, Sohn einer Arbeiterfamilie; seit 1919 Mitglied und Funktionär der KPD. Er war 1920 in Sprengstoffattentate verwickelt und nach der März-Aktion 1921 wegen angeblichen Mordes zum Tode verurteilt. Rogalla konnte 1921 in die Sowjetunion flüchten, wurde Mitglied der KPdSU und 1922 Beauftragter der Hungerhilfe in der Tatarischen ASSR. Anschließend Mitarbeiter im ZK der IAH in Moskau, Ende der zwanziger Jahre Bevollmächtigter der KPD für die Emigrantenbetreuung, zeitweise auch mit der Vertretung des RFB in Moskau beauftragt. Zuletzt Leiter des Moskauer Trustes für Schweinemast; am 27. August 1936 wurde Rogalla in Moskau vom NKWD verhaftet. Ihm wurde vorgeworfen, mit Josef Schneider und Paul Scholze bei Besuchen von Willi Leow in Moskauer Hotelzimmern Gespräche »trotzkistischen Inhalts« geführt zu haben. Am 10. Juli 1937 wegen »Teilnahme an einer faschistisch-trotzkistischen Gruppe und konterrevolutionärer Propaganda unter deutschen Emigranten« zunächst zu fünf Jahren Arbeitslager verurteilt, kam er in ein Lager bei Magadan. Hans Rogalla wurde dort im März 1938 erneut verhaftet und im Mai 1938 wegen »Sabotage« zum Tode verurteilt und erschossen.

Wer war wer in DDR

Rohde, Heinz

* 1.5.1909 – ✝ 21.11.1977

Geb. in Berlin-Schöneberg; Vater Friseur; Volksschule, Oberrealschule u. Realgymnasium; 1923 – 26 kaufm. Lehre; 1927 – 37 Verkäufer u. Vertreter; 1937 – 40 Inh. eines Eisenwarengeschäfts; 1940 / 41 Wehrmacht; 1941 – 45 sowj. Kriegsgef., Antifa-Lager, 1945 Frontbeauftragter des NKFD bei Berlin. 1945 Bürgermstr. in Georgenthal; 1946 KPD / SED; 1946 / 47 Betriebsltr.; 1947 – 49 Org.-Sekr., 1949 / 50 1. Sekr. des SED-KV Gotha; 1950 Lehrgang an der SED-PHS; 1951 / 52 Mitgl. des Sekr. der SED-LL Thür.; 1953 – 58 2. Sekr. der SED-BL Erfurt; anschl. Dir. der HO Industriewaren Erfurt; später Abt.-Ltr. Handel u. Versorgung, dann Ltr. der VdN-Bezirksgeschäftsstelle beim Rat des Bez. Erfurt.Mario Niemann

Wer war wer in DDR

Röhrer, Heinz

* 23.3.1905 – ✝ 13.6.1992

Geb. in Leipzig; Vater kfm. Angest.; Oberrealschule; 1924 – 28 veterinärmed. Studium an der Univ. Leipzig; tierärztl. Approbation u. Prom. zum Dr. med. vet.; 1928/29 wiss. Hilfsarb.; 1930 – 32 wiss. Assistent in der Schweinepestabt. der Staatl. Forschungsanstalt für Tierseuchen Insel Riems; 1932 – 35 an der Univ. Freiburg i. Br.; 1935 – 41 in staatl. Veterinär-Untersuchungsämtern tätig; 1941 Habil. an der Med. Fak. der Univ. Köln; 1942 Doz. für vergleichende Pathol.; 1942 Prof.; bis Sept. 1945 Abt.-Ltr. bzw. Dir. (ab 1944) der o. g. Forschungsanstalt Insel Riems. 1946 – 48 techn. Ltr. der Produktionsstätte Rottenau bzw. des ges. Asid-Serum-Werks Dessau; 1948 – 70 Präs. der o. g. Forschungsanstalt (ab 1952 Friedrich-Loeffler-Inst.) für Tierseuchen Insel Riems der DAL; 1951 CDU; ab 1954 Mitgl. des Hauptvorst.; 1954 – 63 Abg. der Volkskammer; 1951 NP; Ord. Mitgl. der DAL, 1957 – 69 Sekretar der Sekt. Veterinärmed.; 1950 Prof. mit Lehrauftrag, ab 1960 mit Lehrstuhl für Virol. an der EMAU Greifswald; 1954 NP; 1955 Ord. Mitgl. der DAW; 1956 VVO; ab 1959 Vors. des Arbeitskrs. Seren, Impfstoffe u. Organpräparate beim DDR-Forschungsrat; 1960 Dr. h. c. der KMU Leipzig u. 1965 der EMAU Greifswald; 1970 em. H. R. war maßgebl. beteiligt am Wiederaufbau der demontierten Forschungsanstalt Insel Riems, der Einführung einer internat. beispielgebenden obligator. Maul- u. Klauenseuche-Schutzimpfung sowie der Entw. der Kristallvioletvakzime gegen Schweinepest; Mitgl. u. Ehrenmitgl. zahlr. in- u. ausländ. wiss. Ges., u. a. der Weltvereinigung für Neurol. u. der Royal Society of Medicine London; Hrsg. des Archivs für Experiment. Veterinärmed. (ab 1950); etwa 100 Publ. zu experiment. Veterinärmed. u. Tierseuchenbekämpfung.Viruskrankheiten der landw. Nutztiere. Berlin 1953; Maul- u. Klauenseuche. Jena 1980 (mit A.-F. Olechowitz). Goerttler, V.: H. R. 60 Jahre. Archiv für experiment. Veterinärmed. Sonderheft 1965; Möhlmann: H. R. ebd. 1970.Siegfried Kuntsche

Handbuch Deutsche Kommunisten

Rokitta, Helene

* 30.10.1878

Geboren am 30. Oktober 1878 als Helene Brodmeyer, kam mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern 1894 nach Berlin; Hausgehilfin und Fabrikarbeiterin. Sie heiratete den Arbeiter Oskar Rokitta, war zunächst im »Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse«, ab 1908 in der SPD und 1917 in der USPD. Sie gehörte seit Februar 1919 zur USPD-Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung von Berlin, war Ende 1920 eine der vier weiblichen USPD-Stadtverordneten, die zur KPD wechselten, bis 1925 Abgeordnete der KPD. Seit 1924 Arbeitsvermittlerin beim Arbeitsamt, 1928 von der Reichsanstalt für Arbeit übernommen. Im Mai 1933 wurde sie fristlos entlassen und gleichzeitig wurden die Ruhegeldansprüche gestrichen, ihr blieb nur eine Rente aus früheren Tätigkeiten von monatlich 55,90 Reichsmark. Helene Rokitta unterstützte Familien von politischen Gefangenen und hatte Verbindung zu der von Rosa Lindemann geleiteten antifaschistischen Gruppe. Nach Kriegsende Mitglied der KPD/SED, die Anerkennung als Opfer des Faschismus (OdF) wurde ihr verweigert, da nach einer Stellungnahme des OdF-Bezirksausschusses Weißensee »... Ihre illegale Tätigkeit nicht die war, welche man gerade von Ihnen hätte erwarten können«. Weitere Daten zu Helene Rokitta konnten nicht ermittelt werden.

Wer war wer in DDR

Römer, Rolf

* 20.9.1935 – ✝ 15.3.2000

Geb. in Köthen (Anh.); nach der Schulausbildung Lehre als Baufacharbeiter; NVA; Schauspielstud. an der Dt. HS für Filmkunst in Potsdam-Babelsberg, Dipl.; 1960 – 63 Engagement am Stadttheater Senftenberg; gleichzeitig kleinere Rollen in DEFA-Filmen u. beim DDR-Fernsehen; 1963 – 70 freischaff.; erste größere Filmrolle in »Die Glatzkopfbande« (1963) unter der Regie von  Richard Groschopp als Mitgl. einer Jugendbande, die unter westl. Einfluß steht u. einen Zeltplatz an der Ostsee terrorisiert (wegen der Behandlg. des Themas Jugendkriminalität in der DDR wird der Film nur kurze Zeit gezeigt); zwei Filme, in denen R. mitwirkt, »Wenn du groß bist, lieber Adam« (1965) von  Egon Günther u. »Jahrgang 45« (1965) von  Jürgen Böttcher, werden nach dem 11. Plenum des ZK der SED verboten; Rollen in den DEFA-Indianerfilmen »Die Söhne der großen Bärin« (1966), »Chingachgook, die große Schlange« (1967) u. »Tecumseh« (1972), Hauptrollen in Komödien »Mit mir nicht, Madam!« (1968) u. »Hut ab, wenn du küßt« (1971); ab 1970 auch Regisseur, Darsteller u. Drehbuchautor in »He, Du!«, »Hostess« (1976), in denen seine Frau  Annekathrin Bürger die Hauptrollen spielt; 1976 Unterzeichn. der Protesterklärung prominenter Künstler gegen die Ausbürgerung  Wolf Biermanns, danach kaum noch beschäftigt; Auftritte mit A. Bürger in musikal.-literar. Programmen; Sprecher in Zeichen- u. Puppentrickfilmen; Regie u. Buch für den Teil der »Polizeiruf 110«-Reihe »Schuldig« (1978). Auch nach 1990 wenig beschäftigt; gemeinsam mit seiner Frau Engagement für soziale Projekte in Rußland; 1993 Regie beim Dok.-Film »Kinder vom Don« über das Schicksal von Waisenkindern in der Sowjetunion; 1999 in einer Nebenrolle der »Tatort«-Folge »Auf dem Kriegspfad«; gest. in Berlin.Ingrid Kirschey-Feix

Handbuch Deutsche Kommunisten

Roninger, Boris

* 1.8.1896

Geboren am 1. August 1896 in Odessa; übersiedelte nach dem Weltkrieg nach Deutschland und studierte zunächst in Berlin. Seit 1923 Mitglied der KPD, war in der sowjetischen Handelsvertretung beschäftigt. Als Boris einer der Theoretiker der Linken, wegen seiner Kritik an den Bolschewiki geriet er ins Kreuzfeuer der Komintern-Führung, vor allem Grigori Sinowjews. Roninger beteiligte sich 1924 an den theoretischen Debatten in der Zeitschrift »Die Internationale« (die von Karl Korsch geleitet wurde). Dabei wandte er sich gegen die »Bolschewisierung« der KPD und stützte sich auf die Theorie von Rosa Luxemburg. Deswegen auch von der Ruth-Fischer-Führung schon 1924 desavouiert, schloß sich 1925 den Ultralinken an und wurde auf dem X. Parteitag von Ruth Fischer ebenso wie sein Gesinnungsfreund Rolf Katz heftig als Anti-Bolschewist und von Arkadi Maslow als Menschewist angegriffen. Wie Rolf Katz schloß sich Boris Roninger der Opposition um Karl Korsch an, zog sich aber später aus der aktuellen Politik zurück. Er studierte in Leipzig, hat dort 1926 promoviert und ging später nach England, wo er eine Universitätsprofessur erhielt.

Wer war wer in DDR

Roscher, Ludwig

* 12.7.1905 – ✝ 26.8.1989

Geb. in Bertsdorf (Krs. Zittau); Vater Textilarb.; Volksschule; 1920 – 27 Lehre u. Arbeit als Stellmacher; 1927 – 45 Imprägnierer; 1932 KPD; 1937/38 Verhaftung wegen »Vorber. zum Hochverrat«, acht Mon. Gefängnis. 1945/46 KPD/SED; 1945 Einstellung bei der Polizei Bertsdorf; 1947 Krs.-Amt Zittau, zul. Ltr. der Schutzpolizei; 1949 Einstellung bei der Verw. zum Schutz der Volkswirtschaft Sachsen (ab Febr. 1950 Länderverw. Sachsen des MfS), Ltr. der Krs.-Dienststelle Zittau; 1952 Ltr. der BV Suhl; 1953 Oberst-Ltn.; 1954 1. stellv. Operativ des Ltr. der BV Karl-Marx-Stadt; 1959 stellv. Administrativ; 1965 Entlassung; 1985 VVO.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Röseberg, Ulrich

* 21.10.1943 – ✝ 24.3.1994

Geb. in Kamenz; Vater im Zweiten Weltkrieg gefallen, Mutter Krankenschwester; 1950 – 61 Schulbesuch in Kamenz; 1961 / 62 ABF Halle (Saale), Abitur; anschl. Rinderpfleger; 1962 SED; ab 1963 – 69 Studium der Physik an der Lomonossow-Univ. Moskau, Dipl. mit einer theoret. Arbeit zur statist. Physik; 1969 – 71 Aspirant (mit einjähriger Teilaspirantur in Moskau) am Lehrstuhl für philosoph. Probleme der Naturwiss. (Ltr.  Hermann Ley) der HU Berlin, dort 1972 Prom. bei  Herbert Hörz zu philosoph. Aspekten der Evolution physikal. Bewegungsauffassungen; 1971 / 72 Mitarb. im Min. für Wiss. u. Technik; 1972 Arbeitsgruppenltr. im neu gegr. Bereich Philosoph. Fragen der Wissenschaftsentw. (Ltg. H. Hörz) am ZI für Philos. der AdW, dort 1988 – 91 Ltr. des Fachbereichs Wissenschaftsphilos.; 1981 Prom. B mit der Arbeit »Unbestimmtheit – Komplementarität – Widerspruch. Nichtrelativist. Quantenmechanik u. philosoph. Widerspruchsproblematik« an der AdW, Dr. sc.; 1984 Prof. der AdW; 1987 – 89 1. Sekr. der SED-GO-Ltg. am ZI für Philos.; 1990 Korr. Mitgl. der AdW. Ab 1992 Mitarb. des Forschungsschwerpunkts Wissenschaftsgesch. u. -theorie der Max-Planck-Gesell. in Berlin; 1991 / 92 Fellow am Center for Philosophy of Science in Pittsburgh (USA); gest. in Berlin. Anerkannter Wissenschaftsphilosoph, der auch die angelsächs. Ansätze der History and Philosophy of Science rezipierte u. so mit seinen Publ., insb. der Bohr-Biogr. u. der Studie zur Quantenrev., internat. Reputation erfuhr; gehörte 1980 / 81 in der Affäre um Peter Ruben zu den Wortführern der dogmat. Parteilinie u. trug als Mitverfasser entsprechender Analysen u. Vors. der Kommission, die über den SED-Ausschluß von Ruben u. anderer Institutsmitarbeiter befand, maßgebl. zur fachl. u. polit. Diskriminierung der philosoph. Ansichten Rubens u. ihrer Anhänger bei; seit den 1970er Jahren bis 1989 als IM »Aspirant« des MfS erf.Determinismus u. Physik. Berlin 1975; Quantenmechanik u. Philos. Berlin 1978; Philos. u. Physik. Leipzig 1982; Szenarium einer Revolution. Berlin 1984; Niels Bohr. Berlin 1985. Erpenbeck, J.: Verantwortung u. Dialektik. Zu Werk u. Wirken des Berliner Wissenschaftsphilosophen u.-historikers U. R. In: Dialektik (1994) 3; Eckert, R.: Die Westbeziehungen der Historiker im Auge der Staatssicherheit. In: Iggers, G. G. u. a. (Hrsg.): Die DDR-Geschichtswiss. als Forschungsproblem. München 1998.Dieter Hoffmann / Hans-Christoph Rauh

Handbuch Deutsche Kommunisten

Ritter, Jakob

* 26.6.1886 – ✝ 11.10.1951

Geboren am 26. Juni 1886 in Mannheim, Sohn eines Stadtarbeiters; lernte Hechler (ein fast ausgestorbener Beruf in der Textil-Flachs-Industrie). Er gehörte zu den Mitbegründern der Arbeiterjugendbewegung in Mannheim und war seit 1905 Mitglied der SPD. 1908 von seiner Firma als Werkmeister nach Dresden geschickt, kehrte 1911 nach Mannheim zurück, da er die Stellung eines Werkmeisters für unvereinbar hielt mit seiner sozialistischen Ansicht. In der Folge war er als Metallarbeiter beschäftigt und im Krieg kurze Zeit Soldat. 1917 trat Ritter der USPD bei und kam mit deren linkem Flügel 1920 zur KPD. 1921 zog er als Abgeordneter in den Badischen Landtag ein, dem er bis 1929 angehörte, seit 1921 hauptamtlicher Sekretär der KPD. Der VII. Jenaer Parteitag 1921 und der VIII. Leipziger Parteitag 1923 beriefen ihn als Mitglied in den ZA. Anhänger des linken Parteiflügels, wurde 1924 Orgleiter des Bezirks Baden. Nach dem »Offenen Brief« 1925 stand die Leitung des Bezirks Baden unter Georg Kenzler, Ritter war zwar nicht offiziell bei der linken Opposition, neigte dieser aber zu. Anfang 1927, als die Linken in anderen Bezirken bereits ausgeschaltet waren, kam es in Baden zu Debatten zwischen dem ZK und der linken Opposition, Ritter war neben Kenzler deren führender Sprecher. Deshalb im März 1927 als Orgleiter abgesetzt und am 29. Juli 1927 aus der KPD ausgeschlossen, behielt Ritter jedoch sein Mandat im Landtag. Er trat dem Leninbund bei, dessen Führung er als Sekretär in Baden übernahm, einem der wichtigsten Stützpunkte des Bundes. 1932 wechselte Ritter zur SAP, wurde 1934 verhaftet und wegen Weiterführung der illegalen SAP zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt, kam anschließend ins KZ Dachau, wo er bis 1942 inhaftiert blieb. Da er 1942 als Zeuge in einem Prozeß vernommen werden sollte, ins Zuchthaus Bruchsal überführt. Hier erkannte ihn ein Oberaufseher (ehemaliges Zentrumsmitglied), der vor 1933 mit Ritter im Landtagsausschuß zusammengearbeitet hatte. Mit dessen Unterstützung konnte der bereits kranke Gefangene Ritter transportunfähig geschrieben und freigelassen werden. Er mußte sich täglich bei der Polizei melden und sollte im Juli 1944 erneut festgenommen werden, da er aber von seiner Firma in die Nähe Bingens versetzt worden war, konnte er sich vor der Gestapo verbergen. Nach Kriegsende gehörte Ritter zu den Mitbegründern der KPD in Mannheim. Er wurde Orgleiter der KPD in Baden und kam bei der ersten Wahl im November 1946 als Abgeordneter in den Landtag von Württemberg-Baden. Ritter beharrte auf seiner alten oppositionellen Einstellung und legte aus Protest gegen die Politik der KPD am 19. August 1947 sein Landtagsmandat nieder und trat als Orgleiter zurück. Am 18. Mai 1948 wurde er zum Beigeordneten (Bürgermeister) der Stadt Mannheim gewählt. Er blieb Mitglied der KPD, übte aber keine Parteifunktion aus und stand im Widerspruch zur Parteilinie. Als überzeugter Marxist und integrer Arbeitervertreter verurteilte er die Praxis der SED in der DDR. Nach längerer Krankheit starb Jakob Ritter unerwartet am 11. Oktober 1951. Sein Sohn, Jakob Ritter (*1914 – †1991), war jahrelang in der Mannheimer SPD aktiv.

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Robens, Christian

* 28.9.1895 – ✝ 1944

Geboren am 28. September 1895 in Stollberg/ Aachen; Maschinenführer. 1918 Mitglied der USPD, 1920 Mitbegründer der KPD in Schmiedeberg/Riesengebirge, ab 1925 UB-Sekretär in Grünberg/Schlesien. Er kam 1928 nach Breslau ins Sekretariat der von Rechten gesäuberten BL Schlesien unter Ernst Wollweber. 1930/31 Kursant an einem Lehrgang der M-Schule der Komintern in Moskau, nach Rückkehr 1931 Leiter des AM-Apparates der KPD-BL Schlesien. Nach 1933 leistete er illegale Arbeit in Schlesien u. a. unter dem Decknamen Max, dann Emigration in die âSR. Später in Spanien Angehöriger der XI. Internationalen Brigade. 1939 in Frankreich interniert, danach in der Résistance, Kämpfer in der Maquis-Gruppe »Bir Hakeim« und Mitglied der Bewegung Freies Deutschland. Robens geriet im Mai 1944 gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin und zweiten Frau Hedwig, geborene Tegge (*9.11.1896 in Roßlau), in die Hände der Gestapo und wurde ermordet. Hedwig Rahmel-Robens, Arbeiterin, seit in 1919 der KPD. 1935 Emigration in die âSR, die Sowjetunion, dann nach Frankreich und Spanien, dort Krankenschwester in Lazaretten der Internationalen Brigaden. Später in Frankreich in der Résistance aktiv. Kuriertätigkeit zwischen einer deutschen Partisaneneinheit in den Cévennen und der Leitung in Lyon. Christian und Hedwig Robens wurden von der französischen Polizei verhaftet und im Gestapogefängnis in Alés/Lozere ermordet, ihre Leichname in einen Bergwerksschacht bei Puit de Célas geworfen. Nach der Befreiung wurden sie zusammen mit weiteren 80 Opfern geborgen und von der Bevölkerung auf dem Friedhof Alés in den Cévennen beigesetzt.

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Rodenberg, Hans Rudolph

* 2.10.1895 – ✝ 7.3.1978

Geboren am 2. Oktober 1895 in Lübecke/ Westfalen als Hans Rudolph Rosenberg. Der Sohn eines jüdischen Kaufmanns studierte von 1912 bis 1914 an der Theaterschule des Deutschen Theaters in Berlin. Soldat im Ersten Weltkrieg, 1918 Mitglied des Arbeiter- und Soldatenrates in Köln, anschließend Schauspieler und Regisseur u. a. in Hamburg, Wien und Berlin. 1926 Mitglied der KPÖ, später der KPD. 1931 Sekretär der Sparte Film-Bühne-Musik in der RGO und Mitglied der RGO-Reichsleitung. 1932 Übersiedlung in die Sowjetunion, bis 1935 Produktionsleiter von Meshrabpom-Film, von 1935 bis 1941 freier Schriftsteller, dann Redakteur und Sprecher von Radio Moskau. Susanne Leonhard berichtete in ihren Erinnerungen »Gestohlenes Leben« über Rodenbergs Rolle als NKWD-Spitzel. Wie viele andere deutsche Emigranten war er vom NKWD als geheimer Informant (Seksoti) verpflichtet worden und denunzierte seine Genossen. Er kehrte 1948 nach Deutschland zurück. 1949 Gründer, bis 1952 Intendant des »Theaters der Freundschaft« in Ost-Berlin, dort ab 1952 Mitglied der AdK. Von 1960 bis 1973 Mitglied des DDR-Staatsrates, von 1960 bis 1963 auch Stellvertreter des Ministers für Kultur und von 1954 bis 1978 Mitglied des ZK der SED. Hans Rodenberg starb am 7.März 1978 in Ost-Berlin.Peter Erler

Wer war wer in DDR

Roehricht, Karl Hermann

* 12.10.1928

Geb. in Leipzig; Vater Konditor, Mutter Metallarbeiterin. Lehre als Versicherungskfm., anschl. Bauhilfsarbeiter, Tischler, Sekretär, Marionettenspieler, Gebrauchswerber; 1951 – 55 Studium an der Kunstakad. Berlin-Charlottenburg, Meisterschüler bei Prof. E. Schumacher; Reisen nach Venedig, Insel Stromboli, Frankreich, Spanien. Studium an der Akad. der Schönen Künste zu Palermo; Heirat mit Leonie R.; 1958/59 Mitbegr. d. realistischen Malergruppe »Figura«, schriftstellerische Versuche; 1960/61 Übersiedlung in die DDR, freiberufl. in Leipzig, Berlin, Losssow; 1962 – 1977 in Freienbrink (b. Berlin) wohnhaft, anschließend bei Groß Poserin und Karow; 1979 erhielt er den Kunstpreis der DDR; als sich jedoch »die Dinge im Haus bewegten, Briefe u. Telegramme den Adressaten nicht erreichten, Bremsleitungen durchgeschnitten, Särge ins Haus geschickt und Malaufträge vereitelt wurden, Theaterzuschauer verschwanden u. Freunde sich zurückzogen«, beantragte R. 1984 die Entlassung seiner Familie aus der Staatsbürgerschaft der DDR; lebte anschließend in Burgkirchen a. d. Alz, seit 1998 in Berlin-Spandau. Als Maler hatte R. in der DDR 19 Einzelausstellungen. Seine Arbeiten befinden sich u. a. im Besitz der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, der Galerie Neue Meister Dresden, der Staatlichen Kunstsammlungen zu Weimar, des Staatlichen Museums Schwerin, des Angermuseums Erfurt.R. hatte in der DDR 12 Bücher u. Texte für Theater, Hörfunk und Fernsehen geschrieben, u. a.: Meine Privatgalerie – Monologe. 1975; Friedas letzter Vormittag oder Der Tod einer Kleinbürgerin. 1975; Aus Weinlaub eine Krone. Balladen, Kantaten und Lieder. 1975; Paddelruss – ein Bilderbuch. 1976; Jahrmarkt. 1976; Feldblumen in Biedermeiervase. Geschichten. 1977; Acht bunte Blätter. Farbreproduktionen von Gemälden. 1977; Vorstadtkindheit. Roman 1979; Großstadtmittag. Roman 1980; Weinstock und Kletterrose. Lieder u. Balladen. 1980; Die unzufriedenen Wörter u. andere Märchen. 1980; Waldsommerjahre. Roman 1981; Die verlorenen Eltern. Leipzig 1936, Bilder einer Kindheit aus der Zeit des Faschismus. 1982; Erziehung eines Diebes. Geschichten. 1983; Geleitwort zu Max Liebermann: Die Phantasie in der Malerei. Schriften u. Reden. 1986; Innenansichten aus der DDR. 1991; Sachsen. 1995 (zus. mit W. Richter). Die Freuden des Malers Karl Hermann Roehricht. Ausstellungskatalog. 1973; Eva Strittmatter: Korresp. mit R. In: Neue dt. Lit. (1976) 11.Siegmar Faust

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Rogg, Ulrich

* 5.7.1888 – ✝ 26.4.1934

Geboren am 5. Juli 1888 in Winterrieden/Bayern; Bäckerlehre. Vor dem Weltkrieg übersiedelte er ins Ruhrgebiet und arbeitete in der Konsum-Bäckerei Duisburg. Rogg war Mitglied der SPD, ab 1917 führte er den Vorsitz im Duisburger USPD-Ortsverein und gehörte der Spartakusgruppe an. Während der Novemberrevolution stand er an der Spitze des Arbeiter- und Soldatenrates Duisburg und nahm im Dezember 1918 als Delegierter am 1. Reichsrätekongreß und am Gründungsparteitag der KPD in Berlin teil. Am 12. Januar 1919 beschloß die USPD-Kreiskonferenz für die Wahlkreise Duisburg, Mülheim und Oberhausen den Übertritt zur KPD. Im Februar 1919 wurde Rogg in die Duisburger Stadtverordnetenversammlung gewählt. Vom V. und VI. Parteitag 1920 für den Bezirk Östliches Westfalen in den ZA der KPD berufen, im Februar 1921 kam er für den Wahlkreis Westfalen-Nord in den Preußischen Landtag, dem er bis 1924 angehörte. 1922 hauptamtlicher Parteisekretär der KPD in Bielefeld, 1922/23 Parteisekretär in Wittenberg. Der VIII. Parteitag 1923 in Leipzig wählte Rogg als Vertreter Halle-Merseburgs erneut in den ZA. Im Mai 1924 Kandidat für die Reichstagswahlen (nicht gewählt). 1924 Sekretär für Gewerkschaften der BL Nord- bzw. Südbayern und erneut Mitglied im ZA. Nach Aufhebung seiner Immunität flüchtete Rogg in die UdSSR, von dort kehrte er bereits 1925 zurück und wurde auf Veranlassung des Freistaates Bayern am 24. Juni 1926 verhaftet. Danach hatte er in der KPD keine wichtige Funktion mehr. Er kam Anfang der dreißiger Jahre als hauptamtlicher Funktionär der KPD nach Leipzig, wo ihn die Gestapo am 30. November 1933 verhaftete und zunächst in das Polizeigefängnis Leipzig und anschließend in das KZ Sachsenburg einlieferte. Wegen Krankheit aus dem KZ Burg Hohnstein in Sachsen »beurlaubt«, starb Ulrich Rogg am 26.April 1934 im Krankenhaus in Pirna.

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Rohloff, Günter

* 30.4.1929

Geb. in Stettin (Szczecin, Polen); Vater Landarb.; 1936 – 44 Volksschule; 1944 Handelsschule u. Osteinsatz. 1945 / 46 Hofarbeiter; SPD / SED; 1946 Angest. des Kreiswohnungsamts Greifswald; 1946 – 48 Wirtschaftsschule, Abschluß der mittl. Reife; anschl. Besuch der Landesgewerkschaftsschule Mecklenb. in Schwerin-Mueß; 1949 / 50 Ortssekr. des FDGB in Gützkow (Krs. Greifswald); 1950 Arbeiter in der Leitwerkstatt der MAS in Greifswald; 1950 –53 Instrukteur u. Ltr. der Abt. Agit. u. Prop. der SED-KL Greifswald; 1953 Lehrgang an der SED-BPS in Greifswald; 1954 – 56 2. Sekr., 1956 / 57 1. Sekr. der KL Wismar-Stadt; 1957 – 60 1. Sekr. der SED-KL Wismar; 1960 / 61 2. Sekr. der SED-BL Rostock; Juni 1961 nach Konflikten mit dem 1. Sekr.  Karl Mewis Entbindung von der Funktion wg. »parteischädigenden Verhaltens«; 1963 / 64 Hafenumschlagsarb.; 1964 Ökonom in der VVB Fischkombinat Rostock; 1964 – 69 Fernstudium der Handelsökon. an der Handelsschule Dresden mit FS-Abschluß; 1965 Niederlassungsltr. des Großhandels Fisch u. Fischwaren Rostock; 1965 – 67 Kader-Ltr. im VEB Kohlehandel Rostock; 1967 / 68 Handelsltr. im VEB Kohlehandel Neubrandenb.; 1969 – 89 Dir. des Altstoffhandels bzw. des VEB Kombinat Sekundär-Rohstofferfassung für den Bez. Rostock; seit 1990 parteilos.Mario Niemann

Wer war wer in DDR

Röhrer, Rudolf

* 7.1.1930 – ✝ 3.3.2012

Geb. in Gräfenroda (Krs. Arnstadt); Vater Arbeiter; Volks- u. Mittelschule; 1946 – 49 Verwaltungslehre; 1947 SED; 1949 – 54 Volontär, Red. u. Redaktionssekr. bei der Ztg. »Das Volk« in Erfurt; 1956 – 59 Chefred. von »Zeit im Bild«; 1953 – 59 Fernstudium der Journalistik an der KMU Leipzig, Dipl.-Journalist; 1959 – 62 Studium an der SED-PHS, Dipl.-Gesellschaftswiss.; 1962 Redaktionssekr. bei der Frauenzeitschrift »Für Dich«; 1965 – 67 Chefred. der NBI (Nachf. von  Hans Otten); 1967 stellv. Chefred. bzw. 1. Stellv. des Chefred. sowie 1978 – 89 Chefred. des SED-Bezirksorgans »Leipziger Volkszeitung« (Nachf. von  Werner Stiehler); 1979 – 89 Mitgl. der SED-BL Leipzig; Mitgl. des VDJ-ZV. Gest. in Leipzig.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Rölle, Peter

* 25.2.1964

Geb. in Berlin; Vater KfZ-Schlosser, Mutter Sachbearbeiterin; 1971 – 81 16. OS Berlin-Lichtenberg; Ausbildung zum BMSR-Mechaniker im Glühlampenkombinat NARVA, dort bis 1994 beschäftigt; ab 1982 engagiert im Friedenskreis der Samariterkirche in Berlin Friedrichshain, zus. mit  Ralf Hirsch u. Rainer Dietrich (IM »Cindy«) in dessen Untergruppe »Frieden stiften«, hier erste Beschäftigung mit Menschenrechtsfragen, öff. Aktionen wie Protestbriefe, eine Ausstellung u. ein »Zivilverteidigungsbunker« in der Samariterkirche, in dem ein Atomalarm simuliert wurde; vom MfS erfaßt im OV / OPK »Wolle«; Mitinitiator eines Briefs zum Jahr der Jugend 1985; 1985 Mitgl. der Vorbereitungsgruppe des von der Kirchenltg. abgesagten Menschenrechtsseminars in der Bekenntnisgemeinde Berlin-Treptow, 1986 Mitbegr. der IFM; 24.4. 1987 Festnahme bei dem Versuch, gemeinsam mit 16 anderen Oppositionellen, darunter Ralf Hirsch,  Peter Grimm u.  Bärbel Bohley mit der Interflug nach Prag zu fliegen – einer Protestaktion gegen das Auslandsreiseverbot für Aktivisten oppositioneller Gruppen; Mithrsg. u. Red. der Untergrundztschr. »Grenzfall«; 1987 Teiln. der Mahnwache an der Zionskirche anläßl. der Festnahme von Aktivisten der Berliner Umweltbibliothek, Anf. Okt. 1989 Teiln. der Mahnwache an der Berliner Gethsemanekirche zur Unterstützung polit. Gefangener. Seit 1994 selbständig tätig im Messebau; lebt in Berlin.Christian Halbrock; Jg. 1963; ab 1993 Studium der Neueren/Neuesten Geschichte, Mittelalterlichen Geschichte und Europäischen Ethnologie an der HU Berlin, 2003 Promotion; seitdem wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Bildung und Forschung bei der BStU in Berlin.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Römer, Josef (Beppo)

* 17.11.1892 – ✝ 20.7.1944

(* 1892 – † 1944) Geboren am 17. November 1892 in München, Sohn eines Lehrers; Gymnasium, 1911 Abitur, ab 1911 Fahnenjunker, im Weltkrieg Hauptmann. Er schied Anfang 1919 aus der Armee aus, studierte in München Rechts- und Staatswissenschaften, 1922 Promotion zum Dr. jur. Als Führer des Freikorps Oberland war er an der Niederschlagung der Münchner Räterepublik, an den Ruhrkämpfen 1920 und 1921 beim Sturm auf den Annaberg in den deutsch-polnischen Abstimmungskämpfen beteiligt. In nationalistischen Kreisen hatte Römer einen legendären Ruf. Über einen Schulfreund bestanden seit 1921 Kontakte zu den Kommunisten und seit dem »Ruhrkampf« 1923 auch zum KPD-Nachrichtendienst. Im Mai 1932 wurde er Schriftleiter des »Aufbruchs« und arbeitete u. a. eng mit Theodor Bottländer und Hans Kippenberger zusammen. Sein Auftrag war es, mit der Zeitschrift »Aufbruch« im Sinne des Leutnants a. D. Richard Scheringer ab 1931 Mitglieder und Sympathisanten der NSDAP für die KPD zu gewinnen. Im Frühjahr 1933 wurde Römer verhaftet, im Mai entlassen und dann erneut im Juni 1934 festgenommen, er saß bis 1939 in KZs, zuletzt Dachau. Nach seiner Freilassung hatte er Verbindungen zu Widerstandskämpfern aus dem Umfeld des 20. Juli 1944 und zu kommunistischen Widerstandsgruppen in Berlin, u. a. zu Robert Uhrig und Wilhelm Knöchel. Josef Römer wurde am 4. Februar 1942 erneut festgenommen, am 19. Juni 1944 vom VGH zum Tode verurteilt und am 25. September 1944 in Berlin-Plötzensee hingerichtet. Gemeinsam mit Hans Coppi hat die Tochter von Josef Römer, Susanne Römer, 2001 eine Dokumentation der Zeitschrift »Aufbruch« herausgegeben.

Wer war wer in DDR

Röpke, Gerd

* 10.8.1941

Geb. in Quedlinburg; Vater Arzt; 1959 Abitur; 1959 – 64 Studium der Physik in Leipzig; dort 1964 Aspirantur; 1966 Prom. mit Arbeiten zur Feldtheorie; 1966 – 72 Oberassistent; 1973 Habil. an der TU Dresden mit Untersuchungen zum Festkörpermagnetismus; seit 1977 Doz., 1986 a. o. Prof. u. 1990 ord. Prof. für Theoret. Physik an der Univ. Rostock; Herbst 1989 Engagement in der Bürgerbew., u. a. Mitarb. im Unabh. Untersuchungsaussch. zur Auflösung des MfS in Rostock; 1990 Wahl zum Vors. der Physikal. Ges. der DDR (Nachf. von  Joachim Auth) u. maßgebl. an der im Nov. 1990 vollzogenen Wiedervereinigung der beiden Physikal. Ges. in Dtl. beteiligt. 1990 – 94 Mitgl. des Wissenschaftsrats; 1991 ausw. wiss. Mitgl. des Max-Planck-Inst. für Kernphysik Heidelberg u. bis 1996 Ltr. einer Arbeitsgr. der Max-Planck-Gesell.; 1991 – 96 Dekan der Math.-Naturwiss. Fak. der Univ. Rostock; 1994 – 97 stellv. Dir. des Inst. für Theoret. Physik des Inst. für Kernphysik in Dubna; 1999 Verdienstorden der Bundesrep. Dtl.; 2000 Korr. Mitgl. der Sächs. AdW; Mithrsg. der Annalen der Physik; 2009 em.; lebt in Rostock. Forschungen zur Quantenstatistik u. Vielteilchensystemen.Statistische Mechanik für das Gleichgewicht. Berlin 1987; Aggregation phenomena in complex systems. Weinheim 1999.Dieter Hoffmann

Wer war wer in DDR

Roscher, Paul

* 17.9.1913 – ✝ 24.8.1993

Geb. in Pockau (Krs. Marienberg); Vater KPD-Funktionär Max R.; Volksschule; Ausb. zum Maschinenschlosser; 1928 KJVD u. DMV; 1932 KPD; 1933 illeg. Arbeit, verhaftet u. verurteilt zu 30 Mon. Zuchthaus; Haft im KZ-Moorlager in Emsland; Wehrmacht, Strafbat. 999; franz. Kriegsgefangenschaft. 1947 in die SBZ; SED; Sekr. der SED-KL Marienberg; 1949 – 52 Abt.-Ltr. in der SED-Landesltg. Sachsen; 1952 – 54 Sekr. der SED-BL Leipzig; 1954/55 Studium an der PHS; 1955 Sekr., 1958/59 2. Sekr. der SED-BL Erfurt; 1958 – 62 Sekr. der SED-BL Erfurt für Landw. (Nachf. von Fritz Müller); 1959 – 63 1. Sekr. der SED-BL Gera (Nachf. von  Heinz Glaser); 1963 – 76 1. Sekr. der SED-BL Karl-Marx-Stadt (Nachf. von  Rolf Weihs); 1963 – 89 Mitgl. des ZK der SED; 1963 – 81 Mitgl. der Volkskammer; 1969 VVO; KMO; 1983 Stern der Völkerfreundschaft.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Rösel, Fritz

* 25.3.1926 – ✝ 9.7.2003

Geb. in Heidenau (b. Dresden); Vater Arbeiter; Volksschule; 1940 – 42 Ausbildung zum Schuhfacharbeiter, bis 1947 in diesem Beruf tätig; 1945/46 KPD/SED u. FDGB; 1945 – 47 Jugendbetriebsrat, 1947/48 Jugendsekr. beim Landesvorst. Sachsen der IG Leder; 1949 – 51 Mitarb. u. Sekr. beim Zentralvorst. der IG Textil-Bekleidung-Leder; 1952 – 56 Studium am IfG, Dipl.-Ges.-Wiss.; 1960 Prom. zum Dr. rer. oec.; 1956 – 59 Mitarb. im Bundesvorst. des FDGB u. Ltr. der Abt. Schulung bzw. Agit. u. Prop.; 1959 – 62 stellv. Vors. des Zentralvorst. der IG Textil-Bekleidung-Leder; Febr. 1962 – Dez. 1989 Mitgl. des Bundesvorst. des FDGB, seines Präs. u. Sekr., zuständig für Sozialversicherung, Feriendienst, Arbeiterversorgung; Publ. zu Sozialpol. u. Arbeitsrecht; 1967 – 89 Abg. der Volkskammer, Vors. des Aussch. für Arbeit u. Sozialpol. (Nachf. von  Rudolf Kirchner); 29.11.1989 Mitgl. des Arbeitssekr. des FDGB-Bundesvorst., 9.12.1989 mit dem Bundesvorst. zurückgetreten; gest. in Berlin.Wie arbeiten wir mit dem WLK? Berlin 1962; Was gehen mich die Preise an? Zur zweiten Etappe der Industriereform. Berlin 1965; Zu einigen Fragen der weiteren Durchsetzung der Sozialpol. der Gewerkschaften. Bernau 1973.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Rittner, Horst

* 16.7.1930

Geb. in Breslau (Wrocław, Polen); begann 1949 mit Fernschach; gelernter Bankkfm.; ab 1954 hauptberufl. im Schachsport; 1954 – 61 Geschäftsf. der Sektion Schach bzw. Generalsekr. des DDR-Schachverb.; 1961 – 66 Trainer beim TSC Oberschöneweide (später Mitgl. von ADW Berlin); 1961 Internat. Großmstr. im Fernschach; 1966 Sieger des Ragosin-Gedenkturniers; 1975 WM (Sieger der 6. Fernschach-WM 1971 – 75); erfüllte zehnmal die Großmstr.-Norm der Internat. Fernschach-Föderation (ICCF) – ein Rekord; dreimal Teiln. der DDR-Meisterschaft im Nahschach; 1995 Bronze bei der Fernschach-WM mit der DDR-Mannschaft (letzte Sportmedaille für die DDR); 1966 – 91 Chefred. der Ztschr. »Schach«; langj. Autor der DFF-Schachsendung (u. a. Fernpartien von Zuschauern gegen die Weltmeister Keres u. Petrosjan), der »Schach-Ecke« im »Dt. Sport-Echo« u. der »Tribüne«; 1960 – 91 ICCF-Vizepräs. u. Vors. der Qualifikationskommission; ICCF-Ehrenmitgl.; lebt in Berlin.Volker Kluge

Handbuch Deutsche Kommunisten

Rochler, Erich

* 22.6.1896 – ✝ 20.9.1984

Geboren am 22. Juni 1896 in Berlin, Sohn einer Arbeiterfamilie; wurde Rohrleger. 1914 trat er in die SPD ein und war von 1915 bis 1918 Soldat im Weltkrieg. 1917 Mitglied der USPD, 1920 der KPD. Rochler arbeitete bis 1929 als Rohrleger in Berlin, von 1929 bis Anfang 1933 Landesleiter der Kampfgemeinschaft für rote Sporteinheit Berlin-Brandenburg und Mitglied der Reichsleitung. Am 5. März 1933 wurde er im Wahlkreis Potsdam in den Preußischen Landtag gewählt, konnte das Mandat aber wegen der drohenden Verhaftung nicht ausüben und lebte illegal. Am 12.Oktober 1933 verhaftet, verurteilte ihn der VGH am 6. Dezember 1934 zu zwei Jahren Zuchthaus, die er in Luckau verbüßte. Anfang November 1935 entlassen, wieder Rohrleger; knüpfte Kontakte zur Widerstandsgruppe um Werner Seelenbinder und wurde am 4.Februar 1942 erneut verhaftet. Nach Kriegsende begann Rochler als Referent am Kammergericht Berlin und wurde dort Vorsitzender des Betriebsrates. Von Oktober 1950 bis 1953 Abteilungsleiter in der SED-Landesleitung, dann Personalchef des VEB Schering, später VEB Berlin-Chemie. Außerdem von 1952 bis 1954 Präsident der Sektion Ringen im Deutschen Sportausschuß und ab 1957 Mitglied des DTSB-Bundesvorstandes der DDR, er erhielt 1976 den VVO in Gold. Erich Rochler starb am 20. September 1984.

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Rodenberg, Ilse (urspr. Weintraud-Rinka)

* 3.11.1906 – ✝ 5.1.2006

Geb. in Düsseldorf; Mutter Verkäuferin, Heimarbeiterin, Vater Arbeiter; Mittelschule, Lyzeum; 1921/22 Ausbildung zur Stenotypistin an der Handelsschule in Düsseldorf; 1925 – 38 Stenotypistin u. Sekr. in Hamburg; 1926 – 28 Ausbildung zur u. 1929 – 33 Arbeit als Schauspielerin in Hamburg; 1931 – 33 Mitgl. u. Ltr. der Schauspielertruppe »Koll. Hamburg«; 1931 – 33 KPD u. RGO; 1933 illeg. pol. Arbeit; März 1933 u. 1933/34 U-Haft u. KZ wegen Herstellung antifa. Publ.; 1943/44 zum Kriegseinsatz in der Heimmütterschule in Oberbach (Rhön) zwangsverpfl. 1945 KPD; 1945 – 48 Theaterarbeit in Hamburg, Ltr. u. Schauspielerin des pol.-satir. Kabaretts »Laternenanzünder«; 1948 Übersiedl. in die SBZ; Mitbegr. der NDP Ludwigs- lust (im SED-Auftrag); 1948 – 50 Intendantin in Ludwigslust u. am Mecklenb. Landestheater in Neustrelitz; 1950 – 54 Mitgl. des DFD-BV; 1950 – März 1990 Abg. der Volkskammer, NDPD-Fraktion; 1950 – 58 Mitgl. des Gnadenaussch.; 1950 – 58 Intendantin des Hans-Otto-Theaters Potsdam; 1959 – 74 Intendantin des Theaters der Freundschaft Berlin (Nachf. von Josef Stauder); ab 1963 Mitgl. des Präs. des PV der NDPD u. des Präsidialrats des KB; 1967 – 82 Vors. der PKK der NDPD (Nachf. von  Jonny Löhr); ab 1964 Mitgl. des Komitees der Antifasch. Widerstandskämpfer; 1966 Mitbegr. des Verb. der Theaterschaffenden, Mitgl. des Präs., dann Ehrenpräs.; 1966 NP; 1971 VVO; ab 1974 Dir. des DDR-Büros für internat. Fragen des Kinder- u. Jugendtheaters in der DDR; 1974 – 90 Präsidentin der Association Internationale des Theatres pour l’Enfance et la Jeunesse (ASSITEJ) 1985 Dr. paed. h. c. der HU Berlin; Banner der Arbeit; Stern der Völkerfreundschaft; war verh. mit  Hans R.; gest. in Berlin.Die Entw. des Kinder- u. Jugendtheaters in Dtl. Berlin 1966.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Roetsch, Frank-Peter

* 19.4.1964

Geb. in Güstrow; Vater Bergmann u. Ltr. des Biathlon-Zentrums in Zinnwald; 1970 – 87 POS, KJS, Abitur; anfangs Stahl Altenberg, dort Wettkämpfe in Nord. Kombination; 1978 – 90 Biathlet bei der SG Dynamo Zinnwald; ab 1982 DVP, zul. Hptm.; SED, Parteigr.-Org.; 1981 u. 1982 Junioren-WM; bei den Weltmeisterschaften 1983 4. Platz (10 km), 2. Platz (20 km u. Staffel); 1984 Olymp. Spiele: 7. Platz (10 km), 2. Platz (20 km) u. 4. Platz (mit der Staffel); bei den Weltmeisterschaften 1985 Sieger (10 km), 2. Platz (20 km u. mit der Staffel); bei den Weltmeisterschaften 1986 2. Platz (mit der Staffel); bei den Weltmeisterschaften 1987 Sieger (10 km u. 20 km u. mit der Staffel); 1987 – 90 Sportstudium an der DHfK-Außenstelle Dresden, ohne Abschl.; 1988 Olymp. Spiele: Sieger (10 km u. 20 km), 5. Platz (mit der Staffel); bei der WM 1989 Sieger (mit der Staffel). Nach 1990 Co-Kommentator beim Sender Eurosport; ab 1.1.1991 Handelsvertreter einer Firma für Bürobedarf in Ansbach; 1992 beendete er seine sportl. Laufbahn; Repräsentant einer Möbelfirma; Mitarb. einer Kommunikations- und Marketingagentur, u.a. für die Leipziger Olympiabewerbung 2012; seit 2005 freiberufl.; lebt in Dresden.Klaus Gallinat / Olaf W. Reimann

Wer war wer in DDR

Rogge, Joachim

* 3.12.1929 – ✝ 8.6.2000

Geb. in Halberstadt; 1948 – 53 Studium der Theol. an der HU Berlin; anschl. dort wiss. Assistent; 1955 Prom. u. 1959 Habil. an der HU Berlin; 1959 – 77 Doz. für Kirchen- u. Dogmengeschichte am Sprachenkonvikt in Berlin; ab 1973 wiederholt Rektor; 1961 – 74 zugl. Pfarrer in der Gemeinde »Zur Barmherzigkeit« in Berlin-Lichtenberg; danach Oberkirchenrat u. Mitgl. der Kirchenkanzlei der Ev. Kirche der Union (EKU); ab 1977 Präses der Kirchenkanzlei der EKU; seit 1972 Dir. der Ev. Forschungsakad.; 1982 Dr. h. c. theol. der Univ. Lund, Schweden; 1986 Honorarprof. an der HU Berlin; 29.6.1985 Wahl u. 1986 – 94 Bischof des Kirchengeb. Görlitz (Nachf. von  Hanns-Joachim Wollstadt); Teiln. an Gesprächen u. Verhandlungen zw. der Kirchenltg. u. der DDR-Führung; Präs. der Ev. Hauptbibelges.; 1985 – 89 als IMS »Ferdinand« des MfS erf., keine klare öffentl. Stellungnahme; 1986 Honorarprof. u. 1989 Dr. h. c. der HU Berlin; 1990 Ratsvors. der EKU (Ost); Präs. des Kuratoriums der Ostsächs. HS; gest. in Wittenberg. Zahlr. Veröff. zur dt. Reformationsgeschichte.Hoburg, R. (Hrsg.): Unter dem Dach der Kirche. Fs. für J. R. zum 70. Geburtstag. Leipzig 1999; Besier, G.: Religion, State and Society in the Transformations of the Twentieth Century. Münster 2008.Roger Sitter / Ehrhart Neubert

Wer war wer in DDR

Rohmann, Eva

* 17.5.1944

Geb. in Gera; Vater Bankangest.; OS; 1960 – 63 Studium am IfL Gera; 1962 FDGB; 1963 SED; 1963 – 65 Lehrerin, Hortnerin; 1964 – 70 Mitgl. der ZL der Pionierorg. »Ernst Thälmann«; 1965/66 stellv. Vors. ihrer KL Gera-Stadt; 1967 dort Sekr. der FDJ-KL; 1967 – 70 Ltr. der Kommission Jugend u. Sport der SED-KL Gera-Stadt; 1969 DFD; 1970 – 73 Studium an der PHS, Dipl.-Ges.-Wiss.; 1973 – 82 Abt.-Ltr. im Bundesvorst. des DFD; 1982 – 89 Mitgl. des Präs. u. Sekr. des Bundesvorst.; 1981 – März 1990 Abg. der Volkskammer, ab 1984 Vors. der DFD-Fraktion (Nachf. von  Käthe Kern), Nov. 1989 –März 1990 Mitgl. des Präs.; 16.11.1989 – 27.10.1990 Vors. des DFD (Nachf. von  Ilse Thiele). 1990 – 2000 Geschäftsf. des Demokratischen Frauenbundes (dfb); Ruhestand; lebt in Bruchmühle (b. Strausberg); aktiv für die Partei Die Linke in Altlandsberg.Wendezeiten – Zeitenwende. Berlin 1995. Koelges, B.: Der Demokrat. Frauenbund. Von der DDR-Massenorg. zum mod. polit. Frauenverb. Wiesbaden 2001.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Röhrig, Hermann

* 19.6.1898 – ✝ 6.2.1938

Geboren am 19. Juni 1898 in Berlin-Lichtenberg; Schlosser. Er war 1918 Mitglied des Spartakusbundes, ab 1919 der KPD. Wie die meisten Berliner Funktionäre ging er 1920 zur KAPD, kehrte aber 1921 in die KPD zurück und wurde Mitglied der BL. Als die Linken um Ruth Fischer die Parteiführung übernahmen, kam Röhrig in den AM-Apparat. Offiziell arbeitete er in der sowjetischen Handelsvertretung, da seine illegale Tätigkeit im Apparat aber bekannt wurde, mußte er 1930 in die Sowjetunion emigrieren. Röhrig wurde in Moskau Abteilungsleiter im Volkskommissariat für Außenhandel, war Mitte der dreißiger Jahre Kursant der KUNMS, danach Direktor des Handelstechnikums in Engels (Wolgarepublik). Am 6. Februar 1938 wurde Hermann Röhrig verhaftet und auf Beschluß des Sondertribunals beim NKWD am 26. Mai 1938 erschossen. Seine erste Frau (bis 1926) Erna Röhrig, geb. Schumacher (* 1899), seit 1920 in der KPD, kam 1932 in die UdSSR, absolvierte die KUNMS und wurde Lehrerin in Halbstadt (einem deutschen Rayon); 1937 vom NKWD verhaftet, sie verschwand im Gulag. Die zweite Ehefrau Käthe Röhrig, geborene Grottewitz (* 7. 9. 1898 – † 7. 12. 1990), Tochter des sozialdemokratischen Schriftstellers und Begründers der Arbeiterwanderbewegung Kurt Grottewitz (* 1866 – † 1905) war seit 1926 in der KPD. Sie reiste zusammen mit Hermann Röhrig 1930 nach Moskau und arbeitete im Außenhandel, ab 1937 im Staatsverlag in Engels. 1938 vom NKWD festgenommen, wurde sie 1943 zur Arbeitsarmee einberufen und anschließend verbannt. Sie durfte erst 1960 in die DDR ausreisen. Die Tochter Ursula (* 10. 2. 1921 – †22. 10. 1994) aus der Ehe von Hermann und Erna Röhrig besuchte in Moskau die Karl-Liebknecht-Schule. Als Tochter von »Volksfeinden« durfte sie an der Saratower Universität nicht weiterstudieren und wurde aus dem Komsomol ausgeschlossen. Im September 1941 zur Arbeitsarmee einberufen, im November 1945 demobilisiert, kam auch sie erst 1960 in die DDR zurück.

dissidenten.eu

Romaszewski, Zbigniew

* 1940 – ✝ 2014

Physiker; einer der aktivsten Mitarbeiter des Komitees zur Verteidigung der Arbeiter (*KOR) und des Komitees für Gesellschaftliche Selbstverteidigung „KOR“ (*KSS „KOR“); ab 1981 *Solidarność-Aktivist in verschiedenen Funktionen: 1981 Regionalvorstand Masowien, später Mitglied des *Regionalen Exekutivausschusses Masowien, 1982 betrieb er den Rundfunksender „Solidarność“ in Warschau, 1986–89 leitete er den Interventions- und Rechtsstaatlichkeitsausschuss und 1988/89 Mitglied des Landesexekutivausschusses der *Solidarność; Pseudonym: „Z. Z.“Zbigniew Romaszewski wurde 1940 in Warschau geboren. Noch als Gymnasiast trat er 1955 dem Ortsverband des Bundes der Polnischen Jugend (Związek Młodzieży Polskiej; ZMP) bei, der jedoch im Zuge der Ereignisse im *Oktober 1956 aufgelöst wurde. 1957–64 studierte er Physik an der Universität Warschau und arbeitete nach dem Studium im Institut für Physik der Polnischen Akademie der Wissenschaften. 1980 promovierte er. 1967 sammelte er gemeinsam mit seiner Ehefrau Zofia Romaszewska Unterschriften für eine Petition, in der Wissenschaftler ihre Solidarität mit Adam Michnik zum Ausdruck brachten, der von der Universität Warschau zwangsexmatrikuliert worden war. Nach den Ereignissen im *März 1968 fanden in der Wohnung der Romaszewskis politische Diskussionen im Freundes- und Bekanntenkreis statt, zu denen unter anderem Ludwik Cohn, Edward Lipiński, Jan Nepomucen Miller und Maria Ossowska kamen. 1976 unterzeichnete Romaszewski einen Protestbrief gegen die geplanten Verfassungsänderungen. Ein paar Monate später begann er – vermittelt durch seine Bekanntschaft mit Henryk Wujec – gemeinsam mit seiner Frau Geld für die Arbeiter aus Radom und den Warschauer Ursus-Werken zu sammeln, die wegen ihrer Teilnahme an den Protesten im *Juni 1976 staatlichen Repressionen ausgesetzt waren. Schon bald schloss er sich der von Mirosław Chojecki geleiteten sogenannten Radomer Gruppe an. Zwischen September 1976 und Januar 1977 fuhr er 43-mal nach Radom, um dort Betroffenen zu helfen. Nach der Verhaftung Mirosław Chojeckis im Oktober 1976 übernahmen er und seine Frau die Organisation der Fahrten nach Radom. Romaszewski wurde so zu einem der aktivsten Mitarbeiter des im September 1976 gegründeten Komitees zur Verteidigung der Arbeiter (Komitet Obrony Robotników; *KOR). Ab 1977 gehörte er zu den ständigen Mitarbeitern der unabhängigen Monatszeitschrift „Głos“ (Stimme). Er unterschrieb die Deklaration der Demokratischen Bewegung (Deklaracja Ruchu Demokratycznego) vom 18. September 1977, ein Programmdokument aus dem Umfeld des *KOR. Ab Oktober 1977 gehörte er zum Komitee für Gesellschaftliche Selbstverteidigung „KOR“ (Komitet Samoobrony Społecznej „KOR“; *KSS „KOR“), zu dessen prägendsten Persönlichkeiten er zählte. Im Herbst 1977 übernahm das Ehepaar Romaszewski die Leitung des sogenannten Interventionsbüros (Biuro Interwencyjne) des *KSS „KOR“, das Fälle von Menschen- und Bürgerrechtsverletzungen durch staatliche Stellen dokumentierte und den Betroffenen Unterstützung anbot. Im Laufe der vier Jahre seiner Existenz erhielt das Büro Jahr für Jahr mehrere Hundert Beschwerden, darunter Fälle von schwerer Körperverletzung und Mord. Die drastischsten Fälle wurden in den „Dokumenten des Unrechts“ (Dokumenty bezprawia, erschienen 1978 bei *NOWA) beschrieben. Über die Arbeit des Interventionsbüros berichtete regelmäßig das Informationsbulletin *„Biuletyn Informacyjny“ des *KSS „KOR“ in der Rubrik „Rechtsstaatlichkeit“, die von den Romaszewskis redigiert wurde. Anfang 1979 fuhr Romaszewski als Vertreter des *KSS „KOR“ nach Moskau, wo er Kontakte zu Andrei Sacharow und zu anderen Vertretern der russischen Opposition knüpfte. Im Februar 1979 hielt er auf der ersten Zusammenkunft der sogenannten Volksuniversität (Uniwersytet Ludowy), die in der Wohnung von Wanda Ferens stattfand, eine Vorlesung. Die Volksuniversität war eine Initiative unabhängiger Bauernaktivisten. Er unterzeichnete die „Charta der Arbeiterrechte“ (Karta Praw Robotniczych, veröffentlicht in einem Sonderheft des *„Robotnik“ 1979), die das Programm für eine unabhängige Gewerkschaftsbewegung enthielt. Ab Januar 1980 bildete er gemeinsam mit Ludwik Cohn, Edward Lipiński und Aniela Steinsbergowa den Helsinki-Ausschuss des *KSS „KOR“. Er war für die Redaktion des ersten Dokuments dieses Ausschusses verantwortlich, des „Berichts über die Einhaltung der Menschen- und Bürgerrechte in der Volksrepublik Polen“, dessen Inhalt sich hauptsächlich auf die Arbeit des Interventionsbüros stützte. Der auch „Madrid-Bericht“ genannte Text wurde im Herbst 1980 auf der KSZE-Nachfolgekonferenz in Madrid publik gemacht. Romaszewski wurde oftmals vom Staatssicherheitsdienst festgenommen, unter anderem im August 1980 in der Wohnung von Jacek Kuroń zusammen mit einer ganzen Gruppe weiterer Bürgerrechtler. Mit Unterzeichnung der *Danziger Vereinbarung kam er wieder frei. Nach der Gründung der *Solidarność spielte Romaszewski eine wichtige Rolle in deren Führungsgremien. Am 27. Juni 1981 wurde er Mitglied des Präsidiums des Regionalvorstands Masowien, ab Oktober 1981 gehörte er dem Landesausschuss (Komisja Krajowa) an. Ab November 1980 leitete er den Interventions- und Rechtsstaatlichkeitsausschuss der Region Masowien. Den optimalen Weg für die *Solidarność sah er in der Vermeidung der Konfrontation mit der Staatsmacht, allerdings nicht um jeden Preis. So unterstützte Romaszewski während der sogenannten Bromberger Krise im März 1981 die Idee eines Generalstreiks. Am 7. Mai 1988 kam er gemeinsam mit Adam Michnik und Jan Walc Milizangehörigen in Otwock zu Hilfe, die infolge eines Zwischenfalls von der aufgebrachten Menge angegriffen wurden. Im Juni 1981 gab die *Solidarność Masowien das Buch „Juni 1976. Radom. Anzeige gegen ein Verbrechen“ (Czerwiec 1976. Radom. Doniesienie o przestępstwie) heraus, für das Romaszewski gemeinsam mit Zenobia Łukasiewicz die Redaktionsverantwortung getragen hatte. In Gesprächen mit der Regierung über die Rehabilitierung der Repressionsopfer des *Juni 1976 vertrat Romaszewski die Belange der Gewerkschaftsseite. Er war an der Gründung der sogenannten Klubs der Selbstverwalteten Republik „Freiheit – Gerechtigkeit – Unabhängigkeit“ (Kluby Rzeczpospolitej Samorządnej „Wolność – Sprawiedliwość – Niepodległość“) beteiligt, die am 22. November 1981 von Zbigniew Bujak, Jacek Kuroń und Adam Michnik ins Leben gerufen worden waren. Als am 13. Dezember 1981 das *Kriegsrecht ausgerufen wurde, gelang es Romaszewski, der Internierung zu entkommen. Er setzte seine gewerkschaftliche Tätigkeit im Untergrund fort. Im Februar starteten Zbigniew und Zofia Romaszewski in Warschau ihre Vorbereitungen zur Installierung des landesweit ersten Rundfunksenders der *Solidarność. Die erste Sendung wurde am 12. April 1982 ausgestrahlt – mithilfe der von Ryszard Kołyszko konstruierten Sendetechnik „Komar“. In den Folgemonaten wurde noch ein weiteres gutes Dutzend Sendungen ausgestrahlt. In der im März 1982 veröffentlichten Broschüre „August 1980, Dezember 1981 – was weiter?“ (Sierpień 1980 – grudzień 1981 – co dalej?, erschienen 1982 in der Biblioteka „Tygodnika Wojennego“) formulierte Romaszewski ein Programm für den zentralisierten Widerstand. Es müsse für die Untergrund-*Solidarność ein Führungsgremium geschaffen werden, dessen Aufgabe in erster Linie die Gestaltung der Politik der Gewerkschaft sei – und nicht die Koordinierung der aufgrund der Konspiration dezentral agierenden lokalen Gewerkschaftszellen. Am 8. Mai 1982 etablierte er gemeinsam mit Zbigniew Bujak, Zbigniew Janas und Wiktor Kulerski den *Regionalen Exekutivausschuss Masowien der *Solidarność (Regionalna Komisja Wykonawcza; RKW). Im Streit um die Strategie der Gewerkschaft war Romaszewski in den nächsten Monaten im Gegensatz zu Zbigniew Bujak ein entschiedener Befürworter eines Generalstreiks, denn dies sei das einzige Mittel, um die Herrschenden zu Zugeständnissen zu zwingen. Der Streik müsse im gesamten Land stattfinden und die bestreikten Betriebe müssten aktiv verteidigt werden. In Warschau wäre es notwendig, dass 20–30 große Betriebe und Fabriken in den Ausstand träten (in Form von sogenannten Okkupationsstreiks, also der Besetzung der betroffenen Betriebe), weitere Betriebe würden zur Unterstützung an dem Arbeitskampf teilnehmen. Darüber hinaus müssten Kundgebungen und Demonstrationen stattfinden, um dadurch einen Teil der Sicherheitskräfte zu binden. Romaszewski suchte auch die Zusammenarbeit mit dem Überbetrieblichen Arbeiterkomitee der *Solidarność (Miedzyzakładowy Robotniczy Komitet „Solidarności“), einer vom *Regionalen Exekutivausschuss Masowien unabhängigen, konspirativen Struktur, in deren Einzugsbereich sich die großen Warschauer Betriebe befanden. Am 7. Juni 1982 war er an den Vorbereitungen einer spektakulären Gefangenenbefreiung beteiligt. Befreit wurde der Drucker des Unabhängigen Verlagshauses *NOWA (Niezależna Oficyna Wydawnicza NOWA) Jan Narożniak – und zwar aus einem vom Staatssicherheitsdienst scharf bewachten Krankenhaus, in das er gebracht wurde, nachdem er von der Miliz angeschossen worden war.Am 5. Juli 1982 verschaffte sich die Staatssicherheit Zutritt zu der konspirativen Wohnung, in der sich Zbigniew Romaszewski gemeinsam mit seiner Frau befand. „Romaszewski ergriff die Flucht, so wie er war, in Hausschuhen. Die Stasi-Mitarbeiter liefen ihm nach, kehrten jedoch nach ein paar Minuten allein zurück“, berichtete der *„Tygodnik Mazowsze“ (Masowisches Wochenblatt) am 10. Februar 1983 über die fehlgeschlagene Festnahme. Romaszewskis Verhaftung erfolgte dann jedoch am 29. August, anschließend wurden er, seine Frau und noch sieben andere wegen ihrer Mitarbeit am Radiosender „Solidarność“ vor Gericht gestellt. Am 17. Februar 1983 erging das Urteil: Romaszewski erhielt mit viereinhalb Jahren Gefängnis die höchste Strafe. Noch während der Ermittlungen wurde er erneut angeklagt, und zwar im Kontext des Prozesses gegen Mitglieder des *KSS „KOR“. Im Juli 1984 stand er mit Jacek Kuroń, Adam Michnik und Henryk Wujec vor Gericht. Der Prozess wurde jedoch schon bald abgebrochen, und die Angeklagten kamen im Rahmen einer Amnestie vom Juli 1984 aus der Haft frei. Romaszewski versuchte vergeblich, seine Arbeit in der Polnischen Akademie der Wissenschaften wieder aufzunehmen, von wo er 1983 entfernt worden war. Er war fortan für das Institut für Physik der Jagiellonen-Universität Krakau tätig, und zwar als Redakteur der Fachzeitschrift „Acta Physica Polonica“. Im Dezember 1984 brachte er in einem Brief an die Redaktion der in Paris erscheinenden *„Kultura“ (Nr. 12/1984) seine Solidarität mit den von staatlichen Repressionen betroffenen sowjetischen Bürgerrechtlern Jelena Bonner und Andrei Sacharow zum Ausdruck. Vom 3. bis 10. November 1985 fand die Woche des Politischen Häftlings (Tydzień Więźnia Politycznego) statt, deren Zustandekommen vor allem Romaszewski zu verdanken war. In vielen Städten des Landes fanden Veranstaltungen zum Thema statt. Romaszewski engagierte sich auch weiter für die Unterstützung von Opfern staatlicher Repressionen und besuchte politische Prozesse. Im November 1986 forderte er angesichts der verminderten Schlagkraft der *Solidarność, eine breite Allianz oppositioneller Kräfte in Form eines Gesellschaftlichen Komitees für die Legalisierung der *Solidarność und des gewerkschaftlichen Pluralismus zu schaffen. Dieses Komitee sollte Mittelpunkt der öffentlichen Opposition sowie Sammelbecken sowohl für die bisherigen Oppositionellen als auch für die Vertreter aufgelöster Verbände der Kulturschaffenden und anderer Kreise sein, die sich bereitfänden, öffentlich zu agieren. Im Laufe der Zeit wurde seine Haltung der *Solidarność-Führung gegenüber immer kritischer. Er warf ihr vor, das Programm der gesellschaftlichen Bewegung zu missachten und stattdessen Politik zu betreiben. 1985 rief das Ehepaar Romaszewski den Polnischen Fonds für Rechtsstaatlichkeit ins Leben, dessen Leitung Zbigniew Romaszewski übernahm. Am 10. Dezember 1986 gründete er im Auftrag Lech Wałęsas den Interventions- und Rechtsstaatlichkeitsausschuss der *Solidarność. Über seine Außenstellen im ganzen Land leistete der Fonds Rechts- und Finanzhilfe für Opfer staatlicher Repressionen, unabhängig von deren politischen Überzeugungen. Gezahlt wurden finanzielle Unterstützungen bei Geldstrafen, Beschlagnahmungen oder nach dem Verlust des Arbeitsplatzes. Im Frühjahr unterstützte der Fonds die streikenden Arbeiter in Nowa Huta, Stalowa Wola und Danzig. Informationen darüber wurden im „Informationsblatt des Interventions- und Rechtsstaatlichkeitsausschusses“ (Informator Komisji Interwencji i Praworządności“) veröffentlicht. 1987 erhielten die Eheleute Romaszewski den Menschenrechtspreis der an der kalifornischen Stanford University angesiedelten „Aurora“-Stiftung. Gemeinsam mit Aktivisten des Interventions- und Rechtsstaatlichkeitsausschusses der *Solidarność und der Bewegung „Freiheit und Frieden“ („Wolność i Pokój“) veranstalteten Zbigniew und Zofia Romaszewski vom 25. bis 27. August 1988 in Krakau-Mistrzejowice eine internationale Menschenrechtskonferenz, zu der etwa 1.200 Teilnehmer anreisten, darunter viele aus dem Ausland. Die zweite Konferenz dieser Art fand 1990 in Leningrad in der Sowjetunion statt. Auch das Konzept der betrieblichen Notkassen („kasy samoobrony“, wörtlich „Selbstverteidigungskassen“) geht auf Romaszewski zurück. Er sah in diesen Kassen eine Möglichkeit für öffentliche gewerkschaftliche Arbeit unter den Bedingungen staatlicher Repression. Im September 1988 wurde er Mitglied des *Landesexekutivausschusses der *Solidarność (Krajowa Komisja Wykonawcza; KKW), ab Dezember 1988 gehörte er dem *Bürgerkomitee beim Vorsitzenden der *Solidarność (Komitet Obywatelski przy Przewodniczącym NSZZ „Solidarność“) an. In der im Vorfeld der Gespräche am *Runden Tisch veröffentlichten Broschüre „Radikaler Minimalismus. Programmvorschläge für die Solidarność“ (Minimalizm radykalny. Propozycje programowe dla NSZZ „Solidarność“) steckte Romaszewski die Strategie für diese Gespräche und mögliche Kompromissziele ab. Er warnte vor einer Übereinkunft, die keine Garantie für die Verteidigung von Arbeitnehmerrechten enthalte. Während der Gespräche am *Runden Tisch (6. Februar bis 5. April 1989) nahm er an den Arbeiten der Unterarbeitsgruppe „Reformen in Recht und Justiz“ teil.Bei den „halbfreien“ Parlamentswahlen im Juni 1989 kandidierte Romaszewski für die Liste des *Bürgerkomitees „Solidarność“ und wurde in die zweite Kammer des polnischen Parlaments, den Senat, gewählt. Er blieb von 1989 bis 2011 ununterbrochen Senator, wenn auch für verschiedene Gruppierungen: für die Bürgerfraktion, zeitweise als unabhängiger Senator, für die *Solidarność, ab 1996 für die Bewegung für den Wiederaufbau Polens (Ruch Odbudowy Polski; ROP), ab 2001 für den Block „Senat 2001“ und ab 2005 für „Recht und Gerechtigkeit“ (Prawo i Sprawiedliwość; PiS). 1992 war er außerdem Vorsitzender des Staatlichen Rundfunk- und Fernsehkomitees. 1998 gründete Romaszewski die Stiftung zur Verteidigung der Menschenrechte (Fundacja Obrony Praw Człowieka), die zum 50. Jahrestag der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte in Warschau die III. Internationale Menschenrechtstagung organisierte. Zbigniew Romaszewski starb am 13. Februar 2014 in Warschau.Paweł Sowiński Aus dem Polnischen von Gero Lietz Letzte Aktualisierung: 07/16

Wer war wer in DDR

Rompe, Arthur Alexander (»Aljoscha«)

* 20.10.1947 – ✝ 23.11.2000

Geb. in Berlin; Vater Schauspieler u. Schweizer Staatsbürger, Mutter Dolmetscherin, Adoptivvater  Robert R. Physiker u. SED-Funktionär; POS, 1962 – 66 Abitur u. Berufsausb. Elektromechanik an der Humboldt-EOS Berlin-Köpenick; 1967 – 71 Studium an der HU-Berlin, Dipl.-Physiker; 1971 – 73 NVA in Frankfurt (Oder); bis 1981 Techniker in der DBA, Tontechniker, Kellner, Privatsekr. bei Robert R. an der AdW, dann bis 1989 Tontechniker bei den Gruppen »Mondie« u. »Kanül«; seit Anfang der 1970er Jahre in versch. kulturopp. Kreisen in Berlin aktiv; ab 1972 systemat. Überwachung durch das MfS (OPK »Rompe«, OV »Kalender«, OPK »Schweizer«); 1975 Org. von Vorträgen zur jugoslaw. Arbeiterselbstverw. im Berliner Jugendklub »Box« (mit  Carlo Jordan); ab 1975 Gasthörer u. Honorartätigkeiten an der Sektion Biol. der HU Berlin; 1978 drei Monate U-Haft beim MfS wegen Verbreitung eines Kalenders mit »staatsfeindl.« Motiven, Einstellung des Ermittlungsverfahrens; seit 1980 Schweizer Staatsbürger, Reisen in die USA u. nach Westeuropa, Schweizer Stipendium für ein Studium der Theaterwiss. an der FU Berlin; 1983 Mitbegr. der Punkband »Feeling B« mit Paul Landers (Gitarre) u. Christian Lorenz (Keyboard); 1987 wird die Band berühmt durch den DEFA-Dok.-Film über die DDR-Rockszene »Flüstern u. Schreien« (Regie: Dieter Schumann); legendäre Titel: »Mix mir einen Drink«, »Wir woll’n immer artig sein«; 1989 Amiga-LP »Hea Hoa« (erste Punk-Platte in der DDR); Aufnahmen auf versch. Samplern; 1990 Mitgl. des Bürgerkomitees zur Auflösung des MfS u. der AG Sicherheit des Zentralen Runden Tischs; Besetzung des Hauses Schönhauser Allee 5 (Auflösung 1999), dort Gründung des soziokulturellen Projekts »Autonome Aktion Wydoks« (mit  André Greiner-Pol); Mai 1990 Kand. bei den Kommunalwahlen in Berlin-Prenzlauer Berg für die Liste »Autonome Wydoks«. 1991 LP »Wir kriegen euch alle«; 1993 LP »Die Maske des roten Todes«; Trennung der Band, Landers u. Lorenz gründen 1994 die später internat. erfolgr. Gruppe »Rammstein«, R. tritt mit neuer Besetzung weiter unter »Feeling B« auf, letztes Konzert am 2.10.1999 in Weißwasser; gest. an einem Asthma-Anfall in Berlin, beigesetzt auf Hiddensee. Gilt als charismat. Repräsentant der DDR-Punk-Bewegung u. eine der zentralen Figuren der opp. Kulturszene in Berlin-Prenzlauer Berg.Galenza, R., Havemeister, H.: Wir wollen immer artig sein ... Berlin 1999; Dies.: Mix mir einen Drink – Feeling B. Berlin 2002; Dok.-Film: »Achtung. Wir kommen. Und wir kriegen euch alle«. 2001 (Regie Carl G. Hardt).Jan Wielgohs

Wer war wer in DDR

Roßberg, Klaus

* 8.8.1937

Geb. in Eilenburg; Vater Lokführer; 1956 Abitur; SED; 1956 – 60 Studium der Staatswiss. an der DASR Potsdam, Dipl.-Staatswiss.; 1960 Arbeitseinsatz im VEB Celluloid-Werk Eilenburg; 1961 Eintritt in das MfS, HA V (Staatsapparat, Kunst, Kultur, Untergrund) Berlin; 1967 dort Ref.-Ltr., 1979 stellv. Ltr. der HA XX/4 (Kirchen); 1982 Oberst-Ltn.; 1990 Entlassung; 1992 Aussagen vor dem Stolpe-Untersuchungsausschuß des Brandenb. Landtags.Das Kreuz mit dem Kreuz. Berlin 1996 (mit P. Richter).Jens Gieseke

Handbuch Deutsche Kommunisten

Roscher, Max

* 22.7.1888 – ✝ 28.8.1940

Geboren am 22. Juli 1888 in Pockau/Erzgebirge, Sohn eines Kleinbauern; lernte Maurer. Von 1904 bis 1908 Wandergeselle, arbeitete in Ziegeleien und Baubetrieben, 1911 Mitglied der SPD. Bei Kriegsausbruch Soldat, kam an die Front und unterhielt Verbindung zur Spartakusgruppe. Im Dezember 1918 kehrte er nach Sachsen zurück und wurde Mitglied des Arbeiter- und Soldatenrates in Marienberg. Er trat Ende März 1919 zur KPD über, 1920 Polleiter des UB Pockau. Bis 1922 arbeitete er als Maurer, wurde 1923 hauptamtlicher Orgleiter in Thüringen, kam 1924 nach Pockau zurück. Er wurde im Mai 1924 Reichstagsabgeordneter im Wahlkreis Chemnitz-Zwickau, im Dezember jedoch nicht wiedergewählt. Agitpropsekretär der BL Chemnitz-Erzgebirge; war von Februar bis November 1925 inhaftiert. Von 1926 bis 1929 Abgeordneter des Sächsischen Landtags, UB-Leiter in Flöha, später in Freiberg in Sachsen. Während der Auseinandersetzungen mit den Rechten 1928/29 vertrat Roscher die Linie des ZK. Anfang 1931 verhaftet und im September 1931 wegen »Vorbereitung zum Hochverrat« vom Reichsgericht zu 20 Monaten Gefängnis verurteilt, aber nach einiger Zeit freigelassen, da er sehr krank war. Roscher blieb als Sekretär der KPD in Freiberg, emigrierte im Februar 1933 in die âSR. Er kehrte im August zur illegalen Arbeit nach Dresden und dann schließlich Ende des Jahres wegen seiner völlig zerrütteten Gesundheit nach Prag zurück. Von dort wurde er zur Wiederherstellung seiner Gesundheit in die Sowjetunion geschickt. Nach einem längeren Kuraufenthalt und einer Tätigkeit als Instrukteur in Charkow ging er bei Ausbruch des Bürgerkriegs nach Spanien und kämpfte im »Edgar-André-Bataillon« der Internationalen Brigaden. Vor Madrid wurde er im November 1936 schwer verwundet. Die hinter der Front und dann nach seinem Transport in die Sowjetunion vorgenommenen Operationen konnten ihn nicht mehr retten. Max Roscher starb am 28. August 1940 in einem Erholungsheim für versehrte Spanienkämpfer in Peredelkino bei Moskau. Sein Sohn Paul Roscher (* 17. 9. 1913 – † 24.8. 1993) trat 1932 in die KPD ein, wurde 1935 vom OLG Dresden zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt, 1942 zum Strafbataillon 999 gezogen, geriet in französische Kriegsgefangenschaft. 1947 zurück, wurde er hauptamtlicher SED-Funktionär. Ab 1959 1. Sekretär im Bezirk Gera und von 1963 bis 1976 im Bezirk Karl-Marx-Stadt. Von 1963 bis zum Herbst 1989 gehörte Paul Roscher dem ZK der SED an.

Wer war wer in DDR

Rosenbaum, Andrea Natalie (»AnNa R.«)

* 25.12.1969

Geb. in Berlin-Friedrichshain; nach Schulabschluß Lehre als Chemielaborantin, dann Arbeit im Musikhandel, daneben Gesangsausbildung; 1991 Gründung des Pop-Duos »Rosenstolz« mit Peter Plate (Gesang, Keyboard, Komposition), 1991 erstes Konzert in der Berliner Galerie Bellevue, 1992 Debütalbum »Soubrette werd’ ich nie« mit den späteren Kultsongs »Schlampenfieber« u. »Königin«; 1994 mit dem Titelsong der CD »Nur einmal noch« 1. Platz in den Hitparaden versch. Berliner Rundfunksender; 1995 Konzerte im Berliner »Metropol«; 1996 Durchbruch auf dem dt. Musikmarkt mit der CD »Mittwoch is’ er fällig« u. anschl. Wechsel zur Plattenfirma Polydor; 1997 auf Einladung des Goethe-Inst. Konzert in Nowosibirsk vor 10.000 Zuschauern; 1998 2. Platz beim dt. Vorausscheid zum Grand Prix Eurovision de la Chanson mit dem Titel »Herzensschöner« (hinter Guildo Horn), Übertragung eines Konzerts in Köln in der TV-Reihe »Rockpalast«; 2002 CD »Macht Liebe«, 2003 Abschlußkonzert der anschl. Tournee in der Berliner Wuhlheide vor 17.000 Zuschauern, veröff. auf DVD »Willkommen in unserer Welt – Live u. Draußen 04« (2004); 2004 CD »Herz« – erfolgreichstes dt. Album des Jahres; 2006 CD »Das große Leben«; 2008 CD »Die Suche geht weiter«; insg. mehr als 15 CDs; 2003, 2007 u. 2009 Musikpreis ECHO der Dt. Phono-Akad., 2007 »Goldene Kamera« der Fernsehzeitung HÖRZU; lebt in Berlin. »Rosenstolz« gehört seit den späten 1990er Jahren zur Prominenz der dt.-sprachigen Popmusikszene; die eigensinnige Musik des Duos, das in seinen Texten gelegentl. auch Stellung zu pol. Themen bezieht, wird mitunter auch als »Mondänpop« rubriziert.Jan Wielgohs

Wer war wer in DDR

Robbel, Kurt

* 20.5.1909 – ✝ 11.7.1986

Geb. in Berlin; 1925 – 29 Lehre als Holzbildhauer; 1929 – 31 Studium bei Felix Kupsch an der Kunstgewerbeschule Berlin, 1931 – 32 Studium an der Kunstakad. Berlin-Charlottenburg; autodidakt. Aneignung der Malerei; 1935 Reise in die UdSSR; 1942 – 45 Kriegsdienst. Nach dem Krieg zunächst Dolmetscher in der sowj. Kommandantur; Bürgermstr. von Mahlow (b. Berlin); freischaff. als Maler; 1948 erste Personalausstellung in der Galerie Carés Berlin; 1951 durch  Mart Stam Berufung an die Kunst-HS Berlin-Weißensee; 1957 Reise nach Tunesien u. Ägypten; 1958 Prof. für Wandmalerei an der Kunst-HS Berlin-Weißensee; 1961 Reise in den Libanon, 1965 nach Island; 1970 Ausstellung in der Galerie Junge Kunst Frankfurt (Oder); 1974 Kunstpreis der DDR; 1978 NP; gest. in Mahlow (b. Berlin). Werke: Wandbild »Fischereihafen« in der Kunst-HS Berlin-Weißensee, 1956; Rotgardisten, 1967; Feldbaubrigadier Bankratschk.Neumann, E.: K. R. (Welt der Kunst) Berlin 1971; Kat. K. R. u. seine Schüler. Berlin 1983.Anke Scharnhorst

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Rödel, Fritz

* 18.4.1888 – ✝ 5.2.1945

Geboren am 18. April 1888 im oberfränkischen Witzleshofen, Kleinbauernsohn; lernte Porzellandreher. Während des Krieges an der Westfront eingesetzt, er wurde verwundet, kam nach Magdeburg ins Lazarett und wurde anschließend aus dem Heer entlassen. Rödel arbeitete dann bis Januar 1918 als Fräser, wurde Mitglied der USPD und war in der Magdeburger Spartakusgruppe aktiv. Im September 1918 wieder zum Fronteinsatz, wurde abermals verwundet. Seit Ende 1920 ehrenamtliches Führungsmitglied der KPD in Magdeburg, Rödel war dort Arbeiter. 1924 in die Stadtverordnetenversammlung gewählt, wurde Redakteur bei der Parteizeitung »Tribüne« und gehörte ab 1927 der BL Magdeburg an. Im Sommer 1933 verhaftet und 1934 zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt, die er in Luckau verbüßte. Nach seiner Entlassung zunächst Arbeiter in Magdeburg, wurde aber bald als Invalide anerkannt. Während des Krieges gemeinsam mit Hermann Danz u. a. in einer Widerstandsgruppe in Sachsen-Anhalt tätig, die auch Kontakte zu Anton Saefkow hatte. Er wurde am 24. Juli 1944 verhaftet, am 1.November 1944 vom 2. Senat des VGH zum Tode verurteilt. Fritz Rödel wurde am 5. Februar 1945 im Zuchthaus Brandenburg hingerichtet.

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Röder, Horst

* 20.3.1933

Geb. in Halle (Saale); Schule u. Lehre in Naumburg; 1951 – 54 Studium an der DHfK Leipzig, Sportlehrer mit Spezialfach Leichtathletik; aktiver Leichtathlet, 1955 DDR-Mstr. im Zehnkampf, Teiln. an den Akadem. Sommerspielen 1955 (4. Pl.) u. 1957 (6 Pl.), Bestleistung 6829 P.; 1954 – 58 wiss. Ass. bzw. Doktoraspirant am Inst. für Theorie der Körpererziehung der DHfK Leipzig, 1960 Dr. paed.; 1961 – 65 Sektoren- bzw. Abt.-Ltr. im DTSB-Bundesvorst.; 1965 / 66 Dir. der Forschungsstelle der DHfK; 1974 – 90 Vors. des Gesell. Rats der DHfK; 1966 – 74 Ltr. der HA Trainingswesen u. Wiss. u. 1966 – 90 Mitgl. des Präsidiums des DTSB-Bundesvorst.; 1971 Prof. für Theorie u. Praxis des Trainings an der DHfK; 1974 – 88 Vizepräs. des DTSB für Wiss. bzw. Sommersport; 1975 – 90 persönl. Mitgl. des NOK; 1988 / 89 1. Vizepräs. des DTSB; Chef de Mission der DDR-Olympiamannschaften 1976 – 88; 1970 GuthsMuths-Preis; 1972 NP; 1976 VVO; 1980 Ehrenspange zum VVO; 1986 Goldene NOK-Ehrennadel; 1988 Stern der Völkerfreundschaft. 1990 / 91 arbeitslos; 1992 – 96 wiss. Mitarb. u. Bereichsltr. am Inst. für Gesundheitsförderung Berlin; Sept. 1996 Ruhestand; 1999 vom Amtsgericht Berlin-Tiergarten wg. »Körperverletzung« (Vergabe von Anabolika) zu ein Jahr Haft auf Bewährung verurteilt; zahlr. elektron. Veröff. zum DDR-Sport auf eigener Website.Volker Kluge

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Rogalla, Jürgen

* 19.2.1933

Geb. in Rostock; Volksschule, OS (nicht abgeschl.); 1948 – 51 kfm. Lehrling; 1951 Einkäufer beim VEB Hochseefischerei; Okt. – Dez. 1951 erwerbslos; dann Einstellung beim MfS, Abt. III (Volkswirtschaft) der Länderverw. Mecklenb.; 1952/53 Lehrgang an der JHS Potsdam-Eiche; März 1953 Versetzung zur HA IX (Untersuchungsorgan), MfS Berlin; Okt. 1953 stellv. Ltr. der Abt. IX der BV Schwerin; 1954 SED; 1955 – 59 Fernstudium an der DASR Potsdam, Dipl.-Jur.; 1959/60 Lehrgang an der HVA-Schule; 1960/61 als MfS-OibE im Diplomat. Dienst; 1961 HVA-Abt. III (legal abgedeckte Residenturen), Ltr. einer Beratergr. in Ghana (»Jürgen Krüger«), 1966 nach dem Sturz Kwame Nkrumahs Verhaftung, Austausch; 1967 stellv. Ltr. der Abt. III; 1971 Prom. zum Dr. jur. an der JHS Potsdam-Eiche; 1971 stellv. Ltr. der HVA-Abt. XII (NATO/EG); 1973 Ltr. der HVA-Abt. XI (Nordamerika); 1975 Oberst; 1990 Entlassung.Jens Gieseke

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Rohde, Alfred

* 21.4.1921 – ✝ 30.1.1990

Geb. in Dresden; Vater Arbeiter; 1935 – 39 Lehre u. Arbeit als Maschinenschlosser in Dresden u. Leipzig; 1942 – 45 Wehrmacht, Mai – Sept. 1945 Brit. Kriegsgefangenschaft. 1945 – 50 Maschinenschlosser in Dresden; 1945/46 SPD/SED; 1946 – 50 BGL-Vors. u. 1951 Sekr. der SED-GO im VEB Universellewerke Dresden; 1951/52 Abt.-Ltr. in der SED-KL Dresden, Abt.-Ltr. Prop. u. Medien 1952/ 53 in der SED-KL Dresden-Land; 1953 – 55 Studium an der PHS, Dipl.-Gesellschaftswiss.; 1955 – 66 polit. Mitarb. im ZK der SED, Instrukteur der Abt. Parteiorgane; 1966 – 71 2. Sekr. (Nachf. von  Günter Eichmann), 1971 – 89 1. Sekr. der SED-Gebietsltg. Wismut Karl-Marx-Stadt (Nachf. von  Kurt Kieß); 1971 – 89 Mitgl. des ZK der SED u. Abg. der Volkskammer; 1968 u. 1986 VVO, 1981 KMO, Lenin-Orden.Andreas Herbst

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Rohner, Gerhard

* 23.5.1895 – ✝ 7.3.1971

Geb. in Niederheiduk (Krs. Beuthen / Polen); Königl. OS in Königsberg; Ausbildung zum Kfm.; ab 1921 Ltr. einer Verkaufsabt.; 1923 Ltr. eines techn. Büros; 1925 – 45 selbst. Handelsvertreter für den Flick-Konzern in Dresden, Chemnitz u. Berlin. Juli 1945 Mitbegr. der CDU in Dresden; 3.7. 1945/46 Vizepräs. der Landesverw. Sachsen u. Juli 1945 – Juni 1947 Ltr. des Ressorts Finanzen u. Steuern; 28.8.1945 Mitunterz. des CDU-Gründungsaufrufs; 1946 – Jan. 1950 Mitgl. des CDU-LV Sachsen; Juli 1947 – Jan. 1950 Minister für Finanzen der Landesreg. Sachsen; Okt. 1946 – Febr. 1950 Mitgl. des Sächs. Landtags; Sept. 1948 – Febr. 1950 Mitgl. des CDU-Hauptvorst.; 1948/49 Mitgl. des Dt. Volksrats u. der DWK; Sept. 1948 – 50 geschäftsf. Hauptvorst. der CDU; Okt. 1949 – Febr. 1950 Abg. der Volkskammer, Vors. der CDU-Fraktion; Febr. 1950 nach heftigen Angriffen der SED Flucht in die Bundesrep. Dtl. (Düsseldorf); dort Verkaufsdir. der Eisenwerke Maximilianshütte Sulzbach-Rosenberg (Flick-Konzern); lebte in Düsseldorf, ab 1963 in Buchholz (Westerwald); gest in Bonn.Helmut Müller-Enbergs

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Röhrs, Heinrich

* 3.8.1890 – ✝ 10.11.1960

Geboren am 3. August 1890 in Wenden bei Braunschweig; Maurer. 1918 Mitglied der USPD, wurde im Mai 1920 für die USPD in den Landtag von Braunschweig gewählt, als Befürworter der 21 Bedingungen zum Beitritt zur Kommunistischen Internationale im Herbst aus der USPD-Fraktion ausgeschlossen. Er bildete daraufhin mit den Abgeordneten Arno Krosse und Hans Sievers die USPD-Fraktion (Linke) im Landtag und von Dezember 1920 bis zum Ende der Legislaturperiode die VKPD-Fraktion. 1922 Gemeindevorsteher in Wenden, trat er später politisch nicht mehr hervor. Heinrich Röhrs starb am 10. November 1960 in Wenden.

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Romberg, Walter

* 27.12.1928 – ✝ 23.5.2014

Geb. in Schwerin; 1947 Abitur; danach Studium der Mathematik u. Physik an der Univ. in Rostock, 1950 – 54 Mathematikstudium an der HU Berlin, Dipl.-Mathematiker; ab 1954 am Inst. für Reine Mathematik der DAW tätig, 1954 – 65 wiss. Mitarb.; Prom. auf dem Gebiet der Zahlentheorie; 1965 – 78 Chefred. der »Zentralblätter für Mathematik«; 1978 – 90 Ltr. der Abt. Wiss. Information, Edition u. Bibliothek am Inst. für Reine Mathematik der AdW der DDR; seit 1960 Engagement in der kirchl. Laienarbeit; seit 1976 Mitarb. in Studiengr. der Theolog. Studienabt. beim Bund der Ev. Kirchen, hier Friedensforschung; Mitarb. in der Friedensbew. u. langj. Sozialarbeit mit Rentnern; Veröff. zu Sicherheitspol. u. Abrüstung, alternativ-defensiven Militärstrukturen, Abrüstungsmodellen; Okt. 1989 SDP; Mitgl. der Grundsatzkommission; 5.2.1990 Min. ohne Geschäftsber. in der Reg.  Hans Modrow; Ltr. der Expertendelegation für die Verhandlungen über die Währungsunion; 12.4. – 20.8. 1990 Min. für Finanzen (Nachf. von  Uta Nickel) in der Reg.  Lothar de Maizière; 18.5. Mitunterz. des 1. Staatsvertrags DDR – Bundesrep. Dtl. 1990 – 94 Abg. des Europ. Parlaments; anschl. Berater der Ges. für Techn. Zusammenarbeit (GTZ) bei einem Projekt zur Beschäftigungspol. der kasach. Reg.; Ltr. des Otto-Wels-Bildungswerks der SPD in Potsdam; Ruhestand; gest. in Teltow.Helmut Müller-Enbergs

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Rompe, Robert Wilhelm Herrmann

* 10.9.1905 – ✝ 6.10.1993

Geb. in St. Petersburg; Vater Kfm. u. Vertreter, Mutter Malerin; bei Kriegsausbruch Ausweisung der Fam. als »feindl. Ausländer«, 1914 nach Dtl. übergesiedelt; 1915 – 23 Mommsen-Gymnasium in Berlin-Charlottenburg; 1923 – 27 Studium der Fernmeldetechnik an der TH u. 1927 – 30 der Physik an der Univ. Berlin; hier 1930 Prom. mit »Beiträge zur Analyse des S2-Spektrums« bei Peter Pringsheim, anschl. Ass. bei Pringsheim; 1932 – 45 wiss. Mitarb. bei der Studienges. für elektr. Beleuchtung der Osram KG, führend beteiligt an der Entw. neuer Lichtquellen, erfand u. a. die Quecksilberhöchstdrucklampe mit rundem Kolben; 1932 KPD in Berlin-Charlottenburg, doch zuvor schon u. bis 1935 für den BB-Apparat (KPD-Nachrichtendienst, Industriespionage) u. die GRU tätig (»Artur«, »Oskar«); gehörte 1933 – 36 der illeg. Gruppe von Hermann Ulfert an, später auch Kontakte zu anderen Widerstandsgr.; 1935 – 45 mehrf. kurzz. inhaftiert u. verhört; 1939 – 45 Biophysiker am Kaiser-Wilhelm-Inst. für Genetik in Berlin-Buch. 1945/46 stv. Ltr. u. 1946 – 49 HA-Ltr. für HS u. Wiss. in der Dt. ZV für Volksbildung; arbeitete ab 1945 weiter für den sowj. Nachrichtendienst (MWD/KGB) u. a. als »Tipper«, später auch für die HV A (»Frank«); 1946 – 50 Mitgl. des PV der SED, 1958 – 89 des ZK der SED; 1946 ord. Prof. u. bis 1968 Dir. des II. Physikal. Inst. an der HU Berlin; 1947 Heirat mit Elisabeth Jessen-Baumgarten (der Tochter von  Arthur Baumgarten) Dez. 1950 – Sept. 1951 Funktionsverbot wg. früheren Kontakten zu Noel H. Field, von der ZPKK ausgegeben u. nach  Walter Ulbrichts Intervention zurückgenommen; 1950 – 58 Dir. des Inst. für Strahlungsquellen u. 1958 – 70 des Physikal.-Techn. Inst. (ab 1969 ZI für Elektronenphysik) der DAW; 1951 NP; 1953 Ord. Mitgl. der DAW; Apr. 1953 erneute ZPKK-Untersuchung im Kontext des Noel-Field-Komplexes, Ende 1953 abgebrochen; 1954 – 87 Mitgl. des Präs. der DAW/AdW; 1954 – 63 u. 1969 – 87 Sekr. der Kl. Mathematik / Physik (Nachf. von  Gustav Hertz); 1963 – 68 stellv. u. amt. Gen.-Sekr. der DAW; 1957 – 68 Vorstandsmitgl. der Forschungsgem. u. Ltr. versch. wiss. Räte der Akad.; 1957 – 90 Mitgl., ab 1979 Ehrenmitgl. des Forschungsrats; 1959 Banner der Arbeit; 1970 VVO; em.; 1970 – 87 Vors. der Physikal. Ges.; 1975 u. 1980 KMO; 1975 Ehrentitel »Hervorragender Wissenschaftler des Volkes«; 1985 Stern der Völkerfreundschaft; Mitgl. zahlr. Akad. u. Dr. h. c. mehrerer Univ.; 1989 Dr. h. c. der AdW der UdSSR; gest. in Berlin; Adoptivsohn  Arthur Alexander R. (Sänger der Punk-Band »Feeling B«). Hauptarbeitsgebiete: Plasmaphysik, physikal. Grundlagen der techn. Lichterzeugung, Erfinder der Quecksilberhöchstdrucklampen mit kugelförmigen Kolben; Festkörperphysik, Kristallphosphore, Theorie der Supraleitung; Biophysik; erkenntnistheoret. Probleme der Physik; Wissenschaftsorg. u. -geschichte; Initiator von Memoranden zur physikal. Forschung in der DDR; Mithrsg. mehrerer wiss. Lehrbücher u. Ztschr.Theorie elektr. Lichtbögen u. Funken. Berlin 1949 (zus. mit W. Weizel); Ausgew. Vorträge u. Aufsätze. Berlin 1980, 1985; Zählen u. Messen. Berlin 1988 (mit H.-J. Treder). Stiller, W.: Im Zentrum der Spionage. Mainz 1986; Hoffmann, D.: R. R. Graue Eminenz der DDR-Physik. In: Physik Journal (2005) 4; Barth, B.-R., Schweizer, W. (Hrsg.): Der Fall Noel Field. 2 Bde. Berlin 2005 u. 2007.Peter Nötzold / Bernd-Rainer Barth

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Roßberg, Kurt

* 7.5.1906 – ✝ 19.8.1991

Geboren am 7. Mai 1906 in Leipzig, Sohn einer Arbeiterfamilie; lernte Maschinenschlosser. 1920 trat er in die FSJ ein, 1923 wurde er Mitglied der KPD. 1928/29 war Roßberg hauptamtlicher Sekretär des ZK des KJVD und arbeitete 1930/31 als Volontär bzw. Redakteur bei der »Sächsischen Arbeiterzeitung« in Leipzig. 1931/32 Kursant an der Internationalen Leninschule in Moskau, kam nach seiner Rückkehr im Dezember 1932 als Chefredakteur an die »Niedersächsische Arbeiterzeitung« in Hannover. Ab Februar 1933 Orgleiter der illegalen BL Niedersachsen. Roßberg wurde 1934 verhaftet und zu zwei Jahren und drei Monaten Zuchthaus verurteilt. 1939 erneut inhaftiert und in das KZ Buchenwald überführt, aus dem er 1940 entlassen wurde. 1940 Maschinenschlosser in Leipzig, hier 1942 zur Wehrmacht einberufen. Roßberg gehörte zur Widerstandsgruppe um Georg Schumann in Leipzig, deshalb 1944 festgenommen, er saß bis zur Befreiung in U-Haft in Leipzig. 1945 zeitweise Bürgermeister von Leipzig, Leiter der Volkssolidarität in Sachsen, von 1946 bis 1950 Hauptgeschäftsführer der Volkssolidarität für die SBZ. Wie Karl Plesse durfte er wegen Vorwürfen (Zusammenarbeit mit der Gestapo) keine Parteifunktionen ausüben. Dann FDGB-Funktionär; 1952 Redakteur bzw. stellvertretender Chefredakteur der »Tribüne«. Roßberg wurde im Zusammenhang mit dem Aufstand vom 17. Juni 1953 wegen »kapitulantenhaften Verhaltens« abberufen und nur noch als Wirtschaftsredakteur eingesetzt. Von 1962 bis 1971 stellvertretender Chefredakteur der »Tribüne«, er erhielt 1965 den VVO in Silber. Kurt Roßberg starb am 19.August 1991 in Berlin.

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Rose, Berthold

* 4.12.1904 – ✝ 6.6.1965

Geb. in Berlin; Vater Arbeiter; Volksschule; 1920 – 24 Landarb. u. Besuch der Landw.-FS in Luisenhof (b. Oranienburg); 1925 Freie Dt. Gewerkschaft; als Arbeiter u. Angest. in Industriebetrieben tätig; Wehrmacht; sowj. Kriegsgefangenschaft, Lehrer an einer Antifa-Schule. 1949 Rückkehr nach Dtl.; KB; DBD; Ltr. der Abt. Org. des PV, 1949 – 63 Mitgl. des PV der DBD u. seines Sekr., 1955 – 60 auch des Präs.; 12.2.1951 – 1960 Gen.-Sekr. (Nachf. von  Paul Scholz), 1960 Abschaffung der Funktion des Gen.-Sekr. u. Minderung der Spannungen zum Parteivors.; 1949 – 63 Mitgl. des Präsidialrats des KB; ab 1950 Mitgl. des NR der NF u. Vors. der Arbeitsgr. Landw.; 1950 – 63 Abg. der Volkskammer; Vors. der DBD-Fraktion u. Mitgl. des Ältestenrats; Mitgl. des Aussch. für Ausw. Angelegenh. u. des Wirtschaftsaussch.; ab 1954 Mitgl. des Präs. der Dt. Liga für die Vereinten Nationen; 1955 Arbeitsorden (VR Vietnam); 1955 – 58 Mitgl. des Zentralvorst. der DSF; 1963 aller Funktionen enthoben, anschl. Dir. eines DEFA-Zweigbetriebs in Berlin-Johannisthal.Siegfried Kuntsche / Helmut Müller-Enbergs

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Rosenbaum, Kurt

* 30.3.1896

Geboren am 30. März 1896 in Lippstadt, Sohn eines Bankiers; lernte Kaufmann und wurde Büroangestellter. Im Krieg kurze Zeit Soldat, nach der Revolution 1918 Übersiedlung ins Ruhrgebiet, Angestellter der Konsumgenossenschaft. Seit 1918 Mitglied der USPD, mit dem linken Flügel 1920 zur KPD. Delegierter des VII. Jenaer Parteitages 1921. 1922 von der Konsumgenossenschaft entlassen, wurde er hauptamtlicher Mitarbeiter der KPD. Zunächst Redakteur in Essen, ab 1923 Orgleiter des Bezirks Rheinland-Westfalen-Nord (später Ruhr). Ende 1923 schloß sich Rosenbaum dem linken Parteiflügel an. Einige alte Linke (wie etwa Eugen Eppstein) betrachteten ihn mißtrauisch als einen Opportunisten. Auf dem Bezirksparteitag Ruhr am 9.März 1924 wurde Rosenbaum von der linken Mehrheit zum Polleiter bestimmt und im Mai 1924 im Wahlkreis Westfalen-Süd in den Reichstag gewählt. Die Ruth-Fischer-Führung sandte ihn im Juni 1924 als Polleiter in den Bezirk Halle-Merseburg, früher von der Mittelgruppe dominiert, jetzt von den Linken. Von November 1924 bis Januar 1925 inhaftiert, im Dezember 1924, diesmal im Wahlkreis Merseburg, in den Reichstag gewählt, dem er bis 1928 angehörte. Bis zum »Offenen Brief« im August 1925 blieb er Polleiter in Halle-Merseburg, doch obwohl er sich für den »Offenen Brief« aussprach, setzte ihn die neue Thälmann-Führung ab. Das ZK schickte ihn im September 1925 als Chefredakteur nach Stuttgart, dort im Oktober verhaftet, kam aber als Abgeordneter schon bald frei. Rosenbaum war anschließend wieder in Berlin, in der Folge vor allem für Reichstagsarbeiten freigestellt sowie in verschiedene Redaktionen entsandt. 1927 arbeitete er einige Zeit an der »Sozialistischen Republik«, dem KPD-Organ in Köln, löste im August 1928 Paul Langner als Chefredakteur an der Mannheimer »Arbeiter-Zeitung« ab, im Mai 1929 wieder in untergeordneter Funktion in Berlin. Ende 1929 wurde er in Königsberg Chefredakteur des KPD-Organs »Echo des Ostens«, Ende 1931 vom Reichsgericht in Leipzig wegen Vergehens gegen das Pressegesetz zu einer Geldstrafe verurteilt. Über Kurt Rosenbaums weiteren Lebensweg ließ sich nichts in Erfahrung bringen, 1937 soll er in Leipzig arbeitslos gemeldet gewesen sein. Es ist zu vermuten, daß er als Jude emigrierte oder aber im KZ ermordet wurde.