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BioLex

In der Kategorie BioLex finden Sie drei biografische Lexika mit über 5500 Personeneinträgen.

 

Das Handbuch "Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945" wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam. Kurzbiografien zu Personen des poltischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 vor. Zudem ist das Onlinlexikon www.dissidenten.eu komplett in dieser  Rubrik recherchierbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Inforamtionen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Handbuch Deutsche Kommunisten

Bischoff, Fritz

* 1.7.1900 – ✝ 3.5.1945

Geboren am 1. Juli 1900 in Rixdorf bei Berlin, Sohn einer Arbeiterfamilie. Nach kaufmännischer Lehre Angestellter. Er schloß sich 1916 der Spartakusgruppe und 1918 der KPD an. Ab 1921 arbeitete er bei der Universum-Film AG (UFA). Wegen seiner kommunistischen Tätigkeit 1922 gemaßregelt, war er anschließend bis Dezember 1930 Angestellter bei der sowjetischen Handelsvertretung in Berlin und Hamburg. Bischoff leitete ehrenamtlich die Agitpropabteilung der BL Berlin-Brandenburg bzw. Wasserkante in Hamburg. Ende 1930 Vorsitzender der Interessengemeinschaft für Arbeiterkultur und des Verbandes der proletarischen Freidenker, 1933 Polleiter der BL Hessen- Frankfurt/M. Im September 1934 in Heidelberg verhaftet und Ende Dezember zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt, 1942 aus dem Zuchthaus Kassel-Wehlheiden in das KZ Sachsenhausen und 1944 in das KZ Neuengamme verbracht. Er gehörte Anfang Mai 1945 zu den tausenden Gefangenen, die von der SS auf das Schiff »Cap Arcona« in der Lübecker Bucht getrieben wurden. Bei der Versenkung des Schiffs am 3. Mai 1945 durch die britische Luftwaffe kam Fritz Bischoff ums Leben. Seine Frau Charlotte Bischoff, geborene Wielepp (* 5. 10. 1901 – † 4. 11. 1994), Kontoristin und Stenotypistin, wurde 1920 Mitglied des KJVD, 1923 der KPD. 1923 Heirat mit Fritz Bischoff, ab 1930 Stenotypistin im ZK der KPD. 1933 illegale Arbeit. Im Dezember 1933 Emigration mit ihrer Tochter Renate (* 9. 9. 1924, spätere Ehefrau des SED-Politbüromitglieds Bruno Leuschner) in die UdSSR. Mitarbeiterin der MOPR bzw. der Abteilung Internationale Verbindungen des EKKI in Moskau. Von Februar 1935 bis November 1937 im Auftrag der Komintern in den Niederlanden und in Dänemark, ab Dezember 1938 in Schweden. Dort Anfang 1939 inhaftiert, anschließend Haushaltshilfe beim sowjetischen Handelsvertreter. Im Juni 1941 reiste Charlotte Bischoff im Auftrag von Herbert Wehner und Karl Mewis zur illegalen Arbeit nach Deutschland, bekam Ende Juli 1941 Verbindungen zu Widerstandsgruppen, auch zur Saefkow-Gruppe. 1942 arbeitete sie zeitweise mit Wilhelm Knöchel zusammen. Ab Mai 1945 zunächst Stenotypistin für die sowjetische Kommandantur in Berlin-Charlottenburg. Von 1947 bis 1952 Leiterin der Abteilung Sozialpolitik des FDGB Groß-Berlin, von 1952 bis 1957 Vorsitzende der Sozialhilfe in Ost-Berlin.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Bitsch, Wilhelm

* 1.6.1893 – ✝ 28.11.1941

Geboren am 1. Juni 1893 in Walldorf, lernte Maurer und wurde im Krieg Soldat. 1918 trat er der USPD, 1922 der KPD bei. Mitglied der BL Hessen-Frankfurt und Funktionär in Mörfelden, wo er 1. Beigeordneter der Stadt wurde. Nach den Unruhen in Mörfelden 1932, die der KPD als stärkster Partei angelastet wurden, flüchtete er in die UdSSR. Seine Frau und zwei Töchter folgten ihm. Bitsch arbeitete in Stalinogorsk, wo er am 13. Juli 1937 verhaftet wurde. Das Sondertribunal beim NKWD verurteilte ihn am 27.Dezember 1937 zu zehn Jahren Arbeitslager, Frau und Kinder wurden nach Hitler-Deutschland ausgewiesen. Wilhelm Bitsch starb am 28.November 1941 im Gulag, 1989 wurde das Urteil in der UdSSR aufgehoben.

Wer war wer in DDR

Bittrich, Hans-Joachim

* 1.6.1923

Geb. in Dresden; Vater Angest. 1946 Abitur; bis 1951 Studium der Chemie an der Univ. Leipzig; 1954 Prom. bei  E. Leibnitz zur Kaustifizierung von Natriumsulfat; 1961 Habil. zur Berechnung der Phasengleichgewichte ternärer Dampf-Flüssigkeitssysteme; ab 1955 HS-Lehrer an der TH für Chemie »Carl Schorlemmer« Leuna-Merseburg, bis 1960 Oberass., 1958 – 60 Prorektor, 1960 Doz., 1962 Prof. für Physikal. Chemie, 1963 / 64 Dekan, 1964 – 68 Rektor (Nachf. von Rolf Landsberg), 1969 – 74 u. 1985 – 88 erneut Dekan; 1.6.1988 em.; 1969 – 75 Vors. (Nachf. von Hans Singer), 1975 – 88 Ehrenmitglied der Chem. Ges. der DDR; 1967 Ehrendoktor des Leningrader Technolog. Inst.; 1975 Kekule-Medaille der Chem. Ges. der DDR; 1979 Ehrenmitglied der Poln. u. 1983 der Tschechoslowak. Chem. Ges.; lebt in Merseburg.Klaus Krug

Handbuch Deutsche Kommunisten

Blatt, Max

* 1905 – ✝ 1978

Geboren 1905 als Moses Blad, Sohn eines polnisch-jüdischen Arbeiters; er kam als Lederarbeiter vor dem Ersten Weltkrieg nach Breslau. 1923 Mitglied des KJVD, Mitglied der BL Schlesien des KJVD und später auch des ZK des Jugendverbandes. Funktionär bei der Gewerkschaft der Lederarbeiter, 1927 hauptamtlicher Mitarbeiter in der Gewerkschaftsabteilung des ZK der KPD in Berlin. Aus Protest gegen die Spaltungspolitik der RGO legte er schon 1928 seine Funktion nieder und ging nach Breslau zurück, wo er aktiv in der KPO wirkte. Mit der Minderheit der KPO trat Blatt 1932 der SAP bei. 1933 wurde er verhaftet und als polnischer Staatsbürger ausgewiesen. In Polen arbeitete er für die Gruppe »Neu Beginnen« und gelangte 1939 über die Sowjetunion nach Shanghai, wo er bis Kriegsende (unter japanischer Besatzung) im jüdischen Ghetto lebte. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam er nach Australien, Max Blatt soll 1978 in Melbourne gestorben sein.

Wer war wer in DDR

Blechinger, Beate

* 22.5.1947

Geb. in Dresden; 1964 Abitur; 1964 – 69 Lehrerstudium an der EMAU Greifswald (Math. u. Russ.), Dipl.-Lehrerin; 1969 – 72 Lehrerin in Bad Sulza (Krs. Apolda), 1972 – 86 in Fredersdorf (Krs. Strausberg); FDGB; 1986 – Apr. 1990 Ing. für Betriebsorg. u. Datenverarb. im Rechenzentrum in Neuenhagen (Krs. Strausberg); Jan. – Juni 1990 DSU, ab Febr. stellv. Parteivors. u. Mitgl. des Präs. der DSU; April – Okt. 1990 Ltr. des Ministerbüros des Min. für wirtsch. Zusammenarb., 3. – 27.10. 1990 Referatsltr. in der Außenstelle Berlin; Aug. 1990 CDU. Mai 1990 – 98 Abg. des Kreistags Märk. Oderland; Okt. 1990 – 94 u. seit 1999 MdL Brandenb., 1990 – 92 Parl. Geschäftsf. der CDU-Fraktion; 1995 – 99 Lehrerin am Gymnasium Bernhardinum in Fürstenwalde, 1998/99 stellv. Schulltr.; 1999 – 2004 Vors. der CDU-Fraktion im Landtag Brandenb. (Nachf. von Wolfgang Jackel); seit 2004 Min. der Justiz des Landes Brandenb. (Nachf. von Barbara Richstein); seit März 2006 Krs.-Vors. der CDU Märkisch-Oderland.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Blessing, Klaus

* 24.9.1936

Geb. in Liegnitz (Niederschles./Legnica, Polen); Vater kfm. Angest.; Volks- u. Oberschule, Studium an der KMU Leipzig, 1958 Dipl.-Wirtsch.; 1958 – 66 Betriebswirtsch. im VEB Maxhütte; 1966 Studium an der Ingenieurschule Henningsdorf; 1966/68 Ltr. einer Abt. im VEB Eisenerz-Roheisen; 1967 SED; 1968 – 70 Bereichsltr. im VEB Eisenhüttenkombinat, 1970 – 79 Ltr. der Abt. Planung u. Ökon. u. 1980 – 86 Staatssekr. im Min. für Erzbergbau, Metallurgie u. Kali; 1979/80 Studium an der PHS; 1986 – 89 Ltr. der Abt. Maschinenbau des ZK der SED (Nachf. von  Gerhard Tautenhahn); Dez. 1989 bis zum Rücktritt der Reg.  Modrow, Stellv. Min. für Schwerindustrie unter Min.  Singhuber.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Block, Heinz

* 11.2.1925

Geb. in Aschersleben; Vater Arbeiter; Volksschule; Ausbildung zum Industriekaufm. u. Arbeit als kaufm. Angest.; 1943 – 45 RAD u. Wehrmacht. 1945 – 52 Einkaufs- u. Verkaufsltr., Treuhänder, 2. Geschäftsf. bzw. kaufm. Ltr. in einer Fa. in Aschersleben; 1952 SED, 1952 / 53 Innenrevisor u. Ltr. für Abwicklung beim Konsumverband Aschersleben; 1953 / 54 kaufm. Dir. des VEB Optima Aschersleben; Fernstud. an der Finanzschule Brandis u. an der DASR Potsdam, Dipl.-Staatswiss.; 1954 – 59 Sekr. bzw. 1. Stellv. des Vors. des Rats des Krs. Aschersleben; 1959 – 67 Vors. des Rats des Krs. Wittenberg; 1968 – 70 Stellv. des Vors. des Rats des Bez. u. Vors. des Bezirkswirtschaftsrats Halle; Mitgl. u. zeitw. auch Mitgl. des Sekr. der SED-BL Halle; 1970 – 75 stellv. Minister bzw. Staatssekr. für Bezirksgeleitete u. Lebensmittelindustrie; ab Febr. 1976 Hauptdir. im Staatl. Getränkekontor; ab 1980 GD des VEB Kombinat Spirituosen, Wein u. Sekt Berlin; 1975 VVO; 1990 Rentner.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Bluhm, Carola

* 16.11.1962

Geb. in Berlin; 1969 – 79 POS; 1982 Abitur mit Berufsausb. zur Facharb. für Obstprod.; 1982 SED; 1982 – 87 Studium der Soziol. an der HU Berlin, Dipl.-Soziol.; 1987 – 91 wiss. Ass. an der HfÖ Berlin; Mai – Dez. 1990 Mitgl. der Stadtverordnetenvers. Berlin, PDS-Fraktion. Seit Jan. 1991 Mitgl. des Berliner Abg.-Hauses; 1995 – 2001 Vors., dann stellv. Vors. der PDS-Fraktion; hat 2005 wieder ihren Geburtsnamen Bluhm angenommen 2004/05 Mitgl. der Enquete-Kommission des Abg.-Hauses »Eine Zukunft für Berlin«; seit 2006 Vors. der Fraktion PDS bzw. Die Linke im Berliner Abg.-Haus.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Bobach, Carl

* 13.4.1898 – ✝ 8.5.1965

Geb. in Waldenburg (Sachsen); Vater Töpfer, später Bauhilfsarb., Mutter Näherin, Wasch- u. Scheuerfrau; 1901 Umzug der Fam. nach Chemnitz; 1904 – 12 Volksschule; Handelslehrling in einer Tapetenfabrik; 1912 SAJ; ab 1914 Arbeit in der Automobilfabrik »Presto« u. in der Stahlgießerei Krautheim in Chemnitz; 1914 Zentralverb. der Handlungsgehilfen; 1916 wegen antimilitarist. Einstellung Ausschluß aus der SAJ, danach Spartakusbund; 1917 Soldat, jedoch wegen »schwächlicher Konstitution« kein Fronteinsatz; Mitgl. der Freien Soz. Jugend, dann USPD; bei Gründung Mitgl. der KPD u. KJV in Chemnitz; zunächst KJV-Jugendleiter, später bis 1925 Mitgl. der KJV-BL Chemnitz (Erzgeb. / Vogtland), verantw. für Agit., Prop. u. Org.; 1920 Arbeiter in einem Konfektionsbetrieb in Chemnitz, nach dem Kapp-Putsch entlassen; 1923 Fahrradpacker in den Diamant-Werken, beim Reichswehreinmarsch fristlos entlassen; bis März 1924 arbeitslos; in dieser Zeit des Verbots der KPD weiter illeg. polit. Arbeit; ab April im Parteiauftrag Red. der KPD-Ztg. »Der Kämpfer« in Chemnitz; 1929 wegen Veröffentl. »staatsfeindl. Artikel« zu einem Jahr Festungshaft verurteilt, Haft im Amtsgericht Auerbach (Vogtl.); ab Jan. 1931 Mitarb. der KPD-Wochenztschr. »Illustriertes Volksecho« in Leipzig, Jan. – März 1933 des Kommunist. Pressediensts in Berlin (teilw. Illeg.); ab März 1933 Sekr. bzw. Kurier der illeg. KPD-BL Sachsen, später Agitprop-Ltr. für Westsachsen; Nov. 1933 in Leipzig verhaftet; Juli 1934 vom Oberlandesgericht Leipzig wegen »Vorbereitung zum Hochverrat« zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt, Haft im Zuchthaus Waldheim, 1937 Überführung in das KZ Sachsenburg; Apr. 1939 Entlassung, anschl. Arbeit auf einem Schrotthof; ab 1942 als Geschäftsf. einer Holzfabrik; ab 1941 erneut illeg. polit. Arbeit; Jan. 1944 zum Strafbataillon 999 nach Baumholder einberufen, Aug. 1944 mit dem Bataillon. nach Frankreich; Sept. 1944 amerikan. Kriegsgef.; 1944 – 46 in versch. Kriegsgefangenenlagern in Frankreich. März 1946 Rückkehr nach Chemnitz; SED; Apr. 1946 Ltr. der Abt. Presse u. Information, dann Ltr. des Ressorts Presse in der Abt. Agitation der SED-LL in Dresden; März 1950 – Dez. 1952 stellv. Ltr., zuletzt Ltr. des Amts für Information im Land Sachsen; Jan. 1953 – 61 Chefred. der »Sächsischen Zeitung« in Dresden (Nachf. von  Otto Trillitzsch); 1958 – 60 Mitgl. der SED-BL Dresden; 1960 Rentner; gest. in Dresden.SED-BL Karl-Marx-Stadt (Hrsg.): Revolutionäre Kämpfer. Biogr. Skizzen. Karl-Marx-Stadt 1970.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Bobeth, Wolfgang

* 15.2.1918 – ✝ 2.4.1996

Geb. u. aufgewachsen in Löbau; Vater Germanist; 1937 Abitur; Maschinenbaustudium, Fachrichtung Textiltechnik in Breslau, Aachen u. Dresden; 1941 – 45 Assistent u. wiss. Mitarb. am Lehrstuhl für Faserstoffkunde der TH Dresden, 1943 dort Prom. zum Dr.-Ing. 1945 – 50 Tätigkeit in der Industrie in Löbau u. Bautzen; 1950 – 55 wiss. Mitarb. u. Abt.-Ltr. am Inst. für Technol. der Fasern der DAW in Pirna u. Dresden sowie Lehrbeauftragter an der TH Dresden; 1955/56 wiss. Mitarb. im Min. für Leichtindustrie; 1956 Habil. an der TH Dresden mit einer Arbeit zur Gebrauchswertsteigerung von Glasfaser-Textilien; 1957 – 88 als Prof. für Textiltechnik in versch. akadem. Ämtern u. Funktionen an der Fak. für Technol. bzw. der Sektion Verarbeitungs- u. Verfahrenstechnik der TH/TU Dresden; 1959 – 81 gleichzeitig Dir. des Inst. für Technol. der Fasern der DAW/AdW (Nachf. von Walter Frenzel) in Dresden (seit 1971 hauptamtl.); enge fachl. u. wissenschaftspolit. Zusammenarb. mit  Erich Correns u.  Hermann Klare; 1962 – 84 Mitgl. des Forschungsrates; 1967 Mitgl. der DAW, 1969 Fellow of the Royal Textile Institute of Great Britain, 1989 Ehrenmitgl. des Verbandes der Poln. Textilfachleute; 1964 NP, 1974 u.1988 VVO.Anorgan. Textilfaserstoffe – Asbest, Glas, Schlacke, Gestein. Berlin 1955 (Hrsg. mit W. Böhme u. J. Techel); Zur Quantifizierung des Gebrauchswertes, dargestellt am Beispiel textiler Werkstoffe. Sitzungsberichte der AdW der DDR, 1 N, Berlin 1980; Textile Faserstoffe – Beschaffenheit und Eigenschaften. Berlin u. a. 1993 (Hrsg. mit W. Berger).Günter Dörfel

Wer war wer in DDR

Bochow, Frank

* 12.8.1937 – ✝ 10.4.2012

Geb. in Dresden; Vater kfm. Angest.; OS, Abitur; Freundschaftsratsvors. der Jungen Pioniere; 1951 FDJ, 1955 FDGB, 1956 SED; 1955 – 61 Studium am Inst. für Internat. Beziehungen in Moskau, Dipl.-Staatswiss.; 1962/63 hauptamtl. u. pol. Mitarb. im ZR der FDJ, 1963 – 65 Vertreter der FDJ im WBDJ, 1965 – 76 Sekr. für internat. Verbindungen im ZR der FDJ; 1973 VVO; 1976/77 Mitarb. im Min. für Ausw. Angelegenh.; 1977 – 81 Botschafter in Portugal (Nachf. von Erich Butzke); Apr. 1982 – Nov. 1989 Sekr. für Internat. Verbindungen des BV des FDGB; 1984 – 89 Vizepräs. des Friedensrats; 1986 – 89 Abg. der Volkskammer, stellv. Vors. des Aussch. für Ausw. Angelegenh.; 1986 – 89 Mitgl. des Gen.-Rats u. des Büros des WGB; 1990 zunächst Buchbindereiarb., dann ab Juni Mitarb. in einem Reisebüro; publ. in den Mitteilungen der Kommunist. Plattform der PDS.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Bodag, Wolfram (»Boddi«)

* 3.5.1950

Geb. in Bad Freienwalde; Vater Literaturwiss.; POS in Falkenberg, 1968 Abitur in Bad Freienwalde; studierte zeitw. Klavier an der Musikschule Berlin-Friedrichshain u. Kulturwiss. an der HU Berlin; zunächst Mitarb. in den Bands »Mobil« u. »Pardon«; 1975 Begr. u. seitdem Bandchef (Sänger, Pianist, Komponist u. Texter) der Gruppe »Engerling«, die in den folgenden Jahren mit inzwischen legendären Titeln wie »Tommy Simpson«, »Mama Wilson« u. »Narkose Blues« zur populärsten ostdt. Blues- u. Boogie-Band avancierte; 1983 Mitgl. der »Amiga-Blues-Band« (LP »Not Fade Away«); Sept. 1989 Gastspiel mit »Engerling« in Hamburg (erste Westreise der Band). Seit 1994 jährl. Europa-Tourneen mit dem Detroiter Bluesmusiker Mitch Ryder, als dessen europ. Konzert- u. Studioband »Engerling« seitdem fungiert; neben der Arbeit mit »Engerling« zahlr. Kompositionen für Hörspiel u. Film, u. a. »Auf dem Sprung« (Jugendfilmdrama von R. Evelyn Schmidt, 1984); Märchenhörspiele sowie Rundfunk- u. Theaterprod., insb. mit dem Regisseur Werner Buhss; lebt in Berlin. Mit »Engerling« produziert W. B. seit fast 30 Jahren eigenwillige Geschichten, moderne Boogie- u. Rockmusik u. intensive Interpretationen der Blues- u. Rockgeschichte. Musikproduktionen: 1977 Single »Weiße Ziege«/»Da hilft kein Jammern«; 1978 LP »Engerling Blues«; 1981 LP »Tagtraum«; 1989/97 CD »So oder So«; 1992 CD »Legoland«; 1994 CD u. Video »Live in Berlin – Franzklub« (Mitch Ryder u. Engerling); 1994 CD »Mitch Ryder & Engerling – Rite of Passage u. Engerling live«; 1997 CD »Komm vor«; 1998 CD »Engerling spielt Stones«, 2000 Live-Doppel-CD »25 Jahre Engerling«; 2002 CD »The Old Man Springs A Boner – Mitch Ryder & Engerling«; 2004 CD »A Dark Caucasian Blue – Mitch Ryder & Engerling«.Leitner, O.: Rockszene DDR. Berlin 1981; Balitzki, J.: Rock aus erster Hand. Berlin 1985; Rauhut, M.: Politik mit Musik. Rock in der DDR 1964 bis 1989. Bonn 2002; Kriese, K.: Blues over Beethoven. In: Rauhut, M., Kochan, Th. (Hrsg.): Bye, bye Lübben City. Berlin 2004.Konstanze Kriese

Handbuch Deutsche Kommunisten

Bischoff, Hermann

* 18.10.1875 – ✝ 16.12.1959

Geboren am 18. Oktober 1875 in Gräfenroda, Sohn eines Kleinbauern; Streckenarbeiter, erlernte während seiner Wanderschaft das Müllerhandwerk. Er kehrte in seine Thüringer Heimat zurück, wo er sich noch vor dem Weltkrieg der SPD anschloß. 1916 wurde er Soldat und ging 1917 zur USPD. 1920 Mitglied der KPD und Mitbegründer der Notgemeinschaft der Roggenschuldner, einer der KPD nahestehenden Kleinbauernorganisation in Thüringen. Im Oktober 1923 delegierte ihn die Zentrale der KPD zum 1. Internationalen Bauernkongreß nach Moskau. Von 1924 bis 1927 KPD-Landtagsabgeordneter in Thüringen (Wahlkreis Arnstadt) und Mitglied der BL (Abt. Land). Eine erneute Kandidatur für den Landtag wurde 1927 durch die BL verhindert. Bischoff zog sich aus der Parteiarbeit zurück und machte sich selbständig auf einem Waldgut in Ölschroda bei Friedersdorf. Hier nach 1933 Pächter einer Gastwirtschaft. Am 22.August 1944 verhaftet und ins KZ Buchenwald eingeliefert, am 2.September 1944 wieder freigelassen. 1945 trat Bischoff der KPD bei, bis 1956 Vorsitzender des VdgB-Ortsausschusses Holzhausen und Parteisekretär am Ort. 1957 Übersiedlung nach Arnstadt; er erhielt den VVO in Bronze. Hermann Bischoff starb am 16. Dezember 1959 in Arnstadt.

Wer war wer in DDR

Bittel, Karl

* 22.6.1892 – ✝ 18.4.1969

Geb. in Darmstadt; Vater Bankbeamter; Volks- u. Oberrealschule in Freiburg i. Br.; Mitbegr. der Jugendorg. »Wandervogel«; 1911 Abitur; 1911 – 15 Studium der Volkswirtschaft, Rechtswiss. u. Geschichte an den Univ. Heidelberg, Freiburg u. Tübingen; ab 1911 zugl. Volontär an der »Freiburger Volksstimme«; 1913 – 16 Sekr. beim Konsumverein Esslingen; 1915 Prom. zum Dr. rer. pol. mit der Arbeit »Eduard Pfeiffer u. die dt. Konsumgenossenschaftsbew.«; 1917 Geschäftsf. im Lebensmittelamt Mannheim u. im Badischen Landeswohnungsverein Karlsruhe; 1918 Angehöriger des Arbeiter- u. Soldatenrats in Karlsruhe; 1918 – 24 Hrsg. u. Red. der linksradikalen Jugendztschr. »Pol. Rundbriefe«; 1919 KPD; 1920 Doz. an der Zentr. Parteischule der KPD in Jena; 1920/21 Red. der KPD-Ztg. »Kämpfer« (Chemnitz); 1922/23 Ltr. der Genossenschaftsabt. des ZK der KPD (Hrsg. der Ztschr. »Der kommunist. Genossenschaftler« u. »Die Genossenschaft im Klassenkampf«) u. von 1922/23 zugl. besoldeter Sekr. des Konsumvereins u. Stadtverordneter von Weißenfels; Nov. 1922 Ltr. der 1. Dt. Genossenschaftssekt., 1923 Deleg. auf dem 1. Weltkongreß der KI-Bauernorg. »Krestintern«; 1923 – 27 Aufenthalt in der UdSSR, 1925 – 27 Sekr. der COOP-Sekt. des EKKI; Aug. 1927 Rückkehr nach Dtl.; 1928 – 30 Ltr. des Org.-Büros der sowj. Handelsvertr. sowie von 1930 – April 1933 in gleicher Funktion bei der dt.-sowj. Derop AG in Berlin; Übersiedl. nach Ludwigshafen; Mai 1933 von der Gestapo am Bodensee verhaftet, bis 1934 in den KZ Heuberg u. Ulm inhaftiert, 1934 – 45 unter Polizeiaufsicht; wiss. Arbeiten, u. a. »Mesmer u. sein Problem« (1940) sowie 1942 eine Dokumentation über Paracelsus. 1945 Mitgl. des Sekr. u. der KPD-LL Baden; Vors. der VVN in Baden; 1946 – 48 Mitbegr. der KPD-Ztg. »Unser Tag« (Offenburg), Lizenzträger u. Chefred.; Mitgl. der KPD-LL.; Mai 1949 Übersiedl. in die SBZ; 1.6.1949 – 51 Geschäftsf., stellv. Ltr., 1951 – 57 Dir. des DIZ; 1949 – 57 Chefred. der Halbmonatsschrift »Dokumentation der Zeit«; 1951 – 53 1. Vors. des VDP (Nachf. von  Fritz Apelt); Honorarprof. an der KMU Leipzig; 1954 VVO; seit 1957 ord. Prof. für Allg. Geschichte der neuesten Zeit an der HU Berlin; Ende 1957 Gastvorlesungen in der UdSSR; 1958 wiss. Berater des Min. für Ausw. Angelegenh.; 1958 Medaille Kämpfer gegen den Fasch.; 1962 KMO; 1963 – 69 Mitgl. des Präs.-Rats des KB; Übersiedl. nach Ahrenshoop; stellv. Vors. des KB im Bez. Rostock; Fritz-Heckert-Medaille u. Franz-Mehring-Medaille; gest. in Berlin.Der Kommunistenprozeß zu Köln 1852 im Spiegel der zeitgenöss. Presse. Berlin 1955; Zeitgeschichte als Wissenschaft. Berlin 1956. Prokop, S.: K. B. als Publizist u. Zeithistoriker. In: Helsinki 1975. Genutzte Möglichkeiten u. verpasste Chancen. Berlin 2000.Bernd-Rainer Barth / Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Blankenhagen, Marianne

* 21.2.1928 – ✝ 5.6.2011

Geb. in Dresden; Vater Arbeiter; Volksschule; 1942 / 43 Landdienst; 1943 – 45 Lehrerinnenbildungsanstalt. 1945 Gärtnereiarb.; 1945 / 46 KPD / SED; 1946 / 47 Arbeitsgebietsltr., 1947 / 48 Sekr. einer FDJ-KL; 1947 – 49 Mitgl. des FDJ-ZR; 1948 – 50 Sekr., 1950 / 51 2. Sekr. einer SED-KL; 1951 / 52 Studium an der PHS der KPdSU in Moskau; 1952 2. Sekr. der SED-LL Brandenb.; 1952 – 56 2. Sekr., 1956 – 58 Sekr. für Agit. u. Prop. der SED-BL Frankfurt (Oder); ab 1960 Ltr. der SED-BPS »Wilhelm Liebknecht« in Ballenstedt; 1969 Prom. zum Dr. phil. an der MLU Halle-Wittenberg; 1964 – 69 Kandidat, 1969 – 86 Mitgl. der SED-BL Halle. Gest. in Berlin.Mario Niemann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Blau, Ewald (Thoma

* 12.6.1903 – ✝ 29.1.1939

Geboren am 12. Juni 1903 als Karl Thoma in Kaufbeuren, Sohn einer Arbeiterfamilie. Metallarbeiter in München, Bremen und Berlin. Im Januar 1919 Mitglied der FSJ. Thoma nahm an den Kämpfen der Bayerischen Räterepublik teil, er trat im März 1920 in die KPD ein und trug ab dieser Zeit den Parteinamen Ewald Blau. Im September 1920 inhaftiert und wegen Hochverrats angeklagt, gelang ihm die Flucht aus der Psychiatrischen Klinik in München, in die er zur Untersuchung seines Geisteszustandes gebracht worden war. Als blinder Passagier floh Blau über Stettin und Riga nach Moskau. Im Frühjahr 1922 nach Deutschland zurückgekehrt, arbeitete er als Maschinenschlosser in Berlin-Borsigwalde, wurde aber wegen seiner Beteiligung am Cuno-Streik 1924 entlassen. Er war seit 1923 im AM-Apparat tätig, ab 1924 Sekretär im illegalen Apparat des KJVD. Thoma-Blau war außerdem seit 1926 Archivar im ZK der KPD und zugleich von 1925 bis 1929 Polleiter der KPD Berlin-Moabit. Seine Zugehörigkeit zum AM-Apparat war bekannt, deshalb wurde er Ende 1925 verhaftet, aber nach einer nichtöffentlichen Sitzung des Staatsgerichtshofes am 11. März 1926 außer Verfolgung gesetzt. 1927 Delegierter des XI. Parteitages, in die Politische Kommission gewählt. Nach der Linkswendung von 1928 übernahm der dem linken Flügel angehörige Thoma-Blau auch wichtige politische Funktionen. Er gewann wesentlichen Einfluß auf die Geschäftsführung der KPD und nahm als Delegierter Berlins am XII. Parteitag 1929 teil. Nach dem Zusammenschluß der drei sächsischen Parteibezirke ging er im Juli 1930 als Agitpropsekretär nach Sachsen. 1931 war er Kursant an der Internationalen Leninschule in Moskau, dann nach seiner Rückkehr im August 1932 Mitarbeiter der Orgabteilung des ZK. Er galt 1932 als aktiver Anhänger der Neumann-Gruppe. Im April 1933 wurde Blau-Thoma gemeinsam mit Arthur Vogt in Berlin inhaftiert und zu zwei Jahren und drei Monaten Gefängnis verurteilt. Nach seiner Freilassung emigrierte er in die UdSSR und ging 1937 nach Spanien. Dort unter dem Namen Ernst Blank Politkommissar der XI. Internationalen Brigade, ist Ewald Blau am 29.Januar 1939 bei Cranolliers/Katalonien gefallen. Es gab Vermutungen, nach denen Blau in der KPD-Zentrale Polizeiagent gewesen war und der Abteilung IA des Berliner Polizeipräsidiums wichtige Informationen lieferte. Seine erstaunliche Freilassung 1926 nährte diesen Verdacht, der nie bewiesen wurde, da der tatsächliche Vertrauensmann der politischen Polizei im ZK nicht bekannt wurde. Blau war seit 1928 mit Emmi Christoph verheiratet gewesen, der späteren Frau von Georg Handke.

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Bleck, Martin

* 12.6.1919 – ✝ 15.4.1996

Geb. in Altdamm (Krs. Stettin/Dąbie, Polen); Vater Eisenbahnarbeiter, Mutter Näherin; Volksschule; 1933 – 39 Ausbildung zum Kfm., anschl. Handlungsgehilfe u. Angest. in Stettin; 1939 RAD; 1939 – 45 Wehrmacht, Ofw. 1945 Landarbeiter in Kochstedt (Krs. Aschersleben); 1945 – 48 Polizeipostenltr. u. Revierltr. VPKA Wismar; 1945/46 KPD/SED; 1948 Lehrgang an der Landespolizeischule Mecklenb.-Vorpom. u. Kommandoltr. der VP-Bereitschaft Schwerin; 1948/49 Stabschef der VP-Bereitschaft Schwerin/Rostock; 1949 Einsatzltr. VPS Primerwald; 1949/50 Sonderlehrgang der DVdI in der UdSSR; 1950 – 52 Kdr. der LVP-Bereitschaft Torgau; 1952/53 Chef TV Dessau; 1953 – 55 Kdr. der KVP-Bereitschaft Schwerin; 1955 – 57 Offz.-Hörer an der Militärakad. des Gen.-Stabs der Streitkräfte der UdSSR, 1957 Dipl.-Militärwiss.; 1958 – 64 Chef des Militärbez. V (Nachf. von  Hermann Rentzsch); 1959 Gen.-Major; ab Aug. 1964 Chef der Verw. Inspektion im MfNV; 1969 Mitgl. des NR der NF; 1971 Gen.-Ltn.; 1976 Kampforden für Verdienste um Volk u. Vaterland; 1979 VVO; 1980 Verdienter Angehöriger der NVA; 1980 entlassen; gest. in Berlin.Bernd-Rainer Barth

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Blinn, Klara

* 14.9.1895 – ✝ 27.12.1977

Klara Guntwolf wurde am 14. September 1895 in Rapperswil/Schweiz als Tochter eines Heizers geboren. Der Vater, ein Württemberger, war Sozialist, der mit der Familie durch die Lande zog. Nach der Schulentlassung arbeitete Klara Guntwolf fünf Jahre in der Schweiz und ein Jahr in Luxemburg als Hausmädchen. Sie kam dann nach Emmendingen im Schwarzwald, wo die Eltern seit 1908 wohnten, und fand Arbeit in einer Schuhfabrik. 1919 heiratete sie einen Arbeiter namens Blinn, im gleichen Jahr trat sie der USP bei und kam mit der linken USP 1920 zur KPD. Ab Mitte der zwanziger Jahre Mitglied der BL Baden, wurde sie vom XII. Parteitag 1929 als Kandidatin ins ZK gewählt. Seit 1931 erwerbslos, gehörte sie bis 1933 ehrenamtlich dem ZK an. 1933 einige Wochen verhaftet, danach wieder als Arbeiterin tätig und 1944 nochmals kurz inhaftiert. 1945 wieder Mitglied der KPD, ab 1969 der DKP, war sie für die Partei im lokalen Rahmen aktiv. Klara Blinn starb am 27.Dezember 1977 in Emmendingen.

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Blödorn, Karl

* 26.10.1906

Geboren am 26. Oktober 1906 in Stettin; Schiffskoch. Seit 1924 Mitglied der KPD, führender Funktionär des AM-Apparates in Pommern. 1932 Kursant an der M-Schule der Komintern in Moskau, Schuldeckname Theodor Silber. Im September 1932 kehrte er nach Stettin zurück und übernahm von Friedrich Wetzel die Leitung des AM-Apparates der BL Pommern. Im Juli 1933 in Stettin verhaftet, soll er bis zum Prozeß auf freien Fuß gesetzt worden sein. Im Dezember 1934 vom VGH zu sieben Jahren Zuchthaus verurteilt. KPD-interne Quellen bezeichnen ihn als »Verräter«, nach 1945 soll er in Hamburg gelebt haben.

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Blum, Maria

* 27.10.1890 – ✝ 11.5.1965

Geboren am 27. Oktober 1890 in Schwabmünchen bei Augsburg als Maria Holl, Tochter einer Heimarbeiterfamilie (Bürstenmacher); Lehrmädchen in einer Stickerei, Bauernmagd. Zuletzt Verkäuferin in München, wo sie ihren Mann, den Sozialdemokraten Jakob Blum, kennenlernte. 1912 Übersiedlung nach Berlin, ab 1914 aktiv in der Antikriegsarbeit, dienstverpflichtet in den Munitionswerken in Berlin-Spandau. Im August 1917 zog sie nach Bad Kreuznach, dem Heimatort ihres Mannes. Dort trat sie in die USPD ein und gehörte während der Revolution zu den führenden USPD-Funktionären. Sie schleuste von der Polizei gesuchte Revolutionäre nach Luxemburg und übersiedelte im August 1920 selbst dorthin. Ende 1920 nahm Maria Blum an der Gründung der KP Luxemburgs teil, 1921 deshalb ausgewiesen. Sie ging nach Köln, wurde Mitglied der KPD, war in der Frauenabteilung des Bezirks Mittelrhein. 1923 besuchte sie die Reichsparteischule in Jena. 1926 gehörte sie zeitweilig der linken Opposition an. Zunächst Redakteurin in Aachen, 1928 zweite politische Redakteurin der »Thüringer Volkszeitung« in Jena und später in Erfurt. 1928 vom Reichsgericht in Leipzig verurteilt wegen »Vorbereitung zum Hochverrat« zu eineinhalb Jahren Festung. Da Maria Blum im September 1930 im Wahlkreis Thüringen in den Reichstag gewählt wurde, konnte sie an den Sitzungen teilnehmen. Durch eine Amnestie einige Monate früher entlassen, kam sie 1931 nach Berlin, nun in die Reichsfrauenabteilung des ZK. Im November 1932 gelangte sie über den Reichswahlvorschlag wieder ins Parlament. Bis Juni 1933 illegale Tätigkeit, dann festgenommen und in der Untersuchungshaft schwer mißhandelt. Nach der Freilassung Ende 1933 in die Sowjetunion emigriert, war sie von 1934 bis 1936 unter dem Parteinamen Maria Herbst Kursantin an der West-Universität, 1937 Lehrerin an der Abendschule für deutsche Arbeiter. Ab 1938 in einem Emigrantenheim tätig, wurde sie 1941 nach Tomsk/Westsibirien verbannt. Im August 1947 Rückkehr nach Deutschland, sie behielt weiterhin den Namen Maria Herbst, trat in die SED ein und arbeitete nach einem längeren Sanatoriumsaufenthalt ab Januar 1948 an der SED-Landesparteischule Wiligrad. Von 1954 bis 1958 Mitarbeiterin am IML, sie betreute dort den Thälmann-Nachlaß. Maria Blum (Herbst) starb am 11. Mai 1965 in Ost-Berlin.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Bobach, Carl

* 13.4.1898 – ✝ 8.5.1965

Geboren am 13. April 1898 in Waldenburg/ Sachsen, Sohn eines Töpfers. Handelslehrling, anschließend Freistelle in der öffentlichen Handelslehranstalt Chemnitz, 1916 Hilfsarbeiter. Seit 1912 in der Arbeiterjugend organisiert, 1917/18 Soldat im Ersten Weltkrieg. 1918 trat er in die FSJ und die USPD, 1919 in die KPD ein. Er wurde Jugendleiter des KJD-Bezirks Chemnitz-Erzgebirge. Von 1921 bis 1923 Packer in den Diamant-Fahrradwerken, 1924 Volontär der KPD-Zeitung »Der Kämpfer«, ab 1928 politischer Redakteur. 1929 vom Reichsgericht zu einem Jahr Festungshaft verurteilt, anschließend erneut Redakteur, dann Ende 1932 beim KPD-Pressedienst. 1933 Kurier der KPD Sachsen, später Agitpropleiter von Westsachsen. Am 9. November 1933 festgenommen und im Juli 1934 durch das OLG Dresden zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt, saß er bis 1939 im Zuchthaus Waldheim und in den KZs Sachsenburg und Buchenwald. Im April 1939 freigelassen, wurde Bobach 1944 zum Strafbataillon 999 eingezogen und geriet in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Nach seiner Rückkehr Abteilungsleiter im SED-LV Sachsen, von 1952 bis 1961 Chefredakteur der »Sächsischen Zeitung« Dresden. Carl Bobach starb am 8. Mai 1965 in Dresden.Bernd-Rainer Barth

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Bobrowski, Johannes

* 9.4.1917 – ✝ 2.9.1965

Geb. in Tilsit (Ostpr. / Sowjetsk, Rußland); Vater Eisenbahnangest.; 1930 Mitgl. des Bundes dt. Bibelkrs.; Gymnasium in Rastenburg u. bis 1937 in Königsberg, Abitur; 1938 in Berlin Studium der Kunstgeschichte; Kontakt zur Bekennenden Kirche u. zum christl. Widerstand; 1938 RAD; 1939 – 45 Wehrmacht; 1941 erste Gedichte; 1945 – 49 sowj. Kriegsgefangenschaft, Arbeit in Bergwerken im Don-Gebiet u. der mittleren Wolga, Besuch von Antifa-Schulen. 1949 Rückkehr nach Dtl. (Berlin); ab 1950 Lektor im Altberliner Verlag  Lucie Groszer; 1955 erste Gedichtveröff.; Mitgl. der CDU; ab 1959 Cheflektor im Union-Verlag; 1961 erschien sein erster Gedichtband »Sarmat. Zeit« in beiden dt. Staaten, dafür 1962 Alma-Johanna-Koenig-Preis in Wien u. Preis der Gruppe 47; 1963 – 65 Ermittlungen des MfS im Operativen Vorlauf (VAO) »Ahornkreis« v. a. gegen B. sowie seinen liter. Freundeskreis (u. a.  M. Bieler, B. Djacenko,  L. Kusche,  P. Huchel) wegen der kritischen Positionen zum Kunstprogramm der SED (»Bitterfelder Weg«, Postulat des soz. Realismus); 1964 Mitgl. des dt. PEN-Zentrums Ost u. West; Roman »Levins Mühle. 34 Sätze über meinen Großvater«, dafür Heinrich-Mann-Preis der DAK u. Charles-Veillon-Preis in Zürich. Sein Grundthema war die schuldbeladene Beziehung der Dt. zu den benachbarten osteurop. Völkern, die er aus christl.-humanist. Sicht erörterte; wegen der mod. Strukturen seiner Lyrik (u. a. »Schattenland Ströme« 1962, »Wetterzeichen« 1966) u. Prosa (u. a. »Boehlendorff u. Mäusefest« 1965, »Litauische Claviere« 1966), die u. a. an liter. Traditionen Klopstocks u. Hölderlins anknüpften, aber auch wegen seiner Kontakte zur Gruppe 47 begegnete ihm die offiz. Kulturpol. distanziert. Seine Dichtung durchbrach (zus. mit den Texten  E. Arendts u. P. Huchels) den langandauernden aufklärerischen u. didaktischen Poesiekanon der DDR-Lyriker ( Brecht,  Becher) u. öffnete sie für die Moderne.Ges. Werke (Hrsg. Eberhard Haufe). Berlin 1987 ff.; Briefwechsel mit Peter Huchel (Hrsg. Eberhard Haufe). Berlin 1993. Wolf, G.: J. B. Leben u. Werk. Berlin 1967; Wolf, G.: Beschreibung eines Zimmers. Berlin 1971; Grützmacher, C.: Das Werk von J. B. Eine Bibl. München 1974; Leistner, B.: J. B. Berlin 1982; Haufe, E.: B-Chronik. Würzburg 1994.Leonore Krenzlin / Andreas Kölling

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Bock, Max

* 29.10.1881 – ✝ 15.3.1946

Geboren am 29. Oktober 1881 in Altona, Sohn eines Gastwirts; lernte Schmied. Während seiner Wanderschaft schloß er sich 1904 in der Schweiz der Sozialdemokratie an und war von 1911 bis 1915 Gewerkschaftssekretär in Zürich und Basel. 1916 kehrte er nach Deutschland zurück und war noch bis 1918 als Soldat im Krieg. 1917 Mitglied der USPD, für diese war er nach 1918 als Sekretär in Südbaden aktiv. 1918/19 Sekretär des Arbeiter- und Soldatenrates in Lörrach, 1919 Mitglied der Landeszentrale (Elfer-Ausschuß) der Arbeiter-, Bauern- und Volksräte in Baden. Delegierter zum 2. Reichsrätekongreß im April 1919 in Berlin, USPD-Fraktion, und 1920 Delegierter des USPD-Spaltungsparteitags. Mit der linken USPD trat Bock im Dezember 1920 zur KPD über, war Delegierter des Vereinigungsparteitages, der ihn in den ZA wählte. Seit 1921 vertrat er die KPD im Badischen Landtag und war von 1922 bis 1924 Stadtrat in Lörrach. Er wurde im Zusammenhang mit den KPD-Aufständen in Süd- und Mittelbaden im Oktober 1923 verhaftet, aber im April 1924 wieder freigelassen. Als »Nurparlamentarier« beteiligte sich Bock nicht an den inneren Parteiauseinandersetzungen und blieb auch in den folgenden Perioden (1925, 1929) Vorsitzender oder stellvertretender Vorsitzender der KPD-Gruppe im Badischen Landtag. Nach 1933 lebte er – einige Male für kürzere Zeit verhaftet – in Heidelberg und arbeitete als Holzschnitzer. 1945 trat er wieder der KPD bei. Im Januar und Februar 1946 war Bock der erste Arbeitsminister von Württemberg-Baden. Er mußte sein Amt wegen schwerer Krankheit aufgeben. Max Bock starb am 15.März 1946 in Heidelberg.

Wer war wer in DDR

Bodenstein, Christel

* 13.10.1938

Geb. in München; zog 1949 mit der Mutter nach Leipzig; 1952 – 55 Ballettschule; 1952 FDJ, FDGB, DSF; Mitgl. des ZV der DSF; 1955 Tänzerin am Landestheater Halle; Filmdebüt 1956 in  Slátan Dudows »Der Hauptmann von Köln«; bis 1959 Schauspielstudium an der HS für Film u. Fernsehen Potsdam-Babelsberg; 1959 – 73 Mitgl. des Schauspielensembles der DEFA; erlangte Popularität durch Rollen in Märchenverfilmungen wie »Das singende, klingende Bäumchen« (1957); 1960 vom Jugendmagazin »Neues Leben« zur beliebtesten Schauspielerin gewählt; Darstellerin in Musik- u. Revuefilmen; es folgten zunehmend anspruchsvollere Rollen unter Regisseuren wie  Martin Hellberg oder  Gerhard Klein; spielte 1962 in »Beschreibung eines Sommers« mit  Manfred Krug u. 1966 in der Lit.-Verfilmung »Der kleine Prinz« unter der Regie von  Konrad Wolf, mit dem sie 1960 – 78 verheiratet war; 1962 Kunstpreis der FDJ; in den 1970er Jahren blieben interessante Rollenangebote aus; 1973 – 76 freischaff. Künstlerin (Chanson), Auftritte an der Seite von  Hansgeorg Stengel u. a.; Gastrollen am Maxim-Gorki-Theater in Berlin u. am Hans-Otto-Theater in Potsdam; ab 1976 Mitgl. der Kleinen Bühne »Das Ei« im Berliner Friedrichstadtpalast. Arbeitete in den 1990er Jahren im Friedrichstadtpalast, vorrangig hinter der Bühne, als Regieass., seit 1994 selbst Regie; gelegentl. kleinere Filmrollen.Habel, F. B. / Wachter, V.: Lexikon der DDR-Stars. Berlin 1999.Christian Krause

Wer war wer in DDR

Bischoff, Charlotte

* 5.1.1901 – ✝ 4.11.1994

Geb. in Berlin-Schöneberg; Vater Schriftsetzer; Ausbildung zur Kontoristin/Stenotypistin; 1915 SAJ; 1920 KJVD; 1923 KPD; unterstützte ihren Mann Fritz B. im Nachrichten- u. Abwehrdienst der KPD; 1926 nach Hamburg; 1930 als Sekr., später Sachbearb., zum ZK der KPD in Berlin; Febr. 1933 in illeg. ZK-Apparat übernommen; Dez. 1933 nach Moskau, Jan. 1934 in der MOPR als Stenotyp., 1934 – 38 Chiffreur des OMS-Apparats, Febr. 1935 – Nov. 1937 in den Niederl. u. Dänemark; zurück nach Moskau; Dez. 1938 illeg. nach Schweden; Jan./Febr. 1939 in Haft; Haushaltshilfe beim sowj. Handelsvertreter, bis Juni 1941 aktiv in Emigrantenbetreuung der RH in Stockholm, als Instrukteur der KPD von Herbert Wehner nach Berlin geschickt (liter. verarbeitet bei Peter Weiss, Ästhetik des Widerstands); 1941 – 45 illeg. pol. Arbeit in Berlin. Nach Mai 1945 Sekr. bei sowj. Besatzungsmacht, tätig u. a. am Amtsgericht Berlin-Charlottenburg, bei der Nachrichtenred. des Berliner Rundfunks; SED; April 1946 – Mai 1947 beim FDGB in Berlin-Charlottenburg, Frauenarbeit; Mai 1947 – Sept 1950 stellv. bzw. Abt.-Ltr. FDGB Groß-Berlin (Abt. Sozialpol., Arbeit u. Löhne); von März 1952 – März 1957 Vors. der Sozialhilfe des Magistrats von Groß-Berlin, Westarbeit; ab Dez. 1958 freie Mitarb. beim IML in Berlin; Parteiarbeit im Wohnbez. (NF); gest. in Berlin.Siegel, E.-M.: »An ihrem Lachen kann man eine Frau doch erkennen«. Dok. u. Anmerkungen zum Verhältnis von Fiktion u. Authentizität in Peter Weiss’ Ästhetik des Widerstands am Beispiel Charlotte Bischoffs. In: Peter Weiss Jb. 5. Opladen 1996.Michael F. Scholz

Handbuch Deutsche Kommunisten

Bittel, Karl

* 22.6.1892 – ✝ 18.4.1969

Geboren am 22. Juni 1892 in Darmstadt, Sohn eines hessischen Staatsbeamten. 1911 Abitur am Realgymnasium in Freiburg, Mitglied der von ihm 1909 mitgegründeten bürgerlichen Jugendbewegung Wandervogel. Er studierte in Heidelberg, Freiburg und Tübingen, wo er am 11.März 1915 mit einer Dissertation über das Thema: »Eduard Pfeiffer und die deutsche Konsumgenossenschaft« promovierte. Gleichzeitig von 1913 bis 1916 Sekretär beim Konsumverein in Esslingen. Von 1917 bis 1919 Geschäftsführer im Lebensmittelamt Mannheim und im Badischen Landeswohnungsverein Karlsruhe. Während der Krieges betätigte sich Bittel als Journalist; er gab die Zeitschrift »Politische Rundbriefe« heraus und gehörte der »Freideutschen-Jugend« an. Nach der Novemberrevolution 1918 wurde er in den Arbeiter- und Soldatenrat in Karlsruhe gewählt, trat der SPD bei, wechselte aber schon im Februar 1919 in Stuttgart zur KPD. In der Folgezeit hauptamtlicher Funktionär der KPD, zunächst als Redakteur (u. a. beim Chemnitzer »Kämpfer«). 1921 Leiter der Abteilung Genossenschaft in der Berliner Zentrale und von 1922/23 zugleich besoldeter Sekretär des Konsumvereins und Stadtverordneter von Weißenfels. Ende 1924 ging Bittel als Spezialist für Genossenschaftswesen nach Moskau und arbeitete in der Gewerkschaftsabteilung des EKKI. Im Januar 1927 Rückkehr nach Deutschland, erneut in der Genossenschaftsabteilung des ZK der KPD tätig. Da er zum rechten Flügel der Partei tendierte, trat er in der ultralinken Periode nach 1928 politisch in den Hintergrund. Von 1928 bis 1930 in der sowjetischen Handelsvertretung beschäftigt, von 1930 bis April 1933 bei der Derop in Berlin. Im Mai 1933 von der Gestapo am Bodensee verhaftet, blieb er bis 1934 in den KZs Heuberg und Ulm. Bittel stand bis 1945 unter Polizeiaufsicht, konnte aber unbehelligt am Bodensee leben und wissenschaftlich arbeiten. 1940 erschien seine Arbeit »Messmer und sein Problem«, 1942 eine Paracelsus-Dokumentation. Seine Werke wurden in NS-Deutschland gedruckt. 1945 wurde Bittel wieder journalistisch aktiv und trat der KPD bei. 1946 Chefredakteur und Lizenzträger der KPD-Zeitung »Unser Tag« in Offenburg und Mitglied des Sekretariats der KPD-Landesleitung in Südbaden. Bittel war bis zu seiner Übersiedlung im Frühjahr 1949 in die SBZ auch Vorsitzender der VVN Baden. Im Juni 1949 wurde er Geschäftsführer und stellvertretender Leiter, 1951 bis 1957 Direktor des Deutschen Instituts für Zeitgeschichte in Ost-Berlin, gleichzeitig gab er die Halbmonatsschrift »Dokumentation der Zeit« heraus. Er wurde am 1. Oktober 1957 zum Professor mit Lehrauftrag an die Humboldt-Universität berufen. Bittel erhielt zu seinem 70. Geburtstag den Karl-Marx-Orden. Auch nach 1945 Autor zahlreicher Schriften, u. a. »Die Feinde der deutschen Nation«, 1952; »Zeitgeschichte als Wissenschaft«, 1956. Er übersiedelte in den sechziger Jahren nach Ahrenshoop und wirkte als stellvertretender Vorsitzender des Kulturbundes im Bezirk Rostock. Karl Bittel starb am 18. April 1969 in Ost-Berlin.Bernd-Rainer Barth / Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Blaschke, Karlheinz

* 4.10.1927

Geb. in Schönlinde (Krs. Rumburg, Nordböhmen/Krásná Lípa, Tschechien); Vater Maschinenschlosser; Volksschule, Gymnasium, OS; 1943/44 Luftwaffenhelfer, RAD; 1945 Wehrmacht (Marine); bis Juni 1945 Kriegsgefangenschaft. 1946 Abitur; bis 1956 Mitgl. der CDU; 1946 – 50 Studium der Fächer Geschichte, Germanistik u. latein. Sprache an der Univ. Leipzig, 1948 Landw.-Gehilfenprüfung, 1950 Prom. über die »fünf neuen Leipziger Univ.-Dörfer«; 1950 – 51 Inst. für Archivwiss. Potsdam, 1951 – 68 wiss. Archivar am Sächs. Landeshauptarchiv Dresden; 1962 Habil. mit einer Studie über die Bevölkerungsgeschichte Sachsens bis zur industriellen Rev.; nach Maßregelung durch die SED 1969 – 90 Doz., 1990 – 92 Prof. für Geschichte an der Kirchl. HS Leipzig, 1972 Domdechant des Hochstifts Meißen. 1990 CDU; Mitgl. der Hist. Kommission bei der Bayr. AdW, Honorarprof. an der Univ. Marburg, 1991 Mitgl. der Sächs. AdW zu Leipzig; 1991/92 Ltr. des Referats Archivwesen im Sächs. Staatsmin. des Innern; 1992 – 98 Prof. für Sächs. Landesgeschichte an der TU Dresden, dort zeitweilig geschäftsf. Dir. des Inst. für Geschichte; 1998 em.; 1999 Bundesverdienstkreuz. B. ist einer der wenigen nichtmarxist. Historiker, die bis 1989 in der DDR arbeiteten u. zu internat. Anerkennung kamen. Er mußte seit 1969 unter dem Dach der Kirche wirken, da er der offiziellen Geschichtswiss. ablehnend gegenüberstand. Sein Hauptarbeitsgebiet ist die sächs. Landesgeschichte u. hist. Landeskunde. Sek.-Lit.: Landesgeschichte als Herausforderung u. Programm. K. B. zum 70. Geb. Stuttgart 1997 (Bibl.); Die Oberlausitz. Fs. zum 75. Geburtstag. Görlitz 2003.Sachsen im Zeitalter der Reformation. Dresden 1967; Bevölkerungsgeschichte von Sachsen. Weimar 1967; Geschichte Sachsens im Mittelalter. Berlin 1990; Pol. Geschichte Sachsens u. Thür. München 1991; (autobiogr.) Geschichtswissenschaft im SED-Staat. In: Aus Politik u. Zeitgeschehen (1992) 17/18; Stadtgrundriß u. Stadtentw. Köln 1997; Als bürgl. Historiker am Rande der DDR. In: Pohl. K. H. (Hrsg.): Historiker in der DDR. Göttingen 1997; Hrsg. des Neuen Archivs für Sächs. Geschichte: Beiträge zur Geschichte der Oberlausitz. Görlitz 2000; Beiträge zur Verfassungs- u. Verwaltungsgeschichte. Leipzig 2002; Geschichte der Stadt Dresden, Bd. 1: Von den Anfängen bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges. Dresden 2005; Moritz von Sachsen. Stutgart 2008.Ilko-Sascha Kowalczuk

Wer war wer in DDR

Blecha, Johanna

* 28.1.1916 – ✝ 22.3.2000

Geb. in Breslau (Wrocław, Polen); Vater Schneider; Volks- u. Mittelschule; kaufm. Lehre u. Arbeit als Bürobotin, 1934 – 45 Sekr. u. Stenotypistin im elterl. Geschäft, im Landmaschinengroßhandel »Weide« Breslau sowie bei der Siemens-Bau-Union in Pillau, Graudenz u. Bromberg. 1945 – 47 Dienststellen-Ltr. des Jugendamtes Schwerin; 1945 KPD, 1946 SED; 1947 – 49 Ltr. der Hauptabt. Umsiedl. in der Landesreg. Mecklenb.; 1949 – 53 OB von Schwerin (Nachf. von  Christoph Seitz); 1950 – 52 Vors. des DSF-LV Mecklenb.; 1950 – 53 Fernstud. an der PHS der SED; 1952 / 53 Vors. des DSF-BV Schwerin; 1953 – 60 Sekr. des Magistrats, Stellv. des OB u. Stadtrat für Kultur, Volksbildung u. Sport in Berlin; 1960 – 77 Sekr. für Kultur u. Erziehung, 1960 – 82 Mitgl. des Präs. des Bezirksvorst. Berlin des DFD; 1976 VVO in Gold.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Bleier, Oswald

* 17.12.1889 – ✝ 9.5.1936

Geboren am 17. Dezember 1889 in Voigtsgrün bei Neudeck als Sohn eines Tagelöhners. Lehre und anschließend Tätigkeit als Porzellanschleifer, die er aus gesundheitlichen Gründen aufgeben mußte. Bleier zog 1907 nach Riesa und arbeitete hier im Stahlwerk. 1912 Einberufung zum Militärdienst, im Weltkrieg nach schwerer Verwundung an der russischen Front Entlassung als Kriegsbeschädigter, lebte er in Riesa. Bereits vor dem Weltkrieg Mitglied der SPD, trat er 1917 zur USPD über und schloß sich 1920 der KPD an. Ab September 1920 lange Zeit erwerbslos, fand er nach einer mehrmonatigen Tbc-Heilkur 1925 Arbeit in einer Riesaer Brauerei. Von 1924 bis 1926 dort Stadtverordneter der KPD, 1926 Abgeordneter des Landtags von Sachsen. Bei der Spaltung der Fraktion Anfang 1929 blieb er mit der Mehrheit auf der ZK-Linie, wurde aber trotzdem 1929 nicht mehr als Landtagskandidat aufgestellt. Bleier wurden zwar »versöhnlerische Tendenzen« vorgeworfen, er blieb aber weiter in der KPD aktiv. Er war von 1926 bis 1930 Sekretär des UB Riesa-Oschatz-Großenhain und bis 1930 Mitglied der BL Westsachsen. Im März 1933 wurde Bleier verhaftet und ins KZ überführt. Nach seiner Freilassung Ende 1933 reihte er sich in den illegalen Widerstandskampf ein. Am 2. Oktober 1934 erneut verhaftet und am 8.Juli 1935 durch das OLG Dresden zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt. Bleier, inzwischen als staatenlos erklärt, sollte auf Antrag der Polizei Dresden nach der Haft mit seiner Ehefrau aus Deutschland ausgewiesen werden. Doch schon am 9. Mai 1936 ist Oswald Bleier im Zuchthaus Waldheim an Lungentuberkulose gestorben.

Wer war wer in DDR

Bloch, Ernst

* 8.7.1885 – ✝ 4.8.1977

Geb. in Ludwigshafen (Rhein); Vater Eisenbahnbeamter; 1905 – 08 Studium der Philos. mit den Nebenfächern Musik u. Physik an den Univ. München u. Würzburg, 1908 Prom. mit einer Arbeit über »Rickert u. das Problem der mod. Erkenntnistheorie«; zwischen 1908 u. 1912 Bekanntschaft mit Georg Lukács, Georg Simmel u. Max Weber; 1914 – 17 entstand das Werk »Geist u. Utopie« (Veröff. 1918); 1917 – 19 Journalist in der Schweiz, publizist. Arbeiten gegen den Krieg; 1924 – 26 längere Reisen nach Italien, Frankreich u. Tunesien; 1926 – 33 freier Publizist in Berlin, Bekanntschaft u. a. mit Siegfried Kracauer, Theodor W. Adorno, Walter Benjamin u.  Bertolt Brecht; 1933 Emigr. über Zürich, Wien (1934) u. Paris (1935, Teiln. am Kongreß »Pour la Défense de la Culture«) in die USA (1938 – 49); dort Erarbeitung der Manuskripte »Das Prinzip Hoffnung« (Veröff. Berlin 1954 – 59) u. »Subjekt-Objekt. Erläuterungen zu Hegel« (1951). 1948 Berufung auf den Lehrstuhl für Philos. an der Univ. Leipzig, Antrittsvorlesung »Univ., Marxismus, Philos.«, ab 1949 umfgr. Vorlesungstätigkeit insbes. zur Geschichte der Philos., bis 1957 Dir. des Inst. für Philos. der KMU; 1953 Mitbegr. u. bis 1956 Mithrsg. der »Dt. Ztschr. für Philos.«, dem einzigen Periodikum der DDR-Philos., dort Mitinitiator einer v. a. gegen die dogmat.-sektierer. Hegel-Marx-Rezeption ( R. O. Gropp) gerichteten Diskussion; 1955 NP; VVO; Ord. Mitgl. der DAW; März 1956 unmittelbar nach dem XX. KPdSU-Parteitag Veranstaltung der sog. Freiheitskonferenz über »Das Problem der Freiheit im Lichte des wiss. Soz.« an der DAW in Berlin, deren »Protokoll« nach den Ereignissen in Ungarn sowie der Verhaftung  Wolf- gang Harichs nicht mehr ausgeliefert wurde; 1956/57 (durch R. O. Gropp,  Hermann Ley,  Georg Mende u. a.) u. nochmals 1961/62 (u. a.  Manfred Buhr) scharfe philosoph. u. ideolog. Kampagne gegen E. B.s Gesamtwerk, insbes. die »Hoffnungsphilos.«; 1957 Zwangsem.; 1958/59 Vereinbarung u. Vorber. der Gesamtausgabe beim Suhrkamp Verlag; ab 1958 Vortragsreisen nach Frankfurt (Main), Paris, Tübingen, Heidelberg u. Stuttgart, nach Schließung der dt.-dt. Grenze im Aug. 1961 nicht mehr in die DDR zurückgekehrt; Annahme einer Gastprof. an der Univ. Tübingen, bis 1966 nochmals intensive Lehrtätigkeit; 1962 Ausschl. aus der DAW; 1966 Protest gegen die westdt. Notstandsgesetze; 1968 Unterstützung der Studentenbew.; Dr. h. c. der Univ. Zagreb (1969), der Pariser Sorbonne u. der Univ. Tübingen (1975); gest. in Tübingen. In der zweiten Hälfte der 80er Jahre gegen Widerstände vorsichtige Versuche einer erneuten B.-Rezeption in der DDR (Gerd Irrlitz); seit 1990 systemat. Aufarbeitung der Wirksamkeit B.s an der Univ. Leipzig.Gesamtausgabe. 17 Bde. Frankfurt (Main) 1959 ff.; Aus meinem Leben. Pfullingen 1981; Das Abenteuer der Treue. Briefe an Karola. Frankfurt (Main) 2005. Gropp, R. O.: Ztschr. E. B. zum 70. Geburtstag. Berlin 1955; Horn, J. H. (Hrsg.): E. B.s Revision des Marxismus. Berlin 1957; Schmidt, B.: E. B. Bibl. Stuttgart 1985; »Hoffnung kann enttäuscht werden.« E. B. in Leipzig. Frankfurt (Main) 1992; Franzke, M. (Hrsg.): Die ideolog. Offensive. Leipzig o. J. 1993; Horster, D.: E. B. Wiesbaden 2005.Hans-Christoph Rauh / Bernd-Rainer Barth

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Blücher, Heinrich

* 29.1.1899 – ✝ 31.10.1970

Geboren am 29. Januar 1899 in Berlin, der Vater starb vor seiner Geburt, die Mutter war Wäscherin. Seine Ausbildung im Lehrerseminar wurde durch den Ersten Weltkrieg unterbrochen und nie abgeschlossen. Als Nichtjude trat er der zionistischen Jugendgruppe Blau-Weiß bei. 1917 zum Kriegsdienst eingezogen, konnte er wegen einer Gasvergiftung nicht an einem Offizierslehrgang teilnehmen. Während der Revolution Mitglied eines Soldatenrates, 1919 trat er der KPD bei. Mitarbeiter der Orgabteilung der BL Berlin-Brandenburg, unter dem Decknamen Larsen für den Nachrichtendienst der KPD tätig, Angestellter der Politischen Ost-West-Nachrichtenagentur. Er war (mit seinem lebenslangen Freund Robert Gilbert) in Kabarett-, Operetten- und Filmprojekten aktiv. Als Freund Heinrich Brandlers kritisierte er die zunehmende Stalinisierung, blieb aber KPD-Mitglied und gehörte zu den Versöhnlern. 1933 zunächst Instrukteur der illegalen KPD-BL Berlin-Brandenburg, emigrierte er im Juli 1933 nach Prag, 1934 nach Frankreich. Er wurde 1936 aus der KPD ausgeschlossen. Nach zwei Ehen begegnete Blücher 1936 Hannah Arendt in Paris, die er am 16. Januar 1940 heiratete. Von September bis Dezember 1939 interniert, flohen beide 1941 über Spanien nach Lissabon und später nach New York, wo sie im Mai ankamen. Blücher hielt ab 1950 Vorlesungen an der New School for Social Research in New York City. 1952 wurde er Professor für Philosophie am Bard College in Annandale-on-Hudson, New York, und erhielt im August 1952 die amerikanische Staatsbürgerschaft. Heinrich Friedrich Ernst Blücher starb am 31. Oktober 1970 in New York an einem Herzinfarkt.

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Blume, Franz

* 26.9.1905 – ✝ 30.1.1988

Geboren am 26. September 1905 in Hamburg. Tischler, seit 1922 SAJ-Mitglied, 1926 Übertritt zum KJVD, Instrukteur und Mitglied der KJVD-BL Wasserkante. Von 1927 bis 1929 wegen »Widerstandes gegen die Staatsgewalt und Rädelsführerschaft« zu Gefängnisstrafen verurteilt. Er war von 1931 bis 1933 Mitarbeiter des AM-Apparats der KPD-BL Wasserkante, besuchte 1932 die M-Schule der Komintern in Moskau, Schulname Michael. Ab Anfang 1933 illegale Arbeit in Hamburg, er wurde bereits Ende April 1933 festgenommen, am 4. Februar 1934 zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt, saß bis Anfang Juni 1936 in Hamburg-Fuhlsbüttel. Anfang Dezember 1936 erneut verhaftet, am folgenden Tag jedoch wieder entlassen, emigrierte Blume im Januar 1937 nach Dänemark, war ab März 1938 in Spanien Angehöriger der Internationalen Brigaden, wurde schwer verwundet. Interniert in St.Cyprien, Frankreich, kam 1940 in einer Arbeitskompanie, flüchtete nach Marseille, kämpfte ab 1942 bei der Résistance und war mitverantwortlich für die Herausgabe der Zeitung »Soldat am Mittelmeer«, die sich an deutsche Soldaten richtete. Im August 1945 Rückkehr nach Hamburg, wieder Funktionär der KPD. 1948 Archivar bei der HVZ, dann Leiter der Kaderabteilung der KPD-Landesleitung Hamburg, später auch Orgsekretär. Wegen »Westemigration« mußte er Ende 1951 in die DDR übersiedeln, dort SED-Mitglied, von 1952 bis 1957 Instrukteur der IG Bau-Holz des FDGB in Dresden. Ab Oktober 1957 Mitarbeiter beim ZK der illegalen KPD der Bundesrepublik in Ost-Berlin. Franz Blume starb am 30. Januar 1988 in Ost-Berlin.

Wer war wer in DDR

Bobach, Günther

* 7.8.1930 – ✝ 22.3.2012

Geb. in Taucha; Vater Arbeiter; Grund- u. Oberschule; 1947 SED; 1950 Abitur; 1950 – 52 Stud. an der Fak. für Journalistik der Univ. Leipzig; 1953 / 54 dort wiss. Ass., Dipl.-Journalist; 1954 – 60 Red., 1960 stellv. Chefred. der SED-Bezirksztg. »Freiheit« in Halle, 1963 – 67 Chefred. (Nachf. von  Rudolf Singer); Mitgl. der SED-BL Halle; 1967 – 89 Mitarb. im ZK der SED u. Mitgl. der Agitationskommission; Mitgl. des Zentralvorst. des VDJ.Andreas Herbst

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Bochert, Alfred Max

* 20.6.1887 – ✝ 8.1.1975

Geboren am 20. Juni 1887 in Schmiedefeld/Krs. Schleusingen als Sohn eines Geigenbauers; er erlernte das Schneiderhandwerk in Bad Ilmenau, 1907 bis 1909 Militärdienst. 1910 trat Bochert der SPD bei, ab 1911 war er selbständiger Schneidermeister. Von 1914 bis 1919 Soldat. 1919 Mitglied der USPD, 1921 der KPD, er wurde Vorsitzender der KPD in Pößneck und KPD-Kreistagsmitglied in Saalfeld. Auf dem VII. Parteitag 1921 wurde Bochert in die Statutenkommission und als Mitglied in den ZA gewählt, dem er bis 1923 angehörte. Von 1922 bis 1925 hauptamtlicher Beigeordneter der Stadt Pößneck, anschließend bis 1928 dort Schneidermeister. Er war von 1928 bis zu seiner Entlassung 1932 einer der wenigen kommunistischen Bürgermeister (in Katzhütte). Von 1921 bis 1926 KPD-Landtagsabgeordneter in Thüringen. Bochert zählte zu den Versöhnlern und trat nach 1928 in der KPD nicht mehr hervor. Er wurde 1932 Gauleiter des Internationalen Bundes der Opfer des Krieges in Hamburg, kehrte im April 1933 nach Pößneck zurück und arbeitete wieder als Schneider. Am 22. August 1944 ins KZ Buchenwald eingeliefert, wo er bis April 1945 inhaftiert blieb. 1945 wurde Bochert als Bürgermeister von Pößneck eingesetzt, trat wieder der KPD bei. 1946 Ortsvorsitzender der SED in Pößneck, von 1948 bis 1950 Landrat des Kreises Saalfeld. Als Parteiveteran erhielt er 1959 den VVO in Silber. Alfred Max Bochert starb am 8. Januar 1975.

Wer war wer in DDR

Bock, Siegfried

* 26.9.1926

Geb. in Meerane (Sachsen); Ausbildung zum u. Arbeit als Textilkfm.; 20.4.1944 NSDAP. 1945 – 50 Studium an der Univ. Leipzig, Dipl.-Jur.; 1946 SED; 1951 – 61 Mitarb. im Min. für Ausw. Angelegenh., u. a. Abt.-Ltr. Rechts- u. Vertragswesen; 1955 Prom. an der KMU Leipzig zum Dr. jur.; 1959 jur. Berater der DDR-Delegation bei der Genfer Außenministerkonferenz; 1962 – 66 Botschaftsrat in Rumänien; 1967 – 77 Ltr. der Abt. Grundsatzfragen im Min. für Ausw. Angelegenh. (Nachf. von Gerhard Herder), 1972 – 75 bei der KSZE in Helsinki u. Genf tätig, Ltr. der DDR-Delegation in Genf; 1977 – Nov. 1984 Botschafter in Rumänien (Nachf. von Hans Voss); 1984 – 90 Abt.-Ltr. Südosteuropa im Min. für Ausw. Angelegenh. 1993 – 2005 Präs., dann Ehrenpräs. des Verb. für Internat. Politik u. Völkerrecht (VIP), des ehem. Berufsverb. der DDR-Diplomaten.Wie kann der Frieden in Europa gesichert werden? Berlin 1968; Für koll. Sicherheit in Europa. Dresden 1968; DDR-Außenpolitik im Rückspiegel. Münster 2004.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Boegelsack, Uwe

* 2.12.1939

Geb. in Gommern; Vater Angest.; Grund- u. Oberschule, Abitur; 1958 / 59 Stanzer u. Hilfsarbeiter; 1959 – 61 Studium; 1961 / 62 Setzer u. Feiler; 1962 – 66 Technologe; 1966 SED; Fernstudium an der Ingenieurschule Magdeburg, Ing.; 1966 – 68 Bereichsltr., 1968 – 70 Dir. für Prod., 1970 – 78 Ltr. der Hauptabt. Prod. im VEB Elektromotorenwerk Wernigerode; Fernstudium an der TH Magdeburg, 1971 Dipl.-Ing.; 1978 / 79 Dir. für Prod. u. Material, ab 1979 Betriebsdir. des VEB Elektromotorenwerk Wernigerode; 1984 – 87 stellv. Minister für Elektrotechnik u. Elektronik; 1987 – 90 GD des VEB Kombinat Rundfunk u. Fernsehen Staßfurt (Nachf. von Joachim Witschaß).Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Bisky, Lothar

* 17.8.1941 – ✝ 13.8.2013

Geb. in Zollbrück (Krs. Rummelsburg, Hinterpomm./Korzybie, Polen); Vater Arbeiter; in Brekendorf (Schlesw.-Holst.) aufgew.; Volksschule; 1955 FDJ; 1959 Flucht in die DDR; 1961 Abitur; 1961/62 Arbeiter im VEB Blechverformungswerk Leipzig; 1962 – 65 Studium der Kulturwiss. an der HU Berlin u. KMU Leipzig, 1966 Dipl.-Kulturwiss.; 1966 – 70 als IM »Bienert« und ab 1987 als GMS »Klaus Heine« für die HV A erf.; 1963 SED; 1966/67 Assistent an der KMU Leipzig, 1967 – 70 wiss. Mitarb. am ZI für Jugendforschung Leipzig, 1970 – 75 Ltr. der Forschungsgem. »Freizeitgestaltung der Jugend«, 1975 – 80 Abt.-Ltr. am ZI, zuständig für den Bereich Massenkommunikation/Kunst, Honorardoz. an der Fak. für Journalistik der KMU; 1969 Prom. zum Dr. phil. mit einer soziol. Arbeit, 1975 Prom. zum Dr. sc. phil. mit einer Arbeit zu Problemen der Journalistik; 1978 Doz. u. 1980 Prof. für Kulturtheorie an der AfG; 1986 – 90 Rektor der HS für Film u. Fernsehen in Potsdam-Babelsberg (Nachf. von Konrad Schwalbe), ab 1986 Schatzmstr. der Internat. Org. der Film- u. Fernseh-HS; 3.12.1989 Mitgl. des Arbeitsaussch. zur Vorber. des a. o. Parteitags der SED, seit 8.12. Mitgl. des Präs. des PV der SED/PDS bzw. PDS, 9.12.1989 – 4.2.1990 Ltr. der Kommissionen Bildungs- u. Schulpolitik, Presse u. Medien; März – Okt. 1990 Abg. der Volkskammer; ord. Prof. für Film- u. Fernsehwiss., Mitgl. des Vorst. der Dt. Ges. für Kommunikationsforschung. Okt. 1990 – 2005 Abg. des Brandenb. Landtags, 1990 – 2004 Frakt.-Vors.; Febr. 1992 – Mai 1994 Vors. des Untersuchungsaussch. zu den MfS-Kontakten von  Manfred Stolpe; 1993 – 2000 PDS-Vors. (Nachf. von  Gregor Gysi) und seit 2003-2010 Bundesvors. der PDS bzw. Linkspartei (Nachf. von  Gabriele Zimmer); Mitgl. des Präs. des Brandenb. Landtages, 2004/05 Vizepräs. des Landtages von Brandenb.; Okt. 2005 – 09 Mitgl. des Dt. Bundestages; Okt./Nov. 2005 in vier Wahlgängen nicht zum Vizepräs. des Dt. Bundestages gewählt; seit 2007 Vors. der Europ. Linken; seit Juni 2009 Mitgl. des Europaparlaments, Vors. der Frakt. Vereinte Europ. Linke/ Nordische Grüne; gest. in Leipzig.Zur Kritik der bürgerl. Massenkommunikationsforschung. Berlin 1976; Die Funktion der Massenmedien bei der Herausbildung der soz. Kultur. Berlin 1981; The Show Must Go On. Unterhaltung am Konzernkabel. Berlin 1984; Rücksichten. Pol. u. jur. Aspekte der DDR-Geschichte (Mithrsg.). Hamburg 1993; Wut im Bauch. Berlin 1995; Der »Brandenb. Weg«. Potsdam 1999; So viele Träume. Berlin 2004. Dorlach, S.: In alle Ewigkeit Stasi? Berlin 2003.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Bittner, Horst

* 14.6.1927 – ✝ 16.4.2013

Geb. in Taucha (b. Leipzig); Vater Arbeiter; Volksschule; Ausbildung zum u. Arbeit als Drucker; 1945 Antifa-Jugend. 1946 SED; 1946 – 49 Studium der Wirtschaftswiss. an der Univ. Leipzig, Dipl.-Volkswirt; ab 1950 Mitarb. des Min. für Ausw. Angelegenh. bzw. des Min. für Außenhandel u. Innerdt. Handel, dort zeitw. Ltr. der Abt. UdSSR; 1957 – 63 Handelsattaché u. stellv. Ltr. der DDR-Handelsvertr. in der UdSSR; 1964/65 Stellv. Min. für Außenhandel u. Innerdt. Handel; 1965 – 74 Botschafter der DDR in der UdSSR (Nachf. von  Rudolf Dölling); ab 1974 Bereichsltr. im Min. für Ausw. Angelegenh.; 1984 – 89 Handelsrat an der DDR-Botschaft in der ČSSR; 1971 – 76 Kand. des ZK der SED; 1970 VVO; gest. in Berlin.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Bläss, Petra

* 12.6.1964

Geb. in Leipzig; Vater Theaterintendant, Mutter Souffleuse; 1970 – 82 POS u. EOS in Cottbus; 1982 – 87 Studium der Geschichte, Pädagogik u. Germanistik an der HU Berlin, Dipl.-Lehrer; 1986 – 90 SED u. 1997 – 2005 PDS/ Linkspartei; 1987 – 90 Forschungsstudium am Bereich Lit.-Wiss. der Sekt. Germanistik der HU Berlin; 1990 Gründungsmitgl. des UHV; Dez. 1989 Mitbegr. des UFV; Jan. 1990 Austritt aus SED/PDS; Febr. – Aug. 1990 Vors. der Wahlkommission der DDR für die Volkskammer- u. Kommunalwahlen; Juni – Dez. 1990 Red. beim DFF. 1990 – 2002 Abg. des Dt. Bundestags; frauen- u. sozialpol. Sprecherin der PDS/Linke Liste; Mitarb. in versch. Fraueninitiativen u. Netzwerken; 1997 Eintritt in die PDS; 1998 – 2002 Vizepräs. des Dt. Bundestages, frauenpol. Sprecherin der PDS-Fraktikon; Mitgl. der Anna-Seghers-Ges.; 2005 Austritt aus der PDS; verh. Bläss-Rafailovski; arbeitet als Politikberaterin.Rechts-Einheit bei Renten, Sicherung o. Absturz. Bonn 1991 (zus. mit M. Bunge).Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Blecha, Kurt

* 25.2.1923 – ✝ 1.3.2013

Geb. in Aussig (ČSR / Ústí nad Labem, Tschechien); Sept. 1941 NSDAP; Wehr- macht (Offz.), 1943 sowj. Kriegsgefangenschaft, NKFD, Antifa-Schulen in Gorki u. Krasnogorsk. 1945 Rückkehr nach Dtl.; Teiln. am 1. Journalisten-Lehrgang der PHS; 1946 SED; 1947 –52 Red. der »Schweriner Volksztg.«, Abt. Prop.; dann Mitarb. des Amts für Information; 1953 – 58 stellv. Ltr., 1958 – Nov. 1989 Ltr. des Presseamts beim Vors. des Min.-Rats (Nachf. von  Fritz Beyling); 1953 – 89 Mitgl. des Vorst. des VDP; 1958 – 89 Mitgl. der Agit.-Kommission beim PB des ZK der SED; 1959 –89 Mitgl. des Präs. des ZV des VDJ; 1983 VVO; 1988 Ehrenspange zum VVO; im Nov. 1989 »auf eigenen Wunsch« von der Funktion als Ltr. des Presseamts entbunden; gest. in Berlin.Zimmermann, M. (Hrsg.): Was macht eigentlich ?? 100 DDR-Prominente heute. Berlin 1994.Frank Wagner / Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Blenkle, Konrad

* 28.12.1901 – ✝ 20.1.1943

Geboren am 28. Dezember 1901 in Berlin, Sohn des Schlossers und späteren Gastwirts Reinhold Blenkle. Der gelernter Bäcker wurde 1919 Mitglied der FSJ, später der kommunistischen Jugend und 1920 der KPD. 1921 Anstellung bei der diplomatischen Vertretung der RSFSR in Berlin. Auf dem 7. Reichsjugendkongreß im März 1923 ins ZK des KJD gewählt, er wurde Wortführer der Linken. Bis September 1923 Polleiter des Bezirksverbandes Berlin-Brandenburg, im Dezember 1923 kam Blenkle ins Sekretariat des ZK des Jugendverbandes und war bis August 1924 für Pressearbeit zuständig. Dann bis April 1925 Einsatz in Moskau beim EKKI der KJI, dem er seit dem IV. Weltkongreß (Juli 1924) als Mitglied angehörte. In Berlin trat Blenkle bereits Ende April 1925 neben Hermann Jacobs faktisch an die Spitze der KJD und wurde am 22.Mai 1925 vom ZK der KPD förmlich mit der politischen Leitung der kommunistischen Jugend betraut. Als Vorsitzender des KJVD gehörte er in den folgenden Jahren auch dem ZK der KPD an. 1925 zählte Blenkle mit der Mehrheit des KJVD zu den unbedingten Anhängern des EKKI, er trat bereits auf dem X. Parteitag 1925 gegen die Ruth-Fischer-Führung auf. Deswegen vor allem von Ottomar Geschke heftig attackiert, aber doch wieder ins ZK gewählt. Nach dem »Offenen Brief« war Blenkles Stellung gefestigt, er wurde als Jugendvertreter Mitglied des Polbüros und auch der XI. Parteitag 1927 wählte ihn erneut als Mitglied ins ZK der KPD. Clara Zetkin fand Blenkle allerdings »unklar und unreif« und kritisierte seinen »Drang«, sich »radikal« und »links« zu geben. 1928 kam er als jüngster Abgeordneter in den Reichstag und wurde auf dem VI. Weltkongreß der Komintern 1928 Mitglied des EKKI. Im Zusammenhang mit der Wittorf-Affäre stimmte das Büro des ZK des KJVD unter Führung Blenkles einstimmig den Beschlüssen des ZK der KPD zu, die Funktionen Ernst Thälmanns bis zur Klärung ruhen zu lassen. Auch als das ZK des KJVD am 12. Oktober 1928 geschlossen die neuen Moskauer Direktiven zur Wiedereinsetzung Thälmanns bejahte, blieben Zweifel an der unbeirrbaren Treue Blenkles zu Thälmann. Diese wurden noch verstärkt, als das Büro des ZK des KJVD unter Blenkles Vorsitz am 17. Oktober 1928 den BL des Jugendverbandes mitteilte, daß es mit einigen Fragen des EKKI-Beschlusses nicht einverstanden sei, aber im Interesse der Liquidierung aller fraktionellen Gruppierungen zugestimmt habe. Anfang November 1928 konstatierte das Sekretariat des ZK der KPD, Blenkle trage für die »politischen Schwankungen« im KJVD die Hauptverantwortung, deshalb sei er abzulösen und durch Walter Häbich, den bisherigen Orgleiter, zu ersetzen. Eine Reichskonferenz des KJVD beschloß dies am 10./11. November 1928, doch wählten die Delegierten Blenkle zum Ehrenmitglied. Er gehörte weder zu den Versöhnlern noch zu den Rechten, aber ihm schien die Methode falsch, mit der die Korruption vertuscht worden war. Deshalb wurde er degradiert. In der Folgezeit war Blenkle Redakteur der »Jungen Garde«, des Organs des KJVD, außerdem betätigte er sich im illegalen RFB. Ins ZK (1929) und in den Reichstag (1930) wurde er nicht mehr gewählt. 1931 wegen Pressevergehens zu eineinhalb Jahren Festung verurteilt, hat ihn die Parteiführung nach seiner Freilassung 1932 in Oberschlesien eingesetzt. Ab März 1933 illegale Arbeit in Berlin, im April 1934 flüchtete er in das Saargebiet, im Sommer 1934 nach Amsterdam, dort war er bis Dezember 1936 Instrukteur der AL Nordwest. Im November 1937 in der Schweiz verhaftet; Blenkes Auslieferung nach NS-Deutschland konnte erst in letzter Minute verhindert werden. Ab 1938 2. Leiter der KPD-AL Nord in Kopenhagen, die für Norddeutschland zuständig war. Nach der Verhaftung Heinrich Wiatreks im Mai 1941 wurde Blenkle faktisch Leiter der kommunistischen Parteigruppe in Kopenhagen. Dort am 16. Dezember 1941 festgenommen und dann vom VGH am 25. November 1942 zum Tode verurteilt. Konrad Blenkle wurde am 20.Januar 1943 in Berlin-Plötzensee hingerichtet.

Wer war wer in DDR

Bloch, Friedrich

* 21.1.1904 – ✝ 10.4.1996

Geb. in Ballenstedt (Harz); Gymnasium, Abitur; 1922 – 25 Stud. der Rechtswiss. u. Volkswirtschaftslehre; zur Finanzierung des Studiums Arbeit auf dem Bau, in einer Bank u. im Lohnbüro einer Weberei; 1925 – 29 Referendar beim Gericht in Gera, gleichzeitig für die Stadtverw. und eine Geraer Anwaltskanzlei tätig; 1930 Assessor-Examen u. Prom. zum Dr. jur.; 1937 aus polit. Gründen aus dem Staatsdienst entlassen; ab 1938 Mitarb. bei einem Wirtschaftstreuhänder in Frankfurt (Main). 1945 Landgerichtsdir., Okt. 1945 – Sept. 1948 OB von Gera (Nachf. von  Rudolf Paul); Umzug nach Jena; 1950 Übersiedl. in die Bundesrep. Dtl.; gest. in Berlin-Wilmersdorf.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Bludau, Wilhelm

* 10.5.1896 – ✝ 23.7.1941

Geboren am 10. Mai 1896 in Hörde (1928 zu Dortmund); lernte Maschinenschlosser. Mitglied der KPD (zeitweise der KAPD), gehörte zwischen 1920 und 1923 im Ruhrgebiet zu den Führern der Hungerrevolten. Deswegen mehrfach inhaftiert, galt er als »kleiner Max Hoelz«. Im Erwerbslosenausschuß des Ruhrgebiets trat Bludau 1925 als linker Kritiker gegen die KPD auf und wurde 1926 aus der Partei ausgeschlossen. Vorwürfe einer Verbindung zur politischen Polizei waren offensichtlich zu seiner Isolierung ausgestreut. In Polizeiakten wird er als »redegewandt mit sicherem Auftreten« bezeichnet; er stand unter polizeilicher Beobachtung. Nach 1933 in kleinen Gruppen im Widerstand aktiv gegen die NS-Diktatur, wurde er im »Bludau-Prozeß« 1936 zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt und Ende 1937 im KZ Buchenwald inhaftiert. Wilhelm Bludau kam dort am 23. Juli 1941 ums Leben.

Wer war wer in DDR

Blume, Renate

* 3.5.1944

Geb. in Bad Wildungen (Hessen); 1956 Umzug der Familie nach Dresden; Schülerin im Kinderballett der  Palucca Schule, dann Abitur an der EOS, anschl. bis 1965 Studium an der HS für Schauspielkunst in Berlin; noch während des Studiums 1964 erste Filmhauptrolle in »Der geteilte Himmel« (R:  Konrad Wolf); 1965 – 70 Mitgl. des Dresdner Stadttheaters; 1970 – 91 Mitgl. des Schauspielensembles des DFF; 1965 – 74 verh. mit dem Regisseur  Frank Beyer, 1981 – 86 verh. mit dem Sänger  Dean Reed; Hauptrollen in mehr als 40 Fernseh- u. 6 DEFA-Filmen, u. a. »Väter u. Söhne« (1971), »Die Bilder des Zeugen Schattmann« (1972), »Die sieben Affären der Dona Juanita« (1973), »Die zertanzten Schuhe« (Kinderfilm, 1976); Mitwirkung in den TV-Serien »Polizeiruf 110«, »Front ohne Gnade«, »Archiv des Todes«; 1981 Lenin-Preis für die Darstellung der Jenny Marx in der dt.-sowj. Ko-Prod. »Karl Marx – die jungen Jahre«. 1990 – 92 Schauspiellehrerin, seitdem versch. Bühnenengagements in Berlin, München, Düsseldorf, Köln, Hamburg u. Dresden; Filmrollen in den ARD-Serien »Praxis Bülowbogen«, »Polizeiruf 110«, »Großstadtrevier«, der SAT1-Serie »Wolffs Revier« u. der ZDF-Serie »Fünf Sterne«; 2005 Hauptrolle im SAT1-Film »Ich bin ein Berliner« über John F. Kennedys West-Berlin-Besuch 1963.Jan Wielgohs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Bobek, Felix

* 21.8.1898 – ✝ 22.1.1938

Geboren am 21. August 1898 in Prag. Sohn eines Universitätsprofessors, lebte mit seiner Mutter im Haus der Großeltern in Nürnberg, anschließend in Graz. Nach dem Abitur im Sommer 1916 studierte er Chemie und Physik, wurde 1917 zum Heer eingezogen, Offiziersanwärter. Während des Studiums schloß er sich der Naturfreundebewegung an. Nach dem Krieg studierte er zunächst in München, ab 1920 in Berlin und promovierte 1924 an der philosophischen Fakultät. Anschließend war er im Versuchslabor der Firma Osram beschäftigt. Bobek arbeitete seit 1932 für den Nachrichtendienst der KPD und hatte enge Kontakte zu Wilhelm Bahnik, dem Leiter des Betriebs-Berichterstattungs-Apparats, seinen Mitarbeitern Hans Israel und Ewald Jahnen. Er fotografierte Berichte über geheime Rüstungsvorhaben und übergab diese den Mitarbeitern des BB-Apparates. Das propagandistisch verwertbare Material erhielt die KPD-Führung, die technisch relevanten Informationen gelangten zur IV. Abteilung des Generalstabs der Roten Armee. Wegen seiner »nichtarischen Abstammung« wurde Bobek im Sommer 1933 bei Osram entlassen. 1934 war er für mehrere Monate beim Luma-Konzern in Stockholm tätig. Bobek wurde im Mai 1935 in Berlin verhaftet, ihm gelang jedoch im Oktober 1935 die Flucht aus der Untersuchungshaft. Zwei Wochen konnte er sich in der Umgebung Berlins verstecken, dann erneut festgenommen, vom VGH am 10. März 1937 wegen »Vorbereitung zum Hochverrat in Tateinheit mit Verrat militärischer Geheimnisse« zum Tode verurteilt. Felix Bobek wurde am 22.Januar 1938 in Berlin-Plötzensee hingerichtet. Bobek war seit 1926 mit Gertrud Bobek, geborene Denner (* 15. 11. 1898), verheiratet, die 1928 promoviert hatte. Sie gehörte wie ihr Mann ab 1932 dem AM-Apparat der KPD an. Ihr gelang 1935 mit den beiden Töchtern die Flucht in die Sowjetunion, dort später Mitarbeiterin am Geographischen Institut der AdW der UdSSR. 1938 erhielt Gertrud Bobek eine Parteistrafe wegen »mangelnder Wachsamkeit« und wurde 1941 nach Alma-Ata evakuiert. Im Sommer 1944 Rückkehr nach Moskau, im Mai 1945 Heimkehr nach Deutschland, ab Oktober 1946 Kreisrat für Volksbildung in Bautzen, von 1954 bis 1958 Vizeministerin für Volksbildung, dann bis 1963 Direktorin der Pädagogischen Schule für Kindergärtnerinnen in Leipzig. Gertrud Bobek starb am 25. Juni 2000 in Bautzen. Unter dem Titel »Erinnerungen an mein Leben« hatte sie 1998 einen Bericht veröffentlicht. Siegfried Grundmann veröffentlichte 2004 eine Biographie über Felix Bobek.

Wer war wer in DDR

Bochmann, Manfred

* 15.3.1928 – ✝ 18.11.2011

Geb. in Zschorlau (Krs. Aue-Schwarzenberg); Vater Arbeiter; Volks- u. Gewerbeschule; Ausb. zum Werkzeugmacher, im Beruf tätig; 1945 RAD u. Wehrmacht; Mai/Juni 1945 amerikan. Kriegsgefangensch. 1945 – 46 Werkzeugmacher in Aue; 1946 – 49 Studium an der Städt. Ing.-Schule in Aue u. dem Bergtechnikum Freiberg; 1946 Mitgl. der SPD/SED; 1949 – 53 Techniker bzw. Reviermechaniker bei der SDAG Wismut; 1953 Studium an der PHS; 1954/55 Mitarb. der Abt. Sicherheit der SED-Gebietsparteiltg. Wismut; 1955 – 62 pers. Mitarb. des 1. Sekr. der Gebietsparteiltg. Wismut; 1957 – 60 Fernstudium der Wirtschaftswiss. an der HfÖ in Berlin-Karlshorst, Dipl.-Wirtschaftl.; 1966 Prom. zum Dr. rer. oec. an der TU Dresden; 1962 – 67 Sekr. für Wirtsch. der SED-Gebietsparteiltg. Wismut; 1967 – 74 Staatssekr., 1974 – 89 Min. für Geol. u. Mitgl. des Min.-Rats; 1984 VVO; gest. in Berlin.Von Best- zu Typentechnologien – warum u. wie? Berlin 1968 (zus. mit G. Lingott); Wege zur Vervollkommung der Ltg. von Arbeitskollektiven. Dresden 1967.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Böck, Willibald

* 30.12.1946

Geb. in Bernterode (Krs. Heiligenstadt); Grundschule, 1961 – 65 EOS in Worbis, Forstfacharbeiter mit Abitur; 1965 – 69 Studium an der Pädagog. HS Erfurt, Dipl.-Lehrer für Dt. u. Kunstgeschichte; 1969 – 85 Lehrer in Dingelstädt (Krs. Warbis) u. Deuna (Krs. Warbis); seit 1965 Mitgl. der CDU; Febr. 1984 – 90 Bürgermeister in Bernterode; Febr. 1990 1. Stellv. des Landrats in Worbis; März – Okt. 1990 Abg. der Volkskammer u. Sprecher der Landesgr. Thür. der CDU/DA-Fraktion; März 1990 Initiator einer spektakulären »probeweisen Massenflucht« mit rund 80.000 Einwohnern, die gedroht hatten, bei einer Verzögerung der Einheit in die Bundesrep. Dtl. auszuwandern (Ziel: Niedersachsen); Teiln. an den Verhandlungen zur dt. Einheit. Ab Aug. 1990 – 93 Landesvors. der CDU Thür. u. Mitgl. des BV; Okt. 1990 – 2004 Mitgl. des Thür. Landtages; 1990 – Sept. 1992 Innenmin. in der Thür. Landesreg. Rücktritt (im Zusammenhang mit der sog. Raststätten-Affäre); seit 1991 Mitgl. der Konrad-Adenauer-Stiftung; 1993 – 96 ehrenamtl. Geschäftsf. der Eisenbahnimmobilien-Management GmbH; Landesvors. der Kommunalpol. Vereinigung (KpV) der CDU Thür. u. Mitgl. des Bundesvorst. der KpV der CDU/CSU; unterhält die Galerie »Feine Thüringer art« in Erfurt; arbeitet als Unternehmensberater; Präs. des Frendeskrs. des Kinderhospizes Mitteldt.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Boelke, Richard

* 7.3.1868 – ✝ 27.11.1943

Geboren am 7. März 1868 in Halle/Saale; Tischler. 1919 Mitglied der USPD. Boelke wurde am 6. Juni 1920 als USPD-Abgeordneter in die Bremer Bürgerschaft gewählt. Ende 1920 ging er mit der Minderheit der Bremer USPD in die VKPD. Am 1. Februar 1924 kam er als Nachrücker erneut für die KPD in die Bremer Bürgerschaft. Als im Mai 1924 die Fischer-Maslow-Führung mit Eugen Eppstein, und Max Kranz eine linke BL in Bremen installierte und namhafte langjährige Bremer Kommunisten wie Wilhelm Dantz, Wilhelm Deisen und Adolf Ehlers ausschloß, verließ Boelke die KPD im Juni des gleiches Jahres aus Protest gegen die neue Linie. Er gehörte bis zum Ende der Legislaturperiode am 6. Dezember 1924 der Bürgerschaft als fraktionsloser Abgeordneter an, danach trat er politisch nicht mehr hervor. Richard Boelke starb am 27. November 1943 in Bremen.