...

 

BioLex

In der Kategorie BioLex finden Sie drei biografische Lexika mit über 5500 Personeneinträgen.

 

Das Handbuch "Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945" wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam. Kurzbiografien zu Personen des poltischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 vor. Zudem ist das Onlinlexikon www.dissidenten.eu komplett in dieser  Rubrik recherchierbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Inforamtionen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Schenk, Christian

* 9.2.1965

Geb. in Rostock; Vater Mediziner Eberhard S. (1955 DDR-Mstr. 100 m Hürden); POS, ab 1977 KJS, Abitur; 1970 – 73 Turner in Kühlungsborn (Trainer: Küpke); 1973 – 77 Leichtathlet (Zehnkampf, Hochsprung) bei der BSG Motor Stralsund (Trainer: Werner Winke); anschl. beim SC Empor Rostock (Trainer: Horst Hübner u. bis 1982 Klaus Dieter Mirow, danach Dr. Klaus Schlottke); SED; bei den DDR-Juniorenmeisterschaften 1983: Sieger; 1983 bei den Junioren-Europameisterschaften: 2. Platz; 1986 – 90 Studium der Med., abgebrochen; bei den Weltmeisterschaften 1987: 5. Platz; 1988 Olymp. Spiele: Sieger (Zehnkampf); 1989 beim Europacup: 2. Platz; bei den Europameisterschaften 1990: 3. Platz. Lebte 1990/91 in Mainz u. ist seit 5.10.1990 Mitgl. des USC Mainz (Trainer: Holger Schmidt); lebt seit 1991 in Ingelheim; beim Europacup 1991: 2. Platz; bei den Weltmeisterschaften 1991: 3. Platz; bei den dt. Meisterschaften 1991: Sieger; 1994 endete seine sportl. Laufbahn; Studium der Publizistik an der Johann-Gutenberg-Univ. Mainz; Praktika beim ZDF u. der »Allg. Ztg.« (Mainz); zeitw. Ko-Kommentator beim ZDF; 2000 – 2005 Präsidiumsmitgl. u. Vize-Präsident des Leichtathletik-Verbandes Mecklenburg-Vorpommern; 2002 Direktor des Leichtathletik-Meetings ISTAF in Berlin; seit 2001 Geschäftsf. der Sportmarketingagentur »Christian Schenk Sports« in Berlin.Klaus Gallinat / Olaf W. Reimann

Wer war wer in DDR

Scheringer, Johann

* 12.7.1936

Geb. in Kösching (Krs. Ingolstadt); Vater Offizier; Volksschule in Kösching, Oberrealschule in Ingolstadt; landw. Lehre, landw. Winterschule in Ingolstadt; anschl. Arbeit als landw. Gehilfe auf dem elterl. Hof in Dürnhof; 1961 Übersiedl. in die DDR; 1961 – 64 Studium an der LPG-HS in Meißen; 1963 SED; 1964 – 72 Ltr. der Schweineprod. in der LPG »Recknitztal« in Semlow (Krs. Ribnitz-Damgarten); 1972 – 90 LPG-Vors. in Semlow, Trinwillershagen u. Eixen (alle Krs. Ribnitz-Damgarten); März – Okt. 1990 Mitgl. der Volkskammer. Okt. 1990 – 2002 MdL, 1990 – 94 Vors. der Frakt. LL/PDS im Landtag Mecklenb.-Vorpomm.; 1993 – 2005 Vors. des PDS-KV Nordvorpomm.; 1994 – 98 2. Vizepräs. des Landtags, 1998 – 2002 Vors. des Landw.-Aussch. (Nachf. von  Till Backhaus); Mitgl. des Ältestenrats der Linkspartei/PDS; 2006 Mitbegr. der Ölmühlen GmbH Nordost in Semlow; Vors. des Vereins zur Erhaltung des Gedankens der Bücherverbrennung; Mitgl. im VVN-BdA u. des wiss. Beirats der Thünen-Gesell.; lebt in Camitz.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Scheuner, Carl Arthur

* 7.6.1879 – ✝ 11.1.1957

Geb. in Dresden; Vater Gutsbesitzer; nach frühem Tod der Mutter aufgew. bei einer Tante; Realgymnasium in Dresden, 1899 Matura; 1899 – 1902 Chemiestudium an der TH Dresden, den Univ. Leipzig u. Göttingen, 1902 Prom. bei Otto Wallach über ungesättigte Ketone (Phorone); Okt. 1903 – Okt. 1904 Militärdienst, 1906 Ltn. d. R.; 1904 – 14 Assistent bei Wilhelm Ellenberger; ab Okt. 1906 Doz. u. ab 1910 planm. a. o. Prof. für physiolog. Chemie an der Tierärztl. HS Dresden, Forschungen bes. zur Verdauungsphysiol. der Haustiere; 1914 – 18 Kriegsdienst, EK II, entwickelte u. a. Ersatzfuttermittel für Pferde; 1920 – 23 Prof. mit Lehrstuhl für Tierphysiol. an der Landw. HS Berlin; 1923 Ernennung zum Dr. med. vet.; 1923 – 45 ord. Prof. für Veterinärphysiol. an der Univ. Leipzig; Vitamin- u. Ernährungsforschung; 1925 – 36 SA; 1926 Mitgl. der Leopoldina; 1931 Mitgl. der Sächs. AdW; 1933 NS-Lehrerbund; 1935 NSV, NS-Bund Dt. Technik; nach 1936 Anreger groß angelegter Menschenversuche (u. a. an Häftlingen im Zuchthaus Waldheim); Berater der ab 1940 durchgeführten Vitaminaktionen, treibende Kraft der 1941 einsetzenden Vitaminisierung der Margarine; 1941 NSDAP, NS Altherrenbund, NS-Altkriegerbund; 1941 ausw. Mitgl. der Königl. Schwed. Gesell. der Landw.; 1942 Präs. der von ihm initiierten Reichsanstalt für Vitaminprüfung u. Vitaminforschung in Leipzig (Dez. 1943 ausgebombt). Juni 1945 auf amerik. Befehl nach Weilburg (Lahn) evakuiert; 1946 – 48 Stellv. Prof. für Veterinärphysiol. u. Tierernährung an der Justus-Liebig-HS Gießen; 1949 Dr. med. vet. h. c. (Gießen); April 1948 2. Dir. des Inst. für Ernährung u. Verpflegungswiss. Potsdam-Rehbrücke der DAW (ab 1950 1. Dir.) u. ab Okt. auch der nach Potsdam verlegten Anstalt für Vitaminforschung u. Vitaminprüfung; 1951 Dir. beider Einrichtungen, Reorganisation zum komplexen Inst. für Ernährungsforschung; 1950 Mitgl. des Dt. Friedenskomitees, 1. Vors. des Landesfriedenskomitees Brandenb., Teiln. am 2. Weltfriedenskongreß in Warschau; Okt. 1950 Präs. des Gesamtdt. Arbeitskrs. der Land- u. Forstw. (Nachf. von  Eilhard A. Mitscherlich); 1951 NP; 1951 KB; 1951 Gründungsmitgl. u. Vizepräs. der DAL; 1953 Ord. Mitgl. der DAW u. Ltr. der von ihm initiierten Sekt. für Ernährung in der Kl. für Med.; 1954 Dr. h. c. der HU Berlin; gest. in Basel. C. A. S. gilt als Begründer der Vitaminforschung in Dtl., er war Gründer u. Ltr. der Ztschr. »Tierernährung« (1929 – 44), »Vitamine u. Hormone« (1941 – 57), »Ernährungsforschung«, Ord. bzw. Auswärt. Mitgl. mehrerer Akad. im In- u. Ausland sowie Ehrenmitgl. mehrerer wiss. Ges.; Hrsg. des Lehrbuchs »Vergleichende Physiol. der Haussäugetiere« (1910, mit Wilhelm Ellenberger), später mit Alfred Trautmann zum Lehrbuch der Veterinärphysiol. umgearbeitet (4. Aufl. 1957); Neubearbeitung von Oskar Kellners »Grundzüge der Fütterungslehre«, (11. Aufl. 1952).Gräfe, H.-K.: C. A. S. Forscher u. Werk. Berlin 1965 (mit Bibl.); Melzer, J.: Vollwerternährung. Diätik, Naturheilkunde, Nationalsozialismus, sozialer Anspruch. Stuttgart 2003; Vom Bruch, R. u. a.: Kontinuitäten u. Diskontinuitäten in der Wissenschaftsgeschichte. 2006; Melzer, J. et al.: Ernährungspraxen im »Dritten Reich«. In: Diehl, P. (Hrsg.): Körper im Nationalsozialismus. München 2006.Siegfried Kuntsche / Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Schiebold, Ernst

* 9.6.1894 – ✝ 4.6.1963

Geb. in Leipzig; Vater Polizeibeamter; Gymnasium, Abitur; 1913 – 19 Studium der Mathematik, Physik, Chemie, Mineral. u. Geol. an der Univ. Leipzig; 1918 – 22 Assistent im Mineralog. Inst. der Univ.; 1919 Prom. zum Dr. phil.; 1920 St.-Ex. für das höhere Lehramt; 1922 Aufbau u. Ltg. des Röntgenlabors in der Abt. für angewandte Physik des Kaiser-Wilhelm-Inst. für Metallforschung in Neubabelsberg; 1926 – 41 a. o. Prof. für physikal.-chem. Mineral., Petrogr. u. Feinbaulehre an der Univ. Leipzig; 1928 Ltr. des Bereichs Mineral. u. Petrogr.; 1929 Mitbegr. der Dt. Ges. für angewandte Röntgenkunde; 1941 – 45 a. o. Prof. für Röntgenkunde u. zerstörungsfreie Werkstoffprüfung der TH Dresden; zugl. Ltr. des Inst. für röntgenolog. Roh- u. Werkstofforschung in Leipzig; nach 1945 von E. S. als Privatinst. weitergeführt. 1946 – 48 Arbeit für die SMAD u. SAG-Betriebe, Hauptref. in der wiss.-techn. Abt. des Min. für Baumaterialien der UdSSR in Leipzig; 1948 – 56 Vors. der Fachabt. Zerstörungsfreie Werkstoffprüfung Fachaussch. Werkstoffprüfung der KdT; 1949 Ltr. der physikal. Abt. im Eisenforschungsinst. Hennigsdorf; 1951 Ltr. der Forschungsstelle Zerstörungsfreie Werkstoffprüfung am Dt. Amt für Material- u. Warenprüfung; 1954 Prof. u. Dir. des Inst. für Werkstoffkunde u. Werkstoffprüfung an der HS für Schwermaschinenbau Magdeburg; 1956 Dekan u. nach der Em. ab 1962 Ehrensenator der TH Magdeburg; 1958 NP; gest. in Magdeburg. Über 40 Patente, zahlr. Fachbücher.Weiss, B.: »Ein Forscher ohne Labor ist wie ein Soldat ohne Waffe«. E. S. u. die zerstörungsfreie Materialforschung u. -prüfung in Dtl. In: Hoffmann, D. (Hrsg.): Physik im Nachkriegsdtl. Frankfurt (Main) 2003.Klaus-Peter Meinecke

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schiff, Hans

* 30.4.1896 – ✝ 30.8.1937

Geboren am 30. April 1896 in Karlsruhe, Sohn eines jüdischen Patentanwalts. Mitglied der Wandervogelbewegung, begann 1913 eine Tischlerlehre, ein Jahr später meldete er sich als Kriegsfreiwilliger. Bis August 1918 Flugzeugführer und Offizier, nach einem Nervenzusammenbruch kam er in ein Sanatorium. Schiff wurde im Dezember 1918 Mitglied des Spartakusbundes, der FSJ und 1919 der KPD. Ab Frühjahr 1919 Studium an der Münchner Universität, hörte Vorlesungen bei Max Weber und engagierte sich im »Revolutionären Hochschulrat«. Wegen Beteiligung an der März-Aktion 1921 verhaftet, saß Schiff von 1921 bis 1924 auf der Festung Niederschönenfeld. Nach seiner Freilassung Automechaniker in Berlin, 1926 wurde er Redakteur an KPD-Zeitungen, u. a. Feuilletonredakteur der »Roten Fahne«. Im August 1930 reiste er nach einer dreimonatigen Haft in die Sowjetunion, war dann bis 1933 Mitarbeiter im Apparat der Komintern. Zunächst Referent der Genossenschaftsabteilung des EKKI, nach deren Auflösung Referent für Genossenschaftsfragen beim Mitteleuropäischen Ländersekretariat. Schiff wurde 1932 Mitglied der KPdSU(B), brach sein Studium an der Leninschule ab, erhielt wegen »unmoralischen Verhaltens« eine Rüge, deshalb 1932 aus dem Komintern-Apparat entfernt. 1935 besuchte er die KUNMS und unterrichtete nebenbei Deutsch am Institut der Roten Professur. Dort noch 1935 entlassen, aber Redakteur bei der deutschsprachigen Zeitung »Das neue Dorf« beim Parteikomitee in Charkow. Seit 1935 Informant des NKWD, lieferte Schiff auch Hunderte von Meldungen über »von ihm aufgedeckte Verschwörungen« und über »verdächtige Elemente«. 1936 beim Parteikomitee in Simferopol tätig, wurde er Ende Juli 1937 Redakteur bei der in Moskau erscheinenden »Deutschen Zentral-Zeitung«. Doch Schiff geriet selbst in die stalinistischen Säuberungen, wurde am 30. August 1937 vom NKWD verhaftet und der Zugehörigkeit zur »trotzkistisch-terroristischen Gruppe Wollenberg« verdächtigt. Nach schwerer Folter am 8. Dezember 1937 zum Tode verurteilt, wurde Hans Schiff noch am gleichen Tag in Butowo erschossen, erst 1964 in der UdSSR »posthum rehabilitiert«.

Wer war wer in DDR

Schilkin, Sergej Apollonowitsch

* 27.12.1915 – ✝ 18.7.2007

Geb. in Petrograd (Rußland); Vater Spirituosenfabrikant u. Hoflieferant des Zaren; 1921 Emigr. der Familie nach Dtl.; 1936 Abschl. des Gymnasiums in Berlin; 1938 – 42 Studium des Maschinenbaus an der TH Berlin; anschl. dort Assistent; 1944 Mitgl. des Reichsforschungsrats u. Ltr. des Inst. für Schweißtechnik der TH Berlin. 1945 Übernahme der von den Eltern seit 1932 in Berlin-Kaulsdorf betriebenen Branntwein-Firma; 1948 Gründung der Schilkin KG Berlin als Familienbetrieb, Ausbau der Firma zum zuletzt fünftgrößten Spirituosenhersteller in der DDR mit weltweitem Export, ab 1958 mit staatl. Beteiligung; nach der Enteignung von 1972 – 81 Ltr. des nunmehrigen VEB Schilkin. Nach der Reprivatisierung im Juni 1990 wieder Inhaber der Schilkin KG Berlin mbH Weinbrennerei u. Likörfabrik; Ehrenvors. des Verb. der Mitteldt. Spirituosenindustrie u. Ehrenpräs. des Bundesverb. der Dt. Spirituosenindustrie, engagiertes Mitgl. im Heimatverein Marzahn-Hellersdorf e. V.; 1992 Übergabe der Geschäftsf. an den Schwiegersohn, 2001 Eintritt des Enkels in die Ltg. der Firma; gest. in Berlin.Hoffe, solange Du atmest ? Berlin 1995. Osang, A.: Der Schnapsbrenner tanzte auf allen Rev. In: Ders.: Aufsteiger – Absteiger. Berlin 1992.Jan Wielgohs

dissidenten.eu

Schilling, Walter

* 1930

Der Thüringer Gemeindepfarrer prägte mit seiner „Offenen Arbeit“ ab den 60er Jahren mehrere Generationen von Jugendlichen in der DDR in ihrem solidarischen und widerständigen Engagement. Sein Wirkungskreis reichte weit über den Thüringer Raum hinaus. Er begleitete die „Kirche von Unten“ als Pfarrer des Vertrauens und gab Impulse für ein partizipatorisches Gemeindemodell.Walter Schilling wurde am 28. Februar 1930 in Sonneberg im Süden Thüringens als Sohn eines Pfarrers geboren und wuchs im benachbarten Oberlind auf. Seine Eltern gehörten im Nationalsozialismus der Bekennenden Kirche an, weshalb sein Vater erst nach dem Zusammenbruch der NS-Diktatur 1945 Superintendent werden konnte. Bestand Walter Schillings Jugendtraum noch darin, Jagdflieger zu werden, entschloss er sich mit 17 Jahren, Pfarrer zu werden. In der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) bzw. in der DDR durfte Schilling zunächst nicht studieren und fand beim evangelischen Villigster Studienwerk eine Ausbildungsstätte. Hier erhielten Werkstudenten eine universale Bildung mit engem Bezug zur Arbeitswelt. Künftige Eliten sollten nicht wieder fern der Realität heranwachsen. Schilling arbeitete als Landwirtschaftsgehilfe in Westfalen und Bergarbeiter im Ruhrgebiet, was für seinen späteren Ansatz einer sozialen und praktischen Theologie prägend war. 1950–55 studierte er Theologie in Münster, Heidelberg und Jena und wirkte anschließend bis zu seiner Pensionierung als Gemeindepfarrer in Braunsdorf-Dittrichshütte in der Nähe von Saalfeld in Thüringen. Seine Gemeinde wuchs bald über die kleinen 100-Seelen-Dörfer hinaus. Das hing mit dem offenen Jugendrüstzeitheim zusammen, das Schilling als Kreisjugendpfarrer ab 1959 mit seiner Frau Eva und der Jungen Gemeinde Rudolstadt ausbaute. Die vormaligen Stallgebäude am Braunsdorfer Pfarrhaus wurden zu einem Pilgerort unangepasster Jugendlicher aus allen Regionen der DDR. Ab 1968 fand hier die in der DDR proletarischer als in anderen Ländern geprägte Hippiebewegung offene Pforten. Studenten waren selten darunter, da unangepasste Jugendliche von der SED als „bildungsunwert“ ausgesondert wurden. Der Kreis der „Jünger der Offenen Arbeit“ entstand, ganz biblisch, aus den Ausgegrenzten. Zuerst kamen Rudolstädter und Saalfelder Jugendliche, die einen Raum zum Hören ihrer Musik suchten, ohne dass gleich die Polizei einschritt. Brutale Übergriffe auf Langhaarige und deren gesellschaftliche Stigmatisierung gehörten in den 60er Jahren zum realsozialistischen Alltag. Solche Erfahrungen mit dem von den Jugendlichen als faschistoid empfundenen Polizeistaat politisierten zunehmend. Nach Braunsdorf konnte jeder kommen, egal mit welchem Outfit, und fand dort einen freien Artikulations- und Kommunikationsort, eine Insel im „roten Meer“, die in der von der SED normierten Welt Freiraum zur Selbstentfaltung bot. Schilling, selbst ein Jazz- und Bluesliebhaber mit langen Haaren, der starken Kaffee und starke Zigaretten liebte, lehnte Bekenntniszwang und Messianismus ab. Deshalb besuchten auch die atheistisch geprägten Jugendlichen seine Gottesdienste in der alten Dorfkirche, bei denen er praktische Erfahrungen aus dem Lebensumfeld der Jugendlichen mit Bibelworten zu verknüpfen wusste. In den Nächten am Kamin wurden bei Watzdorfer Bier über Zukunftsvisionen debattiert. Zum gemeinsam gestalteten „Gottesdienst – mal anders“ im Herbst 1969 in Rudolstadt kamen 500 Besucher. Nachgespielte Musiktitel wie „I'm free“ oder „Paint it black“ trafen das Lebensgefühl der „Beat Generation“ und mussten, um die Zensur zu umgehen, als Spiritual oder Traditional ausgegeben werden. Verbotene Bands wie die Gruppe Medianas spielten in der Kirche. Schon der zweite Versuch in Saalfeld wurde jedoch behördlich untersagt. Das Wichtigste waren Authentizität, Selbstgestaltung und die gemeinsam durchlebten Konflikte. Schilling übersetzte das in der DDR missbrauchte Wort Solidarität mit „ganz dicht beieinander sein“, bei der Personalität eine Voraussetzung darstelle. Der Freiraum für Muße als menschlichem Grundbedürfnis und Entfaltungsbedingung von Personalität war eine der Stärken der Offenen Arbeit. Statt paternalistisch Kirche „für“ andere zu sein, sollte ein „Miteinander“ möglich gemacht werden, was sich vom Ansatz traditioneller Sozialdiakonie unterschied und von Kirchenleitungen und Gemeinden beargwöhnt wurde. Diese neue Jugendarbeit, zunächst in Zella-Mehlis (Jürgen Hauskeller), Leipzig (Claus-Jürgen Wizisla), Jena (Uwe Koch, Thomas Auerbach) und Dresden (Frieder Burkhardt, Christoph Wonneberger) praktiziert, wurde ab 1970 als „Offene Arbeit“ bezeichnet. Ab 1971 fanden überregionale Arbeitstreffen statt, an denen sich nicht nur Kirchenangestellte, sondern auch Jugendliche beteiligten, die Verantwortung übernehmen wollten. Ziel war ein neues Gemeindemodell. Über Tramperkreise erfolgte eine Vernetzung quer durch die Republik. Junge Gemeinden in Großstädten wie Erfurt, Halle und Ost-Berlin erhielten ein neues Profil, wurden zu Umschlagplätzen subversiver Ideen. Gemeinsames ganzheitliches Leben, vorurteilsfreies einander Annehmen und hierarchiefreies Miteinander wurden zum hehren Selbstverständnis. Spaß und Spontaneität sollten dabei nicht zu kurz kommen. Aus einem von Schilling geprägten Theologieverständnis der Nachfolge Jesu entwickelte sich in einem Prozess des Miteinanders eine Befähigung zum gemeinsamen politischen Handeln. 1973 hatte Schilling einen Armeedeserteur auf dem kirchlichen Gelände versteckt, obwohl das Militärlager der Nationalen Volksarmee (NVA) Dittrichshütte nur ein paar Steinwürfe entfernt lag. Immer wieder stand er Armeedienstverweigerern bei. Ab 1973 setzte als Nachwirkung des *Prager Frühlings eine stärkere Politisierung ein, die 1976 mit den Protesten gegen die Ausbürgerung von Wolf Biermann in der Jungen Gemeinde Jena einen ersten Höhepunkt fand, an denen sich Schilling beteiligte.Thematische Werkstätten, zunächst als neue selbstgestaltete Form von Gottesdiensten und Kulturersatz, fanden bald in verschiedenen Städten im Süden der DDR statt. Ende der 70er Jahre organisierten Schilling und Pfarrer Uwe Koch mit Jugendlichen der Region Großveranstaltungen in Rudolstadt, zu denen 1.000–2.000 Besucher kamen und die zu Vorläufern der Berliner Bluesmessen von Rainer Eppelmann wurden: „JUNE 78“ zum Thema Apartheid/Ausgrenzung mit dem Motto „Trau Dir selbst und dem anderen etwas zu“ und „JUNE 79“ in Bezug zum Uno-Jahr des Kindes. Im Jahr darauf folgte das staatliche Verbot und im Oktober 1980 die endgültige behördliche Schließung des Braunsdorfer Heims, nachdem dies bereits 1974 versucht und Schilling auf staatlichen Druck hin als Heimleiter abgesetzt worden war. Nun lieferten bauliche Mängel den Vorwand. Bedingt auch durch die DDR-Mangelwirtschaft konnte das Heim erst nach dem Ende der DDR modernisiert werden. Vom Ministerium für Staatssicherheit (MfS) wurde Schilling schon seit den 50er Jahren als Nichtwähler überwacht. Als er sich 1963 in die Jugendpolitik einzumischen begann und neue Gesetze kritisierte, tauchten Stasi-Offiziere bei ihm auf. Als sie seine kritische Distanz zur SED-Politik feststellten, wurde er in verschiedenen Operativen Vorgängen (OV) „bearbeitet“, deren Bezeichnungen OV „Reaktionär“, OV „Plakat“ und OV „Spinne“ lauteten und während der Friedlichen Revolution 1989 zum Teil eilig von MfS-Angehörigen vernichtet wurden. Zersetzungsmaßnahmen zielten vor allem auf Schillings überregionale Tätigkeit, hier wurden auch doppelzüngige Amtsbrüder in der Kirchenleitung als inoffizielle Mitarbeiter (IM) der Staatssicherheit tätig. Fünf der neun Oberkirchenräte arbeiteten mit dem MfS zusammen. 1984 fand Walter Schilling eine Abhörwanze in seiner Pfarrwohnung. Beargwöhnt wurden vor allem Schillings vielfältige Kontakte. Am meisten dürfte die Stasi-Mitarbeiter jedoch geärgert haben, dass Schilling ihre Konspiration vereitelte. Schon 1959 hatte er begonnen, Jugendliche vor Anwerbungen durch das MfS zu warnen und einzelne vor der Rekrutierung als Spitzel zu bewahren. Immer wieder sprach er offen über das tabuisierte und angstbesetzte Thema Staatssicherheit und hielt darüber ab 1986 angekündigte Vorträge in Thüringer Jungen Gemeinden.Walter Schilling beteiligte sich nach der Heimschließung verstärkt an überregionalen Aktivitäten. So stellte er 1981 mit anderen aus der Offenen Arbeit eine 60-seitige Dokumentation von Menschenrechtsverletzungen zusammen, die die Kirchenleitung mit der bitteren Realität des staatlichen Umgangs mit kritischen Jugendlichen konfrontierte. Matthias Domaschk aus Jena war in der Geraer Stasi-Untersuchungshaftanstalt ums Leben gekommen, zeitgleich hatte in Berlin ein brutaler Polizeiüberfall auf die Wohnungseinweihungsfeier von Schillings Tochter Kathrin stattgefunden. 1982 gründete Schilling gemeinsam mit Amtskollegen den Altendorfer Friedenskreis, nahm an Treffen des Netzwerks „Frieden konkret“ und von Thüringer Basisgruppen teil. 1986 trug er die Parteitagseingabe der Initiative Frieden und Menschenrechte (IFM) mit. Im gleichen Jahr konnte noch einmal eine Werkstatt in Rudolstadt stattfinden. 1987 beteiligte er sich federführend und als Verfasser diverser Grundsatzpapiere am „Kirchentag von Unten“, den themenbezogene Basisgruppen gemeinsam mit der Offenen Arbeit gestalteten, um gegen die Kirchenleitung zu protestieren, die sich beim Staat mit der Aussetzung der Friedenswerkstatt lieb Kind machen wollte. Für die in Folge entstehende „Kirche von Unten“ (KvU), die neben Gesellschaftskritik einem kirchenreformatorischen Ansatz folgte, wurde er von Juni 1989 bis Juni 1990 in Berlin der Pfarrer des Vertrauens. Landesweit fand sich kein anderer Pastor, der dem basisdemokratischen, staats- und autoritätsfeindlichen Selbstverständnis der KvU entsprach. In den bewegten Tagen um den 7. Oktober 1989 nahm Schilling an der Mahnwache vor der Gethsemanekirche in Berlin-Prenzlauer Berg teil und informierte vom dortigen Kontakttelefon aus andere DDR-Regionen über die Polizeiübergriffe. Am 8. Oktober wurde er selbst festgenommen und in die Untersuchungshaftanstalt Berlin-Rummelsburg gebracht. Anschließend beteiligte er sich am Zusammentragen der Gedächtnisprotokolle, die vom Stadtjugendpfarramt unter dem Titel „Ich zeige an“ veröffentlicht wurden. Als der geforderte unabhängige Untersuchungsausschuss zu den Polizeiübergriffen eingesetzt wurde, arbeitete er zunächst mit, verließ diesen aber wieder, da ihm auch Verantwortliche für die Übergriffe angehörten. Der intendierte politische Eklat blieb allerdings aus: Einen Tag zuvor war die Mauer gestürmt worden. Nach dem Ende der DDR 1990 widmete sich Schilling verstärkt der Vergangenheitsklärung mit dem Schwerpunkt der Verstrickung der evangelisch-lutherischen Kirche in Thüringen. 1995 ging er als Pfarrer in den Ruhestand. Er lebte als Vater von vier erwachsenen Kindern anschließend mit seiner Frau Eva in Dittrichshütte. Für sein Engagement wurde er mit dem Menschenrechtspreis der Stadt Weimar gewürdigt. Walter Schilling starb 2013 in Saalfeld.Gerold Hildebrand Letzte Aktualisierung: 08/16

Wer war wer in DDR

Schilling, Walter

* 28.2.1930 – ✝ 29.1.2013

Geb. in Sonneberg, aufgew. in Oberlind (Thür.); Vater Superintendent; 1948 Abitur; anschl. landw. Gehilfe in Wersen (Westf.); 1949 Ev. Studentenwerk Villigst, Werkstudium im Bergbau; 1950 – 55 Studium der Theol. in Münster, Heidelberg u. Jena; nach dem Ersten Theolog. Examen 1955 Vikar in Königsee u. Braunsdorf (Krs. Rudolstadt); nach dem Zweiten Theolog. Examen 1957 Ernennung zum Krs.-Jugendpfarrer; ab 1959 Aufbau u. Ltg. eines kirchl. Jugendheims; seit 1968 maßgebl. Beteiligung an der Konzipierung u. am prakt. Aufbau der offenen sozialdiakon. Jugendarbeit in Thür., begleitet von Konflikten mit kirchl. Behörden u. dem MfS; 1974 Absetzung als Ltr. des Jugendheims u. Schließung des Hauses auf Betreiben des MfS unter Mitw. kirchenltd. IM; in den 80er Jahren wegen vielfältiger Kontakte zu opp. Gruppen durch das MfS überwacht; 1987 Mitorg. des »Kirchentags von unten«, fortan wichtigster Inspirator, Organisator u. Repräsentant der aus der »offenen Arbeit« hervorgegangenen »Kirche von unten«, zu deren theolog. Begleiter er 1989 durch die Ev. Kirche Berlin-Brandenb. berufen wurde; Herbst 1989 Beteiligung an Protestaktionen in Berlin; Mitarb. im Unabh. Untersuchungsaussch. für die polizeil. Übergriffe vom 7./8.10.1989 in Berlin. Ab 1990 Ltr. des Heims für »offene Arbeit« in Braunsdorf; Berater der Thür. Kirche für die Aufarbeitung von MfS-Verstrickungen; 1994 Ruhestand; 1995 Menschenrechtspreis der Stadt Weimar; lebte in Dittrichshütte (Thür.); gest. in Saalfeld. Publ. zu Grundlagen der »offenen Arbeit« sowie zum Verhältnis zw. Kirche u. MfS.Hildebrand, G.: W. Sch. In: Kowalczuk, I.-L., Sello, T.: Für ein freies Land mit freien Menschen. Opp. u. Widerstand in Biogr. u. Fotos. Berlin 2006.Ehrhart Neubert

Wer war wer in DDR

Schimmer, Rudi

* 25.4.1929 – ✝ 25.9.1985

Geb. in Lauterbach (Schles.); Vater Arbeiter; Volks- u. Berufsschule, Lehre u. Arbeit als Tischler; Febr. – Mai 1945 Wehrmacht, 1945 / 46 amerikan. Kriegsgef. 1946 / 47 Arbeit als Tischler; 1947 SED; 1948 Instrukteur bzw. Sekr. der SED-KL Görlitz; 1950 Besuch der SED-LPS Sachsen; 1951 – 55 Sekr. der SED-KL Dresden u. Dresden-Land bzw. der SED-Stadtltg. Dresden; 1955 – 58 Studium an der SED-PHS, Dipl.-Gesellschaftswiss.; 1958 – 60 Sekr. für Agit. u. Prop. der SED-BL Dresden; 1960 – 62 2. Sekr. der SED-KL Großenhain; 1962 / 63 2. Sekr. u. 1963 – 66 1. Sekr. der SED-KL Riesa; 1966 – 78 Chefred. des SED-Bezirksorgans »Sächsische Zeitung« Dresden (Nachf. von  Sander Drobela); 1978 – 79 Mitgl. der SED-BL Dresden; zeitw. auch Vors. des VDJ-BV Dresden; später Betriebsdir. der DEWAG-Dresden.Kirsten Nies

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schirdewan, Karl

* 14.5.1907 – ✝ 14.7.1998

Geboren am 14. Mai 1907 in Stettin, Sohn von Josefine Aretz. Er wuchs zunächst als Pflegekind der Familie Barteck, dann im katholischen Waisenhaus in Neurode auf und wurde 1914 von der Familie Robert und Martha Schirdewan adoptiert; war dann Laufbursche, Bürogehilfe und Transportarbeiter. Ab 1923 Mitglied der KJD, 1925 der KPD, 1927 wurde er Sekretär des KJVD in Schlesien und im September 1929 auf dem 11. Kongreß in Berlin-Neukölln in das ZK des KJVD gewählt. Im Frühjahr 1931 Leiter des Verlages Junge Garde in Berlin, er gehörte zum Sekretariat des ZK des KJVD. Während der Auseinandersetzungen innerhalb dessen Führung wurden Schirdewan und Friedrich Schlotterbeck im Herbst 1931 aus ihren Funktionen abgelöst und Schirdewan als KJVD-Sekretär nach Ostpreußen versetzt. Ende 1932 wieder in Berlin, leitete er den AM-Apparat im ZK des KJVD. Er ging im Februar 1933 nach Sachsen, dann als Oberberater nach Hamburg und gehörte zuletzt dem illegalen »Dreierkopf« der KJVD-Inlandsleitung an. Am 19. Februar 1934 in Hamburg festgenommen und schwer gefoltert, am 12. Mai 1934 vom VGH zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt, die er in Coswig verbüßte. Anschließend »Schutzhaft«, er saß bis 1945 ununterbrochen in verschiedenen KZs. 1945 Mitarbeiter im ZK der KPD bzw. ab April 1946 im SED-PV, hier zählte Schirdewan zu den wichtigsten Spitzenfunktionären der Westabteilung, später Leiter des Arbeitsbüros des ZK der SED. Im März 1952 löste er den 1. Sekretär der SED-Landesleitung Sachsen Ernst Lohagen ab, seit Ende 1952 wieder im Apparat des ZK. Nach den Auseinandersetzungen mit Wilhelm Zaisser und Rudolf Herrnstadt 1953 in das ZK kooptiert, wurde Mitglied des Politbüros und Sekretär des ZK der SED, dort bald »zweiter Mann« hinter Walter Ulbricht. Nach dem XX. Parteitag der KPdSU 1956 forderte Schirdewan Reformen in der DDR und dachte, diese als Nachfolger Ulbrichts umzusetzen. Er fand im Politbüro und im Sekretariat Unterstützung, doch nach der Niederschlagung des Volksaufstandes in Ungarn und den polnischen Ereignissen vom Sommer und Herbst 1956 erlangte Ulbricht wieder die Oberhand, Schirdewan wurde am 6. Februar 1958 auf dem 35. Plenum des ZK der SED gemeinsam mit Ernst Wollweber der »Fraktionstätigkeit« bezichtigt. Schirdewan erhielt eine strenge Rüge, wurde aus dem ZK der SED ausgeschlossen und als Leiter der Staatlichen Archivverwaltung nach Potsdam abgeschoben. Im April 1959 zur öffentlichen Selbstkritik genötigt, ging er 1965 in den Ruhestand. Er bekam 1977 die Ehrenspange zum VVO in Gold, wurde aber erst im Januar 1990 durch die SED/PDS rehabilitiert. Danach gehörte er zum »Rat der Alten« beim PDS-PV, veröffentlichte 1994 den Bericht »Aufstand gegen Ulbricht« und 1998 seine Erinnerungen unter dem Titel: »Ein Jahrhundert Leben«. Karl Schirdewan starb am 14. Juli 1998 in Potsdam.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Schirmer, Wolfgang

* 3.3.1920 – ✝ 16.4.2005

Geb. in Berlin in der Familie eines Kfm.; ab 1939 Studium der Chemie, Physik u. Allg. Naturwiss. an der Friedrich-Wilhelm-Univ. u. an der TH Berlin; Mitarb. im Forschungslabor der Firma C. Lorenz AG Berlin-Schönefeld; zeitw. bei der Wehrmacht. Ab 1945 wiss. Mitarb. u. 1949 Prom. an der TH Berlin; 1950 – 53 Werkdir. des Stickstoffwerks Piesteritz; 1952 SED; 1953 – 62 GD des VEB Leuna-Werke »Walter Ulbricht«; 1954 zugl. Doz. u. 1955 Prof. mit Lehrauftrag für physikal. Chemie an der TH für Chemie Leuna-Merseburg; 1954 – 67 Kand. des ZK der SED; 1959 Korr., 1961 Ord. Mitgl. der DAW; 1962 stellv. Dir. u. 1964 – 85 Dir. des Inst./ZI für Physikal. Chemie der DAW/AdW (Nachf. von  Peter Adolf Thiessen); ab 1963 zugl. Prof. mit Lehrstuhl für chem. Technol., ab 1971 für techn. Chemie an der HU Berlin; ab 1963 Mitgl. u. zeitw. stellv. Vors. des Forschungsrats der DDR sowie 1. Vors. der Ständ. Kommission für chem. Industrie beim RGW; 1959 u. 1960 VVO; 1972 NP (im Koll.); 1985 em.; gest. in Woltersdorf (b. Berlin). Forschungsgebiete: physikal. Chemie, Absorption an Festkörperoberflächen.Jan Wielgohs

Wer war wer in DDR

Schläfer, August

* 4.8.1902 – ✝ 8.3.1967

Geb. in Iserlohn; Vater Maurer; Volksschule, 1916 – 21 Lehre u. Arbeit als Schlosser, Studium des Maschinenbaus am Technikum Hildburghausen, ab 1925 Maschinenbau- u. Elektroing., 1925 – 46 Industrietätigkeit als Ing. bzw. Obering. in Brackwede u. Chemnitz. 1946 SED; 1946/47 Techn. Dir. der Industrieverwaltung 10 in Chemnitz; 1948 Techn. Dir. der Industrieverwaltung Maschinenbau Dresden; 1948 – 52 Hauptdir. der VVB Werkzeugmaschinenwerk Chemnitz; 1952/53 Werkltr. des VEB Konstruktion, Technol. u. Montage Karl-Marx-Stadt; ab 1953 Lehrtätigkeit an der HS für Maschinenbau, Prof. für Ökon., 1953 – 59 Rektor der HS für Maschinenbau Karl-Marx-Stadt (der späteren TH bzw. TU) (Nachf. von Helmut Bremser); Prof. mit vollem Lehrauftrag für Betriebswiss.; 1955 Vors. des BV der KdT Karl-Marx-Stadt; 1961 Prodekan der Fak. für Technol., anschließend Ltr. des Inst. für Normung u. Betriebswiss.; 1956 – 62 Mitgl. der SED-BL Karl-Marx-Stadt.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Schenk, Christina (Christian)

* 8.7.1952

Geb. in Ilmenau; 1971 Abitur; 1972 – 76 Physikstudium an der HU Berlin; 1973 SED, 1981 Austritt nach Konflikten im Zusammenhang mit der pol. Entw. in Polen; 1976 – 88 wiss. Mitarb. an der AdW; bekennende Lesbe, seit 1985 Mitarbeit in der Lesbengr. Berlin, Forschungsarbeit zur »psychosozialen Situation von Lesben in der DDR«; Okt. 1989 Gründungsinitiatorin der Frauengr. »lila offensive«; Aufn. einer Aspirantur in der soziolog. Frauenforschung an der HU Berlin; Dez. 1989 Mitbegr. des UFV, Dez. 1989 – 90 Vertreterin des UFV am Berliner u. am Zentr. Runden Tisch; Aug. 1990 Mitinitiatorin des Frauenpol. Runden Tischs. Dez. 1990 als Vertreterin des UFV Wahl in den Dt. Bundestag auf der Liste Bündnis 90 / Die Grünen, Mitarb. in den Aussch. »Familie u. Senioren«, »Frauen u. Jugend«; 1994 – 2002 Mitgl. der PDS-Fraktion, frauenpolit., dann familien-, lesben- u. schwulenpolit. Sprecherin; 2001 Preis »Rosa Courage« des Osnabrücker Lesbisch-Schwulen Festivals »Gay in May« u. »Frau des Monats« des WDR im Nov.; 2002 öff. Bekenntnis als Transmann, 2006 Annahme des Vornamens Christian; arbeitet als freiberufl. Politikberater.Jan Wielgohs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Scheringer, Richard

* 13.9.1904 – ✝ 9.5.1986

Geboren am 13. September 1904 in Aachen, Sohn eines preußischen Offiziers; er besuchte das Gymnasium in Koblenz und in Berlin-Zehlendorf. 1923 in Koblenz gegen Separatisten und die französische Besatzungsmacht aktiv, flüchtete er nach Berlin. Hier in rechtsradikalen Kreisen tätig, im September 1923 nahm er am Küstriner Aufstand der »Schwarzen Reichswehr« teil. Im März 1924 Abitur, am 1. April 1924 Offiziersanwärter bei der Reichswehr in Ulm, dort 1928 Beförderung zum Leutnant. Zusammen mit Hanns Ludin und dem Oberleutnant Hans Friedrich Wendt wurde Scheringer am 19. März 1930 wegen nationalsozialistischer Umtriebe im Offizierskorps verhaftet. Vom 23. September bis 4.Oktober 1930 im »Ulmer Reichswehrprozeß« zu 18 Monaten Festungshaft verurteilt und aus der Reichswehr ausgeschlossen. Als NSDAP-Mann saß er von Oktober 1930 bis Sommer 1931 in der Festung Gollnow. Unter dem Einfluß von KPD-Häftlingen wandte er sich vom Nationalsozialismus ab, gab am 18. März 1931 eine Erklärung gegen Adolf Hitler ab und bekannte sich zu den Zielen der KPD. Im April 1932 wurde Scheringer, nun wegen seiner KPD-Tätigkeit, vom Reichsgericht zu zweieinhalb Jahren Festungshaft verurteilt. Vom Reichspräsidenten begnadigt und freigelassen, zog er sich auf den Dürrnhof in Kösching bei Ingolstadt zurück, den seine Mutter 1929 gekauft hatte. Seit Mai 1934 mit Marianne Heisch verheiratet, mit der er neun Kinder hatte. Während des »Röhm-Putsches« im Juni 1934 kurzzeitige Haft in Landsberg/Lech, jedoch von 1939 bis 1945 Offizier in der Wehrmacht, u. a. ab 1940 Einsatz in Frankreich und in der Sowjetunion. Anfang September 1945 schwerkrank aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft in Frankreich entlassen, Mitglied der KPD, zwei Monate Staatssekretär im Bayerischen Landwirtschaftsministerium. Von 1945 bis 1956 Mitglied der Landesleitung der KPD Bayern und bis 1956 Abgeordneter des Landtags. Im Juli 1956 vom BGH in Karlsruhe zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt (wegen Krankheit jedoch kein Haftantritt). 1959 erschien sein Buch »Das große Los – Unter Soldaten. Bauern und Rebellen«. Seit 1968 Mitglied der DKP. Anläßlich seines 70. Geburtstages verlieh ihm seine Heimatgemeinde die Bürgermedaille für besondere Verdienste, die DDR überreichte ihm den Karl-Marx-Orden. Richard Scheringer starb am 9. Mai 1986 in Hamburg. Einige seiner Söhne haben in der DDR Landwirtschaft studiert und leiteten LPGs. Johannes (* 1936) gehörte von 1990 bis 2001 für die PDS dem Landtag von Mecklenburg-Vorpommern an, Konrad (* 1938) war von 1994 bis 2002 PDS-Abgeordneter im Landtag von Thüringen.

Wer war wer in DDR

Scheweleit, Emil

* 30.1.1912 – ✝ 23.5.2004

Geb. in Berlin; Vater Tischler; Volks-, Abendreal- u. kfm. Berufsschule; Lehre u. Arbeit als kfm. Angest.; 1930 KPD; nach 1933 illeg. Arbeit; 1936 inhaftiert, 1937 Verurteilung wegen »Vorber. zum Hochverrat« zu einem Jahr u. neun Mon. Gefängnis, Haft im Strafgefängnis Tegel; anschl. Polizeiaufsicht, »wehrunwürdig«; 1943 Wehrmacht; 1943 sowj. Kriegsgefangenschaft, Antifa-Schule u. Parteischule bei Moskau. 1945 Rückkehr nach Dtl.; 1945 – 47 Ref. des ZK der KPD bzw. im SED-PV; 1946 SED; 1947 – 50 persönl. Mitarb. des Mitgl. des ZS des SED-PV  Walter Beling; 1950 – 58 Ltr. der Geschäftsverw. bzw. Ltr. der Verw. der Wirtschaftsbetriebe des ZK der SED; ab März 1958 Handelsltr. der VVB Wohnraumgestaltung Berlin; später Studium an der HfÖ Berlin, Dipl.-Wirtsch.; 1963 – 73 Ltr. des Sektors Planung in der Hauptverw. Verlage u. Buchhandel des Min. für Kultur; Rentner; ehrenamtl. Vors. der Veteranen-AG im Min. für Kultur; gest. in Neuenhagen.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Schieck, Hans

* 7.4.1928

Geb. in Suhl; Vater Arbeiter, Mutter Hausfrau; Volks- u. Berufsschule, Lehre u. Arbeit als Werkzeugmacher u. Feinmechaniker; 1944 / 45 RAD u. Wehrmacht, 1945 – 47 brit. Kriegsgef. in den Niederlanden u. Belgien. 1947 / 48 Feinmechaniker in der SAG Pribor (vormals Fabrik Kober) in Suhl; 1948 – 52 Gruppenltr., Produktionsltr. u. Ass. des Werkdir. des VEB Elektrogerätewerk Suhl; 1949 SED; 1952 – 57 Werkltr. im Werk II Brotterode des VEB Fahrzeugausrüstungen; 1957 / 58 Lehrgang an SED-BPS Erfurt; 1958 – 66 Werkdir. im VEB Elektrogerätewerk Ruhla bzw. Suhl; 1966 – 68 Studium am Industrie-Inst. der TH Ilmenau, Industrie-Ökonom; 1968 / 69 Werkdir. im VEB Büromaschinenwerk Sömmerda; 1969 – 71 1. Stellv. des GD u. Dir. für Plandurchführung des VEB Kombinat Zentronik, 1971 – 74 1. Stellv. des GD des VEB Büromaschinenwerk Sömmerda, 1974 / 75 Betriebsdir. u. Stellv. des GD des VEB Kombinat Zentronik; 1973 Banner der Arbeit; 1975 – 89 GD des VEB Kombinat Fahrzeugelektrik Ruhla.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Schiffer, Eugen

* 14.2.1860 – ✝ 5.9.1954

Geb. in Breslau (Wrocław, Polen); dort Gymnasium; Jurastudium in Breslau, Leipzig u. Tübingen; 1880 Eintritt in den Justizdienst; 1885 – 87 Gerichtsassessor; bis 1900 Amtsrichter in Hoyerswerda; ab 1900 LG-Rat in Magdeburg; ab 1906 Mitgl. des Preuß. Kammergerichts u. ab 1910 des Oberverw.-Gerichts; als Nationalliberaler ab 1903 Mitgl. des Preuß. Abgeordnetenhauses u. ab 1911 des Dt. Reichstags; 1917 Unterstaatssekr. im Reichsschatzamt; 1919 Mitbegr. u. Fraktionsvors. der DDP in der Nationalvers. u. im Reichstag; 1919/20 Reichsfinanzmin., Justizmin. u. Vizekanzler; nach Verlassen der DDP 1924 Mitbegr. der Liberalen Vereinigung; ab 1925 Rechtsanwalt; Präs. der Verw.-Akad. Berlin u. Mithrsg. der »Dt. Juristenztg.«; zahlr. Veröff., in denen er »Volksfremdheit des Rechts, Weltfremdheit der Richter, Rechtsfremdheit des Volkes« beklagt; in der NS-Zeit pol. u. rass. verfolgt, überlebte im Berliner Jüd. Krankenhaus. 1945 Mitbegr. der LDPD, Mitgl. ihres PV u. des Zentr. Blocks; 1945 – 48 Präs. der Dt. ZV für Justiz; schlug Anfang 1947 den Parteien in allen Besatzungszonen vor, eine nat. dt. Repräsentation für die Außenministerkonferenz in Moskau zu bilden, die Initiative scheiterte; 1948/49 Mitgl. des Dt. Volksrats u. 1949/50 der Prov. Volkskammer; 1950 Vors. ihres Verfassungsaussch.; 1950 Dr. jur. h. c. (MLU Halle); gest. in Berlin (West).Die dt. Demokratie nach den Reichstagswahlen. Berlin 1920; Die dt. Justiz. Grundzüge einer durchgreifenden Reform. Berlin 1928; Sturm über Dtl. Berlin 1931; Ein Leben für den Liberalismus. Berlin 1951.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Schill, Gerhard Paul

* 23.3.1925 – ✝ 6.4.2000

Geb. in Chemnitz; Vater Schlosser; Volksschule; Lehre als Kaufmannsgehilfe, abgebrochen; 1930 HJ; Kriegsdienst, Panzergrenadier an der Ostfront; 1943 NSDAP; 1945 bei Prag verwundet, gegen Kriegsende desertiert. 1945 Polizist in Dresden; 1946 SPD / SED; 1950 – 52 Stud. an der DVA Forst-Zinna; 1952 / 53 persönl. Referent des sächs. Ministerpräs.  Max Seydewitz; 1953 – 58 Ltr. der Plankommission beim Rat des Bez. Dresden; 1958 – 86 Mitgl. der SED-BL Dresden; Juni 1961 – Jan. 1986 OB von Dresden (Nachf. von  Herbert Gute); 1986 aus gesundheitl. Gründen zurückgetreten; Rentner. 1990 PDS; gest. in Dresden.Dresden. Leipzig 1968. Jungmann, J.: Schill – der OB mit der längsten Amtszeit. In: Morgenpost, 31.1.2007.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Schilling, Günther

* 16.8.1930

Geb. in Leipzig; Vater Jurist; 1937 – 45 Schulbesuch in Dresden, anschl. Landwirtschaftslehrling in Rochlitz; 1949 – 51 Fachschule für Landwirtschaft in Eisenach, dort Abitur; 1951 – 54 Studium der Landwirtschaftswiss. an der FSU Jena, Dipl.-Landw.; 1954 – 56 Ergänzungsstudium Chemie an der FSU, dort 1957 –60 wiss. Ass. an der Landw. Fak., 1957 Prom. bei Gerhard Michael mit der Arbeit »Über den Gehalt mitteldt. Böden an Magnesium u. dessen Bindungszustand«; 1958 Zusatzstudium der Radiochemie an der Lomonossow-Univ. Moskau; 1960 Habil. mit der Studie »Die Aufnahme des Strontiums, seine Verteilung u. sein Bindungszustand in der Pflanze« u. Berufung zum Doz. an der FSU Jena, dort 1961 Prof. mit Lehrauftrag u. 1965 Prof. mit Lehrstuhl für Bodenkunde u. Pflanzenernährung; 1968 Mitgl. der AdL; 1969 Mitgl. der Leopoldina Halle; nach Schließung der Landw. Fak. in Jena (3. Hochschulreform) ab 1970 ord. Prof. für Physiol. u. Ernährung der Kulturpflanzen an der MLU Halle, dort 1983 – 90 Dekan der Landw. Fak.; 1982 NP; 1990 – 93 Rektor der MLU (Nachf. von  Horst Zaschke). 1994 Heinrich-Baur-Preis der TU München; 1995 em.; lebt bei Halle. Sch.s Forschungen betreffen das Gebiet der Pflanzenernährung in seiner ganzen Breite, wobei die experimentelle Analyse der Dynamik von Nährelementen in Böden u. Pflanzen sowie der stoffwechselphysiolog. u. biochem. Grundlagen des Pflanzenwachstums im Mittelpunkt standen. Er gehörte in der DDR zu den Pionieren der Anwendung der Tracertechnik bei der Analyse von Prozessen der Pflanzenernährung; Mithrsg. der Ztschr. »Pflanzenernährung u. Bodenkunde« sowie »Archiv für Acker- u. Pflanzenbau u. Bodenkunde«.Magnesium – ein universeller Pflanzennährstoff. Berlin 1957; Aktuelle Probleme der Pflanzenernährung. Berlin 1967; Pflanzenernährung u. Düngung. Berlin 1982, Stuttgart 2000. W. Römer: G. S. In: Personalia Halensis 1996; W. Merbach, L. Wittenmayer (Hrsg.): FS für G. S. Halle 1998; W. Mehrbach: Laudatio zur Festveranstaltung zum fünfzigjährigen Doktorjubiläum von Prof. Dr. G. S. In: Journal of Plant Nutrition and Soil Science (2007) 170.Dieter Hoffmann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schilsky, Karl

* 28.11.1884 – ✝ 10.9.1937

Geboren am 28. November 1884 in Berlin, Sohn eines Zimmermanns. Er lernte Schlosser und arbeitete in seinem Beruf. 1908 Mitglied der SPD, ging 1918 zur USPD und kam mit deren linkem Flügel Ende 1920 zur KPD. Zunächst Nachrichtenleiter in einem Berliner Bezirk, vom März 1923 bis Oktober 1924 Berliner Nachrichtenleiter und im AM-Apparat. Danach bis Juli 1927 im Gefängnis Cottbus inhaftiert, anschließend wurde er in der sowjetischen Botschaft in Berlin angestellt, gehörte u. a. zu den vertrauenswürdigen Pförtnern und war insgeheim weiter für den AM-Apparat des ZK tätig. Im März 1933 wurde Schilsky verhaftet, bereits im Mai wieder freigelassen, er flüchtete im Juli 1933 in die Sowjetunion. In Moskau Schlosser in einem Werk für Maschinenbau, er soll damals Aufträge für die Komintern durchgeführt haben. Er wurde am 10.September 1937 vom NKWD wegen angeblicher Verbindung zu »Agenten der Gestapo« verhaftet. Karl Schilsky wurde am 30.November 1937 zum Tode verurteilt und am 9. Dezember 1937 in Moskau erschossen, 1957 rehabilitiert.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schinkel, Helmut

* 14.10.1902 – ✝ 31.5.1946

Geboren am 14. Oktober 1902 in Kosten/Posen, Sohn eines Eisenbahners; wuchs in Brandenburg auf, besuchte bis 1918 die Mittelschule, anschließend die Präparandenanstalt und von 1919 bis 1922 das Volksschullehrerseminar in Kyritz. Da er sich gegen die Prügelstrafe wandte und für reformpädagogische Ideen eintrat, verlor er bereits im September 1923 seine Stelle als Lehrer in Brandenburg. Seit 1920 Mitglied der KJD, 1922 der KPD, engagierte sich Schinkel besonders in dem 1924 auf der Reichskonferenz der Kommunistischen Kindergruppen gegründeten JSB. Im August 1924 kam er zunächst nach Berlin und fuhr anschließend nach Worpswede auf den Barkenhoff und arbeitete hier mit Heinrich Vogeler zusammen. Bis Dezember 1925 Lehrer und Erzieher, verfaßte Kinder- und Jugendlieder sowie Bücher. Seit Januar 1926 wieder in Berlin tätig, Lehrer an Reformschulen. Im April 1929 Delegierung zur Arbeit in das Internationale Kinderbüro, einer Organisation der Kommunistischen Jugendinternationale nach Moskau. Schinkel organisierte im Juli 1930 das Internationale Kindertreffen in Berlin, schied aber im selben Jahr aus dem Apparat der KJI aus und wurde Lehrer an einer deutschsprachigen Schule im Nordkaukasus. Von 1932 bis 1934 Direktor der deutschen Karl-Liebknecht-Schule in Moskau. Im September 1934 abgelöst, begann er 1934 an der KUNMS zu studieren. Zuletzt war er in der ASSR der Wolgadeutschen u. a. als Lehrer tätig. Er wurde am 5. Juli 1937 unter dem Vorwurf »Mitglied einer konterrevolutionären faschistischen Gruppe« zu sein, vom NKWD verhaftet, am 10. Januar 1938 zu acht Jahren Lager verurteilt, Helmut Schinkel starb am 31.Mai 1946 in einem NKWD-Lager im Nordosten des europäischen Teils der Sowjetunion. Ulla Plener veröffentlichte 1996 eine Biographie Schinkels.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schirmer, Hermann

* 2.12.1897 – ✝ 12.2.1981

Geboren am 2. Dezember 1897 in Stockheim bei Kronach/Oberfranken, Sohn eines Glasarbeiters; selbst Glasarbeiter, später Metallarbeiter in Nürnberg. 1916 trat er in die SPD ein und war von 1917 bis 1918 Soldat an der Ostfront. Er nahm 1919 als Mitglied des Soldatenrates an den bewaffneten Kämpfen der Bayerischen Räterepublik teil. 1919 Mitglied der USPD, 1924 der KPD. Von 1925 bis 1927 erwerbslos, 1927 Geschäftsführer der Zeitung der KPD Nordbayern und Mitglied der BL, kam Schirmer 1929 in den Stadtrat von Nürnberg und war von 1929 bis 1933 Orgleiter der BL Nordbayern. Am 29. Mai 1933 verhaftet und bis März 1935 in »Schutzhaft« gehalten, dann zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt, zuletzt bis November 1936 im KZ Dachau. Nach der Freilassung Dreher, im September 1939 und im Juli 1944 erneut inhaftiert. 1945 aktiv beim Aufbau der Gewerkschaften und der KPD in Nürnberg und Nordbayern. Ab November 1945 1. Sekretär der KPD Nordbayern, im Juni 1946 kam er in die Bayerische Verfassunggebende Landesversammlung, dort Vorsitzender der KPD-Fraktion. Im August 1948 Vorsitzender der KPD in Bayern, ab 1951 Mitglied des KPD-PV, von 1954 bis zum Verbot der KPD im August 1956 Sekretär für Organisationsfragen, danach illegal tätig. Schirmer gehörte 1968 zu den Mitbegründern der DKP in Nordbayern. Er veröffentlichte 1974 sein Buch »Das andere Nürnberg«, bekam 1975 von der DDR den Karl-Marx-Orden verliehen. Hermann Schirmer starb am 12. Februar 1981 in Ost-Berlin. Sein Sohn Gregor Schirmer übersiedelte 1950 in die DDR, promovierte 1959 zum Dr. jur. und war ab 1965 Professor für Völkerrecht an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena, von 1963 bis März 1990 Volkskammerabgeordneter, ab 1977 stellvertretender Leiter der Abteilung Wissenschaften des ZK der SED.

Wer war wer in DDR

Schirmer-Pröscher, Wilhelmine

* 9.7.1889 – ✝ 2.3.1992

Geb. in Gießen; Vater Angest.; dort Höhere Töchterschule; 1905 – 11 Ausbildung zur Drogistin u. Besuch des Lehrerinnenseminars Eisleben; 1911 – 19 Lehrerin in Seidan (Bautzen); 1919 – 48 Drogistin in Berlin-Mariendorf; 1918 – 33 DDP bzw. Dt. Staatspartei. 1945 Mitbegr. der LDPD in Berlin; ab Febr. 1946 Mitgl. des PV u. des Hauptaussch. bzw. Pol. Aussch. des Zentralvorst. der LDPD; 1947 Mitbegr. des DFD u. ab 1948 stellv. Vors. des Bundesvorst.; 1948/49 Mitgl. des Dt. Volksrats; 1948 – 53 Stadträtin im Magistrat von Groß-Berlin; 1953 – 59 stellv. OB; 1949 stellv. Landesvors. der LDPD Berlin; 1949 – März 1990 Abg. der (Prov.) Volkskammer; 1950 – 54 Beisitzerin, 1954 – 63 stellv. Präs., ab 1963 Mitgl. des Präs., 1971 – 90 Alterspräs. (Nachf. von  Otto Krauss); seit 1950 Mitgl. des Präs. des Friedensrats; seit 1954 Mitgl. des Präs. der Liga für die Vereinten Nationen; 1959 VVO; seit 1959 Mitgl. des Präs. des Komitees zum Schutze der Menschenrechte; 1984 KMO; Stern u. Großer Stern der Völkerfreundschaft; 9.7.1989 Ehrenbürgerin von Berlin; März – Aug. 1990 Bund Freier Demokraten, danach FDP; gest. in Berlin. 29.9.1992 Aberkennung der Berliner Ehrenbürgerschaft.Die Welt vor meinen Augen. Erinnerungen aus 80 Jahren, aufgezeichnet von A. u. J. Flatau. Berlin 1969.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schlaffer, Joseph

* 27.3.1891 – ✝ 26.4.1964

Geboren am 27. März 1891 in Kallmünz/Bayern, Sohn eines bayerischen Gendarmerieoberwachtmeisters, wuchs in Armut auf. Nach Beendigung der Schlosserlehre 1907 Wanderschaft, 1911 als Heizer zur Marine eingezogen. Ende 1912 Mitglied der SPD. Während des Weltkrieges Matrose auf einem U-Boot. Nach Ausbruch der Revolution 1918 Mitglied des Soldatenrates in Brunsbüttelkoog. Ende 1918 Rückkehr nach München, dort Übertritt zur USPD und Betriebsratsvorsitzender bei der Reichsbahn. 1920 mit der linken USPD zur KPD, wurde 1921 zu drei Jahren Festung verurteilt, weil er während der März-Aktion 1921 an den Aufstandsvorbereitungen teilgenommen hatte. Da er 1924 als Kandidat für die Reichstagswahlen aufgestellt wurde, vorzeitig aus der Festung Niederschönenfeld entlassen. In den Bayerischen Landtag gewählt, war Schlaffer Führer der weiterhin illegalen bayerischen Kommunisten. Der IX. Frankfurter Parteitag 1924 berief ihn in den ZA, er war Delegierter des V. Weltkongresses der Komintern im Juli 1924, Polleiter für Süd- und Nordbayern. Im August 1924 erhielt er – obwohl Abgeordneter – erneut drei Monate Gefängnis. Im Urteil hieß es: »Schlaffer ist gerichtsbekanntermaßen nicht nur kommunistischer Landtagsabgeordneter und Fraktionsvorsitzender, sondern überhaupt der führende Mann und leitende Geist der kommunistischen Bewegung in Bayern.« Der X. Parteitag 1925 wählte Schlaffer in Abwesenheit ins ZK. Im Januar 1926 vom Staatsgerichtshof wegen Weiterführung der illegalen KPD in Bayern zu drei Jahren Gefängnis verurteilt, lebte er illegal und war 1925/26 einige Monate Polleiter des KPD-Bezirks Halle-Merseburg (Pseudoym Rudi Berger). Nach Aufhebung seiner Immunität als bayerischer Abgeordneter im Februar 1926 schickte ihn die KPD zur Komintern nach Moskau. Von dort kam er Ende 1926 als Polleiter ins Saargebiet (Pseudonym Paul Richter). Der XI. Parteitag im März 1927 wählte Schlaffer zum Mitglied des ZK. Im August 1927 in Saarbrücken verhaftet, aus dem Saargebiet ausgewiesen, nach Deutschland abgeschoben, abermals inhaftiert und 1928 amnestiert. Ab Frühjahr 1929 Polleiter in Württemberg, vom XII. Parteitag 1929 wieder ins ZK berufen und im September 1930 zum Reichstagsabgeordneten gewählt. Wegen der Niederlage der KPD bei den Kommunalwahlen in Württemberg Ende 1931 wurde Schlaffer im Januar 1932 angegriffen. Dort seiner Funktion enthoben, war er anschließend im Rheinland tätig, dann bis Dezember 1932 in Berlin Leiter des Kampfbundes gegen den Faschismus. Er kam im Juli 1932 über den Reichswahlvorschlag der KPD erneut in den Reichstag, war aber in der Partei als Anhänger der Remmele-Neumann-Gruppe isoliert. 1933 wohnte Schlaffer (zusammen mit Hermann Remmele) vier Monate illegal in Berlin, war dann unter falschen Namen (Kurt Hagert und Oswald Jaeschke) Kaufmann. Darüber heißt es in seinem Lebenslauf: »Mit meinen neuen illegalen Papieren und mit Hilfe meines Bruders Anton, der auf meinen Vorschlag einen Eiweiß-Großhandel (Milchpulver mit Lecithin) neben seiner Bäckerei und Konditorei aufgenommen hatte, dessen Geschäftsführung ich nun unter meinem illegalen Namen übernommen hatte, verdiente ich persönlich sehr gut und vergrößerte diesen Betrieb immer mehr... Meine erste Verhaftung im Jahre 1936 ... machte dieser geschäftlichen Aufwärtsentwicklung ein Ende. Ich wurde in das SS-Gefängnis in die Prinz-Albrecht-Str. eingeliefert – fast sechs Wochen lang verhört und auch einmal verprügelt –, aber meine jahrelange geschäftliche Betätigung, die von der Gestapo genau nachgeprüft wurde, war ein solch überzeugendes Alibi, daß die Gestapo auch von einer Bestrafung wegen Urkundenfälschung, d. h. wegen Führung falscher Papiere, Abstand nahm und mich wieder auf freien Fuß setzte. Von Juni oder Juli 1936 an konnte ich wieder legal, d. h. unter meinem richtigen Namen auftreten ...« Im April 1937 erneut verhaftet und in das KZ Sachsenhausen eingeliefert, wurde Schlaffer nach Unterschreiben eines Revers, sich nicht mehr kommunistisch zu betätigen, im August desselben Jahres freigelassen. Er arbeitete bis 1943 in verschiedenen Berufen, dann zum Militär eingezogen, geriet er im April 1945 in sowjetische Gefangenschaft bei Küstrin. Später berichtete er: »Von den ca. 60 im Lager Küstrin vorhandenen Kommunisten wurde ich zum Leiter gewählt und wurde schließlich politischer Kommandant des Lagers ... Nach meiner Entlassung im September 1945 meldete ich mich im neuen ZK der KPD ... Dahlem schickte mich sofort zur sowjetischen Militärverwaltung nach Karlshorst. Dort wurde ich von General Gorochow beauftragt, eine neue Zentralverwaltung für die Umsiedlung der Deutschen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten östlich der Oder-Neiße-Linie zu bilden...« Nach Differenzen mit Besatzungsoffizieren von diesem Posten entlassen, wurde Schlaffer Direktor des Industrieverbandes Eisen und Metall des Landes Brandenburg, dann Direktor der Hüttenwerke Hennigsdorf. Dort kündigte er im Sommer 1948, angeblich, um sich aus Gesundheitsgründen ins Privatleben zurückzuziehen. Am 24. August 1948 von Heinrich Rau, damals Vorsitzender der DWK, nach Hennigsdorf bestellt, um sein restliches Gehalt abzuholen, erwartete ihn dort nicht Rau, sondern der NKWD-Major Popow und der deutsche Kriminalkommissar Beater. Sie verhafteten ihn unter dem Vorwand: Unstimmigkeiten in der Kasse. Schlaffer war in West-Berlin (er wohnte im französischen Sektor) allerdings mit dem Sozialdemokraten Gustav Klingelhöfer, den er aus der bayerischen Festung Niederschönfeld kannte, in Verbindung getreten und hatte ihm einen Bericht über die Zustände im Sowjetsektor gegeben. Wegen dieses Treffens denunziert, wurde Schlaffer vom 24. August bis 20. Oktober 1948 vom NKWD festgesetzt. Als angeblicher Gestapoagent den deutschen Behörden übergeben. Am 14. März 1949 unter Einstellung seines Falles auf freien Fuß gesetzt, wurde er aber nach einem Parteiverfahren aus der SED ausgeschlossen. Mitte Oktober 1956 wurde er von der ZPKK parteipolitisch rehabilitiert. Das Politbüro ordnete die Anerkennung seiner Parteimitgliedschaft an, doch er blieb in West-Berlin und betätigte sich nicht mehr für die SED, mit der er innerlich längst gebrochen hatte. Joseph Schlaffer starb am 26. April 1964 in West-Berlin an einem Herzinfarkt. Im Jahrbuch für historische Kommunismusforschung erschien 2008 eine Biographie Schaffers von Kurt Schilde.

Wer war wer in DDR

Schenk, Heinz

* 15.10.1910 – ✝ 1.6.1971

Geb. in Berlin; Vater Arbeiter; 1916 – 28 Waisenhaus der Jüd. Gemeinde zu Berlin; Volksschule in Berlin; 1925 – 29 Lehre als Klavierbauer, anschl. Tischler u. Eiskonditor in Berlin; 1934 – 37 Tischler in der Jüd. Gemeinde Berlin; 1938 – 40 Zwangsarbeiter; 1940 – 44 Haft im KZ Buchenwald, 1944 / 45 Haft im KZ-Außenlager Magdeburg. Juni 1945 KPD; Aug. – Nov. 1945 KPD-Funktionär in Belzig; 1946 SED; 1946 – 48 Verwaltungstätigkeit in Belzig; 1949 / 50 Referent der DWK in Berlin; 1950 – 57 Mitarb. der HO Berlin; 1953 – 62 Mitgl. des Provisor. Vorstands der Jüd. Gemeinde von Groß-Berlin; 1957 Klubhausltr.; 1958 – 71 Gemeindesekr. der Jüd. Gemeinde von Groß-Berlin; seit 1960 als KP bzw. IM »Heinz« beim MfS erf.; 1961 –66 Beirat des Verbandes der Jüd. Gemeinden in der DDR; 1966 / 67 Mitgl. des Verbandspräsidiums; 1961 – 71 Mitgl. des Red.-Kolleg. des »Nachrichtenblatts« der Jüd. Gemeinde; 1962 – 71 Vors. der Jüd. Gemeinde Berlin (Ost) (praktisch bereits seit Jan. 1953); 1970 VVO; gest. in Berlin (West).Offenberg, U.: »Seid vorsichtig gegen die Machthaber«. Die jüd. Gemeinden in der SBZ u. der DDR 1945 bis 1990. Berlin 1998; Hartewig, K.: Zurückgekehrt. Die Geschichte der jüd. Kommunisten in der DDR. Köln u. a. 2000.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schettkat, Albert

* 2.8.1902 – ✝ 26.2.1945

Geboren am 2. August 1902 in Bartscheiten/ Ostpreußen, Sohn einer Landarbeiterfamilie; Landarbeiter in Rohaiten. 1923 in die KJD eingetreten, im Juli 1924 Mitglied der KPD. Schettkat übte zunächst ehrenamtliche Funktionen aus, war Literatur-Obmann bzw. Org- und Polleiter der Ortsgruppe in Rohaiten. 1928 in die BL Ostpreußen berufen und im Juni 1929 auf dem XII. Parteitag als Kandidat ins ZK gewählt. Schettkat wurde hauptamtlicher RGO-Funktionär für die Landarbeiterbewegung und im November 1929 Abgeordneter des Provinziallandtages in Ostpreußen. 1930 fuhr er nach Moskau, nahm dort am V. RGI-Kongreß teil. Von Juni bis August 1931 besuchte er einen Lehrgang an der Reichsparteischule »Rosa Luxemburg« in Berlin-Fichtenau. Das ZK setzte ihn 1932 als Orgleiter des Bezirks Ostpreußen ein und im gleichen Jahr wurde Schettkat auch in den Preußischen Landtag gewählt. Im Mai 1933 in die Tschechoslowakei emigriert, kehrte er Anfang 1935 als Instrukteur des ZK nach Deutschland zurück. Hier am 18. Januar 1935 verhaftet und zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt, anschließend kam er in das KZ Börgermoor, dann in das KZ Sachsenhausen, später ins KZ Bergen-Belsen. Dort ist Albert Schettkat am 26. Februar 1945 ums Leben gekommen.

Wer war wer in DDR

Schick, Rudolf

* 9.4.1905 – ✝ 13.9.1969

Geb. in Berlin-Schöneberg; Vater Dipl.-Ing.; Realgymnasium; landw. Lehre; 1924 – 28 Studium an den Landw. HS Berlin u. Weihenstephan, Dipl.-Landwirt; 1929 Prom. bei Erwin Baur mit einer Diss. zu Koppelungen bei Antirrhinum majus; 1929 – 36 Assistent bzw. Abt.-Ltr. im Kaiser-Wilhelm-Inst. für Züchtungsforschung Müncheberg (Mark), dort insbes. Forschung zur Kartoffelresistenzzüchtung; 1935 NSDAP; Studienreisen nach Südamerika u. in die UdSSR; 1936 Maßregelung u. Entlassung aus dem o. g. Inst.; 1936 – 45 Saatzuchtltr. in Neubuslar (Hinterpomm.); April / Mai 1945 Panzergrenadier der Wehrmacht. Juni 1945 – 49 stellv. Saatzuchtltr. in Malchow (Poel) (Schwiegersohn von  Hans Lembke), gleichz. Ltr. der Abt. Pflanzenzüchtung u. Saatguterzeugung der Zweigstelle Schwerin der Dt. Saatzuchtges.; ab 1949 Aufbau des Inst. für Pflanzenzüchtung Groß Lüsewitz (Krs. Rostock) als wiss. Zentrum der Kartoffelzüchtung, später auch der Technol. der Kartoffelprod., Inst.-Dir. bis zu seinem Tod; 1951 NP; Habil.; Prof. mit Lehrstuhl für Züchtungsbiol., 1958 für Pflanzenzüchtung; 1953 – 56 Dekan der Landw. Fak.; 1959 – 65 Rektor der Univ. Rostock (Nachf. von  Ernst Reinmuth); 1951 Ord. Mitgl. der DAL u. Sekretar der Sekt. Pflanzenzüchtung; 1952 Vors. der Kommission zur Betreuung der LPG; Mitgl. des erweiterten Präs.; 1952 Mitgl. des Präsidialrats des KB u. ab 1963 Vizepräs.; 1953 – 68 Mitgl. des Zentralvorst. der Gewerkschaft Wiss.; 1963 Mitgl. des Landw.-Rats; 1964 Erwin-Baur-Medaille der DAL; 1965 Vors. des Wiss. Beirats für Landw. u. 1966 Mitgl. des HFS-Rats beim Staatssekr. für HFS-Wesen; 1968 Kritik der SED-Führung an den Ergebnissen der Kartoffelzüchtung, März 1990 diesbezügl. Rehabil.-Beschluß des AdL-Plenums. Sek.-Lit.: Erinnerungen an R. S. Vorträge anläßl. des 80. Geb. (hrsg. vom Inst. für Kartoffelforschung) Groß Lüsewitz 1985.Die Kartoffel – ein Handbuch. 2 Bde., Berlin 1961.Siegfried Kuntsche

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schieck, Otto

* 5.10.1898 – ✝ 4.3.1980

Geboren am 5. Oktober 1898 in Großenlupnitz/Krs. Eisenach, Sohn der ledigen Arbeiterin Dorothea Schieck; lernte Schlosser, wurde 1916 Mitglied des DMV und gehörte seit 1922 der KPD an. Von 1926 bis 1933 Mitglied des Betriebsrates, ab 1931 Mitglied der BL Thüringen, Ende 1932 Polleiter des UB Eisenach. Im Juli 1932 als Abgeordneter im Wahlkreis Thüringen in den Reichstag gewählt, dem er ab November 1932 erneut angehörte. Auch im März 1933 gewählt, befand er sich aber bereits seit Ende Februar 1933 in der Illegalität und wirkte als Instrukteur in den UB Gera, Greiz und Altenburg. Ab Januar 1934 Polleiter für den Bezirk Halle-Merseburg, wurde Schieck am 26. März 1934 in Merseburg festgenommen, zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt und kam anschließend noch zwei Jahre ins KZ Sachsenhausen. Im Mai 1939 entlassen, arbeitete er als Monteur in Eisenach, hatte Verbindung zu Theodor Neubauer und Magnus Poser. Am 24. August 1944 erneut verhaftet und bis April 1945 Häftling im KZ Buchenwald. Nach der Befreiung zunächst Leiter des Weimarer »Anti-Nazi-Komitees«, von Juli 1945 bis Januar 1949 Landrat von Eisenach, später Kulturdirektor der SAG Carl Zeiss Jena, dort im August 1952 wegen »Nichtdurchführung seiner Aufgaben als Kulturdirektor« abgelöst. Schieck erhielt eine Parteistrafe und mußte sich für einige Monate als einfacher Angestellter »bewähren«, dann bis 1963 Werkleiter, bzw. Direktor eines VEB. 1973 erhielt er die Ehrenspange zum VVO in Gold. Otto Schieck starb am 4. März 1980 in Weimar.

Wer war wer in DDR

Schiffner, Werner

* 16.12.1914 – ✝ 2.8.1999

Geb. in Leipzig; Lehre als Retuscheur; bis 1933 Mitgl. im Arbeitersportverein Vorwärts Leipzig (Fußball), nach 1933 bei Fortuna Leipzig (Fußball, Leichtathletik); mit 19 Jahren als Radsportler erstes Männerrennen; Mitgl. der Leipziger Rennfahrer-Vereinigung (LRV); 1939 Sieger der Erzgebirgsfahrt Chemnitz-Karlsbad-Chemnitz (B-Klasse), Qualifikation für die A-Klasse; Sieger »Rund um die Hainleite« (B-Klasse); 1939 – 45 Soldat. 1945 – 49 Profi, reamateurisiert; ab 1950 Trainer; 1950 – 64 Trainer der DDR-Friedensfahrtmannschaft (am 20.5.1953 nach dem DDR-Mannschaftssieg als erster Trainer mit dem Titel »Verdienter Meister des Sports« ausgezeichnet); 1954 – 73 Trainer beim SC Wiss. DHfK Leipzig (gemeinsam mit Herbert Weisbrod); 1973 Abschied aus gesundheitl. Gründen; 1960 VVO; Sohn Michael Sch. (Jg. 1949) war 1972 – 76 Teiln. der Friedensfahrt u. Kapitän der DDR-Mannschaft.Volker Kluge

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schiller, Hans

* 18.6.1905 – ✝ 5.4.1962

Geboren am 18. Juni 1905 in Hof/Bayern, Sohn einer Arbeiterfamilie. Der Fabrikarbeiter wurde Mitglied des Textilarbeiterverbandes, aus dem er 1931 wegen seiner kommunistischen Tätigkeit ausgeschlossen wurde. 1923 Mitglied der KJD, 1926 der KPD, Ende der zwanziger Jahre gehörte Schiller zu den bekanntesten Kommunisten in Hof. Von 1928 bis 1930 Polleiter der Ortsgruppe, stieg 1930 zum Orgleiter des KPD-UB auf und wurde nach einem Lehrgang an der Reichsparteischule in Fichtenau bei Berlin 1932 Polleiter des UB Hof. Im April 1932 wurde Schiller in den Bayerischen Landtag gewählt. Am 23. November 1933 vom Reichsgericht in Leipzig zu einem Jahr und einem Monat Gefängnis verurteilt, später wurde er in das KZ Dachau überführt. 1945 zunächst Mitglied und Funktionär der KPD in Hof, übernahm er 1947 die Leitung der Rechtsstelle des dortigen DGB. Am 26. Mai 1948 noch als KPD-Vertreter in den Stadtrat gewählt, verließ Schiller diese Partei und wurde im Dezember 1949 Mitglied der SPD. Ab 1949 Geschäftsführer des DGB-Kreisausschusses Hof, Anfang Mai 1960 zum Stellvertreter des Oberbürgermeisters und zum Fürsorgereferenten gewählt. Wegen eines schweren Herzleidens zur Erholung in Meran; Hans Schiller starb am 5. April 1962 in Bozen.

Wer war wer in DDR

Schilling, Tom

* 23.1.1928

Geb. in Esperstedt (Kyffhäuser); Volksschule, zwei Jahre Handelsschule in Dessau; 1941 – 44 Theaterballettschule in Dessau, 1944 Dreherlehrling im Rüstungsbetrieb Junkers; 1945 RAD u. Wehrmacht. 1945/46 Solotänzer an der Staatsoper Dresden; Unterricht bei Dore Hoyer, 1946 – 52 am Opernhaus in Leipzig; Unterricht bei Mary Wigman (Ltr. der Ballettschule u. erste Choreographin); 1952/53 am Friedrichstadtpalast Berlin; 1953 – 56 Tanzmstr. u. Choreograph in Weimar; 1956 – 64 Ballettdir. der Dresdener Staatsoper; ab 1965 Choreograph u. künstler. Ltr. des Tanztheaters der Komischen Oper Berlin; 1972 NP; 1976 – 82 Prof. u. künstler. Ltr. der Abt. Choreogr. der Theater-HS »Hans Otto« Leipzig; 1978 – 91 AdK (Austritt); 1982 NP; Mitgl. des Direktoriums des ITI-Zentrums der DDR; 1993 Ruhestand; Gastchoreogr. u. a. in Moskau, Stockholm, Paris, Oslo, Kopenhagen, Posen, Helsinki, Wien; 2002 Aufn. in die Ehrengalerie der 101 Choreographen des 20. Jh.; lebt in Berlin. Choreographierte u. a. »Gajaneh« (1956), »Schneewittchen« (Dresden), »Schwanensee« (1959), »Abraxas« (1966), »Phantast. Sinfonie« (UA 1977), »Der Doppelgänger« (UA 1968), »Undine« (EA 1970), »Match« (UA 1971), »Rhythmus« (UA 1971), »Romeo u. Julia« (1972), »Aschenbrödel« (1975), »Schwarze Vögel« (UA 1975), »Göttl. Komödie« (UA 1976), »Pastorale« (UA 1979), »Wahlverwandtschaften« (UA 1983), »Hoffmanns Erzählungen« (UA 1986).Für T. S. Berlin 1993 (Hrsg. Komische Oper Berlin).Kornelia Knospe

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schimanski, Fritz

* 1.7.1889 – ✝ 22.11.1938

Geboren am 1. Juli 1889 in Tilsit; lernte Ziseleur und übersiedelte in jungen Jahren nach Berlin, ging dann 1919 als Schlosser nach Danzig und arbeitete in der Artillerie- und Munitionsfabrik. Im November 1918 gehörte er dem Danziger Arbeiter- und Soldatenrat an, kehrte 1919 nach Berlin zurück. Seit 1911 Mitglied der SPD, 1917 der USPD, kam 1920 mit der linken USPD zur KPD, wurde Org-, dann Polleiter der KPD in Berlin-Neukölln und auch unbesoldeter Stadtrat. Seit 1920 gehörte Schimanski der BL Berlin an, aktiver Anhänger der Linken unter Ruth Fischer und Arkadi Maslow. Der X. Parteitag wählte Schimanski 1925 als Kandidat ins ZK. Nach dem »Offenen Brief« vom September 1925 vertrat er als Polleiter des Berliner Bezirks Neukölln im ZK den Standpunkt der linken Opposition. Im August 1926 stimmte er im ZK gegen den Ausschluß von Ruth Fischer und Maslow und unterschrieb im September 1926 den »Brief der 700«, wandte sich im November 1926 auch gegen den Ausschluß von Hugo Urbahns. Da er nicht kapitulierte, wurde er Anfang 1927 aus der KPD ausgeschlossen. Danach einer der Mitbegründer des Leninbundes, in dieser Organisation für Verlags- und Zeitungsfragen verantwortlich. Er verließ den Leninbund noch vor den Wahlen vom Mai 1928 mit Ruth Fischer und Maslow. Nach einer Reueerklärung wurde Schimanski 1929 wieder in die KPD aufgenommen und war später hauptamtlich für die RGO tätig. Dann Magistratsangestellter und zeitweilig Vorsitzender des Arbeiter- und Betriebsrates auf dem Vieh- und Schlachthof Berlin, auch 1. Vorsitzender der Freien Turnerschaft in Berlin-Neukölln. Über Prag emigrierte er 1934 nach Moskau, arbeitete dort als Schlosser und geriet schon 1936 in die stalinistischen Säuberungen. Vom NKWD verhaftet und wegen früherer Zugehörigkeit zum Leninbund verurteilt. Fritz Schimanski wurde am 22.November 1938 erschossen. Seiner Frau Frieda Schimanski wurde fälschlich mitgeteilt, daß »Schimanski im Gefängnis irre geworden und verstorben sei«. Frieda Dörfling (*20. 8. 1893 – † 1. 12. 1980), Schneiderin, ab 1914 mit Fritz Schimanski verheiratet. 1919 Mitglied der USPD, Ende 1920 der KPD, 1933 illegale Arbeit als Grenzkurier, emigrierte im Dezember 1934 ebenfalls in die Sowjetunion. Dort Lehrerin für Deutsche Sprache an Moskauer Schulen. Im Dezember 1936 verhaftet, zu acht Jahren Lager verurteilt, aber erst im Januar 1947 freigelassen. Sie mußte als Schneiderin im Altai-Gebiet bleiben, wurde 1950 erneut inhaftiert und in das Krasnojarsker Gebiet verbannt. Dort bis 1954 Waldarbeiterin und Köchin, dann in der Kasachischen SSR in einem Kolchos. Im August 1957 durfte sie in die DDR ausreisen, war von Juni 1958 bis Februar 1964 Archivgehilfin der Abteilung Agitation des ZK der SED und erhielt 1963 den VVO in Bronze. Ihr Sohn Hans Schimanski (*13. 8. 1917 – †19. 2. 1976) lernte Maler, trat 1926 in den Jungspartakusbund und 1933 in den KJVD ein, kam mit der Familie im Dezember 1934 über Prag in die Sowjetunion, war dort Maler und Maschinist. Im August 1937 verhaftet und zu zehn Jahren Lagerhaft in der ASSR der Komi verurteilt, nach seiner Freilassung in Kasachstan zwangsangesiedelt, dann als Maschinist ebenfalls in einem Kolchos. 1952 erneut festgenommen, zu zehn Jahren Lagerhaft verurteilt, aber im Februar 1955 wegen schwerer Tbc arbeitsunfähig entlassen. Im Mai 1957 vom Obersten Militärtribunal der UdSSR rehabilitiert, kam Hans Schimanski im September 1957 in die DDR.

Wer war wer in DDR

Schipanski, Dagmar

* 3.9.1943

Geb. in Sättelstädt (b. Eisenach); Mutter Lehrerin, Vater Pfarrer; 1962 Abitur in Ilmenau; 1962 – 67 Studium der angew. Physik an der TH Magdeburg, Dipl.-Ing.; 1967 – 85 Assistentin u. Oberassistentin. an der TH Ilmenau; 1972 Zusatzstudium am Inst. für Halbleiter der AdW der UdSSR in Nowosibirsk; 1976 Prom. u. 1985 Habil. auf dem Gebiet der Festkörperelektronik; 1985 Doz., 1990 Prof. für Festkörperelektronik an der TH Ilmenau. 1990 – 93 Dekanin der Fak. für Elektrotechnik u. Informationstechnik der TH Ilmenau; 1994 Prorektorin für Bildung, 1995/96 Rektorin der TU Ilmenau (Nachf. von Eberhardt Köhler); 1996 Bundesverdienstkreuz; 1996 – 98 Vors. des Wissenschaftsrats der Bundesrep. Dtl.; seit 1998 Mitgl. der Dt. Akad. der Naturforscher Leopoldina u. der Berlin-Brandenburg. AdW; 1998 – 2003 Mitgl. der UNESCO-Weltkommission für Ethik in Wiss. u. Technol.; seit 1998 Mitgl. des MDR-Verwaltungsbeirats; seit 1999 Präs. der Dt. Krebshilfe e.V.; seit 1999 Senatorin der Max-Planck-Ges.; 1999 »Frau des Jahres«; 1999 Kand. für das Amt des Bundespräs.; 1999 – 2004 Min. für Wiss., Forschung u. Kunst des Freistaats Thür. (Nachf. von  Gerd Schuchardt); seit 2000 Mitgl. des Kuratoriums der Dt. Stiftung Denkmalschutz; seit 2000 CDU, 2000 – 06 Mitgl. des Präs. der CDU; 2002 – 04 Präs. der Kultusminister-Konferenz; seit 2003 Vors. des Vorst. der Lennart-Bernadotte-Stiftung; Botschafterin des Interessenverb. Initiative Neue Soziale Marktwirtsch.; Juli 2004 – Sept. 2009 MdL u. Präs. des Thür. Landtags (Nachf. von  Christine Lieberknecht).Zur Anwendbarkeit abgeschiedener Isolatorschichten. Ilmenau 1976; Beiträge zur Technologiecharakterisierung. Ilmenau 1985; Impulse für die Zukunft. Stuttgart 2002.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Schirmer, Gregor

* 1.4.1932

Geb. in Nürnberg; Vater Arbeiter, KPD-Funktionär Hermann S.; Volks- u. Oberrealschule; 1949 KPD u. FDJ-Krs.-Vors. der FDJ Nürnberg; 1950 Übersiedl. in die DDR im Zusammenhang mit dem Verfahren eines amerik. Militärgerichts in Nürnberg wegen FDJ-Aktivitäten; Instrukteur beim ZR der FDJ; 1951 SED; 1951 Abitur; 1951 – 55 Studium der Rechtswiss. an der KMU Leipzig, Dipl.-Jur.; 1955 – 59 Aspirantur u. Assistent an der ASR Potsdam u. der HU Berlin; 1959 Prom. zum Dr. jur.; 1959 – 61 Sekr. der SED-GO der HU Berlin; 1962 Prorektor der FSU Jena; 1962 – 65 Doz.; 1964 Prom. zum Dr. sc. jur.; 1965 Prof. für Völkerrecht; 1962/63 Mitgl. des Präs. der Liga für die Vereinten Nationen; 1963 Mitgl. des Präsidialrats, 1972 des Präs. des KB; Okt. 1963 – März 1990 Abg. der Volkskammer u. Mitgl. des Aussch. für Ausw. Angelegenh.; 1965 stellv. Vors. der Fraktion des KB; Vizepräs. der Ges. für Völkerrecht; 1965 – 76 stellv. Staatssekr. bzw. Stellv. des Min. für HFS-Wesen; 1977 stellv. Ltr. der Abt. Wiss. des ZK der SED; VVO; Nov. 1989 Ltr. der Kommission Wiss. u. Bildung beim PB des ZK der SED; 1990 Prof. an der AfG. Mitgl. der PDS-Arbeitsgemeinschaft Internat. u. Friedenspol.; 1992 Rentner; 1996 Mitarb. des rechtspol. Sprechers der Bundestagsfraktion der PDS; Mitgl. des Verbands Internat. Politik u. Völkerrecht, des Marxist. Forums u. des Ältestenrats der Partei Die Linke; lebt in Woltersdorf (b. Berlin).Universalität völkerrechtl. Verträge u. internat. Org. Berlin 1966; Erfahrungen u. Probleme der weltanschaul. Bildung u. Erziehung der Studenten. Leipzig 1976; Demokratie u. Frieden. Berlin 1984; Die Welt nach dem 11. September u. dem 7. Oktober 2001. Schkeuditz 2002; Frieden u. Völkerrecht. Berlin 2007.Wilfriede Otto / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Schkopik, Franz

* 5.1.1900 – ✝ 18.10.1980

Geb. in Salgótarján (Ungarn); Vater Glasbläser, Mutter Landarb.; Volksschule in Graz (Österreich); 1914 – 22 Lehre u. Arbeit als Glasbläser; 1918/19 Soldat in der österr.-ungar. Armee u. der Roten Armee Ungarns; 1920 Flucht in die ČSR; 1921 KPČ; 1922 – 38 arbeitslos bzw. Hilfsarb.; 1925 – 38 Mitgl. der KPČ-BL; 1931 – 38 Politltr. der KPČ Bezirk Teplitz; 1939 Emigr. in die UdSSR; Metallfräser in Tscheljabinsk; 1943 Besuch der KI-Schule in Ufa; 1943/44 Politinstrukteur in der Roten Armee; 1945/46 Instrukteur für Antifa-Arbeit in Kriegsgefangenenlagern. 1946 Übersiedl. nach Dtl.; SED; 1947 – 49 Sachbearb. in der Personalabt. des SED-Landesvorst. Sachsen-Anh.; 1949 Einstellung bei der Verw. zum Schutz der Volkswirt- schaft Sachsen-Anh. (ab Febr. 1950 Länderverw. Sachsen-Anh. des MfS), Ltr. der Abt. Personal; 1952/53 Ltr. der BV Magdeburg; 1953 Ltr. der BV Neubrandenb. (Nachf. von  Richard Horn), Oberst-Ltn.; 1957 Ltr. der Abt. Sicherung von Staatsgeheimnissen, MfS Berlin; 1962 Entlassung, Rentner; 1970 VVO.Jens Gieseke

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schlag, Martha

* 26.2.1875 – ✝ 14.6.1956

Geboren am 26. Februar 1875 in Zwickau, Tochter eines Bergwerkzimmermanns; Hausangestellte und Säuglingspflegerin. Sie heiratete 1897 und übersiedelte 1906 nach Chemnitz, arbeitete in Textilbetrieben und wurde Mitglied der SPD. Ab 1912 war sie Führerin der Chemnitzer Frauenbewegung, ab 1915 in der Gruppe Internationale. 1918 trat sie der USPD und dem Spartakusbund bei, war nach Ausbruch der Revolution im Chemnitzer Arbeiter- und Soldatenrat und im Januar 1919 Mitbegründerin der KPD in Chemnitz. Martha Schlag war Delegierte des III. Parteitages 1920 und des VII. Parteitages in Jena 1921. Während des Kapp-Putsches 1920 wurde sie (im Auftrag der Zentrale Wanderrednerin im Reich) in Wismar vom Freikorps »Baltikum« verhaftet, von streikenden Arbeitern jedoch befreit. Sie gehörte dem Präsidium der 1. Reichsfrauenkonferenz am 8. Dezember 1920 in Berlin an und wurde 1921 hauptamtliche Frauenleiterin für die sächsischen KPD-Bezirke. Am 9. Januar 1923 kam sie als Nachfolgerin für Ernst Grube in den Sächsischen Landtag. Martha Schlag stand auf dem rechten Parteiflügel, sie trat 1924 von ihren Funktionen zurück, blieb aber zunächst in der Landtagsfraktion. Am 1. Februar 1925 verließ sie die KPD wegen des ultralinken Kurses, zehn Tage vorher hatte sie bereits ihren Austritt aus der KPD-Fraktion erklärt. Wieder Mitglied der SPD, zog sie nun für diese erneut in den Sächsischen Landtag ein, dem sie bis 1933 angehörte. Nach 1933 zunächst erwerbslos, später Hausgehilfin, machte 1938/39 noch eine kaufmännische Lehre und arbeitete von Mai 1940 bis März 1945 als Angestellte im Chemnitzer Wirtschaftsamt. 1945 Mitglied der SPD, Delegierte des 40. Parteitages der SPD und des Gründungsparteitages der SED im April 1946 in Berlin. 1946/47 in der Abteilung Statistik des SED-KV Chemnitz beschäftigt, dann Rentnerin. Martha Schlag starb am 14. Juni 1956 in Karl-Marx-Stadt.

Wer war wer in DDR

Schenker, Friedrich

* 23.12.1942 – ✝ 8.2.2013

Geb. in Zeulenroda; 1961 Abitur; 1961 – 64 Studium Posaune u. Komposition an der HS für Musik Berlin; 1964 – 82 Soloposaunist am Rundfunk-Sinfonie-Orchester Leipzig; 1966 – 68 Abendstudium Komposition an der HS für Musik Leipzig; 1970 Mitbegr. der Gruppe Neue Musik »Hanns Eisler« Leipzig; 1973 – 75 Mstr.-Schüler an der DAK bei  Paul Dessau; 1983 – 90 Lehrauftrag an der HS für Musik Leipzig; 1986 AdK; 1989 NP; komponierte bisher über 100 Werke, u. a. die Sinfonie »In memoriam Martin Luther King« (1969), die Kantate »Leitfaden für angehende Speichellecker« nach Wladimir Majakowski (1974), das Kammerspiel »Missa nigra« (1978), die Oper »Büchner« (1978/79), die elektroakust. Komposition »Schafottfront« (1983), »Dona nobis pacem« für Orchester (1983 – 85), »Michelangelo-Sinfonie« (1985), »Traum. Hoffnung. Ein dt. Requiem« (1989), »Goldberg-Passion« (1999); zahlr. internat. Auftritte mit o. g. Kammerensemble (bis zu dessen Auflösung 1993) machen ihn bekannt als Interpreten zeitgenöss. Musik. Seit 1990 freischaff.; Übersiedl. nach Berlin; 1993 Mitgl. der AdK Berlin-Brandenb.; seit 1996 Mitgl. der Sächs. AdK Dresden u. der Freien Akad. der Künste Leipzig; Lehrauftr. für Kompos. u. Improvisation an der HS für Musik u. Theater »Felix Mendelssohn Bartholdy« Leipzig; 2000 – 02 Komponist am Staatstheater Kassel; gest. in Berlin.Büchner. Oper in 10 Szenen. Leipzig 1987.Christiane Niklew

Wer war wer in DDR

Scheumann, Gerhard

* 25.12.1930 – ✝ 30.5.1998

Geb. in Ortelsburg (Ostpr./Szczytno, Polen); Vater Beamter; Volksschule, 1941 – 45 Nationalpol. Erziehungsanstalt (Napola) in Stuhm (Westpr.). 1945 – 49 OS in Nordhausen, Abitur; 1949 SED; Praktikum bei der Ztg. »Thüringer Volk«; 1949/50 Ausbildung; 1950 – 53 Reporter bzw. Red. im Berliner Rundfunk; 1950 – 83 Mitgl. des VDP bzw. VDJ; 1953 – 55 Doz. an der FS für Rundfunkwesen Weimar; 1956 – 61 Ltr. der Red. Kultur u. Wiss. im Dtl.-Sender, Kommentator; 1962 – 65 Mitarb. des DFF, Begr., Red.-Ltr. u. Moderator der innenpol. Sendereihe »Prisma«; ab 1965 Zusammenarbeit mit  Walter Heynowski, 1969 Gründung des Studios H & S, Prod. von Dok.-Filmen für Kino u. Fernsehen: 1966 »Der lachende Mann«, 1968 »Piloten im Pyjama«, 1979 »Phönix. Inside CIA«, 1986 »Die Generale«; den Filmen folgten meist Buchveröff.; 1979 Auszeichnung des Studios H & S beim Dok.-Filmfestival Oberhausen; 1967 – 71 Mitgl. des Präs. des Verb. der Film- u. Fernsehschaffenden; 1969 NP (im Koll.); 1969 – 91 Mitgl. der AdK, Mitgl. ihres Präs. u. 1974 – 78 Sekretar der Sekt. Darstellende Kunst; 1974 VVO; 1980 NP (im Koll.); 1982 Auflösung des Studios H & S nach Kritik der Ltr. an der Medienpol. der SED, die AdK sicherte die Überführung des Studios in das DEFA-Studio für Dok.-Filme; seit 1982 dort Autor u. Regisseur; 1983 – 90 Mitgl. des SV; 1985 Banner der Arbeit; 1976 – 84 u. 1986 – 89 als IMS »Gerhard« beim MfS erf.; 1989 Prof.; 1966 u. 1989 NP; gest. in Berlin. G. S. u. W. H. (H & S) produzierten 66 weltweit verbreitete Dok.- u. Kurzfilme.Michel, R.: Die Filme, Heynowski & Sch., Peter Hellmich. 1965 – 1978. Berlin 1978; »Abgeschossen. Die Geschichte von den ?Piloten im Pyjama?«. Ein DDR-Dok.-Film als Waffe im Kampf der Systeme. R: H. Bräuer. SFB/ORB 1996; Böttcher, C. u. a.: Walter Heynowski u. G. Sch. – Dokumentarfilmer im Klassenkampf. Leipzig 2002; Steinmetz, R., Prase, T.: Dokumentarfilm zwischen Beweis u. Pamphlet. Heynowski & Sch. u. Gruppe Katins. Leipzig 2002.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Schickart, Helmut

* 17.4.1931

Geb. in Dresden; Vater Bäcker; Volksschule; 1945/46 Ausbildung zum Maler; 1946 – 52 Arbeiter bzw. Maler in versch. Betrieben; 1950 SED; 1952 Betriebsschutzmann, VP-Krs.-Amt Hoyerswerda; 1954 Einstellung beim MfS, Krs.-Dienststelle Hoyerswerda; 1956 stellv. Ltr. der Krs.-Dienststelle; 1962 Ltr. der Krs.-Dienststelle Weißwasser; 1964 Ltr. der Abt. XVIII (Sicherung der Volkswirtschaft) der BV Cottbus des MfS; 1964 – 69 Fernstudium an der JHS Potsdam-Eiche, Dipl.-Jur.; 1975 stellv. Operativ des Ltr. der BV Cottbus; 1983 Offz. für Sonderaufg. beim Ltr. der BV Potsdam; 1985 deren Ltr. (Nachf. von  Siegfried Leibholz); Mitgl. der SED-BL Potsdam, Gen.-Major; Febr. 1990 Entlassung.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Schiedewitz, Gerhard

* 15.3.1925

Geb. in Köthen; Vater Zimmermann; Volksschule; 1940 – 43 Reichsbahn-Gehilfe; 1943 –45 Wehrmacht; Mai / Juni 1945 brit. Kriegsgef. 1945 Landarbeiter; 1946 Arbeiter in Köthen; 1946 SED; 1946 – 52 Volontär bei den Lokal-Red. der Ztg. »Freiheit« in Eisleben, Köthen, Dessau u. Halle; 1952 Studium an der SED-LPS; 1953 – 62 Red., Mitgl. des Red.-Kolleg. u. stellv. Chefred. der SED-Ztg. »Volksstimme« in Magdeburg; 1962 – 64 Sektorenltr. in der Ideolog. Kommission der SED-BL Magdeburg; 1964 – 89 Chefred. des SED-Bezirksorgans »Freie Erde« Neubrandenburg (Nachf. von  Heinrich Thomas) u. Mitgl. der SED-BL Neubrandenburg; 1972 Mitgl. des VDJ-ZV u. Vors. des VDJ im Bez. Neubrandenburg.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Schilfert, Gerhard

* 23.9.1917 – ✝ 25.11.2001

Geb. in Königsberg (Ostpr./Kaliningrad, Rußland); Vater Lehrer; 1937 Abitur; 1937 – 39 Studium der Fächer Geschichte, Dt. u. Latein an der Univ. Königsberg; 1939 – 45 Soldat in der Wehrmacht; 1945 brit. Gefangenschaft. 1945 KPD; 1946 SED; 1946 – 48 Studium der Geschichte, Soziol. u. Philos. an der Univ. Halle; 1948 Prom. mit einer Arbeit über Friedrich Engels’ Studie zum dt. Bauernkrieg; 1948 – 51 wiss. Assistent an der Univ. Halle; 1951 Habil. mit einer Arbeit über die Rev. von 1848/49; 1951/52 Doz. an der Univ. Rostock; 1952 – 56 Prof. mit vollem Lehrauftrag an der HU Berlin; 1956 – 82 ord. Prof.; 1952 – 68 Dir. des Inst. für Allg. Geschichte der HU Berlin; 1952 – 63 Fachrichtungsltr. Geschichte an der Philosoph. Fak.; 1957 zugl. Dir. des Hist. Inst. u. Fachrichtungsltr. Geschichte an der EMAU Greifswald; 1952 – 68 Mitgl. des wiss. Beirats für Geschichte beim Staatssekr. für Hochschulwesen; 1956 – 70 Mitgl. des Präs. der Urania; 1965 – 68 Präs. der Historiker-Ges. der DDR (Nachf von  Ernst Engelberg); gest. in Berlin. G. S. gehörte zur ersten Generation marxist.-leninist. Hist. der DDR, die ihre Ausbildung hauptsächl. nach 1945 erhielten; seine Arbeitsgebiete betrafen u. a. die neuzeitl. dt. Geschichte, die westeurop. u. amerik. Rev.-Geschichte sowie die Geschichte u. Theorie der Geschichtswiss.Sieg u. Niederlage des demokrat. Wahlrechts in der dt. Rev. 1848/49. Berlin 1952; Dtl. von 1648 bis 1789. Berlin 1959; Die engl. Rev. 1640 – 49. Berlin 1989.Ilko-Sascha Kowalczuk

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schilling, Ernst

* 25.10.1901 – ✝ 25.11.1954

Geboren am 25. Oktober 1901 in Berlin, Sohn einer alleinerziehenden Pelznäherin; wurde Bäcker. Seit 1923 Mitglied der KPD. 1925/26 Betriebsratsvorsitzender einer Brotfabrik in Berlin-Weißensee, 1927 UB-Instrukteur der KPD-BL Berlin-Brandenburg, dann ab 1931 Mitarbeiter der sowjetischen Handelsvertretung. Schilling gehörte dem AM-Apparat an, absolvierte 1932/33 unter dem Decknamen Moritz einen Lehrgang an der M-Schule der Komintern in Moskau. Er kam 1933 zur illegalen Arbeit nach Deutschland, war ab Januar 1934 in der ?CSR KPD-Grenzabschnittsleiter. Im November 1938 emigrierte er nach Großbritannien, dort von September 1939 bis Mai 1940 Mitarbeit im »Czech Refugee Trust« (verantwortlich für Arbeitsbeschaffung). Schiller lebte ab 1940 als Farm- und Forstarbeiter in Cumberland, war von Juli bis Dezember 1940 auf der Isle of Man als »feindlicher Ausländer« interniert, anschließend bis 1947 Bäcker in London. Hier 1943 in der KPD-Parteileitung und Mitglied der Bewegung Freies Deutschland. Im August 1947 kehrte er nach Berlin zurück, Mitglied der SED, zeitweise Sekretär, von 1949 bis 1953 1. Vorsitzender des ZV der IG Nahrung-Genuß-Gaststätten und Mitglied des FDGB-Bundesvorstandes. Ernst Schilling starb am 25. November 1954 in Ost-Berlin.

Wer war wer in DDR

Schilling, Viktor

* 28.8.1883 – ✝ 30.5.1960

Geb. in Torgau; Vater Militärarzt; Med.-Studium an der Berliner militärärztl. Kaiser-Wilhelm-Akad., Prom. 1909; 1910 – 14 Mitarb. am Tropeninst. in Hamburg, Studien über Infektionskrankheiten u. Hämatol.; 1914 – 17 Kriegsdienst als Lazarettchef u. Hygieniker; 1917 – 21 Assistenzarzt an der I. Med. Klinik der Charité in Berlin (b. Wilhelm His jun.); 1921 hier Habil.; 1922 a. o. Prof.; 1926 wiss. Vortragsreisen nach Moskau u. Leningrad; 1933 NSDAP; 1934 – 41 ord. Prof. für Innere Med. in Münster; 1934 mit Hans Schulten u. Werner Schultz Gründung der Dt. Ges. für Hämatol.; 1938 – 41 nebenamtl. Ltr. des Bluttransfusionslabors der Militärärztl. Akad. Berlin; 1941 – 57 ord. Prof. u. Dir. der Med. Univ.-Klinik in Rostock. 1952 Vors. der Hämatolog. Ges., Ehrenmitgl. der Europ. Ges. für Hämatol.; 1957 em.; gest. in Rostock. Arbeitsgebiete: Blutmorphol., Hämogramm-Konzeption u. Tropenmed. Sek.-Lit.: Fs. zum 70. Geb. von V. S. Leipzig 1955 (Hrsg. H. Hirscher).Das Blutbild u. seine klin. Verwertung. Jena 1912 (12. Aufl. 1943); Prakt. Blutlehre. Jena 1922 (16. Aufl. 1959).Peter Schneck

Wer war wer in DDR

Schimansky, Hanns

* 26.5.1949

Geb. in Bitterfeld; Vater Elektroing. u. Volkswirt, Mutter Buchhändlerin; aufgew. in Stralsund u. Rostock; Abitur; 1968 – 72 Landw.-Studium an der Univ. Rostock; 1972 – 77 Berufspraxis als Agraring.; autodidakt. zeichnend, ab 1974 gefördert durch  Gerhard Kettner; 1977 – 80 Mstr.-Schüler an der AdK; Umzug nach Berlin; 1985 Wilhelm-Höpfner-Preis der Winckelmann-Ges. Stendal. 1991 Stipendiat des Kunstrings Folkwang, Essen; 1993 Stipendiat der Stiftung Kulturfonds Berlin; 1994 Mitgl. im Dt. Künstlerbund; 1996 Grafikpreis der Stadt Dresden; 1996/97 Stipendiat der Cité Internationale des Arts Paris; 1997 Mitgl. der AdK; 1999 Prof. an der Kunst-HS Berlin-Weißensee; 2001 Felix-Hollenberg-Preis für Radierungen; lebt in Berlin. Ausstellungen: Winckelmann-Museum, Stendal 1985; Bunte Stube, Ahrenshoop 1986; Galerie Mitte, Berlin, 1986; Galerie Rotunde, Berlin 1989; Neue Nationalgalerie, Berlin 1990; Galerie Mitte, Dresden 1990; Städt. Galerie im Museum Folkwang, Essen 1990/91; Städt. Museum Leverkusen, Schloß Morsbroich, Leverkusen 1994; Hans-Thoma-Ges., Städt. Museum Spendhaus, Reutlingen 1994; Galerie  Inga Kondeyne, Berlin 1995, 1997, 2000 u. 2004; Brecht-Haus Weißensee, Berlin 1995; Galerie Bismarck, Bremen 1995; Galerie Franck + Schulte, Berlin 1996; Barbara Gross Galerie, München 1998; Sprengel Museum, Hannover 1998; AdK Berlin 1998; Ystads Konstmuseum 1998; Galerie Espace Amsterdam 2004; Waschhaus Potsdam 2006.Kat. H. S. Zeichnungen. Neue Nationalgalerie, Berlin 1990; Kat. H. S. Zeichnungen. Städt. Galerie im Museum Folkwang, Essen 1991; Kat. H. S. Zeichnungen 1984 – 1994. Schloß Morsbroich, Leverkusen 1994; H. S. Nulla dies sine linea. Sprengel-Museum, Hannover 1998; H. S. sehen u. denken. AdK, Berlin 1998.Anke Scharnhorst

Wer war wer in DDR

Schirdewan, Karl

* 14.5.1907 – ✝ 14.7.1998

Geb. in Stettin (Szczecin, Polen); aufgew. bei Pflegeltern u. in einem kath. Waisenhaus; 1914 von der Familie Schirdewan adoptiert; Stiefvater Heizer; kath. Mittelschule; 1922 – 24 Ausbildung zum Kfm. in Breslau; 1922 ZdA, dann Verkehrsbund; 1923 KJVD; 1925 KPD in Breslau; 1925 – 27 KJVD-Funktionär; 1927/28 Sekr., ab 1928 Mitgl. des ZK des KJVD u. Vors. im Bez. Schles.; 1926 – 29 Laufbursche u. Bürobote in Breslau; 1929 – 31 arbeitslos; Frühjahr 1931/32 Ltr. u. 2. Red. des KJVD-Verlags »Junge Garde« (Berlin); 1931/32 Vors. des KJVD Ostpr.; 1932 u. 1933/34 Ltr. der Abt. »Antimil.« (Nachrichtendienst) des KJVD (»Martin«); 1933 Ltr. des KJVD-Bez. Sachsen; anschl. Oberberater der KJVD-Bez. Hamburg, Bremen, Hannover u. Rostock; 1934 Mitgl. der KPD-Ltg. Hamburg; verhaftet, U-Haft im Columbia-Haus (Berlin), 10.5.1934 vom VGH wegen »Vorber. zum Hochverrat« zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt, 1934 – 37 Haft in Coswig, 1937 – 45 KZ Sachsenhausen u. Flossenbürg (Oberpfalz). Juni 1945 Mitbegr. der KPD Nordbayern; 1945/47 Mitarb. in der Abt. Zonenltg. des ZK der KPD bzw. PV der SED; 1946/47 Krankenhaus Berlin-Buch u. Sanatorium Sülzhayn; 1947 Hauptref., dann Sektorenltr. der Abt. Personalpol. des SED-PV; dort Überprüfung von KPD-Mitgl. u. ihres Verhaltens während der NS-Zeit; 1947 – 52 Ltr. der Abt. West bzw. stellv. Ltr. der Westkommission beim PV bzw. ZK der SED; 1952 1. Sekr. der SED-LL Sachsen (Nachf. von  Ernst Lohagen) bzw. der SED-BL Leipzig; 1953 – 57 Ltr. der neugegr. Abt. Leitende Organe der Partei u. der Massenorg. des ZK der SED; 26.7.1953 koopt. Mitgl. des ZK u. PB der SED u. dessen Sekr., zuständig für Kader; 1952 – 58 Abg. der Volkskammer; 1955 u. 1982 VVO; 6.2.1958 wegen angebl. Fraktionstätigkeit aus dem ZK der SED ausgeschl., strenge Rüge; 1958 – 65 Ltr. der Staatl. Archivverw. in Potsdam; 1965 Rentner in Potsdam; 1976 Parteirüge gelöscht; 1977 Ehrenspange zum VVO; Vors. des Krs.-Komitees Potsdam der Antifa. Widerstandskämpfer; Mai 1987 Stern der Völkerfreundschaft; 20.1.1990 von der Zentr. Schiedskommission der SED/PDS rehabil.; Mitgl. des Rats der Alten beim PV; gest. in Potsdam.Aufstand gegen Ulbricht. Berlin 1994; Ein Jahrhundert Leben. Berlin 1998 (Autobiogr.). Bretschneider, G., Libera, K., Wilhelm, R.: K. S.: Fraktionsmacherei oder gegen Ulbrichts Diktat? Eine Stellungnahme vom 1. Januar 1958. In.: BzG 32 (1990) 4; »Die Führung lag in Moskau.« M. Schumann u. W. Dreßen im Gespräch mit K. S. In: Niemandsland, Tugendterror (1992) 11/12; Grieder, P.: Eine unabh. brit. Sicht auf die Konflikte im SED-Politbüro 1956 – 1958. In: Klein, T., Otto, W., Grieder, P.: Visionen. Frankfurt (Oder) 1996; Wittich, B.: K. S. Interview. In: Faller, K., Wittich, B.: Abschied vom Antifasch. Frankfurt (Oder) 1997.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Schirmer, Herbert

* 8.7.1945

Geb. in Stadtlengsfeld (Krs. Eisenach); bis 1966 Ausbildung zum Maschinist u. Heizer; Buchhändler mit FS-Abschl.; 1974/75 in Dresden in diesem Beruf tätig; 1976 – 78 Mitarb. im Bez.-Kabinett für Kulturarbeit Dresden; 1977 Chefred. von »Kultur-Report« Dresden; Fernstudium der Journalistik an der KMU Leipzig; danach bis 1986 Abt.-Ltr. im Verlag der Kunst; 1985 – 90 CDU; 1989 wiss. Mitarb. der Staatl. Kunstsammlung Cottbus; Herbst 1989 Mitbegr. u. Sprecher des Neuen Forums Beeskow; Nov. 1989 – März 1990 Vors. des CDU-Bez.-Verb. Frankfurt (Oder); März – Aug. 1990 des CDU-Landesverb. Brandenb.; März – Okt. 1990 Abg. der Volkskammer; April – Okt. 1990 Min. für Kultur (Nachf. von  Dietmar Keller). Febr. 1991 Austritt aus der CDU; Vors. der Interessengem. Neue Bildende Kunst, Berlin; 1991 – 98 Museumsdir. in der Wasserburg Beeskow; Initiator des »Dok.-Zentrums Kunst der DDR«; Juni 1992 – Nov. 1998 SPD, Mitgl. des SPD-Kulturforums Dtl.; ab 1999 Mitarb. bei Inpetho Medienprod. GmbH Cottbus; lebt als Journalist in Lieberose (Oberspreewald).Querformat 2. Malerei u. Grafik der 70er Jahre. Beeskow 1995 (zus. mit N. Freitag u. A. Volpert); Auftagskunst 1949 – 90. Bildende Künstler in der DDR zw. Ästhetik u. Pol. In: Ausstellungskat. DHM. Berlin 1995; Enge u. Vielfalt. Auftragskunst u. Kunstförderung in der DDR. (Aufsatz zum Kulturfonds der DDR). Hamburg 1999; Kunstsammlung Eisenhüttenstadt. Berlin 2000.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Schlaak, Ulrich

* 1.11.1932 – ✝ 25.2.2016

Geb. in Schartowstal (Landkrs. Oststernberg / Czartów, Polen); Vater Mittelbauer; Volksschule, Zentralschule u. OS; 1949 FDJ, 1951 SED; 1949 – 51 Instrukteur u. Sekr. für Agit. u. Prop. der FDJ-KL Neuruppin; 1951 – 53 Instrukteur des FDJ-ZR; 1954 Sekr. der FDJ-GO im VEB Traktorenwerk Brandenb.; 1954 – 59 1. Sekr. der FDJ-KL Brandenb.; 1958 – 61 Lehre als Meliorationsfacharb.; 1959 – 61 Ltr. des Jugendobjekts »Milchader Berlin«; 1961 –65 1. Sekr. der FDJ-BL Potsdam; 1965 – 67 Studium am Industrie-Inst. der WPU Rostock, Dipl.-Ing.-Ökonom; 1967 – 70 1. Sekr. der SED-KL Rathenow; 1970 – 76 1. Sekr. der SED-KL Potsdam; 1974 / 75 Zusatzstudium in Moskau; 1976 – 89 2. Sekr. der SED-BL Potsdam; 1982 VVO; anschl. bis Anf. 1990 2. Sekr. der BL Potsdam der SED-PDS. Am 13.1.1994 Anklage wg. Anstiftung zur Wahlfälschung, am 27.10.1994 durch das Amtsgericht Potsdam zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung verurteilt.Mario Niemann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schlag, Otto

* 5.1.1889 – ✝ 22.4.1944

Geboren am 5. Januar 1889 in Kraftsdorf/Thüringen, Sohn eines sozialdemokratischen Arbeiters, lernte mit acht Geschwistern früh das Proletarierleben kennen. Noch während der Schlosserlehre 1905 Mitglied der sozialistischen Jugend, kam 1910 nach Hohenmölsen und arbeitete als Lokheizer, 1912 Mitglied der SPD. Im Krieg zur Marine eingezogen, beteiligte er sich im November 1918 am Flottenaufstand in Kiel. Zurück in Hohenmölsen schloß er sich der USPD an, dort im Januar 1920 Mitbegründer der KPD. Von 1920 bis 1928 arbeitete er im Bergbau, war Betriebsratsvorsitzender und Kreistagsabgeordneter in Weißenfels. Schlag wurde 1928 in den Preußischen Landtag gewählt und blieb bis 1933 Abgeordneter des Parlaments. Seit 1928 hauptamtlicher Funktionär, er leitete ab 1929 die RGO-Gruppe Bergbau in Mitteldeutschland. 1933 arbeitete Schlag illegal, wurde am 14. April 1933 verhaftet und kam in die KZs Lichtenburg, Esterwegen und Sachsenhausen. 1939 als Schwerkranker entlassen, ging er nach Halle. Dort starb Otto Schlag am 22. April 1944 an den Folgen der Haft. Sein Sohn Walter Schlag (* 13. 9. 1914 – †21. 11. 1981) wurde 1933 als Mitglied des KJVD verhaftet und saß bis 1945 im Zuchthaus. Ab 1945 Geschäftsführer der KPD-BL Halle bzw. ab 1946 des SED-Landesvorstandes Sachsen-Anhalt, war dann in der KVP und schied 1970 als Oberstleutnant aus der NVA aus. Annika Sprodowski veröffentlichte 2003 einen biographischen Artikel über Otto Schlag.