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BioLex

In der Kategorie BioLex sind drei wichtige Lexika mit über 5500 Biografien von überzeugten Kommunistinnen und Kommunisten, Renegatinnen und Dissidenten im Volltext recherchierbar.

 

Das Handbuch „Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945“ wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam.

Kurzbiografien zu Personen des politischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 bereit.

Zudem ist das Online-Lexikon www.dissdenten.eu ebenfalls auf unserer Seite aufrufbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Informationen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Schneider, Max

* 23.1.1915 – ✝ 8.1.1987

Geb. in Röthenbach (a. d. Pegnitz, Bayern); Vater Arbeiter; Volksschule; Gymn.; Lehre u. Arbeit als Bankkaufmann; Wehrmacht (Oberltn.); 1943 sowj. Kriegsgef., NKFD. 1945 Rückkehr nach Dtl.; Neulehrer; 1946 SED; 1948 Mitbegr. der NDPD; 1948 / 49 Chefred. sowie Verlagsdir. der »National-Zeitung« (Nachf. von Albrecht Albert) u. Dir. der NDPD-Parteischule in Buckow; 1949 polit. Geschäftsf., ab 1950 stellv. Vors. des NDPD-LV Groß-Berlin, 1952 – 60 stellv. Vors. des NDPD-BV Berlin; 1950 – 60 Stellv. des OB von Berlin; 1951 – 87 Mitgl. des NDPD-Hauptaussch., 1954 – 58 Mitgl. der Volkskammer; 1960 – 66 Vors. des NDPD-BV Halle, später Lehrstuhlltr. an der NDPD-Parteischule in Waldsieversdorf; Mitgl. des Zentralaussch. der Volkssolidarität u. der Zentralltg. des Komitees der Antifasch. Widerstandskämpfer; Ehrenspange zum VVO.Kirsten Nies

Wer war wer in DDR

Schnell, Emil

* 10.11.1953

Geb. in Packebusch (Krs. Stendal); 1960 – 68 POS in Bismark (Altmark); 1968 – 72 EOS Seehausen, Abitur; 1972 – 75 NVA; 1975 – 80 Studium der Physik an der TH »Otto von Guericke« in Magdeburg, Dipl.-Phys.; 1980 – 83 wiss. Ass. an der TH Magdeburg; 1983 – 90 wiss. Mitarb. u. 1988 – 90 Abt.-Ltr. der AdW-Forschungsstelle für Hochdruckforsch. in Potsdam; 1984 Prom. an der TU Magdeburg mit einer Arbeit über die Kinetik der Einkomponenten-Magnetbürstenentw.; Okt. 1989 SDP, dann SPD, Geschäftsf. der SPD Potsdam; März – Okt. 1990 Mitgl. der Volkskammer; April – Aug. 1990 Min. für Post- u. Fernmeldewesen in der Reg.  de Maizière (Nachf. von Klaus Wolf). 1990 – 2002 MdB; 1992 – 94 Vors. des SPD-Unterbez. Potsdam; lebt als freiberufl. Physiker in Potsdam.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schnichels, Hubert

* 27.9.1892 – ✝ 1938

Geboren am 27. September 1892 in Wussem/ Eifel; wurde Bergarbeiter. Er trat 1916 der SPD bei, war ab 1921 KPD-Funktionär in Brühl bei Köln, dort von 1924 bis 1933 Stadtverordneter und seit 1925 Kreistagsabgeordneter. Funktionär der BL Mittelrhein, war u. a. im AM-Apparat, ab Ende der zwanziger Jahre Angestellter, dann Redakteur beim KPD-Organ »Sozialistische Republik« in Köln. Im April 1933 flüchtete Schnichels nach Holland und emigrierte dann im Februar 1934 in die UdSSR, wohin ihm seine Frau mit den beiden Kindern folgte. Dort vom NKWD im November 1937 verhaftet, soll Hubert Schnichels 1938 im Gulag umgekommen sein. Auch seine Frau wurde inhaftiert, die Familie gilt als verschollen.

Wer war wer in DDR

Schöbel, Heinz

* 14.10.1913 – ✝ 26.4.1980

Geb. in Leipzig; Vater Metallarb.; Volksschule; Fußballer im Arbeiter-Turn-u.-Sport-Bund Leipzig; 1928 – 31 Dt. Buchhändler-Lehranstalt Leipzig u. Lehre bei Grunow; 1931 – 35 Gehilfe bei F. Volckmar KG; ab 1938/39 Abt.-Ltr. u. Prokurist im Paul-List-Verlag Leipzig; 1934 – 39 Reichsbund Dt. Buchhändler; 1939 – 45 Wachtmstr. in einem Artillerieregt. Ab 1945 Treuhänder, Lizenzträger u. Ltr. des Paul-List-Verlags; 1945 SPD; 1946 SED; 1949 Gründer u. danach Ltr. des Fachbuchverlags; 1960 – 78 Ltr. des Dt. Verlags für Grundstoffindustrie; 1953 – 58 Präs. des Dt. Fußballverb. (Nachf. von  Fritz Gödicke); 1953 – 55 Mitgl., 1955 – 73 Präs. des NOK (Nachf. von  Kurt Edel); 1957 Mitgl. des Präs. des DTSB; 1966 Mitgl. des IOC; 1960 Dr. h. c. (DHfK Leipzig); dreimal VVO; Stern der Völkerfreundschaft.Olympia u. seine Spiele. Berlin, Leipzig 1964; The four Dimensions of Avery Brundage. Leipzig 1968.Volker Kluge / Carsten Wurm

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schoenlank, Reinhold

* 2.1.1890 – ✝ 6.1.1960

Geboren am 2. Januar 1890 in Nürnberg, Sohn des sozialdemokratischen Journalisten und Reichstagsabgeordneten Bruno Schoenlank (*16. 5. 1859 – † 30. 10. 1901); besuchte die Höhere Bürgerschule in Leipzig und Erfurt und lernte Drogist. 1907 wegen antimilitaristischer Jugendarbeit verhaftet, wanderte dann nach Brasilien aus, gründete dort mit Gleichgesinnten eine »kommunistische Kolonie«, war schließlich Bierbrauer und Apotheker und kehrte wieder nach Deutschland zurück. Als Hotelangestellter 1910 durch einen Unfall erblindet, war er ab 1911 Zögling an der Hallenser Blindenanstalt. Dort 1913 wegen politischer Betätigung entlassen, später Leiter eines Arbeiterjugendheimes in Halle. 1917 Mitglied der USPD, wurde wegen aktiver Antikriegsarbeit festgenommen, kam erst bei Ausbruch der Revolution frei. Seit 1919 Mitglied der KPD, reiste als Wanderredner der Zentrale durch Deutschland, nahm am III., IV. und V. Parteitag 1920 in Karlsruhe, bzw. in Berlin sowie am VII. Parteitag im August 1921 in Jena teil, wo er für den Bezirk Halle-Merseburg in den ZA gewählt wurde. Schoenlank veröffentlichte am 14. Oktober 1925 im Bezirksorgan »Klassenkampf« einen Artikel, der sich u. a. kritisch mit der Taktik der Komintern befaßte. Er wurde deshalb am 20. Oktober 1925 gegen die Stimmen der Ultralinken aus der Partei ausgeschlossen, protestierte zwar dagegen, doch die Komintern bestätigte seinen Ausschluß. Später wieder Mitglied der SPD, er war ein bekannter Schriftsteller und engagierte sich im Zentralverband der Arbeitsinvaliden. Nach 1933 Berufsverbot, aber nicht verhaftet. 1945 wieder Mitglied der SPD, dann der SED, zunächst wurde Schoenlank Oberregierungsrat für Sozialwesen in der Provinzialverwaltung Sachsen-Anhalt, dann Dozent an der Universität Halle. Er geriet 1950 in die stalinistischen Säuberungen, wurde zeitweilig aus der SED ausgeschlossen, später »rehabilitiert« und Arbeiterveteran in Halle. Reinhold Schoenlank starb am 6. Januar 1960 in Berlin. Sein jüngerer Bruder Bruno Schoenlank (* 31. 7. 1891 – † 1. 4. 1965) lernte Buchhändler bei J.H. W. Dietz in Stuttgart, schrieb Artikel für die »Gleichheit«, die »Schwäbische Tagwacht« und den »Vorwärts«. Leistete während des Weltkrieges wie sein Bruder antimilitaristische Arbeit in Berlin und in der Armee. Mitglied der USPD, ab Mitte November 1918 Feuilletonredakteur der »Freiheit«. Während der Januarkämpfe 1919 aktiv auf seiten der Spartakisten an der Besetzung des »Vorwärts«-Gebäudes beteiligt, veröffentlichte in der »Freiheit« am 20. Januar 1919 ein Gedicht auf Rosa Luxemburg. Von 1919 bis 1921 gehörte er der KPD an, trat aber 1921 als Anhänger Paul Levis wieder aus und wurde später Mitglied der SPD. Als Schriftsteller und Redakteur zugleich ein führender Sprechchordichter der sozialdemokratischen Arbeiterkulturbewegung, emigrierte er 1933 in die Schweiz und wohnte bis zu seinem Tod in Zürich.

Wer war wer in DDR

Scholz, Ernst

* 19.7.1913 – ✝ 12.6.1986

Geb. in Berlin; Vater Angest., Mutter Verkäuferin; Volksschule u. Realgymnasium in Berlin; Mitgl. der Wandervogelbew., Pfadfinder, Arbeitersportbew. »Fichte«; 1932 Zimmerer in Groß Köris; 1932/33 Studium der Bauwirtschaft an der TH Berlin, am Bauhaus Berlin u. der Univ. Rostock; 1933 kurzz. verhaftet; 1933/34 Studium an der École Spéciale d’Architecture in Paris; 1934 SAP Paris; Übertritt zur KPD; 1934 – 37 freischaff. Architekt in Berlin; illeg. pol. Arbeit für die RH; verantw. für die Sicherheit von  Rosa Thälmann; 1934 am erfolglosen Versuch beteiligt, Ernst Thälmann aus dem Gefängnis zu befreien; Kurier nach Prag; 1937 Emigr. nach Prag, anschl. nach Paris; 1938/39 Interbrigadist im span. Bürgerkrieg; 1939/40 in Frankreich (St. Cyprien u. Gurs) interniert, geflohen; aktiv in der Résistance, ab 1940 Kämpfer der FTPF-Widerstandsorg. der KPF, später der regulären Armee; 1945 Sekr. des NKFD u. Mitgl. der FKP-Regionalltg. Lyon sowie der frz. Gewerkschaft CGT. 1945 – 49 HA-Ltr. für Bodenreform u. Wirtschaftsplanung bzw. Ltr. der Abt. Landw./ Wirtschaftsplanung bei der Landesreg. Brandenb.; 1946 SED; 1949/50 stellv. Ltr. der HV Wirtschaftsplanung u. Ltr. der HA Bauwesen in der DWK bzw. Ltr. der HA Bauindustrie im Min. für Bauwesen; 1950 Ltr. der Abt. Wirtschaftspol. beim ZK der SED (Nachf. von  Willi Stoph); 1950/51 Studium an der PHS; 1952 – 54 Sonderbeauftr. der Reg. der DDR für die Versorgung der DVP; 1954 Betriebsltr. des VEB Bau-Union Wismar; 1954 – 56 Dir. des VEB Bau-Union Rostock; 1954 – 56 Studium der Wirtschaftswiss. an der Univ. Rostock, Dipl.-Wirtsch.; 1963 Prom. zum Dr. rer. oec.; seit 1954 Mitgl. des ZV der IG Bau – Holz; 1955/56 Mitgl. der SED-Stadtltg. Rostock; 1954 – 56 gleichz. Sonderbeauftr. des Min. für Außen- u. Innerdt. Handel; 1956 – 58 Regierungsbevollm. für die arab. Staaten; 1958 Medaille für Kämpfer gegen den Fasch.; 1958 – 63 Min. für Bauwesen der DDR (Nachf. von  Heinz Winkler) u. Abg. der Volkskammer; bis 1963 Präs. der Freundschaftsges. DDR – Arab. Staaten; 1963 – 68 Botschafter in Kairo (Nachf. von  Wolfgang Kiesewetter); 1965 Banner der Arbeit; 1968 stellv. Min. für Ausw. Angelegenh.; 1969 – 74 Staatssekr. u. 1. stellv. Min. für Ausw. Angelegenh. (Nachf. von  Josef Hegen); 1973 VVO; 1974 – 76 Botschafter in Frankreich (Nachf. von Gerhard Schramm); 1976 KMO; 1978 Ehrenspange zum VVO; 1976 – 86 Präs. der Freundschaftsges. DDR – Frankreich (Nachf. von  Hans Seigewasser) Mitgl. der ZL des Komitees der Antifa. Widerstandskämpfer; gest. in Berlin.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Scholz, Paul

* 2.10.1902 – ✝ 23.6.1995

Geb. in Braunau (Krs. Löwenberg, Oberschles. / Wronów, Polen); Vater Kleinbauer; Volksschule; Land- u. Fabrikarb.; 1925 KPD, versch. Funktionen; in der NS-Zeit wegen antifa. Tätigkeit mehrmals inhaftiert, 1936 wegen »Vorber. zum Hochverrat« verurteilt; Gebietsberater der illeg. KPD in Berlin. 1945/46 KPD/SED; FDGB; VdgB; ab Juni 1945 Mitgl. der Red. des KPD-Zentralorgans »Dt. Volksztg.«, nachf. bis Ende 1947 der Ztg. »Neues Dtl.«; ab 1948 stellv. Chefred. der VdgB-Wochenztg. »Der freie Bauer«; Mitgl. des ZV der VdgB; Mitbegr. der DBD u. ihr Hauptgeschäftsf. bzw. Gen.-Sekr., Mitgl. des PV, ab 1950 stellv. Vors.; 1948/49 Mitgl. der DWK; ab 1949 Abg. der (Prov.) Volkskammer; u. a. 1967 – 71 stellv. Vors. der Interparl. Gruppe; 1971 – 81 stellv. Vors. des Aussch. für Ausw. Angelegenh.; ab 1950 Mitgl. des NR der NF, ab 1968 seines Präs.; 1950 – 52 Minister für Land- u. Forstw. (Nachf. von  Ernst Goldenbaum); 1952/53 Ltr. der Koordinierungs- u. Kontrollstelle für Land-, Forst- u. Wasserwirtschaft; 1952 – 67 stellv. Vors. des Min.-Rats; 1953 – 55 abermals Minister für Land- u. Forstw. (Nachf. von  Hans Reichelt); 1954 VVO; 1956 – 61 Vors. des Zentr. Beirats für LPG beim Min.-Rat; ab 1957 Mitgl. des Zentralvorst. der Gewerkschaft Land u. Forst; ab 1963 Präs. der Freundschaftsges. DDR – Arab. Länder; ab 1964 Vizepräs. der Liga für Völkerfreundschaft; Mitgl. des Präs. des Friedensrats der DDR u. 1969 Mitgl. des Weltfriedensrats; ab 1967 Mitgl. des Präs. des Komitees der Antifa. Widerstandskämpfer; 1967 Ausscheiden aus der hauptamtl. Tätigkeit mit Erreichen der Altersgrenze, Ehrenpension; 1969 Stern der Völkerfreundschaft; 1972 VVO; 1976 Großer Stern der Völkerfreundschaft; 1982 KMO; 15.11.1989 auf eigenen Antrag von allen DBD-Funktionen entbunden, beteiligte sich im Sommer 1990 nicht an der Fusion von DBD u. CDU; ab Okt. 1990 parteilos.Die Bedeutung der Jahresendabrechnung in den LPG. Berlin 1953; Aktuelle Fragen des LPG-Rechts. Berlin 1960; Zu Entwicklungsproblemen der afrikan. Staaten. Halle 1966.Siegfried Kuntsche

Wer war wer in DDR

Schönbeck, Franz

* 15.9.1931

Geb. in Essen; Vater Maurer; Grundschule; 1946 – 49 Lehrling u. Angest. im Landratsamt Ludwigslust (Mecklenb.); 1948 SED; 1949 / 50 ABF; 1950 – 52 Sachbearb. bei der SPK; 1952 – 55 Stud. an der DASR Potsdam, Dipl.-Jurist; 1956 – 60 Ltr. der Org.-Instrukteur-Abt. u. Sekr. des Rats des Krs. Perleberg, 1960 – 62 Ltr. der Org.-Instrukteur-Abt. des Rats des Bez. Schwerin; 1962 – 64 Vors. des Rats des Krs. Gadebusch, 1965 – 69 Vors. des Rats des Krs. Lübz; 1969 – 71 OB von Schwerin (Nachf. von Günter Braun); 1971 Abberufung u. Einsatz in der Bezirksplankomm. Schwerin.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schönfeld, Betty

* 26.5.1910 – ✝ 9.6.1999

Geboren am 26. Mai 1910 in Berlin als Betty Wick, Tochter einer Arbeiterfamilie. Bis 1931 Stenotypistin bei verschiedenen Berliner Konfektionsbetrieben. Seit 1927 aktiv im Arbeitersportverein »Fichte« und seit 1929 in der KPD. Im Sommer 1932 reiste sie im Auftrag der KPD in die Sowjetunion, sie hatte noch in Berlin den sowjetischen Kommunisten Dmitri Jegarew kennengelernt, der 1935 in Moskau als Trotzkist verhaftet und ermordet wurde. In Moskau arbeitete sie im Apparat des EKKI, u. a. im Büro von Wilhelm Pieck. Im September 1936 wurde sie wegen »Verbindung mit konterrevolutionären Elementen« aus der KPD ausgeschlossen, im Juni 1937 in Moskau verhaftet, dann »wegen Mitgliedschaft in einer trotzkistischen Gruppe« zu fünf Jahren Arbeitslager verurteilt. Bis 1945 im Gulag, anschließend wurde eine lebenslängliche Wohnortbeschränkung verfügt, die erst 1954 aufgehoben wurde. Sie erhielt Arbeit als Maschinistin und Stenotypistin, dann als Sanitäterin. Ihr zweiter Mann, mit dem sie seit 1948 verheiratet war, wurde im März 1952 von Banditen ermordet. Im Juli 1957 kam sie mit ihren zwei Töchtern Ludmilla und Swetlana in die DDR und begann in der Direktion der Lufthansa bzw. Interflug zu arbeiten. Betty Schönfeld starb am 9. Juni 1999 in Berlin.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schönhaar, Eugen

* 29.10.1898 – ✝ 1.2.1934

Geboren am 29. Oktober 1898 in Eßlingen/ Neckar, Sohn eines Weißgerbers und Kernmachers. Er schloß sich 1912 der sozialistischen Arbeiterjugend an, war während des Weltkrieges Anhänger der Spartakusgruppe, wurde 1916 verhaftet und im Herbst 1917 zum Militärdienst eingezogen. Anfang 1919 Rückkehr nach Eßlingen, Former in der dortigen Maschinenfabrik. KPD-Mitglied und Vorsitzender der Ortsgruppe der FSJ. Schönhaar nahm am 5. Reichskongreß der KJD im Dezember 1920 teil und wurde in die Zentrale gewählt. Bis Mai 1921 war er Redakteur der Zeitschrift »Die junge Garde«. Im Juli 1921 und im Dezember 1922 Delegierter des II. bzw. III. Kongresses der KJI in Moskau, der II. Kongreß berief ihn in das EK der KJI, in dessen Berliner Büro er bis Dezember 1922 arbeitete. Einige Zeit Former in Moskau, kam er Ende 1923 als Referent ins EK der IRH, im Mai 1924 kehrte er nach Berlin zurück, hier Leiter des Mitteleuropäischen Büros (MEB) der IRH. Wegen drohender Verhaftung (er gehörte auch zum AM-Apparat) emigrierte Schönhaar 1927 nach Moskau und arbeitete erneut im EK der IRH. Im Juli 1928 für ein Jahr in den USA, ging im März 1929 legal nach Deutschland zurück, wurde Mitarbeiter im Sekretariat des ZK der KPD und war u. a. für den Druck illegaler Schriften verantwortlich. Im Februar 1933 gehörte er unter den Parteinamen Eugen bzw. Ewald Rackwitz zu den Mitarbeitern der illegalen Inlandsleitung unter John Schehr. Am 11. November 1933 in Berlin verhaftet, Eugen Schönhaar wurde gemeinsam mit John Schehr, Rudolf Schwarz und Erich Steinfurth (als Vergeltung für die Erschießung des Spitzels Alfred Kattner) am 1.Februar 1934 beim Transport nach Wannsee von der Gestapo »auf der Flucht« erschossen. Seine Frau Odette und sein 1925 geborener Sohn Carlo konnten nach Frankreich emigrieren. Nach der deutschen Besetzung schloß sich Carlo Schönhaar der Résistance an, wurde Anfang 1942 verhaftet und am 17.April 1942 in Paris erschossen.

Wer war wer in DDR

Schorlemmer, Friedrich

* 16.5.1944

Geb. in Wittenberge (Prignitz); Vater Pfarrer; Abitur an der VHS; 1962 Wehrdienstverweigerung; 1962 – 67 Theol.-Studium in Halle; 1968 Vikar in Halle-West u. Studieninspektor in einem Studentenwohnheim; 1970 Ordination; 1971 – 78 Jugend- u. Studentenpfarrer in Merseburg; ab 1976 Mitgl. von Synoden auf Landeskirchen- u. DDR-Ebene; ab 1978 Doz. am Ev. Predigerseminar in Wittenberg u. Prediger an der dortigen Schloßkirche; ab 1980 aktiv in einer opp. Gruppe; ließ 1983 im Lutherhof vor Kirchentagsteilnehmern ein Schwert zur Pflugschar umschmieden; legte 1988 zus. mit einer Wittenberger Friedensgr. dem Ev. Kirchentag »20 Wittenberger Thesen« zur umfassenden Demokratisierung der DDR vor; Sept. 1989 Mitbegr. des DA; 4.11.1989 einer der Redner der Demonstration auf dem Alexanderplatz, zitierte Luther: »Lasset die Geister aufeinanderplatzen, aber die Fäuste haltet stille«; 28.11. Mitunterz. des Aufrufs »Für unser Land«; 1989 zus. mit Antje Vollmer Carl-von-Ossietzky-Medaille der Internat. Menschenrechte; im Zuge der Hinwendung der DA-Repräsentanten um  Wolfgang Schnur zur CDU im Jan. 1990 Übertritt mit den Linken des DA zur SPD der DDR. 1990 – 94 SPD-Fraktionsvors. im Wittenberger Stadtparl.; 1992 – Dez. 2007 Studienltr. bei der Ev. Akademie in Wittenberg; 1993 Friedenspreis des Börsenvereins des Dt. Buchhandels; Jan. 1997 Mitunterzeichner der »Erfurter Erklärung«; seit Juli 2006 Mithrsg. der Wochenzeitung »Freitag«; Mitgl. im Willy-Brandt-Kreis; seit März 2009 Mitgl. im globalisierungskrit. Netzwerk »attac«.Bis alle Mauern fallen. Berlin 1991; Worte öffnen Fäuste. München 1992; Zu seinem Wort stehen. München 1994; Eisige Zeiten. Ein Pamphlet. 1996; Selig sind die Verlierer. Zürich 1996; Den Frieden riskieren. Stuttgart 2003; In der Freiheit bestehen. Berlin 2004; Lass es gut sein. Berlin 2007; Wohl dem, der Heimat hat. Berlin 2009.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Schottlaender, Rudolf

* 5.8.1900 – ✝ 1.4.1988

Geb. in Berlin in einer bürgerl. jüd. Familie; Gymnasium; 1918 – 23 Studium der Philos. u. Philol. in Berlin, Marburg, Freiburg u. Heidelberg; hier 1923 Prom. über die Nikomach. Ethik bei Aristoteles; bis 1933 als Übersetzer u. Publizist tätig; danach Privatgelehrter, blieb durch die Ehe mit einer nichtjüd. Frau vor der Deportation bewahrt; tätig als Krankenpfleger u. Arbeiter in einer Munitionsfabrik. 1947 Prof. für Philos. an der TH Dresden; 1949 nach Konflikten mit der SED Entlassung u. Übersiedl. nach Berlin (West); bis 1959 Lehrtätigkeit (Latein u. Griech.) an Gymnasien; 1951 Gründung (mit Manfred Röhling) des Wochenblatts »SOS-Ztg. für weltweite Verständigung«; 1959 Entlassung aus dem Schuldienst wg. seines Eintretens gegen Wiederaufrüstung u. Atombewaffnung; 1960 Übersiedl. nach Berlin (Ost); ord. Prof. für klass. Philol. an der HU Berlin; 1965 em.; ab Mitte der 60er Jahre wachsende, auch öffentl. Kritik an den gesellsch. Verhältnissen in der DDR, u. a. Engagement für  Robert Havemann u. 1979 Protest gegen die Inhaftierung von  Rudolf Bahro u. Nico Hübner; gest. in Berlin. Sek.-Lit.: Schottländer, R. (Hrsg.): Gedenkwerk zum 100. Geb. von R. Sch. Manuskriptdruck Berlin 2000 (mit Schriftenverz.); Aly, G.: Von den tragenden Volkskräften isoliert. Zum 100. Geb. von R. Sch. In: Jahrbuch für Universitätsgesch. 2003; Herzberg, G.: Streitbarer Idealismus. In: Rauh, H. C., Gerlach, H.-M. (Hrsg.): Ausgänge. Zur DDR-Philos. in den 70er u. 80er Jahren. Berlin 2009.Theorie des Vertrauens. Berlin 1957; Röm. Gesellschaftsdenken. Berlin 1965; Trotz allem ein Deutscher. Mein Lebensweg seit Jahrhundertbeginn. Autobiogr. Freiburg 1986; Synopsis. Würzburg 1988; Verfolgte Wissenschaft. Berlin 1988.Dieter Hoffmann

Wer war wer in DDR

Schneider, Petra

* 11.1.1963

Geb. in Karl-Marx-Stadt; Beginn mit dem Schwimmtraining im Alter von sechs Jahren bei der BSG Motor Karl-Marx-Stadt / Schönau; ab 1973 KJS u. Mitgl. des SC Karl-Marx-Stadt (Trainer: Eberhard Mothes); Olymp. Spiele 1980: Siegerin über 400 m Lagen, Zweite über 400 m Freistil; 1981 EM über 400 m Lagen, EM-Zweite über 200 m Lagen; 1982 WM über 200 m u. 400 m Lagen, WM-Zweite über 400 m Freistil; VVO; 1982 – 90 SED; 1984 Beendigung der sportl. Laufbahn u. Aufn. eines Fernstudiums in Staats- u. Rechtswiss.; Mitarb. für Jugendfragen, Körperkultur u. Sport beim Rat der Stadt Karl-Marx-Stadt; nach 1989 Schwimmlehrerin in Chemnitz.Olaf W. Reimann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schnellbacher, Friedrich

* 20.3.1884 – ✝ 4.12.1947

(* 1884 – † 1947) Geboren am 20. März 1884 in Hanau, Sohn eines Steinmetzes; lernte Lithograph. Er trat 1906 in die SPD ein und löste 1912 Robert Dißmann als Sekretär der SPD-Kreisorganisation Hanau ab. Von 1915 bis 1922 Abgeordneter der Hanauer Stadtverordnetenversammlung, Schnellbacher stand auf dem äußersten linken Flügel der Partei. 1916 zum Militär einberufen, erkrankte er schwer an Gelenkrheumatismus, kam ins Lazarett und wurde aus der Armee entlassen. Auf der Reichskonferenz der SPD im September 1916 Sprecher der Gruppe Internationale und im April 1917 als Vertreter der Spartakusrichtung Mitglied des USPD-Beirates. Er war 1918/19 Vorsitzender des Hanauer Arbeiter- und Soldatenrates, es gelang ihm, mit dem Arzt 4 Dr. Georg Wagner die große Mehrheit der Hanauer USPD bereits im Frühjahr 1919 in die KPD zu überführen. Er wurde Leiter der KPD-Ortsgruppe Hanau und hauptamtlicher Angestellter in der Konsumgenossenschaft Langenselbold. Auf dem III. Parteitag der KPD im Februar 1920 in Karlsruhe wurde Schnellbacher zum Ersatzmitglied der Zentrale gewählt, er war im April 1920 gemeinsam mit Wilhelm Pieck Vorsitzender des IV. Parteitages, wieder Ersatzmitglied der Zentrale und Vertreter Hessens im ZA. Als es Ende September 1920 unter August Thalheimer zur Bildung eines politischen und eines organisatorischen Büros in der Zentrale der KPD kam, wurde Schnellbacher neben Jacob Walcher, Rosi Wolfstein u. a. einer der politischen Kommissare bzw. Vertrauensleute. Diese sollten die Verbindung der beiden Büros mit den Bezirken sichern und die Kontrolle über die dortige Ausführung der Parteibeschlüsse gewährleisten. Da sich das System nicht bewährte, wurden danach sogenannte Oberbezirkssekretäre eingesetzt. Schnellbachers Parteilaufbahn endete 1921/22, aber es fehlen Anhaltspunkte, ob er aus politischen Gründen abgelöst wurde. Ab Ende 1922 wirkte Schnellbacher als Sekretär des »Internationalen Bundes der Kriegsopfer und Kriegshinterbliebenen« für den Bezirk Hessen in Frankfurt/M., ab 1929 besoldeter Sekretär in dessen Hauptvorstand in Berlin. Deshalb zog er im Februar 1929 von Hanau nach Birkenwerder bei Berlin, wurde rasch Vorsitzender der dortigen KPD-Ortsgruppe und im November 1929 auch Abgeordneter des Brandenburgischen Provinziallandtages. Er arbeitete einige Zeit als Sekretär der märkischen Siedlungsbaugenossenschaft »Die kinderreiche Familie«. Im SPD-Organ »Vorwärts« wurden Schnellbacher im November 1930 Amtsmißbrauch und Korruption während seiner Langenselbolder Zeit als Konsumangestellter vorgeworfen. Im Januar 1933 zog er nach Berlin-Neukölln, um den Beobachtungen durch die Nazis zu entgehen. Er wurde mehrmals polizeilich vernommen, blieb aber außer Verfolgung, war lange Zeit erwerbslos, später Lithograph. 1945 wurde er Leiter der Hauptabteilung der Berufsfürsorge für Schwerbeschädigte in der Landesversicherungsanstalt Berlin. Seit April 1946 Mitglied der SED, jedoch politisch nicht mehr aktiv. Friedrich Schnellbacher starb am 4. Dezember 1947. »Neues Deutschland« druckte am 7. und 9.Dezember 1947 nur zwei kleine private Traueranzeigen.

Wer war wer in DDR

Schnitzler, Karl-Eduard von

* 28.4.1918 – ✝ 20.9.2001

Geb. in Berlin-Dahlem; Vater königl.-preuß. Legationsrat Eduard v. S.; 1924 – 34 Volksschule, Friedenaue- u. Arndt-Gymnasium; 1932 SAJ, illeg. Arbeit, 1933 kurzzeitig verhaftet; ab 1934 Internatsschule (Dt. Kolleg) in Bad Godesberg, 1937 Abitur am Friedrich-Wilhelm-Gymnasium in Köln; anschl. sechs Mon. RAD; 1937 Aufnahme des Studiums der Med. in Freiburg i. Br., abgebrochen (Mitgl. im NS-Studentenbund verweigert); in Freiburg Kontakte zur illeg. KPD, Kurier u. Grenzarbeit; 1938 – 40 Ausbildung zum Kfm. in den Kabelwerken Felten & Guillaume in Köln; 1940 – 44 Wehrmacht, Sold. in Frankreich, Jugoslawien u. der UdSSR; Aug. 1941 verwundet; wg. antinazist. Propaganda Strafbattl. »999« in Afrika, erneute Verwundung, 1943 nach Frankreich, dort Verbindung zur Résistance; Apr. 1944 verhaftet in Paris, aus der U-Haft geflohen; militär. Widerstand bei dem Maquis, pol. Arbeit unter dt. Soldaten; Juni 1944 Antinazi-Gefangenenlager Nr 9, Ascot II (b. London); Mitarb. im dt.-spr. Dienst der BBC, verweigerte jedoch Mitarb. am brit. Soldatensender Calais (bzw. Soldatensender West); Okt. 1945 entlassen. Okt. 1945 Rückkehr nach Dtl.; von brit. Behörden als Kommentator in Hamburg eingesetzt; Mitarb. des NWDR (Hamburg), Ltr. des Frauenfunks; Jan. 1946 Mitbegr. des NWDR (Köln) u. amt. Intendant; Ltr. der pol. Abt. des NWDR; Kontakte zu  Max Reimann (der ihm von einem offiz. Eintritt in die KPD abriet), u.  Ewald Kaiser; zus. mit  Karl Gass u.  Karl Georg Egel pol. Red. des NWDR (Köln), zul. in Hamburg; Nov. 1947 aus pol. Gründen entlassen; Ende 1947 Übersiedl. in die SBZ; Juni 1948 SED; Mitarb. des Berliner Rundfunks u. Dtl.-Senders, Chefkommentator; ab 1948 Teiln. an der wöchentl. Gesprächsrunde »Treffpunkt Berlin«, nach Ausscheiden des Ltr. »Michael Storm« ( Markus Wolf) Ltr. der Sendung (ab 1957 auch im DFF) bis 1967; 1950 LPS »Friedrich Engels« in Liebenwalde; ab 1952 Chefkommentator des Berl. Rundfunks u. Kommentator des DDR-Fernsehens; 1952 Ehe mit der Schauspielerin Inge Keller (nach kurzer Zeit gesch.); 1956 NP (im Koll.); 1957 – 89 Mitgl der Ltg. der Leipziger »Intern. Dokumentarfilmwoche«; nach einer ZPKK-Untersuchung 1958 als Chefkommentator des Dtl.-Senders abgelöst; 1958 Ehe mit der Schauspielerin Christine Laszar (nach kurzer Zeit gesch.); 21.3.1960 – 30.10.1989 Autor u. Moderator der Sendung »Der schwarze Kanal« (1.519 Folgen); 1967 – 89 Mitgl. des ZV des VDJ; 1968 Banner der Arbeit; 1968 –89 Ltr. der Kommentatorengr. des Staatl. Rundfunkkomitees (mit  Heinz Grote,  Günter Herlt, Günter Leucht); 1978 VVO; 1978 – 89 Mitgl. des ZV der DSF; 1978 Vors. des Ges. Rats der HS für Film u. Fernsehen in Potsdam-Babelsberg; Goldener Lorbeer des Fernsehens; 1988 KMO; Mitschöpfer von Dok.-Filmen, u. a. »Du u. mancher Kamerad« (1956); »Schaut auf diese Stadt« (1962); »Die Grenze« (1966); seit 1960 verh. mit der ungar. Schauspielerin u. Sängerin Márta Rafael. Jan. 1990 Austritt aus der SED/PDS; 1990 Mitgl. der DKP; 1991 kurzz. Kolumnist der Satire-Ztschr. »Titanic«; gest. in Königs Wusterhausen (b. Berlin).Dtl. u. die Welt. Kommentare 1948 – 55. Berlin 1955; Meine Schlösser oder Wie ich mein Vaterland fand. Autobiogr. Berlin 1989 (Neuaufl. Hamburg 1995); Der rote Kanal. Sichten u. Einsichten. Hamburg 1992; Provokationen. Hamburg 1994; Meine Filmkritiken 1955 – 60. Berlin 1999; Frühe Denkanstöße. Fundsachen aus dem Archiv: Erste Rundfunkkommentare 1944 – 1947. Zusammengest. von H. Grote. Berlin 2008. Osang, A.: Aufsteiger – Absteiger. Berlin 1992; Dieckmann, C.: Das wahre Leben im falschen. Berlin 1998; Gerlof, K.: Gegenspieler. Gerhard Löwenthal – K.-E. v. Sch. Frankfurt (Main) 1999; Prase, T., Kretzschmar, J.: Propagandist u. Heimatfilmer. Die Dokumentarfilme des K.-E. v. Sch. Leipzig 2003; Nähle, K.: »Der schwarze Kanal«. Marburg 2005; Levasier, M.: »Der schwarze Kanal«. In: Wilke, J. (Hrsg.): Journalisten u. Journalismus in der DDR. Köln 2007.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Schober, Rita

* 13.6.1918 – ✝ 26.12.2012

Geb. in Rumburg (Nordböhmen / Rumburk, Tschechien); Vater Angest., Mutter Schneiderin; 1928 – 36 Realgymnasium; 1936 – 38 u. 1944/45 Studium der klass. Philol. u. Romanistik in Prag; 1940 Aushilfslehrerin in Warnsdorf; März 1945 Prom. zum Dr.phil. an der Dt. Univ. Prag. 1946 – 49 wiss. Assistentin von  Victor Klemperer an der MLU Halle; 1946 SED; 1949 Studentendekan der MLU; 1951 Wahrnehmungsdoz.; 1951/52 Hauptref. für Sprachen im Staatssekr. für HS-Wesen; 1952 Doz. u. Wahrnehmungsprof. mit Lehrauftrag an der HU Berlin; 1954 Habil. bei Victor Klemperer mit einer Arbeit über Zolas Romantheorie an der HU; Prof. mit vollem Lehrauftrag; Fachrichtungsltr.; seit 1957 Prof. mit Lehrstuhl u. Dir. des Romanist. Inst. der HU; 1969 Ord. Mitgl. der DAW; 1972 NP; 1974 Mitgl. des Exekutivrats der UNESCO; 1975 Vors. des Nationalkomitees für Lit.-Wiss. der AdW; Mitgl. des PEN-Zentrums DDR, 1980 – 90 Mitgl. von dessen Präs.; 1978 em.; geschäftsf. Hrsg. der Ztschr. »Beiträge zur Romanischen Philol.«; VVO; 1988 Dr. h. c. der HU Berlin; Forschungs- u. Lehrtätigkeit zur Lit.-Wiss. u. -Theorie, Hrsg. der Werke von Emile Zola in dt. Sprache (seit 1953); gest. in Berlin.Skizzen zur Literaturtheorie. Berlin, Weimar 1956; Von der wirkl. Welt der Dichtung. Berlin, Weimar 1970; Abbild – Sinnbild – Wertung. Berlin, Weimar 1988; Vom Sinn oder Unsinn der Literaturwiss. Essays. Berlin 1988; Victor Klemperers Tagebücher. Velten 1998; Auf dem Prüfstand. Zola – Houellebecq – Klemperer. Berlin 2003. Dill, H.-O. (Hrsg.): Geschichte u. Text in der Lit. Frankreichs, der Romania u. der Literaturwiss. R. S. zum 80. Geburtstag. Berlin 2002.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Scholem, Werner

* 29.12.1895 – ✝ 17.7.1940

Geboren am 29. Dezember 1895 in Berlin, Sohn des wohlhabenden jüdischen Druckereibesitzers Arthur Scholem, der Vater bestimmte autoritär in der Familie, war nationalistisch und auf Distanz zur jüdischen Religion. Werner Scholem besuchte das Luisenstädtische und Dorotheenstädtische Gymnasium in Berlin und auf Weisung des Vaters ab 1908 die Samsonschule, ein jüdisches Internat streng deutsch-nationaler Prägung in Wolfenbüttel. Er näherte sich dem Zionismus (Studentenvereinigung des »Jung Juda-Kreises«), wurde 1912 Mitglied der sozialistischen Jugend und 1913 der SPD. Deswegen geriet er in Konflikt mit seinem bürgerlichen Elternhaus und wurde vom Vater nach Hannover »verbannt«, um sich als Externer auf das Abitur vorzubereiten. Zum endgültigen Bruch mit dem Vater kam es, als Werner Scholem am 31. Dezember 1917 in Hamm seine Freundin Emmy Wichelt (* 20. 12. 1896 – † 1. 6. 1970) aus Hannover heiratete, denn das Kind einer ledigen Mutter (Martha Rock, später verehelichte Wichelt) aus proletarischem Hause galt als nicht »standesgemäß«. Nach dem Abitur studierte Werner Scholem Geschichte und Jura in Göttingen und Halle. Im Juni 1915 zum Infanterieregiment nach Quedlinburg einberufen, im Sommer 1916 während des serbischen Feldzuges wurde er schwer am Fuß verwundet, er brachte lange Zeit in einem Lazarett in Halle zu. Seit Gründung der USPD 1917 Mitglied dieser Partei. Wegen Teilnahme an einer Antikriegsdemonstration (er war in Uniform aufgefallen) wurde Scholem verhaftet, wegen »Landesverrats« angeklagt, aber nach einigen Monaten entlassen. Nach der Novemberrevolution übernahm der junge Scholem in der USPD wichtige Funktionen. Anfang 1919 Bürgervorsteher (Stadtverordneter) in Hannover-Linden, Mitte 1919 übersiedelte er nach Halle und wurde Redakteur an der USPD-Zeitung »Volksblatt«. Er war Delegierter der USPD-Parteitage im März und November 1919 sowie des Spaltungsparteitags 1920. Scholem kam mit der linken USPD zur KPD, Delegierter des Vereinigungsparteitags im Dezember 1920. Im Januar 1921 trat er in die Redaktion der »Roten Fahne« ein und wurde im Februar 1921 als (jüngster) Abgeordneter für die KPD in den Preußischen Landtag gewählt. Wegen Aktivitäten bei der März-Aktion 1921 polizeilich gesucht, hob der Landtag seine Immunität auf. Scholem lebte zeitweise illegal und wurde am 24.September 1921 verhaftet. Nach einigen Monaten freigelassen, übernahm er verschiedene Aufgaben in der Partei. Er gehörte zur linken Opposition um Ruth Fischer und wurde Ende 1922 Orgleiter des wichtigen Bezirks Berlin-Brandenburg, Delegierter des VIII. Parteitags 1923, dort in die Beschwerdekommission berufen. Auf dem IX. Parteitag 1924 kam Scholem in die Spitze der Linken, wurde in die Zentrale sowie ins Polbüro gewählt und lenkte als Orgleiter die gesamte Orgarbeit der KPD. Nach der Verhaftung Arkadi Maslows 1924 war er neben Ruth Fischer der wichtigste Führer der Partei. Im Mai 1924 zog er im Wahlkreis Potsdam I als Abgeordneter in den Reichstag ein. Nach Auflösung des Reichstags im Oktober 1924 abermals polizeilich gesucht (Steckbrief: »1,67 groß, schwarzes Haar, dunkle Augen, Adlernase, trägt zeitweise Hornbrille«), jedoch im Dezember 1924 im selben Wahlkreis erneut in den Reichstag gewählt. Er war zudem Leiter der Informationsabteilung und des AM-Apparats. Als sich im Frühjahr 1925 die linke Zentrale spaltete, bildete Scholem mit Arthur Rosenberg und Iwan Katz die ultralinke Opposition. Der geschickte Organisator wollte die ultralinken Kräfte im Reich zusammenfassen, gab Fraktionsrundbriefe heraus, die er mit dem Pseudonym »semper idem« unterzeichnete. Auf dem X. Parteitag 1925 war Scholem der Hauptsprecher der ultralinken Opposition und warnte vor der zunehmenden Abhängigkeit von Moskau. Am Ende des Parteitags kam es zu einer Annäherung von Opposition und Führung, Scholem wurde wieder ins ZK (und ins Polbüro) gewählt. Er war auch Teilnehmer des IV. EKKI-Plenums 1924 und des VI. EKKI-Plenums 1926. Den im September 1925 veröffentlichten »Offenen Brief« des EKKI lehnten die Ultralinken unter seiner Leitung ab, Scholem versuchte nunmehr, die »alte Linke« zu sammeln und gegen die neue Führung Ernst Thälmanns und des EKKI zu mobilisieren. Er hielt auf der Parteikonferenz im Oktober 1925 das Korreferat gegen den Parteivorsitzenden Thälmann und wurde auf dieser Tagung sofort aus dem ZK ausgeschlossen, mußte sich einer Kommission stellen, die die Vorwürfe gegen ihn zu prüfen hatte. Denn angeblich sollte er für die finanziellen Transaktionen des Kassierers Arthur König verantwortlich sein, dabei war längst nachgewiesen, daß er damit nichts zu tun gehabt hatte. Scholem war nun einer der eifrigsten Funktionäre der linken Opposition. Im September 1926 organisierte er die Unterschriftensammlung für den »Brief der 700«, deshalb am 5. November 1926 aus der KPD ausgeschlossen. Er war überzeugt, Stalin würde noch 1926 die Komintern auflösen. Mitbegründer und Organisator des Leninbundes und bis 1928 für die Gruppe Linke Kommunisten MdR. Er trat für den Leninbund noch am 20. April 1928 in einer Wahlversammlung in Würzburg auf, verließ dann aber aus persönlichen Gründen kurz vor der Wahl diese Organisation, blieb jedoch Mitarbeiter der Zeitungen des Leninbundes (»Fahne des Kommunismus« und »Volkswille«) sowie des trotzkistischen Blattes »Permanente Revolution«. Ab Ostern 1927 nahm Werner Scholem seine juristischen Studien wieder auf und bestand am 2. März 1931 seine Referendarprüfung. Während seiner Berliner Referendarzeit zwar weiterhin an der Entwicklung der KPD interessiert, engagierte sich aber nicht mehr in der Politik. Die schwere Weltwirtschaftskrise seit 1929 nährte seinen Glauben an eine unmittelbar bevorstehende proletarische Revolution in Deutschland. Seinem Bruder Gerhard (Gershom) schrieb er: »Entweder kommt die Revolution .... oder die Herrschaft der Barbarei«; die Gefahr, die im Falle der Machtübernahme Hitlers auf ihn persönlich zukommen würde, unterschätzte er aber: »Mir werden sie schließlich nichts tun, denn ich bin Kriegsversehrter.« Werner Scholem wurde in der Nacht zum 28.Februar 1933 verhaftet, zunächst ins Polizeigefängnis am Berliner Alexanderplatz und anschließend ins Untersuchungsgefängnis nach Berlin-Moabit gebracht. Nach Protesten am 5.März 1933 entlassen, arbeitete er weiter in einer Anwaltskanzlei und organisierte seine Emigration in die Schweiz. Er wurde jedoch am 23.April 1933 gemeinsam mit seiner Frau Emmy festgenommen und gegen beide ein Hochverratsverfahren wegen »Zersetzung der Reichswehr« eingeleitet. Sie wurden beschuldigt, als Mitglieder einer gewissen »Hansa-Zelle«, die hauptsächlich aus Intellektuellen bestanden haben sollte, Zersetzungsarbeit in der Reichswehr zur Gewinnung von Reichswehrsoldaten für die »Rote Einheitsfront« zu leisten. Werner und Emmy Scholem gerieten dabei in die Ermittlungen gegen die Töchter des Chefs der Heeresleitung, Generaloberst Freiherr von Hammerstein-Equort, die tatsächlich Verbindungen zum Apparat von Hans Kippenberger hatten. Gegen Auflagen wurde Emmy Scholem Ende November 1933 entlassen und flüchtete Anfang Februar 1934 nach London. Von dort aus bemühte sie sich intensiv um die Freilassung ihres Mannes, es gab eine internationale Kampagne für Werner Scholem. Der 1. Senat des VGH sprach ihn am 9. März 1935 zwar frei, er blieb jedoch in »Schutzhaft«, kam zunächst in das KZ Lichtenburg, wurde im Februar 1937 ins KZ Dachau transportiert und im September 1938 ins KZ Buchenwald. Dort hatte er als Jude und ehemals führender Kommunist durch die SS viel zu erleiden, außerdem von den kommunistisch-stalinistischen Häftlingen als »Parteifeind« und »Renegat« geächtet, war er isoliert. Werner Scholem wurde am 17. Juli 1940 in Buchenwald, von einem SS-Wächter erschossen. Seine Frau Emmy Scholem, Ende 1920 Delegierte der USPD auf dem Vereinigungsparteitag mit der KPD, war bis zu seinem Ausschluß 1926 Sekretärin im ZK. Sie flüchtete mit beiden Töchtern nach London und betrieb ein Inseratenbüro, kam nach 1945 aus England in die Bundesrepublik, lebte zunächst in Bad Wimpfen, ab 1963 in Hannover, wo sie als Nichtjüdin auf dem jüdischen Friedhof begraben liegt. Die Töchter blieben in England. Scholems berühmter jüngster Bruder Gershom (Gerhard) war seit 1923 in Palästina und wurde Professor für Religionsgeschichte in Jerusalem, wo er am 21. Februar 1982 starb.

Wer war wer in DDR

Scholz, Gerhard

* 1.10.1903 – ✝ 31.8.1989

Geb. in Liegnitz (Niederschl. / Legnica, Polen); Vater Lehrer; Studium der Germanistik, Lit.-Geschichte u. Allg. Geschichte in Tübingen, Heidelberg u. Berlin; 1926 soz. Studentengr.; SPD; 1931 SAP; wiss. Assistent; 1932 Referendar im höheren Schuldienst, Mai 1933 entfernt; 1936 Verfolgung wegen »Vorber. zum Hochverrat«; 1936 Emigr. nach Prag; Mitarb. u. Berater im tschech. Kultusmin.; Hrsg. einer Briefschule; Mitarb. an der Zürcher Ztschr. »Mass u. Wert« bzw. in der Thomas-Mann-Ges. dt. Emigr. in Prag; 1938 Flucht über Warschau u. Riga nach Stockholm; 1939 Austritt aus d. SAP; KPD-Sympathisant; Aufb. eines Sprachinst. (phonet. Methode); schließl. wiss. Assistent am Sozialwiss. Inst. der Univ. Stockholm. Juli 1946 Rückkehr nach Berlin; SED; Mitarb. der Dt. ZV für Volksbildung, persönl. Ref. bei  Paul Wandel; 1948/49 Mitarb. am Marx-Engels-Lenin-Stalin-Inst.; 1949 Berufung zum Dir. des Goethe-Schiller-Archivs sowie 1950 der Klass. Stätten in Weimar, Aufbau des Goethezeit-Museums u. dessen Dir.; 1950 Verleihung des Prof.-Titels als ord. Lehrstuhlinhaber am Theaterinst. in Weimar; Lehrauftrag für Germanistik in Jena; 1950/51 Ltr. des Germanistenlehrgangs für Nachwuchswissenschaftler (u. a. Inge Diersen,  Hans Kaufmann, Siegfried Streller,  Hans-Günther Thalheim, Hedwig Voegt); Entlassung als Dir.; zeitw. ohne feste Anstellung; 1953 freier Mitarb. beim Aufbau des Museums für Dt. Geschichte; 1954 feste Einstellung, Forschungsstipendiat; 1955 Berufung in den Wiss. Rat eines Lehrstuhls am Inst. für Ges.-Wiss.; 1958 Prom. zum Dr. phil. in Rostock mit der Diss. »Der Dramenstil des ?Sturm u. Drang? im Lichte der dramaturg. Arbeiten des jungen Schiller«; ab 1.9.1959 Prof. mit Lehrauftrag für Neuere dt. u. skandinav. Lit. an der HU Berlin; 1.12.1960 Ltr. der Abt. für nord. u. niederl. Philol.; 1969 kurz vor der Em. ord. Prof.; Präs. bzw. Vizepräs. der Dt.-Nord. Ges.; 1969 Lessing-Preis; 1973 VVO; wirkte schulbildend durch seinen Forschungsansatz, die auslösende Rolle pol. Ereignisse u. die Verarbeitung von Sozialerfahrung in den komplexen poet. Strukturen der dt. Lit. des 18. Jh. nachzuweisen; Arbeiten zur Theorie einer marxist. Rezeption des klass. Erbes, zu Johann W. v. Goethe (u. a. »Faust-Gespräche« 1967), Friedrich Schiller, Johann G. Herder u. a.; Mitbegr. einer marxist. Germanistik in der DDR; gest. in Berlin.Positionen. Beiträge zur marxist. Lit.-Theorie in der DDR. Berlin 1969; Krenzlin, L.: G. S. u. sein Kreis. In: Ehrlich, L., Mai, G. (Hrsg.): Weimarer Klassik in der Ära Ulbricht. Köln 2000.Michael F. Scholz

Handbuch Deutsche Kommunisten

Scholze, Paul

* 13.4.1886 – ✝ 11.5.1938

Geboren am 13. April 1886 in Dresden, Sohn eines Arbeiters; lernte Werkzeugschlosser. Er war Revisor des sozialdemokratischen Zentralwahlvereins Teltow-Beeskow-Storkow-Charlottenburg, stand während des Weltkrieges in Opposition zur offiziellen Parteipolitik und schied aus der SPD aus. In einem Bericht schrieb der Berliner Polizeipräsident, Scholze gehöre »zu den radikalsten Elementen der sozialdemokratischen Arbeitsgemeinschaft. Er versucht überall, wo es ihm nur möglich ist, Unzufriedenheit zu schaffen und eine umstürzlerische Tätigkeit zu entwickeln.« Scholze organisierte 1917 den ersten Munitionsarbeiterstreik in Berlin, war dort ab April 1917 Mitglied der Leitung der Revolutionären Obleute sowie des Arbeiterrates und in den Revolutionsmonaten 1918/19 einer der führenden Funktionäre des Spartakusbundes. Am 11.Dezember 1918 übernahm er die Leitung des Pressedienstes des Vollzugsrates. Paul Scholzes Name stand neben denen von Karl Liebknecht und von Georg Ledebour unter dem Aufruf des »Revolutions-Ausschusses« vom 6. Januar 1919 zur »Absetzung« der Ebert-Regierung. Er blieb zunächst in der USPD und kam mit deren linkem Flügel Ende 1920 zur KPD, war Delegierter des USPD-Spaltungsparteitages 1920. In den Jahren der Weimarer Republik war er führend in der IAH, zeitweise deren Leiter und verantwortlicher Redakteur ihrer Zeitung »Sichel und Hammer«. Von 1929 bis 1932 saß er in der Berliner Stadtverordnetenversammlung. Bereits im April 1933 verließ Scholze Deutschland, ging zunächst nach Paris und war dort im Umfeld Willi Münzenbergs, bei der IAH aktiv. Zusammen mit Paul Scholze hatten seine Ehefrau und beider Sohn Frank Deutschland verlassen, kehrten jedoch nach einiger Zeit nach Berlin zurück. Ab 1935 lebte Scholze in Moskau, wo ihn die Gestapo noch 1941 vermutete. Als er 1938 von den deutschen Behörden ausgebürgert wurde, hieß es in einem Gestapobericht, Scholze sei seit 1921 in zweiter Ehe verheiratet und habe zwei Kinder; die Ehefrau, die zusammen mit den Kindern in Berlin-Prenzlauer Berg lebte, wurde so charakterisiert: »In staatspolizeilich und krimineller Hinsicht ist Nachteiliges über sie nichts zu ermitteln. Sie gibt an, mit ihrem Ehemann nicht mehr in Verbindung zu stehen und seinen Aufenthaltsort nicht zu kennen.« Dies entsprach, wie Sohn Frank Scholze später berichtete, nicht den Tatsachen. Vielmehr hatte seine Mutter inzwischen erfahren, daß Paul Scholze aus Moskau deportiert und als ein Opfer der stalinistischen Säuberungen umgekommen war. Trotz vieler Versuche gelang es der Familie nicht, irgendwelche Einzelheiten über das Schicksal Paul Scholzes in Erfahrung zu bringen. Erst seit der Öffnung der NKWD-Archive war sein Lebensweg in der UdSSR zu rekonstruieren. Scholze kam 1935 in die Sowjetunion, wurde nach eigener Überprüfung selbst Mitarbeiter der Kommission zur Übernahme der KPD-Mitglieder in die KPdSU(B). Er geriet ein Jahr später in die Parteisäuberungen, wurde am 4. November 1936 vom NKWD verhaftet und zusammen mit Hans Rogalla und Josef Schneider beschuldigt, »Mitglied einer konterrevolutionären faschistisch-trotzkistischen Gruppe zu sein«. Nach dem Prinzip der Kontaktschuld wurde ihnen vorgeworfen, daß sie bei Besuchen des einstigen RFB-Führers Willy Leow in Moskau mit ihm in Hotelzimmern und Kneipen Gespräche »trotzkistischen Inhalts« geführt hätten. Deshalb wurde Scholze zusammen mit Rogalla und Schneider vom NKWD-Sondertribunal am 10.Juli 1937 zu fünf Jahren Arbeitslager verurteilt, anschließend in ein Lager nach Magadan verbannt. Dort wegen »Schädlingsarbeit« und »faschistischer Agitation« zum Tode verurteilt und am 11. Mai 1938 erschossen. Nach Stalins Tod insgeheim »rehabilitiert«, aber erst am 18.Oktober 1991 durch die Generalstaatsanwaltschaft der Russischen Föderation öffentlich rehabilitiert. Sein Sohn Frank Scholze (* 1928), lange Zeit Schauspieler u. a. am Theater in Karlsruhe, bemühte sich intensiv, das Schicksal seines Vaters aufzuklären.

Wer war wer in DDR

Schöne, Gerhard

* 10.1.1952

Geb. in Coswig; Vater Pfarrer; 1958 – 68 POS; 1968 – 70 Lehre als Korpusgürtler; 1970 – 73 kirchl. Mitarb.; 1973 – 78 Briefträger; 1974 – 78 Fernstudium Unterhaltungsmusik / Gesang an der HS für Musik »Carl M. v. Weber« Dresden; 1978/79 Bausoldat; seit 1979 freischaff.; trat anfangs vorw. im kirchl. Rahmen auf, dann zunehmend auch in öffentl. Veranstaltungen u. in den Massenmedien; 1980 – 88 Auftritte beim Berliner Festival des pol. Liedes; 1981 erste LP, 1982 große Popularität der zweiten LP »Lieder aus dem Kinderland«; 1984 – 86 jährl. »Liedercircus«-Tourneen mit anderen Liedermachern; 1985/86 Mitarbeit an Kinderspielfilmen; 1987 Aufenthalt in Nikaragua (1988 Lied »Mit dem Gesicht zum Volke«); seit 1987 Zusammenarbeit mit der Gruppe L’art de passage; seit 1988 mit dem Dresdener Gitarrenduo; 1988 LP »Du hast es nur noch nicht probiert«; Sommertournee über große Freilichtbühnen der DDR; Mitunterz. der Resolution der Rockmusiker u. Liedermacher vom 18.9.1989 für Demokratisierung u. Medienfreiheit; Okt. 1989 NP, spendete das Geld für kirchl. Solidaritätsarbeit u. die Opfer der polizeil. Übergriffe vom 7./8.10.1989; Auftritt bei der Demonstration am 4.11.1989 in Berlin; nach 1989 zahlr. CDs, Buchveröffentlichungen u. Konzerttourneen. 1991 Neutextierung alter Kirchenlieder (CD »Ich bin ein Gast auf Erden«); seit 1992 UNICEF-Botschafter; 1997 CD »Seltsame Heilige«; 2002 CD »Klabüster. Klabüster«; 2003 CD »Fremde Federn«; 2004 CD »Könige aus Morgenland«; 2006 DVD u. CD »Wo?«; 2009 CD »Trommle mein Herz für das Leben«; 1998 Preis der Stiftung Bibel u. Kultur, 2002 Preis des Verb. Dt. Musikschulen.Wohin soll die Nachtigall. Liedertexte. Berlin 1990; Lebenszeichen. Liederbuch 1. Baiersdorf 1990; Kinder-Galerie. Berlin 1990; Ich muß singen. Liederbuch 2. Berlin 1995; Wo? Liederbuch 3. Berlin 2002; Das Kinderliederbuch. Liederbuch 4. Berlin 2002. Görnandt, D. u. M. (Hrsg.): G. S.: Ich bin ein Gast auf Erden. Berlin 2000.Lutz Kirchenwitz

Schönfeld, Friedhelm

* 13.5.1938

Geb. in Zehrendorf (Krs. Teltow); 1950 – 58 Studium in Berlin (Klarinette, Klavier, Komposition); 1957/58 im Tanzorchester Heinz Igel, 1958/59 im Harry-Seeger-Quintett u. a. namhaften Tanz-, Theater- u. Sinfonieorchestern; 1960 – 70 1. Alt- u. Solo-Saxophonist im Rundfunk-Tanzorchester Berlin; 1959 Soloschallplatte mit dem Orchester Alfons Wonneberg bei »Melodija« in Moskau; 1960 eigenes Quartett, dann bis 1965 eigenes Quintett (u. a. mit Hubert Katzenbeier u. Joachim Kühn); Gründung des F. S. Trios (mit Klaus Koch u.  Günter Sommer); Anfang der 1970er Jahre neue Formation mit Dieter Keitel u. Reinhard Walter, später mit Aladar Pege u. Wolfgang Weber; Kompositionen auch für Chansons u. Filmmusik, Fernsehen u. Theater; Amiga-Jazz-LPs: »Jazz via Dresden« (1965), »Jazz – Gedichte von Jens Gerlach« (1968) u. »F. S. – Jazz – Hubert Katzenbeier« (1972), auch auf der FMP-Doppel-LP »Snapshot – Jazz Now – Jazz aus der DDR« (1979); 1976 – 79 Musikdramaturg am Theater im Palast der Republik, hier auch Veranstaltung der »Internat. Jazz-Workshops« (Regie, Komposition, Moderation); 1983 Auswanderung nach Toronto, Arbeit mit hochrangigen Jazzensembles (Air Raid«, »The Alltime Sounds Effects Orchestra«, »Canada Pops Orchestra«) u. den eigenen Gruppen »Intuition« u. »Kings of Swing«; 1985 Umzug nach West-Berlin; Lehrtätigkeit an der HS der Künste; 1. Altsaxophonist u. später Ltr. der Big Band des (West-)Berliner Polizeiorchesters. 1990 – 2000 als stellv. Ltr. des Berliner Komponistenverb. aktiv an der Vereinigung der Verbände aus Ost u. West beteiligt; 1999 Eigenprod. der CD »Balladen« mit Tochter Axinia S. (Gesang); bis 2001 Mitgl. der Brass Band Berlin; seit 2001 Prof. an der HS für Musik »Karl Maria von Weber« in Dresden; zahlr. Konzerte als Solist, mit eigenen Formationen u. internat. Musikern, u. a. in der Veranstaltungsreihe »Jazz – Lyrik – Prosa«; jüngste CD bei Tonne Records Dresden: »Vor der Flut« (Livemitschnitt 2002); 2004 beim Jazzinst. Darmstadt Gesprächskonzert über den Jazz in der DDR mit Dr. Knaur. S. gilt im In- u. Ausland als einer der führenden innovativen Jazzmusiker, sein F. S. Trio mit Koch u. Sommer als für den mod. Jazz in der DDR richtungweisend.

Wer war wer in DDR

Schönherr, Albrecht

* 11.9.1911 – ✝ 9.3.2009

Geb. in Katscher (Krs. Leobschütz, Oberschles./Kietrz, Polen); Vater Katasteramtsdir., 1918 gefallen; 1929 Abitur in Neuruppin; 1929 – 33 Studium der Theol. in Tübingen u. Berlin; anschl. bis 1934 Vikar in Potsdam; seit 1934 Mitarb. in der Bekennenden Kirche; 1935 Teiln. an Dietrich Bonhoeffers Predigerseminar in Finkenwalde; 1936 Ordination in Berlin; anschl. Pfarrer in Greifswald; ab 1937 in Brüssow (Uckermark); 1940 – 45 Kriegsteiln.; anschl. brit. Gefangenschaft, dort Lagerpfarrer. 1946 Superintendent des Kirchenkrs. Brandenb. (Havel); 1951 – 62 Gründungsdir. des Predigerseminars Brandenb.; 1958 Mitbegr. des »Weißenseer Arbeitskrs.«, Nov. 1962 Gen.-Superintendent des Kirchenkrs. Eberswalde der Ev. Kirche Berlin-Brandenb.; 1964/ 65 Ltr. des DDR-Regionalaussch. der CFK (Nachf. von Werner Schmauch); ab 1967 Verwalter des Bischofsamts der Ev. Kirche Berlin-Brandenb.; 1969 Mitbegr. des Bunds der Ev. Kirchen in der DDR (BEK) u. bis 1981 Vors. der Konferenz der Ev. Kirchenltg.; ab Nov. 1972 Bischof der Ostregion der Berlin-Brandenb. Kirche; Sept. 1981 Ruhestand. 2005 Verdienstorden des Landes Brandenb.; gest. in Potsdam. A. S. war maßgebl. an der innerkirchl. Verständigung auf die Formel »Kirche im Soz.« beteiligt, die er in Anlehnung an Bonhoeffer als »Kirche für andere« interpretierte; das Treffen zw. der von ihm geleiteten BEK-Delegation u. dem DDR-Staatsratsvors.  Erich Honecker am 6.3.1978 markierte die Wende zu einer moderateren Kirchenpol., die der ev. Kirche Autonomiegewinne im Gegenzug für Konfrontationsverzicht versprach; nach 1989 sprach sich A. S. wiederholt für eine sachl., v. a. strukturorientierte Aufarbeitung der DDR-Geschichte aus.Horizont u. Mitte. Aufsätze, Vorträge, Reden 1953 – 77. Berlin 1977; Zum Weg der ev. Kirchen in der DDR. Berlin 1986; Abenteuer der Nachf. Reden u. Aufsätze 1978 – 88. Berlin 1988; Gratwanderung. Gedanken über den Weg des Bunds der Ev. Kirchen in der DDR. Leipzig 1992; Ein Volk am Pranger (Hrsg.). Berlin 1992; Aber die Zeit war nicht verloren. Berlin 1993; Gesprochen zur Zeit u. zur Unzeit. Reden, Aufsätze, Predigten 1937 – 1994. Berlin 1995; Laßt es uns trotzdem miteinander versuchen. Brautbriefe aus der Zeit des Kirchenkampfes 1935 – 1936. Gütersloh 1997 (zus. mit H. Enterlein). Borgmann, L.: A. S. Berlin 1983; Findeis, H., Pollack, D. (Hrsg.): Selbstbewahrung oder Selbstverlust. Berlin 1999.Ehrhart Neubert

Wer war wer in DDR

Schorn, Christine

* 1.2.1944

Geb. in Prag; Eltern Schauspieler; Übersiedl. der Fam. von Kiel nach Ost-Berlin; 1961 – 64 Studium an der Staatl. Schauspielschule Berlin; seit 1964 Mitgl. des Ensembles des Dt. Theaters Berlin; Debüt in Wiktor Rosows »Unterwegs« (R:  Friedo Solter); wichtige Bühnenrollen in Gotthold E. Lessings »Nathan der Weise«,  Peter Hacks’ »Amphitrion«, Friedrich Schillers »Kabale u. Liebe«, Anton Tschechows »Onkel Wanja« u. »Der Kirschgarten«, Federico García Lorcas »Doña Rosita bleibt ledig«, Bernard Shaws »Haus Herzenstod«, Tadeusz Różewiczs »Weiße Ehe« u. a.; 1973 – 80 aus priv. Gründen Theaterpause, seitdem wieder am Dt. Theater; zahlr. Rollen in Spiel- u. Fernsehfilmen, u. a. in  Lothar Warnekes »Die Beunruhigung« (1982) u. »Eine sonderbare Liebe« (1984),  Frank Beyers »Nachtspiele« u. »Der Verdacht«, Wolf-Dieter Panses dreitlg. TV-Film »Bebel u. Bismarck« (1987); »Diktatur des Gewissens« (1990); 1968 u. 1986 NP; Heinrich-Greif-Preisträgerin. Nach 1990 Rollen in zahlr. Fernsehfilmen, u. a. in »Ein Kerl wie Samt u. Seide« (1993), zus. mit  Manfred Krug in der Satireserie »Wir sind auch nur ein Volk« (1994), »Der Sohn der Kommissarin« (1997); »Die Mörderin« (1999), »Die Nachrichten« (2005), »Das Gespenst« (2008) sowie in Spielfilmen, u. a. »Good bye, Lenin!« (2003), »Frei nach Plan« (2008, Dt. Filmpreis als beste Nebendarstellerin), Novemberkind (2008).Bernd-Rainer Barth

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Schöttler, Gabriele

* 27.9.1953

Geb. in Zehdenick (Krs. Gransee); POS; 1970 – 74 Ausbildung an der Med. FS Berlin-Buch, Krankenschwester; 1974 – 77 Krankenschwester an der Neurolog. Klinik Berlin-Buch; 1977 – 79 stellv. Stationsschwester; 1979 – 83 Sachgebietsltr. für Aus- u. Weiterbildung im VEB Elektromontage Oranienburg; 1980 – 84 Fernstudium der Betriebswirtschaft. an der FS für Betriebswirtschaft Dippoldiswalde, Ing.-Ök.; 1984 – 91 tätig in der Berufsausb. im VEB Elektromontage; 1989 Mitgl. der SDP, dann SPD; Mai – Dez. 1990 Mitgl. der Berliner Stadtverordnetenvers. 1991 – 2001 MdA Berlin, 1991 – 95 u. 1997 – 98 stellv. Vors des SPD-Frakt.; Mitgl. des SPD-LV Berlin; ab Nov. 1998 Senatorin für Arbeit, Berufl. Bildung u. Frauen, Dez. 1999 – Jan. 2002 Senatorin für Arbeit, Soziales u. Frauen des Landes Berlin; Ltr. der Sanssouci Business Academy; seit Okt. 2006 Bürgermeisterin des Berliner Stadtbez. Treptow-Köpenick u. Ltr. der Abt. Personal, Finanzen, Wirtschaft, Kultur u. Ordnungsangelegenh.; wohnt in Berlin-Späthsfelde.Helmut Müller-Enbergs

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Schneider, Rolf

* 17.4.1932

Geb. in Chemnitz, aufgew. in Wernigerode; Vater Former, Werkmeister; Mutter Textilarbeiterin; OS; 1952 – 55 Studium der Pädagogik u. Germanistik in Halle; 1955 – 58 Red. der Ztschr. »Aufbau« Berlin; dann freischaff.; 1962 Lessing-Preis; 1972 Kunstpreis des FDGB; im Nov. 1976 Mitunterz. der Protestresolution gegen die Ausbürgerung  Wolf Biermanns; vom MfS im OV »Germanist« überwacht; Juni 1979 mit acht weiteren Schriftst. Ausschl. aus dem SV (1989 Aufhebung des Ausschl. u. im Dez. Austritt aus dem SV); ab 1979 mit mehrjährigem Visum Tätigkeit an westdt. Theatern, insbes. in Mainz u. Nürnberg; in der DDR ermöglichte ihm nur noch die Kirche öffentl. Auftritte; auch dramaturg. Berater am Mainzer Theater; verf. neben Lyrik u. Nachdichtungen zahlr. Hörspiele, u. a. »Das Gefängnis von Pont L’Eveque« (1957), »Der König u. sein Dieb« (1958), »Verliebt in Mozart« (1960), sowie Fernsehspiele, u. a. »Der Tag des Ludger Snoerrebrod« (1961) u. »Besuch gegen zehn« (1963); seine Erzählungen u. Romane, u. a. »Die Tage in W.« (entstanden 1962, veröff. 1965), »Der Tod des Nibelungen« (1970), sind meist satir. u. parodist. angelegt; im Roman »November« (1979) schildert er die Vorgänge um den Schriftst.-Protest gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns; Mitgl. des PEN; publizist. für versch. Ztgen tätig; 2004 Bundesverdienstkreuz; wohnt in Schöneiche (b. Berlin).Unerwartete Veränderung. Rostock 1980; Jede Seele auf Erden. Rostock 1988; Frühling im Herbst. Notizen vom Untergang der DDR. Göttingen 1991; Volk ohne Trauer. Notizen nach dem Untergang der DDR. Göttingen 1992; Berliner Wege. Berlin 1993; Notlandung. Berlin 1996; Mecklenburg-Vorpommern. Hamburg 1998; Ich bin ein Narr und weiß es. Berlin 2001; Berlin, ach Berlin. Berlin 2005; Alltag im Mittelalter. München 2006; Das Mittelalter. Berlin 2009.Leonore Krenzlin

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schneller, Ernst

* 8.11.1890 – ✝ 11.10.1944

Geboren am 8. November 1890 in Leipzig, sechstes Kind eines Eisenbahnassistenten, der vorher zwölf Jahre bei der königlich-sächsischen Armee gedient hatte und 1895 starb. Ernst Schneller besuchte das Lehrerseminar in Grimma, bestand 1911 die Schulamtskandidaten-Prüfung und war bis 1913 Hilfslehrer in der kleinen Stadt Kirchberg im Erzgebirge. Nach der Abschlußprüfung 1913 Lehrer an der vierten höheren Bürgerschule in Leipzig. Er meldete sich 1914 freiwillig, kam an die Front und wurde 1916 nach einem Ausbildungskurs für Offiziere Leutnant, später Oberleutnant, schließlich 1917/18 Bataillonsadjutant an der Ostfront. Bei Ausbruch der Revolution in den Soldatenrat gewählt, kam Schneller im Januar 1919 nach Sachsen zurück, war ab März 1919 Lehrer in Schwarzenberg/Erzgebirge. Die Linke protestierte im Gemeinderat zunächst gegen die Berufung eines Offiziers, zog den Protest aber zurück, als er der SPD beitrat. Schneller war bis April 1920 Mitglied der SPD und deren Stadtverordneter. Im Erzgebirge wurde dieser unpolitische, kleinbürgerliche Lehrer, der vor dem Kriege Nationalist war, radikalisiert. Während des Kapp-Putsches leitete er in Schwarzenberg die militärische Abwehr gegen die Kapp-Truppen, arbeitete dann eng mit den Kommunisten zusammen und trat zur KPD über, die ihn im November 1920 als Kandidat zur Landtagswahl aufstellte. Zunächst nicht gewählt, rückte er aber im April 1921 anstelle des ausgeschiedenen Abgeordneten Gottfried Weimer für die KPD in den Sächsischen Landtag nach. Bei der März-Aktion 1921 übernahm Schneller wieder militärische Aufgaben und sympathisierte 1921 einige Zeit mit der Levi-Gruppe. Ende 1921 zum UB-Leiter der KPD in Aue-Schwarzenberg gewählt, blieb aber Lehrer. Er lebte asketisch, war Abstinenzler und Anhänger der Brandler-Führung, die ihn 1923 mit der Leitung der Proletarischen Hundertschaften und anderen militärischen Aufgaben betraute. Nach der Niederlage im Oktober 1923 schwenkte er sofort zur Mittelgruppe über, doch kurz vor dem Parteitag 1924 bekannte er sich zur Parteilinken, kam als Delegierter zum IX. Frankfurter Parteitag und wurde dort erstmals in die Parteizentrale gewählt. Im Dezember 1924 zog Schneller auch in den Reichstag ein, dem er ununterbrochen bis 1933 angehörte. In der KPD-Zentrale wurden ihm wichtige militärische und organisatorische Aufgaben übertragen. Im November 1924 aus dem Schuldienst entlassen, kam er als hauptamtlicher Funktionär nach Berlin. Schneller leitete als Anhänger der Ruth-Fischer-Führung sehr bald die theoretische Arbeit und die Agitation der KPD. Nachdem die Ultralinken und mit ihnen Karl Korsch im Frühjahr 1925 in einen Gegensatz zur Zentrale gerieten, wurde Schneller Herausgeber der theoretischen Zeitschrift »Internationale« und Leiter der »Marxistisch-leninistischen Zirkel«. Er machte sich einen Namen als Hauptvertreter des »Kampfes gegen den Trotzkismus und Luxemburgismus«. Auf dem X. Parteitag 1925 erstattete er den Bericht der Zentrale und galt als »Generalsekretär« der Partei, obwohl es diese Funktion offiziell nicht gab. Nach dem »Offenen Brief« 1925 wechselte Schneller sofort zur neuen Thälmann-Führung, aber seine ständigen Schwenkungen riefen viel Kritik hervor. Bucharin soll ihn sogar als das »politisch charakterloseste Subjekt« der KPD bezeichnet haben; die Opposition meinte höhnisch, Schneller spiele nur deshalb eine wichtige Rolle, weil er »klüger als Ernst Thälmann und fleißiger als Philipp Dengel« sei. Auch in der neuen Führung erhielt er eine bedeutende Position, ging im März 1927 als Polleiter in den Bezirk Erzgebirge-Vogtland, um die dortige linke Gruppe um Paul Bertz und Heinrich Wesche zu isolieren. Vom XI. Parteitag 1927 wieder ins ZK und auch wieder ins Polbüro gewählt, kam er im Oktober 1927 als einer der vier Mitglieder des Politsekretariats zurück nach Berlin. Delegierter des VI. Weltkongresses der Komintern 1928, der ihn zum Kandidaten des EKKI berief. Am 26. September 1928 leitete Schneller die ZK-Sitzung, die beschloß, Ernst Thälmann wegen der Wittorf-Affäre als Parteichef abzusetzen. Nachdem Thälmann von Stalin rehabilitiert wurde, mußte Schneller für seine Abweichung büßen, wurde sofort aus dem Polbüro entfernt, 1929 auf dem XII. Parteitag auch nicht mehr ins ZK gewählt und in die Geschäftsabteilung des ZK abgeschoben, dort für Partei-Druckschriften verantwortlich. Seit Jahren wegen seiner militärpolitischen Arbeit in der KPD und im RFB bekannt, gehörte er zu den gefährdeten Funktionären der Partei. Nach der 3. Parteikonferenz im Oktober 1932 erneut zu Führungsaufgaben herangezogen, leitete er die Agitpropabteilung des ZK und wurde wieder in das ZK berufen. Dort übernahm er die Informationsabteilung und kam auch ins Polbüro. Er war Teilnehmer der Funktionärssitzung in Ziegenhals am 7. Februar 1933. Als Schneller in der Nacht des Reichstagsbrandes vom 27. auf den 28. Februar 1933 – entgegen einem Parteibeschluß – bei seiner Familie weilte, wurde er verhaftet und kam ins Gefängnis Alt-Moabit. Die Polizei streute sofort das Gerücht, er sei zur NSDAP übergelaufen und habe Thälmann verraten. Und diese Zwecklüge fand in KPD-Kreisen anfangs sogar Glauben. Schneller wurde ins KZ Sonneburg gebracht, im November 1933 zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt, die er im Zuchthaus Waldheim verbüßte. Danach im Juni 1939 ins KZ Sachsenhausen eingeliefert, gehörte er dort zur Führung der illegalen KPD. Ernst Schneller wurde am 11. Oktober 1944 zusammen mit 26 anderen Häftlingen von der SS erschossen. Sein Bruder Wilhelm Schneller (* 23. 7. 1894 – † 7. 12. 1979) war ebenfalls aktiver KPD-Funktionär, von 1924 bis 1930 Stadtverordneter in Leipzig und einige Zeit Ultralinker, wurde 1933 gemaßregelt und aus dem Schuldienst entlassen. 1945 zunächst Lehrer in Leipzig, ab 1950 Abteilungsleiter im Ministerium für Volksbildung der DDR. Von Juli 1955 bis zu seinem Ausscheiden 1960 leitete er die Pressestelle im Volksbildungsministerium.

Wer war wer in DDR

Schnur, Wolfgang

* 8.6.1944 – ✝ 16.1.2016

Geb. in Stettin (Szczecin, Polen), Waisenkind; Ausbildung zum Maurer; nach dem Abitur Studium der Rechtswiss., 1973 Dipl.-Jur.; 1965 –89 vom MfS als IM »Torsten« bzw. »Dr. Ralf Schirmer« erf.; ab 1978 Rechtsanwalt in Binz (Rügen) u. später in Rostock; als Einzelanwalt Rechtsbeistand für Vertreter der Opp., u. a. im Jan. 1988 für Inhaftierte nach der Berliner Karl-Liebknecht-Rosa-Luxemburg-Demonstration; Mitgl. der Synode der Ev. Kirche in Mecklenb.; zeitweise Vizepräses der Synode der Ev. Kirche der Union; Mitgl. der Synode des Bunds der Ev. Kirchen in der DDR; 29.10. 1989 Mitbegr. des DA, 17.12.1989 auf dem Gründungsparteitag Wahl zum Vorsitzenden; Dez. 1989 – März 1990 Teiln. am Zentr. Runden Tisch; Mitbegr. der Allianz für Dtl., bestehend aus DA, DSU u. CDU; 8.3.1990 Zurückweisung von IM-Vorwürfen; 14.3.1990 Rücktritt vom DA-Vorsitz, später Pateiausschluß. 1991 – 93 Rechtsanwalt in Berlin; Juli 1993 wegen Vergehens an den »Grundsätzen der Menschlichkeit u. der Rechtsstaatlichkeit« Entzug der Rechtsanwaltslizenz, Bestätigung der Entscheidung durch den BGH im Juli 1994; danach Investitions- u. Projektberater; März 1996 vom LG Berlin wegen »pol. Verdächtigung« (Denunziation von Freya Klier u. Stephan Krawzyk wegen Verbindung zu westl. Medien) zu 12 Mon. Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt; lebte in Berlin-Spandau; gest. in Wien.Süß, W.: Staatssicherheit am Ende. Berlin 1998; Jäger, W., Walter, M.: Die Allianz für Dtl. Köln 1998.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schoenbeck, Willi

* 14.2.1886 – ✝ 12.12.1957

Geboren am 14. Februar 1886 in Berlin, Sohn eines Graveurs; besuchte das Luisenstädtische Realgymnasium, das er nach dem Tod des Vaters verlassen mußte, daraufhin Lehre und Arbeit als Kaufmann. Schoenbeck wurde 1905 Mitglied der SPD, 1907 Unterbezirkskassierer und Vorstandsmitglied des 3. Berliner SPD-Wahlkreises. 1910 besuchte er die Parteischule in Berlin, von 1911 bis 1914 führte er eine selbständige Betriebswerkstatt für Herrenkonfektion in Brüssel, dort aktiv im DAV. Im August 1914 als Schneider wieder in Berlin, hielt er Verbindung zu Julian Borchardt, dem Herausgeber der Zeitschrift »Lichtstrahlen« und Johann Knief in Bremen. 1915/16 Heeresdienst, desertierte im Juni 1916, lebte bis November illegal in Berlin. Mitglied des Spartakusbundes, flüchtete nach Amsterdam und war hier Mitbegründer der Deutschen Sektion der Sozialistischen Partei Hollands sowie Redaktionsmitglied der Wochenschrift »Der Kampf«. Am 20. November 1918 kehrte Schoenbeck nach Berlin zurück, war bis Mitte Januar 1919 Sekretär des Polizeipräsidenten von Neukölln Josef Koering. Schoenbeck war Delegierter des Gründungsparteitags der KPD Ende 1918. Von Januar bis März 1919 Herausgeber und Redakteur der KPD-Zeitung »Spartakus« und Leiter des Bezirksbüros der KPD in Essen, dann bis November 1919 Haft im Zuchthaus Werl (zusammen mit Otto Brass). Während des Kapp-Putsches mit Walter Stoecker im Aktionsausschuß Rheinland/Westfalen in Düsseldorf. Er war Delegierter des II., III. und IV. Parteitags der KPD, auf dem IV. Parteitag in die Mandatsprüfungskommission gewählt. 1921 zog Schoenbeck als Abgeordneter in den Preußischen Landtag ein. Von 1920 bis 1922 Orgleiter für Rheinland/Westfalen-Süd in Düsseldorf, vom 1.Januar 1923 bis Ende 1924 Sekretär in der Gewerkschaftsabteilung der Zentrale der KPD. Ab 1925 Geschäftsführer der »Schlesischen Arbeiter-Zeitung« in Breslau, im Januar 1926 Sekretär im Reichsausschuß zur entschädigungslosen Enteignung der Fürsten, von 1927 bis 1930 Prokurist des Kosmos-Verlages (ein Münzenberg-Unternehmen) und Geschäftsführer der »Welt am Abend«. Dort im Januar 1929 gemaßregelt, weil er sich weigerte, die Rechten zu entlassen. Daraufhin im Februar 1929 aus der KPD ausgeschlossen, bis 1930 aktiv in der KPO, näherte sich dann wieder der KPD. Der durch Schwerhörigkeit behinderte Schoenbeck fand Beschäftigung im »Münzenberg-Konzern« und konnte von 1930 bis 1933 unter Kurt Kersten bei der »Welt am Abend« mitarbeiten. Im März 1933 entzog er sich der Verhaftung durch Flucht und hielt sich längere Zeit in Zeitz und Merseburg auf. Bis 1938 erwerbslos, leistete er gemeinsam mit Jakob Schloer und Karl Baier in Berlin illegale Arbeit und wurde 1945 noch inhaftiert. Seit Juni 1945 in der KPD, übte er nur kleinere Funktionen in der Gewerkschaft aus. Im September 1945 gemeinsam mit Otto Brass Begründer der Verlages Die Freie Gewerkschaft und ab 1948 Hauptabteilungsleiter der Vertriebsleitung des Tribüne-Verlages. Willi Schoenbeck starb am 12. Dezember 1957 in Ost-Berlin.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Scholz, Gustav Adolf

* 13.1.1890 – ✝ 22.6.1980

Geboren am 13. Januar 1890 in Eibau/Krs. Bautzen, Sohn eines Zimmermanns; Lehre als Holzbildhauer, dann auf Wanderschaft. 1908 Mitglied der SPD, 1910 leistete er seinen Militärdienst in Metz ab, war ab 1912 in einer Pianofabrik in Löbau beschäftigt und zog dann nach Lemgo. 1914 Soldat im Weltkrieg, Verwundung, anschließend Armierungssoldat. Ende 1918 Rückkehr nach Lemgo, hier Anfang 1919 Mitbegründer und 1. Vorsitzender der USPD, ab Mai 1919 Vorsitzender der USPD im Freistaat Lippe-Detmold. Im Dezember 1920 Delegierter zum Vereinigungsparteitag mit der VKPD in Berlin, stand Scholz bis 1933 an der Spitze der KPD in Lippe-Detmold. Auf dem VII. Parteitag in Jena 1921 sowie dem VIII. Parteitag 1923 in Leipzig wurde er zum Mitglied des ZA gewählt, gehörte der erweiterten BL Ruhr an. Von 1921 bis 1933 war er Abgeordneter des Landtags von Lippe-Detmold. Am 6. Dezember 1933 verhaftet, am 7.Dezember 1934 vom OLG Hamm zu zwei Jahren und neun Monaten Zuchthaus verurteilt, danach bis 1938 in »Schutzhaft« im KZ Sachsenhausen. Scholz kehrte dann nach Eibau zurück und arbeitete als Tischler. Von April 1944 bis April 1945 erneut KZ-Haft. Ab Juni 1945 wieder in Eibau, beteiligte er sich am Aufbau der KPD, dann bis August 1947 1. Vorsitzender des SED-KV Löbau. Später Vorsitzender des Kreistages Löbau, er erhielt 1976 den VVO in Gold. Adolf Scholz starb am 22. Juni 1980 in Herrnhut.

Wer war wer in DDR

Scholz, Gunther

* 9.10.1944

Geb. in Görlitz; Eltern Angest.; 1951 – 59 Grundschule in Dresden u. Berlin; 1959 – 63 Internatsoberschule Wickersdorf; 1962 SED (bis 1989); 1963 – 65 Lehre als Schriftsetzer; Studium der Theaterwiss. (ohne Abschluß); NVA, 1967 – 71 Studium an der HFF in Potsdam-Babelsberg, Dipl. als Regisseur; 1972 Regieass. im DEFA-Studio für Spielfilme Potsdam-Babelsberg; ab 1978 Spielfilmregisseur, Debütfilm »Ein April hat 30 Tage«; 1979 Kunstpreis des FDGB; Filme: »An einem Februarvormittag« (1981), »Verzeihung, sehen Sie Fußball?« (1982), »Der dicke Lipinski« (1983), »Ab heute erwachsen« (1985), »Hermann Henselmann, Architekt« (1985), »Vernehmung der Zeugen« (1987), »Es war einmal ein Mittwoch« (1987), »Licht der Liebe« (1990). Seit 1991 freischaff. Autor u. Regisseur für das Fernsehen, TV-Serien, Arbeiten für versch. TV-Programme v. a. im dokumentar. Bereich, u. a.: »Hinter Gittern« (1990), »Countdown – Unfall auf der A 9« (1993), »Das war die DDR – Vom Plan zur Pleite« (1995), »Geisel für 17 Stunden« (1996), »Todesfahrt mit Folgen« (1996), »Blutroter Schnee – Die Jagd auf Odd Lindberg« (1998), »Ich war Pippi Langstrumpf« (1999), »Als die Mauer fiel« (1999, mit H.-Hermann Hertle), »Kreuzworträtsel-Mord« (2000), »Es geschah beim Schützenfest« (2000), »Kein Alibi für Harry W.« (2001), »Der Eiswanderer – Arved Fuchs« (2002), »Friedrich Jahn: Vom Kellner zum Millionär und zurück« (2002), »Als der Osten Westen wurde« (2 Teile, 2004), »Maske des Bösen – Sexualstraftäter« (3 Teile, 2005), »Wettlauf mit dem Eis« (2 Teile, 2005), »Letzte Chance für Harry Wörz« (2006), »Wo der Osten Urlaub machte ? Oberwiesenthal« (2005), »Wenn plötzlich alles anders ist ? Diagnose: gelähmt« (2006), »Der Coup von Zehlendorf« (2007), »Sag mir, wo die Schönen sind« (2007) »For eyes only« (Dokumentation der DEFA-Stiftung, 2008); 1998 Friedrich-Wilhelm-Murnau-Kurzfilmpreis; 2000 Bayr. Fernsehpreis; 2000 Dt. Fernsehpreis; lebt in Berlin.Günter Agde

Wer war wer in DDR

Schön, Otto

* 9.8.1905 – ✝ 15.9.1968

Geb. in Königsberg (Ostpr./Kaliningrad, Rußland); Stiefvater Töpfer; Volksschule in Königsberg, Realschule in Berlin; 1920 – 23 Ausbildung zum Versicherungs- u. Bankangest.; 1923 – 28 Bankangest. in Berlin; 1921 ZdA u. 1922/23 ZA von dessen Jugendorg.; 1922 KJVD; 1923 – 27 Funktionen in Berlin-Friedrichshain u. Berlin-Brandenb.; ab 1925 Mitgl. der KJVD-Revisionskommission; KPD u. RHD; 1927/28 Mitgl. u. 1928 Sekr. der KPD-UBL Berlin-Kreuzberg; 1928/29 Mitgl. der BL Ostsachsen; 1929/30 Ltr. des UB Freital; 1932/33 Vors. der Beschwerdekommission in Sachsen; 1930/31 Org.-Ltr. u. 1931 – 33 Pol.-Ltr. der RHD Sachsen; Mai 1933 verhaftet, Nov. wegen weitergeführter Tätigkeit der RHD zu drei Jahren Gefängnis verurteilt, 1933 – 36 Haft in Bautzen, 1936/37 KZ Sachsenburg; 1937 – 42 Metallhilfsarb. u. Ausbildung zum Elektroschweißer; 1942/43 Wehrmacht, verwundet entlassen; ab Juli 1943 illeg. pol. Arbeit in Leipzig; Okt. 1943 – Mai 1945 kfm. Angest. April 1945 Gründer des Hilfsaussch. für die OdF in Leipzig; Sekr. der KPD-KL; 1946/47 Vors. des SED-KV Dresden; 1946 – 50 Stadtverordn. in Dresden; 1947 – 50 2. Sekr. des SED-LV Sachsen (Nachf. von  Erich Mükkenberger); 1949/50 Vors. des Landesaussch. Sachsen der NF; Mitgl. des NR der NF; 1950/ 51 Mitgl. des Koreakilfsaussch.; 1950 – 68 Mitgl. des ZK der SED u. 1950 – 53 seines Sekr.; 1950 – 68 Ltr. des Büros des PB des ZK (fakt. Nachf. von  Alexander Lösche bzw.  Rudolf Thunig), enger Mitarb. von  Walter Ulbricht; 1958 – 68 Abg. der Volkskammer; gest. in Berlin; 1985 DDR-Sonderbriefmarke mit dem Portrait von Sch.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Schöne-Ehrig, Andrea

* 1.12.1960

Geb. in Dresden; 1968/69 Paarläuferin im Eiskunstlaufen; Mitgl. des SC Einheit Dresden; ab 1969 Eisschnellauf (späterer Trainer:  Rainer Mundt); 1976 Olymp. Spiele: 2. Platz (3.000 m); bei Europa- u. Weltmeisterschaften zwischen 1983 u. 1988: fünfmal EM u. zweimal WM (im Mehrkampf); 1984 Olymp. Spiele: Siegerin (3.000 m), 2. Platz (1.000 m u. 1.500 m); 1988 Olymp. Spiele: 2. Platz (3.000 m u. 5.000 m), 3. Platz (1.500 m); 1988 endete ihre sportl. Laufbahn; VVO; Verdienter Mstr. des Sports; Artur-Becker-Medaille. Ausbildung zur Kinderkrankenschwester; Studium der Med.-Pädagogik an der HU Berlin; Fremdenverkehrskfm. in einem Reisebüro in Dresden.Klaus Gallinat / Olaf W. Reimann

Wer war wer in DDR

Schönfelder, Andreas

* 5.3.1958

Geb. in Oberschlema (Erzgeb.); Vater Lehrmeister, Mutter Telefonistin; POS bis 1974 in Aue u. Gera; 1974 – 77 Lehre als Baufacharbeiter mit Abitur bei der SDAG Wismut in Gera; ab 1977 Mitarbeiter am ev. »Katharinenhof« in Großhennersdorf, 1981 Ausbildung zum Krankenpfleger; 1979 Begründer einer Wehrdienstverweigererberatung; 1982 Erwerb eines Hauses in Großhennersdorf, das zum Anlaufpunkt krit. Oppositioneller aus der ganzen DDR wurde; 1982 Mitbegr. des »Offenen Friedenskreises Großhennersdorf«, hier bis 1985 Organisation inoffizieller Ausstellungen sowie von Demonstrationen u. a. Protestaktionen, ab 1983 jährl. Veranstaltungen von Performances, Konzerten mit Untergrundbands u. Lesungen; ab 1983 Kontakte zur Subkulturszene in Prag; 1984 Wehrdiensttotalverweigerung; ab 1984 Initiative zum Aufbau einer »2 / 3-Welt-Arbeitgruppe«, Mitte 1987 Aufbau der zweiten Umweltbibliothek in der DDR in seinem Haus nach dem Vorbild der Berliner Umweltbibliothek; Jan. 1988 Gründungsmitgl. des »Grün-ökolog. Netzwerks Arche«, Koordination der Arche-Regionalgr. Lausitz, Kontakte zur Gruppe »Wolfspelz« in Dresden sowie zur Kirche von Unten u. zur Umweltbibliothek in Berlin; initiierte 1987 mit Thomas Pilz eine Samizdat-Ztschr., die dann im Jan. 1989 zum ersten Mal als »LausitzbotIn«, ab Juli 1989 als »IP« (Informationspapier) erschien; 1981 – 89 beim MfS u. a. im OV »Pfleger« erfaßt; ab 1. Okt. 1989 Mitgl. der Initiativgr. des Neuen Forums (NF), Mitkoordinator der Arbeit des NF in der Oberlausitz, später Vertreter des Bez. Dresden im NF-Sprecherrat; Teiln. des konstituierenden Runden Tisches im Bez. Dresden, ab 3. Dez. 1989 Mitgl. des vom NF initiierten Aussch. gegen Korruption u. Amtsmißbrauch, u. a. Anzeige bei der Generalstaatsanwaltschaft der DDR gegen die Modrow-Reg. wg. irregulärer Vernichtung zahlr. Behördenakten der DDR; zusammen mit Reinhard Bütikofer Wegbereiter der Gründung von Bündnis 90 / Die Grünen in Sachsen. 1990 – 94 Kreisrat für Bündnis 90 / Die Grünen im Landkrs. Löbau / Zittau, 1990 – 94 Mitgl. des Gemeinderats u. stellv. Bürgermeister der Gemeinde Großhennersdorf; ab 1990 engagiert in der polit. Bildungsarbeit der Umweltbibliothek Großhennersdorf e. V., 1991 Gründung des Vereins »Begegnungszentrum im Dreieck e. V.«; 1993 – 96 Studium der Sozialpädagogik; seit 2004 Beiratsmitgl. der Stiftung Sächs. Gedenkstätten u. der Marion-Dönhoff-Stiftung in Hamburg; Mitautor u. Hrsg. zahlr. Veröff. der Umweltbibliothek Großhennersdorf u. in der Ztschr. »LausitzbotIn«; lebt in Großhennersdorf.Das Jahr 1989 in der sächs. Provinz im Spiegel einer Zittauer Oppositionsztschr. Bautzen 1999; Kindermaterial – Der Katharinenhof im sächsischen Großhennersdorf während der Zeit des Nationalsozialismus. Görlitz 2005; Samizdat in Mitteleuropa. Dresden 2007. Kowalczuk, I.-S., Sello, T. (Hrsg.): Für eine freies Land mit freien Menschen. Opposition u. Widerstand in Biographien u. Fotos. Berlin 2006.Christian Halbrock; Jg. 1963; ab 1993 Studium der Neueren/Neuesten Geschichte, Mittelalterlichen Geschichte und Europäischen Ethnologie an der HU Berlin, 2003 Promotion; seitdem wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Bildung und Forschung bei der BStU in Berlin.

Wer war wer in DDR

Schönherr, Alfred

* 1.10.1909 – ✝ 9.4.1986

Geb. in Chemnitz; Vater Arbeiter; Volksschule; 1924 – 33 Ausbildung u. Arbeit als Elektriker; 1931 KPD; 1933 – 35 arbeitslos; 1935 – 41 Zuchthaus Waldheim wegen »Vorber. zum Hochverrat«; 1942 – 44 Elektromonteur; 1944/ 45 Zuchthaus Waldheim. 1945/46 KPD/SED; 1945 Einstellung bei der VP, Ltr. der Kripo, Polizeipräs. Berlin; 1948/ 49 Ltr. der Abt. Kriminalpolizei der DVdI; 1950/51 Besuch der PHS; 1951 Einstellung beim Inst. für wirtschaftswiss. Forschung (Auslands-Spionagedienst, später MfS, HA XV, dann HV A); 1954 Oberst; 1955/56 1. Sekr. der SED-PO in der HV A; 1956/57 1. Sekr. der SED-KL im MfS Berlin; Mai 1957 Ltr. der Kontrollinspektion des MfS; Dez. 1957 stellv. Operativ des Ltr. der BV Frankfurt (Oder); 1958 Instrukteur in der SED-KL des MfS, dann Politstellv. des Kdr. des Wachregt. Berlin; 1959 OibE als Ltr. der HV Strafvollzug im MdI; 1962 Rentner; 1974 VVO.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Schorn, Friedrich

* 16.9.1914 – ✝ 1988

Geb. in Mittelsinn (Unterfranken); Vater Postangest.; sieben Jahre Volksschule; 1929 – 32 Gärtnerlehre in Bayern, anschl. arbeitslos; 1933 – 35 Gärtner beim Rat der Stadt Leipzig; 1933 – 35 NSDAP; 1935 – 44 Luftwaffe, zuletzt Ofw., Kriegsteiln. in Polen, Belgien u. Frankreich; 1944/45 Hauptscharführer »Division Hitlerjugend« der Waffen SS, schwerverletzt; sechs Wochen engl. Kriegsgefangenschaft in Hamburg. Juni 1945 Flucht nach Merseburg; Aug. bis Nov. Hilfswerker in den Chem. Werken Buna; Dez. 1945 – Jan. 1950 Häftling im Speziallager Nr. 2 Buchenwald (ohne Verurteilung); 1950/ 51 Schädlingsbekämpfer, anschl. bis Jan. 1953 erst Hofmeister, dann Lehrausbilder im VEG Werder; FDGB-Vertrauensmann, Mitgl. Ortsvorst. der DSF; Nov. 1952 – Juni 1953 als GI »Stern« für das MfS (Krs. Merseburg) tätig; seit Nov. 1952 zugl. enge Zusammenarb. mit antikommunist. Gruppierungen (VOS, KgU) in West-Berlin; seit 2.2.1953 durch Vermittl. des MfS gegen den Willen der Direktion Rechnungsprüfer in den Leuna-Werken; 17.6.1953 Streikführer in den Leuna-Werken u. Vors. der Kreisstreikltg. Merseburg; 18.6. Flucht, 23.6. Ankunft in West-Berlin, dort im Juli 1953 Mitbegr. u. bis zur Auflösung im Mai 1954 Mitgl. des »Komitees 17. Juni«; mehrere gescheiterte Entführungsversuche durch das MfS, das F. Sch. die Hauptrolle in einem Schauprozeß zugedacht hatte; bis Ende der 1960er Jahre Mitgl. der SPD, bis zur Pensionierung beim Senat von West-Berlin tätig; 15.8.1957 Gründer u. erster Vors. der militanten antikommunist. »Vereinigung 17. Juni«, die nach dem Mauerbau teilw. in rechtsextreme Fahrwasser geriet, ab Anfang der 1970er Jahre aber an Bedeutung verlor; alljährl. öffentl. Auftritte am 17. Juni; gest. in Berlin.Eisenfeld, B. et al.: Die verdrängte Revolution. Bremen 2004; Spittmann, I., Fricke, K.W. (Hrsg.): 17. Juni 1953. 2., erw. Aufl., Köln 1988; The New Yorker v. 29.8. 1953 (Bericht nach Erzählungen von Sch.).Ilko-Sascha Kowalczuk

Wer war wer in DDR

Schottstädt, Bruno

* 14.4.1927 – ✝ 25.4.2000

Geb. in Dierberg (Krs. Gransee); Vater Landwirt; 1941 – 44 Besuch der Lehrerbildungsanstalt in Dahme u. in Brandenb./Havel; 1944 RAD, 1945 Kriegsdienst; bis 1948 in brit. u. belg. Gefangenschaft. Nach der Rückkehr nach Dtl. Ausbildung u. Dienst in der Goßner-Mission; Studium der Theol. am Seminar für Kirchl. Dienst in Berlin (West) u. am Paulinum in Berlin (Ost), geprägt durch Dietrich-Bonhoeffer- u. Karl-Barth-Schüler, u. a.  Günter Jacob; 1953 Vikar in der Erlöser-Gemeinde in Berlin-Lichtenberg; 1954 Gründer der Goßner-Mission in der DDR; 1956 Ordination; anschl. Pfarrer u. Ltr. der Goßner-Mission in der DDR; 1962 Mitarb. u. 1963 stellv. Dir. des Ökumen.-Missionar. Amts; CDU; Mitgl. des Friedensrats der DDR; 1980 – 82 Gastdoz. in den USA, Kanada, Indien u. Japan im Dienst der Ökumene; ab Dez. 1982 Pfarrer in Berlin-Marzahn-Nord; gest. in Berlin.Konkret – Verbindl. Notizen aus der DDR. Berlin 1971 (Hrsg.); Kirche im Soz. – Erkenntnisse unseres Weges – Konkretion unseres Auftrags. Berlin 1985 (Mithrsg.); Das Kreuz bricht die Welt auf. Gemeindeaufbau u. Ökumene in Berlin-Marzahn. Berlin 1992.Jan Wielgohs

Wer war wer in DDR

Schneidewind, Kurt

* 6.3.1912 – ✝ 29.6.1983

Geb. in Erfurt; Vater Metallarb., Mutter Zigarrenarb.; 1918 – 26 Volksschule; 1925 Arbeiterturnverein; 1926 – 29 Lehrling in einer Schuhfabrik in Erfurt; 1927 KJVD; RH; 1929 Ausschl. aus dem KJVD wegen Unterstüt- zung der Heinrich-Brandler-August-Thalheimer-Gruppe, 1931 Wiederaufn.; 1929 – 32 arbeitslos, Wanderschaft u. Gelegenheitsarbeiten in Kassel, Cuxhafen, Berlin; Schuhmacher; 1930 – 32 mehrere kurzz. Verhaftungen; 1932 Org.-Ltr. der KJVD-BL Thür.; Dez. 1932 – Dez. 1933 im Auftrag des KJVD Komsomollehrgang an der Lenin-Schule in Moskau (»Hans Kahlmüller«); 1933/34 Mitarb. der KJI (Mitteleurop. Büro); 1934 PHS der KPdSU in Moskau; 1935 Schlosser u. Dreher in Swerdlowsk; dort mit  Heinz Hoffmann Ltr. der KPD-Gruppe; 1935 KPD; 1937/38 arbeitslos; 1938 – 41 Arbeit in einem Moskauer Kugellagerwerk; 1941 Evakuierung; Arbeit im Bergwerk; 1943 Mobilisierung durch das NKWD für den Leningrader Stab; »Spezialaufg.« als Partisan bei der Verteidigung Leningrads; 1943/44 »Spezialarbeit« (Fallschirmeinsätze) hinter den dt. Linien in Estland, Lettland, Finnland, Verwundung; Rückkehr nach Moskau; 1944 Medaille für die Verteidigung Leningrads; 1945/46 Lehrer am Objekt 12, einer KPD-Spezialschule in der Nähe von Moskau. März 1946 Rückkehr nach Dtl. (Berlin); KPD/ SED; 1946 – 50 Mitarb. des PV der SED; 1946 Lehrer an der KPS Liebenwalde; Juni 1946 Ref. in der Abt. Schulung u. Werbung; Mai 1949 Hauptref. für Verw.-Schulen u. Schulen der Massenorg. in der Abt. Parteischulung beim PV; ab Sept. 1949 stellv. Ltr. der Abt. Parteischulung, 1952 – 54 amt. Ltr. der Abt. Wiss. u. Prop. des ZK der SED (Nachf. von  Kurt Hager); 1954 – 56 1. Sekr. der SED-BL (Nachf. von  Adolf Färber) u. Mitgl. des Bez.-Tags Suhl; 1955 u. 1962 VVO; Dez. 1956 – Dez. 1958 Ltr. der ZK-Abt. Org. (Nachf. von  Fritz Kleinert), 1958 Med. für Kämpfer gegen den Fasch.; 1958 – 63 Kand. des ZK der SED; ab 1.1.1959 Mitarb. des MfAA; März – Nov. 1959 Gen.-Konsul in Bratislava; Jan. 1960 – 62 Botschafter in der KDVR (Nachf. von  Richard Fischer); 1963 – 73 Ltr. der 1. Außereurop. Abt. (Ferner Osten) im MfAA (Nachf. von Fritz Stude); 1970 sowj. Orden des Vaterländischen Krieges; 1972 Banner der Arbeit; 1977 VVO; KMO; ehrenamtl. Arbeit in der Kommission Antifa. Widerstandskämpfer; 1982 Ehrenspange zum VVO; gest. in Berlin.Bernd-Rainer Barth / Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schnetter, Richard

* 5.3.1884 – ✝ 1943

Geboren am 5. März 1884 in Wüstenahorn bei Coburg; lernte bis 1902 Lithograph. Anschließend übte er seinen Beruf in Frankfurt/M., Leipzig und Stuttgart aus, später in Darmstadt Betriebsführer. 1903 Mitglied der SPD, von 1907 bis 1909 Vorsitzender der Coburger SPD, ab Oktober 1910 hauptamtlicher Funktionär, Lokalredakteur am »Thüringer Volksfreund« in Sonneberg, dann Redakteur dieses Blattes in Erfurt. lm Krieg Soldat, Übertritt zur USPD und Redakteur der »Tribüne« in Erfurt. Mit der linken USPD kam Schnetter Ende 1920 zur KPD, Delegierter des USPD-Spaltungs- und Vereinigungsparteitages mit der KPD. Bis August 1921 Sekretär der KPD in Thüringen, dann Chefredakteur des »Klassenkampfes« in Halle. 1921 zog er für die KPD in den Preußischen Landtag ein. Der VIII. Leipziger Parteitag 1923 berief Schnetter in die Redaktionskommission. Ende 1923 Anhänger der Mittelgruppe, deswegen 1924 als Chefredakteur des »Klassenkampfes« abgelöst, aber erneut in den Preußischen Landtag gewählt. Bis 1927 zunächst Redakteur des »Echo des Ostens« in Königsberg, dann der »Tribüne« in Magdeburg. Schnetter übersiedelte 1927 nach Berlin, wurde dort Redakteur der »Welt am Abend«, kam 1928 aber nicht mehr in den Landtag. Da er zu den Versöhnlern neigte, bekam er keine leitende Funktion mehr und verschwand von der politischen Bühne. Richard Schnetter starb 1943 in Berlin.

Wer war wer in DDR

Schöbel, Frank

* 11.12.1942

Geb. in Leipzig; Mutter Gesangspädagogin; Gesangs- u. Gitarrenunterricht; Mechanikerlehre; ab Mai 1962 Berufsmusiker, erste Band: Kapelle Heinz Müller (Leipzig); Sept. 1962 nach Berlin zum Erich-Weinert-Ensemble der NVA (Gesangs- u. Schauspielunterricht); seit 1964 Solist; 1967 »Lieb mich so, wie dein Herz es mag« (1. Platz Schlagerwettbewerb); 1969 Gastsolist bei  Klaus Lenz u. Orchester, erste LP (Duette), erste eigene Show mit  Chris Doerk u. Horst Feuerstein; Erfolgstitel: »Looky, Looky«, »Blonder Stern«, »Party Twist«, »Wie ein Stern«, »Bitte, schreib es mir in den Sand«; ab 1971 Moderation der DFF-Sendungen »Treff mit Chris u. Frank« u. »Disko-Treff« (mit Chris Doerk); 1972 2. Preis »Tag der Schallplatte« Sopot (Polen); Rundfunksendung »Franks Beatkiste«; 1973 Sonderpreis für »Die Sprache der Liebe ist leis« beim World Pop Song Festival in Tokio; Mitgl. des Nat. Komitees für die X. Weltfestspiele in Berlin u. des Kulturbeirats der FDJ; Tourneen in fast allen europ. Ländern; eigene Begleitband »etc.«; Filme: »Reise ins Ehebett«, »Hochzeitsnacht im Regen«, »Heißer Sommer«, »Nicht schummeln, Liebling«; Kompositionen für Aurora Lacasa, Karel Gott, Nina Lizell u. a.; Fernsehshows »Franks Gäste«; 1974 NP; 1977 LP »Komm, wir malen eine Sonne« (Kinderlieder); 1980 LP »Frank Internat.«; 1982 Tournee »Frank 20«, Doppel-LP »Jubiläumskonzert«; 1985 LP »Weihnachten in Familie« (mit Aurora Lacasa); 1989 LP »Wir brauchen keine Lügen mehr«, aufgenommen im Studio von Drafi Deutscher, Berlin (West); Mitunterz. der Resolution der Rockmusiker u. Liedermacher vom 18.9.1989 für Demokratisierung der DDR-Ges. u. Öffnung der Medien. Ab 1992 Sendung »Frank u. frei« beim Berliner Rundfunk; 1992 CD »Ohne dich«, im weiteren: »Seine Hits der 60er Jahre«, »Seine Hits der 70er Jahre«, »Seine Hits der 80er Jahre«, »Seine Hits der 90er Jahre«, »Gold – Seine größten Hits Vol. 1«, »Gold – Seine größten Hits Vol. 2«, »Frank u. frei: belächelt – bekannt – beknackt« (1999), »Die schönsten Balladen« (1999), »Heimliche Träume« (2000), »Two is One« (2001, mit seiner Tochter Dominique u. Marcus Fritzsch), »Leben ... so wie ich es mag« (2002); 1995 »Goldene Henne«; 1996 u. 1998 Fernseh-Show »Tour de Frank«; 2002 Duett mit Sohn Alexander (»Ich bin immer für dich da«); Nov. 2002 MDR-Fernseh-Show zum 40jährigen Berufsjubiläum »Herzl. Frank«; 2005 »Schlager für’s Herz«-Tour.Frank und frei – Die Autobiogr. Berlin 1998.Rainer Bratfisch

Wer war wer in DDR

Schoenefeld, Kurt

* 21.9.1924 – ✝ 11.8.2005

Geb. in Oberthau (Krs. Merseburg); Vater Klempner, Mutter Saisonarb.; Volks- u. Berufsschule, kaufm. Lehre in der Pappenfabrik Halle; 1942 – 45 Wehrmacht; 1945 amerikan. Kriegsgef. 1945 / 46 kaufm. Angest. in der Pappenfabrik Halle; 1947 SED; 1947 – 50 kaufm. Angest., Personalltr. u. Ltr. der Planungsabt. der SAG Papierfabrik Wehlitz; 1950 – 65 Kalkulator, Brigadier, Abt.-Ltr. der Betriebsabrechnung, Hauptbuchhalter, kaufm. Dir. u. Produktionsdir. des VEB Verlade- u. Transportanlagen Leipzig; 1955 – 60 Abendstud. an einer Ingenieurschule, Industrieök.; 1960 – 62 Abendstud. an der KMU Leipzig, Dipl.-Wirtschaftler; 1966 – 70 Werkdir. im VEB Schwermaschinenkombinat »Georgi Dimitroff« Magdeburg; 1970 – 89 GD der VVB Tagebauausrüstungen, Krane u. Förderanlagen Leipzig bzw. des VEB Kombinat TAKRAF Leipzig; 1989 VVO; Ruhestand; gest. in Leipzig.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Scholz, Alfred

* 11.2.1921 – ✝ 11.8.1978

Geb. in Groß-Ullersdorf (ČSR / Velké Losiny, Tschechien); Vater Zimmermann; Realschule; 1936 – 39 Drogistenlehre; dann Arbeit als Laborant; 1941 Wehrmacht; 1942 sowj. Gefangenschaft, 1943 Antifa-Schule; Mitgl. der BFD; 1944 Einsatz als Partisan u. Aufklärer der Partisanenbrigade Dyma in Belorußland, später im Raum Danzig. 1945 KPD/SED; 1945 stellv. Ltr., 1946 Ltr. der Stadtpolizei Rostock; Mitgl. der KPD-KL Rostock; 1948 Politkulturltr. der Grenzpolizeibereitschaft Brandenb.; 1949 Ltr. der Abt. Intendantur der Landespolizei Mecklenb.; dann Abt.-Ltr. in der Verw. zum Schutz der Volkswirtschaft Mecklenb. (ab Feb. 1950 Länderverw. Mecklenb. des MfS); 1950 Ltr. der Abt. (später HA) IX (Untersuchungsorgan) des MfS Berlin; 1956 Ltr. der HA II (Aufklärung u. Bearbeitung der Hauptgegner in der Bundesrep. Dtl.) der HV A; 1958 Ltr. der Arbeitsgr. des Min.; 1966 – 68 externes Studium an der JHS Potsdam-Eiche, Dipl.-Jur.; ab 1966 1. stellv. Vors. des BFC Dynamo; 1975 Stellv. des Ministers für Staatssicherheit, Gen.-Ltn.; 1977 VVO.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Scholz, Heinrich

* 11.12.1933 – ✝ 1.3.2003

Geb. in Friedrichshain (Niederlausitz); Vater kaufm. Angest.; Volksschule; 1948 – 51 Lehre als Industriekaufm.; 1948 FDGB u. FDJ; 1951 – 56 Finanzbuchhalter, Oberbuchhalter u. Referent in der Finanzrevision; 1956 – 61 Ltr. der Buchhaltungen der Dt. Lufthansa bzw. der Interflug; 1956 – 58 Studium an der VHS; 1958 SED; 1958 – 63 Fernstudium an der HfÖ Berlin, Dipl.-Wirtschaftler; 1961 – 73 Abt.-Ltr., Fachdir. u. Stellv. des GD der Interflug; 1973 – 80 stellv. Abt.-Ltr. im Min. für Verkehrswesen, 1980 Stellv. des Ministers, 1986 – 89 Staatssekr., Nov. 1989 – März 1990 Minister für Verkehrswesen in der Reg. Modrow u. GD der DR (Nachf. von  Otto Arndt).Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Schönauer, Josef

* 5.11.1894 – ✝ 28.4.1984

Geb. in Köln-Ehrenfeld; Gymnasium in Eberswalde; Beginn des Theol.-Studiums 1914; Unterbrechung des Studiums durch Militärdienst; 1921 Priesterweihe in Breslau durch Adolf Kardinal Bertram; 1922 Alumnat-Senior im Breslauer Priesterseminar; 1922 – 26 Vikar in Breslau, St. Nikolaus; 1926 Domvikar; 1926 – 34 Diözesanpräses der Jugend in Breslau; 1934 – 47 Pfarrer an der Breslauer Univ.-Kirche St. Matthias. 1945 Geistl. Rat; Stadtverordneter im Breslauer Stadtparl.; 1945/46 Bemühungen um Wiederaufbau in Breslau (St.-Matthias-Kirche, Ceslaus-Kapelle im ehem. Dominikanerkloster, Dompropsteikirche); 1946 Umsiedl.; 1947 – 50 Kurat in Wasungen/Schwallungen (Thür.); 1950 Dekan u. Bischöfl. Kommissar des Bischofs von Würzburg in Meiningen; als Bischöfl. Kommissar Mitgl. der Berliner Ordinarienkonferenz; für den Fall der Amtsbehinderung übertrug ihm Bischof Julius Döpfner (Würzburg) schon 1950 die oberhirtl. Ltg. für das Meininger Gebiet; 1952 Ehrendomherr in Würzburg; 1958 Päpstl. Hausprälat; 1959 Gen.-Vikar des Würzburger Bischofs (Bestätigung 1967); 1964 Apostol. Protonotar; 1971 em. u. Übersiedl. in die Bundesrep. Dtl. nach Reischach (Diözese Passau); gest. in Altötting, beigesetzt in der Domherrengruft des Würzburger Doms.Clemens Brodkorb

Wer war wer in DDR

Schönemann, Horst

* 19.1.1927 – ✝ 14.6.2002

Geb. in Wuppertal-Elberfeld; Vater Grafiker; 1947/48 Schauspieler am Stadttheater Wernigerode; 1948 – 50 Ausbildung an der Schauspielschule des Dt. Theaters Berlin (DT) u. a. bei  Gerda Müller; 1949 – 54 Schauspieler u. Regieassistent am DT; seit 1951 als Schauspieler in zahlr. DEFA-Filmen; 1952 erste Inszenierung am Theater der Bergarb. in Senftenberg; dort 1954 – 59 Oberspielltr.; 1959 Kunstpreis; 1959 – 63 Regisseur am Maxim-Gorki-Theater Berlin; 1963 – 66 Oberspielltr. der Vereinigten Bühnen Maxim-Gorki-Theater u. Volksbühne Berlin; 1964 u. 1969 NP (im Koll.); 1966 – 72 Oberspielltr. u. stellv. Intendant am Landestheater Halle; 1966 – 85 im Vorst. des Verb. der Theaterschaffenden der DDR; 1969 DAK; 1972 – 78 Oberspielltr. am DT; 1979 künstler. Ltr.; 1981 – 93 Regisseur u. Schauspieldir. am Sächs. Staatsschauspiel Dresden; SED; Mitgl. der SED-KL Dresden; 1996 Ruhestand; gest. in Dresden. Inszenierungen u. a.: etwa 80 Bühneninszenierungen, darunter 30 UA u. DDR-Erstaufführungen; 1952 »Die Moral der Frau Dulski« (DT), 1956 Senftenberg u. 1971 Halle »Nachtasyl«, 1967 »Die Räuber« (Halle), 1968 »Die Aula« (UA Halle), 1972 »Die neuen Leiden des jungen W.« (UA Halle), 1979 »Guten Morgen, du Schöne« (UA DT); Inszenierungen in Dresden u. a. 1980 »Jutta oder die Kinder von Damutz«, 1982 »Don Karlos«, 1983 »Bruder Eichmann« (DDR-EA), 1984 »Der Sturm«, 1986 »Wir, die Endesunterzeichneten«, 1987 »Sommergäste«, 1990 »Laura u. Lotte«; 1991 »Hochzeit«; 1993 »Purpurstaub«.Funke, C.: Der Regisseur H. S. Bericht, Analyse, Dokumentation. Berlin 1971.Aune Renk

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Schönfelder, Horst

* 1.10.1932

Geb. in Hammerbrücke (Krs. Klingenthal, Vogtl.); 1939 – 42 Volksschule, 1942 – 51 OS in Falkenstein (Vogtl.) u. Abitur; 1951 – 56 Studium der Humanmed. an der FSU Jena; 1956 – 59 Ausbildung zum Facharzt an den Krankenanstalten Saalfeld (Saale) u. im Landambulatorium Leutenberg; 1958 Prom. zum Dr. med.; 1959 – 65 Infektions- u. Betriebsarzt im Med. Dienst des Verkehrswesens in Nordhausen; 1962 Facharzt für Allg. Med.; 1965 – 86 Direktionsarzt im Med. Dienst des Verkehrswesens, Direktion Schwerin; 1966 CDU; 1970 Medizinalrat; ab 1960 Mitgl., ab 1986 Ehrenmitgl. der Ges. für die Gesamte Hygiene der DDR u. des Vorst. der Ges. für Rehabilitation; 1972 – 85 Mitgl. der Union Internationale des Service Medicaux des Chemin de Fer u. seines wiss. Koordinierungskomitees; 1966 – 86 Mitgl. der Bez.-Gewerkschaftsltg. Eisenbahn Schwerin; 1971 – 79 Mitgl. des NR der NF; 1971 Nachfolgekand., ab 1979 Abg. der Volkskammer; 1981 – 86 Mitgl. des Aussch. für Gesundheitswesen; 1972 – 86 Mitgl. des CDU-Bez.-Vorst. Schwerin, Ltr. des Aktivs Gesundheitspol.; 1976 Obermedizinalrat; 1976 – 89 Mitgl. der Arbeitsgemeinschaft Gesundheits- u. Sozialwesen beim CDU-Hauptvorst.; 1979 Facharzt für Sozialhygiene; 1980 Dr. sc. med. an der MLU Halle; 1986 – 90 stellv. Min. für Gesundheitswesen; Mai – Okt. 1990 Staatssekr. im Min. für Gesundheitswesen.Die Rehabilitation Geschädigter bei der Dt. Reichsbahn. Halle 1980.Helmut Müller-Enbergs

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Schönmuth, Georg

* 27.5.1928

Geb. in Frankena (Krs. Luckau); Vater Bauer; Volksschule; landw. Lehre bis 1944; 1945 Wehrmacht; anschl. brit. Gefangenschaft. 1945 – 47 im elterl. Betrieb; 1947/48 Besuch der FS für Landw. in Rostock, Abschl. als staatl. geprüfter Landwirt; 1949 – 52 Studium der Landw. an der HU Berlin, Dipl.-Landwirt; 1952 – 54 Ref. bei der Tierzuchtinspektion Potsdam; 1954 – 59 Assistent bzw. Oberassistent am Inst. für Tierzüchtung u. Haustiergenetik der HU Berlin; 1955 Prom. mit einer Arbeit zur Leistungszucht des Brandenb. Warmblutpferds; 1956 Tierzuchtleiterexamen; 1959 – 61 Doz.; anschl. Wahrnehmungsprof.; 1964 nach Habil. mit einer Arbeit über die Fruchtbarkeit des Dt. Schwarzbunten Rinds ord. Prof. u. Dir. des o. g. Inst.; 1968 stellv. Vors. des Zentr. Arbeitskrs. Genetik des Forschungsrats der DDR; 1972 Korr., 1977 Ord. Mitgl. der AdL; ab 1984 Vors. der Sekt. Tierzüchtung u. Züchtungsforschung; 1974 NP; Erwin-Baur-Medaille der AdL; 1976 – 84 Vizepräs., 1985 – 91 Präs. der Kommission Rinderzucht der Europ. Vereinigung für Tierzucht; 1983 Prodekan, 1986 Dekan der Agrarwiss. Fak. der HU Berlin; 1987 Ehrenmitgl. u. Mitgl. des Hauptaussch. der Dt. Ges. für Züchtungskunde; Juni 1990 Vors. des Ehrenaussch. des AdL-Plenums zur Erneuerung der Gelehrtenges. 1991 – 94 Mitgl. des Wissenschaftsrats der Bundesreg.; ab 1993 Mitgl. des Kuratoriums u. des wiss. Rats der Stiftung Forschungsinst. für die Biol. landw. Nutztiere Dummerstorf (b. Rostock); 1993 Ruhestand; lebt in Berlin. Forschungen zur Einkreuzung von Milchrindrassen in das Schwarzbunte Niederungsrind u. zur Heterosiszüchtung; Entw. der Konzeption zur Züchtung des Schwarzbunten Milchrinds der DDR (SMR) als schließlich dominierende Rasse in der DDR-Rinderprod.; Mitgl. der Ungar. AdW; Dr. h. c. der KMU Leipzig u. Agrarwiss. Fak. Keszthely, Ungarn; Autor von mehr als 200 Publ., u. a. von Lehrbüchern.Genetische u. phylogenetische Grundlagen (der Tierprod.). Berlin 1984; Züchter. u. ökolog. Grundlagen (der Tierprod.). Berlin 1985 (jeweils mit D. Flade u. G. Seeland).Siegfried Kuntsche

Wer war wer in DDR

Schoß, Gunter

* 2.12.1940

Geb. in Berlin; Vater Kaufm. (bei der SS für das Kaufmännische zuständig, 1946 von der SMA verhaftet u. in Sachsenhausen gest.), Mutter Kontoristin; 1958 Abitur; 1959 – 61 Lehre als Werkzeugmacher im VEB Schnitt- u. Formenbau Berlin-Köpenick; 1961 Studium des Flugzeugbaus an der TU Dresden (Abbruch wg. Auflösung der Fak. Flugzeugbau); 1962 Flucht des Bruders nach West-Berlin; 1962 Werkzeugmacher im VEB Schreibfedernfabrik Berlin; gleichz. als Schauspieler im Arbeitertheater der Gesell. für Dt.-Sowj. Freundschaft; 1962 – 65 Schauspielstudium im Nachwuchsstudio des DFF u. an der Schauspielschule Berlin-Schöneweide, 1965 staatl. Bühnenreifeprüfung; 1964 erste große Rolle in der TV-Produktion »Egon u. das achte Weltwunder«; 1965 – 90 festes Ensemblemitgl. im DFF; FDGB; als Schauspieler u. a. 1966 in »Geheimkommando Bumerang«, 1971 in »Artur Becker«, 1972 im Mehrteiler »Die Bilder des Zeugen Schattmann« (TR), 1977 in »Max Dortu oder Nur die Toten kehren nicht zurück«, 1978 in »Scharnhorst«, 1979 in »Die Heimkehr des Joachim Ott«, 1980 in »Suturp – Eine Liebesgeschichte«, 1985 in »Das zweite Leben des Dr. Gundlach«, 1985 im Mehrteiler »Sachsens Glanz u. Preußens Gloria«, 1987 in »Genau auf Tag u. Stunde«; in DEFA-Filmen: 1983 »Bockshorn« (R:  Frank Beyer), 1987 »Die Alleinseglerin« (R: Herrmann Zschoche), 1988 »Die Beteiligten« (R:  Horst E. Brandt), 1990 »Der Tangospieler« (R:  Roland Gräf); außerdem häufig als Sprecher für Funk u. Fernsehen sowie Synchron; seit 1987 verh. mit der Bühnen- u. Kostümbildnerin Gabriele S. (Prof. für Kostümgestaltung an der HS für Bild. Künste Dresden). Ab 1990 freiberufl.; Darsteller an versch. Berliner Bühnen, u. a. Theater im Palast der Rep., Theatermanufaktur, Renaissancetheater u. am Theater im Neuen Palais in Potsdam mit »Ich, Friedrich II.«; 1997 Gast am Dt. Theater Berlin u. 2003 an der Komödie Dresden; außerdem Haupt- u. Episodenrollen in zahlr. TV-Reihen u. -serien wie »Tatort«, »Polizeiruf 110«, »Rosa Roth«, »In aller Freundschaft«, »Tierärztin Mertens«, »Magna Aura«; 1995 Grimme-Preis als Sprecher; bisher in mehr als 150 Filmen u. über 70 Titel- u. Hauptrollen, zahlr. Hörbücher, Lesungen u. literar. Veranstaltungen, u. a. ein Peter-Hacks-Progr. sowie Progr. über Goethe, Fontane, Friedrich II.; seit 2000 Moderator der Dokumentarreihe »Geschichte Mitteldeutschlands« u. seit 2006 des Geschichtsmagazins »Barbarossa« (beide MDR); lebt in Berlin.Ingrid Kirschey-Feix

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schrader, Karl (Körner

* 25.4.1900 – ✝ 18.5.1962

(* 1900 – † 1962) Geboren am 25. April 1900 in Wedderstedt/ Harz, Sohn eines Dorfstellmachers und Sozialdemokraten; mußte seine Gärtnerlehre 1918 wegen Einberufung zum Militär abbrechen. Da er antimilitaristische Gedichte verbreitete, wurde er im Herbst 1918 zu einem Jahr Festung verurteilt, durch die Novemberrevolution befreit. Mitglied des Arbeiter- und Soldatenrates, im Januar 1919 Eintritt in die KPD. Wegen Teilnahme am Mitteldeutschen Aufstand 1921 zu sieben Jahren Zuchthaus verurteilt, er konnte flüchten und lebte bis zur Amnestie von 1928 unter dem Pseudonym Paul Körner. Er schlug sich als Torfstecher, Landarbeiter, Buchhändler, Leichenwagenkutscher und Kellner durchs Leben und schrieb Gedichte, Glossen und Reportagen für die KP-Presse. Von 1926 bis 1930 Redakteur der »Roten Fahne«, für die Arbeiterkorrespondentenbewegung der Zeitung verantwortlich. Dann freier Schriftsteller. In der Weimarer Republik insgesamt u. a. wegen »Literarischen Hochverrats«, Gotteslästerung, Beleidigung usw. fünf Jahre in den Zuchthäusern, Gefängnissen und Festungen Gollnow, Moabit u. a. eingekerkert. Schrader war aktives Mitglied des Bundes proletarisch-revolutionärer Schriftsteller. 1929 erschien sein erster Roman »Schlagende Wetter«, 1930 nahm er am Internationalen Kongreß revolutionärer Schriftsteller in Charkow teil. Nach 1933 einige Male kürzere Zeit inhaftiert und zu Straßen- und Waldarbeiten zwangsdienstverpflichtet. 1939 zum Militär eingezogen, bis 1945 Soldat, danach lebte er wieder als freier Schriftsteller in Berlin, schloß sich der KPD bzw. SED an, war Mitarbeiter der SED-Presse und des DDR-Rundfunks. Er veröffentlichte mehr als 200 Arbeiten, vorwiegend Kurzgeschichten, Humoresken, Glossen. Er erhielt den VVO in Silber. Karl Schrader starb am 18. Mai 1962 in Ost-Berlin.