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BioLex

In der Kategorie BioLex finden Sie drei biografische Lexika mit über 5500 Personeneinträgen.

 

Das Handbuch "Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945" wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam. Kurzbiografien zu Personen des poltischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 vor. Zudem ist das Onlinlexikon www.dissidenten.eu komplett in dieser  Rubrik recherchierbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Inforamtionen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schlagewerth, Heinrich

* 2.5.1890 – ✝ 11.8.1951

(* 1890 – † 1951) Geboren am 2. Mai 1890 in Duisburg; lernte Einschaler und war wie sein Vater auf dem Bau beschäftigt. Vor dem Weltkrieg übersiedelte er nach München-Gladbach. 1912/13 als Infanterist im Elsaß, von 1914 bis 1918 im Krieg Soldat, verwundet und dann wegen unerlaubter Entfernung von der Truppe 1916 zu einem halben Jahr Gefängnis verurteilt. Schlagewerth trat 1918 der USPD bei und kam mit der Mehrheit 1920 zur KPD. 1923 wurde er in München-Gladbach Vorsitzender der dortigen KPD und wegen seiner politischen Tätigkeit mehrmals zu kurzen Strafen verurteilt. Er stand auf dem ultralinken Parteiflügel. Im Dezember 1924 in den Reichstag gewählt, schloß er sich 1925 der Gruppe um Karl Korsch an. Als deren Organisator wurde er 1926 aus der KPD ausgeschlossen, zeichnete für die Zeitung der Korsch-Gruppe »Kommunistische Politik« verantwortlich. Der KPD-Führer Philipp Dengel bot Schlagewerth 2000 Mark, wenn er sein Reichstagsmandat freiwillig niederlege, der wies dieses Angebot entschieden zurück, blieb bis 1928 als Korsch-Anhänger im Reichstag und bis 1931 als unabhängiger Kommunist Stadtverordneter in München-Gladbach. Dort leitete er ab 1929 den Industrieverband unter Führung von Paul Weyers, eine kleine linksradikale Gewerkschaft. Nach 1933 illegal in verschiedenen linken Gruppen aktiv. Im Oktober 1936 verhaftet, bestritt er zunächst jede politische Tätigkeit, erklärte sich dann aber bereit, auszusagen. Schlagewerths umfassende Aussagen führten dazu, daß die KPO, anarcho-syndikalistische und trotzkistische Gruppen von der Gestapo zerschlagen werden konnten. Er schrieb über seine Beweggründe, er habe »anhand der Praktiken und auch der Theorie gefunden, daß der Nationalsozialismus die Ebene und das Fundament des Sozialismus in sich trägt«. Seine Denunziationen brachten 57 Angeklagte vor den NS-Richter. Besonders schwer belastete er »den Juden Lubinski« ( Dagobert Lubinski), der eine illegale Widerstandsgruppe der KPO leitete. Darüber hinaus beschuldigte Schlagewerth eine trotzkistische Organisation sowie seinen Freund Wilhelm Doll und wollte am 28. Oktober 1936 erneut vernommen werden, um eine syndikalistische Widerstandsgruppe zu entlarven. Über seine Trennung von diesen Gruppen notierte Schlagewerth: »1934 habe ich angefangen, mich mit der nationalsozialistischen Lehre zu befassen und war anhand der praktischen Erfahrungen schon im Begriff, meine ganze frühere Einstellung über Bord zu werfen, und stellte mir die Frage, ob ich die Sache der Gestapo melden sollte. Ich habe mir gesagt, schaue tiefer in die Sache und habe dann auch im Jahre 1935 von Müngersdorf erfahren, was ich hier angeben kann.« Er betonte zugleich: »Wäre ich noch Kommunist und Gegner des Nationalsozialismus, hätte ich jede Strafe über mich ergehen lassen, aber ich hätte geschwiegen wie ein Grab.« Am 6.April 1938 fand vor dem OLG Hamm ein großer Prozeß statt, in dem Schlagewerth selbst angeklagt war und sämtliche Mitangeklagten belastete. Er erhielt drei Jahre Zuchthaus und drei Jahre Ehrverlust. Als das RSHA anschließend »Schutzhaft« über ihn verhängen wollte, wandte sich die Gestapo München-Gladbach dagegen, denn Schlagewerth habe nach seiner Verhaftung »freiwillig ein umfangreiches Geständnis« abgelegt, wodurch der »gesamte illegale Apparat der KPD, KPO, Anarcho-Syndikalisten« aufgerollt werden konnte. Bereits am 16.Mai 1939 aus dem Zuchthaus Lüttringhausen entlassen, arbeitete er zunächst in Duisburg, zog 1940 nach Osnabrück, wo er bis Kriegsende beschäftigt war. Nach 1945 trat er politisch nicht mehr hervor, Heinrich Schlagewerth starb am 11.August 1951 in Duisburg.

Wer war wer in DDR

Schleef, Einar

* 17.1.1944 – ✝ 21.7.2001

Geb. in Sangerhausen, Mutter Näherin, Vater Architekt; 1950 Einschulung, 1964 Abitur, Mitgl. einer Theatergruppe in Leipzig; 1964 Beginn eines Studiums an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee (Malerei), 1964/65 zugleich Arbeit als Szenarist u. Kolorist für die Ztschr. »Mosaik«, 1965 Relegierung von der HS wegen Beleidigung eines Doz., Malerhelfer beim DFF, 1967 Wiederzulassung zum Studium (Bühnenbild), nach Abschluß 1971 Meisterschüler bei  Karl von Appen an der DAK zu Berlin; 1972 Debüt als Bühnen- u. Kostümbildner an der Berliner Volksbühne in »Don Gil von den grünen Hosen« von Tirso de Molina; 1973 Dipl.; 1972 – 75 Zusammenarbeit mit  Bernhard K. Tragelehn bei den Inszenierungen »Katzgraben«, »Frühlings Erwachen« u. »Fräulein Julie« am Berliner Ensemble (BE); blieb 1976 nach Absetzung von »Fräulein Julie« durch staatl. Behörden u. in Reaktion auf die Ausbürgerung von  Wolf Biermann anläßl. einer Inszenierung am Burgtheater Wien im Westen. 1978 – 82 Regiestudium an der Dt. Film- u. Fernsehakad. in West-Berlin; diverse Arb. als Autor u. Filmdarsteller; 1985 – 90 Hauptregisseur am Schauspiel Frankfurt (Main); dort u. a. Inszen. von »Mütter« nach Aischylos’ »Sieben gegen Theben« u. Euripides’ »Die Schutzflehenden« (1986), Gerhart Hauptmanns »Vor Sonnenaufgang« (1987), des eigenen Stücks »Die Schauspieler« (1988), »Faust« (1990). 1993 Rückkehr ans BE, dort Uraufführung von Rolf Hochhuths »Wessis in Weimar«; nach kurzzeitigem Engagement am Schillertheater Berlin 1995 Wiederaufnahme der Arbeit am BE, Regie u. Hauptrolle in  Brechts »Puntila«, erneute Kündigung nach Scheitern einer Aufführung; weitere Inszenierungen: 1997 »Salome« nach Oscar Wilde am Düsseldorfer Schauspielhaus, 1998 »Ein Sportstück« von Elfriede Jelinek (3sat-Innovationspreis, Josef-Kainz-Med. der Stadt Wien) u. 1999 »Wilder Sommer« nach Carlo Goldoni am Burgtheater Wien; 1999 »Der Golem« von Ulla Berkéwicz am Akademietheater Bayreuth; 2000 »Verratenes Volk« nach Texten von Milton, Nietzsche, Dwinger u. Döblin am Dt. Theater in Berlin; 1989 Alfred-Döblin-Preis, 1990 Fritz-Kortner-Preis (mit B. K. Tragelehn), 1995 Mülheimer Dramatikerpreis, 1998 Literaturpreis der Stadt Bremen; Autor zahlr. Romane, Erzählungen, Theaterstücke u. Hörspiele; 2002 Uraufführung seiner Nietzsche-Trilogie unter Regie von Thomas Bischoff an der Berliner Volksbühne; 2008 Ausstellung mit seiner Malerei aus vier Jahrzehnten (90 Gemälde, 250 Zeichn.) in Halle (Saale); gest. in Berlin; Elfriede Jelinek in einem Nachruf: »Es hat in Dtl. nur zwei Genies gegeben: Im Westen Fassbinder, im Osten Schleef«.Gertrud. Bd. I u. II. Frankfurt (Main) 1980 u. 1984; Zuhause. Frankfurt (Main) 1981; Erzählungen. Frankfurt (M.) 1982; Schlangen. (Bildtextband mit H.-U. Müller-Schwefe), Frankfurt (Main) 1986; Droge Faust Parsifal. Frankfurt (Main) 1997; Tagebuch 1953 – 63. Frankfurt (Main) 2004; Tagebuch 1964 – 76. Frankfurt (Main) 2006; Tagebuch 1977 – 80. Frankfurt (Main) 2007; Tagebuch 1981 – 98. Frankfurt (Main) 2009; Tagebuch 1999 – 2001. Frankfurt (Main) 2009. Wolfgang Behrens: E. S. Werk u. Person. Berlin 2003; Alexander Kluge: E. S. – der Feuerkopf spricht. Berlin 2003; G. Gerecke, H. Müller, H.-U. Müller-Schwefe (Hrsg.): E. S. Arbeitsbuch. Berlin 2002.Jan Wielgohs

Wer war wer in DDR

Schlesinger, Erich Ferdinand Nicolaus

* 23.12.1880 – ✝ 17.12.1956

Geb. in Warstade (Krs. Neuhaus an der Oste); Vater Eisenbahning.; Gymnasium in Rostock u. Güstrow, 1900 Abitur; 1900 – 03 Studium der Rechts- u. Staatswiss. an den Univ. Heidelberg, München, Berlin u. Rostock, 1903 – 07 jurist. Referendariat in Güstrow; 1904 Prom. an der Univ. Rostock; 1907 Assessorexamen am Oberlandesgericht Rostock; ab 1907 Jurist in der Landesverw. Mecklenb.-Schwerin sowie in der Dominialverw. u. dem Min. für Justiz u. Inneres; 1919 Ministerialrat, 1929 Ministerialdir., 1929 / 32 gewählter Staatsminister für Inneres u. Justiz in Mecklenburg-Schwerin; 1933 wg. der Ablehnung des Eintritts in die NSDAP in den Ruhestand versetzt; 1943 – 45 Geschäftsf. der Mecklenb. Hagel- u. Feuer-Versicherungsgesell. in Neubrandenburg. 1945 Ministerialdir. in der Justizabt. der Landesverw. Mecklenb. in Schwerin, entwickelte hier Kriterien für die Entnazifizierung, die von den Kommissionen der SBZ übernommen wurden; 1945 – 48 Kurator der Univ. Rostock, dort 1946 Honorarprof. mit Lehrauftrag für Verwaltungsrecht, 1949 – 56 ord. Prof. für Staats- u. Verwaltungsrecht, 1949 – 52 Prorektor, 1952 – 56 Rektor der Univ. Rostock (Nachf. von  Ernst Struck); 1955 Ehrendoktorwürde der Philosoph. Fak. der Univ. Rostock; 1954 – 56 Abg. des Bezirkstags Rostock; 1955 Ehrenbürger von Rostock u. VVO. Forschungsschwerpunkte: Mecklenburgische Rechtsprechung, Versicherungsrecht, Verwaltungsrecht; über 35 wiss. Veröff.Staats- u. Verwaltungsrecht des Großherzogtums Mecklenburg-Schwerin. Berlin 1908. Wellenberg, F. W.: E. S., sein Leben u. sein wiss. Lebenswerk. In: Wiss. Ztschr. der Univ. Rostock, Sonderheft 1955 / 56; Müller, F. (Hrsg.): Tradition u. neue Wirklichkeit der Universität. FS für Prof. Dr. Dr. E. S. zum 75. Geburtstag. In: Wiss. Ztschr. der Univ. Rostock, Gesellschafts- u. Sprachwiss. Reihe, Sonderheft 1955 / 56; Jakubowski, P.: E. S. In: Beiträge zur Gesch. der Stadt Rostock. Bd. 1, Rostock 1981.Martin Guntau

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schliebs, Arthur

* 25.1.1899 – ✝ 26.1.1952

Geboren am 25. Januar 1899 in Neumarkt/Schlesien, Sohn einer Fabrikarbeiterin; lernte Buchdrukker und nahm 1917/18 als Soldat am Weltkrieg teil. 1919 Mitglied der USPD, ging Ende 1920 in die VKPD, Leiter des KJD-Unterbezirks Zwickau. Von Februar bis April 1924 inhaftiert, nach seiner Freilassung 1924 Bergarbeiter in Waldenburg in Schlesien. 1925 hauptamtlicher Redakteur der KPD-Zeitung »Der Kämpfer« in Chemnitz. Von 1926 bis 1928 Kursant der Internationalen Leninschule in Moskau, wurde im Herbst 1928 Mitarbeiter in der Agitpropabteilung des ZK, anschließend bis 1931 Agitprop- bzw. Orgleiter der KPD-BL Halle-Merseburg. Dann Redakteur der »Arbeiterstimme« Dresden, an der Jahreswende 1932/33 erneut Mitarbeiter im Apparat des ZK der KPD. Schliebs war von April bis Juli 1933 in »Schutzhaft«, wurde im Dezember 1933 wieder festgenommen und vom VGH im Dezember 1935 zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt. Im Juni 1936 entlassen, erwerbslos, seit 1938 Vertreter für Singer-Nähmaschinen. Im August 1944 erneut verhaftet und im KZ. 1945/46 Mitglied des Sekretariats der KPD-BL Sachsen, später 2. Sekretär des SED-LV Sachsen. Schliebs gehörte zur Gruppe um den sächsischen Innenminister Kurt Fischer und spielte im (neben dem paritätisch besetzten SED-Sekretariat) sogenannten zweiten Apparat der Moskau-Kader eine maßgebliche Rolle. Im April 1951 erhielt Schliebs zunächst eine strenge Rüge und wurde mit völligem Funktionsverlust bestraft. Wegen »parteischädigenden und unmoralischen Verhaltens sowie wegen Nichtdurchführung des Beschlusses des ZK vom April 1951« wurde er am 24. Oktober durch die LPKK Sachsen aus der SED ausgeschlossen. Diesen Beschluß, gegen den er sich wehrte, bestätigte die ZPKK am 7. Dezember 1951. Unmittelbar danach, am 26. Januar 1952, starb Arthur Schliebs in Dresden.

Wer war wer in DDR

Schlothauer, Michael

* 21.6.1943

Geb. in Großschirma (Krs. Freiberg); Vater Tierarzt; Grund- u. OS; 1962 – 65 Studium an der Offiziers-HS der Landstreitkräfte, 1964 SED; 1965 – 71 Offizier in versch. Dienststellungen im Mot. Schützenregt. 16 der 11. Mot. Schützendiv.; 1971 – 75 Offiziershörer an der Militärakad. »M. W. Frunse« in Moskau, Dipl.-Militärwiss.; 1975 – 78 erneut in der 16. Mot. Schützendiv.; 1978/79 Kdr. Mot. Schützenregt. 24, 1979/80 stellv. Kdr. u. Stabschef, 1980 – 82 stellv. Kdr. für Ausbildung der 4. Mot. Schützendiv.; 1982 – 84 Studium an der Militärakad. des Generalstabs der Streitkräfte der UdSSR; März 1984 Oberst, 1.9.1985 – 31.8.1987 Div.-Kdr. der 4. Mot. Schützendiv. Erfurt (Nachf. von Werner Schulze); März 1987 Generalmajor; 1990 amt. Chef des Militärbezirk Leipzig (Nachf. von  Klaus Wiegand); Sept. 1990 Chef des Hauptstabs der NVA; 2.10.1990 Entl.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schlupp, Friedrich

* 11.1.1896 – ✝ 1939

Geboren am 11. Januar 1896 in Krausenhof/Krs. Königsberg. Bauarbeiter, seit 1915 Soldat im Ersten Weltkrieg, 1918/19 in Königsberg Teilnehmer an den revolutionären Kämpfen. Seit 1919 Mitglied der USPD, mit deren linkem Flügel kam er Ende 1920 zur KPD, Funktionär im AM-Apparat der BL Ostpreußen. Anfang 1930 Kursant an der M-Schule in Moskau, Schuldeckname Alfred, nach Rückkehr Beauftragter der BL für den illegalen RFB in Ostpreußen, anschließend Leiter des dortigen AM-Apparates. Ab Juli 1931 in Berlin Reichsleiter des speziellen Apparates (Kriegsfall Sowjetunion). Im Zusammenhang mit polizeilichen Ermittlungen flüchtete Schlupp Ende 1931 in die Sowjetunion (Prozeß Klaus Ueberbrück). Dort arbeitete Schlupp für die GRU, illegal reiste er auch nach Deutschland. Seine in Moskau gebliebene Frau Alisa Hermann (* 1894), Mitglied der KPD seit 1920, erhielt noch bis 1939 Unterstützung durch die GRU. Der weitere Lebensweg von Friedrich Schlupp konnte bisher nicht ermittelt werden, sehr wahrscheinlich ist er 1939 während der stalinistischen Säuberungen umgekommen.

Wer war wer in DDR

Schmeing, Richard

* 25.5.1909 – ✝ 25.10.1984

Geb. in Follwark (Krs. Oppeln, Schles. / Folwark, Polen); Volksschule; 1924 – 29 Lehre u. Arbeit als Tischler; 1929/30 arbeitslos; 1929 KPD; 1931/32 Tiefbauarb.; 1932/33 Tischler; 1933/34 arbeitslos; illeg. Parteiarbeit; 1934/35 Kraftfahrer; 1935 Verurteilung zu vier Jahren Zuchthaus, Brandenb.-Görden, dann KZ Sachsenhausen; 1944 Fluchtversuch, danach Todesurteil, Verlegung zur »Versuchsanstalt für Fleckfieberforschung« ins KZ Buchenwald. 1945 Einstellung bei der Polizei, Kripo Limbach; 1949 Einstellung bei der Verw. zum Schutz der Volkswirtschaft Sachsen (ab Febr. 1950 Länderverw. Sachsen des MfS); Ltr. der Krs.-Dienststelle Flöha; 1951 – 53 Ltr. der Krs.-Dienststelle Zwickau; dann der Krs.-Dienststelle Johanngeorgenstadt; 1952 der Krs.-Dienststelle Auerbach; 1953 stellv. Ltr. der Abt. z. b. V. (Vorber. von Sabotageakten); 1956 Ltr. der HVA-Abt. III (Vorber. von Sabotageakten); 1959 stellv. Ltr. der Abt. IV (Vorber. von Sabotageakten); 1959/60 BPS; 1965 Oberst-Ltn.; Ref.-Ltr. in der Abt. IV; 1968 Entlassung, Rentner; 1974 VVO.Jens Gieseke

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schmidt, Alfred

* 24.11.1891 – ✝ 9.10.1985

Geboren am 24. November 1891 in Wintersdorf/ Thüringen, Sohn eines Schuhmachermeisters und Sozialdemokraten, hatte zwölf Geschwister und arbeitete in verschiedenen Fabriken. 1908 Mitglied der Gewerkschaft und 1909 der SPD. Anfangs Brauereiarbeiter, dann viele Jahre bei der Reichsbahn in Erfurt als Rangierer beschäftigt. Von 1912 bis 1918 Soldat, im Weltkrieg Kriegsgegner, Anhänger der Spartakusgruppe, 1917 Mitglied der USPD. Seit Gründung der KPD 1919 Funktionär der Partei und von 1924 bis 1928 Vorsitzender der KPD in Erfurt, Stadtverordneter (Fraktionsführer). Bis 1928 Akquisiteur der KPD-Zeitung »Das Rote Echo«. Im Mai 1928 wurde Schmidt als Abgeordneter in den Preußischen Landtag gewählt. Er gehörte zum rechten Parteiflügel der KPD, deswegen im Dezember 1928 ausgeschlossen, behielt aber sein Mandat im Landtag bis 1932 für die KPO. In der KPO-BL Thüringen und ab 1930 in deren Reichsleitung aktiv. Nach 1933 leitete Schmidt die illegale KPO im UB Erfurt, schrieb für das KPO-Organ »Arbeiterpolitik«. Im Mai 1934 verhaftet, bis Ende Juni 1934 im Gestapogefängnis, im August 1935 erneut festgenommen und bis Mai 1939 in den KZs Esterwegen und Sachsenhausen. Bereits in der Weimarer Republik war er wegen seiner politischen Tätigkeit für die KPD zweieinhalb Jahre inhaftiert gewesen. Während des Zweiten Weltkrieges entwarf er zusammen mit Otto Engert das Manifest der Widerstandsgruppe um Georg Schumann, war Kohlenträger und Bauarbeiter. 1945 trat Schmidt in Thüringen der KPD, dann der SED bei. Er wurde Landesleiter der IG Nahrung-Genuß-Gaststätten für Thüringen und 2. Vorsitzender der Zonenleitung. Doch schon 1947 hat ihn die SED wegen »antisowjetischer Einstellung« aus der Partei ausgeschlossen. Vom NKWD am 6. Juli 1948 verhaftet, wurde er im Dezember 1948 von einem sowjetischen Militärtribunal in Weimar wegen »antisowjetischer Propaganda« zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde in 25 Jahre Arbeitslager umgewandelt und Schmidt zur Verbüßung in die Strafanstalt Bautzen gesperrt. Da er seine oppositionell-kommunistischen Vorstellungen offen vertrat und als Kommunist sowohl die sowjetische Besatzungspolitik als auch die Haltung der SED angriff, bestrafte ihn die sowjetische Besatzungsmacht schärfer, als er je für seine kommunistische Tätigkeit in der Weimarer Republik und selbst unter Hitler belangt worden war. Nach mehr als acht Jahren Haft in der Strafanstalt Bautzen wurde er am 25. Juli 1956 entlassen. Da Schmidts Frau seit 1954 in der Bundesrepublik wohnte, wollte er zu ihr nach Westdeutschland ziehen, mußte sich aber mit Abgesandten der SED und der sowjetischen Militärpolizei auseinandersetzen, ehe ihm das gestattet wurde. Schmidt ging nach Salzgitter, fand dort Arbeit (bis 1959) und schloß sich der rechtskommunistischen Gruppe Arbeiterpolitik an. Allerdings wurde 1958 wieder ein politisches Verfahren gegen Schmidt eingeleitet. Obwohl er im Zuchthaus Bautzen wegen seiner oppositionell-kommunistischen Haltung denunziert worden war und ihm daraufhin Vergünstigungen gestrichen worden waren, zeigte ein ehemaliger Mitgefangener Schmidt 1958 in der Bundesrepublik an. Er behauptete, daß Schmidt bei seiner politischen Auffassung in der Bundesrepublik wohl im geheimen für die SED und die Organe der Sowjetunion arbeiten würde. Aufgrund dieser Unterstellung wurde Schmidt von der politischen Polizei mehrmals vernommen. Der Generalbundesanwalt stellte am 19. Januar 1959 das »Verfahren« ein, weil Zeugenaussagen Bautzener Mithäftlinge die Beschuldigungen widerlegt hatten. Schmidt hatte unter verschiedenen Regimen wegen seiner politischen Tätigkeit und Überzeugung über 15 Jahre hinter Gefängnismauern und Stacheldraht verbringen müssen. Alfred Schmidt starb am 9. Oktober 1985 in Frankfurt/Main.Bernd Florath

Wer war wer in DDR

Schmidt, Eberhard

* 23.3.1907 – ✝ 22.1.1996

Geb. in Slawentzitz (Oberschles. / Sławięcice, Polen); Vater Pfarrer, Mutter Sängerin; 1917 – 26 Gymnasium in Brieg u. Cosel, 1926 Abitur; 1927 – 29 Jurastudium an der Univ. Berlin, abgebrochen; Unterricht in Cellospiel u. Musiktheorie am Sternschen Konservatorium Berlin; 1930/31 Klavierspiel u. Kompositionen für eine Agit.-Prop.-Gruppe; 1932 KPD; 1933 nach illeg. pol. Arbeit Emigr. ins Saarl.; 1935 Flucht nach Paris; 1936 – 39 Interbrigadist im span. Bürgerkrieg; 1938 KP Spaniens; 1939 – 41 in Frankreich interniert (St. Cyprien, Gurs, Le Vernet); 1941 nach Dtl. ausgeliefert; 1941 – 45 KZ Sachsenhausen. 1945 Musikref. beim Volksbildungsamt Berlin-Pankow, Chorltr., Arbeit in Kabaretts; 1946 KPD/SED; 1948 Mitgl. der Autorengr. »Unser Lied – unser Leben« beim Berliner Rundfunk; Kulturref. beim ZR der FDJ; Mitbegr. u. Dir. der Nat. Kulturgr. der FDJ; 1951 Gründungs- u. Vorstandsmitgl. des VDK; freischaff. Komponist; 1953 NP; 1964 – 68 Dir. des Konservatoriums Schwerin; 1968 Rückkehr nach Berlin; 1977/78 zwei Reisen in die Ukraine zur Erdgastrasse; verh. mit der DEFA-Regisseurin u. Theaterintendantin Eva Fritzsche; gest. in Berlin. Kompositionen: etwa 250 – 300 Lieder, darunter Massenlieder (»Thälmannlied«, »Ich trage eine Fahne«), Chöre, Kantaten, Bühnenwerke (Operette »Der Bolero«, Berlin 1952), Filmmusiken, Fernsehkomödien für Kinder, Instrumentalkompositionen für kleine Besetzungen, Orchestermusik.Ein Lied – ein Atemzug. Erinnerungen u. Dokumente. Berlin 1987 (Hrsg. M. Machlitt). Vor der Kraft des Liedes. Entscheidungen im Leben des Komponisten E. S. (Fernsehportrait). DFF 1984.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Schmidt, Erhard

* 13.1.1876 – ✝ 6.12.1959

Geb. in Dorpat (Rußland / Tartu, Estland); Vater Physiologe; Studium der Mathematik u. Physik an den Univ. Dorpat, Berlin u. Göttingen; hier 1905 Prom. bei David Hilbert; 1906 Habil. in Bonn; 1908 ord. Prof. in Zürich, später in Erlangen u. Breslau; 1917 als Nachf. von Hermann Amandus Schwarz an die Berliner Univ. berufen, hier bis zu seiner Em. 1950 tätig; 1918 Ord. Mitgl. der Preuß. AdW; 1929 – 30 Rektor der Berliner Univ.; unterstützte in der NS-Zeit den entlassenen Issai Schur. Jan. 1946 Aufn. des Lehrbetriebs am I. Mathemat. Inst. als einer der ersten Prof. an der wiedereröffneten Univ.; 1950 em.; bis 1958 auch Mitgl. im Direktorium des neugegr. DAW-Forschungsinst. für Mathematik, später Inst. für Reine u. Angewandte Mathematik; 1949 NP; gest. in Berlin. Arbeitsgebiete: Theorie der linearen Integralgleichungen, Algebra, Potentialtheorie.Annette Vogt

Wer war wer in DDR

Schmidt, Hans

* 10.12.1893 – ✝ 18.6.1972

Geb. in Basel; Vater Prof.: 1904 – 12 Gymn. in Basel; 1913 – 17 Studium der Architektur in München, 1917 / 18 Studium an der ETH Zürich; 1922 – 30 Architekt in Basel; 1928 Mitbegr. des Congrès International d’Architecture Moderne (CIAM); 1930 – 32 Wohnsiedl. Neubühl (b. Zürich); 1930 – 37 Architekt in Moskau (mit Ernst May u. Hannes Mayer), 1937 Rückkehr nach Basel wg. polit. Schwierigkeiten während der stalinist. Säuberungen, Realisierung der Stadtplanung von Orsk / Orenburg; 1937 – 55 Architekturbüro in Basel; 1943 – 55 Mitgl. der verbotenen KP der Schweiz; Mitbegr. der Partei d. Arbeit der Schweiz (PdA); Präs. der PdA, Sektion Basel, 1944 / 45 Schweizer. Präs. der Förderation der PdA, 1944 – 55 Großrat der PdA in Basel; 1946 Pläne zum Wiederaufbau von Warschau; 1948 Wiederaufbau des Rau-Palais (1868, zerstört 1944) zum Schweizer Gesandtschaftsgebäude; 1951 polit. Boykott in Fachkreisen; 1954 Teiln. an der 8. Plenarsitzung der DBA auf Einladung des DBA-Präs.  Kurt Liebknecht, den S. von seinem Aufenth. in Moskau kannte; 1955 Teiln. am II. Bundeskongreß des DBA in Berlin (der die Industrialisierung des Bauens in der DDR beschloß; 1955 Berufung, 1.1.1956 Chefarchitekt am Inst. für Typung beim Min. für Aufbau, Übersiedl. nach Berlin, 1958 DDR-Vertreter beim 5. Weltkongreß für Architektur in Moskau; 1958 / 59 Wettbewerb Zentrum Ost-Berlin; 1958 – 61 Dir. des Inst. für Theorie u. Gesch. der Baukunst an der DBA; Prof. Dr.-Ing.; 1958 – 69 Ord. Mitglied der DBA; 1962 – 69 Chefarchitekt des Inst. für Städtebau u. Architektur der DBA; 1963 Ehrendoktor der DBA; 1955 – 69 versch. Wettbewerbsbeteiligungen des Kollektivs H. S. für Zentrumsplanungen Hoyerswerda (1956), Potsdam (1959 / 60), Dresden (1962), Erfurt (1967); zahlr. Studien zur Neugestaltung von Stadtzentren in der gesamten DDR; 1969 Pensionierung; Rückkehr nach Basel, Vorträge an versch. Hochschulen; gest. in Soglio (Schweiz).Architektur. Eindrücke einer Reise in die DDR. In: Deutsche Architektur (DA) (1955) 8; Meine Auffassung von den Aufgaben der Architektur. Ms. 1957. Archiv ETH Zürich; Beiträge zur Architektur 1924 – 64. Berlin 1965; Wohnungsbau in Frankreich. In.: DA (1965) 11; Gestaltung u. Umgestaltung der Stadt: Beiträge zum soz. Städtebau. Berlin 1970 (mit R. Linke u. G. Wessel); Der Architekt im Klassenkampf. In: Kieren, M. (Hg.): Schweizer Städtebauer bei den Sowjets. Baden 1990. Weinrich, K.: H.S. zum Gedenken. In.: DA (1972) 10; Zeuchner, G., Wessel, G.: 85 Jahre H.S. In.: AdDDR (1978) 12; Suter, U. H. S.: 1893 – 1972. Architekt in Basel, Moskau, Berlin-Ost, Zürich 1993; Huber, B.: Die Stadt des Neuen Bauens: Projekte u. Theorien von H.S., Zürich 1993; Barth, H., Topfstedt, T. u. a.: Vom Baukünstler zum Komplexprojektanten. Architekten in der DDR. Erkner 2000; Durth, W. u. a.: Architektur u. Städtebau der DDR. Berlin 2007.Philipp Mäder / Volker Wagner

Wer war wer in DDR

Schmidt, Hans

* 17.1.1923

Geb. in Klaber (Krs. Güstrow); Vater Arbeiter; Volksschule in Rostock; 1928 – 33 SAJ (Rote Falken); 1937 – 40 Ausbildung zum Metallflugzeugbauer; danach im Beruf tätig; ab 1942 Militärdienst, Flak; zugl. Flugzeugbau-Studium an der Ing.-Schule Stettin, 1943 Abbruch des Studiums; Kriegsdienst (Flak). 1945 – 47 Maschinenschlosser in Rostock; 1946 SPD/SED; FDGB; 1947 Betriebsratsvors.; Mitgl. des Landesvorst. Mecklenb. der IG Metall; 1948/49 Besuch von Partei- u. Gewerkschaftsschulen; 1949 Mitgl. des Zentralvorst. der IG Metall u. seines Sekr.; seit Sept. 1952 Vors. der IG Metall (Nachf. von Emil Otto); 2.10.1953 Absetzung als Vors. u. Ausschl. aus dem Zentralvorst. der IG wegen »arbeiterfeindl. Haltung« am u. nach dem 17.6.1953, 16.9.1953 SED- u. 1.10.1953 FDGB-Ausschl. u. a. wegen »falscher Konzeption« über die Stellung der Gewerkschaften zu Staat u. SED sowie wegen »Fraktionsbildung«; anschl. Maschinenschlosser in der Neptunwerft Rostock; zeitw. Assistent des Werkltr.; 1954/ 55 Aufhebung des SED- u. FDGB-Ausschl.; ab 1956 tätig im Fischkombinat Rostock; Ruhestand.Die Rolle des Meisters. Berlin 1951. Hürtgen, R.: Zwischen Disziplinierung u. Partizipation. Köln 2005.Helmut Müller-Enbergs

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Schlanert, Karl

* 25.10.1891 – ✝ 6.9.1972

Geboren am 25. Oktober 1891 in Lübeck; dort Schiffszimmerer. 1920 trat Schlanert der KPD bei und gehörte von 1924 bis 1928 der Lübecker Bürgerschaft an. Nach 1933 betätigte er sich illegal für die KPD, wurde am 11. Oktober 1935 festgenommen und am 30. September 1936 vom Hanseatischen OLG zu einem Jahr und drei Monaten Gefängnis verurteilt, kam anschließend in die KZs Sachsenhausen und Buchenwald. Im Zuge der Amnestie anläßlich Hitlers 50.Geburtstag wurde Schlanert am 20. April 1939 entlassen. Am 20. August 1944 erneut verhaftet, saß er bis zum 23. Oktober 1944 im KZ Neuengamme. 1945 gehörte er der ernannten Bürgerschaft von Lübeck an und arbeitete als Gewerkschaftssekretär. Karl Schlanert starb am 6.September 1972 in Lübeck.

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Schleiff, Henning

* 2.11.1937

Geb. in Malchow (Mecklenb.); OS, Abitur; Studium an der Univ. Rostock, 1960 Dipl.-Ing.-Ökon.; Sekr. der FDJ-Hochschulgr.; 1959 SED; 1963 – 69 1. Sekr. der FDJ-KL Rostock-Stadt u. Mitgl. der SED-KL; 1963 – 71 Mitgl. des ZR der FDJ; 1965 – 70 u. erneut ab 1974 Stadtverordn. von Rostock; 1970 – 74 Aspirant am IfG, Prom.; 1974/75 1. Stellv. des OB, ab 1975 OB von Rostock (Nachf. von Heinz Kochs); 1974 – 89 Mitgl. des Sekr. der SED-KL Rostock; 1976 – 81 Kand., 1981 – 89 Mitgl. der SED-BL; Vors. der Vereinigung der Mitgl.-Städte der DDR in der Weltföderation der Partnerstädte; 26.3.1990 als OB zurückgetreten; 1978 VVO. 1990 Mitarb. auf dem Flußkreuzfahrtschiff MS Prinzessin von Preußen, Personalchef der Reederei Dellmann in Neustadt; Mai 2005 Vors. der AG Kommunale Politik beim PDS-KV Rostock; Geschäftsf. des Vereins Societät Rostock; lebt in Neustadt-Glewe.Wiss.-techn. Fortschritt – Soz. Arbeit – Persönlichkeit. Berlin 1976 (zus. mit W. Fritze u. N. Pauligk).Helmut Müller-Enbergs

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Schlesinger, Klaus

* 9.1.1937 – ✝ 11.5.2001

Geb. in Berlin; Vater Arbeiter; Grundschule; Ausbildung zum Chemielaboranten; studierte mehrere Semester an der Ing.-HS in Berlin (West) u. Fürstenwalde; erste liter. Veröff. 1960; seit 1964 freier Journalist u. Schriftst.; 1964/65 Reportagekurs bei Jean Villain; 1971 erste Buchveröff. (Roman »Michael«); 1972 Fernkurs am Lit.-Inst. »Johannes R. Becher« in Leipzig; seit 1973 Mitgl. im SV; org. mit  Bettina Wegner 1974/75 bis zum staatl. Verbot in Berlin die Veranstaltungsreihen »Eintopp« bzw. »Kramladen«; 1974 Mitinitiator (mit  Ulrich Plenzdorf u.  Martin Stade) der Autorenanthol. »Berliner Geschichten«, die 1976 nach massiven Eingriffen des SV u. des MfS aufgegeben wurde; ab 1974 vom MfS in den OV »Schreiberling« u. »Selbstverlag« bearbeitet; 1976 Mitorganisator einer Solidaritätserklärung zum Protest gegen die Ausbürgerung  Wolf Biermanns; 1979 Mitunterz. eines an  Erich Honecker gerichteten Briefs von acht Schriftst., in dem die repressive Kulturpol. angeprangert u. das Verfahren gegen  Stefan Heym wegen »Devisenvergehens« verurteilt wird; daraufhin im Juni 1979 (mit Stefan Heym u. sieben weiteren Schriftst.) Ausschl. aus dem SV; 1980 Übersiedl. nach Berlin (West); engagierte sich dort in der Hausbesetzerszene; Arbeit für Medien (Hörspiele, Fernsehfilme); zeitw. verh. mit  Bettina Wegner; Mitgl. des PEN-Zentrums der Bundesrep. Dtl.; 1987 Ernst-Reuter-Preis. 1994 Ehrengabe der Dt. Schillerstiftung Weimar; 2000 Erich-Fried-Preis; gest. in Berlin.Ikarus. Berlin 1975 (Filmszenarium); Alte Filme. Berlin 1975; Berliner Traum. Rostock 1977; Leben im Winter. Rostock 1980; Fliegender Wechsel. Persönl. Chronik. Rostock 1990; Plenzdorf, U., S., K., Stade, M. (Hrsg.): Berliner Geschichten. »Operativer Vorgang Selbstverlag«. Eine Autoren-Anthol.: wie sie entstand u. von der Stasi verhindert wurde. Frankfurt (Main) 1995; Die Sache mit Randow. Berlin 1996; Von der Schwierigkeit, Westler zu werden. Berlin 1998; Trug. Berlin 2000; Die Seele der Männer. Berlin 2003. Seeliger-Würtz, S.: Die liter. Darstellung der Alltagswelt – eine Untersuchung zu Prosatexten von G. Grass, P. Handke, H. E. Nossack u. K. S. Diss. Freiburg i. Br. 1992; Kiwus, K. (Hrsg.): Berlin – ein Ort zum Schreiben. Berlin 1996.Bernd-Rainer Barth

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Schlimme (jun.), Hermann

* 11.4.1921 – ✝ 6.11.1980

Geb. in Halle (Saale), Vater  H. S. (sen.) Gewerkschaftsfunktionär; Volksschule u. Realgymnasium; 1934 – 40 Lehre u. Arbeit als Spediteur u. Expedient bei der Fa. Gustav Knauer Berlin; 1940/41 RAD; 1941 – 45 Wehrmacht, 1945/46 brit. Kriegsgef. in Italien. 1946 – 49 Expedient, 1949/50 Sozialdir., 1950 – 53 kaufm. Dir. u. Vorstandsmitgl. des Unternehmens »Derurta« Berlin; 1952 – 54 GD der Staatl. Oderschiffahrtsges.; 1954 – 1964 GD der »Deutrans«; 1958 – 61 Studium an der PHS der SED, Dipl.-Gesellschaftswiss.; zusätzl. Studium mit Abschluß als Dipl.-Wirtsch.; 1964 – 67 Ltr. der HV Seeverkehr- u. Hafenwirtsch.; 1967 – 80 Dir. bzw. GD des VEB Kombinat Deutrans; Vertreter der DDR u. zeitw. Vizepräs. in der Internat. Spediteursges. FIATA.Andreas Herbst

Schlott, Volker

* 20.4.1958

Geb. in Oelsnitz (Vogtl.), dort erste musikal. Ausb. an der Musikschule; 1974 – 78 Studium an der Hochschule für Musik »[linkintern=?ID=706]Hanns Eisler[/linkintern]« in Berlin (Saxophon, Flöte, Klavier), dort seit 1995 Dozent; seit 1978 profess. Musiker in versch. Genres: in Wolfgang Fiedlers Band »Fusion« (1978 Auftritt bei der »Jazzbühne Berlin«, auf LP veröffentlicht), 1980 – 83 im Quartett von  [linkintern=?ID=1920]Uwe Kropinski[/linkintern] (1981 auf Kleeblatt-LP veröffentlicht), zeitweilig Mitgl. der Hannes Zerbe Blechband, im Trio Fiedler-Einer-Schlott (1987 LP »Unit«), im Jazzorchester der DDR (1988 Live-Doppel-LP), in der College Band (1990 CD »College – The East Berlin Guest Orchestra«) und in Workshops um Johannes Bauer, 1982 beim Music Workshop Frankfurt (Oder) erste Kompositionen für »20-Mann-Saxophon-Orchester« (»1.-3. Saxophonie«); eigene Projekte: das 1985 gegründete Bläserquartett »Fun Horns« (ursprünglich zusammen mit dem Saxophonisten Thomas Klemm, dem Trompeter Joachim Hesse und dem Posaunisten Jörg Huke – Veröffentlichungen: LP »Natural Music« (1988), CDs »Surprise« (1990), »Live in South America« (1992), »Live And Latin« (1993), »Choral Concert« (1993), »Der Mond ist aufgegangen« (1996 Preis der Deutschen Schallplattenkritik) und »Song for Horns« (2002); Duo mit U. Kropinski schon Anfang der 1980er Jahre, um den ungarischen Saxophonisten Tony Lakatos zum Trio erweitert erfolgreich bei der Warschauer Jazz Jamboree; nach 1990 wieder Duo-Arbeit mit Kropinski (CD »Dinner for One«, 1994); Solo-CD »The 12 Seasons« (1992); V. S. Quartett mit Jürgen Heckel (Gitarre), Martin Lillich (Bass) und Ulli Moritz (Schlagzeug); CD-Veröffentlichungen: »The Day Before« (1992), »Why Not« (1995 Jahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik) und »Akribik« (1998); seit 1995 Gruppe PAmagieRA mit Henning Schmiedt (Piano) und Ulli Moritz (Perkussion); CDs: »PAmagieRA« (1995) und »Okanagan« (1998); Duo mit dem Pianisten Dieter Kühnlein (1997 CD »Sweet Ballad Sweet«); insg. seit 1978 Mitwirkung als Musiker oder Komponist bei über 60 CD-Produktionen; internationale Tourneen mit Pierre Dorges »New Jungle Orchestra und Gebhard Ullmanns »Talam 10« durch Australien, Kanada und die USA, mit den Fun Horns durch Südamerika, Asien und Europa; Mitwirkung in internationalen Workshop-Bands von Cecil Taylor (CD »Live in Berlin«), Joachim Kühn, Tony Oxley, Rei Harakami, Simon Nabatow, John Tchicai, Harry Beckett,  Günter Sommer u. a.; Kompositionen für Theater und Hörspiele; Veröffentlichung des eigenen SpielBuchs »Saxofun« (AMA-Verlag); seit 1996 Zusammenarbeit mit Mikis Theodorakis und Maria Farantouri (Konzerte weltweit und acht CD-Produktionen) und mit der in Berlin lebenden Sängerin Jocelyn B. Smith aus den USA (sechs CD-Produktionen).

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Schlüter, Klaus

* 24.7.1939

Geb. in Hof Jörnstorf (Krs. Bad Doberan) in der Familie eines Gutspächters, aufgew. in Schwerin; 1958 Abitur; 1958 – 60 Lehre als Landvermesser; anschl. Studium der Geodäsie an der TU Dresden, unterbrochen durch achtmonatige Haft wegen »aufrührer. Zusammenrottung« u. durch »Bewährung in der Praxis« als Landvermesser in Mecklenb.; 1969 Abschl. des Studiums als Dipl.-Ing. für Geodäsie; danach bis 1989 versch. Tätigkeiten auf dem Gebiet der EDV; seit der Schulzeit im Naturschutz engagiert, später Mitarb. in der Dresdener ESG, in kirchl. Natur- u. Umweltschutzgr. sowie Fachgr. der Ges. für Natur u. Umwelt im KB (GNU); 1987 Mitbegr. einer GNU-Fachgr. Stadtökologie, Mitorganisator DDR-weiter Vernetzung der stadtökolog. Gruppen; Nov. 1989 Mitgl. der Initiativgr. für die Gründung der Grünen Liga (GL); Dez. 1989 – März 1990 Vertreter der GL am Zentr. Runden Tisch; Febr. 1990 Gründungsmitgl. u. Sprecher (später Bundessprecher) der GL, Befürworter der Eigenständigkeit der GL gegenüber westdt. Umweltverbänden; Febr. – April 1990 Min. ohne Geschäftsber. in der zweiten Reg.  Hans Modrow; Mitarb. am Nationalparkprogramm. 1990 – 94 wiss. Mitarb. beim Landtag Mecklenb.-Vorpom.; anschl. arbeitslos; 1993/94 ehrenamtl. Mitarb. in der Aktion »Landschaft des Jahres«, dann in der daraus hervorgegangenen Stiftung Odermündung; seit 1999 Rentner; lebt in Schwerin.Jan Wielgohs

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Schmellenmeier, Heinz Paul Philipp

* 6.1.1909 – ✝ 31.8.1994

Geb. in Berlin; Vater Beamter im Telegraphendienst; 1920 – 27 Königstädt. Oberrealschule in Berlin, Abitur; nach anfängl. Studium der Germanistik u. Gesch. ab 1929 Studium der Physik u. Chemie an der Univ. Berlin, dort 1935 Prom.; ab 1932 Mitarb. der Studiengesell. für elektr. Beleuchtung (OSRAM), dort Schüler von Marcello Pirani; 1932 KPD, 1936 wg. illeg. Arbeit 5 Monate bei der Gestapo in U-Haft; danach u. a. bei der C. Lorentz AG in Berlin beschäftigt; 1941 Gründung des »Entwicklungslaboratoriums Dr. Schmellenmeier« in Berlin-Lankwitz, das u. a. für das Heereswaffenamt das »Rheotron« (Betatron) weiterentwickeln sollte (u. jüd. Mitarb. vor der Deportation bewahrte), 1944 Verlagerung des Labors nach Oberoderwitz (Oberlausitz). 1946 Rückkehr nach Berlin; versch. Tätigkeiten, u. a. in der Zentralverw. für Volksbildung der SBZ; 1947 – 49 Mitarb. am Inst. für Lehrmittelforschung der HU Berlin; 1950 – 56 Prof. für Physik u. Dir. des Inst. für Experimentalphysik der PH Potsdam; 1953 Habil.; 1956 – 61 Prof. u. Dir. des Inst. für Techn. Physik u. 1958 – 61 Rektor der TH für Chemie Leuna-Merseburg (Nachf. von  Eberhard Leibnitz), 1961 – 66 Dir. der Forschungsstelle für Techn. Gasentladungen bei der DAW in Potsdam, 1967 – 71 Sonderbeauftragter für Werkstoffkunde der Elektronik der DAW; ab 1955 Mitgl. im Präsidialrat u. ab 1965 Vors. der Kommission Wiss. des KB; 1974 em.; VVO; Pestalozzi-Med.; Med. Kämpfer gegen Faschismus; Gustav-Hertz-Med. der Physikal. Gesell. der DDR; gest. in Berlin. Forschungsschwerpunkt: (licht-)techn. Gasentladungsphysik u. Galvanotechnik; 1953 konnte S. künstl. Diamanten als Produkt von Acetylen-Gasentladungen herstellen.Kohlenstoffschichten mit Diamantstruktur. In: Ztschr. für physikal. Chemie (1956) 205; Licht u. Beleuchtung. Zur Gesch. der Lichttechnik. Berlin 1982. Waloschek, P.: Todesstrahlen als Lebensretter. Hamburg 2004.Horst Kant

Wer war wer in DDR

Schmidt, Annerose

* 5.10.1936

Geb. in Wittenberg; ab 1941 Klavierunterricht bei ihrem Vater; 1945 erstes öffentl. Konzert; 1948 Berufsausweis als staatl. anerkannte Konzertpianistin; seit 1949 Konzerte beim Berliner Rundfunk; 1953 – 57 Studium an der HS für Musik Leipzig; 1957 Beginn der internat. Konzerttätigkeit; ihr Repertoire umfaßt annähernd 80 Solokonzerte des 18. u. 19. Jh. bis zu Kompositionen der Gegenwart, u. a. sämtl. Klavierkonzerte von Wolfgang A. Mozart, Ludwig v. Beethoven, Béla Bartók, Frédéric Chopin, Maurice Ravel, das gesamte Klavierschaffen von Robert Schumann u. Johannes Brahms; sie erhielt zahlr. nat. u. internat. Musikpreise; 1986 – 90 AdK; Doz. bei den Internat. Musikseminaren in Weimar; Jurorin bei pianist. Wettbewerben; Mitgl. des Kuratoriums des Schauspielhauses Berlin; 1965 u. 1984 NP; 1985 Prof. an der HS für Musik »Hanns Eisler« Berlin, dort 1990 – 95 Rektorin; 2003 Bundesverdienstkreuz; 2006 aus gesundheitl. Gründen Beendigung der Konzerttätigkeit.Christiane Niklew

Wer war wer in DDR

Schmidt, Elli

* 9.8.1908 – ✝ 30.7.1980

Geb. in Berlin-Wedding; Vater Polizist, Mutter Plätterin; 1914 – 22 Volksschule in Berlin; 1922 – 26 Ausbildung zur Schneiderin; 1926 – 32 im Beruf tätig; 1925 Bekleidungsarbeiterverb. im ADGB; 1926 Arbeitersportverein »Fichte«; 1927 KJVD u. KPD; 1931/32 Ltr. der Abt. Frauen der KPD-BL Berlin; 1932 – 34 Besuch der Internat. Leninschule in Moskau (»Irene Gärtner«); 1934 Rückkehr nach Dtl.; Pol.-Ltr. des KPD-Bez. Niederrhein; 1935 Teiln. am VII. Weltkongreß der KI; 1935 – 46 Mitgl. des ZK der KPD; 1936/37 erneut illeg. nach Dtl.; Pol.-Ltr. des KPD-Bez. Berlin; 1937 – 40 pol. Mitarb. des Sekr. des ZK der KPD in Paris; 1940 – 45 Emigr. in die UdSSR; Mitarb. im Inradio; 1941 Evakuierung nach Lesnoi (Kurort an der Wetluga); ab Herbst 1942 Mitarb. u. später Red. der Frauensendungen des Dt. Volkssenders u. des NKFD; 1944/ 45 Mitarb. an programmat. KPD-Dokumenten für die Nachkriegszeit. Juni 1945 Rückkehr nach Dtl.; Mitunterz. des Aufrufs der KPD vom 11.6.1945; ab Juli 1945 Mitgl. des Sekr. des ZK der KPD; Ltr. der Abt. Frauen im ZS der KPD; Vors. des Zentr. Frauenaussch. beim Magistrat von Groß-Berlin; 1945/46 Mitgl. der SED-LL Groß-Berlin; Mitautorin der »Grundsätze u. Ziele der SED«; 1946 – 54 Mitgl. des PV bzw. ZK der SED; 1946 – 50 des ZS, zus. mit  Käthe Kern parität. Ltr. des Frauensekr.; 1946 – 48 Abg. der Berliner Stadtverordnetenvers.; 1947 Mitgl. des DFD-Vorst., 1948 1. Vors. des DFD Berlin, Mai 1949 – Sept. 1953 1. Vors. des DFD (Nachf. von  Anne-Marie Durand-Wever); Mitgl. des Rats u. der Exekutive der Internat. Demokrat. Frauenföderation (IDFF); 1949 – 54 Abg. der (Prov.) Volkskammer; 1949 Mitgl. ihres Präs.; 1950 Ltr. der Kommission zur Ausarbeitung des Gesetzes über den Mütter- u. Kinderschutz u. die Rechte der Frau; Febr. 1953 Vors. der Staatl. Kommission für Handel u. Versorgung; 1950 Mitgl. des Präs. des NR der NF; 1950 – 54 Mitgl. des ZK der SED; 1950 – Juni 1953 Kand. des PB des ZK der SED: wegen Unterstützung von  Wilhelm Zaisser u.  Rudolf Herrnstadt aller leitenden Funktionen enthoben, Jan. 1954 Parteirüge u. Ausschl. aus dem ZK der SED; 1953 – 67 Dir. des Inst. für Bekleidungskultur, später des Dt. Modeinst.; 29.7.1956 vom ZK der SED rehabil.; war mit  Anton Ackermann verh.; 1965 VVO; 1966 Rentnerin; 1978 KMO; gest. in Berlin.Frauen helfen mit. Berlin 1945; Frauen in sieben Ländern. Berlin 1949; Alles für den Frieden. Berlin 1951; Gute Mütter unserer Kinder. Berlin 1952.Horst Laude / Helmut Müller-Enbergs

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Schmidt, Agnes

* 14.10.1875

Geboren am 14. Oktober 1875 in Gotha, vor der Jahrhundertwende Mitglied der SPD, während des Krieges der USPD, 1920 Übertritt zur KPD. Sie wurde 1921 als Abgeordnete in den Thüringer Landtag gewählt. Agnes Schmidt war einige Zeit für die Frauenarbeit in Thüringen verantwortlich. Als Anhängerin der Linken in der KPD zog sie auch 1924 wieder als Abgeordnete in den Thüringer Landtag ein. Zusammen mit Otto Geithner leitete sie 1925 die ultralinke Opposition in Thüringen. Nach dem Ausschluß Geithners aus der KPD solidarisierte sie sich mit ihm und trat 1926 aus der Partei aus. Sie gründete mit Geithner in Thüringen die KAG, eine ultralinke Gruppe, für die sie bei den Thüringer Landtagswahlen 1927 kandidierte, aber nicht gewählt wurde. Politisch trat sie dann nicht mehr hervor. Weitere Daten ihres Lebenslaufs ließen sich nicht in Erfahrung bringen.

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Schmidt, August Friedrich

* 13.7.1884 – ✝ 3.8.1939

(* 1884 – † 1939) Geboren am 13. Juli 1884 in Königsaue bei Quedlinburg; zunächst Landarbeiter, siedelte 1906 nach Hamburg über, Werftarbeiter am Staatskai. 1907 wurde er Mitglied der SPD, bei Kriegsende der USPD, Ende 1920 ging er mit der Mehrheit der Hamburger USPD zur VKPD. Von 1927 bis 1931 war Schmidt Abgeordneter der Hamburger Bürgerschaft. Er beteiligte sich aktiv am Aufbau der RGO und gehörte zur Führung des Einheitsverbandes der Seeleute, Hafenarbeiter und Binnenschiffer Deutschlands. 1933 leistete er illegalen Widerstand und leitete die KPD im Hamburger Stadtteil Winterhude. Deswegen wurde er am 17. September 1935 verhaftet und 1936 zu einer zweijährigen Gefängnisstrafe verurteilt. 1939 entlassen, starb August Friedrich Schmidt am 3. August 1939 in Hamburg.

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Schmidt, Erich

* 29.12.1895 – ✝ 6.2.1952

Geboren am 29. Dezember 1895 in Neubrandenburg, Sohn einer Arbeiterfamilie; lernte von 1910 bis 1912 Bürogehilfe, anschließend arbeitete er bei Gasanstalten. Von 1915 bis 1918 Soldat im Weltkrieg, 1919 Notstandsarbeiter. Im Januar 1919 wurde er Mitglied der SPD, Ende 1919 der USPD, im April 1920 der KPD, Vorsitzender der Ortsgruppe Neubrandenburg und von 1920 bis 1923 Stadtverordneter. Von Juli 1923 bis 1932 gehörte Erich Schmidt als Abgeordneter dem Landtag von Mecklenburg-Strelitz an. Am 6. Mai 1924 verhaftet und am 24. Juni 1925 vom Staatsgerichtshof in Leipzig zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt, Ende August 1925 jedoch durch die »Hindenburg-Amnestie« entlassen. Vom März bis Ende 1933 »Schutzhaft«. Ab 1934 Notstandsarbeiter bzw. ab Februar 1943 Lagerarbeiter in Neubrandenburg. Im Zuge der Gestapo-Verhaftungsaktion »Gewitter« im August/September 1944 erneut inhaftiert. 1945 wurde Schmidt wieder Mitglied der KPD, 2. Sekretär der KL Neubrandenburg, 1946 SED, er zog sich aus der politischen Arbeit zurück und war seit dem 1.September 1947 selbständig. Erich Schmidt starb am 6. Februar 1952 in Neubrandenburg.

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Schläwicke, Willi

* 10.4.1917 – ✝ 15.11.2003

Geb. in Berlin; Vater Lokführer; Volksschule; 1931 – 44 Lehre u. Arbeit als Buchhalter; 1941 – 44 Abendgymnasium; Sept. – Nov. 1944 Wehrmacht; dann wieder Buchhalter. Mai 1945 Einstellung bei der Kripo Berlin; 1945/46 KPD/SED; 1950 Einstellung beim MfS, Ltr. der Abt. Finanzen; 1953 Oberst; Ltr. der Abt. X (Fahndung); 1954 Ltr. der Abt. M (Postkontrolle); 1957 als MfS-OibeE stellv. Ltr. der HA Paß- u. Meldewesen des MdI; 1960 Ltr. der Abt. Nachrichten II der HV der DVP; 1963 Entlassung, Teilrentner u. Kaderinstrukteur; später Ltr. der VS-Stelle in einem VEB, GMS; 1977 Entlassung, Rentner; gest. in Neuenhagen (b. Berlin).Jens Gieseke

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Schleime, Cornelia

* 4.7.1953

Geb. in Berlin; 1970 – 72 Friseurlehre; dann bis 1974 Studium Maskenbildnerei an der HS für Bildende Kunst (HfBK) Dresden, Abbruch des Studiums; Pferdepflegerin an der Vollblutrennbahn Dresden; 1975 – 80 Studium der Grafik u. Malerei an der HfBK Dresden; 1980 – 82 Kand. des VBK; 1981 Ausstellungsverbot; Gründungsmitgl. einer Dresdener Psychedelic-Punkband; 1982 Austritt aus dem VBK; 1984 Übersiedl. nach Berlin (West); Verlust der bis dahin entstandenen künstler. Arbeiten, deren Verbleib bis heute ungeklärt; 1985 Arbeitsstipendium des Senators für Kulturelle Angelegenh. Berlin (West); 1989 – 90 DAAD-Stipendium in New York; 1989 – 92 Film Performances in Dtl. u. den USA, 1990 Lectures an versch. HS in Kalifornien. 1992 Preisträgerin der Projektbörse »Mauer im Kopf« der Stiftung Neue Kultur Berlin; 1992 Studienreise nach Kenia, 1993 Reisestipendium für Indonesien; 1995 Ltg. von Kreativworkshops für Industriemanager u. für Kinsey & Co.; zahlr. Ausstell. im In- u. Ausland, u. a. Niederl., Frankreich, Spanien, Portugal, Norwegen, USA, Japan, Brasilien, Polen u. der Schweiz; Veröff. von Gedichten in Anthol. u. Texten zur zeitgenöss. Kunst, Künstlerbücher; seit 2000 Mitgl. der Sächs. AdK; 2005 Professur in Münster.Bis auf weitere gute Zusammenarbeit, (1985) 7284. Amsterdam 1993; Ich sehe was, was ihr nicht seht. Oldenburg 2005; Weit fort. Roman. Hamburg 2008; Love affairs. München 2008; Lust. München 2008. Gillen, E.: Der Osten im Westen. In: Tiefe Blicke. Kunst der 80er Jahre. Köln 1985; Fritsche, K.: Interview mit C. S. In: Gegenbilder – Filmische Subversion in der DDR 1976 –89. Hrsgb. von K. Fritsche u. C. Löser. Berlin 1996; Kaiser, P., Petzold, C.: Boheme u. Diktatur in der DDR. Berlin 1997; Gallwitz, K.: C. S. – Notizen zum Nachlaß auf Lebenszeit. In: Eine etwas umständliche Art, sein Herz zu verlieren. Personalkat. C. S. Hrsg. von der Galerie Michael Schultz. Berlin 1998.Anke Scharnhorst

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Schlich, Robert

* 24.9.1875

Geboren am 24. September 1875 in Wittenberg; Arbeiter, übersiedelte um die Jahrhundertwende nach Breslau und wurde Mitglied der SPD. Seit März 1910 Angestellter des Transportarbeiterverbandes in Breslau, im Weltkrieg Soldat. Er gehörte zur Spartakusgruppe, seine Frau betreute 4 Rosa Luxemburg im Gefängnis. Schlich war als Breslauer Delegierter auf dem Gründungsparteitag der KPD Ende 1918. Anfang 1919 führte er die KPD-Organisation in Breslau, wurde im Frühjahr 1919 verhaftet, kam aber im April wieder frei. Robert Schlich trat später in der KPD nicht mehr hervor, Daten seines Lebenslaufs ließen sich nicht ermitteln.

Wer war wer in DDR

Schlimme (sen.), Hermann

* 14.9.1882 – ✝ 10.11.1955

Geb. in Langensalza; Vater Arbeiter; Volksschule; 1896 – 1903 Wanderschaft; Drechsler; 1899 Dt. Holzarbeiterverb.; 1904 – 07 Handelshilfsarb.; 1906 Dt. Transportarbeiterverb.; SPD; 1906 – 11 ehrenamtl. Gewerkschafts- u. Parteiarbeit, maßgebl. an Streikkämpfen beteiligt; 1907 – 11 Kontorist u. Buchhalter; 1911 –21 hauptamtl. Bez.-Ltr. des Dt. Transportarbeiterverb. in Halle; 1915 – 18 Kriegsdienst; 1918 USPD; danach wieder SPD; 1920 Teiln. an der Abwehr des Kapp-Putsches; 1922/23 FS für Verw. Berlin; 1923 – 31 persönl. Sekr. von Theodor Leipart, Mitarb. im vorläufigen Reichswirtschaftsrat; 1931 – 33 Sekr. des ADGB-Bundesvorst.; 1933 Mitgl. der Reichsltg. für den Wiederaufbau freier Gewerkschaften; Mai 1933 zeitw. inhaftiert; selbst. Lebensmittelhändler u. Buchhändler für Fachlit.; 1933 – 37 illeg. Tätigkeit als Beauftr. des Vorst. des Internat. Gewerkschaftsbunds; 20.1. 1937 Verhaftung, 8.12.1937 Verurteilung durch das Kammergericht Berlin wegen »Vorber. zum Hochverrat« zu drei Jahren Zuchthaus, bis 1940 Zuchthaus Brandenb.-Görden u. Amberg; 1940 – 45 Arbeit als Buchhalter in der Laborfabrik Karl Geyer Berlin. 1945 Mitunterz. des Aufrufs des Vorbereitenden Gewerkschaftsaussch. für Groß-Berlin; Mitgl. des ZA der SPD; 1946 SED; 1946 – 51 2. Vors. des FDGB-Vorst. Groß-Berlin; 1946 – 55 Mitgl. des FDGB-Bundesvorst. u. des PV bzw. ZK der SED; 1946 – 48 Abg. der Stadtverordnetenvers. Groß-Berlin; 1948/49 Mitgl. des Dt. Volksrats; ab 1949 Abg. der (Prov.) Volkskammer; 1949 – 53 Mitgl. des Gen.-Rats des WGB; 1951 – 55 Mitarb. des FDGB-Bundesvorst.Für Frieden u. Einheit. Aus Reden u. Schriften 1945 – 1955. Berlin 1957.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

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Schlotterbeck, Anna

* 2.5.1902 – ✝ 24.7.1972

Geb. in München; Vater Arbeiter, Mutter Hausfrau; Volksschule in München, anschl. Maschinenbauschule in Esslingen, Abschluß als techn. Zeichnerin; ab 1917 kunstgewerbl. Zeichnerin u. Stenotypistin bei der Bosch AG in Stuttgart-Feuerbach; 1918 SAJ, FSJ; Teiln. an den Nov.- u. Jan.-Kämpfen des Spartakusbundes in Stuttgart; 1924 KJVD u. KPD; Mitgl. der KJVD-BL in Königsberg, Danzig, Halle u. Berlin; verh. mit dem KPD-Funktionär Robert Leibbrand; 1927 / 28 Stenotypistin bei der KI in Moskau; KPdSU; 1929 – 33 Instrukteurin bzw. Frauenleiterin der KPD-BL Berlin-Brandenburg, Abg. der BVV Berlin-Pankow; 1930 – 33 Mitarb. im KPD-Pressedienst als Red. der Ztschr. »Die Arbeiterin«; Rednerin der KPD in Berlin; ab Febr. 1933 illeg. Arbeit; Sept. 1933 Emigr. in die Schweiz; Arbeit als Dienstmädchen, dann als Arztgehilfin bei ihrem späteren Ehemann Hans von Fischer (Heirat 1939); 1933 – 48 Mitgl. der KP der Schweiz; 1937 Gründung u. leitende Mitarb. der »Centrale Sanitaire Suisse« (zus. mit H. v. Fischer); illeg. Arbeit; 1939 Schweizer Staatsbürgerschaft; Kontakte zum Ltr. des »Unitarian Service Committee«, Noel H. Field (vor dem sie die SED 1946 als angebl. amerikan. Agenten »warnte«); ab 1945 Zusammenarb. mit den OdF-Aussch. bzw. VdN in Süddtl. u. der Süddt. Ärzte- u. Sanitätshilfe sowie der Volkssolidarität in der SBZ, Org. von internat. Hilfsaktionen für Oberitalien, Ungarn, span. Emigranten u. für Griechenl.; blieb auf Anweisung von  Franz Dahlem weiter in der Schweiz. Okt. 1948 Übersiedl. in die SBZ; 1949 SED; arbeitslos, dann Korresp. der »Tägl. Rundschau« bzw. beim SNB in Dresden; 1950 Kurzlehrgang an der SED-LPS; Febr. 1951 durch die LPKK Sachsen SED-Ausschluss wg. »Spionageverdachts«, Verbannung in die SDAG Wismut; März 1951 Heirat mit Friedrich Schlotterbeck; am 15.2.1953 zus. mit ihrem Mann ohne Angabe von Gründen Festnahme wg. »verbrecherischer Beziehungen zum amerikan. Agenten Noel H. Field«; U-Haft beim MfS Chemnitz, in Berlin-Hohenschönhausen u. in Rostock, dort im April 1954 in einem Geheimprozeß wg. »Kriegs- u. Boykotthetze« zu viereinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt; 1954 nach Berufungsverhandlung Verurteilung zu drei Jahren Zuchthaus; Feb. 1956 entlassen; lebte als Schriftstellerin u. Hörspielautorin in Groß-Glienicke (b. Potsdam); 1957 Tilgung der Strafe aus dem Strafregister der DDR u. parteiinterne Rehabilitierung durch die ZPKK; Mitgl. der Parteiltg. des DSV im Bez. Potsdam; verfaßte 1968 ein Manuskript über ihre Hafterlebnisse in der DDR (»Hohenschönhausen, Zelle 51«), das 1990 unter dem Titel »Die verbotene Hoffnung« erschien; gest. in Groß-Glienicke.Hinter den sieben Bergen. Zürich 1945 (unter dem Namen: Anna Josephine Fischer); Fallen, aber nicht zerbrechen. Aus der Chronik einer Haftzeit. In: Neue Deutsche Literatur, (1990) 5; Die verbotene Hoffnung: Aus dem Leben einer Kommunistin. Hamburg 1990. Mittenzwei, W.: Exil in der Schweiz. Leipzig 1978; Kurz, D.: Eine Oase von Unerschrockenheit, Heiterkeit u. Witz. Anna u. Friedrich Schlotterbeck: Opfer des Stalinismus. In: Vorwärts, 8.11.1990; Kießling, W.: Partner im Narrenparadies. Berlin 1994; Barth, B.-R. / Schweizer, W. (Hrsg.): Der Fall Noel Field. Berlin 2005 / 2007.Bernd-Rainer Barth

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Schlüter, Otto

* 12.11.1872 – ✝ 12.10.1959

Geb. in Witten (Ruhr); Vater Rechtsanwalt u. Notar; Burggymnasium Essen; 1891 – 95 zunächst Geschichts- u. Germanistikstudium, später Studium der Geogr., Geol., Mineral. u. Petrogr. in Freiburg i. Br., Halle u. Berlin; 1896 Prom. in Halle; 1898 – 1900 Assistent bei der Berliner Ges. für Erdkunde; 1906 Habil. im Fach Geogr. an der Univ. Berlin; hier 1906 – 11 Priv.-Doz.; 1911 – 38 ord. Prof. für Geogr. u. Dir. des Geograph. Inst. an der Univ. Halle; 1938 – 51 mit kurzen Unterbrechungen vertretungsw. weiter im Amt; 1952 Dr. rer. nat. h. c. der Univ. Leipzig; 1956 Ehrensenator der MLU Halle; 1923 Mitgl. der Leopoldina; 1942 – 52 Vizepräs.; 1952 – 53 21. Präs. der Leopoldina als Nachf. von Emil Abderhalden, für den er nach dessen von den amerik. Besatzungsbehörden erzwungenem Weggang ab 1945 bereits die Geschäfte am Sitz der Akad. in Halle geführt hatte; gest. in Halle. Arbeitsgebiete: Siedlungsgeogr., Geogr. der Kulturlandschaft, Altlandschaftsforschung für den mitteleurop. Raum u. Methodik der Geogr.Lebenslauf des ord. Prof. der Geogr. Dr. O. S. In: Petermanns Geograph. Mitteilungen (1952) 4 (mit Bibl.).Michael Kaasch

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Schmid, Hans Hermann

* 23.1.1884 – ✝ 23.10.1963

Geb. in Wien; Vater Kunstmaler; 1890 – 1902 Besuch des Humanist. Gymnasiums Wien, Matura; 1902 – 07 Medizinstudium an den Univ. Heidelberg u. Wien, 1907 Approbation u. Prom. in Wien, anschl. Ass. an der Universitätsfrauenklinik Wien, 1908 – 11 an der Chirurg. Universitätsklinik Wien; 1911 – 21 Oberarzt an der Universitätsfrauenklinik Prag, dort 1919 Habil., 1924 außerord. Professor; 1925 – 38 Dir. der Städt. Frauenklinik in Reichenberg (Liberec, Tschechien); 1938 von den Nationalsozialisten aus allen Ämtern entlassen; 1938 – 45 priv. Arztpraxis in Innsbruck u. Reichenberg. 1945 Prof. u. Dir. der Universitätsfrauenklinik Rostock; 1947 Dekan der Med. Fak. u. 1948 / 49 Rektor der Univ. Rostock (Nachf. von  Günther Rienäcker); 1957 em., 1961 Verdienter Arzt des Volkes; gest. in Rostock. Forschungsschwerpunkte: Gynäkologie, Chirurgie, über 100 wiss. Veröff.Scheidenbildung aus dem S-förmigen Dickdarm. Jena 1956.Martin Guntau

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Schmidt, Christa

* 3.4.1941

Geb. in Leipzig; 1947 – 55 Grundschule; 1955 – 59 Ausbildung zur Unterstufenlehrerin am Inst. für Lehrerfortbild.; 1959 – 64 Lehrerin an der Goethe-Schule in Mügeln, 1964 – 90 an der Sonderschule »Heinrich Pestalozzi« in Leipzig; 1972 – 74 postgrad. Studium der Sonderschulpäd. an der MLU Halle; 1973 CDU; 1976 – 80 außerplanm. Aspirantur an der MLU, Prom. zum Dr. paed. mit einer Arbeit über debile Schulkinder; 1979 – 89 Abg. der Stadtbezirksvers. Leipzig-Mitte bzw. Leipzig; März – Okt. 1990 Mitgl. der Volkskammer; April – Okt. 1990 Min. für Familie u. Frauen in der Reg.  de Maizière. Okt. – Dez. 1990 MdB; 1990 im Schulamt Leipzig, ab 1992 Ltr., dann Aufbau eines staatl. Seminars für das Lehramt an Förder- u. Grundschulen; lebt als Rentnerin in Leipzig.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schmidt, Elli

* 9.8.1908 – ✝ 30.7.1980

Geboren am 9. August 1908 in Berlin, Tochter eines Polizeibeamten; lernte Schneiderin. Seit 1927 Mitglied des KJVD und der KPD, von 1929 bis 1932 Mitglied der erweiterten KPD-BL Berlin-Brandenburg. Sie arbeitete in der Frauenabteilung der BL, reiste im Oktober 1932 nach Moskau und studierte bis 1934 unter dem Parteinamen Irene Gärtner an der Internationalen Leninschule. Im Herbst 1934 kehrte sie illegal nach Deutschland zurück, war Anfang des Jahres 1935 Polleiterin im Bezirk Niederrhein. Im Sommer 1935 nahm sie am VII. Weltkongreß der Komintern und anschließend an der »Brüsseler Konferenz« in Moskau teil und wurde als Irene Gärtner ins ZK gewählt. Bis 1937 Polleiterin des Bezirks Berlin, von 1937 bis 1940 im Sekretariat des ZK der KPD in Paris tätig, emigrierte sie 1940 in die Sowjetunion. 1941 zeitweilig aus Moskau evakuiert, arbeitete sie ab 1942 am »Deutschen Volkssender« und wirkte innerhalb des NKFD. Anfang Juni 1945 nach Deutschland zurückgekehrt, unterschrieb sie den Aufruf des ZK der KPD vom 11. Juni 1945 mit ihrem Parteinamen Irene Gärtner, leitete 1945/46 das Frauensekretariat des ZK der KPD und war Vorsitzende des Zentralen Frauenausschusses beim Magistrat von Groß-Berlin. Ab 1946 Mitglied des PV bzw. des ZK der SED und des Zentralsekretariats. Sie war von 1947 bis 1949 Vorsitzende des DFD-Landesverbandes Groß-Berlin, im Mai 1949 wurde sie anstelle von Emmi Damerius-Koenen 1. Vorsitzende des DFD-Bundesvorstands. Elli Schmidt, die seit ihrer Moskauer Zeit mit Anton Ackermann zusammenlebte, bis 1949 mit ihm verheiratet war und zwei Kinder hatte, wurde auf dem III. Parteitag der SED 1950 Kandidatin des Politbüros. Nach dem 17. Juni 1953 gehörte sie zu den schärfsten Kritikern Walter Ulbrichts und forderte dessen Ablösung als Generalsekretär. Deswegen kam sie bei der Neuwahl des Politbüros am 26. Juli 1953 nicht mehr ins Politbüro, erhielt im Januar 1954 eine Rüge und wurde »wegen nicht parteimäßigen Verhaltens« aus dem ZK ausgeschlossen. Am 10. September 1953 verlor Elli Schmidt den Vorsitz des DFD, weil sie, so die offizielle Begründung »in den Tagen der faschistischen Provokation die Interessen der Frauen und des Volkes nicht konsequent vertreten hat«. Die gelernte Schneiderin wurde im Januar 1954 Direktorin des Instituts für Bekleidungskultur, des späteren Deutschen Modeinstituts in Ost-Berlin. Im Juli 1956 formal »rehabilitiert«, lebte sie ab 1967 als Rentnerin in Ost-Berlin, sie erhielt 1978 den Karl-Marx-Orden. Elli Schmidt starb am 30. Juli 1980.Horst Laude / Helmut Müller-Enbergs

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Schmidt, Günter

* 13.1.1929 – ✝ 14.4.2016

Geb. in Johanngeorgenstadt (Erzgeb.); Vater Gasmstr.; Volksschule; 1943 – 46 Lehre als Fernmeldetechniker. 1946 KPD; 1948 – 51 Ing.-Schule Zwickau, Elektro-Ing.; 1951 Ltr. eines Fernmeldeamts; dann im Min. für Post- u. Fernmeldewesen tätig; 1952/53 Fernstudium Elektro- u. Nachrichtentechnik an der TU Dresden, abgebrochen; 1953 Einstellung beim MfS Berlin, Abt. VI (Staatsapparat/Parteien); dann Versetzung zur Abt. S (Sicherstellung); 1957 Stellv. des Ltr. der Abt. O (Operativ-techn. Kontrollmaßn.); 1959 Büro der Ltg./E; 1960 Ltr. der Abt. 26 (Telefonüberwachung); 1962/63 Lehrgang an der BPS »Julian Marchlewski« Kleinmachnow; 1963 Stellv. des Ltr., 1965/66 kommissar. Ltr., 1966 – 68 1. Stellv. des Ltr., 1968 Ltr. des Operativ-techn. Sektors (OTS); 1967 – 70 Fernstudium der Kriminalistik an der HU Berlin, Dipl.-Kriminologe; 1974 VVO; 1979 Gen.-Major; 1989/90 Entlassung.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Schmidt, Hans

* 24.7.1915 – ✝ 15.12.1995

Geb. in Erfurt; Vater Schlosser; Volksschule; 1929 – 32 Lehre als Klempner u. Installateur in Erfurt; Fachschule der Klempner u. Installateure; 1932 – 35 Geselle in Erfurt; 1929 SAJ; 1935 / 36 RAD; 1936 / 37 erneut Geselle in Erfurt, 1937 – 45 Wehrmacht; 1945 / 46 brit. Kriegsgef. 1946 – 50 Klempner im Synthesewerk Schwarzheide; 1949 Meisterprüfung; 1951 SED; 1950 – 55 Kreisrat bzw. Vors. des Rats des Krs. Senftenberg; 1953 u. 1955 / 56 Stud., später Fernstud. an der DASR Potsdam, 1962 Dipl.-Staatswiss.; 1956 – 62 1. Sekr. der SED-KL Cottbus-Stadt; 1962 – 71 Vors. des Rates des Bez. Cottbus, auf eigenen Wunsch aus gesundheitl. Gründen abgelöst u. invalidisiert; später ehrenamtl. Mitarb. der SED-BL Cottbus u. Vors. der »Kommission zur Betreuung alter verdienter Parteimitglieder« der BL Cottbus; gest. in Cottbus.Andreas Herbst

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Schmidt, Hans-Dieter

* 29.3.1927 – ✝ 4.6.2007

Geb. in Schwachenwalde (Krs. Arnswalde, Brandenburg / Chłopowo, Polen), aufgewachsen in Perleberg; Vater Lehrer; ab 1933 Schulbesuch in Perleberg mit Unterbrechung durch Arbeitsdienst, Wehrdienst u. Kriegsgef. 1946 Abitur; 1946 – 49 Neulehrer in Kleinow bei Perleberg (nach 1. Lehrerprüfung 1948 Schulamtsanwärter); seit 1949 zunächst Studium der Pädagogik, ab 1951 Studium der Psychol. an der HU Berlin, dort 1953 Dipl.; 1953 – 56 Ass. am Inst. für Psychol. der HU Berlin; 1956 Prom. mit der Studie »Das Verhalten von Haushunden in Konfliktsituationen«; Schüler von Kurt Gottschaldt; 1957 – 59 dessen Ass. in der Arbeitsstelle für experimentelle u. angewandte Psychol. der DAW in Berlin; 1959 – 60 Mitarbeiter am Inst. für päd. Psychol. der HU Berlin; 1960 – 63 Doz. am neugegr. Inst. für Psychol. der FSU Jena; seit 1963 Mitarbeiter am Institut für (bzw. seit 1968 Sektion) Psychol. der HU Berlin, dort 1966 Habil. mit »Experimentellen Studien über das Verhalten in unsicheren u. Risikosituationen«, 1966 Doz. für Psychol., 1968 außerord. Prof., 1969 ord. Prof. zunächst für Klin. Psychol., ab 1975 für Entwicklungspsychol.; 1969 / 70 durch Rechtsanwalt  Friedrich Karl Kaul benannter Gutachter im Essener Prozeß gegen Wachleute des KZ Dora u. im 2. Sachsenhausen-Prozess in Köln; 1970 – 73 Dir. der Sektion Psychol. der HU Berlin; 1972 Pestallozzi-Med.; Nov. 1976 Kritik an der Ausbürgerung von  Wolf Biermann, infolgedessen Repressalien; 1982 Aufsatz »Das Bild des Kindes – seine Norm u. ihre Wirkungen« – Gegenstand erbitterter Anfeindungen durch die offz. DDR-Pädagogik; 1989 Mitglied der Unabh. Untersuchungskommission der Berliner Stadtverordnetenversamml. zur Aufklärung der polizeil. Übergriffe am 6. u. 7. Oktober 1989. 1990 – 94 diverse Universitäts- u. Institutsfunktionen, u. a. Ltr. des Fachbereichs Psychol., Mitgl. der zentralen Personal- u. Strukturkommission, des Konzils u. des Akadem. Senats der HU, 1992 / 93 amt. Prorektor für Geistes- u. Sozialwiss. der HU Berlin; 1993 em.; danach Unterstützung des Aufbaus des Fachbereichs Psychol. der Univ. Potsdam; 1997 Dr. h.c. der Univ. Potsdam; gest. in Berlin. Sch. hat als repräsentativer u. krit. Vertreter der DDR-Psychologie eigenständige Beiträge zur Entwicklungs- u. Persönlichkeitspsychol. vorgelegt u. praxisrelevant vermittelt, sein (an Heinz Werner anknüpfender) entwicklungspsycholog. Ansatz unterschied sich in seinen reformpädagog. Prämissen deutlich von der offiziellen DDR-Pädagogik u. Päd. Psychol.; Sch. hat u. a. zur entscheidungsbasierten Begründung des Vorsatzes im DDR-Strafrecht beigetragen.Allg. Entwicklungspsychologie. Berlin 1970; Entwicklungswunder Mensch. Leipzig 1980; Schritt um Schritt – die Entw. des Kindes bis ins 7. Lebensjahr. Berlin 1985 (Mithrsg.); Grundriß der Persönlichkeitspsychologie. Berlin, Frankfurt (Main) 1985; Dem Kinde zugewandt: Überlegungen u. Vorschläge zur Erneuerung des Bildungswesens. Hohengehren 1991; Texte zwischen Ja u. Nein. Selbstbefragungen eines DDR-Psychologen. Bielefeld 1997 (Autobiogr.); Damals im Braunland. Berlin 2005 (Autobiogr.). Rösler, H.-D., Rauh, H.: NachrufDieter Hoffmann / Ulrich Jahnke

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schlecht, Paul

* 26.9.1882 – ✝ 1947

Geboren am 26. September 1882 in Rixdorf bei Berlin, Sohn eines Arbeiters; lernte von 1896 bis 1900 in einer Kunstschlosserei. Anschließend Werkzeugmacher in verschiedenen Berliner Betrieben. 1900 Mitglied der SPD, übte kleine ehrenamtliche Parteifunktionen aus. Er kam nicht zum Militär und gehörte während des Krieges der Berliner Opposition in der SPD an, 1917 trat er der USPD bei und war 1918 einer der Revolutionären Obleute. 1919 für die USPD Gemeindevertreter und später Bezirksverordneter in Berlin-Treptow. Mit dem linken Flügel der USPD kam Schlecht Ende 1920 zur KPD. Bis 1923 im Kabelwerk Oberspree beschäftigt, war er seit 1921 ehrenamtliches Mitglied der Berliner BL. Der VIII. Leipziger Parteitag 1923 wählte Schlecht als Kandidat in den ZA. Nachdem die Linken auf dem IX. Frankfurter Parteitag im April 1924 die Mehrheit hatten, rückte er zur Spitzenführung der KPD auf. Er wurde als Arbeiter Mitglied der Zentrale und auch ins Polbüro gewählt. Im Mai 1924 (sowie im Dezember 1924) zog er als Abgeordneter (Wahlkreis Potsdam I) in den Reichstag ein. Polizeilich gesucht (Steckbrief: »1,60 m groß, graue Augen, hellblondes, kurzes Haar«), wurde Schlecht Anfang Mai verhaftet. Der Reichstag entschied jedoch am 27. Juni 1924 über seine Freilassung. Anfang Juli 1924 schickte ihn die Zentrale als Polleiter in den Bezirk Erzgebirge-Vogtland, wo zuvor die Mittelgruppe dominierte. Auf dem V. Weltkongreß der Komintern wurde Schlecht Mitglied des EKKI und Kandidat des EKKI-Präsidiums. Ende 1924 übernahm er die Leitung des Bezirks Oberschlesien. Der X. Parteitag 1925 wählte ihn wieder ins ZK der Partei und auch erneut ins Polbüro. Bei den Auseinandersetzungen mit den Ultralinken war Schlecht ein treuer Anhänger der Ruth-Fischer-Führung. Er stand Ende August/September 1925 zusammen mit Arkadi Maslow und Anton Grylewicz als Mitglied der Berliner KPD-BL von 1923 vor Gericht. Das Verfahren gegen Schlecht wurde durch Amnestie eingestellt. Als 1925 der »Offene Brief« der Komintern gegen die Ruth-Fischer-Führung veröffentlicht wurde, galt Schlecht, da er keiner der »intellektuellen« Führer war und doch zur linken Opposition hielt, als eine der stärksten Stützen dieser Gruppe. Gemeinsam mit Hugo Urbahns stimmte er im ZK gegen den Ausschluß von Ruth Fischer, später wandte er sich ebenso gegen Urbahns Parteiausschluß. Alle Versuche Ernst Thälmanns, den Proletarier Schlecht für seine Linie zu gewinnen, schlugen fehl. Schlecht unterschrieb den »Brief der 700« und trat zusammen mit Wolfgang Bartels und Anton Grylewicz als Vertreter der Urbahns-Gruppe auf dem XI. Essener Parteitag 1927 hervor. Sofort nach dem Parteitag, am 1.April 1927, erfolgte sein Ausschluß aus der KPD. Schlecht nahm an der Konferenz linker Kommunisten im März 1928 teil, und hat im April 1928 den Leninbund mitgegründet, den er jedoch zusammen mit Ruth Fischer und Arkadi Maslow kurz vor der Wahl im Mai 1928 wieder verließ. In der Folgezeit war er politisch nicht mehr aktiv. Nachdem 1928 sein Reichstagsmandat erloschen war, eröffnete er im Osten Berlins eine Gastwirtschaft. Schlecht sympathisierte noch immer mit der linken Opposition und in seinem Lokal konnte 1933 die letzte illegale Sitzung der Reichsleitung des Leninbundes stattfinden. Nach 1933 wechselte er mehrmals seine Wohnung, war nach 1945 noch Gastwirt in Ost-Berlin. Paul Schlecht soll aber der SED nicht angehört haben und 1947 gestorben sein.

Wer war wer in DDR

Schlesinger, Artur

* 18.4.1890 – ✝ 28.3.1981

Geb. in Zittau; Besuch der Volksschule; Ausbildung zum Mechaniker; 1908 Gesellenprüfung; Studium; Kfz-Ing. u. vereidigter Sachverständiger für Kfz- u. Verkehrswesen; 1914 – 18 Soldat; 1933 – 35 Haft; Wehrdienst. 1945 LDPD; Ltr. eines VEB in Görlitz; 1948 Stadtrat für Verkehr in Görlitz; 1949 Ltr. der HA Verkehr im Min. für Industrie u. Verkehr in Sachsen (Ministerialdir.); 1949 – 52 Abg. des Landtags Sachsen; 1951/52 Minister für Gesundheitswesen der Landesreg. Sachsen (Nachf. von Walther Thürmer) u. Mitgl. des Landesvorst. Sachsen der LDPD; 1952/53 Mitgl. des Bez.-Tags Dresden u. stellv. Vors. des Rats des Bez. Dresden sowie Vors. des Bez.-Vorst. Dresden der LDPD; 1953 – 56 Vizepräs. der IHK; 1950 – 58 Abg. der Volkskammer; seit 1956 Ruhestand; Mitgl. der ZL des Komitees der Antifa. Widerstandskämpfer der DDR.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schlichting, Alois

* 8.3.1886 – ✝ 25.12.1953

Geboren am 8. März 1886 in Heyerode/Thüringen; lernte Schlosser und arbeitete später auch als Handelsvertreter. 1917 Mitglied der USPD, ging Ende 1920 mit dem linken Flügel zur KPD. Auf dem VII. Jenaer Parteitag 1921 als Vertreter des Bezirkes Wasserkante in den Zentralausschuß der KPD gewählt. Schlichting war einige Zeit Polleiter des KPD-UB Kiel und gehörte bis 1928 der Stadtverordnetenversammlung von Kiel an. 1931/32 Vorsitzender der Roten Hilfe in Kiel. Über Verhaftungen nach 1933 ist nichts bekannt, er gehörte ab 1945 wieder der KPD an, trat aber politisch nicht mehr hervor. Alois Schlichting, der einen kleinen Gemüsehandel betrieb, starb am 25. Dezember 1953 in Kiel.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schloer, Jakob

* 24.4.1888 – ✝ 24.8.1956

Geboren am 24. April 1888 in Holzkirchhausen/Bayern, Sohn einer kleinbäuerlichen Familie; lernte Kellner. 1911 trat er in die SPD ein, stand auf dem linken Flügel und gehörte 1918 zur Spartakusgruppe. Während des Krieges arbeitete er eng mit Paul Levi in Frankfurt/M. zusammen und kam gegen Kriegsende nach Mannheim, wo er 1919 einer der Mitbegründer der KPD wurde. Zunächst hauptamtlicher Sekretär und Redakteur an der Mannheimer KP-Zeitung, dann Polsekretär der KPD Badens und der Pfalz. Anschließend einige Zeit Geschäftsführer der Zentrale der KPD in Berlin, war Delegierter des II., III. und IV. Parteitags der KPD 1919/20. Auf dem III. Parteitag in den ZA gewählt, solidarisierte er sich 1921 mit der KAG, blieb aber in der KPD. Schloer wurde Leiter der noch in den Anfängen steckenden Roten Hilfe. Er kam 1923 nochmals nach Süddeutschland, war bis Anfang 1924 Orgleiter im Oberbezirk Süd (Hessen, Baden, Württemberg, Südbayern). Als Anhänger der Rechten 1924 einige Zeit ohne Funktion, übernahm er 1926 als Generalsekretär erneut die Leitung der Roten Hilfe. Bei den Auseinandersetzungen Ende 1928 wurde er (ebenso wie andere Rote Hilfe-Sekretäre, die den Rechten anhingen, z. B. Fritz Altwein, Adolf Ehlers oder Wilhelm Deisen) seiner Funktion enthoben und im Mai 1929 aus der KPD ausgeschlossen. Schloer trat sofort der KPO bei und übernahm bis 1933 die Leitung der Internationalen Hilfsvereinigung, eine von der KPO geschaffene Parallelorganisation der Roten Hilfe. Wegen Widerstands gegen das NS-Regime 1933, 1934 und 1937 inhaftiert, saß er zeitweise in den KZs Oranienburg und Lichtenburg. Von 1936 bis 1945 arbeitete er als Korrektor in der Görner-Druckerei in Berlin. Schloer hatte über Georg Dünninghaus Kontakt zu der von Anton Saefkow geleiteten Widerstandsgruppe. Im August 1945 wurde er Leiter des Sekretariats und persönlicher Referent des Präsidenten der Deutschen Verwaltung für Arbeit und Sozialfürsorge Gustav Gundelach, dort 1947 Leiter der Verwaltungsabteilung. 1948/49 Hauptreferent in der Personalabteilung des ZS der SED, dann ab 1949 Geschäftsführer der Zentralen Leitung der HO. Die Säuberungen innerhalb der SED Anfang der fünfziger Jahre überstand Schloer trotz seiner KPO-Zeit zunächst unbeschadet, erhielt aber im März 1953 durch die ZPKK eine Rüge wegen Desavouierung einer chinesischen Regierungsdelegation auf der Leipziger Messe. Ab Juni 1953 arbeitete er in der IG Nahrung-Genuß-Gaststätten im FDGB. Nach längerer Krankheit starb Jakob Schloer am 24. August 1956 in Ost-Berlin. Doch wurde er nicht – wie sonst bei ehemaligen KPD-Führern üblich – mit einem Nachruf des ZK gewürdigt; nur seine Wohnparteigruppe Lichtenberg veröffentlichte eine kleine Todesanzeige im »Neuen Deutschland«. Seine Frau Helene Schloer, geborene Lorenz (* 28. 6. 1887 – † 17. 4. 1964), ebenfalls vor dem Weltkrieg Mitglied der SPD, Kontoristin und Buchhalterin, von 1912 bis 1914 Näherin in Brüssel, dort hatte sie persönliche Verbindung zu Julian Borchardt. 1917 offiziell als Näherin in Amsterdam, aber als Kurier der Spartakusgruppe eingesetzt und arbeitete eng mit Wilhelm Pieck, Willi Schoenbeck und Oskar Triebel zusammen. Anfang 1918 illegal zurück nach Deutschland, von Mai 1919 bis Februar 1933 Buchhalterin und Kassiererin im ZK der KPD, nach dem Verbot der Partei im illegalen Kassenapparat der KPD. Von Februar bis Juni 1934 in »Schutzhaft«, stand sie anschließend unter Polizeiaufsicht; von 1937 bis 1946 Buchhalterin in Berlin. Bei der illegalen Arbeit hatte Helene Schloer Kontakt zur Saefkow-Gruppe. Sie schloß sich 1945 wieder der KPD und 1946 der SED an, wirkte aber nur noch bei der VVN in Berlin-Lichtenberg.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schlotterbeck, Friedrich

* 6.1.1909 – ✝ 7.4.1979

(* 1909 – † 1979) Geboren am 6. Januar 1909 in Reutlingen, Sohn eines Metallarbeiters; lernte Tischler und schloß sich 1923 der KJD und 1927 der KPD an. Schlotterbeck war Vorsitzender des KJVD in Stuttgart und Gauleiter der Roten Jungfront in Württemberg. 1929 kam er ins ZK des KJVD, 1929/30 Kursant an der Internationalen Leninschule in Moskau, nach Rückkehr zunächst Sekretär des KJVD in Württemberg. Dann nach Berlin geholt, hauptamtlicher Agitpropsekretär und Mitarbeiter am KJVD-Organ »Junge Garde«. Nach Auseinandersetzungen innerhalb des Sekretariats wurde Schlotterbeck seiner Funktionen enthoben, Ende 1931 als Instrukteur der KJI nach Skandinavien geschickt. Pfingsten 1933 organisierte er anläßlich des Europäischen Antifa-Kongresses in Paris eine antifaschistische Jugendkonferenz, kehrte Anfang August 1933 zur illegalen Arbeit nach Deutschland zurück, Instrukteur des KJVD in Ostsachsen. Dort am 1.Dezember 1933 festgenommen, zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt und ab Mai 1937 in »Schutzhaft«. Am 28. August 1943 aus dem KZ Welzheim entlassen, arbeitete Schlotterbeck mit seiner ganzen Familie in Stuttgart-Untertürkheim aktiv gegen das NS-Regime, flüchtete vor erneuter Verhaftung Anfang Juni 1944 in die Schweiz. Hier veröffentlichte er den Erlebnisberichts eines Arbeiters »Je dunkler die Nacht, desto heller die Sterne«. Sämtliche Angehörige, Vater, Mutter, Schwester sowie seine Braut Else Himmelheber wurden am 30. November 1944 in Stuttgart hingerichtet. Schlotterbeck hatte in der Schweiz Anna von Fischer, geschiedene Anna Leibbrand, kennengelernt (sie heirateten im März 1951). Im Juni 1945 nach Deutschland zurückgekehrt, wurde er Vorsitzender der VVN in Württemberg, engagierte sich als Präsident des DRK in Baden-Württemberg und war dort Mitglied der KPD-Landesleitung. Gemeinsam mit Anna von Fischer übersiedelte er im April 1948 in die SBZ. Als Mitglieder der SED gerieten beide bei der Überprüfung von Westemigranten in das Visier der ZPKK und des gerade gegründeten MfS. Bis Mitte Oktober 1950 Stadtrat für Volksbildung beim Rat der Stadt Dresden, Anfang 1951 wurde er entlassen und am 15.Februar 1951 wegen »Spionageverdachts« aus der SED ausgeschlossen. Schlotterbeck wurde bezichtigt, ein V-Mann der Gestapo gewesen zu sein, vor allem wurden ihm seine Kontakte zu Noel H. Field und Herta Jurr-Tempi in der Schweiz vorgeworfen. Die ZPKK ordnete die Einstampfung seines Buches »Je dunkler die Nacht, desto heller die Sterne« an. Ab Mitte April 1951 war er Bergarbeiter bei der SDAG Wismut im Erzgebirge. Am 15. Februar 1953 wurden er und seine Frau verhaftet und beide am 27. April 1954 vom 1. Strafsenat des Bezirksgericht Rostock wegen »Verbrechens gemäß Artikel 6 der DDR in Verbindung mit einem Vergehen gegen die Kontrollratsdirektive 38« und wegen »verbrecherischen Beziehungen zu dem amerikanischen Agenten Noel H. Field« zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt. Die Strafe wurde 1954 in drei Jahre umgewandelt. Am 15. Februar 1956 nach genau drei Jahren Haft freigelassen, erfolgte dann beider nichtöffentliche »Rehabilitierung« (Strafregistertilgung) und ihre Wiederaufnahme in die SED. Sie lebten in Groß-Glienicke (Bezirk Potsdam), arbeiteten als Schriftsteller und Hörspielautoren. Friedrich Schlotterbeck starb am 7.April 1979.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schmeer, Heinrich

* 20.3.1906 – ✝ 7.2.1960

Geboren am 20. März 1906 in Triberg/Baden, wuchs bei seinem Großvater, einem Versicherungsinspektor, auf. Er war bis 1925 Bürogehilfe, Volontär, Hoteldiener und Bauarbeiter. Seit August 1920 in der KJD, ab 1925 hauptamtlicher KJVD-Funktionär, Leiter des UB Torgau und ab 1929 Agitprop- bzw. Orgleiter des KJVD Halle-Merseburg. 1929 Mitglied der KPD, von Dezember 1930 bis Frühjahr 1931 Schüler an der Parteischule in Leningrad, anschließend Praktikant beim EK der KJI in Moskau. Im Mai 1932 kehrte Schmeer nach Deutschland zurück, wurde Jugendsekretär im Reichserwerbslosenausschuß und gehörte dem Sekretariat des RGO-Reichskomitees an. Bis Ende 1933 ZK-Instrukteur des KJVD, im Januar 1934 festgenommen und im April 1934 vom Kammergericht Berlin zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt. Im Juli 1936 emigrierte Schmeer nach Prag, Instrukteur der AL Zentrum (Deckname Harry). Ab Oktober 1938 in Göteborg, reiste er 1939/40 mehrmals als Instrukteur der AL Nord nach Berlin und sollte dort im August 1940 gemeinsam mit Willi Gall die illegale Arbeit koordinieren. Am 9. September 1940 verhaftet und nach schwerer Folter im Juli 1941 vom VGH angeklagt. Der Oberreichsanwalt forderte die Todesstrafe, Schmeer erhielt jedoch lebenslang Zuchthaus und saß bis Ende April 1945 in Brandenburg. Er wurde nach der Befreiung stellvertretender Vorsitzender der KPD bzw. ab 1946 der SED in Berlin-Spandau, im Juli 1947 Nachrichtenredakteur beim Berliner Rundfunk und dann bis 1959 Mitarbeiter beim Staatlichen Rundfunkkomitee der DDR. Heinrich Schmeer starb am 7. Februar 1960 in Ost-Berlin.

Wer war wer in DDR

Schmidt, Alfred

* 24.11.1891 – ✝ 9.10.1985

Geb. in Wintersdorf (Thür.); Vater Schuhmachermeister u. Sozialdemokrat; nach Abschluß der Schule Fabrikarbeiter; 1908 Eintritt in die Gewerkschaft, 1909 SPD; Arbeit als Brauereiarbeiter u. Rangierer; 1912 – 18 Militärdienst, Teiln. am 1. Weltkrieg; 1917 USPD u. Spartakusbund, 1919 KPD; 1921 – 24 Haft wg. kommunist. Betätigung; 1924 – 28 KPD-Vors. in Erfurt, Stadtverordn. in Erfurt, 1928 – 32 Mitgl. des Preußischen Landtags; Dez. 1928 Ausschluß aus der KPD wg. »Rechtsabweichung«; Eintritt in die KPO, Mitgl. der KPO-Reichsleitung, 1933 Ltr. des KPO-Unterbez. Erfurt; Mai – Juli 1934 Gestapohaft, 1935 – 39 Haft in den KZ Esterwegen u. Sachsenhausen; nach Entlassung Widerstandstätigkeit in der Schumann-Engert-Kresse-Gruppe. 1945 / 46 KPD / SED; Nov. 1945 Landesleiter Thüringen u. 2. Vors. der IG Nahrung, Genuß, Gaststätten in der SBZ, 1947 wg. Kritik an der SED-Politik aus der Funktion abgesetzt; Aufnahme von Kontakten zu anderen ehem. KPO-Mitgliedern in Thüringen, 20.6.1948 Ausschluß aus der SED; 6.7.1948 Verhaftung durch das sowj. MWD, 2.12.1948 von einem sowj. Militärtribunal zum Tode verurteilt, dann begnadigt zu 25 Jahren Arbeitslager, Haft in Bautzen; Juli 1956 Entlassung u. Übersiedl. in die Bundesrep. Dtl.; Arbeit in den Reichswerken Salzgitter; als Mitgl. der Gruppe Arbeiterpolitik, einer KPO-Nachfolgeorg., der Spionage für die DDR verdächtigt, Ermittlungsverfahren des Generalbundesanwalts 1959 als unbegründet eingestellt; gest. in Frankfurt (M.).Klein, Th.: »Für die Einheit u. Reinheit der Partei«. Die innerparteil. Kontrollorgane der SED in der Ära Ulbricht. Köln 2002; Ders.: A. S. In: Kowalczuk, I.-S. / Sello, T. (Hrsg.): Für ein freies Land mit freien Menschen. Berlin 2006.Bernd Florath

Wer war wer in DDR

Schmidt, Diether

* 29.7.1930

Geb. in Lubmin (Mecklenb.); Vater Maurer, Mutter Arb.; 1951 Abitur an der Abend-OS; 1951 – 56 Studium der Kunstgeschichte, klass. Archäol., Philos. u. Pädagogik bei  Richard Hamann u.  Willy Kurth an der HU Berlin; 1956 – 58 Assistent an der Gemäldegalerie Alte Meister der Staatl. Kunstsammlungen in Dresden; 1959/60 Tätigkeit im Stadtmuseum Dresden; 1960 Prom. »David der Goliathsieger. Stadtheroe u. Verfassungs-Bild der Rep. Florenz in der Renaissance«; 1960 – 66 Forschungsauftrag des Min. für Kultur zur ASSO u. zur Kunst im Widerstand; seit 1963 Mitarb. bei Ausstellung des Leonhardi-Museums Dresden; ab 1967 freischaff.; 1968 Redeverbot; 1969 – 75 Lektor beim Verlag der Kunst Dresden; 1972 erneut Redeverbot; 1976 Honorarvertrag mit dem Verlag der Kunst Dresden; ab 1977 wieder freischaff., wiederholt Redeverbot; 1977 – 81 verantw. für das Ausstellungsprogr. der Galerie Comenius in Dresden; 1982/ 83 Mitarb. im Freundeskrs. der Galerie; am 9.1.1984 Verhaftung u. U-Haft bis 22.2.1984, Einstellung des Verfahrens; danach Ausreise in die Bundesrep. Dtl.; ab 1984 freischaff. in Berlin (West) tätig, u. a. Gastdoz. in Offenbach; 1989/90 Gastprof. an der HS der Künste in Berlin (West). 1990/91 Gastprof. des DAAD an der HS für Bildende Künste Dresden, 1991/92 Rektor, bis 1995 Prof. an dieser HS, em.zur Kunst des 20. Jh.: Manifeste, Manifeste 1905 – 33. Dresden 1965; Bauhaus. Dresden 1966; Ich war – ich bin – ich werde sein! Berlin 1968; F. Cremer. Dresden 1972; O. Dix im Selbstbildnis. Berlin 1978; Die Dresdener Künstlerszene 1913 – 33. Düsseldorf 1987.Anke Scharnhorst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schmidt, Adolf

* 12.9.1886 – ✝ 28.4.1980

Geboren am 12. September 1886 in Neunkirchen/Saar, Sohn eines Bergmanns; Schriftsetzer. 1907 Eintritt in die SPD, 1907/08 Militärdienst, nach Wanderschaft kam er 1913 nach Kempten. Im Krieg schwer verwundet, 1917 Mitglied der USPD und im November 1918 2. Vorsitzender und Geschäftsführer des Kemptener Arbeiter- und Soldatenrates. Am 6./7. April 1919 rief er die »Räterepublik Kempten« aus, die keine Resonanz erzielte. Im Mai 1919 mit sechs anderen Mitgliedern des Arbeiterrates verhaftet und im Juni 1919 in einem Standgerichtsprozeß wegen Hochverrats zu drei Jahren Festungshaft verurteilt, die er in der Festung Niederschönenfeld verbüßte. Im Juni 1920 zunächst für die USPD, dann für die VKPD Abgeordneter im Bayerischen Landtag. Nach seiner Freilassung im Frühjahr 1922 Setzer in Kempten. Er gehörte der KPD-Leitung Bayern an. Im Sommer 1924 zog er sich aus gesundheitlichen Gründen von der Politik zurück. Ende der zwanziger Jahre wieder UB-Vorsitzender im Allgäu. Ab 1931 erwerbslos, noch vor der Reichstagswahl am 5. März 1933 als führender Kommunist in »Schutzhaft«, am 20. Dezember 1933 wurde er vom OLG München zu eineinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Anschließend bis 1937 KZ-Haft in Dachau, danach Setzer und Korrektor. 1944/45 hielt er sich in Kempten versteckt. Ende April 1945 als bekannter Antifaschist von der US-Besatzungsmacht zunächst als stellvertretender Bürgermeister von Kempten berufen, vom 25. Mai 1945 bis zu den Wahlen im Mai 1946 Landrat von Kempten. Im Juni 1946 auch als Vorsitzender der Kemptener KPD abgelöst, trat er dann nicht mehr politisch hervor und war bis 1951 Leiter der Betreuungsstelle für politisch Verfolgte im Stadt- und Landkreis Kempten. Adolf Schmidt starb hochbetagt am 28. April 1980 in Penzberg.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schmidt, Antonie

* 5.3.1898 – ✝ 16.8.1976

Geboren am 5. März 1898 in Spremberg/ Niederlausitz, sechstes und jüngstes Kind einer Arbeiterfamilie. Zunächst Hausmädchen, ab Juni 1917 Industriearbeiterin auf der Deutschen Werft in Kiel. 1920 Eintritt in die SPD, seit Juni 1923 Mitglied der KPD. Wegen ihres politischen Engagements entlassen, zog sie von Kiel im Sommer 1925 nach Hamburg, wurde Hilfspflegerin in der Irrenanstalt Friedrichsberg und später Reinemachefrau. Am 1. August 1931 wegen »Hochverrats« inhaftiert, da sie aber im September 1931 in die Hamburger Bürgerschaft gewählt wurde, am 4. November 1931 aus dem Untersuchungsgefängnis entlassen, bis 1933 Abgeordnete. Ab 1933 im Widerstand, deshalb von September 1933 bis August 1936 im Untersuchungsgefängnis, im Zuchthaus Lauerhof bei Lübeck und zuletzt im KZ Mooringen inhaftiert. Im Zusammenhang mit der Gestapoaktion nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler vom 20.Juli 1944 kam sie von August bis Oktober 1944 als ehemalige KPD-Mandatsträgerin ins KZ Fuhlsbüttel. Antonie Schmidt, später durch Heirat Antonie Möbis, arbeitete nach dem Krieg als Stationsfrau im Hamburger Hilfskrankenhaus am Weidenstieg, politisch trat sie nicht mehr hervor, sie starb am 16. August 1976 in Hamburg. Ihr zum Andenken gibt es seit 1991 in Hamburg-Eidelstedt den Antonie-Möbis-Weg. Rita Bake veröffentlichte 2005 eine biographische Skizze über Antonie Schmidt.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schmidt, Bernhard

* 12.9.1903 – ✝ 15.6.1971

Geboren am 12. September 1903 in Nürnberg, Sohn eines Feinmechanikermeisters und einer Buchhalterin. Nach dem Besuch der Präparandenanstalt zwei Jahre Lehrerseminar in Schwabach, wurde 1921 wegen »Verhöhnung des Religionsunterrichts« von der Anstalt verwiesen. Anschließend Volontär in einer Nürnberger Fabrik, Ende 1922 Statistiker in Holenbrunn. Seit 1922 Mitglied der KJD und der KPD, BL-Mitglied, ab Oktober 1923 illegal tätig, Agitpropleiter für den Oberbezirk Bayern-Württemberg-Frankfurt. Am 15. Dezember 1923 festgenommen und zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt, danach bis Mitte Februar 1925 Literaturobmann der BL Nordbayern. Nach Aufhebung des Parteiverbots Orgleiter der KPD Nordbayern, 1927 Redakteur des KP-Blattes »Nordbayerische Volkszeitung«. Anfang 1928 gemeinsam mit August Creutzburg und Karl Fischer als ZK-Kommissare in den Parteibezirk Pfalz gegen die Opposition unter Hans Weber eingesetzt, Ende 1928/ Anfang 1929 in gleicher Funktion gegen die Opposition um Heinrich Galm und Alwin Heucke in Hessen, anschließend Org- bzw. Polleiter im Bezirk Hessen/Frankfurt. Mitte 1930 in die Orgabteilung des ZK nach Berlin gerufen, übernahm Schmidt im Juli 1931 die Leitung des illegalen Reichsliteraturvertriebs. Im Oktober 1932 wegen Zugehörigkeit zur Gruppe um Heinz Neumann entlassen. Im März 1933 festgenommen, kam in »Schutzhaft« in das KZ Spandau, nach seiner Freilassung illegale Arbeit und 1935 erneute »Schutzhaft«. Im Oktober 1937 vom Berliner Kammergericht zu zwei Jahren und neun Monaten verurteilt. Unter Anrechnung der U-Haft Entlassung im Januar 1938. Bis 1944 Zuschneider (Heimarbeit) in Berlin. Er übernahm Ende 1945 die Leitung der Brandenburger Parteischule der KPD, ab 1946 der Landesparteischule der SED »Ernst Thälmann« in Schmerwitz. Durch eine Passage in dem Buch des KPD/SED-Funktionärs und thüringischen Ministerpräsidenten Werner Eggerath »Nur ein Mensch« fühlte sich Schmidt 1948 zu Unrecht als Verräter gebrandmarkt. In seiner dokumentarischen Erzählung hatte Eggerath berichtet, daß ihm im Mai 1937 von der Gestapo das Foto eines Mithäftlings vorgehalten und gleichzeitig entsprechende belastende Aussagen vorgelesen wurden. Dieser »Mithäftling«, Bernhard Schmidt, fühlte sich getroffen und forderte eine genaue Prüfung. Daraufhin begann die Kaderabteilung des ZS des SED-PV mit Nachforschungen. Im April 1949 stellte die ZPKK die Untersuchungen ein und sprach Schmidt von allen Anwürfen frei. Er wurde aber 1951 wegen »überheblichen Benehmens und nationalistischen Verhaltens« abgelöst, bis 1961 nur noch Werkleiter des VEB Berliner Werkzeugfabrik, anschließend Leiter der Wirtschaftsstatistik im Magistrat von Ost-Berlin. Er erhielt 1966 den VVO in Silber. Bernhard Schmidt starb am 15. Juni 1971 in Ost-Berlin.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schmidt, Felix

* 13.12.1885 – ✝ 20.4.1932

Geboren am 13. Dezember 1885 in Magdala/ Thüringen; lernte Drucker und ging anschließend auf Wanderschaft. Längere Zeit Arbeit in Hannover und Bremen, 1900 Mitglied des Arbeiter-Turnerbundes, 1904 der SPD und der Gewerkschaft. Während des Krieges war Schmidt in der Leitung der Bremer Linksradikalen. Seit November 1918 Sekretär der Internationalen Kommunisten in Bremen. Er war Delegierter Hannovers auf dem Gründungsparteitag der KPD in Berlin, danach Sekretär der Partei. Schmidt war führend an der Bremer Räterepublik 1919 beteiligt. Ende 1919 Sekretär der KPD in Hannover, 1920 war er für einige Zeit inhaftiert. Felix Schmidt wurde auf dem VII. Jenaer Parteitag 1921 in die Zentrale gewählt, ebenso auf dem VIII. Leipziger Parteitag 1923. Er übernahm in Berlin die wichtige Funktion des Hauptkassierers der Zentrale. Im Herbst 1923 kam er als Polleiter des Oberbezirks Südwest zunächst nach Frankfurt/M., dann übernahm er 1923/24 den Oberbezirk Südost (Lausitz, Schlesien). Bis zum IX. Parteitag 1924 war er nochmals kurze Zeit Hauptkassierer der KPD. Im Mai 1924 in Schlesien als Abgeordneter in den Reichstag gewählt, mußte er aber als Rechter auf Betreiben der linken Führung sein Mandat niederlegen. Für ihn rückte der später als Polizeiagent entlarvte Alfred Hamann in den Reichstag nach. Bis Dezember 1924 war Schmidt Abgeordneter des Preußischen Landtags, dann wurde er abgeschoben und lebte längere Zeit in Moskau, dort in der Internationalen Roten Hilfe tätig. Als Mitglied der Zentrale von 1923 polizeilich gesucht (Steckbrief: »Hohe Stirn, schwarze Haare, graue Augen, breiter Mund, schmales, fahles Gesicht, gebogene Nase, auffallend lange Arme und große Hände«), konnte erst ab 1926 wieder in Deutschland arbeiten, hier zeitweilig Leiter sämtlicher KPD-Druckereien und auch in der Roten Hilfe führend. Am 14. Juli 1929 als Anhänger der rechten Opposition aus der KPD ausgeschlossen, trat der KPO bei und gehörte zu deren Reichsleitung. Mit der Minderheit der KPO ging er 1932 zur SAP. Felix Schmidt starb nach einer Magenoperation am 20. April 1932.