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BioLex

In der Kategorie BioLex finden Sie drei biografische Lexika mit über 5500 Personeneinträgen.

 

Das Handbuch "Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945" wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam. Kurzbiografien zu Personen des poltischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 vor. Zudem ist das Onlinlexikon www.dissidenten.eu komplett in dieser  Rubrik recherchierbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Inforamtionen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Schöttler, Gabriele

* 27.9.1953

Geb. in Zehdenick (Krs. Gransee); POS; 1970 – 74 Ausbildung an der Med. FS Berlin-Buch, Krankenschwester; 1974 – 77 Krankenschwester an der Neurolog. Klinik Berlin-Buch; 1977 – 79 stellv. Stationsschwester; 1979 – 83 Sachgebietsltr. für Aus- u. Weiterbildung im VEB Elektromontage Oranienburg; 1980 – 84 Fernstudium der Betriebswirtschaft. an der FS für Betriebswirtschaft Dippoldiswalde, Ing.-Ök.; 1984 – 91 tätig in der Berufsausb. im VEB Elektromontage; 1989 Mitgl. der SDP, dann SPD; Mai – Dez. 1990 Mitgl. der Berliner Stadtverordnetenvers. 1991 – 2001 MdA Berlin, 1991 – 95 u. 1997 – 98 stellv. Vors des SPD-Frakt.; Mitgl. des SPD-LV Berlin; ab Nov. 1998 Senatorin für Arbeit, Berufl. Bildung u. Frauen, Dez. 1999 – Jan. 2002 Senatorin für Arbeit, Soziales u. Frauen des Landes Berlin; Ltr. der Sanssouci Business Academy; seit Okt. 2006 Bürgermeisterin des Berliner Stadtbez. Treptow-Köpenick u. Ltr. der Abt. Personal, Finanzen, Wirtschaft, Kultur u. Ordnungsangelegenh.; wohnt in Berlin-Späthsfelde.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Schräder, Theodor

* 6.6.1904 – ✝ 16.7.1975

Geb. in Münster (Westfalen); Vater Kaufm.; 1922 Abitur am Staatl. Paulinischen Gymnasium in Münster; 1922 – 25 Studium der Naturwiss., insb. Zool., an den Univ. München u. Münster, dort 1925 – 27 Ass. am Zoolog. Inst.; 1927 Prom.; 1927 – 34 versch. befristete Stellungen an der Preuß. Landesanstalt für Fischerei in Berlin-Friedrichshagen; 1932 NSDAP; 1934 / 45 Landesfischereisachverständiger der Landesbauernschaft Thüringen in Weimar; Sept. 1944 Einberufung zur Wehrmacht; April – Aug. 1945 amerikan. u. französ. Kriegsgef. Okt. 1945 – 1950 Fischzuchtgehilfe in der Karpfen- u. Forellenzucht seines Schwiegervaters (Nöller) in Gräfinau (Ilm); 1950 – 53 Fischereibiologe der Fischwirtschaftsgenossenschaft Thüringen in Weimar; 1953 – 58 Ass. u. Ltr. d. hydrobiolog. Abt. am Ernst-Haeckel-Haus der FSU Jena, dort 1958 Habil. für Zool.; 1958 – 60 Doz. am Zoolog. Inst. der FSU; 1959 nebenamtl. Ltr., 1961 Dir. der Forschungsstelle für Limnologie der DAW in Jena-Lobeda mit einer Außenstelle in Neuglobsow am Stechlinsee; gest. im Ilmwerk Dörnfeld (b. Stadtilm). Maßgebl. Beiträge zur Entw. einer quantitativen Fließgewässerbiol. u. Limnologie der Talsperren; Wegbereiter einer leistungsstarken Gewässerökol. u. Hydrobiol. in der DDR; 1962 – 75 Hrsg. der Ztschr. »Limnologica«.Beiträge zur Limnologie u. Abwasserbiologie der Saaletalsperren. Jena 1958; Die Forschungsstelle für Limnologie der DAW. In: Limnologica (1962) 1; Schriftenverz. In: Limnologica (1980) 5. Casper, S. J.: In memoriam T. S. In: Limnologica (1980) 1.Ekkehard Höxtermann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schreck, Paul

* 23.12.1892 – ✝ 10.9.1948

Geboren am 23. Dezember 1892 in Haardorf bei Zeitz, Sohn eines Korbmachers, im sozialistischen Sinne erzogen. Der gelernte Dreher wurde 1908 Mitglied der sozialistischen Arbeiterjugend, 1911 der SPD. Nach der Lehre Wanderschaft, er arbeitete in Mülheim/Ruhr und Witten. Während des Krieges Übersiedlung nach Mannheim, Dreher bei der Firma Benz, einer der Führer des Munitionsarbeiterstreiks 1918. Er hatte sich den Bremer Linksradikalen angeschlossen und wurde 1919 einer der Mitbegründer der KPD in Mannheim. Delegierter des Vereinigungsparteitags mit der USPD 1920 und des VII. Jenaer Parteitages 1921. Im gleichen Jahr hauptamtlicher Parteisekretär im Kreis Mannheim. Schreck stand auf dem rechten Flügel der Partei, er wurde 1924 nach der Übernahme der Führung durch die Linken in Baden ( Georg Kenzler, Jakob Ritter) abgesetzt, im April 1924 verhaftet und (wegen Weiterführung der illegalen KPD) zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Nach eineinhalb Jahren mußte er freigelassen werden, da er inzwischen (1925) als Abgeordneter in den Badischen Landtag gewählt worden war. Schreck war wieder als Parteisekretär tätig und spielte Anfang 1927 bei der Ausschaltung der Linken in Baden eine große Rolle. Nach der Ablösung Kenzlers wurde Schreck 1927 Polleiter in Baden. 1928 zog er als Abgeordneter in den Reichstag ein, wurde auch 1930 wiedergewählt. Wegen »versöhnlerischen Verhaltens« 1931 als Polleiter abgelöst, im gleichen Jahr wurden die KPD-Bezirke Baden und Pfalz zusammengelegt, Schreck kam nur noch in die erweiterte BL und wurde zur RGO-Arbeit abgestellt. 1932 beim Reichstagswahlkampf in Mecklenburg eingesetzt, kam er aber nicht mehr in den Reichstag. 1933 in den KZs Heuberg und Kislau festgehalten, bei Vernehmungen schwer mißhandelt. Im April 1935 entlassen, arbeitete er in verschiedenen Fabriken. Bei Kriegsausbruch 1939 erneut verhaftet, er saß bis zum Kriegsende im KZ Buchenwald. Dort wurde Schreck, ein kräftiger Mann und wahrer Volkstribun, Lagerältester. Seine Frau, die ebenfalls ein Jahr lang inhaftiert war, sollte mit der Lechleiter-Gruppe nochmals vor Gericht, ihr Verfahren wurde aber eingestellt, und sie konnte wieder ihre fünf Kinder betreuen. Im Mai 1945 kehrte Schreck nach Mannheim zurück, wurde Polleiter der KPD in Baden und Abgeordneter der KPD im Landtag von Württemberg-Baden. 1947 ging er als Gewerkschaftssekretär zur IG Metall. Am 10.September 1948 kam Paul Schreck durch einen Autounfall ums Leben. Bei der Beerdigung, die unter großer Anteilnahme der Bevölkerung stattfand, erwiesen ihm auch politische Gegner ihre Hochachtung. Von seinen fünf Kindern fiel ein Sohn im Krieg, eine Tochter wohnte in der DDR, die anderen Familienmitglieder in Mannheim. Eine Schwester Paul Schrecks, die 1901 geborene Ella Schreck, seit 1925 Mitglied der KPD, war nach 1933 dreieinhalb Jahre inhaftiert, heiratete 1949 Otto Walter, sie starb 1988.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schreiber, Arthur

* 20.1.1893 – ✝ 10.10.1960

Geboren am 20. Januar 1893 in Niederwürschnitz/Sachsen, entstammte einer armen Familie im Erzgebirge; lernte Bergmann. Am 1. Mai 1909 schloß er sich der Arbeiterjugend an, 1913 trat er in die SPD ein. Schreiber wurde 1914 Soldat, 1915 verwundet und 1917 wieder an die Front geschickt. Er desertierte im Sommer 1918, war in der USPD und im Spartakusbund aktiv und engagierte sich im Spätherbst im Chemnitzer Arbeiter- und Soldatenrat. Ab Januar 1919 wieder im Bergbau und in den folgenden Jahren maßgeblich an allen Kämpfen der Bergarbeiter beteiligt, wurde deswegen mehrmals festgenommen und zu Haftstrafen verurteilt. Mitglied des Bezirksausschusses Stollberg, 1923 Leiter des KPD-UB in Oelsnitz. Delegierter des X. Parteitags 1925, 1926 als Abgeordneter in den Sächsischen Landtag gewählt. Bis dahin Gefolgsmann der linken Parteiführung, vertrat er in den Auseinandersetzungen nach dem VI. Weltkongreß der Komintern 1928 die Ansichten der Opposition und wurde deshalb im Januar 1929 aus der KPD ausgeschlossen. Danach war Schreiber in der Chemnitzer KPO-BL aktiv und unterhielt in der Nazi-Zeit Kontakte zum Widerstand. Nach langer Erwerbslosigkeit kam er im September 1938 in eine Chemnitzer Maschinenfabrik und leistete auch hier illegale Arbeit. Im August 1944 verhaftet, saß er bis zur Befreiung im KZ Sachsenhausen. Am 24. Mai 1945 kehrte Schreiber in seine Heimat zurück, die von den Alliierten noch nicht besetzt war, und beteiligte sich am Aufbau der Stollberger »Notgemeinschaft« sowie der Industriegewerkschaft Bergbau. Als 2. Vorsitzender des Zentralvorstands dieser IG setzte er sich couragiert für die Belange der sächsischen Bergarbeiter auch gegenüber der sowjetischen Besatzungsmacht ein. Der damalige Bundesvorsitzende des FDGB, Hans Jendretzky, verdächtigte Schreiber antisowjetischer Konspiration mit Alfred Schmidt, seinerseits 2. Vorsitzender der IG Nahrung-Genuß-Gaststätten in der SBZ, und setzte schließlich Schreibers Abberufung durch. Das hat dessen Ansehen im Heimatkreis aber nicht geschadet, die SED-Ortsgruppe bezeichnete ihn auch während der Parteiüberprüfung von 1951 als »außerordentlich guten Parteigenossen«, der es besonders »gut versteht, auf die Massen zu wirken«. Allerdings sei seine Gesundheit »sehr angegriffen«; er wurde 1950 vorzeitig Rentner. Arthur Schreiber starb am 10.Oktober 1960.

Wer war wer in DDR

Schreier, Peter

* 29.7.1935

Geb. in Meißen, aufgew. in Gauernitz; Vater Lehrer u. Kantor; 1943 Dresdener Kreuzchor bei Rudolf Mauersberger, ab 1946 Altsolist; Leipziger Rundfunkchor; 1956 – 59 HS für Musik »Carl M. v. Weber« Dresden (Gesang, Orchester- u. Operndirigieren), St.-Ex.; 1959 – 61 Nachwuchsstudio; 1961 – 63 Engagement an der Staatsoper Dresden; seit 1963 Dt. Staatsoper Berlin; seit 1970 auch Dirigent u. a. bei der Dresdener Philharmonie (Wolfgang A. Mozart »Don Giovanni«, Georg F. Händel »Alcina«); seit den 1970er Jahren verstärkte Konzerttätigkeit; dreifacher Kammersänger (1963 DDR, 1980 Österreich, 1982 Freistaat Bayern); 1978 – 93 Mitgl. der AdK der DDR; seit 1993 Mitgl. der AdK Berlin-Brandenb.; 1981 Prof.; 1984 Präs. des Kuratoriums Schauspielhaus Berlin; 1985 Mitgl. des Kuratoriums Staatsoper Dresden; 1989 Mitgl. der Musikal. Akad. Stockholm; führender Mozart-Tenor, über 60 Opernpartien (Tamino / »Zauberflöte«, Titelpartie »Idomeneo«, beide Mozart, Titelpartie »Palestrina« von Hans Pfitzner); Lied- u. Oratorieninterpret (Ludwig v. Beethoven, Johannes Brahms, Franz Schubert, Johann S. Bach, Händel, Mozart); rund 300 Schallplatten; Auslandsgastspiele in mehr als 20 Ländern, Schwerpunkt Salzburg, Wien, München u. New York, Tokio; 1967, 1972 u. 1986 NP; 1971 u. 1984 VVO; 1974 Johannes-R.-Becher-Medaille; Ehrenmitgl. des Internat. Musikrats u. seit 1985 der Musikfreunde in Wien; 1989 Großer Stern der Völkerfreundschaft; 1990 Mitgl. der Bayr. Akad. der Schönen Künste; 1993 Wartburg-Preis; Bundesverdienstkreuz; 2000 Rückzug von der Opernbühne, Dez. 2005 in Prag letzter Konzertauftritt als Tenor; lebt in Dresden.Aus meiner Sicht. Gedanken u. Erinnerungen. Berlin 1983 (aufgez. von M. Meier); Im Rückspiegel. Erinnerungen u. Ansichten. Wien 2005. Schmiedel, G.: P. S. Eine Bildbiogr. Berlin 1987; Lewinski, W. E. v.: P. S. Interviews, Tatsachen, Meinungen. Mainz 1992; Helfricht, J.: P. S. – Melodien eines Lebens. Dresden 2008.Renate Rätz

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schreiner, Albert

* 7.8.1892 – ✝ 4.8.1979

Geboren am 7. August 1892 in Aglasterhausen/Baden, viertes Kind eines SPD-Funktionärs; lernte Schlosser und Mechaniker. 1910 Mitglied der SPD, schloß sich in Stuttgart den Linken in der SPD an. Im Weltkrieg aktives Mitglied der Spartakusgruppe, seit Gründung in der KPD. Schreiner befaßte sich früh mit militärischen Problemen, er spielte in der Novemberrevolution in Stuttgart eine Rolle und wurde am 8. November 1918 Kriegsminister in der ersten württembergischen Revolutionsregierung. Auf Wunsch des Spartakusbundes schied er aber schon nach wenigen Tagen aus der Regierung aus. Bis 1922 hauptamtlicher Funktionär der KPD Württemberg, Delegierter des IV. Weltkongresses der Komintern. Hinweise auf eine angebliche Spitzeltätigkeit Schreiners wies die KPD Württemberg 1922 zurück, da er »volles Vertrauen der ganzen Partei genieße«. Er war 1923 im AM-Apparat der KPD und als AM-Leiter des Bezirks Wasserkante maßgeblich am Hamburger Aufstand beteiligt. 1924 Kursant der ersten M-Schule der Komintern in Moskau. Nach Gründung des Roten Frontkämpferbundes wurde Schreiner einer der Führer des Bundes, war (ab 1924) Chefredakteur des RFB-Organs »Rote Front«, Leiter des Ressorts »Gegner« und der KPD-Parteigruppe im RFB-Vorstand. 1927 Delegierter des XI. Parteitags. Da Schreiner auf dem rechten Parteiflügel stand, bekam er Ende 1927 Differenzen mit Willy Leow. Zunächst aus der Redaktion der »Roten Front« entlassen; als er versuchte, die Korruptionsaffären im RFB zu enthüllen, wurde er 1928 ganz von der RFB-Arbeit entfernt. Anfang 1929 aus der KPD ausgeschlossen, trat Schreiner der KPO bei, gehörte zu deren Berliner Leitung und blieb auch nach der Spaltung der KPO bei dieser Gruppe. Im Oktober 1932 beantragte er überraschend seinen Wiedereintritt in die KPD, machte das sofort wieder rückgängig, als die von ihm geleitete Spandauer KPO-Gruppe sich widersetzte. Schreiner erklärte gemeinsam mit Werner Jurr, er habe »den Kopf verloren«, und durfte (gegen den Widerstand Heinrich Brandlers) in der KPO bleiben. 1933 flüchtete er nach Frankreich, war noch einige Zeit in der KPO, näherte sich aber wieder der KPD, wurde Sekretär des »Thälmann-Komitees«. Von der KPD gefördert, veröffentlichte Schreiner (unter dem Pseudonym A. Müller) mehrere Bücher (u.a. »Hitler treibt zum Krieg«). Wieder Mitglied der KPD, ging er sofort bei Beginn des Bürgerkrieges nach Spanien, wurde dort militärischer Leiter und später Stabschef der XIII. Internationalen Brigade. 1939 in Frankreich und dann in Marokko interniert, erhielt er im Mai 1941 die Ausreisegenehmigung nach Mexiko, wurde aber in den USA festgehalten und blieb bis 1946 in den Vereinigten Staaten. Dort publizierte er neben militärischen Aufsätzen vor allem Arbeiten zur Geschichte, war 1944 im »Council for a Democratic Germany«. Ende 1946 kehrte Schreiner nach Deutschland zurück, trat der SED bei und wurde 1947 zunächst Referent in der Deutschen Zentralverwaltung für Volksbildung. Von 1947 bis 1950 ordentlicher Professor an der Universität Leipzig, anschließend wissenschaftlicher Mitarbeiter im IML. Als ehemaliger KPO-Führer war er in den Jahren 1950 bis 1952 in der SED verfemt. Allerdings wurde wegen Schreiners rascher Rückkehr zur KPD 1932 später oft vermutet, daß er in der KPO für den KPD-Apparat tätig gewesen war. Im Januar 1952 ans Museum für Deutsche Geschichte berufen, übernahm Schreiner die Abteilung »1918 bis 1945« und promovierte 1953 an der Universität Halle. Ab 1956 Leiter der Abteilung »1918 bis 1945« des Instituts für Geschichte an der Akademie der Wissenschaften. 1960 ging er in den Ruhestand, obwohl als Historiker mehrfach mit der Linie der SED in Konflikt, war er noch in verschiedenen Historikergremien der DDR. Er erhielt zum 70.Geburtstag 1962 den Karl-Marx-Orden. Albert Schreiner starb am 4.August 1979 in Ost-Berlin.Ilko-Sascha Kowalczuk

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schröder, Karl

* 13.11.1884 – ✝ 6.4.1950

(* 1884 – † 1950) Geboren am 13. November 1884 in Bad Polzin/ Pommern, Sohn eines Lehrers. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Köslin studierte er in Berlin Literaturwissenschaft, Philosophie Geschichte und Kunstgeschichte, leistete 1908 seinen Militärdienst und arbeitete anschließend an verschiedenen Orten als Privatlehrer. 1912 Promotion an der Universität Marburg. Seit dem Jahre 1913 gehörte Karl Schröder der SPD an, vor Kriegsausbruch wissenschaftliche Hilfskraft im Zentralbildungsausschuß der SPD, wo er Clara Zetkin und Franz Mehring kennenlernte. Von 1914 bis 1918 Landsturmmann in Frankfurt/Oder. Während des Krieges in der Spartakusgruppe aktiv, nahm Schröder am Jahresende 1918 am Gründungsparteitag der KPD in Berlin teil. 1919 war er einer der Leiter der linken Opposition der KPD, deshalb nach dem II. Heidelberger Parteitag im Oktober 1919 mit Dreiviertel der Berliner KPD-Organisation ausgeschlossen. Im April 1920 gehörte er zu den Mitbegründern der KAPD, wurde einer ihrer Führer und reiste mit einer Delegation im November 1920 nach Moskau. Dort erreichte er in zähen Verhandlungen mit Lenin, Trotzki und Bucharin, daß die KAPD am 5. Dezember 1920 offiziell als »sympathisierende Partei mit beratender Stimme ... provisorisch« in die Komintern aufgenommen wurde. Er war 1921/22 Führer der sogenannten Essener Richtung, zog sich nach Konflikten in der KAPD aus der aktiven Parteipolitik zurück. Seit 1922 wieder Mitglied der SPD, arbeitete als Stenotypist, Redakteur, Privatsekretär und Buchhändler. Als Schriftsteller veröffentlichte Schröder einige Zeitromane und war von 1928 bis 1933 Lektor beim »Bücherkreis«, dem damals größten Lesering für Arbeiter. Dann Mitbegründer der Gruppe »Rote Kämpfer« und Schriftleiter der gleichnamigen Zeitung. Nach 1933 eröffnete er in Berlin-Neukölln eine Buchhandlung und leistete im Rahmen der »Roten Kämpfer« Widerstand. Am 29.November 1936 wurde Karl Schröder verhaftet und am 30. Oktober 1937 vom VGH zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt, ab 1943 noch im KZ Börgermoor. Gesundheitlich ruiniert, beteiligte er sich am Neuaufbau, trat 1945 wieder in die SPD ein und leitete bis 1948 die Volkshochschule in Berlin-Neukölln. Während der Berliner Blockade trat Schröder demonstrativ der SED bei und wurde von der Volkshochschule entlassen, dann Lektor im Ostberliner Schulbuchverlag Volk und Wissen. In seinem Tagebuch notierte er, er wolle nur als freier Schriftsteller leben und keine Partei »auch nur dem Schein« nach repräsentieren. Karl Schröder starb am 6. April 1950.

Wer war wer in DDR

Schröder, Kurt

* 31.7.1909 – ✝ 7.7.1978

Geb. in Berlin; Vater Bahnarb.; Volksschule, Köllnisches Gymnasium; 1928 – 33 Studium der Mathematik u. Physik in Berlin; 1934 bei  Erhard Schmidt Prom. mit einer Arbeit aus der Algebra; Assistent an der Berliner Univ.; 1939 Habil. u. Privatdoz.; 1939 – 45 wiss. Mitarb. bei der Dt. Versuchsanstalt für Luftfahrt, Bearbeitung von Problemen der angewandten Mathematik, mathemat. Fragen der Tragflügeltheorie, der Prandtlschen Grenzschichttheorie u. Turbulenzprobleme; 1940 NSDAP. 1946 ord. Prof. u. Ltr. des II. Mathemat. Inst. der HU Berlin; 1950 – 59 auch Ltg. der Abt. II (Angewandte Mathematik) des DAW-Forschungsinst.; 1951 Ord. Mitgl. der DAW; 1956 NP; 1959 – 69 Ltr. des DAW-Inst. für angewandte Mathematik u. Mechanik, hervorgegangen aus der von K. S. geleiteten Abt.; 1959 – 65 Rektor der HU Berlin (Nachf. von  Werner Hartke); 1962 – 70 Vors. der neugegr. Mathemat. Ges.; Vors. des Nat.-Komitees Mathematik der DDR; 1962 VVO; 1969 – 72 Ltr. des (vereinigten) ZI für Mathematik u. Mechanik; 1966 Mitgl. des Forschungsrats; bes. Verdienste um die Einführung der Rechentechnik u. die Förderung der Kybernetik, maßgebl. beteiligt an der Errichtung der ersten Rechenzentren an Univ. u. DAW; gest. in Berlin.Annette Vogt

Wer war wer in DDR

Schröder, Rolf Xago

* 19.7.1942

Geb. in Elsterwerda; Vater Kaufm., Mutter Hausfrau; 1959 Lehre als Maschinist u. Heizer in Lauchhammer; 1962 – 66 Abitur u. Studium der Philos., Ästhetik u. Lit. an der HU Berlin; 1966 – 71 Ass. für Malerei u. Zeichnen an der Filmhochschule Potsdam-Babelsberg; Autodidakt; 1970 erste Ausstellung an der DBA in Berlin; Ausstellungen sowie Beteiligungen in Amsterdam, Dresden, Jena, Frankfurt (Main), Hamburg, Sylt, Steyr, Den Haag, Leipzig, London, Hongkong, Ljubljana; 1974 Rundfunkinterviews auf RIAS Berlin u. auf BBC über Paul Klee; ab 1975 freischaff. Maler u. Grafiker in Berlin; 1976 VBK; 1990 1. Sprecher des Koordinierungsrats des VBK, ab 1.9. – 3.10.1990 letzter Präs. des VBK. 1990 Goethe-Preis der Stadt Berlin; ab den 1990er Jahren bibliophile Bücher; lebt in Berlin.Wo Gras wuchs bis zu Tischen hoch. Spaziergang mit Irina Liebmann durch das Scheunenviertel. (Illustr.) Hamburg 1995; Achilles Verse. Berlin 1997; PhilosophenPool (Texte u. Aquarelle) Berlin 1998; Vom Lob des Scheiterns. (mit Originalaquarellen) Berlin 1999; Der Aufstand der Linie gegen die Farbe. Aphorismen eines Malers. Berlin 2003. Xago-Grafik 1976 – 1985. Dresden 1985; Xago – Werkverzeichnis Malerei 1964 – 1987. Berlin 1988; Feist, G. u. a. (Hrsg.): Kunstdokumentation SBZ / DDR 1945 – 1990. Köln 1996; Xago – Die Grotesken haben Ausgang. Berlin 1993.Astrid Volpert, Jg. 1952; 1971 – 78 Studium der Kultur- und Kunstwissenschaften sowie Journalistik an der KMU Leipzig; bis 1991 Redakteurin für Kultur, Literatur und bildende Kunst in Berliner Verlagen (Junge Welt, Neues Leben, Henschelverlag); 2001 – 04 wissenschaftliche Mitarbeiterin und Mitherausgeberin der Kopelew-Studien »Russen und Deutsche im 20. Jahrhundert« am Lotman-Institut der Ruhr-Universität Bochum; seit 2004 freiberufliche Lektorin, Kuratorin und Kunstkritikerin in Berlin bzw. Russland.

Wer war wer in DDR

Schroeder, Max (urspr. Schröder)

* 16.4.1900 – ✝ 14.1.1958

Geb. in Lübeck; Vater Rechtsanwalt; 1906 – 17 Humanist. Gymnasium in Lübeck, 1917 Notabitur; 1918 Militärdienst in Schwerin; 1918/ 19 Mitgl. eines Arbeiter- u. Soldatenrats; 1919 – 24 Studium der Kunstgeschichte in Rostock, Freiburg, München, Berlin u. Göttingen, Abbruch; 1919 – 23 Mitgl. der demokrat. Studentenvereinigung; 1920/21 Mitarb. im Kurt-Wolff-Verlag; journalist. Tätigkeiten; 1924 freier Mitarb. u. a. bei »Berliner Börsen Kurier«, »Die Weltbühne« u. »Berliner Volkszeitung«; 1925 – 29 Verf. von Romanen u. Bühnenwerken; 1929 SDS, Studium des Marxismus; 1931 – 33 Wohnung in der »Künstlerkolonie« am Breitenbachplatz in Berlin-Wilmersdorf, Teiln. an antifasch. Aktionen; 1932 KPD; März 1933 – 41 Emigr. nach Frankreich (Paris), dort aktiv in der KPD, zeitw. in deren Ltg.; Mitarb. des Münzenberg-Verlags, zus mit  Alexander Abusch,  Alfred Kantorowicz;  Artur Koestler u. a. Red. am »Braunbuch über Reichstagsbrand u. Hitlerterror«, Mitverf. von »Hitler treibt zum Krieg« (1934), »Der gelbe Fleck« (1936), »Spione u. Verschwörer in Spanien« (1936); Mitbegr. des SDS im Exil in Paris u. der Dt. Freiheitsbibliothek Paris, deren Ltr.; 1935 in die Schweiz, Mitarb. der Parteibuchhandl. in Zürich; 1936 verhaftet u. ausgewiesen; 1936 – 39 Geschäftsf. u. Kulturred. der »Dt. Informationen« (Nouvelles d’Allemagne) in Paris; zugl. Mitarb. der »Dt. Volksztg.«; 1937 Org. der Ausstellung »Das dt. Buch in Paris 1837 – 1937 zur Pariser Weltausstellung; 1939 mit  F. C. Weiskopf Red. der Ztg. »Volks Illustrierten«; Aug. 1939 Ausweisung aus Frankreich, Sept. 1939 – 41 in Nord- u. Südfrankreich in versch. Lagern interniert; Flucht aus dem Lager Nîmes; nach kurzer Internierung in Marokko; 1941 Emigr. in die USA (New York) u. anonymer Chefred. der Ztschr. »The German American«; 1942 Gründungsmitgl. der German American Emergency Conference; Mai 1944 Mitgl. des Council for a Democratic Germany; 1944 Heirat mit  Edith Anderson in New York. 1946/47 Rückkehr nach Dtl.; Jan. 1947 Ankunft in Berlin, SED; März 1947 – 57 Cheflektor im Aufbau-Verlag; bis 1949 Lit.-Kritiker der Ztg. »Neues Dtl.« u. Theaterkritiker der Ztg. »Sonntag«; Chefred. des »Aufbaus«; war als Verlagsmitarb. einflußr. Mittler der Exillit., bereitete die Hrsg. von Klassikerausgaben vor u. prägte maßgebl. das Profil des Aufbau-Verlags, um dichter. Nachwuchs bemüht; 1956 Mitgl. des dt. PEN-Zentrums Ost u. West; 1956 schwere Erkrankung; 1957 Lessing-Preis; gest. in Berlin-Grünau.Von hier und heute aus. Krit. Publizistik. Berlin 1957; M. Sch. zum Gedenken. Erinnerungen, autobiogr. Prosa, lyr. Nachdichtungen. Berlin 1959. Uhse, B.: Erinnerungen an M. Sch. In: Das Haus in der französ. Straße. Berlin, Weimar 1985; Faber, E., Wurm, C. (Hrsg.): Allein mit Lebensmittelkarten ist es nicht auszuhalten. Autoren- u. Verlegerbriefe 1945 – 49. Berlin 1991; dies.: »u. leiser Jubel zöge ein«. Autoren- u. Verlegerbriefe 1950 – 59. Berlin 1992; Wurm, C.: Jeden Tag ein Buch. 50 Jahre Aufbau-Verlag. Berlin 1995; ders.: Der frühe Aufbau-Verlag 1945 – 1961. Wiesbaden 1996; Anderson, E. Liebe im Exil. Berlin 2007.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Schröter-Chetrit, Rupert

* 18.1.1949

Geb. in Berlin; Vater Abt.ltr. im MdI u. Oberst der VP, Stiefmutter Dolmetscherin u. Major der NVA; 1955 Einschulung in Cottbus, 1956 – 63 Schulbesuch in Strausberg, ab 1963 in Berlin, 1967 Abitur an der Immanuel-Kant-OS u. Ausbildungsabschluß als Zerspanungsfacharb. in der Werkzeugmaschinenfabrik Berlin-Marzahn; 1967 SED; 1967 – 69 Lehrerstudium Geschichte / Staatsbürgerkunde an der MLU Halle, 1969 Exmatrikulation wg. Sprachfehler u. Ablehnung der Umlenkung in ein anderes Studienfach; danach tätig in der HA Nachrichten beim DDR-Rundfunk; 1971 Kündigung u. Ausschluß aus der SED wg. »parteischädigenden Verhaltens«; anschl. bis 1976 »Bewährung in der Produktion« als Baumaschinist, Waggondispatcher u. Botenmstr. in Berlin und Weimar; ab 1973 engagiert in oppositionellen Aktivitäten, so in den Publikationsbeiräten der später vom Staat eingestellten Veranstaltungsreihen »Eintopp« im Haus der jungen Talente in Berlin sowie »Kramladen« im Jugendklub Berlin-Langhansstraße; 1973 Initiator einer vom MfS als »feindlich« eingestuften konspirativen Gruppe, die – in Orientierung an Trotzki u. die IV. Internationale – polit. Bildungszirkel veranstaltete; 1976 Teiln. an Protesten gegen die offizielle Verunglimpfung des Suizids von  Oskar Brüsewitz; vom MfS erfaßt in der OPK »Schreiber« u. den OV »Monolith«, »Zirkel« u. »Spinne«; am 16.9. 1976 verhaftet u. im Frühjahr 1977 wg. »staatsfeindl. Hetze« zu vier Jahren Gefängnis verurteilt; im Dez. 1977 nach Ausreiseantrag auf »Bewährung« nach West-Berlin entlassen; Arbeit als Dreher, Speditionsmitarb., Journalist; 1978 – 85 SPD; 1985 – 87 Alternative Liste, u. a. Ltr. der AG Berlin- u. Deutschlandpolitik, mit der er aus der AL austrat; dann wieder SPD; Engagement in der Deutschlandpolitik sowie in diversen Solidaritätsinitiativen zugunsten unabh. Gewerkschaften u. polit. Verfolgter in der DDR u. Osteuropa, u. a. im »Komitee zur Verteidigung u. Verwirklichung der demokrat. Rechte u. Freiheiten in Ost u. West – in ganz Dtl.«, im Selbsthilfeverein ehem. DDR-Bürger, in der Initiative Freiheit für Andersdenkende bzw. im West-Berliner Unterstützerkreis der Ostberliner Umwelt-Bibliothek; nach dem Mauerfall 1989 Mitarb. im Informationsblatt der Umwelt-Bibliothek »telegraph«; 1990 Wechsel zur Wochenzeitung der Bürgerbewegungen »DIE ANDERE«; dort bis 1991 Chefreporter. 1991 – 99 Pressesprecher der Brandenburger Sozialministerin  Regine Hildebrandt; anschl. bis 2003 Referent für EU-Osterweiterung u. Arbeitsmarkt in der Landesreg. Brandenburg.Karsten Krampitz, Lothar Tautz, Dieter Ziebarth (Hrsg.): Ich werde dann gehen. Erinnerungen an Oskar Brüsewitz. Leipzig 2006.Arno Polzin, Jg. 1962; 1978 – 90 Facharbeiterausbildung und Arbeit als Werkzeugmacher; 1982 – 84 Bausoldat in der NVA; 1984 – 89 Technologie-Fernstudium an der Fach- / Hochschule für Maschinenbau und Elektrotechnik Berlin; 1990 Mitarbeit im Bürgerkomitee zur Kontrolle der Auflösung der Staatssicherheit Berlin; seit 1990 in verschiedenen Positionen bei dem / der BStU in Berlin, seit 2003 dort Mitarbeiter in der Abt. Bildung und Forschung.

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Schubert, Richard

* 1.7.1886 – ✝ 24.12.1955

Geboren am 1. Juli 1886 in Mülsen/St. Jacob bei Zwickau, Sohn eines Leinewebers; erlernte das Weberhandwerk und arbeitete in Textilbetrieben, 1903 Mitglied der SPD. Aus gesundheitlichen Gründen während des Weltkrieges nicht einberufen, 1917 Übertritt zur USPD. Im November 1918 stand er an der Spitze des Zwickauer Arbeiter- und Soldatenrates und gehörte zu den Mitbegründern des Spartakusbundes in Zwickau, wurde Mitte Januar 1919 erster Vorsitzender der KPD-Ortsgruppe. Während des Kapp-Putsches im März 1920 Vorsitzender des Zwickauer Aktionsausschusses, trennte sich von der KPD und wurde Vorsitzender der KAPD in Zwickau und Umgegend. 1924 Wiedereintritt in die KPD und in die Stadtverordnetenversammlung von Zwickau gewählt, führte er die KPD-Fraktion im Stadtparlament. Zunächst städtischer Angestellter, arbeitete dann bis 1930 als Konditor bei der Konsumgenossenschaft. Am 26. Februar 1931 kam Schubert als Nachrücker für die zurückgetretene Margarete Nischwitz in den Sächsischen Landtag. Im März 1933 erklärte er dem Präsidium des Landtages, künftig sein Mandat als Parteiloser ausüben zu wollen, kam jedoch nach Schloß Osterstein in »Schutzhaft«, dort im Dezember 1933 entlassen. Danach zog er sich von jeder politischen Betätigung zurück, arbeitete im Blumengeschäft seiner Frau und stand bis 1939 unter Polizeiaufsicht. Richard Schubert starb am 24. Dezember 1955 in Zwickau.

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Schottstädt, Bruno

* 14.4.1927 – ✝ 25.4.2000

Geb. in Dierberg (Krs. Gransee); Vater Landwirt; 1941 – 44 Besuch der Lehrerbildungsanstalt in Dahme u. in Brandenb./Havel; 1944 RAD, 1945 Kriegsdienst; bis 1948 in brit. u. belg. Gefangenschaft. Nach der Rückkehr nach Dtl. Ausbildung u. Dienst in der Goßner-Mission; Studium der Theol. am Seminar für Kirchl. Dienst in Berlin (West) u. am Paulinum in Berlin (Ost), geprägt durch Dietrich-Bonhoeffer- u. Karl-Barth-Schüler, u. a.  Günter Jacob; 1953 Vikar in der Erlöser-Gemeinde in Berlin-Lichtenberg; 1954 Gründer der Goßner-Mission in der DDR; 1956 Ordination; anschl. Pfarrer u. Ltr. der Goßner-Mission in der DDR; 1962 Mitarb. u. 1963 stellv. Dir. des Ökumen.-Missionar. Amts; CDU; Mitgl. des Friedensrats der DDR; 1980 – 82 Gastdoz. in den USA, Kanada, Indien u. Japan im Dienst der Ökumene; ab Dez. 1982 Pfarrer in Berlin-Marzahn-Nord; gest. in Berlin.Konkret – Verbindl. Notizen aus der DDR. Berlin 1971 (Hrsg.); Kirche im Soz. – Erkenntnisse unseres Weges – Konkretion unseres Auftrags. Berlin 1985 (Mithrsg.); Das Kreuz bricht die Welt auf. Gemeindeaufbau u. Ökumene in Berlin-Marzahn. Berlin 1992.Jan Wielgohs

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Schramm, Bruno

* 8.2.1894 – ✝ 14.4.1959

Geboren am 8. Februar 1894 in Linda/Sachsen, Sohn einer Bergarbeiterfamilie. Zunächst Bote, lernte dann Kesselschmied. Er mußte von 1914 bis 1918 zur Kriegsmarine, Heizer auf einem Torpedoboot bzw. Linienschiff. Zweimal wegen antimilitaristischer Arbeit zu Festungshaft verurteilt, wurde er 1917 Mitglied der USPD, 1919 der KPD. Ab Ende 1918 Heizer im Bahnbetriebswerk in Dresden. Auf dem VI. Parteitag der KPD im Dezember 1920 als Vertreter Ostsachsens zum Mitglied des ZA gewählt, von 1920 bis 1922 Vorsitzender der KPD Dresden. Ab Juni 1922 offiziell Angestellter in der Kurierabteilung der sowjetischen Botschaft in Berlin, tatsächlich von Oktober 1923 bis Juli 1925 Mitarbeiter im AM-Apparat der KPD. Bis Dezember 1932 Angestellter der sowjetischen Handelsvertretung, zuletzt Kommandant und Wirtschaftsleiter. Er gehörte im November 1932 zu den Organisatoren des Berliner BVG-Streiks. Schramm emigrierte Ende 1932 mit seiner Frau Charlotte und seinem Sohn Günter in die Sowjetunion, wurde in Moskau Angestellter von Intourist, ab November 1933 Wirtschaftsleiter der Komintern und Mitarbeiter der Nachrichtenabteilung. Seit Oktober 1935 Instrukteur bei der IAH (MOPR), ging 1937 zu den Internationalen Brigaden in Spanien, Panzertruppenleutnant. Ab Oktober 1938 in Paris, im September 1939 interniert, flüchtete im Juni 1940 und lebte illegal im besetzten Teil Frankreichs. Mit sowjetischen Papieren gelangte er im Oktober nach Moskau, 1941/42 wieder Referent bei der IAH, von 1942 bis 1945 Instrukteur in Kriegsgefangenenlagern. Im April 1945 kam Schramm mit der von Gustav Sobottka geleiteten Gruppe in Mecklenburg an, wurde Mitglied der KPD-BL und im August 1945 Vizepräsident der Reichsbahndirektion Schwerin, ab Februar 1946 Stellvertreter des Generaldirektors der Deutschen Reichsbahn für die sowjetische Besatzungszone, von 1949 bis 1957 Präsident der RBD Schwerin. Bruno Schramm starb am 14. April 1959. Sein Sohn Günter Schramm (*4. 1. 1919) besuchte in Moskau die Karl-Liebknecht-Schule, lernte anschließend Schlosser, ab 1934 Mitglied des Komsomol, 1936 sowjetischer Staatsbürger. Am 19. Juni 1937 vom NKWD verhaftet, im November entlassen, aber am 8. Februar 1938 erneut festgenommen, dann am 28. März 1938 wegen »konterrevolutionärer Tätigkeit in der KPD« zu zehn Jahren Arbeitslager verurteilt. Schramm gehörte zu den kommunistischen deutschen Jugendlichen, die bezichtigt wurden, eine Organisation »Hitlerjugend« aufzubauen, kam wegen dieses absurden Vorwurfs in ein Lager in die ASSR der Komi. Seine Mutter setzte sich in unzähligen Briefen an Stalin, Jeshow und Molotow für ihren Sohn ein, der im März 1939 zur »Überprüfung« seines Falles in das Moskauer Butyrka-Gefängnis zurückgeholt wurde. Im November 1940 verwies Wilhelm Pieck den Militärstaatsanwalt darauf, Schramm junior sei mit 13 Jahren in die Sowjetunion gekommen und habe unmöglich an »konterrevolutionärer Tätigkeit in der KPD« teilnehmen können. Das Urteil wurde aufgehoben und er am 29. Dezember 1940 freigelassen. Günter Schramm war später aber Angehöriger der Arbeitsarmee und soll dabei 1942 in der Sowjetunion umgekommen sein.

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Schrecker, Hans (-Heinrich)

* 11.3.1899 – ✝ 19.12.1983

Geb. in Berlin in einer jüd. Fam. als österr.-ung. Staatsbürger; Vater Kfm., Jan. 1944 im KZ Auschwitz ermordet, Mutter 1943 in einem jüd. Altersheim verhungert; 1905 – 15 Gymnasium, Abbruch, Arbeiter in versch. Unternehmen; Apr. 1917 Einberufung zur österr.-ung. Armee; Notabitur; 1917/18 Frontsoldat, schwer verwundet; Okt. 1918 Rückkehr nach Berlin; tschechoslowak. Staatsbürgerschaft; 1918 – 20 USPD; Teiln. an der Roten Sicherheitswehr u. Kämpfen gegen die Freikorpstruppen; 1920 Austritt aus der Jüd. Gemeinde; 1920 – 22 Gefängnishaft wg. krimineller Delikte in Berlin; 1922/23 arbeitslos; 1923/24 beim Malik-Verlag Berlin; 1923 KPD; 1924/25 Vertreter einer Kunsthandl. in Berlin; 1925 Statistiker u. Bote im Palästina-Amt in Berlin; 1925 – 28 Kurse an der MASCH; 1925 – 28 Sekr. der Berliner BL der IAH Dtl.; danach bis 1931 Sekr. für Agit. im Reichsekr. der RHD u. Red. ihres Organs »Tribunal«; anschl. Sekr. für Agit. im Reichssekr. der RGO; 1931 Red. der »Roten Fahne« u. bis 1933 Mitarb. in der Abt. Agit. des ZK der KPD, dort Red. der Ztschr. »Der Agitator«; trug in der pol. Arbeit den Namen Straschitz-Schrecker; ab Febr. 1933 illeg. ZK-Kurier ins Ausland u. zuständig für das Reichssekretariat der RHD; Mai 1933 Emigr. in die Schweiz u. Arbeit für die RH in Zürich, illeg. Grenzarbeit; Aug. 1933 verhaftet u. nach Frankreich abgeschoben; in Paris Forts. der Arbeit für die RH; Sekr. des Internat. Befreiungskomitees für Georgi Dimitroff, Ernst Torgler, Blagoi S. Popoff u. Wassili K. H. Taneff; 1934/35 Sekr. für Agit. u. Prop. im Saargeb.; danach bis 1937 erneut im Sekr. der RH in Paris, 1936/37 Mitgl. der KPD-Emigrationsltg. in Paris; 1937/38 pol. u. nachrichtendienstl. KPD-Arbeit in der ČSR; seit Okt. 1938 wieder in Paris u. für die Rettung dt. Emigranten in Paris u. in der ČSR wirksam; aufgrund der tschech. Staatsbürgerschaft 1940 Einberufung zur ausländ. tschech. Befreiungsarmee u. Juni 1940 mit seiner Einheit Weggang nach England; dort wegen der antisowj. u. antisemit. Haltung der Armeeführung einer der Rädelsführer für den Austritt aus der Armee, von der brit. Militärpolizei interniert u. im Febr. 1941 wieder nach London entlassen; danach Arbeit in der Schriftst.-Sekt. des Freien Dt. KB; Journalist für die »Freie Tribüne« der BFD u. 1942 – 45 freier Mitarb. für die Ztg. der tschechoslowak. Exilreg. (»Central European Observer«); 1944/45 Mitgl. der Ltg. der KPD-Emigrationsgr. Dez. 1945 Rückkehr nach Dtl., zus. mit anderen Emigranten aus England in Bad Schandau; nach der Mitteilung von  Hermann Matern, daß er nicht nach Berlin kommen solle, fakt. aus pol. Gründen offiz. Berlin-Verbot, Fürsprachen von  Wilhelm Koenen,  Anton Ackermann u. a. bewirkten nichts; 1946 – 48 Chefred. der Illustrierten »Zeit im Bild« im Sachsenverlag in Dresden (mit Oskar Kurbat); Sept. 1948 Sekr. für Agit. des SED-LV Sachsen, Okt. 1949 – Okt. 1950 bei der LL Sachsen der SED; Herbst 1950 – Juni 1952 1. Sekr. der NF des Landes Sachsen u. ab Juli 1952 des Bez. Leipzig; Okt. 1952 bis zur Verhaftung kommissar. Chefred. der »Leipziger Volksztg.« (Nachf. von  Karl Bathke); am 24.11. 1952 Festnahme im Zusammenhang mit dem Slánský-Prozeß in der ČSR, MfS-U-Haft in Berlin-Hohenschönhausen, Vorwurf der Agententätigkeit, Jan. – Nov. 1953 in einer Dunkelzelle; Nov. 1953 U-Haft in Karl-Marx-Stadt; am 4.2.1954 vom Bez.-Gericht Karl-Marx-Stadt wegen »Friedensgefährdung durch Prop. für den Militarismus« zu acht Jahren Gefängnis verurteilt; Juni 1956 Begnadigung, Entlassung u. Dez. 1956 Wiederherstellung der SED-Mitgliedschaft; 1957 – 59 Kommentator beim Sender Leipzig u. ab März 1957 stv. Chefred. der SED-Bez.-Ztg. »Volkswacht« in Gera; Mitte 1957 auf eigenen Wunsch Abberufung, Ltr. der Ausstellung »40 Jahre Oktoberrev.« in Leipzig; 1958 Kommentator u. 1959 – 69 Red. bei der »Lausitzer Rundschau« in Cottbus; auf Weisung von  Werner Lamberz u. mit Zustimmung von  Erich Honecker ab März 1969 Kommentator für die Ztg. »horizont« in Berlin; 1973 VVO; 1975 Ehrenspange zum VVO; 1977 KMO; gest. in Berlin; wurde am 18.2.1992 vom Bez.-Gericht Dresden rehabil., Aufhebung des Urteils von 1954.Otto, W.: Antizionismus – übergestülptes Feindbild u. antisemit. Haltung. In: Keßler, M. (Hrsg.): Arbeiterbew. u. Antisemitismus. Entwicklungslinien im 20. Jh. Bonn 1993; Groehler, O., Kessler, M.: Die SED-Politik, der Antifaschismus u. die Juden in der SBZ u. der frühen DDR. Berlin 1995.Wilfriede Otto

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schreiber, Otto

* 20.5.1900 – ✝ 4.9.1964

Geboren am 20. Mai 1900 in Stettin, Sohn eines langjährigen SPD- und Gewerkschaftsfunktionärs; lernte Dreher, trat 1914 in die SAJ ein. Im Spätsommer 1918 zum Militärdienst eingezogen, wurde er am 9. November 1918 Vertreter der Rekruten im Stettiner Arbeiter- und Soldatenrat, war 1919 am Übertritt der Stettiner SAJ-Gruppe zur FSJ beteiligt und gehörte zu den Mitbegründern der KPD-Ortsgruppe Stettin. 1921 Bezirksleiter der KJD Pommern, später Redakteur bei der KPD-Zeitung in Stettin, 1923 Lokalredakteur beim »Echo des Ostens« in Königsberg. Im Herbst 1923 angeklagt, entzog er sich dem Prozeß, lebte illegal und flüchtete in die Sowjetunion. Nach der »Hindenburg-Amnestie« kehrte Schreiber nach Deutschland zurück, wurde politischer Redakteur bzw. Chefredakteur der »Sächsischen Arbeiterzeitung« in Leipzig und von 1926 bis 1928 Chefredakteur des »Kämpfer« in Chemnitz. Nach kurzer Schulung in der Sowjetunion Chefredakteur des zunächst noch legalen, dann illegalen Organs des RFB »Rote Front« (zugleich Mitglied der illegalen Bundesführung des RFB). Ab 1931 Redakteur bei der »Hamburger Volkszeitung«. Nach dem Reichstagsbrand Polleiter der KPD in Mecklenburg, aber bereits am 18. Juli 1933 in Berlin verhaftet und am 21. März 1935 vom VGH zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach der Entlassung aus dem Zuchthaus Rendsburg ging Schreiber nach Hamburg-Altona zurück, arbeitete als Dreher, wegen Ausbombung nach Stedersdorf bei Uelzen evakuiert. Ende Juni 1945 kam er nach Berlin, trat der KPD bei und war Mitarbeiter im sowjetischen Nachrichtenbüro in Weißwasser, anschließend Leiter der Auslandsredaktion, Chefredakteur und stellvertretender Direktor des ADN. Später Auslandskorrespondent in Ungarn und der Sowjetunion, von 1956 bis 1961 wissenschaftlicher Mitarbeiter am IML. 1957 erhielt er den VVO in Bronze. Otto Schreiber starb am 4. September 1964 in Ost-Berlin.

Wer war wer in DDR

Schreier, Werner (Otto Werner)

* 9.8.1931 – ✝ 25.4.1991

Geb. in Dresden; Vater Arbeiter; Hauptschule; 1946 – 49 Lehre u. Arbeit als Schriftsetzer im Sachsenverlag in Dresden; 1946 FDJ u. SED; 1950 FDJ-Sekr. im Sachsenverlag; 1950 / 51 Redaktionsass. bei der »Sächs. Ztg.« in Dresden; 1951 – 53 Kreisred. der »Sächs. Ztg.« in Riesa; 1953 BPS; ab 1954 Red. in der Abt. Presse u. Rundfunk im ZK der SED; 1963 – 85 Chefred. der Ztg. »Dt. Sportecho« (Nachf. von Otto Jahnke, der nach  Jochen Fiebelkorn zwei Monate amtierte); 1985 Abberufung aus gesundheitl. Gründen; gest. in Potsdam.Andreas Herbst

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Schreiter, Fritz

* 27.4.1892 – ✝ 13.9.1944

Geboren am 27. April 1892 in Dresden; Metallarbeiter, aktiver Arbeitersportler, seit 1912 Mitglied der SPD. Soldat im Ersten Weltkrieg, wegen Antikriegspropaganda angeklagt, desertierte er 1917 nach Dänemark. Von dort ausgeliefert, vom Kriegsgericht zu längerer Festungshaft verurteilt, im November 1918 durch die Revolution befreit. Anhänger des Spartakusbundes und des linken Flügels der USPD, Betriebsvertrauensmann der Opposition im DMV. Ab 1920 Mitglied der KPD und Angestellter der DMV-Ortsverwaltung Dresden. Von 1922 bis 1924 ehrenamtlicher Stadtrat in Dresden, im Januar 1924 zum Stadtverordneten gewählt, Ende 1924 (bis Anfang 1933) wurde Schreiter Bürgermeister der Gemeinde Zschachwitz bei Dresden. Im November 1928 wegen Kritik am ultralinken Kurs der KPD ausgeschlossen, danach Funktionär der KPO. Im April 1933 Emigration in die âSR, am 27. April 1934 vom NS-Regime ausgebürgert. Illegale Arbeit in der âSR, in Dänemark und Schweden. Dort ausgewiesen, ging Schreiter mit seiner Familie zurück nach Dänemark. Nach der deutschen Besetzung erneute Flucht nach Schweden. Trotz heftiger Proteste am 12. Juli 1940 nach Dänemark ausgewiesen, dort festgenommen und nach Deutschland überführt, wurde er vom VGH am 21.März 1942 zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. Wegen illegaler Arbeit unter den Gefangenen im Zuchthaus Waldheim erneut angeklagt. Fritz Schreiter wurde zum Tode verurteilt und am 13.September 1944 in Dresden hingerichtet. Im Dresdener Stadtbezirk Zschachwitz wurde eine Straße nach ihm benannt. Zu DDR-Zeiten wurde die Zugehörigkeit Fritz Schreiters zur KPO jedoch nicht erwähnt.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schröder, Paul

* 24.3.1881 – ✝ 10.11.1946

Geboren am 24. März 1881 in Langenberg/ Rheinland; lernte Dreher, später städtischer Angestellter. Vor dem Weltkrieg Mitglied der SPD, ab 1916 in der Spartakusgruppe in Remscheid aktiv. Schröder war Delegierter auf dem Gründungsparteitag der KPD in Berlin Ende 1918. Er kandidierte für den Spartakusbund im März 1919 bei der Gemeindewahl in Remscheid, kam aber erst als Nachrücker im Januar 1920 in das Remscheider Stadtparlament. Nach der Besetzung Remscheids am 6. Juni 1919 durch das Freikorps »Lichtschlag« zusammen mit Otto Brass und anderen Remscheider Arbeiterführern festgenommen und in das Zuchthaus Werl gebracht. 1920/21 Parteisekretär der KPD in Remscheid, Delegierter des III. KPD-Parteitages 1920. Als Anhänger Paul Levis 1921 aus der KPD ausgeschlossen, ging zur KAG und wurde 1923 wieder Mitglied der SPD. Nach einem kurzen Aufenthalt in Kassel lebte Schröder mit seiner Familie in Solingen, wo er 1928 kommissarischer Geschäftsführer der Gewerkschaft öffentliche Betriebe wurde. Vom 23. Mai bis 2.Juni 1933 in »Schutzhaft«, leistete er auch nach seiner Freilassung für die SPD Widerstand, verteilte die illegale »Sozialistische Aktion«. Schröder wurde im Oktober 1935 festgenommen und am 30. April 1936 zu zehn Monaten Zuchthaus verurteilt. Er wirkte 1945 trotz schwerer Krankheit am Aufbau der Gewerkschaft und SPD mit, Paul Schröder starb am 10. November 1946 in Solingen. Sein Sohn Karl Schröder (* 14. 3. 1913 – † 16. 3. 1971) war langjähriger SPD-Landtagsabgeordneter in Nordrhein-Westfalen.

Wer war wer in DDR

Schröder, Ralf

* 4.11.1927 – ✝ 15.4.2001

Geb. in Berlin; Vater Postbeamter; OS, anstelle von Abitur Reifevermerk; 1943 Luftwaffenhelfer, 1944 Wehrmacht. 1947 SED; 1946 – 51 Studium der Geschichte u. Russistik an der HU Berlin, St.-Ex.; 1951 – 53 Lehrbeauftr. für russ. Lit. u. Geschichte an der EMAU Greifswald; 1953 – 57 an der KMU Leipzig; 1957 hier Prom. zum Dr. phil. mit einer Diss. über den jungen Maxim Gorki; 1957 Ausschl. aus der SED, 1957 – 64 Haft wegen Einsatz für demokrat. Reformen; 1966 – 88 verantw. Lektor für Sowjetlit. im Verlag Volk u. Welt Berlin; danach freischaff.; 1970 – 88 vom MfS als IM »Karl« erfaßt; 1983 – 90 Mitgl. des SV; gest. in Berlin. Herausgabe u. Kommentierung der Werke von Nikolai Gogol, Fjodor Dostojewski, Maxim Gorki, Michail Bulgakow, Ilja Ehrenburg, Juri Trifonow, Wladimir Tendrjakow, Bulat Okudshawa, Tschingis Aitmatow u. a.Gorkis Erneuerung der Fausttradition. Über Faustmodelle in russ. Romanen von Dostojewski bis Bulgakow. Berlin 1971; Vom Ich-Gewinn zum Welt-Gewinn. Aktuelle Diskussion der Sowjetlit. Leipzig 1977; Roman der Seele, Roman der Geschichte. Zur ästhet. Selbstfindung von Tynjanow, Ehrenburg, Bulgakow, Aitmatow, Trifonow, Okudshawa. Leizig 1986. Mierau, F.: Mein russ. Jahrhundert. Hamburg 2002; Schröder, W.: Vom Reifen der Alternativen R. S.’s Lesarten der russ. u. sowj. Lit. Leipzig 2003; Barck, S.; Lokatis, S.: Fenster zur Welt. Eine Geschichte des DDR-Verlages Volk u. Welt. Berlin 2003.Christoph Links

Wer war wer in DDR

Schröder, Werner

* 19.2.1929 – ✝ 16.1.1991

Geb. in Hartmannsdorf; Volksschule; 1943 – 45 Lehre als Techn. Zeichner, kein Abschl.; 1945 HJ-Wehrertüchtigungslager. 1945 KPD; 1945/46 arbeitslos; 1946 Schlosser; dann nach Lehrabschl. Techn. Zeichner; 1950 Einstellung beim MfS, Krs.-Dienststelle Flöha (Sachsen); 1951 Kursant, 1952 Lehrer an der JHS Potsdam-Eiche; 1954 Lehrstuhlltr. an der MfS-Schule in Eberswalde; 1956 Schulltr. der MfS-Schule in Teterow; 1958 Versetzung zur HA V (Staatsapparat Kultur, Kirchen, Untergrund) des MfS Berlin; 1959 Abt.-Ltr.; 1969 Dipl.-Jur. an der JHS Potsdam-Eiche; 1970 stellv. Ltr. der Zentr. Arbeitsgr. Geheimnisschutz (ZAGG); 1973 Oberst; 1975 Ltr. der ZAGG; Dez. 1989 von seiner Funktion entbunden; Jan. 1990 Entlassung; Rentner; gest. in Berlin.Jens Gieseke

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Schröer, Alfred

* 12.12.1895 – ✝ 28.8.1970

Geboren am 12. Dezember 1895 in Neukrausendorf/Schlesien; lernte Bergmann und übersiedelte 1912 nach Essen. Er trat dem Bergarbeitergewerkschaft „Alter Verband“ und 1913 der SPD bei. Im Mai 1915 zum Militär eingezogen, kam an die Front und war bis zum Januar 1919 Soldat. Ab Januar 1919 Mitglied und aktiver Funktionär der KPD, bis Ende 1923 Bergmann, dann 1924 hauptamtlicher Parteisekretär. Im Mai 1924 kam Schröer als Abgeordneter in den Reichstag, wurde aber im Dezember nicht mehr gewählt. Von 1925 bis Ende 1932 Parteisekretär und Fraktionsführer der Gelsenkirchener KPD. Anfang 1933 verhaftet, nach einigen Wochen wieder freigelassen und bis 1935 erwerbslos. Von der Gestapo wegen illegaler Widerstandsarbeit im Oktober 1935 festgenommen, das OLG Hamm verurteilte Schröer am 14. April 1936 zu zwei Jahren Gefängnis. Nach der Entlassung 1938 Baufacharbeiter, noch 1944 als Soldat zur Bewährung an die Front geschickt. Nach 1945 zunächst Beton-Polier, dann Gastwirt. Schröer trat wieder der KPD bei, wurde Fraktionsführer der Gelsenkirchener Stadtverordnetenfraktion. 1952 wegen politischer Differenzen (Stalinkult, Ostgrenzen) als »Titoist« aus der KPD ausgeschlossen, er trat 1954 der SPD bei und lebte als Pensionär im Ruhrgebiet. Alfred Schröer starb am 28. August 1970 in Gelsenkirchen.

Wer war wer in DDR

Schroth, Christoph

* 5.5.1937

Geb. in Dresden; Vater Schauspieler; SED; 1955 – 59 Studium der Journalistik an der KMU Leipzig; 1959 – 64 Fernstudium der Theaterwiss. an der Theater-HS Leipzig; 1969 – 74 Fernstudium der Philos. an der HU Berlin; 1960 – 65 Dramaturg u. Regieassistent am Maxim-Gorki-Theater Berlin; 1965/66 Regieassistent an der Volksbühne Berlin; 1966 –71 Regisseur in Halle; 1971 – 73 Regisseur an der Volksbühne Berlin; 1974 – 89 Schauspieldir. in Schwerin (1984 – 86 amt. Gen.-Intendant); Gastspiele u. Gastinszenierungen in der Bundesrep. Dtl., in Schweden, Finnland, Österreich (Wiener Burgtheater); 1989 – 92 Oberspielltr. am Berliner Ensemble; seit 1992 Intendant des Brandenb. Staatstheaters Cottbus; 1983 – 93 Mitgl. u. 1990 – 93 Sekr. der Sekt. Darstellende Kunst der AdK der DDR; seit 1993 Mitgl. der AdK Berlin-Brandenb.; 1984 NP; 1985 Mitgl. des Präs. des Verb. der Theaterschaffenden der DDR; 1986 Direktoriumsmitgl. des Internat. Theaterinst.; in seinem Verständnis von Volkstheater bzw. Theater der sozialen Aktion als Kommunikation zw. Zuschauer u. Theater ist die Gegenwartsbezogenheit der Inszenierungen erstes Kriterium:  Bertolt Brecht »Herr Puntilla u. sein Knecht Matti«, »Trommeln in der Nacht« u. »Dreigroschenoper«, Michail Schatrow »Blaue Pferde auf rotem Gras« unter Einsatz von Schauspielstudenten,  Friedrich Wolf »Die Matrosen von Cattaro«,  Peter Hacks »Moritz Tassow«,  Heiner Müller »Wolokolamsker Chaussee« I – V; 1979 Johann W. v. Goethe »Faust I u. II« (Zäsur in der Faustinterpretation, über 100 Aufführungen); 1996 UA von  Erwin Strittmatters »Ole Bienkopp«; die seit 1976 herausgebrachten »Schweriner Entdeckungen« (Antike, Brechtpflege, DDR-Dramatik) finden seit 1993 eine Forts. im Programm »Zonen-Rand-Ermutigungen« in Cottbus; 1992 – 2003 dort Indendant; lebt in Cottbus.Pietzsch, I.: Werkstatt Theater. Berlin 1975; Jaksch, B.: Theaterarbeit in Schwerin. Schwerin 1979/80; Ullrich, R.: Schweriner Entdeckungen. Berlin 1986; Linzer, M. et al.: Wo ich bin, ist keine Provinz. Der Regisseur Ch. S. 2003.Renate Rätz

Wer war wer in DDR

Schubert, Albert

* 11.8.1923

Geb. in Groß-Beuchow (Krs. Calau); Vater Landarb.; Volksschule; 1938 – 41 Lehre als Müller; 1941 – 45 Kriegsdienst in der Marine. 1945 Fliesenpresser in Boitzenburg; 1947 SED; Holzarb.; dann Einstellung bei der VP, Krs.-Polizeiamt Hagenow; 1949 Ltr. der K 5 in Hagenow; danach Versetzung zur Außenstelle K (ab Febr. 1950 MfS), Krs.-Dienststelle Hagenow; 1951 Ltr. der Krs.-Dienststelle Grevesmühlen; 1952 Ltr. der Abt. V (Staatsapparat, Kultur, Kirchen, Untergrund) der BV Schwerin; 1954 stellv. Operativ des Ltr. der BV Schwerin; 1956 stellv. Operativ der BV Rostock; 1957 Ltr. der HA VIII (Ermittlungen) des MfS Berlin; 1963/64 Besuch der BPS »Friedrich Engels« in Berlin; 1966 – 68 Externstudium an der JHS Potsdam-Eiche; 1972 Gen.-Major; 1975 Prom. zum Dr. jur. an der JHS; 1981 VVO; 1984 Entlassung, Rentner.Jens Gieseke

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schrader, Karl (Körner

* 25.4.1900 – ✝ 18.5.1962

(* 1900 – † 1962) Geboren am 25. April 1900 in Wedderstedt/ Harz, Sohn eines Dorfstellmachers und Sozialdemokraten; mußte seine Gärtnerlehre 1918 wegen Einberufung zum Militär abbrechen. Da er antimilitaristische Gedichte verbreitete, wurde er im Herbst 1918 zu einem Jahr Festung verurteilt, durch die Novemberrevolution befreit. Mitglied des Arbeiter- und Soldatenrates, im Januar 1919 Eintritt in die KPD. Wegen Teilnahme am Mitteldeutschen Aufstand 1921 zu sieben Jahren Zuchthaus verurteilt, er konnte flüchten und lebte bis zur Amnestie von 1928 unter dem Pseudonym Paul Körner. Er schlug sich als Torfstecher, Landarbeiter, Buchhändler, Leichenwagenkutscher und Kellner durchs Leben und schrieb Gedichte, Glossen und Reportagen für die KP-Presse. Von 1926 bis 1930 Redakteur der »Roten Fahne«, für die Arbeiterkorrespondentenbewegung der Zeitung verantwortlich. Dann freier Schriftsteller. In der Weimarer Republik insgesamt u. a. wegen »Literarischen Hochverrats«, Gotteslästerung, Beleidigung usw. fünf Jahre in den Zuchthäusern, Gefängnissen und Festungen Gollnow, Moabit u. a. eingekerkert. Schrader war aktives Mitglied des Bundes proletarisch-revolutionärer Schriftsteller. 1929 erschien sein erster Roman »Schlagende Wetter«, 1930 nahm er am Internationalen Kongreß revolutionärer Schriftsteller in Charkow teil. Nach 1933 einige Male kürzere Zeit inhaftiert und zu Straßen- und Waldarbeiten zwangsdienstverpflichtet. 1939 zum Militär eingezogen, bis 1945 Soldat, danach lebte er wieder als freier Schriftsteller in Berlin, schloß sich der KPD bzw. SED an, war Mitarbeiter der SED-Presse und des DDR-Rundfunks. Er veröffentlichte mehr als 200 Arbeiten, vorwiegend Kurzgeschichten, Humoresken, Glossen. Er erhielt den VVO in Silber. Karl Schrader starb am 18. Mai 1962 in Ost-Berlin.

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Schramm, Heinrich

* 11.2.1901 – ✝ 22.8.1963

Geboren am 11. Februar 1901 in Bremen, sein Vater, ein Arbeiter, fiel am 4. Februar 1919 bei den Spartakuskämpfen in Bremen. Heinrich Schramm lernte Elektriker, wurde 1923 Mitglied der KPD. Ab 1931 zunächst Polleiter des »Einheitsverbandes der Hafenarbeiter« in der RGO im Bezirk Weser-Ems, anschließend übernahm er die Funktion des Orgleiters bzw. des Polleiters für den gesamten Bezirk Nordwest. Im März 1933 verhaftet, im Dezember 1933 vom OLG Bremen zu neun Monaten Gefängnis verurteilt. Nach der Freilassung im September 1934 Orgleiter der illegalen KPD in Bremen, flüchtete im Januar 1935 nach Amsterdam und wirkte von dort als Instrukteur im Ruhrgebiet. Wegen »unkonspirativen Verhaltens« wurde Schramm für ein Jahr aus der KPD ausgeschlossen, ging 1936 als Freiwilliger nach Spanien und kämpfte bei den Internationalen Brigaden, zeitweise Kommandant des »Thälmann-Bataillons«. Er kam 1938 nach Holland und war 1939/40 Orgleiter der KPD-Emigration in Amsterdam. Dort am 1. Juli 1940 verhaftet und 1942 vom VGH in Berlin zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt. Im Mai 1945 nach Bremen zurückgekehrt, zunächst Orgleiter, ab 1947 1. Sekretär der KPD-BL Bremen, Schramm gehörte als Westvertreter 1946/47 dem SED-PV an. Ab 1950 Sekretär des Friedenskomitees in Bremen und 1953 hauptamtlicher Sekretär der KPD-Landesleitung Bremen. Heinrich Schramm starb am 22. August 1963 in Bremen.

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Schrecker, Hans (-Heinrich)

* 11.3.1899 – ✝ 19.12.1983

Als Hans Straschitz am 11. März 1899 in Berlin geboren, Sohn jüdischer Eltern, die während der NS-Zeit im KZ Auschwitz vergast wurden. Er besuchte das Realgymnasium, wurde 1916 zum Militär einberufen und schwer verwundet. 1918 trat er in die USPD ein, gehörte zu der in Berlin gebildeten roten Sicherheitswehr und kämpfte gegen die Freikorpstruppen. Ende 1920 mit dem linken Flügel der USPD zur KPD, wirkte er im Herbst 1923 im Ordnungsdienst der KPD. Von 1925 bis 1928 war Hans Straschitz, der in der KPD unter dem Namen Schrecker arbeitete, Sekretär der Berliner IAH bzw. Redakteur im Reichssekretariat der RHD. Anschließend bis Anfang 1931 Propagandasekretär der RHD und zugleich Chefredakteur des »Tribunal«. Dann bis Anfang 1933 Sekretär der Zentralen Agitationspropaganda der KPD, in der Illegalität ZK-Kurier. Emigration in die Schweiz, dort nach zwei Verhaftungen nach Paris geschickt. Er war Sekretär des »Dimitroff«- und später des »Thälmann-Komitees«, dann im Sekretariat der illegalen RHD. Ab Ende 1937 Agitationsarbeit in der ?CSR, organisierte er nach dem Münchner Abkommen (Annexion der âSR durch Nazi-Deutschland) die Überführung deutscher kommunistischer Emigranten in westliche Länder. Schrecker hatte die tschechische Staatsbürgerschaft und wurde nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges in die tschechoslowakische Auslandsarmee einberufen. Nach der Kapitulation Frankreichs kam er nach Großbritannien, wurde einige Zeit interniert und im Februar 1941 nach London entlassen. Hier schloß er sich der Gruppe deutscher Kommunisten in Großbritannien an, war Redakteur ihres Blattes »Die freie Tribüne« und arbeitete auch für die Zeitung der tschechoslowakischen Exilregierung »Central European Observer«. Im Dezember 1945 wieder in Deutschland, ab 1946 Chefredakteur der Illustrierten »Zeit im Bild«. Ab 1949 Leiter der Abteilung Werbung und Schulung im SED-Landesvorstand Sachsen, dann im Oktober 1952 kommissarischer Chefredakteur der »Leipziger Volkszeitung«. Im Zusammenhang mit den seit 1950 einsetzenden Überprüfungen von Westemigranten und dem Prager Slánsk´y-Prozeß 1952 wurde Schrecker am 24.November 1952 vom MfS verhaftet und beschuldigt, ein »Agent« zu sein. Am 4. Februar 1954 verurteilte ihn das Bezirksgericht Karl-Marx-Stadt unter zynischer Berufung auf die gegen Nazis gerichtete Kontrollratsdirektive 38 wegen »Friedensgefährdung durch Propaganda für den Militarismus« zu acht Jahren Zuchthaus. Im Juni 1956 aus der Haft entlassen und im Dezember 1956 stillschweigend wieder in die SED aufgenommen, von 1957/58 Mitarbeiter am Sender Leipzig bzw. Redakteur der »Volkswacht« Gera. 1959 kam er als Redakteur an die »Lausitzer Rundschau«. Schrecker durfte 1969 nach Berlin zurückehren und wurde Kommentator der außenpolitischen Zeitschrift »Horizont«. Er erhielt 1977 den Karl-Marx-Orden. Hans Schrecker starb am 19. Dezember 1983 in Ost-Berlin.Wilfriede Otto

Wer war wer in DDR

Schreiber, Fritz

* 5.2.1905 – ✝ 11.8.1994

Geb. in Eisleben; Vater Arbeiter; Volksschule; 1919 – 23 Ausb. zum Klempner u. Installateur in Leipzig; 1920 SAJ; 1922 SPD u. DMV; 1927 Werkmstr.-Prüfung; 1925 – 27 Vors. der SAJ Leipzig; 1928 – 30 Sozialpol. Seminar an der HS für Politik in Berlin, Staatsexamen als Jugendfürsorger; 1930 Sozialsekr. im Hauptaussch. der Arbeiterwohlfahrt in Berlin; Okt. 1932 verantw. Red. der Ztschr. »Arbeiterwohlfahrt«; nach 1933 illeg. Tätigkeit; 1933 – 36 selbst. Kfm.; 1936 – 38 Arbeit als zoolog. Desinfektor; 1938 – 45 techn. Betriebsltr. in Berlin. 1945/46 SPD/SED; 1945 Hauptsekr. im Zentralaussch. der SPD, Jugend-Sekr.; 1946 – 48 zus. mit  Richard Gyptner Sekr. im Zentralsekr. des SED-Parteivorst., Ltr. des Büros; Nov. 1948 Niederlegung aller Funktionen aus »gesundheitl. Gründen«; Flucht in die Westzone; SPD; 1949 Sekr. im Hauptverb. der Gewerkschaft der Eisenbahner; ab 1952 Mitgl. des Bundesaussch. des DGB, Mitgl. des Generalrats der ITF; 1970 Ruhestand; 1974 Mitgl. des Seniorenrats der SPD; gest. in Andernach.Heuer, L.: F. Sch. Einblicke in ein bewegtes Leben. Berlin 2008.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schreiner, Paul

* 13.7.1880 – ✝ 30.7.1937

Geboren am 13. Juli 1880 in Schönow bei Berlin, stammte aus einer Arbeiterfamilie; lernte Schweißer. 1902 Mitglied der SPD, schloß sich im Weltkrieg der Spartakusgruppe an und war seit Gründung in der KPD. Zunächst Funktionär in Hennigsdorf, ab Mitte der zwanziger Jahre war er für den AM-Apparat tätig, erst in der BL Berlin-Brandenburg, dann im zentralen Apparat. 1933 illegal in Berlin aktiv, emigrierte Schreiner in die Tschechoslowakei und ging 1935 in die Sowjetunion. Er kam nach Leningrad und wurde dort am 30. Juli 1937 vom NKWD verhaftet. Von der Dwojka, einer Zweierkommission, am 2. Dezember 1937 zum Tode verurteilt, wurde Paul Schreiner am 8. Dezember 1937 hingerichtet und in einem Massengrab in Lewaschowo bei Leningrad verscharrt.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schreyer, Hans

* 13.3.1886

Geboren am 13. März 1886 in Coburg; lernte Schmied und übersiedelte nach Thüringen. Vor dem Weltkrieg Mitglied der SPD, 1917 in Eisenach Übertritt zur USPD, mit der linken USPD kam er Ende 1920 zur KPD. Schreyer zog 1924 für die KPD als Abgeordneter in den Thüringer Landtag ein. Er gehörte zum ultralinken Flügel der Partei und wurde deswegen 1926 aus der KPD ausgeschlossen. Im Januar 1927 kandidierte er zusammen mit Otto Geithner und Agnes Schmidt auf der Liste der ultralinken KAG zur Thüringer Landtagswahl, wurde aber nicht gewählt. Im Frühjahr 1927 trat er zur SPD über. Er war nach 1933 kurz inhaftiert und lebte auch während des Krieges in Eisenach. Weitere Daten des Lebenslaufs von Hans Schreyer ließen sich nicht ermitteln.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schröder, Willy

* 9.2.1887 – ✝ 27.10.1944

Geboren am 9. Februar 1897 in Schorrentin/ Mecklenburg, Sohn eines Landarbeiters; Arbeiter bei der Eisenbahn. Gegen Kriegsende zum Militär eingezogen. 1920 Mitglied der KPD, 1921 Betriebsrat, Stadtverordneter in Rostock, gleichzeitig Mitglied der BL Mecklenburg. An den Vorbereitungen zum Aufstand 1923 aktiv beteiligt, 1924 wegen Zersetzung der Reichswehr zu dreieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt, kam aber vorzeitig frei, weil er Ende 1927 in den Landtag von Mecklenburg-Schwerin nachrückte. 1927 Leiter des RFB in Mecklenburg. 1929 wurde Schröder wieder in den Landtag gewählt, im gleichen Jahr auch Orgleiter des Bezirks Mecklenburg. 1931 Kursant der KPD-Parteischule in Berlin (Fichtenau). Dann leitete er bis 1933 die KPD in Rostock. Im November 1933 in Hamburg verhaftet und zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt, anschließend kam er ins KZ Sachsenhausen. Dort erlag Willy Schröder am 27. Oktober 1944 den unmenschlichen Haftbedingungen.

Wer war wer in DDR

Schröder, Richard

* 26.12.1943

Geb. in Frohburg (Sachsen); Vater Apotheker u. Diplomchemiker; 1950 – 58 Grundschule, keine Zulassung zur OS; 1958 – 62 Vorschule für den kirchl. Dienst in Moritzburg, staatl. nicht anerkannte Abschlußprüfung, innerkirchl. einem Abitur gleichgestellt; gleichz. bis 1960 Berufsschule; 1962 – 68 Studium der Theol. u. Philos. am Katechet. Oberseminar Naumburg (Saale) u. Sprachenkonvikt Berlin; 1968/69 Vikariat; 1969 – 73 Repetent bzw. Assistent für Systemat. Theol. am Sprachenkonvikt Berlin; 1973 – 77 Pfarrer in Wiederstedt u. Walbeck (b. Hettstedt); seit 1976 Überwachung durch das MfS; 1977 kirchl. Prom. (staatl. nicht anerkannt), 1990 Verleihung des Dr. theol.; 1977 – 90 Doz. des Kirchl. Lehramts am Sprachenkonvikt Berlin u. am Katechet. Oberseminar im Fach Philos., Spezialgeb. aristotel. Philos.; 1988/89 Mitarbeit bei der »Ökumen. Vers. für Gerechtigkeit, Frieden u. Bewahrung der Schöpfung«; Mitautor des Grundsatzdokuments »Mehr Gerechtigkeit in der DDR«; Mitarbeit im Arbeitskrs. Theol. u. Philos. beim Bund der Ev. Kirchen; 20.12. 1989 SDP; Mitarbeit am Grundsatz- u. Wahlprogramm; Jan. 1990 Mitarbeit am Verfassungsentwurf des Runden Tischs; März – Okt. 1990 Abg. der Volkskammer, stellv. Vors. u. April – Aug. Vors. der SPD-Fraktion. Okt. – Dez. 1990 Abg. des Dt. Bundestags; 1990 – 2001 Mitgl. der SPD-Grundwertekommission; seit 1991 Mitgl. des Rats der EKD; 1991 habil. an der Kirchl. HS Leipzig; R. S. schied im März 1991 aus dem Dienst der Ev. Kirche aus; Prof. an der Theolog. Fak. der HU Berlin; ab 1992 dort Lehrstuhl für Philos. u. Systemat. Theol.; 1992 Bundesverdienstkreuz; 1992 Dr. h. c. der Univ. Göttingen; 1992 Mitgl. des Beirats der Gauck-Behörde; 1993 – 2009 Richter beim Verfassungsgericht des Lands Brandenb.; seit 1993 Präs. der Dt. Nationalstiftung Weimar; 1995 – 2000 Vors. des Kuratoriums der »Expo 2000«; 1997 Ludwig-Börne-Preis; Sept. 1998 – Aug. 2000 1. Vizepräs. der HU Berlin; 2001 Herbert-Karry-Preis; seit Juni 2003 Mitgl. der Berlin-Brandenb. AdW; 2004 Hermann-Ehlers-Preis; seit Nov. 2004 Vors. des Fördervereins Berliner Schloß; 2008 em.; 2009 Gustav-Heinemann-Bürgerpreis.Denken im Zwielicht. Vorträge u. Aufsätze aus der alten DDR. Tübingen 1990; Dtl. schwierig Vaterland. Freiburg 1993; Vom Gebrauch der Freiheit. Stuttgart 1996; Einsprüche u. Zusprüche. Stuttgart 2001; Die wichtigsten Irrtümer der dt. Einheit. Freiburg 2007; Abschaffung der Religion? Freiburg 2008.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Schröder, Wilhelm

* 18.10.1913 – ✝ 2.5.1967

Geb. in Erfurt; Vater Landarb.; Volksschule; nach der Ausbildung zum Schlosser als Autoschlosser tätig; Melker; 1940 NSDAP; Militär- u. Kriegsdienst; sowj. Gefangenschaft, Besuch einer Antifaschule. 1948 Entlassung aus der Gefangenschaft, Neubauer; VdgB; 1948 Mitbegr. der DBD in Thür.; 1949 DBD-Krs.-Sekr. in Eckartsberga; 1949 Mitarb. im Sekr. des SED-Landesvorst. Sachsen-Anh.; 1949/50 Landesgeschäftsf. des Landesvorst. Thür. der DBD; 1950 – 52 Min. für Land- u. Forstw. in der Landesreg. Thür. (Nachf. von Walter Rücker); Abg. des Thüring. Landtags (Präs.-Mitgl.); 1951 – 53 Mitgl. des PV u. des Sekr. der DBD; Juni 1952 – Mai 1953 Min. für Land- u. Forstw. (Nachf. von  Paul Scholz); 1953 stellv. Vors. des Rats des Bez. Erfurt; ab 1963 Vors. der DBD des Bez.-Verb. Dresden.Siegfried Kuntsche

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schröter, Johannnes

* 23.9.1896 – ✝ 26.11.1963

Geboren am 23. September 1896 in Erfurt, Arbeitersohn; lernte Schlosser, später Elektromonteur. Im Weltkrieg Soldat, Behinderung durch Kriegsverletzung. 1918 trat er in Zeitz der USPD bei, ging 1920 mit der linken USPD zur KPD, wurde 1923 hauptamtlicher Sekretär der Union der Hand- und Kopfarbeiter zuerst in Mitteldeutschland, dann im Ruhrgebiet. Er kam Ende 1923 als Mitarbeiter in die Gewerkschaftsabteilung der KPD-Zentrale. Im Oktober 1924 wurde Schröter nach längerer polizeilicher Suchaktion (er lebte zuletzt unter dem Namen Schweitzer) verhaftet und wegen »Begünstigung von Sprengstoffdiebstahl« (er hatte 1923 Waffenkäufe der KPD organisiert) zu einem Jahr und neun Monaten Zuchthaus verurteilt. Bei der Freilassung im Mai 1926 wurde er von der KPD groß gefeiert. Er kam nach Halle, war kurze Zeit Orgleiter und übernahm Ende 1926 als Polleiter die Führung des Bezirks Halle-Merseburg. Delegierter des XI. Parteitags 1927 in Berlin, dort wurde Schröter zum Mitglied des ZK gewählt. Im Mai 1928 zog er im Wahlkreis Merseburg als Abgeordneter in den Reichstag ein. Bei den Auseinandersetzungen 1928 war Schröter einer der führenden Versöhnler, die im Bezirk Halle-Merseburg unter seiner Leitung mehrere Monate die Mehrheit besaßen. Vom Bezirksparteitag in Halle im April 1929 als Polleiter in Halle-Merseburg abgelöst und vom XII. Parteitag 1929 auch nicht mehr ins ZK berufen. Schröter unterwarf sich schon Mitte 1929 völlig der Parteilinie und wurde 1930 von der KPD mit der Leitung der ARSO beauftragt. Auch 1930 und 1932 wieder in den Reichstag gewählt, leitete er 1932/33 den kommunistischen Reichsausschuß der Erwerbslosen. 1933 nach Frankreich emigriert, wo er und seine Frau, die Ärztin Henriette Begun, eng mit Willi Münzenberg zusammenarbeiteten. Sie publizierten anonym im Verlag Editions du Carrefour »Das braune Netz«, ein Buch über die Nazipropaganda im Ausland. Nach einigen illegalen Reisen nach NS-Deutschland fuhr Schröter 1935 im Auftrag der Komintern in die USA, wo er die Arbeit der KP der USA unter den Deutschamerikanern fördern sollte. Unter dem Pseudonym Otto Lehmann blieb er bis Anfang 1940 in den USA. Ende 1939 sperrte die Komintern sein Monatsgehalt, weil er im fernen Moskau als ehemaliger Versöhnler und Mitarbeiter Münzenbergs ins Visier des NKWD geraten war. Ab 1940 lebte er in Mexiko, wurde dort nach dem Eintreffen Paul Merkers, der für Schröter eine Ehrenerklärung abgab, in den Kreis der deutschen kommunistischen Emigranten aufgenommen. Als Schröter 1945 in die SBZ kommen wollte, erhielt er von der SMAD keine Einreisegenehmigung. Sein Name spielte in den Parteiuntersuchungen gegen Paul Merker Anfang der fünfziger Jahre eine Rolle, einige Belastungszeugen diffamierten ihn sogar als »Agenten«. Johannes Schröter starb am 26. November 1963 in Mexiko.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schubert, Franz

* 20.3.1893 – ✝ 2.6.1942

Geboren am 20. März 1893 in Ketzelsdorf (später ?CSR); Schlosser. Er war von 1912 bis 1920 in der Sozialdemokratie, übersiedelte als tschechoslowakischer Staatsbürger 1920 nach Deutschland, trat in die KPD ein und war in Berlin in der Roten Hilfe tätig. 1930/31 war Schubert Kursant an der Internationalen Leninschule in Moskau, danach wurde er stellvertretender Leiter des AM-Apparats der KPD (Pseudonym Arthur Sand, Erwin u. a.). Am 11. März 1933 in Berlin festgenommen, in die Tschechoslowakei ausgewiesen und hier als Mitglied der KPD-AL in Prag tätig. Schubert war an etlichen Aktionen beteiligt, die der Befreiung von Ernst Thälmann dienen sollten. Anfang 1936 kam er als Lehrer an die AM-Schule der KPD in Moskau. Dort wurde er am 4. November 1936, bereits zwei Tage vor Hans Kippenberger – wie fast alle führenden Mitglieder des deutschen AM-Apparats – vom NKWD festgenommen. Nach langer Haft und den üblichen schweren Folterungen wurde er am 31. März 1940 zu fünf Jahren Lager verurteilt. Franz Schubert starb am 2.Juni 1942 im Gulag in der Mordwinischen ASSR.

Wer war wer in DDR

Schubert, Cordula

* 21.5.1959

Geb. in Karl-Marx-Stadt; Vater Zahntechnikermeister, Mutter Schneiderin; 1965 – 1975 POS in Karl-Marx-Stadt; 1975 – 78 Ausbildung zur Krankenschwester an der Med. FS Neukirchen; 1978 – 83 Krankenschwester in der Pulmolog. Klinik Glösa (Bez. Karl-Marx-Stadt) u. Urolog. Klinik Karl-Marx-Stadt; 1981 Abitur an der VHS Karl-Marx-Stadt; 1982 CDU (bis 1990 funktionslos); 1983 – 87 Studium der Med.-Päd. an der HU Berlin, Dipl.; 1987 – 90 Lehrerin für Anatomie, Physiolog. u. Reaktionslehre an der Med. FS »Walter Krämer« in Karl-Marx-Stadt; Nov. 1989 – Sept. 1992 Mitgl. der Christl. Demokrat. Jugend, dann Junge Union, stellv. Landesvors. in Sachsen u. stellv. Bundesvors.; März – Okt. 1990 Mitgl. der Volkskammer; April – Okt. 1990 Ministerin für Jugend u. Sport in der Reg.  de Maizière (Nachf. von  Wilfried Poßner). 1991 – 93 wiss. Mitarbeiterin beim Bildungswerk der Konrad-Adenauer-Stiftung in Berlin; seit 1993 Ltr. des Ref. für Bundes- u. Europaangelegenh. im Sächs. Staatsmin. für Soziales, Gesundheit, Jugend u. Familie bzw. Sächs. Staatsmin. für Soziales, seit 2004 zusätzl. zuständig für Kabinettsangelegenh. u. Verbindung zum Landtag; 2001 Bundesverdienstkreuz.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Schräder, Bernhard

* 26.9.1900 – ✝ 10.12.1971

Geb. in Hörstel (b. Rheine); Vater Bahnhofsvorsteher; Besuch des Gymnasiums Carolinum in Osnabrück; Studium der Volkswirtschaft u. Theol. in Hamburg, Freiburg i. Br. u. Münster; Prom. zum Dr. rer. pol.; 1926 Priesterweihe; Kaplan in Neumünster u. Nordhorn; 1936 Pfarrer in Schwerin; 1946 Bischöfl. Kommissar für Mecklenb.; 1959 Weihbischof von Osnabrück mit Sitz in Schwerin; 1970 Em. Unter der Ltg. von B. S. erfolgte die Strukturierung u. pastorale Ausprägung der kath. Kirche in Mecklenb. nach der durch die SBZ/DDR aufgezwungenen Isolierung vom Bistum Osnabrück, Aufbau einer weitgehend eigenständ. kirchl. Verw., Integration der kath. Flüchtlinge u. Umsiedler.Renate Krüger

Wer war wer in DDR

Schramm, Gotthold

* 20.3.1932

Geb. in Schwarzbach (Erzgeb.); 1946 – 48 Wirtschafts-OS, mittlere Reife; 1948 – 50 Lehre als Verw.-Angest.; dann Abt.-Ltr. Planung beim Rat der Stadt Chemnitz; 1952 SED; Einstellung beim MfS, BV Chemnitz / Karl-Marx-Stadt; 1953 stellv. Ltr. der Abt. Verw. u. Wirtschaft; 1954/55 Besuch der HVA-Schule; 1955 Versetzung zur HVA-Abt. IV (Wirtschaftsspionage); 1956 persönl. Ref. des HVA-Ltr.; 1958 HVA-Abt. I (pol. Spionage); 1962 – 68 Fernstudium an der JHS Potsdam-Eiche, Dipl.-Jur.; 1963 Ltr. einer Operativgr. der HA II (Spionageabwehr); 1963 dort stellv. Abt.-Ltr.; 1969 HVA-Abt. III (legal abgedeckte Residenturen); 1970 dort stellv. Ltr.; 1974 stellv. Ltr. der HVA-Abt. IX (Gegenspionage); 1976 Oberst; 1986 Ltr. der HVA-Abt. XVIII (Vorber. von Sabotageakten); 1990 Entlassung.Kundschafter im Westen. Berlin 2003 (mit K. Eichner); Spionage für den Frieden. Berlin 2004 (Mithrsg.); Flucht vor der Junta. Die DDR u. der 11. September. Berlin 2005; Der Boschaftsflüchtling u. andere Agentengeschichten. Berlin 2006; Geschichte von der HV A. Bd. 1 u. 3. Berlin 2008.Jens Gieseke

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schreiber, Alfred

* 23.8.1888 – ✝ 14.1.1950

Geboren am 23. August 1888 in Roßwein/Sachsen; lernte Schlosser. Vor dem Krieg Mitglied der SPD, 1918 Übertritt zur USPD, mit deren linkem Flügel 1920 zur KPD. 1921 als Parteisekretär nach Königsberg geschickt, war bis 1924 in der BL Ostpreußen tätig. Am 17. Februar 1924 verhaftet und zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Anfang 1926 aus der Haft entlassen, kam Schreiber 1926 als Polleiter nach Mecklenburg und blieb in dieser Position bis 1927. Danach wurde er zur Roten Hilfe nach Leipzig abgeschoben, er erhielt nur noch untergeordnete Funktionen. Nach 1933 arbeitete er für die illegale KPD. 1941 von der Gestapo verhaftet. Alfred Schreiber starb am 14. Januar 1950 in Leipzig.

Wer war wer in DDR

Schreiber, Walther

* 10.6.1884 – ✝ 30.6.1958

Geb. in Pustleben (Grafschaft Hohnstein), Vater Rittergutsbesitzer; Gymnasium in Weimar; 1903 – 06 Studium der Rechtswiss. u. Volkswirtschaft an den Univ. Grenoble, München, Berlin u. Halle; 26.10.1910 Prom. in Halle zum Dr. jur.; 1911 jur. St.-Ex.; 1911 – 25 Rechtsanwalt in Halle; 1914 – 18 Kriegsdienst, Offz.; 1919 DDP; Mitgl. der Verfassunggebenden Preuß. Landesvers.; 1920 – 33 Abg. des Preuß. Landtags (ab 1930 für die Dt. Staatspartei); 1925 – 32 Min. für Handel u. Gewerbe u. Preuß. Staatsmin.; ab 1934 Rechtsanwalt u. Notar in Berlin; illeg. pol. Tätigkeit, zeitw. inhaftiert (Ps. Wilhelm Kreuz). Juni 1945 Mitbegr. der CDU in Berlin; Juli – Dez. 2. Vors. in der SBZ, Absetzung durch die SMAD wegen der Ablehnung der Bodenreform; 1946 – 48 1. Stellv. des Stadtverordnetenvorstehers von Groß-Berlin; 1947 – 48 1. Landesvors. der CDU Berlin, Febr. 1948 –55 Berlin (West); April – Dez. 1947 Mitgl. des CDU-Hauptvorst. u. Nov./Dez. 1947 des Pol. Aussch.; ab 1948 Mitgl. der Stadtverordnetenvers. in Berlin (Ost) bzw. des Abgeordnetenhauses in Berlin (West), ab 1950 Vors. der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus; Febr. 1948 Bruch mit der CDU (Ost) wegen der Absetzung von Jakob Kaiser; 1950 Bürgermstr. u. 1953 – 55 Regierender Bürgermstr. von Berlin (West) (Nachf. von Ernst Reuter); 1955 – 58 Ehrenvors. des CDU-Landesverb. Berlin (West); gest. in Berlin (West); Benennung eines Platzes in Berlin-Steglitz nach S.Idealkonkurrenz zwischen § 185 u. § 186 des Reichsstrafgesetzbuches. Naumburg 1910.Helmut Müller-Enbergs

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Schreiner, Albert

* 7.8.1892 – ✝ 4.8.1979

Geb. in Aglasterhausen (Baden) in einer Arbeiterfamilie; Schulzeit in Chemnitz; Lehre als Maschinenschlosser in Stuttgart; 1908 SAJ; 1909 ADGB; 1910 SPD; 1917 USPD; im Zuge der Novemberrev. 1918 Mitgl. der ZL des Roten Soldatenbunds u. vom Arbeiter- u. Soldatenrat berufener Kriegsmin. in Württemberg; 1918 Spartakusbund; 1919 – 28 KPD; Mitbegr. der KPD in Württemberg; 1922 Delegierter des IV. Weltkongresses der KI; seit 1919 führender Funktionär des RFB; 1920 Volontär der »Roten Fahne«; ab 1923 Funktionär im AM-Apparat, AM-Ltr. des Bez. Wasserkante; im Okt. 1923 an der Ltg. der militär. Aktion während des Hamburger Aufstands beteiligt; 1924 Kursant der M-Schule der KI in Moskau; 1924/25 Chefred. »Vom Bürgerkrieg«; 1924 – 27 Chefred. des RFB-Organs »Rot Front«; seit den 20er Jahren Beschäftigung mit militärwiss. u. hist. Fragen, u. a. Mitautor der »Illustr. Geschichte der Dt. Rev.« (Berlin 1929) u. Red. der Gesamtausg. der Schriften Franz Mehrings; 1928 KPD-Ausschluß wg. Zugehörigkeit zur Brandler-Gruppe; 1929 – 35 KPD (Opposition), 1929 Mitgl. der KPD(O)-Reichsltg.; während der Weimarer Rep. mehrmals inhaftiert u. in der Illegalität lebend; 1933 Emigr. nach Frankreich; Autor u. Mitautor mehrerer Bücher, die vor den Kriegsvorber. Adolf Hitlers warnten (»Hitler treibt zum Krieg«, Paris 1934; »Hitlers Luftflotte startbereit«, Paris 1935, »Hitlers motorisierte Stoßarmee«, Paris 1936, »Vom totalen Krieg zur totalen Niederlage«, Paris 1939, alle unter Ps. Albert Müller); seit 1935 wieder KPD; 1936 – 38 Teiln. am span. Bürgerkrieg, diverse Führungspositionen u. Ausbilder an Offizierschulen; 1938 Mitgl. des Volksfrontaussch. in Paris; 1939 – 41 Internierung in Frankreich u. Marokko; 1941 – 46 Emigr. in die USA; 1942 Mitbegr. der German American Emergency Conference; 1944 Mitbegr. des Council for a Democratic Germany; während der Emigr. publizist. u. geschichtswiss. tätig, u. a. »The Lesson of Germany« (New York 1945). Dez. 1946 Rückkehr nach Dtl.; SED; 1946/47 Mitarb. der ZV für Volksbildung; 1947 – 50 an der Univ. Leipzig, Prof. u. Dekan der Geschichtswiss. Fak., Aufbau u. Ltg. des Inst. für Staatenkunde u. internat. Beziehungen; 1950 – 52 wiss. Mitarb. am MEL-Inst.; 1953 Prom. in Halle mit einer 1952 veröff. Studie über dt. Außenpol. 1871 – 1918; 1952 – 56 Ltr. der Abt. »1918 – 45« am Museum für Dt. Geschichte; 1956 – 60 Ltr. der Abt. »1918 – 45« des Inst. für Geschichte an der DAW; 1960 Ruhestand; 1952 NP; 1961 KMO; 1967 VVO; 1977 Stern der Völkerfreundschaft; gest. in Berlin. A. S. zählte zu den wenigen marxist.-leninist. Hist. der unmittelbaren Nachkriegszeit; er war in versch. Funktionen beteiligt an der Formierung der ersten Generation von DDR-Hist. sowie an der Durchsetzung der Pol. der SED in der geschichtswiss. Forschung u. Lehre.Vom totalen Krieg zur totalen Niederlage Hitlers. Paris 1939 (mit R. Feistmann u. d. Ps. Dorothy Woodman); Hitler treibt zum Krieg. Berlin 1978. Retzlaw, K.: Spartakus. Köln 1971; Petzold, J.: A. S. In: Wegbereiter der DDR-Geschichtswiss. Berlin 1989; Petzold, J.: »Meinungsstreit« im Herrschaftsdiskurs. In: Sabrow, M. (Hrsg.): Geschichte als Herrschaftsdiskurs. Köln 2000; Kessler, M.: Dt. Historiker im Exil (1933 – 1945). Berlin 2005.Ilko-Sascha Kowalczuk

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Schreyer, Wolfgang

* 20.11.1927 – ✝ 14.11.2017

Geb. in Magdeburg; Vater Drogist; OS; Flakhelfer; 1944/45 Wehrmacht; April 1944 NSDAP; 1945/46 amerik. Kriegsgefangenschaft. 1947 – 49 Ausbildung zum Drogisten; 1948 – 50 im Beruf tätig; 1950 – 52 Geschäftsf. einer chem.-pharmazeut. Fabrik; kultureller Betreuer in Privatbetrieben; debütierte 1952 mit dem Kriminalroman »Großgarage Südwest«; seitdem freischaff. Schriftst.; 1956 Heinrich-Mann-Preis für den Kriegsroman »Unternehmen Thunderstorm« (1954); Reisen durch Lateinamerika, Zypern, Portugal u. die USA; 1960 als OV »Roman« bzw. 1958 »Wühler« beim MfS erf.; 1971 – 81 vom MfS in der OPK »Sand« beobachtet; plädierte im DSV für die Beendigung der Überwachung von Schriftst. durch das MfS; 1972 Mitgl. des PEN-Zentrums DDR; lebte bis 1972 in Magdeburg; seitdem in Ahrenshoop; gest. in Ahrenshoop. Seit 1990 Mitgl. des VS; Mitgl des PEN Dtl. W. S. gehörte zu den produktivsten u. erfolgreichsten Autoren spannender Unterhaltungslit. in der DDR; neben drei Sachbüchern u. zahlr. Szenarien für Funk, Fernsehen u. Film verfaßte er mehr als 20 Abenteuerromane über Ereignisse der Zeitgeschichte, bevorzugter Schauplatz ist der mittelamerik. Raum; schrieb den satir. Roman zum Lit.- u. Wissenschaftsbetrieb der DDR »Der sechste Sinn«, 1987; seine Bücher sind in hohen Aufl. erschienen u. wurden in zahlr. Sprachen übersetzt.Der Traum des Hauptmann Loy. Berlin 1957; Das grüne Ungeheuer. Berlin 1959; Ebert, G.: Interview mit W. Sch. In: Löffler, A. (Hrsg.): Auskünfte. Werkstattgespräche mit DDR-Autoren. Berlin, Weimar 1974.Bernd-Rainer Barth

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Schröder, Fritz

* 4.10.1915 – ✝ 5.7.2001

Geb. in Momehnen (Krs. Gerdauen, Ostpr./ Momajny, Polen); Vater Arbeiter; Mittelschule; 1931 – 35 Fleischerlehre; 1935/36 RAD, 1936 – 38 Wehrdienst; 1938/39 Fleischergeselle; ab 1939 Wehrmacht; 1942 – 45 sowj. Kriegsgefangenschaft, 1943 sechs Mon. Antifa-Schule, dann NKFD-Frontbeauftr. 1945 Rückkehr nach Dtl.; Juli Einstellung bei der VP, Ltr. der Krs.-Polizei Nauen; 1945/46 KPD/SED; 1948 Ltr. der Krs.-Polizei Teltow; Sept. 1949 Einstellung bei der Verw. zum Schutz der Volkswirtschaft (ab Feb. 1950 MfS), Ltr. der Dienststelle Frankfurt (Oder); 1950 Ltr. der Abt. V (Staatsapparat, Kultur, Kirchen, Untergrund) der Länderverw. Brandenb.; 1952 Ltr. der BV Cottbus u. Mitgl. der SED-BL Cottbus; 1955 Ltr. der HA V, MfS Berlin; 1964 stellv. Min. für Staatssicherheit; 1970 VVO; 1972 Gen.-Ltn.; 1974 von seinen Aufgaben entbunden, 1975 Rentner; gest. in Neuenhagen (b. Berlin).Jens Gieseke

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Schröder, Robert

* 3.8.1884 – ✝ 13.10.1959

Geb. in Rostock; Vater Schiffskapitän; Gymnasium in Rostock; Med.-Studium in Rostock, Freiburg i. Br. und Berlin, Assistenzarzt in Heidelberg bei Ludolf von Krehl und in Köln bei Arthur Jores; anschl. Assistent an der Univ.-Frauenklinik Rostock bei Otto Sarwey; dort 1909 Prom. u. 1914 Habil.; 1914 Priv.-Doz.; 1919 – 22 a. o. Prof. in Rostock; 1922 – 36 ord. Prof. und Dir. der Univ.-Frauenklinik in Kiel als Nachf. von  Walter Stoeckel; 1936 – 57 Ordinarius in Leipzig als Nachf. von Hugo Sellheim; 1935 NSDAP; 1937 Mitgl. der Leopoldina; 1937 – 40 Dekan der Med. Fak. der Univ. Leipzig. 1945 – 47 zeitw. als Dir. und Hochschullehrer suspendiert, nur in Klinik und Forschung tätig; nach Entnazifizierungsverfahren von 1947 – 57 wieder als Dir. und Prof. mit Lehrstuhl in Leipzig eingesetzt; Mitgl. des Wiss. Beirats für Med. beim Staatssekr. für HFS-Wesen sowie des Wiss. Rats beim Min. für Gesundheitswesen; 1949 NP; 1953 Ord. Mitgl. der DAW; 1954 VVO; 1959 Hervorragender Wissenschaftler des Volkes; Mitgl. der Sächs. AdW; 1957 em.; gest. in Leipzig. Grundlegende wiss. Arbeiten über die Anatomie des Endometriums und die Lehre vom menstruellen Zyklus der Frau, die Schwangerschaftstoxikosen, nach 1945 besonders zur Organisation der Krebsbekämpfung. Sek.-Lit.: Aresin, N.: R. S. In: Bedeutende Gelehrte in Leipzig. Steinmetz, M. u. Harig, G. Leipzig 1965 (Hrsg.).; Kyank, H. u. Möbius, W.: Zum 100. Geb. von R. S. Zentralblatt für Gynäkol. (1984) 106.Lehrbuch der Gynäkologie. Leipzig 1922; Der mensuelle Genitalzyklus. München 1928; Normale Histol. der weiblichen Geschlechtsorgane. Berlin 1930.Peter Schneck

Wer war wer in DDR

Schröder, Wilhelm Emil

* 2.1.1896 – ✝ 8.1.1977

Geb. in Schönholz (b. Eberswalde); Vater Eisenbahnlademeister; Volks- u. Mittelschule, Präparandenanstalt; Lehrerseminar; Studium der Philol. an der Univ. Berlin (vier Semester); 1920 Pressestenograph bei United Telegraph, 1921 Mitarb. bei der »Telephonie East-Europe«, 1922 Mitarb. beim Internat. Telegraphen Dienst; 1924 Red.-Sekr. bei Ullstein, 1925 verantw. Red. bei der Dt. Presse-Zentrale; 1925 SPD; 1926 verantw. Schriftltr. des »Havelländischen Echos« u. der »Spandauer Zeitung« 1928 – 33 Chefred. des »Volksblatts Spandau«; 1933 entlassen; 1935 / 36 U-Haft im KZ Columbiahaus; bis 1939 selbständig (Herausgabe einer illeg. Korrespondenz für die Auslandspresse); 1939 – 1941 Mitarb. der Berlin-Red. von »Chicago Tribune«, 1942 – 45 Korrespondent für die japan. Presse, u. a. »Tokio Nichi Nichi Shimbun«. 1945 / 49 SPD / SED; 1945 / 46 Chefred. der Ztg. »Märker«, Organ der SPD-Provinz Brandenburg; Mai – Juli 1946 zus. Walter Franze Chefred. der aus dem »Märker« u. der KPD-Ztg. »Volkswille« hervorgegangenen Ztg. »Märkische Volksstimme« (ab 1952 Organ der SED-BL Potsdam); später Übersiedl. in die Westzone, lebte zuletzt in Steinheim (Krs. Höxter, Westf.), dort gest.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Schröter, Karl

* 7.9.1905 – ✝ 22.8.1977

Geb. in Wiesbaden; Vater Handwerker, spä- ter selbst. Kfm.; 1915 – 24 Realgymnasium; 1928 – 35 Studium der Mathematik, Physik u. Philos. an den Univ. Göttingen, Heidelberg, Frankfurt (Main) u. Münster; hier 1935 Lehramtsprüfung; 1936 – 41 wiss. Hilfsarb. an der Univ. Münster; hier 1941 Prom. in der mathemat. Logik bei Heinrich Scholz; in der NS-Zeit mit Prof. Scholz u. a. Unterstützung jüd. Mitbürger u. poln. Mathematiker; 1941 – 43 dienstverpflichtet ins Auswärt. Amt; anschl. wieder Univ. Münster; Habil. 1948 Prof. an der HU Berlin; ab 1950 Dir. des neugegr. Inst. für mathemat. Logik; 1954 Gründer u. bis zum Tod Hrsg. der »Ztschr. für Mathemat. Logik u. Grundlagen der Mathematik«; 1960 NP; ab 1961 im Direktorium des Inst. für reine Mathematik der DAW; 1962 Korr. u. 1964 Ord. Mitgl. der DAW; 1962 – 66 Prorektor der HU; 1966 – 70 Dir. des DAW-Inst., ab 1968 Sekretar der Kl. für Mathematik, Physik u. Technik der DAW bzw. der Kl. Mathematik (bis zum Tod); 1971 em; gest. in Berlin. Begründete die Schule der mathemat. Logik in der DDR; Forschungen zur Grundlagenmathematik; zahlr. Veröff. zu philosoph. Problemen der Mathematik.Annette Vogt

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schubert, Hermann

* 26.1.1886 – ✝ 22.3.1938

Geboren am 26. Januar 1886 in Lengefeld/Erzgebirge; arbeitete als Bergmann. Nach der Wanderschaft ließ er sich in Leipzig nieder, wurde 1907 Mitglied der SPD. Mitte 1912 in Leipzig hauptamtlicher Sekretär des Arbeiter-Turnerbundes. 1917 Übertritt zur USPD, mit deren linkem Flügel 1920 zur KPD. Ab 1922 Gewerkschaftssekretär in Suhl, Delegierter des VIII. Leipziger Parteitags 1923. Er besuchte als einer der ersten Deutschen einen Kurs an der Internationalen Leninschule in Moskau. Bei den Vorbereitungen zum bewaffneten Aufstand in Thüringen im Herbst 1923 war Schubert leitend tätig. Anfang 1924 verhaftet, haben ihn seine Parteifreunde am 27. April 1924 durch einen Sturm auf das Suhler Gefängnis befreit. Im Mai 1924 zog Schubert in den Reichstag ein, durch die Abgeordnetenimmunität nicht geschützt, legte er schon im Juli sein Mandat nieder. Er ging illegal ins Ruhrgebiet und wurde Parteisekretär in Bochum, wo er am 21. Oktober 1924 trotz eines falschen Passes erneut verhaftet wurde. Als er im Dezember 1924 in den Preußischen Landtag gewählt wurde, kam er im Januar 1925 wieder frei. Er übernahm in der BL Ruhr in Essen die Abteilung Gewerkschaft. Schubert stand auf dem linken Parteiflügel, wandte sich im Mai 1925 gegen die Ultralinken ( Werner Scholem u. a.), trat nach dem »Offenen Brief« im September 1925 gegen die Fischer-Maslow-Führung auf. Gewerkschaftssekretär in der BL Ruhr bis 1928, im gleichen Jahr erneut in den Preußischen Landtag gewählt, dem er bis 1933 angehörte. Ende 1928 gab es zwischen Schubert und dem Polleiter Wilhelm Florin Differenzen. Schubert wurde nach Berlin versetzt, arbeitete einige Wochen in der Genossenschaftsabteilung des ZK und kam im März 1929 als Polleiter in den Bezirk Ostpreußen. Vom XII. Weddinger Parteitag 1929 zum Kandidaten des ZK berufen, wurde Schubert ab 1931 Polleiter des Bezirks Wasserkante in Hamburg und als Vollmitglied ins ZK kooptiert. Hermann Schubert war ein enger Freund Ernst Thälmanns, der ihn 1932 auch noch ins Polbüro berief. Nach Thälmanns Verhaftung im März 1933 ging Schubert sofort nach Berlin, um den Parteivorsitz der illegalen KPD zu übernehmen, wie das mit Thälmann ausgemacht war. Das löste einen Streit aus zwischen Schubert, John Schehr – den die Komintern eingesetzt hatte – und Walter Ulbricht. Schubert wollte die ultralinke Politik der Thälmann-Periode unbedingt fortsetzen und erreichte (nach Schehrs Verhaftung im November 1933) eine Mehrheit im Politbüro (mit Florin, Fritz Schulte, Franz Dahlem) gegen Ulbricht und Wilhelm Pieck. In den Jahren 1933 bis 1935 spielte er (unter dem Pseudonym Max Richter) in der Emigrations-KPD eine entscheidende Rolle. Im Herbst 1933 in die Tschechoslowakei emigriert, von dort in das Saargebiet, anschließend nach Paris und im Dezember 1934 kam er nach Moskau. Nach der Januartagung der KPD-Führung mit der Komintern 1935 in Moskau wurde Hermann Schubert als Nachfolger Fritz Heckerts zum KPD-Vertreter beim EKKI bestimmt, allerdings schon Ende 1935 abgelöst. Durch die strategische Schwenkung der Komintern 1935 verlor Schubert seinen Einfluß, Florin und Dahlem gingen zu Ulbricht über. Auf der »Brüsseler Konferenz« im Oktober 1935 in Moskau mußten Hermann Schubert und sein Freund Fritz Schulte aus dem ZK ausscheiden, wurden zum »Sündenbock« für die Fehler der KPD gemacht und vom EKKI aus dem KPD-Apparat entfernt. Schubert, ein ähnlicher Typ wie Thälmann, ohne dessen Popularität und rabiater auftretend, konnte noch einige Zeit als Referent im Apparat der IRH arbeiten, wurde aber am 15.Mai 1937 vom NKWD in Moskau verhaftet. Bereits vor seiner Festnahme hatte er die Aufforderung einer Funktionärin zurückgewiesen, die bei den (Schau-)Prozessen »aufgedeckte« angebliche Verbindung der Trotzkisten zu Hitler in der Propaganda auszunutzen. Das lehnte Schubert ab, weil die Gegner dagegen einwenden könnten, selbst Lenin sei ja einst mit Hilfe des kaiserlichen Deutschlands im plombierten Wagen nach Rußland gekommen. Wegen dieser Äußerung – als »Provokation« bewertet – unterbrach Togliatti die Rede Schuberts in einer EKKI-Sitzung 1937 und griff ihn heftig an. Hermann Schubert wurde am 22.März 1938 zum Tode verurteilt und am gleichen Tag erschossen. Zwei Monate später wurde dem bereits verscharrten Schubert vom NS-Regime die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt.

Wer war wer in DDR

Schubert, Heinrich

* 23.1.1926

Geb. in Pirna-Jessen; Abitur; 1947 – 52 Studium an der Bergakad. Freiberg; 1952 – 59 Industrietätigkeit im Sangerhäuser Kupferschieferbergbau u. im sächs. Nichteisen (NE)-Metallbergbau; Techn. Dir. der HV Erzbergbau bzw. VVB NE-Metallindustrie; 1956 Prom. mit der Diss. »Flotierbarkeit u. Strukturbeziehungen bei kationaktiver Flotation«; ab 1960 Hochschullehrer an der Bergakad. Freiberg; 1971 Prom. B mit »Die Rolle der Assoziation der unpolaren Gruppen bei der Sammleradsorption«; Dir. des Inst. für Aufbereitung; Prorektor für Wiss.; Dekan der Fak. für Techn. Wiss.; Vors. der Problemgr. Mechan. Prozesse in der Hauptforschungsrichtung Verfahrenstechnik; längere Auslandsaufenthalte mit Beratergr. des Min. für HFS-Wesen in Algerien u. Mosambik; Gastprof. an der University of Queensland u. der University Iowa (USA); Ehrenprom. in Miskolc u. Merseburg; 1980 NP. H. S. gilt als Nestor der Mechan. Verfahrenstechnik in der DDR. Hauptarbeitsgebiete: gesteuerte Modifizierung von Festkörpergrenzflächen durch Adsorption, Mikroprozesse der Zerkleinerung, Modellierung u. Optimierung von Makroprozessen in turbulenten Mehrphasenströmungen, Modellierung des Fließverhaltens feuchter u. leicht lösl. Schüttgüter; Mithrsg. der »Particle Technology Review« (seit 1988), des »International Journal of Mineral Processing« (seit 1985) u. von »Advanced Powder Technology« (seit 1990); maßgebl. beteiligt an einschlägigen Lehrbüchern, insges. rund 250 Veröff., 25 Patente.Klaus-Peter Meinecke