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BioLex

In der Kategorie BioLex sind drei wichtige Lexika mit über 5500 Biografien von überzeugten Kommunistinnen und Kommunisten, Renegatinnen und Dissidenten im Volltext recherchierbar.

 

Das Handbuch „Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945“ wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam.

Kurzbiografien zu Personen des politischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 bereit.

Zudem ist das Online-Lexikon www.dissdenten.eu ebenfalls auf unserer Seite aufrufbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Informationen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Schwarz, Jaecki

* 26.2.1946

Geb. in Berlin-Köpenick; spielte bereits in der Schulzeit im Schultheater u. Jugendklub des Dt. Theaters; Abitur; Ausbildung zum Fotochemiefacharb.; 1965 – 69 Studium an der HFF; von  Konrad Wolf für den Film entdeckt, spielte 1967 die Hauptrolle in dessen Antikriegsfilm »Ich war neunzehn«, wurde populär in Filmrollen wie der des liebenswerten Spinners Herb in der Fernfahrergeschichte »Weite Straßen – stille Liebe« (1969); insg. ca. 120 Film- u. Serienrollen bei DEFA u. DFF, u. a. 1974 neben  Jutta Hoffmann in »Die Schlüssel« (R:  Egon Günther), 1982 »Bürgschaft für ein Jahr« (R:  Herrmann Zschoche); 1969 Bühnendebüt als Romeo in Shakespeares »Romeo u. Julia« an den Städt. Bühnen Magdeburg, später als Puck im »Sommernachtstraum«, in  Heiner Müllers »Weiberkomödie« u. der Bühnenbearbeitung von  Hermann Kants Roman »Die Aula«; 1974 – 97 Mitgl. des Berliner Ensembles, hier vorwiegend in Brecht-Stücken beschäftigt, u. a. auch in »Lenins Tod« von  Volker Braun (1989); Kunstpreis der DDR. Ab Mitte der 1990er Jahre freiberufl., u. a. 1996 in  Katharina Thalbachs Inszenierung des »Hauptmann von Köpenick« am Berliner Maxim-Gorki-Theater; Rollen in versch. TV-Serien, u. a. »Liebling Kreuzberg« (1992), seit 1994 in einer Nebenrolle in der ZDF-Serie »Ein starkes Team«; seit 1996 als Hauptkommissar Schmücke in »Polizeiruf 110«, 2000 – 04 als Chefarzt Friedländer in »Für alle Fälle Stefanie«; Sprecher für Dokumentarfilm, Hörspiel u. Synchron; lebt in Berlin.Matthias Braun / Christian Krause

Wer war wer in DDR

Schwarz, Reinhold

* 9.12.1888 – ✝ 29.2.1952

Geb. in Danzig (Gdańsk, Polen); Vater Beamter; 1909 Abitur; 1909 – 12 Studium der Staatswiss. u. Philol. an den Univ. Jena, München u. Königsberg; 1912 Referendarexamen u. Prom. zum Dr. phil.; anschl. im Schuldienst, Studienrat; 1927 – 45 Syndikus in Berliner Unternehmen; Jan. – Mai 1945 Inhaftierung wegen »Heimtücke u. Verächtlichmachung der Reg. sowie Wehrkraftzersetzung«. 1945 LDPD; 1945 – 48 Dezernent in der Krs.-Verw. Berlin-Charlottenburg; April 1948 kommissar., ab Juni stellv. Landesvors. der LDPD; 1948 – 52 Bürgermstr. von Berlin (Ost); ab Febr. 1949 geschäftsf. Zentralvorst. der LDPD; ab Sept. 1949 – 52 Vors. des LDPD-Landesverb. Berlin; 1950 – 52 Abg. der Volkskammer; Juni 1951 – Febr. 1952 stellv. Vors. der LDPD.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Schweitzer, Bernhard

* 3.10.1892 – ✝ 16.7.1966

Geb. in Wesel (Rheinland); Vater Offizier; 1902 – 11 Gymnasium in Karlsruhe, Abitur; 1911 – 17 Studium der klass. Archäol. u. Philol., Philos., Gesch. u. Kunstgesch. in Berlin u. Heidelberg, dort 1917 Prom., 1919 – 25 Ass. am Archäolog. Inst., 1921 Habil.; 1925 Prof. für Archäol. in Königsberg; 1932 Prof. für Archäol. in Leipzig u. Dir. des archäolog. Inst.; 1938 – 44 Haupthrsg. der Ztschr. »Die Antike«; 1944 korr. Mitgl. der Preuß. AdW; Mitgl. der Sächs. AdW. 1945 / 46 erster Rektor der Univ. Leipzig nach deren Wiedereröffn. (Nachf. von Wolfgang Wilmans); 1948 Prof. für Archäol. in Tübingen; 1960 em. Mitgl. der Zentraldirektion des Dt. Archäolog. Inst.; Ehrenmitgl. des Amerikan. Archäolog. Inst.; gest. in Tübingen. Arbeitsgebiete: Archäologie, antike Kunsttheorie, klass. u. griech. Kunst, Religions- u. Sagengeschichte.Herakles: Aufsätze zur griech. Religions- u. Sagengesch. Tübingen 1922; Der bildende Künstler u. der Begriff des Künstlerischen in der Antike. Heidelberg 1925; Xenokrates von Athen. Königsberg 1932; Studien zur Entstehung des Porträts bei den Griechen. Leipzig 1940; Das Menschenbild der griech. Plastik. Potsdam 1944; Die Bildniskunst der röm. Rep. Leipzig 1948; Zur Kunst der Antike I – II. Ausgewählte Schriften. Tübingen 1963; Die geometr. Kunst Griechenlands: frühe Formenwelt im Zeitalter Homers. Köln 1969.Stefanie Müller

Wer war wer in DDR

Schwertner, Edwin

* 11.2.1932 – ✝ 23.3.2016

Geb. in Reichenberg (ČSR / Liberec, Tschechien); Vater Weber; Volks- u. Oberschule, Abitur; 1946 FDJ; 1949 SED; 1950 – 53 Studium der Wirtschafswiss. an der HU Berlin, Dipl.-Wirtsch.; 1953 – 58 wiss. Assistent u. Aspirant an der HU Berlin; 1959 Prom. zum Dr. rer. oec.; 1958 – 60 Sekr. der SED-PO an der Veterinärmed. Fak. der HU Berlin; 1960 – 69 pol. Mitarb., 1969 Sektorenltr., 1976 stellv. Ltr. der Abt. Wiss. des ZK der SED; 1986 – 89 Ltr. des Büros des PB des ZK der SED im Range eines ZK-Abt.-Ltr. (Nachf. von  Gisela Glende); 1982 VVO.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schwindt, Walter

* 20.3.1902 – ✝ 23.4.1969

Geboren am 20. März 1902 in Tilsit, Sohn einer Arbeiterfamilie; lernte Tapezierer. Er trat 1922 in die KPD ein, wurde Mitglied der BL Ostpreußen und Stadtverordneter in Tilsit, 1927 wegen »kommunistischer Propaganda im Memelland« zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach der Haftentlassung übersiedelte er 1930 nach Königsberg, war dort zunächst Instrukteur, später zeitweise auch Orgleiter der BL Ostpreußen. Schwindt kam im März 1932 als Nachrücker in den Reichstag und wurde im Juli 1932 im Wahlkreis Ostpreußen als Abgeordneter in das Parlament gewählt, aber im November 1932 nicht mehr aufgestellt. Ab Februar 1933 illegal für die KPD in Königsberg tätig, im Januar 1934 wurde Schwindt verhaftet, vom OLG angeklagt, jedoch im September 1934 freigesprochen. Er arbeitete als Tapezierer. 1945 trat Schwindt der KPD bei und war Hauptabteilungsleiter im Konsumverband Brandenburg, später Grundstücksverwalter. Während der Parteiüberprüfungen wurde er am 7. Dezember 1951 wegen »passiven Verhaltens in der NS-Zeit« aus der SED ausgeschlossen. 1957 beantragte er die Wiederaufnahme in die SED, die 1961 erfolgte. Er wurde Personalchef im Staatlichen Getränkekontor. Walter Schwindt starb am 23. April 1969 in Ost-Berlin.

Wer war wer in DDR

Seeliger, Rudolf

* 12.11.1886 – ✝ 20.1.1965

Geb. in München; Vater Astronom; Gymnasium, Abitur; 1905 – 09 Physik- u. Mathematikstudium in Tübingen, Heidelberg u. München; hier 1909 Prom.; 1909 – 11 Assistent an der Univ. Würzburg; 1911 – 18 Mitarb. an der Physikal.-Techn. Reichsanstalt Berlin; Soldat im 1. Weltkrieg; 1915 Habil. an der Univ. Berlin; 1918 a. o. Prof. für theoret. Physik an der Univ. Greifswald; 1921 ord. Prof.; 1940 Dir. des Physikal. Inst. 1946 – 48 Rektor der EMAU Greifswald (Nachf. von  Ernst Lohmeyer); CDU; 1949 –58 bei Fortführung der Lehrtätigkeit an der EMAU Greifswald Gründer u. Dir. des Laboratoriums (ab 1952 Inst.) für Gasentladungsphysik der DAW in Greifswald, Engagement für den Ausbau der Akad. zu einer naturwiss. Forschungsinstitution; 1949 Ord. Mitgl. der DAW; 1950 NP; Vorst.-Mitgl. der Physikal. Ges. in der DDR; gest. in Greifswald. Hauptarbeitsgebiete: Erforschung elektr. Leitungsvorgänge in Gasen, spez. Untersuchung der mikrophysikal. Mechanismen von Gasentladungen.Einführung in die Physik der Gasentladungen. Leipzig 1927; Angewandte Atomphysik. Berlin 1938; Grundbeziehungen der neuen Physik. Leipzig 1948. R. S. 1886 – 1965. Wiss. Ztschr. der EMA Greifswald. Physikal. Hefte Bd. 8. Greifswald 1986.Dieter Hoffmann

Wer war wer in DDR

Segert, Dieter

* 20.4.1952

Geb. in Salzwedel; Mutter Bibliotheksangest., Vater Verwaltungs- u. Bankangest.; 1970 Abitur u. Facharbeiterabschluß als Funkmechaniker; 1970 – 74 Studium der Philos., 1974 / 75 Forschungsstud. an der HU Berlin; 1970 SED; 1975 – 78 Aspirantur u. Prom. an der Lomonossow-Univ. Moskau; ab 1978 wiss. Mitarb. an der Sektion marx.-leninist. Philos. der HU Berlin, 1983 / 84 Gastforschungsaufenthalt in Moskau, 1984 Habil. mit einer Arbeit über Widersprüche im polit. System des Sozialismus, 1985 Doz., 1989 Prof. für wiss. Kommunismus an der HU Berlin; ab 1985 Mitarb. in einem von  Jens-Uwe Heuer geleiteten Projekt zum Vergleich von Staat, Recht u. Wirtschaft in osteurop. Ländern; 1988 mit  Michael Brie u.  Rainer Land Gründung des reformtheoret. Forschungsprojekts »Konzeption eines mod. Soz.«, das darauf hinauslief, Perspektiven für eine soz. Entw. in der DDR an die Einführung von Institutionen der Moderne zu knüpfen, veröff. in: R. Land (Hg.): Das Umbaupapier. Berlin 1990; ab 1988 Bemühungen um die Etablierung der Politikwiss. als akademische Disziplin in der DDR; Nov. 1988 Sekr. der SED-GO an der Sekt. Philos., ab Okt. 1989 aktives Engagement für die Demokratisierung der SED u. die Einberufung eines Sonderparteitags, Mitbegr. der »Plattform WF« in der SED u. delegiert zum SED-Sonderparteitag im Dez. 1989, Jan. 1990 Austritt aus der SED nach gescheiterten Bemühungen um eine Selbstauflösung der Partei; 1990 Mitbegr. des Inst. für interdisz. Zivilisationsforsch. an der HU Berlin; April 1990 Mitbegr. u. stellv. Vors. der Gesell. für Politikwiss. in der DDR. Frühjahr 1991 Mitgl. der Personal- u. Strukturkommission u. Vizedekan für Forschung des neugegr. FB Sozialwiss. der HU Berlin; 1992 Gastdoz. an der Univ. Bath (Engl.); 1993 Berufung zum Prof. für vergleichende Politikwiss. mit Schwerpunkt Osteuropa an der HU Berlin, aus polit. Gründen Befristung der Professur auf 5 Jahre durch den Berliner Wissenschaftssenator; 1998 – 2001 Gastprof. an der Karls-Univ. Prag; anschl. Gastdozent an der Europa-Univ. Viadrina Frankfurt (Oder); 2002 – 2005 wiss. Mitarb. der Bundeszentrale für polit. Bildung in Bonn, seit Febr. 2005 Universitätsprof. für Politikwiss. mit Schwerpunkt Osteuropa an der Univ. Wien; lebt in Wien. Arbeitsschwerpunkte: Parteien und polit. Wandel in staats- u. postsoz. Gesellschaften.Philosoph. Grundlagen der Erarbeitung einer Konzeption des mod. Soz. Berlin 1988 (Mitautor); Parteien in Osteuropa. Opladen 1995 (mit C. Machos); Die Grenzen Osteuropas. Frankfurt (Main) 2002; Prager Frühling. Wien 2008; Das 41. Jahr. Eine andere Gesch. der DDR. Wien u. a. 2008.Jan Wielgohs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Seidel, Ernst (Friedrich)

* 9.3.1885 – ✝ 6.6.1945

(* 1885 – † 1945) Geboren am 9. März 1885 in Ebersdorf bei Chemnitz/Amtsbezirk Flöha, Sohn eines Zimmermanns; lernte Steindrucker und zog nach der Wanderschaft 1907 nach Barmen-Elberfeld. Mitglied der SPD, aktiv in der Barmer Partei und der sozialdemokratischen Jugendarbeit. Im Weltkrieg Soldat, durch einen Kopfschuß schwer verletzt, kam er nach längeren Lazarettaufenthalt 1916 zurück nach Barmen-Elberfeld. Dort im Sommer 1917 wegen aktiver Antikriegsarbeit inhaftiert und zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Während der Novemberrevolution im Arbeiter- und Soldatenrat in Barmen-Elberfeld und später auch in Düsseldorf, Delegierter beim 1. Reichsrätekongreß in Berlin. Gemeinsam mit Rosi Wolfstein und Gustav Triebel nahm Seidel als Vertreter Düsseldorfs am Gründungsparteitag der KPD Ende 1918 in Berlin teil, war KPD-Vertreter im Düsseldorfer Aktionsausschuß. Am 9.März 1919 durch britische Besatzungstruppen verhaftet und wegen »kommunistischer Propaganda« zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Nach seiner Entlassung Ende 1921 kehrte er nach Barmen zurück, heiratete dort Anfang 1922 Käthe Martin (* 24. 10. 1894 – † 8. 9. 1971). Ab September 1922 besoldeter Bundessekretär des Arbeiter-Abstinenten-Bundes in Berlin, anschließend in der Betriebsräteabteilung der Zentrale der KPD. Später Instrukteur und Referent, u. a. in Pommern eingesetzt. Ab Januar 1924 wieder in der KPD-Ortsgruppe Barmen aktiv. Seidel wurde am 1. März 1933 verhaftet, kam bis August 1934 ins KZ. Wegen Sammlungen für hilfsbedürftige Häftlinge, für Anwaltskosten usw. im Juli 1936 erneut festgenommen und mit seiner Frau wegen politischer Arbeit im »Wuppertal-Komitee« am 6.März 1937 zu sechs Jahren bzw. Käthe Seidel zu zwei Jahren und drei Monaten Zuchthaus verurteilt. Er saß von März 1937 bis Juli 1942 im Zuchthaus Münster, dann nach Dachau überführt, blieb er bis April 1945 in Haft. Ernst Seidel starb am 6. Juni 1945 in einem Krankenhaus in München an den Haftleiden.

Wer war wer in DDR

Seidel, Wilfried

* 21.8.1939

Geb. in Bannewitz (Krs. Freital, Sachsen); Vater Rangiermeister; Grund- u. Oberschule; 1955 – 57 Lehre u. Arbeit als Maschinen- u. Reparaturschlosser; 1957 – 59 NVA; 1959 / 60 Reparaturschlosser; 1960 SED; 1960 – 63 Stud. an der Ingenieurschule in Meißen, Ing. für Kraft- u. Arbeitsmaschinen; 1963 / 64 Hauptmechaniker, 1965 Techn. Ltr; 1965 / 66 Lehrgang an der SED-BPS; 1966 – 70 Techn. Ltr.; 1970 – 76 1. Stellv. des Vors. des Rats des Krs. Zossen; Fernstud. an der TU Dresden, Hochschul-Ingenieurök. für Maschinenbau; 1976 – 79 Stud. an der PHS der SED, Dipl.-Gesellschaftswiss.; 1979 – 84 Vors. des Rats des Krs. Rathenow; 1984 – Mai 89 OB von Potsdam (Nachf. von  Brunhilde Hanke); Juni – Dez. 1989 Vors. des Komitees der ABI Potsdam; ab Jan. 1990 Dir. der Wohnungswirtschaft des VEB Kommunale Wohnungsverw. Industriegebiet Stahnsdorf-Kleinmachnow. Nach 1990 als Versicherungsagent tätig.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Seiffert, Wolfgang

* 18.6.1926 – ✝ 15.1.2009

Geb. in Breslau (Wrocław, Polen); Vater Steuerrevisor; kath. Gymnasium, mittlere Reife; Ausbildung an einer Lehrerbildungsanstalt; 1944 freiw. zur Kriegsmarine, 1945 Ostfronteinsatz; sowj. Gefangenschaft, 1947/48 Antifa-Schule Nr. 2041 bei Gorki. Dez. 1949 Entlassung in die Bundesrep. Dtl.; 1950 – 53 FDJ; 1950 – 63 KPD; 1963 – 77 SED; 1950 Abt.-Ltr. im Landesvorst. der FDJ Niedersachsen, Mitorg. des Dtl.-Treffens der FDJ zu Pfingsten 1950 in Berlin; 1951/52 Sekr. für Agit.-Prop. des Zentralbüros der West-FDJ, u. a. verantw. für die verdeckte Finanzierung des 1951 – 53 in Hamburg erscheinenden Magazins »Blitz« (durch die DDR); 1952/53 Chefred. des Zentralorgans der West-FDJ »Junges Dtl.«; 16.3.1953 Verhaftung während einer Razzia gegen die illeg. FDJ-Ltg.; April 1955 Prozeß wg. »Geheimbündelei u. Staatsgefährdung« (zus. mit Joseph Angenfort), Juni 1955 Verurteilung durch den BGH wegen »Hochverrats u. Staatsgefährdung« zu vier Jahren Haft; 1956 Flucht aus dem Gefängnis Anrath u. Übersiedl. in die DDR (1969 Begnadigung durch Bundespräs. Gustav Heinemann); Mitarb. der Abt. Jugend des PV der KPD in Berlin (Ost); Veröff. von Prop.-Schriften zur Lage der Jugend in der Bundesrep. Dtl.; 1956 – 59 Jurastudium an der HU Berlin; 1959 – 67 wiss. Mitarb. am dortigen Inst. für Erfinder- u. Urheberrecht ; 1963 Prom. zum Arbeitsrecht in der Bundesrep. Dtl.; 1967 Habil. zum Patent- u. Wirtschaftsrecht; Berufung zum Prof.; 1968 – 78 Dir. des Inst. für Ausländ. Recht u. Rechtsvergleich an der ASR Potsdam; Berater der DDR-Regierung in Fragen des Völkerrechts, Rechtsberater der RGW, Mitgl. des Schiedsgerichts der Kammer für Außenhandel, Vizepräs. der Gesell. für Völkerrecht; 1976 Gastprofessuren in Strasbourg u. Kiel; geriet in zunehmenden Konflikt mit der Abgrenzungspol. u. der »Zwei-Nationen-Theorie« der SED; Okt. 1977 VVO; Febr. 1978 Entlassung durch den Rat der ASR Potsdam u. Streichung aus der Mitgl.-Liste der SED; Febr. 1978 Ausreise aus der DDR; Gastprofessur in Bremen u. Kiel; Interviews zur Dtl.-Pol. im »Spiegel«; Dez. 1980 Aberkennung aller in der DDR verliehenen Auszeichnungen u. des Prof.-Titels; 1983 Mitbegr. des »Dtl.-Rats«; Mitunterz. eines »Dtl.-Manifests«; lehrte bis 1994 internat. Wirtschaftsrecht am Inst. für Osteurop. Recht der Univ. Kiel, zuletzt dessen Dir.; anschl. Lehrtätigkeit an der Russ. AdW in Moskau u. an der Univ. Hamburg; gest. in Hamburg. Sek.-Lit.: Boguslawskij, M.: Rechtslage von Auslandsinvestitionen in Transformationsstaaten: Festgabe für Prof. Dr. W. S. zum 80. Geb. Berlin 2006.Die freiw. Schlichtung von Arbeitskämpfen in Westdtl. Berlin 1964; Die Deutschen u. Gorbatschow: Chancen für einen Interessenausgleich. Erlangen 1987; Die DDR auf dem Weg ins Jahr 2000: Pol., Ökon., Ideol. – Plädoyer für eine demokrat. Erneuerung. Köln 1987 (zus. mit H. von Berg u. F. Loeser); Abschied von der Weltrev.: Das Ende des Stalinismus u. die Zukunft Europas. Erlangen 1989; Die Schalck-Papiere: Die DDR-Mafia zwischen Ost u. West. München 1992 (zus. mit N. Treutwein); Wladimir Putin: Wiedergeburt einer Großmacht? München 2000; Selbstbestimmt. Ein Leben im Spannungsfeld von geteiltem Dtl. u. russ. Pol. Graz 2006.Michael Herms

Handbuch Deutsche Kommunisten

Seipold, Oskar

* 28.11.1889 – ✝ 29.12.1966

Geboren am 28. November 1889 in Lodz, Sohn eines Arbeiters, der von Thüringen nach Rußland ausgewandert war; lernte Töpfer. 1907 kam er nach Deutschland, war in mechanischen Webereien beschäftigt und wurde 1909 Mitglied der SPD. 1911 Rückkehr nach Rußland, um als russischer Staatsbürger seinen Militärdienst abzuleisten. Er geriet im Weltkrieg in deutsche Gefangenschaft, blieb danach in Deutschland und erhielt 1919 die deutsche Staatsbürgerschaft. Im gleichen Jahr Mitglied der USPD, ging mit deren Mehrheit 1920 zur KPD. Als Töpfer auf dem Gut Darkehmen in Ostpreußen beschäftigt, kam als aktiver Kommunist auf eine »Schwarze Liste« und fand in Deutschland keine Arbeitsstelle mehr, wurde wegen »Aufreizung zum Hochverrat« und anderen politischen Delikten bestraft. Von September 1921 bis Januar 1922 war Seipold Verlagsleiter des »Echos des Ostens«, ab März 1923 Leiter des UB Darkehmen, im Herbst 1923 aktiv an den Aufstandsvorbereitungen der KPD in Ostpreußen beteiligt. Nachdem die Linken die Parteiführung übernommen hatten, wurde Seipold als ihr Anhänger im April 1924 Chefredakteur der Zeitung »Echo des Ostens«. Im Juli 1924 verhaftet und vom Staatsgerichtshof wegen seiner Aktivität im Jahre 1923 zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach der Entlassung von Herbst 1927 bis Februar 1929 Gauführer des RFB in Ostpreußen. Seipold kandidierte 1928 auf der KPD-Liste zum Preußischen Landtag und rückte nach dem Tod Ernst Meyers (2. Februar 1930) in den Landtag nach. Da er inzwischen zur linken Opposition gehörte, forderte das ZK, er solle auf sein Mandat verzichten, was er verweigerte. Deshalb wurde er am 22.Februar 1930 aus der KPD ausgeschlossen, war danach aktiver Funktionär der Bolschewiki-Leninisten-Opposition, der deutschen Trotzkisten, die er bis 1932 im Preußischen Landtag vertrat. In seinem Lebenslauf schrieb Seipold: »Am 2. März 1933 besuchte ich Freunde in Insterburg (Ostpr.) und wurde dort auf der Straße durch zwei Beamte in Zivil verhaftet und nach einem Verhör sofort in eine Gefängniszelle gebracht. Dort saß ich vom 2. März bis 6. Mai, kam dann in das große Gefängnis Rhein (Ostpr.) und blieb dort bis über Mitte Juli.« Bis zum 23.Dezember 1933 saß er im Zuchthaus Brandenburg/Havel. »Eine Anklageschrift bekam ich nie, auch fand keine Gerichtsverhandlung statt ... Nach meiner Entlassung wohnte ich in Königsberg.« Hier verbreitete er Flugschriften gegen das Hitler-Regime, floh noch 1934 nach Prag. Weil die KPD 1934/35 dort eine Verleumdungskampagne gegen Seipold startete (als Trotzkist wurde er den Faschisten gleichgesetzt), übersiedelte er am 19. Januar 1935 nach ¸ód´z: »Dort änderte ich meinen Namen von Seipold auf Sepold. Mit Hilfe von ?Machern? konnte ich legal angemeldet werden und lebte in ¸ód´z bis Oktober 1945, floh von dort nach Sachsen (Russ. Zone) und am 3.März 1949 weiter in die Bundesrepublik.« Im Rheinland hatte er noch Verbindung zu linken Gruppen, politisch betätigte er sich aber nicht mehr. Oskar Seipold starb am 29. Dezember 1966 in Haan/Rheinland.

Wer war wer in DDR

Selbmann, Erich

* 2.9.1926 – ✝ 29.4.2006

Geb. in Lauterbach (Hessen); Vater  Fritz S.; wg. des frühen Todes der Mutter u. KZ-Haft des Vaters aufgew. bei Freunden in Oberschlesien; Volksschule in Hindenburg/OS, 1941-44 Lehrerbildungsanstalt in Neisse/OS; antifasch. Arbeit in einer dt.-poln. Widerstandsgruppe; 1944/45 Wehrmacht; sowj., später poln. Kriegsgefangenschaft. 1946 Rückkehr nach Dtl.; KPD/SED; Sonderreifeprüfung an der Univ. Leipzig (Vorstudienanstalt); 1946 – 48 hier Studium der Publizistik; 1948 – 52 Red., Reporter, Kommentator beim Mitteldt. Rundfunk Leipzig; 1952 Red.-Ltr. beim Staatl. Rundfunkkomitee; 1953 – 55 Chefred. des Dtl.-Senders; 1952 – 90 Mitgl. im VDJ, 1959 – 78 seines ZV; 1955 – 58 Studium an der PHS der KPdSU in Moskau, Dipl.-Ges.-Wiss.; 1958/59 Intendant des Berliner Rundfunks (Nachf. von  Theo Grandy); 1959 – 64 Sekr. für Agit./Prop. der SED-BL Berlin (Nachf. von  Erich Hönisch); 1964 – 66 Auslandskorrespondent des Rundfunks u. der »Berliner Ztg.« in Moskau; 1966 – 78 Chefred. der »Aktuellen Kamera«; Ltr. der Gruppe Nachrichtenaustausch der Intervision; 1969 VVO; 1978 – 89 stellv. Vors. des Staatl. Komitees für Fernsehen u. Ltr. des Bereichs Dramat. Kunst; Autor von Fernsehspielen u. Filmen; 1978 – 89 Mitgl. des Verb. der Film- u. Fernsehschaffenden; 1986 NP; 1990 Vorruhestand; gest. in Berlin.Der Degen des großen Korsen. Berlin 1973; DFF Adlershof: Wege übers Fernsehland. Berlin 1998; Lebensworte. Berlin 2003.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Schwarz, Joachim Chaim

* 7.11.1909 – ✝ 18.4.1992

Geb. in Berlin als Sohn poln.-jüd. Einwanderer; Gymnasium, 1929 Abitur; 1929 – 31 Studium der Lit. u. Geschichte an der Univ. Berlin; ab 1929 Veröff. in der »Voss. Ztg.« u. dem »Berliner Tageblatt«; 1933/34 Ausbildung zum Gärtnergehilfen; 1934 nach Palästina emigriert; 1934/35 Landarb. im Kibbuz; 1936 – 49 Hilfsarb.; 1940 Freiw. der brit. Luftwaffe; 1934 – 50 Romanautor, Veröff. in jüd. Ztgn. in Berlin u. Jerusalem; Freundschaft mit  Louis Fürnberg. 1950 Rückkehr nach Berlin (Ost); 1950 – 55 Reporter der »Tägl. Rundschau« u. der »Berliner Ztg.«; 1950 – 53 Kand. der SED, ausgeschl. wegen »Beziehungen zu zionist. Krs.« sowie angebl. verschwiegener Mitgliedschaft in der (rechtssoz. Partei) Mapai u. des militär. Selbstschutzes Hagannah; 1956 vom MfS beobachtet u. als Kontaktperson »Grau« erf.; 1955 – 62 sieben Reportageromane; 1961 Lit.-Preis des FDGB für »Der neue Dir.«; 1963 »Die sechste Kolonne« (über den Prozeß gegen Karl Adolf Eichmann); Mitgl. des DSV u. KB; 1964 SED-Kritik an seinen Texten, Vorwurf der »Beleidigung der Arbeiterkl.«; ab 1976 Romanveröff. in der Bundesrep. Dtl. (Ps. Carl Jacob Danziger): 1976 »Die Partei hat immer recht«, 1978 »Falscher Salut«, 1980 »Kein Talent für Israel«; gest. in Berlin.Der Befreiungskampf Israels. Jerusalem 1950; Am Webstuhl der Zeit. Autobiogr. Berlin 1957; Der neue Direktor. Halle 1961; Die sechste Kolonne oder Der Henker will nicht hängen. Halle 1963. Hartewig, K.: Zurückgekehrt. Die Geschichte der jüd. Kommunisten in der DDR. Köln, Weimar 2000; Spitzer, G.: Der Nachlaß des Journalisten u. Schriftstellers J. C. Sch. In: Jahrbuch Preuß. Kulturbesitz 1992/93.Karin Hartewig / Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Schwarzer, Friedrich

* 5.9.1892 – ✝ 2.4.1959

Geb. in Pölschow (b. Rostock); Vater Eisenbahnbeamter; Volksschule; Ausbildung zum Versicherungskaufm. bei der »Mecklenburg. Hagel- u. Feuerversicherungsgesell.; 1913 nach Eintritt in die Gewerkschaft u. Mitgliedschaft im Betriebsrat entlassen; 1914 – 16 Militärdienst, ab 1916 felddienstuntauglich; 1919 SPD; 1919 – 21 Angest. bei der DR; 1921 – 33 städt. Angest. in Neubrandenb., u. a. Hauptdezernent im Wohlfahrts- u. Steueramt, 1929 – 33 besoldeter Stadtrat; 1927 – 32 MdL u. Sekr. der SPD-Landtagsfraktion von Mecklenburg-Strelitz; 1920 – 33 Vors. der Ortsgr. Neubrandenb. des Reichsbundes der Kriegsversehrten u. Hinterbliebenen; Mai 1933 aus polit. Gründen entlassen; Versicherungsagent der »Colonia-Versicherung«; Aug. 1944 kurzzeitig »Schutzhaft«; 1944 / 45 Expedient bei der Brauerei Janssen & Bechly. Mai 1945 Aufbau des Arbeits- u. Sozialamts der Stadt Neubrandenb., Ende Juni stellv. Bürgermstr.; 1945 / 46 SPD / SED; 1945 – 50 Bürgermstr. bzw. OB von Neubrandenburg (Nachf. von Kurt Mücklisch), im Juni 1950 des Amtes enthoben; anschl. Angest. im Vorst. der Bank für Handwerk u. Gewerbe Neubrandenburg.Andreas Herbst

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Schweizer, Peter

* 3.1.1921 – ✝ 22.1.2009

Geb. in Erfurt; Vater Architekt; 1939 – 45 Wehrmacht; 1945 – 47 Ausbildung zum Maurer, Fachstudium zum Maurermeister an der Handwerksschule in Weimar; 1948 / 49 techn. Angest. bei Egon Hartmann im Thüring. Hochbauamt in Weimar; 1949 – 51 Studiotheater in Weimar; 1949 / 50 Wiederherstellung Schloß Ettersburg in Weimar; 1950 SED; 1951 Zentr. Verw.-Schule Thür.; 1951 / 52 Heim für schwer erziehbare Kinder Weimar; 1951 1. Preis beim Bauwettbewerb Stalinallee im Kollektiv von Egon Hartmann; 1952 DBA; 1952 kommissar. Chefarchitekt Stalinstadt (Eisenhüttenstadt); 1953 / 54 Ltr. Architekturwerkstatt des Min. für Bauwesen, ab 1960 stellv. Chefarchitekt von Groß-Berlin; 1960 2. Preis beim Bauwettbewerb Wohngebiet Rostock-Lütten Klein (mit  Dorothea Tscheschner); bis 1962 externes Architekturstudium an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee bei  Selman Selmanagic, Dipl.-Architekt; 1961 Goethe-Preis 1. Klasse; 1962 (mit D. Tscheschner) Wettbewerb Thälmann-Platz Halle (Saale); 1967 2. Preis beim Aufforderungswettbewerb Leninplatz Berlin (Ltg.  Hermann Henselmann); 1976 1. Abschnitt des Wohngebiets Berlin-Marzahn (mit Dieter Schulze); 1978 2. u. 3. Abschnitt des Wohngebiets Berlin-Marzahn u. Hohenschönhausen (mit  Heinz Graffunder); ab 1981 stellv. Dir. des Büros für Städtebau im Stadtbauamt des Berliner Magistrats; Rentner; gest. in Berlin.Volker Wagner

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Schwierzina, Tino-Antoni

* 30.5.1927 – ✝ 29.12.2003

Geb. in Königshütte (Oberschles. / Chorzóro, Polen); Vater Arzt; ab 1933 Schulbesuch in Magdeburg; 1943 Luftwaffenhelfer, RAD, 1944 Wehrmacht; 1945 – 48 amerik. Kriegsgefangenschaft. 1948 Abitur; 1948 – 52 Jurastudium an der HU Berlin, Wirtschaftsjur.; 1948 – 90 Mitgl. der IG Nahrung u. Genuß; 1950 – 52 FDJ; 1950/51 Arbeit für das Dt. Komitee der Kämpfer für den Frieden bzw. Dt. Friedenskomitee; 1952 – 68 Justitiar in versch. staatl. Kontoren des Fisch- u. des Getränkehandels im VEB Bärensiegel u. in der Weingroßkellerei; 1963 wegen »Beihilfe zur Republikflucht« zu sechs Mon. Gefängnis auf Bewährung verurteilt; 1968 Invalidisierung, Teilrentner; Nov. 1989 SDP; Febr. – Mai 1990 Schatzmstr. des Berliner Bez.-Vorst.; Mitgl. des geschäftsf. Landesvorst. der SPD (DDR); ab Mai Abg. der Stadtverordnetenvers.; 30.5.1990 – 11.1.1991 Berliner OB (Nachf. von  Christian Hartenhauer). Jan. 1991 – Okt. 1995 Abg. des Abgeordnetenhauses Berlin, Vizepräs., Vors. des Petitionsaussch.; 1995 Ruhestand; 1996 Stadtältester von Berlin; 2001 Bundesverdienstkreuz; gest. in Berlin-Weißensee.Helmut Müller-Enbergs

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Schwotzer, Kurt

* 31.3.1897 – ✝ 25.6.1980

Geb. in Hartmannsdorf (Bez. Zwickau, Sachsen); Vater Maurer u. Weber, Mutter Textilarb.; 1903 – 11 Volksschule in Hartmannsdorf; 1911 – 14 Ausbildung zum Huf- u. Wagenschmied sowie Besuch der Fortbildungsschule; 1914/15 in Hartmannsdorf u. Berlin im Beruf tätig; 1915 – 18 freiw. Militärdienst; 1919 Schmied in Uelzen (Niedersachsen); 1920 KPD Hamburg; Mitbegr. der KPD Uelzen; dort 1920 – 24 Kassierer; 1924 – 29 Pol.-Ltr.; 1920 – 28 Gelegenheitsarb. u. erwerbslos; 1926 – 28 Pol.-Ltr. im RFB; 1925 – 29 Mitgl. der KPD-UBL u. der erw. BL Wasserkante; 1929 Besuch der KPD-Reichsparteischule; 1929 Abg. des Provinziallandtags; 1929/30 Volontär der KPD-Ztg. »Norddt. Ztg.«, dort pressegesetzl. Verantw.; 1930 vom RG wegen »liter. Landesverrats« zu zwei Jahren Gefängnis u. einem Jahr Festungshaft verurteilt, Mandat als Abg. des Provinziallandtags aberkannt; April 1930 vor Strafantritt untergetaucht u. illeg. in Berlin gelebt; Instrukteur des ZK der KPD für den UB Annaberg; als Red. in Stettin eingesetzt; Juli – Dez. 1930 Red. der »Volkswacht« (Stettin); illeg. pol. tätig (»Emil Mettinger«); 10.1.1931 wegen drohender Verhaftung in die UdSSR (Moskau) geflohen (»Karl Hess«); 1931 – 37 Mitgl. der KPdSU; 1931 – 33 Schmied in Moskau, 1934 in Stalinsk; 1934/35 Studium an der Kommunist. Univ. der Minderheiten des Westens, abgebrochen; 1935/36 Sekr. der dt. Sekt. des EKKI; gehörte 1936 neben Walter Dittbender u. Heinrich Wiatrek zur »Kleinen Kommission«, die KPD-Emigranten überprüfte; 1937 nach Spanien (»Karl Hess«), dort in der XI. Internat. Brigade; Mitarb. der dt. Kaderabt., dann Ltr. des Effektenbüros der Internat. Brigaden in Albacete; 1938 Offiziersschule in Pozo Rubio; Kaderchef des I. Bataillons; 1938/39 Gefangenschaft in San Pedro de Cardeña (b. Burgos), Verhöre durch die Gestapo; März; 1939 nach Dtl. ausgeliefert; 1939 KZ Fuhlsbüttel; Wiederaufn. des Prozesses aus dem Jahre 1930; Haft in Berlin-Plötzensee, 1940 – 42 KZ Sachsenhausen, 1942 als Häftling am Neubau des Volkswagenwerks in Fallersleben eingesetzt, 1942 – 45 Haft im Lager Berlin-Lichterfelde; Teilnehmer des Todesmarsches nach Schwerin. Mai 1945 Rückkehr nach Berlin; 1945/46 KPD/SED; 1945 Mitarb. im Hauptaussch. für OdF, dort Ltr. des Suchdienstes nach vermißten Spanienkämpfern; 1945 zus. mit  Karl Schirdewan Aufbau des Ref. »Illeg. Parteigeschichte« des ZS der SED; ab 1946 Mitarb. der Abt. Personalpol. bzw. Kader; Ref. im Ref. »Untersuchungen u. Schiedsgerichte«; 1948 Mitgl. des SED-KV Pankow; dann ab 1950 Mitarb. der Abt. Internat. Verbindungen, Sektor Administration des ZK der SED; 1950 – 59 Ltr. des Sektors »Betreuung u. Emigr.«; anschl. bis 1967 Arbeitsgr.-Ltr. für Emigr. in der Abt. Außenpol. u. Internat. Verbindungen des ZK der SED; 1958 Medaille für Kämpfer gegen den Fasch.; 1957 Banner der Arbeit; 1958 – 63 Mitgl. der ZRK der SED; 1962 VVO; 1963 Mitgl. des Solidaritätskomitees für das span. Volk; 1972 KMO; 1979 Ehrenspange zum VVO; gest. in Berlin.Uhl, M.: Mythos Spanien. Das Erbe der internat. Brigaden in der DDR. Bonn 2004.Bernd-Rainer Barth

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Seemann, Horst

* 11.4.1937 – ✝ 6.1.2000

Geb. in Pyhanken (Landkreis Teplitz-Schönau, ČSR / Běhánky, Tschechien); Vater Musiker u. Verwaltungsangest.; 1956 Abitur; 1958 – 62 Studium der Regie an der Dt. HS für Filmkunst in Potsdam-Babelsberg; Regieassistenz bei Sergej Gerassimow u.  Günter Reisch; Dipl. mit dem »Stacheltier«-Kurzspielfilm »Der Fluch der bösen Tat« (1962); drei weitere »Stacheltier«-Prod., dann Regisseur im DEFA-Studio für Spielfilme, bei seinen Filmen oft auch Drehbuchautor; erster großer Spielfilm: »Hochzeitsnacht im Regen« (1967, Filmmusical); »Schüsse unterm Galgen« (1968) nach R. L. Stevensons »Kidnapped«; dann Gegenwartsfilme: »Zeit zu leben« (1969), dafür NP, »Liebeserklärung an G. T.« (1971), »Reife Kirschen« (1972) u. »Suse, liebe Suse« (1975); 1971 SED; starke Beachtung, auch im Ausland, fand »Beethoven – Tage aus einem Leben« (1976, Drehbuch zus. mit  Günter Kunert), dafür 1976 Kritikerpreis (bester DEFA-Film des Jahres); Filmprojekte über Heinrich von Kleist u. Albert Einstein wurden nicht verwirklicht; 1978 Fernsehzweiteiler »Fleur Lafontaine« mit  Angelica Domröse, nach dem Buch von Dinah Nelken; 1980 »Levins Mühle« mit  Erwin Geschonneck, nach dem gleichnam. Roman von  Johannes Bobrowski, dafür 1982 Nat. Filmpreis u. Spezialpreis der Jury, für diesen Film u. alle weiteren komponierte er auch die Musik; 1982 Fernsehdreiteiler »Hotel Polan und seine Gäste« nach dem autobiogr. Roman von  Jan Koplowitz; 1982 NP für sein filmisches Gesamtwerk; 1984 europ. Koprod. »Ärztinnen«, nach Hochhuths Bühnenstück, 1985 »Besuch bei van Gogh«, 1987 / 88 Drehbuch zu einem Filmprojekt über Dietrich Bonhoeffer, als dt.-dt. Koprod. geplant, aber nicht realisiert; 1989 Fernsehdreiteiler »Vera – der schwere Weg der Erkenntnis«. Letzter Spielfilm 1991 »Zwischen Pankow u. Zehlendorf«; 1995 Regie bei dem Jugendfilmprojekt »Fremdsein in Deutschland«; Synchronarbeiten; gest. in Thanning (Bayern).H. S. – Regisseur, Drehbuchautor, Komponist. In: CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film. München 1984ff.Ralf Schenk

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Seghers, Anna

* 19.11.1900 – ✝ 01.06.1983

Geb. in Mainz in einer jüd. Familie; Vater Antiquitäten- u. Kunsthändler; 1915 – 19 Gymnasium in Mainz, 1919 Abitur; danach Studium der Philol., Geschichte, ostasiat. Kunstgeschichte u. Sinol. in Heidelberg u. Köln; 1924 in Köln Prom. zum Dr. phil. über »Jude u. Judentum im Werke Rembrandts«; 1925 durch Heirat mit László Radványi ( Johann-Lorenz Schmidt-Radványi) ungar. Staatsbürgerschaft; 1925 Übersiedl. nach Berlin; Austritt aus der israelit. Religionsgem.; Besuch der MASCH in Berlin; 1928 Kleist-Preis für ihre erste Erzählung »Aufstand der Fischer von St. Barbara«; 1928 KPD; 1929 BPRS u. SDS; 1930 Teiln. an der II. Internat. Konferenz proletar. u. rev. Schriftst. in Charkow; Ende Febr. 1933 kurze Gestapohaft in Berlin, als Ausländerin wieder entlassen, Polizeiaufsicht; Anf. März 1933 nach Stuttgart; dann Emigr. über Zürich nach Paris; März 1934 für den Pariser Verlag Carrefour nach Wien; zus. mit  Jan Petersen, Oskar M. Graf u.  Wieland Herzfelde Mithrsg. der Ztschr. »Neue Dt. Blätter« (Prag); lebte 1940 illeg. in Paris, dann bis 1941 im unbesetzten Frankreich in Pamiers (b. Foix, nahe Le Vernet); Flucht nach Marseille; Ausreise nach Mexiko (unterwegs zeitw. interniert); bis 1950 mexikan. Staatsbürgerschaft; 1941 – 46 Präs. des Heinrich-Heine-Clubs in Mexiko-Stadt; 1942 – 46 Mithrsg. der Ztschr. »Freies Dtl.«; Mitarb. der Ztschr. »Demokrat. Post«. April 1947 über Stockholm Rückkehr nach Dtl.; 1947 SED; Mitgl. des ständ. Friedenskomitees in Paris; 1947 Georg-Büchner-Preis; 1948 Reise mit der ersten dt. Schriftst.-Delegation in die UdSSR; Vizepräs. des KB; Vizepräs. der DSF; Mitbegr. der Friedensbew. in der DDR; 1949/50 gem. Ltg. (mit  Johannes R. Becher und  Arnold Zweig) des »Dt. Komitees der Kämpfer für den Frieden«; stellv. Vors. des Dt. Friedenskomitees u. ab 1950 Mitgl. des Präs. des Weltfriedensrats; Teiln. an vielen Friedenskongressen, u. a. in Paris, Stockholm, Warschau; 1950 Gründungsmitgl. der DAK; Nov. 1950 DDR-Staatsbürgerschaft; Febr. 1951 Stalin-Friedenspreis; Mitgl. der Jury des Stalin-(später Lenin-)Friedenspreises; 1951, 1959 u. 1971 NP; mit seiner Gründung 1952 Präs. des DSV (bis 1978); 1959 Dr. phil. h. c. der Univ. Jena; 1960 VVO; 1961 Johannes-R.-Becher-Medaille; 1965, 1969 u. 1974 KMO; 1970 Stern der Völkerfreundschaft; 1978 – 83 Ehrenpräs. des SV; 1980 Held der Arbeit; 1975 Großer Stern der Völkerfreundschaft; 1981 Ehrenbürgerin von Mainz; gest. in Berlin. Nestorin der DDR-Lit.; als Meisterwerke dt. Exillit. gelten ihre Romane »Das siebte Kreuz« (engl. 1942, dt. 1946), »Transit« (engl. 1944, dt. 1948) u. »Die Toten bleiben jung« (1949, teilw. in Mexiko entstanden); in den Romanen »Die Entscheidung« (1959), »Das Vertrauen« (1968) u. a. gestaltete A. S. die DDR-Entw. im Kontext nat. u. internat. Auseinandersetzungen; die Erzählung »Der gerechte Richter«, von ihr in Selbstzensur nicht publiziert, erschien 1989.Ges. Werke in Einzelausgaben. Berlin 1975 ff.; Emmrich, M., Pick, E. (Hrsg.): A. S. – W. Herzfelde – Ein Briefwechsel 1939 – 1946. Berlin, Weimar 1985; Zehl Romero, C., Giesecke, A. (Hrsg.): A. S. Briefe 1924 – 1952. Berlin 2008. Batt, K.: A. S. Versuche über Entw. u. Werke. 2. Aufl. Leipzig 1980; Wagner, F.: A. S. Leipzig 1980; Stephan, A.: A. S. im Exil: Essays, Texte, Dokumente. Bonn 1993; Zehl Romero, C.: A. S. Reinbek 1993; A. S. Eine Biogr. in Bildern. Berlin 1994; Radvanyi, P.: Jenseits des Stroms. Berlin 2005; Zehl Romero, C.: A. S. Eine Biogr. 1900 – 1947. Berlin 2000; Zehl Romero, C.: A. S. Eine Biogr. 1947 – 1983. Berlin 2003; Bock, S.: Der Weg führt nach St. Barbara. Die Verwandlung der Netty Reiling in A. S. Berlin 2008.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Seidel, Bernd

* 23.3.1949

Geb. in Burgstädt (Krs. Rochlitz, Sachsen); Vater Rundfunkmechaniker, Mutter Kontoristin; Grund- u. Oberschule; 1963 FDJ; Berufsausbildung als Dreher mit Abitur im VEB »Germania« Karl-Marx-Stadt; 1967 – 74 Studium an der KMU Leipzig, Dipl.-Physiker; 1974 / 75 wiss. Ass. u. Prom. zum Dr. rer. nat.; 1976 SED; 1976 / 77 wiss. Mitarb., 1977 / 78 HA-Ltr. im VEB Maschinenbauhandel Leipzig; 1979 – 83 1. Stellv. bzw. Bürgermeister des Stadtbez. Leipzig-Mitte; 1981 / 82 Stud. an der AfG beim ZK der KPdSU in Moskau; 1984 1. Stellv. des OB, 1986 – 89 OB der Stadt Leipzig (Nachf. von Karl-Heinz Müller); am 3.11.1989 Rücktritt als OB. Nach 1990 Geschäftsf. eines Leipziger Bauunternehmens.Andreas Herbst

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Seifert, Ilja

* 6.5.1951

Geb. in Berlin; 1958 – 70 Schulbesuch in Sebnitz, Cottbus u. Birkenwerder (b. Berlin), dort Abitur an der Sonderschule für Körperbehinderte; seit dem 17. Lebensjahr durch einen Badeunfall querschnittsgelähmt (Rollstuhlfahrer); 1965 FDJ; 1971 – 75 Studium an der HU Berlin, Dipl.-Germanist; 1975 SED; 1976 – 81 wiss. Mitarb. am ZI für Lit.-Geschichte der AdW; dort Prom. zum Dr. phil. mit einer Diss. über pol.-liter. Ztschr. der Weimarer Rep.; 1981 – 90 wiss. Mitarb. am Berliner Haus für Kulturarbeit; Verf. von literaturkrit. Arbeiten u. Gedichten; 1980 – 87 als IM beim MfS erf.; Dez. 1989 Mitbegr. des Berliner Behindertenverb., Jan. 1990 1. Vors.; Febr. 1990 – 92 u. 2002 – 04 Mitgl. des PV der PDS; März – Okt. Abg. der Volkskammer, PDS-Fraktion; seit Aug. Präs. des Allg. Behindertenverb. in Dtl. »Für Selbstbestimmung u. Würde«. Okt. 1990 – 94 u. 1998 – 2002 u. seit Okt. 2005 PDS- bzw. Die Linke-Abg. des Dt. Bundestags; seit 1995 Partner des Sachverständigenbüros für barrierefreies Leben »Seifert & Schröder« in Berlin; seit 1996 Vertreter des Dt. Behindertenrats im Europ. Behindertenforum; seit 1999 Vors. des Berliner Behindertenverbandes (BBV); seit 2003 Lehrbeauftr. an der HU Berlin u. der Karls-Univ. Prag; 1996 – 2008 stellv. Vors., dann Vors. des Allgem. Behindertenverb. in Dtl.Schonzeit gab es nicht. Dokumentation zur Entstehung des Allgemeinen Behindertenverb. in Dtl. Berlin 1990; Sieger lernen nicht. Berlin 1992; Sintflut verhindern. Berlin 1995; Lob der Unvollkommenheit. Berlin 2003. Schulz, M. »Für Selbstbestimmung u. Würde« – Die Metamorphose des Behindertenverbandes der DDR zum Allg. Behindertenverband in Dtl. Berlin 1995.Helmut Müller-Enbergs

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Seigewasser, Hans

* 12.8.1905 – ✝ 18.10.1979

Geb. in Berlin-Oberschöneweide; Vater Graveur, Stiefvater Krankenkassenangest., Mutter Verkäuferin; 1911 – 21 Volks- u. Mittelschule in Berlin-Charlottenburg bzw. Fontane-Realschule in Berlin, Abbruch; 1919 Soz. Proletarierjugend (SPJ, später SAJ), Gruppenvors., Werbebez.-Ltr.; 1921 – 23 Ausbildung zum Bankangest. in einer Berliner Privatbank; bis 1924 im Beruf tätig; 1921 USPD; Allg. Verb. der Bankangest., später ZdA; Okt. 1922 SPD; Organisierung soz. Jugendhundertschaften, Vors. des Proletar. Jugendkartells Berlin-Charlottenburg; Okt. 1923 SAJ- u. SPD-Ausschl. wegen gem. Arbeit mit KJV; 1924/25 arbeitslos; Jugendfunktionär des Allg. Verb. der Bankangest.; Jan. 1926 – Juli 1927 Angest. des Arbeitsamts Berlin-Weißensee; Aug. 1927 – 33 Angest. der Allg. Ortskrankenkasse Berlin-Wilmersdorf; 1928 Mitgl. u. 1930 Vors. der Reichsltg. der Jungsozialisten; 1931 Mitbegr. der SAP, Mitgl. ihres PV u. Vors. der SAP-BL Berlin-Brandenb.; Okt. 1932 wegen »kommunist. Fraktionsarbeit« ausgeschl., Übertritt zur KPD; aktiv in der »rev. Angest. Opp.« des ZdA; 1933/34 arbeitslos; ab Jan. 1933 illeg. Arbeit für den KPD-UB Berlin-Steglitz, -Südwest u. -Charlottenburg; ab Nov. 1933 Mitgl. der BL Berlin der RH, Org.-Ltr.; Hrsg. von 16 UB-Ztg. (zus. mit  Willi Barth); Sept. 1934 in Berlin verhaftet, Haft in der Prinz-Albrecht-Str., 1934/35 U-Haft im Gestapo-U-Gefängnis Berlin-Moabit, 1934 verurteilt zu fünf Jahren Zuchthaus wegen »Vorber. zum Hochverrat«, 1935 – April 1937 Zuchthaus Luckau, April 1937 – 39 KZ Esterwegen; dort Mitgl. der illeg. KPD-Ltg.; 1939 – 44 KZ Sachsenhausen; KPD-Ltg. zus. mit  Max Reimann u.  Max Opitz sowie Mitgl. des illeg. Internat. Lagerkomitees; 1944/45 KZ Mauthausen; Mitgl. der illeg. Lagerltg. 1945/46 KPD / SED; Juli 1945 – April 1946 Mitarb. des ZK der KPD, persönl. Mitarb. von  Margarete Keilson; 1945/46 Betriebsratsvors. des ZK-Apparats; April 1946 – April 1950 Mitarb. des PV bzw. ZK der SED, persönl. Mitarb. von  Franz Dahlem; 1950 abgelöst, in der Kaderabt. des ZK zuständig für Information, Recherchen u. »Spezialarbeit«; Aufbau des Ref. »illeg. Parteigeschichte« zus. mit  Karl Schirdewan u.  Kurt Schwotzer; 1947 Sachbearb. im MfAA; Mai 1950 – 53 stellv. Vors. des NR der NF; 1953 – 70 Mitgl. des Präs. u. 1953 – 59 Vors. seines Büros (Nachf. von  Wilhelm Koenen); 1959/60 1. Vors.; 1950 – 79 Abg. der Volkskammer; 1953 – 59 Vors. des Büros des Präs. des Komitees der Antifa. Widerstandskämpfer; 1959/60 1. Sekr. des Berliner Bez.-Aussch. des NR der NF; 1955 – 62 Mitgl. des Zentralvorst. der DSF; 1959 – 61 Mitgl. der SED-BL Berlin; 1960 – 79 Staatssekr. für Kirchenfragen (Nachf. von  Werner Eggerath); ab 1965 Mitgl. des Büros des Präs. der FIR; 1965 VVO; Vors. der parl. Freundschafts-Ges. DDR – Frankreich; Ehrenspange zum VVO; 1975 KMO; gest. in Rom.Lindner, K.: H. S. (1905 – 1979). Kommunist u. Gewerkschafter. In: IWK (2005) 4.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

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Seite, Bernd

* 22.4.1940

Geb. in Hahnswalde (Krs. Trebnitz, Niederschles. / Kokotów, Polen), Vater Landwirt; 1946 – 54 Grundschule in Ihleburg (b. Burg); 1954 – 58 Landesschule Pforte (b. Bad Kösen), Abitur; 1958 – 63 Studium der Veterinärmed. an der HU Berlin, Prom., Fachtierarzt für Schweineprod.; 1964 – Juni 1990 prakt. Tierarzt in Walow (Krs. Röbel); 1989 Sprecher des Neuen Forums Röbel; Febr. 1990 CDU; Juni 1990 – Dez. 1991 Landrat im Krs. Röbel (Müritz). Okt. 1991 – März 1992 Generalsekr. der CDU Mecklenb.-Vorpomm.; 1994 – 2002 MdL Mecklenb.-Vorpomm.; März 1992 – Nov. 1998 Ministerpräs. des Landes Mecklenb.-Vorpomm. (Nachf. von  Alfred Gomolka); März – Okt. 1992 Präs. des Bundesrats; ab 2002 Gasthörer an Univ. Rostock.Weißer Rauch. Eine Erzählung aus den Tagen des Mauerfalls 1989. St. Augustin 2004; Schneeengel frieren nicht. Biogr. Berlin 2009.Helmut Müller-Enbergs

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Selbmann, Fritz

* 29.9.1899 – ✝ 26.1.1975

Geb. in Lauterbach (Hessen); Vater Kupferschmied; 1905 – 13 Volksschule; 1915 – 17 Bergmann in Werne (b. Bochum); 1917 – 20 Militärdienst; Nov. 1918 Mitgl. eines Arbeiter- u. Soldatenrats; 1920 – 24 versch. Tätigkeiten, u. a. Bergmann in Hindenburg (Schles.); 1920 USPD; 1922 KPD; 1922/23 gegen die frz. Ruhrbesetzung aktiv, 1923 frz. »Schutzhaft«; 1924 Org.-Ltr. der KPD Bottrop; 1925 – 28 RFB-Gauführer Ruhrgeb. u. Mitgl. der Bundesführung des RFB sowie der KPD-BL Ruhrgeb.; 1928/29 Kursant der Internat. Leninschule in Moskau (»Skowronek«); Gewerkschaftssekr. der KPD-BL Ruhrgeb.; 1929/30 Red. der Ztg. »Ruhrecho« (Essen); 1929/30 Abg. des Rhein. Provinziallandtags; 1930 – 32 des Preuß. Landtags; 1930/ 31 Ltr. des KPD-Bez. Oberschles. u. 1931 – 33 in Sachsen; 1932/33 Abg. des Dt. Reichstags; illeg. pol. Arbeit in Leipzig; dort im April 1933 verhaftet, U-Haft in Leipzig u. Berlin; Nov. 1935 vom VGH zu sieben Jahren Zuchthaus verurteilt, 1935 – 40 Haft im Zuchthaus Waldheim (Einzelhaft), 1940 – 42 »Schutzhaft« im KZ Sachsenhausen, 1942 – 45 KZ Flossenbürg u. 1945 KZ Dachau, Apr. 1945 bei Evakuierung des Lagers geflohen. 1945 1. Sekr. der KPD-KL Leipzig; Vors. des Prov. ZA des Antifa. Blocks in Leipzig; 1945/46 Präs. des Landesarbeitsamts u. Vizepräs. der LV Sachsen für Wirtschaft u. Arbeit; 1946 SED; 1946 – 48 Minister für Wirtschaft u. Wirtschaftsplanung in Sachsen; 1946 – 50 Abg. des Sächs. Landtags; 1948/49 stellv. Vors. der DWK u. Ltr. der HV Industrie; 1949 Mitgl. des Dt. Volksrats; 1949/50 Minister für Industrie; 1950/51 für Schwerindustrie; 1951 – 53 für Hüttenwesen u. Erzbergbau; 1953 – 55 für Schwerindustrie; 1953 Ltr. der dt. Seite der Kommission zur Übernahme der letzten SAG-Betriebe; 1953 Held der Arbeit; 1949 – 63 Abg. der Volkskammer; 1954 – 58 Mitgl. des ZK der SED, Ltr. der ZK-Kommission techn. Fortschritt; 1955 – 58 Stellv. Vors. des Min.-Rats u. Vors. der Kommission für Industrie u. Verkehr bei dessen Präs.; im Febr. 1958 des »Managertums« u. der Unterstützung der angebl. Fraktion  Karl-Schirdewan- Ernst-Wollweber bezichtigt, Ausschl. aus dem ZK u. strenge Rüge, 1959 Selbstkritik; 1958 – 61 stellv. Vors. der SPK; Ltr. der Abt. Bilanzierung u. Verteilung der Produktionsmittel; 1960 Banner der Arbeit; 1961 – 64 stellv. Vors. des Volkswirtschaftsrats; 1963/64 Ltr. der Kommission für Wiss.-techn. Dienste; ab 1964 freiberufl. Schriftst. (Romancier); 1964 VVO; 1965 Ehrenspange zum VVO; 1969 KMO; 1969 – 75 Vizepräs. des DSV; 1974 NP; seine Erinnerungen an die Gründerjahre der DDR durften 1975 wegen seiner Ausführungen über den 17.6.1953 nicht erscheinen (1999 posthum publ.); gest. in Berlin.Wahrheit u. Wirklichkeit. Krit. Essays über Fragen der Philos. u. Geistesgeschichte. Dresden 1947; Die neue Epoche der techn. Entw. Berlin 1956 (mit G. Ziller); Ein Zeitalter stellt sich vor. Berlin 1957; Die Söhne der Wölfe. Halle 1965; Alternative, Bilanz, Credo. Versuch einer Selbstdarstellung. Halle 1969; Der Mitläufer. Halle 1972; Ausgew. Reden u. Artikel 1945 – 1957. Berlin 1974 (mit Bibl.); Acht Jahre u. ein Tag. Bilder aus den Gründerjahren der DDR. Berlin 1999. Reso, M. (Hrsg.): Kumpel u. Min. Erinnerungen an F. S. Halle, Leipzig 1979; Halder, W.: Eine bedeutsame Quelle zur sächs. Nachkriegsgeschichte? Anmerkungen zu F. S.s posthum erschienenen Erinnerungen. In: Neues Archiv für sächs. Geschichte (2002) 73.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Schwarz, Josef

* 2.7.1932

Geb. in Prag; Stiefvater Heizer, Mutter Blumenbinderin; Mittelschule; 1946 – 49 Landw.-Lehre; 1949 – 52 Schüler an der FS für Landw., Landwirt; 1950 SED; 1952 – 55 DVA, Dipl.-Wirtsch.; 1955 Eintritt in das MfS, BV Potsdam, Abt. III (Sicherung der Volkswirtschaft); 1962 – 68 Fernstudium an der JHS Potsdam-Eiche, Dipl.-Jur.; 1968 stellv. Operativ des Ltr. der BV Schwerin des Mfs; 1972 Prom. zum Dr. jur. an der JHS, Thema: Arbeit mit Führungs-IM; 1982 Ltr. der BV Erfurt des MfS (Nachf. von  Martin Weikert); 2. Sekr. der SED-BL Erfurt; 1983 Gen.-Major; 1988 VVO; 1990 Entlassung.Bis zum bitteren Ende. Schkeuditz 1994; Zu Unrecht vergessen. F. Halle u. die dt. Justiz. Schkeuditz 1997.Jens Gieseke

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schwebinghaus, Eugen

* 4.1.1906 – ✝ 24.8.1944

(* 1906 – † 1944) Geboren am 4. Januar 1906 in Wuppertal; lernte Bau- und Möbeltischler, 1922 Mitglied der KJD, 1924 der KPD. Ab 1931 arbeitete er hauptamtlich als Leiter der dem BPRS angeschlossenen »Interessengemeinschaft für Arbeiterkultur« (IfA) im Bezirk Niederrhein. Nach 1933 im Widerstand, zunächst in Düsseldorf, dann Mitarbeiter der illegalen Landesleitung unter Robert Stamm. Schwebinghaus emigrierte nach der Verhaftung Stamms zunächst nach Prag, dann in die Sowjetunion. Hier war er unter dem Decknamen Kurt Frank Kursant an der Internationalen Leninschule. Vor Abschluß des Lehrgangs ging er nach Spanien und kämpfte als Angehöriger der Internationalen Brigaden, war zunächst Leutnant, später Politkommissar. Im August 1938 nach Amsterdam geschickt, um Streitigkeiten zu schlichten. Schwebinghaus arbeitete eng mit Erich Gentsch (Alwin), dem Leiter der AL West zusammen, wurde Vertreter der KPD beim Allgemeinen Flüchtlingskomitee, ab März 1940 KPD-Emigrationsleiter. Am 23.April 1943 in Amsterdam verhaftet und vom VGH zum Tode verurteilt, wurde Eugen Schwebinghaus am 24. August 1944 im Gefängnis Bruchsal hingerichtet.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schwenk, Paul

* 8.8.1880 – ✝ 22.8.1960

Geboren am 8. August 1880 in Meißen, Sohn eines Arbeiters; lernte Schlosser und übersiedelte nach Dresden. 1905 Mitglied der SPD, zog 1907 nach Berlin, da er in Dresden auf der »Schwarzen Liste« stand. 1908 Vorsitzender des SPD-Wahlvereins Berlin-Friedrichsfelde, 1912 hauptamtlicher Funktionär, Lokalberichterstatter des »Vorwärts«. Als Kriegsgegner schloß er sich der Spartakusgruppe an und gab im Weltkrieg deren Informationsmaterial heraus. 1917 Mitglied der USPD, in der er auch nach Gründung der KPD verblieb, 1919 Redakteur am USPD-Organ »Freiheit«, 1920 Sekretär der USPD-Fraktion im Preußischen Landtag. Im Dezember 1920 ging Schwenk mit der linken USPD zur KPD und wurde Sekretär der KPD-Fraktion (ohne selbst Mitglied des Landtags zu sein). Im Mai 1924 in den Preußischen Landtag nachgerückt, im Dezember 1924 wurde er als Abgeordneter gewählt und blieb dies ununterbrochen bis 1933, zeitweilig auch Vorsitzender der Fraktion. Schwenk war Mitglied der Berlin-Brandenburger BL, saß ab 1920 in der Berliner Stadtverordnetenversammlung. Seit 1928 auch Mitarbeiter des ZK der KPD (Kommunalabteilung), er galt als Spezialist für Kommunalarbeit und war als KPD-Vertreter in städtischen Aufsichtsräten. Im April 1933 emigrierte er zusammen mit seiner Frau, Martha Arendsee, zunächst nach Paris, war dort für die RHD und die IAH tätig und kam im Mai 1934 in die Sowjetunion. Hier arbeitete er unter dem Parteinamen Paul Scherber im Marx-Engels-Institut und im Apparat der Komintern. Während der Moskauer Säuberung im März 1937 verhaftet, legte Schwenk ein »Geständnis« ab und bezichtigte sich, ein »Spion« zu sein. Fast drei Jahre lang in den Kerkern der NKWD festgehalten, kam er nach langen Bemühungen seiner Frau und seiner Freunde am 13. Januar 1941 frei. Anschließend im Verlag für fremdsprachige Literatur, beim Deutschen Volkssender und bei Radio Moskau beschäftigt. Am 28. Mai 1945 nach Berlin zurückgekehrt, wurde Schwenk im Nachkriegsmagistrat unter OB Arthur Werner dritter stellvertretender Oberbürgermeister und Leiter der Abteilung Planung. Ab März 1947 Pressereferent in der Deutschen Verwaltung für Brennstoffindustrie, bis 1952 in verschiedenen Verwaltungen tätig. Als Parteiveteran erhielt er 1955 dem Karl-Marx-Orden, im gleichen Jahr Ehrenbürger von Ost-Berlin. Paul Schwenk starb am 22.August 1960 in Ost-Berlin.

Wer war wer in DDR

Schwill, Ernst Georg

* 30.3.1939

Geb. in Berlin; Vater Töpferhelfer (1945 gefallen), Mutter Hausfrau, vier Geschwister; ab 1946 bei einer Tante aufgewachsen, dann im Pestalozzi-Kinderheim in Berlin-Mitte, ab 1953 im Kinderheim Königsheide in Berlin-Johannisthal, dort von Regisseur  Gerhard Klein für Hauptrolle im DEFA-Film »Alarm im Zirkus« (1954) entdeckt; 1954 – 57 Lehre als Fotograf im VEB DEFA-Kopierwerke; 1957 – 60 Studium an der HFF in Potsdam-Babelsberg; daneben Filmrollen, u. a. in »Berlin – Ecke Schönhauser« (1957, Regie G. Klein), »Sie nannten ihn Amigo« (1958, Regie  Heiner Carow); »Fünf Patronenhülsen« (1960 Regie  Frank Beyer); 1960 im DEFA-Studio für Spielfilme; NVA; 1961 – 63 Theaterengagement am Berliner Ensemble; ab 1963 freiberufl.; 1970 – 91 Festanstellung als Schauspieler beim DFF in zahlr. Fernsehfilmen u. -serien, auch als Sprecher (bes. Berliner Mundart). Ab 1991 wieder freiberufl. vor allem in TV-Serien, seit 1999 Rolle als Ass. im Ermittlerteam des »Tatort« aus Berlin; lebt in Berlin.Is doch keene Frage nich. Erinnerungen eines Schauspielers. Berlin 2008.Ingrid Kirschey-Feix

Wer war wer in DDR

Seeger, Bernhard

* 6.10.1927 – ✝ 14.3.1999

Geb. in Roßlau (Elbe); Vater Schlosser; Mittelschule; Ausbildung an der Lehrerbildungsanstalt in Köthen; 1944 NSDAP; RAD in Zerbst; 1944/45 Wehrmacht; Mai – Dez. 1945 sowj. Kriegsgefangenschaft. 1945 Rückkehr; Neulehrerkurs; 1946 SED; FDJ; DSF; KB; 1946 – 52 Lehrer in märk. Dörfern, zul. in Beelitz; Volkskorrespondent der Ztg. »Märk. Volksstimme«; 1952/53 Lektor im Verlag Neues Leben; 1952 DSV; 1953 – 56 freischaff. Schriftst. in Stücken (b. Potsdam); 1954/55 Reporter in Vietnam; 1956/57 Abt.-Ltr. im Sekr. des DSV; ab 1957 erneut freischaff. Schriftst.; 1957 – 60 u. ab 1969 Mitgl. des DSV-Vorst.; 1964 Mitgl. der SED-BL Potsdam; ab 1967 Mitgl. des ZK der SED; 1969 – 91 AdK; 1953 – 72 vom MfS als GH, GHI, IMK »Karl Feuerherd« erf.; 1956 Fontane-Preis; 1960 Erich-Weinert-Medaille; 1962 Lit.-Preis des FDGB; 1962 Heinrich-Mann-Preis; 1963 u. 1967 NP; 1968 Johannes-R.-Becher-Medaille; 1969 Banner der Arbeit; 1981 u. 1983 Kunstpreis des FDGB; 1983 VVO; 1987 KMO. In seinen Romanen »Herbstrauch« (1961), »Vater Batti singt wieder« (1972), »Menschenwege« (2 Bde. 1974 u. 1987), in den Hör- u. Fernsehspielen »Rauhreif« (1963), »Hannes Trostberg« (1966) u. a. Werken gestaltete S. unkrit. affirmativ vorwiegend Probleme des soz. Alltags auf dem Lande.Hannes Trostberg. Die Erben des Manifests. Berlin 1968.Herbert Mayer / Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Sefrin, Max

* 21.11.1913 – ✝ 10.8.2000

Geb. in Stambach (Pfalz); Vater Zement- arb.; Volks- u. Oberrealschule in Pirmasens; 1930 – 32 Ausbildung zum Kfm.; 1932 – 37 Ausbildung zum Flugzeugführer, anschl. in diesem Beruf tätig, auch als Einflieger, Ofw. der Luftwaffe; 1945 kurzz. sowj. Gefangenschaft. 1945 – 49 Betriebsltr. u. ehrenamtl. Stadtrat für Handel u. Versorgung in Jüterbog; 1946 CDU; 1949/50 stellv. Dir. des Kommunalen Wirtschaftsunternehmens Jüterbog; 1950/51 Krs.-Rat in Luckenwalde; 1951 – 53 HA-Ltr. in der CDU-Parteiltg.; 1952 – März 1990 Abg. der Volkskammer; 1955 – 58 Vors. der CDU-Fraktion; ab 1971 stellv. Vors. des Aussch. für Nat. Verteidigung; 1954 – 89 Mitgl. des CDU-Hauptvorst., seit 1956 auch seines Präs.; 1954 – 58 stellv. Gen.-Sekr.; ab 1966 stellv. Vors. der CDU; 1958 – 71 stellv. Vors. des Min.-Rats (Nachf. von  Otto Nuschke) u. Min. für Gesundheitswesen (Nachf. von  Luitpold Steidle); ab Gründung 1961 Präs. der Dt.-Südostasiat. Ges.; 1961 – 90 Vizepräs. der Liga für Völkerfreundschaft der DDR; 1964 u. 1978 VVO; Stern der Völkerfreundschaft u. Großer Stern der Völkerfreundschaft; seit 1965 Vors. des Vietnamaussch. beim Afro-Asiat. Solidaritätskomitee (später: Solidaritätskomitee der DDR); 1971 Ruhestand.Vietnam 1945 – 70. Berlin 1971 (zus. mit D. Weidemann u. R. Wunsche).Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Seibert, Rosemarie

* 2.7.1931

Geb. in Gotha; Vater Landmaschinenschlosser; Grund- u. Oberschule; 1946 – 51 Lehre u. Arbeit als Industriekaufm.; 1947 FDJ; 1950 – 53 Ltr. der Abt. Ferien u. Wandern bzw. Instrukteurin der FDJ-LL Thüringen, 1953 – 59 2. Sekr. bzw. 1. Sekr. der FDJ-KL Weimar-Stadt; Fernstudium Unterstufenlehrerin; 1955 SED; 1956 / 57 Stud. an der FDJ-Jugendhochschule; 1959 – 62 Ass. bzw. Lehrerin an der SED-BPS »Rosa Luxemburg« Erfurt; 1962 – 65 Stud. an der PHS der SED, Dipl.-Gesellschaftswiss.; 1965 – 68 Lehrerin bzw. stellv. Ltr. eines Lehrstuhls an der BPS »Rosa Luxemburg« Erfurt; 1968 / 69 2. Sekr. der SED-Stadtbezirksltg. Erfurt-Nord; 1970 – 82 2. Sekr. der SED-Stadtltg. Erfurt; 1981 Banner der Arbeit; 1982 – 27.11.1989 OB von Erfurt (Nachf. von  Heinz Scheinpflug).Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Seidel, Helmut

* 21.6.1929 – ✝ 27.7.2007

Geb. in Welkersdorf (Krs. Löwenberg, Schles./ Rząsiny, Polen); Vater Zimmermann; 1943 Abschl. der Grundschule; dann Verw.-Lehre; 1946 Umsiedl. nach Leipzig; ab 1947 Verw.-Angest. beim Rat der Stadt Leipzig; 1948 SED; 1951 Abitur an der ABF Leipzig; 1951 – 56 Studium der Philos. in Leipzig u. Moskau; anschl. Lehre u. Forschung am Inst. für Philos. der KMU Leipzig; 1961 Prom. mit einer Arbeit zur Geschichte der marxist. Philos. in Dtl. 1918 – 33; 1965 Habil. zum Thema »Philos. u. Wirklichkeit – Herausbildung u. Begründung der marxist. Philos.«; 1969 – 71 Dir. der Sekt. marxist.-leninist. Philos.; 1970 ord. Prof. für Geschichte der Philos. der KMU Leipzig. 1990 aus der Univ. ausgeschieden; Vorruhestand; gest. in Leipzig. H. S. löste in den 60er Jahren die philosoph. »Praxis-Diskussion« in der DDR aus, die von führenden DDR-Philosophen als »revisionist.« eingestuft wurde; 1977 war er Veranstalter einer Spinoza-Konferenz in Leipzig, später Hrsg. versch. Spinoza-Schriften.Marx’ ökon.-philosoph. Begründung des soz. Humanismus. Leipzig 1967; Von Thales bis Platon. Berlin 1980; Aristoteles u. der Ausgang der antiken Philos. Berlin 1984; Scholastik – Mystik – Renaissance – Philos. Berlin 1990; Baruch Spinoza. Hamburg 1994. Stölting, E.: Eine bes. Form des Revisionismus. Zum Praxis-Begriff H. S. In: Dtl. Archiv (1969) 1.Hans-Christoph Rauh

Wer war wer in DDR

Seifert, Werner

* 18.5.1920 – ✝ 29.9.2000

Geb. in Plauen (Vogtl.); Vater Arbeiter; 1934 –37 Ausbildung zum Gärtner; 1937 – 54 Gärtnergehilfe u. selbst. Gärtner; Wehrdienst, Wachtmstr. eines Artillerieregt. 1948 DBD; 1948 – 54 hauptamtl. Funktionär des DBD, zeitw. stellv. Vors. des Krs.-Vorst. Zwickau; Abt.-Ltr. im DBD-Bez.-Vorst. Karl-Marx-Stadt; 1949 – 54 Abg. des Krs.-Tags Zwickau; 1954 – 71 Abg. des Bez.-Tags Karl-Marx-Stadt; 1959/60 Studium am Inst. für Ausbildung von Funktionären für die soz. Landw. in Schwerin, staatl. gepr. Landwirt; 1959 Sekr., 1962 stellv. Vors., 1965 – 87 1. Vors. des DBD-Bez.-Vorst. Karl-Marx-Stadt; 1968 – 87 Mitgl. des DBD-PV; 1980 – 87 Mitgl. des Präs.; 1971 – 86 Abg. der Volkskammer; 1971 – 76 Mitgl. des Aussch. für Ausw. Angelegenh.; 1976 – 81 stellv. Vors. des Geschäftsordnungsaussch.; 1981 – 86 stellv. Vors. des Aussch. für Ausw. Angelegenh.; 1979 – 86 Mitgl. des Staatsrats der DDR (Nachf. von  Willi Grandetzka); 1980 VVO; 1986/87 aus gesundheitl. Gründen von seinen Funktionen zurückgetreten.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Seiler, Heinz

* 23.4.1920 – ✝ 15.9.2002

Geb. Fraureuth (Thür.); Vater Gastwirt; Volksschule, Lehre als Landmaschinenschlosser; Leichtathlet u. Handballspieler in Fraureuth; Kriegsdienst, Mitgl. im LSV Schweinfurt (1943 im Finale um die Dt. Feldhandballmeisterschaft gegen SV Polizei Hamburg 6:12); Fronteinsatz (Verwundung), 1945 Kriegsgef. 1946 – 56 Handballspieler bei SG Stahl bzw. BSG Motor Fraureuth; Trainer der Frauenmannschaft der SG bzw. BSG Schuhmetro Weißenfels; 1948 Dir. der Sportschule des DS in Bad Blankenburg; Berufung in die Thüringen-Landesauswahl; 1950 – 52 Mitgl. der Handball-Nationalmannschaft (3 Länderspiele, 1 Tor); 1953 – 76 Trainer der DDR-Handballnationalmannschaft der Männer; Fernstudium an der DHfK Leipzig, Dipl.-Sportlehrer; 1957 Wechsel nach Berlin; 1958 Co-Trainer der gesamtdt. WM-Auswahl im Hallenhandball (3. Pl.) u. 1963 im Feldhandball (Weltmeister); Trainer der DDR-Nationalmannschaften 1963 (Weltmeister im Feldhandball) sowie 1970 u. 1974 (Vizeweltmeister im Hallenhandball); 1977 – 85 Cheftrainer des Dt. Handball-Verb. (DHV); 1975 Mitgl. des Rats der Internat. Handball-Föderation (IHF), 1980 – 88 Präs. der Entwicklungskommission; danach Ehrenmitgl. der IHF; Verdienter Meister des Sports, VVO; gest. in Berlin.Volker Kluge

Wer war wer in DDR

Seitz, Christoph

* 20.11.1914 – ✝ 14.7.1985

Geb. in München; Vater Arbeiter; Volksschule, Lehre u. Arbeit als Metallarb. u. Gürtler; 1932 KJVD; 1934 – 37 Saisonarb., Hilfsarb.; 1937 RAD, Wehrmacht, Desertion, 1942 – 45 sowj. Kriegsgef., Antifaschule, Angeh. des NKFD, Frontbevollmächtigter. 1945 KPD, 1946 SED; Mai – Nov. 1945 OB von Rostock (Nachf. von Walter Volgmann), Dez. 1945 – Dez. 1949 OB von Schwerin (Nachf. von  Erich Wiesner); ab Dez. 1949 Mitarb. im MfAA, 1952 – 56 Missionsrat in Prag u. Geschäftsträger bzw. Botschaftsrat an der DDR-Botschaft in Moskau; 1956 / 57 Stud. an der PHS der SED; 1957 – 60 Sekr. der SED-BPO im MfAA; 1959 VVO; April 1960 Ernennung zum Botschafter u. Einsatz zunächst als kommissar. Ltr., Sept. 1960 Bestätigung als Ltr. der 1. Europäischen Abt. im MfAA; Ende 1960 als Botschafter der DDR in der VR Albanien vorgesehen, aber nicht eingesetzt; Jan. 1961 Flucht in die Bundesrep. Dtl.; gest. in Mühldorf am Inn.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Selbmann, Fritz

* 29.9.1899 – ✝ 26.1.1975

Geboren am 29. September 1899 in Lauterbach/Hessen, Sohn eines Kupferschmieds; Bergmann. Ab 1917 Soldat in Frankreich und Belgien, Ende 1918 im Soldatenrat seiner Batterie, arbeitete dann im Arbeiter- und Soldatenrat in Naumburg und gehörte bis zum Frühjahr 1920 dem Grenzschutz West an. Selbmann wurde 1920 wieder Bergmann, Mitglied der USPD, blieb auch nach der Vereinigung des linken Flügels mit der KPD in der Rest-USPD. 1922 trat er der KPD bei, wurde zwei Jahre später Orgleiter in Bottrop und ab April 1925 Gauführer des RFB im Ruhrgebiet. Mitglied der RFB-Bundesführung und der KPD-BL Ruhrgebiet, stand auf dem linken Flügel der Partei, war 1925 bei den Ultralinken, dann schwenkte er zu Ernst Thälmann über. 1927 kritisierte Selbmann die Absicht des ZK, Rechte und Versöhnler zur Mitarbeit heranzuziehen. Er reiste Ende 1928 nach Moskau, dort unter dem Decknamen Skowronek bis Juli 1929 Kursant an der Internationalen Leninschule. 1929/30 Gewerkschaftssekretär der BL Ruhrgebiet und Redakteur des »Ruhr-Echos«, Abgeordneter im Rheinischen Provinziallandtag. Ab Mai 1930 Polleiter in Oberschlesien, kam als Nachrücker in den Preußischen Landtag, in dem Selbmann bis 1932 blieb. Anfang 1931 Polleiter des neuen KPD-Bezirks Sachsen, des nach Berlin zweitgrößten Parteibezirks, im Juli 1932 im Wahlkreis Leipzig in den Reichstag gewählt. Am 7. Februar 1933 nahm Selbmann an der Funktionärstagung in Ziegenhals teil, wurde am 11. April 1933 festgenommen. Nach zweieinhalb Jahren Untersuchungshaft am 4. November 1935 vom VGH zu sieben Jahren Zuchthaus verurteilt, saß er bis Mai 1940 in Waldheim, anschließend im KZ Sachsenhausen, ab November 1942 im KZ Flossenbürg. Ende April 1945 gelang ihm auf dem »Todesmarsch« die Flucht aus dem KZ Dachau. Selbmann gehörte 1945 dem Sekretariat der KPD Leipzig an und wurde im August 1945 Präsident des Landesarbeitsamtes, dann im September 1945 Vizepräsident der Landesverwaltung Sachsen, war ab Dezember 1946 Minister für Wirtschaft in der Landesregierung Sachsen; 1948/49 stellvertretender Vorsitzender der DWK und im Oktober 1949 DDR-Minister für Industrie. Von 1954 bis 1958 Mitglied des ZK der SED, auf der ZK-Tagung im Februar 1958 wurde Selbmann von Walter Ulbricht und Erich Honecker wegen »Managertums« angegriffen und im März 1959 zur Selbstkritik genötigt. Seit 1961 Schriftsteller, in der DDR erschienen u. a. »Die lange Nacht« (1961), »Alternative, Bilanz, Credo. Versuch einer Selbstdarstellung« (1969). Von 1969 bis 1975 Vizepräsident des DDR-Schriftstellerverbandes, er erhielt 1969 den Karl-Marx-Orden und für sein literarisches Schaffen den Nationalpreis II. Klasse. Fritz Selbmann starb am 26.Januar 1975 in Ost-Berlin. Selbmanns Sohn Erich (* 2. 9. 1926) studierte bis 1948 Zeitungswissenschaften, war von 1948 bis 1952 Redakteur, dann 1953 Chefredakteur des Deutschlandsenders, ab 1958 Intendant des Berliner Rundfunks. 1966 Chefredakteur der Hauptnachrichtensendung »Aktuelle Kamera« und von 1978 bis 1989 Stellvertreter des Vorsitzenden des Staatlichen Komitees für Fernsehen und Leiter des Bereichs Dramatische Kunst.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Schwarz, Otto

* 28.4.1900 – ✝ 7.4.1983

Geb. in Weimar als zehntes Kind eines Tisch- lermstr.; Bürgerschule u. Realgymnasium Weimar, 1918 Abitur; anschl. Militärdienst; 1919 – 20 Studium der Naturwiss., insbes. Chemie u. Botanik an der Univ. Jena; 1920 – 26 Mitarbeit in der väterl. Firma als Ltr. der Kunst- u. Antiquitätenabt.; daneben Privatstudien am Herbarium Haussknecht in Weimar; Freundschaft mit  Werner Rothmaler bei den »Wandervögeln« u. in der SAJ; Soz. Studentenbund; 1926 KPD; 1926 – 27 Studium der Botanik an der Univ. Berlin u. wiss. Hilfsarb. am Botan. Museum; 1928 Dr. phil.; 1927 – 28 Vors. des Thüring. Botan. Vereins; 1929 – 31 Assistent an der Biolog. Reichsanstalt für Land- u. Forstw. Berlin-Dahlem; 1931 – 34 Ltr. der Abt. für Pflanzenkrankheiten des Landw. Inst. in Burnova bei Izmir (Türkei); 1934 aus pol. Gründen Verwehrung der Rückkehr an die Biolog. Reichsanstalt sowie einer Anstel- lung am Botan. Museum; Stipendiat u. freier Mitarb. am Botan. Museum Berlin-Dahlem; 1939 – 44 Wehrmacht; 1943 – 46 Ltr. der Systemat. Abt. des Kaiser-Wilhelm-Inst. für Kulturpflanzenforschung Wien, das 1945 nach Stecklenberg (Ostharz) u. Gatersleben verlagert wird. 1946 Konservator des Herbariums Haussknecht in Weimar, in dieser Funktion zugl. Assistent am Botan. Inst. der FSU Jena; 1946 a. o. Prof. für Botanik, 1948 – 65 Prof. mit Lehrstuhl für Spezielle Botanik u. Dir. des Botan. Gartens; 1949 – 65 Dir. des neu gegr. Inst. für Spezielle Botanik der FSU; 1949 – 50 Überführung des Herbariums Haussknecht von Weimar nach Jena; 1948 – 51 (Nachf. von Friedrich Hund) u. 1958 – 62 Rektor der FSU Jena (Nachf. von Josef Hämel); 1965 em.; 1965 – 66 kommissar. Dir. aller botan. Einrichtungen der FSU; 1947 – 67 Vorsitzender, dann Ehrenvorsitzender der Thüring. Botan. Ges.; 1957 – 64 Vorsitzender des Wiss. Beirats für Biol. beim Staatssekr. für HFS-Wesen; 1957 Gründungsinitiator u. 1959 – 63 erster Präs. der Biolog. Ges. in der DDR; 1965 VVO; KMO; 1970 Dr. h. c. der FSU Jena; gest. in Jena. Hauptarbeitsgebiete: Taxonomie, Geobotanik, Phylogenetik u. Phytopathol.; führender Vertreter der thüring. u. mediterranen Floristik; entwickelte Jena zu einem Zentrum der Systemat. Botanik in der DDR; Verfechter einer autonomen Fachvertr. der Biologen in der DDR.Monographie der Eichen Europas und des Mittelmeergebietes. Berlin 1936 – 39; Phytochorologie als Wissenschaft, am Beispiel der vorderasiatischen Flora. Berlin 1938; Thür., Kreuzweg der Blumen. Eine kleine Pflanzengeogr. Jena 1952, 2. Aufl. 1954; Schriftenverz. (zusammengestellt v. H. Manitz u. H. Dietrich). In: Wiss. Ztschr. der FSU Jena, math.-naturwiss. Reihe (1983) 32. Klotz, G.: 40 Jahre Spez. Botanik an der FSU in Jena. In: Beiträge zur Phytotaxonomie (1992) 15; Casper, S. J. (Hrsg.): Herbarium Haussknecht. Weimar 1896 – Jena 1996. Geschichte u. Gegenwart. Jena 1996; Nachrufe: Klotz, G. In: Mitteilungen der Biolog. Ges. der DDR (1983) 2; Meyer, F. K. In: Haussknechtia (1985) 2.Ekkehard Höxtermann

Wer war wer in DDR

Schweinebraden Freiherr von Wichmann-Eichhorn, Jürgen

* 15.3.1938

Geb. in Dresden; Vater 1943 durch Kriegsverletzung gest., Mutter Damenschneiderin; 1959/ 60 Ausbildung als Kfz-Schlosser; 1960 – 65 Studium der Psychol. in Dresden; 1970 – 72 Studium der Industriesoziol. in Berlin; Arbeit im Dt. Hygiene-Museum sowie in der Psychiatrie der Med. Akad. Dresden; ferner beim Staatl. Komitee für Rundfunk u. Fernsehen der DDR u. im Wiss.-techn. Zentrum für Arbeitsschutz u. – hygiene; zul. tätig als Ltr. einer Ehe-, Familien- u. Sexualberatungsstelle in Berlin-Treptow; Lehrtätigkeit an der Akad. für ärztl. Fortbildung u. an der Ing.-HS für Bauwesen Berlin; 1974 Gründung der Wohn- u. Alternativgalerie »EP Galerie Jürgen Schweinebraden« in der Berliner Dunckerstr.; erste Ausstellung »In Memoriam Pablo Picasso« mit ca. 30 Künstlern aus der DDR im April 1974; bis 1980 insges. 70 Ausstellungen u. 50 Musikveranstaltungen; machte vor allem neue Kunstformen (Mai Art, Konzept Kunst, Performance, Video u. a.) aus Westeuropa u. Westdtl. bekannt; Ausstellungen von Michelangelo Pistoletto, Marcel Odenbach, Josef Erben, Bernhard u. Hilla Becher, Wolf Kahlen, Equipo Crónica, Raffael Rheinsberg; Präsentationen weiterhin von Hans Brosch, Robert Fillou, Rolf Händler, Peter Kaiser, Peter Muschter, Karlheinz Schäfer, Ralf Winkler ( A. R. Penck) u. a.; mit seiner Galerie schuf J. S. das Modell für die Gründung von über 30 Wohn- u. Alternativgalerien in Berlin, Dresden, Erfurt, Magdeburg, Karl-Marx-Stadt u. Leipzig, die maßgebl. zur Schaffung einer künstler. Gegenöffentlichkeit in der DDR beitrugen; 1979 Ordnungsstrafverfahren; 1980 Verurteilung wegen »Herstellung illeg. Druckerzeugnisse«; Nov. 1980 Übersiedl. in die Bundesrep. Dtl.; 1982 – 86 wiss. Mitarb. an der Nat.-Galerie Berlin (West); 1986 – 88 Stellv. des künstler. Ltr. der documenta 8 in Kassel; 1989 – 92 Dir. des Kunstvereins Hamburg; seither freiberufl. Galerist, Publizist, Verleger u. Kurator in Niedenstein (b. Kassel).Hrsg. zahlr. Künstlerbücher, Mappenwerke u. Postkarteneditionen, u. a. »Grafik in der DDR« (fünf Mappen 1975 – 80), »A. R. Penck« (1980); zahlr. Kat. u. Aufsätze zur zeitgenöss. Kunst; Vorfreude ist die schönste Freude. Niedenstein 1995; Das Sisyphos-Syndrom. Niedenstein 1995; Die Gegenwart der Vergangenheit. 2 Bde. Niedenstein 1998. Feist, G., Gillen, E. (Hrsg.): Kunstkombinat DDR. Berlin 1990; Interferenzen. Kunst aus Westberlin 1960 – 90. Berlin 1991; Ausgebürgert – Künstler aus der DDR 1949 – 1989. Berlin 1990 (Hrsg. W. Schmidt).Klaus Michael

Wer war wer in DDR

Schwenk, Wolfgang

* 13.2.1933

Geb. in Staßfurt in einer Arbeiterfamilie; Maschinenschlosser; kam über Freizeitsport u. Laienartistik zum neuen Beruf; seit 1959 zuerst mit seiner Schwester, dann mit Ehe- frau Ursula S. Luftdarbietung »Geschwister Schwenk« (Zahnkraftakrobatik), eine der besten dieser Art, u. a. mit dem schwierigen »Aldonwirbel«; Auftritte in vielen Ländern Europas, Asiens, Afrikas u. in Australien; 1978 »Preis von Monaco« beim 5. Internat. Circusfestival in Monte Carlo; ab 1984 Mitgl., ab 1988 Vizepräs. des Komitees für Unterhaltungskunst u. bis zur Auflösung 1990 Vors. der Sekt. Artistik; VVO.Unterhaltungskunst A– Z. Berlin 1975.Dietmar Winkler

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Schwimmer, Max

* 9.12.1895 – ✝ 12.3.1960

Geb. in Leipzig; 1910 – 16 Lehrerseminar Leipzig-Connewitz; 1920 – 23 Studium der Philos. u. Kunstgeschichte an der Univ. Leipzig; 1924 Teiln. am Sommerkurs auf Ischia bei Hans Purrmann; 1926 – 33 Lehrer an der Kunstgewerbeschule Leipzig; 1933 Entlassung aus dem Lehramt; zeitw. Ausstellungsverbot. 1945 KPD; 1946 Dir. der Leipziger Kunstgewerbeschule; 1946 – 50 Prof. an der HS für Grafik u. Buchkunst Leipzig; 1951 – 60 an der HS für bildende Künste Dresden; 1952 DAK; dort 1956 – 58 Sekr. der Sekt. Bildende Künste; 1956 NP; zahlr. Buchillustr. u. a. zu Honoré de Balzac, Beaumarchais, Theodor Fontane, Johann W. v. Goethe, Heinrich Heine, Guy de Maupassant, Alexander Puschkin, Jean-Arthur Rimbaud, William Shakespeare, Kurt Tucholsky; Der Friede verjüngt den Menschen (Lithogr. 1949), Demonstration in Paris (Gemälde 1950), Radierungen.Kat. M. S. DAK Berlin 1965; Kat. M. S. Das graf. Werk. Museum der bild. Künste Leipzig, AdK 1975 (Wiss. Bearb. M. George); George, M.: M. S. Leben u. Werk. Dresden 1981.Anke Scharnhorst

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Seelig, Marion

* 3.1.1953 – ✝ 12.3.2013

Geb. in Berlin; Vater Zimmermann, Mutter Sachbearb.; 1971 Abitur; zum Studium der Journalistik nicht zugelassen, da der Vater seit 1961 in Berlin (West) lebte; 1971 – 74 Volontärin bzw. red. Mitarb. bei der »Berliner Ztg.«; anschl. bis 1975 Red. im Berliner Haus für Kulturarbeit; seitdem freiberufl. Autorin, Hörspiele für den DDR-Rundfunk (»Eisenhand, 1986, »Die Frühlingsgeige«, 1988, »Prinzessin Tausendschön u. die Südseeinsel Taka-Tuka«, 1990) u. den SFB (»Landaufenthalte, 1988, »Zwischen den Grenzen wohnen die Dichter«, 1989) sowie Erzählungen u. Gedichte; ab 1978 Mitinitiatorin regelm. »Kinderseminare« bei der ev. Kirche; 1982 Mitunterz. der Eingabe der Gruppe »Frauen für den Frieden« gegen das neue Wehrdienstgesetz (Einberufung von Frauen bei Mobilmachung); 1983 Friedensarbeit in der Berliner Zionsgemeinde u. Gründung der internat. orientierten Zwei-Drittel-Welt-Kindergr. »Banana«; Teiln. an Friedensdekaden u. -seminaren; 1986 Mitorganisatorin des ersten Menschenrechtsseminars (Berlin-Friedrichsfelde) u. Mitgl. der opp. Gruppe »Gegenstimmen«; seit 1987 Mitarb. in der »Kirche von unten«; organisierte 1988/89 in der Gruppe »Konkrete Solidarität« Mahnwachen, Protestgottesdienste u. Spendensammlungen für verfolgte Personen, u. a. nach den Übergriffen auf die Umweltbibliothek, den Verhaftungen bei der Liebknecht-Luxemburg-Demonstration u. der Relegierung von Schülern der Carl-von-Ossietzky-EOS; Okt. 1989 Mitbegr. der Vereinigten Linken (VL); Sprecherin u. ab Dez. 1989 Vertreterin der VL am Zentr. Runden Tisch. Seit 1990 MdA Berlin (zunächst auf der offenen Liste der PDS) u. innenpol. Sprecherin der Fraktion der PDS bzw. Linkspartei; 1999 anläßl. des Kosovo-Kriegs Eintritt in die PDS, seit 2002 stellv. Fraktionsvors. u. bis 2006 Vors. des Untersuchungsaussch. Datenschutz des Berliner Abgeordnetenhauses; gest. in Berlin.Silvia Müller

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Segal, Jakob

* 17.4.1911 – ✝ 30.9.1995

Geb. in St. Petersburg; Vater Kfm.; 1919 Übersiedl. nach Königsberg; Biologiestudium in Königsberg, Berlin u. München; Mitarb. im Roten Studentenbund u. in der KPD; 1933 Emigr. nach Frankreich u. Abschl. des Studiums in Toulouse, Licence; 1936 Übersiedl. nach Paris; durch Dtl.-Reisen (mit Ehefrau Lilli S.) in ständ. Kontakt mit dortigen antifa. Widerstandsgr.; Mitarb. am Sinnesphysiolog. Laboratorium des Collège de France; 1940 Prom. an d. Sorbonne z. Docteur des Sciences, Unterbrechung der wiss. Arb. durch die dt. Okkupation; Teiln. am Widerstand in der internat. Kampfgr. MOI u. im Komitee Freies Dtl., Zusammenarb. mit einer bayr. kath. Gruppe; 1944 Rückkehr zur wiss. Arbeit; Forschungsauftrag des Forschungszentrums CNRS. 1953 Berufung an die HU Berlin; Prof.; Gründer des Inst. für Allg. Biol., Hauptarbeitsgebiet: Struktur der Eiweiße u. ihre Rolle in elementaren Zellfunktionen; erste Kurse für Strahlenbiol.; drei Jahre Lehrtätigkeit in Kuba, drei Semester in Mexiko; nach der Em. 1973 weitere Forsch. zur Anwend. der Biophysik auf die Med., zum Mechanismus der Immunreaktionen, zum Wirkmechanismus der Therapie durch Ultraviolettbestrahlung des Bluts, zul. zu Pathol. u. Therapie von AIDS; zahlr. Veröff. in Fachztschr., 14 Monogr. (z. T. mit Lilli S.), auch populärwiss. Bücher; gest. in Berlin.AIDS. Die Spur führt ins Pentagon. Essen 1990. L. S.: Vom Widerspruch zum Widerstand. Biogr. Berlin 1986.Annette Vogt

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Seibt, Kurt

* 13.2.1908 – ✝ 21.6.2002

Geb. in Berlin; Vater Glasschleifer, Pflegevater Arbeiter, Mutter Arbeiterin; Volksschule; drei Abendsemester Höhere Techn. Lehranstalt für Hoch- u. Tiefbau; 1922 – 26 Ausbildung zum Metalldrücker in Berlin-Oberschöneweide; 1926 – 33 Tiefbauarb., Steinsetzer; zeitweilig arbeitslos; 1922 SAJ; 1924 KJVD; DMV; 1924 – 26 Branchenjugendltr. im DMV Berlin; 1927 – 30 1. Sekr. des KJVD-UB Berlin-Kreuzberg; 1930 – 31 Landesjugendltr. der Roten Sporteinheit Brandenb. u. Mitgl. der KJVD-BL; 1932 KPD; Mitgl. der BL Berlin-Brandenb.; 1934 – 39 Bühnenarb. u. Theatermstr. am Dt. Theater Berlin; Mitgl. der illeg. Parteiltg. der KPD in Bohnsdorf unter Ltg. von Willy Gall; 8.12.1939 in Berlin verhaftet, U-Haft in Berlin-Moabit, Febr. 1941 vom VGH wegen »Zersetzung der dt. Wehrkraft u. Vorber. zum Hochverrat« zu lebenslängl. Zuchthaus verurteilt, bis 1945 Häftling im Zuchthaus Brandenb.-Görden. 1945/46 1. Sekr. der KL Brandenb. u. Mitgl. des Landesvorst. Brandenb. der KPD; 1945/46 Vors. des Landesorg.-Büros der Konsumgenossenschaften; 1946 – 52 Sekr. der LL Brandenb. der SED; 1946 – 48 Aufsichsratsvors. des Konsumverb. Brandenb.; 1947 – 52 Abg. des Brandenb. Landtags, 1950 – 52 Fraktionsvors.; 1952 – 56 u. 1957 – 64 1. Sekr. der SED-BL Potsdam (Nachf. von Eduard Goetzel); dazw. Studium an der PHS der KPdSU in Moskau; 1950 – 54 Kand., 1954 – 89 Mitgl. des ZK der SED; 1953 – 89 Abg. der Volkskammer, 1954 – 63 Vors. ihres Wahlprüfungsaussch.; 1964 – 66 Min. für Anleitung u. Kontrolle der Bez.- u. Krs.-Räte; Mitgl. des Präs. des Min.-Rats; 1965 VVO; 1966/67 Sekr. des Komitees der Antifa. Widerstandskämpfer; 1967 – 89 Vors. der ZRK der SED (Nachf. von  Fritz Gäbler); 1968 u. 1988 KMO; 1973 Ehrenspange zum VVO; 1976 – 89 Vors. des Solidaritätskomitees der DDR (Nachf. von  Heinz Schmidt); 1978 Stern der Völkerfreundschaft; 1983 Großer Stern der Völkerfreundschaft; ab Jan. 1990 Rentner; gest. in Zeuthen (b. Berlin).Internat. Solidarität. Berlin 1978; Die Aufgaben u. die Arbeitsweise der Revisionskommissionen der SED. Berlin 1987.Elke Reuter / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Seidel, Karl

* 18.12.1930

Geb. in Nürnberg; Vater kfm. Angest., Stiefvater Arzt; 1937 – 49 Volks- u. Oberschule; 1947 SED; 1949/50 Vorstudienkrankenpfleger; 1950 – 56 Med.-Studium, Prom.; 1956 Assistent; Jan. 1961 – Aug. 1963 Oberarzt u. Ltr. der neurolog. Abt. der Neurolog.-Psychiatr. Klinik der KMU Leipzig; 1963 – 70 1. Oberarzt an der Med. Akad. Dresden; 1967 Habil.; 1968 Berufung zum Doz. für Psychiatrie u. Neurol. u. kommissar. Prorektor für Studienangelegenh. der Med. Akad. Dresden; 1971 – 78 Dir. der Nervenklinik der Charité Berlin (Nachf. von Karl Leonhard); Prof. für Psychiatrie u. Neurol. der HU Berlin; 1977 Ord. Mitgl. der AdW; 1974 VVO; 1978 NP; 1978 – 81 stellv. Ltr. u. 1981 – 89 Ltr. der Abt. Gesundheitspol. im ZK der SED (Nachf. von  Werner Hering); 1980 Mitgl. des Rats für Med. Forschungen; 1986 – Dez. 1989 Mitgl. des ZK der SED. 1990 Niederlassung als Neurologe u. Psychiater in Berlin; lebt in Berlin.Elke Reuter / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Seifert, Willi

* 1.10.1915 – ✝ 30.1.1986

Geb. in Plauen (Vogtl.); Vater Bauarbeiter; 1922 – 30 Volksschule; 1928 – 32 Ausbildung zum Maurer; 1930 KPD; 1934 U-Haft in Sachsenburg, 1935 – 38 Zuchthaus Waldheim, dann bis April 1945 KZ Buchenwald. Juli – Okt. 1945 Stadtkämmerer in Plauen; danach stellv. Chef der Landesbehörde der Polizei im Land Sachsen; von der Gründung der DVdI bis 1948 einer der drei Vizepräs.; 1949 – 56 stellv. Chef der DVP, Gen.-Inspekteur; 1950 – 53 Fernstudium an der PHS, Dipl.-Ges.-Wiss.; 1957 – 83 Stellv. des Ministers des Innern; Ltr. der Hauptinspektion später des Hauptstabs (Nachf. von Horst Ende), verantw. u. a. für die Ausbildung der VP-Bereitschaften (Wehrersatzdienst) u. der Kampfgr. der Arbeiterkl., Gen.-Ltn.; Aug. 1961 als Mitgl. des Stabs des Nat. Verteidigungsrats operativ verantw. für den Bau der Berliner Mauer; 1975 KMO; 1983 Ruhestand.Lindenberger, Th.: Volkspolizei. Köln 2003.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Seipel, Richard

* 20.1.1901 – ✝ 19.12.1936

Geboren am 20. Januar 1901 in Wasserlos (jetzt Alzenau)/Krs. Aschaffenburg; wie sein Vater Fabrikarbeiter. Als Mitglied der KPD und des RFB nahm er im März 1926 an der 3.Reichskonferenz des RFB in Halle teil, war seit Juli 1926 Leiter des RFB Gau Mittelrhein und gehörte der Bundesführung sowie dem Sekretariat der KPD-BL Mittelrhein an. Nach dem RFB-Verbot im Mai 1929 leitete er unter dem Decknamen Erich Lenzner den illegalen RFB-Landesverband Südwest mit Sitz in Mannheim. Ende 1929 wurde Seipel im Impressum der »Sozialistischen Republik« geführt, wegen eines Artikels im Sommer 1930 vom Reichsgericht in Leipzig wegen »Vorbereitung zum Hochverrat« zu einer 15monatigen Festungshaft verurteilt. Er übernahm Ende 1931 die Polleitung des illegalen RFB in Leipzig, war 1932 Teilnehmer des Amsterdamer Weltkongresses gegen den Krieg. Seipel wurde im April 1933 in Plauen im Vogtland verhaftet und 1934 vom OLG Dresden zu anderthalb Jahren Zuchthaus verurteilt. Anfang 1936 emigrierte er in die âSR, war dort einige Zeit Leiter der KPD-Emigration in Mährisch-Ostrau. Ende 1936 in Spanien als Angehöriger der Internationalen Brigaden Mitglied des »Thälmann-Bataillons«. Am 19.Dezember 1936 ist Richard Seipel bei Boadilla del Monte gefallen.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Seiwert, Franz Wilhelm

* 9.3.1894 – ✝ 3.7.1933

(* 1894 – † 1933) Geboren am 9. März 1894 in Köln, im bäuerlichen Elternhaus katholisch erzogen. Er litt seit dem 7. Lebensjahr an einer unheilbaren Röntgenverbrennung und war schon vor dem Ersten Weltkrieg als bildender Künstler tätig, schuf Holzschnitte, Aquarelle und Plastiken, später auch Ölbilder. Während des Krieges kam er mit Revolutionären in Verbindung, schloß sich der »Antinationalen Sozialistenpartei« von Franz Pfemfert an und ging 1920 zur KAPD. Er war 1919/20 mit Ret Marut verbunden, der seit seiner Flucht nach Mexiko als B. Traven weltberühmt wurde, und beide veröffentlichten im »Ziegelbrenner« gemeinsame Arbeiten. Vor allem in der »Aktion« erschienen Seiwerts Grafiken, aber auch Artikel, zwischen 1919 und 1923 schrieb er wichtige revolutionstheoretische Aufsätze. Mit Otto Rühle, Franz Pfemfert und James Broh schloß er sich der AAU-Einheitsorganisation (AAU [E]) an, in der er als radikaler Gegner der Weimarer Republik führend aktiv blieb. Seine sporadische Mitarbeit in der IAH 1923 sowie 1925/26 einige Artikel im Kölner KPD-Organ »Sozialistische Republik« (darunter einer seiner typischen Holzschnitte als Aufmacher der Zeitung zum 1. Mai 1925) bedeuteten keine Abwendung vom Linksradikalismus, sondern waren ein Versuch, politisch Einfluß zu nehmen. Seiwert gehörte zu den frühen linksradikalen Kritikern des Bolschewismus, wobei er sich als Kommunist verstand. Als ein sehr bekannter Künstler blieb er der »Aktion« und Pfemfert mit Beiträgen treu. Das Blatt druckte von ihm (neben Conrad Felixmüller, Rüdiger Berlit, Heinrich Hoerle oder Karl Holtz) auch Titel-Holzschnitte, z. B. im November 1922 »Klassenkampf« oder im Juni 1924 »Ein deutsches Stilleben« (mit einem Hakenkreuz-Stahlhelm). 1926 erschien von ihm ein »Rundbrief« an die »Genossen der AAU (E)«. Ab Oktober 1929 gab er in Köln mit Hoerle als »Organ der Gruppe progressiver Künstler« die Zeitschrift »a bis z« heraus. Unter seiner alleinigen Redaktion brachte die letzte Nummer vom Februar 1933 seinen prophetischen Holzschnitt »8000 Gefangene«. Franz W. Seiwert blieben Verfolgungen in der Nazi-Diktatur erspart, da er schwerkrank bereits am 3. Juli 1933 starb. In »Geschichte im Westen« schrieb Riccardo Bavaj 2007 den Artikel »Der Künstler Franz W. Seiwert und sein Kampf gegen den Weimarer Staat«.

Wer war wer in DDR

Selbmann, Käte

* 17.2.1906 – ✝ 5.4.1962

Geb. in Berlin; Vater Eisenbahninspektor; Lyzeum, Staatl. Frauenschule in Droyßig u. Halle; Ausbildung zur staatl. geprüften Jugendltr.; Arbeit als Sachbearb. u. Sekr.; 1923 KJVD, 1929 KPD; 1929 – 31 Ltr. des städt. Kinderheims Leipzig, nach Beteiligung an einer Erwerbslosendemonstration entlassen; 1933 illeg. Arbeit; März/April 1933 »Schutzhaft«; Arbeiterin in einer Kartonagenfabrik in Gotha; 1935 erneut inhaftiert u. vom OLG Dresden wegen »Vorber. zum Hochverrat« zu 14 Mon. Haft verurteilt, Haft in den Strafanstalten Leipzig u. Dresden, 1937 entlassen; danach erneut illeg. Arbeit; 1942 – 45 als Privatlehrerin tätig. 1945 Mitarb. in der KPD-UB-Ltg. Gotha; 1946 SED; Sekr. der Volkssolidarität in Leipzig; Ref. bzw. Sekr. der SED für den Bez. Westsachsen; anschl. Krs.-Sekr. der SED in Leipzig; 1947 DFD; zeitw. Sekr. des »Dt. Frauenrats«; ab 1948 2. Vors. des DFD-Landesvorst. Sachsen; Mitgl. des DFD-Bundesvorst.; Okt, 1948 persönl. Mitarb. im Büro von  Walter Ulbricht; 1949 – 52 Ltr. des Frauensekr. des SED-PV bzw. Ltr. der Abt. Frauen des ZK der SED (Nachf. von  Maria Weiterer); Nov. 1952 Entbindung von der Funktion wegen schwerer Krankheit; 1950 – 54 Kand. des ZK der SED u. Abg. der Volkskammer.Andreas Herbst