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BioLex

In der Kategorie BioLex finden Sie drei biografische Lexika mit über 5500 Personeneinträgen.

 

Das Handbuch "Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945" wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam. Kurzbiografien zu Personen des poltischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 vor. Zudem ist das Onlinlexikon www.dissidenten.eu komplett in dieser  Rubrik recherchierbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Inforamtionen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Schubert, Helga

* 7.1.1940

Geb. in Berlin; Vater Gerichtsassessor (1941 gefallen); Mutter Volkswirtin u. Bibliothekarin; 1957 Abitur, Nichtzulassung zum Jurastudium wegen christl.-bürgerl. Herkunft; 1957/ 58 Montiererin am Fließband; 1958 – 63 Studium der Psychol. in Berlin, Dipl.-Psych.; seit 1963 klin. Psychologin; 1973 – 77 Aspirantur im Bereich Psychotherapieforschung an der HU Berlin; Arbeit an einer Diss.; seit 1977 Ausbilderin in Gesprächstherapie; 1963 – 87 Mitarb. in einer Eheberatungsstelle; Schreibversuche seit 1960, erst Lyrik, dann vor allem Kurzprosa; seit 1977 freischaff. Schriftst. in Berlin u. Mecklenb.; SV; 1983 Heinrich-Greif-Preis; 1986 Heinrich-Mann-Preis; 1987 – 91 PEN-Zentrum DDR, dann PEN Bundesrep. Dtl.; zahlr. Bearbeitungen für Funk u. Fernsehen; verh. mit dem Psychologen, Maler u. Schriftst. Johannes Helm; beide haben die Beseitigung des Soz. u. die dt. Einheit vorbehaltlos begrüßt. 1989/90 Pressesprecherin des Zentralen Runden Tisches in Berlin; 1991 Dr. h. c. der Purdue-Univ. Hammond, USA; 1993 Hans-Fallada-Preis; lebt in Neu Meteln (b. Schwerin).Lauter Leben. Berlin 1986; Das verbotene Zimmer. Darmstadt 1988; Judasfrauen. Berlin 1990; Die Andersdenkende. München 1994; Das gesprungene Herz. München 1995; Spatzenflüge. Gera 1998; Die Welt da drinnen. Frankfurt (Main) 2003. Bigarelli, A.: Ethik u. Diskurs im weibl. Schreiben am Bspl. von H. S. Frankfurt (Main) 1998.Siegmar Faust

Wer war wer in DDR

Schuberth, Herbert

* 4.11.1920

Geb. in Jonsdorf (ČSR/Janov u Hřenska, Tschechien) in einer Arbeiterfam.; Volks- u. Berufsschule; Mitgl. des Arbeiterturnvereins u. der Soz. Jugend in der ČSR; Lehre u. Arbeit als Klempner u. Installateur; 1939 – 45 Wehrmacht, Kriegsverletzung (Verlust des rechten Arms). 1945 / 46 Arbeiter in einer Zuckerfabrik; 1945 / 46 KPD / SED; 1946 – 48 Instrukteur der SED-KL Delitzsch; 1948 Angest. im VP-Revier Landsberg; 1948 / 49 Geschäftsf. der CT Lichtspiele Landsberg; Febr. 1949 – Juni 1951 Bürgermstr. der Stadt Landsberg; Juli 1951 – Mai 1952 Bürgermstr. in Wettin; Vors. des Rats des Stadtbezirks II der Stadt Halle; 1952 – 55 Studium an der PHS der SED, Dipl.-Gesellschaftswiss.; 1955 – 57 OB von Halle (Nachf. von  Kurt Rosner).Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Schuder, Rosemarie

* 24.7.1928 – ✝ 5.5.2018

Geb. in Jena in einer großbürgerl. Fam.; Vater Schriftsteller u. Prof.; Lyzeum, 1947 Abitur; freie Mitarb. bei den Ztgn. »Tägl. Rundschau« u. »Neue Zeit«; 1947 Mitgl. des VDP; 1951 CDU; DSV; Mitgl. seines Präs.; 1958 Heinrich-Mann-Preis; debütierte nach einem Studienaufenthalt im Jenaer Glaswerk 1952 mit »Glas. Begegnungen im Volkseigenen Jenaer Glaswerk Schott & Gen.«; 1957 u. 1959 Studienreisen nach Italien; schrieb danach hauptsächl. hist. Romane, u. a. »Der Ketzer von Naumburg« (1955), »Hieronymus Bosch« (1975), »Serveto vor Pilatus« (1982); 1958 Heinrich-Mann-Preis; 1976 Lion-Feuchtwanger-Preis; 1978 Mitgl. des PEN-Zentrums DDR, dann des PEN-Zentrums Dtl.; 1969, 1978 u. 1988 NP; 1988 Goethe-Preis; März 1990 Austritt aus der CDU; seit 1958 verh. mit dem Publizisten  Rudolf Hirsch; Mitgl. der Dt. Schillerges.; gest. in Berlin.Paracelsus u. der Garten der Lüste. Berlin 1972; Agrippa oder das Schiff der Zufriedenen. Berlin 1977; Der gelbe Fleck: Wurzeln u. Wirkungen des Judenhasses in der dt. Geschichte. Berlin 1987 u. Die Bilder der Königin. Berlin 1990 (beide zus. mit R. Hirsch); Welt u. Traum des Hieronymus Bosch. Ein Diskurs. Berlin 1991; Boticelli. Berlin 1996; Nummer 58866 – Judenkönig (mit R. Hirsch). Berlin 1996; Hochverrat oder Seltsame Wege zu Ferdinand Freiligrath. Zürich 2001; Dt. Stiefmutterland. Teetz 2003; Der »Fremdling aus dem Osten«. Eduard Lasker – Jude, Liberaler, Gegenspieler Bismarcks. Potsdam 2009.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Schult, Jürgen

* 11.5.1960

Geb. in Neuhaus (Krs. Hagenow); begann als Fußballer u. Radsportler bei der SSG Traktor Neuhaus; 1974 – 76 KJS, 1976 – 79 Maschinen- u. Anlagenmonteur; 1979 – 85 Pädagogikstudium (Erzieher f. Jugendheime); 1986 – 94 Studium an der DHfK Leipzig (Dipl.-Sportlehrer); 1974 – 90 Diskuswerfer beim SC Traktor Schwerin; Spartakiade: 1975 Bronze, 1977 Silber; 1976 DDR-Jugendmstr.; 1979 Junioren-EM; 1983 – 90 DDR-Mstr.; 1984 Bronze bei den Wettkämpfen der Freundschaft; 1986 WR (74,08 m); 1987 WM; 1988 Olympiasieger; 1989 Weltcupsieger; 1990 EM; 1988 VVO. 1990 – 98 beim Schweriner SC, 1998 – 2000 beim SC Riesa (Trainer: Hermann Brandt, Thomas Schult); Dt. Mstr. 1991 – 94 u. 1999, Dt. Vizemstr. 1998 u. 2000; 1992 Olympia-Silber; 1993 u. 1997 WM-Bronze, 1994 EM-Bronze, 1998 EM-Silber; 1999 Vize-WM; 1991 – 93 Volontär der »Schweriner Volksztg.«; 1992 Silbernes Lorbeerblatt; 1994 – 97 stellv. Geschäftsf. des Schweriner SC; seit 2001 Bundestrainer Diskus; 2001 Rudolf-Harbig-Preis; lebt in Berlin.Volker Kluge

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schultz, Bruno Erich Willi

* 8.8.1897 – ✝ 23.10.1993

(* 1897 – † 1993) Geboren am 8. August 1897 in Berlin, Sohn eines Schlossers. Lernte Chemiegraph und arbeitete als Kaufmann. Seit 1911 in der Arbeiterjugend und im Verband der Lithographen organisiert, von 1916 bis 1918 Soldat. 1919 Mitglied der USPD, 1920 der KPD, eröffnete zusammen mit Richard Großkopf im Auftrag der Zentrale der KPD die Firma Schultz & Großkopf, Graphische Kunstanstalt in Berlin-Charlottenburg. Diese Druckerei arbeitete für den AM-Apparat und gehörte zur geheimen Paßfälscherwerkstatt der KPD. Schultz wurde am 28. April 1933 festgenommen und im Januar 1935 zu sieben Jahren Zuchthaus verurteilt, danach in das KZ Sachsenhausen überführt, aus dem ihn Ende April 1945 die Rote Armee befreite. Er wurde wieder Mitglied der KPD/SED und arbeitete zunächst im Parteiapparat, später im DDR-Ministerium für Außenhandel. Bruno Schultz starb am 23. Oktober 1993 in Berlin.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schulz, Hans (Johannes)

* 6.5.1904 – ✝ 12.4.1988

Geboren am 6. Mai 1904 in Zauche bei Lübben; nach der Präparandenanstalt Banklehre, dann Bankangestellter. Bereits 1923 erwerbslos, trat er der KPD bei. Hans Schulz war in erster Ehe mit Sonja Zörgiebel, der Tochter des sozialdemokratischen Polizeipräsidenten von Berlin verheiratet. Er wurde Angestellter der AOK in Halle, später hauptamtlich in der IAH-Zentrale in Berlin beschäftigt, dann Privatsekretär von Willi Münzenberg. 1931 vertrat er die IAH in Moskau, emigrierte im Februar 1933 nach Paris, blieb dort Angestellter Münzenbergs, beteiligt an der Publikation der Braunbücher. Zusammen mit Münzenberg löste er sich 1938 von der KPD und wurde Mitarbeiter von dessen Gruppe »Freunde der sozialistischen Einheit Deutschlands«. 1939 in Frankreich interniert, konnte Schulz vor der Auslieferung an die Gestapo 1941 in die Pyrenäen entkommen. Mitarbeit an einer illegalen Zeitschrift gegen die Wehrmacht, 1944 ging er nach Paris, war in der Landesgruppe deutscher Sozialdemokraten in Frankreich aktiv. Er kam 1946 in die französische Besatzungszone, wurde beauftragt mit der Wiederherstellung des Geburtshauses von Karl Marx und Einrichtung eines Marx-Museums in Trier. Schulz wurde 1949 SPD-Sekretär für die Pfalz, trat aber nach Konflikten mit Franz Bögler 1951 zurück. Zunächst Angestellter einer Siedlungsorganisation, wurde er dann selbständiger Lebensmittelkaufmann in Neustadt/Weinstraße. Hans Schulz starb dort am 12. April 1988.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schulz, Walter

* 26.11.1895 – ✝ 23.9.1972

Geboren am 26. November 1895 in Hamburg, Sohn eines Lagerarbeiters und Gärtners. Kaufmännische Lehre, dann Handlungsgehilfe bei der Hamburger Volksfürsorge. 1913 trat er in die SPD ein, während des Weltkrieges schloß er sich der Hamburger Gruppe der IKD an. Im Mai 1915 zum Militärdienst gezogen, geriet im November 1917 in Frankreich in britische Kriegsgefangenschaft, aus der er erst Ende 1919 entlassen wurde. Er trat der KPD bei und wurde im März 1921 hauptamtlicher Funktionär der KJD, bis September 1923 verantwortlicher Redakteur der Zeitschrift »Junge Garde«. Mitglied der Zentrale der KJD, von 1922 bis 1924 Kandidat des EK der KJI, bis September 1923 im Sekretariat der KJI. Ende 1923 für die KJD in Schlesien aktiv, wurde verhaftet und saß bis März 1924 in »Schutzhaft«. Im Sommer 1924 Rückkehr zur Arbeit ins Sekretariat der KJI nach Moskau, Ende 1924 schied Schulz aus der Jugendarbeit aus. Nun Redakteur der KPD-Presse, u. a. in Hamburg, dann beim KPD-Pressedienst in Berlin, vom März 1925 bis Februar 1927 Chefredakteur des südbayerischen KPD-Blatts »Neue Zeitung«. Anschließend Sekretär in der Agitpropabteilung des ZK, im Herbst 1928 abgesetzt, weil Schulz der Versöhnlergruppe nahestand, blieb aber im hauptamtlichen Apparat. Im Januar 1929 verhaftet, vom Reichsgericht wegen »literarischen Hochverrats« zu eineinhalb Jahren Festungshaft verurteilt. Danach bis März 1933 Personal- bzw. Transportreferent bei der sowjetischen Handelsgesellschaft Derop in Berlin. Schulz emigrierte, war in Paris und Saarbrücken tätig. Im September 1934 kam er nach Moskau, hier unter dem Namen Erich Walter bis 1937 Redakteur bei der VAA, dann im Verlag für fremdsprachige Literatur. Schulz wurde Ende 1941 aus der KPD ausgeschlossen »wegen einer persönlichen Verfehlung«, er hatte sich während der Evakuierung nach Ufa aus einem zerstörten Güterwaggon mit Textilien einen Pullover angeeignet. Von 1943 bis 1945 Redakteur der Zeitung »Freies Deutschland« und von 1945 bis 1953 bei der Zeitschrift »Neue Zeit«. Anfang 1954 kam er in die DDR, bis 1961 Verlagsredakteur im Dietz Verlag, anschließend am IML. Erst Ende 1955 von der ZPKK in die SED aufgenommen, erhielt 1970 den VVO in Gold und bereits 1946 die sowjetische Medaille »Für hervorragende Arbeit im Großen Vaterländischen Krieg 1941-1945«. Walter Schulz starb am 23.September 1972 in Ost-Berlin

Wer war wer in DDR

Schulz, Harri

* 14.1.1928

Geb. in Leipzig; Vater Ringrichter im Boxen bei Atlas Leipzig; Volksschule; 1945 Flakhelfer (14 Tage vor Kriegsende), danach 2 Monate US-Kriegsgef. in Bad Kreuznach. 1949 / 50 Sportfotograf; ab 1951 Lehrgang an der Univ. Leipzig, danach als Hilfssportlehrer tätig; 1954 Vors. der HSG Wissenschaft DHfK u. Sektionsltr. Boxen; 1955 AIBA-Ringrichter; 1955 – 56 Ltr. des SC DHfK Leipzig; Juli 1956 Teiln. am Reporterwettbewerb (gemeinsam mit Gerhard Kohse ausgewählt); 1956 – 66 Reporter in der Sportred. von Radio DDR, danach bis 1990 Reporter der Sportred. des DFF; Schwerpunktsportarten: Boxen, Rudern; Teiln. an allen Olymp. Sommerspielen 1960 bis 1988 (mit Ausnahme von 1984) und den Winterspielen 1964 – 88; März 1990 Ruhestand; 1967 Sportjournalistenpreis; lebt in Leipzig.Volker Kluge

Wer war wer in DDR

Schulz, Werner

* 22.1.1950

Geb. in Zwickau; Vater Berufsoffz.; 1968 Abitur; 1968 – 72 Studium der Lebensmitteltechnol. an der HU Berlin; 1972 – 74 Arbeit im VE Kühlbetrieb Berlin; 1974 – 76 u. 1978 – 80 wiss. Assistent an der HU Berlin; 1980 Kündigung durch die HU Berlin wegen Protests gegen den sowj. Einmarsch in Afghanistan; 1980 – 88 wiss. Mitarb. im Inst. für Sekundärrohstoffwirtsch. in Berlin; 1988 – 90 Ltr. des Bereichs Umwelthygiene in der Krs.-Hygieneinspektion Berlin-Lichtenberg; 1976 – 78 Wehrersatzdienst; Mitarb. in versch. opp. Gruppen; 1981 Mitbegr. u. Mitgl. des Pankower Friedenskrs.; ab Sept. 1989 Mitgl. im Neuen Forum (NF), 1989/90 NF-Vertreter am Zentr. Runden Tisch; März – Okt. 1990 Abg. der Volkskammer u. Sprecher der Fraktion Bündnis 90 / Grüne. Okt. 1990 – 2005 MdB; 1991 Mitbegr. des Sprecherrats, ab 1992 des geschäftsf. Aussch. der Partei Bündnis 90, 1993 maßgebl. beteiligt an der Aushandlung des Assoziationsvertrags zw. den Parteien Bündnis 90 u. Die Grünen; 1994 – 98 Parl. Geschäftsf., Okt. 1998 – 2005 wirtschaftspol. Sprecher der Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen; 2003 – 08 stellv. Vors. im Stiftungsrat der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur; seit 2003 Mitgl. im Präsidium des Dt. Ev. Kirchentags; kritisierte im Juli 2005 im Dt. Bundestag die Vertrauensfrage des Bundeskanzlers Gerhard Schröder, anschl. erfolglose Klage vor dem BVerfG; seit Juni 2009 Mitgl. des Europ. Parlaments.Entwickeln statt abwickeln. Wirtschaftspol. u. ökolog. Umbaukonzepte für die fünf neuen Länder. Berlin 1992 (Hrsg. mit L. Volmer).Jan Wielgohs / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schulze, Max

* 10.7.1891 – ✝ 1940

Geboren am 10. Juli 1891 in Jena; dort Mechaniker bei der Firma Zeiss. Vor dem Weltkrieg in der SPD und im Arbeitersport aktiv, kam über die USPD 1920 zur KPD. Schulze war von 1925 bis 1933 Bundeshandball-Leiter des Arbeiter-Turn- und Sportbundes. Wegen des Versuchs der KPD, diesen (wie andere) Arbeiter-Verbände mit Beginn der ultralinken Politik 1929 zu spalten, trennte er sich 1929 von der Partei und trat politisch kaum noch hervor. Schulze emigrierte 1933 über die Tschechoslowakei nach Schweden und ging 1935 in die UdSSR, kam als Spezialist in die Putilow-Werke in Leningrad und war dort auch Mitarbeiter der deutschsprachigen »Roten Zeitung«. Während der Stalinschen Säuberungen 1937 vom NKWD verhaftet, Max Schulze kam vermutlich 1940 im Gulag ums Leben.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schumacher, Ernst

* 21.2.1892 – ✝ 18.4.1972

Geboren am 21. Februar 1892 in Eßlingen; lernte Werkzeugmacher und ließ sich in Friedrichshafen/Bodensee nieder. 1912 Mitglied der SPD, während des Weltkrieges Verbindung zur Spartakusgruppe, 1919 Übertritt zur KPD. Er war 1920 Delegierter des Vereinigungsparteitages mit der USPD und ab 1922 Sekretär der Metallgewerkschaft in Friedrichshafen. Schumacher wurde 1924 für die KPD in den Württembergischen Landtag gewählt, dem er bis 1928 angehörte. 1924 einige Zeit verhaftet, kam als Abgeordneter frei und blieb Parlamentarier und Mitglied der BL Württemberg. Da er auf dem äußersten rechten Flügel der Partei stand, 1928 nicht mehr als Wahlkandidat aufgestellt. Im Januar 1929 trat er aus der KPD aus, wechselte kurze Zeit danach zur SPD. Schumacher wurde Angestellter des Arbeitsamtes in Friedrichshafen/ Bodensee, übersiedelte 1945 nach Stuttgart, trat wieder der SPD bei und lebte als Pensionär. Ernst Schumacher starb am 18. April 1972 in Stuttgart.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schumann, Wilhelm

* 18.1.1896 – ✝ 14.2.1974

Geboren am 18. Januar 1896 in Hannoversch Münden, Sohn eines Fabrikarbeiters; Metall- und Bauarbeiter, 1913 Mitglied der SPD. Ab 1915 Soldat im Weltkrieg, geriet in französische Kriegsgefangenschaft und kam 1919 als einer der letzten aus einer Strafkompanie zurück. Nach dem Kapp-Putsch 1920 trat er in die KPD ein, später war er Orgsekretär der RGO für den Bezirk Hessen, Bürgervorsteher und Kreistagsabgeordneter in Hannoversch Münden. Schumann wurde am 5. März 1933 in den Preußischen Landtag gewählt, konnte sein Mandat aber wegen der einsetzenden Verfolgung nicht ausüben. Über ein Jahr wirkte er illegal für die KPD, geriet dann in Berlin in die Verhaftungsaktion nach dem »Röhm-Putsch« und wurde am 4. Juli 1934 festgenommen. Nach monatelangen Verhören und schweren Mißhandlungen bei der Gestapo 1935 vom 1. Strafsenat Kassel zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt und danach bis April 1945 im KZ Buchenwald festgehalten. 1945 wieder Mitglied der KPD, er wurde Vorsitzender des Kreisausschusses des DGB in Hannoversch Münden sowie von August bis Oktober 1946 Mitglied des ernannten Hannoverschen Landtages. Später trat er politisch nicht mehr hervor. Wilhelm Schumann starb am 14.Februar 1974 in Hannoversch Münden.

Wer war wer in DDR

Schubert, Manfred

* 6.4.1927

Geb. in Dresden; Dramaturg am Theater der Jungen Generation in Dresden; Red. am Landessender Dresden; Ltr. mehrerer Amateurkabaretts u. Mitgl. der Kabarett-Ensembles »Die Trommel« u. »Die Funken«; gründete 1961 die Dresdener »Herkuleskeule« neu u. leitete sie bis 1986, trat aus gesundheitl. Gründen von der Ltg. zurück; weiterhin Auftritte als Kabarettist u. Arbeit als Textautor.Gisela Winkler

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schubotz, Arthur

* 20.5.1902 – ✝ 1945

Geboren am 20. Mai 1902 in Dessau; Schlosser, Mitglied der KPD, seit 1924 Jugendsekretär der KPD-BL Magdeburg und Leiter der kommunistischen Buchhandlung. Er gehörte ab 1931 als Literatur-Obmann der KPD-BL Mittelrhein in Köln an. Herbert Wehner berichtete im August 1937 über Schubotz: »1932 übernahm er den Versand der illegalen Schriften der Partei. Die Arbeit behielt er bei auch in der Illegalität, bis er im April oder Mai verhaftet wurde. Wir erfuhren von anderen Genossen, daß man ihm nichts nachweisen könne, und daß er ins KZ komme. Später, Ende 1933, wurde er aus dem KZ entlassen. Er stellte sich, wie auch andere Genossen, wieder zur Verfügung und wurde nach dreimonatiger Pause als Instrukteur für Sachsen eingesetzt ... Ich traf ihn wieder in Amsterdam. Hier war er in keiner guten Verfassung ... Ich habe ihn nicht mehr getroffen, denn inzwischen wurde er als Spitzel entlarvt.« Schubotz arbeitete bis Juni 1936 als »Techniker« der AL West in Amsterdam, wurde dann aus der KPD ausgeschlossen. In einem Artikel »Achtung, Spitzel und Provokateure« der »Roten Fahne« Nr. 8/1936 hieß es: »Schubotz (alias Günther, alias Castor) zuletzt Berlin wohnhaft, 163-168 groß, untersetzte kräftige Figur, dunkles dichtes gescheiteltes Haar, braune Augen, wulstige Lippen, spitze Zähne.« Nach seiner Rückkehr nach Deutschland arbeitete er als Hilfsschlosser bzw. Schweißer bei der Firma Ludwig Loewe in Berlin-Moabit. Arthur Schubotz wurde Ende April 1945 in einer Ruine in Berlin erschossen aufgefunden.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schuldt, Hermann

* 23.6.1896 – ✝ 30.1.1980

Geboren am 23. Juni 1896 in Alt-Karstädt bei Ludwigslust, Sohn einer Landarbeiterfamilie; Berg-, Eisenbahn- und Landarbeiter. Von 1915 bis 1918 Soldat im Weltkrieg, trat er 1919 in die USPD ein und kam Ende 1920 in die VKPD. Er war Gemeinde- und Kreistagsabgeordneter in Ludwigslust. Von 1920 bis 1933 gehörte er der BL Mecklenburg an und war ab 1929 hauptamtlich im Sekretariat der BL Mecklenburg, zeitweise in der Landabteilung des ZK in Berlin. Auf dem XII. Parteitag im Juni 1929 wurde Schuldt zum Mitglied des ZK gewählt und zog im September 1930 im Wahlkreis Mecklenburg in den Reichstag ein, dem er (mit Unterbrechung vom Juli bis November 1932) dann bis März 1933 angehörte. Nach dem Reichstagsbrand blieb er bis zum Sommer 1933 noch in Mecklenburg, dann Reichsinstrukteur in Bayern, im Rheinland und zuletzt in Thüringen. Im November 1933 wurde er Orgleiter des illegalen RFB-Apparats in Berlin, Anfang August 1934 Emigration nach Prag, im August 1935 in die Sowjetunion, dort bis Februar 1937 Kursant an der Internationalen Leninschule in Moskau. Schuldt kämpfte vom März 1937 bis August 1938 bei den Internationalen Brigaden in Spanien. Er war zeitweise Bataillonskommandeur des »Hans-Beimler-Bataillons« und besuchte die Kommissarschule in Albacete. Schwer verwundet (Lungenschuß) kam er im September 1938 nach Paris. Im November 1938 emigrierte er nach Dänemark, war dort bis August 1939 Mitglied der Emigrationsleitung, trat zurück und arbeitete als Gärtner. Schuldt wurde am 20. Juni 1940 verhaftet und im Januar 1941 nach Deutschland überführt. Am 11. November 1941 verurteilte ihn der II. Senat des VGH zu sieben Jahren Zuchthaus, er saß bis April 1945 in Dreibergen-Bützow und Waldheim. Im Mai 1945 Landrat des Kreises Ludwigslust, dort zugleich Sekretär der KPD bzw. ab April 1946 der SED. Anfang 1950 kam er zur KVP, zum Chefinspekteur der Grenzpolizei ernannt. Schuldt erhielt im August 1950 eine Parteistrafe wegen »unmoralischen Verhaltens«, wurde aus seiner Funktion abberufen und zur »Bewährung« als Betriebsleiter an die MTS Sollschnitz im Kreis Bautzen geschickt. Ab August 1952 Sekretär für Landwirtschaft der BL Rostock, dort von 1960 bis 1969 Vorsitzender der BPKK und des Sekretariats der BL Rostock. 1966 erhielt er den Karl-Marx-Orden. Hermann Schuldt starb am 30. Januar 1980 in Tessin (Mecklenburg).

Wer war wer in DDR

Schult, Reinhard

* 23.9.1951

Geb. u. aufgew. in Berlin; Mutter Krankenschwester; Junge Gemeinde Berlin-Mahlsdorf; 1968 – 71 Berufsausbildung als Maurer mit Abitur; 1971/72 Theol.-Studium; 1972 – 82 Bauarb.; 1976 – 78 Bausoldat; 1982 – 86 Heizer; ab 1978 Mitarb. in versch. unabh. Friedenskrs., opp. Gruppen, konspirativen Zirkeln; 1979/80 acht Mon. Freiheitsstrafe (Berlin-Pankow, Rummelsburg) wegen Verbreitung illeg. Lit. ( Wolf-Biermann-Texte); Mitinitiator DDR-weiter Diskussionsforen für Bausoldaten; 1978 – 82 Mitarb. im Friedenskrs. der ESG Berlin; ab 1983 im Friedrichsfelder Friedenskrs., im Vorbereitungskrs. der Friedenswerkstatt, ab 1981 im Diskussionskrs. DDR-Geschichte/KPD-Geschichte, ab 1985 im Karl-Marx-Krs.; ab 1986 Mitgl. der illeg. Menschenrechtsgr. »Gegenstimmen«; 1987 – 90 Mitgl. der »Kirche von unten«; Mai 1989 Teiln. an der Aufdeckung der Manipulation der Kommunalwahlergebnisse; Sept. 1989 Teiln. der illeg. Gründungsvers. des Neuen Forums (NF) in Grünheide (b. Berlin), Erstunterzeichner des Aufrufs »Aufbruch ’89 – NF«; ab 1990 exponierter Vertreter der basisdemokrat. orientierten Minderheitenfraktion im NF; Mitgl. im Arbeitsaussch. des NF; März – Okt. 1990 Abt.-Ltr. im Staatl. Komitee zur Auflösung des MfS; Sept. 1990 beteiligt an der Besetzung des früheren MfS-Hauptgebäudes u. dem Hungerstreik gegen die beabsichtigte Auslagerung der MfS-Akten ins Bundesarchiv Koblenz. 1991 – 95 MdA Berlin, Abg.-Gruppe NF / Bürgerbew.; 1992 – 94 Mitgl. des Bundeskoordinationsrats des NF; 1995 stellv. Bürgermeister von Fredersdorf; 1996 arbeitslos; 1997 Vors. d. Bürgerkomitees »15. Jan.«, seit 2000 Mitgl. des Bundesvorst. des NF; lebt in Bernau; tätig beim Landesbeauftr. für die Stasi-Unterlagen Berlin.Keine Opposition. Nirgends? Berlin 1991 (Mitautor). Links, Ch. u. a.: Das wunderbare Jahr der Anarchie 1989/90. Berlin 2004.Silvia Müller

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schultz, Willi

* 23.7.1896 – ✝ 12.3.1961

Geboren am 23. Juli 1896 in Berlin, Sohn eines Oberkellners; lernte Stukkateur. Ab 1916 Soldat im Weltkrieg, 1918 Mitglied der USPD, 1920 der KPD. 1919 Übersiedlung nach Fürstenberg/Havel, ab 1923 Leiter der dortigen KPD-Ortsgruppe. Ab 1926 Stadtverordneter und bis 1933 Vorsitzender der KPD-Fraktion in Fürstenberg. Im Mai 1924 verhaftet und im August 1925 vom Reichsgericht zu zwei Jahren und drei Monaten Zuchthaus verurteilt, durch die »Hindenburg-Amnestie« Ende 1925 vorzeitig entlassen. Schultz wurde 1928 zum Abgeordneten des Landtags von Mecklenburg-Strelitz gewählt und gehörte auch der BL Mecklenburg an. Im März 1933 verhaftet und in das KZ Oranienburg gebracht, nach acht Monaten »Schutzhaft« im November 1933 entlassen, anschließend wieder Bauarbeiter. Von 1939 bis 1942 bei der Wehrmacht, dann zur Organisation Todt dienstverpflichtet. Ab Juni 1945 Mitglied und Funktionär der KPD/SED, von 1948 bis 1950 2. Sekretär der SED Neustrelitz, später Mitarbeiter des Rates des Kreises Neustrelitz. Willi Schultz starb am 12. März 1961 in Fürstenberg/Havel.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schulz, Karl

* 7.6.1884 – ✝ 22.2.1933

Geboren am 7. Juni 1884 in Braunschweig als Friedrich Carl Schulze; lernte Schmied. 1905 Mitglied der SPD, ab 1912 Sekretär der Gewerkschaften (»Arbeitersekretär«). 1912/13 Teilnehmer der SPD-Parteischule in Berlin, an der Rosa Luxemburg lehrte. Während des Weltkrieges schloß er sich in Berlin der Spartakusgruppe an und gehörte Ende 1918 zu den Mitbegründern der KPD. Auf dem Gründungsparteitag der KPD wurde Karl Schulz, der damals den »Roten Soldatenbund« leitete, in die Org- und Programmkommission gewählt. Dann für die Landagitation der KPD verantwortlich, er gründete die Partei in Mecklenburg und Pommern und war Delegierter auf den ersten vier Parteitagen der KPD. 1921 zog er in den Preußischen Landtag ein und gehörte diesem Parlament bis 1924 an. 1923 Oberbezirkssekretär der KPD in Norddeutschland, nahm im gleichen Jahr am VIII. Leipziger Parteitag teil. Wegen seiner Mitwirkung an den Aufstandsvorbereitungen 1923 polizeilich gesucht, als rechter Kommunist aber von der linken Führung 1924 nicht mehr als Kandidat zur Wahl aufgestellt, flüchtete er Anfang 1925 nach Moskau. Schulz reiste von dort als EKKI-Beauftragter nach China (Deckname Friedrich Lienhardt). Danach arbeitete er bis Frühsommer 1928 in Moskau im Genossenschaftsapparat der Komintern. Ernst Meyer forderte 1928 dessen Kandidatur, da Schulz als guter Agitator und Parlamentsredner in Deutschland gebraucht werde. Im Mai 1928 wieder in den Preußischen Landtag gewählt, kehrte er im Juni 1928 nach Berlin zurück. Das ZK beauftragte ihn mit der Durchführung des Volksbegehrens gegen den Panzerkreuzerbau, offiziell war Schulz der Sekretär des »Reichsausschusses für Volksentscheid«. Nachdem der vorgesehene sozialdemokratische Redner vom KPD-Apparat entführt worden war, konnte Schulz am 6. Oktober 1928 eine Rundfunkrede halten. Dieser von Karl Frank organisierte Coup wirbelte viel Staub auf. Schulz gehörte zu den Versöhnlern, blieb in der Partei und unterwarf sich der Parteidisziplin. Vorwiegend im Preußischen Landtag tätig, wurde aber 1932 nicht wiedergewählt. Am 22. November 1932 fuhr er nach Moskau, um im Auftrag der Komintern eine erneute China-Mission vorzubereiten. Statt dessen am 22. Februar 1933 Rückkehr nach Berlin, in der Nacht des Reichstagsbrandes hier verhaftet. Schulz kam schwerkrank zunächst ins Polizeipräsidium am Alexanderplatz, dann nach Spandau, wo er Zellennachbar von Hermann Duncker war. An den Folgen der Mißhandlungen im Polizeigefängnis Spandau starb Karl Schulz am 30. Juni 1933 und wurde am 6. Juli 1933 unter Polizeiaufsicht auf dem Zentralfriedhof Berlin-Friedrichsfelde beigesetzt.

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Schulz, Willi

* 1886 – ✝ 1938

Geboren 1886 in Berlin, Sohn einer Arbeiterfamilie; lernte Schriftsetzer und trat 1905 der SPD bei. Er wurde Redakteur, gehörte im Krieg der Spartakusgruppe und seit 1919 der KPD an. In Berlin zeitweilig Redakteur der »Roten Fahne«, war er später an verschiedenen kommunistischen Bezirkszeitungen tätig. Schulz wurde 1932 als Redakteur zur Verlagsgenossenschaft ausländischer Arbeiter nach Moskau geschickt und war vorübergehend in der Komintern beschäftigt. Im März 1938 vom NKWD verhaftet, daraufhin sofort aus der KPD ausgeschlossen, Willi Schulz wurde noch 1938 in der Sowjetunion erschossen.

Wer war wer in DDR

Schulz, Jo

* 31.3.1920 – ✝ 8.4.2007

Geb. in Bautzen; Vater Lackierer; nach der Oberrealschule Ausbildung zum Spediteur; Soldat; bis 1949 in sowj. Kriegsgef. 1950 KB, Mitgl. der BL des KB; DSF; verfaßte Texte für die Kabaretts »Böse Sieben«, »Die Laterne« u. »Die Distel« sowie Beiträge für satir. Ztschr. wie »Frischer Wind« u. »Eulenspiegel«; arbeitete zudem für das heitere Musiktheater, schrieb Operettenlibretti wie »Messeschlager Gisela« (Musik:  G. Natschinski, 1960); Verfasser von Liedern, Chansons, Epigrammen, Gedichten u. Romanen; setzte sich in heiter-satir., teilweise skurrilen Gedichten mit dem DDR-Alltag auseinander; der Komplex Krieg u. Gefangenschaft bildete den anderen Schwerpunkt der lit. Auseinandersetzung, wie in den Gedichtbänden »Abrechnung« (1959), »Zwischen Frühling u. Frost« (1968) oder dem Roman »Laufen ohne Vordermann« (1976); Vorstandsmitgl. des SV u. Mitgl. des PEN der DDR; setzte sich für die Förderung junger Autoren ein u. war 1970 – 89 Seminarltr. des Poetenseminars der FDJ in Schwerin; 1969 Heinrich-Heine-Preis; 1971 Erich-Weinert-Med.; 1969 u. 1985 Johannes-R.-Becher-Med.; Goethe-Preis der Stadt Berlin; gest. in Berlin.Poesie u. Purzelbaum. Berlin 1971; Leben üben oder die Emanzipation des Mannes. Eine lyrische Kommode in mehreren Schüben. Berlin 1979; Das Lächeln steckt die Leute an. Alltäglich Groteskes aus vier Jahrzehnten. Berlin 1990; Mene mene Tekel. Leonberg 1995.Christian Krause

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Schulze, Alfred

* 26.8.1904 – ✝ 28.8.1934

Geboren am 26. August 1904 in Hannover; gelernter Bootsbauer, wurde Anfang 1920 Mitglied der KPD und gehörte ab 1929 der KPD-BL Mecklenburg an. 1931 übernahm er den Vorsitz der RGO Mecklenburg. Im Juni 1932 wurde Schulze in den Landtag von Mecklenburg-Schwerin gewählt. Mitte März 1933 in seinem illegalen Quartier in Warnemünde verhaftet, kam Schulze in das Zuchthaus Bützow-Dreibergen, dort so schwer mißhandelt, daß seine nicht verheilte Tbc wieder ausbrach. Er wurde in die Medizinische Klinik der Universität Rostock überführt, wo Alfred Schulze am 28. August 1934 starb.

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Schulze, Horst

* 26.4.1921

Geb. in Dresden; Lehre als Autoschlosser; 1937 – 40 priv. Gesangs- u. Schauspielunterricht; Kriegsdienst u. Gefangenschaft. 1945 Engagements an der Volksoper in Gittersee, der Dresdener Komödie u. der Landesoper Sachsen, danach in Zittau u. am Nationaltheater Weimar vornehml. in klass. Rollen; 1956 – 65 am Dresdner Staatstheater, u. a. als Hamlet u. Mackie Messer, avancierte in der Operette »Bel ami« zum Publikumsliebling; 1962 Kunstpreis der DDR; 1965 – 67 am Berliner Ensembles; 1966 – 72 am Metropol-Theater Berlin, hier großer Erfolg als Prof. Higgins in »My fair Lady«; Opernauftritte z. B. als Papageno in Mozarts »Zauberflöte« an der Berliner Staatsoper; daneben auch Operetten-, Musical- u. Chanson-Interpretationen; zeitw. Doz. für Opernregie an der HS für Musik »Hanns Eisler« in Berlin u. am Schauspielstudio des Staatstheaters Dresden; seit 1958 Filmrollen für DEFA u. DFF, ab 1967 Mitgl. des DEFA-Ensembles; 1966 NP für die Darstellung des Karl Liebknecht in »Solange Leben in mir ist«, 1969 NP für die Titelrolle in »Hans Beimler, Kamerad« (TV); weitere Film- u. TV-Rollen u. a. 1958 in »Emilia Galotti«, 1970 an der Seite von  Angelica Domröse als Baron Instetten im TV-Film »Effi Briest«, 1971 in »KLK an PTX – Die Rote Kapelle«, 1971 erneut als Karl Liebknecht in »Trotz alledem!« u. 1987 in der Fallada-Verfilmung »Altes Herz geht auf die Reise«; Mitwirkung in versch. TV-Serien, u. a »Polizeiruf 110« (1977 – 87), »Barfuß ins Bett« (1988). Nach 1989 Auftritte in Musicals u. Filmrollen, u. a. »Die Spur des Bernsteinzimmers« (1992), »Götterdämmerung – Morgen stirbt Berlin« (TV, 1999); »Faust«-Lesungen; lebt in Rauchfangswerder (b. Berlin) (Tochter Andrea Sch. ist Theaterpädagogin, Sohn Ralf-Peter Sch. Intendant des Mecklenburg. Landestheaters in Neustrelitz).Matthias Braun / Christian Krause

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Schumacher, Wilhelm

* 5.2.1880 – ✝ 5.10.1938

(* 1880 – † 1938) Geboren am 5. Februar 1880 in Hamburg; lernte Schneider, nach der Lehre Wanderschaft, 1910 Mitglied der SPD. Ende 1913 Sekretär und hauptamtlicher Angestellter der Gewerkschaft (Schneiderverband) in Stuttgart, 1919 Vorsitzender der Filiale Berlin des Schneiderverbandes. 1917 Übertritt zur USPD, seit Gründung 1919 Mitglied der KPD, Funktionär in Berlin. Schumacher war ab 1921 Sekretär der BL Berlin-Brandenburg für Gewerkschaftsfragen, gehörte von 1921 bis 1924 der Berliner Stadtverordnetenversammlung an. Er stand auf dem linken Parteiflügel, gründete Anfang 1924 den kommunistischen »Verband Internationaler Bekleidungsarbeiter«, dessen Vorsitzender und hauptamtlicher Sekretär Schumacher wurde. Zunächst Anhänger der Ruth-Fischer-Führung, geriet er (zusammen mit Paul Kaiser und Paul Weyer) Mitte 1924 in Konflikt mit der Parteilinie, da er die Spaltung der Gewerkschaften propagierte. Als er auf dem V.Weltkongreß der Komintern im Juni/Juli 1924 seine abweichende Haltung vertrat, beschloß die Tagung, »daß die Einstellung von Wilhelm Schumacher und Genossen zur Gewerkschaftsfrage und ihre Tätigkeit in der Gewerkschaftsbewegung den Beschlüssen des V. Weltkongresses der Komintern zuwiderlaufen«. Daraufhin gemeinsam mit Kaiser und Weyer Anfang September 1924 aus der KPD ausgeschlossen. Im September 1925 stand Schumacher (als ehemaliges Mitglied der BL Berlin-Brandenburg) zusammen mit Arkadi Maslow, Paul Schlecht und Anton Grylewicz vor Gericht, bekannte sich dort zum Kommunismus, obwohl er der Partei nicht mehr angehörte. Das Verfahren gegen ihn wurde eingestellt, da es unter Amnestie fiel. Schumacher blieb Vorsitzender seiner linkskommunistischen Gewerkschaft und wurde deshalb von der KPD diffamiert. Im April 1933 von der Gestapo verhaftet, blieb er bis Ende Mai 1933 im Berliner Gefängnis Plötzensee in »Schutzhaft«, war danach erwerbslos, aber weiter illegal aktiv. Wilhelm Schumacher starb am 5. Oktober 1938 in Berlin. Sein Sohn Kurt (* 6. 5. 1905 – † 22. 12. 1942) und seine Schwiegertochter Elisabeth, geborene Hohenemser (* 28. 4. 1904 – † 22. 12. 1942), gehörten zur Widerstandsgruppe Schulze-Boysen (»Rote Kapelle«), sie wurden beide im Dezember 1942 in Plötzensee hingerichtet.

Wer war wer in DDR

Schumann, Conrad

* 28.3.1942 – ✝ 20.6.1998

Geb. in Zschochau (Sachsen); Vater Schäfermstr., Mutter Schäferin; 1948 – 56 Grundschule; 1956 – 58 Ausbildung zum Schäfer; 1958/ 59 Arbeit als Schäfer in Leutewitz; 1959 Einberufung zur Bereitschaftspolizei nach Dresden; 1961 dreimon. Ausbildung zum Uffz. in Potsdam; danach Rückversetzung nach Dresden; Anf. Aug. 1961 Versetzung als Freiw. zur Grenzsicherung nach Berlin; am 15.8.1961 Flucht als erster Volksarmist nach dem Mauerbau; sein »Schritt in die Freiheit« wird zufällig von zwei Fotografen gleichz. dokumentiert; das Bild vom Sprung eines jungen Mannes über eine Stacheldrahtrolle in der Bernauer Straße, in Uniform, mit Stahlhelm u. MP, geht um die Welt als Symbol der dt. Teilung u. des Freiheitswillens der Ostdt., C. S. wird im Westen als Held gefeiert; nach Anerkennung als Flüchtling Umzug nach Günzburg (Schwaben) u. Arbeit als Krankenpfleger; 1962 Heirat; bis 1970 Arbeit in einer Weinkellerei in Krumbach; danach Umzug nach Kipfenberg (Oberbayern), Arbeit als Kopierdreher u. Maschineneinrichter bei Audi in Ingolstadt. Auch nach Maueröffnung lange Zeit Angst vor Rückkehr nach Ostdt.; 1998 Suizid.Voigt, J.: Sprung in die Freiheit – Eine Flucht, die nie zu Ende ging. Dok.-Film, ARD 2000.Christoph Links

Wer war wer in DDR

Schubert, Manfred

* 30.3.1930 – ✝ 7.8.1987

Geb. in Reichenstein; Vater Arbeiter; Sekundarschule; 1948/49 Schlosserumschüler im VEB Görlitzer Maschinenbau; 1949 – 55 Studium der Verfahrenstechnik an der TH Dresden; 1955 – 60 Mitarb. der Forschungsabt. u. Ltr. der techn. Abt. im Kali-Werk Sondershausen u. Staßfurt; Aufbau u. Ltg. der Pilotanlage zur Herstellung von hochreinem Magnesiumoxid u. Salzsäure aus Kaliendlauge; 1957 – 59 Abg. im Krs.-Tag Sondershausen; ab 1960 an der TH Dresden; 1963 Prom. zum Dr.-Ing.; 1967 Habil.; Prof. für Verfahrenstechnik; 1967/68 Dir. des Inst. für Verfahrenstechnik; 1968 – 71 Dir. der Sekt. Verfahrens- u. Verarbeitungstechnik; ord. Prof.; 1966 SED; seit 1967 Abg. der Volkskammer; langj. Vors. der Fachaussch. Wärmeübertragung u. Verfahrenstechnik der KdT; 1971 – 74 Vizepräs., 1974 –87 Präs. der KdT (Nachf. von  Horst Peschel); 1979 Korr. Mitgl. der AdW; 1981 Ord. Mitgl. der Sächs. AdW; Mitgl. des Wiss. Rats für Grundlagen der Umweltgestaltung u. des Umweltschutzes; seit 1976 Mitgl. des Präs. der Freundschaftsges. DDR – Italien; 1972 u. 1980 NP; gest. in Berlin. Arbeiten zur Luftkühlung u. zur Nutzung der Membrantechnik, zum Einsatz von direkten Wärmeübertragern flüssig-flüssig für die Wärmerückgewinnung; Beiträge zu abproduktfreier Technol. u. Umweltschutz; Mithrsg. u. Mitautor einschlägiger Handbücher u. Lehrbücher, u. a. der Bücher »Umweltschutztechnik« (Leipzig 1986) u. »Abproduktarme u. abproduktfreie Technol.« (Berlin 1987).Klaus-Peter Meinecke

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Schubring, Willi

* 26.9.1897 – ✝ 13.3.1958

Geboren am 26. September 1897 in Gramenz/ Krs. Neustettin in Pommern, Sohn eines Schlachtermeisters und Viehhändlers. Besuch der Präparandenanstalt und des Lehrerseminars, 1917 Soldat im Ersten Weltkrieg. 1918 trat er der SPD bei und studierte in Berlin an der Handelshochschule und der Universität. 1920 Mitglied der USPD, nach Beendigung der Lehrerausbildung bis 1930 Lehrer. Seit 1923 in der KPD, gehörte Schubring von 1929 bis 1933 der Berliner Stadtverordnetenversammlung an und war von 1930 bis 1932 Sekretär des Verbandes der Proletarischen Freidenker in Berlin. Anfang 1931 leitete er als verantwortlicher Redakteur die Monatsschrift des ZK der KPD »Der Propagandist«. 1932/33 Angestellter der deutsch-sowjetischen Handelsgesellschaft Derop. Bis Mai 1933 »Schutzhaft«, zum 1. Oktober 1933 wurde er aus dem Schuldienst entlassen. Danach bis 1945 Werbeleiter bei der Deutschen Buchgemeinschaft, 1939/40 Soldat, im August 1944 für einige Wochen im KZ Sachsenhausen. Im Mai 1945 von der sowjetischen Kommandantur als 1. stellvertretender Bürgermeister in Berlin-Tempelhof eingesetzt, wurde Leiter des KPD-UB Berlin-Tempelhof. Ab 1947 Hauptreferent in der Personalabteilung der Deutschen Zentralverwaltung für Verkehr, später Abteilungsleiter im DDR-Ministerium für Verkehr. Willi Schubring starb am 13. März 1958 in Ost-Berlin. 1991 veröffentlichten Christoph Hamann und Stephan Krautschik eine biographische Skizze über Willi Schubring.

Wer war wer in DDR

Schulmeister, Karl-Heinz

* 6.5.1925

Geb. in Bützow (Mecklenb.); Vater Lehrer; OS, Abitur; 1942 – 45 Kriegsdienst. 1946 SED; 1946 – 48 Orts- u. Krs.-Sekr. des KB in Schwerin; danach bis 1952 Landessekr. in Mecklenb.; 1952 – 54 Bez.-Sekr. in Rostock u. Abg. des Bez.-Tags Rostock; anschl. bis 1955 Zentralschule des ZK der SED in Erfurt; 1955 Bundessekr., ab Mai 1957 1. Bundessekr. u. ab Jan. 1986 auch 1. Vizepräs. des KB; seit 1958 Mitgl. des NR der NF u. seit 1969 Mitgl. seines Präs.; 1958 – März 1990 Abg. der Volkskammer; seit 1965 Fraktionsvors. des KB; seit 1963 Vors. des Aussch. für Kultur; seit Mai 1969 Mitgl. des Präs. der Volkskammer; 1959 – 65 Fernstudium an der HU Berlin, Dipl.-Hist., 1974 Prom. zum Dr. phil.; 1974 VVO; 1981 Präs. des Kuratoriums DDR – Japan der Vereinigung für kulturelle u. wiss. Zusammenarbeit; 1982 Prof. der HU Berlin; 1990 Ruhestand; lebt in Berlin.Zur Entstehung u. Gründung des KB zur demokrat. Erneuerung Dtl. Berlin 1955; Auf dem Wege zu einer neuen Kultur. Der KB in den Jahren 1945 – 49. Berlin 1977; Die Aufgaben des KB in der entw. soz. Ges. der DDR. Berlin 1979; Zwischen Hoffnung u. Enttäuschung. Berlin 1999.Helmut Müller-Enbergs

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Schulte, Fritz

* 28.7.1890 – ✝ 10.5.1943

Geboren am 28. Juli 1890 in Hüsten/Westfalen, Sohn eines Fabrikarbeiters; streng katholisch erzogen, war er zunächst mehrere Jahre Funktionär in katholischen Jugendorganisationen. Von 1904 bis 1912 ungelernter Arbeiter in Düsseldorf, 1912 Chemiearbeiter in Leverkusen. Im Weltkrieg Soldat, nach der Rückkehr schloß er sich 1918 der USPD an. Schulte war anfänglich gegen die Vereinigung der USPD mit der KPD; als aber 1920 in Leverkusen viele Arbeiter gemaßregelt und damit radikalisiert wurden, trat auch er im Dezember 1920 mit zur KPD über. Er wurde Betriebsratsvorsitzender von Bayer Leverkusen, bei der Abspaltung einer Gruppe vom Fabrikarbeiterverband ging Schulte mit dieser linksradikalen Gruppe und wurde 1922 hauptamtlicher Sekretär der neuen Gewerkschaft. Im Herbst 1923 war er für drei Monate Volontär in der Gewerkschaftsabteilung der Zentrale in Berlin. Bis Juni 1925 Org- bzw. Polleiter der KPD-Ortsgruppe Leverkusen-Wiesdorf, Mitglied der UBL Solingen. 1923 stand er auf seiten der Rechten, sprach vom »Idioten Thälmann« und las 1924 noch die illegalen Rundschreiben der Brandler-Fraktion. Mitte 1924 wechselte er zu den Linken, wurde im gleichen Jahr in die KPD-BL Niederrhein aufgenommen. Ab Juli 1925 zunächst Sekretär für Kommunalpolitik, dann Agitpropsekretär der BL Niederrhein, im Mai 1926 Orgleiter und 1927 Polleiter dieser BL. Ende 1927 zeitweilig von Lex Ende abgelöst. Der XI. Parteitag 1927 in Essen wählte ihn als Mitglied ins ZK. Von Februar 1926 bis Januar 1930 gehörte Schulte als stellvertretendes Mitglied dem Preußischen Staatsrat an und war von 1928 bis 1930 Abgeordneter des Preußischen Landtags. Im Juli/August 1928 nahm er an einem Schulungskurs in Moskau teil. Nach der Wittorf-Affäre trat er im Bezirk Niederrhein als Führer der Linken gegen die Versöhnler auf, Lex Ende wurde abgesetzt und Schulte stand ab November 1928 wieder als Polleiter an der Spitze. Der XII. Weddinger Parteitag 1929 berief ihn erneut zum Mitglied des ZK und nun auch ins Polbüro, zugleich blieb er bis 1931 Polleiter im Bezirk Niederrhein. Im September 1930 wurde Schulte im Wahlkreis Düsseldorf-Ost in den Reichstag gewählt und gehörte diesem Parlament bis 1933 an. Ab 1932 in Berlin, er übernahm am 1. Juli 1932 die Reichsleitung der RGO, von deren Kongreß im September des gleichen Jahres offiziell zum Reichsleiter bestimmt. Er blieb im Polbüro der KPD, ab 1933 illegal, er verließ als letztes Polbüro-Mitglied Deutschland. Schulte kam im Herbst 1933 über Prag nach Paris, wo er zusammen mit Hermann Schubert zunächst mit der Mehrheit des ZK die alte ultralinke KPD-Taktik fortsetzte, beide aber nach der Umstellung auf die Einheitsfronttaktik in den Hintergrund gedrängt wurden. Im Dezember 1934 ging Schulte nach Moskau, hier bis zum VII. Weltkongreß als Kandidat des Präsidiums des EKKI tätig. Er nahm unter dem Decknamen Fritz Schweitzer an der »Brüsseler Konferenz« teil, kam aber nicht wieder ins ZK. Vom 15. Dezember 1935 bis 1. Juni 1936 Leiter der Agitpropabteilung bei der RGI, anschließend in einen Moskauer Betrieb abgeschoben. Am 21.Februar 1938 verhaftet, war er nach zahlreichen Folterungen gelähmt. Er wurde am 7. April 1941 von einem Sondertribunal des NKWD zu acht Jahren Arbeitslager verurteilt. Fritz Schulte starb am 10. Mai 1943 im Gulag. Sein Sohn Fritz fiel als deutscher Soldat an der Ostfront. Seine Witwe Gertrud, geborene Schorn, war 1933 kurze Zeit in »Schutzhaft«. Noch im Oktober 1960 veröffentlichte sie in der westdeutschen VVN-Zeitung »Die Tat« eine Suchanzeige mit dem Foto ihres Mannes. Dabei war Fritz Schulte am 26. März 1956 in Moskau angeblich »rehabilitiert« worden, was seiner Witwe offensichtlich nicht mitgeteilt wurde.

Wer war wer in DDR

Schultz, Egon

* 4.1.1943 – ✝ 5.10.1964

Geb. in Groß Jestin (Krs. Kolberg, Hinterpomm./Gościno, Polen) als Sohn eines Arbeiters; 1945 Umsiedl. in die SBZ; Besuch der OS in Niendorf u. Rostock; 1958 FDJ-Mitgl.; 1960 – 62 Studium am Inst. für Lehrerbildung in Putbus (Rügen); 1962/63 Lehrer an der 2. OS in Rostock; ab Nov. 1963 Grundwehrdienst; April 1964 Uffz.; 1964 SED; am 5.10.1964 an der Mauer in Berlin während der Ausübung des Grenzdienstes als Gruppenführer bei einer Tunnelflucht von 57 Ost-Berlinern in einem Schußwechsel mit West-Berliner Fluchthelfern von einem anderen Grenzsoldaten versehentl. getötet; offiziell als Opfer westl. Agenten dargestellt; posthum Auszeichnung mit der Artur-Becker-Med. u. a.; Benennung von Brigaden, Kasernen, Straßen u. Schulen nach ihm. Nach 1990 Umbenennung von Straßen u. Schulen, einzelne Gedenksteine blieben erhalten; 2004 Erinnerungstafel am Fluchtort Strelitzer Str. 55 in Berlin-Mitte.Müller, B.: Faszination Freiheit.Christoph Links

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Schulz, Maria

* 17.10.1888 – ✝ 23.12.1964

Geboren am 17. Oktober 1888 in Saarbrücken als Maria Stein, Tochter eines Bergmanns; nach kaufmännischer Lehre Verkäuferin. Im Februar 1908 heiratete sie Richard Wagner, mit dem sie 1910 nach Hamburg zog, dort Mitglied der SPD. Im Oktober 1914 übersiedelte sie nach Stettin, war gegen die Bewilligung der Kriegskredite und wurde Mitglied der Spartakusgruppe, 1918 der USPD. Ende 1918 war sie unter dem Namen Maria Wagner Delegierte des Bezirks Pommern auf dem Gründungsparteitag der KPD in Berlin. Sie lernte Karl Schulz kennen, den sie in zweiter Ehe heiratete. Bis Oktober 1920 war Maria Schulz aktive Funktionärin der BL Pommern, dann folgte sie ihrem Mann mit ihren beiden Kindern nach Berlin. Nach der Geburt des gemeinsamen Sohnes Karl 1922 war sie Hausfrau und nur ehrenamtlich für die KPD tätig. Im Herbst 1923 leistete sie Kurierdienste für die KPD und überbrachte »Material« aus der sowjetischen Botschaft. Nach 1933 beteiligte sie sich an illegalen Aktionen in Berlin-Neukölln. Ab 1945 Funktionärin der KPD in Berlin-Neukölln, bis 1949 dort Vorsitzende einer KPD/ SED-Wohngruppe. Sie blieb auch nach der Spaltung der Stadt in Neukölln. Als sie sich 1950 weigerte, den Sonderfragebogen der Dienststelle für politisch und rassisch Verfolgte des Senats von West-Berlin auszufüllen, wurde ihr am 23. November 1950 die Entschädigungsrente entzogen. Daraufhin übersiedelte sie im Dezember 1950 in den Ostteil der Stadt, nach Berlin-Treptow, dort starb Maria Schulz am 23. Dezember 1964.

Wer war wer in DDR

Schulz, Claus

* 21.6.1934

Geb. in Rostock; Vater Angest.; 1949/50 Eleve am Mecklenb. Staatstheater Schwerin; 1951 –56 Studium bei Gustav Blank, Tatjana Gsovsky, Grita Krätke, Sabine Reß; Bühnenreifeprüfung u. Engagement als Gruppentänzer an der Komischen Oper Berlin, 1952 Vertrag als Solist; 1953 Silbermedaille beim Internat. Tanzsolistenwettbewerb in Bukarest; 1954/ 55 selbst. Choreographien am Friedrichstadtpalast; 1956 Engagement als Erster Solotänzer an der Dt. Staatsoper Berlin; dort 1960 Mstr.-Tänzer; Rollen u. a. in: »Petruschka«, »Feuervogel«, »Nachmittag eines Fauns«, »Der verlorene Sohn«; 1959 Silbermedaille beim Internat. Ballettwettbewerb in Wien; 1960 NP; 1962 – 67 Mitw. in DEFA-Revue- u. -Tanzfilmen, u. a. »Revue um Mitternacht« (1962), »Der Tanzlehrling« (1963), »Viel Lärm um nichts« (1964), »Till Eulenspiegels lustige Streiche« (DFF 1967); 1966 Gastdoz. in Santiago de Chile; Gastauftritte u. a. in Ägypten, Belgien, Frankreich, Indien, Italien, Libanon, Sowjetunion, Schweiz, Ungarn; 1969 kommissar. Ballettdir. u. Erster Choreograph an der Dt. Staatsoper Berlin; 1970 – 72 a. o. Mitgl. der DAK; 1971 Gastdoz. in Schweden; 1972 Gastspiel in Paris; kehrte danach nicht in die DDR zurück; als Mitgl. der DAK gestrichen; Beendigung der Tänzerlaufbahn; in der Modebranche tätig; seit 1990 wieder Mitgl. der AdK Berlin-Brandenb.Hoerisch, W.: Meistertänzer C. S. Biogr. Berlin 1968.Aune Renk

Wer war wer in DDR

Schulz, Johannes Erich

* 11.9.1936 – ✝ 24.1.2009

Geb. in Sebnitz; Vater Metalldrücker, Mutter Blumenarbeiterin; Grund- u. Berufsschule, Lehre u. Arbeit als Werkzeugmacher im VEB Elektrowerkzeuge Sebnitz; 1950 FDJ; 1954 SED; 1955 / 56 Mitarb. der Politabt. der Dorfzeitungsred. MTS Polenz (Krs. Sebnitz); 1956 – 60 Studium der Journalistik an der KMU Leipzig, Dipl.-Journalist; 1960 / 61 Betriebszeitungsred. im VEB Papierfabrik Schwedt; 1961 / 62 stellv. Abt.-Ltr. Wirtschaftspolitik beim SED-Bezirksorgan »Sächsische Zeitung« in Dresden, 1962 – 64 stellv. Chefred.; 1964 – 67 Studium an der PHS der SED, Dipl.-Gesellschaftswiss.; 1977 – Dez. 1989 Chefred. der »Sächsischen Zeitung« Dresden (Nachf. von  Rudolf Schimmel); 1979 – 89 Mitgl. der SED-BL Dresden; Mitgl. des VDJ-ZV, zeitweise Vors. des VDJ-BV Dresden. Nach 1990 journalist. tätig; im Vorstand des Verbandes der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten e. V. im Freistaat Sachsen (VVN-BdA) u. für die PDS bzw. die Partei Die Linke; gest. in Dresden.Dresdener Lebensläufe. Zeitzeugen berichten vom Leben und vom Umbruch im Bezirk Dresden: Aufgezeichnet von W. Kaulfuß u. J. S. Schkeuditz 1993.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schulze, Friedrich (Fiete)

* 22.10.1894 – ✝ 13.2.1935

(* 1894 – † 1935) Geboren am 22. Oktober 1894 in Hamburg-Schiffbek (heute Billstedt), Sohn einer Arbeiterfamilie. Friedrich (Fiete) lernte Schlosser, dann Hafenarbeiter. 1913 Mitglied der SPD. Ab 1915 Soldat, im Herbst 1917 bei einer Fliegerabteilung schwere Verwundung. Anfang 1919 trat er der USPD bei, kam mit deren Mehrheit Ende 1920 zur VKPD. Während des Hamburger Aufstandes im Oktober 1923 einer der Organisatoren, flüchtete dann und fuhr auf dem chilenischen Frachter »Flora« die Südamerikaroute. Er ging in die Sowjetunion, von 1927 bis 1931 Studium an der KUNMS in Moskau, im Frühjahr 1931 wurde er Lektor an der Parteischule in Noworossisk, Ende 1931 Aspirant an der KUNMS. Seit Juli 1932 wieder in Deutschland, war Schulze zunächst Mitarbeiter in der von Franz Jacob geleiteten Agitpropabteilung der BL Wasserkante. Ab September 1932 organisierte er den aus Mitgliedern des verbotenen RFB gebildeten Massenselbstschutz, der sich erbitterte Straßenschlachten mit der SA lieferte. Er wurde am 16. April 1933 verhaftet und schwer mißhandelt. Noch ehe der Prozeß am 13. Februar 1935 vor dem OLG begann, war das Todesurteil bereits beschlossene Sache, er wurde am 18.März 1935 dreimal zum Tode verurteilt. Friedrich (Fiete) Schulze wurde am 6.Juni 1935 mit dem Handbeil in Hamburg enthauptet.

Wer war wer in DDR

Schulze, Rudolph

* 18.11.1918 – ✝ 26.11.1996

Geb. in Chemnitz; Vater Apotheker; Volksschule u. Gymnasium; 1934 – 37 Ausbildung zum Drogisten; 1937 – 39 Drogist in Chemnitz; 1939 – 45 Kriegsdienst in einer Sanitätskompanie, Uffz.; 1945 – 48 sowj. Kriegsgefangenschaft. Rückkehr nach Dtl.; 1948 CDU; 1948 – 50 Verw.-Angest. in Schwarzenberg; 1950 hier Bürgermstr.; Mitgl. des Krs.-Tags Aue; 1950/ 51 Abg. des Sächs. Landtags; 1950 – 52 Min. für Handel u. Versorgung des Landes Sachsen; 1952 – 55 stellv. Vors. des Rats des Bez. Leipzig; Mitgl. des CDU-Bez.-Vorst.; ab 1954 Mitgl. des Pol. Aussch., dann des Präs. des CDU-Hauptvorst.; 1955 – 58 Präs. der IHK der DDR; 1958 – März 1990 Abg. der Volkskammer; 1958 – 63 GD der intercontrol Berlin; 1963 – 89 Minister für Post- u. Fernmeldewesen (Nachf. von  Friedrich Burmeister); 1971 – 89 zugl. Stellv. des Vors. des Min.-Rats (Nachf. von  Max Sefrin); 1969 – 89 Präs. der Freundschaftsges. DDR – Afrika (Nachf. von  Walter Markov); 1974 u. 1983 VVO.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Schumacher, Ernst

* 12.9.1921 – ✝ 7.6.2012

Geb. in Urspring (Oberbayern); Vater Molkereiarb., Mutter Damenschneiderin; humanist. Gymnasium in Kempten (Allgäu); 1940 – 43 Kriegsdienst; nach schwerer Verwundung an der Ostfront Studium der Germanistik u. Theaterwiss. an der Univ. München. 1946 – 49 als Publizist tätig, Red.-Mitgl. der linkskath. Jugendztg. »Ende u. Anfang« in Augsburg; seit 1947 eigene dramat. Versuche; 1949 KPD; später DKP; 1949 – 54 Korrespondent des Berliner Rundfunks u. des Dtl.-Senders; 1953 Prom. an der Univ. Leipzig bei  Hans Mayer,  Ernst Bloch u.  Ernst Engelberg zum Thema »Die dramat. Versuche  Bertolt Brechts 1918 – 1933« (veröff. 1955); 1954 – 62 pol. Publizist, Lit.- u. Theaterkritiker in der »Dt. Woche« München u. mit Honorarvertrag Bertolt-Brecht-Forscher in der DAK; 1962 Übersiedl. in die DDR; seit 1958 Mitgl. des Dt. PEN-Zentrums Ost u. West, 1964 – 67 Mitgl. des Präs.; seit 1964 Theaterkritiker der »Berliner Ztg«; 1965 Habil. an der Philosoph. Fak. der KMU Leipzig zum Thema »Drama u. Geschichte, Bertolt Brechts ?Leben des Galilei? u. andere Stücke« (veröff. 1965); 1966 ord. Prof. für Theorie der darstellenden Kunst/Künste an der HU Berlin; 1971 – 89 SED; 1971 – 90 Präs. der DDR-Sekt. der Internat. Theaterkritikervereinigung AICT / IACT, seit 1981 Vizepräs. ehrenhalber; 1972 – 91 Ord. Mitgl. der Sekt. Darstellende Kunst der AdK der DDR; 1971 Goethe-Preis der Hauptstadt Berlin der DDR; 1976 Lessing-Preis der DDR; 1981 VVO; 1986 NP; 1987 em. 1990 PEN Ost, seit 1998 PEN Dtl.; verh. mit Renate S., Publizistin, Regisseurin; gest. in Schwerin am Teupitzsee.Lotosblüten u. Turbinen. China zw. gestern u. morgen. Report. Berlin 1958; Theater der Zeit – Zeit des Theaters. Thalia in den Fünfzigern. Berlin 1960; Der Fall Galilei. Das Drama der Wissenschaft. Berlin 1964: Die Versuchung des Forschers. Visionen aus der Realität. Drama. Berlin 1975; Poem des Nichtvergessens. Rezitatorium für den Genossen Doktor Richard Schmincke. Berlin 1977; Berliner Kritiken I, II 1964 – 74 (1975), III 1974 – 79 (1982), IV 1979 – 84 (1986); Brecht-Kritiken. Berlin 1977; Schriften zur darstellenden Kunst. Berlin 1978; Leben Brechts in Wort u. Bild. Berlin 1978 (zus. mit Renate S.); Neue Schriften zur darstellenden Kunst. Berlin 1986; Entschuldigung – und eine Erneuerung? Theater heute (1990) 3; Mein Brecht. Erinnerungen 1943 – 56. Berlin 2006; Ein bayer. Kommunist im doppelten Dtl. Hrsg. v. M. Schwartz. München 2007.Aune Renk

Wer war wer in DDR

Schumann, Frank

* 24.10.1951

Geb. in Torgau (Elbe); Vater Pfarrer; EOS mit Berufsausbildung zum Spezialglasfacharb., Abitur; 1970 – 73 NVA; 1973 SED; 1973/74 Volontär bei der Ztg. »Junge Welt«; 1974 – 78 Studium an der Sekt. Journalistik der KMU Leipzig, Dipl.-Journalist; 1978 – 81 Red.; 1981 – 88 stellv. Ltr. bzw. Ltr. der Abt. Wiss.; Febr. 1989 Ltr. der Abt. Kultur; 1989/90 Stellv. Chefred. bzw. Chefreporter der Ztg. »Junge Welt«; als IM »Karl« beim MfS erf. 1990 Vors. des Forums Berliner Linke e. V.; 1991 Mitbegr. u. später Ltr. des Verlags »Edition Ost« (Berlin), der später in der Eulenspiegel-Verlagsgruppe aufging; Ghostwriter für versch. Künstlerbiogr.; lebt in Berlin.»Zieh dich warm an« – Soldatenpost u. Heimatbriefe aus zwei Weltkriegen. Berlin 1989; Glatzen am Alex. Berlin 1990; Der rote Graf. Heinrich Graf von Einsiedel. Frankfurt (Oder) 1994; Lotte u. Walter: Die Ulbrichts in Selbstzeugnissen, Briefen u. anderen Dok. Berlin 2003.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Schubert, Werner

* 4.1.1929

Geb. in Chemnitz; Vater Arbeiter; Volksschule; Lehre u. Arbeit als Dreher; 1947 SED; 1948 – 52 Hauptwachtmeister bei der Dt. Grenzpolizei; 1952 – 59 Red. bzw. Redaktionssekr. beim SED-Bezirksorgan »Märkische Volksstimme« in Potsdam; 1959 – 63 Studium an der KMU Leipzig, Dipl.-Journalist; 1974 stellv. Chefred., 1987 – 89 Chefred. der Ztg. »Märkische Volksstimme« (Nachf. von  Peter Trommer); Mitgl. der SED-BL Potsdam; Vors. des VDJ-BV Potsdam.Andreas Herbst

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Schuchardt, Gerd

* 11.3.1942

Geb. in Erfurt; Ausbildung zum Funkmechaniker; Abitur; 1964 – 69 Studium an der TH Ilmenau; 1969 – 89 wiss. Mitarb. im Forschungszentrum des VEB Kombinat Carl Zeiss Jena; 1975 Prom. zum Dr.-Ing. an der TU Dresden mit einer Arbeit über Werkstückfehler beim Schleifen von Gewindespindeln; postgraduales Studium der Mikroprozessortechnik; 1985 NP für Wiss. u. Technik im Kollektiv; zahlr. Patente auf dem Gebiet der Präzisionstechnik; Jan. 1990 SDP/SPD; 1990 – 99 Mitgl. des SPD-LV Thür. 1990 – 2004 MdL u. 1990 – 94 Vors. der SPD-Fraktion im Thür. Landtag; Febr. 1991 u. Dez. 1994 – März 1996 Landesvors. der SPD Thür.; 1994 – 99 Min. für Wiss., Forschung des Freistaats Thür.; 2005 Thür. Verdienstorden; Ehrenämter im MDR-Verwaltungsrat, in der Ernst-Abbé-Stiftung, im Kuratorium Dt. Einheit Point Alpha u. im Forum-Ost der SPD.Helmut Müller-Enbergs

dissidenten.eu

Schult, Reinhard

* 1951

Bausoldat, nach politischer Haft Engagement in christlichen und marxistischen Oppositionsgruppen, im Friedenskreis der Evangelischen Studentengemeinde, in der Gruppe „Gegenstimmen“ und der Kirche von Unten, 1989 eines der Gründungsmitglieder des Neues Forums, Abgeordneter am Zentralen Runden Tisch, Mitorganisator der Demonstration vor der Berliner Stasi-Zentrale am 15. Januar 1990, erneute Besetzung der Stasi-Zentrale zur Durchsetzung der Aktenöffnung.Ende der 90er Jahre lebte Reinhard Schult zusammen mit seiner Freundin und zwei Kindern in Fredersdorf bei Gramzow, einem winzigen Dorf in der Uckermark. Dort stand er an fünf Abenden in der Woche hinter dem Tresen der Gaststätte „Zur Linde“ und ließ sich von den Kneipenbesuchern erzählen, was es Neues im Ort gibt. Die Bauern hatten schnell Zutrauen zu dem Neuankömmling aus der Stadt gewonnen und ihn bei der Kommunalwahl 1998 zum stellvertretenden Bürgermeister der 140 Einwohner zählenden Gemeinde gewählt. Neben dieser ehrenamtlichen Tätigkeit kümmerte er sich auf seinem Hof um das Federvieh und die Schafe, baute Gemüse und Obst an und widmete sich der Ausbesserung seines rund 200 Jahre alten Fachwerkhauses. Wer ihn in Arbeitskluft zwischen Hühnerstall und Gemüsebeet sah, mag an einen verbannten Volkstribunen oder an Kaiser Diokletian gedacht haben, der sich angewidert vom sittenlosen Treiben der Römer nach Dalmatien zurückzog, um dort Melonen zu züchten. Doch wer Schult für einen resignierten Aussteiger hält, hat nichts vom Wesen der DDR-Opposition begriffen. Niemals ging es da um Posten und Karrieren. Im Grunde ging es nicht einmal um Politik im engen Sinne des Wortes, sondern um Verweigerung und Selbstachtung. „Die Opposition in der DDR war eine kleine Opposition“, schrieb Reinhard Schult rückblickend im Jahre 1995. „Fast kannte jeder jeden. Die Hoffnung, das SED-Regime zu stürzen, hatte niemand von uns. Es ging um etwas mehr Luft in dieser miefigen DDR, um etwas mehr Bewegungsfreiheit in der Zwangsjacke. Wir waren eine verschwindende Minderheit – ohne Rückhalt in der Bevölkerung.“ Und Reinhard Schult gehört zum Urgestein jener DDR-Opposition, die sich seit den 70er Jahren im Schutzraum der Evangelischen Kirchen sammelte. Der Konflikt mit der DDR-Obrigkeit war für den 1951 in Berlin geborenen Reinhard Schult von frühester Kindheit an selbstverständlich. Seine Mutter war Krankenschwester im Krankenhaus Berlin-Kaulsdorf. In dem östlichen Randbezirk von Berlin wohnte auch die Familie. Als die Mauer gebaut wurde, saßen sie bereits auf gepackten Koffern, um in den Westen zu gehen. Sie hatten schon die Flugkarten von West-Berlin in die Bundesrepublik gekauft. Dann schlug die Falle zu und es wurden lange Zeit Pläne geschmiedet, wie man doch noch in den Westen kommen könnte. Es gab dort eine zahlreiche Verwandtschaft und schon in der Schule galt Reinhard Schult als „westlich eingestellt“. Er las lieber verbotene Micky-Maus-Hefte als die Pionierzeitschrift „Trommel“. Der lange Abschied von der Staatsideologie, die Brüche und Konflikte mit dem Elternhaus und die qualvolle Lösung aus den Armen der Partei, die für viele kritische DDR-Intellektuelle so typisch waren, blieben Schult erspart. In der Jungen Gemeinde in Berlin-Mahlsdorf fand er einen verständnisvollen Pfarrer, der eine interessante Jugendarbeit machte. Schult überzeugte die ganze Klasse einschließlich des FDJ-Sekretärs, geschlossen zu einer Kirchenveranstaltung zu gehen und löste damit den ersten Skandal seiner Laufbahn aus. In der zwölften Klasse trat er aus der FDJ aus und verweigerte bei der Musterung den Wehrdienst in der Nationalen Volksarmee (NVA). Doch an der Betriebsberufsschule des Wohnungsbaukombinats in Berlin-Oberschöneweide wurde wohl manches nicht so verbissen gesehen wie an einer Erweiterten Oberschule. Immerhin konnte Schult 1971 dort neben der Facharbeiterprüfung als Maurer das Abitur ablegen. Danach begann er ein Studium der Theologie am Sprachenkonvikt in Berlin. Nach einigen Monaten erkannte er, auch hier am falschen Ort zu sein. Mittlerweile junger Familienvater, ging er auf den Bau, wo man für damalige Verhältnisse ganz gut verdiente. 1976 wurde Schult für 18 Monate als Bausoldat eingezogen. Nach seiner Rückkehr begann er, in oppositionellen Zirkeln und Gruppen tätig zu werden. Er trat mit Freunden in Kirchen auf, wo sie Lieder und Texte von Wolf Biermann, Reiner Kunze und anderen Schriftstellern vortrugen. 1979 wurde ein Bekannter beim Versuch, die DDR zu verlassen, verhaftet. Beim Stasi-Verhör beschuldigte dieser seinen Freund, in die Fluchtvorbereitungen eingeweiht gewesen zu sein, woraufhin Schult am 13. August 1979 unter dem Vorwurf der Beihilfe zur Republikflucht verhaftet wurde. Vor Gericht nahm sein Bekannter die belastenden Aussagen zurück, sodass dem wutentbrannten Staatsanwalt nur noch der Anklagepunkt „Öffentliche Herabwürdigung“ blieb. Wegen einer Ausgabe der Zeitschrift „Roter Morgen“ der westdeutschen KPD/ML und Texten von Wolf Biermann wurde Schult zu neun Monaten Freiheitsentzug verurteilt. Weniger konnte man ihm nicht geben, weil er diese Zeit schon in Untersuchungshaft abgesessen hatte. Bei seiner Haftentlassung wurde ihm bedeutet, dass ein Ausreiseantrag gute Chancen hätte, schnell genehmigt zu werden. Doch nun wollte Schult nicht mehr. Er stürzte sich in das damals aufblühende Treiben der Friedens- und Umweltgruppen, nahm 1980 an dem Friedensseminar in Königswalde teil, organisierte Diskussionsforen ehemaliger Bausoldaten, auf denen für die Verweigerung des Dienstes an der Waffe geworben wurde, arbeitete im Friedenskreis der Evangelischen Studentengemeinde mit, bildete einen Diskussionskreis zur Geschichte der KPD und einen Karl-Marx-Kreis. Ab 1985 war er in der Gruppe „Gegenstimmen“, seit 1987 in der Kirche von Unten (KvU). Die unbekümmerte Mixtur von christlichen und linksradikalen Ideologiefragmenten gehörte zum Erscheinungsbild der Opposition jener Jahre. Der Gestus war hier wichtiger als die theoretische Stringenz.Am 7. Mai 1989 beteiligte er sich aktiv an der landesweiten Organisation der Aufdeckung der Wahlfälschung. Am 9. September schließlich gehörte er zu den 29 Erstunterzeichnern des Aufrufs „Aufbruch 89 – Neues Forum“. Im Neuen Forum versuchte er in den folgenden Monaten die basisdemokratischen Ideale hochzuhalten. Durch die Fernsehübertragungen der Sitzungen des Zentralen Runden Tisches und zahlreiche andere öffentliche Auftritte wurde er im ganzen Land bekannt. Stets mürrisch und schlecht gelaunt brachte er im Berliner Proletenslang die Dinge auf den Punkt und zerstörte das Harmoniegesäusel der alten Obrigkeit.Am 15. Januar 1990 gehörte er zu den Organisatoren der Demonstration vor der Stasi-Zentrale in der Ruschestraße, die mit der Besetzung des Gebäudekomplexes durch Demonstranten endete. In den folgenden Monaten vertrat er das Neue Forum in der Arbeitsgruppe Sicherheit, welche die Auflösung des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) kontrollierte. Nach der freien Volkskammerwahl im März 1990 und der Einsetzung eines Staatlichen Komitees für die Auflösung der Staatssicherheit unter der Dienstaufsicht des neuen Innenministers Peter-Michael Diestel bildete Schult eine eigene Gruppe innerhalb der Behörde, die den Geist der Bürgerkomitees aufrechtzuerhalten suchte. In den Monaten bis zur staatlichen Vereinigung zeichnete sich in der Frage des Umgangs mit den Hinterlassenschaften der DDR-Staatssicherheit eine Symbiose zwischen dem Beamtenapparat aus dem Westen und den alten DDR-Seilschaften ab. Leute wie Schult störten diese neue Eintracht. Und er tat es gründlich. Als der Plan des Bundesinnenministers bekannt wurde, die Archive des MfS ins Bundesarchiv nach Koblenz zu überführen und dort unter Verschluss zu halten, besetzten Schult und seine Gruppe symbolisch einige Räume des Archivs der Staatssicherheit. Die Polizei riegelte das Gelände ab und bereitete sich zum Sturm vor. Wieder standen die Oppositionellen gegen die Staatsmacht. Es waren die alten Uniformen und die alten Kader, nur dass sie inzwischen unter dem Befehl des CDU-Innenministers Diestel standen. Ein Besuch der Volkskammerpräsidentin Sabine Bergmann-Pohl am Ort des Geschehens entspannte die Situation. Die Besetzer traten nun in den Hungerstreik, um den Verbleib der Akten in der DDR durchzusetzen. Als die Volkskammer über diese Frage debattierte, erschienen Schult und einige Freunde im Plenarsaal. Unrasiert und gezeichnet vom Hungerstreik stand er im Blitzlichtgewitter. Unter dem Druck dieser Aktionen beschloss das DDR-Parlament den Verbleib der Akten in Berlin und die Einsetzung eines Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes. Die Bürgerbewegung erzielte damit einen letzten großen Erfolg. Schult wurde am 2. Dezember 1990 auf der Liste von Bündnis ‘90/Die Grünen ins Berliner Abgeordnetenhaus gewählt. Doch der Kreis der DDR-Bürgerrechtler war klein geworden und schmolz weiter zusammen. Sie trennten sich von der Fraktion und bildeten eine Abgeordnetengruppe mit dem Namen „Neues Forum/Bürgerbewegung“. Nach dem Ende der Legislaturperiode 1995 wurde Schult arbeitslos, meldete sich schließlich beim Sozialamt. Für Rebellen gibt es keine Versorgungsansprüche. Schult hat das immer gewusst und sich nie darüber beklagt. Von einem Rückzug aus der Politik will er auch heute nichts wissen. Schult kümmert sich um rechtsradikale Jugendliche, schreibt gelegentlich in Zeitungen, ist in den Medien präsent, zog zwischenzeitlich auch in ein anderes Dorf nahe Bernau bei Berlin, um abermals einen neuen Hof aufzubauen. Er ist Mitglied des Arbeitsausschusses des Neuen Forums Berlin und arbeitet heute bei der Brandenburger Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur (LAkD), Ulrike Poppe, in der Bürgerberatung. Dass die einstige Volksbewegung nur noch ein Schatten ihrer selbst ist, ficht ihn dabei wenig an. Wo er ist, ist das Volk – auch wenn er ganz allein ist.Stefan Wolle Letzte Aktualisierung: 08/16

Wer war wer in DDR

Schultheiß, Roland

* 29.5.1926 – ✝ 3.2.1992

Geb. in Chemnitz; Vater Arbeiter; Volks- u. Berufsschule, Lehre u. Arbeit als Schriftsetzer; 1943 RAD, Flakhelfer. 1945 KPD, 1946 SED; Okt. – Nov. 1945 Lehrgang an der SED-LPS Sachsen, anschl. Sekr. des Landesjugendaussch.; Redaktionssekr. der »Sächsischen Volkszeitung« bzw. Redaktionssekr. u. Volontär bei der »Chemnitzer Volksstimme«; 1947 / 48 Journalistenlehrgang an der PHS der SED, anschl. wieder Red. der »Volksstimme« in Chemnitz; ab Okt. 1949 Hauptred. in der theoret. Ztschr. »Neuer Weg« bzw. bis Ende 1951 Red. der Ztschr. »Für dauerhaften Frieden, für Volksdemokratie«, 1952 / 53 erster Chefred. des SED-Bezirksorgans »Neuer Tag« in Frankfurt (O.); zeitw. Mitgl. der SED-BL Frankfurt (O.); Mai 1953 Entbindung von der Funktion wg. Parteiausschluß u. Republikflucht seines Vaters; anschl. Red. u. stellv. Chefred. der Ztg. »Freie Erde« Neubrandenburg; 1955 Vors. des VDJ-BV Neubrandenburg; ab 1959 Red. der Ztg. »Leuna-Echo« (Organ der SED-KL der Leuna Werke »Walter Ulbricht«) u. Mitgl. der SED-KL; gest. in Halle.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schulz, Annemarie

* 26.3.1897 – ✝ 28.10.1979

Geboren am 26. März 1897 in Gablenz/Regierungsbezirk Cottbus als Annemarie Blaeske, Tochter eines Bauern. Sie wurde Textilarbeiterin, trat 1925 dem Textilarbeiterverband bei und wurde im August 1929 Mitglied der KPD. 1930/31 Frauenleiterin bzw. Kassiererin des KPD-UB Cottbus, 1932 Frauenleiterin der UBL Lausitz, 1932 Kursantin der Reichsparteischule in Berlin-Fichtenau. Annemarie Schulz wurde im April 1932 im Wahlkreis Berlin in den Preußischen Landtag gewählt. Sie war von März bis November 1933 im Berliner Frauengefängnis in der Barnimstraße und nochmals von August bis Dezember 1944 im Lager Schwetig bei Frankfurt/Oder inhaftiert. 1945/46 Hilfsfürsorgerin in Cottbus, trat wieder der KPD bei, engagierte sich im Antifaschistischen Frauenausschuß und war 1947/48 Geschäftsführerin des DFD-Kreisvorstandes Cottbus, 1949 VdN-Rentnerin. Sie erhielt 1977 den VVO in Gold. Annemarie Schulz starb am 28. Oktober 1979 in Cottbus.

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Schulz, Richard

* 5.1.1899

Geboren am 5. Januar 1899 in Königszelt/Schlesien; lernte den Bergmannsberuf und arbeitete im Waldenburger Kohlerevier. 1920 Mitglied der KPD, aktiver Funktionär. Mitte 1924 als Anhänger der Linken zum Orgleiter in die BL Schlesien berufen. Schulz wurde 1924 in den Preußischen Landtag gewählt und der X. Parteitag 1925 berief ihn in die Politische Kommission. Im Oktober 1926 stand er im Mittelpunkt eines Prügelskandals. Weil der jähzornige Schulz die Frau des SPD-Abgeordneten Osterroth beleidigt hatte, wurde er von dessen zwei Söhnen mit Peitschen geschlagen. Seit 1928 war Schulz kein Landtagsabgeordneter mehr. Im gleichen Jahr setzte der Polleiter von Schlesien, Erich Hausen, durch, daß Schulz aus der KPD ausgeschlossen wurde. Danach soll Schulz für die NSDAP aufgetreten sein, verschwand aus der Politik. Er lebte von seiner Frau getrennt, als deren Kind verschwand, kam das Gerücht auf, Schulz habe es ermordet, aber er selbst behauptete, das Kind sei zur Erholung. Später soll sich herausgestellt haben, daß Schulz das Kind in einem Anfall geistiger Umnachtung umgebracht hatte. Soweit sich feststellen ließ, endete Richard Schulz in einer Psychiatrischen Anstalt, genauere Daten seines Lebenslaufs waren nicht zu ermitteln.

Wer war wer in DDR

Schulz, Gerd

* 5.6.1947

Geb. in Drewin (Krs. Neustrelitz); Vater Arbeiter; OS, Abitur mit Facharbeiterausbildung als Industriekfm.; 1964 FDJ; 1965, 1971 u. 1975 Artur-Becker-Medaille; 1966 – 71 Studium an der THC Merseburg, Dipl.-Ing.; 1968 – 71 stellv. Sekr. u. 1972/73 Sekr. der FDJ-GO der THC; 1969 SED; 1971/72 SED-BPS; 1974 – 78 1. Sekr. der FDJ-KL des VEB Chem. Werke Buna; 1978/79 stellv. Abt.-Ltr. Jugend, 1979/80 Abt.-Ltr. Arbeiterjugend im ZR; 1980 – 85 Sekr. des ZR der FDJ; 1982 Kampforden für Verdienste um Volk u. Vaterland; 1983 VVO; 1985 – 89 Abt.-Ltr. Jugend im ZK der SED (Nachf. von  Wolfgang Herger); 1986 – 89 Mitgl. des ZK der SED; 1986 – März 1990 Abg. der Volkskammer u. Vors. ihres Jugendaussch.; Dez. 1990 Mitgl. des Arbeitsaussch. zur Vorber. des a. o. Parteitags der SED; ab Dez. 1990 stellv. Vors. der Schiedskommission der SED/PDS bzw. PDS; 28.2.1990 Beendigung der hauptamtl. Tätigkeit im Apparat der SED/PDS; 1990 Angest.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Schulz, Max Walter

* 31.10.1921 – ✝ 15.11.1991

Geb. in Scheibenberg (Erzgeb.); Vater Angest.; Volksschule u. Gymnasium; 1939 – 45 Soldat; amerik. Kriegsgefangenschaft. 1945/46 Hilfsarb. u. Neulehrer; 1946 – 49 Studium der Pädagogik an der Univ. Leipzig; SED; 1950 – 57 Lehrer; 1957 – 59 Studium am Inst. für Lit. »Johannes R. Becher« Leipzig; 1962/63 Sekr. des DSV; 1962 erster, vielgelesener Roman »Wir sind nicht Staub im Wind«; 1964 – 83 Dir. des Inst. für Lit. »Johannes R. Becher« (Nachf. von  Max Zimmering); 1964 NP; 1967 – 69 Kand., 1969 – 71 Mitgl. der SED-BL Leipzig; 1969 Mitgl. der DAK; Prof.; 1969 – 90 Vizepräs. des SV, Verteidiger des offiz. Literaturkonzepts; 1983 – 90 Chefred. der Ztschr. »Sinn u. Form« (Nachf. von  Paul Wiens), vorsichtige Öffnung der Ztschr. für Literaturdebatten u. gesellschaftskrit. Texte; Verf. von Prosa u. Essays; 1978 VVO; 1980 NP; 1987 Dr. h. c. der PH Leipzig; gest. in Berlin.Triptychon mit sieben Brücken. Halle 1974; Pinocchio u. kein Ende. Notizen zur Lit. Halle 1978; Der Soldat u. die Frau. Halle 1978; Die Fliegerin oder Aufhebung einer toten Legende. Halle 1981; Auf Liebe stand Tod. Halle 1989.Andreas Kölling

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schulze, Hermann

* 4.4.1897 – ✝ 58 und 196

Geboren am 4. April 1897 in Gera-Untermhaus, Sohn einer Weberfamilie; lernte Schlosser und arbeitete in Textilfabriken. 1916 Mitglied der SPD, im Weltkrieg aktiv in der Spartakusgruppe, Teilnehmer der linksradikalen Jugendkonferenz in Jena 1916, 1917 Mitglied der USPD. Schulze nahm als Gast am Gründungsparteitag der KPD Ende 1918 in Berlin teil. Vorsitzender der KPD in Gera, dort bis 1929 Stadtrat. Er wurde 1924 und erneut 1927 in den Thüringer Landtag gewählt und war in der BL Thüringen Sekretär für Kommunalpolitik. Bei den Auseinandersetzungen in der Thüringer KPD 1928/29 schloß er sich (wie fast die ganze Fraktion) der KPO an und war dann in der KPO-Thüringen tätig. Er saß 1933 in »Schutzhaft« im KZ Sulza. 1939 Einberufung zur Wehrmacht, abkommandiert zur Bewachung von englischen und französischen Kriegsgefangenen. Schulze wurde 1943 verhaftet unter dem Verdacht, eine illegale Organisation zur Unterstützung der Kriegsgefangenen aufgebaut zu haben, in die Militärstrafanstalt Naumburg eingeliefert, aber vom Kriegsgericht im April 1944 nicht verurteilt. 1945 trat Schulze der SPD bei, war Bezirksbürgermeister in Gera-Untermhaus. 1946 in die SED übernommen, von 1948 bis 1959 Angestellter in einer Färberei, nach einem Herzanfall arbeitsunfähig, Leiter des Sportamtes und bis 1950 auch Vorsitzender des Wohnungsausschusses für Gera. Als früherer KPO-Funktionär wurde Schulze im Dezember 1950 aus der SED ausgeschlossen mit dem Vorwurf, er hätte »Nazis gedeckt«. Sogar die Verleihung der Medaille »Kämpfer gegen den Faschismus« wurde ihm verwehrt, die VdN-Bezirkskommission Gera erhielt zwischen 1958 und 1967 nicht die dafür notwendige Bestätigung aus Ost-Berlin. Hermann Schulze starb am 11. September 1967 in Gera.

Schulze, Manfred (»Catcher«)

* 17.8.1934

Geb. in Schweizerthal; 1954 – 58 Privatunterricht (Harmonielehre, Piano, Klarinette); 1958/ 59 im Tanzorchester »Melodie«, 1960/61 im Orchester Eberhard Weise; 1962/63 Man- fred-Ludwig-Sextett (gemeinsame Ltg. mit  Ernst-Ludwig Petrowsky); 1965 in der  [linkintern=?ID=2073]Klaus Lenz[/linkintern] Modern Jazz Big Band (zwei LPs auf Amiga) u. in der Folge auch bei anderen Lenz-Besetzungen; 1963 Gründung des M.-S.-Bläserquintetts (einer a-capella-Bläsergruppe, die S.-Kompositionen spielte), 1972 Gastspiel beim Jazzfestival Prag, 1985 u. 1986 LPs bei Free Music Production, 1988 Amiga-LP; 1964 – 68 künstler. Ltr. der Gerhard-Stein-Combo; 1972 Mitgl. der ersten  [linkintern=?ID=1162]Ulrich Gumpert[/linkintern] Workshop Band (Amiga-Live-LP »Jazz in der Kammer«); 1970/71 Gruppe »Praxis II«; 1973 M.-S.-Formation; ab 1973 Zusammenarb. mit dem klass. Pianisten  [linkintern=?ID=1665]Hermann Keller[/linkintern], zunächst im Duo, später im Berliner Improvisations-Quartett mit Andreas Altenfelder (Trompete) u. Wilfried Staufenbiel (Cello u. Gesang), 1979 LP bei Amiga u. Aufnahmen auf der Doppel-Live-LP »Snapshot – Jazz now – Jazz aus der DDR«; in den 1980er Jahren Trio mit dem Pianisten Hannes Zerbe u. dem Schlagzeuger Peter Gröning sowie im Quintett mit Zerbe, Helmut Forsthoff (Saxophon), Jochen Gleichmann (Trompete) u. Dieter Keitel (Schlagzeug); Mitgl. der Hannes Zerbe Blechband (1984 Amiga-LP); 1986 Tournee »Clarinet Summit« mit Theo Jörgensmann, Denis Colin u. Heiner Reinhardt; nach schwerer Erkrankung 1991 Rückzug aus dem Musikerleben. Sch. strebte eine Synthese von zeitgenöss. »klass.« Musik u. zeitgenöss. Jazz an u. gilt als origineller u. eigenwilliger Musiker u. Komponist.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schumann, Georg

* 28.11.1886 – ✝ 11.1.1945

Am 28. November 1886 in Reudnitz bei Leipzig geboren, vom Vater (Steindrucker und Sozialist) wurden Georg Schumann und seine zwei Geschwister im sozialistischen Sinne erzogen. Er lernte Werkzeugmacher, wurde 1905 Mitglied der SPD, 1907 Übersiedlung nach Jena. Aktiv in der sozialistischen Jugendbewegung, kam 1912 auf die sozialdemokratische Parteischule in Jena. Dort begegnete er Rosa Luxemburg, die seine agitatorische und journalistische Begabung erkannte, und auf ihren Vorschlag hin wurde Schumann von der SPD als Redakteur angestellt. Im Oktober 1912 zunächst Lokalredakteur in Hof, dann ab 1913 Redakteur an der »Leipziger Volkszeitung«. Während des Krieges in der Gruppe Internationale aktiv, für die er in Leipzig vor allem unter der Jugend wirkte. 1915 kurze Zeit verhaftet, dann 1916 zum Train eingezogen, wo er seine Aktivitäten für die Spartakusgruppe fortsetzte. Deshalb zweimal vom Kriegsgericht wegen »Kriegsgegnerschaft und Zersetzung der Truppe« zu Festungshaft verurteilt. Zu seinen Bewachungssoldaten gehörte Max Hoelz, der später schrieb, dieser Gefangene habe ihm erste Einsichten in den Sozialismus vermittelt. Im November 1918 kehrte Schumann nach Leipzig zurück und leitete dort den Spartakusbund. Ab 1919 Polleiter des KPD-Bezirks Leipzig, 1921 des Bezirks Halle-Merseburg, 1921 zum Abgeordneten des Preußischen Landtags gewählt. Der VII. Parteitag 1921 berief ihn in die Revisionskommission und in den ZA der KPD, der VIII. Parteitag 1923 in die Zentrale der KPD. Da sich Schumann nach der Oktoberniederlage 1923 der Mittelgruppe anschloß, beriefen ihn die Linken 1924 nicht wieder in die Zentrale, er blieb bis Ende 1924 Chefredakteur der »Welt am Abend«. Im Mai 1924 wurde Schumann in den Reichstag gewählt, mußte aber auf Anweisung der linken Zentrale zugunsten von Hedwig Krüger zurücktreten. Als sein Landtagsmandat Ende 1924 erlosch, stellte ihn die Fischer-Maslow-Führung nicht mehr als Kandidat auf. Nun ohne Immunität polizeilich gesucht, ging er Anfang 1925 nach Moskau, wo er in der RGI arbeitete. Im März 1926 nach Deutschland zurückgekehrt, um wieder Polleiter des Bezirks Halle-Merseburg zu werden, wurde aber im April 1926 als Mitglied der Zentrale von 1923 verhaftet und kam erst 1927 frei. Der XI. Parteitag 1927 berief Schumann ins ZK, er wurde Polleiter des Bezirks Westsachsen (Leipzig). Im Mai 1928 zog er im Wahlkreis Leipzig als Abgeordneter in den Reichstag ein. Schumann zählte zu den führenden Köpfen der Versöhnler und war Mitstreiter Ernst Meyers. Trotz vielfältiger Proteste wurde er Anfang 1929 als Polleiter in Westsachsen abgesetzt und vom XII. Weddinger Parteitag 1929 nicht wieder ins ZK aufgenommen. Er kapitulierte Ende 1929 vor dem ZK und kam im September 1930 im Wahlkreis Thüringen erneut in den Reichstag, dessen Abgeordneter er bis 1933 blieb. Vom ZK wurde Schumann vor allem für Sozialarbeit sowie in der Erwerbslosenbewegung eingesetzt. Nach dem Reichstagsbrand illegal in Breslau, am 15. Juni 1933 verhaftet und am 15. August 1934 vom VGH zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt, danach 1936 im KZ. Im Frühjahr 1939 bei der großen Entlassungsaktion freigelassen, kehrte Schumann nach Leipzig zurück und arbeitete wieder als Schlosser. Er trat in Verbindung zu bekannten Kommunisten und baute während des Krieges systematisch eine der größten kommunistischen Widerstandsgruppen, die sogenannte Schumann-Engert-Kresse-Gruppe auf. Diese wirkte in Leipzig und Umgebung als »Nationalkomitee Freies Deutschland«. Zur Führung gehörte neben dem ehemaligen Versöhnler Schumann auch der ehemalige Rechte Otto Engert. Diese Gruppe propagierte entgegen der Linie der Moskauer KPD-Führung und deren Tarnpolitik offen sozialistische Prinzipien. Im Juli 1944 wurde Schumann festgenommen. Der VGH verurteilte ihn nach schwerem Martyrium am 23. November 1944 zum Tode. Georg Schumann wurde am 11. Januar 1945 in Dresden hingerichtet. Auch sein Sohn Horst Schumann (* 6. 2. 1924 – † 28. 12.1993) war in dieser Widerstandsgruppe. Nach 1945 Mitglied der KPD und FDJ, von 1950 bis 1953 1. Sekretär des FDJ-Landesverbandes Sachsen, nach einem Studium an der PHS in Moskau wurde er vom Mai 1959 bis 1967 1. Sekretär des FDJ-Zentralrats. Er war von 1959 bis Herbst 1989 Mitglied des ZK der SED, von 1960 bis 1971 Mitglied des Staatsrates der DDR und von 1970 bis 1989 1. Sekretär der SED-BL Leipzig.

Wer war wer in DDR

Schumann, Fritz

* 8.12.1948

Geb. in Garbisdorf (Krs. Altenburg); Vater Bauer; zehnklassige Volksschule u. landw. Berufsausbildung mit Abitur, Agrotechniker; dann Landw.-Studium an der MLU Halle, Dipl.-Agrar-Ing.; nach Forschungsstudium 1975 Prom. am Lehrstuhl Physiol. u. Ernährung der Kulturpflanzen; 1975 SED; später Mitgl. der KL Staßfurt bzw. der BL Magdeburg der SED; 1977 – 83 Vors. der LPG Groß Börnecke (Krs. Staßfurt); dann bis 1990 Dir. der Agrarindustrie-Vereinigung (AIV) Wanzleben; langj. Mitgl. des Bez.-Vorst. Magdeburg der Agrarwiss. Ges.; Dez. 1989 auf dem a. o. Parteitag der SED-PDS in den PV gewählt; Ltr. des Arbeitskrs. Landw.; März – Okt. 1990 Abg. der Volkskammer. Okt. 1990 – 94 Abg. des Dt. Bundestags, wirtschafts- u. agrarpol. Sprecher der Bundestagsgr. PDS/Linke Liste; 1993 Krs.-Vors. der PDS im Krs. Börde; 1994 PDS-Kand. zum Europaparlament; seit 2002 Hauptgeschäftsf. des Landesbauernverb. Sachsen-Anh.; 2004 Lehrauftrag, ab 19.8.2009 Prof. Dr. h. c. der HS Anhalt.Siegfried Kuntsche