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BioLex

In der Kategorie BioLex sind drei wichtige Lexika mit über 5500 Biografien von überzeugten Kommunistinnen und Kommunisten, Renegatinnen und Dissidenten im Volltext recherchierbar.

 

Das Handbuch „Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945“ wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam.

Kurzbiografien zu Personen des politischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 bereit.

Zudem ist das Online-Lexikon www.dissdenten.eu ebenfalls auf unserer Seite aufrufbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Informationen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Simkowski, Heinz

* 13.3.1931 – ✝ 2.7.2008

Geb. in Stettin (Szczecin, Polen); Vater Arbeiter, Mutter Hausfrau; Volksschule in Stettin-Bredow; Anfang 1945 Evakuierung nach Ueckermünde. 1945 / 46 Bote beim SPD-Kreisvorst. Ueckermünde; 1946 – 48 Telefonist in der SED-KL Ueckermünde; 1948 – 50 Lehre als Gärtner im Kinderheim Vogelsang, 1950 / 51 dort als Gärtnergehilfe tätig; 1952 SED; Besuch der KPS, anschl. bis 1953 Ass. an der KPS Ueckermünde; 1953 / 54 Parteierzieher an der KPS Mirow; 1954 – 56 Schulltr. an der KPS Waren; 1956 – 58 Ltr. der Abt. Agit. u. Prop., 1958 – 60 Sekr. im MTS-Bereich Krümmel (Krs. Neustrelitz); 1960 – 68 Sekr. für Agit. und Prop. der SED-KL Neustrelitz; Fernstud. an der FS für Landw. Tollenseheim, 1968 staatl. geprüfter Landwirt; 1968 – 71 Stud. an der PHS beim ZK der KPdSU in Moskau, Dipl.-Gesellschaftswiss.; 1971 – 77 1. Sekr. der SED-KL Altentreptow; 1976 – 89 Abg. des Bezirkstags Neubrandenb.; 1977 – 89 Vors. des Rats des Bez. Neubrandenb. (Nachf. von Gottfried Sperling), Vorruhestand. Seit 1994 Rentner; parteilos; gest. in Satrup (Schleswig-Holstein).Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Simon, Günter

* 6.5.1933

Geb. in Groß Baudiß (Krs. Liegnitz, Schles. / Budziszów Wielki, Polen); Vater Landarbeiter; Volks-, Haupt- u. Oberschule, Abitur; 1950 SED; 1952 – 55 Journalistikstudium an der Univ. bzw. KMU Leipzig, Dipl.-Journalist; 1954 / 55 Praktikum bei der Ztg. »Neuer Tag« Frankfurt (Oder); 1956 – 62 Red., Abt.-Ltr. u. 1962 – 67 Mitgl. des Red.-Koll. der FDGB-Ztg. »Tribüne«, ab 1967 stellv. Chefred., 1967 / 68 amt. Chefred., bis 1975 stellv. Chefred; anschl. zeitw. Korresp. der »Tribüne« in der Bundesrep. Dtl.; anschl. erneut stellv. Chefred., 1981 – 89 Chefred. der »Tribüne« (Nachf. von  Claus Friedrich); 1981 – 89 Mitgl. des FDGB-Bundesvorst. u. seines Präs.; 1967 Fritz-Heckert-Med.Tisch-Zeiten. Aus den Notizen eines Chefredakteurs 1981 – 1989. Berlin 1990.Kirsten Nies

Wer war wer in DDR

Singer, Rudolf

* 10.7.1915 – ✝ 1.11.1980

Geb. in Hamburg in einer jüd. Fam.; Vater Exportkfm. (1942 in Auschwitz ermordet); Realgymnasium; 1931 – 33 staatl. Handelsschule Hamburg, Ausbildung zum Exportkfm.; 1932 KJVD; Jan. 1933 KPD; 1934 Haft im KZ Fuhlsbüttel; 1935/36 Einkäufer u. Abt.-Ltr. der Fa. Keyaniyan & Co. GmbH Hamburg; Juni 1936 – April 1938 verhaftet, Mai 1937 zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt, Zuchthaus Fuhlsbüttel; ausgewiesen u. emigriert; April – Aug. 1938 Italien (Genua), 1938/ 39 in die Schweiz (Zürich); März 1939 zivilinterniert (Girenbad); Juni 1940 Arbeitslager (Oberglatt); 1941 Internierungslager Thalheim; 1942 Haft wegen Wiederaufbau der verbotenen KPD, Verurteilung in Aarau zu zehn Mon., interniert in versch. Lagern; Okt. 1944 – Sept. 1945 Sekr. der BFD in der Schweiz, Zusammenarbeit mit  Wolfgang Langhoff. Sept. 1945 Rückkehr nach Dtl.; 1945 – 49 2. Sekr. der KPD-BL u. Sekr. des Bez. Nordbayern, 1946 LL Bayern; 1949/50 Chefred. »Nordbayr. Volksztg.« in Nürnberg; 1950/51 Chefred. des KPD-Ztg. »Freies Volk« (Düsseldorf); 1950/51 Mitgl. des Sekr. u. PV der KPD; März 1951 nach »Enttarnung« des angebl. engl. Agenten  Fritz Sperling auf Beschluß des ZK der SED »aus Sicherheitsgründen« Übersiedl. in die DDR; 1952 VdN; 1951 – 55 stellv. Chefred., ab Juni 1955/56 u. 1958 – 63 Chefred. der »Freiheit« (Halle); 1956/57 Chefred. des »Freiheitssender 904«; 1957 Mitarb. des NR der NF; Nov. 1957/58 stellv. Chefred. »Volkswacht«, Gera; 1956 – 63 Mitgl. der SED-BL Halle bzw. dessen Büro; 1956 – 61 Fernstudium an der PHS, Dipl.-Ges.-Wiss.; 1963 – 66 Ltr. der Abt. Agit. des ZK der SED (Nachf. von  Horst Sindermann) u. stellv. Vors. der Agit.-Kommission beim PB; danach Mitgl. der Kommission; 1964 VVO; 1966 – 71 Chefred. des »Neuen Dtl.« (Nachf. von  Hermann Axen); seit 1967 Mitgl. des ZK der SED u. des ZV des VDJ; 1969 VVO; 1970 vom MfS Verdienstmedaille der NVA; seit Juli 1971 Vors. des Staatl. Komitees für Rundfunk (Nachf. von  Reginald Grimmer) u. stellv. Vors. der OIRT (Organisation Internationale de Radiodiffusion et Télévision); seit Nov. 1971 Abg. der Volkskammer; 1974 Verdienstmedaille des MdI; 1975 Verdienstmedaille des MfS; Verdienstmedaille der NVA; Ehrenspange zum VVO; Orden des jugosl. Banners mit goldenem Kranz; 1976 Vors. der Parl. Freundschaftsgr. DDR – Indien; Mitgl. im Aussch. für Ausw. Angelegenh.; 1978 Grand Prix der Internat. Org. der Journalisten; 1980 KMO, Mitgl. der ZL des Komitees der Antifa. Widerstandskämpfer; gest. in Berlin.Acker, P.: R. S. In: Neue Dt. Presse (1965) 7; Teubner, H.: Exilland Schweiz. Berlin 1975; Müller-Enbergs, H.: Meinungsoffiziere der Parteiführung. In: JHK. Berlin 1997.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Sitte, Willi

* 28.2.1921 – ✝ 8.6.2013

Geb. in Kratzau (Krs. Reichenberg, ČSR/Chrastava, Tschechien); Vater Bauzimmermann u. Landarb., Mutter Bäuerin; 1927 – 35 Volks- u. Bürgerschule Kratzau; 1935 – 40 Kunstschule des nordböhm. Gewerbemuseums Reichenberg; anschl. bis 1940/41 Mstr.-Schule für monument. Malerei »Hermann Göring« in Kronenburg (Eifel), Lehrer Werner Peiner; 1941 –44 Wehrmacht, OGfr.; 1944/45 bei italien. Partisanen in Montecchio Maggiore; 1945/46 in Mailand freischaff. Maler; Gaststud. der Brera-Akad. Mailand, erste Ausstellung. 1946 Rückkehr in die ČSR (Kratzau); dort Mitarb im Antifa-Aussch.; Aussiedl. in die SBZ; 1946 – 49 freischaff. Maler in Heiligenstadt u. Halle; Jan. 1947 SED; 1949 – 52 freischaff. Maler u. Lehrbeauftragter am Inst. für künstler. Werkgestaltung Halle; 1951/52 Sekr. der SED; 1952 – 59 Doz. an der HS für Industr. Formgestaltung Burg Giebichenstein (Halle); hier 1959 – 64 Wahrnehmungsprof.; 1964 – 72 Prof. mit Lehrauftrag; 1965 VVO; ab 1965 Mitgl. des ZV des VBK; 1966 Burda Preis (Bundesrep. Dtl.); 1968 Käthe-Kollwitz-Preis; 1969 Mitgl. der DAK; NP; 1969 – 71 Dir. der Forschungs- u. Entwicklungsstelle für künstler. Baugestaltung; 1970 – 74 Vizepräs., 1974 – 88 Präs. des VBK (Nachf. von  Gerhard Bondzin), ab Okt. 1988 Ehrenpräs.; 1972 Goldmedaille der III. Internat. Grafik-Biennale Florenz; 1972/73 Prof. mit künstler. Tätigkeit; ab 1973 ord. Prof.; 1973 – 86 Dir. der Sekt. Bildende u. Angewandte Kunst an der HS für Industrielle Formgestaltung Burg Giebichenstein (Halle); 1974 – 88 Ltr. einer Mstr.-Kl. an der HS für bildende Künste Dresden; 1974 KMO; 1976 Banner der Arbeit (im Koll.); 1976 – März 1990 Abg. der Volkskammer; ab 1976 Mitgl. der Kulturkommission beim PB des ZK; 1979 NP; 1981 VVO; 1984 Mitgl. des Weltfriedensrats; 1985 Held der Arbeit; Ehrenmitgl. der Ges. Bildender Künstler Österreichs; 1986 – 89 Mitgl. des ZK der SED. 2001 Korr. Mitgl. der European Academy of Humanities in Paris; 2006 Eröffn. der W.-S.-Galerie als Stiftung in Merseburg; 2008 Kunstpreis der Stadt Halle u. Ehrenbürger der ital. Stadt Montecchio Maggiore; gest. in Halle. Werke u. a.: Aufmarsch der Lanzenmänner (1952), Hochwasserkatastrophe am Po (1952, 1954), Elternbildnisse (1962, 1963, 1966/67), Die Überlebenden (1963), Rufer II (1964), Liebespaar (1967), Leuna 1921 (1968), Mensch, Ritter, Tod u. Teufel (1969/70), Im Leichtmetallwerk (1977), Mein Atelier – Courbet gewidmet (1977), Gefahr der manipulierten Vergeßlichkeit (1982), Landsauna (1986/87). Werk-Kataloge: Kunsthalle Rostock 1971; Kunstverein Hamburg 1975; Staatl. Galerie Moritzburg Halle 1981; Staatl. Kunsthalle Berlin (West) 1982; W. S. Epochenbilder, Gemälde, Zeichnungen, Druckgraphik. Staatl. Museen zu Berlin, Nationalgalerie Berlin 1986.Farben u. Folgen. Leipzig 2003 (Autobiogr., Mitarb. G. Schirmer) Hütt, W.: W. S. Dresden 1972; Hütt, W.: W. S. Maler u. Werk. Dresden 1976; Kolodziej, H. (Hrsg.): Das Sitte-Verbot. Texte, Bilder, Dokumente. Schkeuditz 2001.Anke Scharnhorst / Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Sklenar, Volker

* 6.11.1944

Geb. in Mittweida; 1961 – 64 landw. Ausbildung als Feldwirt u. Abitur; 1964 / 65 Betriebspraktikant als Pferdezüchter in Neustadt /Dosse (Krs. Kyritz); 1965 – 70 Studium in Jena, Dipl.-Landw.; 1969 – 90 DBD; 1969 – 72 Forschungsstudent in Leipzig, 1973 Dr. agr.; 1972 – 84 Abt.-Ltr. in der LPG Tierproduktion Großobringen (Krs. Weimar); 1984 – 89 Abt.-Ltr. für Tierprod. in der Agrarindustrievereinigung Berlstedt (Krs. Weimar); Nov. 1989 / 90 Dir. des Schweinemastgutes Neumark (Krs. Weimar); 1990 CDU u. seitdem Mitgl. des CDU-Landesvorst. Thüringen. Okt. 1990 – Sept. 2009 Mitgl. des Thür. Landtags; 1990 – 94 Minister für Landw. u. Forsten; 1994 – 2009 Minister für Landw., Naturschutz u. Umwelt des Freistaats Thüringen; Sept. – Nov. 2009 kommissar. Stellv. Ministerpräs.; Mitgl. der Gemeindevertretung Großobringen; Abg. des Kreistags Weimar; seit 29.9.2009 kommissar. stelllv. Min.-Präs.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Skrentny, Konrad

* 23.4.1894 – ✝ 20.4.1955

Geboren am 23. April 1894 in Usch/Westpreußen, Sohn eines Zimmermanns; lebte bis 1905 in Danzig, dann in Düsseldorf-Gerresheim, lernte dort Glasmacher. Er trat 1913 der SPD und dem DMV bei. Im Weltkrieg Soldat, Unteroffizier, nach Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft bis 1930 Walzer und Betriebsrat im Stahlwerk Düsseldorf. 1918 Mitglied der USPD, 1920 Übertritt zur KPD. Ab 1927 ehrenamtliches Mitglied der BL Niederrhein, 1929 wurde er dort Sekretär für Gewerkschaftsfragen, dann im gleichen Bezirk führend in der RGO. Im September 1930 als Abgeordneter im Wahlkreis Düsseldorf-Ost in den Reichstag gewählt, dem er bis März 1933 angehörte. Skrentny war 1931/32 Orgleiter im Reichskomitee der RGO in Berlin. Ab Februar 1933 für die illegale RGO tätig, am 9. Juni 1933 wurde er verhaftet, nach längerer »Schutzhaft« in Düsseldorf und im KZ Börgermoor am 3. Februar 1934 vom OLG Hamm zu einem Jahr und zehn Monaten Gefängnis verurteilt, die er in Wuppertal und im Strafgefangenenlager III Brual-Rhede-Ems verbüßte. Nach der Freilassung am 5. August 1935 als Arbeiter beschäftigt, wurde er noch öfter für mehrere Monate inhaftiert, u.a. von April bis September 1937 im KZ Sachsenhausen. Von 1939 bis 1943 Schweißer, 1944 Soldat, dann bis 1945 dienstverpflichtet als Fabrikarbeiter. Ab 1945 betätigte sich Skrentny wieder als Funktionär in der KPD, Mitglied der Landesleitung Nordrhein-Westfalen. Er gehörte vom 2. Juni 1946 bis 19. April 1947 dem ernannten Landtag von Nordrhein-Westfalen an, war dort zeitweise 2. Vizepräsident. Am 29. Februar 1948 trennte er sich von der KPD, da er mit der Parteilinie nicht einverstanden war, Übertritt zur SPD. Zeitweise in der Gewerkschaft aktiv, enger Mitarbeiter von Hans Böckler, ab 1947 war er Arbeitsdirektor in Duisburg. Konrad Skrentny starb am 20. April 1955 in Düsseldorf. In Duisburg-Ruhrort wurde eine Straße nach ihm benannt. Peter Rütters veröffentlichte 2005 eine biographische Skizze über Konrad Skrentny.

Wer war wer in DDR

Sobeck, Josef

* 27.2.1926 – ✝ 14.11.1999

Geb. in Riemertsheide (Krs. Neiße, Oberschles./Drogoszów, Polen); Vater Schlosser; Volksschule, 1940 – 43 Handelsschule; 1943/ 44 Arbeit als kfm. Angest.; 1944 Wehrmacht (Marine); 1945 – 49 sowj. Gefangenschaft, Antifa-Schüler. 1949 SED; Angest. der VVEAB Gadebusch; dann Instrukteur bei der SED-KL Schwerin; 1950 Besuch der PHS; 1951 Einstellung beim MfS, Abt. VI (Staatsapparat, Parteien); 1952 Abt. Personal; 1953 Sekr. der SED-PO der BV Gera; 1954 – 62 Fernstudium an der PHS, Dipl.-Ges.-Wiss.; 1957 Ltr. der Krs.-Dienststelle Jena; 1960 stellv. Operativ des Ltr., 1963 Ltr. der BV Gera (Nachf. von  Julius Michelberger) u. Mitgl. der SED-BL Gera; 1964 Oberst; 1968 Externprüfung an der JHS Potsdam-Eiche, Dipl.-Jur.; 1970 aus gesundheitl. Gründen abgelöst; AG-Ltr. in der HV B (ab 1974 Verw. Rückw. Dienste (VRD)), MfS Berlin; 1974 Operativer Diensthabender im Zentr. Operativstab; April 1989 Entlassung, Rentner; gest. in Berlin.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Sodann, Peter

* 1.6.1936

Geb. in Meißen; Grundschule Weinböhla (b. Dresden); Lehre als Werkzeugmacher; 1954 –57 ABF; 1957 – 59 Studium der Rechtswiss. an der Univ. Leipzig, 1959 Wechsel zur Theater-HS Leipzig, Ltr. des Studentenkabaretts »Rat der Spötter« an der KMU Leipzig; 1961 Verhaftung, Verbot des anläßl. der Herbstmesse vorbereiteten Kabarettprogramms, Auflösung des Kabaretts, Relegierung, Ausschluß aus der SED, 1961/62 U-Haft in Leipzig, Bewährungsstrafe wegen »staatsgefährdender Hetze«; 1962/63 Arbeit als Spitzendreher; 1963/64 Abschluß des Studiums an der Theater-HS Leipzig; 1964 – 66 Engagement am Berliner Ensemble bei  Helene Weigel, erste eigene Regiearbeit; 1966 – 71 Städt. Bühnen Erfurt, 1971 – 75 Städt. Theater Karl-Marx-Stadt, 1975 – 80 Schauspieldir. der Bühnen der Stadt Magdeburg; 1980 – 81 Schauspieldir. am Theater des Friedens Halle; 1981 – 2005 Intendant des »neuen theaters« Halle, Aufbau des Theaters aus den früheren »Kaisersälen«; 1986 NP. Nach 1990 sukzessive Erweiterung des Theaters zu einer »Kulturinsel« mit mehreren Spielstätten u. weiteren Einrichtungen, darunter einer Bibliothek mit über 30.000 Bänden vor der Entsorgung geretteter Lit. aus der DDR; 1999 Preis des Verbands der dt. Kritiker für die »Kulturinsel«; 2001 Bundesverdienstkreuz; 2005 Beendigung der Intendanz in Halle gegen seinen Willen; Ehrenbürger von Halle; Juli 2005 Ankündigung seiner Kandidatur für die PDS zur Bundestagswahl (kurzfristig zurückgezogen); 2007 Kabarettprogramm »Ost-West-Vis-à-Vis« (zus. mit dem ehem. Bundesminister Norbert Blühm); soziales Engagement für todkranke Kinder; Mai 2009 Kandidatur für die Linke für das Amt des Bundespräsidenten. Mitwirkung an zahlr. Filmen, darunter »Ernst Thälmann« (1985/86), »Erscheinen Pflicht« (1987), »Sansibar oder Der letzte Grund« (1987), »Froschkönig« (1989), »Der Tangospieler« (1991), »Nikolaikirche« (1995), »Deutschlandspiel« (2000), »Atlantis« (2003); 1991 – 2007 als »Tatort«-Kommissar Ehrlicher in vielen ARD-Prod.Mai-Reden u. andere Provokationen. Ein Theatermann mischt sich ein. Stuttgart, Leipzig 2003; Keine halben Sachen. Erinnerungen. Berlin 2008. Röhl, E.: Rat der Spötter. Das Kabarett des P. S. Leipzig 2002.Hubert Laitko / Ingrid Kirschey-Feix

Handbuch Deutsche Kommunisten

Söllner, Leopold

* 10.4.1905

Geboren am 10. April 1905 in Dietldorf/Bayern, Sohn eines Schneiders; lernte selbst Schneider und war später bei der Eisenbahn in München. 1920 Mitglied des KJVD, 1926 der KPD. Zunächst übte Söllner ehrenamtliche Funktionen aus, war 1924 Leiter des UB Heilbronn, danach Vorsitzender des KJVD Südbayern und 1928 auch Gauführer der Roten Jungfront Südbayerns. Ende 1928 begann er im RAW München zu arbeiten, war dort Leiter der KPD-Betriebszelle und bis zur Maßregelung im November 1931 Betriebsratsvorsitzender. Söllner gehörte der KPD-BL Südbayern an und war bis 1933 Orgleiter des RGO-Bezirkskomitees. Im Juli 1932 in den Bayerischen Landtag gewählt, setzte er ab April 1933 als Agitpropfunktionär im illegalen Bezirkskomitee seine Arbeit fort. Er emigrierte im Juli 1933 in die Tschechoslowakei, war bis Mitte Dezember Orgleiter der Politemigrantengruppen. Seit Ende 1933 in der Sowjetunion, dort unter dem Parteinamen Max Otto Kursant an der Internationalen Leninschule, anschließend im Auftrag des ZK illegale Einsätze im Ausland. Noch im September 1937 schrieb der Kaderreferent Georg Brückmann eine Einschätzung Söllners und wies auf eine Rüge hin, die dieser wegen »liberalen Verhaltens« im Zusammenhang mit »fehlerhaftem Auftreten« von Franz Huber und Erich Schneider an der Leninschule bekommen hatte. Im September 1938 wurde Söllner von den NS-Behörden ausgebürgert und vermutlich zur gleichen Zeit vom NKWD verhaftet. Sein weiteres Schicksal ist ungewiß, alles deutet darauf hin, daß Leopold Söllner Opfer der Stalinschen Säuberungen wurde.

Wer war wer in DDR

Sommer, Manfred

* 10.8.1932

Geb. in Dresden; Vater Kfm., Mutter Verkäuferin; Volksschule; 1947 Lehre; danach Arbeit als Buchdrucker; 1952 SED; Einstellung beim MfS, Krs.-Dienststelle Großenhain; 1953/54 Einjahreslehrgang an der JHS Potsdam-Eiche; 1954 Versetzung zur HA V (Staatsapparat, Kultur, Kirchen, Untergrund) des MfS Berlin; 1960/61 BPS Cottbus; 1970 Versetzung zum Zentr. Operativstab (ZOS); 1980 dort Stellv. des Ltr.; Oberst; 1985 Ltr. des ZOS; Jan. 1990 Entlassung.Jens Gieseke

Handbuch Deutsche Kommunisten

Sommer, Michael

* 12.7.1896 – ✝ 5.5.1937

Geboren am 12. Juli 1896 in Sielsdorf/Köln-Land, Sohn einer Tagelöhnerfamilie; Bergarbeiter, 1912 Mitglied der SPD und des Bergarbeiterverbandes, 1918 der USPD, 1920 der KPD. Als Polleiter der KPD-Ortsgruppe Frechen war er im linksrheinischen Braunkohlegebiet bekannt, dort im Zusammenhang mit dem großen Streik im Januar 1924 entlassen, dann hauptamtlicher UB-Sekretär von Koblenz, von 1925 bis 1929 von Aachen. Sommer war von November 1925 bis 1929 Abgeordneter des Rheinischen Provinziallandtages und stellvertretendes Mitglied des Preußischen Staatsrates. Von Ende 1928 bis 1931 Orgleiter des KPD-Bezirks Mittelrhein. Im November 1929 als Stadtverordneter in Köln gewählt, aber am 23. Januar 1930 wegen »Betruges« zu drei Monaten Gefängnis verurteilt und ihm die Ausübung öffentlicher Ämter auf drei Jahre aberkannt. Er wurde beschuldigt, eine Freifahrkarte der Kölner Verkehrsbetriebe unberechtigt benutzt zu haben. Als Kronzeuge dafür trat der ehemalige kommunistische Stadtverordnete Joseph Büser auf. Sommer legte im April 1930 das Stadtverordnetenmandat nieder, wurde aber Anfang Oktober 1930 vom ZK als Polleiter der BL Mittelrhein bestätigt. Er gehörte dann zeitweise der RGO-Reichsleitung in Berlin an. Mit seiner Familie ging er im Herbst 1931 in die Sowjetunion, kam als Bergarbeiter im Donbass auf den Schacht »Amerikanka« bei Stalino. Zuletzt Verwaltungsdirektor einiger deutschsprachiger Schulen, er erhielt 1936 die sowjetische Staatsbürgerschaft und wurde Mitglied der KPdSU. Michael Sommer wurde am 5. Mai 1937 vom NKWD verhaftet, als Führer der »trotzkistischen Antikominternorganisation im Donbass« zum Tode verurteilt und am 20. September 1937 erschossen. Seine Frau Gertrud Sommer, geborene Selbst (*13. 2. 1899 – † 27. 8. 1986), 1922 Mitglied der KPD, war ihrem Mann mit vier Kindern 1931 nach Stalino gefolgt, wurde ebenfalls verhaftet, und war von 1937 bis 1946 im Arbeitslager, anschließend nach Karaganda verbannt, konnte 1957 in die DDR ausreisen. Sowohl von ihrem Mann Michael Sommer als auch über ihre drei Söhne, die in den Lagern des NKWD verschwanden, hat Getrud Sommer nie mehr etwas gehört, ihre Tochter hatte in der Sowjetunion geheiratet.

Wer war wer in DDR

Sönnichsen, Niels

* 22.12.1930

Geb. in Roggendorf (Mecklenb.); Vater Pfarrer; 1937 – 50 Schulbesuch, Abitur an der Goethe-OS Schwerin; 1949 NDPD; 1950 – 55 Studium der Med. an der Berliner Charité; anschl. Assistenzarzt am Krankenhaus Schwerin u. Landarzt; 1957 Prom. an der Univ. Rostock; 1957 – 59 Ergänzungsstudium der Biochemie an der EMAU Greifswald; 1960 – 62 Facharzt-Ausbildung Dermatologie an der Charité, dort 1963 Oberarzt, 1964 Habil., 1965 Doz.; 1965 SED; 1966 kommissar. Dir. der Hautklinik der FSU Jena (jüngster Chefarzt in Dtl.), dort 1969 Berufung zum Prof.; 1967 Virchow-Preis; 1970 – 93 Prof. u. Dir. der Klinik u. Poliklinik für Hautkrankheiten der Charité; 1972 – 75 Dir. der Charité; 1979 Mitgl. der SED-BL Berlin; 1974 u. 1987 NP; 1980 Korr. u. 1988 Ord. Mitgl. der AdW. 1993 auf eigenen Entschluß aus der Charité ausgeschieden; 1993 – 98 Ärztl. Dir. des Fachklinikums Borkum; 1999 Niederlassung als Arzt in Berlin, lebt in Berlin. Über 700 Veröff. auf dem Gebiet der Dermatologie u. Immunologie; gilt als Pionier der AIDS-Forschung in der DDR u. war als Vors. der zentralen AIDS-Beratung maßgeblich mit der AIDS-Aufklärung u. Prävention in der DDR befaßt.Hautkrankheiten. Leipzig 1976; Autoimmunkrankheiten. Jena 1987; AIDS. Was muß ich wissen? Wie kann ich mich schützen? Berlin 1987; Mein Leben. Berlin 2000. Haustein, U.-F.: N. S. zum 75sten. Berliner Ärzte. Mitgliederztschr. der Ärztekammer Berlin (2005) 12.Dieter Hoffmann

Wer war wer in DDR

Simon, Hans-Heinrich

* 27.3.1931 – ✝ 6.2.2010

Geb. in Quedlinburg; Vater Handwerker; OS; 1945 – 48 Ausbildung zum Tischler; 1948 – 58 im Beruf tätig; 1949 FDGB; 1951/52 Besuch der FS für angewandte Kunst u. der Mstr.-Schule Magdeburg, Werkmstr.; 1955 – 59 Fernstudium an der Ing.-Schule für Bauwesen Magdeburg, Bauing.; 1958 – 63 Abt.-Ltr., techn. Ltr. u. 1963 – 72 Vors. der PGH Holzverarbeitung Quedlinburg; 1972 – 79 Dir. des VEB Möbelwerk Quedlinburg; seit 1979 Stellv. des GD u. Dir. für Absatz im VEB Möbelkombinat Dessau; 1951 NDPD; 1959 – 61 Mitgl. des Ortsvorst., 1961 – 63 des Krs.-Vorst. Quedlinburg; 1963 – 67 u. 1974 – 77 Mitgl. des Bez.-Vorst. u. des Bez.-Aussch. Halle; seit 1967 Mitgl. der Hauptaussch. der NDPD; 1960 – 72 Mitgl. des Krs.-Vorst. der Handwerkskammer; 1961 – 63 Abg. des Krs.-Tags Quedlinburg; 1963 – 67 Abg. des Bez.-Tags Halle u. Vors. der Ständ. Kommission Örtl. Versorgungswirtschaft; 1967 – 86 Abg. der Volkskammer; 1967 – 71 Mitgl. des Staats- rates (Nachf. von  Christian Steinmüller); 1976 – 86 stellv. Vors. des Aussch. für Handel u. Versorgung; 1986 Rentner; lebt in Quedlinburg.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Simon, Günther

* 11.5.1925 – ✝ 25.6.1972

Geb. in Berlin; Vater Bankkfm.; Volksschule u. Gymnasium in Berlin; 1933 erster Bühnenauftritt als Kinderdarsteller; 1942 priv. Schauspielunterricht; RAD, Wehrmacht (Fallschirmjäger); Kriegsgefangenschaft in USA u. Großbritannien; dort Auftritte in Lagertheatern. Nach Rückkehr 1947 Abschl. an der Schaupielschule des Hebbel-Theaters Berlin; Engagements in Köthen, Schwerin, Leipzig u. 1950 Berlin; zunächst Bühnengastspiele, dann, gefördert von  Martin Hellberg (Film »Das verurteilte Dorf«, 1952, R: Martin Hellberg), vornehml. bei der DEFA tätig (rund 50 Filme); 1954 SED; NP; Rollen u. a.: 1954 u. 1955 TR in »Ernst Thälmann – Sohn seiner Kl.« u. »Ernst Thälmann – Führer seiner Kl.« (beide R:  Kurt Maetzig); 1955 Heinrich-Greif-Preis; 1956 Preis als bester Schauspieler auf den Filmfestspielen in Karlovy Vary; 1957 »Tinko« (nach  Erwin Strittmatter), »Der Lotterieschwede« (nach Martin Andersen Nexö); 1958 »Das Lied der Matrosen« (R: Kurt Maetzig), »Sonnensucher« (R:  Konrad Wolf); 1969 »Krupp u. Krause« (TV, R:  Horst E. Brandt); 1969 NP; 1971 »KLK an PTX – Die Rote Kapelle« (R: Horst E. Brandt).Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Singhuber, Kurt

* 20.4.1932 – ✝ 15.10.2005

Geb. in Wien; Vater Arbeiter; bis 1950 OS, Abitur; 1945 Mitgl. eines Antifa-Jugendaussch.; 1946 – 60 FDJ; 1949 – 51 Vors. der Ortsgr. Wildau; 1950/51 Praktikant im VEB ABUS Wildau, Facharbeiterabschl. als Maschinenschlosser; 1951 SED; 1951/52 Studium an der TH Dresden u. 1952 – 57 am Metallurg. Inst. in Dnepropetrowsk (UdSSR), Dipl.-Ing.; 1957/58 Konstrukteur; 1958/59 Ltr. des Konstruktionsbüros; 1957 – 61 Techn. Dir. im VEB Schwermaschinenbau »Heinrich Rau« Wildau; ab 1958 Mitgl. des Zentr. Arbeitskrs. für Forschung u. Technik »Walzwerkausrüstungen« u. ab 1963 des Zentr. Arbeitskrs. »Eisen« des Forschungsrats der DDR; bis 1961 Fernstudium an der HfÖ Berlin, Dipl.-Wirtsch.; 1961 – 64 außerplanm. Aspirant u. Lehrbeauftr. an der TH »Otto von Guericke« Magdeburg; 1961 – 65 Techn. Dir. bzw. Werkdir. des VEB Schwarzmetallurgieprojektierung Berlin; 1966/ 67 stellv. Minister für Erzbergbau, Metallurgie u. Kali; ab 1966 a. o. Mitgl. des Forschungsrats u. Ltr. der DDR-Delegation in der Ständ. Kommission für Schwarzmetallurgie im RGW; Juli 1967 – Nov. 1989 Minister für Erzbergbau, Metallurgie u. Kali (Nachf. von  Kurt Fichtner); 1967 Prom. zum Dr.-Ing. an der TH Magdeburg, 1968 – 73 Fernstudium an der PHS, Dipl.-Ges.-Wiss.; 1974 VVO; Nov. 1989 – März 1990 Minister für Schwerindustrie; gest. in Berlin.Beitrag zur Frage der Leistungssteigerung von Kaltpilgermaschinen. Magdeburg 1967.Hagen Schwärzel / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Skamira, Willi

* 7.3.1897 – ✝ 22.1.1945

Geboren am 7. März 1897 in Landsberg/Warthe, Sohn eines Holzarbeiters; lernte Zimmermann, ab 1913 im Deutschen Holzarbeiterverband. Von 1914 bis 1918 Soldat an der Westfront, mehrmals schwer verwundet. Der Kriegsbeschädigte Skamira wirkte politisch unter den Landarbeitern und Bauern, ab 1928 in der KPD. Im Juli 1932 im Wahlkreis Potsdam II als Abgeordneter in den Reichstag gewählt, dem er bis November angehörte. Skamira wurde im März 1933 verhaftet, saß bis Sommer 1934 im KZ Sonnenburg. Dannach Lagerarbeiter in der Landsberger Jutefabrik; er setzte die illegale Tätigkeit gegen das NS-Regime fort und bekam ab 1944 auch Verbindungen zu Bernhard Bästlein und Franz Jacob. Von Jacob erhielt er am 1. Juli 1944 illegale Druckschriften. Skamira bemühte sich, in Landsberg eine illegale Gruppe aus KPD und SPD-Mitgliedern aufzubauen, verfaßte ein 15-Punkte-Programm für die Bauernschaft mit Forderungen für die Zeit nach Hitler. Er wurde im Zusammenhang mit der Gestapoaktion »Gewitter« am 2.August 1944 erneut verhaftet, am 15. Dezember desselben Jahres vom 2.Senat des VGH wegen »Vorbereitung zum Hochverrat, Feindbegünstigung und Wehrkraftzersetzung« zum Tode verurteilt. Willi Skamira wurde am 22. Januar 1945 im Zuchthaus Brandenburg hingerichtet. Seine Ehefrau Frieda Skamira, geborene Schippschak (* 29. 11. 1899 – †7. 10. 1983), war damals ebenfalls inhaftiert.

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Skoblewski (Rose), Peter

* 16.6.1890 – ✝ 1939

(* 1890 – † 1939) Geboren am 16. Juni 1890 in Tambow/Ruß- land, in einer Arbeiterfamilie als Woldemar Rudolfowitsch Rose. Als Fähnrich diente er im Weltkrieg in der zaristischen Armee, gehörte seit Oktober 1917 der Roten Armee an, wo er verschiedene Kommandeursposten innehatte, z. B. war er 1919 Divisionskommandeur und erhielt für seine Tapferkeit den Rotbanner-Orden. Ab 1918 Mitglied der Partei der Bolschewiki. Er absolvierte die Generalstabsakademie, war im März 1921 Anführer einer Sturmkolonne bei der Liquidierung des Aufstandes der Kronstädter Matrosen. Ab Dezember 1922 hielt er sich – nun unter dem Pseudonym Skoblewski – als Beauftragter der Komintern zur Anleitung der illegalen Arbeit in Deutschland auf und wurde im August oder September 1923 als Nachfolger von Karl Retzlaw (Gröhl) Leiter der AM-Abteilung in der KPD. Hier war er unter dem Decknamen Hellmuth Verfasser der Mobilisierungs- und Bewaffnungspläne für die Vorbereitung des »deutschen Oktober« und maßgeblich an der Gründung und Anleitung der Tscheka-Gruppe von Felix Neumann beteiligt. Er wurde im März 1924 in Berlin verhaftet und im berüchtigten »Tscheka-Prozeß« 1925 als Peter Skoblewski (und gleichzeitig Goreff) wegen »Anstiftung zum Mord und Hochverrats« angeklagt und zum Tode verurteilt, wurde dann aber 1927 gegen drei in die Sowjetunion gelockte und verhaftetete Deutsche ausgetauscht. Nach seiner Rückkehr erhielt er in Moskau den zweiten Rotbanner-Orden und übernahm wieder hohe Kommandeursstellungen in der Roten Armee. Peter Skoblewski-Rose wurde 1938 vom NKWD verhaftet und 1939 erschossen, später »posthum rehabilitiert«.

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Smektala, Josef

* 11.2.1903 – ✝ 17.2.1982

Geboren am 11. Februar 1903 in Dortmund; Dreher, u. a. bei der Dortmunder Union. 1919 Mitglied des Christlichen Metallarbeiterverbandes, ab 1920 des DMV. Seit 1920 Mitglied der KPD, von 1924 bis 1927 Redakteur, anschließend bis 1933 Mitarbeiter verschiedener linker Zeitungen. 1925/26 hatte er Kontakte zur Gruppe um Ernst Niekisch, wurde 1928 wegen Rechtsabweichung aus der KPD ausgeschlossen. Er trat der KPO bei, leitete deren Dortmunder Gruppe. 1932 kehrte er in die KPD zurück, wurde für diese nach 1933 illegal aktiv, vom 26.März bis Juni 1933 in »Schutzhaft« in Dortmund, Hamborn und Brauweiler. Von 1935 bis 1939 war er Dreher, später technischer Leiter eines Kleinbetriebes. Am 20. November 1937 erneut festgenommen und auf der Dortmunder Steinwache mißhandelt. Im Juli 1938 freigelassen, war er dann nicht mehr für die KPD, sondern nur für den Niekisch-Kreis aktiv. 1945 erneut der KPD beigetreten, verließ er sie schon 1950 und wurde SPD-Mitglied. Er bekleidete zahlreiche Funktionen, war von 1945 bis 1954 Mitglied im Stadtrat von Dortmund, von 1952 bis 1968 dort Kreisvorsitzender des DGB, von Juli 1954 bis Juli 1970 Landtagsabgeordneter in Nordrhein-Westfalen, von März 1956 bis Juli 1958 stellvertretender Vorsitzender der SPD-Fraktion. Ab August 1960 war er Vorsitzender der Landesversicherungsanstalt Westfalen, seit 1968 Mitglied des DGB-Landesbezirksvorstandes. Josef Smektala starb am 17.Februar 1982 in Dortmund.

Wer war wer in DDR

Sobetzko, Werner

* 11.2.1939

Geb. in Hindenburg (Oberschles. / Zabrze, Polen); 1946 – 58 Grundschule in Rieder (Harz) u. Abitur in Quedlinburg; 1958 – 60 Ausbildung zum Chemielaboranten in den Leuna-Werken; 1960 – 65 Studium der Chemie an der TH für Chemie Leuna-Merseburg, 1965 Dipl.; 1966 / 67 tätig in der Feuerlöschmittelanalytik Neuruppin (Bez. Potsdam); 1967 – 90 Forsch. u. Entwicklung Orbitaplast Weißandt-Gölzau (Krs. Köthen); 1968 CDU, 1969 – 90 Vors. der Ortsgr. Weißandt-Gölzau; 1978 Prom.; 1990 / 91 Vors. des CDU-Kreisverb. Köthen; Mai-Okt. 1990 Mitgl. der Volkskammer, Vors. des Aussch. für Forsch. u. Technol.; 1990 / 91 Mitgl. des CDU-Landesvorst. Sachsen-Anh. Okt. 1990 – 2006 MdL Sachsen-Anh., Vors. der Ausschüsse für chem. Ind. sowie für Bundes- u. Europaangelegenh.; Nov. 1990 – Juli 1991 Minister für Bildung, Wiss. u. Kultur; Juli 1991 – Dez. 1993 Minister für Schule, Erwachsenenbildung u. Kultur des Landes Sachsen-Anh.; seit 1999 Mitgl. im Stadtrat von Köthen u. dessen Vors.; dann Mitgl. im Sozial- u. Kulturausschuß. HME Soboljow, Arkadi Alexandrowitsch 1903 – 2.12.1964 Politischer Berater des Obersten Chefs der Sowjetischen Militäradministration Geb. in St. Petersburg; bis 1930 Studium der Elektronik; in der Forschung tätig; KPdSU; ab 1939 im diplomat. Dienst; Gen.-Sekr. des Volkskommissariats für Ausw. Angelegenh. der UdSSR; 1940 Sonderbotschafter in Bulgarien u. Jugosl.; begleitete 1942 den Volkskommissar für Auswärtiges Wjatscheslaw Molotow auf seinen Reisen nach Washington u. London; Ende 1942 als Min. an der sowj. Botschaft in London; war maßgeblich an Verhandlungen zur Bildung der UNO beteiligt. 1945 Teiln. an der Potsdamer Konferenz; Aug. 1945 – Mai 1946 Pol. Berater des Obersten Chefs der SMAD; sowj. Dir. der Abt. Pol. des Alliierten Kontrollrats in Dtl., Gesandter 1. Kl.; 1946 – 49 stellv. Gen.-Sekr. der UNO u. Ltr. des Pol. Departments des Sicherheitsrats; 1949 – 51 Berater im Außenmin. der UdSSR; 1951 – 53 Botschafter in Warschau; 1953 – 54 Ltr. der Amerika-Abt. des Außenmin. der UdSSR; 1954 stellv. u. 1955 – 60 Chefdelegierter der UdSSR bei der UNO; 1960 – 64 stellv. Außenmin. der UdSSR; gest. in Moskau.Jan Foitzik

Wer war wer in DDR

Sokolowski, Wassili Danilowitsch (auch: Dawidowitsch)

* 9.7.1897 – ✝ 10.5.1968

Geb. in Kosliki (b. Białystok, heute Polen); ab 1918 Berufssoldat; 1918 – 20 Brigadekdr.; 1920/21 Studium an der Militärakad. Frunse; 1922 – 29 versch. Truppenkdo.; 1930 Gen.-Stabslehrgang; 1931 KPdSU; 1934 – 41 führende Stabsstellungen; Febr. 1941 stellv. Gen.-Stabschef, 1941 – 43 Stabschef u. 1943 Oberbefehlshaber der Westfront; 1944 Oberbefehlshaber der 1. Ukrain. Front; 1945 kurzz. stellv. Oberbefehlshaber der 1. Weißruss. Front, wegen Meinungsverschiedenheiten mit Marschall  Georgi Konstantinowitsch Shukow versetzt. 1945 Erster Stellv. u. März 1946 – März 1949 Oberbefehlshaber der Gruppe der sowj. Besatzungstruppen in Dtl. u. Oberster Chef der SMAD (Nachf. von Georgi Shukow); 1945 Held der Sowjetunion; 1945/ 46 Mitgl. des Koordinierungskomitees u. 1946 – 48 des Alliierten Kontrollrats in Dtl.; 1946 Marschall der Sowjetunion; ab März 1949 Erster stellv. Verteidigungs- bzw. ab Febr. 1950 Erster stellv. Kriegsmin. der UdSSR; 1952 – 60 Gen.-Stabschef u. Erster stellv. Kriegsmin. (ab 1953 wieder Verteidigungsmin.) der UdSSR; 1952 – 68 Kand. des ZK der KPdSU; gest. in Moskau.Wojennaja strategija. Moskwa 1968 (3. Aufl.); Rasgrom nemezko-faschistskich wojsk pod Moskwoi. Moskwa 1964.Jan Foitzik

Wer war wer in DDR

Šolta, Jan

* 30.5.1921 – ✝ 31.8.2004

Geb. in Parchwitz (Krs. Liegnitz, Schles./Prodowice, Polen), aufgew. bei Verwandten in Höflein (Krs. Kamenz), Vater Landwirt; 1935 – 37 poln. Privatgymnasium in Beuthen (Oberschles.), 1937 – 40 Gymnasium in Bautzen; Kriegsdienst. 1945/46 Studium der Med. in Prag; 1946/47 hauptamtl. Funktionär der nat. Org. der Sorben Domowina; SED; 1947 – 51 Studium der Rechtswiss. (Wrocław), Wirtschaftswiss. (Poznań) u. Geschichte (Leipzig), Abschl. als Dipl.-Wirtsch.; 1950 – 69 Mitgl., 1950 – 53 so-wie 1956 – 58 1. Sekr. des Bez.-Vorst. der Domowina; seit 1954 Mitarb. im Akad. Inst. für sorb. Volksforschung (IfsV) Bautzen (heute Sorb. Inst. e. V.); 1956 Prom. an der Wirtschaftswiss. Fak. der HU Berlin mit einer Arbeit über die Ertragsentw. in der Landw. des Klosters Marienstern; 1967 Habil. an der Philosoph. Fak. der WPU Rostock mit einer Studie über die Bauern der Lausitz; 1954/55 u. 1958 – 76 stellv. Dir. u. zeitw. Parteisekr.; zugl. bis 1986 Ltr. der Abt. Geschichte; anschl. bis 1988 wiss. Mitarb. des IfsV; 1960 – 70 Red. der Reihe B »Geschichte« des Lětopis des IfsV; 1962 – 68 u. 1972 – 88 Mitgl. des Präs. der Hist.-Ges. der DDR sowie 1975 – 88 des Nationalkomitees der Hist.; Mitgl. der Internat. Kommission für slaw. Studien (CIES) beim Internat. Komitee der Geschichtswiss. (CISH); 1970 – 80 u. 1985 – 88 dessen Vizepräs., zwischenzeitl. Präs.-Mitgl.; 1989 Ruhestand, gest. in Dresden. In seinen Arbeiten formulierte J. Š. ausgehend vom marxist.-leninist. Geschichtsverständnis Thesen zur kleinbürgerl.-nat. Begrenztheit der sorb. Bew. u. Kulturentw. im 19. u. 20. Jh.; er publizierte eine Reihe konzeptioneller Aufsätze über den Platz der sorb. Geschichte im Geschichtsbild der dt. Arbeiterkl. u. ist Autor des »Abrisses der sorb. Geschichte« (Bautzen 1976); wiss. Hauptwerk ist eine vierbändige Gesamtdarstellung der Geschichte der Sorben (Bautzen 1974 – 79) (Red. u. Autor des Halbbd. 2/I – Sorb. Geschichte von 1789 bis 1871).Wirtschaft, Kultur u. Nationalität. Bautzen 1990 (mit Bibl.).Timo Meskank

Wer war wer in DDR

Sommer, Reinhard

* 13.7.1921

Geb. in Köppelsdorf (Krs. Sonneberg, Thür.); Vater Arbeiter; Volksschule; 1936 – 39 Ausbildung zum Bau- u. Maschinenschlosser; 1939 – 41 Mechaniker u. Einrichter; ab 1941 Kriegsdienst (Luftwaffe), Uffz.; 1945 Kriegsgefangenschaft, Flucht. 1945 FDGB; 1945/46 SPD/SED; 1945 – 47 Werkzeugmacher, Werkmstr.; ehrenamtl. Gewerkschaftsfunktionen, u. a. Mitgl. des FDGB-Ortsvorst. Sonneberg; 1947/48 Sekr. des Gebietsvorst. Sonneberg u. Mitgl. des Landesvorst. Thür. der IG Metall; Mitgl. des Sekr. der SED-KL Sonneberg; 1948/49 Vors. des FDGB-Krs.-Vorst. Sonneberg; 1949/50 Studium an der PHS; anschl. bis 1952 Instrukteur u. Abt.-Ltr. des FDGB-Bundesvorst.; 1952 – 57 stellv. Vors. des Zentralvorst. der IG Metallurgie; 1957 – 59 BGL-Vors. im VEB Berliner Metallhütten- u. Halbzeugwerke; 1959 – 61 Mitgl., dann Vors. des Bez.-Vorst. Berlin der IG Metall; 1960 – 62 Fernstudium an der Ing.-Schule für Maschinenbau u. Elektrotechnik Berlin-Lichtenberg, Techniker; 1962 – 64 Studium an der KMU Leipzig, Dipl.-Wirtsch.; 1961 – 88 Vors. des Zentralvorst. der IG Metall (Nachf. von  Rolf Berger); 1961 – 89 Mitgl. des FDGB-Bundesvorst.; 1961 – 88 Mitgl. des Präs.; 1961 – 78 Vizepräs. u. 1978 – 89 Präs. der Internat. Vereinigung der Gewerkschaften der Metallarb. im WGB; 1978 – 89 Mitgl. des Gen.-Rats des WGB; 1976 – 89 Abg. der Volkskammer; 1981 – 89 stellv. Vors. der FDGB-Fraktion; 1981 VVO; 1988/89 Vors. der Veteranenkommission beim FDGB-Bundesvorst.Komplexe Rationalisierung u. soz. Wettbewerb. Berlin 1960; Die nächsten Aufgaben der IG Metall. Berlin 1971.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Sonnemann, Friedrich

* 6.2.1922

Geb. in Lindhof (Krs. Salzwedel); Vater Zimmermann; Grundschule; Lehre u. Arbeit als Zimmermann in Bornsen; 1940 Wehrmacht, Kriegsmarine; bis 1947 amerikan. Kriegsgef. in Japan. 1947 / 48 Geselle bei der Fa. Wilhelm Berlin in Bornsen; 1948 – 51 Fachschulstud. an der Ingenieurschule für Bauwesen in Osterwieck; 1951 SED; 1951 – 53 Ass. an der Ingenieurschule für Bauwesen in Blankenburg; 1953 Ass. am Inst. für FS-Lehrerausbildung; 1953 – 55 Abt.-Ltr. an der Ingenieurschule für Bauwesen in Görlitz; 1954 – 59 FS an der HfÖ Berlin-Karlshorst, Dipl.-Wirtsch.; 1955 – 57 Techn.-Ltr. bzw. Betriebsltr. im VEB Bau Görlitz; 1957 – 61 Dir. der Ingenieurschule für Wasserwirtschaft u. Bauwesen Magdeburg; 1961 – 65 OB von Magdeburg (Nachf. von Philipp Daub), Abberufung wg. »Schwächen in der Leitungstätigkeit«; 1965 – 74 erneut Dir. der Ingenieurschule für Wasserwirtschaft u. Bauwesen Magdeburg; 1973 Prom. zum Dr. paed.; 1974 – 76 Ltr. der Kaderabt. des Min. für Bauwesen, 1976 – 87 stellv. Ltr. der HA Bauvorhaben der Hauptstadt; 1987 Ruhestand; lebt in Magdeburg.Andreas Herbst

Handbuch Deutsche Kommunisten

Sorge, Richard

* 4.10.1895 – ✝ 7.11.1944

(* 1895 – † 1944) Geboren am 4. Oktober 1895 in Baku, Sohn eines deutschen Ingenieurs, die Mutter war Russin. Richards Großvater, Friedrich-Adolph Sorge, war ein Freund von Karl Marx und Mitbegründer der I. Internationale, sein Vater Adolph hingegen unpolitisch. 1898 übersiedelte die Familie nach Berlin, wo Richard Sorge in gutbürgerlichen Verhältnissen aufwuchs. Bei Ausbruch des Krieges meldete er sich als Freiwilliger, wurde an der Front dreimal verwundet, daraufhin 1916 demobilisiert. Zum Kriegsgegner geworden, trat er während der Studienzeit in Kiel 1918 der USPD bei, promovierte im gleichen Jahr in Hamburg und ging anschließend als Assistent an die TH Aachen. Im Dezember 1919 Mitglied der KPD, war von November 1920 bis Ende 1921 Redakteur am Parteiorgan »Bergische Arbeiterstimme« in Solingen. Dank seiner Bildung und Befähigung wurde er rasch ein wichtiger KPD-Funktionär im Rheinland. Im offiziellen Protokoll des VII. Parteitag im August 1921 ist er als »Dr. Richard Sorge, Delegierter aus Rheinland-Westfalen« namentlich und damit öffentlich registriert. Als er sogar in den ZA gewählt werden sollte, verzichtete er zugunsten älterer Kandidaten. Bereits 1921 erschien in Solingen: R. J. Sorge: »Rosa Luxemburgs Akkumulation des Kapitals. Bearbeitet für die Arbeiterschaft«. Er war damals also schon ein bekannter Kommunist, um so erstaunlicher, daß diese politische Vergangenheit des späteren »Meisterspions« der UdSSR nicht früher publik wurde. In der KPD sympathisierte Sorge bald mit den Versöhnlern und war mit Ernst Meyer verbunden. Darüber berichtete Rosa Meyer-Leviné in ihren Erinnerungen: »Einer aber gelangte wirklich zu Weltruhm – Richard Sorge. Ilka, wie er später mit Spitznamen hieß, und seine Frau Christiane arbeiteten beide in Weils Institut [für Sozialforschung Frankfurt]... Sorge war Anfang dreißig, hochgewachsen, von natürlicher Eleganz ... Ende 1924 gingen die Sorges nach Moskau – sie, um im Marx-Engels-Institut zu arbeiten, er mit einem mir unbekannten Auftrag.« Zunächst reiste Sorge (vermutlich bereits für den sowjetischen Geheimdienst) nach England. Er kam von dort zurück, weil er sich von der KPD und KPdSU im Stich gelassen fühlte und arbeitete nun endgültig als Spion für die Sowjetunion. Seine berühmte und viel beschriebene Agenten-Karriere begann 1929 in Shanghai. Sorge wurde Fernost-Korrespondent der angesehenen »Frankfurter Zeitung«, ging 1933 nach Tokio, fungierte als »Führer« der deutschen NSDAP-Ortsgruppe und »rechte Hand« des deutschen Botschafters Eugen Ott. Schon frühzeitig wurde Moskau von Sorge über Hitlers Angriffspläne gegen die UdSSR (was Stalin bekanntlich nicht glaubte) informiert, auch darüber, daß Japan die Sowjetunion nicht überfallen werde. Er und seine Mithelfer wurden am 18. Oktober 1941 in Tokio verhaftet, und 1944 zum Tode verurteilt. Als einer der berühmtesten Spione der Weltgeschichte wurde Richard Sorge am 7. November 1944 in Japan gehängt.

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Simon, Horst

* 24.7.1930

Geb. in Halle (Saale); 1946 – 56 FDJ; 1950 DSF; KB; 1953 FDGB; 1954 SED; 1953 – 62 Abitur an der ABF u. Stud. der Germanistik an der TU Dresden; 1962 – 64 wiss. Mitarb. u. Abt.-Ltr. für Information u. Dokumentation des VEB Mineralölwerks Lutzkendorf; 1964 – 74 FSU Jena, 1971 Prom. mit der Arbeit »Zeitgeschichtsdarstellung im Roman um 1930«; 1974 – 76 Literaturred. des SED-Zentralorgans »Neues Deutschland«; 1976 – 90 Cheflektor des Rostocker Hinstorff Verlags (Nachf. von  Kurt Batt); 1976 – 89 vom MfS als IM »Schönberg« erf., umfangr. Berichtstätigkeit über Autoren des Verlags wie  Jurek Becker,  Franz Fühmann,  Klaus Schlesinger; seit 1979 Mitgl. des SV; 1984 Verdienstmed. der NVA.Zwischen Erzählen u. Schweigen. Ein Buch des Erinnerns u. Gedenkens. Franz Fühmann zum 65. Rostock 1987 (Hrsg.). Walther, J.: Sicherungsber. Lit. Schriftst. u. Staatssicherheit in der DDR. Berlin 1996; Müller, B.: Stasi – Zensur – Machtdiskurse. Publikationsgeschichten u. Materialien zu Jurek Beckers Werk. Tübingen 2006.Christian Krause

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Sindermann, Horst

* 5.9.1915 – ✝ 20.4.1990

Geb. in Dresden; Vater Buchdrucker, MdR; 1921 – 33 Volksschule u. Realgymnasium; 1929 KJVD; 1932/33 UB-Ltr. in Dresden; 1932-März 1933 Angest. der Dt. Vertriebsgesell. für russ. Ölprodukte (DEROP), Niederlassung Dresden; Juni 1933 Verhaftung wegen illeg. Tätigkeit, acht Mon. Haft; ab Sept. 1934 Pol.-Ltr. des KJVD in Dresden; März 1935 erneute Verhaftung (schwere Folterungen), verurteilt zu sechs Jahren Gefängnis, 1935 – 41 Zuchthaus Waldheim (Einzelhaft), ab 1941 »Schutzhaft« im KZ Sachsenhausen; Arbeit im Lebensmittelmagazin der SS, illeg. Versorgung der Häftlinge; ab Okt. 1944 KZ Mauthausen, dann bis Mai 1945 KZ Ebensee. Juni 1945 mit sowj. Hilfe über Wien nach Dresden; 1945/46 KPD/SED; 1945 – 47 Chefred. der »Sächs. Volksztg.« in Dresden u. der »Volksstimme« in Chemnitz; 1947 – 49 1. SED-Krs.-Sekr. in Chemnitz bzw. Dez. 1948 - Okt. 1949 in Leipzig; Okt. 1949 - Juli 1950 Mitgl. des Kleinen Sekretariats beim PB der SED, Stellv. des Vors. des Sekretariats Walter Ulbricht, verantw. für Org. u. Kaderfragen; Juni 1950 Überprüfung durch die ZPKK, vom PB des ZK der SED zur Red. der »Freiheit« nach Halle versetzt, dort 1950 – 55 Chefred. (Nachf. von  Erich Behnke); 1955 – 63 Ltr. der Abt. Agit. u. Prop. im ZK der SED (Nachf. von  Peter Pries); 1958 – 63 Kand., 1963 – 89 Mitgl. des ZK der SED; 1967 – 8.11.1989 Mitgl. seines PB; 1963 – 89 Abg. der Volkskammer, 1976 – 13.11.1989 Präs. (Nachf. von  Gerald Götting); 1963 – 71 1. Sekr. der SED-BL Halle (Nachf. von  Bernard Koenen); 1965 VVO; Ehrenspange zum VVO; 1971 – 73 1. stellv. Vors. u. 1973 – 76 Vors. des Min.-Rats (Nachf. von  Willi Stoph); 1975 KMO; 1976 – 13.11. 1989 stellv. Vors. des Staatsrats; 3.12.1989 SED-Ausschl.; Jan./Febr. 1990 U-Haft, Haftentlassung aus gesundheitl. Gründen; gest. in Berlin.Frieden u. Soz. – Staatsdoktrin der DDR. Ausgew. Reden u. Aufsätze. Berlin 1980; Alles für das Volk – Alles mit dem Volk. Ausgew. Reden u. Aufsätze. Berlin 1985.Helmut Müller-Enbergs / Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Singvogel, Karl

* 1888 – ✝ 1938

Geboren 1888 in Tannenhausen/Provinz Hannover; lernte Dreher. Ab 1901 in Berlin Mitglied und Funktionär der SPD, 1918 in der Spartakusgruppe, seit Gründung 1919 in der KPD aktiv. Singvogel kam 1922 als technischer Mitarbeiter in den Apparat der Zentrale und war dann im ZK zeitweise im AM-Apparat eingesetzt, später in der Roten Hilfe. 1933 zunächst illegal für die RHD tätig, emigrierte er im November 1933 in die Sowjetunion, dort Mitarbeiter bei der MOPR (Pseudonym Karl Hellwig), später als Dreher beschäftigt. Karl Singvogel wurde am 23.März 1937 vom NKWD verhaftet, er soll 1938 im Gulag ums Leben gekommen sein. Seine Frau Anna (* 9. 9. 1890) wurde (wie ihre Schwiegertochter) im September 1937 in Moskau festgenommen und im Dezember 1939 an NS-Deutschland ausgeliefert. Der Sohn Kurt Singvogel (*8. 12. 1912 in Berlin), Werkzeugmacher, dann Kraftfahrer, 1929 im KJVD und ab 1930 in der KPD, war 1932 einer der Chauffeure des ZK der KPD. 1933 einige Monate in Berlin inhaftiert, flüchtete er im Dezember 1933 mit seiner Familie nach Moskau. Dort wurde er am gleichen Tag wie sein Vater, am 23. März 1937, wegen »antisowjetischer Propaganda« vom NKWD verhaftet. Kurt Singvogel ist ebenfalls im Gulag umgekommen, seine Familie gilt als verschollen.

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Skerra, Horst

* 1.9.1930

Geb. in Kulsen (Krs. Angerburg, Ostpr. / Kulsze, Polen); Vater Landarbeiter; Volksschule, Landarbeiter; 1945 Flakhelfer, anschl. Landarbeiter u. Traktorist. 1946 Umsiedl. in die SBZ, Arbeiter im Braunkohlentagebau Geiseltal bei Bitterfeld; FDJ, Besuch der FDJ-Schule; 1949 Eintritt in die DVP, 1949 / 50 Kursant bzw. Gruppenführer an der VP-Schule in Naumburg; 1950 VP-Kommissar, 1950 / 51 Zugführer, Ausbildungs-Ltr. an der VP-Dienststelle Kochstedt; 1951 SED; 1951 / 52 Offiziershörer an der VP-Schule Kochstedt; 1952 Ltr. Unterabt. Operativ VP-Dienststelle Kochstedt; 1952 – 56 Studium an der Frunse-Militärakad. in der UdSSR; 1956 –60 Ober-Offizier u. Ltr. Unterabt. Verw. Operativ des MfNV; 1961 – 64 Stellv. Chef des Hauptstabes u. Chef Verw. Operativ des Hauptstabes MfNV; 1964 – 66 Studium an der sowj. Generalstabsakad.; 1966 – 69 Kdr. der 1. MSD Potsdam; 1.3.1967 Generalmajor; 1969 –73 Stellv. Chef des Militärbez. u. Chef des Stabes des Militärbez. Leipzig; 1973 / 74 Stellv. für operatives Zusammenwirken beim Stellv. des Chefs des Hauptstabes für operative Fragen u. Chef der Verw. Operativ des MfNV; 1976 – 83 Chef des Militärbez. Leipzig (Nachf. von  Heinz Handke); Okt. 1977 Generalltn.; 1976 – 31.12.1989 Stellv. des Chefs der Landstreitkräfte, 1.1. – 14.9.1990 Chef der Landstreitkräfte (Nachf. von  Horst Stechbarth); 30.9.1990 Ruhestand.Andreas Herbst

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Skoda, Rudolf

* 26.9.1931 – ✝ 2.4.2015

Geb. in Leipzig; Vater Maler u. Grafiker; 1938 – 42 Volksschule, 1950 Abitur; 1950 FDGB; 1950 – 52 Maurer; 1952 techn. Hilfskraft; 1952 DSF; 1952 – 57 Studium an der HS für Baukunst u. Bildende Kunst Weimar, Dipl.-Ing.; anschl. wiss. Mitarb. an der HS für Architektur u. Bauwesen Weimar, 1958 – 60 wiss. Ass. an der HS für Bauwesen Cottbus; 1961 Mitgl. des BDA / DDR; seit 1964 versch. Studienaufenthalte in West-Berlin; 1964/65 Projekt Leipziger Messeamt am Markt (m. Rudolf Rohrer); 1964 – 75 Architekt u. Abt.-Ltr., dann Bereichsltr. im VEB Chemieanlagen Halle; 1965 Rechenzentrum Mühlenstraße, 1967 – 71 Betriebsgebäude Robotron; 1968 Prom.; 1970 – 81 Projektierung u. Ltg. des Neubaus der KMU Leipzig; 1968 – 81 Neues Gewandhaus Leipzig: 1968 – 76 Ltr. der Vorprojektierung, 1976 Ltr. des Aufbaustabs des Rats des Bez. Leipzig zur Bauvorbereitung, ab 1978 Chefarchitekt im Bereich Projektierung des Rats des Bez. Leipzig, 1981 Eröffn. des Neuen Gewandhauses Leipzig, des repräsentativsten Theatergebäudes der DDR-Baugeschichte; 1971 Schinkelmed., 1971 Kunstpreis der Stadt Leipzig; 1972 – 90 SED; 1973 BDA Bezirksvorst.; 1973/74 Betriebsschule für Marxismus-Leninismus; 1974 Studienreise nach Belgien u. in die Niederlande; 1977 Studienreisen nach Großbrit.; 1978 Verdienter Aktivist; 1979 Honorardoz. für Gebäudelehre, 1981 ord. Prof. für Wohn- u. Gesellschaftsbau an der TH Leipzig; 1981 NP. 1992 Gründung eines eigenen Architekturbüros. Geb. in Demmin; 1970 Beginn mit dem Training der Leichtathletik; ab 1971 bei Dynamo Potsdam (Trainer: Willi Kühl); Spezialdisziplin: Kugelstoßen; 1972 Spartakiadesiegerin; 1976 – 86 Abg. der Volkskammer, Mitgl. der FDJ-Fraktion; 1976 – 90 SED; 1977 nach Europapokalsieg in Helsinki positive Dopingprobe u. erster offizieller Dopingfall der DDR; danach ein Jahr Wettkampfsperre durch die European Athletic Association (EAA); 1978 EM; 1980 Olympiasiegerin u. WR (22,45 m); 1981 Europacup- u. Weltcup-Siegerin; 1984 Ende der sportl. Laufbahn, Heirat mit dem ehem. Kugelstoßer Hartmut Briesenick (EM 1971); Sachbearb. beim SC Dynamo Berlin; Versuch eines Comebacks in Vorber. auf die Olymp. Spiele 1988 ohne Erfolg. Umschulung zur Euromesseverkehrsfachkraft; lebte zuletzt in Udine (Italien).Neues Gewandhaus in Leipzig. In: Architektur der DDR (1977) 2; Die Rosenthaler Vorstadt. Wohnverhältnisse der Stadtarmut 1750 – 1850. Berlin 1985; Die Leipziger Gewandhausbauten. Berlin 2001. Sieg, V.: Neues Gewandhaus Leipzig. In: Architektur der DDR (1982) 2; Topfstedt, T., Barth, H.: Vom Baukünstler zum Komplexprojektanten. Architekten in der DDR. Berlin 2000. VoWKlaus Gallinat / Olaf W. Reimann

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Smietana, Heinz

* 4.12.1924

Geb. in Breslau (Wrocław, Polen); Vater Angest.; Volks- u. Mittelschule, Abendingenieurschule; Lehre u. Arbeit als Schlosser, Dreher u. Schweißer beim RAW Gleiwitz; 1942 – 45 Wehrmacht. 1945/46 KPD/SED; Landarb. bzw. Angest. beim Landratsamt Oschatz, 1946 – 49 Angest. der Konsumgenossenschaft (KG) Oschatz, 1949/50 Sachbearb. bzw. Abt.-Ltr. im KG Verband Sachsen; 1950 – 52 Fernstudium u. wiss. Ass. an der DASR Potsdam, Dipl.-Wirtschaftler; 1953 – 57 Doz. für genossenschaftl. Handel an der HS für Binnenhandel Leipzig; 1957/58 Dir. im Versorgungskontor für Handelstechnik Halle; 1958 – 61 wiss. Mitarb. in der SPK; 1961 – 67 wiss. Mitarb. u. Sekr. der Versorgungskommission beim Präs. des Ministerrats; 1967 – 75 Dir. für Grundsätze, Forschung u. Entw. der Staatsbank der DDR, daneben ab 1967 Aspirantur an der DASR Potsdam, 1973 Prom. zum Dr. oec.; 1975 – 90 GD der GENEX Geschenkdienst GmbH, Mitgl. des Genossenschaftsrats des VdK.Andreas Herbst

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Sobottka, Gustav

* 12.7.1886 – ✝ 6.3.1953

Geb. in Turowen (Ostpr. / Turowo, Polen); Vater Dachdecker, Tagelöhner; 1895 Übersiedl. ins Ruhrgeb.; Volksschule in Röhlingshausen; ab 1901 Bergmann in Wanne-Eickel; 1905 – Herbst 1908 Militärdienst in Düsseldorf, Artillerist; 1909 Mitgl. im freien Bergarbeiterverb.; Heirat mit Henriette Schantowski; Jan. 1910 SPD; 1912 – 14 Gewerkschaftsvertrauensmann; 1913 Ortsltr. Eickel der SPD; Aug. 1914 – Nov. 1918 Teiln. am 1. Weltkrieg; 1918 USPD; Mitgl. eines Arbeiter- u. Soldatenrats, 1920 KPD; 1920 wegen opp. pol. Tätigkeit Ausschl. aus der Gewerkschaft; Ende 1921 – 30 Ltr. der Industriegr. Bergbau in der Gewerkschaftsabt. der Zentr. bzw. des ZK der KPD; 1921 – 32 MdL in Preußen; als solcher Mitgl. der Grubensicherheitskommission für den Oberbergamtsbez. Dortmund; Delegierter des III, IV. u. V. Weltkongresses der KI; 1924/1925 Mitgl. der BL Ruhr der KPD; bis 1925 Ltr. der Gruppe Bergbau in der kommunist. »Union der Hand- u. Kopfarb.«; 1924 – 29 Lehrer für Gewerkschaftsfragen an der MASCH in Berlin; 1925 – Mai 1928 erneut Gewerkschaftsmitgl.; 1929 Mitbegr. u. Mitgl. der Reichsltg. der RGO; Okt. 1928 – 35 Gen.-Sekr. des Internat. Komitees der Bergarb. bei der RGI in Moskau, Berlin, Saarbrücken u. Paris, u. a. Streikorganisator in Großbritannien u. in Belgien; 1928 – 32 Mitarb. des Westeurop. Büros der KI; Juli – Sept. 1932 Haft in Belgien; 1932 Funktionär der RHD; 1933 zur Fahndung ausgeschrieben; April 1933 Emigr. ins Saargeb.; April 1934 Organisator u. Vors. der Internat. Konferenz der Bergarb. in Saarbrücken; 1935 Paris; Nov. 1935 in Moskau; Dez. 1935 – Sommer 1936 Stellv. des Gen.-Sekr. des Internat. Komitees der Bergarb.; Ltr. des Sekr. für internat. Verbindung; dann im ZR der sowj. Gewerkschaften tätig; April 1937 Aberkennung der dt. Staatsbürgerschaft; Febr. 1938 Verhaftung des Sohnes Gustav S. durch das NKWD (gest. Sept. 1940 in einem Moskauer Gefängnis); Anf. März 1938 aus dem ZR der Gewerkschaften entlassen; Parteiüberprüfung im Zusammenhang mit der Verhaftung des Sohnes; Juli 1938 – Frühjahr 1939 stellv. Ltr. der ökon. Abt. in der Red. der »Dt. Zentral-Ztg.«; verlor im Zusammenhang mit dem Hitler-Stalin-Pakt Sommer 1939 seinen Honorarvertrag bei der dt. Red. des Moskauer Rundfunks; ab Aug. 1939 Personalrentner; ab Juni 1941 Mitarb. in der dt. Red. des Moskauer Rundfunks; am 26.10. 1941 Evakuierung aus Moskau, bis Ende März 1942 in Kuibyschew; Einsätze in Kriegsgefangenenlagern; Anf. 1943 Mitgl. der vom ZK der KPD initiierten Arbeitsgr. über Gewerkschaftsfragen u. zur »Bearbeitung der Fragen wichtiger Bezirke«; Juli 1943 Mitgl. des NKFD; vom RKG wegen »Hochverrats« in Abwesenheit zum Tode verurteilt; Feb. – Aug. 1944 Mitarb. in einer Arbeitskommission zur Ausarbeitung des Nachkriegsprogramms der KPD; Mitgl. der Unterkommission zur »Rolle der Gewerkschaft«. Ab 6.5.1945 Ltr. einer Gruppe dt. Kommunisten im Bereich der 2. Beloruss. Front in Mecklenb.-Vorpom.; Unterz. des Aufrufs der KPD vom 11.6.1945; Mitgl. des prov. ZK der KPD; bis Nov. 1945 Vors. der LL Mecklenb. der KPD; 20.12.1945 – 47 Vizepräs. u. 4.8. 1947 – 48 Präs. der ZV für Brennstoffindustrie; 15.4.1948/49 Ltr. der HV Kohle bei der DWK; 7.10.1949 – 51 Ltr. der HA Kohle im Min. für Industrie/Schwerindustrie; April 1951 Pensionierung; Ehrenpension; Verdienter Bergmann der DDR; danach Lehrauftrag auf dem Gebiet der Bergbauwirtschaft; gest. in Berlin.Leben u. Wohlstand der Bergarb. in der Sowjetunion. Strasbourg 1937.Peter Erler / Helmut Müller-Enbergs

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Solisch, Willi

* 6.5.1910 – ✝ 7.12.1988

Geb. in Stettin (Szczecin, Polen); Vater Arbeiter; Volkschule; Lehre u. Arbeit als Kellner; fuhr zur See; Wehrmacht; sowj. Kriegsgef. Rückkehr nach Dtl.; SED; Mitarb. der SED-LL Mecklenb., später 2. bzw. 1. Sekr. der SED-KL Wismar; 1956 – 60 OB von Rostock (Nachf. von Bruno Schmidt); anschl. Sekr. der Bezirkshandwerkskammer Rostock; 1960 VVO.Andreas Herbst

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Solter, Friedo

* 24.7.1932

Geb. in Reppen (Neumark/Rzepin, Polen); Vater kfm. Angest.; 1952 – 55 Ausbildung an der Staatl. Schauspielschule Berlin; Hospitationen im Berliner Ensemble bei Proben von  Bertolt Brecht; 1955/56 Schauspieler am Bergarbeitertheater Senftenberg; 1956 – 59 Schauspieler u. Regisseur in Meiningen; erste Inszenierung 1957 »Moral«; 1959 – 2001 mit kurzer Unterbrechung Schauspieler u. Regisseur am Dt. Theater (DT) in Berlin; 1960 – 72 Doz. an der Staatl. Schauspielschule Berlin; Gründungsmitgl. des Regieinst. am Inst. für Schauspielregie »Ernst Busch« Berlin; dort 1974 – 91 Doz. für Regie; Inszenierungen mit Schauspielstudenten »Die Zoogeschichte«, Szenen aus »Marski« von Hartmut Lange (Stück in der DDR nicht gedruckt); 1968 NP; 1969 – 90 Mitgl. der AdK, 1990 Austritt; 1971/72 Regisseur u. Schauspieler beim DFF; seit 1972 erneut am DT; dort 1984 – 91 Künstler. Ltr., Regisseur u. Schauspieler; 1989 NP für seine Klassikerinszenierungen; seit 2001 freier Regisseur, zahlr. Gastinsz. sowie Veranstalt. mit der Malerin Eva-Maria Viebeg; lebt in Berlin. Inszenierungen u. a.: 1964 »Unterwegs«, 1966 »Der Stellvertreter« (beide mit Dieter Mewes), 1966, 1987 »Nathan der Weise« (Bühnenbild: Hans Nikulka), 1967 »Baran«, 1968 »Testament des Hundes«, 1969 »Der Nachbar des Herrn Pansa«, 1972 »Amphitryon«, 1974 »Sturm« (Bühnenbild: Eva-Maria Viebeg / EMV), 1976 »König Lear«, »Zwei Krawatten«, 1977 »Schwitzbad«, 1978 »Galoschenoper«, 1979 »Wallenstein«-Trilogie, 1980 »Jutta oder die Kinder von Damutz«, »Kirschgarten«, 1982 »Faust II«, während der Endprobe nach Absprache mit der Kulturabt. des ZK der SED von der Intendanz abgesetzt; 1985 »Leben ist Traum«, »Egmont«, 1986 »Vor dem Ruhestand«, 1987 »Die Fliegen«, »Philotas«, 1988 »Transit Europa« von  Volker Braun (UA), »Diktatur des Gewissens«, 1990 »Berlin, Berlin« von Sewan Latchinian (UA), »Nachtasyl«, 1991 »Peer Gynt« (Bühnenbild: EMV), 1992 »Fiesco«, Kammerspiele, »Molly Bloom«, 1993 »Gespenster Sonate«, 1994 »Der Kyklop«, 1998 »Brecht-Frauen – Ruth Berlau« (Musik: Leo Solter). Gastinszenierungen u. a.: 1976 Stockholm (»Die Schlacht bei Lobositz«), 1978 Bonn (»Besuch der alten Dame«), 1980 Bonn u. Berlin, Plenarsaal der AdK (»Elektra«) BÜ:  Werner Stötzer, Bonn u. Madrid (»Mann ist Mann«, 1980/1981), 1982 Erfurt (»Baal«), 1985 Darmstadt (»Die Schlacht«, Bühnenbild: EMV), 1989 Gelsenkirchen (»Alcina«), Salzburg (»Lumpacivagabundus«), 1990 Alma-Ata (»Fiesco«, Bühnenbild: EMV), Salzburg (»Die Glasmenagerie«), 1992 Hamburg u. Bern (»Diese Geschichte von Ihnen«, »Fiesco«, Bühnenbild: EMV), 1995 Ingolstadt (»Der gute Mensch von Sezuan«, Bühnenbild: EMV), 1996 Erfurt (»Leonce u. Lena«, Bühnenbild: EMV), 1997 Erfurt (»Elektra« v. Sophokles, Bühnenbild: EMV), 1999 Göttingen (»Stella«, BB: EMV), 2005 Neubrandenb. (»Komödie der Irrungen«); 2008 Meiningen (»Othello«). Theater-Rollen u. a.: 1960 Just (»Der zerbrochene Krug«), 1962 Tell, 1964 Claudius (»Hamlet«), 1969 Menelaos (»Die Troerinnen«), 1974 Bernadino (»Sommerfrische«), 1984 Er (»Zwei auf einer Bank«), 1988 Gierhahn (»Die echten Sedemuns«); Darsteller in Fernsehinszenierungen u. a. »Der Streit um den Sergeanten Grischa«, TR; »Nachtasyl«, R: Fritz Bornemann, Rolle: Luca; »Dantons Tod«, TR in 1977) u. zahlr. DEFA-Filmen.Porträt F. S. Theater heute (1980) 5; Renk, A.: Theaterbilder zu Inszenierungen von F. S. Ausstellungspubl. Berlin 1993.Aune Renk / Ingrid Kirschey-Feix

Wer war wer in DDR

Sommer, Siegfried

* 25.10.1925 – ✝ 9.5.2003

Geb. in Möhrenbach (b. Ilmenau) (Thür.); Vater Arbeiter, Mutter Hausfrau; Volks- u. Berufsschule; Lehre als Feinmechaniker; 1943 RAD; 1943 / 44 Wehrmacht; 1944 – 47 brit. Kriegsgef. 1947 / 48 Lehrgangsteiln. am Pädagog. Inst. Gotha, 1. Lehrerprüfung; 1948 / 49 Lehrer an der Gewerbeschule Saalfeld; 1949 – 50 Ltr. der BBS des VEB Saalfeld; 1950 / 51 Sachbearb., Berufsausbilder u. Ltr. der Abt. Schulung u. Berufsausbildung der VVB Vesta Leipzig; 1951 SED; 1951 Ltr. der Abt. Arbeitskraft in der VVB Eisenerze, Ferrolegierungen, Walzenguß Leipzig; 1951 / 52 Ltr. der Abt. Schulung u. Berufsausbildung im Eisenhüttenkombinat Stalinstadt in Fürstenberg; 1953 / 54 Dir. der Berufsschule im Eisenhüttenkombinat Stalinstadt; 1954 / 55 1. Sekr. der SED-BPO u. Parteiorganisator des ZK im VEB Eisenhüttenkombinat Stalinstadt; 1955 / 56 Lehrgang an der SED-BPS Beeskow; 1956 / 57 Sekr. für Agit. u. Prop.; 1957 – 60 2. Sekr. der SED-KL Stalinstadt / Eisenhüttenstadt; 1960 – 62 1. Sekr. der SED-KL Frankfurt (Oder); 1962 – 65 Stud. an der PHS beim ZK der KPdSU, Dipl.-Gesellschaftswiss.; 1965 – 69 OB von Eisenhüttenstadt; 1969 – 89 Vors. des Rats des Bez. Frankfurt (Oder), anschl. Rentner.Andreas Herbst

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Sonnemann, Rolf

* 6.5.1928 – ✝ 21.7.2010

Geb. in Genthin; 1951 – 54 Studium der Pol. Ökon. u. Wirtschaftsgeschichte in Halle; dort anschl. Assistent u. 1958 Prom. bei Gerhard Bondi; 1959 Doz. für Wirtschaftsgeschichte, ab 1964 für Dt. Wirtschaftsgeschichte MLU Halle; 1963 Habil. dort über den »Einfluß des Patentwesens auf die Herausbildung von Monopolen in der dt. Teerfarbenindustrie«; 1965 Prof. für Wirtschafts- u. Sozialgeschichte an der TH Dresden; ab 1968 Prof. für Wirtschaftsgeschichte u. Geschichte der Produktivkräfte u. 1968 – 72 u. 1980 – 82 erster Dir. der Sekt. Philos.- u. Kulturwiss. der TU Dresden; 1979 VVO; 1988 krankheitsbedingt em.; gest. in Bayreuth. R. S. gehört zu den führenden Wirtschafts- u. Technikhist. der DDR, der ab 1977 schulenbildend in Dresden ein auch international anerkanntes Zentrum für die Geschichte der Technikwiss. aufbaute, das sich insbesondere der Erforschung der Genese technikwiss. Disziplinen verpflichtet fühlte u. den partiell ideolog. geprägten Ansatz einer Geschichte der Produktivkräfte durch ing.-techn. Aspekte ergänzte; Mithrsg. der Ztschr. NTM.Geschichte der TU Dresden. 1928 – 78. Dresden 1978 (Hrsg.); Geschichte der Technikwiss. Leipzig. (mit Buchheim, G. Hrsg.). Hanseroth, T. (Hrsg.): Technik u. Wiss. als Produktive Kräfte in der Geschichte. R. S. zum 70. Geb. Dresden 1998 (mit Bibl.).Dieter Hoffmann

Wer war wer in DDR

Sorgenicht, Klaus

* 24.8.1923 – ✝ 22.10.1999

Geb. in Wuppertal; Vater Musiker; Volksschule u. Handelsberufsschule; Ausbildung u. Tätigkeit als kfm. Angest.; Wehrmacht; 1944 sowj. Kriegsgefangenschaft, Antifa-Schule, Mitarb. im NKFD. 1945 Rückkehr nach Dtl.; KPD/SED; 1945/46 Bürgermstr. bzw. OB in Güstrow; 1946 – 49 Landrat in Güstrow; 1949 – 51 Ltr. der Abt. Staatl. Verw.; 1950 Ltr. der Abt. Personalangelegenh. im Min. für Innere Verw. des Landes Mecklenb.; 1951/52 HA-Ltr. im Min. des Innern der DDR; 1952 – 54 HA-Ltr. in der Koordinierungs- u. Kontrollstelle für die Arbeit der Verw.-Organe der DDR; 1953/54 Studium an der PHS der KPdSU in Moskau; 1954 – 89 Ltr. der Abt. Staats- u. Rechtsfragen des ZK der SED (Nachf. von  Anton Plenikowski); 1955 – 59 Fernstudium an der DASR Potsdam, Dipl.-Staatswiss.; 1958 – März 1990 Abg. der Volkskammer; 1963 – 67 Mitgl. des Verfassungs- u. Rechtsaussch., 1967 – 69 in dessen Ältestenrat u. Fraktionsvors.; 1963 – Jan. 1990 Mitgl. des Staatsrats; 1968 Prom. zum Dr. rer. pol.; 1973 VVO; 1983 KMO; 1990 Ruhestand.Verfassung der DDR. Berlin 1969 (zus. mit W. Weichelt); Staat, Recht u. Demokratie nach dem IX. Parteitag der SED. Berlin 1976; Unser Staat in den 80er Jahren. Berlin 1982.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Simon, Rainer

* 11.1.1941

Geb. in Hainichen (Sachsen); Mutter Sekr.; Grundschule in Hainichen, 1959 Abitur an der EOS Frankenberg; 1959 – 61 NVA; 1961 – 65 Studium an der Dt. HS für Filmkunst Potsdam-Babelsberg, Fachrichtung Regie; 1965 Regieassistent beim DEFA-Studio für Spielfilme, Arbeit mit Ralf Kirsten u.  Konrad Wolf; 1968 – 90 dort Regisseur; SED; galt für das MfS ebenso wie Siegfried Kühn als eine der »kompliziertesten Künstlerpersönlichkeiten des Studios«, die »die skeptischste Position zum Soz. vertritt«; zahlr. nat. u. internat. Preise, 1989 NP. Seit 1990 freier Regisseur u. Mitgl. des Vorst. des Filmverb. Brandenb.; nach 1991 Dokumentarfilme, so in Equador über naive Kunst »Die Farben von Tigua« (1994); die Zápara-Indianer »Mit Fischen u. Vöglen reden« (1998/ 99) u. Der »Ruf des Fayu Ujmu«; 1993 – 96 Prof. an der HFF Potsdam-Babelsberg; 1997 Insz. »Soliman« am Hans-Otto-Theater Potsdam; lebt in Potsdam. Werke: Episode »Gewöhnliche Leute«. In: Aus unserer Zeit (R. auch: H. Nitzschke, J. Kunert,  K. Maetzig); R. S.s Filme (häufig in Zusammenarbeit mit den Kameraleuten Claus Neumann,  Roland Dressel) zeugen vom Willen zu opt. Verdichtung, kreisen themat. um Fragen von Macht, Selbstbestimmung, Schuld, Verstrickung; Gegenwartsfilme: »Jadup u. Boel« (1981, 1988); »Wie heiratet man einen König« (1968, Märchen); »Till Eulenspiegel« (1977/74); »Das Luftschiff« (1982); »Die Frau u. der Fremde« (1984); »Wengler & Söhne« (1986); »Die Besteigung des Chimborazo« (1989); »Der Fall Ö.« (1991).Bedrohungen. Potsdam 1997; Fernes Land. Die DDR, die DEFA u. der Ruf des Chimborazo. Berlin 2005 (Autorbiogr.); Regenbogenboa. Roman. Berlin 2005. DEFA-Spielfilm-Regisseure u. ihre Kritiker. Berlin 1981 (hrsg. von R. Richter);Elke Schieber / Ingrid Kirschey-Feix

Handbuch Deutsche Kommunisten

Sindermann, Kurt Alfred

* 13.4.1904 – ✝ 3.11.1945

(* 1904 – † 1945) Geboren am 13. April 1904 in Dresden, Sohn des Buchdruckers und (seit 1892) sozialdemokratischen Funktionärs Karl Sindermann (* 1869 – † 1922), der von 1899 bis 1904 an der Spitze der Landesorganisation Sachsen stand, von 1903 bis 1907 SPD-Reichstagsabgeordneter und von 1909 bis 1922 sächsischer Landtagsabgeordneter war. Kurt Sindermann lernte Eisenschiffbauer, arbeitete dann als Schlosser und Elbschiffssteuermann. Er schloß sich 1920 zunächst der SAJ und später der SPD an. 1923 Mitglied der KJD und der KPD, 1925 wurde er Leiter des KJVD Ostsachsens, Anfang 1927 dort Leiter des RFB. Von November 1927 bis März 1929 Kursant der Internationalen Leninschule in Moskau. Im Mai 1929 als Abgeordneter in den Sächsischen Landtag gewählt, dem er bis 1933 angehörte. Im August 1929 Polleiter des Bezirks Ostsachsen. Nach der Zusammenlegung der sächsischen Bezirke von 1930 bis 1933 UB-Leiter in Chemnitz und hier wesentlich an der Ausschaltung der KPO-Gruppe beteiligt. Sindermann leitete ab März 1933 die illegale KPD in Dresden, dann im Bezirk Niederrhein. Bereits am 23. Juni 1933 in Wuppertal festgenommen, am 31. Oktober 1934 vom VGH zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt, dann im KZ Sachsenhausen, zuletzt in Buchenwald eingesperrt. Anläßlich der Amnestie zu Hitlers 50. Geburtstag am 20. April 1939 freigelassen, aber am 1. September 1939 wieder verhaftet und erneut nach Buchenwald überführt. Dort am 16. Januar 1940 entlassen, aber in Dresden wiederholt festgenommen und verhört. Über das weitere Schicksal Kurt Sindermanns liegen widersprüchliche Informationen vor. Im März 1964 berichtete beispielsweise Wilhelm Grothaus (* 1893 – †1966), Mitglied der Widerstandsgruppe von Georg Schumann für Dresden: »Infolge Verrates durch den früheren Kommunisten Brüderlein in Leipzig und den Kommunisten Kurt Sindermann in Dresden wurde die aktive Leitung der Widerstandsgruppe Schumann, der ich selbst angehört habe, und auch viele andere Mitglieder dieser Widerstandsgruppe Mitte des Jahres 1944 verhaftet ... Etwa Anfang des Jahres 1943 sprach in meiner Wohnung in Dresden ein Mann vor, der sich als Kurt Sindermann vorstellte und vorgab, sich im Auftrag von Schumann-Leipzig bei mir zu melden, um für illegale Arbeit im Bezirk Dresden eingesetzt zu werden. Ich kannte Sindermann nicht ... Ich bin am folgenden Tag nach Leipzig gefahren, um festzustellen, ob Schumann über diesen angeblichen Sindermann unterrichtet war. Schumann erklärte mir folgendes: Es handele sich tatsächlich um Kurt Sindermann. In der Annahme, daß Sindermann mir bekannt sei, habe er ihm das vereinbarte Erkennungszeichen nicht ausgehändigt. Sindermann sei aus einer seit langem sozialistischen Familie hervorgegangen und auf der Leninschule in Moskau ausgebildet. Er sei auch Abgeordneter des Sächsischen Landtags gewesen ... Auf meine Frage, aus welchen Gründen Sindermann als Kommunist aus dem Konzentrationslager entlassen worden sei ... erklärte Schumann: Seine Frau habe ein Entlassungsgesuch eingereicht und sich dafür verbürgt, daß er sich in Zukunft nicht mehr in staatsfeindlicher Weise betätigen würde. Restlos überzeugt war ich zwar nicht, aber auf Anweisung Schumanns habe ich Sindermann für die illegale Arbeit in Dresden eingesetzt. In der Folgezeit kam es zu einzelnen Verhaftungen von Kommunisten in den Bezirken Dresden, Leipzig und Chemnitz. Auf meine Rückfrage bei Schumann erklärte dieser, daß es ausgeschlossen sei, daß Sindermann mit diesen Verhaftungen in Verbindung gebracht werden könne ... Kurz darauf setzte die Verhaftungswelle gegen die Widerstandsgruppe Schumann ein. Daß Sindermann aber der Verräter und Agent der Gestapo war, stellte ich selbst im Polizeigefängnis in Dresden-Schießgasse fest, wo Sindermann, der zum Schein auch verhaftet worden war, seine Spitzelarbeit unter den politischen Gefangenen fortsetzte ... Sindermann tauchte in den Tagen des Zusammenbruches in einem Flüchtlingslager in Radebeul unter. Er wurde erkannt und hat vor seinem Tode folgendes erklärt: Die Leitung des Konzentrationslagers Dachau sei an ihn herangetreten und habe ihm unter der Zusage sofortiger Entlassung und der Zusicherung materieller Vorteile angetragen, Spitzeldienste für die Gestapo zu leisten. Er habe das zunächst abgelehnt, sei aber dann doch auf das Angebot eingegangen, in der Annahme, daß er die Gestapo hinhalten und hinters Licht führen könne ... Er [habe] zunächst einzelne kleinere Fälle verraten, sei dann aber immer tiefer in die Netze der Gestapo verstrickt worden ... Sindermann wurde im Flüchtlingslager Radeberg erschlagen.« Grothaus verwies darauf, daß Kurts jüngerer Bruder Horst Sindermann (* 1915 – †1990) einer der Führer der SED war. Im Zusammenhang mit der nach der Befreiung einsetzenden Untersuchung gegen Kurt Sindermann liegt eine ganz andere Mitteilung der KPD-Kreisleitung Großenhain vom 3. November 1945 an die Abteilung Kader der KPD-BL Sachsen über den Tod von Kurt Sindermann vor. In ihr heißt es: »Der ehemalige Landtagsabgeordnete Kurt Sindermann war in Radeberg im KZ. Er wurde dort am 17. März 1945 von seinem Arbeitsplatz von 2 Gestapoleuten abgeholt. Er wurde auf der Chaussee abtransportiert und ungefähr 500 m weit vom Lager von der Gestapo erschossen.« Kurt Sindermanns Frau Anni Sindermann, geborene Nietsche (* 17. Februar 1912 – † 4. 2. 1990), Textilarbeiterin, war seit 1925 im KJVD und 1929 in der KPD. Am 14. März 1933 wurde sie als Geisel für ihren Lebensgefährten, den sie dann 1934 heiratete, verhaftet und neun Monate in »Schutzhaft« festgehalten. Am 27.April 1935 erneut festgenommen und am 6.August 1936 vom OLG Dresden zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt. Von 1939 bis 1943 Kartonagenarbeiterin. Am 26. Juni 1944 mit ihrem Mann verhaftet, saß sie bis 1945 im Frauenkonzentrationslager Ravensbrück. Sehr um die Aufklärung des Schicksals ihres Mannes bemüht, mußte Anni Sindermann im Sommer 1945 der KPD-Untersuchungskommission unter Max Opitz Auskunft geben. Sie widersprach der Behauptung, daß Kurt Sindermann ein Verräter gewesen sei, bestätigte aber, daß er dem Druck der Gestapo nicht gewachsen war. 1956 teilte Anni Sindermann dann schriftlich mit: »Im Frühjahr 1944 kam nach Dresden der Genosse Saefkow, um auch Dresden mit in die zentrale Arbeit der Partei einzubeziehen. Bei dieser Zusammenkunft hat mein Mann dem Genossen Saefkow alles berichtet, in welcher mißlichen Lage mein Mann gegenüber der Gestapo war. Der Genosse Saefkow hatte aber Vertrauen zu meinem Mann und hat ihn mit in die illegale Arbeit der zentralen Leitung einbezogen. Die Gestapo konnte hier meinem Mann viel Konkretes nachweisen, weil auch hier mein Mann mit einem Genossen zusammengearbeitet hat, der zum Spitzel geworden war. Es handelt sich hier um einen jungen Genossen aus Leipzig, der mit meinem Mann in Buchenwald war. Der Name ist mir leider entfallen. Zu einem Prozeß ist es nicht gekommen, aber am letzten Freitag im März 1945 hat die Gestapo meinen Mann in Radeberg bei Dresden erschossen. Ich möchte hier sagen, daß das Verhalten meines Mannes vor der Gestapo vielleicht nicht immer eines Genossen würdig war. Wichtig ist aber, er ist nicht zum Verräter geworden.« In einem überlieferten Bericht der Gestapoleitstelle Dresden vom Sommer 1944 ist schließlich vermerkt: »Die Stapoleitstelle Dresden nahm den ehemaligen kommunistischen Landtagsabgeordneten Kurt Alfred Sindermann (geb. am 13. 3. 04 zu Dresden) und dessen Ehefrau fest. Sindermann war für das Referat IV H tätig gewesen. Er hatte über diese Tätigkeit mit anlaufenden KPD-Funktionären gesprochen, seiner auftraggebenden Dienststelle diese Funktionäre jedoch verheimlicht.« Anni Sindermann wurde im August 1946 Sekretärin des Landesvorstandes der IG Druck und Papier Sachsens, 1949 Leiterin der Abteilung Kader und bis 1961 Sekretariatsmitglied bzw. bis 1972 des Präsidiums des Zentralvorstandes der IG Druck und Papier. Ab 1962 politische Mitarbeiterin für internationale Arbeit im ZV der IG Druck und Papier. Sie erhielt 1987 den Karl-Marx-Orden.

Wer war wer in DDR

Sitte, Petra

* 1.12.1960

Geb. in Dresden; POS; 1977 – 79 EOS, Abitur; 1979 – 83 Studium der Wirtschaftswiss. an der MLU Halle, Dipl.-Volksw.; 1981 SED; 1983 – 85 Forschungsstudium u. 1985 – 88 Assistentin an der MLU, 1987 Prom. zum Dr. oec mit einer Arbeit über die Führung der SED Halle bei der Weiterentw. der sozialist. Produktionsverhältnisse; 1988/89 2. Sekr. der FDJ-KL der MLU; Mai – Dez. 1990 Abg. der Stadtverordnetenvers. Halle u. Vors. der PDS-Frakt. im Stadtrat Halle (Saale). Okt. 1990 – 2005 Mitgl. des Landtags Sachsen-Anh., 1990 – 2004 Vors. der PDS-Fraktion, seit 1994 Mitgl. des Ältestenrats; 1997 – 2002 Mitgl. des PDS-Bundesvorst.; seit 2004 Mitgl. des Stadtrats Halle (Saale); seit 2005 MdB, stellv. Fraktionsvors. der PDS bzw. Linkspartei u. Sprecherin für Forschungs- u. Technologiepol.Politikwechsel in der Wissenschaftspolitik? Berlin 2001.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Skjellerup, Johann

* 20.9.1877 – ✝ 1937

Geboren am 20. September 1877 in Hadersleben/Nordschleswig (heute Dänemark); lernte Gärtner. Er ließ sich später in Bramfeld bei Hamburg nieder und war selbständiger Gärtnereibesitzer. 1896 Mitglied der SPD, während des Krieges Übertritt zur USPD, aktiv auf dem linken Flügel dieser Partei. Er war 1920 Delegierter des USPD Spaltungs- und des Vereinigungsparteitags mit der KPD, in den Zentralausschuß der VKPD gewählt und auch vom VII. Jenaer Parteitag 1921 als Kandidat wieder in den ZA entsandt. Skjellerup zog 1921 für die KPD im Wahlkreis Schleswig-Holstein in den Preußischen Landtag ein. 1923 aktiver Anhänger der Linken, nach deren Sieg 1924 wurde er erneut in den Landtag gewählt und auch Mitglied der KPD-BL Wasserkante. Nach dem »Offenen Brief« 1925 schloß er sich der linken Opposition unter Ruth Fischer an, unterschrieb im September 1926 den »Brief der 700« und arbeitete eng mit Hugo Urbahns zusammen. Nachdem es Ernst Thälmann gelang, Skjellerup von Urbahns zu lösen, kam er auch 1928 wieder für die KPD in den Preußischen Landtag. Politisch trat er aber nur noch wenig hervor und wurde 1932 nicht mehr als Kandidat zur Landtagswahl aufgestellt. Ende 1932 soll er in die Sowjetunion übergesiedelt sein. Viele Anzeichen deuten darauf hin, daß Johann Skjellerup dort während der Stalinschen Säuberungen 1937 verhaftet wurde und umgekommen ist, genaueres konnte jedoch nicht ermittelt werden.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Skorzisko, Theodor

* 9.11.1899 – ✝ 31.12.1941

Geboren am 9. November 1899 in Raschlowitz/ Oberschlesien; besuchte eine landwirtschaftliche Fachschule, war aber später Elektromonteur. Wann Skorzisko Mitglied der KPD wurde, ist unklar, politisch hervorgetreten ist er erst mit der Wahl in die Hamburger Bürgerschaft im September 1931, der er bis zu den Neuwahlen im April 1932 angehörte. Seit Anfang 1933 Leiter der illegalen KPD in Hamburg-Eppendorf, wurde im Herbst 1933 festgenommen und nach längerer Untersuchungshaft 1935 zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt. Nach seiner Freilassung ging Skorzisko zunächst nach Gleiwitz, emigrierte dann über Polen in die ?CSR und floh vermutlich unmittelbar vor der deutschen Besetzung Prags im März 1939 nach Frankreich. Hier ebenfalls in deutschen Emigrantenzirkeln politisch aktiv, Anfang 1940 mußte er mit einer schweren Lungenentzündung in ein Pariser Krankenhaus. Noch kurz vor dem Einmarsch deutscher Truppen in Paris evakuiert, soll Theodor Skorzisko in einem Internierungslager umgekommen sein. Nach dem Krieg für tot erklärt, setzte das Gericht als Todesdatum den 31.Dezember 1941 fest.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Smolka, Joseph

* 8.8.1897

Geboren am 8. August 1897 in Sersno/Gleiwitz; lernte Glasbläser. 1916 Soldat, wurde während des Krieges Mitglied der Spartakusgruppe, trat bei Gründung der KPD bei, für die er ab 1919 als Sekretär in Oberschlesien wirkte. Von 1921 bis 1923 Sekretär für Gewerkschaftsfragen in der BL Oberschlesien bzw. Schlesien. Auf dem VII. Jenaer Parteitag 1921 als Kandidat in den ZA gewählt, war er auch Delegierter des VIII. Leipziger Parteitags 1923. 1924 kam Smolka nach Jena, dort bis 1928 in der BL Thüringen Sekretär für Gewerkschaftsfragen. Er gehörte zum rechten Parteiflügel, war Anhänger Hans Tittels und wurde Ende 1928 wieder nach Oberschlesien zurückgeschickt. Im Februar 1929 aus der KPD ausgeschlossen, ging Smolka zur KPO und war für sie in Thüringen aktiv. Später arbeitete er in der Gemeindeverwaltung von Ruhla, einem starken KPO-Stützpunkt. Nach 1933 mehrfach verhaftet, übersiedelte Smolka 1943 von Thüringen nach Breslau, wohnte bei der Liberalen Wilhelmine Schirmer-Pröscher und schloß sich einer antifaschistischen Gruppe an. Über Kontakte zu Otto Engert, mit dem er sich im April 1944 in Leipzig traf, kam er auch in Gespräche mit Georg Schumann, Theodor Neubauer und 4 Anton Saefkow. Letztem übergab er einen größeren Geldbetrag und sie begegneten sich noch einmal im Mai 1944 in Berlin. Smolka entging der Verhaftungswelle und lebte bis Kriegsende unbehelligt in Breslau. 1945 trat er wieder der KPD, 1946 der SED bei, übernahm wichtige Verwaltungsfunktionen im Land Brandenburg, wurde Geschäftsführer der Zentralen Kommission für Sequestrierung und Beschlagnahme, anschließend 1946/47 kaufmännischer Direktor der Hauptverwaltung der landeseigenen Betriebe in Brandenburg. Bereits im Sommer 1949 in den Westen geflüchtet, nannte Smolka Anfang August 1949, bei einer Pressekonferenz in Hamburg, schwere politische Differenzen mit Heinrich Rau und Walter Ulbricht als Grund seiner Flucht. In West-Berlin gehörte er 1949 zu einer Gruppe »Unabhängige KPD«. Über Joseph Smolkas weiteres Schicksal konnte nichts in Erfahrung gebracht werden.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Sobottka, Gustav

* 12.7.1886 – ✝ 6.3.1953

Geboren am 12. Juli 1886 in Turowen/Ostpreußen, Sohn eines Dachdeckers und späteren Bergmanns. Seine Eltern gehörten zur religiösen Sekte der Mucker und übersiedelten 1895 ins Ruhrgebiet. Ab 1901 arbeitete Gustav Sobottka auf der Grube in Wanne-Eickel und leistete von 1905 bis 1908 seinen Militärdienst in Düsseldorf. Im Oktober 1909 trat er in den Bergarbeiterverband ein und heiratete Henriette Schantowski (* 9. 3. 1888 – † 15. 9. 1971). Seit Januar 1910 Mitglied der SPD und 1913 Leiter der Partei in Eickel. Im August 1914 zum Militär eingezogen und als Artillerist bis November 1918 im Weltkrieg. Dann Mitglied der USPD, deren Leiter im Kreis Bochum-Gelsenkirchen, er war Delegierter des Vereinigungsparteitags mit der KPD im Dezember 1920. Sobottka gehörte zu den Mitbegründern der linksradikalen Union der Hand- und Kopfarbeiter, die einen großen Teil der gewerkschaftlich organisierten Bergleute in ihren Reihen vereinigte. Im Februar 1921 wurde er in den Preußischen Landtag gewählt, dem er ununterbrochen bis 1932 angehörte, und war bis 1925 Vorsitzender der Gruppe Bergbau der Union der Hand- und Kopfarbeiter. Als die KPD 1924/25 die Auflösung dieser Sondergewerkschaft und ihre Überführung in den Bergarbeiterverband beschloß, sträubte sich Sobottka zunächst dagegen und ging zu den Ultralinken. Er blieb aber in der KPD und beugte sich Ende 1925 der Parteilinie. Schließlich liquidierte er im Auftrag der Zentrale und der Komintern die ultralinke Bergarbeiter-Union, war Delegierter des X. KPD-Parteitags 1925 und des XI. 1927, Mitglied der erweiterten BL Ruhr. Im April 1928 aus dem Bergarbeiterverband ausgeschlossen, wurde er einer der Mitbegründer der RGO und Mitglied deren Reichsleitung. Im Oktober 1928 übernahm Sobottka die Funktion des Generalsekretärs des Internationalen Komitees der Bergarbeiter bei der RGI und war zugleich enger Mitarbeiter Georgi Dimitroffs im Mitteleuropäischen Büro der Komintern. Ende 1932 in den Apparat der RHD abgeschoben, nicht mehr als Kandidat für den Preußischen Landtag nominiert, emigrierte er im April 1933 zunächst nach Saarbrücken, war Vorsitzender der Internationalen Konferenz der Bergarbeiter und ging 1935 nach Paris. Im November 1935 kam Sobottka nach Moskau, bis Sommer 1936 Stellvertretender Generalsekretär des Internationalen Komitees der Bergarbeiter, anschließend Referent im Zentralrat der sowjetischen Gewerkschaften. Im April 1937 wurden er, seine Frau Henriette und seine beiden Söhne Bernhard (* 30. 6. 1911) und Gustav (* 10. 4. 1915) von den Nazi-Behörden ausgebürgert. Bernhard Sobottka arbeitete nach 1933 illegal für die KPD, saß von August bis Dezember 1933 im KZ. Am 30. März 1943 erneut verhaftet und vom VGH zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt. Von britischen Truppen aus dem Zuchthaus Hamburg-Fuhlsbüttel befreit, sofort in ein Lazarett gebracht, starb Bernhard Sobottka am 20. Juli 1945 in Hamburg. Gustav Sobottka jun., der in Deutschland das Gymnasium besucht hatte, 1929 in den KJVD eintrat, arbeitete nach dem Reichstagsbrand illegal. Am 11. August 1933 festgenommen, saß er bis Ende 1933 in den KZs Oranienburg und Sonnenburg. Dann zu seinem Vater nach Paris emigriert, ging er mit den Eltern 1935 in die Sowjetunion und arbeitete als Schlosser. In der Nacht vom 4. zum 5. Februar 1938 wurde er vom NKWD als Mitglied einer angeblichen Hitler-Jugend verhaftet. Die Eltern wandten sich verzweifelt um Hilfe an Dimitroff und Wyschinski. Doch der Sohn blieb in Haft und kam im September 1940 in einem Moskauer Gefängnis als Opfer der Stalinschen Säuberungen ums Leben. Henriette Sobottka wurde wegen des Schicksals ihres Sohnes krank und schwermütig. Gustav Sobottka selbst mußte aus dem Zentralrat der Gewerkschaften ausscheiden und wurde einer Parteiüberprüfung unterzogen. 1938/39 Mitarbeiter und Redakteur der »Deutschen Zentral-Zeitung« und von Radio Moskau, Oktober 1941 nach Kuibyschew evakuiert, später als Instrukteur in Kriegsgefangenenlagern eingesetzt und ab Juli 1943 Mitglied des NKFD. Am 6. Mai 1945 kehrte Sobottka als Leiter der 3.»Initiativ-Gruppe« (neben der Gruppe Ulbricht in Berlin und der Gruppe Ackermann in Dresden) nach Deutschland zurück. In Stettin stationiert, war er Mitunterzeichner des Aufrufs des ZK der KPD vom 11. Juni 1945, kam Ende November 1945 nach Berlin, wurde in der SBZ zunächst Vizepräsident und im August 1947 Präsident der Deutschen Zentralverwaltung für Brennstoffindustrie. Mit Bildung der DWK 1948 Leiter der Hauptverwaltung Energie und Brennstoffversorgung. Anschließend bis 1951 Leiter der Hauptverwaltung Kohle im DDR-Ministerium für Schwerindustrie, dann nur noch in untergeordneten Funktionen, z. B. für die Schulung im Bergbau verantwortlich. Gustav Sobottka starb am 6. März 1953. Bedrückt wegen der Ermordung seines Sohnes Gustav in der Sowjetunion und auch der folgenden Krankheit seiner Frau soll er Stalin insgeheim so sehr gehaßt haben, daß er über dessen Tod am 5.März 1953 noch jubelte, aber vor Aufregung einen Tag später selbst starb.Peter Erler / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Sölle, Horst

* 3.6.1924 – ✝ 6.10.2016

Geb. in Leipzig; Vater Stellmacher; 1930 – 40 Grund- u. Mittelschule; 1936 – 42 HJ; 1940 – 42 DAF; 1940 – 42 Ausbildung zum Industriekfm. in Leipzig; Okt. 1942 – 44 Wehrmacht, Uffz., ab 1943 an der Ostfront, zuletzt in Rumänien; Aug. 1944 – Aug. 1945 sowj. Kriegsgefangenschaft in Bessarabien u. im Nordkaukasus. 1945 Rückkehr nach Dtl.; Gepäckarb. bei der DR (Hbf. Leipzig); 1945/46 SPD/SED; 1946/ 47 Vorbereitungslehrgang, 1947 – 50 Studium der Wirtschaftswiss. an der Univ. Leipzig, Dipl.-Wirtsch.; 1948 FDJ; 1948 KPS; 1950 –52 Org.-Instrukteur im Min. für Verkehr, HA Finanzen u. Betriebswirtsch.; 1952/53 Instrukteur, 1953 – 58 Sektorenltr. Außenhandel u. 1958 – 62 stellv. Ltr. der Abt. Handel, Versorgung u. Außenhandel des ZK der SED; 1963 – 65 Staatssekr. u. 1. Stellv., 1965 – 86 Minister für Außenhandel u. Innerdt. Handel (Nachf. von  Julius Balkow), Mitgl. des Ministerrats; ab 1967 Studium am ZI für soz. Wirtschaftsführung beim ZK der SED in Berlin-Rahnsdorf; 1963 – 76 Kand., 1976 – 89 Mitgl. des ZK der SED u. dessen AG Zahlungsbilanz; 1969 Banner der Arbeit; 1970 MfS-Med. der Waffenbrüderschaft; 1971 Mitgl. der Außenpolit. Kommission beim PB des ZK der SED; 1974 VVO; 1984 Ehrenspange zum VVO; 1986 – 89 stellv. Vors. des Min.-Rats; 1988/89 Ständ. Vertreter der DDR im RGW (Nachf. von  Günther Kleiber); 1989 KMO; Nov./Dez. 1989 Rücktritt mit der Reg.  Willi Stoph u. dem ZK der SED. 1990 Rentner; lebte zuletzt in Zeuthen (b. Berlin).Die Aufgaben der Außenwirtschaft. Berlin 1968.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Sommer, Günter (»Baby«)

* 25.8.1943

Geb. in Dresden; Abitur; Studium an der HS für Musik »Carl M. v. Weber« Dresden (Abt. Tanzmusik, Schlagzeug); 1963 – 68, 1969/70  Klaus-Lenz-Band; 1967 – 74 Schlagzeuger im  Friedhelm-Schönfeld-Trio; 1968/69 Manfred-Ludwig-Sextett; 1969 Tournee in Schweden; 1970 Jazzfestival Prag; 1971 – 73 SOK; 1973 – 75 Synopsis; 1973 Jazz Jamboree Warschau (auch 1977); Beginn der Duo-Arbeit mit  Ulrich Gumpert; 1974 u. 1975 Jazz-Tage Nagykanizsa (Ungarn); ab 1974 Zusammenarbeit mit  Ernst-Ludwig Petrowsky; 1975 u. 1977 Warschauer Herbst; ab 1975 Zusammenarbeit mit Hans-Karsten Raecke; ab 1976 mit Domorganist Hans-Günther Wauer (LP »Dedication«, 1981; »Verschränkte Konstruktion«, 1986); 1977 Jazzbühne Berlin; »Jazz in der Kammer Nr. 100« in Berlin; ab 1977 Solokonzert mit »Hörmusik« (LP, 1979 Berliner Jazztage; LP »Hörmusik Zwei«, 1983; CD »Hörmusik III: Sächs. Schatulle«, 1988 u. 1992); ab 1979 Trio mit Leo Smith u. Peter Kowald; 1980 Wuppertaler Free Jazz Workshop; 1982 Tournee in Japan, Quartett MLDD4; 1984 Taktlos Festival Zürich (auch 1988); ab 1984 Zentral-Quartett (LP, 1990 JazzFest Berlin); 1986 New Jazz Festival Moers; 1987/88 Mitgl., 1989/90 Ltr. des Jazzorchesters der DDR (1990 JazzFest Berlin); 1988 »Jazz in der Kammer« in Berlin mit Cecil Taylor; Aufn. u. Auftritte mit Peter Brötzmann, Albert Mangelsdorff, Hans Rempel, Irène Schweizer, Barre Philips u. a.; in den 80er Jahren liter.-musikal. Programme, u. a. mit Günter Grass. 1994 CD »Zentralquartett: Plie«; Sept. 2001 Uraufführung seines 13teiligen Sonettzyklus »Novemberland« nach Texten von Günter Grass in der Mainzer Phönix-Halle; 2002 Mitwirkung an der CD »Vor der Flut«, deren Erlös der HS für Musik »Carl M. v. Weber« Dresden zugutekam; 11.1.2003 Mitwirkung am Peter-Kowald-Gedenkkonzert »a night of joy and music« in der Oper Frankfurt (Main); insg. mehr als 90 Tonträger, letzte CD: »Live in Jerusalem« (2008); 2009 Tournee »Heinrich Heine – wie neu« (mit Th. Brückner, K. Hilpert u. U. Kropinski); seit 1995 Prof. an der HS für Musik »Carl M. v. Weber« Dresden; lebt in Radebeul.Rainer Bratfisch

Handbuch Deutsche Kommunisten

Sommer, Heinrich

* 18.8.1895 – ✝ 1.5.1967

Geboren am 18. August 1895 in Heiligenwald/Saargebiet, Sohn eines Bergarbeiters; lernte Schlosser und arbeitete als Eisenbahnschlosser. Von 1915 bis 1917 Soldat im Weltkrieg, im Sommer 1920 wurde er Mitglied der KPD und stieg rasch zu einem bekannten Parteifunktionär im Saargebiet auf. Ab 1926 gehörte er zur engeren BL Saar, wurde 1930 Vorsitzender des RGO-Verbandes der Eisenbahner im Saargebiet. Er war von 1926 bis 1932 Mitglied des Kreistages und kam 1932 in den Landesrat, das Parlament der Saar. 1934/35 vom ZK als Instrukteur für den Bezirk Saar eingesetzt, zählte er als Kassierer zur Führungsmannschaft der BL. Im Januar 1935 nach Frankreich geflüchtet, Mitarbeiter der Emigrationsleitung, aber von den französischen Behörden festgenommen und ausgewiesen. Ab September 1935 in Schweden, offiziell als Schlosser und Werkmeister tätig, aktiv am Aufbau des AIZ-Vertriebs beteiligt sowie von 1936 bis 1939 Leiter der illegalen See- und Hafenarbeiter, dann von November 1939 bis April 1941 interniert. Sommer durfte am 29. April 1941 offiziell in die Sowjetunion ausreisen, kam als Schlosser nach Charabali bei Stalingrad und später nach Kasachstan. Ab September 1943 Instrukteur der Politischen Hauptverwaltung der Roten Armee und bis 1946 in Kriegsgefangenenlagern eingesetzt. Im August 1946 kehrte Sommer nach Deutschland zurück und kam in die Deutsche Zentralverwaltung des Innern, zunächst in die Abteilung K 5, im Oktober 1948 Leiter der Abteilung Eisenbahnpolizei. Ab Ende 1949 Hauptreferent für das gesamte Chiffrierwesen des DDR-Außenministeriums, leitete dann bis Ende 1953 die Abteilung Frankreich und übriges Europa im Außenministerium, er erhielt 1960 den VVO in Silber. Heinrich Sommer starb am 1. Mai 1967 in Ost-Berlin. Sein Sohn Hans Sommer (* 26. 12. 1917 – †3.1.1995), 1932 Mitglied des KJVD, emigrierte mit den Eltern 1935 nach Paris und dann nach Stockholm. Im Februar 1948 nach Deutschland zurückgekehrt, war er viele Jahre im Apparat des ZK der SED, zeitweise stellvertretender Leiter des Personalbüros im ZS des SED-PV.

Wer war wer in DDR

Sonnenburg, Paul

* 31.3.1907 – ✝ 6.1.1988

Geb. in Berlin; Vater Handelsvertreter; Grund- u. Mittelschule; Lehre u. Arbeit als Maschinenmstr., Tischler, Kalkulator u. Werkmstr.; 1923 KJVD; 1926 KPD; 1933 illeg. Arbeit; 1944/45 Wehrmacht. 1945 – 48 Prüfer, Dienststellenltr. im Ar- beitsamt Berlin-Prenzlauer Berg; 1946 SED, 1946 – 48 Stadtbez.-Verordn. in Berlin-Prenzlauer Berg; Aug. / Sept. 1948 stellv. Bürgermstr. u. Ltr. des Arbeitsamts Prenzlauer Berg; 1948 – 52 Oberref. u. Mitgl. der ZKK; 1952/53 Dir. der DHZ Möbel u. Holzwaren; 1953 – 55 Abt.-Ltr. im Min. für Leichtindustrie; 1954/55 Sekr. der ZPL u. Parteiorganisator des ZK der SED; 1958 – 61 Ltr. der Abt. Leicht- u. Lebensmittelindustrie des ZK der SED; Mitgl. der Wirtschaftskommission beim PB des ZK der SED; 1957, 1959 u. 1977 VVO.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Spaar, Dieter

* 21.9.1933 – ✝ 30.1.2010

Geb. in Salza (Thür.); Vater Arbeiter; OS; 1950 SED; 1952/53 Biologiestudium an der FSU Jena, 1953 – 58 Studium an der Timirjasew-Akad. Moskau, Dipl.-Landwirt für Pflanzenschutz; 1958 Prom. über die serolog. Analyse zur Diagnostik von Viruskrankheiten; 1958/59 wiss. Mitarb. am Inst. der DAL für Kartoffelzüchtung Groß Lüsewitz; 1959 – 70 Mitarb., dann Sektoren- bzw. HA-Ltr. im Staatssekr. bzw. Min. für HFS-Wesen; 1964 – 68 nebenamtl. Doz.; 1968 Prof. für Pflanzenschutz u. Phytopathol. an der HU Berlin; 1970 – 72 Dir. des Inst. der DAL für Phytopathol. Aschersleben (Nachf. von  Maximilian Klinkowski); ab 1972 Ord. Mitgl. der AdL; 1972 – 77 Dir. für Pflanzenproduktionsforschung; seit 1972 Chefred. des Archivs für Phytopathol. u. Pflanzenschutz; 1977 – 87 Vizepräs. bzw. 1. Vizepräs. der AdL; Vors. der Sekt. Resistenzforschung u. -züchtung; ab 1968 Mitgl. des Rats für landw. Prod. u. Nahrungsgüterwirtschaft; 1974 – 89 Mitgl. der Ltg. des interministeriellen Rats für wiss. Vorlauf für die Land- u. Nahrungsgüterwirtschaft; 1974 – 88 Mitgl. des Präs. der Agrarwiss. Ges.; 1977 – 87 Mitgl. des Wiss. Beirats Agrarwiss. beim Min. für HFS-Wesen u. des Wiss. Rats Biowiss. der AdW; ab 1982 Mitgl. des Forschungsrats der DDR; 1978 – 88 Mitgl., ab 1983 Vors. der Ständ. Arbeitsgr. »Beratung der Wissenschaftler« der Kommission Landw. des RGW; Dr. h. c. der HU Berlin u. der Gartenbauuniv. Budapest; Auswärt. Mitgl. der Poln. AdW; 1987 NP; Juli 1987 – Juni 1990 Präs. der AdL (Nachf. von  Erich Rübensam); anschl. bis Dez. 1990 amt. Präs. 1991 – 98 Beratertätigkeit in Rußland u. der Ukraine; Dir. für landw. Technol. u. Pflanzenschutz der Berliner Org. für Agrar- u. Ernährungswirtschaft mbH (BOA); gest. in Berlin.Pflanzliche Virol. 5 Bde. Berlin 1977/78 (mit K. Schmelzer); Bakterielle Erkrankungen der Kulturpflanzen. Jena 1989 (mit H. Kleinhempel u. K. Neumann); Resistenz von Kulturpflanzen gegen pflanzenpathogene Viren. Jena 1993 (Mitautor).Siegfried Kuntsche