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BioLex

In der Kategorie BioLex sind drei wichtige Lexika mit über 5500 Biografien von überzeugten Kommunistinnen und Kommunisten, Renegatinnen und Dissidenten im Volltext recherchierbar.

 

Das Handbuch „Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945“ wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam.

Kurzbiografien zu Personen des politischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 bereit.

Zudem ist das Online-Lexikon www.dissdenten.eu ebenfalls auf unserer Seite aufrufbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Informationen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Spangenberg, Max

* 2.11.1907 – ✝ 27.3.1987

Geb. in Berlin; Pflegevater Hutmacher; Volksschule; Hilfsarb.; 1924 – 29 Feinmechanikerlehre bei der AEG Berlin; 1930 – 32 KJVD-Funktionär in Berlin, Halle u. Düsseldorf; 1932/33 pol. Mitarb. des EKKI der KJI in Moskau; 1933/34 Org.- u. Pol.-Ltr. des KJVD in Berlin; 1934/35 pol. Mitarb. des ZK des KJVD in Prag; auf der sog. Berliner KJVD-Reichskonferenz in Moskau ins ZK gewählt; 1935 Teiln. am VI. KJVD-Weltkongreß in Moskau; 1936 fünf Mon. Haft in Prag; 1937/ 38 Teiln. am span. Bürgerkrieg; Red. bei Radio Barcelona, dann Mitgl. des Parteikomitees der XI. Internat. Brigade; 1939 auf Parteibeschluß zur Abschnittsltg. Nord nach Kopenhagen als Red.; illeg. Arbeit; Red. bzw. Chefred. der »Dt. Nachrichten«; nach Bildung des Landeskomitees der KPD dessen Mitgl. Febr. 1946 Rückkehr nach Dtl. (SBZ); 1946 – 49 Red. der Ztgn. »Dt. Volksztg.« u. »Neues Dtl.«; Juli 1949 Red., dann Chefred. von »Dtl. Stimme«; von  Rudolf Herrnstadt u. a. als »Oppositioneller« aus seinen Funktionen gedrängt; 1951 Chefred. der »Berliner Ztg.«; 1952 Mitarb. im SED-Apparat, Berichterstatter über die Friedensbew. in der Bundesrep. Dtl.; 1953 wieder in der DDR; Febr. 1954 stellv. Abt.-Ltr. bzw. Ltr. des Arbeitsbüros der Westkommission des PB des ZK der SED bis zur Auflösung 1971; danach wiss. Mitarb. am IML; 1967 VVO; 1972 KMO; Ehrenspange zum VVO.Antifa. Kampf dt. Kommunisten in Dänemark. Erinnerungen. In: Beiträge zur Geschichte der Arbeiterbew. (1977).Michael F. Scholz

Wer war wer in DDR

Spek, Josef

* 27.5.1895 – ✝ 21.2.1964

Geb. in Sächsisch-Regen (Siebenbürgen, Österreich-Ungarn / Reghin, Rumänien); Vater Oberförster; 1913 Abitur in Hermannstadt (Sibiu / Rumänien); 1913 – 17 Studium der Naturwiss., insb. Zoologie, an der Univ. Heidelberg, dort 1918 Prom.; 1917 wiss. Privatass., 1918 Ass. am Zoolog. Inst. der Univ. Heidelberg, 1920 Habil. für Zoologie, anschl. Privatdoz., 1925 außerordentl. Prof., 1939 außerplanm. Prof. für Zoologie; meereszoolog. Forschungsreisen nach Neapel, Rovigno (Istrien), Kristineberg (Schweden) u. Helgoland; 1932 – 33 Rockefeller-Stipendiat in New York u. Woods Hole (Mass., USA); 1943 – 44 Vertretung des Lehrstuhls für Zoologie an der Univ. Greifswald. 1946 Ruf auf den Lehrstuhl für Zoologie der Univ. Halle (Saale), abgelehnt; 1947 – 60 ord. Prof. u. Dir. des Zoolog. Inst. der Univ. Rostock; gest. in Rostock. Führender Mikroskopiker u. Protoplasmaforscher seiner Zeit, der mit neuen Methoden der physikal. Chemie Struktur u. Entw. der Zellen untersuchte; große Verdienste um den Wiederaufbau des Zoolog. Instituts der Univ. Rostock; 1926 – 64 Mithrsg. der Ztschr. »Protoplasma« (Wien).Experimentelle Beiträge zur Kolloidchemie der Zellteilung. Dresden, Leipzig 1920; Das pH in der lebenden Zelle. In: Ergebnisse der Enzymforschung (1937) 1; Schriftenverz. In: Protoplasma (1961) 292. Arndt, E. A., Penzlin, H.: J. S. In: Verhandlungen der Dt. Zoolog. Gesell. Nr. 610, 1966.Ekkehard Höxtermann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Spicher, Wilhelm

* 21.8.1898 – ✝ 1.8.1987

Geboren am 21. August 1898 in Hückeswagen/ Krs. Rhein-Wupper, Sohn eines Zimmermanns; lernte Dreher. Von 1916 bis 1918 Soldat, schloß er sich 1919 für kurze Zeit der KPD an. Als Betriebsratsvorsitzender trat er 1922 erneut in die KPD ein, 1923 Leiter der KPD-Ortsgruppe in Remscheid-Lüttringhausen, von 1929 bis 1933 Stadtverordneter in Wuppertal, Sekretär des Landeserwerbslosenausschusses. Mitglied des Sekretariats der BL Niederrhein, ab 1931 war er hauptamtlicher UB-Sekretär für Wuppertal. Im Juli 1932 wurde Spicher im Wahlkreis Westfalen-Süd in den Reichstag gewählt, dem er nur bis November 1932 angehörte. Von Februar bis Ende 1933 in »Schutzhaft«, Ende 1934 für mehrere Monate erneut inhaftiert. Ein Verfahren wegen »Hochverrats« wurde aber aus »Mangel an Beweisen« eingestellt. Spicher arbeitete von 1938 bis 1943 als Werkzeugdreher in Remscheid, wurde im August 1944 abermals festgenommen und tauchte nach seiner Freilassung unter. Ab 1945 Mitglied und Funktionär der KPD, bis zum KPD-Verbot in der Landesleitung Nordrhein-Westfalen, von 1946 bis 1950 Mitglied des ernannten Landtages bzw. des Landtages von Nordrhein-Westfalen. Spicher wurde 1962 wegen Tätigkeit für die verbotene KPD angeklagt und im Juni 1963 zu neun Monaten Gefängnis verurteilt. 1968 Mitbegründer der DKP in Wuppertal, dort bis 1978 Vorsitzender der VVN. Wilhelm Spicher starb am 1. August 1987 in Düsseldorf.

Wer war wer in DDR

Spies, Leo

* 4.6.1899 – ✝ 1.5.1965

Geb. in Moskau; Vater dt. Vizekonsul u. Kfm.; Dt. Petri-Pauli-Gymnasium in Moskau; Kompositionsstudium 1913 – 15 in Moskau, 1915/ 16 in Dresden, 1916/17 an der HS für Musik Berlin; 1917/18 Soldat; 1921 priv. Kompositionsstudium bei Ernst Krenek; 1924 – 28 Kapellmstr. am Stadttheater Rostock; 1929 – 35 Dirigent u. musikal. Ltr. des Balletts der Staatsoper Berlin; 1935 – 44 Kapellmstr. am Dt. Opernhaus Berlin. 1945 – 47 Kapellmstr. an der Städt. Oper Berlin; seit 1954 freischaff.; 1951 Gründungsmitgl. des VDK, 1951 – 54 Vors. des Bez.-Verb. Berlin; 1952 DAK; 1954 hier Ausbildung von Mstr.-Schülern; bis 1965 Sekr. der Sekt. Musik; 1953 Goethe-Preis der Stadt Berlin; 1956 NP; 1959 Prof.; komponierte in allen musikal. Genres, z. B. sinfon. Musik, u. a. zwei Sinfonien, Ballette, u. a. »Apollo u. Daphne«, »Don Quijote«, in den 50er Jahren bes. pol. Massenlieder, später Kindermusik; gest. in Ahrenshoop.Torsten Musial

Wer war wer in DDR

Spotka, Adolf

* 23.2.1943

Geb. in Tachau (Westböhmen / Tachov, Tschechien); ab 1946 in Bernburg, dort 1949 – 57 Grundschule, 1957 – 61 OS, Abitur; 1961/62 Ausbildung zum Schlosser im Sodawerk Bernburg; 1962 – 67 Studium der BWL an der TH Leuna-Merseburg, Dipl.-Ing.-Ökon., 1975 dort Prom. mit einer Arbeit zu Rationalisierungsprozessen im Chemieanlagenbau; 1967/68 Export-Ing. im Zuckerfabrikenexport; 1968 – 90 wiss. Mitarb., Oberass. u. Doz. an der Ing.-Schule für Chem. Technik bzw. Ing.-HS Köthen; Zusatzstudium an der KMU Leipzig u. der HfÖ Berlin; 1988 Habil. an der MLU Halle mit einer Diss. über die wiss.-strateg. Arbeit in Kombinaten; Febr. 1990 CDU. Okt. 1990 – 2006 MdL Sachsen-Anh., Vors., dann stellv. Vors. des Aussch. für Wirtsch., Technol. u. Verkehr.; seit 1993 stellv. Kuratoriumsvors. der Kulturstiftung Bernburg; 1993 – 2000 Prof. für Unternehmensmanagement an der HS Anhalt für Angew. Wiss.; 1993 – 99 Vors. des KV der CDU Bernburg, anschl. bis 2002 Mitgl. des Stadtrats Bernburg; 2002 – 2006 Präs. des Landtags Sachsen-Anh. (Nachf. von  Wolfgang Schaefer); 2004 Mitgl. der 12. Bundesversamml.; Nov. 2006 Vors. des Kuratoriums der HS Anhalt; 2007 Bundesverdienstkreuz.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Spülbeck, Otto

* 8.1.1904 – ✝ 21.6.1970

Geb. in Aachen; Vater Kfm.; 1923 Abitur; 1923 – 24 Studium der Naturwiss. in Bonn; 1924 – 29 Studium der Theol. in Innsbruck u. Tübingen, Prom. zum Dr. phil.; 1930 Priesterweihe in Bautzen; 1930 – 37 Kaplan in Chemnitz; 1937 – 45 Pfarrer in Leipzig. 1945 – 55 Propst von Leipzig; Juni 1955 Ernennung zum Koadjutor u. Weihbischof der Diözese Meißen mit Sitz in Bautzen; 1958 – 70 Bischof des Bistums Meißen nach Amtsverzicht seines kranken Vorgängers  Heinrich Wienken; vom MfS bearbeitet von 1955 – 60 in OV »Kreuz«, »Der Alte« u. »Schwarze Pest«; 1966 Einberufung der Diözesansynode des Bistums Meißen; 1969/70 Präs. der Synode; theolog. Kontrahent von  Alfred Bengsch, auf dessen Initiative Zurechtweisung aus Rom wegen der Dekrete der Diözesansynode unmittelbar vor seinem Tod; gest. in Mittweida.Der Christ und das Weltbild der mod. Naturwissenschaften. Berlin 1948. Schäfer, B.: Staat und kath. Kirche in der DDR. Köln, Weimar 1998.Bernd Schäfer

Wer war wer in DDR

Stahl, Wilhelm

* 23.10.1900 – ✝ 20.1.1980

Geb. in Hilbeck (Westf.); Vater Gastwirt u. Landwirt; Gymnasium; 1920 – 23 Studium der Landw. u. der Staatswiss. in Gießen u. Göttingen, Dipl.-Landwirt; 1924 Prom. zum Dr. phil. bei Franz Lehmann mit einer Diss. zur biolog. Wertigkeit verdaul. Stickstoffsubstanzen in der Schweinemast; 1925 – 27 landw. Praxis; 1928 stellv. Dir., 1930 Dir. der Versuchs- u. Forschungsanstalt für Schweinehaltung in Ruhlsdorf; 1933 SA u. NSDAP; 1937 nach der Verstaatlichung der Versuchsanstalt Verleihung des Prof.-Titels; 1944/45 nebenamtl. Geschäftsführung für den Reichsaussch. für Schlachtviehversorgung beim Reichsbauernführer u. für den Reichsverb. Dt. Schweinezüchter. April 1945 Internierung durch die sowj. Besatzungsmacht, ab 1947 in Sibirien; dort als Sanitäter bzw. Feldscher tätig; nach der Rückkehr 1950 Fachlektor beim Dt. Bauernverlag in Berlin; 1951 – 57 Prof. mit Lehrstuhl; Dir. des Tierzuchtinst. der Veterinärmed. Fak. sowie des Inst. für Tierzüchtung u. Haustiergenetik der Landw.-Gärtner. Fak. u. zweier Versuchsgüter der HU Berlin; 1952 Ord. Mitgl. der DAL; 1953 Dir. des DAL-Inst. für Tierzuchtforschung Dummerstorf; Sekretar der Sekt. Tierzüchtung u. Tierernährung; Mitgl. der Kommission für LPG; ab 1953 gleichz. Lehrbeauftr.; 1957 – 66 Prof. mit Lehrstuhl u. Dir. des Inst. für Tierzucht an der Univ. Rostock; 1954 NP; 1959 Dr. h. c. der KMU Leipzig; 1961 zum vorz. Rücktritt als Dir. des DAL-Inst. in Dummerstorf gedrängt; 1965 als DAL-Mitgl. em.; 1970 Unterbindung der von der WPU Rostock zum 70. Geb. geplanten Ehrenprom.; März 1990 Rehabilitierungsbeschluß des AdL-Plenums zur Ablösung als Inst.-Dir. Mitgl. mehrerer zentr. Gremien, u. a. des Zentr. Beirats für LPG beim Min.-Rat u. des Wiss. Beirats beim Staatssekr. für HFS-Wesen; Hrsg. der Ztschr. »Tierzucht« (ab 1950) u. »Archiv für Tierzucht« (1958); zahlr. Publ. zu Tierzucht u. Tierernährung, bes. zur Schweinehaltung.Siegfried Kuntsche

Handbuch Deutsche Kommunisten

Stahlschmidt, Bruno

* 16.12.1883 – ✝ 6.11.1950

Geboren am 16. Dezember 1883 in Berlin, Sohn einer Fabrikarbeiterin und eines Bürovorstehers; kaufmännische Lehre, Angestellter in einem Versicherungsbüro, ab 1910 Rechtsbeistand. Anfang Juni 1915 als Landsturmmann zunächst in Rußland, dann im Westen Soldat. 1919 trat er in die USPD ein, Ende 1920 in die KPD. Stahlschmidt baute sich eine Rechtsbeistandskanzlei auf, hatte eine eigene große Praxis in Berlin und unterhielt mit KPD-Geldern einen Fuhrpark. Als Vorsitzender der Vereinigung der Berliner Rechtsbeistände arbeitete er eng mit Albert Gromulat, dem Quartiermacher des ZK, zusammen. Während des Verbots der KPD Ende 1923 waren seine Räume Ausweichquartier der Zentrale. Ende 1932 verlegte Arthur Golke die Kassengeschäfte des ZK in Stahlschmidts Kanzlei. Diese wurde noch Anfang 1933 von Spitzenfunktionären genutzt, z. B. gab es dort Besprechungen der Führung, und auch seine Autos dienten der illegalen Arbeit. Durch Verrat von Paul Grobis wurde Stahlschmidt am 18. Juli 1933 verhaftet, angeklagt, jedoch am 22. März 1935 vom 1. Senat des VGH überraschend freigesprochen. Er war durch die Untersuchungshaft schwer erkrankt. Nach der Beschlagnahme seiner Büros und der Autos durch die Nazis begann er als Versicherungsvertreter. 1945 setzte die sowjetische Kommandantur Stahlschmidt als Bürgermeister von Schöneiche ein. Er war Mitglied der KPD/SED und arbeitete dann wieder als Rechtsbeistand. Weil er Mandate von ehemaligen Angehörigen der NSDAP übernahm, wollte ihn die SED Niederbarnim im Oktober 1948 ausschließen. Bruno Stahlschmidt starb am 6.November 1950 in Schöneiche bei Berlin.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Staimer, Josef

* 19.10.1871 – ✝ 30.11.1941

Geboren am 19. Oktober 1871 in Kay/Bezirksamt Straubing bei München; lernte Gürtler, später Lagerarbeiter, ab 1905 Angestellter des Fabrikarbeiterverbandes und Gewerkschaftssekretär in München. Seit 1894 Mitglied der SPD, trat 1917 zur USPD über. Soldat im Weltkrieg, war von November 1918 bis April 1919 unter Kurt Eisner Polizeipräsident von München. 1919 Angehöriger des Grenzschutzes, schied nach dessen Überführung in die Reichswehr aus. Mit der linken USPD Ende 1920 zur KPD, er stand von Juni 1921 bis Juni 1922 als Sekretär an der Spitze der BL Nordbayern. Von Oktober 1922 bis 1933 hauptamtlicher Vorsitzender der ADGB-Gewerkschaft der Heizer und Maschinisten in Nürnberg, er hatte sich von der KPD getrennt. 1933 festgenommen, saß er mehrere Jahre in »Schutzhaft«, u.a. im KZ Dachau. Josef Staimer starb am 30.November 1941 im KZ Flossenbürg. Sein Sohn Richard Staimer (*25. 1. 1907 – †24.10. 1982), Fliesenleger, trat 1922 dem KJD und 1925 der KPD bei. 1931 Kursant der M-Schule der Komintern in Moskau, anschließend Gauleiter des illegalen RFB-Nordbayern. Im Februar 1933 emigrierte er in die Sowjetunion, studierte an der KUNMS. Ab September 1936 in Spanien Kommandeur des »Thälmann-Bataillons« der XI. Internationalen Brigade. 1938 Rückkehr nach Moskau, 1939 in die Schweiz entsandt, dort im Dezember 1939 verhaftet und bis 1941 im Zuchthaus St. Gallen. Über Italien kam Richard Staimer in die Sowjetunion, wurde Politinstrukteur im Gefangenenlager 97. Im Juli 1945 in Berlin, Chef der DVP-Landesbehörde Brandenburg, später Leiter der VP-Bereitschaften Leipzig. Er war zeitweise mit Eleonore Pieck, einer Tochter Wilhelm Piecks, verheiratet. Ab 1952 Vizeminister für Verkehrswesen, von 1955 bis 1963 Leiter der paramilitärischen Organisation »Gesellschaft für Sport und Technik«, dann bis 1969 der Militärischen Hauptabteilung im DDR-Staatssekretariat für das Hoch- und Fachschulwesen, er erhielt 1976 den Karl-Marx-Orden.

Wer war wer in DDR

Stamm, Hans

* 16.8.1908 – ✝ 27.2.1968

Geb. in Frankfurt (Main); Vater kaufm. Angest.; Volksschule u. Gymnasium, 1927 Abitur, 1927 – 34 Studium der Mathematik, Physik u. Chemie an der Univ. Frankfurt (Main), 1934 Prom. zum Dr. phil.; 1934/35 Assistent an der Univ. Frankfurt (Main), 1935 wiss. Mitarb. im elektr. Prüfamt in Frankfurt (Main); 1936 – 45 Mitarb., ab 1939 Projektltr. in der Transformatorenfabrik Koch & Sterzel in Dresden; 1943 NSDAP. 1946 – 53 techn. Dir. des VEB Transformatoren- u. Röntgenwerk Dresden; 1948 SED; 1952 Honorarprof. an der TH Dresden; 1953 Prof. mit Lehrstuhl, 1953 – 62 Rektor der HS für Elektrotechnik Ilmenau; 1957 Mitgl. des Forschungsrats der DDR; 1956 – 58 Mitgl. der SED-BL Suhl.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Stanek, Josef

* 6.1.1901 – ✝ 3.2.1984

Geb. in Berlin; Vater Chemiker; Studium der Elektrotechnik an der TH Darmstadt; dort 1927 Dipl.-Ing.; danach wiss. Mitarb. in versch. Forschungslaboratorien der Firma Siemens in Berlin; 1933 NSDAP. 1945 – 54 Dir. bzw. Werkltr. eines Entw.-Betriebs für elektr. Meßinstrumente in Berlin; 1955 – 57 Ltr. des Zentralamts für Forschung u. Technik bei der SPK; 1957 – 64 Präs. des Dt. Amts für Maß u. Gewicht (Nachf. von  Wilhelm Steinhaus); 1953 Prof. für Elektrotechnik an der TH Dresden; 1954 – 81 Vors. des Bez.-Aussch. der NF in Berlin; Vizepräs. der KdT; Mitgl. des Forschungsrats; 1954 NP; 1959 VVO; gest. in Berlin.Technik elektr. Meßgeräte. Berlin 1957.Dieter Hoffmann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Stange, Franz

* 8.2.1903 – ✝ 2.3.1939

Geboren am 8. Februar 1903 in Berlin, Sohn einer Arbeiterfamilie; lernte Techniker, trat 1923 in die KPD ein und wurde Mitarbeiter des AM-Apparates der BL Wasserkante. Von 1929 bis 1931 Kursant der Internationalen Leninschule in Moskau, anschließend bis 1933 technischer Mitarbeiter im ZK bzw. in der Bundesführung des illegalen RFB, zeitweilig Reichsleiter der Roten Jungfront. Im April 1933 festgenommen, bis Dezember 1933 im KZ Fuhlsbüttel. Stange emigrierte im Januar 1934 in die ?CSR, später nach Saarbrücken, Ende 1934 in die Sowjetunion, dort unter dem Parteinamen Stamm Lehrer an der KUNMS und an der Leninschule in Moskau. Redakteur im Verlag für ausländische Literatur, in der Nacht vom 24. zum 25. Juni 1938 wurde er vom NKWD verhaftet. Zunächst zu zehn Jahren Lager mit »Schreibverbot« verurteilt, jedoch am 2. März 1939 zum Tode verurteilt, Franz Stange wurde noch am gleichen Tag erschossen. Seine Frau Käthe Stange, am 28. Oktober 1898 in Berlin als Käthe Heber geboren, war Kontoristin, seit 1920 Mitglied der FSJ. 1928/29 Archivarin im Komintern-Archiv in Moskau, von 1929 bis 1933 Büroangestellte im ZK der KPD bzw. bei der RGO-Reichsleitung. Sie emigrierte im Januar 1934 mit ihm nach Prag, Ende 1934 in die Sowjetunion, dort Sprachlehrerin und Redakteurin. Im September 1941 nach Kasachstan verbannt, Kolchosarbeiterin, ab 1942 Deutschlehrerin bzw. Erzieherin in einem Kinderheim. Sie durfte 1946 nach Deutschland zurück, 1946/47 beim Dietz Verlag, von September 1948 bis Mai 1949 Kursantin des 4. Halbjahreslehrganges an der PHS, dort anschließend bis 1951 Assistentin in der Lehrmittelabteilung, dann Kontrollredakteurin am IML. Bemüht, das Schicksal ihres Mannes aufzuklären, erhielt sie im Juni 1956 die Mitteilung, Franz Stange sei »posthum rehabilitiert« worden. Käthe Stange starb am 23. Dezember 1957 in Ost-Berlin.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Spangenberg, Max

* 2.11.1907 – ✝ 27.3.1987

Geboren am 2. November 1907 in Berlin, Sohn einer Arbeiterfamilie; lernte Feinmechaniker. Er trat 1924 in die KJD ein, wurde 1929 Mitglied der KPD. Von 1924 bis 1929 kleine Funktionen, ab 1930 Orgleiter der BL Berlin-Brandenburg des KJVD, noch im selben Jahr übernahm er die Polleitung des KJVD Halle-Merseburg bzw. Niederrhein und wurde Mitglied des ZK des KJVD. 1933/34 Org- bzw. Polleiter des KJVD Berlin, Mitglied der illegalen Landesleitung des KJVD, er emigrierte über Prag in die Sowjetunion. Im Dezember 1934 auf der »Berliner« KJVD-Konferenz in Moskau wurde Spangenberg erneut in das ZK des KJVD gewählt. Im Herbst 1935 Teilnehmer der »Brüsseler Konferenz« in Moskau, kam anschließend als Leiter der AL Zentrum nach Prag. Von 1937 bis 1939 Angehöriger der Internationalen Brigaden in Spanien und zeitweise Redakteur der deutschen Abteilung am Sender Barcelona. 1939 emigrierte Spangenberg nach Dänemark und redigierte ab 1943 das Organ »Deutsche Nachrichten« in Kopenhagen. Ab Februar 1946 wieder in Berlin, er arbeitete als Redakteur an der »Deutschen Volkszeitung« bzw. beim »Neuen Deutschland«. Ende 1949 wechselte Spangenberg (auch wegen Auseinandersetzungen mit Rudolf Herrnstadt) als Chefredakteur zur Zeitschrift »Deutschlands Stimme«, Organ der Nationalen Front, war 1951 kurzzeitig Chefredakteur der »Berliner Zeitung« und wurde ab 1952 zur »Westarbeit« der SED abgestellt. Ab März 1971 Mitarbeiter am IML, er erhielt 1972 den Karl-Marx-Orden. Max Spangenberg starb am 27. März 1987 in Ost-Berlin.Michael F. Scholz

Wer war wer in DDR

Sperling, Fritz

* 11.10.1911 – ✝ 21.4.1958

Geb. in Algringen (Lothringen/Algrange, Frankreich); Vater Bergarb.; 1918 – 26 Volksschule in Hamborn; 1926 – 29 Ausbildung zum Buchhalter; 1926 ZdA u. SAJ; Mitbegr. der ZdA-Jugendgr. Hamborn, ab 1927 deren Ltr.; 1930 in den Gaujugendaussch. von Rheinl.-Westf. gewählt; 1931 Übertritt zum KJVD; 1932 KPD; ab 1933 Ltr. des KJVD-UB Hamborn; 2.3.1933 verhaftet, März – Juni 1933 Haft in Hamborn; 1934 stellv. Ltr. der KJVD-BL Ruhr, dann Ltr. der KJVD-BL Niederrhein; 1935 stellv. Ltr. der KJVD-Auslandsstelle in Amsterdam; Sept. 1935 nach Moskau; 1935 – 37 Lehrgang an der Internat. Leninschule in Moskau (»Herbert Wächtler«); 1937 Instrukteur des ZK der KPD für illeg. Einsätze in Dtl.; 1939 Mitgl. der KPD-Abschnittsltg. Süd; 1940 Gärtnereihilfsarb.; April 1941 in Zürich wegen »fortgesetzter kommunist. Tätigkeit u. Prop.« verhaftet u. zu drei Mon. Gefängnis verurteilt, 1941/42 Haft im Zuchthaus Regensdorf; 1943/ 44 interniert; 1944 Mitgl. der Ltg. der KPD in der Schweiz. Juli 1945 Rückkehr nach Dtl. (München); 1945 Pol.-Sekr. des KPD-Bez. Südbayern; Juni – Sept. 1946 zus. mit sechs anderen KPD-Funktionären inhaftiert wegen unerlaubten Grenzübertritts (Teiln. an der Berliner KPD-Reichskonferenz im März 1946); ab 1946 Vors. des KPD-LV Bayern (Nachf. von Georg Fischer); 1947 KPD-Vertreter im Bizonalen Wirtschaftsrat; 1948 Mitgl. des KPD-PV, zuständig für die Abt. Org. des PV u. den KPD/ SED-Nachrichtendienst (»N-Apparat«, »Parteiaufklärung«); Mai 1950 2. Vors. der KPD (Nachf. von  Kurt Müller); 26.1.1951 im Regierungskrankenhaus der DDR (trotz schwerer Erkrankung u. ohne Haftbefehl, der erst am 17.4.1953 erlassen wurde) durch  Richard Stahlmann (MfS) verhaftet, Einzelhaft im Keller (»U-Boot«) der MfS-U-Haftanstalt Berlin-Hohenschönhausen, schwere Folter durch dt. ( Erich Mielke) u. sowj. Vernehmer, über mehrere Jahre verweigerte med. Versorgung; 1952 dritter Herzinfarkt (keine ärztl. Hilfe erhalten); am 18.3.1954 Geheimprozeß vor dem OG der DDR, als »Kriegsverbrecher, Faschist u. Agent« angeklagt u. wegen »Verbrechens gegen den Frieden« zu sieben Jahren Zuchthaus sowie zu 15 Jahren Sühnemaßn. aufgrund konstruierter Anschuldigungen verurteilt; ab Mai 1954 Zuchthaus Brandenb., ab 18.2.1956 MfS-Gefängnis Berlin-Lichtenberg; 8.3.1956 als »Begnadigter« u. wegen seines schlechten Gesundheitszustands entlassen; Krankenhaus Berlin-Friedrichshain; im Juni 1956 erklärte eine U-Kommission des KPD-PV ( August Stötzel, Jule Jürgensen,  Adolf Pöffel) intern, F. S. sei unter falschen Anschuldigungen inhaftiert gewesen u. schlug seine Rehabil. u. die Wiederherstellung seiner Parteiehre vor; gest. in Berlin an den Haftfolgen; 1990 durch den PV der PDS rehabil.Seliger, K.: Der Fall F. S. Ein Beitrag zur Geschichte der SED. In: Dtl. Archiv 4 (1971) 3; Jahnke, K. H.: »... ich bin nie ein Parteifeind gewesen«. Der tragische Weg der Kommunisten F. u. Lydia S. Bonn 1993; Stern, D.: F. S., der »Kommunist aus innerster Überzeugung«. (3 Teile). In: Wochenztg. (Zürich), 10.4., 17.4. u. 24.4.2008.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Spickermann, Wolfgang

* 25.9.1945

Geb. in Schönermark (Krs. Kyritz); Mutter Angest.; OS, Abitur; 1965/66 Ausbildung zum Kraftfahrer; 1966 – 71 Physikstudium an der HU Berlin, Dipl.-Phys.; 1967 SED; FDJ-GO-Sekr. der Sekt. Physik; 1971 – 81 Mitarb., ab 1981 Ltr. der Red. Wiss. des »Neuen Dtl.«; 1974 Prom. zum Dr. phil. an der HU Berlin über kosmolog. Weltmodelle; 1974 – 90 Mitgl. im VDJ; Nov. 1989 – 92 Chefred. des »Neuen Dtl.« (Nachf. von  Herbert Naumann); 1990 PDS. 1992 – 2004 Ltr. u. Geschäftsf. des Verlags »Neues Dtl.« (betrieb die Einführung eines redaktionseigenen Computersystems); danach Berater in der Computerbranche.Kosmologie u. die Legende vom Schöpfungsakt. Berlin 1978; Urknall, Quarks, Kernfusion. Leipzig 1986. Müller-Enbergs, H.: Meinungsoffiziere der Parteiführung. In: JHK. Berlin 1997.Bernd-Rainer Barth / Ingrid Kirschey-Feix

Wer war wer in DDR

Spira-Ruschin, Stephanie (Steffie)

* 2.6.1908 – ✝ 10.5.1995

Geb. in Wien in einer jüd. Familie; Vater Fritz Jacob S. Schauspieler, Mutter u. ältere Schwester Camilla ebenfalls Schauspielerinnen; 1924 Unterricht an der Schauspielschule der Genossenschaft Dt. Bühnenangeh. (GDBA); 1925 erstes Engagement an Viktor Barnowskys Theater in der Königgrätzer Straße in Berlin, dann an Piscators Volksbühne, spielte u. a. 1928 neben  Helene Weigel in der Uraufführung von Brechts »Mann ist Mann«; 1929 erste Filmrolle in dem Kurzfilm »Des Haares u. des Liebes Wellen«; 1929 KPD; 1931 Heirat mit dem Schauspieler Günter Ruschin u. gemeinsamer Eintritt in die Polittheatergruppe von  Gustav v. Wangenheim »Truppe 1931«; 1933 Emigr. über die Schweiz nach Frankreich; SDS; nach der Besetzung Frankreichs 1940 im Frauenlager Rieucros interniert; Nov. 1941 Flucht über Marseille nach Mexiko; gehört zum exilierten Künstlerkreis um  Anna Seghers u.  Egon Erwin Kisch, seitdem lebenslange Freundschaft mit Seghers. 1947 Rückkehr nach Berlin; SED; Vizepräs. der GDBA (später Gewerkschaft Kunst u. Schrifttum, ab 1953 Gewerkschaft Kunst im FDGB); zunächst Rollen an Fritz Wistens Volksbühne in der Kastanienallee, u. a. »Der Biberpelz« (1947); dann Theater am Schiffbauerdamm; Mitgl. des Ensembles von Fritz Wisten, 1952 »Die Feinde«; 1954 Lehrauftrag an der Staatl. Schauspielschule Berlin-Schöneweide; 1953 – 72 an der Berliner Volksbühne, hier 1965 Protest gegen das Verbot von  Peter Hacks’ Komödie »Moritz Tassow«; bis 1992 zahlr. Rollen in DEFA- u. Fernsehprod., u. a. in  Kurt Maetzigs »Ernst Thälmann – Sohn seiner Klasse« (1954) u. »Ernst Thälmann – Führer seiner Klasse« (1955), »Die Mutter u. das Schweigen« (1965, TV); »Florentiner 73« (1972, TV), »Familie Neumann« (1984, TV-Serie) u. der TV-Serie »Polizeiruf 110« (1990); 1978 VVO; Mitinitiatorin der Demonstration am 4. Nov. 1989 auf dem Berliner Alexanderplatz, Auftritt mit einer Rede gegen die Arroganz der Macht; gest. in Berlin.Trab der Schaukelpferde. Aufzeichnungen im nachhinein. Berlin 1984; Rote Fahne mit Trauerflor. Tagebuch-Notizen. Freiburg i. Br. 1990.Matthias Braun / Christian Krause

Wer war wer in DDR

Spranger, Eduard

* 27.6.1882 – ✝ 17.9.1963

Geb. in Berlin als Sohn eines Spielwarenhändlers; ab 1894 Dorotheenstädt. Realgymnasium u. Gymnasium zum Grauen Kloster in Berlin, dort 1900 Abitur; anschl. Studium der Philos., Psychol. u. Geschichte an der Univ. Berlin, dort 1905 Prom. mit der Arbeit »Grundlagen der Geschichtswiss.« u. 1909 Habil. mit der Schrift »Wilhelm von Humboldt u. die Humanitätsidee«; 1909 – 11 Privatdoz.; 1912 – 19 ord. Prof. für Philos. u. Pädagogik an der Univ. Leipzig; 1919 – 46 Prof. u. Dir. des Philosoph. u. Pädagog. Seminars der Univ. Berlin; 1924 ord. Mitgl. der Preuß. AdW Berlin; 1933 Entlassungsgesuch, nach Kompromiß Fortsetzung der Lehrtätigkeit; 1936 / 37 Gastprof. in Japan; Mitgl. der Mittwochsgesell., Verhaftung im Zusammenhang mit den Ereignissen des 20. Juli 1944. 1945 erster Rektor der neu eröffn. Univ. Berlin; 1946 – 54 ord. Prof. für Philos. u. Pädagogik an der Univ. Tübingen; 1951 – 54 Vizepräs. der Dt. Forschungsgemeinschaft; 1952 Mitgl. des Ordens Pour le Mérite; gest. in Tübingen. Sp. zählt zu den bedeutendsten dt. Philosophen u. Pädagogen des 20. Jh., dessen wiss. Wirken auf eine philosoph. Grundlegung der Geisteswiss. ausgerichtet war. Als Kultur- u. Erziehungspolitiker propagierte er die Verbindung von geistesgeschichtl. Tradition u. schöpfer. Entfaltung der Persönlichkeit. Sek.-Lit.: Festgabe E. S. zu seinem 70. Geb. In: Archiv für Rechts- u. Sozialphilos. (1952) 2; Bähr, H. W., Wenke, H. (Hrsg.): E. S. Sein Werk u. sein Leben. Heidelberg 1964; Tenorth, E.: Pädagogik für Krieg u. Frieden. E. S. u. die Erziehungswiss. an der Berliner Univ. In: Horn, K.-P., Kemnitz, H. (Hrsg.): Pädagogik Unter den Linden. Stuttgart 2002.Gesammelte Schriften. 11 Bde. Heidelberg 1969 – 78.Dieter Hoffmann

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Stäbler, Karl

* 2.1.1890 – ✝ 5.9.1960

Geboren am 2. Januar 1890 in Vaihingen/Stuttgart; lernte Schriftsetzer. Vor 1914 Mitglied der SPD, 1917 Übertritt zur USPD, 1920 (Delegierter des Spaltungsparteitags) zur KPD. Während des Weltkrieges Soldat, schwer verwundet. Delegierter des VIII. Leipziger Parteitages 1923, 1924 Leiter der KPD in Stuttgart, im gleichen Jahr in den Württembergischen Landtag gewählt, dem er bis 1928 angehörte. 1925 kam er als Redakteur zur »Süddeutschen Arbeiterzeitung«, war von 1925 bis 1928 Gauleiter des KPD-nahen Verbandes der »Opfer des Krieges und der Arbeit«. Er wurde 1929 wegen Unterschlagung und Betrug zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt, er soll beim Mieterverein 5000 Mark unterschlagen haben. Danach zog er sich aus der Politik zurück, wohnte in Stuttgart. Karl Stäbler starb am 5. September 1960.

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Stahl, Peter

* 3.2.1885 – ✝ 9.1.1952

Geboren am 3. Februar 1885 in Köln-Mühlheim, Sohn eines Fabrikarbeiters. Zunächst Fabrikarbeiter, trat 1908 in die SPD und die Gewerkschaft ein, ging 1919 zur USPD und Ende 1920 zur KPD. Seit 1922 Redakteur der »Sozialistischen Republik« in Köln, wurde als verantwortlicher Redakteur mehrfach verurteilt und inhaftiert. Im Juli 1925 Delegierter des X.Berliner Parteitages, Berichterstatter der kommunalpolitischen Kommission. Er war seit Juli 1924 Stadtverordneter in Köln, im September 1929 wurde er zeitweise aller Parteiämter enthoben. Stahl legte im Juni 1931 sein Stadtverordnetenmandat nach Zwischenfällen nieder (er hatte z.B. ein Wasserglas nach einem NSDAP-Abgeordneten geworfen). Wegen angeblicher Alkoholprobleme versetzte ihn das ZK im November 1931 als Redakteur nach Mannheim. Im Juli 1932 vom ZK »wegen unproletarischen und parteifeindlichen Verhaltens« sowie »Konspiration mit dem Gegner« und »unzulässiger Toleranz« aus der KPD ausgeschlossen, er soll wegen abweichender Haltung versucht haben, Mitglied der SPD zu werden. Vom Januar bis Juli 1933 in der Redaktion der Wochenzeitung »Welt am Sonnabend« tätig, aber auf Weisung der Gestapo entlassen. Bis 1938 erwerbslos, arbeitete Stahl dann als Lagerist in Köln-Dellbrück. Er wurde mehrfach festgenommen, zuletzt nach dem 20.Juli 1944. Nach 1945 wieder Mitglied der KPD, ohne jedoch politisch hervorzutreten. Peter Stahl starb am 9. Januar 1952 in Köln-Mühlheim.

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Stahmer, Heinrich

* 4.7.1897 – ✝ 19.11.1958

Geboren am 4. Juli 1897 in Swinemünde; besuchte die Bergbauschule. 1917 als Soldat an die Front geschickt. Nach dem Weltkrieg ließ er sich in Hamburg nieder, schloß sich der USPD an und ging mit der USPD-Mehrheit 1920 zur KPD. Arbeiter am Hamburger Staatskai. Er wurde 1924 in die Hamburger Bürgerschaft gewählt, ab 1927 Mitglied der BL Wasserkante. Nach dem Ausschluß John Wittorfs wurde er 1928 Vorsitzender der Bürgerschaftsfraktion der KPD. Stahmer stand im Gegensatz zur Mehrheit der Hamburger Funktionäre 1928/29 auf der Seite der Versöhnler. Im März 1930 aus der Partei ausgeschlossen und mit den Vorwürfen »parlamentarischer Kretinismus« und »Parteifeind« beschimpft. Er trat zur SPD über und blieb bis Ende 1930 Abgeordneter der Bürgerschaft. 1932 schloß er sich der SAP an und wurde deren Spitzenkandidat bei den Bürgerschaftswahlen. 1945 wieder Mitglied der SPD, Vorarbeiter am Staatskai. Am 19. November 1958 ist Heinrich Stahmer tödlich verunglückt, als eine Barkasse im Hamburger Hafen unterging.

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Stallknecht, Helmut

* 27.1.1935 – ✝ 13.3.2003

Geb. in Mühlhausen; Vater Kaufm.; 1953 Abitur an der Th.-Müntzer-OS in Halle (Saale); 1953 – 57 Lehrerstudium (Geographie, Geol. u. Biol.) an der MLU Halle u. der KMU Leipzig, Gasthörer bei  Victor Klemperer; 1957/58 Lehrer u. Fachberater an einer EOS in Leipzig, 1958 – 64 an der 2. EOS Cottbus; 1964 – 68 Mitarb. im Zentralen Kontor der VE Erfassungs- u. Aufkaufbetriebe für landw. Erzeugnisse Berlin; 1969 – 72 wiss. Mitarb. im VE Handelsbetrieb »Zoologica« Berlin; 1971 – 73 Fernstudium der Fischw. an der HU Berlin; 1972 – 75 Mitgl. der Prod.-Genossenschaft werktätiger Zierfischzüchter Berlin; ab 1976 freiberufl. Autor; 1980 – 90 freiberufl. Red. der Monatsschrift »Aquarienterrarien«; lebte seit 1983 in Rosenwinkel (Prignitz). 1990 – 92 Red. der Monatsschrift »Die Aquarien- u. Terrarien-Ztschr.« (DATZ); 1992 – 2002 mehrere fischbiolog. Forschungs- u. Sammelreisen nach Asien, Lateinamerika u. Westafrika. Prominenter ostdt. Aquarianer mit über 900 Fachaufsätzen; bedeutender Autor aquarist. u. populärwiss. Werke (insges. 21 Bücher); intensive Vortragstätigkeit in den Fachgruppen Aquaristik des KB, aktive Mitarbeit in versch. Zentralen Arbeitsgemeinschaften beim KB; international gefragter Referent in Ost u. West mit engen Kontakten zur Fachgr. Wiss. des Wiener Volksbildungswerks.So züchtet man Zierfische. Leipzig 1970; Hundert Tips für Aquarianer. Leipzig 1978; Freude am Aquarium. Leipzig 1981; Man nennt sie Salmler. Melle 1994; Barben u. Bärblinge. Melle 1994; Lebendgebärende Zahnkarpfen. Bissendorf 2000. Pederzani, H.-A.: Guten Start, H. S. In: Aquarien Terrarien (1980) 27; Schillat, H.: H. S. zum 50. Geburtstag. In: Aquarien Terrarien (1985) 32; Nachruf von M. Bachmann in: DATZ (2003) 56.Jan Jurij Robel / Ekkehard Höxtermann

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Stamm, Robert

* 16.7.1900 – ✝ 4.6.1937

Geboren am 16. Juli 1900 in Remscheid, Sohn eines Werkzeugschlossers und späteren Werkmeisters. Die Eltern waren bekannte Sozialisten, er wuchs im Kreise von sechs Geschwistern auf; lernte Schlosser. Im Frühjahr 1918 zum Kriegsdienst eingezogen, kam aber nicht mehr zum Fronteinsatz. 1919 Mitglied der KPD. Zunächst Schlosser, nach Selbststudium Techniker. Ab 1924 hauptamtlicher Funktionär, Hilfssekretär im UB Remscheid, dann Redaktionsvolontär bei der »Freiheit« in Düsseldorf. Ende 1926 Lokalredakteur in Hagen später kurze Zeit Chefredakteur der Barmer KPD-Zeitung, bis diese ein Kopfblatt wurde. Ab 1930 Gewerkschafts- und Wirtschaftsredakteur an der »Freiheit«, in dieser Zeit auch Stadtverordneter in Wuppertal. 1930 löste Stamm in Bremen Paul Taube als Polleiter des Bezirks Nordwest ab. Im Juli 1932 zog er als Abgeordneter im Wahlkreis Weser-Ems in den Reichstag ein, in den er auch im November 1932 und am 5.März 1933 gewählt wurde. Bis Ende März 1933 hielt sich Stamm als Polleiter illegal in Bremen auf. Anfang April 1933 ging er nach Berlin, traf sich mit Walter Ulbricht und Hermann Schubert und wurde als ZK-Instrukteur für den Bezirk Hannover eingesetzt. Nach einigen Monaten abberufen, nach einem Treffen mit Herbert Wehner wurde Stamm Polleiter der illegalen BL Berlin-Brandenburg. Im Oktober 1934 reiste er mit seiner Frau auf dem Namen Schonenburg nach Saarbrücken, anschließend nach Moskau und geriet hier in die Fraktionsauseinandersetzungen im Politbüro. Er wurde beauftragt, zurück nach Berlin zu fahren, um die neue Linie der Einheitsfront im Parteibezirk Berlin-Brandenburg durchzusetzen. Am 3.März 1935 in Berlin eingetroffen, begann er mit Adolf Rembte, Max Maddalena und Käthe Lübeck eine neue Inlandsleitung aufzubauen. Er sollte am 28. März 1935 zur Berichterstattung nach Prag kommen, wurde jedoch einen Tag zuvor mit Maddalena, Rembte, Lübeck und Walter Griesbach festgenommen. Er saß lange in Haft und wurde grausam gefoltert. Am 4. Juni 1937 verurteilte ihn der VGH zum Tode. Im Prozeß hatte er erklärt: »Ich bitte nicht für mich und bereue auch nichts.« Am 4. November 1937 wurde Robert Stamm in Berlin-Plötzensee hingerichtet. Robert Stamm heiratete 1926 Erna Stamm, geborene Wilhelmi (* 5. 10. 1898 in Wuppertal-Barmen), Volksschullehrerin. Seit 1925 KPD-Mitglied. In Moskau war sie Korrektorin im Verlag für ausländische Arbeiter, studierte an der KUNMS bis zu deren Auflösung. Sie reiste nach Paris, später nach Kopenhagen und setzte sich für die Aufhebung des Todesurteils gegen ihren Mann und für die Rettung von Lilo Herrmann ein. Sie emigrierte später nach Schweden, kam 1945 nach Kopenhagen und im Sommer 1946 nach Berlin zurück. Sie übersiedelte dann in die Westzonen, bis 1955 war sie als Musiklehrerin in Wuppertal tätig. Seit 1968 DKP-Mitglied, engagierte sie sich in der VVN. Erna Stamm starb am 28. November 1979 in Bremen.

Wer war wer in DDR

Stange, Bernd

* 14.3.1948

Geb. in Gnaschwitz; 1957 – 64 Fußballspieler (Verteidiger) bei der BSG Chemie Gnaschwitz; 1964 – 66 bei der ASG Vorwärts Bautzen; 1966 – 70 bei der HSG Wiss. DHfK Leipzig; 1966 – 70 Studium an der DHfK Leipzig, Dipl.-Sportlehrer; ab 1971 Trainer: 1971 – 76 Trainerassistent u. 1976 – 78 Cheftrainer beim FC Carl Zeiss Jena; 1978 – 80 DFV-Trainer (U 21); 1980 – 82 Assistent von Nationaltrainer Rudolf Krause; 1982 – 84 Trainer der Olympiaauswahl (als U 21 1982 Vize-EM); 12.10. 1983 – 5.12. 1988 Trainer der Nationalmannschaft (53 Länderspiele, 25 Siege, zehn Unentschieden, 18 Niederlagen, 75 : 59 Tore); 1989 – 91 Cheftrainer bei Carl Zeiss Jena. 1991 – 92 Trainer bei Hertha BSC Berlin; 1993 – 94 Trainer beim VfB Leipzig; 1994 – März 95 Sportdir. bei Hertha BSC (Rücktritt nach IM-Vorwürfen); 1995/96 Cheftrainer bei Dnjepr Dnepropetrowsk (Ukraine); 1998 – 2001 Perth Glory (Australien); Juni – Sept. 2001 Nationaltrainer Oman; Nov. 2002 – Juli 2004 Nationaltrainer Irak (4. Platz Olymp. Spiele 2004); ab Jan. 2005 Cheftrainer von Apollon Limassol (Zypern); seit 2007 Nationaltrainer Belarus (Weißrußland).Mallwitz, H.: Trainer zwischen den Welten. B. St. Anderbeck 2004.Volker Kluge

Wer war wer in DDR

Stapel, Eduard

* 30.5.1953

Geb. in Bismark (Altmark); Vater Fleischer, Mutter Hausfrau; 1959 – 71 Schulbesuch in Bismark u. Stendal, 1971 Abitur; 1971/72 Volontariat in Halle; 1972 – 76 Studium der Journalistik an der KMU Leipzig; 1975 – 82 Studium der Theol.; 1982/83 Konviktsinspektor am Theol. Seminar Leipzig; ab 1981 Initiator kirchl. Arbeitskrs. Homosexualität; 1983/84 Vikar in Magdeburg; 1984/85 Predigerseminar in Brandenb.; 1985 Zweites Theol. Examen in Magdeburg; 1985 – 90 Angest. für Schwulen-Arbeit bei der Ev. Stadtmission Magdeburg; 1990 Initiator u. Gründungsvorstandsmitgl. des Schwulenverb. in der DDR / Dtl. (SVD, ab 1999 LSVD). 1990 – 2006 Bundesvorstandsmitgl. des LSVD, seitdem sein Ehrenvorsitzender; Mitgl. der Ges. für Sexualwiss.; 1991 – 93 wiss. Mitarb. der Stiftung Runder Tisch – Sächs. Bildungswerk; 1995 – 97 Mitarb. der Forschungsstelle der Ges. für Sexualwissenschaft in Leipzig; 1996 Bundesverdienstkreuz; 1997 Umzug nach Bismark; 1997 – 2000 Landesvors. von Bündnis 90 / Die Grünen in Sachsen-Anh; seit 1999 Kommunalpolitiker in der Altmark.Warme Brüder gegen Kalte Krieger. Schwulenbewegung in der DDR im Visier der Staatsicherheit. Magdeburg 1999; Beiträge in mehreren Tagungsbänden.Christoph Links

Wer war wer in DDR

Sparwasser, Jürgen

* 4.6.1948

Geb. in Halberstadt; seit 1958 aktiver Fußballspieler, zunächst bei Lok Halberstadt, 1965 – 79 beim SC Aufbau bzw. 1. FC Magdeburg; Studium an der DHfK Leipzig, Dipl.-Sportlehrer; 1972 Olymp. Spiele 3. Platz; 1974 Weltmeisterschaften 6. Platz (schießt das Tor beim 1:0-Sieg der DDR über die Bundesrep. Dtl. in Hamburg; sein Trikot mit der Rückennr. 14 hängt im Haus der Geschichte der Bundesrep. Dtl. in Bonn); 1974 Europapokalsieger; 1976 Olymp. Spiele Sieger; schießt in seinen insgesamt 271 Oberligaspielen 111 Tore u. 1969 – 77 in insgesamt 53 Länderspielen 15 Tore; 1980 – 88 Sportlehrer an der Pädagog. Akad. Magdeburg; ab 1988 in der Bundesrep. Dtl.; bis 1990 Jugendtrainer bei Eintracht Frankfurt; 1990 – 92 Trainer bei SV Darmstadt 98; 1997 – 99 Geschäftsf. u. ehrenamtl. Präs. der Vereinigung der Vertragsfußballer; seitdem Spielerberater; lebt in Bad Vilbel.Wittich, E.: Wo waren Sie, als das Sparwasser-Tor fiel? 2000; Nagorske, W.: Sparwasser, Sparwasser, TOOR! Biografie eines Stürmers. Cottbus 2008.Klaus Gallinat / Olaf W. Reimann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Sperling, Fritz

* 11.10.1911 – ✝ 21.4.1958

Geboren am 11. Oktober 1911 in Algringen/ Lothringen, Sohn eines Bergmanns. Nach kaufmännischer Lehre Buchhalter. 1926 Mitglied der SAJ und Mitbegründer des ZdA-Jugendausschusses in Hamborn. Sperling trat 1931 zum KJVD über und wurde 1932 Mitglied der KPD. Anfang 1933 Leiter des KJVD Hamborn, hier von März bis Juni 1933 inhaftiert. 1934 zunächst stellvertretender Leiter des KJVD Ruhr, dann Leiter des Bezirks Niederrhein. In die Niederlande emigriert, war Sperling 1935 stellvertretender Leiter der KJVD-Auslandsstelle in Amsterdam und ging dann auf Parteibeschluß nach Moskau. Hier absolvierte er unter dem Parteinamen Herbert Wächter bis 1937 einen Kurs an der Internationalen Leninschule. Danach ZK-Instrukteur der KPD und Mitglied der AL Süd in der Schweiz, offiziell war er Gärtnereihilfsarbeiter. Die Schweizer Behörden haben Sperling wegen »fortgesetzter kommunistischer Tätigkeit und Propaganda« verhaftet, zu drei Monaten Gefängnis verurteilt und anschließend interniert. Ab Juli 1945 wieder in Deutschland, wurde er nach Zulassung der Parteien Sekretär der KPD-BL Südbayern und übernahm als Nachfolger von Georg Fischer den Vorsitz des KPD-Landesvorstandes Bayern. Er kam 1947 als KPD-Vertreter in den Bizonalen Wirtschaftsrat, gehörte seit Ende April 1948 dem KPD-PV an und wurde hauptamtlicher Orgsekretär. Nach der Verhaftung Kurt Müllers in Ost-Berlin im März 1950 rückte Sperling am 10. Mai 1950 zum Stellvertreter von Max Reimann auf. Obwohl in den folgenden Monaten wesentlich an der Stalinisierung der KPD und der »Entlarvung von Parteifeinden« beteiligt, geriet er selbst in die Säuberungswelle. Seit August 1950 verstärkten Angriffen ausgesetzt, weil er als ehemaliges Leitungsmitglied der KPD in der Schweiz in engem Kontakte zu Noel H. Field gestanden hatte. Er wurde im Januar 1951 unter dem Vorwand gründlicher medizinischer Untersuchung und Behandlung nach Ost-Berlin beordert und reiste gemeinsam mit seiner (aus der Schweiz stammenden) Frau Lydia, geborene Hug (*26.7. 1918 – † 15. 6. 1990), in die DDR. Dem schwerkranken Sperling wurde im Regierungskrankenhaus in Ost-Berlin Anfang Februar 1951 von Reimann mitgeteilt, er sei aus dem PV ausgeschlossen, und Hermann Matern von der ZPKK informierte ihn darüber, »daß seine Angelegenheit deswegen noch nicht abgeschlossen sei, weil sich wahrscheinlich eine andere Stelle eingeschaltet habe«. In der Nacht vom 26. zum 27. Februar 1951 wurde Sperling von einem MfS-Kommando mit Richard Stahlmann an der Spitze verhaftet, krank in das berüchtigte Untersuchungsgefängnis des MfS eingeliefert. Dort haben ihn KGB- und MfS-Vernehmer schwer gefoltert und ihm mehrere Jahre lang sogar dringende medizinische Hilfe verweigert. Am 18.März 1954 wurde er in einem Geheimprozeß vor dem 1. Strafsenat des Obersten Gerichts in Ost-Berlin, wegen »Verbrechens gegen den Frieden« zu sieben Jahren Zuchthaus verurteilt. Sperling blieb bis zum 8. März 1956 im Zuchthaus Brandenburg bzw. in der MfS-Untersuchungshaftanstalt Berlin-Lichtenberg eingesperrt, dann als »Begnadigter« entlassen und in das Krankenhaus Berlin-Friedrichshain gebracht. Erst Ende Juli 1957 wurde in einer Ausgabe des illegalen KPD-Zentralorgans »Freies Volk« lapidar mitgeteilt, »daß das Parteiverhältnis des Genossen Fritz Sperling geklärt ist, und er das Vertrauen der Partei besitzt«. An den Folgen der MfS-Haft starb Fritz Sperling am 22. April 1958 in Ost-Berlin. 1993 veröffentlichte Karl Heinz Jahnke eine Biographie über Fritz und Lydia Sperling.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Spieler, Siegmund

* 20.11.1907 – ✝ 25.12.1985

Geboren am 20. November 1907 in Leipzig, Sohn eines Milchladenbesitzers; lernte Steindrucker. 1922 Mitglied der SAJ, 1923 der KJD, 1929 der KPD. Von 1925 bis 1929 in der Leitung des KPD-UB Berlin-Pankow. 1933 illegale Arbeit, 1934 Emigration in die âSR, Polleiter der Emigrationsgruppe in Reichenberg, später unter dem Parteinamen Alfred Freund oftmals illegal in Deutschland. Ab November 1936 gehörte er zusammen mit Anton Ackermann u. a. der Berliner Auslandsleitung der KPD in Prag an. Zuletzt Polleiter der Prager KPD-Emigration und Stellvertreter von Karl Mewis in der AL Mitte. Im Februar 1938 emigrierte er nach Großbritannien. Gemeinsam mit Wilhelm Koenen u. a. gehörte er ab September 1939 zur Leitung der KPD-Emigration in Großbritannien. Von 1940 bis 1942 in Kanada interniert, danach arbeitete er als Schweißer. 1946 Rückkehr nach Deutschland, bis 1949 Referent der SED-Landesleitung Groß-Berlin, 1952/53 Abteilungsleiter in der SED-BL Ost-Berlin, zuletzt stellvertretender Abteilungsleiter im MfAA. Siegmund Spieler starb am 25. Dezember 1985 in Ost-Berlin.

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Spiru, Basil

* 27.11.1898 – ✝ 15.9.1969

Geb. in Luzan (Nordbukowina, Österreich-Ungarn / Lujeni, Rumänien) in einer jüd. Fam.; Vater Land- u. Eisenbahnarzt; 1904 – 12 Volksschule in Luzan, 1912 Staatsgymnasium in Czernowitz u. Maximilian-Gymnasium in Wien; 1916 Mitgl. der Soz. Jugend Österreichs; 1916 – 18 Militärdienst in der k. u. k. Armee; 1918/19 Lazarettaufenthalt in Nordungarn; März 1918 SDP Ungarn; 1919 Angeh. der ungar. Roten Armee; 1919 – 27 Mitbegr. u. Mitgl. der Rumän. KP; 1919/20 Studium der Staatswiss. u. Geschichte an der Univ. Czernowitz; 1921 als Mitgl. der illeg. Ltg. der KP Rumäniens verhaftet, 1921/22 Haft, amnestiert; 1922/23 Mitgl. des ZK der KP Rumäniens; 1922/23 Jura-Studium an der Univ. Bukarest; 1923 – 26 Studium der Staatswiss. an der Univ. Wien, relegiert; gleichz. illeg. Arbeit für die IRH; 1926 erschien sein Bericht »Aus den Totenhäusern ?Groß-Rumäniens?«; 1927 Emigr. in die UdSSR; 1927 – 54 KPdSU; 1927 – 29 Abt.-Ltr. an der KUNMZ in Moskau; gleichz. Doz. für Geschichte an der 2. Moskauer Univ.; 1930 – 32 illeg. Arbeit für das NKWD in Westeuropa, nachrichtendienstl. Einsatz in London (Paßn. »Joseph Lahodny«, Deckn. »Hofman«); 1931 in Berlin wegen Paßvergehens verhaftet u. zu einem Mon. Gefängnis verurteilt; anschl. Flucht in die Schweiz, dann in die UdSSR; 1932 – 34 Red. der »Dt. Zentralztg.« (DZZ) in Moskau, wegen Kontakten zu »Volksfeinden« abgelöst u. gerügt; 1934 – 38 Ltr. der Pressestelle der IRH; später Chefred. des russ. Presseorgans der russ. MOPR; 1938/ 39 Mitgl. der Red. der DZZ; 1940 Ltr. des Pressesektors u. der Presseagentur der IRH; 1940 – 43 verantw. Red. der Auslandsred. des Moskauer Rundfunks; 1943 freiw. zur Front, Ltr. des rumän. Sektors der Antifa-Schule Talizy u. einer Zentr. Antifa-Schule; 1945 sowj. Orden für glorreiche Arbeit während des Großen Vaterländ. Krieges. 1946 – 48 Abt.-Ltr. in der Zentr. Antifa-Schule in Krasnogorsk; 1949 – 53 Doz. am Lehrstuhl für Neue Geschichte der Lomonossow-Univ. Moskau; Dez. 1954 Übersiedl. in die DDR; SED u. als VdN anerkannt; Jan. 1955 Prof. mit vollem Lehrauftrag an der Journalist. Fak. der KMU Leipzig; Ltr. der Abt. Presse der Sowjetunion u. der Länder der Volksdemokratie; Febr. 1956 Prom. zum Dr. rer. oec.; 1957 Ernst-Moritz-Arndt-Medaille; 1958 VVO; Sept. 1958 Prof. u. Dir. des Inst. für die Geschichte der europ. Volksdemokratien an der KMU Leipzig; Jan. 1961 dort Prof. mit Lehrstuhl; Sept. 1964 em.; er gehörte zu den einflußr. Hist. der DDR-Gründergeneration, arbeitete u. a. zur Pressegeschichte u. zur Geschichte der Balkanländer; gest. in Leipzig.Freiheit, die sie meinen ... Rumänien unter der eisernen Ferse der City u. der Wallstreet (1918 – 1938). Berlin 1956; Giftmischer. Beiträge zur Entwicklungsgeschichte der zeitgenöss. bürgerl. Journalistik. Berlin 1960; Bulgariens Volk im Widerstand 1941 – 1944. Berlin 1962. Kowalczuk, I.-S.: Legitimation eines neuen Staates. Parteiarb. an der hist. Front. Geschichtswissenschaft in der SBZ /DDR 1945 bis 1961. Berlin 1997; West, N., Tsarev, O.: The Crown Jewels. London 1998.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Springer, Günter

* 15.4.1922 – ✝ 26.9.2013

Geb. in Berlin; Vater selbst. Schmiedemeister, Mutter Hausfrau; 1928 – 37 Privatschule u. Realgymnasium in Berlin; 1937 – 40 Lehre als Buchdrucker in Berlin; 1940 – 45 Wehrmacht. 1945 Hilfsarb. in einer Schmiede in Beeskow; KPD; 1945 / 46 Sachbearb. bzw. Abt.-Ltr. im Gewerbeamt u. beim Landratsamt Beeskow-Storkow; 1945 Ltr. des antifasch. Kreisjugendaussch. im Krs. Beeskow-Storkow; ab Febr. 1946 Ltr. des Dezernats Handel, Versorgung u. Erfassung landwirtschaftl. Erzeugnisse im Landratsamt Beeskow-Storkow; 1946 / 47 Kreisjugendltr. bzw. Vors. des FDJ-Kreisvorst. Beeskow-Storkow; 1946 SED; Abg. des Kreistags Beeskow-Storkow u. Stadtverordn. der Kreisstadt Beeskow; 1947 Ltr. des Informationsdienstes des Landratsamts u. verantw. Red. der »Beeskower Kreisnachrichten«; 1949 Qualifizierungskurs an der DVA Forst-Zinna, anschl. Ltr. der Sonderkontrollkomm. zur »Bekämpfung undemokrat. Erscheinungen« im Krs. Lebus der Landesreg. Brandenb.; 1949 pers. Referent des Ministers des Innern des Landes Brandenb.; 1949 – 51 Kreisrat für Inneres u. stellv. bzw. amt. Landrat der Krs. Beeskow-Storkow bzw. Calau-Senftenberg; Mai 1951 Medaille für ausgezeichnete Leistungen als erster Landrat der DDR; 1951 / 52 Ministerialdir. u. HA-Ltr. Erfassung u. Aufkauf landwirtschaftl. Erzeugnisse der Landesreg. Brandenb.; 1951 – 54 Fernstud. an der DASR Potsdam, Dipl.-Staatswiss.; 1952 – 55 Sekr. des Rats des Bez. Frankfurt (Oder) u. Abg. des Bezirkstags; 1955 / 56 amt. Vors., 1956 – 60 Vors. des Rats des Bez. Frankfurt (Oder), 1960 Ablösung aus gesundheitl. Gründen; 1960 – 80 Dir. des Inst. für Verwaltungsorg. u. Bürotechnik der DASR in Leipzig; 1968 Prom. zum Dr. jur. an der Rechtswiss. Fak. der MLU Halle mit einer Arbeit zum Thema »Einführung der maschinellen Datenverarbeitung beim Rat der Stadt Altenburg – eine objektive Voraussetzung für die Erhöhung der Wissenschaftlichkeit der Leitungstätigkeit und Verwaltungsarbeit«; 1971 Verleihung der facultas docendi und Berufung zum Honorarprof. für soz. Verwaltungsorg. an der DASR Potsdam; seit 1981 Ruhestand; 1981 / 82 stellv. Vors., 1982 – 89 Vors. der Kommission zur Betreuung alter verdienter Parteimitglieder u. Mitgl. der SED-Stadtbezirksltg. Leipzig-Süd. 1991 Austritt aus der PDS; seither parteilos.Andreas Herbst

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Stade, Martin

* 1.9.1931

Geb. in Haarhausen (b. Arnstadt, Thür.); Vater Maurer, Mutter Fabrikarb.; 1946 – 49 Ausbildung zum Rundfunkmechaniker; Okt. 1951 SED; 1950 – 58 hauptberufl. FDJ-Funktionär; 1951 Mitarb. der Westabt. des ZR der FDJ in Berlin; Instrukteur der FDJ in Berlin-Steglitz u. -Wedding; Mai 1952 1. Sekr. der FDJ in Berlin-Kreuzberg; Nov. 1952 Verb.-Strafe wegen »mangelnder rev. Wachsamkeit«; April 1953 Rüge wegen »schlechter Arbeitsmoral«; bis 1958 hauptberufl. FDJ-Funktionär; Lehrer an einer Schule des ZR der FDJ; Instrukteur; 2. FDJ-Sekr. des Krs. Arnstadt; schließl. Lehrer für Marx.-Lenin. an der Bez.-Schule Erfurt u. einer Schule des ZR der FDJ; zul. FDJ-Sekr. eines Betriebes; 1959 – 63 u. 1966/67 Dreher im VEB Chemieanlagenbau Erfurt-Rudisleben; 1963 – 66 Kranführer in der Landw. in Haarhausen; 1967 Red. im Bez.-Kabinett für Kulturarbeit; ab Sept. 1967 Studium am Inst. für Lit. »Johannes R. Becher« in Leipzig, nach vier Mon. exmatrikuliert; danach freischaff.; 1960 Mitgl. eines Zirkels schreibender Arbeiter, dann dessen Ltr.; 1963 Mitgl. des Arbeitskrs. Junger Autoren Weimar, später Potsdam; 1970 SV; 1974 – 76 Versuch, gem. mit  Ulrich Plenzdorf u.  Klaus Schlesinger eine Autorenanthol. »Berliner Geschichten« im Selbstverlag herauszugeben; als Operativer Schwerpunkt »Selbstverlag« verfolgt; M. S. selbst wurde vom MfS im OV »Narr« bearbeitet; Nov. 1976 Protest gegen die Ausbürgerung  Wolf Biermanns; 1977 Ausschl. aus der SED u. im März 1978 Austritt aus dem SV; Mai 1978 Mitunterz. des Protestbriefs mehrerer Schriftst. gegen die strafrechtl. Verfolgung  Stefan Heyms; lebt zurückgezogen auf einem Vorwerk im Oderbruch. Bekannt wurde er vor allem mit dem vom ZDF verfilmten Roman »Der König u. sein Narr« (1975), in dem vom Leben des preuß. Akad.-Präs. Gundling erzählt wird, der von König Friedrich Wilhelm I. zum Narren seines Tabakkolleg. gemacht wurde; neben weiteren hist. Romanen schrieb er auch zahlr. Erzählungen über einfache u. wunderliche kleine Leute in der DDR.Der himmelblaue Zeppelin. Rostock 1970; Vetters fröhliche Fuhren. Berlin 1973; 17 schöne Fische. Erzählungen. Berlin 1976; Der närrische Krieg. Berlin 1981; Der Präsentkorb. Erzählungen. Berlin 1983; Die scharf beobachtenden Stare u. andere Erzählungen. Berlin 1992; Berliner Geschichten. »Operativer Schwerpunkt Selbstverlag«. Eine Autoren-Anthol.: Wie sie entstand u. von der Stasi verhindert wurde. Frankfurt (Main) 1995 (Mithrsg.); Wilhelms Haus. Weimar 2000; Vom Bernsteinzimmer in Thür. u. anderen Hohlräumen. Gehren 2003.Bernd-Rainer Barth / Carsten Wurm

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Stahlmann, Richard

* 15.10.1891 – ✝ 25.12.1974

Geb. in Königsberg (Kaliningrad, Rußland); Vater Zimmermann, Mutter Hausfrau; Volksschule; Tischlerlehre in Berlin; 1905 SAJ; 1905 – 10 Tischler in Königsberg; 1911 Militärdienst, 1914 – 17 Soldat, 1917 – 19 brit. Kriegsgefangenschaft; 1919 im Soldatenrat in Königsberg; 1919 KPD; Gewerkschafts- u. Parteiarb.; 1923/24 Ltr. des militärpol. Apparats der KPD; nach der Niederlage des KPD-Aufstands im Okt. 1923 Emigr. in die UdSSR (»Eberhard Rosenthal«); sowj. Staatsbürgerschaft u. KPdSU-Mitgl. (bis 1940); 1924/25 militär.-pol. Lehrgang in Moskau (Spezialschule der KPdSU), nach Beendigung Instrukteur der Org.-Abt. des EKKI u. in der GRU; illeg. Einsätze in Frankreich, England, 1927/28 in China, 1930/31 in den Niederlanden u. der ČSR; 1931/32 Lenin-Schule in Moskau; 1932 – 36 Sekr. von Georgi Dimitroff; Balkanarbeit der KI, 1932 in Berlin Mitarb. der KI-Ztrschr. »Balkankorrespondenz«; 1933 Flucht nach Wien u. 1934 Paris, Teiln. am Kantoner Aufstand in China; 1935 zeitw. in Moskau; 1936 / 37 Teiln. am span. Bürgerkrieg, Kdr. eines Partisanenbat.; 1937 – 40 Fortführung der Balkanarbeit in Paris; 1940 in Stockholm gem. mit Herbert Wehner u.  Karl Mewis in der Auslandsltg. der KPD; nach der Verhaftung Wehners bis Kriegsende in einem Versteck in der Nähe von Stockholm. Jan. 1946 Rückkehr nach Dtl.; Mitarb. der KPD-Landesltg. Mecklenb.-Vorpom.; Aufbau der Polizei; Abwehrarbeit; nach dem Vereinigungsparteitag in Berlin im Mai 1946 Zonenltr. in der neuen HA Org. beim ZK der SED, später umbenannt in Abt. Verkehr u. Sept. 1948 der Westkommission angeschlossen; 1949 – 52 Ltr. bzw. Mitarb. der ZK-Abt. Verkehr, verantw. für die Sicherstellung der illeg. Verbindungen zur KPD, Spezialist für Grenzschleusungen, illeg. Personen- u. Materialtransport über die Ostsee, auch für den Personenschutz der Parteiführer bei Reisen in die Westzonen; März 1950 zuständig für die Entführung des KPD-Vors. u. MdB  Kurt Müller in die DDR; Sept. 1951 unter  Anton Ackermann stellv. Ltr. des IWF (Vorläufer der HV A); 1952 Oberst.; ab 1953 Ltr. der AG Anleitung u. Kontrolle der HA XV (Auslandsspionage) des MfS (ab 1956 HV A des MfS); 1958 Ltr. des Fach- u. Lehrkabinetts der HA KuSch; 1960 Entlassung; 1958 Med. für Kämpfer gegen den Fasch.; Rentner, 1961 Banner der Arbeit; 1966 KMO; 1972 Kampforden für Verdienste um Volk u. Vaterland; gest. in Berlin.Aus dem Leben eines Berufsrevolutionärs. Erinnerungen an R. S. Leipzig 1986 (MfS-intern); Brunner, B.: R. S. – zur hist. Person. Eine Textcollage u. zwei handschriftl. Lebensläufe. In: P. Weiss Jb. 2. Opladen 1993; Uhl, M.: R. S. Ein Handlanger der Weltrev. Im Geheimauftrag der SED. In: Krüger, D., Wagner, A. (Hrsg.): Konspiration als Beruf. Berlin 2003.Michael F. Scholz / Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Staimer, Eleonore (Lore)

* 14.4.1906 – ✝ 7.11.1998

Geb. in Bremen; Tochter von  Wilhelm Pieck, Bruder  Arthur Pieck; 1912/13 Volksschule in Berlin-Steglitz, 1913 – 18 Bürgerschule in Bremen, 1918/19 Mittelschule in Berlin-Steglitz; an Abend-Handelsschule Kurse für Stenographie, Schreibmaschine u. Buchhaltung; ein halbes Jahr Haushaltsschule; 1918 Kindergr. der SAJ; 1920 KPD; 1920 – März 1923 Kontoristin in verschiedenen Firmen; ab April 1923 Sekr. des Org.-Sekr. des ZK der KPD Leo Flieg; dann bis 1929 Sekr. u. Korrespondentin des Abgeordneten Gustav Menzel in der Jurist. Zentralstelle der KPD-Fraktion im Preuß. Landtag; 1930 – 32 Mitarb. in der sowj. Handelsvertr. in Berlin; Korrespondentin der Außenhandelsgesellschaft Promexport; Ende 1932/33 Mitarb. im Volkskommissariat für Außenhandel in Moskau, Kontrolleur von Promexport für ausländ. Verträge, Ausscheiden wegen ungenügender Sprachkenntnisse; 1934 Aushilfsstenotypistin in der KJI u. im IRTB; ab 1934 Agitprop-Sekr. u. 1936 – 40 Ltr. der Finanzabt. im Sekr. der IRH; 1935/36 Abendkurse an der KUNMZ; 1936 – 49 sowj. Staatsbürgerschaft; März 1937 Aberkennung der dt. Staatsbürgerschaft; 1939 – 45 verh. mit Josef Springer; 1940/41 Mitarb. im EKKI; Anf. 1941 in der Sonderfahndungsliste »UdSSR« der Gestapo erf.; Sept. 1941 Sekr. beim Dt. Volkssender; 16.10.1941 Evakuierung nach Ufa; Ende 1941 / 42 Kursant an der KI-Schule in Kuschnarenkowo; 1942 / 43 Ltr. der Abt. für Politemigranten in der sowj. Org. der IRH; 1943 – Mai 1945 Mitarb. der Radio-Red. des NKFD; ab 1944 Sekr. von  Anton Ackermann u. später Jugendred. am Sender »Freies Dtl.«. Kehrte am 28.5.1945 nach Dtl. zurück; kurzz. Tätigkeit in Stettin; dann Instrukteur der Gruppe  Sobottka Vorpom.; bis Anf. Aug. 1945 erst Red., dann stellv. Ltr. der Kulturabt. in der LL Mecklenb. der KPD in Schwerin; ab Aug. 1945 zunächst stellv. Ltr. u. ab Sept. 1945 Leiterin der Geschäftsabt. des Sekr. / ZS des ZK / Vorst. der KPD / SED; 1947 – 54 Ehe mit  Richard S.; April 1949 Entbindung von der Ltg.-Funktion wegen Krankheit; Sept. 1949 Ltr. der HA Außenhandel u. Materialversorgung u. Okt. 1953 – Jan. 1957 Staatssekr. u. stellv. Ministerin im Min. für Außen- u. Innerdt. Handel; Jan. 1958 Gesandte u. Okt. 1966 – Febr. 1969 Botschafterin in Jugosl.; bis Okt. 1970 Mitarb. im MfAA; ab 1.11.1970 stellv. GD des Dt. Reisebüros, verantw. für den Bereich Öffentlichkeitsarbeit, Marktforschung u. Internat. Beziehungen; 1970 Orden des Vaterländ. Krieges; 1971 Ehrenspange zum VVO; 1975 Pensionierung; Medaille für Waffenbrüderschaft; 1976 Stern der Völkerfreundschaft; 1981 KMO; gest. in Berlin.Scheidemann, Ch.: E. S. Die Tochter Wilhelm Piecks, in: Müller, U., Scheidemann, Ch. (Hrsg.): Gewandt, geschickt u. abgesandt. München 2000.Peter Erler / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Stallknecht, Wilfried

* 12.8.1928

Geb. in Geringswalde (b. Rochlitz); Vater Kfm.; 1948 Tischlerlehre, 1949 Arbeit im Bergbau, 1951 Meisterprüfung im Tischlerhandwerk; 1949 – 1952 Studium der Innenarchitektur an der FS für angew. Kunst Erfurt; 1952/53 Mitarb. im VEB Projektierung Berlin, 1953 wiss. Mitarb. des ZI für Typung Berlin; 1953 Innengestaltung beim Umbau des ehem. Preuß. Landtags in Berlin zum Sitz des Ministerrats der DDR; 1958 Entwurf der Eigenheimserie EW 58; 1959 – 85 Mitgl. der DBA; 1959 – 62 Versuchsbau Wohnungstyp P 2, Fennpfuhl, Berlin; 1963 – 66 Entw. der Plattenbau-Typenserie P 2.12; 1964 – 69 Mitarb. des Inst. für Städtebau Berlin; 1966 – 69 Wohnungsbaukonzeption für Tunnelschalverfahren; 1966 u. 1969 Aktivist; 1968 versch. Wirtschaftspatente zum Möbelbau, darunter Patent für Gleitkippverfahren; 1967 1. Preis beim Wettbewerb Leninplatz Berlin; 1968 – 70 Wohnbebauung am Leninplatz (heute: Platz der Vereinten Nat.) in Berlin; 1973 Architekturdipl. unter Förderung von  Hermann Henselmann an der Kunst-HS Berlin-Weißensee; 1974 – 83 Chefplaner der Umgestaltung der Innenstadt Bernau; 1978 Prom.; 1978 Schinkelmed., 1981 Architekturpreis der DDR; 1983 Habil. an der HS für Architektur u. Bauwesen; 1985 Ruhestand; 1985 – 89 Rekonstruktion der Wehr- u. Hellmühle Biesenthal. 1998 – 2003 Entwurf für das wandlungsfähige Sitz- u. Liegemöbel »SELIO«; 2000 Entwurf für das Rathausdreieck Berlin-Lichtenberg; 2009 Wanderausstellung »Entwerfen im System – Der Architekt W. S.« in Cottbus, Bernau u. Berlin. St. gilt als einer der vielseitigsten Architekten der DDR. Neben der maßgebl. Entw. der Plattenbausysteme P 2 u. P 2.12, die wiederum Vorläufer der Standardbaureihe WBS 70 waren, war St. ebenso erfolgreich im Städtebau, bei der Innengestaltung u. im Möbelbau.Baukastensystem u. architekton. Gestaltung von Wohnbauten. In: Dt. Architektur (1963) 10; Die Experimentalbauten der Konzeption P 2. In: Dt. Architektur (1964) 5; Gebäudekonzeption der Plattenbauweise für die Umgestaltung innerstädt. Wohnbereiche. Berlin 1978; Einbauten in Wohnungen. In: Kultur im Heim (1984) 3. Topfstedt, T., Barth, H.: Vom Baukünstler zum Komplexprojektanten. Architekten in der DDR. Berlin 2000; Bauwelt 18 –19. Bertelsmann-Fachzeitschriften. Gütersloh 2002.Volker Wagner

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Stammberger, Friedrich

* 13.5.1908 – ✝ 26.3.1978

Geb. in Rauenstein (Krs. Sonneberg); Vater Tischler; 1914 – 19 Volksschule; 1921 KJVD; 1926 KPD; 1928 Mitarb. im Internat. Arbeiter Verlag in Berlin; 1926 – 28 Ausb. zum Schriftsetzer in Gotha; 1930 Hersteller u. Propagandist im Verlag Universum-Bücherei Berlin; Mitgl. der Berliner RGO-Ltg. der Buchdrukkerfraktion; 1932 Ltr. der Vertr. von Sojusfoto in Berlin; 1933 Flucht über Amsterdam u. Paris nach Moskau; 1933 stellv. Ltr. der Auslandsabt. von Sojusfoto; Korrespondent der in Prag erscheinenden »AIZ«; Juli – Sept. 1936 Arktisexpedition; 1937 Verhaftung mit anschl. pol. Prozeß, Verurteilung zu fünf Jahren Arbeitslager in Norilsk; Arbeit als geolog. Kollektor. 1946 im Erzkombinat Norilsk zwangsangesiedelt; 1947 – 51 dort Geologie-Techniker; Abitur im Abendstudium; 1950 – 54 Fernstudium der Geologie am Moskauer Polytechn. Inst. (Filiale Tomsk), 1954 Abschluß als Dipl.-Berging.-Geologe; Nov. 1954 Rückkehr in die DDR; 1955 Mitarb. der Staatl. Geolog. Kommission Berlin; 1956 maßgebl. beteiligt an der Gründung u. Vors. der Zentr. Vorratskommission für mineralische Rohstoffe (ZVK); 1958 Ltr. der Staatl. Geolog. Kommission u. des Zentr. Geolog. Dienstes; 1961 – 74 Vors. der ZVK der DDR; 1961 Prom. an der Bergakad. Freiberg mit der Diss. »Zur ökon. Bewertung von Lagerstätten nutzbarer Rohstoffe« (Dr. rer. oec.); 1966 Titularprof.; 1973 VVO; 1977 Serge-von-Bubnoff-Medaille der Ges. für Geologische Wiss. (GGW) der DDR; gest. in Berlin. 1978 aufgrund einer testamentar. Verfügung von F. S. Stiftung eines »Friedrich-Stammberger-Preises« für besondere wiss. Leistungen auf dem Gebiet der geolog. Wiss., der jährl. durch die GGW vergeben wurde; 1995 Umwandlung in die Friedrich-Stammberger-Stiftung in Verantw. der GGW Berlin; F. S. hat die praktische geolog. Arbeit in der DDR im gesamtstaatl. Rahmen maßgebl. u. die geowiss. Forschung u. Lehre nachhaltig beeinflußt. Forschungen u. Publ. zu Grundlagen der Erkundungsgeol., Methodik der Suche u. Erkundung von Lagerstätten, Berechnung u. Bewertung von Vorräten mineral. Rohstoffe; etwa 100 Veröff., darunter Lehrbuch der Suche u. Erkundung von Lagerstätten fester mineral. Rohstoffe, 2 Bde., Leipzig 1978/79.Stammberger, G., Peschke, M.: Gut angekommen – Moskau. Berlin 1999; Leo, A. u. a. (Hrsg.): Vielstimmiges Schweigen.

Wer war wer in DDR

Stange, Rolf

* 20.4.1919 – ✝ 6.10.1965

Geb. in Schmölln (Thür.); Vater Buchbinder; 1926 – 36 Grund- u. Realschule in Schmölln, 1936 – 38 Reformrealgymnasium in Altenburg; 1938 – 40 Arbeits- u. Militärdienst, von der Wehrmacht zum Physikstudium abkommandiert; 1940 – 45 Studium in Berlin u. Tübingen, Diplomhauptprüfung in Berlin. Nach kurzer Kriegsgefangenschaft bis 1948 als Physiker für die sowj. Besatzungsmacht tätig; dann Anstellung als Assistent bzw. Oberassistent am Physikal.-Chem. Inst. der HU Berlin unter Ltg. von Karl F. Bonhoeffer, später  Robert Havemann; 1953 Doz.; 1958 Prom.; gest. in Berlin. Vielseitiger Forscher u. Lehrer (Physik, Mathematik, Physikal. Chemie u. a.) mit hervorragenden didakt. Fähigkeiten, hatte bedeutenden Anteil an Havemanns Lehrbuch »Chem. Thermodynamik« (1957). Hauptarbeitsgebiet: Photochemie des Sehprozesses.Hans-Georg Bartel

Handbuch Deutsche Kommunisten

Starck, Alexander

* 5.10.1909 – ✝ 6.3.1963

Geboren am 5. Oktober 1909 in Bromberg, Sohn eines Handelsreisenden; lernte Zimmerer. 1926 Mitglied des KJVD und 1931 der KPD. Er gehörte 1931/32 dem ZK-Büro des KJVD an, besuchte 1932 einen Lehrgang der Internationalen Leninschule in Moskau und kehrte 1933 zur illegalen Arbeit nach Deutschland zurück. Im Oktober 1933 inhaftiert, 1934 zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach seiner Entlassung aus Luckau emigrierte Starck 1937 in die ?CSR und im Herbst 1938 nach Großbritannien, wo er in Manchester Mitglied der Leitung der KPD-Gruppe wurde. Von 1940 bis 1944 interniert, arbeitete er als Holzfäller in North-Wales. 1945 Sekretär des Rückwanderungsbüros der Freien Deutschen Bewegung, kam 1946 über Jugoslawien nach Deutschland. Starck stieg rasch in der Hierarchie des FDGB zum Mitglied und Sekretär des Bundesvorstandes auf, er wurde 1950 zum Stellvertreter von Herbert Warnke berufen. Bereits im Mai 1951 wegen »Mängeln in der Arbeit und ungenügender Selbstkritik« seiner Funktion enthoben, als Direktor für Arbeit zum VEB Bau-Union Nord-Ost nach Torgelow abgeschoben, wegen seiner Haltung zum Arbeiteraufstand vom 17. Juni 1953 am 27.August 1953 aus dem FDGB-Bundesvorstand und aus der SED ausgeschlossen. Im Zuge der »Rehabilitierungen« 1956 wieder Mitglied der SED, arbeitete er später im VEB Bau-Union Berlin. Alexander Starck starb am 6. März 1963 in Hessenwinkel bei Berlin.

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Speck, Karsten

* 23.6.1961

Geb. in Schlema (Erzgeb.); Abitur; Studium an der HS für Musik »Hanns Eisler« u. der HS für Schauspielkunst »Ernst Busch« in Berlin; 1984 – 89 Schauspieler am Berliner Kabarett-Theater »Distel«, 1989 – 94 in der »West Side Story« am Berliner Metropoltheater, weitere Theaterrollen in Düsseldorf, Köln, München u. Stuttgart; 1990 – 92 Moderator der von der ARD weitergeführten DDR-Unterhaltungssendung »Ein Kessel Buntes«, Durchbruch als Entertainer, u. a. 1994 »Glücksspirale« der ARD, 1996 Travestieshow »Miß World Dtl.«, Weihnachtsshow »Winterträume«; mehr als 25 Filmrollen, u. a. in den TV-Serien »Tierparkgeschichten« (1986), »Barfuß ins Bett« (1987/ 88), »Der Staatsanwalt hat das Wort«, »Praxis Bülowbogen« (1990), Freunde fürs Leben« (1998/99), »Hallo Robbie« (seit 2002), im ZDF-Sonntagsfilm »Wilder Hafen Ehe« (2001) u. im Kinofilm »Herr Lehmann« (2003); Jan. 2003 Anklage vor dem Landgericht Dortmund wegen betrüger. Immobiliengeschäfte (gemeinsam mit Ehefrau Cora Sp., deren Verfahren später abgetrennt wurde), Okt. 2004 U-Haft, Nov. 2004 Verurteilung zu 34 Monaten Haftstrafe; 2005 – 2008 Haftstrafe in der Haftanstalt Berlin-Hakenfelde (offener Vollzug); 2007 Beendigung der Zusammenarbeit mit dem ZDF.Jan Wielgohs

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Sperling, Gottfried

* 10.11.1921 – ✝ 18.1.1991

Geb. in Selm, Krs. Lüddinghausen (Westfalen); Vater Kellner u. Bergmann; Volks- u. Gewerbeschule in Zwickau; 1936 – 39 Lehre u. Arbeit als Maschinenschlosser im Brückenbergschacht Zwickau; 1939 – 45 Wehrmacht u. Kriegsgef. 1945 – 47 Facharbeiter in einem Elektro-Installationsgeschäft in Philadelphia (Brandenburg); 1946 KPD / SED; 1947 – 49 Maschinenschlosser u. Dreher in Storkow bzw. Techn. Ltr. der MAS Philadelphia; 1949 / 50 Ltr. der MAS-Landesverw. Brandenburg bzw. Ltr. der MAS Löwenbruch (Krs. Teltow); 1951 1. Sekr. des VdgB-KV Teltow bzw. 1. Sekr. des VdgB-LV Brandenburg; 1952 Studium an der SED-LPS Schmerwitz; 1953 – 57 Sekr. für Landw. der SED-BL Potsdam; 1957 / 58 Studium an der PHS beim ZK der KPdSU in Moskau; 1958 – 70 Generalsekr. bzw. 1. Sekr. der VdgB-ZV und Mitgl. des Nationalrats der NF (Nachf. von  Erich Knorr); 1970 – 72 Vors. des Rats für landw. Prod. u. Nahrungsgüterwirtschaft Neubrandenburg; 1972 – 77 Vors. des Rats des Bez. Neubrandenburg; Nov. 1977 aus gesundheitl. Gründen von der Funktion entbunden; 1978 – 1983 Vors. der Handwerkskammer Neubrandenburg; ab April 1983 Invalidenrentner; gest. in Neubrandenburg.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Spielmann, Georg

* 9.10.1908 – ✝ 4.1.1985

Geb. in Königsberg (Kaliningrad, Rußland); Vater Fleischergeselle; Volks- u. Mittelschule; Lehre als Schiffszimmermann in der »Union-Giesserei« Königsberg; 1920 ATSB; 1922 KJVD; 1928 KPD; 1923 Stadtteilltr. des KJVD in Königsberg; Nachrichtenmann im OD Königsberg (Ordnungsdienst der KPD-BL Ostpr.); 1924 Mitgl. der KJVD-BL Ostpr.; nach Spaltung der Arbeitersportverbände Einsatz als Sportfraktionsltr. für Ostpr.; Angeh. des M-Apparats der KPD; 1928 Übersiedl. nach Hamburg; Schiffsbauer bei Blohm & Voss; 1930 Red. der »Hamburger Volksztg.«; 1930/31 Ltr. der Sportztg. »Roter Nord-Sport« u. Ltg.-Mitgl. der »Roten Sporteinheit Wasserkante«; 1932/33 Instrukteur bzw. Sekr. der KPD-UB-Ltg. Kiel; Instrukteur der KPD für die norddt. Werften; Jan. – Juli 1933 illeg. Arbeit; 1934 Verhaftung, Verurteilung wegen »Vorber. zum Hochverrat« zu zwei Jahren Gefängnis; 1936/37 Schiffsbauer auf der Howaldts-Werft Kiel; 1937 erneute Verhaftung, 1938 – 41 Haft im KZ Sachsenhausen; 1941 – 44 Schiffsbauer auf der Schiffswerft »Kuczynski« in Königsberg; Ende 1944 Illegalität; März 1945 Verhaftung durch Feldgendarmerie; März / April 1945 Wehrmacht, Desertion u. Übertritt zur Roten Armee; 1945 – 47 sowj. Kriegsgefangenschaft, Antifa. Ltr. des Lagers 7294. Juni 1947 Rückkehr nach Dtl.; SED; 1947 – 53 Org.-Sekr. im Gen.-Sekr. der VVN; ab 1949 Ltr. der Westabt. des VVN-Gen.-Sekr.; 1953 – 71 Sekr., bzw. Ltd. Sekr. des Komitees der Antifasch. Widerstandskämpfer; Fernstudium an der PHS, 1963 Dipl.-Ges.-Wiss.; 1954 – 72 Mitgl. des Gen.-Rats der FIR; 1961 – 72 Vizepräs. der FIR; ab 1957 Mitgl. des Präs. des NR der NF u. ab 1966 Mitgl. des Präs. der Liga für Völkerfreundschaft.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Spitzer, Alfred

* 19.4.1903 – ✝ 14.10.1979

Geboren am 19. April 1903 in Wüstegiersdorf in Schlesien, Sohn eines Schmieds. Knecht bei Bauern, später Bergmann in Haudorf/Krs. Neurode, Übersiedlung nach Neugersdorf/Sachsen, Hilfsarbeiter in einer Eisengießerei und Textilarbeiter. Seit 1919 in der KJD und ab 1923 der KPD, bis März 1933 Polleiter der KPD-Gruppe in Neugersdorf und Stadtverordneter. Er emigrierte in die âSR, Grenz- und Kuriertätigkeit, ab Oktober 1936 im KPD-Auslandssekretariat in Paris für Kader, Abwehr- und Nachrichtenarbeit zuständig. 1939 interniert, floh er im Oktober 1942 aus dem Deportationslager bei Marseille, war dann in der Emigrationsleitung für Südfrankreich. Ab Mai 1943 in Paris mit dem Aufbau des NKFD im Westen beauftragt, am 21.November 1943 festgenommen, der Gestapo ausgeliefert und nach Dresden überführt, Untersuchungshaft, im März 1945 noch in das KZ Buchenwald gebracht. Bis 1948 Sekretär der KPD/SED Löbau. Im August 1948 wurde Spitzer zum Chef für Politkultur der sächsischen Polizei, einen Monat später in die Deutsche Verwaltung des Innern nach Ost-Berlin beordert. Als »Westemigrant« mußte er im Sommer 1950 im Zusammenhang mit der Noel-H.-Field-Affäre aus dem Innenministerium ausscheiden. Abgeschoben zum Personalleiter in der VVB Energie Bezirk Nord, 1952 durch einen schweren Autounfall Invalide. Alfred Spitzer starb am 14.Oktober 1979 in Ost-Berlin.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Springstubbe, Burkhart

* 17.1.1906 – ✝ 7.10.1966

(* 1906 – † 1966) Geboren am 17. Januar 1906 in Stargard/Pommern, Sohn eines Lehrers. Im Juni 1922 vom Gymnasium verwiesen, weil er kommunistische Propaganda betrieb. Er bekannte sich zum Kommunismus und wurde Mitglied der KPD, woraufhin die Familie mit ihm brach. 1923 hielt er sich einige Zeit in Moskau auf, vermutlich zur Schulung. Danach Redakteur verschiedener KPD-Zeitungen, 1926 jüngster Chefredakteur der »Volkswacht« in Stettin. Springstubbe gehörte zur Linken Opposition und wurde noch 1926 als einer der ersten aus der KPD ausgeschlossen. 1928 hat er in Stargard mit dem Erbe des Vaters ein Zigarrengeschäft eröffnet, blieb Aktivist des Leninbundes in Pommern. Auf Empfehlung von Werner Scholem verließ er Ende 1928 den Leninbund und kehrte in die KPD zurück. Bei Auseinandersetzungen mit den Nazis 1931 in Stargard verhaftet und im März 1932 zu zwei Jahren Festung verurteilt. Dort initiierte er einen Hungerstreik und bekam Kontakt zum Reichswehroffizier Richard Scheringer. Der organisierte Springstubbes Flucht, als die Nazis ihn 1933 nach Haftende nicht entließen, sondern ins KZ bringen wollten; Scheringer schilderte später den Vorgang (»Das große Los« 1959). Nach Emigration in die Schweiz lebte Springstubbe unter schweren Bedingungen illegal in Zürich, wurde 1941 verhaftet, erst gegen Kriegsende freigelassen und legalisiert. Wegen seiner Kritik am Stalinismus ist er 1936 aus der Emigrations-KPD ausgeschlossen worden. Nach dem Krieg ließ er sich zum Lehrer ausbilden und war dann Buchhalter. Er blieb in der Schweiz, hielt Verbindung zu kleinen Gruppen oppositioneller Kommunisten. Burkhart Springstubbe starb am 7. Oktober 1966 in Zürich. Der Trotzkist Walter Nelz hielt am 10. Oktober die Trauerrede für ein »leuchtendes Vorbild« in der »Zeit der Anpassung und Charakterlosigkeit, des Verrats«.

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Stadler, Josef

* 17.7.1906 – ✝ 3.8.1984

Geb. in Settenz (Teplitz, Böhmen / Teplice-Řetenice, Tschechien); Vater Arbeiter; Volks- u. Fortbildungsschule; Lehre u. Arbeit als Tafelglasbläser; Notstandsarb. u. Glasschneider; 1923 KPD; 1925 RFB; ab 1930 Org.-Ltr. der KPD in Brand-Erbisdorf; 1933 Stadtverordn. in Brand-Erbisdorf; 1933 illeg. Arbeit; im Mai 1936 inhaftiert u. im Jan. 1937 vom OLG Dresden wegen »Vorber. zum Hochverrat« zu zwei Jahren u. zehn Monaten Haft verurteilt, Haft im Zuchthaus Zwickau; 1939 – 45 Arbeit als Glas- u. Kunstharzpresser; 1945 Volkssturm; Mai – Juli 1945 sowj. Kriegsgefangenschaft. 1945 Instrukteur der KPD u. Bürgermstr. in Brand-Erbisdorf; 1946 SED; 1946 – 48 OB von Freiberg (Sachsen); 1948/49 1. Sekr. der SED-KL Freiberg; 1949 – 51 erneut OB; 1951 – 53 Studium an der DVA Forst-Zinna; anschl. Oberassistent u. Lehrgangsltr.; 1953 – 57 Vors. des Rats des Bez. Potsdam (Nachf. von  Curt Wach); Mitgl. der SED-BL Potsdam u. ihres Büro; 1957 / 58 Ltr. der Abt. Kader des ZK der SED; 1958 – 60 Vors. des Rats des Bez. Schwerin; Abg. des Bez.-Tags Schwerin (Nachf. von  Wilhelm Bick); Mitgl. der SED-BL u. des Büros der SED-BL Schwerin; 1961 – 74 Ltr. des Sekr. der Volkskammer (Nachf. von Erich Kundermann); 1964 / 65 Sekr. des Arbeitskrs. zur Pflege der dt. Kultur u. Sprache bei der Liga für Völkerfreundschaft; 1956 u. 1976 VVO.Andreas Herbst

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Stahlmann, Richard

* 15.10.1891 – ✝ 25.12.1974

Geboren am 15. Oktober 1891 in Königsberg als Arthur Illner, Sohn eines Zimmermanns; lernte Tischler. 1911/12 Militärdienst, von 1914 bis 1917 Soldat im Weltkrieg, geriet in britische Kriegsgefangenschaft. Danach wieder Zimmermann, trat 1919 in die KPD ein, gehörte der BL Ostpreußen an und wurde dort 1923 Leiter des AM-Apparats. 1924 emigrierte er in die Sowjetunion, erhielt die sowjetische Staatsbürgerschaft und wurde Mitglied der KPdSU(B). Einer militärpolitischen Ausbildung 1924/25 an einer Komintern-Schule in Moskau folgten illegale Einsätze als Mitarbeiter der GRU, u. a. in der ?CSR und in Frankreich. Nach der Amnestie 1928 kehrte er im August mit seiner ebenfalls in die Sowjetunion geflüchteten Lebensgefährtin Erna Hackbarth nach Deutschland zurück. Im AM-Apparat tätig, 1931/32 Kursant der Internationalen Leninschule in Moskau, anschließend im illegalen Balkanbüro der Komintern in Berlin Sekretär von Georgi Dimitroff. 1933/34 Einsatz in China, Mitorganisator des Kantoner Aufstandes und danach wieder in Moskau. Als Angehöriger der Internationalen Brigaden in Spanien trug er den Decknamen Richard Stahlmann, unter dem er fortan in der KPD tätig war. Von 1938 bis 1940 Sekretär des Balkanbüros in Paris, von 1940 bis 1942 ZK-Instrukteur und mit Herbert Wehner und Karl Mewis in der Leitung der illegalen KPD-Landesleitung in Schweden, hielt sich bis Kriegsende in der Nähe von Stockholm versteckt. Im Januar 1946 kehrte Stahlmann nach Deutschland zurück, zuständig für den Aufbau der Polizei in Mecklenburg. Ab Mai 1946 Leiter in der Abteilung Organisation des ZS der SED, 1948 Leiter der geheimen Abteilung Verkehr, der Westkommission im PV bzw. ab 1950 dem ZK der SED. Als Spezialist für Grenzschleusungen von Personen und Material, war er an Spezialkommandos beteiligt, die Entführungen vornahmen (u. a. Kurt Müller, Fritz Sperling). Unter Leitung von Anton Ackermann aktiv bei der Schaffung des APN, dem Vorläufer der Hauptverwaltung Aufklärung (HV A) des MfS. Ab 1952 mit dem Dienstgrad Oberst Leiter verschiedener Arbeitsgruppen, bis 1960 in der Hauptabteilung Kader und Schulung des MfS. Er erhielt 1966 den Karl-Marx-Orden. Richard Stahlmann starb am 25. Dezember 1974 in Ost-Berlin. Stahlmanns Brüder Walter (* 11. 12. 1900 – †2.7. 1971) und Willi ( * 20. 9. 1905 – † 1937) waren Funktionäre der KPD in Königsberg, Willi Illner im AM-Apparat, Kursant (Schuldeckname Artur) eines Lehrgangs an der M-Schule der Komintern. Ab 1933 Kurier des ZK, er wurde 1937 verhaftet und soll sich aus dem Fenster gestürzt haben. Walter Illner wurde später FDGB-Kreisvorsitzender in Angermünde. Richard Stahlmanns Frau Erna Stahlmann, geborene Hackbarth (* 26. 2. 1896 – † 14. 11. 1967), Buchhalterin, seit 1919 in der KPD, war Stenotypistin bei der »Roten Fahne«, zeitweise Sekretärin von Wilhelm Pieck. Im Sommer 1923 mit dem Aufbau von »Partisanengruppen« betraut, im August 1924 in Moskau Stenographin beim EKKI, später in der sowjetischen Handelsvertretung in Berlin, dann Redakteurin der »Balkan-Korrespondenz«. Im März 1933 verhaftet, flüchtete sie nach Wien, später nach Paris, dort im Auftrag von Georgi Dimitroff an einer Zeitung tätig. Am 14. April 1943 festgenommen, nach Berlin überführt, konnte sie im August 1943 nach einem Bombenangriff fliehen und sich bis Kriegsende verstecken. Ab 1946 war sie Mitarbeiterin im SED-Pressedienst, bzw. Referentin in der Abteilung Werbung, Presse, Rundfunk des SED-PV.Michael F. Scholz / Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Staimer, Richard (Egon)

* 25.1.1907 – ✝ 24.10.1982

Geb. in München; Vater Gewerkschafts- sekr.; Volksschule; 1920 Freie proletar. Kindergr.; 1922 – 25 Ausbildung zum Fliesenleger; 1925 – 31 im Beruf tätig, 1927 – 29 Wanderschaft; 1922 – 25 KJVD; 1923 DMV; 1923 im M-Apparat der KJVD; Mitgl. der KJVD-BL Nord-Bayern; 1925 KPD; 1929 Sekr. des KPD-UB Nürnberg-Johannis; 1929/30 in der Schweiz u. Österreich im Beruf tätig; 1930 Ausweisung aus Österreich wegen pol. Tätigkeit; in Nürnberg Ltr. der Zersetzungsarbeit in der Polizei u. der Reichswehr im M-Apparat; Bez.-Vors. des Dt. Bauarbeiterverb.; später Funktionen in der RGO; 1931 Kursant der Militärpol. Schule der KI in Moskau; Nov. 1931 –Okt. 1932 Gaultr. des illeg. RFB Nordbayern; zugl. Ref. u. Instrukteur der KPD-BL; dann bis Febr. 1933 illeg. pol. Tätigkeit in Berlin; Juni 1933 wegen Hochverratsanklage Emigr. in die UdSSR; 1933 – 36 Schüler an der KUNMZ; (»Egon«); Okt. 1936 – 38 Teiln. am Bürgerkrieg in Spanien, Dez. 1936 – Febr. 1937 Kdr. des Thälmann-Bat. bzw. der XI. Internat. Brigade, »General Hoffmann«, Major; 1937 KP Spaniens; Ende Jan. 1938 Rückkehr nach Moskau; danach ab Febr. 1939 Einsatz außerhalb der Sowjetunion; März/April 1939 Paris; ab Ende April 1939 illeg. in der Schweiz; ab Juni 1939 Ltr. des Grenzpunktes in Basel u. Mitgl. der Gebietsltg. der KPD; 7. – 21.12.1939 U-Haft, Freilassung gegen Kaution; Behandlung eines Magengeschwürs im Krankenhaus, weitere Verhaftungen u. Krankenhaus- bzw. Sanatoriumsaufenthalte in St. Gallen; Anf. 1941 in der Sonderfahndungsliste »UdSSR« der Gestapo erf.; Febr. – Mai 1941 Arbeitslager Baumgarten; Apr. 1941 sowj. Staatsbürgerschaft; Ausreise nach Italien; 4.7. 1941 mit dem Personal der sowj. Botschaft in die UdSSR; ab Aug. 1941 militär. Spezialausbildung in der Nähe von Moskau; Überführung in die KI-Schule in Kuschnarenkowo; Ende 1941 Abberufung wegen »Verletzung der konsp. Regeln u. Schwächen«; Febr. 1942 Abschl. der Parteiuntersuchung ohne Maßregelung; Tätigkeit in einem Baubetrieb in Ufa; nach »Bewährung« auf Beschluß der KPD-Führung im Mai 1943 erneute Einbeziehung in die »Parteiarbeit«; ab Mai 1943 kurzz. Instrukteur im Kriegsgefangenenlager für Offz. Nr. 97 in Jelabuga; 1943 Abberufung durch das NKWD u. Rückversetzung nach Ufa; Sommer 1945 Besuch eines pol. Lehrgangs in der Nähe von Moskau. Juli 1945 Rückkehr nach Dtl.; Ltr. der Polizeiinspektion Berlin-Prenzlauer Berg; 1946 SED; April 1946 – 50 Chef der Landespolizeibehörde Brandenb. in Potsdam, Chefinspekteur; 1947 – 54 verh. mit  Eleonore St., geb. Pieck; 1950/51 militär. Sonderlehrgang in Privolsk (UdSSR); 1951/52 Kdr. der VP-Bereitschaft Leipzig, Gen.-Inspekteur; 1952 – 54 stellv. GD der Reichsbahn, verantw. für Kaderarbeit; Mai 1954 stellv. Minister für Verkehrswesen; Jan. 1955 – Febr. 1963 Vors. des Zentralvorst. der GST (Nachf. von  Arno Berthold); 1955 Mitgl. des ZR der FDJ; 1955 – 65 Mitgl. des NR der NF; 1960 Gen.-Major der Reserve; ab 1963 Mitgl. des Solidaritätskomitees für das span. Volk; 1966 – Okt. 1969 Ltr. der militär. Abt./HA-Ltr. für militär. Ausbildung im Staatssekr. bzw. Min. für HFS-Wesen; 1967 VVO; 1969 Versetzung in die Reserve; 1.10.1969 Rentner; 1977 KMO; gest. in Berlin.Peter Erler / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Stam, Mart

* 5.8.1899 – ✝ 23.2.1986

Geb. in Purmerend (Niederl.); Vater Steuereinnehmer; Tischlerlehre; 1917 – 19 Reichsnormalschule für Zeichenunterricht Amsterdam; 1919 – 28 Arbeit in diversen Architekturbüros in den Niederl., Dtl. u. der Schweiz; ab 1923 Red. der Architekturztschr. »ABC«; 1920 sechs Mon. Haft wegen Wehrdienstverweigerung; 1928 – 29 Gastdoz. am Bauhaus Dessau, entwickelte u. a. als erster einen »Freischwinger«-Stuhl (Kragstuhl); 1930 – 34 als einer der ersten ausländ. Architekten gem. mit Brigade May in der UdSSR; 1934 Gründung eines Architekturbüros; 1939 – 48 Dir. des Instituut voor Kunstnijverheidsonderwijs Amsterdam; 1945 Mithrsg. von Architekturztschr. in den Niederl. 1948 – 50 Rektor der HS für Bildende Künste Dresden u. Rektor der HS für Werkkunst Dresden; 1950 – 52 Rektor HS für angewandte Kunst Berlin-Weißensee, des »Formalismus« bezichtig u. suspendiert; 1953 Rückkehr nach Amsterdam; Arbeit in einem Architekturbüro; 1955 selbst., lebte ab 1966 in versch. Orten der Schweiz; gest. in Goldach (Schweiz). 1995 Gründg. der M.-St.-Gesell. als Förderverein der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, seit 1998 wird jährl. der M.-St.-Förderpreis für die besten Abschlußarbeiten vergeben.Hain, S.: ... spezifisch reformistisch bauhausartig ... mart stam in der ddr 1948 – 52. Hrsg. vom Inst. für Regionalentw. u. Strukturplanung. (Beiträge zur Baugeschichte der DDR, 1. Forschungsbericht, Berlin o. J. (um 1992).Anke Scharnhorst

Wer war wer in DDR

Stammnitz, Lothar

* 1.11.1927 – ✝ 27.7.2006

Geb. in Görlitz; Vater Fleischer; 1934 – 42 Volksschule; 1942 – 44 Lehre als Feinoptiker; 1944 RAD; 1944 / 45 Wehrmacht; 1945 / 46 amerikan. Kriegsgef. 1946 – 48 Lehre als Feinoptiker; 1946 FDJ, KPD / SED; 1949 – 51 Ltr. der Abt. Wirtschaft in der SED-KL Görlitz; 1952 Lehrgang an der SED-LPS Meißen; 1953 – 57 1. Sekr. der SED-BPO im VEB Lokomotiv- u. Waggonbau Görlitz; 1955 – 63 Fernstudium an der SED-PHS, Dipl.-Gesellschaftswiss.; 1957 – 59 Sekr. für Wirtschaft der SED-KL Görlitz; 1959 – 61 Ltr. der Abt. Wirtschaft der SED-BL Dresden; 1961 – 64 1. Sekr. der SED-KL Dresden-Land; 1964 – 89 2. Sekr. der SED-BL Dresden; 1977 VVO; 1981 – 89 Mitgl. des ZK der SED. Im Mai 1993 vom LG Dresden wg. »Anstiftung zur Wahlfälschung« zu einer Geldstrafe von 1500 DM verurteilt; nach Revision der Staatsanwaltschaft im Aug. 1995 durch die 4. Große Strafkammer des LG Dresden zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten auf Bewährung verurteilt; gest. in Görlitz.Mario Niemann

Wer war wer in DDR

Stange, Siegfried

* 18.3.1933

Geb. in Leipzig; Vater Kraftfahrer; Grundschule; 1947 – 52 Berufsschule, Lehre u. Arbeit als Elektromaschinenbauer; 1952 – 56 Dienst in der KVP bzw. NVA; 1954 SED; 1956 – 58 polit. Mitarb. der SED-Stadtbezirksltg. Leipzig-Mitte; 1958 – 61 Studium an der Ing.-Schule für Schwermaschinenbau u. Elektronik in Leipzig, Ing.-Ökonom; 1961 – 63 Ass. des Werkleiters u. Sekr. der SED-BPO im VEB Starkstromanlagenbau Leipzig; 1963 – 65 polit. Mitarb. der SED-BL Leipzig; 1965 – 68 Studium an der PHS der KPdSU in Moskau, Dipl.-Gesellschaftswiss.; 1968 – 72 polit. Mitarb. des ZK der SED; 1972 – 89 Sekr. für Wirtschaft der SED-BL Erfurt; ab 17. November 1989 2. Sekr. der SED-BL Erfurt; 1974 VVO.Mario Niemann

Wer war wer in DDR

Stark, Otto

* 2.4.1922

Geb. in Wien in einer jüd. Fam.; Vater Hutmacher; Volksschule; Hutmacherlehre; beim Nazi-Einmarsch in Österreich wurde die gesamte Familie verhaftet, Eltern, Bruder u. fast alle übrigen Verwandten sind im KZ Auschwitz umgekommen; O. S. konnte 1938 fliehen u. nach Großbritannien emigrieren; Landw.-, später Bäckerlehre; daneben Schauspielunterricht; 1940 interniert, dort Mitgl. einer Theatergr.; ab 1942 Schauspieler im österr. Exiltheater »Das Laterndl« in London. 1946 Rückkehr nach Wien, Schauspielprüf. u. am »Theater der 49« in Wien; 1949 Übersiedlg. in die DDR; als Schauspieler in Dresden u. Berlin; 1952 SED; gründete 1955 das Kabarett »Die Herkuleskeule« in Dresden; wechselte 1960 zur »Distel« in Berlin; von 1968 – 90 deren Dir., dann altershalber ausgeschieden; in vielen Programmen Regie u. Darsteller; daneben Film- u. Fernsehrollen; auch seine Frau Ilse Maybrid u. ihre Tochter Myriam S. waren als Kabarettistinnen an der »Distel«; 1979 Banner der Arbeit; 1981 NP; 1985 Goethepreis der Stadt Berlin. Seit 1990 Auftritte zunächst mit den »Distel-Oldies«, später mit Soloprogr.; 2008 CD »Berliner Temperament u. Wiener Schmäh« (mit Ilse Maybrid St.)Unterhaltungskunst A– Z. Berlin 1975; Otto, R., Rösler, W.: Kabarettgeschichte. Berlin 1977; Zimmermann, K.: O. S. – Plädoyer für einen Komödianten. In: Kassette 1. Berlin 1977; Friedrich, D.: Messeschlager Gisela. In: Berliner Ztg., 12.4.1999.Gisela Winkler