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BioLex

In der Kategorie BioLex finden Sie drei biografische Lexika mit über 5500 Personeneinträgen.

 

Das Handbuch "Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945" wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam. Kurzbiografien zu Personen des poltischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 vor. Zudem ist das Onlinlexikon www.dissidenten.eu komplett in dieser  Rubrik recherchierbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Inforamtionen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Selbmann, Erich

* 2.9.1926 – ✝ 29.4.2006

Geb. in Lauterbach (Hessen); Vater  Fritz S.; wg. des frühen Todes der Mutter u. KZ-Haft des Vaters aufgew. bei Freunden in Oberschlesien; Volksschule in Hindenburg/OS, 1941-44 Lehrerbildungsanstalt in Neisse/OS; antifasch. Arbeit in einer dt.-poln. Widerstandsgruppe; 1944/45 Wehrmacht; sowj., später poln. Kriegsgefangenschaft. 1946 Rückkehr nach Dtl.; KPD/SED; Sonderreifeprüfung an der Univ. Leipzig (Vorstudienanstalt); 1946 – 48 hier Studium der Publizistik; 1948 – 52 Red., Reporter, Kommentator beim Mitteldt. Rundfunk Leipzig; 1952 Red.-Ltr. beim Staatl. Rundfunkkomitee; 1953 – 55 Chefred. des Dtl.-Senders; 1952 – 90 Mitgl. im VDJ, 1959 – 78 seines ZV; 1955 – 58 Studium an der PHS der KPdSU in Moskau, Dipl.-Ges.-Wiss.; 1958/59 Intendant des Berliner Rundfunks (Nachf. von  Theo Grandy); 1959 – 64 Sekr. für Agit./Prop. der SED-BL Berlin (Nachf. von  Erich Hönisch); 1964 – 66 Auslandskorrespondent des Rundfunks u. der »Berliner Ztg.« in Moskau; 1966 – 78 Chefred. der »Aktuellen Kamera«; Ltr. der Gruppe Nachrichtenaustausch der Intervision; 1969 VVO; 1978 – 89 stellv. Vors. des Staatl. Komitees für Fernsehen u. Ltr. des Bereichs Dramat. Kunst; Autor von Fernsehspielen u. Filmen; 1978 – 89 Mitgl. des Verb. der Film- u. Fernsehschaffenden; 1986 NP; 1990 Vorruhestand; gest. in Berlin.Der Degen des großen Korsen. Berlin 1973; DFF Adlershof: Wege übers Fernsehland. Berlin 1998; Lebensworte. Berlin 2003.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Selig, Arthur

* 27.1.1898

Geboren am 27. Januar 1898 in Schönfeld/ Pommern, Sohn einer Arbeiterfamilie. Er wurde Chauffeur, trat 1920 der USPD und 1922 der KPD bei. Ab 1929 in den AM-Apparat übernommen, Selig war direkt für Hans Kippenberger tätig. Im Januar 1933 in Berlin verhaftet, kam ins KZ, dort im Juli 1934 freigelassen, flüchtete nach Prag und wurde Abwehrleiter der »Gesamtemigration in der Tschechoslowakei«. Im Oktober 1935 in die Sowjetunion delegiert, arbeitete Selig in Moskau nur als Kraftfahrer in einem Transportbetrieb. Er wurde am 18.Februar 1938 vom NKWD verhaftet, danach sofort aus der KPD ausgeschlossen und am 23. Dezember 1940 zu fünf Jahren Lager verurteilt. Im Juli 1946 zwar entlassen, aber ins Gebiet Irkutsk verbannt, wo Arthur Selig starb.

Wer war wer in DDR

Sello, Wolfram (»Tom«)

* 15.10.1957

Geb. in Meißen; Eltern Inh. eines selbst. Handwerksbetriebs, Vater Hutmachermeister; 1964 – 74 POS u. EOS in Großenhain, anschl. bis 1977 Berufsausbildung mit Abitur als Baufacharbeiter in Riesa; 1977 – 79 NVA; wg. Ablehnung des NVA-Reservedienstes nicht zum Direktstudium zugelassen; 1979 – 89 Maurer in Berlin; 1987 – 90 Fernstudium Ingenieurbau; 1990 zunächst Meister Bauhauptgewerke; ab Mai Red. beim BasisDruck Verlag (bis 1991); seit 1980 Mitarb. in versch. opp. Zusammenhängen, u. a. in Friedens- u. Ökologiegruppen, Mitorg. von Fahrraddemonstrationen in Berlin; 1982 Verbreitung von Flugblättern gegen Militarisierungsprozesse in der DDR; seit Ende 1987 in der Umwelt-Bibliothek Berlin; im Okt. 1989 Mitorg. der Mahnwache in der Gethsemanekirche Berlin zugunsten der polit. Gefangenen; 1988 – 93 Red. bei der Samizdat-Ztschr. »Umweltblätter« bzw. beim Nachfolgeblatt »telegraph«; vom MfS erfaßt im OV »Entwurf«; im Sept. 1990 beteiligt an der Mahnwache bzw. Besetzung der ehem. MfS-Zentrale Berlin zur Durchsetzung der Sicherung u. Öffnung der MfS-Aktenbestände. 1990 – 92 Mitgl. des Beirats der Wochenzeitung »Die ANDERE«; seit 1990 Gründung u. Aufbau des Matthias-Domaschk-Archivs in der Umwelt-Bibliothek Berlin; 1993 Überleitung des Domaschk-Archivs in die Robert-Havemann-Gesell. (RHG); seit 1993 Mitarbeiter der RHG für Archiv, Öffentlichkeitsarb., polit. Bildung u. Forsch., Chefred. des Multimedia-Projekts www.jugendopposition.de, ab 2007 Ltr. des Ausstellungs-, Veranstaltungs- u. Publikationsprojekts »Friedl. Rev.«; seit 1998 Mitgl. im Fachbeirat Archive der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.Gegen die Verdrängung im eigenen Kopf. Reader zur Oppositionskonferenz vom 5.11.1994 im Haus der Demokratie. Berlin 1995 (mit G. Hildebrand); Für ein freies Land mit freien Menschen. Opposition u. Widerstand in Biogr. u. Fotos. Berlin 2006 (Hrsg., mit I.-S. Kowalczuk); Samisdat in Mitteleuropa. Dresden 2007 (Mithrsg.). »Vergilbtes macht Karriere« – Berliner Morgenpost 16.6.2005; Johannes Mundo / Christoph Ochs: Erich u. die »Diskutierer«. SPIEGEL ONLINE, 28.9.2007.Arno Polzin, Jg. 1962; 1978 – 90 Facharbeiterausbildung und Arbeit als Werkzeugmacher; 1982 – 84 Bausoldat in der NVA; 1984 – 89 Technologie-Fernstudium an der Fach- / Hochschule für Maschinenbau und Elektrotechnik Berlin; 1990 Mitarbeit im Bürgerkomitee zur Kontrolle der Auflösung der Staatssicherheit Berlin; seit 1990 in verschiedenen Positionen bei dem / der BStU in Berlin, seit 2003 dort Mitarbeiter in der Abt. Bildung und Forschung.

Wer war wer in DDR

Semrau, Jens

* 28.11.1951

Geb. in Mahlow; Vater Finnougrist, Mutter Prosaautorin; aufgew. in Rangsdorf (b. Berlin); 1970 Abitur in Ludwigsfelde; 1972 – 76 Studium der Kunstgeschichte/Kunstwissenschaft an der HU Berlin; 1976 Diplom; 1976 – 78 wiss. Mitarb. in der Kleinplastiksammlung Kloster Unser Lieben Frauen Magdeburg; 1978 – 80 freiberufl. Arbeit; halbtags als Mitarb. des VBK, Sekt. Kunstwiss. tätig; 1980 – 83 Aspirantur an der HU Berlin; 1985 Prom. ebendort; 1984 – 86 freiberufl. Arbeit in Berlin; ab Okt. 1986 wiss. Mitarb. am Inst. für Ästhetik u. Kunstwiss. der AdW der DDR. 1992 – 93 Projektförderung im Rahmen des Wissenschafts-Integrations-Programms (WIP-HEP); seit 1993 Lehrauftrag zu Kunsttheorie u. zeitgenöss. Kunst in Berlin an der Kunst-HS Berlin-Weißensee; ab 1998 Lehrauftrag zur Kulturgeschichte an der FH für Technik u. Wirtschaft Berlin; seit 1998 freiberufl. Arbeit am Projekt »Der Künstleranspruch u. die Kunstverhältnisse« zur Geschichte der Kunst-HS Berlin-Weißensee; zahlr. Ausstellungskonzepte, Texte zu Eröffnungen, Texte für Ztschr., Künstlerkat. u. Graphikmappe.u. a.: Egmont Schäfer. Aquarelle u. Zeichnungen aus 6 Jahrzehnten. Berlin 1991; Durchs dunkle Dtl.: Hrsg. von Gerhard Marcks-Briefwechsel 1933 – 1980, Leipzig 1995; Zensur in der DDR – Reflexionen u. Erfahrungen. In: Kritische Berichte, Ztschr. für Kunst- u. Kulturwissenschaften, (1995) 4; Keine ASSO! Fritz Duda u. die »Arbeitsgemeinschaft der in der SED organisierten Künstler« In: Kunstdokumentation SBZ/DDR 1945 –1990., Hrsg. von G. Feist, E. Gillen u. B. Vierneisel, Köln 1996; Die abgebogene Moderne, In: Zwei Aufbrüche. Symposion der Kunsthochschule Berlin-Weißensee (Hrsg. von S. D. Sauerbier). Berlin 1997; Was ist dann Kunst? Berlin 2004.Anke Scharnhorst

Wer war wer in DDR

Sepke, Otto

* 22.8.1910 – ✝ 13.3.1997

Geb. in Stettin (Szczecin, Polen); 1917 – 25 dort Volksschule; 1925 – 29 Auszubildender in einer Stettiner Druckerei; 1930/31 Druckereigehilfe; 1927 KPD; 1928 – 33 KJVD Pommern; 1933 »Schutzhaft« im KZ Sonnenburg; illeg. pol. Arbeit, aktiv im illeg. KJVD Pommern; half  Hermann Matern u. a. bei der Flucht aus dem Gefängnis; 1934/35 Erdarb. beim Autobahnbau; Sept. 1935 verhaftet, 1935 – 45 Haft, 1939 – 45 im KZ Buchenwald. 1945 – 48 1. Sekr. des SED-KL Greifswald; 1946 – 48 Stadtverordn. in Greifswald; Vors. der KPKK der SED Greifswald; 1949/50 1. Vors. der LPKK der SED in Mecklenb.; Okt. 1950 Abg. der Volkskammer; 1950 – 52 hauptamtl. Mitarb. der ZPKK der SED in Schwerin; 1950 – 54 Kand. der ZPKK der SED; ab 1952 Mitarb. des ZK-Apparats der SED in Berlin; 1954/55 PHS des ZK der KPdSU in Moskau; 1954 – 73 Mitgl. der ZPKK der SED; 1969 VVO; 1973 Rentner; Ehrenspange zum VVO; 1976 KMO; 1990 PDS; gest. in Berlin.Niethammer, L. (Hrsg.): Der gesäuberte Antifasch. Berlin 1994.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Seß, Karl

* 1.4.1855 – ✝ 19.11.1939

Geboren am 1. April 1855 in Grevesmühlen/ Mecklenburg, Sohn eines Schusters; lernte selbst Schuster, ging auf Wanderschaft, leistete seinen Militärdienst und trat 1879 in die SPD ein. Während des Sozialistengesetzes einige Wochen inhaftiert, gehörte Seß, der in Güstrow als Schuhmacher, Händler und Fabrikarbeiter tätig war, zu den Mitbegründern der SPD-Ortsgruppe. Er war Vertrauensmann der SPD in Mecklenburg und kandidierte 1898 im Wahlkreis Mecklenburg-Schwerin erfolglos zum Reichstag. 1905 übersiedelte er nach Hamburg, war dort ebenfalls Schuhmachermeister und lebte seit 1915 in Hamburg-Bergedorf. 1919 Mitglied der USPD, ging Seß Ende 1920 mit der Mehrheit der Hamburger USPD-Organisation zur KPD. Von 1920 bis 1927 Abgeordneter der Hamburger Bürgerschaft, zunächst für die USPD, dann für die KPD. In den Jahren bis 1933 war er Bürgervertreter und Mitglied des Landesausschusses in Bergedorf. Karl Seß starb am 19. November 1939 in Hamburg.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Seyfried, Rudolf

* 29.6.1897 – ✝ 29.3.1949

Geboren am 29. Juni 1897 in Frankenthal/Pfalz, Sohn eines Stuhlmachers; lernte Schuhmacher. Der Vater, ein freireligiöser Sozialdemokrat, erzog ihn im sozialistischen Sinne. 1916 zur Infanterie eingezogen, erlitt eine schwere Verwundung am Bein. Nach dem Krieg ließ er sich in Mannheim nieder. Ab 1918 Mitglied der USPD, kam Seyfried mit deren linkem Flügel 1920 zur KPD und übte ehrenamtliche Funktionen aus. Bei der Reichsbahn beschäftigt, die ihn 1923 aus politischen Gründen entließ. Als Anhänger der Linken wurde er nach der Übernahme der Parteiführung durch die Linken 1924 Mitglied der BL Baden und im Mai 1924 Chefredakteur der Mannheimer »Arbeiter-Zeitung«. Im Sommer 1925 mit dem Aufbau des RFB in Baden betraut, war er bis 1927 Leiter des RFB und Mitglied der BL Baden. Als enger Mitarbeiter von Georg Kenzler und Jakob Ritter 1927 mit diesen aus der KPD ausgeschlossen, wurde Seyfried 1928 Mitbegründer des Leninbundes, den er in Baden gemeinsam mit Ritter leitete. In einer Mannheimer Schuhfabrik als Betriebskontrolleur beschäftigt. Nach dem Übertritt Ritters zur SAP 1932 war er bis 1933 Polleiter des Leninbundes in Baden. 1933 beinamputiert, lebte er nun als Kriegsrentner und arbeitete mit der SAP und anderen Widerstandsgruppen zusammen. 1934 übersiedelte Seyfried nach Scheringen/Odenwald, erwarb eine Mühle und ein Sägewerk. Wegen illegaler Tätigkeit im September 1944 verhaftet, im Dezember schwerkrank entlassen (Frau Seyfried war aus dem gleichen Grunde von September 1944 bis Februar 1945 inhaftiert). 1945 wieder Mitglied der KPD, Kreisrat in Mosbach, nach erneuten Differenzen mit der KPD seit 1947 in der Partei nicht mehr aktiv. Rudolf Seyfried starb am 29. März 1949 in Scheringen.

Wer war wer in DDR

Sicker, Alfred

* 2.12.1913 – ✝ 8.10.1949

Geb. in Berlin; Vater Arbeiter; Volksschule; 1928 – 33 Arbeit als Archivar u. Bibliothekar beim ZdA; 1928 – 32 SAJ u. SPD, ab März 1932 SAP; 1933 – 37 arbeitslos; illeg. Arbeit; 1937 – 39 Arbeit bei Osram-Glühlampen; 1939 – 43 Wehrmacht; Juli 1943 Übertritt zur Roten Armee, NKFD; in Abwesenheit durch ein dt. Feldstrafgericht wg. Desertion zum Tode verurteilt; Jan. – April 1945 Besuch der Antifaschule Nr. 27 Krasnogorsk. Juli 1945 Rückkehr nach Dtl.; KPD, 1946 SED; ab Aug. 1945 Red. der KPD-Ztg. »Volkswille«, ab 1946 stellv. Chefred.; Juni – Okt. 1949 Chefred. der SED-Ztg. »Märkische Volksstimme« in Potsdam (Nachf. von Ernst Berends).Kirsten Nies

Wer war wer in DDR

Siebert, Hans (Johannes Georg)

* 20.7.1910 – ✝ 7.4.1979

Geb. in Niedervellmar (b. Kassel); Vater Landarb., später Postschaffner; Volksschule, Realgymnasium u. Oberrealschule; Studium an der Pädagog. Akad. Kassel; 1931 KPD; 1930 – 32 Volksschullehrer in Kassel, Febr. 1933 entlassen; Pol.-Ltr. des KPD-Bez. Hessen-Nassau; April 1933 verhaftet, 1934/35 Zuchthaus Kassel-Wehlheide u. KZ Lichtenburg; Okt. 1936 Emigr. nach England; Sekr. der Freien Dt. HS; Heirat mit Priscilla Ann Thornycroft, der Schwester von Hermann Fields Ehefrau; 1940 Internierung auf der Isle of Man; 1945 – 47 verantw. für die Rückführung der KPD-Emigranten u. ab 1946 Pol.-Ltr. der KPD-Gr. in Großbritannien. Sept. 1947 Rückkehr nach Dtl.; Hauptref. für Schul- u. Erziehungsfragen in der Abt. Parteischulung, Kultur u. Erziehung beim ZS der SED; Dez. 1948 Ltr. der Schulabt. in der Dt. Verw. für Volksbildung; Sept. 1949 Gründungsdir. des Dt. Pädagog. ZI; 1950 Ltr. der HA Unterricht u. Erziehung des Min. für Volksbildung, entlassen wegen seiner »Westemigration« (u. seiner familiären Verbindung zu Hermann u. Noel Field); danach freier Verlagsmitarb.; 1952 Prof. für Pädagogik u. 1953 Dir. des Pädagog. Inst. Dresden; 1954 – 79 Vors. des DSF-Bez.-Vorst. Dresden; 1960 – 75 Prof. mit Lehrauftrag für Berufspädagogik an der TU Dresden; 1970 Ord. Mitgl. der APW u. Dr. paed. h. c.; 1975 VVO; gest. in Dresden.Was sind Märchen? Berlin 1952; Diesterweg. Berlin 1953. Schilfert, S.: Findbuch zum wiss. Nachlaß des Pädagogen H. S. (1910 – 1979). Berlin 1993.Gert Geißler / Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Sieckmann, Hartmut

* 19.8.1943

Geb. in Bautzen; Vater Jurist; Mutter Hausfrau; 1950 – 60 Grund- u. Mittelschule in Weimar; 1960 – 63 Ausbildung zum Werkzeugmacher im VEB Feingerätewerk Weimar; 1961 – 63 an Abendschule der VHS Weimar Abitur; 1963 – 69 Maschinenbau-Studium an der TU Dresden, 1969 Dipl.-Ing.; 1970 – 89 Projektierungsing. beim VEB Robotron in Weimar, 1975 – 87 zugleich Kombinatsbeauftr. für Umweltschutz u. Wasserwirtsch.; 1984 – 86 Postgradual. Studium als Faching. für Reinhaltung der Luft an der TH für Chemie Merseburg; 20.1.1990 Mitbegr. der FDP in Thür. u. 12.8. 1990 – 98 Mitgl. des Landesvorst. u. 1990 – 94 stellv. Landesvors. der FDP Thür.; 1990 FDP-Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Thür. 1990 – 94 Mitgl. des Thür. Landtags; Okt. 1990 – Nov. 1994 Staatsminister für Umwelt u. Landesplanung unter den Ministerpräs.  Josef Duchač u. Bernhard Vogel; bis 1994 Mitgl. des FDP-Bundesvorst., dort bis 2007 stellv. Vors. des Aussch. für Umwelt; 1994 Prokurist bei der Fa. Rena in Weimar; Prokurist bei der Fa. Polymer Engineering in Rudolstadt-Schwarza; seit 2004 Vorstandsvors. der Vereinigung ehem. Abg. des Thür. Landtags; 2008 Ruhestand; lebt in Weimar.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Siegel, Horst

* 4.5.1934

Geb. in Lampersdorf (Riesengeb., ČSR / Lampertice, Tschechien); 1951 – 53 Studium an der ABF in Weimar, 1953 – 59 Studium an der HAB Weimar, Dipl.-Ing.; 1959 – 64 wiss. Mitarb. am Lehrstuhl Industriebau u. Entwerfen; 1963 Prom. zum Dr.-Ing.; 1964/65 u. bis 1967 als Hauptarchitekt bzw. Stellv. des Chefarchitekten für den Aufbau der Chemiearbeiterstadt Halle-Neustadt (Chefarchitekt  Richard Paulick), dort Planungen für die Wohnkomplexe III u. IV, Zentrum u. Gewerbestättengebiete; 1964/65 Mitw. an der Gestaltungskonzeption für den Thälmann-Platz in Halle; 1967 – 85 Chefarchitekt der Stadt Leipzig u. Ltr. des kommunalen Planungs- u. Architekturbüros; 1968 Gestaltungskonzeption für die Messemagistrale »Straße des 18. Okt.« in Leipzig; 1968/69 städtebaul. Lösung u. architekton. Grundkonzeption für das Univ.-Hochhaus (mit  Hermann Henselmann, A. G. Gross, H. Ullmann); 1968 – 70 Ltg. der Gen.-Bebauungsplanung für die Messestadt Leipzig; 1971 Entwurfskonzeption Leipziger Messe; 1973 – 76 Gen.-Bebauungsplan für die Stadtregion Leipzig; 1974 – 79 städtebaul. Gesamtplanung für die Großwohnsiedlung Leipzig-Grünau mit etwa 100.000 Einw.; 1972/73 Gestaltung des nördl. Promenadenrings u. von Fußgängerzonen im Stadtzentrum; bis 1985 Umgestaltungsplanung für Leipzig-Ostvorstadt u. andere Altbaugebiete; 1975/76 städtebaul.-architekton. Konzeption für das Neue Gewandhaus (mit  R. Skoda); 1978/79 städtebaul. Planung des Wohngebiets Paunsdorf / Engelsdorf in Leipzig für 50.000 Einw.; 1971, 1973 u. 1975 Planungs- u. Beratertätigkeit in Bamako (Mali), 1972/73 in Brno (ČSSR); 1969 – 85 Honorarprof. an der TU Dresden für das Lehrgeb. Generelle Stadtplanung u. Gen.-Bebauungsplanung; 1981 NP; 1985 – 91 Prof. an der HAB Weimar, Lehrstuhl Industriebau u. Entwerfen, Problemstudie Industriebrachen in Thür. 1991 Entwurf u. Planungskonzeption für das Technologiezentrum Jena (mit F.-P. Trzebowski); ab 1991 freier Architekt in Weimar; 1995 – 2000 Ltr. des Büros Dorsch Consult in Erfurt; seit 2000 im Ruhestand.Simone Hain

Wer war wer in DDR

Sielaff, Frithjof

* 23.3.1918 – ✝ 15.3.1996

Geb. in Kassieck (Altmark); Vater Pfarrer; Gymnasium; als Mitgl. des Ev. Jugendwerks 1933/34 in die HJ übernommen, Ausschl. 1935; Studium der Geschichte, Roman. u. Skandinav. Philol. in Greifswald, Berlin u. München; 1943 bei Adolf Hofmeister Prom. mit einer Arbeit über Knut den Großen. 1954 ebenfalls bei Adolf Hofmeister Habil. mit einer Arbeit über das Bewußtsein vom Fränk. Reich nach dem Untergang der Karolinger u. die Anfänge der otton. Italienpol., auf Betreiben von SED-Historikern wurde die Arbeit für den internat. Leihverkehr gesperrt; 1954/55 Lehrveranstaltungen an der EMAU Greifswald; Hofmeisters Vorschlag, F. S. als seinen Nachf. zu berufen, wurde zugunsten Johannes Schildhauers abgewiesen; 1954 Doz. an der HU Berlin; Ablehnung einer Wahrnehmungsprofessur unter Hinweis auf Berufungspraktiken der SED; 1983 em. 1991 – 96 erneut Lehrveranstaltungen an der HU Berlin; gest. in Berlin. F. S. galt als erklärtermaßen nichtmarxist. Hist.; Hauptarbeitsgebiet: europ. Geschichte des Mittelalters.F. S.: Nachruf. In: Jb. für Berlin-Brandenb. Kirchengeschichte (1997) 61.Iris Berndt

Wer war wer in DDR

Selbmann, Fritz

* 29.9.1899 – ✝ 26.1.1975

Geb. in Lauterbach (Hessen); Vater Kupferschmied; 1905 – 13 Volksschule; 1915 – 17 Bergmann in Werne (b. Bochum); 1917 – 20 Militärdienst; Nov. 1918 Mitgl. eines Arbeiter- u. Soldatenrats; 1920 – 24 versch. Tätigkeiten, u. a. Bergmann in Hindenburg (Schles.); 1920 USPD; 1922 KPD; 1922/23 gegen die frz. Ruhrbesetzung aktiv, 1923 frz. »Schutzhaft«; 1924 Org.-Ltr. der KPD Bottrop; 1925 – 28 RFB-Gauführer Ruhrgeb. u. Mitgl. der Bundesführung des RFB sowie der KPD-BL Ruhrgeb.; 1928/29 Kursant der Internat. Leninschule in Moskau (»Skowronek«); Gewerkschaftssekr. der KPD-BL Ruhrgeb.; 1929/30 Red. der Ztg. »Ruhrecho« (Essen); 1929/30 Abg. des Rhein. Provinziallandtags; 1930 – 32 des Preuß. Landtags; 1930/ 31 Ltr. des KPD-Bez. Oberschles. u. 1931 – 33 in Sachsen; 1932/33 Abg. des Dt. Reichstags; illeg. pol. Arbeit in Leipzig; dort im April 1933 verhaftet, U-Haft in Leipzig u. Berlin; Nov. 1935 vom VGH zu sieben Jahren Zuchthaus verurteilt, 1935 – 40 Haft im Zuchthaus Waldheim (Einzelhaft), 1940 – 42 »Schutzhaft« im KZ Sachsenhausen, 1942 – 45 KZ Flossenbürg u. 1945 KZ Dachau, Apr. 1945 bei Evakuierung des Lagers geflohen. 1945 1. Sekr. der KPD-KL Leipzig; Vors. des Prov. ZA des Antifa. Blocks in Leipzig; 1945/46 Präs. des Landesarbeitsamts u. Vizepräs. der LV Sachsen für Wirtschaft u. Arbeit; 1946 SED; 1946 – 48 Minister für Wirtschaft u. Wirtschaftsplanung in Sachsen; 1946 – 50 Abg. des Sächs. Landtags; 1948/49 stellv. Vors. der DWK u. Ltr. der HV Industrie; 1949 Mitgl. des Dt. Volksrats; 1949/50 Minister für Industrie; 1950/51 für Schwerindustrie; 1951 – 53 für Hüttenwesen u. Erzbergbau; 1953 – 55 für Schwerindustrie; 1953 Ltr. der dt. Seite der Kommission zur Übernahme der letzten SAG-Betriebe; 1953 Held der Arbeit; 1949 – 63 Abg. der Volkskammer; 1954 – 58 Mitgl. des ZK der SED, Ltr. der ZK-Kommission techn. Fortschritt; 1955 – 58 Stellv. Vors. des Min.-Rats u. Vors. der Kommission für Industrie u. Verkehr bei dessen Präs.; im Febr. 1958 des »Managertums« u. der Unterstützung der angebl. Fraktion  Karl-Schirdewan- Ernst-Wollweber bezichtigt, Ausschl. aus dem ZK u. strenge Rüge, 1959 Selbstkritik; 1958 – 61 stellv. Vors. der SPK; Ltr. der Abt. Bilanzierung u. Verteilung der Produktionsmittel; 1960 Banner der Arbeit; 1961 – 64 stellv. Vors. des Volkswirtschaftsrats; 1963/64 Ltr. der Kommission für Wiss.-techn. Dienste; ab 1964 freiberufl. Schriftst. (Romancier); 1964 VVO; 1965 Ehrenspange zum VVO; 1969 KMO; 1969 – 75 Vizepräs. des DSV; 1974 NP; seine Erinnerungen an die Gründerjahre der DDR durften 1975 wegen seiner Ausführungen über den 17.6.1953 nicht erscheinen (1999 posthum publ.); gest. in Berlin.Wahrheit u. Wirklichkeit. Krit. Essays über Fragen der Philos. u. Geistesgeschichte. Dresden 1947; Die neue Epoche der techn. Entw. Berlin 1956 (mit G. Ziller); Ein Zeitalter stellt sich vor. Berlin 1957; Die Söhne der Wölfe. Halle 1965; Alternative, Bilanz, Credo. Versuch einer Selbstdarstellung. Halle 1969; Der Mitläufer. Halle 1972; Ausgew. Reden u. Artikel 1945 – 1957. Berlin 1974 (mit Bibl.); Acht Jahre u. ein Tag. Bilder aus den Gründerjahren der DDR. Berlin 1999. Reso, M. (Hrsg.): Kumpel u. Min. Erinnerungen an F. S. Halle, Leipzig 1979; Halder, W.: Eine bedeutsame Quelle zur sächs. Nachkriegsgeschichte? Anmerkungen zu F. S.s posthum erschienenen Erinnerungen. In: Neues Archiv für sächs. Geschichte (2002) 73.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Sellheim, Max

* 26.2.1883 – ✝ 3.5.1945

Geboren am 26. Februar 1883 in Berlin; lernte Steindrucker und ging anschließend auf Wanderschaft. 1910 in Berlin Mitglied der SPD, während des Krieges Übertritt zur USPD, kam mit deren linkem Flügel 1920 zur KPD. Delegierter des Vereinigungsparteitags von KPD und USPD 1920. Ab 1921 Stadtverordneter in Berlin, arbeitete im Siemenskonzern und wurde dort Betriebsrat. Im Dezember 1924 zog Sellheim als Abgeordneter in den Preußischen Landtag ein. Mitglied der BL Berlin-Brandenburg, gehörte zu den Linken in der Partei, trat 1927 in den Hintergrund und wurde 1928 auch nicht mehr in den Landtag gewählt, wieder im Betrieb beschäftigt. Nach 1933 wirkte Sellheim für die illegale KPD, wurde am 7.April 1935 in Blankenburg verhaftet und am 2. November 1936 zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt. Die Strafe verbüßte er im Zuchthaus Dessau-Roßlau und kam anschließend ins KZ Sachsenhausen. Nach zehnjähriger Haft wurde Max Sellheim noch in den letzten Kriegstagen am 3. Mai 1945 von der SS erschossen. Er befand sich unter den 1500 Gefangenen, die auf einem »Todesmarsch« in Richtung Schwerin getrieben wurden, entkräftet am Wege liegengebliebene Häftlinge haben die SS-Bewacher ermordet.

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Selmanagic, Selman

* 25.4.1905 – ✝ 7.5.1986

Geb. in Srebrenica (Bosnien); 1919 – 29 Tischlerausbildung; Bau- u. Möbeltischlermstr. in Jugosl.; 1929 – 33 Studium der Architektur am Bauhaus Dessau u. in Berlin bei Ludwig Hilberseimer u. Ludwig Mies van der Rohe; 1933 – 39 Reisen in versch. Länder Europas u. des Nahen Ostens; Arbeit als Architekt in Konstantinopel, Jaffa u. Jerusalem; 1939 – 45 Kinobauten u. Filmarchitekt bei der UFA; aktive Teiln. am Widerstandskampf gegen den Nationalsoz. in Berlin. 1945 – 50 Mitgl. des Stadtplanungskoll. beim Berliner Magistrat; gleichz. architekton. Entwurfsarbeit; seit 1945 Hausarchitekt des VEB Dt. Werkstätten Hellerau; seit 1946 Arbeit als Messearchitekt im In- u. Ausland; 1947/48 Innenraumgestaltung der PHS Kleinmachnow; 1950 Prof.; 1950 – 70 Ltr. der Architekturabt. an der HS für bildende u. angewandte Kunst Berlin-Weißensee; gleichz. städtebaul. u. architekton. Entwurfsarbeit, darunter 1949 Walter-Ulbricht-Stadion Berlin, 1955/56 Kunst-HS Berlin-Weißensee. Sek.-Lit.: S. S. – Festgabe zum 80. Geb. Berlin 1985.Simone Hain

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Sendhoff, Magda

* 29.8.1899 – ✝ 24.11.1963

Geboren am 29. August 1899 in Dortmund als Magda Müller, Tochter eines Kunstgewerbelehrers und Malermeisters; kaufmännische Lehre, Stenotypistin und Kontoristin. Sie wurde 1925 Mitglied der IAH und heiratete ein Jahr später den Schlosser Heinz Sendhoff. 1927 trat sie der KPD bei, Stenotypistin bei der KPD-Zeitung »Westfälischer Kämpfer«, war 1928/29 Frauenleiterin im UB Dortmund und gehörte 1929/30 der KPD-BL Ruhrgebiet an. Im Januar Stenotypistin im Sekretariat der BL Thüringen, dann Bezirksfrauenleiterin und Mitglied des Sekretariats der BL Thüringen. Von Oktober 1932 bis Mai 1934 Kursantin an der Internationalen Leninschule in Moskau. Ihr Mann, Heinz Sendhoff, Mitglied der illegalen BL Thüringen, wurde 1933 verhaftet und ermordet. Magda Sendhoff kam Ende Mai 1934 als Oberberaterin für die BL nach Berlin, wurde im Februar 1935 verhaftet und vom VGH zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt, die sie in Waldheim verbüßte. Nach der Freilassung Kontoristin in einer Berliner Firma, sie hatte u. a. Verbindung zu Greta Kuckhoff. Von 1945 bis 1947 im Frauenausschuß Berlin, 1946 Leiterin des Zentralen Frauenausschusses. Sie kam im Mai 1946 in die Deutsche Zentralverwaltung für Volksbildung, war 1947 Mitbegründerin des DFD. Ab Oktober 1949 im Amt für Information, 1953/54 Chefredakteurin im Verband der Konsumgenossenschaften, dann bis Mai 1960 in der Redaktion der Zeitschrift »Wochenpost«. Seit September 1953 war sie mit Hermann Trinkhaus verheiratet, 1959 erhielt sie den VVO in Bronze. Magda Sendhoff starb am 24. November 1963.

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Serotzki, Paul

* 27.3.1887

Geboren am 27. März 1887 in Zoppot/Westpreußen, Sohn eines Arbeiters; war Arbeitsbursche und Hafenarbeiter, trat 1905 den Christlichen Gewerkschaften und 1912 der SPD bei. Ab 1915 Soldat im Weltkrieg, danach Hafenarbeiter in Danzig, wurde dort 1919 Sektionsleiter der Internationalen Seeleute-Union im Hafen. 1921 Mitglied der USPD, 1923 der KPD. Nach seinem Ausschluß aus dem Hafenarbeiterverband 1929 führte er die RGO-Hafenarbeiter. 1930 wurde Serotzki in den Volkstag Danzig gewählt, dem er bis 1937 als KPD-Abgeordneter angehörte. Er nahm 1935 in Moskau am VII. Weltkongreß der Komintern und an der »Brüsseler Konferenz« der KPD teil. Ab 1935 erwerbslos, im Juni 1937 kam er in »Schutzhaft«. Nach der Freilassung im Oktober 1937 gab er zusammen mit Otto Langnau eine schriftliche Erklärung über den Bruch mit der KPD ab, beide wurden Hospitanten der NSDAP-Fraktion im Volkstag. 1938 wieder Hafenarbeiter, im Oktober 1941 auf dem Flughafen Danzig-Langfuhr dienstverpflichtet. Als ehemaliger kommunistischer Abgeordneter wurde er noch im August 1944 in das KZ Stutthof bei Danzig eingeliefert. Mit einem »Antifa-Transport« übersiedelte er im August 1945 nach Hoppenrade bei Güstrow in Mecklenburg. Dort ab Herbst 1946 Bürgermeister, seit April 1946 Mitglied der SED. Bei Überprüfungen von Opfern des Faschismus wurde Serotzki 1950 der OdF-Status aberkannt, weil er »im Oktober 1937 freiwillig sein Abgeordnetenmandat aufgegeben hat«. Er wehrte sich gegen die Entscheidung und bemühte diverse Zeugen, um seinen Schritt aus dem Jahre 1937 als »Taktik des trojanischen Pferdes« zu stützen. Der Abteilungsleiter im ZK der SED Anton Plenikowski erklärte: »Serotzki war einer unser fähigsten und besten Hafenarbeiterfunktionäre. Er hat sich einwandfrei verhalten bis 1937.« Zuletzt in einer Rostocker Werftkantine beschäftigt, ließ sich der weitere Lebensweg von Paul Serotzki nicht ermitteln. Serotzkis Sohn Karl (* 2. 3. 1913) emigrierte 1935 nach Dänemark, dann in die Sowjetunion, besuchte unter dem Namen Karl Salami die Leninschule und ist 1938 als Angehöriger der Internationalen Brigaden in Spanien gefallen.

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Seuling, Karl

* 26.4.1900 – ✝ 15.1.1984

Geboren am 26. April 1900 in Alten-Buseck/ Krs. Gießen, Sohn eines Landwirts; von 1914 bis 1917 Buchbinderlehre. Von Juni bis Dezember 1918 Soldat im Weltkrieg, dann bis 1928 Buchbindergehilfe, anschließend bis 1930 Bauhilfsarbeiter, danach erwerbslos. Als Mitglied der KPD wurde er 1932 zum Abgeordneten des Hessischen Landtages gewählt. 1933 gemeinsam mit einigen hessischen KPD-Parlamentariern ( Wilhelm Beuttel, Wilhelm Hammann, u.a. sowie Heinrich Galm von der SAP) festgenommen, für einige Zeit in »Schutzhaft«. Ab 1936 arbeitete er als Former, mußte von 1939 bis 1945 zur Wehrmacht. Im November 1945 wurde er Angestellter des Versorgungsamtes Gießen, 1952 zum Regierungsassistenten ernannt. Politisch trat er dann nicht mehr hervor. Karl Seuling starb am 15.Januar 1984 in Buseck.

Wer war wer in DDR

Seyppel, Joachim

* 3.11.1919 – ✝ 25.12.2012

Geb. in Berlin; Vater kfm. Angest.; 1939 – 43 Studium der Germanistik u. Philos. in Berlin, Lausanne u. Rostock; 1943 Prom.; 1943 – 45 Wehrmacht; 1944 verurteilt zu neun Mon. Haft wegen »Stiftung von Mißvergnügen u. Befehlsverweigerung«. 1945 Rückkehr aus sowj. Kriegsgefangenschaft; 1949/50 Stipendiat an der Harvard University u. 1950 – 60 Lehrtätigkeit in den USA, zul. als a. o. Prof. für Germanistik (Guggenheim Fellow); 1959 Lit.-Preis der American Philosophical Society; 1960 – 73 freier Schriftst. in Berlin (West); 1966 Mithrsg. der liter. Ztschr. »Diagonale«; 1973 Übersiedl. in die DDR zu seiner späteren Frau Tatjana Rilsky im Vertrauen auf  Erich Honeckers angekündigte liberale Kulturpol., die J. S. bald durch zahlr. Anfragen, Vorschläge u. Kritiken erprobte; 1975 – 83 Mitgl. des PEN-Zentrums DDR; Nov. 1976 Protest gegen die Ausbürgerung  Wolf Biermanns;  Dieter Noll nannte J. S.,  Stefan Heym u.  Rolf Schneider in einem offenen Brief an Honecker »kaputte Typen«, die »emsig mit dem Klassenfeind kooperieren« (»Neues Dtl.« vom 22.5.1979); Juni 1979 Ausschl. aus dem SV zusammen mit Stefan Heym,  Erich Loest u. a.; Juli 1979 Ausreise aus der DDR (nach Hamburg) als erster Autor mit einem Dreijahresvisum; sein Buch »Hinten weit in der Türkei« (10.000 Exemplare) wurde vom Buchverlag Der Morgen restlos eingestampft, zuvor »Die Wohnmaschine« vom Aufbau-Verlag abgelehnt; Anfang Dez. 1982 Ausbürgerung aus der DDR, von der J. S. aus der Presse erfuhr; März 1983 Protest gegen die Einladung von DDR-Autoren, u. a.  Hermann Kant u.  Stephan Hermlin, zum Friedensgespräch durch die AdK Berlin (West); im Januar 1990 vom SV rehabilitiert und wieder als Mitgl. geführt; Mitgl. des PEN Dtl.; lebte in Hamburg; gest. in Wismar.Als der Führer den Krieg gewann oder Wir sagen Ja zur Bundesrep. Dtl. Berlin, Weimar 1965; Ein Yankee in der Mark. Berlin 1969; Abschied von Europa. Berlin 1975; Ich bin ein kaputter Typ. Wiesbaden, München 1982; Die Wohnmaschine. Berlin 1991; Trottoir & Asphalt. Erinnerungen an Lit. in Berlin 1945 – 90. Berlin 1994; Schlesischer Bahnhof. Erinnerungen. München 1998.Carsten Wurm

Wer war wer in DDR

Siebenmorgen, Willi

* 19.7.1916

Geb. in Stuttgart; Vater Autosattler, Mutter Modistin; Volks- u. Oberrealschule, Abitur; kaufm. Lehre u. Tätigkeit als Bankkaufm. in Reutlingen; 1937 NSDAP; 1938 RAD, anschl. Wehrmacht, Oltn.; 1943 sowj. Kriegsgef.; ab 1944 Mitgl. des BDO u. des NKFD; 1945 – 49 Assistent u. Lehrer an der Zentral-Antifaschule 2040 / 2041. 1949 Rückkehr nach Dtl.; SED, Mitarb. in der Presseabt. des ZK der SED; bis 1963 Red. u. Mitgl. des Red.-Koll. des SED-Zentralorgans »Neues Deutschland«; 1963 – 74 Chefred. des SED-Bezirksorgans »Märkische Volksstimme« in Potsdam (Nachf. von  Hans-Joachim Pommert); 1964 – 74 Mitgl. der SED-BL Potsdam; zeitw. Mitgl. des VDJ-ZV u. ab 1968 Vors. des VDJ-BV Potsdam; später Ltr. der Außenstelle Potsdam der Bildungsstätte der AdW.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Siebert, Rainer

* 25.5.1952

Geb. in Burg (Bez. Magdeburg); 1958 – 68 POS; 1968 – 71 Berufsausbildung mit Abitur (Dreher); 1972 / 73 NVA; 1974 – 90 Mitgl. der LDPD; 1974 – 78 Studium an der PH Potsdam, Dipl.; danach Arbeit als Lehrer; 1990 LDPD-Kreisvors. Herzberg (Bez. Cottbus); Beigeordn. des Landrats u. Dezernent für Wirtsch. der Kreisverw. Herzberg. 14.10.1990 – 94 Mitgl. des Brandenb. Landtags; Mitgl. des Präs. des FDP-Landesvorst. Brandenb.; 1990 – 92 Vors., 1992 – 94 stellv. Vors. der FDP-Landtagsfrakt.; spielte eine Schlüsselrolle in der Regierungskoalition aus SPD, FDP u. Bündnis 90; 1999 – 2003 stellv. Landesvors. der FDP Brandenb., ab März 2005 Schatzmstr.; seit 2009 Mitgl. im FDP-Landesfachaussch. Finanzen; tätig bei der LBS Immobilien GmbH in Potsdam; lebt in Geltow.Helmut Müller-Enbergs

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Sieg, John

* 3.2.1903 – ✝ 11.10.1942

Geboren am 3. Februar 1903 in Detroit/USA, Sohn eines Mechanikers. Aufgewachsen in einem katholischen Elternhaus, seit dem Tod des Vaters 1912 lebte er in Schlochau/Westpreußen beim Großvater. Er mußte nach dessen Tod die Lehrerausbildung abbrechen, ging im Juni 1923 wieder in die USA und wohnte seit 1924 mit seiner späteren Frau Sophie in Detroit als Werkstudent. Im Februar 1928 Rückkehr nach Deutschland, freier Autor, veröffentlichte 1928/29 erste Artikel, bald auch in der »Roten Fahne«. Er trat 1929 in die KPD ein und wurde Feuilletonredakteur der »Roten Fahne«. Von März bis Juni 1933 inhaftiert, danach aktiv gegen das NS-Regime, ab 1936 im Kontakt mit dem ZK-Instrukteur Heinrich Schmeer. Seit 1937 bei der Deutschen Reichsbahn beschäftigt, konnte Sieg Dienstreisen und Freifahrten nutzen, um neue Verbindungen zum illegalen Widerstand herzustellen, u. a. zur Hamburger Gruppe um Bernhard Bästlein. Mit dem aus der Haft entlassenen Wilhelm Guddorf u. a. verfaßte er nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion 1941 eine Analyse zur politischen Situation und initiierte die Herausgabe der illegalen Zeitung »Die innere Front«. Am 11. Oktober 1942 festgenommen und in der Berliner Gestapozentrale in der Prinz-Albrecht-Straße grausamen mißhandelt. Um keine Mitkämpfer zu verraten, beging John Sieg am 15. Oktober 1942 Selbstmord. Seine Frau Sophie Sieg (Heirat 1928), geborene Wloszczynski (* 14. 5. 1893 – † 13. 5. 1987), Stenotypistin, seit 1930 in der KPD, gehörte wie er dem Widerstand an, am 12. Oktober 1942 verhaftet, konnte sie im April 1945 beim Evakuierungsmarsch von Ravensbrück nach Bergen-Belsen flüchten. In der SBZ in der Zentralverwaltung für Verkehr, später im Ministerium für Verkehrswesen der DDR beschäftigt, zuletzt Leiterin der dortigen Bibliothek.

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Siegesmund, Peter

* 17.8.1940

Geb. in Eberswalde; Vater Arbeiter, Mutter Putzmacherin; Grundschule; 1954 FDJ; 1954 – 56 Lehre als Betonbauer im VEB Baubetrieb Dresden; 1956 / 57 Mälzereiarb. in der Dresdener Malzfabrik; 1957 – 60 Angest. bei der DR Dresden; 1960 / 61 Betonbauer im Betonwerk Elsterwerda; 1961 Ass. des Bürgermeisters in Hohenleipisch; 1962 SED; 1962 Sekr. für Propaganda der FDJ-KL Bad Liebenwerda; 1962 / 63 Hörer an der Jugendhochschule »Wilhelm Pieck«; 1963 – 73 1. Sekr. der FDJ-KL Cottbus-Stadt; 1965 – 67 Fernstud. an der Meisterschule für Bauwesen Blankenburg (Harz), Meister für Bau und Montage; 1973 – 76 Stud. an der PHS »Karl Marx«, Dipl.-Gesellschaftswiss.; 1976 2. Sekr., 1977 – 84 1. Sekr. der SED-KL Senftenberg; 1984 – 88 1. Sekr. der KL Cottbus-Stadt; 1986 – 90 Abg. des Bezirkstags Cottbus; seit Ende 1988 Vorbereitung auf die Übernahme des Ratsvorsitzes in Cottbus, Juni 1989 bis Juni 1990 Vors. des Rats des Bez. Cottbus; im Mai 1990 Austritt aus der PDS; von Juli bis Dez. 1990 Sachgebietsltr. beim Finanzamt Cottbus-Ost. 1990 – 99 PDS; 1991 – 2000 Ltr. Marketing in den Bereichen Druck u. Bauwesen in der freien Wirtschaft; seit 2000 Rentner.Andreas Herbst

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Siemon, Gustav

* 20.6.1918 – ✝ 17.1.2011

Geb. in Lippoldsberg (Krs. Hofgeismar); Vater Arbeiter; Volksschule; 1932 – 36 Lehre u. Arbeit als Buchhändler; Okt. 1936 Eintritt in die Luftwaffe, Einsatz als Flugzeugführer u. Fernaufklärer, 1942 Oberltn.; Dez. 1942 sowj. Kriegsgef., Lager in Krasnogorsk, Oranki, Elabuga, Lunjowo u. a.; NKFD; Sept. 1943 Gründungsmitgl. des BDO; 1944 Zentrale Antifa-Schule in Krasnogorsk. Mai 1945 Rückkehr nach Dtl.; als Mitgl. der Gr. um  Gustav Sobottka im Juli 1945 Berufung in die Landesverw. Mecklenb., beauftragt mit der Bildung der Abt. Kultur im Min. für Volksbildung; KPD, 1946 – 48 SED; Juni 1948 Mitinitiator der Gründung der NDPD in Mecklenb.; Juni 1948 – 52 polit. Geschäftsf., stellv. Vors. bzw. Vors. des LV der NDPD Mecklenb.; 1948 – 89 Mitgl. des Hauptaussch. der NDPD; 1948 / 49 Abg. des Dt. Volksrates, 1949 – 74 Abg. der Volkskammer; 1950 Präs. der IHK Mecklenb.; 1950 – 54 Fernstudium an der DASR Potsdam, Dipl.-Staatswiss.; 1952 Dir. der LPS der NDPD in Schwerin-Grambow; 1952 / 53 polit. Geschäftsf. des NDPD-BV Suhl; 1953 – 55 Vors. des NDPD-BV Gera; 1955 – 61 Chefred. des NDPD-Zentralorgans »National-Zeitung« (Nachf. von Reinhold Hennig); 1961 – 64 Abt.-Ltr. Internat. Verbindungen im NDPD-PV; 1964 – 72 Sekr. des Hauptaussch. der NDPD, verantw. für Parteiorgane u. Personalpolitik; 1963 – 85 Mitgl. des PV bzw. des Präs. des Hauptaussch. der NDPD; 1972 – 84 / 85 Vors. des NDPD-BV Cottbus; Mitgl. des Bez.-Aussch. der NF; stellv. Vors. des DSF-BV Cottbus u. Abg. des Bezirkstags Cottbus.Kirsten Nies

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Selbmann, Fritz

* 29.9.1899 – ✝ 26.1.1975

Geboren am 29. September 1899 in Lauterbach/Hessen, Sohn eines Kupferschmieds; Bergmann. Ab 1917 Soldat in Frankreich und Belgien, Ende 1918 im Soldatenrat seiner Batterie, arbeitete dann im Arbeiter- und Soldatenrat in Naumburg und gehörte bis zum Frühjahr 1920 dem Grenzschutz West an. Selbmann wurde 1920 wieder Bergmann, Mitglied der USPD, blieb auch nach der Vereinigung des linken Flügels mit der KPD in der Rest-USPD. 1922 trat er der KPD bei, wurde zwei Jahre später Orgleiter in Bottrop und ab April 1925 Gauführer des RFB im Ruhrgebiet. Mitglied der RFB-Bundesführung und der KPD-BL Ruhrgebiet, stand auf dem linken Flügel der Partei, war 1925 bei den Ultralinken, dann schwenkte er zu Ernst Thälmann über. 1927 kritisierte Selbmann die Absicht des ZK, Rechte und Versöhnler zur Mitarbeit heranzuziehen. Er reiste Ende 1928 nach Moskau, dort unter dem Decknamen Skowronek bis Juli 1929 Kursant an der Internationalen Leninschule. 1929/30 Gewerkschaftssekretär der BL Ruhrgebiet und Redakteur des »Ruhr-Echos«, Abgeordneter im Rheinischen Provinziallandtag. Ab Mai 1930 Polleiter in Oberschlesien, kam als Nachrücker in den Preußischen Landtag, in dem Selbmann bis 1932 blieb. Anfang 1931 Polleiter des neuen KPD-Bezirks Sachsen, des nach Berlin zweitgrößten Parteibezirks, im Juli 1932 im Wahlkreis Leipzig in den Reichstag gewählt. Am 7. Februar 1933 nahm Selbmann an der Funktionärstagung in Ziegenhals teil, wurde am 11. April 1933 festgenommen. Nach zweieinhalb Jahren Untersuchungshaft am 4. November 1935 vom VGH zu sieben Jahren Zuchthaus verurteilt, saß er bis Mai 1940 in Waldheim, anschließend im KZ Sachsenhausen, ab November 1942 im KZ Flossenbürg. Ende April 1945 gelang ihm auf dem »Todesmarsch« die Flucht aus dem KZ Dachau. Selbmann gehörte 1945 dem Sekretariat der KPD Leipzig an und wurde im August 1945 Präsident des Landesarbeitsamtes, dann im September 1945 Vizepräsident der Landesverwaltung Sachsen, war ab Dezember 1946 Minister für Wirtschaft in der Landesregierung Sachsen; 1948/49 stellvertretender Vorsitzender der DWK und im Oktober 1949 DDR-Minister für Industrie. Von 1954 bis 1958 Mitglied des ZK der SED, auf der ZK-Tagung im Februar 1958 wurde Selbmann von Walter Ulbricht und Erich Honecker wegen »Managertums« angegriffen und im März 1959 zur Selbstkritik genötigt. Seit 1961 Schriftsteller, in der DDR erschienen u. a. »Die lange Nacht« (1961), »Alternative, Bilanz, Credo. Versuch einer Selbstdarstellung« (1969). Von 1969 bis 1975 Vizepräsident des DDR-Schriftstellerverbandes, er erhielt 1969 den Karl-Marx-Orden und für sein literarisches Schaffen den Nationalpreis II. Klasse. Fritz Selbmann starb am 26.Januar 1975 in Ost-Berlin. Selbmanns Sohn Erich (* 2. 9. 1926) studierte bis 1948 Zeitungswissenschaften, war von 1948 bis 1952 Redakteur, dann 1953 Chefredakteur des Deutschlandsenders, ab 1958 Intendant des Berliner Rundfunks. 1966 Chefredakteur der Hauptnachrichtensendung »Aktuelle Kamera« und von 1978 bis 1989 Stellvertreter des Vorsitzenden des Staatlichen Komitees für Fernsehen und Leiter des Bereichs Dramatische Kunst.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

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Sellhorn, Werner »Josh«

* 16.11.1930 – ✝ 17.5.2009

Geb. in Hamburg; 1950 Abitur in Wittenberge; 1950 – 56 Studium der Geschichte u. Philos. an der HU Berlin, anschl. Doz. für Philos., pol. Ökon. u. später Geschichte des Jazz an der VHS; 1949 – 57 SED, Ausschluß auf eigenen Antrag, »Bewährung in der Prod.« als ungelernter Arbeiter bei Stern-Radio Berlin u. im Kabelwerk Oberspree; ab 1956 systemat. Beschäftigung mit Jazz, Mitgl. in Jazzklubs, ab 1958 Moderation von Jazzkonzerten; Jazzsendungen im Rundfunk; 1960 – 62 Lektor im Eulenspiegel Verlag; 1962 – 1965 erst Lektor, dann Ltr. Werbung im Verlag Volk u. Welt / Kultur u. Fortschritt; 1964 Verbot der öffentl. Beschäftigung mit Jazz durch das MfK, unterlaufen durch die Verlagswerbeveranstaltung »Jazz u. Lyrik« mit  Manfred Krug,  Eberhard Esche, den Jazz-Optimisten Berlin,  Ruth Hohmann,  Wolf Biermann u. a.; 1965 bei der Premiere der Veranstaltungsserie »Lyrik – Jazz – Prosa« zus. mit anderen Mitwirkenden Streik gegen die Verhaftung von Wolf Biermann, der zu dessen Freilassung führte, anschl. Entlassung bei Volk u. Welt u. bis 1989 Verbot, in einem belletrist. Verlag der DDR zu arbeiten; ab 1966 Arbeit mit Jazzgruppen (Moderation, Programmgestaltung, zeitw. Management), u. a. der  Klaus Lenz Band, versch. Dixielandformationen, Modern Soul, dem  Günther-Fischer-Quintett,  Uschi Brüning & Co; Moderation bei Jazzfestivals (Music Workshop Frankfurt (Oder), Leipziger Jazztage), Schallplattenvorträge über Jazz u. Rockmusik, über 50 Umschlagtexte für Amiga-Jazz-LPs; Programme mit  Bettina Wegner, Peter Bause u. Mike Friedman. Seit 1990 einzelne Veranstalt., ab 1997 Spiritus rector der neuen Veranstaltungsserie »Jazz – Lyrik – Prosa« (bis 2003 über 160 Konzerte); lebt in Berlin; Hrsg. zahlr. Editionen, u. a. Humoranthol. »Das Tier lacht nicht« (mit Gerhard Branstner), Berlin 1965; Louis Armstrongs Autobiogr. »Mein Leben in New Orleans«, Berlin 1967; »Erzählungen« von B. Traven (vollst. Ausgabe in 2 Bd.), Berlin 1968; »Der dicke Stengel«, Berlin 1996; »Das Hausbuch des Humors«, Berlin 2000; wichtigste CD-Kompilationen: »Jazz – Lyrik – Prosa« (I – III), 1995, 1999, 2004; fünf CD-Boxen »Das Amiga Schlagerarchiv 1947 – 1957«, 1997; zwei CDs »Manfred Krug – Anthologie«, 1997; »Klaus Lenz Modern Soul Big Band 1977«, 2000; »Uschi Brüning – Dein Name«, 2002; gest. in Berlin.Jazz – DDR – Fakten. Berlin 2005; Jazz – Lyrik – Prosa. Zur Geschichte von drei Kultserien. Berlin 2008.Christoph Links

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Semjonow, Wladimir Semjonowitsch

* 16.2.1911 – ✝ 18.2.1992

Geb. in Krasnoslobodnoje (Gebiet Tambow); Vater Lokomotivführer, Mutter Requisiteurin; 1917 – 21 Volks-, 1921 – 26 Mittelschule; Mitgl. des Komsomol; als Schüler Arbeiter- u. Bauernkorrespondent für Parteiztg.; ab 1926 Buchhalter u. Mitarb. im Krs.-Komitee des Komsomol in Kaschira; 1931 – 37 Studium an der Philos. Fak. des Staatl. Inst. für Geschichte, Philos. u. Lit. in Moskau, Diplom; 1937 – 39 Lehrstuhlltr. für Marx.-Lenin. in Rostow (Don); 1938 Mitgl. der KPdSU; ab 1939 im diplomatischen Dienst; 1939/40 Berater an der UdSSR-Vertr. in Litauen; 1940/41 an der UdSSR-Botschaft in Berlin; 1941/42 Ltr. der III. Europa-Abt. des Volkskommissariats für Äußeres der UdSSR in Moskau; 1942 – 44 Berater an der UdSSR-Botschaft in Schweden; 1943/44 an Sondierungen über einen Separatfrieden zw. dem Dritten Reich u. der UdSSR involviert; 1944/45 in Moskau im Volkskommissariat für Auswärt. Beziehungen mit Nachkriegsplanung für Dtl. beauftragt. April 1945 Berater des Oberbefehlshabers der 1. Ukrain. Front Marschall Iwan S. Konjew; ab 10.5.1945 pol. Berater  Georgi K. Shukows; 1945/46 Erster Stellv. des Pol. Beraters des Obersten Chefs der SMAD für allg. u. außenpol. Fragen; Ltr. der Abt. Pol. der SMAD; Gesandter 2. Kl.; 1946 – 49 Pol. Berater des Obersten Chefs der SMAD; Botschafter; 1945/46 stellv. u. 1946 – 48 sowj. Dir. der Abt. Pol. des Alliierten Kontrollrats; 1949 – 53 Pol. Berater des SKK-Vors.; 1953 kurzz. Ltr. der III. Europa-Abt. des Außenmin. der UdSSR; 1953/54 Hoher Kommissar der UdSSR in Dtl.; 1954/55 Ltr. III. der Europa-Abt. u. 1955 – 78 stellv. Außenmin. der UdSSR; 1965 Ehrenbürger von Berlin (Ost); ab 1966 Kand. des ZK der KPdSU; ab 1969 Ltr. der sowj. Delegation bei den Verhandlungen über strateg. Abrüstung in Helsinki; 1978 – 86 Botschafter der UdSSR in der Bundesrep. Dtl.; W. S. gehörte zu den namhaftesten sowj. Dtl.-Diplomaten u. war maßgebl. an der Durchführung von Jossif W. Stalins Dtl.-Pol. beteiligt, dessen persönl. Vertrauen er genoß; zweimal Lenin-Orden; Orden der Oktoberrev.; Orden des Vaterländischen Krieges; KMO; gest. in Köln.Von Stalin bis Gorbatschow. Ein halbes Jahrhundert in diplomat. Mission 1939 – 91. Berlin 1995.Jan Foitzik

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Seng, Willi

* 11.2.1909 – ✝ 24.5.1944

Geboren am 11. Februar 1909 in Berlin; lernte Schreiner. Seit 1930 Mitglied der RHD, 1932 der KPD, im Frühjahr 1933 »Schutzhaft« im KZ Oranienburg. Nach Freilassung Verbindungsmann der Reichsleitung der Kampfgemeinschaft für rote Sporteinheit (KG) zur Berliner Leitung, anschließend Leiter der KG im Bezirk Niederrhein, wo er die Zeitungen »Westdeutscher Arbeitersport« und »Sportfreund« herausgab. Im Mai 1935 Flucht nach Amsterdam, dann in die Sowjetunion. Bis Frühjahr 1937 Kursant an der Internationalen Leninschule in Moskau, anschließend bis Oktober 1938 Instrukteur der KPD-AL für das Ruhrgebiet. Im Januar 1939 Teilnehmer der »Berner Konferenz« bei Paris. Ende 1941 reiste Seng illegal nach Deutschland und bemühte sich, im Auftrag von Wilhelm Knöchel Verbindungen im Ruhrgebiet aufzubauen. Unter den Decknamen August und Kurt zusammen mit Alfons Kaps, Alfred Kowalke und Knöchel gab er illegale Druckschriften wie das »Ruhr-Echo« und den »Friedenskämpfer« heraus. Nach Aussagen von Alfons Kaps gelang es der Gestapo am 20. Januar 1943, Seng zu verhaften. Nach »verschärfter Vernehmung« – also Mißhandlung – gab Seng nicht nur seine Kenntnisse preis, sondern war bereit, die Gestapo zu einem geheimen Treff zu Knöchel in Berlin zu führen. Dies mißlang, da Knöchel schwerkrank im Bett lag und nicht kam. Am 24. Mai 1944 vom VGH zum Tode verurteilt, wurde Willi Seng am 27. Juli 1944 in Köln hingerichtet.

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Serow, Iwan Alexandrowitsch

* 25.8.1905 – ✝ 1.7.1990

Geb. in Afimskaja (Gebiet Wologda); Vater Polizeibeamter; bis 1923 Mittelschule; Ltr. des Dorfsowjets von Samansk; 1925 – 28 Besuch der Militärschule in Leningrad; 1926 KPdSU; Artillerieoffz.; 1935 – 39 Besuch der Militärakad. »Frunse«; ab 1939 Mitarb. des NKWD u. steiler Aufstieg vom stellv. HV-Ltr. für Arbeiter- u. Bauernmiliz zum stellv. Ltr. der HV für Staatssicherheit (Nachf. von  Bogdan S. Kobulow); Sept. 1939 – Febr. 1941 Volkskommissar für Inneres der Ukrain. SSR; 1939/40 zus. mit dt. Dienststellen Maßnahmen zur Integration von ostpoln. Gebieten in die UdSSR durchgeführt (Hitler-Stalin-Pakt) u. ltd. Teiln. an Verfolgungs- u. Deportationsmaßn.; Mitgl. des PB des ZK der KP Ukraine; 1940, 1945, 1952 u. 1955 Lenin-Orden; ab Feb. 1941 Erster Stellv. des NKGB bzw. Stellv. des NKWD; 1941 – 50 Mitgl. des Obersten Sowjets der UdSSR u. Kand. des ZK der KPdSU; wiederholt für militär. u. polizeil. Sonderaufg. (Verteidigung Moskaus, Industrieevakuierung u. Massendeporationen) eingesetzt; 1944/45 NKWD-Beauftragter in Polen, zuständig für »Säuberung des Hinterlandes«; ab Jan. 1945 NKWD-Beauftragter bei der 1. Weißruss. Front; März/April 1945 Berater des NKWD der UdSSR beim poln. Min. für öffentl. Sicherheit; dort ließ er die Ltg. des Heimatwiderstands der poln. Exilreg. verhaften; Mai 1945 stellv. Oberbefehlshaber der 1. Weißruss. Front für Zivilangelegenh. Juni 1945 – Febr. 1947 stellv. Oberster Chef der SMAD für Fragen der Zivilverw.; Bevollm. des NKWD / MWD u. des NKGB / MGB der UdSSR in Dtl.; 1945 Gen.-Oberst; 1945 Held der Sowjetunion (1963 aberkannt); nachrichtendienstl. Arbeit in Westdtl. (Reaktor- u. Raketenantriebsforschung); 1947 – 54 Erster stellv. Innenmin. der UdSSR, zuständig für Miliz, MWD-Lager, »Bandenbekämpfung«, Grenztruppen, Spionageabwehr sowie Kriegsgefangenenlager; ab 1953 verantw. für alle zentr. Bereiche der nachrichtendienstl. Arbeit; 1954 – 58 Gründer u. Ltr. des Komitees für Staatssicherheit beim Min.-Rat der UdSSR (KGB); 1955 Armee-Gen.; 1956 maßgebl. Anteil an der Niederschlagung des Ungar. Volksaufstands 1956; 1958 – 63 Chef des militär. Geheimdienstes (GRU); stellv. Chef des Gen.-Stabs; 1956 – 61 Mitgl. des ZK der KPdSU; 1958 – 62 Deputierter des Obersten Sowjets der UdSSR; 1963 entlassen u. zum Gen.-Major degradiert (nachdem sein Freund Oleg W. Penkowski wegen Spionage für die USA verhaftet worden war); 1963 – 65 Berater von Militärbez.-Kommandeuren; 1965 Ruhestand u. KPdSU-Ausschl. wegen »Verletzung soz. Gesetzlichkeit u. Amtsmißbrauchs für private Zwecke«; gest. in Moskau.Petrov, N.: General Ivan Serov – der erste Vors. des KGB. In: Forum für osteurop. Ideen- und Zeitgeschichte. 1998; Bailey, G., Kondraschow, S. A., Murphy, D. E.: Die unsichtbare Front. Berlin 1997; Foitzik, J.: Sowj. Militäradministration in Dtl. 1945 – 1949. Berlin 1999.Jan Foitzik

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Seydewitz, Max

* 19.12.1892 – ✝ 8.2.1987

Geb. in Forst (Lausitz); Vater Gerber; Volksschule; Buchdruckerlehre; 1907 SAJ; 1910 – 31 SPD; 1911 Verb. Dt. Buchdrucker; 1914/ 15 Soldat, als kriegsuntaugl. entlassen; 1918 – 20 Red. bzw. Chefred. der »Volksstimme« Halle; 1920 – 31 Chefred. des »Sächs. Volksblatts« Zwickau; 1922 Vors. des SPD-Bez. Zwickau-Plauen; 1923 Mitgl. des Parteiaussch. der SPD; 1924 – 32 MdR; 1927 Hrsg. u. Chefred. der Ztschr. »Der Klassenkampf« u. »Marxist. Büchergemeinde«; 1931 – 33 Mitbegr. u. einer der Vors. der SAP; Chefred. versch. Parteiztgn.; war 1933 für Parteiauflösung; April 1933 Emigr. nach Prag; 29.3.1934 Ausbürgerung (Liste 2); inoffiz. KPD-Anschl.; Mitunterz. des Pariser Volksfrontaufrufs; 1938 Norwegen, April 1940 Schweden; kurzz. interniert; publizist. tätig (»Peter Michel«); ständ. Mitarb. des KI-Blatts »Die Welt« (»Michael Kraft«); Mitarb. der »Pol. Information«. Jan. 1946 Rückkehr nach Dtl. (SBZ); SED; Chefred. der Ztschr. »Einheit«; 1946/47 Intendant des Berliner Rundfunks; 1947 – 49 Mitgl. des PV der SED; 1947 – 52 Min.-Präs. des Landes Sachsen (Nachf. von  Rudolf Friedrichs); Mitgl. der SED-LL u. ihres Sekr.; 1947 – 52 Landesvors. der Ges. zum Studium der Kultur der Sowjetunion bzw. ab 1949 der DSF; 1948/49 Mitgl. der Prov. Volkskammer, ab 1950 der Volkskammer (Wirtsch.- u. Haushaltsaussch.); 1951 Selbstkritik innerhalb einer SED-Kampagne gegen ehem. Mitgl. der SAP; ab 1952 Schriftst.; 1954 Mitgl. des Dt. Friedensrats; 1955 GD der Staatl. Kunstsammlungen Dresden; 1960 Verleihung des Prof.-Titels durch das Min. für Kultur; 1962 VVO; 1967 Ruhestand; danach ausschließl. schriftst. Tätigkeit; 1960 u. 1984 NP; 1965 Banner der Arbeit, 1968 Ehrenspange zum VVO.Stalin oder Trotzki. Die UdSSR und der Trotzkismus. London 1938; Den tyska hemmafronten. Stockholm 1944 (Ps.: Peter Michel); Es geht um Dtl. 1948; Es hat sich gelohnt zu leben. Lebenserinnerungen eines alten Arbeiterfunktionärs. 2 Bde. Berlin 1976/1978.Michael F. Scholz

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Sgraja, Franz

* 1.12.1922

Geb. in Gleiwitz (Oberschles./Gliwice, Polen); Vater Arbeiter; Volksschule; 1937 – 40 Jungbergmann; 1940 Wehrmacht; dann sowj. Kriegsgefangenschaft; dort 1947/48 Antifa-Schule. 1948 SED; Einstellung bei der VP Schwerin; 1949 Einstellung beim MfS, Länderverw. Mecklenb.; 1951 Krs.-Dienststelle Güstrow; dann Versetzung zur HA V (Staatsapparat, Kultur, Kirchen, Untergrund), MfS Berlin; 1960/61 Besuch der BPS Halle; 1962 stellv. Abt.-Ltr. der Abt. 4 (Kirchen) der HA XX (frühere HA V); 1965 – 70 Fernstudium an der JHS Potsdam-Eiche, Dipl.-Jur.; 1969 Ltr. der Abt. 4 der HA XX; 1972 Oberst-Ltn.; 1979 Offz. für Sonderaufg., HV A, Abt. III; 1983 Entlassung, Rentner.Jens Gieseke

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Sieber, Günter

* 11.3.1930 – ✝ 26.11.2006

Geb. in Ilmenau; Vater Maschinenschlosser; Volksschule; 1944 – 47 Ausbildung u. Arbeit als Waldfacharb. in Ilmenau; 1945 FDGB; 1946 – 48 BGL-Vors.; 1947 Jugendsekr. des FDGB-Landesvorst. Thür.; 1947/48 Forstanwärter; 1948 SED; 1948/49 Hauptsachbearb. in der DWK; 1949/50 Studium an der DASR Potsdam; 1949 – 51 Ref. im Min. für Planung; 1951/52 Hauptref. in der SPK; 1953 Studium an der PHS; 1954 – 62 Sekr. der SED-GO bzw. 1. Sekr. der KL der SPK; 1962/63 stellv. Vors. der ZKSK, 1963 – 65 1. Stellv. des Vors. des Komitees der ABI; 1963 – 67 Mitgl. der ZRK der SED; 1967 Fernstudium am ZI für sozialistische Wirtschaftsführung, abgeschl.; 1965 – 72 Minister für Handel u. Versorgung (Nachf. von Gerhard Lucht); 1973 – 80 Botschafter der DDR in der VR Polen (Nachf. von Rudolf Rossmeisl); 1976 – 81 Kand., 1981 – 3.12.1989 Mitgl. des ZK der SED; 1980 – 89 Ltr. der Abt. Internat. Verbindungen des ZK (Nachf. von  Egon Winkelmann); 1979 VVO; 1981 – März 1990 Abg. der Volkskammer, Mitgl. des Aussch. für Ausw. Angelegenh.; 8.11. – 3.12. 1989 Kand. des PB u. Sekr. für internat. Pol. des ZK der SED; gest. in Strausberg.Wie entwickelt sich der Binnenhandel der DDR in den kommenden Jahren? Berlin 1968.Helmut Müller-Enbergs

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Siebholz, Gerhard

* 4.4.1932 – ✝ 13.2.2003

Geb. in Eberswalde; als Schüler bereits eigene Band; 1951 – 56 Studium an der HS für Musik Berlin (Dipl. als Tonmstr. / Tonregisseur) u. an der Ing.-Schule Berlin-Lichtenberg (Niederfrequenz-Ing.); 1956 – 60 Tonmstr. für Tanz- u. Unterhaltungsmusik beim Rundfunk; 1960 – 75 beim VEB Dt. Schallplatten; Aufbau der stereophonen Prod. bei Amiga; seitdem freischaff. Tonregisseur, Vertrag mit dem VEB Dt. Schallplatten; Zusammenarbeit mit zahlr. Sängern (u. a.  Ernst Busch,  Gisela May,  Manfred Krug,  Regina Thoss,  Frank Schöbel,  Hauff & Henkler). Kompositionen: ab 1962 über 1.000 Schlager, u. a. für Will Brandes »Kinder, Kinder, ich hab keinen Zylinder« (Text: Wolfgang Brandenstein), Frank Schöbel »Der Fußball ist rund wie die Welt« (Text: Dieter Schneider), »Die Sprache der Liebe ist leis« (Text: Fred Gertz; 1972 beim World Pop Song Festival in Tokio als beste Komposition ausgezeichnet), Regina Thoss »Die erste Nacht am Meer« (Text: Wolfgang Brandenstein), Britt Kersten »Männer müssen Männer sein« (Text: D. Schneider), Hauff & Henkler »Gib dem Glück eine Chance«, »Heut ist wieder Vollmond« (Text: Dieter Schneider), »Das war ein Meisterschuß«, meistgespielter DDR-Schlager (Text: Wolfgang Brandenstein); ca. zehn Filmmusiken: u. a. »Nicht schummeln, Liebling« (DEFA); Titelmelodie u. zahlr. Schlager für »Klock acht, achtern Strom« beim Fernsehstudio Rostock; 1987 Jingle zur »Aktuellen Kamera«; zahlr. Orchester- u. Ballettmusiken für den Friedrichstadtpalast Berlin; Musical »Ferien mit Max« (Libretto: Goetz Jaeger, UA 1986 im Metropol-Theater Berlin); als Arrangeur u. Produzent u. a. 28 LP mit dem Orchester Jo Kurzweg; oft Mitgl. internat. Jurys bei Festivals in Dresden u. Rostock; gest. in Berlin.Bernhard Hönig

Handbuch Deutsche Kommunisten

Sieg, Otto

* 3.1.1905 – ✝ 4.11.1938

Geboren am 3. Januar 1905 in Berlin-Charlottenburg, Sohn einer Arbeiterfamilie; Lauf- und Arbeitsbursche, lernte Mechaniker. Er wurde 1918 Mitglied der Freien Sozialistischen Jugend, 1919 der KJD und 1923 der KPD. Er war Leiter einer Abteilung der Roten Jungfront und gehörte bereits seit 1923 dem geheimen technischen Apparat der Komintern in Deutschland an. Er erhielt Aufträge von Jakob Reich und arbeitete eng mit Wilhelm Wloch und bis 1933 mit Leo Flieg zusammen. Im Frühjahr 1933 »zur Arbeit in die Sowjetunion kommandiert«, reiste Sieg mit seiner Frau Annemarie und den beiden Töchtern über Kopenhagen und Helsingför nach Leningrad. Von 1933 bis 1935 Mitarbeiter der OMS unter Alexander Abramow (Mirow). Nach der »Umorganisation« dieser Abteilung 1935 entlassen, arbeitete Sieg zunächst bei Mosfilm, später als Chauffeur einer Brotfabrik. Im November 1936 durch eine Einschätzung von F. Goltz ( Friedrich Fränken) nicht zur Übernahme in die KPdSU empfohlen, meldete er sich vergeblich als Freiwilliger nach Spanien. Im Juli 1938 wurde Otto Sieg vom NKWD verhaftet, zum Tode verurteilt und am 4. November 1938 erschossen. Seine Frau Annemarie Sieg, geborene Morgenroth (*2. 6. 1906 in Rudolstadt – † 21. 11. 1996 in Berlin), wurde aus der Sowjetunion ausgewiesen und kam 1938 mit den inzwischen drei Kindern nach Deutschland. Sie lebte zunächst bei ihren Eltern in Thüringen, später in Berlin. Nach Ausbombung ging sie nach Thüringen, arbeitete als Gelegenheitsarbeiterin und Putzfrau. 1957 Kreisvorsitzende des DFD in Pößneck. 1956 wandte sie sich an Walter Ulbricht, daraufhin wurde am 14. Januar 1957 der Parteiausschluß von Otto Sieg aufgehoben. Sie selbst erhielt 1963 die Anerkennung als »Verfolgte des Naziregimes«.

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Siegl, Sigrun

* 29.10.1954

Geb. in Apolda; 1970 Spartakiadesiegerin im Weitsprung; ab 1970 SC Turbine Erfurt (Trainer: Siegfried Meißner); 1975 DDR-Mstr.; 19.5.1976 WR im Weitsprung mit 6,99 m; 1976 Olymp. Spiele: Siegerin (Fünfkampf); VVO; 1976 Ende der sportl. Laufbahn; seit 1990 Inhaberin eines Fotofachgeschäfts in Erfurt.Olaf W. Reimann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Sievers, Hans

* 25.2.1893 – ✝ 16.2.1965

Geboren am 25. Februar 1893 in Hamburg, Sohn eines Kaufmanns. Nach dem Gymnasium bis 1914 im Lehrerseminar in Braunschweig, von 1914 bis April 1916 Soldat im Weltkrieg, dann Volksschullehrer in kleinen Orten, ab 1919 in Braunschweig. Sievers trat 1917 in die USPD ein, wurde im Mai 1920 als USPD-Abgeordneter in die Landesversammlung von Braunschweig gewählt. Von Juni bis Oktober 1920 war er in Braunschweig Minister für Volksbildung, mit 27 Jahren der jüngste Minister im Reich. Da er die 21 Bedingungen zum Beitritt zur Kommunistischen Internationale befürwortete, wurde er aus der USPD-Fraktion ausgeschlossen und trat am 23. Oktober 1920 als Volksbildungsminister zurück. Daraufhin bildete er mit den Abgeordneten Arno Krosse und Heinrich Röhrs die USPD-Fraktion (Linke) im Landtag, Ende 1920 VKPD. Im Januar 1922 zog Sievers mit Krosse für die KPD in den Landtag ein, verließ die Partei aber schon bald und ging zur SPD zurück. Er war von Dezember 1927 bis September 1930 Minister für Justiz und Volksbildung im Braunschweiger Kabinett Jasper. Einige Zeit im Vorstand der SPD-Landtagsfraktion, ab März 1933 illegal, emigrierte im Oktober 1933 nach Dänemark, wo Sievers als Übersetzer und Reiseführer arbeitete. Im Mai 1940 Flucht nach Schweden, lebte als Journalist und Sprachlehrer in Stockholm, war außerdem in der Stockholmer SPD-Gruppe aktiv. Seit 1945 Berater der dänischen Flüchtlingsverwaltung, 1948 kehrte Sievers nach Deutschland zurück. Als Mitglied der SPD war er von August 1948 bis Mai 1957 Regierungsdirektor in der schleswig-holsteinischen Ministerialverwaltung in Kiel und zuletzt Leiter des Landesentschädigungsamtes. Hans Sievers starb am 16. Februar 1965 in Kiel.

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Selbmann, Käte

* 17.2.1906 – ✝ 5.4.1962

Geb. in Berlin; Vater Eisenbahninspektor; Lyzeum, Staatl. Frauenschule in Droyßig u. Halle; Ausbildung zur staatl. geprüften Jugendltr.; Arbeit als Sachbearb. u. Sekr.; 1923 KJVD, 1929 KPD; 1929 – 31 Ltr. des städt. Kinderheims Leipzig, nach Beteiligung an einer Erwerbslosendemonstration entlassen; 1933 illeg. Arbeit; März/April 1933 »Schutzhaft«; Arbeiterin in einer Kartonagenfabrik in Gotha; 1935 erneut inhaftiert u. vom OLG Dresden wegen »Vorber. zum Hochverrat« zu 14 Mon. Haft verurteilt, Haft in den Strafanstalten Leipzig u. Dresden, 1937 entlassen; danach erneut illeg. Arbeit; 1942 – 45 als Privatlehrerin tätig. 1945 Mitarb. in der KPD-UB-Ltg. Gotha; 1946 SED; Sekr. der Volkssolidarität in Leipzig; Ref. bzw. Sekr. der SED für den Bez. Westsachsen; anschl. Krs.-Sekr. der SED in Leipzig; 1947 DFD; zeitw. Sekr. des »Dt. Frauenrats«; ab 1948 2. Vors. des DFD-Landesvorst. Sachsen; Mitgl. des DFD-Bundesvorst.; Okt, 1948 persönl. Mitarb. im Büro von  Walter Ulbricht; 1949 – 52 Ltr. des Frauensekr. des SED-PV bzw. Ltr. der Abt. Frauen des ZK der SED (Nachf. von  Maria Weiterer); Nov. 1952 Entbindung von der Funktion wegen schwerer Krankheit; 1950 – 54 Kand. des ZK der SED u. Abg. der Volkskammer.Andreas Herbst

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Sellin, Wolfgang

* 31.5.1927 – ✝ 13.8.2017

Geb. in Prenzlau; Vater Justizbeamter; OS; 1943/44 Marinehelfer, RAD, 1944/45 Wehrmacht; brit. Kriegsgefangenschaft. 1945/46 Abschl. der OS; 1946 – 51 Studium der Anglistik u. Germanistik in Rostock; 1951 – 53 Red.-Assistent u. Assistent des Aussch. des Verlags Volk u. Wissen; 1953 – 56 Ober- u. Hauptref. für Kinder- u. Jugendlit. im Amt für Lit. u. Verlagswesen; 1956 – 62 Lektor, Lektoratsltr., Cheflektor im Verlag Neues Leben Berlin; 1963 Gütekontrolleur, Betriebsfunkred. u. kommissar. BGL-Vors. im VEB Kühlautomat Berlin; 1963 – 68 Assistent des Verlagsltr. u. Lektor für Lit.-Wiss. im Aufbau-Verlag Berlin u. Weimar; 1968 Cheflektor des Eulenspiegel Verlags u. des Verlags Das Neue Berlin, 1978 – 90 Ltr. beider Verlage (satir. Lit. u. Karikatur, Kriminallit. u. Science-fiction); Mithrsg. von Anthol. mit satir. Lyrik u. Grafikmappen; lebte in Stahnsdorf (b. Berlin); gest. in Berlin.Carsten Wurm

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Semmelmann, Helmut

* 8.8.1934

Geb. in Gera; Vater Arbeiter; Grund- u. Oberschule, Abitur; 1953 – 58 Studium der Landw.-Wiss. an der »Timirjasew-Akad.« in Moskau, Dipl.-Landwirt; 1955 SED; 1958 – 61 wiss. Assistent auf der MTS Brahmenau; später Dir. der MTS Schlöben; 1961 – 64 Mitarb. bzw. Abt.-Ltr. der SED-BL Gera; 1964 Mitarb., 1974 – 81 Sektorenltr. des ZK der SED; 1981/ 82 1. Sekr. der SED-KL Zentr. Organe der Land- u. Nahrungsgüterwirtschaft; 1982 – 89 Ltr. der Abt. Landw. des ZK der SED (Nachf. von  Bruno Lietz); 1984 VVO; 1986 – 89 Mitgl. des ZK der SED; 10.11. – 3.12.1989 Sekr. für Landw. des ZK der SED (Nachf. von  Johannes Chemnitzer); 1986 – März 1990 Abg. der Volkskammer.Hagen Schwärzel / Andreas Herbst

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Sens, Max Wilhelm Hermann

* 19.12.1906 – ✝ 6.12.1962

Geb. in Hamburg; Vater Verkäufer u. Dekorateur, Mutter Verkäuferin; 1913 – 21 Grundschule, 1921 – 25 Berufsschule in Hamburg; 1924/25 Ausbildung zum Graveur in Hamburg; dann arbeitslos; 1923 – 25 drei Semester Studium (Abendkurse) an der Kunstgewerbeschule; 1925 – 30 KJVD; 1925 IAH; 1925 – 33 DMV; Pol.-Ltr. der KJVD-Abt. Neustadt, dann des Distriktzentrums; 1927 – 29 Mitgl. der KJVD-BL Wasserkante; dort 1927/28 Ltr. der Abt. Agit.-Prop.; 1928 Graveur in Hamburg; 1928/29 Sekr. des KJVD-Bez. Wasserkante; ab 1929 RGO; 1929/30 Instrukteur beim ZK des KJVD; ab 1930 KPD Hamburg-Zentrum; Inseratenakquisiteur in Hamburg; 1931 Betriebsinstrukteur der KPD-BL Wasserkante in Hamburg-Wandsbek; 1932 Sekr. der KPD-UBL Flensburg; 1932/33 Sekr. des IAH-LV Wasserkante; 1933 Ltr. des KPD-UB Kiel, dann Hamburg-Altona; 1933/34 Ltr. der RHD Wasserkante (»Walter«); 1934/35 Ltr. der Abt. Agit.-Prop. in der RHD-Reichsltg. (»Erich«); 25.4.1935 verhaftet, U-Haft in Berlin-Moabit, Dez. 1935 vom VGH zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt, 1936 – 45 Gefängnis Berlin-Charlottenburg, 1936 – 42 Zuchthaus Luckau (Niederl.), 1942 – 45 Zuchthaus Brandenb.-Görden; April 1945 Teiln. am Treck der pol. Gefangenen von Brandenb. nach Berlin. 1945/46 KPD/SED; Mai/Juni 1945 Polizeiinspekteur in Berlin-Spandau; 1945 – 49 Ltr., dann 1. Vors. des KPD-UB Berlin-Spandau; ab 1945 Ref. der Abt. für Sozialwesen im Bez.-Amt Berlin-Spandau; 1946 – 50 Mitgl. der KPD-BL Groß-Berlin bzw. des SED-LV Berlin; 1946 – 48 Abg. der Bez.-Verordnetenvers. Berlin-Spandau; 1949/50 1. Vors. der LPKK der SED Berlin; 1950 – 59 Mitgl. der ZPKK der SED, maßgebl. an Parteisäuberungen beteiligt; 1953/54 PHS der KPdSU in Moskau; 1954 – 58 Kand., ab 1958 Mitgl. des ZK der SED; 1959 Banner der Arbeit; Okt. 1959 Funktionsenthebung; 1959 – 62 Bevollm. der ZKSK im Bez. Dresden, 1962 im Bez. Potsdam; gest. bei einem Unfall.Weber, H., Mählert, U. (Hrsg.): Terror. Stalinist. Parteisäuberungen 1936 – 1953. Paderborn u. a. 1998.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Serwe, Hubert

* 28.2.1898 – ✝ 28.9.1966

Geboren am 28. Februar 1898 in Baasen bei Schleide/Eifel, streng katholisch erzogen; lernte Schlosser, 1916 als Kriegsfreiwilliger zur kaiserlichen Marine. Durch die Kriegserlebnisse wurde er zum Sozialisten, schloß sich 1918 der USPD an und kam mit deren linkem Flügel 1920 zur KPD. Bis 1924 Metallarbeiter in Köln, übte verschiedene Parteifunktionen aus. 1924 übersiedelte Serwe nach Berlin, dort hauptamtlicher Sekretär der Reichsleitung der Union der Hand- und Kopfarbeiter, Gruppe Metall. Ab 1925 Redakteur an KPD-Zeitungen, zunächst in Saarbrükken, ab November 1925 in Stuttgart, Anfang 1926 an der »Sächsischen Arbeiterzeitung« in Leipzig. Er wurde im Mai 1926 stellvertretender Chefredakteur der »Bremer Arbeiterzeitung« und ab Mitte April 1927 auch kurze Zeit deren Chefredakteur. Serwe kam im März 1929 als politischer Redakteur an das »Ruhr-Echo« in Essen, dann als Lokalredakteur nach Duisburg, wo er bis 1933 arbeitete. Vom 12. Mai 1933 bis 25. Dezember 1936 im KZ, danach Schlosser. 1943 besuchte ihn Willi Seng, um ihn für die illegale Arbeit zu gewinnen, Frau Serwe besorgte noch eine Unterkunft für Seng. Dieser hat nach seiner Verhaftung als erstes die Eheleute Serwe der Gestapo verraten. Daraufhin wurde Hubert Serwe verhaftet, im Juni 1944 angeklagt und zu einer Zuchthaustrafe von sechs Jahren verurteilt. Von der US-Armee 1945 aus dem Zuchthaus Butzbach befreit, trat er wieder der KPD bei (der er ohne eine Funktion bis zum Verbot angehörte). Bis April 1946 war er politischer Berater der örtlichen Militärbehörde in Erlangen, dann bei der Deutschen Nachrichtenagentur (DANA) als Redakteur beschäftigt. Serwe kam zunächst nach Nürnberg zur Berichterstattung über den Hauptkriegsverbrecher-Prozeß, wurde Ende 1946 beauftragt, das Nürnberger Außenbüro der DANA einzurichten und zu leiten. Bei der Fusion der Nachrichtenagentur 1949 mit der dpa blieb er in Nürnberg für die neue Agentur in gleicher Position, bis er 1963 in den Ruhestand ging. Hubert Serwe starb am 28.September 1966 in Nürnberg.

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Seyfert, Gabriele

* 23.11.1948

Geb. in Chemnitz; Mutter Eiskunstlauftrainerin  Jutta Müller; OS, Abitur; 1958 – 70 aktiv im Eiskunstlauf, Einzelläuferin beim SC Karl-Marx-Stadt (Trainerin: Jutta Müller); sportl. Erfolge: zweimal Teiln. an Olymp. Spielen (1964 18. Platz, 1968 2. Platz), dreimal EM (1967, 1969, 1970), zweimal WM (1969 u. 1970); nach Sportlehrerexamen an der DHfK Leipzig Trainerin für Eiskunstlauf beim SC Karl-Marx-Stadt; 1978 Abschl. eines Dolmetscherstudiums (Engl.) an der KMU Leipzig; danach Hosteß am Internat. Handelszentrum Berlin; 1985 – 91 Ltr. des Eisballetts des Berliner Friedrichstadtpalasts; danach Kundenbetreuerin in einem Dienstleistungsunternehmen; lebt in Berlin.Da muß noch was sein. Berlin 1998.Klaus Gallinat

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Shukow, Georgi Konstantinowitsch

* 1.12.1896 – ✝ 18.6.1974

Geb. in Strelkowa (Gebiet Kaluga, Mittelrußland); Vater Schuster; Kürschner; ab 1915 Militärdienst; 1917 Fähnrich der Roten Armee; ab 1918 Berufssoldat; 1919 KPdSU; Absolvent der Frunse-Militärakad. u. ab 1928 Teiln. von Ausbildungskursen der dt. Heeresltg. für sowj. Gen.-Stabsoffz.; Kavalleriekdr.; 1939 Armeekdr. bei den sowj. Streitkräften in der Mongolei; 1939, 1944, 1945 u. 1956 Held der Sowjetunion; Jan. – Juli 1941 Chef des Gen.-Stabs u. stellv. Volkskommissar für Verteidigung der UdSSR; ab Juni 1941 im Stab des Oberstkommandierenden Jossif W. Stalin, Armee-Gen.; ab April 1942 1. stellv. Volkskommissar für Verteidigung der UdSSR; zugl. Jossif W. Stalins Stellv. als Oberster Befehlshaber; 1941 – 46 Kand. des ZK der KPdSU; 1942 Marschall der Sowjetunion; Frontoberbefehlshaber, ab 1944 der 1. Weißruss. Front; er nahm an allen militärstrateg. Planungen u. deren Durchführung teil. Am 8.5.1945 nahm er als Oberbefehlshaber der 1. Weißruss. Front in Berlin-Karlshorst die Kapitulation der Wehrmacht entgegen; 1945 – März 1946 Oberbefehlshaber der sowj. Besatzungstruppen in Dtl. u. Oberster Chef der SMAD; somit Gesamtverantw. für die sowj. Besatzungspol. in der SBZ; Mitgl. des Alliierten Kontrollrats für Dtl.; seine militärisch-pragmatische Amtsführung, Entscheidungsfreude u. Konfliktfähigkeit erzeugten Widerstand innerhalb der SMAD u. bei den Volkskommissaren; Versuche, den populären Marschall durch fingierte Materialien strafrechtl. u. pol. (»Fraktionsverschwörung«) zu kompromittieren, wurden durch Jossif W. Stalin gestoppt; 1946 – 48 Kdr. der Militärbez. Odessa, 1948 – 53 Ural; ab 1950 Mitgl. des Obersten Sowjets der UdSSR; 1952 – 57 Mitgl. des ZK der KPdSU; ab 1953 Erster Stellv. u. 1955 – 57 Min. für Verteidigung der UdSSR (Nachf. von Nikolai A. Bulganin); 1957 des Disziplinverstoßes u. »Bonapartismus« bezichtigt; 1958 Ruhestand; gest. in Moskau.Wospominanija i rasmyschlenija, Moskwa 1970 (10. Aufl. 1990); Erinnerungen u. Gedanken. Berlin 1976. Suworow, V.: Marschall Schukow. Lebensweg über Leichen. Selent 2001.Jan Foitzik

Wer war wer in DDR

Sieber, Rolf

* 10.12.1929

Geb. in Lunzenau (Krs. Rochlitz); Vater Arbeiter; Volksschule; 1944 – 47 kaufm. Lehre; 1945/46 KPD/SED; 1948 – 50 Abitur an der ABF, 1950 – 56 Studium der Ökon. an der HfÖ Berlin, am Staatl. Moskauer Ökonom. Inst. u. an der Lomonossow-Univ. in Moskau, Dipl.-Wirtsch.; 1956 – 73 HS-Lehrer an der HfÖ, wiss. Ass. u. Oberass., 1959 Prom. zum Dr. oec., Doz., 1963 Habil., 1964 Prof. mit Lehrauftrag u. Prorektor; 1970 ord. Prof. für pol. Ökon. / Geschichte der pol. Ökon.; 1963 – 76 Abg. der Volkskammer, 1967 – 74 ehrenamtl. Vors. der Internat. Parlamentar. Gruppe der Volkskammer der DDR; 1974 – 78 Botschafter der DDR in den USA u. Kanada; 1979 – 88 Rektor der HfÖ Berlin (Nachf. von Walter Kupferschmidt); 1979 – 89 Mitgl. der SED-BL Berlin.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Siebold, Klaus

* 12.9.1930 – ✝ 23.6.1995

Geb. in Laubusch (Krs. Hoyerswerda); Ausbildung zum Bergmann; Studium an einer Berging.-Schule, Berg-Ing.; ab 1952 hauptamtl. SED-Funktionär in örtl., später zentr. Orga- nen; Studium an der PHS, Dipl.-Ges.-Wiss.; 1957 – 59 Werkltr. eines Braunkohlenwerks; 1959 – 63 Ltr. der Kohleindustrie im Volkswirtschaftsrat bzw. in der SPK; 1963 – 65 dort stellv. Vors. für den Bereich Kohle u. Energie; 1965 – 79 Minister für Grundstoffindustrie, ab 1971 für Kohle u. Energie; wegen der Energiekrise 1978/79 abgelöst u. in die Industrie versetzt; 1974 VVO; zeitw. Dir. des Braunkohlenwerks Welzow; gest. in Spremberg.Chronik. VEB-Braunkohlenwerk Welzow. Welzow 1987.Hagen Schwärzel / Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Siegel, Bruno

* 10.9.1890 – ✝ 12.8.1948

Geboren am 10. September 1890 in Hilbersdorf/Freiberg, stammte aus einer armen Familie mit zehn Geschwistern. Als Schulkind mußte er Botenarbeit verrichten, lernte Klempner. Siegel durchwanderte Deutschland, trat 1909 der SPD bei. Er wurde 1911 in Hamburg zur Marine gezogen, Obermaat in Kiel, im Weltkrieg bei der Marine Maschinist auf der »Goeben«. Verwundet kam er 1917 nach Wilhelmshaven, heiratete und zog 1919 nach Dresden, Klempner bei der Reichsbahn. 1919 trat Siegel der USPD bei und kam mit der linken USPD 1920 zur KPD, wurde 1924 Mitglied der BL Ostsachsen und des Hauptbetriebsrats der Deutschen Reichsbahn. 1926 wurde Siegel als Abgeordneter in den Sächsischen Landtag gewählt, blieb aber weiterhin bei der Reichsbahn beschäftigt. Der XI. Parteitag 1927 berief ihn in die Gewerkschaftskommission, 1928 Delegierter des VI. Weltkongresses der Komintern. Bis 1930 Landtagsabgeordneter und bis 1933 2. Vorsitzender der RGO-Gruppe Eisenbahn, war Siegel außerdem im illegalen AM-Apparat tätig. Im März 1933 schwerkrank, stellte er sich selbst der Polizei und saß bis 1934 in »Schutzhaft« im KZ, dann Seifenhändler und ab 1935 wieder Klempner. Bei Kriegsausbruch erneut verhaftet, kam bis 1940 ins KZ Buchenwald. Er sollte für die Gestapo geworben werden, als er ablehnte, nochmals zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt. 1945 in Waldheim befreit, wieder KPD-Funktionär, er gab zunächst eine Zeitung für Döbeln heraus, ging nach Dresden, dort Bezirks-Personal-Vertreter der Reichsbahn und im Juli 1945 Staatssekretär für Verkehrswesen bei der Sächsischen Landesregierung. Seit 1946 schwerkrank ans Bett gefesselt, starb Bruno Siegel am 12. August 1948 in Dresden.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Siegmund, Kurt

* 21.12.1910 – ✝ 63 bis 198

Geboren am 21. Dezember 1910 in Schönnewitz/Saalekrs., Sohn eines Steinsetzers. Von Beruf Linierer, im Oktober 1927 Mitglied des KJVD, 1931 der KPD. Seit 1929 hauptamtlicher Funktionär des KJVD und der Roten Jungfront in Halle und Berlin. Ende 1932 kam er nach Moskau, dort Praktikant, dann Referent in der Orgabteilung des EK der KJI. Nach einem militärtheoretischen Kurs bei Wilhelm Zaisser reiste er im Spätsommer 1933 über Skandinavien illegal nach Deutschland, hier Oberinstrukteur für den KJVD in Sachsen. Von Mitte bis Ende 1934 Leiter des KJVD in Berlin. Auf der Moskauer Reichskonferenz Ende 1934 in das ZK des KJVD gewählt, gehörte Siegmund bis Mai 1935 dem in Berlin illegal wirkenden Sekretariat des ZK des KJVD an. Anschließend in der ?CSR im Auslandssekretariat, 1935/36 deutscher Vertreter in der KJI, Delegierter zum VII. Weltkongreß der Komintern. Unter dem Parteinamen Friedel Stein von November 1936 bis September 1937 Vertreter des KJVD beim Sekretariat des ZK der KPD in Paris. Danach erneut zur illegalen Arbeit in Deutschland und im Mai 1939 nach Schweden zur AL Mitte. Er sollte Anfang 1941 in Deutschland die Jugendarbeit übernehmen, reiste aber in die Niederlande, hielt Kontakte zu deutschen Kommunisten. Im August 1945 nach Deutschland zurückgekehrt, war Siegmund zunächst Redakteur in Halle. Ende 1948 Leiter der MAS-Landesverwaltung Sachsen-Anhalt, Ende 1950 DDR-Staatssekretär und Vizeminister für Land- und Forstwirtschaft. Ab 1958 Stellvertretender Vorsitzender des Rates des Bezirks Neubrandenburg, 1962 entbunden, später Direktor des Instituts der Akademie der Landwirtschaftswissenschaften der DDR. Von 1963 bis 1988 Mitglied der ZRK der SED, er erhielt 1985 den Karl-Marx-Orden. Kurt Siegmund starb am 17.November 1988 in Ost-Berlin.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Sievers, Max

* 11.7.1887 – ✝ 17.1.1944

Geboren am 11. Juli 1887 in Berlin-Tempelhof, aufgewachsen in einem proletarisch-kleinbürgerlichen Milieu; bis 1907 Bürojunge, holte in Abendkursen die Mittlere Reife nach, war kaufmännischer Angestellter und stieg kurz vor Kriegsbeginn zum Prokuristen auf. 1915 zum Militär eingezogen, nach einer schweren Verletzung im Sanitätswesen tätig. 1918 wurde Sievers Mitglied der USPD und Redakteur an den USPD-Zeitungen »Freiheit« und »Klassenkampf«. Er gehörte 1918/19 dem Neuköllner Arbeiterrat an, nahm am 2. Reichsrätekongreß der Arbeiter- und Soldatenräte teil und wurde im Frühjahr 1919 Abgeordneter in der noch selbständigen Stadtgemeinde Neukölln, hauptamtlich im Rathaus Neukölln beschäftigt. Ende 1920 trat er in die VKPD ein, wurde Redakteur des Zentralorgans »Rote Fahne« und für die Abendnummern dieser Zeitung verantwortlich. Als am Ende der 2. Tagung des ZA am 24. Februar 1921 Paul Levi mit weiteren Mitgliedern der Zentrale zurücktrat, wurden Ergänzungswahlen notwendig. Dadurch kam Max Sievers für wenige Wochen neben Paul Frölich, Ernst Meyer und Paul Böttcher als Sekretär in die Zentrale. Er hat sich dann kritisch über die März-Aktion geäußert und sich gegen die Unterordnung der KPD unter Moskauer Diktat gewandt. Daraufhin am 8. April 1921 seiner Funktion enthoben, verließ Sievers die KPD, wurde Mitglied der SPD. Zunächst hauptamtlicher Sekretär, später Vorsitzender des Deutschen Freidenker-Verbandes, der unter seiner Leitung als sozialdemokratische Nebenorganisation einen starken Aufschwung nahm (zuletzt 600 000 Mitglieder). Ende März 1933 verhaftet, saß Sievers drei Wochen in »Schutzhaft«, floh dann über die ?CSR und die Schweiz in das Saargebiet, ging nach Brüssel und setzte von hier aus seinen Kampf gegen das Nazi-Regime fort. In unregelmäßigen Abständen verbreitete Sievers einen »Informationsbrief« unter dem Titel »SIKO«, der den »sozialistischen Kämpfern in Deutschland als theoretisches Rüstzeug dienen« sollte, und gab ab 1936 die Kampfschrift »Freies Deutschland« heraus. Sievers hatte enge Kontakte zu Angehörigen der SAP, den RSD und zu »Neu Beginnen«. Nach der Besetzung Belgiens 1940 interniert, flüchtete er beim Transport und lebte illegal unter falschem Namen in Nordfrankreich. Er versuchte vergeblich, in die Schweiz zu kommen und fiel am 3.Juni 1943 durch Denunziation in die Hände der Gestapo. Unter Vorsitz des berüchtigten Präsidenten des VGH Freisler am 17. November 1943 zum Tode verurteilt, wurde Max Sievers am 17.Januar 1944 im Zuchthaus Brandenburg hingerichtet.