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BioLex

In der Kategorie BioLex sind drei wichtige Lexika mit über 5500 Biografien von überzeugten Kommunistinnen und Kommunisten, Renegatinnen und Dissidenten im Volltext recherchierbar.

 

Das Handbuch „Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945“ wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam.

Kurzbiografien zu Personen des politischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 bereit.

Zudem ist das Online-Lexikon www.dissdenten.eu ebenfalls auf unserer Seite aufrufbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Informationen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in DDR

Starke, Hans

* 7.10.1927 – ✝ 14.12.1992

Geb. in Riesa; Vater Arbeiter; Volks- u. Oberschule; 1944 / 45 RAD u. Wehrmacht. 1945 Hofarbeiter u. Markthelfer in Riesa; 1945 – 47 OS in Riesa, Abitur; 1946 Sekr. der FDJ-Ortsltg. Riesa; 1947 SED; 1947 / 48 Reporter der »Sächsischen Zeitung«; 1948 / 49 Ortsgruppensekr. bzw. Kreissekr. des KB Riesa; 1949 – 51 stellv. Sekr. des KB, LV Sachsen; 1951 – 62 Angeh. der DVP (zuletzt Major); Dramaturg, stellv. Ltr. bzw. Ltr. des Ensembles der DVP; 1962 – 67 Ltr. des Büros des Ministers für Kultur; 1967 – 74 Ltr. der Abt. Unterhaltungskunst im Min. für Kultur, Sept. 1973 amt. Stellv. des Ministers für Kultur (für  Werner Rackwitz, der zeitw. an der SED-PHS war); 1974 / 75 Lehrgang an der SED-PHS; 1974 – 76 Stellv. des Ministers für Kultur u. Ltr. der HV Film im MfK (Nachf. von  Günter Klein), Ablösung aus der Funktion; ab 1977 Stellv. des Intendanten an der Kom. Oper in Berlin; gest. in Berlin.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Stauch, Gerhard

* 21.5.1924 – ✝ 5.4.2017

Geb. in Halle; Vater Schlosser; Volksschule; 1939 Ausbildung zum Dreher, 1942 Geselle; Kriegsdienst. 1945 KPD; Krankenhausangest.; 1946 FDJ-Sekr.; dann Sekr. der SED-KL Halle; 1949/50 PHS; 1951 Einstellung beim MfS; Abt.-Ltr. Agit. u. Prop. der HA Politkultur des MfS; 1953 OibE als Ltr. der Pol. Abt. der Transportpolizei; 1957 OibE als Instrukteur für Pol.-Kultur im MdI; 1959 – 89 OibE in der Zollverw. der DDR; 1959 1. Stellv. des Ltr., 1963 Ltr. der Zollverw. (Nachf. von  Anton Ruh); Chefinspekteur; Mitgl. des Präs. der ZL der SV Dynamo; 1977 VVO; 1979 Oberst; 1989 Ruhestand.Jens Gieseke

Wer war wer in DDR

Staudte, Wolfgang

* 9.10.1906 – ✝ 19.1.1984

Geb. in Saarbrücken, aufgew. in Berlin; Vater u. Mutter Schauspieler; mittlere Reife; Autoschlosser; Motorradrennfahrer; Ing.-Studium; 1926 erste Theatererfahrungen in Schneidemühl; dann Volksbühne Berlin bei Max Reinhardt u. Erwin Piscator; ab 1931 Auftritte im Film; ab 1933 Regie von Kurzfilmen; 1943 erste Spielfilmregie »Akrobat schö-ö-ön«; zeitw. Berufsverbot. 1946 erster dt. Nachkriegsfilm »Die Mörder sind unter uns« (DEFA); weitere DEFA-Filme: 1948 »Die seltsamen Abenteuer des Herrn Fridolin B.«, 1949 »Rotation«; 1951 NP; 1952 »Der Untertan« (nach Heinrich Mann), 1953 »Die Geschichte vom kleinen Muck« (nach Wilhelm Hauff), 1954 »Leuchtfeuer«; ab 1955 Korr. Mitgl. der AdK; 1955 nach Streitigkeiten mit  Bertolt Brecht wegen der Verfilmung von »Mutter Courage u. ihre Kinder« Abbruch der Dreharbeiten u. Weggang von der DEFA; ab 1956 Filme in der Bundesrep. Dtl., wie schon in der DDR häufig zu antifa. Themen, u. a.: 1959 »Rosen für den Staatsanwalt«, 1960 »Kirmes«, 1964 »Herrenpartie«; ab 1968 fast ausschließl. Arbeit fürs Fernsehen, u. a. 1971 »Der Seewolf«, 1979 »Der eiserne Gustav«, 1983 »Der Snob«; zahlr. Folgen des »Tatorts« u. a. Krimiserien; 1975 Filmband der Bundesrep. Dtl.; 1979 Großes Verdienstkreuz der Bundesrep. Dtl.; gest. bei Außenaufnahmen zum TV-Mehrteiler »Der eiserne Weg« in Zigarski (Slowenien). Seit 1990 wird jährl. auf der Berlinale der W.-St.-Preis im Internat. Forum des Jungen Films vergeben. Sek.-Lit.: Knietzsch, H.: W. S. Berlin 1966; Orbanz, E. (Hrsg.): W. S. Berlin 1977; Ludin, M.: W. S. Reinbek 1996; Schmidt-Lenhard, U. u. a. (Hrsg.): Courage u. Eigensinn. Zum 100. Geb. von W. S. Berlin 2006.Ralf Schenk

Wer war wer in DDR

Steeger, Horst

* 15.5.1932

Geb. in Kamsdorf (Krs. Saalfeld); 1946 Ausb. in der Maxhütte in Unterwellenborn; FDJ; 1960 SED; Studium des Finanz- u. Rechnungswesens, der Statistik u. der Volkswirtschaftsplanung an der ASR Potsdam-Babelsberg u. der HfÖ Berlin-Karlshorst, Dipl.-Wirtsch.; 1958 Prom. zum Dr. rer. oec., 1963 Habil. an der HfÖ; 1958 – 64 Ltr. der DDR-Deleg. in der ständigen Kommission für ökon. Fragen im RGW; 1965 – 67 stellv. Dir., 1967 Dir. des ökon. Forschungsinst. bei der SPK (Nachf. von  Helmut Koziolek; ab 1972 Vors. des Wiss. Rates für die Vervollkommnung des Systems der Planung u. der wirtschaftl. Rechnungsführung, Mitgl. des Forschungsrats beim Min.-Rat; 1974 VVO; 1976 NP; 1984 – 90 Rektor der ASR (Nachf. von  Gerhard Schüßler).Der Kosteneffekt, das Niveau u. die Perspektiven der Kombination im Eisenhüttenwesen. Berlin 1958; Probleme der ökon. Stimulierung, Planung u. Abrechnung des wiss.-techn. Fortschritts. Berlin 1963; Planung der Volkswirtschaft in der DDR. Berlin 1970 (Hrsg.); Lexikon der Wirtschaft. Berlin 1980 (Hrsg.).Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Steffen, Max

* 24.11.1909 – ✝ 4.9.1988

Geb. in Berlin; Vater Arbeiter; Volksschule; Ausb. zum Maurer; 1925 KJVD, tätig für die Rote Jugendfront in Berlin-Buch u. Bernau (b. Berlin); Metallarbeiter; arbeitslos; 1933 illeg. Tätigkeit, verhaftet; 1933/34 KZ Oranienburg, dann Polizeiaufsicht; 1934 – 38 Bauarbeiter in Bernau; 1938 Maurer in Zepernick, Schönow u. Berlin; Wehrmacht; sowj. Kriegsgefangenschaft; Antifa-Schule; Lehrer an der Antifa-Schule in Baku. 1948 Rückkehr nach Dtl.; SED; 1949 FDGB u. DSF; Lehrer an der LPS Brandenb.; Abt.-Ltr. beim SED-Landesvorst. Brandenb.; 1952/ 53 Studium an der PHS; 1953 – 58 Abg. des Bez.-Tags Potsdam; 1953 – 60 1. Sekr. der SED-BL Neubrandenb. (Nachf. von  Willi Wiebershausen); 1958 – 63 Mitgl. des ZK der SED; 1954 – 63 Mitgl. der Volkskammer; 1961 – 80 1. Sekr. der SED-BPO im VEB Kraftwerk Lübbenau; danach Dir. für Kader u. Berufsausbildung der VVB Kraftwerke.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Steger, Otfried

* 25.9.1926 – ✝ 13.2.2002

Geb. in Wechselburg (Krs. Rochlitz); Vater Angest.; Volksschule; 1941 – 43 Ausbildung zum Maschinenschlosser im RAW Chemnitz; danach dort berufstätig; 1943 RAD; 20.4.1944 als NSDAP-Mitgl. registriert; 1944/45 Wehrdienst. 1945/46 Bau- u. Betonarb. in Wechselburg; 1945 FDGB; 1946/47 Schlosser in Wolkwitz u. Wechselburg; 1947 – 49 CDU; Jan. 1948 – 52 Fördermann, Geologe, Radiometrist, Revierltr. bei der SAG Wismut; 1950 SED; 1952/ 53 Schulungs- u. Kaderltr. der HO Wismut; 1953 Baultr. in Rochlitz; 1953 – 56 tätig im Industriezweig Elektrotechnik u. a. als Normenbearb., Gruppenltr. u. Hauptdispatcher; 1955 – 58 Mitgl. einer SED-Stadt-BL in Karl-Marx-Stadt; 1956 – 58 Werkdir. im dortigen VEB Starkstromanlagenbau; 1958 – 63 Haupt- bzw. GD der VVB Elektroprojektierung u. Anlagenbau Berlin; 1962 Abschl. eines Fernstudiums, Arbeitsökon.; 1963 – 65 Ltr. der Abt. Elektrotechnik im Volkswirtschaftsrat; 1964 Studium an der Ing.-Schule Berlin-Lichtenberg, Ing. für Starkstromanlagen; Dez. 1965 – Okt. 1982 Minister für Elektrotechnik u. Elektronik; ab 1967 Kand., 1971 – 86 Mitgl. des ZK der SED; 1968 Studium am ZI für soz. Wirtschaftsführung beim ZK der SED; 1969 u. 1986 VVO; 1970 Verdienstmedaille der NVA; 1976 – 86 Abg. der Volkskammer u. Mitgl. der Wirtschaftskommission des PB des ZK der SED; Rotbannerorden; ab 1986 Mitgl. der ZRK der SED; 1987 Rentner.Elke Reuter / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Steidle, Luitpold

* 12.3.1898 – ✝ 27.7.1984

Geb. in Ulm; Vater Oberkriegsgerichtsrat; Realgymnasium in München, Abitur; 1915 – 18 Kriegsdienst im bayr. Schneeschuhkorps, zul. Ltn.; 1919 Studium der Landw.-Wiss. an der Univ. München; 1919 – 21 Ausbildung zum Landwirt; 1922 – 26 selbst. Landwirt in Loibersdorf (b. Rosenheim); 1926 – 28 Gutsinspektor in Kampehl (b. Neustadt (Dosse)); 1928 – 33 Gestütsinspektor in Berberbeck (b. Kassel); 1.5.1933 NSDAP; 1933/34 arbeitslos; 1934 Versicherungsagent; Ende 1934 Reaktivierung als Reichswehr-Offz.; 1942 Oberst u. Regt.-Kdr.; 1943 in Stalingrad in sowj. Kriegsgefangenschaft; Mitbegr. u. Vizepräs. des Bundes Dt. Offz.; bis 1945 Frontbevollm. des NKFD; 1943 von einem NS-Gericht zum Tode verurteilt. 1945 Rückkehr nach Dtl.; 1945 FDGB; 1945 – 48 Vizepräs. der Dt. Verw. für Land- u. Forstw.; 1946 CDU; 1948/49 stellv. Vors. der DWK; 1949/50 Abg. der Prov. Volkskammer u. Minister für Arbeit u. Gesundheitswesen; 1950 – 84 Mitgl. des Pol. Aussch. (später: Präs.) des Hauptvorst. der CDU; 1950 – 71 Abg. der Volkskammer; 1950 – 58 Minister für Gesundheitswesen; 1956 Ehrensenator der Univ. Greifswald; seit 1958 1. Stellv. des Vors. der Arbeitsgemeinschaft ehem. Offz.; 1959/60 wiss. Berater im MdI (u. a. Luftschutz); 1960 – 69 OB der Stadt Weimar (Nachf. von  Hans Wiedemann); seit 1961 Mitgl. des Präs. der Dt.-Afrikan. Ges. der DDR; seit 1960 Mitgl. des Bez.-Aussch. Erfurt u. des Krs.-Aussch. Weimar der NF; seit 1959 Mitgl. des Aussch. für Nat. Verteidigung; 1964 – 70 Vizepräs. des Städte- u. Gemeindetags; 1965 VVO; 1968 – 72 Vizepräs. des KB; seit 1972 Ehrenmitgl. des Präs.-Rats des KB; 1969 Rentner; gest. in Weimar.Das Nationalkomitee Freies Dtl. Burgscheidungen 1960; Das große Bündnis. Burgscheidungen 1963; Entscheidung an der Wolga. Berlin 1969. Weißhuhn, H.: L. S. Berlin 1986.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Stein, Willy

* 15.5.1907 – ✝ 7.7.1991

Geb. in Crossen a. d. Oder (Prov. Brandenburg / Krosno Odrzańskie, Polen); Vater Arbeiter; Volksschule; Lehre u. Arbeit als Modelltischler; 1926 KPD; 1935 – 45 Hilfsschlosser. 1945 / 46 Bezirksvorsteher im Bezirksamt Berlin-Prenzlauer Berg; 1946 SED; 1946 – 49 Abt.-Ltr. für Kommunalpolitik der SED-KL Berlin-Prenzlauer Berg; 1949 – 53 Ltr. der Abt. Staatl. Verwaltungen der SED-BL Berlin; 1953 Lehrgang an der SED-PHS; 1954 / 55 Instrukteur des ZK der SED im Bez. Halle; 1957 VVO; 1955 – 58 2. Sekr. der SED-BL Halle; 1958 – 60 Sekr. des Rats des Bez. Halle; 17.8.1960 wg. »pateischädigenden Verhaltens« Ablösung als Sekr. des Rats des Bez.; anschl. Sekr. des Rats der Stadt Dessau; gest. in Dessau.Mario Niemann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Steinberger, Nathan

* 16.7.1910 – ✝ 26.2.2005

(* 1910 – † 2005) Geboren am 16. Juli 1910 in Berlin, wuchs als jüngstes Kind einer jüdisch-orthodoxen Familie in ärmlichen Verhältnissen auf. Unter dem Einfluß seines älteren Bruders Adolf, der später in einem KZ ermordet wurde, schloß er sich zunächst der jüdisch-sozialistischen Jugendbewegung an. 1924 Mitglied der KJD, beteiligte sich am Aufbau der »Kommunistischen Pennälerfraktion« und des Sozialistischen Schülerbunds SSB. Da seine Ortsgruppe die Auffassungen von Karl Korsch teilte, wurde sie 1926 zeitweilig aus dem KJVD ausgeschlossen. 1926/27 gehörte Steinberger der Reichsleitung des SSB an und trat 1928 in die KPD ein. Nach dem Abitur 1929 zunächst Studium an der medizinischen Fakultät, dann Wechsel zur Nationalökonomie, wo er seine spätere Frau Edith Steinberger, geborene Lewin (* 21. 6. 1908 – † 2. 2. 2001), kennenlernte. Er spezialisierte sich auf Agrarwissenschaft und arbeitete u. a. mit Karl Wittfogel zusammen, auf dessen Empfehlung er vor Beendigung seines Studiums 1932 nach Moskau an das Agrarinstitut berufen wurde. Steinberger promovierte 1935 zum Thema »Die Agrarpolitik des Nationalsozialismus«. 1936 aus dem Agrarinstitut entlassen, er war bemüht, seine Familie (1935 war Tochter Marianne geboren) mit Deutschunterricht über die Runden zu bringen. Ende April 1937 vom NKWD festgenommen und wegen »konterrevolutionärer trotzkistischer Tätigkeit« zu lebenslänglicher Verbannung verurteilt, war bis 1946 im Lager Kolyma, dann noch bis 1955 als Verbannter in Magadan. Edith Steinberger wurde 1941 verhaftet, bis 1946 im Arbeitslager bei Karaganda, dann verbannt, sie durfte 1952 zu ihrem Mann nach Magadan. Die im Jahre 1941 sechsjährige Tochter war von einer befreundeten Familie aufgenommen worden und sah ihre Eltern erst 1952 wieder. Nathan und Edith Steinberger kamen Ende 1955 nach Ost-Berlin, er arbeitete zunächst bei der SPK und ab 1960 als Professor an der LPG-Hochschule in Meißen, ab 1964 an der Hochschule für Ökonomie in Ost-Berlin. Nathan Steinberger starb am 26. Februar 2005 in Berlin.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Steiner, Helmut

* 7.2.1936 – ✝ 14.2.2009

Geb. in Christophhammer (ČSR / Kryštovovy Hamry, Tschechien); Mutter gelernte Schneiderin, Vater Buchhalter u. Inh. eines Sägewerks; 1946 Umsiedl. nach Loburg (Sachsen-Anh.); 1954 Abitur in Wendgräben (Krs. Loburg); 1954 SED; 1954 – 58 Studium der Wirtschaftswiss. an der HU Berlin, Dipl.-Wirtsch.; 1958 – 60 hauptamtl. Mitgl. des Sekr. der FDJ-KL an der HU Berlin; 1960 – 62 Aspirantur an der HU Berlin; 1962 – 91 an versch. Inst. der DAW/AdW in Berlin, bis 1967 Assistent u. Arbeitsltr. in der von  Kurt Braunreuther geleiteten Arbeitsgr. »Soziol.« am Inst. für Wirtschaftswiss., der ersten offiziösen soziolog. Einrichtung in der DDR; 1963 Prom. an der HU Berlin mit einer Diss. zur Soziol. der Angestellten in Westdtl.; 1967 bis zur Einstellung 1970 Mitgl. des Red.-Koll. der Ztschr. »Jugendforschung«; 1968/69 Gastwiss. am Inst. für Philos. der AdW der UdSSR in Moskau; 1970 – 74 Ltr. des Bereichs »Wissenschaftssoziol.« am Inst. für Wissenschaftstheorie u. -org.; 1974 – 78 hauptamtl. Sekr. für Agit. u. Prop. der SED-KL an der AdW; 1977 Habil. an der AdW mit einer Arbeit über wiss. Schulen; 1978 – 86 wiss. Mitarb., ab 1983 Ltr. des Bereichs »Theorie u. Geschichte« am Inst. für Soziol. u. Sozialpol. (ISS); 1979 Berufung zum Prof.; 1981 – 86 Vors. der DSF an der AdW, 1986 – 90 DSF-Bezirksvors. von Berlin; 1985 Initiator der Internat. Symposien zur Theorie u. Geschichte der Soziol. in Linowsee (b. Rheinsberg); 1987 nach Konflikten mit der Ltg. des ISS Wechsel an das ZI für Geschichte, dort wiss. Mitarb. bis 1991; ab 1967 Mitgl. der Forschungskomitees »Sozialstruktur«, »Geschichte der Soziol.« sowie »Soziol. der Wiss.« der Internat. Soziolog. Assoziation. 1990 – 94 ehrenamtl. Chefred. der Ztschr. »Utopie kreativ«; 1992 kurzzeitig im Rahmen des Wissenschaftler-Integrations-Progr. des Bundes u. der Länder gefördert, auf Empfehlung der Integritätskommission gekündigt, danach arbeitslos; 1993 – 2001 Lehraufträge an der Univ. Hannover; seit 1994 Mitgl. der Leibniz-Sozietät sowie des Red.-Koll. ihrer »Sitzungsberichte«; Mitgl. des Red.-Koll. der russ. Ztschr. »Soziolog. Journal«; seit 1996 Rentner; 1999 assoziiertes Mitgl. des Inst. für Soziol. der Russ. AdW; seit 1990 wiederholt Gastprof. am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung; seit 1998 korr. Red.-Mitgl. der Ztschr. »Argument«; 2005 Ehrenmitgl. der Ges. Russ. Soziologen; Hrsg. der Reihe »Social Studies on Eastern Europe« (Berlin 1999 ff.); verh. mit der Mathematikerin  Roswitha März; gest. in Berlin. Arbeitsgebiete: Klassen- u. Sozialstrukturanalyse, Soziol. wiss. Schulen, Geschichte der russ. u. der dt. Soziol., seit den 1990er Jahren verstärkt der DDR-Soziol.; mehr als 400 Veröff.; maßgebl. Beiträge zur Etablierung der Soziol. in der DDR in den 1960er Jahren u. ihrer internat. Vernetzung sowie insb. zur Profilierung d. frühen DDR-Sozialstrukturforsch.Soziale Strukturveränderungen im mod. Kap. Berlin 1967; Wiss. Schöpfertum u. Schulen in der Wiss. Berlin 1977; Soziol. als Friedrich, W.: H. St. – Stationen u. Leistungen einer Soziologen-Karriere. In: Ders. (Hrsg.): Soziol. u. Gesell. – widersprüchl. Verhältnis. Leipzig 2002; Meyer, H.: Die DDR-Soziol. von den Anfängen bis 1971. In: Rauh, H.-C./Ruben, P. (Hrsg.): Denkversuche. Berlin 2005; Genov, N., Kreckel, R. (Hrsg.): Soziolog. Zeitgeschichte. Fs. Berlin 2006.Jan Wielgohs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Steinicke, Johannes (Hans)

* 5.2.1906 – ✝ 11.2.1962

(* 1906 – † 1962) Geboren am 5. Februar 1906 in Bartenstein/ Ostpreußen, Sohn des Kantinenpächters Moritz Steinicke, der im Februar 1919 von Freikorpstruppen in Gelsenkirchen erschossen wurde. Elektroschweißer, Mitglied der KPD, 1928 wegen »trotzkistischer Bestrebungen« aus der KPD ausgeschlossen, wurde Mitglied der Berliner Leitung des Leninbundes. Nach 1933 im Widerstand gegen das NS-Regime, gehörte der illegalen Reichsleitung des Leninbundes an. Zur Tarnung hatte er am 1. April 1933 seine Aufnahme in die NSDAP beantragt, die das NSDAP-Kreisgericht ablehnte. Erstmals am 1.August 1939 wegen Verdachts der Sabotage verhaftet, im November freigelassen, dann am 13. Dezember 1941 in der elsässischen Stadt Colmar erneut festgenommen. Er saß bis April 1945 in verschiedenen KZs, u.a. in Natzweiler/Elsaß und Dachau, zuletzt in einem SS- Speziallager in Kempten/Allgäu. Im Juni 1945 Rückkehr nach Berlin, arbeitsunfähig, er erhielt eine Rente. Anfang 1946 Aufnahme in die KPD, blieb aber bei seiner kritischen Haltung gegenüber der KPD/SED und wurde schon im August 1946 aus der SED ausgeschlossen. Steinicke organisierte oppositionelle Kommunisten in einer antistalinistischen Gruppe und äußerte weiter öffentlich Kritik an der SED und der sowjetischen Besatzungsmacht. Am 1. Mai 1947 wurde er beim Verteilen von antistalinistischen Flugblättern auf der Kundgebung im Berliner Lustgarten vom NKWD festgenommen. Nach Untersuchungshaft in Bautzen und Halle verurteilte ihn im September 1947 ein sowjetisches Militärtribunal zu 25 Jahren Lagerhaft in Sibirien. Ende 1953 amnestiert, kehrte er schwerkrank nach Deutschland zurück. Johannes Steinicke starb am 11.Februar 1962 in West-Berlin.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Steinitz, Wilhelm

* 13.6.1890 – ✝ 15.12.1937

Geboren am 13. Juni 1890 in Graudenz/Westpreußen; Buchbinder, seit 1919 Mitglied der USPD, 1920 der KPD, Funktionär des AM-Apparates und des RFB, 1924/25 Mitglied der Leitung (Kassierer) des RFB Gau Mittelrhein. 1926/27 Literaturobmann des IAH-Landesvorstands Mittelrhein und 1929/30 Polleiter des RFB in Köln. 1931/32 gehörte Steinitz der Führung des AM-Apparats der BL Mittelrhein an. Er emigrierte im Mai 1933 in die Sowjetunion, arbeitete in Moskau als Fräser im Werk Nr. 46 des Volkskommissariats für Verteidigungsindustrie. Am 20. Juli 1937 wurde er vom NKWD festgenommen, der »Leitung einer terroristischen Spionage- und Diversionsgruppe« beschuldigt und am 30. November 1937 zum Tode verurteilt. Wilhelm Steinitz wurde am 15. Dezember 1937 in Butowo erschossen.

Wer war wer in DDR

Starke, Kurt

* 13.5.1938

Geb. in Königshain (Sachsen); 1956 Abitur in Rochlitz; 1957/58 Bauhilfsarb.; 1958 – 62 Studium an der KMU Leipzig; 1962 – 67 wiss. Assistent; 1965 Dr. rer. pol.; 1967 – 90 Mitarb. am ZI für Jugendforschung Leipzig, 1972 – 90 Ltr. der umfangreichsten empir. Forschungsstudien zum Partner- u. Sexualverhalten in der DDR; 1977 Dr. sc. pol.; 1981 Prof.; 1987 Full Member of the International Academy of Sex Research; 1988 Mitgl. der Dt. Ges. für Sexualforschung. 1990 Gründungsvors. der Ges. für Jugend- u. Sexualforschung. 1990 Gründer u. Ltr. der Forschungsstelle Partner- u. Sexualforschung Leipzig; 1990 Gründungsvors. der Ges. für Sexualwiss. Leipzig; zahlr. Nachwendestudien, u. a. mit dem Inst. für Sexualforschung der Univ. Hamburg, 1998 Dr. habil.; vielf. Medienveröff.Junge Partner. Leipzig 1980; Liebe u. Sexualität bis 30. Berlin 1984 (mit W. Friedrich); Schwuler Osten. Berlin 1994; Sex hoch drei. Berlin 1995; Lexikon der Erotik. München 1996 (mit L. Aresin); Das Zentralinstitut für Jugendforschung. Berlin 1999 (mit W. Friedrich, P. Förster); Mehr Lust an der Lust. Berlin 2004; Nichts als die reine Liebe. Berlin 2005; Spätmoderne Beziehungswelten (mit G. Schmidt, S. Matthiesen, A. Dekker). Wiesbaden 2006.Christoph Links

Wer war wer in DDR

Stauch, Herbert

* 3.11.1917 – ✝ 18.6.1953

Geb. in Remschütz (b. Saalfeld); Volksschule; Müllerlehre; Teiln. am 2. Weltkrieg als Ofw. im techn. Dienst, Flucht aus der Kriegsgefangenschaft. Nach Kriegsende Erwerb einer Getreidemühle in Rudolstadt, 1952 Verkauf der Mühle u. Erwerb einer Teigwarenfabrik in Magdeburg; am 17.6.1953 spontane Beteiligung an den Protesten in Magdeburg, Mitgl. einer gewählten vierköpfigen Deleg., die dem VP-Bezirkschef polit. Forderungen der Demonstranten überbrachte; am Abend des 17.6. Verhaftung durch die VP; 18.6.1953 Todesurteil durch ein sowj. Militärgericht, Hinrichtung (Genickschuß) durch zwei VP-Angehörige, der Verbleib des Leichnams ist wie im Falle von Alfred Dartsch, der zur gleichen Zeit in Magdeburg hingerichtet wurde, bis heute ungeklärt; in der Folge Enteignung der Familie u. Verstaatlichung des Betriebs, Verweigerung höherer Schulbildung für beide Söhne, »Arbeitsverbot« für die Ehefrau. 1996 vollst. posthume Rehabilitierung durch den russ. Militärstaatsanwalt; 2003 Benennung einer Straße in Magdeburg nach St.Fricke, K. W., Engelmann, R.: Der »Tag X« und die Staatssicherheit. Bremen 2003; Kowalczuk, I.-S.: 17. Juni 1953 – Volksaufstand in der DDR. Bremen 2003.Ilko-Sascha Kowalczuk

Handbuch Deutsche Kommunisten

Stauer, Hans (Berman-Jurin

* 14.11.1901 – ✝ 24.8.1936

(* 1901 – † 1936) Geboren am 14. November 1901 als Konon Berman-Jurin im lettischen Ilukste/Kurland, Sohn einer kleinbürgerlichen Familie. Er besuchte die Mittelschule und lernte von 1920 bis 1922 in Riga Schlosser. Von 1921 bis 1923 aktives Mitglied der KP und des KJV Lettland, emigrierte 1923 wegen drohender Verhaftung nach Deutschland. Er wurde unter dem Parteinamen Hans Stauer Mitglied der KPD, 1927 Agitpropleiter der BL Berlin-Brandenburg und Mitglied des Sekretariats. Ende 1931 vom ZK gerügt, weil er Alexander Emel bei Schulungsveranstaltungen der Berliner KPD »falsche Ansichten« verbreiten ließ. Seiner Funktion enthoben, wurde er Mitarbeiter der Orgabteilung der BL. Ab März 1933 in der Sowjetunion, im Apparat der Komintern tätig. Im Mai 1936 vom NKWD verhaftet, er wurde beschuldigt, zusammen mit Fritz David im Auftrage Trotzkis ein Attentat auf Stalin vorbereitet zu haben. Stauer/Berman-Jurin war Mitangeklagter im ersten Moskauer Schauprozeß gegen Sinowjew, Kamenew u. a. Er »gestand« alle ihm zur Last gelegten Verbrechen. Angeblich war er im November 1932 mit Trotzki in Kopenhagen zusammengetroffen und hatte von diesem direkt den Auftrag zu »terroristischen Akten« erhalten. Am 24.August 1936 wurde Berman-Jurin zum Tode verurteilt und erschossen. Über ihn und die anderen »jungen Angeklagten« des Sinowjew-Prozesses schrieb Trotzki: »Das sind alles jüdische Intellektuelle, und zwar nicht aus der UdSSR, sondern aus den Nachfolgestaaten, die früher Teile des zaristischen Rußlands waren (Litauen, Lettland usw.). Ihre Familien sind seinerzeit vor der bolschewistischen Revolution geflüchtet, die Vertreter der jüngeren Generation aber haben sich dank ihrer Beweglichkeit, Anpassungsfähigkeit, Sprachenkenntnis, insbesondere des Russischen, nicht schlecht im Apparat der Komintern eingerichtet. Durchweg Abkömmlinge des kleinbürgerlichen Milieus, ohne Verbindung mit der Arbeiterklasse irgendeines Landes, ohne revolutionäre Stählung, ohne ernste theoretische Vorbereitung, wurden diese gesichtslosen Beamten der Komintern stets dem letzten Zirkular gehorsam, zu einer wahren Geißel der internationalen Arbeiterbewegung.«

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Steen, Paul

* 23.12.1905 – ✝ 1938

Geboren am 23. Dezember 1905 in Lübeck; lernte Schlosser, anschließend Heizer und Rohrleger. Er fuhr zur See, arbeitete später bei einer Lübecker Firma und auf der AG Weser Bremen. 1929 Mitglied der KPD, ab Juni 1932 Orgleiter des UB Lübeck und zum Abgeordneten in die Lübecker Bürgerschaft gewählt. Im Frühjahr 1933 festgenommen. Ende 1933 freigelassen, emigrierte er in die ?CSR und war unter dem Decknamen Helmuth Grenzinstrukteur in Asch. Im Spanischen Bürgerkrieg Angehöriger der XI. Internationalen Brigade, Politkommissar einer Kompanie. Paul Steen fiel 1938 in Spanien.

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Steffen, Erich

* 11.5.1895 – ✝ 1937

Geboren am 11. Mai 1895 in Berlin-Reinickendorf, seine Eltern waren Kleinbauern, die 1890 aus Ostpreußen nach Berlin übergesiedelt waren. Er begann 1909 eine Lehre als Glastechniker, studierte drei Semester Chemie an der Universität Greifswald. 1912 Mitglied der Arbeiterjugend, von 1914 bis 1916 Soldat, wurde verschüttet und Anfang 1916 aus dem Heer entlassen. Er war 1917 Mitbegründer des Reichsbundes der Kriegsbeschädigten, später im Internationalen Bund der Kriegsopfer tätig. Am 1. Juli 1919 trat Steffen in die KPD ein. Betriebsleiter in Augsburg, 1920 wegen seines politischen Engagements gemaßregelt, dann Arbeiter in der Quarzindustrie in Hanau. Anfang 1921 Vorsitzender der KPD-Ortsgruppe in Hanau, wegen seiner Verwicklung in die März-Aktion gesucht, übersiedelte er nach Aachen. Dort von den Besatzungsbehörden ausgewiesen, ging er Ende 1921 nach Berlin, wurde in den Hauptvorstand des Verbandes der Glasarbeiter gewählt, Betriebsratsvorsitzender bei Siemens. Nach erneuter Maßregelung hauptamtlicher Sekretär beim ZK der KPD für die Industriegruppe Fabrikarbeiter. Delegierter und Referent auf dem III. Weltkongreß der RGI 1924, nach Auflösung der zentralen Gewerkschaftsabteilung bis Juni 1927 Polleiter in Pommern, dann bis Ende 1928 Reichsleiter der Erwerbslosenbewegung. Danach wieder Leiter der Industriegruppe (Fabrikarbeiter) beim ZK, seit Gründung der RGO Mitglied der Reichsleitung, 1929 Generalsekretär des Internationalen Komitees der Fabrikarbeiter. Er gab die Zeitschrift »Der rote Fabrikarbeiter« heraus. 1931 wurde gegen ihn in einem Werksspionageprozeß der BASF in Ludwigshafen/Rhein ermittelt, er wurde festgenommen, verurteilt und saß von März bis Dezember 1931 im Gefängnis. Nach seiner Freilassung drei Monate illegal in der ?CSR tätig, im April 1932 schickte ihn das ZK als Instrukteur nach Oberschlesien, anschließend Geschäftsführer der KPD-Zeitung »Volkswacht« in Mecklenburg. Er kam auf ZK-Beschluß in die Sowjetunion, war von Juni 1932 bis Februar 1933 stellvertretender Leiter der Orgabteilung der RGI, ab März 1933 dort nur noch Mitarbeiter. Als Erich Wagner leitete er den »Ernst-Thälmann-Club« in Moskau, war zuletzt als Glasspezialist in einem Betrieb tätig. Erich Steffen wurde im April 1937 zusammen mit seiner Frau vom NKWD verhaftet, er ist als Opfer der Stalinschen Säuberungen umgekommen.

Wer war wer in DDR

Steger, Wolfgang

* 6.6.1934

Geb. in Gera; Vater Weber; Volksschule; Lehre u. Arbeit als Weber; 1950 FDJ; 1951 Eintritt in die KVP, 1951 – 53 Studium an der Offiziersschule in Erfurt; 1953 – 55 Zugführer im Mot.-Schützenregt. 1 der 1. Mot.-Schützendiv.; 1955 – 59 Studium an der Militärakad. »M. W. Frunse« in der UdSSR; 1957 SED; 1959/60 Stellv. Kdr. u. Stabschef des Mot.-Schützenregt. 18 der 1. Mot.-Schützendiv.; 1961 – 66 Ltr. der Unterabt. Operative Arbeiten im Kommando des Militärbez. III (Leipzig), 1966 – 69 Stellv. des Ltr., 1969 – 71 Ltr. der Abt. Operativ im Kommando des Militärbez. III; 1971 – 73 Studium an der Militärakad. des Generalstabs der Streitkräfte der UdSSR; 1973 – 78 Stellv. des Kdr. u. Stabschef der 4. Mot.-Schützendiv.; März 1974 Oberst; 1978 – 81 Stellv. des Chefs des Stabes für operative Arbeiten im Kommando des Militärbez. III; 1982 Generalmajor; 1982 – 86 Stellv. des Chefs u. Chef des Stabs (Nachf. von Walter Müller); Okt. 1982 Generalmajor; 1986/87 Chef des Militärbezirks III (Nachf. von  Manfred Grätz); 1987 Generalltn. (1987 – 90 Stellv. des Chefs des Hauptstabs für op. Fragen (Nachf. von Kurt Gottwald); 30.9.1990 entlassen.Andreas Herbst / Helmut Müller-Enbergs

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Steidle, Josef

* 24.2.1908 – ✝ 20.6.1938

Geboren am 24. Februar 1908 in St. Georgen/ Krs. Tettnang; Bootsbauer. 1930 Eintritt in die KPD, zunächst Stadtteilkassierer, später im AM-Apparat der KPD tätig. Anfang 1932 Teilnehmer eines Lehrgangs an der M-Schule der Komintern in der Sowjetunion. Nach Rückkehr Orgleiter des AM-Apparates der KPD in Württemberg. Beim Versuch, mit dem Reichstechniker Wilhelm Kox zusammenzutreffen, wurde er am 14. Juni 1933 festgenommen, aber im Dezember 1933 aus der »Schutzhaft« entlassen. Steidle übernahm im Frühjahr 1934 die Leitung des Nachrichtenapparates der KPD in Württemberg, arbeitete eng mit Stefan Lovacz und Liselotte Herrmann bei der Beschaffung und Weiterleitung geheimer Rüstungspläne des NS-Regimes zusammen. Josef Steidle wurde am 7. Dezember 1935 verhaftet, vom 2. Senat des VGH am 12.Juni 1937 zum Tode verurteilt und am 20.Juni 1938 in Berlin-Plötzensee hingerichtet.

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Steinberg, Karl-Hermann

* 22.6.1941

Geb. in Heiligenstadt; Vater Angest.; OS, Abitur; 1954 FDJ; 1959 CDU; 1959 – 64 Studium an der TH für Chemie Leuna-Merseburg, Dipl.-Chemiker; 1964 FDGB; 1964 – 70 Assistent; 1971 – 74 wiss. Lektor an der o. g. TH; 1968 Prom. zum Dr. rer. nat. mit einer Diss. zu oberflächenchem. u. katalyt. Eigenschaften von Oxiden bzw. Zeolithen; seit 1969 Stadtverordn. in Merseburg; Mitgl. des Krs.-Aussch. Merseburg der NF; 1970 Mitgl. des Krs.-Vorst. Merseburg sowie des Bez.-Vorst. Magdeburg der CDU; 1971 – 90 Abg. der Volkskammer; 1974 – 77 Forschungschemiker im VEB Leuna-Werke; 1976 Dr. sc. nat.; 1977 –82 Doz. an der Sekt. Chemie; seit 1982 ord. Prof. für Techn. Chemie an der KMU Leipzig; Nov. 1989 stellv. Minister für Schwerindustrie; Dez. 1989 stellv. Vors. der CDU; April – Okt. 1990 Minister für Umwelt- u. Naturschutz, Energie u. Reaktorsicherheit (Nachf. von Peter Dietrich), maßgebl. verantw. für die Stillegung von Emissionsquellen der chem. Industrie, die Abschaltung des KKW Greifswald, Verhandlung einer Umweltunion mit der Bundesrep. Dtl. sowie der Gas- u. Stromverträge. Okt. 1990 Landesbevollm. der Bundesreg. für Sachsen-Anh.; danach bis Okt. 1991 wieder im Lehramt an der Univ. Leipzig; 1991 selbst. Unternehmensberater für Umwelt- u. Energietechnik; seit März 1992 Geschäftsf. der Noell Umweltdienste Berkhöpen / Schkeuditz / Würzburg; Geschäftsf. der Bioprodukte Prod.- u. Vertriebes GmbH in Klötze (Altmark). Forschungen zu Katalysatoren u. Verfahren f. Kohlenwasserstoff-Umwandlungsreaktionen, bes. zum Spillover-Effekt an Festkörperoberflächen; über 100 Publ. u. 49 Patente.Helmut Müller-Enbergs

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Steinbrecher, Curt Alexius

* 6.3.1882 – ✝ 27.4.1963

(* 1882 – † 1963) Geboren am 6. März 1882 in Naumburg/Saale, Sohn eines Postschaffners; lernte Buchdrucker, von 1902 bis 1904 Militärdienst in Gleiwitz. 1905 Mitglied der SPD, bis 1914 Geschäftsführer im Buchdruckergewerbe in Halle. Von 1914 bis 1918 Soldat, während der Revolution Kommandeur des Sicherheitsregiments und Garnisionsältester in Halle. Seit 1917 Mitglied der USPD und des Spartakusbundes, ging mit der linken USPD Ende 1920 zur KPD. Ende 1919 wegen »Hoch- und Landesverrates« angeklagt, 1920 Freispruch aus »Mangel an Beweisen«. Teilnehmer am Mitteldeutschen Aufstand 1921, deswegen in Abwesenheit zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt, er lebte bis 1928 (Amnestie) unter den Namen Dr. Bernhard und Fritz Pohl illegal. Er übersiedelte nach Berlin, Referent der BL Berlin-Brandenburg und der KPD-Zentrale. Von 1921 bis 1924 Abnahmebeamter bei der sowjetischen Handelsvertretung, gehörte Steinbrecher 1924 mit Erich Seemann (der 1925 ausgeschlossen wurde) der ersten RFB-Bundesleitung an, er blieb bis 1928 deren Kassierer. Später Geschäftsführer des Peuvag-Verlages. Im Februar 1933 festgenommen, bis 23. September 1933 in den KZs Berlin-Spandau und Sonnenburg. Nach Freilassung bis 1938 arbeitslos, anschließend Steuerberater und Buchhalter. 1940 zog er nach Seddin bei Potsdam, dort nach Kriegsende von der sowjetischen Kommandantur als Bürgermeister eingesetzt, im Oktober 1945 wieder abgesetzt, da er Weisungen der SMA nicht befolgte. Zunächst im Forstamt bzw. als Schuldiener in der Zentralschule Neuseddin, später in der Druckerei der »Täglichen Rundschau« beschäftigt. Curt Steinbrecher starb am 27. April 1963 in Wiesenburg. Steinbrechers Tochter Luise, verheiratete Hadrossek (* 1. 9. 1902 in Halle), war Stenotypistin, 1919 Mitglied der FSJ, 1922 der KPD. Zunächst Sekretärin in der KPD-Zentrale in Berlin, während des Mitteldeutschen Aufstandes 1921 Kurieraufträge für Max Hoelz. Anschließend offiziell Stenotypistin bei der sowjetischen Handelsvertretung, sie arbeitete bis 1925 unter dem Namen Rosi Stiller für den AM-Apparat. Sie war verheiratet mit dem Metallarbeiter und KPD-Funktionär Wilhelm Hadrossek (* 16. 3. 1901 in Berlin), der 1923 insgeheim an zentraler Stelle für den bewaffneten Aufstand wirkte. Beide lebten dann von 1925 bis 1928 in der Stadt Balzer in der Wolgadeutschen Republik der Sowjetunion. 1928 Rückkehr nach Deutschland, erneut für den geheimen Apparat der KPD tätig, mußten sie Anfang 1932 nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz wieder in die Sowjetunion flüchten. Luise Hadrossek wurde Sekretärin bei Wilhelm Pieck, Jelena Stassowa und zuletzt bei Walter Dittbender. Wilhelm Hadrossek, Technischer Direktor in Kunezowo, wurde am 11. November 1936 vom NKWD verhaftet, zu fünf Jahren Lager verurteilt und 1938 erschossen. Auch Luise wurde 1937 vom NKWD festgenommen und für viele Jahre nach Sibirien verbannt, später nach Kasachstan. Sie arbeitete im Steinbruch, danach Krankenschwester in einem NKWD-Haftkrankenhaus, bis zum XXII. Parteitag der KPdSU 1961 durfte sie Kasachstan nicht verlassen. 1963 konnte sie in die DDR ausreisen, galt als »Parteiveteranin« und erhielt 1977 den VVO in Gold. Luise Hadrossek starb am 13.Februar 1983 in Ost-Berlin.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Steinfurth, Erich

* 10.8.1896 – ✝ 1.2.1934

Geboren am 10. August 1896 in Mittenwalde, Sohn einer Arbeiterfamilie; Schlosser. 1914 zum Militärdienst einberufen, 1916 vor Verdun schwer verwundet, wurde nach notdürftiger Ausheilung wieder an die Front geschickt. Er trat 1918 der USPD bei und ging 1920 mit dem linken Flügel zur KPD. Schlosser in Berlin, wurde 1923 als Mitglied des Betriebsrates gemaßregelt. Von der Zentrale nach München geschickt, organisierte Steinfurth im Herbst 1923 Aktionen der Münchner Eisenbahner, deshalb festgenommen und 1924 zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach seiner Freilassung hauptamtlicher Mitarbeiter der RHD, er übernahm im November 1925 den Vorsitz der Organisation im Bezirk Berlin-Brandenburg, und war 1927 im RHD-Zentralvorstand. Im Oktober 1929 rückte Steinfurth als Nachfolger in den Preußischen Landtag ein, 1932 als Abgeordneter gewählt, gehörte er dem Parlament bis zu seiner Verhaftung am 25. März 1933 an. Steinfurth kam in das Zuchthaus Berlin-Plötzensee, von dort in das KZ Sonnenburg. Als Vergeltung für die Erschießung des Spitzels Alfred Kattner am 1.Februar 1934 wurde Erich Steinfurth am gleichen Tag beim Transport nach Wannsee am Kilometerstein 23,7 gemeinsam mit John Schehr, Eugen Schönhaar und Rudolf Schwarz von der SS »auf der Flucht« erschossen. Am Berliner Ostbahnhof ist eine Straße nach ihm benannt.

Wer war wer in DDR

Steiniger, Peter Alfons

* 4.12.1904 – ✝ 27.5.1980

Geb. in Berlin in einer dt.-jüd. Fam.; Vater Kfm.; 1910 – 23 Bismarck-Gymnasium in Berlin-Wilmersdorf; 1923 – 27 Studium der Rechtswiss., Philos. u. Volkswirtschaftslehre an den Univ. Berlin, Marburg, Bonn u. zul. in Halle; 1928 in Bonn Prom. über die preuß. Selbstverw. zum Dr. jur. (b. Carl Schmitt); ab 1925 Mitarb. der »Weltbühne«; Mitgl. der IAH; Assistent an der Bonner Univ.; anschl. Kammergericht Berlin; Mitarb. b. Willi Münzenberg; bis 1929/30 Mitgl. der Gruppe Rev. Pazifisten; 1931 Erste jurist. Staatsprüfung beim OLG in Naumburg (Saale); 1932/33 Amtsgericht Berlin-Wedding; Jan. 1933 wegen jüd. Abstammung entlassen; Frühj. 1933 aus der jüd. Gemeinde ausgetreten; Privatlehrer, Bankangest., Schriftst.; 1935 Aberkennung der dt. Staatsbürgerschaft, 1936 Annahme der tschech. Staatsbürgerschaft.; Jan. 1939 – 15.1. 1945 Syndikus des ehem. jüd. Bankhauses A. E. Wassermann in Berlin, später ltd. Dir.; Herbst 1944 Einberufung zur Org. Todt in Weimar, Arbeitslager, Flucht nach Krummhübel (Schles.), lebte dort bis Mai 1945 illeg.; 1945 2. Bürgermstr. in Krummhübel; Juni 1945 Mitbegr. der KPD Schmiedeberg (Schles.), später als geheimes Parteimitgl. registriert. Juli 1946 Rückkehr nach Berlin; Doz. an der Berliner Univ.; 1946 Prof. für Öffentl. Recht u. Rechtsphilos. an der HU Berlin; KPD/SED; 1946 OdF; Aug. 1947 Ref. für die geisteswiss. Fakultäten in der Abt. Volksbildung der Dt. ZV für Volksbildung; 1947 zus. mit  Willi Kropp u. Willi Mayer Mitbegr. der DVA, 1947 ihr Präs.; Okt. 1947 Habil; Jan. 1948 – 53 VVN; Okt. 1948 ord. Prof. für Öff. Recht; 1949 Mitgl. des Verfassungsaussch. des Dt. Volksrats, maßgebl. beteiligt an der Ausarbeitung der ersten DDR-Verfassung; bis 1950 Abg. der Prov. Volkskammer; April 1950 Rücktritt von allen Ämtern, nachdem ein kompromittierender, von ihm an die Reichsschrifttumkammer gerichteter Brief von 1938 öffentl. bekannt wurde; 1950 – 70 Prof. mit Lehrstuhl für Völkerrecht (später: Bereich Völkerrecht der Sekt. Rechtswiss. der HU Berlin), ab Aug. 1951 Dir. des neugegr. Inst. für Staats- u. Rechtstheorie, dann Aufbau des Inst. für Völkerrecht; 1952 – 54 Prodekan der Jur. Fak. der HU Berlin; 1950 – 74 Mitgl. des Weltfriedensrats; Mitbegr. der Dt. Liga für die Vereinten Nationen (später Liga für die Vereinten Nationen in der DDR), Juli 1954 – 80 deren Präs.; 1950/51 1. Vors. der Dt.-Poln. Gesellsch. für Frieden u. gute Nachbarschaft (Nachf. von  Carl Helfrich); Aug. 1961 Mitgl. einer juristischen Beratergruppe des MfAA-Stabs; 1965 Vizepräs. der Ges. für Völkerrecht; 1969 VVO; Sept. 1970 em.; Juni 1972 Mitgl. der DDR-Delegation zum »Brüsseler Forum« (Abrüstungsfragen); 1975 Stern der Völkerfreundschaft; Sept. 1976 Teiln. an der Beratung der Menschenrechtskommission des Weltfriedensrats in Basel (Schweiz); 1979 Dr. h. c. der FSU Jena; 1980 KMO; gest. in Berlin.Heinrich der Löwe. Berlin 1936; Der Schatten Gottes. Berlin 1937; Der arme Hiob. 1947 (alle unter dem Ps. Peter A. Steinhoff); Das Blocksystem. Beitrag zu einer demokr. Verfassungslehre. Berlin 1949; Der Nürnberger Prozeß. Dokumentation. Berlin 1957; Westberlin. Ein Handbuch zur Westberlin-Frage. Berlin 1959; Völkerrechtl. Verantw. der Staaten (mit B. Graefrath u. E. Oeser). Berlin 1977. S. wollte so gern. In: Neue Ztg. 24.4. 1950; Leininger, W.: Ein virtuoses Chamäleon. Der Berufsrevolutionär Dr. A. S. In: Neue Ztg. v. 30.4.1950; Musiolek, B.: P. A. S. Zwischen Illusion u. Wirklichkeit – Das Blocksystem als Verfassungsprinzip. In: Schröder, H., Simon, D. (Hrsg.): Rechtsgeschichtswiss. in Dtl. 1945 bis 1952. Frankfurt (Main) 2001.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Steinmüller, Christian

* 23.10.1927

Geb. in Dresden; Vater selbst. Gewerbetreibender; OS; Wehrmacht; bis 1946 Kriegsgefangenschaft. 1945 – 47 Ausbildung zum Industriekfm.; 1951 NDPD; selbständiger Unternehmer; ab 1959 Komplementär der Firma H. C. Steinmüller in Dresden; 1952 – 54 Mitgl. des NDPD-Stadtbez.-Verb. Dresden; 1954/55 Abg. der Stadtbez.-Vers. u. ehrenamtl. Stadtrat; 1955/56 Abg. der Stadtverordnetenversammlung Dresden; 1959 – 61 Sonderstudium für Komplementäre an der HfÖ Berlin; 1962 Dipl.-Wirtsch.; 1961/62 Vors. des NDPD-Stadtbez.-Verb., ab 1962 des NDPD-Krs.-Aussch. Dresden; 1963 – 67 Abg. der Volkskammer u. Mitglied des Staatsrats; 1966 Prom. zum Dr. oec. an der HfÖ Berlin; 1971 – 76 Abg. des Bez.-Tags Dresden; 1985 VVO; aus seinen Funktionen ausgeschieden.Aufgaben u. Zusammenwirken von Komplementär u. staatl. Gesellschafter. Berlin 1966.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Stasiw, Ostap

* 1.1.1903 – ✝ 19.2.1985

Geb. in Borszewyczi (Krs. Lemberg, Galizien / Ukraine); Vater Eisenbahner; 1921 Abitur am Gymnasium in Przemysl; danach Student an der Univ. Lemberg; Beteiligung am ukrain. Aufstand im Nachkriegspolen, Verhaftung u. Flucht; 1923 mit falschen Papieren nach Danzig; dort staatenloser Werftarb.; 1923 Übersiedl. nach Berlin; 1923 – 27 Physikstudium an der Univ. Berlin; Nebentätigkeiten als Übersetzer; 1927 – 31 Assistent am Physikal. Inst. der Univ. Gießen bei Walter Bothe; 1928 Prom.; 1931 – 37 wiss. Mitarb. am 1. Physikal. Inst. der Univ. Göttingen bei Robert Pohl, der auch seine Einbürgerung durchsetzte; 1938 Habil.; 1938 – 45 Ltr. des photochem. Laboratoriums der Zeiss Ikon AG in Dresden. Nach Kriegsende Versuch des Wiederaufbaus seines zerstörten Laboratoriums, zunächst in der nunmehrigen SAG Zeiss-Ikon, ein Angebot zur Übersiedl. in die UdSSR wurde nach erfolgter Demontage seines Laboratoriums nicht realisiert; ab 1946 Aufbau eines Laboratoriums für die Physik fester Körper u. 1947 Prof. an der TH Dresden; 1947 – 51 Ltr. des Laboratoriums für Festkörperforschung der DAW in Dresden (1951 Umzug nach Berlin-Adlershof); 1952 – 68 Dir. des Inst. für Kristallphysik der DAW in Berlin; 1956 NP; gest. in Berlin.Elektronen- u. Ionenprozesse in Ionenkristallen. Berlin 1959 (2007).Peter Nötzold

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Staudinger, Hermann

* 1.4.1884 – ✝ 8.4.1942

Geboren am 1. April 1884 in Herten/Ruhrgebiet, Sohn einer Bergarbeiterfamilie; lernte Friseur und eröffnete 1903 in Rotthausen ein eigenes Geschäft, später Strickmeister in einem Essener Betrieb, nach dem Ersten Weltkrieg Heilpraktiker. Seit 1906 SPD-Mitglied, seit 1918 in der USPD, ging 1920 zur KPD und war Polleiter in Essen-Rellinghausen. Im April 1933 kam er zusammen mit seinem Sohn Theo in »Schutzhaft«. Ende Juni freigelassen, emigrierte er im September in die Niederlande, aktiv in der Emigra tion, kam über Belgien und Frankreich im April 1935 in die Sowjetunion. Dort Heilpraktiker, er konnte sich bei Moskau eine Datsche bauen. Mitte September 1941 wurde er nach Kasachstan verbannt, saß dort einige Zeit im Gefängnis, dort starb Hermann Staudinger unter furchtbaren Bedingungen am 8. April 1942 an Bauchtyphus. Seine Söhne Theo (*31.1. 1906 - † 7. 1. 1937) und Josef (* 29. 12. 1908 – † 1938) wurden Opfer Hitlers und Stalins. Theo ist als Angehöriger der Internationalen Brigaden in Spanien gefallen. Josef hatte im Juli 1932 bei einer gewalttätigen Auseinandersetzung mit der Polizei anläßlich eines Aufmarsches der KPD (Spartakiade der Roten Sportler) in Essen einen Polizeioffizier erschossen, flüchtete in die Sowjetunion und studierte an der KUNMS. Im September 1938 zu zehn Jahren Arbeitslager verurteilt, kam Josef 1938 im Gulag ums Leben. Wilhelm Mensing und Peter Erler veröffentlichten 2001 eine ausführliche biographische Skizze über die Familie Staudinger.

Wer war wer in DDR

Stechbarth, Horst

* 13.4.1925 – ✝ 8.6.2016

Geb. in Tzchecheln (Krs. Sorau, Niederlausitz/ Dębinka, Polen); Vater Landwirt; 1931 –  39 Volksschule; HJ, Kameradschaftsführer; 1939 – 43 Landw. Gehilfe im elterlichen Bauernhof in Eicherode; 1943 RAD, Arbeitsmann; 1943 – 45 Wehrmacht, Uffz.; 20.4.1943 NSDAP; 8.5. 1945 – Mai 1948 sowj. Kriegsgefangenschaft. 1948 Rückkehr nach Dtl.; 1948/49 Landarb. in Burg; 1.3.1949 Eintritt in die Grenzpolizei; Schule der HV für Ausbildung in Eggesin (b. Pasewalk), als Offiziersschüler zugl. in Dienststellungen als Vorgesetzter; 1950 VP-Oberkommissar; 1950/51 Abt.-Kdr. in der Bereitschaft Eggesin; SED; 1951/52 militär. Sonderlehrgang in Privolsk (UdSSR), Major; bis 1954 Kdo.-Ltr. in der KVP-Bereitschaft Eggesin; 1955 HS für Offz. in Dresden; danach Stellv. des Kdr. der KVP-Bereitschaft Schwerin; 1956 – 59 1. Stellv. bzw. Kdr. der mot. Schützendiv. Potsdam; 1959 – 61 sowj. Gen.-Stabsakad., Dipl. rer. mil.; 1961 – 64 1. Stellv. des Chefs (Nachf. von Rudi Lindner), 1964 – 67 Chef des Militärbez. Neubrandenb. (Nachf. von  Martin Bleck), 1964 Gen.-Major; 1967 – 72 Chef der Verw. Ausbildung im MfNV, 1970 Gen.-Ltn.; ab 1972 Stellv. des Min. u. Chef der Landstreitkräfte, 1976 Gen.-Oberst; 1976 VVO; Kand., 1978 – Dez. 1989 Mitgl. des ZK der SED; 1989/90 Überprüfung durch den NVA-Aussch. zur Untersuchung von Amtsmißbrauch, Korruption u. persönl. Bereicherung, keine strafrechtl. Konsequenzen; 31.12.1989 Ruhestand.Ehlert, H., Wagner, A.: Genosse General! Berlin 2003.Helmut Müller-Enbergs

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Steenbeck, Max

* 21.3.1904 – ✝ 15.12.1981

Geb. in Kiel; Vater u. Mutter Lehrer; Reform-Realgymnasium; 1922 – 27 Studium der Physik u. Chemie in Kiel; 1928 Prom. mit einer Arbeit über Röntgenstrahlen; 1927 wiss. Mitarb.; 1934 Laborltr.; 1943 Techn. Ltr. des Stromrichterwerks der Siemens-Schuckert-Werke in Berlin, Arbeitsgebiet Gasentladungsphysik; 1934 Patent zum Betatron. 1945 – 56 nach kurzer Internierung Aufn. einer Forschungstätigkeit in der UdSSR, Entw. der Gaszentrifuge im Rahmen des sowj. Atomprogramms; 1956 Prof. für Physik des Plasmas an der FSU Jena; Ord. Mitgl. der DAW; 1956 – 59 Dir. des Inst. für magnet. Werkstoffe u. 1959 – 69 des Inst. für Magnetohydrodynamik der DAW in Jena; 1957 – 60 Ltg. des Wiss.-techn. Büros für Reaktorbau in Berlin; 1959 NP; 1961/62 Werkdir. des VEB Entw. u. Projektierung kerntechn. Anlagen Berlin; 1962 – 66 Vizepräs. der DAW; 1964 Dr. rer. nat. h. c. der FSU Jena; 1965 Vors. des Forschungsrats der DDR (Nachf. von  Peter A. Thiessen), 1978 Ehrenvors.; 1966 auswärt. Mitgl. der AdW der UdSSR; 1969 Ehrenbürger der Stadt Jena; 1970 Präs. des DDR-Komitees für Europ. Sicherheit u. Zusammenarbeit; Präs.-Mitgl. des Friedensrats; 1971 NP; 1974 VVO; gest. in Berlin.Wissen u. Verantw. Berlin 1967; Impulse u. Wirkungen – Schritte auf meinem Lebensweg. Autobiogr. Berlin 1977.Horst Kant / Elke Reuter

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Steffen, Kurt

* 23.9.1904 – ✝ 9.10.1968

Geboren am 23. September 1904 in Berlin, Sohn eines Kunstschlossers; lernte Werkzeugmacher. Von 1919 bis 1922 gehörte er der Jugendorganisation der KAPD, der Kommunistischen Arbeiterjugend an, ab 1923 der KJD, 1925 Mitglied der KPD. Referent der BL Berlin-Brandenburg, ab 1928 freischaffender Autor von Kurzgeschichten für die »Rote Fahne«, »Berlin am Morgen« und für die »Linkskurve«. 1932 wurde er 2. Sekretär des von der KPD gelenkten BPRS. Nach 1933 Mitglied einer illegalen Gruppe des BPRS unter Leitung von Hans Schwalm ( Jan Petersen), ab 1935 selbst Leiter der Gruppe, er gehörte auch der illegalen Leitung des UB Berlin-Weißensee an. Steffen wurde am 8. Oktober 1935 verhaftet und vom Kammergericht Berlin zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt. Im November 1941 aus dem Zuchthaus Sonnenburg freigelassen. Von 1946 bis 1948 Vorsitzender der SED Berlin-Weißensee. Von 1949 bis 1953 Referent im DDR-Amt für Information, später Lektor im Verlag Neues Leben. Kurt Steffen starb am 9.Oktober 1968 in Ost-Berlin.

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Stegmaier, Anna

* 4.11.1899 – ✝ 27.7.1973

Geboren am 4. November 1899 in Spiegelberg/Krs. Backnang, Tochter einer Arbeiterfamilie; besuchte eine Handelsschule, schloß sich 1913 der Arbeiterjugend an und 1918 der FSJ. Von 1913 bis 1916 Dienstmädchen im Haushalt der Familie Edwin Hoernle, trat 1919 in die KJD in Stuttgart ein. Ende 1918 verantwortlich für die Expedition der Frauenzeitschrift »Die Kommunistin«, 1919/20 technische Hilfskraft, ab 1920 Hauptkassiererin und später Orgleiterin der BL Württemberg. Anna Stegmaier lebte mit dem kommunistischen Landtagsabgeordneten Carl Müller zusammen, war Stenotypistin der KPD-Landtagsfraktion. Wegen persönlicher Differenzen mit dem württembergischen Polleiter Karl Schneck verließ sie die KPD, ab 1927 Stenotypistin in einem Stuttgarter Rechtsanwaltsbüro. 1933 Mitarbeiterin der illegalen RHD in Württemberg, flüchtete sie Ende August 1934 mit ihren Kindern Heinz (* 1. 6. 1925) und Sonja (* 5. 4. 1927) in die Schweiz. Sie wurde 1935 in einem Prozeß in Stuttgart in Abwesenheit zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. Im Juni 1936 kam sie über Prag in die Sowjetunion, war im Sekretariat der Freidenkerorganisation. Sie geriet in die stalinistischen Säuberungen, wurde am 12. März 1938 in der Moskauer Wohnung von Helene Hoernle vom NKWD verhaftet und nach viermonatiger NKWD-Haft wegen »konterrevolutionärer und trotzkistischer Tätigkeit« zu acht Jahren Lager verurteilt. Danach bis August 1953 Sowchosarbeiterin in Magadan, im September 1953 Wächterin in einem Nahrungsmittellager. Im November 1956 durfte sie in die DDR ausreisen, hier in der Presseabteilung des Ministeriums für Außen- und Innerdeutschen Handel beschäftigt, seit November 1957 Mitglied der SED, sie erhielt 1969 den VVO in Silber. Anna Stegmaier starb am 27. Juli 1973 in Gera. Ihr Sohn Heinz kam nach der Verhaftung der Mutter mit seiner Schwester in ein sowjetisches Kinderheim und wurde 1941 nach Mittelasien verbannt. Von Oktober 1941 bis Mai 1942 beim NKWD inhaftiert, dann Schlosser, aber 1944 erneut festgenommen, erst 1953 freigelassen, blieb zunächst in Magadan, Sprengmeister, kam später in der DDR. Heinz Stegmaier starb am 2. Juni 1989 in Gera.

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Steigerwald, Heinz

* 16.4.1925 – ✝ 23.2.2002

Geb. in Wernigerode; Vater Arbeiter; Volksschule; Lehre u. Arbeit als Dreher u. Schlosser; 1944 / 45 Zwangsarbeitslager der Organisation Todt. 1945 – 49 Arbeit als Installateur u. Dreher; 1946 SED; 1947 Betriebsrat, später Vors. der BGL in den Stadtwerken Wernigerode; 1950 / 51 2. Sekr. der SED-KL Wernigerode bzw. der SED-KL Haldensleben; Lehrgang an der SED-LPS Sachsen-Anh.; 1951 / 52 Studium an der PHS der KPdSU in Moskau; 1952 Mitgl. des Sekr. der SED-LL Sachsen-Anh.; 1952 / 53 2. Sekr. der SED-BL Magdeburg; 1953 – 55 2. Sekr. der SED-KL Berlin-Treptow; 1955 –58 1. Sekr. der SED-KL Berlin-Pankow; Juni 1958 wg. »revisionist. Verhaltens« von der Funktion abgelöst; anschl. Ltr. der Abt. Arbeit in der VEB Werkzeugmaschinenfabrik »Hermann Schlimme« in Berlin-Treptow; danach bis 1974 Ltr. des Sektors Wiss. im Staatl. Amt für Arbeit u. Löhne; ab 1974 Invalidenrentner; gest. in Berlin.Mario Niemann

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Steinberger, Bernhard

* 17.9.1917 – ✝ 16.12.1990

Geb. in München in einer jüd. Fam.; Volksschule; Ingenieurausbildung; 1936 Emigr. nach Mailand (Italien) u. 1938 weiter in die Schweiz, dort fast drei Jahre im Emigrantenarbeitslager; in der BFD tätig; Mai 1945 von der KPD-Ltg. in der Schweiz rückwirkend ab 1940 als KPD-Mitgl. aufgenommen. 1945 Rückkehr nach Bayern; Mitarb. in der KPD-LL u. an der LPS; Mai 1947 Übersiedl. mit der Familie nach Leipzig zur Aufn. eines Ökon.-Studiums an der Univ. Leipzig bei  Friedrich Behrens; SED; 9.6.1949 Verhaftung durch sowj. Sicherheitsorgane, 1950 Verurteilung zu 15 Jahren Straflager, Deportation nach Workuta, 1955 amnestiert u. am 10.10. 1955 Rückkehr in die DDR; parallel zu seiner Verhaftung am 28.5.1949 Festnahme seiner in Budapest weilenden Frau Ibolya S. im Zusammenhang mit dem ungar. Rajk-Prozeß, 1950 Verurteilung zu acht Jahren Zuchthaus, 1955 amnestiert u. 1956 Rückkehr in die DDR (1957 Freispruch durch die Oberste Staatsanwaltschaft Ungarns); B. S. nahm 1956 eine Aspirantur an der AdW auf u. erwirkte seine Rehabil. als SED-Mitgl.; am 29.11.1956 in Verbindung mit der Festnahme von  Wolfgang Harich u. a. erneut inhaftiert u. in der Presse als Vorbestrafter »wegen Vergehens gegen den Frieden« pol. diffamiert, am 9.3.1957 zus. mit Wolfgang Harich u.  Manfred Hertwig vom Obersten Gericht zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt, am 27.11.1960 aus der Haft entlassen; nach sechs Mon. Arbeit in der Industrie an der HfÖ Berlin tätig; 1967 dort Prom. zum Dr. rer. oec.; anschl. bis 1977 Doz.; danach Pensionierung; 1989/90 Berater des Neuen Forums Berlin; am 30.3.1990 Kassation des Urteils von 1957 durch das Oberste Gericht der DDR; gest. in Berlin.Otto, W.: Dornenreicher Weg eines Antifaschisten. In: Berliner Ztg., 6.4.1990; Jahn, J.: B. S. – ein Opfer der SED. In: JHK Berlin 2002.Wilfriede Otto

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Steineckert, Gisela

* 13.5.1931

Geb. in Berlin; Vater Arbeiter; Volksschule; 1939 – 45 in Österreich; 1946 Rückkehr nach Berlin; tätig als Sozialhelferin u. Sprechstundenhilfe; Ausbildung zum Kfm.; ab 1957 freischaff. Schriftst.; erste Arbeiten für den Rundfunk; kurz mit dem Lyriker  Heinz Kahlau verh.; 1962/63 Kulturred. der satir. Ztschr. »Eulenspiegel«; Szenaristin bei der DEFA, auch als Hrsg. tätig, Verf. von Kurzgeschichten, Hörspielen, Feuilletons, Lyrik u. Chansons; 1965 – 75 Mitw. in der Singebew., bes. als Beraterin des Berliner Oktoberklubs u. Liedautorin (u. a. »Wer bin ich u. wer bist du«, »Stundenlied«); Zusammenarb. mit dem Sänger Jürgen Pippig (später  Jürgen Walter); seit 1971 verh. mit dem damal. Musikchef von Radio DDR Wilhelm Penndorf; Mitgl. des Vorst. des SV; 1979 – 90 Vors. des Arbeitskrs. Chanson / Liedermacher beim Komitee für Unterhaltungskunst, ab 1984 seine Präs. (Nachf. von  Siegfried Wagner); SED; 1979, 1980 u. 1987 NP; schrieb Texte für Schlager- u. Chansonsänger, Filmmusiken u. Lyrikbände. Ab 1990 ehrenamtl. Vors. des DFD e. V.; zahlr. Buchveröff. u. Lesungen.Gesichter in meinem Spiegel. Berlin 1977; Briefe 1961 – 1983. Berlin 1984; Einfach Zuneigung. Berlin 1986; Presente. Berlin 1988; Wild auf Hoffnung. Berlin 1990; Ich umarme Dich in Eile. Briefe an Frauen. Berlin 1992; Für Frauen ist Krieg im Land. Berlin 1994; Die blödesten Augenblicke meines Lebens. Berlin 1996; Und dennoch geht es uns gut. Briefe 1992 – 1998. Berlin 1998; Das Schöne an den Frauen. Berlin 1999; -> Veronika Fischer: Die Sehnsucht nach Wärme. Berlin 2001; Der Mann mit der goldenen Nase (mit -> Arndt Bause) Berlin 2001; Das Schöne an den Männern. Berlin 2003; Alt genug um jung zu bleiben. Berlin 2006. Plog, D.: Spuren. Ein G.-S.-Porträt in Gesprächen. Berlin 1983; Karau, G.: Weibergeschichten. Berlin 1999; Schmitt-Johnsen, A.: »Mit Haut u. Haar«: Sprichwörtliches in der Lyrik G. S.s. Saarbrücken 2009.Bernd-Rainer Barth / Ingrid Kirschey-Feix

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Steinhaus, Wilhelm

* 30.4.1884 – ✝ 22.8.1970

Geb. in Barmen; Physikstudium in Marburg u. Göttingen; hier 1908 Lehramtsprüfung; 1908 – 11 Assistent an der Univ. Kiel; 1911 Prom.; 1912 – 46 wiss. Mitarb. der Physikal.-Techn. Reichsanstalt Berlin (PTR); 1924 dort Laborltr.; 1943 Dir. der Abt. Elektrizität u. 1945 kommissar. Präs. Baute nach 1945 aus den in der SBZ verbliebenen Resten der PTR das Dt. Amt für Maß u. Gewicht auf; 1946 – 57 dessen erster Präs.; 1949 Titular-Prof.; 1955 Korr. Mitgl. der DAW; gest. in Berlin. Forschungen zur elektr. Meßtechnik u. Elektrotechnik, insbes. Arbeiten über den Ferromagnetismus.Dieter Hoffmann

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Steinitz, Klaus

* 12.11.1932

Geb. in Berlin; Vater Linguist  Wolfgang St.; Emigr. der Eltern in die UdSSR; dort u. in Schweden Kindheit u. Schulbesuch, ab 1947 OS in Berlin, 1951 Abitur; 1947 FDJ; 1948 SED; 1951 – 55 Studium an der HfÖ Berlin, Dipl.-Wirtsch.; 1956 – 59 wiss. Assistent u. Oberassistent an der HfÖ Berlin; 1959 Prom. zum Dr. rer. oec.; 1960 – 63 Doz.; Ltr. der Abt. Pol. Ökon. des Soz.; 1963 Habil. zu Fragen des Wirtschaftswachstums; anschl. Mitarb. der SPK; 1967 – 71 Ltr. der Abt. Prognose; 1971 – 79 Ltr. der HA Wiss. u. Bildung; 1969 Prof.; 1980 – 89 stellv. Dir. des ZI für Wirtschaftswiss. der AdW; 1989 Korr. Mitgl. der AdW; 1988 NP (im Koll.); Febr. 1990 – 93 Mitgl. des Präs. u. des PV der PDS, 1990/91 Ltr. der Kommission Wirtschafts-, Landw.- u. Sozialpol.; März – Okt. 1990 Abg. der Volkskammer. Okt. – Dez. 1990 Abg. des Dt. Bundestags; ab 1991 Ltr. der AG Wirtschaftspol. u. Hrsg. der »Beiträge zur Wirtschaftspol.«; nach 1992 arbeitslos; Vorruhestand; Mitgl. der Leibniz-Sozietät; lebt in Berlin-Pankow.Neue Bedingungen des Wirtschaftswachstums. Berlin 1982; Produktionsstruktur und umfassende Intensivierung. Berlin 1989 (Ltr. des Autorenkoll.); Vom Umbruch zum Aufbruch? Wirtschaftspol. – Bilanz, Fragen, Vorschläge. Berlin 1990; Bevor alles zusammenbricht. Hamburg 1992 (zus. mit J. Bischof); Wie eine Besatzungsarmee in Feindesland? Berlin 1996; Chancen für eine alternative Entw. Linke Wirtschaftspolitik heute. Hamburg 2005.Helmut Müller-Enbergs

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Steinwand, Rudolf

* 2.8.1906 – ✝ 10.11.1982

Geb. in Boppard (am Rhein); Vater Lehrer; Volksschule u. Gymnasium, 1928 Abitur; Studium der Philologie an der Univ. Bonn; KPD, 1930 Mitgl. der KPD-Unterbez.-Ltg. Chemnitz; nach 1933 antifasch. Arbeit, Verhaftung, zeitw. »Schutzhaft«, Gefängnis Koblenz u. KZ Esterwegen; 1935 erneute Haft, Verurteilung wg. »Vorbereitung zum Hochverrat«, Haft in den KZ Esterwegen u. Sachsenhausen, 1939 entlassen; Buchhalter in einer Weingroßhändlerei; erneute antifasch. Arbeit; 1941 Wehrmacht, 1945 Desertion zur Roten Armee, sowj. Kriegsgef. 1946 SED; 1946 – 50 Personalltr. der HV Landeseigener Betriebe der thüringischen Landesreg.; 1948 – 49 Mitgl. des Plenums der DWK; 1950 – 54 Abg. der Volkskammer; 1950 – 52 Dir. des VEB Maxhütte Unterwellenborn; anschl. HA-Ltr. im Min. für Erzbergbau u. Hüttenwesen; Staatssekr. u. Stellv. des Ministers für Schwermaschinenbau; zeitw. Mitarb. der DDR-Botschaft in der UdSSR; 1955 – 58 Minister für Berg- u. Hüttenwesen; anschl. Mitgl. u. Ltr. der Abt. Grundstoffind. der SPK; 1959 Vors. des Vorst. der SDAG Wismut; später Stellv. des Beauftragten bzw. Ständiger Vertreter der DDR im RGW in Moskau; 1968 Rücktritt aus gesundheitl. Gründen; Ruhestand.Andreas Herbst

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Staubes, Hanna

* 28.5.1889 – ✝ 27.8.1981

Geboren am 28. Mai 1889 als Hanna Weber in Horn/Lippe, Tochter einer Arbeiterfamilie. Die ein Jahr jüngere Schwester von Hermann Weber (dem bekannten Solinger Kommunisten und späteren Opfer der stalinistischen Säuberungen), ging als Dienstmagd und ungelernte Arbeiterin nach Solingen und Düsseldorf. 1911 heiratete sie Walter Staubes, trat 1915 in die SPD ein, 1917 in die USPD und gehörte als Mitglied des Spartakusbundes zu den Mitbegründern der KPD in Solingen. Hanna Staubes war Frauenleiterin der KPD im UB Solingen, 1929 dort Stadtverordnete, 1930 im Provinziallandtag Rheinland. 1931 Mitorganisatorin des »Roten Rhein-Ruhr-Kongresses werktätiger Frauen«. Im April 1932 wurde sie im Wahlkreis Düsseldorf-Ost in den Preußischen Landtag gewählt, in dem sie bis 1933 blieb. Im Juli 1933 festgenommen, saß sie bis April 1934 im Gefängnis in Düsseldorf, anschließend in KZs in »Schutzhaft«. 1934 heiratete sie Otto Rautenbach, war von August 1937 bis Oktober 1938 in Düsseldorf erneut inhaftiert. 1945 wieder Mitglied und Funktionärin der KPD in Solingen, dort ab November 1945 in der Stadtverwaltung. Als anerkannte Kommunalpolitikerin wurde sie am 10. April 1947 in den Landtag von Nordrhein-Westfalen gewählt, dem sie bis 1950 als Abgeordnete angehörte. 1968 trat sie der DKP bei. Hanna Staubes-Rautenbach starb am 27.August 1981 in Solingen.

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Staudinger, Hildebrand

* 1.10.1878 – ✝ 16.3.1938

Geboren am 1. Oktober 1878 in Landau/Pfalz, Sohn eines Bauern. Kaufmännische Lehre und Arbeit, seit 1898 Mitglied der SPD, 1916 der Spartakusgruppe, 1918 der KPD. Mitarbeiter des AM-Apparates, 1923/24 Leiter für den Be zirk Württemberg. Nach der Flucht in die Sowjetunion war er Angestellter im Textilsyndikat in Moskau. 1929 kehrte er nach einer Amnestie nach Deutschland zurück, Mitarbeiter in der sowjetischen Handelsvertretung. 1932/33 Polleiter im KPD-UB Schwäbisch-Gmünd, 1933 erneut emigriert, zunächst nach Frankreich, dann 1935 über die âSR in die Sowjetunion. Als Politemigrant anerkannt, wurde er am 16. März 1938 in Moskau vom NKWD festgenommen. Er wurde der Spionage für den deutschen Nachrichtendienst beschuldigt und am 16.Mai 1938 zum Tode verurteilt. Hildebrand Staudinger wurde am 28. Mai 1938 erschossen.

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Stecher, Renate

* 12.5.1950

Geb. in Süptitz (b. Torgau); Schule in Torgau, KJS, Abitur; 1963 – 77 aktive Leichtathletin (Sprint); anfangs in Torgau (Trainer: Manfred Schumann); ab 1964 beim SC Motor Jena (Trainer: Horst-Dieter Hille); bei den Europameisterschaften 1969 Siegerin (mit der 4 x 100-m-Staffel), 2. Platz (200 m); 1970, 1971, 1972 u. 1974 bei den Hallen-Europameisterschaften: Siegerin; beim Europacup 1970: Siegerin (200 m); bei den Europameisterschaften 1971: Siegerin (100 m u. 200 m), 2. Platz (mit der 4 x 100-m-Staffel); 1972 Olymp. Spiele: Siegerin (100 m u. 200 m), 2. Platz (mit der 4 x 100-m-Staffel); sie blieb als erste Frau der Welt 1973 unter elf Sek. im 100-m-Lauf; beim Europacup 1973 u. 1975: Siegerin (100 m, 200 m u. mit der 4 x 100-m-Staffel); bei den Europameisterschaften 1974: Siegerin (mit der 4 x 100-m-Staffel), 2. Platz (100 m u. 200 m); 1976 Olymp. Spiele: Siegerin (mit der 4 x 100-m-Staffel), 2. Platz (100 m), 3. Platz (200 m); Aug. 1976 endete ihre sportl. Laufbahn; 1970 – 76 22mal WR; VVO; Pädagogikstudium an der DHfK Leipzig, Dipl.-Lehrerin für Körpererziehung; Hochschullehrerin an der FSU Jena; verh. mit dem Hürdenläufer Gerd S.; Angest. des Jenaer Studentenwerks; lebt in Jena.Klaus Gallinat / Olaf W. Reimann

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Steffelbauer, Kurt

* 16.2.1890 – ✝ 10.1.1942

Geboren am 16. Februar 1890 in Görlitz, Sohn eines Konditormeisters. Nach einer Lehrerausbildung unterrichtete er an Schulen im Landkreis Görlitz. Im Oktober 1913 als Einjährig-Freiwilliger zum Militärdienst, im Mai 1915 schwere Verwundung. Im Mai 1916 als Leutnant der Reserve entlassen, 1917/18 Lehrer in einem evangelischen Waisenhaus in Beirut. Zurück in Deutschland und zunächst arbeitslos, bewarb er sich um eine Anstellung bei der Deutschen Demokratischen Partei, der er von 1918 bis 1920 angehörte, wurde dann Sekretär der Reichsgewerkschaft des Deutschen Eisenbahner-Verbandes. 1924 trat er in die KPD ein, ab 1927 Lehrer in Berlin-Wedding. Wegen seiner Mitgliedschaft in der KPD, seines Engagements in der Lehrergewerkschaft und der Berliner »Interessengemeinschaft oppositioneller Lehrer« wurde er im Februar 1933 von den Nationalsozialisten aus dem Schuldienst entlassen, im Herbst jedoch wieder eingestellt. Steffelbauers Wohnung diente nach 1933 als Anlaufstelle für Kuriere des ZK der KPD. Seit dem Frühsommer 1934 leitete Steffelbauer illegale Gruppen aus entlassenen und noch im Schuldienst befindlichen Lehrern. Als der Gestapo im Krieg Flugblätter und Schriften aus diesem Kreis in die Hände fielen, hat sie ihn am 28. Mai 1941 festgenommen. Am 10.Januar 1942 vom 2. Senat des VGH gemeinsam mit Arthur Emmerlich u. a. zum Tode verurteilt, wurde Kurt Steffelbauer am 21. Mai 1942 in Berlin-Plötzensee hingerichtet.

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Stefke, Erhard

* 3.2.1931

Geb. in Beuthen (Oberschles. / Bytom, Polen); Vater Architekt; 1936 – 40 Volksschule in Zinnowitz (Usedom), 1940 – 45 Oberschule in Wolgast; 1945 – 48 Ausbildung zum Gärtner in Zinnowitz; Arbeit als Gärtner. 1949 – 51 Studium an der FS für Gartenbau in Pillnitz, Dipl.-Gartenbauing.; durch Vermittl. von  Johann Greiner in die Meisterklasse von  Reinhold Lingner an die DBA in Berlin; 1951 – 64 Mitarb. der DBA, Sektion »Grünplanung« bei R. Lingner; 1951 / 52 Mitarb. an der Pionierrep. »Wilhelm Pieck« in Altenhof (Werbellinsee); 1953 Mitarb. am Wettbewerb Frankfurter Tor (bei  Hermann Henselmann u. H. Greiner); 1957 Teiln. am Wettbewerb Domplatz zu Köln (mit H. Greiner); 1959 – 89 Red.-Mitgl. der Ztschr. »Landschaftsarchitektur« (ab 1965 »Dt. Gartenarchitektur«); 1965 – 68 Fernstudium an der HU Berlin, Dipl.-Gärtner; 1965 – 79 beim Inst. für Städtebau u. Architektur (ISA) Berlin, wiss. Mitarb. an städtebaul. Studien für Erholungs- u. Neubaugebiete in Leipzig, Dresden, Halle u. Zwickau; 1960 – 68 Mitarb. bei den Planungen zur Kröpeliner-Tor-Vorstadt in Rostock; 1968 – 70 Mitarb. am Wettbewerb Leninplatz, Berlin-Friedrichshain (bei H. Henselmann); 1968 / 69 Mitarb. an der Gestaltung des Volksparks Berlin-Friedrichshain (mit H. Greiner); 1977 Schinkelmed.; 1979 – 90 im Büro für Städtebau beim Magistrat der Stadt Berlin, Stadtplanung für Freiflächen; 1981 – 87 Planungen zum Ernst-Thälmann-Park Berlin-Prenzlauer Berg (auf der Grundlage der Entwürfe von  Hubert Matthes). 1990 – 96 bei der Senatsverw. für Stadtentw. u. Umweltschutz in Berlin, Landschaftsplanung für Friedhöfe; lebt in Berlin-Kaulsdorf.Kleinarchitekturen in der dt. Gartenkunst. Berlin 1956 (mit F. E. Carl); Funktionelle u. ökonom. Probleme des fünfgeschossigen Wohnungsbaus. In: Dt. H. 8 / 1971 (mit S. Kress); Aus meiner Tätigkeit bei der Bauakad. In: Hoffjan, T., Gerischer, A., Matthes, H. u. a.: Freiraum komplex. Berlin 2003. Barth, H., Topfstedt, T. u. a.: Vom Baukünstler zum Komplexprojektanten. Architekten in der DDR. Erkner 2000.Volker Wagner

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Steidl, Josef (Jupp)

* 14.1.1919 – ✝ 4.9.1986

Geb. in Münchhof (Eger, ČSR / Mírová, Tschechien); Vater Bergmann, Mutter Porzellanarb.; Volksschule, Bürgerschule; 1933 – 36 Ausbildung zum Automechaniker in Karlsbad; 1936 KPČ; 1936 – 38 Jugendsekr. der KPČ; 1938/39 Bergarb.; April 1939 – März 1945 Wehrmacht, Stabsgefr., Einsatz in Frankreich, Rumänien, Griechenland u. der Sowjetunion; im März 1945 desertiert; Teiln. an Kampfaktionen tschech. Partisanen; 1945/46 Bergarb. in der ČSR. März 1946 Aussiedl. nach Thür.; 1946 KPD/ SED; 1946/47 Bahnunterhaltungsarb., Rangierer Bahnmeisterei Geußen; 1947/48 Amtsbetriebsrat Erfurt; 1948/50 Sekr. u. stellv. Vors. der IG Transport LV Erfurt; 1949 – 52 Vors. der IG Transport im Land Brandenb.; 1950 VVN; 1952 – 54 Vors. der IG Transport im Bez. Potsdam; 1954 – 61 Abt.-Ltr. für nat. Gewerkschaftsarbeit (Gewerkschaftseinheit) beim Bundesvorst. des FDGB; 1955 – 68 Mitgl. des FDGB-Bundesvorst.; 1960 – 62 Studium an der PHS der KPdSU in Moskau; 1962 – 65 Ltr. der ZK-Abt. Gewerkschaften u. Sozialpol. (Nachf. von  Fritz Rettmann); 1965 – 86 Ltr. der Abt. Verkehr des ZK, zuständig für verdeckte Verbindungen, Transporte zu anderen kommunist. Parteien (Nachf. von  Adolf Baier); 1970 Verdienstmedaille der NVA; Erinnerungsmedaille Wladimir I. Lenin; 1970 Studium am IfG beim ZK der SED, Dipl.-Ges.-Wiss.; 1972 VVO; 1979 KMO; 1984 Held der Arbeit; gest. in Berlin.Die Verantwortung der Parteiorg. u. der Mitglieder der SED für die Arbeit in den Gewerkschaften. Berlin 1964 (mit E. Schulze u. I. Thoms).Bernd-Rainer Barth

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Stein, Mona

* 20.10.1951

Geb. in Berlin; Vater Musiker, Großvater ital. Schauspieler u. Wahrsager; Friseurlehre; 1964 – 66 Unterricht im Ausdruckstanz; ab 1965 Beschäftigung mit Astrol. u. Wahrsagerei; 1967 – 71 Schauspiel- u. Gesangsstudium; 1970 – 72 Arbeit als Krankenpflegerin, Abitur; nebenberufl. Fotomodell; 1971 – 73 Psychologiestudium; 1973 – 76 Tourneen als Sängerin u. Schauspielerin im In- u. Ausland; 1977 – 79 Gastspiele an den Theatern in Zwickau u. Annaberg; 1979 – 82 Ltg. eines Friseursalons; 1971 – 92 Mitw. als Darstellerin in über 70 Fernseh- u. Kinofilmen; 1987 als erste Wahrsagerin der DDR anerkannt, öffentl. Auftritte in Klubs, Hotels u. Kulturhäusern; 1989/90 freie Mitarb. für Radio DDR u. Berliner Rundfunk (Lebensberatung u. Traumdeutung); begleitete die ersten freien Wahlen der DDR im Frühjahr 1990 wahrsagend im Fernsehen. Ab 1990 eigene Sendereihe bei Antenne Brandenb. (Horoskope u. Sternbilder) u. Privatsender 100,6 (Partnerschaftsprobleme u. Erotik); Mitarb. an der Ztg. »Litfaßsäule«; seit 1992 öffentl. Sprechstunden als Hellseherin, u. a. mit Heilhypnose u. Jenseitskontakten; 1994 Zusatzstudium Parapsychol. u. Bewußtseinserweiterungslehre; öffentl. Engagement für UNICEF u. Tierschutz.Hellsehen. Der Blick über die Schwelle (Mitautorin). Flensburg 1999.Christoph Links

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Steinberger, Nathan

* 16.7.1910 – ✝ 26.2.2005

Geb. in Berlin in einer jüd. Familie, Vater Schirmmacher; 1928 Abitur am Kaiser-Friedrich-Realgymnasium Berlin-Neukölln; Mitgl. der sozialist. jüd. »Freien Jugend«; 1925 KJVD u. am Aufbau der Kommunist. Pennälerfrakt. u. des Sozialist. Schülerbunds beteiligt, 1927 wg. Zugehörigkeit zur sog. Karl-Korsch-Frakt. aus dem KJVD ausgeschlossen; 1928 Austritt aus der jüd. Gemeinde, KPD; 1928 – 32 Stud. zunächst der Med., dann Nationalökon. u. Gesch. an der Univ. Berlin, 1932 Dipl.-Volkswirt; anschl. vom ZK der KPD als Wirtschaftsreferent nach Moskau delegiert, dort Mitarb. am Internat. Agrarinst. der KI u. 1935 Prom. mit Untersuchungen zur Agrarpolitik des Nationalsozialismus; 1934 Aberkennung der dt. Staatsbürgerschaft, 1936 sowj. Staatsbürgerschaft; April 1937 Verhaftung durch das NKWD, als »Volksfeind u. Trotzkist« zu fünf Jahren Arbeitslager verurteilt, 1946 Entlassung zur »ewigen Verbannung«, Tätigkeit in Industriebetrieben in Magadan; 1955 (nichtöff.) Rehabilitierung. Dez. 1955 Übersiedl. in die DDR; 1956 DDR-Staatsbürgerschaft u. »Wiederherstellung der Parteimitgliedschaft«; zunächst Abt.-Ltr. in der SPK u. im Inst. für Agrargesch. der DAL; ab 1960 Prof. an der LPG-HS Meißen, ab 1963 an der HfÖ Berlin; 1975 em.; VVO; gest. in Berlin. St. hat vor allem als Lehrer auf die nachfolgende Generation der DDR-Ökonomen gewirkt.Die Agrarpolitik des Nationalsozialismus, Moskau 1935; Edwin Hoernle – ein Leben für die Bauernbefreiung. Berlin 1965 (Mithrsg.); Principles of the »new economic system of planning and management (NES) in the German Democratic Republik. In: Wiss. Beiträge des Inst. Ökonomik der Entwicklungsländer an der HfÖ »Bruno Leuschner« Berlin, 1967. Die UdSSR. Handbuch. Leipzig 1971; Berlin Moskau Kolyma u. zurück. Ein biograph. Gespräch über Stalinismus u. Antisemitismus. Berlin, Amsterdam 1996. Bauer, A.: »So jagen wir dem Sozialismus nach« in: taz, 19.3.2005.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Steinemann, Hans

* 23.8.1890 – ✝ 18.1.1965

Geboren am 23. August 1890 (nach anderen Angaben 22. September) in Oschersleben; lernte Schlosser und arbeitete in Mitteldeutschland. Von 1914 bis 1918 Soldat. Nach dem Krieg ließ er sich in Wismar nieder, arbeitete als Maschinenschlossermeister. 1918 Mitglied der USPD und 1920 der KPD, 1924 zog Steinemann als Abgeordneter in den Landtag von Mecklenburg-Schwerin ein. 1925 Vorsitzender des RFB in Mecklenburg. Als Anhänger der linken Opposition 1926 nicht wieder als Kandidat aufgestellt, schied Steinmann aus dem Landtag aus, blieb bis 1928 noch für die KPD aktiv. 1929 wurde er aus der Partei ausgeschlossen, später trat er politisch nicht mehr hervor. Hans Steinemann starb am 18. Januar 1965 in West-Berlin.

Wer war wer in DDR

Steinhoff, Karl (Carl)

* 24.11.1892 – ✝ 19.7.1981

Geb. in Herford (Westf.); Vater Obertelegrafeninspektor; Gymnasium in Bielefeld; 1910 –21 Studium der Rechtswiss. an den Univ. Freiburg i. Br., München, Königsberg, Berlin u. Münster; 1921 Prom. zum Dr. jur.; 1922/23 in den Reichsmin. des Innern u. für Justiz tätig; 1923 SPD; 1923/24 Legationssekr. der Sächs. Gesandtschaft in Berlin; 1925/26 Reg.-Rat in der Amtshauptmannschaft Zittau; 1926 – 28 Landrat im Krs. Zeitz; 1928 Reg.-Vizepräs. in Gumbinnen (Ostpr.), danach Vize-Oberpräs. in Königsberg (Ostpr.); 1932 beurlaubt; 1933 aus dem Staatsdienst entlassen, Berufsverbot auch als Rechtsanwalt; 1940 – 45 Syndikus einer Kartonagengroßhandlung in Berlin. 1945 SPD; Präs. der Provinzialverw. Brandenb., verantw. für Justiz u. Gesundheit; 1946 SED; 1946 – 49 Mitgl. des Brandenb. Landtags, Min.-Präs. des Landes; DWK; 1948/49 Mitgl. des Dt. Volksrats, 1949 – 54 der Prov. Volkskammer bzw. Volkskammer; 1949/50 Mitgl. des PV der SED u. 1949/50 Kand. des PB; 1949 – 54 Mitgl. des ZK der SED; 1949 –52 Minister des Innern, fristlose Kündigung durch  Walter Ulbricht veranlaßt; 1949 – 55 Prof. für Verw.-Recht an der HU Berlin; danach im Bez.-Friedensrat Potsdam tätig; VVO; Ehrenspange zum VVO; KMO; gest. in Wilhelmshorst.C. St.: Italienische Novellen. Wilhelmshorst 1997 (mit Biogr., verf. von R. Steinhoff); Reinert, F.: »Eine Generallinie haben u. mit Gewissenhaftigkeit das tun, was der Augenblick erfordert«. Zum 110. Geburtstag des gescheiterten ostdt. Staatsmannes Carl Steinhoff. In: Deutschland Archiv (2003) 1.Elke Reuter / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Steinitz, Wolfgang

* 28.2.1905 – ✝ 21.4.1967

Geb. in Breslau (Wrocław, Polen) in einer jüd. Fam.; Vater Rechtsanwalt; Gymnasium; 1923 – 28 Studium der finn.-ugr. Sprachen u. Völkerkunde an den Univ. Berlin u. Breslau; 1923 SPD; 1924 – 26 wiss. Hilfsarb. am Museum für Völkerkunde in Berlin; Studienreisen 1924 nach Finnl., 1925 nach Ungarn, 1926 nach Estland u. in die UdSSR; 1927 KPD, Agit.-Prop.-Ltr. des KJVD Schles.; 1928 – 33 Assistent am Ungar. Inst. der Univ. Berlin; 1927 KPD; 1932 Prom. an der Univ. Berlin; Apr. 1933 Entlassung im Zuge der nationalsoz. Rassenpol.; 1934 Emigr. in die UdSSR; 1934 – 37 Prof. für Finno-Ugristik am Leningrader Inst. der Nordvölker; 1937 Übersiedl. nach Schweden, 1938 – 45 Gastprof. am Ungar. Inst. der Univ. Stockholm; illeg. Arbeit für die KPD. Jan. 1946 Rückkehr nach Berlin; SED; Prof. mit vollem Lehrauftrag an der Univ. Berlin; 1947 – 52 Vors. der DSF Berlin; 1949 Prof. mit Lehrstuhl für Finno-Ugristik u. Dir. des Finn.-Ugr. Inst. an der HU Berlin (Nachf. von Julius v. Farkas); Studentendekan; 1949 – 53 Prorektor für wiss. Aspirantur; 1950 Dekan der Philosoph. Fak.; 1951 ord. Mitgl. der DAW; 1952 zugl. Dir. des Inst. für dt. Volkskunde u. Abt.-Ltr. am Inst. für dt. Sprache u. Lit. der DAW; 1954 – 58 Mitgl. des ZK der SED; 1954 – 63 Vizepräs. für den ges.-wiss. Bereich der DAW; Mitgl. versch. AdW u. wiss. Ges.; 1950, 1965 u. 1978 NP; 1960 Vizepräs. der International Union of Anthropological and Ethnological Sciences in Paris; 1962 Mitgl. des Comité Internat. Permanent des Linguistes; gest. in Berlin. Zahlr. Veröff. auf den Gebieten der Finno-Ugristik, Slawistik, Germanistik u. Ethnographie; Initiator des »Marx-Engels-Wörterbuchs«; Hrsg. versch. Nachschlagewerke, u. a.: »Neue Russ. Bibliothek« (50 Bde., 1946 – 53), »Enzyklopädie der UdSSR«, 2 Bde. (mit.  Jürgen Kuczynski, 1950), »Wörterbuch der dt. Gegenwartssprache« (1961 – 77); dt. Neubearbeitung des finn. Epos »Kalevala« (1968).Russ. Lehrbuch. Stockholm 1945; Dt. Volkslieder demokrat. Charakters. Berlin 1954 – 62; Ostjakolog. Arbeiten in vier Bänden. Berlin 1980 (Bd. 4 mit Bibl.). Zweimal Stockholm – Berlin 1946. Leipzig 1988; Nötzold, P.: W. St. u. die DAW. Diss. HU Berlin 1999; Scholz, M. F.: Skand. Erfahrungen erwünscht? Stuttgart 2000; Leo, A.: Leben als Balance-Akt. W. St. Kommunist, Jude, Wissenschaftler. Berlin 2005; Kaschuba, W., Steinitz, K. (Hrsg.): W. St: Ich hatte unwahrscheinliches Glück. Berlin 2006.Ilko-Sascha Kowalczuk

Wer war wer in DDR

Stelzmann, Volker

* 5.11.1940

Geb. in Dresden, seit 1948 in Leipzig aufgew.; 1957 mittlere Reife; 1957 – 60 Lehre als Feinmechaniker; 1960 – 63 in diesem Beruf tätig; 1963 – 68 Studium bei Prof.  Gerhard Kurt Müller an der HS für Grafik u. Buchkunst Leipzig; 1966 gem. mit Ulrich Hachulla erste Personalausstellung in Ahrenshoop; ab 1966 mehrf. Studienreisen in die UdSSR; ab 1966 beteiligt an wichtigen Ausstellungen der DDR im In- u. Ausland; 1968 – 73 freischaff.; Reisen nach Bulgarien, Kuba, Indien; 1970 – 86 VBK; 1973/74 Aspirantur an der HS für Grafik u. Buchkunst; 1975 – 86 Lehrtätigkeit an der HS für Grafik u. Buchkunst; 1978 – 86 Vors. der Zentr. Sektionsltg. der VBK; 1978 Kunstpreis der DDR; 1982 Professur an der HS für Grafik u. Buchkunst; 1983 NP; 1986 nach Eröffnung der Personalausstellung in der Staatl. Kunsthalle keine Rückkehr in die DDR, Verbleib in Berlin (West), dort seitdem ansässig; 1987/88 Gastprofessur an der Städel-Kunst-HS Frankfurt (Main); 1988 Professur an der HS der Künste in Berlin-Charlottenburg. Werke (u. a.): Kreuzabnahme I, 1978/79; Drifters escape, 1980/81; Berliner Nacht, 1989; Werkgr. der »Straße«-Bilder, 1994 – 95; Werkgr. der »Sinken«-Bilder 1986 – 94; Varieté 1994/95.Hütt, W.: Wir – unsere Zeit. Künstler der DDR in Selbstbildnissen. Berlin 1974; Hartleb, R.: V. S. Berlin 1976 (Welt der Kunst); Meißner, G.: Leipziger Künstler der Gegenwart. Leipzig 1977; Als guter Realist muß ich alles erfinden. Internat. Realismus heute (Hrsg. vom Kunstverein Hamburg). Hamburg 1979; Schumann, H.: V. S. In: Künstler der DDR, Dresden 1981; V. S. Kat. mit Werkverz. u. Texten von R. Behrends u. P. Gosse (Hrsg. vom Ludwig Inst.; Städt. Galerie Oberhausen). Oberhausen 1985; V. S. Gemälde 1985 – 1991. Kat. Univ. Leipzig, Kustodie, Text von R. Behrends. Leipzig 1991; V. S. Kat. Forum-Gallery New York u. Ann-Nathan Gallery. Chicago 1998; Beaucamp, E. u. a.: V. S. – Versuchsanordnungen. Monogr. Frankfurt (Main) 2006.Anke Scharnhorst