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BioLex

In der Kategorie BioLex finden Sie drei biografische Lexika mit über 5500 Personeneinträgen.

Das Handbuch "Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945" wird von Andreas Herbst und Hermann Weber heraugegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die dramatischen Schicksale dieser Menschen knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel gewaltsam ums Leben kam.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Abel, Karl

* 10.2.1897 – ✝ 28.4.1971

 

Geboren am 10. Februar 1897 in Obernkirchen/ Wesergebirge, gelernter Schuhmacher. 1916 bis 1919 Soldat. Danach Wanderschaft, seit 1921 Bergarbeiter. Abel trat 1914 der Gewerkschaft, 1916 der Sozialistischen Jugend und 1921 der KPD bei. Von 1924 bis 1932 war er Abgeordneter im Preußischen Landtag. 1926 von seinem Betrieb Preußag entlassen; er wurde hauptamtlicher Funktionär. Bei den Auseinandersetzungen mit der ultralinken Katz-Gruppe wurde Abel, der immer die Parteilinie vertrat, 1925 Gauleiter des RFB Niedersachsen, dann Sekretär für Gewerkschaftsfragen, Anfang 1929 Orgleiter in der KPD-BL Niedersachsen. Im gleichen Jahr wegen der RGO-Politik aus dem Bergarbeiterverband ausgeschlossen. In den letzten Jahren der Weimarer Republik trat er in der KPD etwas in den Hintergrund. 1933/34 Festungshaft, anschließend ließ er sich als orthopädischer Schuhmacher nieder. Wegen seiner kommunistischen Vergangenheit und Verbindung zu Widerstandskreisen kam er von 1938 bis 1940 ins KZ Sachsenhausen. Später Soldat, 1944 nochmals inhaftiert bis zur Befreiung 1945. Er schloß sich wieder der KPD an, war Stadtrat in Obernkirchen, Kreistagsabgeordneter und wurde 1946 von der britischen Besatzungsmacht in den neugegründeten Landtag von Niedersachsen berufen. Im November 1946 Minister für Volksgesundheit und Staatswohlfahrt in Niedersachsen, anschließend bis Februar 1948 Staatsminister ohne Geschäftsbereich. Aus Abels Feder stammt das erste Jugendarbeitsschutzgesetz. Er trat als Minister zurück, blieb bis 1951 Landtagsabgeordneter und beschäftigte sich danach mit Kommunalpolitik in Schaumburg. Bis zum KPD-Verbot 1956 war er Ratsherr der Stadt Obernkirchen, er arbeitete wieder als Schuhmachermeister und Schuhhändler, betätigte sich politisch für die Vereinigung für Frieden und Sicherheit (VFS) und war lange Jahre Vorsitzender der VVN in Niedersachsen. Karl Abel starb am 28. April 1971 in Obernkirchen. Klaus Maiwald veröffentlichte 2006 eine biographische Skizze über Karl Abel.

Wer war wer in DDR

Abrassimow, Pjotr Andrejewitsch

* 16.5.1912 – ✝ 16.2.2009

 

Geb. in Boguschewskoje (Gebiet Witebsk); Weißrusse; Vater Bauer; Elektromechaniker; 1933 – 41 Funktionär in staatl. u. gewerkschaftl. Org.; 1940 Mitgl. der KPdSU; ab 1941 Rote Armee, pol. Offz. im Zentralstab der weißruss. Partisanenbew. 1945 persönl. Ref. des Vors. des Rates der Volkskommissare der Weißruss. SSR u. 1. Sekr. des ZK der dortigen KP, Panteleimon K. Ponomarenko; 1946 – 48 ständ. Vertreter des Min.-Rats der Weißruss. SSR beim Min.-Rat der UdSSR; 1948 Erster stellv. Vors. des Min.-Rats der Weißruss. SSR u. dort 1950 – 52 Sekr. des ZK der KP; zugl. Studium an der Univ. Minsk, 1951 Dipl.-Hist.; 1950 – 58 Mitgl. des Obersten Sowjets der UdSSR; 1952 – 55 Erster stellv. Vors. des Min.-Rats der Weißruss. SSR u. dort 1955/56 Sekr. des ZK der KP; 1956 Übertritt in den diplomat. Dienst, 1956/57 Botschaftsrat in Peking; 1957 – 61 Botschafter in Polen; ab 1961 Mitgl. des ZK der KPdSU; 1961/62 Erster Sekr. des KPdSU-Gebietskomitees von Smolensk; Dez. 1962 – 71 Botschafter in der DDR (Nachf. von  Michail Georgijewitsch Perwuchin); er hatte maßgebl. Anteil am Viermächte-Abkommen über den Status von Berlin vom 3.9.1971; 1971 – 73 Botschafter in Paris; 1973 – 75 Ltr. der Abt. »Soz. Ausland« im ZK der KPdSU; 1975 – 83 wieder Botschafter in der DDR, dort erhielt er aufgrund seiner massiven Einmischung in innenpol. Fragen der DDR den Beinamen »Regierender Botschafter«; 1983 – 85 Vors. des Staatskomitees für Auslandstouristik; 1985 – 86 Botschafter in Tokio; zwei Lenin-Orden, Rotbannerorden, Orden der Oktoberrev., Großer Stern der Völkerfreundschaft der DDR.Dom na Unter den Linden – is istorii russkowo i sowetskowo posolstw w Berline. Moskwa 1978 (Das Haus unter den Linden – Aus der Geschichte der russ. u. der sowj. Botschaft in Berlin. Berlin 1978); Na diplomatitscheskom poslu, Moskwa 1987; Wspominaja proschedsije gody – tschetwert weka poslom Sowetskowo Sojusa. Moskwa 1992.Jan Foitzik

Wer war wer in DDR

Acker, Paula

* 3.2.1913 – ✝ 7.11.1989

 

Geb. in Tübingen; Vater Maurer; Grund- u. Mittelschule in Schwenningen (Neckar); 1928 Naturfreundejugend; 1928 – 30 Handelsschule, Ausbildung zum Industriekfm.; 1930 – 33 Korrespondentin für Fremdsprachen (Engl., Frz.) u. Auslandskorr. in Schwenningen; 1931 – 41 KPD; 1932 illeg. Arbeit für den KPD-Nachrichtendienst in Stuttgart; 1933 »Schutzhaft« im Frauengefängnis Gotteszell (b. Schwäbisch Gmünd); 1934 – 36 Auslandskorr. einer Uhrenfabrik in Schwenningen; ab 1934 illeg. Arbeit für die KPD-BL Stuttgart (»Trudi«, »Erika«); 1936 verhaftet, 1936 – 38 U-Haft, wegen »Vorber. zum Hochverrat« zu 30 Mon. Zuchthaus verurteilt; 1938/39 Haft im Frauenzuchthaus Haufen (Oberbayern); 1939 Gestapo-Haft in Stuttgart; 1939 Flucht in die Schweiz; 1941 KPD-Ausschl. wegen ihres Haftverhaltens (Schein-Koop. mit Gestapo, die sie unmittelbar nach der Haft der KPD offenbarte), 1945 als unbegründet aufgehoben; techn. u. red. Mitarb. der Ztschr. »Der Dt.« in Basel; 1944 Praktikantin u. Assistentin beim Unitarian Service Committee (USC) bei Noel H. Field in Genf. Mai 1945 Rückkehr nach Dtl.; 1945 – 47 Ltr. des Sozialamtes der Stadt Schwenningen; 1946 – 51 Mitgl. des Stadtrats Schwenningen u. der KPD-LL Südwürtt.-Hohenzollern, Ltr. der Frauenarbeit für Südwürtt.; 1947/48 Red. des Südwestverlages Offenburg (Baden); 1948 – 50 Chefred. der KPD-Ztg. »Unsere Stimme« (Stuttgart); 1948 – 51 Mitgl. des KPD-PV; 1950/51 Chefred. »Frau von heute« (Düsseldorf); 1951 im Zuge der Affäre um Noel H. Field Funktionsenthebung; 1951 auf Parteiweisung Übersiedl. in die DDR; SED; 1951 – 55 Red., 1955 – 58 Chefred. der »Lausitzer Rundschau«; 1956 parteiinterne Rehabil.; 1956 – 58 Mitgl. der SED-BL Cottbus; 1958 – 76 Mitarb. der Agit.-Kommission beim PB des ZK der SED, enge Mitarb. von  Walter Ulbricht, Ltr. des Sekr. des NR innerhalb der Agitationskommission; als Mitgl. der »Kommission für die Arbeit nach Westdeutschland« maßgebl. beteiligt an propagandist. Kampagnen gegen die Bundesrep. Dtl.; 1958 – 89 Mitgl. des NR der NF, 1962 – 89 Mitgl. des Präs.; ab 1963 Chefred. der Ztschr. »Weltgewerkschaftsbew.«; 1963 – 76 Mitgl. der Frauenkommission beim PB des ZK der SED; 1973 u. 1983 VVO; 1976 Parteiveteran; 1988 Stern der Völkerfreundschaft; gest. in Berlin.(Mitautorin): Walter Ulbricht, ein Leben für Deutschland. Hrsg. vom Nationalrat der Nationalen Front. Leipzig 1970. Teubner, H.: Exilland Schweiz. Dokumentarischer Bericht über den Kampf emigrierter dt. Kommunisten 1933 – 45. Berlin 1975; Haussen, E., Danneck, H.: Antifaschist, verzage nicht ?! Widerstand u. Verfolgung in Schwenningen u. Villingen 1933 – 1945. Villingen-Schwenningen 1990; Kießling, W.: Partner im »Narrenparadies«. Der Freundeskrs. um Noel H. Field u. Paul Merker. Berlin 1994.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Ackermann, Else

* 6.11.1933

 

Geb. in Berlin; Vater Reichsbahnbeamter, Mutter Krankenschwester; 1952 Abitur; Studium der Med. an der HU Berlin, 1957 St.-Ex., 1958 Prom. zum Dr. med.; 1960 – 65 wiss. Assistentin am Lehrstuhl für Pharmakologie u. Toxikologie der Charité, 1965 – 75 wiss. Oberassistentin; 1969 Habil. u. ab 1971 ordentl. Doz. für Klin. Pharmakologie an der Med. Akad. »Carl-Gustav Carus« in Dresden; 1975 – 89 wiss. Oberassistentin am ZI für Krebsforschung (ZIK) der AdW in Berlin-Buch u. Honorardoz. an der Charité; 1985 CDU, 1986 – 99 Vors. der CDU-Ortsgr. Neuenhagen (b. Berlin); nach einem systemkrit. Brief an den CDU-Hauptvorstand vom Juni 1988, der den Beginn des Reformprozesses innerhalb der Partei markiert, Eröffnung eines OV durch das MfS u. Einleitung eines Ermittlungsverfahrens, März 1989 am ZIK als stellv. Bereichsltr. abgesetzt u. an der Forts. wiss. Arbeit gehindert; Mai 1989 als CDU-Kand. Wahl in den Gemeinderat Neuenhagen, später Teiln. am dortigen Runden Tisch; Jan. 1990 Berufung als ordentl. Doz. für Klin. Pharmakologie an die Charité; ab März 1990 Abg. der Volkskammer, Mitgl. des Rechtsaussch. Okt. – Dez. 1990 Abg. des Dt. Bundestags; Aug. 1991 amt. Inst.-Dir. an der Charité; Okt. 1991 – Okt. 1994 als Nachrückerin für  Lothar de Maizière erneut Abg. des Dt. Bundestags, danach bis Nov. 1998 Doz. für Klin. Pharmakologie an der Charité; bis Sept. 2007 CDU-Fraktionsvors. in der Gemeinde Neuenhagen; dann Fraktion »Christl. Soziale Frauen«.Agethen, M.: Unruhepotentiale u. Reformbestrebungen an der Basis der Ost-CDU im Vorfeld der Wende. In: Hist.-Pol. Mitteilungen (1994) 1.Manfred Agethen

Handbuch Deutsche Kommunisten

Adam, Kurt

* 22.11.1903 – ✝ 22.10.1960

 

Geboren am 22. November 1903 in Stettin als Sohn eines Rohrlegers. Bote und Fabrikarbeiter, trat 1919 der USPD und 1920 der VKPD bei. Ab 1921 im Apparat der KPD-BL Pommern in Stettin, bis Oktober 1923 Vorsitzender der KJD Pommerns, zeitweise auch UB-Leiter von Stettin, blieb bis 1932 Mitglied der BL Pommern. Nach parteiinternen Auseinandersetzungen mit Werner Kraus und Paul Grobis im Juni 1932 Absetzung als UB-Leiter und Ausschluß aus der KPD. Im November 1932 durch einen Beschluß der Zentralen Beschwerdekommission des ZK der KPD Wiederaufnahme. Bereits Anfang März 1933 festgenommen, saß er zunächst im Zuchthaus Gollnow, dann im KZ Sonnenburg. Im August 1935 emigrierte er über Prag nach Moskau und war hier von September 1935 bis Dezember 1937 Kursant an der Internationalen Leninschule. Anschließend Einsatz als ZK-Instrukteur in Dänemark und illegale Arbeit in Deutschland. Von 1938 bis 1941 Emigrationsleiter der KPD in Dänemark, wurde beschuldigt, mit der Gestapo zusammenzuarbeiten. Deshalb als Emigrationsleiter abgesetzt und von der KPD-Arbeit »abgehängt«. Adam betätigte sich aktiv in der dänischen Widerstandsbewegung, war Mitglied der kommunistischen Gruppe »Bopa«. 1943 Flucht nach Schweden, arbeitete in einer Textilfabrik in Boras. Im Juli 1945 kehrte er nach Dänemark zurück, erhielt vom dänischen Staat nach einem schweren Unfall eine Ehrenpension auf Lebenszeit wegen seines Einsatzes gegen die Nazis. Gemeinsam mit seiner dänischen Frau Valborg Adam, geborene Andersen (* 5. 12. 1916 – † 23. 8. 2003), einer gelernten Modellschneiderin, Mitglied der Sozialistischen Jugend Dänemark und seit 1942 der KP Dänemarks, betrieb er ein Milch- und Buttergeschäft. Adam bemühte sich vergeblich um eine Einreise in die SBZ/DDR, Ende 1957 erhielt er die dänische Staatsbürgerschaft, im März 1958 wurde er Mitglied der KP Dänemarks. Durch Vermittlung von Erich Honecker kam es 1959 zu einer Wiederaufnahme seines Verfahrens, er wurde durch die SED-ZPKK rehabilitiert, kam mit seiner Frau und seinem Sohn Bo im März 1960 in die DDR, arbeitete als Lektor beim Rundfunk. Kurt Adam starb am 22. Oktober 1960 in Ost-Berlin.

Wer war wer in DDR

Adameck, Heinrich

* 21.12.1921 – ✝ 23.12.2010

 

Geb. in Silberhausen (Thür.); Vater Holzhauer, Mutter Zigarrenarb.; Volksschule; 1936 – 39 Arbeiter u. Ausbildung zum Kfm. in Dingelstädt (Thür.); 1939/40 Lagerist in einer Papierwarenfabrik; 1940 – 44 Wehrmacht, OGfr.; 1944 – 49 sowj. Kriegsgefangenschaft in Rustawi (b. Tbilissi), Antifa-Schule 2041 u. Taliza, Mitgl. u. Mitarbeit im NKFD. Juni 1949 Rückkehr nach Dtl.; Juli 1949 SED; ab Juli 1949 Mitarb. der Abt. Personal u. ab März 1950 Kaderltr. im Thür. Min. des Innern, Abt.-Ltr., kommissar. HA-Ltr., HA Personal in Weimar; Jan. 1951/52 Kaderltr. in der Gen.-Intendanz des Rundfunks, 1952 – 54 Mitgl. des Staatl. Rundfunkkomitees, 1954 – 68 Intendant des DFF (Nachf. von Gerhard Probst); 1956 – 60 Fernstudium an der DASR Potsdam, Dipl.-Rechtswiss.; 1959 – 68 stellv. Vors. des Staatl. Rundfunkkomitees; 1960 Mitgl. des Vorst. u. des Präs. des VDJ; Besuch der FS für Journalistik; 1963 – 89 Mitgl. des ZK der SED u. des Präs. des Verb. der Film- u. Fernsehschaffenden; 1967 Dipl.-Journalist; 1967 – 72 stellv. Vors. des VDJ; 1968 – 89 Vors. des Staatl. Komitees für Fernsehen; Nov./Dez. 1969 Weiterbildungslehrgang für ltd. Kader im IfG; ab Juni 1971 Mitgl. der Agit.-Kommission beim PB des ZK der SED; 1971 VVO; 1981 Ehrenspange zum VVO; 1986 KMO. 1990 Rentner.Hickethier, K., Hoff, P.: Geschichte des dt. Fernsehens. Stuttgart u. a. 1998; Bösenberg, J.-A.: Die aktuelle Kamera (1952 – 1990): Lenkungsmechanismen im Fernsehen der DDR. Potsdam 2004.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Adolph, Alfred (urspr. Alfred Adolf)

* 30.7.1895 – ✝ 27.4.1959

 

Geb. in Sommerfeld (Niederlausitz/Lubsko, Polen); Vater Zigarrenmacher; 1902 – 09 Volksschule in der Maschinenfabrik Weißwasser; 1909 – 12 Ausbildung zum Schlosser u. Dreher; 1913 Mitgl. des DMV; 1913/14 Wanderschaft; 1915 – 18 Militärdienst; 1918 Mitgl. des Spartakusbundes u. 1918/19 des Arbeiterrates Weißwasser; 1919 Mitbegr. der USPD in der Lausitz; 1919 – 22 Arbeiter in Weißwasser; 1920 KPD; 1921 u. 1922 Ltr. des Metallarbeiterstreiks in der Lausitz, deshalb Dez. 1922 entlassen; Mitgl. der KPD-BL Lausitz; 1922 Funktionär der KPD-BL Berlin-Wedding; 1923 – 25 Arbeiter bei Siemens Berlin, 1924/ 25 Betriebsrat; 1926 – 28 arbeitslos; 1927/28 schloß sich innerhalb der KPD den »Versöhnlern« an; ab 1928 Mitarb. des KPD-Nachrichtendienstes Berlin-Brandenb.; 1928/29 Schüler der Internat. Lenin-Schule in Moskau (»Robert Schneider«); 1930 Ltr. des KPD-UB Berlin-Ost, 1931 des UB Berlin-Mitte; 1932 – Juli 1933 Sekr. für Militärpol. Fragen der KPD-BL Berlin-Brandenb.; illeg. Arbeit für den M-Apparat in Verbindung mit Wilhelm Florin u.  Hans Jendretzky; Sept. 1933 Flucht nach Prag; ab Dez. 1933 in Moskau, Lehrgang an der M-Schule in Bakowka (b. Moskau); Mai 1934 – Aug. 1935 Rückkehr nach Dtl. u. Einsatz als Instrukteur der KPD für Westdtl.; Sept. 1935 nach Holland, dort illeg. Arbeit für die »International Seamen and Harbour Workers« in Rotterdam (Niederl.), Mitgl. einer Sabotagegr. an Schiffen; techn. Mitarb. der KPD-Auslandsltg. in Paris; 1935 illeg. Arbeit nach Dtl. (»Abel«), Dez. 1936 in der Schweiz (»Edi«), Verbindungsmann nach Dtl. (»Hardy«); zeitw. Ltr. der dt. KPD-Emigration in der Schweiz (»Friedrich Förstel«), sammelte in Zürich Meldungen über nicht linientreue Kommunisten u. Linkssozialisten; 1937/38 Ltr. der KPD-Abschnittsleitung Süd (Nachf. von Konrad Blenkle); Juli 1938 in Zürich wegen pol. u. nachrichtendienstl. Tätigkeit verhaftet; zu zehneinhalb Mon. Haft verurteilt; Juli 1939 vor drohender Auslieferung an die Gestapo nach Frankreich ausgewiesen, dort Mitarb. des Passapparats im Sekr. der KPD-Auslandsleitung in Paris; 1939 in Paris interniert; Mai 1940 Flucht aus dem Internierungslager b. Bassens nach Toulouse; ab 1940 Mitarb. der KPD-Ltg. Südfrankreich; 1943 Mitarb. der Ztschr. »Soldat am Mittelmeer« u. des Komitees Freies Dtl. im Westen; 1943/44 Sprecher der dt.-spr. Sendungen von Radio Toulouse. Juli 1946 Rückkehr nach Dtl. (Berlin); 1946 KPD/SED; OdF; 1946 – 50 zus. mit  August Mayer Aufbau des Suchdienstes für vermißte Dt. innerhalb der DVdI, Ltr. der HA Information u. Presse, Hrsg. der »Suchztg.«, ab April 1949 Ltr. des Suchdienstes; 1948 VVN; Jan. 1950 ltd. Geschäftsf. der DEWAG-HV Berlin; 1957 VVO; gest. in Berlin.Schaul, D.: Résistance. Erinnerungen dt. Antifaschisten. Berlin 1973; Pech, K.: An der Seite der Résistance. Zum Kampf der Bew. »Freies Dtl.« für den Westen in Frankreich (1943 – 45). Berlin 1974; Wilke, M. (Hrsg.): Anatomie der Parteizentrale. Die KPD/SED auf dem Weg zur Macht. Berlin 1998.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Adolphs, Karl

* 9.11.1904 – ✝ 24.12.1989

 

Geb. in Solingen; Vater Schleifer, Mutter Hausfrau; bis 1923 Besuch der Volks- u. Fortbildungsschule; Ausbildung als Nickelpolierer in Solingen; 1918 – 23 Schleifer (Heimarbeit) in Solingen; 1918 SAJ, 1919 KVD; 1921 Unterbez-Ltr. der KJD in Solingen; 1922 KPD; 1924 / 25 Volontär, 1925 / 26 Sekr. im KPD-Unterbez. Solingen; 1926 – 28 Kursant an der Internat. Leninschule in Moskau; 1928 / 29 Mitarb. der Org.-Abt. des ZK der KPD in Berlin; 1929 / 30 ZK-Instrukteur in der KPD-BL Schles. in Breslau bzw. der KPD-BL Hessen in Frankfurt (Main); 1931 Org.-Ltr. der KPD-BL Pommern in Stettin; 1932 Ltr. des Literaturvertriebs im Ruhrgebiet in Essen; 1932 / 33 Sekr. in den KPD-Unterbez. Bochum u. Essen; 1933 – 35 Ltr. der illeg. KPD im Bez. Mittelrhein u. in Hannover-Braunschweig; am 4.2.1935 in Hannover verhaftet, 1936 Verurteilung durch den VGH wg. »Vorbereitung zum Hochverrat« zu 15 Jahren Zuchthaus, 1936 – 45 Haft in den Zuchthäusern Hameln, Celle u. im KZ Buchenwald; April 1945 Flucht vom Außenkommando Salzungen. 1945 / 46 Bürgermeister in Ballenstedt bzw. OB von Bernburg; 1946 – 49 OB von Dessau; Stud. an der DVA Forst-Zinna u. Fernstud. an der DASR, 1954 Dipl.-Jurist; 1949 – 52 Intendant des Mitteldeutschen Rundfunks; 1952 – 59 Vors. des Rats des Bez. Leipzig, Febr. 1959 »Rüge« wg. »parteischädigenden Verhaltens«; 1959 – 61 Dir. des zentralen Kulturparks »Clara Zetkin« in Leipzig; 1959 – 68 1. Vors. des DSF-BV Leipzig; 1961 – 65 1. Stellv. des OB von Leipzig; ab 1963 erneut Abg. des Bezirkstages Leipzig; 1965 – 71 Vors. der PKK der SED-Stadtltg. Leipzig; 1971 – 84 Vors. der Kommission zur Betreuung alter verdienter Parteimitglieder der SED-Stadtltg. Leipzig; gest. in Leipzig.Kurzweg, C. / Werner, O.: SED u. Staatsapp. im Bezirk: Der Konflikt um den Rat des Bez. Leipzig 1958 / 59. In: Richter, M. / Schaarschmidt, Th. / Schmeitzner, M. (Hrsg.), Länder, Gaue und Bezirke. Mitteldeutschland im 20. Jahrhundert. Dresden 2007.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Agricola, Rudolf

* 29.11.1900 – ✝ 14.1.1985

 

Geb. in Ladenburg a. Neckar (Krs. Mannheim); Vater Zigarrenfabrikant; Volksschule, Realschule u. -gymnasium; ab 1920 Studium Rechtswiss., Ökon. u. Betriebslehre an den Univ. Heidelberg, Freiburg, Erlangen u. der Handelsschule Mannheim; 1924 Prom. über »Die Beziehungen von Bankzentr. zu Filialen u. Depositenkassen«; 1924 – 31 SPD; 1926 Examen als Dipl.-Handelslehrer; dann in der Industrie tätig; 1927 Handelsoberlehrer u. Stadtverordneter in Zeitz; Vors. der Kinderfreunde; 1931 – 33 Mitgl. der SAP, dessen ZV u. Ltr. des Bez. Halle-Merseburg; Entlassung aus dem Schuldienst; 1933 illeg. pol. Arbeit, Übertritt zur KPD, Mitgl. der KL Zeitz; Sept. 1933 verhaftet, drei Mon. U-Haft; 1933 – 35 Red. u. Hrsg. der illeg. Ztg. »Nun erst recht« (»Die Kommune«); Sommer 1934 u. März 1935 abermals verhaftet; April 1935 zu acht Jahren Zuchthaus wegen »Vorber. zum Hochverrat« verurteilt, 1935 – 43 Haft in Zeitz, Naumburg (Saale) u. Halle; 1943 – 45 Buchhalter in Villingen (Schwarzw.) 1945 Vors. der KPD Heidelberg, Mitgl. des KPD-LV Württemberg-Baden; 1945 – 47 Mitgl. des Vorst. der Dt. Nachrichten-Agentur in der amerik. Zone »DENA«; 1945 – 48 mit Theodor Heuss Hrsg. der »Rhein-Neckar-Ztg.«; 1947 Gastprof. der Univ. Halle, 1947/48 Dir. des Ztgs.-Wiss. Inst., dann Prof. für Politökon., 1948 Ltr. des Inst. für Politökon.; 1948 Mitgl. der SED; 1948 Dozentenlehrgang für Pol. Ökon. an der PHS Kleinmachnow (b. Berlin); 1948 – 51 Prorektor, 1951 – 53 Rektor der Univ. Halle (Nachf. von Prof.  Eduard Winter); 1950 Mitgl. des VVN-ZV, dort Ref. für Westeinsätze; 1950 – 58 Abg. der Volkskammer; Fernstudium an der PHS; 1952/53 Sanatoriumsaufenthalt in der UdSSR; 1954 – 56 Aufbau des Inst. für Wirtschaftswiss. an der AdW in Berlin, Abt.-Ltr., zul. stellv. Inst.-Dir.; Forschungsgebiet: »Auseinandersetzung mit der Apologetik in Westdtl., insbesondere mit den Auffassungen der Sozialdemokraten«; ab 1956 Mitarb. des Min. für Ausw. Angelegenh.; 1956 – 61 Gen.-Konsul der DDR-Handelsvertr. in Finnland (Nachf. von Hans Bahr); 1961/62 a. o. Gesandter u. Bevollm. der DDR-Auslandsvertr. in Finnland; 1960 Banner der Arbeit; ab 1961 Mitgl. des Präs. der Dt.-Nord. Ges.; Febr. 1963 – 65 Prof. mit Lehrstuhl für Pol.-Ökon. u. internat. Beziehungen zu den nord. Ländern an der EMAU Greifswald, zugl. Dir. des Nord. Inst. an der EMAU Greifswald; 1965 em.; 1966 VVO; 1980 KMO; gest. in Greifswald.Abschluß u. Bilanz. Moderne Buchhaltungsarten. Stuttgart 1928; Der gegenwärt. Stand der ökonom. Wissenschaft in Westdtl. Berlin 1956. Radde, J.: Die außenpol. Führungselite der DDR. Veränderungen der sozialen Struktur außenpol. Führungsgr. Köln 1976; Hirschinger, F.: »Gestapoagenten, Trotzkisten, Verräter«. Kommunistische Parteisäuberungen in Sachsen-Anhalt 1918 – 53. Göttingen 2005.Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Ahrbeck, Hans

* 19.5.1890 – ✝ 1.4.1981

 

Geb. in Linden (b. Hannover); Vater Apotheker; Studium der Germanistik, Geschichte, Theol. u. Philos. 1910 – 14 u. 1919/20 in Leipzig, Gießen u. Göttingen; 1915 – 18 Militärdienst, Offz.-Laufbahn abgelehnt; nach Wiederaufnahme des Studiums Mitgl. der freien Studentenschaft, Lehrender in Arbeiterkursen; 1920 St.-Ex. u. Gymnasiallehrer an einer priv. Mädchenschule in Magdeburg; 1925 Prom. mit einer Arbeit über W. Raabe in Göttingen; 1926 Lehrer an der Lessing-OS in Magdeburg; 1929 Doz., 1930 Prof. an der Pädagog. Akad. in Breslau, 1932 an der in Halle; 1933 Studien- rat in Magdeburg, 1937 am Studienseminar; NSDAP-Mitgliedschaft verweigert; Verbindung zur Bekennenden Kirche; 1944/45 unter Gestapo-Überwachung. Juni 1945 Mitarb. im Provinzialschulkoll., Oberschulrat von Magdeburg; ab 1.4.1946 Prof. mit Lehrstuhl für Erziehungswiss. an der Univ. Halle u. mit Unterbrechung im Jahre 1949 Dekan der Pädagog. Fak.; nach deren Auflösung Dir. des Inst. für Pädagogik, zum 1.1.1958 gegen das Votum der Philosoph. Fak. em.Gert Geißler

Wer war wer in DDR

Albani, Bernd

* 9.2.1944

 

Geb. in Dresden; Mutter Angest.; 1960 mittlere Reife, anschl. Berufsausbildung zum Physiklaboranten im ZI für Kernforschung der AdW in Rossendorf, 1963 Abitur an der Abendschule; 1963 – 68 Studium der Physik an der TU Dresden, danach Aspirantur an der Lomonossow-Univ. Moskau; 1970 – 76 wiss. Mitarb. an der HS für Verkehrswesen Dresden, 1973 Prom. mit einer Diss. zur Theorie des Festkörpermagnetismus; 1976 – 80 Studium der Theol. am Theolog. Seminar in Leipzig; 1978 sechs Wochen Haft nach Ein-Mann-Demonstration »Freiheit für  Bahro«; 1980 – 82 Vikariat u. Predigerseminar in Leipzig; 1982 –89 Pfarrer in Frauenstein, 1983 Mitbegr. des kirchl. Arbeitskrs. »Frieden/Umwelt in der Region Frauenstein/Freiberg«, 1984 – 89 Mitgl. der sächs. Landessynode; 1987 – 89 Vertreter der sächs. Basisgr. im Fortsetzungsaussch. des Netzwerks kirchl. Friedens-, Umwelt- u. Menschenrechtsgr. »Konkret für den Frieden«; seit 1.10.1989 Pfarrer der Gethsemane-Gemeinde in Berlin, aktive Beteiligung an den Protest- akt. in der Gethsemane-Kirche im Umfeld des 40. Jahrestags der DDR; Dez. 1989 – 91 Sprecher des Neuen Forums Berlin-Prenzlauer Berg; an der Aufarbeitung der MfS-Verstrickungen in den Kirchen beteiligt. Seit 1992 Mitarbeit im Bündnis 90; 1997 Pfarrstellenwechsel.Ehrhart Neubert

Wer war wer in DDR

Albrecht, Hans

* 22.11.1919 – ✝ 27.3.2008

 

Geb. in Bochum; Vater Arbeiter; Volksschule; 1934 – 38 Ausbildung zum Schlosser; Wehrmacht, Flieger; 1945/46 Heizungsmonteur. 1945/46 SPD/SED; 1945/46 stellv. Vors. der SPD-Ortsgr. Bennewitz u. Mitgl. des SPD-KV Grimma; 1946 Mitgl. des FDGB u. der FDJ; 1946/47 Gemeindevertr. in Bennewitz; 1946 – 49 Mitarb. bzw. Sekr. des SED-KV Grimma; 1950 PHS; 1951/52 2. bzw. 1. Sekr. der SED-KL Frankfurt (Oder), 1952 – 54 1. Sekr. der SED-KL Eberswalde u. 1954 – 58 der SED-KL Stalinstadt; 1954 – 61 Mitgl. des Büros der SED-BL Frankfurt (Oder); 1954 – 63 Kand., dann Mitgl. des ZK der SED; 1958 – 60 Vors. des Bez.-Wirtschaftsrats, 1958 – 63 Abg. des Bez.-Tags, 1960 – 63 Vors. des Rats des Bez. Frankfurt (Oder) (Nachf. von Günter Sommer); 1963 – 65 Studium am Industrie-Inst. der Bergakad. Freiberg, Dipl.-Ing.-Ökon.; 1965 – 68 1. Stellv. des Vors. der ABI (Nachf. von  Günter Sieber); ab Aug. 1968 1. Sekr. der SED-BL Suhl (Nachf. von  Otto Funke); ab 1970 Mitgl. des Präs. der Dt.-Arab. Ges.; 1971 – Nov. 1989 Abg. der Volkskammer; 1974 VVO; 1979 KMO; 3.12.1989 aus dem ZK der SED u. der Partei ausgeschl., wegen Amtsmißbrauch u. Untreue verhaftet. Mai 1991 weiterer Haftbefehl im Zusammenhang mit den Todesschüssen an der Grenze; Okt. 1992 Urteil des Bez.-Gerichts Meiningen zu 22 Mon. Haft wegen »Anstiftung zur Untreue«, Strafe wurde nicht angetreten, da mehr als die Hälfte der Zeit in U-Haft verbüßt; wiederholt legten die Verteidiger ärztl. Atteste wegen begrenzter Verhandlungsfähigkeit vor; 12.11.1992 Beginn des NVR-Prozesses vor dem OLG Berlin; 16.9.1993 wegen »Anstiftung zum Todschlag« zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt; 26.7.1994 BGH erhöht das Strafmaß auf fünf Jahre wegen »mittelbarer Täterschaft«; 13.10.1994 Vollstreckung der Haftstrafe vom BVG bis zur Entscheidung über die Verfassungsbeschwerde ausgesetzt, 12.11.1996 Verfassungsbeschwerde zurückgewiesen; Haft in Berlin; Ruhestand; gest. in Berlin.Helmut Müller-Enbergs

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Abendroth, Hermann

* 19.1.1883 – ✝ 29.5.1956

 

Geb. in Frankfurt (Main); Vater Buchhändler; Gymnasium; 1900 – 03 Studium in München bei Ludwig Thuille (Musiktheorie u. Komposition), Anna Wirzel-Langenhan (Klavier) u. Felix Mottl (Dirigieren); 1903/04 Dirigent des Orchestervereins München, 1905 – 11 Kapellmstr. des Vereins der Musikfreunde Lübeck, 1907 1. Kapellmstr. am Stadttheater Lübeck, 1910 Ltr. des Philharmon. Chors; 1911 – 14 Städt. Musikdir. in Essen; 1915 – 34 Ltr. des Gürzenich-Orchesters in Köln u. Generalmusikdir. der Stadt; Gastspielreisen in die UdSSR, nach Großbritannien, Frankreich u. Dänemark; u. a. Ur- u. Erstaufführung zeitgenöss. Komponisten wie Béla Bartók u. Strawinsky; 1930 – 33 auch Generalmusikdir. in Bonn; 1933/34 Dir. des Konservatoriums in Köln (Nachf. von Walter Braunfels); nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Kölner Stadtradt kurzzeitig Entlassung aus allen Ämtern, 1934 – 45 Chefdirigent des Gewandhaus-Orchesters Leipzig (Nachf. von Bruno Walter) u. Ltr. der Fachschaft Musikerziehung u. Chorleiter in der Reichsmusikkammer, außerdem Gastdirigent der Berliner Philharmoniker; 1937 NSDAP. 1945 Ltr. der Dirigentenklasse an der HS für Musik in Weimar u. musikal. Oberltr. am Dt. Nationaltheater Weimar, 1946 Thür. Staatsrat; 1947 Generalmusikdir. der Staatskapelle Weimar; 1949 Chefdirigent des Rundfunk-Sinfonieorchesters Leipzig; 1949 NP; 1951 als erster dt. Dirigent nach 1945 zu Konzerten in der UdSSR; 1952 Mitgl. der DAK; 1954 Chefdirigent des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin; Gastdirigate in zahlr. europ. Ländern; Schallplattenaufnahmen mit Werken von Beethoven, Brahms, Bruckner, Haydn, Mozart, Schubert, Schumann u. Wagner; gest. in Jena.Friedrich Stier: Ehrung dt. Musiker durch die Univers. Jena. Weimar 1955; Prieberg, F. K.: Handbuch Deutsche Musiker 1933 – 45. Kiel 2004; Lucke-Kaminiarz, I.: H. A. Ein Musiker im Wechselspiel der Zeitgeschichte. Weimar 2007.Bernd-Rainer Barth / Ingrid Kirschey-Feix

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Abshagen, Robert

* 12.1.1911 – ✝ 10.7.1944

 

Geboren am 12. Januar 1911 in Hamburg, nach einer kaufmännischen Lehre war er im Versicherungswesen beschäftigt. Danach fuhr er u. a. zur See und fand schließlich eine Anstellung bei einer Bank. 1931 trat er der KPD bei und arbeitete ehrenamtlich in der BL Wasserkante. Nach 1933 aktiv in der illegalen Arbeit gegen das NS-Regime, wurde er von Oktober 1933 bis Januar 1934 inhaftiert, im Herbst 1934 erneut festgenommen und zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach der Haft in Bremen-Oslebshausen wurde er in das KZ Sachsenhausen gebracht, im Zusammenhang mit der Amnestie anläßlich des 50. Geburtstages Hitlers im April 1939 entlassen. Abshagen bemühte sich in den folgenden Jahren gemeinsam mit Bernhard Bästlein und Franz Jacob um die Zusammenfassung der isoliert voneinander arbeitenden illegalen KPD-Gruppen und Zellen im Großraum Hamburg. Er fuhr nach Berlin, Sachsen, Thüringen sowie in das Rhein-Ruhr-Gebiet und knüpfte Verbindungen zu den dort agierenden Widerstandsgruppen. So gab es Kontakte zu Wilhelm Guddorf, John Sieg und Anton Saefkow in Berlin. Im Zusammenhang mit der großen Verhaftungsaktion der Gestapo gegen die in Berlin wirkende Schulze-Boysen/Harnack-Gruppe wurden auch deren Verbindungen nach Hamburg aufgedeckt. Am 19. Oktober 1942 wurde Robert Abshagen in Hamburg verhaftet, im Mai 1944 vom Hanseatischen OLG zum Tode verurteilt und am 10.Juli 1944 in Hamburg hingerichtet.

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Ackerknecht, Erwin

* 1.6.1906 – ✝ 18.11.1988

 

Geboren am 1. Juni 1906 in Stettin als Sohn des Literaturhistorikers Erwin Ackerknecht, studierte in Freiburg und Berlin Medizin und promovierte 1931 in Leipzig. Seit 1926 KJVD- und KPD-Mitglied, sympathisierte mit Trotzki, gründete 1928 mit Roman Well und Otto Schüssler die trotzkistische Gruppe »Bolschewistische Einheit«. Seit 1929 Mitglied des Leninbundes, 1930 Mitbegründer der Vereinigten Linken Opposition der KPD (später: Linke Opposition der KPD, Bolschewiki-Leninisten). Von Trotzkis Sohn Lew Sedow nach Berlin gerufen, war Ackerknecht, der 1932/33 als Assistenzarzt für Neurologie und Psychiatrie arbeitete, Mitglied der Reichsleitung der Linken Opposition und dessen Internationalem Sekretariat (IS). Er gehörte der Redaktion der »Permanenten Revolution« an. Als Eugen Bauer war Ackerknecht 1933 Leiter des Widerstands der Trotzkisten, emigrierte im Juni 1933 in die Tschechoslowakei und besuchte Trotzki auf Prinkipo. In Paris Leiter des Auslandskomitees der deutschen Trotzkisten »Internationale Kommunisten Deutschlands« (IKD) und unter dem Pseudonym Eugen Bauer Redakteur von »Unser Wort«; u. a. war er für die Kontakte zur SAPD vor allem zu Jacob Walcher zuständig. Der von Trotzki vorgeschlagenen Aufnahme von Ruth Fischer und Arkadi Maslow in die IKD widersetzte er sich. Im Herbst 1934 lehnte er den Kurs des »Entrismus« der französichen Trotzkisten, den Eintritt der Ligue communiste in die (französische sozialdemokratische) SFIO ab und brach mit Trotzki. Ackerknecht verließ die IKD; im März 1935 wurde er Mitglied der SAPD, in der er später (zusammen mit Walter Fabian und Peter Blachstein) eine linke Oppositionsströmung bildete, die jegliche Beteiligung der SAP an der deutschen (Exil-)Volksfront ablehnte. Im Februar 1937 aus der SAP ausgeschlossen, bildeten er und seine Anhänger um die Zeitschrift »Neuer Weg« eine organisatorisch selbständige Gruppe. 1938 gab Ackerknecht die politische Arbeit auf und studierte in Paris Ethnologie. 1939/40 in Frankreich interniert, gelang ihm 1941 die Emigration in die USA. Die Nationalsozialisten hatten ihm die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt, er wurde 1948 US-amerikanischer Bürger. Zunächst Lagerarbeiter und Krankenpfleger, dann wurde er als Mediziner an das John-Hopkins-Institute berufen. 1945 fand er eine Anstellung beim Museum für Naturgeschichte in New York. Von 1947 bis 1957 lehrte er an der University of Wisconsin in Madison, danach bis zu seiner Emeritierung 1971 an der Universität Zürich. Der bedeutende Medizinprofessor leitete auch das Medizinhistorische Museum. Er verfaßte Standardwerke, u. a. eine Biographie Rudolf Virchows und die »Kurze Geschichte der Medizin«. Erwin Ackerknecht starb am 18. November 1988 in Zürich.

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Ackermann, Henriette

* 8.9.1887 – ✝ 31.8.1977

 

(* 1887 – † 1977) Geboren am 8. September 1887 in Köln-Ehrenfeld als Tochter eines Barbiers; sie arbeitete nach der kaufmännischen Lehre als Kontoristin. 1905 Mitglied der SPD, protestierte gegen die Bewilligung der Kriegskredite durch die Reichstagsfraktion der SPD. Im Oktober 1916 in Köln Mitbegründerin einer Sektion der Spartakusgruppe. Wegen ihrer Befürwortung einer Kandidatur Karl Liebknechts als Nachfolger des verstorbenen Kölner Reichstagsabgeordneten Adolf Hofrichter wurde Henriette Ackermann aus der SPD ausgeschlossen. 1917 Delegierte des Gründungsparteitags der USPD in Gotha, Ende 1917 wurde sie wegen antimilitaristischer Propaganda in Berlin inhaftiert. Als Delegierte für Köln-Ehrenfeld nahm sie am Gründungsparteitag der KPD Ende 1918 in Berlin teil. Nach der KPD-Gründung blieb sie zunächst noch offiziell Funktionärin der USPD, führte aber bereits um die Jahreswende 1920/21 zusammen mit Franz Dahlem und Philipp Fries den VKPD-Bezirk Mittelrhein. Gleichzeitig war sie Vorsitzende der Kölner Stadtverordnetenfraktion der VKPD. Nach dem Ausschluß Ernst Frieslands (Reuter) verließ sie Anfang Februar 1922 die KPD und wurde zunächst KAG-, dann USPD-Mitglied. Die Vereinigung der Rest-USPD mit der SPD im September 1922 lehnte sie ab und blieb Mitglied der USPD unter Georg Ledebour und Theodor Liebknecht. Eine Zeitlang einzige Abgeordnete der USPD in der Kölner Stadtverordnetenversammlung. Sie war bis 1932 Angestellte des Kölner Büros des Freidenkerverbandes. Im März 1933 wurde sie in »Schutzhaft« genommen, 1939/40 und 1944/45 im KZ Ravensbrück inhaftiert. 1945 zunächst Kontoristin in Berlin, anschließend einige Zeit Angestellte der Kölner Stadtverwaltung. Politisch ist sie nicht mehr hervorgetreten. Henriette Ackermann starb am 31.August 1977 in Brühl bei Köln.

Wer war wer in DDR

Adam, Theo

* 1.8.1926

 

Geb. in Dresden; Vater Dekorationsmaler; 1937 – 44 Dresdener Kreuzchor; Abitur; Wehrmacht, Kriegsgefangenschaft. 1946 – 49 Neulehrer in Dresden, priv. Gesangsstudium bei Rudolf Dittrich; 1949 Engagement an der Dresdener Staatsoper, 1952 Debüt in Bayreuth, seit 1953 auch Mitgl. der Dt. Staatsoper Berlin, seit 1954 Gast an der Städt. Oper Frankfurt (Main) u. an der Wiener Oper; 1955 Kammersänger; 1959 NP; 1969 Debüt an der Metropolitan Opera New York; seit 1972 Opernregie (Wagner, Mozart, Tschaikowski u. Strauss); 1977 Große Goldmedaille des Cercle National Richard Wagner (Paris); 1978 – 91 AdK; 1979 zum Kammersänger an der Wiener Oper ernannt, 1979 Prof., Honorarprof. an der HS für Musik Dresden; 1980 Kammersänger des Freistaats Bayern; 1982 Mitgl. des Musikrats der DDR; 1985 Präs. des Kuratoriums der Staatsoper Dresden, Mitarb. im Kuratorium für das Schauspielhaus Berlin; 1969 NP; 1979 Johannes-R.-Becher-Medaille; 1984 VVO; 1989 Großer Stern der Völkerfreundschaft (Ende 1989 zurückgegeben). 1990 Ehrenmitgl. des Dt. Musikrats, 1994 Ehrenmitgl. der Semperoper Dresden; 1995 Bundesverdienstkreuz; Mitgl. der Sächs. AdK, Präsident des Vereins Freunde der Dresdener Musikfestspiele; 2.12.2006 letzter Auftritt als Sänger in der Semperoper in Dresden. Weltgeltung als Baßbariton: Partien in Wagner- u. Richard-Strauss-Opern, 1974 TR in der UA von Dessaus »Einstein« in Berlin, 100. Partie 1981 als Baal in Salzburg; Liedinterpretationen von Brahms, Schubert, Richard Strauss u. Hugo Wolfs Michelangelo-Buonarotti-Texten, Oratorien von Händel u. Haydn; Gastspiele in Europa, USA u. Japan; ca. 100 Schallplattenaufnahmen.Seht, hier ist Tinte, Feder, Papier. Berlin 1980; Die hundertste Rolle oder »Ich mache einen neuen Adam«. Berlin 1986; Ein Sängerleben in Begegnungen u. Verwandlungen. Berlin 1996; Sprüche in der Oper. Berlin 1999; Vom Sachs zum Ochs. Meine Festspieljahre. Berlin 2001. Müller, H.-P.: T. A. Leipzig 1977.Renate Rätz

Wer war wer in DDR

Adler, Helga

* 21.12.1943

 

Geb. in Praschnitz/Przasnysz (b. Warschau); Vater SED-Krs.-Sekretär in Genthin, Mutter Betriebsltr.; 1950 – 58 Grundschule u. POS in Wernigerode u. Genthin; 1958 FDJ; 1958 – 62 EOS in Genthin, Abitur; 1962/63 Ausbildung zur Bauzeichnerin in Magdeburg; 1963 – Nov. 1991 SED bzw. PDS; 1963 – 68 Studium der Geschichte u. Kunstgeschichte an der HU Berlin, 1968 Dipl.-Hist.; 1968 – 74 wiss. Mitarb. am IfG in Berlin, Lehrstuhl Geschichte; 1974/75 u. 1978 – 90 wiss. Mitarb. am IPW in Berlin; 1975 – 78 wiss. Mitarb. am Internat. Inst. für den Frieden in Wien; 1979 Prom. zum Dr. rer. pol. am IPW; Arbeiten über soziale u. demokrat. Bew. sowie über die Friedensbew. in Westeuropa u. den USA. Febr./März 1991 Pressesprecherin des PV der PDS; März 1990 – Nov. 1991 Mitgl. des Präs. des PV der PDS, Ltr. der Kommission Ausländerpol., Interessengr. u. Arbeitsgemeinschaft, Austritt; Dez. 1991 – Anf. 1993 wiss. Mitarb. im Netzwerk Wissenschaft in Berlin; 1992 – 99 Mitgl. des Vorst. des Bunds demokrat. Wissenschaftler; 1993 – 95 wiss. Mitarb. des Forschungsprojekts »Frauen in der Wissenschaft« an der FU Berlin; 1995 – 97 arbeitslos; 1997 Forschungen über den »Frauenanteil an ostdt. HS seit 1990«; seit 1997 Ltr. des Frauenzentrums Paula Panke in Berlin-Pankow; Mitgl. des dt.-kurd. Freundschaftsvereins in Berlin u. GEW; seit 1999 Sprecherin des Berliner FrauenNetzwerks; lebt in Chorin (b. Eberswalde).Friedens- u. sicherheitspol. Vorstellungen der Friedensbew. In: Inst. für internat. Pol. (Hrsg.): Abrüstung – Überlebensfrage der Menschheit. Berlin 1987; Abschied von der Partei neuen Typus. Die PDS auf dem Weg zu einer demokrat. soz. Partei. In: Gysi, G.: Wir brauchen einen dritten Weg. Hamburg 1990; Gleichstellungsarbeit im Umstrukturierungsprozeß ostdt. HS. In: Hochschule Ost (1996) 4.Helmut Müller-Enbergs

Handbuch Deutsche Kommunisten

Adolph, Alfred (urspr. Alfred Adolf)

* 30.7.1895 – ✝ 27.4.1959

 

Geboren am 30. Juli 1895 in Sommerfeld/Krossen (Niederlausitz), Sohn eines Zigarrenmachers. Schlosser und Dreher, seit 1913 Mitglied des DMV. Nach Wanderschaft Militärdienst von 1915 bis 1918, trat während der Revolution in den Spartakusbund ein, gehörte 1918/19 dem Arbeiterrat in Weißwasser an und war einer der Mitbegründer der USPD in der Lausitz. Er ging mit dem linken Flügel der USPD 1920 zur KPD und organisierte 1920/21 Metallarbeiterstreiks in der Lausitz. Übersiedlung nach Berlin, dort Funktionär der KPD im Wedding, gehörte 1927/28 zu den Versöhnlern. Ab 1928 im AM-Apparat der BL Berlin-Brandenburg und 1928/29 Kursant an der Leninschule in Moskau, 1932 Sekretär für militärpolitische Fragen der BL Berlin-Brandenburg (BB-Ressort). Adolph flüchtete 1933 nach Prag, später in die Sowjetunion, dort Lehrgang an der M-Schule der Komintern. 1935 Rückkehr nach Deutschland, wurde Instrukteur der KPD für Westdeutschland. Von den Niederlanden aus operierte er dann für die »International Seamen and Harbour Workers« und wirkte zeitweise in einer Sabotagegruppe, die deutsche Schiffe versenkte. Später Mitarbeiter der KPD-Auslandsleitung in Paris. Adolph wurde 1937 in Zürich wegen politischer und nachrichtendienstlichter Tätigkeit festgenommen, zu zehneinhalb Monaten verurteilt, 1939 nach Frankreich ausgewiesen, dort interniert. Ab 1940 gehörte er der KPD-Leitung in Südfrankreich an. Im Juli 1946 Rückkehr nach Deutschland, baute als SED-Funktionär zusammen mit August Mayer für die Zentralverwaltung für deutsche Umsiedler einen Suchdienst für vermißte Deutsche auf, ab 1949 Leiter des Suchdienstes. 1950 Leitung der DEWAG, erhielt 1957 den VVO in Gold. Alfred Adolph starb am 27. April 1959 in Ost-Berlin.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Adolphs, Karl

* 9.11.1904 – ✝ 24.12.1989

 

Geboren am 9. November 1904 in Solingen, Sohn einer Arbeiterfamilie; Nickelpolierer. Im November 1919 Mitglied der kommunistischen Jugend. 1922 trat er der KPD bei und wurde 1925 Sekretär des UB Solingen. Von 1926 bis 1928 absolvierte Adolphs die Internationale Leninschule in Moskau. Nach seiner Rückkehr arbeitete er 1928/29 in der Orgabteilung des ZK. Im Januar 1929 Instrukteur in Breslau, gemeinsam mit Ernst Wollweber zerschlug er die rechte Opposition in der BL Schlesien. Nach dem Weggang von Albert Kuntz wurde Adolphs Orgleiter der BL Hessen in Frankfurt/M., 1930/31 in gleicher Funktion Orgleiter der BL Pommern in Stettin. Das ZK zog ihn und den Polleiter Max Strötzel Mitte 1932 »aufgrund mangelhafter Arbeit des Sekretariats« aus Stettin ab. Danach in Essen für den Literaturvertrieb im Ruhrgebiet verantwortlich, von November 1932 bis April/Mai 1933 UB-Sekretär in Bochum. Im September 1933 wurde Adolphs Leiter der illegalen KPD im Bezirk Mittelrhein, im März 1934 Sekretär der illegalen BL Hannover-Braunschweig. Am 4. Februar 1935 in Hannover inhaftiert und im Juni 1936 vom VGH zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt, von März 1944 bis April 1945 Häftling im KZ Buchenwald. Nach der Befreiung wurde Adolphs im Mai 1945 Bürgermeister von Ballenstedt, ab Februar 1946 Oberbürgermeister von Bernburg und von November 1946 bis November 1949 Oberbürgermeister von Dessau, danach Intendant des Mitteldeutschen Rundfunks. Ab August 1952 Vorsitzender des Rates des Bezirkes Leipzig, im April 1959 von dieser Funktion entbunden und auf den einflußlosen Posten eines Direktors des zentralen Kulturparks »Clara Zetkin« abgeschoben. Von 1961 bis 1965 Stellvertreter des Oberbürgermeisters von Leipzig. Er erhielt den Karl-Marx-Orden. Karl Adolphs starb am 24.Dezember 1989.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Agsten, Rudolf

* 31.10.1926 – ✝ 20.4.2008

 

Geb. in Leipzig; Vater Postangest.; 1933 – 44 Volks- u. Oberschule in Leipzig; 1944 Militärdienst, April 1945 schwer verwundet, amerik. u. sowj. Kriegsgefangenschaft (Lazarett in Halle). Nov. 1945 LDPD, 1946/47 hauptamtl. Jugendref. in Halle bzw. Bez. Halle-Merseburg, 1947 Schulungsref. beim LV Sachsen-Anh., 1947/48 Ltr. der LPS in Schierke (Krs. Wernigerode), 1948 – 53 Red. u. Chefred. der »Liberal-Demokrat. Ztg.« (Halle); ab 1949 Mitgl. des ZV der LDPD; 1950 – 52 Abg. des Landtags Sachsen-Anh. u. Vors. der LDPD-Fraktion, 1952/53 Abg. des Bez.-Tags Halle, 1951 – 53 2. Landes- bzw. Bez.-Vors. der DSF; 1953/54 Ltr. der HA Pol. beim ZV der LDPD, ab 1954 Sekr. des ZV, ab 1955 zugl. Mitgl. des Pol. Aussch.; 1954 – Dez. 1989 Abg. der Volkskammer, Vors. der LDPD-Fraktion (Nachf. von  Ralph Liebler), 1954 – 69 Schriftführer, 1969 – 71 Vors. des Außenpol. Aussch. (Nachf. von  Gerald Götting), ab 1973 des Geschäftsordnungsaussch. (Nachf. von  Witko Holland), 1983 – 89 Mitgl. des Präs. der Volkskammer (Nachf. von  Willi-Peter Konzok); ab 1955 Mitgl. des ZV der DSF, später auch seines Präs., 1955 – 71 Mitgl. der Ltg., später stellv. Vors. der Interparl. Gruppe der DDR; 1955 – 61 Fernstudium Journalistik an der KMU Leipzig, Dipl.-Journalist; ab 1962 Vizepräs. der Dt.-Arab. Ges.; 1963 – 65 Fernstudium Außenpol. an der DASR Potsdam, 1969 Prom. zum Dr. phil. an der MLU Halle u. 1976 zum Dr. sc. phil. an der AdW mit Schriften (Mitautor Manfred Bogisch) zur LDPD-Geschichte; seit 1959 Mitgl. des NR der NF; 1966 – 69 Mitgl. des Präs. des Friedensrats der DDR; 1982 VVO; 1988 Prof.; Okt. 1989 nach schwerer Erkrankung Ende der hauptamtl. Tätigkeit; 1990 Ruhestand; März – Aug. 1990 Bund Freier Demokraten, danach FDP.Zur Geschichte der LDPD, 1949 – 52. Berlin 1982; LDPD. 1945 – 61 im festen Bündnis mit der Arbeiterklasse u. ihrer Partei. Berlin 1985; LDPD auf dem Weg in die DDR. Berlin 1974; Entscheidung für die Zukunft. Berlin 1969; Bürgertum am Wendepunkt. Berlin 1970 (alle zus. mit M. Bogisch, 1985 auch mit W. Orth); Liberaldemokrat seit 1945. Erinnerungen ohne Nostalgie. Berlin 2005.Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Ahrendt, Lothar

* 13.3.1936

 

Geb. in Erfurt; Vater Feinmechaniker; Volksschule; 1950 – 53 Ausbildung zum Kfz.-Schlosser; 1953 Eintritt in die DVP; 1955 – 59 Kraftfahrer bei der Höheren Polizeischule in Berlin-Kaulsdorf; 1957 SED; 1959/60 Kursant an der Mittleren Polizeischule in Aschersleben, VP-Unter-Ltn.; 1960 – 64 Sachbearb. in der Abt. Schutzpolizei im VP-Präs. Berlin; 1964 – 68 HS des Min. des Innern in Berlin, Dipl.-Staatswiss.; stellv. Ltr. der VP-Inspektion Berlin-Köpenick, 1970 – 78 Ltr. der VP-Inspektion Berlin-Mitte; 1973 VVO; 1978 – 83 Stellv. des Präs. der VP Berlin; 1979/80 Vors. der BL der SV Dynamo; 1979 – 83 Kand. der SED-BL Berlin; ab 1983 Stellv. des Min. des Innern, Gen.-Major; ab 1985 1. Stellv. des Innenmin. (Nachf. von  Rudolf Riss); 1986 Gen.-Ltn.; 1986 – 89 Kand. des ZK der SED; 18.11.1989 – 12.4.1990 Min. des Innern (Nachf. von  Friedrich Dickel); April – 1.10.1990 Ltr. des Arbeitsstabs zum Aufbau des Grenzschutzes u. Chef des Grenzschutzes; Gen.-Inspekteur; danach Ruhestand.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Albrecht, Christoph

* 4.1.1930

 

Geb. in Salzwedel; Vater Organist; 1943 – 48 Organistenamt an der Kirche St. Marien in Salzwedel übernommen; 1948 – 53 Studium der Theol. u. Kirchenmusik in Halle bei H. Wunderlich (Orgel), K. Fiebig u. J. Weyrauch (Komposition), priv. Orgelunterricht bei  Günther Ramin; 1953 – 60 Domkantor in Naumburg (Saale) u. Doz. an der Kirchenmusikschule in Halle; 1960 – 76 Dir. der Kirchenmusikschule in Dresden, Ltr. des Inst.-Chors (Tourneen im In- u. Ausland, A-cappella-Werke u. mod. Oratorien); 1976 – 92 Organist u. Kantor an der Kirche St. Marien in Berlin (Ost); Konzerttätigkeit als Orgelsolist in der DDR u. a. mit dem Berliner Sinfonieorchester; internat. Auftritte in der Bundesrep. Dtl., Mexiko, den Niederl., Schweden, der Schweiz, der UdSSR, den USA; Mithrsg. der Fachztschr. »Musik u. Kirche«; Autor versch. Publ. über Liturgik u. Hymnologie, u. a. 1962 zu Schleiermachers Liturgik (Prom. A), Dr. theol., Kirchenmusikdir.; komponierte Orgelmusik, u. a. »Psalmensuite«, »Fuga variata in d«, »Toccata in h«, u. bearbeitete Chorlit.; Wiederentdecker u. Hrsg. geistl. Musiken, u. a. 1977 »Geistl. Chorbuch alter Mstr. des 16. – 18. Jh.« u. Orgelwerke von Johannes Brahms u. Max Reger; zahlr. Orgelprod. für Fernsehen, Rundfunk u. Schallplatte, Eterna Edition. Seit 1993 internat. Konzerttätigkeit als Orgelsolist, Orgellehrer u. Dirigent auf internat. Sommer- u. Fortbildungskursen u. Seminaren, zahlr. Publ. in Fachztschr., u. a. »Musik u. Kirche«.Interpretationsfragen. Probleme der kirchenmusikal. Aufführungspraxis von Johann Walter bis Max Reger (1524 – 1916). Berlin 1981; u. a. CD-Reihe »Ars Vivendi«: Orgelmusik aus der Berliner St. Marien-Kirche 1991, u. a. Mendelssohn Bartholdy, Walter, J. S. Bach, A. W. Bach, Dienel, Albrecht u. Brahms: »Das Orgelwerk« 1991.Aune Renk

Handbuch Deutsche Kommunisten

Albrecht, Paul

* 7.2.1902 – ✝ 22.5.1985

 

Geboren am 7. Februar 1902 in Erfurt als Sohn einer Arbeiterfamilie; erlernte das Schlosserhandwerk in Erfurt. 1919 trat er der USPD bei. Im März 1920 nahm er als Zugführer der »1. Volkswehrarmee Gotha« aktiv an der Niederschlagung des Kapp-Putsches teil. 1921 wurde er Mitglied der anarchosyndikalistischen Freien Arbeiter-Union Deutschlands (FAUD). Ab 1924 Schlosser bei den Norddeutschen Kabelwerken in Berlin-Neukölln, von 1925 bis 1930 dort Betriebsratsvorsitzender. 1927 näherte sich Albrecht der KPD und trat aus der FAUD aus, 1929 Mitglied der KPD. Nach einem Lehrgang an der Propagandistenschule der KPD in Freienwalde 1930 zunächst Org- bzw. ab 1932 Bezirksleiter der RGO Berlin. Von November bis Dezember 1932 war Albrecht Abgeordneter des Reichstages, ab Dezember 1932 (und im März 1933 wiedergewählt) des Preußischen Landtages. Bereits am 28. Februar 1933 inhaftiert, kam er zunächst in »Schutzhaft« in das Lager Spandau, anschließend in das KZ Sonnenburg, dort nach schweren Mißhandlungen durch die SS Ende 1933 freigelassen. Im April 1937 erneut verhaftet, saß er bis Juni 1937 im KZ Sachsenhausen. Albrecht zog im Februar 1943 nach Genthin, wo ihn die russische Kommandantur 1945 als Bürgermeister einsetzte. Er wurde ab August 1945 Landrat des Kreises Jerichow II. Dann bis 1951 Hauptabteilungsleiter im Innenministerium der Landesregierung Sachsen-Anhalt. Wegen »unparteimäßigen Verhaltens« während seiner Haft in den NS-Zeit im Juli 1951 aus der SED ausgeschlossen, 1957 Wiederaufnahme, FDGB-Funktionär in Halle. Paul Albrecht starb am 22. Mai 1985 in Halle/Saale.

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Ablaß, Werner Erich

* 11.12.1946

 

Geb. in Briesen (Mark); Vater Zimmermann; 1953 – 63 POS in Briesen; 1963 – 68 Pfleger in den Züssower Diakonieanstalten; 1969 – 72 im Buchhandel in Potsdam; 1973 – 85 Versicherungskfm. bei der Staatl. Versicherung in Potsdam, 1985 wegen eines Antrags auf Übersiedl. in die Bundesrep. Dtl., den er später zurückzog, seiner Funktion enthoben; 1985 – 87 Reinigungskraft im kirchl. Oberseminar in Hermannswerder; Jan. – April 1987 Revisor der Staatl. Versicherung in Potsdam; 1987 – 90 Ltr. eines ev. Feierabendheimes in Camin (Mecklenb.); Sept. – Nov. 1989 Neues Forum; Nov. 1989 Mitbegr. des DA in Mecklenb.; 18.4. – 2.10.1990 Staatssekr. im Min. für Abrüstung u. Verteidigung (unter Min.  Rainer Eppelmann) u. ab 18.4.1990 stellv. Min.; maßgebl. verantwortl. für die Auflösung der NVA am 2.10.1990. Okt. 1990 – Dez. 1996 Ltr. der Außenstelle Strausberg des Bundesmin. der Verteidigung; seit 1997 Beauftragter für Sonderaufgaben im Bereich der Bundeswehr in den neuen Bundesländern, Strausberg; 1997 Bundesverdienstkreuz.Zapfenstreich – Von der NVA zur Bundeswehr. Düsseldorf 1992.Helmut Müller-Enbergs

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Abusch, Alexander

* 14.2.1902 – ✝ 27.1.1982

 

Geb. in Krakau in einer jüd. Familie; Vater Kutscher u. Altmetallhändler, später Huthändler, Mutter Hausiererin; ab 1902 aufgew. in Nürnberg-Gostenhof; 1916 – 19 Ausbildung zum Kfm., Angest. in Nürnberg; 1918 Freie Soz. Jugend u. 1919 KPD; Teiln. an den rev. Kämpfen 1918 in Bayern u. 1923 in Thür.; 1919 – 21 Mitarb. der »Nordbayr. Volksztg.«; 1921 – 23 Red. u. 1923 Chefred. der »Bayr. Arbeiterztg.« (»Ernst Reinhardt«); 1923 in zwei Hochverratsverfahren wegen »Enthüllungen über geheime Rüstungen« verwickelt, geflohen; 1923 Mitarb. der »Neuen Ztg.« (Jena); 1923 – 26 gehörte er dem linken KPD-Flügel an; 1923 Hrsg. der Wochenztg. »Die Rev.« (Erfurt); 1924/25 Mitgl. KPD-BL Thür.; 1925 Mitarb. des KPD-Pressedienstes (Berlin); 1926/27 u. 1930 – 32 Red. »Die Rote Fahne« (Berlin); 1928 – 30 u. 1932/33 Chefred. »Ruhr-Echo« (Essen); Mitgl. der BPRS-Ltg.; 1931 Heirat mit Hildegard Aßmann; 1933 Mitgl. der KPD-BL Ruhrgeb.; 1933 Emigr. nach Paris, mit Willi Münzenberg u. André Simone Gesamtred. des »Braunbuchs über Reichstagsbrand u. Hitlerterror« (Basel 1933), gem. mit Bruno Frei Chefred. der Wochenztg. »Der Gegenangriff«; 1933/34 Chefred. der Ztschr. »Unsere Zeit« (»Ernst Bayer«); Sept. 1934 – März 35 ltd. Red. der »Arbeiter-Ztg.« (Saarbrücken); 1935 Teiln. der »Brüsseler« Konferenz der KPD in Moskau (»Fritz Bruhns«); 1935 – 37 Mitwirkung im Lutetia-Kreis (Ausschuß zur Vorbereitung einer dt. Volksfront); 1935 – 39 Chefred. der Ztg. »Die Rote Fahne« (Prag u. Paris); 1938 Geburt der Tochter Marie-Louise in Eaubonne; 1939 Mitgl. der KPD-Ltg. Paris u. Hauptmitarb. der »Dt. Volksztg.« (»Walter Meier«, »Alexander Süskind«, »Henri«); 1939/40 in Frankreich interniert, Okt. 1939 entlassen (weil Vater einer in Frankreich geborenen Tochter), Winter 1939/40 Mitgl. der illeg. KPD-Ltg. unter  Anton Ackermann in Paris; März 1940 erneute Verhaftung (nach Denunziation durch Willi Münzenberg); Internierung im »Sichtungslager« Damigny, ab Mai 1940 in Bassens b. Bordeaux, Juni 1940 Flucht aus dem lager nach Toulouse; 1940 dt. Staatsbürgerschaft aberkannt; Juli 1940 – 41 Mitgl. der KPD-Ltg. Toulouse (mit  Otto Niebergall u.  Walter Beling; Okt. 1941 Emigr. nach Mexiko; 1942 – 46 Chefred. der Ztschr. »Freies Dtl.«, Mitbegr. u. Ausschußmitgl. der BFD in Mexiko; 1943 Mitgl. des EK des Lateinamerikan. Komitees der Freien Dt.; ab Juni 1944 Vorst.-Mitgl. im Heinrich-Heine-Club, Hauptmitarb. der »Demokrat. Post«. Juli 1946 Rückkehr nach Dtl.; Mitgl. des Präs.-Rats, 1946 – 51 Bundessekr. u. 1949 Vizepräs. des KB; 1946 Chefred. der »Weltbühne«; 1948 – 50 Mitgl. des PV der SED u. des Dt. Volksrats; 1948 Ltr. der Delegation für den Weltfriedenskongreß in Breslau (Wrocław), 1948 Mitgl. der DWK u. 1949/50 Mitgl. des Weltfriedensrats; 1949/50 Mitgl. der Prov. Volkskammer, Vors. der KB-Fraktion; Febr. – Juli 1950 Mitgl. des Sekr. des PB, verantw. Sekr. für kulturpol. Arbeit; Juli 1950 im Zusammenhang mit der Noel-H.-Field-Affäre aller Funktionen enthoben, während der Überprüfungen wurde ihm eine prozionist. Haltung als Chefred. des »Freien Dtl.« im mexikan. Exil vorgeworfen; 30.5.1951 – Okt. 1956 als IM »Ernst« des MfS erf. (Führungsoffz.:  Bruno Beater); ab Sommer 1951 (nach Beendigung des schwebenden Parteiverfahrens) Wiederaufnahme kulturpol. Arbeit, Mitgl. des Präs.-Rats des KB u. 1952 Vorst. des DSV u. der DAK sowie des PEN-Zentrums Dtl.; 1953 Mitarb. der Abt. Kultur des ZK der SED, zuständig für das Verlagswesen; 1952/53 maßgebl. an der Formalismus-Debatte beteiligt; März 1955 Zeuge der Anklage im Geheimprozeß gegen  Paul Merker; 1954 – 56 1. Stellv. Min. für Kultur; 1955 NP; 1956 – 58 Staatssekr. im Min. für Kultur; ab Febr. 1957 Mitgl. des ZK der SED (kooptiert); 1958 Medaille Kämpfer gegen den Fasch. 1933 – 45; seit Nov. 1958 Abg. der Volkskammer, ab 1971 Mitgl. des Aussch. für Kultur; Dez. 1958 – Febr. 1961 Min. für Kultur (Nachf. von  Johannes R. Becher); 1961 – 71 Stellv. des Vors. des Min.-Rats der DDR, zuständig für Kultur u. Erziehung; seit 1962 Mitgl. der Europ. Schriftst.-Vereinigung; 1962 KMO; 1963/64 federführend an den Passierscheinverhandl. mit der Bundesrep. Dtl. beteiligt; ab März 1963 Ltr. der staatl. Kommission zur Gestaltung eines einheitl. soz. Bildungssystems beim Min.-Rat; ab 1964 Präs. der Shakespeare-Ges. der DDR; 1967 Ehrenspange zum VVO; Dr. phil. h. c. der FSU Jena; 1971 NP; seit 1971 Mitgl. des Red.-Kolleg. der Ztschr. »Einheit«; ab Okt. 1972 Vizepräs., ab 1975 Ehrenpräs. des KB; 1977 Stern der Völkerfreundschaft; gest. in Berlin.Irrweg einer Nation. Ein Beitrag zum Verständnis dt. Geschichte. Mexiko-Stadt 1945; Stalin u. die Schicksalsfragen der dt. Nation. Berlin 1949; Restauration oder Renaissance. Berlin 1954; Schiller. Größe u. Tragik eines dt. Genius. Berlin 1955; Schriften. 4 Bde. Berlin 1966 – 71; Entscheidung unseres Jahrhunderts. Berlin 1977; Memoiren. 2 Bde. Berlin 1981 u. 1986. Neubert, W.: A. A. Bildnis eines Revolutionärs. Freunde u. Genossen über ihre Begegnung mit A. A. in fünf Jahrzehnten. Berlin 1972; Pohle, F.: Das mexikanische Exil. Stuttgart 1986; Kießling, W.: Partner im »Narrenparadies«. Berlin 1994; Biogr. Porträt. »Diesseits und jenseits der Parteilinie. Die Angst des Kulturfunktionärs vor dem Nichts: A. A.« In: Hartewig, K.: Zurückgekehrt. Die Geschichte der jüd. Kommunisten in der DDR. Köln, Weimar 2000; Greven, M. Th.: Politisches Denken in Deutschland nach 1945. Erfahrungen u. Umgang mit der Kontingenz in der unmittelbaren Nachkriegszeit. Opladen u. Farmington Hills 2007.Karin Hartewig / Bernd-Rainer Barth

Wer war wer in DDR

Ackermann, Anton

* 25.12.1905 – ✝ 4.5.1973

 

Geb. in Thalheim (Erzgeb.); Vater Strumpfwirker u. Heimarbeiter; 1912 – 20 Volksschule u. 1920 – 23 Fortbildungsschule in Thalheim; 1919 Freie Soz. Jugend; 1920/21 Hilfsarbeiter in Thalheim; 1920 – 28 KJVD, Funktionen auf örtl. u. regionaler Ebene in KJVD, Textilarbeiterverb. u. RFB; 1921 – 28 Strumpfwirker in Thalheim; 1926 KPD, Ltr. des Bez. Erzgeb. (Vogtl.), Abg. im Thalheimer Stadtparl.; 1929 – 31 Besuch der Internat. Lenin-Schule in Moskau; 1931 – 33 Aspirant der Lenin-Schule, Lektor, anschl. in der Dtl.-Abt. der KI tätig; 1930 Mitgl. der WKP (B), persönl. Mitarb. von Fritz Heckert, Wilhelm Florin u.  Wilhelm Pieck; 1931 Heirat m. der Lettin Lilija Damschkala; 1933 illeg. in Berlin, Mitarb. der KPD-LL Berlin, Sekr. bei John Schehr, 1933 – 35 Pol.-Ltr. des KPD-Bez. Berlin (zus. mit  Fritz Gäbler); ab Okt. 1935 Mitgl. des ZK der KPD u. Kand. des PB; 1935 Heirat m.  Elli Schmidt; 1935 – 37 in Prag, 1937 – 40 in Paris, Mitgl. des vorber. Aussch. für eine Dt. Volksfront; April 1937 in Prag kurzz. inhaftiert; 1937/38 Ltr. einer Pol.-Schule der Internat. Brigaden in Draveil (südl. von Paris); 1940 in Moskau, ab 1941 Red. der Ztg. »Das freie Wort«, ab 1943 im NKFD tätig, Chefred. von dessen Sender Freies Dtl.; 1944/45 Mitarb. an programm. Dokumenten für die Nachkriegszeit; 1945 sowj. »Orden des Roten Sterns«. 1.5.1945 Rückkehr nach Dtl. als Ltr. der KPD-Initiativgr. für Sachsen; Verf. des Entwurfs u. Mitunterz. des Aufrufs der KPD vom 11.6.1945, Mitgl. des Sekr. des ZK, veröff. in dessen Auftrag im Febr. 1946 den Aufsatz »Gibt es einen besonderen dt. Weg zum Soz.?«, den er im Sept. 1948 widerrufen mußte; Red. der »Grundsätze u. Ziele« der SED; 1946 Mitgl. von PV u. ZS der SED, verantw. für Parteischulung, Kultur, Volksbildung, HS, Presse u. Rundfunk; Abg. des Sächs. Landtags, 1950 – 54 der Volkskammer; 1949 Heirat m. Irmgard Kuske; 1949 Kand. des PB des ZK der SED, 1949 – 53 Staatssekr. im Min. für Ausw. Angelegenh., Aug. 1951 – Nov. 1952 Ltr. des Instituts für wirtschaftswiss. Forschung (Vorläufer der DDR-Auslandsspionage); Frühj. 1953 amt. Min. für Ausw. Angelegenh. (Nachf. von  Georg Dertinger); bis Aug. 1953 Dir. des Marx-Engels-Lenin-Stalin-Inst.; Sept. 1953 stellv. Min. für Kultur; wegen Unterstützung von  Rudolf Herrnstadt u.  Wilhelm Zaisser aller Funktionen enthoben, 1954 aus dem ZK ausgeschl. u. gerügt; 1954 –58 Ltr. der HV Film im Min. für Kultur; 29.7.1956 rehabil.; 1958 Mitgl. u. Abt.-Ltr., 1960 stellv. Vors. der SPK für Bildung u. Kultur; 1961 invalidisiert; Niederschrift der Lebenserinnerungen u. publizist. Arbeiten; 1970 Ehrenspange zum VVO; war verh. mit  Elli Schmidt; Mai 1973 gest. in Berlin (Suizid, aussichtslos krank).Der Kampf der KPD u. die junge Generation. Referat auf der Brüsseler Konferenz der KPD. Moskau 1936; Fragen u. Antworten. Berlin 1946; Religion u. Politik. Berlin 1946. Frank Schumann: A. A. Der dt. Weg zum Sozialismus. Berlin 2005; Hoffmann, J.: A. A. Über den »besond. dt. Weg«. In: Kinner, K. (Hrsg.): Wege aus der Katastrophe. Schkeuditz 2006.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Ackermann, Rosemarie

* 4.4.1952

 

Geb. in Lohsa (Lausitz); Schule in Lohsa; KJS, Ausbildung zur Textilfachverkäuferin in Cottbus; Studium der Binnenhandelsökon.; 1963 – 80 aktiv in der Leichtathletik (Hochsprung), zunächst in Hoyerswerda, seit 1967 beim SC Cottbus (Trainer: Erhard Miek); 1967 DDR-Jugendmstr. (1,61 m); dreimal Teiln. an Olympischen Spielen: 1976 Siegerin (1,93 m), 1980 4. Platz; zweimal Teiln. an Europameisterschaften: 1974 Siegerin, 1978 2. Platz; 1974, 1975 u. 1976 Siegerin bei den Hallen-Europameisterschaften; 1974 – 77 siebenmal WR (1,94 – 2,00 m); sprang am 26.8.1977 als erste Frau der Welt über 2,00 m; 1975, 1977, 1979 Siegerin beim Europacup u. 1977 beim Weltcup; 1977 von der Sportjournalistenvereinigung AIPS zur »Weltbesten Sportlerin des Jahres« gewählt; Abt.-Ltr. Arbeitsagentur Cottbus.Klaus Gallinat / Olaf W. Reimann

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Adam, Wilhelm

* 28.3.1893 – ✝ 24.11.1978

 

Geb. in Eichen (b. Hanau); Vater Landwirt; 1908 – 13 Lehrerseminar in Schlüchtern; 1913 u. 1915 – 18 Militärdienst, Teiln. am Ersten Weltkrieg (Ltn.); 1919 – 34 Volks-, Mittel- u. Oberfachschullehrer (einer Heeres-FS) in Langenselbold (Hessen), ab 1929 in Weimar; 1919 – 29 Mitgl. des Militärvereins Langenselbold, 1920 – 23 des Jungdt. Ordens; 1922 –24 Studium an der Univ. Frankfurt (Main), legte 1927 die Mittelschullehrerprüfung ab; 1923/24 Mitgl. der NSDAP; 1926 – 29 Mitgl. der DVP; 1933 Mitgl. des Stahlhelms, SA-Oberscharführer, Ref. für weltanschauliche Schulung beim Stab der Standarte 94, Weimar; 1933/34 SA-Reserve; 1934 als Hptm. reaktiviert, Kriegsschulkurs, 1937 Major, bis 1939 Kompaniechef u. Lehrer an der Infanterieschule in Döberitz; ab 1939 Adjudant im XXIII. Armee-Korps; 1941 1. Adjutant des späteren Gen.-Feldmarschalls  Friedrich Paulus, Oberst; ab 31.1.1943 b. Stalingrad in sowj. Kriegsgefangenschaft, Mitgl. des Bundes Dt. Offz. u. der BFD, Zentr. Antifa-Schule in Krasnogorsk; durch ein dt. Gericht in Abwesenheit zum Tode verurteilt. 1948 Rückkehr nach Dtl.; Mitbegr. der NDPD; 1948/49 Ref. bei der Landesreg. Sachsen; 1949 – 78 Mitgl. der HV bzw. des Hauptaussch. der NDPD, 1949 – 52 Vors. des LV Sachsen (Nachf. von  Vilmos Korn; ab 1949 Mitgl. des Präs.-Rats des KB; 1949 – 63 Abg. der (Prov.) Volkskammer; 1950 – 52 Sächs. Min. für Finanzen (Nachf. von  Carl Ulbricht); 1952 KVP, Oberst, 1953 – 56 Kdr. der HS für Offz., anschl. in gleicher Funktion in der NVA; 1958 Ruhestand; 1960 – 63 stellv. Vors. des NDPD-BV Dresden, 1960 – 75 Mitgl. des Bez.-Aussch. der NDPD; 1968 Banner der Arbeit; langj. Mitgl. der Arbeitsgemeinschaft ehem. Offz.; 7.10.1977 Gen.-Major a. D.; gest. in Dresden.Stalingrad mahnt. Berlin 1951. Der schwere Entschluß. Biogr. Berlin 1965.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

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Adler, Julius

* 23.1.1894 – ✝ 8.4.1945

 

Geboren als Sohn eines Bergmanns am 23. Januar 1894 in Neunkirchen/Saar. Nach der Schulentlassung Metallarbeiter. Zunächst Mitglied einer katholischen Jugendorganisation, 1923 Eintritt in die KPD. 1924 Stadtverordneter in Hamborn, 1925 Provinziallandtagsabgeordneter, 1928 bis 1933 Reichstagsabgeordneter. Seit 1930 hauptamtlicher Sekretär des KPD-UB Hamborn, ab März 1932 des UB Dortmund. Am 15. März 1933 wurde Adler verhaftet und bis 11. Januar 1935 im KZ Lichtenburg festgehalten. Am 12. Januar 1935 zu einem Jahr und sechs Monaten Gefängnis verurteilt, danach wieder bis Ende August 1937 in »Schutzhaft« im KZ Börgermoor. Nach seiner Freilassung war er als Hilfsarbeiter beim Autobahnbau beschäftigt. Zu 60 Prozent kriegsbeschädigt, erhielt er eine Rente von 85 Mark. Bei Kriegsausbruch (1. September 1939) wurde er erneut verhaftet. Julius Adler starb am 8. April 1945 im Vernichtungslager Bergen-Belsen an Flecktyphus.

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Adolph, Gerhard

* 20.9.1937

 

Geb. in Halle (Saale); Grundschule; 1952 – 55 Ausbildung zum Postfacharbeiter; 1955 KVP; ab 1956 NVA; Mittelstreckenläufer; 1958 Delegierung zum ASK Vorwärts Neubrandenburg, anschl. ASK Vorwärts Berlin (Trainer Wilhelm Kustak); 1961 u. 1964 DDR-Vizemeister 20-km-Gehen; fünfmal DDR-Mannschaftsmeister 20-km-Gehen (1959, 1961, 1963 – 65); 1964 DDR-Hallenmeister 10.000-m-Gehen; DDR-Rekorde 10.000 m (1959, 1960 und 1964); Bestleistung 20 km 1:28:37,0 (1964); 1959 – 64 drei Länderkämpfe; 1964 Teiln. Olympiaausscheidungen für gesamtdt. Mannschaft in West-Berlin (einzige Disqualifikation seiner Laufbahn); 1959 erste DFF-Kindersendung »Sport – Spiel – Spaß«; 1960 –63 Schauspielstudium an der Filmhochschule Potsdam-Babelsberg; 1964 – 91 Moderator (Ps. »Adi«) der DFF-Kindersendung »Mach mit, mach’s nach, mach’s besser!« um den Pokal des NOK der DDR (333 Sendungen); insg. 500 Kindersendungen. Nach 1991 zahlr. Veranstaltungen für Kinder (»Spiel ohne Grenzen«, »Kindergarten-Olympiade« u. a.); »Meister des Sports«, »Verdienter Meister des Sports«, »Goldener Lorbeer« (DFF).Volker Kluge

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Aenderl, Franz Xaver

* 25.11.1883 – ✝ 20.10.1951

 

Am 25. November 1883 in Steinweg bei Regensburg geboren, entstammte einer bayerischen Bürgerfamilie, seine Vorfahren wurden schon im 17.Jahrhundert in Rohr (Niederbayern) erwähnt. Aenderl besuchte die Mittelschule und wurde nach der kaufmännischen Lehre Versicherungskaufmann. Als Soldat geriet er in Kriegsgefangenschaft. Nach dem Krieg Mitglied und hauptamtlicher Parteisekretär der USPD, Anhänger des linken Parteiflügels. Mit der linken USPD Ende 1920 zur KPD, Delegierter des Spaltungsparteitags der USPD und des Vereinigungsparteitages KPD-USPD. 1921 als Abgeordneter in den Bayerischen Landtag gewählt. In der KPD stand Aenderl auf dem rechten Parteiflügel, wurde aber mit Unterstützung des KPD-Führers Emil Höllein 1924 erneut als Landtagskandidat aufgestellt und gewählt. Im August 1924 Ausschluß aus der KPD, da er sich gegen die linke Taktik der Ruth-Fischer-Führung wandte. Eintritt in die SPD, für die er bis 1928 sein Mandat behielt und 1928 erneut in den Bayerischen Landtag einzog, dem er bis 1932 angehörte. Er lebte als Schriftsteller in Kulmbach. 1933 verhaftet und ins KZ gebracht, nach der Freilassung als Tagelöhner beschäftigt. Angebote von nationalsozialistischer Seite wies er schroff zurück, mußte deshalb mit erneuter Verhaftung rechnen, und emigrierte im August 1934 in die Tschechoslowakei. 1938 floh er über Polen und Dänemark nach England. Als Journalist an einer Londoner Zeitung tätig, veröffentlichte Aenderl 1943 die Broschüre »Bavaria, the problem of German federalism«. 1942/43 sprach er in katholischen Sendungen des Londoner Rundfunks und gründete den »Bavariancircle«, eine unpolitische Vereinigung. Auf Wunsch des bayerischen Ministerpräsidenten Wilhelm Hoegner kehrte Aenderl 1946 nach Deutschland zurück, wurde Redakteur an der »Mittelbayerischen Zeitung« in Regensburg. 1947 erschien die deutsche Ausgabe seiner Broschüre »Bayern. Das Problem des deutschen Föderalismus«. Aenderl, inzwischen aktiver bayerischer Föderalist, wandte sich scharf gegen den preußischen Militarismus. 1947 mußte er das Angebot, in Straubing eine eigene Zeitung herauszugeben, wegen Krankheit ablehnen. Er übersiedelte nach Kulmbach, war aber nicht mehr in der SPD, sondern gehörte der Bayern-Partei an, für die er auch in seinem Wohnort wirkte. Franz Aenderl starb am 20. Oktober 1951 in Kulmbach.

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Ahlers, Marie

* 4.4.1889 – ✝ 17.8.1968

 

Geboren am 4. April 1889 in Siersleben/Mansfelder Gebirgskreis als Marie Albrecht, Tochter eines Bergarbeiters; Landarbeiterin und Näherin (1917 Heirat mit Hermann Ahlers). 1918 Mitglied der USPD, 1920 der KPD. Von 1929 bis 1933 Stadtverordnete in Eisleben sowie von 1929 bis 1933 Mitglied des erweiterten Frauensekretariats des ZK der KPD und seit Gründung in der Reichsleitung des Roten Frauen- und Mädchenbundes (RFMB). 1930 Lebensgemeinschaft, ab 1945 Ehe mit Gerhard Taubenheim (* 1891 – † 1973). Im September 1930 wurde Marie Ahlers im Wahlkreis Merseburg in den Reichstag gewählt, dem sie bis März 1933 angehörte. Nach 1933 leistete sie illegale Arbeit. 1945/46 Mitarbeiterin in der KPD-VBL in Berlin-Tegel und Leiterin des dortigen antifaschistischen Frauenausschusses. Von 1948 bis 1953 war sie 2. Vorsitzende des ZV der IG Land- und Forstwirtschaft im FDGB, von 1958 bis 1963 gehörte sie der ZRK der SED an. Marie Ahlers starb am 17. August 1968.

dissidenten.eu

Aichenwald, Juri

* 1928 – ✝ 1993

 

Chemieingenieur und Mitgründer der Zeitschrift *„Poiski“. Publizist, politischer Häftling und Politiker.Юрий Александрович Айхенвальд  Jurij Aleksandrovič Ajchenwal’d  Juri Aichenwald wurde 1928 in Moskau geboren. Er war Enkel des bekannten Literaturkritikers Juli Aichenwald, der 1922 wegen antikommunistischer Ansichten aus der UdSSR ausgewiesen worden war. Sein Vater war Kommunist und wurde wegen Mitgliedschaft in der innerparteilichen Opposition um Nikolai Bucharin in den 30er Jahren erschossen. Nach der Verhaftung seiner Mutter 1938 wuchs Juri Aichenwald bei seiner Großmutter auf. Während des Zweiten Weltkrieges war Aichenwald Schüler an einer Berufsschule für Fernmeldewesen und arbeitete gleichzeitig in einer Fabrik. 1944 nahm er ein Studium an einer Hochschule für junge Arbeiter auf. Bald begann Aichenwald, Gedichte zu schreiben, und wurde Mitglied eines Literaturklubs, der zum Verlag „Molodaja Gvardija“ (Junge Garde) gehörte. Dort lernte er Alexander Jessenin-Wolpin und Naum Korschawin kennen. 1947 nahm er ein Studium an der Literarischen Fakultät des Potemkin-Institutes für Pädagogik in Moskau auf und wurde Mitglied des kommunistischen Jugendverbandes Komsomol an seinem Institut. Im Herbst 1949 wurde Aichenwald nach einer Denunziation wegen angeblicher „antisowjetischer Äußerungen“ verhaftet und von einer Sonderkommission als sogenanntes „gefährliches soziales Element“ zu zehn Jahren Verbannung in Kasachstan verurteilt. Seine Strafe verbüßte Aichenwald in Karaganda, wo er als Elektromonteur arbeitete. Seine Freunde Alexander Jessenin-Wolpin und Naum Korschawin waren ebenfalls dorthin verbannt worden. Im September 1951 wurde Aichenwald in der Verbannung erneut verhaftet – diesmal wegen angeblicher „Anstiftung zu terroristischen Anschlägen“ – und nach Moskau gebracht. In der dortigen Untersuchungshaft kam Aichenwald die Erkenntnis, dass er nur überleben könne, wenn er eine psychische Krankheit vortäuschen würde. Zu diesem Zweck verfasste er im Gefängnis die Abhandlung „Kritik an den Axiomen der Existenz“ (Kritika aksiomy suščestvovania), in der er die Idee der Vernichtung der menschlichen Rasse aufbrachte. Ein Gutachten, das 1952 am *Serbski-Institut erstellt wurde, bescheinigte dann tatsächlich seine Unzurechnungsfähigkeit, woraufhin er in die geschlossene Psychiatrie nach Leningrad eingewiesen wurde. 1955 wurde die Diagnose annulliert, Aichenwald entlassen und aus Mangel an Beweisen rehabilitiert. Er kehrte nach Moskau zurück, schloss 1957 sein Studium am Pädagogischen Institut ab und unterrichtete fortan russische Sprache und Literatur. Gleichzeitig war er als Literaturübersetzer tätig, veröffentlichte literaturkritische Texte in Zeitungen und Zeitschriften, schrieb Liedtexte für das Theater und adaptierte übersetzte Theaterstücke für Bühnenaufführungen. Aichenwalds Übersetzung und Bühnenfassung der Komödie „Cyrano de Bergerac“ von Edmond Rostand wurde 1964 am Moskauer Sovremennik-Theater aufgeführt. Am bekanntesten wurde er jedoch durch seine eigenen Gedichte, die im Samisdat verbreitet und im Ausland übersetzt wurden. Seit Anfang der 60er Jahre überwachte der sowjetischen Geheimdienst KGB Aichenwald ständig. Vor allem seine Wohnung, die von seinem großen Freundeskreis und von vielen Bekannten und ehemaligen Lehrern frequentiert wurde, weckte das Misstrauen der Behörden. Der dissidentische Liedermacher Juli Kim beschrieb die Atmosphäre dort wie folgt: „Es gibt in Moskau Häuser, deren Türen immer offen stehen und die ständig voller Besucher sind […]. Gewöhnlich sind das Häuser von Schauspielern, Künstlerateliers oder Wohnungen von Lehrern. Auch Aichenwald und seine Frau Waleria Michailowna gehören zu dieser russischen ‚Schule‘. Sie sind Wegbereiter für Menschen, die Bildung als Berufung verstehen. Gerade ihnen verdanken wir, dass trotz unserer unglücklichen Schulbildung wenigstens ein Korn wahren Wissens und wahrer Kultur bewahrt wird.“ Aichenwald vermied es, sich an öffentlichen Aktivitäten zur Verteidigung der Menschenrechte zu beteiligen und unterstützte nur Initiativen, die die öffentliche Meinung im Westen beeinflussen konnten oder die er als absolut notwendig einschätzte, um sich als Mensch treu bleiben zu können. Er verfasste anonyme Appelle zur Einhaltung der Menschenrechte wie zum Beispiel den *Brief der Mathematiker zur Verteidigung von Alexander Jessenin-Wolpin, leitete Informationen an die *„Chronik der laufenden Ereignisse“ weiter und sammelte Geld für Menschen, die wegen ihrer Überzeugung verfolgt wurden. Dies waren beispielsweise politische Häftlinge und Personen, die ihre Arbeit verloren hatten oder anderen Repressionen ausgesetzt waren. Trotz seines Prinzips, sich nicht an öffentlichen Aktivitäten zu beteiligen, unterschrieb er 1968 gemeinsam mit seiner Frau einen Brief zur Unterstützung von Alexander Ginsburg und Juri Galanskow. Dafür verloren beide ihre Arbeit und erhielten das Verbot, pädagogisch tätig zu sein. Nach der Anfechtung dieses Urteils wurde es zurückgezogen, aber Aichenwald konnte nicht an die Schule zurückkehren, sondern arbeitete nunmehr hauptberuflich als Literatur- und Theaterkritiker. Viele seiner Texte mussten in der sowjetischen Presse jedoch unter einem anderen Namen erscheinen. In seinem Buch „Po grani ostroj“ (Auf Messers Schneide) veröffentlichte Aichenwald unter anderem den gemeinsam mit seiner Frau geschrieben Text „Wie wir entlassen wurden“ (Kak nas uvolniali), in dem die Versammlung beschrieben wird, auf der seine Lehrerkollegen beide des „antisozialistischen Verhaltens“ bezichtigt hatten. Der Text thematisierte außerdem, wie einfache Bürger in die staatlich organisierte Verfolgung von Dissidenten hineingezogen wurden. Aichenwald veröffentlichte daneben weiterhin im Westen. Zwischen 1982 und 1984 erschien dort sein wichtigstes Buch, die historische und philosophische Abhandlung „Don Quichotte auf russischem Boden“ (Don Kichot na russkoj počve). Von den 60er bis in die 90er Jahre blieb sein Haus ein fester Treffpunkt liberaler Intellektueller und Menschenrechtler. Im Januar 1989 nahm Aichenwald am Gründungskongress der Vereinigung *Memorial teil und war ab Juni 1990 Mitglied im Vorstand. Juri Aichenwald starb 1993 in Moskau. Nach seinem Tod erschien mit „Väter und Großväter“ (Otcy i dedy) noch ein Band mit Erinnerungen an seine Kindheit und Eltern.Jelena Papowian Aus dem Polnischen von Tim Bohse Letzte Aktualisierung: 03/16

Wer war wer in DDR

Albrecht, Degenhard

* 25.1.1930 – ✝ 4.9.2006

 

Geb. in Herges-Hallenberg (Thür.); Vater Angestellter; Volks- u. Mittelschule, Lehre u. Arbeit als kaufm. Angest.; 1949 SED; 1951 – 53 Studium der Wirtschaftswiss. an der DVA bzw. an der DASR Potsdam-Babelsberg, Dipl.-Wirtschaftler, später Prom. zum Dr. rer. oec.; 1953 / 54 wiss. Mitarb. an der DASR; 1954 – 57 wiss. Mitarb. an der HS für Außenhandel in Berlin-Staaken; 1957 – 63 Hauptreferent bzw. Abt.-Ltr. im Min. für Außenhandel; 1963 polit. Mitarb. der Abt. Handel, Versorgung u. Außenhandel, ab 1967 Sektorenltr., 1970 – 79 stellv. Ltr. der Abt. Handel, Versorgung u. Außenhandel im ZK der SED; 1972 / 73 Lehrgang an der PHS der SED; 1979 – 90 Generalsekr. des Amtes für Außenwirtschaftsbeziehungen; DDR-Vertreter auf der Madrider KSZE-Nachfolgekonferenz.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Albrecht, Rosemarie

* 19.3.1915 – ✝ 7.1.2008

 

Geb. in Cobe (Japan/Kobe) als Tochter eines Deutschen u. einer Japanerin; 1935 Abitur am Oberlyzeum in Rostock; 1935 – 40 Studium der Medizin an den Univ. Rostock, Hamburg u. Jena, 1940 Staatsexamen; 1940 – 42 Volontär-Ärztin in der Landesheilanstalt Stadtroda; Approbation verzögert wegen der japan. Mutter; ab 1942 Facharztausbildung an der Hals-Nasen- u. Ohren-Klinik der FSU Jena. 1946 Fachärztin, 1947 Oberärztin, 1948 Habil. u. Doz. an der HNO-Klinik der FSU; 1951 Chefärztin der HNO-Klinik des Städt. Krankenhauses Erfurt; 1954 Prof. für Medizin an der HNO-Klinik der Med. Akad. Erfurt; 1957 bis zur Em. 1975 Prof. für Medizin an der FSU u. Dir. der dortigen HNO-Klinik; 1965 – 67 Dekanin der Med. Fak; 1965 Mitgl. der Dt. Akad. der Naturforscher Leopoldina; 1967 – 92 Ord. Mitgl. der DAW; 1972 NP; Ehrenmitgl. der Dt. Ges. für HNO, Kopf- u. Halschirurgie; Hauptarbeitsgebiete: Geschwülste des Nasen-Rachen-Raumes, insbes. Präkanzerose u. Krebsbildung; gest in Jena. A. gehörte auf ihrem Fachgebiet zu den führenden Spezialisten der DDR; sie führte als erste in der DDR mikrochirurg. Techniken bei Operationen am Mittelohr ein, entwickelte ein entsprechendes Operationsmikroskop u. war an der Entw. von Techniken zur Verbesserung des Gehörs beteiligt. Im Mai 2000 wurden gegen A. Ermittlungen wegen des Verdachts aufgenommen, 1940 – 42 auf der psychatr. Frauenstation der Landesheilanstalt Stadtroda an Euthanasie-Verbrechen beteiligt gewesen zu sein. Entsprechende Untersuchungen des MfS in den Jahren 1963 – 66 waren ohne Ergebnis geblieben. Am 9.2.2005 lehnte das LG Gera die Eröffnung eines Hauptverfahrens wegen unzureichender Beweislage u. des angegriffenen Gesundheitszustands der Beschuldigten ab.Jahrbuch der DAW. Berlin 1968; »Sonntag« vom 28.1.1968; Tagesspiegel vom 10.2.2005; Informationsdienst Wissenschaft e. V. vom 14.2.2005.Annette Vogt

dissidenten.eu

Abramkim, Waleri

* 1944 – ✝ 2013

 

Chemieingenieur und Mitgründer der Zeitschrift *„Poiski“. Publizist, politischer Häftling und Politiker.Валерий Фёдорович Абрамкин Valerij Fëdorovič Abramkin Waleri Abramkim wurde 1944 in Moskau als Kind einer Arbeiterfamilie geboren. 1970 beendete er sein Studium am Moskauer Institut für Chemie und Technologie und arbeitete danach als Ingenieur an einem Forschungsinstitut für anorganische Chemie. Er war Autor von etwa 30 fachwissenschaftlichen Veröffentlichungen. Während des Studiums begann Abramkin, Lieder zu schreiben und beteiligte sich an der Organisation des Moskauer „Klubs des Amateurliedes“. Er leitete an seiner Hochschule einen der damals im ganzen Land entstehenden Zirkel für „gesungene Poesie“ und gehörte zum Moskauer Vorstand der Amateurliedbewegung. Außerdem organisierte er touristische Exkursionen und Konzerte von Hobbymusikern. 1975 verließ Waleri Abramkin den „Klub des Amateurliedes“, der durch den kommunistischen Jugendverband „Komsomol“ vereinnahmt worden war und veranstaltete alternative Liedertreffen, die unter dem Namen „Voskresenie“ (Sonntag/Auferstehung) bekannt wurden. Er war Mitautor und Mitherausgeber des gleichnamigen schreibmaschinengetippten Literaturalmanachs und stellte 1977 eine „Sammlung von Texten aus ‚Voskresenie‘“ (Sbornik po materialam ‚Voskresenije‘) für den Samisdat zusammen. 1976 wurde Abramkin vom russischen Geheimdienst KGB gewarnt, dass seine Teilnahme an den Liedertreffen Konsequenzen haben könnte. Seine Wohnung wurde durchsucht und er gezwungen, seine Arbeit aufzugeben. Zwischen 1976 bis 1979 arbeitete er daraufhin in einem Kollektiv von Geophysikern, danach als Holzfäller, Heizer und als Nachtwächter in einer Kirche. 1978 wurde Abramkin Redaktionsmitglied der neu gegründeten unabhängigen Zeitschrift *„Poiski“ (Suche). Er war ständiger Autor der Zeitschrift und leitete deren Herausgabe. 1979 wurde er deswegen von den Behörden unter Druck gesetzt, er wurde mehrfach verhört und seine Wohnung durchsucht. Während eines der Verhöre kündigte der zuständige Untersuchungsbeamte an, dass Abramkin die Verhaftung und ein Gerichtsprozess drohe, wenn das Erscheinen der Zeitschrift nicht eingestellt würde: „Wir wissen, dass Sie der Chefredakteur sind und die anderen Mitglieder der Redaktion aufwiegeln, die Zeitschrift weiterhin herauszugeben.“ Am 12. April 1979 gab die Redaktion eine Erklärung ab, in der die Drohung des Untersuchungsbeamten als Erpressung und als Versuch gewertet wurde, Waleri Abramkin als Geisel zu nehmen, indem die Herausgeber vor die Wahl gestellt wurden, sich entweder für die Freiheit des Wortes oder die Freiheit ihres Kollegen entscheiden zu müssen. Am 4. Dezember 1979 wurde Abramkin verhaftet, was sofort Proteste der *„Poiski“-Redaktion und der *Moskauer Helsinki-Gruppe hervorrief. Zu seiner Unterstützung wurden mehrere Sammelproteste und eine 40-minütige Tonbandaufnahme für ihn veröffentlicht. Abramkins Prozess fand am 24. September 1979 und vom 1. bis 4. September 1980 vor dem Moskauer Stadtgericht statt. Er wurde nach *Artikel 190, Paragraf 1 Strafgesetzbuch der RSFSR aufgrund der Herausgabe und Verbreitung der Nummern 1 bis 7 der Zeitschrift *„Poiski“, wegen eines Artikels über den Prozess gegen Alexander Ginsburg, aufgrund seines Interviews mit Pjotr Abowin-Egides unter dem Titel „An die Leser von ‚Poiski‘“ (Čitatel‘jam ‚Poiskov‘) und wegen dem Veröffentlichen der Deklaration der tschechoslowakischen *Charta 77 angeklagt. Abramkin bekannte sich nicht schuldig. Das Gericht verurteilte ihn zu drei Jahren Lagerhaft, die *Moskauer Helsinki-Gruppe gab daraufhin eine Protesterklärung heraus. Die Strafe verbüßte Abramkin 1980–82 in einem Besserungs- und Arbeitslager im Altai-Gebirge in Südsibirien. Zwei Tage vor seiner Entlassung wurde er erneut angeklagt und am 4. April 1983 auf Grundlage desselben *Artikels 190, Paragraf 1 Strafgesetzbuch der RSFSR zu weiteren drei Jahren Lagerhaft wegen angeblicher kritischer Aussagen und Briefe während seiner Haftzeit verurteilt. Trotz des Drucks der Lagerverwaltung weigerte sich Abramkin, Anträge auf Strafmilderung, die mit einem Schuldbekenntnis verbunden gewesen wären, zu stellen. Im Dezember 1985 kam er frei. Ab 1989 gründete Abramkin mehrere gemeinnützige Organisationen wie beispielsweise „Gefängnis und Freiheit“ (Tjurmi i svoboda) und beteiligte sich an Gesetzesinitiativen für eine Reform des Strafvollzugsystems der Sowjetunion beziehungsweise des postkommunistischen Russlands. Er wurde Direktor des Moskauer Zentrums für die Reform des Strafvollzuges und war ab 1992 Redakteur einer wöchentlichen Radiosendung für Häftlinge. 2002/03 war er Mitglied der Menschenrechtskommission beim russischen Präsidenten. In seinen letzten Lebensjahren litt Abramkin an Tuberkulose, mit der er sich während der Lagerhaft infiziert hatte. Waleri Abramkin starb 2013 in Moskau.Dmitrij Subarew, Gennadij Kusowkin Aus dem Polnischen von Tim Bohse Letzte Aktualisierung: 12/15

Handbuch Deutsche Kommunisten

Abusch, Alexander

* 14.2.1902 – ✝ 27.1.1982

 

Als Sohn des Kutschers und späteren Huthändlers Chaskel Abusch am 14. Februar 1902 in Krakau geboren. Nach der kaufmännischen Lehre (von 1916 bis 1919) kurze Zeit kaufmännischer Angestellter. 1918 Mitglied der FSJ, 1919 der KPD, Redakteur bei KP-Organen, zunächst der »Nordbayerischen Volkszeitung« in Nürnberg. Wegen eines Hochverratsverfahrens Flucht nach Thüringen und ab März 1923 politische Arbeit unter dem Pseudonym Ernst Reinhardt, politischer Redakteur der »Neuen Zeitung« in Jena. Nach dem Reichswehreinmarsch und dem Verbot der Partei 1923 wurde Abusch Chefredakteur der illegalen Zeitung »Revolution«, nach Aufhebung des Verbots der KPD dann vom März 1924 bis Januar 1926 Chefredakteur der »Neuen Zeitung«, Jena. Abusch gehörte dem linken Parteiflügel an, er war von 1923 bis 1926 Mitglied der BL GroßThüringen und von 1924 bis 1926 Mitglied des ZA der KPD. 1925 schloß er sich der ultralinken Opposition 4(Werner Scholem, Arthur Rosenberg, Theodor Neubauer) an und war nach dem »Offenen Brief« der Komintern (1925) für diese bis Dezember 1926 aktiv. Auf der Konferenz des KJVD am 15. Oktober 1925 trat er als Korreferent gegen das ZK-Mitglied Philipp Dengel auf. Im März 1926 wegen seiner oppositionellen Haltung als Chefredakteur abgelöst und nach Berlin versetzt, Redakteur beim Pressedienst der KPD, danach ab Herbst 1926 Redakteur der »Roten Fahne«. Abusch trennte sich von der Opposition und ging zur Thälmann-Gruppe über. Im November 1928 kam er nach der Wittorf-Affäre als Chefredakteur an das »Ruhr-Echo« in Essen, er löste den Versöhnler Stephan ab. Im Rahmen des ultralinken Kurses wieder in der Spitzenführung, ab Juni 1930 politischer Redakteur der »Roten Fahne«, und einige Monate sogar deren Chefredakteur, als Neumann-Anhänger im Juni 1932 abgesetzt. Auf der Reichsparteikonferenz der KPD im Oktober 1932 gab Abusch eine selbstkritische Erklärung ab und bekannte sich zur Linie Thälmann. Bis Januar 1933 Chefredakteur und Mitglied des Sekretariats der BL in Essen. Abusch wurde von Walter Ulbricht zunächst nach Paris geschickt, war dort einer der beiden Hauptredakteure des »Braunbuches über den Reichstagsbrand« und an der Kampagne zur Befreiung Georgi Dimitroffs durch die Gegenprozesse in London und Paris beteiligt. Im August-September 1934 wurde er als Chefredakteur an die KPD-»Arbeiterzeitung« ins Saargebiet (zum Abstimmungskampf) beordert und blieb nach der Niederlage dort, um die neue illegale Parteileitung zu beraten. Vom März 1936 bis September 1939 war Abusch Mitarbeiter des Politbüros der KPD und Chefredakteur der »Roten Fahne« zuerst in Prag, dann in Paris. In dieser Eigenschaft nahm er am VII. Weltkongreß der Komintern, an der »Brüsseler Parteikonferenz« 1935 und an der »Berner Konferenz« 1939 teil. Nach Kriegsausbruch bis Oktober 1939 in Frankreich interniert, gehörte Abusch im Winter 1939/40 der illegalen KPD-Leitung unter Anton Ackermann an. Am 8. März 1940 verhaftet, kam er in ein Internierungslager, Flucht nach Toulouse, hier von Juli 1940 bis Mai 1941 Mitglied der Leitung der illegalen KPD mit Walter Beling und Otto Niebergall. Im Oktober 1941 konnte er nach Mexiko reisen, wo er u. a. Chefredakteur der Zeitschrift »Freies Deutschland« wurde. Über Wladiwostok ist er am 16. Juli 1946 gemeinsam mit Paul Merker nach Berlin zurückgekehrt. Das ZS setzte Abusch als Sekretär des Kulturbundes (KB) ein und kooptierte ihn Ende 1947 in den PV der SED. Im Februar 1950 Mitglied des Sekretariats des Politbüros, im Zusammenhang mit der Noel-H.-Field-Affäre als erster führender Funktionär abgesetzt. Nach der Entmachtung und späteren Verhaftung Merkers war er vor allem 1952/53 als Jude und Westemigrant besonders gefährdet. 1951 hat ihn das MfS als »geheimen Informator« angeworben, doch 1956 beendete das MfS die Zusammenarbeit. Erst mit Beginn der »Entstalinisierung« trat Abusch wieder in den Vordergrund. Von 1956 bis 1958 Staatssekretär im Ministerium für Kultur, nach dem Tode Johannes R. Bechers trat er dessen Nachfolge als Minister für Kultur an. Im Februar 1957 zum Mitglied des ZK kooptiert, dem er bis zu seinem Tode angehörte. Bereits 1949/50 Mitglied der Provisorischen Volkskammer, 1958 wurde er erneut Abgeordneter und war lange Jahre Vorsitzender der KB-Fraktion. Von 1961 bis 1971 Stellvertreter des Vorsitzenden des Ministerrates, verantwortlich für Kultur und Erziehung. Nach 1945 Autor einer Reihe von Büchern, darunter »Der Irrweg einer Nation« (1947), »Stalin und die Schicksalsfragen der deutschen Nation« (1949). 1981 veröffentliche er seine Memoiren »Der Deckname«, 1986 folgte der zweite Band »Mit offenem Visier«. 1967 verlieh ihm die Universität Jena die Ehrendoktorwürde. Er war Träger hoher Orden, darunter des Karl-Marx-Ordens. Alexander Abusch starb am 27.Januar 1982 in BerlinKarin Hartewig / Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Ackermann, Anton

* 25.12.1905 – ✝ 4.5.1973

 

Geboren am 25. Dezember 1905 in Thalheim/Erzgeb. als Eugen Hanisch, Sohn eines Strumpfwirkers und Heimarbeiters, auch er arbeitete als Strumpfwirker. 1919 schloß er sich der FSJ, 1920 der KJVD und dem Textilarbeiterverband an. 1926 trat er der KPD bei und wurde Bezirksleiter des KJVD Erzgebirge/Vogtland. 1929 Kursant an der Internationalen Leninschule in Moskau, von 1931 bis 1933 dort Aspirant und Lektor. Zeitweilig arbeitete er auch in der Deutschland-Abteilung des EKKI als persönlicher Mitarbeiter von Fritz Heckert und Wilhelm Pieck. Im März 1933 nach Deutschland zurückgekehrt, gehörte er bis September 1933 zunächst als Sekretär von John Schehr, dann als Agitpropleiter der illegalen Landesleitung an, von Oktober 1933 bis Juli 1935 Polleiter der illegalen KPD-Bezirksorganisation Berlin. Im Juli 1935 nahm er am VII. Weltkongreß der Komintern in Moskau teil. Ackermann unterstützte in dieser Zeit Walter Ulbricht und Wilhelm Pieck im Machtkampf gegen die Gruppe um Hermann Schubert und Fritz Schulte. Auf der »Brüsseler Konferenz« zum Mitglied des ZK und Kandidaten des Polbüros gewählt. Von Ende 1935 bis April 1937 gehörte er zur KPD-Leitung in Prag, von 1937 bis März 1940 in Paris Mitglied des vorbereitenden Ausschusses für eine Deutsche Volksfront. 1937 leitete er zeitweilig die Politschule der Internationalen Brigaden in Spanien. Im April 1940 kam er nach Moskau, wurde 1941 Redakteur der Zeitung »Das freie Wort«, ab 1943 Chefredakteur des NKFD-Senders. Am 1. Mai 1945 traf Ackermann als Leiter der KPD-Gruppe für Sachsen in Deutschland ein. Mitverfasser des Aufrufs der KPD vom 11. Juni 1945, gehörte er dem Sekretariat des ZK der KPD an. Im Februar 1946 erschien sein programmatischer Aufsatz »Gibt es einen besonderen deutschen Weg zum Sozialismus?«, den er im September 1948 selbstkritisch widerrufen mußte. Mit Helmut Lehmann (SPD) verfaßte Ackermann die »Grundsätze und Ziele der SED«. Von 1946 bis 1954 Mitglied des PV bzw. des ZK der SED, bis Sommer 1953 gehörte er dem ZS bzw. ab 1949 dem Polbüro als Kandidat an. Im Herbst 1946 in den Sächsischen Landtag gewählt. Ab Oktober 1949 Staatssekretär im Außenministerium, dort gleichzeitig für den Aufbau des DDR-Nachrichtendienstes zuständig, und Anfang 1953 zusätzlich Direktor des Marx-Engels-Lenin-Stalin-Instituts. Wegen seiner Kritik an Ulbricht und Beteiligung an der innerparteilichen »Fraktionsarbeit« von Wilhelm Zaisser und Rudolf Herrnstadt im August 1953 aus allen Funktionen abberufen, erhielt er im Januar 1954 eine »strenge Rüge«. Von 1954 bis 1958 zum Leiter der Hauptverwaltung Film im MfK degradiert. Seine Parteistrafe wurde zwar im Juli 1956 gelöscht, doch erlangte er nie mehr die herausragende Bedeutung wie vor seinem Sturz. Ab 1958 Mitglied und Abteilungsleiter in der Staatlichen Plankommission (SPK). Im Juni 1962 von allen Funktionen entbunden, lebte er als Parteiveteran. Anton Ackermann beging am 4.Mai 1973 Selbstmord. Er war Träger hoher Auszeichnungen, darunter des VVO in Gold (1965). Ackermann war von 1932 bis 1949 in erster Ehe mit Elli Schmidt verheiratet. Frank Schumann veröffentlichte 2005 eine biographische Dokumentation über Anton Ackermann.Bernd-Rainer Barth / Helmut Müller-Enbergs

Wer war wer in DDR

Adam, Johannes

* 22.9.1923

 

Geb. in Nossen; Vater Arbeiter; 1942 Abitur Oberschule Nossen; nach dem Abitur 1942 war er als SS-Rottenführer in Auschwitz eingesetzt; 1947 – 52 Studium der Math. an der TH Dresden u. der Univ. Leipzig, dort Dipl.; 1952 – 55 Doz. an der ABF Dresden; 1955 – 59 Mitarb. am Industrie-Inst. der TH Dresden; ab 1959 Mitarb. am Lehrstuhl für Sozialhygiene der MLU Halle (Saale); 1960 Prom. mit der Arbeit »Wahrscheinlichkeitsrechnung u. Statistik als Stoffe des Mathematikunterrichts der allgemeinbildenden polytechn. Oberschule, insb. der erweiterten Oberschule« an der PH Potsdam; 1965 Habil. mit der Schrift »Die Methoden der med. Statistik als Hilfsmittel der Ursachenforschung in der Sozialhygiene« an der MLU Halle, dort 1965 Doz., 1968 Prof. mit Lehrauftrag für med. Statistik, 1970 – 89 Prof. mit Lehrstuhl für med. Statistik u. Datenverarb. u. ab 1982 Dir. des Inst. für Biostatistik u. med. Informatik; 1972 – 78 Dir. für Forschung des Bereichs Medizin der MLU; 1978 – 81 Vors. der Gesell. für physikal. u. math. Biol., 1984 deren Ehrenmitgl.; 1975 / 76 Gastprof. an der Univ. Bagdad; 1988 em.; 1966 Pettenkofer-Med.; 1980 VVO; lebt in Halle. Arbeitsgebiete: Med. Biometrie, Statistik, Informatik, Soziol. u. Epidemiol.Einführung in die med. Statistik. Berlin 1963, Methoden der statistischen Analyse in Medizin u. Biologie. Berlin 1977 (mit J. H. Scharf, H. Enke); Einführung in die med. Biometrie. Jena 1992. H. Enke: J. A. – 60 Jahre. Ztschr. für gesamte Hygiene (1983) 9.Dieter Hoffmann

Handbuch Deutsche Kommunisten

Adam, Wilhelm

* 27.7.1905 – ✝ 1.8.1991

 

Geboren am 27. Juli 1905 in Ludenburg bei Düsseldorf als Sohn eines Metallarbeiters. Zahntechniker, 1921 Mitglied der SAJ, 1922 der KJD, 1923 der KPD. Ab Februar 1933 illegale Arbeit, Emigration in das Saargebiet und nach Frankreich, 1934 nach Dänemark. Unter den Decknamen Gilbert und »kleiner Hans« war er Leiter der AL Nord mit Sitz in Kopenhagen, bis er 1936 von Sepp Schwab abgelöst wurde. Im Dezember 1936 reiste er zu Einheitsverhandlungen mit anderen antifaschistischen Gruppen nach Norwegen, anschließend leitete er wieder von Dänemark aus die »Grenzarbeit« in Südjütland, nach der Besetzung Dänemarks redigierte er u. a die illegale Zeitung »Deutsche Nachrichten«. Im April 1945 noch in Gestapohaft. 1945 kehrte Adam nach Deutschland zurück, wurde Mitglied der KPD/SED und war bis 1948 Sekretär für Kultur und Erziehung der KPD/SED Schwerin. Im Oktober 1949 wurde er Hauptreferent der Westkommission beim PV der SED, bis 1963 dann Sektorleiter für gesamtdeutsche Arbeit in der Kulturabteilung des ZK. 1963 ging Adam an die Filmhochschule nach Potsdam-Babelsberg, war dort Dozent, Parteisekretär und Prorektor für Studienangelegenheiten, 1967 kommissarischer Direktor des Instituts für Filmwissenschaft, erhielt den VVO in Gold. Wilhelm Adam starb am 1. August 1991 in Berlin.

Wer war wer in DDR

Adolph, Alfred

* 23.11.1929

 

Geb. in Trattendorf (Krs. Spremberg); Vater Arbeiter; Volksschule; 1944 – 47 Ausbildung zum Elektriker im Braunkohlenwerk Spreetal; 1948 – 50 Abiturausb. an der ABF Freiberg; 1950 – 55 Studium an der TH Dresden, Dipl.-Ing.; 1951 SED; 1955 – 62 Projekt-Ing. im VEB Lokomotivbau Elektrotechn. Werke (LEW) Hennigsdorf, 1962 / 63 Lehrgang an der SED-BPS Kleinmachnow; 1963 – 68 Techn. Ltr. im VEB LEW Hennigsdorf; 1968 – 72 Mitarbeiter im AHB Transportmaschinen Export / Import; 1972 / 73 Dir. für Plandurchführung VEB Kombinat LEW Hennigsdorf; 1973 – 82 Dir. des VEB Schichtpreßstoffwerk Bernau; 1982 – 90 GD des VEB Kombinat KWO »Wilhelm Pieck« in Berlin (Nachf. von  Georg Pohler); Banner der Arbeit.Andreas Herbst

Wer war wer in DDR

Adolphi, Günter

* 18.2.1902 – ✝ 26.8.1982

 

Geb. in Riga, Vater Beamter; nach dem Abitur 1920 Dienst in der lett. Armee; 1921 – 26 Studium Maschinenbau an der TH Dresden u. in Berlin; 1926/27 Hilfsschlosser u. Montagearb. in Maschinenbaubetrieben der USA; 1928 – 34 Betriebsltr. des US-Konzerns Corn Products Refining Co.; 1934/35 Ing. bei Krupp-Gruson Magdeburg; ab 1935 im Ammoniakwerk Merseburg (Leuna-Werke) als Technologe u. Betriebsltr. tätig. Ab 1949 Ltr. des Verfahrenstechnikums u. der chem. Versuchsabt. im o. g. Werk; ab 1961 Prof. u. Dir. des 1958 gegr. Inst. für Verfahrenstechnik an der TH für Chemie Leuna-Merseburg, dem größten Inst. der ersten Verfahrenstechn. Fak. in Mitteleuropa, 1967 em.; 1972 Dr.-Ing. e. h. der THC »Carl Schorlemmer« Leuna-Merseburg, 1977 Prof. e. h. des Leningrader Technolog. Inst. Arbeitsgebiete: Verfahrenstechnik, Therm. u. Diffusionsprozesse, therm. Stofftrennprozesse, Wärme- u. Stoffübertragung; G. A. gilt als Nestor der verfahrenstechn. Ausbildung in der DDR, leitete durch die strikte Orientierung auf die in den Apparaten ablaufenden Prozesse den Übergang der Verfahrenstechnik aus einer Vertiefungsrichtung des Maschinenbaus in eine eigene Grundstudienrichtung ein (1967); Übersetzung u. wiss. Bearbeitung sowj. Standardlit. der Verfahrenstechnik; zahlr. Publ. u. Patente.Lehrbuch der chem. Verfahrenstechnik. Leipzig 1967.Klaus Krug

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Agatz, Wilhelm

* 10.6.1904 – ✝ 29.8.1957

 

Geboren am 10. Juni 1904 in Heisingen bei Essen, Sohn eines Bergarbeiters. Nach der Schulentlassung Bergmann, 1918 Mitglied des Bergarbeiterverbandes, 1920 der SAJ, von der er 1922 zur kommunistischen Jugend übertrat, 1924 Mitglied der KPD. Agatz war aktiver Gewerkschafter. Nach seinem Ausschluß 1930 aus dem Bergarbeiterverband gehörte er im Ruhrgebiet zu den Aktivisten der RGO. 1931 Leiter des Einheitsverbandes der Bergarbeiter innerhalb der RGO und deren Reichsleitung. Seit September 1930 war Agatz Reichstagsabgeordneter. Nach dem Machtantritt der Nazis organisierte er bis zu seiner Verhaftung im Januar 1934 von Berlin aus die illegale Arbeit der RGO. Im Februar 1935 wurde er vom VGH zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt, die er in Luckau verbüßte, anschließend war er bis Oktober 1939 im KZ Sachsenhausen inhaftiert. Bis zu seiner Einberufung zur Wehrmacht im Januar 1943 Maurer bei der Hochtief AG. 1945 zunächst in sowjetischer Kriegsgefangenschaft, danach schickte ihn das ZK der KPD in die Westzonen, wo er sich beim Aufbau der Bergarbeitergewerkschaft engagierte. Bis Ende 1948 war Agatz 2. Vorsitzender des Industrieverbandes Bergbau der britischen Besatzungszone, anschließend Sekretär der Hauptverwaltung der IG Bergbau im DGB. Da er innerhalb des DGB die Politik der KPD vertrat, wurde er im August 1950 aus dem DGB ausgeschlossen. Anschließend war Agatz politischer Mitarbeiter des KPD-Parteivorstandes, dem er bis zum Verbot 1956 angehörte. Er war von 1946 bis 1949 MdL in Nordrhein-Westfalen und von 1949 bis 1953 Abgeordneter der KPD im Deutschen Bundestag. Wilhelm Agatz starb am 29. August 1957 in Ost-Berlin.

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Ahonen, Heiki

* 1956

 

Autor und Verbreiter des Samisdat, politischer Häftling; Gründungsmitglied der estnischen Gruppe zur Bekanntmachung des *Hitler-Stalin-Pakts in der Öffentlichkeit, Mitgründer der Partei der Nationalen Unabhängigkeit Estlands.Heiki Ahonen wurde 1941 in Pärnu (Pernau) geboren. Seine Familie war in seinen ersten Lebensjahren schweren sowjetischen Repressionen ausgesetzt: Im Jahr seiner Geburt wurde sein Großvater als Offizier der estnischen Armee von der sowjetischen Geheimpolizei NKWD erschossen. Sein Vater war 1946–55 in stalinistischen Lagern inhaftiert, seine Mutter und deren Schwester Lagle Parek wurden 1949 in die Umgebung von Nowosibirsk verschleppt. Ahonen beendete 1975 mit 24 Jahren die Technische Hochschule für Bauwesen und Mechanik in Tallinn. 1977–78 war er dort als Vermessungsingenieur in baukonservatorischen Betrieben tätig und von 1970 bis 1983 arbeitete er als Schornsteinfeger bei der Feuerwehr. 1977 schloss sich Heiki Ahonen der estnischen Nationalbewegung an. Er sammelte Informationen über Menschenrechtsverletzungen der sowjetischen Behörden und verbreitete Samisdatschriften. 1980–82 unterschrieb er verschiedene Sammelappelle, zum Beispiel gegen die Verbannung von Andrei Sacharow am 3. Februar 1980 oder zur Verteidigung von Mart-Olav Niklus am 27. Juni 1980. Außerdem unterzeichnete er das Glückwunschtelegramm an Lech Wałęsa vom 11. November 1980, den *Appell an die Regierungschefs der UdSSR und der nordischen Ländern vom 10. Oktober 1981 und den *Offenen Brief an die Bürger Finnlands vom 1. Oktober 1982. Er unterhielt Kontakte zu in Moskau akkreditierten ausländischen Journalisten, die er über Menschenrechtsverletzungen in Estland informierte und unterstütze Familien von politischen Gefangenen. Am Vortag der für den 1. Dezember 1981 geplanten Protestaktion „Halbe Stunde Schweigen“ gegen Menschenrechtsverletzungen in Estland wurde er gewaltsam in eine Klinik für Geschlechtskrankheiten eingewiesen, wo man ihn vorsätzlich infizierte. Am 13. April 1983 wurde er verhaftet. Der Prozess gegen ihn, Lagle Parek und Arved Pesti fand vom 13. bis 16. Dezember 1983 statt. Außer der Verbreitung von Samisdat-Publikationen wurden den Angeklagten Kontakte zur estnischen Emigrantenorganisation „Hilfszentrum für Estnische Politische Häftlinge“ in Stockholm vorgeworfen. Ahonen bekannte sich nicht schuldig. Das Oberste Gericht der Estnischen SSR verurteilte ihn nach Artikel 68, Gesetz 1 Strafgesetzbuch der ESSR (*Artikel 70 Strafgesetzbuch der RSFSR) zu fünf Jahren Lagerhaft und zwei Jahren Verbannung. Die Haftzeit verbrachte er in den *Permer Lagern, wo man ihn im Januar 1987 versuchte zu nötigen, ein Gnadengesuch zu unterzeichnen. Ahonen forderte jedoch seine sofortige Freilassung und Entschädigungszahlungen für die gesamte Haftzeit. Am 5. Februar 1987 wurde er vorzeitig entlassen. Er lebte fortan wieder in Tallinn und arbeitete als Fräser in der Fabrik „Pionier“. Im August 1987 war er Mitorganisator der *Kundgebung im Hirve-Park und wurde Gründungsmitglied der Gruppe zur Bekanntmachung des *Hitler-Stalin-Pakts in der Öffentlichkeit. Im Dezember 1987 versuchte der KGB, ihn zur Emigration zu bewegen. Als er dies ablehnte, wurde er zu einer militärischen Reserveübung im Gebiet des havarierten Atomkraftwerks Tschernobyl in der Ukraine einberufen. Er verweigerte diesen Befehl.Im Januar 1988 gründete er zusammen mit anderen die Partei der Nationalen Unabhängigkeit Estlands. Am 1. Februar 1988, dem Vortag der Demonstration zur Erinnerung an den Jahrestag der Unterzeichnung des Friedensvertrags von 1920 zwischen Sowjetrussland und Estland, wurde er wegen „Verweigerung des Militärdienstes“ erneut verhaftet. Am 5. März flog man ihn nach Stockholm aus. 1988–89 lebte Ahonen ihn Schweden und wurde Leiter des dortigen „Hilfszentrums für Estnische Politische Häftlinge“. Er beteiligte sich an der Produktion des Dokumentarfilms „The Thaw“ (Das Tauwetter) über die estnische Opposition während der Perestroika. 1989–98 lebte er in Deutschland und Tschechien, wo er Leiter der estnischen Redaktion von *Radio Freies Europa war. Nach seiner Rückkehr nach Estland 1998 ließ er sich wieder in Tallinn nieder. Er wurde Präsident der Kistler-Ritso-Stiftung (Kistler-Ritso Eesti Sihtasutus) und bis 2012 Direktor des am 27. Juni 2003 eröffneten Museums der Okkupationen in Tallinn, außerdem Produzent von Dokumentarfilmen zur estnischen Zeitgeschichte. Im Februar 2000 wurde er mit dem Orden des Staatwappens V. Klasse für seine Tätigkeit für die Wiederentstehung Estlands ausgezeichnet.Viktor Niitsoo Aus dem Polnischen von Beata Kosmala Letzte Aktualisierung: 07/15

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Akkermann, Siegfried

* 19.2.1935

 

Geb. in Schaulen (Litauen/Siaulia); Eltern Lehrer; 1953 – 58 Studium der Med. an der Univ. Rostock, 1959 Prom.; dann Assistent am Lehrstuhl für Sozialhygiene, 1963 Oberarzt; 1969 Habil.; Doz. u. bis 1973 stellv. Dir. des Inst. für Sozialhygiene, danach stellv. Dir. des Bereichs Med. der WPU Rostock; 1974 – 76 Gastprof. im Irak; 1976 SED-GO-Sekr. am Bereich Med. der WPU; 1979 Prof. für Sozialhygiene; 1980 ins Präs. des DRK kooptiert, Vizepräs., 1981 – 87 Präs. des DRK (Nachf. von  Werner Ludwig); 1981 – 89 Vizepräs. der Kommission für Gesundheitswesen u. soziale Dienste der Liga für Rotkreuz- u. Rothalbmondges.; ab 1987 Dir. des Inst. für Sozialhygiene der WPU; 1987 Ehrenspange zum Ehrenzeichen des DRK. 1990 – 98 Vizepräs. des Landesverb. Mecklenb.-Vorpom. des DRK; niedergelassener Arzt in einer Gemeinschaftspraxis mit Sohn Nils A. in Bad Doberan.Jan Wielgohs

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Albrecht, Erhard

* 8.10.1925

 

Geb. in Kirchscheidungen (Thür.); Vater Tierzuchtinspektor u. Betreiber einer Molkerei; 1935 – 43 Oberrealschule in Landsberg; 1943 Wehrmacht, verwundet in Nordfinnland, Lazarett in Schwerin; ab 1944 Studium der Philos., Geschichte u. vergleichenden Sprachwiss. an der Univ. Rostock. 1945/46 KPD/SED; 1949 Prom. zum Dr. rer. pol. bei  Hermann Duncker an der 1948 neugegr. Ges.-wiss. Fak. mit der Arbeit »Darstellung u. Kritik der erkenntnistheoret. Grundlagen, der Kausalitätsauffassung u. der Ethik des Neopositivismus«; anschl. bis 1950 Teiln. am Doz.-Lehrgang der PHS in Kleinmachnow (b. Berlin); 1951 Habil. an der Philosoph. Fak. in Rostock zum Thema »Die Wurzeln der vormarxschen Erkenntnistheorie, ihre sozialökon. bedingte Erkenntnisschranke u. deren Durchbrechung durch die marxist. Philos.«; 1952 Prof. für dial. u. hist. Materialismus an der EMAU Greifswald, 1953 – 55 Prorektor für das ges.-wiss. Grundstudium u. zugl. mit  Günther Jacoby Ko-Dir. des Philosoph. Inst.; 1953/54 Gastprof. in Jena, 1955 in Berlin, 1956/57 in Rostock; 1956 – 68 Dir. des Inst. für Philos. der EMAU Greifswald, 1958 – 61 Prorektor für wiss. Nachwuchs, ab 1959 Prof. mit Lehrstuhl für Logik, Methodol., Erkenntnistheorie u. Semiotik, 1962 – 64 zugl. Prorektor für Ges.-Wiss.; nach zeitw. Auflösung des Philosoph. Inst. (1968 – 74) infolge der 3. HS-Reform 1975 – 90 Ltr. einer Arbeitsgr. Methodol., Semiotik, Kommunikationswiss.; 1979 NP; 1990 em.; leitet den Arbeitskrs. Greifswalder Semiotik; lebt in Greifswald.Die Beziehung von Erkenntnistheorie, Logik u. Sprache. Halle 1956; Beiträge zur Erkenntnistheorie u. das Verhältnis von Sprache u. Denken. Halle 1959; Sprache u. Erkenntnis. Berlin 1967; Sprache u. Philos. Berlin 1975; Sprachphilos. Berlin 1991.Hans-Christoph Rauh

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Albrecht, Rudolf

* 13.7.1942 – ✝ 27.9.2015

 

Geb. in Wellerswalde (Sachsen); Vater Pfarrer; 1948 – 56 Grundschule; 1956 – 69 kirchl. Proseminar; 1960 – 65 Theol.-Studium am Theolog. Seminar in Leipzig; 1965/66 Bausoldat; 1968 – 80 Pfarrer in Ziegenhain (Sachsen); 1980 – 96 Pfarrer in Dresden; wichtiger Initiator der kirchl. Friedensbew. seit den 70er Jahren, 1975 – 96 Gründer u. Initiator des Meißner Friedensseminars; Beratung von Wehrpflichtigen, Gemeindeabende zum Thema Zivilcourage, Mitinitiator der Ton-Dia-Serie: »Ohne kleine Leute keine großen Kriege«. Mitarb. beim Referat Friedensfragen der Theolog. Studienabt. beim Bund der Ev. Kirchen in der DDR. 1992 – 96 Vorstand des dt. Zweigs des internat. Versöhnungsbundes; 1996 Pfarrer in Langelsheim (Niedersachsen). Publ. zur kirchl. Friedensbew.Ehrhart Neubert