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BioLex

In der Kategorie BioLex sind drei wichtige Lexika mit über 5500 Biografien von überzeugten Kommunistinnen und Kommunisten, Renegatinnen und Dissidenten im Volltext recherchierbar.

 

Das Handbuch „Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945“ wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam.

Kurzbiografien zu Personen des politischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 bereit.

Zudem ist das Online-Lexikon www.dissdenten.eu ebenfalls auf unserer Seite aufrufbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Informationen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Dattan, Otto

* 16.2.1875 ✝ 11.2.1938

Geboren am 16. Februar 1875 in Allstedt/Helme in Thüringen, Sohn eines Bäckermeisters. Nach kaufmännischer Lehre und Wanderschaft übernahm Otto Dattan 1902 in Elberfeld eine Drogerie. Im gleichen Jahr Mitglied der SPD, er gehörte deren linkem Flügel an. Ostern 1916 Teilnehmer der Antikriegskonferenz der Arbeiterjugend in Jena. 1916 vom Reichsgericht wegen antimilitaristischer Propaganda zu neun Monaten Gefängnis verurteilt. Eine schwere Erkrankung verhinderte seine Einberufung zum Militär. 1918 gehörte Dattan zu den Mitbegründern des Spartakusbundes in Elberfeld und war Delegierter des Gründungsparteitages der KPD. Er wurde Mitglied der UB-Leitung Barmen-Elberfeld und der BL Niederrhein. Im Dezember 1920 Delegierter des Vereinigungsparteitages mit der USPD, 1921 auf dem VII. Parteitag in die Zentrale Revisionskommission der KPD berufen. 1922/23 redigierte er die »Rote Arbeitertribüne«, eine KPD-Lokalzeitung für die Städte Elberfeld, Barmen und Hagen. Später arbeitete Dattan auch als Redakteur an der KPD-Zeitung »Freiheit« in Düsseldorf.

Als Anhänger des rechten Parteiflügels wurde er 1924 in den Hintergrund gedrängt, war aber 1924 und 1930 Listenkandidat für die KPD bei den Reichstagswahlen und ab 1927 gewähltes Ratsmitglied im Barmer Stadtparlament. Von 1929 bis 1933 führte er die KPD-Fraktion in der Wuppertaler Stadtverordnetenversammlung. In der Nacht zum 1. März 1933 wurde er verhaftet und kam in das KZ Brauweiler bei Köln. Anfang Juni konnte Dattan im Rheinland untertauchen bzw. später nach Saarbrücken und nach der Saarabstimmung nach Frankreich flüchten. Im August 1935 reiste er nach Leningrad und lebte ab Herbst 1935 bei seiner emigrierten Tochter Erika. Als anerkannter Politemigrant bekam er eine Pension und arbeitete als Bibliothekar in der Öffentlichen Staatsbibliothek in Leningrad. Dort wurde Dattan am 11. Februar 1938 verhaftet, am 21. Juni 1938 erfolgte sein Ausschluß aus der KPD. Die Verurteilung zu zehn Jahren Lagerhaft hat Otto Dattan nicht überlebt.

Seine Frau Amanda (* 1878 – † 1963) und sein Sohn Günter (* 1906 – † 1979), beide Mitglied der KPD, waren während der Nazizeit in Deutschland und bemühten sich nach 1945 vergebens um Aufklärung seines Schicksals. Als eine Delegation des KPD-Parteivorstandes Wilhelm Pieck zu dessen 75. Geburtstag im Januar 1951 gratulierte, fragte ihn die KPD-Landtagsabgeordnete und Wuppertaler Stadtverordnete, Ilse Kötting, nach dem Verbleib von Otto Dattan. Pieck antwortete mit der Lüge: Dattan sei während der Blockade Leningrads durch die Wehrmacht verhungert.

Seine Tochter Erika Dattan (* 29. 11. 1910 – †23. 2. 1989), die ebenfalls 1938 verhaftet und wegen »Spionage« zu fünf Jahren Lagerhaft verurteilt wurde, durfte im April 1955 in die DDR. Sie hatte sich bereits in der Sowjetunion um die eigene sowie des Vaters Rehabilitierung bemüht. Vom Obersten Gericht der UdSSR wurde Otto Dattan im Jahre 1961 posthum rehabilitiert, sein genaues Todesdatum war bis heute nicht zu ermitteln.

Information

Mehr Hinweise zu den beiden Lexika finden Sie unter Wer war wer in der DDR? und unter Handbuch der Deutschen Kommunisten