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BioLex

In der Kategorie BioLex sind drei wichtige Lexika mit über 5500 Biografien von überzeugten Kommunistinnen und Kommunisten, Renegatinnen und Dissidenten im Volltext recherchierbar.

 

Das Handbuch „Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945“ wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam.

Kurzbiografien zu Personen des politischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 bereit.

Zudem ist das Online-Lexikon www.dissdenten.eu ebenfalls auf unserer Seite aufrufbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Informationen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Geyer, Friedrich

* 12.3.1853 ✝ 22.1.1937

Geboren am 12. März 1853 in Großenhain/ Sachsen, Sohn eines Fleischermeisters. Zigarrenarbeiter und Wanderschaft, 1868 Eintritt in die Gewerkschaft, 1871 Mitglied der Sozialdemokratie. Er gehörte bis 1874 den Vorständen der Filialen des Zigarrenarbeiterverbandes von Frankenberg in Sachsen, Pirna, Leipzig und Berlin an, war von 1874 bis 1879 Bevollmächtigter des Verbandes in Großenhain. Ab 1882 selbständiger Zigarrenfabrikant in Großenhain, während des Sozialistengesetzes 1882 wurde er zu zehn Monaten Gefängnis verurteilt.

Von 1890 bis 1894 Redakteur der Zeitung »Der Wähler« in Leipzig, 1894/95 der »Volkszeitung«, hat er von November 1895 bis November 1918 das Verbandsorgan »Tabakarbeiter« mit Sitz in Leipzig redigiert. Friedrich Geyer war von 1898 bis 1902 Vorsitzender der SPD Leipzig, gehörte von 1913 bis 1916 der Zentralen SPD-Kontrollkommission an. Nach Ausbruch des Weltkrieges in Opposition zur Politik der Reichstagsfraktion und des SPD-Vorstandes, wurde 1916 Mitglied der SAG, 1917 der USPD und von 1917 bis 1920 Mitglied der zentralen USPD-Kontrollkommission. Friedrich Geyer gehörte von 1885 bis 1897 dem Sächsischen Landtag, von März 1886 bis Februar 1887 auch dem Reichstag an. Im Februar 1890 wurde er erneut in den Reichstag gewählt und blieb dessen Abgeordneter bis zur Novemberrevolution. Im November 1918 Mitglied des Arbeiter- und Soldatenrates von Leipzig, leitete er vom 15.November 1918 bis 21. Januar 1919 als Volksbeauftragter das Finanzressort in der sächsischen Revolutionsregierung unter Richard Lipinski. Geyer stand wie sein Sohn Curt Geyer und seine Schwiegertochter Anna Geyer auf dem linken Flügel der USPD und trat für die Annahme der 21 Bedingungen der Komintern ein. Im Dezember 1920 Delegierter des Vereinigungsparteitages, wurde Mitglied der zentralen VKPD-Revisionskommission.

Im Januar 1919 im Wahlkreis Sachsen in die Deutsche Nationalversammlung gewählt und im Juni 1920 wieder in den Reichstag, dem er bis 1924 angehörte. Zusammen mit den linken USPD-Abgeordneten (u. a. Ernst Däumig, Joseph Herzfeld, Hermann Remmele) sowie seinem Sohn Curt Geyer bildete Friedrich Geyer am 9. Oktober 1920 zunächst die USPD-Fraktion (Linke) und Anfang Dezember 1920 mit den beiden KPD-Abgeordneten Clara Zetkin und Paul Levi die gemeinsame VKPD-Reichstagsfraktion. Friedrich Geyer, der wie sein Sohn auf seiten Paul Levis stand und dessen Kritik an der VKPD teilte, verließ die VKPD, schloß sich im September 1920 zunächst der KAG an und kehrte über die USPD in seine alte Partei, die SPD, zurück. Friedrich Geyer wohnte seit 1933 in Tharandt in Sachsen, wo er am 22.Januar 1937 hochbetagt starb.

Information

Mehr Hinweise zu den beiden Lexika finden Sie unter Wer war wer in der DDR? und unter Handbuch der Deutschen Kommunisten