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BioLex

In der Kategorie BioLex sind drei wichtige Lexika mit über 5500 Biografien von überzeugten Kommunistinnen und Kommunisten, Renegatinnen und Dissidenten im Volltext recherchierbar.

 

Das Handbuch „Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945“ wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam.

Kurzbiografien zu Personen des politischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 bereit.

Zudem ist das Online-Lexikon www.dissdenten.eu ebenfalls auf unserer Seite aufrufbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Informationen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Greiner, Daniel

* 27.10.1872 ✝ 8.6.1943

Geboren am 27. Oktober 1872 in Pforzheim, Sohn eines Schuhmachers; studierte nach Abschluß des Gymnasiums in Worms Theologie und Philosophie an der Universität Gießen. Nach dem Studium und der Promotion über Immanuel Kant 1897 Rektor und Hilfsgeistlicher (Assistent) in Schotten/Oberhessen, 1899 Heirat mit Emilie Suppes. Zuletzt als Pfarrer tätig, schied 1902 nach Bruch mit der Kirche aus seinem Amt aus, blieb aber Christ. Ab 1903 arbeitete Greiner als Bildhauer und Maler, wurde dann zum Mitglied der berühmten Künstlerkolonie Darmstadt berufen und lebte ab 1908 in Jugenheim/Bergstraße. Vor dem Weltkrieg in der SPD, 1917 Übertritt zur USPD. Greiner stand auf dem linken Flügel der Partei und kam 1920 zur KPD. Delegierter auf dem Vereinigungsparteitag im Dezember 1920 für den Bezirk Hessen. Er rückte im Juni 1924 für Adam Ebner, der in den Reichstag einzog, in den Hessischen Landtag nach. Im Dezember 1924 in den Landtag gewählt, spielte Greiner dort bis 1927 eine achtunggebietende Rolle. 1926 wurde ein Verfahren wegen Vorbereitung zum Hochverrat, das seit 1923/24 gegen ihn lief, durch eine Amnestie eingestellt. Greiner gehörte in der KPD zur Linken und war 1925 sehr aktiv. Sein Versuch, Christentum und Kommunismus zu verbinden, isolierte ihn, er zog sich nach 1926 von der direkten Politik zurück. Als Künstler war er eine bekannte Persönlichkeit, schuf zwischen 1924 und 1932 mit Holz- und Linolschnitten die »Greiner-Bilderbibel«, aber zugleich zahlreiche kämpferische, radikale, politische Arbeiten. Nach 1933 politisch verfemt, blieb er künstlerisch aktiv. Daniel Greiner starb am 8. Juni 1943 in Jugenheim/Bergstraße.

1948 stellte der Evangelische Preßverband Darmstadt die erste Gedächtnisausstellung »Daniel Greiner« zusammen, dann folgte zum 100. Geburtstag 1972 »Der Bildhauer und Maler Daniel Greiner«. Im September 2003 fand schließlich in Wetzlar zu Ehren des Künstlers eine Ausstellung seines vielfältigen Schaffens statt. Greiners Tochter Waltraud heiratete 1925 den KPD-Funktionär Johannes Fladung. Greiners Schwiegersohn Heinrich Bersch (*15. 9. 1901 in Jugenheim), verheiratet mit Tochter Helga, seit 1927 in der KPD, ging 1932 als Ingenieur in die UdSSR, wurde dort im Juli 1937 vom NKWD verhaftet und am 9. Oktober 1937 erschossen.

Information

Mehr Hinweise zu den beiden Lexika finden Sie unter Wer war wer in der DDR? und unter Handbuch der Deutschen Kommunisten